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Full text of "Jeschurun. Monatsschrift für Lehre und Leben im Judentum"

FELDHEIM'S 

■The House of Ihp Jewish Book" 
H E. Broadway, N. Y„ N. y. 10002 




escrjurün 



VU^rxatsscfyvijtr 

)üt~ 

£efyve und leben im Tudenturru 

iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii/ih^^ 

Herausgeber: Dr~J.TÜo/)lgemutf) ^ 



Achter Jahrgang 



1921 



< A£ 




Inhaltsverzeichnis des achten Bandes. 

Die Aufklärung vom Herausgeber . . . . • 1 — 18 

Tradition von Dr. Oskar Wolfsberg 34—37 

Die Erwählung Israels Tom Herausgeber 89 — 98 

Das Ideal der Heiligkeit im hellenistischen 

und rabbinischen Judentum von Dr. I. Heinemann S9 — 120 

Bedenkliche Erscheinungen von Rabb. Dr. I. Unna 177 — 181 

Nachwort des Herausgebers 182 — 183 

Nachbemerkungen zu Unna's „Bedenkliche Er- 
scheinungen" von Rabb. Dr. M. aus B 256 — 267 

Sozialhygienische Betrachtungen von Dr. med. 

Jacob Levy 18B— 199 

G laube und Ritus von Max Brod 199—206 

Die Sephirazeit und die D k r a i n e vom Herausgeber 257—264 

Der konsequente Nationalismus vom Herausgeber 266—284 

Samson Raphael Hirsch als Erzieher vom Herausgeber 346 — 866 
Romain Rolland un d di e j ü di s ch e G e g e n war t s- 

geschichte von Dr. 0. Wolfsberg 380 — 391 

Elias Auerbach, Die Prophetie von Rabb. Dr. Emil Levy 37—52 

lieber den Begriff der Ehe im Judentum u . im 

Neuen Testament (Schluss) von Rabb. Dr. Fink 62 — 65 

Josephs geschichtliche Wirklichkeit von Geh.-Rat 

Prof. Dr. E. König 160—166 

Genesis 24. Eine Interpretationsstudie von Rabb. 

Dr. Feuehtwang 208—222 

Die modernste Deutung des biblischen Sünden- 
fall s b e r i c h t s von Geh.-Rat Prof. Dr. König . . 366—380 

Neue babylonisch-assyrische Rechtsdenkmäler 

und die Bibel von Dr. Jacob Neubauer .... 604—609 

Das jüdische B il dun gs p r o b 1 e m — niira — tt 1 p a 

«•on nun« — 31BM — p n * in von Rabb. Dr. S. Klein 71—80 

Die Bedeutung von \r\*by r)\bp )nyn o»rj von 

Rabb. Dr. S. Kaatz 80—84 

Licht und Schatten (zu Vttmi) von Prof. Dr.A . Sulzbach 167—162 

R. Ismael's Satz kt p d napij? ttahn von Rabb. Dr. S. Kaatz 184 

n i b 1 I » • V 1 ' b v t " v von Prof. Dr. E. Fink 246—248 

dasselbe von Prof. Dr. Sulzbach 611—612 

«an obiv bufw y\* min in einem Satze R. Simon 

ben Jochai's von Rabb. Dr. S. Klein . . . : 284—300 

Zwei seh wierige npn 'ja-Stellen von Prof. Dr. A. Sulzbach 609—611 



R. Jisroel Salanter und die Mussarbewegung 

(Fortsetzung) von Rabb. Weinberg .... 62—61; 162—163 

Eine Randbemerkung zum Siddur von Oskar Lehmann 84 — 85 
Ein Absagebrief von Isak Noa Mannheimeran 

Abr. Geiger von L>r. M. Rosenmann 222 — 231 

Die Anfänge der Reformbewegung und das 

Judentum in Italien (Schlnss) von Rabb. I. Zoller 300—310 

„Eine Geschichte des Judentums" von Prof. Dr. Sulzbach 333 — 338 
Vom j üdisch - de u t seh en Volks- und Lieboslied 

von Rabb. Dr. Rosenthal 391—401 

Mar Samuel von Prof. Dr. D. Hoffmann 422-448 

Untersuchungen über d ie En t w ic kl n ng und den 

Geist der Massora von Dr. Ernst Ehrentreu . 465—480 



Die Anwendung der Psychoanalyse auf die Er- 
forschung religionsgesetziicher Probleme 

von Dr. Armin Blau 18—33: 134-160 

Ueber Entwicklungsethik von Arnold Merzbach . . 121—134 

Monismus und Dualismus? von Dr. 0. Wolfsberg 168— 177; 234-246 
Die Religionsphilosophie Hermann Cohen's von 

Harry Levy 448 — 465 

Philosopnie des Organischen von Dr. O. Wolfsberg . 480—604 



Dostojewsky und die Judenfrage von Dr. Herrn. Weyl 65 — 71 

Jacob Steinhardts Graphik von Dr. Herrn. Weyl . . 231—233 
Moderne westliche Ghettoliteratur von Dr. Armin 

Blau 310-325; 404—415 

Josef Israels (1824— 1911) von Dr. Herrn. Weyl .... 325—333 

Jakob Wassermann's Weg von Dr. Herrn. Weyl . . 401 — 404 

Zur Reisezeit von Rabb. Dr. L. Michalski 338—341 

Eine Anregung zur Hilfeleistung für die 

ukrainischen Waisenkinder 341— o44 

Bücherbesprechungen : 

Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz 66t-l 86—88 

Jüdische Geheimgesetze? von Prof. Hermann L. Strack . . 88 

E. M. Lipschütx: „Vom lebendigen Hebräisch" 248—249 

C. L. Schleich: „Das Problem des Todes" 250—261 

Rab. Sein Leben und seine Anschauungen von J. S. Zuri . . . 261 — 253 

Dr. Siegfr. Bernfeld: .Kinderheim Baumgarten" 263—256 

Dr. I. Heinemann: Zeitfragen im Lichte jüd. Lebensanschauungen 416—418 

Rabindranath Tagore: Sadhana der Weg zur Vollendung . . . 418—420 

Maurice Fishberg: Die Rassenmerkmaie der Juden 420 




escfjurun 



8. Jahrgang 






p«wn TiN-Bas? 5681 

Januar — Februar 1921 



Heft 12 



Die Aufklärung. 

Wir sind wieder einmal mitten in einem Zeitalter der 
Aufklärung. Nur dass, wie alles in unserer Zeit epigonenhaft 
ist, auch hier mehr von Ungeklärtheit gesprochen werden müsste, 
von einem wirbelnden Durcheinander aller möglichen Gedanken- 
gänge und Empfindungsströmungen, die auf den Menschen der 
Jetztzeit einstürmen und ihm Ziel und Weg mehr verdunkeln 
als erhellen. 

Uns interessiert hier naturgemliss nur die jüdische Seele, 
soweit sie zum Experimentierobjekt für die Versuche einer wild 
gewordenen Kulturpolitik gemacht wird, die zum Spielball für 
dio Jongleure der Moderne geworden. Und nicht so sehr die 
des westeuropäischen Juden, dessen Entwicklung zumeist ab- 
geschlossen und der, je nach dem Milieu, in das er hineingeboren, 
eine gewisse Marschroute vorgezeichnet findet, ob er nach rechts 
oder nach links sich wenden soll, wie die des Ostjuden, für den 
jetzt die Schranken fallen, die ihn vor den Einflüssen der 
„Allgemeinbildung" bewahrten. 

Wir möchten ein paar Richllinien zeichnen, wie der Gefahr, 
die hier durch das Eindringen der modernen Gedankenwelt in 
völlig unvorbereitete Gemüter droht, auf einem wenu auch be- 
schränkten Arbeitsgebiet begegnet werden könnte. Nicht als ob 
wir der Meinung wären, dass diejenigen, die sich mit der ganzen 
Gier lang unterdrückter Leidenschaft in den wilden Strom werfen, 
um ihren brennenden Durst zu stillen, nun mit Seilen der Liebe, 
mit gütlichem Zureden sanft geleitet werden könnten. Oder als 
ob wir uns einredeten, irgend einen Einlluss auf die, in ihrem 

1 



Die Aufklärung 



Taumel die Weltbeglücker zu spielen, jedem Einspruch unzu- 
gänglichen Autoren, Uebersetzer und Verleger zu üben. Presse 
und Schriftsteller wollen ja zumeist die Glieder des jüdischen 
Volkes und vor allem jene „Zurückgebliebenen" in den Wirbel 
hineinreissen. damit sie „schwimmen lernen*. Wieviele dabei 
ertrinken, was kümmert es sie. Und sie werden gestützt von 
den Grüppchen und Gruppen, von all den Führern, die 
noch nie einen Finger gerührt, um diesem Treiben Einhalt 
zu gebieten, wenn es nur mit der Marke „national" versehen 
war. Doch für die thorat'reuen Organisationen wirkt hier ein 
Arbeitsfeld, das noch den Vorteil bietet, dass es sich hier uicht 
um Gegensätze in politisch-religiösen Fragen handelt und daher 
ohne Weiteres gemeinsam bebaut werden könnte. 

Wir denken hier nicht an die Richtlinien für eine Reform 
und eine Ausgestaltimg des niederen und höheren Schulunterrichts. 
Was hier geschehen kann, ist wohl bereits in die Hand genommen. 
Dass es noch nicht genügende Früchte trägt, liegt vor allem 
an dem Mangel geeigneter Lehrkräfte, ein Mangel, dem voraus- 
sichtlich, wenn wie bisher sich immer mehr thoratreue Akademiker 
dem höheren Lehrfach widmen, und wenn die in unserem Geiste 
geplanten und bereits errichteten Lehrerseminare für den Osten 
ihre Hörer entlassen können, allmählich abgeholfen werden wird. 
Wir haben hier nur die Beeinflussung der bildungsfähigen und 
Bildung suchenden der Schule bereits entwachsenen Generation 
im Auge, die ^chon im Erwerb steht und aus Zeitungen, Wochen- 
und Monatsschriften, aus Brochüren und gelegentlicher Lektüre 
von Büchern sich auf den Stand neuzeitlich leidlich gebildeter 
Menschen zu bringen sucht. Hier könnte ein Mehr geschehen 
mit den Mitteln, die bereits vorbanden sind, um der „Aufklärung*, 
die doch nicht abzuweisen ist, die rechten erzieherischen Wege 
zu weisen. Soweit die deutsche Sprache sich nicht als das 
rechte Organ der Verbreitung mehr erweist, wären die beiden 
jetzt für den Osten und Amerika noch oder neu herrschenden 
Sprachen: das Jüdisch-Deutsch und das Hebräische heranzuziehen. 

Wegweiser aber mag uns das viel gelästerte, aber wenig 
gekannte und darum auch in seiner Bedeutung nicht recht ge- 



Die Aufklärung. 



■würdigte Zeitalter der Aufklärung sein, das im achtzehnten Jahr- 
hundert und um die Wende des neunzehnten die Kultur der 
Menschheit um ein recht Beträchtliches gefördert hat und seine 
Vollendung und Krönung in der klassischen Periode der deutschen 
Literatur fand. Wegweiser freilich nur in dem Sinne als 
na die gerade Linie zu zeigen vermag, die die Entwicklung 
durchlaufen hat und wir die mannigfachen Seiten- und Irrwege, 
die abseits und manchmal rückwärts führten, zu vermeiden 
suchen. Es war ja der Fehler der Haskalahbewegung, dass sie 
alle Irrungen und Wirrungen jener bald unliebsam nüchternen, 
bald stürmisch ungebärdigen Periode mitmachte, freilich nicht 
zuletzt aus dem Grunde, weil sie nicht nur in ihren Anlangen 
noch in und nicht über jener Bewegung stand. Und vor 
allem: die Haskalah mit Ausnahme eines Bruchteils ihrer Ver- 
treter wollte dem Volke die Bildung aufdrängen, während es 
sich für uns darum handelt, denen, die aus eigener Initiative 
zu den Quellen der Bildung zu gelangen suchen, einen all- 
mählichen Uebergang zu vermitteln. 

Die erfreulichste Entwickelung für die Aufklärungsperiode 
zeigt die englische Literatur des achtzehnlen Jahrhunderts. Sie 
hat am Ende nicht eine solche Ausdehnung gewonnen, wie die 
französische und deutsche, ist aber auch von ihren Stürmen und 
Abwegen verschont geblieben. Das ist nicht nur in dem Cha- 
rakter des englischen Volkes begründet, das konservativ ge- 
Bonnen und allem Abrupten abhold ist. Jenes achtzehnte Jahr- 
hundert ist zugleich das tür die äussere und innere Politik 
Englands bedeutsamste. Nach aussen wurden in den Kämpfen. 
• mit Holland und Frankreich die Grundlagen zur späteren Welt- 
herrschaft gelegt und im Inneren durch „die glorreiche 
Revolution" und durch die glückliche Kombination von Wahl- 
und Erbkönigtum, die Berufung Wilhelms von Oranien und 
Georgs des Ersten von Hannover der Konstitu tis be- 

gründet, der in England jene wahre bürgerliche Freiheit schuf, 
die das Recht des Individuums und die Achtung vor dorn Gesetze 
in einer Weise verankerte, wie sie noch jetzt das unerreichte 
Ideal anderer Völker ist. Und vor allem: die meisten der für 



Die Aufklärung 



die geistige Umwälzung entscheidenden Autoren stehen an 
hervorragender Stellung in der Arbeit für den Staat. Ein Mann 
wie Defoe, der Verfasser des Kobinson Crusoe, ist die Haupt- 
stütze Wilhelm von Oraniens, der Urheber der Vereinigung 
Englands und Schottlands, der Schöpfer der englischen Banken, 
der Begründer der Hagel- und Feuerversicherungen, der Spar- 
kassen usw. 

So nahm auch die Aufklärung, die Loslösung von dem 
altgewohnten Lebensideal, von den überlieferten Ideen einen 
normalen und im Grossen und Ganzen segensreicheu Verlauf. 
Den ungeheueren Einfluss. den Bayle's Wörterbuch auf eine 
ganze Reihe von Menschengeschlechtern übte, und der in Frank- 
reich zu der meist destruktiven Wirksamkeit der Encyklopädisten 
führte, die dann im krassen Materialismus endeten, entspricht 
in England der Eintluss der Philosophie Locke's. Man hat ihn 
mit Recht den Newton der Philosophie genannt: wie mit Newton 
erst das kopernikanische Weltensystem, die heliocentrische Welt- 
anschauung für alle Zeit zum Siege geführt wurde, so mit 
Locke's Kampf gegen die angeborenen Ideen die völlig neue 
Einstellung 'der Erkenntnistheorie und anderer philosophischer 
Disziplinen. Sie lieferte freilich dem Freidenkertum, dem Deis- 
mus, dem Freimaurertum, die alle in England ihren Ursprung 
haben, die Waffen. Wie Locke von der Naturwissenschaft aus- 
ging, so ergab das neuerwachte Interesse für die Naturwissen- 
schaft eine Nachprüfung der überlieferten Dogmen und im Ver- 
folg eiu inneres weiteres Abrücken von allem positiven Gehalt 
der positiven Religion. Der Wunderglaube wurde angegriffen, 
die natürliche Religion proklamiert mit ihren wenigen Voraus- 
setzungen: Gott, Vorsehung und Unsterblichkeit, die Entstehung 
der Religion in kindlicher und unhistorischer Weise auf Ver- 
abredung und Priesterbetrug zurückgeführt, die Grenzen zwischen 
den Religionen verrückt und die allgemeine Menschenliebe in 
Gesinnung und Betätigung proklamiert. Aber neben diesen im 
Sinne der positiven Religionen destruktiven Elementen gehen 
wichtige aufbauende einher. Neben Toland, dem Haupt und 
dem bedeutendsten Deisten, der zuletzt beim Pantheismus landet, 



Die Aufklärung 



steht Milton mit seiner erhabenen Schöpfung des „Verlorenen 
Paradieses", neben Mandeville, dem Verfasser der Bienenfabel, 
die 'wie in einer Nuss alles zusammendrängt, was von der 
Notwendigkeit der Laster, der Armut und der Not für den 
Bestand der Welt zu sagen ist, Shaftesbury, der grosse Opti- 
mist, der Verherrlicher der Einheit der Wahren, Guten und 
Schönen, der Künder des klassischen Ideals, neben Swift, dem 
grossen Satiriker, dem Höhner aller Institutionen der bürger- 
lichen Welt Defoe, der das Hohelied geschrieben von dem 
Menschen mit dem unverlierbaren Gottvertrauen, der auf sich 
selbst gestellt aus dem Nicht3 sich ein Paradies schafft, neben 
und nach den mannigfachen Formen der Entartung des 
Lustspiels und des Romans: die moralischen Wochenschriften 
Addisons und Steeles und die sittenreinen und sittenfördemden 
von inniger Frömmigkeit erfüllten Romane Addisons, Gold- 
smiths und Richardsons, nach der nüchternen Verstandesdich- 
tung Popes die Nachtgedanken Youngs. Bei fast allen aber im 
Mittelpunkt die Religion, wo sie die alte Form bekämpfen, doch 
mit Herzblut sich mit ihr auseinandersetzend, wo sie für sie 
eintreten, mit Wärme und Feuer und glühender Inbrunst. 

Aus den bereits erwähnten Gründen bietet die französische 
Aufklärungsperiode ein anderes Bild. Die völlig verrottenen 
Zustände unter dem Absolutismus Ludwigs XIV. und XV. 
und der Regentschaft Hessen ein ganz anderes Geschlecht von 
Stürmern erstehen, die, wie sie die Grundlagen der politischen 
Verhältnisse und der sozialen Schichtungen mit gutem Grunde 
aufs heftigste befehdeten, auch die diese verteidigende oder dul- 
dende religiöse Weltanschauung zum Gegenstand erbitterter 
Angriffe machten. Aber das eine darf man auch hier nicht 
'•■^sen. Auch hier spielt die Religion eine für die Begriffe 
unserer Zeit ganz überragende Rolle. Um die beiden grössten 
hervorzuheben, so sind Voltaire und Rousseau, so paradox das 
gerade bei dem ersteren klingt, durch und durch religiöse Naturen. 
"Man kennt zumeist Voltaire nur als den grossen Zerstörer, der 
mit der ätzenden Lauge seines Spottes die überlieferten An- 
schauungen zersetzt. Seine Leichtfertigkeit, Eitelkeit und Selbst- 



Die Aufklärung. 



sucht wird gegeisselt. Und auch in seinen ernsten Schriften 
hat er, da er nicht müde wird, fast in jedem Werk das Ueber- 
gewicht der Moral über den Glauben zu betonen, der positiven 
Religion Abbruch getan. Aber seine Bedeutung als Philosoph 
wird selten gewürdigt und weniger noch, wie glühend er für 
die Grundlagen des Deismus eingetreten, die doch schliess- 
lich auch Grundlagen des Theismus sind: für die grossen Wahr- 
heiten von dem Walten eines allmächtigen und allgütigen Gottes 
und der Unvergänglichkeit der Menschenseele. Und wenn er in 
„Candide" jene schneidende Satire gegen den Optimismus schreibt 
mit dem stetig widerkehrenden Refrain: Tout est pour lemieuxdans 
le meilleur desmondespossibles, wo dervon allen Schicksalsschlägen 
heimgesuchte Gute sich immer zuruft rülttb i? EU, so zittert hier 
die Erregung nach über das Lissaboner Erdbeben. Voltaire hat 
wie die Besten seiner Zeit Jahre gerungen um seinen Gott und 
dessen Weltordnung. Es gibt ja nichts, was den Abstand zwischen 
unserer als religiös ausgegebenen Zeit und jener oft als reli- 
gionslos gekennzeichneten der Aufklärung besser charakterisiert 
als eine Vergleichung des Eindrucks, den seiner Zeit das Erd- 
beben von Lissabon mit dem, den in unserer jüngsten Ver- 
gangenheit das von Messina gemacht. Hier der plötzliche 
Untergang einer vierfachen Anzahl von Menschenleben als 1755 
in Lissabon. Und damals eine Erschütterung im Menschen- 
geschlecht, das sich Jahrzehnte nicht hindurch beruhigen konnte, 
und eine ganze Flut von Schriften über die Theodicee, die Frage 
nach der göttlichen Gerechtigkeit, brachte, ein Beweis, wie ernst 
man es mit dem religiösen Besitz nahm, bei uns s. Z. nach 
Messina kaum drei Wochen innerer Teilnahme und von religiöser- 
Erregung und Erhebung keine Spur. Voltaire aber hat die 
Zweifel niedergekämpft und seine teleologischen Auseinander- 
setzungen, seine Darstellung von der wunderbaren Zweckmässigkeit 
in der Natur, die sich dabei doch frei hält von den Lächerlichkeiten 
der ihm vorausgehenden und folgenden Aufklärer besonders in 
Deutschland hat ihres Gleichen nicht, auch nicht bei den jüdischen 
Religionsphilosophen. „Wenn Gott nicht existierte, so müsste 
man ihn erfinden", das ist das Witzwort, von dem er nicht lassen 



Die Aufklärung 



kann. Aber wenn er in demselben Satze fortfährt: „aber die 
ganze Natur schreit es uns zu, dass Er existiert", so ist das seine 
glühende Ueberzeugung, der kaum Einer so beredte Worte ver- 
liehen, wie eben Voltaire. 

Die .Aufklärung" schlagt in ihr Gegenteil um bei Rousseau. 
Der Kampf gegen die vernünftelnde Klügelei, gegen die Flachheit 
des rein Verstandesmässigen für das Recht der natürlichen Em- 
pfindung, das Recht des Herzens fand in ihm einen wirksamen 
Propheten. So unsympathisch sein Charakterbild uns aus 
seinen „Bekenntnissen" entgegentritt, das sich noch hässlicher 
gestaltet, durch die zeitgenössischen Berichte, sein Einfluss auf 
die Zeitgenossen ist kaum hoch genug zu schätzen. Was schadete 
es, wenn er in seinen Schriften „über die Künste und Wissen- 
schaften" .,über die Ungleichheit zwischen den Menschen", der 
Bildung übertreibend den Krieg erklärt, die Menschen in ihrer 
ursprünglichen Gleichheit mit den Tieren zusammenstellt und 
alle Unterschiede auf die gewaltsame Verküustelung durch Ge- 
sellschaft und Staat zurückführt, so dass Voltaire spottend be- 
merkt: .,r.och niemals habe jemand so viel Geist aufgewandt 
um uns zu Bestien zu machen; man bekomme förmlich Lust, 
auf allen Vieren zu laufen (citiert bei Hettner, Literaturgeschichte 
des IS. Jahrhunderts 11. S. 4211" Seine aufbauenden Gedanken 
in dem grossen Erziehungsroman „Emil" und im „Oesellscbafts- 
vertrag" haben noch heute den Wert von Grundlehren über 
»hung, Staat und Gesellschaft. Mehr aber noch als der 

inhalt hat die Glut, mit der Rousseau seine Lehren ?or- 
trug, eine ganze Generation hingerissen. Wieviel die französische 
Revolution, die Sturm- und Drau<:periode in der deutschen Lite- 
ratur, die Umwälzungen in der Erziehungslehre, nicht zum 
wenigsten Pestalozzi der hinreissenden Beredsamkeit Rousseaus 
verdanken, iht allzubekannt als dass es weiter ausgeführt zu 
werden brauchte. 

uns interessiert hier vor allem Rousseaus Stellung zur 

ne solche, dass wir sie für den 

ibigen in Anspruch nehmen könnten. Im zweiten 

Teil des .Emil' i>t sogar recht viel an Argumenten gegen den 



Die Aufklärung. 



Offenbarungsglauben zusammengetragen. In Paris und Genf 
■wurde das Buch als ketzerisch verbrannt. Und dennoch: mit 
welcher Energie kämpft Rousseau gegen den Materialismus eines 
Diderot und Condillac, eines Helvetius und Holbach für den 
Gott, der mit Seinem Willen das Weltall bewegt, für die Freiheit 
des Willens, die Unsterblichkeit der Seele, wie tritter denZänkereien 
über den Widerstreit von Glauben und Denken bei den Philo- 
sophen und deistischen Theologen entgegen im Namen der Reli- 
giosität des Herzeus. Mit den Worten: „Wenn es eine Feigheit ist 
zu dulden, dass von einem abwesenden Freund übel gesprochen 
werde, so ist es ein Verbrechen, wenn man duldet, dass von 
Gott übel gesprochen wird, der gegenwärtig ist' ; drohte er einmal 
eine Gesellschaft philosophischer Schöngeister, die sich in leicht- 
fertigen Gotteslästerungen ergingen, zu verlassen (zitiert a. a. 0. 
S. 431). Es sind nicht viele neue Gedanken, die er über Re- 
ligion ausspricht, aber sie sind verinnerlicht und verlieft und 
mit glühendem Enthusiasmus vorgetragen. Und wie sie aus 
einem von Erregung über die, neuen Empfindungen fiebernden 
Herzen kamen, so wirkten sie erschütternd und aufrüttelnd auf 
die Herzen der ganzen Kulturwelt. 

Und endlich die deutsche Aufklärungsperiode. Gründlich, 
wie alles Deutsche, ist sie entsetzlich flach und platt in der 
ersten Hälfte ihrer Entwickelung, ohne die Beziehung zum Leben 
wie die englische, ohne die Grazie der Franzosen. In der 
Wissenschaft Christian Wolff und die Wolffianer, (denn Leibnitz 
kann man aus mannigfachen Gründen noch nicht zu ihr reebnen) in 
der Literatur die Gottsched und Bodrner, der Kreis der Bremer 
Beiträge, sie haben alle für uns nur literarhistorisches Interesse. 
Um so gewaltiger heben sich dann aber diejenigen heraus, die 
jene Aufklärungsperiode krönen und überwinden: Lessing und 
Herder, Kant, Schiller und Göthe. Was sie Jür die Mensch- 
heitskultur bedeuten, ist jedem Leser dieser Zeitschrift bekannt 
und bedarf hier keiner Darstellung. 

Sie sind auch für die Religion die Schöpfer des Zeit- 
alters der Humanität, eines Zeitalters, dem die harmonisch ge- 
bildete in sich geschlossene Persönlichkeit das Ideal war. Keine 



Die Aufklärung. 



innere Zerrissenheit, Abgeklärtheit des Denkens und Führens, 
Vereinigung klassisch antiker Bildung mit den Errungenschaften 
der Wissenschaft ihrer Zeit. Keiner von den genannten Grossen 
ist als Bekeuner des schlichten Offenbarungsglaubens zu be- 
zeichnen, nicht einmal Herder, der eben dadurch verbittert war, 
weil sein Amt ihn in Conflikt brachte mit seinem inneren Denken 
und Fühlen. Für Lessing genügt es an seinen „Wolfenbütteler 
Ungenannten 1 " an die „Erziehung des Menschengeschlechts" und 
wenn man es genau nimmt an seinen „Nathan den Weisen" zu 
erinnern, für Göthe an seinen Pantheismus, für Schiller an seine 
»Sendung Mosis". Und endlich der ganze Kant stellt sich 
uns nicht so dar, wie er auf Grund seiner Lehre von den Postu- 
laten von den Theologen geru als Stütze der positiven Reli- 
gionen herangezogen wird. Wir sehen ganz ab von seiner Ab- 
neigung gegen die Religion des Judentums. Aber sein Kampf 
gegen jede Ileteronomie des Sittenge.'-etzes, seiue Hypothesen 
über die Entstehung des Kosmos (bekannt unter dem Namen: 
die Kam-Laplace'sche Theorie) seine Schrift: ..Was ist Auf- 
klärung", und vieles andere zeigen zur Genüge, dass er freilich 
durchaus nicht in der Methode, hier ist er ja eben der Alles- 
zermalmer, aber nach dem Umfaug seines Glaubens zu den 
1 »eisten zu stellen ist. — Und dennoch! In der tiefsten 
Wurzel berühren sich die klassischen Werke dieses Höhe- 
punkts der Weltliteratur in der neueren Zeit mit den idealen 
Forderungen des Judentums. Das reine Menschentum, das sie 
fordern, ist die Grundlage, die der thoratrene Jude gelegt 
haben inuss, um mit Erfolg dem Mehr zu gentigen, das ihm 
das Gesetz der Thora auferlegt. Und es ist auch wiederum 
das Ziel, zu dem er vermittelst der Erfüllung eben dieses 
itzea hinstrebt. Ohne die Einsicht in die Notwendigkeit 
einer von Wissen und Erkenntnis getragenen und erfüllten Re- 
ligiosität bleibt das Gesetz eben Gesetz, angelernte Meusehen- 
satzung, die vor den schlimmsten Auswüchsen schützt, aber 
nicht das Erziehungswerk vollbringt, das die Thora an uns voll- 
bringen will. Und das Höchste, das man von den vollendeten 
Juden rühmen darf, ist, dass die Erfüllung seiner Gottesgebote 



Die Aufklärung. 



ihn edel macht, hilfreich und gut, ihm Gunst gewinnt in den 
Augen Gottes und der Menschen. 

* * 

Und die Anwendung?! Da mnss noch einmal aufs energischste 
hervorgehoben werden, dass es sich für uns nicht darum handelt, 
Aufklärung zu bringen cder gar aufzudrängen, sondern 
dort, wo das unabweisbare Verlangen danach vorbanden ist, ihr 
entgegenzukommen und die Befriedigung des Bedürfnissos in die 
rechte Wege zu leiten. Und da erscheint es uns freilich nötig, 
nach einem erzieherischen Plane vorzugehen. Wie ist es jetzt? 
Da werden in das Volk die neuesten Theorien geschleudort, was 
in Naturwissenschaft, Seelenkunde, Literatur und Politik eben erst 
ausgeheckt und von den popularisierenden Schriftstellern selbst 
nicht einmal verdaut ist. Und dort, wo die Religiosität sozusagen 
gefördert werden soll, eine bald süssliche, bald mystische Romantik, 
die noch nicht einmal in der Feele der Autoren cino fest um- 
rissene Gestalt gewonnen. Mit diesem Durcheinander werden dio 
unvorbereiteten Gemüter beglückt. Was Wunder, dass sie eben so 
in sich zerrissen sinl. wie die, die ihre Führer sein wollen und 
dass sie naturgemäss, da das Extreme immer noch die geschlossenste 
und am leichtesten einprägbare Form der Orientierung bietet, dem 
Radikalismus auf allen Gebieten sich unterwerten. 

Wir wissen wohl, dass mau eine Entwicklung nicht künstlich 
zurückschrauben kann. Man kann nicht einmal die Schule, ge- 
schweige denn die dieser entwachsene Masse von den Einflüssen 
absperren, dio die literarischen und politischen lleklen der neuestun 
Zeit auf sie übou und die durch alle Ritzen sickern würden, wollte 
man auch leinen Damm gegen sie aufrichten. Aber wohl vermag 
man das Interesse durch andere Lektüre zu fesseln, es so durch 
gesunde Nahrung in einen bestimmten Ideenkreis zu bannen, dass 
dadurch die Neugier im eigentlichsten Sinno, die Gier nach dem 
Neuesten abgestumpft und die Gefahr paralysiert wird. 

Dazu eignen sich nicht die Werke unserer neueren „National- 
literatur". Denn mit Ausnahme verhältnismässig weniger jüdisch- 
deutscher und neuhebräischer Dichter, die wahrhaft schöpferisch 



Die Aufklärung 



das jüdische Leben und den jüdischen Menschen gestaltet haben, 
hat sie nur Kachbeter und Nachempfinder der modernen euro- 
päischen Bildung in Kunst und Wissenschaft hervorgebracht mit 
all ihrer Problematik, all ihrer Unausgeglichenheit, die den 
Geführten mehr verwirrt als aufklärt, sein Inneres mehr hin und 
her zerrt als ihn zu einer geschlossenen Persönlichkeit erzieht. 
Unsere wahre Nationalliteratur mit ihren Klassikern und Geistern 
zweiten Grades hat freilich ihre Aufgabe in vollendeterer Weise 
erfüllt a!s je eine Nationalliteratur in der Geschichte der Völker. 
Wo wäre ein Volk, das in so einziger Weiso das Produkt seiner 
Literatur ist, wie eben das jüdische? Es ist ja nicht so sehr ein 
Volk des Buches in dem Sinne, als ob es all sein Sinnen und 
Trachten darauf gelegt, Bücher zu schaffen; als vielmehr ein Volk, 
das nach seinen Büchern gelobt, sich gebildet und seine Prägung 
erfahren. Aber diese Nationalliteratur reicht in ihrer ausschliess- 
lichen Wirksamkeit nur bis an den Zeitpunkt, wo das jüdische 
Volk noch sein eigenes, von fremden Eindrücken unbeeinflusstes 
Leben geführt. Heute gilt es, dieso Wirkung dort, wo sie sich in 
ihrer ursprünglichen stärke nicht mehr widerstandsfähig genug 
zeigt, mit anderen Mitteln zu stützen. Echtjüdischo Auflassung 
und dio Grundanschauungen jener von uns kurz skizzierten Periode 
auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, um so dio Grundlagen 
der Bildung unserer Zeit, denn solche bieten in Wahrheit die besten 
Werke jener Schriftsteller und Dichter, für eine erhaltondo xNeu- 
gestaltung der nach Bildung strebenden Brüder zu nützen. 

Auf einen gemeinsamen Nonnor bringen? Ist das möglich!'.-' 
Wir meinen, wohl ausserordentlich schwer aber nicht unmöglich. 
Es kommt nur darauf an, dass mau von einom wurzelochten 
jüdischen Standpunkt an diese Literatur herantritt und das mit 
Sicherheit aufzuspüren woiss, was einander in der Grundanschauung 
und im Grund-cfühl begegnet. Bei der Ausführung im Einzelnen 
wird man bei der Uebersetzung und Verbreitung freilich nicht auf 
Einleitungen verzichton können, dio eben auf das Gemeinsame vor- 
weisen und don Blick dos Lesers gleich von vornherein darauf ein- 
stellen. Ueberflüssig zu bemerken, dass diese Einleitungen nicht 
plump- banale Kritik und mittelmässige Apologetik enthalten dürfen 



12 Die Aufklärung 



und so den Abstand zwischen dem modernen Vermittler und dem 
Dichter nur allzu deutlich aufzeigen. Wie man es nicht machen darf, 
das zeigen die rationalistischen Bearbeitungen, die manche Dichtungen 
zu vermeintlich religiös-pädagogischen Zwecken in der Aufklärungs- 
zeit in Deutschland gefunden. Die Dichtung spreche für sich, und 
wenn die Aufmerksamkeit auf das für uns Wesentliche gelenkt 
und Art und Wesen des Dichters aus der Zeitgeschichte heraus 
durch einige treffende Bemerkungen beleuchtet wird, so wird sie 
trotz einzelner Stellen, die nicht in unserem Sinne sind, religiös 
aufbauend wirken 

Nehmen wir den „Landpred ger von Wakefield" von Goldsmith. 
Achad Haam hat in einem Aufsatz, in dem er Debersetzungen ins 
Hebräische charakterisiert, Spott und Entrüstung über die Wahl 
dieses üomaus ausgeschüttet. Weiche Klufc meint er zwischen dem 
jüdischen Empfinden und der Schilderung des Milieus in dieser 
englischen Dichtung, wo die Herren einmal die Damen auf den 
Schoss nehmen, weil nicht genügend viel Sitze da sind, (wie by 
r:". 111 S. 11). Aber was verschlägt das gegenüber der Grund- 
empfindung, die diese ganze Dichtung wie ein roter Faden durchzieht, 
dem unverlierbaren Gottvertrauen, dem pnua in altjüdischen Sinne, 
wie es mit dieser Wärme in weaigen Werken der Weltliteratur uns 
entgegentritt. Nur dass Achad Haam kein Organ hat für diesen 
Zng in unserem Nationalcharakter. Kabb. Weinberg hat in seiner 
Charakterisierung Achad Haams (Jeschurun VH Heft 111^ hebr. 
Teil) allzu scharf über den Mangel des religiösen Empfindens 
bei ihm geurteilt (vgl. dazu meinen Artikel Achad Haam etc. 
Jeschurun III, ll). Aber freilich, dass Achad Haam für die 
Ideen Spencers, denen er in seinen Abhandlungen so breiten 
Raum gewährt, mehr übrig hat als für die Lebensanschauung, die 
bei Goldsmith zur Geltung kommt, das bleibt wahr. Sicher, 
unsere Psalmen h-,z?S, R Bechai in seinen „Herzensptiichten" haben 
Grösseres gesagt. Aber will man mit einem Roman die Gemüter 
fesseln, so ist das Fleisch von unserem Fleisch, Blut von unserem 
Blute, und wer diese Dichtung in sich aufnimmt, hat mehr für seine 
Frömmigkeit d. b. für sein wahres nationaljüdisches Empfinden 
gewonnen als aus Bänden Achad Haams. Ein echter und rechter 



Die Aufklärung. 



Ostjude, der mir nahe stand, der über die Schmach des jüdischen 
Volkes, über das ni'DiP rrr?J beim Beten vor Schmerz sich förmlich 
auflöste, hat jedenfalls diesen „Landprediger von Wakefield" zu seiner 
Lieblingslektüre erkoren und mich als Kind immer darauf vorwiesen. 

Und d;inn Defoe's Robinson Crusoe, dessen erste Uebcr- 
setzung ins Deitscho sich jetzt gerado zum "200. Male jährt. Ich 
weiss nicht, ob je eine Uebersetzung ins Jüdisch-Deutsche oder 
Hebräische erschienen, v^.n einer nennenswerten Verbreitung kann 
sicher nicht die Rede sein. Rousseau sagt in seinem Emil: „Ein 
Buch ist es, das mein Emil zuerst lesen soll; es wird lange Zeit 
gnnz allein seinen Bücherschatz bilden und wird jederzeit den vor- 
nehmsten Rang iu ihm einnehmen. Es soll der Text sein, von dem 
unsere Unterhaltung über die menschlichen Erfindungen und Wissen- 
schaften ausgehen wird; es soll der Prüfstein sein, an dem ich die 
Fortschritte in der Urteilskraft meines Zöglings erproben will; und 
so lange sein Geschmack einfach und natürlich bleibt, weiss ich, 
wird seine Leclüre ihm immer neues Vergnügen bereiten — Und 
was ist dies für ein wunderbares Buch? Ist es Aristoteles? Jst 
es Plinius? Ist es Buffon' J Nein! Es ist Robinson Crusoe". 

Hettner, der (Geschichte der englisch-n Literatur S. 301) diese 
Stelle aus dem „Emil" zitiert, um auf die grosse pädagogische 
Wichtigkeit dos Robinson hinzuweisen, führt auch foinsinnig aus 
wie wir in dieser epischen Dichtung eine Art Philosophie der Go- 
schichto haben, wir schon, wie der Monsch aus soinem Naturzustande 
Schritt für Schritt zu Bildung und Civilisation kommt. Es ist ein 
Bild so gross und gowaltig. dass wir hier noch einmal die allmähliche 
Entwicklung des Menschengeschlechts klar überschauen. Und die 
Kunst der Darstellung ist unübertroffen: Eine einsame wüste Insel, 
darauf ein einsamer, ,-rmer verschlagener Mensch. Man sollte meinen, 
es sei kaum möglich, oino spannendo Handlung, geschweige denn 
eine nur einigermasson befriedigende Bedeutung aus einem so dürftigen 
Stoffe herauszuspinnen. Und wio ist es Defoe gelungen, uns hier 
von Anfang bis zu Endo zu fesseln. Allos entspringt so natürlich 
und unmittelbar aus der jedesmaligen Lago und GcmütsstimmuDg 
des Heidon, dass der denkende Mann den Robinson genau mi 
derselben Freude und Begeisterung liost, wio das einfältige Kind, 



Die Aufklärung. 



das noch nicht zwischen Erfindung und Wahrheit unterscheiden gelernt. 
So Hettner. Und wir fügen hinzu: Welch unschätzbares Hilfs- 
mittel, um durch Phantasie und Gefühl auf das religiöse Innenleben 
zu wirken! Man braucht gar nicht diese Dinge zu unterstreichen, 
wie das bei den philanthropischen Pädagogen des 18. Jahrhunderts 
der Fall war. Bearbeitungen wie die von Campe, die auf die 
Moral besonderes Gewicht legen, verwischen nur die Poesie des 
Urbildes und wirken, weil man die Absicht merkt, verstimmend. AVie 
wächst im Urbild selbst vor unseren Augen die Gottesfurcht und 
das Gottvertrauen jenes rohen Matrosen aus Freude und Dank, 
wenn er einer Gefahr entronnen oder ihm unerwartet Hilfe gekommen. 
Warum, so fragen wir, ist dies Meisterwerk, eine der edelsten 
Blüten in den Schriften der Aufklärungsperiode, eine Dichtung, die 
reine Menschlichkeit mit tiefer Religiosität verbindet, von denen, 
die unter uns Bildung im Gewände der Kunst verbreitend ihr Volk 
wahrhaft fördern wollen, noch nicht ausgeschöpft? Vielleicht weil 
es eben so schlicht und einfach, nicht verstandesmässig überspitzt 
und verklügelt, nicht in den Gefühlen überhitzt und überspannt, 
wie die Moderne. 

w'irn r" "es wi das gute Alte wird um des schlechten 
Neuen vernachlässigt. Gibt es ein amüsanteres und zugleich 
lehrreicheres Buch als Swift's Gulliver's Reisen, dem unerfahrenen 
Kinde Beschäftigung seiner Phantasie, dem abgeklärten Greis tiefe 
Lebensweisheit bietend? Und Shaftesbury's hioreissende Schilderung 
der Tugend? Ja selbst Mandeville's Bienenfabel, mit einer ent- 
sprechenden Einleitung versehen, vermag religiös fördernd zu wir- 
ken. Die Notwendigkeit des Uebcls ist zwar sehr einseitig hervor- 
gehoben, aber die hier in wenigen Blättern gegebene graziöse Dar- 
stellung trä,;t zu einer Milderung des Problems der Theodicee, 
das gerade den religiösen Menschen mehr als irgend ein anderes, 
quält, mehr bei als Leibniz' dickleibiges scholastisches Werk. 

Und wie wäre es mit Locke? Ich weiss, Spinoza gilt als jü- 
discher Nationalheiliger. Aber so stolz wir darauf sein können 
dass die Geschichte der Philosophie neben Sokrates keine solche 
reine Persönlichkeit aufweist, dio auf solch ethischer Höhe steht, 
wie Spinoza, so hat doch dessen philosophisches System mit dem 



Die Aufkläruni. 



.ladentum weniger zu tun als irgend ein anderos, wenn wir vom ausge- 
sprochenen Materialismus absehen. Dass Spinoza's Philosophie eine 
der herrschenden, heute vielleicht die alles beherrschende ist, dem 
Monismus und der irreligiösen Naturphilosophie die Waffen gegen 
die positiven Religionen liefert, darf doch für uns am wenigsten ein 
Grund sein, sie für das Judentum in Anspruch zu nehmen. Be- 
fremdlich genug daher, dass in der hebräisch geschriebenen Ge- 
schichte der jüdischen Religionsphilosophie von Bernleid Spinoza 
einen so überragenden Raum einnimmt. Auch von Locke könnte 
man ja mit dem treffenden Worte Voltaire's über Bayle sagen : 
er selbst sei gläubig, aber er mache ungläubig. Sein Sensualismus 
ist geeignet eine- Vorstufe für den Materiaiismus abzugeben. Aber 
eben nur geeignet, er führt nicht unbedingt dazu. Und eine ver- 
ständige Einleitung, die auf das Unzureichende in seinem System 
zur letzten Lösung der Probleme hinwiese, kann diese Gefahr 
bannen Vorausgesetzt, was sich allerdings nicht wird vermeiden 
lassen, dass man auch ernste philosophische Kost, den BilduDgs- 
beflisseuen wird bieten müssen. 

Wir haben einige Engländer genannt. Bei Voltaire und 
Rousseau wird uns die Wahl schon schwerer fallen, soll der reli- 
giöse Gewinn nicht durch den Schaden, den sie bei Halbgebildeten 
machen können, und mit deuen haben wir es ja immer zu tun, 
aufgehoben werden Doch ich erinnere mich, dass vor einigen 
Jahren eine treffliche Anthologie aus Rousseau's Werken in einem 
massigen Bande erschienen ist. in Anthologien steht die Aus- 
wahl frei und, obno dass man durch Auslassungen die wahre 
Meinung des Autors entstellte, könnte all das Viele zusammen- 
getragen werden, das nach unserer obigen Schilderung aus Voltaire 
und Rousseau für religiöse Erhebung und Vertiefung verwendbar 
ist. Dankbar wäre die Aufgabe in einer Einleitung zu einer 
solchen Anthologie aus V'oltaire's Schriften, die auch oine kurze 
Skizze seines Lebens onthielte, nachzuweisen, wie die bewunders- 
werte Seite soincs zwiespältigen Charakters, die in der Auf- 
deckung der Justizmorde, die an den Calas, Sirven, de la Barro 
und Monlbailli vollbracht oder versucht wurden, zu Tago tritt und 
ihn als den unerschrockenen, unermüdlichen Vorkämpier für das 



Die Aufklärung 



vergewaltigte Recht und den Retter und Beschützer der Leidenden 
und Bedrückten zeigt, mit seinem unerschütterlichen Glauben an 
den Gott der Gerechtigkeit zusammenhängt. Und auch das dürfte 
dabei nicht vergessen werden, dass sein berühmtes Ecrasez l'infamc 
sich gegen solche Ausschreitungen der Fanatismus richtet, wie wir 
sie am eigenen Leibe in Tisza-Eszlar, Xanten, Konitz und im 
Beilesprozess schaudernd erlebt. 

Die religiösen Quellen aufzudecken, aus denen unsere deutsche 
klassische Literatur schöpft, würde den Rahmen dieses Aufsatzes weit 
überschreiten. Wir wollen hier ja nicht eine detaillierto Anweisung, 
sondern nur eine Anregung im Allgemeinen geben. Dass das 
Bildungsideal der Humanität mit dem des Judentums im innersten 
Grunde recht viel gemeinsames hat, trotz des äusserlich so völlig 
verschiedenen Gewandes, ist bekannt. S. R. Hirsch hat dieser 
Ueberzeugung in seiner schönen Rede: „Worte, gesprochen bei der 
Schillerfeier ISö'j" (Ges. Seh. VI S. 303 — 821) warmen Ausdruck 
verliehen. Dass dabei wohl abgewogen werden muss, ist in unseren 
obigen kurzen Bemerkungen über die Philosophen und Dichter dieser 
Zeit gezeigt. Aber selbst von Göthe, dem grossen Heiden, der 
sicher, mit Heine zu reden, nicht Nazarener sondern Hellene ist, 
vermag echt jüdisch-religiöses Empfinden auszustrahlen, wenn man 
es versteht, die „lphigenie" oder „Hermann und Dorothea" in ihrem 
innersten Kerne dem unverbildeten Geiste nahezubringen. 



Wir geben uns keiner Täuschung darüber hin, dass diese An- 
regungen jetzt noch wenig Aussicht auf Erfüllung haben. Es 
fehlt in unseren Reihen und mehr noch in den Reihen des thora- 
treuen Ostens an den feinsinnigen Männern, die in gleicher Weise 
mit der Literatur der grossen Kulturvölker vertraut wie mit dem 
Jüdisch-Deutschen und Hebräischen, diese Wünsche verwirklichen 
könnten. Es fehlt in den massgebenden Kreisen an der Einsicht, 
das man dem bildungshungrigen Osten auf diesem Wege entgegen- 
kommen müsse, der ebensoweit von den Bestrebungen der Haskala 
wie von den Versuchen sich fern hält einer Entwicklung, die sich 
mit Naturgewalt vollzieht, mit kleinen Palliativmittcln entgegen- 



Die Aufklärung. 



wirken zu wollen, wie sie die an sich sehr verdienstvolle Ver- 
breitung der religiösen Schriften des deutschen thoratreuen Juden- 
tums darstellt. Dem Bildungsfähigen und nach Bildung strebenden 
Teil sagt er zu wenig. Sie sind ja auch gesättigt mit dem reichen 
Gut, das unsere grosse exegetische, religionsphilosophische und 
dichterische Literatur des Mittelalters bietet. Und vor allem fehlt 
es an einem Mäcen, wie es dem Stiebeischen Verlag vergönnt 
war. Dieser hätte bei seinem auf aussergewöhnliche Dimensionen 
eingestellten Unternehmen zu einer grossen Hilfe im Dienste un- 
serer Wünsche werden können, wenn er nicht ganz ohne 
Rücksicht auf eine beherrschende Idee die Verbreitung der 
Weltliteratur im Allgemeinen sich zum Ziele gesetzt. Die Ge- 
rechtigkeit aber gebietet hervorzuheben, dass die Auswahl nicht 
etwa im Dienste jener früheren jungjüdischeu literarischen Bewegung 
unseligen Andenkens steht, die schon Achad Haam gegeisselt, dass 
es zumeist wirklich Meisterwerke der Weltliteratur sind, die zur 
Uebersetzung ausgewählt. Man kann freilich sehr im Zweifel sein, 
ob z. B. Rousseau's „Bekenntnisse" und Scienkiewicz „Quo vadis u 
oder gar Kellermann's „ Ingeborg u für eine jüdische Bibliothek sich 
eignen. Wie weitab stehen die beiden erstertn vom jüdischen 
Empfinden und wie wenig ist das letztere zu den ragenden Denk- 
mälern der Weltliteratur zu zählen. Es scheint nns überhaupt, 
als ob viele Werke nur, weil sie der modernen Literatur an- 
gehören, in die Sammlung aufgenommen. Eine spätere Literatur- 
geschichte wird sie als ephemere Werke kennzeichnen. 

Und doch geben wir die Hoffnung nicht auf, dass in den 
Reihen unserer thoratreuen Akademiker sich Männer finden werden, 
die der angegebenen Anregung folgen. Und wenn diese den Willen 
haben, dann werden sie auch den Weg sich bahnen, einen Weg, 
durch die Werke der Literatur von unvergänglichem Wert auf Kopf 
und Herz im Allgemeinen und im besonderen jüdischen Sinne zu 
wirken. Dieser Weg soll nicht, um es nun zum dritten Mal zu 
sagen, der der alten Haskala sein, sondern ein Heilmittel gegen 
die Verwirrung, die durch die wahllose und man darf auch im 
Sinne der allgemeinen Bildung sagen schlechte Methode alles, was 
dem Modegeschmack der Zeit entspricht, zu bringen, angerichtet 



Die Aufklärung 



wird, ein Mittel, das noch vorhandene echte jüdische „National- 
gefühl" der durch die heilige Literatur anerzogenen Gottesfurcht 
anstatt zu untergraben zu schützen und zu fördern. J. W. 



Die Anwendung der Psychoanalyse auf 

die Erforschung religionswissenschaftlicher 

Probleme. 

von Dr. Armin Blau, Hamburg-. 

Seitdem Universitätsprofessor Dr. Sigmund Freud in Ver- 
bindung mit Dr. J. Breuer in Wien 1895 ihr epochemachendes 
Werk: „Studien über Hysterie" herausgegeben und damit den 
Grundstein zur Wissenschaft der Psychoanalyse gelegt haben, 
ist allmählich eine ganze Schule von Gelehrtenjüngern im In- 
und Auslande, in Europa und Amerika entstanden, die den Weg 
ihres Meisters Freud fortsetzend immer neue Gebiete dar Mytho- 
logie, der Literatur, Kunst, Psychologie für die psychoanalytische 
Forschungsmethode zu erobern suchten. 

In der Schweiz und in England und vielfach in amerika- 
nischen Forscherkreisen hat die Freudsche Theorie starken 
Anklang gefunden, weniger in deutschen Fachkreisen. In Deutsch- 
land sind viele der Freudschen Scblussf jlgerungen als über- 
trieben angesehen und die vielfachen Analogieschlüsse namentlich 
seiner Schüler von den Zwangshandlungen der Psychoneurotiker 
auf die Phänomene des Seelenlebens bei den normalen Menschen 
teils abgelehnt, teils skeptisch behandelt worden. Doch gelten 
gewisse Ergebnisse der Psychoanalyse namentlich hinsichtlich 
der Behandlung pathologisch und hysterisch Erkrankter als ge- 
sichert. Wir erlauben uns in dieser Hinsicht kein fachmännisches 
Urteil. Zweifellos sind die Ergebnisse der Freudschen For- 
schungen hinsichtlich der Phänomene des Alltagslebens 
unmittelbar einleuchtend und auch dem Nichtfachman verständlich. 
Die Anwendung der Freudschen Theorie auf die Analyse des 
Traumlebens, die Erklärung der sogenannten „Fehl- 
leistungen", das ist der täglichen Irrtümer des Vergessens, 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



Versprechens, Verschreibens u. s. w. als von unbewussten 
seelischen Tendenzen beherrschte Handlungen, die einer be- 
stimmten physikalischen Gesetzmässigkeit gehorchen, die Er- 
forschung gewisser dunkler Gebiete der Kinderpsychologie 
und Pädagogik u. a. in., dies alles sind Leistungen, die den Ruhm 
der Freudschen Methode auch in breiteste Laienkreise getragen 
haben. 

Bedenklicher und für religiös-gläubige Kreise bedeutsamer 
sind die Forschungen der Freudschule, wo sie sich auf das 
Gebiet der Religionspsychologie begibt. Seitdem 
Freud im Jahre 1912 sein bedeutendes Buch „Totem und Tabu" 
erscheinen Hess und hier gewisse religiöse Erscheinungen 
im Leben der primitiven wilden Völker fremder Weltteile mit 
Hilfe der psychoanalytischen .Ideen zu deuten versuchte, war 
dies für die Freudschüler der Ausgangspunkt und Anstoss zur 
■weiteren Erforschung schwieriger religionswissenschuft- 
lieber Probleme der europäischen Kulturvölker 
und zur psychogenetischen Analyse gewisser uns Moderne 
seifsam anmutenden religiösen Riten. In dieser Richtung 
bringt das neueste Buch von Dr. Theodor Reik, Pro- 
bleme der Religionspsychologie, I. Teil : Das 
Ritual, (mit einer Vorrede von Prof. Dr. Sigmund Freud, 
Leipzig u. Wien, 1919, Internationaler Psychoanalyt. Verlag) 
zwei scharfsinnige nach Aufbau und fast künstlerischer Form 
gleich fesselnde Studien über zwei jüdische Probleme: Die 
Deutung des Schofarrituals und des K o 1 - 
N i d r e. Um dieser beiden Aufsätze willen sei in dieser Zeit- 
schrift dem Buche im folgenden eine kritische Besprechung 
gewidmet. Diese Besprechung muss etwas ausführlicher werden, 
da sie erstens keinerlei oder nur wenig spezielle Kenntnisse 
der Materie bei dem Leser voraussetzt. Zweitens soll an dem 
Reik'schen Buche gezeigt werden, zu welchen ungeheuerlichen 
Behauptungen sich manche sogenannte wissenschaftliche 
Hypothesen versteigen, und wie deren Verfechtern nichts, 
aber auch garnichts vom Glauben der Menschheit heilig ist 



Diö Anwendung der Psychoanalyse usw. 



Die Voraussetzungen. 
Freud hatte in verschiedenen Abhandlungen und Büchern 
nachzuweisen und auch durch viele praktische Erfahrungsfälle 
zu erhärten versucht, dass viele krankhafte Erscheinungen im 
Affektenleben der N e u r o t i k e r auf eine bestimmte 
Ursache, auf ein bestimmtes Ereignis namentlich 
der Kinderjahre zurückzuführen sind, das durch Verdrän- 
gung in der Erinnerung zwar verblasst, durch gewisse neu- 
hinzutretende Affekte jedoch wieder reproduziert wird und 
triebartig im Unterbewusstsein alle Handlungen und Erlebnisse 
des Neurotikers mitbestimmt. Das verdrängte, aber im Unbe- 
wussten als Triebkraft stets mitwirkende Ereignis ist meist 
sexueller Natur, es sind zumeist unterdrückte sexuelle 
Triebe und Wallungen, die im Seelenleben hochgradig Nervöser, 
aber auch im Leben normaler Menschen und auch ganzer Völker 
rudimentär und unbewusst eine entscheidende Rolle spielen. 
Gewisse Ereignisse im Leben eines Volkes können in 
seiner physischen Entwicklung so einschneidend und tiefgreifend 
wirken, dass das persönliche Tun und Verhalten der einzelnen 
Stammesglieder und ganzer Gemeinden sich dadurch regelt und 
systematisch erklären lässt. Dieses art- und entwicklungsbe- 
stimmende Ereignis ist aber auch imstande, so die Ansicht von 
Dr. Reik, manche seltsame Phänomene des religiösen Lebens 
entwicklungsgeschichtlich zu deuten. Diese Deutungsversuche 
sollen uns hier näher beschäftigen. 

Freud und seine Schüler (G. Rank, H. Sachs, Th. Reik, 
K. Abraham u. a.) gehen von der Voraussetzung aus, die Lebens- 
gewohnheiten des Neurotikers und physisch Kranker sei ein 
Abbild der prähistorischen Stufe, auf der die Religion der 
heutigen Kulturvölker in ihrem Kindesalter gestanden hat und 
auf der die Religion der heutigen primitiven Wilden steht. Die 
älteste Form der Religion (so lehrt Freud in seinem 
Buche: Totem und Tabu, und schon vor ihm Robert Smith, 
Religion of the Semites) war der Totemismus. Ur- 
sprünglich waren die Menschen eine Urhorde (ein schon von 
Darwin geprägter Begriff), die von einem Vater abstammte, und 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



diesen Stärksten und den ^Söhnen Ueberlegenen in Gehorsam 
und Abhängigkeit als Gott und Häuptling verehrte, aber gleich- 
zeitig gedrängt von einem Inzesttrieb und von sexueller 
Eifersucht auf den Besitz der Mutter durch den Vater diesen ihren 
Vater ermordete und dann dessen Fleisch verzehrte. Diese 
Einverleibung war die primitivste Art der Identifizierung der 
Söhne mit dem geliebten und doch gehassten Vatergott. (Hier 
haben wir ein Beispiel für die sogen, .ambivalenten Ge- 
fühle", d. h. die doppelwertigen, gegensätzlichen Gefühle, 
die im Freudschen System eine grosse Kolle spielen. Liebe 
und Hass, Triumph und Reue sind solche Gegensatzpaare). 

In der Folgezeit, als die Söhne Reue und Sehnsucht nach 
dem erschlagenen Vater erfasste, suchten sie nach einem Er- 
satz für den Vater, und diesen fanden sie in einem „Totem", 
einem männlichen Tiere, etwa Stier oder Widder, dem 
sie .in nachträglichem Gehorsam" die Ehren antaten, die sie dem 
lebenden Vater nicht angetan. Diesem Tiere, dem Totem, 
wurde das periodische Fest der Totemmahlzeit gewidmet. Dieses 
Totemtier war der Ersatz für den hingemordeten Vater, führte 
aber allmählich zu einer Erhöhung dieses Tieres zu einer Gottr 
gestalt, die göttliche Ehren empfing und dessen Stimme die 
Bekenner durch onomatopoetische Laute nachahmten. Das nach- 
jjeabmte Tiergebrüll bedeutete die ideelle Anwesenheit des 
fingierten Gottes unter seinen Gläubigen und dessen Gleichsetzung 
mit ihm. Bei diesen Totemmahlzeiten sorgten immer 
Hass und Triumph, aber auch Reue und Sühnegefühle und 
Schuldbewusstsein für ihre Befriedigung. Diese Verehrung des 
Totemtieres war die erste Form der Religionsbe- 
Gründung (Totemismus). Der Totemkultus war gleichsam 
der Ausdruck eines Vertrags mit dem Vater oder Vater-Ersatz, 
in dem der Vater alles zusagte, was die kindliche Auffassung 
jener Urvölker oder Urhorden von ihrem Vater erwarten durfte, 
nämlich Schutz, Fürsorge und Schonung, wogegen die Kinder 
sich verpflichteten, sein Leben zu ehren und zu schonen, d. h 
jene erste Mordtat an ihm nicht zu wiederholen, durch die der 
wirkliche Vater zugrunde gegangen (a. Freud, 1. c. p. 134). 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



Was hat aber diese mutmassliche Urform der Religionsübung 
mit dem Judentum und seinen Kultformen zu tun ? 
Gibt es im jüdischen Ritus -vielleicht rätselvolle Erscheinungen, 
die sich auf solche Urhorden-Erlebnisse prähistorischer 
Kinderzeit zurückführen und somit entwicklungsgeschichtlich 
deuten lassen? Jawohl, es gibt deren manche, antwortet Reik 
in seinem Buche, und zwei davon möchte der Verfasser ent- 
rätseln, es ist das Problem des Kol-Nidre und das Problem 
des Schaufors. 

I. Das Schofar. 

Unstreitig gibt dem Ethnologen das Schofar viele 
Rätsel auf. Das Instrument, ziemlich einfach zu handhaben, die 
Töne ziemlich kunstlos, eigentlich nur zwei Töne, (g und d), 
die durch ihre dynamischen Steigerungen, durch ihre bald 
gezogene, bald stossweise erfolgende Vereinigung den Hörer 
in ganz seltsamer Weise erschüttern. Wie ist nun dieser 
Affekt auf die andächtigen Zuhörer psychologisch zu erklären? 
Lässt sich irgend ein Zusammenhang, eine Verknüpfung zwischen 
den Klängen des Schofars und gewissen uns unbekannten Inhalten 
und alten assoziativen Ereignissen und Erlebnissen 
des Volkes Israel herstellen? Hier knüpft R e i k mit 
seinen auf Freuds Totemforschungen beruhenden 
Erklärungen an. Nachdem Reik alle die bekannten (im Sachs'schen 
Machsor zusammengestellten) Erklärungen für Schofar durch- 
geprüft hat, lässt er die seinige folgen, die für den jüdischen 
Leser genug des Befremdenden und Ueberraschenden bringt« 

Ausgangspunkt für Reiks Deutung ist das Kapitel 
XIX im Exodus", der Bericht über die Gesetz- 
gebung am Sinai. Dort erfolgt bekanntlich das Verbot 
für das Volk, sich dem Berge zu nähern und ihn zu berühren, 
Todesandrohung für den Zuwiderhandelnden, Schranken werden 
gezogen, das heisst in Freud-Reikscher Sprache: es wird ein T a b u 
der Gottheit statuiert 1 ). Dann kommt ein nach Reiks Meinung 



J ) Vgl. meinen Artikel: Grenzlinien zwischen den Begriffen Ko- 
dausch u. Tabu. Jeschurun, Bd. IL S. 364—372. 



Die AnwenduuS der Psychoanalyse usw. 



höchst seltsamer Vers : „Wenn das Hörn ( S 3 r n ) lang 
ertönt, darf das Volk den Berg besteigen" (Vers 
l'd). Diese Bestimmung findet Reik stark auffallend, da auf das 
Langblasen des Widderhorns anscheinend bezuggenommen ist; 
aber vom Blasen des Widderhorns ist doch in dem ganzen voran- 
gehenden Berichte nicht die Rede gewesen! Auch ist das Volk 
nirgends an den Vorgängen so beteiligt gewesen, dass man es 
direkt auffordern muss, auf den Berg zu steigen. Das hat den 
Bibelkritikern schon Kopfzerbrechen gemacht, die den Vers als 
Interpolation aus einer älteren Tradition erklären wollen, womit 
allerdings nicht viel gewonnen ist. Auch Baentsch (Handkom- 
mentar zum Alten Testament, .Göttingen 19Ü3, Exodus, p. 174) 
muss von diesem Vers zugeben: Wer das Signal geben soll, ob 
Gutt oder Moses oder ein anderer, das bleibt unklar. Hier 
beginnt die Interpretation Reiks: Es heisst: hsrn "raa = wenn 
der Widder ertönt, aber nicht, wie zu erwarten : barn ]~\p, 
welches biesse: Das Hörn des Widders, also will der Vers 
sagen : Der Widder selbst, der Jobel, soll blasen!! 
(Schon bei diesem scharfsinnigen Auslegekunststück stutzt der 
einfältige Leser: Einerlei ob Widderhorn oder Widder selbst in 
dem Worte .Jobel" steckt, vom Widder war doch vorher 
auch noch nicht die Rede! Ausserdem steht gleich 
nachher: "ixa prn 1BW bipi, der Ton des Horns war gar stark, 
also scheint doch im ganzen Bericht vom Ilorn des Widders, 
nicht vom Widder selbst die Rede gewesen zu sein!) Lesen wir 
den Bericht weiter, so überrascht uns eine weitere Merkwürdigkeit: 
Si?3 U)y 'WTI "DT Wo, Moses spricht und Gott antwortete ihm 
mit der Stimme". (Vera 19). Seltsamer Vorgang! Wie konnte 
Gott mit Moses Zwiesprache halten bei solchem Lärm, bei 
einem Posaunengetöse sollten die grundlegenden Lehren der 
menschlichen Gesittung und Gotteserkeuutnis gegeben worden 
sein'.'' 9o fragt Reik weiter. Kann Schofar und Gottesstimme 
zugleich erschollen sein? (Auch hier vermögen wir die grosse 
Verwunderung des Verfassers über das unisono der zwei Stimmen 
nicht zu teilen: entweder war es ein Wunder mehr in diesem 
wunderreichsten aller biblischen Berichte, da»s die Gottesstimme 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



die Schofartöne übertönte und bis zu Moses Ohr vernehmlich, 
klang, so erklärt es Raschbam zur Stelle, s. auch ibn Esra; 
oder die Erklärung des Verses ist : Moses sprach, wie Menschen 
sprechen, sodass man dabei Sprechorgane in Tätigkeit wahr- 
nehmen konnte, die Antwort Gottes gab sich nur Slpa, nur 
durch die Stimme kund, ohne dass dabei irgend etwas 
Körperliches sichtbar war, von dem die Stimme käme; man 
vgl. dazu Deut. IV, 12: Und der Ewige redete mit euch aus 
der Mitte des Feuers, die Stimme der Worte hörtet ihr, aber 
eine Gestalt sähet ihr nicht, ausser der Stimme, vgl. ibid. 
Vers 36; so Ehrlich, Randglossen zu Exodus zur Stelle). Dann 
heisst es weiter (cap. XX, 15) : Als das Volk die Donnerschläge, 
Blitze und den Schofarklang hörte, da erzitterte es und hielt 
sich in der Ferne, und es sprach zu Moses: Rede du mit uns 
dann wollen wir hören, Gott soll nicht mit uns reden, damit 
wir nicht sterben'. Somit hat das Volk auch die Stimme 
Gottes gehört; dabei war doch bisher nur vom Schalle 
des Hornes die Rede, nirgends wird gesagt, dass die 
Stimme Gottes dem Volke hörbar war. Und doch be- 
hauptet das Volk, die Stimme Gottes gehört zu haben; auch 
erinnert sie Moses an diese Tatsache (Deuter. V, 19— 'JO), dass 
der Ewige diese Worte zur ganzen Versammlung ge- 
sprochen habe. (Auch hier scheint Reik den Text des Berichtes 
ungenau oder mit Voreingenommenheit gelesen zu 
haben; denn ausdrücklich heisst es schon Vers 9: Und der 
Ewige sprach zu Moses: Siehe, ich komme zu dir in einerdichten 
Wolke, damit das Volk höre, wenn ich mit dir 
rede und auch an dich ewig glaube u. s. w. Somit war die 
Stimme Gottes als dem Volke vernehmlich von 
vornherein beabsichtigt: Gott redet Slpa, nur durch 
die Stimme bemerkbar, Moses spricht in menschlicher Gestalt 
mit ihnen, siehe unsere obige Einschaltung). Nun beseitigt 
Reik die drei angeblichen Unklarheiten des Textes mit einem 
kühnen Griffe und behauptet: Der Klang des Hornea 
das ist eben Gottes Stimme. Gott selbstsp rieht 
durch Widderhornes Töne, Gott selbst lässt den Ton 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



des Widderhornß lang ertönen und gibt das Zeichen zum Auf- 
stieg des Volkes. Wir verstehen jetzt glatt den Sinn des Satzes : 
W "DT rvffo "llNö prn new Spi, d. h. der Hörnerschall, d. h. Gottes 
Sprache wurde immer lauter, Moses redet und Gott antwortet 
laut: Der Hörnerschall ist eine Rede Gottes. „Das Lautwerden 
ist sinnvoll.: Das ganze Volk soll hören, was der Ewige zu 
verkünden hat. Das Volk hört Gott, eben den Posaunenschall ". 
Hier müssen wir ein wenig innehalten, um Atem zu schöpfen 
und die Sinne zu sammeln. Wahrlich, wenn diese Auslegung 
nicht so verwünscht absurd und blasphemisch wäre, wir würden 
sie bestechend schön und schlau erklügelt nennen. Also nicht 
von einem Dialog mit .crescendo Posaunenbegleitung " ist die 
Rede, sondern Gottesstimme, alias Widderhorn 
bort das Volk; und die Schlussfolgerung daraus? Das Volk 
stellt sich Gott in Widderg-estalt vor!I Denn auf nicht 
mehr und nicht weniger läuft die Reik'sche Argumentation hinaus. 
Gott wurde in prähistorischer Zeit mit einem gehörnten Tiere 
speziell mit einem Widder identifiziert (wie Robertson Smith, 
Lectures on the Religion of the Semites, von allen semitischen 
Völkern behauptet). Gott wurde ursprünglich, so geht es weiter, 
als gehörntes Tier, Stier oder Bock, angebetet; so der Apisstier, 
Chum und Anubis bei den Aegyptern, Marduk in Stiergestalt 
bei den Babyloniern, ebenso der griechische Zeus verschiedentlich 
in Stiergestalt. Warum sollen nicht die Ursemiten solch eine 
primitive Religionsform in ältesten Zeiten besessen haben? Ver- 
ehren ja die primitiven Wilden heute noch ihren Totem, 
ihren Gott in Stiergestalt. So ist es möglich, oder gar wahr- 
scheinlich, dass in unserem heiligen Texte noch ein verirrter 
Rest von der ältesten Anschauung des totemistisc, hen 
Gottes vorhanden ist neben dem erhabensten Zeugnisse des 
hochentwickelten Monotheismus. Der Vers: Wenn der Widder 
langgezogene Töne von sich gibt, sollen sie auf den Rerg steigen, 
ist eine Kebernahme einer älteren Tradition von dem totem- 
istischen Gotte neben dem Berichte von einer Offenbarung einer 
höchsten, aller irdischen Schlacken baren Gottheit. Solche In- 
terpolationen gehören ja in der Textkritik zum täglichen Handwerk. 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



Per totemistisehe, als Stier-Widder dargestellte Gott des 
Frühstadiums der Religion Israels wird auch durch Nach- 
ahmen des Stiergebrülls oder Blökens verehrt, 
so wie die Wilden die Laute ihres Totemtieres 
nachahmen. Das ursprünglich auf dem Kopf getragene 
Hörn als Symbol und Sitz der Kraft wurde von den Gläubigen 
als heiliges Instrument zum Blasen verwendet, gleichzeitig 
zur Nachahmung der Stimme des totemistischen Gottes. Allmäh- 
lich emanzipierte sich der Gottesbegriff der Gläubigen, Gutt ist 
selbst kein Tier, er brüllt auch nicht mehr, er bläst nur noch 
das Stier- oder Widderhorn, wie Triton, Heimdali, Brahma ein 
Blasinstrument erhalten. 

Doch da erheben sich noch eine Menge Fragen: Welche 
Bedeutung hatte ursprünglich die Aneignung der göttlichen Ge- 
stalt (des Tieres) durch die Gläubigen oder die Nachahmung 
seiner Stimme? Was für einen Sinn hat das Schofarblasen. 
im jetzigen Ritual der jüdischen Religion? Wie kommt das 
Schofarblasen in den Neujahrs-und Jaum- 
kippurgottesdienst (als Schlusszeichen des Festes)? 
Hier tritt die Freudsche Totemtheorie (die wir 
oben in allgemeinen Zügen gebracht haben) in ihre vollen Rechte: 
Die Urform der menschlichen Gesellschaft war die Urhorde, 
ihre Urreligion die Totenireligion. Nachdem die Urhorde aus 
Herrschaft- und Eifersuchtgelüsten ihren Vater ermordet, ersetzen 
sie in ihrem Schuld- und Sehnsuchtsgefühl den Vater durch ein 
Tier, das sie göttlich verehren (den Totem), dessen Kraft und- 
Stärke sie sich aber gerne amnassen. Ein Hauptattribut der 
Stärke sind die Hörner. Nun verstehen wir, was es heissen 
soll, dass der Priester (?) das Schofar bläst: Es ist die Iden- 
tifizierung des Sohnes mit dem Vatergott, die er verrät, wenn 
er die göttliche Stimme nachahmt, so wie jene Söhne 
der Urhorde, die den Vater ermordeten und allmählich das 
Wesen und die Aeusserungsformen des Vaters nachahmten. Das 
Schofarblasen ist die Nachahmung der Stimme 
des geliebten und gehassten Totem, alias des 
Vater»ottes, und diese Identifikation wird noch heute fortgesetzt. 



Die Anwendung: der Psychoanalyse usw. 



wo doch die primitive Auffassung von der totemistischen Gottes- 
gestalt längst einem höheren Gottesbegriffe gewichen ist. 

Aus dieser ethnologischen, evolutionistischen Deutung her- 
aus erklärt sich für Reik das Erschreckende, Erschütternde der 
verhältnismässig einfachen Tockombinationen des Schofars: Er 
erweckt uralte Erinnerungen in uns; .der Ton des Schofars, der 
an da,s Brüllen eines Stieres bei der Schlachtung erinnert, die 
Stimme des totemistischen Vaterersatzes, erinnert jeden Hörer 
unbewusst an jene alte Untat des Vatermordes, weckt sein ver- 
borgenes Schuldbewusstsein, das infolge der verdrängten feind- 
seligen Kinderwünsche gegen den Vater in jedem einzelnen 
schlummert, mahnt zur Reue und Besserung." (Reik, p. 213). 
Dieser Erinnerungsprozess spielt sich unterbewusst im Seelenleben 
des einzelnen ab, es ist die Angst in der Vorstellung des letzten 
Todeskampfes des Vaters u. s. w. Sowie der an Hundephobie 
leidende nervenkranke Knabe zusammenschrickt beim Bellen des 
Hundes, so ist das unbewusste Zusammenzucken des Gläubigen 
beim Schofar u. s. w. 

Man siebt an dieser Darstellung, in wie grenzenlos phan- 
tastische Gelilde diese wissenschaftlich ornamentierte Methode 
sich verirrt! Ist es nicht grotesk anzunehmen, dass angebliche 
Vatermordvorstellungen noch heute im Unbewussten der gegen- 
wärtigen Juden als ererbte Vorstellungen fortleben und fort- 
wirken! Doch folgen wir diesen methodischen Orakelsprüchen 
zu Ende. 

Weshalb wird der Rausch-IIaschono für das Schofarblasen 
am geeignetsten gehalten'.-' Weil da grosses Gericht gehalten 
wird, wer zum Leben oder Sterben bestimmt ist. Die Stimme 
Gottes erinnert uns an die einst verübte Untat am Vatergott, 
daher der Schrecken beim Erklingen des Schofars, da dea 
Vaters Stimme. Ja, aber da sollte man doch lieber die 
unliebsame Erinnerung meiden? Antwort : Die 
Krinnerung daran ist schon verblasst und rudimentär, aber 
immer noch wach genug, um Triumph gefü hie über 
den gelungenen Vatermord aufkommen zu lassen. Während 
wir beim Vernehmen der SchofcUhtimme erschreckt versprechen. 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



nie wieder eine solche Untat zu begehen, regt sich in uns das 
Lustgefühl (die ambivalente Empfindung! 
s. oben) nach Erneuerung der Untat, das Gefühl der 
Rebellion und der verpönten Wünsche (s. weiter beim Kol-Nidre), 
daher beten wir für diese verpönte und schwer unterdrückte 
Regung zu Gott: vergib uns auch diesen sündhaften Impuls 
u. s. w. (Hier kann man schon von Psychopathologie und fixen 
Ideen sprechen: Wo in aller Welt kommt eine Stelle im 
Rosch- Haschono-Ritual vor, die um Vergebung für einen solchen 
Frevelwunsch fleht !) — Aus diesen Gedanken des Totemopfers 
als Entstehungsursache des Schofars erklärt sich nach Reik, 
dass ein Loch am Schofar, das Hörn unbrauchbar mache, da es 
ein Opfer darstellen soll (?), daher die spätere kabbalistische 
Auslegung des Schofarblasens als ein Irreführen des 
Satan, der ihr Ankläger beim gemordeten Gotte werden 
möchte. Gegen den Einwand: Warum wird ein Widder- 
horn, und nicht, wie zu erwarten gewesen, ein Stierhorn 
verwendet? weiss der findige Verfasser auch Rat: Weil das 
Volk Israel in Palästina Kleinviehhirten geworden sind, 
da die wasserarmen Steppen Palästinas sich für Rinderzucht 
nicht eignen. So steht in allen biblischen Erzählungen die 
Schafzucht an erster Stelle u. s. w. 

Auch aus der Verwendung des Schofars im Ritual des 
Versöhnungsfestes (wo denn? doch nur als Schluss- 
zeichen des Festes nach dem Ausgang des Festes!!) 
macht Reik ein grosses Paradestück: Es sei nicht nur das 
Zeichen energischen Zurückweisens der alten Untat, ihrer Un- 
gültigmachung, der Aussöhnung mit der beleidigten Gottheit, 
nein, es soll zugleich auch die Wiederholung der Untat (in Ge- 
danken) sein. »Wir finden also wieder die Durchsetzung, fast 
möchte man sagen den Triumph, der bewusst verurteilten 
rebellischen Regungen, wenn am Ende des grossen Sühnetages, 
der eben der Sühne für jene alte Sünde gilt (?), das Schofar 
geblasen wird." (ib. p. 227). — 

Wir haben uns im Vorstehenden bemüht, uns bei den 
Deutungsversuchen des Schofars in die Gedankengänge des 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



Verfassers einzufühlen, und es ist uns nicht leicht geworden, 
den Lesern dieser Zeitschrift ein annäherndes Bild von den 
verschlungenen Kombinationen des Buches zu geben. Lohnt 
sich die Ausbeute? Wir glauben die Frage bejahen 
zu dürfen. Denn hier haben wir ein Schulbeispiel dafür, zu 
welchen Irrwegen und fast wahnwitzigen Vorstellungen eine 
gewisse voraussetzungslose und ohne Hemmungen theoretisierende 
Wissenschaft sich versteigt, wie schonungslos sie sich am Heilig- 
sten eines Volkes vergreift und es zum Objekt ihrer vivisek- 
torischen Versuche macht, wie einer gewissen Schule kein Opfer 
des Intellekts, ja fast der Logik zu gross ist, um nur der viel- 
geliebten Lehrmeinung des Meisters ein neues Weihrauch- 
opfer 'darbringen zu können, wie schrankenlos und orgiastisch 
sich die Jünger gebärden, wenn sie des Meisters Lehren und 
Ideen als Allheilmittel der Kunsterklärung, Religions- und My- 
then-Deutung zurechthobeln, zerdehnen, zerkauen, dabei aber 
der ausschweifendsten Phantasterei und wichtigtuerischen Wissen- 
schafthuberei verfallen. .Legt ihr's nicht aus, so legt was 
unter." Die Technik der Freudschüler, alles, aber auch alles 
aus einem Punkte zu kurieren, die dunklen Gebiete der 
Religion, Moral, Philosophie, Sitte, des Rechts usw. nur auf 
verdrängte Triebregungen zurückzuführen, ihre Sucht, gewisse 
Abirrungen des normalen Menschen durchaus auf gleiche Stufe 
mit den Abartungen der Psychoneurotiker zu stellen und psycho- 
neurotische Zwangshandlungen in Parallele zu stellen 
mit den primitiven Zuständen der Urvölker und diese durch 
jene zu erklären, die qualvolle Lust der Freudjünger, den all- 
beherrschenden Sexualtrieb zum Angelpunkt der Seeleuproble- 
matik des Kindeslebens wie des ganzer Völker zu machen (auch 
die Schofar-Deutung bleibt nicht ganz verschont von diesem 
Tunkte, s. Reik, p. 217), — all diese Gewaltmethodisieiuu^ 
hat schon vielfach das Befremden der psychologischen Fach- 
wissenschaft hervorgerufen. Hier in der Deutung der zwei 
Probleme des Schofars und später des Kol-Nidro haben wir 
(Jelegenheit zu beobachten, wie ungeheuerlich und maasloB 
manchmal die Uebertreibungen der Freudschen Schule sind. Wir 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



haben gesehen, dass schon die Voraussetzungen und die 
künstlich aufgeworfenen Schwierigkeiten, die Reik im Offen- 
barungsbericht der Bibel findet, keineswegs zutreffen. Doch 
setzen wir den Fall, sie sind wirklich vorhanden, hat sie Reik 
durch seine künstlichen Infiltrationsversuche in die heiligen Texte 
befriedigend beseitigt? Ist seine Erklärung nicht eine Spinn- 
webenweisheit, die jeder gesunde Lufthauch wegfegt'. - ' Gesetzt, 
wenn auch nicht zugegeben und bewiesen, dass das Volk Israel 
vor Jahrtausenden vor der biblischen Zeit, gleich 
andren Höhlenmenschen oder Naturwesen mit den primitiven 
Wilden der Jetztzeit auf gleicher Stufe gestanden habe — dies 
wäre ja auch noch erst für die Nachbarvölker Israels zu be- 
weisen ! ! — aber sind von Reik genügend zwingende Argu- 
mente und Beweispunkte erbracht, dass noch in den Zeiten 
der B i b e 1 ein solcher Urhordenzustand ganz oder rudimentär 
vorhanden gewesen sei, wie er ihn für die Zeit der Gesetz- 
gebung am Sinai voraussetzt ? Heisst es nicht das Heiligste 
mit „täppischen Händen" anfassen, wenn man Gottes Stimme 
und Allgegenwart zu einer Widderstimme und Gestalt ver- 
kleinert, und das für einen Akt, den erhabensten und schaurig- 
schönsten der Menschheitsgeschichte ? Das majestätische Donner- 
wort : „Gott spricht zum Menschen" wird erniedrigt zu: Ein 
Widder spricht, oder vielmehr das Volk sieht und hört nur den 
Widder. Wahrlich, hier ist der wenigstens entwicklungsfähige 
„ Wüsten- und Gewittergott" der Bibelkritiker weit übertrumpft. 
Denn nach Reik stand die Gesetzgebung am Sinai unter dieser 
primitiven Widdergott-Vorstellung, und selbst wir, die fort- 
geschrittenen Enkel, können uns von diesem zwangsvollen Erbe 
nicht befreien. Doch Entrüstungsaufwand hilft hier wenig. 
Aber die ganze Bibelstimmimg spricht ja beredt genug gegen 
Reik. Wo kann Reik uns in der Bibel primitive Stier- 
kultzustände nachweisen, wie er sie nach seiner auf drei 
schwache Beweispunkte gestützten Theorie nachweisen müsste ! 
Wo ist mit einem Worte von Götteruiorden, Götter gier, 
Eifersucht der Söhne auf den Vater, Neid oder Zwist unter 
ihnen je die Rede ! Der Schöpfungsbericht schon beginnt mit 



Die •Anwenduno; der Psychoanalyse usw. 



der einen ehernen Tatsache: Gott ist Schöpfer Himmels und 
der Erden, also der grösstdenkbare Fortschritt gegenüber allen 
heidnischen, babylonischen oder sonst auf Tieranbeterstufe 
stehenden wilden Völker! (vgl. Giesebrecht, Grundzüge der 
israelitischen Religionsgeschichte, Leipzig 1904, p. 24, 78f.)') 

Und nun gar erst die heidnische Deutung der heutigen 
Schofarzeremonie ! Mit dieser naturalistischen Erklärung des 
Schofarritus wird Reik vermutlich selbst in monistisch-entwick- 
lungsfreudig gestimmten Kreisen wenig Gegenliebe finden. 
Selbst ein Carus Sterne, der die Bundeslade für einen von 
Moses elektrisch geladenen Batteriekasten und die Feuersäule 
der Bibel als elektrische Ausstrahlung "erklärt hat, wird durch 
diese rationalistische Geschichtsklitterung io den Schatten ge- 
stellt. Die unbewussten ; Vatermordvorstellungen in den Seelen 
der Hörer sollen die aufrüttelnde Wirkung der Schofartöne auf 
die jüdische Gemeinde der Jetztzeit erklärlich machen ! Warum 
aber in aller Welt, so fragen wir, kommt dieser Gedanke des 
Schuldgefühl*, dieser Vatermordgedanke, im ganzen Rausch-Ha- 
schonoh- oder Jaum-Kippur-IUtual oder im Gebete nirgends 
mit einer Sterbenssilbe zum Ausdruck J Warum 
kein Wort der Anklage über diese ungeheuerliche Tat, keine 
Anspielung? Im spn rann, wo doch die gegebene Stelle dafür 
wäre, wo von der furchtbaren Wirkung des Schofare auf die 
Engel und die höchsten Sendboten Gottes die Rede ist und das 
Schreckenerregende dieses Instruments ausgemalt wird, tindet 
sich keine noch so leise Andeutung oder Beziehung auf eine 
in Urzeit begangene Freveltat. Der Scholar tritt bei allen feier- 
lichen Anlässen als n a t i o n'a 1 e s Instrument hervor, er wirkt 

'l Reik selbst muss in einer.Fussnote zugeben, dass das Vorhanden- 
sein eines T o t e m k u 1 1 u s_ini primitiven Judentum in der letzten Zeit 
von deutschen Bibelforschern fast durchweg geleugnet wird. Dies 
hindert Reik nicht an der Behauptung, dass ohne Annahme eines 
Totemkults das Verständnis des Alten Testaments 
fast unmöglich sei (p. 281). Wir glauben oben ziemlich plausibel gemacht 
zu haben, dass gerade die Annahme eines Totemkults d;ts Verständnis 
der Bibel erschwert und dass Keiks Nachweis eines solchen auf 
sehr schwachen Füssen steht. 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



weihevoll, erschütternd, erhaben, hoffnungerweckend, mahnend 
und aufrichtend, und hat Beziehungen zu den bedeutungsvollsten 
Ereignissen in der Geschichte Israels (vgl. Sachs' Ausführungen 
im Machsor). Bei keinem aber dieser biblischen Ereignisse 
kann selbst Reik einen Zusammenhang mit dem von ihm 
supponierten in Urzeiten geschehenen kriminellen Ereignis 
finden. Auch sind die besonders in den Schauforaus zitierten 
Stellen der Bibel in keinem Punkte bezüglich. Ueber- 
haupt findet Reik im gesamten Schrifttum der Propheten keine 
seine Totemtheorie stützende Stelle. Die einzige Stelle aus 
Arnos, cap. 1,2: »Und er sprach: Der Herr brüllt von 
Zion, J8fc" [TOD, und lässt seine Stimme aus Jerusalem schallen" 
beweist herzlich wenig und gewinnt auch keine grössere Beweis- 
kraft dadurch, dass Reik öie immer aufs neue in seiner Ab- 
handlung aufführt. Erstens ist ;kw ein auch von Menschen viel 
gebrauchter Ausdruck, bo Psalm 38, 9 : '•aS nen;ö TOfflP, so auch 
Ps. 74, 4, und an andere Stellen (a. Lexika). Ferner ist JXtf 
ein Arnos geradezu eigentümlicher und ihm als Schafzüchter 
geläufiger Ausdruck; in den neun Kapiteln des Buches Arnos 
kommt der Ausdruck dreimal vor. Was aber Reik ganz über- 
sehen hat, das ist die Stelle Jeremija XXV. 30: ..Weissage 
ihnen alle diese Worte und sprich zu ihnen : Der Herr schreiet 
(j»b>") aus der Höhe, aus seiner heiligen Wohnung lässt er seine 
Stimme erschallen u. s. w." Diese Stelle hat doch offenbar 
Aehnlichkeit mit der aus Arnos zitierten, wo Reik geschmackvoll 
übersetzt: Der Herr „brüllt", also Tierstimme annimmt. WiU 
Reik die Stelle in Jeremija auch als .Tiergebrüll" 
auffassen, so steht dem doch der Ausdruck iSip jjv ,WTp pyDD 
entgegen, ein Ausdruck, der doch schon eine hochentwickelte 
Form der Gottesverehrung voraussetzt. 

Auch die hohe symbolische Sühnebedeutung, die Reik dem 
vereinzelten Schofarton am Schluss des Versöhnungs- 
tages beimisst, ist nur ein Phantasiellug des Dichters Reik. 
Alle die schönen Ausschmückungen von der Bedeutsamkeit 
dieses Tones, von der Ungültigerklärung und Erneuerung des 
Urverbrechens (s. oben), das alles ist Fabel. Denn wäre wirklich 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



dies eine Schofarzeichen so bedeutsam, hätte mau es sicher 
nicht erst für nach Jaum-Kippur, sondern i n 
den Gottesdienst selbst oder an den Anfang des 
T a g e s gesetzt. Und so gehören alle die schönen Kombinationen 
Reiks über Symbolisierung und die Ausdeutung einzelner auf- 
fälliger Züije und Vorschriften bezüglich der Beschaffenheit 
des Schofars auch ins Reich der leichtbeweglicben Phantasie, so 
die Erklärung des Verbotes des durchlöcherten oder gespalteueu 
Schofars. Nach Reik soll dies den Opfer Charakter des 
Tierhorns betonen. Uns erklärt sich diese Vorschrift natürlicher 
damit, dass der Ton rein und ungebrochen hervorkommen, oder 
wegen niVB "lITTt, um das Gebot mit einem tadellosen und schönen 
Instrument auszuführen. Wenn Reik wirklich die einzelnen Vor- 
schriften so durchgeprüft hat, hätte er auch die seiner Deutung 
von der hohen Bedeutsam keit grade des Widders 
entgegenstehende Vorschrift beachten sollen, denn eine 
der Vorschriften sagt: Jedes Hörn, gleichgiltig von 
welchem Tiere, darf Verwendung linden, wofern es ein 
reines, zum Genüsse erlaubtes Tier ist (bis auf das Stierhorm. 
Aber Reik kümmert, sich nur um die Momente, die sich hübsch 
fü^s;ini in seinen Rahmen hineinpassen lassen, er baut Stein auf 
Stein seines Luftgebildes, „Uud wenn das Erst' und Zweit' nicht 
war', das Dritt' und Viert' war' nimmermehr". 

Auf die weiteren Ausdeutungen Reiks, der schliesslich den 
Schofar in Verbindung mit dem S c h w i r r h o 1 z der wilden 
Australier und dessen Verwendung bei den Pubertätsriten 
bringt, vermögen und brauchen wir hier nicht näher einzugehen, 
da Reik sich hier ausschliesslich auf den Boden vager Ver- 
mutungen und abenteuerlicher Kombinationen bewegt und wir 
Iceini Veranlassung haben, ihm dahin zu folgen. 

Kbenso müssen wir es uns versagen, auf die Reikschen 
Untersuchungen über den Ursprung der Musik nach dem 
bildischen Bericht von Jubal, der als Erfinder der Flöte in 
der Bibel genannt wird (Jubal soll mit Jobel, Widder zusammen- 
hängen usw.) an dieser Stelle näher einzugehen und müssen uns 
auf eine Andeutung beschränken. (SchlUBS fo] 



Tradition. 

Von Dr. Oskar Wolfsberg, Berlin. 

In diesem Aufsatz 'will ich nicht von dem Wert und dem 
Gehalt der jüdischen Tradition im einzelnen sprechen. Viel- 
mehr soll allgemein der Bedeutung der Ueberlieferung nach- 
gegangen werden. Was Tradition leisten kann, und was nur 
sie bieten kann, welchen Platz sie in einer Zeitkultur einzu- 
nehmen befugt ist. das sei einmal untersucht. 

In einem gewissen Sinn hat die Tradition bei den meisten 
Menschen eine gute Statt. Die Behaglichkeit und Denkträgheit 
der Mehrzahl kämpft gegen das Neue und klammert sich an 
das Alte. Aber hier ist der springende Punkt: die Treue 
zum Alten entstammt nicht der Liebe zum Alten. Daher 
sind die „Lobredner der alten Zeit" auch nicht die wahren 
Hüter der Tradition, ist das Schicksal der Tradition ein so 
trauriges. Denn die Fähigen wenden sich vom Alten ab, weil 
sie die Trägheit als Höllenhund vor der Pforte der Tradition 
erblicken und diese Gemeinschaft scheuen. 

Ebenso wenig wie die Trägen die Träger der Tradition 
sind, ist die Tradition die Feindin der neuen Gedanken. Sie 
ist nur die Vertreterin der gesicherten Erkenntnis, Anwalt der 
erprobten und bewährten Pfade. Sie will nicht, dass die Mühen 
der vergangeneu Geschlechter umsonst gewesen sind : sie will 
verhindern, dass das Streben nach Neuartigem sich selbst unter- 
miniert und das Fundament vernichtet, dessen es zur Existenz 
bedarf. Das, was heute Tradition ist, war auch einmal jung 
und kühn und von Philistern deshalb befehdet. Auch die 
Neuerung von Heute wird einmal die Gewohnheit und Tradition 
von Morgen sein; unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit oder 
Zeitlosigkeit wird der Unterschied im Alter der Anschauungen 
gering. 

Tradition aber heisst die Kontinuität des menschlichen 
Denkens erkennen und achten; bedeutet zwar Gegensätze in 
der Kulturcntwicklung als vorhanden hinzunehmen, sie aber 
doch eben als der eine n selben Kulturentwicklung zugehörig 



Tradition. 3S 

anzusehen . . Tradition und mit ihr die wahren Priester der 
Tradition wehren sich gegen das Abrupte, Sprunghafte im Schaffen 
und wollen zum Ausdruck kommen lassen, was in jungen 
-\>temen an alten Erkenntnissen steckt. Insofern ist die Ueber- 
lieferung auch ein Dolmetsch der Gerechtigkeit, weil sie näm- 
lich jeder Periode ihr Eigentum zuspricht. 

Tradition ist die Mahnerin zur Bescheidenheit. Wenn im 
Uebermut ein junger Arbeiter an der Kultur sich und sein Werk 
gar zu hoch stellt, dann tritt die Ueberlieferung auf den Plan 
und sagt ihm: n\T2' Kin VfiW na und weist nach, in welcher 
Periode bereits derselbe oder ein verwandter Gedanke geltend 
gemacht wurde. Achtung vor den Leistungen vergangener, ja 
urzeitiger Geschlechter gebietet die Tradition uud ist befähigt 
er';« bn r:n zb wrb. Ja, ein eigentlicher Nationalstolz kann 
nicht auf den Stolz der Tfadition verzichten, denn in irgend 
einer Form wird immer Adel der Ruhm eines Volkes sein. Und 
ist auch das Privileg einzelner Familien vor dem Richterstuhl 
der geschichtlichen Gerechtigkeit nicht haltbar — der Adel, der 
im Kulturbesitz der Nation gelegen ist, kann durch keine Re- 
volution vernichtet werden. 

Die Tradition allein führt uns an die Schwelle der Kultur, 
zm .lugend der Menschheit. Sie lehrt uns. wie die gewaltigsten 
Schritte in jener grauen Zeit getan wurden; dagegen bedeutet 
der Fortschritt unserer Tage nur den Schritt von Zwergen im 
Vergleich zu Riesenschritten. 

Dorthin, an die Geburtsstätte menschlichen Denkens müssen 
wir aber zurückkehren, wollen wir den Sinn der kulturellen 
Entwicklung verstehen. Wir erkennen, dass die Religion, als 
das Streben des Menschen zu Gott, dort seine Wurzeln hat. 
Alle Neuschöpfungen von Religion sind im Grunde genommen 
Reformen dieses ersten grossen Gedankeniluges. Dem modernen 
Denker wird die Religion freilich durch ihr Verknöpftsein mit 
jenen grauen Tagen der Vorzeit zu einer primitiven Lehre, und 
mancher wird mit Comte die Stufenfolge: Mythos, Metaphysik 
und Positivismus nicht nur für eine zeitliche sondern auch als 
Werturteil ansehen, in der das früheste das minderwertigste ist. 



:U> Tradition. 

Unser Denken kommt zu andern Ergebnissen : uns sind die 
Wurzeln der Kultur dauerhaft und saugen für alle Zeiten die 
Nahrung auf. Es will uns bedeutsam erscheinen, dass das Ge- 
schlecht, das am Sinai stand, als njn in bezeichnet wird. Gerade 
die Generation, die die Lehre des Judentums annahm mit ihrem 
nicht geringen Gehalt an nicht durch gewöhnliche Erfahrung 
gewonnenen Erkenntnissen, war ein Geschlecht von Denkern. 

In keinem andern Volk ist auch Tradition von solch 
grundlegender Bedeutung wie im jüdischen. Meiner Absicht 
getreu, will ich nicht vom Inhalt der Gesetzestradition sprechen. 
Nur die Anerkennung, die immer dem Begriff der Tradition, 
des Herkömmlichen gezollt wurde, das üurchtränktsein jeglicher 
Gegenwart mit dem Saft des Historischen, das in ihr aufgehoben 
(im Doppelsinn von Hegel) war, will ich hier mit Nachdruck 
betonen. , 

Keinem Volk sind die ältesten Ahnen so vertraut wie uns. 
Arminius ist den Deutschen viel ferner als den Juden die Erz- 
väter. Wie sehr aber uai rwo nicht nur mit seinen Lehren, 
sondern als Lehrer, als Gestalt schlechtbin in der Gegenwart 
lebendig ist, geht schon daraus hervor, dass selbst der Tradi- 
tion Fernerstebende — wie Hugo Bergmann — die Gestalt des 
grössten jüdischen Lehrers mit liebevoller Vertiefung ergründet 
halien. 

Nicht im tönenden Pathos, in den schlichten Worten eines 
ruhigen Gesprächs erkennt man nicht selten den Geist eines 
Volkes. Was Tradition dem Juden ist, das mögen die schlichten 
Worte lehren : W'Ta ijtiwk JnJD. Wir haben hier den vollendeten 
Gegensatz zu der Ungebundenheit anderer Anschauungen ; wäh- 
rend diese geradezu über eine Vorstellung hinweggeht, weil sie 
ein Alter hat, ehrt jene das Alter und geht im Respekt davor sc 
weit, dass es selbst vor wenig plausiblen oder gar unangenehmen 
Forderungen sich beugt, nur deshalb weil eine Tradition vorliegt. 

Die Tradition wahrt alten Problemen das Andenken! Es 
ist nicht selten vorgekommen, dass Probleme aus fernen Zeiten 
wieder aktuell geworden sind. Wenn die gelehrte Welt Tra- 
ditionen achtet, wird sie nicht so leicht alte Fragen vergessen 



Tradition. 37 

und zu passender Zeit das Alte mit dem Neuen verweben. Ich 
denke z. B. an das alte Universalienproblem der Philosophie 1 ), das 
auch heute wieder einiges Interesse beansprucht. Eine Wissen- 
schaft, aber auch das Leben ohne die Basis der Tradition ist 
nicht nur ärmer an Gehalt sondern auch viel weniger entfaltungs- 
fähig. Denn nicht die unbedeutendsten Aufgaben ergeben sich 
aus dem Vergleich des tradierten und neu erworbenen Gutes. 
Die souveräne Beherrschung des überlieferten Gutes gestattet 
erst die sichere Stellung zum Neuerwerb. Denn die traditions- 
losen Denker haben die Parvenumiene der Emporkömmlinge 
und man geht nicht fehl, in den Kennern und Schätzern der 
Tradition ebenso die wirksamsten Förderer des Fortschritts zu 
erkennen wie in der Gestalt eini'S Mirabeau einen der be- 
fähigsten Revolutionäre. Erst die Kenntnis des Vorhandenen 
gestattet, die Lücken in der Kultur zu erspähen. Denn nicht jede 
Neuerung bedeutet eine Erneuerung. Die Kultur hat gewisse 
gesicherte Säulen und Mauern. Die Lücken in ihnen zu füllen, 
ist die Aufgabe der Arbeiter, die über das Vorhandene hinaus- 
gehen. Jene Mauern aber muss man kennen, um sie ergänzen 
''.u können, und lieben, um sie vollenden zu wollen. 



Die Prophetie. 

Von Dr. Elias Auerbach. 
Eine Besprechung von Rabb. Dr. Emil Levy. 

Der Versuch Auerbachs bleibt auf alle Fäll« dankenswert, 
-anstatt von einem Allgemeinbegriff , Prophetie - ' auszugehen und 
/.u zeigen, wie im Prisma der Persönlichkeit das Licht verschieden- 
t'arbig gebrochen wird, umgekehrt auf inductivem Wege vom 
Besonderen zum Allgemeinen, von der Erscheinung zum Typus 
auszuschreiten und an dem Leben und Wirken einer einzelnen 
Persönlichkeit Geißt und Wesen der Prophetie Altisraels zu 
•lemonstrieren. 



') Die bekannt«' Frage, ob die Idee Nor der Sache lutea .into rem) 
»der in i 



38 Die Prophetie. 

Die Wahl Jeremia's ist eine glückliche, vielleicht die 
einzig mögliche. Nicht nur deshalb, weil die tragischen Schick- 
sale dieser überragenden Gestalt uns in einer Ausführlichkeit 
mitgeteilt sind, wie bei keinem anderen Propheten. Offen breitet 
Jeremia sein Seelenleben vor uns aus und lässt uns tiefe Ein- 
blicke tun in sein Menschliches, in die Werkstatt seiner Gefühle. 
Wir sind Zeugen nicht nur der prophetischen Ergüsse, sondern 
auch der Kämpfe und Beklemmungen, die ihnen vorangehen, der 
Gemütswallungen, die sie begleiten, der Verzweiflungen und des 
Triumphes über alles Verzweifeln. Und der Fluss der pro- 
phetischen Rede ist, wie Auerbach mit Recht hervorhebt, rein 
und edel, unbelastet von Schwere ergreift sie durch erschütternde 
Schlichtheit. 

Zur Bewältigung seiner Aufgabe hat Auerbach die Methode 
der Psychoanalyse (bis auf Professor Freud!) und den gesamten 
Hilfsapparat der bibelkritischen Schule aufgeboten: dass er uns 
wesentlich Neues erzählt oder das Rätsel der Prophetie erhellt 
habe, wird man aber nicht behaupten können. So stark der 
Essai von Anfang bis Ende fesselt, und so anerkennenswert die 
Leistung eines Nichtfachmannes ist, so mussten doch zwei Fak- 
toren, mit denen der Autor an das gewaltige Problem heran- 
getreten ist, den Lösungsversuch von vornherein zum Scheitern 
bringen : Die einseitig rationalistische Be- 
trachtungsweise und die Unzulänglichkeit 
des Wissens. 

Schon in den principiellen Grundfragen scheiden sich unsere 
Auffassungen. 

Unsere jüdische Ueberlieferung ist weit entfernt, die 
Propheten lediglich als Sprachrohr des göttlichen Mundes an- 
zusehen. Der Talmud unterscheidet in treffenden Bemerkungen 
zwischen den Individualitäten der verschiedenen Gottesmänner, 
und Maimonides nennt ausführlich die Charakter- und Geistes- 
eigenschaften, welche der Prophet besitzen muss, um der In- 
spiration teilhaftig zu werden. — Auerbach aber will ein über- 
natürliches Offenbarungsmoment überhaupt nicht anerkennen und 
betrachtet als Schüler der radikalen Bibelkritik den jüdischen 



Die Prophetie. 39 

Gottesbegriff als das in vielhundertjähriger Ent- 
wicklung gewordene Produkt des jüdischen 
Volksgeiates. Es hat nach ihm der jüdische Geist, „ seinen 
Gottesbegriff in rastlosem Ringen geschaffen", aus dem „Innern 
der Volksseele" ist der Gott der Sittlichkeit entstanden. Nach 
ihm wären also die Propheten .als „sittliche Genies" nur die 
Exponenten der jüdischen Volksseele. 

Dem widerspricht das Zeugnis der Geschichte Israels und 
der Mund der Propheten selber! Sie fühlen sich keineswegs von 
der Strömung der Masse emporgehoben, sondern von Gott be- 
rufen, sich in striktesten Gegensatz zu den Volksbewegungen zu 
stellen und die Massen immer wieder des Abfalles, der Wider- 
spenstigkeit und Zuchtlosigkeit anzuklagen. Auch die ältesten 
Schriftpropheten haben Kenntnis von einer Uroffenbarung 
Gottes an sein Volk. Niemand von ihnen will seine 
sittliche Forderung als etwas Neues und Niedagewesenes hin- 
stellen. — Ohne die Voraussetzung einer solchen Uroffenbarung, 
von der das Volk immer wieder abfällt, wären uns die leiden- 
schaftlichen Ausbrüche des prophetischen Zornes vollkommen 
unbegreiflich. 

Ohne das Werk Moses würde der gesamte Prophetiamus 
Israels in der Luft schweben; bezweckte doch die von der Bibel- 
kritik als „fortschrittlich" gepriesene Keform der Propheten 
nichts anderes als Wiederherstellung des reinen Mosaismus, die 
Abstossung der kanaanäischenKultformen und Götzendienste, denen 
Israel nach Besitzergreifung Palästinas immer wieder anheimfiel. 
Es ist kennzeichnend, dass in dem Werk Auerbachs der grund- 
legenden Tätigkeit Mosis, des Vaters der Propheten, nicht 
gedacht wird. Ueber Micha und Arnos hinaus läset sich nach 
dem Verfasser der Universalismus und der ethische Charakter 
des jüdischen Gottesbegriffes nicht zurückverfolg-n So stark 
steht Auerbach im Banne der doch längst als brüchig 
und unhaltbar erwiesenen Wellhausenschen Theorie. 

Es ist der Fluch dieser verkehrten principiellen Ein- 
stellung der Betrachtungsweise, dass sie fortzeugend weiter Irrtum 
auf Irrtum gebären muss. Sind die Propheten, wie Auerbach 



Die Prophetie. 



behauptet, Persönlichkeiten, in welchen der als Anlage bereits 
vorhandene sittliche Naturtrieb ihres Volkes in's Geniale gesteigert 
ist, dann ist es natürlich nicht erforderlich, zum Verständnis 
ihrer Wirksamkeit die Zustände Israels „auf schwarzem Hinter- 
grunde zu malen"; dann ist das Volk auch zur Zeit Jeremias 
.wohl nicht besser al9 heute allerwärts, aber wohl auch nicht 
schlechter." Leider müssen wir sagen, dass die Mohrenwäsche, 
die Auerbach versucht, ein missglücktes Experiment bleibt. 
Hätte die Volksmoral den durchschnittlichen Charakter gehabt, 
den der Verfasser ihr unterlegt, dann wäre es ein Verdienst 
gewesen, die Propheten als überspannte und bösartige Narren 
aus dem Wege zu räumen. Zu ihren immer wiederholten An- 
klagen, welche Israel in seinen breiten Massen (Jerem. V, 1 — 2) 
der grössten Sünden und Verbrechen beschuldigen, stehen die 
Behauptungen Auerbachs in denkbar schroffstem Gegensatz 
Wenn Auerbach als den Zweck der prophetischen Rede die 
sittliche Erziehung des Volkes hinstellt, müssen wir ibm natürlich 
rückhaltlos beipflichten, und er ist im Recht, wenn er im Gegensatz 
zu den jungjüdisch-mystischen Schwärmereien die ethische 
Forderung betont. Aber er übersteigert den unbezweifel- 
baren Grundgedanken, dass das sittliche Tatenleben und nicht 
die mystische Versenkung den Kern der jüdischen Religion bildet. 
Während nach den Propheten die Heiligkeit Gottes sein hervor- 
ragendstes Attribut ist, macht Auerbach das A 1 1 r i b u t zur 
Substanz. Gott und Sittlichkeit werden ihm in dem Sinne 
identisch, dass „der echte Prophet die sittlichen Kräfte der 
Menschenseele Gott nennt". „Gott nnd die sittliche Idee sind 
eins". Das bedeutet eine Ueberspannung des sittlichen Momentes 
bis zur völligen Ausschaltung jedes metaphysischen Princips. 
Auerbach hat kein Recht, als den religiösen Glauben der 
Propheten die Vergottung sittlicher Strebungen auszugeben. Den 
Propheten ist der Heilige Israels ein Uberweltliches und realiter 
daseiendes Wesen und keine ethische Abstraktion! Es hiesse 
Geschichte fälschen, wollten wir den Gott der Bibel, deD 
allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde, in die Idee 
der Gerechtigkeit sich verflüchtigen lassen. 



Die Prophetie. 



E3 rächt sich an Auerbach, dasa er — ganz und gar 
Yei standesnatur — die Gefühlsmomente, die auch in der jüdischen 
Religion ihre grosse Bedeutung haben, weit über Gebühr ver- 
nachlässigt. Einmal hat er es richtig ausgesprochen, dass die 
Auffassung der Propheten eine vollkommene und unauflösliche 
Einheit zweier Gefühlswerte - des Sittlichen und des (Mystisch-) 
Religiösen — durstelle. Aber in seinen weiteren Ausführungen 
setzt er sich selber mit dieser richtigen These in Widerspruch, 
weil er nicht nur die Suprematie des Sittlichen über das „Reli- 
klarlegt, sondern darüber hinausgehend den sittlichen 
Gedanken zum Alleinherrscher macht, neben dem das Mystische 

Gefühl einer persönlichen Verbundenheit mit Gott überhaupt 
nicht mehr in Betracht kommt. 

Die einseitige Uebersteigerung des sittlichen Piineips ver- 
leitet Auerbach zu weiteren Schlussfolgerungeu bedenklichster 
Art ; und er verfährt dabei ganz nach dem bekannten Brauch, 
widersprechende und unangenehme Schriftworte als spätere Ein- 
bse] zu eliminieren, wenn sie nicht in das Schema hinein- 
passen. Jeremiaa „räumt alle Sakramente hinweg", er .steht 
über jedem Formwesen und jedem Ceremonialgesetz"; das sind, 
in ihrer apodiktischen Unbedingtheit, völlig unerweisliche und 
irreführende Behauptungen. Es ist auch nicht wahr, dass Jeremias 
den Kultus höchstens als „.Symbol innerer Reinheit und Einheit 
des Gottesvolkes " anerkennen will. Weder die der Bundeslade 
gewidmeten Worte (K. III, 16) noch die Erwähnung der Be- 
schneidung (K. IX. 25) können als Zeugnis für eine Gleich- 
gültigkeit Jeremias dem Kultischen gegenüber ausgelegt werden. 
In nichts lässt sich, wie Auerbach es will, eine klare und 
-• lineideud scharfe Gegenüberstellung von Prophetie und Gesetz 

lisen. Dass der Kultus, mechanisch ^'eübt, zu Aber- 
glauben und Scheinlrömmigkett führen kann und dass er 

alb eines Korrelates bedarf, der mahnenden Stimme der 
sittlichen Krweckung und Erneuerung, soll nicht bestritten 
werden, — diese Auffassung des Prophetentums ist aber nicht 
■lie Auerbach'sche' — Es müsste nach ihm Jeremias, wenn er 
heute lebte, eine .ablehnende, /.um mindestens yleiehgültigo 



42 Die Prophetie. 

Haltung" gegenüber Synagogengottesdienst und Festfeiern ein- 
nehmen — eine Annahme, die sich selber ad absurdum führt. 
Die Sabbatpredigt Jeremias, (Kap. XVII, 19 ff.) wird 
durchaus nicht, wie Auerbach behauptet, von allen Kritikern 
als späterer Einschub hingestellt. Man vergleiche dazu die 
Ausführungen von Prof. Rothstein in der Kautz'schen 
„Heiligen Schrift des Alten Testamentes". Ferner derselbe 
Gelehrte a. a. 0. „Den Opferkultus an sich, wenn er von 
gläubigen Herzen und reinen Händen gebracht wird, will Jeremia 
ebensowenig wie irgtnd ein anderer Prophet verwerfen". Dass 
in Kap. XXXIX die Zerstörung des Tempels nicht erwähnt 
wird, dariu erkennt Auerbach „einen Ausdruck von symbolischer 
Wucht" für die Stellungnahme des Propheten. Er dürfte aber 
aus diesem Nichterwähnen schon darum keine Schlüsse ziehen, 
weil die Bibelkritik, deren Hypothesen er ja sonst gerne be- 
rücksichtigt, geneigt ist, in dem betr. Kapitel eine grosse Lücke 
anzunehmen — — — 

Wie Auerbach im Banne der landläufigen bibelkritischen 
Anschauung die Kultusreform des Josia wertet, ist eine Sache 
für sich. Dass er aber Jeremias gegen das Gesetz des Deute- 
ronomiums protestieren lässt, ist eine durch nichts zu be- 
gründende ungeheuerliche Fiction. Die schwierigen 
Worte clor yv uy n'B>j) "ipa6 (VIII, 15) können doch wohl dem 
Zusammenhang nach nur ironisch verstanden werden: Bei 
dem Abgrund, der zwischen der Theorie des Gotteswortes 
und der Praxis seiner Ausführung klaffe, ist der Besitz der 
Torah, dessen man sich rühmt, völlig wertlos; der Griffel des 
Abschreibers hat seine Arbeit umsonst getan, sie ist zur Lüge 
geworden. — Wenn Jeremia von der Kultusreform Josia's an 
dreizehn Jahre lang nicht prophezeite, so ist dieses Schweigen 
durchaus nicht so demonstrativ, wie Auerbach meint. Auch für 
prophetisches Wirken muss irgend ein Anlass vorliegen. Der 
von dem mvn ".cd belehrte König hielt streng auf Recht und 
Gerechtigkeit (Jer. XXII, 15), jede Abgötterei ward aufs Schwerste 
gezüchtigt, und deshalb bestand kein Grund zu prophetischer 
Strafrede. Die Nachfolger aber „taten wieder, was dem Ewigen 



Die Prophetie. 4$ 

missfällig war", und das Volk tat wie die Herrscher, und so 
erklärt es sich von selbst, dass die prophetische Tätigkeit wieder 
einsetzte. — Was Auerbach während der 13 jährigen Pause in 
der Seele Jeremia*s vorgehen lässt an Zweifeln und Grübeln, 
ist ein aus der bibelkritischen Theorie hervorgegangenes Phantasie- 
gebilde. 

Auerbach ist, wie wir schon bemerkten, ein Gegner des 
Mysticismua und möchte in seiner Darstellung des Prophetismus 
das Moment der Transcendenz vollkommen negieren. Ein ganzes 
Kapitel bat er dem Nachweise gewidmet, dass bei Jeremia ein 
Vorhersagen der Zukunft als Offenbarungs- 
moment nicht in Betracht kommen könne, sondern nur eine 
Art moralischer Gewissheit vorliege, dass der Sund« 
die Strafe folgen müsse. Um seine Theorie zu stützen, führt 
er 14 Prophezeiungen an, welche im Buche Jeremia an einzelne 
Personen gerichtet sind, und wir müssen seine Resultate auf 
ihre Stichhaltigkeit nachprüfen. — Sechs von diesen Prophezeiungen 
scheidet er von vornherein aus der Betrachtung aus, weil wir 
über ihr Eintreffen oder Nicht eintreffen nicht unterrichtet wären. 
Die 7. W'eissügung betrifft (K. XXI. 7) das Schicksal Zedekia's. 
Sie ist, so behauptet Auerbach, als unerfüllt anzusehen, weil 
Zedekia nicht erschlagen, sondern „nur", nachdem er die Nieder- 
metzelung seiner Kinder ansehen musste, geblendet und gefangen 
fortgeschleppt wurde. — Als ob dies Schicksal nicht schlimmer 
war als der Tod! — Von einer Nichterfüllung können wir nur 
dann sprechen, wenn wir Wortklauberei treiben und spitzfindig 
sein wollen: wer die Stelle unvoreingenommen liest, wird be- 
kennen müssen, dass die Prophezeiung in tragischer Weise und 
restlos sieh erfüllte. — Von der 8. Prophezeiung gibt Auerbach 
zu, dass sie eingetroffen ist (die Verbannung des Jofcchas). Die 
9. wäre dagegen wieder unerfüllt geblieben (K. XXII, SO). Auch 
hier müssen wir das Gegenteil feststellen: Serubabe] Baas nicht 
auf dem Throne Davids, sondern war nur Statthalter; Jojakim, 
Jojachin und Zedekia waren doch als erbeiugesessene König«» 
in einem ganz anderen Sinne die Vasallen Babylons!-- 
Von der 1". Weissagung (Tod Chananjas. K. XXVIII, 16— 1 7 



44 Die Prophetie. 

rauss Auerbach einräumen, dass sie sich erfüllte. Die 11. (Fried- 
liches Ende Zedekia's, K. XXXIV, 4—5) sei wieder nicht ein- 
getroffen; hier aberhaben wir es deutlich mit einer bedingten 
Weissagung zu tun, deren Charakter durch den Zusammenhang 
mit XXXVIII, 17 — 78 ganz unverkennbar ist. — Von der 
12. Weissagung (K. XXXVI, 30. Jojakim soll keinen Nachfolger 
haben) gilt dasselbe, was wir von der 7. feststellen mussten; 
denn Jojaehin sass nur 3 Monate auf dem Throne seines Vaters 
und wurde darauf als Gefangener nach Babel geführt. Und von 
der 13. ebenfalls (K. XXXVIII, 17 — IS) : nur Wortklauberei 
kann eine Nichterfüllung heraustifteln, weil Zedekia nicht ge- 
tötet, sondern „nur" geblendet wurde. Bleibt die 14. Weissagung, 
den Tod Pharao Hopbra's betreffend (XLIV, 30). Auch sie kann 
nicht als unerfüllt bezeichnet werden. Die Eroberung Aegyptens 
misslang Nebukadnezar durchaus nicht, wie Auerbach meint. 
Nebukadnezar besiegte die Aegypter im Jahre 567, wie aus 
den Keilinschriften hervorgeht, hatte aber nicht die 
Ab sieht, das Niltal dauernd seinem Reiche 
einzuverleiben, womit Jerem. XLIII, 12 auf's Trefflichste 
harmoniert. Dass Jeremia den Tod Hopbra's Nebukadnezar 
selber zuschreibt, kann aus dem Texte nicht gefolgert werden; 
jedenfalls war dieser Tod (durch Amasis) eine Folgeerscheinung 
des babylonischen Sieges. 

Wenn also Auerbach behauptet: .Es zeigt sich mit völliger 
Sicherheit, dass der Prophet so wenig wie irgend ein anderer 
Mensch in die Zukunft zu sehen vermag 1 ", so dürfen wir 
diesen Satz getrost in sein Gegenteil um- 
wandeln: Der Prophet hat eine Divinationsgabe. welche 
weder mit kluger politischer Voraussicht identisch ist, noch 
auch mit der moralischen Gewissheit, dass der Sünde die 
Strafe folgen müsse, erklärt weiden kann. Daran äudert auch 
die Tatsache nichts, dass der Prophet vielfach (durchaus nicht 
immer!) sich nicht auf Einzelheiten einlässt, sondern nur „in 
allgemeinen Wendungen die Richtungen des zukünftigen Ge- 
schehens festlegt*. 

Als Beweis für das Nichteintreffen von an die Völker ge- 



Die Prophetip. 46 

richteten Offenbarungen führt Auerbach weiterhin die von Jeremia 
geweissagte 70 jährige Dauer des Exils an, weil die Periode des 
Exils kürzer*) gewesen wäre. Vom Datum der Weissagung an 
(597) bis zur 1. Rückkehr unter Oyrus wäre es ein Zeitraum 
von etwa 60 Jahren. Unzweifelhaft wollte aber Jeremia nur eine 
ungefähre Periode angeben und wählte dazu die im Volks- 
gebraucb viel verwandte approximative Zahl 70. Wir haben 
nicht notwendig die erste Unterwerfung Jojakims im Jahre C05 
zum Ausgangspunkt zu nehmen; aucli die 70 Jahre, welche von 
der Zerstörung des Tempels bis zu seinem Wiederaufbau (516) ver- 
flossen (vgl. Secharja I, 12), brauchen zur Erklärung kaum heran- 
gezogen zu werden. 

Auch die von Jeremia (wie auch Ezechiel) geweissagte 
Rückkehr von Angehörigen des Nordreiches 
aus dem Exil lässt sich bei tieferem Eindringen in das 
Problem nicht so einfach als ungeschehen hinstellen. Von der 
Zahl der in die assyrische Gefangenschaft Verschleppten dürfen 
wir uns von vornherein keine übertriebenen Vorstel- 
lungen machen. Eine grosse Anzahl von Israeliten blieb auch 
nach der Katastrophe des Jahres 722 in Ephraim wohnhaft (vgl. 
II. Chronik Kap. XXX) und verschmolz mit den fremden Ko- 
lonisten zum Mischvolk der Samaritaner. Sargon, der Eroberer 
Samarias, rühmt sich, wie keilinschriftliche Funde bezeugen, 
27 280 Israeliten deportiert zu haben. Diese Summe entspricht 
nicht den Vorstellungen, welche man sich früher von der Zahl 
der in die assyrische Gefangenschaft geführten 10 Stämme gemacht 
hat. Immerhin war sie bedeutend genug, um die Hoffnung auf 
Rückkehr auch dieser versprengten Volksteile zu rechtfertigen. 
I'nd es steht nichts der Annahme im Wege, 
dass wesentliche Teile dieser Versprengten 
mit ihren judäischen Volksgenossen den Weg 
nach Palästina zurückgefunden haben. Ist doch 
die Neubesiedelung Palästinas nach dem babylonischen Exil 
nicht ein einmaliger Vorgang gewesen, sondern eine (ort- 

*) Von A. fälschlich auf 50 Jahro beschränkt. 



46 Die Prophetie. 

gesetzte Kette von Rückwanderungen erfolgte, 
über welche wir allerdings nur sehr mangelhaft unterrichtet 
sind. Dass zur Zeit Jeremias und Ezechiels die exilierten 
Reste Ephraims sich erhalten hatten, müssen wir nach 
dem Zeugnis beider Propheten als sicher annehmen. Und 
die bussfertige Stimmung dieser Israeliten, welche 
Jer. XXXI, 18 — 19 hervorgehoben wird, lässt schliessen, dass sie 
die Möglichkeiten der Rückwanderung nicht unbenutzt gelassen 
haben. 

Und nun noch die letzte von Auerbach zitierte „nicht 
erfüllte" Weissagung Jeremias : die in Kap. XLIV 26ff. aus- 
gesprochene Drohung der Vernichtung der ägyptischen Juden- 
schaft. Auerbach beruft sich auf die durch die neuen Funde 
bekannte Militärkolonie in Elephantine, deren Entstehung er 
mindestens bis in die Regierung Manasse's zurückdatiert. Damit 
erledigt sich aber auch seine Behauptung ! Dem gesunden 
Menschenverstand muss doch einleuchten, dass die Drohung 
Jeremias sich nur auf die nach der Ermordung Gedalja's nach 
Unterägypten geflüchteten Judäer beziehen kann, welche der 
Abgötterei anheimfielen. Diese werden nach dem Zusammen- 
hang des Textes für ihren Abfall mit Vernichtung bedroht, und 
wir können annehmen, dass die strafende Hand Nebukadnezars 
sie bei seinem Einfall in Aegypten ereilt hat (siehe oben). Dass 
Jeremia dabei auch an die im äussersten Süden Aegyptens 
stationierte jüdische Militärkolonie gedacht haben soll, die nach 
dem Zeugnis der Elephantine-Papyri sich frei von 
Götzendient hielt, blosse den Propheten der Unge- 
rechtigkeit zeihen. 

Facit : Den von Auerbach zitierten Belegstellen gegen den 
Offenbarungscharakter der prophetischen Weissagungen kann eine 
schlüssige Beweiskraft nicht zuerkannt werden. 

Natürlich ist Auerbach völlig im Rechte (nur sagt 
er damit nichts Neues !), wenn er den Propheten streng 
vom Wahrsage r trennt und die Bewährung des Propheten 
nicht von der unbedingten Erfüllung seiner Weissagungen ab- 
hängig macht. Die wesentliche Aufgabe des Prophetismus ist die 



Die Prophetie. 47 

sittliche Läuterung des Volkes, der Hinweis auf dessen gott- 
gegebene Bestimmung «ein Reich von Priestern und ein heiliges 
Volk" zu sein, und das Wahrsagen geschieht nur innerhalb 
dieses Rahmens, ist gewissermassen nur Mittel zum Zweck. 
Daher der von Auerbach mit Recht hervorgehobene bedingte 
Charakter vieler Prophezeiungen : Gott kann immer wieder das 
Unheil abwenden, wenn der Verschuldung die Bussfertigkeit 
folgt. Dass aber dieses bedingte Prophezeien „ein wirkliches 
Erkennen zukünftiger Dinge mit Sicherheit ausschliesse", hat 
Auerbach nicht glaubhaft gemacht. — Darum können wir ihm 
auch nicht beipflichten, wenn er zwischen wahren und fal- 
schen Propheten einen Unterschied nur des Grades aber 
nicht der Art gelten lassen will und den Unterschied damit 
begründet, dass der echte Prophet eine „unangreifbare sittliche 
Persönlichkeit" ist oder lediglich als „Unheils verkünder" auf- 
tritt. So oberflächlich liegen die Dinge nicht, und um das X 
eines verstandesmässig nicht zu erfassenden Offenbarungsmomentes 
werden wir auch bei dieser Frage nicht herumkommen. Die 
unerbittlich schroffe und rücksichtslose Art, mit der die falschen 
Propheten von Jeremia bekämpft werden, ist ein Zeugnis dafür, 
dass das prophetische Oft'enbarungsbewusstsein nicht ausgeschaltet 
oder abgeschwächt werden darf. 

Die Ausführungen Auerbachs über die Vordatierung 
bestimmter Inspirationen sind psychologisch sehr 
interessant. Aber der schlichte Wortlaut des Textes (K. XVIII) 
„Es erging an mich das Wort Gottes: Steig hinab in das Haus 
des Töpfers etc." und (K. XXXII) „Bald wird Chanamel, der 
Sohn deines Onkels Sallum, zu dir kommen etc." berechtigt uns 
nicht, diese Stellen als Resultate nachträglicher 
Ueberlegung infolge eingetretener Ereignisse anzusehen 
und den Propheten einer Umbiegung — um nicht zu sagen 
Fälschung — des Verhältnisses von Ursache und Wirkung zu 
zeihen. Es liegt keine Nötigung vor, eine solche Gedanken- 
e i) u i 1 i b r i s t i k zu treiben, wie Auerbach es tut, wenn wir 
uns nicht auf den Standpunkt versteifen, den Prophetismus rein 
rationalistisch erfassen zu können. — 



Die Prophetie. 



Es fehlt Auerbach an dem Gefühl ehrfürchtiger Zurück- 
haltung, welches auch dem kritisch veranlagten Juden wohl anstünde, 
wenn er an die heilige Literatur Israels herantritt. Er wäre 
sonst vorsichtiger mit Werturteilen etwa der Art, dass „Ezechiel 
zu Unrecht unter die grossen Propheten gekommen sei", dass von 
Jeremia zu Ezechiel „ein gewaltiger Rückschritt" führe und 
dergl. — Wir sind genötigt, dem Juden Auerbach das Zeug- 
nis des christlichen Professors Rotbstein entgegenzuhalten 
(in der Kautz'schen Bibel), „dass wir Ezechiel ohne Bedenken 
zu den wirklich grossen Geistesmännern Judas rechnen dürfen"; 
ferner derselbe Gelehrte: .... eine Herabsetzung seines 
Werkes gegenüber dem seiner grossen prophetischen Vorgänger 
ist eine Ungerechtigkeit". Wer sich vorurteilslos in das Buch 
Ezeclüels versenkt, - wird dem unbedingt beipflichten müssen. 
Persönlicher Geschmack mag wohl die Sprache und Stüweise des 
einen oder anderen Propheten vorziehen; aber unser subjektiv- 
ästhetisches Empfinden darf bei grundlegenden Fragen nicht 
Richter sein. Wenn Auerbach von dem hohen sittlichen Ernst 
spricht, den das Volk im Exil bewiesen hat, so hätte er nicht 
übersehen dürfen, dass dieser sittliche Ernst in erster Linie dem 
Wirken Ezechiels zu verdanken ist. Das Buch Ezechiel hat 
alle Merkmale des echten Prophetismus, jenes Hochgebirges, 
das nicht eingipfelig in Jeremia, wie Auerbach meint, sondern 
mehrgipfelig zum Himmel ragt. — 

Jeremia selber würde sich mit Entschiedenheit dagegen 
wehren, erster Verkünder der religiösen Werte und Schöpfer 
der Begriffsbildungen zu sein, welche Auerbach ihm zuschreibt. 
Wie leichtfertig Auerbach seine Thesen aufstellt, weil neben 
seiner rationalistischen Betrachtungsweise die elementarsten 
Kenntnisse des prophetischen Schrifttums 
nicht bei ihm vorhanden sind, zeigt uns folgendes Beispiel. Er 
führt aus (S. 71): „Dieses vierte Jahr Jojakims bedeutet auch 
eine Epoche für Jeremia. Seine alte Weissagung, dass der 
Verderber von Norden kommt, erhält einen neuen Sinn. Gleich- 
zeitig blitzt aber ein neuer Gedanke von weittragender 
Bedeutung auf, der eine mächtige Erweiterung des 



Die Prophetie. 49 

prophetischen Gesichtskreises in sich schliesst 
und für die späteren (vor allem für üeuterojesaia) massgebend 
geworden ist: Der grosse Babylon ier ist ein 
Werkzeug in der Hand Gottes, die Zucht- 
rute seines Zornes". — Ein prägnanter Beweis, wie 
Auerbach die biblische Beleseuheit fehlt, welche doch die 
.conditio sine qua non" seiner Arbeit hätte sein müssen. Un- 
möglich hätte er sonst den Ausruf Jesaia's übersehen können 
(Kap. X, 5 ff): „Wehe über Assur. den Stock meines Zornes 
und die Rute meines Grimmes" ff. Die der Tora geläufige 
Vorstellung, dass die feindlichen Heere Werkzeuge göttlicher 
Strafvollstreckung sind, ist 13U Jahre vor Jeremia Angelpunkt 
der jesaianischen Prophetie!' — (lerne möchte mau glauben, 
dass Auerbach wenigstens das Buch Jeremia gründlich durch- 
gearbeitet hätte; aber selbst hier wird man enttäuscht. Er 
behauptet (S. 99): „Zu den letzten Schmerzen und 
Wonnen der Einzelseele dringt er (Jeremia) 
nicht vor .... Der Mensch allein mit sich und Gott, die 
ungeheure Einsamkeit der Seele gegenüber der Welt ausser 
ihr: das sind Problemkreise, die ausserhalb der jüdischen Pro- 
phetie liegen. Darum wird man bei Jeremia vergeblich nach 
einem Wort Muhen, das von den Grundfragen dieses Kreises 
spricht, vom Leiden und von der Seligkeit. Das Hiobproblem, 
dase unschuldiges Leiden eine Negierung f4ottes ist, existiert für 
ihn noch nicht'. Wie war es möglich, dass Auerbach jene er- 
greifenden Verse entgehen konnten (K. XII. 1): „Zu gerecht 
bist du. ii Ewiger, als dass ich mit dir streiten dürfte, und 
dennoch mus> ich vom Rechte mit dir reden. Warum i*t der 
Weg der Frevler glückhaft, gehl esgul allen die treulos sind ff.". 
Oder mit welcher inneren Befugnis darf er diese Verse, die 
uns die menschlische Gewissensnot des Propheten so 
erschütternd malen, als nachträgliche Zusätze ansehen' J 

Wir müssen ferner das Gegenteil feststellen, wenn ' 
illen Krnstes versichert (S. 98): „Es ist eine für die Qe- 
achichte der Bibel überm- «richtige und bezi ichnende Erschei- 
nung, dass in keinem echten mit S i c h e rh i 

4 



Die Prophetie. 



auf .leremia zurückgehenden Worte der Aus- 
zug aus Aegypten oder seine (sie) Wüsten- 
wanderung erwähnt ist. Angesichts der grundlegen- 
den Bedeutung, die diesem Ereignis in der nachexilischen Zeit 
beigelegt wird, drängt sich die Annahme auf, dass Jeremia 
diesen Sagenkreis nicht gekannt oder wenigstens weit geringer 
gewertet hat". Wir müssen Jeremia selber zitieren (Kap 
II, 5 ff.): „Was fanden eure Väter Unrechtes an mir, dass sie 
nicht sagten «Wo ist der Ewige, der uns herausge- 
führt aus dem Lande Aegypten, der uns durch die 
Wüste geleitet etc.*; es sind Worte, die keine Bibelkritik dem 
Propheten absprechen kann. Geradezu ungeheuerlich die Vor- 
stellung, dass Jeremia den Auszug aus Aegypten, von dem be- 
reits die ältesten Schriftpropbeten sprechen, (z.B. Hosea II. 17, 
XI. lff., Arnos II. 10, III, 1, IX. 1), nicht gekannt oder höchstens 
als Sagenkreis gewertet haben soll. — Irreführend sind ferner 
die Ausführungen, dass zum ersten Male bei Jeremia Gott als 
Vater angesprochen wird, ein Name „der deutlicher als viele 
Erklärungen die Innigkeit des Verhältnisses zwischen Gott und 
Mensch in sich fasst". Nur nebenbei erwähnen wir, dass sich 
hier Auerbach in Widerspruch zu seiner eigenen These setzt, 
das Wesen der Prophetie liege nicht .in der religiös persönlichen 
Vereinigung des Menschen mit Gott. Zur Sache selbst weisen 
wir auf Exodus IV, 22., Deutern. 1.31, VIII. 5, XIV. 1. Aber 
wiederum: Wozu die Wortklauberei'.- 1 Güdemann hat voll- 
kommen recht, wenn er sagt (Apologetik S. 107): „Nicht aus 
den Benennungen Gottes kann das Verhältnis zwischen Gott 
und Mensch, das eine Religion aufstellt, ermittelt werden; aus 
ihrem Geiste, ihrer Gesamtanschauung muss man es erschliessen". 
Unmöglich kann beispielsweise die schrankenlose Liebe Gottes 
zu Israel rührender dargestellt werden als bei Hosea. und trotz- 
dem wird die Bezeichnung Gottes als .Vater" nicht ein einziges 
Mal von diesem Propheten angewandt. Und andrerseits wäre es 
durchaus verkehrt, aus der Tatsache, dass auch bei Aejjyptern und 
im Zweistromland die Gottheit gelegentlich als Vater angesprochen 
wird, weittragende religionsgeschichtliche Schlüsse zu ziehen. — 



Die Prophetie. F>1 

Noch zu einer ganzen Reihe anfechtbarer Thesen mtissten 
■wir Stellung nehmen, und nur der beschränkte Raum verbietet 
uns ein ausführlicheres Eingehen. „Jeremia ist* — so behauptet 
Auerbach — „der Erste, der aus der Verinnerliehung der Sittlich- 
keit, der Forderung sittlicher Gesinnung die entschlossene Fol- 
gerung zieht: Wenn die ständige Bereitschaft zum Guten und 
der Seelenfrieden das höchste Gut der Menschen sind, so liegt 
■iiich gleichzeitig in ihnen selbst der letzte 
und einzige Lohn der sittlichen Tat". Damit 
projiziert Auerbach eine moderne Anschauung in den Propheten 
hinein, welche Jeremias in dieser Form nicht gebilligt haben 
würde. Denn dass Gott die Guten belohnt und die Bösen be- 
straft, ist die Voraussetzung jedes prophetischen Wirkens, und 
Jeremia hätte sich und sein Werk negiert, wenn er den Lohn 
der Tugend einzig und allein in der „Selbstbehauptung der 
sittlichen Persönlichkeit" erblickt hätte. — Mit der Annahme, 
dass Hosea Jiulaeer gewesen sei, steht Auerbach wohl auch 
unter den Bibel kritikern allein. Sehr zweifelhaft scheint uns 
die in neuerer Zeit viel vertretene Theorie, dass Jeremia das 
Knde des Reiches bereits durch den Skythensturm erwartet 
habe. Dass der Prophet vom Priester Eli oder gar von Moses ab- 
stamme, ist wissenschaftlich nicht zu erhärten. 

Auch Yon Geschmacksverirrungen hat sich der Verfasser 
nicht frei gehalten. Die Beziehung, die er zwischen Jeremia und — 
Baruch Spinoza schafft, scheint uns nicht besonders glücklich; 
man sollte mit solchen Vergleichen vorsichtig sein. Geradezu 
peinlich aber berührt es uns, dass auch Auerbach der in ge- 
wissen jung^üdischen Kreisen beliebten Sucht nicht widerstehen 
konnte, den Stifter des Christentums schwärmerisch in den Kreis 
seiner Betrachtung zu ziehn. Höchst überflüssigerweise. Wir 
besitzen in den Psalmen, im Buche Iliob, in der unübersehbaren 
agadischen Literatur so viele Zeugnisse für Verinnerliehung und 
Versenkung des individuell-religiösen Empfindens, dass wir nicht 
nötig haben, bei Jeschua von Nazareth eine Anleihe zu machen. 

Die Irrtümer und Einseitigkeiten, die in dem Werke Auer- 
bachs so zahlreich zutage treten, können durch die Vorzüge des 



52 Die Prophetie. 

Buches — die durchsichtige Sprache, den klaren Aufbau — 
nicht wettgemacht werden. Für manches sauber und wirksam 
Herausgearbeitete kann man dem Verfasser dankbar sein, und 
manchen Partien wird man rückhaltlos zustimmen. Und doch 
müssen wir im Wesentlichen — und nicht ohne Schmerzgefühl 
von dem Buche sagen: Das Gute darin ist nicht neu, und das 
Neue darin ist nicht gut. Auerbach ist ein Mann, dessen Liebe 
zu Israel uud zum jüdischen Schrifttum bekannt ist. Wir hätten 
gerne gelobt, wo wir tadeln müssen. Aber das Problem, an 
das sich der Verfasser gewagt hat,, ist so gewaltig, die Ver- 
antwortung, die er auf sich geladen, so schwer, dass wir 
gezwungen sind, ohne jede persönliche Rücksicht Stellung 
zu nehmen, bwx TDrtS. Denn kein Anderer als Jeremia 
mahnt uns, nicht solchen Aerzten zu gleichen, welche Wunden 
oberflächlich heilen und sprechen: Friede, Friede, wo doch kein 
Friede ist ... . Wir sind der Meinung, dass die Verwirrung, 
welche Auerbach'« Buch bei der Masse unkritischer uud un- 
wissender Leser anrichten muss, grösser ist als die Belehrung, 
welche es spendet. Mit Erwartung haben wir es in Empfang 
genommen und mit einem Gefühl der Enttäuschung, ja nicht 
ohne Unwillen, aus der Hand gelegt. — 



R. Jisroel Salanter u. die Mussarbewegung ')• 

Von Rabbiner J. Weinberg 
II. Wilna. 
Neun Jahre weilte R. Jisroel in Wilna (1840—49). In dieser 
Zeit veranstaltete er grosse öffentliche Versammlungen in der 
grossen Synagoge und in den übrigen Bet- und Lehrhäusern der 
Stadt und hielt seine Mussarreden mit feuriger Begeisterung. Seine 
grosse Beredsamkeit, die durch seine kraftvolle schöne Stimme 
noch gehoben wurde, machten ihn zum Liebling der Gemeinde. 
(Von einem seiner indirekten Schüler habe ich gehört, dass R. 
Jisroel gelegentlich seiner Reden beim besten Willen sieh beim 

') Vgl. den Jeachnrun VII 69.".— 606. 



R. Jisroel Salanter u. die Massarbewegung. 



Eintritt in die Synagoge keinen Weg zur Kanzel bahnen konnte, 
so dicht gedrängt standen die Menschen; so pflegten sie ihn denn 
über die Köpfe der Menge hinweg auf den Händen zu tragen, 
wobei ihn einer dem anderen weitergab. Dann zankte wohl einer 
mit dem anderen, weil jeder der Ehre teilhaftig werden wollte, 
diese „Last" zu tragen; und gar mancher küsste bei dieser Prozedur 
seine Kleider). Die grosse Masse: Handwerker, Kutscher, Strassen- 
händler, die ihm im Herzen Dank wussten, weil er willig von 
seinem hohen „Gaon"thron zu den einfachen Amme-Haarazoth 
herabstieg und ihnen keinen scharfsinnigen Pilpul und philosophische 
Abhandlungen nach Art der anderen Gaonim vortrug, sondern zu 
ihnen über die Angelegenheiten ihrer schlichten Seele in einfachen 
zum Herzen dringenden Worten sprach, waren ihm aufopfernd er- 
geben und folgten ihm überallhin und bemühten sich, aus seinem 
Mund die Synagoge zu erfahren, in der er den nächsten Vortrag 
halten würde; dann versammelten sie sich voll Eifer in hellen 
Scharen und füllten den ganzen Raum der Synagoge. Die angesehenen 
ct:-* 1 ?';;, die grösstenteils der Schicht der Talmudisten angehörten, 
waren aus Platzmangel gezwungen, gedrängt und eingeengt mitten 
in der Schar der einfachen Leute zu stehen. Das war ihnen gar 
nicht lieb. In jenem Zeitalter waren die Talmudisten in der Stadt 
so eine Art geschlossene aristokratische Partei. Sie zeichneten sich 
durch ihre Tracht und Bräuche aus, vermengten sich nicht mit der 
Menge und hatten, ausser im Bedarfsfall, keine Beziehungen zu ihr. 
Deshalb waron die Maggidim und die Prediger, die im wesentlichen 
Lehrer der Menge waren, bei den gelehrten Männern unbeliebt; 
letztere betrachteten es als Schande, zu den Hörern jener zu ge- 
hören, und hielten sich den Maggidim und ihren Vorträgen völlig 
fern. Wie, gross war drum ihr Stautaen, dass dieser Gaon, der der 
Lehrer der scharfsinnigsten Talmudisten genannt zu werden ver- 
diente, sich der Maggiduth zuwandte, diesem Erbteil der Unbegabten 
und der Bettler des Geistes. Allmählich inussten sie jedoch diesem 
seltsamen demokratischen Gebaren ihres Lehrers zustimmen. Nicht 
gewillt, auf seine Vorträge zu verzichten, vergaben sie sich es,^sich 
unter das Volk zu mengen; so war R. Jisroel fast der erste, dem 
es gelang, Talmudisten und die Menge um sich zu scharen und 



R. Jisroel Salanter u. die Muasarbewegang. 



sie zn einer Hörerschaft zu vereinigen, ein Umstand, der die 
gegenseitige Annäherung zwischen der Aristokratie und den sozial 
niederen Volksteilen sehr förderte. Und brachte der Menge diese 
Annäherung unendlichen Nutzen, so war der Vorteil für die Lomdim 
nicht geringer. Diese sahen jene in seelischer Gehobenheit, dann, 
wenn das Herz edlen Einflüssen sich hingab und die ^eele 
Schwingen trug unter dem Eindruck der gewinnenden und auf- 
richtenden Worte. Sie erkannten, dass die Menge, dieser „demütige 
tausendköpfige Organismus" nicht nur als ungeformte, undifferenzierte 
Masse, die lediglich Gebote erfüllt (ntStyl c y y:), existiert, sondern 
sich auch zu der Stufe erheben kann, wo Verständnis herrscht 
(pai yow), und für diese Erhöhung, die man ihr zuteil werden 
lässt, danLt sie mit Liebe. . Und noch etwas erfuhren sie: die 
Kanzel wird nicht auf Pacht der jüdischen Barmherzigkeit über- 
lassen, damit sie ein Sammelbecken der Tränen sei angesichts 
individuellen und allgemeinen Leides oder eine Sammelstelle für 
Wohltätigkeit aller Art, — sie kann vielmehr zum Leben und 
Geist ausstrahlenden Mittelpunkt werden, wenn von ihr aus weise 
Reden in vollendeter Form ertönen; dass die „Deraschah" im An- 
sehen so sank und zu einem Gefäss geistiger Armut wurde, daran 
hatte nur die Nachlässigkeit der Grossen schuld. Diese hatten die 
Kunst der Rede den unfähigen und minderwertigen Köpfen gleich- 
sam als herrenloses Gut überlassen; doch kann sie wieder ein 
Gegenstand wissenschaftlicher und künstlerischer Behandlung werden, 
wenn Denker und Gestalter sie mit ihrem Geist befruchten. 
Damals erkannte man, dass im Grunde die Rede dazu bestimmt ist, 
für die Grossen und Weisen des Volkes ein Sprachorgan zu sein,, 
durch das der unmittelbare Einfluss einer Persönlichkeit geraden- 
wegs den Weg zum Herzen findet. Für die Talmudisten jener 
Generation war diese Offenbarung wertvoll und von wichtigen 
Folgen: sie hörten auf, der „Maggiduth" mit Spott zu begegnen. 
und die, welche das Rabbinat als Lebensberuf erwählten, übten 
sich hinfort in der Kunst der öffentlichen Rede und beschäftigten 
sich mit dem Studium des «m. 

Die öffentlichen Reden von R. Jisroel wurden eine Art Schule 
der Rhetorik. Sie dienten als Vorbild. Fast alle Rabbiner, die 



R. Jisroel Salanter n. die MusBarbewegung. "5 

später als Redner Berühmtheit erlangt haben, stammten ans diesem 
lebensvollen Lehrhaus. Der grösste unter ihnen war der Gaon 
R Jakob Joseph, der anv'ü T» und pH» .--■•: in Wilna war. | gegen 
sein Lebensende wurde er zum Oberrabbiner von New York be- 
rufen und starb dorti, und s. Z. mit dem Titel D'amn rs- in 
Russland geehrt wurde. Man erzählt, dass bei seinem blossen 
Erscheinen auf der Kanzel der grossen Wilnaer Synagoge Tausend© 
Tränen vergossen. Fast alle Schüler R. Jisroels waren ausgezeichnete 
Redner, und viele von ihnen Dahmen die Aufgabe auf .-ich. des Lehrers 
Lehre und Geist zu verbreiten. So wies dio geistige Arbeit R. Jisroels 
nach zwei Kichtungon : zum Volk und seinen künftigen Lehrern: 
er war selbst der bedeutendste Agitator für die Verbreitung seiner 
Ideen, und zur selben Zeit bildete er ein ganzes Heer von Mit- 
kämpfern aus, die sein Werk fortsetzen sollten. 

Ungeachtet seiner allgemein anerkannten Führerschaft wollte 
R. Jisroel kein Ehrenamt in der Gemeinde annehmen ; so misch'e 
er sigh nicht in Gemeindeangelegenheiten, sei es nun wirtschaft- 
licher oder religionsgesetzlicher Natur ausgenommen war das Gebiet 
der Wohltätigkeit, aber auch hier wirkte er nur von Fall zu Fall). 
DieGelehrten undRabbiner derStadt wandtensich Erklärung heischend, 
an ihn mit Fragen über -.-,- ihm u. dgl., und er pflegte mit ihnen 
zu disputieren und ihnen bei der Klärung der Ilalachah zu helfen. 
Aber nie sprach er eine endgültige Entscheidung (npvc rohn) aus und 
lehrte nicht einmal in leichten Fallen halachische Dezisionen. Selbst 
.', die in seinem Hause auftauchten, liess er durch den zu- 
ständigen Rabbiner beantworten. Im grossen und ganzen spielt er 
den schlichten Privatmann im Verkehr .mit den Rabbinern, besuchte 
sie an den Festtagen und unterwarf sich aus freien Stücken den 
überkommenen Gesetzen der Disziplin und Ehrerbietung gegenüber 
dem amtierenden Rabbiner (mm iro). Nur einmal ging EL Jisroel 
aus seiner Reserve heraus und tat einen außerordentlichen Schritt, 
dor seinerzeit grossesAufsel.cn hervorrief. Es war 184b. In Wilna 
war dio Cholera ausgebrochen; Rabbi Israel setzte sich der Gefahr 
aus und bemühte sich in grösstem Masssrab um die Lebensrettung 
von Kranken. In seinen Reden ermahnte er die Einwohner der 
Stadt, sie sollten keine Furcht haben und sich der Kranken- 



R. Jisroel Salanter u. die Massarbewegmig. 



%t widmen. Er sagte: der Mensch dürfe nicht ängstlich und 
verzagt der Seuche gegenüberstehen, denn was bedeute letzten 
Endes des Menschen Leben ! Dennoch sei der Mensch durch Thorah- 
wort verpflichtet, die Gesetze der Hygiene zu beobachten und auf 
ärztlichen Rat zu hören ! Ueber den Tod einer teuren Person dürfe 
man nicht klagen oder murren, denn sie sei erlöst von ihrer Not, 
dem irdischen Leben, wenn sie in ihr jetziges Reich einziehe, 
doch dürfe man keinesfalls die Pflicht der Lebensrettung vernach- 
lässigen, solange noch Leben vorhanden sei. (Vgl. die Briefe 
des Gaon in btrvtr "X S. 67). 

Am Rüsttage des Jomkippur liess er damals an allen Lehr- 
häusern der Stadt Bekanntmachungen anschlagen, in denen er das 
Volk ermahnte nicht zu faslen, weniger onsva zu sagen und sich 
dafür umso mehr im Freien zu bewegen. Nach t\"vw am Jom- 
kippur bestieg er die Kanzel, Wein und gute Speisen tragend, 
machte U"~p, trank und ass vor den Augen aller. Eine grosse 
Angst bemächtigte sich des betenden Volkes, das seinen Augen 
nicht traute. Doch R. Jisroel stieg nicht hinab, sondern forderte 
mit Nachdrack vom Volk, dass es seine Tat nachahme. Nach 
dem Fasttag war die ganze Stadt in Bewegung, und einige von 
den alten Rabbinern murrten, dass er solch ein schweres Verbot 
öffentlich aufgehoben habe. Als R. Jisroel das erfuhr, liess er 
bekannt geben, dass er in der grossen Synagoge einen halachischen 
Pilpul halten werde. Selbstverständlich versammelten sich alle 
Talmudisttn um zu hören, in welcher Weise R. Jisroel seinen 
p-pcc rechtfertigen würde. Er aber erwähnte das Ereignis mit 
keinem Worte, sondern trug einen tiefgründigen Pilpul vor, der an 
erschöpfender Behandlung und Scharfsinn alle früheren übertraf. 
Das brachte seine Widersacher zum Verstummen ! (Im Namen 
seiner Schüler habe ich vernommen : dieser wunderbare Pilpul war 
in höherem Masse als gewöhnlich eine Offenbarung seines wahren 
Wesens. Die Stunde erforderte es, dass er seice sonst verborgenen 
genialen Fähigkeiten mehr als gewöhnlich enthüllte — dennoch 
war es auch diesmal keine völlige Demaskierung... s. Jesch. VII 1 1, 1-) 

Immer wenn das erwähnte Ereignis spater genannt wurde, 
freute er sich unendlich, dass er dieser grossen Mizwah, für die 



R Jiaroel Salanter u. die Mussarbewegung. 



Erhaltung des Lebens Fieler zu wirken, gewürdigt worden sei. 
Das war fürwahr eine Tat, die die Stunde gebieterisch forderte. 
R. Jisroel wusste, dass kein anderer an diesem Ort es sich heraus- 
nehmen konnte, eine solche schwerwiegende Handlung auszuführen, 
und auch das wusste er, dass das Volk auf keinen anderen als ihm hören 
würfle in solch ernster Angelegenheit. Im allgemeinen legte er sich 
Erschwerungen auf, anderen aber erleichterte er die religiöse Praxis 
sehr Einmal sah er, wie einer seiner Schüler beim Waschen vor der 
Mahlzeit mich Art derer, die die Gebote besonders sorgfältig ausführen 
(brnc) einen grossen Krug Wasser über die Hände goss. Da nahm 
R. Jisroel einen kleinen Becher und benetzte nur die Fingerspitzen. 
Als der Schüler ihn fragte, warum er so mit dem Wasser spare, 
antwortete er: das Wasser trägt die Magd auf ihren Schultern, 
und man darf nicht auf Kosten anderer die Mizwoth verschönern. 
(In seiner jiddischen Sprache: man tor nit sein kein vna oif jenems 
Fleizes = Schultern) [Rosenfeld S. 37]. — Auch das geschah in 
Wiina : Einst in den Festtagen ging R. .Jisroel auf der Strasse 
und sah. wie eine Frau eilends lief und lebendiges Geflügel in der 
Hand trug. R. Jisroel trat an sie heran und fragte, was das 
bedeute. Sie erzählte, ihr kleines Kind sei krank, und sie müsse 
auf ärztliches Geheiss eine Geflügelsuppe bereiten, doch seien die 
Schochtim nicht daheim. R. Jisroel verstand, dass die frömmsten 
Schochtim sich am Jomtob dem Schächten ontzogen. Da erlaubte 
er ihr selbst zu schlachten . . . (Dies habe ich selbst von dem 
Gaon R. Meir Feimor aus Sluzk gehört im Hause meines Lehrers 
des Gaon R. Eliah Baruch Kamai aus Mir). 

Der Erzählungen, die über des Gaon Lebensführung im Volks- 
mund lebendig sind, ist Kein Endo. Zur Ergiinzung seines Bildes 
will ich nur noch eine besonders charakteristische Erzählung mit- 
teilen: Im Hause IL Jisroels, in Wilna, wohnte eine arme Frau 
mit einem kloinon Kind. Am Kolnidre-Abend eilte die Frau in 
die Synagoge. Als die Mutter fort war, wachte das Kind, das in 
seiner Wiege bisher schlief, auf und fing an zu weinen. R. Jisroel, 
der bereits in die Synagoge gehen wollte, trat an die Wiege des 
Kindes, beruhigte und besänftigte es durch Gesang. — Als 
die Mutter heimkehrte, fand sie den Gaon vor dem Bett stehen in 



R. Jisroel Salanter u. die Mussarbewegung. 



Talith und Kittel. - In der ganzen Stadt fand sich keiner, der 
die Stirn hatte, üble Nachrede über ihn zu führen oder schlimm 
über seine Taten zu denken. Alle, auch die Rabbiner, wussten, 
wie demütig er war und wie er sich hütete, ohne Not eine Ent- 
scheidung zu fällen, dass er alles in heiliger Gesinnung und Rein- 
heit D"DB> avh tat und unbedingte Gefolgschaft im gegebenen Fall 
verdiente. Auch dass die Maskilim ihm mit Ehrerbietung und Liebe 
entgegentraten, ein Umstand, der bei einem anderen Rabbiner genügt 
baite, um ihn den Frommen als verdächtig erscheinen zu lassen^ 
war bei R. .Jisroel nur dazu angetan, sein Ansehen und das Staunen 
über seine Grösse, die ihn hoch über der Parteien Hader erhob, zu 
erhöhen Dennoch brachte ihn diese Sympathie der Maskilim in 
eine schwierige Situation und verursachte seinen WeggaDg von 
seiner ihm liebgf wordenen Stadt Wilna. Damals tobte der Haskalah- 
kampf, und Wilna war das Zentrum. Hier lebte Abraham Baer 
Michailischker, genannt |rnn D"1K, Lebensohn, und sein Sonn Mi- 
chail, Kaiman Schulmaü, Fünn u. a. m. Die Maskilim in der 
Stadt, die sieb insgesamt gegen die Rabbiner völlig ablehnend und 
feindselig verhielten, neigten zu R Jisruel und hielten ihn für einen 
Gesinnungsgenossen. In ihrem Kampf für die Haskalah beriefen 
sie sich auf ihn: R. Jisroel, sagten sie, stimmt mit uns überein! 
(Ueber das wahre Verhältnis des c ,- i zur Haskalah soll weiterhin 
noch gesprochen werden). Als im Jahre 1848 in Wilna durch die 
russische Regierung auf Veranlassung der Maskilim das Rabbiner- 
seminar gegründet und Männer wie jron c "ix u a. zu Lehrern 
bestellt wurden, schlug man R. Jisroel als Rektor für das Seminar 
vor. Die Maskilim wussten, dass auch R. Jisroel mit der geistigen 
Struktur des zeitgenössischen Judentums wenig zufrieden war, kannten 
seine Reden über die Notwendigkeit des klaren Denkens beim 
Studium der Thorah und des tiefen Eindringens in den ethischen 
Gehalt, der in den nrtPJJO niXO verborgen liegt, über den mo- 
ralischen Kern der Erzählungen (Aggadoth) unserer Weisen h't, 
über die geistige Entwicklung und seelische Yen-ollkommung als 
Ziel des Gesetzes, insofern es Taten fordert ; so waren sie im guten 
Glauben, wenn sie ihn für den Mann hielten, dem alle Ziele, für 
die sie kämpften, lieb und wert waren, und der mit ihnen für die 



R. Jisroel Salanter u. die Mussarbeweguug 



Einheit von „Thorah und llaskalah" wirken würde. Sie bemühten 
sich, ihm zu beweisen, dass er in Gemeinschaft mit ihnen am 
ehesten sein Ideal verwirklichen könne, das in Wahrheit auch sie 
suchten ... Es versteht sich, dass R. Jisroel diese Mesalliance 
anwiderte . . . Als ihn einer der Gründer des Seminars, der Arzt 
Dr. Trachtenberg, fragte, warum er nicht teilnehmen wolle an der 
Arbeit des Seminars, antwortete er : „Ein Rabbiner ist kein Arzt. 
Die Aerzte von heute bemühen sich um die R e i c h e n. Ein 
Rabbiner muss für die Armen tätig sein. Für einen Armeu 
ist manchmal eine kleine religionsgesetzlicbe Frage direkt eine 
Lebensfrage. Um seine Aufgabe und seine Pflicht gegen die Armen 
erfüllen zu können, muss der Kaw nicht nur in D'pOlDl D"B> be- 
wandert sein; auch Gottesfurcht, Gläubigkeit und Charaktergrösse 
ist dazu vnnnöten. Es ist kaum anzunehmen, dass die Zöglinge, 
die in eurem Seminar herangebildet werden, sich in dieser Richtung 
besonders auszeichnen werden." (Au seiner Gegnerschaft gegen 
Seminargründungen hielt er sein Lebenlang fest, so auch in seinem 
Alter, als er in Königsberg weilte. Damals bat ihn Herr Emil 
Benjamin aus Memel um einen Empfehlungsbrief an eines der 
Seminare in Deutschland. R. Jisroel, der sonst jedem Bittsteller 
solche gab, antwortete diesmal: Ich kann keinen solchen Brief tur 
irgend ein Seminar geben) (s. das Werk von E. Benjamin: R Jisroel 
Lipkin, Berlin 1899; S. 11). Da aber die Maskilim wussten, <Jass 
an der Spitze ihres Seminars ein talmudiscÜer Gaon, der auch als 
Frommer bekannt war, stehen müsse, damit seino Zöglinge späterhin 
rabbinisclie Autorität fanden, drangen sie ohne Uuterlass in ihn Auf 
ihren Rat trug ihm dio russische Regierung die Stelle an. Das F.nde 
war, dass R. Jisroel sich aus dem Staub machte und nach Kowno floh. 
Damit schliesst die Wilnacr Epoche der Mussarbewegung, und es beginnt 
die Kownoer. Wilna war die Periode des jugendlichen Wachstums 
und Spriessens. In Wilna wurde sie fast schon eine Volks 
bewegung. Dort scharte R Jisroel alle Taluiudisten um sich, 
gewann alle Herzen. Kein Widersacher erhob sich dort gegen ihn. 
Keiner erblickte in ihm einen Reformator des Gesetzes oder sah 
in seinen Gedanken eine neue Theorie des Judentums. Weder 
seine Sitten noch seine Reden gaben irgend welchem .Argwohn 



R. Jisroel Salanter u. die Mussarbewegnng. 



Raum. Von den Worten des Schulchan Aruch entfernte er sich 
nicht um Haaresbreite und gab willig alles selbst für eine 
religionsgesetzliche Erschwerung (STC3) eines der letzten Dezisoren 
hin: und wenn ihm zuweilen auch Worte entschlüpften, die 
zu einer vielleicht üblichen Auffassung und religiöser Denkungsart. 
in Gegensatz standen, so erklärte sich das zur Genüge als Origi- 
nalität eines Frommen, der zugleich scharfsinniger Gaon war. 
Sein Mnssarwirken in Wilna war öffentlich und der Gesamtheit 
zugewandt. Es erschöpfte sich in öffentlichen Reden und der 
Herausgabe der Mussarschrit'ten alter Autoren. (Das Werk paem 
rcjn von R. Mendel aus Satnow und ran pv von R. Schelomoh 
Gabirol wurden auf seine Veranlassung 1844 gedruckt) Solche 
schlichte Arbeit hat aber auch rein gar nichts Reformatorisches an 
sich. Auch das „Mussarhaus", das er in Wilna im Hofe des 
R. Salman b. Uriah gründete, konnte keinen Argwohn erregen, 
weil der Eintritt jedem frei war und jeder sich überzeugen konnte, 
was dort vor sich ging: dort versammelten sich Mäuner, die rhoa 
cmr und nzi^n nmn lernten. R. Jisroel war der Liebling aller 
Schichten und Parteien, und mit der Popularität seiner Persönlichkeit 
verbreiteten sich seine neuen Mussar-Ideen — ohne Widerspruch 
und Protest. Freilich nur in den seltensten Fällen drang man in 
die Tiefe seiner Tendenzen, und selbst unter den Talmudisten 
erkannten nur wenige das Neuartige seiner Gedanken, aber dafür war 
das allgemeine Denken der Lomdira, ohne dass sie es wussten, von 
seinen neuen Gedankengäcgen beeinflusst, und die Erkenntnis der 
Notwendigkeit des Mussarstudiums und seiner praktischen Be- 
tätigung brach sich Bahn und wurde in Theorie und Praxis an- 
genommen. Nach dieser Richtung hatte R. Jisroel bereits im 
wesentlichen sein Ziel erreicht. Ihm lag der Gedanke, der Neuerer 
sonst erfüllt, eine neue Sekte in Israel zu gründen, völlig fern. 
Er betrachtete sich nur als öffentlichen Mahner, dessen Pflicht es 
ist, dem Volk die fast vergessenen Herzenspflichten ins Gedächtnis 
zurückzurufen, aber er hütete sich, irgend etwas zu tun, was nach 
Sektenbildung oder Neuerungssucht aussah. Aber in K o w n o 
nimmt die Mussarbewegung fast den Charakter einer neuen Lehre 
im Judentum an. Die Musserniks vereinigen sich zu einer ge- 



R Jisroel Salanter n. die Mussarbewegun?. 



schlossenen Gruppe und scheinen so vom übrigen Volk geschieden. 
Sie verlieren die allgemeine Sympathie. Man blickt auf sie wie 
auf Sektierer. Die Zahl der Parteigänger wird geringer, dafür 
aber befestigen und organisieren sie sich und werden willensstark: 
und einflussreich. Sio wenden sich bedeutsamen Aufgaben des 
Lebens zu und übernehmen dauernd führende Rollen in der 
Gesellschaft und Gemeinde. In dem Moment aber, wo sie den 
engen Bezirk der individuellen Vervollkommnung vorliessen und das 
weite Feld der gesellschaftlichen Wirksamkeit betraten, stiessen sie 
einerseits auf heftigen Widerstand bei den Beschützern der bestehenden 
und festgefügten Grundlagen der alten jüdischen Gemeinschaft, 
kamen sie andererseits mit den neuen Elementen der Jugend, die 
nach Erneuerung strebte, in Berührung. Die Gegnerschaft gegen 
sie wuchs mit dem Mass ihres Einflusses in der üeffeatlichkeit. Jeder 
Schritt vorwärts kostete Opfer. Der Weg war mit Hindernissen 
besät. Doch konnte all das ihre Kraft nicht schwächen; im Gegenteil: 
ihre geistige Stärke wuchs, und ihre Pädagogik ward um ein neues 
Prinzip reicher: Willenskraft und Seelenstärke. Wilna war die 
Blütezeit des Mussar als einer geistigen Sehnsucht. Dort erreicht 
er seinen Höhepunkt als Volksbewegung. In Kowno hingegen war 
die Wiege der gesellschaftlichen Ausprägung der politischen Stärke, 
der organisierten Partei. Hier entstand das dauernde feste Zentrum- 
Von hier aus wurde das Netz gesponnen, das nach allen Richtungen 
ausgespannt wurde, differenzierte sich die Bewegung zu verschiedenen 
Nüanzierungen, spaltete sich und schuf sich neue Keimzellen. 
Und hier verwickelte sie sich in einen heftigen Kampf nach rechts 
und links, mit Rabbanim und Maskilim. 
(Fortsetzung folgt 



Ueber den Begriff der Ehe im Judentum usw. 



Ueber den Begriff der Ehe 
im Judentum und im Neuen Testamente. 

Von Rabb. Dr. Daniel Fink, Berlin. 
(ScbluBS.) 

Eine andere Stelle: S:in kS :r* p'ca -* csp 0*131 
"pJHOT SrxS. In dem Gegensatze, der mit dem folgendem Verse 
eingeleitet wird, heisst es aber: tibsKn '?hs i 'izb es ':. Wir 
hätten demnach auch im Vordersatze Tai T1JHM boxn xh erwartet, 
eine Ausdrucksweise. die in der min durchgehend? angewendet 
wird. Woher diese seltsame Abweichung im Aasdrucke? Eben 
diese führt uns aber auf die Idee, welcbe der Institution des 
s 38» "iit'yö und ähnlicher Deputate zu Grunde liegt. Sie sollen, 
wenn man so sagen darf, einen Spargroschen darbieten, die den 
von materiellen Sorgen befreiten Unterhalt am Sitze des Heiligtums 
gewährleisten, um dort unter dem frischen Zustrom eines 
neuen freien Geistes der Heiligung dem Leben urkräftige, 
aus dessen Tiefen quellende Impulse zu geben. Es könnte jemand 
vielleicht denken, diesem Zwecke durch eine Flucht in die Ein- 
samkeit besser zu genügen. Einem solchen Unterfangen wird 
damit die Berechtigung abgesprochen, weil dies nach der Lehre 
der min die Zuständigkeit des menschlichen Urteils überschreitet. 
Daher denn auch die Propheten allesamt selbst in Zeiten, in 
■welcher die Gesellschaft noch so tiefe Verfallserscheinungen 
zeitigte, nicht in die Einsamkeit hinaus ihre Zuflucht nehmen, 
sondern unter den Menschen, so wie sie sie vorfanden, wirkten. 
In der Stelle TD p'DD T" D'iai, wiederum heisst es mit weisem 
Bedachte ipsw Ssin ah *: und nicht, wie man hätte erwarten 
sollen. ',mi2.'b Suin «S '3. Damit soll die Lehre von der Einlös- 
barkeit des »M» "WfO dahin präzisiert werden, dass nur die tat- 
sächliche Unmöglichkeit, den Zehnten in natura nach dem Orte, 
an dem der Heiligtum seinen Sitz hat, zu befördern, von dieser 
Verpflichtung zu entbinden vermag, nicht aber etwa der Umstand, 
dass irgend einer es mit seiner persönlichen Würde nicht für 
vereinbar findet, auf einem mit Getreidesäcken beladenen Wagen 
nach Jerusalem zu ziehen. Wenn aber n b,. n 'E rt'3 o-iai 



Ueber den Begriff der Ehe im Judentum usw. 



es NEinS hy.p. ah heisst, während wir statt dessen kb"i.i Sairi k^ 
erwartet hätten. so soll damit die böse Art des in Frage 
kommenden Ausschlages gekennzeichnet werden. Wenn derselbe 
auch allenfalls an der Stelle, an welcher er sich zeigt, geheilt 
■werden könnte, so werdet ihr dennoch der Befugnis hierzu er- 
mangeln aus Angst, er werde an anderer, viel gefährlicherer 
Stelle alsdann wieder hervorbrechen. 

Wir lesen: nDDn rtN nnrb Sdip ttb :n picc t"B ensn während 
es im folgenden Verse bei Erwähnung des Gegensatzes rcw tw 
heisst, was für den ersten Satz den Ausdruck narrt sS gefordert 
hätte, wie sonst überall und auch im vorangehenden Kapitel 
B" pice üblich ist. Es soll damit auf die Idee des nDD-Opfers ein 
Schlaglicht geworfen werden. An sich genommen, bildet es ein 
rein privates Opfer, dessen Vollzug gleich allen anderen ähnlichen 
Opfern an der häuslichen Opferstätte als statthaft er- 
scheinen müsste. Wer das noc-Opfer unter diesem Gesichts- 
punkte betrachtete, würde den Akt der Befreiung aus Aegypten 
auf das Niveau einer rein persönlichen Angelegenheit herabdrücken, 
seine Person in den Mittelpunkt des Interesses rücken und 
darüber die der gesamten Nation aus dem Auge verlieren. Auch 
seihst in Zeiten allgemeiner Verderbnis erklärt die min den 
einzelnen für unberechtigt, ein derartiges Urteil zu fällen, weil 
es über die Grenzen der Zuständigkeit, die dem menschlichen 
Urteile überhaupt, gesteckt sind, weit hinausgreift. Das Urteil 
über den Wert der gesamten Nation müssen wir dem Porom 
(tottes überlassen, vor das es gehört. Aus solchen Gesichts- 
punkten heraus wird in dor Mischnah das ncs-Opfer. als auf der 
Grenzlinie zwischen dem Bereiche der n:vp naa und nSro -23 
gelegen, hingestellt (r'B sp iiSau). 

In dem Königsgesetze 1"B pxe ra D"01 heisst es wiederum 
... ...j c ,. x ^y ^1, l,.._ s i ? Der NachBatz Hin - - nx sS -es ist 

sonderbar, da er bereits in dem Worte: ~ L z y 1 ? - ; BWi -tk Dipo 
enthalten ist. Dazu kommt noch, dass der Ausdruck "pSy cr.t 
im Vordersätze im Nachsatze na s ,- k ~'Sy r« f n xh erwarten Hess. 
Warum hier statt dessen das Verb. }«? "fffl DMP heisst einen 
König einsetzen, d. h. zur Anerkennung und Autorität bringen. 



Ueber den Begriff der Ehe im Judentum usw. 



Wäre bei dem nra gesagt worden DTMl tth, so läge darin noch 
keineswegs das Verbot der Ernennung eines Niehtjuden zum 
Könige überhaupt ausgesprochen. — In der Formulierung Sam tth 
ist aber zugleich die Wahrheit enthalten, dass mit der Ernennung 
eines NichtJuden für die Königswürde gleichzeitig ein Werturteil 
ausgesprochen ist. das darauf hinausläuft, alle Juden dieser Person 
gegenüber als minderwertig erscheinen zu lassen. Selbst der 
Gesamtheit wird die Zuständigkeit zu einer derartigen Selbstunter- 
schätzung bestritten. Der Satz Klfl "pr;x mb t&k gibt demnach 
den Grund für den unmittelbar vorangehenden an und will auf 
den folgenden Gedanken hinauslaufen: In der Einsetzungeines 
Volksgenossen zum Könige liegt ein solches Werturteil keineswegs 
ausgesprochen. Ist er der Würdigste, so sind alle andere dadurch 
noch nicht die Unwürdigen. Ist er es nicht, so ist er eben der eine 
Erkorene unter vielen anderen, die ebenso, oder vielleicht noch 
berufener wären. Ist der Erkorene indes ein NichtJude, so ist 
damit über die Gesamtheit der Nation ein Urteil der Verwerfung 
gefällt. Hier ist demnach die Zuständigkeit des Urteils nach 
der genau entgegengesetzten Richtung wie oben beim noe-Opfer 
in die menschlichen Schranken verwiesen. Schliesslich gewinnt 
dadurch die Stelle 'Jl '3 piDD 3"3 C13T ihren richtigen Sinn. Im 
zweiten Verse ist die Pflicht ausgesprochen, wonach jeder gegen- 
über den Gefahren, die durch das Element des Raumes entstehen, 
gegenüber dem Gut seines Nächsten die Haftung zu übernehmen 
hat. Wenn es nun am Schlüsse des folgenden Verses Ssiri kS 
thgrvb und nicht, wie wir erwarten sollten: cSjJnn »b heisst, so 
wollte die min damit unsere Gedanken in eine andere Richtung 
lenken. Der Raum ist dasjenige Element, dessen Gefahren für 
das Gut seines Nebenmeuschtu zu überwinden in jedermanns 
Kraft gelegen ist. Wie nun, wenn dessen Gut, durch die Macht 
des Feuers, des Wassers, des Sturmes, oder etwa durch die 
unberechenbarer Zufälle menschlicher Gewalt und Brutalität ge- 
fährdet erscheint? Steht doch der Nächste diesen Elementen 
genau so ratlos gegenüber wie der Beteiligte selbst! Wie leicht 
könnte gerade aus dieser Sachlage heraus ein Grund hergeleitet 
werden, diesen seiner eigenen Pein zu überlassen? Ein solches 



Ueber den Begriff der Ehe im Judentum usw. 



Urteil ginge nach der Lehre der rrr,n weit über das Mass unserer 
Zuständigkeit hinaus. Was dem einen allein nicht gelingt, könnten 
vereinte Anstrengungen wohl zu Wege bringen. Vielleicht weiss 
der andere Mittel und Auswege zu finden, denen gegenüber das 
l'rteil selbst des Beteiligten versagt, — Darum heisst es in 
diesem Satze auch nicht 1300 i:« "O's, wie wir hätten erwarten 
sollen, sondern i;oo i;xn "Wtf und ist mit „das ihm verloren zu 
gehen im Begriffe steht'', zu übersetzen und hat die Anwesenheit 
des Eigentümers im Angesichte der seinem Gut drohenden 
Gefahr zur Voraussetzung. 



Dostojewsky und die Judenfrage. 

Von Hermann Weyl, Frankfurt a. M. 

Ist es nicht seltsam, dass Dostojewsky gerade uns Juden 
wahlverwandt erscheint, obwohl er uns fast aus Instinkt gehasst 
hat? Man lasse sich nicht durch seine Werke täuschen, in denen 
er doch anscheinend ein Allesbegreifer und so auch Alles- 
rechtfertiger ist; im Grunde war er eine dämonische Natur, ron 
wildester Leidenschaft geschüttelt, von verzehrender Liebe und 
von vernichtendem Hass. Er wusste um alle Vertührungskünste, 
er gewann auch die jüdische Jugend, die — sofern sie nicht 
von Klarheit und Erkenntnis geleitet wird — sich allen Schauern 
hingibt und auch diesem Magier erlegen ist, der mit Inbrünsten 
vergewaltig! und mit Heiligkeit verteufeln kann. Es sei nichts 
über den Dichter gesagt, der steht schon jenseits der Kritik als 
unheimlich überlegen »renn auch sein Künsllertum all- 

zumenschlich in seiner Zeit verwurzelt blieb. Aber wir weigern 

von ihm betört zu werden, willenlos und aufschluchzend, 
wie es so oft geschehen ist; rücken ihn lieber in einige Ent- 
fernung, seinem Kür.stlertum zum Trotz, das uns überzeugt und 
fast entwaffnen könnte, wfi :.icht von diesem Märtyrer, 

dass er auch ein grosser Hasser war, v.nd dass er auch so gut 
ein Verfolger hätte werden können. 

Wir beschränken uns auf eine kleine Schrift „die Juden- 
trage" genannt, als Auszug aus seinem gesammelten Werk auch 

5 



Dostojewaky und die Judenfrage. 



im Einzelheft erschienen.*) Wollten wir sein Lebenssystem 
ganz erschöpfen, wir müssten seine russische Gläubigkeit und 
seine russische Welthoffnung ebensowohl wie sein politisches 
Märtyrertum miteinbeziehen. Hier aber decken wir nur auf, 
wie er das Judentum schon a priori als Zerrbild schaut, wie er 
sich in geradezu geistloser und beschämender Weise dem jüdischen 
Gesamtgeist verschliesst, dafür aber einige auf Russland be- 
schränkte Erfahrungen und gewisse Nachrichten judenfeindlicher 
Zeitungen und Journale als zuverlässige Quelle anerkennt, um 
politische und soziologische Schlüsse von unheimlicher Trag- 
weite zu ziehen. — 

Weit entfernt, eine fremde Kultur- oder Geisteswelt nur 
begreifen zu wollen, gibt er auch hier ein umfassendes Be- 
kenntnis zum russischen Volk und zur altrussischen Gläubigkeit. 
Kein Gedanke dämmert ihm, dass sich vielleicht etwas All- 
menschliches in allen Religionen finden, dass trotz aller staat- 
lichen Vereinzelung der Menschheit (diesem wahren principium 
individuationis der Völker) vielleicht eine gemeinsame sittliche 
Aufgabe in aller staatlichen Sondergebundenheit sich entfalten 
werde. Russland ist das auserwählte Land, sein Volk das 
auserwählte, die Volksreligion unmittelbares Gotteswort und 
eigentlich der ganzen Menschheit gegeben. 

Man begreift die prophetische Gebärde des Dichters bei 
seiner Aufgabe, Sprachrohr solcher Gesinnung zu sein. Wie 
konnte er noch andere Kulturen begreifen, da er so sehr auf 
sein Land beschränkt war. Wohl war es ein ungeheures Volk 
voll ungebrochener Kraft, aber schliesslich doch nur eine 
Form des Menschlichen. Ueber dem russischen Menschen vergass 
er das Allmeuschliche ganz. — 

Symbol und einziger Ausdruck für reinste Menschlichkeit 
ist ihm Kussland geworden. Hier wurzelt seine fanatische Liebe. 
Denn nur der Russe ist ihm der inbrünstige, sehnsuchtsvolle 
und gotterfüllte Mensch, da er in urchristlicher Weise Menschen- 



*) Dostojewsky: Die Judenfrage. Einhorn-Verlag in Dachau 
bei München. 



Dostojewsky und die Judent'rage. 



Jiebe übt und Gott im Herzen trägt. Der Russe nur ist 
eigentlicher Träger der religiösen Idee. 

Dieser mit tausend anderen heimatlichen Bindungen ver- 
knüpfte Glaube an die russische Berufung ist die Quintessenz 
seiner Lebensanschauung. Ein ungeheurer Optimismus gegen- 
über der russischen Seele, ein geradezu grotesker Widerwille 
t;egen jede nichtrussische Wesensart. Wie hätte er so das 
jüdische Volk begreifen können? 

Nicht ohne Ironie verschliesst er sich einfach der „vierzig 
Jahrhunderte alten Geschichte" der Juden, ihn konnte sie nichts 
lehren. Aber er anerkennt jede judenfeindliche Konstruktion, 
da sie doch so überzeugend in sein politisches System verwebt 
werden kann. Die slawische Frage der Balkanländer wäre längst 
gelöst, wäre nicht die jüdische Idee in der Welt so stark. Die 
russische Volkskraft wurde von den Juden geschwächt Eiöem 
Zeitungsbericht zufolge, den er ohne Weiteres übernimmt, haben 
die Juden die ganze litauische Bevölkerung mit Branntwein zu 
Grunde gerichtet. Dem „Europäischen Boten" erzählt er nach, 
dass die Juden in Nordamerika die damals gerade befreiten Neger 
sofort aufs Neue versklavt hätten. 

Eines hat er begriffen, mit einem gewissen Scharfsinn, 
denn schliesslich war er doch ein genialer Mensch und bedeu- 
tender Betrachter, und warum sollte es ihm nicht möglich 
geworden sein, auch ein wenig an der äussersten Schale des 
Judentums zu rühren. 

Status in statu: das scheint ihm des Rätsels Lösung. Ohne 
solchen ausserordentlichen Zustand müsste das .Judentum längst 
zu Grunde gegangen sein. 

Die Kennzeichen aber dieseB status in statu sind ihm: 
„Absonderung und Abgeschlossenheit von allem, was nicht Juden- 
tum ist, und die Unverschmelzbarkeit mit anderen Völkern; der 
Glaube, dass m in der ganzen Welt nur ein einziges persön- 
liches Volk gibt — die Juden — , und die Ueberzeugung, die 
anderen Völker, wenn sie auch vorhanden sind, doch so be- 
handeln zu müssen, als ob sie nicht vorhanden wären. Und 
letzte Sinn dieser Absonderung ist ihm nur: alle anderen 



Dostojewsky imd die Judenfrage. 



Völker auszubeuten, sie zu verabscheuen und zu verachten. 
Das ist die Quintessenz dieses status in statu. Ausserdem gibt 
es natürlich noch innere und äussere Gesetze, die diese Idee 
lebendig erhalten." 

So hat Russlands grösster Dichter des Naturalismus das 
Judentum erblickt, ein fanatischer Phantast, grotesker Träumer, 
der zugleich die grössten Seelenepen der Moderne gedichtet hat. 
So begriff er das docli wohl auch ihm zugängliche alttestament- 
iiche Schrifttum, die biblische Ethik, die er schliesslich als 
Urbild des Christentums hätte erkennen müssen. Staunend und 
nicht ohne grosses Fremdgefühl betrachten wir dieses Phänomen 
von Rassenhass, Religionshass und Kulturhass. Wir schürfen 
tiefer und erkennen einen einseitig genialen Instinkt, ohne irgend 
eine tiefere philosophische oder soziologische Einsicht, naturhaft 
die heimatliche Scholle liebend und sie blind gegen jede Wahr- 
heit absperrend, die von aussen kommt. 

* 

Ueberhaupt ist seine Beweismethode geradezu absurd. Er 
glaubt, weil er als Kind eine unzuverlässige Legende gehört 
hat, dass nach jüdischer Auflassung der einst erscheinende Messias 
den Juden alle Völker unterwerfen und sie zu ihren Füssen legen 
wird, und verzerrt so das gerade rein ethisch-religiöse Motiv 
der jüdischen Welterlöser-Hotfnung. Und an einem Punkt über- 
trifft er sich selbt, in kaum fassbarer Weise. Weil die jüdischen 
Grundsätze zum Prinzip erhoben worden sind, musste der 
Materialismus triumphieren, „trat blinde, geiiässige Begierde 
nach persönlicher materieller Versorgung'' an Stelle aller heiligen 
Ideale der christlichen Gemeinschaft. Hier ging vielleicht eine 
jener geheimnisvollen, von ihm selbst beschriebenen und von 
der Wissenschaft noch ungeklärten Trübungen seines geistigen 
Bewusstseins vor sich, dass er nicht vor Scham ersterben musste, 
diese Verleumdung seinem leichtgläubigen Volke darzubieten. 

Dabei hat er wiederum so manchen sicheren Begriff, weil 
er ein psychologisches Genie trotz allem war. „Juden ohne 
Gott" kann er sich gar nicht vorstelleu, er erkennt den 
wesentlich religiösen Grundcharakter des Judentums. Er ahnt 



Dostojewsky und die Judenfrage. 



das wahre Wesen der jüdischen Gemeinschaft, religiöse Auf- 
gaben zu erfüllen; aber er verzerrt es gleich wieder, weil er 
nur dem russischen Volk die religiöse Erlösung zugestehen will. 
Vielleicht begreift er im Judentum eine unzerstörbare sittliche 
Kraft ; aber sein volklich so eng begrenzter Geist vermochte 
sich nicht zu erheben, und sein religiöser Fanatismus trübte 
seinen Blick. So schrieb er über die Juden diese basserfüllten, 
ungerechten Worte, die aber in den Augen der gerächter 
blickenden Menschheit ihn selbst richten müssen: „ .... ihr 
Reich nähert sich, ihr volles Reich! Es beginnt der Triumph 
der Ideen, vor denen die Gefühle der Menschenliebe, der Wahr- 
heitedurst, die christlichen und nationalen Gefühle und sogar 
der Rassenstolz der europäischen Völker sich beugen." 

Bis zum Schluss bleibt es ungewiss, ob er das Judentum 
meint oder die Juden. Wer sollte Wer die Menseben von der 
umschliessenden Gemeinschaft scheiden? Er vermag dieses 
dialektische Meisterstück. Um der christlichen Gebote willen 
soll den Juden alles zugestanden werden, „was Menschlichkeit 
und Gerechtigkeit verlangen." Aber es bleibt eine Tat des 
Erbarmens, der christlichen Nächstenliebe, obwohl (was Jeder 
für sich zu ergänzen hat) dieser Akt der Liebe unverdient und 
nur Erbarmen ist. Denn durch die Jahrhunderte haben die 
Juden nur Eines getrieben: „Die Unbarmherzigkeit." Aus dem 
Bass seiner russischen Seele konstruiert Dostojewsky das Wesen 
des Judentums. 

Er erzählt die Geschichte eines „Allmenschen", eines 
deutsch-russischen protestantischen Arztes, der 84 jährig ein 
Heiligenleben beendete. Er wurde von den Armen vergöttert, 
an seinem Sarge vereinigte sich das gaiue Dorf. Alle armen 
Juden wollten seinen Leichnam sehen und ihn zum letzten Male 
küssen. 

Hier erkennt Dostojewsky ein einigendes Band. Hier 
glaubt er die Judenfrage gelöst, weil sie doch überwunden ist. 
Uic Judeu haben ihre Absonderung aufgegeben, die gegenseitigen 
Vorurteile und Abneigungen sind verschwunden. „Diese All- 



Dostojewsky und die Judenfrage. 



menschen besiegen die Welt, indem sie sie vereinigen.' 1 ' Nur 
aus der die Welt bezwingenden Gestalt der Heiligen glaubt, er 
die Judenfrage lösen zu können, sie vielmehr zu überwinden. 
Er entwirft ein allzu rührendes Bild des verstorbenen Arztes, 
freut sich an dem edlen Gefühl, das in ihm und den anderen 
schönen Seelen aufsteigt. Diesen gefühlvollen Selbstgenuss 
glaubt er sich nicht versagen zu dürfen. Aber er verharrt bei 
seiner Abneigung gegen jüdisches Volk und jüdischen Geist, 
weil er sie nie in sich selbst begreifen, nie in ihrer eigenen 
Wesensart erblicken konnte. 

Was nutzt uns seine Zuversicht in die „Allmenscben", die 
schliesslich die Welt erlösen werden; er selbst hat nie versucht 
den jüdischen Geist an sich jenseits gewisser niedriger gesell- 
schaftlicher Erscheinungen zu erkennen, die treibenden Seelenkräfte 
unserer Gemeinschaft aufzudecken. Wir mussten von ihm er- 
warten, dass er gewisse volkliche Engen abstreifen und das 
Menschliche in aller Gemeinschaft erkennen würde. Aber er 
vergriff sich über das Wesen des Judentums ebensowohl wie 
über das Wesen der ausserrussischen Kultur überhaupt. Sein 
Allrussentum mit der blinden Annahme des Zarismus^ des Kirchen- 
wesens und der russischen Expansion ist Ausdruck seiner be- 
schränkten und gewaltsamen Wissensart. In politischer und 
kultureller Hinsicht war er der gleiche Utopist wie in seiner 
Auffassung von Religion und Volkstum. 

Vielen Europäern hat er das Russentum erst zugänglich 
gemacht, denn er war als Dichter die ins Riesenhafte gesteigerte 
Seele seines Volks. Dies bleibt sein ewiger Ruhm. Aber wir 
wehren uns gegen seine politische, nationale, religiöse, kulturelle 
Einseitigkeit, gegen seinen barbarischen Fanatismus, erkennen 
ihn als allzumenschlich gebunden, unfähig, sich aus der Be- 
trachtung seines Volks zu überpersönlichen, allgemeingültigen 
Normen zu erheben. 

In der masslosen Einseitigkeit seines Geistes verzerrte er 
das Judentum ganz; einzelne auf Russland beschränkte Zustände 
wurden ihm zum Typ. Aber er verachtete es, das Judentum 
selbst zu begreifen, die „vierzig Jahrhunderte alte Geschichte", 



Dostojewsky und die Judenfrage. 



die Seelenmächte des jüdischen Bewusstseins, den selbst von 
ihm erahnten religiösen Grundzug des Judentums, die jüdische 
Sitten- und Gesellschaftslehre: alle Ideen, die es vermocht hätten, 
ihn aus einem laienhaften, höchst vorurteilsvollen Betrachter zu 
einem Erkennenden zu machen, zu einem wahrhaften Deuter 
des menschlichen Bewusstseins. 

Er ist die zweideutigste Erscheinung der europäischen 
Geistes weit: ein Ueberwinder und ein Gefesselter, Heiliger und 
Dämon zugleich. Ganz verschlossen blieb ihm, was z. B. Goethe 
als das allmenschliche Gesetz in aller Gemeinschaft erkennen 
und als sittliche Maxime dahin aussprechen konnte: „In jedem 
Besonderen wird man durch Nationalität und Persönlichkeit hin- 
durch jenes Allgemeine immer mehr durchleuchten sehen". 

„Jenes Allgemeine" aber ist das menschliche Wesen 
schlechthin, das Gesetz, und menschheitliche Streben in jedem 
Einzelnen und in jeder Gemeinschaft. 



Das jüdische Bildungsideal: 

jwsn n»np - sw* — px "pn — rutfo — xnpo 

Von Rabbiner Dr. S. Klein (Novo Zamky). 

Die als Ueberschrift hierhergesetzten Worte sind der 
Mischn&h entnommen. Die ersten vier sind in Kidduschin I, 10 
zu lesen, das letzte an anderen Stellen; die ganze Reihe 
bezeichnet abor die einzelnen Etappen und das Endziel 
jenes jüdisch-religiösen und allgemein-menschlichen Bil- 
dungaweges, den die weisen Lehrer der Mischnah für uns 
vorgezeichnet haben. 

I. 

Die genannte Mischnahstelle lautet: *bi a-pz2 ah irtW Ss 
naiK airon vV> \r\vbvz prn&ffl :itt> , n ja rt p« px -pia nSi nvoz 
prty iWlöa nS vbwtin BVlill. „Wer weder Bibel-, noch Mischnah- 
kenntniase, noch aber yn "|TI besitzt, der gehört nicht zur 
Kulturwelt; wer aber an allen dreien festhält, aut den ist der 
Sa'/. (Koheleth 4, l'J) anzuwenden: „der dreifache Eaden reisst 
nicht sobald" 1 ). Eine andere Version der Mischnah 5 ) lautet: Sa 

') So lautet die M. des Jeruschalmi und des cyn. 
') Gewöhnliche Ausgaben und Habli 40b. 



Das jüdische Bildungsideal. 



'tti \rttv S:i . . . to* nein sin mroa kS . . . nai topaa ww 
„Wer die genannten drei Dinge besitzt, der wird nicht so bald 
sündigen, wie es in Koheleth beisst" . . . u. s. w. 

Der SiDn der Worte x^p^ und iWö ist ohne weiteres klar; 
6ie bezeichnen Bibel und jüdische Traditionslehre im weitesten 
Sinne 3 ;, die Aboth V, 21 als Grundlagen jüdisch-religiöser Er- 
ziehung bezeichnet werden. Weniger klar scheint der Sinn von 
px "jfi an dieser Stelle zu sein. Der Ausdruck ist allerdings 
vieldeutig nicht nur in der Sprache der Mischnah, sondern schon 
in der Bibel. Bedeutet doch p»n *» yn in Genes. 19, 31 ganz 
was anderes, als in Josua 23, 14 und I. Könige 2, 2. In der 
Mischnahsprache ist die Bedeutung „gute Sitte" vorherrschend 
(besonders in der häufig wiederkehrenden Phrase K"1 msn rnaS 
und im Titel des „kleinen Traktats" pN pi rooe). Daneben 
findet sich aber nicht selten der Ausdruck im Sinne von „Arbeit" 
oder „Gewerbe" angewandt. An unserer Stelle wollen die 
Kommentatoren — soweit ich sehe — den Ausdruck \'~a "|"n in 
dem an erster Stelle angeführten Sinne, also als „gute Sitte" 
verstehen. So erklärt Maimonides im Mischuahkommentar: 
-D1031 nn:a naiB man ,ew "2 rilian, ähnlich die anderen Erklärer 4 ). 
Doch scheint mir der Ausdruck hier gerade in der Bedeutung 
von «Arbeit, Gewerbe" gemeint zu sein. Dafür spricht 
die in Aboth II, 2 angeführte Sentenz des Patriarchen Rabban 
Gamliel III: niwpö arre» nyrw ,pK "[ in oy min iiöbn HB' 
} i v nmui rfasa neio n : k S g ney p«» min *?:i .} i •'. 

Der Parallelismus zwischen dieser und der obigen Mischnah 
ist unverkennbar, min entspricht hier den beiden Begriffen tnpo 
und nw& dort, worauf hier wie dort px "["» folgt. Was aber 
R. Gamliel unter KH verstanden wissen will, sagt er deutlich 
im zweiten Teile seines Ausspruches: npK'jB nay ps» min Wl 
■131. — ps "n ist also = Küho „Arbeit" 5 ). Und wie die 

s ) S. dazu Hoffmann, Zur Einleitung in die halachischen 
Midraschim S. 1 Anm. 3; Bacher, Aggadah der Tannaiteu 12, S. 483 ff. 

«) R. Obadjah: mnan c; nn« unm nte>D }»«». Wörtlich daraus pnp 
mjjn und ntrc >aa zum Jerusch. 

«i So erklärt Maimonides hier den Ausdruck tr; = nssns, 



Das jüdische Bildungsideal. 



Mischnah in Kidduschin behauptet, dass wer Thorahkenntnis und 
H"i besitzt, nicht leicht sündige (N2'.n), so meint auch R. Gamliel, 
dass die Beschäftigung mit Thorah und tn = n;sSo den Gedanken 
der Sünde (py) vergessen mache. 

Die Mischnah in Kidduschin ist anonym; aber auf Grund 
dea hier aufgezeigten Parallelisnius darf wohl die Vermutung 
•■sprechen werden, dass sie zum Autor einen Zeitgenossen 
R. Gamliel III. haben dürfte. In der Tat wird der erste 
Teil derselben in der von Schechter herausgegebenen II. Ver- 
sion des Aboth di R. N. c. 35 (44a) im Namen des in der 
_'. Hälfte des 2. Jahrhunderts in Galiläa wirkenden R. Eliezer 
b. Jakob angeführt 6 ). Um diese Zeit ist nämlich die Er- 
örterung der Frage nach dem Verhältnis des 
Studiums zum Gewerbe (ffllinn) in Galiläa akut ge- 
worden, und die zeitgenössischen Lehrer hatten ihre 
besondere Aufmerksamkeit dieser Frage zugewandt, 
wie das im folgenden gezeigt werden soll. 

Es wäre eine unnötige Mühe, hier die zahlreichen Aus- 
sprüche der alten Weisen, die das Lob und. die Verdienstlichkeit 
der Arbeit verkünden, anzuführen. Es bedarf auch kaum des 
Hinweises, dass die allermeisten unter den Lehrern der Mischnah 
einem Gewerbe oblagen'). Selbst jener Ausspruch R. Nechunjah 
b. Hakkanah's (Aboth 111,5): „Wer das Joch der Lehre auf sich 
uimmi. den befreit man von dem Jocho der Regierung uud des 
Gewerbes (pK -rn)" will nicht besagen, dass Gewerbe oder 

l; Ob. = rrnno ik rettta. Dagegen sagt R. Isr. Lipschitz: minn -na? 
nujn Wia noy cm p-i nc kv\ Gegen diese Erklärung spricht über nicht 
allein der zweite Teil des Satzes, sondern auch die Anwendung des 
Wortes r; - <j> im nisten Teil desselben. „Sich abmuhen" kann man mit 
Thorahstudium oder mit Erwerb, keinesfalls aber mit mjjfl ">mo! Dass 
PK yn -- rentta ist, zeigt ein Satz R. .h'lmdah's in m rvatt 28 vgl, mit 
Berachotb $51) (Sbb an = '»ry in;« So). 

6 ) Menaehoth 4^b wendet er denselben Satz des Koheleth auf die 
drei Gebote von pScn, rvss und nnta an (Aggadah der Tann. 11, L'8ö Anm. 3). 

7 ) Mehrere hierauf bezügliche Sätze und Literatur a. I"'i Krause, 
Talm. Aren- IL 248 ff, 



Das jüdische Bildungeideal. 



weltliche Beschäftigung allgemein zu verdammen wären. Er 
meint bloss, dass das hingebungsvolle Sichunterwerfen unter die 
Lehre Gottes das Joch der Existenzsorgen für den Menschen 
erleichtere, ja ihn für die Beschwerlichkeiten, mit denen der 
Broterwerb verbunden ist, gleichsam unempfindlich mache 8 ). Es 
wird höchstens noch empfohlen, sich weniger dem Geschäfte als 
dem Studium zu widmen, wenn man sich die Thorah , erwerben" 
will 9 ). 

Entgegen dieser allgemeinen Wertschätzung der festen 
Existenzmöglichkeit, die durch das Erlernen eines Gewerbes 
gewährleistet ist, begegnen wir von der zweiten Hälfte des 
'2. Jahrhunderts an bei einigen Lehrern einer Auffassung, die 
Handwerk und Gewerbe gewissennassen geringschätzt, um die 
Verdienstlichkeif ausschliesslichen Thorahstudiums umso höher 
zu stellen: Diese Aenderung in der Bewertung des Ge- 
werbes ist auf Simon b. Jochai zurückzuführen. „Die 
Beschäftigung mit der Thora ist nach R. S. b. J. ein das ganze 
Leben und den ganzen Menschen in Anspruch nehmender Beruf, 
dessen Erfüllung durch die Sorge um das tägliche Brot beein- 
trächtigt wird. R. S. b. J. scheute sich auch nicht, die Konsequenz 
seiner Theorie vom ausschliesslich notwendigen Thorastudium 
zu ziehen. Er fragte: Da die Beschäftigung mit dem Ackerbau 
das ganze Jahr hindurch zu arbeiten gibt, wann soll man Thora 
lernen? Die Antwort lautet: In der Tat war es bestimmt, dass 
Israels Arbeiten, wenn die Israeliten Gottes Willen erfüllen, 
von Anderen vollzogen werden, während, wenn sie Gottes Willen 
nicht erfüllen, sie selbst die Feldarbeiten verrichten 10 ). Als er 



8) Vgl. dazu Agada d. Tann. 12, S. 54; Strack, Die Sprüche 
der Väter 2, S. 34 Anm. p. 

f) Aboth IV 10: irnna pioyi poja oy oa rr.n '8 -i»ho "i VI 6: cvjui 
nwio. Dagegen hat ebenda j» 1 k -[ti «W03 die Bedeutung von tresri. 
vgl. R. Isr. L i p s c h i t z und B a e r ' s Kommentar zum Siddur. Dass 
dies die einzig richtige Erklärung ist, beweist der Umstand, dass rrwio 
bereits vorher genannt wurde, und, dass H'n in den korrekten Ausgaben 
(vgl. b. Talm. u. Strack 58) nach Juyn und pinsr folgt. 

••) SifreDeut. §42. Midr. Tannaim (Hoffmann) 36 f., Berachoth 



Das jüdische Bildungsideal. 



nach seinem vieljährigen, ausschliesslich dem Studium gewidmeten 
Aufenthalte in der Höhle zum ersten Male wieder ins Freie 
tritt und die Menschen mit Ackern und Säen beschäftigt sieht, 
da ruft er aus: „Sie lassen das Leben der Ewigkeit und be- 
schäftigen sich mit dem Leben der flüchtigen Stunde""). Und 
R. Simon blieb nicht vereinzelt mit dießer seiner Auffassung. 
Sein Genosse war vor allem sein Sohn, R. Eleasar, es ge- 
sellten sich ihm aber auch andere: Kollegen und Schüler, die 
gemeinschaftlich mit ihm sich ausschliesslich dem Studium der 
Gotteslehre widmeten (und wohl nur die allernotwendigsten 
körperlichen Arbeiten venichteten). Leshalb durfte R. Simon 
sagen: „Wir, die (ununterbrochen) mit dem Studium der Thora 
uns beschäftigen, brauchen selbst des yac halber das Studium 
nicht zu unterbrechen"'-), und der Amora R. Jochanan spricht 
mit Recht von R. Simon b. J. und seinen Genossen, deren 
ausschliesslicher Beruf das Thorastudium ist 13 ). 

Einer der Verherrlicher der Ideen R. Simons unter den 
Zeitgenossen war R. Nehoraj, dessen in die Mischnah (Ende 
Kidduschin) aufgenommene Worte über das ausschliessliche 
Studium der Thora und Beiseitelassen „aller Erwerbsarteu der 

Welt" offenbar durch R. Simon's Ansichten beeinllusst sind. 
* 

Nicht erst spätere Geschlechter 14 ), schon viele Zeit- 
genossen konnten diese Einseitigkeit in der Auffassung R. 
Simons nicht billigen. So stellte R. Ismael fest, dass nach der 
Thorah Worten die zum Broterwerb notwendigen Arbeiten gehörig 
und entsprechend der „Führung der Welt" erledigt werden 
müssten. 1 ') Auch viele andere bedeutende Lehrer jener Zeit : 

36b. Die obigen Zitate sind Bachers Aggadah d. Tan. II, 87 ff. ent- 
numinei). wo die ganze Darstellung der Ansichten K. S.'a über „Studium 
der Lehre" zu beachten ist. 

"I Sabbath83b. 

u ) j. Berachoth 12 (8b): "Di min iia'jr.a cpiEiT i:k |U3. 

1S ) Sah halb IIa: ]n;DiM jmv,» iM:ni >a"Bn. 

u ) Berachoth 35 b: p'a nnSy ttSi <2't?-o . . iry ru-n »im na« Es gab 
aldii viele, die sich I{. Simon gesellten. 

") S. die Stellen Aulu. 10: px -pi an» BTQ (.in:n) jvb. R. Simons 



Das jüdische Bildungsideal. 



R. Meir, R. Jehudah, Abba Saul, Abba Gorjon fordern, dass 
jeder Vater seinen Sohn ein bestimmtes Gewerbe lehre: 
sie raten nur von gewissen Beschäftigungen ab, die zu jener 
Zeit als verrufen galten 16 ). 

Ganz besonders kam aber der Antagonismus gegen R. 
Simon's Auffassung in der Gründung einer sich nrnp mj? (ara- 
mäisch w-p «Sil?) nennenden Vereinigung zum Ausdruck, deren 
zwei vornehmste Mitglieder wir in R. Josse b. ha-Meschullam 
und R. Simon b. Menassjah kennen lernen. „Heilige Gemeinde" 
wurde dieser Verband genannt, weil die Mitglieder ein Drittel 
des Tages der Thorah, ein anderes Drittel dem Gebete, endlich 
das dritte Drittel der Arbeit widmeten 17 ). Es gab auch solche 
unter den Mitgliedern, die sich im Winter mit dem Studium, 
im Sommer mit der Arbeit beschäftigten 18 ). Im Namen dieser 
„heiligen Gemeinde" tradiert R. Jehudah ha-Nassi den Grundsatz 
minn cy niaeiK "ff rap „Erwirb dir ein" Handwerk nebst der 

Erwiderung lautet (Sifre): e|lD IST?) l'K. S. ferner j. Kiddusehin 17, wo 
im Namen R Ismaels die folgende Deutung zu Deut. 30.19 angeführt 
wird: nuais » ;C«m mnsi. 

18 ) Ende M. Kiddusehin. Zum Text s. Krauss, in der „Monats- 
schrift für Gesch. u. Wiss. des Judent." Bd. Eil (1907), S. 154 ff; Aggadah 
der Tann. II, 13, 368, MS. — Wenn man trotz dem hier dargestellten 
Standpunkt R. Simons die Arbeit verherrlichende Sprüche in seinem 
Namen, angeführt findet (j. Maassroth II 50a: nmy bti&v . . . msho rArn 
'jun ja Ilse) hsm uuittaa; Nedarim 49b: rp^jD rnaso» nixSa nSi-n: dieser 
Spruch wird ebenda auch K. Jehudah zugeschrieben), so ist das so zu 
erklären, dass R. Simon keinesfalls die Arbeit geringschätzen wollte; 
er eiferte bloss gegen das Erlernen eines Gewerbes, dem 
man sich völlig hingeben muss, während das Thorastudium 
dadurch vernachlässigt wird. Er meinte wohl, die bescheideneu Be- 
dürfnisse eines Menschen könnten auch ohne ein „Brotstudiurn" und 
bloss durch die allernotwendigste, gelegentliche Arbeit beschafft 
werden. Solche Arbeiten hatte auch er verrichtet, denn auf Geschenke 
wollte er sicherlich nicht augewiesen sein. In Nedarim 49 b ist übrigens 
nicht einmal von eigentlicher Arbeit die Rede. 

n ) Koheleth r. zu 9,9 : tsi wn ^«'rva vn». 

1S ) Ebenda f'pn mao rntttaai spinn nia'a rnina pv'J' WW x n Dass 
die zwei Begründungen sich gegenseitig nicht ausschliessen, sondern 
ergänzen, ist leicht zu begreifen, j'jfi' vgl. oben Anm. 5. 



difiche Bildungsideal. 



Thora 19 ). Es kann nicht zweifelhaft sein, dass Kabbi selber 
auch diese Ansicht teilte, und die zu Beginn dieser Darstellung 
angeführte Sentenz seines Sohnes, nämlich R. Ganüiel III.: y,js 
kh DJ fTWl besagt eigectlich ganz dasselbe, was im Wahlspruche 
der „heiligen Gemeinde" enthalten ist, die diesen Wahlspruch 
an Koheleth 9a (n»K DJ c"n nto) anlehnte, ■wahrend R. Gamliel 
in einem ähnlichen Satze des Predigers (7,11: rAru DJ russn miß) 
die Bestätigung seiner Ansicht fand 20 ). Ein Zeitgenosse R. 
(iamliels III, Bar Kappara, hatte sich zu dieser die damalige 
Judenheit so sehr beschäftigenden Frage, wie folgt, geäussert : 
„Der Jähzornige erreicht nichts als seinen Jähzorn; den guten 
Menschen lässt man die Frucht seiner Handlungen geniessen; 
wer weder Thorah, noch Mischnah, noch ein Gewerbe (ps "pri) 
besitzt, dessen Umgang verbiete dir durch ein Gelübde". 
Es sind das kurze Stichwörter aus einem Vortrage dos grossen 
Aggadisten 21 ), wobei er die einzelnen Punkte sicher des Naheren 
behandelte und die Frage über px "|YI ganz im Sinne von R. 
Gamliel entschied 2 '-). So wird die Frage auch in der anonymen, 
aber allgemein anerkannten Baraitha (Tboseftha Kidd. 18 und 
Parallelst) entschieden; „Des Vaters Pliicht ist, seinen Sohn 
DBöW rahh ein bestimmtes Gewerbe zu lehren", und dieser 
Entscheidung werden noch die kräftigen Worte R. Jehudah's 
hinzugefügt: „Wer seinen Sohn kein Gewerbe lehrt, gilt so, als 
würde er ihn das Räuberhi adwerk gelehrt haben". 

II. 
Durch Aneignung von Thorah und Gewerbe kann der jü- 
• .Mensch einen Anspruch darauf haben, zur Kulturwell 
gezählt zu werden. Das Wort W. welches in der Mischna 



") Ebenda. Die sonstigen Steilem s. Aggaduh der 'rann. II. 489 f. 

: ) Kohelethr. zu 7.1 1. 

Jl ) Kidduscbin 40b f. — p*a »n, 

2: < Es si-i Doch bemerkt, daSB die Sochsch&tzung des (J. 
in der Familie der Patriarche i Beil jelier heimisch war. So liest mau 
mehrere Gleichnisse, durch die der grusse Wort von ruait« beleuchtet 
werden boH, im Namen Rabban Gamliols II. (aus Jabne) in Thosseftha 
Kidduschin I. 11. 



Das jüdische Bildungsideal. 



Kidduschin 110 im Sinne von „Kultur" oder „Kulturwelt" ge- 
braucht wird, ist wohl nach Jesajah 45.18 rt"W res' 1 ? geformt, 
■wonach Gott die Welt erschuf, damit sie bewohnt oder kulti- 
viert sei 2 '). 

Der Gedanke, dass die Zugehörigkeit zum 318" nur durch 
die in unserer Mischnah aufgezählten Momente für den Juden 
gesichert werden kann, leuchtet auch aus anderen Stellen der 
mischnischen Literatur hervor. So liest man in Abotb V, 5 
unter den 48 Dingen, vermittels derer die Thorah erworben 
wird, mino »lyoa n:rsa topes 3W3. Man fasst gewöhnlich das 
Wort zw hier im Sinne von „Ueberlegung" oder „Sitzen" auf 
und übersetzt demgemäss: „[die Thorah wird erworben] durch 
Ueberlegung der [oder eifriges Sitzen bei] Thorah und Mischnah 
und durch ein wenig Betreiben des Geschäftes". Mir scheint 
hier ZW ganz in dem Sinne, wie in der M. Kidduschin, ge- 
braucht zu sein. Vorher wird gesagt: TioSrc .Was das 
Studium anbelangt, so bedarf man hierzu njrotr 

'131 |Wil* . . .; „was aber die Kultur betrifft — 
zwz, — so bedarfman hierzu minc Wpü, jwd, mpa 
der Thorah, der Mischnah und des sicheren 
Erwerbes, dieses allerdings nur in ge- 
ringerem Masse". Es sind also hier dieselben Be- 
griffe wie im Kidduschin genannt, nur wird an, um deutlicher 
zu sein, durch mino ersetzt, was nicht gerade „Ware" oder 
„Geschäft", sondern allgemein „Erwerb" bedeutet 24 ). 

Wer aber weder Thorah, noch ein Gewerbe besitzt, kann' 
zur Kultivierung der Welt nicht beitragen. Welche Art Menschen 
zu dieser Kategorie gehören, zeigt uns die M. Sanhedrin III 3 
(vgl. Rosch haschanah 13); es sind das Menschen, die ihren 
Lebensunterhalt nicht durch wirkliche Arbeit, sondern durch 
unerlaubten und unlauteren Gewinn zu erreichen trachten, — 

") Vgl. M. Gittin IV 5. 

- J ) Nur wenn man -iiaSrc und aw»S nicht mitzählt, gewinnt man 
die Zahl 48. Denn das Wort mnna (oder nmer mynaa) ist zu streichen, 
wie korrekte Ausgaben das eine oder das andere mit Recht weglassen 
(s. die Ausgabe von Strack). 



Das jüdische Bildungsideal. 



die daher die Fähigkeit einbüssen, vor Gericht als Zeugen auf- 
zutreten 26 ). Mit tiefer Einsicht in den^.Geist und, die Ethik der 
Halachah stellt Raw Schescheth in b. Sanhedrin 2-lb fest, dass 
der Grund dieser Bestimmung sei: obiy bv 13W3 r/piDJJ ps» 's 1 ? 
dass solche Menschen keinen Anteil [ an 'der Kultivierung der 
Welt hätten, da sie, indem sie die redliche Mühe und Plage 
der übrigen Menschen nicht kennen, sich nicht scheuen würden, 
den anderen auch materiellen Schaden beizufügen- 6 ): ausserdem 
mangelt es ihnen an ethischem Gefühl und an Gottesfurcht, 
um vor einer falschen Zeugenaussage^zurückzuschrecken- 7 ). Des- 
halb stellt auch R. Jochanan (Kidduschin 40b Junten) fest, dass 
der in der Mischnah als nicht zum :f gehörige Mensch als 
nny 1 ? Sic: zu betrachten sei. 

III. 

Die höchste Stufe jüdischer Sittlichkeit und Religiosität 
wird — wie soeben kurz angedeutet worden ist — erreicht, 
wenn man durch Studium und Arbeit befähigt worden ist, den 
Wert des Lebens und der Kultur richtig einzuschätzen, und 
durch all diese Momente jeglicher sündhafte Gedanke aus dem 
Sinne gebannt wird (pj rn:a»a), sodass der derart ausgebildete 
Mensch kaum imstande ist, eine Sünde zu begehen (um ITVBa xS 
«ein). 

Dieser Gedankengang ist auch in der folgenden Stelle des 
Sifre Deut. § IUI zu erkennen': too mm, dutt "tS joo Kipo 
wjk: ,nB>yD "vb k'sb nobfi jTehn tS InlK'ao n:ro , n;tra "ri 
n « 1- tS n'3d. 

inpö, mnn, M ) ravo und •nobri 29 ) entsprechen hier dem Be- 
griffe min in Aboth 112 oder den beiden Begriffen N'pc und iWö 
in Kiddusch. 110; nipyo ist die religiöse Tat 30 ), worin auch 3;r 



*J VgL hieran Lazarus, Ethik II. L86. 
26 ) Vgl. >«on zu Erubin 82 a. 
•') i n zu Sanhedr. 24b; n*aoi: nviy XI, 1. 
M ) pjn n»l zum Jalkut § 615: mson »vre u"n. 
»') Dus ist die dialektische Erörterung der Mischnah, wie in 
Aboth V 21. 

"j Zu rnva n'7 «'so noSri s. „Jesehurun" v. s. 621 f. 



Das jüdische Bildungsideal. 



„Kulturarbeit" in jüdischem Sinne enthalten ist, und die Folge 
dieser Kenntnisse und Fähigkeiten ist n«T, die wahre Gottes- 
furcht. Aebnlich wird in dem berühmten Satze R. Pinchas b. 
Jai'rs (Sotah IX Ende) »an n«v als eine Vorstufe des prophe- 
tischen Geistes (isnpn nr) vor p)Tcn genannt. Freilich ein ron, 
oder gar vom prophetischen Geist erfüllt kann nicht jedermann 
werden, aber Thora und ps "]"n kann und soll ein jeder in 
Israel erlernen, um dadurch zum Bestand der von Gott gewollten 
Kultur der Welt beizutragen und in sich die Furcht vor der 
Sünde fest wurzeln zu lassen. 



Die Bedeutung von jrpkp ■wbp'jnjn CW1 

Von Rabbiner Dr. S. Kaatr in Hindenburg OS. 

Ich will hier untersuchen, welchen Sinn der Satz 0<*n 
fiVSj fflSp fnyn im Talmud hat. Man fasst in der Regel fn'bir 
als einen pleonastischen Ausdruck auf und pflegt zu übersetzen: 
.Die Frauen sind leichtsinnig". Dass der Satz in nachtalmudischer 
Zeit diese Bedeutung hat, steht ausser Frage. Bei Erklärern 
und Dezisoren wird er sogar sehr häufig unter Weglassung von 
ffpSp zitiert. Aber es handelt sich darum, welche Bedeutung 
der Talmud mit ihm verbindet. Er kommt, soweit ich sehe, 
im Talmud selbst nur zweimal vor. Gehen wir auf die beiden 
Stellen ein! 

Mischnah Kidduschin 80 b verbietet das Zusammensein (Y,rr) 
eines Maunes mit zwei Frauen, erlaubt aber das Zusammensein 
zweier Männer mit einer Frau. Die Gemara fragt nach dem 
Grunde dieser Unterscheidung und antwortet nfip [njn DHM1 TKffl 
\Tvb9. Kann das hier heissen: „Weil die Frauen leichtsinnig 
sind"' J Weil sie leichtsinniger, leichtfertiger sind als die Männer? 
Aber der Talmud nimmt doch ohne jeden Zweifel an, dass der 
Mann mindestens ebenso leicht zur Sünde kommt wie die Frau, 
da er TUT eines Mannes und einer Frau verbietet, und noch dazu 



Die Bedeutung von \rvby niSp jnjn D*tr3. 



einstimmig, während das Verbot unserer Mischnah nach der Lesart 
von Ran, Kosch (und vermutlich auch Rambam) kontrovers ist, 
da hiernach R. Simon das Zusammensein eines Mannes mit zwei 
Frauen erlaubt, also den Grundsatz 131 j/ijn ce*: bestreitet. Aus 
dem Verbot des "WV eines Mannes mit einer Frau folgt, dass 
der Manu als nicht um einen Deut besser gilt als die Frau, 
und dass er mindestens als ebenso leicht der Versuchung er- 
liegend angesehen wird. Was bedeutet also unser Satz? Raschi 
führt uns auf den richtigen Weg. Er sagt: »Die eine fürchtet 
sich nicht vor der andern". Meines Erachtens ist hier- der Aus- 
druck frrSjj durchaus nicht pleonastisch aufzufassen wie in andern 
ähnlichen Redewendungen z. B. nssPYiö fnjn ,ft*r% nomtsö fnjn 
orrSj? (Kinim. letzte Mischnah) u. a. m. Sondern [rfSy weist auf 
das Verhalten der Frauen zu einander hin. Der Satz will etwa 
sagen: Frauen haben keine Scheu vor einander, sie sind unter 
einander vertrauter, ungenierter als die Männer. Daher die in 
Eben haeser 22 nach den talmudischen Quellen zusammengestellten 
Ausnahmen des Verbotes in solchen Fällen, wo die eine Frau 
die Indiskretion der andern fürchten muss, wo also der Grundsatz 
nicht gilt yrhy mSp fnjn dtm. 

Auch die Stelle Sabbath 33b wird uns nun m. E. ver- 
ständlicher. Dort wird berichtet, R. Simon b. Jochai habe sich 
mit Beinern Sohne vor den Römern verbergen müssen, und seine 
Frau habe ihn heimlich mit Brot und Wasser versorgt. Als 
aber die Gefahr grösser wurde, sagte er zu seinem Sohne et« 
fi N'Sjdi nS nyxa kbSh fiTVj? nSp jnjn. Darauf flüchteten sie in 
eine versteckte Höhle. Die obligate Uebersetzung : .Frauen sind 
leichtsinnig, vielleicht wird man sie quälen, und sie wird uns 
offenbaren", ist meines Erachtens anfechtbar. Das sollte ein 
Beweis für den Leichtsinn der Frauen sein, dass sie Folterqualen 
nicht widerstehen können? Ueberdies sagt der Talmud aus- 
drflcklioh (Kethubotb. 32 b): .Hätte man Cbananjah, Mischael und 
Asarjali gegeisselt, dann hätten sie den Götzen gedient". Wenn 
das für diese ausgezeichneten Männer gilt, geschweige denn für 
andere Menschen. Und was die Sache besonders schwierig 
machen würde, R. Simon b. Jochai sollte, um sein Leben zu 



Die Bedeutung von irp^J) tvhs tnjn o>cj. 



retten (vgl. ernst« pa 156 Schluss). seine Frau Folterqualen aus- 
gesetzt haben und noch dazu, da das Versteck auch der Frau 
unbekannt blieb, dem möglichen Foltertode? Dies beweist m. E., 
dass die Stelle anders zu erklären ist. Ich glaube, dass auch 
hier '131 [njn et*: dabin aufzufassen ist, dass Frauen untereinander 
nicht diskret sind, dass sie keine Zurückhaltung vor einander 
üben. nS •'"'"ü: vub*i bezieht sieb nicht auf die Römer, sondern 
auf die andern Frauen, auf Verwandte und Freundinnen, welche 
sie mit Fragen quälen werden, bis sie ihnen das Geheimnis an- 
vertrauen wird. 

Dies ist m. E. der Sinn dieser Stelle und die Bedeutung 
unseres Satzes im Talmud. Anders in nacbtalmudischer Zeit. 
So zitieren Tossaphoth und Rosch, Anfang Chulin: ..In Hiichot 
Erez Israel" steht geschrieben, dass Frauen nicht schlachten 
dürfen n-hp \nyvff Mob. Diese Absicht wird von beiden zurück- 
gewiesen, und in der Tat scheint es sich bei der sonst unbe- 
kannten Schrift „Hilchotb Erez Israel' um ein zweifelhaftes 
Elaborat zu handeln, das von Asulai in Beziehung gebracht -wird 
zu dem Abenteurer Eldad Hadani. 

Ueberaus schwierig wäre eineRaschistelle Abodah sarah 18 b, 
in der berichtet wird, dass Beruria, die Frau R. Meirs, einmal 
über den Ausspruch der Weisen rvhp |njn DHM spottete und von 
ihrem Manne durch einen Schüler in Versuchung geführt wurde, 
„bis sie zu willen war, und als (der Sachverhalt) ihr bekannt 
wurde, erdrosselte sie sich." Hiernach hätte unser Satz in 
talmudischer Zeit den ganz allgemeinen Sinn gehabt, dass die 
Frauen leichtsinnig sind. Diese Raschistelle wäre, wenn sie 
eine talmudische Ueberlieferung enthielte, in der Tat ein Gegen- 
beweis gegen die Richtigkeit meiner Darlegung, nach der in 
talmudischer Zeit unser Satz nur die Beziehungen der Frauen 
zu einander im Auge habe. 

Aber das Dunkel wird gelichtet durch eine ganz ausge- 
zeichnete Untersuchung „Schlimme Legendengebilde über 
R. Meii-, die Herr Professor Dr. Sulzbach im Jeschurun 
Heft 9/10 1920 veröffentlicht hat. Dieser tiefschürfende Talmud- 
forscher und Literarhistoriker weist zwingend nach, dass Raschi, 



Die Bedeutung von pr^y mSp |njn DMM. 



wenn überhaupt die Stelle als echt angesehen wird, hier un- 
möglich eine talmudische Uebcrlieferung bieten kann, sondern 
von einer über R. Meir verbreiteten üblen Nachrede berichtet, 

also Rasch) die Sache nicht als historisches Faktum erzählt, 
sondern als eine von UebelwolleDden aufgebrachte Legende, als 
einen sogenannten Bilbul. Es ist in der Tat unmöglich anzu- 
nehmen, dass Raschi der Meinung gewesen sei. R. .Meir sei so 
verworfen gewesen, dass er, nicht etwa wie König David in der 
Leidenschaft, sondern kaltblütig sich ein derartiges Verbrechen 
habe zu schulden kommen lassen, das „ein todeswürdiges Doppel- 
verbrechen an Frau und Schüler" bleibt, auch wenn man, wie 
es Sulzbach tut, es in dubio lässt, ob es nach dem Bericht zu 
. tatsächlichen Ehebruch gekommen sei, oder wenn man 
den Bericht dahin erklärt, dass der Schüler im letzten Augen- 
blick die Maske habe fallen lassen, wie es /.. B. in dem mir 
vorliegenden, für Schule und Haus bearbeiteten „Talmudquell, 
Ausgewählte Sagen und Erzählungen aus dem Talmud" von 
Jakob dargestellt wird. Wird doch Kidduschin Sla erzählt: 
.!; Meir Bpottete der Sünder. Eines Tages erschien ihm der 
Satan in Gestalt eines Weibes auf der andern Seite des Flusses, 
und i lire da war, glitt B. Meir an dem ausgespannten 

seil hinüber. In der Mitte verliess ihn der böse Trieb. 
Da sagte der Satan: Hätte man nicht 'im Himmel ausgerufen, 
am auf B. Meir und seine Thorali, dann wäre mir dein 
Heller wert gewesen." B. Meir selbst hatte sich 
also über die Sünde erhaben gefühlt, wie konnte er es da seiner 
Frau als Schuld anrechnen, dass sie die gleiche Meinung von 
sich hatte? Er selbst hatte Versucher und Tod vor sicli 

D, wie wäre es da denkbar, dass er Frau und Schüler in 

tiche Gefahr gestürzt hätte ' J 

Die lichtvollen, von Liebe zur Wahrheil und Wissenschaft 
und von Verehrung gegen die Geistesheroen der jüdischen 
■ mgenheit getragenen Darlegungen Sulzbachs werden die 
dankbare Zustimmung jedes wahrhaften Talmudkenners finden, 
wie sie vermutlich den sensationslüsternen (ieistern, die nicht 
die Wahrheit, sondern sich selber Buchen, ein Dorn im '. 



Die Bedeutung von ]rvby mSp jnjn D'tw. 



sein werden. Sulzbach hat einen wertvollen Beitrag zur Ehren- 
fettung R. Meirs und Berurias geliefert. Was der Talmud an 
der bekannten Stelle Sabbath 56a sagt: „Wer da behauptet, 
David habe gesündigt, der irrt " '), das kann auch auf R. Heir 
und Beruria angewandt werden. Ebenso wie für sie und 
manchen andern das Dichterwort gilt: „Wenn dich Läster- 
zunge sticht, so lass dir dies zum Tröste sagen, die schlechtsten 
Früchte sind es nicht, an denen Wespen nagen. " Vgl. 
S. R. Hirsch zu Ps. 60, I6f. "Dl a*?b* "\dh yc-ibv Ich ziehe 
das Fazit: Die zitierte Raschistelle muss für die richtige Beur- 
teilung unseres Satzes ausscheiden. 



Eine Randbemerkung 1 zum Siddur. 

Von Oskar Lehmann, Mainz. 

Vor etwa 30 Jahren i'rug mich Rabbi Liepman Prinz s. A. ob ich 
wüsste, wo y^vn den Sabbat ca' man genannt hat, da e9 doch in un- 
sereren Sabbatgebeten heisst (Schachrith und Mussaf) ns-ip itiik n'a' man 
Auf meine verneinende Antwort erklärte er, aus dem x outn ginge es 
hervor : ich habe in diesem nichts derartiges gefunden, auch die grossen 
Gebetbücher geben keine befriedigende Auskünfte; so sagt Dr. S. Baer 
in seiner Awaudas Jisroel nxip bedeute hier soviel wie „bestimmt" 
wie es bei Abraham heisse vntnp in« 'D, der ja auch nicht in« genannt 
worden sei. Die der neueren Ausgabe Auzar ha Tfilos (Wilna 1913) 
beigedruckten Erklärungen, wollen den Ausdruck auf einen Midrasch 
zurückführen, Gott habe zu Moscheh gesagt: Einen kostbaren Schatz, 
habe ich aufbewahrt, Sabbath ist sein Name, wo dann für das Wort 
„kostbar" man gebraucht wird. Auch das scheint wenig einleuchtend: 
Andere wollen nach dem ca> man ein Komma oder einen Punkt setzen, 
so dass es dann heissen würde: An dem Siebenten fandest Du Deinen 
Wohlgefallen und heiligtest Um den Köstlichsten der Tage. Ihn nanntest 
Du das Denkmal des Werks des- Weltanfangs. Auch in diesem wenig 
plausiblen Erklärungsversuch, scheint der Zusammenhang zwischen 

') Am weitesten in den Versuchen der Ehrenrettung biblischer 
Helden ist S. R. Hirsch gegangen, der z. B. Gen. 37,18 im» jSssni 
Wah übersetzt: „Sie stellten ihn sich bis zur Todeswürdigkeit 
ränkeschmiedend vor." Und dabei sagt doch Midrasch r. z. St. 
B'aSjn hk n nou'Ji lsu vian, was von den Kommentatoren in Beziehung 
gebracht wird zu Pessachim 118a „Wer Verleumdungen publi- 
ziert. . . der ist wert usw." 



Eine Randbemerkung zum Siddur. 



dem ersten und zweiten (künstlich getrennten) Satz immer noch nicht 
gelungen. 8. K. Hirsch erläutert nnip tfiiK „Alle übrigen Festtage 
hängen von Bestimmung und Verkündung der Nation und deren Re- 
präsentanz ab, durch ihre Verküudung werden sie np 'N"ipa Berufungen 
tum Heiligtum. Den Sabbat allein hat Gott ein für allemal festgestellt 
und verkündet, er ist der einzige unmittelbar von Gott festgestellte 
e*ip K-ipa". Auch dies rechtfertigt das a'a> man nicht. 

Ich fand nun in der von Rüben Jesaiae Muskat herausgegebenen 
(auch sonst sehr vorzüglichen) rrWi Warschau 1884 in der beigedruckten 
Erklärung ns» «jipn von Kabb. Moses Usalschin die folgende Bemer- 
kung, die mir sehr zusagt: .tyavnm'a -n L K hyi izxiv r«ip im« ca> man 
—ar in csi hm pi — tvfoa a» rxosj iS nam 'i wm 'a^tr-'a p'aj-inoi 
Es wäre demnach zu übersetzen : Und Gott fand Gefallen an dem 
siebten Tage an seinem Werke, das er geschaffen (in den vorherge- 
gangenen sechs Tagen), und hörte zu Beginn des siebentes Tages von 
jeglichem seiner Werke, das er gemacht hatte, auf". Der Ausdruck 
ian in der Bedeutung ,an etw. Gefallen finden" findet sich häufig in 
der Schrift, so Jos. 7,21. Jea. 1,29. 53.2. Ps. 68,17. Pr, 12,12. u. andere. 
Diese Uebersetzung wirft auch ein neues Licht auf die Uebertragung 
der LXX, die schrieben 'srirn cva '?« tai (Megilah P. a.) sie fürchteten 
eben das Missverstäudnis der allzu wortgetreuen Uebertragung, an die 
sie Bich halten wollten, und übersetzten daher lieber 'feti ova. Auch 
die Pentateuch-Erklärung dos R. N. Z. Berlin s. A. poyn iwa gibt 
eine Auslegung bei bs% die stark an die Uebertragung des Targum 
Jeruschalmi erinnert. Die Abfassung dos Sabbatgebets kann auch ge- 
schichtlieh sehr gut mit der Uebertragung des Jeruschalmi zusammen- 
fallen. Der Zusammenhang /.wischen cd' man und onsa rn'S''? Tai ist 
somit gewahrt. 



Bücherbesprcchunj^'ii. 

Jüdisches Jahrbuch für die Schweiz 5681; '.Jahrgang; Verlag 
des Jüdischen Jahrbuches, Basel. 

Das Schweizer 'ahrbuih ist ein willkommener Gast in dem Reigen 
der periodischen Schri.ten geworden. Die Vorzüge, die es beliebt gemacht 
haben, sind auch dem neuesten Jahrgang eigen. Ja, man wird ihm das 
Zeugnis ausstellen dürfen, dass er in mancher Hinsicht bedeutende Fort- 
schritte aufweist. 

Der Wort derartiger Sammelbände beruht ja weniger auf der Dauer- 
haftigkeit der einzelnen Beitrage als vielmehr auf der Harmonie aller darin 
publizierten Arbeiten. Und dass ein schöner Zusammenklang hier vorhanden 
Tun man füglich behaupten. Dabei ist es wirklich kein leirhtcs 



Bücherbespreehunj 



Werk, Einheitlichkeit der Gedanken zn erzielen, wo man nicht einer Partei 
dient. Bei aller Verschiedenheit zwischen einem Rabbiner Kuk und Birn- 
baum eint doch alle Mitarbeiter die Wurzelhaftigkeit im geschichtlichen 
Judentum, die Anerkennung der religiösen und nationalen Triebkräfte. Kaum 
ein Aufsatz will bewnsst Propaganda treiben; und doch ist das Resultat 
eine einmütige Bejahung der lebenspendenden Faktoren : Religion und Nation. 
Die geschickte Auswahl der Beiträge ist ein Verdienst des Redakteurs Dr. 
M Cohn, der zugleich in seinem geschichtlichen Bericht über das Jahr 6r.8'J 
in warmherziger 'Weise der traurigen Schicksale der östlichen Brüder, aber 
auch der erfreulichen Fortschritte gedenkt, die die palästinensische Sache 
gemacht hat. Dem Ereignis von San Remo ist auch eine zum Abdruck 
gebrachte Predigt von Rabb. Dr. A. Cohn gewidmet. 

Es ist natürlich unmöglich, zu den mehr als 30 Beiträgen Stellung 
zu nehmen. So will Ref. auch nur einiges hervorheben. — Literarisch am 
höchsten stehen die Abschnitte, die längst bekannten Werken entnommen 
sind. Da das Jahrbuch ein Volksbuch ist, rechtfertigt sich das Verfahren 
ohne weiteres, da nicht Originalität ad hoc sondern Gediegenheit das Wesent- 
liche ist. Und da viele nicht allein den Weg zum Original finden, so ists 
gut, ihnen Auszüge zu bieten. Aber man sollte darauf bedacht sein, nicht 
gerade solche Partieen aus unserer Literatur zn wählen, die jeder mühelos 
finden kann. Perez' „Wenn nicht noch höher" ist gewiss eine der ergreifend- 
eten Erzählungen, die wir besitzen ; aber sie findet sich sowohl in der grossen 
deutschen Perez-Ausgabe wie auch in dem kleinem Band der Inselbücherei 
und womöglich noch in anderen Sammelbäcden. Auch „Die Lebensrettung" 
Ton Dr. Lehmann hätte fehlen können; sie ist doch für unseren Geschmack 
zu harmlos, und in Lehmanns Schriften mögen sich bessere Abschnitte 
finden. Vortrefflich hingegen ist Rosenkranz' „Die Baalsfeuer." In diesem 
Abschnitt lernen weite Kreise einen ihnen noch ziemlich unbekannten Autor 
von hoher Begabung kennen. Offenbar liegt ihm das Thema, die Nachkriegs- 
zeit mit ihren ungeheuerlichen, barbarischen Insulten gegen die Juden, besser 
als der in „Gad, der Seher" behandelte Gegenstand. Jn diesem ist oft eine 
Verkennung jüdischer Ideen und Gesetze störend; in „Baalsfeuer" hingegen 
ergreift der Dichter den Leser durch die unermessliche Tragik. Die Schauer 
der Novembertage 1918 in Lemberg, die Zusammenpferchung der Juden in 
der Synagoge und deren Brand, der Versuch einiger Greise die min noD zu 
retten und deren Wärtjrertod, endlich die Grablegung der Opfer — wir er- 
leben hier ein zweites Mal die Schrecken der Vergangenheit in künstlerischer 
Darstellung und wieder bluten die Wunden, fliessen die Tränen . . . 

Etwas eingehender möchte ich mich mit Krauss' „Ein Blick hinter 
die Kulissen" beschäftigen, weil dieser philosophische Beitrag nicht ohne 
einige Glossen hingenommen werden kann. Kranss will hier den Leser mit 
der Philosophie des „Als ob" (Vaihinger) bekannt machen. Für den, welcher 
nur irgendwie von den Problemen der modernen Philosophie Kenntnis er- 



Bücherbesprechung 



halten hat, ist das „Als ob* ein vertrauter Begriff. Er ist auch verhältnis- 
mässig einfach plausibel zu machen. Wenn man davon ausgeht, dass ich 
zunächst nur Bewußtseinsinhalte kenne, dass alle Gegenstände, die ich 
schaue, unmittelbar in mir als Inbalte meines Wissens ruhen und erst durch 
einenanschliessendenDenkprozesszu mitt elbaren gemeinten Gegenständen 
werden, die so sind, „als ob" sie selbständig wären und in mir Vorstellungen 
hervoi rufen, dann ist eigentlich schon alles gesagt. Ein selbständiges Reich 
der „Dinge" ist den nicbtmetaphysiscben Philosophen keine Tatsache, ge- 
schweige denn Voraussetzung. Xatur und Seele sind nur „gleichsam selb- 
ständige" Reiche ; erst in der Metaphysik tauchen die Probleme der Realität 
auf. Krauss wählt nun, um das „Als ob" zu erläutern, als Einführung die 
Erörterung der Atomtheorie. Ich will nicht darüber mit ihm rechteu, ob das 
der richtige Weg ist. Der Atombegriff ist nicht so geläufig und für den 
Laien iasslich, dass er die geeignete Basis für das Erfassen eines Erkenntnis- 
problems ist. Aber ich kann ihm den Vorwurf Dicht ersparen, d:iss er über 
die Atomtheorie höchst mangelhaft den Leser instruiert. Wenn man das Atom 
nur in der Anschauung Helmholtz', Liebigs und E. Du Bois Reymonds 
darstellt, kann man allenlines nicht fassen, wie die Wissenschaft sich mit 
dieser unhaltbaren Fiktion abfinden kann. Es dürlte aber — was in grösserem 
Zusammenhang einmal für jüdische Leser dargestellt werden soll — von grösstem 
Interesse sein, da-s kaum auf irgend einem Gebiete theoretisch und experi- 
mentell so erbebliche und befriedigende Fortschritte gemacht worden sind wie 
auf dem der Atomtheorie. Ea bat sich gezeigt, dass jedes Atom aus einem 
System elektrischer Einheiten u. zw. dem negativen Elektron als Kern und 
positiven Elektronen als King besteht, und dass die Zahl der positiven Elek- 
tronen u. a. für die chemischen Hlemente charakteristisch sind. Was 
Ultramikroskop und die Erforschung der Röntgenstrahlen für dieses Gelüet 
bedeuten, dass alles ist hochinteressant: auf der letzten Aerzte- und Natur- 
forscherversammlung in Nauheim haben Kossei u.a. höchst bedeutsame Mit- 
teilungen gemacht. — Auch bat Krauss kaum die Bedeutung des „Als ob" 
für die Logik (Ordnungslehre gezeigt. Was das .Als ob" für die Ausdeutung 
religiöser Gedanken sein kann, ist nur ausdeutungsweise gesagt; es bleibt 
abzuwarten, was im einzelnen diese Betrachtungsweise leistet. 

Eine besondere Erwähnung verdient Kuks „Erez Jisroel". Hier ist 
in einer merkwürdig schauenden grossartigen Denkweise die zentrale Be- 
deutung Erez .lisroels als des Landes der Heiligkeit gezeichnet. Mir will 
scheinen, dass selten vorher in solcher Sprache und geistigen Ursprünglichkeit 
geschrieben worden ist. Das Bemerkenswerteste ist : hier waltet wahrer 
jüdischer Geist. Nicht von irgend einer Parteiplattform wird hier höchste 
l'alästinaliebe gelehrt, sondern aus dem ungeteilten, unversehrten Denken 
eines Mannes, der umfassendes Wissen mit in die Tiefe dringendes Erkennen 
jüdischer Sonderart vereint. Wie gross ist im Zusammenhang seiner Ge- 
danken der Satz: Sm»< pn n n»nn nwi« n ^c 1 ? --nr.K. Treue, befruch- 



Bucherbesprechunj 



teode Phantasie, wahrhafte Vermählung mit Gott, das kann nur unsere ewige 
Heimat uns zuteil werden lassen: eine bedeutsame Lehre aus dem Munde 
eines Denkers für alle, die glauben, das Territorium sei irrelevant für die 
Heiligung und die irdische Vollendung des Juden. 

Noch wollen wir aussprechen, dass es uns eigenartig anmutet, wenn 
Dr. Ascher in seinem Aufsatz „Wir sind ein Volk und einig woll'n wir han- 
deln" (der sonst ganz ansprechend ist), für das ^wn jn n»a, das in '"k ent- 
stehen soll, R. Abr. Jizchok Euk als den geeigneten Vorsitzenden bezeichnet. 
Uns scheint, dass es nicht die Aufgabe eines einzelnen, noch so verdienten 
Mannes sondern der russischen usw. und palästinensischen n'Snj ist, darüber 
zu entscheiden. Wolfs&rg. 

Jüdische Geheimgesetze ? von D. Dr. Hermann L. Strack, Professor der 
Theologie an der Universität Berlin, Geh. Konsistorialrat. Mit drei An- 
hängen : Rohling, Ecker und kein Ende ? — Arthur Dinter und Kunst, 
Wissenschaft Vaterland. — „Die Weisen von Zion" und ihre Gläubigen. 
C. A. Schwetschke und Sohn, Berlin 1920. Preis 2,60 M. 
Der greise Gelehrte, der durch seine exegetischen Werke, seine 
grammatischen Untersuchungen, seine Beiträge zur Erklärung der Mischnah 
und die Einleitung in den Talmud sich um die jüdische Wissenschaft so 
hochverdient gemacht, ist bekanntlich einer der wackersten Streiter im Kampf 
gegen den Verleumdnngsteldzng der sich quasi wissenschaftlich gebenden 
antisemitischen Pamphletisten. Weit mehr als ein Menschenalter führt er 
hier die Waffen gegen Gegner, die an Würde und Wissen unendlich tief 
unter ihm stehen. Den vielen Aufsätzen und Gutachten, den Schriften : „Die 
Juden, dürfen sie Verbrecher von Religions wegen genannt werden" (Berlin 
18 i3) „Sind die Juden Verbrecher von Religions wegen" i Berlin 1900 . „Da» 
Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit" (8. Auflage Berlin 1900) 
reiht sich nun die oben genannte an. In prägnantester Kürze ist hier zu- 
sammengetragen, wofür soDSt Bände nicht ausreichen. Die besondere Fähigkeit 
Stracks, den Stoff übersichtlich anzuordnen und den Leser schnell zu orientieren, 
zeigt sich auch hier von der glänzendsten Seite. An kleinen Ausstellungen 
wäre zu notieren : Die Uebersetzungen der Teile des Talmuds hätte auf- 
geführt, ebenso vielleicht einzelne Beispiele der Irreführung näher be- 
leuchtet werden können. Alles in Allem aber ist die Schrift gerade in ihrer 
Kürze ein unentbehrliches Handwerkszeug für die, die den Gegnern entgegen- 
treten wollen. Möge Strack, den wir in die erste Reihe der o^iyn man« »TDn 
»teilen, es noch lange vergönnt sein, seiner Arbeit, die er ja nicht für Juden- 
heit und Judentum, sondern für das Menschentum und ein recht verstandenes 
Christentum führt, mit ungeschwächten Kräften zu leben. J. W. 



Der Name des Verfassers der „Beiträge z;ir Bibelexegese" im 
letzten Heft des Jeschurun, der durch ein Versehen ausgelassen war, 
ist Dr. Simon Schlesinger, Wien. 



otwortlicher Redakteur Dr. J. Wohlgemut!], Berlin. 
...n H. ltzkowski, Berlin N. 24, August StraBe 69 



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hrSv xbi ,kxo npS mpiSnon 'sna nro» Sa iVap oiwtnn a'bapam 
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22 nnpni ti»n'n 33 

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|'B3i jj'ibk naS Kays ynn k:t ra »m kS ira wiwai ""«n 1 ? nrp rnwafi 
kbSt sp'cc cira fnana nh naSi KayaK op'a 1 ? k3'St dwo es bas iroa 
djt pam Kp'co 'im cira dib*s V" -x .xaya avp nw O'oa kS» 'k 
S cn inOTtn • m tcayo 3'n'- k3m iS'ck 'Da \t kp'tirid iras KSe»3 
p'^-x kS ^k kdvb 3-,t ,-ii,i >* p'pcca 'K 3 "Kl Kn"iixT ikS ip'y: cya 
op'ab ks'St die'b ba3 ira3 pasi 'Da n"T3 b«fa '"ci 3n;e' nn .xbyb 
n"i3 ejbk .|»Ti x-ain pn kw Sb3 Hb K&jnsi um nenn 'cS km kowm 
,Kn""iiKia S'D3 kS Kayai rcS sn3i rrawS '"«n nsri meh kS c,T:en 
Kaya 3',tt x:m "b: sj^oS k;'k nSc-3 yvua p'cSn p."3 T'bS nrpm 
pcc rm kh iraa paa nbrs ynrs S'B3 ':m »an ikS 'kt bas ,Kn"-nKiBT 
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San «rrj V-t 'cS ■]« .S*?3 rx'3 cnS pK ' m nsi -^xrS^ .irpnr no 



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Wiiren pw iT'nm "3\n W'n rpny täcb *sn l'rax npaa npsa vra vom 
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vnsa "ryb [ma« ^n 'an köT sb "sn Viva nns yz -:: -;'-zrh Ppy 123a 
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iy pmcS -riyr sbi sin nys>3 Töoinwn ibSn , "a , i nans .H3WD 
SiT sVr nsi ,b"j <"»i n3ii3 »nab ;3*rai h"t K"3»nn -enTna *n ,, tne> 
«n n"xi„ :S"U pi ,mba nrs ppoinbi n':nS «n ps'-ix viana ißn ip'yn 
a^asn Sy kSi rrby pmn sin rann ans yrv wi -jna nn n'Sy pna» 
«jny nc3a n"W [o':abn bwö .s2 - -y map ana^n "?y bj fn» iS"dk myi] 
^ana vpmrb ynx yama »mm "rc- njaia» nai ,S"3y ,"ana sbs rnaa p« 
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20 nn;ni s'tii'n 2 

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bwi D»a thtnv »tbd b3 rronb n»pi ,mpa irn "nabS,, nban ,"bxa»i 
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(tjieab 'H3 ,n:S wai) ^S iaa tS rt ei ,Sxetn pa" "p n\n wta top »"ti 
-.v natn •-•;• pTinJDn "uitn irr wk tnps »vrani .mraaS es c-i 
po' tS iS nato pa' roSb ps» Dipaai s"ea rn ,b«öw pa- -S :b«wft 
p»ba "p •dSotwi »yvb» p-n .'rxar -S mottf b«a»a naV? pnn» Bipaai 
mp toan J3 Sj ,b«s»i pa- ro^b ro' ts tnpa ;-.-: fx: in na'Sn 
es ■•;--••: *ch x-pn tram ,x-pn t*nipa»a n» wffa »bVi ,Shb»} pa* 
j«yu •yara -cb iS cp tpan |nii tnp d*bj?d nea trän» ,! ?333 cj irse» 
«atp p»bn mn bwjwi pa 1 ~S p«An «Smvi 'ßS n;-i .p a*re xbn 
m : v ,pa to» nabS ras- x? wti ptnjoni hunvrfi pTiruon anam» 
,'an »*np x-ipi mwoi .bt«B» trat» Skb» L yi pö 1 " mn» pö' by ras'r 
e" S'c "cc.t a;as .rpr w« Tann b:a iiBn sS p-i nnraS "pis nn kSt 
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. . . ? Y> i^n 1 « kS ? nSw BTaSn "f? p« ynai — 
'5 nt'S h Tan raromn nnSK«? n« na nKea» naro bv mcn myjna 
■npa kSk uws* Sy wyn km naiSy .v kvi dhd nW' kS 4 ,ua anan 
SaS /ran nmp "WKa ,a*i m»oa kS ek ,wik-iS rurn ncKiin ,twe *pTn 
.Spy '1 bv tö ■totpv »ki n-israa ninon 
naro Str nnSK»i .anm* cyn nsiaa pnn ikbd Sy atn tw-inan im 

. . . nawnS nesai n-iSn ,tiio nsy» 

— tbj Sipa vS '"i *m — way an B"aya k-ibj anaiSn anyan ■ — 

ana na-ini .uS tbds iaa kS nr mau» nSrun nwn Sk a'yau ana nann 

naSS mk nana» vna» iS'k .Sba w anaiS p«i mnn ja bi«t vniya 

? Spy '"i bv war» nopx BiSa SaK ,B*nyj 4 D'inu rnc 'itob ,ktöj- 

.ts lt n^Ktt» nnyn Sy nnSy kS tkei ,mtna nKan» naro n»\nn 



.pKöBBKn "bat ttt 

♦nnym D'Wpn 

(•Twan) 

Vtbk Skbpi pa- : n n ny v, ana Kaiai b s »bw -b ••-ibbs «nn "^Klf 
.a"y ,anS yas» Skbe> kw pa* 1 Syi pa* kw Skbp Sy rrya b'ktb 
bKa» K"ne> pa* Sy "jS na«' bk Sia' k^k n»n k"d nmw 'aStfiTa Kn^iaai 
pe" Sy nb naK'tt» Skbü'i pa* naSS S"n anS j?a»n pö" 1 K«n» Skb» Sy, 
.mnK ptrpi ,Skbb> kw» Skbp Syi pa' Kinr 
'3 F|T nimna Kn"KT ,ncBn twyfj imo ^aa b"eti bj nw .nawn 
33ir kw nb nnaa-an b.t'b Sy nw nxwb »wn» n^aSn yri ra rnn :a"y 
■neen nynS "ibxi ,ktd'k nayaS iS^dk a'aan "nan yict^b nisas 'ya Kpi p» 
Sy na« iS^dk Srun ra nan Sn yiatrS msa naxa Km SSa mya nr pK 
cjw Ki nr ian Sy nay "iaai .TB'Kn n« iTnn» u*\n 'iai SKasr kw» po» 
1K3 ,mwS '"»n Sy "n-ira ,t j S "»b b^k-i 1 icbs b in \"v .pinS ipmi BwnKi 
'D Sy vmj»na poan ,ra /j anp'y idd3 iaSK *nnp ,nnn naßa Sy yar 
.(b'bbw '63 mmn Sy witbs snaw iaa kSt nti) 'k vnnv b"3B"iS nixan 
»"y B"v pmruoS p'in '»iTn .k'" 1 na-n pnS mr-n .b^bbib» 'ea TJ'nn ibc 



,Brh s .nyan« ':d lmaa nrt "i Sap ,mnrw rrnya nnnS» pran nana nnoHto 
■ny . . . rein onS naSi ,bn:ir "iS cna d-hpi spv nS d^p ana a'»» 
nSa- kSi rwn nrSn my .jiddh iinaif nnaa «w Sy kwi nywa nam narr 
nbim atyriD Kinjra nxp ttwi nbya Sip nx prsnn yjna ,-imk noSp .üip 
vrayw mSipn-amy «in .im« caaion o^epn mbvi b» o'pnn mSipn oy 
. . . naaSa npn3 nS pyu .nsflWrvi ayaa ,r«»i ,13 nbjnm iaa 
YmS cj ,-f pcya psi jar vSy nay» -in« 1 ? oj n« .naSaS mn naa 
"iDDDi tbui bwa nnnva mn in nar «|k .myapS mnanan in .nrnne* 
kSi Diip lb nnvw mann nnwa San "rya nww p-ny ,nanmi -[Sn vn-aSn 
pnaian io*»vrwi im« iS'cki .unbnpn cnaban ,im:aiK 'ja nmb nan 
■nna) vo'tr "pnb Sapa rrn «Si Kiajn mabb nnaia nvw jprn Spy^ "i 
«naj Pji naxya maSS naa o'ynvn 'o-aic, a-iy: nSn (»nnan maS "paon 
Sy nbye» ,m Spy n iS"ck — im": o'man orsc mcoin "man ay "■»m 
nann nan« p;p3 maaSn n« ,n:p «S .cra wwpaai lmo-nna oper nrS n 

.nan: b» nbya jna n:pif nra 
mSa .VTabnb «na: nma nbp nrb pur nr by nana neynnn nbnna 
ib'CK y:a nr roamaba ptre> H/rra nun ,rn .rrya ?'»r 'na kw Sna t<b 
,aj« "pna .nmr nina v «ora nwtfo nnVw ny n-by nnyn nn; abi .vbionpb 
13 innnr Vtttn jnbw.n min nay pxun eman .nn« tpin 3ny3 fiM nr 
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n lS ac .man n ( n 'p:i hjcib .jnSrn pxsiQ "flflO mey mso» Sc* mcian 
panS "[lacn rowsn bx nan: ,nS naSn ,nSinj kib:3 p'yi i:nSr nxpa nrS 
nyuna isnaa cp c«no ,n'33 avira naSe' na'yai na' np'nci ,3nyn nnrxS 
. . . po na rnsn 1 ? nie nnnn nnD nyaicn nan« ,p:y nsm nrna 
— nunn a'rna Vnnni rvua vh n yn — iVncm ,DiSa «S — 
.-Bipca 'nxcp ir hv rrey» vray "S nyn"« nSmj nna» IniSa kS ...?nS,naj 
Vvann ."mccin„3 nn« aipas n»pnainnw -:«v mn« o-a 1 ^ nr :xr'yaaf 
,nynn nens ,cxno ,nrn yji3 — vrayi .Skbpi pa' n-JcS pK .nxy p« Eiro 
! nwa txsb ! ^ -pnxn r« tksb ,nynn nens nton njwffl S 3 iaa 
.oKno -S "jenrur "Scn nbpaa na^ai naix ,nKnra nnay mSrn n»n.n 
,iBn: .n,: Sa rmasi rjina Kinr a my inmn kS oSiyar eyaa . . . nn« trmh 
.o"u'n «)Sk pp 1S K*3,nS n-nyr .pvm Snua n;r iSna 
! nai ,':„ : nS«w jn mjyai 
! n«a 3ia ,n:y ,DiSa «S — 
? yTaSn 'jcS nr niK3 nenn nnai — 



SSj nson nr» d;i irunn nrybx b» wiran nwan nw 13b in» nx ynv mos 
ifoi .m»ü w im .«beim »npn nrn niDnnbpn ...nniaaannKffiiirojmp 
b3 oy i« .-[33 nb n .rons nr« -invi — nb» "irb ina B'übijm p3n "Job Jim 
nipn dj ,13b iriD3 nrax nnvt van na iab»» nuyn nnai mpenonn ma 
pyb pi'3" 1 sv-b spa .nman ia its 1 pvb t]iB .sob iiaan «td '3 ,iVK»m npi» 
kd3 rijB'twi aiar nrnaa imaa n-m sb sanDa p .lmrem winab an bs 
va .DD^ean it^S n by nxv man Nn 1 tb D*awnn niaipan nnxa miai 
.o.vby 3i utowi TO3 in« vms ,[ ,irmn TO3 Dtt'bi ia»b "3ro„ iann*i lana' 

. . . rvanb K\n nvwi ?xi 
impan Sm n'niawnö mßa njnn na nnw spin n\n rawo »jn 
niawn a'na-nibya xb . . . ■naab -in« jbim tx ,nb n»n: 133 rw ae> \n :nxrn 
...j3i rvab» mpun .crjap anb^ es rs ,nrn d#3 nb o'x-np DH333 D\"ia- , bjni 
(! nnaby np 1 "; vw t*bn) n»w ; n-Binnj.n nam xbx nrx nvyn '23 b3 "031 

."naban "\vb„ xbx ir« — 
Mja i 1 ? p« ,bi*H nyi [apa „nbnpn ya Sa "aa ."irb„ bi»b lb a'xnp xb p« 
,nru «bi nap» Kb»,n"y rnpnxn nax b» rrn n? — xpan .aper nrb na nnx 
naamaa .maiai nnp ,n;niii n«»u ,nb» nbaan nuna nnaiy nirn anyn ny ipanja 
nx 13 obeb naa tbi --p-n Horrnfraj,, :r»nb vianb nnx airna ai»i xim 
»nrw ! a^na nmaa nx nx^ann xb nxr baai - — ,bianx b» Hcn-ni £ ? , B;„n 
b-nara nnwn nna nx :nb» m nwn t]iD.f]iD ffann a^iwaam "tfipn bi 
Wi naxn oSiya ciScn-rby nSya» ,n?3 D3n Tabm — D3n TaSnb nwrn 
vh '. ■'bc "ifb„ : Tan vby rww nrrnw a'ann iiaim .isa ia nsna "«nn 
,nna nawn in« na-wn by avr ns^rnnv üi »bip bas rraa rr «b "! ■'b» 
rnya sin thm ntfiai ,sin nbr nr irb '3 m"yn "33 b3 c; wm ibs-i 

.epon inb 'i ib ixip -p'obi 3"niy3i 
.nbaan -tnco na nsbn jeanb nrwt» Dia* nn'n sb — kbs nnaawai 
M^n ■'B'o csian jb nb vn sas niB ^ob pennn . . . s - nn nya.nnbn nam 
nxno "[X . . . obiyb o*s3i a'anpn o'tnn D"nb xiaa ,nipn '«bei vn tid *xba 
ny nion br« ...3aa>ab nboa norm — npbnor a , a'' nnbn ,xasb ms nrns 

. . . mpnn naa ,nba sb?r 
ifiy by b'nana ns "|an '•a ,t£>-nan-n , '33 mab mw ns nrb n a'yan r« 
a"ami .vnisa byi ruy by ,t]y?n penn abiyb iTß*3 ,ncyannM niaiDin« ,ti 
,nsba3 manna o'ao mb'b au'n ,nm np'n "]i3sn by nryn 'Japaiajpfi n^ana 
"1 «a K'nn nysi ann a'B'a .in»« vby nnbm inian vby nna nn« n:iyai nys» 
ba> wab niany bin? 'ii japna pjdv n myn "rxp be fnimbra »a»n in 
sinn ovn mnabi .mnn» na n:nm nsnr na in« a» -an .cpo*r nr^b >i 



16 *»<■?' -n n ' o ?a 

na-in T,a Sa vSy panw nn cbm anS mn pmnai nna ."nann„ :pm ruwa 
c'kxc;^' pBvrnrai va» bv cwb cc"a-^ay nawa onoen anea uro« 
Inrnn nSan km cnS sS ,pnn *ayi nwwa S'atra nunp ratn» p moaS 
?nm «pci 'xaS ?irS n» Tan m ick n«S dc ni;aS SSaa anS na 1 ? '3 
TTW3 ,a,in o'D'a naa nSapr ffarsan cnwa nam km mtw pny 
vnSia rpaw mm 'ja papa ibSi «in aanro .nSarpn rwvna TU 
s-r E'anaa m iS« .niwnri rmana na« t Sy mrpi nrraa x ' n narwai 
-b'b nrran .arnrn wo n na rwi nSapc* "naniun 'anaaS SSa can im 
Sru Toai '«e^na .casy b*bm anwa ,pa,T-n in nSu* fnnn nsa .nniTT 
B3TW «tScn Tya n:nn nS pr ann a'ariKn rranaa r» ron nS nnmn 
linea Sy cn:a tim nai caiyei «warn na nans„n Sy mnatrni nwr i*n 
nsa km n*an:a rw e; nare nS runn» run nmp pixa .pm pe i»k 
. . . hm kS nr Sax — ,pMn apjP i p mb r nS» paSn fnnn 
a'Bjnna ,mw nai cc:oi muri nananSnn !nrS bv vanaa röi maxi 
nna .«an nx-n b'b» nKT Sw naia man aawi .ffwrrpn ffTeariMne nn*K 
kSi .Ttna cm« nran nS nexya bjä* iSSn ffanaan n« ranam mKTnS nnM 
n« nran kSbt]k .«an« ;naa nS iana Sy vSy nayinn kVi ,nr Sy in nS nM 
pfVnan Sa nx tawa nran — am« nran nSs» ewd ik — "wh bv vanaa 
Sy nuyS nnM ,-niaSi .iS-j "jaa annx naiyS pa pTsa runrw ma'tfnm 
aitrx -nyi rSri ffayo ia , n^<^p /nSap TpM ~anaB„ : nr pso nci:a ranaa 
maipan }fnK Sa cj 3BM N S nxan Mti ,tt7XK "03 riMTi "»»'«a in' -|ej? ia KiipS 
"im« iaa K-anS "iw 'c;a 'S |»r "a .cnyT ^bS mit kS naS rc*:yr 
nnur na S:ai ynr nmw na Saa nann nain 'S neoS Sain |yaS n:n f.rSy 
. . . "ff 'jo man-i d'd» nun jitwm '3 ,"i ös " :j " ITn ^ 3in::n " irN - 1 'f 30 
n"a3B n'aSitt'i nyusn 'an miom nw nS:nS„ ; anw rm? w nnaiyS kw 
D*nn ipa <M0B3V n n ai 'jyxi fBJ IBM "|anaa !c aai biSc "fW nan: ma 
yanS Sin ( ay 'ca ffnai ; - ki tbw \'h .Tan -[bb yias'S h \fp p ,BiSrm 
nie*: Sk-i»' na »a "ja nn;y "]an:B man .E*aian r-ana % nnar bta nn ana 
«n'K ,ipai am 'eSkb "jey 'd min 'S aia .ffMD *uj "jiSnS ynv "|aS »ai n« 
,nip'n Snanj ,-p .nsa rwj?3 kS eni "•; ,s nu-;: na-r ff« ckc* K"ia;a 
-yr "nS j'kiS i:S naS jrrafn Syi mwi Sy airS Sn; ->ty n^nya nsa« 
nmnn KM ,aSiy "n i:S wv nyra ffwmn ffffS triaSS iJ3i SiaxS anS pa 
jnBaSvu pSn .t,t-|S c:v\ 'u-:y •_: romnn TttK c; na fWiKl arKr nrnpn 

"nS'Si ebv rara nai ira- t/»>ki irm km s a m» 

n'TK prSS omuB ffamna B'piBB "»an e^icb nS p;ci3i -[Sin hm Tai 

'b .nn eyaayc Saa c-nantörBM .nKiipinnnm ana nimp ntmmn ,manan 



nye>n m naram mso-Tan 1 ? snpnS naia mn 12 noasira .iS jibxb 
my#n warn onw *jbS» niya>n ran pa ava 1S rrusin mwn 

npan 'aiiBT ey lbtt» S'nam mbS nananS wtypa nanpa rx ornnuSr 
w? nn .»man nmsyS piannb nna pnnnai ap xinsra orn vroo 
. . . mnx nwyS 'S npBK-'x "03 avn ?nyaw ns .S'naro :o'ym cni«3 
van Myb3 0; Asn\ nyba bj ?p /Sa^n xbn . . . -jk n-oia 123 ovn 
nmnxS Ki3" kS am imann nii3 n« nynr nan;i °?i3 xS .av S23 ias San 
naS Ssx ,p rwr «St? iS naiS nby3 MB3 ,tjb nr;a ne'x pm .cnmtn 
wbj Ss m ."p Sa »in nan p .wns 3x121 jktc ,nr by -xa jkh nanpa 
Ton Mb rw xS niW>a bj .enS naSa sin wrma Saa ,erhb \rm kijt 
rwra p]id B)iai "maSS -kjb iS p« ,maSS -kjb ib p«„ '3 amm nra sin 
1S3 avn bo «in naba nnc f nV , '?n Sb3 "[Sin irx# "b by *]xi .pnxn-ayS 
n«i33 S'nan: ran vbx nann nt?x2 — b^w nb'b nmpn mwn ns 
Kbn ?nra psnanS -ib>bx aiba !nxr S33 Sa« — man Tma nnix cmS 
nrybxb ib nxmpi n'ir ppa km nroiB ,"[2 b3 npiayi -j3 S3 nan na'wn nmnn 
•w Y» nx ,"3 yptri nxi3 ,'a bisai rm», :b"5WW bipai nan p»Sa apy ;a 
"hrb ,nsn xa . . . *j3 B % »nb nxn ":x »Sa nxi »am bx bapb nxn 
■nv ,vniaibn '3313 yie^b b\n «in .b'bt rpncib nainn ,nrn bipn nx 
"Kj'rYrB"»,, isn iitk ,om Sni22 imn2 iS njnapn «aoxMn '3J Sya varub ypiai 
(*tjw 'j»n B"»n ■'sn Sy arya n«3 *K»n2 yjyjnai mn "p»ö« natr vSy naiy 
nap njinnn in« tb .in"3 S« wanSi mupS tS n Sr i:iaa iS p"Ban kS 
nmx |n: ,"bni amni n:aS«n„ bv nawan "wS^i,, ciana ni2i2 naBö iS 
.yh mnvan N3au«n Sy Sn; 11322 nraym my 'sn,2 n3"i3S b'-ieb ttcS 
«1"bibi n,Sin n*n -j3i .n3t> n2ca m rrr Sy 133 rayn ,rn ny2 nwn n:»3i 
minnn ara envn yt^ns lay nny 132 iS mo ny ni»S naoa ,n:rS nsao 

/S33 maSn fa nin2aa y»n 
. . . rwB» myn nS m3iy nrn naaaa nam mnws low ytrn 
nie« sS ntt»'KStt» nam-Spi n«m mynn icb ns nSj «S ,tbS nsS 
«Hins iB3 nn"3 ■'inns naann nni« myi !fiy» y»n . . . B1S3 nra 
nSys nsia nr owb •'Sik . . . njn»: «S aisa .n:mnn nnxStt' psj'Kin 
aitt'a msina »bwSi wnan n-aS n'an nnaS .nusaa nann "j3 S3 picyS 
n\m »itb3 aiSa nS ibk kS «in . . . jp'n nn-3r -loa ^nan-niS'BJi npns 
nr irarnS «Sen B3is3B Sy ni2yS n>an m a^nn^a ,n2n nie« sS km b; 
K2nn« rh ""a ,rwn»a nnan kb» wbx nSya nan« by nam ntwn kS .irS 
vS nr nan kS aSiya .nians n'ibn nn\n ab v nsnsi .naSim na^Bia K^nr 
n'KTJn nSan n« Easy paS ara ej asS anS ibk ab aSiyai nxr ansn« Sy 



sb''' 'mn' d 



Sips o'KTpi nnaiyS cxaip tt«n cmidi cSti: ,bman mnxa iBiyn "otöm 
ram roion rvrnn "lnrnB •'S w !pwn »b »an !n»»i .fraai« :pDia w» 
irrSypirw ,ni"pcyi nnnaa DTai nicaSa nvp .o^na ,T3o .yxaxa ma^y 
www mrmBDfi "ira nx »wwi SixSm tix'xia nn'n ..tjhbS ly pS pbrcio 
tj-cb iS -tayr rvjorn nwSi Sys briJi pnun Sx na*;: .amn "oob nnna 
nS-n nx nSna nroa nnme ,Sv;;b,i nina mnrejon p inx nxjru .nnrppa 
.»w e> 'k juna nrmS nnx dv paxn man ja »S nx'inai maiaon 
nnw xSi .nn*»3 uop nc333 nn'n pm pun b-S njrwnr "inxSi 
.viuapa ,?x .uSp "'3i„n Sy win na SjSjw xS» nrai wra nnx ht» 
np"x nx nsn« xn .nS pas w pinm '"on v»aj> Sax ,nu »rutinn xS 
"3in nx anw c:b 'b,, ,i«Bpn i:ay -11T3 13 "131b nS ,vn dt»i nxa ip 
.vpnaa rix t^x t^x naa uoySi uiay»a 13S3 nx nnx oyo hSn» "?Tfira 
nruy "!msn 'vn m S'ara f? m,, .awi mann p -nx ny: pcp "!'»», 
,T»i p TOJW uvnen xSen San Sx m- nx nnS» ,nn nma mann iS 
nyjS .uro brun pSnn nx ,nwb inix rnna ,nawa "nx lawa ntrcnn 
Sx nniw na nxp uaa neyai "pyn ne xtd„ »nba naia [Dpn pSnn Sy 
.xai rm tSw 133 'Six nix-ibi 13 iranb pbnn 
»am mr»n ":dS niys> »an vTobnb iab ia» ,1331 bv "Yin„n "a 
,i33-i bv vrn i^x iiya ,inx-i njS'OD-aim nxpa nay o n - 1 1 n x b my» 
•nBi .wn n3S"BD-3ini pnaa maj? ./viann Sc» o-pnaBn— idbb cj rrfl nav 
.tw »1 .xi3T iS nrom pbm t Sy nwvi may n?v nmxa iava dv 
.nsiaxn nnceon nx nan: npn ;x /xtj inr KW nanana »a nS hdtj 
fWinn nxxv .nanii n»xi na nsayna ,mi3 Tan nS roaian .narnm nSn^n 
nsuj ;nrra jnca T by nbya paa mroun mpSn,T, marnn tfiSKn Sy maiy 

. . . ne'sai 
nyipw maiy x'ne> na nxti ,pS;yn SK-mp' p ,iaiy npeia nm 
tpS n ?py S133 n3xj na !nam„ :nxp ns psiSnnS iS tais «bi niawias 
p nnxi ,"W3 Saxa,, b"3P3 niai:n F|icxS "jS" f: nrra ,nma SScnn 1 ? iS.t 
.rii-D3 'S -icx p ,onnxn nmixS orn "x;a 1S px .mn,,,! Sx tb awb vSy 
iS njiy im i-cia "i ,i: ,13., .3S iS na» ns'x lr tx "!naro .'»cj "n 
•: '"|S pansi px» cipas -oin Sx ,-|bb nwpaa,, vSy aanS 'Saa -pnaa 
nxuS iS wex '3 npoia ibx» ,-ib xn nax 03ax .nSy3 trc3 nam nyiv 
13 pyiT ,bSb* dv 1V0K 'nS-ix Sy T;ynSi npix:^ Tai S'3tt'3 "na , pS„S 
Ssx — nax» hb "ax -]: - cSi aawn npaia cj nxr ynv ,nryn ^a S: rona 
nr'xS 1EJ3 -jS' xSr nSr irSa nS nB3ia rcrw nyT' nansi nnx D'ynv qSd 
nBn3r yiv »uw nyra ,maSiy "-r d» iS aar i" ,, cx' ,x' u ir oipa 



y »jpi 'B"eni ':» nvjyn 1 ? ave/n 13 

travn n« \?rh y: na-p' xb vs ,nv:ynn ayaa rums «w ab bki 

.S":n nun mrna -laxaa Sbj *ia»K 
-iibd x n'" 1 rnynai 'x b'"' rroi 3 1 " pns rrcyn nbjaa ukxo «bn 
dt» nx SidV xban mina nunb xba' irmax by d*wi nwe» "na» nrya 
nWö bvu bipa na pyub nxyn anb rurra ira rra "b\ji .nvovn nx bbnbi 
."nS^a iv jbhi iabn„ wy jai yvhhi lrsoni ixa„ tmaban 'am nra vnyb 
Dnart lyo»'» ns mairnai cpwa ipys,, : irjcm nba moaa b"f ""-an «oi 
pwb npyn nyia» p#b ba a'bnna "b:"ijib -a '3 spia rnyn 'caai -."aa-by 
,ni&»p rvnr; aTby nr:a> cm« by äffet vn mpnb :nee cot» 'x n"i3i .nrae 
,aa» rrnanan rwpam m:nnri ": ruwto ncprna wi rwv xb "ai 

? a"na nnyna paxb rravon pwb "na: [ran jr:ya man 
nnpbi tpsfo v ntri imon naxaa «cpäd, nba '3 ,bp» ubxir a"xi 
bp» tx na-ib ■•'Kii) ."urrfa ^ □"rjsa pa„ ix "unibja d'vjdö pa„ 
'Daa dbi: b'bict naaa '3 km ^om'b&.S ".im v, aa "a'waa,, nba »aiavi 

.(131 "iren .irem labn,, a'iawa mani iabn m 'Dina myn 
ijt»i '»»am Ma> Sc nr:yn ppnb waitn ayen üb nVana nr pixai 

,TD3 nnx bx irx a'b'apa , -ib ,, i -ntnan naro mann wrani 



.pBip .s .X 

(.n'BiaiB") 
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DpDV Ivb '"1 

njapn m*pn nmxa rann mnji wwa ttki "ai ba» ibk> hm p 
uipswim roVoDfi nnj Sy /Sa» Biö't rriaa phrv ünn w pa n3a>vn 
.n? ^^K 'atb ib im pinx na nna»3»i ab aia mp'Ba ,nninan rwbva o'yy 
rrn sin .von ninnaai iab aisa rrryxn in-yn nan: 1 ? bj nS iwn niBnin 
nr:anSi nwi noi« nnM s'm ,«TöJn nSnnn ny nnay maba ,mpirn ieSb 
vn nSa» a^npyn r.mipbm .a'japbi d^tuS naaaS a'nyai a-pnaa "ro bai 
n^pnaa n«i anSa» ■wai.n m iansa»i n»'« S^k naba» BTrsn a^apn aniK 
"*•»« ,nSs« r»nS nvi nfB« naa -jS*«i 03»a ia>y na»ana .a^na nty nan« 
bv nipunn i;n:x i3«a mi .«31 iravasn ame ort ran .naia-^nniBi prt 
ra„ byi nSai "jSinn "|ar„n Sy min cwbm pn Sa» a'ana dvbo [an n'3 



'5»i 'e^orn «3» tvnyrh ayen 



S33 um »in in« bvi nccn inK^r mym :myn 'DB tpo ^t» 
B"3n '"03 pn nr;ynn rata m« mem .w trxfra 'in um ^kw nixicn 

.VDpni 3"xm 
.pin wrapna nwmn nirrban 3"j d"bhb noo -Sn in« Seinem 
nroöfi nupnn w pa pSnS nrnS psnx i:k invi -inv "3 1310« "1331 
jns pvsn p« "icn nvanpa bei «Sr na ,}oik oib>3 unjna piyS kSipi 
cmB'rnra, :S ,r ;n cipos b^bid BB3 Kipj ex ,bwab .bsvn Sk anpi »wo 
nw ,tibkj '3 mpea awra ."wam w — jd s j »ins bn — ia o^pno 
iSn.t nv:ynn sbn ?"ia„ pe»b 'kb r 1 ?«»: ybi rj3*n sSn ,a"ria m-iyn by 
by v, 33 p";" nta nKitvn naoan bin niKiS nn-w im ? [d-j ein in« p 

.E"3n "t> IT"!K "Mo- 
TW hk D'T3?Dn mwmn '"icDa maipen nawm rsrn naipnn «nKi 
nip "3 ibkm jwnai vua nnynn n:pn oya by 13*1: ,pn mwn nupm 
ibu 133 rapmn "in« na jer »a .iTni-ona nosi rfflaS mps? na ir niprS 
.".rasn laipas kS immto p nn« o'K3m ,n:pnn oyaa npTfl prom poen 
rpab mm nccn vw a"na nuynnS lb'nnn "3 wn o'bim pi dw 
-•k ywu bk "|k jtnö tw nabi ,B"r nna» mne wart kbb> mBai jwpSd 
T3BD1,, piSb by wry dt: ek em ,nr cya ibsp Kb d^w «in o"B3nno tnn« 
.saSys ttnsacK »3 ck '3 nun b"jn oyo wru "3 ps: ,"ini3EDi, in "rxt 
— b":n moipaa 'anai on'cn 'B "p in« cya cinx wpa «nnSi 
S231 v, K3 Djar -wh DUswn m^y oira Ntp^ya upn: 3 M na nv:yn <a Kim 
nvjyn ypm nwa naa ihk '3 SspS ba»n Sy mrp im "]k .pe»niB3i t^o 
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.nr3 31 [ar 

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nimm mSan miita c;ipn iipa 3 ,r n3 rv:yn dj '3 ,po 'M c-k S31 ;rt>3ira 
mn«a pi *3 ,rn6m km rtKona neixi r33e*K3 irmax pk ikxb -utk m»pn 
jwiwmn 'icD3 ci3? i:kvb mnii pmai S ,r n 
oSiya una irK mn^cn p:ya nabma *ki b"»l naKana pin n?S kh 
,n-:ynn dv p:y 'd 1 ? aisapi anns 'ki* mtn *B3n -ick .iSk nrsyna cibkS 
kS ,3"H3 Sb» o'jBTcm mmSon pro aavi i"?3 cki .vSy mmmSi SSannS 
par iV'ck cna nnK3 pK .aSisS nnK rmoöi ihk p:y '3 pco ctv vh -\*v s 
o-ovirt ni-xy p;ya kS «;ki ,b u v nnar nana mapi Ken p:ya p"or Sr 
noinn naiai nmn 'ui S' law "iki na cpyix ihk3 obis pi ,nncn nn'axi 

.nnibjs ijay-*33 Sy nÄBvea piam 



'2tn 'B'om kv tmn/rf} ayen 



-nyi : sn-K aan ,n"3yn rfea *)iC3 mann "03 ir ,-upn .npy Sd ans p:yna 
Syi rvsn p-m S3? a^an n&»b» ^ea '»"anai ";itd pjyna i,y» uvrcn nn 

,a»n noin byi nc-itw» rrnroi 
.ni»n Sa b» u»! '»"am ":» vby "73p» w .'« a"* rvsyra w* pi 
«ht »na xmay nayaS xSn pwi k"»: : '« n anaa »abpirai 

.jroa xn^yn 'aenn» ny ^"anai 'j»ai 
■»»^anr:» — fB'ja Sn — 13 pyna an-abnii vi k"3 anaia 'Baal 

.nD"i»:» rnwn 1133 uetfi a»n bibn "jbb 
<n»'i "ronaai nvjyni 3"n niabna rra ton myn nSjaa b"in -laxam 
w nabi : iv'v «S» na m •« 3"a p"3 'Bina kivk -ny .(bn rjn) wm "b 

,'ni '33 riuynnb um 
^am 'j» myn vby "73p» rrr b"r B'iiMb ibxe> : n M Di *b b".i»ai 
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ik tnn na b*na (ySSysxa) na*ri i:S irrm ix b»i -n cjdd Sz> lyByaxjxaS 
bj yyijiv m span yi:y;ai wi span Sy Spi pi Srn nap s xn b'8mS i»d'k 
spn Sy cy:y:n Sa E-ana: n» ; tfxi Sy iaiyn im» mS Sy wan rapn 

.nn KiipS S"m Saa a'Kipn 

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bibS fna ttix w i» k B'pnpmi b - bie,i Sa cai ran "pna nie-iewi m 
•]K ; S"an ia Mana i»k ny anaaa nr Sa KiipS Sine» 11 nsmn Sai ,pipiSt 
nmien »T'aiar niBiB2>B am na Stj 'nana :,iSk tiiibo ranS >nxa psyn pain 
Siryn Taa am na Siu nxin nxrn niBiccn nS'nm E'SxiayBiyn r:z 
in Sy 'nana nra pm ; bb> ispk am na «w Sai man a'caa ick 
d»i aSn laS miß aSn fa xan t» nmian n";t> n^aiar niBictra nw 
nianajn ,iSk mnty wa .nun Sa 'Taai aSa htk am na Stu ana:i mna 
t\v2 ;n maa fn am na Siu pnanSi ynanS ipb'k ,im nxr Sy nxr 
•w mrya San nK "niran ipk3 vpi .a.rn» Sr c'W mxiSi nnKa 
nt nnxa amx "3»a am na Sn; -ana: ipxai onweno e*kbii cramtt 
B'anian a'pin oupn Sk nixitpj irry umxi xiinS ann arm xnx ik nr Sy 
»3 B'iaixn na'nun Sy analen nan lpix bk .arratn Sy -aiyn mSn Sy 
icxa man 'TjS bi a'ana rpiyn fa ohu »aw iiy ottivi "jm-n inKS bj 
miy man |a nsraan mwin aSn ja raruin rnwn nSc-ia nn\i ?x ..iSnro 
Bna> itrx y;m mn nnxa iSej nrwn »n» ! -a kS Sax ; jiiwmsa nnaroa 
mv aSn ja am n3 Siw ,mna3 Sbj man p Bin na Sna xanx ,»nwn 
: \^ S'aram S"an ny 3naaa Tn«s icx nwana nx~: nr Sa : bxS 

Sy Hera nrn bim ny anya na-nrn vjjjs a'jry:n D*»icnm mi'pnn Sa 
man33 niam B"nn 'aa-B b"2>iih a'ipinn E-irjxn *d Sy fnxn nyawi pyn n-xi 
anS b'jixc p ( xi ist flSiyS kS e.iS a'ryc rix Ssx ; mwa nin'B3 mnaian 
13 mix iibji nama-'n Sy pin nx iai aSiyS nr S3 ay ,naxn lyar' 1 aSiyS kS 
T Sy dvjui Ewnnn an .nyacn xSi n'Kin nSn: K,m kS bk ej ava 
anaiy a'ancjn b'bib3 (|3Xbck,i ixEsyEXiB t Sy iaa) nB'nrn Sy a'apn 
nnaiy nanran nia,i33 ix myoc naa na'niyn inx B'aSinn amirp kSi 
kS ick inx tyi3 B'iajJi a'cy: ..ibmum inx xibebi fan mSaixi maSvin 
n'ai ixiitn Sy 1133 S33 n:ia rjun fa wan CKin bb> »3 ; Skik»^ ,-nra ma 
Bin ip'y p Sy ,pjrS iS'ck ix nSpS nB-ncn eiS i»d'k •'xi onoa na'mrn 
[bix3 .ibtiws Ssx ; nBMrn inx na jar ny nvnS manS ircxi F|ua ixr: 



nr'neri <3» jya 



3K2 icd »a niTi-D nvtra mans navan naam o'K':k n«ici nean cr.ean 
"i«rK namtrn , ;i nxan n;a nyso nemn 3H3 cj p neTOn nyrs n&nan 
monan pa vav i^k mman Sa "«r iea wa njn 161 naw kS (PtwS 
,r»Ywn T» cnaiyn n« inj» xS cnvxn San ürmai Sa Sa« Mtrmn Saa 
nyx cyaa niswn d*titS nnow irs niSn: mino nea ovn my "OHrn 
.ttohct nx tphS psi nSroc.n nmpo t Sy o^n »Sya 
1920 njtt'o "TniipS^mra ycapioB tb j?eepne»83Kö„ ny anaaa 
•nxa ;nvn»n nx onS moxS mwi Sy capn ay winnS nta tim x"S nns 
:mvii ran "ip Dornen «Si o^mrapn xS na iS'rw.n «S ntrx nrnn rayea 
mzn 7m Sy xS ox yaan "ma j»un nan mSaS -«rcx n/x *a vpa nxSej 
ex3 rwftnn 'san cy cnainn »vw novwn Sy c % apn S3 ? (B:ya , nycDpy) 
*Y1 man t Sy dpa Saa rpa njan rwm dji man nvn Sa : rix? rayea 
man tj ; man tm pS'jnn mmnaai ma'to maaa yau cnn n^x nj> Saa 
o»ai ("f^Sm DiwiyBiK mSipmx) ahv Siry ic3 man o'caa cnmca cn 
ny mump Saa mn wej 1S nranS man Saa epm ciep dtj D'nSnra 
x\n iccaa w* man tj Siry njren rann cpa ww nnarnn inSja wio 
MP ctjb »oo Siry iaa cnxps mäwxi manan Saai nvnn Saa laroi nx» 
yayn) niS nt cyaun D'pn cnMB rwn 103 onirpsi ,onx3 trxn itt'sa crai 
n? S3 cy .errxnas tsran ram anMn Siry cn craa '3 rjsi ; (yb»a«TD 
ix fcwpn cnn rix cSapa pxai ;nian Sy cnn rtranSi SapS onmaya cn err 
cm nxivn p o^yi o'pm a'j» ,«|un [a cnan ctj nyanx T Sy ?nrnn 
man Sk p rmn S« aSn |a cnn an o^a^iei (cyn^K^wp) ennn n'snpjn 
nnnrn nvSin ^1 Sy tfifgn ja caSinn cna D'pn owi .c'jcn Sk p 
CTnnn mon o^aa iSk nxipS iSk dwbs i^m dTJ yan« .(DyS«"iayanyn) 
n?a n«n: .S":n Siryn Sk o^Bnrai tftyn \q DySgnayBTpmi c^cn nxo 
pcS nnx cn^nn nxo omx WO na man % n'J Sa cn i:aai Siryn cn "3 
pa- p:an Sa .SNacS nmo pa'S nn« cySMnayB-yiin nsai Sxaa-S nnto 
r« 0; ain»S npB'K Sa« ,«nv 'na d*twi 'jv B*on»3 isiitn ;a nirrnw "a 
cjiBpen Sa ruyo nnra nma ram npneas b'jibb cn ^s*« cySK^syßiynn 
cc33 nr« CT:n Sirys yia:Sa cn.n nSa^ «S dttw ra - nra "3 .neNim Sy 
manS on erna cm on ccpnsi emens tpypn p cn^n w my % : man 
cn j3 Sy ; nn^an nysi namen njw ntrjna nansm nsrnr ibj nnKS 03 

! S31 S3B namz'n Saan c'naix 
n,nn kisbS 'jrai v, ny3i "|t »ion -pn Sy mar »c.nS 'nto nny pSl 
i«3.n ins Snuai immnaa cnn nxnea 'jnaan asa th .nexn n« nman 
irm "p*inBiS3„ novtt prSa mpsn cnn na .ran nn«i ran nn« rprpcn aSn p iS 



snntr 102 ason 



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xS rfoa iwnfoaa nw-ip *s pn ns j,Tby pHxa» 'b «tn ,rwmn nSyinn 
.TSyn-rna Sya pwa »"in b& o^nrin vehv an res Sax — rwranb iSa* 
bv vniapya rabwn «3 panpn irra Sia 1 xS dmti ? S"p b'bSx 'n n:»a 
? «"ein b-bSx 'n n:#a bj rntvwi nSyinn nx «"anS way 
niaxS p'cca diu rrn Sna Tiara D'xan nx to» "]Sa bv na tx 
"lto» rvurum onaia,, Tina pn« nnS mynmi .vbyn Sy ma"» urai 
nSx u'B'a rotnwin i:b nnStr» w brai 'B'Sian dtwh — (er) "pairS 
? nSa pyai naiy Sxa imini uay 'Sitj '» Sy Tay 
nvöia Tai uai b'S»it -pnS iaSm u d":d nnxna waren wmax 
nn»B«u> B.TJ3 Ma i;mxi — dt Sy b'b» d» tsnpn;i p"5Q äsen nwnai 
d"I3ib mma vni oyS nvoja Tia n»a x S 1 was x S -inv nbm wrby 
? na o'xan nrxin 'b'Sb nx wianai lrSaya p'xa paiw xSi nnn'bi mwS 
.tun» iaa asan n« pnaai nxn SaS niaa;:i niaSm niSxa» Sy niSxe> 
nx ... xiaS maia spann pnnB» Binnn ny nmvi mapwi niSxt? 

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'133 ,mran »rjo aiyan m n« nb» vin-ppSa ni^xan ,nw2tn Ss» nKB3B 
roaiNbn mapn nca S33 mab. nS» 10 nwsn rrnn jpdS ,onina omn tmdS 
di» (fö«j pro nwa kSi naxy nusna maiy iiha) ironrai nrora «xan »S% 

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pnna naxn ja renn «r» mv uS» nrrobcan nnbwa npn p^aya Sa 
,oy b» i3b3 jbkj in «ixab maiy roSco , x n n by «S ! xps? an tk .nr 
kS .nvn-ncan lwmnon tw nx D , »Knb i:ay Sav kS .d ' » y a by om q 
iS3 , f na wy xb "3 ,on o'tpya , S n n "3 ,"Nn»,.n nx xbi "nTux„n nx 
.■wtSi nmw» 1? Tina nwni vbaaa anb odd: aiya mna p»x-in — nwyS- 
nw nx — inv nwyb ibs 11 xb ^aracn nunxs» mann lrrnn» "pna xb 
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niTiBD p'broab jnain nx ixba «S» pi : nyn fnyjc nnanm naixn 
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■obb ? nSun niyb nana b-3xnb xb» ann in« o^bin bx-ic pnx3 ownD:n 
naa uiaai wa <xa nx umxb nibynb itki xb nixai mw -idibw nrn anw 
■'byai nmx myn "bys ,ima» on onnx .D^wann n'iiab prai onS p^osrh 
(*nnaan Sapi nna :ibtPnNnryrn:ntnT i in3 3tn , n '"n-ira„n .o'inx o^ya 

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na»a ntrtf minn p Ssk — -isryan m nwn yrwhzv rnvxn nryin 
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Sy Tm ip'y mra xT-irni' , Bix i ?n nx noöiio ton» ny&»3 na ,naSa 'jvxpno 

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Sbid im cnS .iap xb cp Sa« >yb tibx "DipS onn nx mrip xm,, 
ina-nK'aa nTniDBn nnn'n Sc nany nrv Sy S n j 3 x 3 : mpnS 3x3 p 
wo mwn "law St» mnan nwx t Syt» -ifcxt» noyia niprn ;oyn St» 
pxa nuaSi Sxv nt'x S'xnS 0Y3 n'ry nasy nwo maiyn nnnva nmnon 
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nw watn wt» ot> .1» nSxt» nbxt»: xS m»oa ? na Bit» Sy , .nnx muxS 
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VHt&,j\ .1:033» nSx iS'dx !xisS pan spei .nrnnann xj tdw ,nscxn xj 
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rnipS t" wa wpwan x'n wiiicn nc-t»nn on crynSt» jraoi ,|pwa ian 
.na ip3T"i ,ySx lyp' rx- 1331 miaa rwn "pna »nai xpb nn« "3 
*?t> nnnV *w .rno'D xSx nnn xS p ^aiepat» mron necxn "]x 
mSoan w Sab d: ai nt»ya ':» wi xS .rvonxn nenSan a*ijö lSnt» ,"muK,rt 
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mAipn nxSfion rrp'ccn kSiS na ntmx "n-,i;K„n nnvw ynn , mrx 

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na-uro Tina iyap: nSe> niaSnnn jnwi „na'Snm n:n runn fu«M» nSru 
>tS F|>caS x^an» na myin 'piSn vnro e'bm maia .ntnnn BtnrwBth 
.tSSs newA « nna? xS cSiya .nwican nvrra p pxir na .dt» tnr» 
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,nwn pta anan ' Bbx nb »•» .pbio naua "mi;R„n km ."bn^v "vom 
rwo»n by nepir wn e:nb» ,nawi maa ;yia rfasa "trmjn -i»k mya 
iS'Nir! "jtoäwi b» »B'Sion na-iya pay enb px» msai min naw onD-mw 
xx nn«' ."vnmn. by nuanba j>n *]« dmi» im xb cr:yn axa anb ninn 

inpnxn po 'ab proi 
■o ,niTe nntö pn»» ,nbyab na«» na «in pa» nwn ixn cbiK 
km n n d n [my mran wnnan -na' naa nb »ns> -mxb c; rwiiaan nnnvi 
km» -ibix nnx» paa ? laiem "im n» px aib: : mw» nynn {xai .p :n r 
ff^ycn mnan am« nb bmoh» SSaa ,ib nans km» 'c by r\» prw man 
mnn nb nnnnbi n»yaai rownas nmi rw pnb nwtna viajn naina noyv 
naa» bbaa .nrmnun m» na: nb » - » üb» nnx» rvaa :nn« nsai .nbn na 




escfSurun 






8. Jahrgang J M fa-A P ,u 1921 ~ Heft ^ 

Die Erwählung Israels. 

Pessach und Wochenfest., Befreiung des Volkskörpers und 
der Volksseele, die höchsten Gedenktage unserer religiösen 
nationalen Geschichte, jähren sich wieder und mit ihnen die 
Pflicht der Selbstbesiunung. Sind wir noch das auserwählte 
Volk, das Kleinod unter den Völkern, das Reich der Priester, 
das heilige Volk? Hat der .Schmelztiegel Aegyptens an unserer 
Generation seine Wirkung geübt, gedenken wir in Wahrheit 
dessen, nicht nur in der Gesinnung, sondern auch in der Tat, 
•lass wir Knechte waren in einem fremden Lande? Haben unsere 
Leiden sich als Prüfungs- und Bewährungsleiden erwiesen': 1 
Wollen wir noch das auserwählte Volk sein, das von Gott er- 
wählte Volk? Oder sprechen nicht die Vielen, Allzuvielen, die 
unseren Gott, unsere Lehre und unsere Geschichte nicht kennen 
"der nicht kennen wollen: Lasset uns hingehen und werden 
wie die anderen Völker? Hier Sucht nach Verschmelzung, dort 
vOllige Hingabe an vermeintliche weltbeglückende Ideen, auf 
dem Wege durch das Chaos eines Weltenzusammenbruchs ein 
• it'remdetes, gottentbehrendes diesseitiges Glück aufzubauen, 

wiederum die Hoffnung, auf heiligem Loden ein jüdis< 
Maatswesen zu gründen, das der göttlichen Gesetzgebung ent- 
raten kann. Bei wenigen nur das Verständnis für die grund- 
ide Bedeutung, die der Lehre von der Erwählung Israels 
Tür das Lasein und Sosein unseres Volkes innewohnt, l'ii: 
1; ' und seine Pflicht, sich einer We] er zu beha 

und aus seiuen Leiden nicht die Verzweiflung zu nähren sondern 
Erbebung und das sichere Bewussteein seines 1 »na zu 

schöpfen. 1 



90 Die Erwählung laraeis. 



Aus der Fülle des Angedeuteten sei heute nur eine Einzel- 
heit herausgehoben, das Problem der Erwählung Israels zur 
Erörterung gestellt. 

Denn es ist ein Problem. Ebensosehr vom Standpunkt 
der religiösen Selbstbesinnung wie von dem der rückschauenden 
geschichtlichen Betrachtung. Der universalistische monotheistische 
Gedanke erhebt scheinbar Protest gegen die Ueberzeugung, dass 
der Gott der ganzen Welt und gesamten Menschheit ein Volk 
vor den anderen auserwählt, ihm einen einzigartigen Pflichten- 
komplex auferlegt und ihm eine besondere Fürsorge zugewandt. 
Und die Geschichte des Volkes Israel zeigt dem Blicke wenig 
von dem Glücke, das wir uns mit dem Begriff der Auserwählt- 
heit verknüpft denken. 

Das Problem ist naturgemäss für Zeiten und Anschauungen 
nicht vorhanden, in denen ein rein naives Nationalbewusstsein, 
herrscht, wie es uns bei antiken Völkern begegnet, die zwischen 
dem eigenen Volke und den Barbaren unterscheiden. Hier 
wird es nicht empfunden, weil der Blick für die Daseinsbe- 
rechtigung und die Kulturaufgaben anderer Völker noch nicht 
geschärft ist. Und ebeuso bei denen, die die Religionsgeschichte 
Israels mit demselben Maße messen, wie die allgemeine Reli- 
gions- und Kulturgeschichte. Hier wird das Problem nicht an- 
erkannt, weil der Begriff der Auserwähltheit seines theistischen, 
ja seines religiösen Charakters entkleidet wird. Wenn über- 
haupt von einer Erwählung Israels gesprochen wird, so teilt 
es nach dieser Auffassung d'e Erwählung mit anderen Völkern, 
denen andere Aufgaben gestellt sind. Da hier aber von einem 
Einwirken eines ausserweltlichen Gottes im Sinne der positiven 
Religionen keiue Rede sein kann, die Thora und was sie lehrt 
und gebietet nicht eine göttliche Schöpfung sondern eine völ- 
kische ist, so handelt es sich auch dort, wo das Wort Auser- 
wähltheit gebraucht wird, um ein leeres Wort. Der ursprüng- 
liche Begriff hat seine Bedeutung verloren, und man ist auf 
diesem Standpunkt der Notwendigkeit überhoben, sich mit einem 
Problem auseinanderzusetzen. 

Es ist merkwürdig, dass auch unsere jüdischen Religions- 



Die ErwähluiiK Israels 



Philosophen bis auf einen das Problem nicht behandelt haben. 
Der Gründe sind wohl mehrere. Die Einstellung auf rein 
metaphysische Fragen hat den Blick von dieser an sich doch 
eminent religionsphilosophischen Frage abgelenkt. Mangelndes 
Verständnis für geschichtliche Entwicklung bewirkte, dass man 
in den grossen Geistern der Antike, die man doch verehrte, 
Typen eines bestimmten Volkes sah. In späterer Zeit Hessen 
dann die Verfolgungen, mit denen sich die umgebenden Völker 
Israel gegenüber befleckten, nicht den Gedanken aufkommen 
an einen eigenen Wert der nichtjüdischen Welt. Besonders 
auffällig erschiene es uns bei Maimonides, wenn er nicht durch 
die besondere Stellung, die er dem philosophischen Denken ein- 
räumt, das Problem gewissermaßen aus der Welt geschafft. 
Freilich in einer für die religiöse Betrachtungsweise völlig un- 
zureichenden Form. 

Für Jehuda Ilallewi steht es im Mittelpunkt. Sein „Kusari* 
verlässt die gewohnten Bahnen, die Wahrheiten der jüdischen 
Religion mit den Mitteln einer an der griechischen Philosophie 
orientierten metaphysischen Beweisführung nahezubringen. Er 
rnuss, naclidem der Wahrheitssucher, der König der Kusaren, 
einen Philosophen, einen Vertreter des Christentums und des 
Islams nach dem echten Hinge befragt hat und von ihren Har- 
legungen unbefriedigt blieb, diesem eine sichere Richtschnur 
geben, der ihn von seinen Zweifeln erlöst. Dem König hatten 
es Träume, in denen er eine Stimme von oben zu erkennen 
glaubt, gezeigt, dass es nicht auf die Gesinnung ankommt, die 
jedem reinen Streben zuerkannt werden muss, und die wir weder 
dem philosophischen Denker noch den Bekennern anderer Reli- 
gionen abstreiten dürfen, sondern auf eine nach ganz bestimmten 
Normen geregelte Handlungsweise, und Jehuda Ilallewi will 
und muss den Nachweis führen, dass die Kichtungslinie dieser 
Handlungsweise dem ringenden und strebenden Menschen sich 
nicht aus eigenem Erkennet erschliesst, das zum Individualismus 
und zur Willkür führen würde, sondern aus einer göttlichen 
Offenbarung, die geschichtlich so beglaubigt ist, das.s sie über 
jeden Zweifel erhaben ist. Die Erwählung Israels als des Volkes, 



92 Die Erwählung Israels. 

an das die Offenbarung am Sinai erging, wird so zum Rückgrat 
aller Darlegungen. Für den nichtjüdischen König aber, dem 
für das Gefühlsmässige, mit dem die Kinder eines solchen 
Volkes, eines durch die Tradition und die Geschichte von Jahr- 
tausenden in seiner Ueberzeugung gefestigten und darum die 
Erwählung als gegeben hinnehmenden, jedes Verständnis ab- 
gehen muss, erhebt sich das Problem in seiner ganzen Schärfe. 
Wie kommt es, dass die göttliche Belehrung, die der ganzen 
Menschheit dienen müsste, nur einem Volke zu Teil geworden 
und nun gar einem Volke, das man um seines Geschickes 
willen als das verächtlichste anzusehen gewöhnt ist? Jehuda 
Hallewi konnte sich schon deshalb nicht auf den rein partikula- 
ristischen Standpunkt stellen, dass die Erwäblung Israels ein 
blosser Akt der Bevorzugung eines einzigen Volkes ist, da er 
doch den König und sein Volk für die jüdische Religion ge- 
winnen will, diese also doch einem grösseren Kreise aus der 
Völkerfamilie zugänglich sein muss. 

Um es kurz, wenn auch in dieser Kürze noch undeutlich 
zu sagen: Jehuda Hallewi bekennt sich zum Universalismus im 
Ausgangs- und Zielpunkt der Menschheitsgeschichte, zum Parti- 
kularismus im Verlaufe ihrer Entwicklung. 

Die Natur, so führt er wiederholentlich aus, ist in einer 
Stufenfolge der Reiche geordnet, des Anorganischen und Orga- 
nischen. Letzteres gliedert sich wieder in aufsteigender Linie 
in das des Vegetativen, Animalischen und das der mit Sprache 
und Vernunft begabten Wesen. Ueber der irdischen Natur er- 
hebt sich das Reich der himmlischen Wesen, der Engel. Diese 
Stufenfolge war allgemein angenommen. Was J. H. besonders 
eignet, ist, dass er eine Zwischenstufe zwischen dem Durch- 
schnittsmenschen und den himmlischen Wesen konstruiert. Und 
zwar nicht nach Art der aristotelischen Gedankenwelt, die den 
Philosophen auch eine besondere Stellung einräumt oder annimmt, 
«lass sie durch das höhere abstrakte Denken erworben werden kann. 
Sie ist für J. IL vielmehr eine Ordnung innerhalb der Natur, von 
der Art der anderen Menschen in ähnlicher Weise abgegrenzt, 
wie die Pflanzenwelt von der Tierwelt, wie diese von dem. 



Die Erwählung Israels. 



Menschenreich. Sie kann durch keine Denktätigkeit, durch 
keine Arbeit an der sittlichen Vervollkommnung ausschliesslich 
erworben werden, sie setzt eine Anlage voraus, ohne die keiner 
zu dieser höheren Stufe gelangen kann. Diese Anlage hat das 
Volk Israel mit auf der Welt gebracht, und darum allein konnte 
es zum Volke der Offenbarung werden. 

Für die Lösung des Problems wäre wenig gewonnen, wenn 
Gott durch einen Akt der Willkür diesem Volke allein die An- 
lage mitgegeben. So ist es auch nicht. Der erste Mensch, als 
aus Gottes Hand hervorgegangen das denkbar vollkommenste 
Wesen, trat mit dieser Anlage in die Welt und mit ihm gewisser- 
massen die ganze Menschheit. Doch mit der Fortpflanzung und 
der individualistischen Entwicklang der Nachkommen, deren 
Bedingungen in der Natur wurzeln und von Gott den von Ihm 
in die Natur gelegten Gesetzmässigkeiten überlassen werden 
mussten, trat die Mannigfaltigkeit und die Verschiedenheit in die 
Erscheinung wie in dem Bereiche alles Erschaffenen, so auch 
in der Menschenwelt. Die vollkommene Anlage des ersten 
Menschen vererbte sich nicht nur auf wenige seiner Nachkommen, 
ja übersprang auch Generationen. So ist es zu erklären, dass 
aus der vorsinaitischen Zeit nur einzelne Gestalten hervorragen, 
dass von einem Vater oft nur der eine Sohn die Kette der 
Vollkommenen fortsetzte, wie bei Adam Seth, bei Noa Sem, so 
bei Abraham Isak im Gegensatz zu Ismael, bei Isak Jakob und 
nicht Esau. Bei Jakob fügte es sich, dass alle seine Söhne 
jene einzigartige Anlage erbten, sie konnten wegen ihrer Zahl 
zugleich die Stammväter eines von der Natur zur Erlangung der 
Vollkommenheit besonders und allein veranlagten Volkes werden. 
J. II. scheut sich nicht, aus dieser seiner Rassentheorie, 
wie wir heute sagen würden, die Konsequenzen zu ziehen, selbst 
ilort, wo er sich in Widerspruch setzt zu den Anschauungen 
rer Weisen. Israel allein ist auf Grund seiner ererbten 
Anlage befähigt, Propheten hervorzubringen, die Männer, die in 
übernatürlicher Weise in eine besondere Beziehung zu Gott 
treten können. Und dem Könige gegenüber, der in dieser 
Bevorzugung einen Mangel der jüdischen Lehre sieht, und den 



Die Erwählung Israels. 



er doch gewinnen -will, bleibt er fest bei der Behauptung, dass 
auch der Proselyt, der sein ganzes Wesen der Thora und ihren 
Forderungen erschlossen hat, eben deshalb, weil er einer anderen 
„Rasse" entstammt, aus diesem Heiligtum, dem Besondersten 
und Eigensten an Israel verbannt bleibt. Er, der mit einer 
Toleranz, wie sie uns sonst nirgends im Mittelalter begegnet, 
das Christentum und den Islam charakterisiert, ist hier intolerant. 
Denn er muss es sein, will er das Fundament nicht zerstören,. 
auf dem er den Bau seiner Beweise errichtet. 

Aber es ist nicht sein letztes Wort. Der Geist vermag 
auch die Natur zu wandeln. Nicht plötzlich zwar, aber allmählich 
im Verlaufe vieler Generationen. Die dem Judentum ent- 
stammenden Tochterreligionen haben diese Bestimmung. Sie 
bereiten die messianische Zeit vor. Israel gleicht dem Samenkorn, 
das in der Erde die Elemente in seine Natur verwandelt. So 
wandelt auch die Lehre Mosche's jeden, der nach ihm kommt, 
in Wahrheit in sich um, wenn sie auch scheinbar von ihm ver- 
worfen wird. Alle die anderen Völker befinden sich im Stadium 
der Vorbereitung für den erwarteten Messias, der die Frucht ist, 
und dessen Frucht sie alle werden, wenn sie ihn anerkennen 
und alles e i n Baum wird. 

Die Lösung für die zweite Seite unseres Problems gibt 
J. H. in dem berühmten Vergleich : Israel das Herz im Organismus 
der Menschheit. Durch die Erwählung Israels und den Akt 
der Offenbarung ist ein besonderes Verhältnis zwischen Gott 
und seinem Volk angebahnt. Israel hat sich zu immer grösserer 
Gottesnähe zu läutern, Gott begleitet es auf diesem Wege mit 
seiner Gnade. Dies Verhältnis hat aber nun nicht etwa zur 
Folge, dass Israel Unverdientermassen mit besonderen Glücks- 
gütern von seinem Gott bedacht wird. Die Wechselwirkung 
ist nur eine andere als die zwischen Gott und der nichtjüdischen 
Welt. Während diese dem gesetzmässigen Ablauf der Natur- 
entwicklung überlassen wird, die Völker, die entarten, dem 
Verderb und dem Untergang anheimfallen, folgt bei Israel die 
Strafe (als Mittel der Auslese) der Sünde sofort auf den Fuss, 
ebenso wie der Lohn unmittelbar mit dem gottgemässen Ver- 



! i ■ Erwählung Israels. 



halten verknüpft ist. Das au-sergewßhnliche Leiden Israels ist 
daher nicht als ein Zeichen besonderer Verruchtheit anzusehen, 
sondern nur als ein Mittel, das dem Volke die Möglichkeit gibt, 
die Schallen sofort abzustellen. Wie- bei den Krankheiten des 
menschlichen Organismus ist der Schmerz hier ein Warnungs- 
signal. Israel ist aber innerhalb der Völkerfamilie nicht mit 
einem beliebigen Organ zu vergleichen, das man sich auch ausser 
Funktion gesetzt denken kann. Es ist das Herz unter den 
Nationen. Uns würde heute nun auch die Ausführung dieses 
Vergleiches in dem Sinne naheliegen, dass, wie das Herz dem 
Körper alle Lebenssäfte durch seine Aufgabe in der Blutzirkulation 
zuführt, so auch Israel das Geistes- und Sittenleben der Völker 
gefördert bat. J. II. kannte den Kreislauf des Blutes nicht, der 
erst durch William Harvey 1619 entdeckt wurde. Auch fehlte 
noch die geschichtliche Erfahrung, die wir um neun Jahrhunderte 
länger überblicken. Für ihn soll das Gleichnis vom Heizen 
nur zur Erklärung dafür dienen, dass das erwählte Volk in so 
ungleichem Masse von Leiden heimgesucht wird. Das Herz ist 
als Central organ allen Einflüssen am stärksten ausgesetzt. Alle 
seelischen Erregungen wirken allein auf das Herz. Dazukommt, 
dass es von den Krankheiten vieler Organe in Mitleidenschaft 
gezogen wird. Darum Leidet es am meisten. Da aber anderer- 
seits ohne seine Tätigkeit der ganze Lebensprozess aussetzt, ist 
es wiederum daf ite. Es reagiert auf jeden Angriff so 

stark, dass eine Erkrankung di os sofort, wenn 

sie sich einzuwurzeln Bucht, ausgemerzt wird. Es gibt keine 
Berztuberkulose, keinen Ilerzkrebs. 1 ) 

■■Hei wird von J. II. aus diesem Vergleich abgeleitet. 
Zuerst: Israels Leiden sind die Folge seiner grösseren Empfäng- 
lichkeit für alle Einflüsse von aussen. Wir würden sagen: dio 
bOhere Stufe des Lebens ist mit grösserer Empfindlichkeit aus- 
lief. Diese Leiden sind zweitens durch die Verbindung 
mit den auderen Völkern hervorgerufen. Der Vergleich ist hier 
ein mehr aussei lieber : Israel leidet, wenn es sich den anderen 



') Auch Dach dem heutigen Stand der Medizin Bind diese niemals 
primär und träten auch sekundär -o si Iten auf, dass sie \on ,). H. ausser 
Acht gl lassen worden konnten. 



96 Die Erwählung Israels. 

Völkern angleicht und von ihrer krankhaften Art annimmt. Man 
könnte es noch tiefer fassen: Israel muss, nachdem es einmal 
mit den anderen Völkern verflochten ist, von ihnen affiziert 
werden, es ist Naturnotwendigkeit, dass es sich ihrer Entartung 
assimiliert, wenn es nicht selbst sich abmüht, dass die Schäden 
im Organismus nicht auftreten. Wenn wir, wie oben erwähnt, 
den Vergleich noch weiter ausführen, dass das Herz durch die 
Funktion der Blutzirkulation allen Organen gesunde Nahrung 
zuführt und dadurch eine Einbürgerung von Krankheitskeimen 
verhütet wird, so fällt Israel die Aufgabe zu. durch die Arbeit 
an seiner Vollendung das Schlechte unter den anderen Völkern 
auszuroden, um dann in natürlicher Wechselwirkung auch immer 
mehr von den Einflüssen des Schlechten unter den anderen 
Völkern verschont zu bleiben und zwar in dem doppelten Sinne 
des moralischen Uebels, des Verderbs durch Angleichung und 
Nachahmung, und des physischen durch die den schlimmen 
Instinkten der Völkerwelt entspringenden Verfolgungen. Und 
endlich das Dritte: Wie das Herz durch seine Empfindlichkeit 
für das Leiden und den Schmerz eine besondere Kraft entfaltet, 
die Kraft, die Entartung hintanzuhalten, jeden Ansatz dazu gleich 
im Keime zu ersticken, so Israel. Seine Empfänglichkeit für 
den Schmerz und seine tatsächlichen Leiden führen es immer 
von neuem den Weg zu seiner moralischen Wiedergeburt. Wir 
wären heute in anderer Fassung des Gleichnisses leicht geneigt, 
die materielle Fortdauer Israels und seine geistige Höhe eben 
aus dem Umstand zu erklären, dass es sein Dasein sich immer 
wieder von Neuem erkämpfen musste. J. H. liegt diese Deutung 
fern, weil die Fortdauer Israels das Wunder aller Wunder sein 
soll und nicht aus natürlichen Gründen erklärt werden darf, und 
weil für ihn nicht die Fortdauer an sich sondern die sittliche 
Erneuerung von ausschlaggebender Bedeutung ist. 

In Talmud und Midrasch ist naturgemäss von einer 
systematischen Behandlung des Problems, wie sie uns bei J. H. 
entgegentritt, nichts zu bemerken. Das Problem ist aber auch 
hier in seiner ganzen Schärfe empfunden worden, und die Lösung, 
die uns dort gegeben wird, berührt sieb in manchen Punkten 
mit der Jehuda Hailewis. 



Die Erwählunff Israels. 



Die Zustände waren andere geworden als zur Zeit der 
politischen Selbständigkeit des jüdischen Staates. Während 
die Propheten bei weitem mehr mahnen und zürnen und die 
-ichwersten Strafen androhen als Trostworte künden, um den 
Macbthabern und Reichen das Gewissen zu schärfen und das 
Volk noch im letzten Augenblick vor dem Untergang zu retten, 
hatten die Führer der Generationen nach der Zerstörung des 
Tempels den Schmerz zu lindern, die Hoffnung aufzurichten, zu 
(rösten, weil das Gottesvolk — jetzt galt das noch mehr als 
früher — „aus der Hand Gottes das doppelte für alle seine 
Sünden empfangen hatte*. Darum in den Midraschim in allen 
möglichen Schriftdeutungen und Gleichnissen das Lob des erwählten 
Volkes, seiner aussergewöhnlicben Vorzüge, seines einzigartigen 
Verhältnisses zu seinem Gott. Sie werden von Gott Schwester, 
Geliebte, Mütterchen genannt, sie sind Prinzenkinder, stehen 
höher als die Engel. Wer nur eine Stelle des Hohenliedes, 
das als eine ununterbrochene Hymne auf das Liebesband, mit 
dem Gott und sein Volk verknüpft ist, gilt, als Tadel deutet, 
greift fehl. Der leise Anthropomorphismus, der in den Propheten- 
und Psalmenworten Gott als Vater Israels bezeichnet, wird ins 
ungewöhnliche gesteigert. Gott leuchtet seinem Volke als Muster 
voran, in seinen Liebestaten, in Befolgung der Israel gegebenen 
Satzungen, Er leidet mit ihm in seiner Not. 

Ja, Israel ist zur Erwählung schon vor der Schöpfung 
prädestiniert. Es wird mr»o genannt (Jer. '2, 3), und im Hinblick 
auf das Erste und Vorzüglichste hat Gott die Welt geschaffen. 
.(Jedenke deiner Gemeinde, die du in der Vorzeit dir 
zugeeignet" (Ps. 74, 2) der Gedanke an Israel ging aller Schöpfung 
yoraus. Ein König wollte ein Gebäude errichten. Aber auf 
der Suche nach einem geeigneten Boden stiess er überall auf 
sumpfiges Gelände, bis er einen Felsen fand und sprach: Auf 
diesem Felsen will ich bauen. Da Gott vor der Schöpfung die 
zukünftigen Geschlechter an seinem Auge vorüber ziehen Hess, 
da schreckte er von seinem Beginnen zurück: Wie kann ich die 
Welt ins Leben rufen, wenn dann die Frevler erstehen und sie 
in Unruhe bringen. Als er aber Abraham erspähte, da sprach 
er: Jetzt habe ich einen Felsen gefunden, auf dem ist gut bauen. 



Die Erwähluug Israels. 



(Jalkut Num. 766). Ja ,die Herrlichkeit Gottes weilt in Israel 
auch dann, wenn sie sich verunreinigt haben (Sifre zu Num. 5, 3), 
der Ausspruch in Ez. '20, 32 wird noch verschärft, Israel kann 
sich seiner Aufgabe, das Gottesvolk zu sein, nicht entziehen, 
selbst wenn es auf den Lohn verzichten wollte, daher der Zusatz 
üTihn n •:« ich bleibe der Ewige, euer Gott! 

Die Annahme der Erwählung wurzelt so fest im jüdischen 
Bewusstsein, dass man sie mit Recht als ein wenn auch Licht 
formuliertes Dogma bezeichnen kaön '). In dem tägliche» 
Segensspruch über die Thora, im Festgebet, im Kiddusch ist 
es zum Bestandteil der Liturgie geworden mit fast der gleichen 
Geltung wie unser btiTW ysB>. Es ist freilich ebenso bekannt, 
dass die andere Seite, das Verhältnis Gottes zu seiner gesamten 
erschaffenen Welt, die Liebe auch zu den anderen Völkern, 
nicht ausser Acht gelassen würde. Gott trauert um ihr Leid, 
duldet nicht, dass als die AejjYpter im Meer versinken, ein Loblied 
angestimmt wird. Die Israeliten sind ebenso Götzendiener wie 
die Aegypter. Nicht weil ihr ein grösseres Volk seid, hat Gott 
euch erwählt und nicht weil ihr die Gebote mehr erfüllt. Die 
anderen Völker üben die Gebote, die ihnen nicht gegeben wurden 
mehr als ihr, sie verherrlichen Meinen Namen mehr als jhr, wie 
es heisst: Von Sonnenaufgang bis zu ihrem Niedergang galt mein 
Name als gross unter den Völkern". (Tanchuma appS). In 
dieser Gegenüberstellung tritt schon zu Tage, dass die Schwie- 
rigkeiten des Problems der Erwählung empfinden werden. Mehr 
noch in den mannigfachen Erörterungen darüber, warum Gott 
von „den siebenzig Nationen" gerade Israel die Thora gegeben. 
Und die bekannte grosse Auseinandersetzung im Anfang des 
Traktats Aboda Sara schliesst zunächst zu Gunsten der 
Völker ab in ihrer Frage: mbi? tibi rWM "in irSp n"D3 di*?3. 
Auch Israel kam zur Erwählung nur unter einem Zwange, den 
der göttliche Heilsplan anwenden zu müssen glaubte. Warum 
ward dieser Zwang nicht auch auf die anderen Völker ausgedehnt? 
(Fortsetzung- folgt). J. W. 

') Schechter, Election oi' Israel in Sorne Aspects of Rabbinic 
Theolo^y S. 57. DaBelbst auch Weiss Y'n 3, 301 und Kaufmann Jewish 
Qu. R. 2.442 dafür zitiert. 



Das Ideal der Heiligkeit usw. 



Das Ideal der Heiligkeit im hellenistischen 
und rabbinischen Judentum. 

Von Dr. I. Heinemann in Breslau. 

Die Gegenüberstellung des hellenistischen und des rabbi- 
nischen Judentums, wie wir sie im folgenden versuchen, ist 
häufig unternommen worden. Denn die Entscheidung darüber. 
ob das in Bibel und Ueberlieferung wurzelnde Judentum Palä- 
stinas oder der hellenisierte Alexandrinismus die Werte unserer 
Religion voller und lebenskräftiger wiedergibt, lyit offenbar 
nicht nur wissenschaftliches, sondern auch ein gewisses aktuelles 
Interesse. Trotzdem scheint es, dass der wichtigste Gesichts- 
punkt, von dem aus die Entscheidung erfolgen muss, bisher noch 
nicht energisch genug geltend gemacht worden ist. Denn welches 
ist der Maßstab, mit welchem man Religionen oder religiöse 
Erscheinungen zu bemessen hat? In der Regel ist man davon 
ausgegangen, dass die Religionen, je höher sie steigen, um so 
mehr sich den Forderungen der Vernunft anpassen ; danach er- 
schienen diejenigen Entfallungen der Religion als die wertvollsten, 
deren Begriffe von Gott und Sittlichkeit wissenschaftlichen An- 
schauungen am nächsten kommen ; es wäre also in unserem Fall 
zu fragen, ob sich in Palästina oder Alexandrien der Monotheis- 
mus und die Sittlichkeit des biblischen Judentums reiner er- 
halten hat. Wir halten solche Fragestellung nicht für über- 
flüssig: aber entscheidend für unsere Bewertung ist sie nicht. 
Wir glauben nicht, dass es ausschliesslich der Sinn der Religion 
ist, der Wahrheit und der Sittlichkeit zu dienen. So gewiss sio 
beide Gebiete umfasst und Bich nicht in Widerspruch mit ihnen 
setzen darf — recht verstanden] darf das auch die Kunst nicht — , 
bo -icher hat sio gleichsam ihre eigene Provinz, ihr eigenes Gut, 
in dessen Pflege sie ihre eigentümliche Kraft entfaltet. Es ist 
das besondere Verdienst einer vor kurzem erschienenen, nun- 
mehr, wie ich höre, in 6. Aullage verbreiteten Schrift von 



Das Ideal der Heiligkeit usw. 



Rudolf Otto '), diesen Eigenwert der Religion behandelt und 
seine Anwendung auf die Beurteilung der Religionen und ihrer 
Richtungen gefordert zu haben. „Nicht Leistungen für Kultur, 
für Beziehung auf Grenzen der Vernunft und der Humanität, 
die man vorher und ohne sie selbst glaubt konstruieren zu 
können, nicht ihr Aeusserliches kann im letzten Grunde der 
Maßstab sein für den Wert einer Religion als Religion. Nur 
das, was ihr eigenstes Innerstes ist, die Idee des Heiligen selber, 
und wie vollkommen eine gegebene Einzelreligion dieser gerecht 
wird oder nicht, kann hier den Maßstab abgeben" (S. 188). 

Wenn das richtig ist, so ergeben sich offenbar ganz neue 
Gesichtspunkte nicht nur für die Behandlung unserer Frage, 
sondern für jeden Versuch, Religionen von innen heraus, aus 
ihren treibenden Kräften zu begreifen. Und wir stehen nicht 
an zu sagen: Otto hat Recht. Aus dem Buche dieses prote- 
stantischen Theologen, der das rabbinische Judentum überhaupt 
nicht kennt und das biblische, wie wir glauben, nicht völlig 
auszuschöpfen weiss, aber aus echt religiösem Empfinden und 
tiefem Einblick in die Geschichte der M} r stik schreibt, kann 
Dach unserer Ueberzeugung das Judentum mehr lernen, als aus 
irgend einem nichtjüdischem Werke, seit Gazzali auf Jehuda 
Hallewi wirkte. Wir versuchen, im Anschluss an seine Gedanken- 
gänge die neuen Erkenntnisse, die er gewonnen hat, selbständig 
darzustellen, um von hier aus zu unserer Hauptfrage Stellung 
zu nehmen. — 

I. Das Heilige als Zentralbegriff der Religion. 
Wir nähern uns der Kennzeichnung eines Begriffes, den 
wir nicht wissenschaftlich genau beschreiben, gewiss aber „an- 
klingen' lassen können in der Seele des religiös empfindenden 
Lesers. Denn der Begriff der Heiligkeit ist jedem religiösen 
Menschen derart vertraut, dass wir sehr leicht seiner bewusst 
werden, wenn wir uns nicht selbst dadurch den Weg zu ihm 



') Das Heilige. Ueber das Irrationale in der Idee des Göttlichen 
und sein Verhältnis zum Rationalen. Ich benutze die vierte Auflage. 
Breslau 1920. 



Das Ideal der Heiligkeit ubw. 10t 

versperren, dass wir ihn in das Prokrustesbett eines ihm nahe- 
kommenden, aber doch nicht mit ihm zusammenfallenden Be- 
griffes zwängen. Ein solcher Näherungsbegriff, der unglück- 
licherweise mit dem der Heiligkeit verwechselt worden ist, ist 
derjenige der sittlichen Vollkommenheit. Beidö 
sind unzweifelhaft verwandt, aber nicht identisch. Wären sie 
es, so wären die Ideale der Religion und der Sittlichkeit gleich- 
bedeutend, die Religion wäre dann nichts als eine Vorstufe zur 
Sittlichkeit, und sie könnte und müsste durch Ausscheiden alles 
moralisch Bedeutungslosen umgebildet werden — bis zu ihrem 
völligen Zusammenfallen mit der Ethik. In Wahrheit haben 
die grossen religiösen Genien zwar empfunden, dass man nicht 
religiös sein kann ausser auf dem Boden der Sittlichkeit, dass 
aber die Sittlichkeit die Religion noch nicht schafft. Wenn wir 
von „heiligen" Stätten reden — und nicht nur reden; wenn an 
ihnen ein ehrfürchtiger Schauer der lauten Freude, dem ausge- 
lassenen Scherzworte zu wehren scheint, so spüren wir ganz 
deutlich, dass hier etwas machtvoll auf uns wirkt, was mit dem 
Sittlichen nicht gleichgesetzt werden darf. Und wenn wir be- 
stimmte Menschen als „Heilige" bezeichnen, so meinen wir 
mehr- als deren sittliche Vollkommenheit : Lessings Nathan ist 
ein Weiser, aber kein Heiliger. Endlich : die Bezeichnung des 
höchsten Wesens als heilig bedeutet mehr als dessen voll- 
kommene Gerechtigkeit: wir fühlen, wenn wir also sprechen, 
einen Schauder ganz eigener Art, ein ahnungsvolles Etwas aus- 
geheu von Gott, von dem alle Heiligkeit auf Erden, in Menschen 
und Dingen, nur einen schwachen Abglanz darstellt. 

Welches aber ist dies Ahnungsvolle dies merkwürdige 
Etwas, durch welches das .Heilige" über das „Bloss-Sittliche* 
hinausgeht ? 

Otto nennt es das Nu min ose (von Ntimen, die Gottheit). 
Dnd er bat sicher darin recht, dass wir es am ersten in der 
Wirkung erkennen können, die es auf den Menschen hei 
bringt. Ks erzougt in ihm das „Kreatu r-Gef h 1", das 
demütige Gefühl, bloss Geschöpf zu sein, jenes Gefühl, das so 
deutlich zum Ausdruck kommt in den Worten Abrahams: .Ich 



D« Ideal der Heiligkeit usw. 



habe mich unterfangen vor dir zu reden, und bin doch nur Staub 
und Asche" (Gen. 18/27). Während sich der Philosoph nach 
einem Worte G ethes 1 ) in gewisser Beziehung der Gottheit 
gleichstellt, empfindet fromme Demut — nicht bloss die 
„schleehthiuuige Abhängigkeit" 2 ) von Gott, sondern den unge- 
heuren Abstand alles ..Geschöpflichen" von dem letzten Quell 
alles Seins und seiner unergründlichen Tiefe. 

Seiner unergründlichen Tiefe — damit ist zugleich eine 
zweite Eigenart des religiösen Bewusstseins berührt. Wenn wir 
Gott uner forschlich, unerfassbar nennen, so er- 
füllt uns das mit anderer Stimmung und Gesinnung, als wenn 
wir von der Unlösbarkeit irgend einer wissenschaftlichen Auf- 
gabe (etwa der Quadratur des Kreises) reden. Die Wissenschaft 
kennt w r eder den andächtigen Schauder, der aus letzten Rätsei- 
tiefen strömt, noch jenes eigentümliche Gefühl freudigen Ge- 
hobenseins, von dem Goethes Erzengel zeugen mit den Worten: 
„Der Anblick gibt den Engeln Stärke, da keiuer Dich ergründen 
mag 3 )." Wenn den Wilden angesichts der letzten Geheimnisse 



') Wanderjahre II 2 (S. 190 in der Jubiläumsausgabe). 

2 ) Sebr lehrreich für Ottos Verhältnis zu Schleie rmachers 
Religionsauflassung sind seine Ausführungen S. Oft'. 

? ) Die folgenden bei Otto fehlenden Goethezitate veranschaulichen 
besonders gut. was das „N'uminose" auch dem modernen Menschen be- 
deutet, wenn er in Wahrheit religiös ist und nicht seine Surrogate mit 
Religion verwechselt. Und Ottos Darlegung gipfelt ja nicht in dem 
Nachweis, dass zu den geschichtlichen Religionen stets numinose Be- 
standteile gehört haben idas haben die Gegner der Religion nie be- 
stritten), sondern in der Aufzeiguug des dauernde n Wertes dieser 
Bestandteile über primitive Zeiten und deren Nachwirkung hinaus. — 
Die Erzengel linden zunächst Stärke im Anblick der Sonnenbahn, wenn 
(= wenn auch) keiner sie ergründen mag; nach Anerkennung der 
Rätselhaftigkeit der Welt (folgende Strophen) stärkt sie der Anblick 
göttlicher Grösse — eben wegen ihrer Unergründlichkeit. Das ist 
genau der Gedanke, in dem Otto S4 ff. die Lösung des Problems im 
Buch Hiob zu finden glaubt. — Uebrigens erklärt sich der geschichtliche 
Konflikt /.wischen Religion und Wissenschaft nicht 
zuletzt daraus, dass jene geradezu das Bedürfnis nach Anerkennung 
eines letzten Unverständlichen hat: vgl. meine Ausiührungen Monats- 
Bchrifl füiWiss. d. Jud. 64,29. 



Das Ideal der Heiligkeit usw. 



nur das Gefühl dumpfen Staunens und Starrens, der Stupor, 
fasst. so erwächst dem Kulturmenschen aus demütiger Unter- 
werfung und anbetender Bewunderung das Gefühl der religiösen 
Ehrfurcht. „Der Natur', sagt Goethe 1 ) mit Recht, „ist 
Furcht wohl gemäss, Ehrfurcht aber nicht". Sie erwächst erst 
im Laufe der Kultur, vornehmlich als Grundstimmung religiösen 
Verhaltens. 

Weil aber jene PiST, die der Gedanke an den dvri *oij "?« 
in uns erzeugt, nicht mehr Furcht, sondern Ehrfurcht ist, mag 
es kaum mehr als eine Paradoxie erscheinen, wenn nach dem 
Psalmwort „alle, die Gott fürchten, sprechen: Ewig währet 
seine Liebe". Allerdings kommt jedoch in der gedrängten 
Kürze dieses Spruches das „seltsamste und beachtlichste Phä- 
nomen der Religionsgeschichte'' zum Ausdruck : „So grauenvoll 
furchtbar das Dämonisch-Göttliche dem Gemüte erscheinen kann, 
so lockend reizvoll ist es gleichzeitig. Und die Kreatur, die 
vor ihm erzittert in demütigem Verzagen, hat immer zugleich 
den Antrieb, sich zu ihm hinzuwenden; das .Mysterium ist nicht 
bloss das Wunderbare, sondern auch das Wundervolle 2 )". Aus 
erschauerndem Erheben und liebendem Aufwärtssehnen webt 
sich jene „K o ntrast b a r m <> n i e des tremendum und des 
fascinosum" , welche den religiösen Erlebnis Crosse und Tiefe 
verleiht. 

Denn oben aus dem, worin das Heilige über das Sittliche 
hinausgeht, aus den Gefühlen des Schauders, der Ehrfurcht und 
der Seligkeit, flieset die Grundstimniung des religiösen Lebens. 
Wissenschaft und Sittlichkeit können nüchtern und trocken sein, 
dagegen lebt „in jeden echten Gefühle religiöser ßeseligung 
eine Spur des Ueberschwenglichcn, auch WO es mit .Mass und 
kontrolliert auftritt- (Otto S. 41); jenes Ueberschwengliche 
sucht sich immer wieder lebendig zu erhalten gegenüber der 

ternheit, die manchmal aus den Nachbarbereicben der 



') Wanderjahre II 1 IS. 181 der Jub.-Ausg.J 
J j Otto B 86, Das Fascinosum kommt in Goethes Qanymed zu 
•m Ausdruck, Parallelen aus der rabbinie Bratnr 

bringen wir im III. Abschnitt unserer Abhandlung. 



104 Das Ideal der Heiligkeit usw. 

Wissenschaft und Moral in die Religion hineinströmt. In diesem 
„Dionysischen" der Religion liegt ihre Verwandtschaft mit der 
Kunst, liegt der Grund dafür, dass es eine religiöse Kunst 
überhaupt geben kann, während eine .moralische Kunst" phili- 
ströser Unsinn wäre. Während sich aber die Religion für die 
Darstellung ihres Stimmungsgehalts schon auf sehr frühen Stufen 
der Kunst hat bedienen können und müssen, tritt sie erst im 
Lauf des kulturellen Aufstieges allmählich auch mit der Wissen- 
schaft und Sittlichkeit zur Darstellung ihrer Inhalte und Ziele 
in Beziehung; es kommt einerseits zur Theologie, andererseits 
zur religiösen Ethik. Und vor allem die letztere Verbin- 
dung ist von eigenartiger Innigkeit und Fruchtbarkeil gewesen. 
Schon die Tatsache, dass man die Ideale beider hat verwechseln 
können, zeigt, wie nahe sie sich berühren, wie innig sie sich haben 
durchdringen können. Erst seit der Verstoss gegen das Sitten- 
gesetz zugleich als Ungehorsam gegen Gottes Willen empfunden 
wurde, „ wird die blosse Ungesetzlichkeit zur Sünde, 
wird sie „ruchlos" und „Frevel". Und erst indem sie so für das 
Gemüt zur Sünde geworden ist, gewinnt sie jenes furchtbare 
Schwergewicht für das Gewissen, das ihm zur Katastrophe und 
zum Verzagen an der eignen Kraft wird. Was Sünde ist, ver- 
steht der natürliche Mensch, auch der nur sittliche Mensch 
nicht" (S. 60, 1). „Die antiken Klassiker waren sich des 
Zorns, der Trunkenheit und anderer Laster bewusst, bekämpften 
und besiegten sie, aber sie ■waren sich nicht der Feindschaft 
gegen Gott bewusst 1 )." (S. 60,1). Dagegen „zieht auf dem Boden 
der höheren Religionen das Numinose die Ideen gesellschaftlicher 
wie individueller Ideale des Verbindlichen, Rechtlichen und Guten 
an sich. Diese werden zum Willen des Nurnen, es selber zu 
ihrem Wächter, Ordner und Stifter. Das Heilige wird gut und 
das Gute wird eben dadurch heilig, bis sich dann eine nicht 
mehr lösliche Synthese beider Momente ergibt und nun sich der 
vollere, komplexe 2 ) Siun von heilig ergibt, wo es gut und 

') Wenigstens nicht wegen sittlicher Verstösse; und so meint 
os Otto. 

') Als komplexe Grössen bezeichnet die Mathematik Summe i 



Das Ideal der Heiligkeit usw. 



sakrosankt zugleich ist. Das Auszeichnende der Religion Alt- 
Israels ist eben das innige Zusammentreten dieser beiden Mo- 
mente. Kein Gott ist wie Israels Gott. Denn er ist der Heilige 
schlechthin. Aber andererseits auch: kein Gesetz ist wie seiu 
Gesetz: denn es ist nicht bloss gut, sondern gleichfalls heilig" 
(S. 121 f.). 

Durch jene Verschmelzung des Numinosen und des Sitt- 
lichen zum wahrhaft Heiligen ist unsere Bibel die Grundlage 
jeder echten Religiosität geworden. Als sprachliches Material 
dient ihr die alt-semitische Wurzel BHp, die ursprünglich nur ein 
rein äusseres Verhältnis zur Gottheit bezeichnete 1 ); die Be- 
griffe tpx% und -Z'-p. zeigen, wio wenig eine solche Beziehung 
mit Sittlichkeit gemein zu haben braucht. Aber jene rudimen- 
tären Bildungen stehen schon in biblischer (und, wie sich zeigen 
vollends in späterer) Zeit durchaus ausserhalb des son- 
stigen Sprachgebrauchs. Zwar gebraucht auch die Bibel Ab- 
leitungen unserer Wurzel, wie W~pn und gnpD, nicht selten Ton 
nur äusserer Weihe an die Gottheit. Indem sie aber Gott als 
den Heiligen anerkennt, der „sich selbst heiligt durch Billig- 
keit" (des. 5,1 . dessen heiligen Berg daher nur betreten kann, 
wer reiner Hand und reinen Herzens ist (Ps. 15 und 24), ge- 
winnt die Wurzel BHp ihren eigenen Sinn als Gefäss des höchsten 
religiösen Ideals; als solches dient sie dem Propheten: die Ehr- 
furcht vor dem Unsichtbaren, der mit seinem Saum das Ileilig- 

r und imaginärer Zahlen. Wir halten das Bild für die Veran- 
Bchaulichung der Mischung rationaler und irrationaler Bestandteile 

i n für sehr glücklich und werden es /.ur Erläuterung 
Rituellen nochmals Vorworten. 

'I Der Sprachgebrauch des Assyrischen, Arabischen, Phönizischen 

Syrischen (Bnnzel, Begrifl der Beiligkeit im A. T. 22ff.; Qda 

und seine Derivate 88 ff., 18 ff.) beweist jedenfalls, dass irgendwelcher 

her Sinn vuii Haus .ms rernlii lie Wurzel ursprünglich 

abgtsondert I is »her dahil leihen, da sich im Assy- 

ii (Bunzel, Heiligkeit 24) qudduechu von körperlicher und kul- 

r Reinheit Bndet: vielleicht ist also die Grundbedeutung rein. 

Wie fern ab lern Assyrischen Bittliche Reinheitsideale II 

Mi im Sinne von "ir~" 



Das Ideal der Heiligkeit usw. 



tum erfüllt, dessen Erscheinung demütigt durch ihre Grösse und 
doch emporzieht in erlösender Liebe, findet ihren unüberbiet- 
baren Ausdruck in dem dreimaligen Heilig, das dem Seher aus 
dem Munde himmlischer Flammenchöre entgegentönt 1 ). — 

Nachdem uns nunmehr der Begriff des Heiligen in seiner 
Beziehung zum Sittlichen deutlich geworden ist, versuchen wir 
zu ermitteln, wie das hellenistische und das rabbinische Juden- 
tum ihn auszuwerten verstanden hat. — 

II. Der Begriff der Heiligkeit im 
hellenistischen Judentum. 
Die Juden Alexandriens haben die Bibel nicht im hebräischen 
Original, sondern nur in griechischer Uebersetzung gelesen. Auch 
Philon, unser Hauptzeuge für das hellenistische Judentum, hat 
kein Hebräisch verstanden. Welche Einbusse ihm daraus für 
sein religiöses Bewusstsein erwuchs, zeigt unser Beispiel mit 
erneuter Deutlichkeit. Denn es gibt im Griechischen 
kein Wort, welches dem hebräischen imp in seinem für 
die Religion wichtigen Vollklange entspräche. Zwar für äussere 
Beziehung zur Gottheit hat das Griechische selbstverständlich 
einen Ausdruck (hieros), der uns aus der Zusammensetzung 
Hierarchie geläufig ist. Aber er konnte den Uebersetzern der 
Bibel zur Wiedergabe von mp nicht genügen, nicht etwa wegen 
irgend einer abergläubigen Scheu (nichts hindert sie, statt |n3 
hiereus zu setzen), sondern weil sie richtig empfanden, dass der 
griechischen Wurzel (wenigstens im späteren Gebrauch) jeder 
numinose Klang abgeht. Sie griffen daher zu dem weit sel- 
teneren Worte hayios' 1 ), das wir aus der Uebersetzung von -ans 



') Wir haben uns bei der Entwicklung dos Begrifl'es durchweg 
an das deutsche Wort heilig gehalten. Denn dessen Sprachgebrauch 
ist natürlich durch die Lutherbibel bestimmt, diese ihrerseits durch den 
des hebräischen v\". Immerhin mag darauf hingewiesen werden, dass 
dem deutschen Begriffe, der übrigens erst unter dem Einfluss des 
Christentums in die deutsche Sprache eingeführt wurde, ein gewisser 
Gedanke an das jenseitige Heil innewohnt, der dem hebräischen fernliegt. 

*) Es ist eine die Regel bestätigende Ausnahme, wenn [epo 
Ez. 27,6 und 28,18 von heidnischen Heiligtümer gebraucht wird 



Das Ideal der Heiligkeit usw. 



wip = Hagiographen kennen. Das Wort taugt insofern besser 
zur Wiedergabe, als es der Sphäre der sogenannten Mysterien- 
Religionen '), also nicht des ofliziellen, mehr politischen als 
religiösen Staats-Kirchentums entstammt und ihm daher eine ge- 
wisse Weihe und Feierlichkeit anhaftet, wie etwa unserem hehr. 
Kin irgendwie vollwertiger Ersatz des hebräischen wnp ist auch 
das neue Wort in keiner Weise. Zunächst kann das griechische 
Adjektiv zwar von heiligen Gegenständen oder Tagen, aber 
kaum von göttliches Wesen oder von Menschen 
gebraucht werden ; wenn die Uebersetzung das dennoch tut, so gibt 
sie den erhabensten Stellen der Bibel eine sprachliche Ge- 
zwungenheit und Härte, die ihnen den Eindruck nimmt; das drei- 
fache hagios bei Jesaja 6 wirkt auf den Griechen, soweit sein 
Sprachgefühl nicht etwa durch Vertrautheit mit dem Uebersetzungs- 
griechisch abgestumpft war, kaum stärker, als wenn wir ein 
dreifaches „geweiht" einsetzen würden. Aber was schlimmer 
ist, dem griechischen Wort fehlt unbeschadet seines numinosen 
Beiklanges jede Beziehung auf das Sittliche; aus der Auf- 
forderung, „geweiht" zusein, wie Gott „geweiht" ist (Lev. 1H,21), 
konnte niemand jene Mahnung zu sittlicher Vollkommenheit 
heraushören, die die P>klärer im Urtexte fanden. 

Also entwertet nach Ausdruck und Inhalt wirkte die bib- 
lische Lehre durch das Medium der Uebersetzung auf l'hilon. 
Konnte sie einen tiefen Einfluss auf ihn üben? 



Mit Bezug auf den Gottestempel Bteht es-Ex. 46,19 für TW, 1 Chr. 29,4 
für n'3, nirgends für npa oder cnp ; Jos. 6,8 [spal saXiriffSJ ' flt f re ' e 
Wiedergabe. — Stiftszelt und Tempel heiasen -A oryia oder xb aftov, 
■auch irfUHjact; Bellen aYiatrnjpiov (Lv. 12,4; Pa. 74,7), mp heiest immer 

CrVlOC. "'•' Verbalfoimen werden meist durch dfto'CetV und afiaCeOÖOtt 
wiedergegeben: doch steh', örrWCfiiv für r'i-n /.. B. Ex L9, 10; II Chr. 
30,17; mann wird oft durch erfiaCeaDai (vgl das Vater unser), oft durch 
dcrWCscftat wiedergegeben, Freie Umschreibungen durch xa&apfc s ' n d 
sehr seilen (Jos. 65, 5; Hiob i 

M Wobbermin, Religionsgeechichtliche Studien 59 ff. Ob die 
Vorliebe holh-nisierter Aogypter für KYVSUCIV (W. Otto, Priester und 
Tempel im hellenistisch«!! Äegypten, Index a v.) ähnlich iu erklären 
tat?— 'Ayioc in Verbindung mit Menschen weiss Wobbermin überhaupt 
nicht zu belegen, in Verbindung mil Göttern nur aus nachchristlicher Zeit, 



Das Ideal der Heiligkeit usw. 



Philen von Alexandrien war eine durchaus religiöse Per- 
sönlichkeit. Nicht nur die ethischen Züge der Religion finden 
in diesem Propheten stoischer „Philanthropie" Widerhall, sondern 
fast noch stärker die numinosen. Er steht vor Gott wie vor 
einer unerschöpflichen Tiefe: der Wahn, Gott erkennen zu 
können, gilt ihm als höchste Verblendung; demütig sich" neigend 
vor der unendlichen Grösse des Unerforschlichen, erwartet er 
Heil und Erleuchtung von seiner Gnadenerlüsung. Von hier 
aus nimmt Philon Stellung zu den religiösen Strömungen seiner 
Zeit: den Staatskult der Griechen oder gar der Aegypter lehnt 
er verächtlich ab: an der Mystik tadelt er zwar Geheimnistuerei 
und Entartungen; aber von ihren religiösen Tendenzen und 
namentlich deren philosophischer Formulierung in dem System 
des jungstoischen Philosophen Poseidonios ist er mächtiger er- 
griffen als irgend einer geistigen Macht seines Kulturkreiaes — 
einschliesslich der Bibel. 

Denn so erstaunlich es klingt: diesem tief religiösen Menschen 
haben die Mahnungen der Bibel zur Heiligkeit nicht das Geringste 
bedeutet. Verständnislos geht er an ihnen vorüber. 

Von der Heiligkeit Gottes ist an zahlreichen Stellen der 
Bibel die Rede; dem Buch Jesaja ist die ständig wiederkehrende 
Bezeichnung Gottes als des „Heiligen Israels', wie Luzatto ein- 
mal sagt, als Siegel aufgeprägt. Nicht eine einzige dieser Stellen 
führt Philon an ; das dreimal heilig der Engel trifft sein Ohr 
nicht — weil er ja überhaupt die Bücher der Propheten kaum 
kennt; nur die Thora weiss er anscheinend im wesentlichen aus- 
wendig, in der griechischen Uebersetzung natürlich, aus dem Besuch 
des Gottesdienstes. Aber auch deren Ruf zur Heiligkeit berührt 
ihn nicht. Dreifach kehrt in ihr die Mahnung wieder, „heilig zu 
sein, wie der Ewige heilig ist", oder „weil Gott uns heiligt" 1 ); 
keine dieser Stellen finden wir bei Philon. Nur eine in unseren 
Zusammenhang gehörige Stelle erwähnt er, Ex. 19, 6: „Ihr sollt 
mir ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk sein" ; er führt sie 
einmal an, ohne auf die Schlussworte erläuternd einzugehen, ein 



•) Lev. 11,44: 19,2: 20, 20; ferner LXX 20, 



Das Ideal der Heiligkeit usw. 



anderes Mal — mit Weglassung der Schlussworte 1 ). Und wenn 
etwa Philon die Heiligkeit des Sabbats empfiehlt und einschärft, 
gebraucht er niemals den Ausdruck der Heiligkeit, den die grie- 
chische Bibel wählt, ein Beweis dafür, wie wenig seine Frömmig- 
keit von der Bibel abhängt 5 ). 

Gewiss geht Philons Religiosität über das bloß Ethische 
weit hinaus. Im Sehnen nach ekstatischer Schau, in der Er- 
forschung göttlicher Sternsphären und im rechten Wandel wirkt 
sich nur ein tiefreligiöser Zug aus: der Drang der Seele, des 
Gottes in der Menschenbrust, der aus der Grabeshaft des Körpers 
zur Vereinigung mit der Allgottheit emporstrebt. Der Drang selbst 
mag jüdisch sein und Philon bei der Auswahl seiner griechischen 
Quellen geleitet haben "): aber ganz gewiß nicht jüdisch ist die 
wissenschaftliche Formulierung des Lebenszieles und Lebensbildes, 
nicht zuletzt auch in seinen religiösen Zügen. Der Bibel verdankt 
Philon für die Darstellung des Kernes seiner Lebensanschauung 
nicht das Geringste. So bestätigt sich aus der Betrachtung der 
Kolle, die das Ideal der Heiligkeit für ihn spielt, das Urteil, das 
wir an anderer Stelle 4 ) über ihn gefällt haben, dass ihm nämlich 
gerade diejenigen Teile der Bibel am wenigsten vertraut sind, aus 
denen sich am ehesten ihre kulturelle Bedeutung hätte erweisen 
lassen. ,,Die Verwerfung mechanischen Opferdienstes entnimmt 
er dem Theophrast, nicht den Propheten; er spricht von Schlicht- 
heit und Herzensreinheit, ohne die Psalmen zu zitieren, und trägt 
den Gedanken der Menschenliebe willkürlich in Ritualgesetze 
hinein, ohne daran zu erinnern, dass der Pentateuch ausdrücklich 
die Nächstenliebe vorschreibt. Und so erinnert denn Philon oft 

') De Abr. n6; De sobr. 66 (krit. Ausg.). 

*) VgL Spp.c. leg. II 249 (Colin): \\ihy 6' f, ri)V isp-iv eßoöjxrjv 

,',i|Vr/'jv ehtofijvac -J> •( hl a&x&v ijxov uipoc 5x66txoc Isim ilava'TO'j. 

To&vavtfov ^äp -','.; ßeß^XoK xa'i K(KT(\Utai xai 3<ü;j.a3! xaöapataiv 
eöicopijTSOV • * • To 6k -oXuäv ~'x xad«oaia>u.£va zap-r/.ÖTTTitv xal -ki- 
pa^apartstv uirepßaXXouaav daiBum ip/palvet, -Man sieht: Philon gibt 
sich die grösslo Mühe, um das sprachlich harte &no( zu vermeiden. 

s l VgL meine Ausführungen: Monatsschrift für Gesch. und Wiaa. 
d 64, 106 f. 

4 ) Schriften der jüd.-hell. Literatur II 8. 8 



Das Ideal der Heiligkeit usw. 



genug an einen Alchimisten, der der aus den verschiedensten 
Elementen Gold zu machen sucht, ohne zu ahnen, dass er neben 
einer Goldgrube steht." 

III. Der Begriff der Heiligkeit 
,. im rabbinischen Judentum. 

Während das biblische Ideal der Heiligkeit für das helle- 
nistische Judentum völlig unfruchtbar geblieben ist. erlangt es im 
Rabbinismus eine derart überragende Bedeutung, dass sich eine 
Behandlung, die im Rahmen einer kleinen Abhandlung bliebe, 
fast zu verbieten scheint. Es ist durchaus möglich, Glaubens- 
und Pflichtenlehre des rabbinischen — oder, sagen wir ruhig : 
des überlieferten, geschichtlichen Judentums aus diesem einen 
Begriff in seiner Anwendung auf Göttliches, Menschliches und 
Sachliches zu entwickeln, wenn man sich, Ottos Beispiel folgend^ 
nicht an das Wort, sondern -an die Sache hält. Eine solche 
Darstellung, die einerseits auf eine genaue Behandlung des 
biblischen Begriffs der Heiligkeit zurückzugreifen, andererseits 
die Nachwirkungen in der Religionsphilosophie des Mittelalters 
und der Neuzeit einschliesslich der Mystik eingehend zu verfol- 
gen hätte, kann an dieser Stelle nicht gegeben werden. Wir müssen 
uns begnügen, an einem kurzen Ueberblick über die Bedeutung 
der Heiligkeit für die Rabbinen zu zeigen, wie sie es verstanden 
haben, zugleich treue Interpreten der biblischen Gedankenwelt 
und selbständige W r eiterbildner des überlieferten Gutes zu sein. 

Schon die sprachliche Entwicklung der Wurzel ü>~p und 
ihrer Ableitungen ist für uns überaus interessant. Jene ethisch 
indifferenten Bildungen, die in der Bibel noch vorkommen, ver- 
schwinden im rabbinischen Sprachgebrauch vollständig, nzhp gibt 
zwar die aramäische Uebersetzung durch KffltHpa wieder; aber 
im Talmud selbst findet sich das Wort nicht mehr. Die rabbi- 
nische Exegese sträubt sich sogar dagegen, in dem Bibelverse 
naben tnpn ;o (Deut. 22, 9) die religiös geheiligte Wurzel') 

') Wie ja z. B. cv für Schwager ausserhalb der technischen Be- 
deutung = Levir ungebräuchlich und durch cu ersetzt wird. 



Das Ideal der Heiligkeit usw. 111 

■wiederzufinden und erklärt das Prädikat durch Volksetymologie 
= rx -rpYi (Midr. Tann. z. St.): so wenig hat sich in der 
lebenden Sprache die Urbedeutung erhalten. — Während somit 
die ältesten aus unserer Wurzel hervorgegangenen Triebe ab- 
sterben, gehen aus ihren jüngeren Schösslingen neue Blätter, 
Blüten und Früchte hervor. 

Wohl ist bereits in der Bibel „die Heiligkeit Gottes so 
gut wie identisch mit seinem Gottsein" '). Allein die Bezeichnung 
c-p von Gott an Stelle des Gottesnamens selbst (also 
nicht attributiv oder prädikativ) rindet sich in der heiligen Schrift 
selten und ausschliesslich in stark gehobener Sprache ; ausserhalb 
der Verbindung hxw am? 2 ) scheint &n? in der Einzahl nur 
Jes. 40,25 (vgl. 57,1.0); Hab. 3, 3 und Hiob Ö, 10, in der 
Mehrzahl (pluralis majestatis) Spr. 9, 10 (vgl. Ibn Esra) und 
30, 3 zu stehen. Was in biblischer Zeit noch als sprachliche 
Kühnheit empfunden wird, ist der rabbinischen ganz geläufig : 
sowohl im Hebtäischen wie im Aramäischen heisst Gott häufig 
„der Heilige", aber nie ohne den verehrenden Zusatz: gelobt sei 
er 3 ). Diese — meines Wissens in keiner anderen Religion auf- 
zuweisende — Bezeichnung ist in ihrer Volkstümlichkeit ein 
interessantes ucd nur wegen seiner Unscheinbarkeit nicht genü- 
gend verwettetes Zeugnis für das Einsickern höchster prophetischer 
Ideale in die Seele des sprachschaflenden Volkes und insofern 
ein wichtiger Beitrag zur Beurteilung der jüdischen „Volks- 
frömmigkeit" ■■) 

') Bunzel, Begriff der Heiligkeit 17. 

-) Die vornehmlich im Buch Jeesja, aber auch sonst nur 
bobener Rede auftritt. 

"|»"0 rnpn i»in -pa n»-np. 

4 i Man sieht, Otto bat ganz Recht, wenn er s. Ol schreibt: .Wie 
d ;/u kommen aollen, zu lehren, was jedem Juden das 
schlechterdings erste und selbstverständliche war: nämlich das9 Gott 
der Heilige in Israel war." Um o bedenklieber ist die Fortsetzung: 
„Zu lehren und zu verkünden hatte er, was nicht selbstverständlich, 
sondern Beil Entdeckung und Offenbarung war: dasa oben 

dieser Heilige ein himmlischer Vater Bei", in Wahrheit ist auch der 
Begriff des Vaters Im Himmel" dem rabbinischen Judentum durchaus 



112 Das Ideal der Heiligkeit usw. 

Neben dieser Ausdehnung der Bezeichnung tmp stehen 
nun aber zwei bedeutungsvolle Neubildungen, die dem 
Jaden so vertraut sind, dass es ihn überraschen wird, sie in 
der Bibel noch nicht zu finden. Wir meinen e'i-p. und ns'-p 1 ) 
Beide Begriffe sind eng verwandt, wie ja auch unser Kiddusch 
(beim Eingang der Feiertage) nicht ganz selten Keduscha genannt 
wird 2 ); im Allgemeinen werden wir das Maskulinum eher durch 
„Heiligkeit, Ehre", das Femininum eher durch „Heiligung, 
Ehrung" wiedergeben. Beide Worte werden von Gott, von 
heiligen Dingen und Einrichtungen oder von Menschen gebraucht. 

„Gottes Heiligung* oder „Heiligung des 
göttlichen Namens" ist etwa gleichbedeutend mit seiner 
Ehrung. Das erweisen die Parallelbegrifl'e : „Erhoben und 
geheiligt werde sein erhabener Name", beginnt das Kaddisch 
(nach Ez. 38, 23); „wir wollen Dir in Ehrfurcht huldigen und 
Dich heiligen" lautet der Eingang der Keduscha; daher bedeutet 
der Gegenbegriff des Chilltd Haschern Entweihung, Entehrung 
des göttlichen Namens. Sind doch bereits in der Bibel die 



geläufig; Rabbi Akiba lehrt am Ende der Misehna Joma, anscheinend 
in Polemik gegen den Paulinisinus : -Heil euch, Israel : Vor wem 
reinigt ihr euch und wer spricht euch rein ? Euer Vater im Himmel." 
Die vorletzte Bitte des Kaddisch lautet: „Mögen die Gebete und das 
Flehen ganz Israels erhört werden vor ihrem Vater im Himmel". Ebenso 
wenig wie solche Stellen, die sich leicht vermehren Hessen, scheint 
Otto (nach S. 1S2) die sehr verbreitete Bezeichnung Gottes als des 
Allbarmherzigen (jarpn. wcni) bekannt zu sein. So entstellt er denn 
sein schönes Büchlein durch eine (giücklicherweise kleine) Anzahl von 
Bemerkungen gegen den Rabbinismus, die wissenschaltlich unbegrün- 
det sind und bei einem Mann von seinem erfreulichen Freimut und der 
Tiefe seines religiösen Sinnes doppelt peinlich berühren. 

') So ist in punktierter Schrift am besten zu schreiben, in der 
wir kurzen Vokalen meist keine mater lectionis zugeben pflegen. Und 
natürlich ist nach Formen wie rh'S (Bauer-Leander I 467, 469) zu voka- 
lisieren : nS}>e-Forinen sind nur als Femininbildungen von ^lys-Formen 
nachweisbar (ebd. 473). 

2 ) L e vy , talm. Wörterb. IV 266; E 1 b o g e n , Der jüd. Gottes- 
dienst 107. 



Das Ideal der Heiligkeit usw. 



beiden Wurzeln unp und "133 eng verwandt 1 ). Solche rühmende 
Anerkennung der göttlichen Herrlichkeit und Allmacht kann 
zunächst durch Worte geschehen; so trifft Mose und Aron der 
Vorwurf, die „Heiligung Gottes" bei den Haderwassern versäumt 
zu haben ; wegen solcher Heiligung haben Gebetstücke, wie 
Kaddisch und Keduscha, ihren Namen erhalten. — Aber noch 
bedeutungsvoller als die Verherrlichung durch das Wort ist 
diejenige durch die Tat. Der Märtyrer, der sein Leben hingibt, 
um nicht gegen Gottes Willen und die Lehre seiner Einzigkeit 
zu Verstössen, übt Kiddusch Haschern, Heiligung des 
göttlichen Namens, während umgekehrt jeder, der durch Unsitt- 
lichkeit (Arnos 2, 7) oder durch Unredlichkeit des göttlichen 
Willens spottet, dadurch seinen Namen entweiht, namentlich 
wenn die Sünde in der Oeffentlichkeit, etwa gar vor Gegnern 
der göttlichen Offenbarung, geschieht und dadurch Heiden zur 
Herabsetzung Anlass gibt. Her Gedanke, dass unsittliche, ja, 
unschöne Handlungsweise nicht nur Sünde, sondern, wenn die 
Kühnheit des Ausdruckes gestattet wäre, gleichsam eine persön- 
liche Kränkung Gottes darstellt, hat sich im mittelalterlichen 
und neuzeitlichen Judentum als ethischer Antrieb von ungeheurer 
Stärke bewährt-). 



') Für unsere Zwecke reicht der Hinweis aufLev. 10,8 enpn >aipa 
izztt DSTi -: ';s "vi aus; bezeichnend ist auch der Ausmünden des irnp 
smp rnp in rnas pun Sa k^d. 

■) Statt am die schönen, aber rationalistisch beeinträchtigten Dar- 
stellungen des Begriffes bei Lazarus, Ethik des Judentums 196 ff. und bei 
Cohen, die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums 409 ff. zu 
verweisen, setze ich die in ihrer Schlichtheit tiet ergreifenden Schlusssätie aus 
Maimonides' Behandlung des Kiddusch Haschern (minn <T,D' niaSn 6,11) hier- 
her. „Es gibt noch andre Handlungen, die unter das Verbot der Entweihung 
des göttlichen Namens fallen, und zwar, wenn eiu hervorragender Vertreter 
der Thora-Eeuiitni9 und Frömmigkeit Dinge tut, die das Gerede der Men- 
schen herausfordern: auch wenn es nicht Sünden sind, so ist es doch Ent- 
weihung des Namens. Dazu gehört, wenn er nicht sofort bezahlt, also trotz 
der Mahnungen der Verkäufer den Preis schuldig bleibt, wiewohl er bezahlen 
könnte; oder wenn er sich in ausgelassene Scherze oder Gelage vor und mit 
Unwissenden oinläest; oder wenn er seine Mitmenschen nicht freundlich an- 
spricht und aufnimmt, sondern unwirsch und zornig; in derartigen Dingen 



Das Ideal der Heiligkeit usw. 



Während aber bei dieser Fassung des Begriffes des Kiddusch 
Haschern das Numinose fast vollständig hinter dem Ethischen 
zurücktritt, verschlingen sich rationale und irrationale Elemente 
unlöslich in der Lehre von heiligen Objekten, d.h. 
Räumen, Handlungen oder Tagen. Auch diese Lehre ist natür- 
lich biblisch; und auch wo die Eabbinen in der Ausdrucksweise 
eigene Wege gehen, von vyn statt von ttnpa reden oder das 
Händewaschen als CT twip bezeichnen, treten keine schöpfe- 
rischen Kräfte zutage; die Auszeichnung des Sabbats als des 
„Heiligen Gottes", den „Gott geheiligt hat" und dessen „der 
Mensch denken soll, ihn zu heiligen", ist den Eabbinen aus der 
Bibel geläutig. Höchst beachtenswert ist aber, wie die Rabbinea 
das Numinose des Tages nicht nur erfühlt haben, sondern auch 
für minder tief empliudende Geihüter zum Ausdruck bringen. 
Das Heilige ist zunächst, wie Otto 8. 28 ausführt, „das ganz 
Andere, das aus der Sphäre des Gewohnten, Verstandenen und 
Vertrauten schlechterdings Herausfallende; sodann (als Sanctum) 
das dem Profanen an Wert unendlich Ueberlegene". — 
Beides (Anderssein und Höhersein) bringen die Eabbinen zum 
Ausdruck in den Einrichtungen des Kiddusch und der 
Habdala: dem „Weihegebet" beim Eintritt in den Bezirk 
des Geweihten, dem „Unterscheidungsspruch" beim Zurücktreten 
aus dem Andersartigen in die Kreise des Vertrauten. Da- 
zwischen liegt eine Sphäre eigenariiger Weihe, deren Kraft auch 

soll man — je grösser der Gelehrte ist, desto mehr — äusserst streng gegen 
sie!) sein und sieb liet innerhalb des Bereiches des unbedingt Zulässigen 
halten. Andernr>eirs : ist der Weise streng gegen sich, sodass er bescheiden 
ist in seiner Rede, herzlich in seiner Gesinnung, freundlich im Umgang, nie- 
manden kränkt, auch wenn er selbst gekränkt wird, Ebr» erweist, obwohl 
sie ihm versagt wird, ehrenhaft ist in Handel und Wandel lind nicht mit 
Unwissenden gastlicheu Verkehr ] flogt, sondern t<ich dor Gotteslehre hingibt 
in der Umhüllung des Tallis, im Schmuck der Tefilliu; hält er sich in all 
Beinen Taten streng innerhalb des Bereiches des unbedingt Zulässigen (ohne 
lebeusfeindliche Verstiegenheiten), also dass jedermann ihn preist, ihn liebt 
und seinen Taten naehei fert, — ein solcher hat Gott geheiligt; von ihm 
sagt die Schrift: „Und ich sprach zu ihm: mein Knecht bist du, Israel, an 
dem ich mich verherrliche." 



Das Ideal der Heiligkeit usw. 



der Kationalismus gespürt, aber vergebens zu beschreiben ge- 
sucht hat. Er hat sich hier wie sonst dem Heiligen gegenüber 
geholfen, indem er es nicht dargestellt, sondern gleichsam auf 
seine Ebene projiziert hat, sodass die Tiefe völlig verloren ging: 
so wurde dem Haupte der Marburger Philosophenschule, deren 
Unzulänglichkeit gegenüber der Religion Otto immer wieder 
hervorhebt, der Sabbat zu einer sozialen Einrichtung sehr ver- 
dienstlicher Art — was er unzweifelhaft auch ist und in welcher 
Eigenschaft allein er nicht-religiös denkenden Menschen nahe- 
gebracht werden kann, womit aber seine eigentümliche Stimmung, 
sein Duft und seine Weihe in keiner Weise begriffen wird. 
Eine Deutung der Kabbinen nützt den Doppelsinn der Ueber- 
echrift des 92. Psalms „Lied vom Sabbattag" aus und meint, 
der Sabbattag selbst habe dies Lied verfasst. Danach möchte 
man fortfahren, dass der rationalistische Sabbat eines Cohen 
zwar redet, sogar sehr eindringlich redet, — aber nicht singt. 
Wohl aber tut das Sabbat der Kabbinen. Und die jüdische 
Volksseele wird, in der Sprache Jehuda Hallevis zu sprechen, 
.die Harfe seiner Lieder". Aus ihr quellen Sabbatgesänge für 
den häuslichen Tisch wie für die synagogale Andacht. Mystiker 
und ihnen nahestehende Geister reden geradezu von einer notf! 
n-.-, einer besonderen Seele, die der Mensch nur am Sabbat 
erlangt. Sie spüren förmlich die .Engel des Dienstes", die 
unter Liederklängen am Ereitag Abend niedersteigen, segnend 
im Kommen, segnend im Weilen, segnend im Scheiden. Sie 
fühlen das Nahen der Sabbat-Braut ; und eines der zahlreichen 
Lecho-Daudi-Lieder, die sie zu ihrer Begrüssung verfassten, ist 
in das allgemeine Gebetbuch eingedrungen, bat noch in Heinrich 
Heines Seele Widerhall geweckt. — lu all diesem Singen und 
Klingen kommt die Empliudung des Numinosen zum Ausdruck, 
das dem Kationalismns unzugänglich bleiben muss, dessen der 
Gläubige abei bewusst wird durch den gesetzlichen Zauberbann 
des Tages, in welchem er Gottes undurchsichtigen Willen ehrt, 
der mit unsichtbarer Uebermacht, gleich Rautendelfl Zauberkreis, 
der Selbstherrlichkeit des menschlichen Wollene Schranken zieht 
Wie das Heilige überhaupt, ist eben auch das Heilige der reli- 



Da9 Ideal der Heiligkeit usw. 



giösen Hebung eine „komplexe Grösse", aus Rationalem und 
Irrationalem gemischt; wie nach jenem Mystiker, den Otto 
zitiert (und nach Bachja), ein Gott, der begriffen werden könnte, 
kein Gott wäre, so wäre ein religiöses Ritual, das vollkommen 
wasserklar und durchsichtig wäre, nichts Dämmerhaftes und 
Ahnungsvolles mehr enthielte, kein Ritual mehr ; ja, analog 
jenem Gesang der Erzengel, hat fromme Demut, wenn auch nur 
m unwissenschaftlichen Kreisen, in den Gesetzen Stärke ge- 
funden, „da keiner sie ergründen mag". So gross die Segnungen 
sind, die der Sabbat durch seine rationale Seite als sozialer 
Ruhetag gestiftet hat: dem religiösen Menschen wird seine nu- 
minose Bedeutung noch höher stehen; auch sie hat auf andere 
Religionen wirken können ; nicht nur die Paragraphen des Sonn- 
tagsruhegesetzes, sondern auch die weihevolle Stimmung in 
„Schäfers öonntagslied" sind Tropfen vom Eimer des Judentums. 
Weniger leicht übertragbar, als der Sabbat, erwiesen sich 
die beiden Feste des Jahresbeginnes, die „ehrfurchtbaren 
Tage" (tftOU d'd*), wie wir sie nennen, in welchen das Numinose 
in besonders verstärktem, man möchte sagen, konzentriertem Masse 
zum Ausdruck kommt. Was der gläubige Jude bei Otto liest von 
Kreaturgefühl, dem überragend Furchtbaren und dem liebevoll 
Anziehenden und Verheissenden, — das alles klingt uns nament- 
lich deswegen vertraut, weil es an jenen feierlichen und doch 
freudigen Tagen zu lebendiger Anschauung gelangt. Als typische 
Darstellung der Ehrfurcht vor Gott zitiert Otto S. 33 einen Hymnus 
aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts, der also beginnt: 

Vor dir erbebt der Engel Chor. 

Sie schlagen Aug' und Antlitz nieder, 

So schrecklich kommst du ihnen vor. 

Und davon schallen ihre Lieder. 

Die Kreatur erstarrt 

Vor deiner Gegenwart. 

Wir halten dagegen das erheblich ältere Gebet spn WIM, 
das wir etwa so wiederzugeben wagen : 

So lasset uns künden die Macht der Herrlichkeit des Tages: denn 
ehrfurchtbar ist er und erschütternd. An ihm baut sich auf Dein Reich; 
»uf Gnade gründet sich Dein Throu, darauf thronst du in Wahrheit. 



Das Ideal der Heiligkeit usw. 



Denn wahr ist's, du bist Richter und Ausführender, Wissender und Zeuge-, 
Schreiber und Siegler, Zeichner und Zähler. Du denkst alles Vergesseneu 
und öffnest das Buch des Gedächtnisses: von selbst liest es sich, und dio 
Handzeichnung eines jeden Menschen ist in ihm. Die grosse Posaune 
tünt. und leises Gemurmel wird vernehmlich; die Engel zittern; Angst 
und Beben fasst sie; und sie sprechen: Siehe, der Tag des Gerichts, — 
zu prüfen das Heer des Himmels im Gericht; denn auch sie sind nicht 
rein vor Deinen Blicken im Gericht. Und alle Weltbewohner ziehen vor 
Dir vorüber wie die Tiere derHerdo: wie der Hirte seine Herde mustert, 
unterm Stab hindurch die Lämmer ziehen lässt, also lässt auch Du vor- 
überziehen, prüfst und zählst und wägest alle Seelen, sprichst das Schick- 
sal jeglichem Geschöpfe und verzeichnest den gefällten Spruch. 

Aber neben solchen Gebeten, welche die ehrfurchtweckende 
Grösse Gottes darstellen und den Tagen ihren gemeinsamen 
Namen gegeben haben, stehen wieder andere Stücke, die in ganz 
besonderer Zartheit die göttliche Liebe in Erinnerung bringen : 
die Erzählung von Hannas Erhörung, Jeremias' Trost für Raheis 
Muttertränen, die Predigt des Buches Jona von der Vaterliebe 
Gottes für all seine Geschöpfe, Mensch und Tier. Eben jene 
, Kontrast-Harmonie des tremendton und des fascinosum", die 
bereits die Rabbinen in der Bibel ausgesprochen fanden 1 ), gelangt 
am Neujahrs- und am Versöhnungstag zu erschütterndem Ausdruck, 
vielleicht nicht nur in dem Uebersetzbaren, Angebbaren, sondern 
in dem aus ihm und aus jahrhundertelanger Tradition (Messenden 



') Ich erinnere zunächst an den bekannten Aussprach des R. Jochanan 
(Meg. 31a): Oberall, wo Qottea überragende Grösse ausgesprochen ist, findet 
»ich auch der Hinweis auf seine herablassende Güte. Vgl. teruer llidr. 
Tann, zu Deut. 6,5 über die Vereinigung der Gebote, .Gott zu liebon" und 
„ihn zu fürchten". Merkwiirlig mit Otto berührt sicli ilaimonides Hilch. 
Jess. Hatth. 2,2: , Welches ist der Weg zu seiner Liehe and Ehrfurcht? 
Wenn der Mensch sich in Gottes wunderbare uud herrliche Werke und 
Schöpfungen versenkt und aus ihueu die unendliche Fülle Bainer Weisheit 
erkennt, dann fasst ihn Liebe, der Drang zu Lob unl Preis, und es erfüllt 
ihn mächtiges Sehnen nach der Erkenntnis des Unendlichen, wio David singt: 
Es durstet meine Seele nach Gott, dem lebendigen Gott. Wenn er aber dann 
die Dinge selbst erwägt, dann prallt er erschreckt zarü'k in dem Bswaut« 
sein, als kloines, armes, trübes Wesen unbedeutenden Verstände 

vor dem Allwissenden zu stehen; so singt David: Wenu ich Deinen Himmel 
betrachte, sda Werk Doiner Finger, — was ist der Menjch. dass Da seiu 
gedenkf<t!" 



118 Das Ideal der Heiligkeit usw. 

Gesamtcharakter der Tage ; wie ich höre, hat Otto selbst den Ge- 
danken an das Numinose zum erstenmale beim Besuch einer kleinen 
nordafrikanisehen Synagoge am Versöhnungstage fassen lernen. 

Indem sich aber die Heiligkeit des Tages tief ins Herz 
der Gemeinde einsenkt, wird ihre Frucht — die Heiligung 
des Menschen. Und diese Anwendung des Begriffes »np 
ist wohl die bedeutungsvollste. In dem stolzen Bekenntnis, 
WI1S83 "ijtfnp ick, das so oft in unseren Gebeten wiederkehrt, 
liegt unzweifelhaft der Gedanke an Offenbarung und Erwählung, 
an die Emporhebung Israels in ein geweihtes Sonderdasein. In 
diesem Sinn ist die Heiligung Tatsache: Gott hat uns geheiligt 
durch seine Gebote. Wenn aber andererseits im Gebet für Sabbat 
und Festtage die Bitte wiederkehrt, dass .Gott uns durch 
seine Gebote heiligen wolle und unser Herz reinige, ihm in 
Wahrheit zu dienen", so zeigt schon der Zusammenhang, wie 
wenig sich der Begriff der Heiligung in blosser Heraushebung 
erschöpft. Vielmehr gehört das Begriffspaar Heiligkeit und 
Reinheit, wie an dieser Stelle, so durchweg da zusammen, wo 
von einer Heiligung des Menschen die Rede ist: der Kontrast- 
begriff von nemp im angegebenen Sinn ist nicht bin, sondern 
fiKBts, also der Gegenbegriff der Reinheit. Nur von hier aus 
erklärt es sich, dass die biblische Mahnung »heilig Bollt ihr 
sein" (Lv. 19, 2) von der talmudischeu Exegese ganz besonders 
auf die geschlechtliche Sittlichkeit bezogen wird 1 ), ein Gebiet, 

') In diesem Sinn ist es auch z. B. gemeint, wenn es von Gott heisst, 
er heilige Israel durch (die Gesetze über) Eheschliessung und Ehebegründung 
l'irnji ncn n« h: hu^v wy vi-a. Dagegen bedeutet der Ausdruck Kidduschin 
selbst für den Ehebegründungsakt, der in rabbinischer Zeit gern statt der 
Derivate des biblischen Irin gewählt wird, zunächst weiter nichts als die 
Heraushebung der Frau aus der allgemeinen Sphäre in ein durch religiöse 
Gebote geweihtes Sonderdasein ; insofern trifft also die talmndische Erklärung 
«npna JT3K miau (Kidd. 2 b; zu. Allerdings aber ist diese Heraushebung 
eine geweihte, die der Mensch durch Wort und symbolische Tat nicht schafft 
sondern nur gleichsam auf eineu bestimmten Fall überträgt; damit treten die 
Worte Bnpa c»tn in Parallele zu der bekannten Wendung o»jo?r,i Srnff' onpo, 
die voraussetzt, dass Israel „die Feste (durch Bestimmung der Neumondei 
heiligt*, indem es die gottgehoteue Heiligung auf bestimmte Tage überträgt. 
Darin liegt der Unterschied zwischen Kidduschin und der Aneignung eines 
Gegenstandes (oder Sklaven), den Tossaphoth z. St. betonen. 



Das Ideal der Heiligkeit usw. 



auf -welchem nach biblisch-talmudischer Anschauung auch die 
Heiden volle Verpflichtungen haben, an Auserwählung also nicht 
gedacht wird. 

So schlägt das grosse Wort „Heilig sollt ihr sein, denn 
heilig bin ich, der Ewige, euer Gott" gleichsam die Brücke 
zwischen Glaubens- und Pflichtenlehre ; es zeigt, daas reli- 
giöser Glaube unmittelbar zur Anwendung auf das Leben 
drängt. Es ist wohl die grösste Lücke in Ottos schönem Buch, 
dasä er dies Bihelwort nie zitiert, wiewohl es ihm nicht 
nur das Judentum, sondern auch manche Erscheinungen in seiner 
eigenen Konfession, im Katholizismus und den asiatischen 
Religionen hätte erklären können. Für Otto ist die höchste 
Leistung der Religion die „Diviuation", die innere Erfassung 
des Göttlichen als des Heiligen. Dem Judentum (und nicht ihm 
allein) gilt nicht Erfassung des Heiligen, sondern Heilig- 
w e r d u n g als letztes, vorschwebendes Ziel. Solcher Heilig- 
werdung des Menschen dienen die religiösen Einrichtungen — 
nicht zum mindesten mit demjenigen, was sich dem nüchternen 
Forschen verschliesst und einen kaum durchsichtigen Schleier 
über das Leben wirft. Aber freilich: eingewoben in jenen 
Schleier sind die Sonnenstrahlen der Sittlichkeit und Reinheit. 

Während das hellenistische Judentum das biblische Ideal 
der Heiligung aus den Augen verlor, hat es das rabbinische lebens- 
kräflig ausgewertet. Im Anschluss an die drei Begriffe rwp 
mixa; C"np rOKOT tflTp HPfl Hessen sich gerade diejenigen Seiten 
des überlieferten Judentums darstellen, die eine Zeit lang unter 
dem Einflusa rationalistischer Betrachtungsweise etwas in den 
Hintergrund gedrängt worden, ja. durch die vom Rationalismus 
beherrschte Reformbewegung in ihrer Existenz bedroht worden 
waren Der Widerstand gegen die Rationalisierung gewinnt 
also durch unsere zunächst geschichtlich interessierte Betrachtung 
einen neuen Sinn. Was ihm Kraft gab, waren nicht bloss 
Motive des dienenden Gehorsams, die sich allenthalben im 
Leben der Religionen konservierend entfaltet haben, sondern 
das mehr oder minder deutliche Gefühl, dass der letzte Sinn 
der Religion dein Rationalismus unzugänglich ist und er nicht der 



120 Das Ideal der Heiligkeit usw. 

Richter sein darf über das Lebensberechtigte und Lebensfähige an 
den Religionen. Freilich: zu neuschöpferischer Darstellung des 
Numinosen ist es im modernen Judentum, das ja kein kulturelles 
Eigendasein führt, kaum gekommen, höchstens ab und zu zur Weg- 
räumung von unästhetischen Missständen, die die Auswirkung 
geschichtlich überlieferter numinoser Einrichtungen beeinträchtigen 
mochten; Versuche religiöser Neuschöpfung würden von den 
Rationalisten nicht verstanden und von den grundsätzlichen An- 
hängern des Alten kaum minder scharf bekämpft werden. So 
bleibt denn wenigstens dem westeuropäischen Judentum nur die 
Aufgabe der Erkenntnis des Numinosen ') und der Abwehr 
der aus seiner Verkennung entstandenen Strömungen. Inzwischen 
sind aber in Palästina Voraussetzungen für ein neues jüdisches 
Kulturzentrum geschaffen worden. Hoffen wir, dass das dort neu 
erblühende Judentum zwar die Kultur freudig bejahen, sich aber 
vor einseitig rationalistischer Auffassung bewahren möge ; dann 
wird es mit Gottes Hilfe möglich sein, das Ideal des Heiligen in 
seiner eigenartigen Verschmelzung sittlicher und numinoser Ele- 
mente in neuen Lebensformen zur Darstellung zu bringen. — 



!) „Das Heilige in der Bibel" bedarf nach Gesichtspunkten 
Ottos der nochmaligen Erörterung. Aus der reichen Literatur, deren . 
Aufzählung nahezu das einzige Verdienst der beiden mehrerwähnten 
Arbeiten von Bunzel ist. ragen Baudissin, Studien zur semitischen. 
Religionsgeschichte II 1 ff., und Kittel, Prot. Realenzykl. VII 566 ff. 
hervor. Ihre Diskussion darüber, ob die „negative" Seite des Begriffes 
(also — abgesondert) oder die „positive" (= Gott zugehörig) die primäre 
sei, verliert ihre Schärfe durch Ottos Nachweis, dass beides zum Wesen 
des Begriffes gehört und von religiösen Naturen empfunden wird. Nur 
die „negative Seite" erinnert etwas an den Begriff des tabu, dessen Unter- 
schied von wnp Blau, Jeschurun, Bd. II 364 ff. behandelt. Die Neuunter- 
suchung müsste auch auf den Versuch der protestantischen Gelehrten 
eingehen, eine Entwicklungslinie des Begriffs der Heiligkeit zu zeichnen. 
Abgesehen von der durch Ottos Feststellungen erforderlich gewordenen 
Revision der Werturteile, mit denen diese Reihe durchsetzt scheint, 
scheitert der Versuch an der nicht zu bemäntelnden Tatsache, dass im 
Buch Jesaja, nach den Kritikern einer „Bibliothek" aus verschiedenen 
Jahrhunderten, der Begriff durchweg wesentlich in gleicher Weise auf- 
gefasst wird, während bei Jeremia und Ezechiel (Baudissin 80 ff.!) andere' 
Seiten hervortreten. 



lieber Kutwicklungsethik. 



Ueber Entwicklungsethik. 

Von Arnold Merzbach, Berlin. 

Vorwort. 

Der kritische Beobachter stellt fest: das ethischo Denken in 
iier Gegenwart ist durchseucht von unverstandenen Schlagwörtern 
und Gedankenbruchstlicken aus dem Gebiete der Wissenschaft, 
die sich mit der Frage nach dem Werden der Organismen be- 
schäftigt. Begriffe wie Entwicklung, Auslese, Kampf ums Dasein , 
Ueberleben des Tüchtigen werden von einer leichtsinnigen Presse 
und Literatur immer wieder als ethische Motive und Grundsätze 
individuellen und aozialen Handelns in pseudo-wissenschaftlicher 
Form oder in romanhafter Aufmachung der kenntnislosen Masse 
eingegeben. 

Es muss die Frage geprüft werden: bat die auf dem 
Darwinismus aulgebaute Ethik ihre Berechtigung? Diese Frage 
Fetzt aber die Kenntnis* von Darwins Selektions - Hypothese 

blieb Deszendenz-Theorie genannt) und deren Widerlegung 
voraus. Darüber handelt mein Aufsatz: „Prinzipielles über 
Entwicklung und Zuchtwahl"». 

Nur die biologischen Grundbegriffe der Selektions-IIypothose 
seien hier mitgeteilt: Die Individuen einer Gattung unterscheiden 
sich durch ihre Eigenschaften (Variabilität). Diese sind auf ihre 
Nachkommen vererbbar. Die allzugrosse Zahl der Lebewesen 
und die ungünstigen Lebensumstände bodingen einen Kampf ums 
Dasein: die mit den passenden Eigenschaften ausgerüsteten 
Individuen überdauern ihn. während die übrigen ZU Grunde gehen 
(Selektioni. Durch Wiederholung dieser Vorgänge, Summierung 
dergleichen Eigenschaften und deren Vererbung einsieht schliesslich 
oine neue Tiergattung (Deszendenz). Die Theorie gilt heute als 
überwunden; sie ist zuletzt, widerlegt von Oscar Hertwig'), der 



') .Inili^ch-Akademiscl: • Unter Weg", Heft 8 upiuis- 

vom Bund jüdischer Akademiker Berlin. 
: i Uns Werden der Uri.'ani.->im'ii Jeuu V, 

3 



122 Ueber Entwicklungsethik. 

eich auch mit der darwinistischen Ethik beschäftigt hat 3 ). Er 
lehnt sie ab. Aber er stellt dabei seine eigene ethische Theorie 
auf, die zwar antiselektorisch aber ebenfalls Entwicklungsethik 
ist. Seine Theorie ist fast noch gefährlicher. Es soll daher 
erstmalig der Versuch gemacht werden, auch die biologische 
Ethik Hertwigs zu prüfen. 

Die Selektionsethik. 
Die Fragen nach der Naturentstehung und dem Ursprung 
der Ethik stehen in einem engen Zusammenhang. Denn wer 
die Entstehung der Welt auf einen oder mehrere Schöpferakte 
eines einzigen Gottes zurückführt, kann nicht umhin, der Menschheit 
ein geistiges Ziel zu setzen, die Ethik, die, wie Gott selber, 
durch die Zeiten dieselbe bleibt. Wenn aber die Welt und was 
sie füllt aus sich heraus sich entwickelt hat, ohne dass ein 
Gott „von aussen an das Weltall stiesse", dann kann es auch 
keine über der Entwicklung stehende, also göttliche und un- 
veränderliche Ethik geben. Sie wird vielmehr Menschenprodukt 
und daher wandelbar sein. 

Diese enge Beziehung zwischen Naturentstehung und Sitten- 
lehre war wohl die Hauptursache, dass der Darwinismus in das 
Gebiet der Ethik und Moral seine Schatten warf. Bisher war 
hier die jüdisch-christliche Ethik massgebend gewesen mit ihrer 
Grundnorm: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst. Das heisst: 
die ethische Pflicht des Individuums ist grösser als sein ethischer 
Rechtsanspruch. Diese erstreckt sich daher ganz besonders auf 
die in irgend einer Weise nicht vollwertigen Mitglieder der 
menschlichen Gesellschaft. Sie sind für das Leben zu ertüchtigen 
und ihre Leiden zu beseitigen oder wenigstens zu mildern. Denn 
in jedem Menschen soll der Mensch geachtet werden, da er 
nun einmal das Ebenbild Gottes ist. Eine Fülle von ethischen 
Vorschriften oder sozialen Bestimmungen des Alten und Neuen 
Testamentes sowie der rabbinischeu und kirchlichen Literatur 
suchen dieses Ziel in die Wirklichkeit umzusetzen und bilden 

*/ Zur Abwehr d<-s ethischen, des sozialen, des politischen Dar- 
winismus. Jena 1918. 



Ueber Entwicklungsethik. 



die Grundlage unserer sozialen Gemeinschaft. Ebenso ist es 
moralische Pflicht, die Gefahren abzuwenden, die dem Gesunden 
an Leben, Gesundheit, Besitztum, sittlicher Reinheit und Daseins- 
/.ufriedenheit Einbusse bringen köunten. Die jüdisch-christliche 
Ethik stellt also eine altruistische Wohlfahrtsmoral dar mit dem 
Ziel: ein möglichst grosses Glück einer möglichst grossen Zahl. 

Vom darwinistischen Standpunkte aus muss solches Mitleid 
mit den Kranken und Schwachen verworfen werden, denn diese 
bilden nur den Ballast der Menschheit. Sie kommen für den 
Konkurrenzkampf als Sieger nicht in Frage, d. h. sie sind nicht 
geeignet zur Erzeugung einer gesunden Nachkommenschaft, sondern 
setzen nur eine schwache, kranke Nachkommenschaft in die Welt 
und sind daher die Quelle neuen Elends und Uebels. Deshalb 
bedeutet jeder Versuch, ihnen zu helfen oder sie zu heilen, nur 
eine Ileiabdrückung des Gesamtwohles der Menschheit, eine 
Rasseuverschlechierung und ist als koutraselektorisch zu ver- 
werfen. Während die jüdisch-christliche Ethik möglichst viele 
zum Ueberleben tüchtig machen will, dürfen nach dem Darwi- 
nismus nur die Tüchtigsten überleben. Während hier als Prüf- 
stein der Tüchtigkeit der Kampf ums Dasein gilt, wird dort 
die Auflassung des Lebens als eines Kampftheaters streng zurück- 
gewiesen. 

Von diesem Widerspruch zwischen Darwinismus und be- 
stehender Klink sucht sich der englische Biologe Huxley dadurch 
zu befreien, dass er einen natürlichen Gegensatz beider konstruiert: 
Nur im Reiche der Natur sind die Naturmächte, also der Dar- 
winismus, Herrscher. Für die menschliche Gesellschaft aber, 
die freilich auch ein Teil der Natur ist, kommt noch die Ethik 
hinzu, deren Existenzberechtigung und Ziel Huxley gerade in 
der Beschränkung des Naturwaltens erblickt. In der Ethik sind 
gerade gewisse Natur mächte ausser Kraft gesetzt; an ihre Stelle 
tritl etwas anderes, was man das Walten er Mächte 

nennen kann. 

Abc: abgesehen von Huxlej huldigt die Darwinsche Schule 
in starrer Eonsequenz der Selektionstheorie im sittlichen 



Ueber Eutwicklungsethik. 



Prinzip'). Nach ihnen musa die geltende Moral bedingungslos 
fallen. Statt dessen muss das Recht des Starken gegenüber 
dem Schwachen gelten. Denn die Auslese ist das einzige sichere 
Mittel zur Hebung der Gattung. Vorschriften des sittlichen 
Handelns gibt es nicht, nur solche der Zweckmässigkeit. Diese 
darwinistische Ethik ist von Friedrich Nietzsche ausgebaut worden. 
Er lehrt die Umwertung aller Werte. Das Ziel der Menschheit 
liegt in ihren höchsten Exemplaren. Darum muss die Masse- 
der Menschheit, die Vielzuvielen, die schlecht und niedrig sind, 
geopfert werden. Gleichheit und Brüderlichkeit ist Sklaven- 
moral. Aus den wenigen Starken, die übrig bleiben, werde eine 
neue stärkere Spezies Mensch gezüchtet. Gut kann deshalb nur 
sein, was aus der Stärke stammt: schlecht aber, was von der 
Schwäche kommt. Praktisch gesprochen: Krieg, bazilläre Krank- 
heiten, Kindersterblichkeit werden verherrlicht; sie vernichten 
die Schwachen und schaffen dem Starken freie Bahn. Sozial 
ergeben sich aus diesen Prinzipien neue Aufgaben : Regulierung 
der Ehe von Staatswegen, Unfruchtbarmachung der Minderwertigen, 
Einschränkung der Wohlfahrteinrichlungen, Umgestaltung des aus 
der sozialen Gemeinschaft entwickelten Rechts. Dadurch dass 
diese Ethik zum Egoismus führt, richtet sie sich hinsichtlich 
ihrer Zweckmässigkeit von selbst. So ist nur noch ihre natur- 
wissenschaftliche Berechtigung zu untersuchen. 

Soll diese Kritik objektiv sein, so muss vom Standpunkt 
des biologischen Darwinismus gezeigt werden, wie sich eine 
Entwicklungsethik folgerichtig auf der Selektionstheorie aufbauen 
darf und kann. Diesem Konstruktionsgebilde, das als Massstab 
dienen soll, sind alsdann die Postulate des ethischen Darwinismus, 
-wie er wirklich ist. gegenüber zu stellen, wobei sich dessen 
Mängel von selbst abheben worden. 

Auf der Grundlage der Selektionshypothese, die nunmehr 
als gegeben angenommen sei, kann sich die Entwicklungsethik 
in. E. nach zwei Richtungen hin ausbilden, die ich mit den 

*) Vergl. Aufsätze von Haeckel. Wallace. Sioiner. ■Tille Huiley 
in Hardens .Zukunft-, Jahrgg. 1892—96. 



Uebnr Entwicklungsethik. 



Schlagwörtern „biologisch -normativ und .ethisch- explikativ* 
benennen möchte. 

Unter biologisch -normativ verstehe ich folgendes: 
Da die Darwinianer annehmen, dass die Menschheit als Produkt 
oiner Selektionsentwicklung entstanden sei, so ergibt sich die 
Aufgabe für sie, diese Entwicklung in der gleichen Richtung 
weiter zu denken und fortzusetzen, indem die Gesetze der Selek- 
ilieorio als Norm für die Züchtung einer noch über der 
Gattung homo sapiens stehenden Tierklasse proklamiert werden. 
Der Mensch wäre dann nur Entwicklungsstufe und alle ihm 
von einer gütigen Natur auf seinen Lebensweg mitgegebenen 
Fähigkeiten und Eigenschaften nur Rüstzeug für den Kampf ums 
Daseiu. Uer ethische Darwinismus wäre also nichts anderes 
als eine biologische Aufgabe, eine Nutzanwendung aus den Lehren 
der Vergangenheit für die Zukunft, eine Auffassung, welche in 
dem Wort Tilles ihre Bestätigung findet, dass Ethik angewandte 
Biologie sei. 

Diese biologische Aufgabe aber ist nicht von dem Menschen 
selbBt sondern von der Natur zu lösen. Denn ebenso wie nach 
Darwin die Natur aus den Urtieren durch den Kampf ums Da- 
sein und die Auslese immer höhere Tierordnungen gezüchtet hat, 
muss auch die Züchtung des Uebermenschen aus dem Menschen 
der Natur überlassen bleiben. Und noch eins: Das Ziel dieser 
Züchtung ist stets das Ueberleben des Passenden — wie aber 
könnten die Menschen, die doch i n der Entwicklung stehen, 
selber eine Eigenschaft oder Fähigkeit des Körpers oder GeisteB 

passend" hinstellen ? 

Der ethische Darwinismus, biologisch-normativ aufgefasst, 
verlangt also natürliche Züchtung und hat für den Menschen 
^i'lbst nur wissenschaftliches Interesse. Der Vorgang der Züch 
tung vollzieht sich für den Menschen unter der Schwelle des 
Rewusstneins, dazu noch in einem Tempo, nach dem eine Ge 
neratiou nur eine Sekunde der Entwicklung ist. Des Menschen 
einziger Beitrag zur Züchtung einer neuen Rasse besteht in der 
Ertüchtigung seiner selbst, damit er vor der Natur als passend 
für das Ueberleben erscheine. Dies brauchte aber wiederum die 



126 Ueber Entwicklungsethik. 

Existenz einer Moral nicht auszuschliessen. Ohne eine solche 
Moral, d. h. ohne irgend welche Gesetze wäre ja das Zusammen- 
wohnen von Menschen garnicht denkbar. Diese Moral wäre 
auch eicht entwicklungshindernd, würde keine Fessel für den 
Einzelnen im Kampf ums Dasein darstellen. Denn sie hätte 
in gleicher Weise Gültigkeit für alle ; niemand zu Liebe, nie- 
mand zu Leide. Es genügte dann also vollauf, wenn im Rahmen 
der alten Moral die Selbstertüchtigung des Individuums zum- 
Zwecke des Kampfes um Dasein gesetzlich sanktioniert wäre. 

Nur in der angegebenen Richtung kann sich m. E. der 
ethische Darwinismus, biologisch -normativ aufgefasst, bewegen. 
Wie weit weicht aber die Wirklichkeit davon ab ? Die Dar- 
winianer wollen, wie wir sahen, die Züchterrolle selbst über- 
nehmen und wollen selber entscheiden, wessen Geschlecht über- 
leben darf, und welches aussterben muss. Sie fordern ferner 
eine bedingungslose Aufgabe der alten Moral zu Gunsten des 
Grundsatzes „Macht geht vor Recht". Alles logische Unmöglich- 
keiten ! Und auch praktisch unmöglich, denn die Tüchtigsten 
in der Rasse werden gerade bedingt und getragen durch die Er- 
haltung einer Durchschnittsmasse ! 

Die Schwierigkeiten verschwinden auch nicht angesichts 
der zweiten Entwicklungsmöglichkeit der darwinistischen Ethik : 
der ethisch-explikativen. 

Analog dem biologischen müsste der ethische Darwinismus 
eine Erklärung der Entwicklung des ethischen Denkens geben. 
Die Frage nach dem Ursprung der Sittenlehre (ob sie etwa im 
Laufe der biologischen Entwicklung entstanden und mit den 
Fortschritten der Vernunft auch sich vervollkommnet habe, oder 
ob sie etwa ein selbständiges seelisches Gebiet darstelle) ist 
für unsere Betrachtung augenblicklich unwichtig. Genug : wir 
finden eine entwickelte Ethik vor, welche eine bestimmte Rich- 
tung genommen hat und daher als gegeben anzunehmen ist. Die 
darwinistische Ethik hätte zuerst die Bedingungen ihres Zustande- 
kommens zu erklären: die sittlichen Faktoren, die Zwecke und 
Motive und damit die Gesetze des Willens sind zu erkennen 
und auf sie dann die aus der Ethik herausgeschälten Normen 



Ueber Eiitwiekliingsethik. 



zurückzuführen. Erst dann könnle, rücksch reitend, der Versuch 
gemacht werden darzustellen, wie die gegenwärtige Ethik aus 
früheren Zuständen entstanden sei; wie etwa ursprünglich mehrere 
ethische Vorstellungen vorhanden waren, die sich dann im 
Kampfe miteinander umgestaltet haben, bis schliesslich wenige 
lebenstüchtige Lehren sich daraus entwickelt haben. Noch 
weiter rüokgehend könnten sogar die Anfänge der Ethik schon 
in niedere Stufen des Tierreiches zurück verlegt werden. Erst 
wenn diese explikative Aufgabe auf ethischem Gebiete erfolg- 
reich durchgeführt wäre, hätte der ethische Darwinismus die 
Berechtigung auch normativ zu sein, d. h. die gefundenen Ge- 
setze der Entwicklung als Nonnen für den Weiterbau unserer 
Ethik aufzustellen. Eine Bestätigung meiner Gedanken gibt 
W. Wundt 5 ), wenn er, auf dem Standpunkte einer Entwäcklungs- 
(wenn auch nicht Selektions-)Ethik stehend, schreibt: „Die 
Ethik hat nicht Normen zu geben, sondern die tatsächlich 
geltenden Normen des sittlichen Lebens auf ihren Inhalt und 
Ursprung zu prüfen. ... In Anbetracht eben dieser Tatsache, 
dass alles Sittliche Erzeugnis einer Entwicklung ist, wird sich 
nun aber doch zugleich die Ethik in ihrem Versuch, einen Aus- 
druck für die geltenden sittlichen Normen zu finden, nicht auf 
den' gegenwärtig gegebenen Zustand des sittlichen Lebens 
beschränken dürfen ; sie ist . . . nicht minder der Zukunft zu- 
gewandt." 

Auch mit diesem Schema decken sich die Ansichten der 
darwinistisehon Ethiker nicht. Sie sollten an die jetzt be- 
stehende Ethik anknüpfen oder ihre Entwicklung auf natürlichem 
Wege erklären — statt dessen tun sie sie mit der Behauptung 
ab, dass vor Jahrtausenden durch Priestertrug diese Ethik einer 
sklavischen Menschheit aufgezwungen worden sei. Sie wäre 
also gerade unnatürlich ! Dabei werden aber drei Momente ver- 
gessen : I. d.i^s die Ethik, wenn wirklich dem ursprünglichen 
Menschengeiste widersprechend, sich allmählich hätte abschleifen 



•) Wandt, Ethik 2. Band, Btuttgai 
hing des NormbegriUs in der Bthik." 



Ueber Entwicklungsethik. 



müssen; denn vermöge seines Selbsterhaltungstriebes wählt der 
Mensch stets das Nützliche. 2. Wie ist es zu erklären, dase 
die gesamte Menschheit, sich hätte betrügen lassen und dieser 
Priesterethik huldigte? Schliesslich aber: die Entwicklung der 
menschlichen Kultur auf Basis der alten Ethik ist der beste 
Beweis für deren Zweckmässigkeit. Ich glaube vielmehr, dass 
die gegenwärtige Ethik bei den Menschen eine Prädisposition' 
findet, und dass sie dem moralischen Keim des Individuums 
entspricht. Denn die alten Sittenlehren hätten im Volke niemals 
Fuss fassen können, wenn die Menschen ihnen nicht willig Ohr 
geliehen hätten. Diese Prädisposition soll vielleicht für das 
jüdische Volk in dem Rufe iWJ» 71 131 *!«•« bi (Exod. 19, 8), — 
nach Easchi und Mechiltha auch in yotwi ntpy: (Exod. 24, 7) - 
angedeutet sein, mit dem es die göttliche Offenbarung zu emp- 
fangen sich bereit erklärte. 

Die biologische Ethik. 

Ganz andere Wege, als wir sie bei der Widerlegung der 
darwinistischen Ethik gegangen sind, schlägt Hertwig in seinem 
zitierten Buche ein. Wir können sie nicht billigen. Denn 
Hertwig prüft nicht etwa vom Standpunkt der Darwinisten die 
Folgerichtigkeit der Selektionsetbik — er stellt sich wohl auf 
den Boden der Naturwissenschaften — aber auf den seiner 
eigenen biologischen Lehre — und baut auf ihrem Fundamente 
seine eigene Entwicklungsethik auf. Von seinem Standpunkte 
hat er gewiss recht : Wert gegen Wert, Lehre gegen Lehre. 
Aber der kritische Zuschauer sieht immer nur sein yie: 1 ?} m» 1 ?, 
das vierfache Niederreissen der darwinistischen Anschauung 
fehlt uns. 

Der Berliner Anatom zählt sich nicht zu den Darwinianern, 
für welche die Ethik nur angewandte Naturwissenschaft ist, und 
die daher dem Sittenideal Kampf bis aufs Messer angesagt 
haben — er gehört auch nicht zur Gruppe Huxleys, die die 
Ethik als Produkt des Geistes nicht den Gesetzen der Materie 
unterordnen wollen, sondern die Unabhängigkeit der Ethik pro- 
klamieren — bei Hertwig bildet die unorganisch-organische 
Natur und die Welt des Geistes eine grosse Einheit. 



Uober Entwicklungsethik. 129 

Das Atom ist das kleioste Teilchen der körperlichen Welt. 
Aus verschiedenartigen Atomen setzen sich die Molekel zusammen. 
So entstehen zahllose chemische Substanzen. Aus ihnen bilden 
.-.ich komplizierte biologische Verbindungen, diese wieder stellen 
iie Grundlage für die lebende Zelle dar. Die Zellen schliessen 
sich ihrerseits zu Zellkomplexen, zu vielzelligen Pflanzen und 
Tieren zusammen. Und auf ihnen erhebt sich der soziale 

•■■ind, der unter den Menschen zu besonderer Vollkommen- 
heit entwickelt ist; der Einzelmensch in der Gesellschaft hat 
den Rang der sozialen Zelle im staatlichen Organismus. So er- 
scheint die Natur als eine Stufenfolge von Organisationen, von 
denen die höhere immer aus der niederen entsteht. 

Alle gleichwertigen Komponenten der Stufenfolge stehen 
nun untereinander in irgendwelchen Beziehungen. Diese Be- 
ziehungen komplizieren sich und werden immer weniger über- 
sichtlich und berechenbar, je höher die Organisationsstufen sind. 
Die Atome stehen untereinander in einfachen, die Zellen in 
v.ahlreichen und die Menschen schon in ganz mannigfachen Be- 
ziehungen. Die Ursachen dieser Beziehungen sind uns unbe- 
kannt; man nennt sie Kräfte Diese Kräfte sind aber auf den 
verschiedenen Stufen nicht die gleichen, sondern variieren und 
komplizieren sich ebenfalls von unten nach oben. Ob solche 
Kräfte aber überhaupt existieren, ist von Seiten der Erfahrung 
nicht festgestellt. Sie sind jedenfalls ein Supplement unserer 
(iedanken. wie Lotze sagt. 

Was von den Beziehungen der einzelnen Komponenten 
-lehtbar wird, Mud die Wirkungen. Audi diese werden, wenn wir 
in der Stufenleiter aufsteigen, immer zahlreicher. Sie erst sind 

Iie sk:h vergleichen lassen. Das Wasseratoffatom zeigt eine 

-•■ Affinität zum Fluoratom. Die roten Blutkörperchen be- 
.aden sieh mit Sauerstoff und Kohlendioxyd und stehen da- 
mit im Dienste des Gesamtorganismus. So wird es denn 

. Mertwig selbstverständlich, dass sich auch der Mensch mit 
meinen sittlichen Handlungen und geistigen Schöpfungen in das 

kern der Natur harmonisch einfügt. Er wird damit Gegen- 
stand der Xaturforschung wie jodes audere Naturobjekt 



Ueber Entwicklunffsethik. 



Hertwig lässt es bei diesen allgemeinen Feststellungen 
bewenden und versucht nicht, die ethischen Wirkungen bei den 
Menschen zu vergleichen und zurückzuführen auf parallele Wir- 
kungen bei niederen Organisationsstufen. Hertwig versucht 
bloss, die menschliche Ethik als höheres Entwicklungsglied der 
nächst niederen Organisationsstufe, der Instinkte der Tierwelt, 
aufzufassen. Er sagt: „Handlungen, in denen wir den Aus- 
druck sittlicher Mächte erblicken, finden ihren Ursprung in dem 
Gemeinschaftsleben von Tieren. Sie entstehen allmählich und 
in demselben Masse, als zwischen den ursprünglich vereinzelten 
und für sich bedachten Individuen ein gewisses Gefühl der 
Zusammengehörigkeit und Verwandtschaft lebendig wird. Ihr 
sittlicher Charakter wird gesteigert, wenn dazu noch eine mehr 
oder minder instinktive Erkenntnis tritt, dass die oinzelnen 
Glieder der Gemeinschaft auf die Hilfe der anderen, zumal in 
Zeiten der Not, angewiesen sind, und aus ihrem Zusammenleben 
Vorteile ziehen". So sind nach Hertwig das Liebesleben der 
Tiere und die Baude zwischen Eltern und Nachkommenschaft 
der Ausgangspunkt für den Beginn des sozialen Zusammen- 
lebens und für das Werden der sittlichen Mächte. Es entsteht 
die Liebe zur Familie und, in immer abgeschwächtem - Form, 
zum Stamm, zum Volk, zur Menschheit. Diese Triebkräfte haben 
schliesslich zur Errichtung einer Tafel von sittlichen und recht- 
lichen Werten als Norm für den Menschen geführt, welche 
dann rückwirkend als kategorischer Imperativ die Handlungen 
der Menschen gestaltet haben. 

Im Sinne Hertwigs ziehen wir aus diesen Theorien fol- 
gende Schlussfolgerungen und Ergebnisse: 1) Die soziale Orga- 
nisation hat erst die Bedingungen geschaffen, unter denen sich 
die im Menschen ruhenden sittlichen Kräfte nach allen Seiten 
hin haben entwickeln können, 2) die menschliche Ethik ist infolge 
ihres Entwicklungsprozesses nicht etwas Willkürliches sondern 
ein durch die Natur Gegebenes. 3) die Unterschiede der Menschheit 
und ihrer sittlichen und geistigen Welt einerseits und der Tierwelt 
anderseits sind keine prinzipiellen sondern; solche des Grades. 
4) Recht und Sitte sind in Zukunft einer weiteren Entwicklung 

\ 



Heber Bntwicklangsethik, 131 

und Vervollkommnung fähig, entsprechend der Hebung der 
Menschennatur und der Vertiefung der menschlichen Gesellschaft. 

Die soeben wiedergegebene Ilertwigsche Theorie über 
die Entwicklung der Ethik besitzt infolge ihrer Gefälligkeit und 
ihrer Natürlichkeit einen starken Anreiz. ■ Dazu kommt, dass sie 
nicht wie die Lehren der Rassen-Eugeniker durch absurde For- 
derungen abstossend wirkt. Aber gerade deshalb erscheint es 
besonders notwendig, sie zu prüfen. Zwei Fragen sind zu stellen: 
Steht die Theorie auf festen Grundlagen? Und weiter: da sie 
keine neuen Ziele steckt: Lässt sie sich mit der jüdischen An- 
schauung vereinbaren? 

Der Grundlagen erste ist die homologe Reihe der Orga- 
nisationstufe im Reiche der Natur. Jn Wirklichkeit ist die be- 
stehende Rangordnung keine solche. Zwei tiefe Abgründe 
durchschneiden den Weg vom Atom zur Menschengemeinschaft. 
Wie ist aus der toten Materie die lobende Zelle entstanden ? 
Solange diese Frage noch in Dunkel gehüllt ist. muss man die 
Welt des Toten von der Welt des Lebenden trennen. Der tote 
Stoff ändert seinen chemisch-physikalischen Zustand nur durch 
Einwirkung einer von aussen kommenden Energie — aber der 
lebende Stoff kann seinen chemisch-physikalischen Zustand von 
sich aus („Lebenskraft" des Vitalismus) ändern und den von 
aussen kommenden Energien gegenüber in eigenartiger Weise 
reagieren"). Zwar könnten die Diologen zur Verteidigung ihrer 
Auffassung von der Einheit der Natur mit Schopenhauer 7 ) hier 
entgegnen: Die Kraft, vermöge welcher ein Stein zur Erde fällt 
oder ein Körper den anderen fortstös.-i, ist ihrem inneren Wesen 
nach nicht minder fremd und geheimnisvoll, als die, welche 
die Bewegungen eines Tieres hervorbringt* Demgegenüber 
betonen wir, dass bei aller zugegebenen Fremdheit der Kräfte 
dennoch auf das Moment des Von-Aussen-Wirkens oder des Im- 



Der Vergleich zwischen der lobenden mul der abgestorbenen 
Zollo i-rgibt Schwierigkeiten, da infolge von Veränderungen der Orga- 
nisation der Zello die genaue Grenze zwischen Leben und Tod schwer 
festzustellen ist. 

; ) A. Schopenhauer, Üio Wolt als Wille und Vorstellung. 



Ueber EntwicklunKsethik. 



Innern-Vorbandenseins Wert zu legen ist. Oder anders aus- 
gedrückt: der Tod ist nicht der Nullpunkt des Lebens, so wie 
die Ruhe eine Bewegung im Stadium Null ist, sondern er be- 
findet sich ausserhalb des Lebens und ausserhalb der auf es 
angewendeten Begriffe. 

Stets verwischt wird auch die zweite Kluft im Reich der 
Natur, der Unterschied zwischen Tier und Mensch. Beide 
leben. Daher hat man immer wieder versucht, auf Grund 
anatomischer und physiologischer Gleichheiten die psychische 
Brücke zu schlagen zwischen Mensch und Tier. Dabei wird 
freilich vergessen: dass der Mensch Vernunft und Sprache be- 
sitzt. Diese grundlegenden Merkmale versuchen zwar verschiedene 
Schulen ebenfalls als Entwicklungsprodukt hinzustellen 8 ). Aber 
auch nach ihnen besteht ein Unterschied zwischen Mensch und 
Tier: das Moment des Schöpferischen. Auch wenn es nur in der 
Bereitung der Nahrung zum Ausdruck kommt! Ein Tier, das 
kocht, ist undenkbar! Wir erblicken in diesem Vorzuge des 
Menschen zu produzieren, die psychische Voraussetzung für den 
ihm vom Schöpfer verliehenen Vorzug, die Welt zu beherrschen 
(Vergl. Ramban zu Gen. 1, 28). Dieser Unterschied zwischen 
Mensch und Tier dürfte entwicklungsgeschichtlich schwer erklärt 
werden. Mit der Einführung des Momentes des Schöpferischen 
geht auch die Entstehung von Sitte und Recht einher, die nichts 
anderes als die Beziehungen der Menschen d. h. der Schaffen- 
den zueinander und zu ihrer Umwelt d. h. zu dem zu Schaffen- 
den und Geschaffenen regeln. 

So wird die scheinbare Einheitlichkeit der Natur durch 
die Gegensätze Leben — Leblosigkeit, Mensch — Tier in ein- 
zelne Reiche zerrissen. 

Die zweite Grundlage für Hertwigs Aufbau ist die Ana- 
logie und die Vergleichung der Wirkungen bei den verschiedenen 



s ) Es bestehen hier verschiedene Theorien, die sich nach den 
Gesichtspunkten einteilen lassen, ob die Vernunft vor der Sprache oder 
nach ihr oder mit ihr entstanden sei. Eine ausführliche Darstellung 
rindet »ich bei Steinthal, „Der Ursprung der Sprache . . " 1888, eine 
kürzere bei 'YV'undt, Völkerpsychologie, 2. Bd. 



Ueber Entwicklungsethik. 



Organisationsstufen. Aber Hertwig belässt 88 ■wieder nur bei 
dieser allgemeinen Andeutimg. Einige Hinweise auf das nächst- 
tiefere Glied, die Tierwelt, sind alles. Dass die Gesell schafts- 
bildung der Menschen mit den sozialen Verbänden der Bienen 
oder Ameisen oder Termiten in Verbindung stehe, bedarf nach 
unserer Unterscheidung zwischen Mensch und Tier erst näheren 
Nachweises. Eine Einschränkung müssen wir freilich machen : 
Gewisse ethischer Entwicklung fähige Triebe, die in den Rahmen 
des Funktionellen hineingehören, finden sich beim Tier und 
beim Menschen gemeinsam. Weil vegetativ, dürfen wir sie 
nebeneinander stellen. Die Anhänglichkeit des Stars an sein 
Weibchen oder die Fürsorge der Henne für ihre Küken sind 
wohl Vorstufe der Gatten- und Kindesliebe. Aber diese Ana- 
logien sind nur vorhanden im Rahmen der vegetativen Begierden. 
der Fortpflanzung. Auch gibt es wirklich ein gleiches 
Gesetz, einen gemeinsamen Segen für Tier und Mensch : mi no 
ptri DK inSoi. 

Wir haben zu zeigen versucht, dass die Grundlagen für 
Hertwigs Ethik nicht vorhanden sind. Was übrig bleibt, sind 
schöne, lesenswerte Gedanken und, an Positivem, die Betonung 
des Momentes der sozialen Gemeinschaft, welche einen „ethischen 
Hunger' - bei deren Gliedern bewirkt. Ob diese Gedanken inner- 
halb des Judentums Platz linden, ist die zweite Frage. Hei 
der Selektionstheorie war diese Untersuchung nicht vorzunehmen : 
sie hatte der jüdischen Ethik offen den Kampf Angesagt. Bei 
Hertwig ist das nicht der Fall — das ist eine Gefahr. Diese 
zu zeigen, haben wir die Schlussfolgerungen herausgearbeitet. 
Die erste These ist modifiziert anzunehmen. Aber dadurch, dass 
er die Ethik als ein natürliches und notwendiges. Naturprodukt 
hinstellt (These 2), erkennt fr unser Postulat nicht an. dass die 
Ethik, und dasselbe gilt dann für die Offenbarung, von «u 
her dem Menschen gekommen sei, obzwar er die besteheudo 
Ethik in Praxis für zwingend erklärt. Praktisch dasselbe — 
theoretisch der Gegensatz. Dieser wird akut bei der vierten 
These. Hertwig lehrt, dass die Ethik mit der Vervollkomm 
nung des Menschengeschlechtes noch verbessert werden könne 



Ueber Entwicklungsethik. 



Nach unserer Anschauung hingegen sind höchstens die letzten 
Auswirkungen der Tathandlungen einer der Vollendung zuge- 
wandten Abänderung fähig; die Gesetze selbst, die zum Ziel 
des göttlichen Sittenideales führen, sind unveränderlich. Von 
geringerer praktischer Bedeutung ist für den Juden Hertwigs 
Behauptung, dass zwischen Mensch und Tier ein gradueller und 
nicht prinzipieller Unterschied bestehe. Durch unsere Er- 
wägungen erledigt sich diese These von selbst. 

Alles in allem: wir kommen zur Ablehnung auch der jungen 
Hertwigschen Lehre, wenn auch dessen biologische Forschungen 
bei gewissen Einschränkungen vieles annehmbare Neue bieten. 



Die Anwendung der Psychoanalyse auf 

die Erforschung religionswissenschaftlicher 

Probleme. 

Von Dr. Armin Blau, Hamburg. 

(Schluss). 
II. Das K o 1 - N i d r e. 
Bekannt sind die Schwierigkeiten, die sich dem einfachen 
Verständnis des Kol-Nidre am Eingang des Versöhnungsfestes 
-entgegensetzen. Drei Tatsachen sind dabei hauptsächlich 
rätselhaft: 1. Das Kol-Nidre-Gebet stellt eine Formel dar, welche 
erklärt, dass* alle Gelübde, Eide, Entsagungen usw., die wir 
im kommenden Jahre aussprechen sollten, als ungültig erklärt 
werden, was im krassen Widerspruch zur Hohen Wertschätzung 
eidlicher Verpflichtungen und Versprechungen im biblischen und 
talmudischen Judentum steht. 2. Wie kommt es, dass diese 
nüchterne, fast juristisch schematische Formel auf den Hörer, 
bez. die Gemeinde einen solch erschütternden Eindruck macht? 
Sollte es nur die eigenartige Melodie sein, die den Hörer, 
gläubig oder ungläubig, musikalisch oder nicht, mit dunkler 
Gewalt so sehr in ihren Bann zu schlagen imstande ist? 
3. Warum ist diese juristische Schwurformel als Eingangs- 
gebet für den höchsten aller jüdischen Feiertage vorgesehen? 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



Bekannt sind die Widerstände, die dem Vortrage des 
Kol-Nidre im jüdischen Gottesdienste von nichtjüdischer Seite 
schon seit frühester Zeit entgegengesetzt wurden, die schliesslich 
sogar dahin führten, dass in Reformsynagogen ein hebräisches 
oder deutsches Gebet unter Zuhilfenahme der alten Melodie 
(meist in Lewandowskys Bearbeitung) die Stelle des alten Kol- 
Nidre-Textes einnimmt. Aus der Fülle der Erklärungs- 
versuche seien vier als die gewichtigsten hervorgehoben: 
1 . Das allgemein-apologetische Argument reiht 
Aussprüche an Aussprüche aus Bibel und Talmud, aus denen 
hervorgeht, wie heilig und unverletzlich jeder Eid, Schwur usw. 
(Schon Josephus erzählt, die Juden seien zur Zeit der Ptole- 
mäer die einzigen gewesen, auf deren Eid man bauen konnte), 
(s. Cornill, Prophetismus, p. 176) dem religiösen Juden sein 
mus8, was für unsere Leser keiner weiteren Kommentierung 
bedarf. Ist doch jede künstliche Wortdeutung, jeder Doppelsinn, 
jeder falsche Schein (njn ra s U) in jeder Form strengstens unter- 
sagt; wird doch bei jeder Zusage oder Versprechung sogar in 
der Alltagssprache vom strenggläuoigen Juden die Redensart 
„im jirzeh Laschem" (so Gott will) oder ,bli neder" (ohne 
dass es ein Gelübde sein soll) hinzugefügt. Der Sinn des Kol- 
Nidre wäre also ungefähr: Ich annulliere vorsichtshalber alle 
Eide, Schwüre etc., um nicht das grosse Vergehen eines Eid- 
bruches auf mich zu laden. Hier Bchon tragt Th. Reik mit 
Recht: Ist es nicht befremdlich, dass eine Religion, die solch 
grosses Gewicht auf die Einhaltung auch des geringsten Ver- 
sprechens legt, ilue Bekennet* zu Beginn des Jahres praenu- 
merando alle Verpflichtungen eidlicher Art für null und nichtig 
erklären lassl ? 2. Das e xe ge tis c b *> A r g u m e n t : Es 
handelt suh in der Kol-Nidreformel nicht um juristisch xdl- 
giltige Eide dritten Personen gegenüber sondern 
lediglich um Verpflichtungen und Gelübde, welche wir uns 
selbst auferlogen, also um Verträge .mit dem eigenen Ich". 
entspräche der Talmudstelle Nodarim 26\>.: Wer wünscht, 
dass seine GelCbnisse das ganze Jahr hindurch keine (ieltung 
Laben sollen, trete am Jahresanfang hin und spreche; Alle 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



Gelübde, die ich geloben "werde, seien nichtig. Diese Erklärung 
wurde später dahin modifiziert, dass sie erstens von der ganzen 
Gemeinde abgegeben wurde, und zweitens, dass es nicht am 
Itanscb-IIaschonob, sondern am Jaum-Kippur erklärt wurde. Diese 
Verschiebung auf den Versöhnungstag findet nun Reik 
besonders befremdend; ferner meint der Verfasser, wenn auch 
durch den Passus: Ninsrc: hy wie« »*ri tienügend klar ausgedrückt 
ist, dass es sich nur um Verpflichtungen gegen Gott und gegen 
unsere eigene Person handelt, die von vornherein als 
nicht bindend erklärt werden sollen, so kann es doch vorkommen, 
dass eine Verpflichtung, die ich scheinbar nur mir selbst auf- 
erlege, auch eine zweite Person taugiert, etwa wenn ich ver- 
spreche, einen armen Verwandten zu unterstützen. Hier ist doch 
die Erfüllung oder Nichterfüllung des Versprochenen für den 
andern eminent wichtig. Hiergegen wäre sofort zu erwidern, 
dass solch' ethische Verpflichtungen oder freigewählte Gelöbnisse 
ja immer von einem r*1 rV3 ohne weitores gelöst werden können 
auch ohne Kol-Nidre, wenn der Gelobende erklärt, dass er sein 
Gelübde bereue und einen genügenden Win nno geltend zu 
machen weiss. Es kann sich also beim Kol-Nidre nur allgemein 
um Verpflichtungen und Entsagungen handeln, die man in 
Uebereiluns,', seelischer Erregung, ohne die Erwägung der 
Ausführbarkeit und Verantwortung sich auferlegt hat, und die 
etwa vergessen werden könnten, diese werden als nicht bindend 
erklärt, und dies gerade am Jaum-Kippur, weil man da aus 
dem Gefühl der Umkehr und Besserungsbeflissenheit jeden 
Leichtsinn und jede Uebereilung abzuschwören sich bemühen 
soll. Ob ich Gott verspreche, dass ich mich bessern werde, 
oder ob ich einem Verwandten eine Unterstützung verspreche, 
beides ist ein idealer Vorsatz, und für beides schaffe ich durch 
das Kol-Nidre den Vorbehalt: Wenn es meine materiellen und 
moralischen Kräfte nicht übersteigt. '6. Das historische 
Argument: Kol-Nidre ist aus einem bestimmten Anlass ent- 
standen. L. 1. Mandelstamm will es auf die Abarjanim, die 
Zwangschristen des dreizehnten Jahrhunderts zurückführen, damit 
es der Gemeinde erlaubt -werde, mit diesen Ueberläufern zu- 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



sammen zu beten. Das Kol-Nidre hätte also den Sinn, dass die 
Marannen, (oder solche, die es zu -werden fürchteten) die durch 
die spanische Inquisition gezwungen würden, im Laufe des 
nächsten Jahres Eide, Gelübde usw. abzugeben, alle diese Eide 
etc. als erpresst und erzwungen für nichtig erklären. Gegen 
diese Auffassung wendet schon I. S. Bloch (Kol-Nidre und 
seine Entstehungsgeschichte, Wien 1917) mit Kecht ein, dass 
das Kol-Nidre älter sei als die Inquisition und ihre Verfolgungen. 
Bloch selbst bezieht es auf die Zeit der Westgoteu in Spanien 
im siebenten Jahrhundert, als ganze Gemeinden zwangsweise 
zur Taufe geführt wurden; diese Gemeinden hätten das Kol- 
Nidre-Gelübde gesprochen, um ihr Gewissen zu entlasten und 
gleichzeitig Gott um Gnade und Verzeihung auzuftehen dafür, 
dass sie trotz ihres Uebertritts und trotz ihres Schwures am 
jüdischen Gottesdienste teilnahmen. Auch gegen diese scharf- 
sinnige Erklärung macht Reik hauptsächlich geltend, dass es 
doch unwahrscheinlich diese Zwangstaufeu den Anstoss 

zum Kol-Nidre gaben, denn der von der Inquisition e r p r e s s t e 
Eid ist ja doch von vornherein ungültig und bedarf gar 
keiner Auflösung. 4. Die nach Reiks Meinung gewichtigste und 
überzeugendste Deutung der (ruberen Erklärer ist die psycho- 
logische von Zach, l'rankel (Die Eidesleistung der Juden, 
Dresden 1840): Erankel scheidet prommissorische (versprechende) 
und assertorische (versichernde, die Vergangenheit bestätigende) 
Eide. Die Eide, die das Kol-Nidre annullieren sollte, waren die 
promissorischen, auf die Zukunft bezüglichen, z.B.: Ich ach« 
bei Gott, dass ich das und das nicht tun oder ja tun weroe, und 
wenn ja, so treffe mich das und das Verderben. Ein solcher Eid 

Dicht zum Zweck der '■ -ung betreffs einer zweifel- 

lutten Sache oder gerichtlichen Angabe der Vergangenheit 

n, denn ein Versprechender steht doch nicht unter dem 

Verdacht der Unwahrheit, sondern es ist ein vor Gott a.b- 

\ erspreche n. Der ueissblütige Orientale Bei ein 

id von impulsiven Vorsätzen gewesei . habe oft im Zorn 
unsinnige Verpflichtungen auf Bich genommen (z. B.: ich 
nie sein Haus betreten wenn . . . u. a. m.), er habe 

4 



138 Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 

eine förmliche Wut, unüberlegte Gelübde u. dgl. auf sich zu 
nehmen. Als Gegenmittel und Befreiung von solch unsinnigen 
Verpflichtungen erscheint die Generalformel des Kol-Nidre. 
Diese Frankel'sche Erklärung scheint die einleuchtendste, sie 
trägt der Anlage der jüdischen Psyche Rechnung, und nun gilt 
es, in der Vertiefung dieser psychologischen Methode und 
Betrachtungsweise fortzufahren unter Zuhilfenahme der Sitten 
anderer Völker zum Vergleiche. 

Die psychoanalytische Deutung. 

Zur Erleichterung des Verständnisses sei die Erklärung 
des von Freud geprägten Begriffs der .. ambivalenten 
Gefühle" vorausgeschickt. Ein Beispiel: Ich bin dem Vater 
zu Gehorsam und Ehrfurcht verpflichtet, doch gleichzeitig regt 
sich oft in mir ein gegensätzliches Gefühl der Eifersucht auf 
die Ueberlegeuheit des Vaters, ein Hass und Xeidgefühl. Meist 
entspringt diese Ambivalenz einer trüben sexuellen Quelle. So 
lührt Freud das bald zärtliche, bald feindselige Verhältnis zwischen 
Schwiegermutter und Schwiegersohn darauf zurück, dass die 
Schwiegermutter, eifersüchtig auf den Besitz des jungen Schwieger- 
sohns, den sie gern für sich besitzen möchte, ihm dafür gram ist, 
dass er die junge Tochter ihr vorzieht. Also in Ehrfurcht oder 
in Liebe mischt sich Auflehnung oder Hass, motiviert durch 
„verdrängte", im Unterbewusstsein noch vorhandene Triebe, die 
sich bei gegebener Gelegenheit aufs neue regen. 

Nun zum Kol-Nidre: Ein jeder Eid ist nach dem Urteil 
der Ethnologen eiu Gottesgericht. Unsichtbare Mächte bedrohen 
den Meineidigen mit Krankheit und Tod. Diese Mächte werden 
zu Zeugen dessen angerufen, dass der Schwörende die Wahrheit 
spricht und im Falle der Unwahrheit Unheil auf sich herabbeschwört. 
Die feierlichste und fürchterlichste Art des Schwures ist der 
n " i 3 (oder wie Keik richtiger sagt: die Brith), dessen Einzel- 
heiten zuerst bei Abraham beschrieben werden (Gen. XV, 3—12): 
Gott heisst Abram eine dreijährige Kuh, eine dreijährige Ziege 
und einen dreijährigen Widder, eine Turteltaube und eine Ringel- 
taube bringen, die ersteren drei zerteilen und ein Glied dem 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 139 

anderen entsprechend gegenüber legen; Abram scheucht die 
Vögel, die sich auf die toten Leiber herablassen wollen, weg, und 
er fällt in einen tiefen Schlaf, und grosse Bestürzung überkommt 
ihn. Und dann heisst es: An jenem Tage hat Gott einen Bund, 
ma, mit Abram geschlossen also: Deinem Samen gebe ich 
dieses Land. 

Keik und schon vor ihm andere moderne Erklärer glauben die 
Idee dieses Bündnisses darin zu erblicken, dass der Schwörende, der 
durch das Tier und seine Teile hindurchschreitet, (vgl. Jer. 34, 16) 
sich mit dem Tiere identiliziert und für den Fall des Bündnisbruches 
des Tieres Schicksal auf sich berabschwört. Nun ist nach Keiks 
Auffassung das Brissritual die Vorstufe des spä- 
teren Opferrituals. Sie stellt (nach Reik) eine Zwischen- 
form dar, die sich aus der ursprünglichen, der menschlichen 
I T r h o r d e eigentümlichen Totemmahlzeit (siehe oben) 
entwickelt hat. Die Totemmahlzeit war aber, wie oben dargelegt, 
zur Erinnerung an einen angeblich in der Urzeit von der Urhorde 
geschehenen Vatermord eingesetzt worden. Jeder Brith und 
jeder Schwur behielt nun fortan den tiefen unheimlichen Untersinn, 
dass die Menschenkinder ihrem Vatergott versprechen, die 
Untat an ihrem Vatergott niemals wieder zu verüben. Dies ist 
ein Gefühlsmotiv, das unbewusst seit Urzeiten in der Seele des 
schicksalbeladenen Schwörers fortwirkt. Bei jedem Eidschwur 
bei Gott erwacht die uralte Tendenz unbewusst, den Frevel des 
Gottes- und Vatermordes zu erneuein. doch in Ansehung der 
fürchterlichen Strafandrohung (der verstorbene, getötete Gott 
oder Mensch kann nach Annahme primitiver Menschen als Gott 
dem Ueberlebenden noch grossen Schaden bringen) und der 
Selbstverwünscliung des Schwures werden solche Tendenzen sehr 
rasch unterdrückt. Freud behauptet, dass Sittlichkeit, Religion, 
Schwur, Opfer und stetes Schuldbewusstsein an jenes eine 
grosse urzeitliche V e c b r e c h e n anknüpfe. 

Nach diesen etwas komplizierten Vorbemerkungen wollen wir 
■den Schlüssel zur Kol-Nidre- Enträtselung linden: Kol-N. ist ein 
4'nwirksammachen der Eidschwüre von vornherein, aus Ueber- 
ängstlichkeit, eine Schutzraassregel zur Abwehr des Unheils, 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



das uns aus der Nichteinhaltung und Uebertretung 
des Eides (die wir eben aus andrängenden Auflehuungs- 
tendenzen gegen Gott gerne begehen möchten!!) erwachsen 
könnte. Das K.-N. will sagen: Wir sündige Menschen wissen, 
wir möchten nur zu gerne einen Eidbruch begehen Dat 
K.-N. ist ein radikaler Bruch mit aller sonst von den frommen 
Juden geübten Gewissenhaftigkeit im Eidhalten. Dieser scheinbare. 
Leichtsinn wird psychologisch erst durch Zuhilfenahme paralleler 
Erscheinungen und Symptome und A n a 1 o g i e f ä 1 1 e bei 
Zwangsneurotikern verständlich. Auch für diese Kranken,, 
die skrupelvoll und übergewissenhaft ihre Eide und Versprechungen 
halten, kommt im Leben oft ein Moment, wo sie mit dem ganzen, 
ihnen (sich selbst) auferlegten Zwange aufzuräumen versuchen 
und ihre Eide und Versprechungen mit einem Male als ungültig 
erklären. Gerade der Zwang ruft bis zur Unerträglichkeit den 
Wunsch nach Abschüttelung desselben zuweilen hervor. Bei 
jeder Heilighaltung des Eides, Gelübdes u. s. w. ist auch latent 
ein Impuls zu dessen Durchbrechung. Das Kol-Nidre-Geber ist 
also vergleichbar den typischen Symptomen der 
Zwangsneurose, „bei denen unbewusste Vorgänge in 
relativ unverstellter Form von irgend einem Stadium des un- 
bewussten Denkprozesses aus den Durchbruch zum Bewusstsein 
zu erzwingen wissen" (Reik, p. 16b). Das K.-N. dient der 
Gemeinde zur Er leichterng von der Bürde der 
sonst peinvoll grossen Gewissenhaftigkeit 
in Eidessachen. 

Diese überaus feingesponnene Lösung des Kol-Nidre- 
Rätsels hat allerdings eine S c h w ä c h e. Wie kommt es, dass 
ein solch frevlerischer Wunsch nach Auflehnung gegen die- 
Heilighaltung des Eides gerade in den Gottesdienst und gerade 
an den Eingang des allerheiligsten Versöhnungstages gelangt 
ist? Darauf folgt die ungemein geistvolle Antwort von Reik: 
Das Kol- Nid reist gar kein Wunsch, es ist das 
Bekenntnis eines Wunsches, das Geständnis, 
die Beichte eines sündhaften Wunsches'. Es 
enthält die Konstatierung einer Tatsache, dass wir so 



Dio Anwendung der Psychoanalyse usw. 



sind, wir sind Eidesbreclier allzumal. Ins Volkstümliche um- 
gesetzt, müssten wir dem Kol-Nidre den Anruf vorausschicken: 
Herr Gott, höre uns, wir bekennen vor dir, dass wir den Wunsch 
fühlen, Eide, Gelübde, Entsagungen u. s. w. nicht einzuhalten. 
Darauf ist nun allerdings, da es als ein Schuldbekenntnis 
aufgefasst werden muss, die Bitte um Gnade und Ver- 
geh u n g als unmittelbar folgend zu erwarten. Und in der Tat, 
wir lassen sogleich nach diesem Geständnis unserer Schwäche 
und dem Bekenntnis der Unmöglichkeit des völligen Verzichts 
tuf Triebbefriedigung den Ruf erschallen: 0, verzeihe die 
Sünde dieses Volkes nach der Grösse deiner Gnade und wie du 
verziehen hast diesem Volke von Jlizraim bis hierher", worauf 
die Gemeinde zuversichtlich antwortet: „Und es sprach der 
Ewige: Ich habe verziehen nach deinem Worte". Gewiss hat 
nach Reiks Ansiebt das heul ige Kol-Nidre, das doch so gar 
nicht einem Schuldbekenntnisse ähnlich sieht, sondern 
eher einer religiös-juristischen Formel, früher anders gelautet, 
doch im Laufe der Jahrtausende sei der Text zu einer Formel 
geworden, und nur der Nachsatz zeugt noch vom ursprünglichen 
'<\nn des Sündenbekenntnisses. 

Einen weiteren grammatischen Einwand: das K.-N. 
drückt doch keine Wunschform, keinen Optativ aus (wir 
sagen doch: wir bereuen sie, sie sollen uns erlaubt sein, nicht 
aber: wir möchten sie uns erlauben), fertigt Reik mit dem Hin- 
ab: dem Neurotiker und im Traume auch dem Normalen, 
verwischen sich die Grenzen /wischen Realität und Phantasie, 
auch im Traume erscheine erfüllt, was nur als unbewusster 
Wunsch in uns gelebt, und so könne auch triebartig der Wunsch 
Eidesverletzung ausgesprochen und als BÜbnebedürftig von 
'iemeinde vor Gott bekannt werden. Darum, weil wir dio 
Versuohung zum Eidbruch in uns instinktiv von uraltersher 
len und das Unheil für die Uebertretung von jener Zeit des 
mordea her fürchten, ruht eine solch dunkle Gewitter- 
mung auf der jüdiscl de heim Kol-Nidre, daher 

tuen ist es verständlich, dass wir durch die lrrcw TOTO, die wir 
K.-N. folgen lassen, unsern Dank aussprechen, dass das 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw 



drohende Unheil gnädig an unsern Häuptern vorbeigezogen: „noch • 
in dieser verschwommenen Form kann man als letzte Affekt- 
quelle die Angst vor dem drohenden Unheil, welches immer 
wieder der Versuchung zum Vatermorde folgt und den Bruch 
jener alten Verpflichtung verbietet, vermuten" (p. 168). 

Mit diesem tiefsinnigen Gefühlsinhalte stimme auch die 
erschütternde Melodie überein, die Zerknirschung und das 
Schluchzen der Gemeinde, ihre seelische Spannung u. s. w. „Im 
tiefsten 6teht noch die uralte Brith und ihre Veranlassung 
im Mittelpunkte, unserem unbewussten Gefühle nahe durch das 
ambivalente Verhältnis zum Vater. Denn in der Phantasie jedes 
Einzelnen erneuert sich jene mächtige Versuchung, die einst zur 
Aufrichtung der Brith zwang; im individuellen unbewussten. 
Seelenleben vollziehen sich dieselben aufwühlenden und nach- 
haltigen Kämpfe, die in der Geschichte des Volkes den Anstoss- 
zu grossen religiösen, sittlichen und sozialen Einrichtungen 
lieferten" (p. 16y). 

Dies ist der ungeheuer komplizierte Denkapparat, den der 
Freudschüler Th. Reik aufbietet, um das Kol-Nidre-Gebet unsrem 
Verständnis näher zu bringen. Wir geben zu, das Kol-Nidre 
ist eines der rätselvollsten Kapitel unsrer Liturgie, die bis- 
herigen Deutungsversuche sind alle mehr oder minder unzu- 
reichend, aber mit diesem neuesten Deutungsversuch, so sehr 
er mit modernen Experimentiermitteln der Sache beizukommen 
vermeint, wird, so fürchten wir, auch keine neue Epoche der 
Erklärung des K.-N. beginnen. Wenn wir unsern Eindruck 
wiedergeben wollen, den die Lektüre dieser psyschoanalytischen 
Arbeit in uns hervorrief, so möchten wir an eine Moliere-Scene 
im „Bürger als Edelmann" erinnern (auch Reik liebt die Moliere- 
Zitate): Da wird dem reichgewordenen Emporkömmling von 
seinem Hofmeister, den er sich für teures Geld hält, in der 
ersten Lehrstunde dargelegt, es gäbe zweierlei Arten der 
Sprache, die Poesie und die Prosa. Als der Bürgersmann den 
Unterschied nicht gleich einsehen will, sagt der Hofmeister : 
„Sehen Sie, was Sie jetzt mit mir oder mit Ihrer Frau sprechen, 
das ist Prosa, was dagegen in Gedichten gesprochen wird, das 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 143 

ist Poesie". Darauf erwidert der biedre Mr. Jourdain : Ei, der 
Tausend! nun bin ich über Fünfzig alt geworden, und wusste 
nicht, dass ich immer Prosa gesprochen habe !" So ähnlich möchten 
wir nach dieser Erklärung ausrufen : Nun haben wir uns schon 
all diese Jahrhunderte durch die heiligen Formeln und Gesänge 
rühren lassen und wussten nicht, was uns eigentlich dabei der- 
art zu Tränen rührte. Allerdings muss ich für meine Person 
gestehen, dass ich bei der Rezitation des Kol-Nidre eigentlich 
noch niemals eine Träne vergossen, noch mich aussergewöhnlich 
erschüttert gefühlt habe, höchstens dass mich der Gedanke mit 
Rührung und einem gewissen Stolz erfüllte, dass in diesem 
Augenblicke alle Judon auf dem Erdenrund ein 
wahrhaft einig Volk von Brüdern, von einem Gefühl der 
Zusammengehörigkeit beseelt, bilden. Jetzt werden wir eines 
besseren belehrt. Uralte Mächte und zwangsläufige Mordge- 
fühlo sollen sich dunkel in uns regen, wie den Psychoneu- 
rotiker überfällt uns einen Augenblick die unterdrückte Regung, 
und dafür bitten wir Gottvater um Vergebung. Einen Augen- 
blick taucht instinktiv, urbestienhaft die Lust, in uns auf, gegen 
Gottvater aufzubegehren, die alte Brith, die Urquelle aller 
lScIiwüio, zu übertreten, und für fliese überkompensierte „ver- 
drängte" Lust am Bösen bitten wir Gott feierlich um Verzeihung. 
Man muss sie immer wieder laut und wiederholt aussprechen, diese 
Erklärung, um danach mit ebenso lauter Ueberzeuguug aus- 
zusprechen: Nun credo, quia absurdum,. ich kann an diese über- 
fein ausgeklügelte Erklärungsweisheittrotz ihres psychoanalytischen 
Aufwands nicht glauben. Ist es nicht ungeheuerlich, glauben 
zu müssen, dass Vatermordgedanken im Unbewussten des gegen- 
wärtigen Menschen als vererbte Vorstellungen fortleben und 
ungezählte Geschlechter hindurch auf uns lasten und uns selbst 
in unsren heiligsten Tagen und Stunden verfolgen! Das wäre 
noch schlimmer als die antike Parzenvorstellung der Griechen, 
die auch keine Reue und keine Reinigung versöhnt, für die eine 
Tat urewig fortlebt, unsühnbar, untilgbar! 

Man wende uns aber nicht ein, dass unser modernes ver- 
feinertes Kmptiuden, das sich gegen eine solche Annahme sträube, 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



kein Gegenbeweis gegen die von Reik angenommene Ent" 
stehungBursache des Kol Nidre von vor tausend Jahren 
seiu könne. Dagegen haben wir erstens zu erwidern, dass Reik 
nicht nur den supponierten Urstärmnen Israels solche Emp- 
findungsweisen unterschiebt, sondern dass auch wir, die über- 
kultivierten Abkömmlinge, noch von denselben Gefühlsregungen 
beschwert sein sollen, und für uns können wir nur konstatieren, 
düss uns undunseren rächsten Vorfahren nie und nimmer eine solche 
urinstinktmässige. Beziehung aufgegangen ist. Doch nehmen wir 
mit den Ethnologen an, das Kol Nidre ragte, uns Modernen 
unverständlich, wie ein Petrefact in die Jetztzeit herein, seine 
unheimliche Bedeutung sei uns jetzt durch Reik erst zu Be- 
wusstsein gebracht worden. Aber uns erscheint auch sachlich 
uud historisch die psychoanalytische Interpretation des Kol-N. 
auf schwachen Füssen zu stehen, jedenfalls auf schwächeren 
als manche der von Reik verworfenen Erklärungsweisen. Der 
ganze Kol-Nidre-Text spricht dagegen. Der 
Sinn de3 K.-N. ist doch für jeden Unbefangenen der: Ich wider- 
rufe fürs kommende Jahr (nach unserer heutigen Lesart) 1 ) alle 
Gelübde, Entsagungen usw., die ich mir auferlege, u. s. w. An 
diesem Texte ändert kein Deutelversuch, keine Interpolation 
und kein supponierter Vorspruch' und Kachsatz, wie ihn Reik 
zurechlkonstruiert. „Und was die Herrn den Geist der Zeiten 
nennen, das ist gar oft der Herren eigner Geist'', könnte man 
ausrufen. Es ist k e i n W o r t von Bekenntnis, keine 
Andeutung einesSchuldbewussts eins im Kol-N.- 
Text enthalten, es steht keine Sterbenssilbe von den Dichtungen 
Reiks da. dass wir Eide, Gelübde zu brechen geneigt sind und, 



') Nach I. Elbogen (Der jüd. Gottesdienst in seiner geschicht- 
lichen Entwicklung, Leipzig 1912) ist die heutige Lesart: „Von diesem 
Jaumkippur bis zum kommenden" eine erst von Kabbenu Tarn einge- 
führte, während sie früher lautete : „Vom vorigen Versöhnungstag biB 
heute". Diese ältere Fassung würde auf jeden Fall gegen die Keiksche 
Deutung sprechen; denn mein verbrecherischer Trieb lehnt sich nur 
gegen etwas Bevorstehendes, nicht gegen bereits Begangenes auf. 
(e. auch Heidenheims Vorbemerkungen im Machsor zu Jaum Kippur). 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 145 

wie die Zwangsneurotiker, uns hier verplappern und unsre wahre 
frevelhafte Hinneigung zu Eidbrüchen bekennen und pater 
peccavi sprechen. Also im Text selbst steht von Reiks Ver- 
stiegenheiten nichts. Und all diese geheimen Beziehungen 
des Kol-Nidre zu n h p 3 1 , etc., zum k i nbo etc. 
und zum lrnw, all die psychologischen Ausdeutungen der 
Tränenergüsse (die, nebenbei gesagt, meist von dem des Hebrä- 

• o Unkundigen vergossen werden) sind u. A. n. nur poe- 
tische Erfindungen des Verfassers. Die einzige Beziehung des 
zum vorhergehenden Kol-Nidre besteht darin, dass wir für 
die aus Versehen oder Vergesslichkeit uns selbst auf- 
erlegten Gelübde Gott um Verzeihung bitten und den 
Bibelvers darum rezitieren: Und es sei verziehen der Gemeinde 
Israel usw., denn es ist dem ganzen Volke nur aus Irrtum 

beben. (So auch Auffassung von II off mann, s. Der 
Eid der .luden, Jeschurun, er.-' er Jahrgang, p. 196). Dieses 
Zitat : Und es sei verziehen usw., denn es geschah der ganzen 
Gemeinde nur aus Irrtum (Levit. XV, 26), spricht wohl 
deutlich gegen seine Auffassung, als enthielte das Kol-Nidre ein 
Bekenntnis der Schuld für absichtlich begangene oder 
noch zu begehende Eidbrüche, sondern deutlich berufen wir uns 
darauf, Gott möge uns, wie immer, aus Versehen uns auf- 
erlegte Gelöbnisse und Sünden der Uebereilung und des Affekts 
verzeihen. Keineswegs darf das Kol-Nidre und sein Nachsatz 
auch nur einen Augenblick die Auffassung aufkommen lassen, 
als wollten wir uns der Verpflichtung der mit Besonnen- 
heit und Vorbedacht auf uns genommenen Eide auch 
nur einen Moment entziehen, als ob in uns Regungen verpönter 
Wünsche vorübergehend auftauchten, die plötzlich allen mora- 
lischen Besitz in uns durch krankhafte und ererbte atavistische 
Neigungen in Frage Btellen könnten 1 ). Es muss auf das schärfste 

') In unsren obigen Ausführungen kommt es uns nur out' diu 

wissenschaftliche Stichhaltigkeit der Reikschen These an. Das* eine 

he speziell bei den Juden auftretend«, von dorn Juden 

Iv.iik ausgeklügelte. Auflassung, nach der im Kid N. angeblich eine 

•i itUrliebe latente Neigung zum Eidbruch ihren Ausdruck gefundeu hubo, 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



der Vergleich des Kol-Nidre mit der katholischen mittelalter- 
lichen B e i c h t e und den Ablässen, die der Vorweg- 
nahme und Annullierung vorsätzlich zu begehender Sünden 
im berüchtigten Mittelalter dienten, abgelehnt werden, und keiner 
vergleichenden Religionsforschung wird es je gelingen, „die 
psychische Identität der katholischen .Offenen Schuld' in der 
mittelalterlichen Liturgie mit dem Kol-Nidre nachzuweisen", 
wie es Reik erhofft (p. 175). Zwischen katholischen Sünden- 
bekenntnissen und dem Kol-Nidre besteht dem Wesen nach der 
klaffende Unterschied, dass die „Offene Schuld" den Charakter 
einer allgemeinen Absolutions formel für alle Art 
Sünden an sich trägt, während Kol-Nidre sich durchaus nur 
auf Schwüre und Gelöbnisse bezieht. 

Auch hinter die Reik'sche Auffassung vom musika- 
lischen Gehalt der Kol-Nidre- Melodie wäre manches 
Fragezeichen zu setzen. Reik meint (ähnlich die Jewish Ency- 
clopedia, Bd. VII; p. 543), dass die Melodie gewisse Ähnlich- 
keiten mit katholischen Bussgesängen des Mittelalters aufweise. 
Wollte Reik damit ein neues Beweismoment für seine Theorie 
erbringen, so erscheint es uns recht zweifelhaft gewählt. Nach 
Reik enthält das Kol-Nidre atavistische Elemente und Hinweise 
auf prähistorische Urzeiten, wo das Volk Israel noch ur- 
hordenmässig lebte und Vatermordinstinkte empfand. Die Ent- 
stehung des Kol-Nidre müsste man dann in eine ganz frühe Zeit., 
jedenfalls nicht in das Mittelalter verlegen. Wieso dann Ueber- 
einstimmungen und Aelmlichkeiten der Melodie des uralten 
Gebets mit katholischen Ritualgesängen des Mittelalters, als der 
ursprüngliche Zusammenhang mit dem Vatermord schon längst 
verblasst war, wahrscheinlich sein sollen, ist nicht recht ersicht- 
lich. Entweder ist Text und Melodie uralt oder beides au>- 
bistorisch datierbarer Zeit. 

leicht zu Missdeutungen von übelwollender gegnerischer Seite benutzt 
werden könnte, dies sei nur im Vorübergehen erwähnt. Jedenfalls ver- 
dient es den schärfsten Protest, solch gefährliche Schein- 
weisheit einer schöngeisterischen Weisheit zuliebe mit der Geste wissen- 
schaftlicher Erprobtheit zu verkünden und nicht einmal ein bescheidenen 
„Vielleicht" dahinter zu setzen. 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



Was nun die Melodie selbst betrifft, so erscheint sie 
uns in ihrer heutigen Gestalt durch ihre Kunstvollendung und 
ihre künstlichen Steigerungen und Wiederholungen auf eine Zeit der 
Entstehung hinzuweisen, in welcher der Kunstgesang mit Kolo- 
raturen und blühenden Umrankungen (als dankbare Partie für 
den Sänger) gepflegt wurde. Und selbst wenn wir diese Um- 
rankungen als später hinzugekommen ansehen und die Grund- 
melodie herausschälen (s. über Variationen und Grundmelodie 
in Jewish Encyclop., dort wird das Datum der Entstehung 
der Grundmelodie in das XI. Jahrhundert gelegt, da diese 
starke Anklänge an den sogen. Gregorianischen Canon 
in wiederholter Form aufweist, d. h. die Tonfolge von d zu d 
bevorzugt: als E n t s t eh u n g s o r t wird wohl Spanien oder 
Italien anzunehmen sein), so bleibt doch ein kompliziertes Ge- 
bilde übrig, das mehr eine allgemeine Weihestimmuug für den 
grossen Sühnetag vorbereitet als speziell eine verpönte Neigung 
nach Gelöbnisbrüchen interpretiert. 

Die einfachste Erklärung des Kol-Nidro ist und bleibt 
folgende: Es ist eine Fortsetzung der altüblichen cn; mrn, durch 
welche der Einzelne gewisse gedankenlose und leichtfertige, 
freiwillig für seine Person übernommene Gelöbnisse 
und Verpflichtungen am Anfang des Jahres von vornherein für 
ungültig erklärt, und dies auch nur soweit, als sie seinem Ge- 
dächtnis entfallen sollten oder deren Einhaltung seine Kräfte 
übersteigen sollte. K<>l-Xidre stellt eine Erweiterung dieser 
Ilataiath Nedarim auf die ganze Gemeinde dar (s. dieselbe Auf- 
fassung von Eschellmcher vertreten im „Jeschurun" Bd. I. p. 190). 
Man setzte diese Erklärung für R&usch-Haschonob, den Jahres- 
beginn, später für den Eingang des Jaum-Kippur-GottesdiensteB 
fest, weil es eben Sitte war, dass man vor Deginu dieses grossen 
Abrechnungstages alle Verpflichtungen gegen Gott und Neben- 
menschen (man söhnt sich feierlichst mit den Nebenmenschen, 
Lebenden und Toten. Freund und Feind ausi ins Keine brachte, 
und weil es der Tag ist, an dem man neue fromme Ver- 
sprechungen und Vorsätze wirklich streng zu halten sich 
vornimmt, daher erklärt jeder durch Kol-Nidre feierlichst : Alle 



Die Anwendung der Psychoanalyse usw. 



frommen Gelübde will ich halten, nur nicht voreilig übernommene, 
meine Kräfte übersteigende oder dem Gedächtnis entschwindende. 1 ) 
Und was die geheimnisvolle Melodie des Kol-Nidre betrifft, 
so ist sie nicht als notwendiges Ingrediens des ziemlich nüch- 
ternen Textes zu betrachten, sondern verdankt ihre erste Ent- 
stehung vielleicht der Gesangkunst irgend eines mittelalterlichen 
jüdischen Chasan in Spanien oder Italien, der die vielen einzelnen 
Worte („Alle Gelübde, Schwüre, Entsagungen, Bannungen, Ver- 
wünschungen usw.") mit Hilfe des Gregorianischen Kanons 
künstlerisch vertonen, steigern, vertiefen, beseelen wollte, um 
dabei gleichzeitig seiner Gemeinde zu Beginn eine Probe seines 
künstlerischen Könnens zu geben. (Man bedenke nur, was ein 
genialer Kantor aus einzelnen Gebeten für Paradestücke macht, 
man denke an Stellen aus der Jaum-Kippur-Liturgie wie 
rm rote ,Tn "pi, oder an die Vertonung von map p«, warn das 
gesungene Sündebekenntnis, wo wirklich der Text wenig mit 
dem Tonbilde übereinstimmen will.) Im Laufe der Jahrhunderte 
machte sich der Eiufiuss der Melodik der verschiedenen Länder 
in der Entwicklung der Kol-Nidre-Melodie geltend, und was 
zuerst eine einfache rhapsodische Rezitation gewesen, wurde all- 
mählich eine Ouvertüre für den feierlichsten Tag des Jahres. 
In der deutschen Sage ist Parzival eine der tiefsten Ge- 
stalten, weil er, als Fernstehender zufällig Zeuge eines schmerz- 
vollen Weihespiels, keine vorwitzige Frage zu stellen wagt. 
Wie ganz anders ist unser moderner Reik-Parzival ! Er als 
Fremder, Aussenstehender, der die K.-N. -Melodie in einem Salon 
gehört hat, dem Judentum längst. Entfremdeter, tritt in die Mitte 
der jüdischen Gottesgemeinde, sieht ihre Ergriffenheit, ihre Zer- 
knirschung — und schnell fertig ist der moderne Forscher mit der 



') Es bleibt noch sehr die Frage, ob unter nijnaw im Kol-N. über- 
haupt ein Schwur vor Gericht' und Obrigkeit zu verstehen ist; die 
Worte; „Die wir uns auferlegen" zum Schlüsse der Erklärung sprechen 
jedenfalls dagegen, ebenso die Beziehung auf den Bibelvers : in> »3 e»s 
WD5 by -ick irNTivsr yatrn i» th vij (Numeri 30,3); dort ist es doch offen- 
bar, dass „Schwur" und „Eid" nicht dasselbe sind, und so ist auch für 
die Kol-N. -Stelle eine unsre Person betreffende Schwurformel 
gemeint. 



Die Anwendung der Psychoanalyse ust 



Frage und ihrer Deutung. Bei seinen naturalistischen Deutungen 
verkennt und missdeutet er so gründlich alles, was bei dem gläubigen 
Juden an seelischen Qualen und ßeuegefühlen im ganzen Monat 
Elul.in den Selichaustagen,am Rausch-Haschonoh und an den zehn 
BuBstagen dem einen grossen Sühnetage des Jaum-Kippur vorauf- 
gegangen. Er hält für ererbte, verbrecherische Urtriebgefühle, 
was in Wirklichkeit nur als höchstes allgemeines Läuterungs- 
bedürfnis und . Versöhnungsstreben des Menschen vor seinem 
Gott und Nebenmenschen geweuet werden sollte. Trotz seiuer 
jüd. Abstammung müssen wir Reik jede Kompetenz in der 
Beurteilung jüdischer Seelenprozesse absprechen. 



Wir haben uns im Vorstehenden lediglich bemüht, die allzu 
kühnen Erklärungsversuche des Freudschülers Reik für einige 
jüdische Kulthandlungen (Kol-Nidre, Schofar) mit starken Frage- 
zeichen zu versehen und das Heranziehen kaum nachweisbarer 
psychischer Erlebnisse feiner Ahnen für das rationelle Verständnis- 
jüdisch-religiöser Zeremonien und die Annahme des Toteinismus 
in der Bibel als willkürliche und phantastisch aufgeputzte, stark 
subjektive Illusionen des Verfassers in die gehörigen Schranken 
zurückzuweisen. Es ist viel (!ei>t. viel Scharfsinn, viel dialek- 
tische Schönheit in dem Buche aufgewendet, und die Lektüre 
des Buches bietet partieweise fast ein ästhetisches Vergnüge: 
aber die letzten Rätselfragen der vom Verfasser aufgeworfenen 
Probleme bleiben nach wie vor für den menschlichen Forscher- 
geist ungelöst. Wir gläubigen Menschen treten mit weniger 
Skeptizismus, aber mit intuitiv schauenden Blicken an i 
Fragen heran und suchen nicht durch einen Öden Rationalismus 
den edlen Schmelz der biblischen Belichte zu zerstören. 

Es bleibt ein schwacher Trost für uns. dass diese Bilder 
Stürmer Freudscher Richtung ihre Sezierungsversuche uicht allem 
auf Weike der Bibel anwenden, sondern auch vor weltlichen 
Schönheitswerken eines Wagner und Goethe und andrer Grossen 
nicht Halt machen und schon manchem poetischen weltlichen 
Werke die Poesie ausgetrieben haben. Es musste einmal im 



Josephs ^esehichtliehe Wirklichkeit. 



Vorausgehenden gesagt werden. dass die Heilige Schrift und die 
jüdischen Gebräuche sich gegen solche Experimente durchaus 
spröde erweisen. 



Josephs geschichtliche Wirklichkeit. 

Von Geheimrat Ed. König in Bonn. 

Es hat in der neueren Zeit auch auf der Seite derer, die 
dem biblischen Berichte kein Vertrauen schenken, nicht an 
Versuchen gefehlt, einen blassen Schimmer vom geschichtlichen 
Dasein Josephs zu retten. Solcher Versuche sind zwei gemacht 
•worden. 

Zunächst meinte man, ihn in dem Janchamu wieder- 
fanden zu können, der in den Amarnabriefen als Statthalter des 
Pharao Amenophis IV. (um 1400) erwähnt wird. Er hatte 
seinen Sitz im Delta, aber sein Machtbereich ging über Aegypten 
hinaus. Auch Syrien unterstand seinem Befehl, sodass er ron 
ägyptischen Vasallen in Syrien darum angegangen wurde, ihnen 
doch Getreide zu schicken. Aber nicht bekannt ist, dass er 
ganz Aegypten beherrschte, wie dies von Joseph erzählt wird, 
und wiederum kann von letzterem nicht angenommen werden, 
dass er auch über Syrien zu gebieten hatte. Weil alles sich 
so verhält, ist jene Aufstellung (von Marquardt und Winkler) 
nur das Anraffen eines Namens zu nennen, der wie Joseph auch 
mit dem Buchstaben Jod anging. 

Der zweite Versuch, der von dem Holländer Erdmans 
190?s in seinen Alttestamentliehen Studien (Bd. 11. S. ri*) 

cht wurde, bestand in der Oleichsetzung Josephs mit einem 
Syrier, der Irsw heissen sollte. Von die-rm Bagte Erdmans, 
s er in den Jahren des Mangels sich Aegypten zinsbar 
gemach; habe A er der betreffende ägyptische Teil lautet 
nach der Uebersetzung. die der Heidelberger Aegyptologe Bänke 
in dem von Gressmann veranstalteten Werke .Altorien- 
talische Textf und Bilder", S. 250 geliefert hat, folgendennassen: 
A- danach andere Zeiten gekommen waren, mit Jahren der 
Teuerung, machte sich |= i r sw!) ein gewisser Syrer unter 



Josephs geschichtliche Wirklichkeit. 



ihnen (?) zum Anführer. Er machte sich das ganze Land ins- 
gesamt tributpflichtig" Also jener Name, der dem Josephs 
gleichgesetzt worden war, war überhaupt kein Name, sondern 
eine gewöhnliche Zeitwortsform! Der Name jenes Syrers ist 
demnach nicht bekannt, und erst wenn der betreffende Text- 
abschnitt „eine Reminiszenz an die Wirren der Hyksosperiode 
enthält", von welcher der Verfasser (nach auch sonst vor- 
kommendem Schema) direkt auf die durch den regierenden 
Pharao eingeleitete Periode des Heiles überspringt, dann ist 
eine Gleichsetzung dieses Syrers mit dem biblischen Joseph sehr 
diskutabel, wie F. Bohl in seinem Buche .Kanaanäer und 
Hebräer" (1911), S. 81 meint. Ja, aber nach meinem Urteil 
nur, um zu einem verneinenden Schluss zu führen. Denn warum 
soll es nun ein unbekannter Syrer und nicht der Hebräer Joseph 
gewesen sein' J Warum sollen alle anderen Nachrichten denen 
der israelitischen Quellen vorgezogen werden dürfen? 

Freilich nach einem der verbreitetsten Kommentare über 
das erste Buch Mose, dem Kommentar von (Jnnkel (1910), S. oüS 
kann man „der Sage nicht einmal dies entnehmen, dass der 
Josephstamin zuerst oder allein in Aegypten gewesen sei", was 
■/,. B. Wellhausen angenommen hat. Nein, Bagt Gunkel weiter: 
„Auch in dem, was die Erzählung über Aegypten sagt, ist nichts 
.in eigentlichen Sinne Historisches, Die Schilderungen ägyptischer 
Sitten werden von dem Erzähler nichl gegeben, um damit 
Längstvergangenes darzustellen, Bondern Bie nahmen die Farben 
aus dem Aegypten ihrer /.fir. Das ist aber weiter nichts 

als eine unbegründete und im Gegenteil an vielen Gegengründen 

scheiternde Voraussetzung. I>ie Annahme, dass jene Kenntnis 
ägyptischer Dinge, deren Genauigkeit von einem Aegyptologen 
nach dem andern, von Georg Ebers, II 1 Heyes bis Ed N 
ville nichl genug gerühmt werden kann, auf den Kr- 
i n ii <• r u d g e n des Volkes Israel an somen Aufenthall in 
Aegypten beruht, hat realen Hoden unter den Füssen. Dag 
die erwähnte Behauptung jene» neueren Kommentators, dass der 
Erzähler dei Josephgeschichte die Farben zu seinen Schilderungen 
Dinge aus seiner eigenen Gegenwart 



162 Josephs geschichtliche Wirklichkeit. 

entnommen habe, hängt mit dem modernen Irrtum zusammen, 
das» die Berichte über die Patriarchenzeit überhaupt nur Rück- 
strahlungen der Zustände und Anschauungen enthalten, welche 
in der Gegenwart der betreffenden Berichterstatter herrschten. 
Dieses moderne Dogma lässt sich vollständig als unbegründet 
erweisen, wenn man z. B. die Beschreibung der Patriarchen- 
religiou mit den religiösen Zuständen vergleicht, die im neunten 
Jahrhundert, wohin ja ein Hauptberichterstatter über die Patri- 
archen jetzt von manchen verlegt wird, geherrscht haben. Man 
braucht nur auf die Gottesnamen, die hervorragendste Gottes- 
eigenschaft (1. Mos. 17,1), die gottesdienstlichen Orte und Zeiten 
hinzuweisen, um schon genug jenen Irrtum aufgezeigt zu haben. 
Im übrigen darf auf die grundleglichen Vorerörterungen meiner 
Geschichte der alttestamentlichen Religion verwiesen werden. 
Auf dem von ihm eingeschlagenen Wege kommt jener 
neuere Bibelerklärer zu folgendem Schlussurteile: „Geschichtlich 
ist natürlich nicht die Figur Josephs, aber die Zustände, die 
in der Dichtung geschildert werden, sind zum grossen Teile die 
historischen einer bestimmten Epoche und zwar des Neuen 
Reiches vgl. zu 37,36; 40,1 ff.; 41,3Sf.". Sieht man sich nun 
seine Anmerkungen zu den zitierten Stellen au, so behauptet er, 
die Erscheinung, dass im Hause des Obersten der Scharfrichter 
(wie übersetzt werden muss), sich nach 40,3 das Staatsgefängnis 
befindet, gehöre in das „Neue Reich", d. h. Aegypten nach der 
Hyksqszeit, von der 18. Dynastie an. Denn „seit dem Neuen 
Reiche seien die ersten Staatsämter in den Händen der persön- 
lichen Sklaven des Pharao". Aber das liegt einerseits keines- 
wegs in dem, was über den Obersten der Scharfrichter oder 
Leibwächter gesagt wird. Und was andererseits wirklich über 
ihn im Berichte gelesen wird, davon kann nicht behauptet 
werden, dass es nicht auch vor der Periode des Neuen Reiches 
in Aegypten Sitte war. Das Urteil aber, dass die alttestament- 
lichen Berichte über Josephs Zeit der damaligen Wirklichkeit 
entsprochen haben, ist um so mehr zu fällen, als bewiesen 
werden kann, dass in diesen Berichten die älteren Perioden der 
ägyptischen Kulturgeschichte auseinandergehalten worden sind. 



Josephs geschichtliche Wirklichkeit. 



Unter den Geschenken nämlich, die der ägyptische Herrscher 
dem ersten Patriarchen gegeben hat (1. Mos. 12,16), sind fünf 
Tierarten, aber keine Pferde erwähnt. Ebensowenig sind 
Pferde auf ägyptischen Denkmälern abgebildet, deren Entstehung 
vor die Periode fällt, in der die Hyksos über Aegypten 
herrschten, wie allgemein bei den Aegyptologen anerkannt ist. 
Unter der Herrschaft der Hyksos kam aber Joseph nach Aegypten, 
was durch eine Reihe von Gründen sichergestellt werden kann. 
Damit stimmt zusammen, dass in den Berichten des ersten 
biblischen Buches über die Zeit Josephs auf einmal 
Pferde erwähnt werden (47,17, wie dann auch in 
2. Mos. 9,3; 5. Mos. 17,16: 1. Kön. 10,28). Also sind die alten 
Stufen de3 kulturgeschichtlichen Fortschritts auch dabei aus- 
einandergehalten worden, wie dies überhaupt so vielfach schon 
von mir betreffs der alttestamentlicben Geschichtsbücher nach- 
gewiesen worden ist. 

Nun bemängeln allerdings einige die geschichtliche Bedeut- 
samkeit der Angabe von 1. Mos. 12,16, weil danach der Pharao 
dem Abraham auch Kamele geschenkt hat. Kamele nämlich 
werden z. B. nach \V. Max Müller (Encyclopaedia Biblica 1903, 
col. 634) auf älteren Inschriften der Aegypter nicht erwähnt. 
Aber es muss doch für möglich gehalten werden, dass mancher 
Pharao Kamele besessen hat, und also welche an Ilalbnomaden, 
wie Abraham einer war, gelegentlich verschenken konnte. 
Ausserdem würde durch die unrichtige Angabe betreffs der 
Kamele, wenn sie vorläge, das frappante Zusammenstimmen 
der Genesis mit den tatsächlichen Verhältnissen Aegyptens 
betreffs der Pferde nicht aufgehoben, und überdies' ist noch 
auf folgenden wenig bekannten Umstand hinzuweisen. In 
l. Mos. 12,15 ist bei dem Titel Pharao der Name weggela 
während er in 2. Kön. 23,29. 38 'M>\ Jer. I und 

44,30 (Hophra) dabei steht. So aber ist auch bei den älteren 
Aegyptern selbst der Eigenname beim Titel Pharao weggelassen 
worden. Dies ist in dem tüchtigen Werke dos Aegyptologen 
EL I. Heyes, Bibel und Aegypten, Hand 1 (1904), 8. 2Sf. nach- 
gewiesen worden. 

i 



164 Josephs geschichtliche Wirklichkeit. 

Während auf die betrachtete Art und Weise, die in jenem 
neueren Kommentar befolgt wird, die Geschichtlichkeit der 
Person Josephs nicht entwurzelt werden kann, spricht für die- 
selbe erstens alles das, was überhaupt für die Vertrauens- 
würdigkeit der Patriarchengeschichte des alten Testaments an 
positivem Beweismaterial vorgebracht werden kann. Dazu 
gehört aber, um nur eine Probe zu geben, die Unterscheidung 
einer vor mosaischen Periode der Geschichte Israels. Also 
aller Glanz, in welchem die mosaische Periode als die Jugend- 
zeit des israelitischen Volkes strahlte (Hos. 11,1 usw.), hat 
doch nicht das Licht erbleichen lassen, das aus 
den früheren Tagen herüberfunkelte. Vielmehr trotz der über- 
ragenden Grösse Moses als des glänzenden Vermittlers bei der 
Hauptwende der nationalen und religiösen Existenz Israels sind 
doch Abraham und Jakob als Anfänger des völkischen Daseins 
und der religionsgeschichtlichen Sonderstellung des israelitischen 
Volkes anerkannt worden. Ueber dem Mittagsglanze des 
Geschichtstages, in welchem Mose sein Werk tun durfte, hat 
man das Morgenrot dieses selben Geschichtstages nicht ver- 
gessen, von dem umschimmert Abraham aus Harau in die 
irdische Heimat des speziellen Gottesreiches gerufen wurde. 

Doch darf und muss es hier an diesem Beispiel von all- 
gemeiner Grundlegung für die Sicherheit der Ueberlieferungen 
Israels über seine Geschichtsanfänge genügen und muss hinsichtlich 
der weiteren allgemeinen Beweisrnaterialieu, die von mir positive 
Glaubwürdigkeitsspuren des Alten Testaments genannt zu werden 
pflegen, auf die schon zitierte Geschichte der altiestamentlichen 
Religion »hingewiesen werden. Dagegen muss nunmehr darauf 
eingegangen werden, dass diesen positiven Beweisgründen der 
negative Umstand zu Hilfe kommt, dass die neuerdings beliebt* 
Personifikationstheorie insbesondere auch beiJoseph auf mehr 
als eine Reihe von Schwierigkeiten stösst. 

Nach dieser modernen Annahme sollen ja Buben und die 
anderen Söhne Jakobs nur erst hinterher nach den betreffenden 
Stämmen geschaffen worden sein. Diese Theorie besitzt aber 
gerade bei Joseph noch ein Hindernis mehr, als sie bei den 



Josephs geschichtliche Wirklichkeit. 



übrigen Söhnen Jakobs hat. Denn einen Stamm Joseph, der 
zu der Person Joseph hätte umgedichtet werden können, kennt 
die wirkliche Geschichte gar nicht. In 4. Mos. 13, 11 steht 
der Ausdruck nur als Einleitung zur Erwähnung des Stammes 
Manasse, und ähnlich ist es in 4. Mos. 3f>, 5. «Die Stämme 
Ephraim und Manasse bilden „die Söhne Josephs" (4. Mos. 
1,10 usw.) oder «das Haus Josephs" (Jos. 17,17 usw.). Wie 
auch wäre man ferner von den tatsächlich bestehenden zwei 
Stämmen zu ihrer Ableitung von einem einheitlichen Vater gelangt? 
Das ist eine noch gar nicht beachtete Schwierigkeit. 

Nämlich bei andern Stämmen Israels ist doch nur eine 
gemeinsame Mutter genannt, und dies war in polygamischen 
Ehen eine natürliche Sache. Warum hätte die dichtende Phan- 
tasie, die angeblich hier am Werke war, sich bei den Stämmen 
Ephraim und Manasse nicht damit begnügt, ihre Stammväter 
auf dieselbe Mutter zurückzuführen, wie z. B. bei den Stämmen 
Dan und Naphthali? Der Umstand, dass man bei Ephraim und 
Manasse denselben Vater nannte, kann nur dann natürlich 
gefunden werden, wenn er auf geschichtlicher Erinnerung beruht. 

Aber nicht wahr, der Gang der gemeinsamen Geschichte 
der Stämme Ephraim und Manasse ist doch wenigstens ein 
passender Schlüssel zur Erklärung der Schicksale, die Joseph 
nach der hebräischen Geschichtsschreibung erlebt hat? Die 
Antwort kann nur lauten : Nein. 

Denn wenn die spätere Geschichte die Fundgrube für die 
Erfindung von Josephs Lebensbild gewesen wlire. so würde 
erstens Rubens Holle nicht erklärlich Bein oder wann ist 
wie Kuben in bezug auf Joseph (1. Bios '31 22. '-MH>) — der 
Stamm Kuben in der Geschichte zum Schutze der Stämme 
Ephraim und Manasse aufgetreten? Wenn die spätere Geschichte 
die Farben zu Josephs Lebensbild geliefert hätte, dann hätte 
ferner auch Juda als dessen Hauptgegner gezeichnet werden 
müssen. Denn die Rivalität zwischen den s t , ; i m m e n Ephraim 
undj. luda kennt man. Schon jene gellend« Aufforderung zur 
Sezession: „Wir haben keinen Teil an .Inda usw. Auf 
au deineD Zelten, Israel!" (1, Ken. 12 l ruft jedem dieB« 



Josephs geschichtliche Wirklichkeit. 



Gegnerschaft der beiden Stämme lebhaft genug in das Gedächtnis. 
Was aber sehen wir in Josephs Lebensbild? Juda wehrt den 
Tod von Joseph ab und betont laut: „Er ist unser Bruder, unser 
Fleisch und Blut" (1. Mos. 37,26b). Auch wird Juda von 
seinem Vater an Joseph v o r a u s gesendet (46,28), weil er 
diesem wegen seines vorhergehenden Verhaltens (43, 8ff.; 44, 18 ff.) 
näher als andere von den Brüdern stand. Nein, die Geschichte 
Josephs kann nicht aus der späterenStammes- 
geschichte geschöpft sein. Dies zeigt sich auch 
noch beispielsweise an folgendem Zuge. In der Geschichte der 
Stämme sehen wir Ephraim bis zur offenen Opposition gegen 
Juda fortschreiten. In der alten Hauptstadt des Stammes Ephraim 
geschah es ja, dass die Reichsspaltung, die zu einer offenen 
Wunde am Leibe der Nation Israel geworden ist, beschlossen 
wurde (1. Kön. 12, 16). Dagegen Joseph hat sich mit seinen 
Brüdern versöhnt und ist im friedlichen Einvernehmen mit ihnen 
und ihnen Trost spendend dahingeschieden. Ja, er wollte auch 
im Tode nicht von seinen Verwandten getrennt sein. 

Also das Lebensbild Josephs ist kein Spiegelbild der Ge- 
schichte der Stämme Ephraim und Manasse. Deshalb halte ich 
an der geschichtlichen Wirklichkeit der Person Josephs fest 
und lebe der ruhigen Ueberzeugung, dass alle die Grundlagen, 
die für diese Position aufgezeigt worden sind, niemals umgestürzt 
werden können. 

Deshalb gehen mir, wenn ich an die Operationen mancher 
neueren Kritiker denke, welche Joseph aus den Blättern der 
Geschichte gestrichen zu haben meinen, zuletzt immer jene tiet- 
empfundenen Zeilen von Friedrich Rückert durch den Sinn: 
Wie Jakob, da man Josephs Kleid — Ihm brachte, 
Und sein begrabenes Herzeleid — Erwachte: 
Der Vater roch des Kleides Duft — - Da schwebte 
Der Sohn im Duft aus seiner Gruft — Und lebte. 
Er lebte wirklich, den er tot — Geglaubet. 
sei der Trost nicht meiner Not — Geraubet ! 
Nie soll der Duft „Es lebt mein Sohn" — Mir schwinden: 
Ich werd" an eines Königs Thron — Ihn linden. 



„Licht und Schatten" 



„Licht und Schatten". 

Von Prof. A. Sulzbach, Frankfurt a. M. 

Im Jeschurun Heft 9/10 v. J. veröffentlicht Rabb. Dr. 
F. Kanter eine schöne homiletische Betrachtung über die Eu- 
phemie TN' vu, die er mit dem Jomkippurlicht in Verbindung 
bringt, und über die Anschauung vom Verschwinden des mensch- 
lichen Schattens in der Nacht zum Hoschana rabbah. 

Wenn ich jetzt versuche, diese beiden Punkte, Jomkippur- 
licht und Schattenschwund wissenschaftlich zu erklären, so will 
ich mich damit durchaus nicht in Widerspruch zu Herrn 
Rabb. Kanter setzen, im Gegenteil, ich schätze eine ethische 
Wertung unserer jüdischen Gebräuche sehr hoch, weil sie 
manchen von diesen das Befremdliche nehmen und sie dem 
Gemüt und Herzen näher bringen. 

Beginnen wir mit dem Schatten. Rabbiner K. hat mit 
Recht darauf hingewiesen, dass bei den Juden der Schatten 
nicht eine so grosse Rolle spiele wie in der heidnischen Welt. 
Im Hades weilen die Schatten der Verstorbenen, lebende Menschen 
kann der Fährmann Charon nicht über den Styx bringen, denn 
für Menschenschwere ist der Nachen nicht gemacht, nur leichte 
Schatten kann er aufnehmen, darum weigert er sich anfangs, den 
Herkules überzusetzen. Der Menschenschatten ist also hier 
keine Negation des Lichts, sondern ein wirkliches Etwas, das 
dem Menschenkörper anhaftet, eine Art feinen, dem blossen 
Auge kaum siebtbaren Gewebes, das den Körper überzieht und 
»ich vom Körper beim Tode ablöst, um im Hades weiterzuleben. 
Das Judentum hat im allgemeinen mit solchen Anschauungen 
nichts zu tun, wenn auch nicht verschwiegen werden soll, dass 
die spätere jüdische Mystik von einer solchen nicht ganz frei 
ist. (Man vgl. die Bedeutung des o-Sbxn w« in Hohel. 2,17 bei 
Bachja zu IV. b. M. 14,'.'.) 

Im Judentum ist für die Anschauung eines Schattenreichs 
wie bei den Griechen kein Raum, darum ist es zu ver- 



.Licht und Schatten* 



•wundern, dass d*kc"i (Ps. 88,11) mit Schatten wiedergegeben 
6ich findet*). 

Aber ein Schatten fremdartigen Ursprungs fallt in den 
jüdischen Kreis hinein, der Schatten der Hoschana rabbah-Nacht, 
oder vielmehr der verschwundene Schatten in dieser Nacht. 

Hoschana rabbah, der Schlusstag des Sukkothfestes, da man 
Sukkah und Lulab verabschiedet, gilt seit uralten Zeiten, nicht 
erst seit den Tagen, da die Kabbalah ihren Einfluss auf das 
praktisch-jüdische Leben gewann, al9 ein Tag besonderer Weih« 
und Heiligkeit; schon der Tempelkult zeichnete ihn durch den 
siebenmaligen Umzug um den Altar als einen besonders heiligen 
Tag aus. Der Abschied von der Festeszeit, der Ernst des cv 
cen hy JTW, verlieh diesem Tage einen Abglanz des annan oi\ 
Und in der Tat hing doch davon das Wohl und Wehe, die 
Existenz der Menschheit ab. Fruchtbarkeit oder Dürre, und 
damit Sättigung oder Hungersnot, und die Folgen, Gesundheit 
oder Krankheit — alles dies hängt von dem Urteil ab, das 
heute der Weltricbter fällt, nnd das lässt diesen Tag als den 
Schlusstag all der vorhergehenden ernsten und heiteren Fest- 
tage, und als letzten pin er ganz eigentlich als Schlusstag des 
rr"c:;i dv erscheinen. Die Kabbalah brachte nun eine neue 
Note in die Anschauung von diesem Tage, sie machte die 
vorhergehende Nacht zu einer Schicksalskünderin. Wer im 
Mondschein dieser Nacht wandelt und den Schatten seines 



*) Ein typisches Beispiel für die Schwierigkeit des Uobersetzen» 
bietet dieser Vers: Fast so viele verschiedene Uebersetzungea des 
exen bezw. Erklärungen, wioj Uebersetzer und Erklärer. Ein wahr- 
haftes Rätsel bietet uns hier Aben Esra: neini 'n Miwa »a? »bo rwy. 
Sollte er sich hier eines Wortspiels bedient und das d'nst mit nm, 
heilen, in Verbindung gebracht haben? Könnte man, was aber unwahr- 
scheinlich ist, annehmen, er habe die LXX gekannt, dann hätte ihn 
diese auf eine solche Kombination bringen können, denn diese Ubersptzt 
hier und Jesaiah '26,14 das cum auffallender Weise mit taxpot, was wohl 
6chliessen lässt, dass der Uebersetzer eine feindliche Gesinnung gegen 
die Aerzte hegte, die ja auch im Talmud neben der freundlichen ihr« 
Vertreter hat. — Vgl. über die ckbi in der Bibel auch Wohlgemuth, 
die l'nsterblichkeitslehre in der Bibel S. 4 — 10. 



Xicht und Schatten". 159 



Kopfes nicht sieht, ist im Laufe des kommenden Jahres dem 
Tode verfallen. So bemerkt Nachmanides zu nSs "Ol (4. B. M. 
14,9): „ihr Schatten, nämlich, den sie werfen sollten, ist 
gewichen, ist nicht vorhanden". Der Schar jedoch führt ein 
noch viel grausigeres Bild aus, wie weiterhin bemerkt wird. 

Der Mensch möchte so oft den Schleier, mit dem Gott 
die Zukunft ihm wohltätig verhüllt hat, lüften und über sein. 
Schicksal etwas erfahren. Es iet dies nicht nur Neugierde, ea 
i;-t der Drang, in das Geheimnisvolle einzudringen. Und so 
haben gewiss viele, denen die Kunde von dem Verschwinden, 
des Schattens in der Hoschana-rabbah-Nacht erzählt wurde, das 
Kxperiment in der mondhellen Nacht an sich versucht und haben 
Schaden genommen. Die Autosuggestion sieht oft etwas, wa3 
nicht vorhanden, und manches nicht, was da ist, und so hat die 
ADgst und die Aufregung erst manchen seinen Schatten ver- 
missen lassen, wenn er sich auch in festen Umrissen gezeigt 
hat. Dass aber viele diesem unjüdischen Tun sich hingaben, ja 
über das hinausgingen, was von dieser Nacht berichtet wird, 
geht aus einem Bericht Abdarhams hervor, der von einem noch 
viel grässlicheron Gebaren der a'yax, der Heiligen im Lande, 
erzählt, die es für einen besonders frommen Akt hielten, in jener 
Nacht ein reinigendes Tauchbad zu nehmen, sich nur in ein 
Laken gehüllt ins Freie zu begeben, wo der Mond hell und 
klar schien, dann, die Hülle abgeworfen, nackt dastehend, die 
Arme erhoben, die Finger ausspreizten und nachsahen, ob nicht 
der Schatten ihres Hauptes oder eines der Glieder fehle, um 
daraus ihr eigenes Schicksal zu erkennen, oder zu erfahren, ob 
und welches ihrer Lieben ihnen im Laufe des Jahres würde 
entrissen werden. Was der Sohar ausmalt, sehen wir hier in 
die Tat umgesetzt. Da aber, so schliesst Ab. seinen Bericht, 
nun solches Tun den Menschen schädigt, soll man von solchen 
Versuchen ablassen. (S. Is.-erles Darke Moscheh zu Tur Orach 
Chajim G6-J, No. 2. In seinen Anmerkungen zum Schulchan 
Aruch schweigt er darüber. Es sei noch bemerkt, dass das 
Citat aus Ab. in unsern Tur-AuBgaben durch Druckfehler ent- 
stellt ist). 



160 „Licht uud Schatten" 



Dass Sohar und Nachmanides irgendwie den Anreiz geben 
wollten, den Schicksalsspruch durch Aufsuchen mondheller Stellen 
in der Hoscbana-rabbah-Nacht herauszufordern, davon kann gar- 
nicht die Rede sein. Die Warnungen, die die Thorah (3. B. M. 
19, 31, 5. B. AI. 18, 11. 12) mit so grossem Ernst ausspricht, nicht 
dem heidnischen Aberglauben zu huldigen, sich nicht durch ihn 
zu verunreinigen, die haben sie gewiss nicht übersehen. Die 
Meinung geht wohl dahin, dass, wenn einem unvermutet etwas 
Schauriges begegnet, man dies als eine Warnung ansehen möge, 
bei sich Umschau zu halten, ob man nicht etwa eine Sünde, 
die göttliche Strafe verursachen könnte, zu bekennen hätte und 
sich zu bessern. Denn Umkehr zum Guten und Reue schützt 
auch den grössten Sünder vor Verurteilung. Das ist jüdische 
Anschauung. 

Verlassen wir nun das Reich des düsteren Schattens, und 
wenden wir uns dem heitern und beglückenden Lichte zu. 

Das Licht als Symbol des leuchtenden und erleuchteten 
Geistes tritt uns in dem Tempellicht der Menorah entgegen; ea 
deutet uns an, dass wir unsere Geisteserleuchtung aus dem 
vom Tempel hervorflutenden Lichte der Gotteslehre gewinnen 
tollen. Strahlt ja durch die nach aussen sich verengenden 
Fenster das Licht von innen nach aussen. ?"p2£ xia cmaS '21 
— Das Licht ist aber auch ein Symbol der Seele : notn >n "ü 
cix. So können wir zusammenfassen : Licht als Seelenlicht und 
Licht als Geisteslicht. 

Wenn wir auch im Talmud keine Andeutung von einem 
Seelenlicht finden, wenn sich meines Wissens hier keine Spur 
von einem „Jabrzeitslicht" nachweisen lässt, so darf bei den 
Juden diese Sitte als eine sehr alte angenommen werden, zumal 
in ausserjüdischen Kreisen das Gedenklicht, wenn auch nicht 
für die Jahrzeit, bekannt ist. Dass das Keth. 103 a erwähnte, 
von R. Jehudah letztwillig angeordnete iDipaa piSi M,T "U nichts 
mit dem Jahrzeitlicht zu tun hat, bedarf keiner besonderen 
Erwähnung. Auch das Licht, das wir am Jomkippur anzünden, 
das als ein Seelenlicbt, nach einigen für die eigene Seele, nach 
andern als das für verstorbene Verwandte, angesehen wird, hat 



„Licht und Schatten". 161 



nichts mit der KontroTerse zu tun, ob man am Jomkippur seine 
Behausung beleuchten solle oder nicht. (Pessachim 53 b). 

Erblickt man nun in dem Jomkippurlich* das Symbol für 
die eigene Seele, die so hell und fleckenlos am heiligen Tage 
vor dem prüfenden Auge des Schöpfers dastehen möge wie das 
leuchtende reine Licht der Kerze, so ist es nicht zu verwundern, 
wenn das Verlöschen der Kerze während des Tages ein 
'.'■•drückendes und ängstliches Gefühl in dem, der sie angezündet, 
erzeugt. Verlöschen des der Erinnerung an die Seele geweihten 
brennenden Lichtes, Verlöschen des Lebenslichtes, wie nahe liegen 
diese Gedanken nebeneinander. Ist dies Aberglauben? Gewisser- 
massen ja, aber auch wiederum nicht, da solche Kombination 
in der Psyche des Menschen begründet ist, und wer könnte 
sagen, er wäre frei davon ? Auch der grösste Freidenker nicht, 
und dieser vielleicht erst recht nicht. Darum ist es keine Unter- 
stützung des Aberglaubens, wenn Isseries in seinen Anmerkungen 
(Schulchan Aruch Or. Ch. § 610) bemerkt, wenn dies eintritt, 
^olle man nach Ausgang des Feiertages das Licht wieder anzünden 
und es ausbrennen lassen und an keinem spätem Versolinungs- 
tage das Licht am Abend auslöschen. Das ist ein Mittel, die 
Störung, die im Gemüte ob des Vorfalls entstanden ist, wieder 
auszugleichen und ihm Zuversicht und Heiterkeit zu geben. 

Das nun die oft in Briefen gebrauchte Euphemie TIP vu, 
gekürzt •"), nicht den Wunsch bedeuten kann, das Jomkippur- 
licht möge ihm den Feiertag über brennend bleiben, nicht ver- 
löschen, ergibt sich schon aus dem Umstände, dass ein solcher 
Wunsch eben nur für den Jomkippurtag, also etwa in Verbindung 
mit ort, aber nicht das ganze Jahr über angängig sei, obschon 
die homiletische Anwendung in diesem Sinne recht ansprechend 
ist. Allein in Wirklichkeit: dieses '•: ist auf eine ganz eigen- 
tümliche Weise entstanden. Die ursprüngliche Euphemie, die 
unter dem Notarikon mj bekannt ist, wird gewöhnlich auf- 
gelöst als yrv. warn rr-e:, .Gott schütze und befreie ihn." 
- I'.uxtorf. Zunz, Dahlman.) Der Wunsch „befreie ihn" scheint 
mir etwas eigentümlich; ich glaube statt des "pnci hätten wir 
rrVfPl zu setzen und es wäre diese Eulogie dem Targum zu 



162 .Licht und Schatten" 



P8. 41,3. entnommen. Ist es nun gekommen, dass man die 
Auflösung des VT* nicht gekannt hat, was nebenbei gesagt, 
auch dem grössfcen Gelehrten unterlaufen kann, und man dann 
die Apostrophenzeichen für eine irrtümliche Beigabe angesehen 
hat, oder war es ein schöner und witziger Einfall, dass die Ausser- 
achtlassung der Apostrophe eine neue Eulogie schaffen könnte, 
wenn man zu dem TD, das natürlich nicht allein stehen kann, 
noch vn* hinzusetze und damit dem mr imin TS* einen Gefährten 
zuführe, das lässt sich nicht entscheiden. Wenn in diesem 
TK" TU, das sich, wie ich glaube, erst in den rnsttfn des 18. Jahr- 
hunderts findet, das ru noch apostrophiert angetroffen wird, so 
hat dies ein „ gelehrter* Setzer verschuldet. Damit wären wir 
aber an die zweite Bedeutung des Lichts im jüdischen Gedanken- 
kreise gelangt : nach dem Lebenslicht das des Geistes, 
das mW TT», das erst das Leben wert macht gelebt zu werden. 



R. Jisroel Salanter u. die Mussarbewegung. ') 

Von Rabbiner J. Welnberjj. 
III. Kowno. 
Wir wissen bereits aus den früheren Darlegungen, warum 
R. Jisroel seinen Wohnsitz von Wilna nach Kowno verlegte. 
Die Begegnung mit den Wilnaer Maskilim und der russischen 
Regierung war für ihn kein gewöhnliches Erlebnis, das bloss 
zu einem Ortswechsel führte, sondern ein höchst bedeutsames 
Ereignis, das in seinem Geist eine stürmische Erregung und 
einen Wandel seiner Gedankengänge hervorrief. Der Ueber- 
listungsversuch, mit dem die Wilnaer Maskilim ihn dahin bringen 
wollten, mit ihnen an einem Strick zu ziehen, und der Zwang, 
den die russische Regierung auf ihn ausüben wollte, um ihn zu 
einem Instrument (rrw-^bz) ihrer Absichten zu machen, gewannen 
in seinen Augen sym bolische Bedeutung: nicht ihn allein wollte 
man bezwingen sondern das ganze Judentum, das Judentum der 



') Vgl. Jeechurun VII, 595—605; VIII, 52—61. 



R. Jisroel Saianter u. die Mussarbewegiing. 



Thorah und historischen Treue ; das alte, schwache, naive Juden- 
tum wollte man niederringen durch Kraft, List und Bestechung .... 

Ueber seine grosse, machtvolle Kultur gehen sie leichten 
Sinnes und spöttisch hinweg; doch die Kiaft und den Einfluss 
seiner Führer, Jünger und Hüter wissen sie wohl zu schätzen .... 
Sie spinnen in ihrem Herzen Pläne, um in die Mauer des alten 
Judentums Bresche zu legen, und wollen die Wächter der Mauern, 
die „schweigsamen Helden", die seit Jahrtausenden auf ihrer 
Warte stehen, dazu verleiten, mit ihnen gemeinschaftlich zu 
wirken am Werk der Zerstörung .... 

In dem Anerbieten der hebräischen Maskilim au R. Jisroel, 
die Rektorwürde am Rabbinerseminar der russischen Regierung 
zu übernehmen, konnte dieser unmöglich etwas anderes als eine 
plumpe Ironie gegen das alte Judentum und versteckte Schmähung 
der Ohnmacht und Geistesschwäche seiner offiziellen Vertreter 
und Bannerträger sehen. R. Jisroel gingen nun die Augen auf, 
und er sah in voller Klarheit die ganze Gefahr und den Ernst 
des Haskalahproblems. Dieses trat jetzt in' neuer Gestalt auf 
den Plan und wirkte auf das Leben mit völlig anderen, mit 
völlig neuen Kräften ein ! Freilich, die Haskalahfrage an und 
für sich, in ihrem ungetrübten Sinn, war im jüdischen Lager 
kein Novum. Schon in der dem D'"n vorangehenden Generation 
verursachte die Ilaskalahbewegung eine Gärung in den Herzen, 
hier und dort führte sie auch zu Zusammenstössen zwischen den 
Anhängern des alten Judentums und den Sendboten der Ilaskalah. 
Aber ganz abgesehen davon, dass das gar keine Volksbewegung 
war sondern eine Sehnsucht Einzelner, die verstreut und isoliert 
in den jüdischen Städten und Flecken lebten und jeder nach 
eigenem Ermessen und auf eigene Faust für .Licht" und „Frei- 
heit* kämpfte, war das Streben wesentlich idealistisch, eia 
Ringen um Wissen und Erkenntnis (deren Erfüllung das alte 
«man irn in seinem damaligen Zustand weder gewähren konnte 
noch wollte), ein Streben, die herrschenden Begriffe zu reinigen, 
und nach g . meuerung oder, wie sich die Stilisten jener 

Zeit ausdrückten: ein Streben nach der „Himmelstochter Ilaskalah" 
(o'Dtrn na nSrtrn). Diese „Aufklärung", die in den Ländern des 



R. Jiaroel Salanter u. die Mussarbewegung 



Westens sofort einen rationalistischen Einschlag bekam (unter 
dem Einfluss der französischen Enzyklopädisten) und bald Aeusse- 
rungen des Hasses gegen die Tradition und die überliefertenLebens- 
formen an den Tag legte, trug in Litauen einen romantischen 
Charakter und fand im romantischen hebräischen Schrifttum 
jener Epoche Ausdruck (Abraham Mappu in seiner ersten Epoche, 
Mordechai Aharon Ginzburg, R. Kaiman Schulmann, jron c"";x und 
sein Sohn Michah Lebensobn). Ihr Geist und die Gesinnung 
ihrer Wegweiser •war von Liebe zum Gesetz, zu ihrer Heilig- 
keit und Schönheit, von unendlicher Zugetanheit zur Sprache der 
Propheten und Lechzen nach der Vergangenheit des Volkes 
durchglüht (jric rortN des Abraham Mappu). Damals war die 
Haskalah sowohl in ihrer Form als auch in der ihr innewohnenden 
Tendenz hebräisch. War auch diese Aufklärung in ihrem Herzen 
nicht authochton jüdisch und wurzelte selbst die Entstehung dieser 
Bewegung nicht im Boden des Judentums, entstammte sie vielmehr 
fremden Einflüssen, so hatte sie doch zweifellos viel aus dem 
Born des jüdischen Idealismus geschöpft und strebte nach innen, 
der jüdischen Gemeinschaft zu, ohne sich vor der Umwelt zu 
erniedrigen. Deshalb nehmen wir auch in Litauen keine leb- 
hafte Gegnerschaft gegen die Bewegung wahr, und keinesfalls 
war die Erbitterung so heftig wie in Deutschland oder Galizien. 
Und wenn auch in Litauen, besondere in den Kleinstädten, die 
Maskilim von den Frommen und Talmudisten befehdet wurden, 
so nahmen die Verfolgungen doch nie die hässlichen Formen 
wie in anderen Ländern an. Und in Wilna, dem „Jerusalem 
Litauens", breitete sich die Haskalah ohne Widerstand seitens 
der frommen DVU- , %a und selbst der Talmudjünger aus; ohne 
Gewalt bahnte sie sich ihren Weg. Fast gab es in Wilna über- 
haupt keinen Haskalahkampf. In Eintracht lebten dort die 
Lomdim und Maskilim, die Talmudgelehrten und die Sprach- 
forscher, die Poeten der Religion und die der Literatur. Und das 
Volk verehrte gleichermassen seine Rabbiner und Gaonim, seine 
Gelehrten und Schriftsteller. Auch letztere galten ihnen als 
c*a:n 'YoSn, als neuer Typus von o'Dsn Tübn. Und das waren 
sie in der Tat. 



K. Jiaroel Salanter n. die Muesarbewegung. 



Im Jahre 1840 aber, dem Jahre der Reformen und 
Emanzipation in Russland, änderte sich die Lage von Grund 
auf. Der Strom der Aufklärung überschwemmte das Judentum 
in Litauen und Samogetien. Die Haskalah wurde eine Volks- 
bewegung ; und die Bewegung selbst bekam einen neuen Charakter; 
sie kleidete sich in alte Gewänder aber setzte sich neue Ziele. 
Nicht die „Himmelstochter" Haskalah war sie hinfort, sondern die 
„kasjonny (staatlich, offiziell), der die Rechte, ein Leben in Be- 
quemlichkeit und Befreiung und die Regierungsämter zur Seite 
standen. Hinfort war sie nicht mehr jüdisch sondern rein 
russisch mit ausgesprochen assimilatorischer Tendenz. Und 
die Apostel der Bewegung waren fürder nicht mehr hebräische 
Schriftsteller und Poeten, die selbst noch in den Lehren der 
Thorah gross geworden, aus dem jüdischen eman fi'3 hervorge- 
gangen waren und dio jüdische Wissenschaft kannten, dem 
Volksgeist nahestanden und am Volksleben teilhatten, sondern 
die .Aufgeklärten', die .diplomierten" Gelehrten, die Doktoren, 
die Rechtsanwälte, Ingenieure, Apotheker, Zahn-, Tierärzte und 
die russisch-jüdischen Lehrer der offiziellen Schulen; ferner die 
kleinen Sterne, die aus der russischen Schule hervorgegangen, 
von der russischen Aufklärung geschnappt und sich an russischen 
Tschinowniks gerieben hatten. Diese Schar der kleinen und 
grossen Apostel unterstützte die Petersburger Regierung, indem 
sie denen, die diese Lehrhäuser beendet hatten, Erleichterungen 
in bezug auf den Heeresdienst gewährte und ihnen Aufenthalts- 
erlaubnis im Innern des Reiches gab und noch durch anderes 
mehr weniger grosses Entgegenkommen. Von der russisch-assi- 
milatorischen Haskalahperiodo wurden die reichen Juden fast 
aller grossen Städte mit. fortgerissen. Auch die Vertreter der 
hebräischen Haskalah, d. h. die hebräischen Autoren u. Dichter, 
die zu Beginn ihrer Wirksamkeit die jüdische Lehro und das 
jüdische Gesetz besungen und gefeiert und mit Empörung jeden 
zurückgewiesen hatten, der es wagte, die Reinheit ihrer idealen 
Gesinnung nur im geringsten zu verdächtigen, die dahin zielte. 
Thorah und Wissenschaft, Glauben mit Wissen zu versöhnen, 
belbst sie wurden von jener Strömung mitgerissen. Und alle, 



R. Jisroel Salauter u die Mussarbewegong. 



die zur Gefolgschaft der hebräischen Maskilim gehört hatten, 
gingen zum Lager der russischen über. Sie liessen sich beirren, 
konnten nicht mehr zwischen der hebräischen Haskalah und dem 
ihm eigenen Ideal und der Haskalah, mit der die fremde Re- 
gierung und ihre jüdischen Helfershelfer ihr Volk beglücken 
■wollten, unterscheiden. Die Verblendung und seelische Ver- 
wirrtheit war bei den hebraislischeu Maskilim allgemein ; fast 
alle verliessen die Fahne. Blieben in Treue nur Männer des 
Beth-Hamidrasch und Vertreter der Thorah übrig. Der Blick 
der Rabbiner und ihrer talmudbeflissenen DYO "bva, dieser „fin- 
steren Batlanim", allein blieb klar. In ihren Kreisen erkannte 
man erst die Grosse der Gefahr, die dem Bestand des Juden- 
tums von Seiten dieses prahlerischen „Karrierismus* drohte, der 
sich selbst Haskalah nannte. Und die schlichte Masse mit dem 
gesunden Instiukt, dieser treuer Hüter des väterlichen Erbes, 
stand auf Seiten der Rabbiner und Talmudisten, weil jene deren 
ethische Grösse und Reinheit und Treue gegenüber dem natio- 
nalen Besitz erkannten. In ihrer dialektischen Gewandtheit 
klärten die Maskilim das Volk über die schönen Gaben auf, 
die sie ihm brachten, und gaben ihnen klingende Namen : Leben, 
Freiheit, Licht. Und die Rabbanim — nur grosse und furcht- 
bare Seufzer kamen aus ihrem Herzen: Brüder, unser Judentum 
ist in Gefahr! Da entbrannte der Kampf gegen die Haskalah 
in ihrer zwiefachen Gestalt: der hebräischen und russischen. 
Die hebräischen Maskilim sanken von ihrer Höhe hinab. Ja, 
gegen letztere lichtete sich die Erbitterung in höherem Grade, 
weil sie treulos gegen den geheiligten Volksgeist gehandelt und 
in täuschender Absicht das Zauberwort „Haskalah" sich 
zu eigen gemacht hatten. Der Hass, der den hebräischen 
Maskilim. die ihre Kurzsichtigkeit bei eits durch ihre 
Mesalliance mit den russisch gesinnten bewiesen hatten, 
von den Rabbinern und dem Volk entgegengebracht 
wurde, brachte sie vollends zur Verwirrung. Statt in diesem 
Hass den Ausdruck „heiliger Entrüstung" seitens der Treu- 
gebliebenen des Volkes zu erkennen, die bereit waren, auf das 
ihnen statt des nationalen Besitzes verheissene Glück zu verzichten 



R. Jisroel Salanter u. die Massarbewegong. 



(und wahrlich: die geschichtliche Entwicklung rechtfertigte nur 
zu sehr den gesunden Sinn der Entrüsteten !), brandmarkte man 
öffentlich die Gemeinschaft der Geseizestreueu als unkultivierte, 
lichtscheue Schar und verbreitete vor der Welt über sie An- 
schauungen wie: alles Helle und Lichte ist ihnen verhasst. 
Diese Fehde gegen das gesetzestreue Judentum eröffneten der 
Dichter Abraham Mappu aus Kowno (in der letzten t'eriode 
seiner Wirksamkeit pro B-y) und in der ihm folgenden Generation 
Jehudah Leib Gordon und Moscheli Leib Lilienblum (in seiner 
ersten Epoche: c"n>; m«an, bevor er also Busse tat und p*x aain 
■wurde). Die Maskilim begnügten sich nicht mit rein literarischem 
Kampf. Sie erkannten, dasa die russische Regierung innen wohl- 
gesinnt war, und so verleumdeten sie bei ihr die Rabbiner als 
die eigentlichen Widersacher der Volksaufklärung. Die Rabbiner 
als die Säulen des Gesetzen wollten, so sagten Bie, das gläubige 
Volk in Unwissenheit und Finsternis erbalten, und daher müsse 
man vor allem ein Geschlecht neuer Rabbiner heranbilden, die 
das Volk den Weg der russischen Aufklärung zu führen ver- 
möchten. Solche Reden fanden Gehör bei der Regierung. 
Damals wurden Rabbinerseminare zunächst in Sitomir, später 
in Wilna errichtet. Die hebräischen Maskilim wurden als Lehrer 
der judaistischen Fächer (Zweifel und Ch. S Slonimski, der 
Gründer der rrvexri, in Sitomir, fron d*ih und andere in Wilna) 
und russische Lehrer für die profanen Fächer. Lud um das 
Projekt des Verrats und der Treulosigkeit zu krönen, erkor man 
R. Jisroel Salanter, diesen grossen Vorkämpfer, der dem 
historischen Judentum in der letzten Generation erstand, damit 
er der Haskalah den Weg zum Herzen des gläubigen Volkes 
ebne und ihnen von seiner Autorität als talmudischer Gaon 
Einfluss leihe und von seinem Glanz ihnen Licht spende, dem 
Glau/.. der dem Elhos glühender Frömmigkeit und innerer 
Heiligkeit entstammte, ß Jisroel b r, der neben hohen Idealen 
seiner emporstrebenden, Leidenschaftliehen Seele auch mit dem 
hellachauenden Auge eines Sehers der Zukunft begnadet war, 
lehnte den zynischen Antrag der Maskilim mit äusserem Anstand 
und innerem Zorn ab. Sie waren unangenehm überrascht, dass 



168 R. Jisroel Salanter u. die Massarbewegung. 

ihre List nichts nützte, um diesen Giganten einzulangen, und 
setzten eine erstaunte Miene auf: Wie? Willst Du das Licht 
Deiner Thorah denen vorenthalten, die nach ihr schmachten? 
Und man gab der russischen Regierung einen Wink. . . . 

Da sah R. Jisroel für sich keinen anderen Ausweg als die 
Flucht, die Flucht aus Wilna mit seinen Maskilim nach Kowno. 
Doch war das keine Fahnenflucht, keine Preisgabe des Schlacht- 
feldes. Vielmehr war es eine Vorbereitung zum Kampf, zum 
grossen Geisteskampf gegen die Aufklärung leichtfertiger Fälscher. 
In Kowno gedachte er seine Getreuen zu sammeln, sie aus- 
zurüsten und zu diesem Kampf wehrhaft zu machen, zur FlörtSa 
ffiJTB für das wahrhafte, vollkommene, ursprüngliche — das 
einzige Judentum — das Judentum der Geschichte. 
(Fortsetzung folgt). 



Monismus oder Dualismus? 

Eine Begriffsklärung im Gebiet des Philosophischen und 

der Religion. 

Von Dr. Oskar Wolfsberg Berlin. 

Einleitung. 
In dieser Abhandlung soll der Versuch gewagt werden, 
eine der bedeutsamsten Fragen der Philosophie, die unmittelbar 
zu Weltanschauungsfragen hinüberleitet, vor einem grösseren 
Kreis zu erörtern. — Um nicht missverstanden zu werden, soll 
gleich bemerkt werden, was diese Zeilen nicht wollen. Nicht 
soll hier der Monismus kritisch ge wertet weiden, der als moni- 
stische Bewegung durch den Monisteobund propagiert wird. Denn 
es st6ht hier weder die kulturhistorische oder die psychologische 
Seite des Problems zur Debatte, so interessant sie ist, noch kann 
die im Monistenbund vertretene Lehre als echt monistisch bezeichnet 
werden. Aus unseren späteren Bemerkungen wird hervorgehen, 
dass das geistige Problem ganz anders geartet ist und der offi- 
zielle Monismus bestenfalls als ,s um m e nh a f t e r", meist 
materialistischer bezeichnet zu werden verdient, (nur 



Monismus oder Dualismus? 



wenige, wie z. B. Wilhelm Ost Wald, lehren einen ener- 
getischen oder, gleich V e r w o r n , einen ,P s y c h o" monismus). 
Um noch mit einem Wort des Monistenbundes zu gedenken, sei 
gesagt, dass er seinen Höhepunkt, den der Hamburger Monisten- 
kongress bezeichnet, längst überschritten hat. Auch damals sass 
schon eine höchst heterogene Gesellschaft beieinander. Otto 
Ernst war doch neben Svante Arrhenius eine ziemlich massige 
Figur. Und nicht minder bunt waren die Darbietungen. Ar- 
rhenius und Jacques L o e b trugen höchst eindrucksvoll aus 
ihren Forschungsgebieten, der Astrophysik bezw. Biologie, vor 
(doch war gerade das nichts für den Monismus Bezeichnendes). 
Hingegen war Ostwalds Programmrede „die Wissenschaft* 
eine höchst mittelmässige, oft' flache Kundgebung, die man dem 
klugen Mann gar nicht zutraute. — Neuerdings hat wiederum 
die Berliner Ortsgruppe des Monistenbundes Aufsehen erregt, 
weil sie von ihren Mitgliedern binnen 2 Jahren den Austritt 
aus jeglicher Kirche fordert. Dieses wenig tragische Ereignis 
nimmt Lewkowitz in der Monatsschrift „Ost und West" 
(dieser Jahrgang, S. 1 — 6) zum Ausgang einer Betrachtung über 
das Verhältnis von Judentum und Monismus. Ich hoffe, dass 
mein Beitrag mehr Material zu dem Problem beibringen wird 
als die dort in ziemlicher Allgemeinheit ausgesprochenen Ideen. 
Die wertvollsten Anregungen und leitenden Gedanken für 
diese Arbeit verdanke ich Hans D r i e s c h s grundlegenden 
Schriften. An den verschiedensten Stellen seiner philosophischen 
Werke linden sich Aeusserungen über Monismus und Dualismus; 
ich nenne insor: ue .Ordnungslehre" 1 ), die Wirklich- 

keitslehre ) (metaphysisches Hauptwerk; in diesem tiefschürfen- 
den Buch linden sich die wichtigsten Erörterungen!, endlich auch 
.Wissen und Denken"'). Von kürzeren Aufsätzen, die das 
Thema streifen, wie ..Zur Lehre von der Induktion" 1 ) sehe ich 



') Jena, Diedericha L911. 

•'i Leiii/.itf, Reinicke iy 1 7 . 

: , Leipzig, Reinicke 1919. 

4 ) sitz. Bit. d. Heidelb, Akad. d. Wissensch, pbil.-biBtor. Klasse 

Winter 1915. 



170 Monismus oder Dualismus? 

ab und beschränke mich darauf, im folgenden auf die Haupt- 
werke zu verweisen. 

Es liegt in dem UntersuchuDgsgegenstand begründet, dass 
er schwer darzustellen ist und vom Leser intensive Mitarbeit 
bei der Lektüre verlangt. ' 

In dem grösseren Hauptteil werde ich einen Ueberblick 
über den Stand des Problems in der Wissenschaft geben, um 
in einem kleineren anschliessenden eine vorläufige Erör- 
terung anzuknüpfen, welche Bedeutung innerhalb der jüdischen 
Religionslehre dieser Alternative zukommen mag. 

1. 

Ich muss, da ich dfe Bekanntschaft mit den einschlä- 
gigen Problemen nicht allgemein voraussetzen darf, weit aus- 
holen und mit dem Ausgangspunkt aller strengen Philosophie 
anheben. — Die Urtatsache der Philosophie ist der selbstbe- 
sinnliche Tatbestand: ich habe bewusste Erfahrung oder auch: 
ich weiss, um mein Wissen wissend, Etwas. Dieser Satz ist 
eigentlich unauflösbar. Eist später lasse ich die unmittelbaren 
Gegenstände, das „Etwas", zu gleichsam selbständigen werden 
- und untereinander zu gleichsam selbständigen Reichen ver- 
knüpft sein, leb schaue nur wesentlich zwei Reiche: Natur und 
Seele und habe iu jedem nach besonderen Ordnungsbegriffen eine 
Reihe geordneter, erledigter Erfahrungen. — Nun könnte ich 
mir vorstellen, dass die Urtatsache der Philosophie schon alle 
Mannigfaltigkeit der Erfahrung in sich einschlösse, und somit 
dem Vorwissen um Ordnung überhaupt entsprechend auch 
ein Vorwunsch erfüllt wäre, der die eine Ordnung heischt. 
Dem ist nicht so, und daher ist die eine grosse Ordnung, das 
ordnungsmonistische Ideal, nicht erfüllbar. Es gibt also keinen 
absoluten Rationalismus. 

Da wir aber an der Schwelle philosophischen Denket 
Unmöglichkeit einsehen, alles aphoristisch zu ordnen und zu 
erledigen, da die ersten Erfahrungen uns die Ichfremdheit des 
Etwas lehren, sagen wir uns von allen Bestrebungen los. die 
uns und unser Ordnungsgeschäft vorzeitig und unnütz binden. 



Munismus oder Dualismus? 



Das ist sowohl eine Absage an den Ontologismus (etwa 
spinozistischer Prägung), der von einer höchst vollkommen 
gedachten Setzung (etwa Substanz): cuius essentia involvit exi- 
stentiani (deren gedankl. Wesen das Sein verbürgt) ausgeht und 
dann alles aus diesem letzten Werdegrund ableitet (scheinbar 
mathematisch: more geometrico), als auch eine Absage an die 
materialistischen Systeme, für welche Demokrits Lehre klassisch 
bleibt. Gerade die letzteren müssen gegenwärtig energischer 
als der Ontologismus zurückgewiesen werden, weil sie den 
Dogmatismus unserer Zeit ausmachen Demokrit hat sich um 
die Wissenschaft eiu unvergängliches Verdienst durch die 
Durchführung des allgemeinen Kausalitätsprinzips erworben, aber 
mit dieser Festellung ist das Problem nicht erschöpft. Ge-etz- 
mässigkeit und wissenschaftliches Denken werden nicht in Abrede 
gestellt, durch die Einführung etwa der Kategorie Zweckmässigkeit. 
Und ebenso muss nicht alle Erfahrung restlos räumlich fass- 
bar sein, wie auch nicht alles Werden nur an Atembewegung 
geknüpft sein muss. Mit anderen Worten: da die kompliziertere 
Auffassung des Erfahrbaren, die Teilung in Naturlehre und 
Psychologie, ebensowenig den letzten Logischen Grundsätzen, 
nämlich den Sätzen a = a und a ist nicht nicht - a, widerspricht 
wie die du che Denkweise, bo kann nur die Kr fahrung 

selbst darüber entscheiden, welche der Möglichkeiten nun natur - 
bezw. seelenwirklich sind. Sich vor aller Sonderwissenschaft 
auf Mechanismus festzulegen, wäre töricht, da möglicherweise 
unsc: Binsicht zur Revision führen würde. Auch ist 

im Materialismus eine Auffassung der Kausalität, die durchaus 
nicht die einzig Denkbare ist: es ist das Ursache-Wirkungs- 
rerhältnis von einem Naturding auf das andere, während die 
ii auf den Teil wirkt, nicht in Be- 
wird. Auch muss betonl werden, dass Denker 
Trie 1> lliiii.-- das Kausalrerhältnie lediglich als „< 
frono experience' bezeichnen. Mit all dem boII natürlich das 
Voii 1 ssetzes nicht geleugnet 

-■'II es daran erinnern, dass das in den exakten 
aften mit' grossem Erfolg geübte Denkverfahren 



Monismus oder Dualismus: 



denn doch nicht die einzige zwangläufige Denkniethode ist. 
Auch ist durchaus unerwiesen, dass das Naturgeschehen von 
Ewigkeit her „ist" (auch dieser Gedanke, der ja für die Auf- 
fassung der theistischen, also auch jüdischen. Lehre von hoher 
Bedeutung ist — vgl. Maimonides — findet sich bei Driesch). 

Ganz kurz definieren wir nach Driesch die Begriffe not- 
wendig und zufällig; notwendig ist, was mitgesetzt ist, 
also im Logischen die Setzung a b durch die Setzung a b c, d. h. die 
inhaltärmere wird durch die inhaltreichere mitgesetzt. Zufällig aber 
ist Dasein und Werden, welches sich nicht irgend einer Ganzheit 
einreihen lässt. 5 ) Dabei ist unter Ganzheit nicht lediglich eine 
Summe von Teilen, die untereinander Beziehungen aufweisen, 
verstanden, sondern die Beziehung der Teile selbst ist von der 
Gesamtheit bestimmt. Im Ganzen ist vom Ganzen her dem 
Teil der Platz eindeutig angewiesen. 

Nachdem wir oben die Unmöglichkeit eines am Anfang allen 
Erlebens stehenden allgemeinen ordnungsmonistischen Ideals er- 
kannt haben, wäre noch die Möglichkeit eines Naturordnungsmonis- 
mus vorhanden. Es könnte ja sein, dass mit dem Begriff Natur 
nun alles Besondere in ihr restlos in Ordnung geschaut werden 
würde. Aber auch das trifft nicht zu. Die Setzung Natur setzt nicht 
alle Sondererlebnisse im Rahmen Natur mit. Und nur das hiesse 
Monismus in der Natur im strengen Sinn._ Die grosse Bedeutung, 
die der Induktion im Rahmen der Naturwissenschaft zukommt, der 
Induktion, die vom Fall zur Klasse, von Löwe und Wolf zum 
„Raubtier" schreitet, beweist am besten, wie weit die Natur- 
lehre vom monistischen Ideal entfernt ist. — Nur auf zwei 
kleinen Sondergebieten gibt es echtes Mitgesetztsein des Besonderen 
durch Allgemeines: in der analytischen Geometrie gibt uns die 
Gleichung der Kegelschnitte zugleich alle Spezialfälle, nämlich 
Parabel, Ellipse, Hyperbel etc., an. Und in der klassischen 

s ) In meinem Aufsatz .,Erschaffuug, Entstehung, Entwicklung, 
.lesehuruu V. S. 181 habe ich Zufall nach K. E. von Baer deliniert als 
ein „Geschehen, welches mit einem anderen zusammentrifft, mit dem 
es nicht in ursächlichem Zusammenhang steht". Ich bevorzuge die 
nach Driescb gegebene als die weitergehende. 



Monismus oder Dualismus? 



Mechanik lassen sieb aus dem Newtonschen Gravitationsgesetz Kep- 
lers Gesetze „folgern". So müsste alle Naturerfahrung beschaffen 
sein, wollte man mit Recht einem Monismus in der Natur 
huldigen. Aber die vielen „Etwas" fugen sich diesem Wunsch 
nicht. Statt der einen Ordnung gibt es nur viele einzelne 
. irdnungszeichen. Tier, Jugend, blau und i \ ~ 3 werden von 
keiner allgemeinen Setzung in der Weise mitgesetzt, dass sie 
aus dieser, in ihr unentwickelt enthalten, entwickelbar wären. 

Geben wir nun das Erfuhrbare durch, so schauen wir, 
dass Ganzheit und Zufall nebeneinander vorhanden sind. Ganz- 
heitszeichen sind freilich auch im Zufälligen. So ist die Fassung 
des Werdens in Gesetze, die Ordenbarkeit, Anzeichen von Ganz- 
heit; aber es sind doch im Anorganischen nur Spuren von Ganz- 
heit, das Anorganische selbst ist Zufallsreich. So sehr sich auch 
die Neukantianer bemühen, auf den Mechanismus den Ganzheits- 
begriff anzuwenden, indem sie die Vereinbarkeit von Mechanismus 
mit allgemeiner Zweckmässigkeit lehren, 6 ) so lässt sich das nicht 
durchführen, danach den „Principia" Newtons die Gesetzmässigkeit 
des Anorganischen so aufzufassen ist, dass da ein Gefüge sich be- 
wegender Dinge ist, die sich nach Massgabe einer geringen Zahl 
von Gesetzen sozusagen jedes für sich verhalten (s. hierzu Driesch, 
die Wirklichkeitslehre S. 251). Diese Unabhängigkeit der Dinge 
von einander aber ist ganzheitBwidrig. 

Im Biologischen ist die Entwicklung als Werdeablauf 
(Ontogenie) echte Ganzheit, weil hier eine Reihe von Werdever- 
knüpfungen vorliegt, welche von vornherein zu einem Ziele 
strebt, das zu erreichen die bestimmende Tendenz ist, und dessen 
Erfüllung durch eine Reihe regulativer Prozesse: Regeneration, 
Restitution etc. gewährleistet wird. Diese bestimmte Werdeform, 
die Einheiis- bezw. Ganzheitswcrdcverknüpfung heisst, fügt sich 
nicht rein räumlich-zeitlichem Rahmen ein, wie denn ja die 
Prozesse der Regulation, der Wiederbildung des Ausgangspunktes 

6 ) B. hierzu Drieschs Arbeit: Ueber die grundsätzliche Unverein- 
barkeit von Mechanismus u. universeller Teleologie (Sitz. B Heid. Ak. 
iL Wiss. 1914). 



Monismus oder Dualismus? 



der Entwicklung, der Bildung von Keimzellen, auch nicht mecha- 
nistisch zu deuten sind. Doch ist hier nicht der Platz, die vita- 
listische Frage zu erörtern 7 ). Genug, dass wir wissen, dass 
organisches Geschehen als echte ganzheitliche Entwicklung ein 
unräumliches Prinzip, von Driesch Entelechie genannt, zum 
Werdegrund hat. Es wirkt in den Raum hinein, nicht i m 
Raum. Doch da das Werden hier der Materie aufgeprägt ist, 
verknüpft sich hier Ganzheit mit Zufall. 

Aehnlich liegen die Dinge in der Ethik. Zwar ist Ent- 
wicklung in der Ethik kein häufig wiederkehrendes Werden wie 
in der Biologie. So wäre denn, wenn anders Ethik ganzheit- 
liches Werden ist, die Entwicklung noch nicht abgeschlossen, 
daher ist das Ziel nicht gewiss und die Ganzheit nur hypothetisch. 
Jedenfalls ist die Annahme einer Uberpersönlichen Ganzheit die 
sinnvollste Ausdeutung meines sittlichen Bewusstseins. Reue 
und sittliche Befriedigung würden am meisten ordnen, wenn sie 
mir über meine Rolle in der Gesellschaft, über erfüllte oder 
verfehlte Leistung im Ganzen unmittelbar Kunde gäben. Frei- 
lich ist auch hier keine restlose Ganzheit, weil das Böse die 
Entwicklung hemmend beeinflusst. 

Schwieriger ist die Sachlage in der Geschichte: hier 
ist sehr viel Unganzheitliches, das man Kumulation genannt hat. 
Doch sind, ähnlich wie die Konstanten in der Naturwissenschaft, 
Ganzheitszüge vorhanden: Gesetze in der Geschichte, wie sie 
Lamprecht aufgestellt hat. Ferner sind das sittliche Bewusstsein, 
die Harmonie der menschlichen Berufe und endlich die Heterogonie 
der Zwecke (Wundt), die Tatsache, dass oft eine Handlung nicht 
beabsichtigte zweckmässige Folgen hat, einer Ganzheit Anzeichen 
(s. Driesch, Wirkl. L ). Doch ist die Geschichte als wesent- 
liches Ganzheitsgeschehen, jedenfalls soweit es sich um Mensch- 
heitsgeschichte handelt, durch Erfahrung nicht erweisbar. — Eine 
echte Entwicklung scheint freilich Wissensgeschichte v zu sein. 



7 ) Ausführlich in Driesch: Vitalismus als Geschichte und Lehre, 
Leipz. 1905 u. Philosophie des Organischen, Leipzig 1909 2 Bd. u. a. 
Schriften. 



Monismus oder Dualismus? 175 

Aber hier stellt sich der Zufall wieder in Gestalt des Irrtums 
entgegen. 

Wenn anders Metaphysik möglich sein soll, muss sie 
so geartet sein, dass sie Erfahrung mitsetzt. Da heute nur der 
Weg der Induktion in Frage kommt, müssen wir zur Lehre vom 
Wirklichen von der Erfahrung her gelangen, indem wir das 
Wirkliche den zureichenden Grund de9 Erfahrbaren sein lassen. 
Es muss besonders hervorgehoben werden, dass die Erkenntnis 
des Wirklichen von der Erfahrung her auf dem Weg von der 
Folge zum Grund geschieht. Da a b sowohl von a b c d wie 
von a b o p mitgesetzt wird, können immer nur Möglichkeiten, 
freilich von verschiedenem Wahrscheinlichkeitsgrad, nicht aber 
absolute Gewissheit ermittelt werden. Das so zu ermittelnde 
Wirkliche wird nicht in seinem ganzen Reichtum an bestehenden 
Kennzeichen erkannt; es müssen vielmehr alle Züge (vielleicht 
die wesentlichsten) unerkennbar bleiben, die sich dem habenden 
Ich nicht in wissbarer Form mitteilen. Da nun das Ergebnis 
der Erfahrung nicht Ordnungsmonismus oder die eine Natur- 
ordnung ist, sondern ein Dualismus von Zufall und Ganzheit, 
so muss auch die Metaphysik diesem Zwiespalt Wirklichkeits- 
bedeutung geben. 

Wollten wir ungeachtet aller Erfahrung metaphysisch nur 
die „eine Ordnung" gelten lassen, so würde die Wirklich- 
keitslehre gerade das nicht leisten, was innerhalb strenger Philo- 
sophie ihre grundlegende Bedeutung ausmachen soll : die Mit- 
setzung, also den Einschluss der Erfahrung. Doshalb gibt es, 
wenn man daran festhält, im Wirklichen einen Grund der Er- 
fahrung zu sehen, nur das : entweder echten Dualismus, also 
auch im Wirklichen den Zwiespalt: Ganzheit und Zufall bezw. 
das, was diese für Erfahrunghaftes geprägten Begriffe im Ab- 
soluten bedeuten mögen, oder wir können von einem Monismus 
sprechen, der sich mit der Vermutung einer Beschränktheit des 
Einzelichs paart. Diese Einschränkung will begründen, weshalb 
ein metaphysisch möglicher Monismus kein Korrelat in der 
Natur- hezw. Seelenwirklichkeit bat. Das Einzelich, das die 
„Etwas" bat. vermag nur teilweise Ganzheit zu schauen. Aber 



Monismus oder Dualismus? 



auch in dieser eingeschränkten Form ist der Monismus kaum 
zu halten. Denn folgendes erschüttert doch die Möglichkeit 
jeglichen Monismus: der Zufall wird nicht als mangelnde 
Ganzheit sondern als Gegenganzheit erfahren. Das Leiden ist 
nicht lediglich eine Lücke in der Vollkommenheit, Irrtum nicht 
nur fehlende, noch nicht erworbene Kenntnis, Böses mehr als 
Ausbleiben des Guten. Es sind konträre Gegensätze, die Ant- 
agonisten der Ganzheit. Und diese Gegensätzepaare schauen wir 
nicht als Bestandteile unseres Habens, sondern als den Dingen 
zugehörig (s. Driesch). — Ordnungsmonismus hiesse die höchste 
Setzung, die das Allgemeine und Ganze, zusammengefasst 
,das Eine", wäre. Allgemein bedeutet wie in der Mathematik 
bei der Lehre von den Kegelschnitten: unentwickelt ent- 
wickelbar; ganz heisst : jeder Einzelheit die bestimmte Ord- 
nungsstelle anweisen. Zu solcher Setzung ermächtigt uns aber 
die Erfahrung nicht. 

Will jemand im Wirklichen unbedingt an der Idee des 
Monismus festhalten, so lässt sich das nicht verhindern; doch 
würde er so gefasst sein, dass er in der Erfahrung nicht zum 
Ausdruck käme. Es wäre dann Monismus ausgesprochen eine 
Anschauung, die nicht der Welt sondern demjenigen des Wirk- 
lichen, das als Nicht- Welt 8 ) bezeichnet werden kann, zukommt. 
Aber das wäre ein ganz leerer Monismus, der nur ein Dasein, 
nicht aber das Sosein des Monismus vermuten lässt, eine Lehre 
ohne irgend welche charakteristischen Merkmale. 

Dualismus anerkennen aber bedeutet Tatsächlichkeit in 
Wesentliches und Unwesentliches sondern, eine Diskrepanz von 
Essentia (Wesen) und Existentia (Sein). Und so ist es ganz gewiss 
erlaubt zu sagen (s. Driesch : Wirklichkeitslehre, S. 284), dass 
das Wirkliche so geartet ist, dass Ich die dualistische Grund- 

8 ) d. h. der Teil des Wirklichen, der in der Erfahrung gänzlich 
ohne Spuren ist und auch nicht aus der Erfahrung als Theorie abge 
leitet werden kann, also was weder Natur noch Ethik usw. ist. Diesem 
Gebiet gehört an, was „vor" allar 'Weltschöpfung, was ev. „neben" der 
Welt und „nach" der Welt war oder ist; auch die hypothetische Un- 
sterblichkeit des Individuums ist hierher zu rechnen. 



Bedenkliche Erscheinungen. 



läge von Ganzheit und Zufall für die Gesamtheit meiner auf 
das ganze Ich erlebe Etwas gerichteten Erfahrung setzen kann. 
Wenn wir also Metaphysik treiben, indem wir in erster 
Linie damit Erfahrung begründen wollen, bleibt Dualismus die 
am meisten angepasste Lehre. — Was das nun mit Rücksicht 
auf das Wirkliche bedeutet, dass da Dualismus zu Recht besteht, 
und dass ich am Dualismus leide, das führt in die Metaphysik 
höherer Stufe, deren Probleme durchaus den erhabensten der 
Religion ähneln. Ueber diese Seite unseres Themas soll ein 
folgender Aufsatz handeln. 



Bedenkliche Erscheinungen. 

Von Rabbiner Dr. Isak Unna, Mannheim. 

Nur allmählich kommen wir zur Erkenntnis der verheerenden 
Folgen, die der Krieg und seine Begleiterscheinungen auf allen 
Gebieten gezeitigt haben. Und tiefgreifender noch als seine 
äusseren Wirkungen sind die Zerstörungen, die er in geistiger 
und moralischer Hinsicht verursacht hat. Die Not der Wissen- 
schaft und der geistigen Arbeiter bildet heute schon eine stän- 
dige Rubrik in den Tageszeitungen. Die ungenügende Besoldung 
der Angestellten uud Beamten drückt ihre Lebenshaltung herab, 
und es kann nicht ausbleiben, dass sich infolgedessen die geistig 
Hervorragenden mehr und mehr von rein wissenschaftlicher Be- 
tätigung zurückziehen uud eich lohnenderen Berufen zuwenden. 

Das Judentum hat an allen diesen Kriegsfolgen seinen 
vollen Anteil. Die äusseren Zerstörungen, die der Krieg mit 
^-ich brachte, sind in den von Juden bewohnten Landern am 
schwersten gewesen, und sie haben für unsere Gemeinschaft 
geradezu katastrophale Wirkungen gehabt. Dazu kamen die 
furchtbaren Verfolgungen und Pogrome, die, ebenfalls eine Folge 
der Kriegswirren, der andauernden Unsicherheit und des wieder- 
holten Wechsel« der Regierungsgewalt, für einen Teil der öst- 
lichen Länder Zustände herbeigeführt haben, die an Entsetzlich- 
keit die schlimmsten Perioden des Mittelalters noch übertreffen. 



Bedenkliche Erscheinungen. 



Auf geistigem Gebiet aber ist die Zerstörung der Mittelpunkte- 
des Thorastudiums, der Jeschiwotb, ein u nenn esslich er Schaden. 

Die Wirkungen des Krieges zeigen sich aber auch in den 
Ländern, die nicht unmittelbar von der Kriegsfurie heimgesucht 
•worden sind. Die Umwälzung aller Lebensverhältnisse hat die 
jüdischen Gemeinden vor ungeheure Aufgaben gestellt. Die 
Gehälter der Beamten müssen, wenn sie auch nur das Existenz- 
minimum erreichen sollen, um ein Vielfaches erhöht werden, 
und nicht überall ist das Verständnis für diese Notwendigkeit 
vorhanden. Die Sicherung dieses Minimums aber ist eine 
Existenzfrage nicht bloss für die einzelnen Beamten, für die 
Kabbiner, Lehrer, Schochtim, Vorbeter, sondern für das Juden- 
tum als Religionsgemeinschaft. Denn wenn es nicht gelingt, 
bei den massgebenden Faktoren überall das Verständnis hiefür 
zu wecken, so wird in absehbarer Zeit der Zustand eintreten, 
den die mangelhafte Frequenz der Bildungsanstalten für jüdische 
Beamte schon jetzt gefahrdrohend ankündigt : der Bedarf der 
Gemeinden an religiösen Funktionären wird nicht mehr gedeckt 
werden können, weil nur verschwindend wenige aus Idealismus 
einen Beruf ergreifen werden, der ihnen nicht einmal das Existenz- 
minimum sichert. Was dies aber für die religiöse Entwicklung 
zu bedeuten hat, ist ohne weiteres klar. 

Eine Begleiterscheinung dieser Zustände aber scheint mir 
ganz besonders bedenklich zu sein, weil sie einen weiteren 
Schritt in der Richtung einer Entwicklung bedeutet, die unseren 
Alten von jeher beklagenswert erschien; und deshalb möchte 
ich diese Erscheinung an dieser Stelle besonders hervorheben. 
Auch in anderen Kreisen hat man sich nur schwer und ungern 
dazu entschlossen, bei dem Kampfe um die Besserstellung der 
Angehörigen der freien Berufe gewerkschaftliche Sitten und 
Gewohnheiten zur Anwendung zu bringen. So hat man es bei 
den Aerzten vielfach als eine Schädigung der Würde und dea- 
Ansehens des ärztlichen Standes empfunden, dass zur Erzielung 
wirtschaftlicher Vorteile das gewerkschaftliche Druckmittel des 
Streiks gebraucht wurde, und nur die tatsächlich vorhandene 
Not und die Rücksichtslosigkeit, mit der häufig der Kampf von 



Bcdonkliche Erscheinungen. 179 

der arideren Seite geführt wurde, Hess dieses Mittel als gerecht- 
fertigt erscheinen. Es ist klar, dass diese Schädigung der 
Würde eine noch viel grössere sein muss, wenn ein solches 
Mittel von jüdischen Funktionären angewandt wird. Denn sie 
sind die Vertreter der höchsten geistigen Interessen, die Ehre 
des Judentums, die Ehre der Thora ist ihrem Schutze anvertraut. 
Man muss sich aber die Entwicklung innerhalb des Juden- 
tums vorstellen, um zu ermessen, was die Anwendung solcher 
Mittel auf diesem Gebiete bedeutet. Der Unterricht in der 
Thora war ursprünglich allgemein unentgeltlich. Au das von 
Mose gesprochene Wort: „Siehe, ich lehre euch Gesetze und 
Rechte" (5. B. M. 4,5) knüpft der Talmud die Bemerkung : na 
nnz dp« P|X cjm *:s „Wie ich, so sollt auch ihr es ohne Ent- 
gelt tun." Man wusste infolgedessen zur Zeit des Talmud und 
weit darüber hinaus nichts von einem besoldeten Lehramt. Die 
grossen Lehrer Israels waren in den verschiedensten Berufs- 
arten tätig und zogen daraus ihren Lebensunterhalt; ihre Lehr- 
tätigkeit aber übten sie vollkommen uneigennützig aus rein 
idealistischen Motiven aus. Erst die Not der Zeit liess hierin 
eine Aenderung eintreten. Unter dem Zwang dor Verhältnisse 
musste man sich entscbliessen, ein besoldetes Lehramt zu schaffen, 
aber der Kampf dagegen währte noch geraume Zeit hindurch, 
und besonders Maimonides wendet sich in scharfen Worten gegen 
diejenigen, die die Thora „zu einem Spaten machen, um damit 
zu graben." Er weist auf die Lehrer des Talmud hin, die sich 
nicht scheuten, die geringste Arbeit zu verrichten, sich aber nicht 
gestatteten, Geld vom Volko anzunehmen, weil sie dies für eine 
Entweihung des Gottesnamens gegenüber der Menge hielten ; denn 
diese musste dadurch zu der Meinung kommen, dass die Lehr- 
tätigkeit auch eine Arbeit wie jede andere sei, durch die man 
seinen Lebensunterhalt erwarte, was notwendig ihr Ansehen 
untergraben müsse. (Maimon. zu Aboth IV, 7.). Indessen blieb 
auch da, wo man sich notgedrungen über solche Bedenken hin- 
wegsetzte, das Bewusst8ein bestehen, dass die Besoldung des 
Lehramts gewissermassen nicht eine Bezahlung der Lehrtätig- 
keit an sich bedeuten, dass sie vielmehr dem Inhaber nur die 



180 Bedenkliche Erscheinungen. 

Möglichkeit bieten sollte, diese Tätigkeit auszuüben. Und eigent- 
lich sollte ja diese Auffassung selbstverständlich sein. Der Wert 
der Tätigkeit, das Wort Gottes zu lehren, in der Jugend Be- 
geisterung für die höchsten Ideale zu wecken, lässt sich nicht 
in Geld ausdrücken; hier handelt es sich um Dinge, die mit 
materiellen Gütern überhaupt nicht in Parallele gestellt werden 
können. Deshalb war es auch von jeher Voraussetzung, dass 
diejenigen Lehrer der Thora, die es mit ihrem Beruf ernst 
nahmen, nur das zum Leben Notwendige beanspruchten, dass 
sie nicht nach äusseren Gütern strebten. 

Die neuen Verhältnisse drohen nun die Entwicklung in 
eine Richtung zu drängen, die einen weiteren Schritt nach ab- 
wärts bedeutet. Man vergleiche z. B. folgende beiden Veröffent- 
lichungen: 

„Die Fabrikleitung in X verweigert ihren Arbeitern die 
geforderte Lohnerhöhung. Die Arbeiterschaft ist deshalb in 
Streik getreten. Zuzug ist fernzuhalten." 

„Die Gemeinde in X verweigert ihrem Lehrer die ver- 
langte, unbedingt notwendige Gehaltserhöhung. Ueber die Ge- 
meinde ist der Boykott verhängt. Die Kollegen werden gebeten, 
dies zur Kenntnis zu nehmen." 

Ich wähle absichtlich diese krasse Gegenüberstellung, um 
den Vergleichspunkt hervortreten zu lasen. Die Arbeiter streiken, 
weil ihre Arbeit als Schlosser, Mechaniker oder Schreiner nicht 
entsprechend entlohnt wird; die Lehrerstreiken, weil ihre Tätig- 
keit als Lehrer nicht hoch genug bezahlt wird. Muss sich da 
dem Manne aus dem Volke nicht der Gedanke aufdrängen, dass 
beide Arten von Tätigkeit auf eine Stufe zu stellen sind? Damit aber 
hört der Beruf des Lehrers auf, der materiellen Welt entrückt 
zu sein, er sinkt zu einem blossen Broterwerb herab. Und 
darin sehe ich eine für das Ansehen der Thora und ihrer Ver- 
treter verhängnisvolle Entwicklung. 

Mir scheint aber, dass auch der eigentliche Zweck, die 
massgebenden Stellen zur Nachgiebigkeit zu zwingen, durch dieses 
Druckmittel in den meisten Fällen gar nicht erreicht werden 
wird. Für diejenigen, welche die Tätigkeit der jüdischen Ge- 



Bedenkliche Erscheinungen. 



meindebeamten nach ihrem 'wahren Wert zu schätzen wissen, ist 
es nicht notwendig. Sie werden dem eindringlichen Wort der 
Belehrung zugänglich sein und werden einsehen, | , s nep ["» ok 
nrn, dass der Beamte, der von Nahrungssorgen gequält ist, 
nicht im stände ist. sich mit freudiger Begeisterung seinem Beruf 
zu widmen, und das* es im eigenen Interesse der Gemeinde 
liegt, ihn vor solchen Sorgen zu schützen. Wo aber dieses Ver- 
ständnis fehlt, da könnte leicht eine andere Wirkung eintreten. 
Der Fabrikant muss seine Arbeiter haben, wenn er nicht selbst 
materiell zu gründe gehen will, er wird also billigen Forderungen 
notgedrungen nachgeben. Bei einem Gemeindevorstand aber, 
dem die Steuern zu hoch sind, und der überhaupt nur noch in 
losem Zusammenhang mit dem religiösen Leben steht, wird sich 
vielleicht die Erwägung einstellen: ob denn der jüdische Funk- 
tionär so unbedingt notwendig ist, und er wird sich vielleicht 
auch ohne ihn abtinden, zumal in einer Zeit, in der es in reli- 
giößen Dingen keinen Zwang mehr gibt. Am meisten aber werden 
dann diejenigen Gemeindemitglieder getroffen werden, die wohl 
religiöses Verständnis besitzen. Die auch das dringende Be- 
dürfnis nach religiöser Belehrung, nach einer einwandfreien 
Schechitah usw. empfinden, die aber infolge ihrer materiellen 
Lage nicht im stände sind, ihrer Meinung den genügenden Nach- 
druck zu geben. 

Ich will denen, die nur auf diese Weise der Not der 
jüdischen Beamten abhelfen zu können glauben, keinen Vor- 
wurf machen ; aber ich halte 88 nicht für unnötig, auf die be- 
denklichen Folgen eines Vorgehens hinzuweisen, das in seiner 
gewollten Wirkung zweifelhaft ist, dessen Nebenwirkungen aber 
nicht zu unterschätzen sinn. Wer aber die Thora auf irgend 
einem Gebiet vertritt, der nmss immer über die Interessen des 
eigenen Standes hinausblickend bei jeder Massnahme sich fragen, 
ob sie auch nicht geeignet ist, die Gesatntinteressen des Juden- 
tums, dessen Wohl uns vor allem am Herzen liegen muss, zu 
beeinträchtigen. 



Nachwort des llyrausirebera. 



Nachwort des Herausgebers. 

In der bedachten und wohl abgewogenen Form, die wir von ihm 
gewohnt sind, hat der Vf. des obigen Aufsatzes seinen Bedenken über eine 
höchst missliebige Erscheinung in dem Verhältnis des Beamtenstandes zu den 
Gemeindeverwaltungen Ausdruck gegeben. Wir wollen nicht so sehr gegen 
ihn polemisieren, als einiges unterstreichen. 

Da will es uns zunächst scheinen, dass die Mussarworte mehr an eine 
andere Adresse gerichtet werden müssten. Wohl handelt es sich hier um 
ein Problem, um einen Konflikt, in dem beide Parteien im Recht zu sein 
glauben. Die Einen glauben nicht mehr geben zu können, die Andern mehr 
beanspruchen zu müssen. Das wäre ein subjektives Moment, und der gute 
Glaube mag beiden Parteien zugesprochen werden. Suchen wir aber nach 
einem objektiven Kriterium, so ist es kein Zweifel, dass die Gemeinde- 
verwaltungen die Stelle des Stärkeren, die Beamten aber die des Schwächeren 
einnehmen. Würden die Beamten gleich den meisten Arbeitnehmern heut- 
zutage ihre Ansprüche grund- und rücksichtslos immer höher schrauben, 
dann wären die Verwaltungen im Recht, sich diesem ungebührlichen Ver- 
langen entgegenzustellen. Aber so ist es doch wahrlich nicht. Man kann 
sagen, dass von den Beamten zumeist das Existenzminimum nicht erreicht 
wird. Der Vergleich mit den Verhältnissen der grauen Vorzeit scheint um 
völlig abwegig. Unter den Bedingungen des Naturzustandes, unter denen 
jene Alten lebten, in dem Klima, das der Bedürfnislosigkeit entgegenkam, 
konnte an eine völlig unentgeltliche Leistung seitens der geistigen Führer 
gedacht werden. Heute bedeutet eine Unterbilanz in den Einnahmen Unter- 
ernährung, Siechtum der heranwachsenden Generation mit allen nicht aus- 
zudenkenden Schäden für Körper und Geist. Und im Gefolge eine Zer- 
mürbung der Elastizität der geistigen Arbeiter, eine tiefe Verbitterung und 
völlige Zerstörung der Berufsfreudigkeit. Dass e^ in den thoratreuen Kreisen 
zahlreiche Männer gibt, die in ihrer Opforbereksehaft für Zwecke der Gemeinde- 
institutioneu weit über das Mass auch ihrer moralischen Verpflichtung hinaus- 
gehen, ist bekannt. Elienso sehr aber, dass es audere gibt, die, wenn es 
an die Tasche geht, an den Idealismus der Angestellten appellieren. Diesen 
das Gewissen zu schärfen, erscheint uns eine ernste Angelegenheit der 
öffentlichen Meinung. Wo in Wahrheit leistungsschwache Gemeinden vor- 
handen sind, da wird es die Aufgabe der Organisationen sein, hier in aller- 
erster Reihe helfend einzugreifen und alle verfügbaren Mittel zunächst der 
materiellen Hebung des Beamtenstandes zur Verfügung zu stellen. Eine 
Beschränkung in der Verfolgung so manch anderer idealer und au sich be- 
rechtigter Ziele ist da angebracht. Es will uns überhaupt bedünken, als ob 
w i r — bei dem kleinen Kreise der in Betracht kommenden Geldgeber — an 
einer Hypertrophie in der Stellung der Aufgabe leiden. Man wird vielleicht 



Nachwort des Herausgebers. 



wieder eiDe Voreingenommenheit für die litauische .ludenheit sehen, wenn 
wir diese rühmend hervorheben. Dass die jüdischen Beamten jeder Kategorie 
jetzt in Litauen Einkommen bewilligt erhalten, um die sie ihre deutschen 
Kollegen beneiden können, bleibt ein Ruhmestitel. 

Die grösste Gefahr scheint mir auf einem ganz anderen Wege zu 
1 iegen als dort, wo sie der verehrte Vf. sieht. Sollten wirklich eine grössere 
Zahl deutscher Juden, um den höheren Ansprüchen ihrer Kultusbeamten sich 
zu entziehen, aus der Religionsgemeinde austreten, dann wird eben der 
Zustrom zu dieser Laufbahn dementsprechend abebben. Bedenken ähnlicher 
Art wurden bekanntlich bei der Beratung über das Aus.rittsgesetz gemacht 
und besondere Kautelen geschaffen. Die gefürchtete Erscheinung einer Fiucht 
aus den Gemeinden um der Steuerfreiheit willen ist nicht eingetreten. Wohl 
aber droht jetzt eine andere Geiahr, ja, wir dürfen nicht mehr von einer 
drohenden Gefahr reden, die bedenkliche Folge der Verelendung unter den 
geistigen Beamten ist bereits eingetreten. Wir stehen bald vor einem 
katastrophalen Mangel an Lehrkräften. Die Wahl dieses Berufes entsprang 
auch in der Vorkriegszeit idealen Beweggründen. Heule bedeutet sie für 
den aus unbegüterter Familie Stammenden ein Vergehen an der zu erwählenden 
Gattin und au den künftigen Kindern, wenn eben die Eiukommenverhältnisse 
nicht gründlich sich ändern. Also die dringliche Bitte: die Herren Gemeiuds- 
TOrsteher und begüterten Steuerzahler der Gemeinde — die die obigen Aus- 
führungen lesen — mögen mit dem Idealismus den Anfang machen. 

Und noch eins: die äussere Form der Androhung der Sperre klingt 
freilich sehr unsympathisch. In der Sache können wir nichts darin finden, 
wenn die Beamten durch ihre Organisationen den bösen Willen mii der Kraft, 
die in der vereiuigteu Macht liegt, entgegentreten. Aus einer Reihe mir be- 
richtett r Falle geht hervor, dass diese Kraftprobe angewandt wurde, als alle 
Mittel gütlicher Uebereinkunft an dem Horrenatandpuukt der Gemeinde- 
gewaltigen scheiterten. In umso hellerem Lichte erscheinen die nicht minder 
zahlreichen Fälle, wo seitens der Gemeindeverwaltungen aus freien Stücken 
die Männer sicher gestellt wurden, denen das kostbarste Gut anvertraut ist. 
Noch immer werden an ihren Idealismus hohe Ansprüche gestellt Aber dass 
die schwerste Sorge von ihnen genommen, das wolleu wir den Berufenen 
danken 



R. I6maels Satz mpa ropiy mbn 



r. ismaeis Saiz xipD nnpij? ns^n. 

Von Rabbiner Dr. S. Kaatz-Hindenburg O/S. 

Sotah 16 a sagt R. Ismael: niDK minn »dpa napv; naSn niaipo nirSra 
^33 naSm ieo rno« minn "m bas nsSm -ipns nia» rwin "an "wa naSm iBjra 
131. Die Erklärung dieses Satzes bereitet den Kommentatoren viel Schwierig- 
keiten. Raschi fasst nsSn auf als >:'oa ntrn 1 ? ns^n and sucht damit zu recht- 
fertigen, warum nur diese Stellen hervorgehoben sind, an denen die Halachah 
nicht mit dem Wortsinn der Schrift übereinstimmt, während es doch viele 
andere Stellen gibt, an denen gleiches der Fall ist. Ohne polemisch auf 
andere Erklärungsversuche einzugehen, will ich kurz darlegen, wie der Satz 
R. Ismaeis m. E. aufzufassen ist. Stellt doch in Wirklichkeit die Halachah 
an den drei ziterten Stellen den Sinn des Textes durchaus nicht auf den 
Kopf, sondern beruht im Gegenteil auf einer ganz rationellen, einleuchtenden 
Auslegung, während es zahlreiche andere Stellen gibt z. B. na hvm nb 
in» 37m, bei denen die Ausgleichung von Halachah und Schrifttext viel 
schwieriger ist. Weshalb hebt also R Ismael gerade bei diesen drei Stellen 
hervor, dass die Halachah den Schrifttoxt umkehrt? Die Antwort ist: R. Ismaeis 
Satz hat nichts mit dem Verhältnis von Halachah und rationeller Exegese zu 
tun, sondern er zielt auf etwas anderes ab, näm lieh auf seine Deutuugsregel 
Blei V?3. Er fasst hier die Stellen zusammen, auf die seine vierte Deutuugs- 
regel siBi SSa keine Anwendung findet, obwohl der Wortlaut des Schrifttextes 
dem Schema dieser Deutungsregel entspricht. Unter roSn versteht er hier 
ganz allgemein die Satzung der mündlichen Lehre und der Sinn von n3piy 
ist „umkehren, umwenden" d. h. die halachische Auslegung stellt hier gleichsam 
den Text um, denkt sich die Reihenfolge seiner Worte anders, so dass die 
umgekehrte Regel V»s\ anc auf sie Anwendung findet. Dies dürfte der 
schlichte Sinn des Satzes sein, durch den alle von den Erklärern aufgeworfenen 
Schwierigkeiten beseitigt werden. Beweis hierfür ist, dass das zweite Zitat 
iyn, das dem Schema uibi bbs nicht entsprich t, nach der Lesart Jeruschalmi 
Kidduschin I, 2 lautet ys-ina (Ex. 21, 6), ein Satz, auf den das Schema SSs 
dibi zutrifft. Es dürfte, wie schon Raschi bemerkt, auch die Diskussion in 
b. Sotah 16a diese Lesart voraussetzen. Ein fernerer Beweis ist die Fort- 
setzung des Satzes R. Ismaeis in Jeruschalmi amoS irm cipaa\ die sich auf 
die auch von Babli gebrachte Auslegung von 'Ui nSj' »yatm m»a svni (Lev. 
14, 9) bezieht. Bei diesem Satz handelt es sich um die Deutungsregel bbs 
fei tsioi, die bei diesem Satze trotz des zutreffe nden Schemas von der 
Halachah nicht berücksichtigt worden sei. Es wird hier deshalb der Ausdruck 
emo und nicht mpn gewählt, weil die Defin ition von anen ]»ya nicht ohne 
weiteres im Text liegt, sondern eine Deutung erfordert. Es sei noch hervor- 
gehoben, dass, wie schon mehrere Kommentatoren bemerken, Sotah 16 a statt 
j33"nn napiy entsprechend Jeruschalmi zu lesen ist cytd napiy. 

Verantwortlicher Redakteur Dr. J. Wohlgemiith, Berlin. 
Druck von H. Itzkowslci, Berlin N. 24, August StraSc 69 



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58 nn H ;nr n<nti n: 

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. . . ?iWJKJ wya m »3DB ";i — jnn m zzyz 
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irn "r ,tib — mra&S rmovoi nvusvö .nnwi mro nS -enyn ,iidn a» 
,nron mD'pn .obiyn nwon ^3 rw rnnom "iy ua nrnS uS rno3W 
."in' ^31 -cn ^a jmnttai ]cnz ,pain pvaxai pnma ,rnmum niyj-un 
orwn 3S3 anSx Sip aw ':-•; a*»a„ w moa dwiv onrnta kSi 
nS .(**"ynn nx -1 v 2 S pmn fnom anan Sa nawion nnaynwi 
1: .pnam xiSan pä .oium Tjtai paw pbmi omni poinm pi— p-i irr !ja 
Kcs»D3 pn rix ljaS — imn»a nSiyn [in — onxn pn .ix rayan rfan 

.ownai "icns auon nx rnenVi pnx 
neu inw maso thpSi ,-ninn -.cd nx ironS Sau r»i Tai shv 3S3 

"inoK n»a nun ,minBni nvripn umm nxr, :pe>» 
jfrvm '»d cn nSx — -in" mnw nett ,in- rwmpi na« 
■: men mnwi nnwc nwnp xS --x ,nonja irmai ntma n»np xS 

.jna rarm mww rentn nnab piaa ;x 



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xtm nrnjm raw pre "ia x y b*S u "ySn «;wS »Ai iwa -xn isp: -xck 

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r-,":r3 C1K t,, j D p n p, r : .. :rC2 p C -.. rn «miOMni b ; ":":t 
nam o»»m nnea jo mpn A a'rn p-ram ,p ,-,, n3 [B «td rm praoni 
nwoS cix S2 -psw na inn .dtk Sa (b pnp-n 'jnaa "vn ,ir:c }a naa 
,pw pai ja pa tncn nn ircxi .nmyo rSe» wvn rzv 3 iS s cxi "ihm di"3 
tnn »" -: nom mn f& Sax piaa ;st bp kSi ono nw» •:••- pjm 

H - : • r- ;-.r~ i * 
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73 nn»inecnc 57 

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cy ,oytm cy:n cy b* va:n rax p» . . . pittnai biB^Ba mic« ,cixd 
«in »km »V« i"? sin eisen sSr ,na8>3 ianna ms sjp kS„ :spcpm conin 
kVi m »u bx "u my xtr xb inax;** na: ,xiab rnyS baa sin m» ,V? 

.(rora) "nanSa iiy naV* 
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mjjtr mbb «Vi .-pwn i:ay an napj nx wra mp? xbe» nbiya nTBB» 1 ? my 
btixS uaaS psna nrvw uina» »ab X 1 ? .aina tjt »nun x 1 ? cnja-'ea lraan 
nac« . . . anrui piVu 'Sa unaiaa x S b» n;aa vwyv "sa ex *a jvnaskn 
pSay "ra&»a n;:sca ptnvi vh mar nanc na pip» perci wna n-aa rwnan 
nys*a Sinn nwa nrxa nbn ir -sex rwrpi w oji vSy pis'pn ist rwm A c; 
Sapi b»it»,, bi»ö kSk pi» j"y b:a i;S px »uro nny .mann SbSbS ima» 

."xrrtraS ttroSn« awo ix "*:c 
o-a-' vn ,3-nn h« noA rann xb |»\n wan-a n'a bj» d-b' 1 vn bax 
rx ww xa'py »ai mix ,n»a nr xhxvt nsp cana vn my nccni r^oiw 
bz nyasa pivwi (:pi"b xar) piVjwj c^nbx nanp bx birwa pitpibpi nw 
ma bwö nasai aar nvi x 1 ? ,nja*p*i awHtnrcp nraa wb xan "na w 
nywrva ex H a ,ia jiann» Sna be» mp*i»a fmxS ,na inwan» 1» nn'ab 
rvrnb pam "ixn 'axy nx Tan bap-iYW? ntatVi anna nnttb myi 'bS nyen 
]U-"n ß'-ianTi^aa ne»N e" c:i .(Vin cü'a caan) nanSa-ma: "jb» ,,,l ': k»tj 

.(»" , na») c-na "jm rrninb "con nx ny'D txi annn ptäjai iavy 
caya vrw wn piai — "rbn; 'a 11 nana nbxa niynwa an caya 
•?? ,nmvi Sa» nnyna bip»n" , Vi» Sy vynS naa an: tr n a *i n bax — 
— n? tsb rjohl eini Sx .c-i'rx nyn :ns;n b» rra »3» p "pin pi3 
pnn min e'y bwpvti nenn mm . . . inx nsa .abe'i cpa bx .anSx nym 
.D'tSx ny- :nrwm ,nnTna ron nnx jne» D'nr a-pm 
."|:a la'nan nannirog ";ca ib awa» naa picyS cnx pbx: a"Byc nann 
,ia pciy xmc cxiaan ja iasy xin exa: irxa» cnxn imx pn ba« 
anxn xin .ir nrayb wa ,ia Sca: xinu* pisubpi ja iaxy xin nj;na irx» 
ma nxi .na-xn by aix nvn cra ir.iaa ixsa; nxya □ , Tn < pne n^y-ja 
npp?; x\n nan nriwa Jinrn min naina nxru piSx n^y-ja hv Drnn 
xn' *hv rraix "ja by nx*:s: nn;tt*n "]ina ,mix ms« «fi *atra Saai iS 

/naS'n n^b» ny ir n^ymaya -ayrnS wm paip naa» bru Sa 
nxrp x'n r.aixn mw Sa mcS .nTrcan:rx naB-cannaxn rx Sax 
.in »-Sa rrrx ca-n rx fvnbacvby n-eix km yra iai nbv "TOfncnB, nxayia 



t)iD wx^n mm pn xDbyn x -i b km pi m a naxn xnn xbr nB3 
Dibrni oyjn min— wrnn nyn-u xb wk nmwi naxn ton ,jyn 'Tb rpo 
.(•npi 'i j'" d"0"i) ..."!j?Tn my.a\, :nav ":a ':?x3 nr % -2,"iba — 
."P ['TD pxi nsbn,, ru-rab nr nic-p yjn nnn\n »an 'ob djex 
c«i ;ovp Tb ix'3nb xbi ny b23 i;oa ecntrnb ravi D^noxn bxne" "pns 
nb'BBi nyryira m.rn tö "rna nnx oye onaiea xbr im« ca'pa -ick b>' 
.("n'jbap nxnpj rut? D'ystfb nnx nn*w pinffl«) Dnpix riTaso ne»n 
.wy trän bya 'T"by nry: «in 211 "d by nvs'uxn be* naisa o^rp *iS? 
nx 'ib;3 nv'TB ,nn3 nan nasb nsbin nynn nrsx nmvw xbx 

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nbn; caxy nanw on-ena nan onsi ntt'nK* nenx »ja dwitib cmx oiba 
ntr Tnaa abvx nino d-x "n mar dwSktm cnix cib: ?cnaxa 

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dv3 njst'i ru» b;3 nnv 12b o^ixin obiya e»* mnn bt-ob !xb 
•;3 B'jcn .dib'dxd 'ja dtbxd ,ontr3 D"n,T o'DJ:na D'mcn 'jcbr na»n 
crxi rpn byc 3i3r rpa jhjdS D'bia 1 arxc ,nn '3io:i 3b "jy I o"aom 
dt TED nxiab c]bynnbi bi=:b d'Jüj» .nsma xbc* npyv bip yiacb c-bis"' 
d'yits D N sri2i nanna ce-y ,wm c;-xi rr,™ ,D'3biy crxi i^abyj ,onx 
nx yiacb nc3icx; frx o'ciy onben «na Tflb ibbn nibj m,r troanB — 
ynn nx narb :minn ja nryniso abn n:i23 D %, pbi "XTp,n bip 
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by n-bp'm ,rxibin nx'sian thvrnwxbon neex n :jwb*DUTnai 

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(T3 b" 1 a" " »"" « twp) S»aSi cweS wya trVru cipas wtöj Sy nan 
iwor ißaaw trjmn in' pa ipa mynSa vonon xS wiaSa nn»a je» -ibw 
nceiru ir nap; nanSa cy iSraj xS «sejm laSai bwbti opn — ("n X"" x Sxia») 
nonx b» rrainn 'ay Sa -ran in Saa na iStra:» an) nana mtw Timm 
x 1 ? . . ."Totti p'is \in Sr„ Sy nap» 'jea r'3j mjua wj&j cx '3 .(n-rocn 
tvwa o»b;3 rnt> mpccn •'Sinei Sy . . .nxo ipne» Sy pn nxc jsh:» Sy 
naa dwd neny nSjy ptraa nnx »E5 S<3ko cx tibi : dbxp cy mm D'ai 
nSnaa» cyn ,- i»x .(x"» v, en :a M 3 Kör) "?ja» Sa xS [pSay S»] twaa 

px ja cx :maixi nmjca .x'jiib n-ipnia rm tx .ann 'iai jx: ny 
raw nx tp»S a'Ti iaxy nx va 11 ,ojn cy Saa ,iaya Sya Sa !rpo ianS 
dwö erw 1"tb -nee nrnS nar *a ,wa eS'xnS p*i pxi pi p«i ,"i 'jbS 

.cb» ds»S neny mnp 
,i? nsaica min rnwjn nxr i:aac' cyn wir xpn 'xSb tu nxi cSix 
db»S n'na mw ,oS» ey Sy ni-ia mw (:J"3 tb) "rrata c»S map, mm 
jpwa xs' "jaican,, Dyn wir xpn — Sri»' nwn o»S pSay nwa ,mijfl 
xS ca» e»S d'»;x *bcs'bi .naisai be»b3 mamai ncna ,ma«j c»yaa 
iSaai irr» .nttwsn nvr jnix ,nnw nusTK jmx Sax .SSa ia ian xSi iib 
C3TX Sia Sx ,cSiy nan« S» nan msa cy-r Syi casy Sy lSspi c'nnp cas 
iSej n33"x ? jnS rnp nt na ? jnS tpti nt na — o'3iB3 dt;i .n'anw «33 
.naSman nsnxn Sy onai , i3"i nnx ?n^nn SixfS nanxn 'anaa ,j»ix cb^b 
nnR ,"nanx„ S» d'TIDT d'dwd ma;s *T*Sy mnnn n:a;na pcy »ni nnR 
c ' b y e rS-i d * 3 n -in nnx Tn jawa "iap nra lSSn cwnpn cnsnn Sa 
?m 3py crjR cec^bi cnisa nimxa cmSpSpy caan 

.xnsvn 
laya nx ynv mas 'ai ..rna xSx njpn iS px» eSiys yn »* jax 
nx ,na»S vh un' rS» 'jbb .ima-Sya naif WB3 "ai ,nn ym S» ktwi 
. . . ! '"]S n»y -i»r nR nur,, ? uS n»y wk S: 
njn tibdbi tieo Tjn nE^sai p/BXt nyi j»wbi pe»w nyi ch'bib -a 

,nya»S cnx-rc; mnn n»x nanx "marwciE,, . . .nrnpix 
. . .Trenwu »a — my imn rS ! rS tr 
Sy rS r]xi vSrb nSa ::"x» pSay S» l m n ynt Sy tat n»ie vi» 
.."vs i3n3 mnn vnh„ en'Sx nSm i;a:na xr» xSe; o»-Sya mix t 



54 nnMjnrs'nv -; 

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maß» D'aenn cSnj xa» ...dti 1»j ' ;mi — spa nSy bipo nrman ;dti 
nuirn b» Diraen SS33 jy 'Six :p3J -inv ix ?p»x-) :i:32> amxB W lSSn 
. . . ? ptrx-i n im« Sc vaon w o: iSS,t 
»Tay k S Sax ,v»ow dt na'etpS *jcn »ara mSj ja m,T pi iy\x 

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.it »o» n:yaS rraiö"T |nu mt irämvn miBcnn St> nsi px 
dw mxa ona nayc ansan nx apnb ara pero rm o-tsaa irmaK wenro 
rm -u "a nxa aj>nn xS„ :nw baai — rrntwi arroa rix ü^»m»i "paa 
nm n:iy iaa nyvntpa .doi o'b" -inxS o;i ('n n anai) ". . . ! rcrao 
pa awi 102» pny pDD xS /xianS Sx-is" nana, tnva .pwirnra naipnS 
b'dt ma'CB'o o-prni on non 'sSa vaSa »a aavi t>T p-ai 3'3D niaixn Sa 
pa iay axa nx ddsS naa nianSa Skw-^Sb rmwai ,(x"S r a 'x caSa) 
di„ ix'as t Sy iS tax? .owa mxa wm:a wiö .a'aca -itrx va^ix Sa 
(ti 3"a 'x d'bti »Tai) ". . ji«a roan xS miry niSn: nianSai nao» anS 
.('x j"3 '3 Sxiasr) "Sjrapin -an, naixn Tnae rrn» "a-Sy-t)« 
paSw px ,nvrajn naxn hv nana anaiyn ,nSx3 onana» — xSx 
.Sa ppb '«on BTpam .naiyaS t]x ppstnn ox "3 ,T&a rnaenn an inx 
naiyrt (ir" 1 ra 'x Sxiae») a-xann navtn pia xin ,i3r inix ca-rcnn Ss» 
.(r* rra anat) rmnn Sa tpa ly pnar-pnS i:S yiapni lmrfrin twia 

myaraS amai xipa -pi3 ,fts>\i ua»"na n'a |3 ,ruvi mx 3i cna . . . 
:iaixi nmo nfi nr pic 1 ? yja nvwa .mwa vnuvjnS lainpas nwmi nnx 
n?a ,'xcnxn oSiys»' »raa 'bik 1 ? ,napj-f;i -]wb pSay nanba nxs iSx 
pn dix vis) -]3S miaj mar btcwb iS nM 'xni3c> ?ySa v$n iS piipr 
DW c^D-y cbrn: Sy n:xm Sa 'Sa Sejm icx iraxi xid vw 'eSa (ntn 
naSana nap:n nu'»»» xnn» xin pis , f a nann n H n iSx — njno 3in "Tir 
if xS» .o'jvSj? d-x »:a ornx jrmmJV^j rSiyaa nrxa oyn-pana -inv 
•■pvan ciStfn,, }a oj mSiD nrrn onyns» xSx ,naxy nanSan nx ix:»» nsSa 
ctt»S picyiv wiaSa idibS raann c)pn Saai rainrrra noma i»ana Saipart 
.('n 'x Sxiaa») -nanSa "Sai aai 'Sa, ruana oay nun 
law iy pSay nx nman :av hm -pcn: »a hkvi n3i3 piannrai 
xpn .nri.sB'xi niaSa 'oSa rrnam pxr nry nxnaa n m a mix xpn nvi 
xin xin .vinx cxaSi vxh caiipS .dtd-cxeS 3x n'nr diSc— an inix 

.f^p K"n r»y ,ayn— irm (* 



3 S nn« ; ng c»n» 53 

Sa» npia Saa a'xai d^ ,(S"m) "nviaSa b» ppsa a-B'-tnna,,! a N aSin an» 
. . . mm :D"mxo an an« Sa 'j«öi nenn noipn 
. . . vm ijwyi 
"b jnn «Sb' ny 'B'jb aiSr Sb» a^n nvnS mn-pS iS nB»c«""« »a 
ntw,i rraSiyn nS«B»n ms Sy .»Tino mwoS i« ,»m pwrp i»bj 
nan«n pa pawnn nSajn Sy nSvwi nSn»n nnix : ,ths S33 nnaiB'n byi 
■^ p« .'n anxn onyaisai aSiyn x-os cmjaiKav .B'arrai pin pa ,n3*xni 
.lSSn mna yaix K'aianya ja rwowi xSb' B'ayn "a- nana nswn nw 
.xma pxi fnS Si3j pw . . . -nan tri an-oi mar: am »na 
»in Sidb bj X3 iayi mm nSxBM napnS »in iain «-sb "im tn Sa 

.rm-insSi mnaS 

pMB nwaa na v mpirn ,enpa it»a nwo tib* b'jib» unrvra w *|« 

.■na«: nn« ncca |,ttw 'a ,|aipa niyapa ltS w nwnpi 
"■ib»k„ :ix . . . "yn 'B-an n»M„ :i« . . . "Tn'a '3bt , -b , x„ :nn«n 

. . . "ia 'ein Sa 
•pSSiy n« pen ww» *wk„ — nS b" nnx «du p-i — rnwni 

"lySan Sy 
?D3 nnx wa» BiSa ?BnnaS nnx nun aiSa lSSn a'aon w innen« 

?iain Sx djcd nn« ay aiSa 
!nnxa pn :p Sy ini . . . "nnx nyna wa, .p :na-B»a nnvm 
a»' -ib'ki "3Tia anxn Sa„ 'a rmiBBna pa»«") B»\m wx ayn im« pn 
naS laSiy Sb» um» : ibbS nnaa nnm nan tri aSiy mnya »a'a nun |a iS 
Sip ran yaB' irnn fvanaB» ayn mix pn ... "! ?p'"i w b-bikSi b'u wr\ 
pn ,niBnn i S pn ... ^iSn 'ja "SiSyn Sy nnnaa Sx pnB" n»« , «B , n pinr 
p« 'X'nj? Sa acB*aa raynS maann mann d: iS pn ,n3inn bj iS 

."laSnaS iiinnsi ic«3 lö'S« nanSi,, 
...ann« Sb» »Bronnjö nr Sb> «iina aSiyS m: m» !"in«S «Si iS pn 
aSiyn "b- 'Taw B'Bnn "an: Sas ipnsi i«s .bb'i-i nsny p«e> r|«~pnn in» '3 
nttJvn "apna ,nnnM djj'tb a^ssn cana WM an'J'a i«san a« ans a'aSaiSa 
."Saa mina Sy„ "lata tb ,nS» napjm 
* 
nS pon p« ,«m n^naxB» .mn'ni ;ma«n Sy mneaan nuya b" bSi« 

:pjaB»3 .inB'-Sa "im na'ncs lanna^a* 
ni'a pB'D n'n «Sb* eib*b B'an-ma'CB» mc«a tmrm rbvm «S « a b» 
1W« : ia«3.r na yiT . . .niS;S a« 'a ,n«rn npnsn 1 j S «S •b» .iS >"jnS 



52 m ? 3 i a x a 31 

s-r;: c —; Tai -tx tj'n ndc dt nyaa S : k : iS'k ciSi v, iS «m an 
,(«: c p'fipo ik ioid myac ianoi tjjb ryi pia nS p« Saru nScnc 
\im ."hköbj« nyaca nasai "San:,, p'nyn p'nyorn '3 rravi vin ,t.t |«oi 

.»»«s «tum niycn 
Dfw toi omec ?rwy ia icn a y 'j «ap N33i k,i Sy x'p =jn oc p 
td iS ibikcs a"n k,t rra itmc "ca ,o , a ,, n o,r;c rrai vrci ins 
rxsnS fK wa« nSanc vnprna «sb nc .Tai inw r:pi rwi n 'an mm 
"in ,nn?w nie» wr p-icno *a ,iaiS c SSaa ' «ita "man,, S"2ri ,pia Sa 
2"ini ,nes3 «Sc d.iS 3cib mep o'Sa prnoa Taaw lanen nnvn Sa ayaa 
>S s ck dikS icck •» -p ,dM3 sSa piK pxc «M -a nyiS .im "pjt tj::h 
•.■cnn an djbki .iSc itkc jnxpoa o-enn cina nvnS "npiaa naan» Sya 
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mm inva nSxa anaia wrnnS yns ,im nincn SaS -a ibiS "pix nur DJ 
DJ D,ia rr v x>'x renn ikci .miaipc nS« S:d «rmroi anaw na Sa Sk 
cna ; D.ia e tanen am m'a^ana annw xoa sS -;n ,oyu Sc oMan 
,Tanan a-n nry nc kSi jitp «pn »S mnw onoi ,0Mnsa iaa iiawr 
Sa ,nj>Sana w npwa w imaipc omoon d-Sh.mi rann nan Sy iayr 
v:ipna nein tom-ok nS:c 3cin lanen am »a »ts tra n» ico npiSn 
icd3 d^e; .Tnaicp ia:c v, eyx ,Tnaa nSMaa ,ona nvyan o'aic venm 
pnnnS irSy "wo oictti .p-SyaS naa nwm nnci nwaa nnyn icca c: nx 
naSa onam rtt d'kut' vian o-jaina o'aic nya "a ,ianan amS naia iS 
dj ia v s t nt yixpa iS ina «in rwi .D^aiS nciaan -[na d-SidSd na-nai 
,nsr3 miayS mnm mwaena ("im «Sc San Sa« ,yiam nTpna pia 
'anan am iiaai "bSci-iM i^aa n ' 3 v a icd na»3 uS jnu n % n "kiu ?n 'a 
.V'inr D-aTpn neoa DJ nnna Svu iina 133 'nanxe ,'a'jy W J ia3J.i 



.nn« jnw dti» 

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Ki«n Sy dik.1 'a v 3 .i«a iy ppu \w ,p*yS j«3 iav;n p:yn km ;•;•' 
Mir .vSy c.-.o «Sc jc^ -]S pni ryn vhv ipin -|S pn .13 )vyn '3' p 
o p";a Sa % ;";3 mnS n',i:i 3c iSSn t)S« »» in« Sai ,0'jnno e]S» na mn 
,nvöun mmonn Sc "'Sas iiaSn„a m3i3D.i nrron ja nn« Mir .31c 
noc n« p3' kS cki D'ayn Ss o'SSiana 13c mom Siun Saan inw 
,nnx naa "d'jc dt D*cin d,ic o rgn p Ttw vn p 'c Sy t]K ~k .myi 



Xj nip: 15*3 51 

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.'"i3i nrcK '31 p«j obiyn mai« rni .pjia Eipas [ ' : i y n*:nb »b nxu 
tt xb oj ran ,inva euren rown nben »n» by "ortan Tay «S» isba 
cbxitr rawmaw .ksb" 1 wbtnrra c» p-yan »a ,cn c: onawon enann etreS 
onpmw yn* pn (o'abiyn »n San tpv br) rrarwn w b» pn na mtrotn 
niöiK rx , e " a S i y n » n bv wik nn rpv bs> n a b» rann n? bsic 
nrex '31 cbxuri ca'Sra ansi enb tenam b"i bxi£" nx cjib obiyn 

.■isi nen pixb 

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.b-ibb,i "733 neun "p "3 Bibs -onan 
na orra ■» ",B3 xb »nnn w. "jb »nana »bibx pax n -ex ,n pp csr 
ibxi |nnroi ptwna iS« j.tibb px'na vSxi jtieb pmna iSx mown psb fra 
pTBD px'xia ibx dtj xb»no t sn33„ : isnan sno r"p .f.vinei psrjna 
Kinen ja innren o-riean itrnetr ibs xb nr *ebi .j,tnnM ptwnö ibm 
mpnyn »nbi rnsya 3n33?r nnn bxnr"b »3 ,pinc prrba xwi {.Tinci xbx 
am ma "»Sa 1 ?« rani ."pine npnynS xnpi c:pt 'y »°y »abnS ip»nyne» 1B3 
kxib ,im it nnn '«ro wb» einxpS *]iiyn nx mneb nbp nnia pi isnan 
n3in3 xxa: ib'chi aianp ,ieo piaa "KWi. »3 ,"xmei„ etrn nnn ek> 
,M 'c c» xaimnai ,xixi tn lvraVa :ioa ubir n:»M rrneen be> niaipa 
Nnp*ce3i ,s"ei i"33 pi .ninbR Sc Sinei x s m n B yp tai h mar BipSoi 
.oipS'3 pi pny eis <sa» na S3 n"3pn ";sS noins m k 1 n c i n"ei M3i 
icwb niSan "tni-e n« irSy cpyai iSm 133:1 isnam .i"cp rai '3 Skibb» 
«im ein« cieca jvy icina ,mv3 yi» na Ssk ,mmsn mern my'T 1 
kS pi .HD" S3 fnS ps» jvain ti«3 mnnc nnyirn iyrS ib ncia 
fciK cira nnM nb mhtrtva kibm md» fy bj i-ynS Eipan j«n .nry 
kSn .npnym cuins pViyn mBiuSi nupas nnnn w bHis^bv ,i«3 i:S ibiS 
inn , d " y 3 u> niW3 nnnn bv •"D , in i:S ieb: ran n3W3n nnnn isSac 
.e " y 3 »b\ 3n33 niKinsi ix b^ieb e« "3 p« pb» .maisS bsitr' 1 p3 bnann 
cisin S3 "EiaSips T3ynS -n«3 naSs« „max 'nSa »«ib ik*k3 
eunjn }B ,iki 133 pson «npm .p-EBB vtv\ xS nr iebs eyerv eyrn 
3in .rnps i:n pw xS na3 iyi isnan 3in na» 1x3 »man» ennxn 
xSi nsS juxna emx ebieSi viana inmSi bSbs SiprS *ps .im isnan 
dj nnS isnan 3in »ra nSre» »' d:bx niaipa ,ib33k» "cyx mSip 'Sipa 
p3 , naix ,, y a u a pampn an Sy 3n3rx u S ix x"ns Streb ibs .csib ansi icbb 



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pjnpi n»a 'jon nx tibVv, xbx /'man a'babaa mn nrxbab tr;nb anb nvi 
nxi anb jn:n b3tt>a nsy vsfiy ,bb> pnn wm-p w mpaa n-m my.t 
,133 an3:K> nsaa^pb anacs T-nb ob» nr nnxi icon by lara'' nV w** 
."...lBipaa laipa by ax »a ,pima K'anb xbi biabaa xbi 
nxu jeik b:3 ,nbia nranb war xb ..htm -y nxm nwiori nsryn 
"i»8a , ( y3i3 nia'ica vnisp px p'nyr .nw "pn isayb ib ninn nanan an» 

.jbnb xo:» msoarin ja rraw 
'a by nsbwrvn 'bba iva b ,s an '"abiriYn xiaa,, tw nnvwn nn« 
b» man ma awab lainipi ima-ps? ananan , "on bb3 varnb »baai .smay 
ronb »ßbriTn nabnn nx wie» psrxnn mn nanan ann m ibxs ,aya 

1-wia» naii wn by "rynbi 
B'inx pn .laicya "iiabnn nan mxna nanan a-vi »aa na to nx-: bax 

.nxisvi by pm x-npn rorv i;bbi ,jX3 p'itx ,aw ryi a» vyr .man» 

pDiaa a'inrnu' nytj'a .3"y '» sp maia x-bm nai by x"y 'i rpa 
«pSnoa pnfnun x"p'pn swaia pbwa -inen w n nax 'tri jnai-ra bcsb 
apßy n»M nnaa nwxa naiba ranea «in ,xnrn <apa pb nm sbb" nm iy 
F)iB3 naiba .xaa 1 im ny (mbiy) xpbnBa jrrmiyD naiba frrrntn .B'-nya 
nnb a'xna BWna» ,naiba .xnvn 'apa pb "Hm .«aa" 1 xnpnb 'ixn iiyt' far 
b'axw arnp b:»"v aixb im 3i -ibk »m.T 3i ibst »baaa nsisari ananab pra 
ba« ^b'ba nyc B'pbn "mm ny» rvnaiy ananab cboKBif nyi "iz-\ wanab 
p'yi .b'ay jj'aaian nusa fpvi b^dik amy anb pxtr niTj "tt'jxb pj xb 
«mB3 ja 'b 'tsi a^a rp'i ja kob» nai "is„i "p^n,, wy abcn "jinya 
p'yi .naiy bywa nyai ihb tj»w» "l r:3 >i? r, " ,2C1 » nsDn H 310 ' D ">"bnpai 
-iiy« »'« ba »a 'ianaai .n'ENBT biet •abß'n'a omn nrB byab »iTca 
«b ax ib'cx »a ,i33:n lanan bv nnan i»itb by DBin»' ,ib pss 3b nsp 
nr« "«nrn ^apa pb • | ^5{^„ dbb»b3 B'iann n:n B^ban mpai , a , nB'3 srnn: 
-apa xnrnb pb nx»i rnsib 7ns ,rn „nVi TT3T3 ib "3 ,witb n« n'baw 
nxu ,'i3i nncn,, ••BbtriTn ^3na myi ."bp,a xbi "byEx.ai WH 'b:xi 
»b'ba ;ns bi:xb pa»a anx '33 1^» ny»a x"n h -ibxt nai ,b"-,r nra 
biaxb paiaa B'jnanK' nyca : p"m nanb pw nvnb vi3i panpc [wn nbyi ,ra» 
i^no nxsb cztw tvypi x":nBi3 pb'KS ij"n ,xin saa' pnytr ;nainn3 
[n^tfatt» p"nn my^b nn my^n anp yy\ .nvnn »jbb pnnca» 'jbb ai" mya 
-rnni ny» Kn»3 3"ki :as> b 11 ^^ laain "onan ~cdv ib3 xbi .in kbb' 1 pny 
xb "onan ain» nxn: man ."B'anan 't^jxb a^if nvnb aompi ansab 



48 .i i p a i c k o na 

•mpa idnq 

rjiTsa (!) -ccD d roana n:ca »aS»rv Sy ptrxn pSn rTWö "i£ü 
D'p*m »Va nwn n:oa Sy (?) p'tca b'iyd cnaiSn ikw trempn dthcbh 
Ssprn' h Aenan 'ax "JinaS p pyE2> wa *n\s* h pn WKonpwBiroai 
»tb, tbbi "too n-3„ neoi cpSn »3» "nyi ipn„ nco nanan Sya St 
.«"jKflS'Djyo "jSc rvcca-ea nren S.-pS ann ,"pn« nea„ ncci "^spnr 
orjon w pSn :b"an .c'hiS .bb .p'eS ein ru» .xpnyax nnaa 
.S":n .n"yin ,iSi3 ct,i "o Sy o-insan 'aSpvva cn^tra 

■rooi nnana inn nnv pjynnS caS» pi a'an ibmnn njmw nya 
ixS: 3S *a:n »a ny .a'wan o'Jirap nSy lavu» 'aSmvn maSnn 
•aStrvvn niaSnn Sy c:ax *a .p*2cai paa Titraa Kf^rn DfVT n x".*bS 
p-nn:E p*y) ! "z'^i.i awnaa i'baan Sy itdk» Sm nan naiS weh 
■nnn Sy i»b naw ,nr ;ica nco irrS hs 1 * ivk ups baai .(K-y ra 
»nna» i»3 nna» .13 ncowi h mm rr runea ex .roaipa neai noaa yz'v 
,iyttri Sy D'airon anann w cp wx ,S":n "matra,, nean nx wm "nmö 
.vatrh nrrn 'nnaw Sax /res -nni "ry nann ip' pn Sa '3 ,-iypS «nto' 
ntn icDn nma Sy ein« trau 3ircS ,71111 ^x e^ne »mn nnaSi ,j»n ny 
irna -urx ibnen a-m rs-o o^na -n;rpS Saix xS njraS» » b bj« ,i»wi 
.nn Tocn wnaa nw nan yn nie 
mpa awaS [«3 »ntua px "3 ,naiSi ny-na iicaS w "p*K »rtb nim 
noai na: ipw xS nun weh '«o ex •: ,nm ->ecn Sy wstidö 
pwn dji .mina iS 3t vt nun» naasn Tanon» c:^s,t .oibi S» narhi 
■>y» Sy D'awan o'iann 133 r:y .ntn "»on Sy ina:cn iS nSe* "c"n pan, Sya 
..."iiT'jr'Sa D'p'nai [a U'»,, n3::n isnan sin '3 ckib ,S*yS onanm neen 
p« naK3i ."p-EDB cite,, |wmn ipSns 3^3 Tanont» na ,uS n»p' inva 
.1:1 ni3i3 n-oaiv cyir maipa Sy nnyn «Sx nroan Ss Sy »itd [ie 
nia^n pn p'x:i ,"icon d'»« Sk u':d dtmi iSSn "nuapn,, n« rra Sa« 
nnSy nn ""■pjyn tbd3,w nnaa -:nan rv\ pni* naa iy ,nmj |na ,nnn« 
D"cn ";d Sy njica icdi atra» 'S3i rpim 'Ss p'CDB nnt> M 3iroS rra 

." d , n ' 3 v a cnipns iSia 
th "3 ,-bn" na riiay ncSc Sr n*HO nn'no uS p: nsnan 3in 
•dto nw «in -aSit'iTn n'nna natnn h mn -jh pii ntn S'nn rx ncy maa 
nxs (.11:1 zv «in 1S1.-1 .'THts miayS ntnnjn npnaa man iS [m mni ia 
(?) d'iccs EnnS laS^ Sh„ cnS rwpn -on S:a '3 ^aSrii'n naiSS r'mo 



}»j nw«ta n»isa nn>s< pvaio 47 

n*Jiinx mal aw' m n;fc'B3 ,1a 1 ? ,ni3i3n by i3ib tonn yjn ("Di -p3a 
? nsrrn prara maian "pro c; xbn ? ,iB3ty »"p pw by n*:^ iaibi 3i»b 
Nirn, ,uibki nax3i "wie iy 'in unSw b'ixbb,, s^n nas3 unnoü <ßb) 

.("obij nnnb D3ina bxit^ iay rix 
'i x 'abrnra y: ntottui ,3"c m3i3i xncoira ,w xn"i3 üb k»' 1 n:m 
.pyb n«i3n bx rmirexn |B nr 131 .ixoan ,x"b t 1 na» by ,131 kmibsi 
riK'r V3P» i ' 1 s ip33 yae> rx xnpn :nm *]d b"ii »nrian noi: 
bmbix omhk ,m:Sa ,13 Tamb "pur ibix w , 3 - x , 1 n a x 3 □ ' i jc a 
.pVia.rx Tarnb -piüt ibix Van .aniaa n:ai epo c nynp na Tarnb -pix 
■ratn xb es bsx ,inw pvrna px Tarn xb 0x1 : 113? j)"dib ,131 mawai 
inns cv ns ii a t n \y ab x:tr ,inix pinna bmxb nur 

.0 ' i s b p i x a 
•pro o'ijjb nbit« rarnb -ja by n'Bpn b-r iraan »a bwi py xb *bi 
pdibki na« dj rpr ro am dk ,ipbwi lporHM nwa pi ? bxnr bx; naia 
sirtbm pjya jn ,n» pewi nby D-aya 'mpb '•a ,rvaiy be> nbiton n:ia km» 
|n , b 1 "■ n b it y a dx -a pjid o" nyipai onwa naaa nb'ba i.im xb i»x 
,",im orn nx nar„ :iaa .rttWPn or by ran maian nnnn p»ba 
♦"■pvi , a , ba dmsb pixa "jnRJt b 1 , rix latn fyab. 
njw b:3i ny baa <a Tarn pan km ; nra pco «n xb yaxi nyib "ja 
i»x ruwtn nbiwn Tarnb 'ba bxi»' 1 bxi; bx bbcnnbi rrnnb yjßjn }b 
ja nta inyi nx lbap xb yorai rieb nnnn ^öam .m cyb bsiÄ" nx nna-y 
.bbas mb'bn dj "3 ,-pM ^b' b 3 b arm kbi? j3 xs» iy .anatsn B'Byen 
133 m»Bn ihd nya» iy .hjibxi »ibx3 c: ü 1 * ranb amb ysp: nxb.n rxai 

.mb'ba a"" pi^ata :ru«n noan dhd 
11x33 nvt'ipn bai nipeon b3 ns "px anaam cxnpn x; ira 1 nnyi 
,nbna naia "jw niba ncx neßina b"i ^rpcy n 1 3 r n 3 pi xbn .ui:»b 
mm»D; »onstö nx"3t'„ niarn by bx »a x:n,i lai' n , s , x nsns by xb dj 
[3 nrrw iy niiaxi raxs nx;n niamn ya»b nax3 "na» xb„ yaxn ,vi3i 
iax>i„ »a ,i3iKM '3 pic3 n:2*a-i ir ,i;e'b pa niTD cw ny px c: .xbv 
laipa by xa 11 ban nr pic3 anain iid bx juus sjxi ."dvs xbx :,n: irx 
d"cd |,i3i 'i n:t'B3 p % bo x:n cp ^nx b» rnaiaö '= ,mxj mvn jewa 

•uroroa 



46 niS»Sa onso r.n<v pTOto 



war kS\, nr aipaa «ncoinn noia w ?ianara3 sratn *iaT3 8>eo cn 
c-3-n »3 rraiö "xair p n»n» ny niS'Sa avxa n«'r -ibsvw po»«r 

.OB»B3 

nrawwi vw .n» pnea owan mann -no by u-ry kj onw nnyi 
nia^B 'J nara pmm« ; npai anya yar nxnp | a r a rnpoiy niarawin 
pranoi «ann rfca naa "\ navtaoi ; ej 1 a n a s a papb ntrnpn jbik by 
nroian m a i a n pasa pcyS bvirvn pxya yae» Sb» nvcno by laiba 
»ü> p*»n f]iDa n» ba in« »3 .Kbcrv Kb *a nnyi .pceeai pnnsbi |,r:oS 
nrrie vif a-iya ptnip ek niTnbi n'aiy bf pimpn cxya nunb awi wm 
? vibnna ik p-ian s|iDa laipa nra tki pay "an ? rwbe» im 
rwpnb B" o'rjyn tiebi cnann ps>ba niyaun b":n nvcipn Saa pm 
p*«a xbn ? rwx nane aiya naawan -aan »a-a ixnp naxa oxn : -iain aaya 
k S k nanu na'« ibk'i tiifiD »a mna «n's *a na»a r a 
; rttrat n ut Sn nr orpaa na«n nana »3 n by aWa pai ? u a 
nur ranvaa b r, r khan tnaa naxai .pnra 'ab anan mrm nur p* »a 
toktk kSi .crn» nmp iaiS rrma b»itb :*d<ij£ö m'ir pvara,, mba :, bx 
irawn nai "pna c:i .ppb b>"B3 nb'ba bba iaib "pnx pn iek'ib» /«p 
nnvia c: i3B»n Kb Saaa *a ,111a rur: (i '«) 'abBnvai (3 T") 'Saaa 
bwvi OKI S'n.T Kb) ibk-'I ntr-D aiys nrpS 3inb d'kiibkh Sw cawKin 
kj-So pn':np :hd ^aSwra «n'x «drei ;ffwnn«n mins iS'c« v 'N3i ( (noia 
pT3ta 7« ,,ir Sia nVqffi nSsrn Syi .on kSn ama vk ib«'! (am psi Sy 
■ptuS c-a 1 :« 'd pffonun vitro onwi .uatw nwnD iKip" «S es mb'Sa b" 1 
pi«E "unKxvw "p TanaK bttö (ys^a ctb naias nman "C3) nWa nr 

.131 Q"1XB 

anarts -inaS -pS DVaen wa 7» : ntattyi nbna "anm nSxsrn nnjn 
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.m riK ci; nawan a 1 p a : r.nsja nnK nairn c*- ir hSkc Sy 
■^Kr "|in cy pic3 k^ej '\T nA^a ü"ixb hk^" mam 3rn v «S nana 
Sk nw n:ra ^x , 5 e"k aSa nbiy m kS 'kh ,nr pjys bb» mpav;,T nvaran 
p: - ; 1 : na ,yatt» nxnp p:y3 1S3 poiyn pica ,n( aipas ";k .n-rx n^io r.K'ip 
nunvi .ibk3 maran r"p Se» n'cSs» nwiaS jwiaa kS bk no B'" marn 

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niBCoa -iidS "Ss nr naipas i:nae»a hk panS ao icck naKa *;k 
njran mana naSs narpa yae» nK'-ip Sy kS v "uaS Sy kj o'rs jnai 
inw) 'i n:t>B3 133 bki ; rmm6i n*:eS nonan Sy oa bk o m pica 



mWa B'iso nx'»' ]<i'3»o 



,m^^n onsD n^r ptdtd 

■131 »mWa D"isa n«^ pro»,, raren rrra idd jnv Sa to Sri» 
,rv3-iy Sr »73 rwwt nrna rrnpS awn raw d» »a ,nr pijn (n '« nia-o 
ayaai ; mim ja n» am iramS «av ja Sr wna yaso i:S Tan nr Sy 'ai 
iiK'aa i:S urrwon rnmuni a^ianpn a'BncBn S;nS nra -jSin raran tnip Sa 
.(Skis" m«on Sysi a 1 "' 'ein „-nua-o ,b"3b-i ,nn p'y) .nnran 
? nr bttb im mSiyn ninnpn axiy ra 1 xS h a tx 
»a paxnS -«rcx exn nxrai ,{a»o , dS Brotn ntnina p"y;i tu S*nnj 

,n<5Mt n»iB nxnp Sy nr aipaa naia tonn 
Sy aipa m mia n»i« nin^nai nvjraa j , -i ^ 3 r a nSa .x 
ix nScn -pm o-rij nxr pa inx psp man Sy bk »a ,naSr hpid ramp 
Sr i» nar Sr Taw xSi, ,"BYian rrnna ana»j] mmi pTam» iaa ,namn 
ma (nS rrna Sn) ro Tar'p rix,, .(ranu 1« nScna) "BT So ik m 
apy ia xnx n -iax„ :'3 r^p B'noca naxy a'-ixa mwz irxa jai ."mim 
ann aviaiar nx -crnjyaS «an avo ,di\i »TTpa anxe ntwr rar» tw 

."lunpS narn ar nx iia» 
ntopan Iwtb Sy na nniB "b"ixb rowP« mSa "3 paxnS ntrp .2 
djbx exni /mnc nrne,, a»a viaxn nray 'ea maSnai raraa aipa Saa 
,n» C2*a nanan S3 topS p'aca r iai "a:nx Tixsin "itrx . . . »w« nrncn *|iB 
,rS 1 B" , Mip , i ••■y) mxa ise» Sy bj mina iax: a^' So nt aya -ktn nvna 
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itppa ,n^a n^" 1 !: nana isip kS y"3Ki ^a my ^ pasmS b^icbh i»pn:r 
Yr3r mSi : »ibb» n:»an »lTta a"3ain p'y ; in» jm S"j,t niSen aya 
ja nvrw iv nWa n^'s no-io nx^p stto avoa »anji? tmn a y i S 
n«aS anain niaoa *]"na issy ns rraaia am pmn i:aB inv iiyi .kbit 
."B'aanS »msa sS„ Saai Kiajn [icS -jina m n , 3t xSi„ mSa 
'rujt'nsS :xm Bipa S33 laa S"jn mSan n«nin »a pcD bic pn na«ai 
"a ;S onp noiE Sy wiS'aaa vsa «Sn .ist nr- 1 « ya»S ik mxiS marn 
"im nnnatto ray .yam^DB vraSn lyaiy i»k nw nn iya»a ,ynn" r a 
nSa bj '3 }JQJ «mw 3Jsi) .avn T1S3 nr "crh ^'ar kSi nj» a^af pa 
iSk vian '3 ps 11 «S "bi .([bicb na na m*«v fr« "rar a'ysK» [33 »mn« 



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■wi xb'aai ktojo» e*bpn o-iiccn nx ab pena c;;b*o m rx .rnapn 
jnv .'Avi rci nx -reo» *o ba .ncnrm nvnen nx'-ipn nn onb e^aa 
an noai ,-ncen ma» D'riyna on naa ,*fan mi by cmsc ctcwb naa iy 
form ps« *vb cx'aa -iccb pvrvn .annxb kwitt nx bwib cppinra 
rin a-n bv itid'd ison "na nx "npaa .maiy nin "Tis «imö "Tb 
nx n-ab miönw nya Donnen npbnaa D*inu D'yn -naa" .navwnbM 
cnS'm .njvnwi ivan bya'-nca nbrorai mbnbp nvnixn nx nvx „-wipn 
raiyc bxx Tip wtn xbr ,ua nana nnynnai pj> »mpo ,nc *nya 13t£> , 
mm nnw orneS ins: cn iea .b.teb nwn bip nx «mw nyai .nbta 
rmm ."neona m» cSm jux irm ay ,nm-a nb navwi mBeecni rropjran 
,aiaym rcxb nrx icm nipSnon "waa' nya .pnanb 'baa amaa nmra 
..T-iaya nm tiabn nx onb'b nnb iiy iresi .otni r.nb* b» c"n ,e"n vn no 
v»anb » nw *b by ^a-csc* ,trn nra raw nrvnv nbyinm ,nVnn rrwann 
,anay "nayb -rcx rw Dwaani minn nira nx mw dybw "[ras cibvi nx 
pnci p^e baai .nnx n» "jraa mina» mcon pSnn ba by ,nw nyr "Sa 
-p'sr ,-rcx "x fxi ,ncw b» bru dtm "neona fin oawb embid ,-rnnnB 
ane» »3 ,vroa pica amb rrwy rr •;; c-raSn ijn 1 x 1 ":' ,nr: rnpo 
rx •:« jtit '■:■;■" '■»"an Diiirvi nx nb'b ps >:c,t» ,Txib »roia px .OiToa 
aSix ,nrx oyo .tc k y mypn nx "]»nb iccx 'xr ,m naenoa "rp^ ba 
mausw ripbna.no 1313 xb .na*m xnab nrcx prn [ivi syoav ,*bsx mna 
xbx .c-'abnn pr; dw orun xb pcc ,; ?2 nnapa n'nay nccb maynrw 
ntrcx n^i'bym nv;i;-pn rflpbnäna in*cx xbx .C'n nn ans my n*an xsmx 
,ai3nnn nx nurnnb nrcx nbxn nipbnas .n3':n nuvn bx runna nisyb 
pym picna niawni mbxci pto m»ya nnayb enay "napb axb axbi 
cxvbjc' *vwb flmonb c; bpr ^snne' ,';na3iai .nyc nnwa rby may» 
anb -an xb aib:i ,n«nnni np'nyn n'^yn nnccs cc^: ixbar ,nb«a ana 
xb nc-K ffiPTn a'pc-x anb nbri "try rwn nann nx axi .TOina b;nnn xbx 
— •;.- ras; «bB' rxi ,nciab vn'i "n-c-i lby nbx nca »nai ,rxna ibbß 
jux L, x-s" .-■- nra ri-exi cwia a ,-, ay ixr onoi c—yn a"n3 nbrn 



r. - n 1 < 1 2 » n ^ 1 3 n n 43 



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,p ex .bbannb iyr xb onupta o: anirra a^bana er« bxi vd by ,-nur 
.mbann nx wi'r'? nabb xba> ,tj."iS pib wo px ?an:pna cern frjnn na 
.rrbxs» pipnb ."pro» "pnnb nbann itab nx m»yb üb bxs> .vuis xbx 
,nt3 -nab vHrh nnb ,iß na"» rrunb a^-ut ,rmrra Bnpjrn bs np'yb 
nx ,n"iinn p-ii rninn nx rmeix nxf .13 nbibs n-n w mbsnn bj nr-nnc 
»3 .mbenn nx urr xba' xiTb üb bxi ,nxrn nban b» pie-n arrna rmnn 
,ir s]x v xbi ."ntpya *vb nx'aan min my nbm.i "fxa San jxa rninn ex„ 
p'b-a nx uua ist 1 .nannn rmeon nx whb nabb i:x avnaia» xbx 
xbi ,-ib"&n xnaj nx a-ytr» iaa anoa i3ia 'S-bbi faena nx ,*pD3im:-pxi 
,W1 vi Sx"!»' 1 mn -ny» ,x: ist .nman pa "ixia-ca ypipa b,tjb was' 
13JT .vrb a: xbi vitst n3 rn xb ,vby nay» mxpncim nmn S3 nnwr 
,nxr Sa K3 ij>t ,UByb ean aabn nx a-anpa» D'Tiwei' b^bid üb »■» ,xs 
man nr by \xer\ exn .tbtb 'x pyea ban "diw xbi ux uro nxr lbapn 
r'S yvr nnx obw ,p3J bx y-iv "rx ?nbx tdd 'na s'xia enaiyn masan 
fru" xb "liabnnB a'-inx b'bt. n:e>B paip ,"pn eya ,nibann au-m vibir» 
E-iipab rw*b»n n:c3 cnbNi ey a'is^y .aaosya iy;n !"|nua n> pxn .d,-6 
n:»ai D^pna ntre» Sy nTann n:»3 .»ans cpio njrS» Sy lacn n^a 
?'U• | ^ I ?' , n« anaSa na '■ai ?ir3 xn :iWn xbn .D'piD nyen Sj? rvwwin 
inr r»a ama "xi d^ttoid arx?^ anS' .cc> a^iaSa m :iya»i ca'irx ian 
an a^Boia .d^b» fSw -e»aa rrnnaa» moon pbnna a'pia itt>y nrafa 
.norm pn pne ,nra ,mba« ti ,{na nxaic tba-a 1 ? iaa m>"T nynbi avn 1 ) 
pxn ?G , Biyari by nnrn nx asnS p^caa "nab n» pxn ?nr Sy naxn nai 
p|3ö a'rva nrs tibSb wn vrp xS exn ?m , nxnSi minn nx S^jnb n nr 
?BP "rsa m»Ea "eSx unxa a-isn ,a"nn nx anbnbi nxsS aipip nyi aSr 
naa pinro SSa aipa an 1 ? pxtr ,tnnnrvi a'x'an SraS a^arm naS '3 
a,i3 *:x nias .ib nana ix psn '«a ana^n nx atnm w« ?n?3 -iiaV 
avunb B , 3' , ii «nnww nx nSpSpa nmm flävs nevnv x 1 ?« ,;Tim an;i3K* 
invn rrD^n ,rnra3 cenapn iccn ^33 133 uww nnixs nein .w» 
•na nsnS ist» nnsyn neun nx d^SmS S-mnS x\-n .mio invm nS'yia 
iux rn j'cfnS ^^ , cx »3 ^maSnS m , 33 nSym nx^a rwn nB»n njrr 
rx a^spa rn -ican - n3 .iSSc sbr :r3 jiVth niaas unS ,! 5 nuna nx nce»n 
an na ou'sa vm ^at'3 Sbsnn'? rx a'yir vn iriTi ;-\aih mnx mix 
erx unS*e» ,xpy xi ^3x .nx'ipn |U»3 nupj nrnwi nxnpn »3 .a^Sana 
,nan ^3 nx^pn anb K'n tre; byuh h s ,"iaan n'33 ixnp» na n'33 rara 
natt»5 bx nnana p'x m^enn» ucb .pvß v"?y cinn arx evsair na bji 



mnwiayn-psnn aa 



rneo waa frww jibvwi rrrSian nSnpn Se> dvdb hd i3-x xS .nS'Stn 
er om« c'dkdd ,mtn «SS D.Tnw iroa rx es> o^Sna d^Sm» .c^irrn 
rvuupSa m:wS dp D'iaSa ,Sxik" naana xS pi .oSiyatt» maann tb Ss3 
d'iibb Ski»' hS'» .naaS a'nrw ,'S»a msyn newn n« aranjn ,mw 
.mn' Min w«a 'Wn n-n 11 paS nuwSni maann Sy xS "3 ,bt»w ,btS 
'vd ins .iB>itrtJ> noe>: ,nSv nx nenvn nppvwan naa'j ,"ft na»a •: 
•x d'njm mvu i:k 'J'iar .d^it xSs oaxy rx D'triy „mpa Sx njujunai 
d'tw -nna B'pnnSi naya pnnnS naa nn ixtsnpm w d.iS pip?» ,d"Sbiu 
•rrnja »3 ,n» Sa Sy "otk xS .b'JB Sx b'JB D"awnn d'm.i oy nwyiS d'mws 
■jDiT» enS 3cib .yasra o:rx na»K ncrvita nwn nSnpn irxia a*iawi 
xnp Sip3 Sipm ,e"raian DiVfliKBao wir xSa> isSa ,wai ininS oSiyn Sa 

D'KII DB'K> .TOVIBlSvi TW 31,1 S» lTD'B IBBil TD DJ cSlX .13133 

nanw nrx d» m3"3 ,nm\n minna na 131 vrfab nnS ,131 roVinwi 
.nxSni ona niaan .TipSn nanwi nx-aa nan .ornrn "na nnyn nrn nixSaS 
va :nawn cSapa 1? nSx» Sy v,iSk icd »na onS ia'ün» rrwon na »a 
B'abin nvB»n Tis» 1x1 .nnnn 'o Sy vn "jun unS'S nnS na urcu icd 
orx ,0'SScne on na dtsb erxtp jy SScnnS oawS a'ta crx .D'jproiBi 
1x3 ,nra ptBW "a pxi nccnnai roSin mnw iki ,d^b,i b'hd c"-3a 
•;dS ijtp .niScnn m bx^w nS'S ibSS ,mn pp n« oinS :ico to mOm 
"na ,ni3tt'a xcmn nnnM .ciSs'3 X3' laipa Sy Sani D'SScna d,i nai *a 
ravnan .on^ya \v\o i:;yn , i lya»' D,n ,Dipa p«3 d'SScdö ixSa" nvßian 
.wriB Sy cnceai b'bjh o"nn o'xa oSix .d ,, ixi ckh »an» »ca psini 
nvnSa npee ,iraS imx b'Svub» ,wa maa nyi ,mw ,uS D\sia D v nn 
•iayn iS'S wen» ,Sn3,i ncy mix nv,iSa nSin ,itivri v n3 'rxi.i y;a,i 
.j'Sdi jxb jvS ,i?3 ,i:ay "ns Shj "pj> ni.iS ex .d"H3 rSy pn vSy pnonS 
i:ay trej nxi iriS' mrw nx ,rcx mW «miain t maS na nxsS dSix 
niyiS 1X3' xSr . i:Sc\, w lriS'f D'jm i:x canai n&to ex .cya'p -;x 
unoin nx ixaS ,1»? zvp Sy uoTp Sy -at'S nx B'srn ex .B'in« nvwa 
.nrrrn nvMvn nrnS nniaia nxn .ortWDn wn nx'icpSi pmS ,n":nm 
B'a-ina ,'i'nM i^cm iW3 13S m,i3 pBPBnS *;S tio* rx ""ns nnxn nican 
nniM rx ir:sS mx-nS ^x ca^inb .p'ccai x'-ca "n*- pa iriS'S nnS *;x 
v: nnn'S '-py nc "Wo! ,.T^ji n'mStf'Sr.cM S:3 aht .nD'pm nam S:: 
rSr on c'SScren v .iiScnn rx iviS'S anxha ex ";S na '3 .nnr.i rx 
S3 ,i33icS nnna naxn »ix rnsnS i:S naS ^irmax lSScnn» loa d'bvb 
'SaSx '3 .c'SScna cj^x \Hv :nian neun rx -iS; yi'; .^axy rx ---; 
-ri:- mSy ey nSfinn rx p^nna vn ,cvS rnx eye pi SScnnS :xi 



mm nsvn inna 



.jranm bpbipan "jurin bbja ?na bb» fem .mb b>o^> , rat« ,nwwn onb 
yju hm nrtnM ovp 'beb« .umtob b» cmmaba hm nas hv 3ia-np •'babNi 
3aiae> ,panb b^ix vn m ,nma nsia arry ina kS 'babai csbb nsp 
nrn» rnejn neynnb «bi ,onb&* ram» »Amne tpabnnb sbtr ,cnb mn 
naa ny ,mm nnrb m min na-ß' niran ncan naa cwn vn ik .cnabin 
"■kid toh ba> vaya nnmn npT najorai nnyam nunwn 'ayn natrcrw 
y« nbs ied -na <3ia b$ wams» nbw .vrm twnn »1 a>bn naa ny ,nr 
uiary ua„ :nto :nw bis^o n"apm .nvcsan tob arbjn nx o'Ypia an 
.cna^ bt> nvmsnn nisainn |n ibx ."n:iy psi Txnp trs psi *nx3„ ,"ovki 
,cenn i» navp ,cnai8>ut< mn rnaa by ibt-cbi aso cn nbx S3 'in« oni 
. n mn bc nnabya ibbn warb jnb *ik„ :nnun bip n3 nwrp 

II. 

,mm» cy nr«< bt>> mm ,m.TB> nrn mm ,-ied ma Sa ,tm bvu bbs 
ja nbu icD ma Sa s a .rnea vx ib tr .lsvpa miyn irx mabab ib »» 
o"y« pS .na - pn murn r« "pwsnb w «vir mix ir« c"nb nnb mann 
nrx aen na »" 3"cy« .B'ayn b3 bxx mw aya3 c^bban cmabn pin» 
nn« ik n» D'^ab pw .yxpa nr« 13 c" ,nn«b n> ibo ma p bnaan ,mab 
,B"nfia p3 nbnaan ne&vi ix :am * by «in nrn niabm .inva jvsx nrn 
cn^b nnb ,cxbn avpi mnnurn km n*cam ,nnra v\vr& iS r;run mn ik 
DiTJ'a Tnca nya nai naSw nns na^enS cn« "anai nnsan nan nr-x 
mnnxn nM D-ytH amiyn rs D'Taan cyi cy S3 mai .ccyn ikc pa 1 ? 
,va rum mea nrn maSn p cn-;unS rnS rSintra ,cayb cn'Sy nbaian 
nrtttp rrn "jcb mayb .camni mywn c-nn Ss* dto3:»3 ,p in« iS;rr 
,omi» B»in tt'aa'ian nS» ,~na orthy ny-cra nnr n3*3C snn kSk' ,n*ixa 
.■ja cmna crby o^b'i'sa .»B'p b& "wp ombi cnce'S ,cayb -.s'pn rrTi*» 
ntry: 133 sbn .cay "c-p; yuÄ KW8» -a pn" 1 ck ,rnbi :r,nb cxsv» ny 
nmcn ahn jorywn nu»a pc Sük nens n« nsi uann «asn vbv„ :btnh 
Dnc^i caB'r on cnan« byv ,cSiyn niai« b» craa es ."nns : ; «aayn 
ir-b'-K' ,ubs« ,-|3 ,cn-i "cbi anb» s*n ,na cnxa an» romom ,b.tb3 
fiB3i naa rn« by ,rhro nyc»n nbya n-> na^acb btossi ^;icd 'nsa c'Kvr 
ibar» U3 nnaa .mw ßuasa cm« pib ,umi pra cnb p*ccnb csnw 
«bc ,ita ncr: unb'a n-cnb irby .bwra 'ba cn s by -raybi c'nn bs nssb 
via ,cn« naaian rnrn na^aena u'in -p ba j?dwip xba* ,n-na s-anan 
-UB13 -[in b« unenn» nyaani nbbiannn uca c ,_ n rcs-b raine utbd 
wrb *:k maia uiatnb ?nwn n^aabun cmiyn rs i;icc to c\s*bccn 



40 mni«i3yniunn a 

— •:• -.-- -'-•;- tm ,?mn to\i km pi\ rw «Sx ,awnn ncco S?3a 
tth iwa .—:•;■ rR»n rx bttoc »naa umn ,vby \yvrh na*w nSia 1 
--;:- row rwna ixt "3 .nrnni ncc tto o: ido in narvtai naw b» 
maaa rrnrvi rix imS ,l > ytwnS nya -rex» .tujct mix „ibiannn nnw 

r-c % -j-:s N mn '"> mow mvib maro» ,/wbnan nbnpn „ibra 

jnwi .jysv.b na by nb rrn xb ,rrn xbabx *3 ,n'n mn *sa pi» ,nxn 
nbnpn nmx .no'ba by mbn mww nrwn iT-bn nnna '-ajb naarj nnvi 
— ;r x-r Tob paa — zs 7133 npcncai fvTayn nccvib tbj tu'm ncnra 
cn na r ibbn rz'.p o'opn nx cpnai ,m nb ix^p» "er3ap, nrxs .irnux 
.o"ib\n b» onvwna r.x 13 naooBDi na^a itm ,m üb m ,m c-aba 
*a3n ix3 "i3i mrvi bjj ina'-y napn obiyn g'-qi nr?c by„ :rcx nwwre» 
,ne by ü^'i"' cp'cci c::t: mban *yap by :nnx by inw irayni pb-u 
nbrb\ vm mn dw *ba «n ip ,<aa jeixa orby d';wi omw anVsiw 
c— p rx .-;--:• nmx .rnb'n vpa psran mix na vetan xb jonw ba 
-p x-rs .Dnaanai iTBijon b» "t; n wn vax n-en "]inb nnini mpvn 
Sc nww mann .ix x'cpan tb nbx icd ms »bna p3 TW vria 
,c"ap,n Dfewn bj mn nx 33na wxr ,13b xb ,n?a wi ip mabi urtVfl 
x-7 if nw anSvi 3S3 p-ay pwn /yaan mn rm nx my n*aa xbx 
rx T:rn rmn ■"■;"" x?x nriiTn r,y~ % rix avtrft .iS'yia raxw» rn 
-r-;-.-; nat>3 nv iwarmo niScn *ycp xSx naViya [■«» ,w nnn 1 .nn.T.i 
n;a Sy vn kS) nx-Si nixiS na» xisS n?* ,nrox3 *nai aSn fa pnan 
irBfon noBWi Sy navi SiycS nn33 px ir: mrr ,n:»S eye (. . . SSsnnS 
ctAtw ,^3 mn pxi .vHv hv aw\ ornia^a tn» ,13a rww .tVn Sr 
cx3 crxi ,,-iS-tpn Sc n-icc "nsS nrff nan cx-c amt vran enn cy 
,xm fmijl .;*3C Sr rnn Sy er cnS DVOTW ,roa nn cd y-:? -:r 

cn"iS > rx orhwv n'-xi n u x TBC - n3S ct:3 rx vthw c;-x D ( 

c-ccei mn mn ktb DTWnrai cpanna oaxya o'nS N n , M nri3 px«aa nas» 
--r-r cy TKKW TP Brom b*»3 M DnofwiS nir:ynn }'X3 ,Vn -Sn i^in 
:•;—- •::•," Wl nx rc'S cnS -rex nn*i ofw ;- - ra b err 
■;••- ers -;: _ s 
-u-n23 - ::rs -r- 
wxa -;Sn nnx 
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;•;•:••' rsr ~: rx irjnvi cxn flfttQiTJ cnS D'arr nhxpr, •:-;■:■ 
mva Ta etm (Wia .aS Sy or s"x px- ctu- -v :••-- bs io'Jtt cc 
man «twjb ana — m umi p*nnn n« mx^S esen c;-xi n-xcnSi oc 1 ? 



%fo rvBijiupi rvrinn nnayn rrnesn 



Wi ,vrnb p»»m la'ao spxnn cryxn Snpra ,wy»a dj ? "pca r-naS 
12; acn: nSx "iro^ way jyS Sk> paa vSy onana i»b> ffnpiB'Vwi 
'3 ,dtiv bann Sx duokm wi» Sa« .aSa naa n:tr:i m nxya na -ibidS 
nawn uS rwin kW ,for Sa .üb» 'oixbn crpn nSx» km rwrmn nSx»n 
-pxa *a ,d"2»m Ki»b .o^nrrnibtw b» pnnoa pcyb Sau xb ,u nbx»b 
punnc nx »parn wryb nayn rm d» ! xanx .mbxa ir nbjw inen Ski»' 1 
S'nnn r« pn tk ^»sn d*w D"n -nrb rrn»Exn üb ijjvbq .nnienn Saa 
psnn unix prni nnx mba *j ,ubb nnas xb p .nmun naiaan oS'awa 
o»nn na» .mixan nainn nnw mn mwi tm>enn b<a»a r\x ."axy ovpS 
o'Jirtnn cn w Sxitt" p-ixb man mayn oy .finm "iö»n -bikSh sjun 
dk »a ,"nTD»„ pi nS nan mn orwinv .D'pnxm ,u "nyiyi nain,, b'onb 
bran »lann b» "cuap d"3B„ by fj« imS jeix di»3 ibav xb ,rvBixb n-iaa 
■tri .o-nx-nanba oipn r«i .uv;i niS: nw '•bSk t»b ab-paxa uay x»:» 
,mn:n nx xj »tj .xab Tnjin bx par »xib nxr jnw naa ,-axnb nann 
! mm mnri : c»a xnp:i bm nx o'-ai amrcn märewn nx o:ai 



.(uiaSx) pmpnB - 1 

•mm nnyn "runn 
i. 

May- obiya n»y:in Sa Sy <abi *ry »ne» .pSiaa '»n» DMvn n»aa 
Sa Sy urx yaraSi -ry nx-ab cai»e Miayi ,bib3 nayn m:nai- SSaa 
n»*K pSia ibxa ,K"\sfn meiern nc^i "pna T^n i.iai wnm n-aiaiyn 
,mt«M n-rSian nSnpn iSsa ,-ü*n nnS laya kSs ,-bitk Sb> nmaaa moip 
o'f nnnan D"nayn o^nn ayi nS nsina caivni onyion o^nn cy 3»nnnS 'Saa 
.niBinn pa nruw rix dk» naw'i ,io*jn na'.na rn.'cai mwo ,n»nn mw n-Sapai 
"pnn cSiya xia:i nry:ij> ,ib S: Sy piannSi nuoS xa pxi xxr pxi 
ktib s rxi nöino ?mi 'JdS nc ":x IC 1 " .a-ica D ,v i3yn c^nai SSaa n'jvnoni 
,mwn Sy iaxn ex ?ixia; noS v nSnp S» nnco 'na jouiino n'Sy 
SaS ix ?nj;w53 pTQ paa ix ?1T3 maSni cb*b kxv tbS.i ca^a^a DiTKn 
iSx :-S c'-üix id'vhv crx 'ixia SSsnnS iS'ex xSn ?"j"3n3 piB mnen 
ar.r ,n*»Dn nisixa» nya na ?rrz xn :nmni naiy -:ki !mS ied -na 
.n'anoi .rSSa .nwpn SaS mött»3 mm pa *n» naixn Sr «■>» am y» 
,Dt>3n km nnayn nww ,ma cpnxn iS'bk iTan D'ann mman nmh 
rwnn nnaoi nsnnm .ip'nyn imoDn Sa mySar ,nnnM nyn'S naS xS 



38 n'D':i2pi nsnnn nnajm nneon nS 

.vmSisnm B-K-Tya Sa Sy aircnn «S« ,aiaSipn Sit» ma« 'in exaajn 
■naiS uikbx n« mnS *ta irsnai "n an« S3 a*v uaait» pyan rum nti 
nneea nnvi K'ni ."yaaS nSyeaa» naa„ mioan miro maa .B'-n-a-pS« 
.nwVwai jnaa ,m:B«a pai ,yaa3 ("3 rrw ntrya Sa Sy nnna nrctrai 
ruoS nnmn w naSn ,aaiy n*HMi mn Sa» nna nna» nyca eSi« 
nngtvn nayame» p'aDi .macan nvesBWi S» fnSioS nnirysi rma» rran 
lSwn ,inmi npaooa o"nn n« yaanS T,y nSa' 'Saa nainn cxatsx« 
r-nixS nnvna ,Sicb er mSy i«ip .mayiT pyja rt'Vy cc^o mx-^a 

in« Satt» ,D , -la£ , w pa laipa nanSa nnpSnn .TJtBa «3 Bt«n rrni 
injraana .ibisibso mm iSr »mn wi .wn Sit» isaiina man 1 ? ,1x11 ena 
«top Se» »isaSi paS»S ,mait'EnnS f|«w »jnan nr nai .vipVansi 
■: ,S:n 3*53 mann "nnn «Sa» ja? S3 ! aSiyS xu: «S n»n "työn ;ai 
«Sx ,TaSa w» jnSio Sa» mm a^p'j? Stt» aiao Sm»" av S-awa nv* mn 
nrnpen iryS nSa» ,3*»» yipn b'bSijS TW» n&vn .warn Sa» vw pniyn 
Sc taSa pi xS ppa n» ynpt .nnwia irxa» y-ip im« ,i«tib S33 .3 Se» 
nsia» ana in« Sa Sy mSiyB «Sx ,]wn -im |a Sir 13S3 bj dm *a .mystn 
rrn D'spinv ,«S« .uaa d'bSbsi jnpn Sw aton naxya d'^jib San .trn 
,pSin ltrysi iSSnme» .D'Wi ;a B'panna .aip-^sa nvrat dVij» aSca anS 
nx a'ama ,na - y3i mto T^ a'xa D'vysini ;vmanii vmaiSn ,Taya cau-si 
mra nnaxa nenn csS rat Dns'pwoi nnimsa St* aSip-n3 -nnn S3S asr« 

,mS TnjS c'yiÄ-y» mpnai mnn na 
crSaS niryj iBpn Saa jmsn aSn Sc* nrn nx rrfw ,"pc3 irna 
a'Tiian 'jjö nm «in ,D'3p»n tt'm Sy imia n« -cen Eraaenan c-.^'sn Sit» 
tryiasn St' cnysi Saa lan pr kS rya* nhwai ; icy bb»«i3C' .csiEnam 
. . . msa WK*oni ,ai33 ista aaipnnr Beninern 
,rew mn wm Hiawna um imya Sy .3 nay tnrmn avn c:a« 
c'vpcv kSn i'y «Si ,uui iwn iyi:n <aaS na»p jt« p« cpyiün nsrma a 
-:y n'BD'jP'SaiBn in«ia: n« »aa» («aa .yüV'bvhw mynn v, y ip'nirnS 
j"« '31 nmnvi ron'jasa e v n p« *a an^xn-rKi nni .croprwn nsna S« 
,ma<n"i»HB .Bip-ja rwn» : "syn S« bSb:i mna n*n »inw ni« , «s» 

. . . B-Tcn-nn;« 

rtrawS mStw ,ueyS oSiymn nyc «-,-i ,na c"n mv ,nytrn 

Sc» c-\- .^^rsi wn pinc a'in mr-mi pion Sy nnaiy myiaa 

aS er ni - a ,ujB»a Dtpta mr p« D^srrn c-rp:Si y;n a'xp'cSici 



fo n<D<ji3p> nmnn n»"»yn nrwcn 87 

nvnS u« o'itn in« ixa .raanS sSi raaS xS by ana irotn ptt» ,n-prrr 
anpstr nnnvw ,B*sn w ,o"n mnm «pn nvnS um mm kSk ,mnm 
nsrp naS na>yn noxpa kvw .irjaon nrnmenn "Sna nya nxyn kS ums 
\nnian mmm ? nnm nsr na : a'nani anaiy u« nyc> nmxsi .b'to jpiöi 
,mnn S« tutiöw na Sa K*n nirw ,1*5 nein mtoxöa Saroöi isca xmp 
.m^nan nSvma |K9i «omm Sy Scan nnw na Sa 
DjrmjiaS 'loa jnn ir mnrtB S» npaiy Sa Sy nays» ,-ieicn sin .a 
.Swaa .rjvua .naSa -ab wayi eme* ,, bSk nSiSan lana iSna» p'np 
...mac: nmoi innas n:o naaa» n eS ,nmm nav; mm jtoSi j»S im« owib 
nnan Sai mnm naiaan mSin vmn nnyeo nSa»nn njnaw , , trn 
aaxy tAwtwi Sax .niaaSa nape> r mrsi nwnynnS "iB3 kSk p*s nTHB"«»! 
o^nian ,cnyn »dS jhsvm Syi mm bj> rnro napirn wh nnvi nnen 
mar nr na mm nSaeviSi iywdkS on^na jn»n Sk> rrnainm c«mn 
ins pDio i« nr pova sSi ,pnn ja uS uo kS nS« Sa '•a ,nnwn :moi »«» 
nvaja s]pn aien mro tri» Sa pS pxe> ,niTH aSs> ay Sy nuS cnaa v 
.majnm nrnn mmn 'rya anS ras «Smy D'Jruom mnainn <a ,mjen ;wdj 
,nBa>3im"ic3"ipapxB» m»a*i an anm -3S3 a^ann 'rya jonaw mm mSn 
K'n mn Sss .SS33 mn Sy sSs jambn Tzbi a^mam nnainn Sy »b a M «i 
-oyS n*»" nr« mmw n^iaiSo p)«i .nvrwn bv m»p 'an ma^snon nns 
S» amySin TD rrn nr «Sm .xaSys Sib33 nrns naaSi npvwa rpbj 
vn sS iSSn "a lrsn kSi j? u w rnxps ,o*nr«rn ,»"ö"0 ianS: an : a^'awan 
,ai£Biuai ns B'S'aa'aS cnS n«"!3 min a«i .ayn rrn waa kS« .aniaomn« 
mian ayS an ly^n na nsn: nsn .o'arn nnv a'pais« Sy nwwS d,tSj> jtm 
mn S» nSSn ns mxSaS hi an naai ! pnpnn maS m ? maSnn p'jnn 
iS u>' *a ,n«n aym . . . nrru nvnw nisnaa w annm msSna ? nain- 
inxb «S arobw .caiaa bt:s ay sSn a^-in d , k , 33 ay «S D^ian p oyon 
anS an^nn -]3'dSi ,a'rn:a nrnS dpbu ry d^mtö myi D^nsEsmn« aasys 
.o^S s«Sn ,0^18 «S ans nsi sin .ns:a'a bj a-aycSi ,Siaa3 ayn 
«i"i iB';n nain ns aipw nya'a »rniai HiTn 3^3*^ ynpn ins eSisi 
"nnsna ti , k» ynp„ nsa''' «im naiy wya p-y ,nS nsinair vy S» naimS 
.natrsn s*n nr-eian nrmn «S ,in , »j» rnr Syi iyaa Sy na>" nbv for Sa 
nSk .vian S'3£»3 sS "■omian rmn Sy p ,m ;a yicn .nasalen nvmn «Sk 
ynn»nö "ßtp lysa ,mna nanp.nan ninnemn 3x332* 'bS .nis'p S'ara spn 
rrn piy nren mm pipna vn a^nao .o'swn an^iSji D«m msia Sa Sy 
,n-iasaa nK>y; mn San .mm-rna "Sjjrps.a rwmo nmn sS km ,niaaSa 
sS totoS» .bv-ev "cya Ton nnns nannai a"n mitrS nn'n nasya «vn 



:VB':i2;3i r.nnn nnsyn niiecn 



--s' rn rmr^am «S bpena ir« p*npn tbBiVBP '3 .utoV» «3 wn 
neriM «•? ,«nj nc:n ona wv ,kyd-|3 »eca .c^cd] cpd naarmaiB «S 
cmm p*ieaj n»np ona tre» .es":: cnB , .aneiD nro« -tro: iaS «S« [iSsx 
mpaai re*x nnp» Syi -nein by an» cj'kc.' anBiD ; rmcoa nie'««' caba 
■ownwjm .pannan na 1 ? rnyo .mwn »Bin b» rryvpi rx D'jraa n» 

.obip mjrnr painn 
paen ;e Dmpmnn b»a D'iwmn nwnn bp c-'r-ip o'annn mBiD 
nanp np-ia» ip cny- nm «bi nsnrp nronro nnw b"jib .nimaaw wn pi 

."! paen b« iaw„ : wimbb 
cSiycu' .onßion cm« bw »ö'jbti »jwa van» ,pr»nn rm *pBair"na 
djdk .Biabipn na'bB sb« ,»bvi mbaram crap w paen cnb rrn ab 
asrnai arbs tanra «in e; ibai ntmn cxyb pma cnap «in nyi c*en 
r»Da n«mp *»p ub napa n» evyyi) w Bvna bat« .tpppwn rpnb s'svj 
ir«n nbipa pbjbj napn um ai vy-o-nc« pa nm u-kh ma % a ,(own 
-x ow„ : onap ifr myi cavo tbtp nvw nprai ,1» rvspps nwip bc 
rso- . . . ccsy Brown *eSd nye» nnwa r:a r« paa sin nn "! paan 
.wpr'b» uima nba» 'Ba ,paan bK «ab» paan bn er« aw„ :^cin ,vn 

(*.*! niiTii paan b« ow 
TS r-p »< bau .iccn S« ;cr-.; mujwrvw pa» .naian ns lrtnn 

. mvrn rr- L :-cn„ ran jBwa jawörnbiwi c"na :ab m» 
ronrow it .n'Tsic i« n^iB n 1 ?«» rmnvi |'« .uSwa lea /pca'rma 
nsn nnm n» raipb .onw Sc j'isp rro pm i« "?S:S cji naSa nwb nyju 
, , sr-;'i SS:,i n;-«2 wnw maa rn^ 1 ? dji .np-ya .SSa 1 ? npjun ,nnmö nbiw 
:.a j"s.-d (ni noo dw vna») iTBoa ;Dpn*PB»j b» nTT wo rmS iDiba 
,t.t- b« kSi .ornaa» »mwi ixn S«i Van Ss ,t:c neu* n»inn iamDD„ 
--:-- <i :-;:'-' unwpb nVi/wa k-,1 .n<&*wn inioS»! wbj Sn ,ain "?k 
neioa .-c:; 1 :; rpSs: nanpa reu-; -rs c-a';«S kSi D'SSaWDl c*:pra 
: Btw nb mp an n-T.r.-i mwen Sa» nsvi "pnb nint» ,pwtnn n\n j» ,"S 
-- L :s ,qnpra cracc 1 ? c: npir nn*n "3 v nSö c:cs ."aSaB» pipr« 
\s i;pnS yn ttw U'BKm cnpan neen dv pi nanSa cnS u" ': --zti 
ja -;- 1 «an "Ol ';•« TBcn "a ,ran .a .h^kd n-.r.cj «.in nSwm ,»vnnS 
|K3 f« ,-r BWB1 ttHTQ bpiBl 'n ns .n'TIfW WttMMB p L n vi'Tn c« ': ,j",n,i 
«S« ^Tjaen mnntnnn *»a ttwi n« coinn ^lwn btu dp n^nSs 1 ? mpa 
ro pal uar,a 'th' kvw ha pa nanba ,npap r - s'c3 ncnSoS cipa tn w 
z—cc: nina w pa nanSa .''^^^ , nvnSa Sinr na pa .naAa ,'u",j« «inr 

- :-, 10« - " 



— [t-, n'B^nspi ntnnn tvayn ni-icon 36 

DTin nnm cisys n»p an a'yjiD ,rwvm nnecn Sw maaS nar o*«» 
13"»Sa o-a'c nib^i «man-rra Sccd Sy 1338^ iay nn'ir ,13m« 73« ..tth 
pyn-rvaD n« »i»ia "jnynb o'ytT' "iddh— 33„ anatt .mtmpn oncM nrnaa 
•o .dtisbi onaiyn ,y7tp D'rnian o'iayn "7«n&" i " , £3n„ S» sS.vcibbbi 
-'Dirai tnyn uneon 7ä> caipa n« rtrh ominani o'pin ctcon o'-rr.y 
crnyi "7«itra nrneria» ..twi nrny,, raa nabn ^i« ?jnv -o .pan 
DDipsn p-i S3« ,p3K-oi:D .cayn hv aaipas sab cmwani o'p-in ciccn 
-jvba w w« ,mann b» «|« ,D7iy3t> ns aw .3b3 nSi ,1373 dwuo 
avw nwei irrem ~ aopn nx rwim m-Bob rnb vra n\T xb .o^sb 
twnan ns Bt»ab naa .obiya» Diäten Sai cm-un 73 ib-yi" xb „wb 
[wrm nneon p3 b'isan wn ina .va'sni pviyn neon""» 3b ,i3aba» ,to 
^33 cyn-inx ? binb anp pa Snan pi j«3 w mba ? nwn nne-an p3i 
napn abn rowinb y:i33B> ,.3 .wn •"■oy nairn swi w nana by ae>* 
— ! nari-pncn : ruiain n?en nx p'an .«nua-nan «rmab inv arp 11m 
pS na nanss,, rwnnm ,1)373» iruann m m nawb iudd np'nyn nnocn 

."jnx 17 -xr 

HTunnvn n^n^ay 137» wk in uS» x\n i» :bi!td xis-x «in biann 

/raman p"yn ion xb cji fi"sn ny73 ,nat> mtmpmi xb .nabs dvf < bj> 
nein k?k .nbaipai jvxiib xnns? ,winn nriccn v, y o'oaye .Djann« map c: 
.nv«DHWi nncon ja nu-in nbs ntnnn mayn nncDn .1373 na» nmipan 
o'Dica n^rsai uSw cnnran D^nn-'iisns cpDiyn .onayn omcen iSt« 
.Dsaiitan i:3ia3 ouinb n>a pana »r«» .jaia .ouin kS» pw ,o"-iipa d«"D? 

(* .-htt BUTnb sS« 

no |n nbs .nayn mpan ja niyau ]th msnnn nneon 7» niTarn 
13 wasa rvmm unncc» ,nr pwab nmi pii ; i:ay S» niSjncin-piÄ'a 
m'ar it'x 7» nviipan m vwvnz .n'-ipa nncc 137 vr "3 137 nana ivra 
pnraa» 137 inr .nniaw na'B ,m»«n 7» nian-nasS n-ppra 13s ps< ,n , ,ib' 
pnran n:-na ?p \rb nnaia naS «w .wn jann 7» accan Dinna D3331 
Sy3 BWEii «mpn D3 S3« .yiij .m ,nawa rowx pbnSi oyam 
x-npn .nmi icon 7« icn" rs yanbi myi nnnS w«n "yra.n ap3'BD;-Kn 
r-nn-a nx im« mjm Vni yjyirn 137 .noca naiS n'fflw ,jtm im p 
ip -«es i3S 73X .waoipa D3BK runii i"icc3 ytfynrB »inn «iipni ,itbjw 
cn\7 ai3 .iniy , r vh www 7» aan *]xi nonSnn S» pn «]« .mpa 
— wn : hbiki «in yiT «nnn iEcn 7« rrnimo hv nrn njiran 

.13 it I 1010 "pnen Sy„ nxi (* 



34 rvB<:-epi nennn ftnsyn miscn n 1 ? 



,nnva m»w ritt» *" rvnca bzb bsx .trapn SdS ua ,mnee irS cSinrtj 
pxi an» px nnnn unncobi .ambiai cayb pn D*avi o-nnx nan m Ssi 
-d „Tn nnoo nmn jwvi nneDn iS*c**i .npviyn nnoon xpin . . . now 
Ha nsn:) hneon maj> .wow owna npn wi abn tw cy pe nb .vn 

". . . yax iS pxr pS 
onmn on nn .abiei cwpn nnrtn xnpab cara naiy biw&t xmpn 
tnnn pari jwmön nnoon b» vina ba-nn pa nnis* nnn npiay n*vnn 
.ja djbx .«Sc» cp'nyn o'ran "nw»o, Sy ia*pnb ibay vnrai vxo na*x 
w« wb xb :iBxa.n rx now ,triCT w ."pcs r-na *co ixr nb«n onain 
noaa in:ne» .'pra'jPTfl ww . . . xnr^-'s nnDn ny xrnnx sratra^a 
xbx ,nennn nmaan cnpaa twawan ."n'bnjn D , anan„a -in« pi xb lasyat 
nx mob'31 b'sras fweh pjw ,t"xn ,j*»m «npan ■onno ,onmon nnn 
^Damna .(nexaa nnx3 3wp3 owb) . . . vby ras« w« bai nn„n 
pnbi nsnnn rmBOnroa byB ibip nx yatrnb b'nnn nay tovbsia iiroa» 
.wiman navnan obiy bx ciDic .pwon rm — nvbba nvfun ma^anea 
,nvT,vn vniyns jmbm p'sn .vmijcaa mm xibsn rrm-flaa nwtn psn 
■nwjriEon nruwji .p p'b] tabn — nvw na .3 nxe>: layai «"a ,ain - c Sy 
-mann .nnanann no xbx p*x .na'ira nebs» na ba n;: pis ntr« ,ib# 
ban— pi ,pnn ;a ruoD» na pai rmmn |a lmn nabptv na pa mranrwi 
spib es»"! lb» »wjbann nianip^cxn,, nx ."lbonai p'fib] p3 rwnmrvw bv 
yn e]s si'a - S:a ,ncps> "«n ütcj i-an rKi'a; B» ,"nanSan-3i'a„ p3»n Sy 
-pna 1 ? nnv pjy nwu n'aiyi rmrpn m-a Sy nvDiciS'on min • • • nnaa 
.npinai na'ioa DViynop»n Sy3 ^m^c .3 p« Tan yyt /nSin*oo 
,ts tr-j'cr |vj "i: is '«na nnv "on„ v»o .rcnöTTWO vui 'yaa 's Sy 
K*n iSr npnsmr'aion n«r naybi ynn"na niv nV« nri« lbr n'ciDiS'on 
S:c n« ia:c Sy tbSj nvui ,"man conan,, npys ,nn« nsn npyx 
,cn3-in ,;, cy .: Sy pnSa nSru i»"V mjB ^Ta px .vmpcci r.T.anSo 
o*n; — 'JTB Sjb — dSibb' c^xn jidS sin ■p , ;r B";y .Snp3 yaca «ins» 
rw E'SynS pii ■]« onS mm ibs Br^bi .nn'yawS caia-K nvnS cnV 
•rc nayn naarS nysa'rs« .cnr^cnB ns mc: 1 ? attttvi rw ^SynS .cn'nwjn 
nnw rcj S*» nSip-ra c'aycS u>Sk nVijn nypu m-rrnn nvmnccn rwSpn 
uk unatr: Sip rx iryaw o*si Ana .am i;aSi px um traa ." hwa 
mV», L u' OTDjn omVwoa -s*x ,min-i» , x jncbxTxn bw wu "pna "ona 
— .iDr.cxnrjrx nx cmy i:x nr. -, i3-3 p .:ut .unsoa«» SnjS ,rn 'ra 1 :?: 
,i:nax ribth nwy;i v:o nx *join cxnoi nun xin nnio : nnn isnn pi 
xm W) rxaian vnan ."|bx„ vnnx nsiyn /Tn\n Snpn u» — c^ncSi 



jtj mB's"Q?i nrnnn nnayn nneon 83 

»3 ,tb otTiD .*pD3 arvc St? nnvan oincn csn nttny m nnn «-iipn by 
no'm rjnnj xbx ."iiain wm nun 1 ?, na ,nvinecn naan by nby nS nr onx 
carpty man ;vcd D-bo na^fin .vmaxjn rnutjBi ,rxn /b^b n3 w j> naixy 
.-una» na -tan abn nwrm njn rmo "jwa xb» ,ct:d ,vbxi nx onpm 
man ny»a •anrwK&a omai nx o'opwn .anwon by naaa irs .3 
B'w jmmwi bx bbai bbs 3b d» irxi .rmsai mn tbbbi wp nx eany mn 

.nr br cbya inrn vnwn by tm 
jbb> ny npDjfBöi nrrma ,nnnn nnbpb ? nya» nnwa nan «in nab 
lauaßa n»r; von ,nvnn nrwrn ja "ja ba pmnn rmjna» ,.3 .nein 
.rniian n-nayb n-nyai ij?a»3 naiyn ,'m n'aia bv aw\ iba> cincai 
mn xb .13 c- nvmn [a nain mn to wanbaa na» ,Tb nanatr an 

.vby ncxaa n-p'ma bv nwnsn xbx ,vrjn naaoa 
„■wVmn iB'ob nrwi nan .miaji naa mn ebiyb nnx'a nbnnir ,mn 

.13 runnb m:pr c - :rab oipa 
jobb psna .nrbai faaa "man .3 be» awn ipiBß — "n;3 -n bip„ 
nx mw mn ; n'in* nsnan nrnen xbx ,-p"yn ibxx nrban xb .mm 
xma Pjnn inixi /■a'acn wan min nx mn jwb .pxcpn nx aynai nniaan 
-nua B'ryaa xbx .anapri Bwbw nwn owonw .a'aprn bsx xb xpn mn 

.naBnan-'bjni nwin 
bm rx — naian "na n;ian itjbS vaya mn "naapn-vya,, nooa 
nabyn nx maaai ,crby n»sa nx nnooi ana www ,0'btrf» nbya ,naprn 
nrx n? bai nanbnai ?]3 nma .nvaaion mccxn nx rnn mpsan .n^man 
nys cnbj xinc .DTpowi bans» nx ; np-,DS ny'anw ,nSma bv m»:v xSx 
von» ,tntAn Toan btno» nx wapSi ,vh bas cmb ,narS iccs nxra 
n»3i3i neipt naSnön .iTJuann maa rby nxissi» .(V'in iidd n«n) yi:xi |Tp» 
pn»c »Sa ,-S u-era ayn» .n^tman nyiaann nn'x «nnjoin mnm nx 
c-Sa-nsn nx s:na mn "k .nsSs iwVib nv^oaeipb .nvncxirx nvssax 1 ? 
rraeeaBn nnona Snia mn nnv myi ,B M nn" , voi mma{Bn* , D , TD ,m»ai nxi 
nr*»' ^a np") x'ns» iiya .n'B bans mWn S3 nbxc nx nnab n">axnae> 
ovr^an by imi3J3c ,sp?an einen nx mn ayna ; nvnnx wn b:a naian 
.cjinm o'awinn "»«n by nix; bana yoia mn cauapn mman by tnye»nai 
.mzon nmx ,n»nnn mayn Tannea bs ni anip'cx b» micn-nn nwa na^ya 
nnmwa npma x\n [*nyi mn n;a nanbaa nVnnn i:aSiy -i"ixS nnmt vrav 

maxr,, — b u :n neco .3 Sm» — "nannn mayn nnccb nnby na„ 
ian:x . . . B na»a p-cn fanipan p'nyn ,j»m icdS nn'n» .nyernn nb 



.■vs'j^api ncinrt n»"ayn niieai aS 

-r fjspi 3xai ,VDDp- , S:n3 ccpia "pjty nx a'\ra nnx y:"o Ol — \htov 
nnn msia ."pna» Sy cmbynb Sa- nnR pm ytatn cinra piay matjn 
.vr/nb pcn nrin px box ,vmA nn« nsn ;vnob Sa 1 wir pm ,ix:a»S 
-Sps na»« -prai ,13 pm iww nnx rhya <tbz vrmn vrb Sa nns 

• . . jS3 8»' nmb anp bji n'»w naiip nn : mia nr.x ima 
nniiT mn .a bv mD-np'exn .lipo ppn» : -ieix in ? nacn km na 
nonenm rem mn wae ."pcn lipon wirb njD'J twi „VEjyai .ranaa 
.o^vesn D'yvwni nisevinn amne — 
— nTD3 xbx nmtv mjibr a»" .laieni *an an Ten xb nvasi nnan 
na n 1 nTca bh ;iaxy by mm .wiaxy nb'be» ,ibi» 13 anxn nvsa 
.01^3 «Si ,naba S'y-np'-a xbs na pnw .n'Mtn» wnpan pai nra pm nna«no 
-mm rra» mpn by r^r ,TpnS nxs jurwrini mSr nnax pH 
, cnxn Sc mrosn vrwanti cwpn cna' .o'prn c - ean »loa niboannn .-att'na 
pwon ,pino yevn v, y nabai pin ,ano:i "jSin mn .nnya n« imaxya nba'j 
,mn paxa .mnab ix aaipnnb b? mn pm yotr\ pun n»jn uun ;vann by 
■nyn xbx ir pn .naa'b n*imi nrx ira nrax .ncab mn b'JIR bina» <ßb 
-•.— laiba ,neba»n nvaxn .nvr-nab mpa »o»b rfoy nrm .nvopn 
px .mcib ryi nanyca»"pna nxs km .nyaa nam .nnabin nsa'a* ir .traivn 
mxvn ,n % a'c: r.va'epx Sa» pwn .nca xbx ,'3*00 a'c: asa wsw nrax 
pH ;ny::ei na'no ,nyi3ai m»u vhx ,nj>wwi Pj?333 wras nrx jn»3i3i 
nS nomp hvi k 1 :« ,nnvn npcci dth bv 13^3 nresn nbnna» nnsS ns3 km 

.naina nsajoöi nSiy ,nay nxa ik 
.—•.->:• iay pKa» 3vn pm ,nTD3 kSs nWJH pK :ca:n itbh SSa 
rm ,S^nn nx Taa'ai ^kS nvuwö — pxvn 1 ? ncis c: mn mbk pexa 
pOHBn p3» :-n ni;;r.a' naS nns (x:ai MB3 pm: nW3i nsia n:i3 nnRn 
^-.rz-zb kS S3K ,n ,l :j:n DHT1X3 cmx nxVM ,pyS kid n x br,; aiip'EHn p3i 
«Si ,-iana avon Tax arpexa .cnasna Tpoai ca»c: *aap3 ruma pya 

.biy pmaa 
r % nra» nmnp T bj) kS ib nr;p: iSs* rrcrp'CKn ; th dt^bh km .3 
BMiinca .ca-iB manpa iS nnbyi rc^n-niD" -jina ib nx3 kSk ,mra-MCD3 
.rann bwdwub ,mip3Knn3 ,na'pn n'B'JBn nenSös ca"ra ,vnv -jinS 
,to3 irayi penn vxhv ,Tax DTipWwi ,ian n^ans nSua nSai nSa Sa 
iyi-3 r»ann hvti .vryb nny m nra mm c"a*n "oawj wie« iS nrnnw 
n n-DTp"CK3 — mit D-ip'cx ,mdib dtw'bh vw ',nbv men* , iiBTBi nno'oj 
■• L ."3 ariia ,mn n«3 by pny naiy itix ; nsienn r.x rm» ,nnn fa nann »' 
.U1K&3C rx nnai i"C3 nSn .lrxi nx psno bwbSi ..tb'b nx mSnai 



xS 



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moBtt mSxt» {nnea npciy kvi .ny SaSi pns Sab ny» niKiin ik b'tijSbb 
Sr wae»n Sy nspir K\n nmiay 'poy Sc B'aiEn 'bis Sa n«i crn nnS 
Sy naSS xS lnpp nSnne xm nn» .noTRißn yaaaa «aiaon '»Km SSan 
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iaa nmvi .mxaai mina arunnS ,-iaaa Saipat" na c^pS xaSya ciSp mr 
«ntnin miaS cnS nnw ,pwn |o bin cxan eiaiEi pna» Sna •'Sa ,km» 
naiS Kiv xS» nawa nnx pi;n s)K «sei xSu» ny ,wy» na wy it b» nnaai 
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rx irrS -|S n .mVnas iwsS pjw r»ii»n S33 hm xS c • x i -nSui 'a 
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jpptwji maSn ibd t Sy njösa a»vn ,nS^a msan "Yens,, -iyj Sip iaxy 

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narai nrnn nwn ns "ybbb„i naiyn losy n» pna yto ,wn na 
Sy naya iSa» ir nwx inv anSnn ibu la cj« ,m <Sa na nuvxS "paa> <o ( , 
nwi Sa' iaSa "lan vnn ppw .wat "aiSp„a naya hpkb emon rra pjd 
n»n snan pjnan Sa» iria -id sSi irvS a: sS .inyna sSan ima Sya 'aisSn 
Kia 1 ' in na S*> ayny-i -oe/S na S-aonSi nna trmSa pyn |B mra ■naan 
Sit» "naaia B'Suxn pa mn pay-,n na-a isn: ia:i , . . 'i nanS layv -ia>s 
pny nsrn rrwan »Sya» na'xyan irajn .apn inn nraa /la-ryn -im 
yn?n "iisti ns a'a'ma evsa' armem« Sa pa an dtto a'Yrr ,on o'aya 
-a*lx , üb arvb nanx w*k nstrt maiyn — nnrnn Sa» naw «r Sy aaaSa 
sSs ,irm:Sna e-s'pa DJ'tw anrn« irSy iby "Wto .B'a'yaa-mbannm aaS 
ns nSiya rrvwM uaaSa b^bic cayian uratw D'e^Jia ustr ]ina luan« 
.oyinn in" Saa ,naa> a'BBnna a'pimn n^ip rmh-Ttnn ,m~v* ,nvrnpn tmn 
mya K'n» ia: nn.vn uns» an-aa mv "jina jen^aS d'jwh a^aisSn 
rhu bai nSn annsn na: la nen« «'a 11 cvi roo'n amia pn ann« 1 ? tk 
Sa m a-ynr ijx» "[ina . . .ntna a*paS wbx iaia" my ana lancm» 
Tnyn nav;S rrn nain ^a-ji es n SpiSpn njnn nsnaS an«" -u'n i:S p« ns» 
,nya» 'bS btpSxb er« -ie's Sy iru'yaa nbtnm Mb «nn sSi ;«ai "frtm 
.Sau Sa; c;i ns»y3 nryi .■ct 1 Sn 1 ? n ,n:vSy,i by wv ums enai? 'a 
♦m-roSaan rruDoa unaio» -jeb ? nyc "eb o^nnsa w« px na ubbi 
aay cSiy ns catya yn nvha cma" Sa •o anSianan ns B"aisSn auia 
aarya ■'ipncNsSa eh aa^a tmwbn m aninn a-iia ;b" ,, ui pa yaenS naa 
"I»« a"sn my ps "js — m» main cy na'ainS naa nmnaa aay min ns 
ns B'mS csiaa ,"ipn B\sSa an mv , umnS o: w pjiosS ho» 
hjSbb Sa' nnin , ~' 1 Sy newn "n Sa' amama *pn Ss nnnn nyarn 
rwSoa Se 1 »n J S d n * 1 1 i„i ruSaa Sa> n l a a p i hjSbb Sa' »muitn b„i 
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Skic px3 3ic<n jus — o'cys v.a cnSa ojc o'isa naac kSk ,oiSa pip on 
pi oixcy lSxa □ a s y Sy o'Sya aa — ^jmct Bi»aa> vh o'aian o'xinni 

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.naixn '"na nnyecn nwanäi min Sc nnrnc.ai nmaona casy ceya 'eva inv 

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nraixSS nanSa : onaixi nr Sy D'avo D'ivirn rnnaa» nrj.a\a 'ipin 
aanSea pax.a -x .nnavn enven Sy SicaSi mna ncxic nnx Sa imn oy 
pnncnS mina oMix-mcn «\a» mm n'aixSa nimm S» nas Sy ,|aiaa ,ir 
.njBB nprnn nvaixSn Sc aSmani aioin ruinjoa Tanai D'aSiy -aSiya 
»aioB an« Dca pSiea ouvsn Sc nxc3B"" , Sa nya Boao nSxa cnaaa 

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roap m pi rvmiDBn nna\a Sa» naiy nx dicj pi dx ,iay pn djbxi 
.|aca ni-oaaa paiuboBa iaan dt» Sc [niBajnn "e Sy x-nrnvaixSa Sc 
"aKTr , öDT« , j3 an Sc Dn'*n mm« nx pnaa ox ,aipj iavy oya Sx ox ax 
.«in ddibc ira "hejS mns xnn uaBSnnc pco Sa px ,bd»bS itn r«i — 
omrrn an Sc ov dv -trya Sy nns;a ,m 'Sa na nian 1 .RTTJ-mtmAn «S 
,nxpn Ss nspn ja cniK nrnaari ,nS»a ica de» naSca -a ,onrbT9 o^nn 
SKac nsn« am« .irmaxa i:S ncaia s'.ic nanpa nvBwSn nnw «pia N*n 
manttn tc pac {"bwi aepn aiy rm onn« min ":sS .minn nansa a^Snn 
vanS o'C'oia vn lac D'Siyaai ;oyn ";aa irw S:S lans Sa yn". ^Sj iSSn 
,nSrua nanSca a^an pa micpi f.T'aj Sy aSiyn rwrhvn roniw n« dj 
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Sjn cairy Sy lSaipi 'B'bian pwn Sx nraaip ixrsp i:\-n-nsra rfj* a: 
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Dity by ab cy , ;'' an m irars an (]« — Ss-it" SSa "n3 p-ien Sy er ov 
jitwh nran Sx rtrwwn Syi miua» nipaa biean Sy ox '3 ,nou avoan 
Spi biyob ,Tn nxa iwp jarh cnw «in mann aira xSx ,ja una pira xSi 
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/nsa-ib niawra lt n:Sca b» ntw mrnyn na-in npiay nny dj iiy 
nyrwi nS:a twi eyes oyea .c;yian Sy -noSa »anaai maa» rraytsn Sy 
,omnn» er; k : ,ttbeß c- casy 'aiaa ,nmx a'Snsn nrnnn H33new öojrt 




esenurun. 



„ . , 3« — ncn 5681 ... _,„ 

8. Jahrgang ... . - .... Heft 7/8 



Juli— August 1921 



Der konsequente Nationalismus. 

Jacob Klatzkin hat sein Buch „ Probleme des modernen 
Judentums" in zweiter und ergänzter Autlage unter dem Titel : 
„Krisis und Entscheidung im Judentum" erscheinen lassen 1 )- 
Eines der Motive, die im Buche immer und immer wieder durch- 
klingen, lautet: Die Erhaltung der Judenheit und des Judentums 
im Verlaufe des Galuth ist ausschliesslich der Thoratreue zu 
danken. Keiner vielleicht von denen, die in Lebensanschauung 
und Lebensführung dem überlieferten Judentum entfremdet sind, 
hat diesen Satz mit solcher Entschiedenheit ausgesprochen und 
verfochten. Nun erklärt Klatzkin freilich, dass wir an diesem 
Rettungsmitlei für die Zukunft völlig verzweifeln müssen. Das 
ist seine subjektive Ansicht, der wir, wie wir sehen werden, 
die unsere mit gleichem Rechte entgegenhalten können. Auf 
jeden Fall scheint eine nähere Erörterung über das Buch in 
diesen Blättern angebracht. 

„Der Zionismus stellt die strengste Konsequenz der natio- 
nalen Erkenntnis dar. Er ist die Säkularisierung des Begriffes 
Israel. Er bedeutet eine neue Epoche als Grundlage eines neuen 
Kriteriums des Judentums." In diesem Satz gibt Klatzkin selbst 
die Quintessenz seiner ersten Untersuchung. 

Man verwechsle, so meint Klatzkin, immer nationale 
Wertung und nationales Kriterium des Judentums. Die 
Ideen des Judentums, seine Gesetze, die Charaktereigenschaften 
der Juden, das alles mögen nationale Werte sein. Als Kri- 



I) .Jüdischer Verlag. Berlin 1921, 



Der konsequente Nationalismus 



terium des Judentums kommt nur, wie bei allen anderen Völkern, 
Land und Sprache in Betracht. Das Jude-Sein ist nicht durch 
ein subjektives Moment durch ein Bekenntnis bedingt, sondern 
durch ein objektives. Darum sind Land und Sprache auch für 
das Judentum Grundformen des nationalen Seins. Dass wir 
unser Land verloren und eine eigentliche Volkssprache nicht 
mehr und noch nicht besitzen, ist nicht das Entscheidende. Wir 
sind Glieder einer Familie, Träger einer gemeinsamen Geschichte. 
Aber das historische Band macht nicht den ganzen Inhalt unserer 
Zusammengehörigkeit aus. Das nationale Kriterium fordert 
neben der historischen Familiengemeinschaft den Willen zur 
Gemeinschaft in Zukunft. Also zwei Momente Sein und Be- 
wusstsein, Zustand und Bekenntnis bestimmen unsere Nationa- 
lität : das Moment historischer Gebundenheit und 
das Moment historischen Wollens, des Willens zur 
Gebundenheit und Gemeinschaftsbildung für alle Zukunft. 

Land und Sprache sind die Formen, Religion und 
Ideen sind der Inhalt des Judentums. Ein nationales Kriterium 
kann aber nur die Form, nie der Inhalt sein. Inhalte sind ihrem 
Wesen nach anational. Sie streben nach Allgemeingültigkeit. 
Daher bilden Konfession und Moral diejenigen Geschichtsfaktoren, 
die die nationalen Schranken durchbrechen und die verschiedensten 
Völker im Namen eines Lehrinhalt3 vereinigen. Sie sind die 
an ti nationalen Tendenzen in der Geschichte der Menschheit. 
Und je mehr die Ideen des Judentums Gemeingut der sittlichen 
Menschheit werden, desto mehr treten sie aus der Sphäre des 
Nationalen heraus. Wahrung und Förderung des Geistes, des 
Judentums, des Monotheismus, des Messianismus, des Optimismus, 
den Sozialismus u. a. bedeuten noch nicht eine Wahrung und 
Förderung unseres nationalen Seins. Je mehr sie sich ver- 
breiten, je mehr sie in den Besitz der Menschheit übergehen, 
desto mehr hören sie auf, unser nationales Eigentum zu sein. 

Mit dieser Formulierung des Kriteriums des konsequenten 
Nationalismus tritt so Kl. den drei anderen möglichen Kriterien 
des Judentums entgegen. Dem Kriterium der Religion, wonach 
das Judentum eine Lehre von Geboten und Verboten ist, dem 



Der konsequente Nationalismus 



Kriterium der Assimilation, nach dem es auf einen Lehrinhalt 
einiger abstrakter Ideen reduziert ist und dem des unreifen 
Nationalismus. Diesem letzteren, der Lehre Achad Haams gilt 
eigentlich die schärfste Polemik. Auch diese hat den Geist 
des Judentums als Kriterium aufgestellt. Der Geist des 
Judentums habe sich aus der Religion zu einer sittlichen Welt- 
anschauung entwickelt und wir können unsere nationale Indi- 
vidualität nur wahren, wenn wir die Entwicklung schützen und 
fördern. Aber diese Theorie verbindet widerspruchsvoll die zwei 
an sich folgerichtigen Kriterien, das religiöse und nationale. 
Dem einen entnimmt sie das subjektive religiöse Moment, die 
Forderung eines Bekenntnisses, dem anderen das objektiv nationale 
Moment, das der historischen Entwicklung. 

Drei grosse Abschnitte gibt es dementsprechend in der 
nachbiblischen Geschichte des Judentums. Die Epoche des von. 
der Religion beherrschten Galuth, Dational bestimmt durch die 
Formen des Gesetzes, beginnend mit der zweiten Zerstörung des 
Tempels, die Epoche der Emanzipation, in der der Geist des 
Judentums zum Kriterium des Judentums erhoben wurde, eine 
Verirrung des nationalen Instinks, da man das Judentum als 
Lehrgehalt zu retten versuchte, die aber das Verdienst hat, das 
jüdische Bewusstsein ohne ein jüdisches Sein jahrzehntelang 
erhalten und die Krise hinausgeschoben zu haben. Und die in 
der jüngsten Vergangenheit einsetzende Epoche des konsequenten 
Nationalismus, für die Gesetz und Geist des Judentums als 
Kriterium für das Jude-Sein ausscheiden. Der Achad-Haamismua 
aber ist nur ein Seiten- und Irrweg. 

Der Existenzfrage des modernen Judentums ist das zweite 
Kapitel gewidmet. Das Geheimnis des zweitausendjährigen 
Bestehens Israels ohne Staat, Land und Volkssprache ist da» 
Geheimnis der jüdischen Religion. Unsere Gesetzes Verfassung 
hat uns auch ausserhalb der normalen Nationalgrenzen in Ab- 
sonderung erhalten. Sobald diese sondeimie und einende Kraft 
versiegt, verlieren wir jeden nationalen Halt im Völkergel riebe. 

Den Satz „Israel kann nie untergeben", kann nur der 
religiöse Jude und der assimilatorische Judaist vertreten; für 



268 Der konsequente Nationalismus 

den letzten ist er insofern von Giltigkeit, als die Ideen des 
Judentums, je mehr sie entnationalisiert werden, eine desto 
grössere Kraft entfalten, im Vergehen Israels ist demgemäss 
sein Bestehen. Der Nationaljude dagegen muss sagen: Vielleicht 
wird die Idee des Judentums als bodenloses und universales 
Luftjudentum ewig bestehen — Israel kann darum doch unter- 



Eine völlige Assimilierung der Diaspora-Judenheit ist nicht 
nur möglich, sie ist kaum vermeidlich. Ein immerwährender 
Widerstand gegen die fremde Umgebung, ein unablässiger Kampf 
gegen die fremde Wirklichkeit ist aussichtslos. Im Kampf 
zwischen nationalem und individuellen Selbsterhaltungstrieb ist 
der nationale zum Unterliegen verurteilt. Einzelne grosse 
Persönlichkeiten, eine kleine Elite vermögen vielleicht in Ab- 
sonderung und Weltfremdheit die Güter der Nation zu hüten. 
Das Volksganze folgt dem Gesetz der Zahl und Menge und 
kann nicht in beständiger Opposition gegen eine überwältigende 
Mehrheit verharren. Die fast zweitausendjährige Geschichte des 
Exils beweist gar nichts. Denn in dieser Zeit hatten wir zwar 
unseren Staat aber nicht unsere Staatsverfassung verloren. Wir 
bildeten eine in sich geschlossene \ Rechts- und Wirtschafts- 
gemeinschaft. Nicht die äusseren Schranken des Ghetto sonderten 
uns ab, vielmehr eine von uns selbt errichtete starke Mauer, und 
hinter der Mauer lebte ein jüdischer Staat in Miniatur. Selbst 
unsere sprachliche Assimilation vermochte nicht eine kulturell- 
nationale Assimilation zu bewirken, solange unsere Volkseinheit 
in der Religion verankert war. Mittelhochdeutsch entwickelte 
sich zu Jiddisch, Spanisch zu Spaniolisch und sind jüdische 
Sprachen geworden. 

Das Gesetz war die Verkörperung des Judentums. Es ist 
ein nationales Glück, dass der Prophetismus mit seiner Richtung 
der Geistigkeit in Opposition gegen die Suprematie des Gesetzes, 
der durch die Kraft seines Ideengehalts uns höchstens befähigt 
hätte, als Glaubensgemeinde ein übernationales Dasein zu fristen, 
dass dieser Prophetismus durch den Rabbinismus verdrängt 
wurde. Die Pharisäer, die Hüter des Gesetzes schufen durch 



Der konsequente Nationalismus 



ihre Erschwerungen und Zäune eine Kompensation für den Ter* 
lorenen Staat. Der Rabbinismus war nicht Verknöcherung und 
Entartung des jüdischen Geistes, sondern übte eine doppelte 
Funktion als Erhalter und Fortbildner, er hat das Judentum 
durch seine Auslegungen vor Stillstand bewahrt und das Judentum 
immer in Beziehung zum Leben gebracht. Dieser Formkraft 
der jüdischen Religion verdanken wir es, dass wir uns als Staat 
im Staate fast zwei Jahrtausende erhalten. 

Auch das Judentum der Gegenwart zehrt von dieser 
Kraft unserer Staatsreligion. Ein grosser Teil unseres Volkes 
lebt noch in diesen Formen. Dieser Teil ist der Nähr- und 
Wehrstand der jüdischen Religion. 

Dieser Rest Israels wird immer kleiner und schwächer, 
-die jüdische Religion s Verfassung ächzt und stöhnt in ihren Fugen, 
ihre Formkraft ist in Zersetzung begriffen — und das Judentum 
der Diaspora verliert seinen Bestand. 

Die Agonie des Galuth kann durch eine Reibe negativer 
Momente verzögert werden. Zur Assimilation gehören zwei Par- 
teien. Die Wirtsvölker sträuben sich aber, uns zu assimilieren. 
Infolge der Unterdrückungen wird durch unsere Wanderungen 
die Sesshaftigkeit in einem Lande und damit der Assimilations- 
prozess unterbrochen. Der Antisemitismus, die in feindlicher 
Absicht bewirkte Konzentrierung unserer Volksmassen im An- 
siedlungsrayon, haben einen grossen Anteil an unserer Erhaltung. 
Doch der Ansiedlungsrayon ist gefallen und mit dem Fort- 
echreiten der Kultur unter den Nationen wird die Weigerung 
der Nationen uns zu assimilieren immer schwächer. Die Natur- 
kraft der Assimilation ist so stark, dass sie in kulturarmen 
Ländern die sittliche und intellektuelle Ueberlegenheit der jü- 
dischen Massen auf das niedrige Kulturniveau der Umgebung 
herabgedrückt hat. 

So kann die Agonie des Galuth nur aufgehalten werden, 
mit dem Zusammenbruch unserer Religionsverfassung ist die 
Zerstörung unseres dritten Hauses, des Hauses im Galuth be- 
siegelt. 

Im dritteu und vierten Kapitel zieht Klatzkin die Konse- 



270 Der konsequente Nationalismus 

quenzen aus dieser theoretischen Grundlegung. „Palästina als 
nationales Zentrum* bedeutet nicht, wie das Achad Haam ver- 
fochten, die Gewinnung eines Mittelpunktes, aus dem das Dias- 
pora-Judentum seine geistige Speise erhält, sodass dieses seine 
schwindenden Kräfte immer wieder zu erneuern vermag. Die 
Stärkung des Zentrums bedeutet hier den Tod der Peripherie. 
Die Wiedergeburt eines national geformten Judentums wird die 
endgültige Einordnung der assimilierten Exiljuden in den natio- 
nalen Organismus der Wirtsvölker wesentlich erleichtern. Bis- 
her gab es im Unterschied zu den anderen Völkern für den 
Juden keinen nationalen Uebertritt. So konnte der Begriff ent- 
stehen: assimilierte Juden, Juden, die keine Juden sind, eine 
condradictio in adjecto. Wird aber unser Volk seine nationale 
Prägung in Palästina erhalten, so wird das Judentum nicht mehr 
verfälscht werden können. Wer unter uns diese nationalen Züge 
nicht haben wird, wird nicht Jude, nicht jüdisch sein. Der Abfall 
von unserer nationalen Sprache, der Uebertritt und die Ein- 
bürgerung in eine andere Sprachgemeinschaft, sozusagen die 
sprachliche Taufe, wird nicht minder Abtrünnigkeit und Austritt 
aus unserem Volkstum bedeuten als es bisher die religiöse Taufe 
zu bedeuten hatte. 

.Diese Folgerung vernichtet freilich den Diasporabegriff eines 
„Klal Jisroel" schneidet das Judentum entzwei in Galuth und 
Palästina. Sie fällt ein Todesurteil über das Galuth-Judentum. 
Das dart uns nicht schrecken. Lieber soll unser Volkstum an 
einem Orte verwurzelt ein Ganzes werden als bruchartig und 
verstümmelt in vielen Vaterländern herumschweifen — das 
Galuth-Judentum ist seit der Erschütterung seiner Religions- 
verfassung nicht mehr national lebensgestaltend. Wir lebten 
als religiöse Gemeinschaft im Einen Gott und können nur in 
einem Vaterlande und in einer Sprache wahrhafte und 
ganze Juden sein. 

Damit ist auch .die nationale Rechtslage des Galuth* ge- 
kennzeichnet. Die Antisemiten kämpfen mit vergifteten Waffen, 
wenn sie uns als eine minderwertige Rasse bezeichnen. Sie 
sind aber im Recht, wenn sie uns als andersartig, als 



Der konsequente Nationalismus 



Fremdkörper empfindeD. Unsere Freunde schätzen uns nicht als 
Fremdkörper, sie glauben und erwarten, dass 'wir in unsere 
Umgebung aufgehen werden. Feinde und Freunde wünschen in 
gleichem Masse die Vernichtung unserer Volksexistenz. Beiden 
gegenüber müssen wir, wollen wir aufrichtig sein, betonen, dass 
wir die Fortdauer des Gegensatzes wünschen. Wir fordern die 
Rechtsgleichheit nicht auf Grundlage nationaler Angleichung, 
sondern auf Grundlage nationaler Scheidung. Der Anspruch auf 
unser Land lässt sich ja auch nur dann mit alle Einwände 
überwältigender Kraft geltend machen, wenn wir die anderen 
Länder als Länder der Fremde, als unsere Zwangsheimat be- 
zeichnen. Das Galuthdasein, das Dasein einer internationalen 
Nation, durchkreuzt freilich das Prinzip nationaler Gliederung 
und Geschlossenheit. Es gibt kein Schema nationaler Ordnung, 
in das wir hineinpassen. Selbst in den Orten, wo wir eine 
internationale Mehrheit bilden, müssen wir das souveräne Recht 
der territorialen Minderheitsnation anerkennen. So kann jener 
zweitausendjährige Gegensatz im Galuth nicht getilgt werden. 
Wollen wir gerecht sein, können wir das auch nicht fordern, 
wollen wir konsequente Nationalisten sein, können wir es auch 
nicht wünschen. Eine solche Lage eines Volkes kann aber nicht 
von Dauer sein. 

Im zweiten Teil seines Buches zeichnet Kl. in den Kapiteln 
.Aufgaben des Unterwegs", und „die heroische Existenzform" die 
Gegenwartsaufgaben der konsequenten Nationalisten. Das Galuth- 
Judentum ist freilich unrettbar dem Tode verfallen. Und hätten 
wir keine Hoffnung auf die Neugeburt innerhalb Palästinas, so 
müssten wir die völlige Assimilation mit allen Mitteln zu för- 
dern suchen, um die Agonie zu verkürzen. So aber müssen wir bei 
aller Ueberz6ugung von der Vergeblichkeit jedes für die Dauer 
erfolgreichen Ankämpfens gegen die Assimilation sie noch zu 
verzögern suchen, um uns das Material für den Aufbau Palä- 
stinas zu erhalten. Die Mittel, die bisher angewandt wurden, 
haben sich als untauglich erwiesen, weil sie eben einem un- 
reifen, vermittelnden Nationalismus entsprangen. Der Nationa- 
lismus des modernen ausserreligiösen Galuth-Judentums hat mit 



272 Der konsequente Nationalismus 

all seinem Kampfesnrut fast nichts erreicht. Er hat das 
nationale Bewusstsein gestärkt ohne nationales Sein zu 
fördern. Er hat die Assimilation als Idee vereitelt, 
nicht aber als Wirklichkeit. Der stille Assimilationsprozess 
vollzieht sich auch in der jüdischen Moderne unaufhaltsam. 
Kann der mit grossem Aufwand fremdsprachlicher Formkraft 
modernisierte Chassidismus als Neubelebung des verschütteten 
Judentums verherrlicht werden ? Oder das vom modernen Natio- 
nalismus und Zionismus sanktionierte Amhaareztum als Renais- 
sance gedeutet werden, das Literatentum, das in einer bedenk- 
lichen Massenproduktion den jüdischen sowie nichtjüdischen 
Büchermarkt überschwemmt und nur den nationalen Kitzel oder 
die Sensationslust der Exotik zu befriedigen vermag? Vermochte 
dieser Nationalismus uns aus dem Sprachenexil zu erlösen? 
Darf die Wiederbelebung des jüdischen Empfindens als eine 
grosse Tat gebucht werden? Gähnt nicht eine unermessliche 
Kluft zwischen der absterbenden Generation des traditionellen 
Juden und dem im neuzeitlichen Nationalismus gezüchteten Juden- 
typus. Dort die innere Geschlossenheit, der Adelsstolz, das uner- 
schütterliche Bewusstsein des eigenen Wertes und trotz aller Leiden 
ungetrübte Heiterkeit, hier Zwiespältigkeit und Zerrissenheit, der 
moderne Judenschmerz mit seiner Weichlichkeit und Selbstironie. 
Wo finden wir in diesen Reihen die klare Selbstbesinnung und die 
unerbitterliche Anklage gegen die Völker der Umgebung und ihre 
Religion, deren Bankrott sich ja nicht erst im Weltkrieg erwiesen, 
die seit achtzehn Jahrhunderten christliche Liebe gepredigt und 
Heidentum gelebt. Kein Wunder! Ist ja ihr eigenes Bewusst- 
sein christlich gefärbt, dem Zauber christlicher Mystik erlegen! 
Nein, diese Mittel sind unzureichend. Die aussergewöhn- 
liche Lage des Volkes erfordert ausserordentliche Mittel der 
Verteidigung und der Abwehr. Wir müssen uns mit dem Be- 
wusstsein durchdringen, dass wir im Galuth in dauerndem Kriegs- 
zustand leben. Wir müssen der Assimilation in allen ihren 
Formen den Krieg bis auf's Messer erklären, den Assimilanten, 
auch den Halbassimilanten brandmarken, den Völkern unser 
nationales Fremdsein ununterbrochen ins Gehirn hämmern, den 



Der konsequente Nationalismus 



Patriotismus für das Fremdland geissein, das Lob, das uns als 
Kämpfer für das .Vaterland" gezollt wird, ablehnen, den Philo- 
semiten, unsern Gönnern, entgegentreten und, aus unserer lächer- 
lichen Verteidigungsstellung heraustretend, zur Offensive über- 
gehen. Israel wartet noch immer auf das gerechte Urteil des 
sittlichen Weltgerichts. Wir klagen an, dass man uns das Recht 
nimmt, gleich anderen Völkern fehlerhaft und unvollkommen zu 
sein. Wir wollen uns nicht vor die Wahl gestellt sehen, ent- 
weder Tugendausbund oder Sündenbock für die Menschheit zu 
sein. Wir fordern von der christlichen Welt, dass sie uns end- 
lich Genugtuung gibt für die Greueltaten, die sie an uns jahr- 
hundertelang verübt, wir fordern Sühne als Reue, Abbitte und 
Entsündigung, wir fordern für uns die dreigliedrige Forderung, 
die in diesem Kriege aufgestellt wurde : Sühne, Wiedergut- 
machung, Garantie. Erkenntnis der Schuld als sittliche Sühne, 
nationale Rechte als Wiedergutmachung, und die Garantie für 
unsere nationale Existenz kann nur Erez Israel sein. 

Für diesen Kampf auf der ganzen Linie wird nur eine 
Elite befähigt sein, die ein Martyrium auf sich zu nehmen ge- 
willt ist. Eine Elite, die Strenge der Gesinnung, der Hand- 
lung und des Bekenntnisses in sich vereinigt. Das Galuth 
muss wieder wie vormals einen tragisch-heroischen Charakter 
annehmen. Dann wird uns jene Schar der Geistes-Adligen, der 
Tapferen, der Opferbereiten, der Eiferer erstehen, die erkennen 
und bekennen, dass das Galuth niemals den Charakter der 
Fremde, der Heimatlosigkeit verlieren darf, verlieren soll, die 
für die .Aufgaben des Unterwegs" um so besser gewappnet 
sind, je mehr sie überzeugt sind, dass sie in der Fremde einen 
aussichtslosen Kampf führen und alle ihre Kraft nur dem zu- 
künftigen Erben dient, dem Geschlecht, das in Palästina sich 
die Heimat erringt. 

Wenn der konsequente Nationalismus Ernst macht mit 
dem Bekenntnis zu seiner Theorie und den sich aus ihr er- 
gebenden Folgen, dann wird auch .die zionistische Zuversicht* 
(so lautet das Schlusskapitel des Buches) nicht enttäuscht 
werden. Diese Zuversicht gründet sich aber darauf, dass es 



Der konsequente Nationalismus 



nur diesen einen Weg zur Rettung des Judentums gilt. Da 

Sein oder Nichtsein des Judentums von ihr bedingt wird, so 

wird die Möglichkeit zur Notwendigkeit, die Eventualität erlangt 

einen hohen Grad der geschichtlichen Wirklichkeit. Die tödliche 

Wahrheit von dem unvermeidlichen Untergang Israels im Exil 

wirkt befruchtend auf den Willen und „wenn ihr wollt, ist es 

kein Märchen". Sofern man sich nur vor der einen Gruppe 

der falschen Propheten hütet, die dem Volk eine nationale 

Zukunft im Exil vorgaukeln, und vor der anderen, die den 

Glauben an eine baldige Verwirklichung des Zionismus wecken 

und die Erlangung der Gunst einer siegreichen Grossmacbt als 

Erlösung feiern. 

* * 

* 

Wir haben den Autor im eigentlichsten Sinne zu Worte 
kommen lassen. Unsere Darstellung bemüht sich, aus Stellen 
des Buches ohne jedwede tendenziöse Gruppierung und Aus- 
lassung ein unverfälschtes Bild seiner Theorien zu entwickeln. 
Wie haben wir uns zu diesem Buche zu stellen? 

Lohnt hier überhaupt eine Stellungnahme? Scheinbar nicht. 
Eine Diskussion ist dort unmöglich, wo Glauben gegen Glauben 
steht. Und Klatzkin ist so gläubig, wie es nur der im tradi- 
tionellen Sinne gläubigste Jude sein kann. Er geht mit diesem 
konform in dem Glauben, ira 1 -pro vn nvi '3 dass die 
Thora, die Religionsverfassung uns Dauer und Bestand in einer 
fast zweitausendjährigen Vergangenheit gegeben, ohne dass wir 
im Besitze spezifisch nationaler Kriterien eines Landes und einer 
Volkssprache waren. Er verficht diese These mit einer 
Glut, wie sie bei der Vertretung einer historisch gegeben Tat- 
sache uns selten begegnet. In j e d em Kapitel nimmt die 
Schilderung dieser Tatsache einen unverhältnismässig grossen Raum 
ein. Für die Zukunft aber tritt er mit dem gleichen Feuer für 
die Ueberzeugung ein, dass die Religion des Judentums auch 
in der Form der gesetzestreuen Lebensführung für alle Zukunft 
die Fähigkeit eingebüsst hat, die Judenheit und das Judentum 
zu erhalten. Er beweist das nicht und kann das nicht beweisen; 
denn eine Statistik der abgefallenen nationalistischen im Ver- 



Der konsequente Nationalismus 



hältnis zu den religiös orientierten Juden gibt es nicht und, wenn 
es sie gäbe, und wenn sie zu Gunsten seiner Theorie spräche, 
so könnte daraus doch nichts für die Zukunft geschlossen werden. 
Wer will die lebendigen Kräfte abschätzen, die in geistigen 
Strömungen wirksam sind. So ist seine Behauptung, dass die 
Fortdauer des Judentums nur durch den konsequenten Nationa- 
nalismus gewährleistet ist, ein Postulat, dem wir mit dem 
gleichem Rechte das religiöse Postulat entgegenstellen können, 
dass wie seit zwei Jahrtausenden so auch in aller Zukunft bis 
zu dem Zeitpunkt, da die wahre Geulah kommt, der Bestand 
des Judentums durch die Gesetzestreue und die Gesetzestreuen 
gewährleistet ist. 

Damit entfällt auch alles, was Kl. in geradezu ermüdender 
Weitschweifigkeit von dem Todesurteil fabelt, das unerbittlich 
über das Galuth-Judentum verhängt ist. Es ist recht kühn, aus 
der Entwickelung , die wir aus dem einen Jahrhundert ab- 
lesen können — vorausgesetzt, dass wir richtig lesen — auf 
die gesamte Zukunft eines Volkes schliessen zu wollen, das in 
den drei Jahrtausenden so manche katastrophale Wandlungen 
durchgemacht. Wie wohl die Welt nach einem Jahrhundert aus- 
sehen wird ? Und wie seltsam muss es uns berühren, einen, 
der eine Weltumwälzung durchlebt hat, mit der sich keine ein- 
zige wohl messen kann seit der grauen Vorzeit, eine Weltum- 
wälzung, deren Auswirkungen noch ein tiefer Schleier bedeckt, — 
von einer Zukunft prophezeien zu hören, die doch wohl auch 
nach dieses Propheten Ansicht erst in Jahrhunderten sich ver- 
wirklichen wird. Mit Recht hat übrigens H. Margulies im 
.Juden" II S. 560 ff. diese Verelendungstheorie mit der von 
Marx verglichen, an die das Proletariat so inbrünstig geglaubt 
und die sich doch als grundfalsch erwiesen. 

Angenommen selbst : wir erkennen mit ihm für das Volks- 
ganze das Gesetz der Zahl und Menge an. In Wahrheit kann 
auch eine Minderheit dem Volksganzen das Gepräge geben, zum 
mindesten einen Mittelpunkt herstellen, der immer die Möglichkeit 
bietet, dass die Masse zu ihm gravitiert. Aber Klatzkin selbst 
erblickt ja auch für den konsequenten Nationalismus die einzige 



Der konsequente Nationalismus 



Hoffnung in einer kleinen Elite, die mit fanatischem Eifer das 
Galuth-Judentum zum Tode verdammt und die einzige Lebens- 
möglichkeit des Judentums im Kampfe für das eigene Land und 
die eigene Sprache sieht. In einer Elite, die die heroische 
Existenz zu führen gewillt ist, das Land der Fremde als Feindes- 
land anzusehen, in dem man auch auf Rechte zu verzichten ent- 
schlossen ist, weil man nicht Pflichten übernehmen will, die 
mit dem konsequenten Nationalbewusstsein unvereinbar sind. 
Aber warum sollte da eine Elite des traditionellen Judentums 
— und wird Kl. etwa die Möglichkeit einer solchen Elite 
leugnen wollen — nicht in der Lage sein, ihrerseits dem Galuth- 
Judentum einen Halt zu bieten und es — wie dies ja immer 
die Ueberzeugung des Judentums gewesen — für die Geulah 
zu retten ? Diese Elite hat sich immerhin bewährt ; und es 
will uns, selbst unter Zugeständnis dessen, was Selbstwehr und 
Chaluzim geleistet, als Geschmacklosigkeit erscheinen von einem 
Martyrium jener nationalen Elite zu reden, denkt man an die Opfer 
an Gut und Leben, die unsere Elite so oft gebracht und noch 
tagtäglich bringt. Zumal es doch nach Klatzkin vorzüglich auf 
den Willen zur nationalen Gebundenheit ankommt. Der re- 
ligiösen Elite braucht es an dem Willen, das Zionsideal in ihrem 
Sinn aufzurichten, wahrlich nicht zu fehlen. Und in dem Zu- 
sammenhang sei doch darauf hingewiesen, dass es ein sehr 
billiger Mut ist, aus sicherem Port gegen die Fremdvölker zu 
eifern und ihnen so die gefährlichsten Waffen in die Hand zu 
geben. Unsere Alten haben gegen die btcw wiv, gegen die 
Feinde Israels, nicht aber gegen die Völker der Welt in dieser All- 
gemeinheit sich ausgelassen/ So schmerzlich es ist, einem Klatzkin, 
der seinem Volke sich so innig verbunden fühlt, diesen Vorwurf 
zu machen, sein Verfahren, wenn er um der Konsequenz der Idee 
willen die schärfsten Worte gegen die Wirtsvölker richtet, in 
deren Mitte wir nun doch auch nach seiner Meinung Jahrhun- 
derte zu leben vielleicht gezwungen sind, erinnert uns an Trotzki, 
für den bei der Verwirklichung seines politischen Ideals auch 
hunderttausende jüdischer Opfer nicht ins Gewicht fielen. Die 
grossen Worte aus dem Munde des Ohnmächtigen haben immer 



Der konsequente Nationalismus 



einen seltsamen Beigeschmack. Es wird doch dabei bleiben 
müssen, dass die Gottheit unseren Prozess mit den Völkern 
führt und dass s i e allein die grosse Rechnung der Greueltaten , 
die ins Riesengrosse gewachsen ist, von ihnen begleichen lässt. 
Die Wiedergutmachung ist auch heute eine Forderung, die be- 
lächelt wird, wenn der Schwache sie stellt, es sei denn, dass 
gemeine Machttriebe die Forderung des Schwachen zum Vor- 
wand nehmen, damit sie ihnen diene. Auch in der Wertung 
des Christentums, wie Kl. sie gibt, kann nur der mit ihm über- 
einstimmen, dem jeder Glaube an ein Walten Gottes in der 
Geschichte abgeht. Und wenn jenes noch so sehr Heidentum ge- 
lebt, wir können nicht annehmen, dass die Vorsehung zwei 
Jahrtausende der Menschheitsentwickelung unter die Herrschaft 
des ausschliesslich Bösen gestellt. Vor allem hätte in der 
Form des Angriffs Kl. von Jehuda Hallevi lernen können. Und 
Jehuda Hallevi empfand doch mindestens ebenso national. 

Wir haben uns hier vom Standpunkt der traditionell-ge- 
setzestreuen Juden mit Kl. auseinandergesetzt, doch wir wieder- 
holen : Hat diese Auseinandersetzung einen Sinn? Kl. wird 
antworten: Mit dem Juden, der das religiöse Kriterium für 
sein Volksdasein aufstellt, diskutiere ich ja gar nicht. Es ist 
ebenso berechtigt, wie das des konsequenten Nationalismus. Nur 
den Nationalisten soll die Wahrheit eingehämmert werden, dass 
er nicht auf halbem Wege stehen, nicht im unreifen Nationalismus 
stecken bleiben darf. 

Nun ist das nicht ganz richtig. Denn Kl. widmet einem 
grossen Teil seiner Ausführungen dem Nachweis, dass unser 
Kriterium jetzt wirkungslos geworden, ja er schöpft den Mut 
zur bitteren Folgerichtigkeit seiner Gedanken, dass die Fortdauer 
des Judentums ganz allein durch Land und Sprache gewährleistet 
ist, und alles auf die eine Karte gesetzt werden müsse eben 
aus der Ueberzeugung, dass die Religionsverfassung für immei 
brfichig geworden. Doch wir wollen es gelten lassen. 

So könnten wir denn geruhig zusehen, wie er dem Libe- 
ralismus und dem landläufigen Nationalismus, dem llalbaesi- 
milantentum, den Achad-Haamismus und der Religion des Geistes 



278 Der konsequente Nationalismus 

den Garaus macht und uns freuen, dass er uns so treffsicher 
die Arbeit abnimmt, jene Vertreter der auch für uns gegnerischen 
Strömungen zur Strecke zu bringen? 

Wir halten das aus zwei Gründen für verfehlt : Wir 
könnten es nicht mit Freude begrüssen, wenn dieser konsequente 
Nationalismus innerhalb des Zionismus zur Alleinherrschaft ge- 
langte, wenn der Nationalismus Ernst machte mit der Theorie, 
dass die Religion nichts aber auch gar nichts mit dem Kriterium 
zu tun hat, nach dem der Jude erst zum Juden wird. Wir 
werden, wie es auch kommen mag, im Galuth und im heiligeD 
Lande mit den Zionisten zusammenarbeiten oder sagen wir gegen 
sie kämpfen müssen. Ein Nationalismus, der die Konsequenzen 
dieser Theorie zieht, würde in einen Radikalismus verfallen, 
gegen den sich das überlieferte Judentum wie gegen seinen Tod- 
feind wehren müsste, der Todfeind aber will nicht, den anderen 
überwindend, ihn gewinnen. Er will den Tod! 

Und noch aus einem anderen Grunde: Klatzkin gibt bei 
allen Geistesblitzen, die seine Ausführungen durchleuchten, eine 
unrichtige Darstellung von jenen geistigen Strömungen innerhalb 
des Judentums, er spricht durch einseitige Uebertreibung ihnen 
allen auch den Wahrheitsgehalt ab, den sie neben dem vielen 
falschen nun doch besitzen, er scheidet, in dem Streben, rein 
logische Gedankenarbeit zu leisten, das traditionell-gesetzestreue 
Judentum so streng und in dieser Strenge falsch von den anderen 
„Judentümern" ab, dass wir eine völlig schiefe Auffassung vom 
Wesen unseres Judentums erhalten. 

Der Satz: „es kommt alles anders als man denkt* hat 
einen vielen tieferen Sinn als seine banale Form ahnen lässt. 
Er gilt auch vor allem, wenn man Gedanken und Prinzipien 
mit starrer und unerbitterlicher Logik zu Ende denkt und höchst 
befriedigt das Facit zieht: So, an diesem Resultat ist doch 
wohl nicht zu rütteln. Und es gilt auch: es i s t alles 
anders als man denkt. Die Wirklichkeit lässt sich nicht in das 
Prokrustesbett einer von der Logik diktierten Pragmatik zwingen. 
Sie bleibt wie sie ist, zu kurz oder zu lang und füllt nicht das 



Der konsequente Nationalismus 



Schema aus, das von der Logik des konstruierenden Denkens oder 
von der .Logik der Tatsachen" aufgestellt wird. 

Welch innere Geschlossenheit glaubt Klatzkin seinem 
nationalen Kriterium geben zu können! Und doch enthält es 
einen Widerspruch. Besteht das Kriterium in Land und Sprache, 
dann war das Judentum keine Nation seit zwei Jahrtausenden, 
seit dem Untergang seines Staates, der Vertreibung aus seinem 
Lande und dem Verlust seiner Sprache. Mit welchem Rechte 
nimmt Klatzkin für diese lange Galuthperiode das Dasein eines 
jüdischen Volkes an. E r darf von seinem Standpunkt die 
Religionsverfassung doch nur als Erklärungsgrund bezeichnen, 
dafür, dass Israel nicht untergegangen ist, ihm aber doch wahrend 
dieser Periode nicht den Namen einer Nation vindizieren. So 
muss man also, will man zwei Drittel der Zeitdauer der Existenz 
des jüdischen Volkes nicht aus der Geschichte streichen doch 
zu der Religionsverfassung und zu dem Bewusstsein gemeinsam 
verlebter Vergangenheit als Kriterium greifen, neben dem das 
Kriterium von Land und Sprache verschwindet. Es steht 
Klatzkin frei, zu sagen: Wir wollen uns für die Zukunft indem 
Willensentschluss zusammenfinden, eine Nation wie die anderen 
Nationen zu sein und für uns soll das Kriterium massgebend 
sein, das deshalb als das sicherste angesprochen darf, weil es 
allen Völkern gemeinsam ist: den Engländern ebenso wie den 
Zulukaffern: Land und Sprache. Er hat sich aber des Rechtes 
begeben, das Moment der historischen Gebundenheit mit in das 
nationale Kriterium hineinzubeziehen. Denn, wenn man es bei 
Licht besieht, findet von Moscheh bis auf die Jetztzeit nur auf 
einen verschwindend kleinen Teil unserer Geschichte das Kriterium 
des konsequenten Nationalismus Anwendung. Bis zum Abschluss 
der Richterzeit besassen wir noch nicht recht das eigene Terri- 
torium und nach dem babylonischen Exil nicht mehr die eigene 
Sprache. 

Und wie bestechend klingt die Antithese von Inhalt 
und Form. Und sie ist dennoch verkehrt. Also alle Inhalte 
sind antinational und national nur die Form? Und demgemäss 
wäre was in hebräischer Sprache geschrieben oder in diese über- 



280 Der konsequente Nationalismus 

tragen national, unbekümmert um die Art seines Inhalts? Die 
französischen Zoten der jung-jüdischen Dichter, weil hebräisch 
geschrieben, wären dann jüdisch und S. R. Hirsch's .Gesammelte 
Schriften" nichtjüdisch, im besten Falle übersetztes Judentum: 
Esist, als ob wir um des Wortes Nationalliteratur willen leugnen 
sollten, dass Homer und Shakespeare, Locke und Spinoza, Dante 
und Rousseau völlig zum nationalen Besitz der Deutschen und 
für ihre Kultur und ihre Lebensführung von tausendfach 
grösserer Bedeutung geworden als hunderte der ihnen gleich- 
sprachigen Dichter und Denker. 

Aber Klatzkin braucht diese Antithese, denn er will uns 
beweisen, dass die Betonung des Inhalts entnationalisierend 
wirkt, dass, je mehr es dem Judentum gelingt, seinen Ideen in 
der Welt Eingang zu verschaffen, es destomehr an Eigenem 
verliert ; dass, um es drastisch zu sagen, der Kampf für den Mo- 
notheismus, die messianische Idee, die Herrschaft des Rechts auf 
Erden, die Herbeiführung des Reiches Gottes eigentlich ein rechtes 
Unglück für das Judentum bedeuten. Und um das zu unter- 
streichen, wird eine strenge Scheidung gemacht zwischen dem 
Judentum der Periode der Emanzipation und dem des Galuth. 
Jenes sah nur in den Ideen, dies nur in den Normen, den 
Geboten und Verboten den Inhalt des Judentums. Und dann 
erhalten wir eine reizende Konstruktion von dem nur in die 
Irre gegangenen nationalen Instinkt, der jene Reformer beseelte, 
die den Ideen des Judentums eine besondere Stärke verleiben 
wollten, damit das Judentum nun auch ohne das Rüstzeug der 
613 Gebote und Verbote die drohenden Gefahren bestehen könne. 

Nur schade, dass das eben nur Konstruktionen sind. Eine 
Umkehrung von Acbad-Haams Theorie von dem nationalen In- 
stinkt, der den Rationalisten Maimonides, der das doch eigent- 
lich gar nicht nötig hatte, dazu trieb, seine Lebensarbeit der 
unübertroffenen Kodifizierung der gesamten Halacha zu weihen. 
Ach nein, die Reformhelden haben nie Dämme errichten wollen. 
Aber sie dachten ebenso wenig daran — bis auf wenige — mit 
der Religionsverfassung radikal aufzuräumen. Sie Hessen sich 
nur vom Strome treiben und versuchten, den Laien, denen in 



Der konsequente Nationalismus 



ihrer Lebensführung die Verbindlichkeit der religiösen Normen 
immer mehr abbröckelte, in Katechismen Ablasszettel zu schreiben. 
Es war wie bei der Predigt nach protestantischer Art, wie bei 
Orgel, Damenchor und stellenweise den Glockentürmen auch 
reine Nachahmungssucht. Das Christentuni hat Theologie, Dog- 
matik, Katechetik, Seelsorge. Wir wollen auch Geistliche unter 
uns zählen, wie die hochgeachtete Kirche. Und sie waren be- 
glückt, als sie Staatsbeamte wurden. 

Und auf der anderen Seite: Welche Herabsetzung ja ge- 
radezu Entweihung des Galuthjudentums, als ob es nur in einer 
Summe von Rechtsnormen sein Leben gesehen und nicht von 
den Lehren, von den Ideen des Judentums durchglüht 
gewesen. Wir danken für das Lob, das Klatskin der Entwick- 
lung der Halacha zollt, wenn es darin gipfelt, dass dadurch der 
nivellierende und entnationalisierende (jieist des Prophetismus 
unschädlich gemacht wurde. Woher hat er seine Weisheit? Aus 
der Wellhausenschen für die Zwecke der protestantisch-liberalen 
Theologie zugerichteten Ideologie. Warum denn so von oben 
herab gegen Martin Buber? Es ch ristelt b ei ihm nichl 

Die Millionen all der Märtyrer in den vergangener 
schlechtem, sie sind nur für die Gebote in den Tod gegangen 
und nicht mit dem liekenntnis des Sch'ma Jisroel auf den 
Lippen ? Wir haben immer gehört: DI4\7 ncnp by cu-c; ITDOie» dass 
sie ihr Leben hingaben, weil sie den Namen des einig-einzigen 
Gottes heiligen wollten, dass sie so recht eigentlich für die 
Idee des Monotheismus gestorben. Lud bei aller Freudigkeit 
bei all dem Glflcksgefuhl, das ihnen aus der Erfüllung des 
Gesetzes Robb, nimmer hatten sie das zweitausendjährige liber- 
uienschliehe Leiden ertragen, wenn sie nicht der niessianisclien 
Hoffnung gelebt, und dies nicht bloss in rein irdischem und 
materiellem Sinne sondern im Geiste mes [d'ee, 

die alle Zeiten als eine Gestaltung der Welt durch die Herr- 
schaft des Allmachtige taben, wie das unsere täglichen 
Gebete lehren. 

lud endlich der unreife Nationalismus eines Achad llaan- 
Auch hier hat es sich Klatzkin recht Leicht gemacht. Mit dem 



Der konsequente Nationalismus 



Nachweis, dass die Gedankenwelt Achad Haams nicht in das 
von Klatzkin beliebte Schema passt, ist diese nicht tot zu 
schlagen. Auch hier steht höchstens Behauptung gegen Behauptung. 
Woher weiss es Klatzkin, dass die Blüte des nationalen Zentrums 
der Tod des Galuth bedeute. Und auch der Entwicklungslehre, 
die Achad Haara als Prinzip für die Fortbildung innerhalb des 
Judentums annnimmt und von der er eine Versöhnung zwischen 
dem alten Typ des Galuthjuden und dem von Kultur und 
Wissenschaft aller Völker getränkten Nationaljuden erhofft, dieser 
Entwicklungslehre zu widersprechen hat gerade Klatzkin das 
letzte Recht.' -Will er nicht eine Nation niedrigsten Grades, 
dann muss doch wohl angeknüpft werden an die Vergangenheit. 
Klatzkin selbst will ja die alten Ruinen wenigstens vor dem 
völligen Verfall schützen. Wie denkt er sich, der doch nicht 
wie wir an die Unabänderlichkeit des Gottesgesetzes und seinen 
ewigen Wert glaubt, eine organische Verbindung zwischen dem 
Alten und Neuen wenn nicht auf dem Wege der Entwicklung? 
Und in der Tat sind die letzten Kapitel seines Buches ein 
einziger Rückzug, mit dem die Tatsache — selbstverständlich 
uubewusst — verschleiert wird, dass nun einmal die Wirklichkeit 
ihrer nicht spotten lässt und dass die gedanklich einleuchtendste 
Konsequenz, die strengste Systematik zumeist dazu verurteilt 
ist, graue Theorie zu bleiben. 

Immerhin behält das Buch von Klatzkin einen ausser- 
ordentlichen Wert. Nicht nur den ästhetischen, dass die Klarheit 
der Gedankenentwickelung sich einen adäquaten Styl geschaffen, 
der sowohl gegenüber dem dunklen im gespreizten Pathos 
einherschreitenden, wie gegenüber dem flachen an die üble Form 
politischer Tagesartikel erinnernden so vieler zionistischer Ver- 
öffentlichungen wohltuend absticht. Auch sachlich ist es zu 
begrüssen, dass das wahre Gesicht des Zionismus sich uns zeigt, 
dass mit erschreckender Deutlichkeit einem jeden, der sehen 
will, zum Bewusstsein gebracht wird, wohin eine auf eine rein 
politische Orientierung eingestellte Auffassung des Judentums 
treiben muss. Um es noch einmal kurz zu sagen: Zu einer 
völligen Entwertung dessen, was die Judenheit und das Judentum 



Der konsequente Nationalismus 282 

viertehalb Jahrtausenden ausgezeichnet, was ihm Halt und 
Dauer für diese Zeit verliehen, zur Entwurzelung des Galuth- 
judentums d. h., da es sich in Palästina nur um eine im Ver- 
hältnis zur Masse lächerlich geringe Minorität handeln kann, 
zur Entwurzelung fast des gesamten Judentums und in Gefolge 
dessen zu einer Katastrophenpolitik unverantwortlichster Art. 
Ks ist eine einzige Karte, auf die — man möchte, wenn man 
nicht zuletzt vor dem Ernst und der Ueberzeugungstreue eines 
Denkers wie Klatzkin doch Achtung empfände, sagen — mit 
bodenlosem Leichtsinn alles gesetzt wird. 

Klatzkin's Ausführungen sind vielfach Gegenstand ein- 
gehender Polemik seitens zionistischer Schriftsteller geworden. 
Der Zionismus scheut eben die letzten Konsequenzen, ja Heinrich 
Margulies hielt gerade aus der Erkenntnis von der Bedeutung 
des Galutbjudentums eine Revision des ganzen zionistischen 
Gedankengebäudes für nötig. Diese ist uns der Zionismus bis 
jetzt schuldig geblieben. Und Klatzkin wurde immer mehr 
isoliert. Und wir gestehen, wir freuen uns dessen, und sollten 
wir es auch in den Kauf nehmen, dass dadurch der Zionismus 
nicht in seiner ganzen Gefährlichkeit allseits erkannt wird. 
Auch der Mehrheitssozialismus ist recht inkonsequent, seine 
Welt-, Geschichts- und Wirtschaftsauflassung, führen folgerichtig 
zum Kommunismus. Und dennoch können nur unbesonnene 
Gegner wünschen, dass diese konsequente Richtung zum Siege ge- 
lange, dass wir unter die Herrschaft des Bolschewismus kommen 
mögen, damit der Sozialismus sich durch sich selbst widerlege. 
So scheint auch uns für die Judenheit und das Judentum zu 
viel auf dem Spiel zu stehen, wenn durch den Sieg der Ideen 
Klatzkin's die mannigfachen Strömuugen, die den Zionismus als 
<Ianzes ausmachen, alle in einen einzigen Strom geleitet würden 
und so die grosse Bewegung, zu der sich nun einmal hundert- 
tausende unserer Brüder bekennen, in religiösen Nihilismus 
ausartete. Ganz abgesehen von den nicht auszudenkenden 
politischen Folgen, die sich dann ergäben und den Bestand des 
Judentums ernstlich gefährdeten. 

Wir Bekenner des gesetzestreuen Judentums werden ja 



Der konsequente Nationaliemus 



von den Gedanken Klatzkin's wie schon mehrfach erwähnt, 
nicht berührt. Denn für uns gilt u , D' 1 yntr irvi ton s 3 nicht 
bloss im Sinne Klatzkin's die Tbora war im Galuth unser 
Leben und bürgte uns für die Dauer unserer Tage. Sie ist es 
jetzt und wird es sein und wird bürgen für alle Zeiten. 

Einige Sätze freilich, in denen Klatzkin apodiktisch ohne 
weitere Belege recht verächtlich von der entseelten Orthodoxie 
des Westjudentums spricht, bedürfen noch der Beleuchtung. 
Doch da müssten wir weit ausholen: wie ist jene enstanden, 
welche Strömungen machen sich in ihr geltend, was wollte sie 
in der Vergangenheit, was will sie für die Zukunft, was be- 
deutet ihr Zusammenschluss in jüngster Zeit? Darüber in einem 
zweiten Aufsatz. J. W. 



*on üb)v hxrw* v-in ,min 

in einem Satze R. Simon b. Jochaj's. 

Von Rabb. Dr. S. Klein in Nove Zamky (Slov.) 
Nicht allein „schwierige" Halachasätze, — auch „leichte" 
aggadische Aussprüche unserer Weisen bedürfen oft einer gründ- 
lichen Durchforschung, um richtig verstanden zu werden. Denn 
Aggada ist nicht eine „kurzweilige Rede" — wie einst Bux- 
torf meinte — oder „Erzählung, Sage, Fabel, Legende" u. dgl., 
oder wie sonst die verschiedenen Definitionen lauten mögen 1 ); 
die Aggada ist weit mehr! Sie ist — genau so wie die Halacha — 
die Widerspiegelung all der religiösen Ideen und Begriffe und 
der uralten Traditionen, die unser Volk seit jeher besass, ferner: 
der im Laufe der Jahrhunderte in engster Verbindung mit der 
Zeitgeschichte entstandenen und sich entwickelten religiösen und 
ethischen Anschauungen des Judentums, — dies Alles durch 
unsere grossen Meister im Anschluss an Worte der heiligen 
Schrift vorgetragen. 

Die Halacha ist religiöses Gesetz. Doch wird man auch 
sie oft als historisches Material verwerten können, 

M Sie sind ziisanimrngestellt bei Bacher. Ag. T. I '-'. 4&2 ft. 



>on a^rj .rniw px ,min 



indem man der in ihr sich an vielen Stellen äussernden Ent- 
wickelung und den Einflüssen verschiedener historischer Ereig- 
nisse nachgeht. Geben doch die halachischen Quellen nicht 
selten selber an, aus welcher Zeit und unter welchen Verhält- 
nissen eine Verordnung hervorgegangen, bezw. erlassen wor- 
den ist 2 ). 

In noch höherem Maasse als die Halacha kann die Aggada 
als historisches Material zur Kenntnis der alten Verhältnisse 
herangezogen werden. Und wenn uns einmal eine nicht klar 
erscheinende Aggada begegnet, so haben wir zunächst zu fragen, 
welcher Zeit sie angehört und welche geschichtliche Ereignisse 
oder Umstände den Urheber derselben veranlasst haben mögen, 
einen derartigen Ausspruch zu tun. Die Aggada muss also ge- 
schichtlich beleuchtet und erläutert werden; andererseits wird 
sie bei genauer Prüfung, bereits bekannte historische Tatsachen 
in ein helleres Licht rücken. Ein Beispiel hierfür sei in den 
folgenden Ausführungen über einen auffälligen aggadischen Aus- 
spruch Rabbi Simon b. Jochaj's — der bekanntlich um die Mitte 
des 2. Jahrhunderts lebte — geboten. 

Der zu behandelnde Satz tindet sieh in Sitre zum V. Buche 
Mosis 6,5, §32 (ed. Friedmann 73 b 13 ff.) und Mechiltha zum 
11. B. M. 20, 20 und lautet folgendermaassen : 'xnv p |v;aB> vn 
fjvrurb c,-6 n3"pn [n: [nuic] nwo vbw onio' vyzn nai* 
.d'-iid' «r by xbx t 7K"ir ,i 7 wnna t6-\ ,\ n b o " i n n o o b i y n nisiKC 
K3fl oSivm btnv* pw min Kl iSni*). R. bimons Satz wird auch 
b. Berachot 5b (unten) als Barajta angeführt, und zwar ohne 
die einleitenden Worte Dmo' crart — was von minder grosser 
Wichtigkeit ist, da die ganze Talmudstelle dort über die er- 
zieherische Bedeutung der Heimsuchungen und Leiden handelt ; 
jedoch werden dort auch die oben hervorgehobenen Worte nioiK» 
[rn c^Nro cS'yn weggelassen, und die Anführung im Babli macht 

5 ) Vgl. z. B. meine Notiz in „JoHt'.hurun" VII, 456. 

') An den bezeichneten Stellen und im Babli werden iann ent- 
sprechende Bibelsätzo als Belege für die Behauptungen R. SimuuH an- 
geführt, die wir hier wohl nicht anfuhren müssen 



«an dSij? ^s-ie» p» /min 



den Eindruck, als wollte R. Simon blos feststellen, dass Israel 
von Gott drei grosse Gaben erhalten habe, die allerdings durch 
Leiden erreicht worden sind. Doch kann das unmöglich der 
eigentliche Sinn seiner Worte sein. Wird doch z. B. der Sabbat- 
tag an anderer Stelle mit Recht als eine naio n:na bezeichnet 
(Beza 16a, auf Grund von II. B. 16,29: natwi m oa 1 ? jm 71 ■=) 
und dies hätte im Satze R. Simons nicht fehlen dürfen, wenn 
seine Absicht wäre, die guten Gaben Gottes an Israel aufzu- 
zählen. In der Tat liegt das Schwergewicht des Satzes R. 
Simons nicht in den im Babli angeführten Worten, sondern in 
den dem ganzen Ausspruche vorangeschickten Passus : omD' BW 
„Gar lieb sind Leiden", und ganz besonders in den Worten 
ph Dixno dSijm maiiw: „Israel besitzt drei solche Gaben, 
nach denen die Völker der Welt sich sehnen 
und diese sind: Thora, Israels Land und die kommende Welt". 
Weil aber diese Worte in Wirklichkeit sehr auffällig sind, sind 
sie im Babli wohl sicher erst durch die Abschreiber (oder die 
Zensur?) weggelassen worden. Streichung ist jedoch kein solches 
kritisches Mittel, dessen man sich beim Verständnis eines 
schwierigen Satzes bedienen dürfte. Wir müssen den Worten 
R. Simons ganz anders beikommen. 

Dass R. Simon diese Worte nicht allgemein auf die heid- 
nischen Völker der Welt angewandt wissen wollte, muss ohne 
Weiteres klar sein. Hätte doch R. Simon durch seine Fest- 
stellung der heidnischen Welt ein besonderes Lob gespendet : 
sie hätte Sehnsucht nach diesen idealen Gütern Israels (denn 
selbst Skib" pH ist in diesem Zusammenhang, zwischen mir 
und «an aSiy, nicht bloss als materielles Besitztum zu fassen). 
Wie wäre aber ein solches Lob, eine solche Anerkennung der 
heidnischen Weilt mit dem harten Urteile R. Simons: „Der 
Frömmste unter den Heiden verdient den Tod" 4 ) in Einklang 
zu bringen? Und war es doch R. Simon, der im Gegensatze zu 
R. Jehuda die selbstsüchtigen und unsittlichen Motive darlegte, 
die den civilisatorischen Werken Roms zu Grunde lägen! 5 ) 

*) Quellen und Lesarten e. bei Bacher a. a. 0. II . 86 Anni. 3. 
6 ) b. reif 33 b. 



»an n7iy ."rrnc p« n-fwi 



Im Gegensatze zu dieser feindlichen Gesinnung gegenüber 
der heidnischen Welt, begegnet uns in mehreren Aus- 
sprüchen R. Simon b. Jochaj's eine besondere AchtuDg, Aner- 
kennung und Liebe denen gegenüber, die das Heidentum ver- 
lassend, sich ihrer bisherigen Lebensweise entsagend, dem Ju- 
dentum in grösserem oder geringerem Maaße sich angeschlossen 
und sich auf diese Weise D'IJ, Proselyten geworden sind. Fol- 
gende Stellen mögen das veranschaulichen: 

Zu dem Gebote DUM 1X2 rann minn , *;~ Sd n* D"Msn ^praroi 
(V. B. 27,8) wird in den alten Quellen 6 ) folgende merkwürdige Kon- 
troverse vorgetragen: R. Jehuda sagte, die Worte der Thora seien 
nach der Ueberschreitung des Jordans auf die Steine geschrieben, 
dann mit Kalk überzogen worden. Da sagte ihm R. Simon : 
„Wie hätten nach deiner Auffassung die 
Völker jener Zeit Thora lernen können (die 
Worte waren ja nicht sichtbar) ?" — Die Antwort R. Jehuda's, 
sie hätten sie durch ein Wunder erlernen können, was sie je- 
doch nicht tun wollten, befriedigt nicht R. Simon, und er erklärt 
die genannte Schriftstelle so: die Thora sei auf die Steine, 
nachdem sie mit Kalk bestrichen wurden, in siebzig Sprachen 
geschrieben worden (damit alle Völker der Erde 
von ihr Kenntnis erhalten). Unter den Text wur- 
den die Worte gesetzt: „Wenn ihr wollt, nehmen 
wir euch an!" 

(,'hobab (IVB. 10,29) wird durch die Aggada bekanntlich 
mit Jithro identiliziert. R. Simon erklärt nun: 33in sei er ge- 
nannt worden — ffflTCl rtt s:nr \ff .weil er die Thora liebte ; 
ja, wir finden unter sämtlichen Proselyten keinen, der die Gottes- 
lehre so, wie Jitbro geliebt hatte". Und wie er sie geliebt, 
80 liebten sie auch seine Nachkomen, die Rechabiten. Dafür 
erhielten sie auch das fruchtbare Gebiet von Jericho als Be- 
sitztum i. 

Eine wahre Verherrlichung der Proselyten knüpft ferner 

:mon b. Jochaj an die Worte der Thora: „Einen Fremden 

«) Tosefta nm VIII, b. :\b b (vgl. auch jer. Sota VII . | 
7) "oma i«im § :s (Bacher a. :i. 0. II, 117). 



288 «an nSij? ,Skib" pn ,min 



sollst du aber nicht kränken und nicht bedrücken" (IIB. 22,20): 
„Von den Frommen heisst es, dass sie Gott lieben (nach Richter 
5, 31), von den Proselyten, dass Gott s i e liebet (nach VB. 10,18); 
wer ist wohl grösser, von wem gesagt ist, dass er den König 
liebe, oder von wem gesagt wird, d a s, s der König ihn 
liebe? Gewiss derjenige, den der König liebt! (Die Proselyten 
stehen also höher als die Gott liebenden Israeliten). Ja, gar 
lieb sind die Proselyten (cijn o'a'an), denn sie wer- 
den in der heiligen Schrift überall genau so bezeichnet, wie 
die (geborenen) Israeliten. Sie werden onay „ Gottesdiener ", 
OTfUJ'a „Gehilfen Gottes", ran'x „Freunde Gottes" genannt. Es 
wird ferner von ihnen gesagt, dass sie am Bunde Gottes (rvna) 
teilhaben; dass Gott an ihren Opfern Wohlgefallen (p'Ji) findet; 
dass Gott sie bewahrt (tna m iöisp). Abraham und David 
nannten sich auch D'"u. Gar lieb sind die Proselyten. 
Dies zeigt auch der Umstand, dass Abraham im 99ten Lebens- 
jahre das Bündnis Gottes annahm. Denn hätte er es als 20 
oder 30 jähriger angenommen, so hätte keiner über 20 oder 30 
Jahren ein Proselyt werden können, so aber wollte Gott zeigen 
dass man die Türen vor den Proselyten (welchen Alters sie 
seien) nicht versperren dürfe; ja, dass Er ihnen für ihren Ent- 
schluss, in hohem Alter sich Israel anzuschliessen, einen be- 
sonders grossen Lohn zuteil werden lasse. Auf die vier Gruppen 
von Proselyten sind die Prophetenworte (Jesaja 44,5) anzu- 
wenden: „Dieser spricht: ,dem Ewigen gehöre ich an' — 
das sind jene, die sprechen: „Keine Sünde soll sich in mich 
mischen"; , dieser nennt sich mit dem Namen Jakob' — das 
sind die frommen Proselyten; ,dieser schreibt auf seine Hand: 
dem Ewigen' — das sind die Bussfertigen; .dieser nennt sich 
Israel' das sind die Gottesfürchtigen" 8 ). 

8 ) Hechilta zu der bezeichneten Stelle; Jalkut nmv § 349; Jalk 
n-vc» § 469 (wo aber die Reihenfolge der Sätze etwas verschieden ist) ; , 
vgl. ferner nai "laiaa 8 § 2. Es sei bemerkt, dass — soweit ich sehe 
— nur der erste Satz der im Teste angeführten langen Stelle als von 
R. Simon stammend von den Forschern angesehen wurde. So führt 
Bacher a. a, O. 11,103 nur den einleitenden Satz unter der Aggada 



«n b 1 ?!? .r»ip> pK ,mw 



Die ganze Stelle zeugt nicht nur von der liebevollen Ver- 
senkung in die Gefühlswelt der Proselyten, die der Meister 
trösten und aufmuntern will; sie ist zugleich ein Beweis dafür, 
wie genau R. Simon die Verhältnisse der Proselytengemeinden, 
die überall in den Ländern des grossen römischen Imperiums 
zerstreut anzutreffen waren, gekannt hatte 9 ). In den am 
Schlüsse der Ausführungen R. Simons genannten vier Klassen 
sind die verschiedenen Kategorien der dem Judentume sich mehr 
oder minder hinneigenden Proselyten treffend gekennzeichnet. 
Die vollkommenen Proselyten — pTJtn '"u — sind jene, die 
die Konsequenzen ihrer Ueberzeugung ganz zu ziehen imstande 
waren und sich dem Judentume durch Uebernahme sämtlicher 
jüdischer Gesetze vollkommen angeschlossen hatten ; diese ver- 
dienen den Namen apy\ Es gab aber auch solche, die noch 
nicht so weit gekommen sind. Unter diesen sind uns die '«v 
d'ojp sehr gut bekannt. Es sind jene, die in den griechischen 
und lateinischen Quellen als „Gottesfürchtige* (oeßöpsvot xiv Jköv, 
od. i). u>iia-ov ; metumii) erscheinen 10 ), und auf die auch die 
Psalmworfe : TJI 71 "NT m no«' (118 4) im Mi drasch angewendet 

R. Simons an. I L >■ v i — dessen Abhandlung in REJ 1905.1 ff. ich 
nur aus Anführungen kenne, erblickt in den Worten der Mechilta „das 
Fragment einer Rede jüdischer Missionare." Ich glaube, die ganze 
Stolle mit vollem Recht R. Simon zuschreiben zu dürfen. Meine 
Grunde sind: 1) der Inhalt der ganzen Stelle entspricht vollkommen 
den Anschauungen R. Simons über die Proselyten; 2) ist der zweimal 
angewandte emphatische Ausruf on:n n'3'an zu beachten, der den 
Worten in der zu Beginn der Abhandlung angeführten Sifrestelle 
3i-\iB' 0'3>2n entspricht. 3) es kommen auch anderswo derartige längern 
Ausführungen im tannaitischen Midrasch vor, so z. 15. die ergreifenden 
Worte R. Akihas (so die richtige Lesart in c'Njn pno od. H offmann 
S. '-'G) in b'i;t 'ibo § 82. „Eine Rede jüdischer Missionare" kann man 
aber diese Ausführungen schon deshalb nicht bezeichnen, weil wir über- 
haupt keine sichere Kenntnis davon haben, dass Proselyten-Mission von 
Pal&etina aus betrieben wurde. 

9 J Im allgemeinen s. Sc h ü re r , Gesch. 111, 160- 188; Staerk, 
.Neutest. Zeitgeschichte 11,46— 59. 

,0 ) S. meino AusfhhrungOD in „Jeschurun* VII, 460 f VgL muh 
Menachot 110 a: Mrfan ttrh* r,»S i->p <:a<tsip iyt "iud 2-1 na* 



xan oSij? ,Skib» pK ,min 



werden 11 ). Auch solche dürfen sich — nach R. Simon — Siw 
nennen (sie kämpfen ja auch für Gott !), oder R. Simon will 
damit sagen, dass andere sie schon als Israeliten betrachten. 
Dass die an dritter Stelle genannten mwn ^3>3 in diesem Zu- 
sammenhange gleichfalls nur Proselyten sein können, kann nicht 
zweifelhaft sein. Das sind jene unter den Heiden, in deren 
Herz schon das Gefühl der Reue Platz gefunden, die sich aber 
nur in beschränktem Maße Gott angeschlossen, gleichsam nur 
auf die Hände den Namen Gottes geschrieben haben. Was 
die an erster Stelle angeführten Worte bedeuten sollen : Ski 
xssn »a mjMV, ist nicht ganz klar. Vielleicht beziehen sie sich 
auf solche, die mit wirklichen Heiden keine Ehe eingehen wollten, 
oder die nur mit Juden und gleichgesinnten Gottesfürchtigen 
verkehrten ; — wie dem auch sei, dass wir in diesem Aus- 
spruche R. Simons eine wertvolle Charakteristik der nach vielen 
Tausenden (vielleicht gar nach Hunderttausenden) zählenden 
Proselyten vor uns haben, ist sicher 12 ). 

R. Simon ist es auch, der eine alte Tradition, einen Syn- 
hedrialbeschluss die Opfer der ausländischen Heiden und Prose- 
lyten betreffend in der Mischna mitteilt 1 '). Er befasste sich 
also auch mit d-ij nuSn, — und all diese Stellen liefern uns 
den Beweis dafür, wie er die Verhältnisse der Proselyten gründ- 
lich zu untersuchen und kennen zu lernen bestrebt war. Kein 
Zweifel daher, dass er auf Grund seiner Beobachtungen zu der 
Erkenntnis gelangte, dass es unter den Heiden, oder, wie sie 
damals gewöhnlich genannt wurden, unter den , Völkern der 
Welt' sehr viele gebe, die eine besondere Liebe, ja eine Sehn- 
sucht nach den drei grossen Gaben Israels, die es durch Leiden 
erreichte, in ihrem Herzen hegten, das sind : die Thora, Israels 
Land und die kommende Welt. 

Wenn wir nun die auf uns gekommenen historischen Be- 

u ) nan laiai 8 § 2, D'^nn vno ed. Buber S. a*oi Anm. ». 

») Ueber die Zahl der Proseylten s. Staerk a. a. O. S. 6L : 
„Die Zahl seiner (des Judentums) Anhänger aus dem Heidentum können 
wir uns eher zu klein als zu gross vorstellen." 

») M. c<?pe> VII. 6. 



«an oSiy hniv pH ,min 



richte durchmustern, so werden wir tatsächlich finden, dass 
diese drei Besitztümer Israels es waren, die auf die heidnische 
Welt um die Wende der gewöhnlichen Zeitrechnung und noch 
einige Jahrhunderte nachher den grössten Eindruck machten 
und die Sehnsucht nach ihnen bei vielen Menschen erweckten. 

Ein Beispiel dafür, wie eifrig das Studium der Thora 
bei den Gebildeten der heidnischen Welt betrieben wurde, bietet 
uns die Geschichte der Bekehrung des adiabenischen Königs- 
hauses. Nach der Darstellung des Midrasch 14 ) sassen Monobaz 
und Izates und lasen einst im I. Buche Mosis den Abschnitt 
über das Gebot der Beschneidung. Diese Worte veranlassten 
sie, die Beschneidung an sich vollziehen zu lassen, nachdem sie 
schon lange für die Ideen des Judentums gewonnen waren. Auch 
aus der Darstellung, die Flavius Josephus über die Bekehrung 
des Königshauses gibt 15 ), geht hervor, dass das Lesen der Lehre, 
speziell des Pentateuchs eine oft geübte Sitte im adiabenischen 
Königshause war. Der galiläische Jude, Eleazar, trifft den 
König Izates — offenbar zufällig — beim Lesen des mosaischen 
Gesetzes an. Er weist nun auf das jüdische Prinzip hin, dass 
es nicht genüge, das Gesetz zu lesen, man müsse auch all seine 
Vorschriften befolgen " 1 ). 

Dass aber bei diesen hochstehenden Männern das Ver- 
langen nach der Thora nicht beim einfachen Lesen blieb, be- 
weist der Umstand, dass sieben Söhne oder besser: Enkel der 
Königin Helene als D'B:n TöSn durch einen palästinensischen 
Gelehrten bezeichnet werden 17 ). In der königlichen Familie 
blieb die Kenntnis der Lehre auch weiterhin heimisch. Ein 
späteres Mitglied, Namens Monobaz, behandelte einmal vor lt. 



u ) n rwtoa 46 § 10. 

16 ) Ant. XX2.2. 

w ) Es ist dies der in n«M 117 im Namen von Simon b. Uamliel 
1. angeführte Satz : nryen k^k ippn um cmon nh. Der Satz stammt nicht 
von ihm — wie wir aus Josephus sehen — , or war allgemein an"r 
kannter Grundsatz und wurde durch R. Simon ebenso, wie durch den 
Qaliläer Eleazar angewandt. 

17 ) T. naio I ... m o<D:niToSn (naSon <:'S'n Sv] tvangsm ... mim n k 
Z. 8t vgl Brüll, Jahrb. I, 77 f. 



Hin nSw ,S»ciB" p« ,rnin 



Akiba bezeichnender Weise die Frage, wie die Sabbatverletzung 
eines in heidnischer Umgebung zum Judentum übergetretenen 
Proselyten zu beurteilen sei 18 ). Er mochte dabei an bestimmte 
derartige Vorfälle bei seinen Ahnen, die ja lange Zeit in heid- 
nischer Umgebung lebten, gedacht haben. Dass übrigens die 
Gesetze bei der Königlichen Familie aufs gewissenhafteste 
heobachtet wurden, berichten mehrere tannaitische Ueber- 
lieferungen 19 ). 

Schon die Erinnerung an den Fall dieser Familie hätte R. 
Simon veranlassen können, die Behauptung aufzustellen moitn? 
milA D'lKPä cSiyn. Sicherlich waren aber ihm auch noch andere 
ähnliche Fälle bekannt. Da sei zunächst auf die Erfolge Hillels 
hingewiesen, der mehrere Heiden durch Belehrung über das 
Hauptprinzip der jüdischen Lehre und durch seine Menschen- 
freundlichkeit unter die Fittige der Gottesherrlichkeit führte 20 ). 
Auch Ben He He, der mit BenBagBag eine und dieselbe 
Person ist, war ein Proselyt, den Hilel bekehrt und in der 
heiligen Schrift unterwiesen hatte. Sein Name erscheint be- 
kanntlich unter den Tannaiten in den „Sprüchen der Väter" 21 ). 
Derenbourg hat schon vor mehr als 50 Jahren die folgen- 
den in Palästina wohnenden Tannaim als Abkömmlinge von 
Proselytenfrauen nachgewiesen: rvjoa ja hi^v «an war 
der Sohn einer Proselytin aus Batanäa; rr:"ira (3 pm H "\ der 
einer solchen aus dem Haurän (beide Gegenden im Ostjordan- 
lande). Beide lebten in Jerusalem. Etwas jünger war ja 'Dl' '"i 
irpoiöin, der Sohn einer Damaskenerin. Ihre Mütter haben gegen 
den Willen ihrer Männer das Judentum angenommen und Hessen 



> 8 ) T. na» Vin (IX) 5, b. 68 c. 

» 9 ) T. rr«D III, rnruD 32b; rm 21a. 8. Brüll a.a.O. 79; Jawitz 
V. 127. 

20 ) roer 31a. 

21 ) Vgl. die Ausführungen Bacher'a, Ag. T. I, 8 f. Vielleicht 
»oll der Name ja und »tn ein Hinweis auf die fünf Bücher der Thora 
(;-4-j=n=5) sein, die jeder Proselyt, als Grundlagen des Judentums, zu 
beachten hat. Bin Proselyt ist ein ja ja oder an ja d. h. ein min ja im 
Sinne unseres „rosa la». Eine andere Erklärung s. bei Bacher. 



nan tfrig ,Sn-ic» •(•1» wun 



ihre Söhne Thora lernen 22 ). — Dass der berühmte Bibelübersetzer 
Aquilas Proselyt war, ist allgemein bekannt. Ein Schüler R. 
Akiba's war der ägyptische Proselyt Binjamin 23 ). Wahrscheinlich 
stammte auch R. Meir von Proselyten ab 24 ), während die heid- 
nische Abstammung von Schemaja und Abtaljon und R. Akiba's 
nicht bewiesen ist 24 ). — Die christliche Ueberlieferung nennt 
den Schatzmeister der äthiopischen Königin Kandake, der auf der 
Heimreise aus Jerusalem im Wagen sitzend im Buche Jesaja 
liest 26 ). — Ein ausländischer Proselyt be ruft sich einmal einen 
palästinensichen Gelehrten gegenüber auf eine halachische Ent- 
scheidung R. Akiba's; bei dieser Gelegenheit teilt er auch eine 
aggadische Schrifterklärung des Meisters mit und zeigt sogar 
den Sessel, auf dem sitzend R. Akiba seinen Vortrag in jener 
Proselytengemeinde hielt 27 ). 

Wir haben nur solche Stellen herangezogen, die der tanna- 
itischen Periode angehören, die also die Verhältnisse der Zeit, 
in der R. Simon lebte, charakterisieren. Wir wollen dovon ab- 
sehen, das ganze hierhergehörige Material aus der amoräischen 
Ueberlieferung zu verwerten, es sei nur auf eine Deutung des 
im 3. Jahrhunderte lebenden R. Abahu's hingewiesen, in der er 
von Proselyten spricht, die Erfolge erzielen im Talmud und 
in der A g g a d a hervorragten - s ). 

Bedarf es nach all diesen Stellen noch eines Beweises, wie 
recht R. Simon mit seiner Behauptung hatte, die Völker der 
Welt das heisst: die Besten unter ihren Männern — hätten 
Sehnsucht nach der Thora Israels! 

Der Anschluss so vieler Heiden an das Judentum und die 
Entstehung der Proselytengemeinden ist zweifellos auf die über 

K ) Beilage zu ..Ben Chananja" Nr. 6 vom Jahre 1867; vgl. 
JosppliUB. Bellum II 20,2. 

") ona-; nw § 268, dto cnio 147,11: Ks'pv 1 ToSr». 
'i B ac her, a. a, 0. II. 5f. 
'') Brüll, Jahrb. II. 1.1 
*•) Apoatelgesdi. 8,28. 
27 ) Jebamot 98 a. 

- s--'- i - -:--- s § ] c: --c iTteSna — |n iw . . 

iruw — 



«an dSij? Anib» p« ,mw 



die ganze damals bekannte Welt sich erstreckende jüdische 
Diaspora zurückzuführen. Dies hat schon ein palästinensicher 
Amora festgestellt 29 ). Mochten aber die jüdischen Diasporage- 
meinden noch so zahlreich, und mochten sie noch so weit vom 
Mutterlande entfernt gewesen sein, — ein unsichtbares Band 
der Liebe und der Sehnsucht knüpfte sie und all ihre Mitglieder 
an das heilige Land und an das Heiligtum in Jerusalem. Nicht 
nur die alljährliche Tempelsteuer, den bpv zahlten sämtliche 
Juden der Diaspora gewissenhaft, nicht nur wallfahrteten sie, 
so oft es möglich war nach der geheiligten Stätte 30 ), sie wollten 
auch unmittelbaren Besitz am heiligen Lande haben. Ein merk- 
würdiges Zeugnis für diese Denkungsart und für die Sehnsucht 
der Diasporajuden gibt uns eine im Jahre 1914 in Jerusalem 
gefundene, aber erst vor kurzem näher bekannt gewordene 
griechische Inschrift, die in einer einstigen Synagoge von Dias- 
porajuden angebracht war 31 ). 

Der Text lautet in deutscher Uebersetzung: 

„Theodotos, Sohn des Vettenos, Priester und Synagogen- 
vorsteher, Sohn eines Synagogenvorstehers, Enkel eines 
Synagogenvorstehers, baute die Synagoge zur Vorlesung des 
Gesetzes und zur Lehre der Gebote — und das Fremdenheim 
und die Häuser (Zimmer) und die Wasserbehälter (-gerate) 
zur Herberge für die aus der Fremde, die es bedürfen, — 
die gegründet hatten seine Väter und die Aeltesten und 
Simonides. " 

Wie ich an anderer Stelle des näheren ausführte, ist der 
an der Spitze der Inschrift genannte Theodotos wahrscheinlich mit 
dem aus tannaitischen Berichten wohlbekannten Theodos aus Rom 
("an ws onin) identisch, und die durch ihn und andere errichtete 



29 ) cnoB 87 b: »•» kSk niawn \>ah htnw n« n"apn rtan nh iij^k h idk 
e'-ü avby lBDirw, 

so ) Vgl. bes. M nSn IV 10 und 11. 

3I ) Ich besprach die Inschrift in meiner Schrift: „Jüdisch- 
palästinisches Corpus Inscriptionum (Ossuar-, Grab- und Syuagogen- 
inschriften)" R. Löwit Verlag, Wien-Berlin 1920. S. 101 ff. Dort wurde 
auch der griechische Text mitgeteilt. 



»«an oSiy .Shic y-\H ,smn 



Synagoge in Jerusalem war demnach Besitztum römischer, bzw 
italienischer Juden. Dass aber dies kein vereinzelter Fall war, 
zeigen alte Berichte, wonach auch die Juden aus Alexandrien* 2 ), 
Cyrenäa, Cilicien und Asien 33 ), ihre eigenen Versammlungshäuser 
(Synagogen) in der heiligen Stadt besassen. In grosser Anzahl 
wohnten ferner in Jerusalem Babylonier :U J und Palmyrener S6 ), 
wie auch sonstige Diasporajuden, wie dies besonders durch zahl- 
reiche Grabinschriften bezeugt wird S6 ). 

Die Sehnsucht der Diasporajuden nach dem heiligen Lande 
würde auch durch die Zerstörung des Tempels nicht gemindert. 
Authentische Dokumente — Inschriften aus Jaffa' — zeigen, dass 
in den ersten Jahrhunderten dort Juden aus Aegypten, speziell aus 
Alexandrien, ferner solche aus Babylonien, , Tarsus, Chios, 
Kappadocien wohnten, letztere eine eigene Gemeinde, bzw. 
Synagoge — wie dies übrigens auch in Sepphoris der Fall war 
— besassen 37 ). Aehnlich waren die Verhältnisse in Lod ss ). 
Gewiss bat viele dieser Diasporajuden der Ruf der palästinischen 
Lehrhäuser dazu bewogen, nach dein heiligen Lande überzusiedeln. 
Doch waren sie ja nicht alle Weisenjünger (wie Hillel und 
Jaddua der Babylonier, Nacbum der Meder, oder wie die Söhne 
des R. Reuben b. Aristobulos aus Rom) 39 ). Nach Bezeugung 
der Inschriften waren zwei Brüder aus Alexandrien in Jaffa 
Trödler ; ein Babylonier war Bäcker, ein Tarsier war Linnen- 
händler. Die Diasporajudon gehörten also allen möglichen Ge- 
*eÜHcbaftsschicbten an. Was sie veranlasst haben mochte, ihre 
Wohnstätten in der Diaspora aufzugeben, war wohl der Wunsch, 
eich eins zu wissen mit jenen Volksgenossen, die im heiligen 



») n 1 ?« III (II) 5. 
3S ) Apg. 6.9. 9,29. 

»*l II KOI' VI 4. 

»") S. mrin Corp. Insir. B. 28 ff. 

") Ebendort B. 24 (Nr. 48); 80«. 

s; ) Ebendort S. 3 Anm. 8; S. 4 7 Aiim. 4. 

*•) Ebend. S. 46 Anm. 6 u. sieht' meine Ausführungen in „.Ipschiirun" 
V B. 624. 

w ) Uobor Erstoro s. rrnn tw, über Lotztpre s. meine Ausf. 
,Jc8churun* III. 4421t 



296 xan d^ij,' ."tkw p» /min 

Lande wohnten und sich eins zu fühlen mit den Vorfahren, deren 
Gebeine in dieser Erde ruhten. Die, denen dies nicht möglich 
war, suchten den Zusammenhang mit Palästina dadurch aufrecht 
zu erhalten, dass sie religionsgesetzliche Fragen dem Bet-din in 
Jabne vorlegten, ja dorthin wallfahrteten, oder an palästinische 
Gelehrte, die zufällig in ihre Sttädte kamen, solche Fragen 
richteten 40 ). Auch die Institution der Sendboten (ovnStp), die 
Gelder zur ErbalüiDg der palästinischen Hochschulen sam- 
melten, trug dazu bei, den Zusammenhang der Diaspora mit 
dem Mutterland* zu befestigen. Wie weit die Liebe und das 
Interesse für das heilige Land in die breiten Massen des Volkes 
drang, zeigt eine Mitteilung des palästinensischen Talmuds über 
den Besuch der Tannaim R. Eleazar [b. Azarja], K. Josua und 
Rabban Gamliel (II) in Rom, wo sie Kinder auf der Gasse 
trafen, die sich auf die Weise unterhielten, dass sie kleine Erd- 
häuflein formend, diese als nann und iwyo nannten, dazu be- 
merkend : „so tun es auch die Einwohner von Erez Israel" 4I ). 
Kein Wunder, wenn die Diasporajuden diese ihre Gesinnung, 
diese ihre Liebe zum heiligen Lande auf die zahlreichen Proselyten 
übertrugen und sie dazu veranlassten, ihren Wohnsitz in pst 
Skic' zu nehmen. Als biblische Vorbilder mochten ihnen hierbei 
der Midjaniter Chobab und die Moabiterin Ruth vorgeschwebt 
haben, die ihre Heimat verliessen, um im Lande Israels zu wohnen. 
Wir sind aber gar nicht auf Vermutungen angewiesen, um 
diese Beeinflussung der Proselyten von Seite der Diasporajuden 
festzustellen, bzw. nachzuweisen dass viele D'TJ wirklich nach 
dem heiligen Lande übersiedelten. Da ist vor allem wieder die 
adiabenische Königsfamilie zu nennen. Die Königin Helene 
übersiedelt mit ihren Söhnen nach Palästina 4 '-). Wir trafen sie 
schon in Lod 43 ) ; ihren Palast hatte sie jedoch in Jerusalem. 
Dort liess sie sich auch eine Grabstätte anlegen, die heute noch 

i0 ) T. nwipo IV 6: n»'3 abn s>hv rm* »» n<Sy Aj) n rt2?n .... 
»DV» »min B roin iDV "13 'H n 's. 
41 ) j. pTTJD VII Ende. 
«) M th III 6 Bellum j. XX. 3,4. 
4S ) Anm. 17. 



X2r, uW; rxiv ps ,rrnn 2'Jl 

bekannt ist. Durch die Inschrift eines dort gefundenen Sarko- 
phages erfährt man den Namen einer Begleiterin der Helene : 
sie hiess nrjba tnv u ). — Eine reiche Proselytin war etwa um 
die Wende des 2. Jahrhunderts die Valeria w ). — Eine Ossunr- 
inschrift aus Jerusalem nennt eine Marjah tmn J6 ). Wir kennen 
auch einen Proselyten Namens Jehuda aus Amnion 47 ), und den 
bereits genannten ägyptischen Proselyten Binjamin, die in Pa- 
lästina woiinten. Es sind das zufällig auf uns gekommene 
Nachrichten. Wie gross die Zahl der in Palästina wohn- 
haften und wie gross die Zahl jener Proselyten war, die in 
ihrer fernen Heimat sehnsüchtig nach dem heiligen Lande 
blickten, können wir nicht feststellen, wohl aber vermuten, und 
wir werden die Worte R. Simons recht würdigen können : 

„Meister, lehre uns die Wege des Lebens, dass wir auf 
ihnen uns des Lebens der kommenden Welt würdig machen." 
— so lautete die Bitte, welche die am Krankenbette R. Eliezer's 
versammelten Schüler an ihren Meister richteten '-). Und R. 
Elie/.er stellt ganz genaue Eorderungen an sie, durch deren 
Erfüllung der Mensch sich der kommenden Welt würdig machen 
kann. Offenbar meint er, dieser Lohn werde nicht jedem und 
nicht ohne Mühe zuteil. R. Jochanan b. Zakkaj weint vor 
seinem Hinscheiden, da er — den die Schüler das Licht Israels 
nennen — nicht weiss, ob man ihn nach dem Tode auf dem 
Wege der Seligkeit führen wird '"|. Dass die Frage der Teil- 
nahme an dem Leben der kommenden Welt die Gemüter in den 
ersten 2 Jahrhunderten d. g. Z. lebhaft beschäftigte, ersieht man 
besonders aus den Diskussionen, die in der Tosefta und in beiden 
Gemaras an die erste Mischna des pbrt pic in Sanhedrin geknüpft 
sind. K. Meir meint an einer anderen Stelle, als Sohn der 
kommenden Welt kann der gelten, wer im Lande Israels wohnt, 

") .Corp. Insiv Nr. 57 (S. -'''•)• 

">) Bbd. S. 26. 

bd. Nr. :>o (S. 24\ 
* 7 ) M. oh' Ende. 
'■) b. nma '28b. 



K2n nSii' ,Ss"ic" p« ,mw 



die heilige Sprache spricht und morgens und abends das yüv 
liest* 9 ). Die ersten zwei waren keine leicht zu erfüllende Be- 
dingungen in einer Zeit, da infolge der hadrianischen Verfolgungen 
und der überhandnehmenden Verarmung immer mehr und mehr 
Juden Palästina verliessen und die Sprache der Väter durch das 
Aramäische und das Griechische fast fällig verdrängt wurde. 

Besonders schwierig schien aber K. Simon die Erreichung 
der kommenden Welt zu sein, und in einem seiner merkwürdigsten 
Sätze sagt er: .Ich sab die Kinder der Erhöhung (d. h. die 
zur Erhöhung in der kommenden Welt bestimmten Menschen), 
es sind ihrer wenige ; wenn es tausend oder hundert sind, so 
gehören wir, ich und mein Sohn, zu ihnen ; gibt es deren nur 
zwei, so sind es wir Beide" 60 ). 

Dies harte Ringen um die kommende Welt übertrug sich 
von den grossen Lehrern auf die Besten Israels und der Proselyten. 
Freilich meinte R Josua — der auch sonst überaus leichte 
Bedingungen für die Aufnahme von Proselyten stellte 51 ), — dass 
alle Gerechten der Völker Anteil an der kommenden Welt 
hätten '' 2 ) ; tiefere Naturen unter den Proselyten wollten dies nicht 
als eine „Gabe umsonst", ohne Mühe, ohne Opfer angenommen 
wissen. Wiederum können wir auf ein Mitglied des adiabenischen 
Königshauses hinweisen, auf den König Monobaz, der von seiner 
Familie wegen der Verschwendung seiner Schätze in einem Jahre 
der Hungersnot zur Rede gestellt, also antwortet : „Meine 
Väter häuften Schätze unten, ich aber oben ; meine Väter häuften 
an einer Stelle, wo die menschliche Haud sie erreichen kann, 
ich dort, wo die Hand des Menschen keine Gewalt hat ; sie 
häuften Schätze, die unfruchtbar sind, die meinigen bringen 
Früchte, sie häuften Mammon-Schätze, ich Seelen-Schätze; sie 
häuften für andere, ich aber für mich ; meine Väter häuften 
Schätze in dieser, ich aber in der kommenden Welt* 6S ). 



49 ) cnaT neD § 333 (B a c b e r a. a. 0. II 24). 

M ) ra\s 45 b (Bacher ebd. 74). 

M ) r,i02> 46 a: "U nt 'in '« JNW n Sa «Si hie. 

M ) T. piruo XIII2, b. 105 a. 

M ) T. n«a IV u. Parallelelstellen. 



son oSiy .Ski»» pH ,rrnn 299 



Diese Worte und ähnliche Taten frommer Proselyten 
mochten vor R. Simons Augen schweben, als er die Behauptung 
aufgestellt: ton obrjh tnxriB oSiyn rtiei«. 

Und wie die Errichtung der kommenden Welt naca R. 
^irnon's Ansicht nur durch solche OTC, durch Opferwilligkeit, 
nur durch die völlige Hingebung an Gott — wie sie er und 
sein Sohn, R. Eleazar bewiesen — möglich ist, so zeigte er 
durch sein eigenes Beispiel, wie man Leiden zu ertragen hat, 
um in den Besitz der beiden anderen Gaben, Thora und Erez 
Israel zu gelangen. Hat er doch, als er vor den Verfolgungen 
der römischen Behörde flüchten musste, lieber ein Höhlenleben 
im Lande Israels geführt, als ein Leben voller Ehren im Aus- 
lande. Unter den grössten Entbehrungen oblag er und sein. 
Sohn während der Zeit, da sie in der Höhle wohnten, dem 
Studium der Gotteslehre; ja das Studium blieb auch weiterhin 
ihr ausschliesslicher Beruf 5 '). Seine Lehrtätigkeit nahm er 
Dachher in dem kleinen Orte Meron in Obergaliläa auf und hier 
unterwies er seine Schüler nicht nur in der Thora, er zeigte 
ihnen auch, wie man Erez Israel zu lieben hat, wie man trotz 
allen Leiden treu auf diesem Boden verharren müsse 05 ). Seine 
Ueberzeugung war, dass, so wie einst die Ahnen nur durch 
Leiden die drei grossen Gaben Gottes erhielten, unser Volk zu 
allen Zeiten nur durch Aufbringung all seiner geistigen und 
materiellen Kräfte den Besitz von Thora, Erez Israel und der 
kommenden Welt sich und den späteren Geschlechtern sichern 
kiinne und müsse. Als Ansporn zur Entfaltung dieser Kräfte 
und zur Uebernahme selbst der grössten Leiden möge aber 
Israel — so meinte R. Simon — das Beispiel der Völker der 
Welt, der Besten unter ihnen, die hingebungsvolle Treue der 
Proselyten voranleuchten. 

* 

M S. „.Jpschurun- VIII, 74 i 

tavun — 'lipo ^ 7 (s. meine Beitrage zur Geogr. u. Geschieht«) 
GaliUafl 8. J4 Anm. 7 und Büchlor, der galil. Am-ha-Arez S. 'J40 
Anm. 1; \gl. überhaupt den ganzen Abschnitt bei Büchler, S. 2:17 ff.) 

Vgl. wen it onal 'ieo § :'.7: ".x . . ^33 rfnina "k . . ioik »um' p nyo» i 



300 N2n c*?iy , t, (Oc , < px /nwi 

So glauben wir, den zu Beginn unserer Abhandlung ange- 
führten Satz R. Simon b. Jochajs ins rechte Licht der geschicht- 
lichen Betrachtung gerückt zu haben. Der nachdenkende Leser 
aber möge sich die Frage stellen, ob nicht auch wir heute — 
da unser Volk in einer so schicksalsschweren Lage sich befindet 
— manches aus R. Simons Worten zu lernen hätten, um, gleich 
ihm, zur Einsicht zu gelangen : will Israel das Besitztum von 
j*an cSiyi btntr j*ik nTYin sich sichern, so muss es sich zur 
grossen Wahrheit bekennen D'ir D-ran: Wir wollen selbst die 
grössten Leiden für diese Gaben freudig und willig auf uns nehmen! 



Die Anfänge der Reformbewegung 
und das Judentum in Italien. 

Von Rabb. I. Zoller, Triest 

(Schlussi. 

L Der Endesgefertigte von dem brünstigsten Eifer die Einheit und 
Aufrechterhaltung der Gebetsformeln in der hebräischen Sprache, so wie 
selbe von unsern heiligen Gelehrten überliefert worden sind, zu erhalten 
lebhaft durchdrungen 1 ), bezeuget seinen grössten Beyfall für das unermüdete 
und fromme Bestreben des Hochwürdigen Ober-Landes-Rabbiners und Vor- 
gesetzten des israelitischen Consistoriums der Stadt Triest J9der Neuerung 
und Veränderung, die man mit unsern Einrichtungen vornehmen wollte, 
vorzubauen. Daher bestätigt er hiermit, nach verhörter Meinung des hier 
am Ende gefertigten Herrn Geistlichen Beisitzers, in allen ihren Theilen die 
oben erwähnten 2 ) unsern Dogmen und religiösen Gebräuchen vollkommen 
übereinstimmenden") vier Beschlüsse. 

am 15. Adar 6679 Abram Reggio, hiesiger Rabbiner 
am 12. März 181^ Isac Morpurgo geistlicher Beysitzer. 

Wir unterzeichneten Vorsteher und abgeordneten der hiesigen israeli- 
tischen Gemeinde äussern unser, dem Entschlüsse unseres hochgeehrten oben 
erwähnten Herrn geistliehen Führers 4 ) gleichlautendes, einhelliges Gutachten, 
wie es die Religion pflichtmässig erfordert, als das einzige Mittel die Glaubens- 
Streitigkeiten zu entlernen, Friede und Ordnung auf das festeste zu erhalten. 

Görz am 12. März lsl9. 

Gottlieb Gentilli I v . , , . „ • j • n~ 

Yorsteher der isr. Gemeinde in Gorz. 
Nathan Luzatto I 



Görz 



') Ganz beseelt. '-') ausgedrückten. s ) gleichlautenden. *) Direktors. 



Die Anfänge der Ret'ormbowegung usw. 



Jacob Senigaglia ^ 

Ilerman Dörfler (sie) 5 Abgeordnete. 
Grassin Bolaffie I 

)i. Der hochwürdige Ober-Landes-Rabbiner in Triest and Vorsteher 
des dortigen israelitischen Consistoriums Herr Abraham Eliezer Levi, der 
sich nun hier befindet, erwies mir die Ehre, mir die von ihm samt den Mit- 
gliedern des geistlichen Consistoriums besagter Stadt über folgende Artikel, 
gemachten Entschlüsse mitzuteilen. 

Es folgen die vier erwähnten Beschlüsse. 

Derselbe Ober-Landes-Rabbiner verlangte von mir, dass ich was ich 
nur immer darüber denke, meinen aufrichtigen Bescheid über die vier erwähnten 
Entschlüsse geben möchte, da nun diese auf die unerschütterlichen 5 ) Grund- 
sätze und auf die Hauptgründe unserer reiDen Religionsmeinungen befestigten 
vier Artikel von keinem wahren Israeliten im mindesten widerlegt werden 
können, so bestättig« und erkenne ich sie auch in allem ihrem Umfange, als 
wahr und unveränderlich. Umso mehr halte ich es für meine Pflicht diesen 
meinen Bescheid darüber zu geben, da diese Antworten, jenen, die ich dem 
Herrn Jacob Herz Beer, einem Religionsbestellten 1 ') der israelitischen 
Gemeinde in Berlin, auf einige von ihm gemachten Fragen gegeben habe, 
gleichlautend sind. Welche mir zur grösseren Aulklärung der Sache, hier 
zu wiederholen nicht überflüssig scheinen. Auf seine gemachte Frage über die 
Zahl der öffentlichen hier befindlichen Tempel des israelitischen Gottesdienstes, 
war meine Antwort : Es wären derselben acht, eine abendländi- 
sche 7 ), eine levant mische, eine italienische und fünf deutsche 
Synagogen, welche sich nur in sehr unbedeutenden Sachen, nämlich 
in einigen Hymnen und in der Art zu singen unterscheiden, die 
doch in der Wesenheit der Gebether und in den, seit der Zeit 
des Propheten Esra und der so genanten Kenessed Aghedolä (grosse 
Versammlung) verordneten Formeln ganz einförmig sind. 
Auf die gestellte Frage ob die Gebether tumultuariscb verrichtet werden? 
gab ich eine verneinende Antwort und erklärte ihm, dass diese 
Gebethe ganz ordentlich verrichtet werden und man dabey die 
Stimme des Sängers oder des Priesters und nicht jene der An- 
wesenden höret, welche letzten das Gebet mit leiser Stimme hersagen, 
ausgenommen") am Ende einiger Absätze (Berachos), oder an 
einigen Theilen, auf welchen sie wirklich mit lauter Stimme ant- 
worten und erwiedern müssen. 
Ob die Predigten und kleineren Anreden in der italienischen Sprache 
gehalten werden? 

Antwort: die Predigten und Anreden werden überhaupt italienisch 

■■) unwideratreitlichen. ' ) Im Texte : uno de Decani dell'israelitica Co- 
muuitA di Berlino •) Emendation aus: ponentinische. N ) nur. 



Die Anfänge der Reformbewegung usw. 



gehalten, ausgenommen die Texte der heiligen Schrift, misnischen, 
talmudischen Sprüche, welche als wahre Quellen der Predigten nnd 
Anreden in der original heiligen hebräischen Sprache vorgetragen 
werden. 
Auf die aufgeworfene Frage, ob die Einführung der Orgel in unseren 
Gebethäusern verboten sey, 

Antwortete ich: dass ich keinen theologischen Gelehrten, der die 
Orgel verbothen hätte, auch keinen der sie erlaubt hätte, kenne. 
Ich erinnere mich doch gehört zu haben, dass sie in vorigen Zeiten 
in der israelitischen Synagoge von Caaalmonferato vorhanden war 
und dazu diente ein heiliges Lied zu begleiten, welches bey ein- 
tretenden Samstage gesungen wird 9 ), doch geschah dieses ehe der 
Feyertag wirklich anging 10 ) und durch eiDen Israeliten. Indessen 
wurde die Orgel nie zu einem anderen Zwecke oder von Nicht- 
Israeliten in den Haupt-Feiertagen gespielt; Tienn dies ist, wie 
bekannt, von unsern Gebräuchen 11 ) verbothen. 
Das ist Alles, was ich zur Beantwortung der mir von obengemeldetem 
Hochwürdigen Herrn Ober-Landes-Rabbiners gestellten Fragen, zur Ver- 
herrlichung Gottes, und zur Bekräftigung der Wahrheit zu erläutern nöthig 
gefunden habe; die Vorsteher der allgemeinen Brüderschaft der Armen, 
samt den geistlichen Beysitzern des Rabbiners stimmen auch der nähmlichen 
Meinung bei. 

18. Adar 5579 
Venedig den 16 ^^ ^9 Jacob Emanuel Cracovia, Rabbiner der 
Israeliten dieser Stadt. 
Moise Zaban, Vorsteher der allgemeinen 

Brüderschaft der Armen. 
Sabato Vivante, Vorsteher wie oben. 
Jacob Benedetto Levi, Vorsteher wie ob. 
Moise Conigliano, Vorsteher wie oben. 
Isach Norsi, Beysitzer des Hochwürdigen 

Herrn Rabbiners. 
Emanuel Roches, Beysitzer wie oben. 

Der Hochwürdige und Schätzbare Herr Ober- und Landes Rabbiner 
von Triest, der uns nun mit seiner Gegenwart beehrt, theilte uns die samt 
seinem geistlichen Consistorium jener Stadt gefassten 13 ) vier Beschlüsse mit 
Die vier Artikel. 

Auf der des obgemeldeten Hochwürdigen Herrn Ober-Rabbiners ge- 
machten Forderung, unsere Meinung über die auf die Hauptgrundsätze unserer 
Religion gegründeten vier Artikel zu äussern, und in der vollkommenen 



9 ) Ein bey eingehendem Samstage zu singendes heiliges Lied anzu- 
stimmen. I0 ) antingn. ll ) Dogmen. 12 ) gemachten. 



Die Anfänge der Reformbewegung' usw. 



Ueberzeagung, dass deren Uebertretang, oder Vernachlässigung, nur Aergerniss, 
Uneinigkeit and Beleidigung der von unseren Vorfahren mit dem grössten 
Eifer und Bestreben geschützten Religion verursachen würde, erklären wir 
über die oben erwänten vier Artikel standhaft und mit entschlossener Be- 
harrlichkeit unsere Bestätigung zur Hebung jedes Missbrauches und zum 
Rahme des Allmächtigen. 

20. Ader 5579 
Padova am 17 . Mära 1819 

Emanuel Castelnuovo, Rabbiner der isr. Gemeinde dieser Stadt 

Jacob Luzzatto \ 

Benetto Ghirondi > geistliche Beysitzer. 

Israel Conigliano ' 

Lelio Salom, Vorsteher der hiesigen israelit. Administration. 

sei. Salvador Isach Levi j Administratoren 

Isac Foa f 

Marco um Gabriel Trieste | 

Abram Benvenisti Mitglieder des Aasschusses. 

Isac Salom 

Moise Trieste ' 

Salonion Mnrini, Schreiber der Administration. 

Der oben erwähnte Hochwürdige Rabbiner von Padaa macht folgende 
Erklärung: 

Zar grösseren Aufklärung der Wahrheit achte ich es für nöthig zu 
bemerken, dass ich zwar am 19. November ;819 dem Herrn Jacob herz 
Beer von Berlin einen Rathschluss unterfertigt habe, woraus es scheint, als 
ob ich behauptete, dass das Orgelspielen in unseren Tempeln erlaubt wäre. 
Meine bejahende Antwort erstrecke sich aber blos der gestellten darauf, dass 
dieses blos in Werktagen erlaubt ist. Doch bin ich gänzlich der Meinung, 
dass es an Samstagen und anderen Hauptfeyertagen in unseren Tempeln 
durch Israeliten oder durch andere Religionsgenossen musikalische Instrumente 
(nach dem wahren Sinne unserer heiligen Gebräuche) zu spielen verbothen ist. 

Diese meine Aeusserung stimmt mit meiner dem hochwürdigen Rabbiner 
von Hamburg im Monathe Hornung ertbeiltcn Gutachten, wo ich mich recht 
deutlich erklärte, vollkommen überein. 

Dabey war nie mein Gedanke, dass der Gebrauch musikalischer Instru- 
mente während der Verrichtung der Gebethe erlaubt wäre, vielmehr glaube 
ich, dass zu eben der Zeit eine Verwirrung daraus entstehen, die wahre 
Andacht uml Wortordnung gestört und der wirkliche Sinn der Gebetho ver- 
drehet werden würde. Folglich darf man nie Instrumente spielen als beym 
Eintritte eines Regenten in den Tempel und beim Gesänge einiger Hymnen 
oder heiligen Lieder, wie man aus den von mir im erwähnten Rathschlnsae 
nach Berlin eingeführten Beyspielen der Städte in Westfalen, Paris, Casa 1 
Monforato und Padua ersieht, wo diese nur zu den besagten Gelegenheiten 



Die Anfänge der Ret'ormbewegung usw. 



gebraucht wurden. Es dürfen daher an den Sabbathen und Hauptfeyertagen 
nie und an anderen Tagen während der Verrichtung der Gebethe in den 
Tempeln keine musikalischen Instrumente angestimmt werden. 

Emanuel Castelnuovo, Rabbiner. 

Indem der erwähnte Hoch- und Verehrungswürdige Ober- und Landes- 
Rabbiner der Stadt Triest, Herr Abraham Eliezer Levi, auch unsere israelitische 
Gemeinde mit seiner Gegenwart beehrt und unsere aufrichtige Meinung über die 
obengemeldeten vier Punkte von uns verlangt; so erklären wir ausdrücklich, 
dass wir die vier von Selbem und seinem geistigen Concistorium gelallten 
Entscheidungen in allem ihrem Umfange bestätigen, denn wir sind gewiss 
überzeugt, dass auch die mindeste Veränderung in den Grundsätzen der Reli- 
gion einen völligen Umsturz in unserem, seit so vielen Jahrhunderten bey 
ihrer vollkommensten Reinheit bestehenden Glauben verursachen würde. 

Sowiel bekräftigen wir zur Beruhigung unseres Gewissens, zur Ver- 
herrlichung des Allmächtigen und zur Ehre unserer eigenen Religion. Ur- 
kunde dessen unterschreiben wir uns: 

21. Adar 6679 
Rovigo i 8 . März 1819 

David Vita Diena, Rabbiner der hiesigen Gemeinde. 

Salomon Ravenna \ Vorsteher der Gemeinde 
Josep Ravenna | 

Israel Ancona 

Anselmo Luzzatto I Mitglieder Abordnete 

Saul Bianchi Sullam j 

Lustro Ravenna j K]einen All3achusses 

Abraham Samuel Ravenna I 

Jacob Modena 

Ferrara am 21. März 1819. 

Beehret von der schätzensten Gegenwart des Hochwürdigsten Herrn 
Abraham Eliezer Levi, Ober-Landes-Rabbiners und Vorstehers des Israelitischen 
Concistoriums der Stadt Triest, und eingeladen unsere ächte Meinung über 
die vom Ihm, auf die Selbem von den bewährtesten Rabbinern Hamburgs 
und Deutschlands aufgeworfenen Fragen gefällten Beschlüsse an Tag zu 
legen, wie es aus der gründlichen, gelehrten und religiösen Vorrede seiner 
Entscheidungen erhellet, sind wir alle nach einer rei.en Ueberlegung und 
nach einer mit allen Mitgliedern unserer Academie gemachten Beratschlagung 
einhellig, dass die oben gemeldeten vier Artikel durchaus unberührt und un- 
verändert bleiben müssen. 

Wir können es endlich nicht ohne lebhafte Kränkung ersehen, dass es 
einige gebe, welche sich von der seit vielen Jahrhunderten her eingeführten 
Gebräuchen unseres Gottesdienstes auch nur im Mindesten entfernen zu wollen 
unterfangen. Denn wer wird sieb erdreisten, die von der grossen Versamm- 



Die Anfänge der Reformbewegun°: usw. 



lung (nähmlich einer aas den ansehnlichsten Gelehrten bestehenden Ver- 
sammlang, in welcher aach einige von Gott begeisterten Propheten sich ein- 
fanden) aufgesetzten und eingerichteten Gebethstormeln in mindesten was 
immer für eine Kleinigkeit zn verändern? Wer wird sich die 
Gewalt anmassen, das als erlaubt zn halten, was uns der beständige Ge- 
brauch fast unzähliger Jahrhunderte von der Reihe so vieler Hochwürdigen 
Rabbiner unserer Religion gemissbilliget worden zu seyn, beweiset? Daher 
können wir das eifrige Bestreben des obgemeldeten Hochwürdigsten Herrn 
Ober-Landes-Rabbiner von Triest nicht genugsam preisen, welcher keine Mühe 
sparet, jede willkührliche Neuerung, die nach der Hand Religionstrennung 
und die schädlichsten Folgen hervorbringen könnte zu verhindern. 

Abraham Graziadio Pesaro, Rabbiner 

Joseph David Bassano, Rabbiner Vorsteher der Academie. 

Graziadio Neppi, Rabbiner 

Ferrara am 21 März 1819. 

Wir unterfertigten Reppresentanten der israelitischen Gemeinde dieser 
ötadt bezeugen hiermit, dass die oben unterschriebenen unsere Religionsführer 
sind und sich mit eigener Hand unterzeichnet haben, ürkund dessen fügen 
wir unsere Unterschrift und unser Sigill bey. 

Moses Levi auch im Namen meines Collegen 

Joseph Bondi: 

Jacob Alessandro Rossi, Schreiber der Sitzung. 

Im Nahmen des Allmächtigsten. 

Wir unterschriebenen Rabbiner der israelitischen Gemeinde von Modena 
beraten von dem würdigen II. Ober- und Landes-Rabbiner und Präsidenten 
des israelitischen Consistoriums von Triest um unsere Theilnahme wegen 
Aufrechthaltung und Unverletzbarkeit unserer religiösen Dogmen, welche 
gegenwärtig bedroht werden, zu äussern, zu sehr von diesem bedaaers- 
würdigen Verderbnisse, welches die heilige Religion, die wir bekennen be- 
fehdet durchdrungen, vereint beschlossen, mit reifer und sorglältiger Üiber- 
legung, die vier Beschlüsse, welche von obigem hochwürdigen Subjekt zu 
diesem Endzwecke ergriffen wurden zu untersuchen und haben selbe in ihrem 
ganzen Umfange genehmiget. 

Dieses ist, was wir einhellig und bestimmt zum Lobe der Wahrheit, 
IUI Verherrlichung Gottes und zur buchst unwandelbaren Vollkommenheit 
der Dogmen and Gebräuche unserer allerheilgsten Religion beschlossen haben. 

9. Nissan 6579 
So geschehen in Modena am ( A gt ^ 19 

Unona Ventura Modena, Oberrabbincr 

Bonajuto v. Bondi Sanguinetti ■ 

Abram V ■. Sinigaglia I Rabbiner 



Die Anfange der Reformbewegung usw. 



Moises Elia V». Sinigaglia \ 

Josef Elias Castelfranco [ Rabbiner. 

David Lands Modena (~ Laudadis) J 

Wir endesgefertigten Vorsteher der hiesigen isr. Gemeinde bekennen 
hiemit, dass obige hochwürdige Rabbiner von hier dieses unserer Gegenwart 
unterschrieben haben. 13 ) 

... am 4. April 1819. Angolo t. des Bondi Sanguinetti Flamimo 
Rovighi. 

9. Nissan 6679 
Reggio am 4 . April 1819 

Zum immerwährenden Rubm der Wahrheit wurde von uns unter- 
schriebenen Rabbinern dieser Stadt die von dem Einsichtsvollen Religions- 
Hirten hochwürdigen Herrn Gross-Landes-Rabbiner Abraham Eliezer Levi 
Vorsteher des Würdigen Consistoriums in Triest gefassten nnd von den Löbl. 
modenensischen Rabbinern bestättigten weisen, gelehrten un[d] theologischen 
Beschlüsse untersucht. Daher können und dürfen wir uns nicht entledigen 
zu erklären und erklären willig, dass besagte Beschlüsse ganz dem heiligen 
misnischen, talmudischen und gesetzlichen Grundsätzen unserer heiligenReligion, 
wie auch der ununterbrochenen Ausübung der israelitischen Nation gemäss 
sagen, desswegen jede Neuerung dem von unseren orthodoxen Vorfahren 
seligen Andenkens festgesetzten uud unabzuänderlichen Systeme gefährlich 
und nachteilig seyn würde. 

Eljachim Padovani, Ober-Rabbiner. 
Anania Coen, zweiter Rabb. 
J. Carmi, Rabbiner. 

Wir endesgefertigen Vorsteher nicht die mindeste 

Veränderung vorzunehmen. 

Joseph Abraham Levi 

Leon des sei. Salomons Levi Sobn. 
9. Nissan 6679 

Guastalla am 47^AprU~i819 

Zum Triumph der unabänderlichen Reinheit unserer allerheiligsten 
Religion übet der endesgefertigte Rabbiner der israelitischen Gemeinde von 
Guastalla indem er die mehr benannten wohl gegründeten theologischen Be- 
schlüsse des Hochgelehrten und Hochwürdigen Ober-Landes-Rabbiners Herrn 
Abraham Eliezer Levi, Oberhaupt des israelitischen Consistoriums in Triest, 
welche auch von den Löblichen Rabbinern von Modena und Reggio gut ge- 
heisset worden, geprüft hat; die heilige Pflicht aus, sich an dieses an 
schliessend zu erklären, dass erwähnte Beschlüsse vollkommen mit dem Mis- 
nischen Talmudischen und Ritualen unserer allerheiligen Religion überein- 

,? ) Wiederholung der üblichen Erklärung. 



Die Anfänge der Reformbpwegung usw. 



stimmend and den allgemein unveränderlichen Gebräuchen der israelitischen 
Nation vollkommen gleich seyn und dass zur Verminderung jeder nachteiligen 
Neuerung. 

Salomon Nissim, Rabbiner. 

Wir Endesunterschriebenen Vorsteher der israelitischen Gemeinde, be- 
stätigen hiermit, dass obiger Löblicher Herr Rabbiner dieser Stadt dieses in 
unserem Beyseyn aufgesetzt und eigenhändig unterschrieben habe. Wir er- 
klären zugleich, dass der reine and heisse Eifer des Hochwrüdigen Rabbiners 
ton Triest, seine hohe und weise Wirksamkeit . . . Lob verdiene . . . , nicht 
die allergeringste Veränderung in den Ritualen .... 

Angelo Samuel Foa, Vorsteher 

Abraham V». Levi, Vorsteher. 

10. Nissan 6 67'.t 

Man t na den 6. April l81iT 

Die unterschriebenen Rabbiner der hiesigen israelitischen Gemeinde 
ron dem lebhaften Interesse für die Aufrechterhaltung unserer heiligen Dogmen, 
welche von einigen Neuerangsliebhabern mit Einfährang abtrünniger Lehren 
bedrohet worden, belebt, haben der Einladung des . . . Herrn Abraham 
Eliezer Levi . . . Genüge leistend, die oft bedachten .... Beschlüsse genau 
geprüft .... und bestätigen wir diese vier Entscheidungen .... 

Prospero Moses Ariani, Ober-Rabbiner der israel. Gesellschaft von 
Mantua 

Jacob Cases, Rabbiner, Doctor der Medicin 

Samuel Sinigaglia, Rab. Anselmo Isach Castelfranco. Rabbiner 

Alexander Lustro Padovani, Rabbiner. 

Wir unterschriebenen Glieder des israelitischen Cultus- und Wohlfahrt« 
Aasschusses bezüglich dass obiger Ausspruch von unseren Löblichen Rabbinern 
ganz freywillig aufgesetzt .... der Glückseligkeit unserer Religionsbrüder 
gewiss höchst nachtheilig seyn würde auch nur die geringste Abänderung 
in dem . . . Gebräuchen zu unternehmen. 

Raphael Bassano, Vorsitzender des Cultas- und Wohlfahrt*- Ausschusses 
der Israel, von Mantua. Aron Vita Finzi, Mitglied des besagten Ausschusses. 

11. Nissan 667.' 
Verona 6 April 1819 

Die Hochachtung, die wir für die nicht anzutreffenden Vollkommen- 
heiten unserer heiligen Religion und den Cultus, den sie uns vorschreibt, 
hegen, so wie die Schuldigkeit den vortrefflichen und gelehrten Beschlüssen 
des mehr belobten .... Herrn Abraham Eliezer Levi .... beizupflichten .... 

Moise Sabbato Beer, Ober-Rabbiner der israel. Gemeinde in Vorona 

Anselmo Isach Grego, Rabbiner 

Giuseppe des selig. Marco Levi Mortera Sobo, Rabbiner 



Die Anfänge der Reformbewegung usw. 



Wir Reppresentanten der israelitischen Direction in Verona beurkunden 
hiermit, dass die hier ausgedruckten Aeusserungen .... in unserer Gegen- 
wart abgefasst .... 

Salomon Coen, Vorsteher 
Ciacomo Basilca -i 
Isac Tedesco > Directoren 

Jacob Cuzzeri ' 

...Der unterfertigte Ober- und Landes-Rabbiner der Israel. Gemeinde 
verlangt darüber nach der vom Selbem ertheilten Abschrift des von dem is- 
aelitischen Consistoriums jener Stadt erfassten Beschlusses über die vier so 
richtigen Artikeln unserer heiligen Religions-Gebräuche, die echte Meinung 
des Hochwürdigen Herrn Rabbiners der israelitischen Gemeinde Livorno zu 
vernehmen. 

26. Mä rz 1819 
Livorno am 29. Adar 5579 

Wir unterfertigte Rabbiner der israel. Gemeinde von Livorno in Zu- 

16. Kisle w 6576 
sammenhange mit dem bereits von uns am (^Dezember 1816 m Beziehung 
auf die uns vorgelegten Fragen des Herrn Herz Beer von Berlin, gefertigten 

10. Schvat 5579 
Bescheid und gemäss der von uns am 5 Hornung 1819 m Beantwortung der 
uns von den Hochgeehrtesten und Löblichen Haupt-Rabbinern der Israeliten 
von Hamburg übersendeten Briefe gemachten Erörterungen, genehmigen und 
bestättigen vollkommen die über die vier obgemeldeten Artikel von dem ver- 
ehrungswürdigen geistlichen Consistorium in Triest erläuterten vier Aussprüche. 
So viel erklären wir alle einstimmig zur Ehre Gottes und zur kostbaren Er- 
haltung unserer Religion. 

3. Nissan 557 9 
Verfertiget in Livorno den 29. März 17~19 (sie) 

Salomon Malach, erster Rabbiner der hiesigen Gemeinde 

Samuel Hm. Moses Coen, Rabbiner und Beysitzer 

Abraham Vita Taiiia . 

Angelo Nissim 1 

Dr. Jacob Bondi I 

Salomon Pollichi 

Isack Cardoso Trias Rabbiner. 

Jeuda Coriath i 

Moise Va. Melul 1 

Jacob Abucaja ] 

David Moatti 



Die Anfänge der Reformbewegung usw. 



Ich unterfertigter Kanzler and Archivarius der Israeliten dieser Stadt 
bezeuge hirmit, dass die 11 obigen Unterschriften .... eigenhändig sind 

Aus der Israelitischen Kanzler der Stadt Livorno am L'9. März 1819 

E. Padoa, Kanzler. 

Florenz am 1. März 1819. 

Da der Hochwürdige Herr Abraham Eliezer Levi mich in 

seiner hiesigen Durchreise mit dem Verlangen beehrt hat, ich möchte die 
erwähnten vier beschlossenen Hauptpunkte genau untersuchen ... so er- 
kläre ich .... wie folgt: 

Ich Moses Ya. Suschino, Rabbiner der israelitischen Gemeinde dieser 
Stadt, bestättige hiermit die vier besagten Artikel in allem ihren Umfange 
als wahr und unabänderlich. Urkunde, dessen meine Unterschrift, am 
31. März 1819. 

Ich unterfertigter bezeuge hiermit, dass diese die Handschrift des 

Hochlöblichen Herrn Moses Va. Suschino ist 

Cesare Lampronti, Kanzler. 

13. Nissan 6n79 
Spalatro am 8- April 1819 

Nach einer uns gemachten Einladung des Hochwürdigen Rabbiners in 
Triest erklären wir, dass eine jüdische israelitische Gemeinde diese vier .... 
Aussprüche auf das genaueste unumgänglich beobachten, zulassen verpflichtet 
sey 

Haim Mussafia, Rabbiner der hiesigen Gemeinde. 

Joseph Abram Tolentino | gei9t , iche Bevsitzer . 
Angelo Levi Mortera 

dass die obigen Unterschriften in unserer Gegen- 
wart gemacht worden sind 

Abram Machioro I 

Raphael Joseph Jesurum ) Vorsteher 

Samuel seel Simsons Gentiluomo j 

Daniel seel. Simsons Joesurum Sohn ] 

Israel Tedesco > Bezsitzer 

Abram Morpurgo j 

Hagusa 
In Namen des Allerheiligsten. 
Die uns von .... Herrn Abraham Eliezer Levi .... gemachte Ein- 
ladung .... gibt uns Anlass öffentlich zu erklären dass wir jene 

oben erwähnten EnUchliessungen in allem ihrem Umfange als unwidersprechlich 
bekräftigen, wo im Gegentheile jede Neuerung in dem von unseren Vorfahren 



Die Anfänge der Reformbewegung usw. 



festgesetzten unabzuänderlichen System grosse Gefahr and vielen Nachtheil 
mit sich ziehen könnte. , . . 

David Samnel Fardo, Rabbiner 

Nedanel Maestro, Beysitzer 

Joseph Elia Levi Mondolfo, Beysitzer. 

Wir .... bezeugen, dass die obigen Unterschriften eigenhändig .... 



sind. 



20. Nissan 5 579 
Ragusa am 16. April 1819 
Joseph Leon Levi Mondolfo 
Sabbats Janni 
Jacob Israel Russi 
Giuseppe Ambonetti 
G. Tolentino. 



Moderne westliche Ghettoliteratur. 

Von Dr. Armin Blau-Hamburg. 
Gelegentlich einer Besprechung von G. Meyrincks Roman 
„Der Golem" (Jeschurun Band III, Heft 3) wurde von mir ein- 
leitend ausgeführt, wie gründlich in den letzten Jahrzehnten die 
Technik und Gestalt der westlichen Ghettoliteratur sich geändert 
habe. Verschwunden ist die Glorie jener gefühlvollen, rosenhaft 
gefärbten Ghettogeschichten eines Kompert, Kulke, Bernstein, 
Lehmann, Kohn, selbst eines K. E. Franzos. Der neue Juden- 
roman will Höheres! „Sozialismus, Naturalismus (deren Väter 
Balzac, Zola, Dostojeweky, Tolstoj), Milieu, Zustandsschilderung, 
das sind nicht vergebliche Forderungen der immer realistischer 
werdenden Literatur Europas gewesen, und so hat auch die 
neuere westliche Ghettoliteratur eine scharfe Schwenkung zum 
modernen Naturalismus und Verismus mitgemacht, welche die 
Nachtseiten des Ghettojudentums zu zeichnen nicht scheuen". 
Der neue Ghettoroman will ein Abbild schaffen für das wahre 
Leben des Volkes, will den Makrokosmus des Volksganzen er- 
fassen mit seinen Licht- und Schattenseiten, will in die Tiefen 
des Volkstums hinabsteigen und alle Ausstrahlungen seiner Seele 
sammeln. „Ein Volk ist nicht qualitativ gut oder böse, und nicht 
herrscht überall in Israel Familiensinn, Sabbatfeierlichkeit, wie 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



uns frühere Ghetto-Idyllen glaubhaft darzustellen nicht müde 
wurden, sondern Auswüchse gibt es da und Nachtasyle. Da 
pocht der Hammer der modernen Zeit an die Pforten des Ghetto, 
.-prengt die Fesseln des Familienkreises, Schwächen, Leiden- 
schaften, heisse Wünsche werden geboren, Weltanschauung prallt 
auf Weltanschaung, müde, aufstrebende,Seelen werden geknechtet, 
zu Tode gehetzt, grosse Kontrastwirkungen ergeben sich, der 
Boden zur Ghetto-Tragödie, zum Ghettoroman 
wird gelegt." Da wird weniger auf psychologische Entwicklung und 
innere Motivierung der Haudlungen der Einzelpersonen Wert 
gelegt, sondern eine Massentechnik wird erstrebt, moderne jüdisch- 
soziale Problem stehen zur Lösung, ein neues Ghetto 
ersteht, ein Ghetto der Arbeit, des Proletariats, der Lohn- nnd 
Klassenkämpfe, das Ghetto des neunzehnten Jahrhunderts. 
Man begegnet manchmal der Meinung, der Westen habe 
gar keinen jüdischen Di c h t e r im eigentlichen Sinne. 
Diese Behauptung trifft n. m. A. nur auf die deutschen Dichter 
wie Schnitzler, G. Hermann, Hirschfeld, Wassermann, Jako- 
bowski u. a. zu. Diese flechten oft genug jüdische Motive und 
Einzeliiguren in ihre Werke ein, doch ist ihr Werk 
darum noch nicht jüdisch zu nennen. Sie wollen immer nur 
eine Seite des Typus Jude behandeln, etwa seine Stellung 
in einer Umgebung Andersgläubiger. Diese jüdischen Roman- 
figuren und ihr Judentum geben mehr eine Spiegelung der in- 
tellektuellen Not als ein Bild des religiösen und 
volk8mäs8igen Lebens und Charaktertypus des jüdischen 
Stammes die Juden sind, als Menschen mehr denn als blut- 
mässig bestimmte Individuen geschildert, sie redeu, üben, wissen 
nicht viel vom Judentum und dessen Gebräuchen (Man denke 
nur an Jettchen Gebert, Renate Fuchs, Schnitzlers tiestalten!). 
Am meisten hat von den Genannten Wassermann in die Psyche 
des von Gegensätzen zerklüfteten, kampfdurchwühlten modernen 
Westjuden hineingeleuchtet, und manchmal hören wir aus seinen 
Werken (Die Juden v. Zirndorf, Renate Fuchs) den Widerhall 
des uralten Judenschmerzes und Sehnens der jüdischen Volks- 
seele. Doch Eines fehlt Wassermann zum jüdischen Dichter: 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



Es fehlt ihm die Liebe zum Volkstum, seinen Gestalten 
das jüdische Blut, die jüdische Atmosphäre, 
der unmittelbar erlebte Gegenwartsausdruck; es sind in der 
Retorte des Intellektualismus geschaffene Kunstprodukte (etwa 
nach Art der in den Spinoza-Romanen Auerbachs und Kolben- 
hayers auftretenden Juden gestalten), doch Fleisch und Blut und 
Brüdergefühle von uns selbst 1 ) erwarten wir vergebens von diesen 
nur ihrer Idee nachjagenden Aethergeschöpfen. — 

Ein ganz anderer Geisteszug weht uns aus den Werken 
der westeuropäischen und amerikanischen Dichter entgegen, von 
denen wir einige im folgenden näher behandeln wollen, sie sind 
Blut von unsrem Blut, sie sind die echten Erleber und Nach- 
schöpfer des modernen Ghettomilieus, wie es 
Amsterdam, London, New- York hauptsächlich 
aufweist. 

Noch einer Frage gilt es zu begegnen, ehe wir weiter 
gehen, und zwar : Gibt es denn ein solches west- 
liches Ghetto noch heute? Was sind ferner die 
psychologischen Ursachen und Vorbedingungen 
für dessen Entstehung und Fortbestehen? Wie 
konnte sich trotz Emanzipation und unbegrenzter Freizügigkeit 
ein Ghettoleben herausbilden? D arauf ist kurz die Antwort: 
Zwar sind die Ghettomauern gefallen, doch nicht die Mauern 
machen das Ghetto, sondern der Geist, nicht die materielle 
Absperrung, sondern die geistige. Und nicht bedarf es des 
Jahrhunderte langen Zusammenseins- und Wohnens von 
Tausenden Juden, um jene eigentümliche Luft des Sonder- und 
Andersseins des Ghetto zu schaffen, sondern jeder im Ghetto 
geborene Jude trägt sein Stück Ghetto mit 
sich, überallhin, wo immer er sich niederlässt, und bildet dort 
selbst eine neue Ghettostätte. Dies sehen wir an Amsterdam, 
London, New-York, und neuedings auch an B e r 1 i n , wo ein 
neues Ghetto im raschen Entstehen begriffen ist. Dies ist eben 
eine Eigentümlichkeit des jüdischen Volksstammes im Gegensatz 

') Vgl. Wassermanns neueste Schrift: Mein Weg als Deutscher und 
Jude. 



Modi' nn' westliche Ghettoliteratur 



zu jedem andern: die ausgewanderten Deutschen, Ungarn etc. in 
Amerika, London oder Argentinien bilden nirgends eine 
Enklave, eine kompakte Gruppe, eine Insel für sich 
in dem Wirtsvolk, in dessen Mitte sie leben, sie schliessen sich 
höchstens zu einem Sprachverein, zu Klubs, um eine deutsche 
Schule usw. zusammen. Nicht so der Ghottojude, er mag 
in fremde Länder und Welten kommen, wie ein Magnet den 
andern sucht ein jüdischer Wanderer den Leidensgenossen ; zer- 
splittert in alle Enden der Welt, sucht ein Stammesbruder den 
andern und verkittet und verknotet sich ihm zu einer neuen 
ätammesbrüderschaft. Treffend charakterisiert ZangwUl diese 
Ghettomenschen: , Menschen, die ein paar Jahrhunderte in einem 
( Jhetto gelebt haben, sind nicht imstande es zu verlassen, bloss 
weil die Tore niedergerissen sind, ebensowenig vermögen sie 
«He Brandmale der Seele zu verwischen, indem sie die gelben 
Flecke abreissen, die ihnen von aussen auferlegte Isolierung 
erscheint zuletzt als Gesetz ihres Wesens.* 

Was wohl die psychologischen Ursachen dieser 
seltsamen Anziehungskraft der jüdischen Brüder auf einander 
sind'.-' Instinktmässigo Stammesgefühle, gemeinsames tausend- 
jähriges Leidensschicksal, gemeinschaftliche Verfolgungen, reli- 
giöse Zusammengehörigkeit und ein Zeremoniell, das ein Au- 
gewiesensein auf einander voraussetzt, und noch viele Hundorte 
Gefühls-lmponderabilien. Denn die Juden sind trotz ihres 
einzigartigen (praktischen) Tachlis-Sinnes ein Gei'ühlsvolk, sie 
lassen sich gerne rühren, sie weinen gern, dies ist eines 
1 lirer Ilauptcharaktenstika. 

Von diesen neuen westlichen G h e l t i und ihren 
Verzweigungen und Ilatiptsitzen in Amsterdam, London 
und New- York und deren Dichtern Bei in folgenden Ni \h 
gesagt 

Es gibt noch eine harmlose Uebergangastufe vom 
Ost- und Westghelto, und das ist das böhmische und 
mährische. wären etwa zu nennen: 

Auguste II au sc h n e r i Die Familie Lowositz und Fortsetzungen, 
Das Erwachen des Löwen», der blinde Dichte] Oskar Baum (Die 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



verfolgte Unschuld, s. Jeschurun, Bd. VI 423 ff.), I. I. David, 
Meyrink (Der Golem), und Max Brod (Jüdinnen). Doch all 
diesen Werken fehlt das Naturechte des Ghettos, das 
wurzelhafte Kulturmilieu des Juden. Die hier auftretenden 
Juden sind schon ganz und gar emanzipiert, die Ueberlieferung 
ist zerbröckelt. „Ein andächtiger Schauer überläuft den 
böhmischen Juden, wenn er an die Altneuschul in Prag, an die 
Gestalten des Hohen Rabbi Lob, an Jonathan Eibenschütz, 
Jecheskel Landau denkt, dies ist einer der wenigen historischen 
Züge, die ihn noch mit der Vergangenheit zusammenhalten." 
Doch hat dies bischen Pietät wenig Einfluss auf die Gestaltung 
seines Lebens. Dem böhmischen Juden fehlt jeder Fanatismus, 
seine ganze weichliche Natur ist dem Kompromiss der 
Assimilation zugeneigt, ihm fehlt jeder nationale 
Zug, jedes religiöse Eigenleben, ganz im Gegensatz zu Polen 
und Russland, wo die Juden ein nationales und religiöses 
Gepräge mit eigenen Lebensgesetzen bewahrt haben. Dasselbe 
Bild zeigt der böhmische Ghettoroman. In der 
böhmischen „Gass" (Die Gasse, vgl. auch das in Amerika 
erschienene : Idylls of the Gass und Schimmele von 
Martha Wolfenstein) gibt es kein Heldenpathos, auch keine 
..artistischen Modelle", keine grossen Konfliktstoffe, sie sind 
alle zu wohlbehäbig, um Märtyrer oder besondere Denker zu 
liefern. Der einzige tragische Konflikt in all den Romanen ist 
mit einzelnen Variationen eine Heiratsgeschichte zwischen 
Personen ungleichen Standes oder gar Glaubens, sehr bald siegt 
der Toleranzstandpunkt, die Ehe kommt zustande. In all diesen 
Geschichten ist nichts Aufwühlendes, nichts Blut- und Glut- 
volles (auch nicht in dem Jugendwerke „Jüdinnen" des jetzt so 
nationalbewussten Max Brod), das Judentum ist ihnen nicht 
Herzenssache, es sind Gesellschaftsromane, nur sind 
die Figuren mit jüdischen Namen und Etiketten verseheu, Ju- 
dentum ist Staffage. Diese Werke haben für uns höchstens 
kulturhistorischen Wert ethnographischer Schilderungen. 
In eine ganz andre Welt treten wir bei den Ghetto- 
schilderungeu eines Heyermanns, Schalom Asch, Samuel 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



i; ordin, M. Rosenfeld und Z a n g w i 1 1. Hier kommt 
der ganze Weltschmerz des Juden, das ganze unendliche Golus- 
leid des Volkes, das grosse gigantische Schicksal, das die Ver- 
gangenheit und die kommenden Tage des Judenvolkes belastet, 
die ganze Lebensfülle seiner Volkswesenheit zum erschütternden 
Ausdruck. Was das heimatflüchtige Volk seelisch leidet und 
ersehnt, seine Phantasien und Königsträume, aber auch seine 
tiefsten Erniedrigungen und Verirrungen — alle sind 
hier Keim und künstlerische Triebkraft. Doch ist hier die 
Poesie keine Heuchlerin, die das Wirkliche verschleiert, Un- 
schönes verbirgt, keine Apologetik wird getrieben und 
etwaige Charakterfehler des Juden nachsichtig vertuscht, retuschiert 
Sondern der Dichter wird hier zum Richter, zum strafenden, 
mahnenden Volkstribunen, der selbst schonungslos die 
dunklen Seiten des Volkscharaktera aufdeckt und anklagt. Im 
engen Kreis verengert sich der Sinn, so lehren diese Dichter, 
die Seele wird oft rissig und zerstückelt, die Wundmale der 
Schande prägen sich ein, die dumpfe Ghettoluft stumpft die 
Sinne, und der Genius der Schönheit und Freiheit flieht die 
Stillten dieser Kinder der Nacht. 

Drei Typen der Westghettodarsteller wollen wir 
heute näher rücken 1 ): Heyermanns den Dramatiker, 
liisenfeld den Lyriker und Zangwill den Epiker 
und Romancier. Hermann Heyermanns ist der 
Dichter der jüdischen Nachtasyle, wie sie sich im 
Amsterdamer Ghetto vorfinden. In seinem seinerzeit 
vielbesprochenen Drama: „Ghetto* (1898) hat er sich ala 
schonungslosester Kritiker seiner Amsterdamer 
Stammesbruder vorgestellt. (Vorher hatte er in seinem Roman 
r Di. : !r das Elendleben der Amsterdamer I'iamanten- 

schleifer realistisch geschildert). Die Handlung dos Dramas ist 
in wenig \Yoilen diese: Der blinde Sache] der Trödler will 

') rjeber die neuesten jüdischen Dramatike* wie Arnold und 
Stefan Zwcij; i;. Beer-Hoffmann u. «., die schon eine Abkehr vom Re- 
alinmus zu neiierwachtom Romantizismue mil einem Einschlag von My- 
stik darstellen, soll in einer späteren Studie gesprochen werden. 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



seinen Sohn Rafael mit Rebekka, der Tochter seines 
Geschäftfreundes Aaron, vorteilhaft Yerh ei raten, Rafael abei 
ist schon heimlich mit dem christlichen Dienstmädchen 
des Hauses Rose versprochen, durch geschickte Lügenmanöver 
gelingt es aber Vater Sachel und seiner Schwester Ester das 
Mädchen Rose von ihrem vergeblichen Hoffen auf Rafael zu 
überzeugen, in ihrer Verzweiflung stürzt sich das Mädchen in 
den nächsten Kanal. Dies der Tatbestand. Doch die Milieu- 
schilderung ist die Hauptsache. Heyermanns malt die Ghetto- 
Juden schwarz in schwarz, ein entsetzliches Nachtbild entrollt 
sich vor unsern Augen. Mit fast von Hass geschärften Blicken 
leuchtet der Dramatiker hinein in jeden Winkel der ab- 
geschlossenen Welt des Ghetto, wo in dumpfen, lichtlosen Gassen 
und Häusern, in mittelalterlicher Abgeschiedenheit enggeistiges 
Volk zusammengepfercht hindämmert. Die Ghettomauern, sagt 
Heyermanns, sind gefallen, aber ihre Bewohner sind noch ver- 
sunken, erstarrt in Vorurteilen und niemals wechselnden Gedanken. 
, Macht euch selbst erst frei von den Schlacken der Jahrhunderte, 
von dem Schachergeist, der eure Sinne beherrscht, von dem 
jüdischen Kastengeist, der nur Schranken aufrichtet zwischen 
den Religionen und Völkern, wo es nur Unterdrücker und Unter- 
drückte gibt", so ruft Rafael, das Sprachrohr des Dichters, aus. 
Als Sachel, der blinde Vater Rafaels, erklärt: „Ein Raub- 
tier muss man sein beim Geschäftemachen", 
da bricht der ganze Groll des Sohnes, des Typus des neuen 
Menschengeschlechts, gegen diese Logik los ; er, Rafael, 
lebt in einer ganz anderen Welt, wo kein Unterschied ist zwischen 
Jude und Christ, in einer Welt mit einer höheren idealeren 
Moral, und so geht es in vollem Pathos weiter. Leider ist 
dieser Prophet einer höheren Gesellschaftsmoral, 
öines besseren Menschheitsglaubens eine wenig glaubhafte dra- 
matische Figur, wir verstehen diese Deklamationen wenig. Der 
Held Rafael verrät so wenig Wirklichkeitssinn, er stellt so ver- 
stiegen ideale Forderungen, dass die Völker schon aus lauter 
unirdischen Wesen und Engeln bestehen müssten, um diese For- 
derungen zu erfüllen. Und wodurch kommt Rafael zu 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



solch wirklichkeitsfernen Forderungen, was 
lässt ihn mit Abscheu von seinem Vaterhause und seinen Volks- 
genossen sich abwenden? Der Dichter häuft alle Greuel auf 
die Ghettojuden; Der blinde Sachel hat wiederholt beim Ab- 
wiegen einiger Ballen Ware den Fuss heimlich auf die Wage 
gesetzt und so den nichtsahnenden Käufer betrogen. Sachel hat 
mit dem Mitleid andrer schändlichen Missbrauch getrieben. 
Aus dieser Einzelmissetat schmiedet Heyermanns eine tendenziöse 
Anklage gegen das ganze Volk. Rafael fühlt sich bedrückt von 
der Enge der menschenunwürdigen Häuser und Winkelgässchen, 
abgestossen von dem Moder und Kehricht ringsum, von dem 
Schachergeist und -geiz der Trödeljuden, von der erbarmungs- 
losen EDgstirnigkeit seiner Hausgenossen, die auch ihn selbst 
als eine „gute Partie" verschachern wollen an Kebekka, Aarons 
Tochter, die einen Kuhhandel schliessen wollen und nur über 
den Preis sich nicht einig werden können. Rafael hat gar kein 
Talent fürs Handelsgeschäft, er ist ein verlorner Träumer, 
der tagsüber auf den Gräbern des Friedhofes herumirrt; er 
fühlt sich als ein Bürger einer besseren Welt, wo 
Glaubensunterschiede zwischen Juden und Christen fallen, einer 
höheren Gesellschaftsmoral, ohne religiöses Beiwerk. Hier stehen 
sich in Vater und Sohn zwei Charaktere unüberbrückbar gegen- 
über, Rafael, der Ethiker mit der idealen Forderung, und Vater 
Sachel neben allen seinen Glaubensgenossen, für die Handel 
Mandel bleibt, da9 heisst den andern übervorteilen, geschickter, 
gerissener sein als der andre. .Heisst das Diebstahl", 
sagt Ester, Sacheis Schwester, wenn man für sein Brot 
stiehlt? Dann gibt es in der ganzen Stadt keinen 
ehrlichen Juden und keinen ehrlichen Christen. 
Der eine stiehlt so, der andre so. Koin Mensch 
ist ein Dieb in seinem eignen G es c häf t etc.* 
(Akt I, G. Szene). 

Mit diesen furchtbaren Worten ist ein Höhepunkt der An- 
klage gegen das Verheerende des Ghettogeistes mit fast nicht 
zu überbietender Deutlichkeit, wenn auch in nutzlos übertriebener 
Konn, erreicht. Nirgends in dor jüdischen Literatur ist ein 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



Bolcher Hass und innerer Abscheu vor der Geschäftsmoral und 
Praxis gewisser Kreise des Ghettojudentums zum Ausdruck ge- 
kommen, nirgends hat sich so unverhüllt das Aufbäumen einer 
geknechteten jüdischen Kaste gegen die Gewalt der Anders- 
gläubigen als letzter Rest mittelalterlicher Absperrung so aus- 
getobt wie in diesem Drama. Gott sei gedankt, so können wir 
sagen, dass solche Geschäftspraktiken beiden deutschen 
Juden und bei den Juden anderer Länder, soweit wir sie 
kennen, zu den seltensten Ausnahmen gehören. Aber auch für 
die Amsterdamer Judenheit können wir nicht glauben, dass Ge- 
stalten wie Sachel mit seinen raubtierartigen Instinkten zu den 
alltäglichen Erscheinungen gehören. Eher sind wir zu der An- 
nahme berechtigt, dass Sachel und Aaron (auch die c h r i s f- 
lichen Kaufleute Amsterdams nach Meinung des Verfassers!), 
ebenso wie auf der Gegenseite der ideale Jüngling Rafael als 
freie Produkte der zum Extremen neigenden Phantasie Heyer- 
manns entsprungen sind. 

Ueberhaupt lässt sich über die dramatische Schlag- 
kraft und Wahrscheinlichkeit des Stückes sagen, dass zwar viel 
echtes Leben und theatralisches Geschick darin steckt, doch in 
seinem Haupteffekt ist es verfehlt. Da ist Rafael, 
der Held, Vertreter des neuen Glaubens, Künder der 
Menschenverbrüderung, wo es keinen Juden- und keinen Christen- 
gott mehr geben soll; dieser Rafael ist aber so unglaubwürdig 
wie möglich gezeichnet, ein verstiegener, schemenhafter Idealist 
mit viel Deklamationstalent, mit Forderungen ganz abseits 
des realen Lebens (so z. B. seine Verurteilung jedes Han- 
dels und aller Geldgeschäfte!). Da ist die zweite Hauptfigur, 
seine Geliebte, das Christenmädchen Rose, die um unsere 
Sympathie wirbt, die wie eine Gartenlaubengouvernante so edel 
und unschuldsrein spricht, aber unsrem Gedankenkreis so völlig 
fern steht, dass wir ihren Tod nur als eine fatale Uebei- 
eilung, als dramatischen Irrtum empfinden. 

Auch ist es als ein Akt höchster poetischer Ungerechtig- 
keit zu bezeichnen, dass der Dichter allen Schatten auf die 
jüdisch-gläubige Welt verteilt hat. (Denn Rafael, der einzige 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



Jude mit Vorzügen, ist eben kein Jude mehr, er ist völlig dogmen- 
t'rei und religionslos.) In seiner Absicht höchster Realistik und 
Wahrheit nimmt Heyermanns den Juden der Gegenseite alles, 
aber auch alles Liebenswerte und übertreibt masslos deren 
Fehler. (Selbst der um Versöhnung werbende Rabbiner ist 
eine Karrikatur.) Rafael will das christliche Dienstmädchen des 
Hauses heiraten, das ist der Konflikt im Stücke, die Angehörigen 
weigern sich, aus religiösen und noch mehr aus praktischen Er- 
wägungen ; gut ! Ist aber ein solcher Konflikt zwischen Stand 
und Stand, Religion und Religion nur bei Ghettojuden 
möglich? Ist nicht zahllose Male der Zusammenstoss zwischen 
zwei Ehrauffassungen, zwischen Standesehre und Persönlichkeit, 
Offiziers- und Bürgerehre, Vorder- u. Hinterhaus, (s. Sudermanns 
„Heimat") Kasten Vorurteilen, moralischen Forderungen u. s. w. 
zum Gegenstand dramatischer Verwicklungen gemacht worden? 
Was hat das im Grunde noch viel mit Ghettogeist, 
Ghettomoral zu tun? — 

Der Grundwert des Heyermannsehen Stückes als Ghetto- 
schilderung liegt vielmehr in den wirklich photographisch und 
ethnographisch treu gezeichneten Nebenfiguren des alten Vaters, 
seiner Schwester und seines Geschäftsfreundes mit all > ihren 
Eigenheiten und Gewohnheiten, sie sind wirklicho Ghettofiguren, 
blut- und lebenstrotzend in der Verkrtippelung der Seelen und 
Engherzigkeit ihrer Lebensauffassung. Diese grenzenlose Geld- 
liebe, dieses Erwerben um des Erwerbs willen, dieses Kleben 
und Anbeten des Erfolges und der Kniftlichkeit, diese Vorliebe 
für krumme statt gerade Wege — dies sind leider wahre 
Ghettoztige. Ihre Träger, wenn auch vereinzelt auftretend, tragen 
das Brandmal der Sklavenseele auf ihrer Stirne und können 
einem neuen, der Ghettoenge entrungenen Geschlechte als Warnung 
und Mahnung dienen. 

Heyermanns bedeutet in der westlichen Ghettoliteratur 
den Höhepunkt der Anklagedramatik und Rea- 
listik. So schonungslos, so drastisch hat vor und nach ihm 
keiner die Versklavung der Geister und Seelen im modernen 
Ghetto geschildert. (In seinem nicht minder realistischen Ein- 



Moderne ■westliche Ghettoliteratur 



akter: „Ahaswer", bei Reklam erschienen, hat H. den Schau- 
platz einer Pogromszene nach Russland verlegt, das Ganze ist nach 
dem Muster Tsebiikoffs „Die Juden" gearbeitet und gibt zu Be- 
sprechungen keinen Anlass). Was Heyermanns besonders zu 
fehlen scheint, das ist die Liebe zu seinem Volke, 
eine Kraft, die alle die andern Dichter des Westghettos (Rosen- 
feld, S. Gordin, Seh. Asch, Zangwill) in hervorragendem Masse 
besitzen. Wo immer diese von ihrem Volke künden, tun sie es 
trotz strenger Wahrheitsliebe mit einem versöhnenden 
Unterton, sie sind wahre Poeten, die mit glättender Hand 
manche Falte beseitigen und das Schroffste und Brutalste durch 
einen Goldschimmer der Poesie mildern. 

Betrachten wir als einen solchen Typus des versöhnenden 
Wuhrheitskünders zuerst den amerikanischen Ghettodichter 
Morris Rosenfeld 1 ). Im Jahre 1897 erschien seine berühmte 
Sammlung: „Das Liederbuch," welches durch das mutige 
Eintreten der Literarhistorikers Prof. Leo Wiener für den armen 
Dichter und Schneider bald amerikanisch-europäische Berühmt- 
heit erlangte. Allgemein bekannt ist die von E. M. Lilien 
illustrierte Ausgabe der Ghettolieder. — 

R o s e n f e 1 d ist in erster Reihe sozialer Dichter, er 
besingt das schwermutvolle Los der Niedrigsten seines Volkes 
Ohne das berüchtigte sweatshop-system, das den russisch-pol- 
nischen Einwanderer in Amerika zum Lohnsklaven einiger 
Brotherren (meistens Glaubengenossen und frühere Handwerker) 
herabdrückt, wobei diese Taglöhner der Handarbeit unter den 
schlimmsten hygienischen Lebensbedingungen und um geringen Lohn 
von frühmorgens bis in die sinkende Nacht die einförmigste Stepp- 
oder Näharbeit tun müssen — ohne diesen sozialen Hintergrund 
sind Rosenfelds Lieder nicht denkbar. — Der Grundgedanke 
in Rosenfolds Dichtungen ist ein doppelter : ein sozialer und 
ein nationaler, doch beides geht oft bei ihm in einander 
über. Rosenfeld ist der Dichter des Leidens und der Schmerzen 



•) b. zum folgenden Pinea, Geschichte der jüdisch-deutschen 
Literatur, übersetzt von Hecht, Leipzig 1913. 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



des Arbeiters im allgemeinen, aber des jüdischen Arbeiters im 
besonderen. Der Jude als Arbeiter ist doppelt unglücklich, 
denn da kommt zur materiellen Not noch die geistige. 
Bei der Tretmühlenarbeit der Maschine hat er Zeit, über sein 
Schicksal nachzudenken, er fühlt, wie seine Menschenseele all- 
mählich unter die Räder kommt, wie er selbst ein totes, fühl- 
loses Werkzeug dieser maschinellen Beschäftigung wird. Auf 
diesem Schlachtfelde gibt es nur „Sieger und Besiegte, Aus- 
beuter und Ausgebeutete, Sklaven und Herren" (s. Pines, 1. c). 
Am schlimmsten ist aber sein Los, wenn der in seiner Hoffnung 
Betrogene, von den Wogen des Ozeans ergriffen, wegen irgend 
eines formalen Fehlers, des fehlendes Geldes oder der Gesund- 
heit halber bei der Landung in Amerika zurückgewiesen, seinen 
Rückweg nach dem elenden Russland wieder antreten soll(„Amerika 
treibt uns nach Russland zurück"), da erfasst ihn unnennbare 
Verzweiflung über sein Golusschicksal, das dem des 
Ewigen Juden gleicht; von Klippe zu Klippe geworfen, nir- 
gends ein Heim, nirgends seines Bleibens eine Stätte. Sein 
Missgeschick, seine Unstetigkeit wird solange währen, solange 
das nationale Goluselend der jüdischen Kinder dauert, so- 
lange der Traum von der Heimat Palästina nicht erfüllt ist. 
Also Befreiung des Arbeiters durch Be- 
freiung der Nation, das sind die zwei Gipfelpunkte 
der Rosenfeldschen Lyrik. Dieses Eine, die Hoffnung auf 
die Verjüngung und Erlösung des jüdischen Arbeiters durch ein 
nationales Heim, dies ist der einzige Lichtblick in den sonst 
meist hoffnungslos pessimistisch verklingenden Gedichten Rosen- 
felds. 

Einen einzigen Tag wünscht sich der Arbeiter in 
der Woche zur Ruhe — er erhält ihn nicht; ja, im 
Grabe, da winkt dir Ruhe! Den Duft einer einzigen Feld- 
blume möchte er einatmen ; gewiss, bald winkt dir dies köst- 
liche Geschenk — auf dem Friedhof. Frische Kleider 
möchtest du anlegen, im B a d e die arbeitsmüden Glieder er- 
quicken, — warte nur bald, als Leichnam sollst du gebadet 
und frisch bekleidet werden. Unglückseliges Los des V a t e r s , 



322 Moderne .westliche Ghettoliteratur 

der spät abends von seiner Arbeitsstätte heimkehrt und gerne 
ein Lächeln, ein Lallen seines schlaftrunknen Kindes er- 
haschen möchte, aber ach! er weckt das Kind, scherzt mit ihm, 
poch dieses erkennt den fremden Mann nicht, den eignen 
Vater, den es noch nie bei Tageslicht gesehen! Grausame 
Ironie, blutiger Spott führt hier den Griffel des Lyrikers ! Und 
so geht es jahraus, jahrein, das ganze Leben hindurch webt die 
blutsaugende Spinne ihre Maschen um ihre Opfer! 

Etwas möchte der Arbeiter in diesem sonnenlosen 
Kampfe erretten : sein Denken, seine menschliche 
Seele — aber auch diese wird zerrieben unter den erbarmungs- 
losen Rädern des Maschinenbetriebes. Das ist die Tragik 
des Arbeiters, des jüdischen Auswandrers im Lande der Freiheit. — 

So ist M. Rosenfeld der Sänger des jüdisch-amerikanischen 
Proletariats, des jüdischen New- Yorker Massen- 
elends geworden. Ja, Rosenfeld wird sogar anarchistisch, 
zum Ankläger gegen die bestehende Gesellschafts- 
ordnung! Eine Familie wird vor den Landrichter zitiert 
wegen Verdachts der Landstreicherei, der Vater der armseligen 
Familie bittet um Aufschub, um sich einen Erwerb zu suchen, 
der Richter bleibt unerbittlich, das Gesetz ist dagegen; der 
Dichter flucht einer Gesellschaftsordnung, wo solche Geschehnisse 
möglich sind. Sogar vor der Romantik einer Leichen- 
phantasie schreckt R. nicht zurück in dem Gedichte, wo er 
erkennt, dass selbst die Blumen auf den Gräbern der 
Reichen von dem Blut und Fleisch der Arbeiter sich üppig 
nähren. — 

So ist finsteres Mittelalter, drückende Judenhetze nicht 
schlimmer als dieser Tod am lebendigen Leibe im modernen 
Ghetto, und nur ganz selten und spärlich wachsen zarte Blümlein 
der Freuden, der Vater- und Kindesliebe in diesem selbst- 
gewählten Ghetto der Arbeit und des Schweisses. — 

Fast wie harmlose Idyllen lesen sich nach diesen 
Donnerklängen der lyrischen Muse Rosenfelds amerikanische 
Ghettoschilderungen , wie sie in den Prosaerzählungen eines 
Samuel Gordin („Sons of the Covenant", „Strangers of 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



the Gate") oder in der Skizzensammlung von Abraham 
C ah an (The Imported Bridegroom, „Yekl" u. a.) oder in den 
Amerika-Romanen eines Schalom Asch uns entgegentreten. 
Sie treffen kaum eine neue Note gegenüber den bisherigen 
typischen Ghettoromanen. Schalom Asch hatte seinerzeit 
durch sein vielbesprochenes Drama : „DerGott der Rache" 
Aufsehen in Deutschland und somit in der ganzen literarischen 
Welt erregt. Wie Heyermanns für die W e s t j u d e n hatte 
Asch hier das soziale Problem der Ostjudenheit zu lösen oder 
wenigstens zu spiegeln versucht, hat aber nur im Grunde eine 
höchst unerquickliche Familiengeschichte in 
einem polnischen Städtchen (ein Einzelfall : ein jüdischer 
Mädchenhändler mit seiner Sippe tritt auf, sie leben 
streDg fromm, sogar noch im Gefängnis) auf die Bühne gebracht. 
Der Fall interessiert kulturhistorisch, wir sehen schaudernd die 
Verirrungen gewisser Kreise des Ostens (es wurde damals viel 
gegen die Verallgemeinerung dieses Einzelschicksals geschrieben 
und offiziell protestiert), doch für ein ganzes Volk typisches 
Interesse kann das Drama nicht beanspruchen. 

Aschs Stärke liegt im Lyrischen, in der tendenzfreien, 
andächtig-beschaulichen, naturanbetenden Novelle, (»Das 
Städtchen", „Die Jüngsten") in der tiefempfundenen, liebevollen 
Menschenstudie. So charakterisiert sich auch sein uns 
hier angehendes grösseres Werk, der Roman „Amerika": 

Eb ist ein Auswandererroman, hat den Gegensatz zwischen dem 
alles nivellierenden und mechanisierenden New-Yorker Ghettoleben und 
dem russisch-jüdischen Leben des kleinen Städtchens zum Gegenstände. 
An der Hand einer ergreifenden Kindertragödie wird 
dieser Gegensatz anschaulich gemacht. Der jüdische Lehrer MiSor 
wandert infolge wirtschaftlicher Not nach Amerika aus, lässt die Frau 
und vier Kinder zurück, drei Sohne und eine Tochter. Die rührendste 
Gestalt ist der jüngste achtjährige J o e s e 1 e , ein schwächliches doch 
sehr begabtes Burschchen, das Herzblatt und der Stolz der Familio. 
Meier findet Beschäftigung in New-York als Maschinenstepper, eino Geis! 
und Herz tutende Arbeit, er kommt da nie zum .Lernen", verflacht zur 
Maschine. Jossele wird im Cheder zu Hause inzwischen ein guter 
„Bücher", von dem das Städtchen spricht. Nach Jahren lässt lit I >r 
seine Familie herüberkommen, Jossele wird aber bei der Landung in 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



Amerika zurückgewiesen, da er von einer Fieberkrankheit einen Kopf- 
ausschlag zurückbehalten hat. Der Knabe kehrt in Begleitung der um 
einige Jahre älteren Schwester nach Russland zurück und lernt dort 
im Cheder weiter. Mit zwölf Jahren kommt Jossele endlich nach Ame- 
rika zu den Eltern, wird dort in eine Armen- (Frei-)Schule gesteckt, 
soll ohne Kopfbedeckung Englisch und andere Fächer lernen, soll Sport 
treiben, in Licht und Freiheit aufleben, — doch er vermisst seinen 
„ Cheder*, sein „Lernen", seine Felder, und ist unglücklich, siecht geistig 
und physisch dahin. Jossele findet Vater und Mutter und Geschwister 
so verändert, amerikanisiert, er findet eine Welt voller Zwecke, ohne 
Träume und Sehnsucht; der Vater, früher ein Gelehrter, im ganzen 
Städtchen bekannt, ist jetzt Arbeiter in der Fabrik, nüchtern, ruhelos, ent- 
heiligt, der. nie Zeit zum Lernen für sich und den Sohn übrig hat. 
Jossele sitzt tagelang versonnen und versunken in der amerikanischen 
Schule, er hat sein Bestes, 6ein Heim und seine Schule verloren. Er 
wird matt, krank, verfällt, verzehrt sich in Sehnsucht nach dem freien 
Gefilde der Heimat, und stirbt, ein Symbol des menschenfressendon 
Amerika. 

Man sieht aus dieser Inhaltsangabe, das Ganze ist mehr 
ein Kinderidyll als eine soziale Tragödie, es fehlt eine kraft- 
volle Darstellung des jüdischen Gesellschaftsproblems; doch 
fallen aufschlussreiche Lichter auf den russisch-amerikanischen 
Auswandererschlag und sein Leben. 

Einen Ghetto-Ueberwinder nennt Zlocisti ') 
Seh. Asch, weil er „die jüdische Literatur wieder in das Strom- 
bett europäischer Kunst geleitet hat." Dort (Einleit., p. LXIV), 
weil er des kleinen Ghettos unvergängliche Schönheit, seine innere 
Freiheit, seine keusche Naturliebe entdeckt hat. Er hat die natür- 
liche Schönheit des Ghettos entdeckt, so möchten wir hinzufügen, 
aber er ist auch deren Vernichter. Das sehen wir in manchem 
seiner übrigen Werke („Die Jüngsten"), dies beobachten wir in 
seinem eben skizzierten Roman „Amerika." Im Dorf, im 
S t ä d t e 1 wächst Schönheit, wächst Naturgefühl, Erdgeflihl, 
Verwurzelung mit der Scholle (die im Grunde doch fremder 
Boden ist), wächst zarte Stimmung und Romantik, — doch anders 
in der Grossstadt New- York. Diese ist jeder Schönheit 

') „Aus einer stillen Welt*, herausgeg. und eingeleitet von 
Theodor Zlocisti, Verlag Winz, 1910. 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



abhold, sie zermalmt und zermahlt jedes stille Gefühl, ein 
Jossele, ein Sehnsuchts- und Innenmensch, muss hier unter- 
gehn. Noch steht Asch nicht auf der Mittagshöhe seines 
Schaffens, und wir können von seiner Dichterkraft noch manches 
reife Werk erwarten. 

(Ein zweiter Artikel folgt.) 



Josef Israels (1824-1911). 

(Zur zehnjährigen Wiederkehr seines Todestags). 
Von Dr. Hermann Weyl-Frankfurt a. Main. 
I. 
Das künstlerische Bewusstsein, immer nur in Individuen 
als tiefste Seelenäusserung 'tätig, ist seiner Natur nach so un- 
endlich, so vielfältig, dass es im einzelnen Kunsttrieb immer 
nur begrenzt erscheint, dass im einzelnen Kunstwerk immer nur 
eine der unendlichen künstlerischen Möglichkeiten verwirklicht 
sein kann, so hochstehend, in seiner Art letzter Ausdruck auch 
das jeweilige Kunstwerk sein mag. Wollte man dieses Phänomen 
ästhetisch - metaphysisch deuten, würde man sagen: das künst- 
lerische Bewusstsein ist in einer bestimmten Richtung so sehr 
der letzte Sinn des menschlichen Geisteslebens, dass es eigent- 
lich erst an der ganzen Fülle aller gewesenen, gegenwärtigen 
und zukünftigen Kunst überhaupt ausgeschöpft werden 
könnte. Wir vermeiden jetzt diese ästhetisch-metaphysische Deu- 
tung. Um sie zu rechtfertigen und wiederum doch durch andere 
Wertsysteme (als Erkenntnis, Sitte. Religion usw.) einzuschränken 
und zugleich zu vollenden, müssten wir tiefer ausholen und erst 
einen philosophischen Grundbau errichten. Dies möchten wir 
hier vermeiden. Vielmehr deuten wir nur erklärend und ganz 
aphoristisch an, dass jede Kunstepoche in ihrer Weise begrenzt 
war und begrenzt sein musste. Der Geisteshistoriker ersieht 
auch jede Kunstepoche, jeden Stil als Glied einer grossen Ent- 
wicklung und Auswirkung. Er nimmt die griechische Kunst als 
eine Aeusserung, der er weltanschaulich und geschichtlich 



326 Josef Israels usw. 



einen bestimmten Platz im Menschheitsleben zuweist; einen an- 
deren Platz hat er für die Gotik, für die Renaissance, einen 
anderen für Barock und Rokoko, einen anderen für die Moderne 
in ihrer wunderbaren Vielfalt, ganz zu schweigen von den 
morgenländischen und primitiven Kunstepochen, die in ihren 
letzten Ursachen zu begreifen die Arbeit von Jahrhunderten sein 
wird. 

Sofern er nur beschreiben will, zeigt er Stilwandlungen 
auf, Uebergänge, schon Andeutungen des Neuen, Reste noch des 
Früheren, erschöpft sich darin, die Epochen in Teile aufzulösen, 
ohne sie aber im höchsten Sinn wieder miteinander zu verbinden. 
Denn Mancher glaubt, dass solche Verbindung schon ein ausser- 
empirisches Element sei, das sein kritischer Geist verschmähen 
mtisste. — Selten aber wird er bei reiner Beschreibung bleiben 
köunen. Er m u s a Zusammenhänge geben und wird notwendig 
zum spekulativen Denker. Er weiss, dass jedes Erlebte und 
Geschehene in einem grossen Kreislauf nur ein Glied ist und 
ahnungsvoll verewigt er die Tatsachen der Geschichte und des 
Geistes, weil er in allen eine grosse wirkende Macht erblickt. 
So wird er notwendig zum metaphysischen Deuter. Der Kunst 
vindiziert er eine bestimmte Stellung in seinem geistigen System. 
Die einzelnen Künste und die einzelnen Künstler sind ihm Ver- 
wirklichungen eines umfassend gedachten künstlerischen Triebs 
der Menschheit. So schliesst sich für ihn der Ring der Ge- 
danken. Der Künstler ist nur ein Verwirklicher des künst- 
lerischen Bewusstseins überhaupt; das künstlerische Bewusstsein 
überhaupt ist eine grosse Seelenmacht, die in dem mensch- 
lichen Geistesleben ihre innere Kraft auswirkt, doch ergänzt 
und vollendet wird vom übrigen menschlichen Geistesleben. 

Einen Künstler verurteilen, nur weil er eine geschichtliche 
Bindung zeigt, heisst zugleich, das Wesen des Künstlers nicht 
begreifen. Das Künstlerische als Idee ist zeitlos, der Künstler 
selbst aber ist immer auch empirisch gebunden. Als Genie 
schöpferisch, überstrahlt er seine Zeit; als geschichtlicher Mensch 
ist er von der Welle seines Zeitalters getragen. Grosse Kunst, 
so zeitlos als Wert sie ist, als W e r d e n und G e w o r - 



Josef Israels usw. 



d e n e 8 begreift sie sich in einem weiten geistigen Zusammen- 
hang. 

Diesen Zusammenhang als Ohnmacht misszuverstehen, 
heisst: dem Wesen des Menschlichen überhaupt verständnislos 
gegenüberzutreten. Wahre Kunstbetrachtung ist: die geschicht- 
liche Bindung zu begreifen und zugleich das Geniale, Schöpferische 
der jeweiligen Kunst als Eigenstes zu erkennen. So erst wird 
man allen Seiten des menschlichen Bewusstseins gerecht. 

II. 

Es erfordert Kultur, als Heutiger das Künstlertum Josef 
Israels' zu bewerten. Wer die Zerrissenheiten der gegenwärtigen 
geistigen und künstlerischen Tendenzen kennt, ohne sie aber zu 
erkennen, wendet sich von seiner Kunst, denn sie scheint ihm 
schaal und bedeutungslos. Als Heutiger möchte man nur noch 
an letzte Dämonien glauben. Eine chaotische Romantik hat den 
menschlichen Geist seit zwei Jahrzehnten beseelt, und so kurz 
diese Zeitspanne ist für die Kulturentwicklung überhaupt, so 
typisch, so vorbildlich hat gerade sie das menschliche Problem 
enthüllt. 

Welches ist das tiefste Problem des Menschen? Er steht 

als Einzelner in einem Kosmos, als Atom in einem Wirbel von 

Seolenniächten, und er strebt danach, diese Beziehung zu klären, 

die er zur Umwelt hat. Alles menschliche Tun und Gedankentum 

kreist um diese eine Frage: wie steht das Ich zur Welt? Und 

die Formen der Gesellschaft, der Politik geben Antwort auf 

Praktische, die Philosophien, Künste, Religionen auf das 

Mikliche, auf die eigentlich letzte Problematik 1 ). Auch das 

gegenwärtige Zeitalter hat diese Fragen erlebt, durchdacht und 

in seiner Weise geklärt. Wie vermöchte ein gegenwärtiger 

ich, Rofern er noch ganz in seinem Zeitalter steht und nicht 

schon darüber auf einem mehr welthistorischen Standpunkt, wie 

') In dem Aufsatz „K o h e 1 e t h" (ein philosophischer 
Versuch), erschienen in der Zeltschrift „Der Jude" (Herausgeber 
l>r. Martin Buber, Jahrgang V, Heft 12), habe ich das philosophische 
Problem an dem biblischen Dunker nSnp inviduell und doch typisch 
entwickelt. 



Josef Israels usw. 



vermöchte er eine Kunst zu begreifen, die äusserlich so un- 
problematisch scheint, etwas kindlich, vielleicht gar flach, so 
gar nicht letzten Rätseln nachsinnend, ganz erdgebunden viel- 
mehr ist, naturhaft und von einer stillen Milde. Er rast 
Problemen nach, schaurigen Fragen, die er für ureigenst hält, 
während sie gerade typisch sind und der Jugendzeit des Geistes-' 
angehören. 

Wie steht das Ich zur WeltV Auch die bildende Kunst 
beantwortet diese Frage. Die Modernsten entwickeln sie aus 
einem übersteigerten Begriff des Ich: das typische Verhalten 
des Sturm und Drang, wie es sich ebenso einleuchtend in 
Philosophie und Dichtung zeigt und seinen klassischen Ausdruck 
im deutschen Geistesleben schon einmal gefunden hat. — 

Die Naturkünstler dagegen legen ein menschenumfassendes 
Naturerlebnis zugrunde und bringen alles Menschliche, indem sie 
es so relativieren, im Angesicht der Natur zur Erlösung. Dies 
ist der ewige Zauber der holländischen und der grossen 
französischen Landschaftsmalerei, aber auch der griechischen 
Plastik, die ja auch am Erlebnis der reinen Natur orientiert ist. 
Das Menschliche ist aufgehoben im Allweltlichen. Natur ist 
die heilige Mutter, die alles Lebendige trägt. 

Nur der im wahren Sinn Kultivierte kann eine alte Kunst 
begreifen, und eine neuzeitliche Kunst, die in ihrem inneren 
Wesen „alt" ist. Denn er verlebendigt das Alte, sodass es 
ganz jung und lebenssprühend wieder auflebt in ihm. So er- 
lebte Goethe die Antike, dieser grösste deutsche Künstler, 
der die Unendlichkeit seines leidenschaftliehen Gemüts in die 
reinen Formen einer reifen Kunst gebettet hat. — Aehnlich 
erlebte Israels die holländische Kunst und R e m b r a n dt , 
den tiefsten Maler des neuzeitlichen Abendlandes. 

III. 

Nach Verlassen der Schule wollte er Rabbiner werden, 
studierte Hebräisch und vertiefte sich in den Talmud. Plötzlich 
erwachte sein bildnerischer Drang. Er arbeitet bei Kruseman 
in Amsterdam (1844), wo er in Breestraat wohnt, der segens- 



Josef Isrrii'ls usw. 



reichen Wirkungsstätte Rembrandt's, geht nach Paris (1845) zu 
Picot und Delaroche, und als er 1848 in die Heimat zurück- 
kehrt, malt er in der Manier des Delaroche: Historien, wie sie 
der damalige Geschmack erforderte. 1855 zeigt die Pariser 
Weltausstellung ein grosses Geschichtsbild von ihm. — 

Eine tiefe Wandlung überkommt ihn, wiederum aber 
historisch bedingt. Ein neues Weltgefühl hatte neue Gestaltung 
gewonnen : M i 1 1 e t und o u r b e t beherrschten jetzt die 
französische Kunst. Ein starkes Naturerlebnis suchte neue starke 
Ausdrucksformen. — 

1 e t , ein urwüchsiges Genie, wies die Malerei in die 
Natur und das ländliche Seelenmilieu, lehrte neue Betrachtung 
von Menschen und Dingen, ergriff vergessene, ewigstarke Seolen- 

e und stellte neue Kaum- und Formprobleme auf. Eine 

niige künstlerische Weltauffassung begründete er, wenn er 

iängst nicht zu Ende führte. Und Courbet war 

grosse Techniker der Farbe, viel weniger weihevoll als 

Millet, robust und leidenschaftlich l. Emböter le bourgeois" war 

oft sein Lii ben.) Ein prachtvoller Naturalismus, der 

mit altmeisterlicher Kraft doch schon die neue französische 

Kunst: Impressionismus und l'leinairismus vorbereitet, sprüht 

:nem Werk. — Dies war eine Umwälzung, die Israels tief 
in sich verarbeiten musste. 

Krankheit führte ihn nach Zandvoorr, einem damals kleinen 

Fischerdoi m. Hier gewinnt er seine unerschöpflichen 

ve. Er reinigt sich von aller Konvention, steht neugeboren 

vor Meer und Unendlichkeit. Uranlagen ringen sich durch. 

Jüdisches Seelentum wird offenbar und gebietet seine neue Ein- 

Dg zur Welt. Religiöse Sehnsucht bildet sich um in ein 

malerisches Umfassen von Well und Natur. Jetzt beginnt sein 

öpfertum. i s. r > 7 schon bringt der Pariser Salon 

viuder am Meer", „Abend am Strande". Er hat 

jetzt den Ausdruck gefunden, der ihm gemäss war; sieht endlich 

wie jeder wahre Künstler die Welt nach seinem eigenen Sinn. 

Geis :: ist ein höchst komplizierter seelischer Pro- 

zess, in dem viele unbewusste Motive mitschwingen. Man kann 



Josef Israels usw. 



ohne Paradexie sagen, dass bei Israels das ganze jüdische 
Seelenstreben mitmalt; dass jüdische Weltbetrachtung in künst- 
lerischem Gewand erscheint. Mit grosser Innigkeit sieht er 
Menschen und Tiere, Meer und Landschaft. Das natürliche 
Gefühl des religiösen Juden, dass Alles Erscheinung and Ver- 
wirklichung der Gottheit ist, wandelt sich in eine allbeseelende 
Naturbetrachtung, die kein Wesen, keine Pflanze, kein Gestein 
aus ihrer Liebe verweist. Ahawoh ist der Grundcharakter 
seines künstlerischen Sehens. 

Aber Sehen ist noch kein Gestalten. Sehen ist eine not- 
wendige Voraussetzung; Gestalten dagegen ist die Fähigkeit, 
das Gesehene festzuhalten, das Erlebte umzuschaffen, die Schau 
zu verewigen. Darin vollendet er sich immer mehr und kommt 
zu einer eigenen künstlerischen Form, zu seinem Stil. 

Was künstlerische Form, was Stil sei, hat die heutige 
Kunstbetrachtung immer tiefer erkannt. Es ist die Art, wie 
etwas geschaffen ist, nicht die inhaltliche Sache oder der Vor- 
wurf. Zwar ist Israels kein vollendeter Zeichner gewesen, und 
seine Farben waren nicht überwältigend reich, aber er hat doch 
seiuen Stil gehabt, eine eigene Form entwickelt und so .ge- 
staltet", das ist: alles umgeschaffen nach seinem eigenen Sinn. 
Wohl meinen die Meisten, seine Bedeutung läge darin, dass er 
so vertrauend war und so rührend erzählen konnte. Fast immer hat 
sich der nicht absolut Künstlerische so des Kunstwerks zu be- 
mächtigen gesucht, dass er immer nur das Was, nie das 
W i e gesehen hat. (Heute z. B. wird der gleiche Fehler an- 
gesichts des frühverstorbenen Lehmbruc k begangen, der 
in Wirklichkeit wegen seiner eigentümlichen Formensprache eine 
der schwerstzugänglichen Erscheinungen ist). Israels selbst, da 
er zugleich auch Dichter war, hat diese Verwechslung begünstigt. 
Rein künstlerisch aber kann er nur gewertet werden, wenn man 
seine Formensprache erkennt. Er ist ein eminenter Landschafter, 
im rein schauenden und doch synthetisierenden Sinn. Seine 
Sprache soll die Sprache der Natur sein, sein Werk ein Werk 
wie Natur. Er wollte Kunstwerke schaffen, wie ein Künstler 
die Natur geschaffen hätte: nach den Gesetzen der Harmonie 



Josef Israels usw. 331 



von Farben, von Licht und Schatten, nach den Forderungen 
eines schönheitsdurstigen Gemüts. — 

Es ist seltsam zu sehen, wie tiefer sich der .Objektivität" 
unterordnete und trotzdem so tief „subjektiv" geworden ist. 
Wenn irgendwo, so gilt für den Künstler jenes eigentümliche 
von Kant aufgedeckte Prinzip des Transcendentalen: dass 
nämlich Erfahrung schon Geformtsein ist. Künstlern wie 
Israels (aber auch wie Goethe) erscheint schon Natur als 
Kunstwerk, weil die von ihnen erschaute Natur schon von dem 
unendlichen Reichtum ihrer schauenden Seele überstrahlt ist. 

Jetzt begreifen wir die holländische Tradition der Landschafts- 
und Genrekunst. Eine Schauensart hat sich vererbt, von 
Geschlecht zu Geschlecht. Ein idyllischer Lebensdrang pflanzte 
sich fort und zeitigte die gleichen Lebensblüten. Während die 
französische Kunst längst Impressionismus, Pleinairismus, 
expressionistische Früherscheinungen gebildet hatte, war in 
Holland eine malerische Tradition noch wirksam, die bis zu 
Rembrandt hinabreichte. 

Als J. reif war, hat er über sein Verhältnis zu Rembrandt 
eine lichtvolle Studie geschrieben.') Er beschreibt ein wenig 
seine eigene Laufbahn und bekennt, wie spät ihm das Ver- 
ständnis der alten Meister aufgegangen sei. „Und ich behaupte, 
dass man, wie intellektuell man auch sein möge, diese grossen 
Alten nicht so ohne Weiteres gemessen kann, es sei denn, dass 
man sie viel und oftmals gesehen und sich in ihre Kunst völlig 
hineingelebt hat. Will man den Charakter und den Tiefgang 
dieser Kunstäusserungen ergründen, so muss man ein durchaus 
geschultes Kunstempfinden besitzen". 

Ganz bezeichnend ist für Israels, was er hier verehrt. 
Rembrandt: als Landschafter ist er ihm gross und un- 
erreichbar, aber er bewundert ihn besonders als Darstoller des 
Menschen. Das Menschliche ist derart Zentralpunkt seines 
Lebens, dass er die Gestaltung des Menschlichen für die höchste 



') Josef Israels: Rembrandt; uborsotzt von Else Otten, 
Berlin W 60, Concordia Deutsche Vorlags-Austait. 



Josef Israel usw. 



Erfüllung der Kunst erkennt. Auch die Gestaltung der Natur 
■war bei Rembrandt die Gestaltung des Menschlichen gewesen. 
Es gab für ihn keine falsche Objektivität, dieses Temperament 
hatte alles mit seiner Leidenschaft überschüttet und höchst 
naiv Welt, Menschen und Getier gebildet nach seiner all- 
beseelenden Phantasie. — Darum sind für Israels auch die 
Männerköpfe der Staalmeesters „das Höchste, w r as man in der 
Malerei erreichen kann". 

Es ist längst zur Gewissheit geworden, dass Israels ein 
neuzeitlicher "wenn auch bei weitem nicht erschöpfender Erbe 
Rembrandts war. Aber er war schliesslich allzusehr auch 
modern, um nicht die Modernität mitzuerleben und auch an ihr 
mitzuschaffen. Den sogenannten abstrakten Kunstrichtungen 
zwar hat er nur mit Humor gegenübergestanden; und wir Heu- 
tigen müssen uns alt machen und uns in ihn zurückversetzen, 
um ihn auch darin zu begreifen. Er war ein Genrcn 
Idylliker und glänzender Komponist, aber sein lebendiges 
Auge für die Wirklichkeit war reicher als seine Palette. Seine 
Reiseerzählung „Spanien"' 2 ) zeigt ihn uns als Dichter, Im- 
pressionisten und Luministen. Auch ihm war das Schicksal, 
nicht alles vollenden zu können, was eigentlich in ihm vorgö- 
bildet war. Als heiterer Schauer sah er Spanien: Menschen, 
Landschaften, Stierkämpfe, Tempel und Paläste in seiner bild- 
haften Weise. Reich an innerem Ertrag kehrte er nach Holland 
zurück und musste dennoch so bleiben, wie er war: ein frommer 
Weltbetrachter, ein stiller Mensch, edel in seiner Kunst, von 
unendlicher Sympathie für Land, Meer und Menschen, voll 
Schwermut wegen eines unentrinnbaren Schicksals, das jode 
Kreatur erfüllen muss. 

Aus dem jüdischen Seelenleben war auch seine Kunst er- 
wachsen. Noch Kind, lebte er innig in der Gemeinschaft des 
Judentums. Treu kehrte er immer wieder zu jüdischen Motiven 
hin. Sie bilden die rechte Folie für sein ganzes Weltgefühl. — 
Eine kosmische Liebe beseelte ihn, auf Allem ruhte sein be- 



*) Josef Israels: Spanien. Eine Eeiseerzählung. Berlin. Bruno- 
und Paul Cassirer 1900. 



Josef Israels usw. 333 



greifender Blick. Dabei aber bewahrte er eine ungewöhnliche 
Bildhaftigkeit, weil er kein eigentlicher MetaphyBiker war, sondern 
beglückt und erlöst wurde in der sinnlichen Welt. Hier sah 
er überall das Göttliche. Denn für ihn war das Göttliche dem 
Dasein immanent, Dasein selbst war für ihn schon höchste Be- 
seeltheit. So zwingt uns seine Kunst immer wieder ins Ge- 
dankliche, vermittelt uns stets einen bestimmten affektiven In- 
halt an einem künstlerisch hochstehenden sinnenhaften Vorwurf. 
Denn Natur selbst war ihm seelenhaft erfüllt und erzählte ihm 
Ewiges über Mensch und Leben. 
IV. 
Wir sagen nur, dass seine Kunst eine der grossen Möglich- 
keiten war, nicht etwa die grösste oder vorbildlichste. Jede 
originale Kunst unterscheidet sich von jeder anderen, berechtigt 
sind sie alle in ihrer inneren Wahrhaftigkeit. — Auch über Israels 
ist längst die Entwicklung hinweggeschritten. Als Persönlichkeit 
bewahrte er sich in ihr. Aber wiederum ein neues Lebensgefühl 
rang auch in Holland nach neuem Ausdruck. Der grösste hollän- 
dische Maler nach Israels war auch ein Naturgenie, aber wie andere 
fasste er die Natur. Auch er warf sein Gemüt in die Umwelt 
und schuf sie lodernd um nach seiner Leidenschaft. Jetzt er- 
stand sie dämonisch, grell und jäh; umwittert von Aengsten, die 
den Früheren fremd gewesen waren. Aber auch jetzt noch ist 
eine Art Tradition gewahrt und eine Erinnerung an Kumbrandt. 
Wiederum ist es die Lan d seh a f t, die letzte wenn auch 
betäubende Beglückung gewähren soll, und der Mensch, der 
geheimnisvoll der Natur verbunden wird. Am Anbruch der 
neuesten Kunst Bteht Vincent van Gogh. 



Eine „Geschichte des Judentums"*) 

Von Prof. Dr. A. Sulzbach, Frankfurt a. M. 

„Meine Gesch. des Judentums ist als von einem überzeit- 
lichen Standpunkte aus nicht für diese Zeit allein geschrieben. 
Nicht die stauberfüllte, heisse Luft des Kampfes waltet hier, 
•) 0. Häuser, Geschichte d. Judentums, Verlag A. Dunkkor, Weimar. 



Eine „Geschichte des Judentums" 



sondern die klare Luft der ihm entrückten Höhe." So der viel 
von sich selbst erzählende Verf. im Geleitworte zu seinem Buch«. 
Wie diese „staubfreie" Luft beschaffen ist, darüber gibt ein 
ganz, ganz kleines Wort allein Auskunft. In dem zweifelhaft 
lieblichen Tun, bei jüdischen Männern mit nicht den Juden ver- 
ratenden Namen den ursprünglichen festzustellen, versäumte 
der Verf. es nicht, dem Historiker Heinrich Graetz, natürlich 
einzig und allein um der geschichtlichen Wahrheit willen, in 
Parenthese den Namen Hersch anzuhängen. Nun mag dessen 
Namen ursprünglich Hirsch statt Heinrich gewesen sein, aber es 
gibt doch der Sache mehr Klang, wenn man dem Juden in seinem 
vermutlichen Jargon nachruft. Das zeugt aber meiner Ansicht 
nach nicht von „staubfreier" Luft, sondern viel mehr von der 
stickigen Luft schmutziger Winkelgassen, wo von Gassenbuben 
diese Praxis geübt wird. Mit der „staubfreien" Luft ist es also 
nichts. Wir wissen also jetzt, auf welchen Ton das Buch ge- 
stimmt ist und könnten die Feder niederlegen ; allein, sehen wir, 
ob nicht etwas wissenschaftlicher oder ethischer Wert in diesem 
dickleibigen Werke steckt. 

Also zuerst die geistvolle und tiefgründige Rassentheorie 
des Verf. Rassenschnüffelei ist ja jetzt für viele die Haupt- 
arbeit wissenschaftlicher Forschungen. Die feinste Auslese der 
Menschheit sind die Blondlinge, sie kamen aus den nordischen 
Ländern nach Asien hinüber und gründeten Kulturen. Allerdings 
fanden Mischungen mit Schwarzhaarigen statt, es entstand eine 
Mischrasse, die Typen mit überwiegend Blondlings- und auch 
solche mit überwiegend Schwarzhaar-Charakter aufweist. In der 
Mischrasse sind also verschiedene Schichten vorhanden. Die 
niedrigste Rasse repräsentieren die Neger. Die Mischrasse hasst 
die höhere Stufe, die Juden aber, unter denen sich auch Blond- 
linge finden, sind mischrassig, ergo muss der Jude den blonden 
Christen hassen. 

Nachdem der Verf. so der „Menschheit Würde" auf die 
Höhe der Pferdetheorie hinaufgehoben hat — dem Pferde guckt 
man ins Maul, dem Menschen auf das Haar — hätte er sein 
Buch schliessen können, denn jetzt ergibt sich ja dem Leser 



Eine „Geschichte des Judentums" 



alles Ton selbst. Er kann sich seine Schlüsse ziehen: der Hass 
der Juden gegen den Christen musste bei diesen auch den Hass 
gegen den Juden auslösen; doch dies ist ein grosser Irrtum. 
Ein BlondliDg kann seiner Natur nach nicht unduldsam sein, 
aber die Bibel hat es ihm angetan, denn die jüdische Bibel mit 
ihrer Unduldsamkeit hat diese in die nichtjüdische Welt hinein- 
gepflanzt und zwar aus dem Grunde, weil die Priesterscbaft, 
jüdische und christliche, diese dem Volke als ein heiliges Gut 
zu verehren, lehrte. So ist die Unduldsamkeit bei den Christen 
entstanden und im höchsten Masse bei dem südlichen misch- 
rassigen Katholizismus, dessen Typus „der katholische Priester 
mit seinem runden Kopf, seinem schwarzen Haar, seinen blau- 
grünen geschabten Backen, dem flachen Gesicht" ist. Unduldsam- 
keit das einzige, was die Juden der Welt gebracht haben, sonst 
nichts. Man weist auf die Psalmen hin, die der ganzen zivili- 
sierten Welt zu einem teueren herzerhebenden Gut geworden. 
Was sind sie denn wirklich? zum Teil sind sie babylonisch-suine- 
rischer Herkunft und zum grössten Teil «recht flach: 
fromme Zweckreimerei." Haben die Juden auf irgend 
einem Gebiete, sei es auf dem der Kunst oder der Wissenschaft, 
bis auf ein paar Einzelne, etwas Hervorragendes geleistet oder 
sich einen Namen gemacht? Nichts davon! Garnichts! Wie 
unfähig sie einer wirklichen Leistung sind, zeigt uns der Um- 
stand, dass erst ein Blondling kommen musste, der sie die Bibel 
kennen lehrte, Martin Luther, seine Bibelübersetzung ermöglichte 
erst die Arbeit Mendelssohns. Ist das nicht grandios? Herr 
Hauser, der von Mendelssohns Arbeit keine Ahnung zu halien 
scheint, soll sich ein Patent auf seine Entdeckung nehmen. 

Aber überlassen wir die Mätzchen seinem Urheber, wie 
die Mythen, in die er die Berichte der Bibel verwandelt; der 
selige Daumer wird seine Freude an seinem Schüler haben, der 
ihn weit übertrumpft. Wie es ihm geht, macht er alles zur 
Mythe, Astralgestalten, selbst den Stifter der christlichen Reli- 
gion, der ja, kein „gelebt habender" (sie! Blondlingsdeutsch!) 
Mensch sein kann. Ueberlassen wir ihn seinen historischen, 
etymologischen, und philologischen Purzelbäumen. Jeder hat das 



Eine ..Geschichte des Judentums" 



Recht, sich lächerlich zu machen, wie es ihm gut dünkt, und 
Herr Hauser hat von diesem Recht den ausgiebigsten Gebrauch 
gemacht. Wenden wir uns den Expectorationen zu, in denen 
uns der Verf. als der skrupelloseste Judenfresser und Hetzer 
sich zeigt, schlimmer als der übelst beleumdete Radauantisemit, 
gerade deshalb, weil er seine Verleumdungen, die er aus den 
niedrigsten Kloaken der antisemitischen Literatur aufgeklaubt 
hat, mit einem pseudo-wissenschaftlichen Mäntelcben umhüllt. 

Die blutigen Verfolgungen, unter denen die Judenheit in 
ihrem fast zweitausendjährigeu Märtyrertutn gelitten hat, kann 
der Verf. allerdings nicht auf Mythenbildung zurückführen, er 
inuss sie als historische Tatsache anerkennen, aber er weiss sie 
zu begründen, zu entschuldigen, abzuschwächen. Zum Teil haben 
die Juden sie selbst verschuldet, zum Teil sind die Berichte, 
weil von Juden dargestellt, übertrieben, denn es hätten ja die 
Juden nicht allein gelitten, auch andere seien verfolgt worden 
Wie begründet so vieles war, erfahren wir ja aus den von 
Eisenmenger, Schudt, Kohiing et tutti quanti veröffentlichten, 
der jüdischen Literatur selbst entnommenen Citaten. Dass alle 
diese „Beweise" längst als Lügen erkannt sind, das kümmert 
die höhere sittliche Qualität des Blondlings Otto Hauser nicht. 
Die Pogrome der Neuzeit, die wohl bedauerlich sind, seien aber 
nicht alle so ernst zu nehmen. Wenn einmal einem Juden in 
Russland ein Bart abgeschnitten würde, dann schrie die ganze 
Judenheit: Pogrom! 

Sechstausend Tote! — Ich glaube, es genügt, ein solches 
Gebahren zu konstatieren, Widerlegen, Gegenbeweise — ver- 
lorene Mühe. Nur auf eines, wie der Verfasser mit der Anklage 
des rituellen Mordes, sich auseinandersetzt, muss etwas näher 
eingegangen werden. „Wir haben alle Ursache", schreibt der 
Verf., „der Versicherung Glauben zu schenken, dass die Juden 
in unserer Zeit (sie!) und so weit nach den vorhandenen schrift- 
lichen Zeugnissen ihr Wissen zurückreicht, kein Blut bei ihrem 
Gottesdienst verwandten. " Das scheint nun trotz des einschränken- 
den „in unserer Zeit" ein gerechtes und unparteiisches Urteil 
zu sein, zumal der Verf. auf den Ekel, den die Juden vor dem 



Eine „Geschichte des Judentums" 337 

Bhitgenuee haben, dringlichst hinweist. Wir sind aber noch 
nicht am Ende. „Dass", so fährt der Verf. fort, .irgendwelche 
Sekte oder einzelne Fanatiker gleichwohl in alten Zeiten und 
in halbbarbarischen Gegenden vielleicht auch noch in 
neuerer Zeit (vom Ref. untfrstrichen) NichtJuden getötet und 
ihr Blut zu irgendwelchen Kulthandlungen verwendet haben, ist 
natürlich nicht ausgeschlossen." Natürlich! Das ist nun eine 
infame Lüge, es gibt auch selbst in barbarischen Ländern keinen 
Juden, der einem Blutkult huldigte und, so ist nicht mir die 
Entschuldigung, mit der der Verf. seine Betrachtung über die 
Blutanklage beginnt, nicht paralysiert, im Gegenteil, die 
scheinbar gerechte Beurteilung, mit der er beginnt, verschärft 
die Anklage, mit der er schliesst. Er üherrohlingt Rohling und 
dessen Vor- und Nachtaten um ein beträchtliches Mass. 

Diese reservatio des Verf. einer Möglichkeit ritueller Morde 
in neuerer Zeit ist jedoch nichts anderes als eine Vorbereitung 
auf dessen Urteil über die prozessierten Mordanklagen in unserer 
Zeit. 

Früher prozessierte man nicht, man schlug darauf los, 
wenn ein Gassenbub schrie: Mord! Beweise verlangte man nicht. 
Jetzt gibt es aber doch Richter, jetzt wird doch untersucht, und 
wir haben solche Ritualmordprozesse gehabt; was haben nun 
die Gerichtsverhandlungen ergeben? Die Unschuld der Ange- 
klagten, elende Verhetzungen und Gleiches. Nun höre man, wie 
sich der Verfasser 20 Seiten weiter (S. 432) über diese Prozesse 
ausspricht. Er greift zuerst auf die Blutanklage in Damaskus 
zurück, die zu Gunsten der Angeklagten endete. Der Verf. 
macht dazu die feine Bemerkung, dass es nie zu ermitteln sein 
wird, wie es sich in Wirklichkeit mit der Ermordung des Pater 
Thomas, des angeblichen Opfers, verhalte. Dann führt der Verf. 
fort: .Das meiste Aufsehen machten die Fällo von Tisza-Eszlar 
(1882) von Xanten, Polna (Hülsner), Konitz, Kiew (Beilis 1918). 
Immer gelang es den Juden, den Prozess zu einem für sie 
günstigen Ende zu bringen; meistens wurden die Angeklagten 
nach langen Verhandlungen freigesprochen, einige Male für wahn- 
ig erklärt, was schon seit alter Zeit als gutes Mittel, der 



Eine „Geschichte des Judentums" 



Verbrecher dem Richtspruche zu entziehen, erkannt war. Hülsner 
■wurde zwar verurteilt, aber zu lebenslänglichem Kerker begnadigt, 
womit sich freilich die Juden nicht zufrieden gaben ; ohne Unter- 
lass wurden Denkschriften zur Wiederaufnahme des Prozesses, 
zur Freilassung des Verurteilten eingereicht." Also nicht der 
Freispruch der Richter ist zu bewerten, sondern die Juden haben 
durch ihre Agitation die Angeklagten freibekommen. Was aber 
gab den Juden diese ungeheure Macht über die Richter? Hören 
wir: „Ungeheure Summen waren in diesen Fällen von den 
Juden aufgebracht worden, natürlich nicht von der Alliance allein, 
sondern von der gesamten Judenheit, die eben eine Alliance in 
weitem Sinne bildet. Und in allen diesen Fällen stand auch 
die gesamte Freimaurerei auf Seiten der Juden und trug nicht 
wenig zum Gelingen ihrer Schritte bei." Nun wissen wir es: 
das Geld! das Geld! Nicht nur im zarischen Russland rollte 
der Rubel, sondern auch in Deutschland. Nicht nur Schufte gab 
es hier, die die Verbrecher der Hand der strafenden Justiz entzogen; 
sondern auch die Ehrenhaftigkeit unserer Gerichte und Richter, 
auf die wir bisher so stolz waren, ist durch das jüdische Geld 
und die Mithilfe der Freimaurerei in die Brüche gegangen. 

Diese niedrigen Verdächtigungen und die gemeinste Hetzerei 
wie sie hier zu Tage treten, Bie treffen nicht die Juden und 
die Freimauerei, sie treffen den, der sie ausspricht, denn sie 
verraten eine Denkweise, die nicht einem vornehmen Empfinden und 
hochsinnig Denkenden angehört, und so spricht der Verf. sich 
selbst sein Urteil und hat seine These, der Blondling gehöre 
zur Auslese der Menschheit gewaltig erschüttert. 



Zur Reisezeit. 

Von Rabb. Dr. A. Michalski, Burg-preppach. 

Wer je den Gesprächen einer Reisegesellschaft gelauscht, 
weiss, dass ein höherer Gedankenflug selten bei ihnen zu finden 
ist; Bewunderung landschaftlicher Schönheiten, Tagesereignisse 
oder gar eitles Geschwätz bilden den Mittelpunkt, um den sich 
die Unterhaltung dreht. Und doch gibt gerade eine Bahnfahrt 



Zur Reisezeit 



Anregung zu BetrachtuDgen und Erwägungen, wie man sie so 
leicht nicht anderwärts findet. Ihnen geistvollen Ausdruck ver- 
liehen zu haben, ist der Verdienst von Rabbi Chaim Zwi Hirsch 1 ), 
der dem Reisegebete kleine hebräische Essays angereiht hat» 
die vom jüdischen Standpunkt aus eine Bahnfahrt betrachten. 
Er sieht in ihr ein Spiegelbild der Lebensfahrt und vergleicht 
ihre einzelnen Phasen, von denen einige hier angedeutet seien. 
Der ganze Zug mit allen Insassen ist der Sorgfalt des Führers 
anvertraut, wäre dieser auch nur einen Augenblick nicht achtsam 
genug, würde einen Blick er nur wenden von den Geleisen der 
Strecke, alles im Zuge wäre dem Tode geweiht. So wendet 
auch der himmlische Lenker der Welt, der Führer der mensch- 
lichen Lebenskreise seinen Blick von den Pfaden nicht, die die 
Sterblichen hinieden wandeln. — Wie zeitig stellt der Reisende 
am Bahnhof sich ein, lange vor der Abfahrt des Zuges, dass er 
diesen nur nicht versäume. Ist des gleichen Eifers und der 
gleichen Pünktlichkeit nicht die Lebensreise wert , die Er- 
füllung der Vorschriften Gottes, die dieser als Fahrkarte dienen?! 
Im Wartesaal wartet dicht gedrängt lärmend und schmausend 
die Fülle der Menschen, da wird zum Einsteigen abgerufen, im 
Augenblick ist der Saal geleert, um bald wieder mit anderen 
Gästen sich zu füllen. Die Erde im Wartesaal, mit schmausenden 
Menschen gefüllt, bis der Abruf erfolgt und ein neues Geschlecht 
zu leben beginnt. — Wie ein Zug am anderen vortiberfährt, 
kaum erblickt und schon entschwunden, so sind die Tage des 
Lebens, ein vorübereilender Schatten. — Ein Pfiff der Maschine, 
ein Zeichen, dass nicht fern mehr der Bahnhof, das Ziel der 
Reise, zum Gepäck greift der Fahrgast, nimmt die Fahrkarten 
zur Hand, damit er zum Aussteigen fertig. So soll auch, wenn 
der Grenze des Lebens man naht, man denken an das, was man 
mitnehmen soll, was man vorweisen will, um den Uebergang zu 
erlangen: „kehre um einen Tag vor dem Tode". — Im Abteil 



') Sein Enkel 8. W. Bengis, Lappienen gab die 2. Auflage doa 
Werkchens heraus. Da auch diese fast vergriflen, plant er die Heraus- 
gabe der 3., doch fehlen ihm hierfür die Mittel. Vielleicht regen diese 
Zeilen Gönner zur Unterstützung des Vorhabens an. 



Zur Reisezeit 



I. Klasse sitzt ein feiner Herr dir gegenüber, bietet Erfrischungen 
dir an, du fühlst dich geehrt und nimmst dankend an, „Cigarre 
gefällig" du zündest sie an und bewunderst die seltene Marke, 
doch wie wird dir plötzlich, der Kopf wie betäubt, die Glieder 
bleischwer, die Augen fallen dir zu — und der feine Herr 
plündert dich aus, nimmt alles dir fort, und wenn du erwachst 
aus tiefem Schlaf, erkennst du, was er dir getan. Also der 
böse Trieb, die Lockung zur Sünde, betörend, betäubend, mit 
irdischen Freuden umgaukelnd, dein Bestes und Edelstes dir 
raubend, — und wenn du erwachst aus des Todes Schlaf, er- 
kennst Du, was er Dir getan. — Zur Zeit der Postkutsche, da 
du Tage und Wochen zur Fahrt gebraucht hast, da du Strecken 
zu Fuss wandern musstest, wenn die Pferde die Kraft nicht 
mehr hatten, da erschien Dir die Bahnfahrt der Sehnsucht Ziel, 
der kühnsten Wünsche Erfüllung; doch heute, wie viel zu lang- 
sam fährt Dir die Bahn, du wünschtest, sie hätte Flügel ; im 
Leben das Gleiche, immer mehr, immer mehr, — Zufriedenheit 
nur ist das höchste Glück. — In dem einen Abteil herrscht 
Freude und Lust zur Hochzeit fahrender Gäste, in dem anderen 
Klagen und Schluchzen schmerzgebeugter Trauernder, auch hier 
ein Bild des Lebens, eine Zeit des Leids und eine der Freude. 
Im Zuge sitzen Vornehme und Gemeine, Edle und Schlechte 
zusammen, am Bahnhof entscheidet sich's, wen der Wagen er- 
wartet, um ins Schloss ihn zu fahren, wen der Beamte des 
Gerichts empfängt, um ihn der Strafe zuzuführen. Im Leben 
wandeln sie miteinander, an der Grenze des Lebens erkennt 
man den Frommen, den Frevler. — „Rauchen verboten* steht 
im Abteil und ein jeder beugt sich der Vorschrift, aber „Rauchen 
■verboten" auch am Sabbath gilt, und wie viele sünd'gen da- 
gegen! — Gar oft fasst der Fahrgast in seine Tasche, ob die 
Fahrkarte er nicht verlegt hat, denkt er auch so der göttlichen 
Gebote, der Fahrkarte für das Leben ? Welche Aufregung an 
der Zollgrenze — welche Gleichgiltigkeit an der Lebensgrenze! 
Wie ängstlich verbirgt sich ein Fahrgast ohne Fahrkarte bei 
Kontrolle — kann er vor dem himmlischer Prüfung sich ver- 
bergen? 



Eine Anregung: usw. 



Diese Andeutungen mögen genügen: „auf all' deinen 
Wegen erkenne Ihn". * 



Eine Anregung 

zur Hilfeleistung für die ukrainischen 
Waisenkinder. 

An unsere Berufsgenossen der jüdischen Lehranstalten. 

Kerlin, 17. Tamus 5681. 

i;jy CöW ":« l»y. So hallte heute der Wehruf aus ge- 
presster Seele zum himmlischen Vater empor, und f\xi itti D'QW 
nx ist einer der erschütternden Gefühlsausbrüche, der den ganzen 
Jammer unserer zerrissenen Volksseele beleuchtet und aus der 
alten Jeremiaselegie wie zu jeder Zeit unseres langen Galuth- 
lebens so auch jetzt als zeitgemässe Klage empfunden wird. 
„Waisen, die des liebevollen Vaters entbehren, sind wir geworden", 
das natürliche Verhältnis der besonderen göttlichen Vaterschaft 
haben wir durch eigene Schuld verscherzt, darum Cöin' '3N Miy 
~.v; wende uns Gott wenigstens seine alle D'öirr umspannende 
Fürsorge zu. Wenn auch nicht als qipoS D'», so doch als d'DW 
glauben wir an das auf Erbarmen gegründete Verhältnis unseres 
Schöpfers zu seinen verwaisten Geschöpfen appellieren zu 
dürfen und flehen mit eindringlichem Wehruf 1MJ? ccw *;k v:y. 

Und es will uns scheinen, als ob die Welle unseres Not- 
schreies am heutigen Tage auf ein ungeheures Meer gleich- 

r Wellen gestossen ist, als ob sie in Resonanz mit dem 
unzählbaren Ohor verzweifelt rufender Kinderseelen zu uns 
zurückkehrte, rprna pno "oy na nyw bip n:r\ es will uns dünken, 
als ob sie unser Auge hellsichtiger, unser Ohr feinhöriger, unser 
Herz zarter und mitempfindender für die grenzenlose Seelen- 
angst gejagter Kinderexistenzen gemacht habe, die in nicht 
abzuschätzender Zahl ihr schauriges Kcho zu uns herübersenden. 

Und wie in einer Vision sehen wir sie plötzlich klar vor 
unseren Augen. Da hocken sie, die auf sich allein angewiesenen 
W.i.senkinder in den Winkeln ihrer zerstörten Häuser, zusammen- 
gekauert, ohne Betreuung und Liebe, und stieren uns mit ihren 



342 Eine Anregung usw. 



■wissend gewordenen Kinderaugen anklagend und vorwurfsvoll 
an, da irren sie, von nagendem Hunger getrieben, durch die 
verlassenen Dörfer, scheu und verängstigt durch die schauer- 
vollen Erlebnisse ihrer Jugend, und ihr junges Leben sinkt auf 
die Stufe triebartigen Vegetierens hinab, nur die Fristung der 
Lebensnotdurft vor Augen, da gellen die ekstastischen Schreie 
höchster Seelenangst aus den Herzen flüchtender Waisen, die ihr 
aufspriessendes Leben vor den nachsetzenden entmenschten 
Mordbrennern retten wollen, über die Trümmer einstigen 
Familienglücks. Doch alle diese Bilder, die auf unsere Phantasie 
einstürmen, sie reichen nicht heran an die grausige Wirklichkeit 
von der namenlosen Waisennot in der Ukraine und ihren unab- 
sehbaren Folgen. 

Und da sollten wir nicht zu ganz opferungsfreudiger 
Hilfeleistung fähig sein? Da sollten wir nicht für einen 
Augenblick alle Bedenken und Rücksichten, alles Klügeln und 
Abwägen ausschalten können und nur der eindringlichen Sprache 
bitterster Not Gehör leihen, um nur den Regungen des aufge- 
wühlten Herzens zu folgen und über uns selbst uns erhebend, 
rein Mensch und ganz Jude zu sein? 

Fort mit allen Einflüsterungen der Selbstberuhigung, mit 
all den Einschüchterungen und Bedenklichkeiten, die die zur 
Hilfe schon halb ausgestreckte Hand wieder lähmen, die den 
edlen Sinn auf freudig beschwingter Tat ernüchtern und ein- 
schläfern! Der Preis, den es gilt, Hunderttausende unmündiger 
Kinderexistenzen, die ebenfalls Anwartschaft auf ein Leben und 
seine Auswirkungen haben, Hunderttausende jüdischer Seelen 
von den besten unseres Volkes, die berufen sind, einen grossen 
Teil unserer jüdischen Zukunft auszumachen, dieser Preis muss 
jeden zur äussersten Anstrengung, ja selbst zur Selbstentsagung 
an gern erstrebten Gütesn und Genüssen veranlassen — er 
wäre sonst nicht wert, das göttliche Menschheitsideal in seiner 
jüdischen Persönlichkeit darzustellen. 

Und wir, die jüdischen Lehrer der jüdischen Oeffentlichkeit, 
die wir leben und weben in der AVeit des jüdischen Kindes, 
die wir uns die Entwicklung der jüdischen Kinderseele zur 



Eine Anregung usw. 343 



heiligsten Lebensangelegenheit gewählt haben, wir ermessen 
■wohl am tiefsten die Verantwortung und die Schuld, mit der 
unsere Generation sich beladet, wenn diese verlorenen Kinder- 
seelen in der Ukraine nicht ernster zielbewusster Führung teil- 
haftig werden, wenn sie nicht auf irgend eine Weise für das 
jüdische Leben ertüchtigt werden. 

Berufsgenossen! Gewiss gehören wir zu den wirtschaftlich 
Schwachen, wie mancher von uns ringt selbst schwer unter der 
Last des Auskommens, gewiss wir können das Problem der 
ukrainischen Waisenkinder nicht lösen, doch dürfen wir nicht 
zurückstehen und müssen im bescheidenen Umfange unserer 
Kräfte uns zur Hilfeleistung drängen. 

Die Mitglieder des unterzeichneten Lehrerkollegiums haben 
daher beschlossen, einen festbestimmten Betrag bei jeder Ge- 
haltsauszahlung zu Gunsten der ukrainischen Waisenkinder zu 
spenden, sie sind daher in der Lage über eine genaue Summe 
dauernd verfügen zu können, da jedes neu eintretende Mitglied 
auf die Anteilnahme an dem Hilfswerk verpflichtet werden soll. 
Auf diese Weise war es uns möglich, den Betrag für die Er- 
ziehung zweier Waisenkinder sicherzustellen. Durch die hoch- 
herzige Entschliessung einer Waisenhausverwaltung ist bereits 
ein geeigneter Platz zur Unterkunft und Erziehung gefunden. 
Es sollen jetzt zwei Waisen dort als Patenkinder unseres 
Kollegiums erzogen werden; das Interesse, das ein jeder von 
uns an der Erziehung und Zukunft dieser Kinder nimmt, ersetzt 
denselben zum Teil die Fürsorge und Liebe des verlorenen 
Elternhauses. Für besondere Aufwendungen, die zur Einkleidung 
und Ausstattung der Kinder nötig sind, hat eine unter den 
Zöglingen der Anstalt eingeleitete Sammlung schnell die Mittel 
herbeigeschafft. 

Wir glauben, dass es nur dieser Anregung bedarf, um 
andere jüdische Schulanstalten zu einem ähnlichen Zusammen- 
schlu8s zu veranlassen. Den meisten von uns ist es versagt, 
ein Waisenkind in seinen Familienkreis aufzunehmen, doch 
überall finden sich vermöge privater Heziehungon geeignete 
Familien oder Anstalten, wo gegen Entgelt einzelne Kinder 



Eine Anregung usw. 



Aufnahme finden können. Diese Beziehungen auszunutzen und 
das Geld hierfür gemeinsam aufzubringen, dürfte bei gutem 
Willen überall möglich sein. Es sei an die Opferfreudigkeit 
der jüdischen Lehrerkollegien bei Ausbruch des Weltkrieges 
erinnert, als freiwillig an vielen Orten ein bestimmter prozentualer 
Gehaltsabzug zu Gunsten der Kriegshilfe geleistet •wurde. Nun, 
in unserem eigenen Lager tobt noch der Krieg, ein Krieg gegen 
wehrlose Kinder, die keine Kriegsschuld auf sich geladen haben, 
ein Krieg, der uns gewiss nicht gefühlloser und weniger hilfs- 
bereit finden wird, my o'öirr -nx TMJ>. 

Für das Lehrerkollegium der Adaßs-Jisroel-Schule Berli; 
Dr. N. Schlesinger, Direktor. 

Nachwort des Herausgebers. 

Es ist vor einiger Zeit im „Jüdischen Beobachter" in Köln gegen 
die Artikel Stellung genommen worden, die das thoratreue Judentum 
zur Rettung der Waisen in der Ukraine aufriefen, statt es für die Not 
unter den Beamten, den Rabbinern und Lehrern, in Bewegung zu 
setzen. Im ..Israelit'- ist darauf die rechte Antwort gegeben w 
Es wäre Torheit anzunehmen, die Kreise, die es über sich brächten, ihr 
Ohr dem beispiellosen Elend unserer BrOder zu verschliessen, würden 
ihre Hand dem vergleichst ise immerhin geringeren unserer Beamten 
öffnen. Es wurde auf den bekannten Satz hingewiesen: nisa mnu nrao, 
dass die Erfüllung des einen den Weg bahnt zur Erfüllung des andern. 
Und vor allem: diese unsere Not zu lindern, wäre Pflicht der zu- 
ständigen Körperschaften, der Gemeinden, die aus den Steuermitteln 
ihrer Mitglieder pflichtgemäss eintreten müssten. während die fremde 
Not zu heben, Sache der freiwilligen Hingabe sei. 

Es darf auch darauf verwiesen werden, dass eben im „Jeschuran", 
wo ebenso wie in anderen Zeitschriften jene Artikel erschienen, in 
zwei Heften z. T. gleichzeitig ernste Worte über die Gefahren ge- 
sprochen wurden, die unsere Beamtennot für die Zukunft unseres 
thoratreuen Judentums heraufbeschwören könnte. (Vgl. in diesem 
Jahrgang Heft ;>/4 Isak Unna: ..Bedenkliche Erscheinungen" und Nach- 
wort des Herausgebers; ebenso Heft 5/6 Nachbemerkungen zu Unnas 
„Bedenkliche Erscheinungen".) 

Die beste Antwort aber haben die Lehrer selbst im obigen 
Aufrufe gegebeu. Eine ergreifende und uns alle beschämende Antwort. 

Jedes Wort würde die Wirkung dieser .Mitteilung abschwächen. 

Aus dem Kreise derer, die wirtschaftlich in der grössten Be- 
drängnis sind, ist die reichste Hilfe gekommen. 

In dem furchtbaren Leide, das Israel getroffen, tröstet uns dieser 
Lichtblick. Wir blicken voll Stolz auf diese Lehrer und Lehrerinnen, 
voll Hoffnung auf die Jugend, die solchen Bildnern anvertraut kS 

VeranrwortJieher Redakteur Dr. J. Wol.lyemuth, Berlin. 
Druek von H. Itzkowski, Berlin N. 24, Auguststr. 69. 



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Warnas ins in« ,urya wik» ra^na p3»Sb in nb 3"ki .n^y dk yiv 
San ,n:B'nB nanSa [ryai nse» p;yS nrn h,i •]« .plana VHQ -ma 3 yi 
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.Burgfrieden :ir ,13'ia ppSa a'iipi? no DJTra nw m .Bn'by K33 
naw rn^Boni tnvm pNB> nnoS nS 'in "2 ,13b nin o'ayn 'a' nati 
,f 1X3 m3»e:i msbin maepm nnjnn dn ,nm wan biSum -iy n« B'yn' 
amen ostra m .oSid b»ni by rconna pi3Ni n'^a ain nnb» nyra 
nwjn mSi Sa' romnm nrnan iy nw ,|iaafc>i pin :o'pi einn wwi 
iy p ,! ?3 u B'ayobi maSe» mwpn ptb mmii n-jen nuunn ,r,wa«i 

•TP 'abiy 
inrnyrrctta rrftn lavpi TOM ruiEB» .mann jvyi mus oivn nyra 
dum ny»a .tb p» nun dj — min "jina nnaya iNBEti> -ei ,iiaitb 
o*ans an iS'a»a» awn 'am ni33 -3n firm ™* Nina 1 ? mann nan D'a'ut 
— D'bra bj in B'sap — D-'Sbai b^bio D-yjyi nvaio mcptrn by mv? 
iy — lyxab ,nr oy m diSbo nrnS ,n:S nr t B'»inS „irb n» y33,iSi 

!ayt iiay 
waS iS« dtk na«" Sn iyjja 'ne> "i»jkw [Bf3 twsan iibnb' in? 
n-S^s njsDi iyx3 'vw naitn» ny&»a Ivtm yby bvjb»i nnPNi him 
vniD'Ktfi lviiyi nyas p'tftiTO rpynnb oikS ib hdk .S S aS nepiw 
D'iain B"ian D'j'wa wpn inSi />San orp wi r'y poSi — nvaien 
nmn rmnx b;p yaiwra ,ruian n« naaiD po3 t ?p nyo&»&» nytpa .ciibk 

TN 'BIO 01K 1 ? iS 11DN ,B'yi,1 D'yjDil ^33 0^133 D1K.1 , 33B»3 .O'S'IN.I 

hn r? trSnn'ji nimm nwen nwp ncnbas injna «tn -03dS .uSoaV 
,aiB mv 'a ,,i33on nye>3 ppro pN .nixa nsb3,i bban bt? oi-pn n3 
iy nsiyan mrS ckkv viribus unitis nSn ,ni3i33 inv 'a Su» vmopB'n 
rc3,i nni3B3 na'so n-33 d'iid nveyb czv 3 c, nNi ,'^an 3'in.i nsi3' 

.yioB pN3i rhhx nyiai 

?|N3D , 3n:B1 D'IIE« .hlb CTITl C'BIWBH ,1^,1 D'131,1 ^3 'B "ßSai 

T3ay Siu ib'k vh S3 .km ninv8 riKtn .iSnbm by nawnn e;^ -3ona3 
S33 'flB3B na nyi 1 ? Fpr pa^ ,vavp Pwwi ,iB»y3,i dn nwm iaS iy yj-u 

.fK3 iy 11BN.1 

'Sy3i B'iias ,mi3n ,ni3Sea aipa ,i3ia Ski»- Dy b3«p ,yn'i i^j 

,B'31 B'B^CB N1.1 331B 7K1B" S ^ 3 .r'Bf ni31K>B niCKCI FiU'W niJJI 

ij man p'K B.Tniyi -]3 ,r"S; can bj'k dik -33 bv o.TnioixioK' bü»31 
]b? S3 nn-31 .nS-r K3 1 '3 iy im' pi ,oyS i3",i ?kb ,im "p .irS 
ni3iB» nviam mn ,piK,i miaa yaiK bzz B-ynr ,o»einci E"in 133,1«' 
■piB» mpn S3 pK ,133 myi.i npiSna nsiai ,nyib U'mai 13*33 Sy nyotfa 
,Ksn ayn }bb» nii'Sy ,13,13,13 ro pm .vnuScBi oyn nniB» bzb hm* inN 
p33,i 'thm -[im int : ibnV bww "33 S 3 Sy nwa nyBB»a,i in neanif 



108 «ivn njn np 

,Sb3D wn nanSa ,npDiB nriw nww nanba nwi i:k ,{du nnai 
•nw yysr rvna 1 ? .btsi ij: — rurann p-i w« — Sban ncnSm 
nnj:nn ."Jen 'rjya inwi 'ny bthid o"ar ovn b'to nsi .Bflfoi o3on 
nni« pE>o naxya kvw .irmna aSab t|KW iwi ,n*nnnai roSin D'rsyn 
bbsrr» nyeo na .n'bjwnBJX njrun wyori m ( iS "iccku» naa ny .S'jaS 
.Mino 1 ? a-3DD ruiy :y wn .manom mpTurn vnra by imS rem vk 
♦s)*Din ttb) .yitpcm Tnnna ,Tim nnx ,Nan |na ip na»» 1 ? 
rrai ifsm TOTa iS atr'» »'nn im«S ,nan -nin nab Se>b *a 
o'vyoi »man btdm CK3K>3i ,watp oipas mipi rrnpi T^in Kim .mpa 
*xt win nbn ,d3Si <S na la'tfa kw ,naia» ruaom jnn wya by im« 
ranrnS oixn tor »TiarA dj Tn ,l j oj .-imb }-nb> noa bi ojbx . , . mip 
a^aw rs ,onnKS c: iS d: y-iS n'.T vwyaj]WB> jv:a bas ,raona iniina 
TBWi an p« nrfow nru vSy o—snai .Trrn S» B'K'yan nnn biaa ;ik 

.niayS Si3" 
•jSin nrna in oy in toä in man s rj» -©dbä> maa ran iiyi 
b'id'öi D^Sin .mym nin: 1 ? B'twsn c'pbn: .B'pbra meptrnni cfvssm brm 
.OiWön c"nn by wcpttvn nrn jin Sbd r\t ruSeo Ssr .jtu'jbb anS 
vin :rnaiN nw ;nnan in Dyn n-iacaa nuSoan nanSaS ony uro« r«i 
mein n«ri wnon "pin nyapi ramm ian ^nro vnoptwi "d Syi pixn 
B'cai» c^nm .nrnan i3T p» 11 |fpu Syi mn^i nwaa "inr wyn i"a «S 
.n'jwn T cayaSi njvSyn by nnxn n^can T caycS n'«n uki 03113 
naVffi mvuSoan» maa .ns^n r,n« nyao "ny fsrai .ns^n ncSmai 
*n marcwro s tS nyirn nvScan 03 o-aye 1 ? pik3 ,f'ix »»Ka rarcnai 
va ir nywn maSca bwi «« «in [dt .a'yir B'air ij: iaya pnnn 1 ? 
min« n»Sca WT3 ynanS na yir nin« n^ cks .o-npy mcpipm B^-ona 
}nepu>n v 'cy ,nS yiS p«n by anbiraa tbipo yn* bi; ik ™Scb yuaS ik 

.nn« nnS ninon Sa 1 ? rnnxnan 
E^pa S:a b-kti mn jn^vi r«w Mn manSan Ss .nxr d; p,k Ssk 
-••s pKr3 ,iaiS 'jist ,pipn3 B'^niP far S3 m:ra:i msSm fl *i» S33i 
rybcan tw ik omro SaS p'jnS nSiSyw mwi mao ik "Jixn a-i« 
jono :jipib3 nny nyS nvbj bwi -SS:,, jvynn Stf [vSyn "mn .inna 
nnanm nuSoan ,amaxn is o'xiapn bz SSian jrSyn fiapn wn iWTDn 
im ,cn chhk [.Tny» ,nuw nnn« nuna bv p:p B'ayoS i« ,nuwn 
n ,1 ?':3 mao i« ,l ?Sa a-i« nwinai jfl'nwn marei 1103 maa hya nujn 
— D-.Sr BT'iy o'rram tnwn vpSm ri3K S: ,- in ,mirt p'^yn j'ispS 
WO ik on-Sy Mn n*nran t;: lanS' inK g:»i cn'ra — 'aar cj iS 



rp |^»3i nt |'3 107 

bi3»n 'a »Min 1 ? b"nnn a«riB — \ysh — «b« ,»i«' «vb m Tyx «3 «b 
,tvu ib vn nwjpf nain bj b:b« *a ,non amanpi na«a a«n3» mamm 
trat binnn,, .... nana "n «in» nta ma»b ei« -pit nosi ,o*nn aoia nai 
by D"n evA*A rMnirtm mwan nna»n Mir p« . . . "a^nano u«i — nana 
naia "]ina nbiyn nbrun nna«n vn» .an« uns •rinn by ,en» 1B3 aaxy a^nn 
11DD3 maa p-n "na i:an Sa' nrnan w ^nan n« "p bs -vsran inn nrinvr 

.maabn main 
nb» »B»""np ,'b awn .avainvt *a« /ax,, :nB«i pcn b«pm' Sbann 
TpinS jw 'JK .nipna ,nan«a .rrnrs T/ima bapN .B^wn-aur /wn ,<» -b 
"tabo "|iian ,D"nn ••a« .pyrr «]« 7"?« pr 'ab ,nbs naia n« ,Tnma n« 
ab na .anya an a'B'an nai aains an ans» na 1« — cuwr a s "ian 

. . . nap 

-Fpv nvnb t^ain bk <bw ...jnv 'a ,a«n u« nai»n "by3 b» nna p 

.irb« my a» nM nr B s,i n 

.«"ein ,ivd 



.dtph nytpa" 

anb -i»a« "« rayi ,ma n? E"anb)i a"n«na nifß ":» .masm wn 
abiya TW nrnb lb -i»bk '« '3 yir -anan ai«n .n? 'Sa n; a M pnnb 
n« vpaai *]Sin innn „njiam mann b» nyir namab y^n» ny»a D"jn 
mana wiaa» bi« »ja ay ino a-yiT a'Kina nvnb Taa ,nabnan mnn 
an an nroy ,"rrnn "pro nnay,, nrnaa an nrnan 1« mann «n .nvnaa 
3"j von «in» papn nnn b'3»3 bbsn nya»ab ns nvnb n-oa wno 
,anan »Tb 1 «b« mann 1« bban p« '3 ,«in pia .uaa pbn l« na« 
.aiB3» na «b« ^33 p« »3 ie/h tfymt ivm mi«3bi .thm »'«n r.nbin 
«in» .n^ysan aninn pbn ynr «S n:na i« msn ancs a^anan B'^sn 'j 
v, y D'aia "inv my pitb n«»u na'p \y uns nSia wjsn» niBM pnn «in 
B"nn B'snpn nn , "is ^»«na /B^msan a-'nn ^3« ."annwan rwon» 
pn «b .«in [3 nou n»«a «b "3 «u 1 ? b^kib ,mann "pim min >H zy 
pi3 p»n3 ,nman ay nn«n n^inn nanba mamb ni3i»n nirnam nnsnn 
man ba "pna t6a ,nman b» rwaino «b« «San 1 ? nbia' nn«n ps» 



106 1 t b 9 2 i ) u* i ' a 15 

rovpn "hi ,\bws -j^ds öS ptw 'a„ : hubr "in» Sr i,t*did3 rSjib 
«So 1 ? m« rraa pw nMOKrrTDR iS nonr ya&>BB .■porr-oEM miayS ,nrim 
Rin 'in rupai p*Jt lemrt vSrb -ras iaS pro? "d :naRj w ?)r ."unon 
.iS yrinS dir naa pRi nrnwi ja inR—OR-non nw 
Htm d'rim maS -3 tnn dbr : cjjib nnSip unjR o'yor dSir 

— mann p 'R3 cmuj? pwna b'r mnnaa o^nyia vn ,ir ronwa cttSa vn 1-oyp 
cpew m nroa ita d'jbS ?iyvn mn Sb> dsS -pj-Ss -npm pna -]r 
p/R cniean cv nvaa oj nry ,3R3 nyero pai amcan ora pa nwiu nraä 
cn .yr . . . JnoA jn rtnxtrn 3R3 ny«'n S£a yvia tr ,^a Sa manu 133 
•'Jdb a*ij» i 1 ? rvn k^i SaR -<b>r tr eye rS -ib»r -ibn mff ""an bv mal 

?a-iya3 Rim m»B3 isirb* 
nr :nar yasry nb ,wmb np'ecB Rnnr if nStw Sy nawn pr cr 
nmnS irariM o^n iiy ,n:iBRn-rv,-i,YS prn my .p'o-i oViyb rS .urjmi 'Sn 
naiRn S«s> nrny ,«mn miayS oipn ny .rmnn nnrn cipn -ny .nvxaSi 
maR .nnoMn npo» cibiri cpcic rnnrnon nuvxn Se> D'BiciSen ,kvi uS 
,v*W rS ,cna KJtra bjn «rbp rSr rya nr nan pR "jr — rm 1 « .roibwi 
B'»:-m naSa cs-yan cSaE'n .irb a-ai rS s a f]R ,nntt "ib*r my a'aii 
.Sr-ie" p-R ncsa uS .lSian woa' ,i:Sb'b mmp ncow 'Sa .naSa c^birSh 
eaSriE ,8in Sb 1 :; ,wn Sia» .iS vian Sr -jr .SsSisb ,wn vbn wzvn unn 
pR »a .'-.d E-y' pjruni .u-nn »•npn'i bw .T«nyn pyi: jm» ia yt — mn 
vra on^R pDn,; .ciSr pen rSr ,S:bm ym »m tS' bib'c psi uWi 
Tina d^ttwmo n:»R ,niicx ibb>s' pcn.i rih . . . penn Sr pnr .ttS^ 
Se-j !*pi3n n B* y . . . i:i:r: "pnn nB'y :cBan nas iaB> .c-ryB'can pm 
,ymv nya* Sa ,nt ruttMrpn iS b-e* ( b .niE'ynb c-Sr vra -: ,vwy\ "3 

— pSraa nn'pjtDtti mpna nnSnn cr .iS rm pitn ry» .n-romm monsj« 
a: 13S3B* nrr pn n S* p|tjbj Sr-ib^'b dir n\n nSiySi .pro rSr nvc pn 

. . . "p:eSB psn w :wouv *psn vr. nScn 
p^ca ,tSr 3^pi -jSn 'a: iaS -jh ,1: nnvr nScna -13-12 n'n pirn 17 
:n*n nn ,uaS3 p3B»S S'nnn ib»r pr lasya p-ny r»jnn rS .pinRn vn 
"maaSnnn icc ir pSB'ai Viar, mar ^ra ,-:: p-inun ^ed nR . . . wenn -: 
S: Sy -yoinS "pm n'n »»a ern pr .ttb mye nsp B-r y- r 1 ? »JCJOI 
nn b--,- -Er x- yn jmxbm noe rn» on on ,ar: i^r D'on^n muo 
. . . r6ona ieici itiro inSnn ,'Rnn icidi pena vfonrw 
bv varna ovma iS'er vh» nVijn yp*a nvraran nnaR-ip 
rap» mnpnmn an Sa nns „u *paa Rpcc-pco-p ,1313 c"r rpv 
,SRnE"-pnR »fi iS iB-uE' pSram Siarn Sa 'inR ,iSr pen SRptn' Sy 



,-p p b v 3 1 T l V 1 < a 105 

naSw Nim na» tw k i n ,TOwm iSawa "DarrnS«»,, "Sa ,vSxa 

! Skw rw 
"yttna .Ssw "yyiB oy «Sn ? na» xa nnx "a oy : oyyia ß" Sa« 
imeS o'Spit nx laa.r on xSn in* Sy nnyp "aana ,np*ya o^aia ,rm 
aSn nax» — niH rra: "|3 dx d: tx ?tix nnx pv-tfi Sy maS oiSai 
nas> ,nSxn obenan tn anSS pan »» na» .nvnS pen yx na» — najn 
yamS pan ":x na» ,S^nS nvra na S'xnSi DrrSy ibdSi niaaS pan ':x 
»»» d'-dt) . . . "nDrixn .naian nravi nna «nnn nnn Sy rbm nyaon,, 
an D";awi D^an nrxi nxn (a naiyn nna "aa rraww Ssr oy» *Vik ona 
!na» pn ,na» .(o'jaaa naiyn n»3 nw Sa aSa nxa 
Smaa n\nn nanSan — 
•<"n:nDi wn wie» .D'ytrajn irnx ps na dj .rnaa xm na oj .p 
Sjp nxaa "xnatt> iaa uenp pxa dwSS uS "xna .nnSxa dt d-b» ,irniyn 
db> oji na dj .D'aipac irax Sy xS« jyirnS i:S px db> dji na a: .niSj 
i:x p« d» dji na dj tx /nyitr usevi xS pnyi nynn nnam lrvro d'ti», 
ma^'n *Sna pa innonS D'xtrn ux px ,irnina "xbxb Saa niaySa d'-iibb 
•vi Sy ,pyn aipa iwjun Sa Sy miöi. nna» "pna nnuaa rnina pioySi naSa 
pxt? pv Saai .nnaoai o^na ,n*aai pwa .vwvjnn mw ,vnnS"i rfr 
.dhb nm: unyi pxe> onnx "Ta Stwpixa yrny ns TpenS d\sb>t uk 
! db> Dil na 0: rnyn "jo Sid S« TiyxS irSy «rnp-pneaai pK-'iy» 
Hin" ,um Tiavp 'a ,3Hf*n nmaya d-nti i:s dhwm "nS«r„ pinc kS 
irjaSi yS rnS^sni uhSk nS nnno:n .nSsu^a uvs» im «in ,nnsam nnnn 
atra -[«.... oMiTio dhSkSi — mmn nan Sa m nwyS oSiy ny 
psa nvSrpiapS 3J»an Sin:n via cp "|2 .na'p unn 1 T» d^3 .owp im» 
irSy nr ntryaS yn ioS nttian dhSn-t naiySi .na»ya »inn Sw. ,D^ayn 
.nnts'BH-Sx ik nna'BN- , sn Saa ,ni"i»'DK Saa cancnS irSy .uaaS n«»S 
tan Sa .pxn ai»" "ptsS nr maiDnn-nna nnjcnn p'ana yS« mmSrn 
pn nriaa ,p]u niTDOi wbj niVDB2 ,ne'np rorwa SapS irSy nr pn» nwnj 

.UBVi pima 2ß'vn Sai — T nryai 
naa ntj>K3 ,mSni nwyS nnaa -ik>k SK-iß" pn«S nanm min n«: 
nnwnS on« py nSa" kS ,ir nSnnna ohSk yav« .mSruS nSnnn nncy 
.nixnS iwett-'K nSinS rnyn m — "iSi:n m n»T\n D3n mi, .»«na 
TT« .lai^a jap \"~iy xin^ r)si .aa^n m«nS Tis naa nSu» n; n« dSik 
pain nS p«» f3X3 Saia sim ae»ia iS p«i naya iS p« ,Sm t rrnS Sia" 
■maxi ,iS-nS nra ia paa ,winiS nva ia ynr oan sine» "a Dipa-Ssa — 

.n'n 1 Sin: jopn nr meyia g'jb» mya 



104 pSvai ny pa ip 

Sy xxan kS pn nyw S» nSp prörro t]xs> nt piK w .onSKn-oSa nK 
Sy je« njy ima Sy3 km «ik ,Ssa Y,eaS po fw kS «in fjk — rnna 'd 
ren pxn nur iä '3 ."wen pnri nx (nx "jy-nb,, :V9M b.yoxS 'i nana 

— .rSy urox wt9 a ix na "unast D-awv bx im nnx .a^ian mj uxi 
uS ,xm maS pnx — na axi na ex — w rra pa w irniax nana 

.uynrSi xm 
wcra xasS m^ar napn nVn jni ?kb nt»K pixn « '• Sxn»j pnx 
,nmx nun xS mm *a t]xi .updj pnx .ranx xm km — 'px„ nSon nx 
km nanp nx? Saa — a":v 'dSx nr mxn kS vniaR'niaxi vniau bj »a pjk 
i'y Str xvfo ima myam jma km ipSn iSx3 ,iS km nnpi navw ,A 
"na laiSn nnna ia yucS iS pjnnr n;aa pnarSx Saai njaa prorw Saa 
Sy yjyjr.an (aa airo „nSs? nanpn nxmt Sy Sxn»' tvca nyjyjno .winS' 
nrwcx »bai DMiKa 'Sa .annncS -px "Sai cbtid 'Sa ,an r&B-B'yuyji ,iax 

.Som ! na nxcn xm .amxa bv 
irS xian "na :ny»S nyra mpa S'nna km wyn Sy nw may avai 
px» ;ki3 pn» iS cnaix .[D^i — na mxnS nSia'n „ySr niSyS nSi3M 
nm itr p ! km nnx iS SaK — onn« T3 km npMia» „nwaanr nipn Sa 
Wpit,, ,"a:a KM iSe> kS,t »a ,npma r.nupS rism wn jn ,naa ncaaS 

— ?niy iS nai — na» Sxne^'px ;n /nrsx cn-OK 'ana i:S km nprma 
Sy SSancnSi nSSaa>S ,n:aa monSi nnnaS ,na na»S kSk rwn vk km 

.pn fpv na S*yS -iibk3 ,nr 
nain . . . lann pim . . . Tann rwp . . . parn ixia : i-iaKn xa» 
t jn' ' b tk ... nKSni ora dtidb min . . . pa lyi j«:a o'Swao 
nanu w cipsa ,iaia n'iSn nrKr rrnax nanu »'» cipaa nSK3 n^sMS 
p'no ,im SssiifSi vnS „vamSi K-;yS ck,t . . !?mSk i-ya nmean h^mSk 
omK a'M DKn ,Sawn onS cacn DKn ?vpnpn vbid S3S ^ryan pa»nn 
a'aco WXN2 im» o'BMKm D'Jiayn D*:nown pa cSiyn rc: m [acS ,»j*m 
maiy ny»n Tfli nS»a np'rna nran TMra ? no S33 SKiß" nK SukS 
fvrvn Sarn- 'eSpri San ?k bj ck,t — utmo cwtoi ceyia twom .noma 
i»k nKi3:n kSk .ip-yn an d'K'SM kS jn tk ?b , k , 33 »d Sy i»y b» 
nain .K\in mnn m nwn iifKa s^n ian« 0: snn onman Sr anwan ,b,yd3 
Kia 'scS p:33 iSMnn ;k cj .km npw Sa3i ny Sa3 — bnw piK 3W 
■jk .(lai rar a"i nn nrw :n"Bp na» p'y) S33 mSj rjioS nyran jbm 

— rcrnwDö nryn Sarn nry* kS» na '3 ! pna S:3i ny Saa p;a rpn nr 
kS Skt" p-iKS n^SyS perre» *b : iBKnS rant nasn» .bn: yna ns pii 
- ,1, k T»B3» 'B bSik — nr lxonS »raSnn noaDni -m: \yvo iS3»3 iS kxb' 



a pSgSl TT g |«3 108 

ncbin -pna sSs ,n; prwna 1 ? ,« K3 m pse> ."ry 1 ? I3«w j*aww an Sr 
■?» namn nnis s\n ."-mwö-nba,, nwn Tön bin^nS vuiana lb w»t» 
nrya ^x see> ,man jv:nn *cba inaw "t tnm irs so» :,tiöd rmvvri 
.pcn Ssp;n-2 p pst? na . . . sepi kdv ,nmn~p Gl« hv uiarn 1 ? ca'sna 
pon b» vmyj '0*0 mba iccö -u-o ps» nö nxp «in nawo 
■urs o^nn paoi wpvi mabn maw *a ,n\n sb 'kto rovp .nr 
ppc:SiBDB&> i; pa .wnajn irneon niapy oa -s .bba ia o—oa er« na 
.12 man örs ,nam war» nria tj> anac i- pai p'bs^ai nyn-tns ny 
bbaa .mns nrißB irs hv n-is»' nyerno naisa 12 ps» -«aiS "px psi 
o rmxvb famv nqi ,'eiYsn in mn s n ceian ns -im ia a*yan sb 
'-an) nwinb nsn "iratt» naa "ihr nbis .wo '»w doib sb« irs üb 
♦bsa ,kS"öö üb ntnin ns 12 um« csn (inva trenn oykw nntti nwinn 
.rfflxp neinn ja sin nr fen bspwv .vm by naiyn jdkh bv nbnn rma 
ins nbna ba> inaban ^a ,nyce>n ba> nnrö -n:x ^a t maS n;aa yoenan 
nirp sin ^laco ,iaib sitantpa .n-ann nown 'pbn bv D'iwn n^abnan baa 
i:s o;as .traten us o:es 'a .penn b*s pm 11 = pen bspr^ .(*«w cj 

— i:nepn oy nnapnb ,ih<b 03? nrab ,bs-i& ,v -p"isb o^oa: us ,D'B>paa 
onstrna "pna wn . . . uson ns s: p?n ,y 'enn ! nr pena map 1 ? nrp na tn 
,Y-\xn hu ysn yntn n« anyn .hupin* «in na*i o:bk .b«"\v T^a'« an Str 
,iösyai jnasa irs ixen ns ■;» — •jwaji na f?in ,n ,l ?i'a rwi na naiy 

.ipvna vm sin ,SSa nt Sp nanS "Saa ,iawa 
n?n Bioirn ns a^anS bSa rwi sS ,-iiasa ,"a ,nr ranb "una pa. sS 
'baa .naisn b» nmvan :nr »a ! cjiaa 1 1 n 3 s Sas — ,pen Ss> nnoSpa 
-pns Ss oyn tt»p .crnEia twn -lana niypncn ,l ?aa ( D-an nw3»n n»p3 

— ipnnSi 13 pnaS cano psu» nep /ö^ci p^ax ivp /yaai 'n nepa Ss-ib" 
■nna sS*aa sin n^p os *a — nicba bv wbpin »a cann lyjvs emsa 
cainan }ai a's'ajn [a nmnn ja lsjciaf «nas tcj nrp .snmsn \rby irp 
ns prn^ Ssne" hSs ,i:xcn ns prn" 1 bww nSs mra»nn p'na pes n'nyci 
Ssn»' ';a nS wjd|»W3 man d^wtv (Böri,, .iS py*ca p;nnnS san "a .uifp 

.(t"3 "D wart nasa nna) »iTTBj« rva« urn*» ny tjgan n s San 
inv ina S» vnan -jina aSaiai mva n;n rjcan ns "nnb jsso 
■?y a":an nr pnaia paa .nnx icid nw bsr man "]ina aSavi wir iS^kpd 
myan o)p? 'sn tvid lay o-nnsi laxy ns nsnn ,nynan s^Specsa nan Sa 

.d'imid orh csr niora miaj n« m«'? d'dj>bS an« ntn lBion : um» 3J« (* 
D3i .niSjn ja «nip oc Sv ("d'd 1 ? d'd i<2* *bd3) "|iiiBB«n» vsbv inx inn r« p 
,nn iSa» nt ibios jen oysn p "D'v», Tan 1 ? b« nt3 



102 tiSwainppa 2jj 

ae> v ow aip ,( ?vb .a\w niaipaa niaipaa nixnpi amaS ,ni:ira 
Ssx — iijn niyi p:y mxba rwia ,mx"iBxn ,nna* 'na ,tj? niain--a 
. . . rubya : (pon "jspm' rrnan 12S Saa ran ntn pionn wo) ton bb» -ip'yn 
mena "pfcn ,"jS n*jrm "pa*»' ,eipa "?aa nr "pn ,-iai bib>S a'Sya -pn 
man *jai .aj?oa oyoa na "f> ib»t nmp wj«»S bni-nom pm ,mn nnrw 
anb px jn *: .B'-irS Sxb'ib "pscya nnx ,mn -] 1 ? xb "pspa nww t; .nbiy 
,eb> dw aipa *?33 ;a«3 nin' 1 »rra» pen St^pm" 1 Sb> idibbb lbbn BTyyS 
: mS: 1 ? nibja (*"Se l ?aa raia,, ,ycaS ycaa ,tj3 cy nbi;n ttr3»"fiKwn 
. . . mirrtwnw rranfea orh px xSn 
-xr pa mW sdsm paa min fTJCT *:3 pa aexy rix an a'Bm *pi 
tfoptm ,SxnB" pnxs , eb* .jkd cnb px na natS p»S ib-ex .niyairxn 
hm x 1 ? .'vaa mn nn — tw SSia nvp„ pa n-oiian nova pan bspin* 
pya bj crnain wm ,may xin^-a ev fl-ay-ab nai bxi .B»*an."6 naa 
«Si .rana rhu nvvb iw na'X3 ,n'rit3 [x3 ,jx3 ebix ;n , ;cn' 1 rwnn irx 
,p:ix't nana mn» Jöffl S3 sin cjt axni attn pebs ^tutttW» parSa 
arnan raB>3 ins* eeaaS ins mn ,uwna vpi .imr-jaw Tya .».pjwt 

.*33B»X 1« .TBn noB» — 

»orrm'DDi pa n:raa .Sx-ib" pnxS aa» fem B'ayia a^ vn xb 
nya anaai ,?xa 1311: .nutwinnai mSponna .neiKn rrnryb cyen "laann 

nb:na jxa ■}« — .irmay ns mn 1313: .pittS-pna sctra nsiinwi 

ant» ny .nra mN-1 1 ? rnoa r« [n 11 k 1 ? mn .m a-yanS-ja« ,tj*o Sr venu 
.Bip 'SaS im e^Sci; ,et^'k pai ev3 mpDrrwwa ,nno' , wp mavb btjö 
::-•:: .c:Sic ioan ^» n»j»"«poa Jos*« pn:nS Wßranp.nn ej -i3j 3itri 
.iS ppn»a parp mn» nye»b ipso oxrz Sem aiip j-an p 
.Te>' nS:yn E'sbaa eh .nnrn nnsa ansiy En;a vorn pcn Ssptn' 
.im in« im Ina tt"jai rcipa naaS b«p?rri ,rf?jyn 3J Sy .nbyaS Erna 
trx-.a prfln ,B*inn inam dj> mm .s'^an w vca nSp nmaa naSann E«no 
mrpi »^ia S'nnn ,e]Syn3i Sxp;n' Sc; ...mpba ianp .rr "rowr prSpn 
.nbn vn 'd* S3 1 ? .nSn . . . pnnnn icu pSn3 
onoiDön D«T3*in w S3 ,3in3 mn neon nSnna vnp w« mn paKni 
,ni»mnn ps ,m:TiB pn hk; Saai — jiuirn inbna nwipna B'Sn wjnm 
wm nVinn — m Tyx Sb» woa -b px .a-'na lSiy "aSa E'iai-nnan p« 
irrm .aevi nmnra ,na -|S p« — ib-c:3 rn^a i'an Ssx ,vma "[2-insi 
naTTOSpa hxb:b' biwpix aw Sk uromS J3ia piopon w^si ai;Bjn 

.VI ^iiain K"cin "innr^a namj .r "TW nt n» r-u^ 1 - i'tj'nw loa (* 



-itr« nnnn nn«a lmiay »bj .wia aipaa op awria : nrya im« rrn -iiBBn 
•nw-o 'jnn pisa Sx-w-p-wa iiy ssaS Sid^ ir«&> wcja iö« naj ,mwa 
S» dtwi miro nairon naa) w runaa b S p « n n S pix-Bwa bia' ir« ,iS 
.jwwb "jSm nay ("DM-na„ •y ;|pa"« 'iiaa 
iiBon nia» in«) pawia -nnan nyi3 -naa pcn bj n»n ann a^a 
,""'« n« canpn B'Tyxn Sy -p-Sa SSa ynnnS p« »a .Cp-nn« ia btbib.t 
a^rys mnaS na«3 an 1 ? naS »a ,nn jvmn Sy maa»S bj t-« .«an» ,e« »a 
nSynS ton Sron aSiyn S« nnnS i«xü ?B , S»i-pa pta MiannS B^jy-n 

.omanSi aaayS 
nnai« nvianr nS«a «in wayi rSa. na'»* raSn b'obS m\ n» nma 
laryca ,nn »bj na .cbxj? '3jS bj an a^rpi .jSaa n»p »Tai nw : vSy 
nbra mpn "nya "prima»,, ae>S nsVi TyS i«n rrnnn ja wiei navn R« 
"iina njapn anvy S« bcb awbi paS 1« pSnaS spaab nSyb aaVa roaw 
.jubvi nSyaS p«e» rvreu Sya nr aSyBB Sy wan m — ".tbibiSbS Bmapn« 
mw P)vpn .tr amiaj nrw: nVran 17a anS mar Sa icnai syo b:bk 
jimb .1S3 eSiyn Sa Sy atrena nvnS S'nnn mpwn navn Sy nSnn anS 
n'B"io ,tbj ,py Saa a'aia man ,«yi«n soeya San Siaa ,r«/ntin nnpan 
»a .a^nn S« navfl ja ans uran» ma-in jn nS« — "snanoa s3b , «„S 
rrwin nan« ,naina anvna B-np anS rrn» n»n Toonn |a nanan ia»n 
nS« nK ,wib «Sn nSxa — nnan D'aaai na»nan awp .ntyrn manSnm 

.iatp T «Sn 
Sy "nnwn„n nm« Sk &bw\v m,T am nx iKnS ma yn» n& nai 
mmnS aip'B» vyawa ^'« p« .b,tjbS na »nn m p'awna» pixn na^y 
•j n 3r p«u> : «in ip'yn Sa« — animnS naa } s « bj ■'Sixi — man n« 
-)»v-Sya "uS ,nan iann naS Se»a .an^xa an a^Saiaai B'Saa .ammnS 
? niaann Sa p naS ! tt, : naiB-Sya «in» 13 ran» ua» mrrt iS ia«r 
«t pjB Sy — "! B"in«Si "|EJ:yS nSyinS ri"ni a^aia a^n n«ni — njurn 
a«rs ■]« ,n;n rsan xvy »asa ninian nvra a^ jap nnx yj-i .pa^'a p« 

.iS "jS" 1 ! njo" .uary 
»TI.T iSxi^-pi« u na aaM »^nn bb> pi ?nn»a Ssptn 11 nvnai 
naa Sia^ ir« ,(!aya-Sy3 h,tb> nsSsi) ntwn pn«n "n nx vn3 aya ayar 
.B-'yr «Si pTiB 11 «S ,nJn ayan sin ia ity« ty .najS ana nasnS nSpj Sy 
rnarS ,-ik'es •« uaa iia^ "[« — syia Sb> i2'e;a yflyc b-i«3 a if« »n 

! |rv «Sc «in 11131 . . . p «S vn« 
ipiaa B^aiED anra ,nBin«a 'amyx\ w n nnv an B-'Spi a^pi 
]nSc Sy nS"Sn mxn ny annxn )ai nn'Bia'Jiws i»« aTnian jnSr Sy 



100 pSüsi tif p: p 

'kbi "»2: t)K e» ncn kS ,nna a'Sapa er«» a'fcyia a'vyn un*n iyx ay 
ion kSi .«jnas a*y., v«D3 ieb ama« Sjp maa pa uva' iB^pa wk nr« 
inyn p«i tpTD iina um» 'B-Sp-^tr .rr»")» WTWiw TW vtek es» 
e)iDaS ejp omon «S .«r ebb» bban by naa "iiaSS tp* na-in ,titp3 nbiSi* 
cn dj eip a^aSnai b'SjpwS Kinp—px isaiP n'Bvnn-np , "iEXB cnw f,x 
nbx bc arm pn jmeDn nibnpi cnaipta mbnp va ,o'3Wn cn'n« pa 
c?hv nTfr na-n»ai ,n?n icoa sbm uÄavi sS .arneon Sc ^aiba .cranmtii 
mpacnaa nnvrcD» ,nn« jvticd nnyj kSk nra tied otis Sa "?tp vbinoa pa 
.nay pay ib tp-i v::»« nina 1 ? nannspa knti ,-ir.va 
.nwxiB p'si K\'ia nisppaa ,}n*n 'bwaa pa niaabra ,nitO) nww fbai 
■ppn dbVipi orrmoibn larann .cn'mipn na»» .amnn a'opr ,o'B>n cc:x 
"o' n'tpsia pmaa ipjjunn fffyw pnsn nnwa . . . pto an D'aiaii .a-ya 
-f-K„ nnwa .mSj br p'mwsB a^aep 'Sana latpa: itSkjp .cnvVv 
an marfa nmsaS ,na caxy ns nvnrfa nnvnnS n:a by na wae> "Sxic 
ayu rinn bw ,p;a nnn ona» i«so ,11 aaibn pnso ,na(P — n;ca easy 
nnnba ay — rw -nya bSbj» psn pjdt h jprn ran . . . .-rnn nnn pbjpai 
'jdS iS vn niVnj mipn .niynEn-ry Sbw "pna — i"na iS na«» vneo 
. . . nonsen ,nran nnrn nna vnm nm Sy rjSru npovn : pisS wby 
«ivaS bj ,jaiaa ,nDi"i ,ta tnncra ay . . . nippira niEptrni mnaa myn rwen 
nusno Sy alba inaj-a 'Sa w .xS-a ,a^a .xsa «S nnw "k — raro 
mpnn muri pny Sa« ... nbaa-nßa psnenb -»ck ? anxn n'n' maS 
n« t]BV n nSn .Bn a'K'p b:bs B^jpii'a a"nn ! ip'yn nn ... nycK'nS 
msamn "San jn /eaa« tt rtwyh a -ps .inaa Sy raw aai» sin nm ,Yhi"\ 
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? a^jpwa 'Baa« anS S-sc 'b .nnrcxa n? p« n:m .(nnyvnpbD kS 
e]or 'i ,kS'ö — na bin ,crr anS vn etp ."?ain nrw avp rat» b'Sipti'' 
d'S»it Sy nun nanS iS iipek »k ! »6 ... u^ww Sy niyn lan 1 ? nsen tj'k 
na Si:bS ,na "P'Dn3 ,na 7wn,b pn ,hw na pasn 1 ? pi l&'np.vTy 
. . . naryb ,n:aa nusS nWvm nS'Sm nn^S nS'Sn ■[« — na ni:ynbi 
na»ra pisS-pin 1 ? Sx-i^-pisa n«'rn .[«aa nrS kSi ,nvnS y-is jsa 
.nytn Sy mbynS ntrpc nanS ,n-ica iS j % rc nanS nnetpan Sa Tya 
nyi Sr rpa nwiWH km b^ib,, ,n? «ana a^ca: bn; cjik "]ina pn 
;idjS iS'ck raaa K*n„ — nrystn nmnna pen ina« nna-a — tk- 
. . . na^y naiaS niry 1 ? n:ia: ira n?a bru py iS-bk ? anyarn "I p-wS-pinS 
S» '«PKin man — jprn pBn Sc r.ra -ikjp — pen Supin' c: n:ni 
;cr ';dS nnn« o'jfa ,n» Kera Sr:: a:ax ^«3»^ t KV1 .IttDn . 1.1 " 



BS pii»3i nj p: 99 

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CBipB ! xb "]X .niB>T]3 xbx CBlpB pxt£> B'maB BIS 'ffl fmil 1XB n 33 Dfl 

rinn ynn xbts> nr wk ny .bx-w pnx «n "[ins : prf-Kim ,cn e v nn fina 

'B'a nrb 'San na'xa bnr xbtf nanrbp ,nain •'öS naw xbi niban San 

... ic ny; nrab — D^pi «in tib> jwpn mbnnnn 

,.r .k» a^xn "a-a ,nx:n nainpn üYya B»bbn ibc:::» nbx pa xpn *a . . . 
jus ma by pnrwn lanaa b'k'b »ba Tpn* ,"i3.na .n ." ,nnx nay ibib n\n 
eii'b xb arow njwai ,e"3i WBJin pxff Widd (ex n-n nr .pisn TiiT bc 
cn "»a .nana ib nrvn xb mvmna njrai „th irn:aix -ab n-ca ,paro mny 
ana ,nab cnixi nab cm« ,nn rrpccai »NM .va* 1 Sa nr ,rn B^ixaai Bya 
Wo by x 1 n tjtjw na bai .bia* xb jbxj nx Trabi irrwna ti'ian ,rn 
pca px — ny:a vbx wwbin t ptw «in *|x rrnnv oipa baa ,i:rni3j byi 

.mana nabnc 
-|ina jjwi rna nrra eye- «Vi .ninn lanpa issnnn» "paa ans hm nr 
nnx ixb . . "? ^ajx nr nab — ;a cx„ : mvrhtw rwm *rb ir nuennra 
xb lBJty xw ny .mra <aap3 aib»i 3iby x3B-bxitr nn iniyjB lay "jbn 
nnyia .jarn mnn ia iabn annx dtb nannai .-n iay iniyt? bba yv 
ma pa nnw .jbaau' nwn bsn nx ,ita ir niambi ir rix ir nnma ,mnyici 
*ibja nenna ,cian «b njrxi nnn »b ^trx .nerani nawn rwaena bv nana 
. . . pjinn ib'js by nna'x nb'aai mpoon *bi by 
nspa i»k B'^io nysan-n^ya min bw na'TP'a vaibya nab «in 
p* aa yjßj ,0»«» nbaen "icDa nav^ja jra naaa ptn bb> .n:apn .Ton 
b3 by aya3 [,n ... n-an ircja -xv: n; p' J3 pcini .pannai cas: ,imm 
('pDa'jrTD . , .a naba) cba "]x ,nrn piann csins nay nna» anayn ancian 
ck 'a .c'j^n B'b'ae'an "ß'yaa nn-nsns nz^n ibea sb ,ubb naenb rna 
ntt's baa .cr'-cPDB 11D»1 m»i B^.n« B":pjp3 inm wr ,painn nx tb 13Bk> 
ia p'Bnnc |W«i i" miK bj ja« ,B,na TP n« i^a xb njna p)k ,dt3 bc: 
.nn'n cish nsn v aya-rrn: .-tt*y -.»x via b33 aya |ni: ran n\n B^sb 
.(*pnnxn rac3 xaanb iB3 .ruwb rwn oi& u" "jx 
nya a^nn veswn b^diebh 'ra bar ayaa .b^t wk nrn noon byi 
B3 .nr 12B3 aipa anb ixsa ,cnbiy mwm nm#a ,iba cbiyn m.T pa 
a'bxn-x ■'bys ,nnca 'byai npibn "bya ( o'3V2t-xbi D'iwt .biy-pnioi an^n 
iB'bevw B^a^an onw' .B^acna vn^^ai n3 , B>'' '33 vntr-" i a .nnjnja "bysi 

.rtpnuH .S2>bip qov um:» nKaw .njia .n .' rua rma^nrin ibd i« pStrai Sob» (* 



18 pS»3inpi»3 rn 

.}btp mfo* ütqh 

•pwai ny pä 

: b,tjdS i» nSxe* nSxtw anxn mn rix niaSS nrnTi 'o:n ixrtra 
■•a naittm xxaS nSnna np ?»mti Sc m ix Sa»n Sc nr „nana na nr« 
•]« n? cai nr o: : mnx bt3 Ajffl nan Sc ibics aSix ,wra naiy D.TWO 
piai oon: irx ,nnxn arva« «in» /"^xn,, imxi ,an ow S» " , ;:xn„ t^ 
,0'jwri »Bin 'S: .anrn Sx nvi «am »3 ,n» na Sy xSi nr ^d Sy xS lanir Sa 

.D.T3J Sy xin nSiyi 
"naixn-w„ im ,ay nr*n Sc "*3»n„ rcia .runu x\n a'aya bj ir ma 
mnasn» Brian vm«v xS ,anx *a pcSa KoannS SiSv itk ,ws«np pcSa 
wi rx .rrtanvn naixns nr nnB-on wto niBwn S::a wi .scirtn 
toi bc ntru vmp eex -X .miBDnn *ro ipa b'ysb ux 1» naix Sc ,tbix 
<ej3 »3 ,bm xS jnw nixnS nx .Snic cj? nsm minoa b'bjs Sx3 .nxnj x ■? 
,"nra»n «a nnn rr Sv wart»,, . . . jn nraw 
nw bs 3S3 pwn ,iäc Sxnc-pnxs pntan ffinn ww rSpaSi 
,n3i»n c "KT, — pnS dn ?iS c p'Eca nie biSd — ,vmn vsb Sranai 
a'Sn: e"eixS iap 123 e:bxi .b*b3 iS px p-a; "aixSn rm pjyS axi 
.nvaixSn nnSoEC paeaa p-xvon rix BSnxa ipmni mam aian pyaca 
(! 'aixS aiai btbirS a w n) 31a nix-.S B'a 1 am« ,B"n ponn ayn '•a : nax an 
ntrn p-x |3f> ,nci npirn nrna Sy nra:on nlrjnnö "|rm nx ni» — 
rx -jerj ex »3 mixe -s-.x Sy "mb;a jMjwnn Sx ,0» www Dipa3 "j'aw« 
.Dwb iwa DSf<n nai "\bv "]xixS "jmSj 
inu wb nyn mm xs fra neen rabmr aipa S3 :Q'a:n nsx d-q 
»mi rrvtp »a ,vnSj rmnxs 'iibti DJii 'd nx SixcS S;in xS nr p;ya bki 
,*frs m Sx nn ma rx — ibvS idib bx \"iSa -an mxna iy»n vryi ,wx 
,Winn 3itP'3C cn"i3: ix prvi 3ie ,, ;E' -j-jpr Sxci ,Bnp,vvy bScit Sx 
,nryan Bipas eh xSni . .? Sxnr ,_ pix enS n a : aaSa» a^an -\b iSn 
nxr S:ai - - EnsiS nrp» a'Swnn aipaa ,bnwS n»pr B'Swaan aipaa 
na nw »a ,bsix3 eh B'prrrai ,na piani na pian ,na iS ny ,na *Wp B3S 
ny inr .n^iScrn S3 mnaSi n':iarnn Ss nnaS .x^n anSe> xm ";k .rftTT 
"nn ,E'nSx ry ,rmn - eSx "»So max rema \mr ,p-ny ay anpa -a'Jo 

.*n xin im: Syai ^B'nSx ay anpa 
vbrtnb mpn xim nvS;n Sa ^lSrs "jina nny ny i:S'xn» nyn xin 
iayS ny 'n„ "•r'yai Tip 'n, .nvS; - p 1 3 p br "KnSnnx„n -uScra i»ay oj 



D'nprs "iSnoa n'iayn nrcn 



.int ix mips v, c3? n»yj xb ix n»yjn nan irx o'Wibb BMny nrir 
-jSim tu pion "jbas xin piaon byai ,B<pbx nnna an B'Mpbsn rmneran 
anMaa xb» — annxb arnaibi rora 3"nx pnbi robb wn inxy -i#x bx 
,D"Binnn yispb b3ina> ,nn3y .Tanpx nb vina» ly :nxi ~ny: .nreru abi 
.jnruffl (aa a-aym nnwbn Sa bxx an» niMtpban nrwn nx pmbi 3-ipb 
amr cn cy ,yi airy pe 3": km naxyb kvwq newn "3 ,ub isib ms bvtdb 
lysab anrn anann am« nx isipa -ina: ri33 x'ainb iy3B3a> ,vp~nv b33 
,ab3yb bw i^xir, ,nax3 inn *ch arx» nmn nrwni anan (nix .lniöxjn 
narr my mn cnncn by) fnnxa nibsi jain *]»b3 nriDBii mm: |n jms by3i 
,ba>ab ,Vwa '31 : bxia> pn jxa run .nuttn niyab juuai .(anain -pwa 
isns» bmw B^nncB cpna myi a^x-ipi bm^b .b'dw^i a'pm na ixxaw 
njn by nnby m« ? meixbn nn»ns nn rix uns» man ,nnay annai nx 
royaia myn ix BMMtn anaa np'nyn nnncaa 13m: -i»x bbw» ,xine> 'a 
lann' 1 ex n»j» nai ? 133 i:na» nbbnni .n-miaan nrvrh nip-ra .myaai 
imraam nrnnn peh ,»r,pn pwb mna by nma inrn nvijnbn rnnaan 
?max nania nriB» na by nnsj na» nt aira 1333 axn 
ysix :nex b°i M'aan »a ace:b paa'n aMnn erx BMnnxro bmwkti 
xn^xb 'diib ,3npb 'an ,ia:b ryb : {n lbxi abiyn jna transre» "xns nnwb 
.narnnb xn nsnjtw j:ib xb'aa ,iav\ naa» n'n» now .( 6 -ii3"tb najn 
nnayn nnecn bar bwjx .ariJBix amin» bw:xb nwyji nabin lt namra 
bmibb am Bn'B by mw a'jnnxn ankann neo Ty T':nn |a bnn nbr 
nx bb3B>b nry: nain raim ,nnatw tii na>nb mvui nnsyn r»»n nn 
nuy bj nnnce nmix |B bmiix» ana 'ans mnra nns» br mmpan 
B'ba c'janb mntn ja a» 11 axi .pinxn jarn iy nnn:» Bwnn matn bm»ib 
3"3 run ,anBin nb m xba» man cjcib b"a»a a'ayn nnwba ririM 
•3 ynv xb % a ny ,nb» nipan cyan cy emwnb na cnx inn a^iana 

.1X3 n iipaa 
bny3 nxn: nnn'Bs ■'B' 1 rra'xia iiy i* "jm3 uno» nnnann na3 ny 
n"on„ rnnn bssi meipnn b33 a:ax '3 .awn a'pics ys: 1»« anann jb 
'"oyx Mny naMinni "n»npn M:i»b„ i'an nnn nnewi ,"bix ua pa»ba min 
nMi3Bb a^jfbs awnn naam naaina anny nayr nmanni anuban wup 



.nS'JD ,'O^B1T f 6 



o'nyn iSnoa nnspn rrorn 



? unnK Ran nnn ? iwai 

; vSr naiv Bnniyie an 

— 13m ,rfr 'aS 'jjxe iaS — 

,njfc> n;p nanp o'aSw Bin 

,m» ny ,Tia ny Silin yr 'd 

. . . uw rS es>b — oipa ny 'Sir 

itibS nSinatw ,-mn in« cainr b-oSw jnjnn nana» jw 'jy tna dk 

Tina nma — rrn nc» Tina nnayn pibot -naSS nenn nmiynm ne'R» 

hSirj ,r£nKn RnSnnR ;*ya roa n»T» Sr-iitb vrx Sa aS pmS wn yrw 

Sa nR arana ,na»S min bj -naSS iv;a laiB" narS rSb> Twa» ,nra 

kS»ööi ms/n ncm niaSa ipayn , i naS*» ry ,wnina »'» SitRini a:»jn 

jnun 'isp na dvjk lsva iiy d'kxb: ,ntJ>npni npvyn nnnDD iiaSa bi 

,b*ri"i na a^yiv bi-ri cxnn .ms mcia» "|ina a-nn Sy D'a'aan b'Wr 

a'S'n nt&nyi refrm wie» n"nn nyun "us naa a'Brvna an» rSr -tiy rSi 

,"ja tS iyjn anaim .BRiana nna "jina ma a^amS ai a'ayoSi bvS bvb 

nnocm min p»S .nnayS n-oy p B'S-naan nS«a a^an bi irxb: naa »3 

.pin ,r:»m n^np nii«nnn .mnS n» nnn nnayn nncBn }ib>Si iwS n-iann 

tfos 1 an pRi .nray rrarm — b'vik niyrt» — niüa nnyT nutPRin 

rhvbv bv -[»an rSr nSia na'Ri ,rm nn« n«nm np'ny nnay ptrS» panS 

ny» nsiin v, cy minn Ttt»aa inncnn nun» ra n maiSrn niyaa 

.ja:n vm 
.nuitt» nuyea niiya b'rsb) n»nna uncf "i:ina Sr EEipS'a 
nS nnsi nmSa nnu, nnayn nown» tann 3»5P1 na» : b'ibikb» ana 
nrnSa npcc wn Sa» ,Sn; iifiy pnnxn |a*a mfywi nanin: ,"nny 
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D'Son Duo./ : Einleitung in die Philosophie neoa H. Paulsen ]"j? ( 2 
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'escßuFun 






8. Jahrgang- — — - — j- -^ — -— - Heft 9/10 

•* & Ä September— Oktober 1921 



Samson Raphael Hirsch als Erzieher*). 

„Rembrandt als Erzieher," wie ein Blitz fuhr dies Buch 
vor einem Menschenalter in die deutsche Welt, erweckte stür- 
mische Begeisterung und entflammte junge und alte Herzen. 
Deutsche .Art und deutsches Wesen waren noch nie mit so 
jugendlichem Feuer gepriesen, mit so überlegenem Wissen ge- 

*) Der Herausgeber war zur Zeit der Vorbereitung' des vorliegenden 
Heftes erkrankt, der im letzten Hefte versprochene Aufsatz konnte 
daher nicht erscheinen. Doch sollte im Thischri, wie seit Bestehen 
des Jeschuruu, das Mussarwort nicht fohlen. Der obige Aufsatz, ein 
Wiederabdruck meines Beitrags zu der im Verlag des Israelit erschie- 
jschrift anlässlich des hundertjährigen Geburtstages 
S. R. Hirschs, der wohl einer grossen Zahl der Leser des Jeschuruu 
und vor allem der Jugend unbekannt geblieben, erscheint mir besonders 
geeignet, die Lücke auszufüllen. — Es braucht wohl kaum hervorge- 
hoben zu werden, dass der Aufsatz, wenn er heute geschrieben, eine 
etwas andere Fassung erhalten hätte. Das halbo Menschenalter, das 
seit Entstehen dieses Aufsatzes verflossen, die ungeheuren Umwälzungen, 
die wir innerhalb dos Judentums erlobt haben, die schärfere Ausprägung 
der Li D Richtungen innerhalb des ihoratreuon Judentums 

lassen manche Seite der Wirksamkeit der Führer des Judentums in 
d.-r \ Bit im anderen Lichte erscheinen. Dazu kommt, dass 

■lirift nicht Raum bietet für ein nüchtern objektive 
aller Betatigungsformen des Gefeierten. — Aber gerade, weil ich in 
i Zeit Gelegenheit hatto und noch Gelegenheit werde nehmen 
müssen zu sachlichen Auseinandersetzungen, ist es mir um so will- 
kommener, d;iss hier im Jeschuruu noch einmal der gewaltige Eindruck 
geschildert wird, den die Schritten S. H. Hirschs auf mich in den be- 
deutsamsten Jahren der religiösen Ent Wickelung gemacht. 

Der Herausgeber. 
1 



346 Samson Raphael Hirsch als Erzieher 

schildert, mit soviel Kunstverständnis und ästhetischem Fein- 
gefühl gekennzeichnet worden. 

Wer gibt uns das Buch: „S. R. Hirsch als Erzieher", 
•wer gibt es uns Juden so, wie es der grosse Unbekannte, der 
anonyme Verfasser in jenem Werke den Deutschen gegeben? 
Das würde ein Buch, in dem all die Hoffnungen Israels zu frischem, 
fröhlichen Leben erwachten, die uralten Wahrheiten in lichter 
Klarheit sich wieder offenbarten, das heilige Gesetz seine be- 
glückende und beseligende Macht entfaltete, und die ganze neu 
sich erschliessende Gedankenwelt wäre aus dem Geiste Hirschs 
geboren, wir hörten nicht nur die Worte des grossen Mannes, 
seine Seele stiege hernieder, und die wundersame Melodie, 
mit der sie die Mitwelt in ihren Bann zauberte, da sie noch 
auf Erden weilte, erklänge wieder in einer neuen Harmonie. 
In einer Harmonie voll Kraft und Anmut, voll Lieblichkeit und 
berauschender Fülle, die unser führerloses Volk, unsere geistes- 
armen und willensschwachen Scharen mit ungeahnter Erkennt- 
nis, mit flammender Begeisterung erfüllte, dass die alte, sturm- 
erprobte Fahne des gesetzestreuen Judentums uns zu neuen 
Siegen führte, wie in der Vorzeit. 

Wir haben dies Buch nicht, und wir erhalten es wohl 
nicht in Bälde. Wir stehen dem Grossen noch zeitlich zu nahe, 
als dass es Einem unter uns gelingen könnte, alle Strahlen 
dieses Geistes zu sammeln und sie in neuen Lichtern zu ver- 
körpern. Vielleicht ist es aber gestattet, ein paar lose Gedanken, 
einige anspruchslose Sätze vorzutragen, winzige Bruchstücke 
jenes Buches, das dereinst in seiner Vollendung uns von dem 
Berufenen gespendet wird. 

Einer ganzen Anzahl theoretischer Erörterungen wohnt nicht 
soviel Beweiskraft inne, wie einer einzigen lebendigen Er- 
fahrung. Darum will ich erzählen, wie Hirsch mir zum Er- 
zieher wurde. Einundzwanzig Jahre alt war ich geworden, in 
einer Gemeinde, wie Hamburg, aufgewachsen, und keine Zeile 
von Hirsch war bisher in meine Hand gelangt. Vielleicht war 
es so gut und noch besser, dass ich, als ich nun die Universität 
bezog, zuerst über die Jahrgänge des „Jeschurun" geriet". 



Sarnson Raphael Hirsch als Erzieher 



Nirgends ist Hirsch so ganz Hirsch, nirgends tritt das 
Geniale seiner Persönlichkeit so unverhüllt hervor, 'wie in den 
ersten Jahrgängen des „Jeschurun". Er steht in der Vollkraft 
seines Schaffens, eine blühende Gemeinde zaubert er aus dürrem 
Boden, er bildet Menschen nach seinem Ebenbilde, seine Welt- 
anschauung, vor Jahrzehnten schon in grossen Zügen von ihm 
erfasst, ist ausgereift, sein sicherer Besitz geworden, die Werke 
der Zukunft liegen vor seinem geistigen Auge, und jetzt auf dem 
Höhepunkt seines Lebens, im Glücksgefühl des Errungenen, im 
Bewustssein seiner providentiellen Aufgabe hält er seine Reden 
an die jüdische Nation. Es sind Reden auch für den Leser, 
aber Reden wie der Propheten Rede, nicht für den Tag geboren, 
sondern für alle Zeiten. Und auch mich ergriffen sie mit elemen- 
tarer Gewalt. Solche Töne hatte ich noch nie vernommen. Ich 
war in dem Alter, in dem die Widerstandsfähigkeit gegen die 
Fluten der aus allen profanen Wissenszweigen herandrängenden 
Probleme geschwächt ist, da all die stickigen Dünste das Hirn 
umnebeln, da brauste der Sturm der religiösen Begeisterung 
aus diesen Reden hervor und verscheuchte die Nebel. Die 
eiserne Konsequenz, das „Und dennoch'! das aus jeder Rede 
spricht, sie wurden Stab und Stütze dem im Dunkel Wandelnden. 
Es war kein Zufall, dass ich gerade mit dem .Jeschurun" im 
Arm dem Getriebe der Großstadt entfloh und die Wälder der 

durchstreifte. Ein Urwüchsiges, ein völlig Ursprüngliches, 
ein Stück Natur war für mich in die Erscheinung getreten. 
Und nur in Gottes freier Natur, wo die Brust sich weitet, der 
Blick unbehindert durch die Ferne schweift und mit den Sinnen 
auch der Geist sich zu Grossem erhebt, nur dort schien mir 
der rechte Rahmen gegeben für das grandiose Bild, das Hirsch 
mit Meisterhand entwirft. 

Auch die kargen Reize der Mark entschleiern dem, der sie 
mit olTenem Auge sucht, dio Züge der Schönheit und Erhaben- 
heit in der Natur. Auch hier: Wald und Feld und Berg und 
Tal, und Blumenduft und Vogelsang, ins scheinbar Unendliche 
sich dehnende Binnenseen, das blaue Himmelsgewölbe und das 
Spiel der Sonnenstrahlen in allen Farbenwundern, das Wechsel- 



Samson Raphael Hirsch als Erzieher 



volle Lied der Windsbraut und das Jagen und Treiben der 
.phantastischen Wolkengebilde. Ich wandere durch eine roman- 
tische Schlucht. Immer schauriger gestaltet sich die Umgebung, 
immer steiler schlängelt sich der Pfad, die Bäume dicht anein- 
andergereiht, wuchernder Pflanzenwuchs, kein Sonnenstrahl fällt 
hinein. Dunkel umfängt mich, Totenstille ringsumher. Tief 
unter mir in gespensterhaft düsterem Scheine ein Gewässer. Da 
schimmert es hell durchs Gebüsch, ein Schritt und tief aufatmend 
begrüss ich das Sonnenlicht, und ich greife zum „Jeschurun* 
und lese die Thischribetrachtung: „Des Juden Katechismus ist 
sein Kalender" und mich umfasst ein unendliches Sehnen, den 
werbenden, mahnenden, lockenden Worten durchs Leben zu 
folgen, durch Nacht zum Licht mich durchzuringen, „von Morgen 
zu Morgen, von Frühling zu Frühling zu zählen", dass auch 
mein Tag sei „ein Tag der mit dem Morgen anbricht und zum 
Mittag steigt und mitten durch die Schatten der Nacht doch 
sicher wieder zum Morgen geleitet". Ich kenne kein Produkt der 
nachbiblischen jüdischen Literatur, das in eiuer einzigen Be- 
trachtung eine solche Fülle von Gedanken, einen so unerschöpf- 
lichen Stimmungsgehalt gegeben, wie diese Thischribetrachtung. 
Ist's ein Wunder, dass sie mir, an diesem Orte in dieser Zeit 
gelesen, unvergesslich geblieben, in ihren Wirkungen für mein 
Seelenleben nicht zu berechnen ist? 

Ein anderes Mal: Ich habe die höchste Erhebung eines 
Waldrückens erstiegen. Auf dem Sammetboden von schwellen- 
dem Moos hingelagert, blicke ich nach oben in das azurne 
Blau des Himmelsgewölbes, und durch eine Lichtung schweift 
das Auge über den See bis dahin, wo Himmel und Erde sich 
küssen, wo die verschwimmende Linie des Horizont die Ahnung 
eines Unendlichen weckt. Nicht in der Studierstube über den 
scholastischen Beweisführungen der Alten brütend oder über 
den Hirn und Mark aussaugenden Systemen der neueren Philo- 
sophen gebückt, hier im Angesicht des Himmels und der Erde 
wird die Unendlichkeit des Raumes, die Ewigkeit der Zeit zur 
lebendigen Vorstellung. Und ich lese im „Jeschurun" den Weck- 
ruf: „Der Jude und seine Zeit" und zum unverlierbaren Besitz 



Samson Raphael Hirsch als Erzieher 349 

vird mir die Wahrheit: das Judentum ist nicht zeitgemäss, und 
suin höchster Ruhm ist es, dass es nie zeitgemäss gewesen. Wie 
lächerlich klein erscheint die Zeit gemessen an der Ewigkeit, 
wie bedeutungslos die herrschenden Ideen einer Zeit gegenüber 
dem von Gott übermittelten Gesetz an Sein Volk, dem es selbst 
und die Menschheit heranreifen soll im ewigen Wandel der 
Geschlechter. 

Ich raste im Laubwald. Um mich ein reges Leben und 
Weben, eine reiche Flora und Fauna. Kaum fassen die in der 
Grossstadtluft verkümmerten Organe all die Welt von Luft und 
Duft, von Klang und Sang, von wimmelnder Regsamkeit, die 
, hier sich entfaltet. Man sieht förmlich die Säfte emporsteigen, 
hier welkende Blüten, dort schwellende Früchte. Aus der Ferne 
der Ruf des Kukuk, hoch über uns pfeift der Pirol, aber 
schmetternd übertönt sie der Sang der Drossel. Ein Lächeln 
tritt auf meine Lippen. Der Specht ist wieder einmal um den 
Baum gerannt, und recht einfältig schaut er aus, er sieht sich 
wieder genarrt. Es raschelt in den Zweigen, hoch oben im 
Wipfel wiegt sich das Eichhörnchen und blinzelt mit seinen 
klugen Aeuglein herab auf den Eindringling. Aber erst am 
Boden, was für ein geschäftiges Treiben! Insekten aller Arten 
schwirren heran, saugen an den Blüten im Unterholz und ent- 
eilen geschwind. Die mannigfachsten Käfer versuchen ihre be- 
scheidenen Kletterkünste an den am Boden liegenden Zweigen 
aber ernster und schwerer Arbeit sehe ich die beiden Ameisen 
hingegeben, die mit ihrer Last sich nun gemeinsam so lange 
schon mühen und sie doch erst eine kleine Strecke fortbewegt. 
— Und hier, völlig hingegeben der Betrachtung der Natur, sinne 
ich der Gedankenwelt Hirschs nach, hier erwachsen in mir seine 
Ideen über das Gottesgesetz zu neuem und mir für alle Zeit 
ureigenen Leben. Baum und Strauch, Halm und Blume, die 
Tiere, gross und klein, hinab bis zum Unscheinbarsten, sie alle 
folgen dem göttlichen Gesetz, und nur weil sie es befolgen, 
treu und verlässlich, nicht um Ilaaresbreite weichend von dem 
ihnen gewordenen Gebot, darum zeigt sich uns die Natur in 
der Pracht der Vollendung, darum die von keinem Missklang 



350 Samson Raphaol Hirsch ab Erzieher 

gestörte Harmonie. Und der Mensch? Und die Menschheit? 
Sie sollte die Krone der Schöpfung sein, in ihrem Wirken und 
Streben eine zweite Natur, eine noch herrlichere erstehen lassen, 
sie sollte dem ihr gewordenen Gottesgesetze in Freiheit sich 
beugend aus eigener Kraft eine Harmonie schaffen, in der 
Himmel und Erde sich vermählte, Seele und Körper, Geist und 
Natur zu einem wunderbaren Gebilde sich zusammenschlösse. 
Aber noch gilt das Dichterwort: „Die Welt ist vollkommen 
überall, wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual". 
Denn wir sind von der Natur abgefallen, von unserer Natur, 
von den Gesetzen, die allein unser Wesen so gestalten können, 
wie es in Gottes Plan lag, da er den Menschen in Seinem 
Ebenbilde schuf, dass er Sein Stellvertreter sei auf Erden, dass 
.das reine Gottes Willen vollbringende Wirken des Menschen 
die Gottheit enthebe des Niedersteigens zur Erde, sie enthebe 
des unmittelbaren Vollbringens ihres Willens im irdischen 
Kreise". Und nicht eher wird die Schöpfung in ihrer Vollendung 
erstrahlen, als bis wir an der Hand der göttlichen Lehre ein 
anderes Dichterwort beherzigen: „Suchst du das Grösste, das 
Höchste? Die Pflanze kann es dich lehren ! Was sie willenlos 
ißt, sei du es wollend! Das ist's!" 

Die Ufer der Havel im Schimmer der Abendröte. Ringsum 
ein Kranz von Waldeshöhen in allen Farbennüancen des Grün. 
Unten die leicht gekräuselten Wellen im funkelnden Rot. Und 
am Fusse der Hügel die Häuser der Reichen, Marmorbilder 
lugen hier und dort aus dem Grün des Waldes hervor, und auf 
einzelnen Höhen in stolzer Pracht, in antikem Gewände die 
Schlösser des preussischen Königshauses. Schönheitstrunken um- 
fasst der Blick diesen Erdenwinkel, den Kunst und Natur mit 
soviel Anmut geschmückt. Dies Bild wird mir zum Symbol. 
Ich sehe Hellas vor mir mit seinen Tempeln und Statuen, seinen 
Festen und Gesängen, der Musik seiner Sprache und dem 
zwingenden Zauber seiner Dichtung. Warum ward nicht uns 
die Lebensfreude und der dem Glücke des Diesseits zugewandte 
Sinn des Hellenen? Und der „Jeschurun" gibt die Antwort. 
Die Kislewbetrachtung »Der Hellenismus und das Judentum" 



Samson Raphael Hirsch als Erzieher 



ist es, die den Widerstreit löst in des Jünglings Brust, den 
inneren Kampf beendet, der sich so oft, wenn auch unbewusst, 
im Innern unserer jüdischen akademischen Jugend abspielt. 
Die besten Jahre hat sie dem Humanitätsideal der Antike ge- 
opfert, in glühenden Farben wurde ihr die Welt des Schönen 
geschildert, wie sie bei den Hellenen in nie wieder erreichter 
Vollendung sich entfaltet hat. Und demgegenüber der strenge 
Ernst des jüdischen Pilichtenlebens, die klare aber darum oft 
harte und poetischer Form entkleidete Arbeit talmudischer 
Forschungsmethode. Aber Hirsch lässt sich also vernehmen: 

.Nicht umsonst hat Gott seine Welt mit dem Gewand des Schönen 
imkleider, in formen und Töne das Gesetz der Harmonie gesenkt und dem 
Menschen Aug' und Ohr geöffnet, diese Harmonieen zu erfassen und sich 
irer im Geiste und Gemüts zu erfreuen, Mit jeder Empfindung des Er- 
habenen, die dem Menschen der bestirnte Himmel und das Strablendiadem 
der kommenden und scheidenden Soaue bringt, mit jeder Freude, die er an 
der Anmut und der Schönheit einer Blume empfindet, wird er über den engen 
Kreis beschränkter Nützlichkeit gehoben und ein Ton in seinem Inneren an- 
geschlagen, der in inniger Verwandtschaft zu der noch höheren Empfindung 
für das sittlich Schöne steht und ihu der Emplänglichkeit für dieses um einen 
bedeutenden Schritt näher bringt. 

Und weil der allgfltige Schöpfer die Freude am Schönen, eben als 
Vorstufe für seine höhere Vollendung, tief in die Brust des Menschen gelegt 
und in diesem durch das Schönheits^elCbl veredelten Dasein derMensch erst 
wahrhaft seiner selbst froh wird und zum heiteren Genuss des irdischen 
Daseins ersteht, darum eben verw.rkiicht sich der Seherspruch an dem 
Triumph des japhetischen Geistes übe;- aliu Gemüter, darum öffnen sich rasch 
und gern die Pforten d;s Gemütes der hellenischen Kultur: und der Kaloka- 
gathia, der durch das Gefühl des Schöcon vermittelten Tagend griechischer 
Bildung, ist der verheissene Sieg gewiss". 

Wie nun Hirsch des Weiteren zeigt, dass das Schönheits- 
ideal des Hellenismus dennoch nur eiue Vorstufe des Judais- 
mus ist, dass der semitische Geist erst die Erfüllung und die 
wahre Vollendung der Menschheitsziele gewährleistet, das ist in 
wenigen Worten nicht wiederzugeben. Unzählige Male habe ich 
diese Abhandlung gelesen, Unzähligen sie zur Lektüre empfoh- 
len, immer neue Anregungen für pragmatische Geschichtsbe- 
trachtungen aus ihr empfangen. 



352 Samson Raphael Hirsch als Erzieher 

Soll ich die Schilderung meiner Wanderungen fortsetzen? 
die Beispiele werden gentigen. Ein Menschenalter ist seit- 
dem dahingegangen, die einzelnen Züge haben sich in der Er- 
innerung vielleicht verwischt. Aber im Grossen und Ganzen gab 
ich ein treues Bild, wie Hirschs „Jeschurua" auf mich wirkte 
drausson in Gottes freier Natur, wie Naturbetrachtung und 
Hirschs Gedankenwelt sich mir zu einer Einheit gestalteten, und 
gemeinsam mich bildeten und erzogen. Diese Einheit war keine 
subjektive Zutat von mir. Sie ist in der Sache gegeben. Wie 
jeder echte und rechte Erzieher ist Hirsch von der Natur aus- 
gegangen. Das Hesse sich durch Zergliederung seiner Aufsätze 
und Abhandlungen erweisen. Doch solche philologische Klein- 
arbeit kann hier nicht unsere Aufgabe sein. Sie erscheint auch 
überflüssig, denn die Bewunderung für die Natur, das liebe- 
volle sich Versenken in die unendlich mannigfaltigen Reize, ic 
die unvergängliche Schönheit, die sie dem aufmerksamen, sinnigen 
empfänglichen Betrachter bietet, das alles ist zu sehr mit den 
Kerngedanken von Hirschs Weltanschauung verknüpft, als dass 
sich ein Zweifel- regen könnte. Die Lebensbejahung, das Glück 
des Diesseits wird ja in allen möglichen Wendungen von ihm 
verkündet. Und er sollte die edelste Quelle des irdischen Glücks, 
den ureigensten Lohn des gottergebenen, gottgetreuen Dieners 
die Freude an der gotterschaffenen Welt vernachlässigt haben? 

Ein in seiner Schlichtheit rührendes Wort von Hirsch 
ist mir berichtet worden. Er konnte und wollte nicht die heut- 
zutage beliebten jährlichen Sommerreisen unternehmen, konnte 
und wollte in seinem Amte, in seiner rastlosen Arbeit nicht eine 
längere Unterbrechung eintreten lassen. Einmal entführte sein 
Schwiegersohn ihn nach der Schweiz. Und als er heimgekehrt 
war, da meinte er: Ich fürchtete mich immer, wenn ich einst vor 
Gottes Richterstuhl erscheinen würde, vor der Frage : „Ich habe 
eine so schöne Welt geschaffen, was hast du von dieser Welt 
gesehen?" Nun kann ich doch Rede stehen. Das schönste und 
gewaltigste Stück seiner Erde habe ich geschaut! 

Und wieviel Eindrücke hat er aus einer schlichten Rhein- 
fahrt gewonnen. „Aus der Mappe eines wandernden Juden" sind 



Samson Raphael Hirsch als Erzieher 



die Betrachtungen betitelt, die im Besonderen freilich an die 
Gespräche anknüpfen, in denen er mit Reisegenossen über die 
trübe Gegenwart des Judentums, über seine Aufgaben und Ziele 
sich auseinandersetzte. Aber wie bricht da immer die innige 
unausrottbare Liebe zur Natur hervor. Eine Stelle von vielen: 

„Was waren unsera alten Rabbiner für andere Männer! Wie haben 
sie in Gottes herrlicher Natur geatmet und gefühlt, gedacht und gelebt ! Wie 
haben sie unseren Sinn für alles Erhabene und Schöne in der Schöpfung 
wecken wollen! Wie wollten sie aus Morgenstrahl und Abendlöte, aus Tages- 
licht und Schattennacht, aus Sternenschiniiner und Blütenschmelz, ans Meeres- 
rau?cben und Donnerrollen und Blitzejflu^ uns den Kranz der Verherrlichung 
unserem Gotte winden lehren ; wie wollten sie in jedem Geschöpfe einen 
Prediger seiner Macht, einen Mahner an unsere Trlicht uns zuführen. Zu 
welcher Gottesoffenbarung haben sie das Buch der Natur uns gemacht'" 
* * * 

Das Genie ist ein Stück Natur, ursprünglich wie die Natur 
und schöpfend aus der Natur. Aber Hirschs Wirksamkeit, seine 
Wirksamkeit als Menschenbildner allein aus seinem Verhältnis 
zur Natur erklären zu wollen, wäre natürlich durchaus ver- 
fehlt. Ist es doch der Geist des Judentums, der Geist des 
göttlichen Gesetzes, den er in den Mittelpunkt all seiner Be- 
trachtungen stellt. Ist doch die Naturbetrachtung für ihn nur 
eines der Hilfsmittel, um das Gottesgesetz in seinem Sinn zu 
deuten. Und haben doch die „Stubenhocker, die die Gottes- 
herrlichkeiten auf Erden nie geschaut" nicht minder im Bann 
der Persönlichkeit und der Gedankenwelt Hirsche gestanden! 

Er hat Seelen geschaffen. Darum musste er seelenkundig 

Und in der Tat, jeder grosse Menschenbildner, jeder grosse 
Erzieher ist ein grosser Psychologe. Nicht in dem Sinne, dass er 
■die Systeme der Psychologie beherrscht, nicht einmal in dem 
Sinne, dass in ihm eine genaue Kenntnis aller Schwächen und 
Leidenschaften, aller guten Keime und Triebe des Menschen- 
herzens lebt und er nun systematisch und bewusst die guten 
Keime pflegt und die Schwächen nutzt. Der grosse Menschen- 
bildner spielt das Seeleninstrument der ihm Anvertrauten wie ein 
grosser Klinstier. Er schafft die Harmonien nach Gesetzen, die 
wir nachträglich — vielleicht — ableiten und feststellen können, 
denen er selbst aber nur Weniges weiss. 



Samson Raphael Hirsch als Erzieher 



Ich habe in einem anderen Zusammenhang ausführlich ge- 
zeigt, wie von den Propheten bis herab auf die neueste Zeit 
alle Führer in Israel, die einen entscheidenden Einfluss auf ihr 
Volk geübt, die nicht nur theoretisch sein Wissen gemehrt, son- 
dern es durch ihr Wort auch fortgerissen zur opferfreudigen 
Hingabe an Gott und sein Gesetz, da^s diese alle, was sie an 
Gedanken gaben, durch das Medium des Gefühls fruchtbar machten 
für den Willen. Ich will zum leichteren Verständnis des folgen- 
den hier in aller Kürze noch einmal sagen, weshalb diese Tat- 
sache in psychologischen Gesetzen begründet ist. 

Es hat in einer früheren Zeit an einer klaren Einsicht in 
das Verhältnis der Seelenkräfte gefehlt. Man war der Meinung: 
die Erkenntnis, dass etwas unrecht sei, das völlige Verständnis 
für das Wesen der Sünde würde dem Menschen das Unrecht der 
Sünde unmöglich machen. Man glaubte eben, der Verstand wirke 
unmittelbar auf den Willen und übersah die Mittelglieder, die j 
häufig allerdings unter der Schwelle des Bewusstseins, zwischen 
dem Denken und Wollen die Kette schliessen. 

Diese unentbehrlichen Mittelglieder nun sind in dem Ge- 
fühlsleben des Menschen gegeben. Die Welt der Gefühle ist 
psychologisch freilich noch wenig erforscht, darüber aber herrscht 
ziemliche Uebereinstimmung, dass das Gefühl im Seelenleben die 
entscheidende und wirksamste Rolle spielt. Was jedem einzelnen 
geistigen Zustande seinen eigentümlichen Charakter verleiht, ist 
vorzüglich die Stimmung, die während desselben herrscht, ihn 
bestimmt und durch ihn bestimmt wird. Ebenso wie bei den 
unmittelbaren Empfindungen spielen auch bei dem Verlaufe der 
Vorstellungen das Interesse und die durch das Interesse be- 
stimmte Aufmerksamkeit eine wesentliche Rolle. Ebenso beruht 
die Stärke der Vorstellung auf ihrem Verhältnis zum Gefühl. 
Aber auch bei aller Unabhängigkeit von den praktischen Be- 
dürfnissen und den Forderungen des Augenblicks ist das Denken 
dennoch stets mit einer gewissen Stimmung verbunden. Es sind 
Gefühlselemente vorhanden, die nur so leicht übersehen werden, 
wenn sie sich nicht in den Vordergrund drängen, sondern sich 
dem Spiel der Gedanken unterordnen. Ein durchaus gefühlloses 



SamsoD Raphael Hirsch als Erzieher 



Denken (wie spekulative Philosophen es so oft gefordert haben) 
existiert nicht. Nur vermöge der mit allen Vorstellungen und 
Gedanken verbundenen Gefühlselemente wfrd die Erkenntnis eine 
Macht in der Seele. Es ist psychologisch falsch, wenn man so 
oft von dem Streit der Vernunft mit den Leidenschaften spricht. 
Direkt kann ein solcher Streit gar nicht stattfinden. Ein Ge- 
danke kann ein Gefühl nur dadurch verdrängen, dass es ein 
anderes Gefühl erregt, das im Stande ist, jenes zu beseitigen. 
Wenn man vom Kampfe der Vernunft mit der Leidenschaft 
redet, so wird ein Kampf gemeint zwischen den mit vernünftigen 
Rücksichten verknüpften Gefühlen und heftigeren mit weniger 
Gedankenelementen verbundenen Gefühlen, die man mit dem 
Ausdruck Leidenschaft bezeichnet. Ein Gefühl kann sehr stark 
und innig sein, ohne heftig zu sein, wird aber daiurhäufig über- 
sehen. Die mit ideellen Zwecken und Verhältnissen verknüpften 
Gefühle sind weit weniger als die primitiven, mit den phy- 
sischen Lebensfunktionen verbundene Gefühle im Stande, augen- 
blicklichen Effekt und plötzliche Aufwallung zu bewirken. Die 
ideellen Gefühle sind mehr über grössere Zeiträume": verteilt 
und wirken mehr im Verborgenen. Und dennoch sind sie im 
Stande, sich Schritt für Schritt des Mittelpunktes der Seele zu 
bemächtigen, und die angesammelte, ursprünglich von jenen 
Trieben beherrschte Energie in ihren Diensten zu benutzen. — 
Da3 innige Verhältnis zwischen Gefühl und Wille aber ist mit 
der Tatsache gegeben, da-s nur ein starkes Lebhaftes Oefühl 
Motiv des Willens ist. Erkenntniselemente an und für sich 
führen nicht zur Willensbewegung. 

Also Gedanken vermögen den Willen nur zu bestimmen, 
wenn sie den Umweg nehmen über das Gefühl. Freilich eine 
stete Inanspruchnahme des Gefühls schädigt seine Frische und 
Lebendigkeit. Das gilt aber mehr von den elementaren Ge- 
fühlen, von denen, die durch einfache und sinnliche Heize er- 
zeugt oder von denen, dio stets mit den gleichen Mitteln und 
in gleicher Form angeregt werden. Die ideellen Gefühle aber, 
d. h. diejenigen die mit einem grösseren oder kleineren Kreise 
von Vorstellungen verknüpft sind und diejenigen, die durch neue 



456 Samson Raphael Hirsch als Erzieher 

Gesichtspunkte oder anders gestaltete Formen -wieder erweckt 
werden, können nicht nur ihre Stärke (wenn auch nicht ihre 
Heftigkeit) behalten, sondern durch Wiederholung nur gewinnen. 
Die nämliche Summe von Energie, die im Moment der Erregung 
ausgelöst ist, lässt sich auch später auslösen, nur gewisser- 
massen in mehrere Ströme verteilt. Das Gefühl gewinnt also 
an Mannigfaltigkeit und Innigkeit, was es an Frische verliert. 
So wird gerade für die Welt der höheren Gefühle die Erkenntnis 
und die Bereicherung der Vorstellungen von der grössten Bedeutung- 
Durch die Verbindung, die die Vorstellungen miteinander ein- 
gehen, werden auch die Gefühle anders gruppiert. Durch die 
Beziehung der Gedanken zu neuen Gedanken gehen die Gefühle 
in neue Gefühle über. 

Wer also durch das Gefühl auf den Willen dauernd wirken 
will, muss so häufig wie möglich neue Gedankenreihen vor- 
führen, um die Vorstellungswelt des ihm Anvertrauten zu 
bereichern und durch die neuen Vorstellungen einen neuen Weg 
zu seinem Herzen zu finden, er muss verschiedenartige Formen 
wählen, um das Gefühl von Zeit zu Zeit an einem anderen Ende 
zu ergreifen. 

Was ich hier ausgeführt, ist von der Wissenschaft fest- 
gestellt und in den systematischen Werken der Psychologie zu 
lesen, und es klingt doch so, als hätte ich das alles aus einer 
Analyse der literarischen Produkte Hirschs gewonnen, als hätte 
ich diese Gesetze aus der genaueren Beobachtung seines Wirkens 
abgeleitet. So sehr war seine Arbeit eine Erfüllung der 
psychologisch gegebenen Aufgabe. Ja, wenn es das Ziel des 
Menschenbildner* ist, dem Willen die Richtung zu geben und 
diesem Ziele mit allen Mitteln auf allen Wegen zuzustreben, 
und wenn der erfolgreichste Weg, wie wir gesehen, eben der 
ist, eine Fülle von Gedanken durch das Medium des Gefühls 
dem Willen zuzuführen, dann war Hirsch das Ideal des 
Menschenbildners. 

Ich setze bei dem Leser die Kenntnis der Werke Hirsch's 
voraus und begnüge mich daher mit Andeutungen. Den Willen 
zu bestimmen und natürlich religiös und im Sinne des gesetzes- 



Samson Raphael Hirsch als Erzieher 357 

treuen Judentums zu bestimmen, das stellt Hirsch sich als Auf- 
gabe. Es ist kühn, bei dem weitschichtigen Material, das als 
Ergebnis einer so gesegneten nahezu sechzigjährigen literarischen 
Wirksamkeit vorliegt, eine allgemeine Behauptung aufzustellen. 
Ich glaube sie wagen zu dürfen. Es gibt wohl keinen Aufsatz, 
keine wissenschaftliche Auseinandersetzung, keine grössere zu- 
sammenhängende Stelle in seinen Kommentaren, keine Besprechung 
eines noch so entlegenen Themas, die nicht in irgend einer 
Form auf das Ziel zusteuerte, den Willen des Lesers zu be- 
stimmen, d. h. für llirsch: ihn zum Gehorsam gegen Gott und 
Sein heiliges Gesetz zu führen. Die „Gesammelten Schriften", 
die ein sehr gutes Bild der Vielseitigkeit und Mannigfaltigkeit 
von Hirscbs literarischen Arbeiten geben, eignen sich am besten 
dazu, diese Behauptung nachzuprüfen. „Die jüdische Heiterkeit*, 
„Die Kunst schön zu sein und lange zu leben", „Der jüdische 
Gemeinsinn", „Einige Andeutungen über den hebräischen 
Unterricht als gemeinsames Bildungselement", das sind Aufsätze, 
die mehr kulturhistorischen Charakter tragen, und doch wie sind 
auch sie letzten Endes darauf angelegt, die Leser zu Juden zu 
erziehen, zu willensstarken Juden, die in dem Bewusstsein von 
der alles überragenden Bedeutung ihrer Religion, ihrer Sprache, 
ihrer Kultur, ihrer nationalen Eigenschaften den Vorschriften 
folgen, den göttlichen Geboten, die ihr ureignes, besonderes 
Wesen geprägt haben. 

Soll ich hier den Nachweis führen, wie Hirsch den Willen 
der Leser sich, oder besser seinen Zielen dienstbar macht durch 
die Erregung des Gefühls, wie er mit unerreichter Meisterschaft 
alle Saiten des Gefübllebens erklingen lässt, uns bald zur 
Beiigen Lust emporhebt, bald in düsteren Schmerz versenkt? 
Der hat nie seines Geistes einen Hauch verspürt, der nicht in allen 
Fibern erzitterte, dem nicht ein Rieseln über den Rücken rann, 
wenn er die Perlen unter Hirschs Kalendoibetrachtungen las. 
Gesänge siads, aber Gesänge von einer seitonen Mannigfaltigkeit 
Da erklingt eine liebliche Weise' i: 

') Adarbetrachtung: „Di i -lenGrösson." Ges.Schr. II S.59. 



35S Samson Raphael Hirsch als Erzieher 



Es leuchtet der Mond. Mild strahlt sein silbernes Licht. Eines 
Säuglings Auge erträgt seinen Strahl, und spielend greift eines Säuglings 
Hand nach dem freundlichen Licht. Mild dämmernd hält er Wacht über die 
schlafende Erde und gesellt sich als freundlicher Führer zu dem Wanderer 
in der Nacht. Bescheiden entzieht sich dem Forscherblick sein stilles Wirken 
in dem Trieb der Kräfte, in der schwellenden Woge, in den Schwingungen 
der Nerven, und nicht immer und nicht in stets gleicher Fülle grüsst uns 
sein Licht. In stetem Wechsel steigt und fällt seine lichtige Grösse, wächst 
aus völligein Dunkel zur ganzen Lichtfülle empor und ringt sich durch die 
Phase gänzlichen Verscheidens immer wieder zu neuem Wachsen hinan. Sein 
Reich ist die Nacht, doch weicht er auch nicht vor dem Tagesstrahl der 
Sonne. Vom Sonnenglanze verdunkelt, vollbringt er gleichwohl mitten unter 
der Tagesherrscbatt der Sonne, etill und bescheiden die eigene Bahn. Ist bald 
ein stiller Begleiter der Sonne, und steigt bald herauf, wenn die Sonne 



Und diese liebliche Weise schwillt an zu immer volleren 
Akkorden, und Sonne und Mond, „die verschiedenen Grössen", 
•werden zum Symbol der Völkergenien von Esau und Jakob. 
Wehmut und Lust, Wonne und Schmerz ertönt in den ergreifenden 
Klängen jener Ijarbetrachtung zum carnn 2s: 2 ) 

Eine dunkel-lichte Zeit, mit ihren Schrecken und ihrem Erhabenen, 
mit ihrer Verzweiflung und ihrer Seligkeit, mit ihrem todumflorten Leben 
und ihren lebendurchdrungenen Toten — steigt alljährlich mit diesen Worten 
aus dem Grabe der Vergangenheit in die frisch pulsierende Gegenwart. — 
Was wollen die Toten unter den Lebendigen? Sie wollen sie zu ihrem 
Tode und ihrem Leben begeistern. 

Aber Wehmut und Lust lösen sich, sie verschmelzen zu 
dem spornenden Gefühl, zu dem willenskräftigen Trieb, den 
Ahnen gleich zu werden, die Hirsch nun schildert im Gegensatz 
zu den lauen Bekennern des Judentums seinerzeit: „Sie hatten 
einen Eigner und kannten seinen Willen, sie kannten ihren Hort 
und wussten sein Verlangen". 

Wir können hier auf beschränktem Räume nur wenige Bei- 
spiele vorführen. Jedem Kenner der Schriften Hirschs werden 
sich viele andere bieten. Ich erinnere in diesem Zusammenhang 
besonders an die Nissanbetrachtung 2 ): „Werden sie wieder auf- 
leben, die dürren Gebeine?" Auch hier aus niederdrückenden 



2 ) Ges. Sehr. III S. 16?. 

3 ) Ges. Sehr. II S. 72. 



Samson Raphael Hirsch als Erzieher 



und emporfiihrenden Gefühlsmomeuten jene unnachahmliche 
Mischung, welche den Menschen erhebt, wenn sie den Menschen 
zermalmt. 

Aber die mächtigste Wirkung üben seine Reden, wenn es 
wie Donner aus ihnen grollt, wenn er seinem Volk kündet sein 
Vergehen, dem Hause Jakobs seine Sünde. Mit elementarer 
Gewalt brausen die Sturmworte heran, das rüttelt und zerrt an 
uns, das reisst uns empor, jeder Widerstand ist vergeblich. Da 
ruft er uns auf zu heissem Kampf, hinauf, hinan, zu mutigem 
Eingen um den Siegespreis. Da prasseln die Blitze des Spottes 
und der Ironie gegen all die Ueberhebung und das törichte 
Selbstbewusstsein entarteter Zeitgenossen. Auch hier müssten 
wir die Betrachtungen ganz wiedergeben, wollten wir Beispiele 
anführen. Ich erwähne nur unter den vielen die Nissanbetrachtung. 
„Denn siehe der Winter ist vorüber", „Der Jude und seine 
Zeit", „Der Religionsunterricht", „Das jüdische Ceremonial- 
gesetz", „Die Trauer des neanten Aw", alle Tischribetrach- 
tungen usw. 

Ich fürchte den Vorwurf, den der Talmud David entgegen- 
hielt auf seine Worte ypn "h vn rrTVDl „Gesänge sind mir deine 
Gesetze". Ist die Betonung des Gefühlsmässigen nicht eine 
Entwertung dessen, was mit dem Anspruch unverbrüchlicher 
Gültigkeit und Wahrheit auftritt? An anderer Stelle habe ich 
gezeigt und es mit Stellen belegt, dass im Talmud zwei 
Eichlungen herrschen, die eine, die die ästhetische Wertung der 
Thorawerke verwirft, und die andere, die sie würdigt und an- 
erkennt. Und so mögen auch für die Schriften Ilirschs die 
beiden Anschauungen ihr Recht sich wahren und ich meine, es 
ist das beste Kriterium für die wahre und unvergängliche Grösse 
Hirsch?, dass Menschen von den verschiedensten Anlagen, die 
einen mit zarterem Empfi nden und die anderen, die kühlen 
Denker und Kampfesnaturen, den Namen des Meisters mit 
gleicher Verehrung nennen. 

Freilich, würde Hirsch nicht selbst gegen diese Hervor- 
hebung des Gefühlsmässigen in seinen Schriften entschieden 
protestieren? War er doch der geschworene Feind aller in 



Samaon Raphael Hirsch als Erzieher 



Gefühlen schwelgenden religiösen Betätigung. Die Aesthetisierung 
der Religion, die Meinung, der Dienst Gottes erschöpfe 
sich in einer ästhetischen Gestaltung des Gottesdienstes, in Chor- 
gesang und Orgelklang, prunkvoll erbauten Synagogen, diese 
Meinung freilich war ihm in der Seele verhasst. Aber bei 
Hirsch setzt sich ja jede Gefühlserregung, wie wir gesehen, um 
in einen Appell an den Willen, all die Tiefe der Empfindung, 
alles Weiche und Zarte, alles Herbe und Harte, das er in seine 
Worte legt, dient überall und immer einer praktischen Nutzan- 
wendung, führt uns auf allen Wegen zu dem einen Ziele, zu 
der Forderung des Gehorsams gegen das göttliche Gebot. 

Entscheidend ist das Letzte. Hätten wir es in Hirschs 
Schriften wirklich nur mit Aeusserungen eines Gefühlslebens 
zu tun, und wären die Aeusserungen noch so mannigfaltig, und 
wäre das Gefühl noch so stark und ursprünglich, ihre Wirk- 
samkeit wäre eine vorübergehende, nicht von Dauer für den 
Einzelnen und nicht hinüberreichend in kommende Zeiten. Die 
Schriften aber haben Menschen gebildet in ihrer Zeit und 
werden, das ist ohne Propheten gäbe schon jetzt vorauszusagen, 
auch künftigen Geschlechtern die Wege weisen. Und der 
Grund hierfür, und das ist eben das Entscheidende, ist in ihrem 
Gedankenreichtum gegeben. Die Gefühle sind nicht 
leer, sondern getragen und erfüllt von einer schier überwältigenden 
Masse von Ideen und Vorstellungen. Predigten, und mögen sie 
noch so bedeutend sein, sind für ihre Zeit, bald lagert auf 
ihnen Staub, sie veralten und verlieren immer mehr an ihrer 
ursprünglichen, werbenden Kraft. Das gilt auch von den Dera- 
schahs des Mittelalters und der Neuzeit. Mehr als sieben Jahr- 
zehnte sind verflossen, seitdem die Betrachtungen in den Jahr- 
gängen des „Jeschurun" erschienen. In unserem Leben, in 
unseren Anschauungen, in unserem wissenschaftlichen Denken, 
haben sich ausserordentliche Umwälzungen vollzogen, aber 
die Betrachtungen wirken, als wären sie heute 
geschrieben. Denn es sind eben keine Predigten, und wollte 
man sie als solche bezeichnen, so sind es Predigten von einer 
einzigen Art. Und dies, weil die beiden anderen Momente : 



Samson Raphael Hirsch als Erzieher 361 

die Bestimmung: des WilleDs und die Erregung des Gefühls 
■wohl eine hervorragende Rolle in ihnen spielen, aber dennoch 
in ihrer Bedeutung zurücktreten vor der Fülle der neuen Ge- 
sichtspunkte, dem Reichtum nie geahnter Beziehungen, die der 
Verfasser aus der Gedankenwelt des Judentums vor unseren 
Augen entwickelt. Wir haben oben ausgeführt, und es ist das 
ja eine tägliche Erfahrung, dass die Gefühlserregungen sich ab- 
schwächen, je häufiger sie wiederholt werden, dass sie wirkungs- 
los verpuffen und ohne alle Früchte fürs Leben bleiben, wenn 
man ihnen nicht neue Kraft einhaucht durch Verknüpfung und 
Verflechtung mit neuen Vorstellungen. Dass das überall und 
ununterbrochen in Hirschs Schriften geschieht, braucht man nicht 
durch Beispiele illustrieren. Es hiesse ja auch eine ganze 
Weltanschauung entwickeln, eine Weltanschauung, die zugleich 
das scheinbar Geringste und Wertloseste in der Welt berück- 
sichtigt, wollten wir ein rechtes Bild von dem Gedankenreich- 
tum geben, der sich in diesen Schriften entfaltet. 

Zweifellos ist es vor allem das Verdienst des gewaltigen 
Gegenstandes, der in den Betrachtungen und in den Kommen- 
taren behandelt wird, dass wir diese Fülle von Anregungen 
empfangen. Ist's doch das Judentum mit dem von der Gottheit 
empfangenen Gesetzbuch, seiner allumfassenden biblischen und 
nachbiblischen Literatur, seiner vieltausendjährigen Geschichte. 
Und haben doch alle Zeiten und Geschlechter auf diesem uner- 
schöpflichen Boden Schätze über Schätze gehoben. Es ist darum 
ein seltsamer Einfall, wenn manche Verehrer, übers Ziel hinaus- 
schiessend, und im völligem Widerspruch zu der wahren Eigen- 
art des Meisters, der sich überall mit Zurückhaltung äussert, 
wenn sie den Pentateuchkommentar — den Kommentar nennen 
und damit die zweitausendjährige Geschichte der jüdischen Pen- 
tateuchexegese aus ihrem Gedächtnis streichen wollen. Und 
doch ist seine Schriftbetrachtung, seine Symbolik, seine Art, 
aus Gesetz und Sitte, aus Litteratur und Geschichte das wahre 
Wesen des Judentums geschichtlich zu entwickeln, genial, genial 
in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes. Wie die Natur 
überall den kürzesten Weg nimmt, wie sie mit den einfachsten 

2 



D Raphael Hirsch als Erzieher 



Mitteln arbeitet, so das Genie. IMe schlichtoste Beobachtung, 

ein Vorgang, den Unzählige gesehen, wird ihm zum Ausgangs- 
punkt einer epochalen Entdeckung oder Erfindung. So Hirsch 
in seinen Schriften. Immer vrieder müssen wir es bedauern, 
dasa wir im Rahmen dieses Aufsatzes nur wenige Beispiele 
bringen können. Das Sehowuothfest, so wird in einer Siwan- 
het.racht.ungM ausgeführt, das Fest der Gesetzgebung, das grund- 
legende und wichtigste, ist auf nur einen Tag beschränkt, und 
die Feier ist, nicht mit einem Gebot verknüpft, die Thora 
hat kein Symbol. Aus dieser Idee, diesem Samenkorn eines 
Gedankens entfaltet sich vor unsern Augen Wurzel und 
Stamm und Gezweig unseres Lebensbaumes, das ganze Wesen 
der jüdischen Religion, der fundamentale Unterschied zwischen 
der Thora und den heiligen Urkunden der Völker, zwischen 
dem Begriff Gesetz und dem der „Religion". Fnd eine andere 
SiwanbetrachtungM. ,Es sprach — Gott — alle diese Worte — 
zur Mitteilung". Es ist vielleicht der schlichteste Satz aus den 
Kapiteln über die Offenbarung am Sinai zum Ausgangspunkt 
gewählt, und wie reich beschenkt kehren wir von dieser Be- 
trachtung heim! Zugleich ist diese Art ein gutes Stück gran- 
diosen Anschauungsunterrichts. Dass „das Mass der Thora 
weiter ist als die Erde und breiter denn das Meer", das kann 
nicht deutlicher und dauernder dem Bewusstsein eingeprägt 
werden als durch eine Betrachtungsart, der das unscheinbarste 
Moment, die schlichteste Bibelstelle Gelegenheit gibt, uns zu 
■eigen, wie die Quelle des Thoragesetzes. des Thorawortes in 
überschäumender Fülle auch au unbesuchten und ungekannten 

Orten sprudelt. 

* 

Sanison Raphael Hirsch als Erzieher! Wie er es mir durch 
seine Schriften gewesen und warum er es mir gewesen, habe 
ich zu zeigen versucht, und dass diese seine Wirksamkeit auf 
psychologischen Gesetzen beruht und darum an jedem jungen 



') Ges. Sehr. 1 S. 80 ff. 

. Sehr. III S. 16S ff. 



Samson Raphael Hirsch als Erzieher 363 

Juden sich bewähren muss, der sich in den Bereich seiner Er- 
ziehertätigkeit begibt, an dem er seine erzieherische Kraft ent- 
falten kann, der zu seinen Schriften sich wendet und immer 
■wieder zu jener Weisheit zurückkehrt, die einst der Mund des 
Lehrers verkündet hat. 

Samson Raphael Hirsch als Erzieher! Das wäre ein dank- 
bares, fruchtbares, vielgestaltig zu behandelndes Thema. Ich 
habe nur seine Schriften berührt, aber er hat ja auch eine 
gottgesegnete, praktische Wirksamkeit entfaltet, er hat ja 
Menschen gebildet Generationen hindurch, die Verlorenen zurück- 
gebracht, die Verstossenen gesammelt, eine blühende Gemeinde 
schier aus dem Nichts geschaffen, die Jugend gelehrt, die Männer 
gestählt. Und vor allem, er war Gründer und Leiter einer 
höheren Schule, Pädagoge im engeren Sinne, und dass er hier 
der rechte Mann auf dem rechten Platze war, lehrt der Erfolg. 
Anregend und inhaltreich sind auch seine pädagogischen Auf- 
sätze, die er zum Teil im „Jeschurun", zum Teil in Schul- 
programmen veröffentlicht hat. Letzten Grundes ist die Technik 
der Pädagogik nur eine, es können daher nur immer die gleichen 
Wahrheiten ausgesprochen werden. Auch will Hirsch eigentlich 
nur den Nachweis führen, dass in Bibel und Talmud die gleichen 
Sätze ausgesprochen werden, die heute Allgemeingut der Päda- 
gogen sind. Dennoch begegnen wir bei Hirsch Gedankengängen, 
die der ganz modernen pädagogischen Bewegung entsprechen. 
Eines der bekanntesten Bücher dieser Bewegung ist Försters 
., Jugendlehre". Wer dies Werk liest, und mit den Erörterungen 
Hirsche vergleicht, wird überrascht sein, wie ähnlich hier und 
dort die Grundideen sind. Wenn es bei Fürster heisst, der 
Grundfehler unsrer Erziehung beruhe darauf, dass wir die Moral 
als eine dem Kinde feindliche Macht hinstellen, die immer zu 
verbieten hat nnd dem Kinde seino liebsten Wünsche stört, 
während wir uns doch mit den natürlichen Trieben des Kindes, 
der Tapferkeit, dem Mut, dem Selbstbewusstsein verbünden, ihm 
zeigen müssten, dass die Selbstüberwindung, die in der Er- 
füllung der Sittengebote gegeben, der Austluss höchster Tapferkeit 
ist, so vergleiche man damit Hirsch (Programm 1875): „Des 



Samson Raphael Hirsch als Erzieher 



Kindes Stolz ist es „gross" zu sein und „gross sein" bedeutet 
dem jüdischen Kinde dem Gottesgesetze vollen Gehorsam zu 
leisten". Oder man vergleiche mit dem ausgezeichneten Ab- 
schnitt „Erziehung zur Selbstständigkeit" in Försters „Jugend- 
lehre" in der er in trefflicher Weise zeigt, dass es unsere 
Hauptaufgabe sein muss, das Kind dahin zu führen, dass es 
seine eigenen Wege geht, unbekümmert um die Anfeindungen, 
die es dadurch von seiner Umgebung erfährt, man vergleiche 
damit was Hirsch (in demselben Programm) über den Wert des 
Minoritätsbewusstseins für die Charakterbildung sagt. 

Aus vielen Stellen seiner Schriften geht es hervor, dass er, 
der ein Lehrer der Grossen war, auch in die Seele der Kleinen 
sich vertiefen konnte. Goldene Worte spricht er über die in- 
dividuelle Behandlung des Kindes, und unwiderleglich, wenn 
auch noch nicht allgemein anerkannt, sind seine Ausführungen 
über das völlig widersinnige, unpädagogische und Geist und 
Gemüt des Kindes verwirrende Erziehungsmittel der Märchen- 
erzählungen. Hier möchte ich einen kleinen Zug einfügen, der, 
mehr als alle theoretischen Erörterungen es könnten, ihn als 
den echten Kinderlehrer zeigt, aus dem die Liebe zu den Kindern 
in herzerquickender Frische hervorbricht. Er ist mir von einem 
Augenzeugen berichtet worden. In der Synagoge zu Frankfurt 
stellten sich die Kinder während der Predigt in den grossen 
freien Raum vor die Kanzel. Hirsch war mitten in seiner Predigt, 
als mehrere Kinder zu weit vordrängten, und der Vorsteher 
herantrat, um sie zurückzuführen. Da unterbrach Hirsch seine 
Predigt : Herr . . . lassen Sie die Kinder, ich spreche zu den 
Kindern, für die Kinder, und nun folgte eine seiner wirkungs- 
vollsten Predigten, in der er, halb zu den Kindern, halb zu den 
Erwachsenen grwandt, den Wert und die Bedeutung des Kindes 
für die Zukunft des Judentums schilderte. 

Aber was er seinen Zeitgenossen gewesen und dem engeren 
Kreis seiner Gemeinde, das gehört nicht der Vergangenheit an 
— es wirkt noch hinein in die Gegenwart und noch hinüber in 
eine nahe Zukunft, wenn auch nur mittelbar. Er war der Lehrer der 
Kinder, das Vorbild der Jünglinge, der Vorkämpfer der Männer, 



Samson Raphael Hirsch als Erzieher 



Trost und Bürge für die Greise ; doch das ist er gewesen. 
Aber für alle Zeiten bleibt er, und das durch seine Schriften, 
der Erzieher unseres Volkes. Wir nannten diese 
Schriften: , Reden an die jüdische Nation". Wir dachten an 
Fichte, aber hier ist mehr als Fichte. Wie kalt und schal er- 
scheinen uns heute diese Reden an die deutsche Nation und 
wie warm und lebendig und jugendfrisch die Reden an die 
jüdische. Freilich dort das Thema des Patriotismus, wenn auch 
für uns nicht wie für Lessing eine heroische Schwachheit, so 
doch immerhin ein menschliches Ideal, und hier das Gesetz des 
lebendigen Gottes, des Menschen Heil und seine Seligkeit, ge- 
deutet von einem gottbegnadeten Sänger und Weisen. Und der 
Erfolg? Wäre es nicht nun bald zwei Jahrtausende Israels 
Schicksal von Prüfung zu Prüfung schreiten, wäre nicht an der 
Wiege unseres Volkstums uns mitgegeben das „Und dennoch", 
das uns die schwersten, trübsten Zeiten überdauern liess, wir 
müssten verzagen. Wir können die Ereignisse an sich freilich 
nicht zum Vergleich stellen, dort die Erhebung gegen den 
fremden Eroberer, der Befreiungskrieg und seine Folgen, hier 
die Renaissance des gesetzestreuen Judentums. Aber sind die 
Ausstrahlungen einer Lichtquelle, wie sie in Hirschs Schriften 
gegeben ist, in unsere Kreise nicht gar zu winzig, sind die 
Wirkungen einer solchen Persönlichkeit, wie sie bis jetzt in 
■die Erscheinung getreten sind, nicht gar zu spärlich, fand der 
grosse Moment nicht ein kleines Geschlecht? Wir können's 
nicht leugnen. Uer Traum, den Hirsch geträumt, das Judentum, 
das unser ist, in altem Glänze wieder zu erblicken, dass in den 
Stätten alter Talmudherrlichkeit die Heldenjünger um die alte 
Fahne sich zusammenscharten, dass überall sich wieder 
blühende Gemeinden zu frommen Wirken nach der Väter 
Art erhöben, er blieb bisher ein Traum! Und wollten wir, 
und wenn wir w o 1 1 1 e n , es bliebe nicht ein Traum! 

dass in diesen Tagen der Funke zündote in tausenden von 
Herzen, der Funke, der auch jetzt noch glüht in seinen Worten 
der Funke, der entstammt dem Feuer unseres göttlichen Gesetzes! 
Üass der Entschluss in ihnen reifte: Wir wollen lernen. 



Die modernste Deutung usw. 



Gott zu fürchten, wir wollen Tag für Tag, und wäre es auch 
nur kurze Zeit, den Worten jenes Mannes lauschen, der uns 
mit Mut und Kraft erfüllt, das Höchste zu vollbringen im Dienste 
unseres Gottes. Gewiss, wenn ihr nur zu ihm kommt, er lässt 
euch nicht, er hätt' euch denn gesegnet ! J. W. 



Die modernste Deutung 
des biblischen Sündenfallsberichts. 

Von Geh. Reg. Prof. Dr. E. König, Bonn. 

Nachdem in früheren Zeiten nur ganz vereinzelt die 
Meinung aufgetaucht war, dass die Erzählung der Bibel vom 
Zustandekommen der ersten Menschensünde einen erotischen 
Hintergrund besitze, häufen sich neuerdings die Stimmen, die 
diese Auslegung empfehlen. Der umfassendste Versuch aber, 
die sexuelle Auffassung dieses Berichts zur Herrschaft zu bringen, 
ist erst unlängst gemacht worden. 1 ) Deshalb ist es Zeit, dass- 
dieser Versuch auf seine Berechtigung geprüft werde . 

Jener Deutungsversuch nimmt seinen Ausgang von der 
Frage: »Ist das Verbot des Essens vom Baum in der Mitte des 
Gartens willkürlich gewählt? Hätte ebenso gut irgend eine 
andere Sache den ersten Menschen verboten werden können, 
um ihre Uebertretung des Verbots zu demonstrieren?" Diese 
Frage ist allerdings an und für sich berechtigt. Aber erstens 
kann von der Möglichkeit ihrer Bejahung keineswegs die 
Möglichkeit jenes Vorgangs abhängig gemacht werden. Denn 
auch bei tausend andern Vorgängen in der Geschichte kann 
gefragt werden, ob sie nun gerade so sich zugetragen haben 
müflsten, und kann ihr Wahrheitsgehalt nicht davon abhängig 



*) Von Dr. Ludw. Levy (Brunn) in dem Aufsatze »Sexualsymbolik 
'm der biblischen Paradiesgeschichte a , der in der „Jmago", Zeitschrift 
für Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften, 
herausgegeben Ton Prof. Sigmund Freud (Wien) u. a. (1918), S. 16 ff., 
erschienen ut. 



Die modernste Deutung usw. 367 



gemacht werden, ob ihr Ausgangspunkt sich als „willkürlich" 
und deshalb wenig glaubhaft ansehen lässt. Zweitens kann 
aber auch gezeigt werden, dass das Verbot des Essens vom 
Baum in der Mitte wirklich nicht „willkürlich gewählt" 
ist, wenn auch aus andern Gründen, als mit denen jener Frage- 
steller seine Frage verneint. 

Dieser nämlich behauptet, die verbotene Frucht sei ein 
Apfel gewesen, und deswegen nicht wiUkürlich gewählt. Denn 
Bchon dieser Apfel spiele als Bild für die weibliche Brust 
jenes Verbot und dessen Uebertretung auf das erotische Gebiet 
hinüber. Aber von welcher Art der Baum, dessen Früchte ver- 
boten wurden, gewesen ist, steht nicht im Texte von 1. Mos. " 
2,9 usw., und unter den mehreren Vorschlägen, diese Art zu 
bestimmen, ist der Gedanke, dass jener Baum zu den Apfel- 
bäumen gehurt habe, erst sehr spät hervorgetreten, indem man 
sich von dem Zusammenklang der Worte m a 1 u m „Böses" 
und malus „Apfelbaum" anregen liess. 1 ) Ferner müssten, 
auch wenn ein Apfelbaum gemeint gewesen wäre, dessen Früchte 
nicht auf die weiblichen Brüste oder gar, wie es in jenem Auf- 
satze mit Zuhilfenahme des Feigenblattes auch heisst (S. 19. 24. 
27), auf den weiblichen Geschlechtsteil hinweisen. So demnach 
meint man neuestens, jenes Verbot vom Charakter der Will- 
kürlichkeit befreien zu müssen. Aber das Verbot, von jenem 
Baume zu essen, war auch dann keineswegs „willkürlich gewählt", 
wenn es nicht so auf jene geschlechtlichen Dinge hinzielte. 
Denn da die Menschen sich in einem Garten aufhielten, der mit 
allerlei Bäumen bepflanzt worden war (1. Mos, 2,9), war es 
ein ganz natürliches und naheliegendes Mittel, die Dankbarkeit 
und den Gehorsam der Menschen zu prüfen, indem ihnen die 
Vermeidung der Früchte eines einzelnen unter den Bäumen 
geboten wurde. 

Doch war dies nur ein allererster Anfang in der Unter- 
suchung des zur Entscheidung vorgolegten Problems. Nun 

') Vgl. Oskar Dähnhardt, Natursagen. Bd. I (1908), S. 210, wo auch 
die jüdische Uoberlieferuug, dass der Ethrog, eine CitroDeuart, dio ver- 
botene Frucht gewesen s»<i. zu Worte kommt. 



Die modernste Deutung usw. 



müssen weiter alle anderen Züge in jener alten Erzählung nach 
ihrem Verhältnis zur sexuellen Deutung befragt werden, 
und für den -weiteren Gang der Untersuchung muss natürlich 
die Regel gelten, dass diejenigen Umstände nichts entscheiden 
können, die eine solche Deutung etwa als möglich erscheinen 
lassen. Vielmehr können nur die Momente von entscheidendem 
Gewicht sein, die eine solche Auffassung entweder erzwingen 
oder verhindern. Folgen wir nun mit diesem kritischen 
Massstab dem Vorgehen der neueren Vertreter der sexuellen 
Deutung von 1. Mos. 2, 9 ff. und hauptsächlich des oben- 
genannten neuesten unter ihren Wortführern! 

I. 

Bei den Worten „Darum wird ein Mann seinen Vater und 
seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhängen, und sie 
werden sein Ein Fleisch" (2,24) bemerkt man: „Jetzt ist der 
Moment gegeben, zu sagen, wie sich der erste Mensch und sein 
Weib geschlechtlich fanden. Woher kam ihnen denn das 
sexuelle Wissen?" (S. 18). Aber eine Aussage darüber er- 
wartet vom Texte nur der, welcher jene alte Erzählung auf das 
Niveau eines gemeinen Romans hinabdrücken zu dürfen meint, 
und hat jener biblische Erzähler nicht auch das Erlernen anderer 
Betätigungen, wie z. B. des Essens, der Natur der Dinge oder 
der Beobachtung der Umwelt überlassen? Ausserdem erlaubt 
sich ein solcher Ausleger auch, den Ausdruck r Ein Fleisch" 
(eine innigst verbundene Doppelgrösse oder e i n Wesen) bloss 
im körperlichen Sinne zu verstehen. In jener Erzählung aber 
ist das Weib unmittelbar vorher (V. 23) als die dem Manne 
entsprechende Gehilfin begrüsst worden, weil sie ausser dem 
aufrechten Gange auch das geistsprühende Auge, das lebhafte 
Mienenspiel und das seelenvolle Lächeln zeigte, was alles er 
vorher (V. 20) an den Tieren vermisst hatte. Nach jenem Er- 
zähler gehören die seelischen Eigenschaften des weiblichen 
Wesens mindestens auch zu den Motiven, die den Mann 
in ihm eiüen guten Kameraden finden lassen. Hüte man sieb also 
auch deshalb, jene Erzählung von ihrer Höhenlage herabzuziehen . 



Die modernste Deutung usw. 369 

Also bis jetzt sollte das ein Beweisgrund für die Richtigkeit 
der sexuellen Deutung sein, dass man eine niedere Erwartung 
an den Erzähler betreffs seiner Aufklärungspflicht stellte und 
diesen unberechtigten Anspruch nicht befriedigt fand. 

Ein anderer Beweis wird in dem Gebrauch des Zeitworts 
.essen* (2,9; 3, 1 f. 5 f.) gesucht (S. 19). In Spr. 30/20 
wird nämlich von der Ehebrecherin gesagt: „Nach dem Essen 
wischt sie sich den Mund ab und sagt: Ich habe nichts Un- 
rechtes getan*. Da wird also „essen" als eine von den 
euphemistischen Redensarten verwendet, die im Hebräischen zur 
Bezeichnung des geschlechtlichen Verkehrs gebraucht werden. 1 ) 
Aber gibt das ein Recht, das Zeitwort „essen" auch da, 
wo es vom Genuss der Frucht eines Baumes verwendet ist, 
(2,9 usw.), im sexuellen Kinne zu verstehen? Die Bejahung 
dieser Frage schliesst eine Unnatürlichkeit in sich. 2 -) Ebenso 
hinfällig ist der nächste ähnliche Beweis. Er wird daher 
entlehnt, dass der Baum, dessen Flüchte nicht gegessen werden 
sollen, „der Baum der Erkenntnis" heisst. Sofort wird darauf 
hingewiesen, dass „erkennen" in der Bibel (4,1 usw.) eine 
häutige „Bezeichnung des Geschlechtsaktes" sei (Levy, S. 20). 
Das ist natürlich der Fall, wie es in meinem erwähnten Buche 
im Abschnitt „Euphemismen" allseitig besprochen wird. Aber 
ergibt sich daraus die Erlaubnis, dieses Zeitwort „erkennen" 
auch da im sexuellen Sinne zu verstehen, wo nicht „sein Weib" 
dabei steht? Auch diese Frage zu bejahen, ist willkürlich. 
Indes man meint, auch die Ausdrücke „gut und böse", die 
beim verbotenen Baum das Objekt des Erkennens bezeichnen, 
für die neue Deutung verwerten zu können. 

Schon mehrere Ausleger, von denen der neueste Haupt- 
vertreter der sexuellen Deutung des Abschnitts 1. Mos. 2, 9ff. 
freilich keinen erwähnt,, haben behauptet: „Gut und böse haben 

') Sie sind alle in meiner „Stilistik", S. Sl vorgeführt und uns 
andern Literaturen belouchtot. 

J ) Das hat auch wieder Konrad Sdhmidt, Das .schaffende Wort 
(1921). S. 28 nicht bedacht, indem er sich ebenfalls auf Spr. 30, 20 beruft. 



Die modernste Deutung usw. 



hier rein physischen Sinn oder geradezu sexuelle Bedeutung". 1 ) 
Und weshalb behauptet man das? Nun weil die Ausdrucks- 
weise „Gutes und Böses nicht erkennen" noch an andern Stellen 
„und zwar jedesmal bei Menschen begegne, denen die sexuelle 
Fähigkeit fehlt, bei Kindern und Greisen (5. Mos. 1, 39 und 
2. Sam. 19,36)." Also nur noch an zwei Stellen kommt diese 
Kedensart vor, und wie dürfte man behaupten, dass sie da in 
bezug auf kleine Kinder und älteste Greise nicht ganz natürlicher- 
weise die Fähigkeit, Gutes und Böses in moralischer und 
physischer Hinsicht zu unterscheiden, bezeichnen könne? 
Das letztere, also das Unangenehme, wie z. B. das Unschmack- 
hafte, konnte umso eher in jener Redensart mit gemeint sein, 
als der hebräische Ausdruck für „böse" oft auch das Schlimme, 
also auch das Uehel bezeichnet, wie z. B. in der religions- 
geschichtlich wichtigen Stelle Jes. 45,7: ,Ich, der ich das Licht 
mache usw." 2 ). Dagegen ist an geschlechtliche Unter- 
schiede beim Aussprechen von „gut und böse" mit keinerlei 
Notwendigkeit oder Wahrscheinlichkeit gedacht. Ja, die Annahme, 
dass der so zartfühlende Greis Barsillai (2. Sam. 19, 36) im 
Gespräche mit seinem Könige hätte hervorheben wollen, dass 
er keine Geschlechtslust mehr spüre, ist nichts weiter als ein 
täppisches Anfassen einer feinsinnigen Aussage. Folglich ergibt 
sich aus den erwähnten beiden Stellen auch nichts für die ge- 
schlechtliche Deutung des Wortpaars „gut und böse" heim 
Baume des Erkennens. Vielmehr bezeichnet da (1. Mos. 2, 9) 
dieses Wortpaar nach seiner engen Verbundenheit durch w ä die 
zwischen gut und böse waltende Beziehung. Das Erkennen der- 
selben ist das Aufleuchten des Bewusstseins 
von den Gegensätzen auf sittlichem Gebiete. 

') A. B. Ehrlich, Randglossen zur hebräischen Bibel. Bd. I. 
(Genesis und Exodus), 1908, S. 9. 

2 ) Da hat ja Frd. Delitzsch auch neuesten» wieder h a - r a mit 
.,das Böse" übersetzt, aber das ist natürlich schon wegen des Gegen- 
satzes s c h a 1 6 m „Friede, Heil" falsch. Vgl. weiter in meiner Gegen- 
schrift „Frd. Delitzsch „Die grosse Täuschung" kritisch beleuchtet" 
4. Aufl. S. 76 f. 



Die modernste Deutung usw. 371 

Dieses Bewusstsein dämmerte aber mit psychologischer Not- 
wendigkeit aus der Erfüllung bzw. Verletzung der gebotenen 
Pflicht empor. 

Aber die Vertreter der sexuellen Auslegung von 1. Mos. 9 ff. 
meinen ja, ihre Anschauung noch aus andern Bestandteilen des 
Textes positiv begründen zu können. 

Gleich hinter der soeben beurteilten Deutung des Essens 
vom Baume des Erkennens von gut und böse knüpft man an 
die Worte : „Als sie gegessen hatten, da öffneten sich ihrer 
beider Augen, und sie wurden gewahr, daas sie nackt waren* 
die Behauptung: „Das Wissen von der Vereinigung der Ge- 
schlechter hat sich ihnen offenbart, und diesem Wissen folgt das 
Schamgefühl" (S. 21). Aber diese Behauptung beruht erstens 
auf einer Zusammenwerfung verschiedener Dinge. Denn das 
Erkennen des Nacktseins ist etwas anderes als das Wissen von 
der Vereinigung der Geschlechter. Die Vereinigung dieser beiden 
Dinge ist ein Gewaltakt, der die sexuelle Deutung durch- 
führen helfen soll. Zweitens beruht jene Behauptung auf 
dem Verkennen der tiefen Auffassung vom Ursprung des 
Schamgefühls, die in jener biblischen Erzählung enthalten 
ist. Nach ihr ist das Schamgefühl das erste Flammenzeichen 
des entbrennenden Schuldbewusstseins, dessen zweite Aeusserung 
dann die Furcht vor dem Richter ist, wie sie in dem Sich- 
verstecken (3, 8) sich unwillkürlich kund gab. Denn die in V. 10 
stehende Begründung des Sichversteckens, nämlich .weil ich nackt 
bin", ist ja eine offenbare Verlegenheitsäusserung, da die Nackt- 
heit bereits bedeckt ist (3, 7). ') 

Ein Wunder ist es freilich nicht, dass die biblische Er- 
zählung in diesem Punkte von manchem Auge verkannt wird. 
Denn eine geradezu grossartige Leistung auf dem Gebiete der 
.Psychoanalyse" und sittlichen Diagnose ist es, wenn das 
Schamgefühl als ein Symptom des erwa- 
chenden Schuldbewusstseins aufgef&sst wird. Oder 

') Dies ist auch noch von A. Gerson, .Die Scham" (191t unter 
den Abhandlungen aus dem Gebiete der Sexualforschung erschienen), 
S. 18 f. ganz Obersehen worden. 



M72 Die modernste Deutung usw. 

darf man ihr diese Leistung etwa deshalb absprechen, weil der 
Erzähler sie nicht ausdrücklich mit Worten voll Selbstruhm hervor- 
gehoben hat? Das hat er ja auch bei dem Furchtgefühl (3, 8. 10) 
nicht getan, und dessen Ableitung aus dem sich geltend machenden 
Schuldbewusstsein kann ihm ja niemand abstreiten. Das einzige 
gerechte Urteil ist dies, dass in der Erzählung ein feinsinniges 
Beobachten der seelischen Vorgänge liegt, wie neuerdings auch 
von anderen hervorgehoben worden ist, und wie man leicht im 
einzelnen nachweisen kann. Man beachte nur, dass der Erzähler 
berichtet, wie die einzelnen Teilnehmer am Zustandekommen der 
ersten menschlichen Pietätsverletzuug die Schuld immer von sich 
auf einen andern abzuwälzen suchen! Also tue man dem Er- 
zähler kein Unrecht, indem man die im Texte stehende Ver- 
bindung von Pflichtverletzung (3, 6) und Erwachen des Scham- 
gefühls (V. 7) als eines ersten Anzeichens des aufdämmernden 
Schuldbewusstseins, aus dem dann das erstmalige (!) Sich fürchten 
vor dem Gesetzgeber (V. 8) folgte, aus dem Texte streichen will! 1 ) 
"Wie auch wäre das natürlich gewesen, dass, wie es in jener 
oben zuletzt zitierten neuen Behauptung heisst, dem Wissen von 
der Vereinigung der Geschlechter das Schamgefühl gefolgt sei? 
Um das zu erklären, beruft man sich auf einen Erklärer des 
Mittelalters, der vom Baume der Erkenntnis sagte: „Seine 
Frucht erregte die Sinnenlust, weshalb sie ihre Nacktheit be- 
deckten, nachdem sie von ihm gegessen hatten". Aber da beruft 
man sich auf jemand, der auch schon seinerseits den Zusammen- 
hang zwischen Schuldbewusstsein und Schamgefühl verkannte 
und deshalb die Frucht vom Baume der Erkenntnis falsch als 
ein erotisches Reizmittel hinstellte. Durch solche den Text- 
zusammenhang (3, 6 f. 8) verkennende Auslegungen kann der 
vom Erzähler in der Aufeinanderfolge seiner Aussagen ausge- 
prägte Gedanke nicht beseitigt werden, mögen die Auslegungen 
auch noch älter sein. Sie würden dem Texte nicht gerecht, 
selbst wenn sie ferner dem wirklichen Gange der menschlichen 



') Vergleiche auch das Horazische ,,Nullä pallescere culpa" 
(Epistulae 1.1,61)! 



Die modernste Deutung usw. 



Entwicklung entsprächen. Aber es ist auch nicht irgendwie 
"wahrscheinlich, dass die Menschen gleich nach dem ersten Ge- 
schlechtsakte sich durch Bedeckung vor Wiederholung desselben 
hätten schützen wollen, wie es von den Vertretern jener modernen 
Auffassung angenommen werden muss, wenn sie ihre Deutung 
klar durchdenken wollen. 

Durch alle diese bisher beurteilten Behauptungen hat also 
nicht im entferntesten bewiesen werden können, dass den be- 
treffenden Teilen der Paradiesgeschichte ein sexueller Sinn inne- 
wohnen soll. 

II. 

Aber gibt es nun nicht auch noch direkte Hinder- 
nisse dieser modernsten Deutung der biblischen Sündenfalls- 
geschichte? 

Mit dieser Frage muss vor allem das Verbot: „Aber von 
dem Baume des Erkennens von gut und böse sollst du nicht 
essen" (2, 17) ins Auge gefasst werden. Nach der jetzt mehrfach 
empfohlenen sexuellen Auslegung hätte also das a 1 1 - 
hebräische Schrifttum die Fortpflanzung 
des Menschengeschlechts verboten. Kann es 
eine krassere Verkennung von hundert Stellen dieses Schrifttums 
geben? Ist jemals die lebensfreudige Tendenz einer Literatur 
ärger verkannt worden? Schon vor diesem einen Hindernis muss 
die neue Aufmachung zu Boden stürzen. 

Aber über dieses Hindernis meint man mit folgenden 
Worten sich hinwegschwingen zu können: „Der Geschlechtsakt, der 
in den Fruchtbarkeitsriten und Mysterien der alten Religionen 
als etwas Heiliges und Göttliches angesehen wurde, wird hier 
zum ersten Male als Uebertretung eines göttlichen Verbots emp- 
funden und hat einen ewigen Fluch zur Folge. Diese Stellung- 
nahme war damals eine Notwendigkeit. Denn nur durch sie 
wurde das weltgeschichtliche Verdienst Israels möglich, dass die 
Religion von der Sexualität, mit der sie in den heidnischen 
Kulten (in den Frühlingsorgien und der Tempelprostitution) aufs 
engste verbunden war, loslöste und die Ethik in das Zentrum 
der Religion stellte." Aber welche gewaltsame Ver- 



Die modernste Deutung usw. 



mengung ganz verschiedener Dinge wird da 
vorgenommen! Um die Tempelprostitution zu verwerfen, soll 
der Fortpflanzungsakt der Menschheit verboten und mit dem 
Tode bedroht worden sein. Nein, wo gegen die Verquickung 
von Religion und Sexualität, wie sie im Adonis-Tammuzkult und 
in der Tempelprostitution der Babylonier und Kanaaniter geübt 
wurde, im altbebräischen Schrifttum protestiert wird (5. Mos. 23, 18; 
Jes. 1,30; Hes. 8,14 usw.), da wird sie eben auch 
ausdrücklich genannt. Aber der Bibel ist es nicht 
eingefallen, dass sie, um Auswüchse zu beseitigen, den ganzen 
Baum umgehauen hätte. Solches unnatürliches Vor- 
gehen für richtig zu halten, hat sie späteren Zeiten überlassen. 
Und wie soll bei dieser modernsten Auslegung von 1. Mos. 2, 9 ff. 
die Verbindung des angeblichen Verbots der Fortpflanzung der 
Menschheit mit der Ankündigung des Sterbens (2, 17) verstanden 
werden? Die Antwort lautet: „Der Tod ist eine Folge des 
Geschlechtsaktes. Sobald die Menschen Kinder zeugten, haben 
sie sich selbst dem Tode geweiht" (S. 22). Welche künstliche 
Verknüpfung zweier Dinge ! Zwei Vorgänge, die gar 
nichts miteinander zu tun haben, werdenda 
in ursächlichen Zusammenhang gebracht. 
Die Sterblichkeit des Menschen hatte ja und hat ihre Ursachen 
in der Auflösbarkeit seiner körperlichen Wesensbestandteile und 
in der Begrenztheit der Spannkraft seiner vitalen Organe, wie 
es bei jedem Typus der organischen Wesen ist '), aber nun soll 
sie mit der Fortpflanzung des Menschengeschlechts in Kausal- 
nexus gebracht werden! Das ist eine ganz unnatürliche Vor- 
stellungsweise, die der Bibel aufgedrungen werden soll. Bei ihr 
ist die Androhung des Sterbens (2, 17) ein strenges Mittel, um 
die Menschen womöglich vom Betreten des Weges der Pietäts- 
losigkeit gegen ihren Schöpfer und tausendfältigen Wohltäter 
abzuhalten. Als solches Warnungsmittel wird ja die Androhung 
des Sterbens von der Bibel selbst dadurch gekennzeichnet, dass 

•) Mit Beispielen belegt in meinem Schriftchen „Oswald Spenglers 
,Der Untergang des Abendlandes' hauptsächlich psychologisch und reli- 
gionsgeschichtlich beleuchtet" (1921) S. 32. 



Die modernste Deutung usw. 



sie an die Menschen den versuchenden Gedanken herantreten 
lässt, dass diese Androhung gar nicht im Ernste gemeint sein 
könne (3, 1). Es wird weiter auch hinzugefügt, dass die Gottheit 
ihr strenges Abhaltungsmittel, als es leider nicht den ge- 
wünschten Erfolg gehabt hatte, durch Hinausschiebung des Straf- 
termins gemildert hat. Und nun soll an die Stelle dieses inner- 
lich begründeten und auf die Erziehung des Menschengeschlechts 
hinzielenden Gedankenganges eine an sich unnatürliche und dem 
Erzähler nachgewiesenermassen ganz fremde Verknüpfung 
zwischen der Sterblichkeit des Menschen 
und seiner Fortpflanzungstätigkeit hergestellt 
werden. Da wird man wieder einmal recht lebhaft an jene 
Regel: ,Legt ihr's nicht aus, so legt was unter!" ') erinnert. 
Dieselbe Kunst der Auslegung muss erst helfen, wenn es 
gilt, die Gleichung „Schlange = Phallus" (S. 25 f.) mit den be- 
kannten Textworten zu vereinigen. In ihnen ist ja die 
Schlange so ausdrücklich, wie überhaupt etwas gesagt werden 
kann, als ein Teil der Tierwelt dargestellt, indem sie mit dieser 
verglichen und als zu ihr gehörig bezeichnet wird (3, 1. 14). 
Sie besass, wie nach alter Anschauung (bei Josephus usw.) -) 
alle Tiere der Urzeit, die Fähigkeit des Sprechens, obgleich das 
ihr beigelegte Reden auch als ein uneigentlichos gemeint sein 
kann, wie ja auch z. B. dem dahinrieselnden Blute eine zum 
Himmel schreiende Stimme beigelegt wird (4, 10), und also auch 
das Fauchen oder Zischeln der etwa um den Erkenntnisbaum 
sich windenden Schlange als ein zum Genüsse von demselben 
verlockendes Sprechen aufgefasst sein könnte. s ) Insbesondere 
aber ist die Schlange als ein überaus schlaues (3, 1) Wesen ge- 
dacht, wie sie ja bei den Phöniziern als das geistbegabteste 
(pneumatik etaton) unter allen Kriechtieren und bei den 
Arabern als ein dämonisches Wesen (ein Dschinn) angesehen 
wurde und wird, was natürlich mit ihren blitzschnellen Wen- 

M Goethe in seinen ..Zahme Xenien", zweites Buch. 
*) Man kann darüber in dem sinnigen Buche Jakob Grimms 
„L'eber den Ursprung der Sprache", 6. Auflage, B. 13 f. nachlesen. 
') Von Gott wird sie nämlich nicht gofragt (3,14)' 



Die modernste Deutung usw. 



düngen und ihrem heimlichen Giftspritzen zusammenhängt. Auf 
dem Hintergrunde dieser antiken Anschauungswelt ist die Rolle 
vollständig begreiflich, die der Schlange in jener biblischen Szene 
beigelegt wird. ') Aber alle diese durch die fortschreitende 
Kulturforschung immer reicher gespendeten Aufklärungen über 
den Sinn, in 'welchem der Ausdruck Schlange dort verwendet 
ist, genügen manchen Auslegern noch nicht. Nach ihnen m u s s 
jene Schlange in das sexuelle Gebiet verpflanzt 
werden. Nach ihnen soll sie als Phallus gemeint sein. 
Als solcher „stellt sie dem Weibe nach" (S. 28). Und doch 
ist auch diese Behauptung -wieder ein Gewaltakt, -wie gegen die 
Worte jener Erzählung selbst, so gegen den Sinn des alt- 
hebräischen Schrifttums überhaupt. Es ist freilich fast lächerlich, 
-wenn dafür Belege gegeben werden sollen. Wer aber welche 
haben wollte, der möge doch auf die Kinderfreudigkeit hinblicken, 
die an einer langen Reihe von Müttern in diesem Schrifttum 
(1 Mos. 4, 25; 16,2; 29,32; 30,1 usw.) hervorgehoben wird! 

Und wie endlich fällt die sexuelle Deutung der 
Strafurteile aus, welche über die an jener Erprobung der 
menschlichen Pietät beteiligten Wesen ausgesprochen werden 
mussten ? 

Nun der die Schlange betreffende erste Satz „Auf 
dem Bauche wirst du kriechen" ist nach dem oben erwähnten 
Hauptvertreter der sexuellen Auslegung „wohl symbolischer Aus- 
druck für den Geschlechtsakt, so hat im Französischen noch 
courir sur le ventre diese Bedeutung." Aber auch wenn es von 
einer Schlange, einem Kriechtier gesagt ist? Also abermals 
eine Unnatürlicbkeit des Auslegens! Sie wächst aber womöglich 
noch, wenn das der Schlange ferner angedrohte Staubfressen, 
das auch anderwärts (Jes. 65,25 usw.) von der Schlange und 
besiegten Feinden ausgesagt ist, dahin gedeutet wird, dass „das 



] ) Dass übrigens durch die Anlehnung des biblischen Erzählers 
an eine antike Anschauung nicht die Tatsächlichkeit des von ihm 
überlieferten Vorgangs zerstört wird, ist in meinem Kommentar 
„Die Genesis, eingeleitet übersetzt und erklärt" (1919), S* 256— 67 auf- 
gezeigt worden. 



Die modernste Deutung usw. 



Weib ja der Acker für den Mann* sei. Denn vor allem liegt 
davon im althebräischen Schrifttum auch nicht die leiseste Ahnung 
vor. Sodann welche Unnatur der Vorstellung, dass der angeb- 
liche Phallus mit Verzehren von Staub bedroht worden sein soll. 
Drittens die Feindschaft der als „Phallus" gedeuteten Schlange 
mit dem Weibe (3, 15) wäre wieder ein Scblag nicht bloss ins 
Gesicht des betreffenden Schrifttums, sondern auch gegen die 
Natur. 

Sodann bei der Auslegung des über das Weib ver- 
kündeten Richterspruchs (3, 16) geht man vom sexuellen Stand- 
punkt aus sogar zum Angriff gegen die nichtsexuelle Deutung 
über. „An dieser Stelle", so sagt man, .merkt man den Kommen- 
taren, die die erste „Sünde" nicht sexuell verstehen wollen, die 
Verlegenheit an, es fehlt ihnen die Beziehung zwischen Schuld 
und Strafe. Was wären Schwangerschafts- und Geburtsschmerzen 
für eine unsinnige Strafe für das Essen eines Apfels" (S. 28). 
Aber weit gefehlt, dass die neue Deutung triumphieren dürfte! 
Sie dürfte es nicht, auch wenn sie bei ihrem Triumphzuge nicht 
anstatt des im Texte gemeinten Ungehorsams, „das Essen 
eines Apfels" setzte. Denn der Richterspruch über das Weib 
zählt fünf Momente auf, die das Leben des Weibes auf jener 
alten Kulturstufe und insbesondere im Orient beschweren. Wie 
natürlich war es da, dass unter ihnen auch an die mit dem 
Schwangerschaft und Geburt verknüpften Schmerzen erinnert 
wurde! Es nützt also nichts, dass bei der Empfehlung der 
neuen Deutung das erste von den fünf Momenten falsch aufgel'asst 
worden ist. Die richtige Uebersetzung von 3,16 beginnt nämlich mit 
„Gar sehr werde ich viel sein lassen deine Mühsal und deine usw." 
Das Wort für „Mühsal" muss als selbständiges Moment gemeint 
sein und die besonders im Orient den Frauen obliegenden Ar- 
beiten bezeichnen. Denn wenn der Darsteller „die Schmerzen 
deiner Schwangerschaft" (S. 28) gemeint hätte, wären die Frauen, 
welche keine Kinder bekommen, in jenem Richterspruch ganz 
übergangen. 

Endlich der Versuch, die bekannten Worte, in denen das 
Strafurteil ' ü b e r den Manu erschallt (3,17—19), zu einem 

3 



Die modernste Deutung usw. 



Echo der sexuellen Gedankenwelt zu machen, beruht gänzlich 
auf der Voraussetzung, dass das Weib als der Acker des Mannes 
gedacht sei, wovon, wie schon gesagt werden musste, im alt- 
hebräischen Schrifttum keine Spur vorliegt. Aber setzten wir 
sogar einmal den Fall, dass das Weib so vorgestellt worden 
sei, was würde dann der erste Satz in dem über den Mann 
ausgesprochenen Urteil heissen? Er lautet ja: „Verflucht sei 
der Acker um deinetwillen!" Also anstatt des Mannes 
würde noch einmal das Weib mit Strafe belegt. Demnach be- 
ginnt die sexuelle Deutung dieses dritten Richterspruchs mit 
Unnatur, und diese steigert sich mit jedem Schritt, den man 
mit sexuellen Gedanken beim Lesen dieses Richterspruches vor- 
wärts tut. Oder wie? Dann könnte weiter gesagt sein: „Mit 
Kummer sollst du dich darauf nähren dein Leben lang. Dornen 
und Disteln soll er dir tragen"? Nein! die Gewalttätigkeit, mit 
der diese Worte in das Schema der sexuellen Deutung hinein- 
gepresst werden müssten, übersteigt alle Grenzen und jede 
Möglichkeit. 

So demnach meint man jetzt, die Schwierigkeiten, die be- 
treffs der Beziehungen zwischen Schuld und Strafe in der 
Paradiesgeschichte liegen und angeblich .bisher nicht gelöst 
wurden (S. 27), beseitigt zu haben. Aber wie einerseits der der 
bisherigen Auslegung jener Geschichte von den Sexualisten ge- 
machte Vorwurf ungerecht ist, so ist andererseits die Selbst- 
zufriedenheit der neuen Deutung unbegründet. Denn die schon 
bisher in der modernen Wissenschaft vertretene Beurteilung der 
Beziehungen zwischen Schuld und Strafe in jener Geschichte 
hat dieselben hinreichend erklärt, wenn sie sagte, dass die jenen 
drei Beteiligten angedrohten Strafen ihrer Natur, ihrem gesell- 
schaftlichen Stand und ihrer Kulturstufe entsprochen haben. 
Die neue Deutung aber verrenkt die Worte jener Straf urteile 
Pin Teil und gibt ihnen, wie oben gezeigt worden ist, einen 
völlig unnatürlichen Sinn. 

Und doch meint die sexuelle Auslegung des in Rede 
stehenden Textes, dass erst sie es sei, welche der wahren 
kulturgeschichtlichen Stellung des althebräischen Schrifttums 



Die modernste Deutung usw. 



in einem wichtigen Punkte zur Anerkennung verhelfe. Man sagt 
ja: „Die Ethisierung des Kultus war ein gewaltiger Fortschritt 
gegenüber den Vegetations- und Fruchtbarkeitskulten der heid- 
nischen Völker. Um diesen Fortschritt anzubahnen, musste der 
Verfasser der Paradiesgeschichte und nach ihm die Propheten 
mit ihrem hohen ethischen Pathos das Sexuelle auf eine tiefere 
Stufe herabdrücken" (S. 30). 

Aber auch in diesen Worten wird e r s t e n s ein Zusammen- 
hang zwischen Dingen angenommen, die in der Wirklichkeit 
keinen solchen gehabt haben. Der Erzähler der Paradiesgeschichte 
soll mit seiner Darstellung dem Fruchtbarkeitskulte der heid- 
nischen Völker haben entgegenarbeiten wollen. Aber von dieser 
Absicht seiner Erzählung ist einerseits im Wortlaute nichts zu 
entdecken und andererseits ist im Gegenteil darin von 
Vielheit- der Geburten (3, 16) und dem Zusammenstreben von 
Mann und Frau (2, 24 und 3, 16) die Rede. Zweitens soll 
nach der angeführten neuen Behauptung jener Erzähler und die 
Propheten einen Teil ihres Kampfes für die Sittlichkeit darin 
haben leisten wollen, dass sie „das Sexuelle" herabgedrückt 
hätten. Aber was meint man da mit diesem Ausdruck? Den 
Autoren des althebräischen Schrifttums ist es nicht im entfern- 
testen eingefallen, bei ihrem Eintreten für eine religiös-orien- 
tierte Sittlichkeit irgendwie das eheliche Betreten des 
sexuellen Gebietes einzuschränken. Nur um den „Orgien" ent- 
gegenzuarbeiten, hat die altisraelitische Ethik den Ehebruch 
schon in ihren zehn Grundprinzipien verboten und den leicht- 
fertigen Geschlechtsverkehr in vielen Stellen als einen Fluch 
der Menschheit gebrandmarkt (2. Mos. 20,14; 5 Mos. 27,20 
usw.). Aber eine „Herabdrückung" dieses Verkehrs, wie er in 
den Gesetzgebungen aller Kulturnationen als normal ange- 
sehen worden ist, darf dem althebräischen Schrifttum auch nicht 
einmal zu dessen angeblicher Emporhebung zugeschrieben werden, 
und wenn die „Propaganda für die Befreiung des Sexuellen" 
von einen ihm vorgeblich „anhaftenden Fluche" Stützpunkte 
sucht, so soll sie ihre Hände wenigstens vom althebräischen 
Schrifttum lassen. 



Romain Rolland usw. 



Die in die Paradieserzählung eingebettete Versuchungs- 
geschichte bedarf, um zu glänzen, keinerFlittergold- 
verbrämung. Denn wie sie gemäss der obigen Untersuchung 
sich schon durch ihre psychologische Tiefe und religiös-sittliche 
Zartheit auszeichnet, so nimmt sie auch deswegen einen bemerkens- 
werten Platz ein, weil sie auch in der babylonisch-assyrischen 
Literatur keine Parallele besitzt. Nur das Schrifttum der Ver- 
ehrer des Ewigen hielt die erste Pietätsverletzung des Menschen 
für einen hinreichend wichtigen Gegenstand, um ihn durch eine 
feingegliederte Erzählung vor dem Geistesauge der Menschheit 
festzuhalten. 



Romain Rolland 
und die jüdische Gegenwartsgeschichte. 

Von Dr. Oskar Wolfsberg, Berlin. 
I. 

Schwer ist es, ja unmöglich, die Zeichen der Zeit zu deuten. 
Denn jede Geschichtsdeutung ist ein gewagtes Unternehmen. 
Das rein kausale Denken ist in der Geschichtswissenschaft fast 
aussichtslos. Der Bedingungen sind viele, und das Wesen ge- 
schichtlichen Werdens ist die Einmaligkeit der Fakta. Die Un- 
möglichkeit des Experiments, etwa nach Analogie der Natur- 
wissenschaft, beweist am besten diese Sachlage. Geschichte als 
Wissenschaft im strengen Sinn ist Chronologie, also die primi- 
tivste Stufe geschichtlicher Forschung. So hat ja noch Henri 
Poincare in extremer aber anschaulicher Weise den Unter- 
schied folgendermassen ausgesprochen: 1 ) Carlyle hat ein- 
mal gesagt: Johann ohne Land ist hier einmal vorbeigegangen 
— das ist bemerkenswert, das ist eine tatsächliche Wahrheit, 
(besser wäre: das ist eine wirkliche Tatsache), für die ich alle 
Theorien der Welt hergeben würde. Demgegenüber lässt Poin- 

') Wissenschaft und Hypothese, Teubner. Leipzig 1906, Deutsch 
Ton F. u. L. Lindemann, p. 143. 



Romain Rolland usw. 381 



care den Physiker sprechen: mir ist dies Faktum sehr gleich- 
gültig, 'weil er (sc. Johann o. L.) nie wiederkommt. 

Von dieser schroffen Einseitigkeit haben sich sowohl Ge- 
schichte wie Naturwissenschaft oft entfernt. Die Naturwissen- 
schaft schliesst historische Zweige ein wie Antropologie und 
Geologie. Die Geschichte -wiederum hat besonders unter Lamp- < 
rechts Einfluss typische Wiederholungen, Gesetze, aus dem histo- 
rischen Ablauf auszusondern gesucht und dadurch naturwissen- 
schaftliches Gepräge erhalten. Weder Objekt noch Methode sind 
bei Natur- und Geschichtswissenschaft immer verschieden; nur 
wird eine andere Bedeutung oder Beziehung des Objekts ge- 
prüft. — Dennoch bleibt es wahr: in Strenge lässt sich durch 
die Geschichte nur chronistisches Material gewinnen. Alles andere 
ist Meinung. Ein System wäre dia Geschichte nur, wenn sie 
eine Ganzheit wäre, wenn sie mehr als die Summe von Tat- 
sachen, ja selbst von Kausalreihen wäre. Was der Geschichte 
Objektivität verleiht, macht sie metaphysisch geradezu wertlos. 2 ) 

Das nur als allgemeine Vorbemerkung. Wir wollen uns 
ganz in die Geschichte als empirische Wirklichkeit hineinstellen 
und Deutungsversuche anstreben. Da gibt es eine Betrachtungs- 
weise, die nüchtern wirtschaftliche unb politische Faktoren als 
massgebend erachtet und in deren geschichtlichen Abwandlungen 
den Weg der Geschichte erblickt, die kulturelle Kurve verfolgen 
andere. Endlich gibt es Denker, die das ethische Gefüge der 
Geschichtsperioden prüfen und an dem Auf und Ab moralischer 
Handlungen und Doktrinen den Stand der Zeiten messen. Manche 
sehen in der Geschichte nur die Erzählung menschlichen Dumm- 
heit wie stellenweise K o h e 1 e t h und besonders ausgesprochen 
Gustave Flau bert, andere sehen in ihr die grandiose Entfaltung 
von Vernunft und Sittlichkeit wie Hegel und, trotz allem, viele 
unserer Propheten. — Die fruchtbarste Auffassung aber ist die, 
welche uns als Gestalter des historischen Geschehens be- 
zeichnet, die nicht in mattem Fatalismus die Geschehnisse hin- 

') Driesch, Wirklichkcitslehre Roinicke, Leipzig 1917 viele 
Stellen; vgl. dazu Wolfsberg, Monismus oder Dualismus, .Jeschurun 
VIII 168-177. 234—246; insbesondere p. 174. 



Romain Rolland usw. 



nimmt als unabweisbar, sondern des Schicksals Sterne in unsere 
Brust verlegt. Ich hebe nochmals ausdrücklich hervor, dass 
diese Auffassung hier gleichsam nur als Arbeitshypothese ange- 
nommen werden soll. Beweisen lässt sie sich keinesfalls, und 
es spricht vom philosophischen Standpunkt sogar viel dagegen. 
Aber es soll eben nicht metaphysisch hier gedacht werden. Mag 
für die Metaphysik unser Streben nur mir scheinbar frei und in 
Wahrheit von anderswoher gelenkt und bestimmt sein, so wollen 
wir hier uns eben nur daran halten, dass im Erleben der Eindruck 
entsteht, als handelten wir frei. 

II. 

Was aber geht uns als Juden diese akademische Erörterung 
an? Was kann uns diese oder jene Theorie bedeuten? Nun, 
wir sind nun schon seit Jahren in der schwersten Krise unserer 
völkischen Existenz, und doch leben wir in den Tag hinein, 
ohne Einkehr bei uns zu halten. Ja, je mehr Opfer aller Art 
die Zeit fordert, umso mehr leben wir im Rausch dahin. Wir 
grübeln kaum, was die Zeitgeschichte uns lehrt, und wie wir 
möglicherweise durch eine Umstellung unserer Seelen die Ge- 
fahren umgehen können. 

In Deutschland bedurfte es in unserm der Tradition treuen 
Kreis zweier mit Blut geschriebener Artikel des Heraus- 
gebers dieser Zeitschrift s ), um unsere Augen zu öffnen für 
die Not unserer Brüder in der Ukraine. Unberührt durch die 
unerhörten Marter und Greuel, die dort schon seit 2 Jahren fast 
ohne Unterbrechung unser Volk dezimieren, geht unsere Lebens- 
bahn weiter, als ob dort mit den Brüdern nicht auch wir den 
Todesstoss erhielten. Zum Mitleiden und Mithelfen haben die 
beiden der Ukraine geltenden Aufsätze aufgerufen, und gewiss 
ist mancher aufgerüttelt worden. Aber im allgemeinen wird 
doch so schnell keine Umkehr stattfinden. Viel mehr muss der 
Einzelne sich in sich versenken, und erst durch Vertiefung in 



») Wohlgemuth: Das jüdische Gewissen Jeschurun VII, 
417—425 (auch als Separatdruck erschienen) und Die Sephirazeit usw. 
VIII 257—264. 



Romain Rolland usw. 383 



die Sprache der Geschichte wird auch die Bereitwilligkeit zur 
Rruderhilfe dauerhaft sein. 

Assimilation an ein geistiges System ist nicht das Verderb- 
lichste. Für unsere jüdische Eigenart ist noch schlimmer die 
völlige Angleichung an die alltägliche Denkart, an die Menta- 
lität der Umwelt. Tatsächlich ist dieser Prozess ausserordentlich 
■vorgeschritten. Unser politisches Denken ist völlig in den Ketten 
der Tagesgeschehnisse. Wir besangen mit unserem Wirtsvolk 
den Krieg, nicht wenige feierten mit ihm die Revolution, und 
mancher wird mit ihm die Gegenrevolution begrüssen. Die Leip- 
ziger Prozesse, die Abstimmungen in den Grenzmarken, das alles 
geht den meisten von uns mehr zu Herzen als die brüderliche 
Not und die Zukunft von "x. So huldigt das Volk der Ewigkeit 
der Vergänglichkeit. Es ist eben in allen Sätteln gerecht. — 
Die kritische Würdigung der jüngsten Vergangenheit geschah 
bei uns deutschen Juden fast durchweg vom Standpunkt des 
Deutschtums aus (mit einigen wohlwollenden Bemerkungen an 
die Adresse unserer Brüder im Feindesland durchsetzt), unter 
Voraussetzung des Dogmas vom Überfallenen friedfertigen Deutsch- 
land. Und unsere Gegenwart wird beinahe ausschliesslich nach 
ihren wirtschaftlichen Schickungen, nach dem Auf und Ab des 
„heiligen" Verdienens ge wertet. So sehr sind wir mit den vom 
Machtideal gelenkten Bestrebungen verwachsen, dass wir teil- 
nehmen an diesen die Welt zugrunde richtenden Kräften. Ja, 
wir vernehmen nicht einmal den Ruf, der einsam gegen die 
ganze Welt sich erhebt. Kaum weiden wir gewahr, dass auch 
in unserer so kranken, in Sünde verstrickten Zeit ein Mann sich 
eine Bahn sucht und sein "jm ud i'jid V?ic ruft. Von Romain 
Rollands geläuterter Denkart wollen wir im folgenden 
sprechen, der einsamen Melodie seines künstlerischen Ethos. 
Sehr wenig ist in der jüdischen Journalistik und Literatur von 
diesem Grossen die Rede gewesen. Nur hat man in jener ab- 
gestandenen und wiederkauenden Literatenart die Stellen auB 
seinem Johann-Christof zitiert, in denen von jüdischen Ge- 
stalten und jüdischem Wesen die Rede ist. Von vornherein 
sei gesagt, dass Rolland keine exakte Kenntnis jüdischer Dinge 



Romain Rolland usw. 



und Menschen besitzt. Da sind neben den edlen Juden Weill 
und Mooch höchst abstossende: Sylvain Kohn, Lucien Levy- 
Coeur etc. ; aber es ist mehr unsere als des Autors Schuld, dass 
ihm in Paris fast ausschliesslich der jüdische Typus begegnet, 
der traditionslos ist. Es ist eine fast tragische Ironie, dass wir 
einem der edelsten und gerechtesten Denker der Gegenwart ge- 
rade als jeder Tradition ermangelnd erscheinen, die wir doch 
in dem treugebliebenen Teil nichts höher stellen als die Ueber- 
lieferung. Doch wollen wir darüber hier nicht reden und uns 
damit begnügen, dass Rolland auch den assimilierten Juden 
gegenüber zu einem milden Urteil gelangt: er erkennt in ihnen 
„den Gärungsstoff der Tat, den Sauerteig des Lebens." 

Eine neue bedeutsame Lehre hat Romain Rolland in Worte 
gekleidet, in künstlerische Form gegossen. Vom Ostwaldschen 
Ideal der Wissenschaft ist sein Kunstwerk weit entfernt. Denn 
wenn es des Denkers Leistung ist. Ereignisse vorauszuschauen, 
dann hat Rolland gründlich versagt. Nicht eine seiner 
Hoffnungen ist eingetroffen. Wenn es aber den Seher und 
Mahner auszeichnet, der Menschheit bessere Wege zu weisen 
und der Wirklichkeit, wie sie brutaler Egoismus gestaltet hat, 
entgegenzuwirken und eine neuartige vorzubereiten, dann ist 
Rolland einer der seltenen Pfadfinder. Er ist der Sänger der 
Niederlage. Nicht etwa aus feiger Gesinnung heraus, aus Kleinmut, 
der den Namen Defaitismus verdiente. TJeberhaupt ist seine 
Liebe zum Bedrückten heroisch. Denn er glaubt, paradoxer 
Weise, letzthin an den Sieg der Besiegten. So leitet er das 
letzte Buch seines Hauptwerkes Johann-Christof 4 ) mit 
folgender Widmung ein: 

Indem ich dieses Werk hiermit vollende, 

Widme ich es den freien Seelen — 

Allen Völkern — die leiden, die kämpfen 

Und die siegen werden. 
Diese seine Verherrlichung der Besiegten ist nicht etwa 
der Schwäche christlicher Ethik entsprungen. Nicht mangelnder 

4 ) Johann Christof, deutsche Uebersetzung von 0. u. E. Graatoff 
in 3 Bd. Fft. x M. Ratten u. Loening. 



Romain Rolland usw. 



Mut beisst ihn den Konflikten und Kämpfen des Lebens aus- 
weichen. Er ringt sich los von dem bitteren und berauschenden 
Geschmack des christlichen Pessimismus und bedauert, freilich 
"bewundert auch die Melancholie der Christen 6 ). Nein, heldisch 
ist Rollands Gesinnung. Nur ist es ein Heroismus eigener Art. 
Er verschmäht die heldische Lüge als Feigheit und kennt nur 
ein Heldentum: Die Welt zu sehen, wie sie ist — und sie 
zu lieben 6 ). ♦ 

Wer irgend einmal im Bann einer fesselnden Idee oder in 
den Ketten einer Partei sich befunden hat, weiss, welche über- 
menschliche Anstrengung dazu gehört, dem ausserhalb dieser 
Idee oder Partei Befindlichen gerecht zu werden, dessen Existenz 
als berechtigt zuzugeben. Und wer sich so weit zu beherrschen 
gelernt hat, dass er von der Höhe seines geläuterten Denkens 
auf die Niederungen der Meinungsverschiedenheiten hinabschauen 
kann, ohne schwindlig zu werden, der allein wird es begreiflich 
finden, dass man so hohes sittliches Pathos, wie Romain Rolland 
es in sich trügt, mit solcher Duldsamkeit vereinigen kann, dass 
man nur noch eines hasst: den Uass. (Dieser Hass gegen das 
Laster, nicht aber gegen Personen ähnelt der Deutung des 
Satzes: 131 r/MOT rarr in der Auffassang der Beruria: csan 
DlttWl Vfn). Freilich darf man nicht glauben, dass Rolland in 
seinem Leben oder seineu Werken charakterlos alle Erscheinungen 

lenschlichen Lebens billigt. Er bat seinen fest umschriebenen 
Standpunkt gegenüber den Schickungen des Lebens. Aber sowohl 
im Leben wie im Kunstwerk Wnt er die relative Berechtigung 
und die Notwendigkeit auch des sittlich Minderwertigen all- 
mählich einschätzen. (Symbolisch ist die endliche Aussöhnung 
zwischen Johann-Christof und seinem alten Widersacher Lucien 
Levy-Coeur). Sein Kampf der minder heftig und grausam ist 
aber dafür unermüdlich, wird grundsätzlich mit anderen Waffen 
und für andere Ziele geführt: Kr verzichtet von vornherein auf 
Siege und Terraingewinn; er weiss, dass es eine Niederläge 

*) Romain Kolland , Das Leben Michel Angelon, übers, v W. 
Herzog. Kutten u. Loening, Fft. a. M. 1919. p. 4. 
«) ib. p S. 



Romain Rolland usw. 



seines Denkens wäre, wenn er mit den bisher üblichen Waffen 
Sieger bliebe. Das grosse fleckenlose Vorbild seines eigenen 
Lebensweges, das zu künstlerischer Vollendung (aber nie l'art 
pour l'art) gesteigerte Wort, das unablässig wiederholt und 
■variiert wird, die ethische Lehre — das ist sein Kampfwerkzeug. 
Mit ihm hofft er allmählich die Welt, die er mehr als die 
meisten Autoren kennt und liebt, zu besiegen, durch sanften, 
liebevollen Zwang. Die Bahn, in die er sie zu zwingen sucht, 
ist die Kampflosigkeit, jedenfalls das Aufhören der brutalen 
Kämpfe, die immer noch geführt werden. 

Also ist er doch ein schwacher entnervter Pazifist, einer, 
der aus Ohnmacht die Ruhe ersehnt? Keineswegs. Einen 
Kampf führt er ja, wie wir gesehen haben: den Kampf gegen 
den Hass. Und tatsächlich liegt in ihm das Grundübel ver- 
borgen. Allermeistens ist es ja eine o;n raüP, ein durch nichts 
als Neid und Missgunst motivierter, Hass, der Menschen und 
Völker entzweit. Das eine Volk drückt ihn positiv aus; es 
sucht seinen Platz an der Sonne; — als ob die Sonne ver- 
schaltet werden könnte. Das andere sagt unumwunden, dass 
es die Rivalität des Nachbarn nicht dulden wolle. Alle streben, 
weit entfernt das Existenzminimum zur Grundlage ihrer 
Forderungen zu machen, einem Maximum zu. — Von diesem 
Hass gegen den Hass abgesehen, gilt das Schaffen Roilands, 
nach der nötigen kritischen Wertung des Vorgefundenen als 
Vorarbeit, dem Aufbau der neuen Ordnung, der Gesetzgebung 
der neuen Menschheit. Er sucht das Vaterland aller Völker zu 
begründen und die Brüderschaft aller Menschen zu verwirklichen. 
In dieser ethisch fundierten Neubegründung der Gesellschaft 
werden die bisher in den Vordergrund gestellten Teilprobleme, 
die des Nationalismus und Sozialismus, ihre Lösung ohne 
weiteres finden; denn der Geist der Gerechtigkeit und Liebe 
wird alle Unausgeglichenheiten schlichten. 

Zu welcher Kraft und Kühnheit den Dichter dieser Kampf 
gegen die Welt befähigt, zeigt sein mutvoller Kampf in und 
nach dem Weltkrieg. Eine edle Fehde mit Gerhart Hauptmann, 
der damals ohne Einschränkung für Deutschlands Recht eintrat, 



Komain Rolland usw. 



und mit Verhaeren, der zum Sänger des belgischen Hasses gegen 
Deutschland wurde, einen mutigen Feldzug gegen alle 
Vernichtungspolitiker und Hasskünder führte er von der Schweiz 
aus, an Wilson richtete er bei dessen Ankunft in Frankreich 
einen dringenden Appell, in Versailles der Stimme der Mensch- 
lichkeit Gehör zu verschaffen. Als alle Bemühungen fehl- 
geschlagen waren und der Friodensschluss nur neuen Hass säte, 
da begründet er in der „Declaration de l'Independance de 
rEsprit" die neue, seine Menschheitsordnung. Das alles zeugt 
von übermenschlicher Kraft. 

Zu den besiegten Völkern treibt es ihu, zu allen Unter- 
drückten, den mmol. Bei ihnen glaubt er, die Vorbedingungen 
zum Verzicht auf Ambitionen und Machtgelüste am ehesten zu 
linden. Oft genug freilich ist das nicht zutreffend, und die 
„Uornviehnationalisten" (wie Kolland einmal sagt) werden gewiss 
durch die Niederlage mit der unausbleiblichen Demütigung und 
Knechtung zu sinnlosem, verzweifeltem llass gereizt werden. 
Aber ganz gewiss ist die .Mentalität des Siegers gefährlicher 
und sittlicher Mässigung unzugänglicher ; Brutalität und Ueber- 
mut machen sich breit. So hat Rene Schickele mit seinem 
drastischen Satz das nichtige gesagt: eher geht ein Kamel durch 
ein Nadelöhr, als ein Sieger in den Himmel Eingang lindet. 
Der Besiegte sucht dagegen statt der verlorenen, nicht wieder- 
zugewinnenden Position neue Betätigungsgebiete und macht dann 
im besten Sinn moralische Eroberungen. Ihn treibt die äussere- 
Niederlage nicht selten dazu, in sich selbsl das Feld der Wirk- 
samkeit zu erkennen und an der eigenen Vollendung zu arbeiten. 
Den Dichter aber treibt zum Besiegten die Einsicht, dass der 
Gedemütigte der Aufrichtung und des Trostes bedarf; er wird 
sie umso eher annehmen, als seine Seele durch Leid vorbereitet 
ist, sei es nun, dass er in seinem Unglück eine Strafe erblickt, 
sei es, dass er das bisherige Handeln für eitel erachtet 7 ). 

Mehr will ich in diesem Zusammenhang nicht von Romain 

') Für alles weitere muas ich den Leser auf die kürzlich er- 
schienene vorzügliche Schrill von Stefan Zweig, Romain Kolland ; 
der Mann und das Werk, Rütten u. Loening, Fft. a. M. 1921, verweisen. 



Romain Rolland usw. 



Rolland sprechen. Ich bin nicht so töricht, seine Lehren, nur 
deshalb weil sie im tiefsten sittlich sind, in unserer jüdischen 
Ethik wiederfinden zu wollen. Dieser moderne Denker schöpft 
aus gänzlich anderen Quellen. Er lehnt den Offenbarungsglauben 
ab und bringt ehrwürdiger Tradition nicht die ungeteilte Wert- 
schätzung entgegen wie der Anhänger unserer Lehre. Die Tra- 
dition, die dem Neuen, Wertvollen den Weg versperrt, die neue 
Schöpfungen hemmt, verwirft er. Tradition ist ihm mehr Ober- 
ton denn der Grundton, mehr formbedingendes Prinzip als ein 
Inhalt. Musik und die unvergänglichen Schöpfungen der Grössten 
Italiens, Frankreichs und Deutschlands sind die Quellen seiner 
Denkart. Er ist ein durchaus eigenwilliger, freier Geist. Aber 
er stimmt in einer wichtigen Angelegenheit mit unserer religiösen 
Auffassung überein : in der Abkehr von der fatalistischen Unter- 
werfung unter das blinde Walten der bis nun als wirksam an- 
genommenen Faktoren. Wenn irgend etwas für „aktive" Ethik 
und wirksame Religiosität, wie sie doch in unserer Lehre gerade 
zum Ausdruck kommt: W3?Bn s'rs -p'y «Tion vh, bezeichnend ist, so 
ist es doch die Ueberzeugung und der tollkühne Versuch, dass 
man Naturgesetzlichkeit umwandeln bezw. aufheben kann, dass 
das Sollen als die Existenzform ethischer Satzungen bei seiner 
Aktualisierung umgestaltend auf das Sein (im naturwirklichen 
unmetaphysischen Sinn) der Natur bezw. Seelenordnung und 
also auch . auf die Struktur der Gesellschaft wirkt. So ist 
Roilands Streben, das - ja ebenso wie der geschichtliche Weg 
unseres Volkes und seiner Lehre nach dem Masstab der Welt 
eine ununterbrochene Kette von Niederlagen aufweist, so wirk- 
lichkeitsfremd wie nur irgend eine Religion. Aber nur dies 
Wagnis, die Welt nicht durch kleine Reformen zu verbessern 
sondern sie in ihrem Innersten zu ändern, ist dazu bestimmt zu 
-siegen. 

Es besteht ein auffälliger Kontrast zwischen der Passivi- 
tät, zu der diese Anschauung in praxi meist führt, und der 
vita activa, die sie doch von innen, von der Seele her gesehen 
bedeutet. Aber der Widerspruch löst sich einigermassen, wenn 
man bedenkt, dass die aristokratische Ethik nur deshalb oft zum 



Romain Rolland usw. 



Schweigen verurteilt ist, weil es ihrem Wesen widerstrebt, mit 
denselben skrupellosen Methoden zu verfahren wie ihr Gegner. 
Andererseits ist sie von zu hohem Respekt und zu guter Kennt- 
nis der Gesetzlichkeit der Wirklichkeit erfüllt, als dass sie 
hoffen könnte, mit Explosivmitteln zu arbeiten. Da gilt dann 
als Arbeitsprinzip nur das: steter Tropfen höhlt den Stein. Und 
so findet ein Szenenwechsel statt, und es wird die Aktivität in die 
Seele hinein verlegt, wo sie, wie viele Beispiele aus der Geschichte 
derreligiösenundethischenGestalten lehren, bedeutende Wirkungen 
entfaltet. Wenn Keyserling sagt, dass der nächste Weg zu sich 
selbst um die Welt herumführt, 8 ) so gilt in ethischerHinsicht vielleicht 
die Umkehrung mit nicht geringerem Recht : der nächste Weg 
zur Welt führt durch alle Gänge der Seele hindurch. Hier ist 
wohl die wahre Verwandtschaft zwischen Rollands aller Gewalt- 
tätigkeit abgeneigter Moral und unserer bei aller Aktivität doch 
auch zurückhaltenden Pädagogik. Beide führen dahin, die stetige 
durch keine zweifelhaften und bedenklichen Mittel befleckte 
Arbeit an sich und den Menschen als Individuen höher zu 
schätzen als äusserlich grossangelegte, imposante Besserungs- 
versuche, die sich nur zu oft durch skrupellose Methoden desa- 
vouieren. 

Man könnte die Frage aufwerfen, warum diese in der jü- 
dischen Lehre längst bekannte Weisheit erst auf dem Umweg 
über Rolland dargestellt werden musste. Doch ist das bald 
beantwortet : zu jeder Generation spricht mit besonderer Ein- 
dringlichkeit nur ein Zeitgenosse, der unter den gleichen Vor- 
aussetzungen, in denselben geistigen und sozialen Bedingungen 
lebt. Er versteht selbst alte, begrabene Weisheit zu beleben, 
weil er ihr eine aktuelle Gestalt verleiht, die den Inhalt an- 
nehmbar macht. Unsero Gegenwart ist gegen alte Lehren 
stärker als frühere Epochen abgeneigt und tnisstrauisch, und es 
bedarf des ganzen Reichtums moderner Kultur und auf Wissen- 
schaft gegründeten Denkens, um das ethische Leben zu formen. 
Auf dem Umweg über eine hohe Kunst, die gesättigt ist mit 

H ) Motto zu ; Daa Reisotagobuch oinoa Philosophen, Reicht Dann- 
stadt 1820. 



390 Romain Rolland usw. 



dem Tau der Erkenntnis und in ihren einzelnen Werken die 
ganze Fülle von Problemen und Lösungen trägt, wie das eben 
bei Rolland der Fall ist, findet das Ethos wieder Eingang in 
die Herzen der Menschen. 

Nicht nur dass alte Lehren abblassen, weil ihnen das be- 
zwingende Gewand verloren geht — selbst die Kulturträger können 
ihres Organs für diese Weisheit verlustig gehen. So hat sich 
sogar das jüdische Volk, das so lange schon berufen ist, das 
Vermächtnis der Sittlichkeit zu hüten, ihr allmählich entfremdet. 
Da kann sogar uns Romain Rolland zum Vorbild werden, und dies 
bezweckte ich, als ich einiges über ihn und sein Schaffen be- 
richtete, das, wie selten bei Autoren, aus seinem Wesen fliesst. 
Da wir gegenwärtig so arm an grossen jüdischen Persönlichkeiten 
sind, dass wir nicht in unserer Mitte die ragende Gestalt er- 
kennen, der wir freudig und rückhaltlos folgen können, so 
müssen wir freudig Vorbilder allüberall, auch ausserhalb 
unseres Lagers, suchen und anerkennen, vfavn '"D^a bjü. Ist 
auch die Gefahr der Assimilation nicht ganz ausgeschaltet, 
wenn man sich an fremde Gestalten anlehnt, so ist doch in 
diesem speziellen Fall damit eine Hoffnung verbunden: man darf 
annehmen, dass von der Beschäftigung mit Rolland eine Er- 
weckung der latent in uns ruhenden und in unserer Literatur 
vorhandenen aber verkannten Schätze ethischer Gesinnung aus- 
gehen wird, eine Entfaltung zu neuem Leben. 

Denn bitter nötig haben wir eine sittliche Verjüngung. 
Die Laster der Gegenwart haben auch von uns Besitz ergriffen — 
die schweren Schickungen, die unser Volk trafen, mögen manches 
entschuldigen — und die moralischen Qualitäten sind im Schwin- 
den begriffen. Selbst die Frommen unter uns, die die Thorah 
zum Massstab von Denken und Handeln machen, Verstössen 
nicht selten gegen eine Reihe der Gebote rcnb diu p. Sogar 
im literarischen Leben herrscht bei uns Gereiztheit, und 
nicht selten kommt es auf öffentliche Beschämung heraus. Man 
könnte die vereinzelten Fälle als harmlos für die Gesamtheit 
registrieren, in Wirklichkeit aber sind sie typisch. Der Partei- 
kampf bei uns beweist zu deutlich, dass wir nicht die Eigen- 



Vom jüdisch-deutschen Volks- und Liebeslied 391 

schaft bewitzen -wie Romain Rolland, die Welt zu sehen, wie sie 
ist — und sie zu lieben. Wir sehen sie nicht, wie sie ist, noch 
wie sie sein sollte, sondern nur, dass sie anders ist, als wir es 
möchten — und von Liebe kann gewiss nur selten die Rede 
sein. Die Traditionstreuen verstehen gar zu selten die geistige 
Not derer, die sich nicht leichtfertig entfernt haben, diese grosse 
Leistuug vieler Treugebliebenen, und bei den Politikern vollends 
räumt kaum jemals einer dem anderer Meinung Huldigenden 
Daseinsrecht ein. Nur wenige stehen verständnisvoll zwischen 
den Extremen und wissen oft nicht, ob der selbstgerechte Fana- 
tismus jener oder ihr eigener vermittelnder Standpunkt, dem 
die naive Sicherheit nur zu oft fehlt, im Recht ist. — Eins 
ist — von allem anderen abgesehen — gewiss: die Verhetzung, 
die durch den Kampf in unsere Reihen kommt, ist eine Gefahr, 
Sie ist ein Laster im Sinn unserer jüdischen Ethik und im Geist 
Rollands. Und sie ist für uns verhängnisvoller als für boden- 
ständige Nationen. Unsere Waffe ist der geistige und sittliche 
Vorsprung. Das Scheitern jedes grossen Erziehungsstrebens, 
das den Verfall des Thorahwissens verhindern soll, das Miss- 
lingen jedes bedeutenden völkischen Wurfes besonders in koloni- 
satorischer Hinsicht ist nicht zuletzt auf das Konto der Unver- 
BÖhnlichkeit, des ohne moralische Hemmungen geführten Partei- 
karapfes zu setzen. Von seiner Veredelung und Abschwächung 
wird es deshalb abhängen, ob wir künftig mit mehr Erfolg als 
bisher kulturell und politisch wirken werden. 



Vom jüdisch-deutschen Volks- und 
Liebeslied. 

Von Rabbiner Dr. Rosenthal-Cöln. 

Die jüdisch-deutsche Literatur, über die ich vor einigen 
Semestern an der Handelshochschule der Universität Cöln gelesen 
habe, ist in ihren ersten Erscheinungen aus dem 11. — 13. Jahr- 
hundert zunächst rein deutsch mit hebräischen Schriftzeichen. 
Dann, vom 16. Jahrhundert an, in den jüdisch-deutschen Ge- 



Vom jüdisch-deutschen Volks- und Lieheslied 



schichten- und Märchensammlungen ist sie Uebersetzungs-, da- 
neben in Sitten- und Erbauungsbüchern religiöse Literatur; in 
der Sprache sich langsam zum Dialekt entwickelnd, nach Form 
und Geist im engen Anschluss an das damalige allgemeine 
Schrifttum. Auf dem Wege des Fortschritts von diesen primi- 
tiven Anfängen bis zu einer aus der r jiddisch" sprechenden Volks- 
masse herausgewachsenen, alle Zweige selbständig und eigen- 
tümlich umfassenden Literatur im Laufe des 19. Jahr- 
hunderts — auf diesem Wege spielt das jüdisch-deutsche Volks- 
und zumal Liebeslied eine besondere Rolle. Die Mischung des 
allgemein Volksmässigen und rein Deutschen mit spezifisch Jü- 
dischem kommt darin am deutlichsten zum Ausdruck. 

Gewisse, zum Teil ganz alte Lieder werden noch heute 
vom ostjüdischen Volke gesungen, als wären sie gestern erst 
entstanden; Spiel-, Rätsel- und Wunschlieder werden in den 
Judengassen Polens und Litauens, in den Judenvierteln Londons- 
und New-Yorks aus Kindermund gehört, die schon im 15. und 
16. Jahrhundert in Deutschland bekannt gewesen sind. Es wäre 
nun übereilt, den Schluss zu ziehen, dass alle diese Liedchen 
deutschen Ursprungs sind. Sie gehören grösstenteils zu den 
universellen Volksliedern, und ihre Verbreitung kann bei fast 
allen europäischen Volksliedern nachgewiesen werden. Nur dass 
jedes Volk sie für sein Eigentum hält und sie auf seine eigene 
Weise singt. — Da ist ein lebendiges und belehrendes Bei- 
spiel das uralte Lied vom Zicklein*), das „mein Vater um zwei 
Bazzen kaufte", und das von der Katze aufgefressen wurde, 
worauf dann in naiver Folge die Katze durch den Hund, der 
Hund durch den Stock, der Stock durch das Feuer, das Feuer 
durch das Wasser, das Wasser durch den Ochsen, der Ochs 
durch den Schlächter, der Schlächter durch den Todesengel und 
der Todesengel endlich durch den lieben Herrgott selber Strafe 
und Vergeltung finden. Dieser kindlich geschaute und durchge- 
führte Kausalnexus ist im jüdischen Passah-Gebetbuch der Aus- 

*) Vgl. dazu die Einleitung von J. L. C ah an 's Sammlung jüd- 
Volkslieder (New- York 1912). In ihr befinden sich auch die jüdisch- 
deutschen Originale meiner Uebertragungen. 



Vom jüdisch-deutschen Volks- und Liebeslied 

druck geworden für die Ueberzeugung, dass alles Geschehen, 
und zumal das im Leben des von Gott auserwählten Volkes, 
Biefa als eine von einem höhereu Willen beeinilusste und 
schliesslich in ihn auslaufende notwendige Kette darstellt. Ein 
uraltes, zunächst religiös völlig indifferentes Motiv ist hier vom 
jüdisch-deutschen Volkslied aufbewahrt und umgemodelt worden 
Motiv ist weithin durch Europa verbreitet. Im Neugriechischen 
klingt das Lied ungefähr 80 : 

War ein armer, alter Mann, 

Hatte einen grossen Hahn, 

Hahn hat gekräht und geweckt 

Den Armen, den Alten. 

Kam der Fuchs geschlichen, 
Hat den Halm zerrissen. 
Der gekräht hat und geweckt 
Den Armen, den Alten. 

Kam der Hund gegangen, 

Hat den Fuchs gefangen, 

Der den Hahn zerrissen, 

Der gekräht hat und geweckt usf. 
80 geht die Reihenfolge weiter, um immer wieder zum 
krähenden Hahn zurückzukehren. In anderen Volksliedern eng- 
■ 1 . französischer, italienischer Zunge und ebenso der slavischen 
Spmchen, desgleichen in Siain und Persien, linden sieb Parallelen 
zu unserem Lied, nur dass der Ausgangspunkt mannigfach 
wechselt. .Sogar im Pantschatantra, dem berühmten indischen 
Fabelwerk aus dem 5. nachchristlichen Jahrhundert, sind Ana- 
lugieen vorhanden und berechtigen zu der Annahme, dass das 
Lied der Urzeit angehört und vom fernen Osten herstammt 
Auch in seiner jüdisch-deutschen FassuDg ist das Lied über den 
ursprünglichen Kreis hinausgedrungen uud allgemeineres Volks- 
gut geworden. Es ist (vgl. _Kin Zicklein' in Arnim und 
P.rentano: „Des Knaben Wunderhorn") mit seinen lle- 
braismen (Schochet-Sehlächter, Malach Ilamraowes-Todes- 
engel) deutsches Volkslied geworden. — 



Vom jüdisch-deutschen Volks- und Liebeslied 



Wie das Volkslied wandert, und wie von dieser Ein- 
wanderung und Auswanderung des Volksliedes auch das jüdisch- 
deutsche Schrifttum keine Ausnahme macht, dafür bietet einen 
ferneren Beweis die Rätselfrage, die sich in den Volks- 
balladen fast aller Sprachen findet. Zumeist handelt es sich um 
eine ganze Reihe von Fragen und Antworten, durch welche die 
Liebenden den Scharfsinn gegenseitig prüfen und zu gleicher 
Zeit ihre Liebe sich beteuern. Solche Rätselspiele finden sich 
bereits in der Bibel und auch dort, wenn auch nicht mit Be- 
ziehung auf das Verhältnis der beiden Geschlechter, so doch 
bei Gelegenheit von Verlobung und Hochzeit. Simson, der im 
Walde eines toten Löwen Honig genommen hatte, gibt beim 
Hochzeitsmahl seinen Tischgenossen, den Philistern, ein Rätsel 
auf: „Vom Starken kam Süsses, und vom Fresser kam Speise"; 
und sie antworten ihm in Gestalt der Rätselfrage: „Was ist 
süsser als Honig, und was ist stärker als der Löwe?" Gerade 
diese Form, in der das anscheinend Unüberbietbare überboten 
werden soll, hat sich durch alle Länder und Zeiten als die be- 
liebteste und volkstümlichste Art des Rätselspiels erhalten. So 
heisst es in englischen und schottischen Balladen: Was ist 
länger als der Weg und tiefer als das Meer? Was ist heller 
als das Hörn und spitzer als der Dorn? Was ist grüner als 
das Gras und schlimmer als ein Weib? — und geantwortet 
wird: „Die Liebe ist länger als der Weg; die Hölle tiefer als 
das Meer ; der Donner heller als das Hörn : der Hunger spitzer 
als der Dorn; Sammet grüner als das Gras ; der Teufel schlimmer 
als das Weib." Im serbischen Lied sitzt das Mädchen am 
Meeresstrand und fragt: „Was ist breiter als das Meer und 
länger als das Feld und schneller als das Pferd und süsser als 
Honig und teurer als ein Bruder?" Ein Fischlein schnellt aus 
dem Wasser und antwortet: „Ist nicht der Himmel breiter als 
das Meer; das Meer nicht länger als das Feld; das Auge nicht 
schneller als das Pferd ; Zucker nicht süsser als Honig ; der 
Liebste nicht teurer als der Bruder?" In dieser dem Liebes- 
lied verwandten Form kehrt das Rätsellied im Jüdisch-deutschen 
in mannigfachen Variationen wieder. Zum Beispiel : 



Vom jüdisch-deutschen Volks- und Liebeslied 



Du Mädele, du schönes, du Mädele, du feins, 
Ich will dich fragen ein Rätsel, ein kleins : 
Wo ist ein Wasser ohne Sand ? 
und wo ein König ohne Land ? 
„Das Wasser vom Aug' ist ohne Sand, i 

Der König von Karten ohne Land ! " 
Fragen übrigens und Antworten, die sich in rein deutschen 
Liedern völlig entsprechend wiederfinden (hier wie dort auch 
das charakteristische samd für nhd. Sand). 

In die Gruppe dieser Rätsellieder kann man auch ein- 
beziehen jenes schelmische Fragespiel, in dem das „Ding" 
geraten werden soll, welches das Mädchen haben will, bei uns 
in Cöln wohlbekannt in der Form: 

Moder i will ein Ding han! 
Wat for'n Ding, min Herzenskind? 
Ein Ding, Moder, ein Ding! 
Willst du denn ein Kettche han? 
Ne, Moder, ne! 
Du bist kein gode Moder, 
Du kannst dat Ding nicht raten, usw. 
Dieses Lied lebt unter den Juden Warschaus in folgender 
Gestalt: 

Jörne (Eigenname), spiel mir ein Liedelein, 

Was will das Mägdelein? 

Mägdelein will ein Paar Schühlein haben — 

Mu8s man gehn, dem Schuster sagen! — 

Nein, Mammeschi, nein! 

Du kannst mich nicht verstehn (jüd. : verstein), 

Du weisst nicht was ich mein'. 

Jörne usw. 

Mägdlein will ein Hütlein haben, 

Mu8s man gehn, der Putzerke (Putzmacherin) sagen! 

Nein, Mammeschi, nein usw. 

Mägdlein will ein Paar Ohrringe haben, 
Muss man gehn, dem Goldschmidt sagen! 



Vom jüdisch-deutschen Volks- und Liebeslied 



Mägdlein will einen Bräutigam haben, 

Muss man gehn, dem „Schadehen" sagen! 

Ja, Mammeschi, ja! Du kannst mich wohl verstehn, 

Du weisst wohl, was ich mein." 

(Schadehen = Heiratsvermittler; wie es überhaupt be- 
zeichnend und dem Tatsachen-Sinn der betreffenden Bevölkerung 
entsprechend ist, dass in der ostjüdischen Fassung des Liedes 
immer gleich die Person angegeben ist, die zur Erreichung des 
begehrten Gegenstandes zu verhelfen vermag). 

Die angezogenen Proben spielen zum grossen Teil bereits 
in jene Liedgattung hinüber, die im Volkslied den breitesten 
Raum einnimmt, in das Liebeslied. Das Liebeslied ist eine 
alte Erscheinung der jüdischen Volksliteratur. Hatte ja auch 
schon im 16. Jahrhundert die ins Jüdisch-deutsche übertragene 
Roman- und Liebesliteratur der damaligen Zeit eine ungeheure 
Verbreitung unter der jüdischen Masse gefimden, und alle 
Bemühungen der Geistlichen gegen die Lektüre dieser Bücher 
erwiesen sich als vergeblich. — In der ältesten handschriftlichen 
Volksliedersammlung in jüdisch-deutscher Schrift und Sprache, 
die sich in der Bodlejana-Bibliothek in Oxford befindet, einer 
Sammlung, die zwischen 1595 und 1605 in Worms zusammen- 
gestellt wurde, lesen wir folgendes Lied: 

Jungfräulein, wollt ihr nit 

Mit mir ein Tänzlein ton? 

Ich bitt, ihr wollt's mir nit 

Verübel ho'n. 

Fröhlich muss ich sein, fröhlich muss ich sein, 

Daweil ich es hab und kann. 

Euer zarter junger Leib 

Hat mich in die Lieb' verwundt, 

Und euer Aeugleiu klar, 

Dazu ein roter Mund. 

Schliesst euer Arme ein, Feinslieb wohl in mein', 

So wird mein Herz gesund. 



Vom judisch-deutschen Volks- und Liebeslied 



Von nicht geringerer Bedeutung als die Frage nach dem 
Ursprung dieses Liedes ist die Feststellung der Tatsache, dass 
solch heisse und stürmische Liebeslieder im 16. Jahrhundert 
von der jüdischen Masse gekannt und gesungen worden sind. 
Wir haben da ferner ein anderes altes Liebeslied, das 
sich in einzelnen Strophen im heutigen Volksgesang noch findet: 
Ich kam vor mein Feinliebchens Tür, 
Die Tür war zugeschlossen, 
Der Riegel war dafür. 

Feines Lieb und lass mich ein, 
Ich bin also lang gestanden, 
Derfroren möcht ich sein. 

Ich lass dich nicht herein, 

Denn du gelobst mir die Treue dein, 

Dass du mein eigen willst sein. 

Die Treue gelob ich dir nit, 
Lieb will ich dich haben, 
Aber nehmen will ich dich nit. 

In seinem Grundgedanken: Der vor verschlossener Tür 
wartende Liebste, dem auf sein Bitten endlich geöffnet wird, 
und der dann seinerseits dennoch versagt, — wie auch in 
seinen Einzelzügen hat dieses Lied sein Vorbild im uralten 
Hochgesang der Bibel auf die Liebe, im Hohen Liede Salomos. 
(Wie das Hohe Lied die deutsche Minneliteratur beeinflusst hat, 
ist in einem 1904 in Nr. 726 der Kölnischen Zeitung erschienenen 
Aufsatz: „Das Hohe Lied in deutschen Reimen aus dem 
13. Jahrhundert" von mir behandelt worden). Wir lesen im 
II. L. (5. 2—6): 

Horch, es pocht mein Liebster: „Oefihe mir, mein© 
Schwester, meine Traute, meine Taube, meine Fromme, denn 
mein Haupt ist voll Tau, meine Locken voll Tropfen der Nacht". 

„Mein Gewand hab' ich abgetan, soll ich's wiederum 
anziehn' J Meine Füsse gebadet, soll ich sie wiederum beschmutzen?* 

Doch mein Liebster winkte mit der Hand durch die 
Oeffnung der Tür, und da ward mein Inneres heiss um ihn. 



398 Vom jüdisch-deutschen Volks- und Liebeslied 

Aufstand ich meinem Liebsten zu öffnen — doch mein 
Freund war fort, verschwunden! Nun sucht' ich ihn und fand 
ihn nicht, rief nach ihm, und er antwortete nicht. 

Dieses uralte Motiv des Einlass begehrenden Liebsten 
klingt auch im modernen jüdisch-deutschen Liebeslied deutlich 
nach. Da geht die Zwiesprach : 

„Oeffen mir das Türele !" 
„Oeffenen will ich nit!* 

„Ein Regen geht, ein Wind weht, 

Ich will abtun mein seiden Kleid ! " 

„Oeffenen will ich nicht!" 

„Was soll ich streiten ? 

Man schläft bei allen Leuten. 

Ein Wind weht, ein Regen geht, 

Ich werd' vernetzen mein seiden Kleid !" 

„Leg' dich aufs Gräsele!" 

„Wer wird mich zudecken ? 

Und wer wird mich aufwecken?" 

„Das Blatt vom Baum wird dich zudecken, 

Die Vögelein werden dich aufwecken : 

Wirst geben dem Hündchen ein gutes Wort, 

Wird es dich lassen an seinen Ort." 
Wenden wir uns nun zum modernen jüdisch-deutschen 
Liebeslied überhaupt, das alle Situationen des Liebessehnens 
getreulich widerspiegelt, so gibt wohl schon das eben mit- 
geteilte eine Probe der Reinheit, Treuherzigkeit und köstlichen 
Naivität, die seine charakteristischen Merkmale bilden. Die alte 
unsterbliche Menschensehnsucht zu einander kommt in ihm zum 
Ausdruck in einer kindlichen Natürlichkeit, die abgeschattet ist 
durch das besondere Verhältnis jener Volksschichten zum 
Elternhaus und auch zur Religion, bisweilen auch seltsam belebt 
durch ganz neuzeitliche, selbst technische Bilder und Begriffe 
aus der Umwelt der Fabrikarbeit und des Maschinenbetriebs, 
in welche die ostjüdische Masse hineingestellt worden hat. 
Bezeichnend für das religiöse Moment ist das Liedchen : 



Vom jüdisch-deutschen Volks- und Liebeslied 399 

„Spielt mir auf den neuen Tanz, 

Der ist herausgekommen ; 

Hab' mich verliebt in ein Mädchen, ein schön's, 

Und kann zu ihr nicht kommen. 

Ich wollt' schon zu ihr kommen, 
Sitzt sie gar so weit ; 
Ich wollt' ihr ein Küsslein geben — 
Schäm' ich mich vor Leut'. 

Nicht also vor Leut', 
Wie vor Gott allein. 
Ich wollt' mit ihr verbringen die Zeit, 
Und keiner soll dabei sein." 

Auch in der rührenden Klage des vereinsamten Mädchens 
schwingt der religiöse Unterton im Auftakt ergreifend mit : 
Meine Sabbath- und Feiertage 
Sind mir geworden zerstört . 
Seit ich hab' deine Liebe erkannt. 
Liegt mein Gesicht in der Erd'. 

Ich ess' nit, ich trink' nit, ich schlaf keine Nacht, 
Ich tu nur bangen nach dir ; 
Und du hast vielleicht schon ein' andre an Seit" 
Und hast schon vergessen zu mir. 

Wenn ich war' ein Vöglein vom Wald, 
War' ich zu dir geflogen ; 
Wenn ich hätt' ein Strickelein, 
War' ich zu dir gezogen. 

Wenn ich war' ein Fischlein vom Wasser, 
War' ich zu dir geschwommen ; 
Und so ich wüsste, wo du bist. 
War' ich zu dir gekommen. 

Ich bitt' dich in Treuen, 

lass dich gereuen 

Und hab' schon Erbarmen mit mir ! 

Mach' auf mein Herz, 



Vom jüdi.sch-deutscheu Volks- und Liebeslied 



Wirst du sehn meinen Schmerz, 
Wirst du schon kommen zu mir. — 

Die Eltern sollen helfen — auch in des Herzens Sturm 
und Drang bleibt das kindliche Verhältnis und spricht aus 
folgendem Lied: 

„Vater meiner, getreuer, 

Mutter süsse, mein Leben ! 

Löscht aus in mein' Herzen das Feuer, 

Sollt ihn zum Mann mir geben. 

Sobald ihr mir ihn nicht werd't geben, 
So kostet es mich mein Leben. 
Wird euch schon nicht helfen das Sparen — 
Werd' müssen mit ihm abfahren". 

„Tochter, du bist doch närrisch ! 
Verblendet dein' Augen sind ! 
Die Lieb' ist dir wie der Tod, 
Sie bringt dich zur Erd' mein Kind. 

Wirst haben einen Mann, schön wird er sein, 
Vor Gott und vor Leut'! 

Nicht wirst du mit ihm die Jahr ausführen — 
's ist nur für ein' kurze Zeit!" 

Aber letzten Endes bezwingt eben doch die Liebe den 



Gehorsam: 



Ich mit meinem Bräutigam, 
Mein Mammeschi in der Miit': 
Hochzeit will ich machen. 
Mein Mammeschi lasst mich nit. 

Ich schau' nicht auf Mammesch, 
Ich hör' nicht ihr Wort. : 
Ich nehm' meinen Bräutigam 
Und geh' mit ihm fort. 

Ich geh' mit ihm fort 

In die weite Welt hinein ; 



Jakob Wassermanns Weg 



Und soll ich zum Tod gar kommen 
Mein Mann muss er sein ! 

Das sind einige Stichproben des modernen jüdisch- 
deutschen Liebesliedes. Die von mir versuchte Uebertragung 
in uas Hochdeutsche hat natürlich von der ursprünglichen, reiz- 
vollen Färbung und Kraft des Originals gar manches eingebüsst. 
Nichtsdestoweniger wird sie erkennen lassen, wie stark das 
liederbildende Element im Sinne der reinen Volksdichtung in 
der ostjüdischen Masse gegenwärtig vorherrscht, und wie frisch 
dieser Quell eines gesunden Volkstums in einem Menschen- 
schlage sprudelt, in dem Druck und Drang, Absperrung von 
Licht und Luft bei geringerer Widerstandskraft schon längst 
jede natürliche Lebensregung und -Aeusserung erstickt hätten. 
Dass diese Widerstandskraft nicht zuletzt auch aus den un- 
versiegbaren und unverschüttbaren religiös-sittlichen 
Quellen des Judentums gespeist wird: auch diese Wahrheit 
drängt sich auf und wiegt um so bedeutsamer, als es sich um 
Aeusserungen handelt, in denen, . stärker als irgendsonstwo, der 
Genius der jüdischen Masse zum Ausdruck kommt. 



Jakob Wassermanns Weg'). 

Von Dr. Hermann Weyl, Frankfurt a. Main. 

I'as Typische hier ist, dass Heimat gesucht wird, mensch- 
liche, geistige Verwurzelung. Dass aber ein Künstler Bie erstrebt, 
macht den Fall interessanter und problematischer. Ursprünglich 
ist jedes Künstlertum entwurzelt. Es kennt nur das individuelle 
Gefühl, und erst wenn es reift, findet es seine menschliche und 
geistige Heimat. Aber während seiner ganzen Entwicklung ist 
es von dieser heimatlichen Sehnsucht bewegt, und es geschieht, 

auf dem Weg dieser Entwicklung Ruhepunkte gesetzt 
werden müssen, vorläufige geistige Stationen, die menschliche 
Bindung bedeuten und das eigentliche Geistige verlassen. 



') Jakob Wiiiermtnn: Mein Weg als Deutscher und 
Juck'. Berlin l'J21 S. Fischer Verlag. 



402 Jakob Wassermanns Weg 

Allein der kosmopolitische Künstler findet schliesslich nur noch 
das Universum als seine Heimat, und die Grössten sind im 
Grunde heimatlos, weil sie die ganze Welt als ihre Heimat 
erkannt haben. 

Meist aber ist das künstlerische Bewusstsein von anderen 
menschlischen Qualitäten überlagert. Man ist wohl Künstler, 
aber in einem bestimmten volklich begrenzten Daseinskomplex. 
Jetzt heisst künstlerische Aufgabe nicht mehr menschliche Ge- 
staltung überhaupt, sondern die einer begrenzten Menschengruppe, 
der man sich als Glied zugehörig fühlt, mit dem sehr bestimmten 
Bewusstsein, ihr künstlerischer Erschauer und Gestalter zu sein. 
Aus der rein geistigen Berufung wird eine mehr menschlich 
gebundene, eine nationale, und der Dichter ist jetzt auch Patriot. 
Der tiefere Grund, warum der grösste Teil der vaterländischen 
Kunst im innersten so fragwürdig bleibt, ist: der Inhalt, wohl- 
bekannt und ergreifend, rührt gewohnheitmässig, die Gestaltung 
aber ist Nebensache. Doch Künstlertum ist Gestaltungsdrang 
und Gestaltungskraft. — 

Von dichterischem Schaffenstrieb geleitet, hat Jakob 
Wassermann gelebt. Ursprünglich ringt er als schöpferischer 
Mensch, später erst als Kind einer Gemeinschaft. Zwar fühlt 
er sich von Anfang an der deutschen Kultur innig verbunden. 
Gewisse deutsche Menschentypen interessieren ihn, doch mir 
bleibt fraglich, ob das Wertvollste an ihnen nicht gerade das 
Allgemein-Menschliche sein muss; deutsche Landschaft erlöst 
ihn, doch müsste ihm jede eigentümliche Landschaft letzte und 
innige Erlebnisse gewähren. 

Aber wir stellen es fest: er beschränkt 6ich bewusst und 
fast selbstumgrenzend auf das deutsche Leben. So unproblematisch 
ist er, dass er hoffen kann, in einem bestimmten beschränkten 
Milieu sich vollenden zu können. Daher vermag er bei unge- 
wohnten menschlichen Komplexen nicht mehr als nur ganz ober- 
flächlich zu sein. Was ihm Jude heisst, ist ein etwas nebel- 
haftes Wesen, mit vom nichtjüdischen Vorurteil diktierten Eigen- 
schaften. Fast sind wir verführt anzunehmen, dass ihm auch 
eine oberflächlichste Kenntnis jüdischen Geistes- und Volkslebens 



Jakob W33sermami8 Weg 



fehlt. Ihm begegneten Zerfallserscheinungen — sofort erschliesst 
er das Wesen des Judentums aus einem verzerrten Gebilde. 

Anscheinend ist das bildkünstlerische Erlebnis in ihm so 
stark, dass er gar nicht zur 'weltanschaulichen Tiefe vorzudringen 
•vermöchte. Gebärden, Gefühle, soziale Aeusserungen sind ihm 
letzte Tatsächlichkeiten, deren weltanschauliche Bedingtheit zu 
entdecken er Unwillens ist. So fehlt ein denkerischer Zug, ohne 
den man auch kein umfassender Dichter sein kann. — 

Ganz gefühlsmässig nur nimmt er zu ganzen Kulturen 
Stellung; bringt nicht die geistige Kraft und auch Abstraktion 
auf, um wenigstens vorübergehend von der Erscheinung abzu- 
sehen und das .Wesen" zu erfassen. Immer neu ergriffen steht 
er vor jeder Individualität; aber es fehlt der tiefe Blick, der 
alles Individuelle an eine Notwendigkeit verkettet. — Daher 
ist ihm Jude-sein eine Existenzform mit gewissen Gebärden, 
Gefühlen, geistigen Instinkten, menschlichen Eigenschaften usw., 
ein unklares Gebilde; es fehlt die Erkenntnis einer jüdischen 
Idee. 

Jüdisches Wesen bedeutet eine menschlich-geistige Ein- 
stellung, die das ganze jüdische Dasein bestimmt. Eine reli- 
giöse Denkart bildet sich, die trotz aller Verschiedenheiten ein- 
heitliches Gepräge hat und auch das Volksleben durchzieht. 
Davon ahnt Wassermann nichts. Wie so viele erkennt er im 
Christentum eine religiöso Wendung, die das Judentum erst 
vollenden müsste. Aber da ihm der Geist des Judentums ver- 
borgen bleibt, verweigern wir ihm die Berechtigung, eine Ent- 
wicklung zum Höheren zu behaupten, wo ihm doch dus schon 
rein logisch geforderte Ausgangsglied verschlossen ist 

Das ursprüngliche Christentum ist nur eino ethische Kom- 
ponente, eine .gefühlsmässige Abstraktion* des Judentums. 
Aber Wassermann sieht nur Menschen und keine geistigen 
Welten. Dies ist seine ganze Unzulänglichkeit. 

Ueber seine Stellung zum Deutschtum fassen wir uns 
kurz. Unzweifelhaft hat er zu deutschen Werten ein tiefes 
Verhältnis. Deutsche Menschen umgeben ihn, in ihnen ver- 
mocht« er eine gewisse Ewigkeit zu erkennen. Aber das Wert- 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



vollste an ihnen ist das schlechthin Menschliche. Hier etwas 
spezifisch Deutsches zu sehen ist, wiederum eine gedankliche 
Unklarheit. 

Je einfühlender man dies Bekenntnisbuch liest: man ersieht 
die seelische Einsamkeit des Dichters. Schöpferischer Mensch, 
von der Idee seines Schöpfertums so beseelt, dass ihm ein freier 
Blick für die Objektivität fehlt, sucht er Bindungen und fühlt 
als Deutsch-Jude sich zwitterhaft. Hätte er letzte weltanschauliche 
Tiefe, er vermöchte denkerisch Wurzel zu fassen und dabei doch 
ein grosser Künstler zu sein. Wir berühren hier unserer 
Meinung nach seine Problematik. — Er selbst erlebt sie wahr- 
scheinlich noch unmittelbarer, denn der Ausklang des Bekennt- 
nisses ist auch nur ein Fragezeichen. Es bringt keine Ent- 
scheidung und keine Andeutung einer Lösung. Nur als Künstler 
ist Wassermann mit der Welt versöhnt, nicht als Mensch einer 
Gemeinschaft. Ein persönlich-individualistischer Grundton durch- 
zieht das Bekenntnis. Sein Individualismus wäre in einem 
bestimmten gesellschaftlichen oder auch volklichen Menschen 
komplex vielleicht gefühlsmässig zu überdecken, nicht aber 
geistig aufzubeben in einer Gemeinschafts i d e e. — Seine 
dichterische Sendung bleibt von diesen Ausführungen unberührt. 
Sie ruht in einer anderen Wertungssphäre und wird von der 
weltanschaulichen Kritik nicht mitbetrotfen. — 



Moderne westliche Ghettoliteratur. 

Von Dr. Armin Blau-Hamburg. 

(Schluss ) 

Nach diesen Düsterkeiten und Trübseligkeiten der Amster- 
damer und New Yorker Ghettoschilderungen gelangen wir mit 
der Besprechung von Israel Zangwill, dem Schilderer 
des Londoner Ghettos, in sonnigere Gefilde. 

Zangwill hat nicht umsonst die Luft Englands von 
Jugend auf geatmet, Englands, des klassischen Landes des 
Humors. In England ist von jeher, seit den Sentimen- 
tal i s t e n des XVIII. Jahrhunderts, das Wort Humor nicht 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



in dem verwaschenen, indifferenten Sinn von „Stimmung", „gute 
Laune", „fröhlicher Witz", gebraucht worden. Vielmehr waren 
die englischen Humoristen (Addison, Steele. Richardson, Young, 
sie alle sammelte Thackeray unter einem bezeichnenden Titel 
in dem bekannten Bande: „The English Humorists") Vertreter 
einer Stilgattung, deren Wesen vor allen Dingen in der schranken- 
losen Herrschaft der Subjektivität des Gefühls 
besteht, wie sie in Deutschland etwa in Jean Faul, theo- 
retisch und auch in seinen Werken, ihren Gipfelpunkt erreicht 
hat. Der englische Humor ist in allen seinen Erscheinungen 
etwas Edleres, Tieferes. Differenzier teres, als da*, 
was wir in Deutschland unter Humor verstehen. Wie abgeblasst 
und vulgarisiert der deutsche Begriff „Humorist" im Gegensatz 
zur englischen Auffassung des Wortes ist, lässt. sich am besten 
daran erläutern, dass man etwa Wilhelm R a a 1> e oder Gott- 
fried Keller in Deutschland selten als „Humoristen" be- 
zeichnen hört. Sicherlich würde man in England sie in diese 
einordnen. 

Ein solcher Humorist englisch-jüdischer Prägung ist Israel 
Z an g will, kein blosser Nachahmer überkommener Muster, 
sondern ein Eigener, Eigenwilliger. Der Humor Zangwills ist 
ein Humor der Charaktere (englisch) und der Anti- 
these (jüdisch). Nähere Merkmale wären noch etwa : 
eine verblüffende Komik der Situationen, ein Eintreten- 
lassen des Unerwarteten, ein Auf-den-Kopf- 
S teilen (topsy-turvydom) der Tatbestände, Szenerien, An- 
schauungen, eine oft bis ins Groteske und Bizarre gesteigerte 
Mischung des Tragischen und Pathetischen 
mit dem Komischen, ein Humor, der weint und lacht 
zugleich, ein Lachen unter Frühlingsschauern der Wehmut, ein 
Humor, der noch in der tiefsten Tragik das Antithetische, das 
Narren hafte der Situationen aufstöbert. Ks liegt nahe, 
den Dialog Zangwills mit dem in gleichem lloist funkelnden 
eines B. Shaw, 0. Wilde zu vergleichen. Hier wie dort 
werden die feierlichsten Gefüblssituationeu durch kleine Iro- 
nien, Bosheiten oft ins Gegenteil verwandelt; man weiss nicht 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



immer, wo zutiefst des Dichters eigne Meinung und Sympathie 
zu suchen ist. Doch muss man bei aller Anerkennung wohl ge- 
stehen, dass Zangwill das weit kleinere Genie ist; es fehlt ihm 
vor allem zum grossen Zeitsatiriker (was die beiden grossen 
Engländer besitzen) das Suchen nach der grossen sozialen Heils- 
wahrheit, es fehlt seiner Ironie der sozialkritische 
Einschlag und das blitzartig erhellende Genie des grosse 
Zusammenhänge erfassenden Weltgeistes. 
Nach dieser Einschränkung muss aber rückhaltlos gesagt 
werden, dass Zangwill, wenn auch nicht auf dem Gebiete der 
europäischen Kunst, so doch für die künstlerische 
Gestaltung jüdisch er Menschentypen neue Bahnen 
aufgezeigt hat. Zangwill findet eine neue Menschenwelt im 
modernen Londoner Ghettoviertel, inWhite- 
c h a p e 1 , dem East-End der grössten Stadt der Welt. Hier 
ist der gegebene Boden für die ungezählten „Humore" Zang- 
will'scher Prägung, die „crusted characters", hier wachsen noch 
jene Originalköpfe und Doppelnaturen, jene weltverlorenen 
Schwärmer und Träumer neben den krassesten Realisten und 
Lebenskünstlern. Im Londoner Ghetto, wo die getretensten, 
erschöpftesten, unterdrücktesten Juden Russlands eine Zuflucht 
linden und den ersten Hauch moderner Kultur empfangen, in 
London, dem Brennpunkt alles Weltgeschehens und aller Lebens- 
erscheinungen der Zivilisation, — da muss der russische Jude 
gerade mit all seiner aufgespeicherten Intelligenz, mit seiner 
Rechthaberei und Dialektik und Jahrtausende alten Gefühls- 
romantik eine a u f f a 1 1 e n d e E r schein ung, ein Kuriosum 
bilden. Es wäre doch ein Wunder zu nennen, wenn nicht durch 
den Zusammenstoss zweier Kulturen, der 
englischen mit der Ghettokultur, manch psycho- 
logisches Unikum zu Tage treten würde. Bildet doch der ge- 
setzte, allein auf das Wohlanständige bedachte Brite 
einen einzigen grossen Gegensatz zu dem Ostjuden mit 
seinem ewig streitlustigen, in tausend Fazetten funkelnden Geist 
der Talmudlogik ! Wie wird sich da der Ostjude 
bei seinem Eintritt in d&s Kulturleben Eng- 



Modem* Ghettoliteratur 



1 a n d s benehmen? Wie wird er sein Fühlen und Denken 
einstellen und umformen bei der Berührung mit den westlichen 

rkreisen? Wie und wieweit wird er sich anglisieren? 
Aendert sich die Grundform seines jüdischen Empfindens bei 
dieser Metamorphose? Welche Konflikte zwischen Eltern und 
Kindern, zwischen Volk und Volk entstehen bei diesen Um- 
wandlungsprozessen J Dies sind Hauptleitmotive in 
Zangwills sämtlichen Romanen, Novellen und Dramen. 

Zunächst ein paar biographische Notizen*! über 
Zangwill: Z. wurde als Sohn frommer russischer Eltern 1»64 
in einer Hafenstadt Englands geboren, verlebte die Jugend in 
Plymouth und Bristol und besuchte dort die Schule. Mit zehn 
Jahren kommt er nach Spitalfield in London, wo er in eine Krei- 
schule kommt, in der er später selbst Lehrer wird. Gleichzeitig 
bereitet er sich für die Universität vor und besteht trotz unge- 
regelter Schulbildung die Doktorprüfung mit Auszeichnung. Später 
hat er ein Zerwürfnis mit seinem Schulleiter und gibt den 
Lehrerberuf auf, wird Journalist und Schriftsteller, gibt zuerst 
im Verein mit Jerome K. Jerome. dem bekannten humoristischen 
Schriftsteller, die Zeitschrift „Ariel* heraus : sie wollen einen 
.neuen Humor 11 begründen: er lässt die Skizzensammlung: 
„Bachelors' Club* i„ Junggesellenverein") und .Old Maidens' 
Club" |, Altjungfernverein") folgen, wo schon die Mischung von 
Phantastik mit komischem Pathos auffallt. Erst 
im Jahre 189*2 erscheint sein bedeutsames Werk. .The < 'hildren 
of the Ghetto" I.Kinder des Ghetto") mit dorn Untertitel: 
Picture of a Peculiar People, (gedruckt auf Kosten der Jüdischen 
Verlagsgesellschaft in Amerika), dies Werk begründet seinen 
Weltrubm. 1898 folgen seine Ghetto- Tragödien, dann 
j-ein zweites Hauptwerk: Träumer des Ghetto. (Die 
Hauptgestalten der Vergangenheit werden in markanten Einzel- 
geschehnissen mit wenigen Moisterstrichen gezeichnet : Sabbatai 
Zwi. Baal-Schem, Spinoza, Mendelssohn, Salomon Maimon, 
Lassalle, Disraeli, Heine auf der Matratzengruft in Paris usw. 
— si*> alle sind an ihren Träumen zugrunde gegangen, tragische 
lowiäh Encyclopedia und Dietionarr of National Biographie.-». 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



Idealisten Priester der Menschheit, veitverlorene Reformer, die 
zu ihren Lebzeiten vergebens die Erfüllung ihrer menscheita- 
beglückenden Berufung erwarteten.) Dann die Ghetto-Ko- 
mödien (eine Sammlung Novellen, die durchaus nicht „komisch" 
wirken, sondern jüdisch-englische Typen und Situationen bringen, 
worin das Jüdische mit dem Englischen zu drastischen Kontrast- 
wirkungen gebracht wird), der König der Schnorrer 
(eine Charaktersatire auf das Schnorrertum in Prosa, die in ihrer 
Geschlossenheit und Stahl festigkeit turmhoch dem bei uns so 
geschätzten Siegfried Cronbach'schen Possenhumor überlegen ist). 
Die „Kinder des Ghetto" wurden 1899 zum Theaterstück umge- 
arbeitet und brachten dem Dichter grossen Erfolg. 1912 wurde 
das Drama: The Melting P o t (Der S c h m e lz t i e ge 1) 
auf die Bühne gebracht, das jetzt auch in Buchformat vorliegt 
(London, Heinemann, 1919) und auf das noch näher einzugehen 
sein wird.*) Wir möchten zunächst nur dem llauptroman: 
„Kinder des Ghetto" und seinem in Deutschland und 
auf der Bühne noch unbekannten Drama: „Der Schmelztiegel" 
eine nähere Besprechung widmen. 

Die Kinder des Ghetto. I. Teil. 
Ein Sammelbecken einzigartiger Charakterbilder und Situ- 
ationen, ein Raritätenkabinett, ein Jahrmarkt von genrehaften 
Bildern und Köpfen, die durch ein Band zusammengehalten 
werden : durch ihre jüdische Eigenprägung, welche 
alle ihre Gedanken, Sorgen, Freude und Trübsal in bestimmter 
Richtung formt und beeinflusst. Ein Gewimmel, ein Mikrokosmus 
von typischen Gestalten tritt auf, die durch eine Unmenge von 
Eiuzelzügeii und Geschehnissen zu Leben und Wachstum erweckt 
werden. Die behandelten Typen des Londoner Whitechapel 
werden in Einzelvertretern von allen Seiten bestrahlt, durch ein 
erdrückendes Material von packenden Situationen, Anekdoten, 

*) Bekanntlich ist Zangwill auch einer der Führer des Zionismus 
gewesen, bis er nach dem Uganda-Projekt Territorialist und Vorsitzender 
der „Ito" wurde ; jetzt scheint er wieder zum Zionismus zurückgekehrt 
zu sein. 



Mürtoruo westliche Ghottoüteratur 400 



Gesprächen, Aussprüchen. Witzen, allerlei Natürlichkeiten ernster 
und meist heiterer Art uns lebendig bildhaft vor Augen geführt. 
Ob auch durch diese Fülle der kaum einander ablösenden Bilder, 
Szenen, Situationen die Komposition des Romans leidet 
— die Einheit des Milieus und die Identität der 
jüdischen Lebenssphäre formt und ballt das Zigeunerhaft-Burleske 
um einen festen Kern und Organismus. Immer bleibt im bunten 
Gemenge ein Bild, ein Charakter, der sich uns einprägt 
und die andern beleuchtet, aus der Vielheit wird Einheit. 

Zangwill erstrebt eine Zusammenfassung aller 
Typen, die in den bisherigen Ghettonovellen des Ostens in 
Kiuzelstudien aufgetreten waren, doch wird u. E. das Einzelbild 
erdrückt von der Fülle der Nebengestalten. 

Zaugwill scbatTt einen neuen Typus, seine 
Lieblingsgestalten sind jene Uebergangscharaktore, 
die nur da3 moderne Ghetto hervorbringt, die zwischen Ghetto 
und Neuzeit schwanken, deren Herz noch für das Ghetto 
Bchlägt, deren Kopf und Sinnen aber schon rationalistisch 
baucht und vom Skeptizismus benagt ist (das unterscheidet 
Zangwills Gestillten wesentlich von denen eines Mendele, Perez, 
Seh Alejchem). Ihre Seele wurzelt noch im russischen Ghetto, 
doch au dem Stamme rüttelt schon der Geist der Moderne, die 
Weltstadt London scheucht die letzten schnurrigen Käuze des 
Ghetto heraus, die, verirrten Fledermäusen gleich, von der Tages- 
helle der Grossstadt geblendet, umherflattern und ihre Nester 
Dicht wiederlinden. 

Zangwill ist bei seinem Streben nach kleinmalerischer 
Milieuschilderung, Realist, und doch ist er trotz aller 
Realistik und Wirklichkeitsanbetung ein grosser Idealist 
geblieben, ein sentimentalischer Dichter im Sinne 
Schillers, der seine Gestalten mit dem Griffel der Reflexion 
und des Gefühls zeichnet. Denn alle diese Bedrückten und 
Beladenen dos East-End sind T r ä u m e r , stecken voller 
Utopien trotz ihres Elends, vor allem vergoldet die Sonne 
der Religion ihre Elendstago, mit der Religion und ihren 
minutiösen Forderungen setzen sie sich ihr Lebenlang ausein- 



410 Moderne westliche Ghettoliteratur 

ander, auch wenn sie aus dem Whitechapel- Viertel längst heraus 
sind (s. Kinder des Ghetto, IT. Teil), bleiben sie Ghettomenschen, 
Ghettotypen. 

Suchen -wir aus der Fülle der Gesichte einige abgerundete 
Charaktertypen festzuhalten (wir setzen den Inhalt des Romans 
bei den Lesern als bekannt Toraus): 

Da ist an erster Stelle Rabbi Seh mul Jakobs, 
streng gesetzestreu bis zum Aeussersten, jedoch schon vom 
Großstadtgeiste des leisen Zweifels beschlichen, der nicht ungerno 
ironische Anekdoten über übertriebene chassidische Frömmigkeit 
anhört, der gutherzig die spöttischen Bemerkungen und Witze 
des mit allen Hunden gehetzten „neuhebräischen Poeten" Melchi- 
zedek Pinchas über sich ergenen lässt, obgleich er dessen Fröm- 
migkeit nicht über den Weg traut. Doch praktisch hält Reb 
Schmul mit unbeugsamer Strenge an den Forderungen des über- 
lieferten Judentums fest. Kein Opfer ist ihm dafür zu gross. 
Niemals würde er seine Tochter H a n n a h , die schon neu- 
modische Lehrerin an einer englisch-christlichen Schule ist, einem 
nichtfrommen Schwiegersöhne (David Brandon) geben, der den 
Sabbat nicht hielte. Als in ihm der Konflikt entsteht, ob er 
Hannah, die einmal eine Stunde verheiratet Gewesene, ihrem Ge- 
liebten David Brandon, der Kauhen ist, zur Frau geben soll, 
besinnt er sich, als er die Unmöglichkeit ihrer Verbindung durch 
Zufall erfährt, keinen Augenblick und ruft im Gegenteil heroisch 
aus: Thank God I know it in time (Gott sei Dank, dass ich 
es rechtzeitig erfahre). Dies ist die ehrfurchtgebietendste Gestalt 
des Buches. 

Da ist Moses A n s e 1 1 , der armo Witwer mit fünf 
Kindern und einer blinden Mutter; die älteste Tochter Esther 
(die später als Schriftstellerin im II. Teile des Romans auftritt), 
zehnjährig, noch schulpflichtig, dabei aber Hausmüttorchen, kocht 
und sorgt für alles. Vater Ansell ist ein Lamdon, erzieht die 
Kinder streng religiös, er ist aber ein unverbesserlicher Schlemihl, 
hat weder Glück noch Stern, ist schon alles gewesen, Glaser, 
Hausierer, Strassenhändler, Schuhmacher, Lehrer, Sehochet, 
Schammess, hat überall Schiffbruch gelitten; der älteste Sohn 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



Benjamin wird von reichen West-End-Juden adoptiert, kommt 
von Zeit zu Zeit nobel gekleidet nach Hause, begönnert, be- 
krittelt die Armseligkeit des Vaterhauses. Er besucht eine 
höhere Schule, aber ach! mitten im Studium rafft ihn eine 
tückische Krankheit dahin. Da ist M a 1 k a h , die Kusine des 
Vaters Ansei], die reichgewordene Händlerin, die in ihrer Gnade 
den armen Verwandten einen Brocken bisweilen zukommen lässt, 
trotzdem sie dem Vetter Moses Ansell unentwegt grollt dafür, 
dass er, der arme Schlucker, gewagt hat, durch die Heirat mit 
ihrer Kusine sich in ihre noble Familie einzuschleichen. 

Da fehlt nicht der Schadehen und Loshändler 
Sugarman, der bei allen Liebeshändeln im Ghetto als 
Vorsehung die Hand im Spiel hat; er bringt die ältesten Witwen 
und hartgesottensten Junggesellen und Schlemihlim unter die 
Haube, kann dabei aber für seine eignen bejahrten Töchter keine 
Partie zusammenbringen. Nicht vergessen wollen wir in dieser 
Galerie der Originale den Schneider Belkowitsch 
mit seiner komischen Ehehälfte (hier ist der „sweatshop" in 
humoristischer Gestalt dargestellt), die immer über ihr ein dünnes, 
schwaches Bein klagt, nebst ihren beiden putzsüchtigen, viel- 
begehrten Töchtern Fanny und Betty; nur derjenige Freier hat 
Aussicht auf Erhörung, der geduldig und verständnisvoll die 
Klagen der Mama über ihr krankes Bein anhört. Am meisten 
Eignung dafür hat der Zuschneider Schniendrik, der ein 
grosser Schlemihl (vgl. die kostbare Werbungsszene, die mit 
einem Minchah-Gebet statt mit einer Liebeserklärung endet), 
den weltlich-eleganten Töchtern wenig imponioren kann. Da 
ist endlich die drastische Wahlszene am Schabbos-Nach- 
mittag (.With tho Strickers"), wo der neuhebräische Poet 
MelchizedekPinchas als Wahlkandidat für die sozia- 
listische Partei eine Rede hält; er spricht mit Feuer von Moses' 
Gesetz als dein des wahren Sozialismus, Moses der einzigo wahre 
list etc., er erringt einon oratorischen Triumph, aber be- 
llt von seinem blendenden Erfolg zieht Melchizedek in Ge- 
danken — eine Cigarette und Streichhölzer aus der Tasche und 
zündet sie trotz des Sabbath an, wilde Rufe ertönen, Epikaures, 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



Meschummed, Tumult, der grosse Redner verschwindet von der 
Bühne. Unvergesslich bleibt dem Leser die Beschreibung des 
Gewimmels in der Petticoat-Lane am 2. Tage vor Pessach und 
noch viele andere lebenstrotzende Szenen. 

Diese Analyse illustriert am besten die Buntheit und 
Lebensfülle des ersten Teils des Romans. Man sieht, es ist 
eine Welt quirlenden Volkslebens, eine Galerie von Genrebildern, 
alle voll feinster psychologischer Kleinmalerei, mit einem son- 
nigen heimeligen, liebenswürdigen Humor und ohne Bitterkeit 
gezeichnet. 

Doch bei alledem, der I. Teil des Werks bringt nur 
Genrebilder, nur Skizzenhaftes, ohne festgefügte Handlung. Erst 
der II. Teil des Werks : 

The Grandchildren o f the Ghetto 
erhebt sich zum Range eines kunstvoll geschlungenen Romans 
mit grossen Konflikten und Spannungen. Die Probleme sind 
religiöser und nationaler Art. Es ist der Zusammenstoss zweier 
Welten. Die Kinder der alten Ghettowelt verlassen ihre engen 
Mauern und bahnen sich einen Weg ins Freie. Es sind die 
Typen, die wir als Kinder schon im I. Teil kennengelernt haben. 
Diese Esther Ansell, die inzwischen Romanschriftstellerin ge- 
worden, und Josef Strelizky, der Ghettoträumer, jetzt Mode- 
prediger im West-End Londons, sie treten heraus aus dem 
Bannkreise Whitechapel, wollen sich geistig und physisch be- 
freien, Kampf zwischen den freiheitsdurstenden Seelen des East- 
End und den trivialen Bourgeois der Besitzerklassen des West- 
End. Esther und Strelitzky sind die Kämpfer des neuen Ide- 
alismus, Esther bekämpft namentlich die reglementierte Wohl- 
tätigkeit der Reichen, die im Grunde von dem Eiend der Armen 
nichts wissen wollen: Strelizky will eine neue Judenheit, 
Muskeljudentum, einen Agrikulturstaat in einem jüdischen Lande, 
vereinfachte Religion mit neuem Leben und neuen Gesetzen, 
Menschheitsreligion, Verinnerlichung, ethische Vertiefung der 
Gebote oder deren Abschaffung. Ihm tritt Rafael Leon, 
ein praktischer Idealist und reicher Kulturjude des Westend- 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



vierteis, mit gewichtigen Argumenten entgegen, er zeigt sich 
als echtenglischer Typus seiner Klasse. Rafael lieht die Tradi- 
tion, im Judentum sei alles so menschlich, es gäbe keine ab- 
strakte Metaphysik. Der Intellekt verdunkle mehr als er er- 
leuchte, zerstöre oft die moralischen Fibern. Die biblische 
Erzählung von den Kühen, die ungeleitet die Bundeslade sicher 
dahingetragen, enthalte eine tiefe Lehre. Möglich, dass die 
Juden tief unter ihrem Glauben und deren Forderungen 
stünden, stehen aber nicht alle Völker tiefer als die 
Lehren ihres Glaubens? Das Judentum heiligt alles, Geburt, 
Heirat, Tod, das Gesetz heiligt Böses und Gutes, nichts ist 
gewöhnlich im Judentum, das Gesetz ist ein Mittel zur 
Selbstbeherrschung, verknüpft Generationen 
und vereinigt die in vier Weltteile zerstreuten Brüder. — 
Strelitzki hat auf diese edlen Gedanken nur die bekannten 
Reform-Schlagworte zu erwidern : das Judentum müsse kosmisch- 
universell werden, rein geistiger Kern genüge, Zeremonialgesotz 
Bei nicht der Juwelenschreiu (wie Rafael meint), sondern der 
Sarg des freien Judentums etc. Wogegen Strelitzki besonders 
anstürmt, das ist das englische Judentum, es sei engherzig, 
alles drehe sich ums Geld, Gold sei der einzige Zugang zu 
Ansehen und Autorität, der Gelehrte wird mit dem Schnorrer 
in eine Kategorie gestellt. Es kommt zu einer grossen Szene. 
wo Strelitzky, der Prediger, Rafael Leon bittet, in die „Flagge 
Judas" (ein von Rafael aus Liebhaberei geleitetes Wochenblatt) 
die Notiz zu setzen: .Nach Vernehmen tritt der beliebte Pre- 
diger Strelitzki von seinein Posten zurück.- Strelitzki will 
länger kein Lehnsmann der Gemeindegewaltigen, kein Leibeigener 
des Gesetzes sein, die englische Synagoge sei gut für Snobs, 
sio seien stolz auf ihre kleinlichen Reformen, die doch nicht 
den Kern treffen. Sein Land der Freiheit sei Amerika, 
der Zug der Kultur gehe vom Osten nach dem Westen der 
Welt. (Schon hier, wie später im Drama: .The Melting Pot" *) 
tritt die Schwärmerei Zangwille für Amerika en bloc zutage). 
Mit Recht wendet Rafael ein, Amerika wirke auflösend fürs 
*) Deber dieses Drama Zungwilla in einem nächsten Aufoatz mehr. 



414 Moderne westliche Ghettoliteratur 

Judentum, dezimiert die Tradition durch Sonntags-Sabbate und 
englische Gebetbücher, ihrer Glaubenssätze oberster sei der 
vieler freisinnigen Christen: „Es gibt keinen Gott, aber 
Jesus Christus ist sein Sohn." 

Zuletzt verlobt sich Esther Ansell nach ihrer abermaligen 
Rückkehr ins Ghetto, mit Rafael Leon, ein Symbol der Ver- 
einigung des alten mit dem neuen Ghetto. 

Wir müssen uns versagen, auf die künstlerische Behandlung 
und auf die weiteren Gestalten der dramatisch stark akzentuierten 
Handlung des zweiten Romanteiles, auf das glänzend entworfene 
Gesellschaftsbild mit seinen Charakteren und Originalen und 
auf die dialektisch ungemein fesselnden Dialoge hier näher ein- 
zugehen. Schon oben wurde gesagt, dass der Roman bereits 
dramatisiert wurde. Es soll uns nicht wundern, wenn bald ein 
Film daraus wurde und die Uehersetzung in alle europäischen 
Sprachen bald folgte. Wir kommen zum Schluss und fassen- 
zusammen: Was sind die Merkmale der modernen westlichen 
Ghettoschriftsteller? Sie schreiben nicht mehr als Juden für 
Juden, sondern sie wollen das Interesse aller 
Völker, auch nichtjüdischer erwecken. Die behan- 
delten Probleme sind wohl spezifisch-jüdischer, aber auch all 
gemein menschlicher Natur. Wodurch gelingt ihnen dieses? 
Indem sie das jüdische Volk als Ganzes, in seiner 
Totalität und mit allen seinenAusstrahlungen 
und Lebensformen zu künstlerischer Gestaltung bringen 
und indem sie (gleich den russischen Schriftstellern) dies Volk 
als einen Organismus mit eignen Lebensgesetzen, mit allen seinen 
Vorzügen und Untiefen bis auf den Grund durchwühlen, mit 
gleich umfassenden Blicke ohne Tendenz ein Programm dar- 
stellen, vor allem aber rücksichtslose Wahrheit in 
ihrer Darstellung erstreben. 

Drei Dichter haben wir vorzugsweise an der Hand 
einzelner ihrer Werke im Vorstehenden zu skizzieren versucht, 
Heyermanns, Rosenfeld, Zangwill. Während 
Heyermanns, der Dramatiker in seiner Sucht nach Originalität 
und Realismus und dramatischer Explosion die Fehler seines 



Moderne westliche Ghettoliteratur 



Volkes masslos übertreibt und dadurch die künst- 
lerische Form sogar zerbricht, während Rosenfeld der 
Lyriker, durch den sozialen Einschlag in seinen Liedern, 
nur von einer Schicht seines Volkes, der proleta- 
rischen in düstern, schwermutgetragenen 
Weisen zu singen und zu künden weiss, ist Zangwill, 
der Epiker und grosse Romancier der univer- 
sellste unter ihnen, der mit der Vielseitigkeit des 
grossen Psychologen und Menschenkenners 
alle Eigenschaften seines Volkes, alle ihre Daseins- 
formen mit einer erlösenden Liebe zum ganzen 
Volkstum zur Darstellung bringt, dem wirklich ein Weltbild 
seines Volkes zu geben gelingt, der die heiteren wie die tragischen, 
die sonnigen wie die leidvollen Erscheinungsformen des jüdischen 
Volkscharakters herausarbeitet, wobei die Schattenseiten 
dieses Volkscharakters mit mildem, veständnisvolleu 
Humor behandelt werden. Doch niemals artet diese verständnis- 
volle Nachsicht in einseitige Parteilichkeit, in Lob- 
hudelei und Schönfärberei aus, sondern wie bei jedem echten 
Dichter ist es die Liebe zu seinen Gestalten, die Liebe des 
i eis zu den Geschöpfen seiner Phantasie, der amor 
intellecktualis, die Andacht vor dem vielgestaltigen und doch 
einheitlichen Phänomen des unverwüstlichen 
jüdischen Volkstums, vor der Grösse seiner Lebenskraft, 
die ihm die Feder führt. 

Zangwill ist der grosszügige, allseitige, ge- 
rechte Beurteiler seines Stammesvolkes, der nicht 
für eine Partei, nicht für fromm oder un- 
fromm, chasidisch oder misnagdisch, modern 
oder konservativ eintritt, der vielmehr wie der Sonnenball 
seine Strahlen über Gerechte und Sünder, Aufrechte wie Ver- 
zwergte aussendet. 



Bucherbesprechungen. 



Bücherbesprechungen. 



Heinemann, Dr. I., Zeitfragen im Lichte jüdischer Lebensanschauung, 
J. KauffmanD, Frankfurt a. M. 1921. 143 S. 
Unsere Zeit ist charakterisiert durch das Suchen nach neuen 
Idealen. Der Weltkrieg und die Revolution haben auch auf geistigem 
Gebiet verheerend gewirkt, und so sahen wir überall das Bemühen, 
au die Stelle der zerstörten Götterbilder neue zu setzen. Es ist ein 
dankenswertes Unternehmen, wenn in diesem Chaos der Meinungen für 
unsere jüdischen Kreise der Nachweis geführt wird, dass der sicherste 
Wegweiser für den sucheuden und irrenden Menschengeist zu allen 
Zeiten die Bibel gewesen ist, dass das Judentum seinen Bekennern in 
allen geistigen Strömungen einen testen Halt gewährte, und dass die 
biblisch-talmudische Weltanschauung auch auf die Fragen und Prob- 
leme, die das heutige Geschlecht bewegen, die befriedigendste Antwort 
zu geben vormag. Und es ist von besonderem Wert, wenn dieser Nach- 
weis von einem Manne geführt wird, der das klassische und das jüdische 
Altertum kennt und dem auch die modernen Anschauungen und Prob- 
leme durchaus vertraut sind. In fünf Vorträgen, die an der jüdischen 
Volkshochschule in Breslau gehalten wurden, behandelt Heinemann 
die Fragen, die heute am meisten diskutiert werden : 1. Militarismus 
uud Pazifismus. 2. Gottesgnadentum oder Volkssouveränität. 3. Die 
soziale Frage. 4. Die Frauenfrage. 5. Erziehungsfrageu. Es kommt 
ihm, wie er im Vorwort betont, nicht darauf an zu zeigen, „dass die 
Bibel hier den Völkerfrieden, dort soziale Vorschriften, anderwärts die 
Abschaffung der patria potestas lehrt, sondern dass alle diese schein- 
bar selbständigen Einzelbestimmungen aus der einen Entschei- 
dung für das religiös geheiligte Recht des Einzelnen 
und der Völker fliessen. notwendig aus ihr sich ergeben und auf Grund 
dieser inneren Notwendigkeit sich im geschichtlichen Leben des Juden- 
tums trotz mancher Widerstände durchgesetzt haben und durchsetzen 
müssen". Die Frage, wie wir uns den Glauben an diese Welt, trotz 
eben dieser Tendenz, das Ideal der weiblichen Frömmigkeit, das Ze- 
niut, bewahren können, hat schon die Propheten beschäftigt, und 
sie haben allon feindlichen Mächten zum Trotz ihre Aufgabe erfüllt. 
Die Anschauung des prophetischen Judentums bezeichnet der Verfasser 
als die des aktiven Heroismus. Nicht die Kraftentfaltung als 
solche ist die Hauptsache, sondern die Erkenntnis des Zieles, an welches 
die Kraft zu wenden ist. — Im 2. Vortrag wird die Entstehung der 
Idee des Gottesgnadentums untersucht und ihr Verhältnis zur biblischen 
Lebensanschauung geprüft. Von Karl d. Gr. und dem Byzantinismus 
führt der Weg bis zu dem Romantiker auf dem Throne, Friedrich Wil- 



Bücherbesprechungen. 



heim IV., und bis zu dem letzten Träger der Hohenzollernkrone. Mit 
Recht wird bemerkt, dass dar Monarchismus in religiös gesinnten Kreisen 
aller Bekenntnisse besonders treue Stützen besitzt. Im Judentum dürfte 
nach meiner Autfassung diese Erscheinung auf die religiöse Stellung 
des davidischen Königshauses und vielleicht auch auf die talmudische 
Anschauung «j'pil nnuTa pya »V'ikt «nu^a zurückzuführen sein. Die 
Bedenken der Bibel gegen das Königtum wurzeln, wie Heinemann 
sagt, in dem Verdacht gegen die Motive seiner Einsetzung und der 
Besorgnis vor Entartung. Auch der Talmud stattet zwar das Königtum 
mit Ehrenzeichen aller Art aus, seiner tatsächlichen Gewalt aber zieht 
er enge Grenzen. — In dem 3. Vortrag werden die beiden Extreme 
gekennzeichnet: diejenigen, die das Heil der Kultur in der Erhaltung 
und Vertiefung der sozialen Unterschiede sehen, und ihnen gegenüber 
die Kommunisten und Anarchisten. Aus der Steigerung der Bedeutung 
der materiellen Werte ist der Marxismus hervorgegangen, der für die 
Arbeiter eine Religion bedeutet. Das Judentum hat im Gegensatz zum 
Urchristentum zu allen Zeiten den Wert redlich erworbenen Besitzes 
gelehrt wie auch den Wert der Arbeit, die zu ihm verhilft. Die wirt- 
schaftliche Selbständigkeit ist ihm zwar keineswegs das höchste Gut, 
aber dennoch ein hohes Gut. und der Besitz ist wertvoll, solange er 
das Streben nach höheren Gütern und die Gleichheit aller Menschen 
vor Gott nicht gefährdet. Bei der Behandlung der Frauenfrage wird 
hervorgehoben, dass die Wertschätzung der weiblichen Persönlichkeiten 
sich aus den Anschauungen des Judentum vom Sinn des Lebens und 
von der Beziehung der Geschlechter mit unbedingter Notwendigkeit 
ergibt. W r oun die Frauenbewegung nur die Anerkennung der vollen 
seelischen Gleichwertigkeit der Geschlechter fordern würde, so 
könnte mau ihr vom Standpunkt des Judentums ohne Einschränkung 
zustimmen: sie drängt aber mehr odor minder stark auf die Gleich- 
artigkeit männlicher und weiblicher Betätigung. Und was nun die 
Tätigkeit der Frau im öffentlichen Leben betrifft, so hat die Bibel und 
mehr noch der Talmud solche öffentliche Betätigung durchaus abgelehnt, 
obgleich die Anschauungen und namentlich die Gesetzgebung der Tal- 
mudisten nichts weniger als frauenfeindlich sind. Es offonbajt sich darin 
was sich in der Geborgenheit des häuslichen Lebens am leichtesten 
entfaltet, zu bewahren, und auch die Bedenken fromm-jüdischer Kreise 
gegen das Hinaustreten der Frau ins öffentliche Loben beruhen im 
wesentlichen auf der Behauptung, dass das altjüdische Ideal der Esches 
chajil im Strudel des modernen Lebens verschwinden könnte. Heine- 
mann beleuchtet die Veränderung des wirtschaftlichen geistigen und 
sozialen Lebons, die auch die Stellung der Frau verändert haben. Man 
kann hier in manchen Punkten andorer Meinung sein: unbediugt Recht 
hat er aber, wenn er die Frage aufwirft, ob unsere modernen Frauen 



418 Büeherbesprechungen. 



bei ihrer vielseitigen Betätigung noch genug Kraft und Freude übrig 
haben für diejenigen Aufgaben innerhalb des Familienkreises, die 
nach wie vor ihnen und nur ihnen obliegen können. — In dem letzten 
Vortrag wird das Problem der Erziehung, vor allein der Kernpunkt 
dieses Problems behandelt; ob als Ziel der Erziehung mehr die straffe 
Disziplinierung oder die schrankenlose Entfaltung der Schülerpersönlich- 
keit vorschwebt, ob das Kind zur Demut und Unterordnung oder zur 
stolzen Selbstbeherrschung erzogen werden soll. Dass im Judentum die 
Persönlichkeit des Schülers stets zur Geltung gekommen ist, zeigt der 
Ausspruch: „Es sei dir die Ehre deines Schülers so teuer wie deine 
eigene." Und das eigenartige Verfahren beim Talmudstudium, die Me- 
thode, bei der Lehrer und Schüler in freiem Wettbewerb die Anwendung 
der allgemeinen Rechtslehren auf den einzelnen Fall, den Ausgleich 
schwer vereinbarer Bestimmungen, die Ableitung mündlicher überlieferter 
Vorschriften aus dem Bibelwort finden, sie hat sich erhalten bis auf 
den heutigen Tag. So hat die jüdische Anschauung bei aller Betonung 
der Autorität und der Ehrfurcht vor dem Lehrer auch stets der Indi- 
vidualität des Schülers Rechnung getragen. 

Es ist zu wünschen, dass die Heinemann'schen Vorträge nament- 
lich unter der gebildeten Jugend recht weite Verbreitung finden- Sie 
können sicherlich zu einem tieferen Verständnis der jüdischen Welt- 
und Lebensauffassung viel beitragen. Rabbiner Dr. Unna. 



Rabindranath Tagore, Sadhana der Weg zur Vollendung. München 
Kurt Wolff 1921. 

Wir verweisen freudig auf diesen Denker, er vermittelt ein in 
«ich geschlossenes Weltbild und der Adel seiner Gedanken kann uns 
nicht verschlossen bleiben. 

Als Dichter hat er die ewigen Motive der menschlichen Seele er- 
griffen; als Denker übersetzt er gleichsam ins Spekulativ-Metaphysische, 
was er auch als Dichter zu sagen nicht müde wird. 

Gleich zu Anfang bejaht er die durchaus metaphysische Ein- 
stellung. Der abendländische Mensch hat alle möglichen Denksysteme, 
nach Comte's Auffassung Theologie. Metaphysik, Positivismus als 
drei Stadien durchlaufen und blickt interessiert auf eine geniale Naivi- 
tät, die noch aus der Stärke eines geistigen Instinkts Welt und Menschen- 
dasein deutet, gleichsam noch den Mut zu einer metaphysischen Deutung 
hat. 

Wir begegnen hier einer wunderbaren Unmittelbarkeit des Gedankens. 
Es gibt Dichter, die. sobald sie denken, in's Gekünstelte, Konstruierte. 
Erzwungene und Abstruse kommen, sodass sie eigentlich durch ihre 
Philosophie sich selbst widerlegen. — 



Bücherbesprechungen. 



Für Tagore ist jeder Gedanke Anschauung, jede Erkenntnis Er- 
lebnis, jedes Philosophen! ein Bild. Er ist ein sinnenhafter Denker wie 
Pia ton. An der künstlerisch erlebten Wirklichkeit entzündet sich 
sein Geist. 

Die menschlichsten Gedanken werden hier auf's Neue vertieft 
und erscheinen uns plötzlich auch wieder neu. Ueberhaupt ist es eine 
Philosophie des reinen Gefühls, und noch ist sie nicht von dem abend- 
ländischen Zweifel berührt, dass Gefühl ja durchaus nicht ein Erkenntnis- 
organ für die Objektivität sein kann. 

Man kennt diesen inneren Gang des menschlichen Geistes: erst 
vertraut er seinen Sinnen, dann wenigstens seinen Ideen noch, schliess- 
lich erkennt er alles dem menschlichen Bewusstsein immanent und findet 
immer nur zu sich selbst, auch wenn er den Kosmos meint. — 
Bei Tagore ist das Denken naiv und vertrauend. Als religiöser Künstler 
findet er in Allem Gott und die Unendlichkeit, als religiöser Denker 
stellt er als Ziel hin. Gott und die Unendlichkeit immer auf's Neue in 
sich zu verwirklichen. Erkenntnis ist: sich in Harmonie mit dem Welt- 
all und allen Geschöpfen wissen. Die menschliche Seele ist die mensch- 
liche kleine Welt, die ein Spiegel des Universums ist. Alle Welträtsel 
werden in der grundlegenden Idee der Einheit und Harmonie des Welt- 
alls gelöst. Göttlicher Geist offenbart sich in jeder Kreatur. Wie sollten 
also die Teile dem Ganzen widersprechen können? — Der Mensch er- 
lebt in der Liebe die Vereinigung mit der Gottheit; jetzt erst lebt er 
in Harmonie mit den Weltdingen, wenn er sich bewusst mit dem Welt- 
ganzen vereinigt hat. Die sittlichen Maximen folgen notweudig aus 
der Harmonie mit dem Weltganzen. — 

Tagore gehört zur grossen Gruppe der religiösen Denker, die 
einfach das Göttliche schauen, ohne daran zu deuteln. Das Welt- 
all spricht unmittelbar göttlich zu seinen Sinnen und zu seinem Geist. 
Seine Vereinigung mit der Gottheit, der Menschheit und aller Natur 
erlebt er unmittelbar schauend und er findet sich erlöst. 

Auch die jüdische Philosophie und Mystik bat ähnliche Gedanken 
entwickelt. Saadja hat eine entsprechende mystisch-religiöse Ein- 
stellung: Gabirol erschaut als Gottheit den l'rgeist. dorn alle Kräfte 
entströmen und wohin sie wieder einmünden; Bachja setzt als re- 
ligiöse Grundlage die beschauliche Vereinigung mit dem l'rwesen, wo- 
durch erst die sittliche Verinnerlichung möglich wird, von Späterem 
gilt das Gleiche. 

l'lierhaupt muss man sagen, dass sich in der letzten religiösen 
Brkenntaiaweise eine typische Geisteseinstellung findet. Der .Urgrund 
■ I n- Daseins" muss. den Erkenntnisfunktionen des menschlichen Geistes 
gemäss, in typisch-gleichartiger Weise dem menschlichen Intellekt er- 
scheinen. 



420 Bücherbespreehungen 



Wir brechen ab. Nur eine Andeutung sollte es sein, nur ein 
Auftakt; aber die Symphonie verschweigen wir noch. Vielleicht konnten 
wir verständlich machen, welches uns die wahre Einstellung scheint, 
um Kulturerscheinungen wie Tagore zu begreifen, 

Frankfurt a. M. Dr. Hermann W e y 1. 



Maurice Fishberg : Die Rassenmerkmale der Juden. (Eine Einführung 
in ihre Anthropologie) München 1913, Verlag von Ernst Reinhardt. 

Der verdienstvolle jüdische Anthropologe M. Fishberg, dessen 
englisches Werk „The Jews; A study of Race and Enviroument" manchem 
bekannt sein wir, hat auch mit diesem heute noch sehr lesenswerten 
Buch eine wissenschaftlich und politisch gleich wertvolle Arbeit geliefert. 
In umfassender Weise wird das ganze anthropologische Problem auf- 
gerollt, Gesundheit und Krankheit, körperliche und seelische Symptome 
werden genau untersucht. Klare Polemik gegen die leidenschaftsverführ- 
ten Rassentheorethiker wird geführt. Besonders schön ist der Abschnitt 
über die anthropologischen Typen der Juden, wie sie in ihren euro- 
päischen, asiatischen, afrikanischen Unterschieden auftreten. Hier ist 
der „jüdische Typus" interessant analysiert und ergibt sich als 
Wirkung aus einer Anzahl körperlicher und seelischer Faktoren; aber 
er ist durchaus nicht auf die Juden beschränkt. Hier verspürt man eine 
leichte Ironie ; die anthropologische Begriffsbildung kann bisher nur 
ganz äusserlich gewesen sein. — Sorgfältige photographische Abbil- 
dungen schmücken das Werk und machen es allein schon wertvoll. 
Auch Physiognomiker, Künstler, Laien werden sich daran erfreun. 

Ich empfand es peinlich, dass Adolf Hepner, der anscheinend die 
Uebersetzung besorgte, über die auf Grund des Rituals „ererbte hyste- 
rische Anlage" der Juden eine ziemlich verantwortungslose Anmerkung 
(S. 142) nicht unterdrücken konnte. Erstens nämlich ist Hysterie kein 
so ohne Weiteres anwendbarer Begriff, und zweitens zeugt es nur von 
Unverständnis, das religiöse Bewusstsein des Gläubigen (seine ständige 
Gotterfülltheit in Donken und Tat) als hysterisch zu bezeichnen. Weder 
Psychologie noch Psychopathologie sind bisher ausreichend, höchste 
geistige Komplexe wie Religion, Glauben etc. zu analysieren. — 

Fishberg selbst kommt zu dem Ergebnis, dass Judentum 
Religion war und ist, dass es aber eine jüdische Rasse nicht gibt. 

Dr. W e y 1. 



antwortlichcr Redakteur Dr. J Wohlgemuth, Berlin, 
-udc von H. Rzkowski, Berlin N. 24 Auguststr. 69. 



1 32 r, i 1 ;• n i d ' ir i t n yyp 

nariH n*a» w d Aw ywa pS? wiw n pton aim An x"3Bn nai iran 
Sba py r,B> im n^ana x*n rrwy tj> n»Swa 'awwn ox p*n cwea ana 

j"5?m ratnn ""o-iS 
»"kt tthcra n v\ vh xaSya 'a»xm wavnn pro xS *xax vpn "xi 
man pcs fai .iry n *p 'Binn a"ai x"y 'n sp M *n t>"aa crSaa rvSe-ia 
trainnS h"üi b ,n ,x M y 'n spa uaxya K 8 a*nn cj an: pi t p"D n^ö» "b 
nnn sm ( b» yiap irxs? -Saa xpn im o^aa rrtoia px ji^bk -an 
"■ f\'yo n"sc» "D xr-xia n'Saia in 'o maa li'm h am neun 
«■aarn .r jap sp» von "c man ar: pi ,cb> yopn cia'o a"y irvn 
niovoa Vd X"a«nm S 1 " 1 a n «i .xS w yiap , "ip ,D ^ay 'x et? psiDD 
';c^r "TM "xa ntrpn yb»i virp np*ö B"nann cir atrS maiyn 'awrotm 
epeen au ,vi ? «n r'-iS- jwhv nmaa ro'to tw pnS iman mi omayn 
tw K-aanm vamrh cnmx p« ja Sjn yiap npHa xS aarxn yd dtii 
iraann man nra pni '» nme nrx 'anjr« erm pnn rm 'ja ninaa 
b"D xbx ,Ta S"na—iS o'B'aca or« D'pBien bz p Syi .<Dta*mi »ae» 1 ? 
ivSena *bi n rnrni rrwy ny rwb»a nmaa omsyn ^ebtt» xaarx xpm 
r^Bia pxn rvbaia "in x 1 ? xabya xaarx Sa« dü> tW? mi pm owa 

.yiap np*a xS xaBirxn .cS: 1 ? 
■y «p ptrrpaa becc irx [ton xaairxi S"3 'svpS ^«»a b*b Sax 
33 n px Sccoi Sded irx c»t rra x"D ctcdt "irea vsn'xn xae^xa xbx 
.n;S nvxi nD3 xorb w"\ jJ«3jyS' ,, j !»»« pcSa ,vbd iwti'd naestt xbx 
.ameyn par wtonj |rDT3 'aSfirai .(ajwipbn) vbd im aavx ,xa pi 
prir nra cai ,n«Jn nD" 1 ! ,p Tan» njS'ii d"»* 'jsk cciw tfyf nca p"y 
n?a top "oaw wi a n nx .pmTJ vm San tsu» -nxi ,veb im KSBJttw 
,n mx\ r n m« anwa b-ur -,y;nyaaxa naS» .yib rmrh "piy naS 'Da 
nroe t> ifJUBB« p:ySi .nnaex -nyS anwa ro pjn naS» jnn 'd "yi 

.D^^ncea nSnxn xnra ; di v a r*o 



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'PBmoikb nppns» noi .in'» t\ti v3kb> bj ij?ti [3 '"inx 3t ja: c; nx? tjt nt 
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BP3 133 V3K1 fnSV nVt 1B«?1 '"Ol,, 1Ö3 "IKin DK "0 ,EE? i:'X "X3X„ "3 .DTTI p 

p„ -wSxb iS xmp biedv "0 (l rrwn 24) 133 tjwi '•pcowjj» — /Ei-nn,, 
f nnowen es? ex '3 ,vax S» "Bisn as? px ni bj«? ,! ? ntoj Sax ."crvos 
vyyh* ;"3.w "ibiS Ssu 3"x ."Dnna rva„ :(x"j? rs dtieb) Kirnsa itxbb? ina 
nrS:n ,! ?ik ,rtv 'Bi .-imx n'fi rax bb?i crinp nno»oD ,,TyT rnatraa rro 
btr pcnvn nSt? 1 ?»? nxna: 13 ns?x .p'nyn iipan nx mS firme nrsa nwnn 

.rn -Jai V331 nr 3"3 



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•nnym n^n-pn 

.(-jpan) 

.33 

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by Dab iau? x? tWTOom f]x nxo n»p -iaxam nW nD- 1 .rDltt>n 
'3? *p ppvrpa nax«? »31 Sebb x\n }K3 miexn nsox'x ibicb *eSt nr 
ffnsm Dtf 3f "S eh^bS m rmo»s , K bji .cnovn |'3 m JX3 s,, rTB pi 
nrx "xi ,Yrrn nwi xm nn h nan*n ,s mw naesrNn *x j"bb nsj'p 3'W 
n ,( 7B-i2 *sn kb'B'd i nsmi " nttsa nr« w ,"i»m Bipa «vi m/n nam 
.n^Dis ^n ca-in niena oipo S33 v naBS"« xn amayn p3 ''ix "xav 
kob i"" rpjD n-B» 'T ¥"vz pi roa by aab ia» xSty a^^cai Sj? .Tom 
xm Tue» nnx .f)XBJtai nc ns* »ntn «Si omayn 'seS» nzas'xn p 
o'Tiayn '»Sr H xa myi :V';i ns Sy rtfftf x"j? 't naß' 1 ? vtPirns wrxtnn 
*iBBi laxp ni^Sf 'maa mw 00^x3 iVex ,! jixi dhd M3B3tMn wsb naxpn 
3H31 131 sonn n»i nrnna npBB ■pfei orrb nnu nrx D^iayn ^c 1 ? x'ntr 
i^xn n3 , -üc xm km pnw \r*ws\ 'ihrem nera »isr tr -: qiE 1 ? 
iStx ouxnon unn p k"3ü»-ib irpowi .S"ay ysi xb^b rnfStf prnaaa 
xS pEiB dw kSbi n'Sai: kSx rann n«n «m xS nifSf 'ms: nrx 



130 n 1 1 p a ip 

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nu»wci pjpn Sc 'cm mro mmn wyi ni yxpas bra inw nnmn mi 
^ •;« nne c« .utxb p omta p tnrpn rrn« bp ianM ick ancen S33 
,ir p« ,vi3i by imjn WH n«r b» sinab — isasri Vie.i pn rwjs — 
.viai »i« Tnip nVru tnraprro " ,m« pi ck -s 
tih»:» cunni tnem cm« "3 .cma« p vth* 131 n« k'3b 20 ixs 
c«ipn nwrn nwm. r.a«B3i 1 mpnai "trpjtoi dtmo, cra «npn 173 
wpb nb« emsa *a ,3n3 (iere.i tpm ,"• "pa piS Sb» "cbtrir,,) "o^wra 
icdb crnpS tnann raus bs« .a"e fot «"ia dti trox&n E'saina c'«ip,i 
row«i cnsd: "jvs ba« cy urpa,, <a ,ynan xan> ra pn .'i ,'» b«p;m 
.mpb r? ,ibhd fror naia »rnaien mmn, wn oj .nai «h caa 
"npnynn rhvbv,, by (n«bm 22 ixb) «i:aa -r-bvn pie i«a prjpö 
bt»ab) triam nai -c by anb — "pta »», pya cnb 1x13 ib*« c*«ip.i bc 
,(24 ix) 'pciwwB cy naxn .(mmn pnx 'iai by "inan neoa "6n mw "l 
ni'Ma aar (185 ix nvnaip inpb) ipere s"W tAapn nStrSs* nana dj "a 
p nana ai„ '3 /netta viaia na« im« c; u" 'bisi ; -ab yn* *nba mpa 
's ,pco p« .fron mrr ja ura« b» ua rwi ,w n-aa me rwjw vyvb« 
'bid.i cm «b nD toc an,. '3 ,".13,13 3"\, mban s m« »p, nba pinaS vr 
|ro« ^iSan nKiw ck *: ,(c H «"iiB«n [ata ceye roin k^bj w») mn "rons, 
(nsn ': ,ibr ,rm n« "K-ipn *BBn 3Ktr ueb um« ,p»«Ti Tpati "Shj 
ejbk .jnan .ryr p irra« Sc ua wn ,mcn n« ntry icn ,"vwnt bran 
RSB3 p jw p3 ,rn n:aa ick .rwinsn hibb-b c» n« no p^m .ryr ct>n 
micDa maipa nain3 rrb-na ik n'Sn ja jna na« "\ ae> n« Strab 
tjks "okpWj .»yj 131« .-ijvj ms y:ynE"3„ noos *nsin n»«3) n-maSm 
jn3 ,rn m 03m ,(161 iif ,59 me* ee'ib'cekjkb y bs pi (*nAm 88 

^3 «3.13 NTIB«n CE> pJJS EU 13T1 [3 ;(n" T'3 COM y !2i) fl'Sl 1BCBB 

Vsn neDa ^y ;<» "0 «'S nsn nvma ,3'y " ^t rc tots rri r.^Sa 

'ÖV3B 13 «3,13 31 ,(n"3 "1 mß tin) Ü39S f13 D'TB {(HkSiTI 49 TC 

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? , c , d pKm p'^pn rrnpaa nip s 3ii m:onwrtV PppwmnSaiBn »an wa Sa -x 
e'ksib um |M3 ?cn;:ncD nwpb cjatn (o |B?a rra nfej?» dtm w a:Sa 
nwEJK .aSiyn Sa n« mraa» nnn "B'Ba aixb nvawu b» wsap rnoy iaT»b 
isd •?■; mvpm &nwa nina 133 iana:2> Annan ay nebe» iTTBb xbab 
a&v '-iayn yann nyu' by pp p»A cnaa» SSn- nia;a cyi ,vbv anaan 
D*¥wan amveni o^aan na»» nnayn »S ,«in th ran bran wiyn bai 
aiain nK">pb bwbib una« p«» a^iayn üb .üb mti mno ab nx'ba'on bz» 
bniai tjVwj wai .uS^ yann b*na nvi na jyjnvn nnna im pu>b o^jara 
Tip rwi «ba» ny ,mapn p»Sri njrr law marow xSaSx ,uTnpi lannT 
Dwnnn ay nxrn nanan i:b nx-ia ,npnj?n v, y nbs mpaa yann xrpS ut? 
nvwa ! la'ca ra^ip bv> nr t; [■©'■naa "?» larnna .Bhutan nbw btcwwi 
*3fi33 nab;nan Skw mann nayi "inEC» nmm tax inanx *?y "nc bnier 
uncE' rr na nyn mman nibaa naw rwian wrv 'b" frrwwai ,»iipn 
•tan eva yub nan xb n-nxi inn» d: "]a *bjsi ayna baM ,nprrv na bwa 
rwswi neipna — rvtewK ej es — nninnenm n w n nan^en xbx .inaam 
rrbinb nanosta» n'biro nnvia» nmpn .a-amam infam navtan nnno nmpn 
.Bbiyb npnw nrxu> lannaD nib»bn»n bv anin ma>*«8> nim ,nS naip» 



.p?p ^Kipy TT 

•nmpa 

wann ."paaMa^D s)DV |a • , ama "snpnS mJN "illtp %s> p^TlafDT ibd 
M»iMna ?nan ran^ v, 3? iä'm D"nw n-a S» "a yra ronwnn nye3 -n«S 
BiTia« Skibk» — c-'B' 1 nai ns B % «npn na-ns [cix Sy M^aa ib hsdi 

.cm swtmii /pDasarsB 
na üb 1 : anpna ':« tbtk ,nt ied by rrap mipa amaS e'jn oib my 
*a ^p'y na sin m ,^bb enns ancD bs« mw» na »3 ,ianan naa ixaan 
•»an P|iai 69 ny 5 nxa) lniaaa pn «b TBOn yy by nSiy xiaan ik nanpnn 
piwtin yjRsna vi) ^ir^n nanamaTB .imaws a-sa es *a ,(123 iy TOixb 
mmp p:ya caba E'trpn "\tcjzv no ,nprn nt» pn «m b'mii (» OT n nxan bv 
nriiTn "a ,ScaS masa n'B Sy nnypn laam mwovin rix wn yx ;anna 
anainnai BaiSpa Sn;nn i ? xi'a ny Saa oraaTfi by orrbnai mx-.pn sm nn'rsia 
E'sipn ü: mw Bn'B'a -wx — b u n nan Sy psibnnS na ,maSnn laa 
ns isaan vh rahn nr naiyb ;maipa nanna b"ian nx; nsin -icte .aaxya 
ny nxt anasba n'tftoa sn^' -121 nx a'xipn nato ;bix by naisan naxn 



128 n<njm imeo n»iayn nwn n;p 

nniri B-ban i:b a'xia .n'aiKn mmai .mnem nmnn .n'nrxn .rr-ixan 

.•pna msi'üjn ibx mawa niipaa» 
ix a'jn /aanp *an33 D"xna ux nanpn nnaon 'aan,, pi naxai 
nDipnn Sa» nuecn 131 by D^r nrs d.tb by lA rxba c"bb»ti nn rata 
mv rons nyi (6 /x ni3in jnapn nnoen mnSw pwm .; .x) trnn 
,ax iaa nnx man m:a a^ban p'xb 'xia) .o^mastn c-ra nanjn netwi axaa 

(.na manon ,p ,ns ,ax 
uniwvin ca DTbaai "man 'btjjb,, noipna fcmais «roura va San 
B^yan ;a oniec oy "iwv„ icca B'xnp i:x'w*3 .nn'U'xia bmrw cy ba» 
itjbS 133 D'«n i:k .miron a\n nra» ay .minn an-,: «an rwa "a-a iyixa> 
c"x;hd,i B'pbna p .cban b3 .miayn unew hv nÄnrum nnni ptön Sa 
[0 cj mn na» ba pxa» iy ma nwbai nwjna "3 Sa pn nvrn 'pbna jm 
.jnxvm jcixa pi jmiana ja piay nnnnnb nSw niva-yi nvrma irxn 
manb "nwx iwnbB "iibb »isi ,nab yiT yinn Sa» n? pbn nvna 
n:x-ena> mn i»ek eyn '■sa nb'vn mana nnayn nB*»n nvna pi <a ,dt by 
p-jni irwn o^itia nrwji mnmoa -p hz nvmiEC nrvr nvwi npa -iaa na 
muten p;a ,*vd in naja nw ,dm nT» ,onxa ntrcr "neoa ,11.1a -spuk 
b3b DM3io Brown D'BBraa D'biban .cnsBCBni D"pinn .ivanb cix paw 
vn [nbc amn nmw ,p cj xh nvraia nvabiyn nwieon nvibw .oyn pan 
W» \ib\x in pva .ine» nx ,1311 rea vbvu nyi roapab cyn» trjaja pi 
[nvna .ccyi nmt» S:3 vre vhm ma-xi niB»» nj?a ex .xain \v mineo 
iT'n»r miann "oa via vnas» iyra ix -n' o; nnaon nBB»i pwn no» 
.ciai^an o'aann .a^oioni iBDn niBB> Tina pi 
pxr DTW »JB»b ,-c^03 BT3B i;x ,-,-m,i "pbn ixa 1 r; onaiy uromw 

.Dnm d'b^S "jny 
, ■•:■•«-„ m'C xm ,-j";n,i 'rr baa DJ ■'rixi ,nivin s tb» 7:2 ,-,::.•:- 
nTc xbx ninawni nwiaw Sao •an'O n-mvi (A i L x .nniybi r,-:? --y i-xa» 
n-xia;,i mvn mna nx m- by -anS 1:1 npeoa -a-a ir n.vn — ir;xi 
rxi:; ex *a nx: px .na*ip nmni 'nxin nna eviy bz nxi n'ni^T» 'rxia 
.(20 ,S":np , 3ii , 3i)"pixnyaa'mD , aaM , ;"x , „ r.h-pb -u'x jiuinnnpwnmircun 
.nnennpMV nnvwoi nnajffl nwn ninnareia nnn "pnnrarop.ppBjtopKn 
nxr ,nx; mTc* nx DJ'mai obnja yavna ;x u'ma« rn , p|W *a 

nnuan Sx ixa oiai r nYT3TBi niaipa d'SbVwbi z-rr. ,iwhw\ norm nw« 
?rr,im mm r„i-c,i rx ü'-a-cxai c-x hv i.iyi ca-n-an nSmm 
itFSzban o^nacnn omvx cy c^swm D'iraa a -,ix anen uroit nai 
-; ,mm ^xiir "aba '^ % ra cr-;i a - :i,ir nefi n^y Dfljn twnn inrx 



}3p nriyn ^noa n'iayn neiyn 127 

W? njwsn tm map "3 .msixn Tvniax miaaa pmwA xbfc> naa Sa 
tavon by rr^a im x'o nSvia •abtnv py) ,nvarn mncn bib .nwipba 
amax piwnn wax bj im '«tdi (k'" 1 rvrxna .rnx nc» pxn 73 71*1 
d"dix) nbx ira 1 ny na c^p-ina BS» »mpn p»S xvi jnhvt x\n »tnay nayn 
,(rnn'' nmanp cnS d'dh'd barn mina ttdbj» yip -pna riwb -pS nan an 
nnaani rnapn notwi by nai 1 ? /unaxa x«ro cjjy 1 ? rnayj nnya 

•nmvvvi rwma iraxyn 
San map *Jca may nwiDD rrw di» üb mxpj xb brun unpjib 
nixa »an na neipn ,i:an ntra TP jraK cmax "n nwa iflansn ne-ipnn 
raxp nmnn **otö iw cynv n-nnb wnps> anco rn b:bx »a ."ppa bw 
mcoa rrann •oVpn }a nas» sb« .tgn n manba icd ,ib»vi *icb maran 
""ey inn naya nx3K> nnx nnecaa ixxiai wbnna uay nnbina Max wb 
mana) appi pnr bp waia c'rn-ec b^bb üb rrcia x"n p laa /n "dt 
b»vib mb'jaa •'«■na narww ,V3a*? apy nianai .iiry nxi apy rix pnr 
,i£D nrx rwiTa üb xa ,f ?aS« bax .([.rby yiaa nrnpen omni m-nnoifB 
mmn vif rtvfo ab rm»eK nnvw "xma ,«wi [ara mnva nb'ja ix 
rna» noOTi rwn pvi ny m" by Tanb ,xirn [ata rmapn neiwi ruiana 
i:x B"«n |cix baa .bvu b,yj»ibi cn^ba "wiy rm naa nyi irmax -oa 
,nxbc: rrupna ab naien (xi pren j-pr »a vn) fa rwxnaa minn "iidbb 
pai nnx ni*a app*i wyi pnr pa rrn» nbi n'rn ba nx ,r*enjWBD eysa 
cpaw Jt» nfwea n'iayn na»n nn , n iaa naa ny ,":jrn isa apyi npan 
nirp»n Sa .cp'nai anna Sax , , ,:rc» i 7 man mrpa cr-axa cjiSxn w 
ov nEir 1 ? n^xnai .n^H^ nia'an xba ptaao .nwccn n^bana niBWD jn 
aSia "iiaan nai baa .a^ibin a'wpa nnaya lrarurn 'a n;a dj naji ,nv 
Sy "peiwi nnvan 'srm ,avri;2H Bifaisi an^nbiwaa rnaxn naa» S» m»y 
3pyb |n:r nrixpn nia"än /n iaia n»x nw n ,- i3 s ja nn nxi :pnr nai 
nana nai ,nnayn nawa ntibi* tx nas iBbtr naa iy "ibS c'xib r:a iryi 
ni33»J naa ny ",aiS "pi* ?'W -cnn d'B'3 iaa np-tnn» cSen npo» nnvi 
c:axi .cna wtaw "ppn an wbn nainm .u^ax apy niana mn mxbai 
B\smp i3n;x» cmn cj xbn cnn ca-ai — mana na n'vam'tiv ncf pn 
— nc bpa» nmn vn ."nwiaan nawrei , je l ?B' oyn mw« .B^nreo on 1 ? 
,mi i;n uwax» r^y pm /TB'm nrban mxa d: amnnb .ntt'ynn 1 ? nbu' 
rtSstton nccn bx cnanx nnan ,rnapn nowa pn aai'y paiS cra nam nrn 
a'cux nnx nva nrovi nnab ,cnsa 'pxa cnvna i^cx my nnry x"?i rxrn 
fitin bv nrryn mannn [B "hm c-BopiB wn mal ,b.timij rcira nai 1 ? 
:aa ,nnnx nice»a nbixv obaa c: \wbn rx a'nnnS ixi' xS one» .a^nn 



126 o«nyn -pnas nmpn neffn up 

natoi .Q'jnowrr noa> km kvi may s a mya 1 ? aipa nvn .■nwan anan 
rvaa» mn* naa' t ? piaa nnopnrn (»"yrt"') .tSmö Kia:a in« aipaa jwbj 
jSa» anrt dwo rra»ni .('i rwa n piß a^ra a"aain an-rca p-yi) 
amp ")ji mro naSaa S S vnn ami :minn "nai ran iSSx vmo» mrrri 
otwm nwm .minn *i3i ,103»: Sa» wm "pnb namp atnan nn obp iaa 
nxaia nyr a"Ba yipa> n'na» nya>a i'rex — vrya rn bibib rnaini 
najffl B-npaa iS natu iS«n antmpn anain baa» nnsi .a'tmp — nyaai 
nea»n ns tripi iinnS arpn "naan bbo nsen ran aSa a>ana>n 3"? 
mayn naa>na> nyao "fflra rampn pa» 1 ?,, 1 1 ?« anip *ot na« na» mayn 
rnvin ns^pb iS-c« a'w B'amna eewn mann v, cyi ,vbb nnaani naVn 
rnnnn rar — "BHip„n bv rmipan nca>na' myo 1 ? aipa nrt 1 ? «Sa» nnaa 
i:aya> :iö»A mn« nyaia myariS eipa bjbk \tw ian jwvi 'im3jvi k^i 
nampaa» anaiS nnaya :nwwS s na>a lra« Erna« mo-o my muwn 
.(o 'B »"inaa s iSn rniT n) bin •nrb rra-mai 
rrown ja nxvia rnajwi» unw w pirn -ny n -pna nSn ibhiSi 
n^jia .a .i ^xk pyi .rra'iyn p nxaa» laiS rnn Ohlshausen pSani 
nVK rnaye» a^ncn (Lines of dejeuse of Biblical Tradition Tiaaa) 
rvaiw rnayw a-bnn mna .ibk» 'Da ya« .rra-iyn ba» "Jian aptom nSk 
03 pn .pa-iyi nS piaan Sy kjm iid minn Sy «ds pyi .p nn« nae> 
Tb. Nöldecke: Die Semit. SltM E. König: Hebr. u. Sem. bm 

Sprachen. S. 5 — 6. 
H\-i n" ,0"' ""jm^a mann [Via r.cr» nai 1 ? a-sn a^pinn p B'ai 
Ja Sy -3 ,[3 nxyn ,vbv (it siaaa pvno a» "«tf-i bj) nnayn rmw\ K*n 
d*t™ ik3 nr aitfOT ,n3 jnsnS irnia« Kia cid niy [y:a pt« »ja nc» nrwi 
pii 'bik ^f^3B |'b |yj3 p«S ana^a *2oS ran a'nanpn onsyn *a .tibki 
nee» ,fnaj?n natt'n — ffipan nca» B'B'aian ehS i^jb pta dttbct '-ihk 
('ss> E^ann -jtranB rurp ■Tarn Sa'cpa '-y^a p^yan S3 *73k .}y:3 -awr 
B'tw am .«pn mayn nee»,T mvi dw mann jpia nBtt'B' nr 1 ? rnam nrow Sa 
"sjibs »anaoj e:b« sxbi .pirwn pia nonw nw»n nainan *?« irry 
nasana nr p*ai b\sxib unssc iB3 ,j:nn rem Erica' pa Vru p'ir a-yiTn 
nrpm .ana e'nxib um -hbj p*w nSi jvöi pi S3K ,3nib -jSd y^a bv 
a'iw B-KDsa uboa mpyn {psvn nwcn iipaa '•a ,p~\ uS n«ia r'yian 
Vna> a-ixa pi« ny B'in: bikb jxv» raipar D*3Wfl tnsatm ana www 
l'ai liSc n'Tipon mapn nacn pa o «'ia:v 131 „nr 1 ? nr nxpaa d*bti 
"irv E";y:an nca» nnvi 'Sw .B"r,aym a^armn ,b"3kib,i lO^ajnan noa» 
«o\s vb p« .(K enan , Histoire juive I. VII. p-jj) nnayn nafb nana 



H3j5 n'nyr, iVnas n«nsjm nccn 125 

roum cto nitna» *]ny .nawi nViaa asy nmk nanb b-nna anaa as 
pa6 xin "tna .wne» na nnnsaa» omiM matrn ey paynnS ia s Sy «nnrn» 
,mrrn Byn .TOJwi Byn .laay Süx iaa lanaw ^a« na nxnatp pimi nx nra 
nnai iane» aai .BTiyn nsnnaa iaaj?b wat? twro mau.* an 'Wwrn cyrt 
.«rnpn jwto nnay ,nm.T irora in Sa» m SmaS 
D-ayo "i ,ö*dj>b a»an nnw :ca*n rix b-xüib u« anan anaa 
yra jn'" 1 'a aabas) annas '"y a^ann" "rata Sa» Twin jnixan rwanro 
aatan tu n-ana ba> nwo nn« ayai (:'" ,3"? rm ::'"' .«"■' ,vb 'jnH 
nrnnynn m ,n )> na ipoBJ» ntnian naronnm «an btrw »aa to ynrvj 
lanDa» nxnpa 3"y a ,naib a-atna» anpinn |a a» -1 aaax .(T3 J'" 1 .Tarn) 
nayaa nann äy na'x imr 'a te« iura natowm nnncnn jy nmrp aa>a 
faicn aipaa aawn vna» iB*iok -a ix tonr* ya by onmm antaiw 
väa nn\n anaa» bj a"yi .Bnvnaaa na'x B - eyn ai?a ipam ,iaay btf *amnn 
miiT ai na» :naxen x-y w parrya p*y) min' »» Sa» ir iaa naSa'i nns 
xba> b'ba *aa BTa anmn nsyra a:;vb by irepme» nm.v «aa an na« 
3"y ec xnaan nKaa» msaanm ßna anmn na^pro «"? aaw? Sy rrapn 
brraav as '•Tann paan v, y bäa *a b» Baia* 1 ? nnrnw aaax a ,nx-a jnaw 
'jax .( nr:i "K^ "W Naaan nana nynb nann ijpbiww x'ma m B'-aiBam 
naixn 'n (Vit x"n ,Ww< mnSm) pay^ [pmaa'nn Bann pnxa yyn naa 
nnxn rmn apo nnsi a'aia» " , mn\, bwn t«saa Tanat^ ,nnaiyn ^y (,rnwi 
,amb; nnx ayo auiaw ('i ,?"» a-a ,mx 'D'a) B'B3»n nna'y mSa amp 
B^aacn nnryS isip annxn B'ayn *s ,nye'S .injn "ab ,aipo fm;n nan 
pnnxn n? airai .B.Ta , a S-nanS na nin' at^a min' s aaSi b^w B»a 
ynixaa nara a-y *a nai'j i:x b , Si;'' t" s y .a^Bncm a ,,! ?aan nnva jpmn 
.E'aau-'n nntry rn^a "nnx rrn nr *a ,nnapn ns»n by "rt-w,, avn annao 
.Snan ba '^ai jn nn« nnayi nrnT naxai 
aa) *n n:a*a 'a pnß paa naiwaa naitfsn a'tcanB i:x TYnay,, Ei^n rix 
rcnayi nnay anac Biann) "i nr/'a -n pno b , t ,(n•';^ , nyi rnay i:naü> 
.n'rx ira'' ny n"nayn rvnccn ^n nx«6 nm a»n aanruw ae»ai .(aiann rnaa» 
r>« ,K'b n'S'xna) 'Bba^n 1 aianna nbnra xsaa "ifnpn pwb„ B»m 
xe»mp na ]wb :aaa aa nn,x na' ;n;v Biannai (x M u ,?'B naia naraai 
naiann nmxa i^e« t^npan naa nnayn nowa wenwn» .wann n?a .(ec) 
pxi .a"aaa,n anpan T npma bumro n"cnxn newn naa'cna naaa» 
3"nx a warawii ayn yina »nan \rz'b öB>n aifona *iwx Sy 'jSa xbcnnS 
nnxn ;dtoi 'a^b 37 uava «nnayn unsa» nx a p'JtS e^naan aia 
nx lawa« wnn na: n^x nnx my je^n nayn 3n33 ip"»nn B'ainawn» 



o'n;-n "pnaa n<i:rn nccn «uq 



.D^nyn "|7,"iä^ rroyn nsipn 

.3 

nninnenn "pm nvffitjHi rroAraj .uns» St? »neun rrem Sy iiöy 1 ? na 

d? Sytp ,0*1*0*11 D"piB,i pa„ na nwyS vfyy .own *cb* "[»ca 
öS 1T1T Span ,r6« »rvm'jia; pa nw* ua'xna .mö'icjs meipn itb> uS 
conn m nw^aon mpen .noipm noipn baa rrf«on roinvo.i myainn ^>y pi^ 
/DaTO' o,tb»iw ans» moipon m Mb h^joi iiarotfa iB t 7K>B' riiwn nvoim 
-?n paa Sy sjpnro ona» anarm Va Kann by nipnnnb b:-: -r »ewa 
'•: mpi ip\i Sa oniM 13p '•ouAn hran mw b« wir *ayn oyn to 
,w»dj mKiwi lnn norm Mb mn — 
:jn iSx rooipnn r» ( : mrt muoovi riYpe ' dp 
.vnpn s an: bv oicr warm neipn (n 
.tnenrnam moSnn |ö? :m» noipn (a 
.n'aiymayn nnron p ttwhv nDipn (3 
.niTonm rraui rvnDon jsr :nrai noipn (1 
.nfjMwi micD jw riwon noipn (n 
.rrnnn »o» :rrw neipn (1 
scoann m* mai ■ oy ,0,1p .BHipn 'ana noipnS iy» onw nnPKia 
.(rma"Roria nrnne oitu .pnSo .; .n) rrncKn rmsym rwiawi roicon rvsrjo 
aya :onpt» — o«iirp -an tnpen n-rpa ^ya u nr nrob — Miriam 

pno'nn - Jnn ramp« naiyin m:nan rx |xa •vsirh ipbk %an |o xsva i 1 
rrnnri'a .,-.•:•,-- tan ; r omia -':-;;- ; onnipm ipxBD»n nno» irs rxa 
-;x: pvkvi nayn »lipon Wien* »in« >av euino npriyn Sru ptoia n:n un>: ick 

.•jx-.r' totp -pno Wa 
•::-,n nywfn ' x~ vxia z: rn ('i'---' --■- ans» no jks p'.iynS 'V.« 'M^r 
::3» (-N-.c fiu) nxin pjm .(a B"»jm .1 ii er) vri-y-r: nniö .uota rmvnav ivx 
«nnn ptbji mara irs n?t2-:n msn o'iapn ir.aa n« =.-112« rnp tn*a rmn«S rwn «S 
n-ern jrnn nar -;p: nya hz* ,vir« v;ah rmriK^ omaK^ r nr« mpom irin o?'i 
dv nSmi p-n iiv »S ;'ki ; l iv mvrnVi napuS dtä iwm \"#~ na-, ,ia d^dhdS 
iax- iUdb pwn taln Bn*sa mnci ia»Sj iap pai d^ivdo rmyi • . ■ :>"~ '»Aa iji 
, - i';:i V-.: DIBTi ~;x rB'TJfa n.-r' -j-;a cm ru vr.ttn; nrrpn c;'i-K 'tk Da*} nay 
Vi« r.v-- a»ni ,r.ia»Si ^-nh r.n ^ojrt rmap «fcya er a«»w na intu -» ex o 
:^n -. ; v'i u»Sj fflip' rT.'rcn mn »^pa aa uop' »am a'-n r.21 px n*rm 
cyair nwn ru;^n poo . s^ti Tir t)K aS n*KV< sn j , " 1 »<^ 1° arnanS afcp »yoo 
B«rin» o'rmoi d»twdi B'Tpmo .n-t? rnnnoaa ,*vt) m»ann nyan tu iwota cj uhjk 

. . . caicoi o'ji» 



2L 



yinai n'2D 



Sx-wa nnx Saa :ir matöS oxnna S"i aScisa pro n rei w nai 
nnxnn nx ,roip pm niryS pi Tan prn roirw ixa mp" naia rrnpa »'• 
paS ira "an 1 ? nnx Sa "pu p Sy .,-nip:na pirn mn n» t Syi ,taS nnaiw 
:o ,i3S nS-iy bacnn nr t bjn ,«SS 12» nripan nrna "vxnip *ia 1:1p 
pnc ,mxy 'oipb) "onx Sr iaS rsrenv \nv ,aSn ne-n ps> ,mjn man« 
irx ia v ran .nianx xSa onxn 3S : onn St? caini .('i nix nmiann 
,nanKa , "!BjS fprvw •urex"« .yiT o^n-rocS nvca irx ,nnain mx .nrra 
pal .uaa {»in» p:y rtr« dp nnxnnSi a-ipnnS s)K2" «St? ,ciSa ans 1 xS» 
rorJif "rnp"i naic nnx rrnpi« mhnoöi nxanna 13 »••b' rrawn normn Sa 
"Siron ia» yrS mxna,, kvw .nama vSx nae>aj nv ,n:ip pro nirp 
ix mjnn ,wonwi nxe> Sa mm .(a'Snn) "src: nwn narSi iarS„ .(c-aa-i) 
narrutn mwan rnipjn nx nx Saa o'aaio ,fnex Sy in' mauion ix mmnen 
("oanSx pan oa'ra nVna caviuiy *:„) . . . nS amxn pai nra tmvn nxrn 
t:bb yjain |B 'a„ . mD»Sp„n pa pixi .a-ixae» »tSkti "pro„n «in na» 
paxen aS mm -itrxai .i:a c-Sipn nans atrnn cy isasSs 71 ron« acnntt» 
13S3 mun nanx atrnn nrai man -sa vmixna 'usicSiyri nansa pvn 
jai .('X p"ß er .maaSn ni3in) mix irrem iS woan 10 1*033 nyipn mnni 
vnnxra nwannm cSiyn rnnuo roprnnnn .eman S» spvnS aS avb "sm 
■wo xS ,",-ir3i man -.xa„ pn ,mm bv maaSn-main 11 Sy ,nvnS rmmt 
S» 13W3 piDyS Hin'' a"n .an i:S^b xS c"cxm dtbh .n:,ronni nryan 
nx amxn,,) ryii rainp nx 3inxS am ,("mr na»S nxia innS xS„) cSiy 
oa'B'nS na mann 'x;n Sx bmorh a"n .("nv-an nx amxn,, »iD'ja ine>x 
aian nx nnmri tbSS s nai (»mren cy nsniya c:x bv inyn,,) c-aSSi 
n-i-arn mann imSnc fix n; S3 ay im -;x — ('anx Saa naiS,,) anae» 
nnaj ninaannS .w\y nx^ynS ,»dj niTDöS mpö jxa px '3 ,mriM nran 
nnmnS m'nt ("nxS'y iB'nn,,) miaam .rovSyn nsnxn .vmn n'san S3 cy 
,a"nn mnaS ,D ,s nn "nS .aam-iinSi a:mS c'-nar nionS tre; Ss» naixya 
pixni naxn Sa fxaa ,nnn*att* anwm wpn Ss fxaai .a-aSiyn -n 'xS 
mim nn aaa "jS nSr qa-Sa cna c^ycca o'ewan Sxi» , > w n a;» ,na» 
,iTWn nx 13 iSpSpc nnrn marmn }nr ,inSiy nx 13 nSai "jasy aS Tn Sx 
. . .TnSx "i nx namxn •-•ip , i naie nmpj,, na» nS;nn ,|SiB3 re "jina ,tbi 
."Siwi urn ymS nSna n^xn mxnai "wbbi nacai anix xnn vb, 
nan nx -aSi xx n*naxn nmans nanxn rosa nx xicx n*3nS -nxn 
, n , 3 a nnrn nx a'yirn .c.rniapys a'aSinn S"i c'jwxnn irnisii o-aan 

.p i n 3 a ,rSy cSancs» xSi 
jiiSjnDnn xSx np'y niSancnn kS jxa »3 



122 y i n a i n ' a o 33p 

na Snte .m.ixrt nixa Sy B'pSm onsron B'JiSixnrt hv? Birnvirp n->:na 
Snt yihn ti ,ib Sxitt" nnyi,, :Ttaxb stid rran ?d"3ibc,i D'ainaa ,i*t 
4: • '* c"i3i) "imx ns.ixbi ran S:3 nrSSi yib* <r\ nx rorra bx »a ,-jayo 
laxsi .mS* icna n:na xSi oixn eye tawsi in mn ronun pw» «m 
lsncS px irna» t x \tr er) "ftS« m nx tonn,, trwie mrma — ; 
irx nxn niiran bs nx piarn na» dx '3, :-ny iax:i ."nnann,, pa>S3 
-pxa '35« irx„ riaxii (a"3 x"" bp) r n nx m.ixb nnnryb a:nx nixa *;jk 
mixb nanww 'in .(ra 'S o») ""pibx 'n nx rtanirt er.i 
npS 13 yiasrb pana rrwi rwirrci Sc* .irbpia -jwS aya 1113 d:;j iS s r 
BTribp tmrwn Sy mSycnn "pna wfononai pnaa mrays penca ivn xSt 
iSip nx yarS na« m vx ,(nyi -133) ffomrcraM« -pi i:wa iS dtäh 
u*n» ranunnra awn r-amen mr miSixna yena jtti xSip S"? dwi Sb» 
la.ixS .iixb mujfl 13:2.1 'x.i rmwi 'w msSro ibix xns» na nn 
•jhvti .(*xrn -piSx 'i nx ibkji "pS« i nx ronsi iBXitr ,imx ixtSi 
b'xSdjh vxi-131 veyas bix.i \xawv -ytra ?inxT , S inanxS "rrei tnn 
-xeai rwai anw xn ra pp xSl "py nS pxtr inaan bib nxvi .cSrai 
.t 'xS bhSxS 't'd .ixax Tri ibxc* iaa «Sraicevt vtS nSru mxn mxnai 
itna x-.nc jm inci rnnxS ynu kyi va Easy iSxn ansis jtowi 
— -rxr iar ,niyi o*an 'jcS m»WM nSp nyia maiy nScxi ,iSe» ruop 
:v-xS ,xicx ,"|:un — .nrem "3 trux na — "pmysirx nojö "'aw nxix -3 
.vianwiTOi — iS 3-ipnm "jaisoxa ms ,vSx ynnm "pSyno xx ,cipan n« 
ma "- jfflr nran Ss xV e;bx .3,ixn xSr "|S *i»bk *x ,3nxn pcD 'Ss 

K3 KM "3 (S"T D"3B"in -313) TB ,1'Sx X13S B'Xn SaV xSlT ,1XSC3 ,13,1X 

a.ia iS«nn n-aip,i,i ua'pnn ic*x:i gicn maipn inx xSx SxwS |:nn 
*"on) ,tSk yj.iS Ssv xS ,iB5iy3 ,tSk psow "B Ssx .pan' anSxS ,13,1x1 
neaa B ,iib c; -x .( : piD m nsnx lyr nissSn maw -cD3 ■?"• "n3 1:31 
p3,ikS i"re? '13 pn "m8ip,i„.i S3 nx xeoS ä-ibbS oix 3""n .mansri SS33 
iDnS cixn TTS -xn .(iyr.1 naip.13 ,ca*) m:bb nSyaS n:na pxr„ -n 
Tjnt 33S nxi -pS nx -pi 1 ?« 1 t xn m tnrpen naxy nnnns 'bi ..in b'iSk 
. "jx .('i 'S B'isi) "yn ;yaS ^cj "?33i "pA S33 yiSx m nx .inxS 
xSaSx,,) x'Btt»! xnya uns .(♦»TV* ity nnapi nn.iM nnn3 ,1:31a v sSn 
sc::;txb,u .icrrenS rna „TWU .una twa »Si ,("TJ Vü 1 0* nny .i"3p,i 
--"•rx DnSai,, riowinstainan m xnxanrfshimn 'yonamys« irxs 
.i?yS csS "ion tr »xi „imryS (OTO ,nxr,i ,nxa,i B3'Sy ,(r-B •- anai) "1CD33 1 ? 

"" T 7< — aicrr :.'iij las k^w .nm<S n;nH cipo H a'aann i* 

.0» *"i j-aoin amea imao pi (•* .ain» :70a 



KD; pnai ni;o 121 

vry dk nm*n n^x xtwa> npjro ,mn nx tot» Tt man »3 .uAiya ib 

»jn nx ars b:bx «in .iay annx nvnnbi na nvnS ib m *,Tna nwnn 
Sx pikt3 x3 D3i .an'SjSji ran nvsns masS mrpai dw» »wnan .cSiyn 
jnr ir» abix ,n'p "parSi nmnnb .bVonnbi 13 -ni:n,-6 «rnavrra fnea 
,db> ."uidbi ib -i"ud tu? bavin b» lrbjrwi ,o»3 nntriBn bx pn -3 pny 
ikk* »n p»i ,n» tjb pbpiBb lb &« mnva ptrb bj .nmvi p»n .wonaa 
S3 xb» ,-inx iito-pm bj ,ot» 'lBa-jBW c; .Sbr nb pppra cbiyn vbpno 
•px nnnvi nx .rmyja 03 •pnru xb ex ,mnea anS bmib nai; ans 
.nbrw na mbynbi nan "pbrnb xb ,bib:rb "pns rtmin "33:3 ,bbnb xb ,-nabb 
»araa punnr jar b3 nrn mn na„ ."«nwa,, Kxorw tj> n: "jam na "pn 
*3>37 nray nma iTnnb inn x: bx , n p min "nan *|» aya 13 »xia »in » 
■pna ,piay nab -pna xbx nnrn hv nny~ *]ib by pnaiy p» .nnx bn 
awan n"ö anix Sa "pna ,»a»i pp» nb pioaj» "pna .nb'bi cav ,13 ["ine* 
•mix ,pyb pijö Pp"iB"i mix najb nb onr» jaerbai .ona n";pi rnirww 
by nana ona^psn ,ana a^n mi nais» .cxaaa mxnjri nia»na 8np»p 
,b»aa tnn irna by wnT—rna -j-nirS ibx a^ans »anwa» vj ba .cr>"; 
naBTiaiw'B by *]» .a'ai'pn vdbvib '•ayia "nrowa anx pwiy .xbc p«i 
naryb namp Tinn navyi .nabc lnawn p« pny ,arji 133 tra; nasy 
.Dipa S33 a-bv bmn <a .Tnwna, "p— inxi ,3'.i3 "i3"n 3i;v"„ .naenan 
•\« .vmaiwiB 13 SsjS THn' nain ib nph c: xini ,mi,v awnb cix nrn 
aipaSi ,nsp n'TSB wa»na »nn» na^on nyetrn "jina empa Sma xw nsn 
nx c; nama »vi nai ,nS »' n^i33 "]n .nabln x*n nai-ya rhrw x'nc 
jmjru-nnn'' twyj x'nsr ny .nbw minw 
pnsian a»vin hv ina»na -pbna .wtS ,xxaS »■> ntS nawa xa^n 
D"3Da wn n:n .(*'n nan» Sy nana »w» aipaa ,Sr:n rm icca ,"ma oaa 
anxS iS -ia*cx *x »a ,amean errimm r\yih ,bie>b "mV laa ,iam -öS 
pai hv inen -|ina ,vSxa «an nan xin narw "a .nrnxn hy mixa xn-tp 
ibx nx*3 :btw ins [xai .nbaab "x nmx nnnb m»n n:a pxi .cabiyn 
i3T onxn nxa ptt>-in 1^x3 nia nx-u xbn ? , qn < j» -1 nx na-xi,, rainan 
basi .nxrn mm mix ny'Jin — nns tbdb — c-3i b , 3'' iia'pb na'cx \sc 
'.vswan lauin bs> 1; xbx iaxy ainan mn ir pxc naiS ^ ,5)VJia »in ,nx: 
v px .Tny p»ba ,"nan»t„ xSx — "y6x n na an»,, min mex xS jn 
"3 "in'aaa 'jxi ,nnx n ünbx 'i .hxiw ratt» tiaiba ."nnaan,, xbx xicx 
Sna lb b»"ibb 73 ."]ixa S331 ■je'c: S33 -jaaS S33 y\hx -n nx ansn fr* 
m» a*; n^yc ,nnn rrnnrr npnax nra r6j vj ,nx-i:a jnm .s-pan-nx 

.134 tidv I TU (* 



120 ?inni ri'ja 3p 

Sc 1 ; mn nm ,mbena rana ,mspno va'tr: .ibs nx nnciS nw? .nbiy 
t '»o (1 maxi i 1 ? n:yi "?^n n»i nxa riffl st,, riAtawi "D rrm .ine» 
jppvw (n "iSx JJTTf p« ?pAi ."mo SSaixn 13» s ;naan "ie»x amn 
p-mnS xS cjxi ntAn naSS iS n3 px du e; <a ,nyvS e»rtn sm 11 ne»x e» bSik 
— npy Sy 3ie>S nnwen iS e»' my rxr S33 ,nwi bbm *mn ''SjnS naya 
ix niy: »wa 133S Sx ma nyjj xSe> dik -]S px .mwnn jryi nbane "]3i 
nS nn;p xSi wo Sy mn rtebn *|bn pn ne*N nSxa nw hm qk b;i .vaiSy 
naye» vn map? Sy nnya 3» tm nx? S33 ,133b 3-93 www nye»b 0: 
Ktytrwt ,i* rknut ra\by Se> nb:n sp yne rix Bi-wb'b "rw pa a>Bnb 
km wsa nx "3 yT xSi mj» ?y baa nenn vSx nnevia rx ne>x ,?"yba 
.cto" n'-inxa nvmn b» o'aevi aneiBm mmron bbvb n? . . . sjtin 
nraxa naSma man "pna xS .ab njioi e»c: pSe»3 ,ow an nwp -|ino 
arrvi -rna kvi "3 neben nana ninaxnn -wa xS ,ibbn rrbm a-ae» mn be» 
-ina b.tb'' nnnxa nnüpb naa xb ,aSiyS 1x3 a;nS tx nS nxin anrna 'ai 
xSe> -pna ,'rrra px„ "pna ex <a ,nnya rrba cnm an wa tiibj nanyn 
aSiy bx ne>;b bt:» an "rinn niabiya «m» "pna ,aniJ3i ayua vr>bjGi 
an n*j»j«nö "3 .anb wai aTjnajw "atw "pna nman ba bisb nx jenen 
nn» ;na nwrb -3S3 3iE-ie*K I n , fhnru , ae , n , B333m , iann min nanu nm«S 
,B»w nSnaS nan« «S .o'aiin nyae» amx S3 by rwao cne» »Sa rty«i 
.nnuö ax »a narw nS — ,ma sxaS anai« an .nipoon nmpa naann 
naai v?vx naan pi flbm afotf nm:a pi «Sx ,n:iax Se» na« nm:a «Si 
;T3ia ,inxa s a iyni na tw ie'« n*m nm:a nnw xb .nipcan rnys nn« 
«b : nnx nSaa . . . 1 a e» nx w®' 1 anmaa Syi v Bnm:a xm ,niae»:n Sa 
n:"B fitnS xS .na am« ni3e»S ax '3 ,mn mina mpcan nx mnoS 
-•:- - ^ mann a^SnSi Bne»" n:e» pe"S n:a Sy ,n3 nanrnS ax "3 nnw Se» 

.B'nyi p-nnEB Sy 
enaievi pxe» mn im 'ae/a n^n ne>x d'ujvj [m xm nnx 
xSx naSna anS px ,x3nS nSapi "Ofb nann ,nawnn "ipy ^t^a ,(*naSe» 
••n nx nri'aS pi Tan bSsx »xn se^c anpn bbvbh nx i3»y an .pe>xnn 
B'sxn am naye» nnna n:iaxn 'Tnx Sy naw py3 nnya a^aa an ,mrt 
Bin w n nx nrnS bj yns 'a ip*c xS lS'xa an pny Sax ,btib n H e»S p:xnS 
naan nvpa n:aa aiyaS pn xSi mn nmna ypne'nS y-is »a .as'iynS pn xSt 
.a'yjn nSiy nx BiTSp B'Sapa ej'k an .mnan "jrxa naya nx SSnVi 'ynan 
an nbna naiai .a-s^aai a'cnpa ,anaiy an i::o ax *a .nniaSa Siy nx 
naar n *a naxa 3e>in ana nnx S3 .nrn t3TI nx amcya aaxyS an'ao 

*) Um dio Ewigkeit, Seite 14. 



B'p rmoi ri'30 118 

— ?nan Sy inxn «»sn" naSi n'tmp aSa a^nn -wn -o ,o'jWk-i,-i veaa 
iSr paan mx Sr an-naa jvw -pna xS .o'K&p'aw nTTO' na vn iS c: 
Saa WD'Dnr -joa ♦enifSin jrw pna ,TBnb ,xSx ,,iw jsixa eSaS "]pej 
Wi jxaS nr Tön inwa am .ayia xSx nana nocn xS rmi ja tnx 
"lDiDi two p> px ."pa inaa* aira xSi ,yxaxa tw: xS'aa -proS ,jioS 
Sx a^ca iro eron iS"x iSi; :iS -iöixi tob ,vSy naiy iay. -|xSa pxp 
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llcnli rtuni Christentum, Judentum. Ein Bekenntniebuch von (* 

Max Brod. Kurt Wolff Verlag, MUik Ii.mi. 




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8. Jahrgang 



V»3— pem 5 682 

November— Dezember 1921 



Heft 11/12 



Prof. Dr. DaYid Hoflmann '^t 

Unsern Lesern ist durch die Tagespresse 
und die jüdischen Zeitungen bereits die Kunde 
zugegangen von dem schweren Verlust, den 
das thoratreue Judentum betroffen. Für den 
Kreis, der in Welt- und Lebensanschauung sich 
den Mitarbeitern, die hier zu Worte kommen, 
nahe fühlt, ist es der schwerste, den er seit 
dem Heimgang Rabbi Esriel Hildesheimers ^"W 
erfahren. Es wäre vermessen, so unmittelbar 
nach dem Heimgang in kurzen Worten eine 
Würdigung des Mannes geben zu wollen, der 
einem ganzen Zeitalter seine Prägung gegeben. 
In einem der nächsten Hefte soll versucht 
werden, in grösseren Ausführungen seiner Be- 
deutung gerecht zu werden. 



I 



422 Mar Samuel 



Mar Samuei 

Rektor der jüdischen Akademie zu Nehardea in Babylonicn*) 
von Rektor Prof. Dr. D. Hcffmann S"ST. 

Motto: Die Lehrer werden leuchten wie des Himmels 
Glanz; und die, so viele zur Gerechtigkeit 
weisen wie die Sterne immer und ewiglich. 
Daniel cap. XII. V. 3. 

„Gott wusste, dass Israel die tyrannischen Gesetze Rom's 
unerträglich sein -werden, daher hat sie vorsorglich nach Baby- 
lonien ins Exil wandern lassen." (R. Chija in Pesachim p. 87 b). 

Es war ein grosses Glück für das Judentum, dass es in 
Babylonien ' ein sicheres Asyl vor den grausamen Bedrückungen 
und Verfolgungen der römischen Gewalt gefunden und dass es 
in diesem seinem Zufluchtsorte lange vorher, ehe noch die furcht- 
bare Katastrophe über das jüdische Volk in seinem Stammlande 
Palästina hereingebrochen war, sich ansässig gemacht und ein- 
gebürgert hatte. Anfangs ein Land der Verbannung, wurde 
Babylonien bald eine zweite Heimat für die Juden, wo sie unter 
einer milden Herrschaft sich eines blühenden Wohlstandes und 
einer friedlichen Sicherheit erfreuten, weshalb auch nur eine 
verhältnismässig geringe Anzahl derselben von der Erlaubnis 
Cyni8', in das Vaterland zurückzukehren, Gebrauch machte. 
Die Juden Babyloniens hatten, wie eine alte, Seder Olam Zutta 
genannte Chronik berichtet, schon vor der Regierung Cyrus' ein 
eigenes politisches Oberhaupt aus dem Davidischen Königshause 
unter dem Titel Resch Galutha (Exilarch); der erste dieser 
Fürsten war der in der Bibel (1 Chron 3, 17) erwähnte Schealtiel, 
der Enkel des Königs Jechonja, in dessen Hause sich diese 
Herrschaft bis ins elfte Jahrhundert forterhielt 3 . 



*) Wir geben hiermit zur Erinnerung an Hoffraami r'si seine Erst- 
lingsarbeit, die vor ca. 50 Jahren erschienen und im Buchhandel ver- 
griflen ist. Sie zeigt schon alle Vorzüge der Arbeiten Hoflmanns und ist 
trotz der Fülle des zu Grunde liegenden Materials und der wissenschaft- 
lichen Durcharbeitung allgemein vorständlich, ja fesselnd geschrieben. 



Mar Samuel 423 



Unter diesen Fürsten fühlten sich die Juden gewissermassen 
selbstständig, da sie gegen den Landesherrn keine weiteren Ver- 
pflichtungen hatten, als gewisse Steuern zu entrichten, und ihr 
Zustand war zu jeder Zeit um Vieles erfreulicher als derjenige 
der palästinensischen Juden. 

Seihst nachdem die Heldenfamilie der Makkabäer die voll- 
ständige Unabhängigkeit ihres Volkes erkämpft hatte, hören wir 
von keiner massenhaften Auswanderung der Juden aus Babylonien 
nach dem heiligen Lande. Die Friedenszeit unter Simon, in 
welcher „jeder unter seinem Weinstocke und unter seinem Feigen- 
baum sass" und die glücklichen Tage unter Hyrkan I. waren 
nur von kurzer Dauer und die Juden des Exils mochten die 
stürmischen und erschütternden Ereignisse, die der kurzen Glanz- 
periode unmittelbar folgten, im Voraus geahnt und daher den 
sichern Hafen nicht verlassen haben. So lebten die Juden viele 
Jahrhunderte in Glück und Frieden ungebeugt und ungebrochen, 
und alle die Kriege und Unruhen, alle die Drangsale und Ver- 
heerungen, welche Palästina während des Bestandes des zweiten 
Tempels und nach dessen Zerstörung in ein Jammerhai ver- 
wandelten, gingen an ihnen spurlos vorüber oder erregten nur 
ihr mitleidiges Gefühl für ihre unglücklichen Brüder im Westen. 

Jedoch scheint dieser materielle Wohlstand der babylonischen 
Juden keinen vorteilhaften Einfluss auf ihr geistiges Leben aus- 
geübt zu haben. Im „Lande der Finsternis" ist während einer 
Zeit von mehreren Jahrhunderten kein einziger Lichtstrahl wahr- 
zunehmen, gibt der Geist durch kein einziges literarisches Er- 
zeugnis irgend ein Lebenszeichen von sich, und es hat diese 
grösste und reichste Kolonie so recht einen scharfen Kontrast 
gebildet mit einer andern, der ägyptischen nämlich, wo die Juden 
in Kultur und Wissenschaft mit den Griechen wetteiferton, ihre 
Gotteslehre, in die damalige Weltsprache übertragen, allen 
Völkern vorlegten und, mit den Waffen des Geistes sie gegen 
alle Feinde siegreich verteidigend, ihre allgemeine Ausbreitung 
zuerst anbahnten. 

Und doch waren gerade in Babylonien die Blüte und der 
Adel der jüdischen Nation sesshaft"; es war dort der Keim zu 



424 Mar Samuel 

einem reichen und grossartigen jüdischen Geistesleben verborgen, 
der nur lange Zeit durch verschiedene missliche Umstände ver- 
hindert war, zur herrlichen Frucht heranzureifen. Es •waren die 
reichen Quellen lebendigen Wassers, die das Feld der jüdischen 
Kultur hätten tränken und befruchten können, vom Sande ver- 
scharrt und Niemand war da, der sie aufgegraben und nutzbar 
gemacht hätte. Die Juden Babyloniens hatten selbst in ihrem 
höchsten Glücke die alte Heimat nicht vergessen, ihre Augen 
waren stets auf das heilige Land gerichtet und sie hielten sich 
fortwährend in Abhängigkeit von demselben. Sie richteten nicht, 
wie die ägyptischen Juden, einen selbständigen Kultus ein; sie 
wollten nicht, wie jene, in der Ausübung der Religionsgebote 
und in der Erklärung des heiligen Schrifttums einen eigenen 
gesonderten Weg einschlagen, sondern sie gingen in allen ihren 
Handlungen und Bestrebungen Hand in Hand mit ihrem Mutter- 
lande, in dessen Hauptstadt das Sanhedrin (Synedrium) als die 
Seele des Judentums seinen Sitz hatte. Bei solcher Abhängigkeit 
von Palästina konnte in Babylonien kein reges Geistesleben 
aufkommen, konnten keine selbstständigen wissenschaftlichen 
Studien gefördert werden, und so sehr die Verhältnisse Baby- 
loniens darnach angetan waren, dieses Land den Juden zur 
Heimat zu machen, so konnte die jüdische Lehre und die jüd. 
Kultur dennoch daselbst keine Heimat finden; man baute zwar 
Häuser, wie es der Prophet (Jeremia 29,5) geboten, aber keine 
Lehrhäuser, es wurden Gärten gepflanzt, aber keine Pflanzstätten 
für die Wissenschaft errichtet*. Daher mussten diejenigen 
Babylonier, die nach Wissen und Geistesbildung strebten, nach 
dem heiligen Lande wandern, wo sie gewöhnlich, weil in der 
Heimat kein Feld der Tätigkeit für sie existierte, auch nach 
ihrer Ausbildung verblieben. So kamen die Söhne Batira's, der 
berühmte Hillel und viele Andere nach Palästina, und indem 
auf diese Weise die edelsten und besten Kräfte Babylonien 
entzogen wurden, blieb dort das Volk in tiefste Unwissenheit 
und finstere Barbarei versunken. Während in Palästina zur 
Zeit des zweiten Tempels durch Parteiwut, Tyrannengrausamkeit 
und ausländische Gewalt der jüdische Staatskörper vollständig 



Mar Samuel 425 

zerfleischt und nur der Geist des Judentums trotz allem Wüten 
dieser Zerstörungsmächte unversehrt geblieben war, glich das 
kemhafte, ungebrochene und unbehelligte jüdische Babylonien 
einem Körper ohne Seele. 

Doch nach einer langen Unstern Nacht rötete sich der Osten 
und bald ward dort hellstrahlendes Licht sichtbar. Durch heftige 
Stürme, die über Palästina hereinbrachen, wurden einzelne Kultur- 
elemente nach den östlichen Nachbarländern verschlagen, die, 
in den empfänglichen und fruchtbaren Boden gesenkt, sich rasch 
vermehrten und nach allen Seiten hin ausbreiteten. Durch ein 
die geistige Arbeit vieler Geschlechter in sich fassendes Riesen- 
werk, das in Palästina zu Stande gebracht, bald auch im Aus- 
lände allgemeine Verbreitung fand, wurden Forschung und Stu- 
dium daselbst angeregt. War einmal hierdurch dem jüdischen 
Geistesleben in Babylonien die Bahn gebrochen, so wurde es 
durch einige ausgezeichnete Männer bald zu einer solchen Höhe 
emporgehoben, dass dadurch das Mutterland überflügelt und der 
Mittelpunkt des jüdischen Geistesstrebens nach den Euphrat- 
und Tigrisländern versetzt war. Als daher später durch die 
systematischen Bedrückungen und Verfolgungen der Römer Judäa 
immer mehr verarmte und verkümmerte und daselbst der letzte 
Schimmer von Geistestätigkeit verschwand, hatte diese schon 
eine neue Zufluchtsstätte gefunden in den Ländern, die Roms 
Macht nie zu bezwingen vermocht, und da erhielt sich das Juden- 
tum noch viele Jahrhunderte in blühender Frische, während sein 
übermächtiger Feind in Schwäche dahinsiechte und von innerer 
FaulnlsB nach und uach zersetzt und aufgelöst wurde, liier auf diesem 
neuen Schauplatze der jüdischen Geschiebte nahm der Haupt- 
gegenstand der damaligen jüdischen Geistestätigkeit, die jüdische 
Gesetzeslehre, eine den vielfachen innern und äussern Bedürf- 
nissen der unter andern Völkorn lebenden Juden entsprechende 
Erweiterung an; hier wurde die Saat ausgestreut für die jüdische 
Wissenschaft, die wir später in Europa, besonders in Spanien, 
in herrlichster Blüte antreffen; und hier entstanden die Geistea- 
worke, welche auf dio spätere jüdische Geschichte den grössten 
Einfluss ausgeübt haben' und auch für die Geschichte überhaupt 



426 Mar Samuel 



nicht ohne Bedeutung gewesen sind. Babylonien ist das 
Land, in welchem das Judentum einenneuen 
E n t w i c k e 1 u ng 8 g an g durchgemacht und sich 
für sein späteres Auftreten in Europa ge- 
hörig vorbereitet hatte. 

Bald nach der Zerstörung des zweiten Tempels finden wir 
einen hervoragenden Gesetzeslehrer, Namens R. Jehuda b. Ba- 
tira 6 , in Nisibis 6 ; ebenso hatte in Nehardea, der Hauptstadt 
des jüdischen Babylonien 7 , ein Traditionslehrer seinen Sitz. 
Der berühmte palästinensische Gesetzeslehrer R. Akiba, der vor 
dem Bar-Kochba-Kriege Babylonien bereiste, hatte in dieser 
Stadt einen Schüler des R. Gamliel ha-Saken, Namens Neheinia 
aus Beth-Deli, gefunden und mit ihm über wichtige Gesetzes- 
lehren sich unterredet 8 . Noch mehr aber ward nach dem letzten 
Kriege unter den hadrianischen Verfolgungen palästinensische 
Gelehrsamkeit in Babylonien verbreitet. Viele Gelehrte flüchteten 
sich dahin, um der über ihrem Haupte schwebenden Gefahr zu 
entgehen. Der ausgezeichnetste unter diesen, Chanania, der 
Brudersohn des R. Josua, der „keinen seinesgleichen in Palästina 
zurückliess", hatte in Pumbadita 9 eine weitberühmte Schule 
und ging schon mit dem Plane um, Babylonien von Palästina 
ganz unabhängig zu machen. Obwohl er, als man ihm vorstellte, 
welch' ein heiUoses Schisma dadurch im Judentum entstehen 
würde, von seinem Vorhaben abstand, setzte er dennoch seine 
Lehrtätigkeit fort 10 und bald war die Gesetzeskunde in Baby- 
lonien so einheimisch, dass die in diesem Lande herangebildeten 
Gelehrten auch in Palästina als hervorragende Grössen betrachtet 
wurden. R. Nathan, der Sohn des Exilarchen, berühmt durch 
seine tiefe Kunde des jüdischen Rechts, durch die von ihm ge- 
sammelten babylonischen Halachoth (Mischnath de Rabbi Nathan) 
und durch andere von ihm verfasste Werke "; R. Chija b. Abba 
aus Kafri n , der selbst dem Patriarchen R. Juda, dem Heiligen, 
als ein „aus fernem Lande gekommener Mann des Rates" er- 
schien 18 ; R Joseph ha-Babli u und andere klangvolle Namen 
sind die Zeugen von dem zur damaligen Zeit herrschenden regen 
geistigen Streben in Babylonien. Aber noch immer hatte die 



Mar Samuel 427 

Lehre nicht ihren ständigen Wohnsitz in diesem Lande aufge- 
schlagen, und der Umstand, dass die letztgenannten babylonischen 
Geistesheroen nicht in ihrer Heimat verblieben, sondern das 
heilige Land zum Schauplatze ihrer ruhmreichen Tätigkeit 
machten, beweist hinlänglich, dass zur selbigen Zeit zur selbst- 
ständigen Entwicklung des Judentums in Babylonien noch manche 
Bedingungen fehlten. Erst für die folgende Generation wurde 
durch gewisse Ereignisse eine Situation herbeigeführt, die der 
Unabhängigkeit Babyloniens nicht nur kein Hinderniss in den 
Weg legte sondern sie noch begünstigte und förderte. Dieser 
für das Aufblühen eines neuen Geisteslebens in Babylonien so 
besonders geeigneten Zeit sandte auch die Vorsehung einen 
Mann, welcher der grossen von jener gestellten Aufgabe voll- 
kommen gewachsen war. 



r. 

Die Stürme der von Rom über Erez Israel verhängten 
Verfolgungen hatten bereits ausgetobt, ein milder Frühlingshauch 
durchzog das heilige Land; Rabbi Juda, der Heilige, der „Fürst 
der Juden, erfreute sich der Freundscheft des edlen römischen 
Kaisers Marc Aurol r " und der Kern des so lange gehetzten jüd. 
Volkes konnte wieder in Ruhe und Frieden seine stille Tätigkeit 
im Lehrhause aufnehmen. In dieser für Palästina nach langen 
Leiden eingetretenen glücklichen Zeit wurde im östlichen Nachbar- 
lande der grosse Mann geboren, der, durch Tugend- und Geistes- 
grösse unter seinen Zeitgenossen hervorragend, von Beinen 
Glaubensgenossen als Lehrer verehrt und als Weiser allgemein 
geschätzt, und geachtet, eine Wirksamkeit entfaltete, die als einer 
der Ilaupifaktoren zu betrachten ist, welche den Strom der jüd. 
Geschichte in ein neues Bett leiteten und die Länder am Euphrat 
und Tigris zu Hauptsitzen der jüdischen Gelehrsamkeit erhoben. 
Dieser Mann war Mar Samuel Arioch '•, 

Samuel wurde um 165 n. U. Z. in der Euphratstadt Nehar- 
dea geboren ". Wie bei so vielen grossen Männern wird auch 
bei Samuel schon dessen erster Eintritt in die Welt durch di« 



Mar Samuel 



Sage verherrlicht. Sein Vater Abba b. Abba sei nach Palästina 
gereist, dort wäre ihm von einer der Vogelsprache kundigen 
Matrone die Geburt eines ausgezeichneten Sohnes vorher ver- 
kündet worden, eiligst habe er darauf Palästina verlassen und 
durch ein Wunder noch in derselben Nacht seine Heimat er- 
reicht ,8 . Nach einem andern glaubhaftem Berichte "wurde die 
Geburt Samuels, dessen Vater Abba b. Abba durch R. Juda 
b. Batira aus Nesibin vorher verkündet. Abba b. Abba war 
ein Seidenhändler und erhielt von R. Juda b. Batira eine Be- 
stellung auf ein seidenes Kleid, die er auch nach kurzer Zeit 
besorgte. R. Juda schien sich aber unterdess eines Andern be- 
sonnen zu haben, und wollte die Ware nicht kaufen. „Warum 
will mein Rabbi die Seide nicht?" fragte Abba. „Es war ja 
blos ein Wort, das den Kauf noch nicht abschliesst" erwiderte 
der Rabbi. Darauf sagte Abba: „Soll das Wort eines Weisen 
nicht mehr Garantie bieten, als dessen Geld?" — „Du hast 
Recht" entgegnete R. Juda. „Weil Du nun so viel auf ein 
Wort hältst, so wirst Du das Glück haben, einen Sohn zu be- 
kommen, der dem Propheten Samuel gleichen wird, dessen 
Worte ganz Israel als wahr anerkannte." Bald darauf wurde 
Abba ein Sohn geboren, den er Samuel nannte l9 . Dieser Abba, 
der später nur mit dem Namen Abuh di-Schemuel (der Vater 
des Samuel) genannt wird 20 , stammte aus einem vornehmen aha- 
ronidiachen Geschlechte 21 und war sowohl wegen seiner Gelehr- 
samkeit als auch wegen seiner Tugendhaftigkeit und seines 
heiligen Lebenswandels so gepriesen, dass von ihm berichtet 
wird, er habe mit überirdischen Wesen verkehrt und in der 
wegen ihres hohen Alters besonders geheiligten Synagoge zu 
Schafjathib sogar eine göttliche Stimme vernommen n . Ausser 
Samuel hatte er noch einen jüngeren Sohn, namens Pinchas, und 
mehrere Töchter 2S . 

Wenn schon Abba, wie ausdrücklich von ihm gerühmt 
wird, die Erziehung aller seiner Kinder mit grosser Umsicht 
besorgte n , so hat er sich besonders bestrebt, seinem Sohne 
Samuel, der schon im zarten Alter grossartige Anlagen und 
Fähigkeiten zu erkennen gab, eine treffliche Erziehung an- 



Mar Samuel 429 

gedeihen und seinem regen Geiste die rechte Nahrung geben 
zu lassen ". Ausserdem war die Jugendzeit Samuels noch von 
andern für seinen Bildungsgang besonders günstigen Umständen 
begleitet, die nicht wenig dazu beitrugen, dass sich der herrliche 
Keim zur schönsten Blüte entwickelte. Seit der hadrianischen 
Verfolgung (135—138) ist vielfach palästinensische Gelehrsamkeit 
nach Babylonien verpflanzt worden. Nehardea, das an der Grenze 
zwischen dem parthischen und römischen Reiche lag und daher 
die flüchtigen Palästinenser zumeist aufgenommen hatte -*, war 
zu jener Zeit der Sammelplatz vieler Gelehrten geworden, und 
so wuchs Samuel heran, umgeben und belehrt von grossen 
Männern, unter der Leitung eines kenntnisreichen und umsichtigen 
Vaters. Ausser den Lehrern, deren Namen nicht bekannt sind, 
und ausser seinem Vater, der auch zugleich sein Lehrer war - : , 
wurde er noch von dem Gelehrten Levi b. Sisi, den wir später 
in Palästina unter dem vorzüglichen Jüngerkreise R. Jehuda ha- 
Nasis finden --, in der Traditionslehre unterwiesen, und dieser 
hatte auf die Ausbildung Samuels in der Gesetzeslehre nächst 
in Vater den grössten Einfluss geübt, wiewohl Samuel ver- 
möge seiner ausgezeichneten Geistesanlagen so rasche Fortschritte 
machte, d vr seinem Lehrer als ebenbürtiger Genosse 

zur Seile stand •*. 

Den Jugendunterricht erteilte man zur damaligen Zeit ge- 
wöhnlich in der Bibel, die man mit der rabbinischen Erläuterung 
deu Kindern vortrug so und in Mischna oder llalachoth, den 

D der Tradition, deren eB von der endgültigen Mischna- 
Redaktion R. Juda-ha-Nasis mehrere Sammlungen gab " ; in rei- 
ferem Alter wurde die Jugend zum Talmud, der diskussiven 
Begründung und Erklärung der Llalachoth geführt ", und R. 
Chija aus Kafri hatte durch tatkräftige Förderung dos Jugend- 
unterrichtes in diesen Disziplinen sich gro»>o Verdienste er- 
worben ". Der Unterricht, der Samuel zuteil wurde, beschränkte 
sich jedoch nicht ausschliesslich auf diese dem Gebiete der 
Theologie zugohörenden Lehrgegenstände; es geschah vielmehr 
für seine Bildung und wissenschaftliche Unterweisung mehr, 
als man es in dem Lande und in der Zeit, in welche seine 



Mar Samuel 



ersttn Lebensjahre fielen, hätte erwarten sollen. Samuel musa, 
■wie sein späteres Leben beweist, schon in seiner frühesten 
Jugend einen vielseitigen Unterricht genossen und so die nötigen 
Vorkenntnisse zu seinen späteren wissenschaftlichen Studien er- 
worben haben. 

Während seiner Zeit ward in Palästina an einem Werke 
gearbeitet, das eine neue Epoche in der jüdischen Geschichte 
herbeiführte und auch Samuel die Richtung seiner Tätigkeit 
vorzeichnete. Der Patriarch R. Juda, der Heilige, hatte das 
Gesetzesstudium in Verfall geraten und die Zahl der Gelehrten 
in Palästina immer mehr abnehmen sehen; er hatte bemerkt, 
dass das Judentum bereits in Babylonien seinen Schwerpunkt 
habe, und wollte deshalb dafür Sorge tragen, dass die jüdische 
Lehre auch im Auslande ihren Sitz aufschlagen und von Palästina 
unabhängig überall gefördert werden könnte, ohne der Gefahr 
ausgesetzt zu sein, durch ihre Entfernung vom Ursprünge von 
ihrer Reinheit immer mehr zu verlieren und zuletzt durch die 
Meinungsverschiedenheit ihrer Träger in viele weit auseinander- 
gehende Theorien zersplittert zu werden. Er hatte es daher 
unternommen, alle traditionellen Lehren sowohl als auch alle 
Verordnungen und Institutionen der vorhergehenden Gesetzes- 
lehrer in eine systematisch geordnete Sammlung zu bringen, 
welche dann als die allgemein anzuerkennende Grundlage erklärt, 
werden solle, auf der von nun an die weitere Fortbildung der 
Lehre zu erfolgen habe u . Während bisher jeder Gesetzeslehrer 
seine eigene, aus überlieferten und selbst gefolgerten Lehren 
bestehende Mischna in einer beliebigen Ausdrucksweise lehrte, 
soll von nun an in allen Lehrhäusern eine Mischna, die des 
R. Juda vorgetragen, und die Lehrer als Emora'im, d. Verdol- 
metscher und Erklärer der von den Tannai'm (Traditionslehrern) 
überlieferten Lehrsätze, betrachtet werden st . 

Dieses Werk hatte R. Juda mit der Zustimmung und 
Unterstützung sämtlicher gleichzeitiger Gesetzeslehrer zu Stande 
gebracht; denn von allen Seiten waren Jünger nach dem Lehr- 
hause R. Juda's zu Sephoris geströmt s *, und auch die grössten 
Lehrer Babyloniens waren nach Palästina gewandert und hatten 



Mar Samuel 



an der Vollendung dieses grossen Werkes teilgenommen 87 . Vor 
Allen sehen wir den grossen R. Chija aus Kafri nach dem 
heiligen Lande ziehen, der als vorzüglichster Jüngergenosse R. 
Juda's nicht nur bei der Mischna-Redaktion mittätig war, sondern 
auch die von dem Patriarchen sanktionierten erklärenden und 
erläuterten Zusätze zu dem Mischca-Texte (Tobifta's) verfasste S8 . 

Diesem R. Chija war auch ein junger Neft'e Abba Aricha 
gefolgt 39 und von ihm zum zukünftigen Lehrer Babyloniens heran- 
gebildet worden. In der Schule R. Juda's finden wir auch 
Levi b. Sißi, den Lehrer Samuels, der, ebenso wie R. Oschija, 
Bar Kappara und andere, Tradilionslebren sammeile, die in der 
Mischna keine Aufnahme gefunden, und deswegen Baialtha'a ge- 
nannt wurden 40 , welchen Namen man überhaupt ausser der Mischna 
R. Juda's allen von Gesetzeslehrem veifassten Werken beilegte, 
um damit zu beweisen, dass diesen keine solche Autorität, wie 
der Mischna, eingeräumt werden dürfe* 1 . 

Diesem Zuge der Auswanderer nach Palästina schlössen 
sich auch Abba b. Abba und sein Sohn Samuel an * 2 . Letiterer 
wird, sowie seine andern Genossen jungen Alters, nicht unmittel- 
barer Schüler R. Juda's, sondern sass zu Füssen älterer ausge- 
zeichneter Schüler des Patriarchen. Ausser seinem ehemaligen 
Lehrer Levi genoss er noch des Unterrichtes von R. Chanina b. 
Chama, der später von R. Juda zu seinem Nachfolger als Schul- 
oberhaupt ernannt wurde *•. Bei diesem letzteren, der zu seiner 
Zeit als Arzt berühmt war, lernte auch Samuel die Arzueikunde, 
und wie es scheint, hatte er bei dem Eifer, mit dem er sich 
auf diese Wissenschaft legte, schon nach einigen Jahren seinen 
Meister übertroffen und sich als Chakim grossen Ruhm erworben* 4 . 

Indem er, der Ansicht seines Lehrers folgend, die Quelle 
aller Krankheiten in dem schädlichen Einflüsse der Luft auf 
den menschlichen Organismus suchte und der damals allgemein 
selbst in intelligenten Kreisen herrschenden Moinung, dass in 
der nachteiligen Einwirkung des „bösen Blickes" der EntstehungB- 
grund der meisten Krankheiten liege, auf Entschiedenste ent- 
gegentrat * 5 , wueste er auch die Mittel ausfindig zu machen, durch 
welches man dem eingetretenen Uebel entgegenwirken könne 



482 Mar Samuel 

und er rühmte sich, bei 'weitem die meisten Krankheitsfälle 
heilen zu können 4S . Es werden auch in der Tat viele Aussprüche 
von ihm in den beiden Talmuden mitgeteilt, die auf seine aus- 
gebreitete Kenntnis in der Arzneikunde schliessen lassen 47 . 
Besonders ausgezeichnet hat er sich in der Augenheilkunde, in 
der er schon früh seine Meisterschaft dadurch bewährte, dass 
er eine langwierige Krankheit des Patriarchen geheilt und dabei 
eine besondere Geschicklichkeit bewiesen hat 48 . Eine von ibm 
erfundene Augensalbe war unter dem Namen Kollyrin de-Mar 
Samuel 49 weit und breit bekannt und gesucht, 'wiewohl er selbst 
lehrte, dass des Morgens die Augen mit kaltem Wasser zu 
waschen und des Abends Hände und Füsse in warmem Wasser 
zu baden besser sei, als alle Augensalben der Welt 50 . Viele 
von ihm ausgesprochene diätetische Kegeln und Verwahrungs- 
mittel vor allerlei Krankheiten sind cocb heute schätzenswert 
und zeigen zur Genüge, dass sein Wissen in der Medizin ein 
gründliches und methodisches war 51 . Gleich seinem Lehrer 
R. Chanina pflegte er öfters anstatt der Unterschrift seines Namens 
einen Palmzweig zu zeichnen s ' 2 , welches Zeichens sie als Aerzte 
wahrscheinlich deswegen sich bedienten, weil der Dattelsaft in 
jener Zeit im Orient als Universalmittel galt und auch von 
Samuel bei mehreren Krankheiten als Heilmittel gebraucht 
wurde ° 3 . 

Obgleich Samuel die Arzneikunde und andere mit derselben 
in Verbindung stehende Wissenschaften eifrigst pflegte, so war 
er dennoch selbst in der Gesetzeskunde nicht hinter seinen 
Kollegen zurückgeblieben. Er lag seinen Studien mit solchem 
Eifer und Fleisse ob, dass er, ungeachtet seiner anderweitigen 
wissenschaftlichen Beschäftigungen, dennoch bald zu den Gesetzes- 
lehrern ersten Ranges gezählt wurde. Nach einem Berichte 
soll gar der Patriarch R Juda schon damals sich bestrebt haben, 
ihm die Ordination zu erteilen, aber durch Umstände daran ver- 
hindert, von Samuel selbst bewogen worden sein, sich nicht 
mehr um diese Angelegenheit zu bemühen, da es im Buche 
Adani's geschrieben stehe: Samuel soll nur Chakim aber nicht 
Rabbi genannt werden ". Wegen seines ausserordentlichen Fleisses 



Mar Samuel 438 



und unermüdlichen Eifers in seinen wissenschaftlichen Bestre- 
bungen wurde ihm der Zuname Schoked (der Wachende, d h. 
der Fleissige) beigelegt 86 . 

Nachdem Samuel sich einen reichen Wissenschatz erworben 
und die neugeschaffenen Werke der palästinensischen Gelehrten 
zu seines Geistes Eigentum gemacht hatte, verliess er, wahr- 
scheinlich zu gleicher Zeit mit seinem Vater, das heilige Land 
um! eilte seiner Heimat zu, um da seine Wirksamkeit zu beginnen. 

II. 

Während in Palästina die gedrückte Lage der Juden, die 
off kaum den notdürftigen Lebensunterhalt den ungünstigen Ver- 
hältnissen alningen konnten, den Weisenjüngern die Pflicht auf- 
legte, erst in vorgerücktem Alter nach vollständiger Beendigung 
ihrer Studien ein Eliebtindnis zu schliessen, um nicht durch quä- 
lende Nahrungssorgen in ihrer Geistestäligkeit gehemmt zu 
werden, war es bei den in Reichtum und Wohlstand lebenden 
babylonischen Juden allgemeine Sitte, schon vor dem zwanzigsten 
Lebensjahre in den Ehestand zu treten 66 , und es war der Fall 
nicht ungewöhnlich, dass ein dem Gesetzesstudium obliegender 
Babylonier als Gatte und Familienvater seine Heimat verliess 
und nach Palästina wandelte, um dort sein Studium zu vollenden* 7 . 
Auch Samuel wurde bald nach seiner Rückkehr aus Palästina 
eine treue Lebensgefährtin zur Seite gestellt M , aber er war nicht 
Willens, diese zu verlassen und in die Ferne zu ziehen, Bondern, 
er beabsichtigte, in seiner Heimat seine wissenschaftlichen Studien 
fortzusetzen. Neben der Uebung der Arznei- und Gesetzeskunde 
legte er sich noch hauptsächlich auf die Astronomie, jene Wissen- 
schaft, welche den anregendsten Eindruck des Erhabenen auf 
die menschliche Einbildungskraft hervorzubringen im Stande ist 
und den Staubgeborenen zur Bewunderung der Grösse und All- 
macht des Weltenschöpfers hinreisst. 

Babylonien war schon in uraller Zeil die Heimat der 
Sternenkunde gewesen. Kein anderes Land hatte, wie dieses, 
dem beobachtenden Forscher einen weiten ungehemmten Blick 
über ausgedehnte Ebnen und in einer klaren von keiner Wolke 



434 Mar Samuel 

getrübten Himmel gestattet und die Pflege dieser Wissenschaft 
so ausserordentlich begünstigt. Die Bewohner dieser Gegenden 
haben auch mehr als andere Völker mit astronomischen Be- 
obachtungen sich beschäftigt und wegen ihrer Kenntnisse auf 
diesem Gebiete in hohem Ansehen gestanden. Von der Stadt 
Nehardea, dem Wohnorte Samuels, wird uns von Plinius besonders 
berichtet, dass sie der Sitz der Hipparener, einer berühmten Sekte 
der chaldäischen Weisen, gewesen sei 59 . In diesen Regionen 
mögen auch die Juden sich mit der astronomischen Wissenschaft 
befreundet und vielfache Kenntnisse in derselben erworben haben, 
die besonders bei dem Patriarchenhause in Palästina, das aus 
diesem Lande stammte, sehr bedeutend erscheinen 60 , und hier 
pflegte auch Samuel mit gewohntem Eifer diese erhabene 
Wi.-senschaft. 

Während aber bei den Chaldäern, wie überhaupt bei den 
meisten Völkern im Altertume, die Sternkunde mit der Astrologie, 
jener trügerischen Wissenschaft, die aus der Stellung der Gestirne 
das Schicksal des Menschen vorhersagen zu können vorgibt, enge 
verknüpft war, ja durch diese letztere erst ihre eigentliche Be- 
deutung erhalten hatte, wurde ihr bei den Juden eine viel höhere 
Weihe gegeben. Das Studium dieser Wissenschaft wurde für 
eine religiöse Pflicht erklärt, weil sie zur 1 Erkenntnis der gött- 
lichen Allmacht und Allweisheit führt. Bar Kappara, einer der 
vorzüglichsten Schüler R. Juda ha-Nasi's, lehrte: Wer den 
Lauf der Gestirne zu berechnen weiss und dies zu üben unter- 
lässt, auf den ist der Ausspruch des Propheten zu beziehen: 
„Die Werke Gottes schauen sie nicht und seiner Allmacht 
Schöpfungen betrachten sie nicht (Jesajas V, 12 61 ). In demselben 
Geiste lehrten auch andere Gesetzeslehrer, dass es verdienstlich 
sei, astronomische Beobachtungen anzustellen 62 . Die Worte dieser 
Lehrer beherzigend, beschäftigte sich auch Samuel hauptsächlich 
nur um des erhabenen Zweckes willen mit der Sternkunde und 
pflegte nur die wissenschaftliche Seite derselben. Er verkehrte 
wohl, um sein Wissen zu vermehren, mit heidnischen Astrologen, 
hatte sogar einen Astrologen, namens Ablat, zum vertrauten 
Freunde cs ; äusserte sich jedoch tadelnd über diejenigen seiner 



Mur Samuel 435 



Glaubensgenossen, welche sich auf die Afterwissenschaft der 
Sterndeuterei legten, indem er sprach: Bei den Astrologen, die 
stets nach dem Himmel schauen, wird man keine Gesetzeskunde 
finden 61 . Er widersprach auch entschieden der Ansicht der Stern- 
deuter, dass die Geschicke aller Menschen durch die Stellung 
der Gestirne unabänderlich bestimmt seien; er lehrte im Gegen- 
teil, dass es in der Macht des Menschen stehe, sich dem über 
ihn verhängten Unglück, dass die Astrologen aus den Konstella- 
tionen herauslesen zu können vorgaben, durch gute und gott- 
gefällige Taten zu entziehen und suchte auch seinen Freund 
Ahlat durch vorgeführte Tatsachen von dieser seiner jüdischen 
Anschauung zu überzeugen 6B . 

Wie hoch Samuels Kenntnis in der astronomischen Wissen- 
schaft anzuschlagen ist, lässt sich nicht genau bestimmen, da 
ausser den zahlreichen Lehren und Aussprüchen in den beiden 
Talmuden, von denen aber nur wenige in das Gebiet der Stern- 
kunde einschlagen keine schriftlichen Werke von ihm auf uns 
gekommen sind; ja es hat sich nicht einmal eine zuverlässige 
Kunde erhalten, dass er auf astronomischem Gebiete literarisch 
tätig war. Es werden ihm zwar zwei Werke zugeschrieben, 
aber bei der Baral'tha de-Samuel, in welche uns seit vor mehreren 
Jahren der Einblick ermöglicht wurde 68 , hat es sich heraus- 
gestellt, dass sie viel späteren Ursprungs ist, und es lässt sich 
mit Bestimmtheit annehmen, dass wir es bei dem andern Samuels 
Namen tragenden Werko ebenfalls mit einer Pseudepigraphio 
zu lun haben 6T . 

Dass er aber in der Kenntnis der Weltkörper und ihrer 
Bewegungen sich besonders ausgezeichnet hatte, geht aus folgenden 
von ihm gesprochenen Worten hervor: Die Himmelsbahnen sind 
mir so bekannt, wie die Strassen Nehardea's; dennoch aber 
vermag ich nicht die Natur der Kometen und ihre Bewegungen 
zu ergründen; nur so viel ist bei mir gewiss, dass ein Komet 
nie den Orion überschreitet, denn geschähe dies, so würde die 
Welt zerstört werden. Wenn wir auch manchmal sehen, dass 
einer ihn überschreitet, so ist dies nur eine optische Täuschung, 
indom uns das von dem Kometen ausströmende Licht als der 



Mar Samuel 



Stern selber erscheint" 68 . Noch manche andere Lehren und Aus* 
sprücho von ihm zeugen dafür, dass er mit wissenschaftlichem 
Geiste die Phänomene des Himmels zu erklären suchte 69 , und 
es ergibt sich hieraus mit Gewissheit, daBS er in der Astro- 
nomie mit seiner Zeit gleichen Schritt hielt oder gar derselben 
voraus war. 

Besonders verdient hatte sich Samuel dadurch gemacht, 
dass er denjenigen Zweig der praktischen Astronomie, welcher 
die Kalendarkurde ausmacht, besonders pflegte und die Kenntnis 
desselben in Babylonien verbreitete. Dieser für das religiöse 
wie für das bürgerliche Leben so wichtige Wissenszweig konnte 
zwar damals nur in Palästina, wo allein die Bestimmung der 
Monatsanfänge und Einsetzung der Schaltjahre zulässig war 70 , 
praktische Anwendung finden; wurde aber dennnch bald durch 
die Anregung Samuels auch bei den babylonischen Gesetzes- 
lehrern Gegenstand eifrigen Studiums. 

Die Bestimmung des Monatsanfangs (Rosch Chodesch), von 
welchem auch die Festtage abhängig waren, erfolgte zu jener 
Zeit, da noch das Sanhedrin, mit dem Patriarchen an der Spitze, 
in Palästina seiuen Sitz hatte, immer an dem Tage, an welchem 
der neue Mond als schmale Sichel am Himmel zum ersteu Mal 
nach dem Neumonde sichtbar wurde. Dies letztere musste durch 
Zeugen vor dem Pariarchen und seinem Kollegium angezeigt 
werden, welche einerseits um die Zeugenaussagen prüfen zu 
können, andererseits um auch dann, wenn der Mond nicht zur 
gehörigen Zeit von Zeugen gesehen würde, keine Unordnung im 
Kalenderwesen eintreten zu lassen, sowohl in der Berechnung 
des jedesmaligen Neumondes (d. h. des Zeitpunktes, in welchem 
der Mond in Konjunktion mit der Sonne tritt) als auch in der 
Kenntnis der Zeit, in welcher nach jedem Neumonde das Sichtbar- 
werden des Mondes zuerst möglich wird, wohl erfahren sein 
mussten 71 . Sobald der Anfang eines neuen Monats angeordnet 
war, wurde dies durch Sendboten allen jüdischen Gemeinden 
angezeigt. Diejenigen Gemeinden, die von Palästina so weit 
entfernt waren, dass zu ihnen kein Bote vor dem Eintritt des 
Feiertages gelangen konnte, blieben über die wahre Feiertags- 



Mar Samuel 437 

zeit in Zweifel und mussten zwei Tage statt eines feiern ". Die 
Kegeln, welche das Sanhedrin bei allen Kalenderbestimruungen 
befolgte, sowie die astronomischen Berechnungen, die dazu ge- 
hörten, wurden, unter dem Namen Sod ha-lbbur (Kalender- 
geheimnis), nur ordinierten Gesetzeslehrern anvertraut 73 . Sie 
waren ausserdem noch in einer ßaraitha in kurzen und dunklen 
Andeutungen aufgezeichnet u . 

Samuel hatte nun durch seine astronomischen Studien über 
die Bewegungen des Mondes die nötige Kenntnis erlangt und 
konnte vor seinen Kollegen die Behauptung aussprechen, dass 
er den Juden der Diaspora den Monatsanfang jedesmal, wie er 
in Palästina festgesetzt wird, anzeigen und so die doppelten 
Feiertage ersparen könnte 7S . Wiewohl er die ihm darauf von 
Abba, dem Vater des berühmten Agadisten R. Simlal' T6 . vorge- 
legten Sätze aus der Barai'Lha des Sod ha-lbbur nicht zu ent- 
rätseln vermochte und von diesem die Bemerkung vernahm, dass 
er noch vieles Andere aus dem Sod ha-lbbur, ebenso wie dieses, 
nicht verstehe 7: , so wusste er dennoch einen Kalender auf sechzig 
Jahre anzufertigen, und er schickte diesen später dem Haupte 
der palästinensischen Lehrer, R. Jochanan, um ihm seine Ueber- 
legenheit zu zeigen 7, _ Jedoch hat er nie daran gedacht, diesen 
Kalender zu veröffentlichen, weil er, so lange noch eine oberste 
religiöse Behörde in Palästina bestand, das einzige Band, das 
noch die Juden an ihre ehemalige Heimat knüpfte, die Ab- 
hängigkeit von derselben in der Festordnung, nicht zerreissen 
wollte 7 ". Dennoch aber unterliess er nicht Kollegei und Schüler 
in der Kalenderkunde zu unterweisen und die babylonischen 
Juden haben durch ihn die ersten Kenntnisse in dieser Wissen- 
schaft erlangt™. Unter andern lernten sie auch von ihm die 
Dauer des SoDnenjabres auf 865 Tage und 6 .Stunden bestimn i 
weswegen Mich diese Bestimmung der Jahreslänge i beim 

in Palästina wn jeher gebrauchlich w , bei den baby- 
lonischen, sowie .[iiier bei den occidentalischen Juden den 
Namen Tekufah de Mar Samuel fllhrl 

Obgleich Samuel in das Studium der Astronomie und 
Kalendeikunde sich tief versenk! haue, so war dennoch sein 

2 



Mar Samuel 



eifriges Streben und seine lebhafte Teilnahme in noch viel 
grösserem Masse dem Gesetzesstudium zugewendet, für welches 
gerade um diese Zeit in Babylonien eine neue Aera anbrach. 
Die begabtesten babylonischen Schüler R Juda's strebten nach 
der Vollendung der Mischna ihrem Heimatslande zu und führten 
das in diesem Werke verkörperte vielhundertjährige Geistes- 
streben des jüdischen Volkes nach Babylonien, damit der 
Lebensbaum des Gesetzes, nach diesem Lande verpflanzt, neue 
edle Früchte reife und zeitige. Unter diesen zurückgekehrten 
Schülern R. Juda's sind hervorragend: R. Abba b. Chana 84 
und besonders der später heimgekehrte ausgezeichnete Jünger 
R. Juda's Abba Aricha 86 , beide vom Patriarchen autorisiert, Recht 
zu sprechen und religionsgesetzliche Fragen zu entscheiden 8e . 
Letzterem, der im Jahre 189 n. ü. Z. nach Babylonien zurück- 
kehrte, war sein grosser Ruf voi ausgegangen und Samuel war 
begierig mit diesem berühmten Manne in nähere Verbindung zu 
treten, und dies umso mehr, als er von seinem Freunde Karna, 
der auf seinem Wunsch dem Abba entgegengezogen war und 
einige halachische Fragen an ihn gerichtet hatte, diesen Ruf be- 
stätigen hörte. Glücklicher Weise fand sich sogleich die Gelegenheit 
hierzu. Abba war nämlich erkrankt nach Nehardea gekommen. 
Samuel liess ihn in sein Haus bringen, wo er, von seinen medi- 
zinischen Kenntnissen Gebrauch machend, dessen Gesundheit 
bald wieder herstellte und ein inniges Freundschaftsbündnis mit 
ihm schloss 87 . 

Diese beiden Männer, zu denen später der im Jahre 195 
aus Palästina nach Nehardea gekommende Levi, der ehemalige 
Lehrer Samuels, sich noch gesellte 88 , entwickelten bald eine rege 
Tätigkeit für die Verbreitung des Gesetzesstudiums. Während 
Abba, allgemein mit dem Ehrennamen Rab (Lehrer) 89 genannt, 
in dem Lehrhause zu Nehardea, dem R. Schela 90 als Resch Sidra 
(Haupt des Lehrhauses) 91 vorstand, als Emora fungierte und so 
zuerst als Erklärer der schon damals zu öffentlichen Vorträgen 
gebrauchten Mischna auftrat 92 , war Samuel, dem Beispiele Levis 
folgend il3 , mit dem Sammeln der ihm von verschiedenen Lehrern 
überlieferten Traditionslehren beschäftigt; und so entstand die 



Mar Samuel 



Bara'itha, Tana de Be Samuel genannt, aus der wir nur noch 
wenige Bruchstücke im Talmud besitzen 9 *. Diese Baraitha be^ 
*>tand, wie aus den im Talmud und Midrasch angeführten Stellen 
ersichtlich ist 95 teils aus erklärenden Zusätzen zur Mischna 
(Tosiphtoh), teils aus alten Halachoth, zuweilen samt deren Her- 
leitung aus der Schrift (Midrasch), zum Teile auch aus älteren 
Sagen und historischeu Berichten. Jedoch ist diese Bara'itha 
ungeachtet der Korrektheit und Zuverlässigkeit derselben, nicht 
zu einem solchen Ansehen gelangt, wie die Barai'tha's des R. 
Chija und E. Oscbija 96 . Samuel hat übrigens nie die Absicht 
gehabt, diese Sammlung als Richtschnur für die Praxis hinzustellen, 
da er selbst sich nicht immer nach derselben richtete, wenn er 
für die praktische Religionsübung (Halacha le ma'ase) lehrte ! ". 
In dieser Tätigkeit, alte Traditionen zu sammeln, lag aber 
nicht der Schwerpunkt von Samuels Wirksamkeit für die Gesetzes- 
lehre; dieser ist vielmehr auf einem andern Gebiete zu suchen, 
wo sich dem riesenhaften Geiste Samuels ein weit ergiebigeres 
Feld zur Entfaltung seiner Tätigkeit darbot. (Bchlufi folgt.) 

Anmerkungen. 

li Hierunter verstellt man in der jüdischen nachbiblischen Literatur 
zumeist einen Landstrich zwischen dem Euphrat und Tigris, der das 
alte Babel, einen Teil des ehemaligen Chaldäa und oineu Teil Meso- 
potamiens umfasst. Ueber die genauen Grenzen desselben, cf. Kiduschin 
12 a, lies. Rapoport in Kerem Chemed V. p. 216 ff. und Ersch und Grubers 
Bncyd. See. II, 27, S. 178 ft 

'.') cf. Bikkurim (hebräisches Jahrbuch), Jahrg. 1866 p. :!7. 

3) Kiduschin. p. 69 b. 

4) cf. Bpistola Sclierirae ed. Wallerstein, p. 14 und Rapoport Ein- 
leitung zu rowin mawn (Berlin 1846), S. 10. 

5) cf. Pesachim 8 b und Sanhedrin 32 b. 

6) v2<ii, Nisibis bei den römischen Schriftstellern. Diese Stadt 
Mesopotamiens lag am Flusso Mygdoniua in einer sehr fruchtbaren 
Gegend (cf. Mannert, Geographie der iir. und Rom, Th. V. '.', B. 
und ist noch heute in ihren Ruinen anter dem Namen Nisibin im S. I '. 
von .Murdiii und dem Berge Dechudi (Musius mens) zu sehen, (cf Ritter, 
Erdkunde X, S. 119). 

7i Hjrnru (cf. Josephus, Antiqu. 18,9 and 16). Diese liefestigto 
Stadt lag an der Grenze zwischen Babylonien und Mesopotamien am 
Euphrat and dem Kanal Narraga, der später in der Kalii'enperiode ha- 



Mar Samuel 



Kanal genannt -wurde (cf. Mannert, 1. c. Th. V, 2, S. 386). Der Name 
lieser Stadt wurde, wie dies bei vielen andern Städten dieser Länder 
geschah, einem ganzen zu ihr gehörigen Gebiete beigelegt, (cf. Anhang 
Not. A. VIII.) 

6) Jebamoth 122 a. 

9) In dieser Stadt war eine zahlreiche, sehr alte jüdische Bevöl- 
kerung, weshalb sie auch Golah (Diaspora) -/.ax' ecoyxv genannt wurde 
(Rosch ha-Schanah 23 bi. Sie wird beschrieben von Benjamin von Tudela 
(Massaot, ed. London 1, B3). Sie lag an dem Euphratkanale Badita 
'daher der Name xnHi-niB) unweit der Festung Firuz-Schabur. (Pirisa- 
nora bei Ammian. Marcellin. XXIV, 2, 9). 

10) Berachoth 63 a, Jeruschalmi. Nedarim VI,8, Epist. Scherir. 1. c. p. 8. 

11) Horajoth, Ende; B. kama 53 a und Parallelstellen; Ep. Scher. 1. c. 

12) 'ita. Okbara, eine Stadt am Tigris, ungefähr 16 Stunden Wegs 
aufwärts von Bagdad entfernt (cf. Ritter, Erdkunde X, S. '208). In dieser 
Stadt war der Sitz des Exilarchen und seines Gerichtshofes, (cf Kidu- 
i chin 44 b '1B33. n<:n <ai »cpiy "iö «n.) Daher wird auch die Anlage dieser 
Stadt dem Könige Joachiu, als dem Stammvater der Exilarchen zuge- 
schrieben (cf. Ritter 1. c. X, S. 256). 

13) Menachoth 88 b. 

14) cf. Heilprin, Seder ha-Doroth Art »O'py p >d<». 

16) Diese Tatsache hat Rapoport in 3 Abhandlungen unumstösslieh 
bewiesen und in denselben das Zeitalter R. Juda's genau fixiert. Was 
die von diesem genialen Forscher nicht beseitigten Einwände betrifft, 
so glaube ich deren Nichtigkeit im Anhang Not. A. hinlänglich nach- 
gewiesen zu haben. 

16) Ueber das dem Samuel beigelegte Epitheton Arioch ("ViK cf. 
Sabbat 53 a, Kidusehin 39 a, Menachoth 38 b, Cholin 76 b) haben in neuerer 
Zeit Rapoport und Fürst Erklärungen gegeben. Ersterer (Erech Miliiu, 
ji. 196) hält dies für den Namen des ersten Sassanidenkönigs Artaxerxes, 
iler ebenso wie der Name seines Sohnes "warn auch Samuel beigelegt 
wurde. Hiergegen ist einzuwenden: 1. Die Rabbineu nennen den Sassa- 
niden Artaxerxes I. Ardschir, nicht Arioch, indem sie das von ihm aus 
i;en Trümmern erhobene Seleucia wn« '2 nennen (cf. Gittin t; a, Joma 
!8b, Jebamoth 37 b und Erech Miliin, p. 191). 2. müsste neben tv-ix das 
.vttribut k;-d gesetzt werden, da dies bei Samuels Beinamen -,12» nie 
fehlt (cf. Pe^achim 54 a , Baba kama 96b). Fürst (Literaturblatt des 
< »rient 1847) erklärt Arioch durch „der Arier oder Anhänger der Neu- 
perser;" aber auch dies ist dem rabbinischen Sprachgebrauch entgegen, 
da sie die Neuperser mit >t;n (Guebere) beneunen. Es ist daher die 
Erklärung der alten Kommentaioreu vorzuziehen, welche Arioch von 
nx (Löwe) ableiten. Die berühmten Gesetzeslebrer fuhren öfters den 
l'hronnamen n» (cf. Sabbat 111b, Kidusehin 4S b, Baba kama 117 a); 



Mar Samuel 441 



wir können daher Arioch, wie Jo. Simonis (Onom., p. 567), mit Leo 
m a g n u e übersetzen. 

17) Sabbat 108a wird erzählt, dass Samuel den 189 aus Palästina 
angekommenen Rab von einer Krankheit geheilt hat. Aus dieser Stelle 
geht hervor, dass Samuel damals schon verheiratet war, was in Baby- 
lonien ein Alter von 18 — 20 Jahren voraussetzt (cf. Rapoport E. M. 1. c. 
p. 226). Er kann aber auch damals nicht viel älter gewesen sein, du 
er erst 257 gestorben ist und ein ungewöhnlich hohes Alter von den 
Quellen nicht mit Stillschwoigeu übergangen worden wäre. (cf. Anhang 
Note A. III und VII». 

18) Rab. Hai Gaon in naitrn nyer No. 18, Halachoth Gedoloth H. 
Gittin und Tosephot Kiduschin 73 a. 

L9) liidraacb Schemuel Rabtha, Kap. X. 

20) cf. Zakkuto, Jochasin s. v. und die andern Chronographen. 

21) Megilla 22 a; cf. auch Jerusch. Ketuboth 11,6. 

22) Megilla 29 a; Aboda sara 20 b. Cf. ausserdem Beza 16 b, Be- 
rachoth 18 b, Ketuboth 61b, Baba mezia 30 b und 90 a, Baba batra 90b. 
Die Synagogo zu Schafjathib soll von dem Könige Joachiu und den 
andern Exulanten aus dem Material des zerstörten Tempels aufgeführt 
worden sein. Daher der Name der Stadt 3<n< t)t? wie Scherira (Kpist. 
p. 15) erklärt: |jo :s"i enpo soaw ia^3 (das Heiligtum hat sich wegbewegt 
und da niedergelassen). Cf. Aboda eura 43 b, Rosch ha-Scbanah 24 b 
und Aruch Art. i\v. Die Stadt lag im Gebiete von Nehardea (cf. Ben- 
jamin von Tudela 1. c. 1,69). 

28) Bechoroth 39 a, N'cdariui 4(>a, Sanhedriu 28 b, Moodkatonl8a 
J4) Sabbat 65 a. 

25) Jeruschalmi Kethuboth V, 6; ibid Pea, Ende; Babli Cholin 107 b. 

26) ct. oben Anm. 7. Im Talmud (Erubin 45 a) heisst Nehardea 
ausdrücklich nah roiaen Vf; cf. Ritter, Erdkunde X, S, 146 f. 

27) Ueber die Lehrer Sam. cf. Anhang, Note C. 

28) Synhedrin 17 b, <zio nS D'DMl "ich i'is-. 

29) DassLevi vor dorn Tode R. Juda's in Babylonien war, hat A. 
Krochmal (Chaluz I, p. 69) aus Kiduschin 72 a bewiesen, wo sich R. 
Juda bei Levi nach den Persern und Guobem (onan) erkundigt. Rapoport 
(Kereni Chemed VII, p. 279) Jost und Graetz (Geschichte der Juden) 
halten den daselbst vorkommenden Rabbi für Rabbi Juda II. Dies ist 
aber unrichtig, denn 1. wird R. Juda II mir im Jeruschalmi und sehr 
selten in der Mischna schlechtweg Rabbi genannt, nie aber im Babli 
und 2. ist es aus dem Zusammenhange mit der folgcuden Stello klar, 
dass wir es mit R Juda I zu tun haben (cf. das.). Es ist abor keines- 
wegs nötig anzunehmen, dass dies Gespräch erst nach dem Siego der 
Neuperser, 226, stattgefunden, da die unan auch bevor Ardeschir mit 
deren Ulfe die Arsuciden gestürzt, als ein mächtiger Volksstamm bo- 



Mar Samuel 



kannt waren. Es darf uns aber nicht Wunder nehmen, dass sich der 
Patriarch um die B'ian kümmert, selbst da noch nicht das Schicksal 
seiner Glaubensgenossen in ihren Händen lag, da wir bei vielen palästi- 
nensischen Lehrern ein Interesse für fremde namentlich persische Sitten 
und Gebräuche wahrnehmen (cf. die lobende Aeusserung R. Gamliel's 
(Berachoth 8 b) über die Perser mit Ammion. Marcell. XXIII, 6,79). 
Auch Pesachim 107 a wird erzählt, dass Levy von Babylonien an R. ein 
Geschenk schickt, ein unwiderleglicher Beweis, dass er noch beim 
Leben R's in Babylonien war. 

30) cf. Anhang, Note B. 

31) mvo, bei den Kirchenvätern Seotip<ooi<; (cf. Epiphanius, Hae- 
roses I, 2. 9). Es gab vor R. Juda |na 'avi naru, JJT1 r.iva und andere. 

32) cf. Epist. Scher. 1. c. p. 9, iiaSn \v6 ri'K nw c«:wm »jipht iVdk. 
Schon in den ältesten Zeiten hatte man Talmud. Ueber den Jugend- 
unterricht bei den Juden in der damaligen Zeit cf. Kiduschin 30 a und 
Mischna Aboth V, 23. 

33) Ketuboth 103 b, Baba mezia 85 b. 

34) cf. Rapoport, Erech Miliin, p. 217 f. 

35) cf. Epist Scher. 1. c. p. 4 Maimonides, Praefatio ad Seralm. 
Teber Emora (snio») cf. Rapoport 1. c. p. 115 ff und Fürst, Kultur- und 
Literaturgeschichte der Juden in Asien I, p. 278 ff., wo die verschiedenen 
Erklärungen über dies Wort zusammengetragen sind. 

36) piD'X, Safurin. Ritter. Erdkunde X, 317. Dort hatte R. Juda 
um 175 seinen Wohnsitz aufgeschlagen und 17 Jahre gelebt (Jerusch. Kilalm 
IX, 4). Ueber die Lage dieser Stadt cf. Schwarz, das heilige Land 
S. 45; Ritter Erdkunde X, 3S9. 

37) Es waren zu dieser Zeit so viele Babylonier in Sephoris, dass 
sie sich eine besondere Synagoge bauten, die den Namen nhasn xne"», 
Synagoge der Babylonier, führte, cf. Frankel, Introductio in Talmud 
Hierosolymitanum p. 4 a. 

38) cf. Epist Scher. 1. c. p. 6. R. Jakob Chagis Vorrede zu seinem 
Mischna-Kommentar und R. Joseph Kolon, Kelale Gemara, letztero beide 
cit. in der Einleitung in den Talmud. 

39) Pesachim 4 a, Syhedrin 5 a. Dieser Abba war wahrscheinlich 
aus Kafri, wo auch sein Vater Aibo wohnte, (cf. I. c), und ward wegen 
seiner hohen Statur («n« = -pi»tn genannt, wodurch er von vielen Andern 
gleichen Namens, von denen sogar Einer (Abba b. Ghana) ebenfalls aus 
Kafri war, unterschieden wurde (Nidda 24 b). Nach Fürst (L. B. d Or. 
1847, No. 2) soll er aus Areka, einer Stadt in Susiana, sein. Demnach 
müsste auch Levi aus Areka gewesen sein, da man von ihm sagt: 
(8abbat 69 a) ton« xai tnaa »rm. Allein die Richtigkeit dieser Erklärung 
ist unwahrscheinlich, (cf. Genesis Rabba cap. 97, yrwn 'DV 'Si). 



40) Kehiboth 63 b und Raschi das. Jerusch. Horajoth III, 8 und 
andere Stellen. 

41) R. Samuel ha-Nagid, Einleitung in den Talmud, s. v. »r.»i3 

42) Jerusch, Baba mezia IV, 1 ibid Pesachim V, 2 und Note C. IV. 

43) Kethuboth 103 b, Anhang, Note C. III. 

4-1) Baba mezia 86 a, Sabbat 129 a. n'3n wurden wahrscheinlich 
schon damals die Aerzte im Morgenlande genannt. Cf. Rapoport, Bikkure 
ha-Ittim VIII, p. 1&. 

45) Baba mezia 107 b, Jerusch. Sahbat XIV. 3, Leviticus rabba 
kap. 16; cf. Plinius, Hist. Nat VII, 2. 

46) Baba mezia 113 b. 

47) Eine Auswahl dieser Aussprüche hat Rapoport in Bikkure ha- 
Ittim. Jahrg. VIII. p. 16 ff. geliefert. 

48) Baba mezia 85 b; cf. Anhang, Note C, IV. 

49) htmv IDT ]<i,Sp. pnAp = xoXXöpwv. 

50) 8abbat 78 a, 108 b und 151b. 

51) Sabbat 41a, 78 a, 108 b, 129 a, 133 b, 147 b, 151b, 152 b. Jorna 
83 b, Ketuboth 110 b, Nedarim 41 a, 54 b, 81 b. Aboda sara 28 b, 30 a ff. 
Nidda 13 a, 17 a und 81 b. 

Ueber talmudische Medizin, vergl. die in Fürst's Kultur- und Lite- 
raturgeschichte der Juden in Asien I, S. 51, Anmerk. 68 angeführten 
Werke und ausserdom biblisch-talmudischo Medizii\ von R. J. Wunderbar, 
Riga und Leipzig, und Colin, de mediana tumiudica und Brecher 
Magie und magische Heilarten im Talmud. 

62) Gittin 87 b. Jerusch. das. X, 14. Baba batra 161b. 

53) Rapoport 1. c. p. 17. 

64) Baba mezia 80 a. Der Sinn der Worto Samuels ist: Es ist 
schon längst von der Vorsehung so bestimmt worden, dass ich nicht 
Habbi genannt werden soll. Es wird hierbei auf eine Agada (Aboda 
sara 5 a) angespielt, nach welcher Gott dem Adam alle Geschlochter 
samt ihren Weisen, Lehrern und Leitern voraus gezeigt hätte. 

65) Jerusch. Kethuboth IV, 2. Im Babli (ibid. 43 b) heisst er Tip» 
ebenso in der Iflachna (Abotu II, 20) mir Tiabh yi;:» 'in und es ist nicht 
richtig, wie Frankel (Introd. in Hieros. p. 124 b) meint, npi» zu emen- 
dieren. A. Krochmal (1. c. p. 76) un 1 Jost (1. c.) übersetzen npi» mit 
Astronom; allein aus vielon Stellen < >s Jerusch. ist ersichtlich, dass 
■jp» gleichbedeutend ist mit dem in ..üschna Sota IX, 15, erwähnten 
D'jiptrn (cf. dio Kommentare das.). Vergl. z. B. Jerusch. Nedarim 
VIII, 8. »BT ioy» iy ipw icy nb o'JTpim Abs «hty p r.ara woraus unzwei- 
deutig hervorgeht, dass -ipi» der Fleiasige bodeutet. (cf. Aruch.t 

66) Rapoport, Erech Miliin, p.226. 

67) Gittin 6 b und viele andere Stellen. 

68) Oben Anm. 17. 



44-4 Mar Samuel 



69) Plinins, Historia naturalis 6, 30: Sunt etiamnum in Mesopotamia 
oppidum Hipparenum Chaldeorum doctrina darum e. c. Dies Hipparenum 
identifiziert Mannert (Geographie der Griechen und Römer V, 2. 8. 286) 
mit Recht mit N^hardes. 

6ti) et'. Rosch ha-Schanah 25 a. 

61) Sabbat 75 a. 

62) R. Jolianan (I. c.) und Rab. (Jerusch. das.). 

63) Sabbath 129 a, Abodnh Bara bO a. cf. Rapoport, Erech Miliin 
p. 8. Dieser Ablat verkehrte auch mit Levi. dem Lehrer Samuels, cf. 
Jerusch. Sabbath III, 4. 

64) Deuteron, rabbah VIII, anspielend auf den Vers : | Deuteron 30, 12) 
.Sie ist nicht im Himmel." Vergl. hierüber R. Lewa aus Prag im 
Nethiboth Olam, minn 2<nj cap. XIV. 

65) Sabbath 156 b. Schon ein älterer babylonischer Lehrer, der 
bereits (Seite 8) erwähnte R. Joseph ha-Babli hatte gelehrt, dass in 
den Worten der Schrift: (Deuteron. 18, 13) Du sollst aufrichtig wandeln 
mit dem Ewigen, deinem Gotte, das Verbot enthalten sei, sich von den 
Chaldäern die Zukunft wahrsagen zu lassen, da dies von Mangel an 
Gottvertrauen zeugt, (l'osachim 113b) 

66) Die von mittelalterlichen Autoren öfters angeführte *n»"ia 
SiOBtn (bei Nachmanides zu Hiüb 26, 13 Barailha schel Sod ha-Ibbur 
genannt), von der neun Abschnitte unter dem Titel japn 'wrari Krv'-'a 
zu Salonichi 1S61 in Druck erschienen sind, spricht vom Jahre 4536 
rnundi (776 n. ü. Z) und ist um diese Zeit verfassl worden, cf. Zunz 
in Steinschneiders hebräische Bibliographie V, 8, 15 

67) Es soll noch von Samuel verfasst worden sein. Beder ha- 
Tekuphoth, befindet sich handschriftlich im Vatican (Cod. 38V no. 17); 
cf. Zunz. gottesdienstliche Vorträge S. 93 und Rartolocci, Biblotheca 
rabbiuica IV p. 388. 

68) Berachoth 58 b. naS WVan »talM K'SPi »tatr 'S pvn> toia» 1:8 
.*aby s-n kSdj -i:y >m .kSds "ny hVi »vbm ;jtm »ko kjv" »Vi iB>an itaaiaa 

.im* naina nnnm T3jn mn rm ?-ij!h p»tn np vm 

69) cf. Synhedrin 12 b. Erubin 66 a, Beraehoth 58 b ff u. Sabbat 129 b. 

70) Sauhedrin 11h, Jenisch. Xed.uim VII, 8 Nur im Notfalle 
durften auch im Auslande von hierzu Befähigten Kalenderbestimmungen 
getroffen werden. Das Verfahr- Chanania's, des Neffen R. Josua'e, der 
in Babylonien Monatsaufänge \i id Schaltjahre bestimmte, wurde auch 
von allen Seiten strenge gerllgt. 

71) cf. Maimouid^s, Jad ha-Chasakah h. Kiddusch ha-Chodesch 
cap. 1 und 18 Obwohl bei diesor Berechnung des Zeitpunktes, in dem 
der neue Mond sichtbar zu worden aufäugt, die Zeugen ganz überflüssig 
waren, so wollte doch ein traditionelles Gehot die Zeugenaussagen wo- 
möglich angewendet wissen und gestattete nur im Notfälle die Bestimmug 



Mar Samuel 



des Monatsanfangs auf Grund dor bloaäeu Berechnung. Diese Berechnung 
ist aber verschieden von der später von Ilillol II. eingeführten Kalender- 
Ordnung, welche den Abstand von einem Neumond bis zum andern nach 
der mittlem Dauer dpa synodischen Monats berechnete. 

72) Bezah 4 b und viele andere. 

73) Ketuboth 112a. Der Grund der Geheimhaltung dieser Lehren 
iat angegeben von R. Serachjah ha-Levi, Maor, Rosch ha-Sehanah Ab- 
schnitt I und von R. Mordeehai Jafah. Lebusch ha-Chur §427. 

74) Rosch ha-Schannh 20b. 

75) Das. nach der Erklärung Raschi's; auders R. Abraham ha-Nasi 
in Sefcr ha-Ibbur Th. II porta ;; cf. Asarjah de Rossi, Meor Fnajim, 
Anhang. 

■;6) Aus diese: Stelle ist ersichtlich, dass R. Simltl aus N'chardea 
war. In Pesachiin 62 b muss daher Kjniroa -;rv,2i ii^o nm in KyrtfUO flsn 
lAa -:r - .2i emendiert werden. Jerusch. das. hat die richtige Lesart n.n 
■nS "pnioi »Kjhvu. R. Bimla! war demnach zu Nehardea gebürtig und 
siedelto nach Lydda über, und ist hiernach Graetz, Geschichte der 
Juden. B. IV 2. Aullage, S. 2G5 zu berichtigen. 

*7i Die von Abba geinigten dunkeln Sätze wurden später von 
dem nach Palästina gegangenen Babylonier R. Stlra erklärt. Aber 
diese im Talmud (Rosch ha-Schanah 20b) sich befindende Erklärung ist 
noch so dunkel. dass die Kommentare darüber in viele verschiedene 
Auslegungen auseinandergehen, et'. Roschi und Maor das. Kosari II, 
20. Ihn K>ra. [ggereth lia -Sehabhath porta II; bes. aber R, Israeli im 
Jesod Olam IV. 8. 

Dieser Kalender enthielt wahrscheinlich die Post- 
ordnung, wie sie damals vom palästinensischen Sanhedrin gewöhnlich 
gesetzt wurde, die sieh bekanntlich in der Bestimmung der Monats- 
anfange nach dem Sichtbarwerden des neuen Mondes lichtete. Er war 
daher nicht so eingerichtet wie der später von Hillel II. angeordnete. 
Doch bedarf dies noch einer eingehenden Untersuchung, da sich Man- 
ches dagegen einwenden lasst et Maimonides Jad ha-Chasakah buch. 
Kiddusch ha I ip. in. 

79) Dass er nie, wie Krochmal und .lost irrtümlich glauben, die 
Absii inen Kalender zu veröffentlichen und dass sein Spruch: 

'V2i <:'-.rr h:-:' nicht mit <\<t Absicht verbunden war, durch eisen festun 

let den iv i - zu beseitigen, seht schon daraus hervor, 

Samuel den zweiten Feiertag so heilig gehalten wissen wollte, wie 
den erstei\ unb di lihung Btreng ahndete (Pesachim &2a). (cf. 

Israeli 1. c ) 

BO) Wegen der ausy-- Kenntnis, difl Samuel in der 

Kalei derkunde besass, die ihm sogar das Geheimnis der Bestimmung 



4! 6 Mar Samuel 

der Monatsanfänge offenbarte (»m*i ^r^pa '?:) legte man ihm den Namen 
Jarchina'ah (nNVnr) bei. (cf. Baba mezia 85 b.) 

81) Erubin 50 a. 

82) cf. Aaarjah De Rossi, Meor Enajim III, 40 und Sealiger, Isagogi- 
corum chronol. canonum p. 282 ff. 

83) Diese Tekufah ist zwar selbst nach dem jüdischen Kalender 
nicht ganz genau berechnet, indem nach derselben 19 Sonuenjahre, die 
nach dem Hillel'schen Kalender 235 Monaten entsprechen sollten, die- 
selben um l 485 /io8o Stunden tibersteigen, jedoch war dies Samuel keines- 
wegs verborgen, er wollte nur eine bequemere Zahl annehmen, da sie 
zu seiner Zeit noch brauchbar war (cf. Abraham Ibn Esra, Comm-nitor 
zu Exod. 12,2 und Iggereth haschabbath porta I). Später hat ein ge- 
wisser R. Adda diesen Ueberschuss in 19 Teile geteilt und einen solchen 
Teil von 365 Tagen und 6 Stunden abgezogen und demnach die Länge 
des Sonnenjahres auf 3C5 Tage 5 Stunden 55 ,J6 /«4» Minuten reduziert, 
so dass 19 Sonnenjahre genau so viel als 235 Monate zu 29 Tagen 
12 Stunden 48'/i« Minuten betragen und diese Jahresdauer wird Tekufah 
de Rab Adda genannt. Doch ist die Tekufah de Mar Samuel hierdurch 
nicht ganz verdrängt worden; manche Bestimmungen in Bezug auf die 
Liturgie haben noch diese zur Grundlage, (cf. Tur und Schulchan aruch, 
Orach Chajim §117 und §229. 

84) Sanhedrinöa. Diese Stelle ist merkwürdigerweise von Franke! 
ignoriert worden, der ohne Weiteres behauptet (Introd. in Hieros. p. 
67 b): R. Abba b. Chanah wäre gar nicht nach Palästina gezogen. Dieser 
R. Abba wurde oft fälschlich K. Abba b. b. Chanah genannt, welchen 
Namen sein Sohn führte, (cf. Cholin 8b, 44 a, Jerusch. Baba mezia 
V, 7.) Vielleicht ist es dieser R. Abba, von dem Seder Tamlm erzählt: 
^233 rvms* JVUtJ >on n nx Kässi (Kerrm Chemed IV, p. 186). Jedenfalls 
ist die ganze Stolle dort im Widerspruch mit den Berichten Schorira's. 
Rapoports (Erech Millin, p. 139) Versuch, denselben auszugleichen, kann 
nicht als gelungen bezeichnet werden. 

8 ) cf. Anhang, Note A, Vll. Abba Aricha ist nach meiner An- 
nahme etwa um fünf Jahre später als Samuel zurückgekehrt, und hat 
in Palästina wahrscheinlich keinen Umgang mit diesem gepflogen, da 
er R. (hija, Samuel aber Levi und R. Chanina zu Lehrern hatte. Wenn 
die Annahme Maimonides' (Vorrede zu Jad ha Chasakah), dass auch 
Rab Schüler des R. Chaninah war, begründet ist, so muss dies später 
einige Jahre vor seiner Abreise gewesen sein, wo wir ihn auch wirk- 
lich im Verkehr mit R. Chaninah finden. (Joma S7b). 

86) Sanhedrin Ba: Jerusch. Pea VI, 3 ; Sota 1X,2: NedarimX,8; 
Rab erhielt eine etwas beschränktere Autorisation als R. Abba b. Chanah, 
nach dem Talmud, um letzterom bei seinen Landsleuten Ansehen zu 



imuel 



verschaffen, was bei Rab nicht nötig war, da er ohnedies hei den Baby- 
loniern in hohem Ansehen stand. 

Sabbath 108 a. Es wird daselbst noch erzählt, dass Abba 
durch die heftigen Schmerzen, die ihm die Arzneien verursachten, gegen 
Samuel so aufgebracht war. dass er in seiner Aufregung einen Fluch 
gegen ihn aussprach ; aber er bereute bald seinen Zornausbruch und 
suchte später sein Unrecht dadurch wieder gut zu machen, dass er 
Samuel stets mit der grössten Hochachtung begegnete cf. Megillah 22 a 
Baba kama 80a.) 

88) Sabbath 69b, cf. Easchi das. und Anhang Note A VII. Rab 
war auch in dieser Zeit auch noch einmal nach Palästina gezogen und 
tou da an erst nach dem Tode R. Juda's, 193. zurückgekehrt, (cf. 
Jerusch. Peah VI. 3; Sotah IX. 2; Nedarim 10,8. 

89) cf. Aruch. Art. ••:;«. 

60) Dieser Rabbi Schela darf nicht mit dem in Jebamoth 121a 
genannten Rab Schela identifiziert werden, wie dies bei Fürst (Kultur 
und Literatur-Geschichte der Juden in Asien I. S. 91) irrtümlich ge- 
schiebt, denn der letztere war Rah und Samuel untergeordnet. Ob aber 
dieser R. Schela derselbo ist, der nach Berachoth 6S a von der Regierung 
tum Richtf r ernannt würde, ist schon von mehreren Chronographen 
als zweifelhaft hingestellt werden. 

91) Epist. Scher, p. 1