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Full text of "Johann Josef Fux, Hofcompositor und Hofkapellmeister der Kaiser Leopold I., Josef I. und Karl VI. von 1698 bis 1740"

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-'"^ S'*^ 



I 



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JOHANN JOSEF FUX 



HOFCOMPOSITOR UND HOFKAPELOffilSTER 



DEK KA SEK 



LEOPOLD L, JOSEF L UND KARL VL 



[ VON 1698 BIS 1740. 



NACH URKUNDLICH KN FORSCHUNGEN 



VON 

De. LUDWIG RITTER VON KÖOHEL. 



MIT EINEM BILDNISSE UND ZWEI PACSIMILE. 



MIT UM'KRSTÜTZUNO T>EK KAISKRLICHEN AKADEMIK I*KR WISSK^gCHA^TKN IN WIEN. 



WIEN. 

VLKRED HOLDER (BECK'SCHE ÜNIVERSI'IÄTS-UUCHHANDLUNO 

1872. 



Verlag von Alfred Holder (Beck'sche Universitäts 
Buchhandlung) Wien^ Rothenthurmstrasse 15. 



Von demselben Verfasser erschienen bereits früher: 

I>i*ei und aolitzig- 

neu aufgefundene 

Original - Briefe 

Ludwig yan Beethoyen's 



an den 



Erzherzog Rudolph, 

Cardinal ' Erzhitchof von Olmüiz, kaia: H. 



Preis 1 11. 10 kr. 



Die 



Kaiserliche Hof -Musikkapelle 



in Wien. 



Von 1543—1867, 



Nach urkundlichen Forschungen, 



Frei» 2 11. 



Diiuck der k. k. Hof- und Staatsdruckerei in Wien. 



Johann Josef Fax. 



4 







JOHANN JOSEF FUX. 



Nioh d«m Olgemllde tm Archive der Oesellsohr^ft der Musikfreunde In Wien. 



Zeichniiog tod Lndwlt M&vkt. 



"k ^ >. ' 



* 



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4 • 



A Vorwort. 

ten Opern und Oratorien, wie der Ejrchenmasik aus jener Periode 
gekommen, welche 1826 bis 1829 ans dem Archive der Hofka- 
pelle auf Veranlassung des Hofbibliothekpräfecten Grafen Moriz 
Dietrichstein übertragen worden *. Dadurch wurde zugleich der 
Grund zu dem thematischen Verzeichnisse von mehr als 400 Wer- 
ken unseres Fux* gelegt, wozu aber ausserdem die Archive des 
Wiener Musik Vereins, der Stifte Schotten in Wien, Gott- 
weig in Unterösterreich und Eremsmttnster in Oberöster- 
reich, dann der Kirche St. Peter in Wien sowie des Domes 
in Salzburg, ferner der kön. Bibliotheken in Dresden und 
Berlin bedeutende Beiträge lieferten. 

Aus J. Mattheson's Musica critica wurden die Briefe des Fux 
ttber Solmisation und die Entgegnungen Mattheson's, da jenes 
Werk seltener geworden ist, gleicherweise die Widmungen der 
Missa canonica und des Concentus musico-instrumentalis von Fux 
in der Beilage IQ abgedruckt. 

Nicht unberücksichtigt blieben begreiflich die ürtheile von 
Zeitgenossen über Fux, die in Mattheson's Ehrenpforte, in Quantz' 
Lebensbeschreibung u. a. niedergelegt sind. In den Briefen des 
Apostolo Zeno und Metastasio wird wohl ihrer eigenen Text- 
bücher zu den Opern, aber nur im Vorübergehen der Musik dazu 
und ihrer Compositoren erwähnt: der Name Fux erscheint nie 
darin, wiewohl dieselben Briefe zur Characterisierung Kaiser 
Karl VI. manches Brauchbare darbiethen. 

Zu einem näheren anschaulichen Bilde des Hof- und Stadt- 
lebens in Wien aus jener Zeit mit besonderen Daten, worin des 
Hofkapellmeisters Fux ausdrücklich erwähnt wird, diente das 
„Wiener Diarium", die früheste politische Wiener Zeitung, 
welche von der Ghelenischen Buchdruckerei im Jahre 1 703 be- 



1 J. F. Mosel, Gesch. der k. k. Hofbibl. in Wien. p. 260 und 271. 
^ Beil. X dieses Werkes. 



Vorwart. XI 

gründet und von den Erben des Begründers anderthalb Jahrhun- 
derte fortgesetzt wurde *. Die Feste bei Hofe sowie die kirch- 
liehen Vorgänge wobei der Hof erschien, die geistlichen Oratorien, 
die theatralischen Auffllhrung^en, die Jagden und sonstigen Be- 
lustigungen sind mit ziemlicher Genauigkeit darin verzeichnet. 

Unter den im ganzen spärlichen gedruckten Quellen der 
Periode Kaiser Leopold I. ist Job. Joachim Müller's Staats- 
Cabinet mit seinen Bemerkungen gelegentlich eines Aufenthaltes 
in Wien im Jahre 1660 zu erwähnen; bedeutenderes, besonders 
mit Rücksicht auf Musik enthält Bin k 's Geschichte des Kaisers 
Leopold I. (1714) ; für eine öpätere Periode des Wiener Stadt- und 
Hoflebens geben die Lettres et mämoires du Baron Pöll- 
nitz manche bezeichnende Daten, da derselbe 1719 und 1729 
längere Zeit in den höheren und mittleren Kreisen der Wiener 
Gesellschaft als ein feiner leidenschaftsloser Beobachter sich be- 
wegte. 

Daran schliessen sich Joh. Georg Keyssler's Beisen 
durch Deutschland, Böhmen, Ungarn*, welcher im Jahre 1730 
durch vier Monate in Wien sich aufhielt, und vieles fleissig 
notierte. 

Was noch sonst von untergeordneteren gedruckten und un- 
gedruckten Behelfen für diese Zeitperiode aufzutreiben war, 
wurde begreiflich nirgends vernachlässigt, wenn auch die Aus- 
beute oft nur äusserst kärglich ausfiel. 

^ Ein completes Exemplar davon, das jetzt sehr selten vorkommt, ist 
in der Bibliothek der Gemeinde Wiens. 

2 Sie erschienen, zwei grosse Quartbände, in drei Ausgaben : I. Ausg. 
1740-41; IL Ausg. 1751; III. Ausg. 1776. — Den Aufenthalt in Wien 
schildert Keyssler im zweiten Bande pag. 1213—1266. — Die Notiz über 
die Musik daselbst (p. 1233) ist dürftig, und kein Name der damaligen Kory- 
phäen dieser Kunst wird dabei erwähnt. 



XII Vorwort. 

Meines wärmsten unvergänglichen Dankes mögen hier alle 
versichert sein, welche zn dem Zustandekommen dieses Werkes 
hilfreiche Hand bothen: sämmtliche Vorstände an den erwähnten 
Archiven und Bibliotheken in Wien, Göttweig, KremsmUnster, 
Salzburg, Dresden und Berlin, ganz besonders aber die Custoden 
und Archivare an der k. k. Hofbibliothek und dem k. k. Oberst- 
hofmeister-Amte in Wien, dann JosefLaimeggeramk. k. Lan- 
desgerichte daselbst sowie KarlLudwig Sey dl er Domorga- 
nist in Gratz, welche niemals ermüdeten, meinen oft wiederholten 
Anfragen die bereitwilligste Folge zu geben. Wäre es doch ge- 
radezu unmöglich gewesen , ohne ihren freundlichen Beistand zu 
irgend einem nennenswerthen Resultate zu gelangen. 



Inhalt. 



Seite 

Vorwort V 

I. Johann Josef Fax: Heimatland <-> Geburtsort — Stammbaum — 
Lehrjahre — Vermählung — Organist bei den Schotten (1660 

bis 1697) 1 

II. Wien und seine musicalischen Zustände unter Kaiser Leopold I. 

,, . {1660-.170Ö) 12 

il^IIL Fox wird kais. Hofcompositor (1698).— Seine Instmmental-Com- 

- Positionen 47 

IV. Fux unter Kaiser Josef I. (1705—1711) — Die Compositoren 
0. Aug. Badia — Marc Antonio und Giovanni Bononcini — 

Francesco Tosi 62 

V. Fox, Kapellmeister am Dome zu St. Stephan in Wien (1705—1715) 

— Reformierung der Hofkapelle — Fux wird Vice -Hofkapell- 
meister des Kaisers und Kapellmeister der Kaiserin-Witwe Wil- 
helmine Amalia (1713—1718) — Die Compositoren Marc An- 
tonio Ziani und Antonio Lotti 71 

VI. Kaiser Karl VI und sein Hof (1712—1740) — Fux wird kaiser- 
licher Hofkapellmeister (1715) — Seine musicalische Thätigkeit 
(1714—1716) — Darstellung seiner Oper Angelica (1716) — An- 
tonio Caldara, Vice-Hofkapellmeister (1716—1736) — Die Hof- 
compositoren Francesco Conti (1713—1732) — Giuseppe Porsile 
(1720—1736) 80 

Vn. Chronik (1717—1718) — Fehde mit J. Mattheson wegen der Sol- 
misation und Kirchentöne (1717—1718) — Die Opemdichter 
Apostolo Zeno (1718—1731) und Pietro Pariati (1713—1733) . 97 

VIIL Fux' Kirchenmusik 117 

IX. Chronik (1719—1721) — Abfertigung für die eventuelle Witwe 

— Seine Oper Costanza e Fortezza in Prag (1723) — Caldara's 
OperEuristeo (1724) . 144 

X. Der Gradus ad Pamassum (1725) 153 

XI. Conflict mit Principe Pio — Die Cäcilien-Congregation — Chro- 
nik (1725—1728) — Faustina in Wien 165 

XII. Die Oratorien von Fux (1714—1728) — Chronik (1729, 1730) 

— Die Oper Elisa — Die Operndichter P. Metastasio (1730— 
1740) und Claudio Pasquini (1733— ;742) 174 



XrV Inhalt. 

Seite 

XIII. Die Opern von Fux (1702—1731) — Chronik (1731—1733) — 
Gnadengabe für den Neffen Matthäus 191 

XIV. Die kaiserliche Hofkapelle unter ihrem Kapellmeister Fux (1715 
—1740) 215 

XV. Schüler des Fux — Porträte — Wohnungen — Krankheit und 
Tod — Seine Verhältnisse zu zeitgenössischen Componisten — 
Anhang — [Register] ... 259 

Beilagen. 

Beilage I. Urkunden: Familien- und Vermügensverhältnisso des 

J. J. Fux (n. 1—24) 285 

Beilage II. Urkunden : Anstellungen — Beförderungen — Beschwer- 
den des J. J. Fux — Reorganisierung der Ilofkapelle (n. 1—34) . 297 

Beilage III. J. Mattheson: Solmisationsstreit mit Fux — Beschuldi- 
gung des Francesco Conti (n. 1— 11) 326 

Beilage IV. Zum Gradus ad Parnassum — Dedicationen (n. 1—6) . 349 

Beilage V. Stände der kaiserlichen Hofmusikkapclle von 1680 bis 

1740 (n. 1—390). [Mit Register.] a57 

Beilage VI. Urkunden: Fux, Gutachten üb r Hofmusiker von 1715 

bis 1740 (n. 1—260). (Mit Register.] 376 

Beilage VII. Compositionen Kaiser Ferdinand III., Kaiser Leopold I. 

und J. J. Fux (n. 1—3) 457 

Beilage VIII. Verzeichniss der Opern, Serenaden, Feste teatrali und 
Oratorien, welche am kaiserlichen Hofe in Wien von 1631 bis 1740 
gegeben wurden (n. 1—791). [Mit Register.] 483 

Beilage IX. Kirchentexte (n. 1—20) 573 

Beilage X. Thematisches Verzeichniss der Compositionen von J. J. 
Fux (n. 1—405). [Mit Register.] (Nach Seite 584 beginnt eine 
neue Paginierung.) 1 



Johann Josef Fnx. 



1660 - 1741. 



I. . 

Johann Josef Fax: Heimatland ^ Geburtsort — Stammbanm — Lehr- 
jahre — Terrnfthliing — Organist bei den Schotten (1660 — 1097). 

Von dem weithin gesehenen Sehöckelberge im Gratzerkreise 
Steiermarks senkt sich gegen Süden durch mehrere Meilen ein 
amnuthiges Hügelland ab, westlich von der Mur, Ostlich von der 
Raab begleitet. Wälder, Fluren und Wiesen lösen sich ab, es 
gedeiht dort der Mays, das Obst und der Wein in den nach Süden 
offenen Lagen. Auf einem dieser Hügel, etwa drei Meilen östlich 
von Gratz, liegt Hirtenfeld, nach alter Landesart Gegend (an- 
derwärts auch Weiler) genannt, das ist ein Complex von Häusern 
und Feldern, welche einen Bestandtheil einer Ortsgemeinde aus- 
machen. In Hirtenfeld steht noch das Haus Nr. 50, wo Johann 
Josef Fnx geboren ward. Unter Obstbäumen und Wirthschafts- 
gebäuden versteckt, war es zu jener Zeit aus Holz gezimmert, mit 
einem einzigen Wohnzimmer versehen, während es in neuerer 
Zeit in ein stattliches gemauertes Erdgeschoss umgewandelt 
wTirde und bis 1868 den Bauer Josef Hartner, Vorstand der 
Gemeinde Langegg* beherbergte, von welcher die Gegend 
Hirtenfeld ein Theil ist. 

Unbestritten ist jetzt Hirtenfeld der früher ganz unbekannte 
Geburtsort unseres J. J. Fux. In, der Widmung seines Gradus ad 
Parnassum (1725) hatte er seinem Namen „Styrus^ — aus Steier- 
mark — aber ohne Angabe seines Geburtsortes beigesetzt. Ganz 
bestimmt spricht sich aber die Trauungsmatrikel des Domes von 
St. Stephan in Wien aus*, wo er „zu Httrtenfeldt in Steuermarkh" 
gebürtig angegeben wird. Ausserdem vermacht J. J. Fux in 
seinem Testamente^ im Falle einer Substitution ein Legat dem- 
jenigen Bruder des eingesetzten Legatars, welcher „alsdann im 
rechtsamben Besitz des Fuxischen Hauses zu Hürtenfeld in Steyer 

1 1 4. Dec. 1868. 2 Beil. LI. 3 Beil. 1. 10. 

Köekei, J. J. Fax. 1 



2 Geburt — Aeltern. 

Markh in St. Mareiner Pfar gelegen , sein wttrde^. Auch der noch 
(1870) lebende neunzigjährige Greis Johann Fux (Stammb. 24), 
ein wohlhabender Bauer in Obergoggitsch, erinnert sich wohl^ 
dass er vor 60 Jahren aus dem erwähnten Hause seines Vaters 
Jacob Fux (Stammb. 14) weggezogen sei. 

Nicht so klar konnte das Geburtsjahr unseres J. J. Fux aus- 
gemittelt werden. Denn in der Wiener Todtenmatrikel vom 
14. Februar 1741 wird Fux 81 Jahre alt^ angeführt, er müsste 
demnach um 1660 geboren worden sein, da erstens zu jener 
Zeit „81 Jahre alt^ bedeuten konnte, er habe das 81ste Jahr 
angetreten — oder auch er habe dasselbe vollendet ; femer aber 
aus dem Grunde, dass die Altersangaben dazumal, wie ich mich 
mehrfach zu überzeugen Gelegenheit hatte, wenig verlässlich sind. 
Also um 1660 war Johann Josef Fux geboren. Leider konnten 
auch die Pfarrbttcher in St. Marein bei Pickelbach keinen Auf- 
schluss geben, da sie im Jahre 1662 ohne Ausnalune bei einer 
Feuersbrunst verbrannt wurden, und die neuen mit^ dem Jahre 
1663 anfangen, lieber Feststellung des Geburtstages und Jahres 
ist also für jetzt nichts zu erwarten. — Erfreulicher war es, dass 
durch die neuen Matrikelbücher in Verbindung mit dem öfter er- 
wähnten Testamente möglich geworden war, die Abstammung und 
Verwandtschaft des J. J. Fux durchaus sicher aufzustellen. Dies 
gelang, ungeachtet der Name Fux mehreren unter einander nicht 
verwandten Familien in jener Gegend zukommt, in folgender 
Weise. Im Testamente nennt Joh. Jos. Fux die Eva Maria, 
den Sebastian und Matthäus Kinder seines (17.31) bereits 
verstorbenen Bruders Peter Fux. Nun wiesen die Pfarrbücher 
nicht nur einen im Jahre 1724 verstorbenen Peter Fux, Bauer 
von Hirtenfeld und dessen eben erwähnte 3 Kinder (nebst an- 
deren 9 Sprösslingen) nach, sondern in der Trauungs-Matrikel 
vom 6. Februar 1 695 wird auch derselbe Peter Fux „ A n d r e a e 
Fux et Ursulae coi^jugis filius'' in Hirtenfeld genannt. Daniit 
waren auch die Aeltern unseres Johann Josef Fux aufgeklärt, 
während noch überdies in dem TodtenprotokoU vom 16. Februar 
1691 „Ursula Fux von Hirtenfeld, bei 50 Jahre alt, und am 

1 Beil. I. 6—9. 



Familie Fiix 



1. Am 

geb. ns 
3. M 

Terra. 

gest. 16 
bci5( 











2. Johann Josef, 


3. K 










geb. um 1660, gest. 


geb. J 


■ 








13. Febr. 1741 (kin- 


i 










derlos); Term. mit 


gest.? 










ClaraJaliana Schniz- 


1751), 










zenbaum 5. Jjini 












1696, gest. 8. Juni 












1781. 


1 


5. Maria, 


6. Sebastian, 


7. Georg, 


8. Elisabeth, 


9. Johann, 10. Katharina, 


Reb. 18.NoTemb. 


geb. 29. Decomb. 


gob. und gest. 


geb. 29. Augast 


geb. und gest. geb. 31. August 


1696, 


1697, 


1700. 


1701, 


1704. 1705, 




gest. 6. April 


gest. 10. Mai 1759; 




gest. 3. Mai 1775, 


gest. 22. 


Not. 


1T73. 


verm. aj mit 




vorm. Puch- 


1785, verm. 


I-co- 




Barbara Pamer, 




müller. 


pold. 






öj mit Theresia 












Pncher. 











■A 



17. Maria, 

geb. 29. April 

1739, 

gest.? verm. 

Nöst. 



18. Sebastian, 

geb. 9. JKnner 

1741, 

gest. 4. Juli 

17Ä8. 



19. Peter, 

geb. 23. Jänner 

1744, 
gest. 24. Sept. 

1753. 



20. Andreas, 

geb. 12. Octob. 

1748, 
gest. nach 1774. 



21. Gottfried, 

geb. 8. Novemb. 

1751, 
gest. 8. Sept. 

1753. 



22. Johann, 

geb. 16. October 

1753, 
gest. 29. März 

1756. 



23.1 

geb. I 



gest. 



Zu Seite 



nn Hirtenfeld. 



:1«10, gest. 
.1 iTl* ; 
« UrsaU, 
Ftbr. 1691, 
lfthr«alt. 



tharina, 

^ <V'ober 
ES 

,14. Ang. 
6«i Tü J. 

de 



4. Peter, 

geb. 7. jQni]672, 
gest. 20. Februar 
1724; Term. mit 
Katharina Steln- 
khlelbl (6. Febr. 
1J95). 



li. Magdalena, 

«et. 32. Aagast 

1707, 
:t$t. nach 1774, 
Tena. Wolf. 



12. Josef, 

geb. 1711, 
gest. 1775. 



13. Mar. Anna, 

geb. 19. April 

1713, 

geat. naeh 1774, 

verm. Orelml. 




14. Jakob, 

geb. 21. Juli 1715, 
gest. 7. December 
1797 ; Term. aj mit 
Maria, verw. Nöst, 
gest. 29. Juni 1775, 
kinderlos ; 1>J mit 
Mar.Orlesl28.Aag. 
1775, gest. 1836, 
^erm. als Witwe 
1 799 mit J. Hartner. 

I 



24. Johann, 

geb. 85. Decemb. 

1776, 

lebte Dec. 1870 

(kinderlos). 



25. Maria, 

geb. 8. Jänner 

1778, 

gest. 1859, Term. 

Silberstein. 



26.€on8tantia, 27. Theresia, 

geb' 18. Decemb. geb. 10. April 
1779, 1781, 

gest. 24. August gest. vor 1788. 
1795. 



15. Barbara, 

geb. 1717, 
gest. 1718. 



16. Matthäus, 

geb. 16. Septemb. 

1719, 

gest. nach 1749, 

Tor 1771. 



28. Stephan, 

geb. 24. Decemb. 

178-i, 
gest 23. Jänner 

1783. 



29. Theresia, 

geb. 10. Juni 

1T8S, 
gest. Tor 1SC6. 



Stammbaum. 3 

S. März 1708 Andre ^x von Hirtenfeld ^seines Alters bei etlieh 
90 Jahr alt^ begraben vorkommt. 

Der Stammbaum der Familie Fux mit seinen 29 Familien- 
gliedem bemht nnn vollständig auf den Pfarrbttchem von St. 
Marein nnd fand noch später im Jahre 1773 in dem Testamente 
der Eva Maria Fux (Stammb. 5) und der Quittung der von der- 
selben bedachten Verwandten seine volle Bestätigung ^ 

Nach diesem Stammbaume hatte Johann Josef Fux zwei 
Geschwister, Katharina (Stammb. 3) und Peter (Stammb. 4)^ 
welcher letzte 12 Nachkommen (Stammb. 5 — 16) hatte , von 
denen Sebastian (Stammb. 6) und Jacob (Stammb. 14) das 
Geschlecht noch um eine Generation fortsetzten. Von dieser Gene- 
ration sind die 7 Kinder Sebastians (Stammb. 17 — 23) längst 
gestorben ; von den 6 Kindern Jacobs (Stammb. 24 — 29) lebt nur 
noch der erwähnte Greis Johann Fux (Stammb. 24) in Obergog- 
gitschy mit welchem, da er kinderlos ist, die ganze Familie des 
Johann Josef Fux erloschen sein wird. — Auffallend ist schon beim 
ersten Anblicke die lange mittlere Lebensdauer in der Famil\e 
Fux, da sie von 1610 bis 1866 also in 256 Jahren nur 4 Gene- 
rationen entwickelte, wodurch 64 Jahre auf eine derselben kom- 
men : es wiederholt sich auch die Lebensdauer von 80, 90 und 
mehr Jahren bei einzelnen Individuen mehrmals. 

Der Biograph ist genöthigt zu einem ihm peinlichen Ge- 
ständnisse zu schreiten, und doch darf er damit nicht zurückhal- 
ten. Ungeachtet vielfacher und angestrengter Bemühungen ist es 
durchaus nicht gelungen, Aufklärungen zu erhalten über die 
ganze Periode des Lebens unseres Fux von seiner Geburt bis zum 
36. Jahre seines Lebens (1696), wo der Bauemjunge aus Steier- 
mark plötzlich auftaucht in Wien als ein fertiger Mann, ausgerü- 
stet mit tttchtigen musicalischen und anderen Kenntnissen, als 
Organist des Stiftes zu den Schotten, der die Tochter eines Be- 
gierunssecretäi^ heuratet und seinen Buf als Musiker bereits so 
begründet hatte, dass 2 Jahre später Kaiser Leopold I. ihn pro- 
prio motu zum Hofcompositor ernannte. Ueber alle so wichtigen 
Fragen in der Lebensgeschichte eines bedeutenden Künstlers : 
wann brach sein Talent zuerst hervor? wie bildete er es aus? 

1 Beil. L 14—18. 

1* 



4 Bildungsjahre. 

wer verschaflte ihm die Mittel dazu? wer waren seine Lehrer? 
wie waren seine ersten Versuche in seiner Kunst gea^et? — 
und dann noch spedell bei Fux : wann und wie kam er nach 
Wien und machte sich da bekannt? — über alle diese Fragen 
nur verlegen und mit beredtem Schweigen die Achsel zucken 
zu müssen ohne den Gleichmuth zu verlieren, dazu gehört einige 
Selbstverläugnung, besonders, wenn es gelungen ist, andere 
ganz verhüllte Parthien aufzuhellen. Möge es dem wohlwollen- 
den Leser gefallen, wenigstens mit seinem Blicke zu folgen, wie 
der Biograph über jene dunkle Klufk auf der schwanken Brücke 
von Vermuthungen sich hinüber zu helfen bemüht war, und hie 
und da auf Thatsächliches gestützt wenigstens bis zu einiger 
vermittelnder Wahrscheinlichkeit zu gelangen, die freilich kei- 
nen Anspruch auf Gewissheit machen kann, aber doch das Trost- 
lose einer so bedeutenden Lücke zu vermindern geeignet sein 
dürfte. 

Die Vorfahren und Seitenverwandten unseres Johann Jo- 
sef Fux gehörten der Geburt nach sämmtlich dem Bauernstande 
an und blieben auch darin mit Ausnahme des Kapellmeisters 
und seiner zwei Bruderskinder Eva Maria und Matthäus, die 
er nach Wien kommen und denen er eine bessere Erziehung 
angedeihen Hess. Der Vater des Kapellmeisters, Andreas Fux, 
hatte erst in späteren Jahren geheuratet und mochte bei der 
Geburt seines Sohnes Johann Josef (1660) 50 Jahre alt gewe- 
sen sein, während die Mutter Ursula kaum das 208te Jahr er- 
reicht haben konnte K Welche Bildung die Kinder in Hirtenfeld er- 
halten haben konnten, das mehr als eine Wegstunde von der näch- 
sten Pfarrschule in St. Marein entfernt war, lässt sich aus den 
Leistungen der übrigen Verwandten entnehmen, welche noch 100 
Jahre später (1773) wie bereits erwähnt, ihren Namen unter eine 
Quittung zu fertigen nicht vermochten*. Wenn die Dinge ihren 
gewöhnlichen Verlauf nahmen, so musste der ältere Bauerssohn 
Johann Josef wieder Bauer werden und seiner Zeit die kleine 
Wirthschaft in Hirtenfeld übernehmen. Das geschah aber nicht, 
da sein jüngerer Bruder Peter succedierte ; es musste daher 
ein bestimmender ausserordentlicher Umstand eingetreten sein, 

1 Vergl. Stammbaum. » Beil. 1. 17. 



Bildun^sjahre. 5 

der die gewöhntiehe Nachfolge gestört haben mochte. Diese stö- 
rende Ursache dürfte am uatttrlichsten in dem frühzeitig hervortre- 
tenden bedeutenden Talente des ältesten Sohnes Johann Josef zur 
Mnsik zu suchen sein, welcher zu der Beschäftigung des Acker- 
mannes sich nicht verstehen wollte und alles von sich wies, 
was nicht auf Befriedigung der Forderungen seines Kunstdran- 
ges hinzielte. Mit dieser Annahme steht wenigstens das im Ein- 
klänge was Fux in seinem Oradus ad parnassum (pag. 43) auf 
die Frage des Lehrers , ob sein Schüler auch wahren Beruf zur 
Mnsik in sich ftthle^ diesen antworten lässt. Er sagt : ,,Zur Zeit, 
als ich noch nicht im vollen Gebrauche meiner Vernunft war, 
wurde ich durch die Heftigkeit ich weiss nicht welchen Triebes 
hingerissen, es richtete sich all mein Sinnen und Trachten auf 
die Musik, und auch jetzt bin ich von einer beinahe wunderbaren 
Begierde sie zu erlernen durchglüht und wie willenlos dahin ge- 
drängt ; Tag und Nacht scheinen meine Ohren von süssen Klän- 
gen umtönt zu werden, so dass ich an der Wahrheit meines Be- 
rufes durchaus keinen Grund zu zweifeln habe'^. Und wenn spä- 
ter der Meister versichert, „es freue ihn ungemein, einen Schüler 
nach seinem Sinne gefunden zu haben^ — kann man da nicht 
mit Grund annehmen, dass Fux in den lebenswannen Aeusserun- 
gen des Schülers — die wirklichen Empfindungen seiner 
eigenen Jugend zum Ausdruck gebracht habe? Vielfache Er- 
fahrungen bezeugen es, dass der unwiderstehlich treibenden 
Jngendkraft eines grossen Talentes auch die entgegenstehenden 
widrigen Verhältnisse weichen müssen; das Talent bricht sich 
Bahn und arbeitet sich empor. Dass Fux seinen unbezwingbaren 
Lemtrieb weder für Musik noch andere Fächer des Wissens in 
Hirtenfeld oder St. Marein befriedigen konnte, ist einleuchtend, 
es ist aber auch keine Schule weder in der ganzen Obersteier- 
mark in einem Kloster wie zum Beispiel Renn, oder auch in 
Gratz bekannt, wo ein Musiktalent sieh hätte bilden können. Dia- 
bad ^ hatte zwar die öfter nachgeschriebene Fabel in Umlauf 
gesetzt, Johann Josef Fux sei in Böhmen gebildet wor- 
den und habe die besten Kapelle^n in Deutschland, Italien 
und Frankreich besucht'', allein das ist eine durch gar nichts 

1 Histor. Künstlerlexicon für Böhmen. I. p. 486. 



6 Bildung in Wien. 

begründete Unterstellung, die jede Kraft durch die Betrachtang- 
verliert, dass zu jener Zeit gar kein bedeutender Musiklehrer in 
Prag lebte, und ausserdem gibt Dlabaö eine Probe seiner Glaub- 
würdigkeit durch die an einem anderen Orte ^ keck hingestellte 
Behauptung, ,,die Mnsik^ (der 1723 in Prag aufgefllhrten Oper 
Costanza e Fortezza) „sei von dem berühmten Kapellmeister I>^x, 
der eben ein B 5 h m e (! !) war und zuvor mehr als 20 Jahre (! !) 
in Prag lebte" ; während in Wirklichkeit der Steiermärker Fux 
27 Jahre (und gewiss viel länger) vor 1723 von Wien sich nicht 
entfernte. — Unter den Verhältnissen jener Zeit war für Fux 
keine Stadt, wo er alles finden konnte, was er zur Befriedigung 
seines Bildungstriebes benöthigte, als die Residenzstadt Wien. 
Dort war ein Kaiser (Leopold L), der die Musik leidenschaftlich 
liebte und fürstlich beförderte, ein Orchester, welches das Stau- 
nen Europa's erregte, und Kapellmeister, welche zugleich als Leh- 
rer des verdientesten Rufes genossen ! Ungeachtet es den For- 
schungen nicht gelingen wollte, einen weltlichen oder geistlichen 
Gönner nennen zu können, welcher auf das Talent des jungen 
Menschen auftnerksam geworden denselben nach Wien gebracht 
haben konnte, so bedarf es eines solchen Dens ex machina nicht ; 
es genügt, dass der Ruf der Musik von Wien, der weit über die 
Grenzen des Reiches sich verbreitet hatte, auch in die viel nähe- 
ren Gebirge Obersteiermarks gedrungen war, und die Verbindung 
•eines kleinen Schulmeisters mit irgend einer, wenn auch obscu- 
ren Persönlichkeit in Wien konnte hinreichen, dass der Musen- 
Jüngling den Wanderstab ergriflf — und, wie viele andere vor 
ihm und nach ihm — ohne besondere Unterstützung getrost dem 
Eldorado seiner Wünsche zusteuerte. 

Eine Bestätigung der Annahme, dass Fux nirgend anders 
als in Wien seine Kunstbildung erhalten habe, finde ich in einer 
Stelle der Dedication des Gradus ad Parnassum. Darin sagt Fux 
dem Kaiser Karl VI. : „Hoc opusculum [Gradus ad parnassum] 
. . . Tuum est origine, quia Inclytorum Antecessorum Tuorum sub 
Auspiciis Musica mea initium sumpsit et incrementum traxit^. 
Sollte der Sinn dieser Worte nicht dahin gehen : „Dieses Werk 

1 Abh. der kön. böhm. Ges. der Wissenschaften. 4. Prag 1798. Bd. a 
p. 132. 



Lehrer. 7 

ist das Deinige, dem Ursprünge nacb^ weil dnrch die UnterstUz- 
znng Deiner erlanchten Vorfahren (Kaiser Leopold I. und Kaiser 
Josef I.) meine Rnnstkenntniss in der Musik ihren Anfang ge- 
nommen, nnd ihr Emporkommen erhalten hat^, — und ohne diese 
allgemein gehaltene Fassung etwas anderes bedeuten, als: ich 
habe meinen ersten Kunstunterricht auf Kosten des Kaisers Leo- 
pold erhalten? Dies konnte entweder in irtther Jugend als 
Cantoreisinger oder in reiferem Alter als Hofscholar — vielleicht 
sogar beides — stattgehabt haben. Der Bedarf an musieaUschen 
Kräften war in den Jahren 1670 — 1680 nicht gering; man 
brauchte, um die Zahl von 12 — 16 Kapellsängerknaben voll zu 
haben wegen des frtthen Mutierens der Knabenstimme einen be- 
deutenden jährlichen Ersatz und gute jugendliche Stimmen waren 
gewiss wie noch heute immer' willkommen. Damit war auch nach 
dem Mutieren die Fortsetzung der wissenschaftlichen Studien, und 
bei hervorragenden allgemeinen musieaUschen Anlagen, die Auf- 
nahme zum Hofscholar gewiss nicht mit grossen Schwierigkeiten 
verbunden. Aus der 1698 erfolgten Berufung zum Hofcompositor 
durch Kaiser Leopold L muss geschlossen werden, dass Fux ge- 
rade durch die Entwicklung seines Talentes in der Composition 
excelliert habe, und durch die früher gewährte Unterstützung dem 
Kaiser bekannt geworden sei. Wenn gefragt wird, bei welchem 
Meister der junge Fux seinen Unterricht in der Composition 
erhalten haben dürfte, mag zuvörderst die Strenge des Stiles in 
seinen Compositionen und die Forderungen die er in seinem Qra- 
dns an den Componisten stellt, auf einen deutschen Meister hin- 
deuten. In dem eben erwähnten Zeiträume der wahrscheinlichen 
Lehrjahre unseres Fux hatten von den bei Hofe angestellten Ka- 
pellmeistern und Vicekapellmeistem Antonio Draghi (1674 
bis 1700), Antonio Bertali (f 1669) und Marcus Ebner, 
Organist (1667 — 1680) keine Hofscholaren; es bleiben daher nur 
Feiice Sances (1664 — 1678) und Job. Heinrich Schmel- 
zer (1660 — 1679), welche Scholaren in der Composition bilde- 
ten. Job. Heinrich Schmelzer stand bei den Kaisem Ferdi- 
nand in. und Leopold I. in hohen Ehren \ sowohl wegen seines 

1 In seinem bedeutenden Nachlasse (im Wr. Landesgerichtsarchive) 
werden 21 Gnadenpfennige und Ketten von verschiedenen Kaisem und 
fürstlichen Personen demselben ertheilt, aufgeführt. 



8 Lehrer. 

Violinspieles, als auch wegen seiner Compositionen, obschon die 
grösste Zahl seiner noch vorhandenen Werke Balletmusik enthal- 
ten. Sein Ruf war aber so verbreitet, dass man ihm aus.allen Ge- 
genden Schüler zuschickte, worunter Abb6 Stadler (in einer hdschr. 
Geschichte der Musik) besonders Christian Heinrich Aschenbren- 
ner anführt. Dass Fux mit der Familie Schmelzer noch später in 
Verbindung stand, davon gibt die Trauungsmatrikel von 1696^ 
einen sicheren Anhaltspunkt, indem unter den Zeugen bei der Ver- 
mählung des Johann Josef Fux „Andreas Anton Schmel- 
zer, Rom. Kays. Kammermusicus" der Sohn des 1680 verstor- 
benen Kapellmeisters Johann Heinrich Schmelzer in erster Reihe 
figuriert. Da man die Trauungszeugen zu jeder Zeit aus dem 
Kreise der nächsten Freunde zu wählen pflegte , so scheint die 
Annahme nicht unbegründet , dass das Freundschaftsverhältniss 
des Sohnes aus einer Zeit stammen könne, wo Fux im Hause 
des Vaters Musikunterricht genoss. 

Denkbar wäre auch, dass Fux von dem berühmten Organi- 
sten Kaspar Kerl wenn nicht Unterricht doch mannigfache 
Anregung erhalten habe. Kerl hatte vom 1. Jänner 1675 von 
Kaiser Leopold I. eine Pension von 600 fl. bezogen, welche in 
den Rechnungen unter der Rubrik „Hoipoeten^ erscheint. Am 
16. März 1677 wurde er „als alter Diener des Erzhauses Oester- 
reich^ zum Hoforganisten mit 50 Thalern Monatgehalt ernannt % 
und von dieser Zeit mit erhöhtem Jahresbezug von 900 fl. in 
Rechnung gestellt, als Hoforganist aber erst im Jahre 1680 auf- 
geführt. Die Anwesenheit Kerl's in Wien fällt daher noch in die 
Lehrjahre des jungen Fux und obschon bestimmte Andeutungen 
fehlen , könnte inunerhin zwischen dem lernbegierigen Fux und 
dem gereiften tüchtigen Meister Kerl ein Verhältniss sich ent- 
sponnen haben. 

Wie Fux seine Lehrjahre in der Musik verwerthet hat, da- 
von geben seine Werke genügendes Zeugniss. Er war nicht nur 
mit den Forderungen seiner Zeit, sondern auch in frühere Zei- 
, ten zurückgreifend, sowohl mit der Theorie als den Werken der 
besten Meister wohl vertraut. Auch in andern Fächern wusste 
er sein Wissen zu bereichern, beispielsweise sich die Kenntniss 

^ Beil. I. 1, 2. ^ Acten des Oberst -Hofmeisterarates. 



Verm&hlang. 9 

deB LateiniBchen und Italienischen anzueignen; und wenn auch 
seine Ausdrucksweise in deutscher Sprache von einer gewissen 
Schwerfälligkeit sieh nicht losmachen kann, so sind seine Gedan- 
ken doch immer klar ausgedrückt und verrathen eine allgemeine 
Bildung, ja selbst Kenntniss von lateinischen Glassikem, wie 
seine gelegentlichen Gitate darthun. 

Wann seine Lehrjahre aufgehört und seine selbständige 
musicalisch-practische Thätigkeit ihren Anfang genommen, dar- 
über fehlt selbst für Vermuthnngen ein thatsächlicher Anhalts- 
punkt. Wenn schon urkundlich erwiesen ist, dass ei* 1696 Orga- 
nist bei den Schotten war, so spricht doch ein hoher Grad von 
Wahrscheinlichkeit dafür, dass Fux nicht erst im 36. Lebensjahre 
seine practische Thätigkeit begonnen habe, und vielmehr einige 
Jahre früher entweder in seiner Anstellung bei den Schotten oder 
irgend anderswo seine musicalische Laufbahn eröffnet habe. 
Selbst seine Berufung nach Hof im Jahre 1 698 weist darauf hin, 
dass mehrere Jahre verflossen sein mussten, ehe er seine Tüch- 
tigkeit zu einer solchen Stelle, und den Ruf davon in den höch- 
sten Sphären begründen konnte. 

Mit dem Jahre 1696 stehen wir endlich auf dem festen Bo- 
den thatsächlicher Verhältnisse, und dürfen bis an das Lebens- 
ende unseres Künstlers ihn nicht mehr verlassen. 

In dem oftgenannten Jahre 1696 war Johann Josef Fux 
36 Jahre alt, „wohlbestellter Organist im Gotteshaus der Pfarre 
zu den Schotten ^^, hatte einen Gehalt von 400 fl. ^, wohnte im 
Schottenhofe und hatte dort wahrscheinlich auch freie Wohnung, 
sowie auch nicht daran zu zweifeln ist, dass er durch Unterricht 
oder gleichzeitige andere Musikfunctionen sein Einkommen zu 
erhöhen wnsste. Es war begreiflich, dass er daran dachte sich 
einen Hausstand zu gründen. Die Trauungsmatrikel ^ verrathen 
uns, dass er m' der „Edlen, Ehr- und Tugendreichen Jungfrau 
Juliana Clara Schnitzenbaum^ den gleichgestimmten Ge- 
genstand seiner Wünsche fand und mit ihr am 4. Juni 1696 in der 
Pfarre bei den Schotten getraut wurde. Die ßraut war eine gebo- 
rene Wienerin, 21Jahre alt, die Tochter des niederösterreichischen 
Regierungssecretarius Johann Josef Schnitzenbaum^, der 

1 Beil. I. 1. 2. 2 Beil. IL 3. « Beil. I. 1, 2. * Beil. I. 20—24. 



10 Die Familien Fux und Schnitzenbaum. 

aber schon am 5. October 1683 geBtorben war, und seine Witwe 
Maria Ursula und ausser der erwähnten Jnliana Clara 
noch zwei Töchter Maria Anna (t21. Februar 1736), Maria 
Theresia (f 19. Mai 1749) und einen Hohn Paul Anton 
Schnitzenbaum (f 26. März 1740) zurttckliess. Die Wahr- 
scheinlichkeit ob die Familie Schnitzenbaum zum Adel gehörte 
wurde iir der Beilage I. 20. erwogen. Jedenfalls gehörte sie einem 
angesehenen Geschlechte an, da der Grossvater, Sohn und Enkel 
die Stellen von kaiserlichen Regierungsbeamten bekleideten, und 
die 2 Töchter Kanmierdienerinen bei Hofe waren. 

Die Ehe des Johann Josef Fux mit Clara Julfana 
Schnitzenbaum blieb kinderlos, was wohl der Grund sein 
mochte, dass Fux zwei Kinder seines Bruders Peter Fux, näm- 
lich Eva Maria im Jahre 1700 und Matthäus um 1723 ^ zu 
sich ins Haus nahm, sie adoptierte, fUr ihre Erziehung sorgte und 
schliesslich zu Erben einsetztet Ungeachtet der Kinderlosig- 
keit scheinen die Ehegenossen Fux bis zu dem am 8. Juni 1731 er- 
folgten Tode der Frau ' im besten Vernehmen gelebt zu haben. 
Denn, wie später näher besprochen werden wird, hatte Fux für 
den Fall als sie Witwe wttrde, eine bedeutende Summe vom Kaiser 
erwirkt und in dem (besuche darum erwähnt, dass seine Frau 
ihm jederzeit „mit sonderbahrer Liebe und Treue alle HttlfFe erzei- 
get hat^ ; dann erklärt er in' seinem Testamente, dass er an der 
Seite seiner „allerliebsten Eheconsortin^ bestattet sein wolle. Eben 
dafttr sprechen die durchaus wohlwollenden Beziehungen der 
Familien Fux und Schnitzenbaum auch nach dem Tode der 
Frau Clara Juliana Fux ; da im erwähnten Testamente Fux „sei- 
nen liebsten^ Herrn Schwager den Hofkammer-Concipisten Paul 
Anton Schnitzenbaum, dessen Integrität und Wohlgewo- 
genheit gegen seine (des Ywl) Familie von vielen Jahren ihn^ 
sattsam bekannt ist, zum Vormunde des Neffen Matthäus Fux be- 
stimmte ; dann geben die 3 Geschwister Schnitzenbaum nach dem 
Tode ihrer Schwester Clara Juliana „ohne einiges Bedenken ihre 
Einwilligung, -dass der ganze Nachlass ihrem Schwager Johann 
Josef Fux eingeantwortet werde" *. Auf das innige Verhältniss 
zwischen den beiden Familien deutet auch der Umstand, dass, 

1 Beil. I. 5. « Ebenda. » Beil. I. 3, 4. * Beil. I. 3. 



Die Familien Fax und Schnitz enbaum. 



11 



selbst nach dem Tode des Kapellmeisters die eine der Schwestern 
Theresia Schnitzenbaum in ihrem Testamente (f 1749) 
die Nichte des Kapellmeisters, Eva Maria Fuxznr Universal- 
erbin einsetzte nnd derenBruder Matthäus Theophilus Fux 
ein ansehnliches Legat zuwendete K 



i Beil. I. 22. 



n. 

Wien und seine musiealisehen Zustände unter Kaiser Leopold I« 

(16eO-1705.) 

Es wird an der Zeit sein^ den Ort und die Verhältnisse näher 
ins Auge zu fassen, unter und mit denen durch mehr als 40 Jahre 
zu wirken Fux bestimmt war. Die Kaiserstadt an der Donau war in 
dem letzten Viertel des 17. bis zur Mitte des folgenden Jahrhunderts 
noch weit entfernt von der soliden und imponierenden Pracht und 
Ausdehnung Wiens mit seinen 600.000 Bewohnern in unseren Tagen, 
allein unter den übrigen Grosstädten jener Zeit in Deutschland, 
alles in allem genommen, behauptete Wien auch damals einen her- 
vorragenden Rang. lN[icht gering waren allerdings die Bedrängnisse, 
welche diese Grenzstadt der Gesittung vor und während jener 
Periode zu befahren hatte, aber immer hob sie sich wieder aus 
innerer Kraft, und dankte das wohl auch der heiteren Character- 
anläge seiner Bewohner und ihrem Sinne für Kunst, die das Ueber- 
staudene leicht vei-wanden und rasch an den Wiederaufbau der 
zertrtlnmierten Wohnstätten die Hand anlegten. 

1529 und noch mehr 1683 wurde Wien schwer bedrängt 
durch muselmänische Horden: die Festungswerke und innere 
Stadt hatten viel gelitten, die meisten der Vorstädte waren dem 
Erdboden gleich gemacht worden, allein wie die Erfahrung lehrt, 
dass nach pestartigen Krankheiten die entstandenen Lücken in 
der Bevölkerung sich verwunderlich rasch erfüllen, so weckte auch 
hier die Zerstörung so vieler Bauwerke die Lust zu neuen und 
bedeutenderen Bauten. 

Obwohl bald nach der letzten türkischen Belagerung die 
Baulust in Wien sich regte , so kam sie doch erst zu Anfang des 
darauf folgenden Jahrhunderts zu voller Entwicklung und erfolg- 
reichen Pflege, so dass man sagen kamt, die Ausbildung des 
Palastbaues sei das Element der Zeit Kaiser KarFs VL ge- 
wesen. Drei Architecten waren es, Johann Bernhard Fischervon 



Die Stadt Wien. 1 3 

Erlach (geb. 1650 in Prag), Dominik Martinelli (geb. 1650 in 
Innsbruck) nud Lncas von Hildebrandt (geb. 1666 zu Genua), 
welche die Stadt mit ihren Prachtbauten schmückten, die noch 
heutigen Tages eine Zierde der Residenz sind. Aus diesem Klee- 
blatte des Talentes war es vor den übrigen Fischer von Erlach, 
der die meisten und bedeutendsten Aufträge erhielt und zu allsei- 
tiger Befriedigung ausführte. Von ihm wurden gebaut das kais. 
LustBchloss Schönbmnn (1696), die prachtvolle kais. Winter- 
reitschule (1716), die Hofbibliothek und Reichskanzlei (1720), 
die Paläste des Grafen Trautson, des Prinzen Eugen, der 
Fürsten Schwarzenberg, Rtarhemberg, Auersperg 
Q. m. a. Den Baumeistern hatte sich auch ein trefflicher Bildhauer 
zur Seite gestellt, Georg Raphael Donner (geb. 1695 zu Ess- 
lingen im Mardifelde) und nebst anderen gediegenen Werken 
sich durch seine schönen Brunnenfiguren am Neuen Markte (1739) 
ein Denkmal dauernden Ruhmes gesetzt. 

Die Bevölkerung Wiens, welche vor der zweiten Tttrken- 
belagerung auf 80.000 Bewohner geschätzt wurde, hatte bis 1 740 
sich auf 1 60.000 gehoben ; und mit den mehr geregelten und ge- 
schützten Verhältnissen hatte auch der Wohlstand zugenommen. 
Ausserdem hatte die bleibende Residenz des ersten Monarchen 
der Christenheit mit seinem zahlreichen Hofstaate den altöster- 
reichischen , böhmischen und ungarischen Adel veranlasst, in der 
Nähe des kaiserlichen Hoflagers sich würdige Wohnsitze zu 
gründen und zugleich mit den Gesandten der meisten Höfe und 
den reisenden Fremden aus den höchsten Ständen den Glanz des 
Hofes zu erhöhen. Die Zahl der Kammerherm, wobei nur der 
höhere Adel mit den gehörigen Ahnenproben zugelassen wurde, 
beHef sich im Jahre 1705 auf 423 \ darunter befanden sich ausser 
den früher erwähnten die Namen Lobkowitz, Waldstein, 
Piceolomini, Montecncculi; Taxis, Lamberg,« Stern- 
berg, Sinzen^orf, Khevenhüller, Palffy, Kinsky 
n. V. a. 

Die Künste des Friedens zu pflegen war wohl nicht leicht ein 
Fürst begabter als Kaiser Leopold I. (reg. von 1658 — 1705). 
Die venetianischen Botschafter , denen zur strengsten Pflicht ge- 

1 Rink. p. 216. 



1 4 Kaiser L e o p o 1 d I. befördert Wissenschaft. 

macht war, der Republik wahrheitsgetreue Berichte zu erstatten, 
schildern ihn als den edelsten, wohlwollendsten Monarchen , die 
jemals einen Thron geziert haben. Gerechtigkeit, Herzensgute 
und Frömmigkeit waren die einzigen Triebfedern seines Handelns. 
Leidenschaftlicher Ausbrüche war er ganz unfähig, am meisten 
musste man seinen Gleichmuth bewundem, mit welchem er die 
Schläge des Schicksals ertrug, die ihn oft in empfindlichster Weise 
trafen. Keinem seiner Vorgänger stand er an ausgezeichneten 
Greistesgaben nach. Alle die mit ihm zu thun hatten, lobten die 
Schärfe seiner Auffassung, die Klarheit seines Urtheils. Mit einer 
seltenen Gewandtheit des Ausdruckes in fremden Sprachen war er 
in den meisten Zweigen der Wissenschaften auf der Höhe seiner 
Zeit K Im Jahre 1 662 berief er Peter L am b e c k von Hamburg zu 
seinem Bibliothekpräfecten und Historiographen, folgte der Ord- 
nung und Vermehrung seiner Bibliothek mit ängstlicher Sorgfalt, 
war deshalb mit seinem Lambecius in ununterbrochenem Ver- 
kehr und brachte in den Bäumen der Bibliothek, begleitet 
von einigen Männern von Bildung und gelehrten Kenntnissen 
viele Stunden zu *. 

Schon im Jahre 1669 war der Kaiser auf den zweiundzwan- 
zigjährigen Leibnitz aufinerksam geworden, dessen Werk de 
Arte combinatoria dem Kaiser wohl bekannt war. Er befahl deshalb 
einem seiner Gelehrten, mit L&ibnitz in Correspondenz zu bleiben. 
1689 — 1690 wollte er ihn als Historiographen in Wien behalten, 
worauf aber Leibnitz, gebunden durch andere Verhältnisse, nicht 
eingehen konnte^. 

Ueberraschend bei der Milde und Versöhnlichkeit des Charac- 
ters Kaiser Leopold I. ist seine Begünstigung des genialen, feurigen 
Sitteneiferers, des Pater Abraham a Sancta Clara. Dieser, 
vor seinem Eintritte in das Augustiner BarfUsserkloster mit seinem 
Tauf- und Familiennamen Johann Ulrich Megerle geheissen, 
war am 2. Juli 1644 zu Kreenheinstetten in Schwaben geboren, 
wurde 1669 von seinen geistlichen Oberen als Prediger nach Wien 
berufen, 1677 von Kaiser Leopold L zum Hofprediger ernannt, 

m 

1 Alfr. Arneth, Prinz Eugen. I. 189. > Th. Karajan, Kaiser 
Leopold I. and Pet. Lambeck. Vortr. vom 30. Mai 1868 in der Acad. der 
Wiss. ^ Otto Klopp, Leibnitz, im Archiv f. östr. Gresch. XL. p. 164. f. 



Wien's gesellige Verhältnisse. 15 

erhielt 1692 die höchste Würde seines Klosters als Definitorprovin- 
ciae und blieb von da an bis zu seinem Tode, welcher am 1. Dec. 
1709 erfolgte, nnonterbrochen in Wien, wo er durch seine kausti- 
schen Predigten und Schriften mit scharfem Geiste und uner- 
schrockenem Muthe allen Ständen einen schonungslosen Spiegel 
ihrer durch den Einfiuss der Zeit Ludwig's XIV. verlotterten Lebens- 
weise entgegenhielt. Kaiser Leopold, welcher den trefflichen Kern 
unter der Hülle einer oft scurrilen Form wohl zu wttrdigen wusste, 
hemmte niemals den rücksichtslosen Strom seiner Beden und 
Schriften, und ehrte sich , indem er den Mann mit seiner Prophe- 
tenstrenge frei gewähren liess \ 

Zu anderen Zwecken liess der Kaiser femer den berühmten 
JesuitenP. At hanasius Ki rch er' von Rom nach Wien kommen, 
wo er auf kaiserliche Unkosten „sein fähiges Ingenium in Erfindung 
rarer Maschinen übte, wie denn in seinen Operibus viele Curiosi- 
täten, so er ftir den Kaiser verfertigt, gefunden werden". Besonders 
wurde er vom Kaiser in Musik consultiert „um von "Kirchero 
die darin befindliche heimliche fundamenta nach der Mathesi zu 
erlernen ^^. 

Ungeachtet während der beinahe fünfzigjährigen Regierung 
Kaiser Leopold's innere Unruhen in Ungarn und Böhmen, so wie 
die Kriege mit den Türken und Franzosen niemals völlig aufhörten 
und die feindlichen Einfälle oft Wien bedrohten und im Jahre 1683 
sogar hart bedrängten , so fand man doch in den minder trüben 
Zwischenzeiträumen Lust und Gelegenheit, sich des Lebens in 
mannigfacher Weise zu freuen. Nähere Veranlassung dazu bothen 
der wechselnde Aufenthalt des Hofes auf dem Lande und in 

1 Höchst BchätzeuBwerth sind die rntthevollen Forschungen, die Th. 
G. V. Karajan in seinem „Abraham a Sancta Clara'' (Wien 1867} 
niedergelegt hat, den sicheren Gnindlagen zu jeder künftigen ausführ- 
licheren Würdigung der Bedeutung dieses merkwürdigen, vielverkannten 
Mannes. 

3 P. Äthan. Kircher, geb. zu Bachlau im Fuldaischen 1602, lebte 
in Wttrzburg, Avignon und Born, wo er den 80. Oct. 1680 starb. Sein be- 
rühmtes Werk „Musurgia seu ars magna consoni et dissoni'^ Hess er 1650 
in Bom drucken: es enthält vorzüglich eine mathematische Begründung 
der Musik. — Auch einige musicalische Oompositionen Hess er unter frem- 
dem Namen drucken. (Walther.) 

Rink, Leopold der Grosse, p. 120. 



16 Die Musik in Wien vor L e o p o 1 d I. 

» 

der Stadt, der Cameval, die häufigen Gebnrts- und Namensfeste in 
der kaiserlichen Familie und die wiederholten Vermählungen, 
welche meistens in Wien vollzogen vnirden. Ausser der Jagdlust 
in allen Abstufungen, Scheibenschiessen, Gastmahlen, Maskeraden 
nud Bällen, glänzenden Schlittenparthien und den interessanten 
Wirthschaften waren aber die meisten dieser Feste mit Musik 
in Verbindung gebracht, welche sogar mit Leidenschaft betrieben 
wurde und schon als Erbe von mehreren Ahnen her in Kaiser 
Leopold ihren Hauptbef[5rderer fand. 

Von Kaiser Ferdinand II. (reg. 1619 — 1637) sagte ein 
gleichzeitiger, nicht genannter Schriftsteller, der Verfasser des 
Status particularis Regiminis S. C. Maj. Ferdinandi II. 1637: 
Seine kaiserliche Majestät liebt ausnehmend die Jagd und die 
Musik. — Er wendet auch grosse Sorgfalt darauf, sich auser- 
lesene Musiker zu verschaffen, und verwendet auf die Leute von 
beiden Beschäftigungen,* nämlich auf Musiker und Jäger, gewöhn- 
lich viel Geld und macht ihnen auch sehr viele Geschenke^. Seine 
Hofkapelle hatte unter dem Kapellmeister Johann Valentini 
zu jener Zeit bereits einen Stand von 80 Musikern erreicht K Kai- 
ser Leopold's Vater, Kaiser Ferdinand III., hatte noch während des 
dreissigjährigen Krieges (1637) die zu Anfang desselben zerstreu- 
ten Glieder der Hofkapelle wieder gesammelt, ihre Zahl und Ge- 
halte vermehrt und unter den Kapelhneistem Anton Bertali, 
Peter Verdina und Feiice Sances nicht blos einen ansehn- 
ilchen Sängerchor, sondern auch eine stattliche Zahl von Instrumen- 
tisten versammelt, welche letztere schon deshalb besondere Bttck- 
sicht verdienen , da bis dahin die Instrumentalmusik der Vocal- 
musik weit nachgestanden war; die Namen der Organisten Joh. 
Alb. Platzer, Wolfg. Ebner, besonders aber Joh. Jac. Fro- 
her g er gelangten nicht blos zu jener Zeit zu grosser Berühmt- 
heit. Kaiser Ferdinand IE. war selbst ein nicht unglücklicher 
Componist *, ergriff die zu Anfang des 17. Jahrhundertes in Ita- 
lien erfundene Oper mit grösster Wärme, und Hess auf dem 
Reichstage zu Regensburg 1653 die Oper l' Inganno (Tatnare, 

1 K ö c h e 1 , HofmaBik-KapeUe in Wien. p. 130. 

2 Die Compositionep desselben in der k. k. Hof bibliothek sind Beil. VII. 
n. 1 zusammengestellt. 



Förderung der Musik durch Kaiser Leopold I. 17 

Text von B. Ferrari, Musik von Antofi. Bertali mit grossem 
Glanz zur Darstellung bringen ^ 

Der mächtige Aufschwung, den die Musik seit dem Beginne 
der Regierung Leopold I. nahm, ergibt sich schon durch die ein- 
fache Vergleichung der Kümmern von Opern, Theaterfesten und 
kirchlichen Oratorien, welche bei Hofe aufgeftlhrt wurden und 
von 1630 bis 1657 nach dem Verzeichnisse' kaum die Zahl von 
16 erreichten, während dieselben von 1658 bis 1705 die Zahl 
von 400 überstiegen. Kaiser Leopold hatte schon vor seiner 
Thronbesteigung einen regelmässigen Unterricht in der Musik ge- 
nossen und noch bewahrt die k. k. Hofbibliothek seine frühesten 
Versuche in der Composition vom Jahre 1655 bis 1657, einfache 
kirchliche Mottette und Hymnen, vom Jahre 1660 wagte er sich 
schon an das erste Oratorium // sacrifieio ^Ahramo^ denen 12 
ähnliche folgten, aus welchen // Transiio dt Giuseppe (von 1681) 
nebst mehreren anderen noch unter Kaiser Karl VI. von der 
Hofkapelle jährlich wiederholt ward ; femer bethätigten 9 dra- 
matische Compositionen, wenn auch von geringerem Umfange, 
und eine grosse Zahl von eingelegten Arien in fremde Opern, 
seinen Drang, seine musicalische Anlage in verschiedener Weise 
zum Ausdruck zu bringen^. Noch bedeutender aber als seine 
eigene Productionskraft war der Schutz und die Förderung der 
Musik durch Heranziehen bedeutender Componisten und einer 
auserlesenen Kapelle. 

Bei dem Werthe gleichzeitiger Urtheile und der geringen 
Zahl derjenigen, welche zur Zeit Kaiser Leopold I. über die mu- 
sicalischen Zustände berichteten, darf kein Beitrag da^u über- 
gangen werden. Zuerst ist hier zu erwähnen ein dickleibiges 
Buch von 1725 Seiten, das aber für unsere Zwecke nur wenige 
Blätter enthält. Der Verfasser hat auf dem Werke selbst seinen 
Namen nicht genannt, er ist aber genau bekannt, sein Name ist 
Euchar. Gottlieb Rink, gestorben 1746, erst Hauptmann in 
kaiserlichen Diensten, seit 1 709 Professor in Altdorf. Der Titel 
des Werkes lautet: Leopol d's des Grosseti, Rom. Kaysers wun- 
dertoürdiges Leben und Thaten aus geheimen Nachrichten eröff- 

1 Beil. VIII. 10. 2 Beil. VUI. > Die musicalischen Compositionen 
Kaiser Leopold I. sind Beil. VII. 2 verzeichnet. 

Köehtl, J. J. Fux. 2 



18 Die Oper m Wien. 

neinndm vier Tkeäe geikeUet. 8. Coln. 1707 (Erste AtiflageJ. 
1713 (Zweite Auflage) K Dort heisdt es: 

;,Wo etwas in der Welt gewesen, so dem Kaiser Vergnttgnng 

gemacht, so war es nnfehlbar eine gnte Hnsik. Wie er des 

Jahrs viermal seine Wohnung sn wechseln pflegte, nämlich ans 
der Burg (in Wien) nach Laxenbnrg, von da in die Favorita 
(Jetzt Theresiaiinm in Wien), dann nach Ebersdorf (bei Schwe- 
ehat), so war in einem jedweden kaiserlichen Zünmer allzeit ein 
kostbares Spinett befindlich, darauf der Kaiser seine Mnssestun- 
den zubrachte. Seine Kapelle kann wohl die vollkommenste in 
der Welt genannt werden, da der Kaiser allemal selbst das Exa- 
men angestellt, und wenn darin einer sollte angenommen werden, 
blos nach Meriten, nicht nach Neigungen geurtheilt ward. Der 
Kaiser selbst war nicht nur ein Kenner der Musik und Künstler 
auf mehreren Instrumenten, sondern er war auch in der Composi- 
tion wohlbewandert. Es ist selten in Wien eine Oper gespielt wor- 
den, wozu der Kaiser nicht einzelne Nummern componiert hätte. — 
In der Oper wendete er nicht leicht das Auge von der Partitur in 
seinen Händen und wenn eine Passage kam, die ihm gefiel, 
drückte er die Augen zu, um mit mehr Attention zuzuhören. Sein 
Gehör war auch so scharf, dass er unter 50 d^enigen merken 
konnte, der einen Strich falsch gethan. — Weil die Musiker wuss- 
ten, wie hoch der Kaiser sie hielt, übernahmen sie sieh öfter, wie 
man auch etliche Exempel hat, dass, wenn sie nicht allzurichtig 
sind bezahlt worden *, sie in öfifentlieher HofkapeUe sich weiger- 
ten zu musicieren, bis sie nicht ihren rückständigen Sold bekä- 
men. Auch dieses war der Kaiser bereit nachzusehen^, (p. 120 ff.) 

„Ueber die Massen liebte der Kaiser singende Comödien 
oder Opern. An keinem Orte in der Welt sind jemals prächtigere 
Opern gegetre»^ worden, als in Wien. Bei den kaiserl. Vermählun- 
gen und anderen Solemnitäten sind absonderlich die berühmte 
opera // Porno d^oro (1666), // fuoco Vestale (1674) und 
La Monarckia laiina (1667) in solcher Pracht vorgestellet 
worden, dass man versichert, es habe allein P^mo ^faro über 

1 Ans dieser sind die Citate entnommen. 

* Unregelmässigkeiten bei den Auszahlungen der Gehalte kamen zo 
jener Zeit auch am Dresdner Hofe und wohl anch anderwärts vor. if. /^r* 
sietum, Gesch. d. Mus. in Dresden. IL 32. 



Die Oper unter Leopol dl. 19 

100.000 Rthlr. gekostet. Dieses ist sonst bei kais. Opern nicht ge- 
mein, angesehen eine opera, welche gar öfters 10 bis 20.000 Gül- 
den consnmieret, nur ein einziges Mal zu sehen war, welches ein 
so kostbarer Aufwand, dass kein anderer Potentat in der Welt sol- 
ches gleichthnt, znmal da fast bei allen Gkburts- und Namens- 
tagen der Herrschaften neue Erfindungen aufgeftthrt worden. Die 
Maschinen (von Burnacini) sind mit erstaunenswerther Kunst 
vorgestellt, in den Balleten wurden ganze Gefechte geliefert^. 

Ueber die durch mehr als ein Jahrhundert in frischem An- 
denken gebliebene und immer wieder erwähnte Oper II Porno 
4Foro äussert sich Franz Sbarra, kais. Bath, der Verfasser 
des Textes der Oper, welche zur Yermählungsfeier Kaiser Leo- 
pold L mit Margaretha von Spanien (12. Dec. 1666) in Wien mit 
oft gerühmter Pracht gegeben wurde, indem er am Schlüsse des 
pompös mit 24 Kupfertafeln ausgestatteten Textbuches (Fol. 1668 
Wien, bei Cosmerov) zu dem Leser spricht: „Diesesmal hätte 
ich vielmehr gewünscht dich als Zuschauer, denn als Leser des Wer- 
kes, das ich dir vorlege .... ich bedaure, es nicht zu vermögen 
dir zu schildern die Erlesenheit der Musik, die Pracht des Schau- 
platzes, die Noblesse der Scenerie, den Reichthum der Gosttime, 
die Zahl der Comparsen, die Mannigfaltigkeit der Maschinen, die 
Eigenthttmlichkeit der Tumierkämpfe , die Abwechslung der 
Tänze, den Trotz der Gefechte, die militärische Erfahrung bei der 
Belagerung und Vertheidignng der festen Werke, nebst anderen 
Wundem der Kunst .... leicht gelange ich zu der Ansicht, dass 
diese theatralische Festfeier in Pracht und Grossartigkeit alles 
bisher Gesehene ttbertroffen habe^. Es wird dann hervorgehoben 
die Leitung des Ganzen durch Graf Franz Waldstein, die 
unerreichbare Musik des Cav. Cesti, die Maschinen und Co- 
stttme des Architecten Ludwig Burnacini, der auch das 
Theater erbaute (im innem Burgraum tHr 500 Personen) und 
noch andere. 

Noch in demselben Jahre 1667 wurden aus gleicher Veran- 
lassung zwei andere Pracht-Prpdnctionen in Wien gegeben, von 
denen gleichzeitige (1667) Textbücher in Folio mit einer grossen 
Zahl von Kupferstichen zum Zeugnisse der Pracht der Ausstat- 
tung in der k. k. Hofbibliothek vorhanden sind ^ Diese beiden 

1 Beil VIII. 51, 58. 

2* 



20 Wien'B musicalische Zustände. 

Darstellungen waren La contesa delF Aria e deir Acqua , ein Ca- 
rousselfest mit Musik, Erfindung von F. Sbarra, Musik von 
Bertali und J. H. Schmelzer, — femer: La monarchia la- 
tina trionfante^ ein Musikfest, Text von Nie. Minato, Musik von 
Ant. Draghi und Balletmusik von J. H. Schmelzer. — Gele- 
gentlich sei auch des mit Kupfern ausgeschmttckten Textbuches 
von A. Bertali's Oper LHnganno (Tamore erwähnt, welche 1653 
Kaiser Ferdinand UI. auf dem Reichstage zu Regensburg auffäh- 
ren Hess ^ 

Johann Joachim Mülle r's entdecktes Siaats-Cabinet^ 
enthält im zweiten Theile (pag. 83 — 314) das „Reisae-Diarium 
bei Knyserlicher Belehnung des Chur- und färstl, Hauases Sach- 
sen^ ein ausfllhrliches Reisetagebuch des sächsisch- weimarischen 
Cancellisten (Müller? Vater des Johann Joachim Müller), welcher 
der Gesandtschaft beigegeben war, und besonders wegen seiner Auf- 
zeichnungen während des Aufenthaltes in Wien vom 26. März bis 
16. Juni 1660 manches characteristische auch über Musik, in 
simpler Auffassung zwar, enthält. Es heisst dort: 

„Vom Nonnenkloster S. Jacob, darinnen in die 40 bis 50 
Nonnen, meistens fürstlichen, gräflichen und herrlichen Standes 

— sie musicierten sowohl vocaliter als instrument-aliter auf Dulcia- 
nen^, Violen da gamba, Teorben, Lauten und Violen — Georg 
Rakoczy's Schwester singet einen sehr lieblichen Discant, ein gräf- 
liches Fräulein von Richili (?) spielet auf der Teorbe, eine Freiin von 
Hildebrand auf der Viole und werden in der Wochen zu gewissen 
Tagen von den kaiserlichen Musicanten unterrichtet, (p. 132 f.) 

— Bei der Einkleidung einer Nonne, wobei die Majestäten zuge- 
gen waren, wurde von den kaiserlichen und erzherzoglichen Mu- 
sicanten sowohl choraliter, als figuraliter, und unter andern eine 
Sonate, so der jetzige Kaiser selbst componiert haben soll, musi- 
eieret (p. 153). — Die Kaiserliche Tafel. Die Musicanten 

1 Beil. VIII. 10. 

sjoh. Joachim Müller (n), entdeckteB Staats-Cabinet, darinnen 
sowohl das Jus publicum, feudale und ecclesiasticum nebst dem Ceremonial- 
und Curial-Wesen, als auch Kirchen- und politische Historie, sammt der 
Genealogie und Literatur durch eztraordinaire Nachrichten und mit bey- 
gefügten Diplomatibus illustriret wird. 8. Jena 17U— 1717. VIII Thle. 

3 Fagottfthnliche Blasinstrumente. 



Wien*8 muBicalische Zustände. 21 

deren vor jetzo in die 10 aufgewartet, mnsicierten erstlich mit 
2 Violen, 2 Violen da gamba, einer Teorbe und Clave-Cymbel, 
dann ein Stück vocaliter in italienischer Sprache von einem Alti- 
sten und zwei Capaunen , worin die Teorbe und eine Viol de 
gambe gespielet wurde." (p. 176.) 

,, In der Burg die darin liegende Kaiserliche Capelle, 
allwo unten im Chor die Musicanten, auf die 40 stark, gegen ein- 
ander Über Sassen' und stunden, hatten kurz vorher, wie hernach 
der berühmte und fast vornehmste Violist in ganz Europa 
Johann Heinrich Schmeltzer berichtete, eine Sonate mit 
20 Violen musicieret." (p. 178.) — Am 6. Juni wurde bei St. Ste- 
phan das Friedeusfest wegen des „zwischen Ihrokais. Majestät, 
Schweden und Polen getroffenen Friedens celebriert. Die Musik 
so in 6 Chor getheilt, bestand in Dulcianen, Teorben, Lauten, 
Flöten, Heerpauken, gemeinen Trommeln und Querpfeifen, wie 
auch zwei Chor mit Stimmen." (p. 242.) 

„Mittwoch den 30. Mai (9. Juni) haben Ihro Kais. Majestät 
Dero Geburtstag, an welchem sie das zwanzigste Jahr zu- 
rttckgeleget, celebrirt, deswegen Nachmittage auf Anordnung 
Ihro Erzfllrstlichen Durchlaucht Herren Leopold Wilhelms in der 
Favorita eine italienische Singcomödie von der verspotteten Zau- 
berkunst, nebenst einem Ballet, welches der Erzherzog Carl 
Joseph selbst sanmit zwölf Grafen seiner Grösse und Alters un- 
gefähr, bracht, gehalten und vorgestellet worden, welches beides 
wohl zu sehen war." (p. 244.) 

Endlieh soll auch nicht unerwähnt bleiben Dr. E d. B r o w n e , 
ganz sonderbare Reisen durch Niederlande Teutschland etc. 4. Nürn- 
berg 1684. Ueber Wien's Zustäiide (p. 220 bis 270) heisst es über 
die dortige Musik p. 237 : 

„Femer verstehn Ihro Majestät sich wohl auf die Music, sind 
ein guter Componist, und schöpfen gross Belieben darinnen, sowol 
in Dero Kay serlichen Burg, als in der Kirche: daher es auch 
kommt, dass sich so viel Musicanten in Wien befinden, wie dann 
schwerlich irgendwo mehr anzutreffen sind als aUhier, und ging 
schier nicht ein Abend vorbey , dass Ynr nicht eine Nachtmusic 
vor unsem Fenstern auf der Strassen hatten. Und weil Ihro Kays. 
Majestät hieran ein solches Belieben tragen, so wenden die Geist- 
lichen Personen um so viel desto mehreren Fleiss an, um etwas 



22 Theilnahme des Hofes an der Oper. 

eonderbahres in ihrer Kirchenmnsic hören zu lassen. Wie denn 
Ihro Majestät ofitmals die Kirchen besuchen, und nicht nur allein 
einige allein, sondern verschiedene viele: Und fahren dieselbe 
sonderlich gerne in die vornehmsten Clösterkirchen. Und werden 
offtmals Dero eigne Stttck und Compositionen in Dero Kays. Ca- 
pelle gespielt. Auch haben Dieselben ein vortreffliche Music bei 
Hofe sowol an Sängern, als auf Instrumenten. Und wird bene- 
benst dero eigene Hof-Capelle Überaus wohl bedienet und müssen 
daselbst allezeit acht oder zehn kays. Edelknaben so gräfi. Stan- 
des, vor dem Altare mit weissen in den Händen habenden Wachs- 
kerzen aufwarten. Auch wird die Music daselbst nicht nur ttber 
die Massen wol bestellt, sondern es werden auch nach der Art 
derital. Fürsten verschiedene Capaunen zum Singen unterhalten.^ 

Unter den Kirchen, welche Kaiser Leopold I. öflter zu be- 
suchen pflegte, war es vor allem die Domkirche von St. Stephan, 
dann die Kirche von den Schotten, von St. Peter, von den Augu- 
stinern, von den Spaniern vonMontserrat, bei den Jesuiten, sämmt- 
lich in Wien, dann aber auch die Kirchen von Hemals, Kloster- 
neuburg, heil. Kreuz u. a. Ueberall waren Musikchöre, aus denen 
jene von St. Stephan, dann anch jene von den Schotten und 
Augustinern die übrigen überragt haben mochten. 

Ob auch einzelne Grosse des Reiches eigene Kapellen zu jener 
Zeit hielten, ist aus den bisherigen Publicationen nicht zu entneh- 
men, aber nicht unwahrscheinlich, denn schon in den nächstfol- 
genden Perioden unter Kaiser Karl VI. und Maria Theresia sind 
die Privatkapellen der böhmischen Cavaliere etwas ganz gewöhn- 
liches. Unbestritten ist aber schon zu Kaiser Leopold's Zeit die 
Betheiligung der Damen und Herren des Hofes an den Balleten, 
Dramen und Opern des Hofes, wobei der Kaiser selbst, mehrere 
Erzherzoge und Erzherzoginen aufzutreten nicht unter ihrer Würde 
hielten. In der Periode vom Antritte der Regierung bis zu Ende 
des Jahrhundertes setzte sich der K a i s e r selbst im Rh Gelidoro 
(1659) an die Spitze eines prachtvollen Zuges von Cavalieren; 
1666 tanzten die Erzherzoginen Leonore und Marianne 
in Elicey die Erzherzogin Marianne zu wiederholten Malen 
von 1670 bis 1677 in Costa Penelope, in Sulpicia, in Nascüa 
di Minerva, in Turia Lucrezia, in Chelonida, Rodogone u. a., 



Die italienische MnBik in Wien. 23 

« 

Cayftlier.e spielten 1684 im Finto ÄBirologo \ Hofdamen 1685 
die Didofie coBtante \ desselben Jahres tanzten 7 Grafen im Pal" 
ladio in Roma^j nnd ebenso sangen und spielten Hofdamen 
das »Singspiel Die Sclamnen auf Samia , mit Musik von Kaiser 
Leopold *. 

So hatte der Vorgang des Hofes einen lobenswerthen Wett- 
eifer nach verschiedenen Richtungen entzündet, welcher gewiss 
durch die lebhafte Theilnahme bei mnsicalischen Productionen 
auch auf die Künstler von Profession zurückwirken musste, 
denn ohne Empfänglichkeit der Zuhörer erlahmt jede Kunst , und 
un entgegengesetzten Falle vermag sie den Künstler zu höheren 
Leistungen zu b^eistem. 

Während der ganzen Regierungsperiode Kaiser Leopold L 
und auch geraume Zeit vorher und nachher war es die Musik der 
Italiener, welche, sowie in Wien, auch in München, in Dresden, 
Hamburg und England unbeschränkt alles beherschte. Die N i e- 
derländer, welche durch sie von der Herschaft verdrängt 
wurden, hatten in ihren Koryphäen Jos quin des Pros, Hein- 
rich Isaak, Ludwig Sennffl im XV. Jahrhunderte, und in 
Orlando di Lasso im XVI., die Technik des Gontrapunktes 
auf eine nicht geahnte Höhe getrieben und selbst in Italien ver- 
dientes Aufsehen und nicht geringen Einfluss errungen. Auch in 
Wien waren tüchtige Meister aus dieser Schule thätig , die Hof- 
kapellmeister A r n o 1 d u^ de Prugkh (1536 — 1545), Petrus 
Maessanus(1543— 1560), Johann Castileti (1563— 1564), 
Jakob Vaet (1564—1567), Philippus de Monte (1564— 
1603), Alard Gaucquier (1567—1576), Jacob Regnart 
(1580 — 1582 und 1598 — 1599), Lambertus de Sayve 
(1600 — 1614), u. a.^, welche zugleich eine bedeutende Zahl von 
Säugern aus ihren Laudsleuten geworben hatten, konnten zu den 
besten zählen. Mit Kaiser Ferdinand U. (1619 — 1637) dran- 
gen plötzlich die 1 1 a 1 i e n e r mit ihren KapeUmeistem Giovanni 
Prioli (1619—1629), Giov. Valentini (1629—1649) und 
PietroVerdina (1634 und 1635) ein und behaupteten das Feld 
länger als ein Jahrhundert. Drei Momente schienen die Veranlass 

1 Beil. Vm. 213. « Eb. 221. 3 Eb. 224. * Eb. 228. & Koch e^ 
Hofkapelle. 42—56. 



24 Opemtexte. 

sung gewesen zu sein , welche den Italienern zu dieser allgemei- 
nen Verdrängung ihrer Kivalen verhalfen: die Erfindung der 
Oper in Italien zu Anfang des XVII. Jahrhundertes, ihre von 
der Natur Yor allen Nationen begünstigten Gesangskünstler 
und die für Gesang wie geschaffene und den andern an Bildung 
y orangeeilte Sprache. Waren auch die italienischen Dichter 
jener Zeit, welche für die Oper speciell für Wien zahlreiche Li- 
bretti anfertigten, wie Anrelio Amalteo (1660 — 1669), Fran- 
cesco Sbarra (1662—1667), Donato Cupeda (1663? 
1689—1704), ApoUonio ApoUoni (1664—1690) und der be- 
sonders fruchtbare C n t e NicoloMinato (1667 — 1700) keine 
Dichter ersten Ranges und ihre Geistesproducte nicht über das 
Niveau der Zeit sich erhebend, gering an Gedankengehalt und 
mit mehr Schwulst als Schwung des Ausdrucks, so stehen doch 
daneben die gleichzeitigen deutschen Uebersetzungen, welche in 
Wien mit den Originalien immer zugleich erschienen, so unbeholfen 
und unsangbar neben jenen, dass sie ein trauriges Zeugniss davon 
geben, wie tief gesunken, ja verwildert die deutsche Sprache 
nach dem dreissigjährigen Kriege besonders in Oesterreich war, 
so dass der Ausschlag der Wagschalen der beiden Sprachen nicht 
zweifelhaft sein konnte. 

Zur Vergleichung mögen ein Paar Scenen des italienischen 
Textes und daneben der deutschen Uebersetzung dienen, von den 
in der kais. kön. Hofbibliothek noch vorhandenen Pracht-Libroni 
mbchte man lieber sagen als Libretti des berühmten Musikfestes 

La Monarchia latina irionfante, Festa musicale. Poesia di 
Nie. Minato. fol. Vienna Chr. Cosmerov 1678^ 

Die Stg-prangende Römische Monarchey, Auf der grossen 
Schaubühne Gesungener vorgestellt. Fol. Wienn 1678 Christ. 
Cosmerov. 

Scena I. Erster Eintritt. 

Bellona. Bellona. « 

Campagne fef*fiii ' Der Felder Trächtigkeit 

Flamme distruggano Zehre den Flammen-Brandy 

A terra vadano Schönheit, vnd Pracht dess 

Land 
Pompe e Beltä ; Werd nicht errett, 

Fuggano Gut vnd Leuth 



Operntexte. 



25 



Cadano 

Papoli 

Tempij 

Mura e Cittä. 

E saggio chi vä 

Con falce guerriera 

La, dou' aUri hnpera 

Mietendo Memorie. 

Scena 11. 
La Pace. 

Tempo /&, 

Che ne le Reggie 

Albergai con V^irtü, 

Tra le Greggie 

Cruda hiuidia, 

Con Insidia 

Mi caccio : 

Hör, ch' 1 poueri 

Miei ricoueri 

Tolti niL ha 

Del Regnar VAviditä^ 

Chefard? 

Sommo Giove 

Dimmi doue 

Dane andrö ? 



Werd zur Beuth 
In den Rauch 
Gehen auch 
Kirchen vnd Statt, 
Sehr toeisslich im Beth\ 
Der anff seinen Waffen 
Dort ruhig kan schlaffen 
Wo andre regieren. 

Anderter Eintritt. 
Der Friden. 

Denck der Zeit, 

Dasa mir in Höfen war . 

Samt der Tugend platz bereit. 

Vnd nun trib mich gar 

Auff die Hierten- Weyd 

Der Gewalt deas Neid 

Listiglich, 

Aber nun, dass mir 

Die in At^muth hier 

Ghabte Ort 

Die Regier-Sucht nähme fort 

Was thue ich? 

Höchster Herr, 

Wohin kehre 

Ich nur mich ? 



Leider sah es aach mit den Originalprodueten in deutscher 
Sprache nicht besser aus, von denen Kaiser Leopold mehrere — 
gewiss nicht ohne Selbstverläugnung — in Musik gesetzt hatte. 
Eines davon führte nach der Partitur die Aufschrift : „Arien zu 
der Comödie: Die vermeinte Bruder und Schwester^ * und war zu 
Kaiser Leopold's Namensfest 1680 bestimmt. Am Schlüsse singen 
die drei Göttinen: 

Diana. Juno. Venus. 

Heunt glänz das Sonnengold 
Den grossen Leopold, 

Diana. 

Lebe wohl o grosser Kayser 
Leb vergnügt bis an das enty 



1 Beil. VIU. 167. 



26 Operntezte. 

Heriche über aUe keuser 
Alles Glück sich zu dir wendi. 

Diana. Juno. Venus. 

Jupiter lass dich geniessen 

Was würi mieasen 

Alle deine feint vertriessen u. s, w. 

Ferner lautet eine der ^Arien zu der Comödi intitulirt:^ y^Der 
t hörechte Schäfer^. Im Fasching 1683 von Kaiser Leopold in 
Musik gesetzt : 

Schäfferin. 

Dafne, wo bist du zu finden? 

was verbirgt dich? 

was thuet dich verheilen ? 

Dafhe. 

Die Lorber Oeste mich 
deinen Augen stellen, 

Schäfferin. 

> 

Ufiglickseelige 

ist es wohl zu ergrinden? 

Ein vnerhörte Gschicht, 

Das du zum Stocke wirst 

Verlierst der Augen Liecht. u, s, w. 

Daphne war nämlich, von Apollo verfolgt, eben daran in 
einen Lorberbaum verwandelt zu werden. 

Mit welchem Ernste und Nachdruck in Italien die Kunst 
des Singens betrieben wurde, davon geben die zahlreichen 
berühmten Schulen und die daraus hervorgegangenen weltbe- 
rühmten Sänger ein unwiderlegliches Zeugniss. Es ist auch in 
keinem Lande die Singekunst zu so hoher Blflthe gelangt als in 
Italien^ und nirgend hat eine eigentliche, in nnunterbrochenan 
Fortgange sich entwickelnde Gesangschule existiert, als allein bei 
den Italienern. In allem was die Grundlage des Gesanges die 
richtige Stimm- und Tonbildung betrifft, sind sie inmier die 
Meister aller übrigen Nationen gewesen ; denn die Gesetze , nach 



Gesangkunst der Italiener. 27 

Welchen sie die Tonbildong lehrten, 8in,d bleibend and keiner 
Mode unterworfen y da sie aufl der Natnr des Gegenstandes her- 
vorgegangen sind. 

Der Gesang hielt gleichen Schritt mit der Vocalcomposition 
and schon in den dassischen Zeiten des Kirchengesanges waren 
die grossen Eapellsänger aach tttchtige Componisten^ so 6 i a 1 i o 
Caceini, Virgilio Mazzocchi^ Carissimi, Stradella; 
Scarlattiy Pistocchi a. a. in späterer Zeit 

Mit welcher Sorgfalt and Rücksicht auf allseitige musicalische 
Darchbildang die Gesangschttler zur Zeit Papst Urban VIII. unter 
Virgilio Mazzochi um 1636 unterrichtet wurden, erfahren wir 
durch dessen Schüler Giov. Andrea Bontempi, der 1647 bis 
1651 Componist und Sänger am Hofe zu Dresden war^ Diesem 
zufolge waren die Schüler verpflichtet, täglich eine Stunde schwere 
Passagen zu üben, um dne Gewandtheit in der Technik zu er- 
langen ; eine zweite Stunde verwendeten sie auf Uebung des . 
Trillers , eine dritte auf richtige und reine Intonation — alles in 
Gegenwart des Meisters und vor dem Spiegel stehend um die 
Mundstellung beobachten zu können und jede Verzerrung beim 
Singen zu vermeiden. Zwei fernere Stunden widmeten sie dem 
Stadium des Ausdruckes und Geschmackes so wie der Litteratur. 
Dies waren die Beschäftigungen des Vormittages. Nachmittags 
verwendeten sie eine halbe Stunde auf die Theorie des Schalles, 
eine andere auf den einfachen Contrapunkt, eine Stunde auf die 
Composition , die übrige Zeit des Tages auf Clavierspiel, Verfer- 
tigung eines Psalmes oder ähnlicher Arbeiten. Zu Zeiten sangen 
sie auch in den Kirchen Roms, oder hörten den Werken der 
Meister zu ; giengen häufig zum Monte Mario, um gegen das Echo 
zu singen und aus den Antworten ihre Fehler kennen zu lernen. 
Solcherlei Studien konnten freilich Resultate liefern , die uns un- 
glanblich scheinen wollen. Von dem gefeierten Sänger Baldas- 
sare Ferri aus Perugia (1610 — 1680), um dessen Besitz die 
HöfeEuropa's sich stritten und welcher von 1655 bis 1680 Sopranist 
der Kaiser Ferdinand III. und Leopold I. in Wien war, wird er- 
zählt, dass er eine Trillerkette von zwei vollen Octaven chromatisch 
auf- und abwärts mit absoluter Reinheit eines jeden Tones in 

1 Fürstenau, I. 29. 



28 Gesangschulen in Italien. 

einem Athem hatte durchlaufen können ^ Daneben war er aber 
nicht minder aasgezeichnet in Mannigfaltigkeit characterrollen 
Ausdrucks. 

Von Born gieng der edlere, stäts mit gründlicher künstlerischen 
Durchbildung gepaarte Kammergesang aus, welcher nachher 
vorzugsweise in der Bologneser Schule des Pistocchi und 
Bernacchi zur höchsten Entfaltung gelangte , und als dessen 
ersten Begründer man Carissimi ansehen darf. Hingegen 
nahm der nach leidenschaftlichem Ausdruck und glänzender Bra- 
vour strebende dramatische Gesang seinen Ursprung zu Florenz 
unter GiulioCaccini, der aber von Abkunft ein Römer war. 
Nach dem Zeugnisse von De la Valle verdankt man grössten- 
theils dem Caccini die angenehme Art zu singen, welche damals 
über ganz Italien sich zu verbreiten begann. Weiter entwickelte 
sich der Bühnengesang besonders in der Schule des Scarlatti 
und der Neapolitaner: vollendete musicalische Bildung gesellte 
sich bei den Künstlern allerersten Ranges zu Anfang des XVIII. 
Jahrhunderts mit Stärke des Ausdrucks und grosser' Herschaft 
über die Technik: die ßesangskunst eri'eichte in ihnen ihren 
Gipfel. Zu diesen Künstlern gehörten nebst vielen andern S e n e- 
sino, auch Giov. Carestini, der von 1723 bis 1725 der kais. 
Hofkapelle in Wien angehörte. WerthvoUe Schriften über die 
Singkunst besitzen wir von dem grossen Sopranisten und Sing- 
meister Pietro Francesco Tosi aus Bologna (geb. 1650), der 
von 1705 bis 1711 Hofcompositor Kaiser Josef L* war; ein an- 
deres Werk ^ hat der vSänger Giambattista Mancini, Sing- 
meister am kais. Hofe in Wien herausgegeben, und darin Nachrich- 
ten der berühmtesten Sänger und Gesangschulen seiner Zeit mit- 
getheilt. 

Die angesehensten Gesangschulen waren zu Bologna die 
des Francesco Antonio Pistocchi (um 1700), dessen Me- 
thode noch bis heute die Grundlage für allen guten Gesang ist, 
femer die seines Schülers AntonioBernacchi, der wieder den 
ebenerwähnten Giambattista Mancini zum Schüler hatte. 

ij. J. Rousseau, Dict. de mus. Article Voix. 

2 Opinioni de cantori antichi e moderni. Bolog^na 1723. 

3 Pensieri e Riflessioni pratiche sopra il Canto figurato. Vienna 1774. 



Gesangschuleii in Italien. 29 

Weiter gehörten zu den ersten Oesangschulen zu Neapel die des 
Scarlatti nndseinerSchüIer, Porpora^Leo undFeo; zu Born 
lehrten A m a t o r i und F e d i ; ausserdem waren berühmte Schulen 
zu Mailandy Modena, Genua und Florenz. Aus den zahllosen 
Namen hochgefeierter »Sänger , die in ganz Europa gesucht und 
reichlich belohnt wurden, sollen hier nur einige angeitlhrt werden, 
welche eine längere oder kürzere Zeit Mitglieder der kaiserlichen 
Hoikapelle in Wien waren. Es blühten dort von 1637 bis 1656 
dieBassistenBenedettoRiccioni, Baldassare Pistorini; 
die Tenoristen Steffano Bonni, Ant. Massucci, Ludwig 
Bartolaia; die Altisten Jac. Fil. Ferrari, Bald. Paggioli, 
Aless.Contilli; die Sopranisten Torquato Giordani, Gius. 
Bianecchia, Domenico delPane, Domenico Proglio, 
Domen. Sarti und der bereits genannte Baldassare Ferri. 
Von 1657 bis 1680 werden mit Auszeichnung erwähnt die Bas- 
sisten Francesco Cianci^ Ang. Maria Lesma; die Tenori- 
sten Nie. Mazzella, Jos. Mar. Donati, Pietro Santi 
Garghetti; die Altisten Paolo Castelli, Ant. Pancotti; 
die Sopranisten L r. C c c h i , Giul. Ges. Donati, Pompeo 
8 a b a t i n i ^ Der Sänger in den folgenden Perioden wird später 
gedacht werden. 

Wir sind nun an dem dritten Momente der Verbreitung ita- 
lienischer Musik in Europa und Gestenreich insbesondere angelangt, 
nämlich dem der Erfindung d e r p e r. Fragt man, durch welche 
Veranlassung, auf welchem Wege, durch welche Mittelstufen man 
zu dieser epochemachenden Erfindung gelangte, äo gibt uns die Ge- 
schichte der Entdeckungen zwei analoge Fälle an die Hand, wo 
man ein bestimmtes Ziel yerfolgte, dieses schliesslich zwar nicht 
wirklich erreichte, aber zugleich etwas ganz anderes und interes- 
santes entdeckte. Als Columbus nach Westen ausfuhr, meinte er 
einen neuen Weg nach Ostindien zu finden — und entdeckte an 
dessen Statt America (Westindien) — ähnlich als die Alchymisten 
sich abmühten , Gold zu machen und den Stein der Weisen zu 
finden, fanden sie zwar beides nicht, aber sie lernten dabei eine 
Menge Stoffe kennen, die zur neuen Chemie den Weg bahnten. 
Eben so gieng es bei Erfindung der Oper. Als im XV, und XVI. 

1 Köche 1, die kaiB. Hof-Musikkapelle, p. 58 ff. 



30 Erfindung der Oper. 

Jahrhundert in Italien die Kttnste und Wissenschaften nach langem 
Schlafe wieder erwachten und das Studium der elassischen 
Sprachen mit unersättlicher Begier getrieben wurde, wollte man 
auch die KUnste wieder jener Höhe znftahren y auf welcher sie bei 
den Griechen und Körnern in ihrer grösstenBIttthe gestanden hatten. 
Man zog die reiche Anschaunng an den Mustern der Rede , der 
Dichtung und Plastik zu Rathe und war durch Nachbildung zu 
manchem erfreulichen Resultate gelangt. Noch aber fehlte es in 
einer Kunst — der Musik — an Vorbildern und didactischen 
Werken, um sich eine Vorstellung von der Art und Weise zu 
machen, durch welche Mittel besonders die Griechen die wunder- 
ähnlichen Erfolge bei der Verbindung des Dramas mit der Musik 
erzielt hatten. Was vom Alterthume ttber Musik erhalten war, 
konnte eher dazu dienen die Geister zu verwirren, als sie zu er- 
hellen ; das hielt aber nicht davon ab, dass man muthig das Ziel 
verfolgte, eine dramatische Musik zu erfinden, welche geeig- 
net wäre, auf das Gemttth der Zuhörer einen ähnlichen Eindruck 
zu machen , als man so oft von den Griechen gehört hatte. Eine 
Anzahl solcher vom hellenischen Geiste berauschter Männer hatte 
sich im letzten Viertel des XVI. Jahrhunderts in Florenz zosammen- 
gesellt , wo die kunstfördemden Medicäer jede Kunstbestrebung 
eifrig unterstützten. Man versammelte sich in dem Hause des 
Giovanni Bardi ausdergräflichenFamilieder Vernio, derein 
vielseitig gebildeter Mann selbst als Dichter und Componist sich 
bethätigt hatte. Man erkannte bald , dass man den Weg zu dem 
vorgesteckten Ziele sich selbst bahnen mttsse, und vereinigte sich 
darüber, dass, um allgemeine und lebhafte Wirkungen bei den 
Zuhörern zu erreichen, leichte Verständlichkeit des vorgetragenen 
Gedichtes und ein genaues Anschmiegen der Musik an das Wort 
die erste Bedingung sei , von der man 'sich Erfolge versprechen 
könne. Da nun die bisherige polyphone Behandlung der Musik, 
die zuletzt von den Niederländern bis zur Künstelei getrieben 
wurde, den Text zerreisse and unverständlich mache , so war der 
erste Beschluss, diese Art der Behandlung vor allem von der dra- 
matischen Musik ganz entfernt zu halten. Auch darüber einigte 
man sich, dass es nicht angemessen sei, die Empfindung des ein- 
zelnen durch einen ganzen Chor aussprechen zu lassen, es 
wurden daher mehrstimmige Gesänge nnr für geeignete Fälle zu- 



Erfindung der Oper — P e r i. 31 

gelassen y daftlr aber Einzelgesänge (Monodien) anfangs mit ein* 
facher Begleitung eines einzigen Instrumentes, der Lyra oder 
Laute, zugelassen. Schon diese ersten Versuche hatten ungeachtet 
ihrer Unvollkommenheit Beifall gefunden und zu weiteren Fort- 
sehritten ermuntert. Da diese Monodien dem ariosen Stile ange- 
h5rten, allerdings noch ohne A r i e n im spätem Sinne zu sein, so 
erkannte man doch bald, dass es Gemttthsznstände im Drama 
gebe, welche sich nicht so erheben, um damit einen wirklich 
gesungenen ariosen Vortrag zu rechtfertigen; es musste eine 
Zwischenstufe des Vortrages gefunden werden, welcher zwar nicht 
im rhythmisierten, ariosen Stile gehalten war, aber auch nicht 
in den einfachen Redeton zurücksank. Dieses zu erfinden war 
nun JacopoPeri, einem Florentiner gelungen, der zugleich ein 
tüehtiger Sjlnger und Meister auf dem Glavier war; er hiess 
der Stile rappresentativo , recitativo oder parlante, womit man 
meinte den dramatischen Stil der Alten nun endlich wieder auf- 
gefunden zu haben. Peri^ gibt selbst Rechenschaft von den 
Gedanken und Wünschen, welche sein Streben nach Herstellung 
dieses dramatischen Musikstiles im Geiste der Alten geleitet haben. 
Er sei der Meinung gewesen, sagt er, die Griechen und Römer 
hätten ftlr die dramatische Poesie einer musicalischen Ausdrucks- 
weise sich bedient, welche zwar über die gewöhnliche Sprache 
binausgreife, aber doch nicht bis zum eigentlichen Gesänge sich 
erhebe, sondern vielmehr zwischen beiden in der Mitte stünde — 
sowohl hinsichtlich des Tonfalles als auch der Bewegung ; bezüg- 
lich der letzten musste eine solche Ausdrucksweise zwischen der 
gedehnten, getragenen Bewegung des Gesanges und der rasch da- 
hinströmenden Bede die Mitte halten. Ferner habe er beobachtet, 
wie manches in der Declamation einen solchen Nachdruck erhalte, 
dass es der Hervorhebung durch eine dazu angeschlagene Har- 
monie zugänglich sei, während wieder im freien Verlaufe des 
Sprechens vieles vorkomme, das als tonlos sich unterordne, 
daher nicht für jeden Ton des Gesangs einen Accord fordere. „So 
merkte ich^, fährt er fort, „auf denWechsel in Hebung und Senkung 
der Stimme, wie er bei den mannigfachen Gemüthserregungen 
der Trauer, Freude u. dgl. erscheint, und liess an solchen Stellen 

1 Vorrede za seiner Oper Euridice, Venedig, gedruckt bei Marescotd. 



32 Die ersten Opern in Italien. 

je nach Massgabe der Stärke der Erregtheit die Unterstimme sich 
fortbewegen oder zu con- und dissonierenden Intervallen des Ge- 
sanges rnhen , bis die Stimme des Recitierenden durch mehrere 
Töne hindurch wieder an eine solche Stelle gelangte, welche in 
der gewöhnlichen Kede betont wird und einen neuen Accord 
begehrt^. Wie Peri nun zwar nicht behaupten möchte, dass der 
dramatische Gesang der Alten genau eben so beschaffen gewesen 
sei, so glaubte er doch dass ein solcher Gesang so beschaffen 
sein müsse, sobald er der Rede genau sich anzuschliessen trachte. 

Damit waren , wenn auch nicht die antike Darstellung des 
Dramas , wohl aber die wesentlichen Hauptformen der nacbheri- 
gen Oper, der Einzelgesang und mehrstimmige Gesänge 
mit Begleitung, die Arie und das Recitativ zugleich ein Drama 
mit ununterbrochener Musik zu Stande gebracht und das erste 
Dramma per musica, welches Peri nach seinen Ansichten com- 
poniert hatte, war ein Gedicht von Ottavio Rinuccini, und 
wurde 1594 oder 1595 im Corsischen Hause in Rom aufgeflihrt. 
Es hatte den Titel Dafne und behandelte die Mythe ihrer Meta- 
morphose in den Oelbaum. Der Beifall war allgemein, und man 
war völlig überzeugt, damit das längst Gesuchte und sehnlichst 
Erwünschte gefunden zu haben. 

Mit noch viel grösserem Beifalle wurde das ^eite Dramma 
per musica, das Schäferspiel ^Euridice^ ^ Text von Rinuccini, 
Musik von Peri* aufgenommen, welches im Jahre 1600 zur. 
Feier der Vermählung Heinrich IV. von Frankreich mit Maria von 
Medici am herzoglichen Hofe zu Florenz vor einer glänzenden 
Versammlung ausgezeichneter Künstler und angesehener Herren 
vom Adel aufgeführt wurde. 

Ungeachtet ihrer primitiven Beschaffenheit übte doch die 
neue Oper, als ein Kunstwerk, in welchem man die dichtende, tö- 
nende und mimische Kunst zu einem Ganzen verbunden gemessen 
konnte, allgemeine Anziehungskraft aus. Während durch die dra- 
matische Musik das Gefühl erregt wurde, reizten und beschäf- 
tigten die Sinne der Aufwand und die Pracht der Aufzüge, Ge- 
wänder und Decorationen, wozu schliesslich noch der Tanz trat. 
Es war daher begreiflich, dass bei einer leichterregbaren Nation 

^ Eine Probe daraus Beil. VII. 4. 



Entwicklang der Oper. 33 

die Begierde nach dieser nenen Herrlichkeit alsbald zum unglaub- 
lichen sich steigerte. Indess erwuchsen damit auch Gegner und 
zwar waren es die besseren Componisten, welche mit ganz ande- 
ren Kunstgrundsätzen aufgewachsen waren und auf die Beschäf- 
tigung mit dem leichtfertigen Musikdrama^ wie auf ein dilettanti- 
sches Spiel, beinahe mit Verachtung herabsahen. Allein die Zeit- 
strdmung war stärker als der Widerstand und bald (1621) sollte 
der Oper die höhere künstlerische Weihe zu Theil werden, indem 
ein Tonsetzer von grossem Genie und anerkannter Vortrefflichkeit 
als Contrapunktist sich ihr zuwandte. Dies war Claudio Mon- 
te verde, geboren zu Cremona 1568, Kapellmeister zu Mantua, 
endlich von 1613 bis 1643, in welchem Jahre sein Tod erfolgte, 
Kapellmeister an der Marcuskirche in Venedig. Das Streben die- 
ses bedeutendsten Tonmeisters seines Zeitalters gieng nun dahin, 
leidenschaftlich stark erregten Zuständen den angemessensten 
musicalischen Ausdruck zu verleihen und auf diesem Gebiethe liess 
er auch alle seine Vorgänger und Mitlebenden weit zurück K Zu 
diesem Ende wagte er Intervallenverbindungen, welche ihm von 
seinen Zeitgenossen heftige Anfechtungen zuzogen, desunge- 
achtet aber in die Praxis der folgenden Zeit ttbei^engen und flir 
die Behandlung der Harmonie Epoche machten. Ausserdem führte 
er der Oper eine reichlichere Instrumentierung zu und behandelte 
sie nicht mehr als blos accordfüllende, sondern als selbständige 
darstellende Kraft. 

Nachdem Monteverde die Sprache der Leidenschaften ge- 
funden hatte, fanden sich bald tüchtige Männer, die sie weiter ent- 
wickelten und in grösseren Fluss brachten. Der nächste war Fran- 
cesco Colleto genannt Cavalli, geboren zu Venedig um 1600, 
1617 unter Claudio Monteverde Sänger der Kapelle von S. Marco, 
1638 Organist .an der zweiten Orgel, 1668 zweiter Amtsnachfol- 
ger des Monteverde. Seine erste Oper erschien 1639, dieser folg- 
ten bis 1669 38 andere. Vor allem war es sein Giaaone, 1649 für 
Venedig componiert, der mit dem grössten Erfolge die Bunde über 
alle Theater Italiens machte und 1660 in Wien gegeben wurde. 
Joh. Ad. Scheibe sagt in seinem werthvoUen „Critischen Mu- 
sicus" (1745) von Cavalli: er sei nach damaligen Zeiten unver- 

1 Eine Probe aus seiner Ariadne ist Beil. VII. 5 abgedruckt. 

KocAel, J. J. Fax. 3 



34 Fortbildung der Oper. 

gleichlich gewesen. „Sein Recitativ ttbertriflFt alles, was ich in 
dieser Schreibart von allen italienischen Meistern jemals gesehen 
habe. Er istnen, ktthn, ausdrückend und folgt dem Character 
aufs genaueste.^' 

Nächst Francesco Cavalli hatte auf die Entwicklung des 
dramatischen Musikstiles nach dem Urtheile seiner Zeitgenossen 
den grössten Einfluss Giacomo Carissimi, denYi von seinen 
dahin gehörigen Werken sind nur Bruchstttcke bekannt. Er war 
um 1604 in der Nähe von Rom geboren, war Kapellmeister in der 
ApoUinariuskirche in Rom und bltthte hauptsächlich von 1635 bis 
1680. Seine Thätigkeit im dramatischen Fache concentrierte sich 
in der Cantate und im Oratorium (worauf wir gleich nachher zu- 
rttckkommen), allein die Rückwirkung seines Stiles auf die eigent- 
liche Oper wurde allgemein anerkannt und von seinen ausgezeich- 
netsten Schülern weiter entwickelt. Unter diesen waren ^ dfe 
nachmaligen berühmten Namen Alessandro Scarlatti, Bo- 
noncini, Bassani, eben so auch Marco Antonio Cesti. 
Dieser letzte war 1625 geboren, später Hofkapellmeister Kaiser 
Leopold L, und starb zu Venedig um 1670. Er trat 1649 mit 
seiner ersten Oper Oronten auf, dieser folgten noch sechs andere, 
worunter besonders La Dori in allen bedeutenden Städten Italiens 
den grössten Beifall fand und auch 1664 in Wien* gegeben 
wurde. Sein vorzügliches Verdienst bestand darin, dass er von 
den Formen und Erfahrungen im Dramatischen, welche Carissimi 
und er selbst innerhalb der Cantate gewonnen hatten, in der Oper 
Grebrauch gemacht und diese dadurch auf eine höhere Stufe ge- 
hoben hatte. 

Die Oper dieser Periode zeigte im Ganzen bereits ein aus- 
drucksvolles, der Rede zwanglos folgendes Recitativ: der ariose 
Oesang erscheint seit Carissimi und Cavalli weit entwickelter, 
kleine Instrumentenritomelle umschliessen und unterbrechen die 
ariosen Gesänge, nur der Chor ist von keinem dramatischen In- 
teresse. 

Die Periode des Glanzes der italienischen Oper beginnt aber 
mit Alessandro Scarlatti, von dessen Lebensverhältnissen 
nur wenig bekannt ist. Er war ein geborner Neapolitaner, oder 

1 Mattheaon, Ehrenpforte, p. 35. 2 Beil. VIII. 40. 



Das Oratorium. 35 

wahrscheinlicher ein Sicilianer, der etwa von 1650 bis 1725 
biflhte. Seine mnsicalische Thätigkeit begann um 1680, als er 
sich von seinem Lehrer Carissimi trennte; er ward bald darauf als 
kSniglicher Kapellmeister nach Neapel berufen, wo er bis an sein 
Ende verblieb und eine ebenso segensreiche als fast unglaublich 
ausgebreitete und vielseitige Kunstthätigkeit entwickelte. Als 
Componist versorgte er Eirche^ Kammer und Theater mit seinen 
Schöpfungen; neben einer grossen Menge von Mottetten, Psal- 
men schrieb er an 200 Messen, 7 Oratorien, über 100 Opern und 
am halbes Tausend Cantaten. An Schülern hatte er Zulauf au« 
allen Landen Europa's; als Sänger und Singmeister ist er der Be- 
grttnder des modernen dramatischen Gesanges ; die von ihm ge- 
leitete Kapelle erregte sogar Gorelli's Erstaunen. 

In der Musikgeschichte wird Scarlatti der Vermittler des 
grossen Stiles Palestrina'« mit dem schönen Stil genannt. In 
seinen Kirchensachen gehört er als Vertreter des gelehrten Con- 
trapunktes und strengen Stils, gleich Lotti, Fux, Berardi, 
d^n älteren Bononcini der alten Schule an, andererseits be- 
zeichnen seine dramatischen Werke mit Bttcksicht auf Gesang- 
reichthnm, Schönheit der Melodie, FtLlle und sinnliche Unmittel- 
barkeit, die Richtung der von ihm begrtlndeten neapolitanischen 
Schule. Mit Scarlatti beginnt die moderne italienische Oper ; an 
ihn kntlpft sich ihre ganze weitere Entwicklung zu Neapel, Vene- 
dig, Bologna, Wien und ihre Hauptvertreter Giov. Bononcini, 
Ant Caldara, Franc. Conti, alle drei in Wien thätig, ver- 
folgten die von ihm geöffiieten Bahnen, und auch G. Händel 
studierte ihn mit dem grössten Eifer. Seine stäts originelle, frische 
Melodik war mit lebhaft treffendem Ausdruck gepaart , der auch 
im Komischen mitunter ganz unnachahmlich war; seine höhere 
Durchgeistigung und knappere, sichere Gestaltung der dramati- 
schen Melodie war es besonders, wodurch er auf Zeitgenossen und 
•Nachkommen so anregend wirkte. 

Als ein Seitenzweig, und mit ihr nahe verwandt, entwickelte 
sich neben der dramatischen Musik das Oratorium. Aus un- 
scheinbaren Anfängen in der Mitte des XVI. Jahrhunderts hatte in 
Rom der Priester Filippo Neri (1551) unter Mitwirkung von 
Giovanni Animuccia, Kapellmeister am Dome zu St. Peter 
und nach dessen Tode mit Palestrina zur Erbauung der Zu 

3* 



36 Die italienische Oper in Wien. 

hörer in der Fasten eine Art yierstimmiger hynmenmässiger Ge- 
sänge eingeführt, wobei hie und da auch einzefaie Stimmen den 
Chor ablösten. Diese, Laudi spirüuali genannt, hatten mit dem 
nachherigen Oratorium nur eine äussere Aehnlichkeit durch den 
volksmässig biblischen Inhalt und durch die Ausschliessung sicht- 
barer Darstellung der Handlung, ungeachtet nach und nach das 
Oratorium zu einem dramatischen Kunstwerke sich entwickelte. 
Zu ihrem Aufschwung ftthrte aber die Kammer-Cantate 
(Cantata da camera), wie sie von Carissimi zu einer Art drama- 
tischer Scenen mit Recitativen , ariosen und Ensemblesätzen aus- 
gebildet wurde. Es ist klar, da jeder auf Sinnenreiz der Augen 
gerichtete Btthnenapparat entfernt gehalten wurde, dass die Cän- 
tate, um dramatische Wirkungen zu erzielen , durch Reinheit des 
Stils, Schönheit der Form, und künstlerische Behandlung der 
Stimmen dasjenige durch Musik allein* ersetzen musste, was ihr 
durch den Mangel an scenischer Einwirkung entgieng. Der Höhen- 
punkt, welchen das Oratorium durch Job. Seb. Bach und Chr. 
Händel erreichen sollte, fällt in eine spätere Periode , die uns 
hier noch nicht berührt. 

Wenn auch die neuentstandene Oper von ihren Hauptpflege- 
stätten zu Bologna und Venedig in kürzester Frist über ganz 
Oberitalien und hierauf auch später in Unteritalien mit unwider- 
X stehlicher Kraft sich nicht verbreitet hätte und eine wahre Sehn- 
sucht nach diesem Hochgenüsse nicht erwacht wäre, so genügte 
allein der hohe Standpunkt, welchen die Musik im XVI. und XVH. 
Jahrhundert schon vor Palestrina in Italien eingenommen hatte, 
um den Norden von Europa nach diesen süssen Früchten Auso- 
niens lüstern zu machen, und die Regenten waren eifrigst bemüht, 
nicht nur die Componisten dieser lieblichen Musik sondern auch 
die Künstler an sich zu ziehen, welche allein geeignet waren, die 
Compositionen ihrer Stammesverwandten würdig zu Gehör zu 
bringen. In Oesterreich hatten schon 1619 unter Kaiser Ferdi- 
nand H. die bereits erwähnten italienischen Kapellmeister ihren 
Einzug gehalten und eine Anzahl Sänger und Instrumentisten 
waren ilmen gefolgt ; allein die alles verheerende Wuth der Reli- 
gionskriege in Deutschland (1618 — 1648) Hessen es erst unter 
Kaiser Ferdinand IH. (1637—1657) nach mehrfachen Ver- 
suchen mit Cantaten und kleineren Theaterfesten dahin kommen. 



Opemtezte. 3 7 

dass die erste grosse Oper (1653) gegeben werden konnte, worauf 
dann, nachdem das Eis gebrochen war, unter EaiserLeopoldl. 
(1658 — 1705) die hereindrohende musicalische Fluth aus Italien 
alles andere verdrängend sich ausbreiten konnte. Bis zum Schlüsse 
des XVn. Jahrhunderts waren bereits (Beil. Vm) 379 Opern, feste 
teatraK und Oratorien in Wien zur Aufführung gekommen; und darin 
war es wohl nur von Venedig ttbertroffen worden. Von den deut- 
schen Residenzstädten rivalisierten München ^ und Dresden * in ihren 
musicalischen Leistungen mit Wien, das aber ausser nachhalti- 
geren finanziellen Mitteln auch die sorgsame methodische Pflege 
d^. Musik durch kunstverständige Begenten und ein empfäng- 
liches Publicum vor den beiden andern Städten voraus hatte. 

Ehe wir an eine nähere Betrachtung der musicalischen Lei- 
stungen in der Oper und dem Oratorium dieser Periode in Wien 
gehen, müssen wir den dabei zu Grunde gelegten Textbüchern 
(Poesie genannt) und ihrer Einrichtung einige Aufmerksamkeit 
schenken. 

Aus der damaligen Grundansicht, dass die neuerfundene Oper 
sich so nahe als möglich der antiken Tragödie mit ihren Chören 
anzuschliessen habe, gieng die natürliche Folge hervor^ dass 
man meinte, die Stoffe der Oper könnten nur aus der antiken 
Götter- und Heroenmjthe; oder aus der alten griechischen oder 
römischen Geschichte genommen werden und höchstens durch 
allerlei Zauberspuck an alte Sagen wie der Circo, Ariadne u. dgl. 
erinnern. Dass die modernen Anschauungen zu d^ alten HüUen 
wenig passten, und sämmtliche dargestellten Personen, ihre 
Helden und Götter ebenso wie die herbeigezogenen Persoiiifica- 
tionen der Furcht, des Hasses, des Neides u. dgl. leere bedeutungs- 
lose Schemen waren, für die sich der Zuschauer nicht entfernt 
interessieren konnte, wurde ohne Bedenken hingenonnnen, da man 
für diesen unentdeckten Mangel auf so vielfache Weise durch ein- 
schmeichelnde Gesänge, durch prachtvolle Auf zUge, überraschende 
Maschinerien und Decorationen mit Seetreffen, Schlachten mit 
Kämpfern zu Fuss und zu Pferd, und durch das unwidersteh- 
liche Ballet in stäter Aufregung erhalten wurde, so dass man 

1 F. M. Rudhart, Gesch der Oper in München. 1865. 
s FürBtenau, Gesch. der Mus. in DreBden. 



38 Operntexte. 

darttber weiter nachzugrübeln wenig aufgelegt war. Durch die 
Dichter jener Periode wnrde auch auf ganz geschickte Art in ihren 
Opemtexten daftlr gesorgt, dass die Sänger in zweckmässiger 
Folge Gelegenheit hatten, ihre Kunstfertigkeit zu zeigen, dass die 
zu lange Dauer von rein musicalischen Prodnctionen durch Tänze, 
militärische Evolutionen u. dgl. unterbrochen und das schaulustige 
Publicum durch reichliche Abwechslung in Athem und bei guter 
Laune erhalten wurde. Da die ausstoßt kostspielige Oper zu jener 
Zeit allein vom Hofe bestritten und die Theilnahme an diesem 
Genüsse eine Gtostattung des Hofes war , so fanden Dichter und 
Componisten es durchaus angemessen, dass die Oper nur eine 
persönliche Unterhaltung und Verherrlichung der Person des Mon- 
archen oder deijenigen höchsten Personen sei, welche der Monarch 
damit zu feiern wünschte. Die ganze Anlage der Oper war daher 
so beschaffen, dass, ungeachtet das Sujet oft weit davon ablag, 
doch niemals häufige Anspielungen auf die gefeierte Person fehlen 
durften und am Schlüsse in der sogenannten ^Licenza^y einer 
förmlichen , gesungenen Ansprache an dieselbe gipfeln mussten. 
In der Wahl der Mittel, solche Beziehungen zu finden, waren die 
Dichter eben nicht ängstlich, und in der Oper U Porno tforo 
lässt der Verfasser, Fr. Sbarra, nach der Zntheilung des un- 
heilvollen Apfels die damit beglückte Göttin bei Jupiter sich be- 
klagen, dass sie deshalb von den beiden andern Göttinei> ange- 
feindet werde, worauf der Vater der Götter den Ausspruch thut» 
um diesem Zwiespalt ein Ende zu machen, werde er den Apfel 
an sich nehmen und ihn so lange bewahren, bis sich eine irdische 
Fürstentochter finden werde, die erhaben wie Juno, weise wie 
Minerva, schön wie Venus, die Eigenschaften dieser drei Göttinen 
in sich vereinigt. Die Göttinen sind, wie der Dichter versichert, 
mit diesem Ausspruche zuftieden, und da sich in der Person der 
neuvermählten Kaiserin, Margaretha von Spanien (welcher 
dieses Fest galt) diese Eigenschaften vereinigt fanden, so nahmen 
die drei Göttinen keinen Anstand, dieser Candidatin in der Licenza 
den Apfel zuzuerkennen. An kühnen Allegorien ist in der Mon- 
archia latina trionfante bedeutendes geleistet, wo drei Regierungs- 
formen sichtlich verkörpert erscheinen. Oft scheint bei diesen 
theatralischen Vorstellungen der Tanz oder die prunkhaften Auf- 
züge die Hauptsache gewesen zu sein, welchen der Text und 



Dichter der Operntexte. 39 

die Musik nur zur Umrahmimg dienten^ so in der Contesa deW 
aria e deWacqua (1667), welche aufldrttcklich als Festa a cavallo 
bezeichnet wird, auch die Partituren mit Text und Gesang, welche 
häufig Introduzione ad un ballo heissen. 

Ungeachtet der nicht wenigen Gebrechen der Opemtext- 
bttcher, zu welchen ausser den ebenerwähnten auch noch die 
pbrasenreichen, der Natur und der Situation wenig angemessenen 
Dialoge kommen, würde man den Textverfassem Unrecht thun, 
ihnen alles Verdienst abzusprechen. Vieles Mangelhafte gehörte 
dem Tone der Zeit und der Etiquette der Höfe an ; man fand 
nämlich zu jener Zeit auch an andern Höfen ganz natürlich, was 
ans jetzt ganz wider die Natur zu sein scheint : es fiel nien^^den 
ein, einen griechischen Heros mit Allongeperücke lächerlich zu 
finden , und der Schriftsteller, wenn er nicht weit über seine Zeit 
sich erhebt, schreibt, wie er hofft, dass es denen gefällt, von 
denen er abhängt. Nicht ohne Verdienst ist die durch den massen- 
haften Begehr abgedrungeue Auffindung so vieler antiker Stoffe, 
ihre Modificationen für Zeit und Verhältnisse, das Geschick, dem 
Componisten, wo er es braucht, die abwechselnden Gesangestexte 
zn biethen, und in den Betrachtungen des Chors oder Einzelner 
etwas Passendes zu sagen. Wenn die Farben in den einzelnen 
Situationen stark aufgetragen wurden, so lag wieder die Schuld 
nicht an dem Dichter allein; die Zeit vertrug, ja forderte grelle 
Farben. Da indessen die italienische Sprache den meisten Zu- 
hörern eine fremde war, und die Poeten sie zu jener Zeit so weit 
in ihrer Gewalt hatten, als mehrere Jahrhunderte an ihrer Bildung 
gearbeitet hatten , so nahm man das wohlklingende und von den 
Sängern schön vorgetragene, ohne auf den Inhalt genauer einzu- 
geben, willig hin. 

Da es von nicht geringer Schwierigkeit sein dürfte, jeden 
der Verfasser, welche in der zweiten Hälfte des XVH. Jahrhunderts 
Operntexte für Wien schrieben, im einzelnen zu characterisieren, 
und dies wenn es gelänge schwerlich allgemeines Interesse er- 
regen könnte, so soll hier nur von denjenigen, welche in den Hof- 
zahlamts-Rechenbüchem als „Poeten^ erscheinen, Erwähnung 
geschehen und zugleich die wenigen Daten über ihr Leben 
eingeschaltet werden, welche in den bekannten Werken des 
F. S. Quadrio, G. Tiraboschi u. n. über italienische Litterat nr 



40 Dichter der Opemtexte. 

spärlich genug zu finden waren. — Zu den frühesten Textverfassem 
gehört Aurelio Amalteo di Uderzo ^ geboren zu Pordenone *, 
(Friaul). Nach den Rechnungen bezog er als Hofpoet von 1661 
bis zu seinem Tode im Juli 1690 eine Pension von 300 Gulden. 
Er verfasste fllr Wien von 1659 bis 1669 7 Texte fttr Opern und 
Oratorien ^. Unter seinen grösseren Werken ist der pompöse R^ 
Gelidoro (1659), // Ciro crescente (1661), Ä Perseo (1669) 
hervortretend. 

Mit ihm beinahe gleichzeitig war Francesco Sbarra aus 
Lucca(Quadrioin. p. 469.502). 1665—1668 erscheint er als Hof- 
poet mit 1000 fl. Gehalt, seit 1667 auch mit dem Titel kaiserlicher 
Rath. Fttr Wien schrieb er von 1662 bis 1667 6 Texte für Opern 
und Oratorien, darunter den Pomo (Tora (1666), La Cantesa 
deir Aria e delV Acqua ein Garoussel (1667), La Schiava fartunata 
(1667), wobei er auch dadurcli begünstigt ward, dass mehrere 
seiner Texte von dem berühmten A. Gesti in Musik gesetzt 
wurden. 

Der Conte Niccolö Minato aus Bergamo (Quadrio Stör. 
V. 468) war von 1669 bis zu seinem Tode im Jahre 1698 durch 
30 Jahre Hofpoet mit 1200 fl. Gehalt und nützte seine Dienstzeit 
redlich aus, indem er fttr Wien von 1667 bis an sein Ende 
165 Texte fttr Opern und Oratorien schrieb, was fttr jedes Jahr 
5 — 6 Nummern gibt. 

Während dessen späteren Lebensjahren rttckte Donato 
Gupeda ein, der zwar fttr Wien von 1689 bis 1704 26 Texte 
lieferte, aber erst von 1696 bis an seinen Tod im Jahre 1704 als 
Hofpoet aufgeführt wird. 

Sein Nachfolger als Hofpoet (von 1703—1713) war Pier 
Antonio Bernardpni, geboren zu Vignola (Modena) 30. Juni 
1672, gestorben in Bologna 19. Jänner 1714 (Marzuchelli Scritt. 
n. p. 977 — Quadrio H. 336 — Lombardi Storia m. 387). Fttr 
Wien schrieb er 1701 — 1710 28 Nummern, von denen einige auch 
J. J. Fux in Musik setzte, wie La Clemenza di Augusto (1702) 
— JuloMcanio (llOS) — Pulcheria (1708). 

1 Allacci. 3 Marzuchelli, Scritt. dltalia. L 565. ^ Die Zahl der 
Opemtexte bezieht sich immer auf das Verzeichniss (Beil. VIII) , wobei es 
immerhin geschehen kann, dass unter dem dort angegebenen Autore in- 
certo irgend ein bekannter Autor steckt. 



Dichter der Opemtezte. 4 1 

Der letzte Hofpoet dieser Periode vor Apostolo Zeno war 
Silvio Stampiglia, ein Römer (Qnadrio in. 2. p. 484), von 
1707 bi8 1713 Hofpoet^ später in Pension bis etwa 1725. Fttr Wien 
war er 1697 — 1714 thätig; unter seinen 18 Operntexten war 
anch die bertthmte Camäla, regina dei Vohcif welche mit Ant. 
BoDoncini's Musik in Italien, Deutschland und England grossen 
Erfolg hatte. 

Unter diesen genannten „Poeten^ tritt Pier Antonio Ber- 
nardoni durch gewandten Ausdruck und durch die glückliche 
Anlage mehrerer Stttcke hervor, wodurch sie, wie La Clemenza 
di AugustOy besonders aber Pulcheria, auf rein menschliche 
Verhältnisse gegründet, die Lösung der Verwicklung ohne Da- 
zwiscbenkunft eines Gottes* in der Maschine auf natürliche und 
zugleich überraschende Weise herbeiführen. 

Ausser diesen ständigen Opemtextverfassem kommen 
noch Torttbergehend nach dem Verzeichnisse (Beil. VIII) als 
solche vor : 

Prospero Bonarelli (1631. 1668) — Giov. Faustini 
(1642) — Giac. Bodoaro (1646) — Giac. Andr. Gioognini 
(1650. 1657) — Ben. Ferrari (1653) — Giov. B. Maccioni 
(1653) — DiamanteGabrielli(1656) — F. GioT.Marcello 
(1659) — Ant. Draghi (1660—1668, 16 Nummern) — Conte 
Caldano (1660) — Camillo Serano (1661) — Gav. Xime- 
nes (1663—1669) — Apollonio Apolloni (1664) —Don 
Remigio (1665) — Domen. Federici (1666) — Giov. 
Andr. Moneglia (1667) — Giov. Bernini (1670) — 
P. Guadagni (1672) — Ag. Moreto (1673) — Matt. Noris 
(1674) — P- Susini (1675) — P. Luigi Ficiani (1678) — 
Ben. Pamfili (1678. 1687) — Hanns Albr. Ruprecht 
(1679. 1682) — A. Eumaschi (1680) — Paolo Gastelli 
(1683) — G. B. Luti (1685. 1687) — Loretto Mattei 
(1686) — Ott. Malvezzi (1689) — Adr. Morselli (1689) 
L. Orlandini (1690) — Gius- Apolloni (1690) — Michel- 
angelo Angelico (1694) — Andr. Zabarela (1696) — 
Ferri(1697) — Giul. Gies. Gorradi (1698) — F. Lemene 
(1699. 1706)— Rinaldo Ciallis (1700. 1709) — Fr. Passe- 
rini (1701) — Fr. Dom. Filipeschi (1701. 1709. 1711) — 
Riccardo Rodrano (1701)— Gav. Addimari (1702)— Ant. 



42 Operncomponisten in Wien. 

MedoUgo (1704) — Ab. Ant. del Negro (1704. 1712) — 
G. B. Neri (1705. 1706) — Dom. Mazza (1706) — Alindo 
Scirtoniano (1706. 1711) — Bocco M. Boss! (1706) — 
Lib. Nicom. Ciini (1707) — Carlo M. Uslenghi (1708) — 
Fr. Mar. Daria(1708) — Vinc. Grimani (1709) — Nunzio 
Stampiglia (1709—1711) — Giov. B. Ancioni (1710) und 
sehr viele nnbekaimte Verfasser. 

Wichtige Personen sind in der Oper neben den Poeten zuerst 
der Architect, welcher die Scenerien, Verwandlungen und 
Costttme anzugeben hatte und in Wien durch den berühmten Lud. 
Burnacini Ton 1662 bis 1706 würdig vertreten war. Ihm ziem- 
lich ebenbürtig war durch eine Beihe von Jahren der Hofballet- 
meister G. Domenico Ventura. • 

Wenn wir uns nun zu den Compo nisten wenden, welche als 
Kapellmeister und Vice-Kapellmeister am kais. Hofe von der Mitte 
des XVII. bis zu Ende desselben Jahrhunderts berufen waren, 
ausser der Kirchenmusik die Compositionen zu den Opern, 
kleineren Theaterfesten und Oratorien zu liefern, so erscheinen 
darunter auch einige, welche in dem Ueberblicke des geschicht- 
lichen Ganges , den die dramatische Musik bis dahin genommen 
hat, bereits genannt wurden, und deren Thätigkeit am kais. Hofe 
hier etwas näher in Betracht gezogen werden soll. Ihre Zahl ist 
kleiner, als man in einem so langen Zeitabschnitte von anderthalb 
Jahrhunderten erwarten sollte, da mehrere durch ihre längere 
Lebensdauer und ihre unglaubliche Fruchtbarkeit die grössere 
Zahl ersetzten und auch der Kaiser Leopold selbst einen 
namhaften Beitrag zu den Compositionen von Opern und Oratorien 
während seiner 47jährigen Begierung produciert hatte. 

Zu den frühesten bekannten dramatischen Componisten in 
Wien ist in erster Beihe zu nennen : 

Antonio Bertali, geboren 1606 zu Verona, gestorben in 
Wien 1. April 1669. Er erscheint in den Bechenbüchem von 1637 
an als Hofmusicus in Wien, wurde 1649 an Valentini's Stelle Hof- 
kapelhneister und starb 64 Jahre alt in seiner Anstellung, nachdem 
er von Kaiser Ferdinand III. bereits 1641 mit einer goldenen 
Medaille, 1651 mit einer Gnadengabe von 3000 fl. und von Kaiser 
Leopold!, mit einer ähnlichen von 1500 fl. ausgezeichnet worden 



Componisten in Wien. 43 

war^. 1631 und 1646 wurden Cantaten von ihm gegeben, seine 
Thätigkeit in dramatischer Musik begann jedoch mit der erwähn- 
ten ersten grossen Oper U Inganno iamare (1653), welcher Teti 
1656, n Rl Gelidoro 1659, Gli Amari di Apqllo 1660, II Cito 
crescente 1661, ÜAlcinde 1665, Cibele e Atti 1666, La Coväesa 
dettaria 1667 folgten. Von Oratorien liegen noch zwei von 1663, 
und La Strage degli innoeetUi von 1665 vor*. 

Ein Zeitgenosse Antonio Bertali's war 6ioT. Feiice San- 
ee9, der von Kaiser Ferdinand m. am 1. Oetober 1649 an 
Bertali's Seite zun Vice-Kapellmeister und nach dessen Tode 
von Kaiser Leopold I. 1669 znm Hofkapellmeister ernannt 
wurde. Sances war 1600 in Bom geboren, erscheint bereits 1637 
als Tenorist in den Hofrechnongen nnd starb in Wien 24. Not. 
1679. Ungeachtet Fox anftthrt, er glaube nicht, dass jemand 
mehr geschrieben habe als Sances, so scheint seine Thätigkeit 
mehr der Kirche < zugewendet gewesen zn sein, wovon eine gros- 
f^ere Zahl von Psalmen, Mottetten und Litaneien in Venedig ge- 
drackt erschienen. (Gerber. Neues Lex.) An Cantaten enthält 
das Verzeichniss nur 4 Nummern seiner Composition von den 
Jahren 1648, 1654, 1655 und 1658; 1 Serenade von 1662, 
1 Oper Ari9tomene Messenio von 1670, endlich 4 Oratorien von 
1666, 1670, 1671 und 1672 ^ 

Seine mitstrebenden Componisten in Wien an verdientem 
weitverbreiteten Buhme übertreffend war Antonio Cesti, 
welchen Kaiser Leopold am 1. Jänner 1666 zum Vice-Kapell- 
meister an seinen Hof berief, wo er bis 1669 blieb, dann aber 
naeh Venedig zurückkehrte und wahrscheinlich in demselben 
Jahre dort starb. A. Cesti war zu Arezzo um 1620 geboren, 
ward reformierter Franciscanermönch, 1646 Kapelhneister in 
Florenz und kam 1660 als Tenorist in die Kapelle Papst Alexan- 
der Vn. Er war ein Schüler des Carissimi und hatte sich zugleich 
mit Cavalli um die Ausbildung der Cantata di camera sehr verdient 
gemacht, dann gieng er von dieser mit schöpferischem Geiste 
znr Oper über. Von meinen Opern , aus denen La Dort auf ihrem 
Rnhmeszuge durch halb Europa 1664 in Wien in Scene kam, sind 
folgende hier componiert und unter seiner Leitung gegeben worden : 

1 Köchel, Hofkap. p. 35. « Beil VIII. 10—57. » Beil. VIII. 



44 Componisten in Wien. 

11 Principe generoso (1666), die oft erwähnte Prachtoper II Porno 
(Toro (1666. 1667), Nettuno e Fiora festeggianti (1666\ beide 
zur Verherrlichong der neuvermählten Kaiserin Margaretha 
(Prinzessin von Spanien), La Semiramide (1667), Le Disgrazie 
iTamare (1667), La Sehiava fortunata (1667)*.* 

Von keinem an Leichtigkeit nnd Zahl dramatischer Compo- 
sitionen ttberbothen war Antonio Draghi. Er war zti Ferrara 
um 1642 geboren und in Wien 18. Jänner 1700 gestorben. Von 
1674 bis Ende 1681 war er Kapellmeister der Kaiserin Eleonore 
und zugleich Intendant der Theatermusiken des Kaisers, 1. Jänner 
1682 wurde er Hofkapellmeister desselben. Das Yerzeichniss *, 
auf welches wir hier verweisen, gibt von 1661 bis an sein Ende 
jedes Jahr und von 1669 mehrfältige Beweise seiner Unerschöpf- 
lichkeit: 190 Compositionen, davon 161 Opern und Theaterfeste 
nebst 29 Oratorien hatte der Mann in 38 Jahren, also durch- 
schnittlich 5 jährlich zu Stande gebracht. Eine solche Thätigkeit 
verdiente es wohl, dass sie Kaiser Leopold I. im Jahre 1690 mit 
einer Qnadengabe von 6000 fl. anerkannte '. Besonders hervorzu- 
heben sind seine Anfänge der Opera buffa, die Cam^als- 
opem: Le Ri$a di Demoerito (1670), Gli Atomi di Epicuro 
(1672), GV hicaniesimi disdolH (1673), La LatUema di Diogene 
(1674), / Pazzi Abderüi (1675), La Pazienzia di Socrate cou 
due moglie (1680), Le Scioccaggini degli Psüli (1686), von 
denen mehrere in späteren Jahren Wiederholungen erlebten. Zu- 
gleich erscheint er in der Beihe der Textdichter dieser Epoche. 

Wenn es Johann Heinrich Schmelzer gelungen ist, 
der erste Deutsche die Phalanx der italienischen Hofkapellmeister 
zu durchbrechen, so musste er dies mehr seiner Virtuosität im Vio- 
linspiel und der Gewandtheit in der Direction des Orchesters zu 
verdanken gehabt haben, als seinen hervorragenden Leistungen 
in der Composition. Er war ein Oesterreicher*, um 1630 geboren, 
gestorben in Wien im Juni 1680. Vom 1. October 1649 erscheint 
er als Instrumentist der Hofinusik, begleitete 1658 als Director 
der Instrumentalmusik den Kaiser Leopi^ld I. zur Kaiser- 
krönung nach Frankfurt a. M., und wurde von demselben Kaiser 

1 Beil. Vm. 40—61. « Beil. VIII. 24—371. » Kö chel , Hof-Musikk. 
p. 35. * Walther's Lex. 



ComponiBten in Wien. 45 

1. Jäimer 1671 zum Vioe-Hofkapellmeister^ 1. October 1679 nach 
Sances' Tode zum Hofkapellmeister ernannt , starb aber schon 
im daranfFolgenden Jahre. Ausser dem gedruckten Sacro-profanus 
coneerUus muncus (13 Sonaten) und 12 Sonaten fUr Violine allein, 
componierte er die Tänze für die Opern in den Jahren 1666 bis 
1678, 2 Seneraden: Le Veglie ossequiose (1679), und Die 7 Alter 
iHmben zusammen (1680); endlich 2 Oratorien: Die Stärke der 
Liebe beim heiligen Grabe (1677) und Le Memorie dolorose al 
nepolcro (1678) ^ 

Unter den Hofmusikem, welche für die Bühne und das Ora- 
torium componierten, war auch Ferdinand Tobias Richter, 
geboren 1649, gestorben in Wien 3. November 1711, 62 Jahre 
alt (Wr. Ztg.), Mnsiklehrer in der Familie Kaiser L e o p o 1 d L, 
wurde 1. Juli 1683 Hoforganist. Von seinen hiehergehörigen Com- 
positionen sind nur 2 Serenaden Uhtro osaequioso (1694) und 
Le Pramesse degli Dei (1697), ferner 2 Oratorien Altera Betlehem 
(1684) und La Morte di S. Ermenegildo (1694) aus den Partituren 
der Hof bibliothek bekannt. 

Neben den kaiserlichen Kapellmeistern und Hofcompositoren 
componierten für die kais. Hofkapelle Opern, Oratorien, feste 
teatrali, Cantaten: Franc. Garalli: Egisto (1642), // Giasone 
(1650); die Partituren von beiden befinden sich in der k. k. 
Hofbibliothek, über die wirkliche Aufführung ist jedoch nichts 
bemerkt. — Gius. Zamponi: ülisse errante (1650) — G. Batt. 
Maccioni (1653) — G. Giacomo Arrigoni: Gli amori di 
Alessandro (1657) — Pietro Andr. Ziani, Kapellmeister 
der Kaiserin Eleonore: 5 Oratorien, Cantaten u. dgl. (1660 
— 1669) — G. A. Boretti (1661) — Gius. Tricarico 
(1661— 1662) — Tychian: 2 Oratorien (1662. 1678)— C. Cap- 
pellini, Hoforganist (1665. 1675) — Ant. Maria Abbatia 
(1666) — Benigne de Bicilly (1670) — Ant. Sartorio 
(1672) — Giov. BonaTentura (1672) — G. M. Pagliardi 
(1674) — Alessandro Melani (1678) — J. P. Pederzuoli, 
Kapellmeister der Kaiserin Eleonora (1679—1686. 1697): 16 
Cantaten und Oratorien — Gius. Gabbrini (1680) — Gius. 
Serini (1680) — Ant. Gianettino (1681) — AI. Scarlatti: 

1 Beil. Vm. 137. 151. 153. 171. 



46 Componisten für die Oper in Wien. 

Amor non vuol inganni (1681) — Paolo CaBtelli, k. Alt- 
sänger (1683) — Carlo Caproli (1683) — Bern. Pasquini, 
Organist (1687) — Franc. Passerini (1687) — G. B. Berna- 
bei (1688 — 1691). Es ist fraglich, ob seine Compositionen in 
Wien auch ausgeftlhrt wurden — Agost. Steffani (1692) — 
Gius. Pacieri (1692) — J. Mich. Zacher (1693) — Andr. 
Zarabele (1696) — Dom. Freschi (1697) — und viele 
Ungenannte. 



ni. 

Fox wird kaiserlleher Hofeompositor (1698). — Seine Instmmeiital- 

Compositioneii« 

Durch das ArchiT des Obersthofmeister-Amtes kommen wir in 
Kenntniss der Art und Weise ^ wie Fux zu seiner Anstellung als 
kais. Hofeompositor gelangte. In dem Referate vom 16. April 
1698* berichtet der Obersthofineister : ^Johannes Josephus 
Fnx, Musicus bringt gehorsamst an, dass Euer kaiserliche Maje- 
stät ihn wegen seiner Compositionen in die Dienste aufgenommen 
haben, bittet daher unterthänigst ihn dem Hofstaat mit einer sol- 
chen Besoldung, wie es Euer kais. Majestät geffiUig sein wird, 
einzuverleiben" . Darüber berichtet der Hof kapellmeister Antonio 
Draghi^ dass er auf dieses Petitum kein anderes Parere geben 
könne, als dass Euer kais. Majestät den Supplicanten wegen 
Beiner guten Qualitäten bereits in Dero Dienst mit 40 Thaler 
monatlicher Besoldung aufgenommen hätten". „Man wird Euer 
Majestät Befehl diesfalls erwarten", schliesst der Obersthof- 
meister, „ob, wieviel, und von welcher Zeit man ihm seine Besol- 
dung ausfertigen soll". 

Darunter schrieb Kaiser Leopold mit eigener (schwerleser- 
licher) Hand die Resolution : 

„Weil ich diesen 8upplicanten als einen guten Virtuoso aus 
gewissen Ursachen zu meiner Musik aufzunehmen resolviert habe, 
als sollen ihm zur Besoldung monatlich 40 Thaler oder 60 Gulden 
vom Anfang dieses Jahres angewiesen werden." Diese Resolution 
des Kaisers wurde gleichlautend mit Bescheid vom 16. April 1698 
dem Johann Joseph Fux bekannt gegeben und das Hofcontrolor- 
amt angewiesen, durch eine gewöhnliche Ordonnanz das Hofzahl- 
amt mit der Ausbezahlung des Gehaltes zu beauftragen '. 

1 Beil. IL 1. 8 Beil. II. 1. 



48 Fuz, Hofcompoeitor. 

• 

Nach dieser Darstellung hatte sich der Kaiser bewogen ge- 
funden, Fax wegen seiner Compositionen in seine Dienste zn 
nehmen y nnd zwar proprio motu, ohne vorher die Meinung des 
Hofkapellmeisters nnd des Obersthofmeister-Amtes zu vernehmen. 
Das Gesuch des Fux und der Bericht darüber hatte nur den 
Zweck y die näheren Bestimmungen der Anstellung ttber Gehalts- 
anweisung u. dgl. in eine ämtliche Form zu bringen. 

So wie es keinem Zweifel unterliegt , dass der Kaiser durch 
sein eigenes ürtheil befUhigt war, auch ohne weitem Beirath eines 
anderen Kunstverständigen den Werth der Compositionen des Fux 
zuerkennen, so gibt die Berufung eines deutschen Talentes 
in der mächtigen StrOmung der italienischen Musik der Unbe- 
fangenheit des Urtheiles des Kaisers ein voUgiltiges Zeugniss. 
Die Frage, auf welchem Wege der Kaiser mit den Compositionen 
des Fux bekannt wurde, lässt sich durch beglaubigte Zeugnisse 
nicht direct beantworten , allein man könnte beinahe veranlasst 
sein, die Frage umzudrehen: wie wäre es möglich gewesen, 
dafls ein Freund und Keimer der Musik, wie Kaiser Leopold, 
auf ein seltenes Compositionstalent , das eben in seiner eigenen 
Residenz zu Wien emporbltlhte, nicht hätte bekannt sein können? 
Denn, wenn auch die Daten seiner Compositionen, besonders ftür 
die Kirche, vor dem Jahre 1700 nicht völlig sicher zu stellen sind, 
so lässt sich doch mit einer Wahrscheinlichkeit, die der Gewiss- 
heit sehr nahe steht, annehmen, dass Fux am Schlüsse des 
XVII. Jahrhunderts in den Jahren seiner Blttthe und Kraft ehrenvolle 
Leistungen seines Talentes für sich hatte. Wenn er selbst in der 
Vorrede zu seinem Concenius musico-instrumentalis^^ der im 
Jahre 1701 erschien, sagt, „er habe nicht mit dieser Art 
Composition eine Probe eines grossen Kunstwerkes geben wollen, 
die man anderswo suchen müsse^, so lässt sich mit Sicherheit 
schliessen, dass er schon damals im Bewusstsein bereits „abge- 
legter Proben bedeutende Musikwerke^ diese Zeilen niederge- 
schrieben habe. Ist auch die Angabe, dass Fux das Grosse Re- 
quiem^ zur Leichenfeier der Erzherzogin Eleonore, verwitweten 
Königin von Polen (f 17. December 1697), componiert habe, 
nicht ganz zweifellos, so wurden doch gewiss seine Kirchencompo- 

1 Beil. X. 352. « Beil. X. 51. 



Die kais. Hofcompositoren. 49 

sidonen bei den Schotten, wo er Organist war, und wahrscheinlich 
anch in andern Kirchen znr Anfitihmng gebracht. Kaiser Leopold, 
welcher. des Jahres verschiedene Kirchen, darunter jene von den 
Schotten, zu besuchen pflegte, kam dadurch leicht in die Lage, 
Compositionen von Fux zu hören, besonders da überall bekannt 
war^ dass man dem Kaiser keine grössere Befriedigung, als durch 
gute und neue Musik zu verschaffen vermochte. Nimmt man noch 
dazu, dass Fux auch unter den Hofmusikem Freunde hatte, wie 
den vorzüglichen Violinisten Andreas Anton Schmelzer (1670 
bis 1700), den Sohn des 1680 verstorbenen Hofkapellmeisters 
Johann Heinrich Schmelzer, ganz abgesehen femer von dem 
Umstände, dass zwei Schwestern seiner Frau Anstellungen bei 
Hofe hatten ; so dürften in diesen Verhältnissen hinlängliche Ver- 
anlassungen gefunden werden , dass Fux dem Kaiser genau be- 
kannt wurde, wenn ihm auch keine Partituren vorgelegt worden 
waren. 

Das Amt der Hof - Compositoren war durch Kaiser 
Leopold im Jahre 1696 mit der Anstellung des Componisten 
Carlo Aug. Badia geschaffen worden. Es kam zwar in früheren 
Zeiten öfter vor, dass verschiedene Künstler zu Compositionen 
ftlr den kaiserlichen Hof aufgefordert und dafür entlohnt wurden \ 
wie noch in letzter Zeit die Brüder Bononcini, sie gehörten 
aber darum noch nicht zum Status der Hofmusik, wurden in den 
Hofrechnnügen nicht als Mitglieder der Hofkapelle aufgeführt, 
bezogen keine Jahresbesoldungen und konnten keine Pension be- 
anspruchen, wie dieses, zuerst mit der Anstellung des A. Badia 
der Fall war. Die Aufgabe der Compositoren war, wie man aus 
ihren Leistungen entninunt, Compositionen jeder Art für die Oper, 
das Oratorium , die Kirche und die Kammer zu liefern mit der 
natürlichen Beschränkung ihrer Begabung zu sämmtlichen oder 
nnr zu einigen Zweigen der Musik. Badia hatte Oratorien und 
dramatische Musik, aber so weit es bekannt ist, keine Kammer- 
imd Kirchenmusik componiert, derselbe Tall war auch bei Gio- 
vanni Bononcini, als dieser nach und neben Fux im Jahre 
1 700 zum Hofcompositor ernannt wurde. Es scheint daher, dass 
der Kaiser bei der Anstellung des F u x die den übrigen fehlenden 

1 Sie nannten sich oft HofcompoBitoren, ohne es wirklich zu sein. 

Koekei, J. J. Fqoc. 4 



50 Fuz, Hofcompositor. 

Anlagen für Kirche nnd Kammer besonders ins Auge gefasst 
hatte. Diese Annahme scheint anch darin eine weitere Bestätigung 
zu finden, dass der Kapellmeister Ant. Draghi (1682 — 1700) 
sehr wenig, der Vice-Kapellmeister Ant P a n c o 1 1 i (1697 — 1 700) 
gar nichts mehr in dieser Richtung leistete. 

Am 18. Jänner 1700 war der bis an sein Ende unermttdet 
thätige Ant. Draghi gestorben, und am 1. April desselben Jahres 
der schon hochbetagte Antonio Pancotti an seine Stelle als 
Kapellmeister getreten, von dessen Leistungen als Componist und 
Kapelhneister keine Spur Übriggeblieben ist; dagegen trat als 
Yice-Kapelhneister an demselben 1. April 1700 der energische 
Marc Antonio Ziani ein, dessen Thätigkeit in der nächsten 
Periode hervortreten wird. Als Kanmiercompositor war zwar 
ausserdem der Priester Franz Daniel Thalmann im Jahre 
1696 ernannt worden; seine Befähigung scheint aber nach dem 
Gutachten des Fux^ nicht über Compositionen untergeordneter 
Art gereicht zu haben, weshalb er später mit seinem Gresuche 
um Wiederanstellung am Hofe abgewiesen und mit der ihm ver- 
liehenen Pfarre befriedigt zu sein angewiesen ward. 

Wie sehr es aber Fux schon in den ersten drei Jalu'en seiner 
neuen Anstellung gelungen war, den gehegten Erwartungen zu 
entsprechen geht aus den Acten des Obersthofmeister* Amtes vom 
27. Jänner 1701 hervor ^ Fux hatte ein Gesuch überreicht um 
Erhöhung seiner Besoldung von* vierzig Thalem monatlich auf 
sechzig, um den andern Compositoren gleichgestellt zu sein. 
Darüber berichtete der Kapellmeister Pancotti, dass ,,der 
Supplicant ein merftiertes Subjectum yon gar guten Qualitäten 
und einer sonderbaren Geschicklichkeit sei, alles dasjenige zu 
verrichten, was ihm aufgetragen wird^ und trägt auf die verlangte 
Erhöhung der Besoldung von Anfang April des vorhergegangenen 
Jahres an. 

Die eigenhändige Besolution des Kaisers lautete : 

„Weil dieser Supplicant ein gutes Subjectum ist, und wohl 
dienet, so soll ihm die Besoldung monatlich bis 60 Thaler in allem 
vermehrt werden". 

Leopoldus. 

iBeil. VI. 94. 2 Beil. X. 2. 



Instrumentalmusik. 5 1 

An dieses nach Inhalt und Form bedeutende Zeichen der 
kaiserlichen Huld reihte sich beinahe gleichzeitig eine zweite 
Gunstbezeigung des Hofes, indem der römische König Josef er- 
laubte, dass ihm Fux einen Cyclus von 7 Partiten unter dem Titel 
Cone&ntus rmisico-instrumentalU^ widmen durfte. 8ie kamen 
als Opus primum im Jahre 1701 zu Nttmberg heraus, und biethen 
hier die Veranlassung, die Instrumental-Compositionen derselben 
Zeit überhaupt und jene des Fux insbesondere etwas näher in 
Betrachtung zu ziehen. 

Nachdem der (xesang, wenn nicht ausschliesslich so doch 
Torherschend durch Jahrhunderte gepflegt wurde , kam im Laufe 
des XVir. Jahrhunderts die Instrumentalmusik immer mehr 
in Auiiiahme. Sowohl die Behandlung der Instrumente, sofern sie 
den Gresang zu begleiten hatten, dann aber auch die reine In- 
strumentalmusik nahm seit der Verbesserung der Instrumente 
und ihrer kunstgemässeren Behandlung einen bedeutenden Auf- 
schwung. Man lernte die Characterverschiedenheit und Indivi- 
dualität der Tonwerkzeuge genauer kennen , ihre Combinationen 
und Tonfärbungen wurden lebhafter empfunden, und damit fasste 
auch die Instrumentalmusik festeren Boden. Schon im 17. Jahr- 
hundert bildete sich der Begriff dessen, was wir heutzutage sym- 
phonischen Stil nennen und rechnete dazu die Concerti grossi, 
die Sinfonie, die Ouvertttren, die „starken Sonaten^, Suiten u. dgl. 
mehr. Die Arten der Klangwerkzeuge minderten sich , je mehr 
ihre Behandlung an innerer Durchbildung gewann, die Saitenin- 
strumente wurden vorhersehend, die Blasinstrumente beschränkten 
sich auf Flöten, Fagotte, Trompeten, Posaunen, wozu Ende des 
17. Jahrhunderts auch Oboen und Homer kamen, während in der 
Kirche noch lange die Zinke und die Teorbe im Gebrauche blieben. 
Bis über die Mitte des 18. Jahrhunderts war in Kammern und 
Kirchen die einfache Besetzung der Instrumente die Regel, wovon 
freilich die kaiserliche Hofkapelle mit mehr als sechzig Instru- 
mentisten eine glänzende Ausnahme machte. 

Zu der gesteigerten Entfaltung der Instrumentalmusik zu 
Ende des XVH. Jahrhunderts trugen die grossen Meister auf den 
Streichinstrumenten und dem Ciavier mit ihren Compositionen 

1 Beil. X. 352. 

4* 



52 Die Partita. — Suite. 

nicht wenig bei und in ihren Händen gestaltete sich der Instm- 
mentalstil zn festen Formen. 

Man reihte eine Folge (S u i t e) von Sätzen verschiedenarti- 
gen Characters aneinander, z. B. Largo, Allegro, Andante, Presto, 
gab ihnen wohl ancb programmatische Aufschriften, wie Perpe- 
tuum mobile^ Contrafattrice u. dgl.; am meisten liebte man 
aber eine Folge von verschiedenartigen damals bekannten Tanz- 
rhythmen aneinander zn reihen und sie mit dem allgemeinen Kamen 
Partita (franz. Partie), später Suite zu bezeichnen. Diese Tanz- 
mnsiksttlcke hatten in den Partiten nicht mehr die Bestimmung, dar- 
nach zu tanzen, sondern man nahm nur das Characteristische der 
Bewegung davon auf, band sich aber nicht an die Zahl 'der Tacte 
und erlaubte sich manche Freiheit in der Behandlung je nach dem 
Geschmacke des Componisten. Auch die Zahl der Sätze war sehr 
wechselnd, indess ward nach und nach die Yierzahl mit der Ord- 
nung : AUemande, Gourante, Satabande, Gigue sehr gewttnlich, es 
gab aber auch Partiten von 6, 7 und mehr Nummern, ja Fux bringt 
in einer Serenade ^ 15 Sätze. Bei diesen mannigfaltigen Schwan- 
kungen blieb nur eine Einheit gewahrt : alle Sätze einer Partita 
mussten derselben Tonart angehören. Häufig wurden femer die Par- 
titen durch eine Entrata, ein Praeludium oder eine Ouvertttre ein- 
geleitet, und Fux nennt wohl solche Partiten, wenn die Einleitung 
von grösserer Ausdehnung war, ebenfalls Ouvertüren, die aber 
von den französischen zu Opern gehörigen Ouverttlren wohl zu 
unterscheiden sind. Auch Symphonien werden solche Ouvertüren 
bisweilen genannt, da man ziemlich lange jedes Musikstück für meh- 
rere Instrumente Sinfonia nannte. Die von Fux in den Partiten und 
manchen Ouvertüren behandelten Tanzrhythmen waren folgende ' : 
AUemande. In der Suite im V« Tacte, von ernstem Character und 
gemessener Bewegung, mit voller Harmonie und reicher Melodie. 
— Bourröe. Von munterem Character, glatt, gleitend, geflUlig; 
7^ Tact mit geradzahligen Rhythmen. Französischer oder spani- 
scher Herkunft. — Ciaccona (Chaconne). Aus Italien, '/»Tact 
von massiger Bewegung, characteristisch durch ein markiertes 
kurzes Bassthema, das immer wiederholt wird, während die Ober- 



1 Beil. X. 352. ^ Sie Bind nach J. Mattheson und Ary Domer's 
Lexicon characterisiert. 



Suite. 53 

stimmen bei jeder Wiederholung Variationen, die auch Couplets 
heissen, ausführen. Doch erlaubt man sich Ton dieser Begel aller- 
lei Abweichungen. — Gavotte. Lebhafter Character, jauchzende 
Freude, ein httpfendes Wesen ist ihr eigenthttmlich. Sie fordert 
gerade Tactart und rhythmisch geradzahlige Theile, die im zweiten 
Tacte einen ftthlbaren Einschnitt enthalten. Als Tanz war sie nur 
auf dem Theater üblich , in der Suite erlaubte man sich in ihrar 
Behandlung mehr Freiheiten. — Giga (Gigue). Mattheson führt 
4 Varietäten von Gigue an, die englischen, spanischen, canarischen 
und welschen. Die canarischen oder englischen Giguen haben 
„zu ihrem eigentlichen Affect einen hitzigen, flüchtigen Eifer, 
einen 2iOm, der aber bald vergeht , die welschen sind nicht zum 
Tanzen, sondern zum Geigen (daher etwa der Name Gigue von 
Giga, Geige), neigen sich zur äussersten Flüchtigkeit, doch 
mehrentheils auf angenehme, nicht ungestüme Art^ , dergleichen 
sind die meisten in den Suiten. Sie haben meistens ^Vs ^^^^ % 
Tact. — Passecaille (Passacaglia). Der Ciaccona verwandt, 
von ernstem aber angenehmen Character mit einem ostinatw Bass- 
thema und Variationen darüber in den Oberstimmen. Für gewöhn- 
lich steht er im % Tact, selten im und mit etwas langsamerer 
Bewegung. — Passepie d. Ursprünglich ein bretagnischer 
Schiffertanz von munterer, hurtiger Bewegung. „Ihr Affect neigt 
sich zum gefälligen Leichtsinne^. Gewöhnlich steht er im % oder 
% Tacte und hat öfter ein Trio bei sich: — ■ Bigaudon (Bigodon), 
angeblich proven^alischer Abkunft. Er ist munter, mit einer Nei- 
gung zum angenehmen, etwas tändelnden Scherze. Es wird im 
Allabreve-Tact gesetzt, besteht aus 3 bis 4 Theilen und hat ge- 
meiniglich keine schnelleren als Achtelnoten. — Sarahanda, 
wie man glaubt, spanischen Ursprungs und beim Tanz von Ca- 
stagnetten begleitet; Character langsam und ernsthaft, ^/^ oder 
% Tact, beginnt mit dem Niederschlage und hftt 2 Theile. In der 
Suite hat sie bisweilen Doubles bei sich — Siciliano, von länd- 
lich einfachem, zärtlichen Character, Nachbildung einer Gattung 
von Melodien, deren die sicilianischen Landleute zum Tanze sich 
bedienen. Er steht in einem massig bewegten % Tacte, wird etwas 
langsamer gespielt als das Pastorale. Das erste Achtel des Tactes 
ist gewöhnlich durch einen Punkt verlängert. Ihre Form ist lied- 
artig, ihre Melodien lieben Moll-Tonarten. — Ausser diesen und 



54 Partite des Fux. 

• 

den gewöhnlichen Tempo bedient sich Fnx anch mehrerer will* 
kttrlichen Bezeichnungen in seinen Partiten^ als : Foliey Lea vain- 
qtieura, Perpetuum mobüe, Air de volage^ UindgaUte^ U lAbertinOj 
Les catäretempa y La joie des fidkles sujetSy Les ennemis confus 
und dergleichen. 

Fux hat seine Partite (eine einzige [XL 8] für Ciavier aus- 
gmommen) für Bogeninstrumente mit und ohne bezifferten Bass^ 
gewöhnlich dreistimmig (a tre) für zwei Violinen und Bass, die 
Onvertttren auch a quattro, a sei, a sette und a otto componiert ; 
das will aber nicht sagen, dass, wenn a tre oder a quattro be- 
merkt ist, nur drei oder vier Instrumente darin beschäftigt seien, 
denn mit dem Violoncell gehen Contrabass, Fagott, Orgel im Ein- 
klänge, auch wo dies nicht angezeigt ist; andere Instrumente, 
wie Flöten, Oboen konnten mit den Violinen unisono spielen. Der 
Componist pflegte damals häufig nur vierstinmiig zu schreiben, 
und in den Partituren anzumerken, wenn gewisse Instrumente 
pausieren {senza fagotti oder dgl.). Sache der Notisten war es, die 
oft zahlreich verwendeten Instrumente aus den vier Systemen der 
Partitur herauszufinden, welche nur dann mehrere Systeme 
enthielt, wenn mehrere Instrumente concertierend aufgeführt 
wurden. 

Dass Fux wegen seiner Instrumental - Compositionen schon 
zu Anfang des 18. Jahrhunderts eines weitverbreiteten Rufes sich 
erfreute , beweist das Erscheinen von VII Partite , welche unter 
dem Titel Concentus musico-instrumentalis , in VII Partitas dici- 
su8^ im Jahre 1701 in Nürnberg gedruckt herauskamen und dem 
römischen Könige Josef I. gewidmet waren. In der Vorrede* 
dazu sagt Fnx,^ den Standpunkt damit kennzeichnend, den er bei 
dieser Sammlung vor Augen hatte: „Hier hast du, lieber Leser, 
meinen Concentus musico-instrun^entalis, den man, wie ich erfuhr, 
an mehreren Orten ^u besitzen wünschte, der aber nicht zu dem 
Ende herausgegeben wurde, um dir eine Probe eines grossen 
Kunstwerkes zu liefern (die man in einer anderen Art von Com- 
position suchen muss) sondern damit ich auch Zuhörern, die keine 
Musik verstehen — und deren ist ja der grösste Theil — eine 

1 Vgl Beil. X. 352. Die Kenntniss dieses sehr seltenen Druckwerkes 
verdanke ich der Güte des Herrn Prof. Rud. Wagener in Marburg. 

2 Beil. IV. 5. 



Partite des Fux. 55 

Befriedigang verschaffe^. Ferner wurde Fnx auch von bedeuten* 
den Componisten, als von Giovanni Bononcini (1703) zu 
seiner Oper Proteo ml Ueno (Beilage VIII. 404) und von Anto- 
nio Lotti (1716) zur Oper Costantino (ib. 522) die Ouver- 
tttren^ zu schreiben aufgefordert. Gewiss ist diesen Instrumen- 
tal-Compositionen eine grössere Zahl der später zu erwähnenden 
Sonate a tre vorausgegangen; wenigstens erwähnt der Musik- 
Litterat Simon Molitor in seinem handschriftlichen Nachlasse^ 
dass 36 solche Sonate a 3 in Amsterdam um 1 700 gedruckt er- 
schienen sein sollen*. 

Dass FuX; der wiederholt über die licentiose Schreibart seiner 
Zeitgenossen im Gradus sich ereifert, nicht selbst die gleiche 
Bahn in Compositionen für die Kammer beschritten haben konnte, 
ist für sich verständlich ; allein von der vollen Strenge des Kir- 
chenstiles, besonders a cappella, hielt er Ausnahmen darin für er- 
laubt, dass er ausser den diatonischen Tonarten des genus mixtum, 
d. i. des diatonischen in Verbindung mit dem neuen chromatisch- 
enharmonischen genus sich bediente, dabei aber eben diese Aus- 
nahmen in die Grenzen der Anforderungen des strengen Satzes 
einschloss. Es sollte ihm, wie die Juristen sagen, durch die Aus- 
nahme — die Regel in den nicht ausgenommenen Fällen befestigt 
werden. Beherzigenswerth auch noch in unsem Tagen scheint, 
was Fux im Gradus bei Gelegenheit des Abschnittes vom guten 
Geschmacke, in dieser Richtung bemerkt : 

„Ich sage, jene Composition darf den Vorzug des guten Ge- 
schmackes für sich in Anspruch nehmen, welche auf Gesetzen 
beruhend, von Trivialität sowie von ausschreitender Ungebühr 
sieh entfernt hält, nach erhabenem strebt, jedoch auf natürliche 
Art sich bewegt, zugleich die Fähigkeit in sich besitzt, auch den 
Kundigen in der Kunst zu vergnügen. Ich sagte zuerst, die Com- 
position müsse auf Gesetzen beruhen. Denn die zügellose Com- 
position, wenn sie auch sonst nichtgewöhnliche Gedanken ent- 
hielte, mag sie auch geeignet sein die Ohren der Unkundigen zu 
kitzeln, wird doch nie dem feinen Geschmacke der Kunstverstän- 
digen' durchaus Genüge thun, da diese ausser einem gelungenen 

1 Beil. X. 332. 333. ^ Ihnen war ungeachtet persönlicher Nachfor- 
schnngen in Amsterdam und Hamburg nicht auf die Spur zu kommen. 



56 Partite des. Pux. 

Gedanken auch eine Gesetzmässigkeit verlangen. Weiter wurde 
gesagt and gefordert, dass der Componist keine gemeinen und 
alltäglichen Gedanken darstelle, welche statt des Vergnügens nur 
den Ekel der Trivialität erregen ; sondern mit der Richtung auf 
das erhabene der Neuheit sich befleisse. Dagegen aber möge 
er, von dem Streben nach Neuheit irregeleitet, keine Gedanken 
darstellen, welche die Natur und Ordnung der Dinge überschrei- 
tend, für Gesang und Spiel über die Massen schwierig sind, wo- 
durch weder die ausführenden Musiker, noch .die Zuhörer zufrie- 
dengestellt sein können. Nicht die Musiker, wegen der Schwierig- 
keit des AusfÜhrens ; nicht die Zuhörer, weil dergleichen Compo- 
sitionen , indem sie das natürliche Mass überschreiten , zwar mit 
dem Gehör vernommen werden, niemals aber in das Gemüth ein- 
dringen. Denn eine Sache leicht und natürlich, und doch fUr die 
Ohren nicht gemein darstellen, ist eben nicht so leicht, daher das 
Sprichwort: das Licichte ist das Schwere. In diesem schweren 
Leichten beruht aber die Vorzüglichkeit des guten Geschmackes 
und seine Würze. Denn nicht derselben Schwierigkeit in Erfin- 
dung von etwas neuem und ungewöhnlichem begegnet derjenige, 
welcher nur um neues bekümmert die Ordnung der Natur and 
der Dinge umkehrt. Aber wie wird er auf diesem Wege das Ziel 
des guten Geschmackes erreichen ? Ich werde nicht läugnen, dass 
ein sehr grosser Theil des guten Geschmackes von der Anlage 
und dem Talente eines jeden Gomponisten abhänge, aber der- 
gleichen Einflüsse, die an sich nicht unschön sind, müssen inner- 
halb der Schranken der Natur, der Ordnung und Gesetze be- 
herscht werden, dass sie nicht unverdient den Namen des Guten 
Geschmackes sich anmassen^. (p. 241 f.) 

Dass Fux von den Gesetzen , die er hier seinem Schüler ge- 
geben, sich nicht entfernen wollte, davon überzeugt man sich bei 
der Durchsicht der Partituren seiner Kammermusik, welche leider 
fast als verschollen betrachtet werden muss, weshalb es kaum 
möglich ist, durch das Wort mehr als eine schwache Andeutung 
seines Stiles zu geben. Im allgemeinen wird man durch die Leb- 
haftigkeit der Auffassung und die wechselvolle Gharacteristik der 
ernsten und heiteren Sätze weniger an den strengen Gomponisten 
der Kirche erinnert, als durch die Gesetzmässigkeit in der Durch- 
führung und zwar ganz besonders durch seine treffliche Stimm- 



Partite des Fux. • 5 7 

führnng, wie sich das von dem Meister in allen Künsten des ein- 
fachen und doppelten Contrapunktes erwarten lässt. Man irrt sich 
daher in der Voraussetzung, dass in diesen Compositionen nur 
polyphone Schreibart zu finden sein werde, wiewohl es in den 
Sonaten a tre daran nicht fehlt : im Concentus musico-instrumen- 
talis ist die homophone, liedartige Setzart sogar die Regel, und 
auch darin bewährt sich Fux in Erfindung neuer und melodiöser 
Motive in einfacher, oft reizender Mannigfaltigkeit und Abwechs- 
lang in der Durchfflhrung, der selbst bisweilen der Humor nicht 
fehlt, wenn in rascher Folge Rhythmus und Character wechseln, 
und heterogene Motive, wie eine italienische und eine französische 
Arie in demselben Satze neben einander fortschreiten. Im Con- 
ceräMs ist es offenbar mehr auf Erheiterung eines grösseren 
musikliebenden Publicums abgesehen,, und darum von einer 
schwieriger aufzufassenden und auszuführenden Composition Um- 
gang genommen. — Ernster ist aber die Sache in den dreistim- 
migen Partite (a tre) behandelt, wo der Componist sich tüchtig 
geschulten ausübenden Ej-äften gegenüber gedacht, und die- 
sen mitunter keine leichten Aufgaben gestellt hat. Hier beginnen 
breitangelegte fugierte Sätze , ganze Nummern in canone, Imita- 
tionen mit allen Künsten der Augmentation, Diminution / Inver- 
sion mit einer Fülle von schön erfundenen Motiven , wie das An- 
dante in der Partita 320 (Beil. X), das zu einer eleganten kleinen 
zweistimmigen Fuge durchgeführt ist^, dann die Entrata zum 
Allegro der Partita 321 (eh.), die bis ans Ende aus einem zwei- 
stimmigen Canon im Einklänge besteht*. Neben der Bedeutung 
und Leichtigkeit der Erfindung macht sich auch Kühnheit in der 
Elarmonie bemerkbar, wie in der Siciliana derselben Partita 
321 (eb.), in welcher auch die Giga mit einem Feuer sich bewegt, 
dem man die Zeit der Composition nicht abmerkt^. Es würde zu 
weit führen, mehrere Proben aus den erlesenen Partiten 319 — 327 
anzuführen, noch weniger sie zu analysieren, aber aufmerksam 
sollen die Freunde solcher Musik werden, wodurch sie vielleicht 
veranlasst werden, sich näher damit zu beschäftigen. 

1 Abgedruckt Beil. VIL 3. a. 2 Abgedruckt Beil. VII. 3. b. » Abge- 
druckt Beil. VII. 3. c. 



58 Ftix, Eirchensonaten. 

In der Art der Behandlang schliessen sich an diese Partite 
a tre^ die S o n a t e a tre an, von denen das Archiv der k. k. Hof- 
kapelle einen Schatz von 38 Nnnunem enthält ^ Ihre Bestimmnng 
ftar die Kirche ist unzweifelhaft, auch wenn auf den Umschlägen der 
Stimmen nicht, wie bei den übrigen Eirchenmusicalien, die Zeit 
ihrer Aufftthrung zu kirchlichen Festen angegeben wäre. Wir 
haben daher Kirchensonaten (Sonate da chiesa) vor uns^ 
welche von den Suiten hauptsächlich dadurch sich unterscheiden^ 
dass sie keine Tanzrhythmen enthalten. Sie bestehen immer aus 
einer zusammenhängenden Composition, deren abwechselnde 
Sätze von Andante, Largo, Grave u. dgl. mit lebhaften, von Alle- 
gro , Presto , Vivace u. s. w. ohne Unterbrechung zu einem und 
demselben verbundenen Ganzen gehören. Man verwendete solche 
Instrumentalsätze bei den Hochämtern (Missae solennes) der katho- 
lischen Kirche als Gradualien selbst noch zu Mozart's Zeit^ 
bis sie durch Vocalcompositionen verdrängt wurden. Fux schrieb 
diese Sätze sämmtlich dreistimmig fttr zwei Violinen und Bass, 
dabei wurde dieser letzte regelmässig ausser der Orgel durch 
Violoncell , Violon und Fagott , seltner auch durch eine Ppsaune 
verstärkt. In der Regel concertieren besonders in den raschen 
Sätzen die beiden Violinen mit einander, lösen sich in den Imi- 
tationen ab , während der Bass , scheinbar unbekümmert um das 

Treiben der Oberstimmen, seinen eigenen Weg ruhig fortschreitet. 

* 

Doch geschieht es bisweilen, dass er auch in die Bewegung mit 
fortgerissen wird , und vollen Antheil an den Imitationen nimmt, 
bald der ersten bald der zweiten Violine Gesellschaft leistet, öfter 
auch nur einzelne Theile des Hauptmotives durchkiingen lässt^ 
während die Oberstimmen verschiedenartig sich neckend und auf 
dem Fusse verfolgend, wie jugendlich ttbermüthige Wesen, endlich 
durch den ernsten Mentor in ihre frühere Bahn zurückgeführt 
werden. — Der Umfang dieser Sonaten ist ziemlich verschieden : 
bisweilen nicht über 30 Tacte lang, bisweilen aber auch, be- 
sonders in den AUegro, viel ausgeführter, und was Fux vom 
„Guten Geschmacke" fordert, seine Motive sind nie trivial, 
sondern neu, dabei natürlich und durchaus geeignet „auch dem 
feinen Geschmacke der Kunstverständigen genügeleistend". Diese 

1 Beil. X. 360— 397. 



Fax, Kirchensonaten. 59 

letzten werden auch einen solchen Reichthom an Erfindung und 
Eleganz der mannigfaltigsten Durchfühmng finden, dass sie 
bei den meisten Sätzen bedauern werden, dass diese so rasch 
ihrem Schlüsse zugeführt werden. Man sieht auch nicht blos aus 
der bedeutenden Zahl dieser Compositionen , sondern noch mehr 
aus der eigenthttmlichen Frische derselben , dass der Componist 
mit Lu8t und Liebe an seine Arbeit gieng. Dies wird zum Theile 
durch Fux selbst bestätigt, wenn er im Gradus sagt, dass der drei- 
stimmige Satz der vollkommenste aus allen sei, daher es beinahe 
iiprichwörtlich geworden sei, dass demjenigen, welcher den drei- 
stimmigen Satz in seiner Gewalt hat, der Weg zu mehrstinmugen 
Compositionen durchaus offen stehe ^, und später ' bemerkt er : „des 
dreistimmigen Satzes habe ich mich nicht selten und nicht ohne 
Glück bedient^. Gewiss hatte er dabei seine Partite und Sonate a tre 
im Sinne. Es lag auch fUr einen Meister, wie Fux war,^ ein eigener 
hoher Reiz darin, mit den wenigst möglichen Mitteln ein Werk zu 
schaffen , das durch die Einfachheit der Construction und durch 
die Durchsichtigkeit der Behandlung dem Kundigen den reinsten 
Genuss, und zugleich dem Unkundigen, der die Schwierigkeit 
eines solchen Satzes nicht ahn#, durch die leichte Fasslichkeit 
doch auch ein eigenartiges Vergnügen gewährt. Eine Anerkennung 
eines feinen Kunstkenners, der noch dazu als ein Gegner der 
Person unseres Meisters bei seinem Lobe ganz unverdächtig wird, 
hat J. Mattheson^ ausgesprochen, wo er bei Gelegenheit der 
Erfordernisse zur Ausarbeitung und Schönheit eines Duetto oder 
Terzetto sagt: „Meiner geringen Meinung nach besteht eines 
Componisten rechtes Meisterstück in einem künstlich fugierten 
Duetto mehr, denn in einem vierstimmigen Contrapunkte, oder 
AUabreve. So haben auch die Trio auf Instrumenten ihre Meriten 
and erfordern einen festen Mann, wie darinne der kaiserliche Ober- 
kapellmeister Fax unvergleichlich ist^. — Auch in den biogra- 
phischen Notizen über den Kapellmeister Daniel Gottlieb 
Treu (geb. 1695) erwähnt MattheSon^, jener habe eine starke 
Serenate componiert „auf die fleissige wienerische Art des be- 

1 Gradus. p. 81. ^ p. 265. 3 Critica Miisica. I. Ul. * Ehrenpforte, 
p. 378. 



60 Fax; häusliche Yerhältnisse. 

• 

rühmten kaiserlichen Ober-Kapellmeisters Johann Josef Fux , wo 
keine faulen Stimmen darin sind^. 

Die Partite nnd Sonate für Glavier ' sind nur in geringer Zahl 
vorhanden ; sie verrathen wohl ebenfalls den Meister , wie insbe- 
sondere die fuga ricercatä im Capriccio (404), dürften aber doch 
die dreistimmigen Partite und Sonate nicht völlig erreichen. 

lieber die anderweitige musicalische Thätigkeit unseres Mei- 
sters zu Anfang des XVIII. Jahrhunderts wissen wir nur, dass er 
im Jahr 1702 zwei dramatische Compositionen zur Aufführung * 
brachte. Die eine zum Namenstage der römischen Königin (10. Juli) 
war das Dramma per musica : Offendereper amare ossia la Telesilla, 
Text von Don ato Cupeda', die zweite zum Namenstage des 
Kaisers Leopold (15. November) La Clemenza diAugusto. Poe- 
mettodrammatico von Pietro Antonio Bernardoni^. Die Par- 
tituren von beiden scheinen verloren zu sein, während jene der übri- 
gen Opern und Oratorien ohne Ausnahme in der k. k. Hof bibliothek 
bewahrt werden. Im Jahre 1 703 componierte er zu der Operette 
Proteo sul RenOj Text von Bernardoni, Musik von Giov. 
Bononcini, die Ouvertüre, wie in der Partitur ausdrücklich 
bemerkt ist : „La sinfonia h di OioT. Glos. Fux *, woraus hervorgeht, 
dass auch namhafte Componisten das hervorragende Talent des 
Fux für Instrumentalcompositionen thatsächlich anerkannten. 

Von seinen häuslichen Verhältnissen ist aus dieser Zeit zu er- 
wähnen, dass er 1699, da er wahrscheinlich die Hoffiiung auf 
eigene Nachkommen aufgegeben hatte, die kaum vierjährige 
Tochter Eva Maria seines damals noch lebenden Bruders, 
PeterFux^ an Kindesstatt ins Haus nahm, dieselbe, die ihn 
nach dem Tode seiner Frau bis an sein Ende pflegte und seine 
Erbin wurde. 

Ungeachtet seiner Anstellung als Hofcompositor behielt Fux 
dennoch zugleich seinen Dienst als Organist bei den Schot- 
ten fort, und erst im Sompier 1 702 hatte er ihn aufgegeben , wie 
wir aus folgendem Vortrag* des Obersthoftneister-Amtes vom 
19. August 1702* erfahren, wo esheisst: „Johann Josef Fux, 
Compositore in musica, hat seinem Vorgeben nach, um Euer kais. 

• 

1 BeU. X. 398—405. « Beil. VIII. 397 und X. 301. » Beil. Vm. 399 
und X. 302. « Beil. VIII. 404. » Stammbaum n. 4. 5. « Beil. II. n. 3. 



Fux, Gehalterhöhungen. Q\ 

Majestät besBer und ohne Verhinderung zu bedienen, seinen Posten 
bei den Scotten allhier quittiert, wodurch ihm jährlich bis 400 fl. 
entgiengen, bittet daher allerunterthänigst, Euer kais. Majestät 
wollen diesen seinen Verlust durch eine Besoldungsrerbesserung 
gnädigst ersetzen. — Hierauf vermeldet der Kapellmeister (Ant. 
Pancotti), dass diesem Virtuosen Talente dergestalt bekannt, und 
das Motiv, so er anführet, so billig sei, dass er nicht zweiflet, 
Ener kais. Majestät werden sein allerunterthänigstes Bitten er- 
hören und seine Besoldung bis auf 80 Thaler monatlich und zwar 
Tom Anfang dieses Jahres vermehren^. Der Obersthoimeister con- 
formiert sich diesem Antrage und bemerkt , dass etwelche andere 
Müsici auch soviel gemessen. 

Hierüber erfolgte die eigenhändige Kesolution des Kaisers : 
.Placet in Ansehung der verlassenen 400 fi. und zwar vom Anfang 
des Jahres". 

Dadurch hatte Fux in der kurzen Frist von vier Jahren seinen 
ausglichen Gehalt auf das doppelte erhöht erhalten. Damit 
waren aber die Beweise der ZuMedenheit des Kaisers mit den 
Diensten des Fux noch nicht erschöpft. Nachdem derselbe im 
Jahre 1 700 um ein seinem Dienste als Hofcompositor geziemen- 
des Hofquartier ansuchte , wurde er zwar darauf gewiesen , ein 
wirklich freigewordenes Quartier zu bezeichnen *. Als er aber 1 702 
ein solches im Hause des Barbierers Paul Kauz , auf dem neuen 
Markte* bezeichnete, wo die Freijahre nächstens exspirieren', 
wurde ihm dieses zugewiesen. 

Am 5. Mai 1705 starb sein kaiserlicher Gönner Leopold I., 
welcher das Talent und den Eifer seines Hofcompositors Fux nach 
Verdienst gewürdigt und deshalb mit seinen Gunstbezeigung^ 
gegen ihn nicht gekargt hatte. 

1 Beil. U. 17. 2 Beil. H. 18. Dies war das Haus zu den sieben Kör- 
ben genannt, ein Eckhaus, neu n. 17 (alt n. 1067). ^ Auf den Hausem in 
Wien lastete die Servitut der Hofquartiere , wovon die neuerbauten durch 
einige Jahre befreit waren. 



IV. 

Fax unter Kaiser Josef !• (1705—1711) — Die Conipositoren C. Aug. 
Badia — Marc. Antonio nnd Gioranni Bononeini — Francesco Tosi. 

Als unmittelbarer Nachfolger im Reiche kam nach dem Hin- 
scheiden Kaiser Leopold I. sein ältester Sohn Kaiser Josef I. 
(geb. 1678), welcher schon zu Anfang des Jalirhunderts zum römi- 
schen Könige gekrönt war. Kaiser Josef verband ein lebhaftes, 
fenriges Temperament mit glücklichen Anlagen des Geistes und 
Gemtithes. In seiner Jugend war er von schweren Krankheiten 
heimgesucht worden, später ward er stark und kräftig und iu allen 
Leibesübungen gewandt. So wie sein Vater war er mit leichter 
Auffassung und scharfem Verstände, insbesondere . mit einem 
starken Gedächtnisse begabt. Wie jener war er bewandert in der 
Kenntniss fremder Sprachen, deren er sich mit Gewandtheit und 
Eleganz zu bedienen wusste. Als Meister in körperlichen Uebun- 
gen war er ein kühner Keiter, ein unermüdeter Jäger und zierlicher 
Tänzer. Auch fehlten ihm weder Anlage noch Liebe zur Musik, 
da er Ciavier und Flöte spielte, dass er sich hören lassen konnte 
nnd sich in Compositionen von Arien nicht ohne Glück versuchte, 
wie denn in der Partitur der Oper Chehnida von Marc Antonio 
Ziani (comp. 1709) bei zwei Arien bemerkt ist: „Comp(osto) di 
S(aa) M(aestJt) C(esarea)". Die Compositionen sind leicht , nicht 
ungefällig, in der Manier der Zeit, zeigen aber immerhin gute 
Kenntniss des Satzes. Fux nennt ihn auch in der Dedication des 
Concentus „in der Musik ungemein erfahren^ (sublime peritum). 
Der Kaiser liebte eine glänzende Hofhaltung: die Wiener 
Diarien erwähnen wiederholter Turniere, prachtvoller Schlitten- 
fahrten, wie 1 709, um dem türkischen Gesandten die Pracht des 
Hofes von Wien zu zeigen, wo 50 Schlitten mit den Majestäten, 
Erzherzoginen und einer Reihe von Fürsten , Grafen und Damen 
mit den höchst zahlreichen Gefolgen zu Pferd und den kostbaren 
Schlitten aufgezählt werden. 



Der Hof Kaiser Josef I. 63 

Bei diesen Festen des Hofo/s stand dem Kaiser würdig zur 
Seite seine Gemablin Amalie von Hannover, welche eben so 
majestätisch und anmuthig in ihrer körperlichen Erscheinung als 
durch die Lebhaftigkeit und vielseitige Bildung ihres Geistes alles 
fttr sich zu gewinnen wusste. Den Hof umgab ausserdem eine 
Reihe bedeutender Personen aus den höchsten Kreisen, die sowohl 
als Staatsmänner und im Felde glänzten wie durch den feineren 
Ton die Geselligkeit belebten. Prinz Eugen an der Spitze, der 
in dieser Periode als Sieger von Oudenarde (1708) und Malplac- 
quet (1709), als Eroberer von Lille (1708) und Toumay (1709) 
neue Lorbem des Ruhmes gepflückt hatte, traten als bedeutende 
Männer hervor: sein Freund Graf Gundacker Thomas Star- 
hemberg, Präsident der kaiserlichen Hofkammer, ein ernster, 
scharfsichtiger und unbestechlicher Mann , neben dem lebhaften 
feurigen Fürsten Karl Theodor Salm, früher Ajo des röm. 
Königs, dem alten ruhmreichen Vertheidiger von Wien, Ernst 
Rüdiger Graf St arhemberg, einem heiteren fröhlichen Herrn, 
dem gelehrten Grafen Seilern — dem mächtigen Fürsten Hanns 
Adam Liechtenstein^, dem Hauptbegrttnder des Beichthums 
dieser erlauchten Familie, bekannt als ein freigebiger Gönner der 
Wissenschaften und Künste. Von ausgezeichneten Damen hatte 
die Gräfin Dorothea Elisabeth von Sinzendorf*, gebome 
Prinzessin von Holstein, 'eine geistvolle stolze Frau, die in zweiter 
Ehe den nachmaligen Feldmarschall Grafen Ludwig Rabutin 
geheuratet hatte, lange Zeit ihr Haus zum Mittelpunkt der erlesen- 
sten Gesellschaft gemacht: in ihren Kreis zugelassen zu werden, 
galt ftlr eine eiftig gesuchte und vielfach beneidete Auszeich- 
nung^. Dass in diesen Kreisen die Musik cultiviert wurde, ist 
ausser allem Zweifel , da auch das Wiener Diarium vom 2. Octo- 
ber 1710 ausdrücklieh bemerkt, der Hof habe in der Wohnung 
des Baron Pilati* „eine annehmliche wälsche Cantate angehört^. 

Der Kaiser selbst war der entschiedenste Gönner und Be- 
förderer der Musik nach allen Richtungen. Bald nach dem 

1 Geb. 1656, gest. 1712. » Ihr erster Gemahl Graf G. Ludwig Sin- 
zendorf, Hofkammerpräsident Kaiser Leopold I. f 1712. ^ Arneth, 
Prinz Engen. L 348. ff. * Job. Ant. Pilati von Tassul war 1710 k. k. 

« 

Hofkammerratb und Kammer-Zablmeister. (Knescbke, Deutscbes Adelslex. 
1867. p. 148.) 



64 Die Musik unter Kaiser Josef I. 

Antritte seiner Regierung fasste er den Plan^ das durch den Brand 
im Jahre 1 699 zerstörte alte Opemhaas ' durch einen neuen Bau 
zu ersetzen. Es wurde dazu der Raum zwischen der Hofbibliothek 
und der Reitschule gewählt^ und ein Gebäude im grössten Stile 
ausgeführt y das die Bewunderung der Zeitgenossen erregte. Es 
bestand aus zwei Sälen, von denen der kleinere während des 
Gamevals zu italienischen Schauspielen und komischen Opern 
verwendet wurde. Im grossen befand sich das Hoftheater ; wel- 
ches der italienischen Opera seria gewidmet und mit Maschine- 
rien , Flugwerken u. dgl. reichlich versehen war. Nach dem ür- 
theile der „Geschichte des Theaterwesens" (I. p. 55) wurden hier 
Opern aufgeführt, „welche an musicalischer Gomposition und Aus- 
führung, an Pracht der Gostüme und Decorationen ; an herrlichen 
Tänzen alle bisherigen Theatralvorstellungen übertrafen". An der 
Kaiserin Geburtstage am 21. April 1708*« wurde in dem neuen 
Gomödienhaus das erstemal eine wälsche Oper: // Natale di 
Giunone festeggiato in Samo, Text von Silvio Stampiglia, 
Musik von Giovanni Bononcini gegeben'. Auch noch in späte- 
ren Jahren wird es im Wiener Diarium das „schöne^ oder^prächtige^ 
neue Opernhaus genannt. — Der Stand der Hofkapelle wurde 
nicht blos auf derselben Höhe erhalten ^ auf welcher sie Kaiser 
Josef I. von seinem Vater übernommen hatte, sondern in der 
Zahl bis 107 erweitert. Das Repertoire an Oratorien und Opern 
weist von 1706 bis 1710 jähriich 12 bis 14 Novitäten auf. Wäh- 
rend die Texte dazu von den Hofpoeten P. A. Bernardoni und 
Silvio StampigLia nebst einigen vorübergehend erscheinen- 
den Verfassern herrührten, componierten die Musik dazu der Vice- 
Kapellmeister Marc Antonio Ziani, Giovanni und Anto- 
nio Bononcini, die Hofcompositoren Garlo Badia und Fux, 
ausserdem Francesco Gonti, der mit seiner Clotäda 1706 
glücklich debütierte, Attilio Ariosti, und die Römerin Ga- 
milla de Rossi, die sich in Oratorien versuchte. Fux, welcher 
seit seinen beiden Theaterfesten im Jahre 1 702 für die Oper und 
das Oratorium bei der grösseren Anzahl Gomponisten nicht ge- 

1 Am 16. Juli 1699 brannte das von Kaiser Leopold begonnene Opern- 
haus ab, an dem zwei Jahre gebaut worden war. £s stand an der Rückseite 
der nachherigen Hofbibliothek. ^ Wiener Diarium. ^ Beil. YIII. 449. 



J. J. Fux — Carlo Ag. ßadia. 65 

drängt war, trat erst im Jahre 1708 mit den Serenaden Jm/o Asca- 
nio Rh dAlba^ zum Namensfeste des Kaisers nnd mit der be- 
sonders gelungenen Pulcheria * zum Namenstage der regierenden 
Kaiserin wieder auf. Im Jahre 1709 componierte er für die glei- 
chen Feste abermals zwei Serenaden : // Mese di Marzo" conse- 
crato a Marte^, Text von Silvio Stampiglia, und Gli Osse- 
qui della notte^ y Text von Donato Cupeda, deren günstige 
Erfolge das Wiener Diarium rühmend erwähnt. Die Serenade La 
Decima faiica (TErcole owero La Sconfitta di Gerione in Spagna * 
im Jahre 1710 ward am Geburtstage und zum Preise des sieg- 
reichen Königs Karl IQ. von Spanien eomponiert. Es ist sehr 
wahrscheinlich, dass Fux während derselben Zeit viel thätiger in 
Compositionen für die Kirche war, leider fehlen dafür bestimmte 
Angaben. Nur erwähnt das Wiener Diarium vom 23. April 1 708 
bei den Vermählungsfeierlichkeiten Kaiser Karl HI. von Spa- 
nien mit der Prinzessin Elisabeth Christina von Wolffen- 
bttttel eines „Lobgesanges, welchen der kaiserliche Musices com- * 
positor Herr Fux in eine fürtreffliche Musik gestellet''. Dies 
dürfte das Tedeum (Beil. X. 271) gewesen sein, das nach seiner 
Anlage nur für hohe Feste bestinmit und im Jahre 1 704 bereits 
eomponiert war. 

Wie sehr der Kaiser mit den Leistungen des Fux zufrieden- 
gestellt war, geht aus einer Hofresolution hervor, nach welcher 
der Kaiser am 22. März 1711*, also wenige Wochen vor seinem 
Ende (f 17. April 1711), dem Compositore ui musica Johann 
Joseph Fux dessen Besoldung von jährlichen 1440 fl. bis auf 
2000 fl. vermehrte. 

Gleichzeitig mit Fux wirkten zum Theile als wirklich ange- 
stellte Hofcompositoren Carlo Agostino Badia, die beiden 
Brüder. Marc Antonio und Giovanni Bononcini nebst 
Pier Francesco Tosi, deren musicalische Thätigkeit hier 
übersichtlich erwähnt werden soll. 

Carlo Agostino Badia, geboren um 1672, gestorben in 
Wien 23. September 1738, 66 Jahre alt (Wr. Diar.), ward am 

1 Beil. Vm. 448 und X. 304. 2 Beil. VlIL 450 undx! 303. » Beil. 
VIII. 459 und X. 306. * Beil. VIII. 462 und X. 305. & Beil. VÜI. 477 und 
X. 307. 6 Beil. n. 4. 

KöcMf J. J. Fax. 5 



66 Die Brüder Bon o nein i. 

1. Juli 1696 der erste der mit ihm entstandeneu Hofeompositoren 
und starb als solcher ^ Er hatte unter dem Titel Tributi armonici 
12 Gantaten fttr eine Stinune und Clavierbegleitung herausgege- 
ben , und sie dem Kaiser Leopold I. dediciert*. Aehnlicher Can- 
taten flir 1 — 3 Stinamen befinden sich 33 in der k. k. Hofbiblio- 
thek in Wien. Seine Compositionen, welche am Hofe gegeben 
wurden, reichen mit Unterbrechungen von 1694 — 1730, und um- 
fassten 4 grosse Opern, 18 Serenaden und 15 Oratorien ^j Kir- 
chencompositionen sind von ihm nicht bekannt. Seine Manier war 
schon zur Zeit als er schrieb veraltet, indess ist ihm Gewandtheit 
und gute musicalische Kenntniss nicht abzusprechen, seine Flug- 
kraft der Erfindung reichte aber nie über Mittelhöhe, auch in den 
Formen war er bald erschöpft. Da zu jener Zeit das Verlangen 
nach neuen Compositionen so bedeutend war, so konnte auch ein 
massiges Talent, wenn es eine gewfsse Fertigkeit im Componieren 
hatte, seine Verwendung finden. 

Gegen das Ende des XVH. Jahrhundertes trat ein BrUderpaar 
auf, das sich gleich bei seinem Erscheinen als Componisten eines 
schnell sich verbreitenden Rufes erfreute. Diese Brlider waren 
Marc Antonio und Giovanni Battista Bononcini, beide 
in Modena geboren und Söhne des als Musiktheoretiker durch 
seine Musica pratica nicht minder berühmten Giovanni Maria 
Bononcini, der zuletzt Goncertmeister des Herzogs von Modena 
war. Drei Bononcini, die sämmtlich Componisten waren, von 
denen zwei Giovanni Messen, und der dritte bald Marc Antonio, 
bald einfach Antonio sich nannte, dies zusammengenommen 
hatte die Folge, dass ihre Personen und persönlichen Verhältnisse, 
so wie ihre Compositionen so häufig verwechselt wurden , dass 
Gerber und F6tis noch in ihren zweiten Auflagen wahres und 
falsches durcheinander mengen. F^tis (H. ^d.) nennt Marc An- 
tonio den älteren Bruder und gibt nach Forschungen im 
herzoglichen Archive zu Modena sein Geburtsjahr um 1675 an, 
und seinen Tod am 8. Juli 1726. Gerber (H. Aufl.) hält es ftlr 
ausgemacht, dass er schon um 1696 in Wien war; gegen das 

1 K ö c h e 1 , Hofkapelle. ^ W al t h e r , mus. Lexikon. 

8 Opern: Beil VUI. 362. 378. 392. 675. — Serenaden: 331. 359. 
366. 368. 370. 372. 374. 377. 379. 385. 388. 395. 398. 402. 439. 452. 487. 
598. — Oratorien: 307. 308. 319. 381. 407. 415. 432. 444. 445. 455. 469. 
479. 483. 501. 536. 



Marc Antonio Bononcini. 67 

Ende des Jahrhunderts war er zugleich mit seinem Bruder in 
Wien , und componierte für die Hofoper , ohne jedoch wie sein 
Bruder zugleich den Titel eines Hofcompositors zu ftlhren. Nach 
Kaiser Josefs Tode im Jahre 1711 wurden beide entlassen und 
giengen nach Italien zurück, 1714 fand Stölzl den MarcAntonio 
in Rom, im Jahre 1721 trat er als Hof kapellmeister in die Dienste * 
des Herzogs von Modena und starb 5 Jahre später in dieser An- 
stellung. Sein erstes Auftreten als Operncomponist war epoche- 
machend : es war die bertthmt gewordene Oper CamUla Regina 
de VoUci (Beil. VHI. 333), welche er 1696 fllr Wien componiert 
hatte. Sie hatte einen so ausserordentlichen Erfolg, dass sie im 
Lauf der Jahre auf allen Btthnen Deutschlands , Italiens , Frank- 
reichs und Englands mit dem entschiedensten Beifalle gegeben 
wurde. In England war sie im Jahre 1 709 zum ersten Male gege- 
ben worden, und man konnte sich dort nicht satt daran hören. 
Es ist auch leicht begreiflich, dass der frische kecke Humor in 
dieser Oper, yerbunden mit glücklich erfundenen heiteren und 
ernsten Melodien durchschlagen musste , glaubt man doch noch 
heute aus der Partitur einen geistesverwandten Vorläufer Cima- 
rosa's herauslesen zu können. Noch 3 andere Opern, 3 Serenaden 
und 3 Oratorien* kamen von ihm in Wien von 1706 — 1711 zur 
Aufführung. Eine Mehrzahl der Cantaten, welche die k. k. Hof- 
bibliothek besitzt, dürften in gleicher Zeit entstanden sein. In 
allen diesen Werken hat man die glückliche Erfindung und Durch- 
führung, die auf einer tüchtigen Schule ruht, anzuerkennen. Ein 
hn Contrapunkt gearbeitetes Werk hat P a o 1 u c c i in seiner Arte 
pratica dl Contrappunto H. als Muster dieser Schreibart aufge- 
nonmien und der vielgepriesene Lehrer vieler Lehrer, der Padre 
Martini, sagt von M. Ant. Bononcini: „Er liess in seinen Compo- 

sitionen einen so hohen, kunstreichen und anmuthigen Stil wahr- 

• 

1 Wegen oftmaliger Verwechslung seiner Werke mit jenen seines 
Bruders mögen hier zuerst die Wiener Composidonen des MarcAntonio 
zusammengestellt werden. Sie sind: 1696 Camilla Regina de VoUci (Beil. 
Vin. 333), 1706 Arminio, Ser. (426) , 1706 La Fortuna, il vator, la giMtitia. 
Cant. (427), 1707 La Conquista detie Spagne (440), 1707 // Trionfo delia graiia- 
(442), 1708 La Preaa di Tebe. Ser. (453) , 1709 La DecaUazione dt Giov. Batt, 
Orat. (471), 1710 Caio Gracco. Op. (473) , 1710 Tigrane Re d^Armenia. Op. 
(474), 1711 VInterciso. Orat. (484). 

5* 



68 Giov. Battista Bononcini. 

• nehmen , dass er hervorragte unter der grösseren Zahl der Ton- 
setzer zu Anfang des gegenwärtigen (XVIII.) Jahrhunderts, so 
reich dieses auch an vortrefflichen Männern ist". 

Das Jahr der Greburt des Giovanni Battista Bononcini 
ist in ein völliges Dunkel gehttUt *, wozu er selbst beitrug, indem 
er sich um etwa zehn Jahre älter ausgab als er sein konnte. Am 
wahrscheinlichsten ist er um 1676 geboren, wenn sein älterer 
Bruder (nach Fitis) um 1675 geboren wurde , allein auch nicht 
viel später, da er 1699 schon mehreres von Bedeutung componiert 
hatte und am 1. Juli 1700 zum Hofcompositor Kaiser Leo- 
pold I. ernannt wurde und in dieser Anstellung bis zum Tode 
des darauffolgenden Kaisers Josef I. im Jahre 1711 blieb. 

Während dieser elf Jahre und später vereinzelt noch im Jahre 
1737 kamen von seiner Composition in Wien 9 Opern, 12 Sere- 
naden und 2 Oratorien zur Aufftlhrung*, und ausserdem dazwi- 
schen im Jahre 1703 die Oper Polifemo in Berlin. Nach seiner 
Entlassung im Jahre 1711 zog er sich nach Italien zurück, wo ef 
von seinem Aufenthalte in Rom im Jahre 1720 nach London be- 
rufen wurde, und dqrt durch seine Compositionen während meh- 
rerer Jahre ein bedeutender Rivale HändeTs wurde, bis ein 
Scandal erregender Handel (Bononcini hatte das Madrigal A n t. 
Lotti's In una siepe umbrosa als seine eigene Composition der 

1 Gerber in der zweiten Auflage stellt als sein Geburtsjahr 1660, 
A. D cm m e r in seiner Musikgeschichte p. 365, 1670 auf, beide ohne weitere 
Nachweise. Da Bononcini 1741 (nicht 1748; ein Tedeum fUr Kaiser Franz I. 
componiert hat, so würde nach obigen Annahmen sein Lebensalter weit 
über die Zeit der gewöhnlichen Compositionsthätigkeit gereicht haben. 

2 Gfov. Batt Bononcini componierte für Wien: 1699 La Fede 
publica. Op. (364), 1699 La Gara dei quattro stagianü Ser. (367), 1699 Eucieo 
f^teggiante, Ser. (369), 1701 V Oraeolo d'ApoUo. Comp. (382;, 1701 Gli afeiti 
piü grandi vinti dal piü giusto. Op. (387), 1701 La Converaione di Maddalena, 
Or. (390), 1703 Proteo sul Reno. Ser. (404), 1704 TomirL Op, (408), 1704 // 
Rüomo di Ceeare vincitore della Mauritania, Ser. (409), 1704 // Fiore deiie 
Eroine. Ser. (412), 1704 Feraspe, Ser. (413), 1705 La Nuova Gara di Giunone 
e Paitade. Ser. (417), 1706 Endimume, Op. (424), 17Ö7 Etearco. Op. (433), 
1707 Tumo Arieino. Op. (437), 1708 Mario fuggitivo. Op. (446), 1708 // Nataie 
di Gimwne, Ser. (449), 1708 // Sagrificio di Homolo. (451), 1709 L Abdolonimo* 
Op. (458), 1710 Muzio Scevola. Op. (475), 1713 LArrivo della gran madre degli 
Dei (493), 1737 Alessandro in Sidone, Op. (754), 1737 Ezechia, Orat. (763). 



Giov. Battista Bononcini. 69 

Academie überreicht^), ihn 1731 in England nicht länger mehr 
möglich 'machte. Sein späterer und letzter Aufenthalt war wahr- 
scheinlich Italien, wo er zu einer unbestinunbaren Zeit seine Tage 
beschloss. 

Die lebhafte, zum Theile enthusiastische Aufiiahme seiner 
Compositionen , besonders in England, lässt für sich darauf 
schliessen, dass sie dem grosseren Publicum leicht auffassbar und 
dem Geschmacke sowie den Forderungen der Zeit entsprechend 
waren. Wir finden auch in der That in seinen Werken den Mann 
reicher Begabung, besonders glücklich in Erfindung melodiöser 
dramatischer Gesänge, worin er selbst einem Händel ebenbürtig, 
wenn nicht überlegen war. Vielleicht ist nicht unbegründet, dass 
bei den einzelnen Nununem Bononcini weniger besorgt war, den 
Character der Situation durch die Musik darzustellen und zu bele- 
ben, als ein anmuthiges leichtfassliches und in vielen Fällen für den 
Gesangskünstler dankbares Musikstück zuschreiben. Das Weiche, 
Liebliche war seine Hauptstärke , die Kraft und Grösse konnte 
er nur unvollkommeil erreichen. Aber auch dort, wo er auf dem 
ihm zusagenden Felde mit Glück sich bewegt, findet man keine 
Henrorbringung, die sich an Verve und Glanz mit seines Bruders 
Oper Camäla messen*könnte, welcher er, beiläufig erwähnt, seinen 

iChrysander, Händel, II. 293 ff. erzählt die Verhandlung darüber 
weitläufig und setzt noch a. a. 0. 301 f. hinzu*: „Bononcini langte wohl noch 
öfter nach fremden Trauben. In seiner Pastoraloper Poiifemo befindet sich 
ein Duett in C-moU LImpiacabü gelogia, von welchem Matthesonim voll- 
kommenen Kapellmeister (pag. 349) den Anfang wegen der musterhaften 
zweistimmigen Composition mittheilt , zu denselben italienischen Worten, 
aber als ein Werk von Fux. So weit ich sehen kann, rührt die kunstvolle 
Arbeit von Fux her, un(l Bononcini hat sie durch Tilgung contrapunktischer 
und Einschiebung arioser Gänge fär die Bühne mundgerecht zu machen 
versucht, also verschlechtert". Diese Behauptung Chrysander^s scheint 
auch mir begründet, ungeachtet ich in allen mir vorliegenden Comppsitio- 
nen des Fux weder einen solchen Text noch eine solche Musik habe auf- 
finden können. Allein niemand wird sich in unsem l'agen berühmen kön- 
nen, alle Compositionen desFux eingesehen zu haben. —Nach Chrysander 
gab man inEngland vonG. Bononcini folgende Compositionen :i4tftorto (1721), 
Mutio Scevoia IL Act. (1721) , Giro (1721) , Crispo (1721), Grüelda (1721), 
Funeral anthem Hir den Herzog von Marlborough (1722), Erminia (1722) 
Fonttfce (1724), CViZ/Wr/ita (1724), AsHanaBse (1121) , ausserdem ,^Cantate e 
Duetti" (1721). 



70 



P. Franc. Tosi. 



Ruf nach England und einen Theil seiner dortigen Erfolge zu 
danken hatte, da man ihn für den Verfasser der Camilla hielt, 
und er wie es scheint nichts that diesen Wahn zu zerstören. 
Dass er bei den Begleitungen der Gesangstücke das Violoncell 
öfter bedachte , wird man bei dem ausgezeichneten Virtuosen auf 
diesem Instrumente ganz begreiflich finden. Aus seinen Cantaten 
und Duetten ergibt sich noch deutlicher als aus vielen seiner 
Opemnummem, dass das Liedartige ihm vor allem andern zusagte, 
da er hier seinen Reichthum an Melodien besonders zur Geltung 
bringen konnte. Die ,,köstliche" ftlnfstimmige Canzona: Foss'io 
quel rosignuoloy welche Chrysander (Händel ü. 302) für eine 
Composition des Marc Antonio Bononcini zu halten geneigt ist, 
befindet sich auch in der k, k. Hofbibliothek (Fonds R. Kiese- 
wetter) mit dem Titel Amante in Vssignuolo. Scherzo pastorale als 
ein Werk des Giovanni Battista B. (Hofbibl. S A. 67. B. 93.) 
Pier Francesco Tosi war von Kaiser Josef L im Jahre 
1705 zum Hofcompositor ernannt und nach des Kaisers Tode 
(1711) wieder entlassen. Er war in Bologna um 1647 geboren, 
war ein ausgezeichneter dramatischer Sänger und versuchte sich 
auch in Compositionen von Cantaten nicht ohne Glück; von ihm 
wurde 1701 das Oratorium U Martirio di S. Cntterina (389) in 
Wien aufgeführt. Als er sich vom Theater zurückgezogen hatte, 
gab er noch Unterricht im Gesänge. Er starb in hohem Alter 1727 
in London. Verdienten grossen Ruf verschaffte ihm seine Gesang- 
schule Opinioni de CatUori antichi e modemi, Bologna 1723, 
welche ins Englische, Französische und Deutsche übertragen 
wurde, und noch jetzt den Sängern von Nutzen sein kann. 



V. 

Fux^ KApellmeiftter am Dome sn St. Stephan in Wien (1705—1715) — 
Reformiemng der Hofkapelle — Fox wird Tiee-Hofkapellmei8ter des 
Kaisers und Kapellmeister der Kaiserin- Witwe WUhelmine Amalla 
(1718—1718) — Die Compositoren Marc Antonio Ziani and Antonio 

Lottl* 
• 

Ans den Musikkapellen der Kirchen der inneren Stadt Wien 
bei den Schotten, bei St. Peter, bei St. Augnstin war die Kap eil e 
bei derDomkifche zn St. Stephan znjener Zeit ohne Zweifel 
die vorzüglichste. Obschon die Hofkapelle bei einzelnen Festen 
in der einen oder der andern der erstgenannten mnsicierte, so 
waren es doch die hänfigsten und grössten Feste , wo der Hof in 
feierlichen Processionen nach St. Stephan zog, wie am Oster- und 
Pfingstfeste, bei grossen Tedeum wegen erfochtener Siege bei 
Friedensschlüssen oder höchsten Geburten, und wenn bei solchen 
Gelegenheiten die Hofinusik dort mitwirkte, so stellte doch auch 
die Kirche dazu einen bedeutenden Stamm, und leistete zugleich 
selbständig anerkennungswerthes. Fremde reisende Künstler 
rechneten es sich zur Ehre, bei ihren Musiken zur Mitwirkung 
eingeladen zu werden, und eine Anzahl bedeutender Namen hat 
diese Kapelle gemeinsam mit der Hofkapelle bis auf die neueste 
Zeit; so ausser Job. Jos. Fux (seit 1705), Georg Reutter 
(1715), Joh. Georg Albrechtsberger (1792), noch in 
unseren Tagen (seit 1853) Gottfried Preyer. 

Die Domkirche von St. Stephan hatte bis etwa über die Mitte 
des XVUI. Jahrhunderts zur Besorgung der Kirchenmusik gewöhn- 
lich zwei' Kapellmeister besoldet. 

Die Dienste bestanden ausser den allgemeinen im Dome und 
in der Salvatorkirche (am nachmaligen Magistratsgebäude in der 
Salvatorgasse) auch noch in den besonderen bei dem ungarischen 
Gnadenbilde (Maria Böcz) im Dome. Bisweilen scheinen beide 
Dienste von dem ersten Kapellmeister (von J. J. Fux „Essential- 



72 ' Fux, Domkapellmeister. 

Kapellmeister" genannt) versehen worden zu sein. Die Entloh- 
nungen erfolgten nach den noch vorhandenen Rechnungen über 
die Dienste im Dome vom Kirchmeisteramte*, über jene in der 
Salvatorkirche von der Commune*. Der Gehalt fllr den ersten 
Kapellmeister im Dome betrug 300 fl. und 24 fl. Kleidgeld , nebst 
einigen Accidentien, in der Salvatorkirche für ,,Salvatordienst" 
74 fl. 8 kr., für Rorate, Requiem, Anniversarien 63 fl., daher in 
Allem, wenn die Dienste nicht getrennt waren, gegen 550 fl. Wie 
der Dienst des zweiten Kapellmeisters bei dem Gnadenbilde ent- 
lohnt wurde, ist aus den summarischen Rechnungen nicht zu ent- 
nehmen. 

In den Rechnungen von 1696 bis 27. August 1712 erscheint 
als erster Kapellmeister J h. Mich. Zacher, der 30. September 
1712, 63 Jahre alt gestorben war. Nach dem magistratischen De- 
crete vom 1. Juli 1706^ hatte Zacher dem ,,kays. Hoffinusico und 
Componisten J. J. Fux" den Musikdienst bei dem ungarischen Gna- 
denbilde vom October 1705 zu versehen tiberlassen. Mit demselben 
Decrete und dem späteren vom I.August 1707* wurde bestimmt, 
dass Zacher von den 7 Singknaben von St. Stephan anfangs 4 
(später 3) und Fux ebenfalls 3 Knaben in Kost, Verpflegung und 
Unterricht erhalten soll, wofür an Fux anfangs 600 fl. Kostgeld, 
60 fl. Zimmerbeihilf und 75 fl. InstructionsgebUhr bezahlt wurden. 
Seit dem 1 . October 1 705 war daher J. J. Fux (zweiter) Kapell- 
meister beim Gnadenbilde, und erst nach Mich. Zächer's Tode 
(30. Sept. 1712) erscheint Fux als erster (Essential-) Kapell- 
meister am Dome^ Diese Stelle bekleidete er bis Ende 1714 
oder Anfangs 1715; denn in den Rechnungen wegen des Salva- 
tordienstes erscheint er nur bis 30. März 1715 als Kapellmeister^, 
in den Kirchenmeisteramts-Rechnungen hat schon mit 1. Jänner 
1715 sein Nachfolger Georg Reutter als Essential - Kapell- 
meister ^ seinen ersten Gehalt bezogen , nachdem er schon früher 
als zweiter Kapellmeister beim Gnadenbilde wahrscheinlich be- 
reits 1712 eingetreten war. Eben so hat Fux den Unterricht der 
Kapellknaben mit dem Jahre 1714 aufgegeben, denn Reutter er- 
hielt nach den Rechnungen fUr das ganze Jahr 1715^ 1200 fl. 
fllr 6 Kapellknab^. 

1 Beil. II. 32. 2 Eb. 33. » Beil. II. 34. * Beil. IL 34. s Beil. H. 
33. «Eb. 7Eb. «BeiLII. 32. 



Fux, Singfundament. 73 

Specielle Daten über die Thätigkeit des Domkapellmeisters 
Fax liegen nicht vor, ein einziges ActenstUck ;,vom Bürgermeister 
und Bath der Statt Wien" * vom 24. Oetober 1714, gerichtet an 
beide Kapellmeister am St. Stephansdome, ,,J. J. F ux und Georg 
Rentter" ist in den Acten der Commune Wiens aufbewahrt, 
woniach einige nachlässige Instrumentalisten sowohl bei den ge- 
wöhnlichen Kirchendiensten als bei dem ,,Marianischen Gnaden- 
bilde von Petsch" zu grösserem Fleisse ermahnt werden sollen ; 
eine Ermahnung, wozu auch bis auf unsere Zeiten in manchen 
Kapellen die Veranlassung gefunden werden möchte. Ausser dem 
Gesangsunterrichte der Cantoreiknaben im Dome dürfte wahr- 
scheinlich ein ähnlicher Unterricht während seiuer Stellung als 
Organist bei den Schotten für Fux den Bestiminnngsgrund zu dem 
„Singfundamente" gegeben haben, das noch im Autographe 
im Archive des Wiener Musikvereines sich vorfindet. Diese Ge- 
sangschule ftlr Sopran hat die Aufschrift: ^Fundamentum. Aufhöre 
Fux^ und enthält nach den nöthigsten Vorkenntnissen für Musik 
überhaupt, und Solmisation insbesondere, dann einer Anzahl 
Uebungen in den verschiedenen Intervallen und rhythmischen 
Geltungen, noch 55 kurze Uebungen für zwei Soprane, sämmt- 
lich darauf berechnet, feste Kirchensänger in möglichst kurzer 
Zeit heranznjbilden. Dass. dabei von jeder Virtuosität des Gesan- 
ges abgesehen ist , versteht sich aus dem angegebenen Zwecke 
dieser Uebungen. — Eine zweite Gesangschule für eine Alt- 
stimme befolgt den ganz gleichen Gang mit der früher erwähn- 
ten für Sopran, nur sind die Uebungen ftlr 2 Altstimmen noch um 
einige vermehrt. Es unterließ keinem Zweifel, dass diese Ge- 
sangschulen durch ihr practisch eingerichtetes Fortschreiten vom 
Leichteren zum Schwereren , so wie durch die Kürze der einzel- 
nen Uebungsstücke, die den Lernenden nicht ermüden lassen und 
ganz in gebundener Schreibart der Compositionen für die Kirche 
gehalten sind , den wirklichen Eintritt zum Kirchengesange nur 
als weitere Anwendung des Erlernten entschieden anbahnen 
müssen , und von dem didactischen Talente des Verfassers des 
Gradus ad pamassum , auf einem andern aber damit verwandten 
Felde ein sprechendes Zeugniss geben. 

1 Beil. IL 34. Alinea 3. 



74 Reformierung der Hofkapelle. 

Während der Tod des Kaisers Josef I. unerwartet rasch 
erfolgte, war sein legitimer Reichsnachfolger König Karl HI. 
in Spanien als Heerführer im Kriege gegen Frankreich abwesend. 
Als Kaiserin-Regentin wurde nun die Mutter von beiden Brüdern, 
die Kaiserin-Witwe Eleonore (nach Kaiser Leopold I.) 
bestimmt. Eine ihrer ersten Sorgen war, in die durch die unauf- 
hörlichen Kriege und sorglose Wirthschaft zerrütteten Finanzen 
Ordnung zu bringen, und zu diesem Ende Einschränkungen zuerst 
durch Reductionen des kaiserlichen Hofstaates anzuordnen ^ Dazu 
gehörte auch die Hof-Musikkapelle, und es wurde in dieser Rich- 
tung befohlen, „von den Musicis nur diejenigen zu behalten, 
welche die besten sind und allein zum Kapelldienst erfordert wer- 
den; alle übrigen aber, wie auch die Sängerinen, Compositoren 
und was zum Theater gehört zu licentiieren" (entlassen). -Der 
Vice-Kapellmeister Marc Antonio Ziani erhielt den Auftrag*, 
von dieser Gesammten^Jassung sämmtliche Mitglieder der Hof- 
kapelle zu verständigen, zugleich soll er aber, da der Kaiser mit 
einer guten Musik versehen sein müsse, von den jetzt entlassenen 
Musikern die besten , diensttauglichsten und fleissigsten aufmer- 
ken; jedoch nur so viele an Sängern und Instrumentisten als „zur 
Versehung des Kapeil- oder Kirchendienstes" nothdürftig erfor- 
dert werden; zugleich auch Vorschläge wegen „zulänglicher" Be- 
soldungen zu machen ohne Rücksicht auf die bisher genossenen, 
theils grossen, theils übertriebenen Gehalte und bei dieser Arbeit 
einen langgedienten erfahrnen Mann, als etwa den Concertdispen- 
sator Kilian Reinhard, sich zu adjungieren". lieber diesen 
Vorschlag des Vice-Kapellmeisters .wurde auch eine gutachtliche 
Aensserung des Hofiriusik-Oberdirectors FerdinandErnstGraf 
MoUart^ vorgelegt. Seine Vorschläge liefen im wesentlichen 
darauf hinaus, dass vor allem die Bezahlung der Besoldungen 
richtig und pünktlich erfolge, und deshalb ein eigener Fundus 
bestinunt werde; die Musiker sollen nicht wie bisher aus verschie- 
denen Kassen, sondern in Zukunft nur aus einer und derselben 
Kasse — dem Hofzahlamte — ihre Besoldungen erhalten; nicht 
allein die Zahl der Musiker soll vermindert, sondern auch ihre 
öfter exorbitanten Besoldungen sollen restringiert werden ; Scho- 

1 3. Sept. 1711. Beil. IL 27. « Beil. IL 28. 3 1712. Beil. IL 30. 



F u X wird Vice-Hofkapellmeister. 7 5 

laren sollen nur aufgenommen werden, wenn sie entschiedenes 
Talent besitzen ; der Termin der Entlassung der bis dahin Ange- 
stellten soll auf den 1. Oetober festgesetzt, doch auf verdiente 
Musiker, ihre Witwen und Waisen Bedacht genommen werden. 
Nach der beigegebenen Liste der neu Anzustellenden und der zu 
Pensionierenden fielen wohl eine ziertiliche Anzahl der frllher An- 
gestellten bei der Reformierung der Kapelle aus, viele aber fielen 
wieder der Pensionierung zu, und das Budget der gesammten Hof- 
kapeUe betrug nach diesem Vorschlage * noch immer die beträcht- 
liche Summe von 99.227 Gulden. Es war jedenfalls ein löbliches 
Bemühen der Regierung , Ordnung in das Ordnungslose zu brin- 
gen, was aber die Herabminderung des Ausgabenbudgets und 
der Zahl der Angestellten betriflft, so stellte sich diese Erwartung, 
wie schon oft früher und später, als illusorisch heraus ; die grosse 
Oper übte ihre verfllhrerischen Reize; kostbare Sänger und 
Sängerinen wurden engagiert und die Instrumentalmusik musste 
mit den gesteigerten Anforderungen Schritt halten , wie dies die 
Geschichte der Entwicklung der Hofkapelle zeigen wird. 

An diesem Orte ist zuerst der Veränderungen zu erwähnen, 
welche gelegentlich der Reformierung bei der Leitung der Hof- 
kapelle Platz griffen. Die Hofcompositoren Giov. Batt. Bonon- 
cini und Pietro Franc. Tosi, so wie der Kammercompositor 
Franz Daniel Thalmanir wurden 1711 pensioniert. An die 
Stelle des 1709 verstorbenen Antonio Pancotti trat mit 
1. Jänner 1712 Marc Antonio Ziani als neu ernannter Hof- 
kapellmeister, und dessen verlassenes Amt als Vice-Hofkapell- 
meister wurde mit Entschliessung vom 26. Jänner 1713 dem bis- 
herigen Hofcompositor JohanuJosefFux übertragen. 

Nach den Normen der eben in der Einführung begriffenen 
•Reformierung war der Gehalt des Vice-Kapellmeisters auf 1600 fl. 
festgesetzt, undFux, dem noch im letzten Regierungsjahre des 
vorigen Kaisers Josef I.* eine Gehaltaufbesserung von 1440 fl. auf 
2000 fl. zuerkannt worden war, musste neben der ehrenvollen 
Rangserhöhung dadurch einen empfindliehen Rückgang seines 
Gehaltes erfahren. Es muss aber auch von Seite des Hofes diese 
Zurücksetzung eines Mannes von so anerkanntem Verdienste auf- 

» Beil. II. 31. ^ 22. März 1711. Beil. II. 4. 



76 F u X , Hofkapellmeister der Kaiserin W i 1 b. A m a 11 e. 

gefallen sein ; denn es werden nach mehreren Richtungen Bemü- 
hungen erkennUar , Fux in anderer Weise fllr seinen pecuniären 
Verlust am Gehalte schadlos zu halten. Zuerst wurde in seinem 
Anstellungsdecrete vom 13. Jänner 1713 bestimmt, dass ihm 
sein neuer Gehalt vom 1. October des Jahres 1708 — also mehr 
als 4 Jahre nach rückwärts — von dem Hofzahlamte ohne Abbruch 
des ersten Quartals ausbezahlt werde. Dies konnte \aelleicht 
zugleich eine Entschädigung fUr die durch mehrere Jahre unor- 
dentlich erfolgte Besoldung sein; allein ein anderes Zeichen 
kaiserlicher Gnade , welches keinen Zweifel über den Character 
einer Schadloshaltung übrig lässt, war seine gleichzeitige Ernen- 
nung zum Kapellmeister der Kaiserin-Witwe Wilhelmine 
Amalie (nach Kaiser Josef I.) , womit ein Gehalt von 1500 fl. 
verbunden wurdet während vor und nach Fux nur Musik- 
Directoren, wahrscheinlich mit geringeren Gehalten an dieser 
Kapelle angestellt wurden. 

Neben der Hofkapelle, des regierenden Kaisers bestanden 
nämlich bei Hofe auch zwei kleinere Kapellen der Kaiserinen 
Witwen. Jener der Kaiserin Eleonora Margaretha, Witwe 
nach Kaiser Leopold I. seit 5. Mai 1705, erwähnt J. J. Fux* nach 
dem Tode der Kaiserin (19. Jänner 1720) in einem Gutachten 
vom 3. August 1720, über ein Gesuch des Matthias Oettl „nach- 
gelassenen Kaiserin Eleonorischen Kapellmeisters". — In der 
Kapelle der Kaiserin -Witwe Amalie nach Kaiser Josef I. seit 
17. April 1711 war Fux selbst durch sechs oder sieben Jahre als 
Kapellmeister angestellt. In den Hofkalendem, deren ältester vom 
Jahre 1714 im kais. geh. Haus-Hof- und Staatsarchive sich be- 
findet, wird Fux bereits als Hofkapellmeister aufgeführt. Seine 
Anstellung muss aber weiter zurück datieren, wenigstens in das 
Jahr 1713, da der erwähnte Kalender Anfangs des Jahres 1714 
bereits gedruckt ausgegeben sein musste. Dazu kommt noch, dass 
Fux im Jänner 1713, bei der Reorganisation der Hofkapelle zwar 
zu der Stelle des Vice-Hofkapellmeisters vom Hofcompositor a\'an- 
cierte, allein statt seines früheren Gehaltes von 2000 fl. auf 1600. fl. 
herabgesetzt würde. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Fux, 

^ Vortrag des Oberst-Hofmeisteramtes 7. Febr. 1715. Beil. IL 6. 
2 Beil. VI. 50. 



Marc Antonio Ziani. 77 

der bisher ein immer erhöhtes Einkommen vom Hofe bezog, bei 
dieser letzten Herabmindernng durch die Anstellung als Kapell- 
meister der Kaiserin Amalie entschädigt wurde ^ Nach denselben 

• 

Hofkalendem erscheint Fux noch im Jahre 1718 als Hofkapell- 
meister der Kaiserin Amalie, yom Jahre 1720 aber sein Nach- 
folger der Hof-Musikdirector Heinrich Holzhauser. Da 
der Kalender von 1719 mangelt, so muss Fux auf seine Stelle 
als Kapellmeister der Kaiserin Amalie entweder 1718 oder 1719 
resigniert haben, was begreiflich erscheint, da er 1715 Hofka- 
pellnleister des Kaisers wurde und bei der Zntheilung seines 
neuen Gehaltes von 2500 fl. und 600 fl. Adjuta*, diese Erhöhung 
wegen ^er früher „doppelt genossenen Hofbesoldung^ von 1600 
und 1500 fl. angetragen wurde. Es scheint daher zugleich, dass 
Fux als wirklicher Hofkapellmeister des Kaisers keine weiteren 
BezUge wegen der Functionen als Kapellmeister der Kaiserin 
Amalie mehr genoss. 

Zum Hofmusikstaat der Kaiserin gehörten durchschnitt- 
lich 28 Angestellte: 1 Kapellmeister, 1 Organist, 1 Sopranist, 
1 Contraaltist, 2 Tenoristen, 2 Bassisten, 4 Violinisten, 1 Violonist, 
1 Violoncellist, 2 Trombonisten, 1 Fagottist, 1 Cornettist, 1 Par- 
tituren- Austheiler, 1 Diener, 8 Ripienisten. Allerdings eine kleinere 
Kapelle, welche bei der Zurückgezogenheit der Kaiserin- Witwe 
wohl nur in der Kirche Dienste zu leisten hatte. Näheres über die 
Leistungen dieser Kapelle ist nicht bekannt. 

In den Jahren 1713 uhd 1714 war daher Fux zu gleicher Zeit 
Vice-Hofkapellmeister des Kaisers , Kapellmeister der Kaiserin- 
Witwe und Dom-Kapellmeister von St. Stephan iii Wien. 

Ausser den früher erwähnten Hofcompositoren ist hier noch 
die Thätigkeit des eben ernannten kais. Hofkapellmeisters Marc 
Antonio Ziani und des ausgezeichneten Organisten und Ka- 
pellmeisters am Dome zu Venedig Antonio Lotti in Betracht 
zu ziehen , welche in dieser Periode durch ihre Compositionen für 
Wien hervorragen. 

Marc Antonio Ziani, geboren zu Venedig um 1653, ge- 
storben zu Wien 22. Jänner 1715, 62 Jahre alt. Er war ein Neffe 
des Priesters und berühmten Organisten PeterAndreas Ziani, 

1 Beil. n. 6. 2 Eb. 



78 Antonio Lotti. 

der durch mehrere Jahre Kapellmeister der Kaiserin - Witwe 
£lisabeth (nach Kaiser Ferdinand IIL) war und im Anfange des 
Jahres 1669 nach Italien zurückgieng^ Marc Antonio Ziani 
hatte 1698 das Oratorium II Giudizio di Salomone dem Kaiser 
Leopold L zugeeignet, wurde nach Antonio Drag hi's Tode und 
der Vorrückung Ant. Pancotti's in die Kapellmeistersstelle am 
1. April 1700 zum Vice - Kapellmeister und am 1. Jänner 1712 
zum Hofkapellmeister ernannt. Seine musicalische Thätigkeit als 
Componist von Opern und Oratorien hatte schon in Venedig um 
1679 begonnen*, am Hofe in Wien gelangten* von 1700 bis 1714 
von ihm 7 Opern, 5 Serenaden und 10 Oratorien zur Aufführung. 
In den Messen und zahlreichen Kirchencompositionen zeigte er 
sich als tüchtiger Gontrapunktist , was ihm auch in den Oratorien 
wohl zu Statten kam, unter denen das oben erwähnte Giudizio di 
Salomone durch Feuer und glückliche Auffassung der Charactere 
sich auszeichnet. In minderem Grade ist dies in seinen Opern und 
Serenaden hervortretend, wo sich manche veraltete Manier breit 
macht und wenig Interesse des Zuhörers zu. erregen vermag. 
Vielleicht hat er seinen ausgezeichneten Ruf, der ihm von Venedig 
vorausgieng, dem reicheren Gehalte seiner früheren Compositi- 
onen zu danken, die hier nicht bekannt sind. 

Antonio Lotti, Organist und später Kapellmeister am 
Dome von S. Marco in Venedig*, war aus der Schule des be- 
rühmten Giovanni Legrenzi als dessen hervorragendster 

1 K. k. Hofbibl. Mpt. 7654. pag. 38. * 

^Gerber führt von seinen früheren CompoBitionen an vom Jahre 
1679 Alessandro magno in Sidone. — 1680 La Sinfa bizarra. — Alcibiade. 

— 1683 Damira placata und La Virtü mblimata dal Grande, — 1685 Ttdlo 
OMio, — 1688 Inganno regnante, — 1689 // gran Tamerlano^ — 1690 Cremite. 

— 1691 Fahirena. Amante Eroe. Marte deluso und La Virtü trionfante, — 
1693 Rosalinda. — 1694 Amor figlio del merito und La Moglie nemica. — 1696 
La finta Paztia <f Ulisse. Domizio und Costanza in Trionfo. — 1697 Odoardo. 
II Giudizio di Salomone nnd Egisto, — 1699 Amori tra gli odi und // Teodosio. 

— 1700 Duello damore e di Vendetta. 

3 Die Opern Beil. VIII. 376. 386. 396. 403. 425. 460. 507. — Die Ora- 
torien 380. 400. 414. 430. 443. 456. 470. 480. 485. 499. — Die Serenaden 
411. 422. 423. 463. 506. 

^ £r war 1667 geboren, um 1684 Legrenzi^s Schüler, von 1693 Orga- 
nist und von 1736 bis zu seinem 1740 erfolgten Tode Kapellmeister am 
Dome von S. Marco in Venedig. (Dommer Musikgeschichte.) 



Antonio Lotti. 79 

Zögling hervorgegangen. Er hatte, wie die meisten Italiener jener 
Zeit, für die. Kirehe, Kammer und Bühne gearbeitet, worin er wie 
sein Vorbild AlessandroScarlatti, Wahrheit der Empfindung, 
Lebhaftigkeit des Ansdrucks mit contrapunktischer Gelehrsamkeit 
verband. In Wien machte er sich durch seine berühmt gewordenen 
Duetti, Terzetti e Madrigali bekannt, welche er 1 705 in prächtiger 
Ausgabe dem Kaiser Josef I. widmete. Es sind dieselben, aus 
denen Ginseppe Bononcini das letzte Madrigale a cinque 
In una siepe umbrosa in England fllr seine Composition ausgab. 
— In Wien wurden von Lotti die Oratorien // Vota cmdele im Jahre 
1712 (Beil. VIH 489) und UVmiltä coronata 1714 (508), dann 
auch 1716 die grosse Oper Costantino (522) gegeben, wozu Fux 
die Ouvertüre, Caldaradie komischen Zwischenacte schrieb. 
Wenn das dramatische nicht an seine Kirchen- und Kammercom- 
positionen reicht, weil ihm die Kraft in Darstellung stärkerer 
Affeete versagte , so wird man doch nirgends die Mannigfaltigkeit 
in Erfindung von Melodien, die Eleganz der Form und die durch 
die contrapunktisehen Studien bedingten harmonischen Führungen 
vermissen; so wie der Meister des Gesanges auch in ausgedehn- 
teren Coloraturen nirgends zu verkennen ist. 



VI. 

Kaiser Karl Tl. und sein Hof (1712-1740) — Fnx wird kaiserlicher 
UoflEapellmeister (1715) — Seine mnsicalische Thätigkeit (1714—1716) 
— Darstellung seiner <^er Angelica (1716) — Ant* Oaldara, Tiee« 
HollRipellmeister (1716—1786)— Die Hofeompositoren Franeeseo Conti 
(1718—1782) — «inseppe PorsUe (1720-171 



Ein glücklicher Feldzug in Spanien war eben (1710) been- 
det, als König Karl III. von Spanien durch den Tod seines 
BruderS; des Kaisers J o s e f I. genöthigt war, nach Deutschland 
und in seine Erbstaaten zurückzukehren. Nachdem er 22. Decem- 
ber 1711 in Frankfurt als römischer Kaiser Karl VI. * gekrönt 
worden war, hielt er am 26. Jänner 1712 seinen Einzug in Wien, 
das von dieser Zeit an seine bleibende Residenz wurde. Er nahm 
hinfort auch keinen persönlichen Antheil mehr an den kriegeri- 
schen Unternehmungen und widmete seine fiegententhätigkeit 
nur den Künsten des Friedens. Das Glück schien ihn mit allen 
Oaben bedacht zu haben , welche es seinen Günstlingen aufbe- 
wahrt. Er hatte einnehmende Gesichtszüge, eine edle Haltung 
und ein gewnnendes Wesen. Schon in früher Jugend bewunderte 
man die Sanftmuth seines Characters, die Klarheit seines Ver- 
standes , mit welchem er seinem Studium sich hingab. Er besass 
das ernste, abgemessene Wesen seines Vaters, weshalb er auch 
dem Herzen desselben theuer war \ Äpostolo Zeno entwirft 
in einem Briefe vom 20. December 1722^ an seine Freunde in 
Italien folgende Characteristik von ihm : „Ein Brief ist nicht im 
Stande, die Würdigung meines Monarchen zu fassen. Sein grosses 
Herz , geschmückt mit jeder Tugend , kann man nie in seinem 
ganzen Umfange vollständig erkennen, und könnte man es, so 
vermöchte man es nie genug zu bewundem und zu lieben. — Ich 
erwähne hier nur, dass er in litterarischen Dingen bis auf den 

1 Geboren 1. Oct 1685. 2 Arneth, Prinz Eugen. I. 23. 3 Let- 
tere. III. 361. 



Karl VI. und sein Hof. 81 

Onind dringt^ and sein Gedächtniss ist so tren, dass ich öfter 
darüber erstaunt war. Unter anderen erinnere ich mich, dass 
als wir eines Tages im Gespräche auf die stoische Philosophie 
kamen, er mir ihre Vorzüge herzählte und die Mängel der anderen 
Ethiker bemerkte , indem er die Beweisesstellen mit den eige- 
nen Worten des Epictet und Seneca anführte , dass ich meinte, 
er müsse diese Schriftsteller absichtlich eben erst studiert haben, 
während er mir versicherte, es seien bereits vierzehn Jahre, dass 
er sie nicht in der Hand gehabt habe. Ausser seiner Muttersprache 
spricht er vollkommen latein, italienisch, französisch, castillanisch 
und catalonisch; bewahrt sein Seich einen dauernden Frieden, 
so werden Künste und Wissenschaften einen kaiserlichen Be- 
schützer an ihm haben. ^ — Der. Kaiser war auch persönlich 
einer der emsigsten Arbeiter : nichts glich der Aufinerksamkeit, 
womit er die ihm vorgelegten Berichte durchgieng und sie oft 
mit seitenlangen Bandglossen yersalf K 

Wie sehr dem Kaiser die Förderung der Wissen- 
schaffen in Oesterreich am Herzen lag^ hatte er auch durch 
die Berufung des Historiographen und Poeten Apostolo Zeno 
bewiesen, femer durch seine Bemühungen, den Philosophen 
Leibnitz fttr Oesterreich wegen Gründung einer „Socieföt" der 
Wissenschaften in Wien zu gewinnen, welcher Plan zwar nicht 
zur Wirklichkeit wurde, den Kaiser aber nicht hinderte, Leibnitz 
als Anerkennung seines wissenschaftlichen Verdienstes zum 
Reichshofrath mit einer Pension von 2000 Gulden zu ernennen 
und in den Freiherrenstand zu erheben'. Seiner besonderen 
Gunst erfreuten sich femer die beiden gelehrten Geschichts- 
forscher Bernhard^ und Hieronymus Pez^, Conventualen 
des Benedictinerstiftes Melk, mit denen ebenfalls wegen einer 

1 Arneth, Prinz Engten. III. 156. * < Unter den Förderern des Planes 
zur Societ&t der Wissenschaften g^ehOrte auch Prinz Eugen, der 1714 in 
ein näheres V erb&ltniss zu Leibnitz getreten war. (0 1 1 o K 1 o p p. Archiv für 
österr. Gesch. XL. p. 154—255.') Prinz Eugen bewahrte das Manuscript der 
li Monadologie^ j das Leibnitz eigens für ihn aufgesetzt hatte, wie ein Kleinod 
in einem besonderen Kästchen. (A r n e t h , Prinz Eugen. III. 60 f.) ^ Geb. 
22. Febr. 1683 zu Ips, gest. 27. März 1735. ^ Geb. 24. Febr. 1685, gest. 
14. Oct. 1762. Ueber ihr Wirken schreibt J. F. Keibiinger, Gesch. des 
Benedictiner Stiftes Melk. I. 966 ff. 

Köeh9l, J. J. Fox. 6 



82 Karl VI. und Bein Hof. 

Academie der Wissenschaften berathen wurde. Die Vennehrung 
der kaiserlichen Bibliothek unter seinem verdienten Bibliothekar 
Gentilotto* war nicht minder ein Gegenstand seiner Vorsorge 
und durch den Prachtbau der Hofbibliotbek wurde nebst der An- 
erkennung des Werthes wissenschaftlicher Werke zugleich eine 
Zierde der Hauptstadt geschaffen , welche diesem Kaiser ausser- 
dem eine Reihe von Monumentalbauten verdankt. 

Gleich seinem Bruder Josef I. hielt Kaiser Karl VI. einen 
glänzenden Hofstaat. Ein Blick in das bewegte Treiben des 
damaligen Lebens am Hofe ist ausser dem allgemeinen cultur- 
historischen Interesse auch für die musikgeschichtliche Entwick- 
lung in Oesterreich von Belang. 

Der jährliche Wechsel des Hofhaltes in der Burg, in Laxen- 
burg und in der Favorita wurde regelmässig eingehalten , indem 
man gegen Ende April nach Laxenburg, Ende Juni in die Favo- 
rita^ Ende October in die 6nrg übersiedelte. Damit zusammen 
Mengen auch die Darstellungen der verschiedenen musicalischen 
Productionen, je nachdem einGeburts- oder Namensfest mit einem 
oder dem anderen Aufenthaltsorte zusammenfiel. — lieber einige 
Verhältnisse bei Hofe und in den höheren Kreisen der Gesell- 
schaft schreibt der feine Beobachter Baron Ludwig Pöll- 
nitz^, der in den Jahren 1719 und 1729 sich länger in Wien 
bewegte: ^Man findet an diesem Hofe mehr Annehmlichkeiten, 
als in Paris und London, was die Leichtigkeit betrifft, Bekannt- 
schaften zu machen. Hat man sich bei Hofe vorgestellt, und ist 
nur in einem einzigen Hause eingeführt , so ist man es auch bald 
in allen andern, und hat den Vortheil, dass man dort überall 
deutsch, französisch, italienisch und spanisch spricht; deutsch 
kann man leicht entbehren. Die Minister und grossen Herren am 
Hofe sind höflich und anständig, auch leicht zugänglich. Der 
Kaiser ist in der öffentlichen Erscheinung ernst und scheint denen 
streng, die ihn nicht näher kennen. Dessungeachtet ist er leicht 
umgänglich und herablassend. Spricht man mit ihm, so hört er 
aufmerksam zu und antwortet mit vieler Güte." Das prächtige 
Theater in der Burg hebt auch er hervor. 

lApost. Zeno, lettere. III. p. 20. 2 Mömoires. Nouv. 6dit. 1734. 
III. p. 287 flf. 



Karl VI. und sein Hof. 83 

Zu den bedeatendsten nächisten Umgebungen des Kaisers, 
welche zugleich die Hauptmittelpunkte der Geselligkeit yorstellten, 
gehörten ausser den unter Kaiser Josef I. erwähnten Personen 
Graf Friedrich Karl von Schönborn, Reichs-Vicekanz- 
1er, ein Mann von ungemein bestechenden Umgangsformen. Nie- 
mand glich ihm in Wien an forstlichem Aufwände und Entfaltung 
glänzendster Pracht ; allgemein pries man den Geschmack seiner 
Bauten und den Luxus bei zahlreichen Festen K — Prinz Eugen 
kannte keine willkommenere Erholung von seinen zahlreichen 
Geschäften, als die Gesellschaft eines Kreises von Fi'eunden, 
unter denen die Gräfin Batthyany, des geistvollen Hofkanz- 
lers Strattmann gleichbegabte Tochter, den ersten Rang ein-, 
nahm, in deren Cirkel er niemals zu fehlen pflegte*. 

Im Winter und zur Faschingszeit kamen ausser den Hof- 
bällen regelmässig komische italienische Opern, Bur- 
lesken des Adels und Maskeraden an die Reihe, wobei die 
Faschingswirthschaft oder Bauernhochzeit niemals 
fehlen durfte , in welcher der Kaiser den Wirth zum schwarzen 
Adler, die Kaiserin die Wirthin vorstellte. Aehnliche Costüme- 
bälle fanden auch bei den Gesandten der fremden Mächte und 
bei verschiedenen hohen Würdenträgern statt. Ebenso erhielten 
sieh aus früheren Zeiten die prachtvollen Schlittenfahrten, als 
eine willkommene Gelegenheit, in Pferden, Schlitten und Gefolgen 
einen reichen Prunk zu entfalten. 

Mit besonderer Vorliebe trieb der Kaiser die Jagd, das 
Scheibenschiessen und mehr noch als beides die Musik. Fuchs- 
prellen , Dachshetzen , Jagden auf Wildschweine, Hirsche und 
anderes Rothwild, Fasanen, die Reigerbeizen, ein Hauptzweig der 
eifrig betriebenen Falknerei , werden in regelmässiger Folge das 
ganze Jahr hindurch gepflegt , auch Bären und Wölfe bisweilen 
in den nächsten Umgebungen Wiens gefällt, wobei die Kaiserin 
den Kaiser gewöhnlich begleitete ^. 

1 A rn e t h , Prinz Eugen. II. 358. « A r n e t h , Prinz Eugen. III. 39. f. 

3 Den Freunden des Jagdsports sei aus dem Wiener Diarium Jener 
Zeit mitgetheilt, dass 1713 ein Bär im Erdbergermoos, 1715 ein solcher in 
Hntteldorf und 1717 einer bei Gainfarn gefällt, und 1733 sechs Wölfe bei 
Laab erlegt wurden. 

6* 



84 Karl VI. und sein Hof. 

Das Vergnügen des Scheibenschiessens, das in der Bnrg, in 
der Favorita, in Laxenburg und Schönbrunn durch das ganze Jahr 
sich oft wiederholte, wurde ebenfalls von der Kaiserin getheilt 
und diese hielt mit den Damen auch besondere Sehiessen ab, 
welche ^^Frauenzimmerschiessen" genannt wurden, und woran 
die Herren keinen Antheil nahmen. 

Die Kaiserin Elisabeth aus dem Hause Braunschweig- 
Wolffenbüttel entwickelte sich nach ihrer Vermählung (damals 
16 Jahre alt) zu einer der sch()nsten und edelsten Frauen ihrer 
Zeit. Lady Mary Wortley - Montague sagt von ihr^* 
„Wenn sie lächelt, so geschieht dies mit solchem Liebreiz, dass 
sie in der That zur Anbethung zwingt. Um von ihrer Gestalt zu 
reden, muss die Sprache der Dichter zu Hilfe genommen werden.^ 
So wie sie durch ihre äussere Erscheinung bezauberte, so wusste 
sie auch durch Bildung des Geistes und seltene Eigenschaften des 
Gemttthes dauernd zu fesseln. In Wien, wie in Barcelona, wohin 
sie ihrem Gemahle in den Krieg gefolgt war, hatte sie alles in 
Enthusiasmus versetzt K 

FöUnitz sagt (Mäm. 1. c. Lettre XU.) von ihr: „die Kaiserin 
ist wahrhaft fromm ohne Gepränge, wohlthätig und grossmtlthig. 
Die Erzherzoginen , ihre Töchter erzieht sie äusserst sorgfältig ; 
die älteste Erzherzogin, Maria Theresia wird mit Aussicht 
auf den Thron erzogen. Sie hat viele Aehnlichkeit im Aeusseren 
mit ihrer Mutter, möge sie ihr auch in ihren Tugenden gleichen^^ 
• Die ausgesprochene Neigung des Kaisers fllr Musik war 
nicht nur im väterlichen Hause K. Leopold I. geweckt und genährt 
worden, sondern wurde auch durch seine natürliche Anlage zu 
dieser Kunst wesentlich unterstützt. Er hatte gründlichen Unter- 
richt darin erhalten, spielte selbst Ciavier, „wie ein Professor mit 
Meisterschaft^ ' und versuchte sich auch in der Composition, von 
welcher eine Probe, ein gutgearbeitetes Miserere für vier Sing- 
stimmen und Begleitung ' in der kaiserlichen Hofbibliothek sich 
befindet, und das gewöhnlich am Freitage nach dem Aschermitt- 
woche in der Hofkapelle gegeben wurde*. Da er euch mitFertig- 

1 Im Jahre 1726. Letters. p. 29. ^ Arneth, Prinz Engen. U. 181. 
^Apost. Zeno, Lettere. III. p. 446. ^Kil. Beinhardt, Ruhr. gen. in 
Köchel, Hofmusikkap. p. 137. 



E a r 1 VI. und sein Hof. 8 5 

keit Partituren las, so stellte er sich wiederholt an die Spitze des 
Orchesters nnd dirigierte am Ciavier mehrere Opern, so die Oper 
Euristeo von Caldara und Elisa von Fax. 

Ueberall bei Krönungen, Huldigungen, Regentenreisen in 
Prag , Presburg , Linz , Gratz, Brttnn u. s. w. musste nicht blos 
wegen kirchlicher Functionen, sondern auch wegen theatralischer 
Darstellungen die treffliche Hof-Musikkapelle zur Hand sein, um 
den Grlanz ' der Feste zu erhöhen. In Wien war dies begreiflich 
in erhöhtem Masse der Fall, wo die Oeburts- und Namensfeste 
der regierenden Majestäten, die Vermählungen und ähnliche Ver- 
anlassungen niemals ohne grosse Opern oder kleinere Serenaden 
und Cantaten vortlbergiengen. 

In der Oper und Comödie, schreibt PöUnitz (M6m. V. 44 f.), 
sitzen die Majestäten im Parterre, der Kaiser nimmt den ersten 
Platz ein, die Kaiserin ihm zur Linken, die Erzherzoginen in 
gleicher Reihe. Alle diese Mitglieder der kaiserlichen Familie 

m 

haben Lehnstühle derselben Grösse und Höhe mit einem Gueri- 
don rückwärts, auf welchem ein Kerzenleuchter steht. 

Es war dem Kaiser besonders angenehm, wenn seine eigenen 
Töchter, die Erzherzoginen Maria Theresia und Maria 
Anna im Ballete mitwirkten und oft auch selbständig eigens 
flir sie compoüierte Cantaten * ihren Eltern vortrugen. Diese viel- 
fachen Anregungen waren auch bei dem übrigen Hofe und den 
ersten Familien des Reiches nicht ohne Einfluss geblieben , denn 
wenn der Kaiser einige von ihnen auf ihren Landsitzen besuchte, 
so wusste man ihn nicht besser zu ehren und zu vergnügen , als 
durch eine mit Musik verbundene Darstellung '. Der Adel betrieb 
mit Eifer nicht blos Vocalmusik, sondern auch die verschiedensten 
Instrumente , so dass die Oper Eurüteo ausschliesslich von Per- 
sonen des höchsten Adels in den Singparten ebensowohl, als der 
ganzen Orchesterbegleitung bei Hofe gegeben werden konnte. 

Ungeachtet der bei der Reformierung der Hofkapelle im 
Jahre 1711 eingetretenen Verminderung des Personenstandes der 
Hofkapelle bis 86 steigerte sich der Bedarf bei der grossen Ent- 
wicklung der Oper so sehr, dass in beständigem Zunehmen begriffen 
im Jahre 1723 der Stand der Hofmusiker bis 134 sich erhob und 

1 Vergl. Beil. VIIL 669. 672. 685. 726. 732. 735. 739. « Beil. VUI. 701. 



86 Karl VI., Hofkapelle. 

bis zum Jahre 1 740 niemals weit davon entfernte. Für die Oper 
wurden die besten Sänger und Sängerinen aus Italien unter 
glänzenden Bedingungen berufen und mehrere davon auch bleibend 
an der Hofinusikkapelle angestellt. Die Instrumentalmusik hatte 
schon Mher den Ruf einer der vorzüglichsten in Europa errungen 
und der Kaiser war bemüht , die alternden Kräfte durch junge, 
gutgeschulte aufzufrischen: der Teorbist Francesco Conti, 
die Organisten J. G. Muffat, J. Franz Neubauer, die 
Violinisten Nie. Matteis, Angelo Ratas^zi, Giov. Ant. 
Piani, der Violoncellist Giov. Perroni, der Cimbalist Max 
Hellmann, die Oboisten in der Familie Gl ätz 1, die Posauni- 
sten der Familie Christian konnten sänimtlich als Virtuosen 
ersten Ranges gelten, vieler anderer nicht zu gedenken, die in 
anderen Kapellen als erste Meister ihres Instrumentes betrachtet 
worden wären. Ebenso war der Kaiser ungeachtet mehrfacher 
Fehlgriffe in den Personen immer wieder bedacht, für die Aus- 
bildung junger Talente durch das Institut der Hofscholaren 
öfter mit grossen Opfern Sorge zu tragen. Von der Ueberzeugung 
ausgehend, wie viel bei einer. so grossartigen Kunstanstalt, um 
das präciseZusanunenwirken zu erzielen, von der obersten Leitung 
durch einen oharacterstarken und kunsterfahrenen Mann abhänge, 
schenkte der Kaiser sein wohlbegrttndetes Vertrauen ohne zu wan- 
ken bis an das Ende seines Lebens seinem hochverdienten und be- 
rühmten Hofkapellmeister Fux, welcher ungeachtet seiner 
weit vorgerückten Jahre und chronischen Leiden den Ruhm der ihm 
anvertrauten Kapelle zu bewahren verstand. Ihm würdig zur 
Seite stand als Vicekapellmeister und Componist Antonio Cal- 
dara, ein Mann von seltener Begabung und Schlagfertigkeit, 
welcher die hohe Gunst des Monarchen mit Francesco Conti, 
seinem ebenbürtigen Eunstgenossen, theilen durfte. 

Der tüchtige Hofkapellmeister Marc Antonio Ziani war 
am 22. Jänner 1715 gestorben, es lag daher nahe, dass sein 
bisheriger Vicekapellmeister J. J. Fux, der bereits von drei 
Kaisem mit Auszeichnung behandelt worden war, sich um die 
erledigte Stelle in Competenz setzte. Das Referat des Oberst-Hof- 
meisteramtes vom 7. Februar 1715^ theilt die Verhandlung über 

1 Beil. n. 6. 



F u X wird Hofkapellmeister des Kaisers. 8 7 

die Verleihung in folgender Weise tfiit: „Ener kais. Majestät 
Vicekapellmeister Johann Josef Fax bittet, anstatt des ver- 
storbenen Marco Antonio Zfani als Euer kais. Majestät 
wirklicher Kapellmeister aufgenommen zn werden mit der beson- 
deren allerhöchsten Gnade, dass, wie er jetzt von Ener kais. 
Majestät als Vicekapellmeister jährlich 1600 fl. und nebstbei als 
Ihrer Majestät der verwittibten Kaiserin Amalie Kapellmeister 
andere 1500 fl., also in allem zn wirklicher Hofbesoldnng 3100 fl. 
angewiesen hat, also ihm solche bei der allerh()chst beliebten 
Aufnahme als Ener kais. Majestät Kapellmeister allermildest 
gewährt werden möchten. Nun sind Euer kais. Majestät des 
Snpplicanten Person, Capacität nnd Merita also bekannt, dass 
man derentwegen auch das geringste femer zu allegieren für 
Überflüssig hält^ daher es bei dessen allergnädigst resolvierten 
Aufnahme blos aof die ihm dabei zuzulegende Hofbesoldung 
ankommt. In Betracht, dass desselben gegenwärtig genossene 
doppelte Hofbesoldung 3100 fl., also um 600 fl. mehr Ji)eträgt als 
die alleinige ordinäre Kapellmeisterbesoldung von 2500 fl. und 
solchergestalt bei der ihm widerfahrenden kais. Gnade der 
wirklichen Aufnahme mit der bisherigen Kapellmeisterbesoldung 
ihm in utili jährlich 600 fl. entgiengen, so räth der Obersthof- 
meister, dass im Falle der Aufnahme ihm 3100 fl. bewilligt wer- 
den könnten, wovon aber wegen übler Gonsequenzen nur 2500 fl. 
als Besoldung, 600 fl. als A^juta nicht auf den Dienst , sondern 
fttr die Person ausgeworfen werden sollten. 

Des Kaisers eigenhändige Resolution lautete : 

„Placet" 

Carl m./p. 

Demg^näss erhielt Fux die Ausfertigung seines Anstellungb- 
decretes vom 8. März 1715*, nach welchem er von den 600 fl. 
Adjuta den üblichen Abbruch des ersten Quartals sich gefallen 
lassen sollte, wovon ihn aber das spätere Decret vom 18. März 
1 7 15 * dispensierte. 

lieber die feierliche Vorstellung des neuen HofkapeUmeisters 
bei seiner Hofkapelle enthält das Wiener Diarium vom 16. Hor- 
nung 1715' folgenden ungewöhnlich ausführlichen Artikel* 

1 Beil. n. 8. 2 Beü. IL 9. » Beil. n. 7. 



88 Fux, Hofkapellmeister des Kaisers. 

^Nachdem bekanntermasSen der kais. Kapellmeister, Herr 
Marco Antonio Ziani dahier mit Tod abgegangen, als 
haben Ihre römisch-kaiserliche und katholische Majestät Dero 
Vicekapellmeister, dann Ihrer Majestät der letztverwittibten 
Kaiserin Wilheltnina Amalia Kapelhneister , Herrn Jobann 
Joseph Fuchs (sie) die erledigte Kapellmeisterstelle in aller- 
mildester Ansehung seiner langwierig- und unermttdet-. treuge- 
horsamst-geleisteten Dienste, wie nicht weniger in der Musik-Kunst 
erlangten fUrtrefflichen Erfahrenheit allergnädigst aufgetragen, 
welchemnach allerhöchst- gedacht - kaiserlich und Katholischer 
Majestät wirklicher Geheimer Rath und Obristhofineister, Ihre 
Durchlaucht, Herr Anton Florian, des heil, römischen Reichs 
Fttrst von und zu Liechtenstein, Herzog zu Troppau 
und Jägemdorf, Ritter des goldenen Vliesses und Grand von 
Spanien erster Glasse , den neuen Herrn Kapellmeister nach zu- 
Tor abgelegter Eidespflicht den gesammten Herrn Hofinusicanten 
g^wöhnlichermaassen vorgestellet.^ 

Aus dem entschiedenen Tone, welchen der Obersthofmeister 
in seinem Referate anschlägt, lässt sich entnehmen, dass er die 
Beförderung del^ Mannes von so bekannter Capacität und solchen 
Meriten zum Hofkapelhueister als eine unzweifelhafte Sache an- 
nahm. Damit hatte nun Fux die ehrenvollste Stellung erreicht, 
die zu jener Zeit ein Künstler erreichen konnte. Noch ehrenvoller 
ftlr ihn erscheint sie dadurch, dass er sie seinem Verdienste zu 
verdanken hatte , das schwierigere, sich darin mit Ehren zu be- 
haupten, erwartete ihn erst noch — und wie die Erfahrung lehrte, 
wusste er sich mit allen Ehren zu behaupten. 

Von der Auffassung seiner Stellung g^ben das reichhaltigste 
^eugniss die zaldreichen Gutachten, welche er als Hofkapell- 
meister von 1715 bis 1740 ttber die ihm untergebenen, oder die 
erst anzustellenden Musiker oder ihre Angehörigen an das Oberst- 
Hofmeisteramt zu erstatten hatte. Den Geist des Pflichteifers, der 
Ehrenhaftigkeit und Humanität, welcher sich darin ausspricht, 
werden wir am Schlüsse seines Kapellmeisteramtes näher kennen 
zu lernen Gelegenheit haben. 

Wenn wir wieder zur Chronik seiner musicalischen Thätig- 
keit zurückkehren, so haben wir aus dem Jahre 1714 die Sere- 



F u x^ Oper Angelica. 8 9 

nade Dafne in Lauro, Text von P. Pariati ^ und das ausgezeich- 
nete Oratoriam La Fede sacrüega nella morte del precursor 
S. Giovanni Battista ^ Text desselben Verfassers naehzntragen. In 
das Jahr seiner Ernennung zum Hofkapellmeister (1715) fielen 
nach den Texten P. Pariati's die Serenade Orfeo ed Euridice^ 
nebst dem energischen Oratorium La Donna forte nella madre de' 
sette Maccabei^. 

Im Jahre 1716 sind die beiden Oratorien // Trionfo della 
fede^ und // Fonie della saluie aperto dalla grazia del Calvario^j 
ausserdem die Ouverttlre zu A. Lotti's Oper CosianHno', 
endlich seine eigene grosse O^er Angelica vincitrice d'Alcina^ 

■ 

Text von P. Parjati zu verzeichnen, welche letzte in der Favo- 
rita mit vielem Prachtaufwande gegeben wurde. 

Die grösseren musicalischen Feste/ welche in die Zeit des 
Aufenthaltes des Hofes in der Favorita fielen, wurden gewöhnlich 
im Freien in dem weitläufigen Parke dieses Schlosses abgehalten, 
wozu meistens auch ein ansehnlicher Teich benutzt wurde, der 
zur Entwicklung von überraschenden Decorationen, Maschinerien, 
Seegefechten und Femsichten die passendste Gelegenheit both. 
Es ist interessant, die gleichzeitige Schilderung des Eindruckes 
eines solchen Festes von einer gebildeten englischen Dame 
darüber zu vernehmen. Die Veranlassung zu dieser Festoper der 
eben erwähnten Angelica vincitrice d" Akina, die am 21. Septem- 
ber 1716 zur AufflOhrung kam, war die glückliche Entbindung 
der regierenden Kaiserin von einem langersehnten Thronerben 
(Erzherzog Leopold) am 13. April desselben Jahres. Die Stim- 
mung in Wien war über dieses Ereigniss allgemein eine gehobene, 
noch erhöht durch die Nachricht eines Sieges des Prinzen Eugen 
über die Türken bei Peterwardein (5. August). Der Textverfasser 
P. Pariati, so wie der Componist, der neueruannte Hofkapell- 
meister Job. Jos. Fux thaten ihr Möglichstes, sie scheinen aber 
beide durch die Kunst des Decorateurs und Tanzmeisters über- 
bothen worden zu sein. Das Textbuch, welches mit sechs Kupfer- 
stichen in Grossfolio illustriert ist, zählt als Haupt-Decorationen 
auf: Im ersten Acte: eine prachtvolle Zauberburg der Alcina, 

1 Beil. Vni. 504. « Beil. VUI. 509. » Beil. VIII. 513. * Beil. VUI. 
Ö16. » Beil. Vm. 524. e Beil. Vin. 526. ^ Beil. VIU. 522. « Beil. VIU. 
520. 



90 Die Oper Angelica. 

sie wird ganz beleuchtet und man sieht, dass sie über einem 
reichen Bergwerke von Gold und Edelsteinen errichtet ist. Im 
zweiten Acte : Zwei unbewohnte Inseln, grauenvoll und besetzt 
von verschiedenen scheusslichen Ungeheuern. Sie sind durch 
einen Canal getrennt und in der Feme sieht man einen grossen 
Meerbusen, der von vielen Schiffen erfüllt ist, in der Mitte einen 
Felsen in Gestalt einer Klippe, aus welcher viele Flammen heraus- 
brechen. Im dritten Acte: Ansicht der seligen Eilande, alle mit 
grünen Rasen und Blumen geschmückt und Transparenten von 
schwebenden Gärten, und von häufigen Lorbem durchschnitten. 
.... Femer wird erwähnt ein Tanz der Furien, ein Kampf der 
Krieger des Ruggiero mit den Wilden, ein Tanz der Ritter und 
der Helden u. dgl. 

Der Aufführung dieser Zauberoper wohnte die geistreiche 
Lady Mary Wortley-Montague bei und berichtet darüber 
am 14. September 1716 aus Wien an Alexander Pope*: „Der 
englischen Kirchenzucht bin ich in der That so abtrünnig gewor- 
den, dass ich letzten Sonntag die Oper, welche im Garten der 
Favorita aufgeführt wurde, besuchte, und mich so sehr daran 
ergötzte, dass mir noch keine Reue angekommen ist, sie gesehen 
zu haben. Nichts von dieser Art kann jemals prächtiger gewesen 
sein und ich kann es wohl glauben was man sagte, nämlich, 
dass die Decorationen und Kleider dem Kaiser 30.000 £. ge- 
kostet haben. Die Bühne, die über einen breiten Canal erbaut 
war, wurde beim Anfange des zweiten Actes in zwei Theile ge- 
theilt, so dass man das Wasser erblickte, auf welchem unmittel- 
bar an verschiedenen Seiten zwei Flotten von vergoldeten kleinen 
Schiffen erschienen , die ein Seetreffen vorstellten. Es ist nicht 
leicht, sich in Gedanken einen Begriff von der Schönheit dieses 
Auftrittes zu machen, der sich meinem Gedächtnisse besonders 
eingeprägt hat, obwohl das Uebrige in seiner Art ebenfalls voU- 
' kommen schön war. Die Geschichte der Oper ist die Zauberei 
der Alcina, welche treffliche Gelegenheit Weihet zum Gebrauche 
mannigfaltiger Maschinen und Verwandlungen, die mit über- 
raschender Schnelligkeit beschafft wurden. Das Theater ist so 
gross, dass es dem Auge schwer wird darüber hinaus zu schauen 

t Letters of the R. H. Lady M-y W-y M-e. Berlin 1790. p. 24. f. 






Antonio Caldara. 91 

nnd die Costüme sind Ton der änssersten Pracht. Kein Hans wäre 
gross genng; diese weitläufigen Anstalten za fassen, nur sind die 
Damen, die in freier Luft sifzen mttssen , grossen Unbequemlich- 
keiten ausgesetzt, denn es ist blos ein einziger Baldachin für die 
kaiserliche Fandlie da, und als bei der ersten AufiFIlhrung ein 
R^enschauer einfiel, so ward die Oper unterbrochen und die 
Gesellschaft drängte sich in solcher Verwirrung davon, dass ich 
beinahe todtgedrttckt worden wäre.^ 

Bald nach, der Ernennung des Fux zum HofkapeUmeister 
folgte die Berufung Antonio Caldara 's zum Vicekapell- 
meister, welche beide mit Francesco Conti und später mit 
Giovanni Porsile zusammenwirkend die Glanzperiode der 
kais. Hof-Musikkapelle begründeten, und in ihren Leistungen 
hier betrachtet werden soUen. 

Antonio Caldara, geboren zu Venedig um 1670, gestor- 
ben in Wien 28, December 1736*, 66 Jahre alt (Wr. Diar.) kam 
von Venedig nach Bologna und Mantua und hatte durch seine 
Compositionen besonders für die Btthne, von denen auch mehrere 
bereits am Hofe in Wien gegeben wurden', einen so bedeutenden 
Kamen sich erworben, dass er im J. 1715 vou^K. Karl VI. als 
Vice-Hofkapellmeister nach Wiön berufen wurde. Caldara folgte 
diesem Rufe und war vom 1. Jänner 1716 bis zu seinem Ableben 
in dieser Anstellung neben Fux, der ihn als Hofkapelhneister 
noch fünf Jahre überlebte. Während seiner zwanzigjährigen 
Dienstleistung in Wien entwickelte er eine seltene Thätigkeit, 
von welcher die Partituren von 37 grossen Opern, 26 Serenaden 
und 29 Oratorien^, ganz abgesehen von seinen nicht minder zahl- 

^ Nicht wie Gerber nnd nach ihm Fötis, Dommer u. v. a. Bchrel- 
ben, ist Caldara's Todesjahr 1763, sondern 1736. 

2 Vor Caldara's Ankunft wurde in Wien von seinen Compositionen 
gegepen : BeU.' VIÜ. 464. 466. 490. 491. 497. 507. 510. — Fötis gibt als 
frühere Compositionen überhaupt an: Argene (Venedig 1689), Tir$i (II Act. 
Venedig 1696), Le Promesse serbate (Venedig 1697), Farnace (ebd. 1703), // 
Selvaggio i^roe (1709), Parteuope (1706), Sofonüba (1708), U Ininäeo gewsrosöy 
(Bologna 1799), CostamS in amore (Macerata 1711), Aienaide (Rom 1711), 
Tito e Berenice (Rom 1714), // Ricco EpuUme (Vened.), // Oiubiio di Salta 
(1717 Salzburg). 

3 Die Opern Beil. VUI. 466. 507. 530. 533. 542. 550. 553. 572. 575. 
581. 586. 604. 605. 607. 614. 617. 624. 629. 637. 638. 641. 646. 649. 656. 659. 



92 Antonio Caldara. 

reichen Gompositionen^ fbr die Kirche nnd die Kammer hinläng- 
liches ZeugniBs geben. In allen Richtungen schlagfertig^ kamen 
grossere Aufträge und ihre Ldsnngen je vier und mehr jedes Jahr 
nach den oben angefahrten ziffermässig nachzuweisenden Ru- 
briken. Nimmt man dazu noch seine geßlUigen, fliessenden Melo- 
dien, besonders im Dramatischen, worin er seinem Vorbilde 
Alessandro Scarlatti mit Glttck nachstrebte, wenn er es 
auch nicht erreichte, femer seine reiche Formengewandtheit und 
Beweglichkeit in ganz entgegengesetzten Aufgaben, so darf es 
nicht befremdend sein, dass nach den bedeutenden Gunstbezei- 
gungen zu schliessen , seine Compositionen den Kaiser vorzugs- 
weise angesprochen und auch zu rascher Verbreitung ausserhalb 
Oesterreichs beigetragen haben. Ausser der Opera seria bewegte 
sich Caldara auch in der Opera buffa mit Geschick: sein Don 
Chisciote in carte della Duchessa (Beil. VIII. 637) behandelt den 
von Pariati und Apostolo Zeno passend angelegten Text 
mit vieler Kenntniss der musicalischen Wirkung, die ihm auch 
nicht gefehlt haben wird. Drollig genug sind die Einfälle, wenn 
z. B. Don Chisciote nach gewaltigen SprUngen im Gesänge 
mehrere Tacte %.uf dem Vocal E trillert und Säncio Panza das- 
selbe nach ihm versuchen muss ü. a. m. Dass dieser Wurf gelun- 
gen war, geht aus den wiederholten späteren Faschings-Opern 
Caldara's hervor, wie / Distngannati (n. 656) von 1 729, La Pazi- 
enza di Socrate con due moglie (n. 677) von 1731, Sancio Panza, 
govematore delVüola Barataria (Bf. 706) von 1733, freilich zu 
einer Zeit, wo der glänzende Inhaber dieser Domäne, Francesco 

676. 682. 693. 697. 706. 708. 712. 721. 724 743. 746. 749. — Serenaden: 
464. 521. 543. 560. 562. 563. 583. 595. 597. 609. 631. 647. 661. 662. 668. 669. 
672. 683. 685. 710. 726. 732. 733. 737. 739. — Oratorien: 490. 491. 497. 
510. 537. 538. 546. 555. 565. 590. 591. 601. 612. 622. 623. 63?. 634. 636. 645. 
653. 665. 676. 688. 689. 704. 705. 718. 730. 741. — Von diesen 92 Nununem 
des Verzeichnisses hat Fötis nnr 52 angeführt, und unter diesen 52 Compo- 
sitionen schreibt er folgende fftlschUch Caldara zu, während sie anderen 
Componisten angehören: A$tarte von F. Conti (1718), Sieara von 6. Por- 
cile (1719), TMa von Porsile (1719), NaamUn von F. Conti (1721)» 
Grüelda von F. Conti (1725). Ausserdem kommen darin öfter unrichtige 
Jahreszahlen und andere Irrthümer vor; so sagtF6tis: „15® Caio Mario, 
Vienne 1717; 16<^ Coriolano 1717^, während beide Nummern zusammen ein 
und dasselbe Stück: Caio Marzio Coriolano (Vienne 1717) ausmachen u. dgl* 



Antonio Caldara.. 93 

Conti wegen Kränklichkeit yerBtnmmt war, und 1732 nach kur- 
zem Anfflackem ztun ewigen Stillschweigen eingieng. Zugleich 
sei hier bemerkt, daas Caldara nach der damals nicht ungewöhn- 
lichen Sitte an der Composition derselben Oper mit anderen Mit- 
arbeitern theilnahm, wie in Atenaide (Beil. Vm. 507) mit Ziani, 
Negri und F. Conti, in Pgiche (563) mit Fux, in La Fofza 
delFamicizia (646) und in La Pazienza di Socraie (677) mit 
Reutter: bei solchen Mischarbeiten konnte allerdings die Ein- 
heit des Ganzen schwerlich gewinnen. 

Die Oratorien hat er durchaus wie Opern behandelt und 
jene sind von diesen nur durch den Gtegenstand verschieden. — 
Gewöhnlich wird die Ansicht ausgesprochen, dass er erst durch 
die Strenge des Fux zu rigoroserer musicalischer Behandlung be- 
stimmt worden sei. Das dürfte aber auf einem Irrthume beruhen. 
Caldara, als ein ausgezeichneter Schüler Legrenzi's war 
von Haus aus ein wohlgeschulter Contrapnnktist und productiver 
Eirchencomponist. F. von MoseP zählt von ihm 114 Kirchen- 
compositionen auf, darunter mehr als 20 Messen, viele Vespern, 
Mottette, Offertorien, Gradualien u. dgl. ' In der k. k. Hofbiblio- 
thek befindet sich eine sehr kunstreiche Missa canonica, wahr- 
scheinlich durch die gleichnamige des Fux veranlasst, femer eine 
achtstimmige und mehrere vierstimmige Messen da cappella, ein 
sechzehnstimmiges Crucifiams wird als ein werthvolles Werk ge- 
rühmt, auch hat Paolucci in seiner Arte pratica di contrap- 
punto I. ein ganzes Kirchenstttck Caldara's als Muster einer 
gründlichen Arbeit aufgenommen. — Von Kammermusik ver- 
zeichnet F. V. Mosel 121 Nummern Cantaten, Madrigale zu 4 
und 5 Stimmen, die letzten mit besonderer Liebe und einige mit 
ausgezeichneter Kunst gesetzt Alles zusammengenonmien geht 
hervor : Caldara war ein reichbegabter, vielseitig gebildeter und 
gewandter Componist, ein schönes Talent, das den bedeutenden 
Bnf verdiente , der ihm früher uncl später aUenthalben zu Theil 
wurde. Unter den Zeitgenossen sagt der dänische Kapellmeister 



1 Hdschr.-VerzeichniBs in der k. k. Hofbibliothek. 

2 Nach einem HdBchr.-Verzeichnisa des Regenschori P. Willibald 
Bo bisch vom Jahre 1838 bewahrt das reiche Musikarchiy des Stiftes 
Göttweig 100 Nummern für die Kirche von Caldara. 



94 Francesco Conti. 

Johann Adolf Scheibe^ 1740 über das Gomponistenpaar 
Fux und Caldara: „Fnx der unvergleicbliche Oberkapell- 
meister am kaiserlichen Hofe zu Wien nebst dem Vicekapell- 
meister daselbst^ Caldara, haben durch ihren unermüdeten 
Fleiss, durch ihre sinnreichen und vortrefflichen Werke gar deut- 
lich bewiesen, dass sie nicht nur selbst wahre Kenner des guten 
Geschmacks, sondern auch fähig gewesen sind ihn auf die Nach- 
welt fortzupflanzen. Beide Männer hatten nicht nur die vernünf- 
tigsten Begriffe von der Musik, sondern sie zeigten auch, und 
zwar vornehmlich Fux in allen seinen Kirchensachen, Caldara 
aber in seinen theatralischen Stücken die schönste Melodie und 
Harmonie und eine auserlesene Wahl und Ordnung des Vortrags 
und der Gedanken. Wer weiss auch nicht, dass Fux, ob er 
schon der tiefsinnigste Contrapunktist war, dennoch die Geschick- 
lichkeit besass, leicht lieblich und natürlich zu setzen, wie solches 
seine theatralischen Arbeiten beweisen? So wie Caldara, ob er 
schon mehr für das Theater zu sein schien, dennoch in seinen 
Kirchenarbeiten und Contrapunkten nicht weniger vortrefflich 
gewesen." 

Francesco Bartolomeo Conti aus Florenz, geboren 
20. Jänner 1682« (Taufreg.), gest. in Wien 20. Juli 1732, 51 J. 
alt (Wr. Diar.). Er war im Jahre 1701 als Teorbist in die kais. 
Hofmusikkapelle berufen worden, trat 1705 aus, um von 1708 
bis an sein Ende in kaiserlichen Diensten zu bleiben. Er wurde 
1. Jänner 1713 Hofcompositor, und entwickelte von da ab eine 
bedeutende mnsicalische Thätigkeit in der Composition von 16 
grossen Opern, 13 Serenaden, 9 Oratorien* und einer Anzahl 
Cantaten, von denen in der Wiener Hofbibliothek 23, in anderen 
Bibliotheken 30 und mehr Partituren vorhanden sind. Seine erste 

1 Krit. Musicus. Neue Aufl. 1745. (Erste Aufl. 1740.) 

2 Nach der Florentinischen Jahreszahlung am 20. Jänner 1681 , da sie 
dort zu jener Zeit den Jahresanfang auf den 25. März setzten , daher der 
Jänner schon dem nachfolgenden Jahre' gewöhnlicher Zählung angehöi*te. 

3 Opern: Beil. VKI. 421. 502. 507. 511. 512. 519. 527. 539. 549. 570. 
573. 580. 592. 603. 613. 691. — Serenaden: 482. 492. 494. 503. 540. 554. 
561. 587. 596. 606. 608. 628. 630. — Oratorien: 429. 478. 545. 557. 568. 
577. 602. 611. 703. — Mit Ausnahme der Oper 421 und der Serenaden 482 
und 540 befinden sich die Partituren sammtlicher Compositionen in der k. k. 
Hofbibi. in Wien. 



Francesco Conti. 95 

Oper ClotUda (Beil. VIII. 421), welche ursprtüiglich fttr Wien 
componiert und zuerst daselbst 1706 mit vielem Beifalle gegeben 
wurde, kam 1709 in England zur Darstellung und bahnte ihm 
auch dort den Weg zum Ruhme als Componist an , nachdem er 
schon lange vorher als der erste aller Teorbisten gepriesen wor- 
den war. Sein hervorragendes Talent zur komischen Oper 
wurde sogleich erkannt und hinreichend ausgebeutet, da ihm in 
dieser Richtung seine sänmitlichen grossen Opern zur Aufgabe 
gestellt wurden. 

Das bedeutendste Aufsehen auch auf fremden Btlhnen erregte 
sein Don Chisciotfe in Sierra Morena (549) mit voller Berechti- 
gung ; die niedrige Komik des Sancho und der Maritome, so wie 
der hohle Pathos des irrenden Ritters von der traurigen Gestalt 
fanden in Conti's Musik einen drastischen Ausdruck, wiewohl 
schwerlich ein anderer Sterblicher auf Mattheson's abge- 
schmackten Einfall, dass Conti „in Abbildungen» der Gebärden 
durch musicalische Noten ungemein erfahren" war^, jemals ge- 
rathen wäre. Es wäre aber ein Irrthnm anzunehmen, dass sein 
Talent nur auf das Komische beschränkt gewesen sei. Schon in 
den komischen Opern sind Stimmungen und Charactere des 
Ernstes und der Würde vollkommen angemessen musicalisch anf- 
gefasst ; nicht minder sind zartere Empfindungen in den Cantaten, 
andächtige in den Oratorien zum Ausdrucke gebracht, welche 
zugleich den Beweis seiner tüchtigen Schulung liefern. Wenn 
Conti den Strömungen Aless. Scarlatti's folgte, so bewegte 
er sich nur in derselben Weise, als die meisten seiner Zeitgenos- 
sen, ohne jedoch den Namen eines selbstständigen Künstlers 
aufzugeben. Auch darin theilte er das Los eines hervortretenden 
Talentes, dass ihn die Scheelsucht herabzudrücken versuchte und 
wie dies Mattheson in seinem „vollkommenen Kapellmeister" 
(p. 40) unternahm, durch lügenhafte Anschuldigung seinen sitt- 
lichen Character zu verunglimpfen. Die Darstellung des hierauf 
bezüglichen Sachverhaltes giebt die Beilage III. 7 — 11. 

Gleichzeitig mit dem Vater, und mit diesem öfter verwech- 
selt, componierte ftlr den Hof sein Sohn Ignazio Conti (geb. 
1699, gest. in Wien 28. März 1759, 60 J. alt) von 1727 bis 1739 

1 Yollkommener Kapellmeister, p. 40. 



96 Giuseppe Porsile. 

7 Serenaden and 6 Oratorien, welche aber nicht entfernt an die 
Begabnng seines Vaters reichen. Er wird nns noch als ältester 
Hofscholar begeg^ien; denn ungeachtet er in manchen Text- 
büchern als Compositore eingednickt wurde, war er doch nie 
Hofcompositor und anch Fnx hatte ihn vergeblich dazu 1739 vor- 
geschlagen, Sem strafwürdiges Vergehen gegen einen Geistlichen^ 
das jedoch ohne weitere Folgen blieb, hatte Anlass zur Beschul- 
digung seines Vaters gegeben, mit dem er zuftllig oder absicht- 
lich verwechselt wurde. Leichten Sinnes blieb er aber sein ganzes 
Leben lang , denn nachdem er als Erbe aus dem Nachlass seinea 
Vaters im Jahre 1732 14.000 fl. erhalten hatte, bestand sein 
eigener Nachlass im Jahre 1 759 actenmässig aus einem Rock^ 
einem Degen und einem spanischen Rohr, welche aus Noth um 
3 fl. 18 kr. verkauft wurden. 

Giuseppe Porsile geboren zu Neapel, gestorben zu 
Wien 29/ Mai 1 750 , 78 Jahre alt (Wr. Diar.) , war in Barcelona 
bis 1711 Kapellmeister König Karl III. von Spanien, dann Ge- 
sanglehrer der Kaiserin Amalia, wurde im Jahre 1720 nach 
Genuesi's Tode Hofconipositor und starb nach dreissigjähriger 
Anstellung. Von seinen Compositionen aus der Zeit von 1717 big 
1737 kamen in Wien 3 Opern, 18 Serenaden und 11 Oratorien* 
zur Aufführung. Fux nennt ihn einen Virtuose von gutem Gusto ; 
Hasse war von der Natürlichkeit und Kraft seiner Compositionen 
gelegentlich seines Oratorium Giuseppe reconosciuto (Beil. Vm. 
717) ganz entzückt. Dieses Urtheil dürfte nur von einigen Ora- 
torien und kleineren dramatischen Werken gelten , in grösseren 
Opern, worin er sich auch seltener versuchte, reichte seine 
Kraft nicht aus. Seine Gesangsbegleitungen und Ouvertüren sind 
ziemlich dürftig, und* seine Erfindungen von Melodien bewegen 
sich in altherkömmlichen ausgefahrenen Geleisen. 

1 Opern: Beil. VIII. 571. 625. 753. — Serenaden: 529. 532.544. 
574. 587. 594. 615. 627. 632. 639. 643. 660. 667. 692. 694. 696. 736. 758. — 
Or atorien: 558. 566. 578. 588. 600. 610. 620. 674. 687. 717. 761. 



vn. 

Chronik (1717—1718) — Fehde mit J« Matthesonwegen der SoimiSAtioii 

nnd Kfrehenttfne (1717—1718) — Die Opemdlehter Aj^ostolo Zeno 

(1718—1781) und Pietr« ParUti (1718—1788)* 

Das Jahr 1717 kündete sich mit zwei grossen fllr Oesterreich 
folgenreichen Ereignissen an : am 23. April ward die Erzherzogin 
Maria Theresia, die nachmalige Kaiserin Maria Theresia 
geboren 7 nnd am 18. Augnst erstürmte Piinz Eugen nach einem 
grossen Siege Belgrad, üeböt die Niederlage der Türken jubelte 
ganz Europa, den Segen, welcher aus der Geburt der Erzherzogin 
MariaTheresiaentspriessen sollte, konnte erst eine spätere Zeit 
enthüllen. — Gegen diese Weltereignisse war der Streit, den 
J. Mattheson über die Solmisation mitFuxerhub, allerdings 
kleinlich und widerlich zugleich, dennoch können wir ihn nicht 
mit Stillschweigen übergehen, da in allen Werken über Musik- 
geschichte seiner erwähnt wird. Ehe wir aber an diese unabweis- 
liche Aufgabe gehen, haben wir für dieses Jahr die Festa teatrale 
Diana placatUj Text von Pariati * und das Oratorium II Diafaci- 
mento dt Sisära^ y so wie fttr das Jahr 1718 das Oratorium Cristo 
nein orto^y sämmtlich Compositionen von Fux zu verzeichnen. 



Wir kommen an eine minder erquickliche Episode in dem 
Leben unseres Fux, den Streit über S o 1 m i s a t i o n nnd Kirchen- 
tonarten,in welchen der alte ruhige Hofkapellmeister von dem 
jüngeren beweglichen Mattheson in Hamburg durch dessen 
j. Neueröffnetes .0rche8fre^ (Hamburg 1717)* verwickelt wurde« 

1 Beil. Vni. 534. » Beil. VIIL 535. 3 ßeU. VUI. 547. 

^ Der vollständige Titel davon laatete : 

^Das Neu -Eröffnete Orchestre, Oder Universelle und gründliche 
Anleitung/ Wie ein Galant -Hemme einen vollkommenen Begriff von der 
Hoheit und Würde der edlen Music erlangen, seinen Gout darnach formiren, 

KifeM, J. J. Put . 7 



98 Joh. Mattheson. 

Es wurden Briefe darüber gewechselt , welche aber die Zahl 
vier nicht überschritten^ von denen zwei von Fnx, und ebensoviele 
von Mattheson geschrieben wurden und in des letzten ^Critica 
musica^ abgedruckt sind. Da dieser rührige und jedenfalls nicht 
unbedeutende Mann im Verlaufe dieses Werkes und besonders 
an der gegenwärtigen Stelle hervortritt, so müssen wir auf ihn 
und seine Eigenthümlichkeiten etwas näher eingehen. 

Johann Mattheson ist in Hamburg (1681) geboren und 
(1764) gestorben. Er war bis 1705, wo ihn das Grehör ^u ver- 
lassen begann , Tenorist und Componist au dem Theater , gab zu- 
gleich Unterricht im Singen, Clavierspiei und in der Composition, 
später war er eine Zeitlang grossbritanniseher Gesandtschaftsse- 
cretär und zuletzt Canonicus an der Domkirche in Hamburg. Sein 
scharfer Verstand und seine bedeutenden sonstigen Anlagen beson- 
ders zur Musik verbunden mit einem ans fieberhafte grenzenden 
Thätigkeitstriebe setzten ihn in den Stand, sich eine ausgebreitete 
Belesenheit und vielseitige Kenntnisse anzueignen, die freilich oft 
nach Art der Polyhistoren seines Schlages mehr ins Breite sieh 
entfalteten, als in die Tiefe niederstiegen. Seine rasche, gewandte, 
aber auch bei seinem leidenschaftlichen Temperamente gewöhnlich 
in Gift und Galle getränkte Feder, welche die heterogensten 
Publicationen in kürzester Zeit zu Tage förderte, machten ihn 
zum geftirchteten und durch mehr als dreissig Jahre lang zum 
alleinigen Dictator der musicalischen Gelehrtenrepublik. Selbst 
Männer, wie Händel, Telemann, Keyser vermieden es mit 
diesem gefahrlichen Streithahne anzubinden, der jeden hin- 
geworfenen Handschuh begierig aufgriff und no ch öfter den Kampf 
geradezu hervorrief. Denkt man sieh dazu die ihm eigene mass- 
lose Eitelkeit , den Eigendünkel , der keinen Widerspruch seiner 
eigenen Unfehlbarkeit duldete, und wie Domm er* sagt, dem 
Gegner seine Feder als Zaunpfahl zu kosten gab, so kann man 
sich im allgemeinen eine Vorstellung von der Vortrags weise s einer 

die Terminos technicos verstehen, und geschicklich von dieser vortreflfli- 
chen Wissenschaft raisonniren möge. Durch J. Mattheson, Secr. Mit bey- 
gefU gten Anmerkungen Herrn Capeil-Meister Keisers 12. Hamburg auf Un- 
kosten des Autoris, und zu finden in Benjamin Schillers Wittwe Buchlad^n 
im Thurm, 1713«. 

1 Handbuch der Musikgeschichte. 1868. p. 420. 



Joh. Hattheson. 99 

Streitschriften bilden. Nur wer ihm Weihrauch streute, ward von 
ihm wieder beränchert, doch wehe dem Unglücklichen, der an die 
höchst empfindlichen Leichdomen seines litterarischen Hochmuthes 
zu streifen so vermessen war, der wurde mit allen Geschossen 
des Hohnes , der Persiiflage überschüttet , wobei es dem kleinen 
Diplomaten geleg;entlich gar nicht darauf ankam, durch bare 
Lügen auch den sittlichen Buf seines ehrenwerthesten Gegners 
anzutasten, wenn es nur zum Ziele der Vernichtung desselben 
führen konnte. Bei allen diesen groben Auswüchsen seines Cha- 
racters hatte Mattheson doch auch Bücher von länger dauerndem 
Werthe geschrieben, während seine Compositionen längst im ver- 
dienten Staube der Vergessenheit modern. Zu den ersten zählen : 
Das Neuerö/fhete Orchestre (1713); das Beschützte Orchestre 
(1717); die Critica musicn (1722—1725); die Grosse General- 
hassschule (1731); die Kleine Generalbassschule (1735)'; vor 
allem aber der Vollkommene Kapellmeister (1 739) , der manche 
feine Bemerkung enthält; endlich die j^Grtmdlage einer Ehren- 
pforte^ ^ (1740), eine Beihe zum Theile werthvoller Tonkünstler- 
Biographien enthaltend. 

Mit einem solchen prickelnden, in allen Finten geriebenen 
Klopffechter sollte Fux, der Mann der Einfachheit und des Friedens 
aneinander gerathen. Armer Fux, deine Parthie war vor dem 
Anfange eine aufgegebene : zum Glücke hatte dieser Handel ausser 
einigen Stunden des Aergers keine weiteren Folgen und Fux gieng 
als Ehrenmann auf die Nachwelt über, während die ehrenrührigen 
Geschosse seines Antagonisten zuletzt den Schützen selbst trafen. 

Eine ausführliche Erörterung beider Punkte des Streites 
zwischen Fux und Mattheson darf hier nicht erwartet werden. Sie 
würde ftir den Kenner ganz überflüssig, für denjenigen, welchem 
diese Dinge ganz fremd sind, ermüdend sein, während solche, 
die sich darüber genau unterrichten wollen, in C. F. B^cker's 
musicalischer Litteratur die Werke angegeben finden , wo sie die 
gewünschte Belehrung erwarten können. Ueber beide Punkte — 
die Solmisation und die Kirchentonarten (modi) soll nur 

1 Vorzüglich seiner Ehrenpforte, indem darin aus seinem eigenen 
Leben auch das Unbedeutendste dem Leser nicht nachgesehen wird. 

7* 



100 SolmiBation. 

so viel erwähnt werden, als nöthig ist , den Stand der Frage auf- 
zufassen. 

Die Solmisation d. i. die Benennung der einzelnen Töne, 
welehe innerhalb einer Oetave liegen, war nicht zu allen Zeiten 
unsere gegenwärtige, wo wir zur Bezeichnung derselben uns be- 
kanntlich der Buchstaben des Alphabets bedienen, und zwar 



« 



-9- 



a= 






C D E F G A H(B) C, 

oder die Silben ut re mi fa sot la « ut, 

welche in jeder Oetave dieselben bleiben, C bleibt C, D bleibt D 
u. 8. w., und nur durch die Vorzeichnung von Kreuz, Be oder 
Auflösungszeichen die Veränderungen von Cisj Dis • . . oder 
CeSy Des ... u. s. w. durch die angehängten Silben von is und 
€8 (mit Ausnahme des Hesy das B heisst) erfahren. 

So leieht dem Gedächtnisse die Bezeichnungen der Töne ein- 
zuprägen ward den Lernenden in früherer Zeit nicht gegönnt. 
Guido von Arezzo (im XI. Jahrhundert) (auch Aretinus ge- 
nannt), dem man die Erfindung der Solmisation zuschreibt, oder 
wie einige behaupten, seine Schule stellte für die Benennung 
aller einzelnen Töne nur sechs Silben auf: 



« 



^^^ 



<9 . g 



vt re mi fa sol la 

<\ir den siebenten Ton H war nicht gesorgt. Diesem Mangel wurde 
auf eine ziemlich verwickelte Weise abgeholfen. Da die Intervalle 
der Töne der Oetave C — c 

CDEFGAHC 

fünf ganze Töne; C — D, D — E, F — G, G — A, A — H 
und zwei Halbtöüe : E — F und H— C 



mi fa mi fa 

enthalten , da ferner die Wichtigkeit dieser Halbtöne (mi — fa) 



SolmiBation. 101 

in der Octav als die bedeutendste angesehen wurde , so behielt 
man Überall . 

für die niederen Halbtöne E und H 

das mi mi 

fttr die höheren F und C 

das fa fa 

bei, wenn sie nebeneinander eintraten, und die ttbrigen'Töne 
mussten sich darnach verändern. Diese Veränderung (mu- 
tatio) trat in sehr vielen Fällen ein, und schon in der vollen Scala 
der Octav C — c selbst, welche aufsteigend Wessen: 

« OL. 



_ a ^ ^ ^ 

h ^ " ^ " " I 



ut re . mi fa sol re mi fa sol la 
[CDEFGAHcde] 

geht schon hervor, dass C zuerst ut^ in der Octav /a, 

. D „ rey ^ „ „ sol, 

hiessen; kam nun statt des H, der Halbton Hb {B) vor, so 
hiessen dieselben Tön^ : 



I b ^ » ^ ^' 



« k " 



ut re mi fa re mi fa sol re >ni fa 

Die Halbtöne E — F, A — B und e — f verschoben die 
denselben vorausgegangenen Töne aufs neue, indem der dem mi 
vorausgehende Ton — re heissen musste. Wir haben daher nur 
einen einzigen Ton ins Auge fassend 

fttr C nach der vorhergehenden Scala die Bezeichnung ui — fa 
„ n p letzten » . « r « «»/. 

Noch mehrere Veränderungen traten beim Herabsingen der 
Scala, und bei versetzten Tonarten (modi transpositi) ein, so 
dass der Schüler für jeden Ton ausser dem alphabetischen Buch- 
staben , den er auch, wissen musste, noch zwei oder drei Silben 
sich zu merken hatte, denn es hiessen die 7 Töne der Octav 



102 Somisation. 

A — /a — mi — re, 

B (H) — fa— mi, 

C — 8ol — fa — ut, 

J) — la — 8ol — rey 

£j — la — mi, 

F —fa — u(, 

G — sol — re — ut; 

das ist allerdings nicht so zu verstehen, als hätte der Musiker beim 
Singen für ein Tonzeichen, z. B. A, alle 3 Sylben la — mi — re 
zugleich zu gebrauchen gehabt, sondern nur eine daraus; er 
musste aber genau wissen, welche. Das sollte ihm die Aretini- 
sehe oder Guidonische Hand, nach dem Erfinder so genannt, 
erleichtem, welche in einer Tabelle der Mutationen, auf den Um- 
rissen einer Hand gezeichnet, bestand, so.dass der Schüler an 
den Fingern seihe Silben herzuzählen angeleitet wurde. 

Mehrere Jahrhunderte lang mtthte man sich an dieser ver- 
wickelten Solmisation mit den sechs Silben ab; die Achtung 
vor dem Alter hielt aber die Musiker ab , etwas zweckentspre- 
chenderes an deren Stelle zu setzen. Obschon ein Niederländer, 
Erycius van der Putten (Puteanus genannt, geb. 1574, 
gest. 1616) zuerst für den siebenten Ton ^er Octave (ß) 1599* 
die Silbe 6i eingeführt haben wollte, so dauerten doch die mit 
grosser Erbitterung und bis zu handgreiflichen Thätlichkeiten ge- 
führten Zänkereien' bis in das zweite Jahrzehent des XVHI. 
Jahrhunderts fort. Die letzte Streitigkeit wurde zwischen J. H. 
Buttstett^ (1717) und Mattheson* in derbem Angriff und noch 
derberer Vertheidigung zu Ende gebracht. Mattheson blieb mit der 
Behauptung Sieger, dass statt der bisherigen Solmisation die 
7 Töne der Octav durch Buchstaben — und ohne Mutation sollen 
bezeichnet werden. Seither ist die Solmisation in Deutschland 
wenigstens verschollen. Die Franzosen und Italiener haben zwar 
die Aretinischen Silben tä (do) re mi fa sol la Jbeibehalten, allein 
indem sie ftlr den siebenten Ton (Jt) die Sylbe si hinzufügten und 

1 In Pallas modulata sive Septem diBcrimina vocum. Mailand 1599. 

2 p. F. Tosi, Opinioni de' Cantori antichi e moderni. 1723. 

3 Ut re mi fa sol la tota Musica et Harmonia aeterna. Erfort 1717. 

4 Das beschützte Orchestre. 1717. 



Die KJrchentöne. 103 

keine Mutation mehr znUeBsen^ so daBS C immer nur ui, D nur re 
n. 8. w. heissen durfte ^ ist damit im wesentlichen dasselbe wie 
mit der Bezeichnung mit Buchstaben geleistet. 

Der. zweite Punkt des Streites betraf das Verhältniss der 
alten diatonischen Tongeschlechter zu den späteren 
chromatischen Dur- und Molltonarten. Darttber soll 
wieder nur so viel erwähnt werden, als zum Verständniss der 
Streitfrage unumgänglich nothwendig erscheint. 

Die alten Tongeschlechter (modi) beruhen auf der diato- 
nischen Tonleiter y das ist der Fortschreitung durch ganze Töne 
und grosse Halbtöne innerhalb einer Octav. Anfangs waren alle 
Vorzeichnungen von Kreuz und Be ausgeschlossen, und die natür- 
liche Tonleiter war 

C, Z>, E, F, G, Ä, H, c 

Sie bestand aus flinf ganzen Tönen C — />, D — E, F — C, 
G — A, A — -ff, und zwei Halbtönen E — Fund H — C. Daraus 
gestaltete man durch veränderte Stellung des Grnndtones 
6 Haupttonarten, nebst andern Nebentonarten, die wir hier nicht 
berttcksichtigen. 

Die sechs Tonarten waren: 

12345678 
I. JiEFGAHCd, 

n. IFGAHCDe, 

m. t~G A H C D E f, 

IV, G A H C^ E F~X 

V. A ff C~D E F^ «, 
YI. C D E F G A H c,^ 

Als das Characteristische jeder Tonart wurde die Stellung 
der beiden Halbtöne E — F und H — C in der Octav angesehen. 
Man wird bemerken, dass in der Tonart I (D) der eine Halbton 
E — F seine Stellung im 2. zum 3. Tone, der andere Halbton 

1 Die Tonart H wurde nicht aufgenommen , weil H — f keine reine 
Quinte gab. 



r 


V 


r 


r 


T) 


r 


r 


r) 


r 


r 


r> 


r 


r 


r 


r? 



104 Die Kirchentöue. 

H — Cim 6. zum T.Tone einnimmt^ oder wie man sieh ausdrüekte: 
die Semitonien waren im 2. nnd 6. Grade. 

In der Tonart n (E) nehmen dieselben Halbtöne die Stelle 
1 — 2 und 6 — 7 ein. In gleicher Weise verschieben sich. die Stel- 
lungen der beiden Halbtöne bei den tibrigen 4 Tonarten, wie aus 
der vorigen Tabelle sich ergibt, und in der hier folgenden in 
Zahlen ausgedruckt ist. 

In der Tonart I (/>) ist die Stellung der Halbtöne 2—3, 6—7 

n (£) „ „ „ „ „ 1-2, 5—6 

ni (10 r . r . . 4-5, 7-8 

IV (G) . „ „ „ „ . 3-4, 6-7 

V (^) „ „ n . „ 2-3, 5-6 

VI (C) „ „ „ „ „ 3 — 4, 7 — 8 

In diesen älteren Tonarten war nur eine beschränkte Zahl 
von Intervallen für den Componisten verwendbar. Diese Fessel 
wurde durch die gleichschwebende Temperatur zu Ende 
des XYII. Jahrhunderts abgeworfen, indem durch dieselbe der 
Umfang der Octav in 12 gleichabgestufte Halbtöne (C, Cis^ Z>, 
Dia, E, F, Pia, G, GiSy A, By ff) getheilt wurde, und man 
gewisse Abweichungen von der ursprünglichen absoluten Reinheit 
einführte, welche die Intervalle erleiden müssen, um in allen 
möglichen melodischen und harmonischen Beziehungen zu einan- 
der erscheinen zu können. Damit entstanden zum Gegensatze der 
diatonischen Tonleitern diechromatisch-enharmonischen 
Tonleitern. Den letzten gesellten sich die gemischten Tonge- 
schlechter (genus mixtum von Fux genannt), welche die älteren 
diatonischen Tongeschlechter zu Grunde legte und durch Benüz- 
zung der Vorzeichnungen von Kreuz und Be (wie G in Gü oder 
Ges) die transponierten Modi (modi transpositi) feststellte. 
Die Sache verhielt sich dabei so. Wenn die diatonische />-Tonart 

1 23456 78 

DEFGAHCd 

• 

die Halbtöne in der Stellung des 2. zum 3., dann in der des 6. 
zum 7. Tone hatte, so konnte man durch Vorzeichnungen andere 
Tonleitern zusammenstellen, welche dasselbe characteristische 
Merkmal der Stellung der Halbtöne (2 — 3 und 6 — 7) besassen und 



Die Kirchentöne. 105 

diese hiessen modi transpositi derjenigen diatonischen Ton- 
leiter , mit welcher sie die gleiche Stellung der Halbtöne gemein 
hatten. Z B. aus der obenangeftthrten D- Tonleiter konnte man 
auf diese Art eine aAdere Tonleiter mit 2 Kreuzen bildei^: 

1 2 3 45 6 7*8 
E Fis G A H Cis D e, 

welche ; wie man sieht , das Charactermerkmal der Stellung der 
Halbtöne (2 — 3 und 6 — 7) beibehielt, aber keinen gaiiz neuen 
Namen bekam, sondern Modus transpositus ad modum D hiess. 
So verfuhr man auch bei den übrigen Tonleitern, aber nicht über- 
all in gleicher Ausdehnung. Am ergiebigsten erwiesen sich ftlr 
Transponierungen die diatonischen Tonarten C und A. Nach der 





1 


2 


3 


4 


5 


6. 


7 


8 


Tonart 


c 


D 


E 


F 


G 


A 


U 


e. 


bildete man 


D 


E 


Fis 


G 


A 


H 


Cis 


J, 


• 


l 


Fh 


Gis 


A 


H 


Cis 


Bis 


E, 



und sofort über die Grundtöne F, G, A, H der diatonischen Scala, 
welche sämmtlich dieselbe Stellung der Halbtöne (3 — 4 und 7 — 8) 
besassen und keine andere Bezeichnung als modi transpositi ad 
modum C erhielten. Diese auf sämmtliche 12 Tonstufen der Octar 
ausgedehnt, waren aber zugleich keine andern als die 12 Scalen 
unserer heutigen Dur- Tonarten. 

Aus der diatonischen Tonart A machte man folgende modi 
transpositi : 

12345678 
diatonisch: kHCDEFGa 



^ 



transponiert: H Ch D E Fia G Ah 

As B c 




und sofort Ober die weiteren Töne D, E, F, G der diatonischen 
Scale, welche wie die Tonart A die Stellung der Halbtöne (2 — 3 
und 5 — 6) hatten und sämmtlich modi transpositi ad modum A 
hiessen. Es waren diese, weiter fortgeführt nichts anderes als 
die 12 Scalen unserer heutigen Moll-Tonarten. 



106 Der Sta-eit 

Im Gegensatze zu dieser älteren Anffassnng stellte sich jene 
der heutigen chromatisch-enharmonischen Tonleitern. 

Sie sncht das Characteristische ihrer Dur- nnd Moll-Tonarten 
nicht in der Stellung der Halbtöne, sondern in der Beschaffenheit 
der Terz und Sext ttber dem Grundtone. 

In den Dur -Tonarten muss in der Scale liegen über dem 
Grundtone eine grosse Terz und eine grosse Sext, z. B. 

über C £ A 

In den Molltonarten aber muss in der Scala liegen ttber 
dem Grundtone eine kleine Terz und eine kleine Sext z. B. 

über A C F 

Daraus wird schon klar, wie die alte Schule und die neue 
Schule in der Ansicht der neuen Dur- und Moll-Tonarten ausein- 
andergehen mussten. Die alte Schule sah in den 12 Dnr- Scalen 
und den 12 Moll -Scalen keinen neuen Modus, sondern nur 
transponierte (modi transpositi) der 2 diatonischen Tonarten 
C und Ay weil die neuen Scalen in der Stellung der Halbtöne mit 
jenen ganz übereinkommen; während die neue Schule in dem 
Charakteristikon der Terz und Sext bei den Dur- und Moll-Scalen 
zwar zwei Tongeschlechter zugibt aber die darin errichteten 
24 Scalen als ebenso^Hiele Tonarten (modi) bezeichnet, wäh- 
rend sie die alten Tonarten ganz, .oder doch grösstenthells 
aufgab, und ihr höchstens in der Kirchenmusik einen Platz 
anwies. 

Nach diesem etwas längeren Excurse wollen wir uns zu dem 
Sachverhalte des Streites über die Solmisation und die Kirchen- 
tonarten wenden. 

Im Jahre 1713 Hess J. Mattheson das j^Netieröpiete Or- 
chestre^ erscheinen, worin er (pag. 290) über die „verhasste 
Solmisation^ mit den sechs Syllaben oder „sogenannten Vocibus 
uty rcy miy fa, sol, la^ den Stab bricht, „damit man der sehr 
unvollkommenen und marterhaften Mutation, mit welcher sich bis 
fast auf diese Stunde die arme Jugend so lästerlich plagen müsse, 
überhoben sei^ und empfiehlt als das allerbeste „unser ^ ehrliches 

Of \A c d e fg. — In Hinsicht der Tonarten sagt er, dass die 



Der Streit. 107 

8 toni ^ ecclesiastici oder Gregoriani wegen des geringen Nutzens 
nicht speciell angefahrt werden (pag. 61) und fährt (pag. 63) 
fort : „Wir haben nicht mehr als 1 2 differente Tone ; so eben die 
12 Semitonien der chromatischen Octav sind, deren jedes durch 
die tertias n^ajores et minores einmal verändern kann , also dass 
die vorgesetzten 24 (Tonarten) herauskonmien — und dabei bleibt 
68.^ Damit hat Mattheson die Kirchentonarten beseitigt und die 
chromatischen 24 Dur- und Moll-Tonarten als die einzig üblichen 
hingestellt. Durch beide- Behauptungen hatte er viele Gegner er- 
regt y unter denen wurde er am heftigsten von dem Organisten 
Johann Heinrich Buttstett in Erfurt (geb. 1666, gest. 1721) 
in seiner Streitschrift (um 1714 — 1716) y^Vi.re, tni, fa, sol, la 
Tota Musica et Harmonia aetema^ angegriffen , wo die alte Sol- 
misation und Modi Musici aufrecht Erhalten wurden. 

Nach seinem bekannten streitlustigen Wesen liess Matthe- 
son auf eine Antwort nicht warten, worin er Aug' um Auge, Zahn 
um 2iahn und noch etwas darüber vergilt. Diese 1717 erschienene 
Antwort führte den Titel * : Das beschützte Orchesire^ oder des- 
selben zweite ErCflhung^ wo auf nicht weniger als 561 Seiten 
den verdummten Solmisatoren und den Anhängern der alten 
Kirchentöne im allgemeinen, seinem Angreifer „dem Pedaltreter in 
Erfurt" im besonderen, dem er eine Legion von Ehrentiteln beilegt, 

1 Fax nimmt 6 aathenticos und 6 plagales (Nebentonarten) an. 

2 Dessen vollständiger Titel war: 

Das Beschützte Orchestre, oder desselben Zweite Eröffnung 
Worinn Nicht nur einem würcklichen galant-homme, der eben kein Profes- 
sions-Verwandter, sondern auch manchem Husico selbst die alleraufrich- 
tigBte und deutlichste Yorstellung musioaiischer Wissenschaften, wie sich 
dieselbe vom Schulstaub tUchtig gesftubert, eigentlich und wahrhafftig ver- 
halten, ertheilet; aller wiedrigen Auslegung und gedungenen Aufbürdung 
aber völliger truckener Bescheid gegeben ; so dann endlich des lange ver- 
bannet gewesenen 

Ut Mi Sol 

Re Fa La 

Todte (nicht tota] Musica. 

Unter ansehnlicher Begleitung der zwölff griechischen Modorum 
als ehrbarer Verwandten und Trauerleute zu Grabe gebracht und mit einem 
Monument zum ewigen Andenken versehen wird von Mattheson. 12. Ham- 
burg, zu finden im Dom im Schillerischen Buchladen, 1717. 



108 Der Streit. 

der Text gelesen wird. Mattheson schwimmt bei diesem littera- 
rischen Krakeel in seinem Elemente, and lässt nichts nnversacht, 
seinen Gegner zu zerstttcken und seine Sttteke den Elementen 
preiszugeben. Das Thema im „Beschützten Orchestre^ ist 
dasselbe wie im Neneröffiieten Orchestre^ nur bedenkend amplifi- 
eiert and mit allerlei stechenden, schneidenden und keulenden 
Folterwerkzeugen ausgestattet, welche der bunteste Flitterstaat 
von Belesenheit und Superiorität des Wissens gar nicht bemänteln 
soll , denn die Derbheit tritt in der plattesten , widrigsten Form 
darin auf. Um eine Vorstellung von dem Tone der Darstellung zu 
geben \ dessen Mattheson im ^^Beschützten Orchestre^ sich befleisst, 
sollen hier nur ein Paar der schwächeren Stellen einen Platz 
finden, lieber dieVeranlassong dieser Streitschrift sagt er (p. 286): 
,,Ich werde im folgenden die nichtige, rerdriessliche , verhasste, 
abgesehmackte, abgeschafite, längstverrottete, stinkende Solmi- 
sation nebst dem übrigen unrichtigien Quarck des ErAirtischen 
Pedaltreters (Buttstett) darlegen.^ Diesem wird (p. 33) folgendes 
zugerufen: „Kriechende Gemttther legen alles nach ihrer nieder- 
trächtigen Passion der Geldsucht aus." — lieber den Erfinder 
der Solmisation, Guido von Arezzo heisst es (p. 268) : „ Aretinus 
florirte recht mitten in der Barbarei, in dieser Finsterniss der 
groben Unwissenheit, im einfältigen elften Seculo ao. 1024. — 
Inter coecos enim et luscus perspicax dici potest. Er war freilich 
der beste Hahn im Korb, weil man von keinem bessern wusste, ist 
demnach kein Wunder, dass seitie Methode durchgehends ange- 
nommen, gutgeheissen und auch ganzer 600 Jahre keine andere 
gemacht worden, zumal wenn wir die antique Dunmiheit, ja die 
greuliche lästerliche Dummheit betrachten, in welcher die Welt 
noch zu Heresbachs Zeit (im XV. Jahrhundert) gestanden." — 
Ueber die Kirchentonarten äussert er sich (p. 416): „Wir 
wollen die alten modos an ihrem Ort bei dem Grabe der Solmisa- 
tion mit allen Ehrenzeichen gestellt sein lassen und sie denen 

^ Eines der Gedichte , die Mattheson im beschützten Orchestre mit- 
theilt, beginnt: 

„Ut re mi fa sol la ist zwar schon lang verrecket 
Allein man hat noch nie an eine Leich gedacht, 
Dass nun kein Menschen-Kind durch sie würd angestecket 
Hat endlich Mattheson Sie hier zur Gmfft gebracht.^ 



Der Streit . 109 

gerne abtreten, die sich etwan mit einem neuen Kirchenliede anf 
den. alten Fusb hervorthon wollen^, und f&hrt (p. 424) fort: „Es 
gibt jetzt 2 Classes modorum a. Classis modorum majorom mit 
grosser Terz ttber dem Orundton und b. Classis modorum minorum 
mit kleiner Terz ttber demselben — also 12 modi majores und 12 
modi minores . . . deren sich jeder von dem andern klärlich und 
vernehmlich unterscheidet.^ „Der Fundamentthon und die Trias 
(der Dreiklang) darüber (nicht das Lumpensemitonium) dind gleich 
das rechte Fleisch und Blut i. e. das eigentliche substantielle 
Wesen aller und jeder musicalischen Stttcke^ (p. 378). 

Das „Beschützte Orchestre^ hat Mattheson vierzehn 
^ Wohl-Gebomen, Hoch-Edlen, Hoch- und Wohlgebomen, Hoch- 
Ansehnlichen HERRN Herrn Capell-Meistero^ dediciert, in deren 
!Zahl n^bst Joh. Jos. Fux auch Georg Friedrich Händel, 
Reinhard Kaiser, Job. Kuhnau in Leipzig, Georg Phi- 
lipp Teleman erscheinen, und die er zu seinen „arbitris^ er- 
wählt. Mehrere dieser aufgerufenen Schiedsrichter schmeichelten 
dem Manne der geftlrchteten Feder , Händel* antwortete aus- 
weichend. 

Wie aus Mattheson's Critica Mnsica U. 185 — 206 hervor- 
zugehen scheint , hat er ein Exemplar des Beschtttzten Orchestre 
an Fux übersendet und diesen speciell um sein Urtheil in Sachen 
der Sohnisation und der Tonarten aufgefordert. Daraus entspann 
sich eine Correspondenz, welche in der Critica Mnsica a. a. Orte 
abgedruckt ist^ Fux schreibt darin am 4. Dec. 1717, Mattheson 
repliciert am 18. Dec. 1717; noch einmal und zum letzten Male 
lässt sich Fux vernehmen am 12. Jänner 1718, worauf Matthe- 
son , der immer das letzte Wort haben musste, am 12. Februar 
1718 antwortet. — Ungeachtet Fux gegen Abdruckung seiner 
zwei „unpolirten Briefe^ protestiert, hatte Mattheson doch nichts 
eifriger zu thnn, in der erwähnten Critioa sowohl die Briefe des 
Fux, mit den nöthigen beissenden Glossen versehen, als auch 
dann seine eigenen von Gelahrtheit starrenden zwei Repliken 
drucken zu lassen. Fux als alter PracticuB der Kirchentonarten 
und Anhänger der Sohnisation veiiheidigt beides, und zwar die 
Sohnisation wegen der unwürdigen Angriflfe auf den von Fux ver- 

1 C'hrysander, Händel. I. 4.^ ff. 2 Beil. lü. 1-6. 



110 Der Streit. 

ehrten Quido von Arezzo, dem „die Mnsica practica mehr schuldig 
als keinem antori in der Welt" „und der im Orchestre so läster- 
lich durch die Hechel gezogen wird«, worüber Fux gesteht, dass 
er sich „nicht wenig darüber geärgert habe". Er giebt die 
Schwierigkeiten der Mutationen zu , „Knaben können sie aber in 
etlichen Monaten" überwinden; ausserdem haben die Silben ut 
re mi fa sol la die Uebung in den verschiedenen Vocalen beim 

Singen für sich, „wogegen die Buchstaben a, b, c mit 

schlechtem Grund in der Singkunst gebraucht werden". Uebri- 
gens sei er „kein Anbether der superstitieusen Antiquität", doch 
„was so viele Saecula von den vornehmsten Meistern für gut und 
recht gehalten , bis nit was bessers erfunden wird , veneriere er 
auf alle Weise". 

lieber die 24 neuen modi sagt Fux „sie haben keinen Grund, 
weil von 12, die Mattheson anfllhrt , 1 1 die Semitonien mit dem 
ersten gleich haben", also nur transponiert seien; ein transponier- 
ter Ton ist aber weder genere noch specie diversus ab illo a quo 
transponitur". — Im zweiten Briefe dankt Fux für ein von Mat- 
theson componiertes und übersendetes Clavierstttck, — das Fux 
„gar fein, artig und von guter Invention" befunden. Er kommt, 
gereizt durch die insolente Replik des Mattheson, empfindlich 
auf die Solmisation zurück, sagt, „dass man die Schwierigkeit 
des Erlernens bei Knaben von 9 und 10 Jahren hier nicht kenne" 
und auch in Italien, „wo ohne Widerrede die vornehmsten Sänger 
herkommen, bleibe man bei dieser Methode", und, fährt er fort, 
^weil Hamburg nit die ganze musicalische Welt ist, und nur all- 
dort so beschwerlich ist, die Singkunst auf solche Weise zu er- 
lernen, so lasse iehs gerne geschehen, dass man alldort das ut re 
mi zu Grabe trage". Fux schliesst, „er habe über das Orchestre 
seine Meinung geschrieben, weil Mattheson ihm die Ehre gegeben 
sie zu vernehmen, wenn man damit nit zufrieden sei, kann maa 
bei seiner Meinung verbleiben, er sei's zufrieden". Es koste ihm 
keine Mühe, sein assertum, dass die 24 modi keinen Grund haben, 
klar vor Augen zu legen, „wenn ich nit mit einem zu thun hätte, 
der kein Sklave und gar zu sehr eingenonunen wäre von seiner 
eigenen Meinung". 

Dessungeachtet setzt Fux seine Ansieht weitläufig ausein- 
ander, „weil er besorgt, Mattheson möchte sonst bei den Musik- 



Der Streit. 111 

kandigen schlechten Ruhm davon tragen , was Fux sehr leid sein 
sollte^ indem Mattheson sonst wegen seiner besondem Gelehrtheit 
und seinem Eifer gegen die liebe Mnsik besondere estime meri- 
tiert^. Bei dieser geäusserten Meinung , heisst es am Schlüsse, 
soll es sein Bewenden haben, ,,dann ich weder Zeit weder Humor 
noch indination zu dergleichen strittiger Schreibart habe". 

Gegen den ruhigen, einfach-würdigen Ton des alten Kapell- 
meisters sticht das strappelnde Wesen des erbosten Diplomaten 
höchst unangenehm ab. Nicht nur sind die Glossen und Einleitun- 
gen beim Abdruck der Briefe des Fux voll Malice , noch mehr 
aber halten die Briefe Matthesbn's einen pöbelhaft rohen, mit 
Gitatenflitter ttberftlllten, beleidigenden Ton ein. Wie ein zur 
Wnth gereizter Marktschreier umschwärmt er sein unglückliches 
Opfer mit den stechenden Waffen seiner oft mislungenen Witze, 
und stellt sich inuner zugleich in Positur gegen das lesende Publi- 
cum und fragt: Seht ihr nicht, wie ich bin klug und weise, und 
wie schwach und beschränkt mein Gegner. Der Schluss setzt dem 
Ganzen die Krone auf. Nachdem Mattheson dem alten Kapell- 
meister verblümt und unverblümt die empfindlichsten Sottison 
angethan, begehrt er von ihm, zu der Ehrenpforte, die er heraus- 
geben wollte, durch Mittheilung seiner Biographie beizutragen. 
Als nun Fux ihn mit den bekannten Worten abfertigte : Ich könnte 
wohl viel Vortheilhaftes für mich, von meinem Aufkommen, unter- 
Bchiedllchen Dienstverrichtungen schreiben, wenn es nit wider 
die modestie wäre, meine eigenen elogia hervorzustreichen. Indess 
sei mir genug, dass ich würdig geschätzt werde, Caroli VI. erster 
Kapellmeister zu sein", da kannte Mattheson kein Mass, seiner 
erregten Galle Luft zu machen, und man kann es mit keinem 
andern Namen, als Niederträchtigkeit bezeichnen, wenn er in der 
später herausgegebenen „Ehrenpforte" ^ den sittlichen Ruf des 
würdigen Mannes begeifernd, sagt : „Jene die verstellte Beschei- 
denheit vorschützen, eine Blödigkeit, eine Schamhaftigkeit u.s. w., 
das sind die allerärgsten und heimlich aufgeblasensten. Sie 
kriechen nur desto tiefer um desto höher zu klimmen, denn, klet- 
tern und kriechen erfordert einerlei Leibesbewegung und Beu- 
gung". Chrysander^ bemerkt, Mattheson lasse sich nach Hän- 

1 Vorrede XIIL > Händel. I. 144. 



112 Endergebniss der Streites. 

deFs Tode (1761) im Vorworte zu dessen Lebensbeschreibung in 
einem wunderlichen Gemische von Eitelkeit^ Knechtssinn und 
Scheinheiligkeit heraus (indem er HändeFs Vorzügen entgegen 
seine eigenen aufzählt) und schliesst: „Solche schäbige Gresinnun- 
gen waren damals in Deutschland Gemeingut. Jeder eitle Knirps 
konnte sich einem Unsterblichen an die Seite stellen^ ohne öffent- 
lich lächerlich zu werden.^ Dieses scharfe Urtheil ist leider be- 
gründet und wirft ein betrübendes Licht auf das Getriebe der 
damaligen deutschen Gelehrten- und Kunstlitteratur, ihre Lieb- 
losigkeit, Klatsch- und Schmähsucht ; von der, wie es scheint, 
gelbst unsere Tage sich noch nicht frei gemacht haben. 

Ueberblickt man unbefangen den Gegenstand des Streites, 
so muss man bekennen, dass, was die sechssilbige Solmisa- 
tion des Guido von Arezzo betrifft, diese sich zu jener Zeit 
bereits überlebt hatte und wegen gehäufter Schwierigkeiten der 
Mutationen bei den sich eindrängenden chromatischen Tonarten 
nicht mehr sich halten konnte. Ein Auskunftsmittel mnsste ge- 
troffen werden, durch einfachere durchgreifende Bezeichnung der 
Töne ohne Mutation sei es durch Hinzuftigung einer Silbe 
(8i) ftlr den siebenten Ton der Octav, oder durch Benennung mit 
sieben Buchstaben. Mattheson sprach das aus, was viele vor ihm 
bereits erkannt und auch ausgesprochen hatten, und was durch 
ihn zu heftigem Durchbruche kam. Den Gründen des Fux für die 
Sohnisation wäre vielleicht noch der hinzuzufügen, dass den Ler- 
nenden durch beständiges hervorheben der Halbtöne {mi — fa) 
die Einsicht in die Intervallenverhältnisse der Octav lebhafter 
eingeprägt wird. Die Verdienste des Guido von Arezzo 
zu einer Zeit, wo man sich noch mit unsichem Neumen plagte 
und mit dem Tetrachord behalf, an dessen Stelle er das Hexa- 
ehord setzte, sind durchaus nicht in Abrede zu stellen. Am wenig- 
sten ist ihm zur Last zu legen, was nach ihm geschah, dass man 
durch mehr als sechs Jahrhunderte seinen Fusstapfen folgte, weil 
niemand sich fand , der etwas besseres an die Stelle zu setzen 
wusste. 

Anders verhält sich die Sache mit den Tonarten. Ob die 
neuen Dur- und Mollscalen als besondere Tonarten (modi) zu 
betrachten seien, oder nur alsmoditranspositi der diatonischen 
Tonarten C und A kann z u letzt auf einen Wortstreit hinausgehen. 



ApoBtolo Zeno. 113 

auf den wenig Oewicht zu legeu ist. Nach den Ansichten der 
altejD Schule war Fux im I^echte. Dagegen ist die Bedeutung 
der alten Eirdiepatönj^, selbst in unseren Tagen , keine so 
geringfügige^ alr M^ttheson glauben machen i^fill. Jedem, der die 
Meisterwerke eines l^ajest^na, Qabrieli und -so vieler «nderer 
grossen Männer gdiörig anffass^ ;und gemessen will, ist ihre 
Kenntniss ; unentbehrlich. Aber auch dem Componisten b^onders 
fbr die Kirche legen sie d,urch die geringeren Mittel der Modu- 
lation und. Bewegung, einen strengen Zttgel an, wodurch Werke 
geschaffen werden können, die durch edle Einfachheit,: Elrbaben- 
heil und Würde das Gemtttl^ zu erheben. und dem E^iüreiesen ein^s 
regellose)! Melodien-: upd H^i,rmonien9chwindels ein^n festen Damm 
entgegenzusetzen verpaögen. : . . ..:, 



Jx^ Wien. bereitete sich mittlerw^eile durch das Ai|ifeetcA eines 
epochemachenden Joannes für Kunst und.Litteratu^ eine bedeu- 
tende Wendung .zum bes8er,en V|0r. , I j .; 

Im Jahre 1718 wurde Ap.^stolo Zeno* als k, k/Hofpaet 
und Historiograph mit einem Jahrgehalt von 4000 fl. nach Wien 
berufen und kam desselben Jahres am 6. December dort an. In 
seinen Briefen kann er nicht genug rühmen, mit welcher Güte ihn 
der Kaiser in der ersten Audienz empfieng und welcher ehrenden 
Ausdrücke derselbe sich bediente. Der Kaiser versicherte ihn, 
dass er nicht durch fremde Empfehlungen bewogen worden sei, den 
Apostolo Zeno in seine Dienste zu berufen, sondern durch die 
Leetüre der Schriften desselben. Der Kaiser lobte seine Opemtexte, 
wiederholte aber , dass es nicht seine Absicht war , sich Zeno's 
wegen der Poesie allein zu bedienen, weil diese nur desseniunter- 
geordnete Befilhigung sei. Er sprach von Zeno's Giomale de* Lei- 
terati iF Italia und drückte den Wunsch aus, diass in Wien' littera- 
rische Vereine sich bilden möchten, deren Beschtftzer er gerne sein 

1 Apostolo Zeno stammte autf einer cretensischieil Familie und war 
1668 in Venedig geboren. Er erhielt eine sorgfiiltige Erziehung, die seinen 
aufgeweckten Geist .früh mit- Kenntnissen bereicherte.- Sehr jung noch 
wurde erdui^ch seine Melodrame bekannt, gab aber auch eine werthvolle 
Zeitschrift GiornaU de'Leäerad ^ ItaUa heraus. Nachdem er sieh 1731 von 
Wien nach seiner Vaterstadt zurückgezogen hatte, besehäftigte'ihn BibHb- 
graphie und Geschichtel wori» er ausgezeichbetes- leistete. 11; 'Nov. 1750 
starb er dort in hohem Alter. > « • ' • 

Kiiehti, J. J. Fux. 8 



114 Apostolo Zeno. 

« 
werde*. Da hier seine litterarische Thätigkeit als Dichter von 

Texten zu Opern und Oratorien zu erwägen ist, so kann auf seine 
anderweitigen Arbeiten und Verbindungen nicht eingegangen wer- 
den. — Während seiner Anwesenheit in Wien (1718 — 1731), dann 
noch wenige Jahre später (ausserdem von früher entstandenen 
Texten, die aber erst nach 1718 in Wien zur Darstellung kamen), 
dichtete er 29 Opern und Serenaden nebst 17 Oratorien*, von 
denen 6 Nummern Zeno mit Pietro Pariati gemeinschaftlich 
bearbeitet hatte. Von den in Wien verfassten Texten hat A. Cal- 
dara 29 in Musik gesetzt. Fr. Conti 6, 6. Porsile 3, einzelne 
A. Lotti, N. Porpora, J. J. Fux, Hasse, Giov. Bonon- 
c i n i. — In den Briefen, welche Zeno von Wien in seine Heimat 
schrieb^, erwähnt er nicht gelten seiner eben fertig gewordenen 
poetischen Texte und ihrer Aufnahme bei Hofe und in den nahe- 
stehenden hohen Kreisen*: der Musik dazu erwähnt er nur selten 
und ganz kurz. Er wird es nicht müde seinen Freunden mitzu- 
theilen , welche schmeichelhafte LobsprUehe er für seine Poesien 
eingeärntet habe : der Kaiser soll sich darüber geäussert haben, 
so gearb^tete Werke sehe man selbst in Italien nicht , denn in 
Italien sei kein zweiter Apostolo Zeno , — er erwähnt eines Ge- 
schenkes von 4000 fl., das er vom Kaiser über seinen Gehalt be- 
kommen und in Wien viel Lärmen gemacht habe (Lett. III. 1 2), 
ebenso seiner angenehmen Verhältnisse zu den ersten Würden- 
trägem des Reichs, dem Principe Pio, dem Grafen Cavelli, 
den Grafen Cobentzel, Collpredo, C.ollalto u.a., welche 
nach dem Vorgange ihres Souveräns an Entgegenkommen für den 
Dichter und Gelehrten es nicht fehlen Hessen. Auch sein Aus- 
scheiden aus den kaiserlichen Diensten im September 1731 ge- 

» Lettere II. 541 ff. 

^ Opern: Beil. VIU. 507. 522*. 527*. 539*. 541. 542. 549*. 550. 553. 
563. 570*. 571. 575. 581. 586. 604. 605. 607. 613. 614. 617. 629. 638. 641. 649. 
659. 721. Die *bezeichueteii mit P. Pariati. ~ Oratorien: 558. 566. 
577. 590. 611. 622. 634. 645. 653. 665. 686. 688. 704. 718. 730. 741. 763! 
Beine Gesammtwerke enthalten 46 Opern und 17 Oratorien. 

3 Lettere (2. ediz.) 8. Yenezia 1785, im II., III. nud IV. Bancfe. 

4 Ueber Ifigenia (Lett. II. 443 und 444), D(m Chüciotte (III. 11;, Sinta 
(HI. 64;, Aieesandro in Sidane (III. 96), Pache (III. 200;, OrmUda (III. 292), 
NUocri (UI. 352) , Euristeo (III. 446), Gianguir (III. 454), Spartaco (IV. 98), 
Imeneo (IV. 199), Omoepade (IV. 209), Mitridate (IV. 256). 



Apostolo Zeno. 115 

fichah unter den schonendsten Formen : er erhielt den Fortbezug 
eines Ruhegehaltes von 1000 fl. mit der Gestattung, seinen Auf- 
enthalt in Italien zu nehmen und mit der einzigen Verpflichtung, 
soweit es seine Kräfte zulassen, zu schreiben, was etwa der Dienst 
benöthigt , wobei ihm freigelasse wurde , zu jeder Zeit wieder 
nach Wien zurückzukehren, wo man ihn immer gerne aufnehmen 
werde. Von dieser letzten Gestattung machte er bekanntlich keinen 
Gebrauch, er blieb und starb in seiner Heimat. Einige Texte 
schickte er jedoch bis zum Jahre 1 737 nac)i Wien ein. 

Metastasio, von Febroni zu einem Urtheile ttber Zeno's 
Opern aufgefordert, äussert sich darüber (opp. post. 11. 409.) in 
folgender Weise: „Wenn dem Herrn Apostolo Zeno auch jedes 
andere poetische Verdienst gemangelt hätte, so hätte er doch 
unsere Dankbarkeit und die Achtung der Nachwelt dadurch ver- 
dient , indem er zeigte , dass unsere Oper und die Vernunft keine 
unvereinbaren Dinge seien; dass er nicht glaubte von den Ge- 
setzen des wahrscheinlichen enthoben zu sein, dass er sich 
stemmte gegen die Pest des damals herschenden albernen und 
schwülstigen Stiles, und dass er endlieh den Cothum befreite von 
der Possenhaftigkeit des Soccus" . — ApostoloZeno hatte aber 
auch noch anderweitige Verdienste, worunter nicht das geringste 
war, dass er die Allegorien und Personificationen , wenn auch 
nicht gänzlich verbannte, doch auf ein Mimimnm beschränkte, 
dass er in der Oper gute geschichtliche Grundlagen aufstellte und 
jede UnnatUrlichkeit fernhielt , dass sein Dialog , von einer aus- 
gebreiteten Gelehrsamkeit getragen, niemals unbedeutend wurde, 
dass er in der Anlage seiner Stücke nicht , wie bis auf ihn ge- 
wöhnlich geschah, schabelonenartig verfuhr, dass er das Liebes- 
getändel mindestens von Unsinn frei machte, indem er sich in 
einer Vorrede bei dem Leser sogar entschuldigt, in der Anlage 
d66 Stückes ein Liebesverhältniss aufnehmen zu müssen, da man 
ohne ein solches, heutzutage kein Stück sehen wolle. Wenn nun 
Zeno in diesen Richtungen vieles Verdienst in Anspruch nehmen 
darf und durch sein Beispiel zahlreiche Nachahmer nach sich zie- 
hend auch als bahnbrechend anzusehen ist, so ist doch wieder 
nicht zu läugnen, dass seine Hervorbringungen mehr den Verstand 
als die Empfindung anzusprechen geeignet waren und eben deshalb 
der Hauptforderung der Musik, welche das Gefühl zu beleben 

8* 



116 Pietro Pariati 

bestimmt ist, weniger zusagen konnte, insbesondere ist die Liebe 
ganz stiefinUtterlich von ihm behandelt, man merkt dass er 
dabei sich Zwang anlegen musste ,,und wird dadurch verstimmt", 
zugleich machten die langen, mehr rhetorisch als poetisch gehal- 
tenen Eecitative keine geringen Zumuthungen an den Componisten 
und auch an den Zuhörer; allein hier dürfen wir an den Verfasser 
der Texte keinen zu strengen Masstab anlegen, da das Begnttgen 
seiner Zeit nicht den Forderungen der unsrigen gleichsteht. 

Mit Apostolo Zei\o gleichzeitig an Lebensjahren und in. der 
Thätigkeit als Theaterdichter, zuletzt auch in der Anstellung am 
Hofe zu Wien war Pietro Pariati*. Er ercheint in den Hof- 
rechenbttohem mid Schematismen als Hofpoet vom 1. Jänner 1713 
nach Silvio Stampiglia und P. Bernardoni bis zu seinem 
Tode im Jahre 1 733. Seine poetische Thätigkeit fOr Wien scheint 
aber schon mit 1729 abgeschlossen gewesen zu sein, nachdam 
Aber 50 Texte für Opern und Oratorien seiner fleissigen Feder in 
kaum 16 Jahren entflossen waren. Er hatte auch mit Apostolo 
Zeno gemeinschaftlich an Opemtexten schon vor ihrer Ankunft in 
Wien gearbeitet und in Apostolo Zeno's Poesie drammatiehe Vol. 
IX — XI sind 10 solcher gemeinschaftlicher Texte aufgenommen 
mit der ausdrücklichen Bezeichnung, dass sie von Zeno y^insieme 
con P. Pariati^ ' verfasst sind. Von den in Wien zuerst zur Auf- 
fUhrui^ gekommenen gibt Don Chisciotte in Sierra Morena (Beil. 
VIII. 549) und Alessandro in Sidone (570) Zeugniss, dass Pariati, 
was Gewandtheit in Erfindung und theatralischer Anordnung der 
Stoffe betrifft, seinem Mitarbeiter nicht nachstand, in der Sang- 
barkeit der Texte sogar einen Vorrang verdiente '. Auch in jenen 
Opern , welche von Pariati allein herrühren , wie Costanza e far- 

tezztty zeigt sich ein Diehter von höherer Begabung. 

> 

1 Er war zu Beggio (in der Lombardie) 27. März 1665 geboren and 
starb 1733. Quadrio, Stör. VUI. P. U. 483. Ant. Lombardi III. 392. 

2 Apostolo Zeno erkennt auch in den Briefen das Verdienst Pariati *s 
an und gesteht den Erfolg dieser Stücke ehrlich zu. 



VIII. 

' I . * < 

t 

Fax. Kircbemmiisik. 

In dasselbe Jahr JL 718 fällt die Composition der berlUimten 
Missa canonica des ¥vcl, an welche sich eine nähere Beleuchtung 
seiner sämmtlichen Kirchencompositionen anknüpfen lässt; da 
ohnehin bei den wenigsten derselben die Zeit ihres Zustande- 
konmiens mit Sicherheit zu ermitteln ist. 

Der volle Inhalt des Gradus ad Pamassum legt Zeugniss ab 
über die Richtung des Verfassers zum strengen Satze in der 
Musik überhaupt und zu Compositionen für die Kirche insbeson- 
dere, wo jener seinen höchsten Ausdruck zu finden berufen, ist. 
Ein weiterer Beleg dafür ist die grosse Terhältnisszahl seiner 
Kirchencompositionen (289) zur Gesammtzahl seiner nachgelas- 
senen bekannten Werke (405) *, also nahe drei Viertel der gan- 
zen Sunune , wichtiger noch ist aber die Art der Auffassung und 
Behandlung derselben. Ceber seine eigene Stellung zu der ihm 
vorausgegangenen glänzenden Periode der Musik besonders in 
Italien , legt Fux in der Widmung seiner berühmten Missa cano- 
nica * an K. Karl VI. ein selbstbewusstes Bekenntniss ab , wenn 
er sich in folgender Weise äussert : „Ich habe es für meine 
Pflicht gehalten, diese ruhmreiche Kunst (die Musik) von der un- 
begründeten Meinung einiger zu befreien, welche behaupten, im 
Laufe der Zeit habe sich das Wesen der alten Musik so verrin- 
gert, dass sich nach und nach selbst der Begriff derselben ver- 
loren habe und uns nichts mehr als der Schatten ihres Namens 
geblieben sei, den die moderne Musik eingenommen hat. . . . Ich 
schmeichle mir, Eure Majestät werden in dieser Messe erkennen, 

1 In dem Verzeichnisse der Compositionen desselben (Bell. X.) werden 
56 Messen, 57 Vespern, 32 Litaneien, 12 Gradualien, 14 Offertorien, 
22 Mottette und 106 Hymnen aufgezählt. 

»Beil. IV. 6. 



118 Kirchenmusik — Geschichtliches. 

-dasB die alte Mnsik noch nicht gänzlich verschwunden^ und da88 
uns darin sogar ein Gewinn erwachsen ist, der durch Nachdenken 
und Forschen gepflegt bewirken kann, dass der Geschmack und 
die Würde derselben noch fortlebend erscheine. Das ist immer 
mein Ziel gewesen , und mein geringes Talent hat zum alleinigen 
Ende, das zu erhalten, was von alter Musik uns noch übrig blieb, 
alle ihm mögliche Kraft zusammengenommen-, in der Hoffnung, 
durch das Verdienst dieses mühsamen Strebens alle meine übrigen 
UnvoUkommenheiten erträglicher zu machen." 

Es ist ausser allem Zweifel, dass Fux unter der alten 
Musik, deren Erhaltung er als den Zweck seines künstlerischen 
Wirkens aufstellt, keine andere gemeint habe ak jene, deren 
Begründer und Vollender Palestrina war, den er* mit Be- 
geisterung das Licht von Präneste nennt, dem er alles was in 
diesem Zweige der Wissenschaft an ihm sei, zu verdanken habe, 
und dessen Andenken er, so lange er lebe, niemals aufhören 
werde mit dem höchsten Dankgefdhle zu verehren. Er nennt ihn 
später den Fürsten des Stils a cappella', welchen nachzuahmen 
er seinem Schüler, wenn ihm um einen ungewöhnlichen Fortschritt 
zu thun ist, auf das dringendste empfiehlt. 

Giovanni Pierluigi Palestrina^, der Gegenstand der 
Bewunderung der Mitwelt und Nachwelt, wjar es wohl werth, dass 
ihn ein anderer grosser ICünstler so hoch stellte. Als in Italien 
wegen Ueberkünstelung durch die Niederländer die Kirchen- 
musik ihrem Zwecke der Verständlichkeit und Würde nicht zu 
entsprechen schien .und es nahe daran war, dass die Figural- 
musik aus der Kirche verbannt werden sollte, erhielt Pale- 
strina, dessen Improperien* und die Messe üt re mi fa sol 
durch Einfachheit und Grösse Staunen erregt hatte, von Papst 
Pius rV. (1564) den Auftrag, eine Messe zu schreiben, welche 

1 Grad, praef. > Grad. p. 244. 

^Giovanni Pierluigi (Johann, Peter Alois), nach seinem Geburts- 
orte Palestrina (Praeneste) genannt, während sein Familienname S an t e 
war, geboren 1514 (nach Schelle, neue Zeitschr. f. Mus. 1864), ward in Rom 
ein Schüler GoudimePs, 1544 Kapellmeister in der Cathedrale von Pale- 
strina, von 1551 an in Rom theils als Kapellmeister im Yatican, theils als 
Componist der Kapelle Papst Pius IV., und starb dort 1594. 

^ -Gesänge am Gründonnerstage. 



Kirchenmasik — Geschichtliches. 119 

in jeder Hinsicht als dauerndee Muster echter Kirchenmusik hin- 
gestellt werden könne. Vermöchte sie den Anforderungen der 
Congregation Gentige zu leisten , so soUte die Figuralmusik in 
der Kirche ferner verbleiben. Das Schicksal derselben lag also 
in Palestrina's Hand. Er schrieb nun drei Messen, von denen die 
dritte aufgeführte, später Marc ellusm esse genannt, entschie- 
den durchschlug und allgemeines Staunen und Bewunderung her- 
vorrief. iMe Empfindungen, welche in der katholischen Kirche 
die alleinherschenden sein sollen , hatten darin einen tiefen und 
wahren Ausdruck gefunden, die höchste Kunst ^schien als 
Natur, ein echt kirchlicher Stil hatte sich entfaltet, ernst, feier- 
lich, gross, wie alle Leidenschaftichkeit so auch aUe Künstelei aus- 
schliessend, in tiefsinniger Tonsymbolik die Greheimnisse der 
Gottheit dem ahnenden Gefühle vermittelnd. Palestrina hatte 
mit diesem Werke nicjit nur der Kirchenmusik ihren Antheil am 
katholischen Gottesdienste für alle Zeiten gesichert, sondern auch 
den Italienern einen nationalen Kirchen stil geschaffen, der noch 
immer Stile alla Palestrina genannt wird. — Indess ist 
seine Schreibart keineswegs inuner jener einfach erhabene der 
Improperien oder Marcellusmesse , sondern die contrapunktische 
Kunst findet sich auch bei ihm in allen Abstufungen, je nach der 
Anregung des Textes von der einfachen Accordenfolge des Jos- 
quin' sehen Stile familiäre bis zn den äussersten Verwicklungen 
des canonischen Satzes. Aber auch die grössten Schwierigkeiten 
überwand er scheinbar ohne Anstrengung und ohne im Ausdrucke 
jemals die Würde des Gegenstandes , der Kirche , zu vergessen 
oder die Technik zur Herscherin über den Gedanken sich er- 
heben zu lassen ^. 

Von Eom und Venedig giengen noch im XVI. Jahrhundert 
zwei grosse Schulen aus : in Rom die Schule des Giovanni « 
Maria Nanini, mit welchem in Verbindung Palestrina an der 
Bildung von Talenten sehr eiMgen Antheil nahm, die Gründer 
des erhabenen Stiles in der Musik — in Venedig hatte die Musik 
schon vor Claudio Monteverde (1613), Ciprian de Bore 
{1563) und Zarlino (1563) diesen und andern Meistern die 
Erweiterung der Harmonie durch Einführung bis dahin noch nicht 

1 Ar. D m m e r , Musikgeschichte. 140 ff. 



120 Ejrchenmasik — Geschichtliches. 

gebränchlioher Intervalle und Tonrerbindungen in die Praxis so 
wie durefa^den^Anstöss ^Hr 'Entwicklung ein^r selbständigen 
Instrunientalmusik vieles zu danken^. In disr itidienisch^n Kirchen- 
musik fliessen nun '^ii dem Anfange deis XVII. Jahrhundert? 
diese beiden von Rom und = Venedig ausgehenden' Strönfutgen 
neben einander hin, kommen sich nfther und vermischen Bich Kunr 
TheiL Die geistigen Nachkommen des Palestrma begannen von 
dein besonders durch die Norditafiener erweiterten Ausdrucks-^' 
mittein Gebrauch zu machen, die reichere Entfaltung der Melodik,- 
der Chroftiatik und des cohcertierenden Stils übertrug sich auf 
die Römer, während sie in vielchörigem Tonsätze^von den Vene- 
tianern um vieles übertroffen werden. 

Die streng objective Hingabe an die heiligen Texte fieng 
an, in eine bereits subjectivere und dem Gefühlvollen sich zuwen- 
dende Empfindungsweise überzugehen; doch hat der kirchliche 
Stil dieser Periode bis zum Ende des XVII^ Jahrhunderts ein 
durchaus würdiges und vom weltlichen sich unterscheidendes 
Gepräge. — Unter den glänzendem Namen dieser Periode war 
Gregor io Allegri von Corregiö, seit 1629 Sänger der päpst- 
lichen Kapelle, gesforben 1652, der Componist des berühmten 
Miserere, welches bis heutzutage am Charfreitage in der Sixtina 
in Rom gesungen wird — Francesco Foggia (geboren 1604) 
in der Jugend am Hofe des Kurfürsten von Baiem und des Erz- 
herzogs Leopold von Oesterreich (lebte noch 1684) — Orazio 
Benevoli (1650 bis 1672) Kapellmeister von St. Peter im 
Vatican, einer der bedeutendsten Erben von Palestrina's Geiste 
— Giuseppe Ercole Bernabei (geboren 1620, gestorben 
1684) zuletzt Kapellmeister in München u. m. a.^ 

Allem neben diesen tüchtigen Meistern hatte mit Einführung 
der Oper zu Anfangs d^s XVH. Jahrhundais eine grössere Zahl 
von Componisten es bequemer gefunden , die lästigen Regeln des 
fi^engen Sat^e«^ nicht blos in der Oper abzustreifen,' sondern auch 
ihre Zügellosigkeit in die Kirchenukusik zu übertragen^ G«gen 
floldhe Verderber der Musik wendet dich Fux zu Wiederholten 
Malen voll -heiligen Eifers und suchte durch Lehre und Beispiel 
die drohende Ueberfluthung einzudämmen. Die Gelegenheit dazu 

1 Ar. D m m e r a. a. 0. 401 ff. 



Fux, Kirchenmusik. 121 

both ihm natürlich vor allem der Kirchenstil, worüber seine An- 
sicht zu hören an dieser Stelle der Platz zn sein scheint. ,,So wie 
das HeiKge dem Weltlichen an Würde voransteht, muss auch die 
Musik, welche Dir den Gottesdienst bestimmt ist und ewig dauern 
soll , durch ihren Adel bei weitem den ersten Rang einnehmen, 
wie das nach meiner Ansicht niemand in Zweifel ziehen wird. 
Und weil Gott die höchste Vollkommenheit ist , so gebührt sich 
auch , dass die Harmonie , welche zu seinem Lobe bestimmt ist, 
nach der ganzen Strenge der Gesetze, nach der Vollkommenheit, 
so weit dies die menschliche Unvollkommenheit zulässt, voll- 
bracht und mit allen Mitteln, wodurch die Andacht befördert 
werden kann , ausgestattet werde. Und wenn det Ausdruck des 
Textes irgend eine frohe Stimmung verlangt, so hat man sich zu 
hüthen, dass die Musik der kirchlichen Würde, des Masses und 
Anstandes nicht entkleidet werde, wodurch die Zuhörer zu andeni, 
als den Empfindungen der Andacht geleitet werden könnten. Vor 
allem hat man sich zu bemühen, dass die Musik dem Texte ange- 
messen, klar, ausdrucksvoll, und dem Sänger nicht unbequem, 
sondern leicht für die Aussprache eingerichtet sei. . , Daher soll 
die Musik nicht blos zu singen, sondern auch zu declamieren 
scheinen" *. • 

In diesen Anforderungen an den Kirchenstil, dass er er- 
haben, klar, ausdrucksvoll, andachterweckend, masshaltend, den 
strepgsten Regeln der Kunst entsprechend sei , ist zugleich das- 
selbe enthalten, was man von dem Palestrinastile erwartet. Da 
nun femer Fux die meisten seiner Kirchencompositionen im Stile 
a cappella geschrieben hat, so ist auch für seine Auffassung 
bezeichnend , was er über diesen Stil im Gradus * dem Schüler 
vorschreibt: „Es ist bekannt, sagt er, dass in den ersten Zeiten 
der Gottesdienst nur durch Singstimmen verrichtet wurde. Dass 
hierauf nach Einführung der Orgel und im Laufe der Zeit alle 
Arten von Instrumenten in Anwendung kamen, beweist die 
üebung in unseren Tagen zur Genüge. Zu unserer Zeit ist daher 
eine zweifache Verwendung des Stiles a cappella üblich : ohne 
Orgel und andere Instrumente , mit Singstimmen allein, — dann 
' jene mit der Orgel und anderen Instrumenten. Die erste findet 

•J Grad. p. 242. 2 p. 243, 



122 Fux, Ejrchenmusik. 

noch in den meisten Cathedralkirchen statt und eben so anch an 
unserem Hofe zur Fastenzeit. Bei dieser Gattung von Composi- 
tion hat man sich zuerst und vor allem zu enthalten des Genus 
mixtum und der Modi transpositi, welche zu sehr mit Kreuzen 
und Be erfüllt sind : nur das reine Genus diatonicnm diene zur 
Richtschnur^ sonst würde die Musik niemals die gewünschte 
Wirkung hervorbringen. . . . Denn ftlr die Singstimmen, wenn sie 
nicht durch die Hilfe anderer Instrumente unterstützt werden, ist 
die Intonation sonst sehr schwierig; bei dieser Gattung Compo- 
sition hat man daher auf die Leichtigkeit und die naturgemässe 
Art zu singen die grösste Sorgfalt anzuwenden. Aus diesem 
Grunde hat man Subjecte aufzustellen, welche natürlich und 
leicht; jedoch auch nicht unbedeutend und trivial sind.^ 

Dass Fux diese Kichtschnur nicht nur für seinen Schüler, 
sondern auch für sich selbst festgestellt und eingehalten hat, göht 
aus den Partituren seiner Kirchencompositionen zweifellos her- 
vor. Dass er darin, sowie es seinem grossen Talente und seinem 
unermüdeten Studium angemessen war, das ihm mögliche mit 
dem grössten Aufwände seiner Kraft zu leisten bemüht war, 
ergibt sich am klarsten aus seinen Auffassungen und Durchfüh- 
rungen besonders im Stile a cappella. Wenn ihm darin Palestrina 
das höchste Vorbild seines Strebens war, so wird dagegen 
schwerlich etwas eingewendet werden. Dieses Streben bestand 
aber nicht in der einfachen Nachahmung der Manier seines Vor- 
bildes, wie dies bei untergeordneten Talenten wohl oft der Fall 
ist. Fux hat das Wesen dieses Stils des Erhabenen in sich auf- 
genonunen, und in diesem Geiste, nicht aber in fremder Manier 
seine Werke geschaffen , die allerdings ebenfalls geeignet sind, 
die Andacht der Zuhörer zu wecken und ihrem Gemüthe die 
Richtung zum Unendlichen anzubahnen. 

Es ist in den Werken des Fux nichts von der Ueberschwäng- 
lichkeit und Gefllhlsseligkeit mancher seiner Zeitgenossen und 
geistigen Nachkommen zu treffen ; mit keuschem, strengen Ernste 
bewegt sich seine Musik, bewusst der Würde und Hoheit, die sie 
aussprechen soll, und ebenso von jener frommen Erhebung erfüllt, 
die aus seinen Klängen auf die Andächtigen überströmen soll. 
Unterstützt von allen Behelfen der Kunst des Satzes werden sie 
ihm nie der Zweck, sondern nur das Mittel zur Entfaltung seiner 



f 



Fux, Eirchenmusik. 123 

ninsicalißchen Gedanken; und nnr dem Kenner wird es klar, was 
Air eine Summe von Gelehrsamkeit nnd Kenntniss unter der HttUe 
einYacher Notenbewegungen verborgen Hegt. Von dem inneren 
Reiehthum seiner Gedanken zeugt die bisweilen häufig wieder- 
holte Composition desselben Textes , als der Messen y Vespern, 
gewisser Hymnen u. dgl.^ deren Auffassung immer eine bestimmte 
Grundstinunung auch bei der grossen Mannigfaltigkeit der Be- 
handlung erkennen lässt. In allen seinen Eirchencompositionen 
wird natürlich das Hauptgewicht in die Singstimmen verlegt, 
was in der einen Art des Stils a cappella ohne Begleitung sich von 
selbst versteht. Mit grosser Kenntniss der Leistungsfähigkeit der 
menschlichen Stimme sind überall die Motive (Subjecte) erfun- 
den und durchgeführt und den Ausführenden durch das strenge 
Einhalten der diatonischen Tonarten der Vortrag wesentlich 
erleichtert. Selbst wo ein Cantus firmus des Gregorianischen 
Gesanges eingeführt wird, hat er, nur so weit es die musicalische 
Fortbildung erfordert, hie und da Modificationen erlitten, nir- 
gends ist aber dem Flusse der Gedanken dadurch ein Hinder- 
niss erwachsen und während der Kundige dieses Kunstwerk be- 
wundernd anerkennt, tdrd der Nichtkenner nur an ihm bekannte 
kirchliche Melodien erinnert und durch diese selbst zur Andacht 
gestimmt. — Wie von dem Meister des Contrapunktes, dem die 
polyphone Schreibart zur zweiten .Natur geworden war, nicht 
anders erwartet werden darf, ist die Führung der Stimmen 
durch alle seine Werke eben so werth der Bewunderung als der 
Nachahmung. Gewiss wird in Hinsicht der Verbindung der 
Stimmen und ihres harmonischen Fortschreitens jeder das Urtheil 
des Schülers im Gradus* theilen, wenn er über das Kyrie der 
Messe VicissUudinis * sagt : „Ich sehe und bewundere die Ver- 
kettung der Stimmen , welche das Subject so enge zusammen- 
drängt ; wo beinahe in jedem Tacte das Subject bald in einer 
bald in zwei Stimmen auf eine leichte und natürliche Singweise 
und mit voller Harmonie gefunden wird, so angemessen, dass 
das Subject selbst gleichsam die Rolle der Modulation über- 
nimmt;" oder weijn der Lehrer selbst seinem Schüler das Amen 
der Messe Credo in unum Deum in folgender Auslassung zer- 

1 pag. 246. 2 Beil. VIII. 44. 



124 FvLx, Kirchenmusik. 

gliedert * : „Erwäge, Josef; den gebundenen Gang der Stimmen 
mit dem Subjecte bei richtiger Folge der Consonanzen und t)e- 
ständigei" Kette der Dissonanzen, dann der Modulation, die 
obwohl natürlich und leicht doch keineswegs gewöhnlich ist. 
Bedenke weiter die Verbindung der Stinmien, worin die grööste 
Kraft der Harmonie beruht und die nie unterbrochene Bewegimg 
bis an« Ende fortgeführt." 

Die polyphone Satzweise brachte es ferner mit sich, wenn 
die Subjecte (Themen) um sich besser abzuheben in verschiede- 
nen Tacttheilen eintreten und Ligaturen nothwendig machen, 
dass Fux in allön seinen "Werken der gebundenen Schreib- 
art vorzugsweise sich bediente, wie er selbst seinem Schüler in 
der Lehre von der Fuge den Gebrauch häufiger Ligaturen 
empfiehlt*, ,^denn", Bagt er, „es ist kaum glaublich, was fllr 
einen Reiz die Satztheile durch Ligaturen gewinnen, denn 
durch diese bewirkt man, däss beinahe jede Stimme, die eine 
abweichende Bewegung erhalten hat, dem Gehör leicht auffass- 
bar wird. Das lass dir, schliesst er, nicht blos in dieser, sondern 
in jeder Art'der CoihJ)osition gesagt sein". 

Wenn Fux auch in der zweiten Art des Stiles a cappella mit 
begleitenden Instrumenten von der Anwendung der streng diato- 
nischen Tonarten durch Aufiiahme verschiedener Modi transpo- 
siti mit mehreren Vorzeichnungen sich grössere Freiheiten er- 
laubte , so war die Bestimmung der Instrumente dabei nur die 
Intonation der Stimmen , mit denen sie im Einklänge gehen , zu 
unterstützen, nicht aber ungesetzmässigen Ausschreitungen Ge- 
legenheit zu geben. 

Selbst bei Compositionen im concertierenden Stile 
werden die Instrumente nur zu kleinen Zwischenspielen, hie und 
da Sonatinen genannt, und höchstens zu ganz bescheiden 
figurierter, meistens imitierender Begleitung verwendet. 

So wie Fux in reinen Instrumental - Compositionen seine 
Tüchtigkeit bewährt hatte, war es begreiflich, dass er auch der 
Instrumentalbegleitung des Gesanges alle Aufmerk- 
samkeit zuwendete. Es stand ihm auch in der kais. Hofkapelle 
ein für jene Zeit auserlesenes und der Zahl nach selten oder gar 

1 Gradus, p. 271. « GraduB, p. 168. 



Fux, Kirchenmusik. 1-25 

nicht erreichtes Orchester zu Gebothe : '6 Organisten, 23 Violini- 
sten, 1 Gambist, 4 Violoncellisten, 3 Contrabassisten, 1 JLauteniBt^ 
1 Teorbist, 2 Comettisten, 4 Fagottisten, 5 Oboisten, 4 Posauni- 
sten, 1 Jägerhornist, 16 Trompeter, 2 Pauker, — darunter eine 
Vielzahl von Virtuosen, — welches Orchester in Deutschland, 
England, Frankreich und Italien konnte, eiqer so reihen Besez- 
zuQg sich rühmen, als im Jahre 1721 d^ kaiserliche Hofk^pqlle 
umfasste? Ausserdem wurde gelegentlieh noch für Schalmei, die 
Tromba marina (eine Art Monochord) und Flöte nebst mehre- 
ren Alto- Violen und Violetta gesetzt, fttr welche der Stanfi der 
Hofkapelle keine besonderen Individuen bezeichnet, daher ßie 
von anderen Künstlern desselben Institutes versehen werden 

mui^sten. 

■ 

Die Hauptaufgabe der Begleitung , die Singstimmen zu tra- 
gen, und ihren Ausdruck durch characteristische Figuren und 
Bewegungen zu erhöhen, wurde von Fux nie aus den Augen ge- 
lassen. Im allgemeinen war seine Instrumentierung zwar oft 
reich \ aber doch nie überladen, und die Singstimmen deckend. 
. Auch für hinreichende Abwechslung war bei grösseren Sätzen 
gesorgt, da öfter der Gesang nur von der Orgel begleitet mit 
reinen Instrumenten - Zwischenspielen sich ablöste, gewisse In- 
strumente von intensiveren Klangwirkungen, wie Trompeten, 
Zinken u. dgl. nur die kräftigen Stellen markierten, und von ein- 
zelnen Sätzen ganz ausgeschlossen wurden. Die Hauptrollen der 
Begleitung sind regelmässig den Streichinstrumenten zugewiesen, 
welche ausser der Verstärkung der Singstimmen im Einklänge, 
auch in manchen Fällen diese imitierend oder auch unter sich 
modulierend begleiten. Diminuierungen durch geschwindere 
Noten oder Variationen der Instrumentierung sind nur sehr selten 
angegeben. Davor htttheten sich Ccunponisten,, wie.Fux, so sehr 
sie konnten, da zu jener Zeit so wie die Säi^er auch die begleiten- 
den Instrumentisten in den Oberstimmen wie in den Mittelstim- 
men die willkürlichsten Veränderungen durch .Gänge, JLäufe 
und andere Melismen sich erlaubten,, so, dass im Gradus (p. 220) 

1 Das Tedeum (Beil. X. 271) hatte folglsnde Besetzutig: 2 Soprane, 
1 Alt, Tenor, Bass, 2 Trompeten, 2 Trombe, Pauken, 2 Violinen, 3 Violen 
(diese sammtlich concertierend), ausaerdem Ripienisten: 2 Cornette, 3 Po- 
saunen, Teorbe, Violon, Orgel. : 



126 • Fux, Messen. 

geklagt wird, heutzutage brauche der Componist keine Varia- 
tionen anzubringen, denn „über alle Gebühr werden sie, ja bis 
zum Ekel von den ausübenden Musikern gehört, so dass das 
Wesen der Harmonie Über und über verkehrt werde, und der 
Componist nur mit Noth seine Melodie herauszufinden vermöge^. 

Von ausgezeichneter Anwendung war zu jener Zeit, beson- 
ders in der Kirche die Posaune, von der gewöhnlich die Alt- und 
Tenor-Posaune den gleichnamigen Singstimmen folgten, aus- 
nahmsweise trat noch eine dritte, die Bass-Posaune hinzu *. Die 
höheren Anforderungen, welche Fux an dieses Instrument stellte, 
hatten ihren Grund in der seltenen Virtuosität der Bläser aus der 
Familie Christian, welche Fux in seinen Gutachten wiederholt 
hervorhebt. Von der Orgel wird in der Regel keine virtuose 
Fingerfertigkeit verlangt, nur in seltenen Fällen erscheint eine 
concertierende figurierte Stelle neben einem zweiten Instrumente ^ 
ungeachtet die Organisten Gott lieb Muffat und Joh. B. 
Payer zu den vorzüglichsten zählten. Allerdings lag zu jener 
Zeit die Schwierigkeit für die Orgel anderswo, als in der Fertig- 
keit der Finger. 

Wenn wir nun an die Betrachtung der verschiedenen Gat- 
tungen seiner Kirchenmusik gehen, so darf man nie aus den 
Augen verlieren, dass Fux ein frommer, eifriger Katholik und 
über das Wesen der katholischen Kirchenmusik mit sich im 
reinen war. Einige Bemerkungen über Texte und Stellung der 
Musikstücke in der Liturgie seiner Kirche dürften zum besseren 
Verständnisse nicht überflüssig erscheinen. 

I. Messen. Für den Katholiken ist der wichtigste Act der 
äusseren Gottesverehrung das Messopfer, auch die Messe ge- 
nannt. In einer Reihe symbolischer Handlungen durch den Prie- 
ster am Altare werden dem Gläubigen die hervortretendsten 
Momente der Lehre, des Lebens, dann des letzten Liebesmahles 
und Opfertodes des Heilandes zur Enveckung tiefer Andacht und 
Erbauung in Erinnerung gebracht. Gewöhnlich werden diese 
Vorgänge und Gebethe ohne Begleitung von Musik oder hoch- 
stens eines Chorliedes durch die Gemeinde vorgenommen und 

1 Tedeum, Beil. X. 271. » In der Litanei 119 concertiert die Orgel 
mit der Violine. 



I 



■Fux, Messen. 127 

heissen dann eine stille Messe. Bei feierlichen Anlässen an 
Sonntagen und an Festtagen der Kirche, sowie an Erinnerungs- 
tagen bestimmter Heiligen tritt znr Handlang des Priesters auch 
eine Knnstmusik des Chors hinzu und eine solche Messe heisst 
dann gewöhnlich Hochamt (Missa solennis). Die einzelneu 
Musikstücke des Hochamtes treten zwischen Gebethen und öfter 
nach Intonierung des Priesters ein und sind in der Messe für die 
Lebenden * : das Kyrie — Gloria — Credo — Sanctus — Bene- 
dictus — Agnus mit dem Dona. Das Kyrie enthält als Text nur 
den Anruf y^Kyrie eleison^ und „Christe eleison^ an die Erbar- 
mung des Herrn. Die Auffassung hievon ist bald mehr bald min- 
der feierlich, darf aber nach den Worten unseres Meisters nie der 
kirchlichen Würde und des Ernstes entbehren. — Das Gloria 
beginnt mit dem Grusse der Engel bei der Geburt des Heilandes 
(Ev. Lucae 2, 14) Gloria in excelris Deo, Et in terra pax homi- 
nibus bonae volnntatis. Da aber im weiteren Verfolge des Textes 
die wichtigsten Verhältnisse der Erlösten zum Erlöser berührt 
werden, die zugleich verschiedenartige Stimmungen hervorzurufen 
geeignet sind, so ist hier wie im Credo Gelegenheit zu verschie- 
denen Musiksätzen gegeben, die aneinandergereiht jedoch ein 
Ganzes ausmachen müssen. — Im Credo wird das ganze 
Nicänische Glaubensbekenntniss in Musik vorgetragen. Bei der 
nicht unbedeutenden Länge des Textes ist dem Cömponisten eine 
mehrfache Gliederung gebothen, welche besonders bei den Stellen 
Et incarnatus est und Et remrrexit immer, in grösseren Messen 
an mehreren Stellen durch Wechsel der Rhythmen , Tempo und 
Melodie einzutreten pflegt, während den Schlussworten Et vif am 
ventnri seculi Amen meistens eine breitere contrapunktische Aus- 
führung zuTheil wird. ^— Im Sanctus, welches dem Canon der 
Messe (der Wandlung) vorangeht, sind nur die Worte Sanctus 
Dominus Detis Sabaoth! Pleni sunt coeli et terra gloria tua! 
Osanna in earcelsis in Musik zu setzen, wobei ebenfalls zwei oder 
drei musicalische Abschnitte beobachtet werden. -^ Das Bene- 
dictus, qtii venU in nomine Domini wird gewöhnlich mit dem 
vom Sanctus wieder aufgenommenen Osanna in excelsis yerbnud^ny 

1 Die Messe für die Verstorbenen, das Requiem, hat davon 
mehrere Abweichungen. Die Texte beider Messen, so wie der am meisten 
gebranchlichen kirchlichen Texte, sind in der Beilage IX zusammengestellt. 



128 Fux, Messen. . 

trägt aber einen von dem letzten ganz verBchiedenen Charac- 
ter. — Den SehlnsB des musiealischen Theiles der Messe macht 
das Agnus mit dem Dona. Der Text fUr beide lautet: Agnus 
Deiy qui tollis peccata mundi, mUerere nobis! Agnus Dei^ qui 
tollis peccata mundi, Dona nobis pacem. Das Dona wird entweder 
ganz abgesondert behandelt, oder die Anfangstacte desselben 
mit den Schlusatacteu des Agnus in musicalische Verbindung 
gebracht. . . 

Wenn nun Fux mit der lebhaften Vorstellung der ernsten 
Bedeutung seiner Aufgabe an die Composition einer Messe gieng, 
so lässt sich von dem gewissenhaften Manne erwarten , dass er 
in gehobener Stimmimg mit Aufbiethung seines reichen Talentes 
bei seiner Arbeit war. Durch die häufigen Gliederungen der ein- 
zelnen Musikstücke war dem Künstler die Gelegenheit gegeben^ 
an dem einheitlichen Werke zugleich eine bedeutende Mannig- 
faltigkeit in der Auffassung der SatztheUe zu entwickeln. Daran 
hat es auch Fux besonders bei grösser angelegten Messen, wie 
in . der Müsa S, Michaelis (Beil. . X. 36) nicht fehlen lassen. 
Nachdem im Kyrie dem lebhafteren Eingange des „Mtf^ie elei^ 
son^ das ruhigere j^Chriaie eleison^ gefolgt und mit einer theil- 
weisen Wiederaufnahme des ,,Kyrie eleison'^ abgeschlossen hat, 
ist das Gloria in fünf Sätze Ei in terra \ Laudamus | Gratias 
agimua | Quoniam tu solus \ Cum sancto spiritu | gegliedert, 
und diesem folgt das Credo mit sieben Satztheilen Pairem 
omnipotentem | Qui propter nos homihes | Et incarnatus est \ 
Crucifixus I Passus \ Et resurrexit \ Et in spüritum Sanctum 
mit der Schlussfuge Et vitam veräuri seculi Amen. — Wie oft 
aber auch Bhythmen und Tempo wechseln , so ist doch bis auf 
seltene Ausnahmen die Regel von ihm eingehalten , dass sämmt- 
liehe Sätze derselben Messe einer und derselben Tonart ange- 
hören. Bei der Rangstufe^ die die Messe in der Kirchenmusik 
einnimmt, musste Fux den strengsten Stil a cappella bald ohne, 
bald mit Begleitung von Instrumenten dazu vorzugsweise wählen. 
Aus diesen Leistungen nimmt die Missa canonica^ unbestritten 
die oberste Stelle ein. Denn nicht allein, dass sie dem Kaiser 
gewidmet war, sollte sie auch nach den eigenen Worten der 

1 Beil. X. 7. 



Fux,- MesBen. 129 

Dedication dem rnnrikkundigen Fttrsten den Beweis liefern, daes 
die alte Mnsik noch nicht verschwunden , ja dass ihr im Lanfe 
der Zeit ein Gewinn erwachsen sei. Was Fox mit diesem ^Ge- 
winne" andeuten wollte, wird durch eine Stelle im Gradus^ 
klar, wo er sich tlber die nach Palestrina erfundene gleichschwe- 
bende Temperatur und den dadurch erst möglich gewordenen 
erweiterten Gebrauch der Intervalle äussert: ^dass dadurch die 
gegenwärtige Musik von der früheren Armuth der Intervalle wie 
aus einem Kerker erlöst auf dem ungeheuren Felde der Modu- 
lation auf das freudigste sich bewegen kann , wenn nur Compo- 
nisten und Organisten innerhalb der Grenzen des Vernünftigen 
sich halten^. 

Die Mhsa canonicn (comp. 171H) ist ihrer Aufschrift gemäss 
in allen ihren Theilen a cappella und im Canon geschrieben. Weit 
entfernt, damit eine Einförmigkeit hervorzurufen, ist ftlr die 
reichste Abwechslung Iq den Subjecten, ihrer Auflösung und Be- 
handlung gesorgt. Denn bald ist es ein einfacher, bald ein dop- 
pelter Canon, der entweder von der Oberstimme oder der Unter- 
stimme geführt ist, während die Lösungen des Canons daher 
abwechselnd in die entgegengesetzten Stimmen verlegt sind und 
die verschiedensten Intervalle bei einem und demselben Canon 
durchgehen. Besonders ausgezeichnet ist darin das Et resurreant, 
noch mehr aber das Agnus , das die Lösung mit der Decimseptime 
beginnt, und durch die meisten Intervalle bis zum Einklänge 
herabsteigt. Dabei sind die Bewegungen der Lösung bald die 
gerade, dann wieder die widrige, so dass das Ohr beim An- 
hören , das Auge beim Durchsehen der Partitur bis zum Schlüsse 
in stäter Spannung erhalten wird. Ungeachtet nur eine Richtung 
der Satzkunst, der Canon, in diesem Werke verfolgt ist, so zeigen 
doch die Lösungen in den wechselnden Ober- und Unterstimmen 
den unvergleichlichen Beherscher des doppelten Contrapunkte^. 
Allein diese wijs spielend überwundenen Schwierigkeiten würden 
nicht entschädigen ftlr den Entgang einer schönen Führung der 
Stimmen und einer anziehenden Harmonienfolge. Dass aber auf 
beides in jeder Weise voller Bedacht genommen sei, wurde längst 

1 Gradus, p. 34. 

KöcUe/,J.J.Tnx- 9 



130 Fux^ Mesaen. 

empfunden und von Fr. W. Marpurg^ in seiner Abhandlung 
von der Fuge hervorgehoben ^ wenn er ttber den Doppelcanon im 
Christe eleison sagt: ^der erste Canon ist zwischen dem Basse 
und Alt, der zweite zwischen dem Tenor und Discant ; beide sind 
in der Oberoctav in der ähnlichen Bewegung. Des Zwanges der 
doppelten canonischen Nachahmung ungeachtet ^ wird man die 
prächtigste und dem Gegenstande gemässe. Harmonie darin 
finden« *. 

Wir haben daher hier ein Werk vor uns, das der Kraft 
eines grossen Künstlers entsprungen, im Geiste seines grossen 
Vorbildes durchgeftlhrt , von der Zeit keinen Eintrag zu besor- 
gen hat und dem Empfänglichen in jeder Zukunft einen reinen 
und hohen Genuss zusichert. Das prächtig gebundene Dedi- 
eationsexemplar der Messe ftLr den Kaiser befindet sich in 
der kais. Hofl)ibliothek in Wien und enthält bei jedem Satze 
die Ueberschrift^, welche canonische Behandlung darauf folgt, 
wahrscheinlich um dem kaiserlichen Gönner das Auffinden des 
einzelnen zu erleichtem. — Welchen Werth bewährte ältere 
Musiker auf diese Compositionen legten, geht auch aus der Ab- 
schrift von seinem Schüler Job. Dismas Zelenka vom Jahre 
1719 (in der kön. Musikbibliothek in Dresden) und jener seines 
Verehrers Michael Haydn („descripsit Michael Haydn 5' Sept. 
1751«) in der kais. Hofbibliothek in Wien, hervor. Auch noch in 
diesem Jahrhunderte erschien davon eine Partiturausgabe bei 
Ktihnel und bei Peters in Leipzig , die vergriffen ist. 

Mit dieser Missa ist aber -die Reihe der Messen nicht ab- 
geschlossen, welche ebenfalls durchaus im Canon geschrieben 
sind; es gehören dahin die Missa S. Philippi (Beil. X. 37) und 
S. Joannis (X. 34) ^ die , wenn sie auch nicht einen so überwälti- 
genden Aufwand von Kunst aufzuweisen vermögen, dennoch den 
Stolz manches anderen Künstlers ausmachen könnten. Nicht 
durchaus im Canon geschrieben , dafür mit anderen Kunstmittelu 
reichlich ausgestattet sind die Messen a cappella M. Vicissüudinis 

1 Abb. von der Fuge. Berlin 1754. IL 117 und Tab. XLUI. Fig. 1, wo 
das Christe eleison abgedruckt ist. 

2 In der Beilage VII. 3. «*. ist sie nach dem Dedicationsexemplar ab- 
gedruckt. 

3 In Beil. VIII. 7 sind alle Ueberschriften aufgenommen. 



Fux, Meaaen. 131 

(X. 44)^ In fletn solatium (X. 18), Credo m unum Deum (X. 11), 
aus welchen dreien einzelne Sätze Fox in seinem Gradus als 
Master des a- cappella -Stiles seinem Schüler vorlegte In der 
Credomesse wird das characteristische Wort „Credo" 



> - r 




M 



Cre-do Cre-do 




Cre-do Cre-do 

abwechselnd von verschiedenen Stimmen bei den einzelnen Glau- 
benssätzen mit Nachdruck wiederholt, wie dies auch von Mozart 
in seiner gleichnamigen Messe ' angewendet wurde. 

In den Messen im concertierenden Stile, welche zwar mit 
grösserer, nie aber mit zu grosser Freiheit behandelt sind, werden 
die Textesworte häufig, wie in einem Wechselgesange, von den 
Stimmen emander abgenommen, wodurch man bei mancher leb- 
hafteren Auffassung an das Madrigal erinnert wird. Dies ist der 
Fall im Credo der Messe Quadragesimalis (X. 29) und der 
Messe Ferventis orationis (X. 14), im Dona der Messe Dies mei 
(X. 12) u. a. — Die Zwischenspiele dar Instrumente sind bei 
den Messen Pro gratinrum actione (X. 27) und Tempus volat 
(X. 41) öfter angewendet, gewöhnlich aber auf wenige Tacte 
beschränkt , nur in der Messe Non erit in mora (X. 22) ist das 
ganze Benedictus eine Sonatina ftir zwei Violinen und Orgel ohne 
allen Gesang, ein höchst seltenes Vorkommen. 

Noch ist der Messe flir die Verstorbenen (Pro defunctis. 
Requiem) zu erwähnen, deren liturgische Einrichtung von der 
Messe ftir die Lebenden abweicht. Den Beginn des ersten Musik- 
stückes machen die Verse 1, 2 des Psalmes 64 y,Requiem aetemam 
dona eis Domine^y gewöhnlich ein weiter ausgeftlhrter Satz, an 
den sich das Kyrie anschliesst. Da in der Todtenmesse kein 
Gloria ist, so folgt als nächster Satz die berühmte Sequenz Dies 
irae (von Celano um 1250 gedichtet). Da sie aus 19 dreizeiligen 

1 Das Kyrie aus der Messe Vicissitudinis ist Beil. VII. 3. d. abge- 
druckt. > 257. Köche 1, Mozart-Verz. 

9* 



132 Fux, Vespern. 

Strophen besteht , so ist diese das bedeutendste Musikstück der 
Todtenmesse. Das Credo fällt in der Todtenmesse ebenfalls 
weg^ daher folgt anf das Dies irae als nächster Satz das Offer- 
torium Domine Jesu Christe , worin wieder ein längerer Text zu 
bewältigen ist. Die späteren Sätze Sanctus^ Benedictus and 
Agnus sind dieselben wie in der Messe fUr die Lebenden, nur 
schliesst das Agnus nicht mit Dona , sondern mit y^Lux aetema 
luceai m". — Fux hat ausser zwei kleineren (X. 55, 56) auch 
ein grösser angelegtes Requiem fUr 5 Singstimmen (X. 51 — 53) 
zurückgelassen, wovon aber nur das Requiem (51) mit dem 
Kyrie , das Dies irae (52) und Domine Jesu (53) componiert vor- 
liegen; die übrigen Theile sind nicht mehr vorhanden, oder 
wurden nie eigens für dieses Requiem gesetzt, sondern einem 
andern Requiem entnommen. Nach einer handschriftlichen Be- 
merkung Simon Molitor's soll dieses Requiem 1697 zur Lei- 
chenfeier der Erzherzogin Eleonore, verwitweten Königin von 
Polen componievt worden sein. Damit stimmen auch die Aufzeich- 
nungen der späteren Aufführungen im Jahre 1720 für die Kaise- 
rin-Witwe Magdalena Theresia , 1 729 für den verstorbenen Her- 
zog von Lothringen, 1736 für den Prinzen Eugen von Savoyen, 
1740 nach dem Hinscheiden Kaiser Karl VL und 1741 am Jahrs- 
tajge seines Todes. Femer spricht dafür die grosse und breite 
Anlage und Durchführung mit reicher Instrumentierung. Im Jte- 
quiem ist der Schluss Dona eis Domine in kunstreicher fünfstim- 
miger Imitation weiter entwickelt und ähnlich das Kyrie ein 
ernster fünfstimmiger Chor. Das Dies irae ist in zehn Sätze ge- 
gliedert, davon ist das Quantus tremor in ungewöhnlicher Art 
von ungebundenen Achtelnoten des Accordes begleitet ; das Alt- 
solo des Tuba mirum wird von der Posaune eingeleitet und mit 
dem Eintrittsmotiv fortbegleitet. Nach dem ruhigen homophonen 
Intep oves kommt das tieferregte Confutatis maledictis, das Pie 
Jesu schliesst mit dem kunstvoll ausgeführten Dona eis requiem. 
Amen. Dass in dem Offertorium der fugierte Satz Quam olim 
Abrahae würdig sich anreiht, durfte man erwarten. 

IL Die Vespern (Abendgebethe) hatten verschiedene Ver- 
anlassungen und davon abhängige Bezeichnungen. Sie hiessen von 

■ 

einem Bekenner de Confessore^ vom Sonntage de Dominica , vom 
Samstage de Sabbato, von der heiligen Jungfrau de Beata Vir- 



Fux, Vespern. 133 

gine Maria, und bestanden im Wesen ausser einigen gesproche- 
nen Grebethen aus fünf Psalmen mit einem AUelnja, yersebieden 
nach der Veranlassung ' und schlössen immer mit dem Magnificat, 
Fux hat nicht nur ganze Vespern zurückgelassen , sondern noch 
häufiger einzelne Psalmen daraus, bisweilen denselben Text wie 
Ducü Dominus y Laudate pueri, Laudate Dominum, Magnificat 
sechs und mehrere Male gesetzt. Die Setzweise bei den ganzen 
Vespern und den einzelnen Psalmen ist beinahe eben so oft 
a cappella als im concertierenden Stile mit Instrumenten. Im Gan- 
zen ist die AuiBfassung zwar immer ernst und kirchlich , sie lässt 
aber mit Ausnahme der Gompositionen a cappella von der hohen 
Stimmung der Messe sich etwas herab , da auch der liturgische 
Gegenstand sich nicht auf die Höhe des Messopfers erhebt. — 
A cappella kommen Gompositionen mit Cantus firmus und ohne 
denselben vor, der Chor ist darin alleinherschend und die con- 
trapunktische Kunst, besonders der einfache und doppelte Canon 
darunter einige, wie Vesper 90, von eben so grosser Bedeutung 
als Schönheit die Kegel. 

In dem Psalm Laetatus sum^y welcher ausnahmsweise für 
acht Stimmen gesetzt ist, die in 2 Chöre getheilt sind, intonieren 
die Stimmen des ersten Chors nach einander vier Canone, die 
ihre Auflösungen im Einklänge im zweiten Chor finden , wie die 
hier folgenden Anfangstacte zeigen : 

1 Grewöhnlich waren folgende fi'inf Psalmen: 1. P«. 109 Diocit Dominum, 
2. Ps. HO Confitebar tibi, 3. Ps, iii Beatus vir, 4. Ps, 112 Laudate pueri, 
5. P«. 116 Laudate Dominum; an Marientagen und aus auderen Veranlas- 
sungen kamen noch abwechselnd: Ps, 121 Laetatus sunt, Ps, 126 Nisfi Do- 
minus, Ps. 147 Lauda Jerusalem, Ps, 143 Benedictus Dominus, Ps, 29 Ex- 
aüabo, Ps, 127 Beati omnes, Ps, 128 Saepe expugnaverunt ^ Ps, 129 De pro- 
funda, Ps, 130 Domine non est hinzu. Sämmtliche Texte dieser Psalmen 
sind in der Beilage IX abgedruckt. ^ Beil. X. 105. 



134 



Fux, Vespern. 



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Der Canon ist lange fortgeführt und hat in dieser Art selbst 
bei Fux keinen ähnlichen. 

In den Nummern des concertierenden Stils sind ausser dem 
häufigen Wechsel der Tonalität, auch Zwischenspiele der Instrur 
mente und Uebemahme der abgebrochenen Textesphrasen durch 
andere Stimmen gewöhnlich und selbst recitativartige Sätze nicht 



F.ux, Vespern. 



135 



selten ; wodurch manche dem dramatigchen sich nähern. In ähn- 
licher Riehtnng sind anch einzelne Wendungen des Textes be- 
zeichnend anfgefasst, wie im Psalm Laudate^ das mahlende 
relociter currit 



ve - lo-ci-ter relociter currit cur - rit ser (mo) 

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ve-lo-ci-terve-lo-ci-ter cur - rit cur- 



and im Psalm Niai Dominus* der analog gehetzte Zurnf Stirgite, 
surgUe 





Surgitesur-gi - te surgite surfte sur-gi - te 



Surgite snr-gi-te 



Burgite fturgite surgite sur-gi - te 




Surgite sur-gi-te 



sur - gi-te surgite sur-gi - te 




Surgite sur-gi-te surgite sur -gi-te surgite sur-gi - te 

Gerade die einzeln componierten Psalmen , welche die Be- 
Btimmnng hatten, bei besonderen Pesten als Einlagen zn dienen, 
waren eben deshalb auf die Virtuosität der »Sänger in Solo und 



1 Beil. X. 113. 2 X. 107. 



136 Fux, Litaneien. 

Dao und im allgemeinen auf ausgezeichnetere Ausführung sicht- 
lich berechnet , wie auch auf dem Umschlage zu dem erwähnten 
Psalme Nisi Dominus bemerkt ist, dass er gewöhnlich am Tage 
der heil. Cäcilia gegeben wurde, wo man der himmlischen Be- 
schützerin der Kirchenmusik nur das Erlesenste bringen zu dür- 
fen glaubte; ferner wurde der Psalm Laudute pveri^ bei der 
Krönung in Prag 1 723 gegeben , und a. m. 

So mannigfaltig und bedeutend, so reich an harmonischer 

' und melodischer Schönheit, ganz abgesehen von den Künsten 

des Contrapunktes ist auch diese Abtheilung der Vespern und 

Psalmen, dass man daraus leicht eine Reihe von Mustern der 

verschiedenartigsten Auffassungen zusammenstellen könnte. 

UI. Die Litaneien sind abwechselnde Bittgebethe, bei 
welchen einer vorbethet und die anderen mit der Bittformel {ora 
pronobisy miserere nobis) antworten. Sie wurden nur bei dem 
Nachmittagsgottesdieuste angewendet. Aus den verschiedenen 
Arten von Litaneien hat Fux nur die Marienlitaneien bear- 
beitet. Sie heissen Litaniae Lauretanae und haben ihren 
Namen von der Marienkapelle von Loretto , weil die dort ange- 
brachten allegorischen Inschriften und Gemähide in den Worten 
der Litanei ausgedrückt sind. Sie haben bei Fux auch andere 
Benennungen als: Litaniae 5. Dei genürix, Mater divinae gru- 
tiae, Mater sahatoris, Mater amabüis u. dgl. Die Litanei be- 
schliesst jedesmal der Hymnus Sub tuum praesidium. 

Die meisten sind im concertierenden Stile für Stimmen und 
Instrumente geschrieben, die Litanei (X. 119) hat auch für die 
Orgel concertierende Passagen, die Litanei 118 ist aber a cap- 
pella gesetzt und ungeachtet des ziemlich gedehnten Textes sehr 
kurz gehalten. Sie scheint es diesem Umstände und ihrer Frische 
zu danken , dass sie auch nach dem Tode des Componisten von 
1743 bis 1775 74 Wiederholungen erfuhr. 

Im Vergleiche mit anderen Kirchencompositionen sind 
die Litaneien minder bedeutend zu nennen , obgleich an sich sie 
wieder ihre eigenen Verdienste der Behandlung besitzen. 

An die Litaneien sehliessen sich die Completorien, wo- 
mit der katholische Priester sein geistliches Tageswerk vollendet. 

1 Beil. X. 88. 



Fux, Gradoalien — OfFertorien. 137 

Das Completorium besteht aus vier Psalmen^ nüd 2 Hymnen, 
nach deren jedem das Gloria patri et filio wiederholt wird. Die 
meisten Completorien sind a cappella componiert, gewöhnlieh vier- 
stimmig, einzelne Sätze auch zwei- oder dreistimmig. Im Com- 
pletorium X. 126 hat jeder Vers der zwei ersten Psalmen seine 
abgesonderte Behandlung gefunden. Ungeachtet der im allge- 
meinen kürzeren Fassung der einzelnen Sätze wusste der Meister 
den Cantus firmus zu trefflichen Compositionen zu benützen. Ein- 
zeln componierte Psalmen daraus , welche wie bei den Vespern 
zu Einlagsstüeken dienten, sind für eine oder zwei SolostiiAmen 
(X. 132, 133) und ihrer besonderen Bestimmung gemäss reich- 
lich figuriert gesetzt. 

IV. Graduale (Staffelgebeth) ist ein Bestandtheil der 
Messe, welcher nach dem Kyrie eintritt, nachdem ein Priester 
an den Stufen des Altars stehend die Epistel gelesen hat. Als 
Musikstück wird es als ein Einlagestück zur Messe betrachtet, 
und ist nicht unter den Hauptnummem derselben componiert, da 
es in gewissen Fällen wegbleibt. Fux hat die grössere Zahl der 
Gradualien (X. 137 — 142) für die Adventzeit, eines auch flir 
die Fasten, zwei iür das Requiem zurückgelassen. Sie enthalten 
kurze Bibeltexte und zur Adventzeit zum Schlüsse ein AUeluja. 
Sie sind sämmtlich a cappella, meistens auch mit Cantus firmus 
componiert und ungeachtet der Beschränktheit des Umfanges ist 
der Raum mit canonischen Wendungen gründlich ausgenützt. Im 
Graduale (X. 140) ist die öftere Wiederholung veni — veni (ut 
salvos facias nos) durch alle Stimmen von bester Wirkung. 

V. So wie die Gradualien werden auch die Offertorien als 
besondere Einlagestücke in die Messe componiert, und finden 
ihre Stelle nach dem Credo und vor dem Sanctus , während vom 
Priester unter stillem Gebethe die- Hostie und der Kelch geopfert 
werden. Gewöhnlich sind die Musikstücke während dieses Vor- 
ganges nicht sehr ausgeführt auf einen Text, welcher dem Feste 
entspricht. Fux hat für den Advent vier, und für die Fasten 
ebenfalls vier Offertorien zurückgelassen, welche ebenso viele 
Perlen genannt werden können. Sie sind a cappella, meistens 

1 Ps. 4 Cum invocarem — P*. 30 In te Domine speravi — P«. 90' Qui 
habitat — PsASS Ecce nunc benedicite — Htfmnus: Te lucis ante terrninum — 
Cant. Simeonis: Nitnc dimittis sermtm, sämmtlich in Beil. IX abgedruckt. 



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138 Fux, OflFertorien. 

auch mit einem Cantus firmus gesetzt, und da der Text gewöhn- 
lich nur zwei Verse eines Psahnes enthielt und doch eine be- 
stimmte Zeit ausftlllen musste, so war eine öftere Wiederholung 
der Textesworte unvermeidlich. Aber gerade in der Auswahl die- 
ser Worte und noch mehr in der contrapunktischen Behandlung 
zeigte sich der Meister. In dem Offertorium Ad te Domine (X. 153) 
wird das oft wiederholte bedeutende Wort non confundentur — non 
mit einer Innigkeit des Ausdruckes vorgetragen, die an. einen 
gelehrten Contrapunktisten gar nicht denken lässt. In dem Offer- 
torium (X.154) wird der Eingang Tollite portas und in 159 de 
Apostolis die Worte Estote forte» in hello wie ein Mahnruf ;Kum 
Kampfe aufgefasst und doch zugleich die Eignung des Motivs zur 
Durchftlhrung nicht aus dem Auge gelassen. In diesen Offerto- 
rien stecken ihrer Kürze ungeachtet tiefe Studien und fordern 
den Strebenden zu Studien daran auf. Es ist darum auch nicht zu 
verwundem, dassFux selbst einen besonderen Werth auf dieselben 
legte und zwei daraus im Gradus seinem Schüler als Muster hin- 
stellte und sie mit ihm analysierte. Das eine ist das Offertorium 
(X. 153) Ad te Domine \ welches er im Gradus (pag. 254) mit 
folgenden Bemerkungen begleitet: „Sieh, Josef, diesen gebunde- 
nen Öatz mit beständig verketteten Subjecten (Themen). Betrachte 
zuerst und erwäge den Sinn des Textes Ad te Domine levavi ani- 
mam menm, und du wirst finden, dass das Subject mit wachsen* 
der Stimme und immer aufsteigend nach dem Bilde eines mit 
Vertrauen Bethenden, der Bedeutung der Worte ^anz besonders 
angeschlossen sei. Bemerke dann die zweite Stimme, welche 
eintritt, ehe die erste das Subject ganz vollendet hat, und wie 
durch eine kurze Modulation mit einem Trugschluss der dritten 
Stimme, dem Tenor, Gelegenheit zum Eintritte gebothen ist. Hier^ 
auf fahren der Sopran und Alt anstatt einer Modulation mit Auf- 
nahme eines fremden Scheinsubjectes bei den Worten animam 
meam inzwischen an nicht ungefällig zu spielen. Femer, damit die 
Modulation durch unnöthigc Wiederholung der Worte nicht zu 
sehr in die Länge gezogen werde, imitiert nach einer dazwi- 
schen gestellten halben Pause .der Alt das Subject bei dem Worte 
levavi, welche Imitation nach einer Pause der Sopran ebenfalls 

1 Es i8t in der Beilage VII. 3. f. abgednickt. 



Fux, Offertorien. 139 

aufnimmt. Hierauf modulieren etwas die Stimmen mit dem Qnasi- 
subjecte bei den Worten ahimam meam und bilden einen Ton- 
schlusB in jD, worin der Sopran nach vorhergegangener Pause 
mit der neuen Periode des Textes ein neues Subject einführt ; die 
ausdruckende Kraft dieses Subjeetes bei den Worten Deus mens 
scheint der Beachtung nicht unwerth zu sein. Betrachte ausser- 
dem ^ aaf welche Art die Stimmen dieses Subject so enge auf- 
nehmen ^ dass gleichsam eines dem andern dasselbe aus dem 
Munde nimmt, bis bei den Worten in te canfido ein anderes Sub- 
ject, das sich von der Bedeutung des Textes nicht entfernt, vom 
Basse fortgeftahrt wird , welches von den übrigen Stimmen aufge- 
nommen , dann mit dem frttheren Subjecte Deus mens vermischt 
bis zum Tonschluss Bfa fortgeführt wird. . . . Erwäge femer das 
Subject, welches mit der folgenden Periode nan erubescam unter 
der obigen Cadenz im Basse eintritt, von den übrigen Stimmen 
in strenger Aufeinanderfolge wiederholt und fortgeführt wird zur 
Cadenz F, wo neuerdings der Bass mit der Periode neque irrt' 
deant me inimici ein neues Subject einftihrt , das dem Sinne der 
Worte keineswegs widerspricht und dann in langer Durchftihrung 
mit engansehliessenden' Stimmen fortgesetzt wird^. — So spricht 
sich der denkende Künstler ans über, sein klares Wollen und 
lässt uns zugleich in die Werkstätte seines schaffenden Geistes 
hinabsteigen, wie das nur selten in so interessanter Weise ge- 
schieht. Dai3 OffertoriuAi Ave Maria (X. 151) gibt Fux Gele- 
genheit über die Auffassung einer Composition a cappella in Ver- 
bindung mit einem Cantus firmus sich also auszusprechen^: „Hier 
hast du ein Beispiel einer Composition , die mit obligatem Cantus 
firmus oder Gregorianus gearbeitet ist. Wenn die Subjecte min- 
der sangbar und nicht so bedeutend sind , als in den vorher- 
gehenden Mustern, so musst du das der Beschränkung durch den 
Cantus firmus zuschreiben, denn in dieser Compositionsgattung 
steht es nicht frei , was immer fllr ein Subject zu wählen , son- 
dern nur jene, welche an den Choralgesang sich anschliessen 
können. Ausserdem sind gewönlich die Subjecte aus dem Gre- 
gorianischen Cantus entnommen oder doch üachahmend einge- 
richtet. Wenn die Worte öfter als genug ist , wiederholt werden, 

1 GraduB. p. 262. 



140 Fux, Mottette. 

80 schreibe das dem Tractus' des Choralgesanges uud seiner 
Kürze zu, das aber für das ganze OfTertoriam ausreichen. soll. 
Obschon einerseits solche Zwangsobliegenheiten nicht wenig dem 
Schmucke der Composition entziehen , so findet man doch ande- 
rerseits im Anhören des Cantus firmus etwas Einschmeichelndes 
und die Andacht Förderndes y das die Zuhörer auf der Stelle zur 
Sammlung aufruft.^ 

Ausser diesen Compositionen a cappella sind die Offertorien 
161 und 162 für eine und zwei Solostimmen reich figuriert und 
instrumentiert und heiter festlich, wie die Bestimmung des 
Textes dazu Veranlassung gab. 

VI. Mottette. So wie der etymologische Ursprung des 
Wortes ist auch der Character des MusikstUckes dieses. Namens 
verschiedenartig aufgefasst worden. Darin stimmen wohl die 
meisten tiberein, dass das Mottett ein zur Figuralform gehöriger 
Kirchengesang, aber mit freierer Bewegung sei, und sich da- 
durch dem Madrigale nähere, aber durch den stäts biblischen 
Text und durch Vorwalten des künstlichen Contrapnnktes, der 
Imitation, des Canons und der Fuge davon entferne. In dem 
letzten Sinne hat Fux ein einziges Mottett a cappella componiert 
hinterlassen über die zwei, ersten Verse des Psatanes42 Utcervus 
ad fontes ^, das ganz in der Strenge seiner schönen Adventoffer- 
torien gehalten ist und sich von diesen nur dadurch unterschei- 
det , dass es die Aufschrift Mottetto fllhrt. Alle übrigen Compo- 
sitionen dieses Namens gehören bei Fux dem concertierenden 
Stile an, sind fUr eine oder zwei Solostimmen oder a tre, seltener 
a quattro gesetzt und gewöhnlich reich instrumentiert. Die Solo- 
stimme , wenn sie nicht durch das ganze Stück allein den Instru- 
menten gegenübersteht, intoniert gewöhnlich eine Phrase, die 
der Chor wiederholt > oder es nehmen die Stimmen in verschie- 
denen Combinationen die Texte auf und führen sie zuletzt ge- 
meinschaftlich zu Ende. Ihre Bestimmung konnte nach den Tex- 
tesworten, welche gewöhnlich kirchliche Hymnen sind, an den 
Festen verschiedener Heiligen , die besonders genannt sind, vor- 
züglich aber an Marientagen als Einlagstücke der Messe oder zu 

1 Tr actus ist eine Melodie, welche in der Fastenzeit an der Stelle 
des auf das Graduale folgenden AUeluja gesungen wird. ^ Beil. X. 184. 



► 



Fux, Hymnen. 



141 



andern liturgischen Zwecken sein. Durch die freiere Behandlung 
der concertierenden Mottette ist auch hier den Sängern Gelegen- 
heit gegeben, ihre Kunstfertigkeit zu zeigen , während die Auf- 
fassung des Textes durch viele feine Zttge das genaue Verständ- 
niss desselben von Seite des Componisten verräth. 

Vn. Hymnen. Unter dieser CoUectivbezeichnung wurden 
die zahlreichen Kirchencompositionen eingereiht, welche nicht 
unter eine der früheren Rubriken der Gradualien, Offertorien 
u. 8. w, gebracht werden konnten, obschon es wahrscheinlich ist, 
dass mehrere der Hymnen zu solchen Zwecken verwendet wur- 
den. Die Texte dazu sind theils Psalmen , theils wirkliche Hym- 
nen zur Ehre von Heiligen, oder mit Rücksicht anderer kirch- 
licher Zeiten, als des Advents, der Ostern u. dgl. oder zu Dank- 
festen ftlr bedeutende glückliche Ereignisse, als Siege, Friedens- 
schlüsse, zuweilen aber auch zu kleineren Litnrgien, wie Äsperges, 
Libera bestimmt. Den bei weitem grösseren Theil machen die 
Hymnen an die Mutter des Heilandes aus, wie denn Fux auch bei 
den früheren Abtheilungen für den Mariencultus viel und mit 
Vorliebe componiert hat. Unter den Hymnen sind einige Texte 
oft wiederholt von ihm gesetzt, so Alma Redemptoris mater 18 
Male, Salve Regina 10, Ave Regina 22 Male. Mit welcher Innig- 
keit Fux an diese Texte gieng , möge die Auffassung der Worte : 
„0 Clemens^ o pia, o dulcis tirgo Maria" aus dem Salve Regina 
259 (der Beil. X) dienen. 

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Fux, Hymnen. 



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Die Mehrzahl dieser Hymnen ist a cappella ohne oder mit 
Ripieninstrumenten vierstimmig, häufig auch dreistimmig gesetzt, 
da Fux seine Vorliebe für den dreistimmigen Satz auch hier an 
den Tag legte. Die Hymnen für Solostimmen oder für zwei Stim- 
men y hie und da auch andere sind im concertierenden Stile ge- 
schrieben zum besonderen Frommen virtuoser Kehlen. Dass sich 
Fux im concertierenden Stile freier bewegte , hat er im Gradus 
selbst für erlaubt erklärt, doch schwebt auch über diese freiere 
Bewegung das stäts wache Bewusstsein des Gesetzes, das nur 
seltene Ausnahmen gestattet. Im Hymnus (249) Nunquam ira 
nähert sich die Behandlung dem dramatischen, jedoch ohne dem 
kirchlichen Ernste Eintrag zuthun; in der Hymne (192) Alma 
Redemptoris erlaubt sich Fux im Eingange wiederholte Sprünge, 




Alma Bedemp - to - ri8 Redemp • to - ris ma 



ter 



wie man sie in solcher Folge bei ihm in der Kirchenmusik nicht 
gewohnt ist, doch auch da lenkt er bald ein, als wollte er zeigen, 
dass man bisweilen auch ungewohntes wagen dürfe. Der mehr- 
mals vorkommende Quintensprung beim Eintritte des Alma (X. 1 85, 
186, 187, 190, 191, 20Ö, 202) hat wahrscheinlich seine Veranlas- 
sung in irgend einem Cantus firmus, von dem er sich in mehreren 
Hymnen nicht geringe Fesseln anlegen lässt, welche aber dem 



Fux, Hymnen. 143 

Hörer niemals beschwerlich werden, da er sie mit erhöhter conti*a- 
punktischer Ennst zu umhüllen weiss. 

Als Compositionen fUr Feste ersten« Ranges treten aus den 
Hymnen zwei Te Deum (X. 270 und 271) hervor durch die Grösse 
und Feierlichkeit der Auffassung so wie die überaus zahlreiche 
Verwendung von Instrumenten. Es ist auch aus den Vormerken 
der gleichzeitigen Stimmenabschriften zu entnehmen, dass sie 
1723 bei der Krönung in Prag, 1725 wegen des abgeschlossenen 
Friedens mit Spanien, 1716 bei der Geburt des sehnlich erwar- 
teten Thronerben Erzherzog Leopold , 1 736 zur Vermählung der 
Erzherzogin Maria Theresia mit dem Herzoge Franz Stephan von 
Lothringen zur Aufführung kamen. — Aus dem Verzeichnisse X 
ist auch ersichtlich , wie einige andere dieser Hymnen zu ihrer 
Zeit die zahlreichsten Wiederholungen erfuhren, woraus hervor- 
zugehen scheint, dass Fux selbst zu einer Zeit, wo man den ver- 
führerischen Tönen der lockeren Opernmusik begierig lauschte, 
doch dasselbe Publicum für den Ernst seiner Kirchenmusik em- 
pfänglich zu erhalten wusste. 



IX. 

Chronik (1719—1721) - Abfertigimg für die eTenteeUe Witwe — 
Seine Oper Costansa e Forteisa in Prag (1728) — Caldara's Oper 

Enristeo (1724). 

Im Jahre 1719 componierte Fux zwei Textbücher seines 
Pietro Pariati: die Oper Elisa ^ zum Geburtsfeste der regieren- 
den Kaiserin Elisabeth (sie erschien zehn Jahre später gedruckt), 
und das Oratorium Gesu Cristo negato da Pietro *. — Desselben 
Jahres erhielt Fux das Hofquartier „zum goldenen Bären ^" auf 
dem alten Fleischmarkt, wo er 22 Jahre wohnte und auch seine 
Tage beschloss. 

1 720. Ausser dem Oratorium La Cena del Signor, Text von 
P. P a r i a t i * componierte Fux gemeinsam mit Caldara die Operette 
Psiche % Text von ApostoloZeno, der einzige Fall, in welchem 
Fux mit anderen in Gesellschaft componierte. Die Veranlassung 
dazu war sehr wahrscheinlich seine oft wiederkehrende Kränk- 
lichkeit. Zur Leichenfeier der am 19. Jänner verstorbenen Kai- 
serin-Witwe (nach Kaiser Leopold I.) Eleonora Margaretha 
Theresia wurde das grosse Kequiem von Fux gegeben. — Der 
neu eingetretene Hofcomponist Gius. Porsile beginnt seine 
Thätigkeit. 

1721. Die Vorsorge, seine eventuelle Witwe nicht nach 
seinem Ableben den Wechselfällen einer Gnadenpension auszu> 
setzen, bestimmte Fux, bei seinen andauernden chronischen 
Leiden den ihm so gnädig gestimmten Kaiser um sofortige Ge- 
währung einer Abfertigungssumme statt einer Pension zu bitten. In 
seinem Gesuche vom 6. März 1721^ führt er an, dass er während 
seiner langen Dienstzeit in den „flirgewesten schweren Zeiten, 
und bei seinen vielfaltigen dispendiosen Krankheiten'^, keine 

1 Beil. VIU. 551. 2 Eb. 556. 3 Haus Nr. 6 (neu), 697 (alt). Beil. II. 
20. * Beil. Vm. 567. & Beil. VIII. 563. • Beil. U. 10. 



Abfertigimg für die Witwe F u x. 145 

Mittel ftlr den benöthigten Unterhalt der Seinigen naeh seinem 
Ableben habe bei Seite legen können ^ znmal er ansser der Be- 
soldung irgend eine Adjnta ; wie viele andere , niemals genossen 
habe, bei seinen erschöpften Kräften aber dem Allerhöchsten ge- 
fallen könne, seine Tagei in kurzem zu endigen und da seine Frau 
Anspruch auf irgend eine Pension habe, so bittet er statt der- 
selben um ein Capital, dessen Interessen einer jährlichen Pension 
seiner Witwe gleichkämen, damit er noch bei seineu Lebzeiten 
den Trost habe, sein armes Weib, „bq ihm jederzeit mit sonder- 
barer Liebe und Treue alle Hilfe erzeigt habe^, versorgt zu 
wissen. 

Der Ob'ersthoftneister führt in dem Gutachten ^ über dieses 
Gesuch zwei ähnliche Fälle der letzten zwei Vorgänger im Kapell- 
meisteramte Antonio Draghi und Marc Antonio Ziani an, 
deren Angehörigen bei deren Lebzeiten Pensionen in der Höhe 
von 800 fl. zugesichert wurden. „Gleichwie dieser Supplicant 
(Fux) es jenen beiden in der Capacität und Fleiss wo nicht bevor 
wenigstens gleich gethan hat^, so dürfe die! Witwe desselben 
ebenfalls eine Pension von jährlich 800 fl. erwarten und diese 
leicht zehn , wo nicht mehrere Jahre gemessen dttrfen , daher hat 
der Obersthofmeister kein Bedetiken getragen, „Ew. kais. Msge- 
stät für den- Supplicanten , als seiner langjährigen und fleissigen 
Dienste halber besonders meritierten Hofkapellmeister, einzu- 
rathen, dass ihm ein fttr allemal ein Capital von 8000 fl., jedoch 
erst in den vier nächstfolgenden Jahren- ratenweise zu bezahlen, 
eben so viel, als die Pension von 800 ü. in 10 Jahren austrägt^\ 
Unter diesen Antrag schrieb Kaisei* Karl VI.: „Placet^. 

In diesem Sinne wurde auch das Decret fttr Fux^ ausge- 
fertigt. 

Wenn diese Abfertigungssumme von 8000 fl. für die even- 
tuelle Witwe des Kapellmeisters beträchtlich erscheint — und sie 
ist es auch wirklich, besonders bei dem Geldwerthe jener Zeit — 
so steht doch das ganz analoge Begehren des Vice-Kapelhneisters 
Antonio Caldara von 12.000 fl. beschwichtigend entgegen, da auch 
diese Summe ihm bewilligt wurde — ohne Fux zu einer gleich- 
stellenden Forderung zu veranlassen. 

J Beil. II. 11. 12. 2 Beil. IL 11. 

Köehef, J. J. Ftix. 10 



146 Fax, Oper Oostanza e fortezza. 

1722. Ausser der brillanten Oper Le Nozze di Aurora ^ Text 
von P. Pariatiy znr Vermählungsfeier der Erzherzo^n Amalia 
mit dem Kurprinzen Albert von Baiem componierte Fux nach- 
träglich die 1 720 von Caldara componierten Nummern zur Operette 
Pnche^ neu und brachte sie als seine alleinige Composition am 
Geburtstage des Kaisers zur Aufführung. 

1723. Das Wiener Diarium vom 23. März berichtet die 
Wiederholung des Oratorium Cristo neU orio^ vom Jahre 1718. — 
Ein grosser Triumph erwartete den kranken Mann in Prag. 

Im August und September des Jahres 1723 bereiteten sich 
zur Krönung des Kaisers und der Kaiserin mit der königlichen 
Krone von Böhmen in Prag Festlichkeiten vor, wie sie selbst in 
jener prachtliebenden Zeit ungewöhnlich waren. Ausser den 
glänzenden Gefolgen der zahlreichen Wilrdenträger des Kaisers 
hatten Theilnahme und Neugier eine grosse Menge inländischer 
und ausländischer Personen aus den höchsten Ständen herbeige- 
zogen, welche zugleich den Festen zu würdiger Folie dienten. 
Dass dabei die Musik einen wesentlichen Antheil zu nehmen be- 
stimmt war y Hess sich erwarten , da von allen Seiten die ausge- 
zeichnetsten Künstler aus ganz Europa, wie der berühmte Violin- 
virtuose Giuseppe Tartini^, entweder ausdrücklich dazu auf- 
gefordert wurden, oder aus freiem Antriebe sich dabei einfanden. 
Fux war beauftragt worden , die Festoper zu schreiben , welche 
am Geburtsfeste der Kaiserin (31. August) gegeben werden sollte. 
P. Pariati hatte als Verfasser des Textes das Motto des Kaisers 
Costanza e fortezza zum Titel der Oper gewählt und seine Auf- 
gabe in den Vorgängen des Kampfes des Porsenna gegen Bom 
mit den Episoden des Mutius Scävolä , des Horatius Codes und 
der Clölia mit vielem Geschicke gelöst. Zur Darstellung wurde 
in dem grossen Hofraume des königlichen Schlosses auf dem 
Hradschin ein prachtvolles Amphitheater erbaut , das 4000 Zu- 
schauer zu fassen vermochte. Das noch erhaltene Textbuch gibt 
in sechs Kupferstichen des grössten Formates die Zeichnungen 
der vorzüglichsten Decorationen und Maschinerien , worunter die 
Heereslager der Römer und Etrusker , dann eine grosse Wasser- 

1 Beil. VUI. 584. « £b. 582. « Eb. 547. ^ Geb. 1692, gest. 1770. 
Kam 1723 mit seinem Freunde dem Violoncellisten D. Ant. Vandini nach 
Prag nnd blieb dort mit ihm drei Jahre bei Graf Kinsky. 



I 



Fux, Oper Coatanaa e fortezza. 147 

masse , welche sich aus dem Tiber erhebt und dann die Burg des 
Flaasgottes sehen iässt; besonders hervortreten. Von dem Reich- 
tbum der Belenchtnng , der Kostbarkeit der Kleider, der anser- 
lesenen Musik ^ den zierlichst ausgeftthrten Tänzen , erzählt das 
Wiener Diarinm ^ dass sie wohl bewundert aber nicht beschrieben 
werden können. Die Vorstellung währte von 8 Uhr Abends bis 
1 Uhr nach Mittemacht. Ueber den Eindruck, welchen die Musik 
des Fux auf die Zuhörer ausübte, haben wir zu gutem Glttcke die 
Aufzeichnungen eines kunsterfahrenen Theflnehmers, des preussi- 
sehen Kammermusicua und Hofcomponisten Johann Joachim 
Quantz', der sich in seiner Lebensgeschichte' darttber also 
vernehmen lässt : 

,,Im Jahre 1723 that Quantz mit (S. Leop.) Weiss, dem 
Lauteiuusten^ und dem (nachmaligen) Kapelhneister Graun^ eine 
Reise nach Prag. Um diese Zeit hatte Kaiser Karl VI. die meisten 
berühmten Virtuosen aus Europa nach I^ag verschreiben lassen. 
Die Geschichte hat keine glänzendere Begebenheit für die Musik 
aufzuweisen als diese Feierlichkeit , noch ein ähnliches Beispiel, 
da so viele grosse Meister irgend einer Kunst auf einmal an einem 
Orte versammelt gewesen. 

Bei dieser Gelegenheit ward eine Oper in freier Luft aufge- 
führt , wo hundert Personen sangen und bei zweihundert spielten. 
Die Oper hiess La Cosianza e la Fortezza, componiert von Fux, 
dem alten berühmten kaiserlichen Oberkapellmeister. Die Compo- 
sition war mehr kirchenmässig als theatralisch, aber sehr prächtig. 
Das Concertieren und Binden der Violinen gegen einander, welches 
in den Ritomellen vorkam, ob es gleich grösstentheils aus Sätzen 
bestand, die auf dem Papier steif und trocken genug aussehen 
mochten, that dennoch hier im Grossen bei so zahlreicher Be- 
setzung und in freier Luft eine sehr gute, ja viel bessere Wirkung 
als ein galanterer , mit vielen kleinen Figuren und geschwinden 
Noten gezierter Gesang in diesem Falle gethan haben würde. Die 
Chöre dienten nach /ranzösischer Art zu Balleten. Der Kapell- 

1 Vom 4. Sept. 1723. « Geb. 30. Jänner 1697, gest. 12. Juli 1773, 
bekannt durch seine Anweisung die Flöte zu spielen. ^Marpurg, hist.- 
krit. Beitr. I. 216 f. — Burney, Tagebuch (1773). 1. 117 ff. * Geb. 1684, 
gest. 1750, sächsischer Kammermuflicus, ein ausgezeichneter Lautenspieler. 
^Karl Hein r. Graun, geb. 1701, gest. 1759, preussischer Kapellmeister. 

10* 



148 Fux, Oper Costanzaefortezza. 

meister Caldara gab den Tact^ Fax selbst hatte das Podagra: 
der Kaiser hatte ihn also von Wien in einer Sänfte hertragen 
lassen, nnd er hörte diese so angewöhnliehe prächtige AoffUhrong 
seiner Masik nicht weit vom Kcüser sitzend an K Unter den Haapt- 
oder concertierenden Stimmen war keine einzige mittelmässig, sie 
waren alle gat. Die Sängerinen waren die beiden Schwestern 
AmbrevillC; Italienerinen^ deren eine nachher mit dem Violon- 
cellisten Perroni, die andere mit dem Sänger Borrosini sich 
vermählte. Die Sänger waren der berühmte GaetanoOrsini^ 
Domenico (Genovesi), Carestini, Pietro Casati^ ein 
grosser Actear, (Franc.) Borrosini, ein lebhafter Tenorist and 
aach geschulter Acteur und (Christ.) Praan, ein Deatsoher, and 
angenehmer Baritonist, welcher besonders das Adagio so rttiirend 
aosfUhrte , als man irgend von einem braven Contraltisten hätte 
erwarten können. 

Gaetano Orsini, einer der grössten Sänger, die jemals 
gewesen , hatte eine schöne , egale and rtthrende Contraltstimme 
von einem nicht geringen Umfange, eine reine Intonation, schönen 
Trillo und angemein reizenden Vortrag. Im AUegro accentaierte er 
die Passagen, besonders die Triolen mit der Brust sehr schön und 
im Adagio wusste er auf eine meisterhafte Art das Schmeichelnde 
und Rtthrende so anzuwenden , dass er sich dadurch der Herzen 
der Zuhörer im höchsten Grade bemeisterte. 

Domenico (Genovesi) hatte eine der schönsten Sopran- 
stimmen, die ich jemals gehört habe. Sie war voll, durchdringend 
und rein intonierend. Im ttbrigen aber sang nnd agierte er eben 
nicht mit sonderlicher Lebhaftigkeit. 

Giovanni Carestini hatte frtther eine starke und volle 
Sopranstimme, welche sich später in eine der schönsten, stärksten 
und tiefsten Contralte verwandelte. Er hatte eine grosse Fertig- 
keit in den Passagen , die er der guten Schule des Bemachi ge- 
mäss mit der Brust stiess. Er unternahm in willkttrlichen Ver- 
änderungen sehr vieles, meistentheils mit gutem Erfolge. Seine 
Action war sehr gut und so wie sein Singen feurig. 

1 In den Cameralzahlamts-Rechnungen von 1723 wird bemerkt, dass 
das I. Quartal des Gehaltes von Fux für 1723 in dem Prager Reiseparticu- 
lare vorkomme. Damit ist auch die Anwesenheit desselben in Prag amtlich 
nachgewiesen. 



Caldara, Oper Euristeo. 149 

Alle diese Sanger stunden in wirklichen kaiserlichen Dien- 
sten. Von dem wienerischen Orchester waren aber nur etliche 
zwanzig Personen gebracht worden. Die übrigen Instrumentisten 
wurden in Prag zusanunengesucht und bestunden aus Studenten, 
aus den Mitgliedern einiger gräflichen Kapellen und aus fremden 
Musicis. Der Anführer des Orchesters war der kaiserliche Con> 
certmeister (Giov. Ant.) Piani. Der bertthmte Francesco 
Co n t i; ein erfindungsreicher und f euriger, obzwar manchmal etwas 
bizarrer Componist fbr die Kirche sowohl als für das ernsthafte 
nnd komische Theater , dabei einer der grössten Teorbisten j die 
jemals gewesen sind; spielte die erste Teorbe. Die Chöre waren 
mit Schttlem und Kirchensängem aus der Stadt besetzt. Weil 
nun wegen Menge der anwesenden Menschen vielen , auch sogar 
Personen von vornehmem Stande der Eintritt in die Oper ver- 
sperrt war j so liessen meine beiden Gefährten und ich uns auch 
mit zum Orchester werben. Weiss spielte die Teorbe , Graun 
das Violoncell und ich Oboe als Bipienisten. Wir hatten dadurch 
zugleich' Gelegenheit die Oper wegen der vielen nöthigen Proben 
desto öfter zu hören. ^ 

Auch in später Zeit sprach Quantz mehr als einmal mit 
g^sser Aehtung von der Wirkung , welche diese Oper von Fux, 
die er in seiner Jugend gehört hatte^ in ihm zurttckliess ^ 

Ausser der Festoper wurde in Prag das grosse Tedeum^ am 
Krönnngstage (5. Sept.), wahrscheinlich noch mehrere Kirchen 
compositionen voii Fux gemacht. — Johann Dismas Zelenka, 
der Schttler des Fux, sang im Chor der Oper Costanza und com- 
ponierte dort die Musik zu dem Melodrama de Sancto Weftceslao ^. 

So wie es bereits unter den früheren Kaisern Leopold I. 
und Josef I. die Begel war , dass jährlich im Fasching von Cava- 
lieren und Damen scenische Darstellungen, gewöhnlich Comödien 
oder Burlesken mit und ohne Tänze, bei Hofe aufgeführt wurden, 
setzte sich diese U^bung auch unter dem gutmusicalischen Kaiser 
Karl VI. fort, ja sie steigerte sich im Jahre 1724 bis zu einer Oper, 
deren Gesangs- und Instrumentalparte so wie die Tänze aus- 
schliesslich von Herren und Damen des höchsten Adels mit dem 



iFr..Nicolai,Rei8©.1781.IV.524. aßeü.X.270. »Fürstenau, 
Oesch. Dresdn. Mus. IL 71^83. 



150 Oaldara, Oper Enristeo. 

• 

Kaiser als Dirigenten an der Spitze ansgeftlhrt worden. Das 
Wiener Diarinm vom 17. Mai 1724 referiert darüber angewöhnlieh 
ausführlich in folgender ftlr die Zeit charaeteristischen Weise: 
..Gegen Abend wurde bei Hof auf einem eigens dazu verfertigten 
theatro in Beisein der Allerhöchsten kaiserlichen Monarchen dann 
der durchlauchtigsten Leopoldinischen Erzherzoginen, des Erb- 
prinzen aus Lothringen Durchl., wie auch des hiesigen und fremden 
höchsten Adels eine noch niemals dahier und fast durch ganz 
Europa gesehene lob- und sehenswürdigste Opera, wobei auch die 
DurchL Carolinischen Erzherzoginen und Infantinen , als Maria 
Theresia^ und Maria Anna die Tänze aufgeflihret und die 
Actores , Tänzer und Tänzerinen und der völlige Chorus musicus 
aus lauter Adelichsten Personen bestanden mit grösster Magni- 
ficenz und Buhm zum ersten Male vorgestellet. Obgedachte herr- 
lichste Opera , so Eurystheus (Euristeo) ^ benamset ist , war auf 
allergnädigsten Befehl Ihrer kaiserlichen und königlichen katho- 
lischen Majestät von Herrn ApostoloZeno^, kaiserUchen Poeton 
und Historico verfasset und von Herrn Antonio Caldara, kais. 
Vice-KapeUmeister in Musik gebracht worden. 
Die vorstellenden Personen sind : 

I»meney Prinzessin von Argo — Margaritha Orsini 
Gräfin von Piakai. — Erginda, Tochter des Thersander — 
Judith Gräfin von Stahrenberg. — Aglaiida, Töchter 
des Königs Cisseus — Josefa Gräfin von Berg. — Ormond, 
der Feldoberste des Königs Cisseus — Karl JosefMarchese 
Gallerati. — Cisseus, König von Macedonien — Ludwig 
Prinz Pio von Savoyen. — Clearcus, Fürst von AetoUen — 
Ferdinand Graf von Harrach. — Glaucio, Fürst von 
niyrien — Pietro Marchese Stella. 

Die Instrumentalmusik versahen: 
Herr Adam Graf vonQuestenberg . , Tiorbe 
„ Ludwig Graf von Saleburg . . . Travers 

„ Ferd. Graf von Lamberg Violin 

j, Christ. Fürst Lobkowitz Violin 

p Friedr. Graf Cavriani Fagott 

1 Die nachmalige Kaiserin, damals 7 Jahre alt. 

2 Beil. VIII. 604. 3 Poesie drammatiche. Vol. VI. 



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Caldara, Oper Euristeo. 151 

Herr Karl Bob. Graf Tmchsess v. Zeil Haatbois 
j, Christ. Graf von Proskan .... Violin 

r Ferd. Graf Fergen das zweite Cymbal 

^ Karl Graf Apermont Yiolin 

Job. Bapt. Graf von Pergen . . . Violoncell 

Jos. Graf Stnbenberg Violin 

Karl Graf von Rotal Violin 

Christ. Graf Pertnsati Violin 

Kasimir Graf V. Werdenberg . . Violin 

.. Siegfr. Graf v. Lengheim Hantbois 

• Oct. Graf Piccolomini Violin 

^ Ad. Phil. Graf Logi (Losy) Contrabass 

,. Sigm. Graf Herberstein Violoncell 

r Const. Bar. Figher Fagott 

^ Job. Karl Graf von Hardeck . . . Violoncell 

^ Franz Graf Pachta Violin 

;, Mich. Bar. Lazari Violin.^ 

Am 20. Mai desselben Jahres wurde dieselbe Oper zmn 
dritten nnd letzten Male gegeben. Nach vollendeter Vorstellnng 
wurden unter den Damen nnd Cavalieren der Opera y,einige 
Prämia^ so in Geschmnck und anderen kostbaren Galanteriesachen 
bestanden, nach gehobenen Loszetteln ansgetheilet^^. 

Ein Berichterstatter in einer englischen Zeitung von J. 1724* 
meldet über die Darstellung der Oper Euristeo: Der Kaiser ist 
höchst zufrieden mit der Ausflihrung der Oper, die nun schon 
2mal dieseWoche gegeben ward und heute zum dritten Male dar- 
ankommt. — Der Componist, Mifangs besorgt um die Ausführung 
seiner Oper, war entzückt, als er hörte, dass es so vortrefBich 
gieng, denn die erlauchten Personen sangen und spielten über 
alle Erwartung gut. — Zwischen den Acten fllhrten folgende er- 
lauchte Personen Tänze auf: Nach dem ersten Acte: Bosa Gräfin 
Thurn — Gräfin Christiana von Salm — Gräfin Josefa 
Henklin — Gräfin Antonia von Zinssendorf — Graf Kar^ 
Salm — Graf Anton Strasoldo — Graf Josef Zobur — 
Bar. Christ, von Westenrad (?Questenberg?). Nach dem 

1 Wiener Diar. 20. Mai 1724. 

3 Allg. muB. Zeitg. 13. Jänner 1869. p. 12. 



152 Cal dar a, Oper £uristeo. 

zweiten Act: Erzherzogin Maria Theresia mit 4 Damen und 
4 Herren. Nach dem dritten Act die Erzherzoginen Maria The- 
resia und Maria Anna mit 4 Damen und 5 Cavalieren. 

Nicht minder befriedigt spricht sich ein anderer Augen- uüd 
Ohrenzeuge, der Poet Apostoio Zeno ttber die Ausführung 
seiner Oper in einem Briefe in seine Heimat aus ^ : ^Ich kann euch 
nicht entsprechend den Beifall schildern, den mein Drama erhielt, 
das zur allgemeinen Bewunderung von jenen Damen und Cava- 
lieren dargestellt, gespielt und getanzt wurde, welche immer an 
der Spitze des Orchesters am Clavier den Allerhöchsten Herrn 
gehabt haben, der mit der grössten und feinsten Meisterschaft 
wie ein Professor spielt. Nach einem beiläufigen Ueberschlag 
mag dieses prachtvolle Schauspiel dem kaiserlichen Säckel an 
100.000 fl. gekostet haben. Die drei singenden Damen insbeson> 
dere leisteten wunderbares und wären sie Musiker von Profession 
und mttssten sie mit Singen ihren Unterhalt verdienen, so würden 
sie auch in Italien unter den ersten eine erste Erscheinung sein^ . 

Die Musik Caldara's, ttber welche der Poet mit Still- 
schweigen weggeht, ist offenbar den darstellenden Kräften ange- 
messen mit leicht zu überwindenden Schwierigkeiten, wie man es 
Dilettanten zumuthen darf, dabei angenehm und doch dankbar 
vom Componisten bedacht. Alles in allem vermochte jene Zeit 
in den höchsten Kreisen musicalische Kräfte aufzubringen, um 
welche die Gegenwart nicht wenig verlegen sein dürfte. 

1 Ap. Zeno Lett. III. 446 f. 



X. 

Der ftradns a4 Pamsssmi (1726). . 

Das Werk, durch welches Fox den Ruhm seines Namens in 
der musicalischen Welt ttber den Wandel der Zeit hinweg yer> 
breiten sollte ; wnrde im Wiener Diarium vom 25. Juli 1725 in 
folgender einfachen Weise angezeigt : ^N. B. Bei mir Johann Peter 
T. Gehlen, der Böm« Kais, und Königl; Catholischen Majestät Hof- 
Buchdruckern -gegen dem Hof-Ballhaus ttber ist nunmehro zube> 
kommen und verlegt ein neues musicalisches Opus intitulieret: 
GraduB ad Pamaasum, sive Manuductio ad Compositionem Musicae 

regulärem elaborata a Joanne Josepho Fux Kostet 

ungebundener 3 fl.^ 

Die Ausstattung desselben war würdig seines kaiserlichen 
Gönners, der die Kosten dazu bestritt : ein ansehnliches Format in 
Folio, der Druck dem Auge bequem, die Notenbeispiele mit be- 
weglichen Typen zahlreich und deutlich. Ohne alle Beclame 
musste es seinen Weg durch seinen (jchalt und seine Brauchbar- 
keit machen : und es hat ihn gemacht. 

Was fttr ein Ziel Fux bei der Herausgabe des Gradus im Auge 
hatte und durch welche Mittel er dieses Ziel zu erreichen hoffte, 
darüber spricht er sich in dem Werke selbst ganz deutlich aus. 
Schon der Titel bezeichnet das Wesen des Buches dahin, es sollte 
eine „Anleitung sein zur regelmässigen musicalischen Composi- 
tion nach einer neuen und zuverlässigen Methode, dergleichen 
früher niemals in solcher folgerichtigen Anordnung veröffentlicht 
wurde. ^ Er legt daher schon damit den besonderen Nachdruck 
auf die Neuheit und Zuverlässigkeit der von ihm zuerst erfunde- 
nen Methode und die consequente Gliederung seiner Theorie, 
welche er bis dahin in keinem Werke ttber die Satzkunst seiner 
Vorgänger finden konnte. 

In grösserer Ausführlichkeit verbreitet er sich darüber in 
dem Yorberichte an den Leser, wo er sagt : Es werden sich viel- 



154 Der GraduB ad Parnassnm. 

leicht einige verwundern, da doch Schriften so vieler ansgezeich- 
neten Männer vorliegen, welche über Musik eben so gelehrt als 
weitläufig gehandelt haben, wie denn ich dazukomme, mich an 
eine derlei Abhandlung gemacht zu haben, und ttberdiess zu einer 
Zeit, wo die Musik ein Gegenstand der Willkür geworden, die 
Componisten an keine Vorschriften, an keine Lehre sich gebunden 
glauben , den Namen von Gesetz und Schule wie den Tod verab- 
scheuen ? solchen Fragenden will ich meine Ansicht darlegen. 

Allerdings gab es sehr viele durch Gelehrsamkeit und An- 
sehn bertthmte Männer, welche über theoretische (speculativa) 
Musik sehr gehaltreiche Schriften zurückgelassen haben, über 
practische Musik sind der Schriften wenige und ausserdem sind 
diese nicht durchaus deutlich. Diese Schriftsteller begnügen sich 
gewöhnlich mit der Aufstellung einiger Muster und sind gar nicht 
bekümmert, eine leichtfassliche Methode zu erfinden, bei welcher 
die Anfänger Sehritt für Schritt , wie auf einer Treppe empor- 
steigen, und zur Aneignung dieser Kunst gelangen könnten .... 
Schon seit mehreren Jahren überlegte ich bei mir und liess es 
weder an Fleiss noch an Nachdenken fehlen, eine leichtfassliche 
Methode zu ersinnen, ähnlich derjenigen, durch welche das zarte 
Alter zuerst die Buchstaben kennen lernt, dann sillabieren, hier* 
auf mehrere Silben verbinden, zuletzt lesen und schreiben gelehrt 
wird. Denn da ich mich einer solchen Methode beim Unterrichte 
bedient habe und gewahr geworden bin, dass die Schüler in 
kurzer Zeit überraschende Fortschritte gemacht haben, meinte 
ich, dass ich eine nicht zu verachtende Förderung dieser Erkennt- 
niss dadurch zuführen werde, wenn ich sie zum Frommen der 
lernbegierigen Schüler veröffentlichte und das, was ich durch eine 
dreissigjährige Praxis mir eigengemacht, auch dem ganzen Reiche 
der Musik getreulich mittheile. ^ 

Ein näheres Eingehen auf den Inhalt des Werkes wird dar- 
thun, auf welche Art er sein Wort gelöst hat. Fnx hat in diesem 
Werke, das seiner Anlage nach nicht auf Deutschland allein be- 
schränkt sein sollte, der lateinischen Sprache sich bedient, damals 
die Sprache der Diplomaten und Gelehrten, ausserdem zu jener 
Zeit in allen gebildeten Kreisen verständlich. Das Latein des 
Gradus ist, ungeachtet der vielen gebrauchten Neologismen in 
den Kunstausdrücken, gewählt zu nennen, dabei jedoch nicht 



n 



Der Gradng ad ParaasBum. 155 

geschranbt oder gesucht. Im practischen Theile bedient sich Fnx 
der Gesprächsform: ein erfahrner wohlwollender Meister, den 
Fnx nach seinem Ideale Pierlnigi PiJestrina Aloysins nennt, 
begleitet einen eifrigen begabten Schiller (nach seinem eigenen 
Namen Josephns genannt) belehrend, berichtigend, auAnun- 
temd durch das ganze Gebieth der Compositionslehre. Liegt 
anch diese Art des Vortrages unserem Zeitgeiste femer, so lässt 
sich doch nicht läugnen, dass die socratisierende Behandlung 
eines solchen Stoffes, welche das so natürliche Verhältniss eines 
dankbaren, wissbegierigen Schttlers zu einem verehrten, weit- 
tlberlegenen Lehrer auf eine einfache , ungesuchte Weise bis ans 
Ende fortführt, durchaus dem Ernste des Gegenstandes nicht ab- 
trftgUch wirkt, vielmehr das Interesse der Theilnahme an diesem 
Verhältnisse selbst zu erwecken geeignet ist. 

Den ganzen Lehrstoff theilt Fux bekanntlich in zwei Theile, 
die theoretische (Musica speculativa) und in die practische 
Musik (M. practica). Im ersten Theile werden die Zahlenver- 
hältnisse der Intervalle nach dem griechischen Systeme, ihre ge- 
ringe Brauchbarkeit wegen Mangels an geeigneten Intervallen 
so wie die kaum zu überwältigende Schwierigkeit in der Anwen- 
dung besonders bei TastenJnstrumenten besprochen und mit dem 
Siege der gleichschwebenden Temperatur der in zwölf Intervallen 
abgestuften Octave über da« Überwundene Komma geschlossen, 
welchen Sieg er freudig als das Werk der Erl()sung aus dem 
Kerker des Mheren Zwanges begrüsst und als Uebergaug zur 
freien Bewegung auf dem unermesslichen Felde der Modulation 
preist. Der Anhang dazu gibt noch die kurze Darstellung des 
(damals) modernen diatonischen, und des modernen 
chromatischen Genus, so wie des aus der Vermischung von 
beiden entstandenen Genus mixtum, gegen welches er sich 
nicht sträubt und nur vor Misbrauch warnt, endlich die Haupt- 
begriffe der Consonanzen und Dissonanzen und die vier Funda- 
mentalgesetze ihres Gebrauchs. Den letzten Abschnitt ausgenom- 
men, dessen Werth ein bleibender ist, wurden die demselben vor- 
hergehenden Betrachtungen von der Zeit Oberholt und haben 
nur noch historischen Werth. 

Der bei weitem überwiegendere Theil der Compositionslehre 
wird im zweiten Buche, der practischen Musik (Musica prac- 



156 Der Gradus ad Parnassum. 

tica) abgehandelt. Die hier entwickelte methodiscfae Kunst des 
Meisters beruht nicht blos in dem Fortschreiten von den einfachsten 
Formen zu den verwickelteren; sondern auch in der Durchführung 
desselben Grundsatzes unter verschiedenen Modalitäten; in der 
Kürze und Zweckmässigkeit der aufgestellten Muster, die keine 
Ermüdung aufkommen lassen, in dem Besprechen und Lösen der 
Schwierigkeiten, die nicht alle auf einmal, sondern nach und nach 
bei Gelegenheit der neuen Voraussetzungen auftreten und in der 
belebenden Form des Gespräches vieles von der Trockenheit kate- 
gorischer Kegeln verlieren. 

Fux beginnt mit dem zweistimmigen Satze, indem über 
einen kurzen Cantus firmus abwechselnd in der Unter- und in der 
Oberstimme, bei beständigem Festhalten an dem diatonischen Ge- 
schlechte der Schüler den Contrapunkt zu machen hat, und zwar 
zuerst Note gegen Note gleicher Zeitmessung, wobei alle Tonarten 
(modi)durchgegangen werden. Dasselbe geschieht hierauf mit 2 oder 
3 Noten des Contrapunkts gegen eine des Cantus firmus — in 
gleicher Weise mit 4 Noten gegen eine; dann folgt als vierte Art 
des Contrapunkts die Ligatur (Syncope), endlich schliesst die 
Lehre des zweistimmigen Satzes mit dem blühenden Contrapunkte 
(Contrapunctum floridum) als fünfte Art, bei welchem sämmtliche 
vorausgegangene 4 Arten vermischt in freie Anwendung kommen. 
Es ist einleuchtend , dass diese letzte Art nicht blos eine Anwen- 
dung des früher Erlernten, sondern zugleich eine Anregung zu 
selbständigen kleinen Erfindungen mit sich bringt und bei dem 
Schüler das Bewusstsein des bereits Erlernten so wie die Lust an 
dem Gewonnenen geweckt wird. 

Ist nun der Schüler sicher der Elementarlehren des zwei- 
stimmigen Satzes, so wird er hierauf angeleitet nach derselben 
strengen Folge an den dreistimmigen Satz zu gehen, abermals 
von Note gegen Note beginnend, und dann die übrigen vier Arten 
des Contrapunkts, wie vorher im zweistimmigen Satze, einübend, 
indem die hiebei neu vorkonunenden Schwierigkeiten gehoben 
werden. 

Im ganz gleicher Ordnung der Behandlung durch die 5 Arten 
wird beim vierstimmigen Satze vorgegangen, und mit der 
Lehre von der Imitation der allgemeine Theil geschlossen. Fux 
versäumt es nicht, besonders bei dem wichtigen dreistimmigen 



' 



Der Grados ad Parnassam. 157 

»Satze zu vieler Uebnng und Strenge anzuregen^ und erst nachdem 
der Schiller darin seine Sicherheit der Anwendung erprobt hat^ 
wird ihm der strenge Zttgel des Cantns firmns erlassen nnd er 
durch eine knrze Lehre von der Imitation für die Fuge vorbe- 
reitet. Fux bemerkt hier seinem Schüler, er gestehe, der Weg, den 
dieser bisher beschritten habe , sei domig nnd mache schwitzen, 
die Mnsen sollen aber auf einem Berge wohnen , und wer ihnen 
nahen will, muss sich nicht scheuen mühsam zu klettern. 

Aus dem bisher mitgetheilten ist klar zu entnehmen, dass 
eben die methodische Behandlung dieses Theiles den 
Meister verräth durch ihre Einfachheit, Durchsichtigkeit und 
strenge Consequenz, wobei von nicht geringem Belange ist, dass 
bei gehörigem Eifer des Schtüers das Studium keineswegs so 
trocken ist, als es dem Femstehenden erscheinen mag , da in dem 
abgestuften theilweisen Freilassen im Contrapunctum floridum 
der Schüler eine ermuthigende Bückschau auf das bisher erlemte 
zu machen im Stande ist, ganz abgesehen davon, dass damit die 
sicheren Gmndvesten für den künftigen Bau gelegt sind. 

Auch in der nun folgenden Lehre von der F u ge geht Fux 
abermals einen dem früheren analogen Weg, von der zweistim- 
migen zur drei- und vierstimmigen Fuge in den verschiedenen 
Tonarten fortschreitend. Diesen folgt die wichtige Lehre de^ 
doppelten Contrapunktes, zuerst in der Octav mit der un- 
mittelbaren Anwendung auf die Fuge mit Gegensubjecten, in 
gleicher Weise des doppelten Contrapunktes in der Decime und 
Duodecime, immer in sofortiger Anwendung auf die Fuge, zuerst in 
dem strengen diatonischen Genus, dann auch freier im Genus 
mixtum. — Rascher geht es durch die Lehren der Figuren der 
Variation und Anticipation — zur Lehre von den Kirchen- 
tonarten, welche auf sechs reduciert und nur einige Modi trans- 
positi zugelassen werden, alles zur Vermeidung jeder unnöthigen 
Künstelei und mit stäter Rücksicht auf das practische Bedürfhiss ; 
daran schliesst sich die nähere Betrachtung des modernen Genus 
mixtum. 

Nach kurzen Bemerkungen über den Geschmack in der 
Musik geben die verschiedenen Stilarten, besonders des Kirchen- 
stiles und des Stile a cappella Veranlassung, mehrere Ton- 
stücke eigener Komposition als Muster dem Schüler vorzuführen. 



158 Der GradtiB ad Parnassum. 

sie mit ihm zu analysieren, wobei dem Meister im Bewusstsein 
dessen, was er zu leisten vermochte, nicht verwehrt sein darf, 
sich mit Genagtlmung dartlber auszulassen. 

Bemerkungen über das Recitativ machen denSchluss des 
ganzen Werkes. 

Wie viele bedeutende Winke fUr den lernenden und ftar den 
ausübenden Musiker Fux als das Ergebniss vielfacher und tief- 
eingehender Studien noch in dem besonderen Theile über die 
Fuge, den doppelten Contrapunkt und an anderen Orten gegeben 
hat, ist hier nicht näher zu erörtern : der erfahrene Musiker kennt 
sie und der lernende wird sie zu seinem Yortheile benützen. 

Für die Greschichte der Musik ist es gewiss von Interesse, 
auch die äusseren Schicksale eines theoretischen Werkes über 
Musik , an welchem sich wie an einem Canon die Musiker durch 
beinahe anderthalb Jahrhunderte bis auf unsere Tage herange- 
bildet haben, die Art ihrer Verbreitung in den verschiedenen 
Ländern in wenigen durch Thatsaehen festgestellten Umrissen 
zusammenzufassen. 

Die Stellung des Verfassers als erster Kapellmeister am 
kaiserlichen Hofe, der Ruf welcher ihm durch seine Leistungen 
als Lehrer und Componist vorausgieng, die Anzahl bedeutender 
Schüler wie Zelenka, Wagenseil, Muffat, die von ihm ge- 
bildet, wieder als Lehrer auftraten, machen es begreiflieh, dass 
die rasche Verbreitung des Gradus nicht lange auf sich warten 
liess. Schon im folgenden Jahre nach dessen Erscheinen konnte 
der Buchdrucker vanGhelenim Wiener Diarium vom 27. No- 
vember 1726 anzeigen, es seien noch „einige Exemplarien^ 
dieses Werkes bei ihm zu bekommen. Im Jahre 1748 erklärt 
Lorenz Mizler (Mus. Bibl. IL 4. Theilpag. 118) die lateinische 
Ausgabe von Fux' Gradus sei „gar bald durch ganz Europa ver- 
führet worden, so dass es schon einige Jahre her nicht mehr zu 
bekommen gewesen.^ Aehnlieh sagt 1761 der Herausgeber der 
italienischen Uebersetzung von Manfredi, er habe durch die 
Herausgabe der Uebersetzung des Fux besonders den Kapell- 
meistern die enormen Kosten ersparen wollen, welche die An- 
schaffung der lateinischen Ausgabe verursacht, die bereits sehr 
selten geworden sei.^ 



Der Gradns ad Parnassum. 159 

Die gro88.e Nachfrage in den bedeutendsten Musikländern, 
und fttr viele das Bedttrfniss, dieses Werk mit grösserer Bequem- 
lichkeit in der Muttersprache lesen zu können , waren die natttr- 
liehe Veranlassung zu den Uebersetzungen, von denen vier be- 
kannt sind, aus denen allerdings manche bedeutendes zu wünschen 
übrig lassen, so dass man in unseren Tagen in den meisten Fällen 
nach der Originalausgabe greift. Von den Uebersetzungen erschien 
zuerst im Jahre 1742 die in deutscher Sprache von Lorenz 
Mi zier, der freien KUnste Lehrer auf der Academie in Leipzig^; 
ihr folgte im Jahre 1761 die in italienischer Sprache von dem 
Priester und Professor der Musik in Keggio, Alessandro 
Manfredi ,,getreu aus dem Lateinischen übertragen mit dem 
Titel „Salito al Parnasso^ . • • *; die französische Uebertragung 
durch den Sieur Pietro Denis erschien 1773 zu Paris^ als 
Traüd de composiiion ; von ihr weiss F^tis in seinen Biographies 
wenig rühmliches zu sagen. — Ohne Namen des Uebersetzers er- 
schien endlich die englische Uebersetzung mit dem Titel : Fmtx» 
praetical rules for leaming camposition, London 1791^ mit dem 
Zusätze „dieses Buch ist im grössten Ansehen in ganz Italien und 
Deutschland". Diese Uebersetzung ist sehr wenig bekannt. 

Von den in verschiedenen Werken veröflTentlichten Urt hei- 
len über den Gradus sollen nur einzelne, aber grossentheils 
von bedeutenden Männern hier folgen zum Beweise dass die 
TheUnahme und Anerkennung seines Werthes früh eintrat und 
in allen Zeitperioden bis auf unsere Tage sich ungeschwächf er- 
halten hat. 

Die früheste Notiz bringen die ,,Neuen Zeitungen von 
gelehrten Sachen (Leipzig) auf das Jahr 1725, 6. Deoember, 
pag. 935, welche das Erscheinen dieses Werkes mit dem Beisatze 
anzeigen: „Es besteht aus zwei Th eilen und handelt im ersten 
de Musica Theoretica und im zweiten de Musica Practica. Der 
letzte Theil ist sonderlich sehr vollkommen und das Latein nicht 
zu verachten." — Vor dem Jahre 1731 hatte Georg Philipp 
Telemann, ein berühmter, höchst fruchtbarer Componist, (geb. 
14. März 1681 zu Magdeburg) von 1721 bis zu seinem Tode 
(25. Juni 1767) Musikdirector in Hamburg, in dem ,,Catalogue 

1 Beil. IV. 4. «Ebd. «Ebd. * Ebd. 



160 Der GraduB ad P&rnassQm. 

des (Bnvr^g en mnsiqne de Mr. Telemann'^ eine lieber- 
Setzung des Gradns angekündigt. Znr Ansfühmng kam dieses 
Vorhaben zwar nicht, aber man kann daraus den Schlnss ziehen, 
dass dieses Werk schon frühzeitig nach seinem Erscheinen einen 
tüchtigen Musiker zu einer Uebersetzung angeregt hatte ^ 

Lorenz Mizler, der Uebersetzer des Gradus nennt (Mus. 
Bibl. Leipzig 1743, U* Band, pag. 118) diese regelmässige 
Anfbhrung zur musicalischen Composition das beste Buch unter 
allen, so wir von der practischen Musik und derselben Com- 
position zur Zeit haben. — Der wackere Musikdirector des Fürsten 
Thum und Taxis, Josef Riepel (gestorben 12. October 1782), 
bricht in seinen bekannten Anfangsgründen der musicalischen 
Setzkunst 1 752 für den Gradus eine Lanze , indem er voll heili- 
gen Eifers schreibt : „Es gibt ehrenräuberische Gemüther (unter 
den Componisten) die sich schämen, öffentlich zu bekennen, dass 
sie ihr ganzes Einsehen nur derFuxischen manuductio zu 
danken haben" (pag. 77). In den folgenden Theilen der Satzkunst 
beruft er sich in kritischen Fällen immer auf den ,, seligen unsterb- 
lichen Kapellmeister Fux" , über dessen Autorität ihm keine zu 
stehen scheint. — Das von Riepel geforderte Geständniss legt 
P. Georg Pasterwitz*, Professor im Stifte Kremsmünster, ein 

1 In der grossen Generalbassschule (Hamburg 1.731 , p. 172) findet 
J. Mattheson Gelegenheit, wie er diese überall und zu allem findet, eine 
„Ode" einzuschalten gerichtet an Telemann, welcher vorher dem Mattheson 
wegen der Generalbassschule überschwänglichen Lobweihrauch gespendet 
hatte. In dieser „Ode bei Erblick ung der in dem Catalogue des Oeu- 
vres en Musique de Mr. Telemann ehmals angemeldeten Ueber- 
setzung der Fuxischen Graduum ad P ar na ssum" (wahrlich eine 
seltsame Hippokrene) sagt Mattheson, dass er 

„ . . . . mit Ergetzen 

Vernommen, was man hoffen kann 

Vom grossen Telemann. 

Dass er nicht lauter Noten schreibt^ 

Das wird uns nun gelehrt: 

Indem er Theoriam treibt 

Und F u X e n s Arbeit ehrt 

Mit seinem deutschen Wörter-Schatz 

Und reinem Uebersatz'' u. s. w. 

2 Geb. 7. Juni 1730, gest. 26. Jänner 1803. Der citierte Brief ist vom 
26. November 1801 und im Autograph im Wiener Mus.-Ver. 



Der Gradus ad Parnaasum. 161 

gelichteter und kenntnisBreicherComponist streDgen Stiles in einem 
Briefe ab, wo er sagt: „Es glttckte mir, durch meine Musik in 
Kremsmünster erst als Musiker, dann gar als Geistlicher aufge- 
nommen zu werden. -^ Nun (etwa um 1760) gieng's über Fux 
Gradum ad Parnassum her, dem ich alles was ich in der 
Musik verstehe zuerst, weiters aber hernach der Einsicht der Parti- 
turen berühmter Männer zuzuschreiben habe*^. — Von Bedeutung in 
mehrfacher Beziehung ist das Urtheil, welches 1761 ein berühmter 
Italiener über den deutschen Theoretiker und sein Werk ausspricht. 
Es ist Nicolaus Piccinni ^, der berühmte Componist und grosse 
Rivale des grösseren C h r. v o n G 1 u c k in Paris, damals Professore 
di Musica in Beggio, welcher an den Uebersetzer und Herausgeber 
des Gradus P. AI. Manfred! einen Brief* schreibt, aus dem fol- 
gendes entnommen ist: ,,Sie konnten. Hoch würdiger Herr, den 
Freunden der Musik keinen besseren Dienst leisten , als dadurch, 
dass Sie der Oeffentlichkeit die grundgelehrte Abhandlung des 
Fux wiedergaben, welche schon sehr selten geworden war. Dieser 
Mann verdient in jeder Beziehung den Namen des vollendeten 
Schriftetellers. Demi er hat über die Wissenschaft der Harmonie 

mit solcher Schärfe gedacht, dass man iim einen Deutschen, er- 

* 

ftlUt von italienischem Geiste, nennen kann Es war ein 

glücklicher Griff von ihm, seinen Gegenstand in Form von Dia- 
logen zu behandeln, in welchen ma^ mit Behagen einen Ani'änger 
gewahrt, welcher Schritt für Schritt in die Kenntniss der Harmonie 
eindringt und gleichsam ohne es selbst zu merken aus der Schule 
als Meister hervorgeht. Aber warum soll ich lange um Lobes- 
erhebungen über Fux herumsuchen? Ich habe ja an mir selbst die 
Erfahrung der Trefflichkeit seines Werkes gemacht, als mir das 
Studium desselben von dem berülimten Professor Dur ante warm 
empfohlen wurde, der schon in Neapel meiil Musiklehrer war, und 
ich fühle mich vielleicht gedrängt jenem Schriftsteller zu sagen, 
wie Horaz der Muse sagt : Si placeo tuum est. Daher sollen die 
Jünglinge , die in Italien geboren der Kunst der Harmonie sich 
widmen, nie müde werden, immer von neuem Fux zu studieren, 



• 1 Nicoiao Piccinni (nicht Piccini, wie er gewöhnlich geschrieben wird) 
geb. 1728 zu Bari, gest. zu Paris 7. Mai 1800. (Gerber.) 
^ Im Salito al Parnasso abgedruckt. 

Kbcktly J. J. Fax. 11 



162 Der Gradua ad Parnassum. 

und sich nach seinen Lehrsätzen zu üben. Wenn sie an der 
Schwelle der Professoren angelangt sind, wird ihnen die grösste 
Befriedigung gewähren das treffliche Werk, welches der tief- 
gelehrte P. Martini^ zum grossen Buhihe Italiens endlich zum 
Abschlüss gebracht hat^. — Das nicht, minder bedeutende Urtheil 
dieses weltberühmten P. Martini über Fux bringt der bekannte 
Abt Vogler (Choralsystem. 1800). Nachdem dieser unstäte 
Geist, welcher in dem Wahne lebte in der Musik alles neu erfinden 
und aufbauen «u müssen, den Gradus eben so geringschätzig als 
oberflächlich bekrittelt hatte, erzählt er (pag. 6): „Carl Theodor, 
Kurftlrst von der Pfalz schickte mich (1773) von Mannheim aus 
zu Pater Martini, der als Historiker, als Menschenfreund und 
Meister so vieler Meister in der Practik berühmt war. Mit einer 
schüchternen Verehrung, die mir sein Name eingeflösst, kam ieh 
nach Bologna und näherte mich ihm. Aber welche plötzliche Aen- 
derung gieng bei mir vor, da er mir gutmüthig sagte : wir haben 
kein anderes als das FuxischeSystem?" — Ein anderer gründ- 
licher italienischer Theoretiker Fr. Giuseppe Paolucci führt 
in seiner Arie pratica 4i amtrappufäo , dimostrata con esempj di 
varj autori 1765—1772, im HI. TJjeile, pag. 3 — 14 als Muster 
die Fuge aus Fux gradus , Exerc. V. Lect. 5 an. Nachdem er die 
Fuge in allen ihren Theilen mit Anerkennung durchgegangen, 
schliesst er: „Das ist die Methode eine kurze Fuge zu machen, 
in welcher die Einheit des Subjects bewahrt wird; aus dieser 
kann der Lernende so viel herausnehmen, als ihm genügen mag.^ 
— Es wäre nicht schwer, aber vielleicht zu ermüdend, die Citate 
tüchtiger Männer zu vermehren, welche von Fux und seinem 
Gradus mit Bewunderung ja Begeisterung sprechen, dessen Werk 
in den Händen jedes Musikers sein müsse: man darf nur an des 
Abtes Martin Gerbert de Cantu et Musica sacra 1768 — 1774, 
an den klaren, besonnenen Kapellmeister in Kopenhagen Joh. 
Adolf Scheibe in seinem Werke über die Compositionslehre 
(1773) erinnert zu werden, um aus diesen allein einen Panegy- 
ricus des Gradus zusammenzustellen. Allein es. bedarf eines 

1 Padre Giambattista Martini, Franciscaner und Kapellmeister 
in der Klosterkirche in Bologna, geb. 1706, gest. 1784. Das berühmte Werk, 
auf welches Piccinni anspielt , ist : Sag'gio fondamentale pratico di Cmitra- 
punto, 1774—1775. 



' 



Der Gradus ad Pamassum. 163 

solchen nicht. Ein Werk das der scharfzersetzenden Zeit durch 
weit mehr als ein Jahrhundert zu trotzen yermochte, mit welchem 
dieBrüder Josef und Michael Haydn, mit welchem Mozart'; 
unerwähnt der nicht zu zählenden Dii m^jorum et minorum gen- 
tium, ihrem Genie den weise beschränkenden Zügel angelegt 
haben, trägt in sich selbst das Criterium seines unvergänglichen 
Werthea. — Ungeachtet Job. Phil. Kirn berger in seiner 
kleinen Schrift „Gedanken ttber die verschiedenen Lehrarten in 
der Composition^ (Berlin 1782) sagt, dass zwar die Musik dem 
Berardi, Bononcini und Fux die reinsten Lehren zu verdanken 
habe, dieselben aber ttbertrieben streng seien, folgten doch spä- 
tere bedeutende Theoretiker, darunter Job. Georg Albrecht s- 
b e r g e r (Domkapellmeister zu St. Stephan in Wien) in seiner 
Anweisung zur Composition (1790) durchaus, und der hochbe- 
rtthmte M. L. Cherubini in seinem Cours de Conirepoini et de 
fugue (1835) in der Lehre des Contrapunkts der Methode des 
Gradus. 

Eine neueste Stimme von grossem Gewichte ttber den Werth 
der Methode des Gradus ist jene des eben so grttndlich in der 
strengen Schule gebildeten als gelehrten Lehrers Heinrich 
Bellermann in Berlin. Sein treffliches Werk: „Der Contrapunct 
oder Anleitung zur Stimmführung in der musicalischen Compo- 
sition^ (Berlin 1862) hat er seinem Lehrer dem Professor 
August Eduard Grell zugeeignet und sagt in der Widmung: 
„Wenn ich in diesem Buche der von Ihnen als allein richtig er- 
kannten und empfohlenen Methode des JosephFux gefolgt bin, 
80 werden Sie darin das Streben erkennen, Ihren mir einge- 
prägten Grundsätzen treu zu bleiben." Nachdem in der Vorrede 
(pag. X.) darauf hingewiesen ist, dass die Musiker der Gegen- 
wart „nach einem eben so fliessenden Gesang der einzelnen 
Stimmen wie die Alten streben sollen'' und damit die Wichtigkeit 
der Stinmiftihrung, welche schon der Titel des Buches als Haupt- 
ziel hervorhebt, betont wird, heisst es im weiteren Verfolge: 
pWie hätten unsere grossen Meister, wie hätten Bach, Händel, 

1 Das im Mozarteum in Salzburg aufbewahrte Heft: Uebungen des 
jungen W. A. Mozart im Contrapunkt, hat die als Cantus firmus gewähl- 
ten Choralmelodien aus Fux' gradus ad Parnassum. — 0. Jahn, Mozart. 
Neue Aufl. I. 49. 

11* 



164 Der Gradus ad Parnassum. 

M z art Q. a. in oft nnglanblich kurzer Zeit ihre grössten Meister- 
werke herstellen können, wenn sie . nicht die Stimmführung be- 
herseht hätten? Und gerade bei den schwierigen Formen in 
grossen und ausgeführten und fugierten Chören ist alles wie aus 
einem Gusse hingeworfen, und klingt, als verstände sich das 
folgende von selbst und ist dennoch in jedem Augenblicke unter- 
haltend und neu.^ Es ist schwer bei diesen goldenen Worten 
an andere nicht genannte fibrigens grosse Meister der neueren 
Zeit zu denken, welche wohl das Gefühl der Nothwendigkeit 
einer strengen Schule — leider zu spät — empfanden, als das Ver- 
säumte nicht mehr einzuholen war. Bellermann hat in seinem 
höchstverdienstlichen Werke „in der Anordnung fast ganz dem 
zweiten TheUe des Fuxischen Werkes sich angeschlossen upd 
fast alle seine Beispiele herttbergenommen.^ So ehrt ein würdiger 
Mann das fremde wahre Verdienst, indem er dem Reize, neues 
zu bringen, wo er das alte für gut erkennt, widersteht und in 
dieser Selbstverläugnung eigenen Ruhmes ein edleres Streben für 
die Wissenschaft an den Tag legt. 



XI. 

CoBJIiet mit Principe Pio — Die Cicilien-Concregation — Chronik 

(1725—1728) — Fanstina in Wien. 

In demselben Jahre 1725, in welchem Fux durch die Heraus- 
gabe des Gradus ein besonderes Zeichen kaiserlicher Huld zu 
Theil wurde, sollte dem alten, gichtleidenden Manne eine schwere 
Kränkung bereitet werden, welche ein Erlass des Cavalier Diret- 
tore di musica Principe Pio verursacht hatte. 

Der Principe Luigi Antonio Pio di Carpi, mit dem Prädi- 
cate di Savoia* hatte im spanischen Successionskriege zwischen 
dem Hause Oesterreich und Bourbon die kaiserliche Partei er- 
griffen, während sein Bruder Franz auf der entgegengesetzten 
Seite' kämpfte, wie diess in den Kriegen in Italien öfter der Fall 
war. LuigiAntonio diente mit Auszeichnung unter den Truppen 
Karl in. von Spanien, des nachmaligen Kaisers Karl VI. Als 
es diesem gelang, die Franzosen aus Italien zu vertreiben , wollte 
derselbe 1709 aus Grossmuth ihm die Lehen überlassen, welche in 
Italien dem erstgebomen Bruder waren confisciert worden . Luigi 
Antonio wurde 1710 Commandant des Regiments Lucini, dann 
Kammerherr und 1716 General-Feldwachtmeister. 1721 wurde er 
Cavalier direttore di musica Karl VI. und blieb es, bis er 
1732 zum Gesandten in Venedig ernannt wurde. — Apostolo 
Zeno nnd Metastasio wiederholen, dass er dem Kaiser sehr 
ergeben gewesen und bei demselben in hoher Gunst gestan- 
den sei. Diess liess sich bei seinen mannig&chen geselligen 
Talenten , darunter auch in der Musik kaum anders erwarten und 
diesen Eigenschaften hatte er zugleich die Ernennung zum 

1 Pio ist daher' der Familienname, nicht der Tauf name Pius, wie 
hie and da irrig geglaubt wird. Der Principe Luigi Antonio Pio entaagte 
1743 allen Aemtern und zog sich «nach Padua zurück, wo er am 18. März 
1756 starb. — Lüta, famil, celebre itai. fasc, XIL Milano 1824. 



166 Conflict mit Principe Pi o. 

Cavalier Direttore der Hofmusik zu danken , ein Hofamt , worin 
die Leitung der damals so beliebten italienischen Oper verbun- 
den war. Da durch dieses Amt der frühere Wirkungskreis der 
Hofkapellmeister, als der Chefs der gesanmiten Hofinusik (Capi 
di musica) beschränkt Wurde, so Hess sich begreifen, dass es an 
Competenzstreitigkeiten und anderen Conflicten zwischen den 
beiden Musikmächten nicht fehlte, wie diess in den Referaten des 
Obersthofineister- Amtes öfter betont wurde. 

Nun geschah es , dass Fux im guten Glauben , innerhalb der 
ihm zustehenden Disciplinargewalt als Hofkapellmeister zu han- 
deln , dem kaiserlichen Organisten Georg Reinhardt — ohne vor- 
ausgegangene Anzeige — erlaubte, auf einige Tage nach Prag zu 
reisen um dort bei dem heil. Johann von Nepomuk seine Andacht 
zu verrichten. 

Kaum war dieser wieder nach Wien zurückgekehrt, so er- 
hielt er von dem Principe Pio wegen dieser Entfernung einen sehr 
strengen Verweis, und Fux folgende empfindliche Note': „Der 
Principe Pio begrüsst mit Achtung den Herrn Kapellmeister Joh. 
Jos. Fux und gibt ihm bekannt, dass der durchlauchtigste Kaiser 
befiehlt, dass von jetzt für die Zukunft kein Angestellter der 
kais. Musik sich von den kaiserlichen Diensten entfernen dürfe 
ohne Vörwissen des hier Schreibenden, welcher als Chef der 
Musik (Capo della Musica) Kechenschaft geben muss dem 
AUergnädigsten Herrn von seinen Untergebenen, da ihm (dem 
Principe Pio) niemals das Recht zugestanden wurde, irgend 
jemand die Erlaubniss zu geben , auswärts über Nacht zu bleiben 
ohne vorausgegangene Kenntniss und. Genehmigung Sr. Majestät, 
dessen Befehle hier nachgekommen wird.^ 

Fux fühlte sich hierdurch sowohl für seine Person als auch 
in seinen Rechten als Hofkapellmeister schwer verletzt und 
wendet sich um Aufklärung und Abhilfe an den Obersthofineister 
Graf Sigmund Sinzenstorfin einer Beschwerdeschrift, welche 
der Ausdruck des Unmuths über diese und mehrere vorausgegan- 
gene Kränkungen ist*. Er sagt darin: „Obwohl ich Eure Excel- 
lenz ungern mit Klagen behellige und mich ungehindert ver- 
schiedener hierzu gehabten beweglichen Ursachen bisher ent- 

1 Beil. II. 23, vom 30. Oct. 1725. 2 Beil. II. 23. 



Conflict mit Principe P i o. 167 

schlagen habe, so kann ich jedoch , nachdem mir immer gröSBere 
Beeinträchtigung zngefUgt wird, nicht länger an Inich halten, und 
Denenselben dasjenige womit ich mich beschwert fühle , gehor- 
samst vorzustellen. . . . Von der Zeit an^ dass des Herrn Prin- 
cipe Pio Excellenz die Carica als Protector der kais. Musik ange- 
treten haben, war aus dem von Derselben öftermalen gethanen Ver- 
such und allerhand Eingriffen, die ich mit Stillschweigen übergehe, 
sattsam abzunehmen, dass Ihre Absicht dahin gerichtet sei, den 
Kapellmeister zu unterdrücken, und dessen von verschiedenen 
kais. Majestäten befestigte und in ruhigem Besitz hergebrachte 
Gerechtigkeiten über den Haufen zu werfen ; wie denn Herr Prin- 
cipe Pio Excellenz mit der Ihnen zuständigen Protection und Be- 
sorgung des kaiserlichen Theaters nicht zufrieden, auch die 
Direction der vöUigen (gesammten) Musik , die von Niemand als 
einem in arte perito der Gebühr nach versehen werden kann, 
wider den Gebrauch an sich zu ziehen trachten und laut hier an- 
verwahrter Abschrift eines mir jttngsthin zugeschickten Billets ^ 
Sich als ein Capo der ganzen kaiserlichen Musik be- 
nennen, wohingegen in der von Ihro kais. Majestät Leopoldo 
herabgegebenen und von der jetzt regierenden kais. Majestät auf 
meine einst geschehene unterthänigste Anfrage allergnädigst gut- 
geheissene Instruction artic. 13' die Kapellmeister flir Capi 
der Musik erklärt sind, welcher ihnen zugeeigneter Character 
um so mehr bekräftigt wird, als die Kapellmeister der gesammten 
Musik vorgestellt worden und der erstere beeidigt ist: in dem 
ganzen Inhalt der besagten Instruction von dem jeweiligen als 
Protector der Musik angestellten Cavaliere keine Meldung ge- 
macht ist". (Nun folgt die Auseinandersetzung des Falles mit 

1 Des obigen Erlasses. 

^ Der Artikel 13 dieser Instruction (Beil. II. 24) lautet in der 
Uebersetzung „dass sie (die Hofmusiker) unter sich eine gute aufrichtige 
Herzlichkeit und Eintracht pflegen, indem sie einander wechselseitig die 
gebührende Achtung bezeigen, so wie das gleiche erweisen gegen den Ka- 
pellmeister und Vicekapellmeister als ihre von mir eingesetzten Chefs 
(Capi), und sollte jcftaals eine Verstimmung oder Unzufriedenheit zwischen 
ihnen und dem Kapellmeister oder Vicekapellmeister entstehen, so hat der- 
jenige der sich beschwert findet, sich an meinen Oberstho&ieister zu wen- 
den, welcher als ihre Obrigkeit die volle Macht haben wird, die Differenzen 
beizulegen und jedem Recht zuzuerkennen. 



168 • Conflict mit Principe Pio. 

Reinhardt) und Fnx fährt dann fort: „dasB der Prinz den 
Organisten desöwegen mit Arrest bedroht habe, nicht zwar aas 
Eifer fllr die kais. Dienste, die durch solche Abwesenheit , indem 
ein Ueberfluss an Organisten dermalen vorhanden ist, nicht ge- 
litten, sondern allein um den Kapellmeister hierdurch zu kränken, 
als ob derselbe derlei Erlaubniss zu ertheilen nicht befugt wäre ; 
da do4h nicht allein ich als dreissigj|lhriger Diener, sondern auch 
noch altere Musici bezeugen mögen,,.jäas8 der Kapellmeister oder 
in Abgang dessen der Yice-Kapellmeister einem Musiker auf eine 
kurze Zeit zu verreisen, hat erlauben können, als welchem am 
besten die Zeit und Gelegenheit bekannt ist, wie und wann 
solches ohne Nachtheil der kais. Dienste sich thun lasse. Ohne 
Zweifel auch aus dieser Ursache, damit Ihro kais. Majestät mit 
dergleichen Kleinigkeiten nicht beunruhigt werden und auf dass 
derjenige, so die Musiker zur Schuldigkeit anhalten muss , ih|]ien 
auch eine Ergötzlichkeit zu gestatten bevollmächtigt sei. Es 
möchte vielleicht eingewendet werden, alle derlei Eingriflfe ge- 
schehen darum , weil der Kapellmeister nicht jederzeit im Stande 
sei, dem Dienst vorzustehen, welches ich zwar bekenne, und 
höchst bedaure, zu diesem Ziel und Ende aber und dessen Stelle 
zu vertreten ist der Vice-Kapellmeister, ein Mann von grosser virtü 
und Capacität angestellet. Bei dieser Bewandtniss der Sache ge- 
langt an Eure Excellenz mein gehorsamst angelegenstes Bitten, 
Dieselbe geruhe den bedrückten Kapellmeister in Schutz zu 

r 

nehmen, und bei Sr. Majestät dahin zu wirken, dass die Kapell- 
meister bei ihren alten zur Besorgung des kaiserlichen Dienstes 
so nothwendigen Gerechtigkeiten erhalten werden, und ich meines 
Orts von den mir nachkommenden den üblen Nachklang, dass 
unter meinem Magisterio ein oder anderes abgebracht worden 
nicht zu befahren habe. Sollte aber Sr. kaiserl. Majestät aller- 
gnädigster Befehl und Wille sein, dass diese umgekehrte Admini- 
stration Fortgang habe, so unterwerfe ich mich in Demuth dieser 
allergnädigsten Verordnung und muss gedenken , dass , weil ich 
etwa meiner Vorfahren Fähigkeit nicht besitze, die ihnen ertheil- 
ten Prärogative zu gemessen unwürdig sei, obwohl ich an Eifer 
keinem nachgegeben zu haben erachte. In diesem schmerzlichen 
Falle bäthe ich Se. kais. Majestät allergnädigst zu entscheiden, 
was fUr Gerechtigkeiten dem Kapellmeister eigentlich zustehen 






Die Cäcilien-Bruderschaft. 169 

und eingeräun^t bleiben würden, anf dass ich mich hiernach richten 
könne and in meinem ohnehin betrübten Zn8ta,nde nicht eiye 
Mortification über die andere leiden müsste, sondern die noch 
übrigen wenigen Tage in gewünschter Ruhe beschliessen möge^. 
• lieber diese Beschwerdeschrift erfolgte keine schriftliche Er- 
ledigung , und da nach diesem Vorfalle der Principe Pio noch 
durch sieben y Fux durch ftlnfzehn Jahre in ihren Stellungen 
blieben, wie bisher, so wird dieser Zwischenfall wahrscheinlich in 
begütigender Weise mündlich beigelegt worden sein. Die Be- 
schwerdeschrift zeigt aber, dass der alte würdige Kapellmeister 
in seinem Amte keine Einsprache auch von sehr hochgestellten 
und einflussreichen Persönlichkeiten duldete und seine Sache mit 
Gewandtheit und. Festigkeit zu vertreten wusste. 



Neben den zahlreichen Vereinen, welche unter Kaiser Leo- 
pold I. und seinen beiden Reichsnachfolgem in Wien florierten 
und ausser religiösen Uebungen auch verschiedenartige humani- 
täre oder ähhliche weltliche Ziele sich setzten, und Bruder- 
schaften hiessen, wurde im Jahre 1725 eine neue, die Cäci- 
lien-Brudei^schaft, begründet, welche auch die Bruder- 
schaft der Tonkünstler unter dem Schutze der heili- 
gen Cäcilia bei St. Stephan genannt wurde. ,,Diese Bruder- 
schaft wurde zum Lobe Gottes und zu Ehren seiner Heiligen, 
besonders zu Ehren der heil. Cäcilia, der Patronin der Tonkunst, 
und zum Nutzen der Seelen errichtet. Weil aber die Urheber da- 
.von andächtige Tonkünstler waren und sie diese Bruderschaft 
verwalteten, wurde sie die musicalische Congregation ge- 
nannt. Das Hauptfest feierten sie an dem Cäcilientage, daher man 
sowohl am Vorabende in der Vesper, als an dem Festtage selbst 
bei dem Hoch%mte und der zweiten Vesper dies vortrefflichste 
Musik hörte *. Den Tag darauf wurden nebst vielen heil. Messen 
für die todten und lebenden Mitglieder die Exequien für alle ver- 
storbenen Brüder und Schwestern gehalten. Die Kosten bestritten 
sie von den Beiträgen die theils jährlich, theils bei der Einverlei- 
bung gemacht wurden". Mit dieser Characterisierung in Ogesser's 

1 Von Compositionen des Fux wurde nach den Aufzeichnungen Dixi t 
Dominus (Beil. X. 75) an drei Cäcilientagen, NisiDominus (Eb. 107) 
an sieben solchen Tagen gemacht. 



170 Die Cäcilien-Bniderechaft. 

Beschreibung der Metropolitankirche zu St. Stephan in Wien * 
8t;}mmen im wesentlichen auch die Statuten dieser Bruderschaft ^ 
Nur geht aus diesen noch weiter hervor, dass die Congregation 
sich des Schutzes des Kaisers zu erfreuen hatte und aus den 
Kapeil- und Vice-Kapellmeistem der kais. Kapelle, den Compo- 
«itoren, Yocalisten und Instrumental-Musicis eben so auch aus 
andern Zugethanen und Liebhabern der Musik bestand. Ausser 
den bereits erwähnten religiösen Uebungen, denen die Mitglieder 
beizuwohnen hatten, waren auch zwei Krankenbesucher, ein 
Priester und ein Weltlicher bestimmt , die Kranken der Congre- 
gation zu besuchen, sie mit christlicher Liebe zu trösten, und falls 
sie den Kranken in einem bedürftigen Stande fanden , der Con- 
gregation die Anzeige zu machen und Vorbitter, zu einer christ- 
lichen Hilfeleistung zu sein. 

Die Congregation zählte 1725 ausser dem Präsidenten (dem 
Prinzen Pio von Savoyen, der Cavaglier Direttore der Hof- 
musik war) folgende Functionäre : 

L Beständige Officianten. 

Ein geistlicher Präses der fUr ordentliche Verrichtung 
der geistlichen Functionen zu sorgen hat. Kein Name genannt. 

Zwei Decane: Joh. Jos. Fux, Kapelhneister, Antonio 
Caldara, Vice-Kapellmeister. 

Ein Schatzmeister (der die Kasse verwahrt): Graetano 
Orsini. 

Ein Secretarius (der die Einverleibungen vominmit und 
dartlber Buch führt): Sebastian Zeitlinger; 

IL Officianten, so alle zwei Jahre verändert werden. 

Sechs Käthe: Franc. Conti, Gius. Porsil^, Giov. Anton. 
Piani, Joh. Georg Beinhard, Friedr. Götzinger, Jakob 
Hoffer. 

1 1779. p. 293. 

^ Articalen und Puncten, oder sogenannte Statuta der musicalischen 
Congregation , welche unter glorreichem Schutz der röm. kais. und königl. 
spanischen Catholischen Majestät Caroli des VI. anno 1725 allhier in Wien 
aufgerichtet worden. Wien, J. Pet. van Ghelen. '— Ed. Hanslik, Ge- 
schichte des Concertwesens in Wien. 8. Wien. I. 11 ff. 



Die Cäcilien-Bruderschaft. 171 

Zwei Rechnungs-Reyisores: Franc. Borrosini, Kilian 
Reinhard. 

Ein Oeeonomns: Christoph Prann. 

Zwei Collectores: Pietro Cassati, Amadens Mnffat. 

Zwei Festarnoli (Veranstalter der Fest-Begängnisse): 
Domenico Genovesi, Franz Reinhard. 

Zwei Friedens-Conseryatores (welche die Misver- 
ständnisse oder Uneinigkeiten beilegen): Oaetane Borghi, Georg 
Hintereder. 

Zwei Krankenbesucher: Johann Vincenti, Christian 
Payer*. 

Ein Pideil. 

Die Statuten bestimmten femer, „dass bei allen dnplierten 
Aemtem als : Räthen, Collectoren, Krankenbesuchern, Festaruolea 
und Friedensconservatoren die Hälfte von Deutschen die andere 
Hälfte von Ausländern sein soll^. So schwer fiel damals das 
Uebergewicht der Italiener in die Wagschale. Drei nachträgliche 
Capitel vom Jahre 1726 gestatteten, dass auch Damen gegen 
dieselben Bedingungen Mitglieder werden dürfen, doch sind 
„unter dem Titel und Namen der Damen nur diejenigen begriffen, 
80 den Zutritt bei dem kaiserl. Hofe haben". Daraus geht herror, 
dass, während die verwandte Bruderschaft der Musiker unter dem 
Schutze des heil. Niclas in der St. Michaels-Pfarrkirche die 
musicalische Zunft repräsentierten, der Cäcilienverein dagegen 
die modernere, freiere und vornehmere Congregation war. 

£d. Hanslick (a. a. 0.) bemerkt mit Recht, dass von der 
Cäcüien-Bruderschaft ein historischer Faden zur späteren „Ton- 
kttnstler-Societät" hinttberziehe, und diese wurde nach Aufhebung 
aller Bruderschaften durch Kaiser Josef H. (30. Juni 1783) nicht 
blos culturhistorisch sondern auch thatsäehlich im civürecht- 
liehen Sinne Erbe der alten Musik-Congregation, da ihr Fonds im 
Betrage von 7450 fl. der Tonkttnstler-Societät über deren An- 
suchen eingeantwortet wurde. 

In diese Zeit fällt auch ein bedeutendes musicalisches Er- 
eigniss: die gefeierte Faustina wurde ftlr einige Gastrollen in 
Wien engagiert. 

1 Ausser den Geistlichen waren sämmtliche Functionftre kais. Hof- 
musiker. 



172 ' FauBtina in Wien. 

FaustinaBordoni-HaBse; eine Sängerin ersten Ranges, 
geboren 1700 in Venedig, war der edlen Familie der Bordoni 
entsprossen. Mit der sehönsten Sopranstimme begabt und einer 
glühenden Seele wurde sie von dem trefflichen Meister Michel 
Angelo Gasparini gebildet, und eiitzückte schon bei ihrem 
ersten Auftreten im Jahre 1716. In allen Städten, wo sie sich 
hören liess, erregte sie Enthusiasmus: man nannte sie die neue 
Sirene, in Florenz wurde eine Medaille auf sie geprägt. Im Jahre 
1724 wurde sie in Wien mit 12.500 fl. engagiert und blieb dort 
bis im März 1726^, wo siei einem Rufe nach England folgte. In 
Wien trat sie im Jahre 1725 im August in Caldara's Oper 
Semiramide in Ascalone^ im Part der Semiramide, dann im No- 
vember in desselben Oper Venceslao^ im Part der Lucinda, in 
Ginnone plaeata von Fux* als Juno, endlich vor ihrer Abreise 
im Februar 1726 in Porsile's Oper Spartaco^ im Part der Buffa 
graziosa der Gianisbe' auf. — In England rivalisierte sie hierauf 
mit der berühmten Cuzzoni, was zu ärgerlichen Auftritten Ver- 
anlassung gab; Ende 1728 verliess sie England, vermählte sich 
in Venedig mit dem Kapellmeister Hassß, mit dem sie 1731 
einem glänzenden Rufe nach Dresden folgte und verliess die 
Buhne im Jahre 1753. Sie lebte noch 1772. Ihr Gesangsvortrag 
characterisierte sich nach Quantz^, der sie 1727 in London hörte, 
im Vortrag schwieriger Passagen bei ^össter Deutlichkeit und 
dem feinsten Geschmack in Verzierungen und einem tadellosen 
Triller. In Wien wurde sie nicht nur vom Hofe ausgezeichnet, 
sondern auch in Gesellschaften des höchstefa Adels bei dem 
Fürsten Lichtenstein, beim französischen Botschafter u. a. aufge- 
fordert, durch ihre Kunst die Geselligkeit zu beleben und zugleich, 
wie Apostolo Zeno* bemerkt, reichlich dafür gelohnt zu 
werden, „wie sie es auch verdiente durch ihre artigen und feinen 
Manieren, durch welche sie nicht minder, als durch ihren edlen 
Gesang sich die Zuneigung und Achtung des ganzen Hofes ge- 
wonnen hatte". 

1726. P. Pariati hatte abennals zwei Libretti für den Com- 
ponisten Fux zurecht gemacht: das Oratorium // Testamento di 

1 Ap. Zeno, lettere. IV. 66. « Beil. VIU. 614. 3 Eb. 617. * Eb. 
618. ö Eb. 625. cinMarpurg, Beiträge. I. 240. ' Lettere. IV. 66. 



Chronik (1726—1728). 



173 



nostro Signore sul Calvario^ und die Festa teatrale per musica 
La C&rona iTArianna*, Ueber die DarBtellnng der letzten in der 
Favorita sagt das Wiener Diarium ^om 28. August, dass, ^diese' 
Opera bei den kaiserlichen Majestäten AUergnädigstes Wohlge- 
fallen , und bei dem ganzen Hofstaat und Adel ein allgemeines 
Lob gefunden^, habe. 

1727. Am 8. April wurde das Orätori|^m // Tesiamefito di N, S, 
vom vorhergegangenen Jahre wiederholt. — In einem Gutachten 
vom 15. November klagt Fux, dass der Componist Fr. Conti in 
gänzliche Unvermögenheit (zu componieren) verfallen sei , wahr- 
scheinlich durch Krankheit In der That. ist der wackere, thätige 
Kttnstler von 1727 bis 1731 ganz aus dem Repertoire verschwun- 
den und lässt nur im Jahre 1 732 mit einem Oratorium (703) und 
einer Oper (691) sich vernehmen um bald nachher im selben 
Jahre Air immer zu verstummen. — Fux klagt auch in demselben 
Gutachten ttber sich selbst, dass er wegen hohen Alters und 
Kränklichkeit wenig mehr vermöge. Dessungeachtet componierte 
er im Jahre 1 728 das bedeutende Oratorium La Deposizione di 
Gesü Crisio^f allerdings auch das letzte seiner Oratorien, die wir 
hier im Zusammenhange näher betrachten wollen. 



1 Beil. VIU. 635.. « Eb. 626. 3 X'. 300. 



XII. 

Die Oratorien Ton Fax ^714—1728) — Chronik (1729—1780) — Die 
Oper Elisa — Die Opemdichter P. Metastasio (1780—1740) und Clau- 
dio Pasquini (1788—1742). 

Die Oratorien hatten am kaiserlichen Hofe die Bestim- 
mnngy in der Hofkapelle während der Fastenzeit je eines in jeder 
Woche gesangen za werden. Es kamen daher nach der wechseln- 
den Länge der Fastenperiode vier, fünf auch sechs Oratorien 
jährlich zum Vortrage. Sie inraren nach der Sitte am österreichi- 
schen Hofe im XVU. und Anfangs des XVIE. Jahrhunderts in 
italienischer Sprache verfasst und hiessen Oratorio^Azione 
Sacra, Istoria sacraund diejenigen, welche fbr den Charfrei- 
tag bestimmt waren Sepolcro (Grabmusik). Die Textstoffe wur- 
den aus dem alten und neuen Testamente genommen, auch aus den 
Legenden einiger Heiligen, nicht selten waren es allegorische 
Personen (Personificationen) wie der Glaube, die göttliche Liebe, 
die Gnade u. dgl., welche im Kampfe mit weltlichen Leidenschaf- 
ten zuletzt den Sieg ttber bussfertige Sünder davontragen, durch- 
aus ohne alle Beziehung zur Kirchengeschichte, blos Allegorien 
mit religiösen Betrachtungen. 

Die Verfasser der Texte zu den Oratorien waren ge- 
wöhnlich dieselben mit jenen der Opemtexte. Für die zehn Ora- 
torien-Compositionen von Fux war am meisten PietroPariati 
thätig; Ton ihm sind die Texte zu den Oratorien 291, 292, 296, 
297, 298, 299 des Verzeichnisses^, für einzelne auch Bernar- 
dino Maddali (294) und Claudio Pasquino (300), von zwei 
Textbüchern (293, 295) ist der Verfasser nicht genannt. Im 
ganzen können die Texte entsprechend genannt werden, da die 
Aufgabe fbr das Oratorium im wesentlichen mit jener der Oper 
zusammenfiel und die Verfasser nur auf eine kürzere Fassung, 

^ Hier ist immer Beilage X gemeint. 



Fux, Omtorien. 175 

hinlängliche Contraste der Affecte nnd Wechsel der Musikstücke 
bedacht sein mussten. Am besten gelang es bei den Sto£Fen; 
die an Geschichtliches der Bibel oder Heiligenlegenden sich an- 
schlössen, weniger konnten die zu häufig eingemischten Betrach- 
tungen^ am wenigsten wesenlose Personificationen den Componi- 
sten zu einem höheren Schwünge anregen. Aus dem alten Testa- 
mente entnommen componierte Fux die Texte zu La Fede sacräega 
(291), La Donna forte (292) und II Diafacimenio dt Siaara (293) ; 
Episoden aus der Passion, die bei dem Sepolcro vorgetragen 
wurden, behandelten Criato nelV orio (296), Gesu Cristo negnio 
da Pietro (297), La Cena del Signore (298), II Teatamento dt No- 
atro Signare (299) und La Depoaixume della croce (300), auch die 
blos betrachtenden ohne irgend einen historischen Untergrund // 
Fanie della aaluie (293) und // Trionfo della fede (294) wurden 
geeignet geftiuden, als Musik des heiligen Grabes am Charfreitage 
gesungen zu werden. 

Die Oratorien waren mit keiner liturgischen Kirchenfunction 
verbunden und hatten nur den Zweck der Erbauung und Andacht 
durch Vorführung kirchlicher Begebenheiten oder religiöser Be- 
trachtungen. Im allgemeinen war die musicalische Auffas- 
sung dieser Oratorien dem Dramatischen bei weitem näher als 
dem Kirchliehen, und das Oratorium unterschied sich von der 
Oper hauptsächlich nur darin , dass die Handlung im Oratorium, 
nieht wie bei der Oper zugleich für den Zuschauer auf einer Btthne 
dargestellt wurde, sondern durch die Musik allein auf die Zuhörer 
wirkte. Im Oratorium kamen, wie in der Oper, bestimmt bezeich- 
nete und benannte Personen , Affecte mit mehr oder minder be- 
deutenden Conflicten, Verwicklungen und Lösungen durch die 
handelnden Personen oder durch höhere Mächte vor, ausserdem 
ein Chor, welcher bei den Handlungen der Einzelnen die Em- 
pfindungen der Mehrzahl betrachtend ausspricht. Die Musik hatte 
daher im Oratorium zugleich die Bestimmung, den Entgang einer 
vor den Augen des Zuschauers — oft mit vielem Gepränge — 
vorgeführten Handlung zu ersetzen, und darin eher eine schwie- 
rigere Aufgabe als die Oper, wo der Antheil des Auges nicht 
selten jenen des Ohres überwog. Da femer bei den Oratorien durch 
die Musik nicht nur das Gefallen an dem Gehörten sondern auch 
eine sittliche Erhebung des Gemttthes erzielt werden soljite, so 



176 Fux, Oratorien. 

konnte der Componist des Oratoriums die Forderung an seine 
Kunst im Oratorium nicht leicht zu hoch stellen. 

Der äusseren Einrichtung nach bestand das Oratorium ge- 
wöhnlich aus zwei Abtheilungen ^ welche mehr wegen der Ruhe- 
punkte für die Sänger und Zuhörer gemacht wurden, als aus 
innerer Kothwendigkeit her\'orgiengen. Innerhalb dieses Rahmens 
lösten sich die Sologesänge, Recitative und Chöre in passender 
Abwechslung mit Instrumentalsätzen ab. Wenn der Gesang auch 
im Oratorium die Hauptsache war, so hatten die Instrumente 
zugleich eine nicht viel minder bedeutende Aufgabe. Sie hatten 
das Oratorium mit einer, oft weiter ausgeführten Introduction ein- 
zuleiten, die Gesänge mit Ritornellen und Zwischenspielen zu be- 
leben und im Gesänge selbst häufig concertierend einzutreten. 

Die Gesangsnummern hatten mit der Oper das meiste 
gemeinschaftlich, nur erhielt ihre Auffassung durch den kirch- 
lichen Zweck eine Beschränkung, die zwar das wesentlich Dra- 
matische nicht aufhob, aber den Ernst und die Würde einer in 
der Kirche und zur Erweckung der Andacht vorzutragenden 
Musik niemals aus den Augen verlieren durfte. Die Behandlung 
der Arien war ganz die ttbliche der Zeit, wie in der Oper. Sie 
traten bald unmittelbar aus dem Recitative ein, bald gieng ihnen 
ein Ritomell der Instrumente voraus und schloss sie häufig auch 
ab, die Instrumente hatten bei grösseren Arien den Gesang con- 
certierend zu begleiten und eigene Zwischenspiele auszuführen. 
Kleinere Arien waren nur von einem Basso continuo begleitet, 
der aber auch bei grösseren Arien mitgieng und dort, wo die 
Instrumente schwiegen, allein begleiten musste. Die Gliederung 
der Arie war ebenfalls von jener in der Oper nicht verschieden. 
Der erste Theil, mit der Durchführung des Hauptmotives beschäf- 
tigt wurde nach dem Schlüsse des zweiten minder ausgeführten 
Theiles wiederholt, wobei die Gesangskünstler die Gelegenheit 
sich nicht entgehen liessen melismatische Ausschmückungen an- 
zubringen, welche wohl den Beifall des Publicum» ttber die 
Kunstfertigkeit des Vortragenden einbringen mochten, aber, wie 
Fux im Gradus sagt, dem Componisten nicht zu seiner Freude, 
oft Muhe machten, seine eigene Melodie herauszufinden. In den 
seltener vorkommenden Duetten war es in die Hand des Com- 
ponisten gegeben, durch contrapunktische Kunst der Imitationen, 






Fux, Oratorien. 177 

durch die polyphon geftthrten Stimmen den Beiz seiner Musik zu 
erhöhen ohne der Deutlichkeit Eintrag zu thun. Dass dabei, wie 
auch in Terzetten , öfter widerstrebende Empfindungen der sin- 
genden Personen harmonisch verbunden werden mussten, lag in 
der Aufgabe eines guten Textbuches und stellte eine erhöhte For- 
derung an den Componisten. Die Chöre, welche die Abtheilungen 
abschlössen, bisweilen auch nach der Ouvertflre eintraten, waren 
gewöhnlich Madrigale, welche zu Anfang des XVIII. Jahr- 
hunderts sich noch grosser Beliebtheit erfreuten. In der Auffassung 
des Madrigales, als eines Chorliedes mit genauem Anschlüsse an 
die Worte des Textes, erlaubte sich Fux manche Abweichung 
von deijenigen Behandlung , welche Instrumentalbegleitung und 
häufigere Wiederholung einzelner Worte fernhielt ^ Beides kommt 
in seinen Madrigalen durchaus vor und doch findet man sich in 
der contrapunktischen aber dabei heiteren , anmuthigen Haltung 
reichlich für diese Abweichung entschädigt, wobei am Ende noch 
gefragt werden kann , ob es dem Meister nicht frei stehe , bei 
einer schwankenden Theorie seiner eigenen Ansicht zu folgea. 
Indess liess Fux in der contrapunktischen Verarbeitung des Ma- 
drigals sich niemals zur Anwendung einer eigentlichen Fuge her- 
bei, welche allerdings dem Wesen eines Chorliedes widerstreben 
würde, ungeachtet der am Schlüsse angebrachte pointierte Satz 
manchen ändern dazu verleitet haben dürfte. 

Wenn gewisse Coloraturen, die in den Arien mehr angedeutet 
als ausgeführt sind , als der Stimmung femer liegend hie und da 
befremden möchten, so wäre zu bedenken, dass Fux unter den 
ausführenden Künstlern seiner Oratorien fast ausschliessend 
Sänger und Sängerinen ersten Banges zählte, die zu keiner 
Zeit es gut aufnahmen, wenn der Componist ihre Kunstfertigkeit 
nicht bedacht hatte. Es sangen damals in der Hofkapelle bei den 
Oratorien die Sopranistinen Begina Scoonjans (171 7 — 1 740) 
die hochbertthmte Maria Landini-Conti (1713 — 1722), die 
talentvolle, aufstrebende Therese Holzhauser (Beutter) 
(1728— 1740), der SopranistDomenicoTollini (1711—1717), 
dann neben dem ausgezeichneten Contraltisten P i e t r o Casati 
(1717—1740) der unvergleichliche Gaetano Orsini (1711— 

1 Arey Dommer, mus. Lexicon. 

Köch9l, J. J. Fux. 12 



178 Fux, Oratorien. 

1740), ferner die Tenoristen Francesco Borrosini (1712 — 
1729), Silvio Garghetti (1712— 1729), Carlo Costa 
(1712—1740) endlich die Bassisten Caspare Corvo (1713 — 
1728) and Christian Praun; bei einer solchen Zahl solcher 
Namen darf man nur verwundert sein, wenn der Componist nicht 
häufiger über die Vortragenden das Vorzutragende zurttckstellte. 

Wenn wir nun die einzelnen Oratorien rasch durchgehen, so 
soll dabei das jedem EigenthUmliche mehr angedeutet, als eine 
eigentliche Analyse beabsichtigt werden. 

1. La Fede aacrilega nella morte del Precursor S, Giovanni 
Battista. (1714)*. Text vonPietro Pariati. — Interlocutori: 
S. Giovanni Battista — Erode — Ero'diade — Oletria — Aronte 
— Coro di popolo — Coro di Ministri. — Der Text verfolgt ziemlich 
genau das Geschichtliche nach Ev. Matth. 14, 3—11. Herodes 
Antipater hat seines lebenden Bruders Weib Herodias geheuratet. 
Johann der Täufer macht, ihm darüber die bittersten Vorwürfe 
und dringt in ihn, sich von seiner unrechtmässigen Frau zu 
scheiden. Herodias, welcher diese Zumuthung äusserst unb^uem 
war, verbündet sich mit ihrer Tochter Oletria, Johann den Täufer 
als Rebellen darzustellen, und nachdem der König, von dem 
Tanze seiner Stieftochter entzückt, ihr eidlich gelobt hatte , alles 
zu gewähren, was sie ihn bitten würde, verlangt diese, von ihrer 
Mutter unterrichtet, das Haupt des Johannes auf einer Schüssel. 
Der König glaubt sich durch sein leichtsinnig gegebenes Wort 
gebunden und befiehlt Johannes zu enthaupten. Dieser nimmt den 
Ausspruch des schwachen Mannes mit dem ungebeugten Sinne 
eines starken Gottesstreiters hin. — Zwei bis zur Wuth entflammte 
Frauen , ein sinnlicher schwacher Fürst im Gegensätze zu einem 
strengen Manne Gottes, both ein sehr passendes Sujet für 
dramatisch gehaltene Situationen, und dieses Textbuch war viel- 
leicht das beste das Fux in Musik setzte. Nach einer trefflich auf- 
gefassten Arie der Oletria, worin diese leidenschaftlich erregt 
dem Könige Feigheit vorwirft, weil er nichts gegen Johannes zu 
unternehmen wage, tritt Johannes auf, der in denselben König 
dringt, nichts zu besorgen, wenn er auf dem Wege des göttlichen 
Gesetzes wandle; Herodias mahnt den König an seine Liebe, 

1 Beil. Vni. 509 und X. 291. 



Fux, Oratorien. 179 

Johannes dagegen beharrt , ungeachtet er sieht, was kommen 
wird, fest auf der Auflösung des gesetzwidrigen Ehebundes. 
Herodias biethet Thränen und Drohungen auf, von ihm zu gehn, 
er sei nicht mehr ihr Gatte, nur ihr Tyrann ; der König schwankt ; 
es treten beide Frauen in dem Trio Tu morraifellan in der Sieges- 
freude ihrer künftigen Rache gegen Johannes auf, der erftlllt von 
dem Triumphe seines zukünftigen Martyrthumes, wie mit Ironie, 
da^ Motiv seiner Oegnerinen mutierend ihnen entgegenhält. Ein 
betrachtendes Madrigal schliesst dann diese Abtheilung schön ab. 
— Einer neuen racheschnaubenden Arie der Oletria, worin sie 
Johannes geradezu als Rebellen anklagt, folgt ein entgegenge- 
setzter Angriff auf den König in der Arie L'odio n&n parla in me, 
ma $ol Tamante^ wo die Königin mit den schmeichelnden Tönen 
geheuchelter Liebe den König zu fangen hofft. Nach einer erneuten 
Strairede des Johannes kommt es zu einem Duett zwischen der 
aufs höchste erregten Herodias und Johannes der ihre Pläne 
durchschaut. Nun folgt das Tafelfest mit Chor und dem Tanz der 
Oletria, nach welchem der König das frerelhafte Versprechen 
macht, alles zu gewähren, was seine Tochter verlangen werde, 
und diese das Haupt des Johannes verlangt. Der König schwankt 
aber gewährt (Arie Piu che Vira). In einer grossen Arie mit 
Teorbensolo {Mesto amore) spricht Herodias ihr befriedigtes glü- 
hendes Rachegefühl aus, Johannes nimmt den Urtheilssprueh des 
Königs ruhig auf und fleht nur zu Gott, der König möge vor 
dessen Tode diese That bereuen. Ein neues Madrigal krönt mit 
einer ruhigen Betrachtung das Ganze. Der Ernst, wie die Lust 
an der Arbeit spricht sich in der Stimmung jeder Nummer dieses 
Werkes deutlich aus. Unbeschadet der ernsten Haltung des 
Ganzen werden Coloraturen der Sänger nicht abgewiesen, selbst 
Johannes der Täufer nicht völlig davon dispensiert. 

2. La Donna forte nella tnadre de" setie Maccabei (1715). 
Text von P. Pariati*. — Interlocutori : Antioco — Eliodoro 
— Nicanore — Maccabea — Giacobbo , ultimo figlio di essa — 
Coro di fratelli Maccabei. — Der Text hält sich ziemlich genau 
an die Erzählung Maccab. 7, 1 — 42: Die Mutter der Maccabeer 
sieht sechs ihrer Söhne auf Befehl des grausamen Königs Antio- 

1 Beil. VIII. 516 und X. 292. 

12* 



180 • Fux, Oratorien. 

chus vor ihren Augen sterben, um den Gott ihrer Väter gegen 
die Heidengötter nicht aufzugeben, und fordert noch den siebenten 
und letzten Sohn auf, dem Beispiele seiner Brüder zu folgen. An 
der starken Frau prallen Drohungen und Anerbiethungen des 
Königs wirkungslos ab und muthig geht sie selbst dem Henker- 
tode entgegen. Der Schlusschor singt zu ihrem letzten Gange: 
y^Madre^ che al Creatore per la gloria dt lui rende i 9Uoi figli^' — 
Dem Gange der Handlung gemäss, die nur eine Reibe von immer 
gesteigerten Gräueln vorführt, schlägt auch die Musik ohne Ab- 
wechslung ernste und strenge Töne an. Schwungvoll zwischen 
den Drohungen des Antiochus wiederholt sich der Chor der Mac- 
cabeer y^Grande e pietoso k 7 noBtro Dio^ , der die Glaubensfreu- 
digkeit unter den schwersten Leiden kräftig ausspricht. Wehmuth, 
aber ohne Schwäche , drttckt üur die Arie Dämmt düeita madre 
ans , wo der letzte Sohn Jacob vor seinem Gang zur Hinrichtung 
die Mutter um den letzten Kuss bittet. Di^ beiden Madrigale am 
Schlüsse der Abtheilungen sind auch hier mit eben so viel Sorg- 
falt als Wirkung gearbeitet. Den Leistungen der ersten Sänger 
werden schwierige Aufgaben zur Lösung gestellt. 

3. II Fönte della aalute, aperto dalla grazia nel Calvario 
(Charfreitag 1716)* Text von? — Parlano: La grazia — La 
misericordia — La giustizia — II peccatore contrito — II pecca- 
tore ostinato — II demonio — Coro d'Angeli — Coro di peccatori 
penitenti. -^ Ein verstockter Sünder, vom Demonio aufgestachelt^ 
widerstrebt dem Quell des Heiles und der Gnade , der im Leiden 
des Heilandes (nel Calvario) sich öffnet. Durch die Ermahnungen 
des reuigen Sünders, der Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und 
Gnade erweicht fleht zuletzt der verstockte Sünder um Gnade. 
Der Demonio zieht darüber verzweifelnd ab. — Irgend eine bibli- 
sche Handlung ist in dieser Passionsmusik durchaus nicht zu 
finden. — Die wiederholten Ermahnungen zur Besserung würden 
Gefahr laufen zu ermüden , wenn nicht der Demonio und der ver- 
stockte Sünder durch ihre musicalischen Gegensätze eine gewisse 
Abwechslung hineinbrächten. — Als etwas minder gewöhnliches 
darf die Begleitung der Arie des Demonio Puoi pecear durch zwei 
virtuose Fagotte, und der Arie des reuigen Sünders „JVoa famo^ 

1 Beil. Vm. 586 und X. 293. 



Fux, Oratorien. 181 

mit Baryton so wie einer dritten mit Schalmei bezeichnet werden. 
Das Terzett: Dio ti pole ist ein schön gehaltenes Madrigal. 

4. n Trianfo della fede (1716). Text von Bernardino 
Maddali ^. — Interlocutori: D Secolo — Uamor profano — 
Uamor divino — La fede — Uinnocenza. — Die verirrten Söhne 
der Erde das Secolo and TAmor profano läugnen Gott and wollen 
nur der Sinnenlast fröhnen. Nachdem Tamor divino , l'innocenza 
und la fede ihre klagenden Betrachtungen darüber angestellt, 
lässt la fede einen göttlichen Strahl in das Herz der verirrten 
Erdensöhne fallen and beide werden dadurch zur Reue und Um- 
kehr bestimmt. — Ungeachtet die wiederholten, einander ziemlich 
ähnlichen Betrachtungen der Vertreter des göttlichen Princips und 
jener der Kinder der Erde den Componisten wenig anregen 
konnten , so ist doch die sinnlichere Auffassung der Erdensöhne 
gegen jene der überirdischen überall klar geschieden. Insbeson- 
dere verdienen die feingeftthrten zwei Duette, so wie die 
eharacteristischen Wendungen in mehreren Arien , wie un Secolo 
die Stelle yfChe rinßuenza delle sfere son chimere^ aller Beachtung 
werth. Unstreitig gebührt aber unter sämmtlichen Nummern der 
Vorrang den beiden zierlich gehaltenen Madrigalen a cinque am 
Schlüsse der Abtheilungen, besonders der letzten, bei welchen 
die contrapunktische Durchführung durch einen kurzen gebeth- 
artigen homophonen Satz anmuthig unterbrochen wird. 

5. // Disfacimento di Sisara, (1717). Text von? * — Pariano : 
Jabin — Sisara — Jahel — Barac — Debora. — Die biblische 
Episode, Buch der Richter 4, 1 — 24, wird mit dramatischer Leben- 
digkeit dargestellt. Sisara, Jabin des Königs von Canaan Feld- 
herr, der Israel durch 20 Jahre bedrängte, wird unter Barac's 
Leitung über Antreiben der Seherin Debora von den Israeliten 
geschlagen, konmit auf der Flucht zu Jahel, dem Weibe des Habor ; 
erhält von dieser in der gereichten Milch einen Schlaftrunk, 
worauf ihm Jahel einen Nagel durch die Schläfe treibt. — Die 
kriegerische Bewegung der Handlung wird schon in der kräftigen 
bitroduction angekündigt, und steigert sich in den siegessrcheren 
Gesängen des Königs Jabin und noch mehr seines Feldherm 
Sisara, ebenso auf der Seite der Israeliten, wo die Seherin Debora 

1 Beil. Vni. 524 und X. 294. « Beil. Vm. 535 und X. 295. 



182 Fux, Oratorien. 

■ 

nach einem demtithigen Gebethe um den Sieg den Feldherm 
Barac begeistert auffordert^ die Israeliten gegen Jabin zu fuhren. 
Barac nimmt die Auffordemng an y wenn Debora ihm zur Seite 
bleibt, nnd beide rufen ihr Heer zum Kampfe auf, wie Sisara die 
Seinigen. Sisara wird geschlagen, wird vergeblich von JabiB auf- 
zurichten versucht, muss sich flüchten, kommt ermattet zu der 
Israelitin Jahel und wird von dieser im Schlafe getödtet. Barac 
und Debora finden den verderblichsten Feind IsraeFs vernichtet 
und preisen die Frau, durch welche diese That vollbracht ward. 
Jahel weist alle Anerkennung von sich ab und gibt Gott die Ehre, 
welcher dem schwachen Weibe die Kraft des Vollbringens einer 
solchen That verlieh. Mit einem Chor des Dankes an den Herrn 
der Heerscharen schliesst das Ganze. — Die erhöhte kriegerische 
Stimmung der Gottesstreiter wird von der Musik bis ans Ende 
festgehalten und gibt zu zahlreichen wirksamen Kmnmem mit 
glücklich erfundenen feurigen Motiven und bedeutender Durch- 
fUhrung und Begleitung Veranlassung, wobei auch mehrere Vio- 
linsolo und von minder gewöhnlichen Instrumenten die Schalmei 
und Flfite allemande angewendet werden. — Das Madrigal 
a 5 „ Fa sempre la vittoria^ am Schlüsse der ersten Abtheilong 
tritt *hier im Harnisch auf. Die Sänger haben bedeutende Aufgaben 
zu lösen. 

6. Crisio neir orte (1718); Text von Pietro Pariati ^ 
— Cantano : Cristo — L'amor divino — La giustizia divina — 
Un' anima contemplativa — Un angelo confortatore — Coro di 
Angeli. — Die Schrifttexte über die Todesangst und die Gebethe 
des Erlösers im Garten Gethsemani waren für den Umfang des 
Oratoriums keineswegs ausreichend; es mussten daher die Be- 
trachtungen der göttlichen Liebe, der ewigen Gerechtigkeit, des 
beschaulichen Engels, so wie die Trostesworte des tröstenden 
Engels den grössten Theil des Textes ausfüllen. Es war unver- 
meidlich, dass sämmtliche Betrachtungen im Wesen wenig von 
einander abweichend sein konnten und daher dennoch einige Ab- 
wechslung hineinzubringen, war eine schwierige • Aufgabe der 
Musik. Wir begegnen dessungeachtet in der kunstvoll contra- 
punktisch gearbeiteten Einleitung, in den beiden Madrigalen an 

1 Beil. Vni. 546 und X. 296. 



Fax, Oratorien. 183 

den Schlüssen der Abtheilnngen und in mehreren treffenden 
Anffasmingen wie der Stelle j^Luamo ch'^ polve e niente^ in der 
Arie ifon tnerta Vuomo den sprechenden Spuren des Meisters, 
welcher auch dem spröden Stoffe das mögliche abzugewinnen 
versteht. 

7. Gern Cristo negaio da Pietro (1719). Sepolcro. Text von 
Pietro Pariati*. — Cantano: L'amor divino verso Tuomo — 
L'umaniti peccatrice — S. Pietro Apostolo — Ballila, ancilla 
di Caifa — L'odio di Giudei contro di Gesti — Coro di Giudei 
ostinati — Coro di peccatori, che sperano la redenzione. — Die 
behandelte Episode beginnt mit der Gefangennehmung des Er- 
lösers und schliesst mit der letzten Verläugnung durch Petrus. An 
betrachtenden Personificationen fehlt es auch hier nicht : die gött- 
liche Liebe, die sündhafte Menschheit, der Hass der Juden gegen 
Christus so wie die Chöre der verstockten Juden und der Sünder 
welche auf Erlösung hoffen, äussern ihfen Antheil an den Vor- 
gängen in verschiedenem Sinne. Ungeachtet das häufige Eintreten 
dieser betrachtenden Stimmen den Gang der Handlung eher 
hemmen als befördern , geben sie doch wieder Anlass zu bedeu- 
tenden musicalischen Sätzen und regen auf andere Art an. — Der 
eben so kunstvoll durchgeführten als lebhaften Sinfonia schliesst 
sich an die Schlusstacte unmittelbar der leidenschaftliche Chor 
der Juden an , der Christus bei der Gefangennehmung verhöhnt. 
In der bezeichnenden Arie Manche agli altri sagt Petrus, auf 
seine That gegen Malchus hinweisend, nicht ohne Selbstüberhebung, 
dass wenn auch alle den Herrn verlassen sollten, er ihn nicht 
verlassen werde. Die göttliche Liebe hat dagegen ihre Bedenken. 
Der Judenhass spricht sich in der darauffolgenden Arie V inno- 
cenza non vive, und noch mehr in der späteren E troppo orribüe 
mit dem Hohne einer derben Leidenschaftlichkeit aus : man könnte 
versucht sein zu glauben, Fux habe in den brüsken Sprüngen 
der Bassstimme eine Färbung orientalischer Heftigkeit beabsichtigt. 
Die Verläugnungen gehen während der Becitative vor. Der Chor 
der Sünder macht Petrus in dem Schlussmadrigale der ersten Ab- 
theilung „TV« virtü vatäi^ empfindliche Vorwürfe über seine 
Schwäche. Nach der letzten Verläugnung bereut Petrus in der Arie 

t Beil. Vm. 556 und X. 297. 



184 



Fux, Oratorien. 



Del mio cor unter Thränen sein Vergehen gegen seinen geliebten 
Meister. Das Madrigal des Schlusschors der Sttnder Mortale 
'specchiati in Pietro macht die Nutzanwendung , dass wer sich 
erhebt, dem Falle am nächsten sei. — Aach dieses Oratorium 
liefert den Beweis, wie wesentlich die dramatische Musik durch 
wirkliche, menschlich handelnde und empfindende Personen ge- 
tragen werde. 

8. La Cena del Signore (1720). Text von Pietro Pariati ^ 

— Cantano: Gesü Cristo Salvator nostro — Pietro Apostolo 

— Giovanni Apostolo — Un' anima contemplativa — Lo Spirito 
profetico — Giuda ü traditore — Coro degli Apostoli. — Der 
Text hält sich im Wesentlichen an die Passionsgeschichte der 
Evangelien und ftthrt die einzelnen Scenen der Fusswaschung — 
der Worte: Einer wird mich verrathen — und der Einsetzung 
des Altarssacramentes im Abendmahle aus. Die beschauliche Seele 
und der prophetische Gfeist übernehmen die Rolle des antiken 
Chors, theilnelunend aber nicht eingreifend. — Da viel Text zu 
bewältigen und neles daraus für Einzelgesänge nicht geeignet 
war, so musste einen grossen Theil das Recitativ auf sich nehmen. 
Dessungeachtet sind viele Nununem ausgeführter behandelt und 
die verschiedenartigen Charactere der Apostel, des feurigen Petrus, 
des sanften Johannes, des Verräthers Judas in ihren Gesang- 
stücken gehörig wiedergegeben. Eine Eigenthttmlichkeit hat Fux 
in die Arie LHmpossibü del mistero gelegt, wo Judas seine hart- 
näckigen Zweifel an der Möglichkeit der Wandlung, bei den 
Worten „F« contrasto a la mia fede^ in den mannigfachsten 
Sprüngen, wie 

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la mia fe - de 



ausdrückt, die in der Reprise sich sogar zu Decimensprüngen 



1 Beil. Vm. 567 und X. 29ik 






Fux, Oratorien. 185 

steigern. Der tüchtige Bassist Praun, der den Jadas sang, mag 
darin seine Stärke gehabt haben. — Die schönen Schiassmadrigale 
und ein besonders ansprechendes Dnett beute Falme umane, 
welches an ein ähnliches in der Deposizione erinnert , wird man 
anch in diesem Oratorium nicht vermissen. 

9. // Tesfamento di Nostro Signor Gesü Cristo sul Calvario. 
Oratorio (1726). Text von Pietro Pariati'. — Cantano: 
La santissima Vergine — L'angelo Gabriele — Giovanni evange- 
hsta — n peccatore — Lucifero — Coro di Giudei — di Scribe 
e Farisei — di Peccatori. — Nachdem die Juden, Schriftgelehrten 
und Pharisäer den Erlöser auf dem Kreuze gehöhnt, werden die 
Kreuzesworte Christi: Herr, verzeihe ihnen — Heute wirst du mit 
mir im Paradiese sein — Hier Frau, sieh deinen Sohn — Mein 
Gott, warum hast du mich verlassen — Mich dürstet — In deine 
Hände empfehle ich meinen Geist — als die letzten Worte Christi 
vor seinem Ende sein Testament genannt, von der Jungfrau, 
von dem Evangelisten Johannes, von dem Engel Gabriel, von 
einem Sttnder, dann von Lucifer nach ihren eigenthttmlichen 
Standpunkten in Betrachtung gezogen, da diese Worte am Kreuze 
als etwas bereits Geschehenes hier nur erzählt werden. Die Par- 
titur dieses Oratoriums ist die umfangreichste von allen geworden; 
der Grund davon lag aber in der Masse des Textes, da der Ver- 
fasser darin sich einer unangenehmen Redseligkeit beflissen hatte, 
wovon der Componist nichts auszuscheiden gewagt hat. Unge- 
achtet ein grosser Theil in Recitativen aufgenommen wurde, so 
bothen auch die einförmig klagenden Betrachtungen wenig Anre- 
gendes und Abwechselndes für den Componisten der Arien. Im- 
merhin verdienen ausser dem höhnenden Chor der Juden Ecce 
Vucm auch die beiden kräftigen Schlussmadrigale und die rührend 
einfache Arie der Jungfrau AI tuo pib auszeichnend genannt zu 
werden. Als etwas ganz apartes muss die Begleitung der Bassarie 
Lucifer's Son de Vuomo erwähnt werden, wo vier Fagotte im 
Einklänge mit Figuren die Arie umschwärmen. 

10. . La Deposizione dalla Croce di Gern Cristo Salvator 
nostro, Sepolcro (comp. 1728, wiederholt 1738). Text von 
Claudio Pasquini*. — Cantano: Maria Vergine — Maria 

1 Beil. VIII. 635 und X. 299. » Beil. VIII. 654 und X. 300. 



186 Fux, Oratorien. 

Maddalena — Giovanni Apostolo — Gioseppo Arimateo — Nico- 
demo — Coro di peccatori. — Die Herabnahme des Heilandes 
vom Kreuze im ersten Theile, die Grablegung im zweiten Theile 
werden von den Sprechenden: der Jungfrau Maria, Maria Mag- 
dalena , dem Apostel Johannes 9 den Jttngem Josef von Arimatea 
und Nicodemus und dem Chor der Sünder mit Betrachtungen be- 
gleitet f welche sich entweder auf das allgemeine des Erlösungs- 
werkes oder die besonderen persönlichen Verhältnisse des Spre- 
chenden zu dem Heilande beziehen. — Der tiefe Ernst , welcher 
dieser Handlung zum Grunde liegt, ist auch ttber die ganze Musik 
ausgebreitet, Schmerz und Klage in verschiedenen Aeussemngen 
abgestuft, und bald sanfter bald lebhafter ausgedruckt, zieht 
sich durch das ganze Werk. Die Mutter wünscht am liebsten mit 
dem erhabenen Sohne gestorben zu sein und verweilt in weh- 
müthiger Erinnerung an die Kinderjahre des Hingeschiedenen; 

der sanfte Apostel Johannes , der einst im Schöosse des Herren 

• 

lag, stimmt ein in die Klage der Mutter, der er nun selbst ein 
Sohn sein soll; Maria Magdalena, die aus einer bussfertigen 
Sünderin die glühendste Verehrerin des Heilandes geworden war, 
wird auch in ihrer Klage lebhafter und möchte mit ihren Thränen 
ihre frühere Sündenschuld abwaschen. Nicodemus tritt kräftiger 
auf und prophezeiht der Stadt Jerusalem ftlr ihre ruchlose That an 
dem Heilande den Untergang, auch Josef von Arimatea wirft den 
Juden den Undank vor, welchen sie an Gott, der sie aus Aegypten 
geführt und vor allen Völkern gesegnet hat , durch die Tödtung 
des Erlösers begangen haben, während der Chor der Sünder 
seine Mitschuld an dem Leiden und Tode des Heilandes 
bekennet. — Unter den Musikstücken treten die characteristische 
Einleitung der Instrumente, das schmucklose aber wirkungsvolle 
Duett der Jungfrau und des Apostels Chi H conoscey wo die 
Stimmen abwechselnd sich imitierend trennen und wieder vereini- 
gen, femer die Bassarie des Nicodemus Se pure piü nel core 
mit brillanter Fagottbegleitung, endlich die madrigalartig gehal- 
tenen Schlusschöre, besonders hervor. 



Im Jahre 1729 erschien bei Jeanne Roger in Amsterdam die 
Oper£/wa*, welche Fux im Jahre 1719 componiert hatte, und 



1 Beil. Vm. 551 und X. 312. 



Fux, Oper Elisa. 187 

nach dem gleichzeitigen Textbuche (1729 bei Van Ghelen) im 
Jahre 1 729 wiederholt gegeben wurde. In der k. k. Hofbiblipthek 
befindet sich ein Exemplar in einem Prachtbande von rothemSammt 
mit reicher Goldstickerei. Wenn die oft wiederholte — aber darum 
doch nicht völlig verbürgte — Anecdote von Kaiser Karl VI. und 
Fux sich wirklich zugetragen hat, so konnte die nirgends bestinmit 
bezeichnete Oper des Fux, die der Kaiser dirigiert haben soll, mög- 
licherweise die £/Ma gewesen sein. Gerber in der zweiten Ausgabe 
seines Lexicons erzählt die Begebenheit, die ihm so viele nach- 
geschrieben haben, in folgender Weise : Dem Kaiser, welcher die 
ganze Oper auf dem Flttgel begleitete , wurde beim Eintritte ins 
Orchester im Namen der Kaiserin die aufs kostbarste gebundene 
Partitur der Oper überreicht, worauf sich der Kaiser nach einer 
Verbeugung gegen die Kaiserin an den Flttgel setzte und das 
Zeichen zum Anfange gab. Bei dieser Gelegenheit war es, wo 
Fux, welcher hinter dem Kaiser stand, nach vielen Proben von 
des Kaisers gutem Benehmen bei den schwierigsten Stellen und 
nach wiederholtem Bravo endlich ausrief: „0 es ist Schade, dass 
Eure Majestät kein Virtuose geworden sind!^ Worauf der Kaiser 
sich umdrehte, indem er antwortete: „Hat nichts zu sagen, hab's 
halter^ so besser!^ Se non 6 vero, non k mal trovato. 

Eine s^hr bedeutende Veränderung in dem Personale der 
Hofpoeten bereitete sich in eben demselben Jahre 1 729 vor. 

Als Apostolo Zeno sich anschickte in seme Heimat 
zurückzukehren und PietroPariatiseit mehreren Jahren wenig 
mehr producierte, richtete der Kaiser sein Augenmerk auf den 
jungen Abate Pietro Metastasio*, der sich seit 1724 als 

1 Da es bei den norddeutschen Brüdern von jeher üblich war , die 
armen Oestreicher mit dem „halter" lächerlich zu machen , so sei hier er- 
wähnt, dass in Oesterreich kein Mensch sich jemals des Wortes „halt er« 
bedient hat noch jetzt bedient. Das im Norden verhöhnte Wort heisst 
„halt", und ist ähnlich dem in ganz Deutschland üblichen gelt, schau, 
u. dgl. eine Interjection , welche in den meisten Fällen die Bedeutung dea 
nicht viel mehr bezeichnenden norddeutschen „eben** oder „nu 'mal^ hat. 
In obiger dem Kaiser beigelegten Phrase hätte „halt'' gar keinen Sinn. 

^Pietro Antonio Domenico Bonaventura Trapassi, ge- 
nannt Metastasio, war 1698 zu Assisi geboren, ward der Erbe seines 
Gönners des Kechtsgelehrten Gravina zu Born, der ihn sorgfältig hatte 
erziehen lassen und endete seine Tage in Wien 1782. 



188 Metastasio. 

Operndichter einen Jbedeutenden Namen ei^worben hatte — um in 
ilim eine frische tüchtige Kraft zu gewinnen. Principe Pio trat 
deshalb 1729 mit ihm in Unterhandlung und Metastasio erklärte 
sich ohne Zögern mit VergnUgen bereit , als ^Poet im Theatral- 
fitaat" in die Dienste „des ersten Monarchen der Welt" (Met. Lett.) 
zu treten*. 1730 im Juni kam er nach Wien, wo er die beste Auf- 
nahme fand und blieb daselbst, hochgehalten von den verschie- 
denen Monarchen und allen Ständen , durch 52 Jahre bis an sein 
Lebensende*. In dem Zeitabschnitte von 1730 bis 1740, der uns 
hier berührt, wurden 32 seiner in Wien gedichteten Texte* für 
Opern, Serenaden und Oratorien zur Aufführung gebracht ; davon 
componierteCaldara 14, G. Reutterö, Predieri4, Hasse 3, 
einzelne V i n c i», Fux, F. Conti, 6. Porsile, ßonno. 

Metastasio'sRuhm hatte sich durch ganz Europa verbreitet, bei 
den Italienern wurde er classisch wegen Reinheit, Klarheit, Anmuth 
der Sprache, wegen des vollendeten Wohllauts und ausdrucks- 
vollen Rhythmus seiner Arien: er beherschte in seinem Fache 
unbedingt seine Zeit. Apostolo Zeno folgend suchte er in $einen 
Opemdichtungen ein wahres Drama zu schaffen, und machte die 
psychologische Darstellung der Charactere und Leidenschaften, 
eine aus diesen hervorgehende folgerichtige Handlung zu seinem 
Hauptziele. Metastasio ist keine grosse, kräftige Natur, starke 
Leidenschaften fasst er nicht; seine psychologische Auffassung 
ist klar und verständig, aber beschränkt, wie seine Gesinnung 
anständig und wohlmeinend , aber nicht frei noch gross ist. Den 
grössten Einfluss auf die Componisten sowohl als auf das Publi- 
cum übte seine Sprache, welche correct, fliessend und von hin- 
reissendem Wohllaut ist, im Ausdruck einfach und natürlich, nur 
80 weit rhetorisch, als italienische Sprache und Poesie es ver- 
langt. Als Operndichter zeichnete ihn noch besonders aus : seine 

1 In den Hofrechnungen erscheint sein Gehaltsbezug schon vom 
1. April 1729. 

2 Anziehende Details von Metastasio's Verhältnisse zum Hofe enthält 
Th. G. V. Karajan „Aus Metastasio's Hofleben". Wien, 1861. 

8 Opern: Beil. VIII. 666. 679. 682. 691. 693. 697. 708. 712. 714. 719. 
724. 743. 746. 749. 788. — Serenaden: 732. 735. 739. 766. 768. 774. 775. 
779. — Oratorien: 676. 689. 705. 717. 728. 742. 772. 784. 791. — AUacci, 
Drammaturgia, zählt im ganzen 71 dramatische Texte Metastasio's auf. 



G. Claudio Pasquini. 189 

Poesie war musicalisch. Er hatte im Verkehr mit Sängern und 
Componisten seine mnsicalische Anlage so weit ausgebildet, dass 
er flihlte und wusste, worauf es bei einem zur Composition be- 
stimmten Texte ankam. Die wohllautende Sprache kam der 
Musik auf halbem Wege entgegen , die einfache jedoch wech- 
selnde Bhythmik; die zweckmässige Gliederung der entsprechen- 
den und contrastierenden Gedanken, wie der syntactischen Con- 
struction zeichnete dem Componisten die musicalische Periodi- 
sierung vor, ohne ihn zu beschränken. Dadurch ward es erklär- 
lich , dass Metastasio Bühnen wie Componisten beherschte und 
das unerreichte Muster für alle Opemdichter wurde , die freilich 
am gltlcklichsten seine Schwächen nachahmten K 

Noch eines Opemdichters ist zu erwähnen, der neben Apo- 
stolo Zeno, Pariati und Metastasio ausnehmend thätig 
für die Wiener Hofoper arbeitete. Es war dies Giovanni Clau- 
dio Pasquini, der zu Siena 1695 geboren^, um 1726 nach 
Wien kam und bis 1740 nicht weniger als sieben und sechzig 
Texte für musicalische Compositionen zu Stande brachte. Mit dem 
Beweise seiner Anstellung als kais. Hofpoet hat es eine eigen- 
thümliche Bewandtniss. Die Hof - Schematismen und -Bechnun- 
gen fuhren ihn erst vom Jahre 1 740 bis letzten März 1 742 als 
Hofpoet auf, von 1733 (in welchem Jahre Pariati gestorben 
war) konmit er in den BechenbOchern bis zum Jahre 1739 als 
Tenorist vor; möglich, dass er zugleich auch Sänger war, oder 
ihn nur ein Irrthum des Bechnungsbeamten in die Sängerreihe 
versetzte. Seine bedeutende Befähigung zum Opemdichter wurde 
ausser den vorhandenen Partituren auch durch die ehrende An- 
erkennung Metastasio's^ in seinen Briefen dargethan, zugleich 
auch durch die bereite Aufnahme als Hofpoet , welche ihm nach 
seiner Entlassung von Wien (1742) am Hofe zu Dresden zu Theil 
wurde*. Metastasio's Briefen zufolge war er von 1750 bis 1759 
in Siena, wohin er sich für seine älteren Tage zurückgezogen zu 
haben scheint. 

1 Otto Jahn, Mozart. « Quadrio Storia. V. 293. 

3 In einem dieser Briefe (Op. poBtume, I. 235) schreibt Metastasio an 
OL Pasquini (1747): In somma ripetendo ciö che miUe volte vi ö detto, io 
non ritrovo molti al presente , che in queste poetiche facolta mi contentino 
par di voi. ^Fürstenau, Gesch. der Op. in Dresden. IL 239 f: 



190 G. Claudio Paaquini. 

Erwähnenswerth ist der Fall mit dem Texte zu der Oper 
Don Chisciotte in Corte della duchessa (Beil. VIU. 637). Diese 
Oper wurde mit Musik von A. Caldara im Jahre 1727 in Wien 
gegeben und auf der gleichzeitigen Partitur, auf den zu der ersten 
Aufführung in Wien bei Ghelen gedruckten italienischen und 
deutschen Textbüchern, femer in dem Wiener Diarium von 1729 
ist, wie in Allacci Drammaturgia als Verfasser der Poesie dazu 
der Abate Giovanni Claudio Pasquini angegeben. Nun 
erschien im Jahre 1786 in Orleans bei L. P. Couret de Villeneuve 
eine Gesammtausgabe der Poesie drammatiche diApostoloZeno 
in 1 1 Bänden , wo im 1 1 . Bande unter den Poesie drammatiche 
di Apostolo Zeno composte insieme con Pietro Pariati die- 
selbe Oper Don Chisciotte in Corte della duchessa mit dem 
Beisatze pubblicato per la prima volta in Vienna 1719 und tlber- 
dies mit dem Argomento des Pasquini vollständig abgedruckt 
ist. Der leichtfertige Redacteur dieser Ausgabe wusste aus Ap. 

• 

Zeno's Lettere IT. UI., dass im Jahre 1719 Ap. Zeno in Ver- 
bindung mit Pariati mit einem dort nicht näher bezeichneten 
Don Chisciotte beschäftigt war — der auch zur Aufführung 
kam — und nahm ohne Bedenken die Oper des Pasquini vom 
Jahre 1729 dafür. Im Jahre 1719 wurde aber von den beiden 
Verfassern die Oper Don (Chisciotte in Sierra Morena (Beil. VIÜ. 
549. Musik von F. Conti) gegeben, welche jedoch in der 
erwähnten Ausgabe der Poesie drammatiche di Apostolo Zeno 
nicht aufgenommen ist. Die im Jahre 1729 in Wien anwesenden 
Dichter Zeno und P a r i a t i würden es gewiss nicht stillschwei- 
gend hingenommen haben, als unter ihren Augen die angeblich von 
ihnen herrührende Oper Don Chisciotte in corte della duchessa 
unter P. Pasquinfs Firma gedruckt erschienen war. 



xin. 

Die Opern Ton Fox (1702—1781) — Chroiük (1731-1788) — Giiadea- 

gäbe für den Neffen HatthBas. 

1731. Am 28. August wurde zum Namenstage der regieren- 

• 

den Kaiserin Elisabeth Christina die Festa teatrale Enea ne- 
gV Elisj R Tempio delV etemitä *, Text von M e t a s t a s i o in der 
Favorita gegeben (Wr. Diar.). Metastasio bemerkt in seinen 
gesammelten Werken (Vol. IV) über die erste AufiPührung: „ß 
tempio delV etemitä, festa teatrale . . .' sontuosamente representata 
la prima volta con mustca delPux nel giardino imperiale Favorita". 
— IGt diesem „Tempel der Unsterblichkeit" schloss Fux die 
Reihe seiner dramatischen Compositionen ab — in seinem ein 
und siebzigsten Lebensjahre. Wir wollen nun darangehen , uns 
eine Vorstellung der Auffassung und Ausführung seiner sämmt- 
liehen dramatischen Compositionen zu bilden und darum zugleich 
die Zeit und die Verhältnisse berücksichtigen, in welchen sie 
entstanden. 

Dichter und Componisten durften nie aus den Augen ver- 
lieren, dass die drao&atischen Compositionen mit Musik, 
mit Ausnahme der Faschingsopem, zu Festen für den Hof be- 
stimmt seien, durch Welche irgend eine Persönlichkeit oder ein 
erfreuliches Ereigniss des regierenden Hauses gefeiert werden 
sollte. Damit war schon in der Anlage und später durch das Her- 
kommen bedingt, dass man zum Schlüsse der Darstellung an die 
gefeierte Person eine eigene verbindliche Ansprache in Musik 
richtete, welche man Licenza hiess. Diese Licenza war ge- 
wöhnlich schon im Gange der dramatischen Handlung vorbereitet 
und diese enthielt mannigfache Anspielungen darauf, ja in man- 
chen Fällen war das ganze Schauspiel nur eine erweiterte Li- 



1 Beil. VIU. 679. 



192 Fux, Opern. 

cenza; in einigen Fällen jedoch , wo der dramatische Vorgang 
weiter ablag, wurde am Schlüsse eine rasche unvorbereitete Wen- 
düng genommen, um die Licenza durch das darstellende Perso- 
nale anzubringen. — In dem Herkommen und der Entwicklung der 
Oper in Italien, welche auch in Wien aufgenommen wurde, lag 
es femer, dass das Stijet der Oper entweder der Mythologie oder 
doch der antiken Geschichte oder Sage entlehnt, seltener nach 
Zaubermährchen gegriffen wurde, da diese vorzugsweise zu 
reichem Decorationswechsel und phantastischen Aufztlgen Ge- 
legenheit bothen. 

Die von Fux componierten Texte aus historischen Stof- 
fen waren La Cletnenza (f Augusto (Beil. X. 301), Pulcheria 
(303), Julo Ascanio (304) und Costanza e fortezza (314), welche 
letzte die Sagen von Horatius Codes, Mutius Scävola und Clölia 
behandelte. Alle übrigen Stoffe , mit Ausnahme der Zauberoper 
Angelica vincitrice (T Alcinda (310) waren. aus der alten Götter- 
mythe genommen und dramatisch behandelt, oder einzelne Zttge 
daraus willkürlich weiter entwickelt. Zu den ersten gehören 
Dafne in Lauro (308), Orfeo ed Euridice (309), Diana placaia 
(Ifigenia) (309), Psicke (und Amore) (313), Le Nozze di Aurora 
(314), La Corona d* Arianna (317); mit blossen mytholo- 
gischen Anklängen aber desto häufigeren Personificationen und 
Allegorien, welche gewöhnlich schon beim Beginne odßr doch 
im Verlaufe des Stückes den Zweck des Festes ankündeten, 
waren die übrigen acht dramatischen Compositionen. 

Die Verfasser der Operntexte aus früherer Zeit waren 
Antonio Bernardoni (1702, 1708) (X. 301, 303, 304), Do- 
nato Cupeda (1702, 1709) (302, 305), Silvio Stampi- 
glia (1709) (306) und G. B. Ancioni (1710) (307); aus 
späterer Zeit vorzüglich Pietro Pariati* mit acht Texten 
(1714—1726) (308—312,314, 315—317), endlich von den her- 
vorragendsten Schriftstellern Apo8toloZeno(l 720) die Paiche 
(313), und von P. Metastasio (1731) Enea negli Elisj (318), 
zugleich die letzte von Fux componierte Oper. 

1 Von ihm sind mehrere Texte mit Ap. Zeno gemeinschaftlich bear- 
beitet, und sein Aqtheil von diesen gerühmt. Op. di Ap. Zeno. III. 11. 



Fax, Opern. 193 

£8 ist einleuchtend ; dass die historischen Stoffe mit rein- 
menschlichen Empfindungen, Affecten nnd Conflicten ein erhöhtes 
dramatisches Interesse zu erwecken geeignet waren j wenn anch 
hier die Grenze des Schicklichen jeden schärferen Ausdmck der 
Leidenschaft im guten, wie im schlimmen Sinne zu yermeiden 
geboth. Daher gelangen solche Stücke den Textverfassem in der 
Regel besser, und Bernar-doni's Puleheria verdient in dieser 
Richtung besonders hervorgehoben zu werden, auch Pariati's 
Cogtanza efortezTM gehört in Erfindung der Situationen und Aus- 
führung zu den glllcklicheren Eingebungen. Die Texte aus der 
antiken Göttermythe hatten zwar wie Dafne^ Orfeo^ Paiche, 
Diana placata einen poetischen Hintergrund , allein da die alte 
Götterwelt nicht mehr im Glauben der Zuhörer anklingen konnte, 
so standen sie nur eine Stufe höher , als die wesenlosen Personi- 
ficationen und Allegorien, welche als das Product leerer Abstrac- 
tionen, selbst empfindungslos, auch keine Mitempfindung erwecken 
konnten und höchstens dazu dienten, eine lose Verbindung meh- 
rerer Musikstücke herzustellen , die nur durch die Geschicklich- 
keit des Componisten und die Virtuosität der Sänger einiges. 
Interesse zu erregen im Stande waren. Es ist übrigens sämmt- 
liehen Verfassern der Texte das durch viele Uebung entwickelte 
Geschick nicht abzustreiten , die Oeconomie ihrer Libretti so ein- 
zurichten, dass die Sänger und Chöre in gehöriger Reihe und 
Abwechslung eintreten konnten und dass insbesondere in den 
Arien und verwandten Musiknununem eine durch das vorherge- 
gangene Recitativ vorbereitete Stimmung eingehalten wurde. 
Auch in den Chören fehlt in der Regel der passende Ausdruck 
für die theilnehmende Empfindung einer grösseren Menge an den 
Ereignissen des Drama ^ nicht. War die Diction auch nicht von 
einem gewissen Schwulste freizusprechen, so drückte sie doch 
die Situation in gewähltem Ausdrucke aus und half durch das 
Sangbare der gebildeten italienischen Sprache dem bedrängten 
Componisten über manche Steppe der Handlung hinweg. Ausser 
Bernardoni hat auch P. Pariati darin entschiedene Ver- 
dienste, nur in den beiden von Apostolo. Zeno und Meta- 
stasio herrührenden Texten ist die Ueberlegenheit ihres Talen- 
tes nicht eben in jeder Rücksicht zu rühmen. 

Kbehel, J. J. Fax, 13 



194 Fux, Opern. 

In den musicalischen Dramen wurde von jehfer ein wesent- 
licher Unterschied gemacht zwischen der grossen Oper, 
welche Dramma per musica oder Festn teatrale hiess , und der 
Operette, welche mit dem Namen Serenata oder Componi- 
mento per camera oder einfach Camponimento per musica — etwa 
noch mit dem Beisatze pasfarale — sich begnügen musste. Die 
grosse Oper mit ihrem pomphaften Auftreten war ausschlies- 
send nur auf die grössten Feste der Namens- und Geburtstage des 
Kaisers oder der regierenden Kaiserin , ihrer Vermählung und 
Krönung, bei der Geburt eines Thronerben oder auf ähnliche 
Ereignisse beschränkt, und wurde nach der ersten Auflftthrung 
drei- bis viermal wiederholt. Ausser der Entfaltung besonderer 
Pracht in Decorationen, Costtimen und Tänzen war auch die 
ganze Anlage eine grössere, die Handlung war in zwei oder drei 
Acte abgetheilt, die Anzahl der Musiknummem eine grössere und 
ihre Entwicklung bedeutender, die Chöre beim Beginne und zum 
Schlüsse jedes Actes unerlässlich und auch während des Actes 
nicht selten eintretend, das Locale die glänzend eingerichtete 
Schaubühne zunächst der Burg, oder der beleuchtete Teich der 
Favorita. Solcher grossen Opern wurden von Fux sechs com- 
poniert (Beil. X. 310. 312. 314. 315. 317. 318). — Die beschei- 
denere Operette war durch ihre Synonyme Serenata nur zu 
kleineren Abendunterhaltungen, oder als Componimento da Ca- 
mera in den Appartements der Burg oder Favorita dargestellt 
worden. Sie bestand inmier nur aus einem Acte, die Zahl und 
Bedeutung der Musikstücke war geringer, der Chor wurde ge- 
wöhnlich durch Madrigale der darstellenden Hauptpersonen er- 
setzt, Pracht und Glanz der Auflftthrung fielen weg, kurz es waren, 
wie man es später nannte, musicaliscl) - dramatische Unterhal- 
tungen in untergeordneter aber deshalb keineswegs unbedeuten- 

• 

der Darstellung, wozu Fux zwölf Compositionen lieferte. 

Ueber die Behandlung der musicalischen Nummern ist ge- 
legentlich der Oratorien bereits mehreres erwähnt, wesshalb hier 
nur einiges abweichende davon angedeutet werden soll. 

Die Ouvertüren. Fux hatte bereits durch seine zahl- 
reichen Instrumental-Compositionen, den Concentus' musico-in- 
strumentalis, die ganz ausgezeichneten Partite a tre u. m. a. einen 
solchen Namen sich erworben, dass er von Antonio Lotti zu 



1 



Fux, Opern. 195 

Bemer Oper Costantino (1716) und von Giov. Bononcini zur 
Operette Pro/co sul Beno (llOS) , von zwei so berühmten Com- 
ponisten angegangen wurde , die Ouvertüren zu schreiben. Dass 
Fux an die Ouvertüren seiner eigenen Opern mit geringerem 
£ifer gegangen sei, ist kaum anzunehmen, besonders da er in 
dem auserlesenen Orchester der Hofkapelle eine specielle Auf- 
forderung finden konnte, solchen Kräften würdige Aufgaben zu 
stellen. 

Ungeachtet die noch vorhandenen Partitaren in der Regel 
nur vierstimmig gesetzt sind, so ist doch ausser Zweifel, dass die 
Zahl der zusanmienwirkenden Instrumente keine geringe war, 
welche im einzelnen aus der vierstimmigen Partitur herauszu- 
ziehen das Geschäft des geschickten Notisten war, dem nur hie 
und da Andeutungen in der Partitur gegeben wurden. Gewöhn- 
lich besteht bei Fux die Ouvertüre aus einem Satze von lebhafter 
Bewegung, der aber nicht selten von einem Andante unterbro- 
chen wurde und mit einem Minuett schloss. Die Behandlung ist 
jedesmal polyphon, einfach imitierend, in einigen auch zur cano- 
nischen Verarbeitung sich steigernd. Die Auffassung ist immer 
dem Character der Oper angepasst, bald kriegerisch, bald fest- 
lich-glänzend, aber niemals der künstlerischen Architectonik ent- 
behrend, und eben so wenig an Motive der übrigen Oper erin- 
nernd. Häufig geht sie in den ersten Chor oder das erste Becita- 
tiv über, wie ein einleitendes Ritoniell dazu. Bei Opern ersten 
Ranges, wie Costanza e fortezza, Angelica, Elisa ist das Orchester 
in zwei Chöre getheilt, besonders wenn auch ein Doppelchor der 
Sänger darauf einzutreten hat. 

Die Chöre. Ungeachtet vielstimmige Gesänge dem ge- 
wandten Contrapunktisten willkommene Gelegenheit zu polypho- 
nen Compositionen biethen, so widerstand Fux doch in der Regel 
dieser Verlockung, da die Oper sie principiell fernhielt, nur in 
den Madrigalen und einigen madrigalartigeu Chören erscheinen 
leichtere Imitationen. Die Chöre sind durchweg ausdrucksvoll 
und im Character der Oper, besonders wenn sie, wie in Costanza 
e fortezza, in Alcinda u. a. als gegenüberstehende Doppelchöre 
Ruf und Antwort schwunghaft auszusprechen haben. In den 
grösseren Opern umrahmen sie oft mehrere aufeinanderfolgende 
Arien und gewähren damit diesen selbst eine kräftige Unterlage. 

13* 



>1 



196 Fux, Opern. 

• 

Wenn am Schluss des ActeB oder des Ganzen Ballettänze aufge- 
führt werden ; so sind die Tanzweisen gleichfalls vom Gesänge 
des Chors begleitet. 

Die Seccorecitative folgen gewissenhaft dem Sinne and 
den Einschnitten der oft langgedehnten Perioden in üblicher 
Weise ; allein da die Texte keine bedeutenden Steigerungen der 
Affecte in der Regel enthalten , konnte auch die Musik sie nicht 
in die Recitative hineinlegen. 

Die Arien schUessen sich überall an die Stimmung des 
vorhergehenden Recitativs an, als dessen erhöhter Ijrrischer Aus- 
druck. In dem melodischen Antheil der Arie , welcher nirgends 
Anklänge an das Kirchliche hat, fehlt es nicht an Ausdruck und 
Empfindung , wo der Text ein menschliches Gefühl darstellt , nur 
durfte auch der Componist die dem Dichter des Textes vorge- 
zeichnete Schranke nicht überschreiten. Dass Fux dem treiben- 
den Strome der Zeit sich nicht schroff entgegenstellen wollte^ 
zeigte er besonders in letzter Zeit durch manche melodiöse Auf- 
fassung im Geschmacke der allbeherschenden Italiener \ jedoch 
ohne sich im Satze ihre von ihm selbst oft scharf gerügte Zügel- 
losigkeit zu gestatten, vielmehr ist anzunehmen, dass seine 
Strenge auf mehrere der Besseren von ihnen wohlthätig zurück- 
gewirkt habiß. Die Arienpartituren verrathen keine bedeutenden 
Zumuthungen an die Virtuosität der Sänger, im Gegentheile ent- 
hielt sich Fux absichtlich derselben, da er wohl wusste, dass 
diese virtuosen Ausschmückungen von den Sängern selbst bis 
zum Ueberdrusse des Componisten vorgenommen wurden. — Die 
Gliederung der Arie in zwei Theile mit der Reprise des ersten 
Theiles nach dem zweiten war dieselbe, wie sie noch bis Ende 
des XVIII. Jahrhunderts in der italienischen Oper üblich war. — 
Eine Eigenthttmlichkeit in der Behandlung der Arie bestand 
darin, dass nach dem Beginne des Ktomells der Sänger mit den 
Anfangstacten seiner Arie einsetzt, die Instrumente ihn durch das 
fortgesetzte Ritomell ablösen , worauf der Sänger die Arie noch- 
mals beginnt und damit weiter fortfährt. — Die Begleitung bei 

ij. A. Scheibe, der krit. Musicus, p. 548, sagt über die Italiano- 
manie jener Zeit: „Man lobt niemals ein Stück, welches nicht von einem 
Italiener verfertigrt, oder wenigstens, wie sie sagen, auf italienische Art ein- 
gerichtet ist." 



Fux, Opern. 197 

Arien zweiten Ranges war ein einfacher BasBO continno, welcher 
auch bei grossen Arien mitgieng, wenn die concertierenden In- 
strumente schwiegen. Diese hatten die Ritomelle zu Anfang and 
am Schlosse der Arien , so ¥de die concertierenden Zwischen- 
spiele zu besorgen, oder auch als Bipienstimmen den Gesang zu 
tragen. In grossen Opemarien sind selbst virtuose Begleitungen 
durch einzelne Instrumente nicht selten , wozu vorzüglich die 
Violine, Viola da gamba, der Fagott, die Teorbe und Posaunen 
durch ihre ersten Meister in der Hofkapelle berufen wurden. Als 
unserer Zeit ganz entfremdete Instrumente der Begleitung erschei- 
nen hie und da die Schalmei, der Zinken, die deutsche Flöte und 
selbst die Tromba. 

Die Gesangsduette sind in den Opern seltener, eines 
höchstens zwei machen sich geltend , wahrscheinlich aus Rttck- 
sichf fllr die Sänger, welche den Beifall ihrer Virtuosität nicht 
gerne mit einem zweiten theilen woUten. Für unsem Meister 
waren sie aber ersichtlich ein Gegenstand der Vorliebe. Im zwei- 
stimmigen Satze konnte sich ja die Kunst der durchsichtigsten 
Polyphonie in schönen imitatorischen Verschlingnngen der Stim- 
men zeigen, was die gewöhnlichen Künstler der Rosalien und der 
homophonen Gänge in Terzen und Sexten als eine herbe Frucht 
weislich bei Seite liessen. 

Ueberblickt man unsers Meisters Gesammtleistung im musi- 
calischen Drama, so zeigt jede seiner Partituren, dass er als um- 
sichtiger, denkepder Künstler den Character seiner Aufgabe mit 
klarem Bewusstsein, mit Ernst und Wärme anfgefasst habe, und 
mit den reichen Hilfsmitteln seiner Kunst darzustellen bemüht 
war. Wenn auch das Ernste, Festliche — seiner Anlage und der 
Richtung seiner Studien näher lag, so findet man doch zugleich, 
dass die Darstellung des Heiter -Anmuthigen, ja selbst des 
Humoristischen nicht ausserhalb des Kreises seiner Auffassung 
blieb. Die mit ihm verwachsene Strenge seines Stils verläugnete 
sich selbst in den Concessionen nicht, welche er der Zeit machen 
zu müssen glaubte und bewirkte zugleich, dass man seinen 
Stinunftlhrungen überall mit Behagen und Leichtigkeit folgen 
kann, ohne besorgen zu müssen, auf mistönende Regelwidrig- 
keiten zu stossen. — War das Dramatische auch nicht derjenige 
Zweig d6r Musik, in welchem Fux über seiner Zeit stand und 



198 Fux, Opern. 

wirkte , so ist doch gewiss , dass seine Leistungen in Erfindung 
und Auffassung bedeutender Motive jenen der ersten Kunstgenos- 
sen ebenbürtig zur Seite stand, in der kunstreichen Durchführung 
die meisten überragte. Es ist ebenso vielfältig nachgewiesen, dass 
man auch von Seite des Hofes seine Opemmusik vollkommen 
würdigte, da seine Compositionen bei der Krönung in Prag, bei 
mehreren grossen Festlichkeiten in Wien nicht nur mit entschie- 
denem Beifalle gegeben, sondern auch nach Jahren durch öftere 
Wiederholungen ausgezeichnet wurden und selbst der kunstver- 
ständige Kaiser Karl VI. es nicht verschmähte seine Oper Elisa 
in Person zu dirigieren. 

In der nun folgenden kurzen Betrachtung seiner dramatischen 
Werke werden die Operetten (n. 1 — 12) jener der grossen Opern 
(n. 13 — 18) vorangehen. 

1. La Clemenza d*Augu8to. Poemetto drammatico (1702), 
Text von P-ietr' Antonio Bernardoni*. — Die Partitur 
dieser Oper fehlt der k. k. Hofbibliothek und war auch sonst 
nirgends aufzufinden. Lione AUacci (Drammaturgia accresciuta. 
4. Venezia 1755, pag. 197) bemerkt hierüber: y^Clemenza di Au- 
gusto, Poemetto drammatico nel giomo del gloriosissimo nome 
della S. Ges. R. M. di Leopolde Imperadore de'Romani sempre 
Augusto per comando della S. C. R. M. dell' Imperadrice Eleonora 
Maddalena Teresa Tanno 1702 in Vienna per gli Eredi Cosme- 
roviani 1702 in 4. Poesia di Pietr' Antonio Bernardoni 
Bolognese. — Musica di Giov. Giuseppe Fux". — Das Per- 
sonenverzeichniss dieses Poemetto nach P. Ant. Bernardoni poemi 
drammatici 8. Bologna 1706. pag. 207 ff. lautet: „C. Ottavio Au- 
gusto, — Clauditty figlia di Marc' Antonio, nemica di Ottavio — 
EmiUüj figlia di Marco Lepido Triumviro — Agrippa, Coman- 
dante Generale deir armi d' Ottavio — Marco Cinna , nipote del 
gran Pompeo — Vaisrio, un de' Capitani delle guardie d' Augusto — 
Lepido, figlio di Marco Lepido triumviro. — // Tevere — Com- 
porse di guardie cou Angusto — Paggi con Claudia e con Emilia. 
— Deitä tutelari de fiumi e de fonti vicini a Roma col Tevere." — 
Eine Verschwörung gegen Ottavio, an deren Spitze Claudia, die 
verschmähte Geliebte Ottavio's steht , wird rechtzeitig vor dem 

1 Beil. VIII. 399 und X. 301. 



Fux, Opern. 199 

Aasbrache entdeckt and Ottavio vergibt den Verschwomen. — 
Licenza aaf K. Leopold I. Milde übergehend. 

2. Offendere per amare ovrero La TelesiUa, Dramma per 
masica (1702). Text von Donato Capeda^ — Die Partitor 
dieser Oper war wie jene von Oper 1 ananffindbar. Allacci, 
Drammatargia p. 570 führt an: ^Offendere per amare, owero la 
TelesUla, Dranuna per masica rappresentato nel felicissimo giomo 
natalizio della S. R. M. di Amalia Willelmina, Regina de' Romani 
per comando della S. R. M . di Oiaseppe I. R6 de Romani V anno 
1 702 — in Vienna per Snsanna Cristina Vedova di Matteo Cos- 
merovio 1702 in 8. Foesia di Donato Cnpeda, Napolitano. 
Masica di Giov. 6ias. Fax". Das Textbach fehlt gleichfalls. — 
Der Bnchdracker van Ghelen kündet 1725 verschiedene Opern 
in Partitar saaber geschrieben and in rothem Saffian gebanden 
zom y erkaafe an , daranter : ^L' offendere per amare. Poesia di 
Don. Capeda^ la masica del Sgre. Fax. 3 Atti". (Wiener Diar. 
vom 3. Nov. 1725.) 

3. Pulcheria, Poemetto drammatico (1708). Text von Pietr' 
Antonio Bernardoni*. — Personaggi: Palcheria — Mar- 
ciano — Irene — Leone — Antemio. — Die weise Kaiserin Pal- 
eheria soll einen Gemal wählen nach einem Senatsbeschlasse. 
Antemio and Leone werden als Bewerber bezeichnet: von ihnen 
liebt Leone die Irene, die Freandin. der Kaiserin and Schwester 
des Marciano. Die Kaiserin überlässt die Wahl dem Aassprache 
des Marciano ; welcher selbst die Kaiserin liebt and erklärt, zwi- 
schen beiden Bewerbern könne er keinen als den Würdigeren 
bezeichtien, die Kaiserin müsse selbst entscheiden. Diese wählt 
— Marciano , ihren erprobten Feldherm and Freand ; Leone er- 
hält die Hand der früher eifersüchtig erregten Irene. — Die karze 
aber klag abgewogene Dichtang gibt itn kleinen Rahmen G^- 
legenheit za verschiedenen and lebhaften Affecten , welche vom 

• 

Componisten mit Erfolg benützt sind. Am meisten hervortritt als 
masicalische Characterzeichnang die Arie des Antemio Da me 
«^e««o, welche das stolze Selbstgefühl, seinem eigenen Werthe, 
nicht einer fremden Empfehlnng die Hand der Kaiserin verdanken 
za wollen , dann dessen Arie Me infelice^ welche die gekränkte 

1 Beil. Vm. 397 und X. 302. 2 ßeil. VIU. 450 und X. 303. 



200 Fux, Opern. 

Ambition mit Entschiedenheit wiedergibt. Anch das Eifersuchts- 
Duett Taci infido zwischen Irene und Leone hat eine sehr gate 
Haltung und Bewegung. Die Arie des Leone Sd che d^Aquüa ist 
in der Melodie und Begleitung musicalisch malend und wie auch 
die tlbrigen Solonummem auf virtuosen Vortrag berechnet. Der 
Chor fehlt in diesem Poemetto gänzlich, nur die Solosänger haben 
am Schlüsse a cinque die Licenza an die Kaiserin Amalie zu sin- 
gen. Es unterliegt keinem Zweifel ^ dass dieses dem Umfange 
nach kleinere Werk ohne Prunk der Scenerie und Costllme, blos 
durch den Gehalt der Charactere des Textes und ihres musicali- 
sehen Ausdruckes gefallen haben muss. 

4. Julo Ascanio, Rh (fAlba. Poemetto drammatico (1708). 
Text von P. A. Bernardoni*. — Personaggi: Ascanio primo 
Rfe d' Alba — Evandro principe Arcade — Carmenta, madre di 
Evandro — Emilia sorella di Evandro — Teuero Confidente di 
Ascanio. — Ascanius hat nach Besiegung des Teucer das Reich 
von Alba gegründet, wurde aber durch die Beize der besiegten 
Königsschwester Emilia besiegt, diese sträubt sich anfangs zum 
Scheine, gibt aber leicht dem Wunsche ihrer Mutter Carmenta und 
ihres Bruders Teucer nach und willigt in die Verbindung mit Asca- 
nius. — Dieses Poemetto hat gar keine ernstliche Verwicklung, denn 
alle Partheien sind in der That gleich anfangs ttber das einver-. 
standen, was später geschieht. Die Musiknummem sind eine 
Reihe von Bravourstücken mit brillanten Begleitungen, in welchen 
abwechselnd Fagottduo, Sehahneien, dieTrombe, das Cembalo, 
2 Viele di gambe mit virtuoser Betheiligung eintreten. Ein einzi- 
ges a dne unterbricht die Reihe der Arien und am Schldsse ver- 
einigen sich die fünf Singparte zur Licenza an den Kaiser Josef I. 
Das Ganze ist daher ein fortgesetztes Concert der ersten Sänger 
und Sängerinen ohne eigentliches dramatisches Interesse. 

6. Gli Ossequi della Notte. Componimento per niusica (1709). 
Text von Donato Cupeda*. — Personaggi: La Notte — 
Urania — Pasitea — Architettura — 11 Sonno, amante di Pasitea 
— n Silenzio. — Die Nacht will dem Namensfeste der Kaiserin 
ihre Huldigung bringen, sie fordert dazu die Baukun^, die Muse 
Urania, die Grazie Pasitea auf, welche dazu bereit sind, nur das 

1 Beil. Vm. 448 und X. 304. « Beil. VUI. 462 und X. 305. 



Fax, Opern. 201 

Schweigen und der Schlaf machen gegen die Störung der Ruhe 
schwache Opposition, als sie aber hören, um was es sich handelt, 
so stimmen sie ein in den Chorus der Hymnen, und es dürfte 
kaum eine Tugend geben , die der Kaiserin in den Lobgesängen 
nicht im höchsten Grade beigelegt wird. Text und Musik sind 
gleich leicht und heiter gehalten , selbst bis zu einem gewissen 
Humor versteigen sich die Unsterblichen, wenn auf den lebhaften 
Mahnruf zur Mitwirkung der Schlaf und das Schweigen mürrisch 
ihr y^Deh postUe ! Deh tacete !^ in den kleinsten Intervallen ent- 
gegenbrummen und das Schweigen die Geliebte schlafen heisst, 
während der Schlaf in schläfrigen Bythmen seine Betrachtungen 
macht. Desto lebhafter sind die anderen Göttinen und haben an 
ihren Arie di bravura Gelegenheit ihre Kunstfertigkeit zur Gel- 
tung zu bringen. Auch die Ouvertüre ist voll Bewegung und 
breiter ausgeführt, in den Begleitungen der Arien kommen neben 
andern Soloinstrumenten vier Yiole di gamba vor, die im Ein- 
klänge zu spielen haben. Die Hauptstimmen im Vereine sind der 
einzige Chor, der während des Verlaufes der Handlung häufig 
nach den Arien antwortend eintritt und am Schlüsse zur Licenza 
in einem Madrigale sich vereinigt. 

6. U Mete di Marzo cantecraio a Marie. Componimento per 
musica (1709). Text von .Silv. 'Stampiglia K — Personaggi: 
Cleria — Sabina — Emilio -r Menzio. — An eine idyllische Fabel 
von zwei Liebespaaren, deren Männer Soldaten sein wollen, knüpft 
sich lose genug an, dass in Bom der Monat März dem Mars durch 
einen Priester geweiht wird, der dann prophezeit, es werde ein 
kriegsbertthmter Deutscher als römischer König seinen Namens- 
tag im März haben, worauf alle Singenden in einen Päan des 
Römischen Kaisers Josef ausbrechen, dessen Namensfest in den 
März fällt. Diese gesuchte Combination von Umständen gab doch 
Veranlassung zu mehreren Bravourarien besonders der Sänge- 
rinen nebst einem Männerduett mit Trillerketten , und es ist nir- 
gends bemerkt, dass das Auditorium mit diesem kleinen Musik- 
feste nicht befriedigt worden wäre. 

^ 1. La Dfcima fatica iTErcole, ovvero La Sconßta di Ge- 
rumemSpagna. Componimento pastorale-eroico (1710). Text von 

1 Beil Vm. 459 und X. 306. 



202 Fux, Opern. 

G. B. A n c i n i *. — Personaggi : Elpino — Clpri — Amalteo — 
Mirene — Ercole. — Die Hirten kttnden an , dass Hercnles kom- 
men werde, nachdem er ihren Tyrannen Geryon überwunden hat, 
daneben werden zwei leichte Hirten-Liebesangelegenheiten mit 
obligaten Schmerzen beigelegt. HerculeB erscheint als Sieger, 
weist aber vielmehr prophetisch auf einen Fttrstensprossen am 
Ister, der viel später kunimen werde, am heutigen Tage sein Ge- 
burtsfest haben und alle iberischen Völker durch seine Tapferkeit 
in Erstaunen setzen werde. — Dieser Fürst vom Ister, der durch 
das Gomponimento gefeiert wird, ist König Karl HL von Spanien, 
welcher wenige Monate früher (27* Juli 1710) einen Sieg bei 
Almenar in Spanien über die Franzosen erfochten hatte. Dadurch 
wird die Sehergabe des Hercules be^eiflich. — Wie der Titel 
der Composition aussagt, ist die Musik zum Theile heroisch, zum 
Theil pastoral. Die contrapunktisch durchgeführte Introduction 
und die wiederholten Chöre haben martialische Anklänge , wäh- 
rend die Liebesepisoden von Hirtenglück triefen. Von den Hir- 
tenliedem ist eine anmuthige Siciliana Amor i un bei desnr sehr 
einfach und ansprechend, die Chöre sind theils in Madrigalform 
und aus den 5 Sängern beigestellt ; auch die Licenza wird durch 
den Schlusschor gesungen. An Abwechslung und einzelnen Bra- 
vourstücken fehlt es hier durchaus nicht. Schalmei und deutsche 
Flöte durften in dem Schäferstücke erwartet werden, die Teorbe 
hat manche concertante Begleitung auszuführen. 

8. Dafne in Lauro. Componimento per camera (1714). Text 
von P. Pariati*. — Interlocutori: Diana — Dafne — Apollo — 
Amore — Mercurio — Coro di Ninfe e Pastori. — Das Sujet ist 
so einfach als die Mythe. Apollo will dem Amor trotzen , dieser 
schiesst ihn aber mit einem glühenden, seine Schöne, Dafne, mit 
einem kalten Pfeil. Sie widersteht Apoll's Bewerbungen und 
wird zuletzt in einen Lorber verwandelt. Apoll weiss dann nichts 
geeigneteres zu thun , als einen Zweig davon der Stime Kaiser 
Karl VI. entgegenzubringen. Den Character des heiteren Spiels 
verlässt die Musik auch während des Liebesjammers Apolls nicht, 
und der Amor buffo macht sich , muthwillige Töne anschlagend, 
vielmehr lustig darüber. Besonders hervortretend sind zwei 

1 Beil. Vm. 477 und X. 307. 2 Beil. VIU. 504 und X. 308. 



Fux, Opern. 203 

Duette, das eine Nun v' i pace von Diana und Dafne, worin sie sich 
über den Gram der Liebenden erlnstigen, das andere Nel penHer 
di non amarti in welchem Apoll nm Liebe fleht, Dafiie ihn 
zurückweist. In beiden bewährt sich die contrapnnktische Kunst 
in mannigfaltigen Imitationen auf das glänzendste. Im Ganzen 
fUUt es auf, wie Fux gewisse musicalische Wendungen der Ita- 
liener immer mehr zu den seinigen macht, aber sich selbst darum 
keineswegs aufgibt. 

9. Orfeo edEuridice. Componimento da camera (1715). Text 
von P. Pariati *. — Persone, che cantano: Orfeo — Euridice 

— Plutone -:- Proserpina — Amore — Aristeo — Coro di spiriti 
degli Elisi — Coro di ombre infemali — Coro di amorini. — 
Orfeo kommt in die Unterwelt , seine geliebte treue Euridice sich 
für die Oberwelt zurückzuerbitten. Aristeo, der ans Liebe für 
Euridice sich den Tod gegeben hatte, macht vergebliche Einstreu- 
ungen , Amor und Proserpina legen Fürbitte ein , und Pluto , der 
wankende, gibt mit Rücksicht auf den hohen Geburtstag (des 
Kaisers) den man auf Erden feiert, nach und lässt die Liebenden 
ohne Bedingung ziehen. Die Zahl der Gesangsnummem ist ausser 
den langen Recitativen nicht unbeträchtlich , die einzelnen aber 
mit Rücksicht auf den ausgedehnten Text kurz und nicht über das 
gewöhnliche sich erhebend. 

10. Diana placata, Componimento da camera (1717). — 
Text von.P. Pariati'. — Persone, che cantano: Agamemnone 

— Iflgenia ed Erifile, figlie di Agamemnone — Achille — Ajace 

— Calcante — Coro di Ministri e Sacerdotesse di Diana — Coro 
di Vergini di Micene e di guerrieri. — Die oftbearbeitete Mythe 
der Versöhnung Dianens durch Iphigenia liegt hier in wenig ent- 
wickelter Handlung zu Grunde. Iphigenia und ihre Schwester 
Eriphile konmien auf Geheiss des Vaters Agamemnon nach Aulis 
in der Absicht, von Achilles und Ajax gefreit zu werden. Diana 
verlangt aber durch den Seher Kalchas wegen Tödtung einer 
Hirschkuh durch Agamemnon den Tod der Iphigenia. Agamem- 
non sieht sich genöthigt, dem Götterspruche sich zu ergeben, 
aber in dem Augenblicke, als Iphigenia geopfert werden soll, 
schickt Diana eine Hirschkuh, die an Iphigenia's Stelle getödtet 

1 Beil. Vni. 513 und X. 309. 2 Beil. .VUI. 534 und X. 311. 



204 Fux, Opern. 

werden soll, und die letzte erhält die Bestimmong, als Priesterin 
der Diana nach Tanris zu gehen. — Ungeachtet der ganze bedea- 
tnngSYolle Vorgang nur mehr in Umrisaen behandelt wird, so sind 
doch mehrere der wichtigsten Nummern ausgeführter, und die 
dramatische. Auffassung characteristisch, so Agamemnon's Arie 
n colpevole son io^ nachdem er den Ausspruch der Göttin erfahren 
hat, ebenso ist in Iphigenia's Arien Ernst, und Festigkeit ausge- 
sprochen, jede Ausschmückung entfernt gehalten, auch Achilles 
tritt entschieden auf, zuletzt musste freilich auch der Virtuose des 
Gesanges (Gaetano Orsini) mit einer Trillerkette bedacht werden. 
11. Psiche. Componimento da Camera (1720-rl 722). Text 
von Apostolo Zeno*. — Interlocutori : Venere — Amore — 
Psiche — Mercurio — Doleria, Orgia, sorelle di Psiche — , 
Giove. — Apostolo Zeno folgt in der Behandlung des Textes 
ziemlich genau der Mythe. Venus ist erzürnt, dass ihre Altäre 
verlassen werden und Psyche , die schöne Sterbliche , göttliche 
Verehrung erhält. Sie sendet Amor aus zur Rache , dass Psyche 
in den hässlichsten Sterblichen sich verliebe. Allein Amor ver- 
bindet sich selbst mit Psy«he , besucht sie nur Nachts und ver- 
biethet ihr, ihren ungesehenen Geliebten sehen zu wollen. Die 
Schwestern Psyche's machen sie durch die Einflüsterung, der 
Geliebte sei ein Ungeheuer, bestürzt und neugierig, ihn beim 
Scheine der Fackel zu besehen , Amor erwacht , macht ihr die 
bittersten Vorwürfe, liebt sie aber dennoch, Veniis, ^ie ihr mit 
dem strengsten droht, wird durch seine Bitten erweicht, Jupiter 
erscheint, macht Psyche zur Unsterblichen und verbindet die 
Liebenden. — Wahrscheinlich war eine Krankheit des Fux die 
Veranlassung, dass er im Jahre 1720, nachdem er 14 Nunmiem 
der Operette componiert hatte, den Best zu componieren an Cal- 
dara überlassen musste. Im Jahre 1722 liess es ihn aber nicht 
ruhen, bei einem ähnlichen Anlasse, seine angefangene Composi- 
tion gänzlich zu vollenden und in dieser Gestalt seinem Kaiser vor- 
zuführen. Durch die doppelte Composition desselben Textes ist die 
Gelegenheit gebothen, die verschiedenartige Auffassung und Be- 
handlung der beiden Meister zu vergleichen. Der grösseren Be- 
weglichkeit des Italieners in der melodiösen Richtung setzte der 

» Beil. Vm. 563. 582 und X. 313. 



Fux, Opem. 205 

ernste strengere Deutsche, obschon den welschen Formen nicht 
nngeneigty eine characteri6tisch*festere; durch Kunst verschönte 
Auffassung entgegen , wie dies in Jnpiter's Arie n. 19 geschah, 
wo Fux glücklich die Form des Madrigals wählte. Auch die Con- 
trastierung der Musik in „Fierguardo^ mitAem ^ün dir lu»inghiero^ 
ist Fux wohl gelungen. — Dem Texte fehlt es an vielen Stellen 
an Abwechslung des Gedankens und Ausdrucks, wenn Venus 
ohne Ende der Psyche vorwirft, dass sie schön sei und die Men- 
schen ihr Altäre bau'n ; auch darf man es wohl unfein nennen, 
wenn Psyche beim Anblick ihres Geliebten ruft: „fi un mostro di 
beltade" , abgesehen von den selbstverstandenen Bemerkungen, 
dass Psyche sich nicht selbst so schön gemacht und die Menschen 
nicht aufgefordert habe, ihr Altäre zu bauen u. dgl. 

12. Giunone placata. Festa teatrale (1725). Text von?* — 
Personaggi: Giove — ^ Giunone = La Faustina. — Venere — 
Mercnrio. — Coro di Dei con Giove — Coro di aurette con Giu- 
none. — Ueber Jupiter's Untreue erzürnt hat sich Juno vom 
Himmel entfernt und in Stymphalos, ihrem Lieblingsorte ange- 
siedelt, wo ihr als Juno- Witwe ein Tempel erbaut wurde. Jupiter 
entbrannte für die abwesen^^e Gemahlin mehr als früher für die 
anwesende, und hat Verlangen, dass Juno in den Olymp zurück- 
kehre. Das gelingt durch die List der Venus und des Mercur, 
welche der Juno das Gerücht zukommen lassen, dass Jupiter 
eine andere rechtmässige Gemahlin nehmen wolle. Darüber kehrt 
die stolze und eifersüchtige Götterkönigin nach dem Olymp zu- 
rück und versöhnt sich mit Jupiter. — Das Ganze ist ein lose 
gewebtes Intriguenspiel im Götterkreise und den heiteren Ton 
hat die Musik in auffällig italienischen Formen bis ans Ende 
festgehalten. Die lockeren Gesänge der Venus , die gute Laune 
des Vaters der Götter, der die sonderbarsten Geständnisse macht, 
die falsche Demuth der stolzen Götterkönigin, dann auch die 
beliebten Sprünge des Götterbuffo Mercur biethen der Abwechs- 
lung und des Anmuthigleiehten genug, während die Chöre mit 
herzlichem Jubel die gefeierte Kaiserin begrüssen. Zu wundem 
ist nur, dass für Fanstina, welche den Part der Juno sang, nicht 
mit mehr Bravour in den Noten vorbedacht ist, allein däfUr wird 

1 Bell Vni. 618 und X. 316. 



206 Fux. Opern. 

wohl die Künstlerin selbst in den Beprisen reichlich besorgt ge 
wesen sein. 

13. AngelicavineüricediAlcina. Festateatralein3atti(1716). 
Text von Pietro Pariati*. — Cantano: Angelica, Regina di Ca- 
tfgo — Alcina , Maga — Medoro — Bradamante — Buggiero — 
Atlante/ Mago — La felicitä publica. — Eine Zauberoper, in 
welcher (nach Arriost) eine tngendreiche Königin, Angelica, ttber 
die Zanberkünste ihrer eifersüchtigen Rivalin , der Zauberin Al- 
cinda , znletzt siegt und mit ihrem treugeliebten Medoro verbun- 
den wird, nachdem beide vorher allerlei Fährlichkeiten zu ttber- 
stehen hatten, während ein zweites Liebesverhältniss zwischen 
Bradamante und Ruggiero nebenher läuft und ebenfalls glücklich 
sich löst. — Die Veranlassung zu diesem Feste war die glück- 
liche Entbindjang der regierenden Kaiserin Elisabeth von einem 
lange ersehnten Thronerben, dem Erzherzog Leopold, worüber 
Oesterreich und Wien insbesondere von einem Freudenjubel er- 
füllt wurde, der natürlich auch in einer dramatisch-musicalischen 
Prachtdarstellung einen entsprechenden Ausdruck finden sollte. 
Man griff zu einer Zauberoper , worin Gelegenheit zu festlichen 
Aufzügen, Verwandlungen, Gefechten und Tänzen hinlänglich 
gebothen war, und da die Vorstellung auf dem grossen Teiche in 
der Favorita statt hatte, so konnten zur Verherrlichung dieses 
Abends alle vier damals bekannten Elemente aufgebothen wer- 
den, wie das auch aus dem mit grossen Illustrationen erschie- 
nenen Programme sattsam hervorgeht. Ungeachtet fllr die Per- 
sonen der feenhaften Handlung nicht leicht eine menschliche 
Theilnahme zu erreichen war, .so bothen doch die abwechselnden 
Momente des Schauerlichen, des Kampfes und endlichen Sieges 
der guten Sache^ Gelegenheit zu spannender und in einzelnen 
Nunmiem sehr wirksamer Musik. Ausser den zahlreichen Ge- 
sangsbravourstücken treten, wie gewöhnlich die Duetten (n. 18 
und 32) durch kunstreiche Verschlingung der Stimmen, beson- 
ders das letzte hervor , in welchem contrastierende Affecte musi- 
calisch neb^n einander zu gehen hatten. Das Ziel einer glänzen- 
den Musik zu einer glänzenden Schaustellung zu schaffen, ist 
jedenfalls erreicht worden. 

1 Beil. Vm. 520 und X. 310. 



Fux, Opern. 207 

14. Elisa. Festa teatrale per Musica (1719). Text von 
Pietro Pariati*. — Lepersone, che eantano: Elisa, Kegina de 
Fenici — Venere ßotto nome di Arpalice — Iride sotto nome di 
Oronta — Enea — Imeneo — Arcate, compagno di Enea — 
Amore, crednto ABcanio, figliuolo di Enea — Jarba, r^ di 6e- 
tali. — Das St\jet dieser festa teatrale ist die bekannte Episode 
der Aeneis, wo durch Dazwischentreten der Venus, des Amor 
und HymenäuB auf der Jagd während eines Gewitters die Ver- 
bindung des Aeneas und der Elisa (Dido) vermittelt wird, womit 
hier alle Götter einverstanden sind. — Es liegt nahe , dass der 
Name der Kaiserin Elisabeth ^ welche zu feiern war, auf die 
Dichtung des Poeten bestimmend eingewirkt habe. Tieferes Ein- 
gehen war bei einer Aufgabe, wie sie hier vorliegt, nicht leicht 
denkbar. Man wollte am Geburtstage der Kaiserin der Gefeierten 
eine musicalisch-scenische Huldigung bringen durch eine mähr- 
chenhafte Handlung, in welcher nichts als der Name der Fürstin 
(Elisli), die mit einem andern Prinzen verbunden wird, mit der 
Gefeierten gemeinsam ist. Denn weder die sittlichen, noch weni- 
ger die religiösen Principien der Stifterih dieser Verbindung 
(Venere) dürften den Ansichten des frommen Hofes entsprochen 
haben. Dass aber ein solcher Text componiert und ohne anstössig 
gefunden zu werden, bei Hofe aufgeführt werden konnte, ist ein 
Beweis, dass man in der Handlung nichts als eine Fabel, in den 
antiken Göttergestalten und ihren Kundgebungen nichts als con- 
ventioneile Schemen und Redewendungen annahm, genug wenn 
sie Anlass gaben zu brillanten Schaustellungen mit Gepränge 
und Musik. Daran fehlte es auch in unserem Falle nicht. 
Trojaner, Phönicier, Jäger und Jägerinen, Amoretten, Grazien 
und an deren Spitze Venus und Amor selbst, nebstbei Jagdlust, 
Gewitter, Verwirrungen und Entwirrungen Hessen den Zuschauer 
schwer an das Einzelne des Textes einen strengeren Massstab 
anlegen. — Die Musik ist festlich und bequemt sich in vielen 
Nummern der italienischen Auffassung. Zum Eingang und am 
Schlüsse ist ein Doppelchor der Sänger und Instrumentisten 
feierlich glänzend, die Arien der Venus, der Elisa und des Hy- 
menäus haben zu Ausschmückung der Sänger überall Gelegen- 

1 Beil. Vm. 551 und X. 312 



208 Fux, Opern. 

heit gebothen^ mid sie theilweise angedentet, die Nummern 4, 
12; 18 nehmen ganz italienische Fonnen an, jedoch ohne ihre 
Leichtfertigkeit; in der Bassarie des Jarba liegt etwas bnffo- 
artiges. Die Cavatine des Amor Me credendo ist ein artiges Stro- 
phenlied; eben so liegt in seiner Anette In quel che volgi a me 
etwas einschmeichelndes nnd verlockendes , das Dnett n. 21 , in 
welchem Venus den verliebten Aronte hänselt, hat etwas iro- 
nisch-neckendes. Aus dem Ganzen geht hervor, dass der sonst 
so ernste Componist sich auf ein ihm femer gelegenes Gebietb 
des heiteren Verkehres einliess und darauf nach seiner Weise mit 
Anstand freier bewegte. 

15. Le Nozze di Aurora. Festa teatrale per musica (1 722). Text 
von P. Pariati*. — Cantano. Nel prologo: Iride e due Cori. — 
Nella festa: Giove — Giunone — Aurora — ^^Titone -r- Diana — 
Imeneo — Amore — Mercurio — Destino. — Alle Götter geben sich 
Mlihe, Tithon mit Aurora zu verbinden : Eeus, Juno, Amor, Hyme- 
näus, Mercur ; Tithon und Aurora willigen ein, die wohIerzo*gene 
Götterprinzessin Aurora dringt auf einen ausdrücklichen Befehl 
des Göttervaters Zeiis, auch den erhält sie; nur Diana macht 
einige Einstreuungen, damit die Handlung nicht zu rasch ablaufe. 
Uebrigens scheint es im Olymp ganz ähnlieh zuzugehen, wie es 
auf der Erde bei der Vermählung der Erzherzogin Amalie mit 
dem Kronprinzen Karl- Albert von Baiem zugegangen sein mag, 
denen die Licenza zum Schlüsse die schönsten Dinge wünscht und 
prophezeit. — Der Text leidet mitunter an argen Längen und auch 
der Componist wird darunter gelitten haben, welcher sich nur 
durch außgiebige Recitative retten konnte um den vielen Arien ftor 
die reichbetzte Göttertafel und die zahlreichen Chöre zu genügen, 
welche die meisten Arien umrahmen. Die Musik der ganzen 
Oper athmet Heiterkeit und Festlichkeit, angemessen der Zeit 
und dem Orte, zugleich auch in manchen Arien, besonders in der 
Arie Toglieste me eine Leichtigkeit und Grazie der melodiösen 
Erfindung, welcher die ultramontanen Vorbilder nicht vergeblich 
da gewesen sind. Zu den Zierden gehören auch zwei Duette und 
um auch den Mann der Teorbe, Franc. Conti, auf den Kampf- 
platz zu ftlhren, ist die Sopranarie Se chiedi al pino mit brillanter 

1 Beil. Vni. 584 und X. 314. 



Fax, Opern. 209 

Teorbenbegleitnng gesetzt. Kurz Meister Fnx hat sich mit allen 
Ehren ans seiner Sache gezogen. 

16. CoMtama e fariezza. Festa teatrale (1723). Text von 
Pietro Pariati*. — Attori: Publio Yalerio Pnblicohi — Por- 
senna, S^ di Etmschi — Tito Tarqninio — Valeria^ figlinola di 
P. Valerio — Clelia, nobile Bomana — Orazio — Mozio — Er- 
minio; figliuolo cU P. Valerie — U fimne Teyere — H Genio di 
Roma — Diversi Cori. — Der Wahlspruch Kaiser Karl VI. : C4mr 
stantia et fartitudine gab dem Verfasser des Textes Veranlms- 
sang zun S^jet dieser Festa teatrale die Verherrlichung der römi- 
schen Costanza e Fortezza zu wählen , welche sich in den be- 
kannten Scenen der Vertheidigung der Tiberbrttcke durch Hora- 
tins Cocles, des Verbrennens der eigenen Hand durch Mutius 
Scäyola, nachdem er nicht Porsenna, wie er beabsichtigte, son- 
dern dessen Geheimschreiber erdolcht hatte und durch die Flucht 
der Clölia mit den mitgefangenen Geiseln durch die Tiber dar- 
stellt. Porsenna^ bereits an den Thoren von B/om stehend, um 
T. Tarquinius als König dort einzusetzen, gibt sowohl dieses 
Vorhaben als auch seine Bewerbungen um Valeria, die edle 
Bömerin auf und biethet die Hand zum Frieden. — Nebenbei 
gehen mehrere sich kreuzende Bewerbungen um Clölia durch 
T. Tarquinius, Horatius und Erminins, dann der Valeria durch 
Porsenna und Mutius, welche Gelegenheit zu verschiedenen 
musicalischen Situationen geben. Ein Doppelchor singt am 
Schlüsse : Fan Cottanza e Fwrtezza i sammi EroL — Es war nicht 
blos die äussere Pracht, welche auf die Darstellung dieser Oper 
bei der Krönung in Prag verwendet wurde, ausserdem wirksamst 
unterstützt durch die besten Kräfte der Hofkapelle und der gela- 
denen zahlreichen Instrumentalvirtuosen, wie Quantz u. v. a., wo- 
durch der glänzende Erfolg erzielt wurde, es kam hinzu auch die 
Bedeutung der Handlung, die kunstreiche kraftvolle, edle Musik, 
welche daran ihren unwiderleglichen Antheil hatten. Aus jeder 
der 41 Gesangsnommem dieser Oper geht der Ernst und die 
Weihe hervor, mit welchen Fux bei seiner Aufgabe war, zu dem 
Feste einer Krönung eip Werk, seines kaiserlichen Gönners und 
seines eigenen Namens wttrdig zu schreiben. Der gesammten 

1 Beil. Vm. 593 und X. 315. 

iTöVAW, J. J. Fax. 14 



2JL0 Fux, Opern. 

Mnsik ist der Gharacter der Würde und der Kraft aufgeprägt, 
jede einzelne Arie, auch die Liebesecenen, bleibt diesem Charae- 
ter gemäss 9 wenn anch die darstellenden Bravoorsänger bei 
einem solchen Feste an Bravonrparthien nicht leer ausgehen 
durften, die aber niemals zu nichtssagendem Getändel herab- 
sanken. Vor allem bedeutend und voll Leben sind die Chöre: 
schon der erste Doppelchor am Eingang der Oper lässt die bei- 
den Heereslager der Etrusker und Römer ihr y,Ceda Roma^ und 
„Roma nonpavenia^j gleicherweise am Schlüsse des dritten Actes 
ihr „Pac^" und ^Guerrä^ wie herausfordernde Schlachtenrufe ein- 
ander kräftig entgegentönen, und bei jedem bedeutenden Fort- 
schritte der Handlung treten die Chöre als Massentheilnehmer 
ein. Mit besonderer Vorliebe ist femer der instrumentale Theil die- 
ser Oper behandelt, da vorzüglich in der feierlichen zweichörigen 
Ouverttlre auch der Contrapunktist mit seinen wirksamen Mitteln 
zur Stelle war. Unter den reichen Begleitungen geht im Chor der 
Flusse (n. 4) eme die Wellenbewegung sehr glücklich mahlende 
Figur durch das ganze Stück mit, und die Wirkung des gebun- 
denen Stiles im Freien hebt schon Quantz hervor, welcher der 
ersten Vorstellung beiwohnte. Wenn ihm später aus seiner Jn- 
genderinnerung. vorschwebte , dass die Musik mehr kirchenmässi- 
ges als theatralisches an sich gehabt habe, so muss ihm diese Er- 
innerung sich verdunkelt haben. Die Musik ist wohl durchaus ernst 
und festlich, aber doch weit entfernt vom Kirchlichen, das Fux 
in ganz anderer Weise auffasste, vielmehr klingen aus dieser 
wie aus andern dramatischen Compositionen jener Zeit die Con- 
cessionen, welche Fux dem Verlangen der Zeit gemäss gewissen 
welschen Opemwendungen in der Melodie machte, heraus, von 
denen in seinen Kirchenwerken keine Spur anzutreffen ist, ab- 
gesehen davon, dass das lyrische Element* erhöhter subjectiver 
Empfindung nur in seinen Opern überhaupt und in dieser insbe- 
sondere den geeigneten Platz fand. Da die Chöre so häufig und 
bedeutend eintreten, war zu erwarten, dass Fux bei mehreren der- 
selben die Madrigalform nicht bei Seite liess, besonders da auch 
die Chortexte der epigrammatischen Wendung am Schlüsse nicht 
entbehren. Es wird nicht fehlgegriffen sein zu behaupten, dass Fux 
selbst, als er gichtkrank in Prag der ersten Aufführung seiner 



Fux, Opern. .211 

Opei als Zuhörer beiwohnte, mit diesem seinen Werke znfneden 
war : YoUe Ursache hatte er mindestens dazn. 

17. La C&nma d Arianna. Festa teatrale (1726). Text 
von P. Pariati*, — Personaggi: Venere — Teti — Arianna — 
Bacco — Peleo — Simardo, principe di Nasso — Asterio, am- 
bassiatore. — Das St^et dieses theatralischen Mnsikfestes behan- 
delt die Mythe der Yermählong der Ariadne mit Bacchns. — 
Ariadne ist von Thesens verlassen nnd mn diesen klagend auf 
Kaxos zurttckgeblieben. Bacchus voik seinem Siegeszuge in Indien 
zurückgekommen findet sie und wird von ihrer Schönheit ent- 
zückt. Die Klagen um Theseus werden immer schwächer, durch 
Vermittlung der Venus und das Geschenk einer Krone, die den 
Kununer vergessen macht, verstummen sie gänzlich und schliess- 
lich willigt Ariadne in die Verbindung mit Bacchus. Um diese gar 
zu einfache Handlung etwas zu verwickeln, erscheinen noch zwei 
Bewerber um Ariadne: Peleus und Asterios, welche aber ohne 
Schwierigkeit beseitigt werden, indem durch Verknpplung der 
Venus Peleus mit Thetis verbunden wird, Asterios einfach nach 
Creta sich zurückzubegeben hat. Zum Schlüsse kündigt Bacchus 
der Geliebten an, dass die Krone der Ariadne zum Lohne 
treuer (? !) Liebe unter die Sterne werde versetzt werden. — 
Schon aus der grossen Zahl der Gesangstücke (35), noch mehr aus 
den vielen Tänzen und Decorationen , welche auf dem bekannten 
Teiche der Favoritä ihre Pracht verdoppelt entfalten konnten, 
geht hervor, dass dieses Musikfest, ungeachtet es aus einem ein- 
zigen Acte bestand, zu den grossen Schaustellungen gezählt 
werden muss. Dass übrigens diese Götterhofgeschichte auf ge- 
.ringe menschliche Theilnahme berechnet sein konnte, ist im vor- 
aus klar, man war befriedigt, eine Reihe abwechselnder Musik- 
stücke von den ersten Gesangskünstlem zu vernehmen, in wel- 
chen kaum mehr als die Situation der Personen im Momente des 
Vortrages in der musicalischen Auffassung berücksichtigt wurde. 
Diesem wurde in jeder Hinsicht genügt, sogar für einen mythi- 
schen Semibuffo in der Person des Bothschafters Simardo ge- 
sorgt, imd daher eine concertartige Festmusik in jedem Sinne, 
wenn auch mit geringer dramatischer Wirkung^ gebothen. — Das 

1 BeiL Vm. 626 and X. 817. 

14* 



212 Fux, Opern. 

Wiener Diariiun vom 28. August 1726 bemerkt ttber die .Auf- 
nahme der ersten Aufführung, dass „diese Opera bei den kaiser- 
lichen Majestäten allergnädigstes Wohlgefallen, und bei dem 
ganzen Hofstaat und Adel ein allgemeines Lob gefunden hat". 

18. Enea negli Elisi ovvero // Tempio delV Etemitä, Festa 
teatrale (1731). Text von Metastasio^ — Interlocutori: Dei- 
fobe — Enea — L'Eternitä — La Gloria — La Virtü — II 
Tempo — L' ombra di Anchise — L' ombra di Lino — L' ombra 
d' Orfeo — Cori. Das St^et jsttttzt sich (nach Virgil) auf Aeneas' 
Besuch in der Unterwelt. Dort findet er die Zeit, die Ewigkeit, 
die Tugend , den Buhm beschäftigt ein Bild zu entwerfen von der 
in fernster Zukunft erscheinenden Römischen Kaiserin Elisa und 
ihrem Geburtslage. Zum Schlüsse findet Aeneas den Schatten 
seines Vaters Anchises, doch auch dieser lenkt seine Aufmerk- 
samkeit auf die Kaiserin, welche durch die Römer und den 
Römischen Kaiser mit Aeneas, dem Grttnder des Römischen Vol- 
kes in Verbindung stehe. — War es schon ein sonderbarer Ein- 
fall Metastasio's, dass man in der Unterwelt nichts eifriger zu 
thun weiss, als eine nach Jahrtausenden mögliche Fürstin mit 
allen Vollkommenheiten auszustatten, so war es eine noch bizar- 
rere Zumuthung durch eine Reihe von Schatten der Unterwelt 
und durch gestaltlose J^ersonificationen irgend ein dramatisdies 
Interesse erwecken zu wollen ; denn der einzig mögliche Moment 
dazu, das Begegnen von Vater und Sohn wird vom Dichter ganz 
als Nebensache behandelt. Wenn also Fux, nur durch die gewähl- 
tere melodiösere Sprache unterstützt wie es scheint, sogar mit einer 
gewissen Wärme nur den Wortlaut, nicht die Handlung (denn 
diese war null) berücksichtigend eine Anzahl dankbarer Musik-, 
stücke von Werth niederschrieb, so dürfte jedenfalls seine be- 
geisterte Anhänglichkeit an das kaiserliche Haus einen wesent- 
lichen Antheil daran gehabt haben. 



Im Jahre 1731 sollte den alten hilfsbedürftigen Mann noch 
eine schwere Heimsuchung treffen: am 8. Juni starb seine Gattin 
Juliane \ durch 35 Jahre die treUe Freundin und theilnefamende 
Pflegerin in seineä langwierigen Leiden. Fux fühlte sich durch 

1 Beil. VIII. 679 und X. 318. « Todtenprot. Beil. I. 21 [5]. 



Fux, Chronik. 213 

diesen Todesfall so erschüttert; dass er sich im nächsten Jahre 
1732^ daran machte ^ sein Testament aufzusetzen, in welchem 
er seine brave Nichte Eva Maria Fux, die seit mehr als 
30 Jahren im Hanse ihres Oheims als Adoptivkind gelebt hatte, 
zur Erbin einsetzte. Ihr war es auch vorbehalten ihrem Wohl- 
thäter die letzte Treue zu erweisen. Neben ihr lebte zugleich ihr 
unmündiger verwaister Bruder, Matthäus Fux, als Adoptivsohn 
im Hause, fbr den der Oheim, ungeachtet er ihm ein bedeuten- 
des Legat vermacht hatte, dennoch weitere Schritte um einen Er- 
ziehungsbeitrag bei dem Kaiser unternehmen zu müssen glaubte. 

Schon im Jahre 1727 hatte* Fux dem Kaiser ein Gesuch 
überreicht, worin er um einen Erziehungsbeitrag ftlr seinen sie- 
benjährigen Neffen bittet, den er neben dessen Schwester an 
Kindesstatt angenommen hatte. In seiner Eingabe^ dankt Fux 
zuerst für die im Jahre 1721 bewilligte Pensions- Abfertigungs- 
summe von 8000 fl. für seine eventuelle Witwe, und bittet für 
seinen Neffen, der gute Talente verrathe, aber erst sieben Jahre 
alt sei und ihm in seinem hohen Alter die Vollendung seiner Er- 
ziehung nicht voraussehen lasse, in fernerem Anbetracht seiner 
eigenen vieljährigen Dienste um einen Erziehuiigsbeitrag. In 
dem Gutachten über dieses Gesuch' hat die Concertations-Com- 
mission (der Obersthofmeister mit dem Finanzminister) zwar 
*„des Supplicanten (Fux) besondere, ganz offenkundige virtü, 
nebst seinen seit 1698 zu vollständiger Satisfaction geleisteten 
guten Dienste und andurch erworbenen Meriten gar wohl er- 
kannt^ wagt es aber nicht, besonders in Anbetracht der hohen 
Besoldung und der vor wenigen Jahren erhaltenen 8000 fl. auf 
eine Gnadengabe für den Neffen einzurathen. — Darüber er- 
theilte der Kaiser keine Resolution, was einem abschlägigen Be- 
scheide gleichkam. 

Im Jahre 1733, 9. April erneuert Fux sein Gesach* um 
einen Beitrag zur Prosequierung der Studien für seinen Neffen 
Matthäus, bis ersieh zu einer Dienststelle fähig gemacht haben 
würde. Der Obersthofmeister beantragt darüber*, dass dem Sup- 
plicanten Gnade genug sein könnte, „wenn der Kaiser dem adop- 

■ 

1 Beil. I. 5. a Beil. U. 13. » Beil. n. 14. * Beil. H. 15. » Beil. 
n. 16. 



214 Pux, Chronik. 

tirten dreizehnjährigen Sohn Matthäus nicht jetzt gleich, sondern 
a die des sapplicierßnden KapeUmeisters erfolgten Todfalles 
bis zu des Knaben eintretender Vogtbarkeit jährlich 400 fl. ailer- 
mildest verwilligen wollte^. 

Darüber erfolgt des Kaisers eigenhändige Besolution: „Soll 
ihm/ was ein Scholar Gehalt erhält, geben werden^. 

Damit waren jährlich 360 fl. bewilligt. — Wenn es auf den 
ersten Anblick befremden kann, dass Fax nach so oft wieder- 
holten Onadenbezengnngen nicht absteht, um neue VergtLnsti- 
gungen zu bitten, so ist zu bedenken, dass die AengstUchkeit^ 
mit dem Vorhandenen nicht auiSzukommen, eine im hohen Alter 
nicht seltene Erscheinung ist, besonders wenn man aus drücken- 
den Verhältnissen in der Jugend sich emporarbeiten musste. Da 
diese Sorge überdies einen armen nahen Verwandten betraf, 
den Fux zugleich nach seinem Ableben in Verbindung mit dem 
kaiserlichen Hofe wissen woUte, so wird diese Sorge dadurch 
wenn auch nicht begründet doch erklärbar. Sicher ist aber, dass 
die Grossmuth des Kaisers von mehreren Kunst- und Zeitgenossen 
des Fux in weit auffallenderer Weise ausgebeutet wurde, und 
man weiss, wie verführend solche Exempel in ähnlichen Lagen 
zu wirken vermögen. 



XIV. 

Die kaiserliehe Hofkapelle unter Ihrem Kapellmeister Fax 

(1716-1740). 

Ungeachtet Fnx bis an sein Ende als Hofkapellmeister ftin- 
gierte, so brachte es doch seine körperliche Schwäche mit sich, 
dass er als Dirigent der Musik seit lange durch seinen Vice- 
EapeUmeister Antonio Caldara sich vertreten lassen musste, 
bis auch dieser am 28. December 1736, 66 Jahre alt, mit Tode 
abgieng. Fux war nun ohne Yice-Kapelhneister, bis zum 6. Febr. 
1739, wo von Fux empfohlen, Luca Antonio Predieri in 
diese Stelle eintrat und 1 746 selbst Hof kapellmeister wurde. 

In dieser letzten Periode des Wirkens unseres Fux waren im 
Hof-Musikstatus mehrfache Veränderungen vorgegangen , welche 
an die Vergänglichkeit irdischer Grösse mahnen konnten: Der 
Cavagliere Direttore di musica, Principe Luigi Pio machte, 
da er 1732 Gesandter bei der Republik Venedig geworden war, 
Pkttz dem Grafen Ferdinand Lamberg, mit dem Fux, wie 
es scheint, ohne Conflicte siel; benelmien konnte. — Von den Com- 
positoren war der geniale Francesco Conti am 20. Juli 1732, 
Carlo Ag. Badia am 23. September 1738 durch den Tod aus 
der bereits sehr gelichteten Reihe der grossen Hofcomponisten 
geschieden. Neue Kräfte mussten herbeigezogen werden, die 
Lttcken zu fllUen, darunter einige' nicht unbedeutende Talente, 
wie Georg Reutter der jüngere, welcher wegen seiner Brauch- 
barkeit von Fux viele Anerkennung erfuhr und am 1. März 1731 
Hofcompositor wurde. Nach dem Tode des Fux wurde er anfangs 
zweiter, dann erster Hof kapellmeister, entsprach aber den geheg- 
ten Erwartungen wenig. Matteo Palott a wurde 1733 vom 
Kaiser zum Compositor ernannt, 1741 entlassen, 1749 aber 
reactiviert, ohne dass über seine Thätigkeit erhebliches bekannt 
geworden wäre. Georg Christian Wagenseil, ein Schüler 
des Fux, wurde zugleich mit Giuseppe Benno im Jahre 1739 



216 Fux als Hofkapellmeister. 

m 

Hofcompositor; von denen dem von Fnx als minder begabt er- 
klärten Bonno in spätem Alter (1. Februar 1774) die Hofkapell- 
meister-Stelle zufiel, während Wagenseil sich niemals ttber 
den Hofcompositor erheben konnte. Die jungen Kräfte Hessen es 
gewiss nicht an Fleiss und Eifer fehlen, sie leisteten was sie 
konnten, aber sie vermochten eben nicht, den Glanz und Buhm 
der Hofkapelle zu erhalten, welche ihnen die ausgeschiedenen 
grossen Yormänner als ein gefährliches Erbe zurückgelassen 
hatten. • 

Von Compositionen des Fux, welche in dieser letzten Periode 
zur Aufführung kamen, wird nur bei zwei Anlässen erwähnt. Es 
war im Jahre 1736 bei der Vermählung der Erzherzogin Maria 
Theresia mit Herzog Franz von Lothringen, wo das 
grosse Tedeum ^ gemacht wurde, und bei dem Tode des Prinzen 
Eugen, wo dem sinkenden Sterne Oesterreichs das öfter er- 
wähnte grosse Bequiem von Fu« die letzten Ehren erwies. 

Nahe dem Ende seiner Ettnstlerlaufbahn können wir die 
Gesammtthätigkeit des Hofkapellmeisters Fux tibersehen, 
wozu er durch die glücklicherweise erhaltenen zahlreichen amt- 
lichen Gutachten ein äusserst schätzbares Material zu seiner eige- 
nen Würdigung zurückgelassen hat. 

Schon in der Natur der Sache liegt es, dass die Stellung des 
Kapellmeisters eines zahlreichen Musikkörpers an einem glänzen- 
den Eaiserhofe, wo so viele grosse «und kleine Interessen in be- 
ständiger Beibung sind, mit nicht geringen Schwierigkeiten 
verbunden sein müsse und. dass kein unbedeutendes Mass von 
Selbständigkeit und Klugheit dazu gehöre, sich darin wie 
Fux durch 25 Jahre mit allen Ehren zu behaupten. Das 
dornenvolle einer solchen Stellung steigerte sich noch dadurch, 
dass die tonangebenden Hofcavaliere nicht blos Deutsche, sondern 
auch Italiener und Spanier waren und unter den Musikern selbst 
der Vice-KapeUmeister und die Compositoren, dann der Chor der 
männlichen und weiblichen Sänger , so wie ein Theil der Instru- 
mentisten Italiener waren. Aber keine Klugheit und Festigkeit 
dürfte ausgereicht haben, dass der Deutsche, Fux, gegenüber den 
grossentheils widerstrebenden fremden Elementen erfolgreich die 

1 BeU. X. 270. 



F u X als HofkapellmeiBter. 217 

Stirne gebothen hätte, wäre er nieht eines kräftigsten Rückhaltes 
in der Person des Monarchen versichert gewesen. Diesen Rflck- 
halt j auf den er sich in seinen Gutachten öfter — auch zum Mis- 
yergnflgen des Obersthofimeisters — bezieht, verdankte aber Fux 
keiner andern Protection , als dem Namen und Ansehen, welches 
er sich durch seine eminenten Fähigkeiten in trefiftichen Com- 
Positionen, durch seinen Gradus ad pamassum, durch die Schüler, 
welche von ihm ausgiengen, verbunden mit einem durchaus ehren- 
haften Character zu erringen wusste. Dieses Ansehen behielt er 
auch zu einer Zeit, wo seine körperliche Gebrechlichkeit und 
zuletzt sein hohes Alter ihn an der vollen Ausübung seiner Be- 
rufspflicht nach seinem eigenen Geständnisse vielfach hinderlich 
waren und daher seinen Gegnern willkommene Blossen gegeben 
hatten. Dessungeachtet beliess ihn sein Kaiser unangefochten 
an der Spitze der Musik, welche er so trefflich zu leiten verstand. 
Es lag durchaus keine Ueberhebung, sondern nur gerechtes 
Selbstgeftlhl der Bedeutung seiner Stellung zu Grunde, wenn 
Fux. das Andringen Mattheson's um biographische Daten ableh- 
nend mit den Worten schliesst: „Indessen sei mir genug, dass 
ich würdig geschätzt werde , Garoli VI. erster Kapelhneister zu 
sein^^. Auch dem Dilettanten Principe Pio di Savoja, der sich 
als Capo della Musica imperiale gerieren wollte, stellt er ent- 
gegen, dass die Direction der Musik von niemand als einem in 
arte perüo der Gebühr nach versehen werden könne * , da ttber- 
diess „in der kais. Instruction articulo 13^ die Kapellmeister für 
Capi der Musik erkläret seien. ^ Sogar der Meistertitel in 
der Musik , erklärt Fux gelegentlich , „könne keinem mit Recht 
beigelegt werden , welcher die Composition nit aus dem Grunde 
versteht^ . Die Entschiedenheit, mit welcher er in der Beschwerde- 
schrift gegen den Protettore Principe Pio , einem ausgesproche- 
nen Günstlinge des Kaisers entgegentritt und bittet, dass die 
Kapellmeister bei ihren alten, zur Besorgung des kais. Dienstes 
so nothwendigen Gerechtsamen geschützt werden , gieng jedoch 
nicht dahin, sich mit seinen vorgesetzten Behörden und Personen 
in schroffe Gegensatz zu bringen, im Gegentheile bittet er am 
Schlüsse seines ersten Musikreferates ^ als Hof kapellmeister (17 15) 

1 Beil. in.'4. 2 Beil. n. 23. » BeU. VL 19. 



218 Fax als Hofkapellmeister. 

den Obersthofineister^ „er möchte sieh belieben lassen, sein in der 
Wahrheit und Aafiichtigkeit gegründetes Einrathen mit Dero Re- 
ferat nnd hohen Protection zu secnndieren^ damit dadurch gleich 
anfangs seiner carica er bei der Musik in Credit gesetzt nnd mithin 
znr Befbrdemng Ihre Majestät Diensten ein hauptsächlicher Vor- 
schub gegeben werde" . 

Der Grundzug, welcher durch alle seine Gutachten bei An- 
stellungen, Oehalterhöhungen, Pensionierungen altverdienter Mu- 
siker oder ihrer Witwen und Waisen hindurchgeht, ist Billigkeit, 
Wohlwollen und Humanität , da er oft das fbrbittende Wort um 
Unterstützung solcher Personen ergreift, welche ausserhalb seines 
Bemfskreises liegen, und sie mit grosser Wärme zur Berück- 
sichtigung empfiehlt, ja als der Aspirant, Bernardod'Aprile^ 
um eine Hofcompositorstelle einsehritt, äusserte Fux, dass der 
Supplicant, wenn er mit ruhigem Oemüthe arbeiten könnte und 
nit um das tägliche Brot fttr sich , Weib und sechs Kinder sorgen 
mttsste, Tor allem andern „in den hiesigen Stylum" sich schicken 
müsse, wozu Fux das seinige beizutragen bereit sei. Wo Talent 
und Kunstfertigkeit hervortrat, fanden sie in Fux immer einen 
warmen Fürsprecher, ohne Unterschied, ob die Individuen Deut- 
sche oder Italiener waren. Seine Verträglichkeit mit Fremden 
bewies Fux vorzüglich in dem Verhältnisse zu seinem Vice-Ka- 
pellmeister Ant. Caldara, der in gewisser Richtung, besonders 
in Composition von Opern, die vorzugsweise im Oeschmacke 
des Hofes waren, als sein Bival anzusehen war. Ungeachtet 
Caldara in untergeordneter Stellung einen höheren Oehalt (von 
3900 fl.) als sein Chef und eine bedeutend grössere Abfertigung 
(von 12.000 fl.) für seine eventuelle Witwe bezog, ist doch nirgend 
ein Zug von Neid oder Misgunst in den Gutachten des Fux 
gegen Caldara zu bemerken : Fux bezeichnet ihn immer als einen 
Künstler „von grosser Virtü und Capacität***, trat auch nicht, 
vne das Obersthofmeister-Amt besorgte^, mit gleichen Ansprüchen, 
wie jener hervor, und nach Caldara's Tode beftlrwortete Fux 
sogar das Gesuch seiner Witwe um eine Pension^. Besonders 
waren es jugendliche Talente, die Fux mit Nachdruck unterstützte 
wie Max Hellmann, Gottfr. Muffat, Chr. Wagenseil, 

1 Beil. VI. 151. a Eb. 16. « Eb. 179. * Eb. 246. 



F 11 X als Hofkapellmeister. 219 

Georg Rentter Jan., Theresia Holzhansen n. a.; er 
wnsste sogar tttr die Schulden des genialen Cimbalisten M. 
Hei Im an n die Entschuldigung, dass er in diesen elenden Noth- 
stand wohl auch aus der Jugend gemeiniglich angebomen ttblen 
Wirthschaft verfallen sein mag, bittet dringend um kais. Gnade 
,,weil höchst schade wäre um dessen unvergleichliche und mit 
grossen kais. Unkosten erlernte virtt^. Diese Nachsicht hinderte 
aber nicht, dass Fux in andern Fällen einen Hofscholar ^ als 
einen jungen, verderbten Menschen bezeichnet, der wegen unnütz 
gemachter Schulden von 3000 ß, von Wien weggetrieben wurde. 
Als der Violinist E. GigP um eine Violonistenstelle ansuchte, 
äusserte sich Fux streng genug : '„Da dieser Supplicant den Yio- 
Ion niemals gespielet hat, mithin fbr einen Violonisten mit Wahr- 
heit sich nit ausgeben kann, als folgt von sich selbst, dass ich in 
dessen vermessene Anmassung nit einrathen soll^. Besonders 
empfindlich wurde Fux , wenn man seine Amtierung als Kapell- 
meister angriff. Als ihm von M. Jos. Hammer, dem Vater 
eines jungen Violinisten vörgertickt wurde , Fux habe den Hof- 
scholaren Salviati seinem Sohne vorget^etzt . (wobei aber Fux 
im vollen Rechte war), sagt dieser am Schlüsse seiner Rechtferti- 
gung': „Ueberlasse demnach Ihro Excellenz (dem Obersthof- 
meister), ob diese vermessene Anklage nit mit einem Verweis 
abzustrafen sei^. Dieser Fall ist aber der einzige, wo ein Musi- 
ker mit einer Beschwerde gegen den Kapellmeister auftritt. 

lieber den Wirkungskreis des Musik - Oberdirectors 
oder Gavalier Protettore di Musica, deren erster im 
Jahre 1 709 unter K. Josef I. erscheint, erfahren wir durch die bereits 
erwähnte Beschwerdeschrift gegen den Principe Pio di Savoja, 
dass in der Instmetion für die Hofkapellmeister, die von K. Leo- 
pold I. erlassen, und von seinen Nachfolgern K. Josef I. und 
Karl VL bestätigt wurde ^, von einem solchen Cavaliere noch gar 
keine Rede sei und die oberste Leitung der Hofkapelle jederzeit 
und in jeder Beziehung dem Hofkapellmeister* zugestanden sei, 
und später dem Cavaliere nur die Protection und die Leitung der 
Oper, wahrscheinlich auch des Balletes und aller kleineren musi- 

1 Beil. VI. 125. ^ Eb. 141. » £b. 146. « Sie ist abgedruckt Beil 
n. 24. 



220 Fux als Hofkapellmeister. 

caliechen* Festins bei Hof ttberlasBen wurde, wozu die Kapell- 
meister und Compositoren die Compositionen zn liefern , und die 
Kapelle den grOssten Theil der Sänger and sämmtliche Instm- 
mentisten zu stellen hatten. Natttrlieh fiel auch das Einstudieren 
und Dirigieren des mnsicalisehen Theiles dem Kapellmeister oder 
Vice-Kapellmeister zu. 

An kleineren Reibungen scheint es zwischen der Theater- 
porthei und der Hofkapelle im engeren Sinne nie gefehlt zu 
haben , wie ans einer gelegentlichen Bemerkung des ' Fux im 
Jahre 1722 wegen eines zweiten Copisten hervorgeht. Er schreibt: 
„Zu K. Leopold I. Zeiten hatte das Theater andere und die 
Kapelle andere Copisten , darum , weil wenn Opern, serviq di 
camera, Serenaden und Oratorien zu copieren sind, was schier 
unaussetzlich geschieht , die Kapelle zurückstehen muss und nüt 
Copiatur nicht kann versehen werden, gleich ich selbst es hab 
erfahren müssen K^ 

Da Fux schon um 1 723 an einer hartnäckigen chromschen 
Fussgicht zu leiden begann, so fiel von dieser Zeit an wohl der 
grösste Theil der Direction seinem Yice-Kapellmeister Ant. Cal- 
dara zn, der von seinem Antritte im Jahre 1716 bis zu seinem 
Ableben (28. Dec. 1 736) diensttauglich geblieben zu sein scheint. 
Später bis 1739 war Fux ohne Yice-Kapellmeister, wo hierauf, 
wie erwähnt, Luc' Xntonio Predieri als solcher eintrat und 
auch seinen KapeUmeister überlebte. Allein ungeachtet seiner kOr- 
perlichen Infirmitäten versah Fux doch immer bis zum Jahre 1740 
die Pflichten seines Amtes wenigstens in jenem Theile, welcher die 
Gutachten über Anstellungen , Gehalterhöhungen und Pensionie- 
rungen der Musiker betraf, wie die noch vorhandenen Acten be- 
zeigen, nur musste er in den letzten Jahren sich dabei einer 
fremden Hand bedienen. 

Der Stand der Hofkapelle war unter den Kaisern 
Leopold I. und Josef I. sowohl im Chor der Sänger als der In- 
stmmentisten ein* sehr ansehnlicher und darum auch sehr kost- 
spieliger geworden. Dieser letzte Umstand und die Unordnung in 
der Ausbezahlung der Gehalte waren hauptsächlich der Grund, 
warum auf kais. Befehl (3. September 1711)*' dem Obersthof- 

1 Beil. VI. 81. 2 Beil. IL 27. 



F uz als Hofkapellmeister. 221 

mei8ter aufgetragen wnrde y „von den mnsicis nur diejenigen zu 
behalten, welche die besten sind, und allein zu dem Kapelldienst er* 
fordert werden, die ttbrigen, wie auefa die Cantatricinen, Composi- 
toren und was zu den theatris gehört zu lieenfiieren^. Der dama- 
lige Vice-Eapellmeister Ziani wurde beauftragt, den Vorschlag 
zu machen, und zugleich die Gehaltstufen festzustellen. Nach 
diesem Vorschlage wurden yon den 95 wirklichen Musikern 30 
entweder einfach entlassen oder pensioniert, während der Rest 
von 65 sich im Jahre 1712 in folgender Weise vcalheilte *: 
1 Kapellmeister, 2 Altisten, 1 Teorbist, 

1 Vice-Eapellmeister, 3 Sopranisten, 3 Fagottisten, 
1 Compositor, -1 Sängerin, 2 Posaunisten, 

1 Concertmeister, 16 Violinisten, 6 Oboisten, 

3 Organisten, 2 Gambisten, 1 Comettist, 

3 Bassisten, . 3 Violoncellisten, 1 Lautenist, 

4 Tenoristen, 2 Violonisten, 8 musical. Trompeter. 

Diese eingreifende Regulierung der Hofkapelle wurde Re- 
formation oder Reformierung, und die ausgeschiedenen 
Musiker Reformierte, die Wiederangestellten Gonfirmierte 
genannt. Als Fux wenige Jahre später Hofkapellmeister wurde, 
klagt er wiederholt ttber die unglückselige Reformierung und 
hatte wohl fdr seine Person Grund , sie so zu nennen , da er oft 
genug mit Gesuchen bestttrmt wird um Wiederanstellung ron 
solchen, „die das Unglttck hatten reformiert zu werden^. Wenn 
auch im Princip nicht zu misbilligen war, dass das Uebermass 
minder tauglicher Kräfte eingeschränkt wurde und man eine 
Ordnung in den financiellen Haushalt zu bringen suchte , so war 
doch die Lage derjenigen, welche keine andere als eine musi- 
calische Bildung sich angeeignet hatten und ihre Anstellung bei 
Hofe fttr eine dauernde betrachten durften, durch die plötzliche 
Entlassung ohne alle oder mit einer dürftigen Sustentation eine . 
beklagenswerithe zu nennen. 

Viel und für die Dauer war auch durch die Reformierung 
nicht gewonnen, denn wenige Jahre nachher (1715) war die "Zahl 
der bei der Hofmusik angestellten Personen auf 100, im Jahre 1723 
auf 134 gestiegen und es blieb auch bei dieser Zahl bis 1740 

1 Beü. V. 



222 F u X als Hofkapellmeister. 

mit geringer Schwankung. Zu der Vermehrnng dieses Standes trug 
vor allem das gesteigerte BedUrfniss für die mit immer erhöh^r 
Pracht ausgestatteten grossen Opern bei. Wurden dazu auch aus- 
gezeichnete Kräfte besonders für Gesang ausschliessend flir eine 
gewisse Zahl von Vorstellungen engagiert, so fanden sich darun- 
ter doch nicht wenige , die zugleich dem Status der Hofmusiker 
einverleibt zu werden sich bemühten. Dass die Instrumentisten 
weder an Zahl noch Leistungsfähigkeit gegenüber den Sängern 
zurückbleiben durften, war eine natürlil^he Folge. Dazu kam noch, 
dass schon damals ältere verdiente Mitglieder noch als activ mit- 
zählten, obschon sie grösstentheils oder völlig dienstunfähig waren 
und darum einen Ersatz von jtlngeren Kräften erheischten. So 
führt Fux 1732 an, dass unter 20 angestellten Violinisten nur 12 
dienstfähig seien, während 16 zu Bestreitung der Hofdienste 
unumgänglich nöthig befunden wurden ^ Zum Theile wurde in 
einigen Abtheilungen, als der Componisten, der Organisten, vor- 
übergehend eine Ueberzahl dadurch herbeigeführt, dass befä- 
higte Scholaren untergebracht werden mussten. Dagegen trat 
wieder in anderen Zweigen wirklicher Mangel ein , wie bei den 
Sängern', wo im Jahrel737 zu Bestreitung der Hofdienste man 
zwei fremde Discantisten und eben so viele Tenoristen herbei- 
ziehen musste. Auch über Mangel an Altisten ist eine lange sich 
fortspinnende Klage und die Ueberzahl von 7 Organisten des 
Jahres 1724 war im Jahre 1733 auf zwei „zum Dienen taugliche^ 
herabgesunken. 

• Ungeachtet über die meisten Mitglieder der Hofkapelle die 
Gutachten, welche später zusammengestellt werden, den besten, 
ja in den meisten Fällen den einzigen Einblick in die Leistungs-. 
fähigkeit der Einzelnen gewähren, so wird es doch nicht über- 
flüssig sein, einige allgemeine Betrachtungen über den Stand der 
Hof kapelle unter Fux und ergänzende Bemerkungen über einzelne 
bedeutende Persönlichkeiten vorauszuschicken, welche in den 
Gutachten nicht erwähnt sind. 

*Die Periode der Musik, welche uns hier berührt^, fällt mit 
der Blüthezeit der Italiener zusammen ,. welche aber in mehreren 

1 Beil. VI. 193. ^ £b. 236. s Vgl. K ö c h e 1 , die kais. Hof-Muaik- 
kapeile in Wien von 1543 bis 1867. Wien, 1869. 



F u X als Hofkapellmeister. . 223 

Zweigen besonders der Instnunentalmasik in« den Deutschen Ri- 
Talen fanden. Die Oper blieb aber ihren Texten ^ Compositoren 
und Sängern nach beinahe ansBchliessend italienisch and sagte 
dem Geschmacke des Hofes sichtlich am meisten zu, wesshalb 
auch die deutschen Compositoren ^ Fax nicht aasgenommen , ita- 
lienische Texte in Musik setzen und willig oder widerwillig dem 
italienischen Geschmacke huldigen mussten. Unter den italieni- 
schen Componisten stand Ant. Caldara den anderen allerdings 
voran y ungeachtet in einzelnen Partien Francesco Conti 
(1713 — 1732) trefiniches leistete ^ und auch Carl. Aug. Badia 
(1712—1738), Gius. Porsile (1720—1740), Matt. Palotta 
(1733—1740) und später Luc. Antonio Predieri (1739— 
1740) mit anerkennenswerthen Leistungen hervortraten. 

Von 'jüngeren deutschen £j-äften gab GeorgReutterd. j. 
(1731_1740) und Georg Christ. Wagenseil (1739—1740), 
ein ausgezeichneter Schüler des Fux, die besten Hoffnungen. 
Dennoch hat Fux 1 728 Febr. Ursache zu klagen : „Dermalen ist 
ein Abgang an Compositoren, indem fast alle Arbeit auf den Vice* 
Kapellmeister Caldara allein fällt ^ ^ 

Unter den zahlreichen Organisten zeichnet Fux vorzüg- 
Uch seinen Schüler Gottlieb Muffat (1717—1740) aus, zu- 
gleich als Organist, als Componist und Informator im Cla\der bei 
den Erzherzogen; auch die besonders virtuosen Dienste des Anton 
Karl Kichter (1718 — 1740) werden von Fux hervorgehoben. 

Der Sänge rchor bestand aus den gewöhnlichen Männer- 
stimmen der Teuere und Bässe, dann aber waren in.frtthester und 
auch noch in ziemlich später Zeit (bis 1798) die Alt- und Sopran- 
stimmen zum Theile von Männern gesungen, welche Falsettisten 
Messen, zwar nicht die völlige Höhe der Knaben- und Frauen- 
stimmen erreichten , aber zu ihrer Zeit vocum miraculä genannt 
wurden. Einen ähnlichen Namen wegen ihrer Vortrefflichkeit er- 
hielten in denselben Parten die Castraten, welche ausschliesslich 
Italiener waren und in der Hofkapelle bei der Oper bis zum 
Jahre 1740 eine vorzugsweise Verwendung fanden. Allerdings 
ist bei jedem einzelnen erwachsenen Sopranisten und Altisten 
nicht mit Gewissheit anzugeben, ob er nicht etwa Falsettist war ; 

1 Beü. VI. 151. 



224 Fnx als Hofkapellmeister. 

allein bei den italienischen Namen dürfte die Annahme gegen 
einen Falsettisten begründet sein, während Niederländer, Dentsche, 
Spanier niemals ein Contingent der Castraten stellen. Die Knaben- 
stimmen waren in den Verzeichnissen in der Regel nicht der Zahl 
nach angegeben, sollten aber nicht nnter der Zahl 12 gehalten 
werden, überstiegen aber diese äfter um 4 bis 7 Individuen und 
mehr. Wegen dieser Unbestimmtheit können sie bei der Verglei- 
chnng nicht mitzählen, dabei sind daher jederzeit erwachsene 
Sänger gemeint. . 

Die Frauenstimmen erscheinen in grosserer Zahl als Hofsän- 
gerinen zur Blüthezeit der Oper, daher von 1718 bis 1740, wo 
ihre Zahl in keinem Jahre unter 4 herabgieng, sich aber von 
1728 bis 1737 inmier zwischen 8 und 9 bewegte; darunter waren 
2 bis 3 deutsche gegen den Rest italienischer Kehlen. 

Die Stärke des ganzen Chors erwachsener Sänger hob sich 
in der Periode von 1720 bis 1740 von 30 bis 44, um später nie 
wieder diese Zahl zu erreichen. 

Unter den Namen von Sängern mit hervorragenden Leistun- 
gen in dieser Periode sind hervorzuheben : 

Die Bässe: Friedrich Götzinger (1711—1735) mit 
seiner starken und ausgiebigen Stinune; Anton Berti (1729 — 
1740), den Fux einen Fundamentalmusicus nennt; aber als der 
vorzüglichste Christian Praun (1715—1740) ebensowohl in 
der Oper, im Kammerdienste, als in der Kapelle. 

DieTenore: mehr der vorhergehenden Periode angehörig 
Silvio Garghetti (1702 — 17:^9); von Fux am höchsten ge- 
stellt: Christian Payer mit vortrefflicher Stimme, auch in 
welschen Cantaten sich auszeichnend; Gaetano Borghi (1720 
— 1740) vom Kaiser berufen. 

Die' A-ltisten: Gaetano Orsini (1699—1740), für 
dessen vortreffliche Methode Fux nicht Lobsprüche genug findet ; 
Filippo Anton elli (1734 — 1740), von Loretto nach Wien be- 
rufen; Giuseppe Appiani (1739 — 1740) „ein Virtuos di prima 
sf era" . 

Die Soprane: Domenico Gen o v es i (1717 — 1740), von 
Fux der erste Sopran der Hofkapelle genannt ;GiuseppeMon- 
teriso (1716 — 1740), höchst verlässlich, der beste Sopran nach 



Fux als Hofkapellmeister. 225 

Genovesi; Feiice Salimbeni (17ä3 — 1738), nach Wien beru- 
fen, galt ftlr einen der edelsten Opernsänger. 

Die Sängerinen Maria Landini (Conti) (1713 — 1732) 
nndM. A.Loren zoni (Conti) (1723—1732), beide Sängerinen 
ersten Banges mit Gehalten von 4000 fl. — den höchsten üblichen 
— nach Wien berufen und angestellt; Anna Lisi Badia 
(1711—1726) und Bosa d'Ambreville (Borrosini) (1721— 
1740), den vorhergehenden zurttckstehend; aus der früheren Pe- 
riode Begina Scoonians (1717 — 1740), — von Fux besonders 
hochgestellt Theresia Holtzhauser (Beutter) (1728 — 1740) 
mit ihrer drei Octaven umfassenden gleichen Stimme und selte- 
nen musicalischen Festigkeit; Anna Barbara Bogenhofer 
(Schnautz) aus der trefflichen Schule Gaetano Orsini's. 

Die Zahl der Instrumentisten schwoll von 48 im Jahre 
1712 — im Jahre 1721 auf 73, welche in folgender Weise ver- 
theilt waren : 

6 Organisten, 2 Comettisten, 

23 Violinisten, 4 Fagottisten, 

1 Gambist, 5 Oboisten, 

4 Violoncellisten, 4 Posaunisten, 

3 Contrabassisten, 1 Jägerhomist, 

1 Teorbist, 16 Trompeter, 

1 Lautenist, 2 Pauker. 

Die Zahl von 70 und darüber hielt sich bis 1 740, hatte aber 
dabei mehrere ganz oder theilweise dienstunfähige mitgezählt. — 
Der Nationalität nach treten aber in dieser Periode der Italiener 
immer mehr Deutsche ein, so dass nach und nach die Italiener 
die Ausnahme werden. 

Wir treffen in jener Zeit auf eine Anzahl von Orchester-In- 
strumenten, die mittlerweile aus dem Gebrauche geschwunden 
sind, ohne einen eigentlichen £rsatz durch neue Erfindungen zu 
erhalten^ sondern nur durch den zweck- und kunstmässigeren 
Gebrauch der vorhandenen überbothen wurden, so beispielsweise 
mehrere Arten von Geigen u. dgl. Von ganz neu erftmdenen 
Orchester-Instrumenten, die sich zugleich bewährten, ist nur die 
Clarinette zu erwähnen; diese kam aber erst viel später 
(1787) an der Hofkapelle in Gebrauch. 

Kachel, J. J. Fux. . 15 



226 Fax als Hofkapellmeister. 

• 
Zu den später aufgegebenen Instrumenten, welche in der 

Hofkapelle durch eigene Individuen gespielt wurden j gehört der 

Zinken, die Laniie, die Teorbe, die Viola da gamba, 

der Baryten und das Cymbal. Die Componisten aus jener 

Zeit setzten aber auch für Schalmei , Violetta , Flute allemande 

u. dgl. , welche wahrscheinlich yon andern angestellten Musikern 

gespielt wurden, da man früher sich nicht mit der Kenntniss eines 

einzigen Instrumentes begnttgte. 

Der Zinken (Cometto), ein sehr altes und primitives 
Holzblasinstrument, bestand aus einer geraden oder gekrümmten 
Röhre mit Löchern und einem trompetenartigen Mundstück, 
welches an das eine Ende der Röhre gesteckt wurde. Sein Ton 
soll ziemlich scharf und rauh gewesen sein, doch schützte ihn 
die lange Gewohnheit und der Mangel des Ersatzes, welcher end- 
lich in der weiteren Verbreitung der Oboe gefanden wurde. In 
der Hofkapelle f&nd der Zinken durch 2 Jahrhunderte viele Ver- 
wendung und war mit je 1 bis 3 Bläsern besetzt. Der letzte Zin- 
kenist starb 1746. 

Die Läute, bekanntlich ein Saiteninstrument, dessen Saiten 
mit den Fingern gerissen wurden, ein wegen der endlosen Ver- 
stimmungen wenig verlässliches Werkzeug, fand aber vielfache 
Verwendung als Begleitinstnunent zum Solo- und Chorgesang, 
allein oder zugleich mit andern Saiteninstrumenten. Bei der Hof- 
kapelle war je ein Luttinist seit dem Jahre 1566 bis zum Jahre 
1728 angestellt. • 

Die Teorbe (Tiorba), der Basslaute nahe verwandt, wurde 
in der Kirche und in der Oper statt des Claviers gebraucht. Die 
Hofkapelle besass in Francesco Conti (1701 — 1732) den 
ersten Teorbisten der Welt. 

Das Cymbal, die ältere Form unseres jetzigen Flügels, wo 
die Saiten durch Stäbe mit Rabenkielen gerissen wurden, war 
durch den genialen Max Hellmann, einen Schüler des 
berühmten Pantaleon Hebenstreit von 1724 bis 1763 besetzt. 

Die Viola dagamba, von dem verwandten Viploncell 
vorzüglich durch die Bünde auf dem Griffbrette verschieden, er- 
hielt sich auch lange neben diesem und war in der Hofkapelle 
von 1682 bis 1740 mit 1, 2 bis 4 Gambisten besetzt, von denen 
Franz Hueffnagel excellierte. 



Fnx ala Hofkapelimeister. 227 

Der Bary ton, der Viola da gamba ähnlich, mit 5 — 7 Darm- 
saiten ; die mit dem Bogen gestrichen werden und daneben mit 
8 — 16 Drahtsaiten, die mit der Spitze des Daumens gerissen 
werden, fand in der Hofkapelle nur zwischen 1721 und 1740 An- 
wendung, ungeachtet er von edlem, angenehmen Klange gewesen 
sein soll. 

Die Violine. So wie die Instrumentalmusik anfieng selb- 
ständig anfzutreten, war die Wichtigkeit der Violine im Orchester 
für alle Zeiten entschieden. In der Hofkapelle wurden 1712 und 
später 16 Violinisten zur Bestreitung der Hofdienste für unab- 
weislich nothwendig befunden ; man ttberschritt diese Normalzahl 
während dieser Periode bis 27 (1724), und dennoch wurde 1730 
geklagt^, dass nur 13, dann 1732^ dass gar nur 12 diensttaug- 
liche darunter seien, da das Alter und körperliche Gebrechen be- 
deutende Verheerungen angerichtet hatten. Fux lobt beinahe aus- 
nahmslos die virtuosen Dienste seiner Violinisten ^ aber als die 
bravsten unter den braven hebt er doch noch J. G. Hintereder 
(1721—1740), F. K. Pernember (1727—1740), Ferdinand 
Grossauer (1732—1740) und Ign. Stadimann (1736—1740) 
hervor. 

Das Violoncell war in der Hofkapelle seit etwa 1680 
neben der Viola da gamba in Verwendung, brauchte aber 60 Jahre, 
um diese ältere ßivalin völlig zu verdrängen. In der letzten Periode 
stieg die Zahl der Cellisten bis 4, aus denen Fux dem Gio van ni 
Perroni (1721^-1740) auszeichnendes Lob ertheilt. Den höheren 
Gehalten zufolge mttssen aber auch Pietro Adö (1720 — 1740), 
Ant.Rajola(1721— 1740) und Franz Alborea (1721— 1739) 
virtuose Leistungen für sich gehabt haben. 

Der Contrabass. Fux spricht 1722* „von den dermal 
üblichen so schweren Bässen^, lobt Andreas Freitig (1701 — 
1718), noch mehr aber Anton Schnautz (1721 — 1740), der mit 
grösstem Ruhme gedient, „ein Virtuos, dergleichen kaum mehr zu 
ho£fen ist^. 

Die Posaune (Trombone) war einst ein beliebtes Instrument 
Air Begleitung des Gesanges, besonders in der Kirche; man 
componierte ftir Alt-, Tenor-, Bassposaunen, auch noch ftlr 

1 Beil. VI. 177. 2 Eb. 193. » Eb. 68. 

15* 



228 Fux ala Hofkapellmeister. 

eine vierte. Fux hielt 4 Trombonisten in der Hofkapelle nnam- 
gänglich nöthig', erklärt sich aber gegen die Quartposanne^ 
welche der kais. Musik keine Verbesserung beitragen könne ^, 
sondern im Gegentheile wegen ihres unannehmlichen Klanges sie 
deteriorieren würde. Auf der Posaune excellierte die Familie 
Christian über ein Jahrhundert (1679 — 1783), Fux sagte von 
ihr^, „dass dieses Instrument denen Christian angeboren sei, und 
Leopold christian sen. (1679 — 1 730) der erste Virtuos in der 
Welt auf diesem Instrumente sei ; auch LeopoldChristian den 
jüngeren (1712 — 1740) nennt er einen Virtuosen, dergleichen 
weder in vergangenen Zeiten, weder vielleicht in zukilnfligen 
keiner sich finden wird. 

Das Jägerhorn. Jägerhomisten, meint Fux^, haben selten 
und wenig Dienst bei der Musik, und wusste von seinen 2 Horni- 
sten nichts rühmliches nachzusagen. 

Die Tro*mpeter. Aus den * musicalischen Trompetern hebt 
Fux den Josef Holiandt (1712 — 1740)^ wegen seiner raren 
virtü distinguiert hervor; von Job. Hainisch (1730 — 1740) be- 
hauptet er, dass es ihm kein Trompeter bevorthun wird, und der- 
selbe auch gewisse Töne auf der Trompete erfunden habe , die 
kein Trompeter bisher zuwege bringen konnte. 

Der Fagott. Von den 3 — 4 Bläsern auf diesem Instrumente 
wird von Fux Johann Jacob Fried erich (1725 — 1741)® ein 
ganz besonderer Virtuos genannt, der auch im Soloblasen vor- 
züglich ist ^. 

Die Oboe. Die Vorliebe für dieses Instrument mnss zu An- 
fang des vorigen Jahrhundertes rasch zugenommen haben, da 
dessen Besetzung von 1701 — 1711 von 2 auf 6 stieg, in den 
Jahren 1712 — 1740 sogar die Zahl 9 erreichte. In diesem Instru- 
mente thateu sich hervor als ausgezeichnete Virtuosen aus der 
Familie Glätzl die drei Brüder Franz (1701—1717), Roman 
(1701—1727) und Xaver Glätzl (1705—1726); femer An- 
dreas Wittmann (1721 — 1740); von ihm sagt Fux , derselbe 
sei auf seinem Instrumente dergestalt virtuos , „als ich noch all- 
Mer einen gehört habe"^ Auch Johann Gabrieli (1705 — 

1 Beil. VI. 99. 2 Eb. 120. » Eb. 102. * Eb. 14. » Eb. 39. 
6 Eb. 214. 7 Eb. 243. » Eb. 57. 



Fux als Hofkapellmeister. 229 

1740) moss seinem Gehalte nach den genannten nicht nachge- 
standen sein. 



Ausser diesem Stamme virtuoser Musiker musste auch für 
einen Ersatz der dienstuntauglichen in der kaiserlichen Hpfka- 
pelle gesorgt werden. Das BedUrfniss dazu stellte sich zuvörderst 
bei den Knabenstimmen oder wie sie in früheren Zeiten hiessen 
bei den „Cantoreiknaben" heraus. Die erste Verordnung, wodurch 
das Institut der Gantoreiknaben festgestellt wurde, wurde 
von Kaiser Ferdinand I. im Jahre 1554 erlassen und von seinen 
Nachfolgern im Jahre 1567, 1576 und 1612 theils bestätigt theils 
modificiert K Aus diesen Erlässen geht hervor, dass eine nach Be- 
darf wechselnde Zahl von Sängerknaben, welche aber nicht unter 
die Zahl 12 herabgehen dürfte, unter Aufsicht des Kapellmeisters 
gestellt, in allem beköstigt, in der Musik ebensowohl als in anderen 
Lehrfächern unter eigenen Meistern Unterricht genossen und nach 
ihrer Mutierung entweder mit Reisegeld in die Heimat geschickt 
wurden, oder wens sie studieren wollten , noch einige Jahre mit 
einem Stipendium versehen wurden. 

Neben diesen Kapellsängerknaben war man auch bedacht, 
eine Pflanzschule fUr Instrumentisten und erwachsene Sänger zu 
grtlnden, welche Hofscholaren hiessen und ein Stipendium von 
360 fl. bezogen. Fux spricht sich. mehrfach^ über ihre Bestim- 
mung und Beschränkung aus. „Scholaren werden zu diesem Ziel 
und Ende gehalten, dass Ihro Majestät an guten Virtuosen keinen 
Abgang habe, und wenn selbe sich qualiflciert gemacht haben, in 
wirkliche Dienste allezeit ohne Observation der Zahl angenom- 
men werden. Anspruch zu Hofscholaren haben , welche an dem 
kais. Hofe entweder eigene, oder von Vorältern Meriten haben." 
Aber schon 1715 äussert er^: „Ich kann für die Scholaren nit ein- 
rathen , weil die Spesen bei der Musik immer höher steigen und 
man nicht versichert ist , ob dergleichen Scholaren reüssieren 
möchten." Noch entschiedener lautet ein Ausspruch von 1722 
und 1725*: „Weil einige Scholaren, sich verlassend auf die 
Wirklichkeit sehr Übel bishero sich erzeiget, als haben Ihro kais. 

1 Röchel, Hofmusikkapelle, p. 26 f. 124. 126. » Beil. VI. 165. 69. 
79. 105. 191. 8 Eb. 9. * Eb. 74. 108. 118. 



230 Fax als Hofkapellmeister. 

Majestät allergnädigst 'resolvieret^ keinen wirklichen Scholaren 
* mehr zu halten, aber wohl denjenigen, welchen Ihre Majestät eine 
Gnad thun wollen, accidentaliter jährlich etwas auszuwerfen.^ 
Durch diesen letzten Ausnahmsfall war aber das Princip ziemlich 
erschüttert und auch nach 1725 florierten die Hofscholaren be- 
deutend, denn ihre Zahl war in der nachfolgenden Zeit von 5 auf 
7, 9 und 13 gestiegen, nur die letzten 5, welche 1740 bestanden, 
werden später in immer verminderter Zahl aufgeführt, bis sie um 
1770 ganz verschwinden. Die Gegenstände des Unterrichtes 
waren grösstentheils Orgelspiel, daher auch Generalbass, Contra- 
punkt , Yiolin , Gesang und noch einzelne Instrumente , wie eben 
ausgezeichnete Lehrer und befähigte Lehrlinge sich zusammenfan- 
den. Unter den Meistern dieser Epoche (1715 — 1740) werden 
genannt: Joh. Jos. Fux (Gontrapunkt), Gaet Orsini, Chr. 
Praun (Gesang), Paul Alber, Franz Reinhard (Violine), 
Max Hellmann (Cymbal), Franc. Conti (Teorbe), Gottl. 
Muffat (Ciavier), Leop. Christian sen. (Posaune). • 

Den meisten der Hofscholaren gelang es , Anstellungen 
als wirkliche Hofmusiker zu erhalten, allerdings oft nach 7, 10, 
12 und mehr Jahren; wie dies aus folgender Liste hervorgeht, 
wobei die Jahre ihrer Lehrzeit in Klammem beig^esetzt sind : 

Composition: Christ. Wagenseil (1735-.-1739) — 
Gius. Bonno (1738— 1739). 

Orgel: Gottl. Mnffat (1711—1717) — Franz Rn- 
sovsky (1721—1726) — Karl Math. Reinhard (1723— 
1739) _ Wenzel Pttrk (1726— 1739). 

Gesang: Franz Timmer (1709—1728) — Anton 
Werndle (1707—1727) — Pietro Petazzi (1722—1728) — 
Jos. Moser (1724— 1729). 

Violi-ne: Joh. Ign. Angermayr (1715?— 1721) — Fil. 
Salviati (1718—1727) — Franz Reinhard (1725—1731) 
— Jac.Jo8.Wolter(1732— 1736) — Karl Jos. Denk (1731 
—1737) — Ign. St adl mann (1734—1741). 

Violon: Joh. Ign. Schnautz (1735— 1752). 

Posaune: Leop. Christian Sohn (1725 — 1736). - 

Aber nicht allen Hofscholaren wollte der Stern der „Wirk- 
liohkeit'' aufgehen; die Rechenbücher haben uns drei bemooste 
Häupter aufbewahrt, die nach einer langen Reihe von Jahren als 



F u X als Hofkapellmeister. 231 

Scholaren ztir ewigen Ruhe eingehen mnssten; diese waren: 
Jos. Muffat (Ciavier), der von 1734—1756 dnrch 22 Jahre, 
Joh. P. Gumpenhuber (Cymbal), ^er von 1733 — 1767 durch 
34 Jahre, endlich Ign. Conti (Teorbe), für den Fux wegen 
kleiner Compositionen vergeblich auf den Compositortitel antrug \ 
worauf er von 1720 bis 1769, durch 40 Jahre, als Scholar in den 
Hof kalendern paradierte, bis ein milder Genius des Todes ihm die 
Augen schloss. 

Bei ganz ungewöhnlichen Talenten bewilligten die Monar- 
chen auch fieisestipendien zu weiterer Ausbildung, besonders 
nach Rom, nach Neapel, dann auch nach Dresden zu dem berühm- 
ten Cymbalisten Pantaleon Hebenstreit. Allein die Referate 
der Ministerconferenzen und des Fux selbst fbhren nicht selten 
Klage darüber, dass diese Stipendisten auf Reisen so grosse 
Summen kosten, um zuletzt nur in seltenen Fällen den Erwartun- 
gen zu entsprechen. 



Ungeachtet im Vorhergehenden das wesentliche tlber den 
Bestand der Hofkapelle in jener Periode erwähnt wurde, so dürfte 
doch durch die Aneinanderreihung der Gutachten des Kapell- 
meisters , hervorgegangen unter dem frischen Eindrucks der Ge- 
genwart, ebensowohl zur Characteristik der einzelnen Mitglieder 
der Hofkapelle, als auch ihres Leiters und des Treibens hinter 
den Coulissen eine deutlichere Vorstellung erzielt werden, als 
diess trockene Auszüge vermögen. Der endlose Jammer über die 
traurige Lage der Musiker und ihrer Angehörigen war wohl bei 
einem Theile derselben besonders in der üblen Wirthschaft und 
der unregelmässigen Bezahlung der Gehalte begrtlndet, wenn aber 
die Witwe Caldara nach dem Tode ihres Gatten , welcher 3900 fl. 
Gehalt und 12.000 fl. Aversionalsumme ftü* die Witwe bekommen 
hatte, noch über Noth klagt und eine Pension anspricht, dann wird 
es wohl erlaubt sein an der Stichhältigkeit solchen Jammers zu 
zweifeln. 

1 Beil VI. 257. 



232 Fux als Hofkapellmeister. 



Gutachten des Hofkapellmeisters J. J. Fox ron 171&— 1740. 

Kapellmeister und Vice-Kapellmeister. 

Feiice Sances. 1715. Ich weiss keinen Kapellmeister, 
welcher so viel geschrieben hätte ; als er Sances, massen mit 
seinen Compositionen der meiste Theil der Kapelle annoch ange- 
füllet sich befindet. (VI. 4.) 

1715. Antonio Caldara will Kapellmeister oder erster 
Compositor di camera werden. „Weil Ihre Majestät von diesem 
Virtuose;! vollständige, ich aber wenige Wissenschaft habe, als 
überlasse dieses Höchstgedacht Ihro kais. Majestät a. g. Dispo- 
sition". (VI. 16.) 

1730 28. Jänner. Derselbe kommt ein um eine Zulage von 
1200 fl. zn seiner Besoldung von 1600 fl. und noch mit dem Bei- 
satze, dass jene 1200 fl. seiner eventuellen Witwe zugesichert 
werden. [Ohne Gutachten von Fux. Blieb für diesesmal in sus- 
penso.] (VI. 174.) 

1731 5. März. A. Caldara, der bereits 3900 fl. an Besol- 
dung und Adjuta genoss , sprach nochmals für seine eventuelle 
Witwe eine Pension von 1200 fl. oder ein für allemal 12.000 fl. in 
barem an. [Obersthofmeister ist entsetzt, der Kaiser nicht sogleich 
entschieden, aber später bewilligt er das Gesuch.] (VI. 179.) 

1737 2. Mai. A. Caldara's Witwe sucht über die seiner Zeit 
erhaltenen 12.000 fl. um die gewöhnliche Gnadenpension an; 

Fux meint, ungeachtet möchte die Wittib in Ansehung der 

Meriten ihres Mannes mit einer jährlichen Gnadenpension pr. 
500 fl. versehen werden (erhielt sie auch später). (VI. 246.) 

Luca Ant. Predieri, wurde 1738 4. December von Bo- 
logna, wo er Dom - Kapellmeister war, berufen, seine Befähigung 
zum Amte eines Kapellmeisters darzuthun. Fux sagt: „Wann 
dieser Supplicant alle hierzu erforderlichen Eigenschaften und virtü 
besitzet, auch sonder Zweifel mit seiner Composition Ihro kais. 
Majestät ein sattsames contento gibt^, so räth Fux zu seiner An- 
stellung ein. (VI. 249.) [Predieri wurde 6. Februar 1739 als Vice- 
Kapellmeister mit 1600 fl. Gehalt und 400 fl. adjuta aufgenonmien.] 



Fux als HofkapellmeiBter. 233 

Compositoren. 

Francesco Conti f 1732. „Der kais, Compositor und 
Teorbist hat durch 33 Jahre ganz besondere virtuose Dienste ge- 
leistet". (VI. 205) 1733, Jänner. 

Giuseppe Porsile 1715. Kommt um einen Posten bei 
der Hofkapelle ein. „Ich finde ihn einen guten Virtuosen von 
gutem gusto". 

1720 20. Mai. Ohne weiteres Gutachten von Fux wurde 
Porsile mit 100 Thlr. Monatgehalt als Compositor aufgenommen. 
(VI. 53.) 

Georg Reutter jun. 1724. Zum Hofscholaren nicht an- 
genonmien (VI. 105.) Ebenso. (VI. 118.) 1726. 

1728. „G. Reutter jun., ein Jüngling von 19 bis 21 Jahren 
spielet nit allein fein die Orgel, sondern gibt auch in der Compo- 
sition gute Hofihung von sich." (VI. 154.) 

1731 12. Febr. „Reutter hat Oratorien und andere Festinen 
componiert und zeigt damit in seiner Jugend, was künftighin 
vermög des besonderen talento aus ihm werden kann." [Desshalb 
zum Compositor vorgeschlagen und angestellt.] (VI. 182.) 

1733 17. Jänner. „Da diesem Supplicanten (R.) bei meiner 
dermaligen ünvermögenheit nit wenig zu componieren aufge- 
tragen wird" so räth Fux ein, dass Reutter 600 fl. als Compositor 
beziehe. (VI. 202.) 

1733. April. Reutter begehrt Gehalterhöhung bis 1500 fl. 
Fux sagt: „Reutter sollte wie vorhin die 1200 fl. zugemessen 
haben, die 300 fl. betreffend, weil es nur ein unzeitiges Begehren 
scheint, kann ich nit einrathen. (VI. 218.) 

Matteo Palotta, Priester. 1733 Febr. zum Compositor 
vom Kaiser berufen für die kais. Kapelle „in einer Gattung Com- 
position, welche ohne Orgel und Instrumenten pflegen abgesungen 
zu werden". Fux sagt: „Weil von dergleichen Art Composition in 
der kais. Kapelle ein ziemlicher Abgang ist und hierin nit ein jeder 
Compositor reüssiert, dieser Palotta aber vermöge guten Funda- 
ments hierzu „sonderbar tauglich wäre, so möge er mit 600 fl. 
angestellt werden. [Wurde mit 400 fl. angestellt.] (VI. 209.) 

Georg Christ. Wagenseil 1735. „Wann Ihro kais. 
Majestät ja einmal einen Scholaren in der Composition aufzu- 



234 Fux als Hofkapdllmeister. . 

nehmen a. g. beliebten ^ so könnte ich pflichtmässig für diesen 
Snpplicanten einrathen, weil Wagenseil nit allein schon dermalen 
so gut als. andere Hoforganisten in der Orgel dienen könnte^ 
sondern auch nach den wahren Grundregeln des Contrapunktes 
nit geringe Progressen gemacht hat, dergestallt^ dass von diesem 
Subjecto in beiden , sowohl in der Orgel, als auch in der Com- 
Position virtuose Dienste zu hoffen wären" . (VI. 234.) 

1738 December. „Da dem alten Gebrauch nach einem 
Scholar, der in seinem Studium so weit gelanget; dass er sich 
getraue, virtuose Dienste zu leisten, und der Supplicant vor 
andern in den Grundregeln des Contrapunktes zu schreiben sich 
befleissigt'', so räth Fux zu seiner Anstellung als Compositor „um 
so mehr, als durch denselben bei dermaliger licentioser Schreibart 
die regelmässige Composition könnte erhalten werden. (VI. 250.) 
[Wurde 1739 Februar mit 360 fl. angestellt.] 

Giuseppe Bonno, 1737 März, welcher mit allerhöchstem 
Gonsens nach Neapel gereist ist, um dort in Musik und Composition 
instruiert zu werden, ist zurückgekommen und will Musices Com- 
positor werden. „Weil ich nun aus des Supplicanten Compositionen 
habe abnehmen können , dass er in den Giimdregeln des Contra- 
punkts noch nicht genugsam unterrichtet ist, so ist meine Meinung, 
dass er indessen als Hofscholar mit gewöhnlichem Gehalt aufge- 
nommen und ihm aufgetragen werde , dass er in dem , was ihm 
noch ermanglet, sich instruieren lassen soll". (VI. 242.) 

1 738 4. December. Kommt um den Hofcompösitor-Titel ein. 
„Da Ihro Majestät durch 3 Jahre hindurch verschiedene Compo- 
sitionen des Supplicanten angehört, dafem solche A. H. Deroselben 
zu gefallen das Glück gehabt haben möchten" könnte ihm der Titel 
Compositor beigelegt werden. (VI. 251.) 

Concertmeister. 

KilianReinhard, 1 725 Concert-Dispensator und Concert- 
meister, „ein hochmeritierter, alter Diener" (VI. 109) [braucht 
einen Gehilfen.] 

1728 April hat Seiner Majestät dem Kaiser ein von ihm mit 
grosser Mühe und Emsigkeit verfasstes Diarium aller musicali- 
schen Hofdienste überreicht. (VI. 157.) Fux empfiehlt dessen Ge- 
such um Berücksichtigung seiner eventuellen Witwe und Töchter. 



. Fux als Hofkapellmeister. 235 

Andr. Amiller, 1722 von Fux als Noten-Copist empfohlen, 
weil er dem verstorbenen Salki in das elfte Jahr im Copieren Bei- 
hilfe geleistet, beinebens auch eine feine nnd correete Handschrift 
hat (VI. 81.) 

1729 April. Fux räth ein, dass dem Amiller die Stelle des 
jüngst abgeleibten Concertmeisters Kilian Beinhard cum titulo 
et vitnlo verliehen werde, jedoch mit dem Beding „dass er mit 
dem Titel eines Concert-Dispensatoris sich begnügen lasse, indem 
der Meister-Titel bei der Musik keinem mit Recht kann beigelegt 
werden , welcher die Composition nit aus dem Grund versteht" ; 
den Titel eines Musici möge er bekommen. (VI. 159.) 

« 

Organisten. 

1728 Februar. „Vor dem waren nit mehr als 2 höchstens 
3 Hofbrganisten, nach und nach ist aber die Zahl derselben bis auf 
7 angewachsen, deren 5 noch wirklich dienen. Beinebens haben mir 
Ihro kais. Majestät aufgegeben, selbe möchteii den Ueberfluss 
der Organisten nach eines und des andern Ableben abgethan und 
auf den alten Fuss gesetzt oder aufs meiste auf 4 stabiliert haben.^ 
(VI. 154.) 

1733 Juni. „Dermalen sind nur zwei zum dienen taugliche 
Organisten bei Hof«. (VI. 225.) 

Reutter Georg sen. 1715 Juni kais. Organist hat die 
Essential-Kapellmeisterstelle neben dem schon vorhin gehabten 
Gnadenbild bei St. Stephan angenommen. (VI. 3.) 

1 738 f. „hat allezeit virtuose Dienste geleistet und sonder- 
bar mit Accompagnieren bei den Opern sich signalisiert.« (VI. 252.) 

Gottlieb Muffat 1717-3. April fiofscholar, hat sich durch 
„unermttdeten Fleiss und emsiges Studium fähig gemacht , dass 
ihm nicht allein alle Dienste können anvertraut werden, sondern 
dass er sich auch vor jedermann mit grossem Ruhme dürfe hören 
lassen«. Fux schlägt ihn deshalb zum Hof Organisten vor, und 
„möchte ihm zu seiner bevorstehenden Reise eine erkleckliche 
Besoldung ausgeworfen werden.« (VI. 25.) ; 

1723 März. Muffat, Hof- und Kammerorganist „wircl vor an- 
dern wegen seiner erworbenen virttii mit Accompagnierung bei allen 
Opern und Eammerfestinen verwendet, beinebens macht er seine 



236 Fux als Hofkapellmeister. 

Compositionen bei Hof mit Vergnügung Seiner Majestät hören." 
(VI. 92.) 

1733 17. Jänner. „Hat schon in das 18. Jahr nit allein in der 
Kapelle, sondern auch bei allen Opern und Kanunerfestinen vir- 
tuose Dienste prästiert, und . . . neben andern Meriten die Durchl. 
Erzherzogin schon in das 6. Jahr in dem Ciavier informieret 
ohne ein einziges anderes Emolomento, indem doch die übrigen 
Informatores desshalben Besoldung oder aber andere Ergötzlich- 
keit zu gemessen haben." (VI. 203.) 

Anton Karl Richter 1715. Ich finde den Scolaren Anton 
Karl Eichter noch nit qualificiert genug zu einem Hoforganisten, 
daher erachte ich für nöthig, dass er vorhero noch mehr studiere 
und bis zur besseren Perfection mit dem Scolarengeld sich zufrie- 
den stellen möge." (VI. 6.) 

1718 3. August. Fux findet ihn (zum Organisten) „capace, 
gestalten er auch schon etliche Jahre dienet, weshalb Richter in 
Ansehung seines Vaters seligen (Ferd. Tob. Richter, f 1711) 
grossen Meriten mit der supplicierten Wirklichkeit consoliert 
werde." (VI. 33.) [Wurde als Organist angestellt.] 

1726. Gelegentlich eines Gesuches um Gehalterhöhung hebt 
Fux Richter's eigene in das elfte und des Vaters in das 33. Jahr 
treufleissige und besonders virtuose Dienste hervor. (VI. 126.) 

Joh. B. Payer 1721 .„ehmals Organist der verstorbenen 
Kaiserin- Witwe (Eleonora) ist ein guter Virtuos, hat auch im 
langwährenden Dienst bei Ihrer Majestät sich Meriten erworben, 
ausserdem in äusserster Armuth." Fux schlägt ihn zum Hoforga- 
nisten vor. (VI. 67.) [Wurde nach Antrag angestellt.] 

1727. leistet gute Dienste, besonders in der Kapelle. 
(VI. 132.) . 

1733. ist „ein vortrefflicher Organist, und leistet mithin in 
der Kapelle sonderbar gute Dienste." (VI. 206.) 

1733 f 11. April, war einer von den besten Hoforganisten. 
(VI. 220.) 

Franz Rusovsky, 1731, „etliche Jahr wirklicher Hoforga- 
nist, leistet gleich andern Hoforganisten gute und virtuose Dienste, 
dergestalt, dass niemal wider ihn eine Klag vorgekommen ist"; 
verdient Gehalterhöhung. (VI. 183.) 



F u X als Hofkapellmeister. 237 

Anton Werndle 1733, früher kais. Bassist, „aus Mangel 
der Stimme ein weit besserer Organist als Singer." (VI. 225.) 
[Wurde Organist.] 

Bassisten. 

1731 Februar. Gelegentlich zählt das Obersthofmeister- Amt 
10 besoldete und noch dienstvermögliche Bassisten mit 2 — 4 — 
500 _ 1080 — 1300 fl., zusammen 6680 fl. Gehalt auf. (VI. 178.) 

Friedr, Götzinger, Bassist 1715, „hat für die Kapelle 
eine sehr starke und ausgebige Stimme, der die Last der be- 
schwerlichsten Dienste gar oft allein zu tragen hat, ist beinebens 
einer von den fleissigsten Dienern." (VI. 10.) 

Christ. Praun, Bassist 1721, „vor allen distinguiert, hat 
sich in allen Opern, Kammerdiensten, Oratorien mit sonderbarem 
Lob zu dienen qualificiert gemacht." (VI. 58.) 

1727 „gibt an Emsigkeit und virtü keinem nach." (VI. 147.) 

1736 „wie das erwähnte jedermann bekannt ist." (VI. 238.) 

Math. H nett er, 1720, „ehmals Bassist der Kaiserin-Witwe 
Eleonore, ist ein guter Virtuos^ und da von den kais. Bassisten 
theils wegen Unpässlichkeit gar nicht mehr dienen, theils Alters 
halber sehr abzunehmen beginnen", so empfiehlt ihn Fux zur kais. 
Anstellung. (VI. 52.) [Wurde angestellt.] 

Ignaz (Leop.) Piellacher, 1722 Bassist, „ehmals im 
Dienste der Kaiserin- Witwe Eleonore, jetzt der regierenden kais. 
Majestät ist wegen seiner starken und ausgebigen Stinune der 
kaiserl. Kapelle sehr anständig." [Gehalterhöhung bis 500 fl.] 
(VL 77. 96.) 

AntonPöck,1724 November Bassist, „hat eine gute Stimm 
und Capacität, singt beinebens auch manierlich und ist noch jung 
von Jahren." (VI. 103.) 

1733 ist ein guter Bassist. (VI. 216.) 

1736 leistet schon 13 Jahre sowohl in der Kapelle als bei 
der Tafel emsige und virtuose Dienste. (VI. 241.) 

JosefMoser., 1728 kais. Hof-Scolar Bassist , „hat gleich 
anfangs da er die Hofkapelle zu frequentieren angefangen, die 
Kapell- und Tafeldienste gleich andern kais. Bassisten emsig und 
mit Ihro kais. Majestät 'Zufriedenheit verrichtet und seither immer 
mehr sich perfectioniert. Er möge mit 500 fl. angestellt werden, 



238 F u X als Hofkapellmeister. 

doch dass er daneben das Cimbalo erlernte, damit er zu Haus bei 
seinem Studio sich selbst acoompagnieren lerne, auch seinen Lehr- 
meister Cristoph Praun noch femer practiciere." (VI* 153.) 

1729 seit 5 Jahren Hofscolar Bassist, „obwohl ohne sonder- 
bare Tiefe hat eine gute ausgebige Stimme, singt beinebens sehr 
manierlich und dergestalt fein, dass, als ich ihn kürzlich in der 
Kirche habe singen hören, geglaubt habe, es sei dessen Meister 
(Chr. Praun) selbst, gestalten er auch seiner Qualificierung halber 
mit Oratorien und welschen Cantaten-Singen bei dem Tafeldienst 
genugsam Prob abgelegt hat, auch fest in der Musik gleich 
anfangs wie andere wirkliche kais. Bassisten hat angefangen zu 
dienen. (VI. 165.) 

'Anton Ign. Werndle, 1724, durch 1 7 Jahre Hofscolar. 
Fux räth nicht ein die erledigte Bassistenstelle zu verleihen, wohl 
aber da er für einen Scolaren ziemlich bei Jahren, ihm die 
Wirklichkeit mit einer kleinen Zulage zu bewilligen. (VI. 104.) 

Marco An t. Berti, Bassist, 1724, kann mit SOThlr. monat- 
liche Besoldung nicht auskommen. (VI. 97.) 

1729. „So viel kann ich bekräiftigen, dass Berti ein Funda- 
mental-Musicus ist, mithin nit allein in der Kapelle bei den Con- 
trapunktbttchem, sondern auch vermöge der Sprache bei der 
Tafel und andern Functionen gute Dienste prästiere." (VI. 160.) 

1734 „ist ein guter fundamentaler Musicus, dient schon lange, 
ist verheuratet und sein- bedtlrftig." (^^. 229.) 

1 736 „ist ein guter und fester Musicus, leistet sonderlich in 
den Functionen, welche ohne Orgel abgesungen werden, vor 
andern gute Dienste, hat 18 Jahre allhier und eine Zeitlang auch 
in Spanien gedient." (VI: 239.) 

Tenoristen. 

1719 die kais. Kapelle hat an nichts mehr, als an Tenoristen 
Abgang. (VI. 42.) 

1 720 kfein gei-inger Abgang in Tenoristen. (VI. 60.) 
TomasoBigelli, Tenorist 1715 Juni, „hat eine wofalaus- 

gebende Stimme für die Kapelle." (VI. 8.) 

Jo^efTimmer, 1719 April, gew, kais. Hofscolar, kommt 
um die Tenoristenstelle ein. „Er ist nit allein ein sicherer Singer 
sondern auch ein guter Violinist." (VI. 42.) [Wurde angestellt.] 



Fux als Hofkapellmeister. 239 

1*722 April y,i8t ein guter nnd der kais. Kapelle sehr an- 
ständiger Virtuos.« (VI. 70.) 

1733. Tenorist mit 700 fl. Gehalt sucht um Gehaltserhöhung 
an. Wird von Fux nicht dazu vorgeschlagen, weil ein anderer 
Tenorist in der kais. Kapelle von gleicher Besoldung sich befindet, 
welcher ihn Timmer an Gttte der Stimme und Emsigkeit weit 
übertrifft. (VI. 219.) 

Giulio Cavalletti, Tenorist 1723 März, wvxAe zu König 
Karl m. von Rom nach Barcelona berufen, „allwo er sowohl als 
Musicus so wie auch als Vice - Kapellmeister zu Ihro Majestät 
höchsten Vergnügung emsige. Dienste prästiert hat", auch ,,von 
Ihrer Majestät der regierenden Kaiserin, welche er in der Musik 
zu informiereil schon in Barcelona die höchste Gnad gehabt hat, 
ist er hieher berufen worden", — sucht Alters halber die Jubilie- 
rungen. (VI. 86.) [Wurde gewährt.] 

Christian Payer, 1731 kais. Tenorist, „einer von den 
besten Tenoristen, ja ich darf sagen in der Kapelle prästiert er 
wegen seiner vortrefflichen Stimme vor allen andern gute Dienste, 
auch mit Singen welscher Cantaten sich distinguierend." (VI. 187.) 

Mathias Oettl, 1720 October „ehmals Kapellmeister der 
f Kaiserin- Witwe Eleonore, will kais. Tenorist werden, leistete 
auf kais. Befehl schon ein halbes Jahr Kapellendienste", wird von 
Fux zur angesuchten Stelle empfohlen [und angenommen]. (VI. 50.) 

Gaetano Borghi, Tenorist 1721 November«, wurde vom 
Kaiser ohne das Einvernehmen von Fux angestellt. (VI. 65.) 

Ignaz Finsterbusch, Tenorist 1727 Juni, hat seit dritt- 
halb Jahren Zutritt zur kais. Hofmusik aber ohne Gehalt, sucht 
die Wirklichkeit und einen Gehalt an. „Weil Finsterbusch damals 
eine ziemlich schwache Stinmi und Brust gehabt, obwohl sonst die 
Art zu singen gut ist, ich aber seither meiner Unpässlichkeit in 
der Kapelle ihn nicht habe singen hören" ... so enthält sich Fux 
des Bathes und compromittiert auf den Kaiser. (VI. 134.) 

Altisten. 

■ 

1729 Aug. „Von keiner Stimm ist ein grösserer Abgang als 
an Contralten, indem kaum 3 oder 4 in concerto Dienste prä- 
stieren können, die Übrigen nur in pleno zu brauchen sind." 
(VI. 164.) 



240 Fax als Hofkapellmeister. 

1732 Mangel an Contralten. (VI. 194.) 

Gaetano Orsini, Contraltist 1727. Fux lobt ausnehmend 
die „vortreflfliche Schule des Gaetana Orsini, welche heutigen 
Tags fast allein die wahre Singkunst emporhält." (VI. 131.) 

Lorenzo Masselli, 1723 15. December Altist, hat 
früher freiwilUg auf seinen höheren Gehalt verzichtet, als er 
dienstunfähig wurde. Fux rühmt deshalb dessen zartes Ge- 
wissen und fast niemalen erhörte Gutheit. (VI. 88.) 

Pietro Galli, Musico contralto 1732 April, kommt ein 
in kais. Dienste aufgenommen zu werden. „Obwohl er Galli noch 
nit franco in Musica ist, doch weil er eine gute ergebige Stimm 
hat und Mangel an Contraltisten ist. . . so möge er aufgenommen 
werden, doch dass ihn die Wirklichkeit nit hindern, sondern 
mehr Anlass geben soll , sich zu perfectionieren." [Wurde ange- 
gestellt.] (VI. 194.) 

Filippo Antonelli, Contralto 1734 Jänner, „wurde von 
seinem stabilierten Dienste von M. Loretto* hieher berufen, ist 
auch für die kaiserliche Kapelle sehr nöthig, auch tauglich". Fux 
schlägt ihn daher zur Anstellung vor. [Wurde angestellt.] (VI. 237.) 

Giuseppe Appiani, Musico Contralto 1739 December, 
welcher vor Ihro kaiserlichen Majestät mit Dero gusto sich hören 
zu lassen die Gnade gehabt, ist ein Virtuos di prima sfera und 
zur Bestreitung der Hofdienste höchst nöfliig." [Nach Antrag mit 
150 fl. monatlich angestellt.] (VI. 259.) 

Sopranisten. 

1717 seit 2 Jahren Mangel an Sopranisten. (VI. 24.) 

1727 ein merklicher Abgang an Sopranen. (VI. 135.) 
^ 1733 grosser Mangel an Sopranen. (VI. 222.) 

Domenico Tollini, Musico Soprano 1717 April, bittet zu 
wiederholtenmalen um Jubilierung, und verlangt „für seine Ab- 
fertigung seiner angebomen Modestie nach nichts anders als den 
speciosen Titel eines kaiserlichen Musici behalten zu können. 
(VI. 24.) 

Giovanni Vincenzi, Soprano 1721, konunt um Gehalt- 
erhöhung bis 80 Thaler monatlich ein; Fux räth ein sie zu be- 
willigen, weil „andere seines Gleichen, die noch nit so lang dienen, 
dergleichen Besoldung gemessen." (VI. 59.) 



Fux als Hofkapellmeister. 241 

1 726 konunt um erneute Erhöhung bis 100 Thaler monatlich 
ein. Fux sagt: „Wenn nun dieser Supplicant allein und ohne 
Familie sich befindet, glaubte ich, er knnnte mit 80 Thaler 
monatlich gar fein und ehrlich leben: es wäre dann, dass Ihro 
Majestät ans besondem Ursachen ihn auf angesuchte Weis wollten 
consolierter haben. ^ (VI. 123.) 

Giuseppe Monteriso, Soprano 1721 sucht eine Oehalt- 
erhöhungan. Fuxurtheilt: „Wann 'dieser Supplicant in den kais. 
Dienstyerrichtung«n sehr emsig, auch diesen mehr und mehr habil 
zu machen, eifrigst sich lässt angelegen sein, benebens auch 
andere, welche das zu prästieren nit yermöge|^, was er Monteriso, 
doch viel höhere Provision geniessen", so trägt Fux auf Zulage 
bis 50 Thaler monatlich an, „durch welche höchste Genad sowohl 
er als auch andere zu fernerem Studio und emsigen Dienstver- 
richtungen würden angefrischt werden." (VI. 66.) 

1724 Juli als er wiederholt um die Erhöhung einkommt, 
sagt Fux, dass er „vermög seiner Befähigung und Emsigkeit weit 
erspriesslichere Dienste leistet, als viele andere, welche 50 Thlr. 
monatliche Besoldung gemessen." (VI. 100.) 

1733 Apr. „Monteriso ist nach Domenico Genuesi dennalen 
der beste Sopran, auch treffen Monteriso bei jetzigen grossen 
Mangel die meisten Dienstfatiguen." (VI. 222.) 

1734 März „dient schon lange und emsig und ist fast der 
einzige, auf den man sich in der Kapelle in jedem Falle zu ver- 
lassen hat", daher Fux auf Gehalterhöhung bis 1400 fl. anträgt. 
[Erhielt sie.] (VI. 231.) 

1718 „Domenico Genuesi Soprano ist von einer sehr 
guten und starken, auch annehmlichen Stimme, beinebens «icher in 
der. Musik, noch jung von Jahren, also dass er nit allein in der 
KapeUe, sondern auch in teatro und allen Begebenheiten gute 
Dienst leisten wird." Fux räth zu seiner Aufnahme in die kaiser- 
lichen Dienste mit 80 Thlr. monatlicher Besoldung. [Nach Antrag 
aufgenommen.] (VI. 30.) 

1733 April, Fux sagt, er sei „der beste Sopran der Hof ka- 
peile." (VI. 222.) 

Giovanni Carestini, Soprano 1724 wurde vom Kaiser 
liieher berufen. Fux findet ihn „für die kais. Hofkapelle und 

Köehei, J. J. Fax. 16 




242 Fux als Hofkapellmeister. 

andere Dienste branchbar. ^ [Wurde mit 80 Thlr. monatlich anf> 
genommen.] (VI. 93.) 

Giacomo Yitali; Soprano 1727 nach Wien berufen, um 
mit 1000 Thlr. Besoldung aufgenommen zu werden. Fux findet : 
^er sei ein guter Virtuos (wann er in der Kapelle, wo ich ihn nit 
hab hören können, eben so gut ist, als in camera und teatro.) 
[Wurde angestellt.] (VI. 135.) 

Pietro Petazzi, Soprano 1 722 sucht an, als Hofscholar 
anzukommen ; Fux empfiehlt ihn dazu, „da der Supplicant schon 
ttber ein Jahr die kaiserliche Kapelle frequentiert, auch gute 
Hoffiiung von siq)i gibt, beinebens ein Abgang an Sopranen 
besteht.« (VI. 69.) 

Feiice Salimbeni, Soprano 1733, wurde vom Kaiser, 
ohne Fux darüber zu vernehmen, als Hofsänger mit 1000 Thlr. 
Gehalt angestellt. (VI. 226.) 

Sängeriueu. 

1731 December waren beiHof besoldete Sängerinen: Scon- 
jans = 2700 fl., Schulz sammt Mann 1200 fl., Borrosini 1800 fl., 
Borrosini 400 fl., Contini 4000 fl., Schnautz 720 fl., Holzhauser- 
Beutter lOOOfl. (nächstens 1500fl.), zusammen 13.440fl. (IV. 198.) 

Maria Monica Hillverding, 1720. Joh. B. Hillverding, 
deutscher Comicus kommt ein, dass seine Tochter von 11 Jahren, 
Maria Monica als Hofscholarin in der Singkunst aufgenommen 
werde. „Weil nun die zwei gewöhnlichen Hofcantatrici schon 
mehr im Ab- als Aufoehmen sich befinden, und dergleichen in 
Italien dermalen sehr rar, mithin gar zu pretios sind, dieses des 
Supplicanten Töchterl aber eine gute Disposition spttren lässt, 
auch in der Musik einen ziemlichen Progress gemacht hat, ^uch 
des theatri schon in etwas kundig ist , beineben auch die Gnade 
gehabt hat, von Ihro Majestät gehört zu werden", so trägt Fux 
auf Bewilligung des Ansuchens an. (VI. 49.) 

Anna d'Ambreville, Cantatrice 1724 JuM, kommt ein 
um Erhöhung ihres Gehaltes von 80 auf 100 Thaler monatlich. 
,, Weil nun die meisten kaiserlichen Virtuosen von der ersten Linie 
100 Thlr. monatlich geniessen, die Sängerinen aber jederzeit 
distinguiert worden sind mit 3 — 4000 fl. jährlicher Besoldung^ , 
so ^IH^bpIflMI Mf Bewilligung des Ansuchens. (VI. 101.) 






Fux als HofkapellineiBter. 243 

1725 A. kann unter 100 Thlr. monatlich nicht leben. Fnx 
stimmt für die angesnchte GehalterhOhnng^ „weil sonst eine 
andere^ welche vielleicht auch nit viel virtuoser sein würde, wohl 
mit doppelten oder dreifachen Spesen mttsste unterhalten wer- 
den.^ (VL 111.) 

Lucrezia Panizza, Cantatrice 1723, des verstorbenen 
6iov. Pietro Panizza, gewesenen Burggrafen zu Trient hinter- 
lassene Tochter „gibt an, dass sie in einer Oper gesungen habe, 
worüber Ihro kais. Majestät Wohlgefallen hätte verspüren lassen, 
auch auf kais. Befehl in Abgang anderer Parte hätte auswendig 
studieren müssen. Sie kommt daher ein, in wirkliche kais. Dienste 
aufgenommen zu werden mit einer geringen Provision, dass selbe 
das Leben durchbringen könne. Da es sich nun zum öftem 
ereignet, dass ein oder anderer Sänger oder Sängerin durch 
Katarrh oder andere Umstände verhindert die Parte zurück- 
schicken , mithin die Oper oder andere Dienste ihren Fortgang 
nit haben können, diese Supplicantin aber capace ist, gar in 
einer kurzen Zeit einen Parte auswendig zu lernen", so räth 
Fux, dieselbe mit 400 fl. jährlich aufzunehmen. [Wurde aufge- 
nommen.] (VI. 91.) 

Anna Barbara Bogenhofer, Sängerin 1727. Jänner 
„aus der vortrefflichen Schule GaetanoOrsini, nachdem sie sowohl 
in Opern, als auch andern Begebenheiten bei dem kais. Hofe 
öfters ihre Prob mit nicht geringem Lob erwiesen, komtnt ein, 
als wirkliche kais. Sängerin aufgenommen zu werden. Wann nun 
diese Supplicantin neben der guten Stimm und Capacität nicht 
eine geringe virtü schon erworben hat, auch zu hoffen ist, dass 
durch die vortreffliche Anfbhrung ihres Lehrmieisters eine von 
den besten Sängerinen mit der Zeit werden wird, als ist meine 
wenige, doch zum kais. Dienst erspriessliche Meinung, sie Rogen- 
hofer möchte mit 40 Thlr. monatlich ad interim in die Wirklich- 
keit aufgenommen werden, zur Consolation auch des Lehrmeisters, 
welcher diese seine Scholarin bisher nit allein gratis informieret, 
sondern auch auf seine eigenen Unkosten mit aller Nothdurft 
verpfleget hat. (VI. 131.) [Wurde mit 400 fl. jährlich als Hof- 
scholarin aufgenommen.] 

1727 Juni wiederholt ihr Gesuch um wirkliche Anstel- 
lung. Fux beruft sich auf sein früheres Parere, und auch ihr 

16* 



244 Fux als Hofkapellmeister. 

Lehnneister Gaetano Orsini findet sie „nit allein capace, solche 
Stelle zu vertreten, sondern auch zum kais. Dienst nöthig zn sein.^ 
Fux wiederholt seineu früheren Antrag auf 40 Thaler monatliche 
Besoldung mit dem Anfang von 1726. (VI. 136.) [Erhielt das 
Placet des Kaisers.] 

1733. Rogenhofer - Schnautz kommt um Erhöhung des Gre- 
haltes bis 1200 fl. ein. Fux stimmt bei. (VI. 223.) 

Marianna Lorenzoni (Conti), Cantatriee 1726 August. 
Nachdem Ihre kais. Majestät sich belieben haben lassen, selbe 
in Dero Dienste zu nehmen mit 4000 fl. jährlicher Besoldung, 
kommt a. u. ein um ihre Expedition. Dass also ich meines Ortes 
nichts beizutragen habe, als einer hohen Obrigkeit sdches ge- 
horsam zu hinterbringen. (VI. 119.) 

Theresia Holtzhauser, 1728 Februar, „welche in Opera 
und verschiedenen Begebenheiten bei Hof ihre Prob gesungen 
hat, kommt ein als wirkliche Sängerin angestellt zu werden. 
Da nun diese Supplicantin mit einer ohne allen Mangel trefflichen 
Stimme begäbet, beinebens auch in der Musik dergestalt fest und 
sicher ist, dass sie prima vista, fast alles singen kann, welches ihr 
wenige Sängerinen nachthun können, mithin zu der Musik geboren 
scheinet, als ist meine wenige, doch zu Ihro kais. Majestät Dienst- 
beförderung hauptsächlich zielende Meinung, sie Holtzhauser 
möchte in die, wirklichen Dienste aufgenommen werden, auf das 
wenigste mit 40 Thalem monatlicher Besoldung. (VI. 156.) 

1728 10. December wiederholt ihre Bitte um Anstellung. 
Fux beruft sich auf sein irttheres Parere und fügt hinzu , „dass 
die Supplicantin von einer vortrefflichen , und durch eine Exten- 
sion von drei Octaven gleichen Stimme, guten Triller und beson- 
deren talento, benebens auch, welches bei den Sängerinen sehr 
ungemein ist, vollkommen fest in der Musik sei , dergestalt , dass 
selbe viel beitragen würde zur Verbesserung der kais. Theatral- 
und Kammermusik*, um so viel mehr, als selbe noch jung, mithin 
innner besser werden kann." [Wurde mit 750 fl.. angestellt.] 
(VI. 158.) 

1730 September konunt um Erhöhung ihres Oehaltes auf 
1000 fl. ein. Fux stimmt dem Gesuche bei, „da fast keine von 
den Sängerinen ist, welche alles prima vista zu singen capace ist, 
gleich diese Sängerin prästieret. (VI. 171. 172.) [Wurde genehmigt.] 



Fux als Hofkapellmeister.. 245 

1732 Februar kommt um Erhöhung ihres .GehalteB auf 
1500 fl. ein. Fux meint ^ es wllrde für ihre Meriten nit viel sein, 
wenn ihr Gehali bis zu diesem Betrage erhöht würde. — Die 
Cöneertations-Commission fügt hinzu, dass andere, die ihr in virtti 
niebt beikommende kais. Sängerinen, namentlich die mit 1800 fl. 
stipendierte Borrosini und die mit 1620 fl. jährlichen Gehaltes 
begnadigte Perroni eine weit grössere Besoldung als die Suppli- 
cantin gemessen. [Nach Antrag genehmigt.] (VI. 192.) 

1734 December kommt ein, der Sängerin Pisani, die jünger 
als sie im Dienst und 3000 fl. erhalten habe , gleich gestellt zu 
werden. Fux findet das Gesuch billig, um so viel mehr als die 
Reutter (Holzhauser) an Festigkeit der Musik der Pisani weit 
überlegen ist. (VI. 233.) 

1737 Mai dankt lUr die allermildest geschenkten 4000 fl., 
womit sie jedocli«käum ihre Schulden habe bezahlen können, 
und bittet um Vermehrung ifires bisherigen Gehaltes von 1500 fl. 
Fux meint, „weil diese Supplioantin nit allein alle kais. Hofdienste 
gleich den vorigen vornehmsten Sängerinen, welche eine jähr- 
liche Besoldung von 4000 fl. genossen haben, verrichtet, sondern 
auch selbige an Festigkeit in der Musik weit übertrifil , folgsam 
gleichmässige Besoldung anhoffen könne, dass sie wegen der 
jetzigen schweren Zeiten sich mit der Besoldung der Hofsän- 
gerin Scoonjans von 2700 fl. begnügen werde." [Der Kaiser bewil- 
ligte eine Erhöhung bis 2500 fl.] (VI. 247.) 

Barbara Pisani, Sopramsta 1731 December, kommt ein 
in die kais. Dienste aufgenommen zu werden. Fux meint: „Weil 
diese Virtuosin eine vortrefBiche Stimm und eine gute Art zu 
singen habe, so habe sich Se. Majestät dem Vernehmen nach 
entschlossen, sie in Ihre Dienste aufzunehmen, lieber die Be- 
soldung weigert sich Fux etwas auszusprechen, weil er nicht 
wisse, wie -stark sie in der Musik sei, und wie sie sich auf 
dem Theater aufführen werde. [Wurde mit 1500 fl. angestellt.] 
(VI. 189.) 

1733 Februar kommt wegen Schulden um Erhöhung ihres 
Gehaltes von 1500 fl. ein: Fux räth wegen Kürze ihrer Dienst- 
leistung nicht ein. (VI. 208.) 

1734 März konmit abermals um Gehalterhöhung ein. Fux 
meint : „Weil diese Supplicantin mit einem ordinari accresciment 



246 Fux als Hofkapellmeister. . 

nit züirieden sein wird^ ihr auch nicht geholfen würde , und anf 
ein grosses Quantum wegen der Folgen nit einrathen könne , so 
mtlsse es auf den Ausspruch des Kaisers ankommen.^ (VI. 228.) 
1734 Juli erklärt ohne 3000 fl. Gehalt könne sie nicht aus- 
kommen. Fux meint mit Rücksicht auf andere Sängerinen ; die 
3.1—4000 fl. genossen haben y möge man auch der Bittstellerin ihr 
Verlangen gewähren. (VI. 232.) 

Violinisten. 

Peter Schmelzer, kais. Violinist 1729 December, ist 
wegen stropierten Fingers gar nicht mehr dienstfähig (VI. 167), 
ebenso ganz oder grösstentheils unfähig sind die Violinisten: 
Jos. (Joh. Jacob?) Hof er wegen Kränklichkeit, und Johann 
(Jos.?) Franck altershalber, Nicolo Matteis, Paul Al- 
ber wegen hohen Alters, Ferdinand Lemberger wegen 
geschwundenen Armes, Nicola Angropoli wegen Krankheit 
in Italien, Karl Hartmann wegen blöden Gesichts, Josef 
Fasching stropiert, Leo.pold Libano ebenso. (VI. 167.) 

* Joh. Alber, kais. Violinist 1733 Jänner sucht um Gehalt- 
erhöhung an. Fux stimmt bei , „da des Supplicanten grosse Be- 
scheidenheit in Consideration zu ziehen ist, dass er durch so 
viele Jahre um kein accresciment eingekommen ist, welches ver- 
mög seiner so emsigen und guten Dienste er gar wohl hätte thun 
können." (VI. 200.) [Genehmigt.] 

Franz Eeinhard, kais. Violinist 1722, gegen 22 Jahre, 
ist ein distinguierter Virtuos. (VI. 74.) 

Ferd. Woller, 1726 gegen 20 Jahr kais. Violinist, macht 
ein Ansuchen um Gehalterhöhung, das Fux sehr billig findet. 
(VI. 124.) 

Johann Otto Eosetter, 1727 durch 20 Jabre kais. 
Violinist von besonderer virtü. (VI. 145.) 

Karl Tomaso Piani 1718 dient als kais. Violinist emsig 
seit einem Jahre, und hatte in Baiem weit mehr als 30 Thaler 
monatlich. (VI. 29.) [Wurde mit 75 fl. monatlich angestellt.] 

1726, erhielt gelegentlich seiner Verheuratung vom-Kaiser 
eine Erhöhung des Gehaltes bis 90 fl. monatlich. (VI. 113.) 

Leopold Libano 1721 durch drei Jahre kais. Violinist 
ohne Gehalt , war früher Hofscholar, ist ein guter Virtuos und in 



Fux als Hofkapellmeister. 247 

kaig. Dienet gar wohl zn gebrauchen. Fnx schlägt ihn fhr die 
wirkliche Anstellung mit 30 Thlr. monatlichem Gehalt vor. [Nach 
Anirag angestellt.] (VI. 62.) 

. 1729 wurde im Dienst bei einer Fahrt nach Laxenburg ein 
Krüppel, bittet um Erhöhung seines Gehaltes um sich eines 
Wagens bedienen zu können. Fux räth, da Libano einer von den 
besten und emsigsten Violinisten ist, auf eine jährliche Gehalt- 
erhöbung von 100 fl. (VI. 161.) 

Joh. Ign. Angermayer 1722December Hofscholar, „hat 
sich dergestalten in der Violin qualificiert gemacht, dass er 
schon durch etliche Jahr gleich andern wirklichen Hof- Violini- 
sten seine Dienste prästieret. ^ Fux schlägt ihn zum wirklichen 
Hofnolinisten mit 500 ' fl. Gehalt vor. ptVurde mit 450 fl. ange- 
stellt.] (VI. 79.) 

1726 September bittet er aus Mailand, wo er um die Com- 
position zu studieren sich aufhielt und .ausser seinem Gehalt von 
1600 fl. bis 5000 fl. Schulden gemacht habe, um Aushilfe in 
seiner bedrängten Lage. Fux nennt ihn einen jungen verderbten 
Menschen, der nicht um zu studieren , sondern von seinen Gredi- 
toren gedrängt wegen unntltz gemachter Schulden von 3000 fl. 
sich von Wien geflüchtet habe, wesshalb F. von sich weist auf 
Unterstützung anzurathen. (VI. 123.) 

Franz Josef Timmer, 1727 December „seit 1718 wirk- 
licher Hofviolinist zugleich Musicus der Kaiserin- Witwe Eleonore 
ist einer von den emsigsten Dienern, dergestalt, dass er sich 
rühmen kann, nie einen Dienst ausgelassen zu haben.^ (VI. 149.) 
1730, wiederholt sein Gesuch um Gehalterhöhung, Fux sein 
Parere. (VI. 175.) 

1732, T. entleibte sich aus Trübsinn. Fux rühmt noch nach 
seinem Tode , dass er dem kais. Ofchestro trefflich angestanden 
sei. (VI. 197.) 

Bernhard Ziller 1736, 17 Jahre kais. Hofviolinist kommt 
um Gehaltverbesserung ein. Wird auf spätere Zeiten vertröstet. 
(VI. 240.) 

Johann Georg Hintereder, 1718 Juni „Se. Majestät 
haben resolviert den Violinisten H. in Dero Dienste aufzunehmen. 
Als Gehalt schlägt Fux 30 Thlr. monatlich vor, wenn Ihre Majestät 



248 Fux als HofkapellmeiBter. 

nicht in Ansehung der virtü des Snpplicanten ihn mit etwas mehr 
begnaden wollen." (VI. 31.) 

1723 kommt um Gehalterhöhung ein, weil er heuraten will. 
Fux stimmt bei, „da Snpplicant nit allein durch seine virtü und 
emsige Dienstleistung^ sondern auch durch sein PriTatstudinm 
sich distinguieret." (VI. 83.) 

1731 ein ähnliches 6esu<;h. Fux begutachtet beisthnmend^ 
„weil der Supplikant einer von den stärksten in der Musik unter 
allen kais. Violinisten ist, massen er auch in der Composition 
gar wohl erfahren ist." (VI. 185.) 

1733, ein gleiches Gesuch befürwortet Fux in gleicherweise. 
(VI. 221.) 

1740 März H. ist in Schulden gerathen und bittet um Au&- 
hilfe. Fux empfiehlt ihn als einen der virtuosesten und in kais. 
Diensten emsigsten Violinisten. (VI. 260.) 

Franz Karl Pernember, 1726 Violinist, „welcher wegen 
seiner virtü unter die ersten kann gezählt werden, wird von Fux 
empfohlen, dass auf ihn wegen seiner virtü und eigenen Ver- 
dienste, auch wegen der meriten seines Vaters, der über 20 Jahre 
als kais. Hoftrompeter dient , bei Besetzung eines Platzes reflec- 
tiert werde. (VI. 117.) 

1727 kommt um eine kais. Violonisten-Stelle ein. Fux räth 
nicht dazu ein, weil er den Violon nur per accidens spielt, denn 
Fux kann nicht verwilligen , dass ein so guter Violinist in einen 
schlechten Violonisten sollte verwandelt werden. (VI. 140.) 

1731 März kommt um Erhöhung seine» Gehaltes von 
400 fl. ein. Fux schlägt für ihn , der einer von den besten kais. 
Violinisten und überhaupt ein grosser Virtuos auf seinem In- 
strumente ist, wenigstens, 100 fl. jährliche Aufbesserung vor. 
(VI. 184.) 

1732 bittet neuerdings um Gehalterhöhung, weil er in Schul- 
den bis über die Ohren stecke. Ungeachtet F. von den jüngeren 
Violinisten, auch erst unlängst ihm 60 fl. sind zugelegt worden, 
so meint Fux, „weilSupplicant ein guter Virtuos und in äusserster 
Noth ist, so könnten ihm doch noch 80 fl. aus Gnade zugewiesen . 
werden. (VI. 196.) 

Filippo Salviati, 1718 December. „Weil dieser Knab 
noch in so jungen Jahren ein sonderbares Naturell in dem Violin 



Fnx als Hofkapellmeister. 249 

spüren lässt nnd Ihre kais. Majestät ihm ein allei^ädigstes con- 
tentö gezeigt haben^, so schlägt Fax denselben zum Hofscholaren 
vor. (VI. 38.) 

1721 April bittet als Hofscholar zu seiner Fortbildung nach 
Italien reisen zu dürfen. Fux stimmt für ein Reisegeld, da die 
hiesigen Meister keinen Scholaren in Kost und Wohnung nehmen, 
welches doch sowohl zur Information als Education höchst noth- 
wendig ist; sonderlich bei diesem Supplicanten, welcher wegen 
seines frischen und feurigen Geistes niemals aus des Lehrmeisters 
wachsamen Augen gelassen werden solle. (VI. 54.) 

1727 November kommt, „nachdem er als Hofscholar fast neun 
Jahr dem Studio in Violin und Contrapunkt unter Anführung der 
berühmtesten Meister in Italien mit grosser Emsigkeit obgelegen 
sei und zur Bestreitung der Unkosten seine assignierte Provision 
nit zulänglich gewesen'^ — um die Wirklichkeit ein. Fux schlägt 
ihn dazu vor, „als einen Hofscholaren, der sich capace gemacht, 
virtuose Dienste zu prästieren." [Wurde angestellt.] (VI. 142.) 

Joh. Ernst Muffat 1728 Violinist unter Kaiser Josef I., 
später (1714) reduciert, bittet um kais. Wiederanstellung. Fux 
empfiehlt seine Bitte, da er bereits seit 14 Jahren vertröstet wurde 
und er noch der einzige unconsolierte ist. (VI. 156.) 

1730 kommt neuerdings um Wiederanstellung ein, die Fux 
warm befürwortet. (VI. 169.) [Wurde angestellt.] 

Johann Paul Hammer, 1729 August in das achte Jahr . 
VioUnista supemumerarius kommt um die WirkHchkeit ein. Fux 
kann ihn dazu nfcht vorschlagen, aber sagt, dass er lange emsig 
und fleissig dient und wegen der vielen impotenten Violinisten 
der Hofkapelle sehr nöthig .wäre. (VI. 166.) [Wurde 1732 an- 
gestellt.] 

Ferd. Grossauer, 1732 April Violinist bittet in die kais. 
Kapelle aufgenommen zu werden. Fux sagt von ihm: „Dieser 
Supplicant ist «in sehr guter Virtuos, welcher eine treffliche 
areada, gute Intonation, perfectes Tempo und musicalisches Ge- 
hör hat^, und empfiehlt ihn zur Aufnahme. [Wurde nach Antrag 
aufgenommen.] (VI. 193.) 

IgnazSt«dlmann, 1735 kais. Hofscholar 4n Violin kommt 
um die Wirklichkeit ein. Fux räth dazu, „weil der Supplicant nit 
allein genügsame Fähigkeit für einen wirklichen Violinisten hat. 



250 Fux als Hofkapellmeister. 

sondern wohl auch ein Virtuos kann genannt werden.^ [Wurde 
angestellt.] (VI. 235.) 

1737 kommt um Gehalterhöhung ein^ wozu Fux beistimmt, 
^als derselbe ein Virtuos ist, so unter die besten zu rechnen ist.^ 
(VI. 244.) 

KarlJos. Denk, 1731 bisher Balletspieler bei Hofe, Sohn 
der Amme des Kaisers , bittet Hofscholar zu werden. Fux befür- 
wortet diess, ,,da dieser Jüngling schon alle Dienste gleich andern 
kais. Violinisten zu verrichten capace ist." (VI. 190.) 

Violoncellisten. 

Job. Gramme r, 1722 October in die 22 Jahre kaiserlicher 
Violoncellist kommt um Vermehrung seiner Besoldung von 460 fl. 
ein. Fux trägt an auf Erhöhung bis 600 fl., „weil er wegen Em- 
sigkeit im Dienen und christlichen Lebenswandels andern zum 
Exempel dienen kann, auch unlängst durch eine kostbare Krank- 
heit völlig in Ruin kommen ist." (VI. 76.) 

Franz Peter Schnautz, 1719 will als kaiserlicher Vio- 
loncellist aufgenommen werden. Fux findet ihn dazu geeignet, 
„da er sich bereits bei allen Hofdiensten mit seinem Violoncell 
brauchen liess und er auch ein guter Virtuos auf diesem Instru- 
ment igt." [Wurde angestellt.] (VI. 43.) 

Giovanni Ferroni, 1725 bittet um Gehalterhöhung, da 
^r Freunde in Mailand erhalten müsse und Schulden habe. Fux 
begutachtet : ,,Ich lasse dieses Supplicanten Schulden und Fami- 
lia an seinen Ort gestellt sein ; was aber dessen wtü und Dienst- 
verrichtungen anbelanget, muss ich bekennen, dass an Emsigkeit 
und unermüdenden Fleiss bei allen Diensten er andern zu einem 
Exempel sein könne." (VI. 115.) 

Franz Karl Drenger, 1718 hat als Flötist dem Kaiser 
gefallen, bittet um Scholarengehalt, um seine Studien fortsetzen 
zu können. Fux bemerkt: „Weil ich jüngst, da er sich abermals 
bei der Tafel hören liess ein sonderbares Naturell hab abnehmen 
können, so möge der Supplicant mit so viel consoliert werden, 
dass er in Neapel in einem Conservatorio sein Studium fortsetzen, 
und das Violoncell, welches nöthiger, als die Flöte, erlernen 
könne." (VL 28.) [Wurde 1725 kais. Violoncellist.] 



Fux als Hofkapellmeister. 251 



VioloDisten. 



1722. „Weil Supplicant (K. J. Gigl) den Violon nur per ac 
cidens ein wenig streichen kann, finde ich ihn bei den dermal 
Üblichen so schweren Bässen gar nicht tauglich flir einen 
kais. Hof-Violonisten. (VI. 68.) 

Andreas Freitig, 1719 f kais. Violonist, „hat in die 32 
Jahre dem Durchl. Erzhaus von Oesterreich emsigst gedient." 
(VI. 45.) 

Anton SchnautZ; 1720 kais. Violonist. Fux ist für seine 
Gehalterhöhung; weil er einer von den emsigsten Dienern ist. 
(VI. 48.) 

1727. „A. Schnautz, durch viele Jahre mit grössten 
Ruhme kais. Violonist ist in erbarmungswürdige Armuth verfal- 
len, dergestalt, dass er sein Weib sanunt fünf kleinen Kindern aus 
Mangel nothwendiger Kleidung &uf ein Dorf hinauszugeben ist 
gezwungen worden, er selbst aber aus Furcht des Personal- 
Arrestes mehrentlieils flttchtig geht. Wann nun höchst zu be- 
dauern ist , dass ein solcher Virtuos , dergleichen kaum mehr zu 
hoffen ist verderben sollte", so räth und bittet Fux für ihn um 
kräftige Aushilfe. (VI. 148.) 

Franz Peter Schnautz, kais. Violoncellist 1722 18. April, 
sucht an Violonist zu werden. Fux trägt darauf an, „da der Sup- 
plicant den Violon auch sehr wohl spielet, und an Violoncellisten 
ohnehin kein Abgang ist". (VI. 72.) [Wurde Violonist.] 

1731. „S. hat schon 16 Jahr die kais. Instrumentenkam- 
mer unentgeltlich verwaltet, auch ist ihm seit 1722 den Vio- 
lon zu spielen aufgetragen worden , mithin habe er keine Woche 
frei, weil sonst nur ein Violonist dermalen beständig vorhanden 
ist, indem der aus Spanien gekommene Violonist Domenico 
Apuzzo wegen schlechten Gesichts wenig mehr dienen kann." Fux 
findet daher sein Ansuchen um Gehalterhöhung billig. (VI. 188.) 

Gambist. 

Franz Hueffnagel, kais. Gambist 1717. Fux rühmt ,,die 
unvergleichliche virtü" des bereits verstorbenen. (^. 26.) 



252 Fax als Hofkapellmeister. 

Teorbist. 

Francesco Conti f tais- Compositor und Teorbist 1733. 
Fux rühmt des Verstorbenen „durch 33 Jahre geleisteten ganz 
besonderen virtuosen Dienste." (VI. 205.) 

Cymbalist. 

• 

MaxHellmann, 1724, „welcherungefUhrvor 5 Jahren von 

Ihre kais. Majestät dem famosen polnischen Gymbalisten (Pan- 
taleon) als ein Scholar ist mitgegeben worden, dieses difficultose 
Instri^nent zu lernen, kommt a. u. ein, nachdem er nach 
vollendeten Lehrjahren von Dresden wieder zurückberufen wor- 
den, als kais. Cimbalista aufgenommen zu werden. Weil nun 
Ihre kais. Majestät den Supplicanten mit Unkosten zu dem Ende 
verschickt haben , folgt von sich selbst und ist auch meine Mei- 
nung, dass, weil dieser Scholar in diesem beschwerlichen Instru- 
ment solche Progressen gemacht hat, dass, wo er seinen Meister 
nit übertrifft , aufs wenigste nicht nachgibt, der Supplicant billig 
in die kais. Dienste soll aufgenommen werden, und zwar mit 
1000 fl. Gehalt." [Wurde nach Antrag angestellt.] (VI. 95.) 

1725 Juni Hellmann weiss sich wegen Schulden nicht 
zu helfen und bittet um erkleckliche Aushilfe. Fux bemerkt 
darüber: „Weil mir bewusst, dass dieses Supplicanten elender 
Nothstand (in welchen er vielleicht wohl auch aus der Jugend 
gemeiniglich angebomen üblen Wi^thschaft theiis verfallen mag 
sein) also beschaffen ist, dass sofeme ihm nit durch eine kais. 
Gnad geholfen wird, er unfehlbar verderben müsste. Weil nun 
höchst schade wäre um dessen unvergleichliche und mit grossen 
kais. Unkosten erlernte virtü, so möge er durch eine adjuta von 
wenigstens 400 fl. vom Untergang gerettet werden." (VL 112.) 

1727 kommt wegen kostbarer Besaitung seines Instru- 
mentes um Gehaltvermehrung ein. Fux findet das Gesuch billig 
und trägt auf Gehalterhöhung von 200 fl. an. (VI. 133.) 

1732 bittet aus demselben Grunde um Erhöhung seines 
Gehaltes von 1000 fl. um 400 fl. Saitengeld, wie der Teorbist 
geniesset. Di«s scheint Fux gar billig zu sein. (VI. 199.) 



Fux als Hofkapellmeifiter. 255 

PosauniBten. 

Leopold Christian^ 1715 kais. Trombonist kommt ein 
um Gehalterhöhung. Fiix berichtet: „Wejg^en des Supplicanten^ 
welcher in seinem Instrument seines Gleichen nit hat, und daher 
die schwer^sten Executionen ihn allein treffen , kann ich wegen 
oben angezogener Motive nit anders als einratheu; dass ihm mo- 
natlich noch 10 fl. allergnädigst beigelegt werden." (VI. 18.) 

1724 derselbe kommt ein, dass sein Söhnlein von zehn 
Jahren königl. Hpfscholar werde. „Weil nun diese Familie das 
durchl. Haus von Oesterreieh schon über 50 Jahre her in diesem 
der Kapelle so anständigen Instrumente auf eine ungemeine Weise 
bedienet , dergestalt , dass offenbar ist^ dass dieses Instrument 
denen Christian angeboren sei; als ist meine unmassgebliche 
Meinung, der Supplieant möchte allergnädigst consoliert werden, 
doch dergestalt, dass die Scholarenbesoldung von 360 fl. nit d6m 
Knaben , sondern dem Vater beigelegt werde , bis der Sohn im 
Stande sein wird, in kais. Dienste einzutreten, wodurch der Vater, 
welcher der erste Virtuos in der Welt in diesem Instrumente ist, 
angefrischet werde, den Sohn dahin anzuhalten, damit dieses In- 
strument auf gleiche Weise der kais. Kapelle erhalten werde.'' 
(VI. 102.) 

1727 derselbe sucht eine Gehalterhöhnng an. Fux äus- 
sert sich hierttber: „Er, Supplieant, stehe in Gefahr, bei seinem 
ohnehin beschwerlichen Instrument (durch äusserliche Dienste) 
sich zu ruinieren oder aufs wenigste die kais. Dienste nit mit 
solcher Perfection wie dermalen zu verrichten , und da derselbe 
ein solcher Virtuos ist, der seines gleichen nit findet, auch schwer- 
lich mehr einer zu hoffen ist, mithin an dessen längerer Cou^er- 
vation nit wenig gelegen ist, sohlst meine zum kais. Dienste 
vorträgliche Meinung, seine dermalige Besoldung von 750 fl. 
auf 1000 zti vermehren, doch mit dem ausdrücklichen Befehl, 
dass er gleich bei dem Antritt dieses Genusses den Dienst bei 
St. Stephan aufgebe." (VI. 127.) 

Leopold Christian der jüngere, 1721 bittet um Ge- 
haltverbesserung. „Weil dieser Supplieant ein solcher Virtuos ist, 
dergleichen weder in vergangenen Zeiten, weder vielleicht in zu- 



254 Fux als Hofkapellmeister. 

künftigen keiner sich finden wird", so trägt Fux anf Vermehrung 
seiner Besoldung bis 40 Thaler monatlich an. (VI. 55.) 

1726 bringt ein gleiches Gesuch ein. Fux wiederholt, dass 
„der Supplicant vermög seiner besondern virtfi weit ein mehreres 
ineritierte, massen er in seinem Instrument seines Gleichen nit 
hat«. (VI. 121.) 

Andreas Boog, 1720 October gewesener Eleonorischer 
Trombonist kommt um die kais. Anstellung ein. „Weil in der 
Kapelle dermalen ein einziger dienstfähiger Trombonist sich be- 
findet, deren sonst aQezeit vier gewesen sind, so beantragt Fux 
seine Anstellung. [Wurde angestellt.] (VI. 51.) 

1721 über dessen Gesuch um Gehalterhöhnng begründet 
Fux seinen Antrag auf Bewilligung damit , dass „Boog nit allein 
ein guter Virtuos sei, sondern auch in seinen Dienstverrichtungen 
sonderbar emsig sich au£Ptthre, benebens auch seine Armuth be- 
kannt sei.« (VI. 64.) 

1731 gelegentlich eines ähnlichen Gesuches bezeichnet ihn 
Fux als einen sehr guten Virtuosen , der emsig im Dienen , auch 
privatim auf seinem fatigosen Instrumente unaufhörlich sich 
exercieret. (VI. 186.) 

Anton Steinbruckner, 1721 kommt nach Johann Chri- 
stian's Tode um die Stelle eines kais. Posaunisten ein. Fux nennt 
ihn dazu sehr tauglich und einen guten Virtuosen. [Wurde ange- 
stellt.] (VI. 63.) 

Ignaz Steinbruckner, 1724 kommt nach seines Bruders 
Anton Tode um die erledigte Trombonistenstelle ein. Fux schlägt 
ihn als guten Virtuosen vor. [Wurde angestellt.] (VI. 99.) 

Jägerhornisten. 

Friedrich Otto und . 

Wenzel Rossi, Waldhomisten 1715 kommen um Erhö- 
hung ihres Gehaltes von 20 Thalern monatlich ein. Fux findet die- 
sen Gehalt allerdings gering, beinebens sei aber zu reflectieren, 
dass selbe selten und wenig Dienst bei der Musik haben. (VI. 14.) 

1725 kommt Rossi ein, als Oboist mit 500 fl. angestellt zu 
werden. Fux findet, „dass Rossi nicht capace sei, als Oboist zu 
dienen, da er die Hautbois nur per accidens und für sein diver- 
tissement tractieret hat. Auch würden ihm 500 fl. Besoldung in 



Fux als Hofkapellmeister. 255 

seinem Elend mit Weib nnd neun lebendigen Kindern wenig hel- 
fen. Deshalb ihm die von R. länger angesnehte Licenz sich von 
hier zu retirieren zu ertheilen sei." (VI. 107.) 

Trompeter. 

Sebastian Nassoto, 1719 musicalischer Trompeter 
kommt um eine Scholarenstelle für seinen Sohn Josef ein. In An- 
sehung der so vieljährig treu-emsigen Dienste des Vaters befllr- 
wortet Fux das Gesuch. (VI. 40.) 

Josef Hollandt, 1718 musicalischer Trompeter wird von 
Fux in dessen Gesuch um Gehalterhöhnng unterstützt ^ „weil H. 
vor allen andern vermöge seiner raren virtü sich distinguieret." 
(VI. 34. 39.) 

Ernst Sessler, 1727 früher der Kaiserin- Witwe Eleonore 
jetzt kais. Hof- und Feldtrompeter kommt um einen erledigten 
höheren Gehalt ein. Fux rühmt von ihm, dass er „bei allen vor- 
fallenden Begebenheiten sehr gute musicalische Dienste prästie- 
ret habe". (VI. 138.) 

Johann Hainisch, 1727 musicalischer Hoftrompeter 
kommt um höheren Gehalt ein. Fux rühmt von ihm, dass er „in 
seiner virtü sich distinguieret und treffliche musicalische Dienste 
prästieret." (VI. 137.) 

1732 bei gleichem Anlass berichtet Fux: „Obwohl dermalen 
keine musicalische Besoldung vacant ist, jedoch weil dieser Süp- 
plicant ein ganz besonderer Virtuos ist, dergestalt, dass es ihm nit 
allein kein Trompeter bevorthun wird, sondern er auch gewisse 
Töne auf der Trompete glücklich erfunden hat, welche die Kapell- 
meister zwar bisher gewünscht, aber kein Trompeter hat können 
zuwege bringen , so ist meine pflichtmässige Meinung, Hainisch 
möge wegen seiner ungemeinen virtti mit noch 200 fl. mithin bis 
400 fl. jährlich allergnädigst accresciert werden, wodurch er mit 
weniger Sorg seinem Studio obliegen könne und angefrischt 
werde, ferner nachzusinnen." (VI. 195. 217.) 

Fagottisten. 

Joh. Franz Sturmb, kais. Fagottist f 1733 hat in das 
42. Jahr gute Dienste geleistet. (VI. 215.) 



256 Fux als Hofkapellmeister. 

Karl Maillardy kaig. Fagottist 1733 Jänner „ist ein- sehr 
alter nnd dergestalt miselsüchtiger Mann, dass er muthmasslich 
garnit lang mehr leben wird." [f 15. März 1733.] (VI. 204.) 

Franz Martin Sturmb, 1733 in die 33 Jahr kais. Fagot- 
tist (des obigen Sohn) kommt um Gehalterhöhnng ein. Fux be- 
fürwortet das Gesuch, „weil der Supplieant dermalen im Range 
der älteste Fagottist, auch virtuos und emsig im Dienen ist." 
(VI. 215.) 

TobiasWoschitka, 1721 April fürstl. Liechtensteini- 
scher Fagottist kommt ein, kais. Fagottist zu werden. Fux räth zur 
Aufnahme, „obwohl dermalen vier Fagottisten sich befinden, aber 
wenig zum dienen mehr* tauglich sind, wodurch zuvörderst der 
Tafeldienst leidet, ausserdem ist der Supplieant ein guter Virtuos." 
[Wurde angestellt.] (VI. 56.) 

Joh. 6. Schindler, Fagottist 1722 April, war kön. Fagot- 
tist in Spanien, wurde dann in Wien reformieret und vertröstet, 
kommt ein, kais. Fagottist zu werden. Fux kann nicht einrathen, 
weil er bereits einen andern in Vorschlag gebracht hat, „ungeach- 
tet Seh. auch seine Meriten und Habilität hat." [Wurde angestellt.] 
(VI. 72.) 

Johann Jacob Friedrich, 1727 kais. Fagottist' kommt 
ein um Gehalterhöhung. Fux sagt: „Obwohl Supplieant nit lang 
in kais. Diensten stehet, weil er aber ein besonderer Virtuos und 
s^hr gebraucht wird, massen fast keine Woche vorbeigeht, wo er 
nit 1 oder 2 Mal mit seinem beschwerlichen Instrument mass 
sich hören lassen nit mit geringer Satisfaction der allergnädig- 
sten Herschaften", so befllrwortet Fux eine Zulage von 300 fl. 
(VI. 129.) 

1733 April kommt um Gehalterhöhung bis 1080 fl. ein. Un- 
geachtet Fr. als einer der jüngsten Fagottisten doch bereits den 
höchsten Gehalt von 1000 fl. geniesst, so ist doch Fux nicht 
gegen die letzte angesuchte Erhöhung, weil Fr. ein besonderer 
Virtuos ist, (VI. 214.) 

1737 in der gleichen Angelegenheit rUhmt Fux, dass Sup- 
plieant in seinem Instrument ein ganz besonderer Virtuos ist und 
neben den ordinari Diensten die aller^ädigsten Herschaften 
mit Soloblasen öfters divertieret. (VL 243.) 



Fux als HofkapeUmeiBter. 257 

Anton Maillard; kais. Fagottist 1733 wird wegen Gehalt- 
vermehrang auf den nahen Tod seines ^miselsttchtigen^ Vaters 
vertröstet. (VI. 204.) 

Franz Philipp Friederich, 1739 December, ein Sohn 
des kais. Fagottisten Friederieh kommt um die erledigte Stelle eines 
kais. Fagottisten ein. Fox schlägt ihn dazu vor mit 500 fl. Ge- 
halt, „dieweil dieser Snpplieant nicht allein die kais. ordinari 
Dienste zu versehen ftlhig ist, sondern aach vermög des annehm- 
lichen nnd reinen Tons , so er aus seinem Instramente hervor- 
bringet, mit Soloblasen einen gnsto geben kann^. []Nach Antrag 
angestellt.] (VI. 256.) 

Oboisten. 

Franz Xav. Glätzl, 1715 reformierter Hoboist kommt ein, 
wieder in Dienst aufgenommen zu werden. „Weil der Supplicant 
ein guter Virtuos und in drei Instrumenten , als Hautbois , Flute 
allemande und Fagott excelliert; beinebcns auch statt seines kran- 
ken Bruders schon eine geraume Zeit gedieuet hat, auch sie drei 
Brüder als zusammen gewohnt ein gutes Concert machen, so ist 
meine Meinung, es möchte ihm indessen bis zu einer Apertur 
noch femer, doch ohne Besoldung zu dienen allergnädigst er- 
laubt sein. (VL 15.) 

1718 August kommt um die erledigte Stelle eines kais. 
Oboisten ein. „Da Supplicant seit zwei Jahren anstatt seines 
kranken nunmehr verstorbenen Bruders die kais. Dienste mit 
grosser Emsigkeit versehen, so erachtet Fux die höchste Billig- 
keit zu sein, ihm die vacante Stelle zu verleihen, zumal er ein 
guter Virtuos in dreierlei Instrumenten ist". (VI, 37.) 

1726 nach dessen Tode (f 1726) rUhnat noch Fux, dass 
derselbe so wie seine andern zwei Brüder (Franz und Roman Gl.) 
dergestalten gute Dienste geleistet haben, dass deren schon zwei 
wegen des beschwerlichen Instrumentes und der Fatiguen in 
jungen Jahren ihr Leben eingebUsst haben. (VI. 122.) 

Josef Lorber, 1718 vormals kais. Hoboist kommt ein, 
wieder in kais. Dienste aufgenommen zu werden. Fux unterstützt 
sein Gesuch, „da zu Bestreitung der Tafel- und anderen Dienste 
noch ein Hoboits höchst nöthig, dieser Supplicant aber nit allein 
ni diesem Instrument, sondern auch in der Flflte allemande und 

Köehel,J.J.¥nx. 17 



258 Fux als HofkapellmeiBter. 

Chalumeau ein sehr guter Virtuos ist, auch anbei schon • in vori- 
gen Diensten sich Meriten gemacht hat^. (VI. 36.) 

1723 kommt um Gehaiterhöhung ein, da er auf der Laxen- 
burger Reise aus Unvorsichtigkeit des Lofankutschers umgewor- 
fen, geschleppt und in Todesgefahr ein Ohr verloren hat. (VI. 84.) 

Joh. Ludwig Schulz, 1737 kais. Hoboist klagt, dass er 
durch unrichtige Bezahlung der Gehaltquartale in eine Schulden- 
last von 3955 fl. gerathen sei , desswegen der grösste Theil 
seines Gehaltes sequestriert werde und bittet um Aushilfe. Fux 
bestätigt den Nothstand, mittelmässige Hilfe komme dem Snppli- 
canten wenig zu statten, auf ein grosses Quantum unterfange sich 
Fux nicht einzurathen, weshalb er des Supplicanten Elend der 
Milde des Obersthofmeisters recommandiere. (VI. 245.) 

Andreas Wittmann, Hoboist 1721 April kommt um die 
Stelle eines kais. Oboisten ein. Fux ist für die Verleihung , da 
eine Stelle durch Todfall vacant geworden und zwei wegen 
Unpässlichkeit keine Dienste mehr leisten können, „der Snppli- 
cant aber in der Hautbois und auch im Chalumeau dergestalt 
Virtuos ist, als ich noch allhier einen gehört habe.^ [Wurde an- 
gestellt.] (VI. 57.) 

Zacharias Gazaroll, Hoboist 1731 will als Oboista 
Supemumerarius eintreten. Fux findet das Gesuch zu berücksich- 
tigen, „da er ein guter Virtuos ist, auch vorher diych sechs Jahre 
Hofscholar war. Doch soll er bis auf den Todfall eines Oboisten 
ohne- Besoldung zu dienen verbunden , und weder etwas zu be- 
gehren befugt sein". (VI. 181.) 



XV. 

Sehfller des Fnx — Portrftte — Wohnnngreii — Krankheit und Tod 
— Seine YerUltnisBe in leitgendssisehen Componisten — Ankang. 

Als Organist bei den Schotten so wie als Kapellmeister von 
St. Stephan war Fux mit Gesangsunterricht beschäftigt, gleich- 
zeitig und auch später als Hofkapellmeister hatte er Schüler 
im Contrapünkte. Er erwähnt es selbst in der Vorrede zu seinem 
Gradus, dass er viel und lange über eine leichtfas^liche Methode 
in der Compositionslehre nachgedacht und bei seinen Schülern 
mit Erfolg angewendet habe. Sein methodisch- didactisches Ta- 
lent ist auch gar nicht in Zweifel zu ziehen, eben so wenig dass 
ein solcher Lehrer, der zugleich seine Theorie mit einer glänzen- 
den Praxis verband, gesucht ward. Es scheint auch, dass der 
Unterricht bei Fux nicht blos eine Quelle des Erwerbes, sondern 
ein Gegenstand innerer Neigung ward, und das im Gradus geschil- 
derte Verhältniss des Schülers zum Lehrer dürfte nicht reine Fic- 
tion gewesen sein, mindestens in manchen Theilen auf wirklichen 
Zuständen beruhet haben. Von den ausgezeichneten Schülern nun, 
die sich und ihrem Meister Ehre biachten, sollen hier nur von den 
nachgevriesenen vorzüglicheren einige Lebensumstände gegeben 
werden. Diese waren: Gottjieb Muffat, Johann Dismas 
Zelenka, Franz Thuma (Tuma), Ignaz Prustmanu und 
Georg Christoph Wagenseil. 

Gott lieb Muffat, geboren um 1690, gestorben in Wien 
10. Dec. 1770, 80 Jahre alt. (Wr. Zeitg.) Er war 1711—1717 
Hofscholar und ein Schüler von J. J. Fux, wurde 3. April 1717 
Hoforganist und blieb es bis zu seiner Pensionierung im Jahre 
1764 durch 47 Jahre. Er war zugleich Organist der Kaiserin- 
Witwe Amalie Wilhelmine und gab Unterricht im Ciavier in der 
Familie des Kaisers Karl VL Von seinen beliebten Ciavierwerken 
wurden Componimenti nmsicali per il Cembalo gestochen (Gerber, 
Künstlerlex. Alte Ausg.). Im Manuscript waren in Träg's Catalog 

17* 



260 Schüler des Fux. 

ausserdem 6 Clavier-Parthien , 8 Parthien Toccaten und Fugen, 
72 Versetten, 12 Toccaten angezeigt (Gerber, Neue Ausg.). A. von 
D m m e r (Musikgeschichte p. 450) sagt von ihm : „ In Deutschland 
waren die grossen Organisten auch tüchtige Ciaviermeister, Fro- 
b erger an der Spitze, nach ihm insbesondere aber Gott lieb 
Muffat, des alten Fux wUrdiger Schüler, ein ausserordentlich 
feiner und gewandter Claviercomponist, dessen Componimenti 
musieali (Wien , 1 727) Stücke enthalten , welche an Geschmack, 
angenehmer Erfindung und Solidität mit den besten ihrer Zeit ge- 
trost sich messen können." Von seinen Compositionen für Ciavier 
und Orgel werden sechs Nummern in Ausgaben der neuesten 
Zeit durch Becker, Weitzmann, Schletterer, Eiegel in den Monats- 
heften für Musikgeschichte 1871. Beil. pag. 141 angegeben. 

Joh. Dismas Zelenka, 1681 zu Launowiß in Böhmen 
geboren (Dlabaö, Künstlerlexicon p. 437) scheint seine Erziehung 
im JesuitencoUegium in Prag erhalten zu haben und ward 1710 in 
Dresden als Contrabassist angestellt. Anfangs 1716 war er in 
Wien, wohin er wahrscheinlich schon früher mit Erlaubniss des 
Königs gegangen war, um Unterricht in der Composition beim 
berühmten Kapellmeister J. J. Fux zu nehmen. Letzterer soll 
ausserordentlich zufrieden mit ihm gewesen sein und den König 
in einem Schreiben gebethen haben, Zelenka nach Italien zu 
schicken, „damit er alles machen lerne und nicht blos in meiner 
maniera". 1716 gieng er mit mehreren CoUegen nach Venedig 
und soll dort bei Ant. Lotti studiert haben. 1717 kam er von 
Venedig abermals nach Wien um den Unterricht bei Fux fortzu- 
setzen. 1718 wurde er dem Gefolge des dort verweilenden Kron- 
prinzen von Sachsen beigesellt. Ein Studienband, den er von 
dort zurückbrachte {Collectnneorum Musicorüm libb. IV de diver - 
818 Authoribus in Dresden) war ein beweis seines Fleisses ^ Nach 
seiner Eückkehr von Wien 1719 benützte er in Dresden noch 
den Rath Lotti's. Im Jahre 1 723 war er während der Krönung 

1 Zelenka schreibt darin nach dem Titel: „16 Magnificat a 4 del 
Morales". 

„Praesens Excellentissimi in Rebas Musicis Magistri opus copiandum 
accepi a Magno illo capellae Caesareae Magistro P. ac Generoso Dno 
Joanne Joseffo FUX meo tunc in compositione magistro reverandissimo 
(sie) Viennae Austriae 1718." 



Schüler des Fux. 261 

Kaiser Karl M. in Prag, wo nach der berühmten Auflführung 
der Oper Coatanza e fortezza von Fux unter Caldara's Leitung, 
Zelenka die Musik zu dem Melodrama de Sancto Wenceslno ge- 
macht hatte. 1735 erhielt Zelenka das Prädicat „Kirchencompo- 
nist". Er starb unverheuratet 23 Dec. 1745, 64 Jahre alt. Seine 
zahlreichen Compositionen blieben in Dresden : die wenigen Einge- 
weihten sprechen mit grosser Achtung von seinen Compositionen 
(besonders den Chören und Fugen) „als Muster im Kirchenstile". 
In Dresden befinden sich noch von ihm 15 Messen, 3 Requiem, 
10 Litaneien, mehr als 60 Psalmen und kleinere Kirchencompo- 
sitionen. An Instrumental-Compositionen : Concerte, Symphonien, 
Ouvertüren, Capriecio, Sonaten u. dgl. Abt Gerbert (de Cantu et 
Musica Sacra T. ü. p. 371) sagte: „Josephus Fux insignem impri- 
mis discipulum in musica Sacra reliquit Joannem Zelenka, regis 
Poloniae musicae praefectum Dresda^ , tot aliorum insignium ea 
in arte magistrum" ^ Auch Quantz erzählt in seinem Lebens- 
lauf*, dass er „an Fugen immer ein gross Vergnügen gefunden, 
zumal, da er vormals in Wien von dem künstlichen Kirchencompo- 
nisten Zelenka, der damals (vor 1720) unter Fuxen studierte, 
darüber Begriflfe erhielt". 

Franz Thuma (Tuma) geboren in Kostelec (Böhmen) um 
1701, gestorben 4. Februar 1774, 73 Jahre alt, in Wien». Nach 
zurückgelegten philosophischen Studien kam er nach Wien (um 
1720) wo der Fürst Kinsky sein Beschützer wurde und ihn Fux 
übergab, um seine Studien im Contrapunkte zu leiten*. 1741 
ward er Kapellmeister der Kaiserin Elisabeth (nach Kaiser 
Karl VI. Tode) und blieb es bis zum Tode der Kaiserin -% worauf 
er eine Pension aus diesem Titel bezog. Er lebte sechs Jahre lang 
im Stifte Geras in der Miethe, kehrte kränkelnd nach Wien zurück, 
und starb da im Kloster zu den barmherzigen Brüdern. Seine 
classischen Kirchencompositionen werden in den Musikarchiven 
als kostbare Schätze bewahrt und Böhmen ist mit Becht stolz auf 
diesen würdigen Sohn®. 



IM. Fürstenau, Oesch. Dresd. Mus. II. 71—83. «Marpurg, 
hist.-krit. Beitr. I. 210. 3 Wiener Zeitung. * F^tis. 5 21. Dec. 1750. 
<< Schilling. — Auch die k. k. Hofbibliothek hat mehrere Compositionen 
Ton ihm. 



262 Schüler des Fux. 

Ignaz Prustmann^ ComponiBt. In der k. k. Hofbiblio- 
thek befinden sich von seiner Composition zwei Mottette, welche 
die Aufschrift haben: „Del Sgr. Ignazio Prnstmann, Scolare 
del Sgr. Maestro Fux", femer ein Stabat mater mit dem 
Datnm 21. März 1744^ und ein Requiem mit der Jahreszahl 1733, 
welche sämmtlieh zeigen , dass er den Unterricht seines Meisters 
mit Nutzen genossen habe. Von seinem Leben ist nirgends eine 
Aufzeichnung zu finden : F6tis, Gerber, Schilling erwähnen seiner 
nicht, ebenso erscheint er nicht in den Hofschematismen, nicht in 
den Todtenlisten von Wien — er wäre ganz verschollen ohne 
obigen Beisatz bei seinem Namen. 

Georg Christoph Wagenseil, geboren zu Wien 1715, 
gestorben daselbst I.März 1777, 62 Jahre alt^ Nachdem er 
schon früher den Unterricht von Fux genossen hatte, empfahl 
ihn dieser* zum Hofscholar, „da von ihm in der Orgel und Compo- 
sition virtuose Dienste zu erwarten seien". Als er hierauf von 
1736 bis 1738 das Stipendium als Hofscholar erhalten hatte, 
schlug ihn Fux^ zum Hofcompositor vor, „da er vor andern in 
den Grundregeln des Contrapunktes zu sdireiben sich befleissigt, 
um so mehr, als bei dermaliger licentioser Schreibart die regel- 
mässige Composition durch ihn könnte erhalten werden". Ueber 
diesen Vorschlag wurde er" 6. Februar 1739 Hofcompositor und 
blieb in dieser Stellung biß an sein Ende. Neben diesem Hof- 
dienste erhielt er auch die Stelle als Organist in der Kapelle der 
Kaiserin-Witwe Elisabeth Christina (von 1741 bis 1750, wo sie 
starb) und war durch lange Jahre Musikmeister der Kaiserin 
MariaTheresia, wofllr er lebenslang eine Pension von 1 500 fl. 
bezog. Als der sechsjährige Mozart im Jahre 1762 am Hofe 
in Wien spielen sollte, fragte er: „Ist Herr Wagenseil nicht 
hier, der versteht es", und als dieser kam: „Ich spiele ein Concert 
von Ihnen, Sie müssen mir umwenden"*. Er besass in seinen 
Compositionen Originalität und ist einer der älteren Lieblings- 
componisten für Kenner und Liebhaber gewesen. Gedruckt er- 
schienen von ihm mehrere Ciavierwerke , wie der Suavis artifi- 

• 

1 Wien. Zeitg. — nicht 92 Jahre alt, wie Gerber und Fötis angeben. 

2 Beil. VI. 234. « Eb. 250. * F. Niemets chek. Leben W. A. 
Mozart's. p. 7. 



Schiller des Fnx. 263 

ciose elaboraius concantus muricus und ähnliches; im Mannscripte 
hinterliess er anch Orchestersymphonien , Kirchensachen nnd 
einige Opern *. 

Ignaz Holzbaner^ geboren zn Wien 1711, gestorben zu 
Mannheim 7. April 1783 als knrpfälzischer Kapellmeister nnd 
Hofkammerrath y der geachtete Componist der seiner Zeit be- 
rühmten Oper Gttnther von Schwarzburg nnd zahlreicher 
anderer Opern, Kirchen- und Kammermnsiken, wird von Dlaba6 
(Hist. Künstlerlex. für Böhmen I. 436) ein 8chlller des J. J. Fnx 
genannt. Das war er nnn nicht ^ aber wie er in seiner Selbstbio- 
graphie ' erzählt, verdankte er viel dem 8tndinm des Oradus ad 
pamassnm und machte einen emzigen Besnch bei Fax. Holz- 
baner sagt darttber wörtlich: „Ich bettelte endlich so lange bei 
meiner Schwester, bis sie mir Geld gab das Faxische Composi- 
tionsbuch kaufen zu können. Ich verstand die lateinische Sprache 
nnd fieng also darin zu studieren an. Der Speicher war .der Ort 
dazu , denn auf meiner Stube hätte es nicht sein können. Ich 
componierte bald Symphonien , Concerte und allerhand derglei- 
chen , und diese meine Arbeiten wurden immer von meinen Mei- 
stern (jungen Musikern des Domes von St. Stephan) mit dem 
grössten Beifalle aufgenommen. Einsmals fiel mir ein, zum Ka- 
pellmeister Fux selbst hinzugehen und ihn zu bitten mich 
in der Setzung zu unterrichten. Ich Hess mich melden. Dieser 
gute Alte, welcher beständig am Podagra und Chiragra krank 
lag, fragte mich, was ich wollte. Ich bath ihn, mich als Schiller 
anzunehmen. Ja^ sagte er, aber können Sie denn schon etwas 
Musik? ja, antwortete ich, auch schon etwas schreiben. — 
Gut, nehmen Sie ein Blättchen von dem Papier, das auf d^n Cia- 
vier liegt und schreiben Sie mir einige Zeilen Kote gegen Note. 
— Ich that es und überreichte es ihm aufs Bett; er sah es an 
und sagte ganz erstaunt : Das können Sie schon ? Nun so kann 
ich Sie nichts mehr lehren. Wo und von wem haben Sie dieses 
erlernt? — Aus Ihrem Buche. — Gehen Sie nach Italien, damit 
Ihnen der Kopf von überflüssigen Ideen gereinigt werde , dann 
werden Sie ein grosser Mann werden, Sie sind ein gebomes 

1 F^tis. Gerber. ^ MusicaliBche Correspondenz. Speyer 1790. pag. 
107 ff. 132. 



264 Porträte des Fax. 

Genie. — Nie gieng ich freudiger nach Hanse, als damals.^ An- 
derweitige Beziehungen Holzbauer's zu Fux sind nicht bekannt. 



Gelungene Porträte, welche nach dem Leben gemahlt und 
beglaubigt sind, gehören, nachdem von dem Bilde in dem Vater- 
hause des Fux keine Spur mehr zu finden war , zu den Selten- 
heiten. Bekannt ist nur ein einziges , in dessen Besitz das Archiv 
des Wiener Musikvereines sich befindet. 

Es ist dies ein gut gemahltes Oelbild, Bruststück im 
Costümc der Zeit. Die Beglaubigung liegt eben dort und besteht 
in einem Briefe , den der frühere Besitzer J(ohann) Ch(ristoph) 
Westphal (geb. zu Hamburg 1. April 1773 und seit 1803 an der 
dortigen Nicolaikirche als Organist angestellt *) an einen Herrn 
Zahl-Commissär Henk daselbst (Hamburg?) schreibt. Er lautet: 

,,Meinem Versprechen gemäss mache ich Ew. Wohlgeboren 
auf Dero Anfrage meine endliche Entschliessung bekannt. Un- 
gerne beraube ich meiner musicalischen Bildniss- Sammlung, jetzt 
an Anzahl 518 Stück, kins der seltensten Stücke, indem meines 
Wissens dies das einzige noch vorhandene Porträt von dem alten 
Ober-Kapellmeister Fux ist. Derselbe hat es seinem lieben 
Freunde dem Kapellmeister H e r t e P eigenhändig zum Andenken 
verehrt , und von dem letzten dieser Familie , der hier starb , ist 
es seit 30 Jahren in meinen Händen. Kann ich indessen für dieses 
Porträt 20 Fdor. erhalten, nun so will ich es fllr diesen Preis ab- 
stehen. Es hat eine Höhe von circa 2V2 Euss und eine Breite von. 
1^4 Fuss und ist unbeschädigt. 

V. H. den 30. Juni 1819. J. H. Westphal. 

Josef Sonnleithner hatte dasselbe bei Westphal gesehen und 
kaufte es 1827 aus dessen Nachlasse für den Musikverein. 

Dieses ausdrucksvolle Porträt wurde von einem sehr geschick- 
ten Künstler zum Behufe der Photographie in natürlicher Grösse 
mit Kreide gezeichnet und liegt dem Titelkupfer zum Grunde. 

Die übrigen bekannten Abbildungen sind von untergeord- 
netem Werthe und dürfen schwerlich einen Anspruch auf Aehn- 

1 Gerber und Fötiß. ^joh. Christ. Hertel, meklenburg-stre- 
litzischer Concertmeißter, geb. 1699, gest. 1754. (Gerb.) 



Wohnungen des Fnx. 265 

lichkeit machen. Es sind dies sämmtlich Brustbilder und 
zwar: 

1. Aquarell in der Privatbibliothek Sr. Majestät des Kaisers. 

2. Lithographie mit der Unterschrift „Fnx" ohne weitere An- 
gabe; nach W. E. Drngulin (allg. Portr. Catalog p. 258) soll 
sie von Winther 1821 lithographiert worden sein. 

3. Eapferstieh. Auf einem grossen Tablean^ 42 meistens 
italienische Tonkünstler in Medaillons gruppiert darstellend , ge- 
zeichnet YonLuigi Scotti, gestochen in Florenz im Studio Raimondi. 
In dem einen Medaillon y beinahe in der Mitte des Bildes ist das 
Profil von J. J. Fux neben dem von Piccinni, Jomelli und Sacchini. 
(In der Porträtsammlung Sr. Majestät des Kaisers. Tonkttnstler^ 
Blatt 112.) 



Fux wohnte in Wien 1696 nach der Trauungsmatrikel als 
Organist des Stiftes im Schottenhofe in der Städte 

7. December 1702 wurde ihm, als Hofcompositor, ein 
Quartier in des Paul Kautz Barbierer Haus auf dem Neuenmarkt 
angewiesen*. (Dieses Haus des Barbierers Paul Kautz zu den 
7 Körben genannt, ist ein Eckhaus mit der jetzigen Nummer 17, 
alt Nr. 1067.) 

20. Juli 1715 erhielt er als Hofkapellmeister eine an- 
dere Wohnung „in der Weinburg in weil. Martins gewesten Schnei- 
dermeisters Haus ^. (Weil. „Johann Martin, Hoff-Befreiten Schnei- 
dermeisters Hans, ein Eck" ist nun Nr. 5, alt Nr. 907 in der 
Weihburggasse.) 

23. Oct. 1719 wurde ihm sein letztes Hofquartier zuerkannt, 
worin er auch starb „in dem sogenannten goldenen Bern an alten 
Fleischmarkht*'' (d. i. Fleischmarkt neu Nr. 6, alt Nr. 697^). 



Schon in seinem sechzigsten Jahre, vielleicht selbst noch 
früher war Fnx von einer schmerzlichen chronischen Fussgicht 
gequält, die ihn bis an sein Ende nicht mehr verlassen zu haben 
scheint. Im Jahre 1723 Hess ihn der Kaiser in einer Sänfte, wie 
erwähnt, zur Krönung nach Prag bringen, um dort der Aufführung 

1 Beil. 1. 1. 2. 2 BeU. IL 18. » Beil. II. 19. * Beil. II. 20. * Die 
Ennittlung dieser Häuser mit ihren gegenwärtigen Nummern verdanke ich 
dem verehrten Freunde Dr. Th. G. von Karajan. 



266 Kränklichkeit and Tod des F n x. 

seiner grossen Oper Costanza e Foriezza beizuwohnen. Vielfach 
klagt er darüber in seinen amtlichen Berichten;, im Jahre 1725 
sagt er im Vorberichte des Gradns^ „er sei dnrch häufige Kränk- 
lichkeit, manchmal durch mehrere Monate , ja sogar durch ein 
ganzes Jahr in seiner Arbeit unterbrochen worden und jetzt kaum 
genesen" ; femer wiederholt er am Schlüsse des Werkes (p. 279) 
auf die Frage des Schülers, ob er jetzt sein Werk schon ab- 
schliessen wolle? „Bemerkst du nicht die Steifheit und Mattigkeit 
meiner Gelenke, die Vorbothen meines drohenden Leidens, der 
Fussgicht? Du weisst überdies, dass ich sowohl durch meine 
Jahre und mein fast nie ganz aussetzendes Uebelbefinden, schon 
so gebrochen bin , dass wenn jene Krankheit mit ihrer gewöhn- 
lichen Heftigkeit mich anfiele und nach ihrer Gewohnheit dnrch 
sechs Monate festhielte, mein Gemüth die nicht grundlose Furcht 
befallen mttsste, dass ich dieses Mal nicht wieder an ein Aufkom- 
men denken könnte. . . Bin ich doch jetzt schon an das Ruhbett 
gefesselt." — Auch an den Schriftzügen der amtlichen Gutachten 
wird seine zunehmende Schwäche ersichtlich: nach dem Tode 
seiner Frau (1731), besonders seit 1732 wird seine sonst feste 
Hand oft zitternd, von 1737 bis 1740 muss er sich einer fremden 
Hand bedienen, die auch seinen Namen unterfertigt. Vom 10. März 
1 740 ist sein letztes Gutachten. Nachdem er noch den Schmerz 
erleben musste, an dem Sarge seines kaiserlichen Gönners^ und 
Freundes zu stehen und ihm mit dem grossen Requiem seine 
letzte Huldigung zu bringen, unterlag kaum vier Monate später, 
am 13. Februar 1741* seine eigene körperliche HttUc einem 
„hektischen Fieber". Am 15. Februar wurde er am Freithofe von 
St. Stephan in der Gruft bei seiner vorangegangenen Gattin bei- 
gesetzt. Bei seinem letzten Kampfe waren seine treue Nichte 
Maria Eva und der NeflFe Matthäus, ihr Bruder um ihn. Er 
endete damit als ein Mann , der lange siegreich durch die Kraft 
des Geistes über die Gebröchen des Körpers, zuletzt überwunden 
von dem Drude seiner Jahre und erschöpft an Lebenskraft erlag 
im Alter von 81 Jahren^. — Konnte er doch beruhigt zurücksehen 
auf eine Reihe schöner Werke der Kunst und eine reiche Saat, 

1 Kaiser Karl VI. starb 20. Oet. 1740. s Gestorben den 13.) beschaut 
den 14., bestattet den 15. Febr. 1741. (Wr. Diar. und Beil. I. 6—9.) 
3 Wiener Diar. 15. Febr. und Beil. I. 6. 



Characterzüg^e deß Fax. 267 

die befruchtet und genährt durch seine Ftihmng Beinen Namen 
anf eine späte Nachwelt zu tragen bestimmt war. 

Am Tage nach seiner Beerdigung (16. Februar) gaben die 
Hofinusiker in der Hofkapelle seine schöne Messe: In fletu 
solatium. 

Fassen wir die im Vorausgegangenen zerstreuten Character- 
Züge unseres Fux zusammen, so geben sie uns das Bild eines 
Ehrenmannes, dem seine Kunst und sein Amt das höchste im 
Leben galten, und der zugleich als Mensch sich allseitiger Achtung 
und Anerkennung erfreute. Ausser den Bemühungen, seine Frau 
und seine nächsten Verwandten versorgt zu wissen, erwarb ihm 
sein Wohlwollen auch Freunde durch sein ganzes Leben, ja selbst 
über dieses hinaus, wie sich diess in dem nahen Verhältnisse 
seiner Erben zu den Verwandten seiner Frau in der Familie 
Schnitzenbanm noch in späten Jahren kundgab. Sein Haushalt 
mnsste durchaus geordnet gewesen sein, da ungeachtet seiner 
kostspieligen Krankheiten sein Nachlass beträchtlich gewesen 
war, indem der Neffe und Legatar Matthäus Fux allein 10.000 fl. 
erhielt. Sein humanes Benehmen sprach sich auch in seinem Ver- 
hältnisse zu den ihm unterstehenden Mitgliedern der Hofkapelle 
besonders in jenen Fällen aus , wo er hilfebereit eintritt, wenn er 
auch durch seine Amtspflicht dazu nicht veranlasst war. — Dass 
er im Bewusstsein seines mnsicalischen Verdienstes auf den Bang 
des ersten Kapellmeisters des ersten Kaisers der Christenheit 
grossen Werth legte, und gelegentlich den Meistertitel nur jenem 
zuerkannt wissen will , welcher die Composition aus dem Funda- 
ment versteht, darf wohl bei einem Manne nicht befremden, der 
sich sagen musste, dass er seine Stellung und sein Ansehen in 
der musicalisehen Welt nur seinem Talente , seinen Kenntnissen 
und seiner Thätigkeit verdanke. Seinem Herrn und Kaiser gegen- 
über genoss er zwar ein besonderes Vertrauen , allein er überhob 
sich dessen nie und liess darum die Rücksicht gegen seine un- 
mittelbaren Vorgesetzten, besonders den Obersthofmeister niemals 
aus dem Auge. Wenn er sich, wie bei der Beschwerde gegen den 
Principe Pio, dem kaiserlichen Ausspruche zu unterwerfen erklärt, 
so geschieht es doch nicht , ohne die Rechte des Kapellmeisters 
ftir sich und seine Amtsnachfolger zu wahren. In seinen schrift- 
lichen Aeusserungen , besonders den Gutachten, ist neben der 



268 Characterzüge des F u x. 

veralteten Form des Ausdrucks die klare Ansicht des Sach- 
verhaltes und bei manchen hochgespannten Forderungen der 
Bittsteller die kluge Corabinierung aller Umstände und ein inrnier 
volles Mass der Billigkeit niemals zu verkennen. Indessen, wo es 
gebothen erscheint , tritt er auch fest und entschieden auf^ zur 
Strenge erhebt er sich nur in den seltenen Fällen, wo er in der 
Handhabung seiner Amtsbefugnisse angegriffen wird, oder offen- 
bare Böswilligkeit zu Tage tritt*. Nicht ganz selten ergeht er 
sich auch bei ämtlichen Berichten in einem harmlosen Humor. So 
sagt er, als der Violinist Hintereder wegen bedeutender Schulden 
um Gehalterhöhung ansucht, dass „noch mehrere in eben diesem 
Spital krank liegen, welche noch weniger Besoldung haben, als 
der Bittsteller 3". — Dann meint er: „da der Supplicant, der So- 
pranist Vincenzi ohne Familie sich befindet, so könnte er mit 
80 Thalern monatlich gar fein und ehrlich leben*". Den Thomas 
Sandtner, kais. Einspänner, der für seinen Sohn um eine Hof- 
paukerstelle ansuchte, beschied Fux: „als wird dieser Suppli- 
cant die Unterhaltung fllr seinen Sohn in dem Futteramt zu suchen 
haben"*. Endlich als Vincenzo Losara, der 13 Jahre auf einem 
KriegsschiflFe als Schreiber gedient hatte, cassiert wurde und ein- 
kam, Hofmusiker zu werden, formulierte Fux den abweislichen 
Bescheid in folgender Weise: „Weil nun L. in seinem Memoriale 
frei bekennt, dass er zur Musik untüchtig sei, als erhellt von 
selbst, weil zur Musik Vocalisten und Instrumentisten, aber keine 
Matelotten nöthig sind, dass ich für den Supplicanten nit ein- 
rathen kann*." 

Da Fux durch mehr als zwanzig Jahre bei heftigen Gichtan- 
fällen sein Amt versehen hatte, konnte er mit Recht von sich 
sagen: „UnterSchmerzen habe ich meine Pflicht erfüllt." Wieviele 
hätten sich unter ähnlichen Verhältnissen längst von allen Ge- 
schäften zurückgezogen. Das zeichnet aber den starken Character 
des Mannes und Künstlers, der auch von schweren körperlichen 
Leiden sich nicht übermannen lässt. 

Wie es von seiner früh erworbenen Berühmtheit kaum ander» 
zu erwarten war, wurde seine Kunst in weitesten Kreisen aner- 

1 Beil. VI. 1. 94. « Eb. 125. 141. 146. » Eb. 98. * Eb. 123. 
» Eb. 170. « Eb. 237. 



YerhältniBse zu gleicfazeitigen KUnstleni. 269 

kannt und seine persönliche Bekanntschaft von reisenden 
Künstlern gesucht. Im Jahre 1702 kam Maxmilian Zeidler^ 
Kapellmeister in Nürnberg nach Wien, „allwo er das Glück hatte 
mit dem itzigen (1740) Ober-Kapellmeister Johann Josef Fux be- 
kannt zu werden, dessen Gewogenheit und Treu« er lebens- 
lang zu rühmen hat'^. Graf Franz Losy, einer der grössten 
Lautenspieler in Böhmen (geb. 1638) bezeigte nach dem Zeug- 
nisse des verdienstvollen Kapellmeisters Gottfried Heinrich 
Stölzel (1690 — 1749) über nichts ein grösseres Vergnügen, „als 
wenn ein Gang ungefähr in den Lulli'schen oder Fuxi'schen Gusto 
einschlug, deim diese zwei Meister Lulli und Fux hatten bei ihm 
vor allen den Vorzug*. Auch Johann Francisci (geb. 1691), 
Cantor und Chordirector in Neusohl hebt besonders hervor , dass 
er auf einer Keise nach Wien Bekanntschaft mit den kaiserlichen 
Virtuosen gemacht habe, absonderlich mit dem Herrn Ober- 
Kapellmeister Joh. Jos. Fux^. In seinem Testament erwähnt Fux 
einer goldenen Medaille mit Kette, die er entweder von seinem 
Monarchen oder einem fremden grossen Herrn erhalten haben 
mochte. — In Dresden befindet sich in der Hofbibliothek von der 
Hand des Joh. Dismas Zelenka ein fllnfstimmiger Canon, welcher 
den Concertmeister Angelo Ragazzi, zugleich Violinspieler 
in der kais. Hofkapelle zum Verfasser hat und über die Worte 
gesetzt ist : Inveni hominem aecundum cor meum » während zwei 
Stimmen singen: Joannes Josef Fux, excellens musicus. 

Ungeachtet es an Anerkennung der Verdienste des Fux 
durch gleichzeitige italienische und deutsche Tonkünstler nicht 
fehlte , wie dies bei der Besprechung des Gradus und seines 
Kapellmeisteramtes erwähnt wurde , so war es bei der Richtung 
der Musik am Hofe zu Wien natüriich, dass die Augen auch der 
bedeutendsten Componisten mehr nach Italien als nach Deutsch- 
land gerichtet waren , da neben Fux grösstentheils nur Italiener 
als Componisten auftraten, von denen einige, wie M. A. Ziani, 
A. Caldara, Fr. Porsile, Fr. Conti bleibend, einige, wie die 
beiden Bononcini, der Singmeister Tosi vorübergehend neben 
Fux an der Hofkapelle angestellt waren, andere wie Legrenzi, 

1 Mattheson, Ehrenpforte, p. 401. * Mattheson, eb. p. 171 f. 
345. 3 Mattheson, eb. p. 79. 



270 Verhältnisse zu gleichzeitigen Künstleni. — Anhang. 

A. Lotti, Ariosti, Porpora u. s. w. hatten Compositionen 
eingeschickt und konnten keinen Falls den dortigen Hofkapell- 
meister ignoriert haben. — Von Interesse ist, zu erwägen, in 
welchem Verhältnisse Fux zu den um 25 Jahre jüngeren Johann 
Seb. Bach^ und Georg Friedrich Händel* gestanden habe. 
Von persönlichen Beziehungen derselben ist durchaus nichts be- 
kannt: Bach kam nicht aus seinen sächsischen Kreisen, Händel 
hatte auf seinen Reisen niemals Wien bertthrt; Fux machte 
niemals Reisen. Als beide anfiengen , durch ihre Compositionen 
grösseres Aufsehen zu erregen, etwa nach 1725, war Fux bereits 
über 65 Jahre alt und hatte mit dem Gradus und seinen Haupt- 
werken der Composition den Höhenpunkt seines Ruhmes er- 
reicht und es wäre naturgemäss an den jüngeren gewesen, an 
den älteren Kunstgenossen heranzukommen. Wenn dies aber 
auch nicht geschah , so konnte doch Bach , der die Werke von 
Froberger, Kerl, Pachelbel eifrig studierte, den Werken des Fux 
nicht fremd geblieben sein, und Händel, dem neben Fux von 
Mattheson das beschützte Orchester dediciert wurde, konnte un- 
möglich von Fux keine Notiz genommen haben. Die Richtungen 
dieser drei Tonmeister giengen allerdings auseinander, allein dem 
eifrig Strebenden kann das Verdienst eines älteren, und diesem 
das Auftauchen so grosser jüngerer Talente nicht ganz fremd ge- 
blieben sein. Mehr jedoch als die Wahrscheinlichkeit dieser all- 
gemeinen Beziehungen ist aus dem Leben dieser drei Korj^Dhäen 
der Tonkunst nicht nachzuweisen. 



Da die Hoffnung, irgend welche schriftliche Aufzeichnungen 
über das Leben des Hofkapellmeisters Fux entweder von ihm 

1 Johann Sebastian Bach, geb. 21. März 1685 zu Eisenach, 
1714 Concertmeister zu Weimar, von 1723 Cantor und Musikdirector an 
der Thomasschule zu Leipzig bis an seinen Tod am 28. Juli 1750. 

« Georg Friedrich Händel, geb. zu Halle 23. Febr. 1685, war 
von 1703 bis 1706 bei der Oper in Hamburg angestellt, machte hierauf 
Studien in Italien, kam 1710 das erste Mal nach London, wurde 1712 Ka- 
pellmeister in Hannover, von 17 J 7 bis 1720 Musikdirector des Herzogs von 
Chandos in Cannons, 1720 bis 1740 bei der Londner italienischen Oper 
thätig ; seit 1732 kamen seine ersten Oratorien zur Aufführung. Er starb 
13. April 1759. 



Matthäus und Maria Eva Fux. 271 

selbst oder seinen Angehörigen herrührend aufzufinden , lange 
nicht aufgegeben wurde, so wurden wiederholte und mtthsame 
Forschungen angesteUt, ob nicht bei seinen Erben, der Nichte 
Maria Eva Fux unddemNeffen Matthäus Fux und deren Erben 
und Bechtsnachfolgem sich etwas dahin einschlägiges erhalten 
habe. Die bisherigen Bemtthungen erwiesen sich erfolglos. Allein 
um etwa spätere, glücklichere Forscher in Kenntniss zu setzen, 
was bisher über die Rechtsnachfolge in dem Erbe des J. J. Fux 
an den Tag zu bringen gelang, mögen folgende Notizen dienen. 

Matthäus Theophilus Fux, Sohn des Bruders des 
Kapellmeisters * geboren 16. September 1719, ward bei dem Tode 
seines Oheims 1741 Candidatus juris genannt*, erhielt durch 
Legat seiner Muhme (Mämb) der Schwägerin seines Oheims, Fi*äu- 
lein Maria Theresia Schnitzenbaum 1000 fl. In der Quittung darüber 
aus Klagenfurt vom 6. Juni 1749 nennt er sich „Einleitungs- 
Rectifications- Actuarins Registrator und Protocollista in Kämthen^^ . 
Von da ab war weder in Klagenfurt noch anderswo etwas über 
seinen Tod und seine letztwillige Verfügung zu erfahren. In der 
Quittung verzichtet er auf eine Sicherstellung jener weiteren 
1000 fl., die ihm seine Schwester, falls sie heuraten sollte, nach 
demselben Testamente zu leisten verpflichtet war. Daraus lägst 
sich auf ein gutes Einvernehmen der beiden Geschwister schliessen. 
Da aber die Schwester Eva Maria Fux in ihrem Testamente vom 
5. März 1771 ihres Bruders Matthäus weder als Erben noch als 
Legatars erwähnt, während sie allen noch lebenden Geschwistern 
und den nachgelassenen Kindern der verstorbenen Geschwister 
Vermächtnisse aussetzt, so ist anzunehmen, dass Matthäus Fux 
im Jahre 1771 bereits verstorben gewesen sei. 

Maria (Eva) Fux*, geboren 18. November 1696 zu Hirten- 
feld in Steiermark, gestorben unvermählt in Wien 6 April 1773 
daher 76 Jahre alt, nicht 73 Jahre, wie das Wiener Diarium vom 
10. April 1773 angibt. Sie war nicht nur durch das Erbe ihres 
Oheims, sondern auch die weitere, nicht unbedeutende Erbschaft 
der erwähnten Maria Theresia Schnitzenbaum (f. 19. Mai 1749) 
in die Lage versetzt, unabhängig und behaglich ihre Tage zu be- 

1 Stammbaum n. 16. ^ Beil. I. 12. 3 Eine von Maria Theresia auf- 
gestellte Steuer-Commission. * Stammbaum n. 5. 



272 SchluBS. 

8chliessen ^ Sie muss mit den Verwandten der Familie Schnitzen- 
banm in bestem Vernehmen gelebt haben und nach den Legataren 
nnd Zeugen ihres eigenen Testamentes zu schliessen mit Personen 
der höheren Beamtenwelt verkehrt haben*. Dartiber hat sie aber 
die Verwandten ihrer eigenen Familie Fux in Steiermark nicht 
vergessen, denen sie testamentarisch bei 8000 fl. legierte^, woher 
sich wohl der verbesserte Vermögensstand derselben bis in die 
neueren Zeiten schreiben mag. Ihre Stiftung einer wöchentlichen 
Messe, die in St. Marein bei Pickelbach zum Andenken der Familie 
Fux gelesen werden muss, besteht noch heutzutage : die Urkunde 
darüber befindet sich im dortigen Pfarrarchive*. — Da Maria 
Fux die unvermählte Josefa Perger ^ zur üniversalerbin einsetzte, 
diese sich später vermählte und ihren Gatten Johann Elias Link 
zum Erben einsetzte, auch in der Folge mehrfache ähnliche Ver- 
hältnisse eintraten, so zersplitterte sich der Nachlass des Johann 
Josef Fux in einer Weise, dass kein l'heil davon mehr nachweis- 
bar ist^. Ein einziges Recht aus dem Nachlasse hat sich bis auf 
unsere Zeit erhalten. Maria Theresia Schnitzenbaum hat eine 
Stiftung fdr eine PfrUndnerin des St. Johannsspitals in Wien ge- 
macht und zur Präsentantin ihre Erbin Eva Maria Fux und ihre 
Bechtsnachfolger testamentarisch berufen. Dieses Präsentations- 
recht kam durch Vererbung an Jungfrau Anna Nimpfling in Gratz, 
welche im Jänner 1867 noch lebte ^ 

1 Ihr Vermögen belief sich bei ihrem Tode auf 25.100 fl. (Beil. I. 16.) 
2 BeU. I. 15. 3 Eb. 17. * Eb. 18. * Eb. 15. « Vgl. Vererbung des 
Vermögens des Fux. Beil. I. 19. ' Beil. I. 19. 



Register. 

Die beigesetzien Zahlen keziehen sich auf die Seiten. 



Abbatia Ant. Mar. 45. 

Abraham a S. Clara 14. 

Addimari Cav. Dichter 41. 

Add Pletro Violoncellist 227. 

Alber Job. yiolinist 230. 246. 

Albers Paul 246. 

Alborea Franc., Violoncellist 227. 

Aibrechttberger Job. G. 71. 163. 

Allegri Gregorio 120. 

Amalia Wilhelmina, Kaiserin 63. 77. 

AmaKeo Aarelio 24. 40. 

Amatori, Sänger 29. 

d'AmbrevIlle Anna 148. 242 f. 

d'Ambrevllle (Borretlnl) Reta 148. 225. 

Amiller Andreas 235. 

AncionI Glov. Batt., Dichter 42. 202. 

AnclonI P. 192. 

Angellco Michelangelo, Dichter 41. 

Angermayer Job. Ign., Violinist 230. 

247. 
Angropoli Nie. 246. 
Animuccia Glov. 35. 
Antonelii Fll., Altist 224. 240. 
Apolloni Apollonio 24. 41. 
Apoilonl Glus. 41. 
Appiani Glus., Altist 224. 240. 
Apremont Karl Graf 151. 
Apriie Bern^ 218. 
Ariosti Attillo 64. 270. 
Arrlgoni G. Giacomo, Comp. 45. 

Bach Job. Seb. 36. 163. 270. 
Badia Anna Lisi, Sängerin 225. 
Badia Carlo Agost. 49. 64. 65 f. — 
215. 223. 

Köckeli J. J. Fux. 



Bartolaia Luigi, Tenorist 29. 
Baryten, Saiteninstrument 226. 
BassanI 34. 

B«ttbyani (SiraHmann) Gräfin 83. 
Bellermann Heinr. Urtheil über den 

Gradns 163 f. 
Benevoli Grazie 120. 
Berg Josefa Gräfin 150. 
Bernarbei Giamb. 46. • 

Bernabei Gius. Erc. 120. 
Bernachi Ant. 28. 29. 
Bernardoni Pier AnL 40. f. 64. 192 f. 

198. f. 
Bernini Glov. 41. 
Bertali Anton., 7. 17. 42 f. Oper In- 

ganno d'amore 17. 
Berti Antonio, Bassist 224. 238. 
Bianeccbia Glus., Sopran 29. 
de Bicilly Benigne 45. 
Bigelii Tomaso, Tenor. 238. 
Bodoaro Giac, Dichter 41. 
Bonarelli Prosp., Dichter 41. 
Bonaventura Qiov., Comp. 45. 
Bonni Stoff., Tenor 29. 
Benno Gius., Hofcomp. 188. 215. 230. 

234. 
Bononcini Giovanni Maria, Vater der 

beiden Componjsten Marc Antonio 

und GioY. Bononcini 66. 
Bononcini Marc Antonio und Giovanni 

64. 66 f. 269. 
Bononcini Giovanni 34 f. 49. 64. 67 if. 

75. 114. 269. 
Bontempi Glov. Andr., Sänger 27. 
Boog Andr., Posaunist 254. 

18 



274 



Register. 



Boreiti G. A., Comp. 45. 

Borghi Gaet., Tenor 171. 224. 239. 

Borrosini Franc, Sänger 148. 171. 

178. 
Borrosini Rosa s. Ambreville. 
Brown« Dr. Eduard, Reisen 21 f. 
Burnacini Ludov., Architect 19. 42. 
ButUtett J. H. 102. 107. . 

Caccini Glul., Sänger 27 f. 
Cftcilienbruderscliaft 169 f. 
Caldano Conte, Dichter 41. 
Caldara Antonio 35. 79. 86. 91 f. 114. 

148. 150. 170. 172. 188. 215. 218. 

220. 223. 232. 269. 
Camilla, Op. von M. A. Boncini 67. 
Cantoreil(naben 229. 
Cappellini 0.< Comp. 45. 
Caproli Carlo, Comp. 46. 
Carestini Giov., Sänger 28. 148. 241. 
Carissimi Glacomo 27. 28. 34. 
Cassati Pietro 148. 171. 177. 
Castelii Paoio, Altist 29. Dichter 41. 

Comp.. 46. 
Castlieti ioli. 23. 
Cavalli Franc. 33. 45. 
Cavalietti Giui., Tenor 239. 
CavellA Conte 114. 
Cavriani Friedr. Graf 150. 
Cesti Marc. Ant. 19. 34. 40. 43 f. 
Clierubini M. L. 163. 
Cliristian, Familie 86. 126. CKrittian 

und Leopold, Posaunisten 228. 

Leopold sen. 230. 253. Leopold |un. 

230. 253 f. 
Ciallls Rinaldo, Dichter 41 f. 
Cianci Franc, Bassist 29. 
CicogninI Giac Andr., Dichter 41. 
CiinI Lib. Nie, Dichter 42. . 
Cobentzel Graf 114. 
Cocchi Lor^, Sopr. 29. 
Collälto Graf 114. 

Concentus muslco-instrumentalis. 54. 
La Contesa doli' aria, Caroussel 20. 

39. 



Conti Francetco 35. 64. 86. 91. 94 f. 

114. 149. 170. 173. 188. 215. 223.. 

226. 230 f. 233. 252. 269. 
Conti Ignazio 95. 231. 
Contilli Aless., Altist 29. 
Corradi Giul. Ces., Dichter 41. 
Corvo Gasp. 178. 
Costa Carlo 178. 

Crammer Job., Violoncellist 250. 
Cupeda Oonato 24. 40. 192. 199 f. 
Cymbal, Tasteninstr. 226. 

Dafne, erste Oper des Perl 32. 

Dario Franc M., Dicjiter 42. 

Denis Pietro. 159. 

Denk Karl Jos., Violinist 230. 250. 

Olabaö , Fabeln über J. J. Fux 5. 6. 

Donati Gius. Cos., Sopran .29. 

Oonati Gius. Mar., Tenor 29. 

Donner Raphaei 13. 

Draghi Ant. 7. 44. 49. 145. Dichter 41. 

Drenger Franz., Violoncellist 250. 

Ebner Marcas, Organist 7. 
Ebner Woifg., Organist 16. 
Elisabetb (von WolffenbflHel) Kaiserin 

84. 
Eugen Prinz von Savoyen 63. '82 f. 97. 

216. 
Eumaschl A., Dichter 41. 
Eurldice, zweite Oper des J. Pen 32. 

Fasching Jos. 246. 

Faustina Bordoni-ÜMse in Wien 172. 
205. 

Faustini Giov., Dichter 41. 

Federlci Domen., Dichter 41. 

Feo, Sänger 29. 

Ferdinand IL Kaiser 16. 23. 36. 

Ferdinand ill. Kaiser, Pflege der Mu- 
sik 16. 36. Oomponist 36. erste 
Oper 36. 

Ferrari Bened., Dichter 41. 

Ferrari Jac Fll., Altist 29. 

Ferri Baldass, Sänger 28 f. Dichter 41. 



Hegrister. 



275 



Ficiani Pier Uigi, Dichter 41. 

Figher Bar. Consi. 151. 

Filipeschi Domen., Dichter 41. 

Finsierbusch Ign , Tenorifit 239. 

Fischer von Erlacli, Joh. Bernli., Archi- 
tect 12 f. 

Foggia Franc. 120. . 

Francitci Joli., Cantor 269. 

Franck Jos. 24. 

Fretchl Domen., Comp. 46. 

Freiiig Andr., Contrabass. ^27. 251. 

Friedericli Franz Phli., Fagottist 257. 

Fried ericli Joli. Jac, Fagotüst 228. 
256. 

Froberger Joh. Jac. 16. 

II Fuoco Vestale, Oper 18. 

Fux Andrea«, Vater des J. J. Fux 2. 4. 

Fux Jacob, Neffe des J. J. Fux 3. 

Fux /ohann, Grossneffe des J. J. 
Fux 3. 

Fux Johann Josef, Hofkapellmeister. 

Persönliches: 
Heimatland und Geburtsort 1. — 
Geburtsjahr 2. ~ Abstammung 
und Vei'wandtschaft. 2. — Stamm- 
baum 2 f. — Bildungszeit 3 'ff. — 
Vermählung 9. — Organist bei 
den Schotten 9. — seine Ehe 
kinderlos 10. — er wird kais. 
Hofcompositor 47 f. — sein Gehalt 
wiederholt erhöht 50. — nimmt die 
Tochter seines Bruders an Kindes- 
statt an 60. — gibt (1702) den Orga- 
nistendienst bei den Schotten auf 
60 f. — neue. Gehalterhöhung bei 
Hofe 60. — Hofquartier auf dem 
Neuen Markte 61. — wiederholte 
Gehalterhöhung 65. — wird Ka- 
pellmeister am Dome von St. 
Stephan 71. — - wird kais. Vice- 
Hofkapellmeister 75. — zugleich 
Kapellmeister der Kaiserin- Witwe 
Wilhelmina Amalia 76. — wird* 
Hofkapellmeister des Kaisers 86 f. 
— erhält eine Aversionalsumme 



iiir seine eventuelle Witwe 144 f. 
bei .der Krönung in Prag seine 
Oper Costanza e Fortezza 146 f. 

— der Gradus ad Pamassum er- 
scheint 153. — F. vertheidigt die 
Bechte des Hofkapellmelsters ge- 
gen Principe Pio 165 f. — Vird 
Mitglied der Cäcilienbruderschaft 
169. — Faustina singt in seiner 
Oper 172. «-« seine musicalische 
Thätigkeit (1726—1728) 172 f. — 
seine jOper Elisa erscheint ge- 
druckt 186 f. — Kaiser Karl VI. 
dirigiert seine Oper Elisa 187. — 
seine letzte Oper 191. — seine 
Gatän Clara Juliana stirbt 212. — • 
er macht sein Testament 212. — 
erhält vom Kaiser einen Erzie- 
hungsbeitrag für seinen Neffen 
Matthäus 213 f. — Fux als Hofka- 
pellmeister 215 ff. — Caldara stirbt 
215. — Schüler des Fux 259 f. — 
seine Porträte 264 f. — Wohnun- 
gen 265. — Kränklichkeit und Tod 
265 f. — Characterztige 218—267. 
— . Verhältnisse zu Zeitgenossen 
268 f. — Anhang : Matth. Teoph. 
Fux, Neffe 271. — Maria Eva Fux, 
Nichte von J. J. Fux 271 f. — und 

* seine Erben 272. 

Fux als Künstler: 
Seine Instrumental-Composi- 
tionen 50. — Geschichtliches 50 f. 

— seine Partite a tre 54. 57. — der 
Concentus musico-instrumentalis 
51. 54. 57. — Ouvertüren 55. — So- 
nate a tre 58. — Kirchensonaten 
58 f. — Sonaten für Ciavier 60. — 
Ouvertüre für Giov. Bononcini 
60. — Mus. Chronik (1702—1703) 
60. — Mus. Chronik (1708—1709) 
65. — Singfundament 73. — mus. 
Chronik (1714—1716) 89. — Oper 
Angelica vincitrice eb. f. — Chro- 
nik (1717) 97. ^ Solmiaationstreit 

18* 



276 



Register. 



mit J. J. Mattheson 97 ff. — seine 
Kirchenmusik: Geschichtli- 
ches: Palestrinastil 117 f. — Stel- 
lung des Fux darin 120 f. — Sing- 
Btimmen und ihre Führung 123. ~ 
Stilo a cappella und concertante 
123 f. — Instrumtiemng 124 f. — 
Messen 126 f. ~ Missa canonica 
128 ff. — Requiem 131 f. — Ves- 
pern 132 ff. — Litaneien 136 f. — 
Gradualien 137. — Offertorien eb. 
ff.— Mottette 140. — Hymnen 141 f. 
Te Deum 143. — mus. Chronik 
(1719—1723) 144. — Aufführung 
der Oper Costanza e Fortezza in 
Prag 146 ff. — sein Gradus ad 
PamasBum erscheint 153. — Ver- 
anlassung und Zweck desselben 
eb. f. — Methode 154 f. — Ueber- 
setzungen 159 f. Urtheile ausge- 
zeichneter Musiker dartlber : Lor. 
Mitzier 160. Jos. Riepel 160. G. Pa- 
sterwitz 160 f. Nie. Piccinni 160 f. 
Padre Martini 162. G. Paolucci 
162. Abt Gerber eb. Ad; Scheibe 
eb. Kimberger 163. Heinr. Beller- 
mann .163 f. — mus. Chronik 
(1726—1728) 173. — Oratorien 
von Fux 174 ff. — Textverfasser 
dazu 174 f. — Allgemeines über 
Oratorienmusik 175. — Sänger 
darin 177 f. — die Oratorien: La 
Fede sacrilega 89. 178. — La 
Donna forte 89. 179. — H Fönte 
della Salute 89. 180. — H Tri- 
onfo della fede 89. 181. — II 
Disfacimento di Sisara 97. 181. — 
Cristo neir orto 97. 146. 182. — 
Gesti negato da Pietro 144. 183. 

— La Cena del Signore 144. 184. 

— H Testamento di N. S. 172. 
185. — LaDeposizione della Croce 
173. 185 f. — Seine letzte Oper 
191. — üebersicht seiner sämmt- 
lichen Opern 192. — Texte dazu 



192. — die grossen Opern 194. — 
Operetten 194. — Behandlung der 
Opern 194 ff. — ihre Instrumentie- 
rung 194 f. — Gesangstücke 195 ff. 

— Die Operetten: La Clemen- 
za d'Augusto 60. 198. — Offen- 
dere per amave 60. 199. — Pul- 
cheria 65. 199. — Julo Ascanio 
65. 200. — Gli Ossequi della Notte 
65. 200 f. — n Mese dl Marzo 65. 

201. — La Decima fatica d'Ercole 
65. 202. — Dafhe in Lauro 89. 

202. — Orfeo ed Euridice 89. 203. 

— Diana placata 97. 203. — Psiche 
144. 146. 204. — Opern: Giunone 

• placata 172. 205. — Angelica vin- 
citrice 89 f. 206. — Elisa 144. 207. 

— Le Nozze di Aurora 146. 208. 

— Costanza e Fortezza 146 f. 
209. — La Corona d'Arianna 173. 
211. Enea negli Elisj 191. 212. — 
Fux als Hofkapellmeister 215 ff. 

Fux Katharina, Schwester des J. J. 

Fux 3. 
Fux Clara Jullana, Gattin des J. J. 

Fux 9. 212. 
Fux Maria Eva, Nichte des J. J. Fux 

2. 4. 10. 60. 213. 266. 
Fux Matthftus Theophil., Neffe des 

J. J. Fux 2. 4. 10. 213 f. 266. 
Fux Peter, Bruder des J. J. Fux 2. 4. 
Fux Sebastian, Neffe des J. J. Fux 2. 
Fux Ursula, Mutter des J. J. Fux 2. 4. 

Gabbrini Gius., Comp. 45. 

Gabriell Joh., Oboist 228 f. 

Gabrlelll Oiamante, Dichter 41. 

Gallerate Marchese 150. 

Galli Pietro, Contralt 240. 

Garghetti Pietro Santi, Tenor 29. 

Garghetti Silvio, Tenor 178. 224. 

Gaucquier Alard, 23. 

Gazaroll Zach., Oboist 258. 

GenovesI Domen., Sänger 148. 171 
224. 241. 



^ 



RegiBter. 



277 



Cl«rb«rt Abt, ttber den Gradus 162. 

aet angtkunst in ItaliM 27. — Wien 28. 

CMaaettino Anton., Compon. 46. 

Gigl K. 219. 

Qiordnni Torquato, Sopran 29. 

Glltzi Franz, Roman und Xaver, Oboi- 
sten 86. 228. 257. 

Gtttzin^er Fried., Bassist 170. 224. 
237. 

Qradiis ad Parnaeeum 153 ff. 

araun K.. Heinr., Kapellm. 147. 149. 

areil A. E. 163. 

GrimanI Vinc, Dieliter 42. 

Qrossauer Ferd., Violinist 227. 249. 

Guadagnl P., Dieliter 41. 

Guido von Arezzo 100. 112. 

Gumpenliuber J. B. Gymb. 231. 

Hainisch Job., Trompeter 228. 255. 
Hammer leb. Paul, Violinist 249. 
Hammer M. Jos. 219. 
Hlndel Georg Fr. 36. 98. 109. 163. 

270. 
Hardedt Job. Karl Graf 151. 
Harraob Ferd. Graf 150. 
Hartmann Karl 246. 
Hartner Jos., Besitzer des Greburto- 

hauses des J. J. Fux 1. 
Haue 114. 172. 188. 
Haidn Josef 163. 
Hayda Miebael 130. 163. 
Hellmann Max, Cymbalist. 86. 218. 

226. 230. 252. 
Henkel Jos. Gräfin 151. 
Herberstein Sigm. Graf 151. 
von Hlldebrandt Lucas, Arohitect 18. 
Hillverding M. Anna, Sängerin 242. 
Hintoreder Georg, Violinist. 171. 227. 

247 f. 
Hirtenfeld, Geburtsort des J. J. Fux 1. 
Hofeompoeitoron, ihr Ursprung und 

ihre Bestimmung 49 f. 
Hoffer lac. 170. 246. 
Hofkapeilo dos Kaisers. — Beformie- 

rung nach Josef I. Tode 74 f. 



221. — unter dem Hofkapell- 
meister J. J. Fux. 216. ff. Compo- 
nisten 223. — Organisten 223. — 
Sängerchor 223. — Bassisten, Te- 
noristen, Altisten, Soprane, Sän- 
gerinen 224 £ — Instrumentisten 
225 f. -^ Violinisten 227. — Vio- 
loncellisten 227. -^ Contrabässe 

227. — Posaunisten 227 f. -* 
Waldhomisten 228. -^ Trompeter 

228. — Fagottbten 228. — Oboi- 
sten 228. 

Hofscholaren 86. 229 f. — Lehrer der- 
selben 230. — Anstellung von 
Zöglingen 230. 

Hollandt Jos., Trompeter 228. 255. 

Holzbauer Ign., Componist, iLcin 
Schüler des J. J. Fux 263 f. 

Heizhäuser Heinr. 77. 

Holzhäuser (Reutter) Theresia, Sänge- 
rin 177. 219. 225. 244. f. 

Hueffnagel Franz, Gambist 226. 251. 

HueHer Matth., Bassist 237. 

Instrumental-ComposiUoaen. Geschicht- 
liches 50. — Fux, Partite 52. — 
Suite 52. — Symphonien, Ouver- 
türen 52. — Tanzrhythmen der 
Suite 52. 

isaak Heinrioh 23. 

losof I., Kaiser 62. — sein Character 
62. — versucht sich in Composition 
62. ~ sein glänaender Hofstaat 

62. — Förderer der Musik 63 f. — 
Bau des prächtigen Opernhauses 

63. — nimmt die Widmung des 
Concentus an 51. 

Die Kaiserllcbo Famiiis wirkt bei 

^dramatischen Darstellungen mit 

22 f. 
Karl VI., Kaiser. — Character 80. — 

Urtheil des Ap. Zeno über ihn 80. 

— Förderer der Wissenschaft 81. 



278 



Register. 



— Leibnitz, Petz, Bernhard 82. — 
Hofstaat 82. — Jagd — Scheiben- 
schiessen 83. — musikfördemd 
84. — Theilnahme des Hofes 
daran 85. — seine Hofkapelle 85 f. 

— dirigiert Caldara's Oper Euri- 
steo 150 — ebenso die Oper Elisa 
von Pux 187. 

Karl Josef, Erzherzog 21. 
Kerl Kaspar, Organist 8. 
Keysof Reinhard 98. 109. 
Kircher Athanaslut 15. 
KIrnberger loh. Phli. 163. 
Kuhnau Joh. 109. 

Lambeck Pet., Bibliothecar 14. 

Lamberg Ford. Graf 150. 215. 

Undini<Conti)Marla, Sängerin 177.225. 

dl Lasso Orlando 28. 

LaudI spirituall 36. 

Laute, Saiteninstrament 226. 

Lazzari Mich. Baron 151. 

Legrenzi 269. 

Leibnitz 14. 62. 

Lomberger Ford. 246. 

Lomeno F., Dichter 41. 

Longhoim Frfodr. Graf 151. 

Loo, Sänger' 29. 

Leopold I., Kaiser. -^ Character 13 — 
Pflege der Wissenschaft 18 f. — 
der Musik : eigene Compositionen 
17. 42. — Liebe zur Musik 18 f. 
— zur Oper 18. — Theilnahme 
der kaiserlichen Familie daran 
22. — die italienische Oper 87. — 
Kaiser Leopold stirbt 61. 

Lotma Ang. Maria, Bassist 29. 

LIbano Loop. Violinist 246. 

Liechtenstein Ant. Flor. Fürst, Oberst- 
hofineister installiert J. J. Fux 88. 

Liochtonstein Hans Adam Fürst 63. • 

Limplacabii gelotia, *2weistimmige 
Composition (nachMattheson) von 
Fux, erscheint in der Oper Poli- 
femo von G. Bononcini 69. 



LobkowHz Christ. Fürst 150. 

Lorber los., Oboist 257. 

Loronzoni (Conti) M. Anna, Sängerin 

225. 244. 
Losy Anton Phil. Graf 151. 
Losy Franz Graf 269. 
Lotti Antonio 77 f. 114. 270. 
Luti Glamb., Dichter 41. 

Maccioni Glov. Batt.,- Dichter 41. 

Compon. 45. 
Maddali Bern. 174. 
Maossanus Petrus 23. 
Malliard Ant., Fagottist 257. 
Maillard Karl, Fagottist 256. 
Malvezzi Ottav., Dichter 41. 
Mancini Qiamb., Sänger 29. 
Manfred! Aiess., Uebersetzer des 

Gradus 159. 161. 
Marcollo F. Giov., Dichter 41. 
Maria Anna, Erzherzogin 85. 150 f. 
Maria Theresia, Erzherzogin 84 f. 97. 

150 flF. :216. 
Martinolii Domen., Architect. 13. 
Martini Padre, über den Gradus 162. 
Masselti Lorenzo, Contralt 240. 
MassuccI Ant., Tenor 29. 
Mattel Lor., Dichter 41. 
MaHeis, Violin 86. 246. 
Mattheson Joh. über die Partite des 

Fux 59. — Fehde mit Fux wegen 

Solmisation 98 ff. — mit Fr. Conti 

95. das beschützte Orchester 99 f. 

104 f. — Critica Musica 109. 

160. 
Mazza Domen., Dichter 42. 
Mazzeila Nie, Tenor 29. 
Mazzocchi VIrg., Singmethode 27. 
Medolago Ant., Dichter 42. 
Melani Aless., Componist 45. 
Metastasio P., kais. Hofpoet 115. 165. 

187 f. 192. 212. 
Minato Conte Nie, k. Hofpoet 24. 40. 
Mizler Lorenz, Uebersetzer des Gra> 

dus 159 f. 



Register. 



279 



Mollart Fenl. Ernst Graf , Hoftnusik- 
Oberdirector 74 f. 

U MosarcfaU Utina, Oper 18. 20. 24. 

Monsella Giov. Andrea, Dichter 41. 

MontaiHis Laily Mary, über die Oper 
Alcina von Fux 84. 89 f. 

de Monte Phillppiis 23. 

Monterlso Gins., Sopran 224 241. 

Monteverde Claudio 33. 119. 

Moreto Agost., Dichter 41. 

Morselli Adr., Dichter, 41. 

Moser Jos., Bassist 230. 237 f. 

Mozart W. A. 163 f. 262. 

Mnffat Amad. (Gottl.), Organist 86. 126. 
171. 223. 230. 235. 259. 

Multet Joh. Ernst, yioUnist 249. 

Miiflat Jos., Clav. 231. 

MDIIer Jeach., Staatscabinet 20. 

Musik am Vsterr. Hofe vor Kaiser Leo- 
pold L unter Ferdinand Ol. 16. die 
Niederlande!: 28. die Italiener 50 f. 
— Sprache der Deutschen nnd 
der Italiener an der Oper 24 f. 

NaninI Giov. M. 119. 

Nassotto 8ob., Trompeter 255. 

del Negro Ant., Dichter 42. 

Nerl HHppo 35 f. 

Neri Qlanbatt., Dichter 42. 

Neubauer, Organ. 86. 

Noris Matt., Dichter 41. 

Oper, italienische. — Ursprung 29 f.-* 
Giacoppo Peri31 f.-* Claudio Mon- 
teverde 33. — Franc. Cavalli 33. -* 
Giac. Carissimi 34. — Marc. Ant. 
Cestl 34. — Alessandro Scarlatti 
34. — Verbreitung in Deutschland 
36. -^ Opemtextbücher 37. 

Operncomponisten ausser den Hof- 
componisten 45 f. 

Operntextdichtor 37. ^ ausser den 
Hofpoeten 41 f. 

Oratorium Entstehung aus der Kam- 
mer-Cantate 35 f. 



Oriandini L, Dichter 41. 

Orsini Gaetano, Opernsänger 148. 

170. 177. 224. 250. 240: 
Oottl Matli., Tenorist 239. 
Otto Friedr., Hornist 254. 

Paobta Franz Graf 151. 

Pacieri Gius., Comp. 46. 

Paggioli Baldassaro, Altist 29. 

PagiiardI G. M., Comp. 45. 

Palestrina Pier Luigi 35 f. 118 f. 

Paiotta Matteo, HofkapeUmeister 215. 
223. 233. 

Pamfiii Bened., Dichter 41. 

Pancotti Ant., Altist 29. Hofkapell- 
meister 50. 61. 75. 

dei Pane Domen., Sopran 29. 

Panizza Lucrezia, SKngerin 243. 

Paolucci 6., über den Gradus 162. 

ParlatI Piotro, Hofpoet 114. 116. 146. 
172 f. 174. 189. 192. 202 f. 206 f. 
208 ir. 211. 

Pasquinl Bern., Comp. 46. 

Pasquini Giov. Claudio, Hofpoet 174. 
189. — sein Opemtext zu Don Chi- 
Bciotte in corte della duch^ssa, 
fälschlich dem P. Pariati zuge- 
schrieben 190. 

Passerini Franc, Dichter 41. Comp.46. 

Pasterwitz G., über den Gradus 160 f. 

Payer Cliristian, Tenor 171. 224. 239. 

Payer Job. Bapt., Hoforganist 126. 236. 

Pederzttoli J. P., Comp. 45. 

Porgen Ford. Graf 151. 

Pergen Joh. Bapt. Graf 151. 

Pari Jaooppo, £rfinder der Oper 31 f. 

Pernember F. K., Violinist 227. 248. 

Perroni Giov., Violoncellist 86. 148. 
227. 250. 

PertusaU Cbrist Graf 151. 

Petazzi Pletro, Sopran 230. 242. 

Piani Giov. AnL 86. 149. 178. 

Piani Tomaso, Violinist 246. 

PIccinni Nie, über den Gradus 160 f. 

Piccoiomini Ottav. Graf 151. 



280 



Register. 



Pieliacher Ign., Bassist 237. 

von Pilati Joh. Ant. 63. 

Pio di Savoia, fiiDcipe Luigi 114. 

150. Conflict mit Fux 165 f. — 187. 

215. 217. 219. 
Pitani Barbara, Sängerin 245 f. 
Pistocchi Franc. Ant., Gesangschale 

27flf. 
Pistorini Baldatt., Bassist 29. 
Piakai (Blagai) Gräfin 150. 
Platzer Joh. Alb., Organist 16. 
Pdck Ant., Bassist 237. 
Pttllnitz Ludw. Baron, m^moires 82 f. 
II Pomo d'oro, Oper 19. 38. 
Porpora N. 29. 114. 270. 
Porsilo Gius., Hofcompositor 96. 114. 

144. 170. 172. 188. 223. 233. 269. 
Praun Christoph, Bassist. 148. 171. 

178. 224. 230. 237. 
Prodiori Luc Antonio, Hofkapellmeist. 

188. 215. 220. 223. 232. 
do Pris Josquin 23. 
Preyor Gottfr. , DomlEapellmeister 71. 
Proglio Domen,, Sopr. 29. 
Proskau Christ. Graf 151. 
Protoo sui Rone, Oper von G. Bonon- 

cini, Ouvertüre dazu von Fax 60. 
de Prugkh Arnold 23. 
Priistmann Ign., Scliüler des Fux 262. 
POrk Wenzel, Org. 230. 
Puttoanus Erycius 102. 

Quantz Joh. Joach., über die Darstel- 
lung der OperCostanza eFortesza 
in Prag 147 ff. 149. 172. 

Quellen der Forschung über Fux 
im Vorworte. 

Questenborg Adam Graf 150. 

Rabutln Gräfin s. Sinzendorf. 
Ragazzi Ang., Canon Fax zu Ehren 269. 
Rajoia Ant., Violoncellist 227. 
Ranucci Ott. 32. 
Ratazzi Ang. 86. 
Regnart Jacob 23. 



Reinhard Franz, Violinist. 171. 230. 
246. 

Reinhard Georg 166 f. 170. 

Reinhard Karl Math. 230. 

Rotnhard Kilian, Concenmeister 74. 
171. 234. 

Remigio Don, Dichter 41. 

Reutter Georg sen., Kapellmeister am 
Dome von St. Stephan 71. 235. 

Reutter Georg Jun. 188. 215. 219. 
^23. 233. 

Reutter Theresia s. Holzhauser. 

RIccioni Ben., Bassist 29. 

Richter Ant. Karl, Organist 223. 236. 

Richter Ford. Tobias, Ho.forganist 45. 

Riopei Jos., über den Gradus 160. 

Renk Euch. Gottl., Leopold des Gros- 
sen Leben 17 f. 

Rodrano Riccardo, Dichter 41. 

Rogenhofer (Schnautz) Anna Barb. 
Sängerin 225. 243 f. 

de Rore Clpriano 119. 

Rosetter Joh. Otto, Violinist 246. 

de Rossi Camilla 64. 

ROssl Rocco, Dichter 42. 

Rossi Wenzel, Hornist 254 f. 

Rotal Karl Graf 151. 

Rupprecht Hans Albr., Dichter 41. 

Rusovsky Franz, Organist 230. 236. 

Sabatini Pompeo, Sopran 29. 

Salaburg Ludw. Graf 150. 

Salimboni Fei., Sopran 225. 242. 

Salm Kari Theodor.Fttrst.63. 

Salm Karl Graf 151. 

Salm Christiana Gräfin 151. 

Salviati FIlippo, Violinist 219. 230. 

248 f. 
Sances Fellce, Kapellmeister 7. 16. 

43. 232. 
Sarti Domen., Sopran 29. 
Sartorio Ant., Comp. 45. 
de Sayve Lambert 23. 
Sbarra Francesco, Dichter 24. über 

Pomo d' oro 38. 40. ^ 



Register. 



281 



Searlatti Alett. 27. 29. 34 f. 46. 

Scheibe Ad.^ über Cavalli 33. -* ttber 
Fuz und Caldara 93. — über den 
Gradus 162. 

Schindler Geerg, Fagottist 256. 

Schiegel, die Vermeinte Brüder 25 f. 

Schmelzer Andr. Ant. 8. 

Sehmeizer Jeh. Heinrich 7 f. 21. 44. 

Schmelzer Pet. 246. 

Schnautz Anna Barb. b. Rogenhefer. 

Schnautz Anton, Contrabassist 227. 
•251. 

Schnautz Franz Peter, Vioioncelßst 
250. 251. 

Schnautz Joh. ign. 230. 

Schnitzenbaum Joh. Joe., Schwieger- 
vater des J. J. Fux 9. 

Schnitzenbaum Clara Juliana, Braut 
und Frau des J. J. Fux 9. 212. 

Scfanitzenbaum Maria Anna, Schw&ge- 
rin des J. J. Fux 10. 

Schnitzenbaum Maria Theresia, Schwä- 
gerin des J. J. Fux 10. 

Schnitzenbaum Paul Ant., Schwager 
des Fux 10. 

Schnitzenbaum Ursula, Schwiegermut- 
ter des J. J. Fux 10. 

SchSnborn Friedr. Karl Graf 83. 

SchOler des J. J. Fux 259 ff. 

Schulz Joh. Ludw., Oboist 258. 

Scirtonlano Alindo, Dichter 42. 

Scooniant Regina, Sängerin 177. 225. 

Seilern Graf 63. 

Senetino, Sänger 28. 

Sennfn Ludw. 23. 

Serano Camilio, Dichter 41. 

Serini Glut., Comp. 46. 

Settier Erntt, Trompeter 255. 

SInzendorf Sigm. Graf 166. 

SinzendoH (Rabutin) Elitabeth Gräfin 
63. 

Solmisation und KirchentSne, Streit 
darüber mit Joh. Mattheson 97 ff. 

Stadimann , Viotin. 227. 230. 249 f. 

Stampiglia Nunzio, Dichter 42. 



Stampiglia Silvio, Ho^oct 41. 64. 192. 
201. 

Starhemberg Judith Gräfin 150. 

Starhemberg ROdiger Graf 63. 

Starhemberg Thomas, Graf 63. 

Steffani Agott, Comp. 46. 

Steinbrucicner Anton und Ignaz, Po- 
saunisten 254. 

Stella Pletro Marchese 150. 

Stubenberg Jotef Graf 151. 

Stradella, Sänger 27. 

Stratoldo Anton Graf 151. 

Sturmb Joh. Franz, Fagottist 255. 

Sturmb Franz Mart. 256. 

SutinI P., Dichter 41. 

Tartini Glut, in Prag 146. 

Telemann G. Ph. 98. 109. 159 f. 

Teorbe, Saiteninstrument 226. 

Thalmann Franz Dan. 50. 75. 

Thurn Rota Gräfin 151. 

Timmer Franz Jet., Violinist 247. Te- 
norist 230. 238 f. 

Tollini Domen., Sopran 117. 240. 

Toti Pletro Franc, Sänger 28. Hof- 
compos. 70. 75. 

Tricarico Glut., Comp. 45. 

Truchtett von Zeil Karl Robert Graf 
151. 

Tuma Franz , .Schüler des J. J. Fux 
261. 

Tychian, Comp. 45. 

Utienghl C. M., Dichter 42. 

Vaet Jacob 23. 

Valentin! Giov., Eapellm. 16. 

Vanadin! D. Ant. 140. 

Ventura Domen., Balletmeister 42. 

Verdina Pletro, Kapellmeister 16. 

Vernio Giov. Bardi 30. 

Vincenzi Joh., Sopran 171. 240 f. 

Viola da gamba, Streichinstniment226. 

VItali Giac, Sopran 242. 

Vogler Abt, über den Gradus 162. 



282 



Register. 



Wagenseii Georg Christ., Hofcomp. 
215. 218. 223. 230. 233 f. Schüler 
des Fux 262. 

Weist 8llv. Leop. 147. 149. 

Werdenberg Caeimir ßraf 151. 

Wemdie Ant., Organist 237. Bassist 
230. 238. 

Westenrad Christ. Bar. 151. 

Wien am £Dde des XVII. Jahrhun- 
derts — sein Umfang — Architec- 
tur — Sculptur 12 ff. 

Wittmann Andr., Oboist 228. 258. 

Weiler Ferd., Violinist 246. 

Woller Jac. Jos. 230. 

Woechitka Tob., Fagottist 256. 

Ximenee Caval., Dichter 41. 



Zacher J. Mich., Comp. 46. 71 i. 

Zamponl Gins., Comp. 45. 

Zarabeia Andr., Diehter 41. Comp. 46. 

Zarlino 119. 

Zeidier Max, Kapellmeister 269. 

Zeitlinger 8eb. 170. 

Zeienica Joh. Diem. 149. 260. 

Zeno Apoetoio, Hofpoet 80 f. 113 f. 
150. 152. 165. 172. 187. f. 192; 204. 

Zlani Marc Anton., Vice - Hofkapell- 
meister 50. 64. 74 f. 77 f. 86. 145, 
269. 

Zlani P. Ant., Comp. 45. 

Ziiler Bernfa., Violinist 247. 

Zinicen, Blasinstrument 226. 

Zineendori Ant. Gräfin 151. 

Zobur Jos. Graf 151. 



j±. 



Beilagen. 



Beilage I. 

Urkunden: Familien- and VermögensTerhftltnisse des i. i. Fux. 

!• Trannngpsmatrikel der Pfarre zu den Schotten in Wien vom Jahre 
1606. „Copulationen<* (vorhergeht „4. Juni«), 

„Der Edle nndt Kunstreiche Herr Johann Joseph Fux, dessen 
Grottshauss wohlbestellter Organist, wohnhafft in Schottenhoff, gebührtig in 
Steyermark nimbt zu der Ehe die Edle Ehr- und Tugentreiche Jungfrau 
Juliana Clara Schnitzenbaumin, gebührtig allhier wohnhafft in den 
Winklerischen Hauss auff den alten Fleischmark, weyl. des Wohledlen undt. 
Gestrengen Herrn Johann Joseph Schnitzenbaum N. Oe. Regierungs-Secre- 
tarii undt Maria Vrsula dessen Ehefrau, so noch am Leben eheleibliche 
Jungfr. Tochter. 

Test. Hr. Andreas Anton Schmelzer, 

Köm. Kays. Kammer-Musicus. 

Hr. Bernardinus Tschuk, 

Unter-Steyerhandler u. örundschreiber. 

Hr. Paul Schmuderer, 

des Innern Rathes und bilrgerl. Eisenhändler. 

Hr. Conrad Scheffer, 

Controlor in Kriegsrath. 

■ 

t« Trauungsmatrikel der Dompfarre St. Stephan in Wien. 

nCopnlatus 5. Juni 1696. 

Der Wohl Edle vnd Kunstreiche Hr. Johann Joseph Fux, Orga- 
nist bein Schotten Zu Hürtenfeldt in Steüermarkh gebürtig, mit der Edlen 
Ehr vnd tugendsamen Jungfr. Clara Juliana Schnitzenbaumin weyl. 
Hm. Johann Joseph Schnitzenbaum gewesten N. Oe. Regierungs-Secretarii 
vndt Maria Ursula seiner Haussfrau Ehiiche Dochter. *< 

Testes. Hr. Antoni Schmelzer, Hr. Bernardin Tschukh, Hr. 
Paul Schmudterer, Hr. Conrad Scheffer. 

Tax. a Scotensibus. 

* 

S« Aus dem Archive des k. k. Landesgerichtes in Wien. 

„Wir Endtsgefertigte Bekennen Craft gegenwärtigen hiemit öffentlich, 
wassmassen wir von wegen wayl. der Frauen Clara Juliana Fuxin, 
gebomen Schnitzenbaumin, des Herrn Johann Joseph Fux Kay. Hof-Capell- 
meisters Ehe-Consortin und unserer Frauen Schwester seel. betreffenden 



286 Beil. I. 4.5. 

Verlassenschaft zu ewigen Zeiten keine anfordemng stellen wollen*, £rclä- 
ren uns hiemit gerichtlich demnach , das8 die diessfÜUige angelegte Spörr 
hinwidemm ohne einzigen Bedenkhen hinweggenommen und obgedachten 
Herrn Fux, als unsem Herrn Schwägern die Verlassenschaft gerichtlich ein- 
geantwortet werden könne. Zu .Ifrkunde dessen unsere hierunter gestellte 
Fertigung. Actum Wienn den 14. Augusti 1731." 

(L. S.) Maria Anna Schnitzenbaumin, 
Ihro Durchleicht Erzherzogin Maria Magdalena Camer- 

dienerin. 

(L. S.) MariaTheresiaSchnitzenbaumin, 

bei Weyl. Ihro Höh. Elisabetha kön. Princessin von 

Polen seel. Cammerdienerin. 

(L. S.) Paul Anton Schnitzenbaum m./p. 

Kay. Hof Cammer Concipist. 

%• Erbserklärung des Joh. Jos. Fux nach dem Tode seiner Frau. 
Archiv des k. k. Landesgerichtes in Wien. 

Hoch, und Wohlgebohmer Reichss GraflF etc. 

Gnädiger Herr 0. H. M. 

Zufolge der nebenkommenden Auffleg vnd Verbscheidung A hab ich 
mich auff die darinne mit lit. A hiebei B anliegenden Repudiation für uni- 
versal Erben ab intestato zu meiner verstorbenen Ehewürthin Clara 
Juliana Fuxin seel. Verlassenschaft sine beneficio legis et inventarii hie- 
mit ordentlich erclären beynebens bitten sollen. 

Euer E:(cel]enz geruhen diese Meine hiemit Thuende Erbs-Erklärung 
gnädig zu acceptiren derselben protocoUando zu gedenkhen und Nunmehro 
wegen eröffnung der Spörr auch Einantwortung der Verlassenschafift die be- 
hörige Verwilligung abstö ergehen zu lassen, mich gehors. empfehlend 

Euer Excellenz 

gehors. 

2048 Johann Joseph Fux m./p. 

praes. 29. August 1731. Kay. Hof Capell Maister. 

Bescheid. 

Diese ErbserClärung bey der Oantzley aufzubehalten und denen In- 
teressirten auf anlangen abschrifften zu ertheillen; annebenss will Hr. Oberst 
Hof Marschall über die von deme ab intestato kommenden Erben beyge- 
brachte schriftliche gefertigte repudiations erklärnng ddo. 14. Aug. inste- 
henden Jahrs, so bey der Kantzley in origin. aufzubehalten in Eröffnung 
der Spörr und Einandtwortung der Verlassenschaft gegen revers bewilligt 
haben. Wien, den 29. Aug. 1731. 

E. Martinitz m./p. 

&• Nach dem im Archive des k. k. Landesgerichtes in Wien aufbe- 
wahrten eigenhändig geschriebenen Originale. 

,^prae8. 13. Februar 1741. 



Beil. I. 5. 287 



Letzter Wille. 

Meines Bruders Petters hinterlassenen Sohn, alss meinem lieben 
Vettern Matthaeo, welchen ich von kindheit auferzogen , legire ich die 
güldene ketten sambt daran hangender Hedalia : Item alle meine Bücher, 
Musicalisch- und ändere: femer alle musicalische Instrumenta, und dass 
wenige gewehr. An Geld vermache Ihme Matthaeo Zehen Tausend Gulden 
id est 10.000 fl. mit dem geding, dass er Matthaeus in seinem angefangenen 
fltudio so wohl in litteris alss auch Musica sich embsig zu üeben fortfahre 
und sich qualificirt zu machen trachte. Und weillen der knab annoch Mi- 
norenis ist, so ernenne ich für dessen Gerhab qider Tutom der Rom. Kay. 
May. Hof Cammer Concipisten Herrn Paul Anton Schnizenbaumb, 
alss meinen liebsten H. Schwägern , dessen Integritet und Wohlgewogen- 
heit gegen meine Famili von villen jähren Hero mir sattsamb bekant ist. 
Wird derwegen ein Hochlöbl. Hof Marschallisch Gericht gehorsamb gebeten 
Ihme Herrn Schnizenbaumb qua talem zu confirmiren. Meine Dienstbotten 
-zu betreuen ,' überlasse der aequitet meinr bald Hernach zu declarenden 
Universal Erbin, alss welche ermessen wird, was einem ieden neben der 
gewändlichen klag nach proportion der Zeit und embsigkeit ihrer Dienste 
ohne nachthail der Massae haereditariae und eignen Subsistenz könne ge- 
reichet werden. Denen armen Häusern vermache ich dreissig Gulden, in 
gleiche theil aus zu theilen. 

Mein totter cörper solle nach Christlichem gebrauch auf St. Stephans 
Freydhof doch ohne gepräng begraben , und zu meiner allerliebsten Ehe 
Consortin beygeleget werden. Die anzahl deren Heiligen Messen für meine 
arme Seelle , überlasse abermallen der Pietet meiner Universal -Erbin ; als 
welche zwischen ihrer Schuldigkeit, gewissen und nptturfb zu ihrer ehr- 
lichen Unterhaltung dass mitel zu ergreifen wissen wird. 

Welches ich auch von dennen almusen, fUr andere arme ausser 
-dennen armen Häusern wil verstandten Haben. Endlich setze ich zu meiner 
Universal Erbin ein, von allen meinen übrigen vermögen, wie selbes Namen 
Haben mage, nicht ausgenomen, meine liebe Maimb Eva Maria, des an- 
fangs gesetzten legatarii Matthaei leibliche Schwester, ihres wohlverhaltens 
Halber, lieb und trey, so selbe forderist nach ableiben meiner liebsten Ehe 
Oonsortin seel. mir erwiesen Hat , doch mit dem beding , dass selbe ihren 
Brueder Matthaeum , so lange es die Zeit leyden würd , bei sich behalten, 
und sorg tragen, damit er Christlich erlich mit guten Siten erzogen werde, 
auch sich erinnern ^olle , dass gleich wie Sie Eva Maria mit virthalb iahren 
ihres alters an kindsstat von mir ist angenomen mit vätterlicher obsorg, 
lieb und treu bis auf diese Stundt versorget worden, Sie auch dess sich er- 
innernd Ihren Bruedem dergleichen thue, und ihme die Schwesterliche lieb 
und treu solle lassen angedeyen. 

In fahl aber mein Vetter Matthaeus wider ver Hoffen in der Minorenitet 
mit Tott abgehen möchte, solle von dessen legat drey Tausend Gulden dessen 



288 Beil. I. 6-9. 

älteren Bruedern Sebastian oder in abgang dess seinen Bruedern, 
welcher alssdann in rechtsamben besitz des Fuchsischen Haas zn HUrten- 
feld in Steyer Markh in St. Mareyner Pfar gelegen , sein wurde, zuefallen : 
dass übrige aber der Universal Erbin Eva Maria zu guten kommen solle. 

Dass ist mein letzter Wille mit meiner aignen Hand aufgezeichnet, 
deme in allen stucken solle naehgelebet werden. 

Meine arme Seile endlich in die grundlose Barmherzigkeit Gottes 
empfehlend übergibe Selbe in die Hände meines Erlesers. Den 5. Januarij 
1732.« 

(L. S.) Johann Joseph Fux, 
Kay. Hof Capel Maister m/p. 
Auf dem Umschlag: 

„Lester Wille 

mein 

Johann Joseph Fux, 

Kay. Hof Capel Maister m/p.« 

•• WieÄer Diarium 1741 pag. 149. 

„Den 14. Februarii«. Verstorbene. 

^Der Wol-Edel-gestrenge Hr. Johann Joseph Fux, weil, der Rom. 
Kays. Majest. Hof-Capellmeister, bei dem goldenen Bäm am alten Fleisch- 
markt, alt 81 J.« 

1. Commune von Wien, Todtenbeschaueramtsprotokoll 174. fol. 207. 

„14. Februar. Der Wohl Edlgestrenge Herr Johann Joseph Fux, 
Weyl. der Rom. Kay. Maytt. Hoff- Capellmeister ist beim golden Bäm am 
alten Fleischmarkt an Hectica-fieber bscht. (beschaut) alt 81 Jahre." 

9* Dom von St Stephan in Wien, Todtenprotokoll 1741 fol. 12 [be- 
graben]. 

„15. Februar. Der fititl:] Herr Johann Joseph Fux, weyl. der 
R. K. M. Hof-Capel Maister zu St. Stephan in die Kru£ften, grossgleuth fl. | 
1 Requiem 6 fl.« 

O* Nach den Acten des k. k. Landesgerichtes in Wien erklärt sich 
Eva Maria Fux auf Grund des Testamentes vom 7. Jänner 1732 unbedingt 
zu Erbe des Nachlasses ihres Oheims des am 13. Februar 1741 verstorbe- 
nen Joh. Jos. Fux. 

Femer steht auf dem Original -Umschlag des Testamentes- von J. J. 
Fux mit Bleistift geschrieben: „gestorben 13. Februar 1741«, ebenso auf 
dem Originale des Testamentes: „praes. 13. Febraar 1741«. 

Damit ist der Todestag des 13. Febraar 1741 vGllig sichergestellt 
Aus allen diesen Angaben geht übereinstimmend hervor : 
Joh. Jos. Fux ist gestorben 13. Februar 1741 
., „ „ „ beschaut 14. ., 
„„.,., beerdigt 15. ., ., 



Beil.l. 10. U. 289 

Fin.-Ministeriums- Archiv. 

A, „Dem Capellmeister Hrn. Job. JosefFux an jährlichen 600 fl. 
(adjuta) die 4. Quartalsgebühr 1737 laut Quittung IM) fl. (Anmerkung) 
„Fernere Gebühr nemblich vom 1. J&nner 1738 bis Ende Juni 1740 ist der 
Stadt-Banco verwiesen worden. 

Vide die Lista fol. 101. << 
Bancalitats-Caineral-Zahlamts-Rechnung 1740 fol. 138. 

B, „Aussgaab auf Claag- Gelder Ihro May. des Kaysers Hinterbliebenen 
Hofstaatsbedienten. 

„Herr JohannJosefFux Capellmeister laut Quittung 40 fl.*' 
Banc. Cameral-Zahlamts-Reohnung 1743 fol. 317. 

C, Fuxische Erben: „Int. dd. 25. Mai 1741 an die Minister.-Banco-De- 
putation: mit des verstorbenen Hofkapellmeisters Joh. JosefFux nach- 
gelassenen Erben seiner gehabten Hofbesoldnng und adjuta pr. jfihrl. 3100 fl. 
bis den 14. Februar 1741 die Abrechnung zu pflegen. 

An die Univ. Banco — ." 

General Assign^tionsbuch von 1741 fol. 245. 

Da Fux (in C) im Mai 1741 „verstorbener (nicht pensionierter) Hof- 
kapellmeister'' genannt wird , und von seiner gehabten Hofbesoldung 
und adjuta mit den Erben Abrechnung gepflogen werden soll ; da femer 
noch im Jahre 1743 (nach B) den Erben die dem J. J. Fux für „Claag-Geld'< 
40 Gulden ausbezahlt wird, als einem Ihro May. des Kaisers (Karl VI. 
1 20.0ctober 1740) „hinterbliebenen Hofstaats-Bedienten •*; so scheint daraus 
hervorzugehen , dass Fux nicht nur beim Tode des Kaisers als wirklich an- 
gestellter galt) sondern auch später bis zu seinem Todestage 23. Fe- 
bniar 1741) im Genüsse seiner Besoldung und seines Characters geblie- 
ben ist. 

tfl« Aus den Acten des Obersthofmarschallamtes, unadelige Abhand- 
lungen Ur. 5006 im Archive des k. k. Landesgerichtes in Wien. 

• 

Erbserklärung der Eva Maria Fux nach Johann JosefFux' 
Ableben. 

Gnädigster Herr Obristhofmarschall etc. 

„Nachdeme mein vielgeliebter Vetter Herr Johann Joseph Fux als 
Weyl. Sr. Rom. Kay. und Kön. Cath. Maytt. glorwürdigster Gedächtnus 
Seel. n^ichgelassene Hoff Capell Maister seel. den 13 diess M. dieses Zeitliche 
mit dem Ewigen Leben verwechsslet und lauth seiner hier anliegenden 
untern 5. Jenner 1732 verfasst letztwilligen Disposition A de puplicato 13 
diess Monath mich als universal-Erbin eingesezet und benenet hat, als will 
dann diese meines Vetters per Testamentum auf mich gediehene Verlassen- 
schaft simpliciter et absque beneficio legis et Inventarij vergreifen und 
solcher Gestalten mich als Erbin erclfiren. 

Solchemnach Gelangt an Euer HochfUrstl. Durehleucht etc. mein De- 
müthiges Anlangen und Bitten, 

KbchtJ, J. J. Fax. 19 



290 Beil.l. 12.13. 

Dieselbe geruhen I*" diese meine ErbserclSrung gnädig zu aoceptiren 
und dessen prothocollando zu gedenken, dann II* wegen Abthunng der 
Spörr und Einantworthung der Verfassenschaft das behörige ergehii zu 
lassen. 

Mich empfehlend 

Euer HochfÜrstl. Durchlaucht 
praes. 21. Februar 1741. demttthige 

Eua Maria Euxin."" 

i %m Abhandlungs-Verlass. 

„Bei der, von der zu Hungam und Böheimb Königl. May. Erzherzogin 
zu Osterreich obristen Hofmarschall Ambt, zu Abhandlung Weyl. Johann 
Joseph Fux, gewesten Kay. Hof-Capell Meisters seel. Verlassenschaft 
angeordneten Bemittirung seynd auf beschehene Erfordenmg in der Ambts 
Canzley erschienen : die in Testament eingesetzt — auch erclSrte Universal- 
Erbin Eva Maria Fuxin durch ihren Bestellten D"!*" Ziegler aines: dann 
Matthaeus Fux , U- J- Candidatüs andern TheiLls : Und ist in puncto ange- 
Buohter Einantwortung der Verlassenschaft über die von beeden Theillen 
vemohmen und von Weyssen Rath ad plenum referirte Nothdurften verao- 
lasst worden : 

Dass die von der Impetrantin eingelegte Quittungen wegen deren 
abgestattete Legaten nebst des Mathaei Fux beigebrachten TaufPschein bei 
der Canzley aufbehalten, Und Nachdeme derselbe wegen- des ihme per 
Zehen Tausend Gulden angefallenen vetterlichen Erbtheiles mit seiner 
Schwester verstanden zu seyn sich mündlich erkläret, solche Erklärung 
schri£ftlich zur Canzley erleget; nach dessen Befolgung gegen Einlegung 
des gewöhnlichen Revers, der Impetrantin ihres Vetters sei. Verlassenschaft 
vermittels Eröfnung der Sperr eingeantwortet werden solle. 

Wienn den 19. September 1741. 

IS« Nach dem Urbar des Amtes Langegg , welches 1850* von der 
Herschaft Stadel an das Bezirksgericht Weitz gelangte bestand 1797 die 
Besitzung der ehmaLs Fuxischen Familie in Hirtenfeld aus einem 
Viertel Bauemgrund sammt Wohn- und Wirthschafts- und Nebengebau 
(Haus Nr. 50) und nachstehenden Grundstücken : 



Aecker 


16 Joch 9270 Klafter 


Wiesen 


3 „ . „ 


Hutweiden 


1 . 629 


Wald 


12 „ 171 


Weingärten 


1 . 184 



zusammen 34 Joch 311 Q Klafter 
und wurde im Jahre 1798 auf 500 fl., im Jahre 1838 auf 1000 fl. C. M., offen- 
bar sehr niedrig, geschätzt. 

Jacob Fuchs (Stammbaum 14) hinterliess bei seinem Tode (1797) 
ausserdem ein Vermögen von 1017 fl. C. M. 



Beil. I. 14.15. 291 

Die Witwe desselben, Maria Fux geborne Griesl, heuratete 1799 
den Bauer Jos. Hartner nnd Übertrug mit Ehevertrag die Hälfte des ihr 
angefallenen Nachlasses nach ihrem ersten Gatten Jacob Fux , dabei auch 
das Haus Nr. 50 in Hirtenfeld. In die andere Hälfte des Nachlasses theilten 
sich die beiden Kinder des Jacob Fux , nämlich Johann Fux (Stammbaum 
24) und Maria Fax (Stammbaum 25). 

Im Jahre 1866 waren die Rechtsnachfolger Hartner noch im Besitze 
des Hansses Nr. 50. 

1 «» Wien. Diar. 10. April 1773. 
Verstorbene den 6. April. 

„Die wohledle Jgf. M. Josepha Fuchsin n. 455 bei St. Salrator alt 
73 Jahre.« 

[Sie war aber 77 Jahre alt, da sie 1696 geboren ist.] 

iA« Aaszüge aus den Verlassenschaftsacten nach Jgfr. Maria Jo- 
«ephaFu^in (f 6. April 1773) im Archive des k. k. Landesgerichtes in 
Wien. 

Aus dem Testamente derselben vom 5. März 1771. 

„§. 5. für eine wöchentliche Stiftmesse in der Pfarre St. Marein für die 
Faxische Freundschaft 

§. 6. Legate den Geschwistern in Steiermark : Josefpux, Jacob 
Fax, Elisabeth PuchmtUler geborne Fux, Katharina Leopoldin ge- 
borne Fux, Magdalena Wolffin geborne Fux, und Anna Greimlin 
geborne Fux, jedem 500 fl., zusammen 3000 fl. Im Substitutionsfalle deren 
Kinder. 

Des älteren verstorbenen Bruders Sebastian Fux hinterlassenen 
4 Kindern folgende Legate: Dem Sebastian Fax und Andre Fux 
jedem 1500 fl. ; ihren 2 Schwestern, deren Namen unbekannt, jeder 500 fl. ; 
ihrer Mutter jetzt verehlichten Fleischhackerin 100 fl. 

Meiner Freundschaft zu Hirtenfeld noch besonders 800 fl. diese bin ich 
ihnen als ein Yermächtniss von meiner seel. Freile Maimb schuldig. Das In- 
teresse habe ich immer richtig gesendet. 

§. 12. Will ich die (Jungfrau; Josepham Pergerin (meine Firm- 
godel) , welche ich von ihrer Kindheit an erzogen habe, und weil sie sich 
jederzeit wohl aufgeführt hat, zu meiner wahren Universalerbin eingesetzt 
haben. 

Sie hat auch das Jus praesentandi für eine Weibsperson im S. Joann. 
Nepomuceni-Spital hier, welches Recht ich und meine Freundschaft hatte, 
diese aber weit abwesend ist. 

Wien am 5. Merzen 1771. 

Ignaz Stöckl von Gerburger m./p. Maria Fux m./p. 

k. k. Hofrath, als Zeuge. Fran^Pachner m./p. 

Phil, et Med. Dr. als Zeuge. 

19* 



292 Beil. I. 16—18. 

!•« Im VennGgensbekenntnisde ist das Vermögen der Maria Fax 

mit 25.138 fl. 

angegeben ; die Legate nnd Steuern betrugen 14.988 y, 

demnach blieben der Erbin 10.149 fl. 

19« Empfangsbestätigung der Legatare nach dem Testa- 
mente der Eva Maria Fux. 

„Dass wir Endesbenannte diejenigen 800 fl., welche uns unsere geHeb- 
teste Jungfrau Schwester und resp. Mume Maria Fuxin seel. zu Wien in ihrem 
unterm 5. März 1771 errichteten und den 6. April 1773 bei einem löblichen 
Wienerischen Stadt Magistrat publ. Testament §. 6** der Fachsischen 
Freundschaft, mithin uns insgesammt als eine Vermächtniss von unserer 
Fraule Mume , noch besonders legirt hat aus Händen der instituirten Uni- 
versalerbin Jungfrau Josepha Pergerin baar, richtig und ohne Abzug em- 
pfangen haben, solches bezeugen wür kraflt dieser Quittung, weilen wir aber 
des Lesens und Schreibens unkundig sind, haben wir nachstehende 
Herrn Zeugen gebethen statt unser zu unterschreiben und zu fertigen. Graz 
den 20. May 1774. 

X Joseph Fux. X Magdalena Wolfin, gebome 

X KatharinaLeopoldin, geb. Fuxin hft. Oberflfiding. ün- 

Fuxin. terth. in der Hinterleiten, Gley- 

X Sebastian Fux. storf. Pfan*. 

XAndreeFux. X M*ria Nostin, geb. Fuxin, 

XElisabethFuxin. hft. Kieggerspurg unteith. zu 

X Anna Greimlin, geb. Fuch- Prifing Sumereiner Pfarr. 

sin herrsch. Herberstein. Un- X^l^^^^^th PuchmüUerin, 

terth. zu Prunn. gebome Fuxin, hft. Mossen- 

XJacobFux, hft. Stadl. unter- dorfunterthJ zu Langegg. ^ 

than und Bauer zu Hirtenfeld. 

19* Stift brief über eine wöchentliche Messe in St. Marein nach 
Bestimmung des Testamentes der Eva Maria Fux. 

„Wir Joseph Georg Hörl Bürgermeister, wie auch der gesammte Bath 
der k. k. Haupt- und Residenzstadt Wien geben hiemit jedermmanniglich 
zu vernehmen, was maasen weil. Maria Fuxin seel. in ihrem den 6. Apr. 
1773 bei uns als derselben rechtmässigen Abhandlungsinstanz eröffneten 
Testament im 5. Abschnitt der Pfarre St. Marein in Steiermark beiläufig 
2 Stunden ausser Graz zu einer wöchentlichen Heil. Mess auf einem priv. 
Altar alle Montag für die sämmtliche verstorbene Fuxische Freundschaft xa 
lesen 1000 fl. mit dem Beisatz vermachet habe , dass wenn diese Stiftmess 
nicht angenommen, und für solches Quantum gar nicht gelesen werden 
könnte deroselben Universal Erb (J ose fa Pergerin, bischöfl. Stiftbrief) 
den Abgang und nöthigen Betrag daraufzuzahlen schuldig sein solle.'' Diese 
Aufzahlung fand mit 300 fl. statt und die Stiftung wurde und blieb bis heute 
(1866) wirksam. 



Beil. I. 19.20. 293 

„Solchemnach sind und zu ewiger Gedächtniss und Festhaltung dieser 
gottgefälligen Stiftung 3 gleichlautende Ex. errichtet . . . eines davon der 
milden Stiftungs-Comission , das 2** dem erwähnten Gotteshaus , das dritte 
bei obgesagten Grundbuch zu den Stiftacten hinterlegt worden. Wien, 
28. August 1774.« 

10. Vererbung des Vermögens des Joh. Jos. Fux». 

1. Joh. Jos. Fux (t 13. Februar 1741) setzt mit Testament vom 
&. Jänner 1732 seine Nichte Eva Maria Fux zur üniversalerbin ein. 

2. £vaMariaFux(t6. April 1 773 unverm&hlt) setzt mit Testament 
vom 5. März 1771 die Jungfrau Josef a Perger zur Üniversalerbin und 
Präsentantin der Stiftung Schnitzenbaum ein. (Der Stiftbrief Schnitzenbaum 
ist vom 26. Juni 1750.) 

3. Josefa Perger (f 17. October 1789 kinderlos) beuratet Sept. 
1774 den gräfl. Kolowrath'soheu Koch später kOn. Hausinspeetor Johann 
EliaerLink, und macht mit ihm 28. August 1774 einen Heuratsvertrag mit 
wechselseitiger Erbseinsetzung, wodurch dieser nach dem Tode seiner 
Frau ihr Vermögen erhält. 

4. Joh. Elias Link (f 24. März 1792 kinderlos) henratet in zweiter 
Ehe eine Jungfrau Maria Theresia Nimbfling (geb. 1761) 28. Juni 
1790 und setzt diese mit Testament vom 2. November 1791 zur Universal- 
erbin ein. 

5. Maria Theresia Link, geb. Nimpfling (f in Gratz 1841 am 
3. Februar), aus St. Peter in Steiermark, Tochter eines Tabakofficiers. Heu- 
ratet 17 August 1793 in zweiter Ehe den Kaufinann Michael Anton 
Constantin in Wien. Nach ihrem Tode (Februar 1841) erbt von ihr das 
Präsentationsrecht 

6. Josefa Jacklitsch, geb. Nimpfling, Schwester der vorigen und 
Gattin des Primarwundarztes Dr. Andreas Jacklitsch in Gratz. Nach ihrem 
Tode kam das Präsentationsrecht durch Testament an 

7. Maria Josefa Nimpfling (fälschlich Jacklit seh genannt), un- 
ehliche Tochter der vorigen. Nach deren Tode gelangt das ganze Erbe an 

8. Jungfrau An-na Nimpfling, deren Cousine, Tochter eines 
Gontrolors in St. Lamprecht (lebte noch Jänner 1867). Bei dieser letzten 
ist noch das Präsentationsrecht zur Stiftung Schnitzenbaum. 

%0. In den Urkunden, welche von Mitgliedern der FamllieSchniz- 
zenbaum entweder ausgestellt und von denselben unterzeichnet wurden, 
ebenso wenn sie in den Urkunden sich auf Verwandte ihrer Familie berufen, 
bedienen sie sich niemals des Adelswortejs ,^y o n^ ; auch ist das Siegel, da& 
sie ihrer Fertigung beidrttcken, kein adeliges, sondern eine Phantasiedevise, 
einen Baum vorstellend ohne weitere adelige Embleme. Auffallend ist 
jedoch, dass Gabr. Bucelinus in seiner Germania topo-chrono- 

^ Die Daten tiad •immtlich nui Urkunde ii dea k. k. Landeag'erichti and der 
Pfarre St. Stephan in Wien; yon Nr. S — 8 durch Organisten Sejdler in Gratz erhoben. 



294 



. Beil. I. 20. 31. 



stemmatographica. fol. Ulmae 1678 pag. 525 in ^Leopold! I Imp. 
Aulicorum Ministrorum Catalogo'' „Joannes Josephns de Schnitzenpaum*'^ 
als ersten Concipista des Niederösterreich. Kegimentes aufführt. Es ist der- 
selbe Johann Joseph, der später Regier angssecretär wurde, 1683 starb und 
der Vater der Frau des ELapellmeister J. J. Fux war. Noch mehr fallt es 
auf, dass eine Schwester der letzten, MariaTheresiaSchnitzenbaum, 
die eine Kammerdienerin einer Prinzessin von Polen war, 1749 starb, ihre 
Verwandten Eva Maria Fux zur Erbin, deren Bruder Math. Theophilus Fux 
mit einem Legat von 1000 fl. bedachte und eine Stiftung im Johannsspital 
errichtete, in den amtlichen Acten, im Stiftbriefe, in der Todesanzeige 
und in der Quittung des Math. Theophilus Fux, Fräulein MariaTheresia. 
von Schnitzenbaum genannt wird. Nicht überall, aber je zuweilen wird 
auch den Geschwistern derselben das Prädicat von beigelegt. Es fragt 
sich daher: war die hier gemeinte Familie wirklich von Adel? — Die 
Matrikel des öaterreicMschen Adels kennen den I^amen Schnitzenbaom 
nicht : in Krain war nach Valvasor (Topogr. von Krain III. p. 112) ein schon 
1679 erloschenes Rittergeschlecht dieses Namens, das von Kaiser Ferdi- 
nand I. 1561 in den Freihermstand als „Schnitzenbaum Freiherm von 
Sonegg'^ erhoben ward. Das passt durchaus nicht auf unsek-e Schnitzen- 
baum, und wenn man femer erwägt, dass die Mehrzahl der letzten Schnit- 
zenbaum Hofanstellungen hatten und sich des Adels gewiss bedient hätten, 
wenn er ihnen de jure zugekommen wäre ; wenn femer das Höflichkeitswort 
„von<< in Oesterreich im ganzen XIX. Jahrhundert (bis heute) und mehr als 
wahrscheinlich schon im XVIII. Jahrhunderte allen Honoratioren beigelegt 
wurde; so dürfte die grössere Wahrscheinlichkeit für die Ansicht sein,, 
dass das Adelswort „von'' der Familie Schnitzenbaum nur als ein Act 
der Höflichkeit, selbst in amtlichen Ausfertigungen, zu betrachten sei. 



Itl. Stammbaum der Familie-Schnitzenbaum. 

1. Josef, 

n. o. Regierniig8~ 

t 19* Sept. 166.1. 
Kinder erster EJlic. 



2. Johann Josef, 

Regier. -Secretär, 

geb. 1«8], 

t 5. Oet. 1683, 

Term. mit MeriA 

Ursula. 



3. Joh. Gfeorg. 



4. Anna Maria. 



5. Clara Juliana, 

geb. 1671, 

t 8. Jiuai 1731, 

verm. Fux 

(kinderlos). 



6. Maria Anna, 

Kemzoerd. der 

Erzh. Maria H&gd., 

t 16. Febr. 1736 

(uDvermäiiU). 



7. M. Theresia, 

Kunmerd. der 

Prinz, yon Polen, 

geb. 1681, 

t 19. Mai 1749 

(unvermählt). 



8. Paul Anton, 

Hofkanun. • Oonelp.y 

geb. 1676, 

1 16. Märe 1740. 



Beil.1. 22.83. 295 

% 

Commune von Wien, TodtenbeBchauunts-Protocoll (Vol. 49. Fol 
245. V.) 1683. 5. October. 

[2.] „Der Wohledelgestrenge Hr. Johann Joseph Schnitzen- 
baum b, N. Oe. Regierungg Sepretarius ins Hm. Martin Todtenriederfaaus 
in der Wohl Zeyl i»t an Rother Ruhr beBch.(aut) alt 52 J.*^ 

[5.] Wiener Diarium 1731 Nr. 46. 

„1731, 8. Juni. Verstorbene." 

„Dem Wohledel - Gestrengen Herrn Johann Joseph Fnx, Kais. 
Hof- Capell- Meistern, s: Fr. Clara Jnliana, gebome Schntttzenbau^ 
merin bei dem goldenen Bäm am alten Fleischmark alt 60 J.*' 

[6.J „Maria Anna Schnitzenbaum, Kammerdienerin der Erzher- 
zogin Maria Magdalena , gestorben am 16. Febr. 1736.*' (Verlassenschafts- 
acten im Archiv des k. k. Landesgerichtes in Wien.) 

[7.] Wiener Diarium, 21. Mai 1749. 

„Verstorbene den 19. Mai." 

„Die Wol-£dle Frle. Maria Theres von Schnitze-nbaum im 
Adelsburg H. bey unserm Herrn, alt 68 J." 

[8.] Wiener Diarium, 19. M&rz 1740. 

„Verstorbene den 17. Martii" (eigentlich: beschaut 17., gestorben 
16. März. Verl. Acten). 

„Der Woj-Edel-Gestrenge Hr. Paul Anton Schntttzenbaum, 
Kais. Hofkammer-Concipist bey dem goldenen Bäm am alten Fleischmarkt, 
alt 65 J.« 

%%. Aus dem Testamente der Maria Theresia von Schnit- 
zenbaumin (Stammb. Nr. 7), Wien 16. Sept. 1743. 

„12**" Dem St. Joannis Nepomuc. Spittal zur Stifftung einer Weibsper- 
sohn (vermache ich) 1500 fl., jedoch dass das Jus praesentandi oder das 
Recht eine Persohn vorzustellen und hineinzubringen bey meiner Universal 
Erbin und dessen anverwandten und befreunten zu allen Zeiten verbleiben. 

13'"** meinen lieben Heren Vettern Matthaeo Theophilo Fux 
1000 fl. sollte aber meine Universalerbin mit Tod abgehen (welches Grott 
auf lang- und ville Jahre verschieben möge) od. mittels einer Heurath ihren 
Standt verändern, so hat dieser obbemeldter mein Herr Vetter noch 1000 fl. 
alss ein Ihme von mir gemachtes Legatum zu fordem. 

16*'"* setze und ordne ich zur Universal Erbin meines zeitlichen Vermö- 
gens meine liebe Jungfrau Maimb EvamMariamFuxin sage zur Uni- 
versalerbin ein. 

Wien den 16. Septembris 1743. 

Maria Theresia schnitenzbaum.*' 

Anmerkung. Nach dem Vermögensbekenntnisse belief sich der Nach- 
lasB auf 12000 fl. Banco Obl. , davon die Legate abgezogen mit 8920 fl. 
erübrigte für die Erbin ein Rest von 3080 fl. 

ItS. Erklämng des Matthäus Theophil Fux in Klagenfurt, das 
Legat der M. Theresia Schnitzenbaum betreffend. (Acten des Nachlasses 
derselben im Archive des k. k. Landesgerichtes in Wien.) 



296 Beil. I. 24. 

„Ich zu Ende Gefertigter bekenne hiemit, dass ich nicht nur diejenige 
1000 fl. welche meine Mämb Fräule Maria Theresia von Sohnitzenbaum 
Boel. in Ihrem Testamente ddo. 16. September 1743 et pnbl. 19. Mai 1749 
§. 13**" mir legirt hat richtig und bar empfangen habe , sondern ich erkläre 
mich auch, dass die von vorgedacht meiner Frln. Mfimb. eingesetzte Univer- 
salerbin und respective meine Schwester Eva Maria Fuxin wegen deren in 
den bemelten Testament in praefato §. 13 in jenen Fall, wenn besagt meine 
Schwester mit Tod abginge oder mittels heurath ihren Stand verändern 
wurde, mir vermachten weiteren 1000 fl. eine Sicherstellung keineswegs mir 

leisten dürfe So beschehen Olagenfurth den 6. Juny 1749.** 

L. S. Matthaeus Theophilus Fux m./p. 

Einleithnngs Rectifications Actuarius Registrator 

und Protocollista in Kärnthen. 

1t%. Stiftung der Maria Theresia von Schnitzenbaum (in den 
Acten der k. k. Statthalterei in Wien). 

Laut S tiftbrief es vom 26. Juni 1750 hat Frln. Maria Theresia Von 
Schnitzenbaum in ihrem Testamente vom 16. September 1743 eine Stiftung 
für eine erannte Weibsperson mit 1500 fl. in das St. Joannis-Nepomuceni- 
Spital auf der Landstrasse in Wien mit täglich 9 kr. gemacht. Zur Präsen- 
tation zn diesem Stiftungsplatze hat sie ihre eingesetzte Universalerbin Eva 
Maria Fuxin und nach derselben hintritte ihre nächsten Anverwandten und 
Befreundten zu allen Zeiten berufen. 

Anmerkung. Nach Aufhebung des Klosters wurde die Stiftung. in eine 
Betheilung auf die Hand umgestaltet, diese betrug (1866) 24V2 Kreuzer 
täglich, und Präsentantin dazu war (1867) Jungfrau Anna Nimpfling 
in Gratz, Tochter eines Controlors in St. Lamprecht. 



Beilage II. 

Urkunden : Anstellungen — Beförderungen — Beschwerden des J. J. Fux 

— Reorganisierung der Hofkapelle. 

t. 1698, 16. April. Arch. des Obersthofmeister- Amtes. 

(„Vnterthftnigst geborsambstes Referat Hoffsachen betreffend in Wien 
den 16. Aprilis 1698.) 

„JoannesJosephus Fux Husicus Bringt gehorsambst ahn , dass 
Ewer Kay. Maytt. iim wegen seiner compositionen in die Dienst aufgenohmen 
haben, Bittet dahero Vnterthenigst in der Hoffstatt mit einer solchen Besol- 
dung, wie es £wer Kay. Maytt. gdgst. gefallig sein wirdt, einzuverleiben. 

Der Capelmaister berichtet , dass er auf dieses petitum Kein anderes 
parere geben könne , als dass Ewer Kay. Maytt den Supplicanten wegen 
seiner guetten Qualiteten Bereits in Dero Dienst mit 40 Thaler monathlicher 
Besoldung aufgenohmen hetten. 

Man wirdt Ewer Maytt. Befelch diessfalls erwartt«n, Ob, wieuill, Vnd 
Von welcher Zeit man ihme seine Besoldung ausferttigen solle ?'^ 

(Eigenhändige Resolution des Kaisers :) 

„„Weillen ich diesen Supplicanten als einen guetten 
Virtuoso aus gewissen Yrsachen Zu meiner Musik auffzu- 
nehmen resoluirt habe, als sollen Ihme Zur Besoldung 
Monatlich 40 thaler oder 60 fl. von Anfang dieses Jahres 
angewiesen werden.**** 

Bescheid : 

„pro JanneJosephoFux. Ihro Kay. Mtt. haben den Supplicanten 
alss einen guetten Virtuoso', auss gewissen Yrsachen zu dero Music mit 
monatlicher 60 fi. Besoldung aufzunehmen gnädigst resoluirt, Welche das 
Hoff-Controlorambt durch eine gewöhnliche Ordinanz von Anfang dieses 
Jahres ihme an das Hoff-Zahlambt ausfertigen solle. Wien 16. Aprilis 1698.** 

%. 1701. 27 Jan. Arch. des Obersthofmeister- Amtes. 

Vortrag: 

„Euer Kay. May. compositore. in musica JohanJacob (sie) F u c h s s 
bittet allerunterthänigst, ihme seine Besoldung monatlicher vierzig Thaller, 
mit zwanzig allergnädigst zu Verbesseren, auff dass er denen anderen 
compositoribus gleich sey.** 

„Der Capellmeister berichtet, dass der SuppUcant ein meritiertes 
Subjectum Von gar guetten Qualitäten „„Vundt einer sonderbahrer Ge- 



298 Beil. II. 2.3. 

Hchicklichkeit sey, alles das jenige zu verrichten, was ihm au£fgetragen 
wird, Vermeinet dahero, Wann Ewer Kay. May. es also allergnädigst gefällig 
sey , dass die begerte 20 Thaller monatlich seiner Besoldung von An£Euig 
Aprilis Vorigen Jahres zugelegt werden könnten, damit er dasienige, was 
andere in seiner Sphaera haben, geniesse.** 

Der Obrist HoflFmeister remittirt dieses Begehren zu Ewer. Kay. Maytt 
resolution, Vnd wan deroselben gnädigst beliebig, den Supplicanten mit 
einer Verbesserung zu Begnaden, von Wass für einer Zeit — Vundt ob mit 
— oder ohne abbrach des ersten Quartals ihme die Besoldungs-Ordinanz 
ausgefertigt werden solle?** 

Res*. Caes'. (Eigenhändige Resolution des Kaisers.) 
„„Weillen dieser Supplicant ein gutes Subjeotum ist, 
Vnd wohl dienet, also solle Ihme die Besoldung monatlich 
biss 60 Thaler in allem vermehrt werden."*^ 

Leopoldus m./p. 

Bescheid : 

„Dem hJupplicanten ist seine Besoldung mit 20 Thaler monatlich ver- 
mehrt worden , dass er also 60 Thaler in allem zu geniessen haben solle, 
dahero. der Hoff- Contralor darüber die Ordinanz Vom ersten Januari 
vorigen Jahrs mit Abbruch des Quartals ausszufertigen hat. Den 27. Jan. 
1701." 

S. 1702, 19. August. Arch. des Obersthofmeister- Amtes. 
Vortrag. 

„JohannJosephFnx Compositore in musica hat seinen Vorgeben 
nach Vmb Ewer Kay. Maytt. besser vnd ohne Verhindernus zu bedienen 
seinen Posto bey den Scotten allhier quittirt, Wordurch ihme jährlichen 
bis 400 fl. abgiengen, bittet dahero Aller- Vnterthänigst Ewer Kay. Maytt. 
Wollen diesen seinen Verlust mit einer Besoldungs Verbesserung gnädigst 
ersezen. 

Hierauf vermeldet der Capelmaister, dass dieses Virtuos! talenta der- 
gestidt bekannt vnd das motivum, so er anfihret so billig sey, dass er nicht 
zweiflet, Ewer Kay. Maytt. werden sein aller Vnterthenigstes Ktten er- 
hören , vnd seine Besoldung bis auf 80 Thaler vnd zwar Von anfang dieses 
iahrs Monatlich vermehren. 

Auss angefihrter Vrsach conformirt sich der Obrist Hoffinaister mit 
dem Capelmaister, dass dem Supplicanten sein dermahlen geniessende Be- 
soldung der 60 Thaler mit 20 Thaler Monatlich Vermehrt — Vnd dardurch, 
wasB Ihme bei den Scotten abgehet, ersetzt werde, zumalen etwelche andere 
musici auch so vüll geniessen, es Beruehet aber bey Ewer Kay. Maytt. Wass 
Sie wegen der Verbesserung, alss Von Welcher Zeit solche anfangen solle, 
allergnädigst befehlen werden.*' 

(Eigenhändige Resolution des Kaisers :) 



BeiLli. 4—6. 299 

„„plaeet in Ansehung der verlasBenen 400 fl. vnd zwar 
von anfang diese« iahres^ ''. 

„Referat in Hoffsachen. 
Wien den 19. Auguati 1702.« 

%. 1711. 22. März. Arch. des Obersthofmeister- Amtes. 

Hofresoltttiou. „Soiis 22. Martii 1711. 

„ Johan Joseph Fuchs, Compositore in musica. 

Ihre Kay. Mtt. haben vermög zurückstehender allergnädigster decre- 
tirung, den Supplicanten die gnad gethan, vnd dessen Besoldung jälurlichen 
biss 2000 fl. vermehret Weilen er nun anizo 1440 fl. hat y so bestehet die 
Verbesserung in 560 fl. , welche der Hoff-Contralor dessen Besoldung zu* 
schreiben ~ Vnd darüber die Ordinanz an das Hoff Zahlambt vom ersten 
dieses lauffenden jahrs ausfertigen solle.« 

ft. 1713 Arch. des Obersthofmeister- Amtes. 

,Hoff-Prothocol in Parthey Sachen de Anno 1713. 

Jovis 26. Januarij 1713. Joseph Fux. 

Ihre Kay. May. haben den Joseph Fux alss Vice-Capelmaisteren 
resolvirt vnd Ihme zur jährl. Besoldung Sechszeihnhundert Gulden 
zugelegt, welche Ihme durch eine ordinanz an das Hoff Zahlambt vom 
1. October des VIII. Jahrs (also 1708) ohne Abbruch des ersten Quartals 
ausszufertigen seynd.« 

6. 1715, 7. Febr. Arch. des Obersthofmeister-Amtes. 

„Allerunterthenigst gehoraambs'tes Referat. Euer Kay. May. Vice 
Capellmaister Johann JosephFuz allerunterthenigstes Begehren Vmb 
die Erlangung der durch absterben de8S.Ziani erledigte Capellmeistersstelle 
betr. Wienn den 7. Febr. 1715. 

^Euer Kay. May. Vice Capellmeister Johann Joseph Fux (dessen 
allerunterthenigstes Memoriale mit dem allergnädigsten Befehl darüber 
gehörsambst zu referiren , mir Deroselben gehorsambsten Ob. Hoünaister 
durch den Secretari Imbsen zugeschickt worden) bittet allerunterthenigst, 
anstatt des Verstorbenen Marco Antonio Ziani für Ewr Kay. May. würkh- 
liehen Capellmaister aufgenohmen zu werden,- mit dieser besonder aller- 
höchster Kay. Gnad, dass wie Er jezo von Ewr Kay. May. alss Vice Capell- 
maister Jährl. 1600 fl. vnd annebens alss Ihrer May. der Verwittibten Kay- 
serin Amalia Capellmeister andere 1500 fl. — also in allem zu würkhhcher 
Hoffbesoldung 3100 fl. angewisen hat, also Ihme solche bey der allergnä- 
di^st gefalligster aufnähme für Ewr Kay. May. Capellmaister allermildist 
placidirt werden mügten. 

Nun seynd Ewr Kay. Mtt. dess allerunterthenigsten Supplicanten 
Persohn, capacität und merita also allergnädigst bekandt, das man derent- 
wegen auch das geringste femer zu allegiren für überflüssig haltet, dahero 
es bey dessen allergnädigst resolvierender Aufnehmung blosshin auf die 



300 Beil. II. 6—8. 

Ihme darbe! zuzulegen seyende Hoffbesoldnug ankommet, in disem Be- 
tracht , daBS derselb bey jez von Ewr Kay. May. zu einer seither alss Vice- 
Capellmaister ynd zur anderer als Capellmaister von vor allerhöchst ged. 
Verwittibter Kay. May. in allem Zu 3100 fl. genüssender doppelter Hoffbe- 
soldung, Ymb jährl. 600 fl. mehreres , alss nit die alleinige Euer Kay. May. 
ordinari Capellmaisters Besoldung von Jährl. 2500 fl. austraget, angewisen 
hat, vnd solcher gstalten bey der Ihme widerfahrender Kay. Gnad der 
wtlrkhlichen Anfhehmung mit besagter ordinari-Capellmeisters Besoldung 
Ihme in utili Jährl. 600 fl. entgehen thätten, welch, besonderen Umbstand 
man Ewr Kay. May. zur allermildesten Beherzigung gehorsambst anheimb 
stellen solle , Vnd nur so vill , jedoch ohne Vnterthenigster Vorschreibung 
darbey zu erinneren für Nöthig erachtet, dass im fall Ewr Kay. Mtt. dem 
Supplicanten die jetzt obenerwehntermassen gnüssende 3100 fl. femer zu 
uerwilligen allergnädigst geruhen, Ihme nur 2500 fl. alss dess Capellmaisters 
ordinari Hoffbesoldung aussgeworffen , die übrige 600 fl. aber alss eine 
neue adjuta nit auf den Dienst , sondern vor die Persohn in besonder Vmb 
dadurch denen üblen Consequenzen vors Künfftig vorzubiegen, angewiesen 
werden möge, alss warüber der allergnädigster Kay. Befehl gehorsambst 
Erwartet wirdt" 

(Eigenhändige Resolution des Kaisers.) 

„Placet 
Carlm./p.<* 

•». Wiener Diarium Nr. 1205, 16. Homung 1715. 

„Samstag, den 16. Homung. Nachdeme, bekanntermassen, derKidser- 
liehe Capell-Maister, Herr Marco Antonio Ziani, dahier mit Tod abgegangen-, 
Als haben Ihre Römisch-Kaiserlich- und Catholische Majestät, dero Vice- 
Capellmaister , dann Ihrer Majestät der letzt - Verwittibten Kaiserin, 
Wilhelmina Amalia, Capellmaister, Herm Johann Joseph Fuchs, die 
erledigte Capellmaister-Stell, in allermildester Ansehung seiner langwirrig- 
und unermttdet- treugehorsamst -geleisteten Diensten, wie nicht weniger 
in der Music-Kunst erlangt-förtrefflicher Erfahrenheit , allergnädigst aufge- 
tragen ; welchemnach heut allerhöchst-gedacht-Kaiserlich- und Catholischer 
Majestät wtirklich geheimer Raht, und Obrist-Hof -Maister, Ihre Durchleucht 
Herr Anton Florian, des heil. Rom. Reichs Fürst von und zu Liechtenstein, 
Herzog zu Troppau und Jägeradorff etc , Ritter des goldenen Vliesses und 
Grand von Spannien der ersten Class, den neuen Herrn Capellmaister, nach 
zuvor abgelegter Eyds-Pflicht, den gesammten Herren Hofmnsicanten 
gewöhnlichermassen vorgestellet.*' 

9. 1715, 8. März. Arch. des Obersthofmeister- Amtes. 
Decret. 

„Johann Joseph Fux, gewesener Vice- nunmehr Neu-aufgenoh- 
mener Capellmeister Besoldung und adjuta. 



Beil. II. 9.10. 301 

Ihro Kay. May. Vnser allergaMigster Herr haben den Supplicanten 
an Statt ües jüngst Verstorbenen Ziani filr Dero Capelbneister nit allein 
auff- und angenohmen, sondern demselben auch in ansehung der Innwerths 
angezogener besonderer Vmbständen über die sonst gewohnliche Capell- 
meisters Besoldung und Papiergeld von Jährl. 2500 fl. , annoch eine beson- 
dere Adjuta von Jährl. 600 fl. (welche Jedoch ins Künftige zu keinem 
£xempel vor andere angezogen werden solle) vom 1. April dises lauffenden 
Jahrs allergnädigst placidirt, dass Er also von solchem dato vor Besoldung 
Papier und adjuta in allem 3100 fl. zu geniessen habe, und der Hoff-Con- 
tralor derentwegen ans Kay. Hoff-Zahlambt die gewöhnliche Ho£f-Ordouance 
von gedachten 2500 fl. ohne — mit Abbruch des ersten Quartals aber über 
die 600 fl. Adjuta vor selbigen aussfertigen solle. 

p. Imprm. 
Wien den 8. Martii 1715." 

9. 1715, 18. März. 

„Aller Vnthgst ghbstes Referat. Lunae 18. Martij 1715. 

Capellmeister Johann Joseph Fnx Nachsehung des ersten Quar- 
tals von der Adjuta von 600 fl. 

In diesen besonderen Betracht, dass des Verstorbenen Capellmeisters 
Ziani hinterlassene Wittib und £rben das Sterb-Quartal placidirt, und 
derentwegen dem Supplicanten, ob Er schon vorhin an dessen Stelle auff- 
genohmen worden, die darzu gehörige Besoldung mit benebens placidirten 
Adjuta erst (?) vom 1. des zukünftigen monaths Aprilis aussgefertigt 
worden , sollen demselben die gewöhnliche Hoifordonance von der Adjuta 
sowohl alss Hoffbesoldung ohne abbruch des ersten Quartals aus Kay. Hoff 
Zahlampt ausgefertigt werden. 

Vom Kay. Obhfmstramte." 

lO« 1721, 6. März. Arch. des Obersthofmeister- Amtes. 

„Allerunterthänigst gehorsambstes Bitten Johann Joseph Fux 
Hoff-Capellmaistem pr. Allergnädigste ausswerffung inberührter Kay. 
Gnade betr. 

Allerdurchleuchtigst-Grossmächtigst- und vnnberwündlichster Römi- 
scher Kaysser, auch zu Hispanien, Hungam und Böheimb König, Ertzherzog 
zu Gestenreich etc. 

Allergnädigster Kaysser, König und Herr Herr etc. 

Ich habe .die Gnade, Euer Kay. und Königl. Cath. May. und Dero 
Durchleuchtigsten Ertzhause in das sechs und zweinzigste Jahr zu dienen, 
in denen führgew^irten schweren Zeiten aber und bey meinen vielfaltigen 
dispendiosen Krankheiten nicht allein keine Mitteln, zu dem nach meinem 
ableiben benöthigten unterhalt der meinigen zusammen zu setzen, vermöget, 
sondern auch mich in schulden stecken müssen; zumahlen nun bisshero 
ausser der besoldung einige adjuta, wie vielle ander, ich niemahls genos- 
sen habe und der zustandt meiner Krankheit solchergestalten zu nimbt, 



302 Beil. II. 10.11. 

dasB bei ohne deme erschöpiften Kräfften, dem Allerhöchsten es etwa ge- 
fallig, meine tage in ktirtzen zu endigen. 

Diesemnach Euer Kay. und Königl. C'ath. May. mich zu Füssen lege 
mit der allerunterthftnigst gehoreambsten Bitte Selbde in Mildester ansehnng 
meiner langjährig geleisteten Diensten , da auch mein Weib nach meinem 
Todt einige Pension allerdemüthigst anzuhoffen hette, ein Capital, welches 
80 viel Interesse, alss eine Pension jährlich betragen wurde, für ihre Subsi- 
stenz äbwerffe, zu einer Kay. Gnade und abfertigung ausszuwerfen, und das 
behörige darfiberhin aussfertigen zu lassen , Allergnädigst geruhen wollen, 
womit ich gedacht mein armes Weib, so mir iederzeit mit sonderbahrer 
Liebe und Treue alle Httlffe erzeiget hat, sambt der von meinem auch un- 
bemittelten Bruder auferziehenden Tochter versorget zu wissen, in Lebzeit 
annoch die consolation haben möge. Zu Allergnädigster Gewehrung dessen 
mich allerunterthönigst-gehorsambst empfehle. Euer Kay. Kön. Oathol. 
Maytt. 

allerunterthänigst gehorsambster 

Johann Joseph Fux 

Hoff-Capellmaister.« 

««•1721, 6. März. 

Referat. 

„Allerunterthänist gehorsambstes , mit Euer Kay. May. Hoff-Cammer 
Pi'äsidenten , über verschiedene HoflF-Partheyen , Pensionen- und anderer 
Extragnadengesuech concertirtes Referat. 

Wien den 6. Martii 1721. Herunt. kommen d. 20. Martii 

Expd. 23. Martii.« 

„Wegen Ew. Kay. May. Hoff-Capellmeistem Johann JosephFux 
welcher sich zu einer specialen Kay. Gnadt allerunterthänigst ausgebetten 
hat, dass anstatt derjenigen nach dessen Todt vor seine nachlassende 
Wittib gewöhnliche Gnadenpension Ihme noch bei Lebzeiten derselben 
ertragnus in Capitali zur Kay. Gnadt und Abferttigung alleimildest auss- 
geworffen werden möge, umb darmit sein Weib sowohl, alss die von 
seinem leiblichen mittellosen Bruedern aulTerziehende Tochter consoliren 
und versorgen zu können. 

Von dieses »Supplicanten allerunterthänigsten Ansuchen findt sich ein 
fast gleiches Exenipel vom Domenico Ventura gewest : Kay. HoflFtanzmei- 
stern, bei dessen Lebzeiten vor die hinterlassende Wittib- und Tochter 
von Wayl. Kay. Mtt. Leopoldo glorwürdigsten andenckens die gewöhnliche 
gnadenpension wie aussgebetten , also , vnd zwar vor eine jede 300 fl, ; erst 
nach dessen Todt den Anfang zu nehmen , ao. 1695 allergnädigst ausge- 
worffen worden ist. 

Seiner im Dienst letztgewesten zweyen Vorfahren alss des Dragfai 
hinterlassener Wittib seynd zur Gnadenpension von Waylandt vor Aller- 
höchst-Emannt-Kay. May. Leopoldo vor pension und Quartiergeld ad dies 
vitae jährlich 800 fl. A* 1700 und des Ziani seinigen von Ew. Kay. Mtt. nit 



Beil. II. 11.13. 303 

allein 500 — sondern benebens seinem Bruedern Jährl. 300 fl. zu derglei- 
chen Pension allermildest verwilligt , mithin des ein- wie andern geleistete 
Dienste mit Jfihrl. 800 fl. post mortem recompensirt worden ; In welchen 
gleichwie dieser Supplicant es üien beeden, in der Capacität und Fleiss 
wo nit bevor, wenigst gleich gethan, also in deren Ansehung von £w. Kay. 
Maj. allerhöchsten milde wegen seiner man eine gleiche gnaden Bezeugung 
vor seine nachlassende Wittib in casum mortis fast zu vermuethen , dahero 
in diesem betracht , dass die Wittib solche Jährl. 800 fl. auf 10 wo nitmehr 
Jahren hinaus leicht gemessen könnte , kein Bedencken getragen hat , Ew. 
Kay. May. vor den Supplicanten, als seiner langj&hrig und fleissiger Dienste 
halber besonders meritierten Hoff-Oapellmeister dahin gehorsambst einzu- 
rathen , dass Dirne ein vor allemahl ein Capital von 8000 fl. , Jedoch erst in 
denen 4 ersteren Jahren , in Quartalsfristen zu bezahlen , eben so vill alss 
die Pension von 800 fl. in 10 Jahren austragendt zur Kay. Gnadt und Ab- 
fertigung allergnSdigst ausgeworfen werden möge.*' 

(Resolution des Kaisers) : 

„Placet" 

Decret. 

„Nachdeme Ihro Kay. und Königl. Cathol. May. Vnser Allergnfidigster 
Herr etc. deroselben wttrkhlichem Hoff-Capell Meistern Johann Joseph 
Fux in Ansehung solch seiner sowohl alss vorherig Vice-Hoff Capell-Meister 
Trey-Eyffrig zu Dero Allergnfidigster Satisfaction geleisteter Dienste, 
diese Allerhöchste Kay. Gnade verwilliget haben, dass selbigen anstatt der 
nach dessen ableiben vor die hinterlassende Wittib sonst gewöhnlichen 
Jährlichen Gnadenpension zur Gnad und Abfertigung, Ein vor allemal 
8000 fl. in denen 4 ersten Jahren mit Jährl. 2000 fl. zahlbar gereicht werden 
sollen , hat der Hoff-Contralor Ihme darflber die gebräuchige anweissung 
also an seine Behörde ausszufertigen. 

Per Imperatorem 
Wien den 23 Martii 1721.« 

i«. Finanz.-Min.-Arch. Erl. 27. Juni 1721. 

„Demnach Ihro Rom. Kay. auch in Hispanien, Hungam vnd Bäheimb 
Königl. May. Vnser Allergnädigster Herr etc. Deroselben würklichem Hof- 
Capelhneistem Johann Joseph Fux, in ansehung solch seiner sowohl 
alss vorherig Vice-Hof-Capellmaister Treu Eyifrig zu Dero Allergnädigsten 
Satisfaction geleisteten Diensten diese Allerhöchste Kay. Gnade Verwilli- 
get haben, dass selbigem, anstat der, nach dessen Ableiben vor die Hinter- 
lassende Wittib sonst gewöhnlichen Gnaden Pension, Zur Gnad und 
Abförttigung, Ein Vor allemahl Acht Tausend Gulden, in Dennen Vier 
Erstem Jahren mit Jährlichen Zwey Tausend Gulden Zahlbar gereicht 
werden sollen — Alss würdet solches Einer Löbl. Kay. Hof Cammer hiemit 
in Frenndschafit intimiret , Dieselbe belieben möge ermelte 8000 fl. Vorbe- 
riehrter Massen fflr besagten Fux gehörigen Orts anzuweissen , Inmassen 
hieran beschichet Ihr. Rom. Kay. und Königl. Catholischen Mayestät Aller- 



304 Beil. II. 13.14. 

gnädigster Will vnnd Meinung. Actum Wien den Sechs und Zwainzigsten 
Martii Anno Sibenzähenhundert Ein und Zwainzig.'^ 
Ant. Floh (?) 

13« 1727. 3. Jänner. Arch. des Obersthofineister- Amtes. 

„ Allerunterthanigst gehorsamstes Bitten Dero Hof - Capelmaisters 
JohannJosephFux pr. Allergnädigste Verwilligung einer Gnadengabe 
und derer abreichung ohne Tax betreffd. 

£uer Kay. und Kön. Cath. May. haben in Anno 1721 über mein Aller- 
unterthänigstes Bitten Allergnadigst zu resolviren geruhet, dass mir anstatt 
der sonst gewöhnlich Jährlichen Gnaden-Pension, die meine Ehewürthin 
nach meinem Ableiben anzuhoffen haben wurde Achttausend Gulden ge- 
reichet werden sollten, welche ich auch in denen ausgesetzten vierjährigen 
Terminen empfangen habe und fUr solche Allerhöchste Gnade mich aller- 
unterthänigst gehorsamst bedanke •, Ob nun wohl mir zu grosser consolation 
gereichet, dass besagt meine Ehewürthin hierunter nach meinem Todt ihres 
Unterhalts versicheret seye, so liegt mir iedennoch ob, dahin furzudenken, 
dass nachdeme ich von meinem verstorbenen unbemittelten Bruder einen 
Sohn und eine Tochter als meine eigene Kinder angenommen habe , die-« 
selbe nicht unversorget bleiben \ und zumahlen bey den Knaben ein solches 
talentum vorscheinet, dass zu hoffen stehet, er werde durch die Studia und 
andere nützliche exercitien die fahigkeit erlangen, hinkönftig zu Kay. 
Diensten employeret werden zu können, weillen er aber erst das siebente 
Jahr erreichet hat, folgsam ich bey meinem hohen alter mich nicht getrösten 
kann, ihne selbst zu erziehen — wo hingegen nach meinem ableiben meine 
geringe mittein zur education gedachten Knabens uixd zur Versorgung ob- 
bemelter meines Bruders Tochter nicht auslangen wurden; Solchemnach 
und auf dass meine langjährige Dienste auch meinen Freunden mit ange- 
deyen mögen. 

Euer Kay. und Königl. Cathol. May. mich zu Füssen lege mit der aller- 
unterthänigsten Bitte , Dieselbe geruhen in allermildester ansehung meiner 
Deroselben und Dero Durchleuchtigsten Erz Hauss von 32 Jahren hero 
leistender allerunterthänigst-Treu-gehorsamsten Diensten mir eine Gnaden 
Gabe allergnadigst zu verwiiligen und ohne Tax abreichen zu lassen. Zu 
AUergnädigster Gewährung mich Allerunterthänigst gehorsamst empfehle 
Euer Kay. und Königl. Cathol. May. 

allerunterthänigst-gehorsamster 

Johann Joseph Fux 

Hoff-Capelmaister. *" 

t«. Referat. Wien den 29. Aprilis 1727. exp. 10. Mai 1727. 

„12" hat Euer Kay. May. Hoff-Ci^ellmeister Johann Joseph Fux 
für die anstatt der Pension, so seine zukünfftige Wittib nach seinem Todt 
zu hoffen gehabt haben würde, Ihme a*^ 1721 mit 8000 fl. in ausgesetzten 
4jährigen Terminen allermildest angeschaffte und bereits abgeführte Gnad 



Bell. II. 14. 305 

sich alleninterth&ugBt bedanket, anbey aber gehorsambst gebetten, weilleii 
er seinea Veratorbenen ohnbemittelten Bmders hinterlaaaene zwey Kinder, 
einen Sohn und eine Tochter an Kindesstatt anffgenohmen bey aeinen albe- 
reits habenden hohen alter aelbige -aelbst zu erziehen nicht Hoffen könne, 
bevorab den Sohn , alss der erat 7 Jahr alt wäre , jedoch ein eolchea talen- 
tum hätte, daaa aUerdinga zu hoffen, £r werde aich durch excolimng deren 
Studien und anderen nützlichen ezercitien zu Kay. Dienaten mit der Zeit 
fähig machen; nach aeinen dea Supplicanten Todt aber zur education dieaea 
Knabens und Veraorgung deaaen obgedachter Schweater aeine geringe Mit- 
tel nicht aualangen wtirden, daaa Ihme in anaehung 32jährigen Dienaten eine 
Gnadengab allergnädigat verwilligt, und ohne Cameral-Tax und Abzug 
abgereicht werden mögte damit aeine langjährige Dienate auch aeinen 
Freunden mit angedeyen mögen. 

Die gehorsbate Concertationa Ooon hat zwar dea Supplicanten be- 
aondere, ganz offen kündige yirtü, nebet aeinen aeither a* 1698 (da Er alaa 
ein guter Virtuoao und Compoaitore vom Anfang aelUgen Jahrea aufge- 
nohmen worden) zu voUatändigfer Satiafaction geleiateten guten Dienaten 
und andurch erworbenen Meriten gar wohl erkannt, wie auch, daaa zuweillen 
deren veratorbenen Capellmeiaterdienate und meriten bey. und ihren 
Wittiben , Kindern und angehörigen mit einer gröaaeren penaion allergnä- 
digat erkant und belohnt worden, alaa nicht daa intereaae von obigem, 
dem Supplicanten bereite a** 1721 allermildeat angewieaenen quanto deren 
8000 fl. auatraget, alaa welchea auch gar zu 6 per 100 gerechnete mehrer 
nicht alaa nur 480 fl. jährlicha abwirffet; maaaen 1* der Capellmeiater 
a** 1674 in Anaehung aeiner dSjähr. Dienaten noch bey aeinen Lebzeiten 
dieae Gnad erhalten, daaa die mit 60 fl. monatliche fltr 2 aeiner Söhne ge- 
noaaenen Scholarengelter nach aeinen Todt für 5 aeinige Söhne dergeatalt 
continüirt werden aollen, daaa 4 darvon jeder monatliche 10 fl., der fünfte 
aber 20 fl. haben aollen, ao 720 fl. jährl. auaagetragen. 2* deaaen Succea- 
aoria Johann Heinrich Schmelzer'a Wittib a* 1680 in Anaehung dea Ver- 
atorbenen langwieriger guter Dienaten, für aich und ihre drey Kinder eben- 
falla 720 fl. penaion zwar zu gleichen Theilen , jedoch dergeatalt auaage- 
worffen worden, daaa einea etwa aterbenden Theill dem aerario gleich 
wieder zurückfallen aollen ; 3* deaaen Nachfolgera Draghi Wittib a* 1700 
wegen dea Veratorbenen 42jährigen Dienaten anatatt einea Quartiere 200 fl. 
und pro penaione 600 fl. jährlicha ad diea vitae angewieaen, darvon auch 
a* 1710 poat mortem matria der Tochter, die Halbacheid mit 400 fl. biaa zur 
Standea Veränderung continüirt, alao auch von Ew. Kay. May. unterm 
14. Febr. 1713 allergnädigat conflmiret; 4* aber dea letztveratorbenen 
Capellmeiatera Ziani Dfenat, die doch nur 15 Jahr, daa iat a 1* Aprilia 1700 
biaa gegen aelbige Zeit 1715 gedauret, nach deaaen Todt in der Wittib mit 
500 fl. und in aeinen Hinterlaaa^nen mittelloaen Bruder mit 400 fl., alao in 
totum mit 900 fl. penaion Jährlicha recompenairet worden. 

Jedoch aber weilen 1" dem Supplicanten wegen aeiner langwierigen 
guten Dienat nicht allein zur Veraorgung aeiner zukünfftigen Wittib , aon- 

Köehel, J. J. Fax. 20 



306 Beil. II. 14. 

dern auch eben dieser seines mittelloss verstorbenen Brjiders aufferziehen- 
den, anietzo dem Vernehmen nach schon genugsam erwachsenen, und bereits 
heyrathsmässigen Tochter anff sein in Abschrifft anverwahrtes selbsteige- 
nes Supplicatum sub D und das extractive anliegendes Concertations-Com- 
mission^-Gutachten sub E eine so namhaffte Gnad und Abffertigung von 
8000 fl. durch das sub dieta lit. £ ebenfalls befindliche Decretum bereits a' 
1721 allergnüdigst verwilliget, angewiesen, und zu seinen bissherigen Ge- 
nuss auch aussgezahlt worden, ohnerachtet es gleichwohl annoch ohngewiss 
wäre, und auch noch zu dato ist, ob nach Gottes Willen Er, oder aber 
seine Ehe-Consortin und Bruders Tochter vorauss sterben werde, weich- 
letztem fallss der pensions Last auf Ew. Kay. May. nicht hätte kommen 
können. 2* aber zu consideriren , dass die , auss diesem nach des supplici- 
renden Capelhneisters selbst eigenem Verlangen, Ihme respectu seiner zu- 
künfftigen Wittib- und Mahm zur Gnad vnd Abfertigung, wegen seiner lang- 
wierigen Diensten bereits a* 1721 mit 8000 fl. angewiesenen Capitals, biss 
anhero schon genossene , vnd annoch künfftighin biss zu seinem erfolgten 
Todt, weiters ziehende Interesse von Jahr zu Jahr mehrers vergrössem, 
3' aber dass , wann schon auch bey dem ktUifftigen Todesfall die Interesse 
dieses Capitals das quantum deren, anderen Capellmeisters Wittiben und Er- 
ben mit 800 fl. oder gar 900 fl. ehedessen allergnädigst placidirten pension, 
noch nicht eiTeichen sollten, die Capitals Summ gleichwohl des Capellmei- 
sters Erben, es möge bei seinem Todt eine Wittib vorhanden sein oder nicht, 
ewig verbleibe, wo hingegen die pensiones bey deren Wittiben Absterbung, 
oder jedoch sonst intra/^ertum tempus dem aerario wieder zurück- und an 
heim fallen ; 4" der Supplicant seither a* 1715 da Er würcklicher Capellmeister 
mit 3100 fl. jährlichen Genusses worden, jährl. 600 fl. mehrer, alss jemahls 
ein seiniger Vorfahrer genossen , so in dieser 12jährigen Zeit mit znschla- 
gung des Interesse wiederumb gegen 8000 fl. austraget; 5* diese neue 
Gnadengab vbn dem Supplicanten pur allein zur Erziehung- und Versorgung 
seines verstorbenen Bruders hinterlassener, von Ihme adoptirter zweyer 
Kinder anbegehret wird, da doch die Tochter aniezo nicht mehr in consi- 
deration kommen kann, weillen zu ihrer und der zukUnfftigen Wittib Ver- 
sorgung bereits a* 1721 die 8000 fl. Gnad- und Abfertigung verwilliget wor- 
den, wegen des adoptirten Knaben aber, alss welcher noch jüngst Todts 
gefahrlich krank darnieder gelegen, es noch, dessen Jugend ohngehindert, 
eben so wenig, alss wegen des Capellmeisters Ehe-Consortin und adoptirten 
Tochter gewiss ist, ob und wer einer den andern überleben oder aber 
vorsterben werde, 

Abs hat bey solchen umbständen- und gegenwärtigen schweren con- 
juncturen die gehbste concertations-Conmiission sich keineswegs getrauet, 
zu des supplicirenden Capellmeisters allerunterth&nigst augesnchten, Ew. 
Kuy. May. AUergnädigster Beurtheilung und Willkühr jedoch , tam ratione 
temporis, quam quanti et modi, lediglich überlassender weiteren oder neuen 
Gnaden Gaab allerunterthänigst einzurathen. 

(Ohne Resolution des Kaisers.) 



Beil. II. 15. 16. 307 

t6. 1733, 9. April. Arch. des Obersthofmeister- Amtes. 

„Alleranterthänigst gehorsambst bitten Dero Hoff-Capelbneisters 
Johann Joseph Fnx. 

Ener Kay. und Königl. Cathol. May. geprisene Milde veranlasset mich, 
Deroselben allemnterthfinigst vorzutragen, wassgestalten, nachdeme durch 
den mittellosen Stand meines in Nieder Steyermark zu Hirtenfeld haussässig 
gewesten Bruders bewogen worden bin, von dessen nachgelassenen Sieben 
Kindern zweye, nemlich einen unmtlndigen Sohn und eine Tochter als meine 
eigene Kinder anzunehmen , ich zu dererselben guten erziehung, insonder- 
heitlich um den Knaben, forderist in dem Studio latinitatis, dann auch in 
der Musik auf dem Cymbalo zu unterrichten, bisshero nicht geringe Unkosten 
aufgewendet habe ; wie zumahlen nun sotiianer Knab, nahmens Matthaeus, 
bei welchen ein besonderes talentum hervorscheinet, erst das dreyzehente 
jähr erreichet hat, mithin ich in betracht meines hohen alters , und allschon 
sehr geschwächten leibskräfften, ihne selbst gänzlich zu erziehen, auch 
keineswegs getrosten mag: nach meinem ableiben aber meine übrig blei- 
bende, und durch die bekostung der erlittenen vielfältigen Krankheiten um 
ein namhaftes geminderte mittein dahin nicht auslangen wurden, dass hier 
von sowohl die von mir angenommene und annoch unversorgte obgedacht 
meines verstorbenen Bruders Tochter ihren nOthigen unterhalt haben , als 
auch der Knab Matthaeus seine Studia dergestalten, wie er darinfalls 
biss hieher mit gutem progress angeführet worden ist , fortsetzen könnte ; 
Solchemnach 

Euer Kay. und König. Cath. May. mich zu ftissen lege , mit der aller- 
unterthänigsten bitte, Dieselbe in allermildester ansehung meiner Ihroselben 
und Dero Durchleuchtigsten Erzhaus als Musices Compositor, Vice- und 
würklicher Capellmeister in das vierzigste Jahr leistenden allerunterthänigst 
treugehorsamsten Diensten , mir zur letzten Gnade (massen Ew. Kay. und 
Königl. Catholische May. nach meinem Tod niemand der meinigen um einige 
Gnaden-gab mehr behelligen wirdet) ermelten von mir an ^indesstatt ange- 
nommenen meines Bruders Sohn Matthaeo Fux , zu desto besserer prose- 
quirung deren Studien , biss er sich zu einer Dienstelle fähig machen und 
andurch aus höchster Kay. Clemenz zu seiner Versorgung gelangen möge, 
jährlich etwas auszuwerfen, allergnädigst geruhen wollen. Zu allergnädig- 
^ter Grewährung mich allerunterthänigst 

gehorsamst empfehle 
Johann Joseph Fux, 
Hof-Capellmeister. ^ 

te« 1733, 29. Juli exp. 18. August. 

Keferat des Obersthofmeister- Amtes und kaiserliche Resolution 
29. Juli 1733. exp. 18. August. 

„32'* hat mehr und ofTt wiederholter Hoff- Capell- Meister Johann 
Joseph Fux, mittels einer allerunt. Bittschrifft angebracht, wie dass 
er wegen MitUosen Stands seines in nieder Steur Marck behaust ge- 

20* 



308 Beil. II. 16—18. 

we8t«n Bruders bewogen worden seye, von seinen nachgelassenen 7 Pu- 
pillen einen ohnmQndigen Sohn Matthaeum und eine Tochter an Kindesstatt 
aufzunehmen, und selbte alss seine eigene Kinder zu erziehen. Zumahlen er 
nun auff Sie y forderist aber auff den Knaben , wegen seines guten Studij 
latinitatis und zeigender progressen in cymbalo solche Unkosten auffge- 
wendet hätte , dass Er die billige Beysorge tragen könte : es wurde nach 
seinem bald bevorstehenden Todt , die durch solche unterweiss- und erzie- 
hungstkosten und zuforderist durch alstäts erleidende ohnpasslichkeiten 
sehr erschöpfte Mittel zu dieser seiner adoptirten Kindern benöthigten unter- 
halt nicht hinlfinglich seyn; alss wollte Er Euer Kay. May. allerunterthanigst 
gebetten haben; dass Allerhöchst Selbte, clementissimo intuitu, seiner alss 
compositore , Vice - und würkl. Capellmeister in die 40 Jahr lang leisten- 
der Diensten, wie auch dass nach seinem Tod niemand deren seinigen 
Euer Kay. May. umb etwas behelligen werde , Ihme zur letzten gnad für 
erdeuten (sie) seinen Sohn Mathaeum zu besserer prosequirung seiner 
Studien eine jährL Gnadens Provision in so lang allergnädigst verwilligen 
möchten biss selbter sich in stand, sein eignes Brod gewinnen zu können 
auss allerhöchsten Kay. gnaden gesezet zu seyn sehen wurde. 

Da dieses Snpplicantens aufhabende merita ohne deme sattsamb be- 
kant seynd , hat die treu gehorsamste Concertations-Commision occasione 
dieses seines petiti Euer Kay. May. nur so viel in unterthänigkeit zu erin- 
nern : dass er A* 1715 einen Jährl. gehalt von 2500 fl., dann eine jährliche 
Adjuta von 600 fl. sine consequentia pro successoribus und A* 1723 auss 
£u. Kay. May. allerhöchsten Gnaden ein Capital von 8000 fl. auff einmal 
überkommen, und anmit besagt: gehorsambst Commission zu glauben 
ursach gegeben habe, dass Ihme Supplicanten gnad genug seyn könnte 
wan Euer Kay. May. seinen adoptirten 13jährigen Sohn Matthaeo nicht 
iezo gleich , sondern a die des Supplicirenden Capellmeisters erfolgenden 
Todtfahls biss zu dess Knabens sich ergebender Yogtbahrkeit jährl. 400 fl. 
allermildest zu verwilligen, ein allergnädigstes Belieben tragen würden." 

(Eigenhändige Resolution des Kaisers:) 

„„Soll ihm, was ein Scholar gehalt erhält geben wer- 
den«^ 

1 ». Fin.-Min.-Hofprotokoll 1700. fol. 78. 

„Fux Johann Joseph Kay. Musicus Compositor, remonstrirt 
seine Etlich jährl. treu Eyffrige Hoffdienst, Mit gehors. Bitte Ihme einstens 
mit einem Kay. Hoffqnartier in Gnaden anzusehen. 

Bschaidt : 

Wan der Supplicant auf ein würkl. vacirend, und seinen Dienst gezie- 
mendes quartier künfftig zaigen würd, solle seiner vor auch gedacht wer- 
den .dt. Wien den 29. Martii ao. 1700.« 

19. Fin.-Min.-Hofprotokoll 1702. fol. 163. 

„Fux Johann Joseph Kay. Musices Compositor sagt, dass er 
schon einige Zeit ohne Quartier seye , mit gehors. Bitte , weillen er Ver- 



Beir.ll. 19—21. 309 

standten, dass in des Paul Kauz, Barbierer Hauss auf dem Neumarkht die 
Frey Jahr negstens expiriren, Ihme hierinnea sein Quartier gnädig zu 
assigniren. 

Bschaidt : 

Fiat y nach verflossenen Kay. Bau Frey Jahren , dem Kay. Hoffquar- 
tiermaister Vnd hoffourier, hiemit auflfzulegen , wie gebetten etc. Wien den 
7. Dec. So. 1702. 

!•• Fin.-Min.-Hofprotokoll 1715. fol. 129. 

Fux Johann Joseph Kay. Hoff Kappelmaister meldet , was ge- 
stalten der Von Imbsen mit einen andern Hoff Qttier Versehen, undt ihme 
sein vorheriges in der Weinburg in des Weyl. Martins gewesten Schnei- 
dermeisters Hauss anständig wäre er also gehors. bittet , solches gdgst. zu 
conferiren. 

Beschaidt: 

Fiat y den Kay. Hoff Qtiermeister und Hoffouriren auferlegt wie ge- 
betten. Wien 20. Juli 1715. 

AFz. Schwarzenberg." 



Fin.-Min.-Hofprotokoll 1719. fol. 123. 
,,Fux Johann Joseph Kay. Capelmaister bringet gehorsambst bey, 
dass durch zeitliches Hinscheiden des Kay. Hoff Cammer - Rathes Hr. v. 
Hayne sein Hoffquatier in den sogenannten goldenen Bern an alten Fleisch- 
markht erledigt worden, und zumalen er in seinen in den Pockischen Hauss 
in der Weihenburggassen nicht subsistiren kann , umb Weilen durch des 
Nachbarn Gebau in den Eingang dass Liecht entzogen worden ist. Gelangt 
des Supplicanten Vnterthänige Bitte ihme das obbenannt eröffnete Hoff- 
quartier Vor andern gnädigst zu conferiren. 

Beschaidt : 

Den Kay. Hoffquatiermcister und Hofffourieren aufgelegen wie ge- 
betten. Dat. Wien v. 23. October 1719. 

AFz. Schwarzenberg." 

■ 

«I. Fin.-Min.-Hofprotokoll 1741. fol. 22. 

»Fux Joseph Hoff Capellmeisters Seel. Erben , bitten in Ansehung 
ihres abgelebten Vetters seel. langjähr, treugeleisten Diensten ihnen den 
Kön. Hoff. Qtiers-Genuss bis kiinfftigen Michaely zu verleyhen und gemes- 
sen zu lassen. 

Beschaidt : 

Denen Supplicanten wird der ingebettene Kön. Hoff Qtiers Genus 
(wegen übel entstehenden Cansequentien) bis ktinfitigen Greorgy instehen- 
den Jahres hiemit gnädigst verwilligt. Act. Wienn, 8. Martii 1741. 

HF. Auersperg.« 



310 Beil. II. 33.33. 

SS. Fin..Min.-£rl. 29. April 1741. 

„Demnach Ihrer Rom.. Kay. aach in Hispanien, Hungam umd Bö- 
heimb König. Cathol. May. Caroli 6*' unsersAllergnädigsten Herrn etc. Christ- 
mildesten angedenckhens gewesten Hoff Capellmaister Johann Joseph 
Fux dieses zeitliche geseegnet, Alss würdet solches Einer Löbl. Kay. Hin- 
terlassenenHoff Cammer hiemit in Freundschafft intimirct. Dieselbe Belieben 
möge mit Ermelten Fux nachgelassenen Erben seiner Jährlich per 3100 fl. ge- 
habten Hoff Besoldung und Adjuta halber Bis den Vierzöhenden Februarij 
inclusive gegenwärtigen Jahrs die gewöhnliche Abrechnung zu pflegen 
gehörigen Orths anzudeutten , Massen hieran Beschichet Ihrer Kön. May. 
unser Allergnädigsten Frauen Willen und Mainung^ Actum Wien den 
Achtzöhenden Februarij Sibenzöhenhundert Ein und Vierzig." 

Rudolph Gf. Zinzendorf m./p. 

• 

SS. 1725, 30. October (Copia). 

Aussen : ^ An 

Ihro Hochgräffi. Excellenz, den Hochgebohmen Herrn Sigmund 
Rudolph des heil. Rom. Reichs Erb-Schatzmeister und G raffen von 
Sinzendorff, Burggraffen zu Rheineck, ErbsQhenken in Österreich ob 
der Enns etc. der Rom. Kay. May. Geheimben Rath, General-Feldmarsch^ill- 
Lieutn. und Obristen Hoffineistem, grand d'Espagne und Ritter des gülde- 
nen Yliesses vnterth. gehorsambstes Bitten 

Johann Joseph Fux Kay. Hoff-Capellmeisters 
pr. inberührt Gdge. protection betreff.* 

Innen ; 

„Hochgebohrner Reichs Graff. Gnädig Hochgebiettender Herr. 

Obwohl Euer hochgräffl. Excellenz mit Klagen ungern behellige, 
gleich dessen ungehindert verschiedener hierzu gehabten beweglichen Yr- 
Sachen mich bisshero entschlagen habe, so kann jedoch, nachdeme mir 
immer grössere Beeinträchtigung zugefÜget wird, nicht länger, und umb 
so weniger an mich halten, Deroselben dasjenige, wormit mich beschweret 
befinde, gehorsambst vorzustellen, alss auch dissfalls durch die hiebey- 
liegende Instruction */. veranlasset werde, worinen articulo 13* enthalten ist: 
dass wan der Capellmeister in einem oder anderen aggraviret wäre, den 
Kay. Herrn Obrist-Hoff Meister umb abhelffliche Maass angehen solte, 
Dahero der unterthänig. Zuuersicht bin, Ew. Hochgräffi. Excellenz diessen 
Gehorsambsten Vortrag nachfolgend meiner Beschwerden Gnädig an- 
gesehen werden. t 

Von der Zeit an, dass des Herrn Principe Pio Ex' die Carica alss 
Protector der Kay. Musique angetretten haben, wäre auss dem, von Der- 
selben öfftermahlen gethanen Versuch, und allerhand eingriffen, die mit 
stillschweigen übergehe, sattsamb abzunehmen, dass Ihre Absicht dahin 
gerichtet, den Capellmeister zu unterdrucken, und dessen von verschiedenen 
Kay. Majestäten befestigte, und in ruhigen Besiz hergebrachte Gerechtig- 
keiten über den hauffen zu werffen ; wie den Hochgedacht Herrn Principe 



Beil. II. 33. 311 

Pio £z' mit der Ihro zuständigen Protection, und Besorgung des Ka^. 
Theatri nicht znfriden, auch die direction der völligen Musique , die von 
Niemand alss einem in arte perito der gebühr nach versehen werden kann, 
wider den gebrauch an Sich zu ziehen trachten, und lauth hieran verwahr- 
ter abschrifft eines mir iüngsthin zugeschickten bigliets Sich alss ein Capo 
der ganzen Kay. Musique benennen, wohin gegen in obbemelter von Ihro 
ELay. May. Leopolde Glorwtlrdigsten angedenkens herabgegebenen und von 
der jetzt glorreichest Begierenden Kay. May. auff Mein einsmals besche- 
hene allerunterth. anfrage, allergdst gutgeheissene Instruction eodem arti- 
culo 13® die Capellmeister für Capi der Musique erkläret seynd, welcher 
Ihnen zugeeigneter Character umb so mehr bekräftiget wird, als Sie Capell- 
meister der gesambten Musique vorgestellet worden und der erstere beay- 
diget ist: in dem ganzen enthalt aber iet^t besagter Instruction von dem 
jeweiligen alss Protector der Musique angestellten CavaUer keine Meldung 
gemacht ist. Allein zur Abfassung sothanen bigliets ist der anlass genom- 
men worden, umb willen Ich dem Kay. Organisten Georg Reinhardt eine 
Reisse nacher Prag zu thun, umb allda bey den heil. Joanne Nepomuceno 
seine Andacht verrichten zu können, die bey mir angesuchte erlaubniss 
gegeben h9be;.wie dan des Hm. Principe Pio £z* daiüber hin Ihre Andung 
dergestalten bezeiget, dass Sie dem benannten Organisten dessentwegen 
mit dem arrest gedroht haben, nicht zwar auss Eyffer für die Kay. Dienste, 
die durch solche ab Wesenheit, indeme ein überfluss an Organisten dermals 
vorhanden ist, nicht gelitten, sondern allein umb den Capellmeister hier- 
unter zu kränken, alss ob derselbe derlei erlaubnuss zu ertheilen nicht be- 
fugt wäre; da doch nicht allein ich alss 30jähriger Diener sondern noch 
ältere Musici bei ihren gewissen bezeugen mögen, dass der Capellmeister, 
oder in abgang dessen der YicerCapellnieister einem Musico auff eine kurze 
Zeit zu verreissen, hat erlauben können, alss welchen am besten die Zeit 
und gelegenheit bewusst ist, wie und wann solches ohne Nachtheil der Kay. 
Dienste sich thun lasse. Ohne .Zweiffei auch auss dieser Vrsache, damit Ihro 
Kay. May. mit dergleichen Kleinigkeiten nicht beunruhiget werden, und auff 
das derienige, so die Musicos zur Schuldigkeit anhalten mus, ihnen auch 
eine ergözlichkeit zu verstatten beuollmächtiget seye. Es möchte vielleicht 
eingewendet werden, alle derley Vor- und eingriffe geschehen darumben, 
weilen der Capellmeister nicht ieder zeit im stand seye, dem Dienst vor- 
zustehen, welches Ich zwai* bekenne, und höchstens betaure, zu diessem 
Zill imd ende aber und dessen Stelle zu vertretten ist derVice-Capellmeister 
ein Mann von grosser Virtü und Capacität angestellet. Bey diesser der 
Sache mir billig zu gemüth steigej^den Bewantnuss : 

Gelangt an £w. Hochgräffl. Excellenz alss hoche Instanz mein unter- 
thänig, gehorsamb- und angelegenstes Bitten, dieselbe geruehen die ge- 
druckte Capellmeister in Dero hochen Schutz zu nehmen, und bey Ihro Kay. 
May. ausszuwürcken, d<amit Sie Capellmeister bey Ihren alten zu Besorgung 
des Kay. Dienstes so nothwendigen gerechtigkeiten gehandhabet werden, 
und ich meines geringen orths von denen mir nachkommenden den üblen 



^^^ Beil. II. 23.24. 

nachklMg, d«. unter meinem M^^terio ein- so anderes abgebracht wor- 
den, mcht z« be&hren habe. Solte aber Ihrer Kay. May. aUergdpit^ri^l 
und wiUe seyn, d«« diese umbgekehrte administition ihren forSTn* haS 
so unterwerflfe mich mit Tieffester Demuth Dero allergdgBten ^olun^' 

;^e riSen'el;^ ''''"" ^^^'^ "'^'"«' Vorfahren fthigkeir^iÄ 
«ze die Ihnen ertheilte praerogatiyen zu geniessen unwürdig seye- ob- 

^^^l^^^'.'^T •'*"'*' -»'^««fe»-» - haben erachtl iTJch 
Ätft f: h"*; ""^ ^^- "*^- «««""»^^rtb^rBt- «rehbst bittet«, 
STh znlh f "' "^ ^' Gereehtiglceiten dem Capellmeiste; 
h^lh w r 1 ""'^ «•»«re««met bleiben wurden, auff dass ich mich 

J^^e TorTc,«" rr*';'"'^" "•""'■" "*"'^'*«"'« ''«^^'>*«" Zustand nicht 
«ne morbhca ,on über die andere leyden mttsste, sondern die noch flbrigc 
wenige Tage m gewünschter Ruhe beschliessen möge 

Zu GnSdiger Gewehrung mich unterth. gehbst. empfehle 
Euer HochgrSflI. Excellenz 

unterth. gehorsambster 
Johann Joseph Pux, 

1 7QR an n . V „ .. ^"y- Hoff-Capellmeister. 

1725. 30. Ootober. (Beil. zu ts.) 

nCopia. 

II Ppe Pio riy. dio". il Sig". M'~. di Cap". Gio". Gius-. Pux e le fa 
«apere, come 1' Aug»-. Imp". commanda, che di qui avanti ninno dipendente 
aeiia tes«. Musica possa assentarsi dal Ces«. Serviggio senza consaputa di 
cm «crive, il quäle come Capo della Musica deve rendere conto all' Ang~ de 
suoi subordinati, non avendo egli mai concesso il permesso ad alcuno di 
pemottare faori, senza preventira consaputa e beneplacito della M". 8na il 
dl cm ordine avendo adempito ecc/« 

»«. Verhaltbefehle für die kais. Hofkapelle. (Abschrift in 
dem InstrucHonsbuch des k. k. Obersthofmeister-Amtes.) 

»?««>«, che voglio. siano sempre dal mio Maestro, o vice -Maestro 
dl Cappella, e da' miei Musici inviolabilmente osservati. 

l*. Che il Maestro, o vero in sua vece, o mancanza U vice-Maestro di 
Cappella debba procurare in ogni miglior forma il mio buon servizio eon 
insmuare la dovuta diligenza e pontualit* a' Musici. 

2«. Che abbiano a cuore i di loro interessi et utili, con sollecitare ge- 
neralmente le loro provisloni, e procurare particolarmente ancora quelle 
grazie, che suol concedere la mia Clemenza a chi le merita o per distinzione 
dl talento o per diligenza di servire senz» lasciarsi trasportare da parzialiti 
m favore, o vero da passione verso di chi sia, accioche il mio servizio non 
venga pregiudicato e la loro coscienza non resti aggravata. 

3*. Che mantenghino bnona, sincera e cordiale amicizia con tutti li 
Musici, onorando e rispettando ogn' uno. 

4*. Che nascendo qualche disparere fra essi, o vero fra questi, e l'uno 
e l'altro, debbano procurare, di componere tutto amichevolmente con 



Beil. II. 34. 313 

Cristiana eqniti, cercando, che resti pienamente soddisfatto, chi fosse 
offeso. 

5*. Che sia lor cura particolare 11 disporre delle composizioni, che si 
devono produrre tanto in chiesa quanto in camera in conformitii del tempo 
e del luogo, oome lo stimeranno piü a proposito p'er il mio Cesareo Servizio^ 

6*. Che ciaschednno de Musici debba pontualmente venire al buo Ser- 
vizio ed a quell' ora, che gli sarä intimata, aspettando (come loro dovere) 
il mio commodo , e che niuno di essi parta avanti che sia intieramente ter- 
minata qua! si na funzione senza saputa del Maestro o vice -Maestro di 
Cappella. 

7*. Che quandof alcuno di essi fosse legitimamente impedito di venire 
al suo servizio, debba farlo sapere al Maestro di Cappella, e -quello al vice- 
Maestro, acciö possa V uno e V altro disponere le cose e rimediare alle man- 
canze, che occorressero. 

8*. Che ognuno de Musici debba senza contradizione accettare e can- 
tare quella parte, che gli verrA data, senza riflettere a primo o secondo, 
che cosi richiede il mio servizio e che lo commando assolutamente. 

9*. Che tutti li Musici debbano cantare ne' ripieni ed al libro grande 
di Cappella, acciochö il Servizio Divino (per quäle fb principalmente da' 
miei Augnstissimi Antecessori instituita la Musica e da me mantenuta) 
venga osservato col debito decore e possa meglio impraticarsi, chi non fosse 
per il passato applicato a tale esercizio. 

10*. Che debbuno li Musici in tutte le funzionl stare col debito ris- 
pettD, ma particolarmente u quelle della Chiesa, con osservare la piü 
profonda riverenza al Sacro hiogo e stare ben attenti, per rispondere pon- 
tualmente al sacerdote celebrante quello che occoire, n6 divertirsi con dis- 
corsi inutili, acciochö non succedatio scandali nel tanto importante servizio 
di Dio. 

11*. Che non sia lecito a veruno de' Musici mancare a Servizij ordinarij 
Bul pretesto delle recite ; riserbando a me solo 1' arbitrio di dispensarli da 
medemi alcuni giomi avanti 1' operazione, acciochö possano finire d'imparar 
la parte e mettersi in ordine per tal funzione. 

12*. Che gli Btromentisti tutti risarcischano la passata negligenza con 
una esatta pontualitü nell' awenire e siano obligati a richiesta del Maestro 
o vice-Maestro di Cappella impiegarsi in Cesareo servizio con ogni sorti di 
stromenti, de' quali hanno prattica ; aneorche la loro ordinanza non esplichi, 
che una sorte di stromento. 

13*. Che coltivino fra essi una buona sincera cordialiti ed unione, col 
portarsi vicendevolmente il dovuto rispetto e pratticar 1' istesso col Maestro 
e vice-Maestro di Cappella come loro Capi da me istitiiitigli , e se acca- 
desse mai alcun disgusto o mala sodisfazione fra essi, ed il Maestro o Vice- 
Maestro di Cappella, debba, chi si trovasse aggravato, ricorrere al mio Mag- 
giordomo Maggiore, che come loro Superiore havrä la piena autoritä di 
componere le loro differenze e far ragione ad ogn' uno. 



314 Beil. II. 25. 36. 

14*. Che tutti qnesti punti vengano inviolabilmente osservati essendo 
tale ü mio ordioe positivo ed espresso. 

LeopolduB (I.;^ 

Sft. 1729, 23. Juni. 

„Berichterstattung, Auf die Frag, ob für die Capellen ein Calcanten- 
Adjunct nötig seye. 

Weillen vor diesem die Dienste durch zwei Calcanten allein verrichtet 
and erst 1717 Ihnen ein Adjunct, nemblich Ferdinand .Römer, ieziger 
anderter Calcant mit 120 fl. zugegeben worden ist , scheinet dieser Dienst 
unnötig zu sein. 

Worauf gehorsambst geantwortet wird , dass dieser Calcanten Dienst 
niemallen durch die Calcanten allein hat können verrichtet werden, sondern 
iederzeit mit beyhilf ihrer geseelen. 

Nun ist bekant dass die gesöllen nit immer bey einem Maister ver- 
bleiben, sondern von einem zum andern wandern, mithin öffters neue leyt, 
so keinen brauch wissen können, in die Capellen kommen seind ; auch, wie 
bekant, die gesöllen gemeiniglich liederlich, und nachlässig seind. Ist fiir 
gut und nöttig befunden worden, dass ein Orgimacher Adjunct mit der Or- 
dinanz und geringer besoldung aufgenommen wurde, welcher, da indessen 
der Calcant zum Tafeldienst zu richtet, und das Cimbalo stimmet, beständig 
bey der Orgel bleibe, die blassbälge aufziehe, und, so ungefehr an der Orgel 
etwas fellete , gleich es in meiner gegenwarth geschehen, er adjunct in in- 
stant! gleich zu helffen wisse , und also nach und nach den Dienst und die 
breuch lehre, damit er bey sich erreigneten fahl in die würkhliche Cal- 
canten Steelle einrukhen könne : aus welchen dan auch abzunehmen ist, 
dass zu Vertrettung der Calcanten-Adjuncten Steelle unumbgänglich em 
Orgl Macher erfordert werde. 

Und weillen das Sistema modernum musices von etlichen iahren her 
sich fast verändert hat, und hirzue mehrere Musici erfordert werden, ist nit 
zu bewundern , dass auch mehre Dienner für die Capellen nöttig befunden 
worden; welches auch von dem Instrum enten-Diener und Lautenmacher- 
Adjuncten zu verstehen ist. 

Und dieses zu gehors. berichts erstattung 

J. J. F. C. M.« 

«e. 1733, 6. März. 

(An Ferd. Graf Lamberg, Cavaglier Direttore della Ces. Musica.) 

„An Ihro Hochgräfliche Excellenz ! 

Zufolg von £ur Hochgräfl. Excellenz in genaden an mich ergangenes 
Decrets die Contraltisten Navetschanin und den Orgimacher Giovanni 
Moy BÖ betreffend erstatte femer gehorsamben bericht, dass 1" mir wohl be- 
wust seyn , dass er Moyse 2 Cimbala zu dem Prinz Pio habe hingestellet, 
welche eine Zeit lang biss zu Deroselben abreiss von hir aldorten stehen 
verbliben, nachgehends aber von Ihme Moyse widerumb abgehoUet, und 



Beil. II. 37.28. 315 

mithin niemahlen nach Hof gekommen seind nnd weillen dennallen bey Hof 
an Cimbaln kein abgang ist; wan sich auch mitler Zeit einer eussero solte, 
linde ich nicht , warumb die Hoforglmacher , welche weit feiner und besser 
arbeiten, solten praeteriret werden, alss erachte unnöttig zu sein solchen 
Cimbaln ferner nachforschen. 2" Die Navetshanin belangend habe selbe 
abermahl angehöret und befunden, dass selbe nit allein eine ausgebige, 
pastose und wohlkh'ngende stimbe habe, sondern auch bereits mit feiner 
arth singe , dergestalten , dass sofern Ihro Kay. May. eine Scolarin aufzu- 
nemen a. g. gesinet seind ; ist meine wenige mainung, es möchte diese Na- 
vetshanin vor allen cindern umb so vil mehr a. g. erküsen werden , alss an 
Altistinen ein merklicher Abgang sich befindet. So vil zu Vollziehung £ur 
Hochgräfl. Excellenz befelch habe ich zu berichten nöttig befunden. Im 
übrigen zu dero hohen genaden und prottection mich empfehlend 
Euer Hochgräfl. Ezcellenz 

unterthänig-gehorsamber 

J. J. Fux 

Capel Maister.^ 

S9. 1711, 3. Sept. Arch. des Obersthoüneistet-Amtes. 

Die Königliche Majestät hatte befohlen, „dass man die Kay. HofsUtt 
reduciren solle« und die Hof-Conferenz referirt an die Kaiserin-Regentin, in 
welcher Weise diese Reducirung statthaben könnte und sagt in Hinsicht 
der Hofmusiker: 

„Denen Mosicis weren nur dieienigen zu behalten, welche die besten 
seint, und allein zu dem Capeldienst erfordert werden, die übrige, wie auch 
die Cantatricinen, Compositori, Vnd wass zu denen Theatris gehöret, 
zu licentiiren." 

«9. 1711, 11. Sept. 

In dessen Folge ergieng folgender Auftrag an den Vice-Kapellmeister 
Ziani. 

„Dero auch hinterlassenen Vice-Capelmaisteren Marco-Antonio 
Ziani hiemit anzudeuten, dass Er seiner biss dahero wohlgeleister Diensten, 
Vie ingleichen die gesambte Kay. Musici, wie sie namen haben, vorderst die 
Compositori, Cantatrici, Poeten und was zu denen theatris gebraucht 
worden, hiemit in gnaden entlassen werden, dergestalt jedoch, dass Er Vnd 
dieselbe Ihre Besoldungen , Adjuten und Pensionen biss end dieses lauffen- 
den Monats 7^"' annoch zu gemessen haben „alssdann aber solche völlig 
aufgebebt sein sollen , welches Ihme, Vice-Capelmeistem, vnd zugleich mit 
dem beygebracht wird, auff dass er es gesambter Music vndt obspecificirten 
darzu gehörigen Persohnen zu ihrer nac bricht ebenfallss intimire. Ueber 
dieses da Ihro Kön. Mtt. Vnser Allergnädigster Herr dennoch mit einer 
guter, wohleingerichter Music werden versehen sein müssen, so solle Er, von 
iezgewesten entlassenen Musicis die beste, diensttauglichste vnd fleissigste 
aufimerken iedoch nur allein so viel deren an vocalisten vnd instrumentisten 



316 Beil. II. 29.30. 

zur versehung des Capel- oder Eirchendiensts nothnrflftig vnd nit übeiflüssig 
Tonnöthen seint, ynd solche beim Obristhoflfmeisterambt specificirter ein- 
geben fUr uns. 

Fürs änderte hinzusetzen , was einem ieden für eine zulängliche com- 
petente Besoldung auszuwerffen were, wobey nicht anff die iez genossenen 
theilss grosse , theils excessive, sonderen auff die bey vorigen Kaiseren ge- 
nossenen Besoldung zu reflectiren. worzu fürs dritte zu diesser überleg- vnd 
einrichtung er Vice Capelmaister einen bey der Music lang dienenden er- 
fahrnen Mann, alss etwa den dispensatore delli concerti mnsicali Kilian 
Rheinhard sich acyungiren kann. 

£x o£f!cio 
Wien den 11. 7^" 1711.« 

US« 31. Dee. Archiv des Obersthofmeister- Amtes. 

„Anfrag die Kay. Musieos betr. Wien den 31. Dec. 1712. 

„Vber den von Ewer Kay. May tt. dero gehorsam bsten Obrist-Hoff- 
maister-Ambt zugestehen Statum oder Specification derienigen Musicorum, 
welche in Kay. Dienste \(ieder aufgenohmen worden. Hat man dero Capel- 
maister die Lista zugeschickt, damit er wisse, welchen er künfftig femer 
zum dienen- vnd welchen er nicht ansagen lassen solle. 

Sonsten hat man auf erhaltenen allergnädigsten Befelch gleich ange- 
fangen die Verordnung an das Hoff-Contralorambt wegen der einem ieden 
allergnädigst ausgeworffenen Besoldung ergehen zu lassen, vnd ao fort die 
Bezahlung an das Hoff Zahlambt, wie gewöhnlich anzuschaffen. 

Weillen man nun bey ein vnd anderen noch einen anstandt gehabt, so 
hat man sich über die von Ewer Kay. Ma3rtt. herausgegebene und wieder 
hierbey ligende Lista mit Ewer Kay. Maytt. Obristen Kuchenmaistern 
wegen der erläutterung vernohmen, der dan erkleret: 1" dass der Joseph 
F u X Vice-Capelmeister mit der für denselben aussgesetzter Besoldung der 
1600 fl. resolvirt worden, consequenter in der Lista alss Compositore aus- 
zulöschen seye.« u. s. f. 

SO« 1712. Von aussen: „Lista der Musicorum mit des Hm. Grafen 
von Molart Gutachten. 

„Vnmassgebig allerunterthänigster Vorschlag. Wie Ew. Kay. und 
König. Maytt. Hoff-Music eingerichtet und stabilirt werden könnte. 

„Gleichwie nicht allein die grosse confusion, in welcher Ew. Kay. imd 
König. Maytt. Hoff-Music bis heuntigen tag stehet , und die daraus erfolgte 
üble Bedienung Dero Allerhöchsten Person, sondem auch die diese Jahr 
hero allzuhoch gestiegene Salarimng Dero Musicorum den billigen Anlas 
geben, dass man bei Deroselben eine solche Einrichtung vor die Handt 
nembe, damit ainerseits Ew. Kay. und Kön. Maytt. mit aller Ordnung und 
Punctualitet alleranterthäüigist- bedienet anderseits aber die bisherige con- 
fusion verhtiettet , und die so grosse Besoldungen restringirt werden , Also 
hab ich auch an meinem Allerunterthänigsten orth für nöthig zu sein be- 



B«ll. II. 30. 317 

fanden, dass bey sothaner Einrichtung nachstehende puncta in AUergnä- 
digste reflexion gezogen werden möchten , und zwar weillen 1* das Funda- 
ment aller guetten Bedienung die Bichtige Bezahlung der Besoldungen ist, 
ohne welcher kheiner zu seinem Dienst rechtschaffen angehalten werden 
kann, allermassen dann bei zurückh gebliebener Bezahlung die Unordnun- 
gen von Zeit zu Zeit dergestalten zuegenomben haben, dass man gleich- 
samb gezwungen worden , unter der glorwUrdigisten Regierung Ihro Kay. 
May. Leopoldi primi höchstseeligsten angedenckhens die Besoldung deren 
Musicanten zu vergrösseren , oder mit adjuten das Gral Hpffzahl Ambt und 
die geheime Kammer zu oneriren, dass weder eines noch das andere wegen 
solch über die Maass erhöchten Besoldungen vnd Adjuten mit deren Be- 
zahlungen mehr gefolgen khönnen , Alss wäre meines aller unterthänigsten 
Dafürhaltens ftir Euer Kay. und König. May. Hoff. Music fürohin ein ge- 
wisser fundus, aus welchem dieselbe quartaliter Richtig bezahlt werden 
khönnte zu stabilim und zugleich 

2*. allergäst zu verordnen, dass die völlige Music, und was darunter 
gehörig ist, ins Khönfftig ihre Bezahlung bloss und allein anss Euer Kay. 
und König. May. gral Hoffzahl ambt, und sonsten aus kheinem anderen 
Ambt oder Cassa zu empfangen haben solle, als wordurch nicht allein die 
Leichtlich sich ereignende doppelte- sondern auch in der Zeit die ungleiche 
Bezahlungen verhiiettet und abgeschnitten werden khönnen, gestalten dan 
öffteH geschechen ist, dass eben diejenige Musici, welche zum wenigsten ge- 
diennet, aintweders umb ihrer importunitet willen , oder auch intüitu eines 
regals vor allen andern und zuweillen wohl gahr anticipato bezahlt worden 
seynt, die Jenige hingegen, welche ihre Dienste mit all- Schuldigsten Fleyss 
und Eyfer praestirt, viell zeit lang haben zuewarthen miessen, welche 
zahlungs- partialiteten aber mit deme von Selbsten cessim werden , wann 
die Salarirung deren Musicanten aus dem gral. Hoff Zahl Ambt alleinig pri- 
vadve bestritten = und von daraus einem ieden seine quartals Betragnus 
zu gleicher Zeit, gleichwie es bishero die übliche observantz gewesen, ab- 
gefUhret werden mues. Vnd dieses seynd die zwey Haubt-puncta, worauf 
sowohl die reduction deren grossen Besoldungen, alss die khönfftige Ein- 
richtung Selbsten i^othwendig ankhomben thuet: Und obwohlen 

3'. Bey denen jenigen, welchen man Ihre grosse Besoldungen Schmöl- 
lem und au deren statt ein wenigeres pro salario auswerffen wirdet /(so 
zwar in der Wahrheit auch nicht unempfindlich ist) Verschiedene Ciagen und 
lamentationes entstehen werden. So seynd doch all-solche Besoldungen von 
etwelchen Musicis also Hoch getriben worden , dass Sie nicht allein unpro- 
portionirt, sondern, wan Mir zu sagen allergnadigst erlaubt ist , wohlgahr 
spropositirt gewesen; gestallten dan viell von denen Musicis Jährlich 4 bis 
6000 fl. genossen, wohingegen andere Cavaglieri oder würkhliche Räthe 
denen es doch mehr, alss einem Musico gebühret hätte, derley ergäbige Sa- 
laria carim, und sich mit viell weniger begniegen lassen miessen, dahero 
umb allem diesem abzuhelffen, denen Musicis bowohl Vocalisten, als Instru- 
mentisten, welche Euer Kay. und König. May. aufs Neue aufzunehmben ent- 



318 Beil. II. 30. 

schlössen seynd, die Besoldungen gegen Cassier- und Aufhebung aller vor- 
hin auss dem geheimben Cammer Zahl Ambt oder sonsten gehabten extra 
adjuten nach jnhalt des zueligenden Status A allergnädigst determinirt, und 
aussgeworfTen , annebens auch denen Altmeritirten Musicis Jubilatis und 
Pensionarijs, deren ein- oder anderer noch bey Weyl. Kaysem Ferdinando 
8* glorwürdigsten angedenckhens in Diensten gestanden ist, wie nicht weniger 
denen armmen Wittwen und Kindern sowohl in ansehung ihrer respective 
Männer und Vätter geleisten langwührigen Diensten, als zu forderist aus 
angebohnier Clementz dieses Allerdurchleuchtigsten Erzhauses ihre pensio- 
nes ad£xemplum beeder letztabgeleübtenKay.Mayttcn. Leopoldi et Josephi 
glorwürdig^ter Gedächtnussen allermildreichist connnnirt werden khönten. 
Mit welchem ausgeworffenen Salario dan bey Richtig fahlender Bezahlung 
ein jedwederer gahr wohl zufrieden seyen , und davon auch Ehrlich leben 
khan. Alles dieses nun wäre durch Euer Kay. und K^^nig. May. Obristen 
Hoff Maister Ambt dem Capell Maister per Decretum zu notificiren, umb 
damit sowohl diese , So in diensten behalten- als auch die jenige , welche 
würkhlich licentzieret werden, sich darnach zu richten wissen, und solchem 
Decreto unter ainsten zu inserim, dass man die Ausständte deren confirmirt- 
und reformirten (umb das currens mit dem praeterito nicht zu vermischen) 
auf einen sicheren fundum , gleichwie es nach dem zeittlichen Hintritt Ihro 
Kay. May. Leopoldi Höchst Seligister gedächtnus beschechen ist, anweisen 
wolle, auss welchem Fundo Sie mit gewissen Jährlichen ratis sucd^ssive 
ihre völlige Consentirung überkhomben werden , Massen dan nicht billich, 
ja wieder Euer Kay. und König. May. Allerhöchsten decoro wäre , wan die 
Leuthe abgedankhet werden, und zugleich nicht auch ihren ausständigen 
Lidlohn , welcher in allen geist- und Weltlichen Rechten vor allen anderen 
Creditoribus die praecedentz hat , angewisener bekhomben sollten, zu des- 
sen mehrerer Sicherheit aber sehr guett und Nutzlich wäre, wann Eur. Kay. 
und König. May. Hoff-Cammer diesen fundum , wohin die Music mit ihrem 
ansstandt assignirt werden khönte, Ehedessen denominim und ausfindig 
machen thätte. Es entstehet aber occasione dieser Einrichtung 

4*. die frag, wass filr einem termino erstlich diese Neue Einrichtung zu 
nemben ? und wäre Ich disfahls der allemnterthänigisten meinung, dass man 
die Besoldungen, wie nicht weniger auch die Pensiones nach dem Neuen 
Fuess mit 1 October 1711 bis dahin die Völlige Music licentzirt worden ist, 
anfangen solle. Im änderten aber, wass denen jenigen, welche nicht wieder- 
umben aufgenomben, sondern völlig cassirt werden, für Ihre bishero geleiste 
dienste ausszuwerffen seye ? glaubete ich unmassgebig, dass weillen die re- 
forma nur auf etliche wenige Compositores, Vocalisten, Instrumentisten vnd 
Tantzmeister ankhombet, denenselben ihre Besoldung vom 1 October 1711 
bis auf diese Zeit der Reformation (jedoch dem neuen Grehalt nach) aller- 
gnädigist khönte vergönnet, und in dem Decret an den Capell Maister bey- 
genickhet werden, gestalten so gahr bey einem jeden Particular Herrn nach 
seinem Todt denen Bedienten ein Halb- oder ganz Jährige Besoldung ge- 
reichet zu werden pfleget. 



Beil. II. 30. 319 

5'. In was fhr einem Numero personarum aber die Mnsic sowohl von 
Vocalisten als Instmmentisten znforderist zu der Ehre Gottes, zum decoro 
Euer Kay. und König. May. und dero ergötzlichkeit in operen und derglei- 
chen Mnsicalischen Festivitäten bestehen solle V zeiget ebenfalls der zueli- 
gende Status individuaUter, und obwohlen zwar zu Bestreittung deren Kür- 
chen-Diensten , wie selbe Euer Kay. und König. May. nach dem Stylo Ro- 
mano des Canto fermo zu introducim allergnädigst intentioniret seyen, acht 
Stimben per parte, absonderlich aber Sopran! und Bassi gahr wohl von- 
nöthen wären, weillen öffters aintweders unpäs&lichkeit halber, oder aus 
negligenz und Nachlässigkeit nicht alle zusamben khomben, und dahero, zu- 
mahlen die Erste Stimb die voce acuta, die änderte aber das fnndament der 
Music ist , Es sehr übel lautten wurdte , wan Sie von denen Mittl Stimben 
überstigen werden sollte, allermassen dan Euer Kay. und König. Maytt, 
wass zu dieser Arth deren Kürchen Diensten gehörig seye ? vom Selbsten 
am allerbesten erkhennen, So khönte es nichts desto weniger doch mit 
Sechs per parte und also zusamben mit 24 Stimben indessen bestritten wer- 
den, wo vielleicht mit der Zeit ein paar Soprani und Bassi anfgenomben 
werden, welche, wan Sie anch schon nicht die Beste wären, der Stimb nach 
in dem ripieno dannoch viell ausgeben wurden. 

Die Instmmentisten belangend, weillen in der Haubtsach wenig daran 
gelegen ist, ob Einer mehr oder weniger gehalten wirdet, khönten ebener- 
massen nach jnhalt des Status stehen verbleiben. Und zumahlen nun auch 
unter diese Einrichtung der Mnsic die Scholam gehörig seynd, so habe 
derenthalben Euer Kay. und König. May. allerunterthänigist ein rathen 
wollen, dass ins Khönfftig khein Scholar anfgenomben werde. Er seye dan 
ein solches Subjectnm vnd embsiger Knab , auss welchem Mittler Zeit ein 
Stattlicher Virtuos zu hoffen, welches alles aber bishero wenig observirt 
worden, und dahero auch geschechen ist, dass einige 20 Jahr lang Scholam 
verbliben und unterdessen aintweders ihre Stimb mutirt, oder in der Instm- 
mental Music also übel reussirt, dass Sie ihr Instmment stimben zu khönnen, 
sich nicht einmal föhig gemachet haben. Bei Restabiliemng deren Tantz- 
maistem, welche ebenfahls zu der Music gehören , wäre alleinig auf dieses 
allergnädig^st zu reflectira, dass, weillen Inhalt der Specification oder Lista 
Ihrer so viell vorhandten seynd und Selten etwas zu thuen haben, zwey aus 
denenselben Euer Kay. und König. May. Knaben die lectiones geben, und 
dieselbe also wohl und fleissig instruirn sollen, damit Sie Ejiaben auf denen 
operen, gleichwie vorhin gewöhnlich wäre, auch Selbsten mit Dantzen 
khönnen für eines, für das andere aber ist denen Dantz Maistem zuforderist 
anzubefelchen , dass Sie , wan ein Ballet zu machen, sich der alten obser- 
vantz halten, und nicht, wie bisshero beschechen, der Jenige, so den Ballet 
machet, prätendiren solle, dass alle übrige , umb die lectiones zu nemben, 
zu Ihm in sein Hauss khomben, als woraus nur unnöthige Competentzen 
entstehen, in effectu aber Euer Kay. und König. May. bey allergnädigst 
verlangender exhibirang deren operen in deren gusto gehembet werden 
khönten. So viell nun Schliesslichen die Singerinnen und übrige Theatral- 



320 



Beil. IL 3L 



Persohnen, welche in dem Statu speeifice benennet seynd, anlanget, benie- 
het bey Euer Kay. und König. May. allergnädigister resolution, ob Sie diese 
speeificirte Persohnen , sowohl in der Anzahl , alss auch dem Besoldung» 
auswurff nach, allergnädigist zu confirmim auch sonsten dieses Allerunter- 
thänigste £inrichtung8- project in einem und anderem zu approbim belie- 
ben wollen. £s wirdet sich aber mittler Zeit von selbsten eysseren, wie in 
einem und anderen vielleicht noch eine bessere Einrichtung gemachet wer- 
den khönne. Vnd dieses ist , wass Ich hierinfahls zu Euer Kay. und König. 
May. allerhöchsten Dienste derzeit in aller unterthänigisten devotion bey- 
zubringen für nöttig erachtet habe, wobey mich dan auch allerunterthäni- 
gist gehorsambst empfehle. 

(Graf V. Molart.)" 



81* 1712. Status, wie Euer Kay. und König. May. Ho 
Sambt denen darzu gehörigen Partheyen und Pensionisten der 
gnädigst stabilirt werden khönte. 

fl, 
Ceremoniarius: 

N 400 

Capellani: 

6 zu 200 fl 1200 



Capelldiener .... 240 
Jung 36 

Oratori-Diener: 
N 120 

Beicht-Vatter: 
Sambt dessen Diener . . 336 

Prediger: 
N 100 

Capell Maister: 
Ziani ordinari Besoldung . 2000 
Vor den Waagen und Pap- 
pier 500 

Vice Capellmaister: 
Joseph Fux 1600 

Compositores: 
Carlo Badia 1440 

Sopranisten: 
Vicenzo Brutti .... 1800 
Gio Batt. Vergelli . . . 1440 
Dominico Tollini . . . 1800 
Giovanni Vincenzi . . . 600 

Altisten: 

Salvator Mellini .... 1800 



Gaetano Orsini 

Loren zino (Masselli) 
Tenoristen: 

Silvio Garghetti . 

Carlo Costa . . 

Seb. Seydlinger . 

Tomaso Bighelli . 

Franc. Borosini 

Tenor aus Catalonien 
Bassisten: 

Gio. Batt. Cativelli 

Fr. Götzinger . . 

Casp. Liedmayr . 
Organisten: 

Georg Reitter 

Leopold Rommer 

Georg Reinhardt 
Theorbisten: 

Francesco Contini 
Cornetisten: 

Leopold Promayr 

Joh. Griessbacher 
Concert-Maister: 

Kilian Reinhardt . 

dessen Adjunct . 
Singerinen: 

Lisi Badia . . . 



ff-Music 
Zeit aller- 

fl. 
. 1800 
. 1080 

. 1800 

. 1440 

. 900 

. 720 

, 1080 

. 900 

. 1080 

. 780 

900 

. 900 
. 540 
. 900 

. 1440 

. 720 
. 360 



900 
300 



1800 



BULII. Sl. 



321 



Cathar. Kapp- /sollen ab- 
lerin . . < gedankt 

Fmhewürthin ( werden 

Maria Landim . . . 
Violinisten: 

Niclas Mattheis 

Jacob Hofer 

Andr. Abendt 

Job. Frankb 

Pet. Scbmelzer 

Ferd. Peyer 

Ferd. Lemberger 

Jos. Frankh 

Paul Alber 

Franz Reinhardt 

Job. Rosseder 

Martin Woller 

Karl Hartmann 

Job. Alber . . 

Seb. Gigl. . . 

Jos. Fasching 

Frz. Hintereder 

Hamb . . . 
Violonisten: 

Andr. Freydig 

Fichtl . . . 

1 ans Catalonien. 

Violon anss Catalonien 
Violoncelli: 

Jos. Malagadi . . . 

Ant. Schnauz . . . 

Job. Knunmer . . 

Violoncello ans Catalonien 
(jrambisten: 

Frz. Schmidtbauer 

Frz. Hueffnagel . 
Fagottisten: 

Frz. Sturmb . . 

Carl Maillard . . 

Martin Sturmb 
Hauboisten: 

l!>z.Gl&zl . . . 

Rom. Gläzl . . 

Job. Gabrieli . . 

Köehel, J. J. Fox. 



fl. fl. 

Ludw. Schönn .... 500 

400 2 Jkgerhormsten • - { ^^0 

4000 Posaunisten: 

Leopold Christian . . . 900 

1440 „ ^ jqn« . . 600 

900 Hanss Georg Christian . . 540 

900 Christ. Chrisäan (Claudia) 540 

720 Lautenist: 

540 Bohr 210 

720 Instrument-Diener: 

720 Job. Schnautz u. Adjunet 690 

540 Calcanten: 

810 Ferd. Römer 360 

900 Frz. Walter 360 

900 Lautenmacher: 

720 Ant. Rosch 400 

540 Adjunet: 

360 Johann Fux 180 

360 Musicalische Trompe- 

360 ter: 

360 Seb. Nasotto 720 

360 Thom.Bon 270 

Reichh.E»gl 270 

900 Tob. Andr. Perember . . 165 

480 J. Georg Gortschek . . 135 

N. Gessorka 135 

Frz. Fomufsky .... 360 

Frz. Jos. Holland . . . 540 

900 Scholarn: 

480 Karl Richter 360 

360 Gottl. Mu£fat 360 

Ant. Werndl 360 

Wenger 360 

720 Haan 360 

720 Tanzmeister: 

Claud. J. Apelshoffer . . 1200 

900 Sim. P. La Motte ... 600 

1080 Fz. Lang 500 

540 Tob. Gumppenhueber . . 360 

Frz. Jos. Selliers ... 360 

720 Pet. Rigler 500 

720 Aless. Pbillebois . . . 1500 

540 Andr. Bruno 400 

21 



322 



Theatral-Persohnen: 

Gius. Briccio, Machin. . . 

Secret. delle cose theatrali 
Poeten: 

Wällißcher Poet . . . . 

Teutscher Poet TruUer . 
Copist: 

Mc. Ant. Maccarinelli . . 
Musici Jubilati u. Pen- 
sionisten: 

P. Santi Garghetti 

Gio. Batt. BonelH 

Med. Bronzetti 

Ran. Borrini . . 

Georg Lautter 

Fillö 

Math. Decklmann 

Oliviciani . . . 

Gius. Galloni . . 

Nie. Gelmini . . 

Ant. Ferrini . . 



Beil. II. 


33. 






fi. 






fl. 




Pel. Marcheselli . . . 




300 


400 


Ant. Borosini sen. . . 




440 


500 


G. Batt. Barbaretti . . 




600 




Hammer ..... 




540 


1500 


Jos. Hueffiiagel sen. 




540 


600 


Ant. Salchi . . . , 




780 




Mich. Ruckh .... 




540 


400 


K. Schmidtbauer 




540 




Dom. Pera .... 




240 




Magi 




. 360 


1320 


Manna 




300 


1440 


Colm. Bamberger 




100 


600 


Niederhausser . 




60 


1440 


Witwen u. Kinder, 


8€ 




540 


Pensiones geniessen 




300 


16 Kinder von . . 


100—400 


900. 


Summa: 






600 


Vorstehender Besoldungeii 


i 


1440 


und Pensionen von 


dei 


• 


900 


Music und darzue gehöri- 




600 


gen Partheyen 


• 


. 99.227 



Aus den Kirchenmeisteramts- Rechnungen der Dompi'arre 
vonSt. Stephan in Wien, von den Jahren 1709 (älteste Rechnung). 1712. 
1713. 1714. 1715. 

1709. „Nicht weniger zalte ich Hrn. Fuxen auf erstge- 
meltes 1709 Jahr solche Gebtthr vor seine 3 Knaben . . . 600 11. — kr. 

„Dann habe ich auch dem Hm. Capelmaister Fux sein 
Zimmer beyhilflf bezahlt 60 „ — . 

Letztlich bezalte ich dem Hm. Capelmaister Fux das 
vom 15. April bis 15. Oct. 1709 vor die Capelknaben vermög 
Rathsverwilligung auf Vs J^i* gebührende InstractionsgebUr 37 „ 30 ., 

(Mich. Zacher war in diesem Jahr Kapellmeister von St. 
Stephan.) 

[Die Rechnungen von 1710 und 1711 fehlen.]- 

1712. „Entrichte die ordinäre Capelmaister Besoldung 

und Kleydgelt pro anno 1712 (der Name nicht genannt) . . 324 „ — r 
Verpflegung der 3 Knaben in das Capelhauss .... 600 „ — r 

1713. „Bezalte dem Hrn. Capelmaister Fux umb Willen 
der anno 1713 an den 6 Frauentagen gehaltenen Litaneyen 

beim alten Gnadenbilde in der Kirchen die Gebühr mit . . 36 „ — ., 

„Dem Hm. Capelmaister Fux wegen der Frau Salome 
Siglbaum, Elisabett Millnerin, Veronica Kalchin und Caspar 
Frankhen seel. quatcrabrischen Requiem pro anno 1713 . . 26 - — ^ 



Beil. II. 33. 323 

„Hrn. Joh. Jos. Fax Capelmaister sein ordinari Besol- 
dung und Kleydgelt pro 1713 324 fl. — kr. 

„Mehr wegen den drey Capelknaben für dasselbe Jahr 600 „ — » . 
(Georg Rentier war 1713 Organist bei St. Stephan.) 

1714. „Entrichte dem Hm. Capelmaister Joh. Jos. 

Fux seine Besoldung und Kleydgelt pro anno 1714 mit . . 324 „ — n 

„Mehr wegen den 3 Knaben Verpflegungs Geld auf die- 
ses Jahr 600 „ — „ 

„Dem Capelmaister Fux wegen der quatemberlichen 
Kirchenmaister Requiem durch das ganze Jahr 1714 ... 26 „ - 

1715. „Dem Hm. GeorgReiter Capellmeister Besol- 
dung und Kleydgelt 324 „ - 

Demselben die jährliche Verpflegsgebühr f^ 6 Knaben 1200 „ - 
Demselben Instractionsgeld 75 „ - 



T» 



n 
n 



I. Aus dem „Sambier über Empfang und Ausgab^ (im Archiv der 
Commune von Wien) 1696 bis 1715 ununterbrochen. 

1696 bis 1711 gleiclüautend : 
28. Febr. Hm. Mich. Zächeri, Capellmeister bei St. Ste- 
phan für Salvatordienst 37 fl. 4 kr. 

31. Aug. Demselben fttr dasselbe * . 37 „ 4 „ 

13. Nov. Demselben für Requiem 20„ — „ 

20. „ Demselben für Anniversarien 10 „ — „ 

24. Dec. Demselben für Rorate 33 „ — „ 

1712 dagegen : 
28. Febr. Hm. Mich. Zacher, Capellmeister bei St. Stephan 

für Salvatordienst . 37 „ 4 „ 

30. Juli. Demselben für die Musik 20 „ — „ 

27. Aug. Demselben für verfallenen Salvatordienst .... 37 „ 4 „ 
NB. 23. Nov. Hm. Joh. Jos. Fux, Capellmeister bei St. Ste- 
phan für Anniversarien 10 „ — „ 

24. Dec. Demselben für Rorate 33 „ — „ 

1713. 

28. Febr. Hm. Joh. Jos. Fux, Capellmeister bei St. Stephan 

für Salvatordienst 37 „ 4 ,, 

19. Aug. Demselben für Seel- und Lobämter . . . . 20 „ — ,, 
eod. Demselben für Salvatordienst 37 „ 4 ,, 

21. Oct. Demselben tilr 1 Requiem 40 „ — „ 

24. Nov. Demselben für Anniversarien 10 „ — ,. 

20. Dec. Demselben für Rorate 33 „ — ^ 

1714. 
27. Febr. Hrn. Joh. Jos. Fux, Capellmeister bei St. Stephan 
filr Salvatordienst 37 „ 4 ., 

1 Mich. ZXcher. f 30. Sept. 1712, 68 Jahr alt. 

21* 



324 Beil. IL 34. 

31. Aug. Demselben für dasselbe 37 fl. 4 kr. 

19. „ Demselben für Anniversarien 10 „ — „ 

29. Dec. Demselben für Rorate 33 „ — „ 

1715. 
28. Febr. Hm. Job. Jos. Fux, Capellmeister bei St. Stephan 
für Salvatordienst 37 „ 4 „ 

30. März. Hm. Job. Jos. Fux, Capellmeistem (sie) für 1 
Requiem 40„ — „ 

NB. 31. Aug. Hm. Capellmeister bei St. Stephan (ungenannt) 
für Salvatordienst 37 „ 4 „ 

NB. 16. Nov. Hm. Georg Reitter, Capellmeister bei St. 
Stephan für Anniversarien 10 „ — „ 

NB. 28. Dec. Hm. Georg Reitter, Capellmeister bei St. 
Stephan für Rorate 33 „ — „ 

8tt« Aus den Acten des Bürgermeisteramtes der Stadt Wien. 
„Decret an Hm. Kirchenmaister bei St. Stephan wegen Separirung der 

Capell Knaben und deren Verpflegung betreffend (Alt. Reg. =-r^ 

Vom Burgermaister vnd Rath der Statt Wienn wegen dem Herrn 
Johann Georg Schmidt des aussem Rathss vnd verordneten Kürchenmaister 
bei St. Stephan hiemit anzufügen. Vnd ist dem Selben ohne dem vorhin be- 
kannt, wie dass der H. Michael Zacher Capellmaister allda auss vorhin 
angebrachten Ursachen die tägliche Andacht MubIc bey dem Hung. Gnaden 
bildt Vnser lieben Frawen beraits voriges Jahr schrifftlich resigniret 
vnd solche hierauf dem H. Johann Joseph Fux Kays. Hoff-Musico und 
Componisten von Anfang des Monaths Octob. zu versehen überlassen, 
worüber danii verer veranlass und geschlossen worden, dass von denen 
7 ordinary Cantorey Knaben der Hr. Zacher 4 behalten und die übrigen 
drey der Hr. Fux zu sich nemben hingegen die untauglichen zuvolge der 
negsthin den 21 Juny dis Jahrs ergangenen Verordnung aussgemustert und 
an statt deren ainig andere von denen Sachsen, welche in dem Burgerspital 
instmirt werden , heraussgenomben, und solches auch in das künftig in all- 
weeg observirt werden solle. Wienn den 1. Juli 1706." 

„Vom Burgermaister und Rath der Stadt Wien Erlass an den Kirchen- 
maister bey St. Stephans Thumb. 

Hiemit anzufügen, es habe eimelter Statt Rath geschlossen, dass bee- 
den Herrn Capellenmaistem in erstbesagter Thumbkirchen, alss Herrn Jo- 
hann Michael Zacher, und Herm Joh. JosephFux von d^nen alda aufge- 
nohmenen oder vorhandenen sechs Capellknaben jeden drey in die kost 
gegeben, und denenselben wegen jeden Knaben vor Kost, jährl. zwey khlay- 
der, zuebuess Doctor, Medicamenten, Barbirer, Präceptor, Composition und 
Instruction, wie auch Saiten und Spartitur geldt, wasch, Schueh, Strimpf, 



Beil. II. 34. 325 

hnt Leingewand und all andere Notturften , wie sie nahmen haben mögen 
jährl. zwey hundert Gulden bezalt werden sollen. 

Wirdt demnach Ihme Herrn Eirchenmaister hiemit anbefohlen , dass 
er Eingangs ermelten beeden Hm. Capellmaistem solch aecordirtes kost- 
gelt, wie auch dem Hrn. Fuxen wegen der drey Gapellknaben Zimmer bey 
hilf Sechzig Gulden jährlich und zwar die Yert»flegung der jährl. austragen- 
den 1200 fl. vom 1. April d. J. an, das Zimmergeld aber vom 1. Juli 1706 an 
zu rechnen. Wien 1. Aug. 1707.'' 

„Vom Burgermaister und Rath der Statt Wien wegen dem Herrn Joh. 
Joseph Fux Kays. Hoffund Capellmaister bei St. StephansThumb 

und Pfarrkirchen allhier anzuzeigen*' (dass einige nachlässige 

Instrumentalisten, „sowohl denen gewöhnlichen ordinary und extraordinary 
Kürchendiensten und bey den Marianischen Gnadenbildt von Petsch^ zu 
grösserem Fleisse vermahnt werden sollen.) — Wien 24. Oct. 1714.« 

(Ein gleiches Decret erhielt auch „Capellmaister Reitter 
Georg**.) 



Beilage III. 

J. Hattheson : Solmisationsstreit mit Fax — Beschuldigung des Fran- 
cesco Conti. 

Aus J. Mattheson, CriticaMusica U. Bd. pag. 185— 206 werden 
hier die Briefe über Solmisation und Kirchentonarten mitgetheilt^ 
2 von J. J. Fox, ebensoviele von J. Mattheson, nebst des letzten Randglossen 
zu den Briefen des ersten. 

(xn.) 

« 

1« Die Ordnung, so im Orch. II. (d. i. dem „beschützten Orchester'') 
mit AnfUhrung der Namen, nach dem Alphabet, gehalten worden, soll auch 
hier beobachtet werden , und also haben wir nun zu sehen , was der S. T. 
Eayserliche erste Kapellmeister dazu saget. 

Monsieur.i 

„Dass meinem Herrn hat belieben wollen, mich vndter diejenigen zu 
„ setzen, dennen das beschützteOrchestrelst dedicirt worden, erstatte 
„hiemit schuldigsten Danckh : weiUen aber weder das Orchestre, noch 
„die Erfurterische Refutation mir iemahlen ins Gresicht gekommen, als kann 
„ich auch mein Sentiment hürüber nit eröffnen; aber wohl mich höchst ver- 
„wundem, das der arme , doch niemallen sattsamb gepriasene Guido Areti- 
„nus , als deme Musica practica mehr schuldig als keinem Authori in der 
„Welt, so lästerlich durch die Hächl gezogen wirdt, ich muss bekhennen, 
„das ich mich hürüber nit ein wenige geörgert habe; indeme gewiss ist, 
„das, wenn diese methode niehemallen erfunden worden wäre, die Musique, 
„aufs wenigst die Singkunst ^, mit nichten so weit hätte können gebracht 
„werden. Dan wo vor diesem Leute mit reufen ludicio durch uil Jahr, wegen 
„der Beschwerlichkeit deren damallen üblichen Caracteren und obscuren 
„Zeichen, nit haben hinkommen können, haben hernach durch die erfundene 
„Scalam und das Edle ut, re, mi, fa, sol, la, die kleine Knaben durch etUche 

^ In teuUchen Briefen weiset ein folchet Monsieur gar schlechten Respect, und 
ist nur für inferiores. 

^ Das ist, nach meinem Begriff, er habe sich gar nicht, auch nicht ein bisgeo, 
gefirgert. Es soll aber wohl heissen: nicht wenig, non parum, i. e. multum: denn, 
nicht ein wenig, bedeutet: ne panlulum quidem, i. e^ nihil. 

^ Eine gute distinciion : denn die Singekunst ist nicht die ganse Music. 



^ 



Beil. III. 1. 327 



„Monat prestiren können, gleich es bim auf die heuntige stnndt die tagliche 
„experienz lehret. Es ist nit in Abredt zn stellen, das successu temporis 
„durch Vermischung des generis Diatonioi mit dem genere Cromatico, 
„wegen zu folg dessen so vill sich eraignenden Semitonia, die mutation in 
„etwass schwfir fallt, so gilt doch gleichwohl auch in diesem Fahl die Solmi- 
„sation, weiUen alldort, wo die Semitonia nur per accidenz kommen, kein 
„mutation gemacht, sondern durch die Stimme allein durch erhöher- oder 
„emiedemng derselben geholfen wirdt. Durch Hinzusetzung eines Si zu 
„dennen Aretinischen 6 Sylben, ist ia die Solmisation nit aufgehoben, 
„(welches Ericio Puteano niehmallen in Willen wird gehabt haben) sondern 
„wohl vermehret worden. Und wurde gedachter Puteanus an sein Si nim- 
„mermehr gedacht haben, wan nit die Aretinische Sylben lehn darzu veran- 
„lasset hätten; bleibt also dem ersten Erfinder allezeit sein gebierender 
„Ruhm. Dass aber der Erfinder weiter criticirt wirdt, er hätte seine ezten- 
„sion nit in Hexachordon, sondern in Heptachordon machen sollen, geschieht 
„ihm auch meines Erachtenss, sehr Unrecht: indeme Pr Guido hierdurch nit 
„so wohl die 6 intervalla musices ascendendo & descendendo hat lernen, 
„als auch zuforderist die 6 Vocales, A, e, i, o, u, (als an welchen alles gele- 
ngen ist) recht gut auszusprechen, vorstellen wollen. Auss diesem ist zu- 
„schlüssen, das die alphabetischen Buchstaben A, be, ce, de, e, f , ge & c an- 
„statt, ut, re, mi, fa, sol, la, in der Singkunst mit schlechten Grundt Kunten 
„gebraucht werden. Deme der Numerus senarius zu wider ist der setze zwei 
„Tetrachorda nach einander, so wird er eine ganze Octav aossmachen, e, g: 

c defgaho 

„Ut, re, mi, fa, ut, re, mi fa. Auss bishero angezogenen Ursachen ist Arentini 
„Erfindung an allen Orten und Enden , alwo die Musique und Singkunst am 
„meisten floriret, bis auf den heuntigen Tag allezeit behalten worden, und 
„wirdt auch ins künfftig nimmermehr in Abschlag kommen weillen dessen 
„gute Würkhung nit kan in Abredt gestellet werden. Man lese hiettber, wass 
„Baronius von ihme schreibet. Kan also meiner Mainung nach auch einer, 
„der die Musique durch das ut, re, mi, fa, sol, la, erlernet hat, gleichwohl 
„ein Galant -homme sein. Ich bin gar kein Anbetter der superstitieusen 
„ Antiquitet, doch wass durch so ville s«ßcula von vomembsten Maistem für 
„gutt und recht behalten worden, biss nit wass bessers erfunden wirdt vene- 
„rire ich auf alle weiss. Die 24. neue Modi haben auch gar keinen Grundt 
„dann weillen Tonus oder modus nichts ist, als eine circolirende modulation 
„intra limites octavsB , als folg^ notwendig , das so uill toni und nit mehr 
„sein können, als offt gedachte modulation vermög dess Semitonii kan ver- 
„ändert werden, welches nur 6. mahl geschehen kan. Und weillen eine jede 
„Octave aus diesen Gen kan diuidiret werden Harmonicö und Aritmetic6; 
„Harmonie^ mit der 4t in acuto; aritmetic6 mit der 4t in parte gr^ii, e. g: 
„2, 3, 4. 4, 3, 2. alss das auss einer ieden Octau 2. toni entspringen, Auten- 
„ticus und plagalis, müssen selbe also in 12. erwachsen: Die übrigen sind 
„alle transpositi und müssen zu einem auss diesen 12. reduzirt werden. Da- 
„hero ist in dess mir überschickhten Buchss Tabella linkher seits, 1. 2. 3. & 



328 Beil. III. 8. 

„c. de. modiB &c. nur ein einziger Ton Nr. 1 die andern Nr. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 

„8. 9. 10. 11. 12. seind alle von dem ersten tranaponirt, weillen das semito- 

„niam (ml fa darf ich nit sagen) allezeit die dritte vnd 7te stOll oocupirt. ein 

„transponirter ton ist weder genere weder speoie diversus ab iUo a quo 

„transponitur. Juxta Axioma Aristot. omne tale est semper taie, ubicunque 

„ponatur. Dieses habe ich meinen Herrn wohlmainend übeschreibdn, vnd 

„zu ferneren nachdenkhen tiberlassen, und anbey so wohl wegen dess mir 

„Überschikhten Buchs als auch Dedication schuldiger massen mich bedankhen 

„wohlen, als der ich bleibe 

Meines Hochgeehrten Herrn 

Dienst^gebnister 

Johan Joseph Fux. 

Wien den 4. Dec. 1717. 

Aufschrift : 

A Monsieur Monsieur J. Mattheson. Secr. du MinL Brit. & Vicair au 

Chapitre d'Hambourgue present 

ä 

Hambourgue 

an der Elbe ^ 

(xra.) 

]i« Das erste, so wir hieraus zu lernen haben, ist die Wahrheit jenes 
französischen Satzes : La colere & la prevention derangent terriblement la 
Dialectique. D. i. der Zorn, (da man sich ärgert) bringt dieV ernunfft- 
Lehre in eine abscheuliche Unordnung. Das andere ist die Kraft 
des praetjudicii, dafür sich niemand genug hüten kan. Denn wenn das Vor-Ur- 
theil bey uns veraltet, so ist keine Httlffe mehr. Da hält man nichts fttr 
recht, als was uns ehmals gefallen hat. Da meynet man, es sey schimpflich, 
jungem Leuten Gehör zu geben , und was ohne Bart erlernet worden, im 
Alter zu verwerfen : 

Vel quia nil rectum, nisi quod placuit sibi, ducunt: 
Yel quia turpe putant parere minoribus : & qu», 
Imberbes didicere, senes perdenda fateri 3. 

Daher ist es kein Wunder, dass wir die zierlichere, galantere Musik um- 
sonst solchen Personen anbieten, die alle Zierlichkeit und auserlesene 
HUlffs-Mittel von sich werffen, massen sie sich in der gemeinen und lausich- 
ten Lehrart schon alzu lange Zeit herumgeweltzet habe. Sie wollen sich 
auch keines bessern berichten lassen, von denen die es nicht mit ihren 
Künsten halten, insonderheit leiden sie es nicht von jungem. Es gehet ihnen 
schwer ein , dasjenige , so sie als Knaben in der Schule , mit vieler Mühe er- 

^ Wir haben die gantze Schreib-Art hier beybehalten , so wie sie im Original 
stehet. 

^ Don, de Praest, Vet. Mus. p. 111. 



Beil. IN. 3. 329 

lernet, im Alter auf die Seite zu setzen, und zu bekennen, daM sie ihre Zeit 
übel angewandt habend 

(XIV.) 

S* Inzwischen theile ich dem geneigten Leser meine, auf obigen, 
den 15. December erhaltenen Brief, am 18. ejusd. ergangene Antwort von 
Wort zu Wort allhie mit: 

Hoch-£dler, insonders Hochgeehrter Herr Ober-Capellmeister. 

„Zuförderst bin schuldig mich zu bedanken, dass £w. Hoch-£dl. sich 
„die Mühe haben nehmen wollen, so hurtig auf meine depeche zu antworten : 
„immassen mir mit deroselben dissensu mehr Ehre^ widerfiUirt, als mit dem 
„consensn aller andern. Will mir aber die Erlaubniss ausbitten, etwas weni- 
„ges darauf zu antworten. 

„Ihren nie -sattsam- gepriesenen Aretinum, dem freylioh Musica illa 
„quondam practica & puerilis vor 700 Jahren mehr schuldig war, als allen 
„heutigen solmisatoribus insgesamt, hat niemand lästerlich dnreb die Hechel 
„ziehen wollen, wie es meinem Hochgeehrten Herrn etwan im beschützten 
„Orchester mag vorgekommen sein, und wie mich dessen Dero sonst ge- 
kehrtes Schreiben vom 4. December mit etwas Verwunderung vergewissert. 

„Es ist freylich an dem, dass diesem ehrlichen Patri die damals ver- 
„grabene Singkunst (welche ich doch mit dem generalen Namen der Music«ß 
„practioae nicht beehren mOgte) eine grosse Verpflichtung gehabt hat, weil 
„er sie hervorgezogen , und ein wenig aus dem gröbsten gebracht haben 
„mag 3; allein ich will hoffen, es sei auch dem sogenannten Erfinder seine 
„ehmalige billige Forderung und Schuld in d^n gantzen sieben Seculis 
„siebenhundeitfaltig, ja dermassen redlich bezahlt und abgetragen worden, 
^dass sich einer vergebens bemühen dürfte, hac luce die vorgebene Bestau- 
nten einzufordern; welche auch, wenn sie annoch illiquide vorhanden sein 
„sollten, lange schon verjähret oder pnescribirt sein würden. 

„Wenn denn nun meine Absicht eben nicht gewesen ist, den Aretinum 
„eigentlich durch die Hechel zu ziehen (nam de mortuis bene) sondern viel- 
„mehr zu weisen, dass er mit seiner Kunst und Erfindung, ein monumentum 
„publicum verdienet habe, so sehe nicht, wie sich Ew. Hoch-Edl. davon so 
„sonderlich haben ärgern mögen ; welches jedoch mit rechtem Leydwesen 

^ ita miriuD est; elegaotioreni Muficam frustn üs oMrudinus, qui omnem ele- 
gaotUni reapuoiit : qui in hac vnlg'ari ae aordkt« tamdiu Toloteti aunt. Nolunt etiam ab 
ii« doc0ri, qui noB eandem quam sibi artem profitentut': praMertim ab juniorfbua. No- 
lunt quae magno labore diutinoque tempore in ludls pueri «Hdicerant, ea provectiore« 
dediseere, atque operam ae perdidiase confiteri. Id. ibid. 

^ Wir baben dennoch vorhin, p. 85. de 59. veracbiedene Zeugniaee Ton gelehrten 
Minnem wider des Aretinf ao sehr beacbriebene Verdienste angefUhret; abaonderlich 
erinnere man eich, dass es beim lo Vossio heisse; Multa Guidoni perperam tribuuntur, 
d. i. dem Aretino werden viele Erfindung mit Unrecht lugescbrieben. vid. pag. 157. b. T. 



330 Beil. III. 3. 

^vernehmen muss, da ich sonst gedacht habe, Deroselben alle Ehre und 
^plaisir, mit Vorstellung der Wahrheit^ (nach meinem Begriff) und Beseu- 
ffgung meiner Hochachtung zu erweisen. 

„Dass solches meine wahre intention gewesen und noch sey, betheure 
^höchlich. 

„Es mag auch wohl seyn, wie Ew. Hoch-£dl. schreiben, dass, wenn es 
n Aretinus nicht gethan hätte , die Singekunst (seiner Zeiten) schwerlich so 
^weit gekommen seyn würde. Aber es steht doch nicht zu läugnen , dass, 
„wenn es eben Aretinus nicht gethan hätte, es wohl ein anderer auch so 
„gut, wo nicht besser, hätte verrichten kOnnen, ja, dass es, aller Wahr- 
„scheinlichkeit nach, von Dunstan^ lange vorher geschehen sey. 

Ich lasse nun so wohl diesem , als jenem , und einem jedem seine ver- 
„diente Ehre gar gerne, nur die Sache an ihr selbst, mit den sechs Silben, 
„hat so viel Unruhe und Verwirrung gestifftet, und ist so wenig hinreichend, 
„bey heutigem genere Diatono-chromatico-enhannonio, dass es ein Jammer 
„anzusehen ist, wenn sonst vemttnfftige und ansehnliche Leute sie treiben^ 
„ihr noch das Wort reden, und die Welt irre machen wollen. 

„Dieses hat mich bewogen, das Ding ein wenig ridicul zu machen, 
„und satyrisch abznmahlen, nicht denkend, dass dadurch das geringste 
„Kind, geschweige weltberühmte Virtuosen, sollten noch könten geärgert 
„werden; ich kan es auch unmüglich glauben, dass, was Ew. Hoch- Edl. 
„deswegen an mich haben schreiben wollen , deroselben rechter Ernst sey; 
„sondern stelle mir vielmehr vor, dass sie nur ihren Scherz,- unter einer 
„ernsthaften Maske, mit ihrem Diener getrieben haben. 

^ Ob ft benu montrer la veriU; si on ne preiid pas bien sou tems, eile sera i-e* 
jet^e : il faut atteodre que lea hommea aoient degont^s de leur erreur. Mem. HUt. et 
Grit. Octob. 1722. p. 05. Das beisst: Mhii möge mit der Wahrheit ipiten Tag: haben» 
wenn die Zeit, solche zv sagen, nicht wohl in acht genommen wird, muss sie doch Ter- 
worlTen bleiben. Man sollte warten, biss die Leute einen Eckel vor ihren Irrthfimem 
bekfimen. (Da hätte man fein lange zu warten !) 

^ Was halten wir uns aber noch beim D uns tan und dem zehnten Seculo auf, da 
Zeugnisse vorhanden , dass schon in der Mitte des siebenden Jahrhunderts vom Pabst 
Vitaliano ein Erz-Bischoif und ein Abt, gelehrte Musici,'ausdrilcklich nach England ge* 
sandt worden , dass sie die Christen daselbst im Glauben stärkten , und die bereits in 
Italien eingeftihrten Orgeln, samt vielen andern musicnlischen Instrumenten in den Kir- 
chen bekannt machten, welches ad p. 85. big. T. zu mercken dienlich ist. Die Worte 
meines Auctoris lauten ao: Hmc circa tempora, nimirum Annum 645. Papa Vitalianus, 
natione Signinas ex oppido Volscorum, Tbeodoruni Archiepiscopum, & fladrianum Abba- 
tem, viros omnis scienti« et eruditionis expertissimos, in Magnam Britanniam misit, nt 
eo» (seil. Britannos) in fide Christiana perseverandos informarent. Is (Papa) OrguBU, 
aliaque Instrumenta musicalia in ßcciesiis (Briiannicis) ad divinorum, sacrorumque cul- 
tum primus ihstituit. Tho. Carve, Lyra Hibernica, p. 29. edit. 2. Sulzbaci. Das war 400 
Jahr vor Aretino. 



Beil. III. 3. 331 

„Gesetzt aber es sei Enust; so ist wohl unstreitig, dass durcli die Pu- 
nteanische Hinzusetzung der Sylbe Si zu des Aretini sechsen das ganze 
^Sohnisations-Systema, wo nicht aufgehoben, doch auf solche Art verändert 
„und verbessert worden, als etwan ein neu-aufgebautes Haus, dazu man von 
„einem alten, niedergerissenem Gebäude noch einige Uiberbleibsel gebraucht 
„und beibehalten. Dieses hat Erycius allerdings nicht nur im Sinn gehabt, 
„sondern würklich und in der That pnestirt, wie seine Schrifften es klärlich 
„bezeugen i. 

„Wieder diese siebensylbichte Solmisation nun habe ich nicht nöthig er- 
nachtet etwas einzuwenden; mein ganzer Discurs war nur auf die Marter-volle 
^sechssylbiehte, und die daraus entspringende ungeheure Mutation, gerich- 
„tet: Denselben habe das Valet Herzlich gerne ertheilen, und sie um desto 
„lieber zur Buhe begleiten wollen, weil die tägliche Erfahrung, und eines 
„jeden gesunde Vemunfft, hierin mit mir ttbereinstimmen müssen. 

„Dass aber Aretin mit seinen 6 Sylben nicht so wohl die intervalla 
„musica, als die 6. vocales (bei uns sind sie nur 5. im Gebrauch) hat recht 
„aussprechen lehren wollen, wie M. H. Hr. schreibet, solches kan man sich 
„gerne gefallen lassen; allein diese Sachen gehören zum Lesen, nicht zum 
„Singen, und wäre gänzlich airpo^iov*j9ov, wenn einer daher argomentiren 
„wollte. Ich mag den Syllogismum nur nicht in die Form bringen : der defect 
„verräth sich so genug. 

Sollte inzwischen diese Pronunciation die Hauptabsicht unsers Aretins 
„gewesen seyn, so hätte derselbe ja nicht 6 Sylben nöthig gehabt , sondern 
„das eine a mOgte immer ersparet worden seyn. Allein ich lasse es passiren, 
„und frage nur, mit Erlaubniss: warum der Sylben nicht so wohl 7. als 6. 
„haben seyn mögen? Da ja 7. diatonische intervalla in der Octave nicht 
„geiäugnet werden können. Die Antwort wird ungezweifelt (wenn ich den 
„Senarium nicht berühre) darauf hinauslauffen : weil der siebende sonus 
„noch nicht Mode gewesen , und auf den Instrumenten noch keine rechte 
„volle quintam gehabt. 

„Da aber nunmehro, nicht nur dieser siebende diatonische Klang, son- 
„dem auch ein jeder chi-omantischer, seine reine Quintam feUciter gefunden, 
„und völlig in Mode gekommen, so fallen ja die 6. zu kurz, und ist viel be- 
„quemer, jedem Klange seinen eigenen Namen bey zulegen, als 12. Tone 
„mit 6. oder gar mit 4. abgelöseten Sylben, zu benennen. 

„Für so einfältig wird man mich ja wohl nicht halten, dass ich nicht 
„wissen sollte, wie aus zweyen Tetrachordis eine Octava zu machen sey. 
„Ob solches aber mit den abgewechselten und wiederholten ut, re, mi. fa, 
„oder mit einem anderen zulänglichen Hülffs-Mittel, geschehen müsse, 
„darüber mögen die Schüler den Ausschlag geben. Es ist Sünde, Schande 
„und Schade , dass verständige Komponisten ein Wört'gen solcher Possen 
„halber verliehren sollen. Ich hätte nimmer daran gedacht, wenn man sich 

^ Vid. cj. MusMlheniiiii, Cap. IX, p. 34. 32». & ex illa Oreh. 11. p. 325. s^. 



332 Beil. III. 3. 

„nicht zu mir gedrungen, und mit dem Ut an mir zum Ritter werden 
„wollen. 

„Aus den im beschützten Orchester sattsam -angezogen Ursachen aber 
„ist es des Aretini Erfindung schon vor hundert Jahren , ob gleich nicht 
„aller Ort und Enden, wo die prätendirte Musik auf solche Bttttelhaffte 
„Weise getrieben, dennoch bey klugen und nachdenkenden Leuten, nach 
„und nach, biss auf den heutigen Tag, gänzlich abgeschaffet worden, wird 
„auch ganz gewiss ins künfftige immer mehr und mehr ins Abnehmen ge- 
„rathen; weil man die Sache viel wohlfeiler haben kan, und die alte Leiter 
„bei weitem nicht mehr zureichen will. 

„Sonst kan M. H. Hm. versichern, dass ich seiner Ermahnung, den Ba- 
„roniumi hierüber zu lesen, augenblicklich Folge leisten würde, wenn 
„solches nicht schon längst zuvor geschehen wäre, so dass ich nicht nur 
„diesen Auctorem, sondern wohl hundert dergleichen, darüber zu Rathe 
„gezogen habe, ehe meine Feder einen einigen Strich gethan. Ich fahre 
„auch noch in dieser lecture so munter^ eifrig und vorsichtig fort, als ob ich 
„nichts anders zu thun hätte , und noch nicht das grosse A von der Music 
„kennte ; wie es denn wohl eben nicht viel weiter mit mir gekommen sein 
„mag, indem ich Je länger je mehr finde, was mir fehlet. 

„£w. Hoch-Edl. Meynung, dass einer, der die Musik durch das Ut er- 
„lernet hat, gleichwohl ein galant homme seyn könne, kan kein galant- 
„homme in der Welt vernüniftig wiedersprechen. GOtt behüte mich, dass ich 
„jemals sowas abgeschmacktes denke, vielweniger schreibe. Nein, mein Hoch- 
„ geehrter Herr Ober-Capellmeieter, dahin gehen ja gar meine Gedancken 
„nicht. Es mag einer durch ein Glass Wein, oder durch eine Pfeiffe Toback, 
„zu seiner Kunst gelangen, das gilt mir gleich; wenn er nur was rechtes 
„kan, ist er schon in diesem Stück ein braver Mann. Seimus, & hanc veniam 
„damus, petimusque vicissim. Wenn nur ändern Theils zugestanden wird, 
„dass einer, der weder sein Singen, noch sein Componiren, (Spieleu geht 
„ohne dem nicht an) mittelst der Solmisation erlernet, eben so wohl ein 
„guter Kerl seyn könne , als jener : so ist die Sache schon richtig. Dieses 
„wird aber gleichfalls kein galant homme bestreiten wollen; ob es schon 
„andre thnn und gethan haben. So lange behalten wir hier zu Lande 
„auch, was die vornehmsten Meister, von so vielen Seculis her, für gut und 
„recht gehalten haben, biss nns etwas bessers vorf&llt: und wenn dieses 
„bessere ankömmt, wie es denn, GOtt Lob! alle Tage aufstösset, so lassen 
„wir das alte immer fahren, wenns auch, von der SUndfluth her, durch Noam 
„selbst, für gut und recht wäre erkennet, und eingeführet worden. Darnach 
„fragen wir nichts. 

„Wegen der Modorum mögte die Sache ein wenig wichtiger und 
„emsthafftiger aussehen, als wegen der Solmisation. M. H. Hr. sagt schlecht 
„weg: die 24. im Orchester angeführten Modi hätten gar keinen Grund. Ew. 

1 Wer seine Anoal. ficclesiast. lesen will, vergesse des P. Psgi. Criticain nicht, 
so wird er nutzen heben. 



Beil. III. 8. 333 

„Hoch-EdL beweisen es aber nicht; hingegen will und kann ich das Gegen- 
„spiel ad ocnlom demonstriren , weil mir alle proportiones temperatae voll- 
„ kommen bekannt sind, und ich nichts ohne Grund setze. Ich kOnte wohl 
^mit eben der Leichtigkeit sagen , der Stephan-Thurn zu Wien hätte auch 
„gar keinen Grund; allein wir wollen, mit ihrer Erlaubniss, die Argumente 
„ein wenig untersuchen und beleuchten. Mein Grund ist mathematisch, und 
„soll zu seiner Zeit öffentlich erscheinen i, hier ist der Raum zu enge. 

„Modus ist ein circulirende Modulation intra limites Octavse. So lautet 
„M. H. Hm. definitio , Daraus soll folgen, und zwar nothwendig, wie gesagt 
„wird, dass so viel toni, und nicht mehr, seyu können, als offtgedachte Mo- 
„dulation, vermöge des semitonii, kann ver&ndert werden: welches, Dero 
„Meynung nach, nur sechs mahl geschehen kan. 

„Diese Folge vermag keine Vemunfft zu begpreiffen und ist ganz me- 
„taphysisch. So weiss ich auch noch nicht, womit die infallibilitas desjenigen 
„musikalischen Lycurgi sich legitimiren könne, der da gesagt, dass die 
„yerSndung der Stelle des semitonii auch die Veränderung der Modorum 
„mache. Ich weiss wohl, dass es per traditionem, von des Boethi^ Zeiten 
„her, so geglaubet worden, dass es sich auch damals hat hören lassen. Aber 
„dieser Glaube und dieses Mährlein geben mir gar kein Grenügen: ich will 
„rationes in experientia hodierna fundatast & approbatas haben; sonst ist 
„alles nur Wind. 

„Wolte man auch gleich obigen Vorsatz, oder die definitionem Modi, 
„hingehen lassen, so kann doch weiter nichts daraus folgen, als etwan 
„dieses, dass so viel Modi als Octaven sind. Und das ist auch nicht so gar 
„unrecht; wenn nur die Terzien mit ins Spiel kommen, als an welchen fast 
„alles gelegen , und wodurch die Zahl der Modorum hauptsächlich verdop- 
„pelt wird. 

^ Das ist in der Organisten-Probe xum UeberAuss geschehen, und kan in 
der Vorbereitung gelesen werden. 

^ Boethitts hat gleichwohl nie an die locationem semitonii gedacht: wer mirs 
ans seinen Schrifllen welatfn kann, «oll ein gntes Triuck-Geld haben. Von Glareano 
aber, lese man den Donium de Pr. Vet. Mus. p. £3. allwo er dessen Arbeit inntiles Gla- 
reani Incnbrationea nennet nnd hinan aetset, in quibas doleo sane, totos Tiginti annos 
ab eo oonsnntos. D. i. die Muhe sey gar annnts gewesen und an beklagen , dass der 
Mann 20 Jahr daran gewendet, im Anfange des Trattato de Generi e Modi lieset Donius 
diesem Glareano ebenfalls den Text. Salinas aber sagt ausdrücklich : Ks habe Giareanus 
falsche Gründe gehabt, und sey mit dem Pranckimo in gleichen irrthnm verfallen, da sie 
nehmiieb beyde gewihnet , man misse die Tone nach den Speciebns der 7. Octaven be- 
trachten, umd nur nach der verschiedenen Stelle der hemltoniorum benrtheilen; da doch 
alle Alten öffentlich .gesagt haben, dass der Unterschied nicht darin, sondern allein in 
der flöhe nnd Tiefe, stecke. Des Salini» eigne Worte, die er L. IV. cap. 31. p. %2S 
ffihret, stehen avf der allerletsten Seite der Organisten Probe und verdienen hiebey 
nachgeschlagen «i werden.- 



334 Beil. III. 3. 



„Derowegen mögte jemand (con licenza) mit bessrem Fortgang seine 
y^definitionem Modi solcher Grestalt einrichten : Modus est modulatio intra 
^limites Octav» , mediante vel Ditono vel Semiditono. Und darauf wäre 
„diese Schhiss-Rede zu bauen: 

„Major: Quot Ditoni, tot Modi majores: quot vero Semiditoni, tot 

sunt Modi minores. 
„Minor: Atqui in Genere chromatico duodeeim sunt Ditoni in speeie, 

totidemque Semiditoni. 
„Conclusio: Ergo sunt viginti quatuor Modi in specie. 

„Das schliesset richtig und ist einer von den Gründen, darauf die 24 
„Modi wohl ruhen können, so lange die Scala nicht verbessert oder vermeh- 
„ret wird; welches, weil es unnOthig ist, nimmer in dieser Welt mit succes 
„geschehen wird. Weswegen nun solten meine Terzien nicht so viel gelten, 
„als der alten ihr omnipotens-vermeyntes semitonium? anerwogeu jene bey 
„aller heutigen modulation das factotum sind; dieses aber nicht mehr, als 
„andere intervalla, zu sagen hat. Welches kein erfahrener Mensch streiten 
„wird. Et hoc probat majorem ; minorem natura & instrumenta. 

„Hiemächst setzet M. H. Hr. weil eine jede seiner sechs Oktaven har- 
„monice&arithmetice kOnne dividirt werden, so erwtlchsen ans den 6. tonis 
„Zwölffe, nemlich 6. authentici, und so viel plagales. 0! ich kan meine 24. 
„eben also harmonice und arithmetice theilen, und wenn das was helffen 
„soll, so werden ihrer gar 48 herauskommen. Allein, es thut wahrlich nichts 
„zur Sache. Und mein! warum sollten auch nur 6 Oktaven also kOnnen 
„dividirt werden? Wir leben ja, GOtt sei Dank I nicht mehr in der diatoni- 
„ sehen Armuth, sondern haben ein chromatisches, temperirtes Basta vor 
„uns, darin wir alle 12. intervalla Oktaven weiss so herrlich arithmetice und 
„harmonice theilen können, dass es eine Lust ist. Welches keiner läugnen 
„wird, der nur ein Ciavier oder monochordum von ferne erblicket. 

„Ich setze Z. E. d e f g a h eis d. (re mi fa hätte ich schreiben sollen). 
„Man sage mir doch, was das für ein Modus sei? Er findet sich nicht im 
„Glareano, noch sonst wo. Dennoch ist eine reine Octave da, die arithmetice 
„und harmonice kan dividirt werden, und die lieben semitonia liegen im 
„andeiii imd siebenden Grad: welches ja eine Verändenmg ist, die noch 
„unter den 6. bekannten alten Modis niemals vorgekommen. Darum muss 
„gewiss der Satz weg fallen, dass das Semitonium (ich weiss wohl, dass es 
„dem sogenannten natural! gilt) nur sechsmal könne verändert werden. 
„Denn liier ist es zum siebendenmal aller Welt vor Augen, und eine Melodie 
„gar natürlich daraus zu setzen. Hiebey behält auch das fUsohlich-angege- 
„bene semitonium naturale nichts voraus: weil kein einziges semitonium 
„unnatürlich ist. 

„Ich wollte es über zwanzigmal verändern, wenns der Raum zuliesse, 
„und drey biss vierfach in einer ordentlichen Octava anbringen, dabey auch 
„mehrentheils so einrichten, dass die verlangte divisio beybehalten würde. 
„Wenn ich aber M. H. Hrn. Schreiben werde drucken lassen, (wie ich zu 



Beil. Hl. 8. 



335 



„meiner juBtification aller derjenigen Briefe thun muss , denen ich das be- 
„schützte Orchester zugeeignet habe, damit die Welt aus dem pro & contra 
„schliesse, wer Recht oder Unrecht hat) alsdenn will ich, mit GOttes HUlffe, 
„in meiner Antwort diese vielfältigen Veränderungen mit diesem semitcnio 
„ hinsetzen 1, und sine adjumento artis combinatori» zeigen, dass solche 
„wenig oder nichts zu der Eigenschafft heutiger Modonim beytragen können. 



^ Hier muss ich Wort htlten, und behaupten, dass, ausser den 6. Lagen der Se* 
mitonien, in den alten Modis fictitiis, alwo sie diese Grade einnehmen: 3. 7. | 2. 6. | 
1. 5. I 4. 7. I 3. 6. I 2. 8. I noch wenigstens 24. Verinderungen damit zn treffen sind: 
die doch eben so wenig, afs jene, einen neuen Modum machen. Zum Versuch mag die 
folgende Tabelle dienen ; 



er 



jr 



ÖT 

3 



' 1. 4. d die f g as b c d. 
1. 6. d dis f g a b c d. 

1. 7. d dis f g a h eis d. 

2. 4. c d dis fis g a h c. 

2. 7. d e f g a h eis d. 

3. 4. d e fls g as b c d. 

3. 5. d e fis g a b d. 

4. 5. d e fis gis a b c d. 

4. 6. de e fis gis a b c d. 

5. 6. f. g a b eis d dis f. 

5. 7. f g a h eis d e f. 

6. 7. f. g a h eis dis e f. 
'1. 3. 5. d dis fis g a b c d. 

1. 8. 6. e f gis a h eis d e. 
1.4. 5. d dis f gis a b c d. 
1. 4» 6. d dis f gis a b c d. 

1. 4. 7. d dis f gis a h eis d. 

2. 3. 6. f. gis a b c d dis f. 
2. 4. 6. d e f gi» a h c d. 

2. 4. 7. f gis a h c d e f. 

3. 6. 7. f g a b c dis e f. 

4. 5. 7. c d e fis g as h c. 
1. 4. 8. 6. d dis f gis a b eis d. 

^ 2. 4w 5. 6. d e f gis a b eis d. 



D. moll. Har. k Arith. 
D. moll. H. A. 
D. moll. U. A. 
C« m. U. 
D. m. U. A. 
Ü. dur Arithm. 
D. dur. Harm. 
D. d. H. 

D. d. H. 

F. dur. per 6 & 3 dio. 
F. d. eod. mod. 
F. d. eod. mod. 
ü. dur Ar. Sc H. 

E. dur. A. Sc U. 
D. moli. Harro. 
D. m. fl. 

D. m. H. 

F. dur. H. & A. 
D. m. H. 

F. dur. H. 

F. d. U. & A. 

G. dur. H. 
D. m. H. 

H. m. H. &c. 3ec. 



Nun gestehe ich zwar gerne, dass einige sehr wunderliche scal» hierunter be- 
findlich sind, und sonderlich drey davon nicht per Quintam vel Quartani, sondern per 
Sextam & Tertiam getheilet werden mögen. Inzwischen ist Iceine so seltsam , aus der 
ich mir nicht getraute eine Melodie henronubringep : und viele sind überaus geschickt 
dazu. Es geschiehet aber nur exercitii gratia , dass diese Tabelle hier eingerfickt wird, 
damit man unter anderm daraus lerne, dass alle diese Veränderungen des Semitonii 
keinen neuen Modnm machen, sondern die blossen Terxien, mittelst welchen die 
12 Modi tonici verdoppelt werden, und eine xweyfache speciem bekommen. 



336 Beil. Hl. 3, 



„Was die gogenannten tonos transpositos anlanget, so ist hoffentlich 
„Im beschützten Orchestre^ deswegen satisfaction gegeben, und wenn 
„mans nur recht ansusehen beliebet, so wird schon erhellen, dass es nicht 
„einer, sondeiii wirklich und wah]:haftig 24 verschiedene Tone sind, die in 
„Tabella Modonim daselbst linker seits specificirt werden, und dass die 
„temperirten claves dem Dinge ein ganz anders Aussehen geben, welchem 
„zu Folge keine eigene species Octav» mit der andern in allem tiberein 
„kommen kan; sondern vielmehr recht wesentlich, fiirmlich, augenscheinlich, 
„handgreiflich und hörbar differiret, obgleich nicht gestritten worden, noch 
„wird, dass, crassa Minerva loquendo, die 24 species, dem ersten Anblick 
„nach, auf 2. genera reducirt werden können. Ich habe aber mit transponirten 
„Tonen nichts zu thun, und will den terminum diesenfalls gar nicht erken- 
„nen; sondern meine Gedanken gehen auf selbststandige, wesentliche und 
„authenti^ue Tone, deren jeder seine eigene Figur, Zahl, Wirkung, Eigen- 
„schafften und Kraffte besonders, und von allen andern in specie dennassen 
„unterschieden, hat, dass es auch ein EJnd merken kan. Man muss dem Ge- 
„hör^ in diesem Stttck mehr trauen, als dem zerbrechlichen raisonnement, 
„wiewohl dieses ebenfalls auf meiner Seiten stehet, wie an seinem Orte', mit 
„mathematischen Gründen, deutlich unwiederspreohlich demonstrirt werden 
„solL Tale enim a tali potest differe quoad minus vel. majus &c. cum pace 
„Aristo teils. 

. „Dieses habe £w. Hoch-£dl. wiederum wohlmeynend, und mit aller 
„Submission vor Deroselben grosse virtü, auch ohne der geringsten Lust 
„zum Wiederreden, vielmehr ans ungemeiner Begierde Dero fernere Ge- 
„dancken und ErlSntenmgen hierüber zu vernehmen, und davon bester- 
„massefl zu profitiren, antworten wollen und sollen: der ich wahrhafftig 
„hierunter nichts anders suche, als recht hinter die Sache zu kommen, und 
„einmahl das Glück zu haben, dass mich ein solcher hochberühmter Mann, 
„wie £w.Hoch-£dl. durch reine Vemunfftschlüsse, und unstreitige Erfahrung, 
„der Wahrheit überzeugen möge. Wenn dieses geschieht, und ich Unrecht 
„habe, will ich gerne alle meine Sätze öffentlich wiedemiffen, auch mich 
„gar nicht entsehen, noch aufs neue wieder in die Schule zu gehen. 

„Indessen thun mir Ew. Hoch-Edl. die Liebe sich selbst die justice; 
„derMusic aber die Ehre, und senden mir einige particularia von ihrem 
„Lebens-Lauff ein , damit solche in der zu edirenden Ehren -Pforte den 
„vornehmsten Platz mit bekleiden mögen. Wenn Ihnen auch sonst dahinge- 
„höriges aufstossen sollte, bitte gar schön um communication und Beistand 
„zu solchem löblichen, der ganzen musikalischen Welt zu Ehren gereichen- 

^ Auch vorDebnlich in der OryttDisteo^Probe. 

^ ?(on magnopere refert, qae alt burmoBi» ratio, quam non approbat sensus. Et 
ideo non approbat aeDattti .quia noo eTidentor percipit. ERASM. in A4ag. m. p. 
435 sq. 

^Solches ist bereiU in der Vorbereitung der Organislen- Probe, eeiC diesem 
Brieff-Wecbtel, geacheben. 



Beil. IH. 4. 337 

^den Werke, mit der Versicherung, dass ioh eines jeden Verdienste, nach 
^seiner Art, ohne einige Passion, zu schätzen wissen, auch mich übrigens 
q willig belehren lassen werde, wo ich etwan geirrt haben sollte ; womit end- 
nlich, um Entschuldigung dieser langen Epistal ersuchend, in aller Ergeben- 
„heit mich Ew. Hoch-Edl. Gunst, Gewogenheit und Güte bestermassen 
„empfehle und stets verharre 

Hoch-Edler, insonders Hochgeehrter Hr. Ober- Gapellmeister 

Ew. Hoch-Edl. 

Dienstwilliger Diener 
Mattheson. 
Hamburg den 18. Dec. 1717. 

P. S. Ich nehme mir die Freiheit Ew. Hoch-Edl. ein Exemplar meiner 
Clavier-Arbeit hiebey ttberzusenden etc : etc : 

Inscriptio 
A Monsieur, Monsieur Fux, premier Maitre de Chapelle de S. M. J. & 
Cathol. &c : 

a Vienne sur le Danube." 

(XV.) 

^ Einige Wochen nach Abgang dieser Antwort, erhielte der Auetor 
eine duplicam von dem Herrn Ober-Gapellmeister, folgenden Innhalts : 

„Monsieur 

„Hochgeehrter Herr Desselben Schreiben vom 18. Decemb. verflosse- 
„nen Jahrs, sambt denen Glavir-8tükhe ist mir richtig zu Händen kommen, 
„ich habe dieselbe dnrchsechen, und so vill ich in Kürze der Zeit habe ab- 
„nemmen kOnnen, gar fein, artig, und von gutter invention befunden, vor 
„welche ich schuldigen Danckh erstatte. Das dem Aretino und dessen rume 
„in dem beschitzten Orchestre an verschiedenen Orthen zu hart geredet 
„wird, ia in der Lobrede Menippi in Autorem, gar vor einen Atheisten pas- 
„siren muss, weiss niemandt besser als M. H. und ist mir umb so vill weniger 
„übel auszudeiten, das ich mich hürüber befirembdet habe, als in diesen Land- 
„ten wegen der Beschwerlichkeit der Aretinischen Sylben sich niemand be- 
„klaget, sondern im Gegenthaill deren gutte Würkhung täglich zu gehör 
„kommet: indeme allhir Knaben von 9. und 10. Jahren zu ünden, welche 
„die schwäriste stückhe all improuiso wekh singen, welches ia nitsein kunte, 
„wan die Aretinische erfindung so voller iammer und Eilend wäre: Auch 
„bleibt man in Italien, alwo ohne widerredt die vomembsten Singer hervor- 
„ kommen, noch immer bey dieser methode; und weillen ii^ Hamburg nit die 
„gantze musikalische Welt ist, und nur aldorten so beschwärlich ist, die 
„singkunst auf solche weiss zu erlernen, so lass ichs gar gern geschehen, 
„dass man alldorten das ut, re, nd, £a, sol, Ia, zu Grabe tragen möge. Wun- 
„derlieh komt mir vor das M. Hr. schreibet, grosse Virtuosen sollen an der- 
„ gleichen baggatellien nit einmal gedenkhen; ich halte M. Hr. vor einen 
„solchen grossen Virtuosen , und gleichwohl hat er sich erniedrigen wollen 

KöcAd, J. J. Fux. 22 



338 Beil. m. i. 

„darvon Bücher zu schreiben. Ich meines theils, als der ich an den grossen 
^Nutzen dieser Erfindung zn zweiflen niehmallen CJrsache gehabt habe, hätte 
„niehmallen daran gedacht. H. Hr. hat mir die Ehre gegeben, meine Mei- 
„nung über das geschützte Orchestre zu vernemmen, diese habe ich ganz 
„anfrichtig, in allen ernst ohne scherz Überschreiben wollen, wan man dar- 
„mit nit zu frieden ist, kan man bey seiner Mainung verbleiben, ich bins gar 
„wohl zu frieden. Die Gleichniss meiner Meinung von dennen modis mit 
„dennen Stephanss Türen ist zimblich piquant. Ich bin sonst gewandt alzeit 
„mehrer in Werkh darzn thuen als ich vorgibe; und kostete mir mein asser- 
„tum, das die 24. modi keinen Grundt haben, gar kein Miehe dar vor die 
„Augen zu legen, wan ich mit einem zu thun hfitte, der kein esclaue, und 
„gar zu sehr eingenommen wäre von seiner aignen Mainung. 

„Wann ein Singer mit einer Cantata bey einem Clavicymbel den 
„Accompagnanten ersuchet, er möchte ihm, Bequemlichkeit halber seine 
„Cantate e. g. aus dem C 



b g ^^ 



ZL 



ut, re, mi etc. 
„um einen Ton höher transponiren e. g. 

4 



h'l -^ 



Ut, re, mi etc. 

„wird hiedurch ein neuer Modus gemacht?^ 

„Woraus nothwendig erfolget, das die in dem beschizten Orchestre 
„12. pnetendirte modi nur ein einziger seye, wie in beyligenden Zetl zu 
„sehend, dise Prob ist Handtgreifflich, indeme in allen 12. Systematibus diser 
„Octaven die toni uAd semitonia gleich eintreffen. Dass die modi allein aus 
„dem genere Diatonico müssen genommen werden, ist dar. Dieses zu be- 
„weisen ist vorher zu wissen, das die semitonia auf zweyerley weiss können 
„gemacht werden: essentialiter und per accidenz. Essentialiter, wan die 
„Kreuze oder b zu An&ngs deren Linien gesetzt werden, und mit einem 
„aus dennen 6. modis naturalibus Diatonicis eintreffen, in welchen fahl Sie 
„modi transpositi seind, und keinen neuen modnm zu machen vermögen. 
„Per accidenz werden die semitonia gemacht , wan die Kreuz oder b in der 

^ Auf lothtnen beylief^enden Zettel «tanden 1% actlae i« Noten deren ertte wv 
cdefgahc. mit der Unterschriffl : ut, re, mi, fa, nt, re, ml, fa, wobey jederteit das 
wertbe ml, fa eehwarfte Noten hatte, anf die Art wie aie iu der Org^aniaten- Probe 1. c. 
▼orgeateflet worden. Die fibrigen 11. Scalae modorum m^jomm hatten eben die Unter- 
fchrin, doch stand über einer jeden die Masse der Erhöhung oder Brni«dri|ning, Z. E. 
i*isteaso modo d'iin mexo tnono piA alto kc. Und das siehet alles mit einander sehr 
trAstlich aus. 



Beil. III. 4. 339 

„Mitten ungefehr zu Veränderung der modulation gesetst werden , als das 
„Kreuz vor dem c, oder das b vor dem h, welche keinen Ton zu ändern ver- 
„mögen, quia accidenz non mutat rei subatantiam. Und würde gar unge- 
„reimbt sein, wenn ich e. g. aus dem D moll ein Stukh machte, und setzte 
„per accidenz im c ein Kreuz, deswegen einen neuen modum zu formireu ; 
„bey solchen Umbständen kundte man niemallen sagen: das Stuck ist auss 
„diesem modo gemacht. Wan man aber das Kreuz im c essentialiter setzen, 
„und dadurch einen neuen modum formiren wollte, ist wohl zu erwegen, ob 
„dieser neue modus von solcher Wichtigkeit seye , dass man etwas neues 
„wider derer alten Autoritet statuiren solte. Die modulation wurde es 
„weisen, wie arm dieser neue modus (D moll mit dem Yorgesetzten Kreuz 
„ins c) seyn wurdte. Wollte ich in das F als seiner tertia, moduliren, hätte 
„das eis keinen Platz mehr. Wollte ich in das A , als seiner quinta , moduli- 
„ren, und etwan eine Cadenz vom e ins a machen, wurd das eis einen üblen 
„effect machen 1. Gesetzt, dato, non concesso, ich liesse dieses systema : 
„defgahcisd, fiir einen modum gelten, so wäre dieser der erste und 
„der abgesetzte im C der andere modus. Wo blieben denn die übrigen 
„22. modi^? Ans welchem inconvenienti clar zu sehen ist, das die toni oder 
„modi anf kein Weiss auf der tertia majori oder minori zu formiren seind, 
„wie IeL Hr. vorgibt. Ich habe dieses etwas weitleifflger überschreiben 
„wollen, umb M. Hr. auf bessere Gedankhen zu bringen, auss Beysorge 
„M. Hr. mochte sonsten bey dennen der Musique recht kündigen eia 
„schlechten Ruhm darvon tragen, welches mir sehr leydt seyn sollte, indeme 
„M. Hr. sonsten wegen seiner besonderen Gelehrheit, und Eyfer gegen der 
„lieben Musique ein besondere estime meritirt. Bitte sonsten mich zu ver- 
„schonen mit Eintruckhung meiner unpolirten zweyer Briefen . . .^ meine 
„Mainnng aber von der Solmisation und den modis kan der ganzen Welt 
„bekannt seyn^. Bei diesen, meine Mamung anbelangend, soll es seine Be- 
„wandniss haben, dann ich weder Zeit weder humor, noch iucliuatiou zu 
„dergleichen strittigen Schreib- Art habe. Kan M. Hr. ich sonsten alhier ein 

^ Wenn dietea Argument achlietst , «o sind 4. von den 6. alten modia in eben 
der, i« in noch firgerer Verdamniss, alt Z. E. D moll mit dem h ; E rooll ohne fis ; F dur 
ohne b; G dar ohne fis. Denn wer bei dem ersten, als Dorio, im P, als seiner Tertia, 
moduliren will, der kann kein h gebrauchen; wer bey dem andern, als vermejnteu 
Phrygio, nor im H, als seiner Quinta, modniiren will, der findet Tor dem F keinen Platz 
mehr; der dritte, seilicet Lydias, kan kaum iu seiner chorda flnali, geschweige denn io 
Sexta vel Quarta eine modulation, ohne b, anstellen; und hat es doch niebt. Wie will 
auch der vierte, quasi Mizo-Lydius mit seinem f au rechte kommen? findet das wohl 
Raum, wenn ich nur im D als Quinta, im H, als Tertia, im E, als Sexta, moduliren will ? 
dann da muss lauter fis seyn. 

^ Sie sind oben f. 14 in Lebens-GrÖsse dargestellt. 

' Was hier fehlt wird mit Fleis« ausgelassen. 

^ Wie kunte dieses besser geschehen, als ipsissimis verbis Fuxianis; doch mit 
Weglassnng derjenigen Ausdriickungen, die eigentlich nicht zur Sache gehören. 

2-2* 



340 Beil. III. 5« 6. 

„angenemmen Dienst erweisen, wolle man nur iVey mit mir befehlen, aU 
„der ich bin und verbleibe 

Meines Hochgeehrten Herrn 
Dienstwilliger 
Johann Joseph Fux.** 
„Wienn den 12. Jan. 1718. 

„P. S. Ich kundte vttü vortheilhafftiges für mich, von meinem Auf- 
^khommen, unterschiedlichen Dienst-Verrichtungen Überschreiben, wan es 
„nit wider die modestie wäre leibst meine elogia hervorzustreiohen : In- 
„dessen seye mir genug, das ich wirdig geschätzt werde, CAROLI VL 
„erster Capellmeister zu sein^. 

(XVI.) 

ft« Wir sehen hieraus, dass allerhand krumme Wege von denen gesucht 
werden müssen, die auf dem geraden Wege fortzukommen sich nicht ge- 
trauen. Diese Abwege sollen wir kennen lernen, so kümmern sie uns nicht. 
Die erste Ausflucht in obigem Briefe betriflft den g^ten Menippum, als wenn 
der Auetor Orchestrae verbunden wäre , einen pseudonymum zu vertheydi- 
gen. Zweitens will man nicht verstehen, dass ein anders sey : de Sohmsatione 
Bcribere, & contra Solmisationem scribere. Drittens werden mir ganz andere 
Worte angedichtet, und die expressiones verdrehet. Viertens mnss sich die 
•Hamburgische Musik spotten lassen. Fünftens kommen gar Scheltworte auf 
den Plan. Sechstens wird tonorum locatio mit den semitoniis unbillig ver- 
mischt. Siebendes entstehet ein unphilosophischer circulus, und Achtens 
erscheinen ganz unzeitige Weissagungen. Ob dieses nun gute Gründe sind, 
dadurch sich einer zur Solmisation und zu den alten Modis bewegen lassen 
wird, mag die Welt urtheilen. Wir wollen sehen, wie sie in der Beantwortung 
gerathen sind, und wie insonderheit das Postscriptum so abgefertiget worden, 
dass sich die falsche Modestie hiniUhro nur gar verstecken mag. 

(XVII.) 

6* Hoch Edler etc : 

Hoch V. vielgeehrter Hr. Ober-Capellmeister, 

„MenippuB, dessen Sie in ihrem Briefe von 12. Jan. erwehnen, hat 
„nichts weniger, als eine Lob-Rede, in Auctorem Orchestrae, gemacht; er 
„hat nur blos einen eylfertigen Fluch, wider die Aretinische Solmisation 
„und deren Verfechter, dergestalt ausgestossen, wie es ihm, als einem 
„experto Ruperto, ums Herz gewesen ist. Dass er aber daneben den frommen 
„Guidonem zum Atheisten ^ macht, solches rühret aus einem gelehrten Ver- 

^ Die Aufschrifft dea Briefes ist der vorigen g^leicb, nur da«« es heisst: HHam- 
bourgne an der Elbe. 

^ Im in. Orcb. ist dennoch p. 787. & 788 snttsam erwiesen worden, duts dem 
Aretin auch hierin «^ar nicht zu Tief, sondern wob! in wenig, geschehen ist. 



Beil. III. 6. 341 

^aehen her, das im blossen Namen steckt: weil nicht Gruido, sondern Petrus 
n Arentinus, dafür passiret. Grosse Leute können auch fehlen, und hätte man 
^den Innhalt des Carminis vor dem Druck überlegen können, würde es ohne 
t, Zweifel geändert worden seyn. Inzwischen darff man mir anderer Leute 
„Uibersichten, dabei ich keine Hand gehabt, desto weniger beymessen. — 

„Um Verzeihung, mein Herr Ober-Capellmeister, ich habe keine Bücher 
^von der Solmisation schreiben, sondern nur ein einziges Capitelgen 
„wieder die Solmisation^ weil ich dazu genöthigt worden, im beschützten 
„Orchestre, mit einrücken wollen; wie ungern, weiss ich am besten, und 
„bezeuge es auch an mehr als einem Orte. 

„So gebrauche ich femer keines Weges solche expressiones , wie 
„M. Hr. mir voriiält, nehmlich: dass grosse Virtuosen nicht eintnal 
„an dergleichen Bagatellien gedenken sollten; sondern meine 
„Gedanken sind in diesen Worten abgefasst: Es ist Sünde, Schande 
,^und Schade, dass verständige Componisteu ein Wörtgen, 
„solcher Possen halber, verliehren sollen, c' est ik dire: mitder 
„Frage, ob die Tone durch das abgelösete ut, re, mi, fa, oder durch ein an- 
„deres, zulängKchers Hülffs-Mittel, ausgesprochen und benennet werden 
„müssen? Dabei bleibe ich, und verlange gar nicht das prtedicatum eines 
„grossen Virtuosen zu behaupten, importunus enim amat laudari; sondern 
„verharre gern auf dem geraden Mittel- Wege: zumal da Hamburg ja nicht 
„die ganze musicalische Welt ist , wie M. Hr. ziemlich verächtlich schreibt. 
„Ich habe mir sonst sagen lassen, das gute Welsch-Land, ob es wohl einiger 
„massen das vornehmste Seminarium musicum mit ist, könne sich doch 
„dieses Titels der ganzen musikaiisohen Welt noch lange nicht anmassen : 
„weil hinter dem Berge auch Leute wohnen , und so wohl in Teutschland 
„als England hin und wieder (Franckreichs zu geschweigen) ein kleines, 
„doch reiches und solides, musikalisches Pegn hervorraget, welches tusci 
„turba impia vici noch niemals auf der Ca8traten*Land- Carte hat finden 
„können. Ich erinnere mich hiebey der Worte des Monzambani, alias Puf- 

^ Dut hiit ein reehtscbaffener TeuUcber, zumal bcy er^ng«n«r provocation, desto 
mehr Ursache, weil man, id DurchlesttDi? alter Kirchen-Geschichte« nicht ohne Befrem- 
^dao^, ersehen mass, wie so manohera ehrlichen Mann, dieser Schol-Possen halber, su 
nahe geschehen ist. Z. E. A. I$d8. Ist xu LGbeck ein Rector gewesen, Namens Panera- 
tius Cnigerius, ehmaliger Cantor Martinianas in Braunschweig, denselben bat das Lfibe- 
kische Ministerium, anter andern, auch deswegen übel tractirt, ron den Kanseln ge- 
scholten, Toro Abendmal verwiesen, und endlich gar vom Dienste gebracht, weil er das 

• 

ut, re, mi ke: ins », b, e, verSndert. Denn so schreibt der Reeensente Athenar. Lubec. 
in Actis Erudif. lat. 17Z2. Oct. p. 499 »q. Querto, eum (Crugerium) in jus rocabant 
(sacerdotes) ob novitatem musicam. Abrogarat enim Crugerius vetus illnd: ut, re kc 
c^jusque in locum cani jusseral: a, b, c. Und also sieht man, wie schon vor hundert und 
etlichen Dreyssig Jahren die solmisirende inqnisitores so gerne A, B, C Mirtjrer 
machen mogten , selbige Lehrart aber eben so wenig haben* verlilgen können , als die 
Jesuiten das Evangelium. 



342 Beil. III. 6. 

^fendorffs, da er in seinem Buche , de Imp. Kom. uns italiSnisirten 
„Teutschen diesen artigen, obwohl stichelichten, Text lieset. Apnd transal- 
npinos all quam prudentiie opinionem conciliat, vel de sumrois montibus 
^fltaliam conspexisse. Wenn ich nun dieses an seinem Orte gestellet seyn 
,, lasse, so gehet doch, hier zu Lande, in unsrer Barbarey, die Bede sehr 
^starck, dass die Herrn Italiäner mehrentheils recht gute Puteanisten seyn 
^sollen, und die ehrliche siebende Sylbe si, so wie auch die Herren Franzosen, 
^anfalle Weise zur Erfflllong der Octava, hinzu setzen. Doch werde mich 
„ein wenig weiter erkundigen, ehe ich es umstfindlicher bejahe. 

„Mein Hochgeehrter Herr hat sonst in dieser Oorrespondenz mit einem 
„zu thun gehabt, der nichts weniger, als ein Esclave, weder seiner eigenen 
„noch andrer ungegrilndeten , Meynungist; der so frey gebohren, so frey 
„lebet, und einer solchen freyen Nation dienet, dass bey ihm Sciaverey und 
„Böhmische Dorffer, im gleichen Grad, unbekannte, fremde Dinge sind. Er 
„hat auch neulich noch ein Buch gelesen , das heisst : la libertö de penser ; 
„und ob er gleich mit dessen Auetori nicht in allen Stücken einig ist, so 
„liebt er doch den Titel der Freyheit; deprecirt aber mit aller Macht den- 
„ jenigen garstigen Namen, so M. Hr. ihm beylegen will: der, ob er zwar 
„nichts minder als piqnant ist, doch, Tentsch zu sagen, etwas grob klinget. 

„Sie haben mir die Ehre gethan , mein werther Herr Ober-CapeUmei- 
„ster, und ihre Meynung wegen des beschützten Orchesters übergeschrieben; 
„damit bin ich auch anitzo gantz gerne zu frieden, weil sie mich nunmehr 
„in ihrem zweiten Briefe versichert, dass es in allem Ernst, und ohne Scherz, 
„gemeynet sey. Ich will demnach weiter nichts von der Sache an diesem 
„Orte beriihren, sondern meine Gedanken biss auf eine bequemre Gelegen- 
„heit versparen, da wenigstens, wo nicht die gantze, doch die halbe, und 
„zwar teutsche musikalische Welt urtheilen soll, wer eigentlich von uns ein 
„wirklicher Sclave seiner alten Meinung sey, quis antiquum obtineat? Da- 
„ selbst 1 und als denn wird auch die Frage völlig aufgelöset werden: Ob ein 
„neuer Modas entstehe oder nicht, wenn ein Stück aus dem C ins D versetzt 
„wird, etc: Es ist mir sonst lieb, dass der Herr Ober-Capellmeister uns die 
..loeationem Semitonii, in allen 12. Systematibus (majoribus) so fein und 
„artig, auf einen kleinen Zettel vorgeschrieben hat, auch den Unterschied 
„inter ens & accidens dabey lehren wollen : man hat es noch hier zu Lande^ 
„auf die Art nicht gesehen, und weil die piece curieuse ist, werde um Er- 
„laubniss bitten, sie mit in der Druck zu gebend ob ich gleich dabey, nach 
„Ew. Hoch-Edl. Befehl, das anstössige in den von M. Hn. selbst sogenannten 
„beyden unpolirten Briefen auszulassen besondere Sorge tragen werde, und 
„bloss dero Meynung von der Solmisation und den Modis (die ja nach ge- 
„ gebener eigenhändigen permission der gantzen Welt bekandt seyn mag) 
„in gehörigen terminis zu entdecken gesinnet bin. Wenn ich aber solchem- 

' Vid. OrguDisCen- Probe in der Vorbereitung p. 6.^ & seq. 

^ E8 ist oben schon eine Bescbretbung' davon ertbeilet, die, in Ermanf^lung der 
Noten, einiger mnssen zureicbt. 



Beil. III. 6« 343 

^nach nur ein Paar unpolirter Briefe von M. Hr. erhalten haben soll, so ver- 
klangt mich ungemein, einen einzigen polirten zu sehen ; doch stehet dahin, 
„ob £w. Hoch<£dl. mich damit bewürdigen wollen. 

„Wo das Semitonium sitzet, das habe durch meines Hochgeehrten 
„Herrn gütige Manuduction nun endlich begriffen, dass es nehmlich in allen 
„12. Octaven meines systematis (majoris) gleich eintreffe; aber, dassEw. 
„Hoeh-Edl. zu setzen belieben, die Tone thäten solches auch, das wird wohl 
„ein kleines, durch anderweitige grosse virtü zu bedeckendes, Versehen 
„seyn. Mandarffnur, unbeschwert, die tonos majores a minoribus unter- 
„seheiden, so wird sich weisen, wie C und D so artig damit spielen. Perraro 
„haec alea fallit : Diese Kunst geht fest 

„Wenn aber die Modulatio, sie sey reich oder arm, de Modis eorumque 
„distinctione den Ausspruch geben soll, was haben denn die Semitonia fllr 
„ein unnöthiges Amt bekommen ? Circulus hie vero Musica indignus est. 
„Falls mein Hochgeehrter Herr dasjenige Systema, wo die Semitonia 
„im andern und siebenden Grade liegen (das ich nur zum Spass gemacht) 
„für einen neuen Modum gelten Hesse, und früge denn in Ernst, non dato; 
„sed concesso, wo die übrigen 22 blieben? so wollte ich darauf antworten i. 
„Ich habe sie schon entworffen und dachte sie weiter auszuarbeiten; (i. e. 
„mit exemplis zu erläutern) allein Horatius gerieth mir eben in die Hände, 
„mit dem Vers in seiner VIII. Satyra: 

Responsura tuo nunquam.est par fama labori. 
„Ob ich übrigens schlechten oder krausen Ruhm, wegen meiner un- 
„massgeblichen Gedancken, bei den recht- und schlecht-kundigen der Music, 
„davon tragen werde, als worüber M. Hr. mit einem angemassten Leidwesen 
„in antecessiun etwas bekümmert zu seyn scheinet, solches ist mir gleich- 
„giltig : sintemal ich keiner von denen bin (mit Nazianzeno zu reden) quos 
„magis movet gloria, quam amor bouL Genug, wenn mir, wegen des herz- 
„lichen Eyfers für die liebe Music, eine besondere Achtung gehöret und 
„gebühret; ob ich sie bekomme oder nicht, daran liegt blutwenig. Mein 
„Wahlspruch ist dieser: 

Un generoso cor s'appaga e gode 
Di meritar, non d'ascoltar, la lode. 
„Und hiebei mag es denn^in Gottes Namen, mit unserm kleinen Brief- 
„weehsel über obgeregte Materien sein Bewen4en haben; dieweil ich meines 
„Hochgeehrten Herrn Zeit , humeur und inclination bey Leibe nichts in den 
„Weg zu legen gedenke, sondern mir immer die grosseste Ehre machen 
„werde, mit aller Hochachtung zu ersterben 
Ew. Hoch-Edl. 
meines Hoch- und Vielgeehrten Herrn Ober-Gapellmeisters 

gehorsamer Diener 
Hamb. den 12. Febr. 1718. Matthesou. 

^ Es ist solches oben sur Genüge geschehen, und iiUes mathematisch erwiesen 
worden; mehr die Ohnmacht des Semitonii, als sonst etwas, ans Licht lu stellen. ' 



344 Beil. Hl. 6. 

„P. S. Ich bitte M. H. hieinit nochmals auf das nachdrücklichste und 
„inständigste, nicht eben mir, sondern vielmehr der hin und wieder unterge- 
,, drückten Music, die unverweigerliche Ehre zu erweisen, und sowohl von 
„andern dasigen Orten, als insonderheit von £w. Hoch-Edl. Aufkommen, 
„Dignitaten, Einkommen, Rang, etc. solche facta & acta mitzutheilen, die 
„gar mit keiner Modestie streiten, und veritatem, absque elogio, enthalten, 
„auch hierauf (nehmiich auf diesen einzigen Punkt nur) eine kurze doch 
„gewierige, hochgeneigte und baldige Antwort zu ertheilen; sintemal ob es 
„gleich Ew. Hoch-Edl. Person gnug ist, dass sie würdig geschätzt werden, 
„des unüberwindlichsten Romischen Kaysers CAROLI VI. 
„erster und vornehmster Capellmeister zu seyn; so ist doch solches der ge- 
nlehrten und curieusen Weit damit noch gar nicht genug, und sind Ew. 
„Hoch-EdL als die gleichsam an der Spitze musikalischer Republick stehen, 
„ex officio & vocatione verbunden, durch den Beytrag der Erzehlung ihrer 
„rühmlichen Verrichtungen, besonderer Ehren-Steilen etc: dem Ansehen, 
„dem leyderl an vielen Orten schrecklich-gefallenen Ansehen unsers aller- 
„liebsten und alleredelsien Studii kräfftigst mit aufzuhelffen : 

plerumque modestus 

Occupat obscuri speciem : taciturnus acerbi. 

„Wird mir diese Bitte (als welcher wegen ich, die Wahrheit zu sagen, 
„eigentlich noch diesesmalil mit meinem Schreiben beschwerlich fallen muss; 
„da es sonst wohl nachgeblieben wäre) wird mir, sage ich, dieses allerbil- 
„ligste Begehren zum viertenmal abgeschlagen: so will ich vor der Welt 
„entschuldiget seyn , wenn sie etwan sinistre von dergleichen misgünstigen 
„Weigerungen urtheilen sollte. 

„Ist es denn so was seltenes , seinen eigenen Lebens-Lanff selbst zu 
„beschreiben? Hat es nicht der fundator Monarchie RomansB selbst derge- 
„stalt gethan, dass es biss auf diese Stunde nützlich und löblich ist? Ich 
„weiss zwar wohl, was Cicero Lib. V. ad Famil. Epist. 12. davon hält. Allein 
„man kan ihm eine Menge gelehrter Leute, und unter andern, neuem, in- 
„ Sonderheit Cardanum, Thuanum &c. entgegen setzen, die es mit gutem 
„Glück gethan haben. Bussy ^ gehört hier oben an ; seine Gredanken sind 
„recht edelmüthig, und verdienen billig Platz: Je parlerai (sagt er pag. 2. 
„seiner Memoires) moi-mSme de moi , & je ne ferai pas comme ceux , qui 
„pour avoir pretexte de faire leur panegyrique de leur histoire, reerivent 
„sous des noms emprnntez: je ne serai ni assez vain, ni assez ridicule, pour 
„me louer sans raison; mais aussi n'anrai-je pas une assez sötte honte, pour 
„ne pas dire de moi des choses avantageuses quand ce seront des veritez. 
„d. i. Ich werde selber von mir reden, und es denen nicht 
„gleichthun, die ihren Leb ens -Lauf f unter entlehnten Namen 
„abfassen, damit sie nur einen Vorwand bekommen, sich 

^ Dieser Zusatz von Bussy, und die zweite Stelle des Taciti , befandeo sich nicht 
im Original; ich habe sie aber, um das unnöthige Bedeeken desto besser zu heben, 
hier mit eingerückt. 



Beil. III. 7. 345 

„eine Lob-Rede zu halteiif Ich heg^e keine solche lächerliche 
„Einbildung, dass ich mich selber, ohne Ursache, rtthmen 
„sollte; aber es wohnet mir auch keine solche alberne 
„8chaam bey, dass ich etwas vortheilhafftes von mir zu 
„melden Bedenken tragen sollte, wenn es die lautere Wahr- 
„heit ist. 

„ Jonsius recensirt die alten berühmten Leute , die sich selber ihr cur- 
„riculum vitse gestellt haben, Lib. III. de Sciiptor. Uistor. Philosoph, cap. 2. 
„§. 222. Vom Rutilio und Scauro sagt Tacitus, in yita Agric. cap. I. no. 3. 
„dass ihre Beschreibungen, die sie sich mit eigner Hand verfertiget, nee 
„citra fidem, nee obtrectationi, gewesen sind: das ist, sie haben weder un-. 
„glaubliche Prahlereyen, noch verkleinerliche Dinge vorgebracht; man hat 
„ihre £rzehlungen aufrichtig und so befunden, dass nichts dawider zu sagen 
„gewesen. Es redet Tacitus I. c. von der damaligen löblichen Grewohnheit 
„berühmter Männer, dass die meisten von ihnen ihr eigenes Leben selbst 
„beschrieben haben ; nicht aus Hoffart, sondern aus fester Zuversicht ihres 
„g^tes Wandels. Plerique suam ipsi vitam narrare liduciam potius morum, 
„quam arrogantiam, arbitrati sunt. Zudem hat es hier ja noch eine ganz 
„andere Bewandniss, und ist solchen Falls das beste Mittel, dass, ob gleich 
„ein jeder seinen Lebens-Lauff selbst entwirfft, weil er solchen am besten 
„kennet; dennoch sothane Beschreibungen, Wohlstands halber, einem drit- 
„ten Mann, zur Bearbeitung und Herausgabe, überlassen werden. Wüste ich 
„M. Hr. Verichtungen und Thaten so wohl, als er selbst, oder könnte die- 
„ selbe aus Büchern erlernen, (vielleicht erfahre ich doch noch etwas) ich 
„wollte gewiss nicht viel gute Worte darum verlieren; doch werden auch 
„diese die letzten sein. Adio ! 

9* Johann Mattheson's Anschuldigung des kais. Hofcompositors 
Francesco Conti. 

Obwohl diese Angelegenheit seit ihrem Entstehen (1739) viel mehr 
als ein Jahrhundert hinter sich hat , so rumort sie noch heutigen Tages in 
musikgeschichtlichen Werken, so in der zweiten Auflage (1861) des vielver- 
breiteten Werkes F. J. Fötis, Biographie universelle des musi- 
ciens wie in dem verdienstvollen Handbuche der Musikgeschichte von 
Arey von Dommer (1868). Beide nehmen von der Ehrenrettung Fran- 
cesco Conti's durch Simon Molitor in der AUg. Mus. Zeitg. 1838 
pag. 153 ff. keine Notiz, und da von Anschuldigungen, aueh wenn sie durch 
und durch lügenhaft sind, immer etwas hängen bleibt, so soll hier der ganze 
Sachverhalt in allen belastenden und entlastenden Stücken kurz aufgenom- 
men und was aus amtlichen Urkunden in neuester Zeit hinzugekommen ist, 
zusammengestellt werden. 

Nicht leicht ist ein niedertrachtigeres Gewebe von Lügen mit ganz 
erfundenem Detail, welche für viele als der Ausspruch einer Autorität, wofür 
Mattheson galt, als wahr angenommen werden konnten, im günstigsten 
Falle mit seltenem Leichtsinne , im schlimmeren als ein Ausfluss raffinierter 



346 Beil. III. 8. 

Bosheit in die Welt geschickt worden ids in diesem berüchtigten Handel. 
Mattheson gibt in seinem vollkommenen Kapellmeister au , einen Brief aus 
Regensburg vom 9. October 1730 erhalten zu haben, welcher die Scandal- 
geschichte F. Conti's wegen thätlicher Beleidigung eines Priesters und der 
darauf erfolgten Kirchenstrafe, des vierjährigen Kerkers auf dem Spielberge^ 
und der ewigen Verweisung aus den österreichischen Staaten mit minutiöser 
Genauigkeit enthalten haben soll. War Mattheson damit mystificiert worden, 
was nOthigte ihn denn, in einem Werke, wie der vollkommene Kapellmeister 
war, eine solche Scandalgeschichte aufzunehmen? Allerdings, der schreib- 
wttthige Mattheson findet überall und zu allem PUtz, und einer solchen 
Verlockung konnte ein solcher Freund des Scandals nicht widerstehen. Seit 
1730, wo diese Begebenheit sich zugetragen haben sollte, bis zur Heraus- 
gabe des „Kapellmeisters^ im Jahre 1739, also durch volle neun Jahre 
hfttte der Mann, der wie er sagt, „voll Hochachtung für dieses ungemeinen 
Virtuosen (F. Conti) Verdienste als Tonmeister*^ überfliesst, Zeit genug 
gehabt, von der Wahrheit jenes infamierenden Briefes sich zu überzeugen, 
allein das „herzliche Mitleiden (! !) so er über Conti's Unglück und grosse 
Sittenschwachheit empfindet" musste den elenden Tartüffe bestimmen , der 
Welt, die nichts davon zu wissen begehrte, alle diese ehrenrührigen An- 
schuldigungen aufzutischen; im entgegengesetzten Falle wäre freilich die 
Welt um die schon fertigen schalen lateinischen Verse gekommen, die 
„man" auf Conti gemacht hat. — Auch von der 1754 in Marpurgs krit. 
Beitr. I. 219 ff. erschienenen Richtigstellung der Thatverhältnisso hätte der 
alte hartgekochte Sünder Kenntniss nehmen können und sollen, allein 
das war für einen Menschen mit Mattheson 's eherner Stime eine lächerliche 
Zumuthung. 

Dem Leser, welcher die nachfolgenden Actenstücke durchzugehen 
Anstand nimmt, sei gleich hier erwähnt, dass Francesco Conti sich keines 
Vergehens schuldig gemacht, dessen Sohn, Ignazio Conti, aber in der 
Hitze eines Wortwechsels einen Priester thätlich beleidigt habe, worüber 
er zum Kirchenbann verurtheilt, durch Abbitte auch hievon nach einem 
Monat der Untersuchung Absolution erhielt. Alles übrige wegen Stehens 
an der Kirchthüre, Festungsstrafe und Landesverweisung ist vollständig 
Erdichtung. 

8. Joh. Mattheson, vollk. Kapellmeister, p. 49, schreibt: 
„§.46. Conti, der grosse, aber auch unglückselige Tonkünstler, 
ehemals kais. Vice-Kapellmeister (!) ein in seiner Wissenschaft vortrefflicher 
Mann, von dessen Fatalitäten ich bei dieser Gelegenheit einige glaubwürdige 

Nachricht zu geben nicht umhin kann, war 

§. 47. Die Hochachtung, so ich für dieses ungemeinen Virtuosen Ver- 
dienste als Tonmeister trage, und die ein jeder, der solche Verdienste recht 
einsiehet, mit mir hegen wird, sammt dem herzlichen Mitleiden, so ich über 
sein Unglück und grosse Sittenschwachheit empfinde, werden mich ent- 
schuldigen, dass ich hier einschalte den folgenden 



Beil. III. 9. 347 

§. 48. Auszug eines Briefes aus Regensburg vom 9. Öct. 1730: „Am 
10. 8ept ist zu Wien der kais. Compositore di Musica Francesco Conti 
vermöge des, von dasigem Consistorio über ihn erkannten Kirchenbannes^ 
vor die Thtir der Cathedralkirche zu St. Stephan gestellet worden. Es hat- 
ten zwar Ihro kais. Maj. aus angebomen höchsten Milde das dreimalige 
Stehen auf eines gesetzt; nachdem sich aber der Mann das erste Mal im Gre- 
sichte vieler hundert Personen, sehr übel aufgeftihret, als ist derselbe den 
17. Sept. zum andern Male, vor obgedachte Kirchthüre in einem langen 
härenen Rock, so man ein Busskleid nennet, zwischen zwölf Rumorknech- 
ten , die einen Kreis iim ihn geschlossen , mit einer brennenden schwarzen 
Kerze in der Hand, eine Stunde lang gestellet worden, desgleichen auch am 
24. dito geschehen soll. Seine Speise ist Wasser und Brot, so lange er unter 
der geistlichen Obrigkeit stehet; nach üebergebung aber an die weltliche 
soll derselbe dem von ihm geschlagenen Geistlichen 1000 Gulden 
Schmerzengeld und noch alle Unkosten bezahlen, sodann vier Jahre auf dem 
Spielberge sitzen und nachgehends auf ewig aus den östr. Landen verwie- 
sen werden ; die weil er als er zum ersten Male vor der Kirche nthüre gestan- 
den eine so grobe und ärgerliche Unverschämtheit gebraucht. Vorgemeld- 
ter Hofcompositeur ist darum zu solcher Strafe verurtheilt worden, dass er 
an einen weltlich. Geistlichen gewaltthätig Hand geleget und selbigen mit 
vielen Schlägen übel tractieret hat. Es ist folgendes Epigramma auf ihn ge- 
macht worden. 

Non ea Musa bona est, nee Musica composuisti 
Quam Conti, tactus nam fuit ille gravis: 

Et Bassus nimium crassus, neque consona clavis: 
Perpetuo nigras hinc geris ergo Notas.'' 
^0 weit Ehren Mattheson's Anschuldigung. 

•• Joh. Joach. Quantz in Marpurg krit. Beitr. (1754) I. 219 f. 
sagt gelegentlich der Schilderung der Oper Costanza e Fortezza von Fux: 

„Ich bediene mich dieser Gelegenheit, diesen braven Mann (Fran- 
cesco Conti) gegen die sogenannte glaubwürdige Nachricht aus Regens- 
burg vom 10. Oct. 1730, mit welcher Hr. Legationsrath Mattheson hinter- 
gangen worden , und die S. 40 des vollkommenen Kapellmeisters einge- 
schaltet ist zu retten. Es war nicht dieser Conti, sondern sein Sohn, 
der den Geistlichen geschlagen hatte, und deswegen die dort beschriebene 
Kirchenbusse thun musste. Die Übrigen Umstände sind wahr. Weil dieser 
Sohn damals unter den sogenannten kais. Hofscholaren war und sich auf 
die Composition legte, so hat es leicht geschelien können, das3 man ihn mit 
dem Vater verwechselt hat. Ausser glaubwürdigen Zeugen, die damals in 
Wien anwesend gewesen sind und beide gekannt haben , ist auch dieses ein 
sicherer Beweis, dass es der Vater nicht gewesen sein könne, weil er im 
Cameval 1732 die auf dem kais. Theater aufgeführte Oper Issipile in Musik 
gebracht, welches man mit dem in Wien gedruckten Buche dieser Oper 
allzeit beweisen kann. Dem Sohne ist die Landesverweisung erlassen wor- 



348 Beil. III.- 10.11. 

den. Er ist nach der Grefangenschaft wieder nach Wien gegangen , kommt 
aber dem Vater in musikalischen Verdiensten in geringstem nicht bei. Man 
nennt ihn insgemein Contini.*' 

flO* Simon Molitor, Ehrenrettung des weiland kais. Hofcompo- 
siteurs in Wien Francesco Conti gegen eine in Mattheson's Voll- 
kommenen Kapellmeister überlieferte ehrenrührige Anecdote. [A. Mus. Ztg. 
1838. p. 153 ff.] 

„Ignazio Conti, kais. sogen. Hofscholar — Sohn des kai8..Hofcom- 
positeurs Francesco Conti — zur Zeit des Vorfalles 31 Jahre alt, gerieth 
zu Anfang des Monats August 1730 mit einem Geistlichen aus Sicilien, 
Namens Steffano Bertoni, in einen Worstreit, in dem er sich so weit verga&s, 
den letztern thätlich zu mishandeln. Dieser forderte ihn vor das geistliche 
Gericht, welches nach gepflogener Verhandlung über den Ignazio dem 
kanon. Rechte gemäss, den Kirchenbann aussprach , von welchem derselbe 
jedoch schon am 18. Sept. auf seine demüthige Bitte die Absolution er- 
langte. Ignazio Conti war übrigens gegen geleistete Bürgschaft während 
der Untersuchung auf freiem Fusse, und es kommt herv^or, dass gegen den- 
selben das brachium seculare nicht aufgerufen worden war. ^ 

Alles übrige von Mattheson angeführte ist reine Erfindung. 

11. Ignazio Conti erscheint in den Hofschematismen ununter- 
brochen von 1721 bis'l760, namentlich auch in den Jahren 1731, 1732, 1733, 
1734 als kais. Hofscholar. Wäre er wegen eines schweren Vergehens zu 
mehrjähriger Geföngnissstrafe vemrtheilt und gefangen gehalten worden, 
so würde er in den Hofschematismen sicher nicht als Hofschoiar fortgefiihrt 
worden sein. Man hatte daher auch von Seite des Hofes diesem unbeson- 
nenen Streiche des heissblUtigen Italieners keine besondere Bedeutung bei- 
gelegt, da überdies schon vom Jahre 1733 durch mehrere aufeinanderfol- 
gende Jahre Serenaden und Oratorien seiner Composition aufgefiihrt wur- 
den, und Fux denselben im Jahre 1739 (Beil. VI. 257) zum Titular-Hofcompo- 
sitor vorgeschlagen hatte. — Auch auf den noch lebenden Vater muss dieses 
Ereigniss keinen nachhaltigen Eindruck gemacht haben, denn in dessen Te- 
stament vom 2. Juli 1732 wird sein Sohn Ignaz ohne Bemerkung mit den 
Worten zum Universalerben eingesetzt : „8® Istituisco, facio e nomino e vo- 
glio, che sia mio erede universale vero e legitimo il d** mio carissimo 
figlio Ignazio 'Conti.** — Am Schlüsse heisst es amtlich: „Gegenwärtiges 
Testament ist im Beisein des eingesetzten Universalerben Ignaz Conti 
und des Julii Consojno eröffnet worden." Wien 19. Juli 1732 (L. Ger. Arch. 

in Wien Test. ^ 

Alle diese Behelfe zusammengenommen, sollte man meinen, können 
genügen, die grundlose Beschuldigung des Francesco Conti durch Joh. Mat- 
theson filr alle Zeiten darzuthun. — Allein man hat Belege zu dem Worte 
des Dichters: L'homme est de feu pour le mensonge, il est de glace pour 
la v6rit6. 



Beilage IV. 

Zum Gradus ad Paroassum — DedicationeD. 

!• Der vollständige Titel dieses berühmten Werkes lautet: 

Gradus adParnassum, sive Manuductio ad Compositionem Musicae 
Regulärem Methodo novl, ac certa, nondum antö tarn exacto ordine in lucem 
edita: Elaborata a Joanne JosephoFux, Sacrae Caesareae, ac Regiae 
Catholicae Majestatis Caroli VI. Romanorum Imperatoris Supremo Cbori 
praefecto. Viennae Austriae, Typis Joannis Petri Van Ghelen, Sac. Caes. 
Regiaeque Catholicae Majestatis Aulae-Typhographi, 1725. 

Es ist in Folio, die Notenbeispiele mit beweglichen 'lypen gedruckt, 
enthält 280 paginierte und 6 nic)it-paginierte Seiten. Einigen Exemplaren 
ist ein Titelkupfer beigegeben, den Musenberg vorstellend mit Stufen, auf 
deren oberster ein Jüngling, mit einem Buche im Arme, von Apollo mit 
einem Lorberkranze gekrönt wird, während die Musen sich in verschiedenen 
Entfernungen gruppieren. 

Das Buch eröffnet mit folgender Dedicationan den Kaiser Karl VI. 
gerichtet. 

Augustissimo, Invictissimo ac Potentissimo Principi Carolo VI., Ro- 
manorum Imperatori. 

Auguste Caesar * 

Si flumina ad Oceanum , unde originem trahunt , cursum suum reflec- 
tunt : si terra rore matutino madefacta eundem humorem , tanquam in grati 
animi tesseram, ad aethera denuo mittit ; quo alias Opusculum hoc se vertat, 
nisi ad Te Auguste Caesar? Tuum enim est jure Dominii ; quia partus 
clientis. Tuum est origine; quia Inclytorum Antecessorum Tuorum sub 
Auspiciis Musica mea initium sumpsit, et incrementum traxit. Tu, excelse 
Monarcha, animum addidisti : Tu sumptus suppeditasti : clementissimo Be- 
nignitatisTuae annutu in lucem prodit. Quidquid itaque emolumenti studiosa 
Juventus exinde caeperit, totum MajestatiTuae in acceptis referendum 
est. Quam ob rem non dedignaberis, benignis oculis adspicere, quod omni ex 
parte tuum est; et cujus ante actae vitae labores tam clementi assensu 
coinprobasti (quantae autem molis est, exquisito selectoque sapori satisfa- 
cere Tuo) ejusdem postremum ferme, quasi Cygni cantum, eadem benignitate 
Tua Te complexurum esse, minime diffido. Hac spe fretus ad Sacratos pro- 
volutus pedes emorior 

Sac. Caes. Regiaeque Cathol. Majestatis Tuae 

Clientum infimus 
Joannes Josephus Fux, Styrus.*' 



350 Beil. IV. 2. 

Auf diese folg^ Praefatioadlectorem. (Veranlagung zu diesem 
Werke.) Das ganze Werk zerfällt in 2 Bücher — die speculative und die 
practische Musik; das erste Buch ist in 23 Capita das zweite ist in V 
Exercitia abgetheilt, welche zu Unterabtheilungen mehrere Lectiones haben. 

!K« Die Aufschriften der Abtheilungen mit einer kurzen Angabe 
des Inhaltes, wenn er nicht schon aus der Aufschrift hervorgeht, sollen 
hier folgen. 

übrf Primi (pagg. 1—42;. 

Caput I. 
[Begriff der speculativen (theoretischen) und practischen Musik.J 

Caput IL De Sono. 
fPhysicalische Erscheinung des Schalles.] 

Caput III. De Numeris, eorumque Proportionibus et 
Differentiis. 
[Rationale und irrationale Zahlen — Proportionen — Musicalische 
Proportionen — Folgen daraus: verschiedene Genera: multiplex etc.] 

Caput IV. De Genere multiplici. 
[Genus multiplex Begriff. Dupla. Tripla. Quadnipla.] 

Caput V. De secundo Prop ortionum Genere. 
[Genus superparticulare e. gr. 3:5. — sesquialtera etc.] 

Caput VI. De tertioProportionis Genere. 
[Proportio superbipartiens u. dgl. rationale und irrationale Ver- 
hSltnisse.] 

Caput VII. De quarto Proportionis Genere, multiplex 
Superparticulare nuncupato. 
[Dupla sesquialtera — Tripla sesquialtera u. dgl.] 

Caput VIII. De quinto Proportionis Genere, multiplex 
superpartiens dicto. 
[Dupla superbipartiens tertias, quartas etc.] 

Caput IX. De Divisione. De divisionearithmetica. 
[Drei Theilungen arithmetisch , harmonisch , geometrisch. Begriff und 
Beispiele der arithmetischen Theilung.] 

Caput X. De Divisione harmonica. 
[Begriff und Beispiele.] 

CaputXI. De Divisionegeometrica. 
[Ebenso wie voriges Caput.] 

Caput XII. De Multiplicatione Rationum. 

Caput Xin. De Additione Rationum. 

Caput XIV. De Subtractione Rationum. 

Caput XV. DeÖctava. 
[Intervalle der Octav. — Monochord. Schallverhältnisse.j 

Caput XVI. De Quinta seu Diapente. 
f Schallverhältnisse zum Grundton und zur Octav u. s. w.] 



Beil. IV. 2. 351 

Caput XVII. De Quarta seu Diatesseron. 
Caput XYIII. DediviBioneQuintae^siveDiapentes. 
Caput XIX. DeDivisioneTertiaemajorisseuDiatoni. 
Caput XX. De Format ione Sextae major is et miuoris. 
Caput XXI. De fo rm an die Semitonio majore et minore 

et Commate. 
Caput XXIL De Intervallis compositis, eteorum com- 

ponendorum methodo. 
[Grosse und kleine Non — die Decimen — Undeeimen, Duodeeimen 

U. 8. W.j 

Caput postremum. De hodierno Musicae Systemate. 
[Genus Diatonicum modemum — Genus Cromaticum modemum — 
De Unisono — Secunda — Tertia — Quarta — Quinta — Sexta — Septima 
— Octava mit ihren Unterabtheilungen — Consonantise — Motus rectus — 
contrarius — obliquusj. 

Liber Secuniittt. (pagg. 43 — ad finem.) 

Dialogus. 
[Der Schüler Josef wird vom Meister Alois zum Unterrichte in der 
Composition angenommen. — Begriff des Ausdrucks Contrapunkt. 

Exercitii I 

Lectio I. De nota conira natam, 
[Note gegen Note gleicher Zeitgeltung, nur durch Consonanzen. — 
Cantns firmus.] 

Lectio II. Sive secunda Contrapuncti ipeciet, 
[Arhsis — Thesis — Zwei oder drei Noten des Contrapunkts gegen 
eine Note des Cantus firmus.] 

Lectio III. De tertia Contrapuncti Specie. 
[4 Semiminimae (Viertelnoten) gegen eine Semibrevis (ganze Note).] 

Lectio IV. De quarta Contrapuncti specie. 
[Ligaturen oder Syncope — der Consonanz — der Dissonanz — Auflö- 
sung der Dissonanzen.] 

Lectio V. De quinta specie Contrapuncti, 
[Contrapunctum floridum = alle bisherigen Species des Contrapunkts 
zusammenfassend] . 

Exercitii II 

Lectio I. De Nota contra Notam in Tricinio, 
[Note gegen Note im dreistimmigen Satze]. 

Lectio IL De positione minimae contra brevern in Tricinio, 
[Zwei halbe Noten gegen die Ganze im dreistimmigen Satze.) 

Lectio III. 
[Vier Viertelnoten gegen eine Ganze im dreistimmigen Satze.] 

Lectio IV. De Ligatura, 
[Die Ligatur im dreistimmigen Satze.] 



j::^ 



352 Beil. IV. 2. 

Lectio V. De CotUrapuncio florido. 
[Wie Exerc. L Lect. V. — hier für den dreistimmigen Satz.J 

f^xercitiilll 

Lectio I. De Quatriclnio sive QtuUuor partium compoMone, 
[Wie früher zuerst Note gegen Note — hier im vierstimmigen Satze.] 

Lectio U. De nUnimtB colura Semibrevem. 
[Wie Exerc. II. Lect. II. — hier im vierstimmigen Satze.] 

Lectio III. De Semiminimis contra Semibrevem, 
[Wie Exerc. II. Lect. III. — hier im vierstimmigen Satze.] 

Lectio IV. 
[Ligaturen im vierstimmigen Satze.] 

Lectio V. 
[Das Contrapunctum floridam im vierstimmigen Satze.] 

Exercitii IV 

Lectio unica. 
[Von der Imitation.] 

Exercitii V 

Lectio I. De fugis in genere. 
[Das Subject in jeder der sechs Modi (Tonarten).] 

Lectio II. 
[Die zweistimmige Fuge.] 

Lectio III. 
[Die dreistimmige Fuge.] 

Lectio JV. 
[Die vierstimmige Fuge.] 

Lectio V. 
[Der doppelte Contrapunkt in der Octav ~ Anwendung auf die Fuge.] 

Lectio VI. 
[Der doppelte Contrapunkt in der Decime ^ Anwendung im drei- 
stimmigen Satze.] 

Lectio YIL 
[Der doppelte Contrapunkt in der Duodecime ^ Umkehrung — Fuge 
mit 3 Subjecten — Die Figur der Variation — der Anticipation — Die 6 
Modi (Tonarten) mit den transpositis — Von den verschiedenen Subjecten 
der Fugen — Vom Geschmacke — Vom Kirchenstile — Vom Stile a Cap- 
pella ohne Orgel — Analysen von Mustern dazu — A Cappella mit Orgel 
und Instrumenten. -- Vom Stilus mixtus ^ Vom Becitativ -^ Der musicali- 
sche Ausdruck — Schluss.] 

Als Musikbeispidie führt Fux in diesem Werke folgende grössere 
Sätze eigener Composition in Partitur an : 

1. Kyrie aus der Missa Vicissitudinis. pag. 244 squ. 

2. Offertorium: Ad te Domine levavi. pag. 247. squ. 

3. Hymnus Ave Maria gratia plena. pag. 2ö6 squ. 

4. Kyrie aus der Missa In Fletu solatium. pag. 263 squ. 



Beil. IV. 3.4. 353 

5. Chrisie eleüon aus derselben Messe, pag. 266 squ. 

6. Amen aas der Missa Credo in nnom Deum. pag. 268 squ. 

8* Das Wiener Diarium vom 25. Juli 1725 zeigt dieses Werk mit fol- 
genden Worten an : 

„NB. Bei mir Johann Peter v. Ghelen der E6m. Kais, und Königl. 
Catholischen Majestät Hof-Buchdrackem, gegen dem Hof Ball-Haus über 
ist nunmehro zubekommen und verlegt ein neues Musicaliselies Opus intitn- 
liret: Gradus ad Pamassum, sive Manuductio ad Compositionem Musicae 
regulärem Methodo novä ac certil, nondum ante tarn ezacto ordine in lucem 
edita: elaborata a Joanne Josepho Fux, Sac. Caesar, ae Reg. Cathol. Maje- 
Btatis Caroli Sexti Romanorum Imperatoris Supremo Chori praefecto. 
Kostet ungebundener 8 Gulden i.*' 

Im Wiener Diarium 27. November 1726 kündet van Ghelen an: „Bei 
mir seynd noch einige Exemplarien des neuen musicalischen Operis intitu- 
liert,: Gradus ad pamassum a J. J. Fux zu bekommen". 

Die „Neue Zeitungen von gelehrten Sachen ** (Leipzig) auf das Jahr 
1725, 6. December pag. 985 enthiUt darüber folgende Anzeige: „Wien. 
Allhier ist neuerlich folgendes herauskommen: Gradus ad Pamassum — 
a Jo. Jos. Fux 1725. Fol. Se. Kays. Majestät haben selbst die Unkosten zu 
diesem Werke gegeben. Es besteht aus 2 Theilen und handelt im ersten de 
Mnsica Theoretica und im zweiten De Musica Practica. Der letzte Theil ist 
sonderlich sehr vollkommen, und das Latein nicht zu verachten.*' 

H» Von Fux Gradus ad Pamassum wurden folgende Uebersetzun- 
gen veröflfentlicht: 

In deutscher Sprache: 

Gradus ad Pamassum oder Anführung zur Regelmässigen Musikali- 
schen Composition auf eine neue , gewisse und bishero noch niemahls in so 
deutlicher Ordnung an das Licht gebrachte Art ausgearbeitet von Joh. Jos. 
Fux Weil. Sr. Kais. u. KOn. Cathol. Majestät Carls VI. Ober Capellmeister. 
Aus dem Lateinischen ins Teutsche übersetzt, mit nOthigen und nützlichen 
Anmerkungen versehen und herausgegeben von Lorenz Mizlern, der 
freien Künste Lehrer auf der Academie zu Leipzig. Mit 57 Kupfertafeln in 
Quart. 4. Leipzig im Mizlerischen Bücherverlag. 1742. 

In italienischer Sprache: 

Salita al Pamasso o sia Guida alla regolare composizione della Musica 
con nuovo e certo Metodo non per anche in ordine si esatto data alla luce 
e composta da Giovanni Giuseppe Fux, Prindpale Maestro di Cappella della 
S. C. e R. C. Maest^ di Carlo VI., Imperatore de* Romani. Fedelmente tras- 
portata dal Latino nelP Idioma Italiano dal Sacerdote Alessandro Man- 

^ Im Jahre 1869 kOttdet List k Franke in Leipzig ein Exemplar um 7 Rtbr. 
15 Sgr. prent«. Cour. «n. 

Kbehel, J. J. Fox. 23 



354 BeU. IV. 4.5. 

fredi, Cittadino Reggiano e Professore di Musica. Fol. In Carpi 1761 Nella 
Stamperia del Pubblico per il CanfHignani. Con Licenza de Superiori. 

In französischer Sprache: 

[P*, U**, III"' et demiöre Partie du] Traitö de Composition Musicale 
Fait par le Celebre'Fux. On peut en Tetudiant avec attention parvenir ä 
bien composer en trös peu de tems. II fut entrepris par ordre et aux döpens 
de TEmperear pour les ölöves d'Allemagne, depuis il a ^tö adoptö par 
Mr. Caffro, Maitre de Musiqüe du Roi et de la Reine de Naples et du Con* 
servatoire Royal; Il Ta traduit en Italien et c*est aujourd*hui le seul livre 
ölementaire de Composition que V on mette entre les mains des ^löves de ce 
Conservatoire. Dedi6 a Monsieur le Comte de Montausier-Crussol Colonel 
du Regiment d' OrleiinB etc. 

C'est ce m^me traitö traduit en fran^ois par le Sr.Pietro Denis. Qui 
est present^ au Public. Se vend a Paris ch^s Bignon, Place du vieux Lou- 
vre, r accord parfait : Et a V opera sous le Vestibüle. Prix de la Partie l*** 
7 Ib. 4 s. et de m<gme de la IL et III. 

In Octav, Text und Noten in Kupfer gestochen, der I. Theil mit 80, 
der II. mit 100, der III. mit 92 Seiten. [Soll 1773 erschienen sein, der Titel 
enthält keine Jahreszahl.] 

In sohlechtem FranzOsich mit vielen willkürlichen Abänderungen und 
Auslassungen, so dass F6ti8 Biogr. mit Recht sich sehr tadelnd darüber 
ausspricht K 

In englificher Sprache: 

Faux's Practical rules for learning composition, translated from the 
Latin. 4. London 1791. Mit dem Zusätze : This Book is in the very iirst 
Estimation all over Italy and Germany. (Preston, Catalogue 1797.) 

Eine andere Ausgabe in Folio , 49 Seiten , welche ich der Güte des 
Mr. George Grove in London verdanke, hat den Titel : 

Practical Rules for learning Composition. Translated from a Work 
intitled G radus ad Parnassum written originally in Latin by John Jo- 
seph Feux (sie !) late chief Composer to the Roman Emperor Charles VI. 

NB. this Work has recieved the approbation of the best & näost ap- 
proved Masters in this kingdom. London. Printed and sold by John Pre- 
ston at his Musik Warehouse, n® 97, near Beaufort Buildings, Strand. 

Ein mit ebensoviel Unkenntniss als Leichtsinn zusammengestellter 
Auszug. Völlig unbrauchbar. 

A« Concentus musico-instrumentalis in Septem Partitas ut 
vulgo dicimus, divisus, dedicatus Josepho primo, Romanorum Regi 

^ C. F. Becker am«. Literatur col. 441 sagt: »Rine andere fransösische Ueber- 
•etzang (Paris chez Nadermann) wird in Whistling*« Literatur Seite li40 augefuhrt *". 
Dort heisst es: „i. J. Fux, Trait^ de Composition. Paris, Nadermann. 15 Fr.* Diese 
rage BuchbSndlerankQndigung lasst eber rermuthen, dass dsmit die obige Uebersetzun^ 
ron Denis gemeint sei. 



Beil. IV. 5. 6. 355 

Antfaore JoandeJoBephoFux, Sacrae Caes. Maj. Compositore. Opus 
primnm. Norimbergfae Typis hacrediun Felseckerianorum. An. MDCCI. 
Fol (Dedicatio.) 

Auguste Rex ! 

Quod olim Penis Medisqne in more positum, ut nonnisi quae prius 
censorio Prineipis oculo exhibita £ju6 digna visa sunt Majestate, in manus 
auderent offerre et sacrilicium , id et ego mihi sacra lege sancitum sancte 
observandum duxi, Auguste Rex, dum sacratissimis Majestatis Tuae 
ans Ooncentum hunc meum musico-instrumentalem debiticultus, 
ao Bubjectissimae observantiae anathema figere et litare meutern subiit 
cogitatio.' Yerebar fateor tenuitatem muneris ac levitatem, qua post modi- - 
cum fors etiam non per omnia gratum in auribus sonum evanescit in auras, 
niliilo superstite praeter folium, quod et ipsum vento raperetur, nisi tu, 
Auguste Rex, grande pondus cum pondere addidisses et pretium, quando 
Ipsemet Husices sublime peritus Coneentui huic meo non solum benig- 
nissimas aures praebuisti, sed et placere clementissimo annutu tedtari dig- 
nirtus es, argumento mihi perquam abundanti, ut tanta Majestate Tua ap- 
probatum opnseulum tibi Auguste Rex demiasissimo genu offerre ultra 
non metuerem , spe optima fretus , quod auribus jam complacite exceptum, 
una mecum substemi pedibus gratiosissime patieris. Majestatis Tuae 

humiUimus et obedientissimus 

Johannes Josephus Fux. 
Ad Musicum. 

Habes, amice leetor, Ooncentum meum musico-instrumentalem qualem 
in phiribus locis desiderari deprehendi, non in eum finem editum , ut tibi 
grandis artiücii dem probam (quod in alio Musices genere petendum est) sed 
ut etiam auditoribus Musices imperitis, quorüm maxima pars est, satisface- 
rem. Caeterum habeo quod moneam, vocabula : allegro, presto,' prestissimo 
et alia-temporis alterati indicia, ad amiissim esse observanda, alias enim 
sperato Compositio destituelur effectu. Signum hoc virgula traversatum 
mensurae brevis, vnlgo alla breve indicium est. Temporis ordinarii in qua- 
tudr quartas divisi Signum est C sine virgula. Fruere, indulge, vale. 

> 

•• Messa di 8. Carlo. Tutta in Canon e. [Hofbibl. AN. 33. B. 74.] 

Widmung. 

Sacra Cesarea e Cattolica Reale MaestÄ. 

Fra tutti gli altri firegi, de* quali e per merito, e per fortuna si adorna 
La Musiea, il piü glorioso ö certamente quello, che a felicissimi giomi nostri 
essa riceve dal favore della Sacra Ces*. e Catt* Maestra Vostra La quäle non 
solamente si compiace di rigvardarla benignamente come suo innocente 
diletto; ma si degna qualÜicarla come cosa sua propria con l'intiero pos- 
sesso che ne tiene, e con Tintero conoscimento delle sue interne bellezze. 
Oonsiderandola io perciö in questo sublime grado di onore appresso della 
M. y. ho giudicato mio dovere il consacrare alP invitto, e trionfante Suo 
Nome la presente Opera mia musicale, ed insieme ho creduto mio impegno 

23* 



356 Beil. IV. 6. 

di redimere questa illustra professione dair indiscreta opinione di alcani^ 
li quali vogliono , che nel progresso de' tempi siasi cotanto diminuita la 
sostanza della Musica antica, che perdutasi poscia a poco a poco anche 
ridea di quella, a noi non ne sia rimasta che Tombra sola del buo Nome 
occupato della moderna. Ho scelto per questa riverentissima Consacrazione 
il giorno dedicato al Nome di San Carlo che pur ö quelle della Maesta 
Vostra per festeggiare neiristesso tempo i fregi di quel gran Santo ed ap- 
plaudere alla Sourana Yirtü del Nome di Y. M. della quäle la principal cur» 
6 ringrandimento della Rellgione, la'feliciti della chiesa e la gloria de suoi 
Santi. Se fra le gravissime occupazioni deir impero e dall* altezza del suo 
Trono Cesareo restera, come sospiro, alla M. V* qualche momento per ab* 
bassare un clementLssimo suo sguardo a Messa Canonica , che in atto di 
riverentissimo omaggio Le presento, mi lusingo, che conosceri non esser 
affatto smarrita T antica Musica e che a noi ne rimane qualche avvanzo, il 
quäle coltivato dalla meditazione , e dallo studio pu6 far comparire ancor 
vivente il gusto e la digniti della medesima. Questo ö stato sempre il mio 
Bcopo, ed il mio pouero talento a solo oggetto di conseruare cid che di lei 
ci resta ha raccolte tutte le sue forze maggiori , sperando con il merito di 
questo laborioso genio di render piü compatibili tutte V altre mie debolezze. 
Offro dunque arditamente alla Sourana Clemenza della M. V. questo debole 
ma sincero tributo delPattuale mia servitu, implorandone queir Augusto 
gradimento, che pu6 influire al mio lavoro la perfezione , che non ha da se 
stesso in quella gvisa che il sole, volgendo i suoi raggi ad un vile, ma puro 
cristallo , pnö farlo credere una g^mma preziosa con il reverbero della sua 
benefica luce. Con la speranza di questa grazia e con la piü sommessa vene- 
razione dell animo mio nli prostro al soglio Imperiale, e mi umilio 
Della Sacra Cesarea Cattolica Real Maestä Vostro 

Vmilissimo, Deuotissimo e fedelissimo seruo e suddito 
Giovan-Gioseffo Fux. 



Beilage V^ 

StkDd« der kaiserlichen Hofiausikkapelle ron 1680 bis 1740. 

A. Von 1680-1711. 

(K. Ui^oid I. i680—170lS. K. Jotef I. i70S—i7ii.) 

Mutlk-Ob«rdir«ctor. y g. 

Harchese Scipione di S. Croce .... 1709 .... 1710 

Kaptllnititttr. 

1 Johann Heinr. Schmelzer 

(2000 fl.) 1. Oct. 1679 t 30. Juni 1680 

2* Ant. Draghi (2000 fl.) . . . 1. Jan. 1682 f 18. Jan. 1700 

3* Ant. Pancotti (2000 fl.) . . 1. Apr. 1700 f 11. Jnni 1709 

VlM*Kap«lliii«itt«r. 

4* Ant Pancotti 1697 81. M&rz 1700 

5* Marc. Ant. Ziani .... 1. Apr. 1700 31. Dec. 1711 

Hofthaater-Intandant. 

6 Anton Draghi 1680 . . £nde 1681 

Composltoran. 

7* Karl Aug. Badia (60 fl.) . . 1. Jfin. 1696 f 23. Sept. 1738 

8* Joh. Job. Fax (60 fl.) ... 16. April 1698 . 25. J&n. 1713 
9* Job. Hoffer, Violinist und 

Dirigent 1695? .... 1705? 

10* Fn. Dan. Thalmann, Kam- 

mer-Compositor 1696 . . £nde 1712 

11* Giov. Batt. Bononcini ... 1. Juli 1700 11. Sept. 1711 p«»«. 

12* Pet. Franz Tosi (100 fl.) . . 1. Juli 1705 .... 1711 

Organitten. 

13 AleBB. Pogtietti "... 1680 . fJuli 1683 

14 Cado Cappellini 1680 . f Juni 1683 

15 Joh. Kaspar Kerl (75 fl.) . . 1. Oct. 1680 . . Ende 1692 



358 



Beil. V. 16—44. 



1680-1711. 



16* Ferd. Tob. Richter (60 fl.) 
17* Franz Matth. Tecjielmann 

(30 fl.) ..... 
18* Carl Draghi . . . • . 
19* Leopold Rammer (45 fl.) 
20* Georg Reutter . . . 
21* J. Georg Reinhard . . 



(K, Leopold L 1680— 170ä. 
K. Josef I. i70S—i7ii,) 

Von Bis 

1. Juli 1683 t 3. Nov. 1711 62 J.«it. 



. 1. Mai 1685 . 1. Oct. 1711 pen.. 

1. Oct. 1698 . t Mai 1711 

1. Oct. 1700 t 28. Oct. 1730 69 J, •lt. 

3. Aug. 1700 29. Aug. 1738 

1. Jan. 1708 .... 1740, 

t e. Nov. 1742 



Bastisttn. 



22 Ang. Mar. Lesma . 1680 .. 30. Juni 1692 

23 Ad. Feiice Sances . 1680 1 3. Sept. 1711e7j.ait. 

24 Giul. Ges. Donati ....... 1680 . f Juni 1692 

25 Lor. Coscia 1680 .... 1685 

26* Ferd. Mar. Ansalone (45 fl.) . 1, Jan. 1682 • f 30. Juni 1709 51 j. »it. 
27* Rainen Borrini (75 fl.) . . 1. März 1685 . h Oct. 1711 p«n>. 



28* Job. Ferdinand Oepflknab 

(37 fl. 30 kr.) . . 
29* Lor. Gaggiotti (90 fl.) . 
30* Giu8. Badia (25 fl.) .. . 



31* Joh. Jos. Mager (50 fl.) 
32* Joh. G. Lautter (30 fl.) 

33* Joh. B. Cativelli (45 fl.) 
34* Dom. Ant. Manna (100 fl.) 



1. Juni 1685 

1. Apr. 1686 

. . 1690 



• » • 



• • • 



1. Apr. 1691 
1. Jan. 1693 

. . . 1697 
1. Apr. 1700 



35* Friedr. Götzinger (50 fl.) . . 1. Apr. 1702 

36* J. B. Cavanna (120 fl.) 1705 

37* Jac. Ant. Filet (FI116) ... 1. Apr. 1706 

38* Casp.Linätmayr(Liedmayr) . 1. Aug. 1710 .... 1724 



t 21. Jan. 1724, 65 J. alt. 

t Aug. 1706 
. 1687 
. 1693, 

tSl. Mars 1706, 64 J. alt. 
t Juli. 1698 

1. Oct. 1711 pens. 

t Mal 1713 

. . . 1716 

. . . 1705 (Priest, 
tit. mens.) 

. . . 1727, 

t S. Deo. 1735, 74 J. alt. 
. . . 1708 
1. Oct. 1711 pens. 



Tenorlstsn. 

39 Ant. Massucci ........ 1680 

40 Steff. Bonni 1680 

41 Giov. Paolo Bonelli 1680 

42 Nie. Maz^ella 1680 

43 Pietro Santi Garghetti 1680 



44* Fabrizio Cerrini (90 fl.) 



1. Jan. 1687 



. . . 1683 
t Jan. 1688 

. . . ifll penA. 
1 10. Dec. 1718, 71 J. Alt. 
. . 1684 pens. 

1. Oct. 1711 pen«. 
t 27. Jaal 1718, 80 J. alt. 

. Ende 1709 

(l709Q.aleiie-I&sp.} 



Ml. V. 45—77. 359 

1680--1711« (K, Leopold 1: 1680-^1700, 

K. Jo%ef L irOS—ilii.) 
Von Bis 

45* Cajet. GoUini (75 fl.) ... 1. Jta. 1687 . . . . 1689 
46* Medardo Bronzetti (90 fl.); . 1. Apr. 1687 . 1< Oct. 1711 pen«. 
47* Job. Angermayr (45 fl.) . . 1. Apr. 1691 1 18. Juli 1712 s« j. alt. 
' 48* Joh. Jos. Badia (2b. fl.) 1694 .... 1702 p»». 

49* M. Sebastian ZeitUnger (83 :fl.) 1. Juli 1698 ... .1740 
50* Carlo Costa (100 fl.) . . . 1. Apr. 1700 .... 1740 
51* Jioh. B. Barbaretti (100 fl.) . 1. Apr. 1701 . 1. Oct. 1711 pens. 

t 21. Jon! 1730, 5i J. alt. 

52* Tomaso Bigelli (50 fl.) . ■. 1. Jan. 1702 f 23. Apr. 1732 52 j. »u. 

53* Silvio Garghetti (120 fl.) 1702 t 27. Mai 1729 

54* Ant. Borrosini . . . ... 1. Jan. 1710 . 1. Oct. 1711 peas. 

Altistsn. 

55 Aless. Contilli . 1680 .... 1684 

56 Paol. Castelli ......... 1680 . t I>ec. 1685 

57 Ant. Pancotti ........ 1680 . . März 1699 

58* Nie. Gelmini (95 fl.) ... 1. Oct. 1683 . .1. Oct. 1711 p«ns. 
59* Ant. Giuliani (90 fl.) ... 1. Apr. 1687 f 18. Aug. 1709 50 J. »it. 

60* Seb. Moratelli 1691 .... 1694 

61* Lor. Masselli (60 fl.) .... 1. Juli 1691 . 23. Deo. 1707 p«„. 

t 21- Oct. 1730, 57 J. alt. 

62* Salv. Mellini (120 fl.) 1698 .... 1711 

63* Caj. Orsini (110 fl.) 1699 .... 1711 

64* Ant. Ferini (120 fl.) ...... 1700 . 1. Oct. 1711 pem. 

Sopranistsn. (? einige Altisten.) 

65 Giuseppe Sardina 1680 . f Apr. 1699 

66 Clem. Hader .1680 . . März 1687 

67 Dom. Laurenzio 1680 .... 1684 

68 Ad. Franz Günther 1680 f 16. Juni 1706 46J.»h. 

69 Carl. Franc. Maggio 1680 . f März 1682 

70 Gius. Galloni (120 fl.) ( 1680 . . März 1685 

1 ... 1. Juli 1696 . i. Oct. 1711 pen«. 

71 Matth. Schober 1680 .... 1693 

72* Franc. Grandie (90 fl.) . . . 1. Jan. 1687 .... 1692 

73* Vinc. Brutti (60 fl.) ( . . . 1. Jan. 1687 .... 1694 

\ 169& t27.Febr. l72455J.»it. 

74* Steff. Romani (60 fl.) . . . l.Jän. 1690 .... 1693 
75* Vinc. Olivicciani .... 1. Jan. 1700 . • 1. Oct. 1711 p«»,. 
76* Ranuzio Valentin! (120 fl.) . 1. Apr. 1700 .:.... ? 
7t* Joh. Heldt 1701 . 1. Oct 1711 p.«. 

t 7. Sept. 1787, 59 J. Alt- 



360 Bell. V. 78—109. 

1680-1711. (TC, Leopold 1. 1680^170$. 

K. Jotef L i70S—i7ii,) 
Von Bit 

78* Giov. B. Vergelli (120 d.) 1. Juli 1703 .... 1739, 

t «T. I>«C. IT46 

79* Dom. ToUini (120 fl.) . . . 1. Jan. 1706 .... 1717 

Singtrinen. 

80* Anna M. Lisi Badia (120 fl.) . . 1. Juli 1700 t 9. Jan. 1726 
81* Kunig. Sutterin (90 fl.) . . 1. Apr. 1700 . f »ept. 1711 
82* Kath. Kaplerin (65 fl.) . . . 1. Jan. 1707 . . . .1713 pew. 

Violinisten. 

88 Burkart Khugler 1680 30. März 1683 

84 Paul Pückl 1680 f 15. Sept. 1688 

85 Guisto a Castro 1680 . . . f 1682 

86 Leop. Kessler 1680 . f I>öc- 1692 

87 Mich. Ruech (Rauch) 1680 . 1. Oct. 1711 pen.. 

t4. Jttli 1715, 88 J. alt. 

88 J. B. Riotta (Riotti) 1680 .... 1683 

89 Joh. Bonif. Strael 1680 . f Dec. 1702 

90 And. Ant. Schmelzer 1680 . f I>ec. 1700 

91 Joh. Ferd. Schilling 1680 . f Febr. 1684 

92 Ign. Leop. Khugler 1680 .... 1686 

93* Karl Sohmidbauer (Gambist) (45 fl.) . 1682 . 1. Oct. 1711 p«M. 

t 29. März 17U. 58 J. alt. 

94* Joh. Ant. Salchi (45 fl.) 1682 . 1. Oct. 1711 pem. 

t ]. Oct. 1722, 73 J. ftU. 

95* Joh. G. Sackh 1. Nov. 1684 .... 1694 

96* Andr. Abendt (37 fl. 30 kr.) . . . 1686 f 3. Dec. 1729 73/. ait. 

97* Franz Müller (30 fl.) ... 1. Juni 1687 . f J«w 1^01 

98* Joh. Jos. Hoffer (30 fl.) . . 1. April 1687 .... 1706 

99* Joh. Alb. Franokh (30 fl.) . . 1. Mai 1690 f 18. Jftn. 173367 J. ut. 

100* Ferd. Barth. Bayer (Peyer) i . 1. Mai 1691 .... 1692 

(30 fl.) ( . . . 1697 .... 1714 

101* Pet. Clem. Schmelzer (30 fl.) 1. Aug. 1692 .... 1740 penB. 

t 20. S«pt. 1746, 7i J. alt. 

102* Franz Römer (50 fl.) ... 1. Juli 1696 . f Juni 1700 
103* Josef Huefhagel (Gambist) (30 fl.) . 1697 . 1. Oct. 1711 p«ns. 

t 28. Dac. 17U, 58 J. «lt. 

104* Joh. Jac. Hoffer (30 fl.) 
105* Ferd. Lemberger (45 fl.) 
106* Nicol. Matteis (75 fl.) . 
107* Andr. Zacher (45 fl.) . 
108* Jakob KUndler (45 fl.) . 
109* Gottfr. Muffat (45 fl.) . 



. . . 1698 1 14. Aug. 1737 64 j. »it. 

1. Juni 1698 .... 1740 p«a«. 

l.JuUnOO t23. Oct. 1738 

1. Juli 1700 . t März 1707 
1. April 1700 . t Juni 1.708 

I.Juli 1701 . . . tl709 



Beil. V. 110—188. 



361 



110* 

111* 

112* 
113* 
114* 
115* 
116* 
117* 
118* 
119* 

120* 
121* 

122* 
123* 
124* 
125* 



1680—1711. 



Paul Alber (67 fl. 30 kr.) . 
Josef (Joh.?) Franokh (30 fl.) 
Kasp. Wenger (30 fl.) . . 
Franz Strael (40 fl.) . . 

Dom. Nanini 

Job. Alber 

Joh. Albi. Hain .... 
Leop. Ign. von Harn (30 fl.) 
Franz Beinhart (45 fl.) 
Franz Ant. Schmidbauer 

(Gambifit) (60 fl.) . . 
Ferd. Woller (30 fl.) . . 
Franz Hnefhagel (Gambist) 

(30 fl.) 

Mich. Jac. Orammer (40 fl.) 
Karl Hartmann (45 fl.) 
Joh. Ant. Rosetter (75 fl.) 
Ferd. Lindt (66 fl. 45 kr.) 



(K. Leopold I. 1680^1700. 
K. Jo9efL 1700-^17110 
Von Bis 

1. Juni 1701 t30. Oct. 1732 
1. J&n. 1702 t 5. Juli 1713 ss J. ait 
1. Jan. 1702 . Sept. 1711 pen.. 
1. Jfin. 1702 .... 1710 

, . . 1705 t7. Sept. 1708 24 J. »It. 
1. Dec. 1706 .... 1740 
1. Dec. 1706 1 24. Nov. 1727 wj. «it. 
1. Aug. 1706 .... 1710 
15 Juni 1706 f 27. Sept. 172745 j, »it. 

1. J&n. 1707 1 1- Dec- 1 737 48 J. »it. 
1. Jfin. 1707 t 28. Juli 1736 49 J. »it. 



. . . 1707 . . . .1714 

. . . 1708 .... 1713 

1. Oct. 1708 1 1- Aug. 1730 66 J. »it. 

1. J&n. 1709 .... 1740 

1. Aug. 1709 .... 1710 



126 
127* 
128* 
129* 



VIolencellisisn. 

Ferd. Leop. Pückl (30 fl.) . . 1. Mai 1686 . f Juni 1711 
Jos. Malagodi (Malagotti) (45 fl.) 1. Juli 1702 f 28. Febr. 1719 45 J. »u. 
Joh. Crammer (40—50 fl.) .... 1705 . 30. Juni 1740 
Ant. Schnautz (40 fl.) 1710 . 30. Juni 1740(voni72i 

Yiolonlst.) 

VIolonistsn. 



130 Andreas Freitig 1. Oct 1701 f 15. Oot. 1718 64 j. »it. 

131 Ferd. (Fried. ?) Fichtel (40 fl.) . . . 1705 f 8. Feb. 1722 35 J. »it. 



Tsorbisten. 

132 Orazio Clementi (100 fl.) . 

133* Georg Reutter (25 fl.) . . 

134* Franc. B. Conti (100 fl.) ( 

135* FiL Sanü (25 fl.) . . . . 



. . . 1680 1 1- Aug. 17087ij.»u. 

1. Juli 1697 .... 1703 

1. April 1701 30. Sept. 1705 

1. Jan. 1708 t 20. Juli 1732 51 J. »u. 

1. Jfin. 1707 .... 1709 



Fagottisten. 

136 Siro Mangiarotti 1680 15. Bept. 1684 

137* Joh. Fr. Sturmb (45 fl.) 1682 f 18. Mfirz 172264J.»it. 

138* Karl Maillard (45 fl.) ... 1. Jfin* 1704 f 15. Mfirz 173373 J.ut. 



362 Bell. V. 189—167. 

1680—1711, (K. Leopold I. teSO-^irOS. 

K, Joaefl. i70S-'i7ii.J 
•Von Bis 

139* Joh.Baufil8 1705 . . Oct. 1711 p«n.. 

140* Franz Mart. Stnrmb <4ö fl.) . 1. Jftn. 1708 f 30. Jnni 1739 soj.ait. 

• 

Posaunisten. 

141'«' Mattfa. Jos. Hammer (30 fl.) .. 1. Oct. 1679 . . . . 1711 pe»«. 

1 19. MSrs 17S6, 8S J. alt. 

142 Leopold Christian 1680 f 27. Aag. J1730 

143 Job. Fr. Fontana ....... 1680 . + Juli 1707 

144* Christian Christian (45 fl.) . . 1. Jan. 1696 f 17. Dec. 17125? j.ait. 
145* Hanns Georg Christian . . 1. Apr. 1702 f 22. Oct. 1721 45J.«it. 
146* Silv. Aug.. Fortuna (30 fl.) . 1. Juni 1709 .... 1711 p«.. 

Oboistsn. 

• 

147* Franz Glätzl (45 flO ...... 1701 f 13- Nov. 171740 J.*it. 

148* Roman Glätzl (45 fl.) . * 1701 f 6- J^li 1727 uj. »it. 

149* Job. Gabrieli (60 fl.) 1705 .... 1740 

150* Wbnzel Leuttner ^ 1705 .... 1711 peu. 

151* Xav. GlÄtzl (41 fl. 40 kr.) .... 1705 t 20. März 1726*1 j.»u. 

152* Jos. Lorber (41 fl. 40 kr.) ; . .. . 1705 . f 4. Mai 1724*2 j. alt. 

153* Job.. Georg Zechner (30 fl.) . 1. JÄn. 1710 . . . .1711 (Hof. 

masiens?) 

154* Ludw. Schön (21 fl. 40 kr.) . 1. Aug. 1711 1740 

■ 

Coroshisten. 

155 Ben. Reithenberger ...... 1680 . f I>ec. 1708 

156* Pelegr. Marcbeselli (30 fl.) ' . . . . 1689 . 1. Opt 1711 pe».. 

t 24. Mal 1729, es J. alt. 

157* Leop. Pramayer (30 fl.) . . 1. Juji 1700 t- 26. Oct 1737 ssj.ait. 

Lautsnist. 

158* Andr. Boor (42 fl. 30 kr.) .... 1697 f 6- April 1728 65 J. alt. 

Trompstsr. 

159 Wolf Khlepauer . 1680 . t Aug. 1687 

160 Georg Sigm. Hammer 1680 . . . f 1700 

161 Andr. Wagenhuber . 1680 . f Juni 1701 

162* Marx. Khämpf 1 1680 . f M&rz 1699 

163* Tob. Ändr. Pemebmer (8 fl.) 1. Juli 1698 1 16- J^oi 1727 

164* Joh. Reinh. Engl (8 fl.) . . 1. JuU 1698 f 38. Oct. 17184« J. alt. 

165* Thom. Bon (22 fl. 30 kr.) . . . 1. Juli 1698 f 16. Mai 1717 65 J, alt. 

166* Joh. Grünauer (22 fl. 30 kr.) . 1. Juli 1698 . f März 1704 

167* Seb. Nassoto (60 fl.) . . . 1. März 1701 f 5. April 173369J.ait. 



Beil. V. 168—188. 



363 



1680—1711. (K.Uopoldl.ieSO^iraS. 

K. Jo%ef L 170^-^1711,) 
Von BU 

168* Peter Laboassier (Insirac- 

tor der Knaben) : 1701 f 6. Sept. 1713 70 J. ait. 

169* Oeor^ Gortschek .... 1. Juni 1706 .... 1712, 

t ». JSa.'l718, 8SJ. alt. 

170* Nie. Gesorka i . . . HOÖ 

171* Franz Jos. Hollandt ... 1. Jan. 1711 
172« Franz Tumovsky .... 1. Jfin. 1711 



Cantoreiknaben, deren 
Zahl nicht angegeben ist. 

2 Orgelmacher und Cal- 
cante'n. ' 

1 Lautenmacher. 

2 Diener. 



1 16. Mai 173778j.ftiu 
. . . . 1712 
. . . . 1712, 

t 20. S«pt. 1738, 60 J. ftit 



B. Von 1712— 174Ö. 

(K,Karl VL 171t^l740.) 

Miitik*Ob«rdirectorM. .y^^^ 

Ferdi Ernst Graf MoUart. 1712 

Don Juan Bnxados Conde de CavelU . . . 1717 
Principe Luigi Pio di Savoia . .^ . . . .. 1721 
Ferd. Graf Lamberg . . . 1732 

Kaitellmelster. 

173 Marc. Ant. Ziani (2500 fl.) 
174* Joh. Jos. Fux (3100 fl.) . . 



1. Jan. 1712 f 22. Jäa. 
8. Febr. 1715 30. Juni 

1 13. Pebr. 



Vieekapellmelster. 

175* Joh. Jos. Fux (1600 fl.) 
176* Anton Caldara (1600 fl.) 
177* Luc. Ant. Predieri . . 



26. Jan. 1713 . 7. Febr. 

1. Jan. 1716 f 28. Dec. 

6. Febr. 1739 . 1. Sept. 



Bit 

1716 
1721 
1732 
1741 



1715 69 J. 
1740, . 

174], 81 J. 
1715 

1736 66 J. 
1747 



ftit. 
ftit. 



alt. 



Compotitoren. 

178 Carl Aug. Badia (1440 fl.) .... 1742 f 23. Sept. 1738 66 J. alt 

179*. Franc. Conti (1440 fl.) . . . 1. Jan. 1713 t 20. Juli 1732 51 j.ait. 

180* Gregor. Genuesi ..... I.April 1718 f 1. Oct 172065J.ait. 

181* Georg Porsile (1440 fl.) . . 17. Dec. 1720 f 29. Mai 1750 
182* Georg Reutter jun. (600 

—1200 fl.) ..;... 1. Mai 1731 . 1. Sept. 1747 

183* Matt Palotta (400 fl.) . . . 25. Febr. 1733 . . . .1741 react. 

1749 



364 



Beil. V. 184—811. 



1712—1740. (K. Karl VI. 17i1--i?40.J 

Von Bis 

184« J. G. Reinhardt 1734 .... 1740 

t 6. Not. 1742, 65 J- alt. 

185* Georg Christ Wagenseil 

(360 fl.) 6. Febr. 1739 fl- Mär» 1777 

186* Gins. Bonno 6. Febr. 1739 . 31. Jan. 1774 



Cencertmsistsr. 

187* Killan Reinhard (720 fi.) 1698 f 23. H&rz 1729 75J.ftit. 

188* Andr. Amiller (900 fl.) 20. April 1729 .... 1740 



Organlstsn. 

189 Leopold Rammer (640 fl.) .... 1712 

190 Georg Reutter (900 fl.) 1712 

191 J. G. Reinhardt (900 fl.) 1712 

192* J. Franz Keubauer (720 fl.) . 1. Juli 1713 
193* Gottlieb Muffat (720 fl.) . . 8. April 1717 
194* Anton Karl Richter (500 fl.) . 3. Aug. 1718 

195* Joh. B. Payer (500 fl.) 1721 

196* Franz Rosofsky 17. Juli 1726 



197* Ant Wemdle (550 fl.) 

198* Wenzel Pürk .... 
199* Matth. Karl Reinhardt . 



Bassisten. 

200 Joh. B. Cativelli . . . 

201 Friedr. GOtzinger (900 fl.) 

202 Casp. Liedmayr (900 fl.) 
203* Casp. Corvo (720 fl.) . 
204* Pet. P. Pezzoni (1260 fl.) 
205* Christ. Praun (1080 fl.) 

206* Christ. F. Denck'(500 fl.) 
207* Matth. Huetter (500 fl.) 
208* Leop. Piellacher (500 fl.) 
209* Ant. Pöck (500 fl.) . . 



22. Juli 1733 

6. Febr. 1739 
6. Febr. 1739 



t28. Oct. 1730 69 J. alt. 
t 29. Aug. 1738 82 j. «lt. 
30. Juni 1740 p«n>. 

t 6. Not. 1742 

tl. Oct. 1732 es J. »lt. 

.... 1763 ponc. 

1 11. Nov. 1763 
tlO.Aprill73355J.au. 

. • 1740 pons. 
raact« 1750, t Not. 176S 
.... 1741 peDS. 

r«act. 1750 

1 18. Juli 1763 45 J. alt. 

.... 17o2 pens. 
t l.Febr. 1767 



210* Jos. Moser (400 fl.) 



211'' Ant Ign. Wemdle (400 fl.) 



1. Oct. 1711 
1. Oct. 1711 
1. Oct. 1711 
1. Juli 1713 
1. Jan. 1715 
1. Juli 1715 



. . 1720 
. . 1720 
. . 1720 
Mfirzl725 



1726 



23. März 1727 



.... 1716 
t3. Dec. 1735 74 J. alt. 
1 15. Aug. 1724 55 J. alt. 
1 18. Oct. 1728 48 J. alt 
1 17. Juli 1736 60 J. alt! 
.... 1740, 

t 28. Febr. 1772, 76 J. alt. 

. 4. Aug. 1726 
.... 1739 
.... 1739 
.... 1740, 

t ]S. Aug. 1766, 67 J. alt. 

.... 1740, 

t 8. Juli 1750, 50 J. alt. 

.... 1732 1TS3 

Hoforgaalst. 



Beil. V. 213—241. 



365 



1712-1740. 



212* Ant. Perti (Berti) 



213* J. Karl Herrich . 



(K. Karl VI. i7i1—i740.) 
Von Bit 

. . 1729 .... 1740, 

t8. Deo. 1741, 56 J.Alt. 
. . 1729 .... 1740, 

t 82. Not. 1779, 74 J. alt. 



Ttnorliten. 

214 Job. Seb. Zeitlinger (900 fl.) ... 

215 Carlo Coata (1440 fl.) ...... 

216 Tomaso Bigelli (900 fl.) ..... 

217 Silvio Garghetti (1400 fl.) .... 

218 Francesco Borrosini (1800 fl.) . . . 

219« Vinc. Gampi 1. Juli 

220« Lor. Masselli (1440 fl.) 

221* Jos. Timmer (540 fl.) 

222* Jul. Cavaletti 

223* Christ. Payer (500 fl.) . . . 1. Oct. 
224* Matth. Oettl (720 fl.) . . . 1. Oct. 
225* Gaet. Borghi (1800 fl.) . . 1. Juli 
226* Jos. Timmer jun. (200 fl.) . 27. Dec. 

227« Claud. Pasqnini 

228* Ignaz Finsterbnsch (300 fl.) . . 1. Mai 
229* Ant. Wemdle (Bass) ... 28. März 



1712 

1712 

1712 
1712 
1712 
1713 
1714 
1719 
1720 
1720 
1720 
1720 
1728 



. 30. Juni 

1 10. April 

30. Juni 

1 23. April 

t 27. Mai 

t 20. Mai 

t 20. Aug. 

1 12. Oct. 

t 27. Aug. 

* • . • 

. te.Mai 

1 11. Juni 

. ' . . . 

10. Nov. 



... 



1733 

1730 t 29. April 

1728 . . . . 



1740 pens. 
1749, 78 J. alt. 
1740 pen«. 
1732MJ.4U 

1729 
1731 jab. 
1 718 52 J. alt. 
1730 67 J. alt. 
1750 54 J. alt. 
1723 pon>. 
1759 64 J. alt. 
1725 51J. alt. 

1740 

1729 anage- 
traten. 

1739 

1753 49 J. alt. 

1732 



Alttsttn. 

230 Salv. Meilini . . . . 

231 Gaet. Orsini (1800 fl.) . 
232« Lor. MasselU .... 



233* Ludw. Miraglies (750 fl.) 
234* Giov. Greco (900 fl.) . 

235* Pietro Cassati (1800 fl.) 



236* Ant. Amaducci (400 fl.) 
237* Pietro Galli (720 fl.) . 
238* Fü. Antonelli . . . 
239* Gius. Appiani (1800 fl.) 

Sopranltttn. 

240 Vinc. Brutti (1800 fl.) . . 

241 Giov. B. Vergelli (1440 fl.) 



1. Oct. 1711 

1. Oct. 1711 

1. April 1712 



... 



. . . 1715 
1. Oct. 1716 

1. April 1717 



. . 1729 
10. Mai 1732 
1. Jan. 1734 
1. Jan. 1739 



. 1716 
30. Juni 1740 
. . . 1721? 

1 12. Oct. 1730, 57 J. alt. 

16. Juli 1726 jub. 
. . . 1740, 

1 1. MSra 176S, 85 J. alt. 

.. . . 1740, 
t 23. Not. 1745, 61 J. alt. 
. 1739 

. 1740 
. 1740 
. 1741 



... 



* * • 



... 



1. Oct. 1711 t 27. Febr. 172455J.ait. 

1711 .... 1739 pens. 

t 37- I>«o* 17^7i 80 J. alt. 



366 Bell. V. 842—272. 

1712— 1!740. (k, Karl 17. 1^-^1740.) 

V^n Bis 

24ä Domen. TolUni 1712 . : . . 1717 

243» GiDv. Vincenzi (1440 fl.) . . 1. JSn. 1713 . 8. April 1739 « J. au. 

244* Carlo Menga 1. Juli 1713 .... 1717 

245»A. Galli 1. Jan. 1715 . . . .1718 

246* Pietro Rauzzino (648 fl.) . . 1. Oct. 1716 .... 1740 

247* Gius. Monteriöo (7—1400 fl.) 1. Oct. 1716 .... 1740 

248« Domen. Genovesi (1440 fl.) . 1. April 1717 ... .1740 

249* Nie. Signorile (Alt) (lOÖO fl.) 1. März 1721 .... 1740 

250» Gibv. Carestini (1440 fl.) . . 1. April 1723 . 1. Oct. 1725 

251* Giac. Vitali (1500 fl.) . . . 1. Jan. 1728 . . . 1 1736 

252* Pietro Petazzi (900 fl.) . . 12. März 1728 . 30. Juni 1740 pen«. 

253* Angelo Antonelli (900 fl.) . 1. Jan. 1733 .... 1740 

254* Angelo Mqnticelli (1800 fl.) . 1. Jan. 1783 .... 1740 enti. 

255* Feiice Saliinbeni (1500 fl.) .... 1733 .... 1738 

* 

' Stngtrintn. 

256 Anna M. Lisi Badia (1800 fl.) 1. Oct. 1711 f 9- Jan. 1726 

257» Mar. Landini (Conti) (4000 fl.) 1. Jan. 1713 . . . 1 1722 

258« Reg. Schoonians (2700 fl.) . . Juni 1717 ..... 1740 peu*. 
259* M. Anna Htilverding (Schulz) 

(600 fl.) 1718 . . . : 1740 pen.. 

260* Rosa d'Ambreville (Borro- 

aini) (1800 fl.) .... 1. März 1721 .... 1740 pen». 
261* Anna d'Ambreville (Perroni) 

(1440 fl.) L März 1721 . . . .1740 

262* Lucr. Panizza (400 fl.) . . 1. Juli 1723 ..'... 1740 pen.. 
268* AnnaRogenhofer(Schnautz) 

(1000 fl.) . . . . : . 1. Juni 1726 1740 pens. 

264* M. A. Lörenzoni (Contini) 

(4000 fl.) L Juni 1726 . . März 1732 au»««. 

treten. 

265* Ther. Holzhauser (Reufter) 

(1700 fl.) 1. Juli 1728 .... 1740 

266* Barb. Pisani (1500 fl.) . . . 1. Jan. 1731 31. März 1738 au.go. 

^ treten. 

Violinistsn. 

267 Andreas Abend (900 fl.) . . . . . 1712 f 3. Dec. 1729 73 j. ait. 

268 Joh. Alb. Franckh (720 fl.) .... 1712 f 18. Jan. 17386t j. ait. 

269 Ferd. Barth. Peyer (720 fl.) .... 1712 . . 1714 

270 PetClem. Schmelzer (540 fl.) . . . 1712 30. Juni 1740 pen.. 

t so. Sept. 1T46, 74 j. »It. 

271 Joh. Jac. Hofer (900 fl.) 1712 1 14. Aug. 1737 64 j.»u. 

272 Ferd. Lemberger (720 fl.) .... 1712 30. Juni 1740 pens. 



BelL V. 878—306. 367 

1712—1740. . (K, Karl VL 17U--1740.J 

Voa Bis 

273 Nie. Matteis (JL440 fl.) 1712 t 23. Oct. 1737 

274 Paul Alber (glO fl.) .;..... 1712 f 30. Nov. 1732 so j.»u. 

275 Jos. Franckh (549 fl.) 1712 .... 1714 

276 Joh. Alber (540 fl.) 1712 .... 1740 pen.. 

t 28. Uai 1745, 7S J. alt. 

277 Joh. Alb. Hain (360 fl.) 1712 f 24. Nov. 1727 50 J. ait. 

278 Karl Hartmann (540 fl.) ..... 1712 f L Aug. 173066 J.ait. 

279 Franz Reinhard (900 fl.) .... . 1712 f 27. Sept. 1727 45 J. »h. 

280 Mich. Jac. Crammer (540 fl.) . ! . 1712 .... 1713 • 

281 Ferd. Woller (-720 fl.) -.'1712 t 28. Juli 1736 49 J. «it. 

282 Joh. Otto Rosetter (900 fl.) . * . . . : 1712 .... 1740 
283* Seb, (Karl?) 01^1(360 fl.)- . . . . 1712 . . . . 1740 pen*. 
284* Jos. Fasching (360 fl.) .;.... 1712 f 6- Febr. 1732 
285* Franz Hintereder (360 -fl.) . . . '. 1712 f 26. Dec. 1724 
286* Angelo Ragazzi (1080 fl.) . 1. Juli 1713 .... 1740 pen». 

t 12. Oct. 1750, 70 J. «lt. 

287* Jos. Karl Denk (700 fl.) . .. 1. Juli 1713 . . . .1740 

288* Nicolo Angropoli (522 fl.) . 1. Juli 1713 t 22. Juni 1732 

289* Tomaso Piani (900 fl.) . . 1. Juli 1717 30. Juni 1740 

290* Giov. Anl. Piani (1800 fl.) .... 1721 30. Juni 1740 

291* Leop. Libano (500 fl.) . . 12. Nov. 1721 . 30. Juni 1740 

292* Franz Wolter ........: 1721 .... 1731 

293* Joh. Ign. Angermayr (450 fl.) 1. Febn 1721 f 23. Febr. 1732 si j.«it 

294* Franz Jos. Timmor (540 fl.) . . . . 1721 f 8. Dec. 1731 

295* Bernard Ziller (500 fl.) 1721 .... 1740, 

t 5. JuU 174S, 46 J. alt. 

296* Joh. Georg Hintereder (540 fl.) . . 1721 .... 1740, 

t 28; Febr. I76d, 79 J. «lt. 

297* Gottfr. Schweinberger (360 fl.) 1. JÄn. 1727 .... 1740 pen». 

- t 14. Oct. 1768, 88 J. «It (B«lletgeiger). 

298* Franz Karl Pemember <400 fl.) 25. Nov. 1727 . . . .1740, 

t 2. JvLai 1754, 57 J. «lt. 

299* Pilippo Salviati (460 fl.) . . 25. Nov. 1727 .... 1740, 

t 27. Mir« 1766, 60 J. «lt. 

300* Joh. Franz Reinhard (460 fl.) 1. Dec. 1730 1740, 

t 22. April 1761, 47 J. alt. 

301* Joh. £m8t Muffat (500 fl.) 1. Dec. 1730 .... 1740, . 

t 25. JanI 1746, 48 J. alt. 

302* Joh. Paul Hammer (500 fl.) . 30. Jan. 1732 . . ; • 1740, 

t 6- Oct. 1748, 45. J. alt. 

303* Ferd. Grossauer (400 ff.) . 10. SUi 1732 1740, 

t 14. Sept. 1763, 59 J. alt. 

304* Ign. Stadimann (500 fl.) . . 1. Jan. 1736 .... 1740,. 

t 24. Febr. 1753, 89 J.«alt. 

305* Franz Karl Kammermayr (260 fl.) 1. Aug. 1736 . 30. Juni 1740 ange- 
treten. 



368 Beil. V. 806— 327, 

1712—1740. (K. Karl VI. 17ii-'1740.J 

Von Bit 

306* Jac. Jos. Woller (500 fl.) . . 1. Nov. 1736 .... 1740 
307* Karl Jos. Denk (430 fl.) . . . 9. Mai 1737 .... 1740 

ViolonctUiittn. 

308 Jos. Malagodi 1712 f 28. Febr. 1719 45 j. ut. 

309 Ant. Schnautz 1712 . 30. Juni 1740 (ron 

1721 Violoain). 

310 Job. Crammer 1712 . 30. Juni 1740 p«»,. 

311* Franz Pet. Schnautz (540 fl.) 1. Jan. 1719 .... 1722 (»piur 

. Vlolonlst). 

312* Pietro Adö (900 fl.) 1720 .... 1740, 

t 7. Aag. 1769, 75 J. alt. 

313* Ant. Rajola (720—1000 fl.) . . . . 1721 . 30. Juni 1740 pew. 

(Weltprietter). 

314* Franz Alborea (1260 fl.) 1721 f 20. Juli 1739 

315* Giov. Perroni (1800 fl.) . . 1. April 1721 . . . . 1740, 

1 10. Mir« 1748, 60 J. alt. 

316* Karl Franz Drenger (500 fl.) 28. Dec. 1725 .... 1740, 

1 15. Juni 1745, 43 J. alt. 

317* Cbristian Röttig (450 fl.) . . 7. März 1740 .... 1740, 

t T. April 1764, 55 J. alt. 

ViolonitUn. 

318 Andreas Freitig 1712 f 15. Oct 1718 64j.ait. 

319 Ferd. (Friedr.) Fichtl (480 fl.) . . . 1712 f 28. Febr. 4722 55 J. alt. 
320* Domen. Apuzzo (700 fl.) . . 1. Juli 1713 f 10. Oct 174063J.ait. 
321* Ant. Schnautz (480 fl.) 1721 . 30. Juni 1740, 

t 2. Febr. 1756, 67 J. alt. 

322* Fr. Pet. Schnautz (540 fl.) .... 1722 30. Juni 1740, 

1 18. jQDl 1755, 54 J. alt. 

GafflbitUn. 

323 Franz Ant. Schmidbauer (720 fl.) . . 1712 f 1. Dec. 1737 48 J. alt. 

324 Franz Hueffnagel (720 fl.) .... 1712 .... 1714 

Baritonist. 

325* Marc. Ant Berti (540 fl.) . . 1. März 1721 .... 1740 

Tsorbist. 

326 Franz Conti (1440 fl.) 1712 f 20. Juni 1782 öu.ait. 

Clmbatist. 

327 Max Hellmann (1000 fl.) 1724 . . . .1740, 

t 20. Mara 1768, 60 J. alt. 



Mi. V. 828—36$. 369 

1712—1740. (K. Karl VI. 17ii^1740.J 

Cornettitton. ^ 

V«A Bli 

828 Leop. Pramayer (Bromayer) 

(720 fl.) 1712 . 26. Oct 173788J.iat. 

329* Johann Georg Griesbacher 

(500 fl.) 1721 t 27. Juni 1740 66 j. »lt. 

330* Jod. Ad. Christ (500 fl.) . . 1. Juli 1738 .... 1740, 

t 4. Febr. 1746, 6l J. alt 

Lautenitt. 

331 Andre Boor (Pohr) 1712 f 6. April 1728 65 J. «it. 

Fagottitton. 

332 Joh. Franz Sturmb (540 fl.) .... 1712 f 18. Mftrs I72264j.ait. 

338 Karl Mailliard (540 fl.) 1712 f 15. März 1738 78 J. «it. 

334 Franz Hart. Sturmb (540 fl.) . . . 1712 t 30. Juni 1739 50 j. «it. 
335* Tob. Woßchitzka (500 fl.) . 1. April 1721 .... 1740, 

t S9. Wuz nbi, 69 J. «lt. 

336* Joh. G.'Bchindler (500 fl.) . . 1. Mai 1722 f 15. März 1725&5 J.«it. 
387* Joh. Jac. Friederich (500 fl.) 28. Dec. 1725 1 18. April 1741 50 j.«it. 
388* Ant. Maillard (540 fl.) . . . 13. JuK 1733 .... 1740, 

t 8. April 1755, 54 J. «lt. 

389* Franz Phil. Friedrich (500 fl.) 7. März 1740 .... 1740, 

t 4. rabr. 1777, 60 J. «lt. 

Oboisten. 

340 Franz Glätzl (540 fl.) 1712 f 13. Nov. 1717 40 J. «it. 

341 Roman Glätzl (540 fl.) 1712 t 6. Juli 1727 44 j. «it. 

342 Joh. Gabrieli (720 fl.) 1712 ... . 1740 p^. 

t 1. Not. 1741. 66 J. «lt. 

343 Xav. Glätzl (500 fl.) 1712 t 20. März 1726 41J. «it. 

344 Jos. Lorber (500 fl.) ....... 1712 f 4. Mai 1724 48 J. «it. 

345 Ludw. Schön (500 fl.) 1712 . 30. Juni 1740 pens. 

1 18. April 1753, 68 J. «lt. 

346* Franz Faaser (500 fl.) . . . 1. Juli 1713 .... 1714 

347* Ludw. Schulz (600 fl.) . ..... 1721 f 28. FebM740 55 J. «it. 

348* And. Widmann (540 fl.) 1721 .... 1740, 

t 8. D«c. 1767, 98 J. «lt. 

349* Dan. Franz Hartmann (550 fl.) . . . 1721 .... 1740, 

1 17. Mai 1772, 81 J. «lt. 

350* Dav. Hermann 1721 . . . . ? 

351* Zach. Gazzaroli (360 fl.) 1732 . . . .1740 

Potaunitten. 

352 Leopold Christian (900 fl.) . . . . 1712 f 27. Aug. 1730 

358 Hanns Georg Christian 1712 f 22. Oct 1721 45jr. «it. 

Köcktl, J. J. Txix. 24 



370 



Beil.V. 854—383« 



1712-1740. 



354 Leop. Christian jon. (600 fl.) 

355* Andr. Boog (500 fl.) ... 

3o6« Andr. SteinbrackiiM' (440 fl.) 
357« Ign. Steinbrucker (440 fl.) . 



358* Steph. Tepser (400 fl.) 



• • 



359* Leop. (Ferd.?) Christian 
(400 fl.) 

Jlforlioniitttn. 

360 Wenzl Bossi (360 fl.) . . . 

361 Friedr. Otto (360 fl.) . . . 



CK. Karl VI. i7ii-^i740.) 
Von Bit 

. . . 1712 .... 1740, 

t 9. IHo. 1760, 77 J. »lt. 

1. Oct. 1720 .... 1740, 

t2l. JoiiiJ763, 78J. «It. 

8. Dec. 1721 f 6. Aug. 1724 S9 j.ait. 
30. Jan. 1725 .... 1740, 

t 9. Sept. 1766, 64 J. alt. 

1. Dec. 1730 .... 1740, 

t 9. Kot. 1769, 80 J. «It. 

11. Dec. 1736 .... 1740, 

1 96. April 1783, 66 J. «lt. 



1712 .... 1738? 

1712 t 4. Dec. 1718 88j.4it 



362 

363 

364 

365 

366 

367 

368* 

369* 



Musical. Trompeter. 

Tob. Andr. Pemebmer (165 fl.) 
Joh. Reinh. Engl (270 fl.) 
Seb. Naasoto (720 fl.) . 
Thom. Bon .... 
Joh. Gortschek (135 fl.) 
Nie. Jesorka (135 fl.) . 
Franz Efiefel (790 fl.) . 
Thom. Wlach (750 fl.) . 



370* Joh. C2i£ek (400 fl.) . 

371* Andr. Zechart (300 fl.) 

372* Math. Schmidt (400 fl.) 

373* Georg Rud. Hien (Hein) (750 fl.) 1. Juli 1713 



. . 1712 

. . 1712 

. . 1712 

. . 1712 

. . . 1712 

. . 1712 

1. Oct. 1711 

1. Oct. 1711 

1. Oct. 1711 
1. Oct. 1711 
1. Oct. 1711 



1 16. Juni 



... 



t 5. April 

1 16. Mai 

1 12. Jfin. 

tl6. 



374* Math. Koch (400 fl.) 



... 



1. Juli 1713 



4. Juni 



375* Joh. Mich. Rebhendl (400 fl.) . 1. Juli 1713 
376* Franz Tnmovsky (360 fl.) .... 1712 
877* Franz Jos. Hollandt (540 fl.) ... 1712 



878* Joh. Franz Bonn (240 fl.) 
379* Franz SchOn .... 



1720 
1721 



1 17. Juni 
t 20. Sept. 

.... 

t 81. Oct. 

« • • • 

« • • • 

t 98. Febr. 

t 7. März 



... 



380* Christ. Grünauer 1721 

381* Rud. Koberer 1721 

382* Jac. Ernst Sesler 1721 f 21. Febr. 

383* Joh. Hanisoh (400 fl.) . . . 10. Juni 1730 . . . . 



1727 
1724 
1733 69 J. «lt. 

1717 65 J. »lt. 

1718 68 J. mit 

173779J.ÄU. 
1740 

1740 au«»«, 
treten. 

1714 
1730 
1740 
1740 «usge. 

treten. 

1740 aasge- 
treten. 

1728 

17386oj.au. 
1740, 

1747, 60 J. alt. 
? 

1731, 

1749, 60 J. «It. 
1721 44 J. alt. 
? 

1739 66JF. alt. 

1740 



Beil. V. 384—390« Register. 



371 



1718—1740. 

384* Job. Ernst Peyer (250 fl.) 
dS5^ Franz Ereybich (160 fl.) 
BSe* Ferd. Hölzl (160 fl.) . 



CK. Karl VL i7H^i740.) 
Von Bit 

. 1. Juli 1733 .... 1740 
. 2. Aprü 1738 .... 1740 
. 2. April 1738 .... 1740 .a«g« 

treten. 

Pauker. 

387 Max Helhnann (400 fl.) 1720 f 9. Febr. 1722 

388 Job. Gottfr. Denk (400 fl.) . 1. Jan. 1720 f 28. Juni 1732 

389 Jac. Leop. Hellmann (400 fl.) 10. Juni 1730 .... 1740, 

t n. MSrx 1742. 58 J. «H. 

390 Leop. Pbil. Vogl (250 fl.) . . 1. Juli 1731 t 24. Juli 1787 40 J. ait. 
Gantoreiknaben, deren Zahl nicht angegeben ist. 

3 Copisten. 2 Caleanten. 1 Diener. 1 Lauten mach er. 



Alphabetisches Register der St&nde der Hofkapelle von 1680—1740. 



Abendt Andr. 96. 267. 
Adö Pei 312. 
Alber Job. 115. 276. 
Aibor Paul 110. 274. 
Alborea Frane. 314. 
Amaducci Ant 236. 
d'Ainbroviile (PorroiU) Anna 261. 
d'Ambrovlilo (Borrotini) Rota 260. 
Amilior Andr. 188. 
Angormayer Job. 47. 
Angermayer Job. ign. 293. 
Angropoli Nie. 288. 
Antalone Ferd. Mar. 26. 
Anionelli Ang. 253. 
Antoneili Fit. 238. 
Apuno Dom. 320. 
Applanl fiiut. 339. 

Badia Anna M. Liti 80. 256. 
Badia Cari Aug. 7. 178. 
Badia Giut. 30. 
Palotta Matt 183. 
PancotH Ant. 3. 4. 55. 
Panizza Lucr. 252. 
Barbaretti Job. B. 51. 
Patquini Claud. 227. 
Baufilt Joh. 139. 
Payer Cbritt. 228. 



Bayer (Peyer) Ferd. Barth. 100. 269. 

Payer Joh. B. 195. 

Pornembor Fr. Karl 298. 

Pornofflbor Tob. Andr. 163. 362. 

PerronI (d'Ambreville) Anna 261. 

Perronl Giov. 315. 

Peru (Berti) Ant 212. 325. 

Petazzl Pietr. 252. 

Peyer Job. Erntt 384. 

Pezzoni P. Paul 204. 

Pianl Giev. Ant 290. 

Piani Tom. 289. 

Pieilacher Leep. 208. 

Bigeili Tofflate 52. 216. 

Pio di Saveia, Princ. Luigi vor 173. 

PItani Barb. 266. 

Pbck Ant 209. 

Poglietti AI. 13. 

Bon Tbom. 165. 365. 

Bonelli Giov. P. 41. 

Bonn Fr. Joe. 378. 

Bonn! Steif. 40. 

Benno Giut. 186. 

Bononelni Giov. B. IL 

Boog Andr. 355. 

Boor Andr. 158. 

Borgbi Gaet 225. 

Borrini Rain. 27. 

24* 



372 



Beil. V. Register. 



Borrotini Ant 54. 

Borrotini (d'Ambrevilie) Rota 260. 

Portiio Gius. 181. 

Pramayor (Bromayor) Loop. 156. 328. 

Praun Clirist. 205. 

Prodieri Luc. Ant. 177. 

Bronzotti Hod. 46. 

Brutti Vinc. 73. 240. 

PDcl(I Ford. Loop. 126. 

Pacicl (Bicicl) Paul 84. 

POric Wonz. 198. 

Caldara Ant. 176. 

■ 

Kanmormayr Franz K. 305. 

Cappoilini Carlo 14. 

Kapiorin Catiior. 82. 

Carottini Glov. 250. 

Cattati Plotr. 235. 

Cattoiti Paolo 56. 

a Cattro Giutto 85. 

Cativolli Joh. B. 33. 

Cavallotti Jul. 222. 

Cavanna J. B. 36. 

Caveili Juan Graf, vor 172. 

Kerl Joli. Katp. 15. 

Corrini Fabr. 44. 

Klilmpfl Harz. 162. 

Kliiopauor Woif. 159. 

Clirist Jos. Ad. 330. 

Clirittian Christian 144. 

Clirittian Hanns Goorg 145. 353. 

Christian Loop. 142. 352. 

Christian Loop. ()un.) 354. 

Christian Loop. (Ford.) 359. 

Khuglor Burkh. 83. 

Kuglor Ign. Loop. 92. 

CloRionti Oraz. 132. 

Koboror Rud. 381. 

Koth Math. 369. 

Conti Franz B. 134. 179. 326. 

Conti (Landini) üar. 257. 

Contiili Aless. 55. 

Contini (Lorenzoni) ü. A. 264. 

Corvo Kasp. 203. 

Coscia (Cascia) Laur. 25. 



Costa Cario 50. 215. 
Crammor Joh. 128. 310. 
Crammor üich. iac. 122. 280. 
Kroybich Franc. 385. 
Kuofei Franz 368. 
KOndlor Jao. 108. 
Cziiolc Joh. 370. 

Tochoimann Fr. Hatii. 17. 
Oonclc Christ F. 206. 
Oonic Jos. Gottfr. 388. 
Donic Jos. Kari 287.^ 
Donic Karl Jos. 307.* 
Topser Btoph. 357. 
Thalmann Fr. Dan. 10. 
Timmor Franz J. 294. 
Timmor Jos. 201. 
Timmor Jos. (Jun.) 226. 
Toliinl Domon. 79. 242. 
Donati Jui. Caos. 24. 
Tosi Pot. Franz 12. 
Draghi Ant. 2. 6. 
Draghi Cario 18. 
Drongor Kari Friodr. 316. 
Turnovsicy Franz 172. 376. 

Engl Joh. Hoinr. 164. 363. 

Valontini Ranuzio 75. 
Fasching Jos. 284. 
Fassor Franz 283. 
VergoHi Joh. Bapt. 78. 241. 
Forini Ant. 64. 

FIchtoi Ford. (Friodr.) 131. 319. 
Fiiot Jae. AnL 37. 
Finstorbusch ign. 228. 
Vinconzl Dom. 243. 
Vitall Glov. 251. 
VogI Loop. Phil. 390. 
Fontana Joh. Friodr. 143. 
Fontana Silv. Aug. 146. 
Francl(h Joh. Albr. 99. 268. 
Francfch Jos. (Joh. 7) 111. 275. 
Frottig Andr. 130. 218. 
Friodorich Franz Phii. 339. 



Beil. V. Regster. 



373 



FrMeridi Job. Jmc. 337. 
Fux Joh. Jm . 8. 174. 175. 

fiabrioli Joh. 149. 342. 
Qaogiotti Lor. 29. 
Mli A. 246. 
Mll Plotro 237. 
Mioni Jof . 70. 
Gampi Vinc. 219. 
Qarshotti P. San« 43. 
Garghotti Silv. 58. 217. 
Gazzaroili Zick. 351. 
Golmini Nie. 58. 
Goauoti Oomon. 248. 
ttoimofl Grof. 180. 
Gof oreka Nie. 170. 
GIgi Sob. Kari 283. 
Gittliaai Ant. 59. 
Giltzl Fraai 146. 340. 
Giltzl Rom. 148. 341. 
Glltzi Xav. 151. 343. 
Golilnl Ca). 45. 
Gortediok Goorg 169. 
Gortschok Joh. 866. 
GMziagor Friodr. 35. 201. 
Graatfit Franc. 72. 
Groeo Giov. 234. 
Griothachor Joh. G. 329. 
Grotsauor Ford. 303. 
GrBaaaor Christ 380. 
Grlaaaor Joh. 166. 
GOathor Ad. Fr. 68. 

Hador Ciom. 66. 
Mala Joh. Aibr. 116. 277. 
voa Haai Loop. 117. 
Hamaior Goorg Signi. 160. 
Haaiaior Joh. Paul 302. 
Haatmor Math. Jos. 141. 
Haaloch Joh. 883. 
Harlaiaan Dan. Fr. 349. 
Nartaiann Kari 123. 278. 
Noin (Hioa) G. Rad. 373. 
Hoidt Joh. 77. 
Hoilmann Max 327. 387. 



Hoilmann Jac. Loop. 389. 

Hormaaa Dav. 350. 

Horrich J. Kari 213. 

Hioa G. Rud. 373. 

Hiatorodor Franz 285. 

HIntorodor Joh. G. 296. 

Hoffor Joh. Jac. 104. 271. 

Hoior Jos. 9. 98. 

Hoilandt Fr. Jos. 171. 311 

HOizI Ford. 386. 

Hoizhautor (Roattor) Thor. 265. 

Huofnagol Franz 121. 324. 

Huofnagoi Joo. 103. 

HuoHor Matlh. 207. 

Hlilvording (Schulz) M. Anna 269. 

Jooorica Nie. 367. 

Lahounior Pol 168. 
Lamhorg Ford. Graf, vor 171 
Laadlai (Conti) Mar. 257. 
Lauronzio Domen. 67. 
Lauttor Joh. G. 32. 
Lomberger Ford. 105. 272. 
Looma Ang. Mar. 22. 
Leuttner Wenz. 150. 
Llbano Leop. 271. 
Liodtmayr Kasp. 38. 202. 
Liadt Ford. 125. 
Lorbor Joo. 152. 344. 
Loroozoni (Contini) M. A. 264. 

Mager Job. Joe. 31. 

Maggie Oari. Ford. 69. 

Maliiard AnL 338. 

Mailiard Kari 138. 

Maiagotti (Maiagodi) Jos. 127. 308. 

Mangiarotti Giro 136. 

Manna Dom. Ant 34. 

Marchosolli Poii. 156. 

Masseiii Lor. (Alt) 61. 232. 

Masseln Lor. (Ten.) 220. 

Massucd AnL 39. 

Matteis Nie. 106. 273. 

Mazzella Nie. 42. 



374 



Beil V. Register. 



Meiiiiii Salv. 62. 230. 
Menga Carlo 244. 
Miragiiet Ludw. 233. 
Mollart Ford. E. Graf, vor 173. 
Montariso Giut. 247. 
Monticalli Aug. 254. 
Moratolti Sab. 60. 
Moser Jos. 210. 
Muffat Gottff. 109. 
Muffat Qottl. 193. 
Muffat Joh. Ernst 301. 
MDIIor Franz 97. 

Nanini Dom. 114. 
Nattotto Seb. 167. 364. 
Noubauer J. Franz 192. 

Oiivicciani Vinc. 75. 
Oopflknab Jos. Ford. 28. 
Ortini Cajei. 63. 231. 
Ootti Matth. 224. 
Otto Friodr. 361. 

Ragazzi Ang. 286. 
Rajoia Ant. 313. 
Rammor Loop. 19. 189. 
Rauzzino Piotr. 246. 
Rebhondi J. Mich. 375. 
Roinhart Franz 118. 279. 
Roinhart Joh. Franz 300. 
Reinhardt Joh. Georg 21. 184. 191. 
Reinhard KU. 187. 
Reinhardt Math. Karl 199. 
Relttenberger Bened. 155. 
Rest ier (ROssier) Loop. 86. 
Reutter Georg (sen.) 20. 133. 190. 
V. Reutter Georg ()un.) 182. 
Reutter (Hoizhauter) Ther. 265. 
Richter Ant. Karl 194. 
Richter Ford. Tob. 16. 
Riotta (Riotti) Joh. B. 88. 
Rogenholer (Schnautz) Anna 263. 
Remani Stoff. 74. 
Ribner Franz 102. 
Rost i Wenzel 360. 



Rosetter Joh. Ant. 124. 
Rotsetter Joh. Otto 282. 
ROttIg Christ. 317. 
Rueh Mich. 87. 
Rusofsky Franz 196. 

Sackh Joh. G. 95. 

Saichl Joh. Ant. 94. 

Salimbeni Fol. 255. 

Salviati Fil. 299. 

Sancet Ad. Fol. 23. 

Santa Croce, March. Scip. vor 1. 

Sardina Glus. 65. 

Sauii Fll. 135. 

Schilling Joh. Ford. 91. 

Schindler Joh. G. 336. 

Schmelzer Andr. Ant. 90. 

Schmolzer Joh. Heinr. 1. 

Schmelzer Pet. Clem. 101. 270. 

Schmidbauer Franz Ant. 119. 323. 

Schmidtbauer Kart 93. 

Schmidt Math. 372. 

Schnautz (Rogenbofer) Anna 263. 

Schnautz Ant. 129. 309. 

Schnautz Franz Pet. 311. 322. 

Sehober Math. 71. 

Schon Franz 379. 

SchOn Ludw. 154. 345. 

Scheonians Reg. 258. 

Schulz Ludw. 347. 

Schulz (HQIIverdIng) M. Anna 259. 

Schweinberger Gottfr. 297. 

Sesler Jac. Ernst 382. 

Signorlle Nie. 249. 

Stadimann ign. 304. 

Steinbruckner Andr. 356. 

Steinbruckner Ign. 357. 

Straei Franz 113. 

Strael Joh. Bon. 89. 

Sturmb Fr. Mart. 140. 334. 

Sturmb Joh. Franz 137. 332. 

Stttterin Kunig. 81. 

Wagenhuber Andr. 161. 
Wagenseil G. Christ. 185. 



Woiigor Kup. 112. 
Warndio Ant. 197. 229. 
Werndio ign. 211. 
«idmann Andr. 348. 
Wimch Tbom. 869. 
W«il«r Ford. 120. 281. 
Wolter Franz 292. 
Wolior Jac. Jos. 306. 



Beil. V. Register. 

WooebHzka Tob. 335. 

Zlcbor Andr. 107. 
Zoobart Andr. 371. 
Zoobnor Job. G. 1&3. 
ZoHHngor Job. 8ob. 49. 214. 
ZianI M. Ant. 5. 173. 
Zlilor Bomb. 295. 



375 



Beilage VI. 

Urkunden: Fox, Gutachten aber Hofmusiker von 1715 bis 1740. 

Am dem Archive des k. k, OberMhofmeUteranUes, 

1715. Referat vom 29. Junii. 

t» „Sebastian Nachtigall kombt ein vmb ein Hof-Violinisten- 
Btell weillen aber dermahlen kein apertur vorhanden, er auch Nachtl^ll 
zum geigen nit tauglich ist, alss kann ich in dessen anbringen nit einrathen.<< 

[Wurde nicht angestellt] 

1715. eod. 

%• „Johann Baptista Schnauz Kay. Instrument Diener ver- 
siebet schon in das 48 Jahr disen Dienst mit grosser embsigkeit. Hat bey- 
nebens auch die obsicht gehabt über die Kay. Instrument Cammer ohne 
einziges extra emolumentum : biss erstlich ein webcher Orgelmacher deme 
360 fL nachgehendts Georg Reitter Kay. Organisten mit 400 fl. iahrlichen 
adjuto dise inspection ist aufgetragen worden , vndter welche beden villi 
Sachen verdorben und auch verloren gangen seynd, alsso dass desshalben 
ihme Schnauz die Verwahrung gedachter Cammer widerumb anuertraut 
worden ist. Kommet also aller unterthgst. ein nur vmb die Helffte von 
einer deren obbenannten besoldnngen. Ich finde seine allerunterthfinigste 
bitt billich, geschieht derohalb meineinratfaen, dass ihme Schnauz wegen 
seiner so langjährigen embsigen Diensten 150 fl. jährlich in seinem Hoch- • 
erlebten alter zu einer consolation möchten aUergnädigst verwiUigt wer- 
den, doch seinen nachkommenden zu keiner Consequenz.^ 

1715. eod. 

S* „Johann Fetter Mair Organist ist veranlasset worden, da 
Georg Reitter Kay. Organist die Esential Oapelmaister-Stell neben dem 
vorhin schon gehabten Gnadenbildt bey St. Stephan angenommen, vmb 
dessen Hof Dienst einzukommen in mainung, dass er Reitter den Hof Dienst 
nit wurde versehen kOnnen, gestalten er sich auch zu diesen Zill vnd £ndt 
in der Kay. Oapellen vndt sonsten auch hat hören lassen , Weillen er aber 
nachgehends erfahren, dass er Reitter dessen vngehindert den Kay. Hof 
Dienst zu behalten die Gnad hat: alss kombt er Mair allerundterthgst. ein 
vmb die Gnad vmbsonst zu diennen ; vnd weillen hierdurch der Music das 
geringste aggrauio nit anwachset, ah» ist mein einrathen, dass Ihme Mair 



Beil. VI. 4:— 7. 377 

solche orgaiuBteii Stell ohne Besoldung allergdgst. möchte conferirt wer- 
den, damit er durch dieses tnitl saluo suo honore stehen möge.^ 

1715. eod. 

tu „Ferdinand Carl Sances dess in die 38 Jahr gewesten Vice- 
nnd Würcklichen Capell Maisters Feiice Sances Hinterlassener Sohn Icombt 
alleranterthgst ein vmb die vnter beden Kay. May. Leopolde vnd Josephe 
müldtreichsten angedenkhens genossene 10 fl. monatlich. Weillen ich nun 
keinen Capelmaister weiss, welcher so uül geschrieben hätte alss er Sances, 
massen mit dessen composition der maiste thail der Capelle annoch ange- 
füllet sich befindet, dahero Ihme auch su seiner lotsten Kay. Gnad für seine 
5 Söhne 60 fl. monatlich lauth beyliegenden Attestationen seynd allergdgst. 
anssgeworffen worden, auf so lang von solchen 5 Söhnen einer in Leben 
sein möchte, voa welchen 60 fl. 10 monatlich auf dem supplicanten gefahlen, 
alas ist meine mainung, ess möchte Ihme solche 10 fl. in lerwegung angezo- 
gener motiuen noch femer ad dies vitae allergdgst gereichet werden, weil- 
len er Supplicant ohnedem schon aimblich bei iahren.«' 

1715. eod. 

Ift» „AugustinFontanist einer von denen ienigen so dass ynglickh 
getroffen reformiret su werden; vnd weillen die reformation zu dem endte 
ist vorgenommen worden, damit die UbetflUssigen und vntauglichen sollten 
vorbeygegangen werden, alss kan ich in dessen ansuchen, damit er wider- 
nmb in Dienst angenomben wurde nit einrathen, wohl aber dessen grosse 
Armnth und zahlreiche Familie Ihre Kay. May. su füssen legen mit aller- 
anterthgst Bitt, dass seinem grossen Elend auf eine andere Weiss möchte 
abgeholfen werden." 

1715. eod. 

•• „Ich finde diesen Scolam Antoiri Carl Richter noch nit quali- 
ficfft genug au einem Hof-Organisten, dahero erachte ich für nöttig dass er 
vorhero noch mehr studire vnd biss zur besseren perfection mit dem Scolam 
geldt sich sufriden stellen möge." ' 

[Wurde erst 1718 angestellt.] 

1715. eod. 

■ 

9« „Giuseppe Porsille Ihre Kay. May. gewester Capel-Maister in 
Barcellona, von seinen posto der Vice-Capel-Mabter Stell in Neapel abge- 
fordert sich dato ohne Dienst in grosser Noth befindend, kommet bey Ihre 
May. alleranterthgst ein, bey geschehenen Tott&hl des CapeUMaisters 
Ziani seel. mit einem posto in Dero Hof-Capellen consolirt zu werden. Ich 
finde ihn einen guten virtuosen von gutten gusto. Weillen aber Ihre May. 
mehrere Wissenschaft von ihme haben, erachte ich mein einrathen vnnöthig 
zusein." 

[Wurde 1720 Hofcompositor.J 



378 Beil. VI. 8—1«. 

1715. eod. 

§• „TomasoBigelli Tenorista hat ein wohlaussgebende Stimme 
für die Capellen vnd gar ein geringe Besoldung gegen denen andern Teno- 
risten, alss ist meine mainnng ess möchte Ihme seine pronision mit 10 Thal- 
ler monatlich accrescirt werden.^ 

1715. eod. (n. 17.) 

••,^FranciscusCarolu8Drenger,Kay.hürt8chirenAottMai8teFB 
seel. verwaister Sohn suchet Hof Scholar zu werden, ziehet an seines Vat- 
ters durch mehr dann 80 iahr so wohl bey Hof alss auch in Feldt prästirte 
beschwj&rBche Dienste erworbene meriten der gestalten, dass ich den Sohn 
einer Kay. Gnadt wirdig acht Ich kan aber fttr die Scolam nit einratiien 
auss vrsachen, weillen hirdurch unnottwendiger weiss die Spesen bey der 
Music immer Höher steigen vnd mithin beschwärlicher fahlen man andi nit 
▼ersichert ist, ob dergleichen Scolaren reusciren möchten, beynebens auch 
haubtsSchlich zu reflectiren ist, dass die arme reformirte bey sich eraigneter 
apertur vor allen andern sollen accomodirt werden.^ 

1715. Referat vom 29. Juni. (n. 20.) 

lO« „Friderich Gazinger (Götiinger)Basista, so für die Capellen 
eine sehr starkhe vnd aussgebende stimme hat, der auch den last deren be- 
schwftrhehsten Diensten gar offt allein hat tragen müssen ; beynebens auch 
einer von denen fleissigsten Dienern ist, doch aber viU weniger Besoldung 
hat, alss einige von seinen mit Basisten, meritiret gar wohl mit dem von 
ihme allerunterth. gebettenen accrescement der 15 fl. monatlich consoUrt zu 
werden, damit er Supplicanf seinen alterlebten armen Vattem desto fügli* 
eher zu undterhalten vermöge.'' 

1715. eod. (n. 26.) 

it. „Francesco Scarlati 26 Jahr gewester Capel Maister zu Pa- 
lermo in Sidlien Von dennen dem Erz Hauss von Oesterreich ttbel gesimen 
von aldort vertriben kombt alleruntertii. ein vmb die Vice Capel Maister 
Steell in der Kay. Hof CapeUen. Ich finde diesen SuppHcanten wegen seiner 
virtü vnd sonst beywoneten gntten aigenschafften sehr tauglich: Weillen 
aber dieser posto von mehrer consideration , alss vndterwerffe Ihro Kay. 
May. allergnSdigst. Verordnung mich ganz und gftr.^ 

[Wurde nicht angesteUt] 

1715. eod. (n. 27.) 

ItK» „Georg Hftmetter Ihro May. der Verwittibten Kayserin Eleo* 
nora Violonist hat 4 ganzer iahr vndter Iro May. Kaysers Josephi glorreich* 
ster Regirung in Dero Hof-Capellen vnd allen andern Diensten vmbsonst 
gedienet mit der Hofnung in Dienst au kommen , kombt abermahlen aller* 
unterthgst. Supplicando Ein vmb die würkhliche Violonisten Stell : weiüen 
aber dermahlen kein apertur vorhanden, er aber Supplicant ein gntter Vir- 



Bell. VI. 18—17. 379 

tao8 in seinem Instrument ist beynebens auch ein Clauir spillet, alsso das« 
er der yrsachen halben bey dennen operen vnd andern welsch-gesnngenen 
Festen mit dem Violon zn aecompagniren sehr tanglich seynwflrde: alas 
geschieht mein allemndterthftn. einrathen es möchte disen Snpplicanten 
indessen biss zu einer apertnr vmbsonst ohne besoldnng zu dienen aller- 
gdgst erlaubt werden, damit seine yfilf^ltige Dienst vnd Eyffer künfftighin 
nit fruehtloss ablauffen möchte." 

1715. eod. (n. 29.) 

tS» „Deren zwey Supplicanten Johann Gabriels und Johann 
Albers Memorialien seynd so confns eingericht, dass ich deren anbringen 
nit verstehen vnd zu folge dessen kein berieht dariber erstatten kann." 

1715. eod. (n. 38.) 

im. „Wentzl Rossi vnd Fridrich Otto bede Kay. Jftgerhor- 
nisten komen allerunterfhgst ein umb ein aecrescement: ess ist war dass 
deren Besoldung 20 Thlr. monatlich für einem wenig, mithin hart damit zu 
leben ist beynebens aber auch zu reflectiren ist, dass selbe selten und wenig 
Dienst bey der Music haben überlasse demnach dises zu Ihro May. allergdst. 
disposition." 

1715. eod. (n. 39.) 

11^. „Frantz Xaveri Qläzl reformirter Hautboist kombt aller- 
unterthgst. ein widerumb in Dienst aufgenommen zu werden. Weillen nun 
dieser Supplicant ein gutter Virtuos, vnd in dreyen Instrumenten, als Haut- 
bois. Flutte Allemande, vnd Fagott excellirt, bey nebens auch an statt 
seines kranckhen Bruders schon ein geraumme Zeit gedienet hat, auch Sie 
drey Brüder alss zusammen gewönnet ein gutten Concert machen: alss ist 
meine mainung, es möchte ihme in dessen biss zu einer apertur noch femer 
doch ohne Besoldung zu diennen allergdgst. erlaubet werden. 

1715. eod. (n. 41.) 

IS« „Antonio Caldara, Compositore di Musica kombt ein vmb 
die Capel Maister oder Vice-Capel Maister Stell, vnd in fahl selbe vergeben 
wären, vmb erster Comp ositor di camera zu sein. Weillen Ihro May. 
von disem Virtuosen volständige , ich aber wenig Wissenschaft habe , alss 
überlasse dieses Höchst gedacht Ihro Kay. May. allergsten disposition.^ 

[Wurde 1716 Vice-Hofkapelhneister.] 

1715. eod. (n. 44.) 

19. „Francesco Ziani Bruder dess ittngst verstorbenen Capel 
Maisters khombt allerunt vmb ein pension: ich weiss zwar kein exempel 
dass die geschwistrigten deren verstorbenen bedienten wären mit penslonen 
versehen worden , kan doch aus mitleiden nit vmbgehen , dero Kay. May. 
^llermüldtreichsten gütte selben zu recommendiren vnd zu beherzigen vor- 



380 Beil. VI. 18—22. 

zustellen, dass er Supplicant mit aeinem Weib vnd 8 Kindern seine maiste 
yndterhaltung von dem verstorbenen Brüdern genossen mithin durch dessen 
Tottfahl in die eusserste Noth gerathen ist.*' 

1715. eod. (n. 45.) 

18« „Leopoldt Christian Trombonist, welcher in seinem instru- 
ment seines gleichen nit hat, vnd dahero die schwäristen executionen Ihn 
allein treffen, khombt allemntg. ein vmb ein accrescement, ich kan wegen 
obangezogenen motiuen nit anders alss einrathen, dass ihme zu seinen letzt 
habenden 50 fl. monatlich noch 10 fl. allergdst. beigelegt werden.^ 

(Schluss des Referates.) 

!•. „Weillen nun dises mein wahrhafte, vnd von aller Freundtschafft 
vnd passion entfemete mainung ist über die mir zugeschickte memoralien, 
alss hoffe vnd zugleich vndterthgst. bitte Ihro HochfUrstl. Durchl. (Oberst- 
hofinstr.) möchten sich belieben lassen mein in der warheit vnd aufrichtig- 
keit gegrUntes einrathen mit dero referat und hohen protection zu secun- 
diren, damit dardurch gleich anfangs meiner carica ich bey der Music io 
Credit gesetzt und mithin zur Beförderung Ihro May. Diensten ein Haubt- 
sachlicher Vorschub gegeben werde. 

£w. Hochf. Durchl. 

vndterthfinigst gehorsambster Diener, 

Johann Jos. Fux, 

Capel Maister.t" 

1716, 30. Juü. 

SO* Tenorist Franceso Borosini. „Weillen dieser Supplicant 
wegen seiner Virtü so wohl in Teatro, Camera alss auch Capellen fast in 
allen Festen gebraucht wirdt und dennoch weith weniger besoldnng genüsst, 
alss andere, Welche dergleichen Dienste nit praestiren; alss ist meine 
wenigste mainung, er Supplicant möchte mit 20 Thaller monatlich aller- 
gdgst. consoliret werden.^ 

1716. eod. 

tll. Joh. Georg Reinhardt Kay. Organista. „Weillen dieser Sup- 
plicant neben seiner Organistensteil auch in der Composition gute Dienst 
leistet, gleich beyliegende lista aufweiset, aber darfÜr noch zu dato die ge- 
ringste consolation nit genoss; alss ist meine allemnterthg. Mainung, er 
Supplicant möchte mit dem ingebettenen accrescement allergn. consoliret 
werden.« 

1716, 7. Sept. 

%%• In dem Gutachten des Obsthfmstramtes über das Gesuch des 
Gfen. Leopold von Windischgratz um die Direction über die Kay. 
Musik wird gesagt „dass derselbe sicherem Vernehmen nach von Jugend 



Beil. Vi. 23—25. 381 

an auf die fondamenta d^r Music sieh mit solcher Erlehrnungsbe^erde yndt 
Freud verlegt, anch darbei so wohl reassiret, dass bereits verschiedene 
Compositiones, deren Einige vor Ew. Kay. May. aller Höchster Person pro- 
duciret worden wäre, verferttigt, welche deroselben Capellmaisters Pn x 
approbation verdienet haben. ^ 

[K. Karl VI. ernannte aber den Kammerherm Conde de CavelU zu 
dieser Stelle.] 

1717, 3. April. 

SS. „Dise 4 Snpplicanten , alss Ferdinand Fichtl, Antoni 
Schnanz, Frantz Hindter Edter, Johann Cr&mmer kommen 
allernnterth. ein nmb ein accrescement; obwohlen ich wohl weiss, dass Ihro 
May. dermalen nit gesindt seynd iemand zu accresciren ; Weillen aber die 
noth dieser 4 Snpplicanten so gross vnd die Gelegenheit Ihnen zu helfen 
ohne ein neues -aggravio da ist, indeme durch den Tottfahl des iüngst ver- 
storbenen Ferdinandt Peyer Violinisten Ihro May. 40 Thaller monatlich 
heimbgefallen , alss ist mein allernnterth. einrathen, es möchte disen 4 ab- 
sonderlich denen letzten zweyen , welche nur 30 fl. monatlich haben, auch 
ohne Quartir seindt geholfen werden. 

■ 

1717, 3. April. 

tKH. „Weillen albereit 2 Jahre verflossen, dass diser Snpplicant Do- 
menicoTollini Musico Soprano vmb seine Dimission allerunterth. ange- 
halten hat, auss mangel anderer Sopranen aber auf ihme dissfahl gethanner 
remonstrirung biss hiehero in Kay. Diensten sich hat gebrauchen lassen — 
alss ist meine unterth&n.*Mainung, es möchte ihme Tollini solche reiterato 
supplicirte Dimission allergdgst accordiret; vnd weillen er für seine Abfer- 
tigung seiner angebohmen Modestie nach, nichts anders verlanget, alss den 
speciosen Tittl eines Kay. Musici behalten zu können, das ingebettene Di- 
ploma allergnd. conferirt werden.*' 

1717, 3. April. 

tllft. Oottlieb Muffat, Kay. Hoff-Scolar. „Weillen die Scolaren zu 
disem Zill vnd Endte gehalten werden, damit Ihro May. an gutten Virtuosen 
keinen abgang haben solten, und wann selbe sich qualificirt gemacht haben, 
in die Wttrkhliche Dienst allezeit angenommen worden , Alss attestire hie- 
mit, dass dieser Scolar Gottlieb MuÜat durch seinen Vnermiedten vleiss vnd 
Embsigen Studio sich fSÜiig gemacht hat , dass ihme nit allein alle Dienst 
können anuertraüt werden , sondern dass er sieh auch vor iedermann mit 
grossen Ruhm dörffe hören lassen ; alss ist zufolg dessen , mein wenigste 
meinung, es möchte Ihme Muffat die gebettene wirkl. Organistenstelle aller- 
gngst conferirt, vnd zu seiner beuorstehenden Jiaiss ein erkleckliche Be- 
soldung ausgeworfen werden.'' 

[Placet Carl m./p.] [Wurde 3. April 1717 Hoforganist.] 



382 Beil. VI. 26—2». 

1717, 3. April. 

M%» Jos. HuffnageTs Kammer -Musici 5 arme Pupillen. ,,WaQ 
iemalen arme Papillen sich gefunden haben, seind es dise 5 verwaiste Huf- 
naglische Töchter, alss welchen der Vatter seel. gar keine Mittel hindter- 
lassen, vnd dahero vom Brüdern biss zu dessen Tottfahl vndterhalten wor- 
den, nunmehro aber auss mangel auch dieser letzten Subsistenz in euserster 
noth sich befinden ; alss lebe der Hoffnung Ihro Kay. May. werden dem 
Löbl. Gebrauch nach auch in ansehnng der langwirdigen Diensten des 
Vatters, wie auch der vnvergleichlichen Virtü dess Bruderss disen armen 
Waisen mit einer erkleckhlichen pension begnaden.'^ 

[Erhielten 220 fl.] 

1718, 23. Mai. (Attestation.) 

S9. „Dass Kegina Sconians, Cantatrice 

Maria Anna Schulzin mit Ihren Man 

Pietro Casati, Contralto 

Domenico Genuesi, Soprano 

Johann Georg Hinter Edter, Violinista 

Joseph Franz Timer, Violinista 
alle nit allein gutte Virtuosen, sondern auch die maiste zu Ihro Kay. May. 
Diensten nottwendig seind, vnd, so uill ich von H. Grafen v. Savallia (Ca- 
vellä) verstanden , von Ihro Kay. May. würkhlich resolvirt seind , Attestire 
hiemit.'' 

[Zum Behufe eines Vortrages an Se. Maj.j 

1718, 17. Juni. 

tK§. „Franciscus Carolus Drenger, dess in 30 Jahr gewesten 
Kay. Hartschiren vnd ßot Maister Hindterlasener Waiss, hat noch bey Lebs- 
zaiten Capel Maisters Ziani seel. sich verschidemahl auf der Flöten hören 
lassen mit solchen Success, dass Ihro Kay. May. Ihme versprochen haben 
Ihn Drenger nit zu uerlassen: Kombt also allerunterthgst. ein vmb die 
ScoUiren Besoldung, vnd waillen ich iüngst, da er sich abermahlen bey der 
Tafel hören liese ein sonderbares naturel abnemmen hab. können: ahis ist 
meine unterthste mainang es möchte diser Supplicant wo nit mit der völli- 
gen Scolaren Besoldung, auffs wenigst mit so vill consolirt werden, dass er 
in Neapel in ein Conservatorio sein Studium fortsetzen , vnd dass Violon- 
cello, welches nötiger als die Flöten erlehmen könne. ^ 

1718. eod. 

{!•• „Es ist schon weit über ein Jahr, dass Ihro Kay. May. allergdgat. 
resolvirt haben, diesen Violinisten TomasoPiani in Dero Dienst au&u- 
nemmen, gestalten er Supplicant auch schon ein zimbliche Zeit embsig 
dienet: alsso ist mein vnmassgebliche Mainung, es möchte Ihme Supplican- 
ten, sein Decretum de Dato der allerhöchsten Kay. Resolution aussgeferti- 
get werden : vnd weillen er Piani in Bayern weit ein mehrers als 30 Thaller 



Beil. VI. 30—83. 383 

monatlich genossen hat, alss vndterwärffe mich Ihro Kay. May. aUer^g^sten 
Verordnung: ob Selbe in ansehung dessen vnd anderer Motiven ihme Piani 
mit wass mefarers allergnftdst consoliren wollen.^ 
[Wurde mit 75 fl. monatlich angestellt.] 

1718. eod. 

SO* „Diser Supplicant Domenico Genuesi Soprane ist yon einer 
sehr gutten vnd starkhen, anbey auch annemblichen stim, beynebenss sicher 
in der Music, noch Jung von iahren , also dass er nit allein in der Capellen, 
sondern auch in Teatro vnd allen begebenheiten gutte Dienst leisten wirdt: 
Wftre also mein ohn massgebliche meinung , er Domenico solte in Kay. 
Diensten mit 80 Thaller monatlicher Provision aufgenommen werden.*' 

[Wurde nach Antrag angestellt.] 

1718. eod. 

Si« ff Ihro Kay. May. haben allergdgst. resolvirt, disen Supplicanten 
OeorgHindter Edt er Violinisten in Dero Dienst anzunemen. Die Besol- 
dung belangend ist meine allerunterth. mainung ess möchten Ihme Hinter 
Edter 30 Thaller monatlich ausgeworflfen werden, es seye dann Ihro May. 
möchten diesen Supplicanten in ansehung dessen virtä mit etwass mehrers 
zu begnaden sich aller gnSdgst. belieben lassen. << 

[Wurde 1721 mit 80 Thaler angestellt.] 

1718. eod. 

SS« nDise Supplicantln Regina Sconians Cantatrice dienet schon 
in das fünffte iahr in allen Operon, Camer, auch Dafeldienst vnd Oratoriis 
mit sonderbarer embsigkeit, vnd Vergnügung Ihro Kay. May. Alss ist meine 
vndterdiftn. mainung es möchte diso Supplicantln in Kay. Dienst angenom- 
men werden, vnd zu mallen Maria Contini Cantatrice iähriich 4000 fl. ge- 
nüset, Ihr Sconians aufs wenigst Hundert und fttnffzig Thaller Monatlich 
allergdgst. accordiret werden, vnd weillen selbe schon in das dritte iahr 
für ihre geleiste Dienst die geringste consolation nit genossen hat, alss 
remettire Ihro Kay. May. allerhöchsten Clemenz von wass Zeit diser SuppU- 
cantin expedition seinen Anfang nemmen solte." 

[Erhielt das Placet.] 

1718, 3. Aug. 

99* „AntonCarlRichter Hof Scholar khombt allerunt. ein, alss 
Organist mit der gewendlichen besoldtung allergst. aufgenommen zu wer- 
den ; weiUen ich dan selben capace befinde; gestalten er auch schon etliche 
iahr dienet, alss ist meine wenigste meinung. Er Richter möchte in ansehen 
seines Vatters seel. grossen meriten mit der Supplieirten würkhliehkeit 
allergdgst consolirt werden.** 

[Erhielt das Placet] 



384 Beil. VI. 34— S8. 

1718, 3. Aug. 

SU. „Joseph Hollandt, miiBiealiacher Trompetter kombt aller- 
nntth. ein vmb Verbessenmg seiner, besoldnng. Weillen diser SnppUcant 
vor allen andern vermög seiner raren virtä sich distingniret; alas ist mein 
alleninterth. Einrathen , er Hollandt mOchte denen andern Ersten Trompet- 
tem in der Besoldung aufs wenigst gleichgemacht werden, auf dass er mit 
weib vnd Kind leben könne, vnd (nit) geswnngen werde, durch extra Dienst 
vor der Zeit zu ruiniren.^ 

a718. cod. 

SA. „Johann Georg Harn metter Violonist, kombt allernnterth. 
ein vmb die musicalische Besoldung, und weillen er SnppUcant schon 7 Jahr 
mit unermiedtenten Vleiss treufleissigsi gedinnet hat, ohne die geringste 
consolation, alss ist mein allerunterth. meinnng, er Hammeter solle mit der 
ordinari musicalischen Besoldung deren 30 Thaller monatlich allergdgst. 
consolirt werden, vmb so nill mehr, weillen der Freytig Violonist nit mer 
in standt ist zu diennen.<< 

1718, 3. Aug. 

••• „JosephLorber, gewester Kay. EUraboist kombt allerunterth. 
ein wider in Kay. Dienst aufgenommen zu werden. Weillen nun zu bestreit- 
tung der Tafel- vnd auch anderen Diensten* noch ein EUiuboist h{(chst nOttig 
diser Supplicant aber nit allein in disem Instrument, sondern auch in der 
Flutte allemande vnd Chalimeaux ein sehr gutter Virtuos ist, auch anbey 
schon von vorigen Diensten sich meriten gemacht hat, also geschieht mein 
wenigste mainung, er Lorber möchte mit conferirung dess Supplicirten 
Dienst allergn&d. consolirt werden. " 

1718, 3. Aug. 

S9« „Diser Supplicant Xaverius Glätzl (reformirtcr Kay. Musi- 
cus) hat nit allein dennen vorigen zweyen Kaysem gloreichsten angeden- 
kens treuvleissig gedienet, sondern auch vnter letzt regierenden Kay. May.^ 
vnd zwar seit zweyen iahren her an statt seines krankhen nunmehro ver- 
storbenen Bruders seel. die Kay. Dienst mit grosster Embsigkeit versehen, 
also dass ich die Höchste billichkeit zu sein erachte ihme Supplicanten dise 
vacirend wordene stelle, vor allen andern allergudgst. zu conferim, vmb so 
uill mehr weillen er anbey ein gutter Virtuos in dreyerley Instrumenten ist, 
alss Hautbois, Flutte traversiere, vnd Fagott. *< 

1718, 22. Dec. 

SS. „Weillen dieser Knab Filippo Sal viati noch in so jungen iah- 
ren ein sonderbahres naturel in dem Violin spflren last, vnd Ihro Kay. May. 
Selbsten an disen Supplicanten, nachdeme er sich öfters Höreb zu lassen die 
Höchste genad gehabt, ein allerguädigstes contento gezeiget haben, alss 
wäre meine ohnmassgebliche mainung, es möchte diser Supplicant mit der 



Beil VI. 39—42. 385 

ingebettenen Scolaren Stell vnd ordinari Scolaren Provision der 20 Thaller 
monatlich allergnfidigst consolirt werden. << 

• 

1718, 22. Dec. 

S9« nJoseph Hollandt, mnsicalischer Trompetter kombt aller- 
unterth. ein vmb ein accressement seiner Besoldung, damit er denen andern 
Trompetfem, so die gröste Besoldung genflssen, möchte gleich gemacht 
werden. Vnd weill er Hollandt in seinem Instrument sich sonderbahr distin* 
gniret, also ist meine wenigste mainung er Supplicant möchte neben seiner 
Besoldung deren 30 Thlr. aufs wenigste noch mit 10 Thaller monatlich alier- 
gnädigst consolirt werden." 

[Erhielt noch über den Antrag von 180 fl., 210 fl.] 

1719, 7. März. 

ttO« „Sebastian Nassotto, Musicalischer Trompetter von Ihro 
Kay. May. Leopoldo gloreichister gedächtnus von dennen Landtständten 
vngefähr vor 25 Jahren abgefordert, vnd in die Kay. Dienste angenommen 
kombt allerunterthän. Supplicando ein für seinen Sohn Joseph damit selber 
für einen Hof Scolam möchte allergnädigst aufgenommen werden. Weillen 
nun gedachter sein Sohn Joseph nit allein in dem Clavir vnd Violin schon 
zimblich gutte progressen gemacht, sondern auch in dem 17. iahr seines 
Alters mit einer zimblichen Bassstimm versehen ist Alss ist mein wenigste 
mainung er Supplicant möchte in ansehung seiner so vilUährig treu-embsi- 
gen Diensten allergdst. consolirt werden." 

1719, 18. April. 

m* „Francesco Borosini Tenorista kombt allemnterth. ein, auf 
dass ihme seine Besoldung von 60 Thaller bis 100 ThaUer monatlich aller- 
höchst möchte augmentirt werden, und dass dis^s acorescement von anfang 
des nagst verflossenen iahrs 1718 seinen anfang nehmen möchte; auf dass 
er das letzt lauflfende Quartal von ersten January biss lezten Martii 1719 
würkhlich genüssen könne. Weillen nun dieser Supplicant ein sehr gutter 
Virtuos ist; vnd in Teatralsachen sich sonderbar distinguiret, ihme auch 
das accrescement bereits vor zwey iahren allergdgst. ist versprochen wor- 
den; alss ist meine wenigste mainung, er Supplicant möchte auf solche 
weiss allergnädigst consolirt werden." 

1719, 18. April. 

%%. „Joseph Timmer gewesener Kay. Hof-Scholar, welcher sowol 
vor der geschehenen Reformation vill, auch ietz de novo widerumb in der 
Gapellen dienet, kombt allemnterth. ein vmb die Tenoristen StöU. Weillen 
dann di Kay. Capellen an nichts mehrer, alss Tenoristen ein abgang hat, er 
Timmer aber nit allein ein sicherer Singer^ sondern auch ein gutter Violi- 
nist ist, alss ist meine wenigste mainnng dieser Supplicant möchte in die 

Kbehel, J. J. Pnx. 25 



/ 



386 Beil. VI. 4S— 46. 

Kay. Dienste aa- und aufgenommen werden mit 30 Thaller monatlicher Be- 
soldung." 

[Wurde 1719 angestellt.] 

1719, 18. April. 

ttS. ;,Frantz Petter Schnauz, welcher etliche iahr als Sopranist 
in der Capellen gedienet hat, nunmehr aber auch vill iahr als Instrument- 
Diener-Adjunct seines wegen hohen Alters unuermögenden Vatters Dienst 
versiehet, beynebens auch bei allen begebenheiten und Hofdiensten mit 
mit seinen Violoncello sich gebrauchen last, kombt allerunth. ein, alss Vio- 
loncellist aufgenommen zu werden, weill ich nun ein Violoncell höchst nöt- 
tig finde und diser Supplicant ein guter Virtuos ist. Alss ist meine wenige 
mainung er Schnauz möchte sowohl in ansehung des Vatters 50 jähr. 
Diensten, als eigenen Meriten mit der gebettenen Viollisten Stöll und 
30 Thaller monatl. J)esoldg. allergnüdigst consoliret werden. << 

[Wurde arfgestellt.] 

1719, 29. Juli. 

im* „OatherinaTheresiaBonellingibtIhro May. wehemtttigst 
zu uememmen, wass massen ihr man Giovan Battista Bonelli in die 45 iahr 
gewester Kay. Musieus Tenorista den 11 Dec. dess verflossenen iahrs selbe 
in den armen Wittibstandt gesezet habe mit 6 meist vnmttndigen kindem. 
Komt derohalben alleninterthgst Supplicando ein.Tmb die gewändlicbe 
wittiblichs Vnterhaltungs Pension. Die Meriten vnd gntte Dienst, so diser 
Bonelli seel. biss in sein unuermögendes alter embsigst präsentiret hieher zu 
sezen ist unnOttig, in demme sowohl Ihro May. der Kayser als auch alle 
Herrschafften hiruon gnädigstes angedenkhen haben werden. Ist dahero 
mein wenigste mainung es möchte dise Supplicantin mit einner, dennen Me- 
riten Ihres Mannes seel. proportionirten, vnd für Ihre Zallreiche Familie er- 
kleckliche Pension allergdst versehen werden.^ 

1719, 29. Juli. 

9kft. „Maria Freydigin des Andreass Freydig Kay. Violoni- 
sten seel. hindterlassene Wittib mit 2 unerzogenen Kindem kombt aller- 
unterth. ein vmb die gewändliche Vndterhaltungss Pension. Weillen Er 
Freydig seel. in die 32 Jahr dem durchlauchdigisten £rtzhauss v. Oester- 
reich embsigst gedienet hat, Sie Wittib aber mit Ihren unversorgten KUn- 
dem zu leben keine zulängliche Mittel hat. Alss ist meine wenigste mai- 
nung, Sie Wittib möchte mit einer Pension von 300 fl. jährlich allergnädigst 
consolirt werden; in welchem Fahl von Ihres Manss iährlichen besoldung 
deren 900 noch 600 fl; in Ersparung verbleibeten. << 

1719, 29. Juli 

QIS* „Dise Supplicantin Maria Theresia dess Kay. Hof vnd Feld- 
trompetters Johann Oeorg Gortschek seel. hindterlassene Wittib hat tra- 
siendo ad secunda vota sich der Kay. Pension vnfähig gemacht.*' 



Beil. VI. 47—50. 387 

1719, 16. Nov. 

UV. „Ignatio Conti kombtallenmterthgst Supplicando ein, vmb 
als Scolar in der Tiorba aufgenommen zn werden. Weillen nun noch ein 
Tiorbista nöttig wäre, diser SupUcant auch von einem besondem Naturel 
vnd Talento, anbey auch zu uermuten ist, dass sein Vatter einen extra 
Vleiss in instruirung mit seinem Sohn anwendten wirdt, also ist meine we- 
nige mainung dieser Supplicant möchte mit der Scolaren Steell vnd ge- 
wendlichen Provision der 20 Thaller monatlich allergdst eonsolirt werden.^ 

1720, 10. Juni. 

||§. „Antonius Schnautz Violonista kombt allernnterth. ein, dass 
Ihme von des verstorbenen Hanss Jörgs Hametters auch Kay. Violonisten 
erledigten Besoldung der 80 Thatter monatlich eine Verbesserung seftier Be- 
soldung möchte allergst zugelegt werden, damit nach dessen Yatters Tott, 
welcher wegen hochen Alters nit lang aussbleiben kan, die von Ihm Vat- 
tern zur Erziehung und instruirung so uiller Kinder vnumbgSngUch ge- 
machte Schulden könnten bezallet werden. Wan nun dennen zweyen Brü- 
dern bey deren ohnedem geringen Besoldung vnmöglich fallen will solchen 
schulden >- last abzuführen. ~ Alss ist meine wenigste mainung der Sup- 
plicant möchte vmb so uill mehr allergst eonsolirt werden, weiiren er einer 
von dennen vleissigsten Dienern ist.« 

1720, 20 Juni. 

II9* „Johann Baptista Hilverding, Teutscher Comicus kombt 
allernnterth. Supplicando ein vmb die Hohe genad, dass seine Tochter 
Maria Monica von 11 Jahren flir eine Hof-Scolarin in der Singkunst allergst 
möchte aufgenommen werden. Wan nun die zwey gewfihnlicheHof-Oantatrici 
schon mehr in ab- alss aufnehmen sich befinden, vnd dergleichen in Italien 
dermahlen sehr rar — mithin gar zu pretios seind: dises des SuppUcanten 
Töchterl aber eine gntte Disposition spüren Iftsset, auch in der Music einen 
zünbliehen progress gemacht hat, auch des teatri schon in etwas Idndtig 
ist; beyneben auch die Hohe' genad gehabt, von Ihro Kay. May. gehöret 
zu werden. Alss ist auss angezogenen Motiven meine ohnmassgebliche 
mainung vnd weillen ich nit zweiffle dises Mädl werde künfftighin gutte 
Dienst leisten, der Supplicant möchte in seiner allerunterth. Bitt allergnst. 
eonsolirt werden. *< 

1720, 8. Oct. 

AO« „Mathias Oettl nachgelassener Kay. Eleonorischer Capel- 
maister kombt allemnth. Supplicando ein für einen Tenoristen bei Ihro regi- 
renden Kay. May. mit der vorhin bei Ihro verwittibt Kay. genossener Be- 
soldung deren 1000 fl. allergst aufgenommen zu werden. Wan nun in der 
Kay. Capellen an Tenoristen kein geringer Abgang dermahlen sich eussert 
Ihro Kay. May. aber Ihnen Hinterblibenen Musicis ohne deme die Helfte 
der vor diesen genossenen Besoldung genüsen zu lassen, mildreichest sich 

25* 



388 Beil. VI. 51—58. 



resolvirt haben, auch Er Oettl auf Kay. allergsten Befelch schon ein halbes 
Jahr in der Kay. Capellen Dienst leistet Alss ist mein wenigste Mainung 
er Snpplicant möchte zwar allergst aufgenommen werden nit mit der vori- 
gen Besoldung doch dergestalten, dass sEwischen Ihme vnd dennen anderen 
Mttsicis ein vndterschid mftchte beobachtet werden.« 
[Wurde angestellt] 

1720, 8. October. 

ftt. ^^AndreasBoog gewesener Eleonorischer Tromponist, wel- 
cher auch auf allergsten Befelch schon ein halbes iahr Dienst leistet kombt 
allemnterth. ein vmb die trttrkhliche Tromponisten Stell. Wan nun der- 
mahlen nur ein einsiger Tromponist in der Gapellen sich befindet, welcher 
diennen kan, deren sonst allezeit 4 gewesen seind, auch weillen dises Instru- 
ment der Capellen sehr anständig nothwendig so vill erfordert werden, 
diser Snpplicant auch wegen halb genflsend Kay. Eleonorischer Besoldung 
mit geringeren vnkosten kann unterhaldten werden. Alss ist meine wenigste 
mainung, er Boog möchte mit der wttrkhlichen Tromponistenstell vnd der 
Besoldung von 500 fl. allergdgst consoliret werden." 

[Wurde angestellt] 

1720, 3. Oct 

fk%* „MathiasHuether nachgelassener Eleonorischer Bassist, wel- 
cher auch von der Zeit des höchstbetrübten Tottfahl auf Kay. Befelch 
würkhlich in der Capellen diennet, kombt allerunt ein umb die wflrkhiiche 
Bassistensteil. Wan nun einige von den Kay. Bassisten thailss vnbösslich- 
keit-halber gar nicht mehr diennen können, thailss alters halber sehr 
abzunemmen begünen: dergestalten, dass dieser abgang vnumbgftnglich 
muss er sezet werden, diser Snpplicant aber ein gutter Virtuos iung von 
iahren, anbey auch wegen ohnedem gen&sender halben Eleonorischen be- 
soldung mit geringen vnkosten kan erhalten werden. Alss ist meine we- 
nigste mainung er Snpplicant möchte allergst consolirt werden mit einer 
iährlichen besoldnng von 500 fl." 

[Wurde angestellt.] 

1720, 27. Nov. 

AS. „Giuseppe Porsile gewesener Capelmaister in BaroeUona 
kombt allemnterth. ein widerumb in die Kay. Dienst angenommen au wer- 
den. Weillen Ihro Kay. May. wie ich von Hm Grafen Savella bin berichtet 
wordten, sich würkhlich allergst resolnirt. Ihn Supplicanten aufznnemmen 
mit 100 Thaller monatlicher provision, so ihme auss hiesigem Vniversal- 
Bancalitets-Zahlamt gleich anderen Musicis sollen besallet werden, doch 
mit der Condition, dass er aller seiner andern anforderung sich begeben 
solte, Alss habe ich alhier nichts beyzuaesen alss einem hochlöbl. Obrist- 
Hoff-Maister-Amt solches gehorsambst veraemmen zu geben. ^ 

[Wurde als Vicekapellmeister angestellt] 



Beil. VI. 54—57. 389 

1721. 21. April. 

ftH« „Filippo Salvati Hofscolar in Violin kombt alleranterth. ein 
vmb allergste. Licenz in Italien zu nerraisen vmb alldorten seine Studia za 
prosegniren ; vnd weillen sein mitlloser Vatter mit 8 lebendigen Kindern 
beladen die raissunkosten henngeben nit vermag: bitt er Scolar zugleich 
nntertfa. vmb ein kleines Ylaticnm. ObwoUen es alUuer an gutten Maistem 
nit ermanglet: weillen aber selbe die Scolam wegen wichtigen vrsachen in 
Ihre Behausung vnd Kost nicht annemmen können, welches doch sowohl 
zur Information als education höchst nottwendig ist, sonderlich bey diesem 
Snpplioanten, welcher wegen seines frischen und feyrigen Geistes nieh- 
mallen auss des Lehrmaisters wachtsammen Augen gelassen werden solle. 
Alss ist maine wenigste mainung Er Scolar möchte allergndst. consoliret 
werden. « 

1721, 21. April. 

AA. „Leopold Christian der jüngere Trombonist widerholdt 
seine drejShrig-allemnterth. Bitt der Verbesserung seiner Besoldung deren 
570 Gulden. Wan nun dieser Supplicant ein solcher Virtuos ist, dergleichen 
weder in vergangenen Zeiten, weder villeicht in zukttnfftigen keiner sich 
finden würd. Alss ist meine allerunterth. mainung, er Supplicant möchte 
mit Vermehrung seiner Besoldung bis 40 Thaller monatlich allergst. auss 
angezogenen motiven consoliret werden. 

1721, 21. April. 

A#. „Tobias Woschitka, hochfOrstl. Liechtenstein. Fagotist 
kombt allerunterth. Supplicando ein in Kay. Dienst an- vnd aufgenonunen 
zu werden« Obwollen dermallen 4 Fagotisten bey Hof sich befinden : weil- 
len aber theila Alters halber theils wegen stötig^r Unbösslichkeit zum 
Diennen wenig tauglich ; dergestalten, dass kaum auf einem ein gewisser 
conto zu machen ist, mithin neben andern der Tafeldienst zu forderist lei- 
det; so ist meine allerunterth. mainung er Supplicant möchte in die Kay. 
Dienst vmb so uill ehender allergnst. angenommen werden, weillen er zu- 
gleich ein gutter Virtuos ist.' 

[Nach Antrag angestellt] 

1721, 21. ApriL 

A9« „Andre Wittman Hoboist kombt allerunterth. ein vmb die 
Hof-Hoboisten Steel. Weillen nun nit allein durch des Fassers seel. Tott- 
fahl eine stell vaoant, sondern auch, dass deren zwey noch bey Leben Un- 
pösslichkeit halber keine Dienst mehr leisten können; die Kay. Dienst aber 
KU bestreitten vnumbgänglich andere Hoboiaten nöttig seind ; dieser Suppli- 
cant aber in der Hobois alss auch Chalimeaux dergestalten Virtuos ist alss 
ich noch allhir einen gehört habe: Alss geschieht meine wenigste Mainung, 
er Wittman möchte vor allen andern mit 30 Thaller Monatlicher Besoldung 
in die Kay. Dienst an- und au^nommen werden.^ 

[Nach Antrag angestellt] 



390 Beil. VI. 58— 6L 

1721, 4. Juni. 

AS. „Christoph Praunn Kay. Basist kombt allerunt Snpplicando 
ein, dass ihme seine biss hero genossene Besoldung deren 50 fl. monatlich 
biss 60 Thaller allergst möchten vermehret werden. Weillen nun andere 
Bassisten seine Camar&ten dergleichen Provision gei^essen, er Prannn aber 
vor allen sich distingniret: in deme er nit allein in der Capellen vleissig 
dienet, sondern auch in allen Operen, Canmier-Diensten, Oratorien, mit 
sonderbahren Lob zu dienen sich qualificirt gemacht hat. AIss ist mein we- 
nigste Mainung, er Supplicant möchte vmb so nill mehrer consolirt werden, 
damit er dadurch femer angefrischet vnd auch in accompagniren sich qua- 
lificirt machen möge.^ 

1721, 4. Juni. 

A9« „Giovanni Vincenzi Musico Soprano kombt allerunterth. 
Supplicando ein dass ihme seine bisshero genossene besoldung biss 80 
Thaller monatlich möchte allergst. vermehret werden. Wan nun andere 
seines gleichen, so noch nit so lang dienen, alss er Vincenzi, dergleichen 
Besoldung genüssen ; Alss ist meine ohnmassgebliche mainung er Suppli- 
cant möchte allergst consoliret werden.'' 

1721, 4. Juni. 

•O« „Franz Antoni Hinteredter Kay. Violinist gibt wehmüttig 
zu uememmen, dass er wegen zahlreicher Familie vnd geringer Besoldung 
deren 460 fl. sich in die schulden, so sich biss 1200 fl. belauffen, nottwendig 
hat stekhen müssen, dergestalten dass, weillen seine Greditores ein Verboth 
von Hof-Marschall- Ambt ausgewürkhet, er nur die Helffte seiner Besoldung 
dermahlen genüssen kan. Komt derohalben allerunterth. ein, dass ihme 
seine Provision biss 900 fl. möchte accrescirt werden. Weillen nun hierdurch 
ein üble consequenz introduciret wurde, angesehen dergleichen nottdürff- 
tige vndter der Music gar uill sich befinden, Alss ist meine wenigste Mei- 
nung, er Supplicant möchte doch mit einem accresciment von 140 fl. allergst 
consoliret werden." 

1721, 4. Juni. 

•t. „Johann Georg Qlandinger in die 16 Jahr bey Ihre Kay. 
May. Eleonora seeligster GedSchtnuss Instirument-Dienner kombt allerun- 
terth. ein vmb die erledigte Instmments-Diener Adjuncten Steell. Weillen 
nun ein Adjunct vnumbgfinglich vonnöthen, massen einer allein dass an- 
sagen bey disen Vmbstfinden, alwo so vüll Musici auss mangl deren Quar- 
tiren in denen Vorstetten wohnen vnmöglich bestreitten kann: diser Sup- 
plicant das Versichemngsdecret schon vorhin auf die nächste Apertur ver- 
wisen worden. Alss ist meine wenigste mainung er Glandinger möchte in 
seiner allerunt. Bitt allergst gewehret werden. 



Beil. VI. ^2—M. 391 

1721, 31. October. 

•tt« „Leopold Libano Bchon albereith 3 iahr Kay. Violimsta ohne 
Besoldung, vorhin aber yndter Ihro Kay. May. Josepho gloreichisten ange- 
denkhens gewester Hofscolar kombt alleranterth. ein gleich andern wfirkh- 
liehen Musicis in die Besoldung zu kommen. Wan nun er Supplicant ein 
gutter VürtuoB und in Kay. Dienst gar wohl zu gebrauchen ist, aber ohne 
Besoldung fernerhin zu subsistiren Ihme ynmöglich fallet. So ist meine 
unterth. ohnmassgebliche mainung, er Libano möchte mit der allerunt ge- 
bettenen Besoldung und zwar mit 30 Thaller monatlich; und zumallen er 
auch bey beeden durchl. Erzherzoginnen durch 6 Jahr ala Balletgeiger sich 
hat gebrauchen lassen, auch schon so lange umbsonst gedienet, ohne Ab- 
zug, oder mit anticipation eines iahrs allergst. consolirt werden. *< 

[Nach Antrag angestellt.] 

1721, 26. November. 

•S* „Nach deme iüngsthin Johann Christian seel. gewester Kay. Po- 
saunist mit Tott abgegangen, mithin solche Posaunisten Steel erlediget 
worden ist; Alss kombt Antoni Steinbrucker allerunterth. ein mit 
solcher vacirend wordenen Steel allergst consoliret zu werden. Wan nun 
zi^ bestreittung deren Kay. Diensten noch ein Posaunist hochnOtig, diser 
Supplicant aber sehr tauglich vnd ein gutter Virtuos ist. Alss ist meine 
ohnmassgebliche mainung er Stainbruckher mochte in seiner allerunterth. 
bitt der erledigten Posaunisten Steel mit 440 fl. iftrlicher prouision vmb 
so vill mehr allergst. gewehret werden , weillen hirdurch dem Kay. aerario 
keine neue Spesen anwachsen sondern uon der iüngst erledigten Besoldung 
genommen werden können.^ 

[Nach Antrag angestellt.] 

1721, 26. November. 

•4* „Andjreas Boog Kay. Posaunist kombt allerunterth. ein vmb 
Vebesserung seiner biss hero gering genossener besoldung deren 400 fl. 
iährlich, wehemüttig klagend, dass er mit seiner zahlreichen Familie bey so 
schwären Zeiten mit so geringer Provision vnmöglich zu subsistiren uer- 
möge. Wan nun dieser Supplicant nit allein ein gutter Virtuos, sondern 
auch in seinen Dienstverrichtungen sonderbar sich embsig aufführet, be- 
nebenss auch dessen Armuth mir bekandt ist. Alss ist meine unterworfenste 
Mainung er Boog möchte mit dennen ienigen 100 fl., welche vermög meines 
unterthän. Einrathen für den Stainbruckher von des Jobann Christian seel. 
Heimbgefahlener Besoldung deren 540 fl. noch überbleiben, allergst. accres- 
ciret werden.« 

1721, 26. November. 

•A» „Gaetano Borghi Tenorista kombt allerunterth. ein umb in 
Kay. Dienste angenommen zu werden , vnd dass seine expedition zuruckh- 
geschrieben vnd den Anfang vom 1. Juli 1720 nemmen möchte mit 100 Thal- 



392 Beil. VI. 66—68. 

ler monatlicher Besoldung. Weillen nun Ihro Kay. May. disem Supplican- 
ten seinem alleruntertk. Anbringen gemäss alles zugestandten haben : alss 
habe einem Hochlöbl. Obrist-HoCmaisterambt solches gehorsambst hinter- 
bringen vnd mich in hohe Gnaden befehlen wollen.^ 
[Mit Gehalt vom 1. Juli 1720 angestellt.] 

■ 

1721, 26. November. 

%%• Giuseppe Monteriso Soprano kombt allenmterth. Suppli- 
cando ein, dass weillen er mit seiner bisshero genossenen Besoldung deren 
36 Thaller monatlich sich und seine zalreiche in Neapel sich aufhaltende 
Familie zu vndterhalten nit vermöge, ihme seine Besoldung möchte ver- 
bessert werden. Wan nun dieser Supplicant in denen Kay. Dienst- Verrich- 
tungen sehr embsig, auch zu disen mehr und mehr habil zu machen eyflfrigst 
sich last angelegen sein; benebenss auch andere, welche bey weiten dass 
zu prästiren nit vermögen, wass er Monteriso , doch vüU höhere Provision 
genissen, Alss ist meine wenigste doch biligste mainung, es möchte ihme 
Supplicanten seine Besoldung biss auf 50 Thaller monatlich allergst ver- 
mehret werden. Durch welche höchste genad sowohl er Supplicant, alss 
auch andere zu ferneren Studio vnd embsigen Dienstverrichtungen wurden 
angefrischet werden. *< 

1721. 

•Y. „Johann Baptist Peyr verwittibt Kay. May. Höchstseel. Ge- 
dächtnuss gewester ^oforganist kombt allerunterth. ein ftir einen Organi- 
sten aufgenommen zu werden in Kay. Capeilen. ObwoUen kein Abgang 
dermallen ist an Organisten, doch weillen deren zwey schon ausser Standt 
seynd, Dienst zu leisten, vnd er Peyer ein gutter Virtuos ist, auch lang- 
werende Dienst bei Höchstgedacht Kay. May. seel. sich meriten erworben, 
zuforderist aber in der Eusersten noth vnd Armuth mit seinen Weib und 
Kindbm sich befindiet Als ist meine wenigste mainung, er Supplicant 
mochte mit der allerunterth. gebettenen Organistensteil mit 500 fl. jähr. Be- 
soldung allergdgst consoliret werden." 

[Nach Antrag angestellt] 

1722, 14. März. 

•§• „Carl Jacob Gie gl Verwittibt-Kay. May. £leonora seeligsten 
angedenkhens hinterlassenen Hoff-Musicus , vnd dermalen Verwittibt Kay. 
Amallschen Hofeiolinisten kombt allerundterthänigst Supplicando ein vmb 
die durch den Tottfahl Ferdinands Fichtl seel. erledigte Violonisten Steell. 
Weillen nun dieses Supplicanten principal - Instrument mit nichten der 
Violon, sondern das Violin ist; vnd den Violon nur per accidenz ein wenig 
streichen kann: finde ich Ihme Giegl bey dermahlen leblichen so schwären 
Bässen gar nit tauglich für einen Kay. Hof- Violonisten. Ist derowegen mein 
wenigste Mainung er Supplicant möchte bey einstens sich ereigneter Aper- 
tur mit einer Violinisten Steelle allergdgst. vertröstet werden." 



Ml. VI. 69—72. 393 

1722, 14. Mfirz. 

•9. „Pietro Petazzi Soprano kombt aUeranterth. ein umb in 
Kay. Dienst alss Scolar mit der gewfindlichen Seolarn-provision aufgenom- 
men zn werden. Wann nun der Supplicant schon über ein iahr die Kay. 
Capellen frequentiret, auch gatte Hoffnung von sich gibet^ bey nebens ein 
Abgang an Sopranen sich befindet. Alss ist meine olmmassgebliche mai- 
nung, er Petazzi möchte mit der ailerunterth. gebettenen Scoiaren Steell 
und gewändlichen Scoiaren Provision deren 20 Thaller monatlich ailergdgst. 
consolirjt werden.^ 

17^, 24. März. 

90. »Joseph Timmer Musicus Tenorista gibt ailerunterth. vor, 
daas er. mit seiner dermahlen genüsenden geringen besoldung deren 45 fl. 
monatlich mit seiner nun anwachsenden Familie nit allein kttnmterlich leben 
müsse, sondern auch gar nit ausskhommen könne: kombt derohalben ailer- 
unterth. supplicando ein umb eine Vermehrung solcher seiner besoldung. 
Wann nun der Supplicant ein gutter und der Kay. Capellen sehr anständi- 
ger Virtuos ist: benebens auch andere seiness gleichen mit grösserer Pro- 
vision versehen seind. Alss ist meine ohnmassgebliche mainung, er Timmer 
möchte in seiner allerunterthän. bitt gewehret werden; Vnd damit der Kay. 
Cammer kein neue Beschwemuss anwachse, kunnte ihme der jüngst ver- 
storbenen Schoberin pensionistin des Mathiess Schober sei. Schwester oder 
sogenannten Mathiesslin genossene pension deren 120 fl. beygeleget vnd 
seiner Besoldung einuerleibet werden.^ 

1722, 18. April.- 

9t« »Leonardus Graf durch 12 Jahr gewester Kay. Eleonorischer 
Fagotist kombt ailerunterth. ein umb die durch den iüngst gesehenen Tott- 
&hl des Alten Sturm erledigte Fagotisten-SteU. Weillen nun solche Stehle 
vnumbgänglich widerumb mit einem tauglichen Subjecto ersezet werden 
muss; diser Supplicant auch ein gutter Virtuos ist: benebenss nach seelig- 
sten ableiben Höchstgedacht Kay. May. Eleonora allergnäd. vertröstet wor- 
den ist bey einer sich ereignender apertur consolirt zu werden. Alss ist 
meine wenigste mainung, ec Graf möclite mit der ailerunterth. gebettenen 
Fagotisten;Stehle vmb so uill ehender begnadet (werden) alss darduroh die 
von ihme bisshero genossene pension in ersparung komete, vnd ihme 500 fl. 
ifihrlich allergnftdigst aussgeworffen werden.«« 

[Wurde nicht angestellt.] 

1722, 18. April. , 

Vtt* nJohann Georg Schindler gewester Kön. Fagotist in Spa- 
nien, welcher aber nachgeliends allhir reformiret worden; doch lanth Bey- 
lag A mit der allergnäd. Vertröstung bey einer sich ereigneten* apertur 
widerumb in die Kay. (Dienste) angenommen zu werden. Weillen ich aber 
schon für den Leonsxd Graf, Hinterlassenen Kay. Eleonora seeligsten ange- 



394 Beil. VI. 73—75. 

denkhen Fagotisten, alss dessen Memorial mirvorhero KngeBohickht-wor* 
den iBt, allerunterth. eingerathen habe; diser Snpplicant aber auch seine 
Meriten vnd Habilitet hat: alss vnterwerffe Ihro Kay. May. allergn. Dispo- 
tion meine wenigste Mainnng einen anss disen beden aUergpAftdigst zn er- 
wöblen.** 

[Wurde angestellt] 

« 

1722, la April. 

YS» „Franz Peter Schnauz Kay. Violoncellista verlanget von 
dem Violoncello zu dem Violon zu kommen : Kombt also allerunterth. Sup- 
plicando ein vmb die durch den Tottfahl dess Fichtlss iüngst erledigte Vio* 
lonisten-Stehl vnd umb ein beytrag von dessen besoldung. Wann nun er 
Supplicant den Violon auch sehr wohl spillet; vnd an Violoncellisten ohne 
dem kein ab^r^ng ist-, bey nebenss auch hirdurph ein ganze iahrsbesoldnng 
in erspanmg kombt: Alss ist meine wenigste mainung^; es möchte Ihme 
Schnauz die allerunterth. angesuchte Violonisten Stehl allergst. conferiret, 
vnd von des verstorbenen Fichtl seel. Besoldung 200 fl. zugeleget werden; 
in erwegung, dass sonst ein neuer Violonist aufgenommen werden müsste; 
auf diese weiss aber 400 fl. ersparet werden kOnnen." 

[Wurde Violonist] 

1722, 3. Juli. 

Yll* „Franciscus Reinhardt, in die 22 Jahr Kay. Violinist, ein 
distinguirter Virtuos kombt allerunterth. ein, damit sein ältestes SOhnlein 
vngefehr von 9 iahren möchte ftlr einen Kay. Hoff-Scolaren mit der gewänd- 
lichen Provision aufgenommen werden. Weillen aber einige Scolaren, sich 
verlassend auf die würkhlichkeit sehr Übel bisshero sich aufgeführet haben, 
auch in studio sehr nachlässig sich erzeiget: alss haben Ihro Kay. May. 
allergst. resolviret keinen wfirkhlichen Scolaren mehr zu halten; aber wohl 
dennen jennigen, welchen Ihro May. eine gnadt thuen wollen, aocidentaliter 
iährlich etwas ausszuwerffen: zufolg dessen ich nit anders einrathen kau, 
alss auf die lezte weiss. Jedoch weillen der Supplicant selbst des Scolarens 
Maister sein wurde, vnd zu muthmassen ist, dass ein Vatter auf sein kindt 
genauere obsicht habe, mithin die vorhin angebogene vrsach alhir aufhöre; 
auch meines erachtens des Supplicanten Vatters 46iährige Dinste in consi- 
deration zu ziehen sind. Alss übergibe Ihro May. vnd einer hohen obrigkeit 
gnädigsten Disposition, auf wass weiss der Supplicant zu consoliren seye.<' 

1722, 3. Juli. 

YA. Filippo Sauli gewester Kay. Tiorbista bey Ihro May. Kaiser 
Josephe gloreichen angedenkhenss, kombt allerunterth. ein in Kay. Dienst 
widerumb aufgenommen zu werden. Weillen aber dermallen schon Zwey 
Tiorbisten bey Hof seind ; nemblich Francesco Conti vnd Ignatio sein Sohn, 
welcher in kurzer zeit auch diennen wird können, alss kan ich vermög 
meiner pflicht darzue nit einrathen. £ss wäre dan die sach; dass des Sup- 



Beil. VI. 76—78. 395 

plicanten vorhinige Dienste Tnd anss deBsen zahlreicher Famili erwachsende 
nothdnrfft, wie auch, dass der Francesco Conti, weillen er zugleich compo- 
positor ist, mithin zu allen Diensten zu kommen nit verbunden ist; auch 
sein Sohn der Scolar noch nit würkhlich dienet in gnädigste Consideration 
gezogen wurde.** 

[Wurde nicht wieder angestellt] 

1722, 27. October. 

?•• JohannCrammerindie22 iahr Kay. Violoncellist kombt aller- 
onterth. ein umb Vermehrung seiner iährlichen besoldung deren 460 fl. Wan 
nun leicht zu erachten, dass dieser Supplioant mit einer zahlreichen Familie 
vnmOglich subsistiren kan: vnd von disen Instrument der Elteste in Diensten 
ist, auch andere seiness gleichen mit 900 thailss mit 1080 fl. vnd auch mehrer 
iährlicher besonldung versehen seind. Alss ist meine wenigste mainung, es 
möchte Ihme Crammer seine besoldung biss auf 600 fl. i&hrlich umb so uill 
eher allergdgst vermehret werden, weillen Er wegen Embeigkeit in dien- 
neu, vnd christlichen Lebenswandl andern zum exempel diennen kan: auch 
vnlängst durch eine % iahr lange vnd kostbare kranckheit vOUig in min 
kommen ist: welches desto leichter zugeschehen ich ohnmassgeblich er- 
achte, weillen durch den Tottfahl der Cantratrice Maria Conti sonsten Lan- 
drini genannt, der LOb. Cammer 4000 fl. iilhrlich anheimb fallen.** 

1722, 27. October. 

99« „IgnatiusPiellacher, ehemal gewester Kay. Eleonorischer, 
letzt aber seyt dero ableiben regirend Kay. May. Hof-Bassist kombt aller- 
unterth. ein umb Vermehrung seiner besoldung deren 400 fl. ifihrlich. Wan 
nun von selbsten offenbar, dass ein Verheyrather man, ohne Hof-Quartir, 
mit so geringer besoldung nit ausskommen kann, vnd dahero mit schulden 
sich zu überladen gezwungen wird. Alss ist meine mitleidige doch ohn- 
massgebliche nuunnng er Supplicant möchte mit der Vermehrung seiner 
besoldung biss auf 30 Thaller monathlich, welches vorhin die geringste 
musicalisehe Besoldung war vmb so uill mehr allergnfid. consoUret werden; 
alss er Piellacher wegen seiner starkhen vmd aussgebigen Stimme der Kay. 
Cape\len sehr anständig ist.** 

[Erhielt 500 fl.] 

1722, 2. December. 

9§* „J ohann Zir nhoffer bey Ihro May. Kay. Eleonora: vnd nach 
dero ableiben bey Ihro May. Kay. Amalia biss zur Mutation gewester Dia- 
cantist kombt idlerunterthän. supplicando ein vmb als Kay. Hof Scolar 
allergdgst. an- und aufgenommen zu werden. Weillen aber Ihro Kay. May. 
nit gesinnet seind, kttnfftighin mehr würkhliche Hof-Scolaren zu halten. So 
stelle Ihro May. dero allerhöchster Clemenz anheimb, ob Selbe dem Suppli- 
canten wegen angezogenen Motiven vnd hoher Becommendation der durchl. 
Erzherzogin Amalia, nunmehr Churprinzesin aus Bayern zu erlemung 



f 



396 Beil. VI. 79—82- 

fehreren virtü extra etwasa i&hrlich zn raihen sich allergdgBt möchten be- 
lieben lassen." 

1722, 2. December. 

Y9» „Nachdeme Johann Ignatius Angermayr Kay. mnsica- 
lischer Hof-Scolar sich dergestalten in dem Violin qnalificirt gemacht, dass 
er schon durch etliche iahr gleich andern würkhlichen Hof Violinisten seine 
Dienst prästiret : kombt er allerunterth. Snpplicando ein umb die würkh- 
liche Hof-Violinisten Steelle. Wan nun dem alten Hofgebrauch nach die 
würkhliche Hof-Scolaren so -baldt Sie sich capabel gemacht haben gleich 
anderen Hof-Musicis zu diennen allezeit in die würklichkeit gekommen vnd 
Hof-Musici worden seynd: Alss ist meine ohnmassgebliohe mainung, er 
Snpplicant möchte mit der würkhlichen Hof- Violinisten Steel und musica- 
lischer Besoldung deren 500 fl. iährlich, das ist mit zuwerfPbng zu denen 
bisshero genossenen 360 fl. noch 140 vmb so uill mehrer allergst'consolirt 
werden, weillen auch dessen vatter etlich vmd zwainzig iahr alss Hofte- 
norist gutte Dienst gethan.^ 

[Wurde mit Gehalt vom 1. Febr. 1721 angestellt.] 

1722, 2. December. 

§0* „Johann Ziper kombt allerunterth. ein vmb die erledigte 
Hof-Copisten Stelle. Weillen aber Ihn Supplicanten wegen einiger Ihme 
beywohnenden vnanstfindigen eigenschafften mit nichten tauglich finde. 
Alss ist meine wenigste mainung, es solle diese seine ansnchung nit statt 
finden." 

1722, 2. December. 

§t«„Andrea8Amiller kombt allerunterth. ein vmb durch den Tott- 
fahl Antoni Salki seel. vacirend wordene Copisten-Steell. Weillen bey Ray. 
Leopols seeligsten angedenkhens Zeiten andere Oopisten für das Teatrum 
vnd andere für die Capellen iederzeit seind gehalten worden; vnd disea 
darumb, weillen, wan operen, servizi di Camera, Serenaden und Oratorien 
zu oopiren sejmd, welchess schir vnaussetzlich geschieht, die Capellen zu- 
rückstehen muss vnd mit Copiatur nit kan versehen werden, gleich ich es 
selbst erfahien hab müssen. Alss ist meine ohnmassgebliche mainung, es 
möchte ihme Amiller die Copiatur für die Capellen umb so uill mehr con- 
feriret werden, weillen er Snpplicant dem verstorbenen Salki in dass eylffte 
iahr in Copiren BeyhilfF geleistet, bey nebenss auch eine feine vnd correcte 
Handschrift hat" 

1722, 2. December. 

§ti* „Andreass Johann Zi SS kombt allerunterthgst ein umb die 
Copisten Steell des verstorbenen Antoni Salki seel. Wan ich nun diesem 
Supplicanten diese stelle zu uertreten gar tauglich finde, zu mahlen er noch 
bey lebsB Zeiten des Salky bey dessen vnvermOgenheit dises werkh ge- 



Beil. VI. 88-86. 397 

ftthret hat. Ales ist meine wenigste Meinung, er Ziss möchte mit der aller- 
anterth. angiesnchten Copisten-Steell wasader Operen, Servizi di Camera, 
Serenaden, in Summa, waaa in wellischer Sprach zu copiren vorfahlen wird, 
anbelanget, allergdgst consoliret werden.^ 

1723, 6. März, (praes. 17. Aug. 1722.) 

§•• „Georg Hindereter Kay. Yiolinista kombt allerunterth. sup- 
plicando ein, vmb Vermehrung seiner besoldung deren 30 Thaller monat- 
lich : mit Vorstellung dass, weillen er seinen ledigen Standt zu uerendem 
Vorhabens, küniftighin mit weib und hindern bey so geringer Provision 
ausBZukommen ihme unmöglich fahlen wurde. Wan nun er Supplicant, nit 
allein durch seine virtä und embsige Dienstleisung, sondern auch durch sein 
Privatstudium sich distinguiret, Alss ist meine ohnmassgebliche meinung; 
es möchte ihme Supplicanten seine bisshero. genossene Besoldung mit 
10 Thaller monatlich allergst. vermehret werden." 

1723, 6. März, (praes. 16. Aug. 1722.) 

§ll* „Joseph Lorber, Kay. Hautboist kombt allemnterth. ein 
vmb Vermehrung seiner Besoldung deren 500 fl. iärlich mit clfiglicher Vor- 
stellung, dass er nit allein durch den vor ein iahr vnglickhlichen zufahl, da 
er auf der laxenburger raiss auss unuorsichtigkeit des Lechengutschers 
umbgeworffen, geschleppet vnd in Tottsgefahr ein Ohr verloren hat, son- 
dern auch durch andere verschiedene vnglückhss-fUhle in eusserste Nt)th- 
standten gerathen seye. Weillen mir dises Supplicanten eüendter standt zu 
genüge bekannt, kan ich aus christlichen Mitleiden nit umbhingehen sein 
nothdringendess ansuchen mit meinen wenigsten parere zu secundiren, dass 
ihme entweder durch ein accrescement oder auf eine andere weiss möchte 
geholfen werden." 

1723, 6. März, (praes. 24. 8'. 1722.) 

§A» „Maria Barbara Salkin des Antoni Salki, gewesten Kay. 
Musici, vnd in die etlich 40 iahr Hofcopisten Hindterlassene arme Wittib 
kombt allerunterth. ein umb die gewändliche genaden pension. Obwollen 
Sie Snpplicantin ohne kind auch nur 5 iahr ihrem Man seel. ehelich beyge- 
wohnet hat, Sie doch wegen dess Manss statten vnbösslichkeit vüll onge- 
mach hat ausstehen müssen. Alss ist meine wenigste mainung, Sie Skalkin 
möchte mit 200 fl. iährlicher pension in ansehung ihress Manss grossen Me- 
riten vnd der Wittib bedürfftigkeit allergst. consolirt werden : vnd weillen 
er Salki schon den 29. Septemb. 1722 gestorben ist vnd dises Memorial 
wegen meiner lang anhaltenden Krankhheit von mir nit hat expediret wer- 
den können, möchte der anfang der pension von dem tag des Tottfahl ge- 
macht werden." 

1723, 6. März, (praes. 24. Oct. 1722.) 

§•• „GiulioCavalletti Musico Contralto, von Ihro damahligen 
König May. von Rom nach Barcellona beruffen, alwo er sowol als musicus 



398 Beil. VI. 87.88. 

wie auch alBs Vice-Capel Maister zu Ihro May. Höchsten Vergnügung seine 
embsige Dienste prästiret hat, mit monatlicher Provision deren 25 Doblen, 
deren 15 in Milano, die übrigen. 10 in Napel zu bezallen angewisen waren, 
nunmehro dise 10 in das alhisige General-BancalitfitB Zahlambt transferirt 
sein : kombt allerunterth. ein, dass weillen er alterss halber nit mehr zu die- 
nen vermag, er giubiliret, vnd in Italien in sein Vatterland sich zu begeben 
Ihme die allergste Erlaubniss möchte gegeben werden. Wan nun Ihro May. 
der Kayser Dune Supplicanten bei dero anhero reiss zu mayland ietzt an- 
gesuchte giubilation gnfidigst angetragen haben, aber von Ihrer May. re- 
girenden Kayserin, alss welche er in der Music zu informiren schon in Bar- 
cellona die hohe genad gehabt, hieher beruflfen ist worden. Alss ist mein 
wenigste mainung es möchte solche giubilation allergst ertheilt vnd auff- 
wenigst die 15 Dohlen monatlich an das hissige Bancalitets Zahlambt 
allergst assignirt werden. << 
[Wurde jubiliert.] 

1723, 6. M&rz. (praes. 3. Jänner 1723.) 

§Y* „Christian Franz Schiman einer von dennenjenigen kna- 
ben, so zu Zeiten Kay. Leopold! höchstseel. angedenkhens auss Branden- 
burg alhir angekommen, vnd sich zu dec Rom. Cathol. Heligion bekennet 
vnd dahero alss Musicalische Hof-Scolaren aufgenommen worden seind, 
kombt allerunt ein dass weillen er mit andern reduciret zu werden 1712 
das vnglttckh gehabt, vnd mithin in einen eilenden standt sich befindet, 
umb eine kleine pension. Wan nun disen Knaben bei Aufhemmung ver- 
sprochen worden ist, auf ihr lebenlang versorgt zu werden, auch wegen 
changirter Religion von £ltem und Befreindten nichts zu hoffen haben, 
auch sonsten von disen keiner mehr übrig, der nit accomftiodirt wäre, 
Alss ist meine ohnmassgebliche meinung er Supplicant möchte mit einer 
iährliche pension von 100 Thaller consolirt werden. '^ 

1723, 15. Dec. (praes. 19. März 1723.) 

§§• „Lorenzo Masselliin die 30 iahr Kay. Musicus Altista gibt 
allerunterthän. wehemütigst zu uememmen, dass er bei gloreichster Re- 
girung Kay. Joseph! in eine dergestalten schwäre vnd gefährliche Krank- 
heit gefallen seye, dass die Medici an seiner genäsung verzweiffelnd, so 
fem nit die geburts-lufft Ihm widerumb zurecht brechte, ihme dahero ge- 
rathen in sein Vatterland zu verraissen. Vor der abraiss habe er durch ein 
Memorial Ihro Kay. May. unterthgst gebetten, Ihme seine biss dahin ge- 
nossene Besoldung deren 80 Thaller auss den Zahlambt und 10 Thaller aus 
dem Cammerbeitl mithin 90 Thaller monathlich in 400 fl. iährlich zu uer- 
andem, mit Vorgeben, dass, weillen er nit mehr zu diennen in Standt s^ye, 
er solche besoldung mit gutten Gewissen hiefüro nit genissen kundte ; 
welches von Ihro damahligen Kay. May. gleichsamb wider dero willen ent- 
lich ihme ist zugestandten worden. — Nachdeme er aber wider alles Ver- 
hoffen zu seiner vorigen Gesundheit gelanget seye, vnd von Ihro jetzt re- 



Beil. VI. S9.90. 399 

girend Kay. May. widemmb in die vorige Dienate beniffiBii worden, wären 
Ihme nit mehr dann 60 Thaller monatlich assigniret worden, ohne zweiffei 
anss Ursachen, daas man sich dessen vorhin genossener besoldung nit wird 
erindert haben ;indeme alle ttbrige seines gleichen mit der vorhin genos- 
senen Besoldung seind confirmiret worden. Kombt derohalben allerunterth. 
Snpplicando ein, umb in seine norige Besoldung allergst. gesezet zu wer- 
den. Wan ich nun nicht für billich erachte, das des Supplicanten zartes Ge- 
wissen vnd fast niemahlen erhörte Gntheit ihme für alle Zeit zur Nachteil 
gereichen solte auch dass durch dessen freiwilliger begebung der Kay. 
Cammer durch so vil iahr nit ein geringes in ersparung komen ist Alss ist 
meine wenigste mainung, er mOchte mit der allenint. angesuchten vorhin 
auss den Hofzahlambt genossenen Besoldung deren 80 ThaUer monatlich 
allergst consolirt werden.*' 

1728, 13. December. (praes. 5. Mfitz.) 

90* nAugnstinFontana, gewester Kay. Josephinischer Trom- 
bonist welcher aber nachgehends bey jetzt gloreichst regirendenKay.May. 
Begirung nebst anderen reformiret worden, gibt aller unterth&n. wehemti- 
tigst zu uememmen, dass er neben der unglückseeligen Eeformation auch 
durch einen Schlagfluss ausser Standt gesezet worden seye sein Brodt vnd 
Lebensmitl sich zu uerschaffen mithin in einem eilenden und erbarmens- 
würdigen Nothstandt sich befinde. Kombt derohalben allerunt vnd von der 
euBsersten Noth gedrungen Supplicando ein vmb eine kleine Kay. Pension. 
Weillen nun für diesen armseligen Supplicanten kein anderss mitl mehr 
übrig denselben von eussersten Vntergang zu erretten. Alss geschieht 
meine ohnmassgebliche, benebends auch mitleidende mainung, ess möchte 
die unterth. angesuchte pension sowohl in ansehung seines Nothstandes 
auch dessen Vatters in die 46 iahr dem durchl. Erzhauss embsig gelaiste 
Dienste Ihme gnädigst zugestandten werden." 

1723. 10. Dec. (praes. 14. April.) 

•O« nFerdinandRömmer 39 iahr Kay. Orgelmacher und Cal- 
chanty Alterss krankh- und Schwachheit halber nit mehr in standt seinen 
Dienst vorzustehen kombt allerunterthän. ein, dass diser sein Dienst Sei- 
nem Sohn Johann Römmer dermaligen Adjuncten allergnst. möge conferirt 
werden. Wan mir nun sowohl des Supplicanten Vnvermögenheit, alss auch 
dessen Sohns capacitet dise Steel zu uertretten (massen er schon durch 
uill iahr anstatt des Vatters diesen versichet) zu genügen bekandt ist. Alss 
ist meine wenigste meinung es möchte dem Supplicanten, alss einem 66- 
jährigen man, wegen seiner 39 iahr treu geleisten Diensten zur Consolation, 
seine Calchanten Steell dessen Sohn allergst. conferirt werden, doch der- 
gestalt, dass er Sohn Johann biss zu des Vatters Tottfahl mit seiner Ad- 
juncten-besoldung solle zufrieden sein.'' 



r 



400 Beil. VI. 91— M. 

1723, 10. Dec. (praes. 9. Mai.) 

•i«„LucreziaPanizza Cantatrioe, dess verstorbenen 6!o. Pietro 
Panizza gewesten Pnrkhgrafen zn Trient hinterlassene Tochter, gibt aller- 
nnterth. zu nemehmen dass selbe die allerhöchste genad gehabt, anf einer 
opera zu singen, woriber Ihro Kay. May. ein allergstes Wohlgefallen hätten 
verspüren lassen; auch auf Kay. befelch in abgang anderer parte hätte aus- 
wendig Studiren mössen. Kombt also allemnterth. Supplicando ein in die 
würkhliche Dienste allergst. an- und aufgenommen zu werden, mit einer ge- 
ringen Provision, dass selbe dass leben durchbringen könne. Wan es sich 
nun zbm öfftem ereignet, dass ein oder anderer Singer oder Singerin durch 
Cathar oder andere Vmst&ndten verhindert die parte zuruckh schickhen, 
mithin die opera oder andere Dienste ihren fortgang nit haben können, 
dise Supplicantin aber capace ist, gar in einer kurzen Zeit einen parte aus- 
wendig zu lernen. Alss ist meine wenigste mainung, Sie möchte in Ihrer 
allerundterth. bitt gewehret, vnd mit einer jährlichen Provision von 400 fl. 
vmb so uillmehr allergst. versehen werden, weillen selbe fUr ihre bisshero 
gehabte mibe vnd Dienste die geringste consolation nit genossen hat.*' 

[Nach Antrag angestellt.] 

1723, 6. März, (praes. 3. Jänner.) 

•tt • „Gottlieb Mu f f a t Hof- und Cammer-Organist kombt aller- 
undterth. ein vmb Vermehrung seiner Besoldung deren 40 Thaller monat- 
lich. Weillen diser Supplicant vor andern wegen seiner erworbenen virtä. 
mit accompagnirung bey allen Operen und Cammerfestinen emploiret wird, 
beynebenss seine Compositionen bei Hof mit Vergniegung Ihro Kay. May. 
hören machet : auch in seinen Dienstverrichtungen sehr eyffrig sich erzeiget. 
Alss ist' meine wenigste mainung, er Muffat möchte mit 10 Thaller monat- 
liche Verbesserung umb so uill mehrer allergst consolirt werden, weillen 
auch der andere sein Mitorganist, mit welchem er gleiche Dienstverrich- 
tungen hat, 50 Thaller monatlich genüset, auch hirdurch andere zum emb- 
sigen Studio angefnschet werden." 

1724, 7. Jänner, (praes. 29. Juli 1723.) 

•8« nGiovanniOarestiuiMusico Soprani von Ihro Kay. May. aus 
Italien berufifen vmb in die Kay. Dienste angenommen zu werden, kombt 
allerundterth. ein umb sein Stabiliment. Weillen ich nun diesen Supplicanten 
für die Kay. Hofcapelle vnd andere Dienste brauchbar finde, also ist meine 
ohnmassgebliche mainung er Carestini solle in die Kay. Dienste mit 80 
Thaller monatlicher Besoldung aufgenommen ; vnd der anfang damit ge- 
macht werden von ersten April dieses 1723 Jahres alss von der Zeit seiner 
Ankunfft allhir in Vienn." 

[Nach Antrag angestellt.] 

1724, 7. Jänner, (praes. 4. Dec. 1723.) 

•H« „Franz Daniel von Thallmann Priester gewester Kay. 
Josephinischer, nachgehends reformirter musicae compositor: aniezo Pfar- 



Beil. VI. 95—97. 401 

rer zu Göllersdorff kombt allenmterth. ein vmb in die Kay. Dienste qua 
talis widemmb aufgenommen zu werden. Wan nun der Kay. Hof mit Capel- 
maistem und Compoaitom zu genügen dennaUen versehen ist: dess Sup- 
plicanten habilitet aber weiter nit erstrekhet alss kleine Partien ynd Con- 
certinen zu machen. Alss geschieht meine pflichtmässige Mainung er Hr. 
Pfarrer solle seinem Berufe gemäss bey seiner Pfar verbleiben, vnd mit der 
Kay. Pension deren 600 fl. iährlich sich begnügen lassen.'' 

1724, 4. Jänner, (praes. 14. Dec. 1723.) 

•&• „MaximilianHelman (Hellmann), welcher vngefehr vor fünff 
iahren von.Ihro Kay. Mky. dem famosen Königl. Polnischen Cimbalisten 
alss einScolar mitgegeben worden, dises difficultose Instrument zu lehmen^ 
kombt allemnterth. ein, nachdeme er nach vollendeten lehrjahren von 
Dressden wider zumckhbemffen worden, vmb in die Kay. Dienste als Mu- 
sicus Cimbalista aufgenommen zu werden. Weillen nun Ihro Kay. May. 
Ihme Supplicanten zu dem Ende mit vnkosten verschicket haben. Folgt von 
sich selbst, ist auch meine wenigste mainung, dass weillen diser Scolar in 
disem beschwerlichen Instrument solche progressen gemacht hat, dass wo 
er seinen maister nit übertrifft aufs wenigst nichts nachgibet, der Supplik 
cant billig in die Kay. Dienste solle aufgenommen werden: vnd weillen sein 
Instrument von 100 vnd etliche 80 Saiten ist, mithin selbes in Standt zu er- 
halten aufs wenigst 400 fl. erfordert werden : alss kan ihme meiner wenigen 
mainung nach für Saiten und Subsistenz weniger nit als 1000 fl. iährlich 
ausgeworffen werden, vnd immassen seine lehr-iahr schon den letzten 
Martii 1723 sich geendiget haben alss möge seine ezpedition von ersten 
April eben dieses iahrs anfangen. '^ 

[Nach Antrag angestellt] 

1724, 12. Juli. 

•S« „Ignaty Leopold Piellacher Kay. Bassist kombt allemn- 
terth. Supplicando ein, es möchte ihme zu seiner geringen Besoldung deren 
400 fl. iährlich von des iüngst verstorbenen Borini auch Kay. Basisten er- 
ledigten Besoldung ein Betrag allergnd. uerwilliget werden. Wan nun von 
sich Selbsten klar, dass ein man mit weib und Kindern mit 400 fl. iährlich 
nit leben kann, diser Supplicant auch noch ohne Kay. Quartir ist, vnd da- 
hero vmb leben zu können, nicht allein in die schulden sich zu stekhen ge- 
zwungen wird, sondern auch durch vnzulässige pratiquen mit nit geringen 
nachtail des Kay. Hofs sich zu helffen gedrenget wird. Alss ist meine 
pflichtmässige und vnvorgreifliche mainung, er Supplicant möchte mit einem 

accrescement von 100 fl. iährlich allergndgst. consoliret werden. << 

• ■ 

1724, 12. Juli. 

•y* „MarcoAntonioBerti Bassista gibt gehorsambst zu uer- 
nemmen dass er mit 30 Thaller monatlicher Besoldung mit Weib und kin- 
dem nit leben könne: kombt derohalben allemnterth. gehorsambst ein vmb 

Kfichet, J. J. Tax. 26 



y 

I 



402 Beil. VI. 9S— 101. 

ein aocreBcement. Weillen aber uiU seines gleichen seind, welche nit mehr 
als 4 oder 5 hundert Gulden iährlich zu genüsen haben: alss kan ich für 
diflsmahl dises Supplicanten Begehren nit billigen: aber wohl gehorsambst 
einrathen, es möchte durch ein adjuta di costo, etwan von der Graf Kuif- 
Bteinischen Cassa seiner nottdurfft geholffen werden.^ 

1724, 12. Juli. 

•S« „FranzHintereder Kay. Violinista gibt wehemütigst zu uer- 
nemmen dass er schon in das 22 iahr erstlich alss Scolar mit 170 fl., nach- 
gehends 6 iahr lang mit 360 fl. endlich vnd nit gar lang mit 600 fl. in Dien- 
sten stehe, vnd habe wegen anfangs so geringer besoldung mit seiner Fa- 
milie in grosse Schuldenlast sich stekhen müssen worauss er sich nit mehr 
wükhlen mithin vnmöglich sich durchbringen könne. Mir ist dises Suppli- 
canten erbarmswürdiger zustandt zu genügen bekandt; weillen aber noch 
mehrer dergleichen in eben disem spital krankh ligen, welche noch weniger 
Besoldung haben alss diser; alss kan ich vermög meiner pflicht in dessen 
ansuchung eines aocrescements von 120 fl. nit einrathen; wohl aber einer 
hohen Obrigkeit dessen eilenden nottstandt gesorsambst vor äugen 
stellen. 

1724, 26. November. 

••• „IgnatiusStäinbrugger Trombonist kombt allerunterth. 
Supplicando ein vmb die durch seines Bruders ablciben erledigte Trom- 
bonistensteell. Wan nun diese erledigte stelle vnumbgänglich muss ersezet 
werden : diser Supplicant aber ein gutter Viituos ist. Alss ist meine we- 
nigste mainung er Stainbrugger möchte mit der allerunterth. gebettenen 
Trombonistensteell vnd 500 fl. iährlicher besoldung allergst. consoliret 
werden. 

[Wurde 1725 mit 400 fl. angestellt.] 

1724, 28. Juli. 

i OD* „GiuseppeMonteriso Soprane gibt allerunterth. zu uemeh- 
men dass er iuNapel Vatter, Mutter, Schwestern und Brüdern zu vndterhalten 
habe, seine Besoldung aber deren 59 fl. monatlich diese vnkosten zu be- 
streitten nit zulfinglich seyen. Ich will von disen Spesen praescindiren vnd 
nur die Meriten dises Supplicanten in Consideration ziehen. Mit anfuegung 
dass er vermög seiner fehig- vnd embsigkeit weit erspriesslichere Dienste 
leistet, alss vüU andere, welche 50 Thaller monatlicher Besoldung genüssen, 
wurde also meiner schuldigen Pflicht zuwider handeln, wenn ich in das aller- 
nndterth. gebettene accrescement nit solte einrathen. Ist also meine we- 
nigste mainung, er Monteriso möchte mit der Vermehrung biss auf 50 Thal- 
ler monatlicher Besoldung allergn'. consolirt werden.'' 

.1724, 28. Juli. 

lOI* nAnnad'Ambreville Cantratrice kombt allerunterth. ein, 
weillen Sie nit mehr dan 80 Thaller monatlich dermalen hat, vmb ein 



Beil. VI. 102—106. 403 

accrescement ihrer Besoldang bis auf 100 Thaller monatlich. Wan nun die 
meiate Kay. Virtuosen yon der ersten Linien hundert Thaler monatlich ge- 
nässen; die Singerin aber iederseit distingnirt worden seind mit 3, 4000 fl. 
ifirlicher Besoldung. Alss ist meine innigste mainung die Supplicantin 
möchte mit dennen allerunt. angesuchten 100 Thaller monatlich allirgndgst 
consolirt werden. *< 

1724, 6. JuU. 

I OS« i^LeopoldChristian Kay. Trombonist kombt allerunterth. 
Snpplicando ein, dass sein Sdhnlein von 10 Jahren möchte für einen Kay. 
Hofscolam allergnfid. aufgenommen werden. Wan nun dise Familie das 
durchleichtigste Hauss von Oesterreich schon über 50 iahr hero in diesem 
der Capellen so anständigen Instrument auf eine ungemeine weiss bedienet, 
dergestalten, dass offenbar ist, dass dieses Instrument dennen Christian an- 
geboren seye. Alss ist meine ohnmassgebliche mainung, er Supplicant 
möchte allergst consoliret werden: doch dergestalten, dass die Scolaren- 
besoldung deren 360 fl. nit dem knaben sondern dem Vatter beygeleget 
werden, -biss der Sohn im Standt sein wird in Kay. Dienste elnzutretten. 
Wordurch der Vatter, welcher der erste Virtuos in der Welt in disem In- 
strument ist, angefrischet werden wird, den Sohn dahin anzuhalten, damit 
dises Instrument auf gleiche weiss in der Kay. Capellen erhalten werde. *" 

1724, 26. November. 

iOS* „Antoni Pöckh Bassist kombt allerunterth. ein umb den 
durch den Tottfahl des Caspar Lindmair seel. erledigte Bassistensteell. Wan 
nun dieser Supplicant eine gutte stimb vnd capacitet hat, benebends auch 
manirlich singet , auch noch iung von Jahren ist. ALbs ist meine wenigste 
mainung, er Pöckh möchte vmb so uill mehrer mit der gebettenen Bassisten- 
steel vnd 600 fl. iährlicher besoldung allergst. consolirt werden, alss er 
schon ein ganzes iahr die Kay. Hofcapellen vmbsonst frequentiret.'^ 

[Wurde März 1725 angestellt.] 

1724, 26. November. 

ton. „Antoni Wem die in die 17 iahr Kay. Hof-Scolar, kombt 
allerunterth. Supplicando ein vmb die iüngstbin erledigte Bassistensteell. 
Ich kau zwar für besagte Steele in Specie nit einrathen. Weilten aber er 
Supplicant schon zimblich bei iahren, mithin der Scolaren Tittl gar nit wohl 
ihme anstehet. So ist doch meine wenigste mainung er Wemdle möchte 
doch einstens in die würkhlichkeit gesetzet vnd mit einer kleinen zulag zu 
seiner Scolaren Provision zu trost seines alten Vatters, so in die 40 iahr das 
Dnrchleicht. Hauss von Oestereich bedienet, allergst. consoliret vnd auss 
dem Scolaren standt gezogen werden.*' 

1724, 26. November. 

IO(^ Georg Rentter in die 27 iahr Kay. Organist kombt aller- 
unterth. Supplicando ein dass sein Sohn Georg für einen Scolaren in der 

26* 



¥ 



404 Beil. VI. 106—108. 

Orgl möchte allergtst. anfgenommen werden. Wan nun Ihro Kay. May. mit 
nichten gesandt seind würkhliche Scolaren fernerhin anfennemmen alss kan 
ich für disen Supplicanten vmb so yttll weniger einrathen, weillen die ZaU 
deren Organisten ohne deme Über die Massen angewachsen. *< 

1724, 26. November. 

tos« »Carl Giegl gewester Kay. Eleonora Höchstseel. gedScht- 
nuss Hinterlassener Violinist, vnd dermallen pensionist kombt aliemnterth. 
ein vmb die genad für seine genüsende pension bey der Kay. Music dienen 
zn können. Weilen aber dermallen bei Hof Violinisten genug sind: kan ich 
in dises Supplicanten begehren vmb so nill weniger einrathen , alss er mit 
dem blossen diennen nit lang sich befridigen lassen , sondern gleich nach 
der würkhlichkeit trachten wurde," 

1725, 24. April. (Aussen.) 

iOV« „An Ein Hochlöbl.^ Kay. Obristhofmaister Amt gehorsamster 
Bericht Johann Joseph Fnz Kay. Hof-Capel-Maisters den Kay. J&gerhor- 
nisten WenzclRossi betreffend. 

Hochlöbl. Kay. Obristhofinaister-Amt. Gnfidig Hochgebiettender Herr! 
Auf dass von Eur Hochgräfl. Excellenz mir zugeschickte Decret den Wen- 
zel Rossi Jägerhomisten betreffend, erstatte nochmallig gehorsamben be- 
rieht, dass ich gedachten Rossi keineswegs capace befinde Ihro Kay. May. 
mit der Hautbois zu bedienen : auss ursach, weillen er in disen instmment 
niemallen ein Solids Studium gemacht, und die Hant-bois nur per accidenz 
vnd für ein divertissement tractiret hat : auch die Jägerhomisten vnd Haut- 
boisten Stelle in uno eodemque Subjecto mit nichten compatibel seind ; zu- 
mallen bede Instrumenta zugleich in der Musique gebrauchet werden. Fer- 
ner mit 500 fl. iährlicher Besoldung wurde dessen Eilend gar wenig können 
abgeholffen werden, massen solche, wie leichtlich zu erachten, mit weib, 
9 lebendigen kündem vnd Dienstbotten nit einmal zu leben, zu geschwei- 
gen die schulden, welche auf ein grosses respective quantum sich belaufen 
abzutragen zulänglich sein wurde. 

Ist demnach mein abermallig ohnmassgebliche mainung, es möchte 
Ihme Rossi die schon lang allerunterthänigst angesuchte Licenz von hir 
sich retiriren zu können, vmb so schleiniger allergst. ertheilt werden, als er 
sonst immerhin in grössere Schuldenlast verfallen müste. Die Zeit seiner 
Zurückkunft auszustellen ist darumb nit wohl möglich, weil man nit wissen 
kan, wass er Rossi alldort in Prag gewünnen , vnd wie balt er von seinen 
Schulden sich wird können loss machen. 

Dieses zu gehorsamb pflichtmässiger Berichterstattung. << 

1725, 2. Mai (praes. 12. Dec. 1724). 

I09« „Johann Georg Bayer in die 9 iahre bey verschiedenen 
Schlachten vnd Belageiungen in Hungern, Hernach bey den DuroUeucht. 
Heusem, Lotheringen vnd Nauburg etlich iahr, nunmelu' in das sechzehnte 



Beil. VI. 109— lU, 405 

Jahr N. De. LandBchafiPt und Veld Höq)aukher kombt allerunterth. ein umb 
die Kay. allerhöchste genad, daas sein ältester Sohn von 18 iahren Ignaz 
für einem Kay. Hof-ScoUren in der Composition mOchte aufgenommen 
werden. Weillen aber Ihro Kay. May. nicht gesinnt seind Scolaren künfftig. 
hin mehr zu halten kan ich auch dahin nit einrathen. Ess wäre dan dass auf 
dieaes Jünglings besonderes Naturel und Inclination lauth heiligenden 
Attestationes auch meinen aignen wissen nach bey so iungen iahren vnge- 
mainen progressen allergst. reflectirt wurde. 

1725, 2. Mai. 

I09« „Kilian Reinhardt, in die 48 iahr Kay. thailss dispensator 
thailss concert Maister, nachdeme er durch obbenannte iahr den Dienst 
alein yerrichtet; nunmehro aber wegen 72Jährigen hohen Alters entkrefftet 
eines gehülffen nöttig, auch der Kay. Dienst erfordert, dass bey Lebzeiten 
dessen einer vndterrichtet werde, kombt allerunterth. ein vmb einen Ad- 
juncten vnd dass ihme die 1713 ftlr einen A^uncten zugelegte 300 fl. 
iarlich verbleiben vnd zu seiner besoldung möchten einuerleibet werden. 
Wan nun er Reinhardt neben seiner embsigen Dienstverrichtung laut beyli- 
gender Specification dem Kay. aerario biss 20.000 fl. ersparet hat, weillen 
er mit geringerer Besoldung vnd ohne Adjuncten den Diens versehen. Alss 
ist meine wenigste mainung der uon ihm Vorgeschlagene vnd tauglich be- 
fundene Andreas Amiller Tenorista möchte vmb so uill mehr uor andern 
mit 300 fli. i&hrlicher Besoldung adjungiret werden, alss er selber treulich 
zu vndterrichten versprichet, Ihme Reinhardt aber damit wan ihme als 
einem so hoch meritirten Dlenner in seinem so hohem Alter etwas entzogen 
werden solte nit sein Tott befördert werden möchte, die obbenante 300 fl. 

in salvo bleiben möchten.' 

* 

1725, 7. Juni, (praes 12. Dec. 1724.) 

HO* „Dess Ferdinands Richters in die 30 Jahr gewesten Kay. 
Hof- vnd Cammer-Organisten hinterlassene 4 arme weysen kommen aller- 
unt. ein vmb fernere Continuation der Ihnnen bereiths vor zwei iahren aller- 
gst aussgeworffenen genaden pension. Wie gross die Virtü vnd Meriten 
diser Weysen Yatters gewesen seye ist weltkundig indem £r neben seiner 
ordinari Dienst nit allein die durchleicht. Herrschaften, sondern auch Ihro 
jezt regirende Kay. May. selbsten in der music zu informiren die aller- 
höchste genad gehabt hat. Ist also meine vnterworffenste meinung Sie 
Weysen möchten allergdgst consolirt werden.*' 

1725, 7. Juni, (praes. 22. Dec. 1724.) 

III« „Anna Ambreville Cantratrice ist vngeführ vor anderthalb 
iahren allerunterth. einkommen, es möchte ihre besoldung deren 60 Thaller 
biss auf 100 Thaller monatlich allergdgst vermehret werden. Nachdeme 
aber iüngsthin ihre expedition dahin aussgeschlagen, dass Sie anstatt der 
verhofften 100, nur 80 Thaller erhalten, Kombt Sie Supplicantin aber- 



/ 



406 Beil. VI. 112—114. 

mahlen alleranterth. ein, bestendig vorgebend, nachdeme Sie bei so gerin- 
ger besoldung in ein grossen Schuldenlast verfallen seye; mit weniger 
nicht, alss mit 100 Thaller Monatlich alhir leben kdnte. Alss ist meine aber- 
mallige Submisse mainnng Sie Ambreville möchte vmb so uill mehr aller- 
gst consoliret werden, weillen sonsten eine andere, welche villeicht auch nit 
vill virtuoser sein wurde, wohl mit dopleten oder dreyfachen Spesen müste 
vndterhalten werden.» 

1725, 7. Juni, (praes. 25. Februar 1725.) 

iltt« „MaximilianHelman Kay. Cimbalist gibt wehemütigst zu 
aememben, dass, weillen fast stetter vnbösslichkeit vnd vnkOsten der Sai- 
ten seines Instruments, seine Besoldung nit erklOckhlich, er in ein solchen 
Schuldenlast verfallen seye, dass er seine gage auf ein ganzes iahr verschrei- 
ben müssen, vnd mithin sich nit mehr zu helfen noch zu rathen wisse. Nimbt 
also seine Zuflucht zu Ihro Kay. May. Allerhöchsten Olemenz vmb eine er- 
kleckhliche allergste adjuta bittend. Weillen mir bewust, dass dieses Sup- 
plicanten eilender nothstandt (in welchem er villeicht wohl auch auss der 
lugend gemeiniglich angebomen üblen würthschafft theilss verfallen mage 
sein) also beschaifen ist«- dass so ferne ihme nit durch eine Kay. Grenad ge- 
holfen wird, Er Helman vnfehlbar verderben vnd völlig zu grund gehen 
müsse. Wan nun höchst Schad wäre vmb dessen unvergleichliche vnd mit 
grossen Kay. vnkosten erlernte Virtü. Alss ist meine wenigste mainung, es 
mochte Ihme durch eine allergste Ajuta geholfen vnd von dem vntergang 
aufs wenigst mit 400 fl. errettet werden. Es soll künfftighin durch einen 
Curatorem seiner üblen würthschaft vorgebogen werden.'' 

1725, 7. Juni, (praes. 7. April 1725.) 

118* »Tomaso Piani Kay. Violinist, kombt allerunt ein, es 
möchte ihme seine geniesende Besoldung deren 50 Thaler monatlich noch 
mit 10 Thaller bei ver&ndemng seines Standts allergst vermehret werden. 
Wan ich den glaubwirdig vemomben, dass Ihro Kay. May. ihme Piani sol- 
ches angesuchte accrescement der 10 Thaller monathlich bereits allergst 
zugestandten haben, villeicht in erwegung, dass durch diese Henrath 100 fl. 
i ährliche pension, so die Borinische PupilHn nun mehro Braut genüset, dem 
Kay. aerario heimbfallet : alss habe meiner seyts nichts beizutragen, alss 
der allergst. Verordnung meine wenigste mainung zu undterwerffen.» 

1725, 7. Juni, (praes. 9. März 1725.) 

im* „Domenico Genuesi Kay. Soprano kombt allerunterth. 
Supplicando ein, dass ihme seine iezt genttsende besoldung deren 80 Thal- 
ler monatlich mit 20 Thaller möchten vermehret werden. Es ist zwar schon 
vor ein geraumer Zeit von disen Supplioanten bey mir vorkhommen eben 
dises enthalts ein Memorial. Weillen aber damallen ich der mainung war, er 
Genuesi genüse schon die 100 Thaller monatlich, habe ich damallen nit kön- 
nen einrathen. Nachdeme ich aber in erfahrung gebracht, dass er nur 



Beil. VI. 115—118. 407 

80 Thaller habe, andere aber von seinem rang, virtü vnd Dienstverrich- 
tungen 100 Thaler genüsseni Ist meine wenigste mainung, er Genuesi könne 
flieh Hofibang machen dennen lennigen gleichgehalten su werden, forderist, 
weillen er in Kay. Diensten sonderbar embsig sich einstellet.^ 

1725, 7. Juni, (praes. 24. April 1725.) 

II ft* n^iovanniPeroni Kay. Violoncellist, gibt alleranterth. zu 
vernehmen, dass weillen er neben seiner person auch einige Erfinde in 
Meyland zu unterhalten habe, zu bestreitung solcher Spesen seine genü- 
sende Besoldung deren 60 Thaller monatlich nit erkleckhlich mithin in 
grosse Schulden verfallen seye : kombt derohalben allerunterth. ein vmb ein 
beliebiges accrescement. Ich lasse dises Supplicanten schulden vnd Familie 
an seinem Orth gestellet sein. Wass aber dessen virtü vnd Dienstverrich- 
tungen anbelanget, muss ich bekennen, dass an embsigkeit vnd vnermie- 
tenden Fleiss bey allen Diensten er andern zu einem exempel seyn könne. 
Welches Ihro ELay. May. am besten bekandt : also dero allergqten Verord- 
nung meine wenigste mainung gehorsambst vndterwerffe.^ 

1725, 21. Nov. (praes, 30. Oct. 1725.) 

liS. „FilippoBalatri Musico Soprane, nachdeme er schon durch 
fast ganze 7 Monat sich alhir aufhaltet, ein opera recitiret vnd fast bei allen 
Capelldiensten sich einfindet kombt allerunterth. ein in die Kay. würkliche 
Dienste allergst aufgenommen zu werden. Obwollen die stimme vnd iahre 
dises Supplicanten nit seind, wie wohl zu wintschen wäre*, weillen aber ein 
grosser abgang an Sopranen dermallen sich befindet, er Supplicant aber 
gar eine feine Art zu singen hat und sonst von lobwirdigen Wandl ist. Ist 
meine wenige mainung er Balatri möchte allergst aufgenommen werden die 
Besoldg belangend remettirt er sich in Ihro Kay. May. allerh. Clemenz u. 
Generosität. Ich aber vnterwerffe Ihro Kay. May. allergst. Verordnung 
meine wenige mainung dissfahl umb so uil mehr, weil ich disen Sopran in 
der Capellen wegen meiner unbasslichkeit niemahlen hab hören können.'' 

[Wurde nicht angestellt.] 

1726, 24. März, (praes. 5. Jänn. 1725.) 

11 V. n^ranz Carl Pernember, Violinist, welcher wegen seiner 
virtü wohl vndter die ersten kann gesellet werden, kombt allerunterth. ein 
vmb die vacirend gewordene Violinisten Stelle. Wan aber solche Stelle der- 
mallen nit ersezet wird : er Supplicant aber neben seiner virtü vnd aigenen 
Verdiensten (massen er auch am Kay. Josephinischen Hof eine Zeit lang 
alss Discantist gedienet hat) auch seines Vatters Meriten, welcher schon 
über 20 iahr als musicalischer Trompetter am E^y. Hof zu dienen die 
Höchste genad hat, anziehen kau. ALss ist meine wenigste mainung es 
möchte zu seiner Zeit auf ihne Pernember gnädigst reflectiret werden.*' 

1726, 24. März, (praes. 1. März 1726.) 

ll§.„GeorgReutter kombt allerunterth. ein vmb abwechsslungs- 
weiss mit anderen Kay. Organisten zu dieuen; auch filr einen würkhlichen 



' 7 



408 Beil. VI. 119—128. 

Hof Scolaren aufgenommen zu werden. Wan nun 1* Ihro Kay. May. den 
nach und nach angewachsenen überflus deren Organisten auf die gewand- 
iiche Zahl reduciret haben wollen 2* auch keine Scolaren mehr zu halten 
allergdgst resoluiret sein. Kan ich in dises Supplicanten ansuchen nit ein- 
rathen.^ 

1726, 17. Aug. (praes. 5. Aug. 1726.) 

HO« „Marianna Lorenzani Conti Cantatrice, Nachdeme Ihro 
Kay. May. allergst sich belieben haben lassen Selbe in dero Dienste zu nem- 
ben mit 4000 fl. iährlicher besoldung, kombt allerunterth. ein umb ihre ex- 
pedition: dass also ich meines wenigen orths nichts beyzutragen habe, alss 
einer hohen Obrigkeit solches gehorsamb zu hinterbringen. 

1726, 17. Aug. (praes. 5. Aug. 1726.) 

tÜO* „Johann Georg Sturmb Turner Maister zu Closter Neu- 
burg kombt allerunterth. ein umb alss Quart-Posaunist in die Kay. Dienste 
aufgenomben zu werden. Wan nun dieses Instrument der Kay. Musique 
keine Verbesserung beytragen kan, sondern in gegentheil wegen dessen 
unannemblichen Glang deterioriren wurde: Alss kan ich in dises Suppli- 
canten ansuchen nit einrathen.'' 

1726, 20. Sept. (praes. 8. Mai 1726.) 

\%\* „Leopold Christian der lungere, Trombonista, kombt 
allerunterth. ein umb Vermehrung seiner besoldung deren 740 fl. Obwollen 
diser Supplicant vermög seiner besonderen virtü weit ein mehreres meri- 
tirte, massen er in seinem Instrument seinem gleichen nit hat, weillen er 
aber unlängst ist accresciret worden, alss ist meine wenige mainung^ er 
möchte für disamahl biss auf eine vacirend werdende besoldung vertröstet 
werden." 

1726, 28. Sept. (praes. 2. April 1726.) 

\%%. „Anna Maria, des abgeleibten Xaverj Gläzl in die 'j7 iahr 
gewesten Kay. Hautboisten und Fagottisten hinterlassene arme Witib 
kombt allerunterth. umb die gewändliohe Kay. genaden Pension. Wan nun 
nit allein der Supplicantin Man, sondern auch die andern zwey Brttder der- 
gestalten gutte Dienste geleistet haben, dass deren schon zwey wegen des 
beschwärlichen Instrument vnd Fatiguen in iungen iahren ihr leben einge- 
bfiset haben, auch von disen Dreyen nur eine einzige Wittib zu uersorgen 
ist. Alss ist meine wenige mainung Sie Gl&zlin, obwohlen ohne Kind, doch 
weillen selbe einen grossen Schuldenlast abzutragen hat, möchte mit 200 fl. 
ifihrlicher pension allergst. versehen werden. << 

1726, 28. Sept. (praes. 3. Juni 1726.) 

%%%• „Giovanni Vincenzi Musico Soprailo kombt allerunterth. 
Supplicando ein, es möchte Ihme zu seiner bisshero genüsenden besoldung 



Beil. VI. 124—126. 409 

deren 80 Thaller monatlich noch 20 Thaller monatlich allergst. beygetragen 
werden* Wan nun diser Snppiicant allein ynd ohne Familie sich befindet : 
glaubte ich er knnte mit 80 Thaller monatlich gar fein vnd ehrlich leben: 
es wäre dan, dass Ihro Kay. May. aus besonderen Ursachen Ihn Vincenzi 
nuf angesuchte weiss wolten consolirter haben. '^ 

1726, 28. Sept. (praes. 22. Aug. 1726.) 

IttH. „Ferdinand Nicola Wpller gegen 20 iahr Kay. Violinist, 
kombt allerunterth. ein ihme seine bisshero genüsende besoldnng deren 
40 Thaller monatlich noch mit 10 Thaller monatlich möchten allergndgst 
vermehret werden. Wan nun dises SuppHcanten ansuchen ich sehr billig er- 
kenne, auch dessen beygebrachte motiven in der Wahrheit fundiret seind, 
welche hieher zu sezen Schwachheit halber ich vndterlassen muss und da- 
hero auss dem Memorial zu ersehen sind. Alss ist meine wenige mainung er 
WoUer möchte mit dem angesuchten accrescement deren 10 Thaller monat- 
lich allergst. consoliret werden.^ 

1726, 28. Sept (praes. 5. Aug. 1726.) 

iSft* nl^r^^Atius Angermair, Kay. Violinista, welcher seinem* 
Vorgeben nach, allergsten Kay. befehl gemäss, dermallen in Mayland, vmb 
in der Composition informiret zu werden, sich^aufhaltet , gibt allerunterth. 
zu uememben, dass auss mangel der bezaHung deren neben seiner besol- 
dnng zu seinem undterhalt ihme assignirten 1600 fl. er biss auf 5000 fl. un- 
gefehr schulden zu machen seye gezwungen worden; vnd werde derohal- 
ben uon denen Creditoribus dergestalten geängstiget, dass er in seinem 
Studio keinen progress machen könne, bittet mithin allerunterth. umb 
schieinige Hilfinitl. Wan ich nun weder von der Licenz der abwesenheit 
dieser iungen verderbten menschen* noch weniger von dennen Ihme assig- 
nirten 1600 fl. die geringste wissenschafft nit habe ; alto kan ich hierauf 
keinen bericht erstatten, wol aber aus schuldigster pflicht gehorsambst zu 
vememben geben, dass Ihne Angermair nit sowohl der eyfer zum Studiren, 
alss die auf seine person dringende Creditores wegen der von Ihme noch 
aiss Scolar unnuz gemachten schulden, so sich auf 3000 fl. belauffen von hir 
wekh getriben haben. Ob beyligende Attestation von dem Maestro wegen 
in so kurzer Zeit so hochgestigenen Schulden den Supplicanten rechtferti- 
gen könne überlasse ich einer hohen Obrigkeit als höchst vemünfftig zu 
überlegen.^ 

1726, 18. August. 

ISS* nAntoni Carl Richter Kay. Organist kombt allerunt. ein 
vmb Vermehrung seiner iährlichen besoldnng deren 500 fl. Wan nun dieses 
Supplicanten eilender notstand zu genttgen mir bekantist, auch von sich 
selbst zu ermessen ist, dass er mit so geringer besoldnng ohne schulden zu 
macheQ nit leben köne. Alss ist mein ohnmassgebliche mainung, er Richter 
möchte sowohl in ansehung seiner aignen in das 11. iahr also auch dessen 



410 Beil. VL 127—12». 

Vatters in die 38. iahr trenvleissige und besonders virtuose Dienst mit 
100 fl. iährlich umb so nil mehr allergdgst acerescirt werden, alss in kurzem 
verschiedene besoldungen und Pensionen, durch Tottfahl dem Kay. aeraria 
heimbgefahlen seynd.*' 

1727, 3. Jftnner. 

ISV« „Leopold Christian, Kay. Trombonist gibt allerunt. zu 
uemefamen, wie dass er wegen geringer besoldung mit eusseriichen Dien- 
sten abzumaten umb leben zu können gezwungen wird, mithin in gefahr 
stehe, bey seinem ohnedem besehwärlichen instrument vor der Zeit sich zu 
ruiniren, oder aufs wenigst die Kay. Dienst nit mit solcher perfection wie 
dermallen zu uerrichten. Kombt derohalben allerunt ein umb ein acoresce- 
ment. Wann nun dieser Supplicant ein solcher Virtuos ist, der seines glei- 
chen nit findet, auch schw&rlich mehr einer zu hoffen ist, mithin an dessen 
längerer conservation nit wenig gelegen zu sein glaube. *Al8s ist meine 
wenige, doch zum Kay. Dienste vorträgliche mainung, es möchte ihme Sup- 
plicanten seine dermalen genüsende Besoldung deren 750 fl. jährlich auf 
1000 vermehret werden : doch mit dem beding und austrfickhlichen befelch 
dass er gleich bey antrit dieses genüs den Dienst bey St. Stephan aufgebe.*^ 

1727, 10. Jänner. 
- 1S9« „Ludwig Schön, in die etlich zwainzig iahr, Kay. Hautboist 
gibt allerunterth. zu uememben, dass er mit seiner bisshero genüsenden 
geringen besoldung deren 500 fl. iährlich ohne Quartier biss gar eine kurze 
Zeit hiehero mit seiner Familie nit allein sehr kümmerlich leben, sondern 
auch in die schulden sich habe steckhen müssen: kombt derohalben aller- 
unt. ein umb Vermehrung seiner Besoldung. Wan nun dieses Supplicanten 
nothstandt mir zu genügen bekandt, und er undter dennenKay.Hautboisten, 
so dermalen dienst thuen der älteste ist, auch von dennen Calvinischen 
Knaben ist, welche noch bey Lebszeiten Kaysers Leopold glorreichster gh- 
dächtnus von Berlin anhero gekommen, und meistens zur Bedienung letzt 
regierender Kay. May. damaligen Erzherzog seind aufgenommen worden; 
Alss ist meine ohnmassgebliche mainung es möchte ihme Schön seine Be- 
soldung mit 100 fl. iährlich vermehret werden. *< 

1727, 1. April. 

190. „Johann Jacob F ride rieh Kay. Fagotist gibtwemietig zu 
uememben dass er mit seiner geringen besoldung deren 500 fl. iährlich mit 
seiner Familie von 9 personen unmöglich leben könne; und etwas extra zu 
uerdienen ihme die heufigen Hofdienst nit zulassen: kombt derohalben 
allerunterth ein um eine ergebliche Beylag seiner Besoldung. ObwoUen 
diser Supplicant nit lang in Kay. Dinsten stehet, weillen er aber ein beson- 
derer Virtuos, und sehr gebraucht wird, massen ifast kein wochen vorbey 
gehet, wo er nit ein oder 2 mahl mit seinem besehwärlichen Instrument 
mus sich Hören lassen nit mit geringer Sadsfaction der allergnäd. Herr- 



Beil. VI. 130—132. 411 

schafften. Alss ist meine wenige matnnng er Friderich möclite mit einer 
Beylage von 300 fi. iährlich allergnäd. consolirt werden.^ 

1727, 28. Jänner. 

ISO* „GioachinoSarao ArciliutiBta oder Tiorbista nachdeme er 
angeftttir vor acht Monath von Ihro Kay. May. auB Napel hieher berufen ist 
worden, kombt nun alleninterth. ein umb in die Kay. Dienst qua talis 
allergst. aufgenommen zu werden , mit anticipation einer iahresbesoldung 
und schieiniger conferinmg eines Kay. Quartirs. Wan nun er Sarao zu dem 
ende ist hiehero berufen worden, auch weillen der Kay. Tiorbist Francesco 
Conti nunmehro dffters unbässlich zu werden anfanget, nOttig ist. Alss ist 
meine wenige nudnung, er Supplicant möchte mit der würkhlichen Tiorbis- 
stell und gewfindlicher besoldung deren 80 Thaller Monatlich allergst. con- 
soliret werden. Die anticipation einer iahrs-besoldung und Quartir alss 
Special genaden bemen bloss in der allerhöchsten Olemenz Ihro Kay. May.«' 

1727, 28. Jänner. 

iSl« „Anna Barbara Rogenhofferin Singerin aus der vor- 
trefflichen Schnei Gaetano Orsini, nachdeme Sie sowohl in Operen alss auch 
anderen begebenheiten bey dem Kay. Hof öffters ihre prob nicht mit ge- 
ringen lob erwisen, kombt nun allerunterth. ein in die Kay. Dienst alss 
wttrkhliche Singerin allergst. aufgenommen zn werden. Wan nun diese 
Supplicantin neben der guten Stimb und Capaeitet nicht eine geringe virtü 
schon erworben hat; auch zu hoffen ist, dass durch die vortreffliche anfüh- 
rung Ihres lehrmeisters, welcher heuntigs tags fast allein die wäre Sing- 
knnst emporhaltet, eine von dennen besten Singerin mit der Zeit sein werde. 
Alss ist meine wenige , doch ^m Kay. Dienste erspriessliche mainnng Sie 
Rogenhofferin möchte mit 40 Thaller monatlicher besoldung ad Interim in 
die würkhlichkeit allergst aufgenommen werden, zur consoladon auch des 
Lehrmeisters: alss welcher diese seme Scolarin bisshero nit allein gratis 
informiret, sondern auch auf seine aigne Unkosten mit aller notturfft ver- 
pfleget hat." 

[Wurde als Hofscolarin mit 400 fl. aufgenommen.] 

Der Vortrag des Ob. Hofm. Amtes sagt, dass 6 würckliche Singerinen 
und 1 Scholarin mit nachfolgenden Besoldungen vorhanden seien, nämlich 

die Schultzin mit . . . 600 fl. die Panizza mit ... . 400 fl. 

die Sconianzin mit . . . 2700 „ die Conti mit 4000 „ 

die Borosinin mit ... 1800 „ die Hilverding mit . . . 360 „ 

die Perronin mit . . . . 1620 „ Zusammen mit iÜsÖI 

1727, 21. Juni. 

iStt. „Johann Baptist Peyr, 8 iahr lang verwittibt Kay. Eleo- 
norae gewester, nunmehro in das 7. iahr an regirenden Hof würkhlicher 
Hof-Organist mit 500 fl. iährlicher besoldung , weillen er bey so geringer 
besoldung mit seiner Famili kttmerlich oder gar nit bestehen kan, kombt 



412 Beil. VI. 133—136. 

allerunterth. ein umb eine beliebige zulag zu seiner besoldnng. Wan nun 
dieser Supplicant gute Dienste leistet, sonderbar in der Capellen, beyne- 
bens auch sehr bedürfftig ist. Ist meine wenige mainung er Peyr mOchte 
mit einem beytrag von 100 fl. allergst consolirt werden." 

1727, 21. Juni. 

ISS« „Maximilian Heeiman (Hellmann) Cimbalist gibt aller* 
unterth. zu uernemen dass weillen er, umb sein instmment von 185 Saiten 
in einem g^ten standt zu erhalten, einen grossen thail Yon seiner Besoldung 
darzu anwenden müesse , er mit den Überrest mit weib und kind unmöglich 
leben könne, und dahero in schulden habe verfallen mtlssen. Kombt dero- 
halben allemnterth. ein umb Vermehrung seiner Besoldung. Wan nun war 
ist, dass umb dises Instrument in guten' standt zu erhalten, gleich ich ihme 
das lob geben mus, nit geringe Unkosten erfordert werden. Alss ist meine 
wenige mainung es könnte ihme zu disem- ende , und wegen dessen beson- 
deren virtu ein beytrag von 200 fl. iährlich allergst. gereichet werden.^ 

1727, 27. Juni (praes. 1. Mai 1727). 

IS^ „Ignatii Finsterbusch, Tenorista, nachdeme Ihme unge- 
fehr vor drithalb iahren der zutrit zur Kay. Hof-Musique allergst. ist ver- 
stattet worden, doch biss zu einer Vaoatur ohne besoldung: Nachdeme bey 
immer anwachsender Family er auf dise weiss nit mehr ausszukommen 
weiss, kombt allerunterth. ein umb die wttrkhlichkeit: und wollte sich in- 
dessen bis zu einer apertur mit der Scolaren besoldung befridigen. Wan 
nun diser Supplicant damallen eine zimblich schwache stimb und brüst ge- 
habt, obwoUen sonsten die arth zu singen bey ihm gut ist: ich aber ihne 
seythero wegen meiner unbässlichkeit in der Gapelen nit habe hören kön- 
nen, und also nit wissen kan ob sich die stimb verbessert habe. Ihro Kay. 
May. aber alss Höchst verständig selben fast bey allen Diensten anhören. 
Alss undterwerffe und überlasse solches alles Ihro Kay. May. allergst. Ver- 
ordnung. << 

1727, 27. Juni (praes. 15. Juni 1727). 

las« „GiacomoVitali Musico Soprane kombt allerunt. ein umb 
in die Kay. Dienste angenommen zu werden mit 1000 Thaller iährlicher 
besoldung und vorschreibung einer ganzen iahrsbesoldung. Wan nun er 
Vitali zu dem ende anhero beruefen worden benebens ein guter Virtuos ist, 
(wan er in der Capellen, alwo ich ihn nit hab hören können, eben so gut ist 
als in Camera und Teatro) auch an Sopranen in der Kay. Capelle ein merk- 
licher abgang ist Alss ist meine wenige mainung er Vitali möchte in seiner 
allerunterth. ansuchung in allem allergst. consoliret werden.^ 

[Wurde 1. Jänner 1728 angestellt] 

1727, 27. Juni (praes. 12. Juni). 

„Nachdem Barbara Rogendorferin (Rogenhoferin) vor 



einiger Zeit allerunterth. eingekommen, umb alss eine würkliche Singerin 



Beil. VI. 137—189. 415 

in die Kay. Dienste allergst aufgenommen zu werden , die allergste Be80> 
Intion aber dahin ergangen ist, dass selbe als Scolarln mit 400 fl. i&hrlicher 
besoldnng eine Zeitlang dienen solte; von solcher allerhöchsten genad und 
Clemenz angefrischet kombt Selbe nochmallig allemnterth. ein umb die 
würkhlichkeit. Wan nun sowohl ich lauth meines vorigen parere , auch ihr 
Lehrmaister Gaetano Orsini selbe nit allein capace finden, solche Stelle zu 
uertretten, sondern auch zum Kay. Dienst nOttig zu seyn erachten. Alss ist 
mein abermalliges geringes einrathen , Sie Rogendorferin möchte mit der 
gebettenen wttrklichkeit und 40 Thaller Monatlicher besoldung allergst. 
consoliret und der anfang von 1726 gemacht werden: damit der Lehr- 
maister nit noch ein ganzes iahr continuiren müsse, alss welcher diese Sup* 
plicantin aus purer christlicher Liebe und eyfer Ihro Kay. May. eine gute 
Virtuosin zu stellen nit allein gratis instruiret, sondern auch durch etliche 
iahr her mit kost, kleider, Zimmer und allen nothwendigkeiten aus seinem 
aigenen mitlen versihet. Wordurch er Gaetano animiret wird werden, seine 
virtuose Instruction zu Ihro Kay. May. Diensten noch femer zu continuiren 
gleich er schon verschiedene ohne einigen entgelt gelemet haf 
[Erhielt das placet nach der Meinung des Kapellmeisters.] 

1727, 27. September (praes. 3. Juli 1727). 

iSV* nJohannHanisch Kay. musicalischer Hoftromp etter kombt 
allemnterth. ein umb des Tobiä Andre Pemember seel. erledigte musica- 
lische Hofbesoldung deren 165 fl. ObwoUen nun dieser Supplicant in seiner 
virtü sich distinguiret und treffliche musicalische Dienst prästiret : Weillen 
er aber unlängst in die Kay. Dienst getretten , Alss ist meine mainung, er 
möchte biss zur anderen erledigung sich gedulden.^ 

1727, 27. September (praes. 9. Juli 1727). 

tS8. ,£rnestSessler vorhin Ihro verwittibt Kay. May. Eleonora 
Höchstseeligsten angedenkens, nach dero ableiben aber an Regierenden Hof 
mithin in die 25 Jahr Kay. Hof und Feldt-Trompetter kombt idlemnt ein 
umb des abgeleibten Kay. Hof-Trompetters Tobias Andre Pemembers er- 
ledigte musicalische besoldung deren 165 fl. iärlich. Wan nun dieser Sup- 
plicant bey allen vorfallenden begebenheiten sehr gutte musicalische Dienst 
praestiret. Alss ist meine .wenige mainung er möchte in ansehung seiner in 
die 25 iahre gut geleiste Dienste wie allemnterth. gebetten, allergst. conso-« 
liret werden. 

1727, 27. Sept (praes. 20. Juli 1727.) 

ISO. Franz Ferdinand Müller bereits ein Jahr Kay. Hoboista 
sapemumerarius, nachdeme Roman Glazel gewester Kay. Hoboist jüngst- 
hin mit Tott abgangen, mithin eine würkhliche Steelle vacirend ist, 
Kombt allemnt. ein umb die würkhlichkeit. Wan nun zu bestreitung der 
Kay. Diensten solche Stelle mit einem tauglichen Subjecto widerumb zu 
ersezen nöttig ist, er Müller aber nit allein ein gutter Virtuos, sondern auch 



414 Beil. VI. 140—142. 

einen besonderen eyffer in seinem Studio verspüren lasset : auch dessen 
Vatter seel. Ferdinand Müller biss 40 iahr als Cammerdiener und Quarda 
Dames dem durchleichtigsten Haus v. Oesterreich treufleissigst gediennet 
hat. Alss ist meine pflichtmässige mainung, er SuppUcant möchte mit der 
a. u. angesuchten würkhlichen Hoboisten Steelle vnd 500 fl. iährlicher be- 
soldnng umb so uil mehr allergst. consoliret werden, alss von des Glazl 
seel. erledigten besoldung keine wittib mit pension zu uersehen ist. 
[Wurde nicht angestellt.] 

1727, 27. Sept. (praes. 9. Juli.) 

tflO« »Franz Carl Pernember, Violinista supemumerarius 
kombt allerunterth. ein umb eine würkhliche Violonisten Stelle. Wan nnn 
dermaUen kein solche Stelle vacirend ist; er Pemember auch verm5g seiner 
virtü unter die ersten Violinisten zu zellen ist, den Molon aber nur per ac- 
cidenz spillet, kan ich in dessen Begeren nit einrathen, weder verwilligen, 
dass ein so guter Violinist in einen schlechten Violonisten solte verwandlet 
werden." 

1727, 27. Sept. (praes. 20. Sept. 1727.) 

t <H . „C a r o l u s J a c b u s G i e g e l Waylland Ihro verwittibten Kay . 
May. Eleonora hinterlassener Musicus, von der Zeit aber Ihre verwittibten 
Kay. May. Amaliae Hofviolinist kombt allerunt. ein umb die erlaubnus bey 
dem Regirenden Hof mit dem Violon zu diennen. Wan nun die Kay. Ca- 
pellen mit Violonisten zu gentige versehen ist; diser Supplicant auf den 
Violon niehmallen gespillet hat: mithin für. einen Violonisten mit warheit 
sich nit ausgeben kan. Alss folgt von sich selbsten, dass ich in dessen ver- 
messene anmassung nit einrathen solle." 

1727, 15. Nov. (praes. 3. Oct. 1727.^ 

mit« „Philippo Salvati, Kay. Hofscolar in Violin gibt allerun- 
terth. gehorsambst zu vememben, dass nachdeme er fast 9 iahr dem Studio 
in Violin und Contrapunct undter anführung deren beriembtesten maistem 
in Italien mit grosser embsigkeit obgelegen seye, und zu bestreitung deren 
Unkosten seine assignirte Provision nit zulänglich gewesen, dahero sein 
Vatter mit beytrageu sich zimblich erschöpffet habe, er dahero sich in 
standt befinde als würkhlicher Mnsicus IhroKay.May. zu bediennen. Kombt 
also allerunt. Supplicando ein, umb die würkhlichkeit. Weillen nun jeder- 
zeit die Hofscolaren, sobald selbe capace sich gemacht haben virtuose 
Dienst zu praestiren, gleich diser Supplicant ist, abo hoffete ich in die aller- 
höchste Clemenz, dass Ihme Salvati auch solche Kay. Gnade widerfahren 
könnet. 

[Wurde angestellt.] 

[In dem Referat des Ob. Ho6n. Amtes v. 15. Nov. 1727 wird erwähnt, 
dass für Violinisten jährlich 16.782 fl. verausgabt werden.] 



Beil. VI. 143—146. 415 

IKS* AuB dem Referate des ObersthofmeiBter- Amtes vom 15. Nov. 
1727. 

BernardAprile, pens. Kapellmeister in Innsbruck bittet um eine 
Anstellung oder sonstige Aushilfe in seiner Bedrfingniss, darüber f&hrt das 
Referat fort : 

„Hierüber um" gehet £w. May. Hoff Capell Heister Fux in seinem sub 
lit C (fehlt!) erstatteten Bericht gutachtlichen, des Supplicanten Gesuch 
für billig erkennende Meynung dahin, dass, weilen Er seiner fast stäter ohn- 
pfissiichkeit- und siemblioh hohen Alters halber wenig mehr zu prästiren 
vermöge; der Compositor Conti aber in eine g&nsliche ohn Vermögenheit 
verfallen, mithin ein Abgang an Compositoren seye, der supplicirende 
Aprile (alss deme er Zeugnüss geben könne dass er seine profession ver- 
stehe) auf die Prob gesetzt werden könte, ob £w. Kay. May. Er mit seiner 
Composition ein a. g. contento zu geben vermöchte, welchen nach A. h. 
dieselbe seiner accomodirung wegen den allermildesten Entschluss fassen 
könnten." 

Darüber bemerkt der Obersthofmeister (Rudolf Gf. Zinzendorf) , dass 
der Vicekapellmeister Caldara, die Compositoren Badia und Porsile ausserdem 
•der Organist Joh. Georg Reinhard vorhanden seien „mithin an denen nö- 
tigen Compositoren noch kein solcher Abgang, wie der Capellmeister will 
•erscheine." 

[Wurde nicht angestellt] 

1727, 15. Nov. 

IKVl« „^n dem Vortrage des Ob. Hof-Meisteramtes von diesem Datum 
wird Aber das Gesuch des Johann Franz Reinhard, als vermeintlicher 
wirklicher Ho£scolar um eine Anstellung als wirklicher Hof-Violinist gesagt: 
^Wan nun aber des Supplicanten, von Ihme nicht ohne einige Arglistigkeit 
auch dem Capellmeister (Fux) bey seiner schon abnehmenden Gedachtnüss 
beygebrachten Supposition, ob wäre er bereits ein würkl. Hofscolar an 
«ich selbst falsch und irrig ist." 

[Wurde angestellt.] 

1727, 15. Nov. (praes. 27. Oct. 1727.) 

tVlft. „Johann Otto Rosetter, in die 20 iahr Kay. Violinist mit 
^ lebendigen unversorgten Kindern kombt allerunterth. Supplicando ein 
umb die allerhöchste Gnad, damit sein 16 iähriger Sohn Joannes, welcher 
vor ein iahr schon die allerhöchste genad gehabt vor Ihro Kay. May. in 
dem Violin mit Ruhm sich hören zu lassen^ für einen Hof-Scolaren möchte 
allergst. aufgenommen werden. ObwoUen uht nit unbewust ist, dass Ihro 
Kay. May. nit incUmren Scolaren zu halten; auch ich meiner wenigen Seyts 
aus gewissen Ursachen nit für rathsamb erachte. So glaube ich doch diser 
Suppiicant möchte in ansehung seiner besondern virtü, 20 iährigen Dienste, 
grossen armuth, und des iflnglings trefflichen talento mit durch den Tott- 
fahl des gewesten Kay. Hofscolaren Nasotto erledigten 360 fl. iährlich 



416 Beil. VI. 146.147. 

« 

allergst. consolirt werden, wo nit mit aufBehmang dess Sohns für einen 
würkhlichen Hofssolaren aufs wenigst dem Vatter zu einem beytrag, damit 
er nit allein seinen Sohn Joannes neben den Violin das Clavir lehren zu 
lassen in standt gesetzt werde, sondern auch mit seiner zahlreichen Fami- 
lie leichter leben könne. ^ 

1727, 15, Nov. (praes. 14. Oct. 1727.) 

i^MI« „Mathias Joseph Hammer Trombonista ginbilato bekla- 
get sich bey Ihro hochgrftfl. Excellenz, dass ich seinen Sohn Johann Paul^ 
alss welchem nngef&hr vor 6 iahren ohne aufnahmb zu diennen allergst. ist 
erlaubet worden, ein unreeht gethan hätte, indeme ich Ihme den neulich 
aus Italien angekommenen würkhlichen Hof-Scolaren Philipp Salviati dem 
alten Hoibrauch zuwider hfttte in dem Rang vorgesezet, bittet derohalben 
Ihro hochgräfliche Excellenz Hm. Obristhof Maister mir anzubefehlen, dass 
ich seinen Sohn dem Salviati vorsezen solte. ObwoUen dieser Kläger ein 
sibenzigiähriger Man, und in die 40 iahr in Kay. Dienst stehet, so mus 
er doch von dem alten Hofbrauch wenig Information haben, alss nach wel- 
chem die würkhlichen Kay. Hof Scolaren, weillen selbe in der Ordonanz 
und in dem Register eingetragen seynd und besoldung genüsen, allen ex- 
traneis welchen des klägers Sohn sambt allen seines Gleichen ist, iederzeit 
vgrgegangen seind : weillen diese letztere ohne Ordonanz in dem Buch de- 
ren würkhlichen Hof-Musicorum sich nit befinden. ObwoUen ich zufolg der 
angezogenen ursach halber grund genüg gehabt hätte dieses für mich allein 
zu thuen, habe doch zu meiner mehrer Sicherheit bey Ihro Kay. May. mich 
desswegen allerunterth. angefraget, alss Welche meiner mainung allergst. 
approbiret haben, Ueberlasse demnach Ihro hochgräfl. Excellenz höchstver- 
nünfftigen Gutbefinden, ob diser vermessene Anklager nit mit einem Ver- 
weis abzustra£fen seye.^ 
F. S. 

Die beylag B (einen abscheidlichen Beweis des Hammer betreffd.) ist 
ohne deme bewust, dass durch das Obristhof-Maisterambt dem Max Helman 
kein Scolar zugegeben ist worden. Müste nur durch extra weege dem Hel- 
man anbefohlen sein worden einen auf seinen Instrument zu lehren, wouon 
ich keine Wissenschaft habe. 

1727, 7. December. (praes. 1. Aug. 1727.) 

tWtH* „Christof Praunn in die 13 iahr Kay. Basist, welcher nit 
allein in der Capellen, sondern auch bei allen Teatral und Cammer-Festivi- 
teten bisshero Virtuose und embsige Dienste praestiret hat, kombt aller- 
unterth. ein umb Vermehrung seiner besoldung deren 60 Thaller Monatlich. 
Wan nun der Basist Borini seel. dessen Steelle er Praunn in allem ver- 
tritt<et, 100 Thaller monatlich genossen hat Alss ist meine wenige mainung 
es möchte Ihme Praunn seine bisshero genossene besoldung biss 80 Thaller 
Monatlich umb so uil vermehret werden, alss an embsigkeit und virtü er 
keinem nachgibet.*' 



Beil. VI. U8— 150. 417 

1727, 7. December. (praes. 9. Juli 1727.) 

t«9. „Antoni Schnauz durch ville iahre mit grOsten Ruhm Kay. 
Violonist: nachdeme er von seinem Vatter seel. bia 1000 Thaller schulden 
zu bezallen ererbet hat, selbe aber abzustossen bei seiner geringen besol- 
düng bisshero nit vermOget hat, und dahero weillen seine Quartale immer 
sequestriret seind, umb leben zu können dureh Anticipirung deren lang her- 
nach verfallenden Quartalien gegen einen unleidentliohen Interesse in eine er- 
barmungswirdige armuth hat verfallen müssen. Dergestallten dass er umb ^ 
offendlichen schand zu entgehen, sein weib sammt 5 kleine kinder auss man- 
gel notwendiger kleidung, so aus not thailss versezet thailss verkhauft ha- 
ben werden müssen, auf ein Dorf hinauszugeben ist gezwungen worden, er 
aber Schnauz aus forcht des personal arrest mehreren theils flichtig gehet ; 
weder bey Hof zu erscheinen aus Abgang der Kleidung sich getrauet 
Nimbt also in seiner eusersten noth umb vor dem gfinzlichen Untergang er- 
rettet zu werden seine Zuflucht zu Ihro Kay. May. allerhöchsten Olemenz 
umb eine erkleckliche adjuta seine dringende Creditores zu befridigen. 
Wan nun höchst zu bedauern ist, dass ein solcher Virtuos dergleichen 
kaum mehr zu hoffen ist, verderben sollte, welches ohne allerhöchste Kay. 
Freygebigkeit unfehlbar geschehen mus. Alss ist nit i^lein mein weniges 
einrathen, sondern auch mein allerunterth. bitten, er Schnauz möchte aller- 
gnädigst consolirt werden.^ 

1727, 7. Dec. (praes. 15. Juni 1727.) 

t«l9« „Franz Timmer Kay. Josephinischer ge wester Hof- Scolar, 
seyt 1718 aber wtlrklicher Hof- Violinist, welcher auchIhroKay. verwittibte 
May. Elenora gloreichsten angedenkhen zugleich als Violinista bediennet 
hat, und deswegen nach dero ableiben mit einer iährlichen pension von 
120 fl. begnadet ist worden, gibt wehemütig zu vememmen, dass nach- 
dem er solche pension als würklicher Hof-Musicus 3 iahr genossen, vor 
einiger Zeit ihme sey benomben worden, mithin ausser standt sich befinde 
mit Weib und 5 Kindern zu leben; kombt derohalben allerunterth. ein umb 
ein mildreichen beytrag zu seiner besoldung. Wan nun dieser Supplicant 
einer von dennen embsigsten Diennem ist dergestalten, dass er sich rümen 
kan nich einen Dienst ausgelaeen zu haben; mutmasslich auch sich nit 
wurde veriieurath haben, wan er sich nit auf gedachte pension verlassen 
hätte. Alss ist mein weniges einrathen, er Timmer möchte mit einem bey- 
trag von 100 fl. lährlich allergst. consoliret werden. 

1727, 7. Dec. (praes. 7. Sept 1727.) 

IAO. „Maria Anna Glatzlin des abgeleibten Kay. Fagotisten 
Xaveri Glatzl hindterlassene Wittib, nachdeme selbe mit einer iährlichen 
gnaden pension mit 150 fl. ist versehen worden (vor welche allerhöchste 
genad Sie allerunterth. und gehorsambst sich bedankhet) gibt allerunterth. 
zu uememben, dass selbe mit solcher pension unmöglich leben könne, zu 
geschweigen ihres Maus, wegen dessen stötter unbösslichkeit aus noth ge- 

Köchtl, J. J. Fax. 27 



418 Beil. VI. 151-168. 

machte schulden zu bezallen in stand seye. Kombt derowegen allerunterth. 
ein, es mOchte ihr von durch den Tottfahl ihres schwager Roman GlatxeUr er- 
ledigten besoldung ein beytrag von 50 fl: iährlich allergat. beliebet werden. 
Wan nun von dreien verstorbenen Glatzelen nur eine einzige Wittib jiiit 
Pension zu uersehen ist, Sie Supplicantin auch allen dreyen Glatzlen in 
Ihren Krankheiten beygestandten ist, und vill ungemach ausgestandten hat; 
Alss ist meine wenige mainung, Sie arme Wittib möchte angezogener ur- 
eachen halber mit einem beytrag von 40 fl. iährlich welche vielleicht nach 
«rsezter Hauboisten mOchte übrig verbleiben, allergst consolivet werden;^ 

1728, 24. Febr. (praes. 9. Jänn. 1728.) 

Iftt« »Nachdeme auf Ihro Kay. allergsten Befelhe Bernardo 
d* April e gewester Capelmaister in Insprugg in der Kay. Hof-Oapellen an 
Vorabend St. Tomae mit einem Psalm : in ipso festo aber mit einer Mess 
seine prob gethan, lebet er tröstlichen zuuersicht es wurde soliche seine 
Composition Ihro Kay. May. nit allerdings missgefallen haben. Kombt de- 
rohalben allerunterth. ein, um b alss Kay. Compositor allergst. aufgenomen 
zu werden. Wan dises Supplicanten Compositien das glickh gehabt' hätte 
Ihro Kay. May. zu gefallen ; so wäre meine wenige mainung er Aprile 
möchte mit der allerunterth. gebettenen Compositom-Steel umb so vil 
mehr allergst. consolirt werden, alss ein abgang an Compositom dermahllen 
bey Hof ist: indeme fast alle arbeith auf den Vice- Capelmaister Caldara al- 
lein fallet: und mir scheinet, dass diser Supplicant wan er mit ruehigen ge- 
müeth arbeiten könte, und nit umb das tägliche broth für sich, Weib und 
6 Künder sorgen müsste, vor allen andern in den hiesigen Stylum sich 
schttkhen wurde : woczu ich das meinige beyzutragen bereith bin : Die Be- 
soldung überlasse Ihro Kay. May. allergsten Disposition, alss Velche auf 
dem Caracter eines Compositom, und bedürfftigkeit und zahlreiche Famili 
zu reflectiren die Allerhöchste Clemenz haben werden." 

1728, 24. Febr. (praes. 22. Nov. 1727,) 

iftS« Pietro Petazzi Soprano,' nachdeme er schon 7 iahr alss 
Kay. Hof-Soolar in der Capelen embrig dienet, kombt allerunterth. ein umb 
die würkhlichkeit. Wan nun diser Supplicant gleich andern Sopranisten 
schon concertiret, und in dennea Diensten en^bsig sich einfindet: und so 
vil alss seine Btimb und capacitet zulast, praestiret; Ihro Kay. May. mut- 
masslich Ihne Petazzi nit immerdar in Scolaren-Standt lassen werden. Ist 
meine wenige mainung, er Petazzi möchte mit der würkhlichkeit allergst. 
consoliret werden. Die besoldung anlangend, überlasse Ihro Kay. May. 
allerhöchster Clemenz und Ausspruch, alss Welche höchst verständig den- 
selben fast bey allen Diensten hören ; ich aber wegen meiner stötten un- 
bösslichkeit zu meinem ungUkh in der Capellen mich nit einfinden kan.«< 

[Wurde angestellt.] 

1728, 24. Febr. (praes. 15. Dec. 1727.) 

tftS« „JosephMoser Kay. Hof-Scolar Basist, bey gelegenheit, 
da zwey Kay. Bassisten pensionisten in Italia, alss Battista Cativelli und 



B0il.VI. 154.156. 419 

Antonio Hanna iüngsthin mit Tott abgangen seind, mithin 500 fl. dem Kay. 
aerario anheimb gefallen seind, kombt allernnterth. ein umb die Wfirkhliche 
BaaoBten Stell. Wan nun diser Supplicant gleich anfangs, da er die Kay. 
Hofcapellen zu frequentiren angefangen, die Capel- und Tafeldienste, 
gleich andern Kay. Basisten embsig, und mit Ihro Kay. May. Zufriedenheit 
▼errichtet, und seythero immermehr sich perfectionirt hat. Alss ist meine 
wenige maihung er Moser möchte mit der allernnterth. angesuchten würkh-, 
lichkeit allergst. consofiret werden mit 500 fl. iShrlieher besoldung, doch 
dass er dameben das Cimbalo erlehme, damit er zu Hauss bey seinem Stu- 
dio sich selbst accompagniren könne, auch seinen Lehrmaister Christoph 
Braun noch femer practicire." 

[Wurde mit Gehalt von 1726* angestellt.] 

1728, 24. Febr. (praes. 9. Jfinn. 1728.) 

Iftik »Georg Reitter (Reutter) des Kay. jubilirten Hoforganisten 
Georg Reitters Sohn, nachdeme er schon ein iahr seines Vatters Dienst in 
der Kay. Hof-Gapel)en verrichtet, kombt allernnterth. ein umb die wflrkh- 
lichkeit. Wan ich mich nun erinnere, dass vor disen nit mehr alss 2 : aufs 
höchst 3 Hof-Organisten waren : nach und nach aber die Zahl deren biss 
auf 7 angewachsen ist: deren 5 noch wttrkhlich diennen; dass also dieser 
Supplicant, wan er aufgenommen wurde, der achte wäre : benebens Ihro 
Kay. May. auch mir allergst. zu uerstehen gegeben haben, Selbe möchten 
den ttbenflus deren Organisten nach eines und des andem ableiben abge- 
than, und auf dem alten Fus 'gesezet oder aufs maiste 4 stabilirter haben. 
Alss kan ich in dises Supplicanten anbringen mit nichten einrathen. Wohl 
aber, weillen er Reitter nit allein die Orgl fein spület, sondern auch in der 
Composition gutte Hoffnung von sich gibet, der mainung wSre, dass Ihme 
von einer extra passa so inl möchte allergst. ausgeworffen werden, dass er 
indessen leben, sein Studium fortsezen, und answarten könne bis eine 
apertur auf obbesagte weiss an Ihne komme welches Ihme nit schwär fallen 
soUe, weillen er ohnedem ein Jüngling von 19 biss 21 iahren ist^ 

1728, 24. Febr. (praes. 2. Jänn. 1728.) 

iftft. „Theresia Holzhauserin, welche in Operen und verschi- 
denen anderen begebenheiten bey Hof ihre prob gesungen, kombt allernn- 
terth. etn umb als ein wflrkhliche Singerin allergst. aufgenommen zu wer- 
den. Wan nun dise Supplioantin mit einer ohne allen Mangel trefflichen 
Stimme begäbet, benebens auch in derMusique dergestaltenfest und sicher 
ist, dass Sie prima vista fast alles singen kan, welches Ihr wenig Singerin 
nachthun können, mithin zu der Musique gebohren scheinet. Alss ist meine 
wenige, doch zu Ihro Kay. May. Dienstbef^rderang haubtsächlich zillende 
mainung, Sie Holzhauserin möchte in die wUrkhliche Dienst allergst. ange- 
nommen werden auf wenigst mit 40 Thaller monatlicher besoldung. ** 

[Wurde 1. Juli 1728 angestellt] 

27* 



420 Beil. VI. 156—158. 

1728, 24 Febr. (praes. 15. Dec. 1727.) 

tft^« ,,£r liest Müffat, bei Ihro Kay. May. Josepho glorreichiaten 
angedenkens in würkhlichen Dienst gestandene, nachgehens redncirte und 
einzig noch unconsolirter Violinist kombt allerunterth. ein nmb des kürzlich 
abgeleibten Albert Heins erledigte Violinisten Stell. Wan nun Ihme Mnffat^ 
lauth beiliegender Copie eines Versicherungs Beeret bei der reduction die 
sichere Vertröstung ist gegeben worden, bey nächster apertur widerumb in. 
die Kay. Dienste aufgenommen zu werden; und bereits 14 iahr vorbey: da 
entzwischen verschidene, ia gar frembde Violinisten seind in die Dienst an- 
genommen worden, finde ich die höchste bilichkeit, dass er vor allen an» 
dem mit der allerunterth. gebettenen Violinisten Stell möchte, allergstcon- 
soliret werden ; oder wan Ihro Kay. May* ia nit beliebten, dise Steel zu er« 
sezen, aufs wenigst mit einem neuen allergstn. Deoret möchte versichert 
werden, dass Ihme Muffat bei erster apertur keiner solle vorgezogen 
werden." 

[Wurde 1. Dec. 1730 angestellt.] 

1728, 15. April, (praes. 11. März 1728.) 

15 V« „KilianKeinhardt Kay. Concert Maister gibt allerunterth* 
zu vememmen, dass er in einer allergsten Audienz Ihro Kay. May. ein von 
Ihme mit grosser miehe und embsigkeit verfastes Diarium aller musicali- 
sehen Hof-Capel-Diensten mit einem Memorial überreichet habe, des in> 
halts, dass ihme zu sonderbarer Kay. genad für dise arbeith und seine in 
die etlich 40 iahre so embsig geleistete Dienste die sonst nach dem Tott- 
fahl wittibliche genaden pension für sein Weib und zweyen Töchter noch 
bey dessen Lebzeiten möchte allergst. stabilirt werden, doch dass solche 
pension erst nach dem Tottfahl des Supplicanten anfangen solte. Worauf . 
die allergste Resolution ergangen seye, dass für die Wittib 150: für ein 
iede Tochter 100: in allem 359 fl' solte ausgeworfen werden: mit dem bey- 
saz, dass die Töchter die pension nur biss ad annos pubertatis solten zu 
genttsen haben. Weillen aber eine von den zweyen Töchtern indessen ge- 
storben, die andere aber schon in die 15 iahr ist; mithin vogtbar von der 
Kay. genad nicht zu genfisen hätte : bliebe nicht mehr als 150 fl. für die 
Wittib, welches für dem Supplicanten mehr Herzelaid alss Consolation sein 
wurde, khombt derohalben nochmallig allerunterth. ein, dass für sein Weib 
200 fl. für die Tochter 150 fl. iährlich bis zur Versorgung möchte lülergst. 
ausgeworffen werden. Die guten Dienste dieses Supplicanteh in dem Me- 
morial ausführlich angezogen bemüssigen mich, einzurathen, dass er auf 
solche weiss möchte consoliret werden.^ 

1728, 10. Dec. (praes. 22. Mai 1728.) 

tft§. „Theresia Holzhauserin Singerin, welche unlängst aller- 
unterth. eingekommen ist, umb in die Kay. Dienste allergst angenommen 
zu werden, aber zum bescheid lauth beylag erhalten hat, dass Ihro Kay. 
May. sich weiter darüber resolviren wolten. Kombt abermahl allerunterth. 



Beil. Vi. 159. 160. 421 

«in Ihre bitt widerhoUend Ich betufe mich hierinfahls auf mein voriges pa- 
Tere, dass diese Supplicantin von einer vortrefflichen, und durch eine ex- 
tension von dreien octaven gleichen stimme, guten Triller, und besonderen 
talento, benebena auch, welches bei dennen Singerinen sehr ungemein ist, 
ToUkominen fest in der Musique seye, dergestalten, dass selbe vil bejrtragen 
ward zur Verbesserung der Kay. Teatral- und Cammer Musique, umb so 
Til mehr, dass Selbe noch iung mithin immer besser werden kann. Ist dero- 
halben meine widerholte münung, Sie Holzhauserin möchte in die Kay. 
Dienst mit 1000 fi. iährlicher besoldung allergst. aufgenommen werden. *< 

[Wurde mit 750 fl. aufgenommen.] 

Der Vortrag gibt Sr. Haj. zu bedenken, dass der im ledigen Stand 
aufoehmenden Singerinen die Condition bey der Aufnahme gesezt werde 
dass, wann sie anders ihrer Hofbesoldung sich nicht veriustig machen wol- 
len Ihnen von einer gewissen von Ew. May. & proportion ihres Alters al- 
lergst determinirenden Zeit von so und so viel Jahren nicht erlaubt sein 
soll, ihren ledigen Stand zu verfindem. 

1729, 1; April (präs. 29. März 1729). 

t ft9« „AndreasAmiller, Kay. Concert-Adjunct kombt allerunth. 
ein umb des ittngst abgeleibten Kay. Concert-Maisters wlirkhliche Stelle 
cum Titnlo et vitulo. Wan nun dieser Supplicant dem Kilian Reinhard ge- 
Westen Kay. Concert Maister auf dessen selbst ansuchen und versprechen 
selben abzurichten, bereits vor 3 iahren für einen Adjuncten mit 300 fl. 
iährlicher besoldung laut beyligenden Decret's A iir copia zu dem ende ist 
zugegeben worden, dass er Amiller nach ableiben des Kilian Reinhard in 
dessen Steelle eintretten solle. Alss finde ich billich , dass er Amiller mit 
der a. u. angesuchten würkhlichen Steelle zwar consolirt werde, iedoch 
mit dem beding, dass er mit dem Titel eines Concertsdispensatoris sich be- 
gütigen lasse : in deme der Malster-Titel bey der Musique keinem mit Recht 
kann beygeleget werden, welcher die Composition nit aus dem grundt ver- 
stehet. Finde aber auch anbey nöttig dass ihme der Tittl eines Musici, 
weillen er ohne deme yiDe iahre in Kay. Amalischen Capellen alss würk- 
licher Tenorist gedienet hat, möchte allergst. beygeleget werden, damit 
er von denen Musicis nit verachtet und so gering geschSzet werde, wodurch 
der Kay. Dienst leyden mäste. Die besoldung belangend glaube ich, er 
Amiller kunte anfänglich mit einer beylag von 300 fl. iährlich zu seiner der- 
mallen gentisenden besoldung, in allem mit 600 fl. zufrieden sein, indeme 
der Kilian Reinhard seel. erst nach vil i&hrigen Dienste nach und nach ist 
accresciret worden. ** 

[Wurde angestellt.] 

1739, 1. Juni (praes. 16. Mai 1729). 

tttO* „Marco Antonio Berti Kay. Bassist gibt a. u. zu vemem- 
ben, dai» er etliche iahr ein krankhes weib gAiabt habe, und dahero grosse 
Unkosten habe machen müssen; auch mit zweyen kindem gesegnet seye 



422 Beil. VI. 161—163. 

und mit seiner besoldung deren 30 Thaller oionatlich nit leben kOnne. 
Kombt derohaiben a. u. Supplioando ein, es möchte ihme seine besoldung 
biss 50 Thaller monatlich vermehret werden. So vil kan ich bekr&fitigen, 
dass dieser Supplicant ein fundamental Musicns ist, mithin nit allein in der 
Capellen, bey dennen Contrapunct büehern, sondern auch vermOg der 
Sprach bey der Tafel und andern functiones gute Dienste praestire, derge- 
stalten, dass er Berti meines wenigen erachtens wohl eine Accrescement 
meritire: dass quantum überlasse einer HochlObl. Concertation.^ 

» 

1729, 1. Juni (praes. 12. Nov. 1727). 

!•!• „LeopoldLibano undter Kayser Josepho glorreichsten an- 
gedenkens Hofscolar, nachgehends bey iezt regierenden Hof würklicher 
Violinista gibt wehemüttigst zu uememen, dass disen Sommer von Laxen- 
burg von Dienst zurückkehrend durch unobsicht des Lehen-Gutschers er 
sich ein Fus ausgeköglet und dergestalten unglücklich curirt worden seye, 
dass er in seinen iungen iahren ein Erippel worden ; auf sein leben lang so 
verbleiben müsse; mithin wegen beschwerlichkeit in gehen, sich bei üblen 
wetter zu dennen Diensten nach Hof sich tiuigen zu lassen gezwungen seye; 
welche Unkosten von seiner besoldung deren 500 fl. neben Weib und Kinder 
er nit bestreiten kOnne. bittet dahero a. u. umb Vermehrung seiner besol- 
dung. Wan nun das unglickh dieses Supplicanten iedermann vor äugen und 
dessen beschwärden war seynd: er Libano auch einer von denen besten 
und embsigsten Violinisten ist. Alss ist meine mainung, er möchte mit 
einem accrescement von 100 fl. iahrlich a. g. consoliret werden. *< 

1729, 2S. Juni (praes. 1. Juni 1729). 

tOli« „Valeri Fächer, Calchanten oder Orghnacher Adjunct gibt 
a. n. zu vememben, dass er sich schon 18 iahr in der Kay. Capellen bey der 
Orgel gebrauchen habe lassen, erstlich in der lehr bei Ferdinandt ROmmer 
gewesten Kay. Calchanten und Orgimacher seyt 6 iahr aber als chalchant 
Adjunct seine nit allein , sondern auch des Arnold Vorländer seel. Dienste 
w&hrend seiner krankheit embsig verrichtet habe, und dieses fast 4 iahr: 
auch wehrender dieser Zeit bey allen* Kay. Reisen mit seinen unermietten 
Diensten sich eingefunden habe, kombt also a. u. ein umb die durch den 
Tottfahl des gedachten Arnold Vorländers vacant gewordene Ansager» 
A^juncten Dienst. Wan nun sich alles in der warheit also befindet, gleich 
als der Supplicant vorbringet: er Valeri Fächer diesen Dienst zu verrich- 
ten auch fehiger ist, alss zum Orglmachen. Als ist meine wenige mainung, 
diser Supplicant möchte mit der a. u. angesuchten Ansager- Adjuncten 
Steelle und gewändlichen iährlichen besoldung deren 240 fl.'a. g. consolirt 
werden," 

1729, 23. Juni (praes. 9. Juni 1729). 

lOS« „Johann Leydeckher kombt a. u. ein umb die Chalchan-' 
ten-Adjuncten Steelle ; in fsJil der iezige Adjunct Valeri Fächer anstatt des 



Beil. VI. 164—166. 423 

Abgeleibten Arnold Vorländer Ansager Adjoneten Dienst einrackhen 
möchte. Wan nun dieser Supplieant nit allein ein gelehmeter Orgimacher 
ist, welches zu diesemi Dienst annmbginglich erfordert wird, mittun nit allein 
Orgel nnd Instrument stimmen, sondern auch von Neuen machen kan, auch 
fast 7 iahr hindurch, da er bey dem. Kay. Orgimacher Franz Walter in der 
Lehr wäre den Calchanten dienst helfen versehen, mithin allen brauch weiss. 
Alss ist meine wenige mainung, dieser Supplieant möchte vor andern mit 
der a. u. angesuehten Orglmacher-A^uncten Steell und i&rlichen besoldung 
deren 180 fl. a. g. consoliret werden.'' 

1729, 6. August (praes. 9. Juni 1729). 

tBVt. „Domenico Giuseppe Qalletti Musico Contralto kombt 
a. u. ein in die Kay. Dienste a. g. aufgenommen zu werden. Wan nun von 
keiner Stimb ein grösserer Abgang ist, alss an Contralten, in deme kaum 
3 oder 4 in concerto Dienst praestiren können, die übrigen nur in pleno 
gebraucht werden können : dieser Supplieant aber eine angenembe Stimbe 
und eine guete Arth zu singen hat, auch annoch in besten alter ist. Alss 
ist meine wenige mainung, er Galletti, wan änder