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lofofhiVs^ScaiifCA' Iti^- ^ • ^ ■ 






JOSEPH JUSTÜS SCALIGER 



VON 



JACOB BERNAYS. 



BERLIN 1855. 

. VERLAG VON WILHELM HERTZ. 

(BESSERSCHE BUCHHANDLUNG.) 
LONDON : WILLIAMS UND NOR^ATE. 



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An Herrn Professor F. Ritschi in Bonn, 



IMehinen Sie, thearer Lehrer und Freund, diese Blätter 
als eine wohlgemeinte Festgabe gütig auf und schaffen 
Sie ihnen durch Ihre Fürsprache eine verstärkte Theil- 
nahme in unserem Kreise. Damit meine ich nicht den 
weiten Kreis, welcher alle der Philologie Ergebenen 
verbindet; auch dort freilich legt man auf Ihre Stunme 
eines der schwersten Gewichte ; aber Sie pflegen dafär 
auch Ihr zu jenem Publikum gewendetes Urtheil mit 
gröi^erer Strenge abzuwägen, als diese anspruchslosen 
Blätter herausfordern wollen. Ich meine mit unserem 
IQ-eise den engeren Kreis von Schülern und Genossen, 
der sich um Sie, als um seinen Mittelpunkt, zusammen- 
schliesst und dem, wenn auch nur als kleines Pünkt- 
chen der Peripherie, anzugehören ich heute mit erhöh- 
tem Freudengefühl mir bewusst werde. Wie weit auch 
dieser engere Kreis im Laufe der Jahre geworden, zei- 
gen Ihnen die von nah und fern mh sammelnden Be- 
weise dankbarer Anhänglichkeit. Wir Alle haben es 



IV 

für unausführbar halten, würde eine übergrosse Zag- 
haftigkeit und eine einsichtslose Unterschätzung des schon 
jetzt zugfinglichen Materials verrathen. 

Doch vor Ihnen, theurer Lehrer und Freund, 
brauche ich mich am wenigsten wegen allzu raschen 
Druckenlassens zu verantworten; Sie haben mich bei 
früheren Anlässen oft genug ermahnt, „die Kastanien 
nicht zu lange zu braten.^^ So reiche ich Ihnen denn 
jetzt Alles dar, was und wie ich's eben habe, damit 
nur endlich einmal die Lösung der lange harrenden 
Aufgabe begonnen werde, und damit der heutige Tag 
nicht vorübergehe, ohne Ihnen ein, wie immer beschaf- 
fenes, Zeichen meiner Treue und, Liebe zu bringen» 



Breslau, 11. Juli 1854. 



Ihr 
Bernays. 



Inhalt 



Eiiilf ttendf r Hebe rblick ......... S. i- 17 

Anmeldungen -18—27 

Seiüig^s Leben *..♦.... - 3i-i04 

SelCgf .,....,. -107-t2S7 

Abstamftiung 107. Buchaoan 108. Metrik > Stil 110. • Julius Sca- 
liger 113. Naturwissenschaften 114. Selbstachilderung* 115. Per- 
sonalien 117. Studien zu Paris 119, Uebcrsetzungen 120.. Orien- 
talische Studien 122. Reb'gioses 125. Rochepozay 129. Rom; 
Muret 131. Italien; Venedig 134.. Inschriften 136. England 137. 
Religionskriege 139. Cujacius 140. Juristische Professur 142.' 
Cujaciauische Handschriften 142. Zwolftafel- Gesetze 144. De 
Thou 145. Leben zu Valence 147. Diplomatische Seadung 148. 
Coligny; Genf; Gifanius 150. Arbeiten jn Genf 154. Südfrank« 
reich 156. Monluc 156. Reisen 157. Pension 158. Elegiker 162. 
Miscellen; Plautus 164. Manilius 166. Kalenderstreit; De. emen- 
datione t^mporum 167. Verhältniss zu Lipsiusr 169; Leyden; Bi- 
bliothek 172. Leydener ürtheile 173. Politik 175. Douzli; Gro- 
tius; Rutgersius 17Ö. Heinsius 177. Gambden; Thomson; Ja- 
cob I. 178. Lydiat 179. Calvisius 181. Höschel; I^doman; 
Taubm^nn 18ä. Lingelsheim; Freherue 184. Sylburg; Gnrter; 
Salmastus 185. Lindenbrog; Julius Scaliger .über Deutschland 187. 
Gang der Philologie 188. Belästigungen 193. ünmuth über 
Deutschland 194. Lipsius, Muret und Bencius 197. Sirmond; 
Petavius 198. Pyramideninschrift; Cusanus; Valla 200. Pu Per- 
ron; Sarpi über Baronius ^01. Ecclesiastische Kritik 203. Areo- 
pagitika ^5. Elenchus Serarii 206. Amphitheater 211. Sciop- 
piuÄ 212. Confutatio 214. CasaubonuS; Welser; Frankreich 215. 
Idaciuäj Marcellinus; Barbaras 217. Rückübertragungen 220. Syn- 



cellus 221. Casaubonische Excerpte 223. Oljrmpiaden-Verzeich- 
niss 224. Behandlung der Patres 225. Zweite Ausgabe des The- 
saui-us 226. Testament 227. Krankheit 230. Scaligerana 231, 

Zwei Pseudonyme Schriftc» Sealigers .... 6. 238—266 

Epistola Vincentil- .......:. - 239—251 

Yvo Viliioinarus ...'....... - 251—266 

Verzei^iss der Schriften Sealigers . . . . - 269-316 

VaiTO 269. Lykophron 272. Catalecta 273. Vita Homeri; Eift- 
pedokles; Ausonius 276. Äias; Hecmes Trismeglstus 278, Festus; 
Lateinische Elegiker 279. Hippokrates; Vincentii epistola; Mani- 
lius 280. Schrift gegen Insulanus 281. De emendation» tempo- 
nun 283. Seholien zu Persius; Yvo Yillioipams ; Cyclometrica 
elementa; Epistola de vetustate et splendore gentis Scaligerae ^4: 
Metrische Sprichwörter; Kanon des Hippolyt; Ennlus; Theo- 
erit 285. Publius S^rus; Gato; Aenigmata 286. Astrampsy- 
chus 288. Apuleius 289. Indices .zu Gruters Inschriftensamm- 
luiig; Firmicus Maternus; Wideriegung des Serarius; Erste Samm- 
hing kleiner Srfiriften 290. Noten zu Gärcias ab Horto 291. 
Euselbins; Cäsar 292. Uebersetzungen aus Martial; lambi ^o^ 
mici 294. Schrift gegen Pareus ; Confutatio Fabulae Burdonum 295. 
.Postume Schritten. 

Zweite Sammlimg kleiner -Schriften 296. Vorrücken der Nacht- 
gleichen; Arabische Sprichworter; Sammlung der Gedichte 3Q1. 
De re nummaria 304. Abhandlung über Martial 305. Brief- 
samifilung 306. 

Briefe Sealigers an Daleeampins nnd Heraldos . S. 308—315 



Das Portrait Sealigers ist nach dem im ISeuatssfud zu Leydeo be-, 
findlichej^Gemälde copirt und das Facsimile der Unterschrift aus einem, 
jetzt auf der königlichen - Bibliotfiek zu Berlin 'befindlich^, Exemplar 
d^ Appendix ad. Oydometrica (s. S. 192) entnommen, welches 
BcaHger'dem Mathematiker Snellius geschenkt hatte. 



Niemandem gebührt von Seiten der neueren deutschen Phi- 
lologie eine würdigende Betrachtung mit grösserem Rechte, 
als dem Franzosen des sechszehnten Jahrhunderts, Joseph 
JustusScaliger. Denn mehr als ein Anderer vor oder nach 
ihm hat er sich dem Ideale einer universalen Umfassung des 
alterthümlichenLebens genähert,welohemIdeale zuzustreben 
die deutsche Philologie nie aufgehört hat. Und wirklich 
richtete sich der Blick der deutschen Philologen um so 
fester auf ihn, je klarer sie ihre universale Aufgabe erkannten. 
Bei Friedrich August Wolf freilich, wo erden Grund- 
riss zu einem Gebäude der Philologie entwerfen will, lässt 
sich noch keine voDständige Einsicht in die Bedeutung 
dieses Mannes verspüren, der ihm doch den besten em- 
pirischen Maasstab fijr seinen theoretischen Entwurf dar- 
bot. Wolf erwähnt nur Scaligers vollendete formale Tech- 
nik ^), und scheint sich dessen Grösse auch nur von die- 
ser Seite her nahe gebracht zu haben. Man darf ja 
jetzt wohl ohne Furcht vor Missverständniss es her- 
aussagen, dass Friedrich August Wolf, einer der herr- 
lichsten Söhne des achtzehnten Jahrhunderts, immer 
doch ein Sohn dieses, der Geschichte abholden Zeitalters 
geblieben ist; sein richtiges Gefühl ahnte das Ziel der 
Philologie in d^r Vereinigung aller teclmischen Fertig- 
keiten zu einer autonomen, in nicht entlehnter Rüstung 

1 



einhergehenden Geschichtsforschung; für seine eigene 
Thätigkeit aber Hess er es bei dem Einen litterar-histo- 
rischen Meisterwerke bewenden, und folgte dann ungehin- 
dert seinen grammatischen, rhetorischen und ästhetischen 
Neigungen, die sich mehr und mehr zu einer fast krank- 
haften Feinfuhligkeit ausbildeten. Auf die hohe rauhe 
See der alten Völkergeschichte hat er sich nie begeben, 
und daher auch in Scaligerjuicht den kühnen Piloten 
begrüssen können, der dort zuerst die Pfade gewiesen. 
Ganz anders schon wurde Scaligers Werth von Niebuhr 
begriffen. Er, der selbst so viele Gebietender Geschichte 
erobernd durchzogen, redet von* ScaHger nie ohne deu 
überschwänglichsten Ausdruck einer beinahe betäubten 
Bewunderung; und wenn auch nicht durch lauten Lobes- 
ruf, so doch in nicht minder eindringhcher, gleichsam 
durch die That redender Weise giebt August Böckh 
seine Ansicht von Scaliger zu erkennen. Er hebt es ge- 
flissentlich hervor, dass eine sechszeilige Anmerkung Scali- 
ger's zum Eusebius den Kern enthält, welchen die neue 
Forschung über den Manetho zu so ergiebiger Frucht- 
barkeit entwickelt; und für den schwerlich eintretenden 
Fall, dass seine Ergebnisse sich nicht bewähren sollten, 
reicht für August Böckh der Trost hin, „mit Scaliger ge- 
irrt zu haben".*) Durch das einmüthige ürtheil der stimm- 
fiihrenden Philologen ist man denn auch in den weiteren 
Kreisen Deutschlands auf die Grösse Scaligers aufmerk- 
sam geworden, und die neueste, aus deutscher Meister- 
hand hervorgegangene, Darstellung der französischen 
Geschichte lässt ein helles Streiflicht fallen auf den gröss- 
ten Philologen, der ein Franzose war, den aber seine 
Landsleute, sonst doch immer so eifersüchtig auf den 
Ruhm französischen Namens, nun bereits seit lange mit 
der hartnäckigsten, bis in die allerjüngste Zeit*) fort- 
dauernden Abgunst in Schatten zu stellen suchen. 



Schon dieser auffallende Unterschied zwischen deut- 
scher Begeisterung und französischer Feindseligkeit in 
Betreff eines Franzosen muss den Aufinerkenden darauf 
vorbereiten, dass uns in Scaliger nicht blos eine in ihrem 
friedlichen Aether schwebende Gelehrsamkeit begegnen 
werde. Einer solchen, da sie ja Niemandem oder doch 
höchstens nur dem kleinlichen zeitgenössischen Neid in 
den Weg tritt, wäre längst von allen Seiten eine unter- 
schiedlose, gleich warme und gleich kühle Anerkennung 
vergönnt worden. Aber an den Namen Scaliger haben 
sich von früh her Liebe und Hass geheftet; eine Liebe, 
die so heiss war, dass sie nur durch Eigenschaften de« 
Gemüths erregt sein konnte, und ein bitterer Hass, wie 
ihn die Menschen nicht gegen abstracte Geistesgrösse zu 
verschwenden, sondern für das Fleisch und Blut einer 
scharf umrissenen Persönlichkeit aufzusparen pflegen. 
Und in derThat war diePersönlichkeitScaligers so einheitlich 
geschlossen, dass man an ihr in ihrer Ganzheit Gefallen 
finden musste oder sich mit keiner Seite derselben be- 
freunden konnte; bei ihm trifft man auf keine Spur von 
jener in der Gelehrtengeschichte nur zu häufigen Trüm- 
merhaftigkeit des Daseins, wo das Gehirn ein vom Her- 
zen getrenntes Sonderleben fuhrt; unter seiner Behand- 
lung wird auch der trockenste Stoff durch die Ergüsse 
eines überströmenden Gemüdis angefi^ischt; und sein 
grosses geschichtliches Hauptwerk hat bei aller Unver- 
gänglichkeit, die ihm sein innerer Werth sichert, doch 
eine sehr entschiedene, überall hervorblickende Beziehung 
zu den verhängni ssvollen Zeitfragen, welche die Menschen 
des sechszehnten und siebzehnten Jahrhunderts zuerst mit 
d erFeder unddann mitdemSchwerte zu beantworten strebten. 

Wo nun Geist und Charakter, das Wissen und das 
Wollen so innig verschmolzen sind, da wird eine Be- 
trachtung der wissenschaftlichen Thätigkeit blos von 

r 



wissenschaftlicher Seite her nicht zu wahrer Ergründung 
fuhren. Für die Würdigung so mancher treuen* Hand- 
schriftenforschung und glänzenden Conjecturenleistung 
mag es immerhin gleichviel gelten, ob ihre Urheber — 
um mit Homer zu reden — von der Eiche oder vom 
Felsen, vom Stocke oder vom Steine erzeugt worden; 
; aber Scaligers wissenschaftliches Wirken erhält Richtung 

und Gepräge von seinem Charakter und seinen Lebens- 
umständen, wie denn gleich seine Geburt als Franzose 
und sein Verhältniss zu den Italienern scharf bezeichnend 
werden für die Stellung, die er sich schon bei seinem 
ersten schriftstellerischen Auftreten erwählte. 

Beim Ausgange des Mittelalters war der Süden 
Europa's in Gefahr, die geistige Herrschaft über den Nor- 
den zu verhören, die er im Dunkel jener Jahrhunderte 
erobert und mittelst welcher er den nordischen Barbaren 
die Schmach der Völkerwanderung reichlich heimgezahlt 
hatte. In den grossen schweizerischen Synoden gewann 
^s den Anschein, als sollten die Transalpiner ihre Selb- 
ständigkeit erringen; aber gerade um dieselbe Zeit eröff- 
nete sich in der wieder entdeckten klassischen Litteratur den 
Italienern ein unverhofftes Gebiet, von dem aus sie aber- 
mals die gewohnte geistige Macht über die anderen Völ- 
ker üben konnten. Ein ganzes Jahrhundert behauptete 
sich dann Italien im Besitz des bestimmenden Einflusses 
auf die klassischen Studien, und somit, da diese die Zeit- 
bildung durchdrangen, im Besitz der geistigen Hegemonie 
Europa's; der Germane und Gallier musste über die Alpen 
wandern, der Leitung eines italienischen Führers sich an- 
vertrauen, und auch alsdann öffnete sich ihm nur die 
Vorhalle des klassischen Tempels. Das innere Heilig- 
thum zu betreten bheb anerkanntes, ausschliessliches Vor- 
recht der Italiener, der von der Natur mit Kunstsinn be- 



5 

gabten Kinder der Sonne, der von der Geschiebte ein- 
gesetzten Erben der Römer. Bis in die Mitte des sechs- 
zebnten Jahrhunderts hatten die ausseritahschen Länder nur 
Einen Mann, den Desiderius Erasmus, hervorgebracht, 
welchem die Itahener auf das unwiderstehliche Gebot 
der öffentlichen Stimme einen Ehrenplatz neben sich ein- 
räumten, um so gutwilliger, je weniger von der durch 
und durch weltbürgerlichen Gesinnung des Erasmus eine 
patriotisch gefärbte Opposition gegen italische Oberho- 
heit zu befürchten stand. Scaliger war der erste, der 
ohne italische Belehnung, aus eigener, autodidaktischer 
Machtvollkommenheit sich die Krone gelehrten Ruhmes 
auf das Haupt setzte, und zugleich mit der Gereiztheit eines 
patriotischen Franzosen, mit dem Nachdruck des bessern 
Beispiels und mit dem Erfolg des Genies lauten Ein- 
spruch erhob gegen die Richtung, welche Italien den 
klassischen Studien bisher vorgeschrieben hatte. Diese 
Richtung war zum Theil bestimmt durch die nationalen 
Interessen, noch weit mehr aber durch die natürlichen 
Vorzüge und Mängel des italienischen Volksstammes. 
Kluge politische Sorgfalt für den Glanz lateinischen We- 
sens war gewiss ein mitwirkender Grund zu der merkli- 
chen Zurücksetzung, welche griechische Litteratur und 
Geschichte erfiihren in Vergleich mit dem begeisterten 
Eifer, der auf die entsprechenden römischen Gebiete ge- 
wendet wurde; in Allem jedoch, was sonst an der ita- 
lienischen Philologie zu rühmen oder zu vermissen ist, 
äussert sich nur die angeborene EigenthümHchkeit der 
italischen Menschen: — der erregbare Formsinn, vor 
dessen zauberischer Gewalt ein unbestochener Wahrheits- 
sinn nicht aufzukommen vermag. Künstlerischer Gestal- 
tungstrieb tritt überall und übermächtig hervor;* man 
glaubte das Gegebene sich erst dann anzueignen, wenn 
man es nachmachte ; daher die imitatio veterum^ das oberste 



Gesetz und die beengende Sehranke dieser Periode, imd 
daher auch der Anstoss zu so vielen unechten Machwerken, 
die sich aus jener Zeit besonders in der lateinischen Lit- 
teratur eingenistet haben. Von diesem synthetisch auf 
ein Ganzes dringenden Triebe wurde die analytische 
Forschung, mithin die Kritik, erstickt, die niedere wie die 
höhere. Laürentius Valla, ein Kritiker im vollsten 
Sinne des Wortes, steht unter den Itahenern vereinsamt 
da; er fand um so spärlichere Nachfolge, als seine ätzende 
Scheidekunst, die sich ein wenig über stiUstische Ele- 
ganzen hinauswagte, ihm abschreckende Fährhchkeiten 
zugezogen hatte. So wurde es denn in der niederen 
Texteskritik zur durchgehenden üebung, die Schäden 
auf gut Glück zu übertünchen, die Lücken eilfertig zu 
überbrücken, um nur bald wenigstens den Schein eines 
unverstümmelten Ganzen herzustellen. Erst als die ita- 
lienische Oberherrschaft in der Philologie sich ihrem 
Verfall zuneigte, nahm Politian einen Anlauf zu veri- 
ficirender Kritik in demselben Werke, welches das ver- 
führerische Beispiel zu abspringender Miscellen-Thätig- 
keit aufstellte. Als Scaliger auftrat, war die künstlerische 
Begeisterung der Italiener schon ganz in schwächhche 
Tändelei ausgeartet; aus ihrer römischen Abstammung 
wollten sie in engherziger Hoffahrt ein Monopol auf Elas- 
sicität herleiten; und — was das Schhmmste war — die 
klassischen Studien geriethen unter ihrer Leitung, in die 
schwere Gefahr, eine ausschhessliche Richtung auf den 
ästhetischen Genuss zu nehmen. Es war hohe Zeit, 
auch die Seite der Erkenntniss hervorzukehren, damit 
die Wahrheit neben und gegenüber der Schönheit zu 
ihrem Recht gelange, und damit unter der erziehenden 
Arbeit einer analytischen Forschung der Charakter der 
Forscher selbst sich stähle. Mit einem Worte: die Kri- 
tik musste als Werkzeug der Wahrheit gehandhabt werden. 



Um nur wieder festen Boden zu gewinnen, that es 
zuvörderst Noth, in der Behandlung der Texte die ita- 
lienische Zustutzungsmanier zu verdrängen und zu ersez- 
zen durch eine zusammenhängende Bearbeitung, die sich 
auf möglichst unverfälschte üeberlieferung stütze. Vor 
ScaUger und gleichzeitig mit ihm haben andere Franzo- 
sen in treuem Ernst dieses Ziel verfolgt; Adrianus 
Turnebus und Dionysius Lambinus müssen im- 
mer mit Ehren genannt werden; aber ihre Leistungen, 
wie brauchbar sie auch durch verständigen Fleiss waren, 
ermangelten des frischen geistigen Hauches, konnten da- 
her auch nicht die augenblicklich eingreifende Wirkung 
hervorbringen, welche da nöthig ist, wo einer falschen 
Manier die Herrschaft entrissen werden soll. Scaliger 
dagegen verband auch in der niederen Texteskritik die 
schrittweise Prüfung mit der Plötzlichkeit des genialen 
Schaffens; über seine Werke ist eine Helle ausgebreitet, 
welche die Zeitgenossen erleuchtete und begeisterte; und 
vor ihr erblasste der italienische Flitter. Man hatte ge- 
glaubt, nur auf Kosten der Kritik sich ästhetisch ergöz- 
zen ^u können, und hier sah man die kritische Werkstatt 
selbst vom Glänze künstlerischer Eingebung durchstrahlt. 
Der Eindruck blieb nicht auf die engere Gelehrtenwelt 
beschränkt; er verbreitete sich über den ganzen damals 
«o grossen Kreis der Freunde alter Litteratur, und wie- 
derholte sich mit verstärkter Kraft, so oft ein neues 
Glied sich iü die lange Eeihe kritischer Erfolge einfugte, 
welche den ersten Abschnitt von Scaligers schriftstelle- 
rischem Leben ausfüllen. Die Conjecianea zu Varro, eine 
Erstlingsschrift des zwanzigjährigen Jüngliügs, die Virgi- 
lischen Catakcta, unter den Schreckensscenen der fran- 
zösischen Bürgerkriege zum Theil auf der Flucht ausge- 
arbeitet, die lectiones Atisonianae, die er für die Ausgabe 
des Elias Vinetus während des Druckes aufs Papier 



8 

• 

warf, die drei lateinischen Erotiker, welche er zur Er- 
holung während einer Reconvalescenz von den italieni- 
schen Verderbungen reinigte, endlich die Ergänzung des 
Festus, das bisher unerreichte, ja, in solchem Umfange, 
einzige Muster divinatorischer Kritik — alle diese Lei- 
stungen, welche noch jetzt für die Behandlting der be- 
treffenden Autoren Epoche bilden, griffen bd ihrem ersten 
Hervortreten weit über den jedesmaligen Stoff hinaus. 
Noch heutzutage sind sie in ihrer Art unäbettroffen ; da- 
mals war auch die Art neu; man fasste das Specielle von 
seiner allgemeinen, exemplificativen Seite und versuchte in 
derselben Weise zu arbeiten. Konnte man auch dem 
aquila in nubibus^) — so nannte man Scaliger — nicht 
nachfliegen, so wollte man doch wenigstens aiif ebener 
Erde dieselbe Strasse ziehen, über die sein Fltig hin- 
schwebte. Mit solchen Gefühlen wurden die Schriften 
Scaligers m Frankreich und Deutschland aufgenommen. 
Die Italiener aber schauteii dem transalpinischen Jubd 
mürrisch zu; sie sahen sich nun gänzlich aus dem Felde 
geschlagen; und die Niederlage war um so empfindlicher, 
da der Sieger zum Theil mit Waffen focht, welche die ItaUener 
ihm hatten darreichen müssen, ohne sie selbst benutzen 
zu können. Aus italischen Bibliotheken hatte man die 
brauchbaren Handschriften des Varro und Festns her* 
vorgelangt; aber untei* den stöbernden fländen des 
Augustinus und Victorius blieben die vergilbten Per- 
gamente was sie waren: ein Kehrichthaufen von Ab- 
schreiberfehlern; von der Wünschelruthe Scaligerscher 
Kritik berührt , verwandelte sich das sterqmlmium 
in Gold. Dazu kam, dass der junge Franzose auch 
sonst keine Gelegenheit vorüberliess , es besser als 
die ItaUener zu machen ; die lateinischen Dichter bo- 
ten ihm dazu reichlichen Anlass; die Rücksicht hier^ 
auf schien ihn sogar bei der Wahl seiner Stoffe zu 



leiten; und was ist daher begreiflicher, als dasn sein 
Festus jei;iseits der Alpen für eine Ausgeburt der Faselei 
verschrieen wurde? Erwägt man, mit welcher Bedeutung 
damals die philologischen Studien als fast alleinige Trä- 
ger der allgemeinen Bildung bekleidet waren, welche Ehre 
und welcher Grewinn sich an den Primat auf diesem Ge- 
biete knüpften^ so wird man von den Italienern am we- 
nigsten die Selbstverläugnung fordern dürfen, dass sie 
ihren Nachfolger am philologischen Reich hätten lieben 
sollen. Sie haben ihn denn auch wacker gehasst, bis an 
seinen Tod und über seinen Tod hinaus, zumal da er 
auch in so vielen anderen Punkten des Glaubens und 
Handelns der italienischen Weise schnurstxacks entgegen 
war. Trotadem konnten sie sich einer nothgedrungenen 
Bewunderung für ihn nicht erwehren; und diese spricht 
sich am merkwürdigsten in der Botschaft aus, welche 
der Cardinal Baronius dem Scaliger durch dessen Schü- 
ler de la Rochcpozay .bestellen Hess. Der berühmte 
Verfasser der kirchlichen Annalen lässt dem Scaliger seine 
Freundschaft . antragen und Theilnahme an Allem, was 
er auf der Welt besitze; ja, fügt er ausdrücklich hinzu, 
wenn ihm, dem Baronius, auch nur noch Ein Brod bliebe, 
so wolle er fireudig dem Scaliger die Hälfte überlassen ^). 
FreiHch knüpfte sich an dieses warme Anerbieten die un- 
erfüllbare Bedingung eines dauernden Aufenthaltes am 
römischen Hofe. Scaliger war in jüngeren Jahren zwei- 
mal dort gewesen, ohne sich dem geniua loci anbequemen 
zu können. Wie hätte er auch auf dem glatten Boden 
der damaligen italienischen Gesellschaft sich bewegen 
wollen? Um sich den behutsamen Tritt anzueignen, der 
dort allein vor dem Straucheln und Fallen schützen 
konnte, hätte er gerade alles das au%eben müssen, was 
die Wurzel seines sittlichen Wesens, seiner Tugenden 
wie seiner Fehler, bildete: den heftigen Eifer für das, was 



10 

ihm Wahrheit dünkte, das herrische Behaupten seiner 
Meinung so lange sie ihm richtig schien, und wiederum 
den schonungslosen Hass gegen die offene Lüge, und 
den unüberwindlichen Ekel vor der verhüllten. Dieses 
reizbare Wahrheitsgefiihl, das nach und nach zu einem 
derben, jegUche Abfindung verschmähenden Wahrheits- 
stolze erwuchs, hat ihm nich^ blos alle italienischen An- 
erbietungen verleidet; er nahm es zur Richtschnur seines 
ganzen Verhaltens der Welt gegenüber, es hat alle ent- 
scheidenden Wendungen seines Lebenslaufes bestimmt, und 
hing bei ihm aufs engste zusammen mit seinen Ansprü- 
chen auf hochfurstliche Abstammung, die er im Wege 
äusserer Macht nicht durchführen konnte und nun gleich- 
sam durch einen Adelsstolz auf Wahrheit bewähren 
wollte. Für unsem hiesigen Zweck bedarf es nicht der 
Untersuchung, ob Scaliger etwa vor einem heraldisch- 
genealogischen Gerichtshofe in strenger Ahnenprobe seine 
Verwandtschaft mit den della Scala, den fürstlichen Her- 
ren von Verona, gegen jede Anfechtung hätte erhärten 
können; uns genügt hier hervorzuheben, in welcher 
Weise seine, wie immer begründete, Ueberzeugung, hoch- 
geborenes Mitglied eines solchen Geschlechts zu sein, 
ethisch auf ihn gewirkt hat in einer Zeit wie das sechs- 
zehnte Jahrhundert, wo die gesellschaftlichen, Gliederun- 
gen noch nicht ihre Wesenhaftigkeit verloren hatten, 
und in einem Lande wie Frankreich, wo damals geradie 
der Adel die freie geistige Bewegung jenes Jahrhunderts 
aufnahm und fortleitete. Bei Scaliger nun war wie bei We- 
nigen das Bewusstsein festgewurzelt, dass der Vorzug 
adliger Geburt ihm die Verpflichtung auferlege sittlich 
edel zu sein, und zugleich die Berechtigung gewähre, in 
seinem ganzen Auftreten eine wählerische Strenge durch- 
zuführen, welche für andere, an einen anderen Ort ge- 
stellte Menschen nicht verbindend sei. Wie die aya^oi 



II 

im Theognis, wie ein römischer Patricier aus der guten 

Zeit hatte er an seiner Abstammung einen individuellen 

* 

Maasstab für sein Thun und Lassen; in zweifelhaften 
Fällen prüfte er nicht das allgemeine Sittengesetz, ob 
dieses vielleicht mit genauer Noth eine laxe Praxis ver- 
trage; ihm war es genug, dass der Fall überhaupt zwei- 
felhaft schien, um sich nicht damit zu verfangen und auf 
etwaiges Befragen gerade heraus zu erklären: er halte 
sich für zu gut dazu, begreife übrigens vollkommen, dass 
nicht alle Welt so skrupulös sein könne. Man sieht un- 
schwer, wie vielen Anstoss eine solche aristokratische 
Ethik geben musste, zumal in der auf Gleichheit so eifer- 
süchtigen Gelehrtenrepublik. Scahgers Feinde haben 
sich denn auch vorzüglich gegen seine adligen Prätensionen 
erhoben, haben gegen diese Achillesferse des Unver- 
wundbaren alle Pfeile des Spottes und der Verunglim- 
pfung abgeschossen, unter dem unwillkürlichen, wenn 
auch stillen Beifall gar mancher seiner Freunde. Aber 
Feind wie Freund stimmten doch darin überein, dass die 
vornehme Haltung ihm zur andern Natur geworden, und 
sein Benehmen jederzeit und jedem Range gegenüber 
bestimmte-, seine Anmaassung war wenigstens nicht von 
jener so häufigen und so wohlfeilen Art, die sich nur 
nach unten hin geltend zu machen wagt; ihm konnte 
Niemand vorwerfen, dass er sich vor Kleinen gebrüstet 
und vor Grossen zu Boden gebückt habe. Vielmehr 
steigerte sich sein Selbstbewusstsein, und sein Betragen 
nahm eine um so gemessenere Würde "an, je höher die- 
jenigen gestellt waren, mit denen er zu verkehren hatte. 
Es ist noch ein Brief der Prinzessin von Conde an Sca- 
liger erhalten*), fast im Ton eines Bittschreibens abge- 
fasst) worin sie ihn mit Berufung auf den Willen 
Heinrichs IV. auffordert die Erziehung ihres Sohnes zu 
übernehmen, und alle die Ueberredungsmittel aufbietet, 



12 

welche, seit Plato sich zu Dionysius begeben, schon so 
viele Philosophen und Gelehrte in die Palläste gelockt 
haben. Wozu sich mit Schreiben grosser Bücher abmü- 
hen — so ungefähr sucht die hohe Frau den Scaliger zu 
gewinnen — um die Welt zu belehren und zu bessern? 
hier könne er leichter und sicherer auf unendlich Viele 
wirken, indem er sich mit Einem befasse, dessen Name 
Legion sei. Scaliger lehnte ab, nicht undeutlich zu ver- 
stehen gebend, dass er in die Abhängigkeit einer solchen 
Stellung sich nicht wohl zu finden vermöge. We^r die 
abermaligen Bitten der Fürstin, noch der ausbrechende 
ünmuth Heinrichs IV. konnten ihn wankend machen; 
er entzog sich ihnen, indem er einem ehrenvollen Rufe 
folgte, welchen gerade damals die Generalstaaten der 
Niederlande an ihn ergehen liessen. In freiem Verbände 
mit der Leydener Universität hat er seine letzten fünfzehn 
Jahre verlebt, der französischen Unruhe entrückt und 
sicher vor den Bestümlungen Heinrichs IV., der auch 
die Gewissen Anderer tinter seine Staatsraison zu beugen 
liebte. Dort in Holland, damals fast die einzige Zu- 
fluchtsstätte unabhängiger Geister, hat Scahger die zweite 
grosse Reihe seiner Werke fortgeführt und abgeschlos- 
sen. In reifem Mannesalter, ausgerüstet mit den natür- 
liöhen Gaben, das Falsche zu spüren und das zerstreute 
Wahre zu verbinden, gestärkt durch langjährige kritische 
Arbeit, und belebt von einem fröhhchen Muth, der Nichts 
verschwieg und Nichts verhüllte, gab er seinen gesam- 
melten Kräften und seinem schrankenlosen Wissen die 
Richtung iauf universale Geschichte und Chronologie. 
Auf diesen Feldern hat er in der That wie ein König 
und Fürst gebaut, im grossen Stil und für späte Ge- 
schlechter; seine Werke, die zwei Jahrhunderte hindurch 
Gegenstand unfruchtbaren Staunens oder parteisüchtiger 
Controverse geblieben, sind erst durch die Entdeckungen 



13 

der jüngsten Zeit in den Bereich eines lebendigen wis- 
senschaftlichen Verkehrs gezogen wordeft; und bei dem 
Versuch ihre Bedeutung zu bezeichnen mag man sich 
noch so sehr zur Kürze aufgefordert fühlen, man wird 
um das Richtige zu sagen sich doch gezwungen sehen 
einen Blick zu werfen auf den verschlungenezi Gang der 
allgemeinen Geschichtsüberlieferung. 

Je überschauender nun ein solcher Blick ist, um 
desto fester wird er an der Epoche des Makedoniers 
Alexander haften bleiben, weil dessen völkerbindende 
Thaten die früher getrennt fliessenden Ströme menschli- 
eher Tradition in ein gemeinsames Bette geleitet haben. 
Von Aristoteles' Zögling geführt, Hessen die Griechen 
sich nicht an den Schatzkammern Susa's geniigen; mit 
gleichem Eifer drangen sie in den Bel-Tempel, die gehei- 
ligte Sternwarte Babylons ; in den dort verwahrten astro- 
nomischen Verzeichnissen erbeuteten' sie sich die bisher 
vermisste Gnmdlage für ihre Forschung; imd aus den 
vereinigten Beobachtungen des schauenden Orients und 
Berechnungen scharfsinniger Griechen entwickelte sich 
die Astronomie zu einer, Vergangenheit und , Zukunft 
umfassenden, Geschichte der Himmelserscheinungen und 
zu einem untrüglichen Prüfstein historischer Zeitrech- 
nung. ' Nicht mindere Förderung erhielt die Kunde 
menschlicher Geschichten, als nach und nach die einzel- 
nen unterjochten Völker die Urkunden ihrer nationalen 
Vorzeit in hellenischer Sprache den Siegern vorlegten, mit 
stolzer Hinweisung auf ihr graues Alter und schlecht 
verhülltem Mitleiden über die knabenhafte Jugend des 
Griechenthums. Mehrere Jahrhunderte hindi^ch wurde 
von den verschiedenen VöH^-stämmen der Stoff zu einer 
allgemeinen Geschichte des Menschengeschlechts herbei- 
geschafft — eine reiche, aber noch unverbundene Fülle, 



u 

des Mittelpunktes harrend, um den sie sich ordnen könne, 
und unter dessen Schutz sie vor Zerstreuung gesichert 
wäre. Dieser zusammenhaltende Mittelpunkt war erst 
gewonnen, als die Bibel zum eigentlichen Weltbuche 
emporgehoben wurde ; in ihren Blättern fühlte man, trotz 
aller Abgeschlossenheit particularer Annalen, sich vom 
allgemeinen Geiste der Weltgeschichte angeweht; aus- 
laufend in die Verheissung einer einheitUchen Zukunft 
des Menschengeschlechts, leiteten sie zugleich zurück 
zum Urzustand desselben, beides am Faden der Geschicke 
eines Volkes, das, schon vermöge der örtlichen Lage 
seines Landes am Heerwege der ältesten Culturvölker, 
von allen Bewegungen der ältesten Zeiten berührt, erzo- 
gen und erschüttert worden. Gar bald wurden also von 
Wohlwollenden und Misswollenden die biblischen Nach- 
richten zum Centrum gemacht, um das alle in der alexan- 
drinischen Zeit vereinzelt angesammelte asiatische Ge- 
schichtskunde sich zusammenzog, theils zum kritischen 
Angriff, theils zum apologetischen Bollwerk. Als zeit- 
weilig abschliessendes Ergebniss dieser Bemühungen, die 
bibhschen mit den übrigen Geschichtsurkunden zu ver- 
gleichen, erscheint im vierten Jahrhundert unserer Zeitrech- 
nung das grosse synchronistische Werk des Eusebius. 
In seinem schematischen Fachwerk und unter dem Schirm 
ecclesiastischer Autorität hat es den Forschern der Neu- 
zeit die Documente ägyptischer, assyrischer und babylo- 
nischer Geschichte aufbewahrt, für welche im Mittelalter 
sonst keine Theilnahme und also auch keine Aussicht 
auf Erhaltung vorhanden war. Jedoch auch in der gros- 
sen Vorrathskammer des Eusebianischen Werkes waren 
jene unschätzbaren Urkunden vorklassischer Geschichte 
nur vor unwiederbringlicher Vernichtung geschützt; be- 
nutzt wurden sie höchstens von byzantinischen Excerpto- 
ren und Corapendienschreibem, und einen allgemeineren 



15 

Einfluss auf Erweitemiig des gesehichtUchen Gesichts- 
kreises äusserten sie weder während der eigentlichen 
Mittemacht des Mittelalters, wo man sogar griechische 
und römische Geschichte vergessen hatte, noch auch 
beim Wiederaufdäinmem der Wissenschaften in Italien, 
wo man, in klassischer Eleganz befangen, sich nicht ver- 
sucht fühlte, über Griechenland und Rom hinauszublicken. 
Scaliger nun hatte früh den Vorsatz gcfasst, der Philo- 
logie ausser ihrer formalen Bildungskraft, welche sie in 
der italienischen Periode bethätigte, auch noch die Be- 
deutung zu verleihen, dass sie den Gedächtnisschatz 
menschlicher Vorzeit überhaupt au&chliessen und lauter 
erhalten solle, nicht eingeengt durch ästhetische Rück- 
sichten und über den unterschied klassischer und nicht 
klassischer Volker hinauf zu der Hohe der Menschheit 
sich erhebend. Die eusebianische Chronik, zu der die 
Völker von Ost und West ihren Beitrag an Traditionen 
geliefert, war ihm bald als die geeignetste Grundlage er- 
schienen, um darauf das Schatzhaus der Zeiten, den 
thesaurus temportmh zti errichten. Von lange her hatte er 
sich zu diesem Unternehmen vorbereitet durch astrono- 
mische und chronologische Studien, die auch seinem 
Commentar des Manilius zu Gute kamen und zu dem 
Werke de emendatifme tertiporwfn geführt hatten. Unterstützt 
von Casaubonus, gelang es ihm, die Chronographie des 
Georgius Syncellus zu erhalten, bei welchem er viel verlo- 
renes Eusebianisches fand und noch mehr vermuthete, als 
eine nach den jetzigen Hilfemitteln angestellte Forschung 
zugeben darf; und angefeuert durch diesen Fund schritt 
er in den letzten Jahren seines Lebens dazu, auf ergän- 
zende Herstellung und umfassende Bearbeitung der euse- 
bianischen Chronik seine ganze Geisteskraft in ihren vielseiti- 
gen Aeusserungen zu verwenden. Seine Divinationsgabe 
filhlte sich zu kühnen, freilich, wie wir jetzt sehen kön- 



16 

nen, nicht immer glücklichen Wagstücken gereizt bei 
Wiedergewinnung des verlorenen ersten Theiles des Ge- 
sammtwerks, der eigentlich, im Gegensatz zum Kanon, 
sogenannten Chronik; seine Erudition, wie sie nun im 
Laufe der Jahre zu einer Alles überschauenden Höhe 
angewachsen war, ergriff eifrig die Gelegenheit, die in 
in der Chronik dürr verzeichneten Ereignisse in ihrem 
geschichtlichen Zusammenhange und im HinbHck auf die 
bezeugenden Schriftsteller zu prüfen; und endlich ge- 
währte ihm die durchgehende Rücksicht des Eusebius 
auf biblisches und kirchUches Alterthum willkommene 
Anlässe, seine kritisohe Fackel auch in das geweihte Dun- 
kel dieser Gebiete zu tragen. Er that dies mit unver- 
hülltef Darlegung seiner persönlichen Ueberzeugung und 
mit muthigem Aufgreifen der controversen Punkte , welche 
die damalige Zeit bewegten: aber nicht minder hat er 
allgemeine, von jeder Einzelabsicht freie Anleitung und 
Beispiele zu wissenschaftUcher Behandlung der patristi- 
schen Litteratur gegeben, und vielfache Fäden angespon- 
nen, die, zu einheitlichem Bande verknüpft, Theologie 
und Geschichte umschlingen könnten. So entfaltet sich 
denn in dem letzten und grössten Werke Scaligers die 
ganze Fülle seiner Begabung, ohne die geschlossene Ein- 
heit seines Wesens zu zersprengen; und diese Leistung 
seines Greisenalters ist noch von derselben heiteren 
Geistesfrische belebt, eilt dahin in demselben elastischen 
jugendlichen Gange, welcher die Erzeugnisse seiner frü- 
hern Jahre auszeichnet. Der Leser wird mit hineingezo- 
gen in diese Munterkeit, welche ein Ausfluss der Klar- 
heit ist. Statt, wie bei so manchen Eruditionswerken, von 
der Masse des aufgeschichteten Stoffes beschämt und er- 
drückt zu werden, fiihlt man sich erfrischt und gehoben ; 
denn man begleitet einen Mann, der unter der Last viel- 
tausendjähriger Ueberlieferung heiter und rüstig einher- 



17 

schreitet, weil er sie geordnet bis sie ihm zu einem 
nützenden und schmückenden Reichthum geworden; man 
erhält durch sein Beispiel die ermuthigende Gewissheit, 
dass es kein die menschliche Kraft übersteigender Erfolg 
sei, durch forschendes Vordringen in die fernste Vergan- 
genheit sich selbst und die umgebende Gegenwart zu 
verstehen und geistig zu beherrschen. 



Anmerkimgen. 



*) Zu Seite 1. -- „Man hat von Jos. Scaliger mehrere grie- 
chische Uebersetzungen von Gedichten desVirgilius, Martialis 
u, A., deren sich kaum ein Quintus Smyrnäus oder Nonnus 
schämen dürften. Sie stehen in einer seltenen Ausgabe lateinischer 
und griechischer Gedichte, die ich gegenwärtig nicht näher bezeich- 
nen kann.^' — Dies auf die allerdings nicht häufige Sammlung 
Josephi Scdligeri Jtd, Caes. F, Poemata omnia^ Ex museio Petri 
Scriverii. Ex Offidna PlanMniana Raphelengii^ MDCXV^ 12. 
Bezügliche ist Alles, was Wolf in der „Darstellung der Alter- 
thumswissenschaft" (S. 116*) über Scaliger zu sagen sich ver- 
anlasst sieht. Will man sich die Verschiedenheit der beiden 
Männer und zugleich den Abstand der Philologie im achtzehn- 
ten Jahrhundeii; von der des sechszehnten recht vergegenwär- 
tigen, so erwäge man Wolfs gewiss nicht durchaus ironische^ 
aber selbst als pure Ironie noch immer sehr bezeichnende 
Aeusserung praef, in Herodianum p, XXVI: Beati srnnus^ qui 
hos litterulcts tractamus^ quod nohis per deos hominesque licet in 
diem vivere^ id est^ ntdlius unius disciplinae legibus astrictos^ mo- 
mentis rerum in viramque partem pensitatis^ nufic probare, ntmc 
reOcere quod placet et quae in quemque diem meliora occurrunt' se- 
qui, Theologus aliquis si quid de sententia mutarü semd probata, 
seu decretum aliquod ecclesiae reiecerit^ clamor mdgi fit et concursus 
et trepidatio: nos si destruimus hodie quod heri aedificammus^ ne 
vidnus quidem id sentit. Mit diesem Behagen am unverfangli* 
chen Spiel vergleiche man nun Scaligers, für Nachdenkende 
nicht einmal barockes, Wort: Non aliunde dissidia in religione 



19 

pendeni quam ab ignoraiione Orammaticae (Scaligerana L s* v, 
GrammoHca)^ wo Tgaf^fkauxri natürlich in der ecLt griechischen 
Bedeutung als „Philologie'^ im weitesten Sinne zu verstehen 
ist, eine Bedeutung, die gerade Scaliger seinen Freunden früh 
und spät einzuschärfen nicht müde wurde; s. epist XX. an 
Vertunianus vom Jahre 1575, aus welchem Briefe der Artikel 
KQtuxiq in Scaligerana L nur ein Excerpt ist, und die fast 
gleichlautende ep. CCCCLl. p, 824 aus der späteren Leydener 
Zeit an Scriverius. 

^ Zu Seite 2. — Böckh, Manetho und die Hundsstern- 
periode S. 9, 11. Die betreffenden Worte Scaligers stehen 
in den Notae tn Graeca Eusebii p. 248 a cler ersten und p. 408 b 
der zweiten Ausgabe: Videntur Äegyptii anfwrum suorum certis- 
simam epocham änb tije Z'oo^tax^s mgiodov repetivisse^ ut mani' 
festo colligüur ex Clemente Alexandrino [Stromm, I p, 401 PJ 
neque dubito tr^v Zoi&ecog ßißlov xov Mavsd^S) ab eodem initio regum 
suorum dynastias deduxisse* 

^ Zu S. 2. — Die jüngsten dieser französischen Unge- 
bührlichkeiten gegen Scaliger sind enthalten in Ch, Nieard: 
Le triunwirat lütSraire au seizihne sidclsy Juste Lipse^ Joseph Sca- 
liger et Isaac Casaubon. Wie sehr dieses, nach wissenschaftli- 
cher Seite gar nicht erwähnenswerthe, Buch den Charakter 
Scaligers anzuschwärzen sucht, mag man daraus abnehmen, 
dass ein sonst so behutsamer Recensent wie der jetzige Re- 
dacteur des Journal des Debats, S. de Sacy, durch die Nisard'« 
sche Darstellung zu der Meinung verleitet worden, Scaliger sei 
ein ir^s /ranchement mau/vais komme gewesen (Journ. d. Debats 
vom 30. Oct. 1852). 

*) Zu S. 8. — Lipsius in dem ersten Briefe, den er an 
Scaliger schreibt VI. Kai. Dec. 1576, (epp. miscc. cent. I^ %): 
Aquila in nubibus, quod Graeci fÄristoph. Equitt. lOlBy Äves 
97 SJ dicwUy vere tu es; vides imo pervides omnia et quicquid ve- 
naris capis. Die Zeitgenossen fanden ihr Gefühl von* der Di- 
stanz zwischen ihnen und dem unerreichbaren Manne in dem 
sprichwörtlichen Bilde so schlagend ausgedrückt, dass sie es 
durch häufigen Gebrauch fast zu einem stehenden Titel Scali- 

2* 



20 

gers werden Hessen. Die Vignette zu den Heinsius'schen 
Leichenreden auf Scaliger (L. B. 1609, 4.) zeigt einen in den 
Wolken schwebenden Adler über allerlei niedrig fliegendem 
Gevögel, mit derUeberschrift: AIETOS EN NE^EAHSI ; imd der 
jöngere Drusius, der immerhin mehr Hebräisch als sein Vater 
(Sccdigercma U, 8, v. Drusius), aber darum noch nicht sehr viel 
wissen mochte, hat den aquüa in nubibus sogar ins Hebräische 
übersetzt {Drusii responsio ad Serarium, Franequerae 1605, 8, 
p. li;. Statt jedoch mit Prov. 30, 19 D''Ätr^2 niL^^n zu sagen, 
hat er sich D^D^^y^ IltV^Ti aus einem Lexikon zusammenge- 
stoppelt. 

®) ZuS.9.— Ich entnehme diesen Brief der Sammlung ^M^re« 
Frangoises des Personnages Illustres et Doctes ä Mons^ Joseph 
Juste de La Scala, Mises en lumiere Par Jaques de Reves, A 
HardertD2/ck chez la Vefue de Thomas Henry ^ pour Henry Laurens 
libraire ä Amsterdam 1624. 8/ sie ist auf keiner mir zugäng- 
lichen öffentlichen Bibliothek vorhanden, und ihre Benutzung' 
nur durch die Güte O. Jahn's möglich geworden. Der Brief 
ist der 24. des 3. Buches p. 378^ 

Mon^^jesoaybienquevous Mein Herr, ich kann mir wohl 

vous estonnerez de ee quej'ay denken, dass Sie sich darüber wun- 

esti si long temps sans vous dem werden , dass ich Ihnen so 

escrire et peut estre m^accu- lange nicht geschrieben, und viel- 

serez vous de peu d^amitiS leicht werden Sie mich eines Man- 

ou ctingratttude, vous estant gels an Freundschaft oder, da ich 

ohlig4 commejesuis: dequoy Ihnen so sehr verpflichtet, der Un- 

je serois extremement marry, dankbarkeit zeihen, was mich über- 

^ afin que vous en soyez aus betrüben würde. Und damit 

esclaircyyje vous dircnf libre- Sie darüber aufgeklärt seien, will 

ment qtce mon silence n'est ich Ihnen freimüthig sagen, dass mein 

point proced4 äaucime des Schweigen aus keiner der genann- 

susdictes choses, seulement de ten Ursachen entsprungen ist, son- 

ce qt/il m'a estd impossihle derc nur daraus, dass es mir un- 

^avJtant que la profession möglich gewesen [zu schreiben], 

ecelesiastique ä laquelle Dieu sintemal der geistliche Stand , in 

m'a par sa misericorde ap- den mich Gott durch seine Barm- 



21 



pelle^ tne deffmi si estroicte- 
metU la comngunication de 
ceux qui aont hors de fEglise 
Catholique Apoetdlique Ro- 
maine que Sans Ucenceje ne 
pourrois (sans offencer Dieu 
grandement, desobeissant aux 
samctes lots de fEglise) vous 
escrire pendant que serez de 
Popinion que vous estes. iVe- 
antmoins le grand respect 
que je vous porte, et le desir 
quefay de vousrendre quelque 
tesntoignage de la souvenance 
quefay de vos bienfaicts en 
mon endroicty tnont faxet de- 
mander permission de vous 
escrire cestecy^ tant pour vous 
rendre conte de mon dict si- 
lence^ que pour vous asseurer 
comme, lors que cessera le 
susdict empeschementf j^f^oy 
en Sorte, avec Vayde de Dieu, 
que vous me recognoisterez le 
plusrespectueuxde vos vertits 
etleplus recognoisscmtdisciple 
que vous ayezjamais eu. Et 
en fin je vous prieray, Mon- 
sieur, croire, que je me sou- 
viendray tousiours de vous et 
prieray Dieu continuellement 
que tout ohstacle levSj'ayeoc- 
casion de vous monstrer et 
faire cognoistre ä un chascun 
avec quelle affectionje desire 
vous faire tres-humble Service. 



herzigkeit berufen, mir so streng 
den Verkehr mit denen verbietet, 
die ausserhalb der Römisch -Katho- 
lisch-Apostolischen Kirche sind, 
dass ich ohne Erlaubniss nicht wa- 
gen darf (ohne Gott mächtiglich zu 
beleidigen durch Ungehorsam ge- 
gen die heiligen Gesetze der Kirche) 
Ihnen zu schreiben, so lange Sie 
Ihre jetzige Meinung hegen. Den- 
noch hat die grosse Hochachtung, 
die ich Ihnen widme, und der 
Wunsch, Ihnen einen Beweis mei- 
ner Erinnerung an Ihre mir erwie- 
senen Wohlthaten zu geben, mich 
um Erlaubniss bitten lassen, Ihnen 
dies zu schreiben, sowohl um Ih- 
nen von meinem besagten Schwei- 
gen Rechenschaft zu geben, als 
um Sie zu versichern, dass, sobald 
das obbesagte Hindemiss aufhören 
wird, ich unter Gottes Beistand 
Alles aufbieten werde, damit Sie 
in mir den aufrichtigsten Verehrer 
Ihrer Tugenden und den dankbar- 
sten Schüler erkennen, den Sie je 
gehabt. Und endlich, mein Herr, 
möchte ich Sie bitten zu glauben, 
dass ich mich immer Ihrer erin- 
nern und fortwahrend zu Gott be- 
ten werde, dass nach Hinwegrau- 
mung jedes Hindernisses ich Gele- 
genheit haben möge, Ihnen zu zei- 
gen und männiglich es wissen zu 
lassen, mit welcher Hingebung ich 
Ihnen meine unterthänigsten Dienste 



22 



Testois ces jours passez avec 
Monsieur le Cardinal Ba- 
ronius un des plus grands 
Cardinaux de ceste Court tant 
en pietS que doctri7ie, cre4 
par nosire Sainct Pere ceste 
Pentecoste demiere avec quinze 
autre grands SfjAjectSy autheur 
de cest Oeuvre tant celebre inti- 
iulS les Annalesde PEglise dont 
le septiesme tome est acheve 
dimprimer^ lequel me parlant 
de vous^comme souventes/ois ü 
faicty avec heaucoup tCaffe- 
ction^ et sUnformant de vos 
actionsy me commenda devous 
escrire qu'il/aict teil estat de 
vos vertue qt^avenant que vous 
/ussiez caiholique eJvoulussiez 
venir en ceste cour, il vous y 
offne son amitiS et la partici- 
pation de tout ce qt^üpossede 
au monde. Et m^a parHcu- 
lierement dit^ que quand il 
n'auroit qu'un painseulement^ 
la moitiS en seroit vostre. Je 
n'ag point voulu manquerd^o- 
heyr ä ses commandemens^ 
tant pour le respect que je 
doibs ä Vamitid qi/il me port 
cofnme ä celuy que fay ä 
la vostre. Et sur cejeprie- 
ray Dieu 



zu leisten wünsche. Ich war die- 
ser Tage mit dem Herrn Kardinal 
Baronius zusammen, einem der 
grössten Kardinäle dieses Hofes 
sowohl was Frömmigkeit als Ge- 
lehrsamkeit betrifft, der vergange- 
nen Pfingsten mit fünfzehn anderen 
grossenPersonen von unserm heiligen 
Vater creirt worden, Verfasser des 
so berühmten Werkes, betitelt An- 
nalen der Kirche, von welchem 
der siebente Band fertig gedruckt 
ist; dieser sprach mir von Ihnen, 
wie er oftmals thut, und sich nach 
Ihrem Thun und Lassen erkundi- 
gend, befahl er mir Ihnen zu schrei- 
ben, wie er Ihre Eigenschaften so 
hoch schätze, dass falls Sie Katho- 
lik würden und an diesen Hof 
kommen wollten, er Ihnen daselbst 
seine Freundschaft anbietet und 
Theilnahme an Allem, was er auf 
der Welt besitzt. Und er hat mir 
insbesondere gesagt, dass wenn er 
auch nur Ein Brod hätte, die Hälfte 
Ihnen gehören sollte. Ich habe 
nicht unterlassen wollen, seinen Be- 
fehlen zu gehorchen, sowohl aus 
Bücksicht der Achtung, die ich 
seiner Freundschaft für mich schulde, 
als derjenigen, die ich für die Ih- 
rige hege. Und hierauf bitte ich 
Gott, 



23 



Monsieur, vous dormer en Mein Herr, dass er Ihnen in 

satUe treS'heureuse et hngtie Gesundheit recht glückliches und 

vie, langes Leben verleihe. Aus Rom 

DeRomece 12.^otf«^ 1596. 12. August 1596. 

Vostretres-ohligd discipleet Ihr Ihnen sehr verbundener 

tres'huruhle serviteur Schüler und ergebenster Diener 

Henry Loys Chastaigner 
de la Rochepozay. 

lieber den Schreiber dieses Briefes, späteren Bischof von 
Poitiers, heisst es in Scaligerana IL: Monsieur de la Roche- 
posay, fils de Ludovicits Castaneus Amhassadef^r pour le Roy ä 
Romey grand papiste, qui du cömmencement que fay estS icy (d. h. 
in Leyden) a demeurd un an avec moy, est (d. h. um das Jahr 
1602) chambellan du Pape avec 1200 ducats par an. Wie innig 
das frühere Verhältniss gewesen, sieht man aus der tiefen Be- 
wegung, . mit welcher Scaliger über die spätere Entfremdung 
an Casaubonus im Jahre 1606 schreibt, als Scioppius seine 
Angriffe begann, ep. CXXIV p. 321: Est quid am Romas, a 
cuius totere Äpostata [Scioppius] non discedit. Post parentes ne-^ 
mini plus debet quam mihu Diu est, quum odiutn in me ita dissi- 
mulare mm possit, ut ohtrectationihus ülud non prodat, postquam se 
ad /amiliarüatem Loiolitarum applicuit Is si non consilium huius 
flagitiosi incepii [d. h. der Herausgabe des Scaliger hypoholimdeus] 
Apostatae dedit, at animum ad male merendum de homine addidit, 
de quo quid queri possit non habet Is si non est, inquam^ aut 
auctor huius rei attt impulsor atU hortator, valde me/allit iudicium 
meum. Q^od enim prohibere poterat et insanum hominem ab incepto 
deterrere, quia id non fecerit, id mihi satis causae videtur, cur ho- 
rum omnium culpam in eum conferam, Abstineo tarnen calamwn 
a nomine eius tantisper, dum certior fiam vera an falsa sit suspi- 
cio mea, Atque utinam falsa sit! Nam quem- insanum in mo- 
dum amavi ne nunc quidem facere possum ut in eum animum 
meum mutem, Quod si ita est tU suspicor, id poterit inter illustria 
ingraü animi exempla poni, Dass unter dem früher „wahnsinnig 
geliebten" quidam Niemand als der jüngere de la Rochepozay 
gemeint sei, muss jeder mit Scaligers Verhältnissen Vertraute 



24 



sogleich merken, und merkte auch Casaubonus, der auf jenen 
Theil des ScaligeHschen Briefes Folgendes antwortet (ep, Casaub. 
CCCCLXXIV p. 533 ed. 2. Bnmsv,): Quae nuper scribebas de 
quodam qui Romae essety non dttbitavi ad Äbbatem R, [Rochepozay] 
pertinerey et nisi vehementer ipse fallor, verissima et certissima est 
tua tUa corUectura. 



ö) Zu S. 11. — Bei 

Monsieur de VEscale, En- 
core que de long temps vos 
vertus ayent illustrS non seule" 
ntent ceste France^ ains tottte 
VEwropey si estce qu'ü semble 
que Dieu vous offre une occa- 
sion pour leur donner d'avan- 
tagedejour. Car bien qu'elles 
soyent espandues sur divers 
peupleSf je tiens la plus part 
indigne de recevoir ceste lu- 
miere; mais si vos labetirs 
s^employentäformer unprince 
td qu'est celuy que je desire qu' 
ii preigne instruction de vous^ 
ce sera faisant bien ä un 
aporter de VutüitS ä tout cest 
estat, La peine en sera moin- 
dre et la gloire plus grande. 
des considerations si impor^ 
tantes me/ont espererqu'aurez 
tres-agreable le desir quej'ay 
que vofdiez accepter la charge 
dHnstituer Mon filsy lequel 
commence d'estre en aage 
pmtr recevoir vos belles im- 
pressions; son e^prit est plus 
avancd que ses annies. Cest 
pourquoy je croy qu'ayant les 



de Reves Buch I, 3 p. 4: 

Herr de l'Escale, obgleich Ihre 
Tugenden seit lange nicht bios 
dieses Frankreich, sondern ganz 
Eiu*opa erhellen, so scheint es doch, 
als böte Ihnen Gott eine Gelegen- 
heit, sie noch mehr an den Tag 
zu bringen. Denn wenn sie sich 
auch über verschiedene Völker er- 
streckt haben, so halte ich doch 
die Meisten für unwürdig, ein sol- 
ches Licht zu empfangen; wären 
dagegen Ihre Anstrengungen darauf 
gerichtet, einen Prinzen auszubil- 
den, wie der ist, welcher, wie ich 
wünsche, Ihren Unterricht gemessen 
soll: so hiesse das diesem ganzen 
Staate Nutzen bringen, indem man 
Einem wohlthut. Die Mühe würde 
geringer und der Ruhm grösser 
sein. Diese gewichtigen Erwägun- 
gen lassen mich hoffen, Sie wer- 
den den Wunsch, den ich hege, 
sehr annehmlich finden, dass Sie 
die Aufgabe übernehmen wollen, 
meinen Sohn zu unterweisen, der 
in das Alter zu treten beginnt, wo 
er Ihre schönen Einwirkungen auf- 
nehmen kann; sein Verstand ist 
vorgeschrittener als seine Jahre. 



25 



Premiers /ondemens de voue^ 
Voeuvre enseraplusparfaicte. 
L'eeperance que Von prent 
de luy merite d'esire aug- 
mente par lea eneeignements 
<fun si digne peraonnage, 
Ne refusez donc, je voue prie, 
de servir au Roy mon Seig- 
neur en ceete occaeion^ lequel 
je scay avoir ceste volonUy 
et dobliger toitte ceste France 
ä vous, Pour mon parti* 
ctdiery j'estvmeray atteindre 
au comhle de ma plus grande 
/elicitS si je puisse acquerir 
ce Tresor ä mon fils ; faisant 
peud^estat de toutes les gran- 
deurs du monde si dies ne 
sont accompagndes de la 
vertu, Le Oentil'hwnme vous 
dira plus particulierement 
mon intention sur ce sub» 
ject Auquel me remettant^ 
je vous prieray le croire, et 
que je seray ä perpetuiiS 



Vostre tres-aßectionnSe et 
oUigde amye 

Kat de 



Darum glaube ich, dass wenn die 
ersten Grundlagen von Ihnen ge- 
legt werden, das Werk um so voll- 
kommener sein wird. Die Hoff- 
nung, die man von ihm fasst, ver- 
dient durch die Lehren einer so 
würdigen Person noch erhöht zu 
werden. Schlagen Sie es also nicht 
aus, in dieser Angelegenheit dem 
Könige meinem Herrn zu dienen, 
dessen Wille es ist, wie ich weiss, 
und zugleich dieses ganze Frank- 
reich sich zu verpflichten. Was 
mich betrifft, so würde ich den 
Gipfel meines höchsten Glückes zu 
erreichen glauben, wenn ich einen 
solchen Schatz fiir meinen Sohn 
erwerben könnte, da ich auf alle 
hohen Stellungen in der Welt nichts 
gebe, wenn sie nicht von Tugend 
begleitet sind. Der Edelmann 
[Ueberbringer des Briefes] wird 
Ihnen meine Meinung über die Sache 
näher mittheilen. Indem ich mich 
auf ihn beziehe, bitte ich, dass Sie 
ihm vertrauen und auch dass ich 
f^ immer sein werde 

Ihre Ihnen sehr gewogene und 
verbundene Freundin 
la Tremoille, 



Die Prinzessin hatte den Sohn, um den es sich handelt, 
nach dem Tode ihres Gemahls im Jahre 1588 geboren. Zur 
Zeit des frühestens 1592 geschriebenen Briefes war also der 
kleine Prinz 6 Jahre alt, und es bedurfte daher in der That 
einer Versicherung, dass er „älter an Verstand als an Jahren 
sei." Scaligers Antwort ist nicht erhalten; wie sie etwa ge- 



26 

lautet haben mag, ersieht man aus seiner Aeusserung in Sca- 
ligerana 11 (s, v. Scaliger): On m'escrivit pour estre pre- 
cepteur ou superintendant du precepieur du Prince de Conddy 
mais je ne Vay pas voulu; je ne veux point estre courtisany 
Scrupel dieser Art zu besiegen, bietet ein zum Haushalt der 
Prinzessin gehöriger A. de la Croix viel Rhetorik auf in einem 
Briefe an Scaliger vom 18. Juli 1693 (bei de Reves III, 29 
p. 388 — 391) , und die Prinzessin, wohl durch Scaligers 
ausweichende Antwort auf ihren ersten Antrag abgeschreckt, 
wendet sich mit ihren weiteren Bitten nicht mehr an ihn selbst, 
sondern sucht den Einfluss seines nächsten Freundes, des al- 
tem de la Rochepozay für sich zu gewinnen; ihren Brief an 
denselben giebt de Reves III, 3 p. 358. — Dass Heinrich IV. 
die Zurückweisung eines unter ausdrücklicher Berufung auf 
seinen Willen gemachten Antrages nicht günstig aufgenonmfien 
habe, glaubt man ohne besonderes Zeugniss. Nach des, aller- 
dings nicht gleichzeitigen, Menagius Erzählung hätte der König 
seinen Unwillen sogar in folgender sehr unköniglichen Weise 
geäussert (Menagiana 11 p. 312 ed. Ämsterd. 1713^.* Joseph 
Scaliger Stant appelU par les Hollandois pour Stre pro/esseur 
chez euXf aUa prendre congS du Roi (Henry IV.) auquel il 
expnsa en peu de mots le sujet de son voyage. Tout le 
monde s'attendoü ä quelque chose d*important de la pari du 
Roiy mais on fut bien stcrpris^ lors qu'apr^s lui avoir dit: Eh 
hien M. de VEscale^ les Hollandois vous veuleni avoir 
et vous /ont une grosse pension; j'en suis bien aise^ ce 
Prince changeant tout ä coup de discourSy se contenta de lui 
demander: Est-il vrai que vous avez 4t 4 de Paris ä 
Dijon Sans aller ä la seilet Für unmöglich an sich wird 
man dergleichen nicht halten wollen, wenn man den Charakter 
Heinrichs IV. geprüft hat, ohne sich durch die sehr berech- 
neten Lobpreisungen Voltaire's und der Encyclopädisten beir- 
ren zu lassen. Barsch genug, wenngleich lange nicht so un- 
würdig wie jene burleske Verhöhnung körperlicher Schwächen, 
war auch die Begegnung, die, nach Scaligers eigenem Bericht, 
ihm bei einer anderen Gelegenheit von Heinrich IV. wieder- 



27 



fuhr (Sccdiyerana IL s, v, Henry IV,): Le Rot montra ä 
Monsieur VAmbiusadeur [Buzanval, französischer Gesandte in 
Holland] son Suetone tout glosS; ceetoit des dictata de Chre- 
stien (SepHmius Florens ChrisHanus) qui avoii esti son pre^ 
cepteur; il le haissoit pour cela, A Nerac [wo Heinrich IV. 
im Jahre 1583 mit Scaliger sich imterhielt] lors qtte je lou- 
vis Chrestien, le Roy me du: taisez vous^ Monsieur de 
Lescalley vous ne scavez ce que vous dites. 




Scaligers Leben. 



Vor Unwürdigem kinn dich der Wille, der ernste, bewahren; 

AIKs Höchste, es kommt frei von den Grottem herab. 

« 

Schiller. 



Nach langem Wander- und Soldatenleben Hess sich der 
ItaKener Julius Cäsar Scaliger, der allgemein ffir 
einen Nachkommen der della Scala, Fürsten von Verona, 
galt % im südlichen Frankreich zu Ägen in Guyenne nie- 
der, übte dort die Arzneikunde aus, auf welche er sich 
neb^i seiner müHtSriscfaen Laufbahn verlegt hatte, und 
heirathete im Jahre 1529 als Fünfundvierzigjähriger ein 
sechszelmjfihriges Mädchen aus gutem Hause, Andiette 
de Roqves Lobleca, welche ihm fünfzehn Kinder, zehn 
TSehter und ffinf Söhne, gebar. Der dritte Sohn, An- 
diette's zehnte Geburt, kam in der Nacht vom 4. auf den 
5. August 1540 zur Welt; der Pathe, Gerart Landa ge- 
heissen, welcher einen Widerwillen gegen seinen eigenen 
Vornamen gefasst hatte, wählte für den Knaben den 
Doppelnamen Joseph Justus. Im Jahre 1551 wurde 
der ellffährrge Joseph — der Doppelnamen blieb nur für 
besonders feierliche Gelegenheiten in Gebrauch — mit 
seinen jungem Brüdern Leonard und Jean CoDstant auf 
•ine lafleinisehe Schule nach Bordeaux geschickt, wo da- 
mals Muret und Buchanan*), beide mit Scaliger dem 
Varlflfr innig befreundet, als Lehrer am aquitauischen 
GyKinasium wkkten. Nach dreijährigem dortigen Auf- 
enthalt kehrten die Söhne, da die Pest in Bordeaux 
«usbraeh, naeh Agen zum Vater zurück, und Joseph ver- 

3' 



32 

weilte nun bei demselben bis zu dessen Tode (1558), auf 
die wissenschaftliche Anleitung beschränkt, welche der 
in den Siebzigern stehende Greis ihm gewähren konnte. 
Sie scheint in nicht viel Anderem bestanden zu haben, 
als in dem Zwang, täglich einen kleinen lateinischen Auf- 
satz zu liefern, und in dem Gebrauch, welchen der dich- 
tungslustige Alte von des Sohnes Feder machte, zu Auf- 
zeichnung seiner allabendlich auf ein paar Hundert sich 
belaufenden lateinischen Verse. Die durch solche Sekre- 
tärsdienste erlangte Vertrautheit mit den Gesetzen des 
Verabau's äusserte sich auch bald bei dem siebzehnjäh- 
rigen Jün^ng ii]^ einer nicht aufbjBwahvten lat^inisohen 
Tragödie ,0e4ipusS üb^ welche er selbst im höher^n 
Alter nicht glaubte erröthen zu müssen. Wie es aber 
auch um den poetischen Werth dieses Versuches viag 
g^staaden haben: gewiss bat Scaliger die Belebui^g und 
Befestigung de9 metrischen Sinnes, det ihn epiter; ^ 
sehr vor seinen Zeitgenossen ai^smqhnet % dem uijLUtiter- 
brochencn JugendveAehr mit Versen zm da^keag^abt; 
und die gehäuften, vom Vater anbefohlenen pro^ai$€hen 
Uebungsaufsätze haben \yohl , auch ibr guteß Theil, bjdi- 
getragen zur Ausbildung Jenes unpaobahmhohen latei]:^- 
schen Stils ^), der ^chon^ )n dep firiUie$ten Schrifteil, 
z. B. den Conjectcmea, in voller I^eife ^^cheint Auf 
peinlichen Ciceronianismus; verzichtend und mit ,d^r 
Sprache wie mit einer lebenden umgeihend^ unterscheidet 
er sich durch gefüge Leichti^e^t von den SchAorfc#- 
leien 'äer damaligen Franzosen zu nicht geringerem Vor- 
theil, als er durch gemessene Kürze von d^oBi 'Rede- 
schwall der Italiener absticht; und nooh höher ist ihm 
anzurechnen, dass die Lebendigkeit seiner Wendungen 
sich stets fem zu halten weiss von der üherreizteai Span- 
nung, welche i^ den Büchern nnd ^ Bridfen des Vaters 
nnr zu bald ermüdend wijrkt. Bedenkt Jtn«n> tvie vieie 



»8 

Leser durch den lange' •hoöhgefeieiteB und Uiueswogs uir* 
kfin^erisahen Stil 'des älter^er Scali ger bestochen wordeD, 
wie selten es einem jtuigen Anfängelr gelingt^ die Macht 
des Einfiu^^n eioamsehen^ und wie leicht enfttich dar 
Sekretarsdi^nste leistende Sohn unbewussi in die Schmb« 
weise des Vaters hätte rerfallen können : so wird mau 
im der &üheh stilistischen Selbständigkeil Joseph Sca- 
hgers das untiHiglichste Zeichen einer grossen^ ntir ihren 
eigeäen Gesetzen gehorchenden Begabung erkeinzieti aiüisi« 
sen. • Auch in allen anderen philologitohen und titera«- 
rischen Dingen scheint die kräftige Natur des Soh^tes 
«ehr fipüh ihren eigenen Weg 'gefunden und «ich vor 
Nachateamog der' dilettantischen, zuweilen recht irunder*- 
liehen ^) Sieittos^rünge des Vaters gehütet zii • habefei; 
trotz aUer kindlichen Verehrung fiir denselben hat er 
sieh auch nie gescheut,' die eigene ' bessere Einstdht in 
ausdrücklichem und oh sehr derbem Gegensatz -zu den 
väteörlictien Schrullen brieflich wie mündlich' auszu- 
sprechen* ',-'),'.; 

FrucUtbftrer als nach streng pUlotogischer Seite 
hat der Umgang des Vaters, der d^ Ruf ^ihes der er- 
sten Niiturfbrscher böhätiptete und : aus^bireitete ) ärzt- 
hehe Praxis besasär, auf die naturgeschiefatlich^i NeiguitK 
gen und Studien, des >Sohn^s gewirkt. Vob früh an rieh- 
tetai siie sich votnehmUch .auf Aiiatömie und Botanik, 
und ihr |>hilologisoher Ertrag darf nicht lahfdib s^dil- 
kuik^ge IBehandluiig des Hippokrätes,; Theöphräst: und 
Pliniüs ^ : beschränke werdien. Sieliabeli gewis^l daiu 
gedtelilv !d^n 3kin für !das lebensvolle. Dasein < der ^ Dinge 
•aoeh unter .dem dindauemdsteinBüellerstudium /stets! rege 
za eoEbalten; uosid dieser is^lbst. in seinen Lti^ümesn' eich 
nie Tedeugnende Sinn fiir das Röale, die vqUigeiUnia- 
hij^eit, ubariEtwas zu .reden ohne es : sieh wesenhaft 
>ico£ziisteILefi^> der .energische Toq, der^siöh :da< eiojSndet, 



u 

wo eine aolcki^ Kraft, dms WidJiohe amanfwhadtep, euunAl 
vorhAnden «^ lüeat E^nsehADieii aiad es doeh yorsü^db, 
.wekhe auch die pfailologiBchen Schriftmi Joaeph Sea- 
ligers so unendlich weit erheben vhex die diorab Sohaif- 
siHA tmä Eruditioin gleichsehr emp£(^€oen LetatHBgefei 
der Zeitgenossea «nd der Spateren. 

Hsad in Hand mit Etweckucttg und üebutig des nsr 
iniifbrseibendan Sim^s guig in der Emc^ungsweise des 
akett Scattger ein um^läseiges, don^ Bespiel und Et*- 
maihäiitg verstfiriLtea Scharfim des Wakrheiltssinnes; Jo« 
leeph erinnerte «ich nicht, je «k Knabe mit den Gescdbwir 
"Slem vor den greisen Vater gebraeht worden zu sein^ 
-^dine dass ^r m» mit denl Znmf: »Nicht lugen !^ 'en^ 
pfitKig^n hätte; ttbd in leiiier bewegten Sdbstscdbldeiitng ^) 
fahrt er «einen Hass gegen die Lüge nieht minder auf 
«die Uttterweisniig des Vaters als auf natächcliB iJ^oki^l^ 
flralrück. 

Solche ednache und auf Erregung des wissmsolialb- 
lichen Gesammtsinnes» mithin auch auf die philologisckie 
Xhfid^nit «inflieasende Vorzüge mögen d«MQL Ersatz bie- 
ten «fibr Alles, was die TOteriidue Pädagogik an Metfande 
iuad Umfimg der eigentUeh phäologiaeibeB Studien var- 
-oiissen liess. Und iNiokto veimisate jSbac hbim Xcde deli 
Vaters neunzelnijäbiHge Jüngüng «o schmorzlidi, wie idie 
ICflirtitniss dies Gbieehischen. Kaum erholt von der, amdi 
Jdos^eilioh ihn anis TkJste erschütternden % Betäubung 
^er -den Tod de« YBb&m^ begab er Atk maaSh ^PßtiB'kL 
iden Hfivsaal des Adrianus Tumebus, um dbrt dals im 
i6fiebfaisetien Vitoäunite «adnsuhdlen, merkte jedoeh nacdi 
Verlauf "vem BW«i Menoten, dass der fiesndh dieses selv 
gntehrten Bfönaak £k ihn, der noch lii—in die gnecU- 
seiien iCottJugationen bemettttert, FÖlHg ifencfattos hleafae. 
Da itanfte «r disn Voesatz, »sieh auf aein&m -Einuner aiimi- 
«dUieasen innfl «ein eigener Ltfanor «u -wecAen, griff lau 



39 

dbiwt ficMBfir mit Uteimsdlicr Uabcrsetsung'^, den er m 
di«i Woi^flB • dtmdiarbeitete, aus Beobachtung der Ana« 
Wgie dioh aeÜMst eine Grammalflc susammeneetzend, die ein- 
^e, ^maoh eeitter Auseage er je benatsthat. Darauf ver- 
sdilaiig er m Tier Monaten waa damals Ton grieehisehen 
Diditem jeder Gattung yeröSentüchi war, ohne die poe-> 
tiedie LeetÜre dwoli IVoeaiker su unterbrechen, von dem 
riefatigen Gcfähl geleitet, daaa der Unterschied der zwei 
I«Bome im Chneohisiäien au gross sei, um eme gleichzei- 
tige gruB^eiM Aneigniing beider zu gestatten. Zwm 
YoUe Jahve verwendete er auf dieses eifintge Selbsterler- 
nen des Gineehisehen; und eine grosse linguistische An- 
lage «nmal ▼orassgesetzt, «ridart <Eie vmgewölmliohe 
Methode auch genugsam die raschen und seltenen in- 
folge, wdcfae er erreichte. Sie äusserten sich zunächst 
in der Leichtigkeit, s»t welcher er die Dichtungen der 
daca klassisdien Sprache in der andern na^büdete, 
Treue nnd metrische Oleichartiglmt mit dem Wiederge- 
ben des poetischen EindraciEs so veiUndeiid, wie man es 
fifar Ucl)ersetz«mgen in das Oraechisohe bisher nicht ^nmal 
zu fordern gewohnt war,, und in den lateinischen Arbei- 
ten dieser Art eine Heisschaft über den altlateinischen 
Sprachschatz bewährend, wie sie eiagestandenermaaesen 
seitdem J^ieoiaiid besessen hat ^ 

Ermnsdiigt durch das glückliche €^eilii^en s^ef auto- 
didaktisehen' Anstrengungen, wollte er, nadi A4^uf d^ 
dem Chriechischen gewidmeten Zeit, in ftlmlkhem Sturai- 
schritt «md mit der ihm eignen ,yerwegeaheit^ des Ler- 
nens ^^ auch die Eenntniss der oinentalischen Sprachen 
sich erobern, t^ begamoi mit Jiam Hebräischen und den 
aBeiBädkst verwandten Dialdbten, auf Anrathen daß 4>e- 
i^hmt^iL Oiiflntalistw und absonderlich^i Religionsneue- 
«eis 6wlelnm» OPostdhis:^^, dem er zafiOKg b^egnet 

r; £r mjttsete jedoish bald die Erüahrmig machen, diiss 



nU^ aoljia^bgi^lagi "itiees gedicffit>fdiiroUieiii;§ed^:^ An^. 

SQQ./ iWißi Iviol ,Wertli .au(;k* ^eftligeir auf sein oiü^ntaH^ 
^obe&^iWilieeatinBler^ gelegt liat^* tiuid -ivse (ge8chiohi:i<eff: 
auch mjt 4edi^ .was ec «iciwöä^b^iv zum i iNkltzeiäb derJfilabsi-i 
^fikWt • Fhilolx^gia * hauszukaltehi vei^taindM ! so i .hat ier > ^ioh 
iib&E. ^eitk Waiden Uätfang^ sdxtor.KeiDiit3iiäe^t'd6<^h?'m6^eH 
täu^((}hX}^^*ui»ä'r\vtiUureikd sonst^ em alÜu fäohuo)iteiiies:-B^H 
4eo^>ubei^ aieh -imdirdas Seinige ^niJQlitif^eradB&.^eiit iFehleis 
isjbylkmuHer aicibt genug. 'Atisdrikke ^in8cfaräaikieiidbr'>Be-f 
soUei4tiüt^t! rfindeay eobaldi «eiiaufisetb^Sebsäisdi' odec 
A^bifk^h fJRiK' tspredken ' köifaoat. . imr Qebffiiechto^ • rivio ieU 
mjfil ej»i:Uitftbeii(erlaubbn(daxfi hnfc >ev<8i]^ (todb ftiaüQidi 
iaciht!(dur4bt^ die. ; Uebelstäside. >hiiiduTchzuairbciiteii . ^j^iv 
qou^cbit^ >wi^lclbe( lein - «spät^^ !Bbgini]teiu und / ßin 1 Iebi*edi06e8 
JaßJsMti' ,tf^.i>e^i^jxia pflegenLi Tcöiz jfaiiQbet^>übeirfaisc]i«iicl 
bellet >'B1$l)keti^ habere V^ohi/^m den Sporadie «md Litl- 
ter94»»\, 'fehlt läüiib doch die sie]Mte;iYerlikuifaeit; mü' denii 
AUtftgliffb^u, I dita t ifeste i Untorecfae&deiii i swischoti Beteln 
n^teiaigem» tindi \ Uxuöegelmääsigeiii, das «feÜBore Gref&hl ; fiix 
did' >NuMc^iIl<; es'feMtt ihkn! idsollmi ;Hebr&isda:ed>^et 
fi^eoHmbe i wm, i Un^gdme, - 'gerade das^ i t^aa - iibm' als Masi^i< 
scbem Philologen vom Alibeginn i]iimdrI)80:geWäjrtztg>isi!ir 
Seiib^. «tetibt,' imdid^eiseil »fii^fdas fGribdbibckei.llaIld;Latei- 
9i«ch^>.^&t6t)80 sehr.ittermebrter: imdibefifestigtler iBeä^itk 
aaj^ d^.(6ariüUldMge. ruhts^^^^^^ Min^< ersteh 

Anfi^rthal^siiinFAaris/. durch ma^eienwbisesi Lesea; uhd 
naßhbUdende^i U^b^rsetzen. igewoaman /haute. J t . V * -^ « : r i 
,^.s\^ £Jl^ienßO(iaehr( td0 nacih fwisseiMSi^hifbliiDber iS<^te» t^^ 
d($ ij^Qivfi^l?\9!n^):^tr\äski^ ryon ^i^toohäbt 

dApdevH>iBi^de)uLtu2)g»'ifuk;n<seiteiei ireltg^b üEhtwii^elul]^ 
^^hileiai ^ide& Bredigtto d^ BJdfoniQdrtcnilali^Ye Zeit 
he4gewQbnlWi lit^aa^lelriJiefa. ld$2, .limheiveiiiBdaii/^ra^Klzigaten 



37 

•- i»e «eine&rr Eeben»^ ids Mitglied dieser Kirche aufinek» 
mea >^)y hatte seitdem 'sem voUes Tbeil iroh Alläm, wto^ 
iff iWidriüiä Leid 'die. Ifinoizeiisohmi B^i^nurtbiibetmC 
und woide? gdtr bald: als idi^ gUdzendste. g^ehnie-ZieMld 
deor. gaxizen rdToarvirten Partei' von! semen ßlaubeasyerM 
wandten, gefekri und r^en. gegnenseher Säte angofeindeti 
Bei fa^ jedem ÜBtheüv' welches die Zeüf^eix^osseri J&et 
Hai att8spre(äi^!i,''kaä]i: man aus dem eAtwieder VA^t 
sdki^ahglscbeii od^r widerv^illigbn Lob^ andecerseitä aB4 
dem sdiionend vcsrhültfea. -oder begieiig aiush da» Kkifcuto 
aa&töbemdeii > Tadel dewtlioh . -deai Standort heraus^dccb«^ 
neu,* Wdchen dbrijedesiftal Urtheilende in d^n grosaeb 
ReügionskaiApfe eiilnimmt. Auchi war es nidbt.bloa öine 
Folge der Hefitigheit jtoe» £>ahi^fes und leiner * daduDoli 
hervorgerufenen Bie&ngenheiti.).da8a man iin Scalig^ dmi 
Phik)h>gQii Ton i dem OalVinistbns nieht tr^anela« moobtäw 
£r «äbsit. ergriff mit:geflisseiijkliehem Ei&r jede' Gelegeä9H> 
heit, um die: Berühruiig8{)uälfite..kü^hltettjßr uad/pdiU<>h^ 
giseh-^hisijoriscüer Fotsobung aüftui^teig^n;. ob)^ Scheu 
durchbricht er in '^eiiien Schiift^i jene SdaeideWaod 
zwischen MUis^hem-nndiKlass^chem, z« detto JEj|>ri!(dl4 
tniig dch m 'Hauen während des fUilfssehnteii! Jiihtbim^ 
detts die ^ rveMehiedenen\ Partei^ot * in stillem Cmv^tstaad^ 
niss, wenngkich aufi i^nit^egeiiglesetzten AJblsklljbett^iYeff^ 
fonnden. hatten] Die '• IstaatsmänaailsQhfiai llieotegcai Italien 
fuix^bte^en die Kraft ^ilMrea ;heiligeii tKegieilu^^mittetl« 
dur<£ Veiinengniig.Mit And^riiart^esv.zü si^iVäcbefi';^ 
pa^anisirendto <AlterthiimliQr^<dagege03i, : l^elche in: Dtaliea 
damals ' so Izahlreieb > wai^ny, Iwifllt^^i. die Bibeliia ftdUrüng 
^pa&ommen lass^Ä. -^£s: war duartl dieselbe > Tren^cung)«^^ 
safanmeDgehörigeQ^.Gfiebiete, >welöhe! seit der>SIittd;dessaHb- 
sehnten ' Jaharhiihd^rts talmcfa für; ! Frankreich . 9Ur > ; GeltiüU^ 
gabradbt ist; iseiti jener! Zeit! habe« ja die Fralnzq^iiaiii'Mmr 
^idttene i Stteifiriige i laus i dem einen w idßßi • l^deiK G^iflk 



untemommen, meistens im Dieast entiredeT ttnwissMi- 
sohmfüioher oder irreligiöser Zwecke. För die grossen 
finoizosischeii I^iilologen des secbszehnton JafarlmMderts 
bestand jedoch eine soldie Trennung noeh nickt; und 
wie Scaliger, uadi dem Ausdruck eines Fiieundes, ,die 
Religion und die Musen* nnt vereinter lidbe in seinem 
G^emüthe nwfteste, so greifen auch in seinen Sduiften 
Theologie und Philologie aufii Lebendigste ineinander. 
Je allgemeiner man, bei dem jetzigen Oaage xier philoLo« 
gisehen und geschichtiliidien Studien« Sealigers wisseui- 
sefaafiüche Gvösse darin erkennen wird, dass er zuerst 
eme umyersale und rei^leiohende Kunde des ßelücbeii 
und westlidK» Alterthums besessen hat und zu Terbrei- 
ten sachte, um so deutiidher wird es audi zu Tage tre-* 
ten, dass er 4ie Anregung zur Wahl eines so hohen 
Zieles und den ausharrenden Muth zur Eneichujag des« 
8eK>en vomdiinfioh geschöpft; hat aus einer gleichsehr 
innigen wie firattieididien religiösen Gesinnung. 

Gekräftigt durch Einblick in die Welt und ihre Ge« 
gen ott ze wurde diese religiöse Biehtnng Scaügers auf 
längeren Ileisen in itatien, die -ar in Gesellschaft des 
französisch^i BIdelmannes Louis Chastaigaer de la Boohe^ 
poBay^ ^antemalttn. Das £me 2hi88nmieiileben «mit die« 
s«r EanUle begann im Jahre 1568 und dauerte mit Imn* 
g«pen üatetbreebungen bis zu Scaligers üeibersiedelung 
aaioh LeTden (1S93), wohin ihm noch der Sohn des 
fiauMs, sein Zögling Henri Lc^, Ar das erste Jahrsei'c 
nes dortigen At^nÄaltes folgte. Um das Jahr 1566 be* 
gab sich nun d^ filtere 4e la Ro<Aepo2ay als französi^ 
fM^er G«sandtear nach Bmi, und als Hausgenosse des^ 
selben hatte ScaKger die beste Gelegenheit, sieh mit dmr 
Vergangenheit 4er ,Stadt^ aus ihren Buinen bekamt zu 
machen, su^ieh aber anich yiel tirfi^r, als ee gewäm- 
Mdien Romfldireim möglidi ist, in die vobmogeneB Be«- 



g. a ron g sgUin dBät» und CSuaraktere derer au Ui^eii, waklie 
nodi immer ron den nebea Hügeln herab der Welt ge- 
boten. Zweimal, in deiä genannten Jahre 166S aad dem 
darauf folgettden^ besudbite Scaliger Bom^^ und er- 
neuerte dort die scbim aue dem inftterliehen fianae stam- 
mende BeicMmtaohafi; mit Muret, welcher ihn dann wie* 
d«rum bei den hororragendsten wissMffchafiEehen Gröa- 
aen einf&hrte. Von der fesselnden Gewalt der Tiber- 
stadt aefaeatt Scal^er jedoeh wenig «npfimden xu haben; 
cfie längste Zeit aesnes italienischen AuüsnÜialteB ver-» 
brachte er auf Reisen in UnteiitaUetn bis naeh Neapel ^^ 
und durch Oberitalien, wo er in Verona die Gräber sei-» 
ncr Ahnen besttdite und in Venedig die ,&&uber seines 
firbiandes^ kennen aber mcht lieben lernte; wie aich denfei 
überhaupt eine wenig gftnstige Meimmg yxm den itaii* 
sehen Mmschea seit jenen Reisen für immer bei ihm 
festsetzte. Als wisaenydwfiflkäie Audbiente inrachte er 
eine grosse Ansahl Ton Insdonften ^^) ans Itdien heim, 
den Kern der später so ansehnh^ Termdnten md end^ 
lieh GroEter^n zur VerBffentHekmg übergebenen Samm- 
kang. Das Suchen und Benutzen Ton Handschriften muaa 
er nicht mit demsdben £i^l)etnriebBn haben; seine Bpät 
teren Aihsiten weisen nii^^ends auf italienisohe Codaans» 
aondem nur mif firanzösisohB und deutsdhe* 

Auf der Rndoreise besuchte er Ggrossbzitanmen^^ 
noch im Jahre 1566; dsß Sitten der insnlaner zogen mehr 
als die danmls, wie er sagt, dort geringoi HtiaträiMchan 
Sammfamgen sdne AuAnezksamkeit an; aber die eings^ 
wurzelte Abneigung des Ftanzösen gegen >enghscfaes.Wief- 
taen ireimocUte ^luidi persmilicher Uo^^ang uidbt zu be«- 
siegen. 

Nach FraDicretch heimkehrend, iand er «es in den 
Zujdbmgen das zseeiten ReligionskriegsB i^567^^ 15fiB). 
Am ^dmsalben und dem mm »diesem aich bsidfeninpiiir 



40 

nebten dritteii' (1560-^1570) nmtim 'er,< in demBeibNL der 
Hugeiiotten kämpfend; i^^ ühüigen^ Aütheil; er verlort 
wahrend dieser Zeit, iwas^er YOift<dem'ielteidiohe& Nach^ 
laB8 hoch besass; über die Bürgerscliaft. seiner Vaterstadfc 
Agen hatte er. sich bitter izu bekla^n^ und die Mehrzahl 
seiner Frtande frei in den mördemchen Schlachten. V<m 
Lebeils^ ufeid fiEist aachron Wissensuberdruss eirgriffen^ be^ 
gab eir sich um da» Jahr 1570 nach Valence (Dauphine)izu 
Jtacabus Cujacius^*^, Dieser .unvergleichliche 1 und da- 
her auch scQiw^r tu lobende Mann richtete. Söaliger aus s«i^ 
ner Niedergeschlagenheü iauf, und fahrte 'ihnrin das !StUf- 
dium d^ römibchen Rechfe ein- ScaU^er isctoitü darin so 
rasch vor, idäiss nach Verlauf wön^eri Jahre dur M^isteff 
diiedem Schiller . den ofan^ Folgen ' ^gebliebenen ! Aditrag 
oBtohen konnte, sein College als Rechtslehrer >zii w^den ^% 
Nibht Imnrder lebendig wiar der Verkehat der beidte« 
bald iiu(Jnhig8F Freuiidsohaft vißrbundenen Männer in den 
strenger philologischen ^Stüdich, fidie iCujadus -mit Liebe 
lind Erfolg triiebv rwit^woht immer nur .ipit letzter KüeBt 
siefat -auf seine fi«chtawissentsohaft« 'In gewohnter. Fflrei4 
gebigheit bot er seime reichen: haridaehriMichen« Schätse 
SSealigem zur B^natäung- dar; und diese^' verstahd* die 
MnDbsclriptB'niit'ls<!> gründlicher Sicherheit aiiskubentenf, 
dass Cujacius' • Laune ihm dein Yörwurf (machte ct^iaaMr 
depmeeUi lis'memüicripts^^ Em> so vertrautes Verhältniss 
TOMCujaciusi lenkte auf SoaHge^ aiich'ffie BhoUe d]eslgan^ 
a«ii Schühifkreises, derti^htaus -alleii /Läildieni unk; dte 
grossen rReehtslehrer gesammelt hatte. Man brsAieht sich 
fuök' an das lunbegränzte -Ansehen in erinnem,; das! Guja^ 
^»isigenoiss^ und an ds^'Getvidit seines Lobies^ imit dem 
er sehr wirthschafüich umzugehen pflegte, um den Ein- 
>d]^ck:ri^tig zm^ihnfessea; dmi ^s (machen musste,. wenn 
derkuf dekr !Höhe des- Lebehs undidee Ruhmes stehlende 
Jurist tinMuikan isein^ iäusg6artttitetbn;iTfVierke d« vm 



41 

zwanzig Jalir Jungem folgdüden^maasdeii ^tivähnte; d^ 
etissinvM Josephmig SnMff^y ä quo pud^ Sieeenting **). tin- 
ter den Vielen Vedbindungeri jedoch, wrfchfe durch 
solche Stellung zu Cujaciuö Söaligern iüflosiifen, ist be- 
sonders die Frciandschaft hörrorxühebeli; \?«^dfehö zwischen 
ib& und dem spfiteren Geschichtschreiber und Paria- 
mentsprasidenten de Thou *^ sich zu Valence begründete. 
^Sie hat in beiderseitig ungeschwächter "Wärinö bis ztnn 
Tode des früher abgerufenen Scaliget fortbestanden, 
wurde Ton Seiten de Thou's mit einer sich liie genug- 
thnenden Bewunderung v<)n seines Freundes überlegener 
Charakterfirtärk^ und Geistesgrösse gepflögt, und in Wort 
und Sdirift noch tn cfiner Zeit bethäti^, wo es fiii? einen 
hohen französischen Beamten nicht unverfänglich war, 
den ,alten Calvinisten*, Wie Scaliger bei ' seinen Feinden 
-hifess/ dieisen inä AngesiCfht zu preisen. 

Atrf die fcu Valence in Gesellschaft solciier Freunde 
wie Gtgäöius und de Thoü verlebten'Jkhi*e hat Söaliger 
I immer* mit iw^hlttüthige* Erinti^ning zttrückgöseh^ri «^). 
Sfe uanfasifen gerade die kürze 2?wischenzeit pölitifi^cher, 
: Unheimliches blutender Stille, ' Mvelche den drittW'ßeH- 
gionskrieg TOn der ißartholöäiSüsnaetit ttenöt. ' böch 
ww nicht jene Nädht scihtild ' daran, däss SibaUgier Vä- 
lerioe : veriiej^s •^. Kurz Vorher schon W*ar ihm * ' dttf ch 
Cujaoius' Empfehlung 'die fihre und diiö NoiKh^zugcliaien, 
; an? der diplöifaaitiöchen Sendung theilztiüehmen,' ü&i ' "^el- 
chrir Cäthacritttt Von: Medids d^n Bischof von Valöhce, 
Jean Mönlüc, betraut hatte, um äfem äaniaKgen Biejf^ög 
vonAnjou, später Heitiricfr UL, = die «Öledi^e ptylni^i^e 
Wahlkrone zu^ •Ter8öhii;flfen. Aw einuiiäzwääzigsten-des 
fer Frankreich verhän'gniösvollen Äuguötmonats i&72 er- 
hielt Scahgbr, det« sich auf kütfee Zöltnai^h Lyon tür 
Eiideitung des ' Druckes seiner ^Catalectä begöb^n; den • Be- 
fehl, schleunigst aufzubrechen und den Monlüc in ^trads- 



42 

burg KU erwacteo. Dieser g^istiiohe Diplomat hatte 
schon etwiM» firäb^t ^^^ aieli^elmten Augtist^ Paris Ter- 
]as8^, Bicbt unbekannt, wie ed sob^i^t, mit den blutigen 
Aascihlägen gegen die Hugenotten ; die eingetretenen Er- 
eignisse erfixbr er noch a^f fraoaödisehem Boden zu 
£peniay in d^ Champagne, wo l&nger zu verwegen 
KraBlr,heit ihn genothigt hatte» Nun woBte er, der 
I^nUieit troteendy seine Reise beseUetuugen, um nur 
die Gränze zu erreichen, bevor das ganze Land in Auf- 
ruhr gerathe. Aber zu Yerdun hielt man ihn fest; auf 
Anstiften eines geistiichen CoUegen, der für semen Borti- 
der, einen Hofmeister des Herzogs von Gxiise, das Va- 
lencer Bisthum zu erlangen faoffke, wenn er den bishe- 
rigen Inhaber, Monluc, aus dem Wege schaffe, was in 
der allgemeinen Metzelei ohne viel Au&ehen geschehen 
konnte. Es bedurfte eines besonderen Befdüs Catha- 
lina's, des Königs und des Herzogs von Anjou, lun Mon- 
hic aus Haft und Lebensgefahr zu befreien und ihm den 
Weg nach Stcassbui^ zu ^hen« Dort traf er aber zu 
seiner g;rossen Bestürzung Scal^er und die anderen be- 
deutenderen Mitglieder der Gresandtsebaft nieht mehr; 
sie hatten sich zur angesagten Zeit einge&mden, waren 
aber auf die Nachricht von d^ BluthcMBhzeit wieder aus- 
einandergegangen; sie glaubten, die ganze Gesandtsdiaft 
werdein Folge dieser Vorgänge unt^leiben, zumal da 
If onhic weder erschien, noch aus s^ar Grefangenschaft 
ihnen Anweisungen zugehen lassen konnte. Scaliger 
mochte sich wohl ancdi nicht langer g^iteigt filhlen, ^er 
.E^eonuig d]|domatisch zu dienen« die m solcher Weise 
gßgen seine Glaubensgenossen verfilhr ; seiner £ditr&stung 
^ber die Ermüdung Coligpiy's und die Sch&ndung seines 
Leichnams machte er m Versen Luft^, deren Veröf- 
i^tUchung der doch aweh nicht idlsu eagbi^ Beza, wohl 
um Uirer Heftigkeit widOea, hintetitoieh« 



43 

Obne sich weiter um Polen und Monhio su künnnern, 
begab sich Scmliger von Strassbui^ rkeinanfwarto in die 
Sebweiii und liete sich einstweilen in Genf^ der Stadt 
CalTin's» nieder« Dort wurde^ um ihn dauernd zu fiM- 
seln« eine Professur der Philoso^^e **) ihm angeboten; 
naidi lingerm Strinben und der ausdrüiddiehen Ver- 
wahrung, er werde den gehegton ErwartungMi in diesem 
Fache nicht genügen, verstond er sich etwa ein Jahr 
hinduroh eu Vorlesungen über Ariatotdes' Chnganmi und 
Oicero's de ßmOnu^ Die Studenten urtheilten: ,Moneieur 
Scaliger rede nicht hin und her, sondern interpretire 
sdnMi Autor gut* ; im Gänsen jedooh scheint Scaligem 
Gabe und Lust zu Sflentlichem Vortrag immer gefehlt 
zu haben. Auf keinen Fall war das Genfer Lehramt 
seiner sehriftstellerisohen Thfttigkeit hinderlich, die viel- 
mdir während des anderthalbjShrigen Aufenthalte in der 
Schwoz eine gesteigerte Rüstigkeit zeigt Ausser klei- 
neren Arbeiten, deren Entstehung zu Genf sidi na^- 
Weisoi lässt^^, ftttt die Abfiftssung der Lidknes Ätuö- 
mamte in diese Zeit seines freiwilligen Exils; und das 
Vorwiort zu deaaelben, aus Basel August 1578 an Vine- 
ttts gerächtet^ ratfa&lt Äusserungen yon Enugranten-Frei- 
■rath über die Zurücksetzung V(m Süd* gegen Hord- 
firankreieh'% ou welidien die damafigen KImpfe einen 
so tief Thrilndimesden und so scharf Bückenden wohl 
Tckeaaüassen konnten. Auch die Arbeit über den Festns 
Wurde in ihren Hauptiheilen noch in der Sehweia abge- 
eofaloasen; denn bereite Ende October 1574> wo er i^rst 
seit Wenigen Monaten niKsh Frsaakreioh «irückgeki^irt 
sein konnte^ widmet Soaliger von einem Schlosse des de 
la Rochepozay aus jene staunenertegende Leistinig sei- 
nes €liekiie'8 deili Bisdkof Monhse« Dennlbe watr inswi- 
scheu Ton dut glüddieh beendigten pohdsciMi Sendung 
hMmgekommen und hatte am zwölften Septeaber 1574 



aua Lyon an Soal%ör eineik 'xkoob erhaltenen Brief ^^) ge- 

«bbcieben, warn «t besfi^chr^ des /,gegeii8eitigen VeBfeU- 

tlenr in >Stra88burg J^iifkliurimgelD» und>i Ylevsichemngeti 

unersehfittertoi! Freiundschaft> igiebt^" zugleich . aber ^zileni^ 

lioht^exeizte. .Klageniierhebth^egeh einest untere: dem ifai^ 

«ohen Nai]lii6n .Eumestdr enschieiieBiien Panphletfi, i «wiel- 

•ohe« [Mokiltte's • :V<arhalten> zvb i iden lEo^eighiasmi': der; fiariho- 

(Ibiüäusnacht echoinungslö» > Mgciff ; i ; den , Brief klingt- > di, 

^ala habe der Büsohofden Vl6rdaoht^<dfisader;walhreiYer- 

faaser, wenn nicht . Scaliger selbst, 1 doch wenigstens «eiii 

•Mitghed des Scaligerschen Kreisis^ sei. -Dielser Verdacht 

war nun freilieh ganz ungegründet; dexm Donellus^ der 

Wid^sacher des Cujiäcius, )hatrte i^ioh. uster denr Namen 

.Furneeter versteckt, und Ctgacius hat slpäter.den Mon- 

hic gegen! desten Angriffs in i einer i biesondem Sdmft 

(Y^theidigt. Aber \ ^e * Vermiithiing, ist ' doch wohl rieh- 

tig,! dasst.die Dedicatioti dۊi'fFestu6r> < einen. Monat^n^kh 

TSaaxpisakg j^nes 'gereLsten Briefen erfolgend'^ . deiki /Prälaten 

und Diplomaiten jedeit noch sbi*iutfterdient«i'i.Ai^iwohn 

bta^famen faioUte« . Nur. darf mJEui in ^eseib Entgegen- 

koinknen nicht tmehr. suchen wollen^ials das Bestreben, 

die 1 einmall angekniipfte Vei^indUng! niit «einem »feinfluss- 

tejßhen ; und' übrigens von \ ScaligeAr . lalich ; in «einen! pes- 

. sönliche^ . . li^ensehaiiteh geschatttta^ . Manne ' nicht (Ohme 

l(irnmd'lUDiZiu(b]H9ehem : NichtS' lagt. den 'Wesen« Scaligers 

feroet, üals, ^etwa^in der Weise /desuhierin/ wie in^ AJlem 

seibr. uhgeniften • EESsnlusy t deh Vosfnehfaien ' durch »hterft- 

irische Darbiingüngelk » Gimsigeieichehket iabzuiwinge& ; l iwe- 

i^^M$)itinMonlüc, ndek kgebdneinemc d^ vielen* fransö- 

4ischen, OiDöiista^ idenen . er nahe i istand^ hätte er • eine seinen 

.Leb^PMgang! bestinunende .Fdardemsig «n verdanken. •! Dde 

.fsatilvoUen sKiiraiiBig Jalure^Mdie ./^viiachwder Bückkehr 

jrn^ fdiäar Schweiz j[iQ<di ih iFrinkipcä^ilbheU^ rFerlebte er 

i^si umAMSchränkter; ! Gbebieter vibßi ieinci ZeitMäntwoder 



45 

auf den Schlössern seines Freundes de la Roehfepozar 
oder auf Reisen meistens in den südlichen Provinzen 
Frankreichs **). Durch die Ueberbleibsel des uiütteriichen 
Nachlasses und die Freigebigkeit seiner Freunde "war er, 
bei dem Heirathsgedanken sich nie ernstlich scheinen 
eingestellt zu haben, auch in solcher, weder grab^iden 
noch pflügenden, Lebensweise vor Mangel geschützt; 
eine Pension von zweitausend Francs, welche Heinrich HI. 
auf Anlass der Widmung des Manilius ihm angewiesen- 
hatte, war im Jahr 1594, als Scaliger schon nach Leyden 
gegangen, noch nicht ausgezahlt. ••). 

So hat er denn, ohne von Amtspfliclrten abgerufen 
oder von Verbindlichkeiten gedruckt zu werden, wäh* 
rend zweier Jahrzehnde seines Mannesalters einer rein 
wissenschafldichen Thätigkeit sich hingeben können — 
eine Gunst des äusseren Schicksals, die damals nicht 
häufiger war, als sie es jetzt ist; kaum möchte sich ein 
anderer Gelehrt^ der Zeit nennen lassen, dem sie zu 
Theil geworden. Bei Scaliger traf sie mit ausserge- 
wöhnlicher innewr Begabung zusammen, und rief nun auch 
Werke herVor, die in ihrem Gehalt jedes alltäglichen 
Maasstabes spotten und deren Form von einer heiteren, 
ungebundenen Frische belebt ist, wie sie nur da sich zu 
behaupten pflegt, wo die Freiheit der Lebensstellung das 
Arbeiten zu reinem Thun werden lässt; überall spftrt 
man den leichten, schwungvollen Schritt eines Mannes, 
der nie ein Joch getragen. 

Zuaä(;hst war es das Dreigestim der römischen Ele-' 
giker, dem er bald nach der Ergänzung des Festus den 
Ertrag jeher ihännHchen Müsse atigedeihen Hess. Trotz 
der vielen Ueberedlungen, ' welche die in überraschend 
kurzer Zeit beendigte erste Ausgabe des Catullus, Ti- 
bullus und Propertius aufwreist und welche in der zwei- 
ten Ausgäbe nur zum Theil berichtigt sind, werden kun- 

4 



m 

dige Leser doc^ nicht austebeut die^ec Textesbearbeitimg 
vor Allem, was Scaliger früher AefauUches geleistet, ^exK 
Preis gereifter, methodischer Kunst zu ertheileu. Hiev 
wollte es überdiess sein Glück, dass er für einen bedeu*« 
tcQden Abschnitt des TibuU aus einer dem Oujacius ge- 
hörigen Handschrift die echte Ueberlieferung seU>8t zu- 
erst bekannt machen konnte, die er beim Varro und 
Festus aus den Händen von Italienern hatte empfangen 
müssen, um sie dann gegen Italiener zeugen zu lassen^ 
IJ^irgends sind nun auch seine Ausruftmgen über das un^ 
geschickte Hantieren italischer Correotoren so häufig so 
wegwerfend und so berechtigt, durch Nichts femer 
hat er so sehr, wie durch diese Au$|g;abe der Erotiker, 
dei^ neidischen Zorn italienischer Philologen und das 
Geschrei vulgatenglaubiger französischer Pedanten er- 
regt'*). Weniger wohl, weil ihm der Länn zu arg ge-, 
worden, als weil er in dieser Richtung genug gethan zu 
haben glaubte und seine Privatstudien einen anderen 
Gang genommen hatten, liess er mit der Herausgabe je-* 
ner drei Diphter die Reihe seiner diorthotisch-kritischen 
Publieationen geschlossen sein. Durch die Cammen^e 
zu Varro, Ausonii^, Festus und nun auch zu den Eroi^ 
tikern hatte er gezeigt, wie man auf diplomatischer 
Grundlage weiterbauen solle, hatte zugleiqh, gegenüber 
der bequemen und daher immer foedrohUcher um sich 
greifenden MisceUenmanißr '^), wieder die Anttore^ 
in einheitlichem Zusammenh^vng behi^adeln geleh^rtf. 
hatte endlich in den CataUdßy durch Qegründung einer 
lateinischen Anthologie, nqch jentcr Brocken- Sci^rifUteL- 
l^ei den Weg gßwieseut w;ie sie der Wissenschaft ni^tz'- 
lloh werden -köi^ne,, indem sie. Versprengtes auflesem^. 
und Trümmer zjusaiw^enfögend, die LückiCn ausfiUle, 
welche die Barbarei d^e^ Hittelalters in die Litter^tmger 
ftohicht« gerissen. Ea war nun geuMg S)^iQ.en ^i^g9- 



47 

streit Kur Befhiehtung dt% Feldes diortho tischer 
Kritik; was Scaliger in derselben Weise noch vorbereitet 
und auch schon angekündigt hatte, z. B. den Plautus ^% 
liess er jetzt für immer hegen, und begann eine neue 
Reihe bis torisch -kritischer Arbeiten, die, von Texten 
bestimmter Autoren unabhängig oder nur leise an der- 
gleichen sich anlehnend, ihren Schwerpunkt in sich sel- 
ber tragen. Gleichsam das Mittelglied zwischen jenen 
zwei Reihen von Werken bildet die im Jahre 1579 er- 
schienene erste Ausgabe des Maniiius. Wie wenig eine 
Herstellung des zerrütteten Textes hier Scaligers Haupt- 
zweck gewesen, kann man daraus ersehen, dass er von 
dem Vorhandensein des später in der zweiten Ausgabe 
so emsig benutzten Codex Gemblaeensis schon damals 
Kunde hatte '^ und es doch nicht des Aufschubes und 
de^ Mühe werth hielt, sich die Lesarten desselben zu 
verschaffen. So lässt er denn seiner Conjecturen- und 
Umstellüngslust die Zügel schiessen und macht sich den 
Maniiius zu dem znrecht, wozu er ihn brauchen will: 
zu einem Leitfitden für Darstellung der alten Astronomie. 
Diese sollte ihm die Bahn ebnen zur Veröffentlichung 
seines chronologischen Systems, welches er in dem 
WeAe de emendoHone temporum der Welt zum ersten 
Male kn Jahre 1588 vorlegte, also gerade zur Zeit, da 
di<r praktische Chronologie eine brennende Frage ge- 
worden war, in den Cabinetten der Staatsmänner ver- 
handelt und auf den Kanzeln durchgepredigt wurde. 
Das vorhergehende Jahr 1582 war nämlich in allen Län- 
dern, wo der verbesserte Kalender Eingang gefunden, 
eist ämnus ^onfusumis gewesen; vom vierten Oetober war 
man auf den f&nfzebnten übergesprungen, um die Ver- 
selieii wieder gut zu machen, welche der Mathe- 
matiker Sosigenes und der Dictator Gaius Julius Cäsar 
bei Festsetiuttg des julianischen Jahres begangen hatten. 

V 



4ß 

Nach Verlauf von s^chszehu Jahrhunderten hatte ahßT- 
mals die Vereinigung eines Gelehrten und eines dctr 
Welt befehlenden Mannes es bewirkt, dass die Meiischen 
sich richtigere Zählung der Zeiten auferlegen Hessen; 
Aloysius Lilius hatte die verbesserte Jahresrechnung vor- 
geschlagen, welche unter dem Namen annus IMianus den 
Mathematikern w:ohl bekannt, aber vom grossen Publi- 
kum unberücksichtigt blieb, bis sie die Billigung des 
Papstes Gregor XIII. und dadurch den Namen anniAs 
Qregorianus^ sowie all die Unterstützui^ erhielt, welche 
der römische Stuhl, nun wieder mächtig ruhend auf der 
Grundlage des vor Kurzem beendigten ^ tridentinischen 
Concils, in den vielen seiner Autorität untergebenen 
Ländern geiivähren konnte. Ausser der allgemein menschr 
liehen Wohlthat hatte aber die Einfühning. 4e$ gregp«- 
rianischen Kalenders für die Auffassung des seOhBzehn- 
ten Jahrhunderts noch eine politisch - rehgiöse Seite, 
welche jedoch mehr von den Nichtkatholiken hervorge«- 
kehrt wurde ; sie erkannten darin einen Act ökumenisohär 
Majestätsübung S,oms, und einem solchen wollten sie 
sich nicht fügen, auch nicht .auf die Gefahr hin, einmal 
Ostern im December feiern zu müssen. Gera4ß nuu; als 
dieser Streit am, heftigsten geführt, wurde, als. vor ein 
paar Monaten das Edict des Kc^nigs .Heinrich Hl.,, w^ 
ches dem gregorianischen J^Jire für FraiD^eich Geltung 
gab, vom Pariser Parlament, in Abwesenheit sein^is Prä/- 
sidenten Achille de Harl^y ^%. war ^inregistrirt w^orden, 
erschien um die Mitte des Jahres 1.583 n^it einer Dedi«^ 
cation an eben, diesen Präsidenten Harlay; jenes Scalih 
gersche Werk de emet^aüon^ temporum. Es ging in die 
entlegenste Vorzeit zuruek, W2ir vorwdegentd historisch 
gehalten, »stellte den Leser auf eine Warte, von der ams 
er nach Osten und Westen das . Alterthmn überschaue» 
Iconnt^,' ^®) bot aber zugleich Am Interessen «pd X>ei|ien- 



49 

Schäften der unmittelbarsten Gegenwart Handhaben geiiug 
dar. Ein paar Schlnsskapitel handeln nämlich ,von dem 
Lilianischen Jahr*, manc^herlei gegen dasselbe vorbrin- 
gend, was Männer des Fachs jetzt als nicht ganz unbe- 
gründet anerkennen und was damals begierig von Allen 
aufgegriffen wurde, welchen das Lilianische Jahr blos 
deshalb nicht behagen wollte, weil es, zum Gregoriani- 
schen geworden, auf Gebot römischer Bullen sich 
verbreitete. Scaliger hat ein Jahrzehend später in Hol- 
land die Polemik gegen den gregorianischen Kalender in 
einer besondern Schrift fortgeführt und dadurch von 
Keuem den unversöhnlichen Unwillen der Freunde Roms 
gegen sich aufgeregt; zunächst that er jedoch nichts 
weiter, was ihm in den Augen der Menge den falschen 
Schein eines Vertheidigers des alten, von ihm ebenso- 
wenig gebilligten Stils hätte geben können; es war ihm 
fürs Erste genug, den Zeitgenossen gleichsam einen 
Zipfel hingereicht zu haben, an dem sie das ihnen sonst 
so fremdartige historisch - chronologische Werk zu sich 
heranziehen könnten. Nun wurde es doch allgemein be- 
kannt und besprochen; gelesen freilich wurde es nicht 
so allgemein und noch seltener gewürdigt. Gleichwohl 
hat zumeist dieses Werk in den Nainen Scaliger den 
europäischen Klang gelegt, den er seitdem nicht verloren 
hat. Denn auch der nicht ganz dem Stoffe gewachsene 
Leser musste zu Staunen und Hoffen erregt werden, 
wenn er bedachte, welche Studien eine solche Leistung 
bei dem Verfasser voraussetze, und was das Verfolgen 
dieser neu gebrochenen Bahn für die Wissenschaft ver- 
heisse. Bisher war den sogenannten ,Leuchten der Ge- 
schichte (bxmina historiae)^ den unentbehrlichen Hilfs- 
disciphnen, welche ein scharfes Erkennen des Alter- 
äiums in seinen wirklichen Umrissen vermitteln, nur we- 
nig Aufmerksamkeit geschenkt worden, am allerwenigsten 



5« 

von den Itatienern. Was diese darin gethan, ist fast al- 
lein auf römische Verfassungsgeschichte gerichtet, und 
die im üehrigen merkhare Vorliebe für ein gewisses 
Dämmerlicht bei Auffassung des Alterthums erklärt sich 
leicht aus der Begeisterung, mit der die italienische I^i- 
lologie begann, und aus der Tändelei, in welcher sie en- 
dete; man fand sich nicht versucht, dem Mangel ein€t 
sicheren Kunde von dem antiken Zählen, Messen und 
Wägen ernstlich abzuhelfen, weil dieser Mangel nicht 
als ein druckender empfunden ward; beide, die Begetste- 
rung wie die Tändelei, mussten sich in der Befreiung 
von Maass, Zahl und Gewicht eher unbehindert und 
wohl fühlen. Es blieb also den ernüchterten französi- 
schen Philologen aufbehalten, den Alterthumsstudien die 
Leuchten der Metrologie und Chronologie anzuzünden. 
Mit der Metrologie hatte Guilelmus Budaeus einen doch 
wenigstens ernsten Anfang gemacht, und jetzt zeigte das 
Werk de emendatione temporum^ dass die Chronologie in 
Scaliger ihren Entdecker und Büdner gefunden habe. 

Durch dieses Werk überflügelte er nun auch in ent- 
sdieidender Weise denjenigen Mann, dess^a Ruhm ihm 
bisher allein noch das Gleichgewicht gehalten hatte: den 
antiquarisch hochgelehrten, um Kritik lateinischer Pro- 
saiker glänzend verdienten Justus Lipsius^^. In der 
That muss man gestehen, dassLipsius, selbst wenn ihm, 
was er am Tacitus und Velleyus vollbracht hat, nach 
dem vollen, nicht hoch genug zu schätzenden Werthe 
angerechnet wird, doch im Ganzen genommen über die 
Mani^ der Italiener nicht hinausgelangt ist. Er hat die 
Mängel der Italiener in keinem wesentlichen Stücke ^- 
gänzt, und manche ihrer Vorzüge wohl nachahmen wol- 
len, aber nicht erreichen können. Ihre stilistische £le# 
ganz wird in seinen Schriften zu einem immer peinlichef 
ren Streben nach al^bissener Kürze; filr höhere Kritik 



51 

hat ietii in Eiaselben scharfer Blick nicht genug Frei^ 
b^t und Uebersiclit, fehlt seinem sonst besonnenen Ur^ 
tlieil das dirinatorlsche Selbstvertrauen; das Griechische, 
welches die Italiener nie Techt ans dem Hintergrunde 
hennorgeaogen hatten, diente auch ihn^ nur zu geiegent- 
liebem Bedarf bei seinen antiquarischen Arbeiten; und 
diese antiquarischen Arbeiten überschreiten nicht den 
Kreis römischer Verwaltungs«, Milit&r- und Privat^Alter^ 
thümeor, lassen in der Veriatoungsgeschichte eher eine« 
Rückschritt im V^rh&ltniss 2U Italienern wie Sigonius 
wahrnehmen, und fördern überhaupt mehr durch ge* 
schi^tes Zusammenordnen eines zerstreuten Notizen* 
Stoffes, als durch eindringende und belebende Darstel- 
lung der altertbümlibhen Zustände. All diess konnte 
auch bei dem Befang^Mten auf die Dauer keinen Ver- 
gleich aushaltcin mit der litterärischen Laufbahn 8ca* 
ligers, wenn man diese von dem Höhepunkte aus über* 
Uickte, den sie in d^n Werke de emenäcOione tempormm 
erreicht batte^ Im Latrinischen war es Seabgem gelun^ 
gen^ gleichsam die Grenzen der Sprache 'zu erweitern, 
indem er das reiche altlateinisohe Wört^gebiet wieder 
zu Tage legte, welches der italienische Ciceronianismus 
uberflutbet uud vi^deckt hatte, und indem er, seiner Zeit 
T(Mraitö^i}end, eine Eenntniss altlateinischer Grammatik 
gewann, welche noch lange nach ihm ein todter Bemta 
geblieben ist und erst in' den jungten Jahre« va^werthet 
Ȋ werden anflliigt. Griechische Autoren Ireilich hatte er 
flicht in ausführlich^em Zusammenhang behandelt, so 
wenig wie Lipsius oder sonst dn Philologe jener Zeit es 
gethan, mit Ausnahme des eben be^&^enden Casaubonus^ 
Aber daM Soaliger dennoch des Oriechisdien in cäuem 
gatiz anderem Umfang mächtig sei als Lipsius, dass er 
deft griecbischeii Classik^rn in wahlverwandter und vi^l 
untflittiellbari^<^r Weise iiabe stehe als Casaubomiä, d^r^rst 



Sit 

4urch uuermudlichen Fleiss sich Tact erarbeitete r^ 
davon musste Jeder uberaeugt seio» der auch nur di,e 
Conjectanea oder die Uebersetzung des sopbokleiscbeki 
Aias geleften hatte. Und nun ;&eigte er iu dem Werk^ 
de emendatione temporum eine Herrschaft über das orien- 
talische Sprachengewinunel, über das Hebräische, Ara^ 
bische, Syrische, Aethiopische, Persische, die nicht ein- 
mal so bedeutend hätte zu sein brauchen, wie sie es trott 
aller UnvoUkommenheiten doch wirklich ist. Um. in detr 
damaligen Zeit, fiir welche alles Orientalische noch m 
weiter, dicht verschleierter Ferne lag, die ger^ohtdst^ 
Bewunderung zu erregen. Nach dieser linguistiscbea 
Seite mussten selbst die verbleudetsten Verehrer de» 
Lipsius jede Vergleiehung der beiden Ji/tänn^ aufgeb^Oi 
und' ebensowenig konnten sie, angesichts der chronolo^ 
gisofaen Aufhellung der Universalgeschichte, es besti^tein 
wollen, dass Scaliger mit seinem Sprachenschlüssel auch 
antiquarisch viel ergiebigere Schatzkammern aufsehloss; 
als dem lipsius für sein^ Züsammentragungen offea 
standen. Längst bevor Scaliger berufen wurde, den Lip-' 
aiüs in dessen amtlicher Stellung zu ersetzen, war er 
schon von der Mieiniung des Zeitalters auf den Thron 
gehoben, welchen jener mit ihm befreundete und wett« 
eifernde Mann seit so vielen Jahren zu behaupten ge« 
wusst hatte. 

. Zwischen der ersten Ausgabe des Werkes de emim^ 
datione tempomm und Scaligers Eeise nach Leyden zum 
Eintritt in die von Lipsius verlassene Stelle, liegt ein 
volles Jahrzehend; es ist arm an äusseren Ergebnissen 
vx>n Scaligers Thätigkeit, und ward um so eifriger zu 
den, unermesslichen Vorarbeiten benutzt, die allein ihn 
ip, den Stand setzen konnten, bald nach seiner Ankunit 
^ Holland den abermaligen Druck von dreien seinem 
Hauptwerke de > emend^ione, Manilius, > CatuUuA . iiX neuei^ 



»3 

fast immex dep 6rub,er«ii Umfang yerdoppelnden Bearbei- 
timgen begixuyeii! zu las9ain. Die Schlussjahre jenes De- 
cenniums wurden auch vielfach gestört durch die krie- 
gerischen Zeitläufte, welche in Folge der Ermordung 
Heinridiia III. einsäten, und durch langwierige Verhand- 
lungen^*;» welche dezn Umzüge nach Leyden voran- 
gingen. 

Im Jahre 1590 nämlich erbat sic^ Justus Lipsius« 
der während zwölf Jahren die Professur römisicher Ge- 
schichte und Antiquitäten in Leyden bekleidet hatte» 
von »einen Vorgesetzten Urlaub zu einer Badereise ,nacb 
Spaa,;, sein L^b erleiden verlange Heilung. Jederm^ani]^ 
sah vorau$^ da^ er nicht wiederkehren, werde» und man 
erfuhr bald, dass er sich z^jl Mainz mit den Vätern desi 
Jesuitenordens, den Lehrern seiner Jugen4> in Verbindung 
gesetzt und seinen Rücktritt in die katholische Kirche 
bewerk^telUgt hatte. Danaeh bedurfte es unter den da- 
maligen Beligioiisverhältnis^en kaum noch eines förm- 
lichen Niederlegens seines holländischen Amtes, und die 
leydener Stadt- wie Universitätßbehörden mussten dar- 
auf bedacht sein, baldiget die Lücke auszulüllen, lyelch;^ 
der Abgang einer solchen Gelebrität, ,der eigeintlicheo 
Stütfce der ganzen Hochschule*, in dem Lehrefkreise 
machte un4 in , der Schülerzahl herbeizufiihren drphte. 
Dass man auf Scaliger nicht ganz ohne Hofiimng di^ 
Bhcke richtete, bewirkten wohl Andeutungen des Domi- 
nicus Baudius, eines - früherjein Zöglings und späteren 
Professors der Leydener Universität, dessen glückliche 
Eigenart in lateinischem Vers- und Erosaschreiben den 
Philologen bekannt ist, nnd dessen Leichtfejjptigkeit in 
Heiritthsdingen, sowie sein possirliches Streben, auf öf- 
fentliche Konten, als, Ajnbassadeur seine Wanderlust 
zy. befriecjligen, ein, , Bß^yKsch^r Artikel verewigt_ hajt. 
rjii^fifir jjOhrigl^'l /W j«np^ Zc^t i^ Frankreich, lebe^^e^ 



54 

aber öftere Ausflüge über die Grenze machende Mann 
hat gewiss auch die näheren Mittel und Wege angege- 
ben, welche am ehesten den Scaliger seiner unabhän^ 
gigen Müsse entreissen möchten; und im October 1591 
wurde nun eine ansehnliche Menge der versctiedensten, 
auf Scaligers Berufung bezuglichen Schriftstücke von 
Leyden abgesandt. An ihn selbst schrieben erstlich 
Curatoren und Bürgermeister von Leyden und dann 
noch die Generalstaaten der Niederlande; in beiden 
Schreiben wird Scaligers Adel in besonders nJEtchdrüek- 
licher und ehrender "Weise betont. Ausserdem wendet 
man sich unmittelbar an Heinrich lY., der damals noch in 
der Eroberung seines Königreichs durch Waffen' begriffen 
war und den Entschluss, Frankreich tUb eine Messe ein- 
zutauschen, noch nicht ausgeführt hatte; die General^ 
Staaten reden also zu ihm wie zu einem Religionsrer* 
wandten und bitten um die Unterstützung seines könig- 
lichen Einflusses auf Scaliger ,zur Ehre Gottes und För- 
derung der gemeinsamen S h che* fser vice de la cause 
commune). Endlich richtet noch der Prinz Moritz von 
Nassau in einem besonderen Briefe dieselbe Bitte an 
Heinrich IV. von persönlicher Seite her; Leyden sei eine 
Gründung seines Vaters, des Prinzen Wilhelm Von Ora- 
üien; das Wohl und der Ruhm diesef Uiiiversität liege 
ihm, dem Sohne, also audh als eine Familienisache beson- 
ders nahe, und für beides könne nicht besser gesorgt 
Werden als durch die Gewinnung Scaligers. 

Mit diesen Briefschaften Wurde ein jüngerer juristi- 
scher Professor, Gerard Tuning, nach Frankreich ge- 
schickt. Er traf Heinrich IV. im Lager vor Rouen und 
erhielt von demselben eine neue Bereicherung seiner 
Brieftasche, ein Schreiben nämlich, das Scaligem nicht 
blos des Königs Erlaubniss, sondern dessen bestimmte 
Aufforderung bringt, dem Verlangen der HoUfinder nach« 



S5 

xukommen. ISne gewisse Kälte ist in den königlichen 
Worten nidit zu verkennen und der »gemeinsamen 
SacheS in deren Namen die GeneiralstaateK gebeten 
hatten, wird folgende ausbiegende Wendung gegeben: 
J>er König habe Grund» den Wünschen der Staiaten und 
seines Vetters des GrafiNi von Nasrau in alle Wege gfin* 
stig zu sein, besonders aber ih dieser Angelegenheit» 
welche von der ganzen Christenheit gefördert wer* 
den müsse als ein gem^nsames Gut, das von d(^ Einen 
Quelle aus sich Überall hin verbreiten könne/ Zugldoh 
mit diesem Schreiben empfing Tuning einen könif^iehen 
Gdeitsbrief für die Reise nach der Tnuraine, mto Scaliger 
2U Preuilli auf einer Besitzung des de la Rochqiozaj^ sich 
aufhielt. Heinrichs IV. Autorit&it reichte aber damal» 
noch nicht weit über den Umkreis seines Lagers hinaus; 
im südlichen Frankreich waren die Minner der ligü» 
trotz der vorjährigen Schlacht bei Ivry noch immer 
mächtig, und wer einen Pass vom Beamerbei sich trug, 
war nur um so sicherer den liguistisehen Plünderern ver« 
fallen. So wurde denn auch der hoUändisdie Abgesandte- 
seiner Papiere beraubt; er mueste ScaUgem dmi Aultrag 
mündBch ausrichten und konnte aus all den ehrendett' 
Seinreiben nicht mehr mitth^en, als sein Gedäditniss auS^ 
bewahrt hatte. Wie wenig Grund nun aneli zu TAm* 
trauen gegen Tuning vorlag, so mochte dodi dieser Abi 
gesandte selbst, da er eine sohriltliche Beruihng zu Ober^^ 
geben auss» Stande war, nicht allzu dringiend auf dem 
ursprünglichen Hane der T^ydeiier best^en, dass Scai- 
liger gleich in seiner Gresellsdiaft die Reise nach Hol- 
land antr&te. Er begnügte ^ieh, den Curatoten' und denii 
Prinzen Moritz Aurtwortsdlireiben Soaligers zur&ckzubiin* 
gen, w^che, f&r den At^genblick ablehnend, doch beiden 
Theüen Gelegenheit zu weifteiien Anknüpfimgen ofiea 
liese«n. ,Fi^ilich *- sehreibt Scaliger ~ htttCetrdie Biat^ 



.^6 

gerkriege alle Wiasenschiift aus Fiwikreieh vegaft;^ ein 
BiedermuBn müsse überall lieber leben wollen als m 
dieseln französis^ea Lande, wie es nun einmal gewor* 
den; in HoUaüd könne er ein ehrenvolles Amt bekleiden^' 
inFrankreüäi gelte er vielleicht nicht für ganz gescheidt; 
lauter starke Ajatriebe zu seinem Wunsche^ di^n hol- 
ländischen Antrag annehmen za dürfen; aber es wolle 
nioht der rechte Glückswind: in die Si^el dieses Wun*- 
sches blalsea; das Nähere werde Tuning ikiündlieh be- 
richten/ [Dieses Nähere bestand darin, dass Scaliger sich' 
nicht zu dein Kathederpflichten eines Professors berufeoL 
glaube und dass gerade der augenbücklk^h so aj^ zerüt- 
tete 2vustand Frankreichs seinem vateriändlscheu Grefühl 
-vi^rbiete, dasselbe so pL&tzHeh zu veriasssen« . 

In Folge jener im Januar 1592 voi^ Scaliger .gen 
sohriöbenen Briefe stockten die Unterhaildlungeiil wäh^ 
rmid. acht Monaten; eine übelwollende Partei in Leydea 
suchte sein. Zögern als eine entschiedene Ablehnung dar-, 
zustellen, und = inzwischen geschahen auch von franso^ 
sisbher Seite Vensuche, ihn an Frankreich zu fesseln. 
Du Plessis !Mjomay, der Vorfechter der Hugenotten in 
d^' unmittelbaren Umgebung des EöoiigSv vermochte: 
es' nicht so ruhig mitanzüsdbeoi, dltsa s^in Vaterland 
ekien solc^ea Schmuck dem Auslände abtraten ;und 
dos^ seine Paj^ei um den Einfluss eineg solchen G^. 
nossen auf * Frankrei<;h änner werden solle. £s ^i^mg 
soniEich auf Mornay's Betrieb an Scaliger die Aufforde*, 
rung zur U.d>ehmahitae dejr Ei^ziehiuig des Prinzen voa 
Cbnde, wdcher bei der JOsderlosigkeit Heinrichs' IV. in 
ecster .Ehe damals Aussichten auf die Thronfolge hatte. 
Um dies^e Zeit jedoch, als die Vrerhandlungen hierüber 
Yoal Seiten. der £[ofl€iUte mit grossem. Eifer,, von Soaliger 
aber mit augetischi^li^aiNtt Widersti^eben geführt wur-> 
dt», beschleuiiigteii .auch die iHoUänder ihi^e Dliaassr 



ä7 

nahmen «ind schickten gegen Ende des Jahres 15d2aber* 
oaU den Tuning nach Frankreich mit einem neuen, »ehr 
veränderten Berufungsschreiben. Es lautete nun nicht 
mehr wie früher auf Eintritt in die Stellung und Pro- 
fessorpfhchten des Lipsius; nichts weiter als Scaligers 
Anwesenheit zu Leyden wird verlangt, dalnit er dort 
in Biihe seine schriftstellerische Thatiigkeit fortsetze, 
welche durch die französischen Wirren so sehr bedroht 
sei; ,in holländischer Ungestörtheit werde er zum From* 
men und zum Ruhme auch seines firanzösisoheh Vater* 
landes viel sicherer wirken kölinen, als wenn. er sich 
länger den dort tobenden Stürmen aussetze; aber falls er 
dennoch den Entschluss zu dauerndem Aufenthalte iii 
der Fremde nicht sogleich fassen könne, i»> sei maii 
einstweilen auch mit seinem provisorischen Erscheinen 
znfirieden, dass er sich nur die Leydener Verhältnisse 
einmal mit edgeinen Augen ansehe/ Glei^hfiseitig wurden 
Bitten um Beförderung der Angeleg:e&heit an die nädir» 
sten Bekannten Sealigers gerichtet, darunter auch^ offen- 
bar mit Bezug auf den Conde'schen Zwiseh^nfidl, an den 
Urheber desselben Bu PleSsis Momay. 

NaobdexKL nun die Dinge in solche Lage gebracht 
wai^en^ zögerte ScaUger nicht länger, den HoUändem 
seine Bereitwilligkeit zu provisorischem Aufenthalt zu 
erklären, und um seinem Kommen dieseh provisorischen 
CharUkter ndch mehr zuertheilen, Hess er sich dto jun- 
gen de la Rochepozay Ituf die > Reise janitgeben. ,Er habe 
— schiebt eiTt an Douza — diesen seinen Zögling sioU 
vom Vater auf! kurae Zeit ei'beten unter dem Versprechen^ 
selbst ilpA wieder nach Frankreich zurückzufahren/ Eini 
zweitem um diese Zeit an Scaliger adassenes Schreiben 
Heinrijßhs IV. druckt jedot^h des Königs Befiiediguii^ 
aus über seine Abnahme des holländischen Antrags, als 
sei diese eine endgiltige, enthält keim Zeichen des Be- 



56 

dauems, tlass er yon Frankracfa schöidev eroffiaet kein« 
Aussiebt »u baldiger R&ckkehr und vermeidet jede Hin- 
deutung auf die Conde'sche Sache, fiir welcbe Sealiger 
auch nie die leiseste Neigung gezeigt hatte. Wäre salche 
Neigung je vorhanden gewesen, so hätte sie sehr vor- 
sichtig werden mögen durch die Erwägungen, welche 
sein alter Freund Florens Christianus, froherer Leh- 
rer Heinrichs IV. und mit französischem Hofwesen 
aus persönlicher Erfahrung bekannt, ihm auf den Weg 
nach Holland mitgab. «Scaliger möge nur nicht allzu 
stceng an dem blossen Provisorium festhalten — so er- 
mahnt Ofaristianus in treuherzigem Altfranzöi^ch -— ; 
Holland habe das Glück, von dem Herrn Grafen von 
Nassau geführt zu werdem, einem tapfern, tüchtigen, 
gottesfurchtigen und den Studien ergebenen Fürsten; 
dieser werde Scaligem gewiss alle Ehre erweisen, und 
bevor er je Holland verlasse, möge er bedenken, dats 
die französischen Prinzen — und nun schreibt der vor-» 
sichtige Mann Latein, damit die Hofleute es nicht lesen, 
weh^he ihm Leides genug mögen zugefügt haben — am* 
Hstant qtUdem omnibus prihcipibus toüus orbis si genus et 
wrhiitem belli spedes, sed spes et rcUio sttuMorum in alia 
omnie^ MsoednntJ Hingegen kann der ältere de la Roche- 
pozay, mit welchem Scaliger , dreissig Jahre zusammen- 
gelebt, sich picht von dem Gedanken tosmach^ dass 
seinie Entffemung aus Frankreich nur von kurzer Bauer 
sdn werde; «sobald das Land ^n wenig zur Ruhe ge«» 
Idommen, mCtese si^ Gelegenheit finden, ihn dorthin zu- 
rftekzttf&hren ; und dami woUten sie auch ihr Greisenalter 
in GeaeUschaft v^lnringen.* Solchen Hoffiiungen des 
Freundes leistete Scaliger dadurch Vorschub, dass er 
Bücher und Papi^e auf de la Rocfaepozay's Schloss zu 
PkvuiUi zurückliess ^^ als er im Hochsommer 1598 sich 
zu Die^pe nach Holland einsehifl^. 



59 

Es war ihm nicht beschieden, Frankreich wiederzu- 
«ehen, und oft und herbe hat er» wie er nun als Drei- 
imdiunfzigjähriger an ein trübes KUma und an hollän- 
dische Sitten sich gewöhnen musste, jene ünbehaglich- 
keit empfunden, von welcher Franzosen ausserhalb 
Frankreich zu allen Zeiten befallen werden; sie allein 
unter den modernen Völkern schmecken ja noch etwas 
von der Bitterkeit antiken Exils, Aber Alles in Scaligers 
holländischer Umgebung, Hohe wie Niedrige, beeiferten 
sidh, ihm die Fremde lieb und heimathlich zu machen, 
und man bereitete ihm eine Ausnahmestellung, welche 
die ganze Bequemlichkeit seiner früheren amtlosen 
Müsse mit dem Schmuck und dem Einfluss eine« aka- 
demischen Principats verband. Als er bald nach seiner 
Ankunft in Leyden die früher während der Verhandlun- 
gen abgegebene Erklärung wiederholte» dass er sich zu 
öffentlichen Vorlesungen nicht gestimmt fühle**), liess 
man diese Zumuthung für immer fallen, verziehtete auf 
jeden äusserlich begrenzten Nut2^en seiner Anwesenheit 
und begehrte sie nur um ihres firei und still wirkenden 
Seegens willen. Von bestimmten Leistungen entbunden, 
genoss Scaliger dennoch bei jeder Gelegenheit die Ehren 
einer stillschweigend ihm von allen Seiten zugestandenen 
Proedrie, und die holländischen Vornehmen, damals fast 
ohne Ausnahme mit humanistischer Bildung geschmückt» 
wxLss^en den Werth eines Philologen zu würdigen, des- 
sen Grösse fiu: Fedanterei keinen Baum hatte* Mit den 
ers^n Mäpi^m 4^3 Staats, Oldenbameveldt und van der 
Mjlen, stapd er nuf vertrautem Fusse; in Douza's Fa- 
milie lebte er wie in seiner eigenen; Coligny's Tochter 
Lui^e, verwittwete Prii^essin Wilhelm von Oranien, 
ehrte und achatzte ihn; der Prinz Moritz von Nassw 
behandelte ihn mit Auszeichniujg, ,gab ihm bei Tafel 
den Vojr^itz vor fur^tUchen Vettern* und verlangte dabßi 



60 

— wofür Scaliger besonders dankbar ist — keine zeit^ 
raubenden und regelmässige^ Aufwartungen. Ein von 
diesen holländi'sclien Kreisen unabhängiges Gewicht er- 
hielt Scaliger noch durch seine sehr innigen Beziehungen 
zu dem jedesmaligen französischen Gesandten, welcher 
in Folge der politischen Lage beider Nachbarländer im- 
mer an der Spitze des diplomatischen Corps stand. Zu- 
erst fand Scäliger an dem Herrn von Buzanval ***) einen 
offenen Freund, der ihm einen vollständigen Üeberblicfc 
verschaffte über die unentwirrbar sich verwickeln- 
den und der Katastrophe des dreissigjährigen Krie- 
ges zueilenden Welthandel, und der zugleich als einsich*- 
tiger Kenner an seinen klassischen, sowie als freisinniger, 
stiller Mitforscher an seinen kirchengeschichtlichen Stu- 
dien Theil nahm. Das Verhältniss zu diesem Staats- 
manne dauerte mit steigender Innigkeit vom Jahre 1597, 
^o Buzanval nach Holland kam, bis zu dessen Tode im 
Jahre 1607; und ein ähnliches entspann sich fiir die zwei' 
Jähre, die Scaligern noch zugemessen Waren, mit Kerre 
Jeannin, dem ausserordentKcheti Gesandten Heinrichs IV. 
zur Betreibung des 1609 abgeschlossenen Waffenstill- 
Standes. 

^ ' ütn Gunst zu gewinnen, brauchte Scaliger sich nicht 
zu bückeh, und er bräiiclite sich nicht in die Brust zu 
werfen, um seine Wüi'de zu behaupten; in der ihm an- 
geborenen sicheren und aufrechten Haltung konnte er 
ungezwungen auch mit den Vornehmsten umgehen; sein 
Preisitin war fem von jeder Verbissenheit, und das An- 
nehtnlichfe weitverzweigter, glänzender Verbindungen un* 
terschätzte er keineswegs. Aber seine reinste Befriedi- 
gung und seine unmittelbarste Wirksaiükeit fand er, des- 
sen h,öheres Alter noch die Frische det Jugend und ihr 
Feuer bewahrt hatte, doch nur in vertraidich hingeben- 
dem Umgange mit den vielen aufstrebenden Jürififlin'ijcn.' 



61 

die sich Yon allen Enden her in Leyden zusammenfan- 
den. Zunächst schloss sieh ihm ein Kreis junger Hol- 
länder an, aus welchem fast Alles hervorgegangen ist, 
was die Niederländer im siebzehnten Jahrhundert von 
philologischer Bedeutung aufzuweisen haben. Die Stu- 
dien des Jüngern Janus Douza **) forderte Scaliger durch 
Rath und Beisteuer; er liebte den »einfachen und guten* 
Menschen aufs Zärtlichste, und bei seinem frühen Tode 
musste er Tage lang weinen ,comme une vieüle^ Früh er- 
kannte er des Hugo Grotius künftige Grösse; auch Ja- 
nus Rutgersius erfuhr noch seine persönliche Einwir- 
kung; selbst den minder Bedeutenden, wie Meursius und 
Cunäus, entzog er sich nicht, und in allseitiger Theil- 
nahme erfireute er sich an dem reichen Seegen heller 
Köpfe, welche das vom Freiheitskampfe durchschütterte 
und befruchtete Holland für die verschiedensten Gebiete 
des Lebens und Wissens damals hervorbrachte. Keinem 
unter Allen war er jedoch so sehr Schutz und Hort und 
einsiger Halt, wie dem in seiner Frühreife vielverspre- 
chenden Daniel Heinsius. Im täglichen Zusammen- 
sein mit diesem, in seiner Jugendzeit liebenswürdigen, Men- 
schen suchte Scaliger ihm so viel von Regel und Methode 
mitzutheilen, als seine gegen alle Schranken anrennende 
Natur nur immer aiifzunehmen vermochte; früh ver- 
schaffte er dem Mittellosen eine gesicherte Stellung an 
de(r Leydener Universität; eine lange Reihe der vielfach- 
sten Wohlthaten wurde erst durch Scaligers Tod abge- 
brochen; und so verband sich bei Heinsius das aufge- 
regteste DankgefBhl mit der Bewunderung von Scaligers 
aussergewöhnlichen Geistesgaben, welche im täglichen 
Verkehr nur um so überwältigender hervortreten muss- 
tcfl. Aus solche^ Mischung von Dank und Staunen ent- 
sprang dann bei der eingewurzelten Maasslosigkeit des 
Heinsius jene fast idololätrisich heftige Anbetung, welche 

5 



62 

überall ausbricht, wo er von Scaliger zu reden auch nur 
die entfernteste Gelegenheit herbeiziehen kann; aufiich- 
tig wie sie war, hat diese überlaute Verehrung doch 
viel dazu beigetragen, den Neidern und Hassern Scaligers 
das Ohr des grossen Haufens zu öffiien, welcher einem 
ausschweifenden Lobe gegenüber auch den verlaumde- 
rischen Tadel gerne sieht ^*). 

Aber nicht blos den Söhnen Hollands ward Soaliger 
ein philologischer Wegweiser. Nach allen Seiten ver- 
wirtUchten damals die Niederlande, im JFlor ihres HaQ-* 
dels und in der Blüthe ihrer Freiheit, ihren schon durch 
die geographische Lage angedeuteten Berui^ Bindeglied 
zu sein zwischen den romanischen und germanischen 
Völkern; und die Philologie, welche in Italien zum licht 
der klassischen Welt erwacht war, dort erst in Ucht* 
trunkenem Taumel geschwärmt und dann sich in Spie-r 
lerei verloren hatte, welche darauf bei den kräftig arbei-: 
tenden Franzosen zu kritischer Besom^enheit und real^ 
Fülle ausgebildet, endlich von ScaUger als das Organon 
universaler Gesc];üchtfor8cbung gehandhabt wurde ^^ 
diese so erwachsene Wissenschaft verbreitete sich iiw*n 
von dem batavischen Mittellande aus, in der durch Sca* 
liger dorthin verpflanzten Form^ westwärts und ostwärt* 
nach JCngland und Deutschland. 

Auf England freilich wirkte Scaliger mehr durch 
seine Schriften als durch persönUche Verbindungen, die 
er dort eher scheint vermieden als gesucht zu haben. 
Die puritanische Säure, damals noch nicht durch die 
Praxis eines Weltreichs gemildert, verleidete ihm wohl 
den Umgang der meisten Engländer, denen er begegnet^. 
Doch stand er in Brieftvechsel mit Cambden*'), den er 
sehr hoch hielt ; ein Bichard Thomson zu Cambridge 
leistete ihm viele litterärische Gefälligkeiten ; Lords belä^ 
stigten ihn mit Briefen, aus deren Latein er sich nicht 



63 

vei*neliinen konnte; iuch Jacob I., der von semem Lehrer 
Buchanan oft genug Scaligers Lob gehört haben mochte, 
suchte noch als König von Schottland mit ihm anzu- 
knüpfen; aber Scaligers Menschenkenntniss und seine 
reine Natur haben ihn glücklich bewahrt vor jeder nä- 
heren Berührung mit diesem unsaubem Fürsten, an wel- 
chem der Scharfblick so vieler bedeutender Gelehrten zu 
Schanden geworden ist, dessen theologisirenden Launen zu 
Liebe der alternde Casaubonus, Scaligers Abmahnungen 
zuwiderhandelnd, sicli seine Feder stumpf geschrieben 
hat, und von dem s'elbst ein Sarpi mit wohl nicht er- 
heuchelter, aber gewiss übel angebrachter Achtung 
spricht. 

So ist denn die Zahl von Scaligers englischen Be- 
kannten immer sehr beschränkt geblieben; aber in der 
Leydeüer Stellung war er dem Blick der Engländer, de- 
ren Handel und Politik damals so vielfach und itinig mit 
den öiederländischen Dingen zusammenhing, doch weit 
näher gerückt, als er ihnen in Frankreich gestanden, und 
nirgends sind seine chronologisch - historischen Haupt- 
werke so früh und so dauernd wie in Grossbritannien 
zu einem Gegenstand bestreitender und weiterbildender 
Forschung geworden. Eine zahlreiche Schaar chronolo- 
gisirender Britten lernt von Scaliger, indem sie sich an 
ihm die Sporen zu verdienen sucht. Der Zeitfolge nach 
erstes GHcd in der Reihe ist Thomas Lydiat, welcher 
Scatligem für die Vorrede der canones isagogici^^) Stotf 
zu so herzrüchem Lachen gegeben hat; Usher, Prideäux, 
Marshkrii halten init Wechselndem Glück die Untersuchung' 
im G4trig; über Alle aber ragt, auch durch seine neid- 
lose ÜnferkennnÜg Scaligers, jener weise und strenge 
Maiim hervor, welcher, oHne Scaligers Feuer uhd seine 
Grazie zu besitzen, ihm doch an tfmfang der Erudition 
gleichsteht und tn Sicherheit des orientaKsichen ^Wissens 

5' 



64 

w«it übcjrlegen ist: der Mitbegründer englischer Freiheit 
und Führer im langen Parlament, John Seiden. 

Nicht so schleunig wie in England konnten die gros- 
sen Werke Scaligers in Deutschland sich Bahn brechen. 
Im ersten Viertel des siebzehnten Jahrhunderts litt das 
Vaterland der Reformation schon unter all dem sinnver- 
störenden Unheil, gegen dessen Ahnung selbst Luthers 
starke Seele so oft kämpfen musste, und dessen vorwäxts 
geworfener Schatten eine nie erheiterte Angst und 
Trauer über Melanchthons edles Gemüth gebreitet hat. 
Vomehmhch das heranwachsende Geschlecht war theils 
einer Erziehungs weise überliefert, welche unter angelernten 
Fertigkeiten die freien Kräfte zu ersticken beabsichtigte 
und verstand, theils konnte es eine freudige Arbeitsstim- 
mung sich nicht erhalten bei dem unausstehhch kleinlichen 
Gezanke, mit welchem die angeblichen Vertheidiger , reli- 
giöser Freiheit sich untereinander das Leben zur Hölle und 
ihren Gegnern das Spiel leicht machten. Noch bevor 
das Schwert des dreissigjährigen Krieges die Männer 
frass, ward im siebzehnten Jahrhundert die Jugend 
Deutschlands geistig getödtet. Weder auf der Hoch- 
schule zu Ingolstadt noch auf der zu Helmstädt konn- 
ten die Lernenden Frische genug bewahren und die nö- 
tl:^e Kraft sammeln zu dauernder Versenkung in ernste und 
freie Forschungen wie die Scaligerschen. Nur bejahr* 
tere Männer, welche mit der Bildung des sechszehnten, 
Jahrhunderts in das siebzehnte herüberragten, waren da- 
zu noch im Stande. Und unter diese Nachzügler einer 
dahinschwindenden bessern Zeit gehört auch der Lehrer 
an der Leipziger Thomas - Schule Sethus Calyisius *•,, 
welcher, zu Scaligers dankbar ausgesprochener Befrie- 
digung, die Universalgeschichte nach den chronologischen 
Grundsätsen des Werkes de emendatione tempomm bear- 
beitete; sein j^pus chronolofficum^ das, auf den Fassungs- 



65 

grad der grösseren Lesermasse berechnet, sich in vielen 
Ausgaben verbreitete, hat eine traditionelle Erinnerung 
an die Scaligerschen Hauptschriften lange auch bei de- 
nen wach erhalten, welche dem unmittelbaren Studium 
solcher Werke nicht gewachsen waren. Viel fruchtbarer 
jedoch als durch seine veröffentlichten Arbeiten wirkte 
Scaliger auf jene ältere Generation schriftstellemder Phi- 
lologen in Deutschland durch einen lebhaften Brief- 
wechsel; man erholte sich bei ihm Rath für die Durch- 
führung schon entworfener Pläne, und oft wählte er 
auch aus freien Stücken die rechte Aufgabe für den 
rechten Mann aus. Was jenen Deutschen meistens so 
sehr mangelte : der sichere Griff in die wirklich ergie- 
bigen Stoffe, das Gefühl für die in der Wissenschaft 
noch vorhandenen Lücken und der Ueberblick über die 
Mittel zu methodischer Ausfüllung derselben — all diess 
hatte Scaliger von jeher in vorzüglichem Grade besessen; 
und ganz naturgemäss fallt ihm nun, seinen deutschen 
Correspondenten gegenüber, die Rolle gleichsam eines 
Baumeisters zu, der, mit dem Aufriss des ganzen Ge 
bäudes versehen, alle fleissigen Gesellen an ihre Plätze 
weist und Jeden zu der ihm gemässen Leistung anhält; 
bisweilen, wo es nöthig wird, legt er auch wohl seibat 
mit Hand an, dann aber immer nur der nützlichen Sache 
zu Liebe und jedes Rühmen oder Vergüten sich aus- 
drücklich verbittend. Eine solche leitende Beihilfe ge- 
währte er dem David HoescheP*^) in Augsburg für 
seine vielen, zum Theil erst durch Befolgung Scaliger- 
scher Geisichtspunkte verdienstlichen, griechischen Aus- 
gaben; Laurentiuis Rhodomannus, der geschickte 
griechische Verskünstler, war auf Anlass eines lö- 
benden Scaligerschen Briefes, welcher dem Churfiirsten 
von Sachsen zu Gesicht kain, aus einem pommerschen 
Winkel nach Wittenberg berufen worden, und auch 



j66 

ßj^ine dortigen e^n^teren Arbeit^u hegleitete Spaliger 
imiaer mit eraaunterndem Zuspxuch; ^ogay dem ebeof;5i,lJs 
in Wittenberg angestellten Taubmann suchte er ein 
jWenig unter die Arme zu greifen, ohne übrigens yon die- 
sem lustigen Erklärer des Plautus viel zu erwaartei^. JVlit 
ieiner Gegend Deut^qhlands unterhielt er jcdqcjlisa, viel- 
seitige Beziehungen wie mit d§r Pfalz, dem Hauptsit^ 
des deutschen Calvinisixms, wo eii^e Nachbliithe, des 
beßseren Geistes sich lange gegen die hereinbrechende 
^schlimme Zeit behauptete. Der feinsinnige Lingels;- 
heim**), Lehrer und später Rath des Churfiirsten 
^Friedrich IV,, war einer von Scaligers würdigsten Ver- 
ehrern, und zu den Philologen \n Heidelberg vermittelte 
$chon Scaligers dprt wohnender Verleger Commelin ein 
inm^erwährendes Verhältniss. .Friedrich Sylburg, dex 
seine prunklos gediegene Wirksamkeit an den v^ Pressen 
Co^melins und in Ausbeutung der pfalzer Bibliothek be- 
schloss, hatte brieflich und in der Dedication eines Ban- 
des des Aristoteles um Scaligers unterstüt2;ende>.Xheilr 
nähme ersucht *0? »^^ sein bald nach Scaligers Ansie- 
,deli;mg in Holland , erfolgter Tod hat das Zusammenai»- 
beit^n dieser beiden Männer verhindert und die Philq- 
}5>gie um den Erti;ag einer Constellatioj;i gebracht, wie 
.sie ßo günstig nicht leicht wieder eintreten Ifonnte. Denp 
welcl^e Erfolge hätten sich, nicht ergeben müspeq a^s 
eine? Vereinigung von Scalige,rs kühner Cqnc^pjtion mit 
dem vollendenden Bedacht deip Sylburg, während beidep 
der noch nicht geplünderte pfalzer HandscbiiftB^scbatz 
und die Qfficin eines so gelehrte^ und gei^pmungsvoMen 
Verlegers wie Hieronymus Commelin zu Gebpte .^tmd. 
Sichj^^ch hätte ein solches Zui^ammen^ti?eben geistiger 
.Kräfte ^d äusserer Ulittel noch viel Herrlicherea: her- 
vorgebraqht, als aus deqiwiigen Velrbind^ng ^ntotandßP 
i?!;, ^felche . Spaliger , n^pjb dem T^c^i^ des ; Sylbujpg i und 



67 

des bald dAranif vefstc^beiieii HieroDymus, des bedeu- 
tendsten Mitgliedee der Commelmsohen Firma, irntt mit 
einem andern Heidelberger I^ilologen, dem Bibliothekar 
Janus Gruterue, tu gemeinschaftlichen Unternehmun- 
gen einging. Gruter stand Sylburgen nur in dem ein* 
zigen Stucke gleich, dass auch ihm eine lastthierartige 
Kraft 2tt grober Arbeit rerliehen war; Allee jedoch, 
wodurch Sylburg jenen stieren Fleiss beseelt und 
werthvoll gemacht hatte, die Planmässigkeit in der An-« 
läge und die saubere Genauigkeit im I>etail, das über-* 
sichtUche Zusammenordnen des Zerstreuten und die Hetv 
Torhebung des Wichtigen — zu diesem Alleu fehlte 
Grutem die Fähigkeit oder die Lust; um sich dayon 2tt 
überzeugen, darf man nur einen Gruterschen Index mit 
einem Sylburgschen vergleichen; und das Griechisohet 
worin Sylburgs vornehmste Starke bestanden, war Gru- 
ters schwächste Seite. Einen Sylburg hätte Soaligef 
blos zu inspiriren brauchen; dem Gruter musste er form-^ 
lieh die Hand führen. Und diess hat er auch wirklidi 
gethan bei dem grossen Unternehmen der Inschriften-« 
sammlimg, welche Gruters Namen vor dem Vergeiweii- 
werden geschützt hat Nachdem man die dreissig Brie^o 
gelesen, welche SeaHger im letzten Jalirzehend seines 
Lebens an Gruter schrieb, kann kein Zweifel daran auf-« 
kommen, dass Scaliger d^ eigenttiche Arbeiter und Gru^ 
ter nur eine Maschine war, die obendrein eine unveti- 
wandte Beaufsichtigung erforderte. Anregung und= Han 
des Ganzen ging von Scaliger aus; Scaliger lieftdrte aus 
seinem eigenen Vorrath den bei weitem grössten TheÜ 
deit bfsher unbekannten Stücke; er mi&bhte die einge«' 
firtrenten griet^hischen Inschriften lesbar, mit denen Gtuw 
ter üinudoier fertig geworden wäre; die in geringer Ant^hl 
btigegebcäCien Anmerkungen sind aus seiner Feder ge-* 
floi»sen i, ^weit cUe Entfernung vom Druekorte es mdiess, 



68 

8Q£gte er für Ausscbeidung d^ Uneichteii; und als nun 
die ujoübersehbare Masse endlich zu Häuf getragen war 
und die taiisend Folioseiten rohen Stoffes doch wenig- 
stens mit eiuem vernünftigen Register ausgestattet werden 
sollten — eine Leistung, die Sylburg mit Freuden über- 
nommen und gewiss aufs Glänzendste ausgeführt hätte. — , 
^a entfiel Grutern der Muth ganz und gar. Um nicht das 
Schiff im Angesicht des Hafens scheitern zu lassen« 
musste Scaliger für volle zehn Monate, vom Juli 1601 
bis Mai 1602, seine eigenen Arbeiten bei Seite legen und 
den Sdavendienst einer Index -Anfertigung verrichten. 
Aber auch das scheinbar Niedrigste veredelte sich unter 
seinen Händen, und was ursprünglich nur zu einem 'ge- 
wohnhchen Blattweiser bestimmt war, erwuchs, ohne 
dass dieser alltäglichen Nützlichkeit JElintrag geschah, zu 
einem selbständiges. Meisterwerk, welches alle aus den 
Inschriften zu ermittelnden Thatsachen nach sprachlicher 
und antiquarischer Seite in geordaetster Vollständigkeit 
üusammenfasste. Scaliger war sich. wohl bewusst» welch 
ein Ergebniss seine zehnmonatUche Ausdauer erreicht 
hatte, und wie ihm immer jedes voUeinJete Werk wie- 
derum Werkzeug wurde zur Vollendung eines höheren» 
fto suchte er nun den Gruter zu bewegen, dass er diesen 
Index oder vielmehr diesen lauteren Extract der inschrift- 
lichen Urkunden für eine Behandlung der römischen Anti- 
qmtäten zu Grunde lege. Beide Disciplinen, die Epigraphik 
wie die Antiquitäten, haben es schwer empfimden, dass die* 
ser Plan an Gruters Zaghaftigkeit gescheitert ist, welche 
freilich aus richtiger Schätzung seines Unvermögens heir- 
vorgehen mochte. Aber wenn er nur erst einen Anfsuag 
gemacht hätte, so würde ihn Soaliger gewiss hier so 
tveiiig wie bei dein Inschriften selbst im Stich gelassen 
bi4>en; und rQachdem' einmal die Verknüpfiuig antiquiir 
risch^ Samiplungeu mit den insehriftlichen Hauptquelldn 



69 

durch dnen Versuch dngeleitet worden, im welchem 
Scaliger Theil genommen, dann hätte die Epigraphik 
nimmermehr sich so leicht von den philologischen Ge* 
sammtstudien absondern und jener Isolirung anheimfallen 
können, in der sie zwei Jahrhunderte hindurch meistens 
nur italienischen Liebhabern zum Spielzeug gedient hat 
Die Antiquitäten aber, für welche ja, sobald sie abgelöst 
von der politischen Geschichte vorgetragen werden, ein 
innerlich fortschreitendes Prinzip sich nicht ersinnrä 
lässt, hätten sich ehrlich zu der registexmässigen Auf-* 
Zählung bekannt, mit der sie sich im W^enÜichen, trotz 
aller systematischen Schminke, auch jetzt noch begnügen 
müssen, hätten jedoch, zum Lohn für solches Verzichten 
auf die Würde gedankenhafter Einheit oder den Schmuck 
mosaikartiger Gemälde, den unberechenbaren Vorthell 
behauptet, dass sie stets mit ihren ungetrübtesten und 
ergiebigsten Quellen in der nächsten Berührung geblie* 
ben wären. Scaliger übersah alle Folgen seines weit* 
Reifenden Planes und Uess daher auch nicht ab, d^n 
Gruter mit bittenden Aufibrderungen zu bestürmen. Die« 
ser versprach wohl zuweilen, scheint aber nie ernstlich 
an die Ausführung gedacht zu haben, sondern warf sich 
Ueber auf das, für einen Mann wie er, unvernünftige 
Project, die Taktiker herauszugeben. Da fuhr denn Sca- 
liger mit einem Machtwort drein, und schrieb ihm, er 
möge das nur sein lassen, ermunterte dagegen ihn und 
den damals in Heidelberg lebenden dreizehnjährigen Sal* 
madtus, die palatinische Anthologie an das licht zu zie« 
hmi, worauf auch Sahnasius grössere Theile daraus ab^ 
schrieb und sich weitere Anweisungen erbat. La deiü 
hierüber kurz vor seinem Tode nach Heidelberg gesand* 
ien Briefen, zumal in den an Salma^ius gerichteten^ be* 
währt' Scaliger sein festes UrÖ^U und seinen tiefen BJkk 
an den Gang der griechischen Litteraturi und die$e 



70 

Stücke seiner Correspondenz haben die Aufmerksamkeit 
der philologischen Welt immer von Neuem auf die pa- 
latinische Handschrift hingelenkt, die ja so lange noch 
dem öffentlichen Gebrauch entzogen blieb. 

Fast ebenso vielfach wenngleich nicht so fruchtbar 
wie auf die Heidelberger war Scaligers Einwirkung auf 
die Hamburger Philologen. Die Gebrüder Lindenbrog*^ ' 
in ihrer gemeinnützigen, aber wenig geistvollen Geschäf- 
tigkeit, der nicht ungeschickt compilirende Wouwern 
und der von Haus aus ganz schwache Elmenhorst leb- 
ten fast nur von seinem Rath ; und da sie weder schrift- 
stellerisches Augenmaass noch richtige Selbstsehätsung 
besassen, so musste Rath ihnen noch viel öfter ertheilt 
werden zur Abmahnung von aussichtslosem oder un- 
nützem Beginnen als zur Unterstützung bei zweckm&s-* 
sigen Arbeiten. Scaligers menschenerkennender Blick 
war zu geübt, als dass er über die Fähigkeiten solcher 
und ähnlicher Männer, mit denen er sich eingelassen, je 
sich hätte täuschen können; er wusste es so gut wie 
wir, dass Lindenbrog und Wouwern nur zusammen^ 
schrieben, oder, wie er sich ausdrückt, grands plagudret 
waren; und was er von Elmenhorst hielt, hat er diesem 
selbst mit der väterKchsten Offenheit in einem Briefe 
auseinandergesetzt. Wenn er nun trotzdem die Bessie- 
hungen zu ihnen mit emsiger Sorgfalt pflegt, und 
ihre oft sehr lästigen Ungeechicktheiten mit eineT Lang* 
muth hinnimmt, die ihm sonst nicht gerade natürUch ist, 
so nmss mah die Ursache hiervon in jener besonderen 
Vorliebe suchen, welche die beiden ScaUger^ Vater und 
Sohn^ zu Allem, was deut^h wsir, immer hingezogen 
hiat. Juhns Scaliger war am Hofe des Kaisers Maxi- 
milian I. erzogen, hatte lange im deiitsohen Heere ge<^ 
diebt und' zur Verberrliehung des deutsehen Nanräis 
eine seiner besten Pninkteden *<*) ver^asst» Bei Joseph 



7! 

musste die so ererbte EUnneigung zu den Deutschen noch 
verstärkt werden^ wenn er seme individuelle Stellung eu 
den verschiedenen Nationen erwog und den Rundgang der 
philologischen Studien durch Europa ins Auge fasste *^. 
Eindringender Einfluss auf Italien war ihm durch confes«- 
sionelle Hindemisse unmöglich gemacht; er tröstete edoh 
leicht darüb^, da ihm die Philologie in diesem Lande 
ihrer Geburt sich völlig ausgelebt zu haben schien; seit 
dem Uebertritt Heinrichs IV. und den in Folge, diesies 
Ereignisses getroffenen Maassregeln hatte er sich ge-^ 
wohnen müssen, auch in Frankreich nicht läiiger mit 
günstige Pflegestätte zu sehen für freie Erforschung des 
kirchlichen und nichtkirchlichen Alterthums: die Eng^ 
länder hatten ihm nie Lust zu näherer Berührung einger 
flösst; und wie erfolgreich auch seine Wirksamkeit in 
Holland sich gestaltete, so konnte er sie doch nicht auf 
die engen Grenzen dieses germanischen Vorlandes 
einschränken wollen. Wahre Bedeutung erhielt Holland 
für Scjlliger erst dadurch, dass es den bequemsten, Stütss«- 
punkt abgab, um den Hebel an das eigentliche Deutsch'^ 
laud zu setzen; hier war noch jungfr^^uliqher Boden für 
höhere philologische Studien, und wenigstens eine grosse 
Hälfte der deutschen Lande stand nicht unter der geistr 
Uchen Botmässigkeit, welcher Italien und Frankreich, hin^* 
gegeben waren. Wollte Scaliger also diesen allein noch 
offenen, so weiten und so verheissungsvollen Spielraum 
der deutschen Lande für seinen wissenschaftlichen Ein** 
fluss gewinnen, so durfte er es nut den deutschen JMCettf 
sehen, welche ihm Aahe kämest nicht allzu genau tieh*» 
men; er musste Jeden dazu brauchen» ^oau er. taugte; 
und sie allesammt phne viel Mäkeln in Bausch und Bor- 
gen sieh gefEiUen laesen, wie sie nwi einmal waren, in 
iJmfr Biederkeit und in ihrem Fleisß «ind mitibtisa Klein? 
liohkeiten und Taktl^osigkeiten '^^)' 



■♦ < . I . 



72 

Je nachsichtsvoller er nun aber mit den Deutschen 
umging, um so schmerzlicher verwundete es ihn, als er 
in seinen letzten Jahren die rohesten und schändlichsten 
Angriffe gerade von Deutschland her erfuhr. Bitter 
klagt er, dass gerade deutsche Federn sich zu solchen 
Schmähungen hergegeben, dass in einer deutschen Stadt 
die Verläumdungen gedruckt worden, welche ihn bei 
Mit- und Nachwelt in Verruf zu bringen, nach dem 
Sinne ihrer Urheber bestimmt waren. Seit dieser Zeit 
lobt er nicht leicht einen einzelnen Deutschen, ohne 
ihn als eine glückliche Ausnahme von der überwiegen«- 
den Mehrzahl zu bezeichnen, in welcher fortan nichts 
von der echtgermanischen Ehrlichkeit anzutreffen sei — 
ein verzeihlicher Unmuth, wenn man bedenkt, wie graiu- 
sam er sich in seinen Erwartungen von Deutschland ge- 
täuscht sah. Dort hatte er den kräftigsten Beistand zu 
finden gehofft bei dem Kampfe gegen eine geistlich-welt- 
liche Genossenschaft, welchen er aufzunehmen sich in-^ 
nerlich gedrungen fühlte und aufs Höhnendste heraus- 
gefordert wurde; er glaubte in diesem seinen {)eröön- 
lichen Streit auch eine gemeinsame deutsche Sache zu 
verfechten, da jene Genossenschaft ihr Netz freilicli 
über die ganze Erde ausspannte, aber doch mit der 
nächsten Absicht, es über Deutschland zusammenzu- 
ziehen. Und nun musste er es erleben, dass seine 
Gegner eben unter den Deutschen die rücksichtslo- 
sesten, zu jeder noch so unreinen Verrichtung bereiten 
Helfershelfer fanden, während das deutsche Gelehrten- 
pfublikum in stumpfer Ruhe oder unter verletzenden Mit- 
leidsbezeigüngen es geschehen Hess, dass man ihn mit 
Roth bewarf. Um Scaligers Stimmung gegen Deutsch- 
land, wie sie sich in seinen letzten Schriften äussert, au« 
ihren' Anlässen richtig zu verstehen' — imd selbst Nier 
buhr scheint hier falsch verstanden zu haben *^ — is^ 



73 

es erforderlich, seinen Kampf gegen die 90c%$tai näher 
zu betrachten; man darf sich dieser Betrachtung um so 
weniger entziehen, da sie zugleich das Räthsel löst, wie 
doch die Meinungen über Scaligers Verdienst und Cha- 
rakter in den folgenden Jahrhunderten so weit ausein- 
andergehen konnten, ja, weshalb eine allseitige laute 
üebCTeinstimmung in dem Urtheil über ihn weder jetst 
vorhanden ist, noch in nächster Zukunft zu erwarten 
steht 



Um die Zeit, da Scaliger aus Frankreich schied, 
hatte der durch Ignatius von Loyola gestiftete Orden 
sein erstes halbes Säculum und damit den Abschnitt 
seines intensiv kräftigsten Daseins zurückgelegt. Bis da- 
hin hatte er, um sich auszudehnen, weder fühlbare por 
Utische Macht noch Reichthümer nöthig gehabt. Genug 
Novizen strömten ihm auch ohnediess von allen Seiten 
zu. Wer nicht stark genug gewesen, um selbständigen 
Sinnes zu bleiben inmitten der schwankenden Meinungen 
über die höchsten Dinge; wer in der eingetretenen Lok- 
kerung aller gesellschaftlichen Bande die sittliche Rein- 
heit verloren hatte und das Bedürfiiiss nach beruhigen- 
der Busse empBEind; ferner solche, in denen der Thaten- 
dr^g, aufgeregt durch das Hinschwinden des Mittelal- 
ters und den Anbruch der Neuzeit, um jeden Preis 
Spielraum und Befriedigung verlangte; endlich nicht 
Wenige^ die in einfaltiger Tugendübung ihr Lebei^ stiU 
und durch Gemeinschaft vor Mangel und ,Betästigung 
geschützt hinbringen wollten: — * kurz, die schwache]^ 
Geister und; die reumüthigen Sünder so gut wie die ehr- 
geizigen Köpfe und die frommen Seelen, me alle »fandien im 
Orden, was ihnen gemäss war. Während dieser eisten 
Spoche nu^ da er zuvörderst die Zahl seiner Mitglieds 



74 

vehnelireö inusi^e, ging der Orden Weder Äuf den Besitz 
nocfh anf den Ruf der Gelehrsamkeit auä. Den Gr«- 
müthem' nachstellend, brauchte er die Geister nicht 
zu bleriden, auf keinen Fall mittelst historisch - philolo- 
gischer Erudition, durch welche denn auch — Maldonat 
aui^enommen, der jedoch nach so vielen andern Seiten 
ebenfalls eine Ausnahme bildet — Niemand unter den 
ältören StÄmmgliedern Ruhm erwarbt Mathetiiatik und 
N_aturwissenschaften pflegte man behufs der Missionen; 
Dogmatik und Casuistik lieferten die Rüstung für die 
Controverse und die Auskunftsmittel für den Beichtstuhl; 
aiber die klassische und orientalische Philologie war der 
St<!>lz der Neuzeit; welche ddch bekämpft werden sollte; 
an dieser Prometheus - Flamme hatte sich der Trotz ge- 
g^n die Donnerkeile des Vatikans entzündet; und ifu- 
näohät konnte der Orden sich in keiner andern Weise 
mit Philologie schmücken wollen, als indem er namhafte 
Philologen zu sieh herüberzog und so über die Wissen- 
schaft in ihren Vertretern triumphirte. Dass Muretb^ 
Pater Bencius zur Beichte ging und diesen seinen 
früheren Schüler öffentlich als seinen Seelenretter pries» 
dass Jüstas Lipsius sich seine Schriften von demselben 
Pater Bencius wie ein Schulknabe das Exercitium com^ 
gij[*en liess **) — dergleichen demüthige Huldigungen von 
philologischen Celebritäten zu empfangen, war für die 
damaligen Zwecke des Ordens viel förderlicher, als wenn 
seine angestammten Mitglieder durch mühevolles Arbei- 
ten um die Palme der Philologie gerungen hätten, Als 
Jed*6cfa der Orden nach innen ausgewachsen war und an 
4Üe' Durchführung seines Welteroberungsplftns Hand le- 
gen wollte, da konntei ei* nicht mehr so gleicbgiltig auf 
phild^scben Ruhm und philologische Thätigkeit her- 
absehen. Um seine Univeihsälherrs^haft auf der festestenf 
GrUDK^Age zu errichten, musste er überaD die Schulen 



75 

in seine Gewalt zu bringen suchen, 9umal in den vom 
neuen Geist durchdrungenen Ländern England« Frank- 
reich und Deutschland. Jugendunterricht ohne klassische 
Studien war aber damals undenkbar, und die bisherige 
Thatenlosigkeit des Ordens auf diesem Gebiete gab sei- 
nai Gegnern volle Berechtigung zu der Frage: mit wel- 
chem Fug doch jene Väter sich zu Lehrern der Huma- 
niora aufzüwerfen wagten» in denen sie selbst so schü- 
lerhaft bestanden hätten? In den beleidigendsten Wen- 
dungen und nie ohne Hinweisung auf die hervorragen- 
den Philologen der Hugenotteupartei ward diese Fra,ge 
dem Orden entgegengerufen, besonders in Frankreich, 
.wo seit dem Begierungsantritte Heinrichs IV. die hitzig- 
sten Pamphlet-Kriege und die feicrhchsten Staatsve^^. 
handlungen über Belassung oder Ausweisung der Jesuiten 
gefuhrt wurden. Anderthalb Jahre nachdem Scaliger aus 
Frankreich fortgegangen, war endlich unter dem Eindruck 
von Chastel's, eines Jesuitenschülers, Mordversuch gegen 
den König die Entscheidung zu Ungunsten des Ordens 
gefallen; ein Farlamentsbeschluss vom December 1594 
verbannte ihn aus den Grenzen des Konigsreiohs, und 
von da an bUdete Wiedereinsetzung in Frankreich das 
nächste Ziel der gestimmten Ordensthätigkeit, wie sich 
denn auch um diesen Angelpunkt die Politik und das 
Geschick Heinrichs IV« gedreht hat. Während ihres 
neunjährigen Exils — Anfangs 160i rief sie Heinrich wie- 
der zurück r- und in den folgenden Jahren ihrer noch 
nicht befestigten Kestauration liessen die Jesuiten nichts 
unversucht, um begangene Fehler in Behandlung einzeln 
ner Personen zu verbessern und sachhche Versäumnisse, 
ao gj^t es 4oqh gehen wollte, nach&uholezu Man hatt^ 
erl^ann^ dasa es unklug gewesen, die Gegn^ in unbe^ 
strittonem Alleinbesitz des pthiLpiogischen Ruhmes zu 
Ussca; hofinui^s^voUen jüngeren QrdeASgliedern wurde 



76 

demnach aufgegeben» sich der bisher yemachlässigten 
Fächer zu bemächtigen, und in diese Zeit faUt die Aus« 
bildung des Jacobus Sirmondus ••) und Dionysius Peta- 
vius, welche später den Ruf jesuitischer Gelehrsamkeit 
in Frankreich befestigt haben, für den Augenblick je- 
doch konnten jene beiden Triarier noch nicht ins Feld 
gefuhrt werden; Sirmond, der alt genug zum Bücher- 
schreiben gewesen wäre, hatte als Secretair des Or- 
dehsgenerals Aquariva wohl noch dringendere Ordens- 
interessen zu versorgen, und Petavius, welcher in der 
Folge Scaliger mit so maassloser Heftigkeit und im Ein- 
zelnen nicht ohne Glück auf chronologischem Gebiete 
angegriffen hat, war kaum aus dem Knabenalter getreten, 
als das sechszehnte Jahrhundert zu Ende ging. Eine bes- 
sere Meiniing von der Gelehrsamkeit des Ordens war noch 
immer nicht begründet worden, und immer noch fesselte das 
innig verbundene hugenottische Philologen -Paar, Scaligei^ 
und Casaubonus, die ungetheilte Aufinerksamkeit von Jung 
und Alt. Casaubonus war nun freilich von zu ängst- 
hcher Natur und durch seine Lebensstellung zu sehr auf 
rücksichtsvolle Vorsicht angewiesen, als dass er für ge- 
fährUch lind für einen würdigen Gegenstand ernster An- 
feindung hätte gelten können. Er lebte in französischen 
Diensten, musste sich mit Heinrich IV. in Religionsge- 
spräche einlassen, wurde von dem schlagfertigen Car- 
dinal Du Perron, der ihn mit unaufhörlichen Bekehrungs- 
versuchen bedrängte, regelmässig zur Verzweiflung ge- 
bracht, und konnte nie Muth genug finden, um den stets 
erneuerten Gerüchten von seinem schon erfolgten oder 
unmittelbar bevorstehenden Uebertritt durch augenfällige 
Handlungen ein Ende zu bereiten. Granz anders war es 
mit Scahger bestellt. Dieser hatte aus seinem Hass ge«^ 
gen die Jesuiten nie ein Hehl gemacht; man vermudiete 
in ihm sogar den Verfasser von Inschriften «% die m 



r 



77 

dauemdetn Schiaipf des Ordens auf der Pyramide einge- 
graben waren, welche kraft Parlamentsbeschlirases die 
Stelle bezeichnete, wo das elterliche Haus des Königs- 
mörders Chastel gestanden hatte. Zudem waren die ge- 
wöhnlichen Lähmungs*, Schreck- oder Lockmittel gegen 
Scaliger nicht anwendbar. Ausser französischer Schuss- 
weite, ohne fassbaren £hrgeiz und in gesicherter Stel- 
hoig lebte er in nichtkatholischem Lande als vertrauter 
Freund der holländischen Staatsmänner und als Orakel 
einer auf jede^ seiner Worte lauschenden Jugend. Im 
Gespräch sibh Zwang anzuthun, war nie seine Art ge- 
wesen, und den im nahen Belgien angesessenen Ordens- 
gliedem mag manches derbe Epitheton, mancher beis- 
sende Spott hinterbracht worden sein, dergleichen wir 
jetzt noch in seinen aufgezeichneten Unterredungen lesen. 
Aber in Druckschriften hatte er, so lange er in Frank- 
reich war, immer doch ein gewisses Maass einhalten 
müssen; unter holländischer Schreibefreiheit fiel nun jede 
Rücksicht fort; und die Richtung, welche er gegen den 
Schluss des Jahrhunderts seiner schriftstellerischen Thä- 
tigkeit gab, musste die Jesuiten vollends in Harnisch 
bringen; gar zu gebieterisch musste ihnen die Nothwen- 
digkeit entgegentreten, dass sie einen Mann von solcher 
Macht und solchen Tendenzen nicht länger dürften in 
Frieden lassen. 

Die zweite Bearbeitung nämlich, in welcher Scaliger 
im Jahre 1598 das Werk de emendatiane temporum er- 
scheinen liess, unterscheidet sich von der ersten des 
Jahres 1583 nicht blos durch neue chronologische Ergeb- 
nisse, zu welchen ein während der verflossenen fünfzehn 
Jahre fortgesetztes Studium hatte föhren müssen. Einen 
sehr veränderten Ton und viel grössere Tragweite erhielt 
das Werk durch gelegentlich, jedoch in grosser Anzahl, 
einge£k)chtene Untersuchungen und Behauptungen kri- 

6 



78 

twcher Art^ welche sich auf di^ bibli&chen, patrifttiachcti 
und überhaupt kirchlichen Urkunden beziehen. Alles 
rein Dogmatische bleibt aus dem Spiele; aber darf Histo- 
rische wird geprüft, gebilligt oder verworfen nach den 
Gesetzen philologischer Methode, den Zeugnissen be^ 
währter Gefeohichtschreiber und dem Ausweis chronok)* 
gischer Rechnungen. Mehr noch als die einzelnen. Entr 
Scheidungen, zu welchen Scaliger auf diesem Wbge ge^ 
laiigte, musste die ganze Weise seines Verfaihrbn»' iH 
ecclesiastisehen • Kreisen Aufmerksamkeit und Anstoss et*' 
regen. . . Man; braucht, um den Eindruck zu begreifet!« 
welohert die Entladung dieses kritischen; Gewitters ge^ 
macht hat, sich nur an die dumpfe Atmosphäre zu evr 
miiera\in der damals, am Schluss des sechdzehnten Jahr* 
huaderts, die kirchengeschichÜiche Litterätur iio0h iuimei^ 
eingehüllt lag. So endgiltig ausgemacht, dass auch die 
Glaubenslustigen nicht mehr glaubensfahig waren, Er- 
schienen höchstens zwei Punkte: die Falschimg der De- 
oretalen und die Unecbtheit der con^tantiniscben Schen- 
kungsurkunde. Mit den Decretalen war es zu Ende, 
s^tdem Nicolaus Cusanus in siegesgewisser Kür:^ 
dem Baseler Condl ihre Beschaffenheit angezeigt hatte; 
und das coustantinische Pergament war von den philo- 
logisch gespitzten Pfeilen des Läurentius Valla*^ 
durchlöchert worden; den »gefüllten Köcher* jedoch, fljit 
welchem noch gegen Anderes und Wichtigeres gerüstet 
zu sein jener grosse Italiener sich gerne rühmte, hatte 
man ihn nicht leeren lassen; die Inquisition hatte sieh 
ins Mittel gelegt. Was Erasmus nach dieser kritischeti 
Seite wagte — und er war hier weniger zaghaft, als i» 
anderen Dingen — richtete sich vomehmli<^ auf laAei^ 
nisdie, also spätere Schriftstdler, und wirkte nicht ao 
eindringlich, weil er es immer mit angenommener Gleich* 
giltigkeit behandelte, wohl um sich den schützenden 



T9 

Einwand, es seien das lauter Adiaphora, ftrr alle Fälle 
offen zu halten. Noch weniger als die Nonchalance des 
Erasmus war die Hitze der Magdeburger Centuriatoren 
geeignet, reine und feste kritische Resulti^e zu erzielen; 
auch sie konnten nur wenig thun, um das Dunkel der 
ersten Jahrhunderte aufzuhellen , und überdiess hatte ge- 
gen jeden ihrer protestantischen Trümpfe Baronius einen 
katholischen ausgespielt. Nun giebt freilich bei kirchen- 
geschichtlichen Fragen die gedruckte Litteratur zu keiner 
Zeit einen durchaus genauen Maasstab för den Fortschritt 
der Meinungen, und gewiss herrschte auch am Schluss 
des sechszehnten Jahrhunderts unter den Urtheilsfthigen 
aller Parteien eine entschiedene, aber stille üeberein- 
stimmung über Vieles, das in den Büchern noch zart an- 
gefasst oder ganz lungangen wurde. Cujacius hatte si- 
cherlich über Urkunden des kanonischen Rechts manches 
bei sich aufs Reine gebracht, das er zu veröffentlichen 
keinen Anlass fand; einem Sarpi mögen Zweifel genug 
aufgestiegen sein, die er laut auszusprechen sich nicht 
berufen glaubte ; selbst der Cardinal Du Perron ist im 
vertrauten Gespräch viel ungläubiger gewesen, als man nach 
sieinem sonstigen Auftreten vermuthen sollte; des Baro«- 
nitis^ Tischreden sind leider nicht aufgezeichnet ; und auch 
Scaliger hat bei weitem nicht alle seine kritischen Ent* 
deckungen gleich drucken lassen ^•). Das verhältniss- 
mässig Wenige jedoch, was Scaliger davon in die zweite 
Ausgabe des Werkes de emendatione temporum und Spal- 
ter in die Bearbeitung des Eusebius aufzunehmen sich 
berechtigt hielt, war nun auch gar muthig und entsdiie* 
den herausgesagt, konnte demnach der allezeit so zahl* 
reichen Klasse von Leuten nicht behagen, welche in 
Sachen jedweder Kritik nur ein unmaassgebliches Ge*- 
flü^ter vertragen mögen ; und insbesondere über kirchen^ 
ge^bhicht^che Kritik war damals das öffenthebe TJrtheil 

6* 



80 

noch so unreif und sohwankendi dass die Jesuiten ihre 
lang yerbaltenen Feindseligkeiten gegen Scaliger ohne 
Scheu beginnen durften mit einem Angriff gerade auf 
diejenige seiner kritischen Behauptungen, welche am we- 
nigsten irgend einem vernünftigen Einwände offen stand 
und über die auch heutzutage von keiner Seite her noch 
ein Zweifel sich hervorwagt. 

Es handelte sich um die Schriftensammlung, deren 
griechisches Original unter dem Namen des Dionysius 
Areopagita ^*) seit dem sechsten Jahrhundert im Orient 
sich verbreitete und deren jämmerliche lateinische Ueber* 
Setzung — eine Arbeit des Scotus Erigena — während des 
Mittelalters im Oecident dazu gebraucht wurde, um den 
ausgebildetsten CeremoniaJkült und die abgestufteste hier-' 
archische Verfassung zugleich mit dem nebelhaften Zau- 
ber neuplatonischer Mystik und mit der Autorität apo- 
stolischen Altcrthums zu bekleiden. Valla freilich und 
Erasmus hatten ihre Scrupel nicht zurückgehalten; sie 
hatten es sehr wunderbar gefunden, dass Werke von so 
weitgreifender Bedeutung wie die fraglichen ȟber die 
himmlische^ und ,über die kirchliche Rangordnung^ 
bei keinem Kirchenschriftsteller der ersten Jahrhun- 
derte sollten erwähnt sein, wenn ihr Verfasser wirk- 
lich jener Rathmann vom athenischen Areshügel gewesen, 
welcher auf Pauli Predigt vom unbekannten Gott gläubig 
geworden. Aber dergleichen allgemeine Zweifelreden 
hatten die Sache nicht erledigt; zu Scaligers Zeit, ein 
halbes Jahrhundert nach Erasmus, konnte Baronius noch 
jene Schriften als echte zu vernutzen wagen und Bell- 
airmin gar so weit gehen, die Zweifler für Ketzer odqr 
Klüglinge zu erklären. Scaligem schien es daher nicht 
überflüssig, die allgemeinen Gründe durch einen speciel- 
len Beweis der Unechtheit zu verstärken; auf Anlass 
einer längeren Auseinandersetzung über Essener und 



81 

Thei^ap^iten hebt er den Gdbfraucb hervor, welchen die 
areopagitisohM Schriften von dem Wort ^Therapeuten* in 
der Bedeutung «christliche Mönche' machen, weist auf die 
Unmöglichkeit hin , dass diess im apostolischen Zeitalter 
habe geschehen können, wo es noch keine christlichen 
Mönche gegeben, und will hiemach dem Fälscher, wel« 
chen er in seiner lebhaften Weise einen ,Affen^ nennt, kein 
höheres Alter zugestehen, als das fünfte Jahrhundert. 

Sehr bald, nachdem diese und die andern kritischen 
Kühnheiten in das Publicum gedrungen waren, muss in 
den leitenden jesuitischen Kreisen das Signal zur Bekrie^ 
gung Scaligers gegeben sein. Den Feldzug eröffiiete im 
ersten Jahr des siebzehnten Jahrhunderts Martinus Delrio, 
welcher lange in Scaligers Nähe zu Löwen und Lattich 
gelehrt hatte, und eben nach Grätz, einer der jesuitischen 
Zwingburgen für Deutschland, versetzt war; am Schluss 
eines wüsten Folianten ,magischer Untersuchungen (DU* 
quisUiones Magioae)^ perorirt er gegen Scaliger als. einen 
lästerlichen Verhöhner kirchlicher Autorität, weil «r die 
Schriften des »würdigen PaulusschülersS Dionysius Area* 
pagita, aus welchen Delrio die Transsubstantiation er« 
weisen will, ftir unecht erkläre und der In^titutioa des 
Möncfathums die Apostolicität abspreche. Hierauf wird 
dann Scaligers ganze wissenschaftliche und menschliche 
Persönlichkeit als eine thrasonische geschildert, jedoch 
in einer Weise, die mit dem Beleidigenden gerade so 
Tiel, gleichsam unwillkürliche, Ausbrüche von Achtung 
und Bewunderung verbindet, dass der Getroffene au& 
Tiefste verletzt und ihm dabei nicht durch Rohheit des 
An^ffs von vorn herein die Lust zum AntvVorten be-^ 
nommen ward. Offenbar hatte man dem Delrio das Ge*- 
schftft eines Plänklers zugewiesen; er sollte Scaliger nur 
erst ins Gefecht ziehen. Dazu war aber Delrio allein 
nicht Manns genug; es vergingen mehrere Jahre, und 



82 

Scaliger liatte noeh mit keilaar Silbe wedeif auf d«n areo- 
pagitisehen noch auf den persönlicbea Theil. dieser ersten 
jesuitischen Streiferei erwiedert. Um ihn aufzustacheln, 
ward die Polemik auf das günstigere Terrain der hebräi- 
sohen Studien hitiüberge^pielt; dass er hier der yerh>kr 
kung zu antworten untierliegen werde, konnteh di» Ordens- 
väter in ihrer psychologischen Geriebenheit voraussehen« 
Jeder Leser seiner Schriften musste merken^ wie er sein 
Hebräisch mit immer steigender Vorliebe betrieb» und 
mit der empfindlichsten Eifersucht seinen Ruf als Orien- 
talist hütete; höchstens den Bu^torf liess er als einen 
besseren Routinier gelten; sonst aber wollte er, wie be- 
scheiden er sich auch über sein eignes Wissen zu äussern 
liebte^ doch unter seinen Zeitgenossen Niemanden über 
oder auch nur neben sich anerkennen; jede Versuchung, 
seine Ueberlegenheit im Hebräischen zu zeigen, war för 
ihn unwiderstehlich. Mit einem solchen hebräischen 
Köder fing ihn nun der Mainzer Jesuit Nicolaus Serarius^ 
der seit Maldonafs Tode für den besten Hebräer inner- 
halb des Ordens gehalten wurde; sein 16Q4 erschienene« 
Buch yTon den drei jüdischen Secten (Trihaeresion)^ in\ 
Bomiaell gegen den Professor des Hebräischen zu FramH 
ker Job. Drüsius» einen Bekannten Sdaligers, geriohterii 
setzt es sich aber zur eigentlichen Aufgabe, die Calvini^ 
sten insgesammt auf dem Felde biblischer Linguistik zu 
befehden, und verweilt mit merklicher AbsichtUohkeil 
bei den einschlägigen Partien des Wevkea de emfnd(xti€ifH 
temponnnj ausfuhrliche Widerreden vorbringend besoor 
delDs gegen Scaligers Läugnung eines Mönohthums znir 
Zeit der Apostel, Persönliches jedoch vorsichtig vermfti^ 
dend. Obgleich also nur in zweitear Reih^ und in Gre«* 
ineinschaft mit vielen Andern angegriffen, liess sich S^a^ 
liger dennoch, da es sich hier um hebräische Dingt 
handelte^ zvl einer . Replik hinseissen. Sie ward, um 



das D^oonim zu wahren, .der Veartheidigungsschtift 
des ¥ome.hmltcb betroffenen Drusins angehängt, bildet 
aber durcb Titel (Eiencbus Trihcterem Nicolai Serarü), 
Form und Umfang ein selbständiges B&ehlein, welches 
die Hauptsätze der ganzen S^rarius'schen Abhandlung 
Schritt fnr Schritt bestreitet, auf jeden noch so leisen 
Anstoss Auseinandersetzangen über alt- und neutestar» 
mentliche Antiquitäten einflicht, und mit liebhah^dsohem 
Behagen Punkte der hebräischen Sprachkunde erörtert 
Da femer die wesenthchste Streitfrage z'wischen ihm und 
Serarius immer noch das Alter des Mönohthums geblie-* 
bea war, um dessenwillen Delrio zuerst gegen ihn au/«* 
gestanden, so konnte er auch diesem v^achteten Widert 
sacher, ohne sich unmittelbar mit ihm zu verfangen, ge* 
legentliehe Züchtigungen ertheilen, welche nun freiltch 
hart an die äusserste Grenze des polemischen Cynismus 
streifen. Endlich aber setate er dem in wenig Tagen %\x 
Papier gebrachten Werkchen eine Epistel an . Drusius 
vor» die mit Hutten'schem Humor und mit Pascal'aeher 
Ironie dem ganzen Orden den Fehdehandschuh hin* 
TOrft-^*). ,Bi8her' — heisst es dort -** ,habe er zu den 
Neckereien ui^d Beleidigungen geschwiegen; in Zukunft 
werde er sich nichts mehr gefallen lassen.*' Auf Freund 
und l^eind machte diese Epistel den Eindruck einear un* 
widerruflichen Kriegserklärung; zu Heidelbei^^^) freute 
man sieh, dass Scaliger eine so eaitschiedene, keinen 
Bäckilnit mehr gestattende Stellung, gegen die gteumi'-» 
sohaMiohen Gegner eingenommen habe, und die Jesuiten 
iiesseh milvertBnglich dfts bishec imaskirte grobe Geschütz 
äcer Polemik spklen. Noch während des sich hinrä-» 
geibdJQn Druckes der Schifft gegen Serarius, von wieli 
eher sie Witterung eirhldten hatten,' erschien 1606 sii 
ibitw^i^en aus der Feder des Beötors an dem dortigen 
JeiiuitencoUeg^ Carofais Scfibänius ein in drdi Absc^ititte 



84 

getheiltes Buch unter dem Titel: »RundschauplAtz der 
Ehre; in welchem den Anschuldigungen der Calvinisten 
gegen die Gesellschaft Jesu der Hals abgeschnitten wird 
{Amphiäheatrum Honoris in quo CcUvmistarum adversus so^ 
cietatem Jesu criminationes iugulataey. Zum Entsetzen aller 
Bessern ward hier zuerst der Ton gemeinen Schimpfens 
und bewusster Lüge angeschlagen, welcher seitdem sich 
hinzieht durch die ganze polemische Litteratur bei den 
verschiedenen Parteien während der Vorperiode des 
dreissigjährigenKrieges; fast allen hochstehenden Männern 
unter den Reformirten werden aus heiler Haut und ahne 
den Aufwand auch nur eines Scheinbeweises die scbnmz^ 
zigsten Laster aufgebürdet; gegen Scaliger aber, dessen 
allbekannte Sittenreinbeit solcherweise anzutasten fürs 
Erste noch nicht gerathen schien, ward ein Yor vielen 
Jahren in ItaUen umlaufendes und längst verschollenes 
Gerede, welches seine Abstammung von dem veronesi- 
sehen Fürstenhause in Zweifel zog, von Neuem auf die 
Bahn gebracht. Schon die erste Ausgabe des Ai^phi* 
theaters behandelt ihn als einen Eindringling in das 
Gesclüecht der della Scala; der wahre Name seines 
ignoblen Ahnherrn sei Burdo (Maulesel). Verschärft 
und weiter ausgedehnt wird dieser Angriff auf s^nen 
Stammbaum in der zweiten Ausgabe, welche der Replik 
Scaligers gegen Serarius auf dem Fusse folgte; sie ist 
vermehrt um einen ganzen Abschnitt voll der verschte«' 
denartigsten ehrenrührigen Gemeinplätze, denen al* 
lein in Betreff der Adelsfrage etwas mehr als früher ins 
Einzelne gehende Angaben beigemischt sind, aber imnter 
noch so wenige, dass man deutlich sieht, es sollte vor* 
läufig nur versucht werden, ob auf dieser genealogischen 
Fahrte das stolze Edelwild mit Erfolg gehetzt werden 
könnte^ Volle Gewisshait hierüber mussten die Jesuiten 
bald gewinnen durch die ihnen abgestatteten Berichte 



85 

über Scaligers maadliefae Redet), welche gewiss noeb 
klarer als die uns Voriiegendoo^ und vielleicht auch ihi^eA 
nicht gant uny^giagUchen, brieflichen Aeusserungen eine 
Terwundete Gereiztheit blicken Hessen. So wurde denn 
gleich im Jahre 1606, üls eben die zweite Ausgabe des 
Amphitheat^s erschienen war, eine noch viel unbarm- 
herzigere Ahnenprobe angedroht; ein eigends hiermit sich 
beschäftigendes, enthüllungreiches, dickes Buch werde 
ans Licht kommen, um alle bisherigen Andeutungen zu 
belegen und durch neue Mittheilungen noch zu überbieten* 
Schon im folgenden Jahre 1607 erfüllte sich die Drotr 
hung, und zu Tage trat ein neunhundertseitiger Qtiar* 
tant unter dem Titel ,der untergeschobene Scaliger (Scu' 
Uger hypoboüayxeusy^ verfasst von dem Deutschen Gaspar 
Sehoppe (Scioppius) ^^)i der damals am römischen Hofe 
lebte. Dom tobendsten Schimpfen wird hier freier. Lauf 
gelassen; Gifte jeder Art von Verunglimpfung und Ver- 
dächtigung werden zusammengebraut; und das Ganze 
wird geniessbar gemacht durch Correctheit und lausikel- 
kräftige Nacktheit des lateinischen Ausdrucks, sehr zum 
unterschied von der gedunsenen Schreibweise des »Am- 
phitheatersS welche dem Schlimmsten^ was Lipsius m 
dieser Art verbrochen, nachgeäfft war und den Leser ab% 
schredEte. Eine bessere Feder als die ins Fleisch 
schneidende des Scioppius hätten die Jesuiten sich nicl^ 
wünschen können zur , Redaction des reichen Schmähr? 
Stoffes, der aus allen Collegienh&usem Italietjs umd 
Deutschlands war herbeigeschafft worden.. Scioppius, ver- 
hehlt auch seine Verbindung mit den Jesuiten nicht im min- 
desten; er sagt es vielmehr offen heraus^ dass Scisligep?s 
jesnitenfeindliche Wid^legung deaSerarins das Unwisttjer 
endUoh zum Ausbrach ge]wacht habe, , welches ^eit li^^ge 
über seinem Haupte deshalb versammelt; worden,.; W0i} 
seine, deb Calvinistea,^,ungeheure wissonschafiiUchet AutQ* 



86 

ritit* immfer küfchtogefähi^lioher erschienen sei; j«; ohne 
Scheu und ohne Hinterhalt setzt Bcioppius den EinxeL» 
ftngriff gegen Scaliger zu der allgetnein^i Ordeospolitik 
und zu deti Vorfragen dea dreidsigjährigen E^rieges in 
Beziehung, indem er seinem Buche eine ausführlich 
motiyirte Bejahung der Frage: ,ob Tödtung der Ketzer 
geboten sei' einverleibt, und es nun demjenigen Für-* 
sten widmet, von welchem man am ehesten praktische 
Befolgung eines solchen Gebotes erwarten durfte, näm* 
lieh dem dsunaligen Erzherzog, späteren Kaiser Fer-» 
dinand IL Bloss durch diese Darlegung ihrer Antciebö 
und Tendenzen verliert die Schrift des Scioppius für den 
jetzigen Beurtheiler jeden Anspruch auf Prüfung der 
Wahrheit ihres Inhalts; zur Zeit ihres Erscheinen^, warßil 
jedoch cUe religiösen Kämpfe, in denen sie so ent^chie-* 
deti Partei nahm, noch in vollem Gange, und ein Eizh 
druck konnte nicht ausbleiben weder auf die» dem BkU>^ 
gerichte zugesprochene, Gesammüieit der Nichtkatholiken 
noch auf Söahger, der als Einscelkämpfer die voDe Wucht 
des feindlichen Anpralls ausfisuhalten hatte. Freüieh, was 
zv^ Besudelung semes sittlichen Charakters vos^ebraoht 
ward, könnte ' er einer ernsten Widerfegunginio wür- 
digen wollen, au<di nicht in deö Augenblicken, .wo Ter* 
letzte Eigenliebe die Oberhand über sein SelbsltgefilM 
gewAn<n ; -aber ' die LäugiAting seineir Standdseigenschaifilen 
als Edelmann und Fürstensohn war er mehit gesoaneiH 
iruMg über eich ergehen' ztt lassen» Die ganze Art.seiDes 
Auftreten$' in der Welt hatte sich ihib s^foev düi^h das 
Bewusstsißin bestimmt^ als guter Spnössliog einem eäsuk 
Stamme anzugehören; Zeit seines Lebens hatte' er «eisia 
Freunde gew5teit,t d^en Gebürtsadel als die\ andeii^ 
S^e feteines Geistes-^ und S^eienadels ^ni betraehiteftt 
Wie bAtt^ er nidil' audMiren sollen, ^fds man^isieh an^ 
BS($hidlte, ihm dtti Bodcoi «eiver gesidUafajäftlicdrtn fitdU 



87 

4 

kuig uutfr den Ffia««a wegzuaieben ? Hierzu junpa. dasd 
die Ankl^d des Einachleichens in ein fremdes Geschlecht 
ihn selbst nur mittelbar traf; er war ja, ivIb man- 
niglich bekannt, von seinem Vater in dem guten Glauben 
an die Verwandtschaft mit den della Scala aufersogen 
wpfden; Julius Scaliger hatte keine Gelegenheit ver- 
säuipt, um an seinen Stammbaum öffenthch zu erinnern; 
wenn also hier eine v windige Aufschneiderei vorlag, so 
war Josßph Scaliger nur das Opfer derselben; ihre 
volle Schuld fiel auf den Vater zurück, da dieser nach 
den gegnerischen Unterstellungen nicht wiederum vqq 
seinen Eltern getauscht sein, sondern gegen besseres 
Wissen sich den Namen Scaliger angemaasst haben 
sollte. Bei dieser Lage der Sache mussten die Ermahr 
nungen von Freunden, welche noch immer zum Schwei- 
gpn rietben, fruchtlos bleiben; je widerwärtigere Gestalt 
die Discussion über seinen Gros^vater und Urgrossyatei; 
angenommen hatte, um so lauter schien Scaligem d^e Soh- 
nespflicht zu gebieten, dass er den Ruf seines Vaters ver- 
theidige. Möglichst kurz und ruhig that er diess in der 
»Widerlegung des Burdonischen Mährchens (C(ynfv^(xii^ 
fsJmlae Bttrdomm/, welche wter dwcJtwiphtiger yse^idoi 
nyidiitat im Jahre 1603 als Anhang Hßinsius'scher ^atire^ 
gegen Scioppius etsohien **). Hauptsllchlich werdepf 4ftPT 
in die urkundlichen Beläge enti^räftet, auf wplche,Sci,op- 
pius gebaut hatte; Ton Joseph Scaliger wird nur 11)4^ 
unvermeidlichsten FlUen und immer i^ der dritten .Pf^^/« 
aon gesprochen, dagegen Julius in d^n hellsten Y^qi^' 
dergrond gi^chioben du?:ch gehäufte Lebensn^chrichtf^ 
üh^t ihn und durch eine d^n Schlus^ (bildende 3amq[il|Liqg 
seiin^ Denksprüohe. Tvotz aU di^er Vpirsicht i^achj:^ 
die S<^hrift d<och nu^ einßn #4fal? kühlen Eindpi(^k s^uq^ 
auf die nähmen FrßuA<i^ Sägers. Mf^n wus^te nic^ 
Beeht, im: es jeine pi^|4t*vpU^ Vertheidigwng 4^s Vfr^^ 



88 

durch" den Sohn, oder ein strategischer Rfu(^kzüg d*es 
Sohnes hinter die Verantwortlichkeit des Vaters? Oeffent- 
liche Parteinahme zu Scaligers Gunsten war auch r^v 
dem Erscheinen der »Widerlegung* nicht erfolgt, ausser 
von Seiten des Casaubonus ••), dessen allbekannte innige 
Beziehungen zu dem Angegriffenen fast das Gewicht 
seines Beistandes aufhoben; selbst brieflicher Zuspruch 
war spärlich, fast immer sehr allgemein, und nichts selten 
im Tone eines leeren Bedauerns gehalten; vx)n hochge* 
stellten Deutschen, früher sehr eifrigen Correspondenten, 
wie z. B. deih Augsbüi^er Welser, blieben sogar die 
Briefe ganz aus. Die Jesuiten dagegen hatten ihren 
Zweck erreicht; Abermals hatte sich die so oft erprobte 
Taktik bewährt, und es war dahin gekommen, dasB 'ein 
wissenschaftlicher Mann, dem man auch blos wegen' »ei- 
ner wissenschaftlichen Bedeutung zu Leibe ging, sich al« 
ein auf persönliche Ehre und Schande Angeklagter ver- 
antworten musste, aller wissenschaftlichen Sohutzmittei 
beraubt, und verlassen von der öffentlichen Gunst, weiche 
einem in Sachen gemeinmenschlicher Geistesfreiheit Ver- 
folgten sonst beizustehen pflegt. Scaligem gegenüber 
hatten die Jesuiten auch noch den Jossen Vortheil ge- 
habt, dass sie nicht das Wesen, sondern nur äussereiZu-^ 
falligkeiten seiner' Person anzugreifen brauchten, unof ihm 
gereizte Selbstvertheidigungen zu entlocken, welche nun 
begreiflicherweise bei dem französischen Publicum -i-ain4 
auf dieses war zunächst das Absehen der JesuiUm^ gei^ 
dtellt — einer vernichtenden Lächerlichkeit anhdmfielen. 
Die komische Maske des adelsächtigen Spie^sbüigers 
verbarg von jetzt an, wenigstens vor französischen Blik- 
kie^, das ehrfhrchtgebietende ' Anthtz des wissensebiUBt- 
lichen Ft>rscher8< und Eütdeckers, und dieaeb Erfolg ent^ 
schädigte die Jesuiten hinlänglich für das Misslingen 
ein^ ganzen Reihe geheim^ Intriguen, w^ohe nebea den 



8» 

öffentlichen Angrifien hergegangen waren, alle in der 
Absicht angezettelt, um Scaliger von Holland weg nach 
Paris zu ziehen in eine eben so peinliche Stellung, wie 
Casaubonus sie dort einnahm. Pater Cotton^*^), der sich 
bei Heinrich IV. beliebt gemacht hatte, prahlte laut, dass 
ihm dieser Anschlag gelingen werde; der König Hess 
auch wirklich durch Jeannin eine Pension von dreitau- 
send Francs Scaligem anbieten, falls er nach Frankreich 
zurückkehren wolle; und noch gegen Ende des Jahres 
1608 musste Jeannin die Krankheit Scaligers benutzen zu 
dem Vorschlage eines Winteraufenthaltes in dem milde- 
ren französischen Klima. 

Solche stille Versuchungen, die sich von Anfang des 
Jahrhunderts bis zu Scaligers Todesjahr hinziehen, Hess 
er allesammt in ruhiger Standhaftigkeit von sich abglei- 
ten, und ebensowenig konnte ihn die laute Polemik, wie 
viel gute Stunden sie, auch verdarb, dauernd in der Aus- 
fuhrung seines Hauptwerks, des Thesaurus Tevnporum, 
beirren, welchem er sich während jener ganzen Zeit ge- 
widmet hat; ja,, die Heiterkeit und den Muth, mit dem 
er allem andringenden Ungemach die Spitze bot, hat er 
vorzügHch aus diesem wissenschaftlichen Unternehmen 
geschöpft. In der That kamen dabei seine vielartigen 
Kräfte in ein so ebenmässig zusammenwirkendes Spiel, 
dass die Lust vollsten geistigen Daseins ihn durchdrin- 
sen musste ; unerwartete litteräriscbe Glycksfalle belohn- 
ten und ermunterten ihn im Verlaufe der langen Arbeit; 
und er j^opnte sich endlich ss^gen, dasa er durch diese 
Xicis^g den edelsten und entscheidendsten Sieg, nicht 
über die persönHclie Bosheit, aber wohl über das, aller- 
dings besiegenswerthe, böse Princip seiner Gegner er- 
fechten müssen indem er, der Menschh^t die Strasse 
ebepe zur Weltgeschichte hin, welche den Lebendigen 
ein Hauch dee Lebens ist zum Leben, den Todten aber 



90 

em Hauch des Todes zum Tode. Das Werk nun, das 
seinem Meister so viel Erhebung und der Nachwelt so 
viel Leitung gewahrt hat, verdient wohl, dass es in dem 
stufenweisen Gange seines Entstehens hier betrachtet 
werde. 



Vom Beginn des Mittelalters bis auf Scaliger war 
die Chronologie nur ein Gemenge von Handgriffen zur 
Osterberechnung und zum Kalendermachen, oder höch- 
stens ein gelegentliches Hilfsmittel für biblische Exegese 
und zum Verständniss der gangbarsten lateinischen Klas- 
siker. E r hatte ihr wissenschaftliche Grundlage gegeben 
durch Benutzung der gerade zu seiner Zeit, welche deh 
Copernicus und Tycho Brahe sah, so sehr erweiter- 
ten Astronomie; zur Sicherheit wissenschaftUcher Dar«^ 
Stellung hatte et ihr eine feste und klare Terminologie 
ausgeprägt; und stoffliche Universalität hatte er ihr ver- 
liehen, indem er sich nicht auf Hebräisches und Rö- 

r 

misches beschränkte. Sondern ausser den vielfältigen 
griechischen, auch noch alle irgend erkundbaren Zeitrech- 
nungen und Epochen östlicher wie westlicher, der soge- 
nannten barbarischen wie der civilisirtön Völker mit der- 
selben Liebe und Sorgfalt behandelte. Denn er sah die Chro- 
nologie und vornehmlich die Epochen nicht, wie es bis- 
lier geschehen war, blos als eine Handhabe an, iim iti 
die schon bekannten Geschichten Ordnung zu bringen; 
auch wo die Kunde der Thatsachen noch mangelte, 
z. B. bei den Mexikanern, achtete er das gesammte chro- 
nologische System für ein an sich bedeutungsvolles kul- 
turhistorisches Factum; und die Epochen galten ihm als 
bewahrende Trägerinnen der folgenreichsten Einzeler* 
eignisse, auf deren Spuren man nach dein dazwischen- 
liegendem Detail forschen solle. Eine' 'solche ge^ensei- 



J 



91 

tige Durohdringttng von Chronologie mtd eigentlicher 
Historie musste för die alte Geschichte um. so frucht- 
barer werden, weil alle ^alten Völker auch in der Jahres- 
f^iblung von der Herrschaft der nackten Zalü befreit 
waren, welcher die Neuzeit unterworfen und bedürftig 
ist Aus der lebendigen Mannigfaltigkeit ihrer Thaten 
und Leiden, aus der regelmässigen oder gewaltsam ab« 
gelenkten Reihenfolge ihrer leitenden Männer schufen 
sich die ajten Völker ihre Zeitmessung; und ihre chro- 
nologidcben Tafeln — diess erkannte und nutzte Sca- 
liger — waren der feste Niederschlag ilirer Geschichte» 
So verwandelte sich denn die Chronologie aus einem 
Rubricirungsmittel der vorhandenen Geschichte zu einem 
Entdeckungsmittel der verlorenen ; und von diesem Gnmd-r 
gedantkea, dass Chronologie eine historische Heuristik 
sei, ist auch Scaligers mehr systematisches Werk de 
emendaUon^ tempormn schon bei seinem ersten Erscheinen 
im Jahre 15^3 durchaus erfüllt. In freierer Entfaltung 
und unter mehrseitiger Anwendung verfolgt die zweite 
Bearbeitung vom Jahre 1598 denselben Grundgedanken; 
am meisten vervollständigt sind die Abschnitte über die 
,EpochenS also der allernächst in die thatsächliche Ge- 
sehichte übergehende Theil des Systems, und zugleich 
tritt hier ein vielverheissender Ansatz hervor zur Aus- 
(Uhrung d^s Planes, der sich aus jenem Grundgedanken 
folgerichtig entwickelt hatte und dahin ging: in An- 
sohluss an die heuristisch gewordene Chronologie, ein 
universales Urkundenbuch zu entwerfen, welches die bis- 
herige Absonderung zwischen Biblischem und Klas- 
sischem^^ Barbarischem und Hellenischem zur weltge- 
sohichtlichen Vereinigung fuhren solle. Am Ende des 
ganzen . Bft^des nämlich folgen in der zweiten Ausgabe 
des Wer)ce^ cle emmdaHone noch drei Blätter grieplfisoheo^ 
Tf ^ und einigle fönfzig Seiten Noten iinter der u^scheii^^ 



92 

baren Aufechrift: , Ausgewählte Bruchstücke alter Grie- 
chen (Vetierum Graecorum fraffmerita selecta^ und mit der 
Vorbemerkung: ,Die8e Ueberreste alter Schriften, gleich- 
sam Bretter eines Wracks, sind von uns in ein Büctilein 
zusammengetragen worden, damit sie nicht abermals Schiff- 
bruch leiden, wie es ihnen bis jetzt ergangen ist, da sie 
bei Eusebius und Jösephus auseinandergerissen und ver- 
achtet lagen und Niemanden von ihrer Brauchbarkett 
iiberzeugen konnten, besonders diejenigen nicht, welche 
bei Behandlung der bibUschen Geschichte alle Hilfe nicht 
biblischer Schriften ausser Acht lassen. ' Die finstern Ur- 
theile solcher Leute werden hinlänglich durch die Wahr- 
haftigkeit dieser Ueberreste widerlegt, wie Jedermann er-» 
kennen wird, der sie mit unseren Anmerkungen so auf- 
merksam liest, als abgeschmackt jene sie verschmäht 
haben. Weit entfernt, sie als unnütz für die heilige Ge- 
schichte anzusehen, wird man vielmehr urtheilen müssen, 
dass ohne sie keine Epoche der heiligen Geschichte mit 
Sicherheit tM bestimmen sei.' Die Trümmersammlung 
tiun, aufweiche Scaliger so hohen Werth legt, besteht 
aus Berichten über biblische Hauptereignisse von Bero- 
sus, dem' tyrischen Menander, Abydenus — Namen, die 
nach tausendjähriger Vergessenheit hier zum ersten Male 
wieder mit Gewicht genannt werden, um dann immer 
Von Neuem und immer nachhaltiger die Aufinerksamkeit 
der Geschichtsforscher zu beschäftigen. Von diesem ur- 
kundlichen Anhange des systematischen Werkes de etnef^ 
datione ist nur noch ein Schritt bis zu dem grossen ge- 
schichtlichen Archiv des T%esauru8 T&mpötum. Zunächst 
kam es darauf an, vom fernsten Urbeginn menschlicher 
Tradition bis zum Ausgang der alten Geschichte terab- 
zusteigen an der Hand chronographischer Anzeichnungen, 
d. h. derjenigen historiographischen Form, welche alles 
stilistischen Schmu6kes beraubt,- aber daföt" ttaöh deir 



9a 

Schminke des . Voaruiülieila minder ausgesetzt »Ist Für 
solehen Zweck bei sich kein tauglicheres Mit^el/dur, als 
die von Hieronyinus herrühtende lateinißcHe üebersez*- 
züng der Eusebianischen Chronik ; an ihr konnte die alte 
Geschichlte auf ihren factisehen Kern geprtifk und in 
ih^eem weitesten Um&nge durchmessen werden Tom Be-' 
giitti desv assyrischen Reiches bis zum zwanzigsten Jahre 
fiba Constantin; das von Hieronymus Hinzugef&gte leitete 
bi^ auf den Tod des Kaisers Valens ; endlich schlössen 
- üe weiteren E#rt8etzer^ darunter* der in seinem grosse-^ 
^resB Theile von ScaHg^ zuerst veröffentlichte Chronist 
Idacius ^*'), um die . Mitte des sechsten Jahrhunderts* 
Aber in bedenkhcher Weise und allzu gefabrlidi nauoU 
für den Kühnsten musste. dies ganze Gerüst schwanken j 
so lange sein wichtigster Bestandtheil, ^as Eusebianischd 
Werk, nur durch die zweite Hand eines üebersetfee^i 
TOgangtk^h blieb, obendrein eines so rasch arbeitenden; 
wie der vielschreibende, oder richtiger, vieldictirende 
Hraronymus gewesen ist; und, was das Schlimmste war, 
selbst dieäe üebersetzung hatte das bessere Theil- des 
Eus^hms von. vom herein fallen lassen, oder^ wie Sca^ 
lUger. meinte, in Nacht und Nebel des Mittelalters einge- 
bÜBSt; das. erste. Buch mit seinen Auszüge]^ .aus den 
griecluächen Schiiiftstellern über orientalische Geacliichte 
ward von ihm und wird noch heutigen Tages vei'raisst Da 
ietellte< . «ich detm Soaliger die lockende Axifgabe einer 
philolögisohen^ nicht Edition und niiäht Heoehsion, son-^ 
dem Restitution im eigeailichsteh Sinne des Worts ; das 
^tstib Bu^h des Eusebiüs. sollte giänz von Niuem und das 
sweijbe; in- seiriw griechisdheh Urschrift wiedergewonnen 
w«pdeil# Eüt die Rückübeiftragung des zweiten Buches 
hatte nunj|S(^gers von frühen Jtigend her ' gereifte Fer* 
tij^dit im naciibbildendeq, Uebersfetzen' zul* Noth allem 
auagereicht,Kund>beim ersten Aufta»ched des :B.estituticms^ 

7 



94 

plabes hat er sich wohl vorzüglich auf diese Doli- 
metsohei^imst verlassen, obgleich er schliesslich gar kei-> 
neu Gebrauch von derselben machte ^*), nicht einmal in 
d^enigen Fällen, wo aus seinen späteren Hilfsmitteln 
das authentisch Eusebianische Griechisch nicht zu ge- 
winnen war. Jedoch um das gänzlich mangelnde erste 
Buch ersetzen zu können, fehlte jeder Anhalt; 'blbs aus 
sich selber spinnende Divination konnte zu Nichts .fah^ 
ren; hier musste zuvörderst der Stoff geschickt gesucht^ 
glücklich gefimden und dann erst konnte er besonnes 
genutzt werden. Wie man nun auch über die endgiltige^ 
Benutzuilg urtheilen mag, Spürtalent und Find^glüök 
haben selten eine so glänzende Verbindung in so wichf* 
tiger Sache gefeiert, wie bei der Wiedererweckung der 
Chronik des Eusebius durch Scaliger. Um das Jabr 
1601 war er einem ,Mönch Georgius* auf die Spur ^i*- 
kommen, dessen Chronik ,fast den ganzen Eusebius ^art* 
halten^ und handschriftlich auf der Pariser Bibliotüek zn 
finden sein müsse. Wirklich war in den . Samndungeki 
jenes . Mönchs, der jetzt unter seinem kirchlichen Amts^ 
titel Syncellus ^^) (Coadjutör) als eine unentbehrliche 
Quelle und ein schweres Kt&ülz der AegyptolögMi be- 
kannt ist, gar Manches aufbewahrt, was auch im Euse^ 
bius gestanden hatte imd ihm mit vollstem Recht nun 
wieder zugewiesen wurde; aber in der Freude über den 
Fund und bei dem Mangel jedes Correctivs^ dergleichen 
uns seit einigen Jahrzehnden in der armenischen Ueber- 
Setzung vorliegt, gerieth Scaliger auf den PehlsdhltMfd^ 
dass alles bei Syncellus Befindhche, was!, ohne Ver-» 
stoss gegen die Natur der Sache^ bei Eusebius gestanden 
haben könnte, auch wirklich dort giestanden habe und 
wieder dorthin zu stellen sei. Wir wissen jetzt, dass 
Syncellus Vieles aus Afirioanus geschöpft bat, was der eil-* 
fertige Eusebius bei Seite liess. Denn4lch werden unbe- 



95 

faugene Beurtheiler das Versehen Scaligers nur für ein 
formales erkennen müssen, das die wesentlichen Zwecke 
des Thesaurus nicht beeinträclitigte , und vielleicht ist 
es sogar der Wissenschaft nach anderer Seite hin förder- 
lich gewesen, insofern nun der allzu oft excerpirte ,Mönch' 
so sehr die Blicke auf sich zog, dass er bald darauf 
ganz an das Tageslicht gebracht und einer vollständigen 
Ausgabe gewürdigt wurde; wie denn überhaupt SoaUger 
durch die nachdrückliche Hinweisung auf Syncellus, 
durch die vielfache Benutzung des Cedrenus, und durch 
seme mit dem Eusebius verbundenen Ausgaben des Chro- 
nicon Paschale xmd Nikephorus den wirksamsten An- 
stpss zu der Sammlung der Byzantiner gegeben hat. 

Ausser der Aufspürung des Syncellus ward ihm aber 
noch ein anderes, durch keinen Benutzungsfehler ge- 
trübtes Finderglück zu Theil. Schon lagen die zweihun- 
dertundzwölf Fohoseiten, welche den griechischen Text 
des Eusebius bilden sollten, fertig gedruckt, als Casau« 
bonus im Februar 1605 von Paris schrieb, es sei ihm so 
eben auf der königlichen BibUothek ein Miscellencodex 
aufgestossen, der unter Anderem auch ein anfangs- und 
titelloses griechisches Schriftstück enthalte, mit griechi- 
schen und nichtgriechischen Königsverzeichnissen und 
einer vollständigen Tafel der Sieger zu Olympia '^^) bis 
auf die zweihundertneunundvierzigste Olympiade. Bei 
Empfang des Briefes erkannte Scaliger alsbald aus der 
Olympiadenzahl, dass hiermit die, gewiss auch von 
Eusebius ausgeschriebene, Tafel des JuUus Africanus ent- 
deckt seij welcher seine Chronik eben mit jener Olym-^ 
piade geschlossen chatte. ,Die übermässige Freude — 
meldet er dem. Oaaaubonus — habe ihn fast wie einen 
Narren sich geb^den lassen^ er sei eine geraume Weile 
im Zimmer umhergesprungen; um jeden Preis müsse 
ihol unt^erisfiglieh eine Abschrift des ganzen Tractati 

7* 



96 

gesandt werden, der sicherlich in allen s^nen Theilen 
aus Eusebius geflossen sei.' So verhielt «s sich wirk- 
lich; in der armenischen Uebersetzung haben sich all die 
Excerpte wiedergefunden, welche in der ersten Scaüger- 
schen Ausgabe auf vierundzwanzig Folioseiten als Nacihr 
trag gedruckt wurden; neben den erwähnten Vermch- 
nissen stehen dort auch grössere Stücke aus des Philo* 
sophen Porphyrius' Werk über die Diadochenzeit; Nie^ 
buhr hat sie hoch gepriesen und ausgebeutet, aber verr 
gißblich nach der seit Casaubonus verschollenen Hand«- 
Schrift geforscht; erst vor fünfzehn Jahren hat sie der 
Engländer Cramer zu Paris wiedergefunden, nacl^lem 
während drittehalb Jahrhunderten Scaligers Thesaurus 
der einzige Ort geblieben war, welcher jene wichtigen 
Aktenstücke in vei^leichweise authentischer Form daibot. 
Solchen Schatz in seiner Gediegenheit zu heben wacr 
Scaligem noich nicht genug; er wollte ihn nuti. aach 
gleich ausmünzen. Besonders die Olympiadentafel be* 
stärkte ihn in einem längst entworfenien Plane. Von je* 
her hatte • er für diese, an die Feier panh^lleniscber 
Kraft und Schönheit anknüpfende Aeora eine begeisterte 
Vorliebe gehegt; noch kurz= vor dem Funde jener Tafid 
war er bei Abfassung der Anmerkungen zu Eusebiüa 
mitten unter den nüchternsten Untersuchungen: in diis 
Anrufuilg^*) ausgebrochen: ,Sei mirgegrüsst, ehrwürdige. 
Olympiade! Hüterin der Zeiten, Hort^ gescbichtlicliä 
Wahrheit! (Sähe vener anda Olympiaäy custos^ iemportm, 
vindex ^eritatis histoHeae)^, Mit. Hilfe der neuen Entdek- 
kung konnten nun viele Ereignisse« für welche der blosse 
Name des Siegers zu Olympia als Datum bei den Ge*» 
schichtschreibem angegeben war, bequemt unter die ent« 
sprechende Olympiadenzahl gebracht weirden; und Sxui^ 
hger wagte demnach den Versuch, auf diirser Grundlage 
in griechischer Sprache Aimalen der grie^schen €(e^ 



»7 

sammtgeschichte aufzuführen, in welche er die Entwik- 
kelungsstufen der olympischen Spiele, die chronologisch 
bestinunbaren Thatsachen der Litteraturgeschichte und 
was Ton pohtischen Ereignissen gemeinhellenische Be- 
deutung hatte, theils mit den Worten der bezeugenden 
Autoren, theils in freigewälilter Fassung eintrug. In 
ähnlicher Weise dienten dann die peloponnesischen, at- 
tischen und macedonischen Königsverzeichnisse zur Auf- 
reihung der Specialgeschichten griechischer Staaten, imd 
endlich wurden die Manethonischen Dynastientafeln, die 
Reihen assyrischer, hebräischer, persischer und römischer 
Herrscher mit den Geschichten der betreffenden Völker 
ausgefüllt. Die ganze ziemlich weitläufige Arbeit, von 
Scaliger selbst bescheiden ,Geschichtfeammlung (Svv- 
oYwyfi l&toqi&vy benannt, jetzt bekannter unter dem Son- 
dertitel des Haupttheils ,01ympiaden-Verzeichniss ^Olvfi- 
TndS^ov ^Ävayga^^y, war ein Ergebniss der reproduciren- 
den Stimmung, in welche ihn die Beschäftigung mit 
Eusebius versetzen musste; er wollte an einem von ihm 
selbst entworfenen Modell verdeutlichen, wie etwa die 
antike Geschichte in antik chronographischer Form sich 
ausnehme ; und so vollständig wusste er den antiken Ton 
zu treffen, dass viele Leser, freilich sehr gegen seinen 
Willen und mit unverantwortKchem Uebersehen seiner 
ausdrücklichen, wiederholten Erklärungen, das Werk fiir 
ein aus dem Alterthum stammendes halten konnten« So 
hat er denn, noch am Schlüsse seiner Laufbahn, es den 
italienischen Philologen auch auf demjenigen Felde zu- 
vorgethan, auf welchem mit ihnen sich zu messen er 
firüher keine Aufforderung gefunden hatte. Die italienische 
imUaUo veterum war entweder die äusserUch stihstische 
der Ciceronianer, oder die sträflich reale der falschenden 
Annius und Ligorios; Scaligers ,01ympiaden- Ver- 
zeichnisse zeigt dagegen ein Nacharbeiten auf realem Ge- 



98 

biete in antikem Geist wie in antiker Form, und ohne 
den leisesten Makel der Fälschung. 

Mit allem Bisherigen ist jedoch nur der Eine, der 
textuelle, Theil des Thesaurus in seinen weitesten Um- 
rissen überbhckt. Von jedenfalls ebenso grosser Bedeu>- 
tung^ wenngleich von viel geringerer Ausdehnung ist der 
zweite Theil, welcher die ,Anmerkungen (Andmadversiones 
in Chronologica Eusebii/ enthält. Sie sollen zuvörderst 
die Anordnung der Eusebianischen Chronik darlegen. 
Hierbei werden aber, hauptsächlich in Folge des schon 
berührten Versehens bezüglich des Syncellus, sehr grosse 
Irrthümer begangen, die jedoch erst in unseren Tagen 
durch die armenische üebersetzung widerlegt wurden, 
wie sie denn, ohne einen solchen urkundlichen Rückhalt» 
in einer oder der anderen Weise wohl unvermeidlich 
waren. Doch dieser jetzt völlig unbrauchbare Theil 
nimmt nur einen kleinen Raum ein und schadet nicht im 
mindesten den übrigen, viel wichtigeren Absichten d^r 
jAnmerkungen', welche keineswegs den Eusebius blos 
erklären, sondern ihn beaufsichtigen wollen. Demnach 
ziehen sie die patristische Engherzigkeit des Bischofs 
von Cäsarea vor das Forum der unbestochenen Ge- 
schichte, decken die zuweilen recht zweideutigen Frei^ 
heiten auf, welche er sich mit den Zahlen der alten Ut- 
kunden genommen hat, und berichtigen die sachlichen 
Fehler, in die er aus Unwissenheit oder Eile vearfeUen 
ist. Man sieht leicht, dass bei einem solchen censori- 
schen Verfahren die abgelegensten Gegenden klassischer 
Erudition berührt werden mussten, und gerade die kitz- 
lichsten Probleme ecclesiastischer Kjritik am wenigsten 
zu umgehen waren. Auch wollte sich Scaliger der eccle*- 
siastischen Seite seiner Aufgabe gar nicht entziehen; 
vielmehr hat er, ausser dem Eusebius und dem Hierö- 
nymus in dessen ^selbständigen Schriften, noch ^le<- 



09 

giMtdich- dem Justin und IrenSüs und: besonders häufig 
dem Epiphanins kritische Sorgfalt und Strafe zu Theü 
werden lassen^*). Ueberall aber, in den klassischen wie 
in den kirchlichen Abschnitten, herrscht derselbe freie 
Geikt hoher, weltförmiger Universalität; mit sichtlicher 
Vorliebe wird die Bibel durch das AizsserbibUsche er- 
läutert, und wiederum jeder Anlass benutrt, iim die Bin^- 
deglieder hellenischer und orientalischer Cultur aufzus- 
teigen, ein Bestreben, das, ausser den vielartigsten £in^ 
zelbemerkungen, auch noch die Einfiechtung der grosse«- 
rön Abhandlung ,über die Buchstaben der lönfer^ veran- 
lasst hat. Dort werden nämlich die occidentaliischeii 
Schriftarten auf das phönikische Alphabet als . auf ihre 
Wurzel zurückgeführt, unter Benutzung der paläogrä- 
phischen Data, welche Scaligern aus der fast gleichiei^ 
tigen Mitarbeit an der Gruter'schen Inschriftedsammlung 
zuflössen; und man darf wähl sagen« das» den zwölf Sei^ 
ten jener dicdribe de lomtm tiUeris in der ganzen philolo- 
gischen Litteratur nur sehr Weniges ^eichkommt ün 
Tiefe der Absicht^ an Sicherheit des combinirenden 
Blickes und an gedräi^ter Fülle weitgreifender, früher 
gänzlich unbekannter Resultate. 

Di^ Animadversiones hatten den schon so mächtigen 
Umfang des Bandes um ein Beträchtliches vefgrdssert, 
und noch immer hatte Scaliger sich nicht g^nug g^than. 
Wie ilm die systematische Chronologie zu chrönögra- 
phischer Geschichte geführt hatte, so sollte nun das hi» 
storiseh Ermittelte wieder in die Darstellurig des Sy- 
stems zurückgeleitet werden. Zu diesem Behufe fugte er 
an den Thesaurus ein selbständiges Werkt .Hauptpunkte 
zur Einleitung in die Chronologie [Isagogici Chrönoloffiae 
Carnmes/, dessen erster Abschnitt ^Chronologische An- 
fangsgrunde {S^o^j^kaatg XqovoXciyixfiy in Definitionen, 




100 

Sätzen, Bewets^n und Berechnungstabellen elne'-8ti»]ig 
Jmatliematische 'Methode befolgt. Der zweite Abdchnitt 
-erathält, iii lateiniöcher Sprache und mit «der nöthigen 
AxierüstÜBg zu handlichem praktischen «Gebrauch^ die 
chronographiscbeh Verzeichnisse aus dem Alterthum 
lind eine Auswahl ähnlicher Tabellen für < das Mit- 
telalter und die neiorieiitalische Geschichte. ' Der dritte 
endlich giebt eiiien Ȋtiologischen* Comnientar zu deb 
Äwei Torhergehenden Abschnitten und fesst den Haupt- 
inhalt des früheren Werkes de emef^ctHonie in: eine 
übersichtlichere Form. Denn in diesem frühieren Werke 
hatten die Zwecke und Neigungen des Gelehrten doch 
manchmal die Pflichten des Ijehreirs vergessen lassen; in 
den/Cbn(p7i(?s dagegen herrscht ein Vortrag, d^ voi* Allem 
lehren will, ; möglichst wenig voraussetzt und nur sehto 
Bich: Abschweifiingen erlaubt; ohne je in das; trockene 
Dociren zu gerathen^ hat Scaliger hier in williger HeiN- 
«blasefvipg Elementarunterricht ertheilt mit jenem gewich- 
tigen und klaren Ernst, wie er dem höheren Alter eigen 
iwird, wenn > es nach gethanem letzten Sehritt die volle 
Bedeutung des ersten sich vergegenwärtigt. > 

An seinem fiinfundsechszigsten Geburtstage, dem 
ö. August 1604^ beendigte er das Mahuscript der Canones, 
des Schlusstheiles des ganzen Thesaurus, nachdem dei* 
Druck der ftüheren Theile längst begonnen und ihm un*- 
aufhörlichen Aerger bereitet hatte. Auch im 'Zeitalter 
der Folianten' war nicht jede Officin aitf Herstellung 
eine& solchen Riesenbuches eingerichtet, und Sealiger 
war an fein besonders ungeübtes Druckerpersonal ge- 
rsathen; der ewigen Zögorungen müde und Alles daran 
aetzend^ damit das Gtmei noch bei seinen Lebzeiten 
irgendwie zu Stande komihe, übertrug er die verschieb 
. denen ^ i ThÄle . des Werk« verschiedenen Officinen ' - : zu 
gleichzeitigem Druck, und begnügte sich mit einer ein- 



ztgen Coireotur, welche Batütixoh: das riele Grie^sch 
lind (üe verwickelten Zahlentabellen nicht in genügende 
Verfassung setzen konnte. Ala daher im Sommer 1606 
die Frucht siebenjäliriger Mnlten endlieh den ;FTeundeD 
und der Welt dargereicht werden sollte,' hatte Scaliger 
eine , ungeheure typothetische Calamität^ au beklageiir und 
manche eigene Uebereilungen einatigestefaeii* 'Für den 
Augenblick suchte er nothd'ürftig zu helfen duiroh Nach- 
tragen der dringendsten Verbesserungen; aberi^s war 
ihm ein drückendes Gefiihl, gerade sein Hauptwerk in 
so mangelhaftem Zustande hinterlassen zu sollen. Kaum 
waren also die Errata der -©fsten Ausgabe aus der Presse 
hervorgegangen, so legte er schon Hand au eine neue 
Bearbeitung'^*), und mit jugendlicher' Rüstigkeit voUem- 
dete er während der zwei- ihm noch beschiedenen Lebeiks- 
jahre das Manuscript dersielben ; ausser der Berichtigung 
der begangenen Versehen ' wurden darin die ^ntmotibyr* 
sioaes um ein gutes Drrttheil vermehrt,- und sein Lieb- 
Imgsstüdc, das Olympiadenverzeichniss, vervollständigt. 

Der Herausgabe dieser zweiten Bearbeitung' selbst 
vorsteheii zu können, hatte er nie gehofft. Gleieh naefa-» 
dem er mit' dem erstmaligen Erscheinen des Tbesaurus 
das 2^el seiner sofariftstelleriCM^hen Wirksamkeit erreicht 
sah, hielt er aucb sein Lebensziel für nahe, und obgleich 
weder ICrankheit noch auffallende Altersschwäche ih^ 
mahnte, bereitete er mit der Sorgfalt eines ruhig 
Seheidend|&n Alles zum Aufbruch vor; GegeüEade 
des Jihres ;1607 edrtwarf er ein endgiltiges Testamemfe ^'), 
und verfugte darin' über sein, mütterliches Erb^t zu 
Ounsten einer Schwestw; ^^on seihem Utterärischen.Näöh-^ 
lass überwies' er die liändsehrifiliche neue Beavbettnag 
des Tbesaixrus> iusd Zusätze) zu De ermndatüme,^ Mjsanlavms 
Catuil ^üvevlässig4ü Freiinden. icur Herausgajl»«; nur« die 
CatuUianischen Zusätze sind verloren oder noch irgend- 



loa 

viro Tefsteckt; das Uebrige iat ftühev oder, später ^*- 
dmckt worden. • ÜÄgeg^n sollten alle unVollendeteil Aufit 
Sätze und Papierb in der Leydejier Bibliothek auf b«w»ihrt 
und NicUts davon .veröflteatlieht werden — leine Beitinii- 
rnung, die; wohl hauptsächlich durch deÄ Streit mit den 
Jesuiten veradlasst .war und Tei^nimftig«rwei«e in! einaelnen« 
leider, nur zu wenigen^ ; Fälleja . später übertreten -wujtdß; 
Ausserdem waren noch seine liäheren Ereunde jeder „mit 
einem kleinen Andenken bedacht, wie er es aus keineswegs 
reichen Mitteln bieten konnte. ,Er wolle lieber --* 
schreibt er an Casaubonus — sich wegen der Armselig- 
keit seines Testaments belachen lassen, als« den eines 
Biedermanns unwürdigen Sdiein erregen, im Leben den 
Tod vergessen zu haben.^ Dieselbe ruhig ordnendd.Ab. 
sehiedsstimmüng zeigt sich in. seinem ganzen! Thun und 
Lassen während des letzten Jahresi. Was ein weilyert 
zweigter Briefwechsel, die strengeren wissensohaftlicheh 
Arbeiten und die fortdauernde Polemik ihm von r Müsse 
übrig liess, verwendete ier auf Abschreiben orientaliseberi 
besonders arabischer und persisbheri Manuädriptei und 
bestimmte die Copi^a der Leydner Bibliothek; er. wollte 
der Nachwelt auch noch durch eine ^Handlirbeii' nütKen^ 
für welche damals, bei der so gei^ingen Verbriöitung 
orienttdischer Studien, nur sehr wenige taugliche Hände 
zu fmden waren. Längst hatte er so in jeder JEUicksioht 
auf das Sterben sich eingerichtet, als im October; 1608 
Anzeichen einer. Krankheit eintraten, über dfereri Aus- 
^ng er sich keinen Augenbliek täuschte; die näcfastfol-» 
genden Monate litt er nur unter allgemeiner Unbehag* 
lichkeit, welche an leichteren Beschäftigungen sieht hin^- 
derte; eine verbessernde Dur<ihsicht des Polyhius konnte 
er noch vx)mehmen ^^; gegen Ende< des JidH«s haette 9kh 
eine Hydropsie entwickelt, und am 21. Januar 1609y uoi 



109 

die vierte JVIorgexistunde, entschlumi^erte er ia den Ar- 
men seines Lieblingsschulera Daniel Hein^iys. 



In der Kraft des Mannesalters ward Scaliger von 
seilten Zeitgenosfieji als eiq Hobever ^ngestauat^ den. s^e 
mit ihrem Maasstabe nicht ^ messen d(irftei;i; auch seinjs 
Lebensneige und sein Starben bilden eine Ausnahme von 
dem Schicksal, das im sechszehuten wie in anderen 
umwälzenden Jahrhunderten die verdientesten Männer 
betroffen hat. Nur Wenige gelangten imversehrt an 
das Ziel. Meistens war die Kraft untergegangen, 4^ 
Grosse klei^ geworden, lange noch bevor der Tod den 
l^eib entseelte. Von solchem Schicksal; Mi eben auch die 
ScaUgern am nächsten stehenden Slänner nicht verschont. 
Cujacius' Lebensabend ward durch häusUches und vater- 
ländisches Trübsal verdüstert; Henricus Step^^nys war 
im Spital gestorben; als , Muret des Goldes und, der 
Jähren satt wurde, hat er durch Bigotterie seinem ver- 
waschenen Gemüth eine Farbe zu geben und «eine Ju- 
gendsiinden zu verde^en gesucht; Tjpsius schleppt sein 
Greisenalter hin in einer entehrenden ge^^tigen Knecht- 
schaft, die er aus Charakterschwäche ^uf sich geladen 
hatte; und den Cas^ubonus drückten zuletzt die schw:e- 
ren, wenn auch versilberten Ketten des englisch^p 
Jacob L Aber Nichts dergleichen, kein Abfall yon sich 
selber, kein vqu aussen, her ü,b,erwältigendes3Iissgei^chiQk 
trübte Scaligßrß letzte Letiernya^ire ;; nach aUen Seiten 
gewahren sie idas, seltene ^eispie}, dass ein grosser 
Mensch in edler Gesetzmässigkeit seine Laufbahn be- 
schliesst. An der Schwelle des siebzigsten Jahres ste- 
hend, schied er aus einem rastlos thätigen Leben mit fast 
ungeschwächter Körperkraft und mit einer Geistesklarheit, 
welche auch der letzte Augenblick nicht verdunkelte; in 



104 

einer aufgewühlten Zeit, die für sö Viele die Grenz- 
zeichen des Guten und Schlechten verschüttete, hatt« er 
sich vor jedem das Gemüth verwirrenden Fehltritt zu 
bewahren gewusst. Stets sich selber treu, in stolzer Ge- 
schlossenheit keiner Verlockung unterliegend und um 
Nichts sich beWerbeüd, verlor er doch nie die kräftige 
Lust am Dasein der Dinge und 'die Freude an der Ge- 
sellschaft' guter und bedeutender^ Menschen. Mochte 
seine äussere Lage, die ja zu keiner Zeit glänzend ge*- 
Wesen ist, zuweilen noch so schwierig werdeü — sein 
Warmer Muth und dife Füi'sorge seiner Freunde hoben 
ihn über Alles hiniveg, ' und nie trat an ihn die Noth in 
ihrer nackten Gestalt heran, in welcher sie auch die 
Stolzesten zu bändigen versteht. Einer der Letzten iaus 
dem Geschlecht, das im sechszehhten Jälu'hundert die 
l?ahne europäischer Freiheit und Bildung erhoben hatte, 
musste er von Trauer und Zorn erfüllt werden, als die 
Verhältnisse der Staaten und der Wahn dör Einzelnen 
jene hohen Menschheitsgüter auf das Spiel eines gräss- 
liehen Entscheidungskampfes zu setzen drohte. Aber 
wie Vieles er auch in seinen späteren Jahren beklagt, 
gescholten und gehasst hat ^% nie hat er sich gleichgültig 
von der Mitwelt abgewendet; sein stolzer Unwille wurde 
nie einsiedlerisch, und sein flass blieb stets von Kälte 
frei; bis an öeine Sterbestunde lebte er als Lebendige*, 
theilnehmend an der Gegenwart wie sie nun geworden, 
dabei weit zurückschauend in die Vergangenheit, und 
^^etragen Von dem Hochgefühl einer Zukunft, für die er 
gearbeitet hatte und von der er seinen Lohn erwartete. 

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,r, ' 



Belege; 



i I I II 



I I 






Mit den Belegstellen bin ich im Folgenden so verfahren, dass sie 
nun vielleicht als eine kleine Änthcflogie aus Scaligers Briefen und den 
nicht streng gelehrten Partien seiner Schriften dienen können. Ab- 
sichtlich sind die Versstücke etwas reichlich eingestreut worden, weil 
unter Allem, was Scaliger geschrieben hat, seine metrischen Sachen 
jetzt am meisten vergessen sind, unverdienter Weise, selbst wenn 
Bentley's Lobspruch, der Scaliger a very great poet nennt (opp, ed. 
Lips, p. 155), allgemeine Zustimmung nicht finden sollte. 



1. Abstammung und Geburtsjahr. 

(Zu Seite 31.) 

Für den allgemein verbreiteten Glauben an die Ver- 
wandtschaft mit den veronesiachen della Scala lässt sich 
ein weder der Leichtgläubigkeit, noch, wie. man sieht, 
eines übermässigen Wohlwollens verdächtiger Zeuge an- 
führen. Rabelais schreibt von Lyon 30. November 1532 an 
Salignac (bei Regis, Rabelais Bd. 11. S. XXXIX f.) : Nuper re 
scivi ex Hüario Berihulpho, qt/io hie uior /amüiarissime^ te nescio 
qUfid moliri aivers^ calumniaa, Hieronymi 4f^f^h ^^^^va suspt" 
eavis subpersonß jft^cHäi cuius^ßm Scaligeri a^persum te scripmsie* 
Non potior te diu^ius ammi pemiere <itqt^ hac tua suspicione faUu 
Nam .S^atiger ip^^ Ve^rpfimsis est ex üla\ ^caJ^efoi^m exsulum 
familiog exsufet, ipse^ nunc vero vfiedicwnagit qpm^ Agermate^^* 
vir mihi bene notus o^ f*a thv Jia s.v ^MfitfO^s^* iau tohw 
diißoXos (yieivos, mg awBlovti tpavat, tä (Uv laxqt,%a ov% avBni,- 
ctiqfKov, Talila dk fcavtri naifttb^ A^sog, d>g o^x alXog namots ovdslg, 
Eius lihrum nondum videre cmUigit^ nee huc tot iam men- 
9ibu8 ddatumest eafmfplar vHihmy atque adeo suppressum puto ab 
Ü8 qüi LmkHäe IfeM tibi volunl — Die im Text folgenden Pef-^ 
sonaldngäben &b^ ' Jtilius uAd' Joseph Seftliger hat Letztör^r 
sMh^t ditg^ef^t in der koerst 1&94 gedrticikten epistoia de'i^i- 
tmüae ii i^plendffre gerdis Scali^ae (epist, ed.AfMt 1627 j>. l—dS/. 
Auf die dort (p. 50; angezeigte Geburtsstünde iirt da^ Hoi 
roskop gestellt, welches sich p^ 143 dei< ersten Ausgabe- des 



lOS 

ManiÜus vom Jahre 1579 findet; es ist also Scaligers eigenes. 
In der zweiten, nach Veröffentlichung jener . epistoloy im Jahre 
1600 erschienen Ausgabe hat er es weggelassen. — Sein Ge- 
burtsjahr, sagt er (epp, p. 50^, sei ausgezeichnet gewesen ar- 
dmtissimis aestibus et vindemia solibtis exusta, und Janus Rutger- 
sius hat dies Motiv zu einein recht artigen Epigramm ver* 
wendet, welches Scaligers chronologische Leistungen feiert (in 
Heinsius' Leichenreden auf Scaliger p, 90): 

Cum primum iüuxit losephus Scaliger orbi 

Et didicit tellus sidera posse pati, 
ObshtpuU Fhoe^ua, Vtdeantque et curms et Aether, 

Qui lucem (dixit) conferat, alter erit. 
Dum pauet et lümen tei^uHim hoc invidet astriä, ' 
* EstcMef^httrepidaßäriimetikiraiThanu. . . •. 

t : DeßepBÜ curf*vs, dolwtqüe Htoefidk^ muHdiMi »i., 

Et QQeli,damny>m aensxt adusta Ceres, : , 

Nunc quoque ne metuae, genitor radiate diei, 

Ut poseint soles sidera ferre duos, 
Non petit hie curriis, sed quos dum'nascitur itle 
'Nim beneßectehas ire docebit ei^uos, "' 

Von grösserem Einfluss jedoch als die ungewöhhlliihe 
Hitse war auf Scaligers Leben ein andet*es Ereigöiss seines 'Ge-^ 
biirtsjahrs 1940, nämlich die Bestätigung des Jesuitenordens 
dimsh Pap^t Padl ÜI. Sonderbarer Weike macht aueh sein 
Todefijäbr 1609 in der Ordensgöschithte Epoche dtirch die 
SeMgdpueehung des Igilätius. 

2. Buchan^tk« . t- 

- , » . .>(Zu S»^ 3L) \ t f . , 

, , £^ .gleicht den, Scbotten sieht zur Ehre, da$6 sie 
dem .Georg, ißuohzaian» ibnem als Historiker» P^oHtiker und 
Ei^manlst gleicjisehr votiacefflicliieA; Landume«!!, noek immer 
mcl4^ 46n. gebührenden Lohn einer w^dlgcsi Bescbrelbung 
lieliies! y;el)b^ewegten Leben» eptrichtet haben* .Ihn^nacb »einer 
14^PjC^fkphis^en,.und< p»liti3chen Bedeutung eu- zeaehneü) 
kfpatn in. el^er. . Anmerk^g glicht einmal vei^ucht und >:die Verr 



109 

theidigung seines Charakters nach politischer Seite darf um so 
füglicher unterlassen werden, da seit Mignet's Buch über Maria 
Stuart wohl Niemand mehr die hergebrachten Beschuldigungen 
erheben wird. Als Humanist vereinigt er caledonische Gedie- 
genheit mit der Grazie der Franzosen, unter denen er seine 
Bildungsjahre veriebte. Seine lateinischen Dichtungen wurden 
von dem einstimmigen Urtheil des Zeitalters hoch über alle 
italienischen Leistungen auf diesem Felde gestellt, denen sie 
an Formgewandtheit gleich imd an poetischem Mark überlegen 
sind. In der That lesen sich die oft sehr ausgelassenen Ele- 
gien und Jamben wie wenn ihr Verfasser das Latein als 
Muttersprache gelernt hätte, und diese Stücke bewähren seinen 
Dichterberuf für alle Zeiten. Auf das sechszehnte Jahrhundert 
jedoch wirkte vorzüglich seine Uebertragung der Psalmen in 
klassische Metra; denn sie lieferte ein anschauliches und all- 
gemein zugängliches Beispiel jener Vereinigung von honae lii- 
terae und res sacrae^ auf welche das Streben aller ernsten 
Manner unter den Reformirten damals gerichtet war. Als 
schöner Ausdruck solcher Gesinnung wird diese Nachdichtung 
der Davidischen Gesänge auch immer Anerkennung finden, 
wenngleich sich nicht leugnen lässt, dass die, gerade In den 
Psalmen sehr gelungene, prosaische Vulgata ganz anders als 
Buchanan's sapphische und alcäische Strophen das Gemüth 
trifft, und obgleich wahr bleibt, was neulich ein geistreicher 
Mann behauptet hat, dass alle versificirten Psalmen eben nur 
verdorbene Psalmen seien. — Wie Scaliger über Buchanan 
dachte, sieht man aus Scaligerana L s, v.: Buchananus unua est 
in tota Europa omnes post se rdinquens in hiina poeai, und aus 
dem Epitaph, welches auch seine staatsmännischen Verdienste 
kurz berührt (poemakty ed. Scriver, p, 104j: 

Podquam laude tua patriam, merUisque heasti, 

Buchanane, tuis Solis utrumque latus: 
Contemtis opxbua, spretia populartbue auris, 

Ventosaeque ßtgax amtniionis, obia; 

8 



tio 

Praemia quina quaier Piseae functus aUvae 

Et Unqtiens ctnimi pignara rara tut: 
In qutbus haud tibi se anteferent quoa Itala vates 

Terra dedit; nee quos Gaüia mater alit 
Aequahunt genium felicis carminis et quae 

Orbis habet famae canscia signa ftuie, 
Namque ad supremum perducta poetica culmen 

In te etat, nee quo progediaiur habet. 
Imperii fuerat Romani Scotia limes : 

Romani etoquii Scotia ßnis erit 

3. Metrik. 
(Zu S. 32.) 

Bentley's (Menand, p. 67) mit vorsichtiger Relativität 
ausgesprochenes Lob: Nemo in arte metrica Scaligero peri' 
tior gilt ohne Ausnahme für Scaligers Verhaltniss zu Vor- 
gängern und Nachfolgern bis auf Bentley; unter den 
Zeitgenossen hätte vielleicht Wilh. Cantcr auf einen höheren 
Platz Anspruch. Dass Scaliger bei alledem von vielen damals 
eingewurzelten metrischen Irrthümern nicht frei ist, wusste Nie- 
mand so gut wie Bentley; an zwei Stellen hebt er (opp^ ed, 
Lips, p. 225, 474) es hervor, dass Scaligern so sehr wie dem 
Buchanan und Grotius die Continuität der anapästischen Sy- 
steme unbekannt war. — Nicht minder vorsichtig ist Lob und 
Tadel abgewogen in RitschPs (praef, in Flauti Persam p, XIII) 
Aeusserung: maior in Scaligero recentioris fuit quam veteris artis 
metricae latinae peritia. 

4. Stil 
(Zu S. 32.) 
Seine stilistischen Grundsätze hat Scaliger in Jamben 
(poematt. ed. Scriv, p. IdJ ausgesprochen, welche er dem 
Daniel Heinsius ins Stammbuch schrieb. Sie gehören, 
besonders in dem Schlusstheil, zu dem Besten, was er in die- 
ser Art gemacht hat, und die von Scioppius (Scalig. hypoholim. 
p. 202^ au%estöberten Reminiscenzen aus Seneca thun ihrem 
Werthe keinen Abbruch : 



III 

De stilo et charactere. 

SenienOarum qmnn mtpeües lauta $U, 
Sermonia ingens ^ polUi copia 
Penea LaUnos, quaa vHustoM aurmi 
Catas magiatros doquenUae esttuUt, 
5 Quorum e setMfrii hauriendmn $U töt 
Verborvim aeumen, di$$er€ndi amoerUtas: 
C^aid egt, toquendi quod nomun modum €tc genua 
Incude toties fabricaa iua iäHf 
Rerum magUter et tgrannua omnium 
10 Sermanie uaua artifex vemacuU eaiy 
Oui tot loquelae, quot suaa, rotat vicea, 
Ät didionia aplendidae perUiam 
LaHia Ubrorum eonditam in aacrarOa 
Nan aaneit vaua, aed vaktata auctoriku 
15 Virüm Latinae principum ahquenHaa, 
Sed inaolena hune remeidi aitua aapor, 
ütut loquatur, inoidentem intelügi, 
Moroaitaaque paacit inaani atili 
Promena ab ima verba oaaea origine 
20 Vix vel Cethagia gnara dnctuMa prkia. 
Dheraua aUua hMo ab hoc flactena iter, 
Inuaitata dum timet, aordea amat. 
Et nie toiua palUa et totua meuror, 
Arena calcem non habena, nugae merae, 
25 Inanitate plenua et aatur fame 
lehma verba tinnit exiH aono. 
Pruriiua alium tangit urttcae novae, 
LicenUr audax et procul tralaiio, 
Teporia iüe et Untitudinia metu 
30 PrQfundit acer entheaio apirihi 
If^ta verba rore non Ächaico. 
Stolide /aceta ducit hunc vemilitaa 
Linguae ekgantia perperam affedana aalea, 
AUua loquendi figere ignarua modum 
35 Oraiionem admittit extra terminoa, 
Quem non habenia Circua effuaia capit, 
Sic incolendi perdit omnem gratiam 
. In laxitatem ruria excurrena domus. 

8' 



112 

Ojfendit alios planitas aequahUia 
40 Quam Caesar olim, quam colebat Tuüius: 

Constrictae in arctum quoä^iuvant argtdiae, 

Quae per salebras »aÜitant non ambtäani. 

Et dum le^tniia haeret exepedatio, 

IrUelligendum quam Ugendum plus ferunt. 
45 Quae deiicata tndt mörari himina 

Et Unquere animis quod reportetur damum, 

Sit succulenta, nqn obesa oratio, 

lUusiris, apta, nobilis, sese efferena 

Non mole camis eed ioroHe artubus. 
50 Sermonis ista eanitae tä corporis; 

Non Sana tantum membra verum alacria, 

Sit aureorum luce verborum Uta, 

Sit compta natioa indole et non squaUdae 

Äntiquitaüs obsoieta sordibus, 
55 Sic cuncta variet, constet ut simiUs sibi: 

Similis sibi sie constet ut varie iuvet, 

Quempasdt avidum mascuU succus stiU 

Semper recente postudat refid dape. 

Et audiendo vel legendo ßivola, 
W Conoiva tanquam languido sitomacho osdtans 

Si nil iacentem recreaverit famem, 

Risum in qutbusdam, somnum in aUis vix tenef, 

17 iiwideniem intelUgi] Senea, ep^ 114, 4: «t [MaeeenaiJ non vitasset inteUigi. 

22 Vid. Sense, ibid. 13: Quideun eontrm dum nihil niti tritum et uHtatum vobtnt, in 

gordes incidunt 
24 Arena ealcem non habensj JSueton. Calig. 53 : Seneeam. . . arenam ette eine eaiee 

[dixit Caligula.] 
31 Vid. Virgil. Catal. VII, l: Ite iUnc, inanes rheiorttm manipli, Inßata rore non 

Achaico turba. 

38 Vid. Senec, ep. 114, 9.* in ipta* domus impenditur cura, ut in Uueitatem rurit ex- 
currant. 

39 Dms von luer an yorzügUfh Lipsius und seine Nachahmer geio^int sind, im< 
terliegt keinem Zweifel, und diese Eine Randbemerkung des Scioppius ist rich- 
tig. Die anderen, an V. 16), wo er Paimeriut, und au F. 34, wo er Doiuza 
Pater an den Band schreibt, sind unsicher, und die letstere noch obendrein 
malitiös, da Douza ein intimer Freund Sealigers war. 

44 Vid. Senee. ibid. 1 : abruptae sentenHae et $u*pieio$tte, in guibus pbts inielKgen- 
dum esset quam audiendum. 



113 

5. Julius Scaliger. 
(Zu S. 33.) 

Keine von den vielen Wunderlichkeiten seines Vaters 
inar Joseph Scaligem unangenehmer, als die ungeschickte 
Petulanzy mit der er auf Elrasmus, wegen dessen unver- 
gleichlich feinen Dialog Ciceroniamts y losgefahren war in 
zwei Invectiv - Beden, die von Maussacus zusammen mit dem 
Erasmischen Dialog herausgegeben sind (Tolosae 1621. 4). Jo- 
seph that alles Mögliche, um die Verbreitung besonders der 
zweiten Rede zu hindern und sagt rundheraus in Scaligerana U. 
(s, V, Erasme): Mon Pere attaqua Erasme en soldat Depuis^ apres 
awnr esiudiS, ü vit qu^ Erasme estoü un grand personnage, Feut- 

estre man Pere n'ttvait pas leu ou n'eniendoit pas Erasme 

Encare que mon Pere ait escrit contre Erasme, si fais je grand 

eas ^ErasmSy c^esioU un grand homme poenUuü patrem ad' 

versus illum scripsisse; ü vü sa fauie, — Ueber die Poetik, 
Julius Scaligers bekanntestes und am nächsten die Philologie 
berührendes Werk, wird man Lessings (Anonym, d. Nevelet 
§ 3) Worte unterschreiben müssen, dass es ,eben so viel 
scharfe und gesunde, als schiefe und abgeschmackte Urtheile^ 
enthalte; die letzteren entspringen vorzüglich aus verkehrter 
Vorliebe für das Rhetorische und Pointirte. Nicht blos dem 
Virgil giebt er die Palme vor allen griechischen Dichtem, 
sondern er setzt auch den Verfasser des, immerhin sehr lieb- 
lichen, Gedichts von Hero und Leander weit über den Homer, 
obendrein in dem festen Vertrauen, jener Musäus sei der ur- 
alte Zeitgenosse des Orpheus (Poetic. L V. c. 2), In Bezug 
hierauf sagt Joseph in Scaligerana U. (s. v. Musaeus): Mon 
Pere a plus /ait Testat de Musaeus qu*il ne faUait; il le prefere 
ä Homere. 11 ne s'entendoit pas hien ä la poesie Grecque, und in 
dem an Salmasius gerichteten Ueberblick der griechischen Lit- 
teratur (epp p. 531^.* Parcior et casHgatior quidem Musaeus sed 
quiy cum Hlorum veterum /rugalitate eomparatus, prodigus videatur. 
Neque in hoc sequimur optimi parentis nostri iudicium, quem acu- 



114 

mina iUa ei flores declamatorii iia ceperunt, ut non dtibiiarit cum 
Hnmero prßeferre, — Den lateinischen Versen Julius Scaligers 
m^rkt man, trotz manchmal hervorbrechenden Feuers, doch 
sehr an, dass sie als regelmassige Pensa producirt worden; 
ein Paar Monate vor seinem Tode schreibt er (Mii Sccdigeri 
epistolae, Hanoviae, 1603, 12*»^ p. i^O): ülud fortasse non mtätis 
fmecwn commune] y vespere post expedüa diuma negotia ad sexa- 
ginta versus commentum esse, demde coenasse etc., imd Joseph (epp, 
p. 43) erzählt, nicht ohne einen Anflug gutmüthiger Ironie: 
Quoties arthritis ei usum scribendi adimehat, tunc, ut Ennius lo- 
quüuTy poetahatur^ et quotcunque versus nocfu conceperat, mane si 
per frequefUiam eorum, qui illum constdebant aut officii caussa in- 
visehant, liceret, sin autem, vespere postquam omnis turba Uta dt- 
lapsa esset dictabat Ac tanta erat memoriae /elicitas etiam in ex- 
trema senectute, ut ducentos versus in Vivesiano praedio mihi di- 
ctarit, quos die priore conceptos propter visitatorum officium recir 
tote distulerat. — Den vorth^ilhaftesten Eindruck unter allen 
seinen Werken machen die Arbeiten über Aristoteles und 
das in engem Anschluss an die Peripatetiker philosophirende 
Buch De SubtÜitate, aus welchem der nichtsverachtende Leibnitz 
Einiges billigend anfuhrt, z. B. in den jüngst veröffentlichten 
Bemerkungen über Spinoza {p. 36): memini lul. Scdtigerum dt- 
cere res produci non ex potentia passiva maieriae sed ex poteniia 
activa Dei. Et hoc ego de formis affirmo activis vel enfelechiis. 
Diess bezieht sich auf de subtÜit, VI. 5, welches Capitel Leib- 
nitz auch sonst (Philosophie Chinoise § XIU.) bespricht. 

6. Naturwissenschaften. 
(Zu S. 83.) 
Scaligers anatomische Kenntnisse treten besonders hervor 
in den Anmerkungen zu Hippokrates' Schrift «fpl itc^aX^^ 
tiftoik&mv. Dass er das Naturahencabinet seines Vaters nicht 
unbenutzt liess, beweist Conjeckm. p. 36 (Varroed. Steph. 1581^.* 
Nife vidimus apud patrem nostrttm nitiXitov hippocampi admodum 



115 

deganUem (sie) n^ue is exeedebai inenikUem*fna^Uwiinmi^ cum ad dfh 
dranialem pervenire velirU qtndom. — Noch öfter geht er auf bo- 
tanische UntertuchuDgen ein, z. B. in der Schrift Ober Pa* 
pyrus (üpusce. p. 1 — 52), in Briefen an Vertunianus (epp, 
p. 103 — 127), und in einer grösseren Abhandlung über orocw 
und nardus nach Plinius (XXI, 6), welche in die Scatigerana L 
s. V, Crocus angenommen ist Mit denselben Pflanzen besch&f» 
tigt sich eine sehr umfangreiche Anmerkung zu Properz V^ 74, 
schon in der ersten Ausgabe p. 241 ; sie machte ein solches 
Aufsehen, dass Scioppius, dreissig Jahre darauf, einen zünf- 
tigen Botaniker anstiftete, sie in einer besonderen Schrift 
(loannis Bambergensia medici Romani de nardo ei epÜhymo adoer' 
tue laeephum Scaligerum) zu widerlegen ; der Botaniker hat aber 
wohl nur das Material geliefert; in der Abfassung erkennt man 
die unverkennbare Feder des Scioppius, zu dessen ScaUger 
hypobolimaeue die Schrift den Anhang bildet. — Den Aerzten, 
welche Scaliger in seiner letzten Krankheit behandelten, wur- 
den seine medicinischen imd botanischen Kenntnisse zuweilen 
lästig; Daniel Heinsius erzUilt es in dem Briefe über seinen 
Tod, welcher der Briefsammlung angehängt ist (p. 832); Uli 
guibue comtnieea eaiue ehe erat nihä eeee difficüwe quam viro tarn 
mvüarum rerum gnaro (üiquid praeecrtbere non eemd ifUer ee ean- 
querehantur. Nam praeterquam quod et nomina herbarum et tiree 
ex /requenti xwß ^^ovofMov lectione ad unguem didicerat, cptime de 
morho euo itidicahat 

7. Selbstschilderung. 
(Zu S. 34.) 

Scaligers Selbstschilderung stammt aus seinem vierundfönf- 
zigsten Leben^ahre (1594) und steht am Schluss der S. 107 
erwähnten epistola de vetustate getnüe Scaligerae; sie ist so be- 
zeichnend föLr den Mann und ward ihm von Gegnern so 
oft als Beweis unbändiger Prahlsucht vorgehalten, dass ihre 
Mittheilung hier nicht umgangen werden darf (epp, p. 56j: Et 
pro/ecto Deo Optima Maximo gratias ago quod virtue quidem mea 



116 

inimioos mihi peperit sed Ladern lange plures amicos quaestoH. Toi 
enim egregii generey moribus, litteris omnium ordinum viri nos 
amarUy tä herum generis humani retrimentorum ratio nobis habenda 
non ait Conveniant omnes /uriosi^ sophistae, aretalogi et operas 
mutuM sUn tradant, Ne minimam quidem partem eorum praesti- 
terint, quae praesiitimus ipei; et sudabunt plus satis. Quid mihi 
obOeere possunt praeter virtutem^ quam fnm habentf Nobüifius nor 
taies SU08 iactantibus habemus quam obiiciamus vetustatem generis 
müU et ducentorum annorum^ eamque nuttis fahdis offectaitam sed 
auetoritatUms anOquorum monumentorum assertam. LiteraOs si in 
aliquibus probam me aliquid scire^ culpa vaco si in aliis idem nof$ 
praestiti; et quis hoc sibi promptere potestf De moribus etiam 
mimicos meos iudices feto, NtUlius mihi conscius sum^ cuius me 
apud homines pudere debeat^ f$eque quod aut existimationem sini- 
stram posteritati aut corpus effoetum traddt senectuti: cum conti- 
nentia anteactae vitae ad hanc usqite aetatem eam artuum et mem- 
brorum ßrmitudinem mihi asseruertt, qua nee meliorem iuniores 
i^ptare possunt Regibus, principtbus et proceribus noti sumus. Cla- 
rissüni et ülustrissimi sumus, Literarum amantissimi sumus. Ab 
omni ambitione et invidia remoti sumus, Mendacium tarn 
a natura quam a pairis instituto*) capitaliter odimus» Rum- 
pa^ur inoidia. Non possumus esse dissimiles nostri, Omnes 
inmici nostri virtutem non Vitium in nobis hactenus insectati sunt, 
Ecquaenam felicitas huic par esse potestf Man wird bei Beur- 
theilung dieser Stelle ihren wesentlich polemischen Zusammen- 
hang nicht ausser Acht lassen dürfen. Das rückhaltlose 
Selbstlob ist hier nur eine, allerdings nicht för Jedermann an- 
wendbare und vielleicht für Niemanden gerathene Form, um 
die vollständigste Verachtung der Gegner auszudrücken. ,EJa. 
billiger Leser — meint Bentley (opp. p, 143) — wird der- 
gleichen Ausbrüche von Hitze und Leidenschaft verzeihen und 
sagen: Sume superbiam quaesitam meritis (Bor. Od, IlJy 30^ 14).^ 



*) Epp, p, 46: Numquam memini nos pueros. coram eo sisti quin 
primum imd praeceptum inculcaret: Non menthi. 



Il7 

8. Personalien. 
(Zu S. 34.) 
Eine Beschreibung von Scaligers körperlicher Constitution 
hat i. J. 1576 sein Freund Vertunianus, ein gelehrter Arzt, 
aufgezeichnet und in die Scaligerana L s. v. Scaliger aufge- 
nommen. Nach einigen, för Aerzte vielleicht interessanten, Be- 
merkungen über ungewöhnliche Fiebererscheinungen, welche 
Vertunianus an ihm beobachtete, heisst es dort: A prima pue- 
ritia ad vigesimum usque annum singiäis noctibus insomnüs 
ignitis Jtdgurum adeo vexabatur ut saepissime exciiaretur ex in- 
somnn tfehementia, adeo ui paier et mater ülius verererUur mcucime 
ne in fpQivlttda indderet Quin et media de nocte expergefacto 
tanto epiendore micabant ociUi ut posset eine lumine et spondas 
lecti videre et maiusctdis litteris scripta legere^ quod et patri hd, 
Caes. Scaligero miUies accidisse ait*) .... Hoc amplius ab eo 
didici, ei a puero ad patris usque mortem^ quae contigit ülo 18 a/ut 
19 annum agente**), fluxam lubricamque alvum Juisse, ab eo 
vero tempore, cum per 18 dies nihil ipsa reddidisset ob in- 
gentem moerorem, semper adstrictam /uisse, ab eodemque tem^ 
pore non nisi aquas et flumina in somnis [wohl : somniial ha- 
buisse. Caeterfim ut ei provectior aetas multa incommoda ita et 
nonnulla commoda attulit, Incommoda sunt varii morbi et rheu- 
mata, quibus prius obnoxius non fueraty et minus prompta firmaque 
memoria; haec verö commoda: sedatum ingenium cum temperantia 
ac continentiay non quod ita natus sity sed religionis et pietatis 
ergo; item amor incredibilis religionis et litter arum: nam certe ze- 
lus domus Dei ipsum comedit, et nunquam studendo defatigaiur, 



*) Vergl. epp. p, 45 : OcuHs fuit (luUus Seal.) caemleis däuttortbua, 
quibus interdum noclu videbat, ut in crepusculo soiemus, quod et mihi con- 
tigit a pueritia ad vicesimum tertium annum. Zahlreiche Beispiele dersel- 
ben Erscheinung aus alter und neuer Zeit hat Scaliger selbst in der 
confutafio fabulae Burdonum, opuscc.p, 195 und Fabricius zu Sextus Empiri- 
cus p, 14 gesammelt. 

*•) Jul. Scaligcr starb am 21. October 1558 s. epp. p, 47; Joseph 
stanä also im Anfang seines 19. Jahres. 



U8 

quinimo a studiis redit semper (dacrior, maxime vero a locis diffi- 
cüiorihusy a quibus nunquam offendUur. Rdigio, inquam, et Musae 
duo sunt Ulms amores. Hoc anno Domini 1576 agU ille annum 
{tetatis 36. — In Frankreich ging er oft auf die Jagd, wie er 
selbst erzahlt in der 1578 erschienenen Pseudonymen epistola 
Vmcentü p, 8 ; mdiorem partem otii literis impendit^ ita tarnen ut 
non raro venatu exerceai se, und Ruhnken freute sich, seine 
eigene Jagdliebhaberei durch eine so glanzende philologische 
Parallele belegen zu können (Wyttenh, opp. ly 785^. — För 
einen etwaigen neuen Herausgeber des Jöcher'schen Lexikons 
sei hier noch bemerkt, dass Scaliger ein leidenschaftlicher Me- 
lonenesser gewesen zu sein scheint nach seinen Worten in Ca- 
talecta ed. Lindenhr, p. 286.* Meto non est meto noster, praestan- 
tissimus fructuSy qui veterihus omnino ignotus fuit, Nain melones 
veterum stmt in generihus cucumerum et onerosos stomacho scribit 
Pimius, Nüiü eorum quae veterihus [leg,: v et er es trihuunt] 
Tnelonibus et peponUms suis convenit melonibus nostris^ quibus et 
omnis ambrosia et nectar cedat licet — Schliesslich darf die 
Schilderung nicht übergangen werden, welche Daniel Heinsius 
von seiner äusseren Erscheinung in der späteren holländischen 
Zeit entwirft (in dem S. 115 angeführten Briefe^. 842),: For- 
ma eximia fuit nisi quod collapsa tempora ac cava saepe materiem 
iocandi Uli darent, Statura non tarn alta ac procura quam medio- 
cri ac habiliy quod non nisi ex astantis alicuius qui procerus esset 
comparatione deprehenddxitur, Oculis sagacibus^ et qui illum animi 
ffigorem prae se ferrent, acutis autem adeo ut vel minimos quosque 
ductuSy minima quaeque ac morosissima Orientis puncta atque apiceSy 
qui,.,, aut offendunt vehementer oculos out /ugiwit, ad mortem tcs- 
que assequeretur, Mundiciarum in cuUu summam semper rationem 
habuity ab omni illuvie et squallore ad supremam usque aetatem 
alienissimuSy ut ne sordem quidem ullam aut capillum eminentem 
ferret, Barbam in Batavia sub senectuiem tantum aluit; quae et re- 
Uqua non parum commendabat, " Nam in GalHa, quod optime amici 
eius meminerunty stridius tondebai; nUerim et radebaiur, Vaktudine 



l 



119 

kaud parum JIrma eüam kk uius eU, nisi quod de dutitate alvi ac 
morosiiate soqmis comquermttuTy W fum aliam rnmüs sibi causam 
/are apud me nan semel au^uraius sii, Interdum oatarrho, nonnun- 
quam et dolore coli teniabahir. Deniee, cum cetera coneiarent, ra- 
roe habuiiy aliquamdm ante obitum prope nulloe; ut panem sili- 
gneum, quo solo uH cogedahtr, aegre conficerel, inkrdum vix confe- 
ctwn m stomachum demitteret Sobrietatem et absUnentiam in victu, 
quo cum amicis exquisito sed ßrugali tMatur, sohts cum esset ni" 
miam plerumque adhibuit; ut in coena saepissime postquam diem 
integrum in studiis fuissety quod inprimis in conficiendo nobilissimo 
Inscr^tionum Indice evenisse Uli saepius recordor^ nihil praeter 
paucas passulas et exiguum diluti gustaret, plerunque Bataoorum 
aqua tenuiter cum /rugibus cocta ex more huius populi contentus; 
quod non dubito quin stomacho senilis hominis praesertim Gallig 
phtrimum nocuerit 

9. Studien zu Paris. 
(Zu S. 35.) 

Die Notizen über seine Pariser Studien hat Scaliger selbst 
(epp, p. 51) gegeben. — Beendigung des Homer in drei Wo- 
chen ist dem Bischof Huetius (commentarius de rein$s ad eum 
pertinentibuSy Amstd, 1718 /?. 38) als ein inane Scaligeranae oslen* 
tationis specimen erschienen, jedoch nur desshalb, weil ihm« dem 
Huetius, ein ähnliches Experiment misslang. Bescheidener sagt 
Gibbon (li/ßy by Milman p, 96 ed, Baudrg) : «Scaliger durchlief 
die Blas in einundzwanzig Tagen, und ich war mit meinem 
Fleiss zufrieden, als ich in einer gleichen Anzahl von Wochen 
dasselbe zu Stande brachte.^ — * Eine eingehende Leetüre der 
drei griechischen Tragiker f&llt auch schon in diese frühe Pa- 
riser Zeit, Scdligerana IL s, v. Sophocle: Lorsque favois 18 
ou 20 ans, faoois fort bien leu mes trois Tragiques. — - Dagegen 
lässt sich weder aus diesen noch aus spateren Jahren ein ernstes 
Studium des Plato nachweisen. Die von Scaliger selbst immer 
mit besonderer Sorgfalt angelegte^ Stellenregister ergeben das 



IfO 

Resultat, dass in allen seinen Schrjften zusammengenommen 
nicht &ber zwanzig platonische Citate anzutreffen sind, und 
diese immer, nur aus den kleineren Dialogen oder aus dem 
Gastmal, Timäus und den Gesetzen ; von den Gesetzen gesteht 
er überdiess zu Eitsedius N. 765, dass ,es lange her sei, seit- 
dem er sie gelesen'; und aus <^. p. 577 ist zu erkennen, dass 
er in der Abneigung gegen philosophische Speculation Nle- 
buhrn wenig nachgab. 

10. Ue.bersetzungent 
(Zu S. 35.) 

Die Uebersetzungen in das Griechische sind gesammelt 
als Abtheilung der oben S. 18 erwähnten Poemata omnia mit 
dem Separattitel Jos. Scaligeri Jul, (Joes. F. Poemata Graeca versa 
ex Lot, Itßl, et öall, Petrus Scriveritts publicabat, LB, 1615. 
Darunter finden sich Stücke aus Horaz und den drei Elegikem 
mit den Jahreszahlen 1561 — 1565 bezeichnet. Der grössere 
Theil der Sammlung fällt jedoch in die spätere Leydner Zeit* 
Die Auswahl aus Martial, in welcher de la Monnoye (zu den 
Mcfiagiana III, p, 227 — 241 ed, Amst 171B) einzelne Versehen 
aufgezeigt hat, ist eine Frucht schlafloser Nächte seines Greisen- 
alters. In der besten Stimmimg verfasst und am meisten voll- 
endet scheinen die Uebersetzungen der Catonischen Disüchen 
und der Sentenzen des Publius Syrus, — Auf die griechische 
Sanunlung folgen dann bei Scriverius mit ähnlichem Separat- 
titel: Poemata Latina versa e Graeco^ worunter die Uebersetzun- 
gen der orphischen Hymnen und des Lykophron jetzt die be- 
kanntesten sind. Die erstere liegt uns noch ganz in dem Zu- 
stande vor, wie sie von Scaliger in frühen Jüngling^ahren in- 
nerhalb f^f Tagen hingeworfen '^iirde ; er nennt sie selbst in 
einem Briefe an Casaubonüs (epp, p» 179) ein mendosum opus. 
Dagegen bat «r den Lykophron, welcher zuerst hinter Canter's 
Ausgabe des griechischen Textes (Basel 1566) erschien, von 



Neuem fiSr die Ausgabe des Meursius (LB. 1597) durchgesehen. 
Ein Paar begrOndete Ausstellungen gegen willkuhrhche Wörter- 
bildung und Wörtergebrauch in dieser Uebersetzung macht 
Scioppius (Scalig. hypoöol p. 200); vergl. Ritschi zu Plautus' 
Mercator v. 696, — üeber Gebühr vergessen ist heutzutage 
die Uebersetzung des sophoklefschen Aias, die Scaliger zuerst 
1574 als Anhang zu den Gedichten seines Vaters erscheinen 
lies». Wie viel er sich damals gerade mit dieser Arbeit wusste, 
erheilt aus Scdligerana I. (s. v. Nullua) : Nullus est in tota Gallia 
qui versionis meae styli Sophoclensis iudicium /erre possit; adeo 
infßUces swnus; nuUus enim hodie studet; unum Äuratum excipio. 
Kleinlauter klingt die, wohl um dreissig Jahre spätere, Aeusse- 
rung in Scaligerana II. (s. v. Mutet): que Muret a mesdit de 
mon Äiax Lorarius! il ^en est tont mocque; destoit un grand 
hwnme; il faut bien guil y ait veu quelque chose que je rCy aipas 
veu. Wahrscheinlich fand Muret an Scaligers Verwendung der 
altlateinischen Wörter Manches auszusetzen, obgleich sie im 
Aias viel massiger und besonnener ist, als im Orpheu|3 und 
Lykophron. Die in gleichem archaisirenden Ton gehaltene 
Uebersetzung der Eumeniden des Aeschylus, welche unter dem 
Titel Dirae dem Florens Christianus zugesandt worden (epp. p. 
136), konnte Casäubonus, als er Scaligers kleine Schriften 
sammelte (praef. in opp. Seal. p. 16 ed. Franc/.)^ schon nicht 
mehr auffinden. Da von dem Aias sicherlich dasselbe gilt, 
was für die Eumeniden ausdrücklich gesagt wird (epp>p. 136): 
si quaedam — pauoa vero sunt — invensris quae tibi videantur a 
Qraeca lectione dissentire, scito ex nostra carrectiane id esse, so 
wäre es wohl der Mühe werth, dass Herausgeber des sopho- 
kleischen Stückes aus Scaligers Latein die von ihm befolgten 
griechischen Lesarten zu ermittlen suchten. Ausser diesem kri- 
tischen Nutzen hat aber der Aias und die anderen gleichartigen 
Arbeiten noch den allgemeinen Werth, dass sie über Sprach- 
mittel und Wirkung des poetischen Altlateins einen zusammen- 
hängendem Ueb^rblick gewähren, als sich aus vereinzelter Be- 



122 

trachtung der überlieferten Diehterfragmente gewinnen lässt. — 
Uebersetzungen in lateinische Prosa liegen nicht vor; ob Da- 
niel Heinsius (oratt, p, 49 ed, LB, 1627), der von Scaliger sagt: 
HippocratU aphorismos imitatus Celsum in Latinum convertit ser- 
monemy Gedrucktes oder Handschriftliches im Auge habe, muss 
teh weiterer Nachforschung überlassen. 

11. Zu S. 35. 

Die Wendung: , Verwegenheit des Lernens' gebraucht 

Daniel Heinsius in der Dedication der Leichenreden auf 

Scaliger: Nemo ianta vel discendi audacia umqmm exiitii ut 

tarn multa tentaret^ vel felicüate ut cum simul pkarima sperarety 

phts consequeretur qwtm optasset. 

12. Postellus. Orientalische Studien. 

(Zu S. 35.) 

Colomesius (opp, ed, Fabric, p, 59) hat Nachrichten Über 
den närrisch consequenten Ketzer Postellus zusammenge* 
stellt. In seiner eifirigen Lernbegierde Hess sich Scaliger so« 
gar die Stuben- und Bettgenossenschaft dieses Menschen ge- 
fallen (epp, p: 70 6y Scaligerana L s, v. lingua). Bei aller Ach* 
tung vor seinem orientalischen Wissen erklärt er ihn jedoch 
für recht eigentlich verrückt in der Schilderung Scaligerana L 
s. V.: Postellus excellens philoscpkuSy cosmographus, mathematicus, 
historicuSy stultuSy lingueirum non ignaruSy sed nullius ad unguem 
peritus. Invideo Uli Arabicam linguam^ und noch deutlicher in 
Scaligerana IL s, v,: Postellum Syrus docmt; neminem vidi gm 
Postello melius scriberet (eyriaeef); fuit vere stuUus, nam alioqui 
Jmsset comhustus; il couroä les rues. Feeit Ubrum debere feminas 
per feminam salvari ut viros per Christum. — In Leyd^i hat 
Scaliger noch als Sechsigjähriger unter Anleitung eines getauf- 
ten Juden, Philipp Ferdinand, des Talmudischen Idioms Herr 
zu werden versucht In einem Briefe an Drusius beklagt er 
den frühen Tod dieses Ferdinand und sagt in sachverst&ndiger 



Ii3 

Bescheidenheit (epp. p. 594).* Mira eius et quanta non nüi in 
hominem Indaeum eumqtte a puero informatum potest cadere in TaU 
mudicis exercitatio erat, Quae certe /rustra Christiani nostri co- 
nantvTy qui nihil illarum literarum sine praesidio hominis ludaei 
et Ivdaice instituti per/ecte tenere possunt. Hoc ego et mihi semper 
persuasi et verum esse re ^f>sa sum expertus. Ebenso bescheiden 
äussert er sich über sein Arabisch und missbiligt zugleich die 
Aufgeblasenheit Anderer, wohl vorzüglich des Franciscus Ju- 
nius, in BetreiT des Hebräischen (epp, p, 208); Ego, mi Casau- 
bofie, mutta volumina Ärabica versavi, magnam silvam verborum 
mihi ex illa lectione comparavi. Nihil tarnen atU parum me prae- 
sOtisse sentio, Adhuc tiro sum. Et tarnen videas qui ex lectione 
linius libri nihil sihi putant reliqtmm esse ad aäsolutam illius ser- 
monis cognitionem, Quantus est tvqtos illorum qui ne latine qui' 
dem sciunti Sed iis qui Hebraismum degustarunt, in aditu hlandi- 
tur illa lingua propter cognationem; cum vero intus remissus (intro- 
missus ?) /ueris, commendatitiae accipiendae sunt, quia longinquum 
iter instituendum. De Heöraismo idem dico, Nam nemo est hodie 
qui sola lectiofie Bibliorum sacrorum se ipsis ludams cognitione 
Hebraismi praestare non putet; imo ludaeos nihil scire asseverant. 
Quo hominum genere nihil vidi imperitius et in quHms magis sen^ 
sum humaniorum literaßum desideres. Im Gegensatz zu solchen 
Verächtern hat Scaliger das Gute in den jüdischen Schriften 
wohl zu schätzen gewusst, Scaligerana IL (s, v, ludaei): ludaei 
hodie cum disputant sunt subtiles, lustinus Martyr quam misere 
contra Tryphonsm scripsit, et Tertullianus [contra JudaeosJ, Debet 
esse valde peritus Judaismi qui ludaeos volet reprehendere et refu- 
tare , , , ils exposent hien subtilement PEscriture; il faxt heau lire leurs 
livres, il y a heaucoup d^esprit. Mit den Juden zu Avignon stand 
er in freundlichen Beziehungen; sie machten ihn auf Versehen 
aufmerksam, welche er in der ersten Ausgabe des Werkes de 
emendatione temporum bezüglich der jüdischen Zeitrechnung be- 
gangen hatte, und er erkennt dies dankbar an in der Dedica« 
tion zu seiner Bearbeitung des hipp oly tischen Kanon (LB, 1595). 



124 

Sogar während seines römischen Aufenthaltes fand er Zeit und 
Lust, um mit den Bewohnern des Ghetto gutartige Disputatio- 
nen zu führen und gewandte Cotnplimente über sein Hebraisch- 
sprechen von ihnen entgegenzunehmen. Er erzahlt (Scalige- 
r'ana IL s, v. ludaei): J^ay dispute a Borne et ailleurs avec les 
Juifs; ils m'aymoient et estoient fort estofines que je parlois fort 
bien Hehreu et me disoient que je parlois FHebreu de la Btble et 
que pcmcissimi ex Ulis ita loquebcmtur sed lingua maiorum Rabbi- 
norum loquebaniur^ Eabotenu Zicronam, — Das Urtheil, welches 
ich im Text über Scaligers hebräisches Wissen aussprechen 
musste, ist aus Prüfung besonders der Schrift gegen Serarius 
und der betreffenden Partien von de emendatione temporum und 
Eusebius hervorgegangen. In welcherlei Schnitzer er auch 
dann noch, als er schon des Ferdinand Unterricht genossen, 
verfallen konnte, sehen Kenner hinlänglich aus folgendem Einen 
Beispiel im siebenten Capitel der Schrift gegen Serarius: Jw- 
daeorum sapierites vitabant plebeiorum contactum I^H D^ÄDH ^Töbn 

uro. vyh o^n^:» rn K!5i:Dm« n^^ym i'»m p^a ^äj; bv o^wn» 

Q'»tI^nDi? Omö y^^r\ Cy ^^n^n pn^^nD wozu er, wie immer 
bei hebräischen Citaten, eine griechische, jedoch wohl mit 
blosser Hilfe des Lexikons zu Stande gekommene Uebersez« 
zung giebt: oi Eofpol naxsaoßaffivovto rojv Örifiottvovtoßv ßSslvtro- 
(livoi avxovg nal ov% i&vrtg ni^oo'ipavaai avtoiVf xara tb öq vtp 
rj(imv XByofitvov, ta t&v dri^oxi.yiäv Ifiatia Tiatanatrjiia xav 
daxovvxmv ut citat R. Abraham Zakuth in libro Itifiasin, Das Lä- 
cherliche dieses %axandx7jna lässt sich einem untalmudischen 
Leser ohne Weitläufigkeit nicht deutlich machen. — Wie Vor- 
treffliches er hinwieder zu leisten vermochte, wenn er seine 
Kräfte zusammennahm, zeigt die am Schluss der zweiten Aus- 
gabe von de emend, temp, befindliche Abhandlung über die 
Ephemerien (ni^llDt^D) und ihre Benutzung zu chronologischen 
Zwecken. 



127 

V. 15 habe ich so geschrieben, wie Scaliger selbst in einem 
Brief an Labbaus (epp, p. 680) ihn verbessert. In den Aus- 
gaben steht der Druckfehler labatUe pariete, — Wie alle Men- 
schen, die sich einen gleichmässigen Fortschritt ihrer wissen- 
schaftlichen und reUgiösen Entwickelung zu erhalten verstehen, 
legte auch Scaliger in reiferen Jahren manche Starrgläubigkei* 
ten seiner Jugend ab. Die oft sehr widersprechenden Aeusse- 
ruagen in den früheren und späteren Scaligerana finden hier- 
durch ihre Erklärung, Man vergleiche z. B. die Artikel über 
die Apokalypse in beiden Sammlungen. Auch war er zuletzt 
von Vielem, was innerhalb seiner eigenen Religionspartei vor- 
ging, sehr wenig erbaut. Vorzüglich erregten diejenigen Ke- 
formirten seinen Zorn, welche in fanatischem Puritanismus je- 
des nicht aus dem Buchstaben der Bibel herfliessende Wissen 
als profan vernachlässigten und anfeindeten. Bei Gelegenheit 
seines Eusebius schreibt er hierüber an Casaut)onus (epp,p, 31&): 
Ceterum qualeeumque est qvod damtts {in Eusebio)^ meum non est 
iwJUcare quo loco futurum sit apud bonos malosque. Hoc tmum 
scio^ magnum intfidiae incendium mihi ex hoc imminere tarn ex Lo- 
niolvtlSy qmd non mirabor/ quam a nostris; quia — quod vix cre- 
dere possis — plus nobis metuendum est a lolio^quod succrescit se- 
getihus nostris, quam ab incendio quod hostes veritatis frugihus 
nostris minantur, Nam a nobis prodierunt prophetae et v,a^aQoL^ 
quod gSenus hominum cuiusmodi sit ex Prolegomenis in Ganones 
Isagogicos discere poteris. In diesen Prolegomena nämlich er- 
klärt er sich mit heftigem Nachdruck gegen alle Versuche, das 
Studium der Bibel von dem der klassischen Litteratur zu tren- 
nen : Hodiernis prophetis tanto in odio est historia exotica, zct^ qtmm 
Ckronologia sacra instruenda esty eam maxime inquinari putent sv 
ad tempora historiae^ ut ipsi loquuntur, profamae referatur, Iccirco: 
Chronologicas diatribas suas vocare solent ^epus ex puris sacrae 
scripturae fontibus derimium^ (der Genfer Professor Matthäus Be- 
roaldus und der Heidelberger David Pareus sind gemeint). 
Quare nos inde non male eos xo^a^v? vocaajimuSj quo nomine di- 

9.' 



12g 

•cH quidam m tseteri ecclesia haeretici /tten^t Büros san$ scH- 
pturae /ontes non minus quam ipsi esse et quatenus sint melius 
quam Odern scimus et f atemur et prae nobis /erimus, Sed quos 
'^si stercore suo conspurcartmt^ eos non solum puros sed etiam a 
scriptura esse negamus. Ah his hominibus r^aius periculum immi- 
net honis literis quam ab aretalogis^ qui eos aperto Marte impu- 
ynant Nulla maior pestis hoc praphetarum pk^ecula^ nulli quos 
magis rei publicae lUerariae intersit neque unquam scripsisse nequs 
eorum scripta a iuventute tangi. Nach solchen und ähnlichen 
Protesten gegen Verkehrtheiten der ,Reformirteil kann es nicht 
Wunder nehmen, dass Scaliger nicht von allen seinen Glau- 
bensgenossen für ein völlig gesundes Kirchenglied gehalten 
wurde. Casaubonus {epp, p. 332 ed. Älmelov,) schreibt hier- 
über noch in dem Todesjahre Scaligers an Daniel Heinsius: 
Vidi qui negarent de omnibus cum vulgo nostrorum Uli convenisse^ 
sed pro sua pietate et prudentia dbstinuisse ab earum rerum tractch 
tione; quod cuiusmodi sit^ si fas esset, scire vellem, eo magis quod 
virum summwni istic esse audimus qui de nonnullis €iXXo(p(fovBty 
quem mirifice quum alii tum ipse Scaliger nobis commendarunt. 
Unter diesem nicht wie die Andern glaubenden und von Sca- 
lige^ empfohlenen vir summus ist ohne Zweifel Arminius ver- 
standen. In der That heisst es über ihn in Scaligerana IL {s, 
V.) mit gewichtiger Kürze: Arminius est vir maximus, während 
dem Gegner desselben, dem Gomarus, eine weitläufigere aber 
keineswegs günstige Charakteristik zu Theil wird, die folgen- 
dermaassen schliesst {iUd. s, v, Gomarus) : II pense estre le plus 
scavant Theologien de tous. II- ^entend ä la Chronologie comme 
moi ä faire de la fausse monruiye, Aehnlich s, v. Scaliger: ce 
grand docteur de Gomarus, qui veut parier de tout ce qt^il n'entend 
pas etc. Der Dortrechter Synode hätte Scaliger also wahr- 
scheinlich nicht zugestimmt, und schwerlich wären ihm in ir- 
gend einer Kirchengemeinschaft die Ehren der Strengglaubig- 
keit zuerkannt worden. Dodi blieb er bei all seinen Hetero- 
doxien selbst im höheren Alter> das ja so oft nicht blos ge- 



129 

gen Menschen misstrauisch wird, stets von dem reinsten und 
innigsten Gottvertrauen erfiillt. Mit ein Paar ergreifenden 
Aeusserungen solchen Inhalts will ich diese Bemerkungen be- 
schliessen. Im October 1604, als die Pest zu Leyden wü- 
thete, schreibt er an Casaubonus, der filr den nächsten Früh- 
ling se'men Besuch angekündigt hatte '(epp. p. 268): Me quidem 
undique funestae domus circumstani solia parietäms ab interitu r«- 
matum, Inter haec expecto quid de me etaituU misericors Deus^ qui 
me a pueriHa usque ad hanc diem,, non sine aumtna admiraHone 
mea, quotiescunque cogiio, hominem incatUum a summis perictäis^ 
rerum omniam egenum ab egestate vindicavit, Nam quod Spiro ad- 
huCy quod hello civilia Oalliäe me non abstuteru/nt^ quod eine ulla 
re /amiliari commode vixi, quod in angusta re tarnen vitam toleroy 
hoc mihi maiori miraculo est quam videre homines Romae a sordi- 
bus ad rerum culmen provehi quoties voluit Fortuna iocari 
fluoenal, III, 40J, Quod si optimus maximus et clementissimus 
nie parehSf qui me solus alit, eo dies meos producat ut vere pro- 
ximo te hie possim amplecti^ siquidem animum de profectione non 
mtOaveriSy ilicet beatum me cui videre contigerit quod me sperare 
multa quae non dicam non sinebant. Und im Jahre 1606, als die 
politische Lage Hollands ihm sehr misslich und seine eigene 
Stellung gefährdet schien, schreibt er an denselben Casaubonus 
(epp. p* 327): Deus Opt. Maxim, misericors et iustus non semel 
ex summis difftcultattbus me eripuüy quum per aetatem poteram 
mihi consulere et rebus meis. Quo magis confido, in hac senectute 
eum magis mei misertum iri, Sene vago^ etiam divite, quid magis 
ridicuhtmf quid* pampere miseriusf Omnis mea spes in eius inex- 
ha/usta honitate reposita est. 

14. De la Rochepozay. 

(Zu S. 38.) 

Anfang und Art der Verbindung mit Rochepozay hatte 
Scaliger in der epistola de vetusiate genOs Scaligerae {epp. p, 52), 



130 

WO er sich über seine früheren schriftstellerischen Arbeiten 
auslie^s, kurz so bezeichnet: In quibits aucUrrihus si eruditis le-' 
ctortbus non satisfecimus^ id qvod nos non fugit: excusa/oerit totum 
gen/US vitae meum desultorium et otii^ quo mcLxime studia aluntur^pe' 
nuricu JNam ab anno cid, ro. lxiij^ ex quo in contubernio ge^ 
nerosi Ludovici Castanei Rypipozaei esse coepi ad hanc tisque diem 
nulltim tempus mihi a/ut a peregrinationibus aut a& animi perturba- 
tiontbfis vacuum faisse memini. Da Scioppius (Scalig, hypch, 
p, 218) in diesen, allerdings etwas zu scharf betonten, Klagen 
über Mangel an Müsse eine undankbare Verkennung der WohJ- 
thaten des Rochepozay entdecken wollte, sa kommt Scaliger 
in der confutatio /abkilae Burdonum {opuscc, p, 1 68) auf das Ver- 
hältniss zurück: Tosephum fdicit Scioppius] , triginta annos in 
domo Ludovici Rupipozei egisse^ qui in tribus intervailis Umge alio 
ab alio inter se distantibus vix dimidium illius temporis apud eum 
txpleverit. Et ponamus Lavernionem fScioppiumJ hie oblitum sm 
fuisse^ hoc est non mentitum fuissCy quid hoc ad Burdones^ Ecquod 
ßagitium illud est, manUre in domo^ in quam ter a domino vocatus 
fue/rity qui eum semper frojtris loco habuerit? Dass Scaliger in der 
That wie ein Bruder behandelt worden, zeigt der ganze Ton 
in den französischen Briefen des Rochepozay bei de Reves 
ip, 52 — 56, 226, 376). — Unter den gebildeteren französischen 
Grossen bestand damals die bei den englischen Adligen noch 
bis in das vorige Jahrhundert fortdauernde Sitte, bedeutende 
Gelehrte zu freier Haus- mnd Reisegenossenschaft an sich zu 
ziehen. Der Diplomat Paul de Foix z. B. hatte sich zum Ge- 
sellschafter einen Schüler des Cujacius, den später so berühm- 
ten Kardinal d'Ossat gewählt, und de Thou hat in unterhaltender 
Ausführlichkeit das Zusammenleben dieser beiden Männer ge- 
schildert, wie er es auf einer italienischen Gesandtschaftsreise 
des de Foix beobachtete (Thuanus, de vita sua lib, I, p, 1289^ 
^d, Francof, 1621).* Tunc PUUonem Foxio interpretahatur Ossatus 
tt qtwniam dioina Ulius scr^ta^ quantumvis ßorida ubertate arri- 
deantp prooemiis varüs, ereffris interrogatiombuSy longe petiiis di' 



131 

^essionibtts ae /sibukms phrumqm narrationibus, ut est natura dia^ 
logif ihkrsecta suniy Foxius Peripateticae sectae addictuSy quae alia 
rmHone progredüur et omissis his omnibtte rem tangit, diffusa haee 
M artum €o§i et sub aspectum distinete poni cvpiebat. Qua in r^ 
Ossati industria utebatur, qui inter equitandum patenttbus carripis 
summam doctrinae Platonicae diaiogis comprehensae edisserebaty et 
iile quae ab Ossato acceperat postea vieissim memoriter repetebat. 
Man kann sich hierbei der Betrachtung nicht erwehren, dass 
die Diplomaten im sechszehnten Jahrhimdert, dem Blfithenalter 
der Diplomatie, sehr von ihren sptteren, um Plato eben nicht 
bekAmn^erten, Zunftgenossen versehieden waren. Höchlich zn be<» 
dauern aber Ist, dass d'Ossat's Resumes platonischer Dialoge 
nicht sind aufbewahrt worden ; sie wären gewiss den argumenta 
unserer platonischen Ausgaben weit vorzuziehen; denn mit 
welcher Meisterschaft d'Ossat den Faden verwickelter Dialoge 
bloszjüegen verstand^ beweisen die Depechen, welche er als 
Oesandter Heinrichs IV. am römischen Hofe geschrieben hat; 
sie enthalten meistens Berichte über seine sehr kitzlichen Un- 
terredungen mit den Päpsten, — Aehnlich nun wie d'Ossat den 
Plato inter equitdndum dem Diplomaten de Foix auslegte, hat 
Scaliger seinem mehr militärischen Glönner de la Rochepozäy 
den Polybius ebenfalls auf Reisen zu Pferde interpretirt, wie 
er selbst dem Oasaubonus erzählt {epp, p.. 352): Inter equitan- 
dum de iocis Polybianis ego et Lud, Castänaeus verba aliquando fe- 
dmuSy quae ipse in hospitio ad libri Sm cmnotabat marginem. Auch 
eine eingehende Leetüre des Properz und Statins in Gemein- 
schaft mit Rochepozäy erwähnt Scaliger zu Properz IJ^ 2, 12. 

• 15. Römischer Aufenthalt. Muret. 

(Zu S. 39.) 

Scaligerana IL s. v. Scaliger: J'ay estS deux fois a Borne 
apant 25 et 26 ans, deux ans ¥un aprhs Vauire, Muret war der 
regeknSMisige Führer der französischen Gesandten und bei feier- 



liehen Gelegenheiten ihr Sprecher. Scaliger und die Familie 
Rochepozay besuchten unter seiner Leitung die römischen Mu- 
seen (Scaligerana IL s, v. Ab in); und wie Muret, nach Roche* 
pozay's Erzählung (Scaligerana L s. v. Muretua), Scaligers Wis- 
set anstaunte und nicht von s^ner Seite wich, so ward auch 
Scaliger durch dieses Zusimimensein von einer Bewunderung 
fiir Murets Wesen und Talente erfüllt, die in der Entfernung 
und in späteren Jahren immer höher stieg. Während er den 
Lipsius innerlich geringschätzte, den Casaubonus nur hochach« 
tete, hat er für Muret^ obwohl er seine grossen Fehler sich 
nicht verhehlte, doch stets die wärmste Zuneigung empfunden. 
Er vergleicht ihn ^einmal mit Lipsius {Scaligerana s, v, Muret): 
Mureto nullus fuit post Ciceronem qui expeditius hqueretur et sori-! 
beret Romane» Lipsius nihil prae illo,,, En ce mestier ego possum 
distinguere quid hie vel ille possit; /uerat pedant (d. h. Muret sei 
ursprünglich Schullehrer gewesen) et plerumque non emergunt^ 
nisi habeant animum nim pedanticumy ut Muretus^ qui vere regius 
erat. Sogar wo er ihn tadelt, mischt sich unwillkührlich Nei- 
gung und Bewunderung ein, Scaligerana L (s, v, Muretus): Pauci 
sunt in mundo Muretiy qui si tarn bene crederet in Deum quam 
optime persuaderet esse credendum, bonus esset Christianus, Trotz 
dieser Vorliebe wird der Name Murets sehr selten in Scaligers 
Druckschriften erwähnt, weil die beiderseitigen Arbeiten nicht 
viele Berührungspunkte boten und weil Scaliger nach Murets 
schon 1586 erfolgtem Tode ihn ohne Noth öffentlich nicht lo- 
ben mochte, da die Jesuiten mit dem Eintritt dieses modernen 
Cicero in ihren Orden so sehr prunkten. Andererseits ging 
sein Zartgefühl so weit, dass er in der zweiten Ausgabe des 
Catull, deren Zusätze häufig gegen Murets Commentar gerich- 
tet sind, ihn nie namentlich, sondern unter umschreibenden .Be- 
zeichnungen, wie vir disertissimus^ eloquentissimus und dergl., wi- 
derlegt. Dass dies eben aus Zartgefühl gegen den Verstorbe- 
nen geschieht, lehrt die Aeusserung in Scaligerana I, {s, v, Mu- 
retus)^ Doleo (Misse Muretum, de cuius morte ad fhe scripsU Gw- 



133 

iacius, AnimiiS erai cum r^ehendere in muUis quae peroptaJbam 
4Mb eo videri, — Unter den Begegnungen mit anderen römischen 
Gelehrten hat besonders die mit Onuphrius Panvinius einen 
dauernden Eindruck bei Scaliger zurückgelassen. Vierzig Jahre 
spater, als Scioppius die Bekanntschaft Scaligers mit diesem 
Antiquar geläugnet hatte, schildert Scaliger in der confutatio 
yabuiae Burdanum sein Zusammentreffen mit ihm aufs Umständ- 
lichste {opp. p. 178); Anno 1565 mense Octobri Muretus Onufrto 
losephum videre cttpienti horam et diem candixit ad PakUium man" 
tis lordani, quo quum losephum ignarum harum renmh omnium 
deduxissety venu ad constitutum Onufrius et ealutato losepho vix in- 
ter se pauca verba commutaverant^ quum losephus nihil moratus 
statim quis esset divinavit, Neque vero quis ccmssetur ex indutu 
Augustinianorum Eremitarum id eum caniecisse. Obvolutus enim 
erat longa et talari penuhy galero autem tectus propter imbrem illius 
dieiy qui multus /uerat, ita ut nullum vestigium monachi appareret. 
Tum nie losephvm amplexatus /elicem diem dixit, quo reliquias 
gentis Scaligerae sibi videre cantigissei etc. Auch in dem Schluss- 
Wort zu den Noiae in Oraeca Eusebii rühmt er sich dieser Be- 
kanntschaft mit einer bei ihm ungewöhnlichen Feierlichkeit: 
pater histortae Omiphrius Panvinius amicus noster etc, — Bei sei- 
ner Abreise hat Scaliger der Stadt Rom und ihren Bewohnern 
Valet gesagt ii\ Skazonten von so archilochischer Bitterkeit, 
dass ich es nicht fiir gut erachten kann, sie hier aufzuneh- 
men. Man findet sie bei Colomesius (opp, p, 508) upd Fabri- 
dus (Btbliographia antiquaria c, 6, § 1, p. 212^ ed* Harnb, 1760;; 
sie sollen auch in der ersten Ausgabe des Symmachus von Ju- 
ret zu J. 24 angeführt, in den späteren Ausgaben jedoch weg- 
gelassen sein. Es sind dieselben, von denen ^caligerana IL 
gesagt wird {s, v, Gillot, wo des Maizeaux auch die Verse 
selbst giebt): II g a long iemps que le Sieur de Sillery me recita 
des vers contre Rome, lesquels an m^attrtbue^ je ne me souviens pas 
de les avoir faits. Möglich, dass er als Sechzigjähriger sich 
wirklich nicht mehr der wenigen Verse erinnerte, die er als 



ik 



Sechsiindzwanzigjähriger und offenbar in einer sehr aufgeregten 
Stunde verfasst hatte. Wahrscheinlicher jedoch, dass er bei 
der inzwischen so sehr veränderten Weltlage es nicht gerathen 
fand, vor Jedermann seine Autorschaft zu bekennen, die er ja 
übrigens in jenen Worten nicht geradezu ISugnet und an der 
ich nicht den mindesten Zweifel hegen kann. 



16. Reiaeu in Italien. Venedig. 

(Zu S. 89.) 

Die Angaben über Scaligers Reisen in Italien sind entnommen 
aus Scaligerana IL (s. v. Scaliger) : Scaliger a este ä Veronne sed alio 
nomine, nam esset occistts .... Le plus hin que j^aye este, (fest 
Naples et Escosse, Dass er in Venedig gewesen, geht hervor 
aus qonfut fab, Burd, (opp» p* 155), und auch dort so gut wie 
in Verona beobachtete er, auf Rath des Aldus Manutius {ibid, 
p. 175), die Vorsicht, seinen Namen nicht zu nennen; von den 
Venetianem, den damaligen Besitzern Verona's, welche das 
, Scaligersche Geschlecht für längst erloschen erklärten, glaubte 
er sich des, Schlimmfeten versehen zu müssen.. Seinem jugend- 
lichen Hass gegen die Lagunenstadt gab er Ausdruck in einem 
Gedicht über Verona, zu welchem er durch den Anblick der 
dortigen Scaligerschen Bauwerke begeistert wurde. Der darin 
enthaltene Ausfall gegen Venedig ist sehr bemerkenswerth durch 
Heftigkeit des Gefühls imd eine strotzende Kraft der Sprache, 
welche an die fast gleich:ieitigen Skazonten gegen Rom 0r- 
innert (poemm, p. 25); 

Ocelk mundi, sidus Itaü coeli 

Flos urbiwn,flos fiorculumque amoenarum, 

Quot sunt, eruntoe, quot fuere, Verona: 

Brenni smaragde, transpadane heryUe, 

GaUorum iaspis, margarite B^naci, 

Apex supremus elegantiae rerum, 

Ei fneta summa, daedajaeque naturae. 



135 

QtNiM» fronU prona fascibusque tubmissis 

Urbes adorent, ei lubenter agno9cafU 

Sublime maieetaUs arduae lumen, 

iV»t orba lucis viveres salutisque 

Iniuriosa Servitute praedonum, 

Q^i nidulantur Adriaücis stagnie 

Et inde Mmper imnUnent ncnae praedacy 

Tketidii nepatei et Saktciae cives. 

Heu Spartacorum traducea venenaii! 

Heu tranefugarum tot propaginee sacrue 

Et perditorum eegee adulta latronum ! 

Queie eurnma laue est possidere de rapto/ 

Peculium fecisse de malo, virtw*; 

Quorum urbs ab atris quantacumque, quaecumque est, 

Isaurica sodalifette, piratis 

Conflata, ab atris aucta, fota piratiSf 

Äuget fooetque nunc amica piratas. 

Tabema sceleris, officina Cgclopum 

Intus recondens copiam improbae mercis 

Dolique acervos flagitiique thesauros; 

Ergastulum cruoris et venenorum; 

übt maxima mercede sanguinum servU 

Prapota toxici, institor mali succi: . 

Tum quisquis et clam non palam nefas audet 

Sicariusque qui palam nefas audet; 

Nam Uctor audax puhlicusque grassator, 

Cumque horrido lanista spiculatore, 

Turpifide auetoratus et sacramento, 

Stipendiorum spe superbit et sumU 

A crimine animos, a licentia ferrum; 

TJhi peierator atque ßinerum manceps 

Sociique capitis a>tque sanguinis sector 

Civis suorum triste praestinat letum 

Xluocunque pretio, quot licent, amicorum; 

Cui nuüa iusto urbs Marie cessU aut beüo, 

Sed quaU ahena claustra moliebaiur 

Arte et seras PhiUppus urbium et vectes. 

Hoc prcpter ipso est in mari sita, ut magnas 

Piscetur urbes undique aureo reti. 



136 

In späteren. Jahren scheint sicji diese Wuth gegen Venedig ein 
wenig gelegt zu haben. In Scaligerana IL {s. v, Veneti) heisst 
es^ Les Venitiens n'oni rien que de pillage, mais il /oni'bien de 
se maintener en ItbertS .... Veneti habent praestanttssimas hges, — 
Seine Ansicht von dem italienischen Charakter überhaupt, wie 
sie sich seit seinen Reisen bei ihm festsetzte, ist kurz ausge- 
sprochen in Scaligerana IL (s. v, Italiens) : H ne se fa/ut point 
fier a Fltalien, cor il est sans religion; il n^est chrestien que pour 

sa cammoditS omnes Itali athei^ eine Meinung, die, wie 

ungerecht oder gerecht sie sein mag, auf jeden Fall ihn auch 
in seinem wissenschaftlichen Auftreten gegen die Italiener be- 
stärkte. Dass nicht Scaliger allein dergleichen Eindrücke von 
italienischer Religiosität empfangen, beweist das Wort eines 
Engländers, welches Hegel (Encyclopädie § 71 Anm.) anführt. 

i 

17. Inschriften. 
(Zu S. 39.) 

An Pithöus schreibt Scaliger (qop, p, 142): epigrammaium 
multam silvam Romas et in aliis Italiae oppidis vidi, und an Gruter {p, 
753): Ingens vohimen vetemm inscriptionum^ quae passim in Europa 
reperiuntttTy a Smetio praetermissarum Commelino dederam, quas 
partim in ipsis locis leger am^ partim a libris^ reliquas ab ami- 
cts habebam. Die zahlreichen Anföhrungen Von Inschriften in 
Scaligers Werken verdienen- also Beachtimg, da sie oft auf 
eigenen Abschriften beruhen; sie bieten nfianchmal nicht unwe- 
sentliche Er^mzungen zu den Gruterschen Angaben; z. B, 
Grut, 683, 7 hat blos die Beischrift Romae in aedibus Maphaeor 
nis. E schedis Scaligeri; Scaliger selbst hatte das Stück früher 
mitgetheilt Catalecta p. 242 ed, LinderUtr.: Adponam etiamEpi- 
gramma quod Romae aliquando in pervetusto ac pene corroso mar' 
more vix me legere posse memini, in aedibus Maffaeorumy worauf 
zwei griechische Distichen in gewöhnlicher Schrift folgen, die 
fast ohne Anstoss lesbar, also, da der Stein so sehr verwittert 



137 

mrar, wohl durch viele Coigecturen zurechtgemacht sind. Nach* 
tra^ch wurde aucb noch im letzten Pentameter fAoi^y des er- 
sten Abdrucks in das bei Gruter stehende (Aovawf verbessert. 
Femer lautet dieser Pentameter überall» wo er in Minuskel 
später umgeschrieben wurde, auch noch in C /. Gfr. 0295: 
O'aiffs tf %al Movcmv tiviv l^i^x' JiQsx^g, was der Scaliger- 
sehen Lesung i^ xaifst^g gewiss nicht vorzuziehen ist. — Ein 
noch schlagenderes Beispiel, Vie sehr die Anführungen Sca- 
ligers einer genauen Erwägung würdig sind, giebt (7. L Gr, 
6705. Diese Inschrift hat Franz, den Einfallen Letroqjae's fol- 
gend, folgendermaassen misshandelt: *Hdv6 ßlos to £^v* yXvnv tö 
^avBir vitc [(p]ia[Xoiv], während in allen Abschriflen das End- 
wort TIIOWIA deutlich vorlag und ylvnv aus den Varianten 
als unsicher zu erkennen war. Nauck. hat nun neulich (Philo- 
logus IX. p, 177) die nöthige Interpunction und wto^ict gefun- 
den: *HBv9 ßiog' x6 ^ijv yXvnv' tb ^av$iv vnoipla* Hierdurch 
wird aber ylvnv bis zur Unerträglicbkeit tautologisch. Bereits 
seit dem Jahre 1574 hätte man das Richtige lesen können in 
Scaligers LecHones Auaonianae IL c. 26.* t» triclinio marmoreo 
Laieranensif uno versiculo senario: 'Hdvs ßlos' to ^'^v xaxv* to 
itavfiv vit^^ia* quo significatw vwendum esse^ nam viiam prope- 
rarey mortem imminere, ,SenarS sagt Scaliger, weil er voraus- 
setzt, dass man die beiden to nicht auf den ursprünglichen 
Verfasser zurückführe. 



18. England. 
(Zu S. 39.) 

Die Zeit von Scaligers Aufenthalt in Grossbritannien habe 
ich bestimmt nach dem auch sonst mittheilenswerthen Artikel 
in Scaligerana U,: Marie Stuard Heyne cPEscasse avoit un hea^ 
mari et delectabahar turpibus aduUeris .... hrs que fy estois, eile 
estoit en mmsvais mesnage avee son mary a cause de la mort de ce 
David, L'Histoire de Buchanan est tres-vraye; elh ne parloit point 



138 

avec San mary . . . t^esioit nne helle creakare, — Die schottischen 
Ball]|deD eregten seine Aufmerksamkeit, Lectionn, Ausonn. 11, 
11; vidhnus nos in Scotia nutriculas miras harum nugarum (es 
war ¥on Naeniae die Rede) artißcea ad eonciliandos pueris 
somfhSy tet eas audire non mvenushtm mihi anQoafAcc fuerit; und 
das Wunder der Steinkohlen beschreibt' er CkUalect p, 137.* 
memini me in ScoHa ffidere fossiles earhoneSy quibus omnis ea naiio 
ntitwr in ustim ligni, per se paulatim accendi minima ignis adiu- 
mentOy Sufflatione vero nihil prafici. — Den Dank der schotti- 
schen Nation glaubte er sich zu verdienen, indem er ihr ein 
über das bisher bekannte älteste Zeugniss ihres Bestehens 
(Claudüm. laud, Stil. IL 254) weit hiiiaus liegendes verschaffte 
in dem ludus de marte ClaudH 12^ v, 30 seqq,^ wo er, statt der 
auch jetzt noch gangbaren Vulgata: Ille (Claudius) Britannos 
Ultra noH Litara panti Et caierul^as Scuta Brigantas Dare Ra- 
mnleis Calla caienis lussity ein Compositum Scotabriga$Uas leseB 
will, ßiese Conjectur begleitete er bei ihrer ersten Veröffent- 
lichung in der ersten Ausgabe des Properz p. 159 mit dem 
anspruchsvollen Ausruf: Scati hanc gentis suae amtiquitaiem mihi 
debenty qui primus illum lacum emendavi^ quum ipsi hactenus suae 
gentis testem Claudiano ant^^iiorem nan haberent, und forderte da- 
durch vielfachen Widerspruch, auch von Freunden, wie Camb- 
den (Britanma s» v. Scaii), heraus, gegen welchen er in spate- 
ren Jahren seine Scatobrigantes verficht, erstlich in einem Zu- 
satz zu Properz in der zweiten Ausgabe je». 481 und dann noch 
zu Eusebius No. 2060 in einer Anmerkung, - die fast zu einer 
Abhandlung anschwillt und zuerst die seitdem verbreitete Mei- 
nung ausspricht, dass Scoti kein Eigennamen, sondern ein Ap- 
pellativum sei, das Rauber bedeute. Die gereizten Sohluss- 
worte dieser Anmerkung lauten: Dicunt quidam nos exclamasse 
in nostris Propertianis n<^ts quod Scaiorum nomen e teneöris ervi' 
mns; quamqtiam illud ptterarimi est a/ui parttm sobriontm hominum, 
tarnen modo verum dixerimas, tU cerie diximtss^ ikt esta. Qui m 
nobis lectmt Senecae reote emendatum negare au d e bunt, 4t meridie 



IS» 

htcere per nos quidem negmU. Ostendant noöis quomodo 4am ine^ 
ptom Senecae Uctionem mU tueri possint and corrigendain ptdent. 
lam vocalius exclamamuB, nos primos aperuisse, Scotorum nomen 
non proprium sed appeüatwum esse. — In Scaligers Charakteri- 
stik der Schotten (ßcaUgerana ILs. v, Scoitss) is^ dßv Ausspruch : 
les Escossois sont hons philoscphes filr das Volk Duns* und Hu- 
iue*s bezeichnend; während das Dictum über die Englander 
(iM. s, V, Anyleterre): Angli plerique sunt fancUiciy iales multos 
navi wohl hauptsächlich durch die zu jener Zeit aufstrebenden 
Puritaner veranlasst» wurde, obgleich er auch den nicht puri- 
tanischen Engländern wenig hold war. Als Casaubonus im 
Jahre 1603 einen, damals noch folgenlosen, Antrag nach Eng- 
land erhielt, schrieb ihm Scaliger (epp, p, 241^: esset tibi res 
cum gente quae natQonaQaSoxov habet Gallos odisse, und (p, 253).* 
Noli incerta certis praeferre, Nam 17 dwnovxio^ dnodriiAla na^axs- 
%iifdv9(VfifV7i nal naQaßoXog' quid aliud tibi attulisset^ quam ut 
praeter impensas et sumptus Ittdibrium Ulis cercopibus deberes f quo- 
rufii %a%orfiiiav non paucis verbis tibi narrare passem, quam inho- 
spitales, quanto nostri aoUo odio ardeant, quam inexpiabili invidia. 
Si in fatis est ut eo pertraharis, noli urgere fa;ta tua, — Die ge- 
ringe Meinung, welche in Scaligera$*a IL («. v, Angleterre und 
Oxonimst^ von dem Werth der englischen Bibliotheken äber- 
ha«q^t und besonders der damaligen Bodlejana ausgesprochen 
ist, wird aus HöfUchkeitsi*iicksichten etwas verdeckt in einen 
Brief an Thomson {epp, p, 502); aber auch hier kann Scaliger 
sich einen Seitenblick auf die mühelos lebenden Fellows nicht 
versagen: Ifabetis Origenem in Celsum aliosque eximios Graeoos 
no$9dum editos, quos paruM vexari ab iis puto, qui in Ulis CoUe^ 
giis detgunt, 

19. Religionskriege. 

(Zu S. 40.) 

Für Scaligers Theilnahme an den Religionskriegen als 
wirklicher Soldat habe ich bis jetzt nur folgendes einzige aber 



140 

ganz ausreichende Zeiigniss gefunden. Er schreibt um das 

Jahr 1571 von Valence aus an Petrus Pithöus über die Ca- 

talecta {epp. pr 140): in meo exilio aut in fhilitia qua^mdiu 

fui, ptttoüi penitus intercidisse illa {Cc^alecta), Wahrscheinlich 

bezieht sich auch auf diese Soldatenzeit das Gedicht mit der 

üeberschrift : inter arma non esse Musis locum^ worin er seinem 

Feuerzeug und seiner Studirlatnpe vorlaufig Lehewohl sagt 

{poematt. p. 38): 

Arma auo attritu excudendis igntbus apta 
Quodque terit fernrni qui teriturque silex 



Tuque mihi v^igiliß studiorum consda curae 

lUüstrans noctes parca lucerna meas, 
Ite procul: vestri tisus erit vel maximus oUm, 

Si neque bellorum, si neque Martis erit 

Klagen über Plünderung seines Erbgutes durch die Bürger von 
Agen erhebt er epp, p, 57 und 139. 

20. Cujacius. 
(Zu a,40.) 

Ueber seine Aufnahme bei Cujacius schreibt Scaliger an 
Pithöus, nachdem er seine Schicksale wahrend der Bürger- 
kriege geschildert hatte (<^. ^. 139): Veni ex Uta {AginnaiHum 

« 

urhe) Valentiamy hoc est e^ turbulentissimis fltu^ibus m tranquillis- 
simum omnium virtutum et humanarum literarum portum^ lad, Cu" 
iadvm^ qui me ex illa navi (civili) iam natiseantem omni bonorum 
studiorum gustu refecit langueütemque recreavit et iam prope deplo- 
ratwn imo et mihi meisque rebus omnibus diffidentem ad htcem 
iterum revocavit Fast dieselben Worte finden sich wieder ia 
dem Artikel Ci\)acius der Scaligerana L . Dort steht auch der 
prächtige Lobspruch: Cuiacius est Margarita lurisconsuUorum, 
Scripsit sibi et doctis tantum» Ein noch begeisterteres Enkömium, 
welches in der ersten Ausgabe des Manilius (zu JT^ 174 dul- 
cibus usuris) stand: Ita hunc locum exponit dimnus plane vir. 



anima iuris civilis et lex hgwn lac, Cuiacius^ ist in den späteren 
Ausgaben weggefallen, jedoch nur in Folge der sachlichen Ver- 
änderungen, welche jene ganze Note erfuhr. Ihn und Auratus 
allein erkennt Scaliger als wahrhafte TexteSverbesserer an in 
Scaligerana L (s, v, Auetores): Non omnibtis datum^ etiam doctis^ 
sed rarae cmusdam felicitcUis est . bonos auctores corrigere et suae 
digniiati atque nitori restituere^ nee quemquam hodie novi qui id 
praestare possit praeter Dom, Cuiacium et Dom. Auratum, womit 
jedoch die einschränkende Aeusserung in Scaligerana IL (s. v. 
Cuiacius) zu verbinden ist: Cuia>s rapportoit tout ä son droit, — 
Scioppius erzählt oder lügt von einem irgendeinmal eingetrete- 
nen Bruch der Freundschaft (Scalig. hypobol, p. 221/; Tuae 
(Scaliger wird angeredet) literae quas ad Cuiacium rabiosissimas 
dedisti adhuc extanty in quihtis quam te Cuiacii uffoatpsdhrjv esse- 
pudeat manifesto prodis neque aliam ob causam amicitiam ei re- 
nuncias quam quod alictibi inter amicos de te dixerat, si item ut 
secum contumaciter et arroganler cum aliis actuirus esses, celeriter 
te non modo omnium amicorum benevolentiam effusurum sed gra- 
vis$ima etiam et iustissima promiscue omnium odia in te concita- 
turum videri. Ich habe nirgends sonst eine Spur von derglei- 
eben Absagebriefe auffinden können. Vielmehr lässt sich so- 
gar aus dem so sehr dürftigen biographischen Material für die 
Jahre 1580 — 1590 deutlich die Fortdauer der Freundschaft 
erkennen. Am 27. Deqember 1581 schreibt Cujacius, noch in 
frischer Trauer über den Verlust seines Sohnes, von Bourges 
aus an Loisel (bei Spangenberg Cujas S. 48): tPai ceans Mr, 
de la Scalßf de qui la douce compagnie m^a tire du sepulchre oit 
j^Stais mis^rablentent tombi et ir^a tssuy^ üne pörüe de mes pifeuses 
larmes; in Cigacius' Brief an Lectius, August 1582 (Philologicarum 
tpistolaarutn centwria e btblUftheca Goldasti No, 75) wird Sealiger 
fipeundschaftHch erwähnt; und wenn ' Ciyadus brieflich Soa^ 
gern deii Tod Mttrets (Oct. 1686) anzeigte {$, oben S, laa)^ 
so müssen sie 1587, d. h. drei Jahre vor Cujacius'^ Tode» 
noch in Briefweehsd gestanden haben»- 

10 



142 



21. Juristische Professur. 

(Zu S. 40.) 

Den Antrag einer juristischen Professur muss Scaliger 
um 1578, das achte Jahr seiner Bekanntschaft mit Ci^acius, er- 
halten haben. Denn in diesem Jahre ist die, oben S. 118. er- 
wähnte, pseudonyme epistola Vincentii gedruckt, wo es p, 24 
heisst:, guid si Uli (Marttno) dtcam, Scaltgerum. ilhtm^ cui ui vi- 
deo jparum ipsi noto more' canum MatrcUf etiam luriseonstdtum 
esse adeo nqn (^scusrum vJt lacobus Cuiacius L C. nostri secuH 
prisjkceps . eum sihi collegam asciscere superiorihus mensibus 
volueritf guod ipsis Cuiacii ad Scaltperum litteris tibi Jriliario con- 
ßrfnare possim. — Anhalt zur Beurtheilung seines juristischen 
Wissens giebt der Brief an Irlandus epp. p, 414. Dass ihm 
übrigens das Corpus Iuris in seinem jetzigen Zustande nicht 
sehr ans Herz gewachsen war, zeigt Scaligerana L (s, v^Caio): 
PraeSitcaret nos amisisse totum ins civUe, ut hodie habetur sine in- 
tegris ouctortbus^ quam Catonem et Varronem, und (IL s. v, 
Graeci)^ wo er unsem griechischen mit dem lateinischen Bü- 
chervorrath vergleicht: Pour les Hores^ nous en avons at^aurtfhuj/ 
de meilleurs Grecs que de Latins, si non en Theologie. Nous aioons 

i I « 

toutßs les Sciences en Grec; ces beaux livres d^Hippocrate, Gedien, 
Bioscoride, Aristote, Euclide, Platon, PtolemSe. Les Laüns ont le 
Droit, Ce n'est pas grand cos ^estre mieux fowmy de chicanerie 
que les auires, . 

• ■ ■ 

22. Cujacianische Handschriften. 

(Zu S. 40.) 

Scaligerana iL {s. v. Cuiacius) : Monsieur Cuias disoit que /o- 
ffois depueelU les ManuscHpts; je m'en suis bien servi en mon 
CWtftüß. Ausser dem berühmten Tibullischen Fragment, 'welches 
ibit tll, 4 begann, hatte Scaliger von Ccyaclus noch dnen Cie* 
sammtcodex der drei Elegiker erhalten, über welchen Vertu* 






14S 

nianus folgende, wie es dcheint, bisher übersehene Notiz, giebt 
iin Scaii^ana L (s» v. Lingtta): Nulhts est in veterum liibrcrvm 
eollatione losepho Scaliger o expeditior ac prompt ior, ut m codice 
Gatulli Tibtdli JPropertii mamacripto illique a Domino Cuiaoio 
misso observaviy quem intra duoi out tres ad iummum dies cum 
suis coniulit. Hoc autem exemplar descriptum erat anno Domini 
1469 Nemausique a Dom^ Cuiacio inventum est, ■>- Andere Hand- 
schriften von Bedeutung, welche Scaliger bei Cujaciu$ ab- 
schrieb oder benutzte, sind: 

a) Petronius; Scaligerana IL (s. v. Cktiadus): il avoit preste „,, 

son Petrone.,, ä moy,., C^est le premier Petrone que nous 

jayons eu. Je Pay copie sur cet exemplaire; je Vaime mieux 

qf/tm imprimS, 
h) Martialis, epp. p. 769.- effo,,, integro Guiaciano (codice 

Martialis) et praeterea excerptis veteribus illius poetae, quae 

penes ipsum Cuiacium erant, usus sum, 

c) Priscianus, Scaligerana IL (s. v,): Cuiacii4S habebat,,, ex- 
emplar^ quod nunc est Pithoei, 

d) Dositheus, Scaligerana IL (s, v,): Dositheum vidi M. S, 
apud Cuiacium, Cest Vexemptaire de Saint Galy qui a 
esti chez Monsieur Cuias, 

e) Victorinus, Scaltgerana IL {s, v,) : Vietortni periodum Qu- 
iaekis hahebat praestantissime scriptam; vergl. epp, p, 863. 

/) Lex Deif s. Blume's Vorrede p» XXV, 

Im Fall er kinderlos sterbe, hatte Cujacius seihe Hand- 
schriften, wie Masson {(hiadi vita vor den Werken des. Cuja- 
cius) erzählt, oder gar sein ganzes Verin^gen, wie in den 
Thouana (s, v, Cuias ed, Colon, p, 412/' zu lesen ist. 
Scaligem vermachen wollen. Das Vorhandensein der beröch- 
tigten Mams^ Ciyas Hess aber die Clausel der Kinderlosigkeit 
onerfQllt, und Scaliger scheint nicht einmal von dem bedin- 
gungsWeisen Vorhaben etwas gewnsst zu haben; er sagt Sca- 
ligerana 17. {s, t7. Masson)', Masson a mis dans latie dh Monsieur 
Cuias quil m'a /ait heritier de ses Hvres; je ne scay d*ok vient 

10* 



144 

celüy je n'en ai rien veu. Masson estoit bien mon amyy mais il est 
tmyeu /at Nicht bloss erbte Scaliger Nichts, so weit ich 
ermittlen kann, er hat obendrein Handschriften verloren, 
die er dem Cujacius geliehen und bei dessen Tode noch nicht 
zurückgefordert hatte, unter Anderm eine Handschrift tironi* 
scher Noten, deren Verlust er beklagt epp* p, 774, zu Euse- 
bius Nr. 2012 und zu Manilius p. 403 ed. tert: Egregius Na- 
tarum. Über cum aliis quibttsdam vetustis Cuiacio a nobis commo- 
datus statim post eins mortem furto sublatus est a felibus librariis^ 
qui negunt se mihi restitüturos. Die Worte /elibusJibrariis über- 
setzt ein naiver' Deutscher am Rande meines Manilius : ,welche 
die Bücher mausen' und gemeint ist mit diesem aus Plautus 
{Persa 751 /des mrginaria) entlehnten Scheltwort J^ranciscus, 
der Bruder des Petrus Pithöus, der sich Ctyacianische Manu- 
scripte zugeeignet hatte (Sccdigerana II, s. v. Cuüicius) und 
auch einen von Scaliger entlehnten Priscian erst auf viele Dro- 
hungen wieder herausgab {epp. p. 201, 217). 

23. Zwölftafel-Gesetze. 

(Zu S. 41.) 

CuiacHis ParatiÜ, in Digest Aly 3.* In XII. tob. scriptum 
opmor: ^Tignwn ium^um aedibus vineaeque eoHcaptum ne soU 
vito^ vel potius ut doctissimus losephus ScoHger censety a q>w pu^ 
det dissentire yOtmcapes^. Scaliger hatte diese Coiyectur zu Fe- 
stes s. V. tignum auf die ihm voriiegende, angeblich hand- 
schriftliche Lesart bei Augustinus cancapet gestützt. Da nun spä-. 
ter in der Ausgabe des Ursinus concap it als die handschriftliche 
Ueberiieferung erschien, fasste Cqjacius wieder Muth, von 
Scaligev abzuweichen, und schreibt Observatt. 23, 19/ pla- 
cet wagis hodie qmd et placuit olim in /. XII. ta6. De tigno tun- 
cto quae his t>erbis in autheniico sehedarum Festi persoripta est 
TiBNrx. IvN^TvM. AsDiBvs. ViNEÄS. Vs. Et. Concapit. Nb. 
SoLVito pro et con^japit legere et concapitum, id est amce- 



145 

ptum cogtiUumque, ^ gloiaae veterum ConcapUo mIerpreUuffki/r 
concipito* Dass die Stelle in den Observationen die divz^^tu 
tpifovtidfs zu der früheren in den Paraütla enthalte, wird aus 
blosser Erwägung der Worte placet magia hodie deutlich, auch 
wenn man sich nicht erinnert, dass die Paratitla zu den Di- 
gasten schon 1570 und zum zweiten Mal 1576, das dreiund* 
zwanzigste Buch der Observationen aber erst 1585 erschien. 
Huschke (ad legem de tigno wncto p. 4), der im Wesentlichen 
der zweiten Meinung des Cujacius beitritt, hat sich versehen; 
wenn er die Scaliger belobende Stelle in den ParatiÜa fdr die 
später geschriebene halt und sich nun wundert, Cmacmm^ tan- 
tum virum, specie Scaligeranae doctrinae decephuß, postea grtma 
sua disdpuU paleis permuUuse, id quöd fecit ParaM, ad Fand, 
47, 3. — Dass Scaliger gerade über die zwölf Tafeln viel mit 
Cujacius verhandelte, ist Scaligerana L (s, v, Ouiaciue) gesagt: 
NtUlus est qui de legibus XII Talmi, quicquam docere me possil, 
ne Cuiaeius qmdem, qui non inficiabihtr me Uli muUa de iis indi- 
cassSy quae hactenus illum latueiraat. 

24. De Thou. 
(Zu S. 41.) 

In seiner Autobiographie hat Thuanus (de vita sua, VoL 
T^p. 1283 tft/. Frawcq/l 8.) sich über die Unannehmlichkeiten ge- 
äussert, welche er wegen seiner Freundschaft fSr Scaliger von 
den Jesuiten zu erfahren hatte: Valentiam Segalaunorum — nam 
Cavarum Ävenio metropolis*) est — venu Thuanus annum /ere ante 
turmdtum Parisiensem vhi Cuiaeius Papinianum stmm interpreiabaiur 
et cum 60 profitebatur Fr. Roaldesms et Enimundus Bonefidius. Hie 
Uli primum cum losepho Scaligero contracta amicitia, qui (Juiacii 



*) Der ,Gesetzgeber für die Latinisirung moderner Namen* — so 
nennt Wolf Anal. II. 292 den Thuanus — erklärt sich hierdurch ge- 
gen das damals gebräuchliche und auch von Scaliger gebrauchte Va- 
lenüa Canarum für Valenc«. 



146 

videndi caußsa ah ^so invUatus üktc a/iUe venerat cum Lud, Mcm^ 
tieeio^ et Georgia Burgo, quem fymc caneuetudine et poetea dum li- 
euit oomriotu et in abeentia per lUterae ineredibili etudio et affectu 
per XXX VJl'l annos indesinenter colutt^ eaque re, quam siöi ab int' 
probte hominibus exprobrari et vitio vertt intelleant, in einu gaudei 
et pdtam gloriatur tantaque ex recordatione ema nunc etiam volu- 
ptate per/undi$ur, ut contumelias comnHa calumniaa et perieula et 
incommoda ab iniusto iUorum odio ei Deo placet ob id profe<^ ei 
detur optiOf tarn dulcis et honestae tamque eruditae ooneuetudinis 
arniesione nolit rsdimere. Et hoc ietie pro omni ad illorum,virU' 
lenOam reeponsione dictum cupit In seinem grossen Geschichts»* 
werk, das zugleich ein Walhalla für die Gelehrten des sechs- 
zehnten Jahrhunderts ist,* konnte er Scaligern keinen heson^ 
dem Platz geben, weil es üiit dem Jahre 1607, also vor Sca- 
Ugers Tode, schliesst, und die Enkomia, gemäss dem annali* 
stisohen Plane des Werkes, in das jedesmalige Todei^ahr ge- 
stellt sind. Er begnügt sich daher mit folgender kurzen und 
fast bis zur Andacht innigen. Erwähnung am Schluss der Cha- 
rakteristik Julius Scaligers (B. XXI. z. J. 1558, p. 949): E 
lulii Scaligeri liheris ultimus hodie superat losephue Justue Scaliger y 
qui secundum patrem nunc inter litteratoe et in re litteraria prin- 
cipem sine controversia locüm tenet, vere eruditorum Phoebus, ut 
politissimi vir ingenii eum indigitavit*). De hoc ut plura dicam nee 
pudor eius patitur nee per ingentia ipsius erga me merita licet, 
quamquam minima vereor ne propterea minus vera de eo praedicare 
videar, cum quicquid dixero opinione omnium vero minus eit, Sed 
potius est uty tanti viri nomen per transennam appdlasse contenti, 
cultum quo divinum eius ingenium cum rara morum probitate con- 
iuuctum pro iure amicitiae quae mihi cum illo intercedit prosequp' 
mur venerabili süentio ut in sacris fieri amat obsignemus. Ausser- 
dem zieht er, wo sich. nur eine schickliche Gelegenheit bietet, 
den Namen Scahgers in die eigentliche Geschichtserzählung 



*) Dübartas, semaine aeconde, uannte ihn: ie aoUU des sgaoans. 



147 

Idnein, z. B. bei der Sendung Monluc's n«cb Polen (z. J. 1572 
p. 1085), bei der EinfUhrung des gregorianischen Kalenders 
(z. J. 1582 p. 784;, bei der Charakteristik des' Mathematikers 
Viete (z. J. 1603 p. 911). — Um öffentlich zu bekunden, wie 
hohen Werth er auf die Freundschaft dieses Mannes lege, 
widmete Scaliger ihm sein Hauptwerk,^ den Eusebius, für wel- 
chen Thuanus' EiMuss die Ausbeutung der Pariser Bibliothek 
erleichtert hatte, Scaiigerana H. (s. v, Thuanus): Jt dedieray man 
Eusebe ä mon hon amy Monsieur de Thou qui m'ä/ait avoir des 
livres du Boy, ny ä Roy ny ä Prince ny ä Republique, — Der 
langjährige Briefwechsel zwischen beiden Männern würde ge- 
wiss viele Lücken in Scaligers Biographie ausfiUlen. Leider 
sind aher nur einige französische Briefe des Thuanus, über- 
diess aus späteren Jahren, gedruckt (bei de Revesp. 182—185; 
326 — 333; 501 — 514), und von den Scaligerschen, meines 

Wissens, kein einziger. 

, 1 - . . . 

( ■ ■ , . 

'25. Leben zu Valence. 

(Zu S. 41.) 

.' . . ' . ' 

Die heitere Müsse zu Valence, sowie die ^vorausgehenden 
Schrecken d^r Bürgerkriege und die folgenden der Bartholo- 
mäusnacht berührt Scaliger in einem Gedicht, das er von Genf 
aus an Paulus Melissus sandte {poemm. p. 29): 

PoHquam procelUß eque iriplicißucht , 
Civilis ctestus ddicahiS' et liber 
Excepii almae me ValerUicie potius, 
Ut iuri» acri sancta me Themis cuUu 
• 30 ArfyUsis expoUret unyue Cutad, 
InexpiatcM pott cruerUa Bdhnae 
Pugnqia coeb beUa semper iratOj 
Tunc, tunc poekt, tunc ApoÜini carus 
Vixi; Camenis tunc amicus audivi; 
' 35 Nee uUa surdö plectra movimus Phoebo, * 

At nunc dohsoflomma Mortis insani 

' . . Supposita cU^eri, quanu^ pacis urmatae 



14a 

Falkut aiUhai vuUus, ut prHts ekUtia 

Spea e^ggerebiU Suada oteckUcu GaUiß^ , 
40 ExßuacikUa fulsiL Ilieet magnam 

Inopina cundia urbibus dedit stragem, ^ 

Unde admimstrai aaeva Erinnys ardentes 

Incendiorum cioico facea hello, 

Quare metu deiectus, chaUus luctu, 
45 Atratusi exspea in tuum ainumfitgi, 

Geneva, qme me patriae emUmn terrae 

Bkmda atque amica oaritate fovistu 

Ergo nie primus ardor, ille cognatus 

Nitor obeolevit mentis ad metus illos, 
50 Melisse, qualis ad Caniculae tahem 
'Omnis eilet flos; et tarnen tuis scriptis 

Vires recepit, qualis imbHbus sefis 

Segea renidet.tuigra, quae diu languens 

Frustra eolani spem sagacis elusit. 
Statt Geneva F. 46 steht in der mir vorliegenden Ausgabe des 
Senverius ^1 6 15^. eine Beihe von Punkten und ein kleines a. 
Eine ähnliche, aus den damaligen Arminianischen Streitigkeiten 
erklärliche Scheu den Namen Genfs und der Genfer gerade 
heraus zu nennen, tritt in dieser Ausgabe auch sonst hervor. 
Z. D. wird p. 105 der Name des Theodorus Beza unter Adeo- 
daius Seba versteckt, und p. 107 Venega geschrieben statt 
Gtn^a. " 

26. Diplomatische Sendung. 

(Zu S. 41.) 

Meine Darstellung steht in direktem Widerspruche zu St. 
Prix (Spangenberg, Cigas p. 34, 153 — 158). Dieser kommt 
nach einer, durch sachwalterisches Numeriren von Gründen 
sehr verwirrten, Beweisführung zu dem Resultat, dass Scaliger 
in der Bartholomäusnacht noch in Valence gewesen und dort 
ihm Cujacius das Leben gerettet habe. De Thpu's Erzählung 
(lib. LIU. z. J. 1572 p. 1065), welcher ich in Allem, was den 
Monluc angeht, bis ins Einzelne gefdgt bin^ ist für die Sca- 



149 

liger belreffiebde Frage nkht entscheidend. Ueber diese giebi 
jedoch der Verfasser der Memowes de Vestal de france eoua 
Ckarles IX, (L p. 690^ bei Colbiuesias cpp. p. 138) genügende 
Auskunft, ganz in Uebereinstinunung mit Scaligers eigenen 
Aeusserungeh und mit dem JSntschuldigungsbriefe Monluc's. In 
der Widmungsepistel der Cfttalecta nämlich, welche. von Lyon 
den 22. August datirt und an Ci\jacius gerichtet ist, sagt Sca- 
liger: Seia enimy ut ho die repentmo nuntio in Germaniam profi" 
ciscendi mihi neceeeitas imposita sit^ und in Scaligercma IL (e. «• 
Scaliger): J'eeiois ä Lauzatme lorsque le massacre /ut faiJt et le 

m 

sceus ä Strasbourg, ^ou je whs tncon^neM ä Geneve; er trat also 
am 22. August von Lyon die Reise durch die Schweiz an, 
befand sich in den letzten Augusttagen in Lausanne^ erfuhr die 
Nachricht von der Bartholomäusnacht zu Strassburg in den 
ersten Tagen des September, und begab sich darauf imver- 
züglich nach Genf, da ein anderes bedeutendes Mitglied der 
Gesandtschaft, Monluc's Neffe, der Abb6 de St. Ruffy ihm ein 
längeres Warten als vergeblich dargestellt hatte, was Monluc 
selbst bezeugt zu Anfang seipes Briefes (l)ei de Reves p. 293) : 
Monsieur de VEscale, le Sire Henry Estienne^ que je vis a Franc- 
fort dt mon voyage de Pologne, ne vous aura pas celSy comme je 
croy, le regret que j'avois que je ne fasse venu ä temps pour vous 
trouver ä Strasbourg et rejectois toute la faulte surce que favois 
est4 retenu prisonnier ä Verdun et sur la timiditS et predpitation 
de VAbbd de Sainfst B.uffy, qui vous avaü contrainet de vous en re- 
toumer, ainsi que bien amplement m'avoü fait entendre Monsieur 
Sturme, qui me donna teile asseurance de vostre bonne volontS que 
je vous en suis et seray tousiours ohligd» — Solche authenüsche 
Zeugnisse, der betheiligten Hauptpersonen können nicht ent- 
kräftet werden durch ,Chorier's (U, 649)', mir im Original lei- 
der unzugängliche, Worte, auf welche allein St. Prix sich 
stützt; dass ,Gi\jacitts dem Scaliger das Leben gerettet habe^^ 
zumal da diese Worte nicht Hothwendig die Anwesenheit Sca^ 
ligers zu yalence während der fiiutbochaeit ein8cbUesae% son- 



I 

dem recht wohl eiaen mit dem wahren Sachvei^&ltniss ver- 
trl^lichen Sinn zulassen. Denn es war auf Cujaeius' Empfeh- 
lung geschehen, dass Monhic«den ScaHger z^ seinem Begleiter 
gewählt hatte, wie der Verfasser der memoires seüs Chmka IX, 
ausdrücklich sagt; und weil nun S/caliger, ohne diese Gesandt- 
schaftareise, am 24. August in Frankreich gewesen und dort 
schwerlidb den Bartholomäitömdrdem entronnen wäre, so kann 
Oiiyacius immerhin als sein mittelbarer Lebensretter einmal an-^ 
gesehen worden sein. 

27. Colig'ny. 
(Zu S. 42.) 

• Sccdigerana L 3. v, CoUgnius: Noh sunt ediia nonmUla mea 
carmina de Gasparis Cotignii morte et suspendio, idqus T, B, V. 
negligentia, Voleham illos intelligere^ dum suis caedtbus occupaban- 
tur nos solos tum non fuisse otiosos nee dormi^se. Die Initia- 
lien hat des Maizeaux richtig durch Theodori Bezae Vezelii auf- 
gelöst, und ich habe mir erlaubt, dem Beza ein wahrscheinli- 
cheres' Motiv als blosse negligentia beizulegen. — Gedruckt 
wurden, meines Wissens, diese Verse auch später nie, eben 
so wenig wie die Inschrift för Coligny's Grab, welche er 
auf Verlangen von dessen Tochter Louise, Prinzessin Wilhelm 
von Oranien, im Jahre 16Ö6 verfasste. Selbst diiese Grab- 
Schrift, obgleich über dreissig Jahre nach dem Ereigniss ent- 
worfen, war noch so heftig, dass Pariser Freunde daran än- 
derten pour Vaecommoder ä la prudence de ce siecle^ wie die Prin- 
zessin an ScaUger schreibt (bei de Reves p. 192). 

28. Genfer Professjur. Gifanius. 

(Zu S. 43.) 

Das unzweifelhafte Factum von Scaligers Genfer Professur 
war söhon um die Mitte des. siebzehnten Jahrhunderts s6 ver^ 
schollen, das Sarravius zm ßßoligetanaM. m. v^ &a^i^. Folgen- 



ISI 

des anmerken konnte: Mimsiew Metmgt maus dit que Mmsimr 
Je Saumaüe fujf aooü di^ et asseurd que Scediger a»oit autt^/oia 
eneeign^ et mowtd en chmre ä Gerkeve: amplius inquirendwn; de 
hoe enim in ekts operibue mdlum vesHgium. Allerdings findet sich 
in Scaligers Druckwerken keine Spur davon. Wohl aber er- 
zählt Vertunianus in Scaligenima L ($. v. aiuotares) : Oeneveneibue 
SB dixisse ait Scaliger, }cum illum profiteri puidice Philasaphiam 
rofforunt, se non conceptae de se opinioni reeponevrtnn nee eatie 
commode id praesHiwum muneris ad quod vocabäiwr. Aseidwu 
tarnen in Orgtmi Aristotelie lectione fuU integro anno, Aocque prae^ 
eenti [ee^ anno 1574/ Phyeica erat agressurue^ niei ad majora U' 
lum Deaa vocaeset. Und ebendaselbst: Si vitam los^pho ScaUgero 
Deue kmgiorjBJn concesserü, nullue auctor futurue est — pritnarioe 
dico — quem non emendaturus sit; ad id enim aptus natus est non 
ä caqueter en chaire et pedanter. Dominus enim Scaliger 
non diecurrity ut dicebant jßermani Genevae, sed bene interpretatur 
aiw^orie mentem. — Femer spielt Scaliger selbst auf seine Gen- 
fer Professur an in einem an Casaubonus nach Genf geschrie-^ 
benen Briefe vom 31. August 1594 (eppi p. Ib0).\.omne8 veter 
res.amicos nostros eaiuät, in quorum collegium uti olimego 
adoptarer tarn indignus fui propter imperitiam quam lAteumo 
Lausanensis propter lävitatem, ne quid asperius, id est vertue, di^ 
cam. Dass hierunter das Genfer ProfessorencoUegium gemeint 
sei, erhellt aus der ironischen Vergleichung mit dem Lucumo 
Lausanensis, welches Scheltwort (t?. PauUus ex Festo s* v, Lueo' 
mones) sich auf Bonaventura Cornelius Bertramus bezieht^ dßr 
erst in Genf uiid dann in Lausajme eine Professur bekleidete 
(Colomes^ opp» p. 72); ScaUger war auf ihn böse^^fweil er gegen 
seine chronologischen und cyklometrischen Schriften. Opposition 
machte in handschriftlichen Aufsätzen, die er unter gemein- 
schaftUchen Freunden umlaufen Hess (de Reves p. 67)« Eine 
ebenfalls handschriftliche. Replik Scaligers gegen seine Ein- 
würfe hatt6 Simon Goulart (de Reves p. 117) bei Beza gese- 
hen;, sie ist also vielleicht noch in, Genf itu&ufioden. -^. £i)d- 



lieh aber wird jeder Zweifel beseitigt durch zwei Briefe des 
Obertus. Gifanius an Scaliger, welche in die Genfer Zeit fallen 
(Burman, ayU* IL ^06—308^. Der frühere, postridie id, Deoßmbr. 
[\f>12] geschrieben (p. 307, 8), beglückwünscht Scahger we- 
gen seiner ErwäUung zum Lehrer der Philosophie : 'TUn vero 
et [vel] reipuUicde vesirae potius grahdor quae te Philosophie^ Do^ 
i^orenh delegerit, in quo munere q^iam praecUtre cdiis saüs/acias 
seio, quicquid tu in litteris ad me daüs excuaea. Weiterhin 
schreibt Gifanius: audio te versari in explicamlßs Finihia Bono^ 
rum dceronis; und auf die Adresse des nächsten, VII Id. Febr, 
/1574/ geschriebenen, Briefes setzt er: losepho Scalipero Philo- 
sophiae Professori Publico. ^ Der auch in diesen Dingen leicht- 
fertige Burmann hat über Scaligers Genfer Professur nicjits' er- 
kunden können, ordnet die Briefe' des Gifanius verkehrt, und 

• 

vermuthet aus unhaltbaren Gründen, sie seien um das Jahr 
1578 geschrieben. Zum Gegenbeweis genügen die *Schluss- 
. Worte des zweiten Briefes: D. Bonefidio V. D. et humams' 
simo salutem a me dices quam offidosi&sime. Dieser berühmte 
Jurist^ weldietL Gifanius, nach Burmanns Annahme, im Jahre 
1578 grüssen lie^se, war schon vier Jahre vorher in Genf ver- 
storben, wohin er sich von Valence nach der Bartholomäus- 
nacht begeben hatte, Thaanus LLIX p. 88/ Eodeni anno [\bl4J 
VI Eid, Fefyr* Genevae cum tantum XXX VUl annos exegisset fa- 
to /uncttLS est Enimundus Bonefidius. Hingegen kann der nicht 
einmal wunderliche Umstand, dass Gifanius von Strassbui^ aus 
in einem am 7. Februar geschriebenen Briefe den Tages da- 
rauf zu Genf Gestorbenen grqsst, wohl nicht geltend gemacht 
werden gegen die vmi mir, aus hieiv nicht weiter auszuführen- 
den Gründen, gewählte Jahreszahl 1574 für dep zweiten Brief 
des Gifanius. — Dass gerade während Scaligers Aufenthalt 
zu Genf der Briefwechsel zwischen ihm und Gi^emius sehr 
lebhaft gewesen, sagen die Scaligerana IL (s. v. Gifanius): fcU 
perdu heaucoup de letires que Gifanius fn^escnvoit a Geneve. Un- 
mittelbar vorher heisst es dort: Gifamus estoit si honneste homme 



I 



t53 

€ft Francey und nur ftir diesig Zeit seines französischen Aufent- 
halts gilt die Freundschaftshezeigung äcaligers in Ckttalectt. 
p. 259 .• Oberius Gifanius vir emdiHsaimns miHque ob raras exceU 
lentissimi ingenii dotes carissimus. Spater hatte ihn Scaliger in 
Verdacht groben litterärischen Unterscbleifs, ßcaUgerana IL (s, 
v): Gifanius estoit docte; son Lucrece est tres hon. Je hty ay en- 
iDoye depuis quelque chose de hon sur Lucrece qt/il a garde et dit 
quil n'a rien receu et s^en vetU prevaloir. Dasselbe in viel schär- 
feren Ausdrücken schreibt Scaliger, 7. März 1605, an Scipio- 
Gentilis (bei Burmann, epistolae Gudii p. 356).- Audio Gi/anium 
iestamento suo opuscula et lucubrationes Ritterskfmo legasse ea eon- 
ditione ut ab eo ederentur, Memini me ante biennium Uli lonffom 
epistölam scripsisse, in qua non sotum locos Lucretii de quibus cön^ 
suluerctt me explicabam^ sed et multa alia adieceram quibus edUio^ 
nem Lucretianam exomairet Quam tamefsi accepisset^ tarnen Umta 
ftdt eius impudentia ut negaret ad se perveHisse. Idque semper 9^ 
Idfot facere ut sibi attribueret ea quae ab alOs didicerat, et si quiß: 
plagii cum postulare tfellet, haberet inoXoyiav paraiam, se nuüas Ut^ 
teras accepisse* Bis terve ausus est apud amicos nostros queri, se 
nihil litterarpm a nobis aceepisse^ qui omnes qms Uli scripsi rede 
accepit^ Sed eum homihem nunquam fuisse puto^ qui m ilUs sor* 
dibus qvas omnes norunt vixit^ et mdhm amicum sibi quaesivii, et 
qui bene de illo meriti erant^ iHis se quoque nihil debere profi$d>aft^. 
Interest tarnen Beip. lOterariae, eius lucubrationes edi* Fmt .^im 
doctior quam probior, et nos eius doctrinam probamtiSy mores exse^ 
cramvir. Vielleicht wurde Scaliger jedoch später mit Gifanius 
wieder ausgesöhnt, als er erfuhr, was der 'Rostocker Pro- 
fessor Ignatius Hanniel folgendermaassen erzählt (Gonf. fab. 
Burd,^ opp. p. 177).* Eramus Ingolstadii in convirno apud nobiliS'> 
simum Dom. loh, Bredovium equitem Marchicum^ ubi contentione 
de praestantibus reformaiae reUgionihus viris exorta, quum Acade- 
miae tum pro tempore rector, hämo Loyoliftd instituH, amnem so^ 
lidae eruditiohis laudem hominibus Pontißdae Ecclesiae vindicarei 
eiusque sectatores celebriores omnibus aUis superciUo Loyolitieo et 



154 

< 

« 

atroffontia paedagogica praeferret, iratua Gifanias yEcclesiaf Eccie- 
siaf inquit. Tu sem/per de Ecclesia. Europa hodie non habet do- 
cHorem ScaUgero^ . . . Omnibus qui aderant silenthim tenenttbus et 
&ifamo tacife assentientihuSy os isti JesuUae ita obstructum fuit ut 
ne verhuium quidem deinceps facere ausus /uerit 

29* Arbeiten in Gen£ Groulart's Uebersetzung 

des Lysias. 
(Zu S. 43.) 

Von kleineren Arbeiten in Genf sind zu erwähnen die 
Noten zu Euripides* Cyklops (opuscc, ü, p, 381). Scaliger 
schickte sie dem Oäsaubonus, als dieser im Anhang zu seinem 
Bache de satyrica poesi die lateinische Uebersetzung dieses 
Drama's von Florens Christianus veröffentlichte^ und schreibt 
darüber ^pp, p, 302/ Non solum contentus Jui lectione iibri tut de 
Satyra, sed etiam ut honorem höherem manibus et memoriae Floren- 
tie nostriy Gychpem Graecum revisi, Quae olim quam Qenevae es- 
semus in ora Iibri annotaoimue et quae praeterea nunc' inter legen-- 
dMfn succurrerunt in schedwn conieci, — Femer leitete er va 
Genf des Claude Groulart spätbegonnene griechische Studien, 
und half ihm bei Uebersetzungen aus griechischen Rednern. 
Was Groulart über Scaligers Art zu arbeiten erzählte, ist be- 
merkenswerth , Thuana {e. v, Groulart): Ä la Saint Bar^lemy 
Groulart se retira ä Genece anec Monsieur ScaUgery ou \lfift qtdnze 
mois et Stitdia sous hti incessament si bien qt/en ce temps lä il se 
rendit fort docte^ ' apprit la langue Grecque fort hien et toutes les 
ßnesseSy et eserwoit en Latin tres /acilement et elegamment, Teile- 
ment qtiestant de retour il me fit ijoir quelques Oraisons des ora- 
teurs GrecSy qtia depuis imprimS H, Etienne, qt^U avoit traduites 
qui sont tres hien — M, Scaliger y avoit passS la main — et me 
dk, qt^il en /aisoit phti en un mois avec M. Scaliger qt/atec ^antr 
tres en un any ä cause que rien ne Parrestoit et ne /aisoit rien 
d^inuHle. — Denmach gebührt Scaligem ein gewiss betriebt- 



155 

lieber Anüieil an dem Lobe, welcbes dem Qaude Groulart 
vielfach gespendet ist (Qt seine allerdings sehr vortreffllichen 
lateinisiDben Uebersetzungen dreier Reden des Lysias, der 
gegpn &atostbenes, der ersten gegen Alkibiades, und der ge- 
gen die Komhändler (bei St^han* Oratt. vekrr, ed, 1575, 
p. 162—178). Andere Genfer Arbeiten Groulart^s, die wohl 
«neb ,darcb Scaligers Hände gegangen* waren, möchten viel- 
leicht in Ronen aufzufinden sein, wo Groulart später Parla- 
mentspräsident wurde. — Bnefe von ihm an Scaliger giebt de 
Beves p. 269, 449. 

30. Anhänglichkeit an Südfrankreich. 

(Zu S. 43.) 

Die Worte, in denen sich Scaliger mit südfranzösischem 
Patriotismus gegen das Uebergreifen des nordfranzösischen 
Elements ausspricht, lauten: Q^osdam eate quibus hie poeta 
[Ausonius] non placety id verö animum nostnm exercere non i^ 
bet. Sunt enim Udem qui dicunt Crartmnam flf4in9ktm esse, Bur- 
digalam oppichdum^ Aquitaniam ipsam non maiärem eaae (pjxm sunt 
ittae praqMäiturae quae uno tantum Episeopatu aut dtoece$i conti- 
nentur: ito ut senatus ipse Burdigalensis eorum sermone sit tantum 
una decuria senatuH munidpalia. Cum eo& ita loquentes Oudis^ ri- 
sunt potes ahstinere? Et non ridebis, cum Au$oniu9n ^onum poetam 
negantf Et tarnen non a plebe haec audio» sed ab Ulis qui hono- 
ribus amplissimis ßmguntur, qui in luce hominum versantur^ qui 
in litteris aliqui videri volunt, Nam nt^ilitati Gallicae, quae puiat 
in Gallia nihil esse boni praeter' eum tractum aut regionem quam 
Franciam voeamus, et iuventuti Francicae, quae eodem morbo laborat 
in illo praecipiti cahre aetatis qui Ulis aciem mentis perstringit, et 
plebi^ quam postulare sapere est cum iraHone insanire, foMe ignosco, 
Atx ülot magnös viros höe dicere quis poterit patif Nos qUi hequs 
aouti neque adeo ht^etes in Os rdmslsumus eos amplissimoi wtoe^ 
si quid de .Superdlio remiüeire telint, possw/MU doqere et quid. Sit 



■■ 



136 

Aqmiimia et quid sit in liUeris OriHcum esse. Äliter enim de lU- 
teris hie apud nos ac de negatiis in auia dispuiatur. Nach der 
ganzen Fassung dieser Worte ist es unzweifelhaft , dass sie 
eine sehr bestimmte und für Zeitgenossen gewiss voll- 
kommen verstandliche Beziehung haben auf geringschätzige 
Aeusserungen über Südfrankreieb, welche von hochstehenden 
Pariser Parlamentsmitgliedern oder Hofleuten nicht lange vor- 
her öffentlich gethan waren. Näheres zu ermittlen, ist niir je- 
doch bis jetzt nicht gelungen. — Die frühgefasste Voriiebe 
für den französischen Süden verstärkte sich bei ScaKger unter 
holländischem l^ebelhimmel, wo er ,die Nachtigallen nie schla- 
gen hörte.' Als Casaubonus von Genf nach Montpellier gezo- 
gen war, schreibt er ihm, 11. Februar 1597, e^, p, 157: Ille 
terrarum mihi praeter omnes Angulus ridet , , . Utinam licerdt mihi 
res meas ernnponere ex sententia mea. Untim civem donarem Mo- 
galonensibus vestris . . . Arecomicos Allobrogibvs praetulisti, dyti&i 
tvxS* ^^ int^^ hie ^vitoQBVoinag ßatgaxqvg audiam dum te per- 
strqtent J/asdniae, Nam illae Dauliades nunquam in hone pcdae- 
Strom adoolaruivt hactemts, Quare triennktm soUdum [seit 1593, 
wo er Frankreich veriiess] illartm querekis ' desideramus. Ms 
ntibila hie intra parietes summovent: te in media kieme sudum 
aeris et cmioena campörwn Mectcibunt, ^id quaerisif Invideo tibi, 
AehDÜche Ausbrüche von Sehnsucht nach den Ufern der Ga- 
ronne qtp. p, 156, 187. 

31* M onluc. 

(Zu S, 44.) 

Der schon oben S. 149 erwähnte Brief Monlnc's über den 
Furoester steht bei de Reves p. 292'-^294. Er dient za be- 
sl&tigeiider Er^ncung 4er Angaben in Savigny's Au£NEtz ^über 
die Lebensgeschiohte des 0«üas' (Schriften FF, 169X und idi 
habe das We^entlidie des Inkahs meinem Texte einverieibt. «^ 
Die Wi^ung des Festus as Monhic ist ein wahres Muster 



157 

würdigen Dedicationsschreihens. Sie beginnt mit einer durch 
die Epitome des Paulus veranlassten Schilderung der mittelal- 
teHicben litteräri sehen Zustande und sagt unter Anderem: Ckm^ 
sidera- quaeso ante hos centum plus minus annos a €httieis usque 
temportbuSy in tanta vastitaie litkrarum et omnis humanitcUis ac po- 
litioris cuUus neylectu, quam male cum mortalium genere agebätur: 
quos vel hoc nomine in/elices censere d^)emus qwd ipsi infeUces se 
esse ipnorabant. Von Scaligers persönlichen Beziehungen zu 
dem Diplomaten wird gar nichts erwähnt und zum Lob des 
hohen Gönners am Schluss und in der Kürze folgendes ehr- 
lich Gemeinte gesagt: omnes virtuHs ac bonorum literarum ama- 
tores^ quod ge**us hominum ego valde veneror^ vix aliter animum 
suum inducturos intelligo quam bona esse quae tibi dicamus, cum 
tibi^ homini scilicet gravissimo atque eloquentissimo^ uberrima lite- 
rarum cognitione instructissimo^ rerum nostrae Gälliae intelligentis- 
simo ac tot legationibus sub quattuor regibus felicissime ßmcto opeU 
lam nostram ac vigilias placuisse animadvertent. Die Beredsam'- 
keit Monluc's wird auch in Scaligerana L bewundert. (5. t>. 
Episcopus): Episcopus Valentiae inter Vascones disertissimus et 
mesme un des plus diserts hommes de France; und mit einem 
Zusatz über sein Benehmen gegen die Reformirten, Scalige- 
rana IL {s, V. Monluc): Monsieur de Monluc^ meschant contre ceux 
de la Religion^ estoit eloquent en Qascon et haranguoit magnifique- 
ment comme un Ciceron. 



32. Reisen; Unterjialt. 

(Zu S. 45.) 

Den öfteren. Wechsel seines Aufeüthaltsorts hat Scaliger 
in der Subscription der ersten Ausgabe des Werkes de emen^ 
datione angedeutet: opus de emendatione temporum in BUurigibtts 
in€titutumy in Lemomdbus affectumy %n Pictonibus ad exitum perv 
duxi, Ende 1581 war er bei Cujacius in Bourges zu einem 
Condolenzbesucb (oben S. 141), 1583 in Nerac zur Aadieaz 

11 



15S 

bei Heinrich IV. (Colom. opp. 247), 1584 wurde er zugleich 
mit Cujaoius in Paris erwartet (Bvrman, hylL L 179), und aus 
epp, p.ilb^ ergiebt sich, dass er um 1586 in der Proveüce 
lebte. Ausserdem zeigen die Briefdatirungen, dass er zwischen 
den im südlichen Frankreich zerstreuten Besitzungen der Fa- 
milie Rochepozay hin und her gereist ist. Nimmt man hierzu 
die frühere grosse Reise nach Italien und England und die 
spätere Uebersiedelung nach Holland, so können die oben 
S. ISO erwähnten Klagen über allzu häufige, seine Studien un- 
terbrechende, Orts Veränderung nicht für ganz grundlos gelten. 
— Seinen Unterhalt fand er während dieser ganzen Zeit wohl 
vorzüglich durch die Freigebigkeit des de la Rochepozay, und 
darauf bezieht sich wohl auch das mit edler Offenheit gespro- 
chene Wort in Scaligerana H, {s. v. Scaliger): Magna est Provi- 
dentia Dei in rebus meis, Hgo ab ohitu Patris semper eleemasynis 
mxi. Sein mütterliches Vermögen, über das er in Leyden te- 
atirte (epp, p, 183), mag nicht ausgereicht haben, und von dem 
väterlichen hatte er fast Nichts bekommen {%bid. p. 184). 

33. Widmung des Manilius; Pension. 

(Zu S. 45.) 

Das Widmungsgedicht an Heinrich III. steht nur in der 
ersten, jetzt selten gewordene^ Ausgabe des ManiHus (1579); 
in den späteren Ausgaben wurde es weggelassen, wahrschein- 
lich weil das Urtheil über den letzten Valois seitdem in hu- 
genottischen Kreisen sehr ungünstig geworden war. Scaliger 
selbst freilich hat immer Anhänglichkeit für ihn bewahrt und 
manche seiner Vorzüge in seinem Nachfolger, dem ersten 
Bourbon, vermisst, Scaligerana IL (s, v, Henry IV.): Le Roy 
Henry III, avoit plus de sottplesse que ce Roy {Henry IV.)^ qui a 
tme gründe prontptitude; ä cause de cela il estoit mesprise; si avoit 
il plus d'esprit et plus de vertus royalles que ce Roy, Le Roy 
Henry IJL se nuisoit ä soy-mesme, mais celuy-ci et >ä soy et ä son 



16» 

Estat, — -Das wohlgerathene Gre'dicht verdient hier mitgetheilt zu 
werden, weil es selten und durch den Umstand merkwürdig ist, 
dass Scaliger noch auf seinem Todtenbett daran feilte. Die 
Muse Urania wird redend eingeführt und das Ganze ist im 
Ton eines Prologs gehalten (poemni. p, 33): 

Christianissimo Francorum et Polonorum Regi Henrico HL 

Urania Musa. 

Princeps sororurriy quae heata secessus 

Vireta celebrcmt inter Aonum montes, 

ürarua, quamvis me reposta caelorum 

Species moratur musicique concentus 
5 Mundi volantis, conscias tarnen fati 

Coeli choreaa astricas et Erronum 

•Septem reliqui spatia, quos citis higis 

Cürricula Circi magna semper exercent 

Ut hinc ministrent fafa rebus humanis, 
10 Momenfa varient ac ^redprocoa casus 

Volvant reoohant, Namque me pius mentis 

Incessit ardor, magne Rex, ut kunc nostras 

Geniis clientem, quem recenter a nigris 
' Leu tenebris imminentis, a dirae 
15 Oblwionis vindicavimus faio, 

Tuas ad aras ad tuumque pulvinar 

Sublime sistam, si novis ei possim 

Modis honores ctyqiparare dioinos, 

Quos dia spirai aura nominis vestri 
70' Solioque ßilgens eminente maiestas. 

Spes est, tuo ut favore fotus et nido 
'Tuto receptus, nee licentiam indodae 

Ptehis, nee ullwm Stigma Qrammatistarum, 

Nee inquinata menda, nee vetustatem 
25 Sentire porro, nee gravem situm possit 

At universi rector orbis Augustus 

Praestare non id quivit ui suus vates, 

Qui sese in eius. tradidit clientelam, 

Non vim severae Mortis experiretur^ 
30 Neque üle mendis atque paedagogorum 



160 

Contafmnatus obsoUsceret nugig. 

Tu, quum e tenehria, e silerUio leti 

Illustre Victor efferens captä, seae 

DedcU tibi poeta^ — nam tuo nutu 
35 Videre lucem se fatetur — Attgugtum 

Maiore laude Vincis ac suum tandem 

Uli au/erendo vindiccts tibi vatem, 

Nam bene mereri vate de suo, quem nee 

Servare potuit, iure non potest uUo, 
40 Taus Poeta est igitur optimo iure. 

Quid quod vagantum nasse siderum cursus, 

Solis labores, spaiia menstruae lunae 

Annumque gressus in suos relabentem, 

Indigna nön est rege maximo curaf 
45 Testis Necepso qui Canopici regni 

Tenens hahenas, nocte consulens caetum, 

Quaecunque limes astra signifir portat * 

Radio notavU, Quid vetustus eiusdem 

Tgvannus aülae terque maximus, Nili 
50 Regnalor, Hermes qui' logisticis punctis 

Collegit astra, caelici penetralis 

Reseravit adyta, venit ad Deos ipsos 

Caeh potitus sie per astra capifoof 

Quid priscus Atlas, rector Africde, qui non 
55 Gervice, verum mente pertulit caelumf 

Quid nie, canae quem toquentur aetates, 

Astrorum alumnus, pignus aurfsum cadi, 

CasteÜae amöenae res vetustus Alfonsus: 

AUique, quös nee explicaverim, reges, 
60 Dioina qui per scripta regibus magnis 

Majgnisque tantam ducibus asserunt <xrtem9 

Ars ista sie, Rex magne, regibus n&n est 

Indigna, quae tot vindiees habet reges. 

Quod si et cUentem hunc reeipis: o quater felix, 
65 Quem sie iuentur, saeculis commendant 

Regale Studium tuque maximus regum. 

üeber die auf dem Todtenbett angegebene Verbesserung zu 
F. 58 berichtet Daniel Heinsius (Anhang zu ipp, p^ 835) : Ali- 
quot didms ernte summwm ac faidU tempus • . . . cum ad eum aC" 



161 

cessissem .... de versiculis quibusdam suisy cum antea ne mentto- 
nem quidem eins rei ferret — nemo enim magis sua cofäemn^xU 
— utrum eos editurus essem perßmctorie quaesivit. Cum factwrvm 
fne dixissemy Scazontem, inquit, quendam qui praetermtttendus non 
erii primae Mcmilii editioni praefimtm intfenies, Memini tarnen me 
alicubi memoria lapsvm esse, Igitur pro illo Rex Celtiherae 
Tarraconis Al/onsus [so steht wirklich vor dem Manilius 
gedruckt] reponendus erit ille Castellae amoenae rex vetustus 
A I/o neue. Haec ooulis languentibus ac /ractis morbo viribus, vi- 
cinus ut tum quidem vid^batur morti, integerrimis tamen sensibus 
dic^xU. — Dass Heinrich III., der wie alle Kinder der medi- 
caischen Catharine astrologischem Wahne ergeben war, die 
Widmung des Manilius besonders wohlgefällig aufgenommen 
und mit Aussetzung eines Jälirgeldes l^elohnt habe^ berichtet 
Andreas - Schottus in einem Briefe an Lipsius, und befurchtet 
zugleich, dass die Aussetzung nicht zur Auszahlung fuhren 
werde (Vor Pitiscus' Ausgabe des Aurelius Victor und bei Gre- 
nius animadd, pML Uly 58): rex Gallorum Scaligeri Manilium 
grate accepit et xinnuam pensionem bis mille Francicorum dedit 
Bene res se habet si solvitur ßde non Gallica sed Graeca vel ocw 
lata manu [Plaut. Äsin. J, 3, '47, 50.7 "~ ®^® Befürchtung, die 
nur zu sehr ^ch als gegründet auswies. Im Jahre 1594 kann 
de la fiochepozay in einem nach Leyden geschriebenen Briefe 
(bei de Reves p. 55) nur versprechen, er werde die Auszah- 
lung betreiben Vors qi/il sera ä propoSy und sogar Oeannin 
konnte in unmittelbarer Verhandlung mit Heinrich IV. und 
Sully im Jahre 1608 mchts weiter erwirken, als dass Scaligers 
Name für das folgende Jahr auf die Liste der wirklich auszu- 
zahlenden Pensionen kommen sollte (de Reves p, 283). Das 
Jahr 1609 ward nun aber sein Todesjahr, 



k^ 



162 



34. Elegiker; Geburtsort de^ Properz» 

(Zu S. 46.) 

Im Jahre der. Herausgabe des Manilius 1579 richtete Sca- 
liger an den Mathematiker Joannes Stadius einen offenen Briefe 
worin er seine bisherigen Arbeiten überblickt und die Auf-» 
nähme bespricht, welche ihnen diesseits und jenseits der AI- 
pen zu Theil geworden. Es bildet dieser Brief mit seiner 
scharfen Zurückweisung italienischer Anmaassimgen gleichsam 
das Vorspiel zu dem 1586 erschienenen Yvo Vüliomarus. Zu- 
gleich wird auch einigen Professoren des Pariser Gymnasiums 
die Polemik, welche sie vom Katheder herab besonders gegen 
den Scaligerschen Cätull geführt hatten, mit lustiger Derbheit 
vergolten. Man wird die einschlagende Stfelle hier gern lesen 
(epp, p. ßl): Nova trium poetarvmy quos nvper emisi^ editio Ita- 
lorum aique nostroUum animos quantum novihte rei peraussitf 
Ipsam Jbqiv Hesiodi in orbem terrarum misisse visus - sum, Atque 
ut illos Cisalpinos omittam^ ita forum magistrorum Parisiensium 
excande/ecimus tU freqttentes coirent et de magna re publica delibe- 
rarent Dicebantur sententiae graves, Parum abfuü quin ad illud 
extremum decurreretur : Viderent magistraius^ ne quid detrimenti res- 
publica acc^iat, Annibal enim ad portas erat, Me nihil mentiri 
testes sunt non sohm graviisimi viriy amici meiy qui haec mdhi nön 
sine risu retulerunt^ sed et honi adolescentes^ qui quotidie simiUa de- 
clamantes magistros audire söhnt Qidn et popinae ipsae Lutetianae, 
postquam doctorum Criticorwn venae generoso flore meri incaluerantf 
conviciis ac contumeliosis dicHs totae perstrepehant Eo enim saepe 
eoridicere solent RomuHdae^ ttt saturi inter pocula quaerant, quid dia 
po&nata narrent [Pers. I^ 30/. Nee temere aliud magis vulgare 
hodie in gymnasio regio iactari audias quam calumnias ac sopkis- 

mata^ quibtis quotidie nomen meum insectantur doctissimi viri 

ühum me sdlicet hostem sibi proposuere quem debetlarent^ de quo 
triumpharent, Gratum est quod me dignum censent quem secum 
componant atque committant. Ego tarnen plane certamen detrecto' 



163 

Impar «tfm ei pugnae. Coparum nal Xaxavonmlidonv convicia nuffi- 
quam didici. Illusiri generi proffncUtis sum; liberal iter instittOus 
fui, Scholasticas illas content iones numquam amavL Hoc unum tan- 
tum a Deo Opt Max. peto, ut in tractandis literis mihi liceat cum all- 
quo studiosae iuventtttis /ructu atque publico commodo versarL Nam 

' gloriolam ex nescio quarum vocularum commutationihus aucupariy 
angusti est animi; cui tarnen rei valde Student k&mines Cisalpini 
[s. S. 1 64]^ qttiötts etiam dolet hominem Transalpmum ea tractare, 
quae tantum ad Italos pertinent, Nam patriam PropertU indicare 

' non nostrum est, qui Celtae Vascones Aqtutani sumiuSy sed eorum 
tanium qui in Italia naii sunt, qui tarnen iure suo sibi permittunf, 
Ameriam nobilissimum municipium in Franciscanorum sodalium 
metropolim*) tranrferre. Nbstrates vero doctissimos viros quid tan^ 
topere urat, noi^ video, Non ego sum Galhts ttt Uli? Cur adeo 
veritatem oderunt ut non patiantur adolescentes cum aliquo fructu» 
ex auditorio exiref Quid ad teneram illam aetgtem, hene an male 
aliquid ca^tigarim aut interpretatus sim? Quid hoc estnisi ut nos 



*) Diess bezieht sich auf die Streitfrage über die Vaterstadt des 
Properz, för welche schon damals, nach Prop. V, \, 125 scandentisque 
Äsisi consurgit vertice nmrus, Asisium gehalten wurde. Scaliger wollte 
jedoch in der damals gangbaren Lesart ^^ lieber axis mit der Bedeu- 
tung ,Hugel* erkennen, als den Geburtsort des h. Franciscus auch für 
den des Dichters gelten lassen. Er sucht durch sehr verschlungene 
Combinationen die Wiege des Properz nach Ameria zu versetzen, was 
ihm natürlich die Asisianer und Franciscaner sehr verdachten, während 
Cujacius in einer 1576, also gerade um die Zeit der Ersten Ausgabe 
des Properz, gehaltenen Rede öffentlich der Scaligerschen Meinung zu- 
stimmte {Cuiacii opp, VIII, 1100 ed. Neap.): S. Franciscus ümber, ex 
Asisio oppido, quam quidam falso aufumant Propertn fuisse patriam, cum 
Amerinus fuerit non Asisinas, — Den Zeitverhältnissen nach, ist es mög- 
lich, dass Scaligers Ansicht die" unschuldige Veranlassung gegeben hat 
zu den Fälschungen amerinischer Inschriften mit dem Namen Propier- 
tius, von welchen Haupt und Moramsen gehandelt haben (Bmchte 
der sächsischen Gesellschaft /, 260—276). 




164 

infra positos splendore suo praegavare videaniur? Non pu^t illos 
qttod me vincunty ut de- Philemone dicebat Menanderf 



35^ Miscellen. 

(Zu S. 46.) 

Die Miscellenschriftstelierei war seit Foligan unter deQ 
lialienem heimisch geworden und auch Transalpiner wie Tur- 
nebus, Muret und Lipsius hatten dieser Manier gehuldigt. 
Scaligers organisatorischer Sinn erkannte früh, dass man aui 
diesem Wege einer schädlichen Zersplitterung des Stoffes und 
der Kräfte entgegenging. Er hat zu keiner Zeit sich zu sol- 
cher Sammelei herbeigelassen und gelegentlich auch Einspruch 
dagegen erhoben, besonders im Yvo und in der oben S. 162 
angeführten Stelle; seine eigene Weise, die Autoren im Zu- 
sammenhange zu b^handlen, stellt er jenem Schnitzelkntuseln 
gegenüber 6^. p, 52.* Multa in auctores utriusque linguae obaer- 
vavimtts ex quiints immanes partus nasci possent Variarumy Anti- 
qvarum Lectionum^ Mtscellaneorum et aliorum huiuscemodi quHms 
hodie Philologarum amhitio lascivire solei. Non quod eiusmodi 
scriptianis genus intUile putem aut in ullo scriptore haec reprehendam 
— non enim ita insanimus '— sed quia talia ab aliis edi qtiam a 
nobis mahimus. Ut tarnen nobis vigiliarum nostrarum ./rudus con- 
staret^ interpretandos et emaculandos auctores integros sttscepimus» 



36. P 1 a u t u s. 
(Zu S. 47.) 

Bereits um 1571 hatte Lambin durch C|ijacius erfahren, 
dass Scaliger des choses merveilleusement helles et honnes zu Plau- 
tus vorräthig habe > er bat brieflich (de R^ves p. 284) 'Um de- 
ren Mittheilung für seine Ausgabe und knüpfte an diese Bit^e 
ziemiidi kleinliche Cautelen zur Wahrung des beiderseitigen 
Eigenthümsrechts auf etwa unabhängig von einander gemachte 



165 

Conjectiuren. Scaliger scheint diesen Brief übel vermerkt zu 
haben; denn Ende März 1572 (de Reves j>. 133) beklagt sich 
Lambin über ausgebliebene Antwort und ersucht im demüthig- 
sten Tone um une dousaine on bien une demie dousaine de corre- 
ctianSy dass er seine Ausgabe nur wenigstens mit Scaligers Na- 
men schmücken könne. Durch Lambin's bald darauf erfolgten 
Tod zerschlug sich jedoch jede Aussicht auf ein gemeinschaft- 
liches VeröffentKchen ihrer Funde, und noch um 1574 muss 
Scaliger den Plan einer selbständigen Ausgabe gehegt haben. 
So theilt er in seinem Commentar zu Festus mehre plautinische 
Emendationen mit, deren Begründung er in editione Plaviina 8% 
Deus /(werit zu geben verspricht, s. v. Adsectata (Bud, 11, 4, 5)/ 
s, V, Hilltem {Glosscarium sine aspiratione Illum penf^rinos to ivtog, 
Ei ita in Plauto ut ostendemus aliquando si Deus faverit); s. v, 
Suirium (Cos, III, l, 9)/ s. t?. . Thomices (Merc. 192). Aber 
schon drei Jahre später fordert er in einem Briefe, Februar 
1577, den Lipsius auf, sich des Komikers anzunehmen, der 
unter der eben postum, erschienenen Commentarlast des Lam- 
bin erliege; er selbst habe die Sache für 'immer aufgegeben, 
^9p, p, 87: Plautum Lambini si vidtsH non admiraris; certo scio. 
Est enim germanus plane illius Haratii Lambmiani, qui commenta- 
riorum mole laborai .... Tu nobis et Phutum et Nonium et ndios 
exomatos dabis, Neque est quod a me exspectes. Wirklich schei- 
nen bei Weitem die meisten der seitdem gedruckten Marginal- 
noten Scaligers aus den frühen Jahren von 1560 — 1574 zu 
stammen, woraus sich denn manches Verwunderliche und von 
der späteren Reife gar zu sehr Abstechende erklärt (Ritschi, 
prolL LIV»; Pers. XIII; Bacch, VJIL), besonders dergleichen 
Urtheile über die untergeschoben €fn Scenen, wie sie zu 2l£erc, 
829 aus einer Marginalnote angeführt werden, und über den 
Prolog zu Bacchide^ in der erstem Ausgabe der Oatalecta stan* 
den, zu Copa 25 / In prologio triviali et inepto sed ovt« n^^v ovt9 
%dig ßtcto, quod propositimi est Bacehidibtis Plauti etc. In der 
zweiten Ausgabe hat er diesen ganzen Passus gestricben. Aber 



/ 



166 

noch im Jahre 1595 schreibt er in ähnlicher Weise an Taub- 
mann, der sich Rathschläge für seinen Plautus erbeten hatte 
gjp. p. 796; Ego contextum ipsum purum nulUs in ora notis ad- 
positis edi cyperem ut vulgo fity sed quomoäo recte olim tmicus 
Plctyii Aeseulapw^ popularis tuus loachimus Cameraritis edidity qui 
pvito et emendato proximnm nohis dedit Quae non sunt Plauti, 
qualia illa olim Amphitruoni infulta, prologus Batcchi" 
dum et reliqua non recentioris sed sequioris tarnen aevi 
in privatum locum coniici debent Fragmenta praeterea omnia 
sedulo ad calcem ponenda et illustrandä. Diese Scaligerschen 
Worte über die Svpposita hat sich Taubmann am Schluss sei- 
ner Vorrede (p, VIIL ed. 1605J angeeignet, dagegen die Er- 
mahnung hinsichtlich der Fragmente in der ersten Ausgabe 
gar nicht, und in der zweiten, nachdem Scaliger von Neuem 
ermahnt hatte, nur in sehr dürftiger Weise befolgt. 

37. Man iliu s. 

(Zu S. 47.) 

Schon in dem oben S. 152 erwähnten Briefe vom 
Jahre 1574 hatte Gifanius sich erboten, die Vergleichung des 
Gremblacenser Codex von Jacobus Susius zu verschaffen fj?wn». 
sylL IL p* 306). In der ei^sten Ausgabe des Manilius 1579 
machte Scaliger jedoch keinen Gebrauch von diesem Anerbie- 
ten und wandte kein anderes kritisches Hilfsmittel an als 
Wortconjecturen* und Umstellungen, letztere überdiess in sol- 
chem, Alles was ^r im TibuU nach dieser Seite gewagt so 
sehr übersteigenden Maasse, dass er sich veranlasst sah,, sie 
gleich auf dem Titel zu erwähnen: losephus Scaliger recensuit 
ac pristino ordini suo restvtuit. Für die zweite Ausgabe hat er 
keine andere Vergleichung benutzt, als eben jene des Susius 
{prohgom, p, 6 und ^in eine)n Briefe an Lipsius Burm* sylh ly 
242); den Codex selbst hat er nie gesehen. Die Veitoder\m- 
gen, welche nun, neben einzelnen glänzenden Bestätigungen der 



167 

firOheren Conjecturen, durch diesen Codex im Text der zwei- 
ten Ausgabe nöthig wurden, sind so bedeutend, dass sie eben- 
falls auf dem Titel bezeichnet werden: Manilii Astronomicon a 
losepho Sccdigero ex vetusto codice Gemblacensi infinitis mendis re- 
purgahan. 

38. Kalenderstreit. 

(Zu S. 48.) 

In der Widmungsepistel des Werkes cle emendatione unter- 
^lässt Scaliger jede Erwähnung des Kalenderstreits, und wirk- 
lich gab schon die blosse Widmung an sich deutlich genug 
die Absicht zu ei^kennen,- welche denn auch Harlay nicht miss- 
verstanden hat. Dieser schreibt in seinem Danksagungsbriefe (bei 
de Reves p, 453) : Je feray mettre vostre oiwrage en lieu ou il 
sera hien recueilly et le feray avancer de crainte quiun Legat mes- 
mes Padre Toledo,, qui est de la sainct econgregation, ne sott vostre 
izevfilg, und dass er sich als Parlamentspräsident der Abstim- 
mung enthielt, also wohl ebenso wie sein Vorgänger in 
der Präsidentschaft; de Thou's Vater, der neuen Jahresrech- 
nung nicht geneigt war, erzählt de Thou (1. LXXVJ z. J. 1582, 
p, 726). — Auch bei den Genfer Theologen suchte Scaliger 
durch Briefe und handschriftliche Aufsätze gegen Annahme des 
neuen Jahres zu wirken; die Worte des Cornelius Bertramus 
(bei de Reves p, .64) fuhren darauf. — Zusammengefasst hat 
Scaliger seine Einwürfe in Elenchus et castigatio Anni Gregoriani 
(hinter Hippolgti Canon, LB, 1595^ 4,); sie werden beurtheilt 
und zum Theil gebilligt von Ideler, Handb. d. Chronol. 11, 
p. 604.. 

39. De emendatione temporum. 

(Zu S. 48.) 

Die im Text gegebene feierliche Bezeichnung des Zwek« 
kes, den Scaliger in dem Werke de emendatione temporum ver- 
folgte, ist den einleitenden Worten zum fünften Buch (de epo- 



I6S 

chis temporum) entlehnt, p. 197 der ersten Ausgabe Lutet 1583 
±= p. 357 der dritten Colon. Ällobr. 1629: Hacterms quattvor 
lihris omnivm ncUionum annos et tempora cwilia non solum deacri- 
psimuSf quomtum quidem ea [ea quidem ed. pr.J aeterno oblivionis 
silentio obruta in lucem eruere potuimus : sed etiam viam quandoMn 
muntmmuiSy qva illarum gentium [nationum ed. pr.] rdtiones.cum 
lulianis et civilihus diebus nostris congruere et comparwri apte pos- 
sint. Svperest nunc, ut Chronologum toto orbe peregrinantem et 
retro omnem temporum cmtiquitatem et origines pervagantem errafi- 
temque tanquam hospitem, aliqtta methodo duce primum quasi do- 
fiium deducamus, ut cum veterum acta, Annales, Fastos legerit,pos^ 
sit aliquando fqui et add, ed. pr.] uiPi sit cqgnoscere, deinde ut 
hoc copia Fastorum instructum elus animu/m in specula ommum 
[retro add. ed. pr.J temporum collocemus. Aehnlichen Stellen, 
in denen sich des Verfassers Bewusstsein von der Grösse sei- 
n^ Leistung* ausspncht, begegnet man in diesem Werke nicht 
selten. Gleich die Anfangsworte des ersten Buches sind von 
einer stillen Majestät des Ausdrucks gehoben : Si verum est quod 
sciscit fscivit ed. pr.J Stoicorum schola, Tempus esse normam 
rerum et custödiam, quia veritatis index atque examen est et rerum 
gestarum memoriam ac diuturnitaiem posteritati tuetur, ii non vul- 

• 

gari laude digni sunt qui temporum rationes conscribere atque. fugi' 
tivam antiquitatem retrahere conantur. Nicht minder deutlich 
äussert sich sein allumfassender, jedwedes Altertbum würdigen- 
der Sinn, z. B. in der Abhandlung über den altsächsischen 
Mondcyklus j». 112 = 171: Non omnis sapientia penes Chaldaeos 
et Orientem /uit. Etiam Occidentis et Septentrionis homines fue" 
funt Xoyt.%a giaa. Ueberhaupt muss man sich bei Scaliger vor 
dem irrthümlichen Glauben hüten, er habe unbewusst oder 
unter andern, weniger hohen Gesichtspunkten als die unsrigen 
das geschaffen, was wir jetzt von unserer Höhe aus nutzen 
und bewundem können. Man verfallt leicht in diesen Irrthum, 
weil in den letzten Jahrhunderten auch die besseren Schrift«« 
steiler ihre Werke immer im vollsten Licht ihrer idealsten At>* 



169 

siebten dem Leser vorzuführen pfl'egen, während manche unter 
den grossen Männern des sechszehnten Jahrhunderts noch et- 
was von jener antiken Züchtigkeit besassen, welche die Ab- 
sicht hinter dem Werke verbirgt. Und Scaliger zumal hat es 
verschmäht oder vielleicht auch, bei dem grossen Abstand 
zwischen ihm und seinen Zeitgenossen, nicht für zweckdienlich 
erachtet, sich in ausführlicher Darlegung seiner schriftstellerischen 
Endabsichten zu ergehen. Wie Viele mögen seinen Eusebius 

• 

nebst den animadversumes so aufgenommen haben, als hätte er 
eben nur einen Text wie hundert andere herausgegeben und 
Noten dazu geschrieben. Im Werke selbst ist durch ausdrück- 
liches Reden wenig geschehen, um dergleichen Leser aus ihrer 
Naivetat aufzui*ütteln. In einem Briefe an Thomson sagt Sca- 
liger jedoch (qpp, p, 502).* Vere possum dicere, me illutn scripta- 
rem (Eusebiurn) ah in/eris ejtcitasse; quanquam prapter iimgnia er- 
raiß qtiibus saepius sese abligaty indignua erat cui taaitum studii im- 
penderem, Sed antequam illum aggrederer, alium ßnem propaaui 
quam meritum scriptarü, und in Scaligerana IL (s. v. Scaliger): 
Je fay Vhistoire de huit mille ans, seien les Faxens, 

* 

40. Verhältuiss zu Lipsius. 

(Zu S. 50.) 

Das Verhältniss zwischen SciQiger und Lipsius zieht sich 
während dreissig Jahre (1576 — 1606) hin, ohne je mehr als 
ein. äusserliches zu werden. Daran war nicht blos der Um- 
stand schuld, dass sie sich, obgleich ihre Wohnorte nicht weit 
auseinander lagen, doch nie von Angesicht zu Angesicht be- 
ge^eten. Auch Casaubonus' Bemühungen, nach Leyden zu 
kommen und Scaligerzu sehen, blieben stets erfolglos, und 
doch litt ihre Freundschaft nicht darunter. Aber das klare 
Urtheil Scaligers konnte unmöglich dem Lipsius die wisseki- 
schaftiiohe Bedeutung beilegen, welche diesem verwöhnten 
Manne sonst von idlen Seiten zugestanden wurde, und die 



170 

Schwächlichkeit seines Charakters, wie sie sich besonders in 
dem mehrmaligen Ueberlaufen von einer Religionspartei zur 
anderen verrieth, hat Scaliger freilich nicht mit derselben 
Härte wie so manche Verdammungssüchtige beurtheilt; er 
brach darum das Verhältniss nicht ab ; . aber er, der felsenfeste 
Hugönott, konnte ein solches religiöses Chamäleon doch höch- 
stens nur bedauern und nimmer innerlich achten. Lipsius hin- 
gegen hat Scaligern gegenüber nie die heimliche Furcht los- 
werden können, von welcher die Scheingrösse in Berührung 
mit wahrer Grösse sich ergriffen zu fühlen pflegt. Er suchte 
diese nie beschwichtigte Furcht unter den maasslosesten Lob- 
sprüchen vor sich selber und vor Anderen zu verstecken. Eine 
kleine Sammlung solcher Lipsianischen Enkomia auf Scaliger 
hat Daniel Heinsius vor den Scaligerschen Leichenreden ange- 
legt, und aquila in nubtbus wurde schon oben (S. 19, N. 4) er- 
wähnt. Aufs Schlagendste wird ausserdem jene lobende Zu- 
dringlichkeit des Lipsius \md Scaligers sprödes Zurückweisen 
ditrch die Verhandlung bezeichnet, welche sich wegen CaiulL 
LXI. 171 (aspice intus ut accubans) zwischen ihnen entspann. 
Dort hatte Scaliger imus co^jicirt, wogegen Lipsius, übrigens 
mit Recht, intus vertheidigt zu Tac, Annall, XI, 27.* Non recte 
magnus ille censor, quem unum aemulor mirorquey ad spiee imus 
emendavit. In der zweiten Ausgabe des Catull p, 61 behält 
Scaliger jedoch seine frühere Meinung bei und fei*tigt den Wi- 
derspruch folgendermaassen ' ab : qtiod quare cuidam docto viro 
displicuerit satis mirari non possum, Itaque melius mutaverit sen- 
tentiam, Nam praeter ius iniquus est huic emendationi. Ein ähn- 
licher Unterschied im beiderseitigen Benehmen lässt sich durch 
den ganzen Briefwechsel (qjp, p, 86 — 91 und Burm, sylL L 
p. 237—252) verfolgen, der nie recht in Zug kommen wollte 
und öfters ganz stockte, besonders in den letzten Jahren, da 
Lipsius den Jesuiten verfallen war, und sich in seinen 
Büchern Ditxi Halensis und Sickemensis bis zu rhetorischem 
Au^utzen von Heiligen- und Wundergeschichten vergass. Nach 



171 

dem Ersclieifien dieser Schriften riss Scaligem auch die Ge- 
dtdd, und im Gespräch mit Freunden hielt er seinen Unwillen 
nicht zurück. Die bitterste Aeusserung darüber, die uns auf- 
behalten worden, steht Scaligerana IL (s, v. lApsius): Lipsiuin 
Scaliger credit credere quae scripsit in Virgine Halensi; imd Lip- 
sius konnte sich sogar des V^erdachts nicht erwehren, dass 
spottende Epigramme, welche gegen seine Divae in Umlauf ge- 
setzt wurden, von Scaliger herrührten. Er beschwert sich 
deshalb bei Baudius, ihrem gemeinschaftlichen Freunde, in 
einem Briefe, der folgende echt Lipsianische, aber seine Stel- 
lung zu Scaliger schwer verkennende Antithese enthält (Burm. 

m 

sylL ly 255).- ego illum virum [Scaligerum] mctgnum. haibeo et ma- 
gnum feci — non solum magni — meis scriptis. Das Epigramm 
jedoch, das Menagiana Ily 382 mitgetheilt wird, trägt keines- 
wegs Scaligers Stempel, wie denn auch Baudius sowohl als 
Scahger selbst dem Lipsius betheuerten (Burm, syll, I, p. 247, 
257), dass er sich in dem Verfasser jener Spottgedichte ge- 
irrt habe. Nach diesem Zwischenfkll kam kurz vor Lipsius' 
Tode das Verhältniss wieder in. das alte Geleise; Scaliger hat 
auf ihn eines seiner schönsten Epicedia (poemm, p, 97) ver- 
fasst; und als zelotische Hugenotten sich darüber aufhielten, 
schrieb er an Casaubonus (epp, p, 317).* Lipsitmi a me kmdcUtem 
fuissey aliqvos aegre laturos tarn mihi constabcvt dtem illas versus 
scriberem quam re ipsa expertus sum postquam litteras Labbaei le- 
gimus, Miror itidicia hominum^ ne quid asperius dicam^ qui me 
pueru.m putant et minima minus tutores esse volimt, Nesciunty we- 
sciimty mi Casaubone^ quare id a me /actum sit, Qux)d si scirenty 
neque tarn puerum me esse putarent ut ita de me iudicarent neque 
tanta animi constantia essent ut hoc mihi obiicere auckrent, Hot 
dfMmnt cogitarey quod hominem laudarimy multas easque iustissimas 
caussas /uisse, neque me tarn temetarium fuisse uty si qua infamia in 
Icmdando Lipsio. in Tne redu/ftda/rety illam aleam subiissem quam 
täcendo declinare poteram, Sed nemo seit caussas huius scriptionis 
[es mögen wohl nur ethische Gründe gewesen sein]. Nonpla- 



172 

cet mihi haec xaxoff^fior. Talium consultorum opus f09» liobeo. ■— 
ScaMgers Gesammturtheil über Lipsius als Gelehrten geben die 
Scaligercma IL {s, v,): lApsius n^est Grec que pour sa provision, 
Ego scio quid iudicandum sit de Lipsio et in quihus laudandus est 
et in quibus non; non est semper laudabilis sed quaedam opera 
[TacituSf Electa, Saturnalia] docent esse doctum. Male scriöit. 



41. Berufung nach Leyden. 
(Zu S. 53.) . 

Für die Angaben über Scaligers Berufung nach Leyden 
habe ich benutzt: die Sammlung von Aktenstücken, welche 
den Scaligerschen Briefen angehängt ist (epp. p. 864 — 887); 
die Briefsammlung des Baiidius, -4ww/. 1660, 12; einen Brief des 
Du Plessis Mornay an die Generalstaaten in MSmoires et Cor- 
respondance de Duplessis Momay, Paris 1824^ T, V, p. 523, frü- 
her bei Colomes,^*pp, p, 137/ Scaligerana- IL' (s, v. Mornaeus): 
Monsieur du Plessis pensoit faire heaucoup pour moy et ne faisoit 
rieuy quand il procura pour me fanre estre Prec^teur du petit 
Prince de CondS: vgl. oben S. 24-^27; zwei lateinische Briefe 
des Florens Christianus an Douza, Burm, syll, II, p. ^22 — 324; 
einen französischen desselben Christianus an Scaliger bei de 
Heyes p, 386 — 388; und die des Rochepozay Und, p, 52 — 54. 

42. Bibliothek; Rochepozay. 

(Zu S. 58.) 

Noch im Jahre 1597, also vier Jahre nach seiner An- 
kunft in Holland, befanden sich Scaligers Bücher und Papiere 
in Frankreich, und er hat die zweite Bearbeitung des Weites 
de emend, temp. ohne dieselben beendigt, p, 104 {ed, tert): mo!* 
numentäquae in ftanc irutteriam congesse/ramus omnia in QalU rs' 
Uqwmas, neque nolnscum huc [in Bcstaviam] ulla studioruin praesi" 
d4a attuUmus. Darauf bezieht sich auch die Klage in einen) 



173 

Brief an Casaubonus vom Februar 1597 (^. p, 157).* quid de 
illo limine iudicare debes qui in NittobrigUma [Agen] praedia sua 
habety in Turonihus lUn'os, in Batavis larem^ nämlich auf des 
Bochepozay Schloss Preuilly in der, Touraine, wie aus de 
Reves p, 53 hervorgebt. — Das andere Band jedoch, welches 
ihn, ausser den zurGckgelassenen Büchern, mit Frankreich ver- 
knüpfen sollte, hatte Scaliger schon viel früher gelockert, in- 
dem er 1594 dem älteren Rochepozay schrieb, sein Sohn 
Henry Louis habe freilich bei ihm das Jahr flber die Studien 
fortgesetzt, könne aber in Holland keine Gelegenheit findei^ de 
s'exercer ä monier ä cheval et ä tirer de^ armes, welche Uebuir- 
gen doch dem jungen Menschen bei seiner Corpulenz sehr 
nöthig seien ; darauf nahmen die Eltern ihn zurück und schick- 
ten ihn nach Italien (de Reves p, 54). Sein weiterer Lebenslauf 
ist oben S. 23 berührt worden. 



43. Leydener Urtheile. 
(Zu S. 59.) 

Der ältere Raphelengius schreibt an Lipsius gle^ich nach 
Scaligers Ankunft in Leyden, als die Frage über seine Vorle- 
sungen noch 'verhandelt wurde, September 1593 (Burm, sylL L 
p, 195^.' Q^od häctenus ad te^ mi Lipsi, non scripserim in causa 
fuit D, Scaligeri adventtis, quem in dies exspectabamus, nam nullum 
argumentum videham mihi offerri ad scribendum aptius nee oppor- 
tu/nius quam ut tibi nunciarem quid de eo - iudicarem, Itaque cum 
kuc saivus advenerit, non possum infidari ^in vir sit praestantis- 
simus ac singulari erudüione praeditusj hoc unicum in eo laudo, 
quod humanus sit et liberalis in communicandis iis quae habet cum 
quolibet. ... De eius honorario [Scioppius Sc, hypob, p, 296 giebt 
octingentos aweos als Honorar an] nihil scribo nee de professione 
quam refugit, aperte confitens se imparem muneri quod cum laude 
obüsti, Nondum enim inter eos transactum est negotium» Operam 
interim suam Academiae promittit, si qua in re ei possit esse et 

12 



174 

adiumento et omamento. Schon Anfangs 1595 hatte man in 
Leyden jede Hoffnung aufgegeben, dass Scaliger ein Katheder 
besteigen werde und Raphelengius schreibt im April dieses 
Jahres (ihid, p, 198).* multis dolet Scaligertmi nonprqfiteri publice 
eay quorum est peritissimtts, — Interessant ist es, mit dem obi- 
gen besonnenen Urtheil des alteren Raphelengius eine Schilde- 
rung zu vergleichen, welche dessen Sohn von Scaliger macht 
in einem ebenfalls an Lipsius gerichteten Briefe, November 
1595 (Burm, syll, I. p, 208) .• De viro isto [SccUigero] iudicium 
örevius aut verius pronunciare non passe^ videar quam tantum ei tu- 
dicii deesse qtumtum abundat ingenio. Hoc mira passet s*il avait 
Vesprit autant pos4 comme il Va bizarre, Omnia scienti- 
arum genera lustravit et cum primo intuitu quid aspexit^ illico rem 
totam se concepisse sihi persuadet Veget et volat ei adsiduo ani- 
mus; ßamma potiuSy quam ignis, La^idator aut contemptor vehe- 
mens ac saepe eiusdem viri aut rei, Q^i hodie Mar aus , AsneSy 
Bestes f Ignorants etc. alias iidem erunt Galant-hommeSy 
DocteSf Sgavants etc, Atque tUrumque, lattdes et vituperia^ non 
celat: adeo ut plures offenderet nisi iam inciperet ludibrio potius 
esse quam odio, Ridicula multa narrare possem^ nisi credidissem 
fratrem narrasse coram. Die theilweise Wahrheit dieser Schil- 
derung ist ebenso unverkennbar wie die feindselige Gesinnung, 
aus der sie hervorging, und das Bestreben, dem Lipsius durch 
ein solches Portrait seines Nachfolgers eine angenehme Stunde 
zu bereiten. Das Urtheil über das Verhältniss von Scaligers 
iudicium zu seinem ingenium hat überdiess eine auffallende 
Aehnlichkeit mit der Aeusserung des Jesuiten Heribertus Ros- 
weydus, der 1598 an Th. Canter schrieb (bei Matthaeus, AI- 
ciati ep. et syll, epp, LB, 1695 p, 88).* Equidem de principihus 
Oriticis ita statuo^ ingenium Scaligeri supra iudicium esse, iudicvum 
Idpsio supra ingenium. Also hat wohl der jüngere Raphelen- 
gius j^ne Antithese in jesuitischen Kreisen aufgelesen. Eline 
gewisse Berechtigung geht ihr ja übrigens nicht ab, und auf 
jeden Fall ist sie treffender als die ganz schiefe Vergleicbung, 



175 

welche der Cardinal Du Perron zwischen Julius und Joseph 
Scaliger anstellt (Pefrraniana, s, v. Scaliger): Jules Scaliger avait 
plus cPesprit que ctetudey iout le contraire de son filSy qui aoait plus 
d^dtude et de travail que d'esprü. 



44. Diplomaten; Politik. 

(Zu S. 60.) 

^ Die französischen Briefe Buzanvals an Scaliger sind 

voll von aufschlussreichen politischen Notizen, und von Er- 
munterungen, dass Scaliger auf dem Felde der ecclesiastischen 
Litteratur aufHLumen möge (de Reves p, 39), auf welchem 
eigene Forschungen anzustellen, dieser Staatsmann Lust und 
Zeit fand; so arbeitete er z. B. über den Lysanias bei Luc, 
Uly 1 eine Abhandlung aus und machte dazu eifrige Studien 
im Josephus (de Reves p, 212; vergl. Scaliger zu Eusebius 
Nr. 2021). — Er starb im Haag am 9. September 1607, als 
er schon seinen Wagen hatte vorfahren lassen, um sich nach 
Leyden zu begeben und bei Scaliger zu erholen, wie dieser an 
Casaubonus schreibt (epp, p. 335). — Jeannin's besondere 
Freundschaft für Scaliger geht hervor aus de Reves p, 133, 
aus Daniel Heinsius' Dedication der Scaligerschen Leichenre- 
den, und aus Scaligers eigenen Woi*ten in einem Briefe an 
Salmasius (Gudii epist p. 155). — Was von Prinz Moritz und 
den anderen holländischen Grossen im Text gesagt wird, 
ist dem Artikel Maurice in Scaligerana IL (cf. Ostende) und aus 
epp, p, 127, 707, 711 entnommen. — Trotz, oder vielleicht in 
Folge, so vielfacher Berührung mit hochstehenden Politikern 
enthielt sich Scaliger aufs Strengste jeder politischen Schrift- 
stellerei,' und als Lipsius sich darin verfing, sagte er {Scalige- 
rana IL s, V.): Lipsius neque est Politicus nee potest quicquam in 
Politia; nihil possunt pedantes in Ulis rebus ^ nee ego nee alius do" 
ctus possemus scrihere in Politicis, Dennoch verfolgte er den 
Gang der Dinge mit der gespanntesten Aufmerksamkeit, und da 

12* 



176 

/ 

N • 

seine Verbindungen ihm so manchen Blick hinter die Coulissen 
verstatteten, so konnte er auch weiter als gewöhnliche Zu- 
schauer in die Zukunft sehen. Vor Allem merkwürdig ist, 
wie er in einem Briefe an den Pfalzer Rath Lingelsheim, März 
1608, die protestantische Union und den daraus folgenden 
dreissigjährigen Krieg voraussagt (epp, p, 623); Hoc unum scioy 
hunc annum aliquod monstrum pariturmh» Ita res ad magnam mu- 
tationem spectare videtur^ quae non ad v/num angulum Europae sed 
ad totam Europam prope pertinebit Ego rempublicam non tracto^ 

* 

sed Video quae /ortasse peritiores fugiunty qui mentes tarn diviserunt 
Neque quicqttam magis optem^ quam me decipi. 

45. Uouza; Grotius; Ru.tgersiüs. 

(Zu S. 61.) 

» Scaligerana IL {s, v, Douza): Le pauvre Jarvas estoit si hon 
et simple. Je pleuray huit jours durant comme une vieiUe lors 
qi^il fut mort II mourut hetique. Er starb im Januar 1597 
(epp, p, 158). Am meisten hat ihn Scaliger bei der Fragment- 
sammlung des Lucilius unterstützt. — Von Hugo Grotius heisst 
es in Scaligerana IL (s. v. Grotitis): erit aliquando Pensionarius 
alicuius urbis; est prvdens Politicus, optimus Crraecus^ lurisconsul- 
tus modesttLSy praestantissimus ^ in Epigrammatibus; ,und als, der 
fünfzehnjährige Knabe mit der Ausgabe des Martianus Capella 
vor die Welt trat, sagte Scaliger von ihm in den vorgesetzten 
Versen {poemm, p, b2): Q^i limina nondum ietigit puberis aevi 
Sed mente spnili teneros praevenit unnos Magnum. meditans, Gro- 
tius wiederum ha* in Gedichten Scaliger so laut und so innig 
gefeiert, wie nur irgend ein Anderer; besonders bezeichnend 
und schön ist das Epitaph mit folgendem Eingang (Grotii 
poemm. LB^ 1617^ p. 388)/ 

Unica lux saecli, genitoris gloria, nemo 

Quem puerum, nemo credidit esse senem: 
Tarn sibi par serrvper quam cundis celsior ufius, 
Et qui se totum debuit ipse sibi. 



177 

Exüuperans fama quos aequat aanguine rege9, 

Scepirigeris maius nomen adeptus avis, 
Hie iacet ille capax immenei Scaliger aevi, 

Nee 8%bi mors unquam plus licuisse putet. 
Quid querimur raptumf mens est qua vivitur: annos 

nie tot exegU mente, quot orbis habet. 

In den prosaischen Schriften des Grotius, vorzüglich den theo- 
logischen, muss ein aufmerksamer Leser jedoch eine sehr be- 
wusste Scheu vpr der namentlichen Erwähnung Scaligers be- 
merken. Dieser Name hatte damals noch einen zu kriegerischen 
Klang, als dass der Ireniker Grotius sich desselben gern be- 
dient hätte. — Welch tiefen Eindruck Scaligers Umgang bei 
Janus Rutgersius hinterlassen, beweisen die Variae Lectiones 
dieses, im besten Sinne des Worts, eleganten Mannes. Gegen 
Niemanden poletnisirt er so oft wie gegen Scaliger, aber nie 
ohne den Ausdruck der aufrichtigsten Verehrung, z. B. III^ 2, 
wo er Senec, Fhoeniss, 125 — 129 gegen Scaligers Athetese in 
Schutz nimmt: Nimirum generosus ille animus et impellens quic- 
quid sibi ad summa properanti obstitisset^ nodum quem non poterat 
extricando solvere^ elvdere scindendo maluit, 

46. Daniel Heinsius. ^ 
(Zu S. 62.) 

Das Schreiben an van der Mylen, worin* Scaliger die 
durch Merula's Tod erledigte Bibliothekarstelle für Heinsius 
verlangt, steht epp, p, 715. Aus dem zuversichtlichfin Tone 
dieser Empfehlung, so wie aus einem Ähnlichen Schreiben in 
Betreff eines Pedellen {ibid,), sieht man, welche Alleinherr*. 
Schaft ScäUger zu Leyden ausübte. — Noch bei Lebzeiten 
Scaligers hat Heinsius einen Panegyrikus auf ihn verfasst 
(D. Heinsii oratt. LB. 1627^ p, 455 ^ 470),. scheint jedoch da»- 
durch die von ihm selbst (tbid. p, 50) erwähnte Bemerkung 
hervorgerufen zu haben: ut ipse Scaliger iudicabaiy immodestii 
aliorum laud'tbuß improborum mrue ae malevolentiam mereri coepü. 



178 

— Unter Heinsius' unzähligen Hyperbeln finden sich auch 
manchmal schöne und wahre Aussprüche, wie z. B. folgende 
zwei (p, 634).' cum una ialiqua in urbe natus ac eductus esset Sca- 
liger ^ orbis universi cims videbatur und p^ 46* Immortalitatis sfu- 
diosa mens, ornnium scieniiarum capax ingeniwn, noctes atque dies 
inquiesp amore aeternitatis angebcUur, 



47* Cambden; Thomson; Jacob I. 

(Zu S. 62.) 

Seine Hochachtung fiir Cambden, ,den britischen Strabo', 
spricht Scaliger epp. p. 813 aus, und die Britannia desselben 
nennt er p. 500 : opus eximium v.al navtbg (pd-ovov z^tttov, — 
Scaligers Briefe an Thomson (epp, p, 500 — 520) behandeln vor- 
nehmlich theologische Fragen; *unter Anderem findet sich dort 
seine berühmte und von Grotius angenommene Erklärung des 
ßaml^ta^'ai. vneQ tStv vsk^cov (p, 505, 8). — Dass er durch 
Thomson das handschriftliche Lexikon des Photius erhalten, 
ergiebt sich aus p, 503. — Ebenfalls in einem Briefe an 
Thomson (p, bl2) wird der Lord mit unverstandlichem Latein 
erwähnt. — König Jacob's I. französisches Schreiben an Sca- 
liger vom Jahre 1597, worin ein Sieur de la Jessee empfohlen 
wird, steht bei de Reves p, 189. Eine Antwort darauf ist mir 
nicht bekannt. Wenig ehrerbietig lautet jedoch die Aeusse- 
rung in Scaligercma IL (s, v, Angleterre): Ce que le Boy d^Angle- 
terre se nomme Boy. de France male facit, quia creatus est Bex 
Qalliae Parisiis per tumultum Henricus Änghts, Bex Jacobus L 
dixit Domino de Bosny: ^Ego intelligo me solum esse Begem Gral- 
lia^, (Test une grande /atuitS, Dass Drusius diesem /at die ge- 
meinschaftlichen Streitschriften gegen Serarius dedicirte, ge- 
schah ohne Scaligers Vorwissen' und zu seinem grossen Aer- 
ger, der sich in einem Briefe an Casaubonus in folgender 
Weise Luft macht {^. p, 282): Mollius cum adversario (Se- 
rario) agit amicus noster (Drusius) et sane, ne quid dissimulem, 



179 

ntsQo^vBi et nan contentus dfigiv ta (livsiv xBvsog %$ vituf^i Reff^ 
magmo ansus est opus summ dedicare^ quod üle non pluris fadet 
i^tam penictdum qui extergentur baxeae [Flaut, Menaech. 3917. 
Sed quo non progressa est fiducta, quae etiam meas nug<M eidem 
ojferre ausa esif — Sarpi's wundersame Verehrung für Jacob I. 
ist ausgesprochen am Schluss eines Briefes an Casaubonus vom 
Juni 1612 (Casttub. epistt, ed Almel, p. 472).* Q^od sapientissimi 
Regis benevolentia fruarisy tibi gratulor ex animo. In eo —- ra- 
r%mi —- cumulatae sunt virtutes Principis et Viru Regum idea est, 
ad quam /orte anteactis seculis nemo formatus fuit* Si ego eius 
protecOone dignus essem, nihil mihi deesse ptttarem ad. mortalis vi- 
tae felicUaiem. Wer den Stil des Verfassers der Geschichte des 
tridentinischen Concils kennt, wird zugeben, dass diese Aus- 
drücke zu stark sind, um blos aus politischer Absicht erklärt 
werden zu können. Sie mag mit vorhanden gewesen sein, 
und sie verrath sich auch ziemlich deutlich in dem letzten 
Satz. Aber nicht minder deutlich tritt der zu Grunde liegende 
psych(^ogische Irrthum hervor. 



48i L y d i a t. 
(Zu S. 63.) 

Bayle hat einen etwas zu kurzen Artikel über den Rector 
von Alkerton (bei Oxford), Thomas Lydiat, welcher in dem- 
selben Jahre 1605 eine den Aristoteles bekämpfende Schrift, 
Praelectio Astronomica de natura coeli, erscheinen liess und eine 
gegen Scaligers de emendatione temporum gerichtete, unter dem 
Titel: Tractatus de variis annorwn formis . , * , quo passim HlustriS' 
simi Viri losephi Scaligeri his de rebus opiniones minus probabües: . . 
redar^uuntur, Londini in officina Nortoniana, ' 12. Nachdem 
Scaliger das Büchlein gelesen, schrielp er an Thomson epp. 
p. 51 7.' Non est similis morio in orbe terrarum. Paucis asinitc^- 
tem eius perstringam, ut lector r ideal» Nam in tarn prodigiose im- 
peritum scaraheum scribere, neque nostrae dignitatis est neque otii. 



180 

Ridehit lector^ certo scio. Und in der That kommt man aus dfem 
Lachen nicht heraus heim Lesen der Prolegomena zu den <?«- 
nones isagögiciy welche eine ziemlich Unge Besprechung des 
Lydiatschen Buchs enthalten mit folgendem, durch die Notiz 
von einer englischen Schauspielertruppe in Leyden um das 
Jahr 1604, merkwürdigem Eingang: Quando. eins (lA/dtaH) li- 
hrufn accepiy erat hie mercaius autumncdis et panegyris amtiversaria^ 
quo tempore multi hisiriones in v/tbem confluuniy in quibus tune «o- 
lertissimtis Anglicanorum artißcum grex erat. Ad quorum spectactda 
quainvi^ omnis pene dvitas et multi praeterea ewtrariiy qui panegy^ 
reos frequentandae caussa huc convenerarU, (zgminatim currehant^ 
tarnen ego omnes histriones Anglicos uni Anglo posthabui. Tanta 
dulcedo unius tkeatri me ceperat^ ut non solum spectaculis interesee 
sed etiam cibum pene mmere oblitus sim, Quae enim voluptas vi- 
lorum thymelicorum cum illa comparari potest quafn ex tarn lepidi 
scripti lectione percepi^ in quo nihil mdgare^ nihil tritum^ omnia 
nova, supra doetiorum captum^ supra naturae iura, ipsis sideribus^ 
ipsi caelOf soli, lunae ignotaf Und so wird dann mehrere Sei- 
ten hindurch in allen Tonarten gelacht bis zu folgendem poe- 
tischen Ausbruch: Simii arbores celsas scandendo sperant ad at» 
, tiora eniti posse. Postquam ad caefimen perventum est, nihil quam 
glahras nates spectantibus ostendunt. Et sane nescio quis Genius, 
dum haec scriberemus, his versictdis hoc nobis insusurraoit: - 
fjlUfiaTOv xatä divdifov cive(fQi%äxo %iJSh(Mg 

alnvv imiaßalvstv ovqovov ihtofLSPog, 
S(faioiii€vos d'ax^oM) aal ovn ini%siva TtgoeW^cov 
xotöi ^saoaiihoLg nQcantov IdctflE (lovov*). 



*) Eine lateinische metrische Uebersetzmig dieses Epigramms 
hatte Scaliger an den Rand seines Handexemplars geschrieben, aus 
welchem der spätere Besitzer desselben, G. L Vossius, {de acientOß man 
thematicis c. 41 § 19) die Verse mittheilt: 

Arboris excelsae scandebat Simia tracius. 
In coeli meditans miltere templa p'edem. 
üi summum tetigit, procedere nee dtxtur uUra, 
Spedemdas popuh praebuit iüa nates. 



181 

An de propheta /'s. oben S. 1277 epigramnuUum ifUeUigü} 
eqwdem nescio. Nunquam enun aniea indu Sane qttia stsb numum 
nahtm videktr^ vix e$i ui älUer crediderim. Et quid düsimulamusf 
Omma Thomas Lydiat conoeniunt Zum Schluss wird folgende 
Bechtferdgung der Polemik gegen einen so wenig Ebenbürtigen 
för nöthig erachtet: Qui ^machari simul ei ridere ei diversis 
€^ectibu8 eodem momenio moveri ei h^ignia nanori^eUcg, confideniiae 
ei iny^eriiiae exempla videre voiei, legai iUum dwnBtij lihrum. PUtra 
sme dubio reperiei» Nos enim saUuaHm haec decerpsimus, quum 
trieniem qtddem eorwn porteniorum percurrere nohis neque vohmias 
neque oOum fuerit Scio non eolutn quid dolebü amicis nostria, sed 
eOam quid obireciaiores obiicere poesuni, quorum alieri hominem 
tanü esse negabunt^ ui eius raiio hdberi debuerii, alieri, nisi amhi' 
iiosus essem, de iam ,Aumili argumento iti naticv, canereMon debuiese 
damabuni: quasi nobis cum leonibus, iigrtbui ac htpis rss tanium 
sii ac non sOam muscaSy cuUcss, pulices ac pedictdos infesios ha- 
beamus ei non operam dare debeamus, ui ab uiro^is genere nos 
defendamus, ab istis, ne. noceani, ab Ulis, ne molesii sini. Praeter ea 
ianius est hodie obireciaiionis /avor, ui homines portentosis potius 
scripOs et maledicis quam bonos frugis et fnodssOs dekcienkw. 
Qßiare non phtris nostra interest, validos hostss prqfligare, quam 
canes in triviis allairanies a nobis obigere. 



49. Calyisius. 

(Zu S. 64.) 

Calvisias' opus ehronologicum fuhrt, so wie Scaliger am 
Schluss der Prolegomena su de emsnd, temp, sd. sec es verlangt 
hatte, in der Form universalhistoiischer Zeittafeln dessen chro« 
nologische Theorie durch. Als Scaliger Ejide 1505 ein Exem- 
plar von Oalvisius zugesandt erhielt, theilte er gleich die frohe 
Nachricht an Gasaubonus mit, hohe Befriedigung von dem In- 
halt des Werics und ein fl^iSt kindliches Behagen sogar an dem 
Einband äussernd (qtp. p. 303); Soku desiit nugari ignoraius 



182 

hactenus Sethus CalvismSf homö Germanus^ qui accurctHssimum ChrO" 
nican edidity nostrarum raiionum mtminientis insistens^ ut ite laium 
quidem unguem ab Ulis discedat, Eum lihrum prfßpterea qitod ad 
nWtdinas delaius non est videre non potuisti; quem vero ego habeo 
ipekis auctoris Itberalitate ad me missus est^ eleganter , ut captus 
Germanorum est^ compactus^ deaurcUus^ pumicahts. Tamdiu ego 
misellus in, sterquilinio delitui, donee repertus est iste honus et do- 
ctus vir, qui rationes nostras in lucem pro/erret^ earumque /ructum 
hfiic seculo ßaQßaQl^ovti proponeret, Vivet ille liber* Noch leb- 
hafter zeigt sich seine Freude, endlich nach so langem- Pre- 
digen in der WQste doch wenigstens Einen Apostel gefunden 
zu haben, in dem Danksagungsschreiben an Calvisius selbst 
(epp. p. 610—614) und den Prolegomena zu den Canones ha- 
gogici gegen Ende: Qutim viderem doctrinam .nostram a propheüs 
interpolar iy ab imperüis negligi, a scurris derideri^ a simiolis^ dissp- 
mulariy tarnen lahorum praemium satis id magnum fore constitue- 
ham^ si vd unus tantum reperiri possety qui nostra legeret^ inteUi- 
gerety intdlecta in lucem proferret, Deum opt misertum est tarn 
nostri, qui tarn ingrato saeculo studuimus, quam illorum qui in^ 
scitia poHus quam malitia a nostrorum lihrorum lectione deterrentur, 
et hominem e mediis invidiae ßammis^ ex ipso obtrectationum sire- 
pitu exdtavit probissimumy doctissimum^ accuratissimum Ssthvm 
Calvjsivm virum priscae ülius Germanorum ingenuitatis et fideiy 
quarum virtuium notae hodie in maiori parte hominum, qui istic 
litteras tractanty qhsoluerunt Is ex docirina nostra luculentissimas 
praeceptiones Chronologicas et eximium Chronicon instruxity quod 
non solum superioHim Chronologiarum lumtnUms obstr^uit sed' et 
quod eiusmodi est ut praeter ülud nüUum vere Chronicon dici pos* 
Sit. — Eine zweite Ausgabe des Calvisius'schen Werkes, wel- 
chem der im' Jahre 1615 verstorbene Verfasser die Ergebnisse 
des Scaligerschen Eusebius noch hatte einverleiben können, er- 
schien 1620, und eine dritte aus dem Jahre 1629 (Francfurt, 4) 
liegt mir vor. Dass die erste Ausgabe bald vergriffen sein 
werde, hatte Scaliger (epp. p. 613) vorhergesagt. 



183 



50. Höschel; Rhodoman; Taubmann. 

(Zu S. 65.) 

Als Höschel die Bibliothek des Photius herausgab, sah 
Scaliger die Druckbogen durch {epp. p. 730, 735; Photii bi- 
bliotL ed. Hoesck p. 919 uod 984^; seine zalüreichen Verbes- 
serungen und Bemerkungen bilden den wesentlichsten Theil 
der Höschel'schen Noten, wo sie mit den Initialien L S. be- 
zeichnet sind ; zum Procop gab er seinen Codex her (epp.p. 731^ 
741^; für den Phrynichus ertheilte er Rathschläge (p. 734, 736^ 
und schickte nachtrilglich Noten, welche zum Theil gegen 
Uebersetzung und Commentar des Spaniers Nunnesius gerichtet 
waren. Scaliger wollte sie nicht unter seinem Namen gedruckt 
wissen (epp. p. 740J, und sie erschienen daher unter folgen- 
dem Titel: Ad Phrynichum et eius interpretem Viri Blitstris No^ 
iae. A Davide HoesoMio Augustano editae AugusUie Vindelicarumy 
1603 (11 SS. 4). Jetzt findet man sie bei Lob eck, der sonst 
die Noten der früheren Commentatoren kürzt, die Scaligerschcn 
aber ganz beibehalten hat, ,nam Scaligeri quidem nvUam unam 
lüeram perire fae ^nco^ (praef. p. LXXV), In der That hat 
Scaliger hier zuweilen mit zwei Worten die umfassendsten 
Sprachgesetze ausgesprochen, die vor ihm nicht entdeckt oder 
nicht formulirt waren und erst lange nach ihm in ihrer Be- 
deutung erkannt wurden, z. B. das Gesetz über Composition 
der Verba s, v. B'dctyyBXij^onai — lieber Rhodomanus heisst es 
in dem gleichnamigen Artikel der SccUigerana 11., dessen Ver- 
wirrungen den Aufzeichnem der Scaligerschcn Worte und 
nicht, wie Bayle (Rhodoman^ not. B.) thut, Scaligem selbst zu- 
zuschreiben sind: Tay ta/nt escrit touchant Rhodomanus en Ale- 
magne, que les lettres ont estS munstries au Duc de Saxe qui Va 
appelU d'y^ne eacoUe triviale de Pomeranie (Stralsund) ä Wittern- 
herg. Ueber seinen Diodor schreibt ihm Scaliger (epp.p. 747), 
unter Uebersendung eines enkomiastischen Epigramms, nach 
Wittenberg und fireut sich, dass Rhodomanus nicht langer in 



184 

illo angulo Pomeraniae sich zu verkriechen brauche. — Von 
Taubmann wird Sccdigerana II. (s, v,) gesagt: Tatihmann est un 
foUy un pauvre prestre, son Piaute ne sera pas grand cos. Ziem- 
lich verlegen klingt auch Scaligers Dankschreiben (epp.p. 860) 
für die Dedication, durch welche Taubmann die oben S. 166 
erwähnten Rathschläge vergüten wollte. 



51. Lingelsheim; Freherus. 
(Zu S. 66.) 

Der Briefwechsel zwischen Scaliger und dem Pfalzer Rath 
Lingelsheim (epp, p. 621 — 627/ Burm. syll 11^ 359 — 362; ist 
vorwiegend poütischen Inhalts, während in den Briefen an den 
Juristen und Antiquar Marquardus Freherus, ebenfalls einen 
Pfilzer Rath, nur litterärische Gegenstände besprochen iverden 
(epjt. p, 471 — 488). Aus diesen Briefen an Freherus {epp. p. 
474—481) ist die Abhandlung in opitscc. p. 141 genommen, 
welche Bahn bricht auf dem damals fast noch ganz unwegsa- 
men Felde christlicher Antiquitäten und Symbolik. — Frehers 
Frau, Margarita Bockin von GuttmannsdorfT, schickte Scali- 
ligem folgende Jamben, die ihr Mann wohl durchgesehen 
hatte (bei Matthäus, syll. epp. p. 330): 

lambi puri. 

Genus Deorum, amate Scaliger Deie, 
Novelle Varro, Socrates, Cato, Crates, 
Monarcha summe Utterariae rei, 
Quie hamus, esca quae, quid illicis [^"J 
Tenacis out veneni inest libris tuis9 
Libramm avarus tue gurges, heüuo 
FreheruSf EucUo ille temporis catus 
Et aere et auro eos hians [^~J emit 
Parat, legit, revolvit impigerrime; 
In his moratur omnis, haud tarnen saiur 
Diesque degit intus atque vesperas. 
Vtl ista quai superha fama nominisf 



1«5 

Virorum amator ille, cultor optimus 
Celehrium, aeeUmator integerrimus 
Freherus, unum in omnibus capiä tuum 
Petit, requirit, optat intuerier: 
Ifer paratus omne devorare eo 
Per urbium atque fluminum ambitus vagos. 
Josephe magne luste, magne Scaiiger, 
Vicissim amare si,faver€ si viro 
Putabis esse fas, volente me quidem 
Freherum amabis. Hisce, summe vir, vale, » 

Scaliger antwortet darauf, März 1606, an Freherus (epp, p, 487).' 
Miraius sum tarn tibi Pieridem nupsisse, quam puros ab ea iam- 
Jfos profectos esse. Quominus a me par munus accipiat, duo ex- 
cusaverint^ htm morbus^ tum quod senes ut omnium munerum ita 
et Poetices vacationem habent. Ad ülud tarnen quod scribit, scripta 
mea omnia a te conquiri^ versibtis scabiosis^ Senium et morbum re- 
dolentibus respondeo^ und wendet sich dann mit französischer 
Galanterie an Margarita: 

Margari, cui dotes animi si doda Theano, 
Blanda vel Erinne comparat ipsa suas, 
Utraque jam prono submittet vertice fasces, 

Isfa tuo ingenio, verstbus illa tuis: 
Quidnam Marquardo vigili quaesUa labore 
Scaligeri prosunt scripta notata manuf 
Poma nee Alcinous vicinis captat ab hortis. 

In fontes ipsos nee cadit uUa sitis. 
Äut Marquardus habet cunctos in pecfore libros, 
Cunctoru/m aut Uli Margaris instar erit 

52. Sylburg; Gruter; Salmasius. 

(Zu S. 66.) 

Der Sylburgsche Brief an Scaliger steht Burm, sylL II, 
p. 316^ und Scaiigerana 11. (s. v. Sylburgius) heisst es: X^^ edi" 
tions de Sylburgius et de Commelin seront recherchees. — Aus den 
Briefen an Gruter (epp, p. 752 — 795^ gebe ich hier die im 
Text berührten Hauptpunkte an: Uebersendung der^ Scaliger- 



186 

sehen Sammlung jt?. 752, vgl. Setttigercma IL (s. v, Inscriptions): 
•Pavois recueiUy un amssi gros Uvre c^ Inscriptions qu'estoit celuy de 
Smetius: je le votUois dedier a l'AbbS d'Elhene; GrtUer les a eues; 
je les luy ay envoy4eSy et il en avoit eu quelques unes d^ailleurs, 
tellement que edles qu^il cite^ il les aime mieux citer d^atUrui que de 
mot; je ne scay pourquoi on me /ait ordinairement cela. — Cor- 
rectur der griechischen Inschriften, p. 772. — Abfassung der 
Noten, p. 767^ 768 und an Casaubonus p, 254: scito cmnotatio- 
nes quae post indicem aditmctae sunty correctiones^ animadversiones 
in plus quam CCCL Inscriptiones perperam ab operis repetitas, ea, 
inquarn, omnia nostra esse, — Ausscheidung der Falsa p, 758^ 
760^ 761. — Einen sehr beträchtlichen Antbeil an den still- 
schweigenden Verbesserungen der aus früheren Publicationen 
"wiederholten Inschriften schreibt Gruter selbst Scaligem zu,- 
am Schluss der Noten.* diverti saepius ab lectione librorum iam 
editorum .... tarnen pvdenter et cum modo, veritus ne semper aspi- 
raret Jbrtuna; quam in potestate sua semper hahv.it illustris Scaliger ^ 
Itaque mille ainplius loca invenies hactenus desperatae valetudinis, 
tmius alieriust?e apicis transformatione felidssime manu ipsius per^ 
sanata. — Die genaue Zeitbestimmung für die Abfassung der In- 
dices habe ich aus dem IV, Id, Maii 1602 an Velser geschrie- 
benen Briefe Scaligers entnommen, p, 381.' decem menses labor 
indicis Inscriptionum totum me occupatum habuit, Cui heri cum 
Deo supremam manum admovi, — Aufforderungen an Gruter zu 
einem Commentar über die Indices, p, 767, 774, 778, 779, 
782, vgl. Scaligerana IL (s, v, Inscriptions): tPay escrit a Gruter 
^il fasse un Commentaire comme Pancirolle sur la notice fnotitia 
dignitatumj; il faut estre bon Juris^Consulte et grand komme pour 
le fair bien; il m'a escrit qt/il le feroit, — Abmahnung von Her- 
ausgabe der Taktiker, p, 776, 777, 780. — Aufforderung zur 
Herausgabe der Anthologie, p, 789, 791 und an Salmasiüs p, 
525 — 536; Gudii epistt, p, 154. — Scaligers Briefe an den drei- 
zehnjährigen Salmasiüs gehören zu den inhaltsreichsten und 
sorgfaltigst' geschriebenen in der ganzen Sammlung, sei es nun, 



18T 

dass er die Regel maxima reverentia debetur puero befolgen, oder 
sich wirklich in Positur setzen wollte vor diesem Jünglinge, 
der ihm später so oft, aber so sehr über Verdienst, an die 
Seite gestellt wurde. 

53. Lindenbrog u. A. 

(Zu S. 70.) 

Briefe an die Lindenbrogs und Wouwern epp. p. 452 — 
469; 716—722. Scaligerana IL (s. v, Lindenbruch) : Linden^ntch 

est un fat et plagiaire Lindenbruch et Woveren grands pla- 

giaires. — Die ermahnende Epistel an Elmenborst, der in einem 
an Scaliger gerichteten Dedicationsschreiben seiner observationes 
in Amobium Ungeschicktheiteu begangen hatte, steht epp. p, 858 
mit der von des Herausgebers Aengstlichkeit herrührenden, 
verhüllenden Aufschrift: Amico cuidam. 



54. Julius Scaliger über Deutschland. 

(Zu S. 70.) 

Julius Scaligers Lobrede auf Deutschland fuhrt die lieber- 
Schrift: Epitaphüsm eorum qui /o. 1529/ ad Vtennam pro liber^ 
tote Christiana hello Turcico ceeiderunt (lul, Seal, epistolae et ora- 
tiones, Hanoviae 1603, p. 312 — 358). Von der deutschen 
Sprache wird gesagt (p. 341): hoc lingua puto naturae genium 
suis in consiliis colloqui secum. Und über die Erfindungen des 
Bücherdrucks, dei* Uhren und des Pulvers (p. 343): Nam, per 
Deos immortaleSf quam tria instrumentorum vestrorum venitmt in 
mentem mihi^ sane non fit verisvmiley tametsi quotidie sub oculis 
subiecta sunt, vel unquam exstitisse vel non a natura ipsa fabricata 
esse. Illud primum dico an ultimum, quod ut foftasse minoris 
operae sity ita tum ob uHlitatem incomparabilem tum prcpter aetemi" 
tatis imiiationem dimnitatem quandam sapit, hoc inquamy quo tot 
versuum millia tot exemplis paucis horis describimusf Aut quo loco 



188 

I 

\ 

orationis meae ponam perpetuas roUUionesf Aeternitatem illa de- 
scfihendi arte imitati sumus^ hprologiis etiarn aeternäatis auctores 
coelos aemulati, Effugimtes illa memoriae interitum qc temporis in- 
iuriam^ horologio etiam tenipus ipsum dedimtts. Quid praeterea 
aict dicam aut sileam ? Aeternas re^ fecimus^ aeternitatis atictorem 
dedimics. Quid ampliics restat invicto animo Bermano faciundum ? 
Face ttia dicam^ Jupiter^ etiam fulmina commenti sumus^ nan tinni- 
tus, dementiäm Salmonei cuiusdam Graeculi va/rvam^ neqtie sonitum 
potitis^ quanquam et hunc ipsum quoquey sed vim illam terrificam^ 
impetum, impressionem^ disiectionem, denique vastationem non tarn 
imitati sumus quam expressimuSy idque etiam sereno coelo, Age, 
coge nubes ui tonare queas; nos etium, te tranquillo^ iratum regnum 
tuum /aciemus. Diese Rede meint Joseph Scaliger Scaligercma IL 
(s. V. Allemands\ welcher Artikel aus der späteren, schon ge- 
gen die Deutschen gereizten Stimmung geflossen ist: Les AU 
lemands regardent le monde de travers,.. Mon pere ä fait un orai- 
son yi la louange 'des Allemands; il les loue trop, et ces gros Alle- 
mands ne le recor^noissent riy ne s'en soucient et ne la lisent pas„: 
Helvetii et Germani habuerunt magnos vi/ros, Melanvhthonemy Gla- 
reanum, Camerarium^ Üesnerum, sed praecipue Vadianum et Agrico- 
lam . . . Germofii hodie valde /atui sunt et ifidocti. Und in Scali- 
gerana L (s, v. Allemans): Les Allemans ne se soucient pas quel 
vin ils boiventy pourveu que ce soü vin^ ni quel Latin ils parlent^ 
pourveu que ce sott Latin. 



55. Gang der Philologie. Cyclometrica. 

(Zu S. 71.) 

Einen Ueberblick ober den Gang der Philologie in Europa 
hat Scaliger gegeben in dem Widmungsbriefe zu dem zweiten 
Theil folgender Schrift: losephi Scaligeri lul. Caes, F. Cyclome" 
trica gkmenta duo. Ad Illustres Nobiliss. Ampliss. Hollandiae^ 
Wesf/Hsiae et Zeelandiae ordines, Lugduni Battxocrtnn^ ex offieina 
Phntiniarta, Apud Franciscum Baphelmgium, cio, lo, xciv, /oi. 



1S9 

(122 SS. und 6 unpaginirte Blätter). Als zweiter Theil mit be- 
sonderer Paginirung und Specialtitel: losephi Scaligeri luL Caes. 
F. Mesolabium [d. h., nadi Scaligers eigenen Worten, eine An- 
weisung duas medias continue proportionales inter duas datas (p, 9) 
zu finden] Ad Nobiles Äcademiae Lugdunensis Batavorum CurcUo- 
res Et Magnificos eiusdem civitatis Consules, Lugduni Bataoortim, 
ex officina Plantiniana^ Apud Franciscum Raphelengium, cio.io.xciv. 
Dieser Versuch zur Quadratur des Zirkds erschien gleich nach 
Scaligers Ankunft in Holland und erhielt das Ansehen eines 
Programms für seine neue Stellung durch ungewöhnliche Pracht 
der typographischen Ausstattung imd den sehr feierlichen Ton 
der. Dedicationen. Der hier folgende vollständige Abdruck der 
Dedication zum zweiten Theil wird bei der Seltenheit des, 
obendrein mathematischen, Buches jedem Philologen wiUkonmien 
sein. Nachdem die bisherige Entwickelung der Philologie ge- 
schildert worden, spricht Scaliger von ihrem nahe bevorste- 
henden Verfall, der im siebzehnten Jahrhundert nur zu bald 
eingetreten ist, und wirft verständliche Seitenblicke auf die Je- 
suiten und ihre in das Mittelalter zurückfahrende scholastische 
Eristik und Sophistik: 

Nobilibus Äcademiae Lugdunensis Batavorum Curatoribus 
Et Magnificis Eiusdem Civitatis Consulibus losephus 

Scaliger lul. Caes. F. 

Quotiescunque, viri nobile^ ac magnifici, mihi in mentem venii hor^ 
rendtte illius litemrum ioHtudinis, quae in nostris Europae trnctibus a Got- 
thorum usque temporibus ad memoriam pronvorum nostrorum ohtinuit: ne- 
acio, illorum potius saeculorum conditionem miserari, an not beatos prae- 
dicare debeamus, quibui postea iumma Dei dementia humaniomm studio^ 
tum darificam facem aUuxil, Neque vero longe repetenda est tarn memo- 
rabüis beneficii vetuttfis, Nuperum enim est et novitium: atque udeo 
a eapta ConstantinopoU in nostras regiones traducta potius quam projm- 
gata sunt literarum semina: cum doctissimi quiqne viri ex Graecia profugi 
et laribus suis eversi ad nostros homines indoctissimos ea transsererent^ut 
tarnen in illorum inadtis animis vix radices prima agerenty ut solet gut-- 
busdam peregrinis stirpibus evenire, quae in solo alieno et a natalibus suis 

13 



190 

longinquo depositae vix cum illo cotüescere poisunt, nisi tractu lemporis 
novo coelo assuefae paullntim mitescere et ingenio soll sese familiariter 
applicare institwmtur. Primi igitur omnium Ituli Graecos et profugos ex- 
ceperunt et mngistros audierunt : et non solum magistros ipsos superarunt^ 
cum maiora essent ea quae ipsi inveniehunt quam quae acceperant: sed 
etiam ut reliquae nationes idem facerenty tili ipsis viam praeiverunt, Nam 
certum est, omnia fere ingenüi, quae lucem bonis studiis attulerunty tune 
tuUa fuisse, et quidem omnium praestantissima in Italiiu Quare si tunc 
ßoruisset Graecia, habuissent Itnli, Galli, Germani, quod Uli aut oppone- 
refit aut praeferrent: quanquam ante Philelphum de nullo tanquam Graeci 
sermonis perito et aliis bonis literis exculto memoria proditum est, Pe- 
trarcha emim in hunc censum venire poterat, si non inde cum arcerent 
duo communes morbi sui saeculi, literarum Graecamm contemptus et 
ignoratio. Hominum ergo ingeniis ad has meliores literas admittendas 
panUatim subactts, liberalium artium et linguarum laudi honos ab omnibus 
babitus elarum doctorum hominum nomen reddidit, Itaque quod et apud 
summos principes vel magistratus literae in pretiö et apud populum in ho- 
nore erant, proinde ificredibile quantum hominum arserunt studia ut acri- 
ter et summa contentione disciplinas iam pridetn sepultas e situ eruerent. 
Quod quanta felicitute praestiterint, in Theologia, adhibitis in consilium 
literis Bebraicis, in meficina, in iure civili, in mathematicis, in oratoribus 
et poetis, nemo literis pauUo tinctior ignorare polest, cum et ad ipsos quo^ 
que literarum ignaros nuUus (nullos?) non aliquis literarum fructus perve- 
nerit, Vidisses non solum celeberrimas Academias sed etiam ignobilia et 
obseura Athenaea doctis viris florere: infinitum in illis numerum non iam 
libromm iam prisoorum, quam recentium sed et typographiamm» Vidisses 
nberrimum ^oventum et foeturam operum quotidie in lucetn prodeuntium. 
Sed eheu qtmm exiguo tempore haec obsoleverunt ! Quam celeriter unius 
aut alterius lustri curriculum haec mutavit, vel potius abolevit! Quotidie 
ingenia decrescunt. lUa abstülit civilium bellorum aestus, haec Pruritus 
nequitiae transformat, alia oblinunt mali mores, alia Sophistice deformat, 
migratis noctis finibus, quibus non multo antea relegata et damnata erat, 
Praemiis literarum sublatis, iotum certamen ad q>tXavtiav, ttd furios, ad 
TKQU^tav. ac futiles et vanidicas quaestiones iterum translatum est, quippe 
quae sola nunc et ijuaestu et honore vigent, Hinc fastus vilissimorum 
mancipiorum, quae se istis artibus vulgo aulicorum adque adeo Prindpibus 
ipsis venditant. Hinc via summi eorum ftrogressUs. Hodie tota vita ho- 
minis est disputare, non discere, Itaque bonae artes, quae vix nuper et 
memoria proavorum renatae erant, inter initia et in ipso processu extinctae 
sunty transversa in ittos tncurrente fatorum invidiu, Binc factum^ ut ces- 



191 

swtte ttmto hono, quo nvUnm maitrg a Den opt. max, mortalibus conces- 
sMtn erat, omnes nunc torjßere et omniu honesta studm ubdicttre incipinnt, 
Aitot qßippe vohmtfts^ alios ingenium suum deserit. Sed peiores, quos 
volnntas, Nam altert misericordia potius quam odio digni, utpote qui 
cwm antea literis gloriose Uli didkerinf, nunc quomodo Ulis cum aliquo 
fmetu uut publica nut suo utantur non reperiunt^ niti fortasse contuma- 
dores facti cum fortnna Mua risuri volunt, Qtiid igitur Indcus et Sophi- 
sHce ac tnttlarum rerum indusfria et bonarum insecttitio ita hominum oc- 
cupavit animos nt in Ulis nullus locus sit virtuti ac bonis literis reliquns: 
nemo miretur si, tibi illae florebant, ibi earnm sit mira vastitas et soli- 
tudo. Quare illae exules et inopia omnis jmtrocinii pessime acceptae fa- 
mtliaria et nota toca deserunt et ad vos confugiunt, viri nobiles et magni- 
fici) M in hoc terrnrum tmgulo ubeiriores fntctus producaHt, quam haetenm 
in reliqua Europa fecerinf* Omnes igitur virtutis amatores sibi grainlari 
debent^ quod antequam in bonarum artium atque adep totiut humanitatis 
perpetunm noctem deveniamus, soli hominum Butavi reperti sint, qui iacen- 
tes et depositas literas ex imminenti interitu'ad aspiciendfim lucem revo- 
airunt, Testis huius rei florentissima haec Academia: ingens virorum do^ 
ctomm in ea mnltitudo: uberrimi pnrtus excnltissimorum ingenionimy qui 
quotidie in htcem eduntur: henos et praemia opima Ulis et alUs proposita, 
Ut vete quie dixerit Athenas Atticas huc immigrasse. Cum igitur huc de-* 
creto summomm Hollandiae, West - FrisiaCj Zeelandiae Ordinum accitus 
sim: graviter me peccare intelligo, si in tarn nobili ingenuarum artium 
theatro solus deses sim, ubi nullius industriam cessare video. Quin vero 
in animo habebam aliquid nomini veslro dicare, inter lücubrationes autem 
nosiras huüum opus habeum quod tobis äignius tisum iit quam hoc quod 
nnnc vobis offero: ot» vös, nobiles et magnißei ioiti, ut ipsum eo aniino 
accipiaiis quo literaa et literatos Mmplectimini. Peresiguum quidem illud 
est, fateor: sed tarnen ttmti ut non verear illud non solum cum magno 
sed etiam cum summo quovis conferre: non quod illud t(de e/fectum esse 

r 

labore ac cultura nostra promittitmis, quamvis sine arrogantiu facere pote- 
ramus: sed quüt haec materia tot tantosque viros olim exercuit et diversis 
ipsorum studiis agitata esty ut ipsa meruerit^non studia duntaxat aliorum 
atque animos morari sed et non nisi liberalibus, honestis et ctütis viris, 
quales vos estis, communicari. Quo nomine eam vobis offero, quia non 
nisi talibus offerenda fuit. Vestrae autem humahitati adeo confidimus, ut 
speremus^ etiam si operis ratio habenda non esset, tarnen vos grati mei 
in vos animi habituros, Valete nobiles et magnifici viri. Lugduni Bata- 
vorum, Kalend. lunii cto.io.xciiii. 



13' 



192 

Ausser den Dedicationen müssen noch die Prolegomena zu 
beiden Theilen dieser Schrift dje Aufmerksamkeit des Philo- 
logen erregen; sie enthalten Erörterungen über Geschichte der 
Mathematik bei den Griechen und bezeugen wenigstens Scali- 
gers Belesenheit auch in diesen abgelegenen Schriften, deren 
technische Ausdrücke ihm so geläufig geworden waren, dass er 
seine mathematischen Sätze in griechischer Sprache aufstellt 
und die lateinische Fassung erst als Uebersetzung folgen lässt. 
Je reichere philologische Pracht nun aber auf diesen Lösungs^ 
versuch eines sprichwörtlich hoifhungslosen Problems war ge- 
wendet worden, desto peinlicher musste Scaliger die allge- 
meine Missbilligung empfinden, welche die Schrift in mathe- 
matischen Kreisen erfuhr. Einige grobe Versehen, die jedoch, 
wie er behauptet, das Wesentliche seiner Ausfuhrungen nicht 
berühren, gesteht er ein und sucht sie zu verbessern in der noch 
in demselben Jahre -erschienenen losephi Scaligeri lul. Caes. F. 
Appendix ad Cyclometrica stta: In qua asseritur Quadratio circuli 
contra oblatrationes quorundatn et castigantur quaedam errata in de- 
monStrationilncs Cyclometricis, , Lugduni BatQLVorüm Ex Officina 
Plantiniana^ Apvd Franciscum Raphelengium cio,io,xciv,foL 20 SS, 
Die von X KaL Decembris datirte Vorrede ist in einem ver- 
gleichweise sehr gedämpften Tone gehalten und das Geföhl,. 
sich eine Blosse gegeben zu haben, redet aus folgenden Jam« 
ben, die auf der letzten Seite dieser Schrift stehen, von wo sie 
in die Sammlung seiner lafnhi gnomici (poemm, p, 120) überge- 
gangen sind: 

Famae, beatus, qui supervixit suae 

lUisque meruit interesse laudtbus, 

Quas Vita non dat, ßinus ac cinis darent. 

Honis liceret, si liceret per malos, 

Vivis negata gloria vivis frui, 

Sed 8i bonorum iudicia de me mei • 

Tardavit aevi livor ac malignitas, 

Meam loquentes gloriam nepotibus 

Iniuriam horum non tacebunt posteri. , 



193 

In der späteren Sammlung lautet der letzte Vers: 

Hamm ßtrorem non tac^uni posiert. 
Die Beschämung ober das so rasche und so unglückliche 
Unternehmen hat ihn, im eigentlichen Sinne des Worts, bis ins 
Grab verfolgt. Noch in seinem Tode^ahre, da inzwischen der 
Streit zwischen ihm und den Jesuiten lauter und bitterer ge- 
worden, griff ihn wegen dieses veijährten Fehltritts der be- 
kannte Mathematiker und Jesuit Clavius an in Befutatio Cyclo- 
metriae losepM ScaUgeri, Auetore Christophoro Clavio Bamhergensi, 
e SociekUe lesu, Permissu superiorum Moguntiae^ Excudebat Joan- 
nes AWinus^ cum grtxtia et privilegio sacrae Caesareae Maiestatis, 
Anno Domini MDCIX. 4. 84 SS. Als Pröbchen der feineren 
Sorte von Polemik, die hier herrscht, mag Folgendes dienen aus 
einer den Schluss bildenden Ermahnung an Scaliger: Agnosce quam 
multis in rebus quam foedum in modum labaris atque Mathematici 
nomen tuis vehiti viribus impar onus, vergente iam ad interitum 
aetate, stxpientior /actus depone. Kenner der damals gebräuch- 
lichen Bosheiten und der Vorliebe, mit welcher man sich in 
menschenfreundlichen Vermuthungen über den jenseitigen Zu- 
stand des Gegners zu ergehen pflegte, werden die Absicht- 
lichkeit zu würdigen wissen, die den Clavius, statt des ein- 
fachen ,TodesS das vemichtungs volle *ßynonymum interitus 
wählen lässt. — Wie nun Scaligers Feinde immer von Neuem 
ihm den begangenen Missgriff vorrückten, so haben dagegen 
seine Freunde das Vertuschen bis zur Unvernunft getrieben. 
Daniel Heinsjus geht in seinem Verhüllungseifer so weit, dass 
er in der Ausgabe von Scaligers eigenen Briefen besternte 
Lücken setzt, wo dieser cyclometrische Handel erwähnt war, 
z. B. epp. p. 134, 135. 

56. Belästigungen. 
(Zu S. 71.) 

Wie sehr Scaliger von den Eifersüchteleien zwischen 
Wouwem und £lmenhorst behelligt wurde, ersieht man aus 



104 

epp. p, 548. — - Eine deutsche Baronsfamüie Hess unbekannter 
Weise Scaliger durch Gniter um ein Gedicht zu Ehren des 
verstorbenen Herrn Barons ersuchen; Scaliger antwortet an 
Gruter (^, ~p, 784) .• J» posterioribvs tuis [litteris] me de edendo 
epitaphio m Baronem qttendam ignotum mihi rogas. Gerte etiam 
si poeta essem, nollem tarnen in pago pollinctits [scr, tarnen pago 
polluctus coli, Plaut, Rud. 11 ^ 4, i\] esse ut omnikus mea 
opera pater$t. Nihil est quod tua causa noUm, Sed ut incivile est, 
ah homine ignoto aliquid petere, ita ignotis negare nulla kx civiü' 
tatis vetat, A nie quicquid libuerit^ surnrne^ amieortim, pete^ hoc uno 
excepto^ ne aliis mea opera prostituatur. 



57. Unmuth über Doutschl^-nd. 

(Zu S. 72.) 

Scaligers damalige Gereiztheit gegen Deutschland und die 
I>eutschen bricht auch Ijei geringfögigen Anlässen durch. In 
einem Briefe an Jungermann (bei Crenius, animadoerss, V. p, 14) 
schilt er, übrigens mit vollem Recht, darüber, dass in dem Va- 
terlande der Buchdruckerkunst das schlimme Beispiel des 
Drucks auf Löschpapier zuerst gegeben worden: FideHssimct to- 
tius Europa Germa/ndrum natio ßdem decoxit in edendis libris, 
Princeps illa aliis viam praeimt male de bonis auctoribus merendi, 
qwum omni pudore posthaöito in libris excudendis ea charia ukm- 
tur, qua nee ad sua salsamenta involvenda cetarii uti vo- 
lent. Hoc incivile exemplu7n omnis Europa nunc sequitur praeter 
Belgvum et Lutetiam. In Ulis locis supersunt adhuc vesttgia Vieris 
pudoris et reverentiae litterarum. Weitergreifend und viel heftiger 
ist der Ausfall in einem Briefe an Welser aus dem Jahre 1607 
(epp. p, 407); Vestra Germania^ mi Velsere, quae tot eruditos olim 
viros protulit, solum hoc spectare videtur^ ut nulla alia gens praeter 
se sanctissimum litterarum ministerium in latrocinium convertisse 
nideatur. Illa -sane portenta mea 6allia non produ/ßit A vobis 
prodetmi omnium venenorum gertmina, Nam quoß aUae gewka edwß 



195 

nohmt ea ad vos nUUuniwr, Ut nullum sit tarn vile mercimonium 
etdus isHc nundmatiö non sit, Nam quod idem'/aciunt Antver- 
pienses, habent vesiros quos imitentur, Ipsi [Gtermani] quoque pari 
furore et in me et in alias effusis habenis feruntur; qvbOfrum latro' 
tus non plwris facio quam bubonum ultUatus, Quos quia scripta 
nastra male urunt^ quod mallent a se quam a ms eckta esse, faciam 
profecto ut per me non stet quin suspendia cogitent; tot et tania 
dare possumns, quae eos ad insaniam adigere possint. lam de lit- 
teris non solum sed et de pudore actum est, . , . Tu sohts isthic bo- 
norum ingeniorum fautOTy litterarum vindex^ innocentum patronus 
es, Unum doleOy quod summa virtus tua neminem a furore de- 
terret. Ungefähr aus derselben Zeit mit diesen Bfiefen stammen 
die dffentlichen Klagen über die Deutschen in den Vorreden 
zum Eusebius. Eine derartige Stelle aus den Prolegomena zu 
den canones ist oben (S. 182) mitgetheiit. Die andere, aus* 
fuhrlichere steht gegen den Sehluss der proUgomena ad Tkua- 
num. Nachdem er dort einige Versehen deiS Hieronymus be- 
sprochen, sagt er: haec proponenda fuerunt ut ne quiSy exemplo 
tanH viriy ingenio et memoriae nimis confidat et quum meminerit 
magnos eticmi viros labi, possit lapsihus minorum ignoscere, non 
atitem Gyclcpeorum libroTv/fn portentosis titulis mmdmas Franeofut' 
tenses onerare: ut a Germania, quae olim lectissimorum ingeniorum 
altrix fuity hodie nihil aliud expectandum sit, quam plaustra crimi" 
vSSiiionumy sycophantiarum centonesy contumeliarum /arragineSy. qua- 
rum etiam vilissimas meretrices puderet. Dieeanus sane audacter, 
non labyam sed Germaniam aliquid novi quoüdie parere [Anspie* 
lung auf den griechischen Spruch: ätl Aißvri tigeita qfvfi]. Hoc 
cacoethes adeo serpsit ut quemadmodum gangraena non tollitur nisi 
memhro abscisso, ita haec inhumana Ucentia non nisi ipsa auctorum 
morte eomprimi posse videatur, Neque tarnen ideo finis fuerit 
Nam succisis huius hydrae- capitibuSy <ilia suhorientur longe deteriora 
atque insoUntiora, Und etwas weiterhin: quum desperandum non 
sit posse adkuc aliquot minukt /ragmenta Eusd)iana ertti, qm unum 
(mt alterum r&pererit is non sohwi novae editionis sed etiam cahe- 




196 

mniarum oecasianem nactus ßterit. Nam huic generi hommum, 
quoties animum obtrectandi ad alienv operis lecHanem adferunt^ nun- 
quam deest quod reprehendant. Minima re corUenti sunt ad calu- 
mniandum. Non me /allit animus. Haec effugere non potero. lam 
classicum cecinit Sycophantia, lam sonus ipse avres percutit» Bicet 
actum de nobis. De messe nostra ideo nil percipiemus^ quod post 
illam aliquod spicum famelicis reliquerimus; non cogitabunt unius 
non ess^ omnia ahsolvere, Non illius sententiae Xenophanis Ulis in 
mentem veniet [Stob, Sermm. 29^ 41 J: 

'Alka %fiOV(p ^ovvxBg iqtsuQlö'KOvütv ifisivov. 

Hoc tarnen nihil nos iuverit, Nam si vel minima novae editionis 
eis caussa aut occasio praebita fueritf quia nihil afferre poterunt 
quo animos eruditorum morari possint^ non male operam se collo- 
cas9e putdbunt^ si contumeliis in nos peronmdo otiosa ingenia oble- 
ctare possint, •— Angelo Mai, den deutsche Aehrenleser mit 
ganz anderem Fug als einen Scaliger belästigten, hat sich die- 
ses Scaligersche Schelten zu Nutz machen wollen und die zu- 
letzt angefahrte Stelle in seiner Vorrede zur Mailänder Aus- 
gabe des Eusebius ausgeschrieben. Mit Beziehung darauf sagt 
Niebuhr (Kl. Sehr. I^ 184): ,Scaliger äussert sich unmuthvoll 
über feindselige Angriffe deutscher Gelehrten, welche seinem 
chronographischen Werke Unyollständigkeit vorwarfen, weil 
sich dazu noch Zusätze sammeln liessen* Diese Stelle, die aus 
der Feder eines ausserordentlichen Mannes, der im Alter in 
Grämlichkeit und Trübsinn versunken war, Wehmuth erregt, 
ist in eine Anmerkung der Mailänder Vorrede eingerückt. Es 
ist mir nicht klar, ^ welche deutsche Zeitgenossen sich gegen 
den grossen Scaliger vergingen; ich bin aber fest überzeugt, 
dass die deutschen Philologen unserer Tage einem so hervor- 
ragenden ausländischen Mitbruder freudig huldigen würden, 
und zwar wie (die keiner anderen Nation.^ Hier wird nationale 
Schroffheit als Grund dessen angesehen, was lediglich Folge 
confessioneller Gegensätze war, und dieses £ine grosse Miss- 



197 

yerstandniss hat den aach in diesen Dingen sonst so genauen 
Niebuhr zu einer Reihe kleinerer Versehen geföhrt, die im 
Einzehieii zu berichtigen unnöthig ist. Dass Niebuhr'n die reli- 
giöse Parteistellung Scaligers nicht k(ar geworden, ergiebt sich 
auch aus folgenden Worten, deren Schlussfrage man eine seltsame 
nennen darf (R. G. L A, 660): , Scaliger stand auf dem Gipfel 
universaler lebendiger philologischer Gelehrsamkeit, wie keiner 
nach ihm : imd so hoch in Wissenschaft jeder Art, dass er 
mit eignem Urtheil, was ihm auch vorkommen mochte, fassen, 
nutzen und richten konnte. Was ist gegen ihn der buchge«* 
lehrte Sahnasius? Und warum nennt Frankreich nicht Scaliger 
gegen Leibniz?^ Auf diese letzte Frage kann etwa so geant- 
wortet werden: Frankreich, wie es seit dem siebzehnten Jahr- 
hundert geworden, nennt Scaliger nicht gegen Leibnitz aus eben 
demselben Grunde, wesshaib im neunzehnten Jahrhundert mit 
Leibnitzens Systema Theologicum viel mehr Wichtigthuerei in 
Frankreich getrieben wird, als in Deutschland. — Ganz wir- 
kungslos ist übrigens Niebuhr's Parallele nicht geblieben. 
Eine Nennung Scaligers, wenn auch nicht gegen, so doch ne- 
ben Leibnitz, findet sich in den Berichten der sächsischen Ge- 
sellschaft II, 92. 



58. Lipsius, Muret und Bencius. 

CZu S. 74.) 

Dass Lipsius die neue Ausgabe seiner Politica im Jahre 
1593 vor dem Druck nach Rom sandte und freiwillig der Cen- 
sur des Bencius und Bellarmin unterwarf, beweisen die Briefe 
dieser zwei Ordensväter an ihn (Bwrm. sylL I, l%y 657). Dem 
Bencius'schen Briefe ist ein Verzeichniss der zu Rom ge- 
wünschten Aenderungen beigegeben; aus welchem Geiste diese 
hervorgingen, mag folgendes Beispiel lehren: Lipsius hatte die 
Ueberschrift zu Üb. IV, c, 4 so abgefasst: An fdissentientes in 
religionej ptmiendi singuli et quietif Uemque, an extrahendi et per * 



19S 

quirendif Neutrum^ si mtente qtddem fiaiy ex ttsu videri. Doctore 
primum his optts^ non tortore. In diesem letzten Sätzehen schien 
das schreckliclie primum noch nicht deutlich genug, und Ben- 
cius schreibt daher: In epigraphe' Doctore primum his opus, 
non tortore mcUebcU [Bellarmiwusjy quod si Doctor non per-- 
suQsity deinde tortore out talequid, ~ Murets Verherrlichung 
des Bencius ist zu lesen in der Dedication zur Uebersetzung 
der aristotelischen Rhetorik (Muret. opp, HI, 618 Euhnh): Tu 
[Benci] rne primus tanto adokscentior tanio seniorem hwmcna con^ 
temnere et pleno gradu ad dimna properare docuisti, cum in ipso 
vemantis aetatis ßore, posthabiOs votuptattbus, ambUione deposita, 
reiectis aliis omnibus cv/ris, in istam te sanctissimam et orbi terra* 
rum ß-uchiosissimam hominum cultui dhdno momdpatorum sodaHi" 
totem Gont/ulistiy cum in suscepto semel consiUo tarn constanter per- 
stitisti neque cessisti illorum vocibus, qui cum in collegm vestris 
educati essent et illic didicissent istud nescio quid quod iactant lit- 
te/rwrumy a quo ipsi ordine ßagiHose desdoerant, in eam ne nomen 
dares absterrere te conc^xmtur. In quem tu semel admissus Oä^ vi- 
tam instituisti utfiieile declarafieris, non illum caecum quendam, vi 
ipsi mentiebantur, ac temerarium impetum sed dimni numinis in» 
stinctum atque affiatum fuisse; et, ut ad ea redeam quae ad me 
proprie pertinent, nunquam ex illo consiliis, praeceptis, cohörtatio- 
nibus iuvare m>e oo stimulos animo- meo ad pietatem subdere desti- 
tisti. Dass die von Bencius angewandten Stimuli den Muret 
endlich nicht blos in die pietas, sondern auch in jene sanctis- 
svma sodalitas hineingetrieben haben, ist bekannt genug. 



59. Sirmond; Petavius. 
(Zu S. 76.) 

Ich lasse Gibbon (li/e, b^ Mihnan p. 87) «reden: ,Pater 
l^rmond, ein gelehrter Jesmt, rieth einem jungen Freunde^ das 

» 

reife Alter von fünfzig Jahren abzuwarten, bevor ei* seine Per* 
soa oder s^ne Schriften vor das PabMcum brimge (Okvet, Hi- 



199 

stoire de VAcademie Frangoise^ to(m, 11^ p, 143). Der Rath war 
seltsam, aber noch seltsamer ist, dass er wirklich durch das 
Beispiel des Rathgebers unterstützt wurde. Sirmood wa> selbst 
funfundfünfzig Jabr alt^ als er im Jahre 1614 sein erstes Werk 
veröffentlichte, eine Ausgabe des Sidonius ApoUinaris mit vie- 
len werthvoUen Anmerkungen (siehe sein Leben vor der gros- 
sen Ausgabe seiner Werke in iunf Foliobänden, Paris 1696 e 
Ttffpographia regia) ^^ — Erfreulich ist es, dass Sirmond, der 
seine hugenottischen Gegner Gothofredus und Salmasius in 
ehrlichem Kampfe besiegte, auch Scaligem gegenüber eine 
würdige Ausnahme von dem üblichen Benehmen seiner Ordens- 
brüder machte. Er erwähnt Scaligem zu öfteren Malen, nie 
mit ausdrücklichem Lobe, aber auch nie schimpfend, und stets 
mit verhaltener Anerkennung. Scaligers Yvo ViUioörarus hatte -er 
immer auf seinem Arbeitstische liegen, wie Menagius erzählt 
(Menagiana I, p, 172). — lieber Petavius* Ausfälle gegen 
Scahger genügt es, den Bischof Huetius, einen gewiss unver- 
dächtigen Zeugen, zu vernehmen. Das 50. Capitel der Httetiana 
ist überschrieben: Motif de Vcdgreur du P. Petau contre Scaliger 
und lautet: J^ai amtrefois reprocM au P^e Petau son achamement 
contre Scaliger ^ komme d!\m rare savoir et de qui il n'avait jamais 
regu aucime offense, II s'excusoit sur ce qu'il s^dtoit revoltS contre 
la Religion CatholiquCj, dans laquelle il dtoit n4 et que les HSrdti" 
ques tiroient trop d'^vantage de sa revolte^ hii donnant des louanges 
outrSes fort au delä de son mSrite, II est vrai que les Pdres de 
VEglise ne traitoient pas plus h/umainement les ennemis de la reli- 
gion chretienne, Saint Gregoire de Wazianze dans ses S^litetttiques 
et Saint Ct/rille dans ses livres eontire Julien ont repandu toute 
Vamertume de hur bile contra cet empereur. Le Pire Petom pon^ 
voit allegver encore um» axiire nmov^ de son ddchainement^ qui le 
touchoit de pr^, Cest que ScaUger n'a perdu omcwm oecasion. dans 
ses ecrits de maUraiter ses confohres [Jesuites] SerariuSy Claioius^ 
Delrio et piusieurs atUres et de ks defigmer de ses plus wms 




200 



60. PyramideninsjDhrift. 
• • (Zu S. 76.) 

Das Nähere über die Errichtung der Pyramide auf dem 
Platze, wo ChastePs elterliches Haus gestanden hatte, giebt 
Thuanus z. J. 1594 p. 97 und die Histoire de la compagnie de 
Jesus ly p, 220. In Betreff der Inschrift heisst es in Scalige- 
rana IL (s, v. Jesuitae): piUant me autorem esse illius inscrtptionis 
in Pyramide contra Jesuitas^ ideo tarn male mihi voltmt Ganz 
grundlos war der Verdacht der Jesuiten in keinem Falle. Der 
Parlamentsprasident Achille de Harlay hatte Scaliger zu Ein- 
sendung eines Entwurfs folgendermaassen aufgefordert (bei de 
Reves p. \2Z): Vous aoez^ long temps a, entendu que la maison 
du pere^ duquel le fils avait attentS ä la personne du Roy^ a estS 
desmolie par arrest et que la place demeürant publique y sera dres- 
sde une pyramide^ en la quelle sera insculpe r arrest et quelque 
cmUres monuments en detestaiion d!un acte si meschant et prodi- 
toire. Je vous supplie^ Monsieur^ sgachßnt qt^il ne peut rien venir 
de vous que tres-rare et tres^singulier^ m^envoyer ou une inscription 
ou des vers tels quil vous plaira; je les feray meUre en lieu signaU, 
Es versteht sich von selbst, dass Scaliger einem solchen, oflfi- 
ciell an ihn ergangenen, Wunsch nachgekommen ist, und zwei- 
felhaft bleibt nur, ob sein Entwurf schliesslich benutzt wurde. 

61. Cusanus; Valla. 
(Zu S. 78.) 

Des Cusanus verwerfendes ürtheil über die Decretalen 
steht bekanntlich de concord, cathoL 11, c, 2 extr, (in Schardii 
syntagm. de imperiali iurisdictiane, Ärgentor. 1609 p. 358). — 
Valla's Invectiv-Rede^ In Qmstantini donationem Declamatio 
(Schardms L Lp, 401—426), wagte Niemand aus ihrem hand- 
schriftlichen Dunkel hervorzuziehen, bis sie Hütten im Jahre 
der Thesen zu Baidel drucken Hess mit einer ironischen Wid- 



201 

mung an Leo X.; sie gehört zu denjenigen Schriften, welche 
nicht besprochen, sondern gelesen sein wollen; aus Zumpt's 
Bemerkungen (Schmidt, Ztsch. f. Gesch. IV,) wird man 
sich schwerhch den richtigen Begriff von ihr bilden^ wie denn 
Oberhaupt die Zumpt'schen Zusammenstellungen wenig geeig- 
net sind, das Feuer, die nenige Kraft und die? gladiatorische 
Gelenkigkeit dieses italienischen Lessing auch nur ahnen zu 
lassen. Leibnitz hat seine philosophische Bedeutung gewür- 
digt und einen Auszug seines Dialogs de Itbero arhUrio in die 
Theodicee (§ 409) aufgenommen; durch das geschichtliche 
Werk de r^ms gestis Ferdinandi tritt er in die vorderste Reihe 
der modernen Historiker Italiens; und seine Noten zum neuen 
Testament, welche zuerst die Vulgata nach dem griechischen 
Text zu verificiren wagten, haben am Ende noch grösseren, 
wenn auch mittelbaren und stillen, Einfluss auf Philologie und . 
Kötik geübt, als die jetzt fast allein gekannten Elegantiae. 



62. Du Perron; Sarpi über Baronius. 

(Zv S. 79.) 

Was über Du Perron im Text gesagt ist, wird genug- 
sam belegt durch folgende zwei Artikel der Perroniana, s, v, 
Constantin: Sa doncttion est une pure imposture; il Wy a rien de 
8% visible que ce mensongey cot ni les dates ni les consuls ne 
rSpondent point au temps, Baronms n^en dit guere corUre; enüore 
en a-t'il trop dity et Von vouloit sans moi^ qui Vempichay, censtarer 
cette partie de son histoire ou il en est parld, J'en demsay unjaur 
avec le Pope et il ne^ me rSpondit autre chose que che voletef 
Canonici la tengono; il le disoit en riant.,,, La donation 
de Constantin et les miracles de Sylvestre sont des rSveries. Und . 
s. V. Diom/sitcs Areopagita: le Uwe de Dionysius Areopagita est 
incertain; il y a des argumens pour et contre; je ne inen votidrois 
point servir. — Ueber Baronius theile ich ein, wie es scheint, 
wenig gekanntes Urtheil Sarpi 's mit aus einem Briefe vom 



202 

Juni 1612 ai Casaubonus, der damals die Exercitatianes in Sa- 
ronii Annales vorbereitete. Man wird in den Worten des Ser- 
viten seine grossen, vielgerühmten Eigenschaiten wiederfinden^ 
die hohe Ruhe^ die durchdringende Feinheit und die wehmu- 
thige Verachtung des Nichtigen. Mit dem Blick eines Men- 
schenkenners vertheidigt er die Redlichkeit des Baronius auf 
Kosten iseiner Selbständigkeit; und wer sich Sarpi's eigene 
Stellung vergegenwärtigt, wird die Aeusserungen über den 
,Schicksalsbecher* • und dje ,purpurnen Schlingen' nicht ohne 
tiefe Bewegung lesen können (Casaab. qtp, ed. Almel, p, 472)** 
Quod in Baronium scribere paras^ gaudeo et pergere hortOTy licet iU 
^1^97» antagonistam dignum te non ptUem . . . Saepe ipse meoum vo- 
häamy quid caasae esset cur in magna existmatione apud plerosque 
sit absque ullo suo merito^ ne dicam absque ulla culpa^ cum quid 
in tarn magno opere lavdandum foret videre nequirem, Nulla pars 
est quae confutari non possit solo adminiculo eoruun quae ab ^o- 
dem pro/eruntur, Nullvs est magni vel parvi nominis histoficus 
quem non saepe commendet et saepius confutet, Mitto adulterina et 
detorta testimonia^ prolixitatem maxime /astidiosam et iudicia per- 
versa ac insulsa, quae nemo in Historia ferre potest, Paedagogiam 
in lectores petulanter exercet^ quos singulis passibus intempestwe 
sistere iubet» Divinae Providentias oonsHia in bonis distribuendis et 
malis infligendis ad solius Papatus rationes adstringii, Beliqmtm, 
Video /ortunam bonam Uli /aoorem condHasse^ quae adhuc illum se- 
quiiur cum tu ilUus scripta impugnare instikns; nam magni Aeneae 
dextra cadet, Cedei tarnen in publicam ,utiUtatem opus tuum procul 
dubio. Verum quod illum fraudis et doli mali convincere paras, 
vereor an probaturus sis iis qui morum hominis gnarifueri$it, VeU 
lern potius levitatis et temeritatis accusares. Ego illum Bornas novi 
antequam honorihus manum datel et prurigine sertbendi tentaretur, 
cum solius animi tranquilliiati ei puritati (^onscientiae daret opercnn, 
Nunquam hominem vidi simplidorem, quem uno verbo tibi expri* 
mam: .Nullas hdbebat opianiones proprias sed eas e conversanUbus 
sine deleetu sumeba^ ,quas tarnen quasi proptias et bene perspectas 



203 

perünaciier defmdfhaty donec alias ittsstis poHus fidsset quam edo- 
ctus. Si multi pnidentes et cordatiy fatali poculo ehibitOy spiritu 
vertiginis circumacti sunt^ mmime mirum si miser v/nicus purpureis 
laqueis commune malum effvgere non potuit, A dolo malo abfuisse 
crediderimy a leviiate et temeritate minime. Haec tä ad amicum li' 
herms et ultra epistolii modum scripsi. Tu veniam dabis. 



63. Ecclesiastische Kritik. 

(Zu S. 70.) 

Es wäre eine lohnende Aufgabe für einen kritischen Theo- 
logen, die Ausfüirungen über ecclesiastische Gegenstande in 
Scaligers Druckschriften und seine andeutenden Winke in den 
Gesprächen und Briefen zusammenzustellen. Hier möge einiges 
allgemein Charakteristische folgen, Scaligerana IL ($, v, Josephe): 
n y a plus 6fe 50 additions ou mutations au Nouveau Testament et 
aux Evahgiles'y (fest chose estrange^ je n'ose la dire; si c'estoit un 
auteur pro/ane^ fen parlerois autrement Ibid, (s, v. Testament): 
Quant aux vieux livres du Nouveau Testament ä la main^ je ne m^y 
voudrois tenir, tant vieux soient-ils^ car ils sont tres corrompi^s; il 
vaut mieux se rapparter aux Peres qui citent VEscriture, et qui se 
sont servis de meilleurs exemplaires. In einem Briefe an Casau- 
bonus überblickt er die pseudepigraphische Litteratur und sagt 
zum Schluss (epp, p. 303); Quid Pseudosibyüina oracula^ quae 
Christiani Gentibus obiiciebantf quum tarnen e Ckristianorum q/ficina 
prodiissenty in Gentium autem btbliothecis non reperirenturf Adeo 
verbum Dei inefficax esse censuerunt^ lU regnum Christi sine men- 
dacUs promoveri posse dijyiderent, Atque titinam Uli primi mentiri \ 
eotpissenL In einem Briefe an van Laet, nachdem er die Schwie- 
rigkeit des Verses Marc, IXy 49 auf einen uralten Uebersez- 
züngsfehler zurückgeführt, fahrt er fort {epp, p, 808J.' Sunt et 
alia passim in textum Evangelicum ab ultima vetustate vitia admissa 
qttae nemo praeter me indicaverit^ und dies^ Worte hat Valcke- 
naer im Auge (oratt. p, 301); ülcera in Itbris N. T, nonnuHare^ 



204 

periri a se solo perscmanda ingenita animi magnitudine -commohts 
adseverabat ceteris istius aevi hominilms longe erttditwr Scaliger, — 
Thuanus drang oft (de Reves p. 185, 327, 333) in Scaliger, 
dass er seine Bemerkungen über das Neue Testament veröf- 
fentlichen möge. Endlich gab Scaliger eine £5r immer ableh- 
nende Antwort in folgenden Versen (poemm. p. 33) : 

lacobo Augusto Thuano Notas in Novum Testamentum 

efflagitanti. 
Musas et nos parili camplexus amore, 

Musarum et nostrum dulce, Thuane, decua. 
Pro quo non diU)item tötete ex ordine noctes 

NocttbtM et totos continuare dies; 
Quid me divini velo summota süenti ' 

Legis ÄpostoUcae tangere sacra iubesf 
Ecce profanorum maculas abolere parantem 

Impatiens veri non tidit invidia, 
Scilicet in vero verum patienter amabunt 

Qui verum in nugis non potuere pati. 
Uhrum si luce sua perstringit ocellos 

Sol meuSf uret eos sol meus igne suo. 

Dasselbe sagt er in ungebundener Rede und mit grösserem 
!^achdruck dem Theologen zu Fraueker Martinus Lydius (^^. 
p, 576).* De Notis in Novum Testamentum^ quod vi a me edqniur 
petis, prius illud videndum esset^ an praestare id possim^ deinde il^ 
lud difficilius occurrit^ a/n debeam, AUerum non est ingenioli no- 
striy alterum isti saeculo non convenit^ in quo phres quotidte ori- 
untur qui docere quam qui discere malunt. Taceo earum qui li- 
teras tractant procaciam^ qui nullum aliud quam maledicendi argu- 
mentum norunt, Quamvis atäem ammus excelsus contemnere haec. 
debety tarnen extra culpam non est qui literas, rerum dioinarum mu 
nistraSf improborum maledicentiae obiicit, quam modesto sHenHo ab 
hoc periculo tutas praestare illas possit. Ego^ mi Lydi^ sacra iUa 
tangere non audeoy ne traducere ea videar si plus aut minus dixisse 
videar. Nam in tUram partem peccem, satis habehunf veritatis ho- 
stesy quo eorum provoceiur protervia, Itaque a tarn periculosa alea 



205 

nos ctmtinemfiSf qui ne in ludicris quidem iliarum Tartarearum 
animarum virulentiam effugere potuimus, — Die Noten Scaligers, 
welche der Ausgabe des N. T. Londini apud Whittdkerum 1633^ 
4. p, 377 — 389 beigegeben sind, rühren in dieser Fassung 
schwerlich von ihm her, sondern scheinen aus seinen Briefen 
und Unterredungen zusammengestellt. Sie erschienen zuerst 
nach Scaligers Tode in einer Genfer Ausgabe der Bibel vom 
Jalu*e 1620, wie Crenius {animadverss, philo L XVIy 80) angiebt. 



64. Areopagitika. 
(Zu S. 80.) 

Das Material zur areopagitischen Frage ist gesammelt in 
loannis Dcdlaei de scriptis quae sub Dianysii Areopagitae et IgncUii 
Antiocheni nominibus circumferunttar, Genevae 1666. 4. Scaligers 
Argument wird dort i, c, 28 aufgeführt, seine Worte aber 
nicht mitgetheilt. Sie stehen de emend, temp, L VI p, 539 
ed. tert: Incertum est vimm tanquam d'SQansvtag Q$i an tanquam 
d'SQanBvtag %&v voctov acceperit ille^ qui nomine Dionysii Areopa' 
gitae IsQctQXinä scripsit post tempora Valentvniani. Is ut affectet 
antiqvdtatem iuyifa%ovg Tioivoßiss vocat ^BQccnsvxag, Monachos aatem 
liovoßlas vocat kvtalovg^ ne videretur vocihus sui saeculi uti, Nam 
quos vocat hviaLovg intelligit tQriiiltag, noivoßlHg aiUem (lavdQiTag. 
Seme mandrae nomine agmen bestiarum voctUum /uisse^ nemo paullo 
doctior ignorät. Cur suos monachos eo namine dictos voluerinty 
ipsi viderint. Nam ego n^cio. Ergo iste Simius cum scrtbit ratio 
d'SQanavt^ intelligit (lavÖQlt^ a/ut [lovccx^ wiivoßlai, quia legerat apud 
Eusebium thg f/^vaj^ovtag %mv XQiaziavav vocatos d^SQaicBvtag, Euse- 
bius autem id hariolatus est ex Philone, — Ausser dem Angriff 
in den Magicae Disquisitiones (Mogunt, 1603 ed. sec. Itb, FT, c, 3, 
p, 233) hat Delrio noch eine besondere Schrift gegen diese 
Scaligersche Kritik gerichtet, Vindidae Areopagiticae Martini 
Delrio Societatis Jesu Sacerdotis et Theologiae Doctoris^ contra lo- 
sephum Scaligerum lulii F. Antverpiae 1607. 8. Oeffentlich hat 

14 



im 



206 

Scaliger dagegen nur ein, paar allgemein zurechtweisende 
Worte fallen lassen in der Con/utcUio /abulae Burdonum (opp, 
jj, 148); und an .Casaubonus schreibt er darüber (epp. p. 335)/ 
Lutum et sterctis generis humani Martinus Delrio lihrum in me 
Apologeticum pro Dionysio Areopagita edit; quasi ego solus ocuIqs 
habeam et tum alii ante me partum vnoßoXinaiov esse viderint, Sed^ 
quod praecipuum est^ nemo «hql &£QanBvxov animadvertit^ qito no- 
mine ex Eusebii somnio de Essenorum monachismo monachum de- 
signari ille ineptus 'iphvdaqhionayLxris arbitratus est. — Endlich hat 
Debio noch Scaligers Widerlegung des Serarius in folgender 
Pseudonymen Schrift bekämpft : Petiiculics Foriarum Elenchi Sca- 
ligeria/ni pro Societate lesu^ MaldonatOy Delrio. Ättctore lAberio 
Sanga Verino Cantabro ad Ciarum Bonarscium Belgam. Metello- 
hurgi Mattiacorum ap. hered. Matthianos, 1609^ 12. Der Leser 
wird so wenig wie ich b^egierig sein, von dieser Schrift mehr 
als den mephitischen Titel zu erfahren, welchen ich aus CataL 
Bunav. ly 2^ p. 1583 entnommen habe. Scaliger hatte voa 
diesem Titel gehört, noch bevor das Buch erschien; er sagt 
in der Con/utatio {opp. p. 149J: Eiusdem summi novitii Theologi 
foetus.... expectatur, cui titulum fecU ^Peniculus Foriarum Scati- 
geri^. Qui in Hierarchia defendenda tarn ridiculum sese ostendit, 
quid fadet in foriis% 

65. Eleuchus Serarii. 

(Zu S. 83.) 

Der erste Druck des Elenchus hat folgenden Titel: losephi 
Sealigeri hd. Caes. F. Elenchus Trihaeresii Nicolai Serarii, Eiits 
in ipsum Scaligerum animadversiones con/utatae. Eiusdem delirium 
/anaticum ei impudentissimum mendacitmt^ quo Essenos Monachos 
Christianos fuisse contendit, validissimis argumentis dusum. Fra- 
neTeerae excudebat Aegidius Badaeus Ordinvm Frisiae Typographus 
MDCP"; er ist besonders paginirt, aber zu Einem Bande ver- 
einigt mit /. Drusi de tribus sectis ludaeorum Libri Quatuor^ qui 
Apologiam continent libelli de Hasidaeis. Eiusdem Spicilegium Tri- 



20T 

haeresii Nicolai Serariiy Framkerae^ 8, Druck und Jahr wie 
oben. Dazu hat dann noch Drusius, ohne Scahgers Vorwissen 
fs. oben S* 178 und epp, p. 276, 280), einen Gesammttitel 
(L Drusii responsio ad Serarium; Äccessit L Scalig, Elenck iV. 
Serar.) und eine Dedication an Jacob I. drucken lassen. — 
Der Abstand zwischen Scalig^rs schriftstellerischer Weise und 
dem Fassungsgrad schon des nächstfolgenden Geschlechts wird 
recht schlagend dadurch bezeichnet, dass Drusius' Nachfolger 
in der Franekerschen hebräischen Professur, Sixtinus Amama, 
als er im Jahr 1619 die Aktenstücke des Streites in einem 
Quartband sammelte, sich veranlasst sah, Scaligers griechische 
Citate und Embleme mit einer lateinischen Uebersetzung zu 
versehen. Auf dem Titel preist^ er diese Bequemlichkeit an: 
Graecay quae Graece minus gnaros tardare pötuissenty Latine vertit; 
er besass aber noch Anstandsgefühl genug, um die Eselsbrücke 
wenigstens an einem Abort am Schluss des Bandes zu ver- 
stecken. Zu Anfang des achtzehnten Jahrhunder,ts war aucH 
dies schon zu unbequem; und in des Jacobus Triglandius 
Sammlung, Trium Scriptorum lllustrium de tribris ludaeorum Se- 
ctis Syntagma^ Delphis 1709^ 4, ist das' Amama'sche Latein ohne 
irgend eine Andeutung in den Scaligerschen Text einge- 
schwärzt und so derselbe aufs Unerträglichste verunziert wor- 
den. Ich gebe also hier die Epistel an Drusius nicht nach 
dem interpolirten Text des Tnglandius, sondern nach dem er- 
. sten Druck, aus welchem sie in epp, p, 596 — 600 überge- 
gangen ist: 

' losephus Scaliger I; Drusio S. 

Franekeram Frisonum. 

Quoties mihi in mentem venit sermonum, quos inter nos hahuimiis 
nuper, quum tu et Heinsius noster me domi convenistis, non possum facere 
quin tuis oceupationibus irascar^ per quas factum ut reditum tuum frustra 
expectaverim. Postridie enim eins diei mihi e Nundinis Trihaeresion Ni- 
col. Serarii aUatum est^ quod fuemt sermonum nostrorum unicum argu- 
mentum, quum ex Calalogo nobis tdiqfut eins spes facta esset: quanquam 

14* 



208 

magna et praedara mmanfes iUi Catalogi non raro eorrmm deJudvnt hiaH' 
fem: tum quia saepenumero libri pramissi non statim sed m sequentes 
Nundinas, aliquando etitim po$t aknum, prodire solent: tum etiam quia pro 
speciosis titulis cenfones, 9tercorea$ Disquisitiones Magicas, plaustra farra- 
ginum, temttlenUtrum Furiarum noXsfiiMa ßoc7iX6V(iata accipimus, 

IIoXlol yäg ßoOTiOvzai, iv EvQcanfj noXvtpvhp 

BißliaTtol xotQatutaL dneiifita StiQioayirtsg 

ZiQVfPSvg iv taXoQOig*} 
Sed bene est quod per auctoris iuexhaustam diligentiam non Hcuit 
nohis diufius fam optatae lucubrationis fructu earere. Quamvis non soleo 
neque possnm libros nhi compactos legere**)^ tarnen^ quae mea fuit prae^ 
ter solitum impatientia, non potui a foliis ita ut soluti erant ocuios absti- 
nere. Ergo in aditu illius sacrarii rem incredibitem didici, paucis diebus 
tarn longum opus absolutum fuisse, causam componendi et edendi unum 
Drusium aüegari, Post nundinas autumnales conceptum, ante vemtdes ha- 
f-um. Obsfupui, fatebor enim, et de Ulis Patribus excidit mihi exciamftre: 

Olot ninwvtai, toi 8h OKial dlacovci. 
Quantum enim est Novatorum, quos ipse vocat***), non pofuisset biennio 
dedolare, quod ille duobus mensibus aut fortasse paucioribus diebus eX' 
asciatum dedit, ut nemo glocitantem gallinam audiverit, quum itlud ovum 
poneret. Tantum vero opus, tot scriptorum teslimoniis instructum, tanta 
librorum inipensa farctum^ tam exiguo tempore absolvi poluisse idque eo 



*) Drusius hatte dieses Griechisch nicht verstanden und ScaUger erklftrt es ihm 
in einem Briefe vom 21. December 1604 folgendermaassen (epp. p. b%) •* StQiqvevg iv 
xaXuQOig est ZxqirpfOvg iv tctXdifOig. ParocUa est ex limonis SilUs [Alken. I,p. 22, 
wo Aiyvwtoi itokvqt, mid Movoitov iv taXJ gui (uwaetov xmv 'Aks^vd^imv 

taXcc^OV vocai, qualum, quasiUum, cuiusmodi in quo galUnae ponunt ova aut incubant 
Q^ia gallinis incuhanühus Uxrge cibus obsipari solet, inde to flOVCstov poeta ille mor- 
dax xaXoL(fOV vocavit, in quo Sophistae, Grammaticif poetae et id genus homines opimis 
honorariiSf quae a Ptolemaeis pereipiebant, alehantur. Ita ego, quia isH et bene in suis 
farduntur collegüs et nunquam maledieeniiores sunt quam ubi saiuri seribunt, et versus 
nmonis usurpavi iüi hominum generi cowoenientissimos et eorum collegia tClXd(fOVg 
vocavi, ne ab eius versibus diseederem. 

"") Scaliger an Lipsius, 20. Ang. 1603, (Burmanni syllog. I, p. 246^.* Vestalia iua 
aeeepif in Ulis non languorem ilhtm animi iui agnovi, quem tu quereris in corpore^ legi 
soluta adhuc praeter morem meum, qui libris nisi eompaeiis operam serio dare non poS' 
sum. — Scaligerana II. (s. v. Turnsbus) : Turnebus n'a [n'avaitfj pas beaucoup de Kvres 
et quasi tous en blancf ils se gastent ainsi ou se perdent. 

***) So sagt Serarins gleich im ersten Ci^itel .* verittUi visum patroeinari neque in 
minutukt eOarn re pati ut gloriari merito possit Novator [Drusius]. 



■309 

tantum nomine, ut ffro nmt vocuia Hebraismi*) male a se inter/treiata 
supplicium de Mhrusio sumeret, hnud scio an istis Novätoribus persuaderi 
possit. Non enim sunt taxpnsid^ig, Jttigue^ mi Drusi, hoc tibi debent 
Studiosi quod propter le solum iUe Über et conceptus et in lucem editus 
e»t^ quum tarnen uliquts vafer Novalor suspicari posset a longo tempore 
provisam fuisse itlam argumentorum copüim: neminem sine pennis volare 
posse : tantum aedifidum sine tempore non potuisse exaediflawi: forte for^ 
tuna te Catulum**) intervenisse qui illud CupitoUum dedicares, Sed bona 
verba, Patrum non est mentiri, praesertim ubi in Novatores declamandum 
est. Est enim hominum genus modestissimumy innocentissimum ac minime 
cvTiotpavtvMV^ quod me tucente dicta et scripta eorum teslantur. Tanto 
igitur miraculo ebrius pergo, et quia in solo pronao unius miraculi aura 
adeo afflatus fui, non dubitavi quin etiam in opisthodomo viderem quod 
magis ment^m meam aficeret, Non me fefetUt opinio, Miriflcum problema 
uHro oculis incurriti An Drusius sft haereticus***), Minimo minus 
auctori irtuci coepi, qui libro nomen fecil Triha^esion, non Tetrahaeresion, 
Quid verbis opus est? Patienliae meae vim feci, Ulterius feror, Quum 
nihil praeter miracula a fronte et a tergo viderem^ sgUogismum nescio in 
qua ftgura coepi conftcere -f) : Si principium^ si finis talia^ ergo et medium 
qtioque Plenum miraculorum esse. Heseratis adytis, qwmtum folia soluta 
patiebanlury huc iUuc oculis ac mente vagans ut Aeneas aeris in campisff), 
Video heroiu MeUmchlhonem, Wolfium, Gelenium, Munsterum, alios, haere^ 
ticorum appellatione, beneficii loco an honoris caussa, a Serario affectos, 
Caussam comminisci non possum^ nisi forte ea sit, et ea profecto est, quod 
ex Ulis alii Hebraice alii Graece doctissimi fuerunl: praeclare de poste^ 
ritate meriturum Serarium si hac terribili et sacra appellatione eos numero 
doctorum eximat, qui tantum nomen in litteris meruerunt. Scaliger vero,' 
quem homuncionem et Thrtutonem quidam Martinas Delriofff) ex eo pi* 



*) Serarius im ersten. Gapitel : Et quia non magna de re sed poene tota [repre- 
hensio] de unico losephi Gorionidae verbulo deque syllabae unius scriptiuncula erat, si- 
lentio videhatur dissimulanda neque Rtprehenseri fDrusioJ laureolae invidendum musta- 
ceolutn. 

*V S. zu Tacitus Hist III, 72. 

***) So ist das letzte Capitel des Serarius'schen Buches überschrieben. 

■j^ Verspottung des Serarius, der besonders in seinen Widerreden gegen Sca- 
liger (IHhaeres. III, 19) die bei den Jesuiten damals beliebte Form dürr logischer 
Syllogismen gebraucht hatte. 
ffj Virgil Aen. VI, 888. 

fff) Disquiss. mag. VI, 3 extr.: Occalhiimus ad simües PyrgopoUnicis Nitiohrigis 
[ScaUgeri] Thrasonismos. — LicuU homunciani fScaUgeroJ in divinum Uionysium [Areo- 
pagitamj petukuUer: eur mihi non Uceatpro Dwo eonstanterf 



210 

stritto vocat, homo neseia an beUiia an potim luhtm stercore maceralum*), 
ille, inquam, SciUiger< dum nimis curiosU ociüis omnia aucupatur^ 
Se qtioque principibus permixtum agnovit Achims**), 
Nonptilabam ntiquam me hoe debiturum ^erario, qued me comitem Ulis 
addideritt quos ille non odisset nisi prius ipsis invidisseU Hinc illae lacrimae» 
Saiis iusta cnnssa odii est apud Patres, si aliquis aliqnid sehe videntnr. Te qui 
plusquam XXV annos literas Hebraicas docuisti^ quem nemo, nisi aut sti- 
pes aut malignus sit, eins linguae optimum interpretem esse negare audeat, 
te, inquam, suis luminibus officere indignatur, et quum vix primis He- 
braismi rudimentis tinctus sit, quod quidem ipsius scripta ostendunt, in 
uno verbulo se a te iure cttstigatum impulienter ferens tantum abest nt 
culpam deprecetur, tit ultra erpostülatvm veniat. Uaec sunt compendia 
Rhetorices itlius Scholae: quicquid in buccam venerit, qua iure qua iniuria, 
defendere. Non te diutius detinebo, Dicam quid fecerim, Non vacavit 
nnkif <jmnia eius percurrere.^ Melius horas meas collocare possum, et prae". 
terea habes tu quoque quoS hie agas^ imo tuum est negotium, Quae tan- 
tum subcisivo post coenam tempore aliud paene agens sublegere potui, ea 
in capitula quaedam conieci, ne aut impune nos reprehenderit (quod aequo 
animo ferremus si non morbo animi et instituto illius familiae sed vero 
amore hoc faceret) aut tot errores inultos (erat, Quantum enim pecca" 
veritf si ab ipso confessionem non expressero, sat est si eruditis probävero. 
Equidem kactenus ab. omni contentioso genere scripti alienus fui^ nunc 
alius esse coepi, Certum est quoties ' cUusicum canent, me calumnias non 
dissimulaturum, Si convieiis tantum agitur, aut ea dissimulabimus, aut 
modesto responso eludemusi Novatores sumus: ipsVsunto Veteratores, «e- 
que profecto atiter a me vocabuntur. Haeretici sumus: ipsi Zelotae di- 
cuntor: riXtp tov rß.ov, natzahp xov tcovcccXov. Literas y rem sanctissimam, 
tmalignitatis ministras habere nostrum non est, et si nostra interesse puta- 
remus, ipsi hoc iam occuparunt et sui iuris fecerunt. Sed quid faciasf 
Xiysiv (i^v cctöXQOv xal ci^onriaai, ßa^. Nulla iniuria me affecit, neque si 
affecisset, ad me perttnere putarem, non magis quam quae illius familiae 



*) Zur Ehre Scaligers sei angeftierkt, dass diese ausgeklügelt cynische Schimpf- 
rede nicht ganz von seiner eigenen Erfindung, sondern nachgebildet ist dem 'Xr^oq 
aSjxCKTt nsqtVQllSVOg, womit Tiberius (Suet. Tib. hl) und Nero (Suid. 'Ms^avÖgog 
Aiyoctog und Ns^eav) verglichen worden. Der öffentliche Geschmack des damaligen 
Zeitalters muss sich durch dergleichen cloacinische Scheltworte nicht allzusehr verletzt 
gefühlt haben ; der Altorfer Jurist Conrad Rittershusius spricht die scaligersche Re- 
dewendung nach in einem polemischen Briefe, der bei Cremus (animadtfv, VII,S3J ab- 
gedruckt ist. 

•V Virgil Am. /, 488. ' 



211 

Baemonincns D^rio, retrhnentum inseitige et sterquüinium cttlwmmamm, 
meretricia et plusquam Zelotica impndentM in nos evomuit, qunecunque 
scÜicet livor et ^Xotvnla tili asino dictavit. Ad illius insaniam casti- 
gandnm camifice opus estj non responso, IIa boni et modesti Uli Patres 
bene quotidie de sanctissimo illo cognomenfo merenlur^ quod sibi vindica- 
runt, in quo locum non habet illud og XoidoQOVfiBvog ovx avtsXoiSoQSi*), 
Occasiones maledicendi captant. Neminem eminentium virtutum sine con- 
tumelia appellant, XJt canes loca mundiora vestigant ujbi immingant, ita 
isti non temere in uUum genus hominum maledicam linguam solvunt aut 
vinüentum sliltim sfringunt, nisi in quibus aliquid inpidiosum esse suspi^ 
cantur, Nam alios non morantur, Haec eg'o olim ridens potius quam in-- 
dignans, postremo imperavi mihi Ulis respondere et ab hoc homine ir^ci- 
pere. Tuas partes tibi non praeripio^ quae ad te spectant, taum est illa 
curare. Tuus enim campus est. Quid dicam auf quomodo disputationem 
meam instituam, equidem nescio. Hoc tantum scioj illum in iisy in quibits 
nos perstringit, parum candidum, in Graecis puerum, in Hebraicis infan- 
temy in historia harum haereseon ntdlius indicii, in appellandis viris longe 
illo melioribus nullius pudoris esse, Quicquid ex hac disputatione orietur, 
tibi decrevi mittere, Multa enim eiusmodi a nobis habent amici, eliam 
quaedam quae a nie profecta esse fortasse non meminerim si ostendant 
mihi. Quo in loco apud te futura sint, non magnopere läboro. Sat est si 
semel legeris. Vale. Lugduni Batavor. VIL Eid. lunl luliani cioiocnr, 

66. Lingelsheim. Amphitheater. 

(Zu S. 83.) 

Nachdem er den Elenchus gelesen, schreibt Lingelsheim 
an Bongars von Heidelberg, 15. April 1605 (Bongarsi et Lin- 
gelshemi epistolae^ ArgentoraH 1660, 12. p. 194); Quam gaiideo 
Scaligerum in aream proces&isse adversus mortalium impudentissi' 
mam sectam; postqttam iam alea iacta est^ pedem re/erre porro non 
poterit — Carolus Scribaiiius versteckte auf dem Titel beider 
Ausgaben des Amphitheaters seinen Namen in dem Anagramm 
Clarus Bonarscius. Dass man dasselbe alsbald richtig auflöste, 
und welche Bewegung die Schrift in Paris hervorgerufen habe, 
erzählt Casaubonus in einem offenen Briefe, den er im Jahre 



'J I. Petr. 2, 39. 



212 

1611 an den Jesuiten Fronto DucSus richtete gegen Bellarmins 
Apologie des Ordens {epp. ed. Almelov. p, 390).* Blud ego non 
concoquo et homine candido indignum mdico, quod dissimtUat Apo- 
logista scire se Ciarum Bonarscium per anagrammätismum esse 
ipsissimwrrt Carolum Scribanium, At quid Uli sciunt qui hoc ne- 
sduntf an vefo est aliquis vestrorum in Repuhlica literaria adeo 
hospes et peregrmus ut hoc ignoretf Statim ut in lucem tigas illud 
prodiit^ jactatus est Lutetiae Parisiorum Über musteus 7ion una ex 
catcsa: docti prodigiosum dicendi genus mirari: magni tnri, qui ad 
clavum sedeht reipublicae^ doctrinam Principibus pemiciosam dete- 
stari: omnes auctorem velle cognoscere et quaerere. Quaesitus est et 
nuUo negotio statim inventus^ neque dubiiavit postmodum quisquam^ 
scriptum esse librum xsQaauov a Caroh Scribanio^ GoUegii lesuitici 
in inclita Anticerpia Rectore, 



67. S c i o p p i u s. 

(Zu S. 85.) 

Die Schrift des Scioppius fiihrt folgenden Titel, der zu- 
gleich als Inhaltsangabe dienen mag: Gasp. Scioppii Scaliger 
hypobolimaeus^ hoc est Elenchics Epistolae losephi Burdonis Pseudo- 
scaligeri De Veiustate et splendore gentis Scaligerae [s. S. 107]. 
C^uo praeter crimen falsi et corruptarum lUterarum RegiaHtm, quod 
Thrasoni isti impifigiiur^ instar quingenta eiusdem mendada dete- 
gwnJtur et coarguuntur, Moguntiae Apud lohannem Albinum, Da- 
zu als Motto zwei Bibelverse, erstlich 4 Reg. 5 /177 Obsecro 
concede mihi servo tuo^ ut toUam onus duorum Bvrdonvm de terra, 
welchen Vers man in seinem unschuldigen Zusammenhange 
lesen musd, um die Malice zu würdigen, die ihn auf die bei- 
den Scaliger anwendet. Der zweite Vers 1 Reg. 17 [26 mit 
kleinen Aenderungen] Vadam et*au/eram opprobrium populiy quis 
emm est iste Philistaeus incircumcisus [GoliathJ, qui ausus est mcde- 
dicere exercitui Bei viventis soll dem Leser gleich an der 
Schwelle sagen, dass der philologische Riese hauptsachlich als 



213 

Ketzer und Jesuitenfeind angegriffen wird. Ganz offen ist das- 
selbe ausgesprochen in der Widmung an den Erzherzog: Ca- 
iholicae fidei verUaiem contra hominis deterrimi si noii argumenta^ 
summam certe et non paucis^ quod ex familiari Protestantium quo- 
rundam usu didici^ plus quam cuiusquam argumenta noxiam ac pe^ 
stiferam auctoritatem, maximae cuiusdam nohüitatis 'et ingenii ac 
literarum opinione collectam^ Über hie meus sustinere ac de/endere 
conaiur. Und weiterhin: quingenta ädmodum mendacia eiusdem 
deiexi^ futurumque adeo cor^do ut intens ilia auctoritas, qua eum 
induerat Zbvjs ts wxtaxd'oviog xal inaivri IIsQaetpoveut, nemini dein* 
ceps fraudi esse possit. Eben so deutlich wird Scaligers Schrift 
gegen Serarius als die eigentliche Veranlassung der Scioppius'- 
schen angegeben, p, 300*, wo Scaliger so angeredet ist:' 
Quoad intra ineptias et magnifica verba te tenuisti, ut te /erremus 
animum induximus. Nunc quoniam te alium esse /actum in libro 
advirsus Serarium prqfiteris [s. S. 210]^ tuaque ista [uoQia 
adsXq>ri trjg novrjQlag et cum fraude ac damno reipublicae caniuncta 
esse deprehenditur, merito inexpiabile bellum et inimicitias aan6v8oi£ 
vofioig tecum gerendas suscepimus. Von dem, bald Lachen bald 
Entsetzen erregenden, Ton der Schrift kann man sich eine an- 
nähernde Vorstellung daraus machen, dass p. 362* etwaige 
stilistische Mängel folgendermaassen entschuldigt werden: quin 
aliqua animadverti possint quae minus rationi et exemplis Latinorum 
scriptorum congruenter scripsisse videar, ntdlus dubito, Nam et 
Typographo acriter per amicos instanti mora mea damnum afferre 
metuens et de te [SeaJigero] ipso, tarn capulari homine^ utque aetas 
et virtus tua est^ Acheronti iam diu debito, ne qua te mihi subdi^ 
ceres priusque morereris quam a me pro quingentis mendaciis vapu* 
lasseSp magnopere sollicitus^ nihil mihi ad commentandi celeritatem 
reliqui feci/ ita ut vix libtarii mendas perspicere ac tollere^ spatOs 
exclusus iniquiSf potuerim. Zum Schluss (p, 365*) wird Scaligem 
angerathen, in ein Kloster zu gehen, und dann so perorirt: 
Qtiod nisi/eceriSf non moleste patiar, te documento ceteris esse^ ne quid 
tale deinceps audeant^ ut tarn proterve Ecclesiae Bei viventis et 



214 

optimo cuique instdtent, neque me id agere dissimulabop ut vel in 
hac vUa aeternae tuae damnationis principium persentiscas iuique 
isti cani per me potissimum cum dolore ad inferos deducanittr. — 
Die Abhandlung haeretici cur occidendi beginnt p. 323*. 



68. Confutatio Fabulae Burdonum. 

(Zu S. 87.) 

Dass Scaliger selbst der Verfasser der Confutatio sei, wird, 
ausser den schon allein genügenden innere^ Gründen, noch 
durch sein eigenes Zeugniss über allen Zweifel erhoben. Juni 
1608 entschuldigt er sich bei Lingelsheim wegen unterlassenen 
Briefschreibens mit seinen vielen Beschäftigungen (epp. p» 624).' 
Quarum [occupationum] ^ ut alias taceam^ praecipua est^ qttae totum 
me a meliorilms studiis ad ignohüiorem commentationem abripuit^ 
Confutationis Burdonianae fabulae meditatio. Quamvis enim gra- 
vissimos homines auctores hdbeam ut duobus laboribus parcerem^ 
tanti inendacii confutandi^ cui nemo probus ßdem habet, et Uli te- 
nebriom respondendi, ctd pro responso restis debetur, tarnen amici 
partim predbus partim rationibus nostrum labefactartmt propositum, 
Quu/m horum preces declinare non possem, illorum vero auctoritate 
moverer, utrisque satis/eci ut et, quod isti volebant, responderim, et, 
quod Uli nolebafU, non meo sed cUieno nomifie id fecerim. Aehn- 
lich und, wo möglich, noch deutlicher schreibt er, Juni 1608, 
an Gruter {epp» p» 793J.' Occupatissimus hos dies /tn in scripta 
quod adversus Burdonistas adörno» Nomen, non apponam neque 
meum qui scripsi, neque eius quem anoni/mum huius auctorem /acio. 
In der Ueberschrift heisst es nämlich: Confutatio stuUissiTnae 
Burdonum fabulae Auetore L R. Batavo Iuris Studioso, worunter 
wohl Janus Rutgersius gemeint ist, -^ Die Schrift ist abge- 
druckt in der zweiten Abtheilung der Frankfurter Ausgabe von 
Scäligers opuscula, nach welcher ich citirt, aber die Fehler die- 
ses sehr nachlässigen Atidrucks stillschweigend nach einem 
Originaldruck (LB. 1609> berichtigt liabe. — Scioppius repli- 




215 

cirte^ zwei Jahre uach Scaligers Tode, in den ebenfalls Pseu- 
donymen Oporini Grubinii Amphotides Scioppiancie^ Parisiis 1611^ 
8., welche unter Anderem eine Responsio ad Confutatu/nem 
fabulae Burdonum enthalten. Das auffallend verspätete Erschei- 
nen dieser Antwort soll gleich auf dem Titel entschuldigt wer- 
den durch den Beisatz : Dolo Calvinistarum suppressa et nunc de- 
mum in lucem edita, 

69. Casaubonus; Welser. 

(Zu S. 88.) 

Casaubonus\ ermunternde Ansprache erfolgte bald nach 
dem Erscheinen des Amphitheaters in einem offenen Briefe, 
welchen er seiner Ausgabe von Scaligers griechischen Ueber- 
tragungen aus dem Martial (Parisiis 1607^ vorsetzte (Casaub, 
epp, ed, Älmelov. p. 292^. — Von Welser heisst es Scaligerana IL 
s. 17.: II sera fasche de ce qtte fai escrit contre les Jesuites, 11 ne 
tnescrit plus. 

70. Verlockungen zur Rückkehr nach 

Frankreich. 
(Zu S. 89.) 

Scaligerana IL 8. v. Cotton: Pere Coüon se vante de me tirer 
^icy (von Holland weg) et de me faire venir ä Paris et que lä 
je riauray Vhonneur que je penserois y avoir .... H n'y a Roi 
ny Empereur qui me tire d'icy: quand hien mesme les Estats m'o' 
steraient mon honoraire et me ehasseroient hors de leu/r pa/ys, si 
n'irois je pas ä Paris. Die Gewährsmänner für die Aeusserun- 
gen. Cotton's und zugleich den Grund, weshalb die Jesuitea 
gerade damals dergleichen Pläne verfolgten, giebt Vertunianus 
Scaligem an in einem Briefe, December 1604, (bei de Reves 
p, 352).' Monsdeur, ce mot ne sera qtte pour vous reiterer la ja-^ 
ctance que faici le Pere Q^ton de vous gagner par vaines promesses 
et attirer ä Paris pour vous faire revolter ^ amsi que Tt^ont appris 



216 

Messieurs du Hessis Momayy dö la Ncrue^ St Germain deptäe des 
Eglises pres du Boy^ et d' Aubiguy^ qui me prierent. . . . de vous en 
advertir^ et que destoit la cräinte qu^avoyent les Jesuites que vostre 
Eusebe des(!ouvre le pot aux roses. Ebenso schreibt Casaubonus an 
Vertunianus, Juni 1605, {epp.p, 241 ed. Almelov.) ^ Un des LojolUes 
vint ä moy^ il y a plus -dun arty me dity qt^il a/ooit proposd a sa 
MajestS de rappeller mon dit Sieur f Scaliger J et.qi^il estoit facile, 
pourveu qt^il creut conseil et conclust se faire Chrestien, Haec sunt 
tov &ri(flov ^i^fiata, ad quae ohsiupid neqm dissimulavi quid detanta 
insolentia sentirem, — Jeannin's, offenbar mit Wissen Hein- 
rich's IV. geschehene, Versuche, Scaliger nach Frankreich zu- 
rückzufuhren, ergeben sich aus seinen Briefen (bei de Reves 
p, 2 8 3).* Sa MajestS a monstre vous vouloir gratifier de la pension 
de deux nriille livres [s. S. 161] ^demourant en ce pays [Holland], 
ou de trois mille si retournez en Fra/nce et semble qtielle desire 
plus le dernier. Und am 19. September 1608, als Scaligers 
Krankheit eingetreten war, schreibt Jeannin (p. 133): Je 'crains 
que rair humide de ce pays ne vous y [zu genesen] soit contraire», 
je rCarresteray guieres ä prendre le chemin de la France^ ou si vo- 
stre disposition. vous permet de passer VhyveTy je vous emmeneray et 
logerai commodement Et suis certain que n'en sortirez point qu'a- 
vec contentement du Roy, Von demselben Jeannin erzählt Daniel 
Heinsius in der Leichenrede auf Scaliger (oratt. p, 53).* Novi- 
mus plerique qui hie sumus, quidam etiam videru/nt^ cum illustris 
nobilissimusque vir Petrus Janninus Divionensis Senatus princeps^ 
regi^ Gallorum a consiliis et ad Beigas hodie legatus^ verum togae 
decus et Musarum patronus^ magnam Uli [Scaligero] vim pecufii- 
arum frustra his offerri iussissety lindem in hanc urhem [Leyden] 
aliquot ante eins mortem diebus venisse et auctoritatem suam mu-^ 
neri addidisse ac preceSy neque tarnen impetrasse ut quod alii optare 
solent senex noster vel rogatus admitteret. Scaliger mag seine 
guten Gründe gehabt haben, gerade von solcher Seite Nichts 
anzunehmen. Dass er arglose Geldhilfe seiner Freunde nicht 
grundsätsdich verschmähte, ist oben S. 158 aus seinen eigenen 



217 

AeusseruDgen nachgewiesen. ^ — Die politischen und religiösen 
Uebelstande, welche den Gedanken an eine Rückkehr .in sein 
französisches Vaterland bei Scaliger nicht aufkommen Hessen, 
ha^t er kurz und kraftig in einem Briefe an Casaubonus l^e- 
zeichnet (epp, p, 186).' In Gallia pisces mintUos magnus comest, 
ntagistrattts miserorum sanguine /arduniur; et^ quo nihil exUiabilius 
fore putOf in tcmta verikUis luce tenebrae mendacii homines prüden- 
tes ac videntes occupant. 



70\ Idacius; Marcellinus; Barbaras. 

(Zu S. 93.) 

Den Idacius veröffentlichte Scaliger in der ersten Ausgabe 
des Thesaurus nach einer Abschrift, welche Friedrich Linden- 
brog von einem Codex des Franciscus Pithöus genommen 
hatte (Bwm, sylL IL p. 349). Im Jahre 1619 gab Sirmond 
eine vollständigeren Text dieses Chronisten (Sirmondi qpp, 11^ 
292), und Alexander Monis, . welcher der zweiten Ausgabe des 
Scaligerschen Thesaurus vorstand, hat den Sirmond'schen Text 
abdrucken lassen. Für die Lesarten des PithÖanus wäre man 
also auf die erste Ausgabe des Thesaurus angewiesen. — Den 
Marcellinus Comes hat Scaliger in der ersten Ausgabe nach 
Onuphrius Panvinius (hinter dessen Fasten, Heidelberg 1588) 
gegeben (epp* p» 311). Auch von diesem Chronisten erschien, 
ebenfalls im Jahre 1619, eine Sirmond'sche Edition (opp, IL 
p. 350), welcher dann Morus folgte. — Dagegen ist kein Un- 
terschied zwischen der ersten und zweiten Ausgabe des The- 
saurus in Betreff des Textes der merkwürdigen ,barbarischen 
Excerpte*, welche Scaliger mit folgender, zugleich schimpfen- 
den und preisenden, Aufschrift versehen hat: Excerpta uH(issima 
ex priore libro chronologico Eusebii et Africano et aliiSp latine con- 
versa ab homine harharo^ inepto, Hellenismi et Latinitatis imperitis- 
sirno. Auf die Wichtigkeit dieses Stückes hat noch neulich 
Mommseu (Abhandlungen der sächsischen Gesellschaft 11^ 



21S 

596, 2) hingewiesen, und da es bisher nirgends als bei Sca- 
liger zu finden ist, so werden einige Notizen über sein Vei- 
fahren mit demselben willkommen sein. Er hat sie zum Theil 
selbst gegeben auf einem unpaginirten Blatte, welches, jedoch 
nur in der ersten Ausgabe, zwischen den Anmerkungen zum 
lateinischen imd denen zum griechischen Eusebius eingefügt 
ist. Dort sagt er, die minder Wichtigen unter den Fortsetzern 
des Hieronymus habe er bei Seite gelassen, Unitt^ tantum av- 
covv[iov Excerpta deleg^lmztSj ex Graecis Africani, Etcsebii et aliorum 
primae notae Ghronologorum veterum in' Latinum sermonem con- 
versa; quae si ex captu interpreiis aestimentur^ omnino operam lu- 
sisse videbimur qui eitis scriptoris rationem habverimus^ in quo le- 
gendo nescio plus patientiae a lectore exigendum sit quam frudius 
lectöri ex eo sperandum. Tanta fuit in homine et Graeci et Latini 
sermonis imperitia. Sed si quis res quae Ulis Excerptis continen' 
tur^ quas ne alihi quidem legimus^ et auctores unde dest^mptae sunt 
consideraverit, tantum ahesty ut illum librum reiiciendum esse pro- 
pter barbari&m interpretis iitdicaverit, ut ultro vitio nohis vertere de- 
huerity si tantarum verum cognitione lectorem diu carere passi esse' 
mus, Nam ut alia taceam, divisio terrarum et provinciarum nXri^ 
Qov%la inter posteros Noae Patriarchae^ quae in pf*ioris libri Euse- 
hiand Graecis tractatur fv» not, in Graec. Euseb. p, 410^ ed, sec, 
p, 249^ ed,prjy ihi fusvus et laxitcs exponitur^ et Septem sacerdotes 
Apollinis Kamiiy qui ab Hieronymo omissi sv/nt, et alia praeclara 
referwiturß denique Augmtalium Aegypti nomina et consuhim Ro' 
manorum non pa/uca paria ibidem continentur, quae proprium com- 
mentarium ocowpare possunt Hunc a/utem librum mamsculis litteris^ 
quod argumentum vetustatis est non infimae^ conscriptum Claudius 
PuteemuSy nondum in amplissimum ordinem [Pariser Parlament] 
cooptatuSy ante annos XXIX nohis Lutetiae communicaverat. Nuper 
autem ipsum (xrchetypum a Itberis eius^ paternarum virtiUum here- 
dibus^ accepimus^ ut ex eo si quid in edUione nostra a/ut omissum 
aut peccatum est in integrum restitiuUur ; quicquid igitur fructus ex 
eius lectione in rem publicam literariam redundaverit^ id omne am- 



219 

plissimi, integerrimi et erudUissimi Senatoris et lectissifnorum eins 
liberormn immortali heneficio acceptum referatur. Was hiemach 
etwa noch dunkel bleiben könnte, wird aufgeklärt durch einen 
Brief Scaligers an Carolus Labbäus, März 1605, (e^. p. 65 1^.« 
Chronicon^ quod a Puteanis mihi utendum impetrasti^ accepi. Illttd 
ante XXX annos mihi CUmditis PiUeanus eorum pater commoda* 
veraty atqtie ctdeo in calce Latini Chronici Eusebiani edi iamdvdum 
curavimus. Si quid in editione peccatum sit^ id ut ex archetypo 
castigetur curahimtis. Also, um das Jahr 1574 hatte sich Sca- 
liger den Codex des Puteanus abgeschrieben; nach der Copie 
ist der Abdruck gemacht worden; und erst als dieser längst 
fertig war, erhielt Scaliger, Anfangs 1605, den Codex selbst 
von den Puteanischen Söhnen. Mit flilfe desselben wollte 
er für die zweite Ausgabe des Thesaurus dei> Text der Ex- 
cerpte revidiren, ist aber nicht dazu gekommen, oder Monis 
hat von solcher Revision keinen Gebrauch gemacht; wenig- 
stens habe ich zwischen den beiden Ausgaben keine Verschie- 
denheit entdecken können. Ein zukünftiger Bearbeiter der 
Excerpte hätte sich also nach der Majuskelhandschrift des Pu- 
teanus umzusehen, wohl auf französischen Bibliotheken, da die 
Worte lihrum Puteanorum remisi in einem Briefe an Labbäus 
(epp. p. 675^, Juli 1606, sich doch wahrscheinlich auf den 
Barha/rvs beziehen. — Sachliche Bemerkungen zu diesem Bar- 
barus hat Scaliger nur gelegentlich mitgetheilt, z. B. in den 
Notae ad Graeoa Eusebii p, 250^ ed. pr.=p. 411^ ed, sec; Can, 
Isag. p, 335 ed, pr. 344 ed, sec., jedoch hat er den Sinn der 
meisten unverständlichen Stellen dadurch deutlich gemacht, dass 
er das Griechisch, welches jener. Barbar verwelscht, gleich am 
Rande des Textes hinzufugt entweder aus dem Cedrenus oder 
indem er es durch eigene Rückübertragung gewinnt. Ein* 
Paar Beispiele der letzteren Art mögen zur Probe dienen. Der 
Barbar schreibt [p. 62 ed, pr.= 76 ed, sec,): Latinorum OAjt&m, 
qui et BorMmoTum^ regnum fortiorem Assyriorum et Aegyptiorum^ 
et Argiorum^ seu et Sic^oniorum^ quem et Graecorvmy et Athind- 



220 

oTum in historia invenimus memorantem^ et nos quidem sequi pedes 
Romanorum ..... quem et Latinorumj tempora disponimus. Sca- 
ligers Griechisch lautet: Aativmv dk^ zSiv xal ^Pooiioclojv, ßaaiXüav 
taxvQonsQccv %&v *A(S(SVQici)v Tuil Atyvnticov ticcI 'AQysltov 7} nal Siviva}- 
vitov, x&v icttl ^EXkrivmVy xal 'AdirivaLtov iv larogta svQOfisv fivrnio- 
vevd'staav* xal '^fietg fisv, aHoXovd'ovvrsg natoc n68a, ^Poo^aloav, tcjv 
Tial Aatlvcovy XQovovg aroixsiovfisv. Gleich darauf £olgt: LatinO' 
rum autem regnum ab Eraclio quidem et TehphOy fqid et Latinus 
vocatur, conamur in quibus praescripimus dicendo. Scaliger über- 
' setzt: AatLvfov ds ßaaiXsi^ ano ^HgauXiovs fisv tioI TijXiq)ov, tov 
Acctlvov TtaXovftivov, inixsiQoviiev, olg nQOsyQatlfa^itv avXXsyovteg, 



,71. RückÜbertragungen. 
(Zu S. 94.) 

Scaliger selbst hat es ausdrücklich gesagt, dass er alles 
Griechisch, was er als zweites Buch des Eusebius giebt, bei 
einem oder dem andern Schriftsteller gefunden, dass er sich 
keine blosse Rückübertragung erlaubt, und dass er es vorge- 
zogen habe, die Theije, für welche das Griechisch sich nir- 
gends darbot, lieber ganz wegzulassen. Gleich zu dem Titel 
des zweiten Buches bemerkt er (Nbtae in Graeca Eusehiip. 263^ 
ed. pr. = 42b^ ed. sec.): Sdunt autem henevoli. lectores, me nihil 
}$ic posuisse quod non scriptum invenerim: multa esse^ quae sine 
ullo codice divinari posstmt*)^ ut Aeginetae mare obtinent 
f Hieron. MDVIIIJf Atyiv^tai d'aXaaeoTiifatovai. etiam si non inve- 
nissem scriptum^ poteram tarnen iisdem verhis quibus ab Eusebio 
con^ephim fuit divinare. Verum hoc nobis nohmrms Heere; ut ni- 



*) So steht in der ersten Ausgabe ; offenbar richtig, wie der ganze 
Zusammenhang ausweist. In der zweiten Ausgabe heisst es durch ein 
Versehen, sei es Scaligers oder des Morus, muUa esse, quae sine inte- 
griore codice divinari non possunty was mit dem Folgenden imverein- 
bar ist. 



hU nm quod scr^taH reperifimsy prcponeremus. Diese Beschran- 
kung seiner Interpretenkunst hat sich Scaliger jedoch nur für 
deü Eusebianischen Text auferlegt^ in den Noten zum 
tl i e r o n y m u s Jässt er keine Gelegenheit vorübergehen» lun durch 
Pfickübertragung in das Griechische den 6inn des Eusebius zu 
ermittlen und die Fehler des Hieronymus zu verbessern. . Ein 
ausgewät))tes Verzeichniss solcher Uebersetzersünden des Hie- 
roi^n^us hat Scaliger gegen den Schluss der ProUgomma ge- 
geben ; auch in dem Index zur ersten Ausgabe s. v, Hieronymus 
hat er dergleichen zusammengestellt. Mehrere grössere Ab- 
schnitte, die durch Hieronymus' Fahrlässigkeit gar zu sehr misSv 
handelt waren, hat Scaliger ganz von Neuem übersetzt, z. B. 
das Prodmium, soweit er dessen griechisches Original bei Syn- 
cellus {p, 65) fand. Er leitet seine eigene Uebersetzung so 
ein {Animadverss, p, 11^: Quia mulia reliquit in hoc proaemio, 
muUa sequfus interprekUus est, mtäium deniqtte sibi permisU Hiero- 
nymtcs^ quod contingere necesse est in iis quae dictantur, non quoß 
a nohis scrib^ntvr: jtrincipium huius prooemii ex ipsis Eusf^ii 
Graecis pingui Minerva ei ßdelius quam ambitiosius Latine redditum 
hie posuimus, ut quid ob Bieronymo mutatum aut relictum sit lector 
animadvertere possit, Nam sane si quis hodie ita ut fecit Hiero^ 
nymus Graeca verteret^ non dico ab alienifi sedp ut Actaeon^ a suis 
cambus mordicus discerperetwr. 



72. Syncellus. 
(Zu S. 94.) 

Die erste Erwähnung des Syncellus findet sich in einem 
Briefe ail Casaubonüs, August 1601, (epp. p. 191); Mala te yi- 
dere quam audire^ quid Eusebio profuerimus, Graeca meHotempar- 
tem ex oblivione media excitavimuSy et omnia sine ulla exc^tione 
reddidissemus^ si nobis cuiusdam l'ibriy qtä in Bibliotheca regia est, 
copia ßeret. , Sed frustra semper [d. h. so lange Gosselin Biblio- 
thekar war] illius Bibliathecae opem imploravi. Nam qui dAAat 

15 



homini nihili [Gosselino] imperare, is vero Uli cueurbHae obnoxna 
esty amplissimus et la/udaiissimus amieus noster fThuanusJ, ' Itaque 
non est tanti tata illa Biöliotheca et qukquid uspiam pulverulentO' 
tum librorpm est, td Scaliger vel nlli Tnonarchae supplex sif, Diess 
stolze Verzichten auf die ,bestaubten Bücher* hielt aber nicht 
lange vor. Er bestürmte den Thuanus mit Briefen; Casaubo-* 
nus' Bemühungen waren unermüdlich; und so wurde der mür» 
rische Gusselin endlich gezwungen, den Codex herauszugebent 
Juli 1602 hatte Scaliger ihn erhalten (epp, p, 218). — Goanis^ 
welcher seine Ausgabe des Syncellus nach demselben Pariser 
Codex veranstaltete, hat alle von Scaliger, meistens stillschwei- 
gend, gemachten Verbesserungen tabellarisch verzeichnet {Syn* 
cell ed. Bind. IL p. 298—334), und diese Partie wu^ wohl 
am Ende die brauchbarste sein in dem ganzen Commentar des 
wüthenden Dominicaners, dessen Hass gegen Scaliger gleich^ 
sehr erklärlich wie ohnmächtig ist. — Als Scaligers Eusebius 
erschienen war, schrieb ihm Labbäus, was man in Paris dazu 
sage, unter Anderem auch diess, er hätte den ganzen Syncel* 
his ediren sollen. Scaliger antwortet (epp. p. 673): Tllud vero 
quontivis pretii esty dehuisse Georgium me ediere. Quod ius^ out nct* 
turaU aut gentium^ hoc a ine exigit ut, quum Euselnum edere prO" 
posuerinty Georgium adiungerem^ qui ingens corpus eokts conficere 
possitf quasi quod volumen edidimus non satis magna moles sit^ et 
seni miserOy qui nullum hborum suorum habet socium, parum sit 
tot exantlasse aerumnas^ nisi ei suh sarcina succumbendum sit. Mo- 
lignoSy imperitoSy et %kifManag istos non curamus, qui nihil ex opere 
meo colligere potuerunt, nisi de quo querefentur. Doctis^ candidis, 
ingenuis et Itberalibus animis^ non istis homuncionibus scHbimus. 
Nullius est de opere meo ferre sententiam^ nisi eius qui etusmodi 
opus edere possit 



313 



73. Casauboni'sche Excerpte. 

(Zu S. 95.) - 

- » 

Casaubonus* Brief vom 13, Februar 1605 (epp, ed. Almel 
p. 232), in welchem er den Fund der Excerpte anzeigt, ent- 
hält eine allgemeine Beschreibung des Codex. Sie stimmt voll-» 
kommen zu derjenigen, welche Gramer (Anecdot Baris, tl^p* 116^ 
von Cod. Reg. Chartac. 2600. 4. saee. XV giebt, und h&tte Gra- 
mer den Brief des Gasaubonus gekannt, so würde er wohl 
nicht so schüchtern, wie er mit einem ut opinor thut, über die 
Identität des Godex gesprochen haben. . Wenn er femer sagt, 
dass der Scaligersche Abdruck parum fideliier gemacht sei, so 
ist das wohl üur ungelenk ausgedrückt, und nicht so schlimm 
gemeint. Auf keinen Fall jedoch ist es richtig. Denn hei 
Durchmusterung der Varianten stellen sie sich, mit sehr we- 
nigen Ausnahmen, als Verbesserungen heraus, welche Scaliger, 
ebenso wie beim Syncellus, stillschweigend vornahm. Die {)aar 
wirklichen Ungenauigkeiten aber werden wohl nicht von Sca^ 
liger, sondern von Garolus Labbäus verschuldet sein, der die 
Handschrift fSr den Druck cöpirte {epp. p. 652 — 659). — Die 
Worte, in denen Scaliger ^ich nach der ersten Meldung dem 
Casaubonus seine Freude über den Fund schildert, lauten: 
(epp. p* 274).* uUimae fliHerae tuaej intens desiderium ei cupidi" 
totem tneam elicuerunt, poatquam legi in quodam &rßini.yQ&tpip libello 
Begum sttcceesiones et ßtudiovlxug contineri, Nbn potui me conti* 
nere; immoderatum gaudium expressit a me geshtm /ortasee hominis 
non sanae mentis; subito enim laetitia exiUd, Illae entm ctaduivi* 
iiwif %üitay^tpa\ sunt lulii Afticani^ qui in OJympiadem CCXLVJV) 
Chronicon suum deduxit Und nachdem die Excerpte gedruckt 
und verwerthet worden, schreibt er (epp. p, 292)/ Fragmentum 
ilhid t&v 6tadioiWM9Py quod nobis liheralitas ttta impertivit, est ut 
Minerva Phidiae in nostro opere, — Niebnhr hat die Stücke aus 



•) Ein oflfeobarer Druckfehler statt CCXLVIIII, s. z. Eus. N. 2237* 

15' 



934 

Porphyrius imt der armenischen Uebersetzung verglichen (Kl. 
Sehr. /• p, 291;) ;. und in den Vorlesungen über alte Geschichte 
(J, p. 18) sagt er: Jsaac Casaubonus besass griechische Aus- 
züge aus dem ersten Buche des Eusebius, welche Original- 
stücke aus Porphyrius enthielten; wo er sie gefunden hat, 
weiss ich nicht» denn in Paris sind sie nach meinen Erkundi- 
gungen laicht mehr vorhanden/ Glücklicherweise hat Gramer 
geschickter gesucht, als die von Niebuhr Beauftragten; er selbst 
war bekanntlich nie in Paris. 

I 

\ 

74. Olympiad.en-Verzeichniss. 

(Zu S. 96.) 

Die inbrünstige Anrufung der Olympiaden - Aera steht 
Aninuuherss. p. 66* pr,^=p. 70* sec, — Welche. Ausbeute 
die neuentdeckten Excerpte f&r seine ,Geschichtsammlung^ lie- 
fern müssten, d^umnte Scaliger gleich als Gasaubonus ihm den 
Fund meldete^ und Schon bei der ersten brieflichen Aeusserung 
seiner Freude ruft er (epp, p, 275).* quantiun ornammtnm t§ 
»wayioy^ latopUtg nostrat acce&surum eil, quam ex muliU icm. edir 
tis quam adkuc ka§ntihus $criptoriimt cof^imusf Die Undereil 
Aeusserungen SoaHgers über diese seine Arbeit hat:£!wald 
Scheibel (losephi Soaligeri 'Olvfi^iadiDv .'A^ay^^f BereUni 
1852^ 4;) gesammelt (p. JX), und zugleich eine bi3'i^uf.die 
neueste, Zeit herabgehende Liste deijenigen angelegt (p* HJQp 
welche d^ ,0l3rmpiaden*Verzeichniss' für ein' Werk aus den^ 
Alterthum gehalten haben. Dass Thomas Reinesius diesen Irr-^ 
thum gehegt und mit einem Aufwand von vielwisseiisoheu No-^ 
tizen ausstaffirt hat, kann weniger Wunder nehmen, als dasa^ 
selbst Lessing gelegentlich darein verfaUen kt, und demnach 
7r. D. Gerlach hier eimnal nicht in ganz schlechter GeaeU-^ 
Schaft Modernes ftir antik hält. — Auf Scheibel's Buch ver- 
weise ich um so lieber, weü es die einzige mir zu StatteiK 
kommende Vorarbeit ist; es ward veranlasst durch eine Preis: 
au%abe, welche im Jahre 1839 die Berhner philosophische 



im 

Facultat, das heisst wolü in diesem Fälle August Böckh^ 
folgendermaassen stellte: De losepho Scaligero Olympiadum De* 
scriptionis auctare. Zun&chst würden jetzt die übrigen Theile 
der nvüfäyarfri eine ähnliehe Bearbeitung verdienen, lind ausser- 
dem etwa noeh der Stq<»^vxB^£ infiivgayif vccffOiftiAp, ein Lieb^ 
lings- und Meisterstück Sealigers, welches durch die etwas 
kärglichen Naten des Andreas Schottus (Adagia p. 580) noch 
nicht för den heutigen Gebrauch sugSnglioh gemacht iät;* 

75. Behandlung der Patreö. 

(Zu S. 99.) 

Seine kritischen Auslassungen über die Patres hat Scaliger 
in dem Index zur ersten Ausgabt unter den betreffenden Na- 
men verzeichnet, und es war eine sehr ungehörige EigenmUch- 
tigkeit des Morus, dass er in der zweiten Ausgabe diesen In- 
dex um ein Betrilchtliches kürzte. — Die ziemlich derbe Weise, 
in welcher Scaliger manchmal die Patres abfertigt, erregte in 
Paris Anstoss,' und als ihm Labbäus diess schrieb, antwortete 
er (q)p, p, 673).* De siellumikus autem Ulis satis mirari non pos- 
sunt, qui Patres a me sine honore notninari dicunt Ostendant 
mihi quo honore velint eos a me affid, Infinitis löcis Augustinum 
et Hieronymum sanctitoitis et eruditionis cognbminibus omavu An 
hoc Sit sine honore Patrum meminisse, ipsi viderint Allerdings 
bat er im Eusebius immer noch etwas mehr Rücksicht genom«- 
men,' als im mündlichen Gespräch, wo er einmal äusserte (Sca* 
ligerOna 11, s. v, Pere^: La grande ignorance de ces Peres depuis 
13 ou 1400 ans, Les Jesuites tjoudroient, que nous demeurassionS 
en ceä tenebres-lä, Pauca nos docent Patres in Theologicis, Und 
ft&tcf. s. V, Theologie): On scait at^ourd' hui plus en Theologie et en 
Histoire Ecelesiastique que du temps de Tertullien. Aber auch im 
Eusebius finden sich Freimüthigkeiten, wie z. B. folgende (wo- 
tae in' Gtaeca Euseb, p, 417» ed» sec, p, 255 ed, pr.): Multae sunt 
halhtcinationes, muUa peccata Eusebii, Julius est auctor, qui Uh 
more studio et maiore securitate iudicii lectorum scripserit, quam 







^96 

hic nasterJ Nihil tarnen ««f^tfxftvrotf^or ei exddUy quam hoc qucd 
m manu est, ntwem tantum reges ex prior e famUia Regum Lttce^ 
daemoniorum fuisse et una cum Ulis sex alios altera regia domo 
regnasse fv. ad num, Euseb, 9167« Non haec prcpono ut confttr 
ieatutß hoc enkn Aretalogi hodiemi in re manifesta facere solent^ 
sed ideo ut huius scriptoris imnlvdwoi scopuU vOentur, quos ..impe- 
ritiSy nisi prius indicati /uerint, diffidle est vitare, Nam hodie quof 
dicta aeterum PtUrum, tot scita dnmae scripturae eensentur. HifiC 
larvae et mendicabula Sophistarum incunabula primorum Eremico^ 
larum ab Eßsenis repetiverunt, quia Eusebius id dixit, qui quam il- 
, lud de Essenis scriberet, se compotem mentis non fuisse ex eo 
osiendüy quod alibi de Essenis non ut monachis Christianorpm sed 
ut mere ludaeis loquitur [s, oben S. 205], Jfam erratis huiue 
auctoris enumerandis charta non suffecerit. 



76. Zweite Ausgabe des Thesaurus. 

(Zu S. 101.) • 

Oleich bei Uebersendung der ersten« Ausgabe an Casau- 
bonus kundigt Scaliger die zweite an in einem Briefe , vom 
August 1606 {epp, p. 320).- Si ventus prosecuhts est vota nostra, 
iamdudum^ Eusebius noster ad vos pervenire potuit, < Ante guadrch 
ginta enim amplius dies, res curata est q nohis: Offendent te erro- 
res tgpographid: guorum seges tanta est, ut non solum eorum me 
pudeatf sed etiam quicquid cperae poeuertm, eius me poeniteat, Qui 
norunt eos qui excuderunt, tantum abest ut errata illa mihi obii- 
ciant, ut potius mirentur et frequentiora et graviora admissa non 
esse* Quum illud genus hqminum considero, mihi ignosco: quam ad 
librum meum me conferoy ad metalla damnatus mihi videor. Sed 
et tu et boni omnes excusabitis et, ut spero, calamitatem potius quam 
cuJpam hoc quicquid est vocabitis, Si qua nostra culpa e^t, in al- 
teram editionem exoneramus. Und im December desselben Jah- 
res 1606 gab er sich dieser Arbeit schon ganz hin, wie er an 
Calvisius schreibt (qjp, p, 616).* Acc^ies Eusebitm» ühum t^ 



227 

moneoy nullum librum tarn infelieUer excusum fuisse, Bes enim, 
mihi cum ignavissimis et imperiiissimis typognajihia fuit Quorum 
negligentia commissum, ut plura menda in ea editiotie quam verha 
»int, miUta praepostere posita^ multa.fyraiecta: denique taedet pigetque^ 
ühde novam adomare cogor, in quo quidem totus 9um, Nam fla-^ 
gitium est, in opere tanti momenti tot vüncea exstare, — Das fer^ 
tige Manuskript war in Scaligers Testament dem Franciscus 
Gomarus zur Herausgabe überwiesen, und als Erkenntlichkeit 
tÜT seine Mühe war ihm Scaligers durchcorrigirtes Handexem-* 
plar des Josephüs vermacht. Aber die Händelsucht des Go- 
marus verdarb auch dieses Geschäft; er gerieth mit den Ver- 
legem, den Commelin'schen Erben, in Streit und starb im 
Jahre 1641, ohne dem Auftrag Scaligers genügt zu haben 
(Crenii Animadtjv, phU* XV, p. 109). Darauf brachte d^r Am* 
sterdamer Buchhändler Janssonius das Manuskript an si(^, und 
die Beaufisichtigung des Druckes übernahm Alexander Monis, 
einer der berühmtesten Kanzelredner seiner Zeit, Hausfreund 
und später Feind des Salmasius. Von seinem unruhigen Le- 
ben giebt Bayle (txrt Mortis) einen Abriss; und wenn man die- 
sen gelesen hat, wird man auf kritische Sorgfalt schon von 
vorn hei*ein bei Morus verzichten. Einige seine)* Nachlässig- 
keiten sind oben (S. 219, 220, 225) berührt; falsches Einlragen 
von Scaligers Zusätzen zu dem Olympiadenverzeichniss hat 
Scheibel (p. XVIy not 153) an mehreren Beispielen nachgewie- 
sen; und bei eingehenderem Studium merkt man bald, dass 
diese, allerdings der Zusätze wegen unentbehrliche, Ausgabe 
>des Morus vom Jahre 1659 doch den ersten, von Scaliger 
selbst besorgten, Druck des Jahres 1606 keineswegs entbehr- 
lich gemacht hat. 

77. Testament. 
(Zu S. 101.) 

Im October 1607 schreibt Scaliger an Casaubouus (^pjo. 
p, 339).* Neque vero vana retulit tibi o pM%ix(fltrje' ille jamicus no^ 



228 

sier [Buzannaljf qui me operam deseHhendi» libris dare tibi re/^* 
ri^xU. Q^um enim quantwn ännrnrnm post me reliqmrim €t quam 
parum mihi nupersit ad metas considero^ totum me ad satcinaa coU 
ligendas ecmparB. Et pfimum quidem inducto priore testamento*) 
aliud confeci,^ Sororem bonorum meorum institui haeredem; amicis 
de. quisquilOs meis aUquod pkvii\^o^v9ov noetri reliqui, quod amorern 
meum magis quam dioitias testari potest .... Dimidium faeH hokeö 
quod bene incepi, Supered ut ad reliqua ordinanda ' ammum adii^ 
dam, Quare quaecunqae in exoticis liiipuis aut sparsa erant'in 
suppellectile li^aria aut aliunde vel prece vel preeio eomparare po^ 
ftti^ ea omnia manu mea in hoc aetate descrihuntut .... SiyUt mit* 
tevoli nostri persuadere tolunt, ego mea industria pfocfesse n&n po» 
tuij saltem äliena aliquam a posteritate gratiam intbimus, Sam p»it 
mortem multa iStoy^atpct aviüSota reiinquimus. Seleetioree Orienta* 
lium linfftiOruiH libroe bibliotheeae huiua Academiae legamue . , . . « 
lam pro^pexi rebus meis: ne in ea sim culpa quam effugere prae* 
dari eiri non potuerunt^ quiy tanquam nihil possiderent^ intestati 
. mori quam de morte saltem. cogitare maluerunt. Ego contra ciml 
nihil fere haheamy hoc parumy qualecunque habeo^ malui supremo iu- 
diclo ordinäre quam non de marie cogita^se videri, Ei ridebunt 
/ortasse quidam quod me non pudiierit in tarn tenui re testiimentttm 
fBCisse, Qßos velim sdrSy Interesse viri bohi sattem ut mortalem 
esse se meminerit idque scripto aliquo tesiatum suis rdinquat. -^ 
Die Bestimmung, durch welche Scaliger seine Papiere der Ver-* 
dfienüichung entzog, hat dem Hugo Grotius Stoff zu folgendem 
Epigramm gegeben (poematt, p, 359) .* 

€um plut^i dodis fwrgerent undiqtte ehartiä, 

Quas velU aeterno fatna fwere sinu, 
Exhaeredaicit moritums Scaliger orhem 

Et vetuit post 86 scripta videre diem, 
Heu nimium duras e miti pectore leges. 

Pro quibus impietas magna sit esse pium. < 



*) Dieses erste Testament hatte er im Jahre 1601 uiedergeschrie' 
ben (qtp^ p. 183>. 



HB 

Digna sU hac poena praeseM quae v^itur aeta$, 

Nimpe haec quae Titioa*) Scappiadäaque tulU: 
Sed quo posferitas meruit non posse docer0 

Aut quid fecerunt tarn bona scripta malif 
Parce, paier, si nos rede t%bi cuncta monenti 

Credere in hoc uno credimuB esse nefas, 
JPubliw sunt isihaec* •Semet ut iefata dederunt 

Omnibus, inde potest iam nihil esse tuum, 
Sit tarnen ut mandas: nequeunt vel pressa laiere 

Quae tantum ex tanto nomine lucis hahent. 
Quicquid nescitur foliis quaeretur in istis, 

Sine sihi responsum maxima turba petef, 
Qucmta nee Euboieae celebravit virginis**) anirum. 

Nee tripodes medio quos habet orbe locus. 
Quid iuvat in populos has non dimütere Chartas f 

Scaligeri circwn scrinia mundus erit 

Die Prophezeiung des letzten Verses wird sich hoffentlich in 
nicht zu ferner Zukunft besser als in den verflossenen dritte- 
halb Jahrhunderten erf&lien; aber die Zusätze zu Catull, tob 
denen ' im Text gesprochen ist, wird man in den Leydener 
^Scluräiiken^ wohl vergeblich suchen. Dass Scaliger sie einem 
Freunde zum Druck überwieset hatte, ergiebt sich aus Hein- 
siua' Leichenreden p, 98, wo unter labri quos losephus Scaliger 
edendaa amieis reliquit auch aufgefSlhrt ynrd^Caiulkis, Tilmllns ei 
Propertius auciior et casiigaäor. Bdcler in dem Vorbericht zur 
dritten Ausgabe des Scaligerschen Manilius (Argentarati 1655) 
erwähnt als eine allbekannte Sache, dass zugleich mit dem ver* 
mehrten Exemplar des Werkes de emende^ione und Manilius 
auch der Oatull nach Genf gekommen sei; was jedodi dort 
aus ihm geworden, weiss Böcler iuxta ^m ignariseimis, r^ 
Den Plan zu einer dritten Bearbeitung des Catull hatte Sca- 
liger schon im Jahre 1602 gefasst; er schrieb damals an 



*) Siehe unten in dem Abschnitt: ,Zwci Pseudonyme Schriften 
Scaligers.^ 

*V S^Vliae Cumanae. 



280 

Taübmann (i^p, p. 746^.^ Catullus cum sociis opera studiosorum, 
qm avetiwes erant nacti illos auctoreSy recttsus est sed ita ul defoT' 
mitate illius editionis cogar exponere foetum neque meum agnoscere, 
Itaque /ortassis poteris meliorem nam^ci typographum^ ut melior et 
ornatior ac multo locupktior editio prodeat. ' lu det* That ist die 
zweite Ausgabe des Catull das einzige unter idlen Bfichem 
Scaligers, in welchem der typographische Anstand, auf den er 
streng zu halten pflegte (s. oben S. 194), nicht beobachtet ist. 
Dass es zu Franeker, also nicht unter Scaligers Augen, ge- 
druckt worden, sagt er in einem Briefe an die Puteanischen 
Brüder {epp. p, 437). 



78. Krankheit. 
(Zu S. 102.) 

Den Verlauf von Scaligers Krankheit hat Daniel Heinsiüs 
geschildert in einem Briefe an Casaubonus, welcher den Sca* 
^ ligerschen Briefen angehängt ist {p. 829 — 848^. Dort heisst 
es von den Studien während des ersten Stadiums der Krank- 
heit (p, 832J.' Quantum corporis, quod tarn &tQO(pl^ penitus ema- 
ciatum erat, tnfirmitas permitteret, animum quasi in statione sem^ 
per erectum habebat, ac ne tum quidem ut nihil ageret a se 
impetrare potuit* Existimo postremos, qu^ms ante ..mortem usus 
est, autores, Polyhium et Lipsii De Re Militari libros fuisse: Qujo^ 
rum in aUerOy qui penes me est, infinita emendaverat ac inter cetera, 
paucissimis, antequam penitue lectulo affixus iaceret^ diebus pilum 
Momanum ex auctoris doctissimi descriptione manu sua accurate de^ 
lineaverat: quod in eo omnes qui Poh/bium iUusirare conati essent 
errasse existimaret; in altero nonnulla in quibus dissentiret arrnota- 
verat^ Bemerkenswerth ist noch Heinsiüs' Mittheilung über die 
letzten Worte, die Scaliger zu ihm gesprochen (p, 837^/ Die 
alio cum rediissem et de valetudine interrogassem : Fili, inquit, Da- 
niel, extrema vides, Vix dolori par sum. Corpus ex assidua de- 
cumbendi consuetudine et morbi inclementia exhaustum est. Manet 



231 

id^n vigor ammL . Inimid mei si me videani^ dmnae irae hoc 
ascribant. NosH quid de aliis tarn dmdgarint. Tu de hU testari 
poies. Perge ut coepistü Et hoc age vi memoriam Ulms, qui Um" 
tqpere, te amaty sancte iuearis. Sed et Dens sine dubio te amtU* Et 
amabüy quamdiu bona tua Uli referes acceptum/ quae quo minus 
ostentabis eo pluris erunt. Arrogantiam ei fastum vitd. Ab ambi- 
tione quantum p<^es cave; et imprimis ne adversus animi senten- 
tiam illius causa quicquam agas, Quicquid in te est illius [DdJ 
iotum est TIkvov ^iXe, o/j(o/»€da. Fuit tibi tuus Scaliger, 



79. Scaligerana. 
(Zu S. 104.) 

Noch deutlicher als in den Briefen tritt Scaligers unver^ 
'Wüstliche Frische in den Gesprächen hervor, welche aus zwei 
Perioden seines .Lebens aufbewahrt sind, und jetzt als Scali- 
gerana Prima und Scaligerana Secunda oft genannt, jedoch, aus- 
ser von Bemhardy, nur wenig benutzt werden. Allerdings ist 
die Benutzung dadurch schwierig, dass inaü, um nicht auf 
Schritt und Tritt in Irrthümer zu gerathen, sich fortwährend 
^e Umstände gegenwärtig halten muss, unter welchen die bei- 
-den Sammlungen ursprünglich entstanden sind und unter wel- 
chen sie ihre gegenwärtige Gestalt erhalten hab^. 

Die jetzt sogenannten Prima Scaligerana würden besser Scali' 
geranß Vertuniani heissen« Denn sie sind aufgezeichnet von Fran- 
ciscus Vertunianus, Scaligers oft erwähntem ärztlichen Freunde, 
der, als Hausarzt der Familie Rochepozay, ihn zu sprechen viel- 
fache Gelegenheit hatte in den Jahren zwischen seiner Bück- 
kehr aus der Schweiz und der Uebersiedelung nach Holland« 
So weit sie; also mündliche Aeusserjungen Scaligers enthält, um- 
fasst die Sammlung die Periode von 1574 bis 1593. Einige 
Artikel lassen sich mit Hilfe feststehender biographischer Data 
einem bestimmten Jahre zuweisen, z. B. der Artikel at^/ore« (s. 
oben S. 151). und Muretus: Mihi [dem Vertunian] dpxit Dom* 



cPAbin [Rochepozay] tanti fuisse los, Sccdtgernm Mufetö^ cum 
Romae esset ante sex annos, vix tä unquam ab illo Muretus di*- 
velli potuerity cuius doctrinam totus stuipebat et adfnirabcUur mctxime* 
Da Scaliger 1565 uVid 1566 in Born war, so stammt dieser 
,sechs Jahre' später niedergeschriebene Artikel aus dem Jahre 
1573. Für den Artikel Scaliger [s. oben S. 117] hat Vertu* 
nian selbst am Schluss das Datum angegeben:' Hoc anno Do' 
mini lb76 agit Hie [Scaliger] annum aetatis 36. — Ausser den 
mündlichen Reden, die meistens lateinisch und oft iü der drit* 
ten Person wiedergegeben sind, hat Vertunian noch Auszöge 
aus Briefen Scaligers an ihn in die Sammlung aufgenommen, 
z. B. s, V. Brugnolus = epp. p, 103^ vgl. Leibnitz Novioeaux es- 
sais I^ c. 3 extr.^ und eine Anzahl nicht zur Veröffentlichung 
bestimmter Noten, welche Scaliger gegen Contantus' Gommen- 
tar zum Dioskorides gelichtet hatte, s, v, Crocus (s. oben 
IS, 115). — Nach Vertunians Tode (1607) blieben diese AuiP 
Zeichnungen unter seinen Papieren in Poitiers liegen, bis si^ 
um das Jahr 1669 ein dortiger Advokat, de Sigogne, an' sich 
brachte und dem Tanaqull Faber nath Säumur zur Herausgabe 
schickte. In Saumur . wurden^ sie auch gedruckt; aber di^ 
rücksichtslose, politisch und kirchlich sehr verföngliche Par- 
rhesie Scaligei^s bestimmte den Faber, wie alle übrigen Her* 
ausgeber von Scaligerana, einen fklsehen Druckort zu nennen, 
und auf dem Titel heisst es: Prima Scaligerana nttsquam antehac 
edita, Groningae apitd Petrum Smithaeum 1669. Den Gtund, 
wesshalb er den Beisatz prima gewählt, giebt Faber am Schluss 
der Vorrede so an: Cur autem Prima voawerim — nam- Mmc 
eis titulum /eci — tAi libelhm legeris /adle intelliges. Sdlicet (^ 
tera illa SctUigerana, quae abhinc duolms tribusve annis prodiere, re^ 
centiera (von jüngerem Ursprung, aus einer späteren Lebens* 
periode Scaligers) swnt. 

Diese , anderen Scaligerana^ nun, wie Faber sagt) oder 
Scaligerana Seeunda, wie »ie jetzt gewöhnlich heissen, würden 
passender Scaligerana Va9safy!>runk genannt nach den Au£c^chneni 



9^ 

Jjean und Nicolas de Vassaii. Die Mütter derselben- war eine 
geborene Pithou; sie hatte dem Beispiel ihres Bruders Petrus 
PithöuSy als dieser zum Katholicismus übertrat, nicht folgen 
wollen und war im Jahre der Bartholomäusnacht nach Genf 
gezogen, wo sie einen Mr. de Vassan heirathete (Casaub, epp^ 
.ed, AlrneL p, 186). Im Sommer 1603 schickte sie ihren Sohn 
Jean nach Leyden, und Casaubonus gab demselben angelegent« 
Uche Elmpfehlungen an Scaliger mit. Im Frühling des näch- 
sten Jahres 1604 folgte Nicolas dem Bruder nach, ebenfalls 
an Scaliger empfohlen durch den Parlamentsadvokaten Servin 
(de Reves p. 181). Beide Brüder hatten im Sommer 1606 
Leyden wieder verlassen, wie aus Scaligers Briefen an sie (epp, 
p, 536) hervorgeht. Sein Umgang mit ihnen fallt also in die 
drei Jahre von 1603 — 1606« Die Erinnerung an ihren ver- 
storbenen Onkel*) Petrus Pithöus, einen seiner besten Freunde, 
hat wohl zu der rückhaltlosen Gesprachigkeit beige tragen, in 
der sich Scaliger den beiden Jünglingen mittheilte. Er ahnte 
freilich nicht, dass sie, aus eigenem Antriebe oder, wie nicht 
unwahrscheinlich, von ihren Pariser Gönnern dazu aufgefordert, 
nach jedem Gespräch alles irgend Bemerkenswerthe wörtlich; 
niederschrieben, bald lateinisch bald französisch, wie Scaliger 
eben gesprochen hatte. Auch mit diesen vertrauten Schülern 
hatte er aber nach comfessioneller Seite so wenig Glück, wi^ 
mit dem jüngeren Bochepozay (s. oben S. 23). Beide Vas- 



*) 8. V, Ferse, Yfo einer der Vassans in erster Person spricht: 
Le vieux eommerOaire sur Ferse et JuvencU a esiS trie par Monsieur de 
LescaUe et ainsi renda a Momieur PUhou, mon Oncle de Savaye (Pierre 
Pithou hatte in der Champagne ein Landgut, welches Savoye hiess, wie 
Golomesius anmerkt), und s. v. Fithoei, wo Scaligcr redet: Vostre 
Oncle Fr, FUhou a un seul liore dont je iui parte enoie, und weiterbin: 
FitJioeus patruus tüus asinus in Ulis rebus de religione. Ein anderer 
deutlicher Beweis, dass Scaliger zu den Vassans spricht, findet sich «. 
V, MedicU: 11$ ne sont point venus de Medecins; ce moi'de Medids signifie 
autant que VßSsan, 



^34 



Sans wurden später katholisch^ und Jean ist sogar als MÖnch 
in einem Kloster der Feuillants gestorhen. Inzwischen hatten 
sie ihre Sammlung Scaligerscher Gespräche, von welcher sie 
hei ihrer verEnderten Lehensstellung keinen Gehrauch machen 
wollten oder konnten, den Puteanischen Brüdern überlassen. 
Von den Puteani lieh sie im Jahre 1642 der Parlamentsrath 
Claudius Sarravius und machte sich eine genaue Abschrift. 
Nach Sarravius' Tode (1651) schenkte dessen Sohn Isaac die 
vom Vater gefertigte Copie einem Freunde; und dieser, nicht 
naher bezeichnete, Freund borgte dieselbe um das Jahr 1662 
dem bekannten kirchengeschichtlichen Kritiker Job. DaMus. 
Zu eigenem Handgebrauch nahm Dalläus ebenfalls eine Ab- 
schrift, in welcher er die von den Vassans beobachtete Folge 
der Gespräche auflöste und Alles alphabetisch ordnete. Bald 
darauf kam der sprudelköpfige ^ Isaac VossiuS nach Paris, 
wusste dem Dalläus sein alphabetisches H^ft abzulpcken, Hess 
es schleunig copiren und schickte, ohne den Dalläus viel zu 
fragen, diese, im dritten Grade von der Vassanischen Hand- 
schrift entfernte, Copie nach dem Haag. Dort wurde sie im 
Jahre 1666 gedruckt unter folgendem Titel: Scaligeriana 
swe Exce^ta ex ore loscht Scaligeri, Per F. F, P. P. [FrcOres 
PtUeanas] Genevae apud Petrwn Chlumestum, In einer kurzen 
Vorbemerkung sagt der Drucker dem Leser: Damus, benigne 
Lector^ quae lacobus et Petrus - Puteani fratres ex ore Clarissimi et 
Doctissimi Viri losephi Scaligeri excerpta chartae olim mandarunt 
Descripsit illa Claudius Sarravius ex schedis . Puteanarum, Alius 
Vir Doctissimus digessit illa in ordinem Älphaheticum, Nach zwei 
Seiten verstösst diese Notiz gegen den wahren Sachverhalt, 
erstlich durch die Nichterwähnung der Vassans^ und noch mehr 
dadurch, dass sie die Puteani, welche bloss die Besitzer der 
Handschrift waron, zu den ünterrednern macht, mit denen Sca- 
liger die Gespräche geführt habe. Vossius' Indiscretion, seine 
falschen Angaben über den . Ursprung der Sanunlung und die 
vielen Versehen im Text derselben, welche bei der verstohle- 



neu und eilfertigen Publieation nicht ausbleiben konnten^ Vtt^ 
anlassten deü Dalläus, gleich im nächsten Jahre 1667 eine 
sorgfältigere Ausgabe nach seiner eigenen Abschrift zu veran- 
stalten. Sie ist zu Rouen gedruckt und f^rt folgenden, gegen 
Vossius gerichteten, Titel: Scaligerana, Editio altera^ ad verum 
exemplar resfituta et innumeris iisque /oedissimis mendis, quihus 
prior lila passim scatebai^ diligentissime purgaia. Coloniae Agrip* 
pinae, apud Gerbrandum Scagen^ 8. In der Vorrede erörtert Dalläus 
die Gescluchte der Sammhing, setzt die Vassans in ihr Recht 
ein, und giebt die nöthigen Aufschlüsse über die Verzweigung 
der Abschriften. 

Demnach ist es Ivlar, dass filr die Scaligerana Prima nur 
die Ausgabe des Faber und für die Secunda nur die Ausgabe 
• des Dalläus Autorität hat. Diese zwei Ausgaben hat Des Mai- 
iseaux vereinigt im zweiten Bande folgender Sammlung: Scali* 
gerana, Thuana, Perroniana, Pithoeana et Cohmesiana, Ou Eemar* 
ques HistorigueSy critiques, morales, et liiteraires De Jos, Scaliger^ 
J. Äug, de Thouy le Cardinal Du Perron^ jFV. Pithou^ et P, Coh' 
mids, Avec les notes De Plusieurs Savdns, Amsterdam 1740. 8. 
Dort findet man auch die Vorreden der früheren Herausgeber, 
nach deren Angaben Des Maizeaux eine übersichtliche, mu* in 
der Chronologie der Gespräche mangelhafte, Histmre des Scali' 
gerana entworfen hat; ich habe von ihm die Titel der AuSr 
gaben des Faber und Vossius entlehnt. Femer hat Des Mai- 
zeaux das richtige Verfahren eingeschlagen, die Prima und 
Secunda .als für sich bestehende ^ Ganze auseinander zu halten 
imd sie nicht unter eine und dieselbe alphabetische Ordnung 
zu bringen, was scheinbar zur Bequemlichkeit, in Wahrheit 
aber zu grosser Verwirrung des Lesers gesohehen war in fol« 
gendem, jetzt wohl am meisten verbreiteten, Abdruck: Sccdi- 
gerana Ou Bon Mots, Rencontres Agreables Et Remarques Judi^ 
üieuses et Sgavantes de J„ Soaliger Avec Des Notes de Mr* Le 
^evre ei de Mr, de Colomies. - Le tout dispose par ordre Alpha' 
heiique en cette Nouvelle Edition. A Cölogne [Amsterdam^ s. Des 



i 
I 



--; . / 



236 



Mafeeaux p.XV\, Ca«s *♦* MDC.XCr,8. Hier sind die Artikel 

t 

der ^Primä von denen der Semndä hur durch ein^ oft falsch 
gesetztes, Sternchen unterschieden. 

Für jetzt muss man sieht also an die Arbeit von Des 
Maizeaux halten, welche den vorhandenen Stoff in! der zweck- 
massigsten Form darbietet. WesentUche Ergänzungen und Ver- 
besserungen wurden sich nur dann ergeben^ wenn es gelingen^ 
sollte, eine der noch nicht' a^habetisch geordäeten Hand- 
schriften aufzufinden, d. h. entweder das OrigioiEdmanuscript 
der Vassans, welches nach Guy Patin's Angabe (LeÜres choisks 
CLIV, p. 408 ed, Paris 1685) im Jahre 1666 sichKauf der kö-r 
niglichen Bibliothek zu Paris befand, oder die v^n Sarravius 
gemachte Copie. Ein solcher Fund würde für |iUe Secunda 
ScaligeranUt vielleicht eine ähnliche Umgestaltung l^erbeif^iren, 
wie sie Pascal's PensSes durch Coute's Entdeckuijg und Fao- 
gare's Het*ausgabe von Pascal's Auiographon erfliiren haben. 
* — Von den Prima Scaliyercma lässt es sich jetaii nicht fest- 
stellen, ob schon der Aufzeichner«. Vertunianus oder erst der 
Herausgeber Faber sie a]phabetis|Ai« ordnete. Zu ihrer Ver- 
vollständigung kann vielleicht eilte Spür leiten^ auf welche Co« 
iomesius {opp. p, 44b) aufmerksam gemacht hat. Wie immer 
au#^renischen Bestrebungen hatte sich auch aus denen des 
Hugo Grotius eine hefUge Polemik entwickelt, in welcher der 
siebzigjährige Leydner Theölog Andreas Rivetns besonders rü- 
stig die* Feder fährte. Grotius ( Votum pro pace Eoclesiastica ed. 
1 642^ p. 69) hatte nun gelegentlich das zweite Makkabäerbuch 
ein Jibrum fnagnae semper apud Christianos auctoritaüs geaanot, 
und darauf entgegnet Rivetus ii^ seinem 1643, also 26 Jahre 
vor der ersten Ausgabe der Prima Scaiigerana erschienenen 
Apologeticug (§ 75).* Librum U Maccalfaieum ifder Canonicos nee 
ab Ecclesia ludaica unquam^ nee ah Eedesia Christiana semper 
fuisse rec^tum ceriüm est. De quo hoc iudicium legi iüustris 
ßcaligeri [ver^ zu Eusebius N.. 1839].* , Alter Über Maccahao' 
örum ab Hellenista Juda^ abbreviatus est ex qUinque Iuris lasonis 



\ 



237 

Cyrenaei, in quem mtUta nugaiaria, hoc est^ ludaica inculcata surtt^: 
in dictßHs^ Sccdigeri quae otim mihi communicavit Francisctis Ver- 
tumanus. In unseren Prima Scaligerana findet sich diese Aeusse- 
rung nicht. Mithin^ hat Bivetus die Sammlung des Vertunlanus 
in einem vollständigeren Zustande benutzt, als sie zu der Zeit 
war, da Sigogne sie ankaufte, " und es wäre der Mühe werth^ 
sich nach der Abschrift des Rivetus unter seinen, doch wohl 
zu Leyden befindlichen, Papieren umzusehen. 

Der biographische Werth beider Gesprächsammlungen 
wird hinlänglich durch dfe Aufklärungen bezeichnet, welche sie 
fast für jeden zur Sprache gekommenen Punkt in Scaligers 
Leben und Charakter gewährt haben. Für Charakteristik ist 
die Sammlung der Vassans reichhaltiger und^ zuverlässiger, weil 
die jungen Menschen eben Alles, ohne Unterschied und ohne 
Zuthat, in passiver Treue blpss aufschreiben wollten, während 
Vertunianus, ein bereits entwickelter und gelehrter Mann, 
schon etwas redigirt und gewählt hat. 



16 



Zwei Pseudonyme Schriften Sealigers 

yerdienen besondere HervorhebuBg, weil in ibnen> deutlicher als in den 
übrigen Schriften ein Grundzug seines Wesens, seine Trische Lachlust, her- 
vortritt. Wo er unter der Verantwortlichkeit seines Namens polemisirt 
oder wissenschaftliche Gegenstände in wissenschaftlicher Form behandelt, 
hat er bald mit strafferem bald mit loserem Zügel diesen Hang zur Lu- 
stigkeit gehemmt; ihm ganz freien Lauf innerhalb eines ernsten Werkes 
zu lassen, hat er nur Einmal sich nicht versagen können, nämlich in der 
Vorrede zu den Canones Isagogici bei der Widerlegung des chronologi- 
sirenden Engländers Lydiat (s. oben S. 180). Damals hatte er schon dfis 
sechzigste Lebensjahr überschritten und noch immer war ihm das schal- 
lende, an seinen Landsmann Rabelais erinnernde Lachen nicht abhanden 
gekommen, ja, wie das bei tiefliegenden Eigenthümlichkeiten zu geschehen 
pflegt, gerade im höheren Alter brach es mit verstärkter Kraft wieder 
hervor, nachdem es während der reifen Mannesjahre zurückgetreten war. 

* 

Auch nach dieser humoristischen Seite bildet Scaliger eine Ausnahme von 
seinen gelehrten Zeitgenossen. Höchstens trifl^ man noch bei Cujacius hie 
und da auf eine Spur ähnlicher derber Munterkeit. )lluret war ein voll- 
endeter Virtuose im Lächeln ; sein patronisirendes Wohlwollen, sein Hohn, 
seine Frivolität und, als er alt wurde, auch seine Melancholie äussern 
sich im Lächeln nnd verstecken sich dahinter; aber eben weil er immer 
lächelt, lacht er nie. Lipsius' ganzes Wesen war ein zu unfrisch^s, als 
dass er es je zu echter Fröhlichkeit hätte bringen können ; und Casau- 
bonus war ein so ängstlicher Beobachter der Anstandsgesetze, dass er 
sich wohl ganz des Lachens entwöhnt hat, aus Furcht, einmal Jemandem 
ins Gesicht zu lachen. Aber Menschen von Sealigers Art, in denen sich 



ist . , 

ein wanner Mmdi und ein reines Gewissen mit einem Geist vereinigen, 
der hell and tinifasseftd ist, jedoch ton den strengeren Fragen des spe- 
culativen Denkens absieht, eben weil er an ihnen seine Helle und Weite 
%n verlieren fürchtet — ^ und diess war , allerdingB iSoaUgers Fall — : 
Mche Mensofaeil besitien nach der ganten Anlage ihrer Natnr ein immer^ 
währendes Bedtkrfniss und die nie verslegende Pthlgkeh lu herslicliem 
und lautem Lachen, sei es lediglich um des Lachens wüten, oder »m sich 
und Andere beim Verfolgen ernster Absichten zn erheitern. Von beiden 
Gattungen, dem reinen und dem angewandten Lachen, liegen die ergOtz- 
Ucbsten Beispiele in den zwei Pseudonymen Schriften vor. Dieselben sind 
Jetzt so wenig gekannt und so schwer zugünglich, dass grössere AuszAge 
nns ihnen nicht zu entbehren sind, wenn sie in ihrer diarakterlsirenden 
Bedeutung gewürdigt v^erden sollen. i 

Die erste dieser humoristischen Schriften, 

Tineentli Epistola, 

ist auf folgenden Anlass entstanden: 

Scaligers Freund, der Arzt Vertunianus, hatte eine Ausgabe des hip- 
pokratischen Buchs ,von den Kopfwunden' vorbereitet und Vor Beginn des 
Drucks Scaligers Bath fiir die besonders schwierigen Stellen eingeholt. 
Scaliger machte eine Menge Vorschläge zu Aenderungen, welche fast Alle 
von der Annahme ausgfehen, dass der hippokratische Text schon in sehr 
früher Zeit durch Glosseme von grösserem Umfang interpolirt worden sei. 
Zur Begründung dieser Annahme dictirte er dem Vertunianus einige latei- 
nische Anmerkungen, und so trat denu im Jahre 1578 die gemeinschaflliche 
Arbeit der beiden Freunde unter folgendem Titel*) ans Licht: Hippo- 
cratis Coi de capitis vtüneribus Über Latinitate donatus a Francisco Ver~ 
tuniano. Eiusdem Fr. Vertuniani commentariiis in eitndem, Eiusdem 
Hippocratis texfvs Graecns a losepho Scaligero lul. Caes, F. castigatus 
cum ipsius Scaligeri casligationum suarum expliailione. Lutetiae in offi- 
cina Roberti Stephani i5?8, 8, — Dass ein der medicinischen Gilde fern- 
stehender Philologe sein kritisches Messer an den Hippokrates zu legen 
wagte, erschien der medicinischen Facultät zu Paris als ein EingriiT in 



*) Ich entlehne diesen Titel von Littre, der (Hippoerate IIL p. 182 ff.) Scaligers 
Bemerkungen voUst&ndig in seine Noten aufgenommen hitt. Die Origiui^usgabe Habe 
ich mir nicht verschaffen können. 

16* 



240 

ihre Gerechtsame; und ein damals berühmter Lehrer, LudoTieus Dure- 
tus, f&hUe sich noch persönlich verletzt durch einige geliegentliche Zu- 
rechtweisungen, welche ihm su ertheilen die beiden Ereunde sich erlaubt 
hatten. Um seine litterarisehe Ehre zu retten, stiftete nun Duretus 
den Job. Martinus, ein jUn^eres Mitglied der Facultat, dazu an, dm 
fragliche Buch des Hippokrates mit Rucksicht auf die Yertunianische Aus:- 
gabe in Vorlesungen zu behandlen; und Martinus, dem ilir seine Dienst- 
leistung eine Professur, wie man sagte, versprocben worden, liess es denn 
auch an heftigen Ausßillen, besonders gegen Scaligdr, nicht fehlen. Die 
nachgeschriebenen Hefte wurden emsig verbreitet; der Verleger des Ver- 
tunianus scheint für den Vertrieb des Baches besorgt geworden zu sein; 
und Scaliger mag nicht ungern die Gelegenheit ergriffen haben, auf Kosten 
einer löblichen Facultät seiner Lachlust öffentlichen Lauf zu lassen. So 
erschien denn unter fingirtem Namen und Druckort) Nicolai Vincentii Pi- 
cUwiensis Chirurgi epistol» ad Siephanum Nandinum Bersuriensem^ Ad 
dictata lo, Martini in librum Hippoeratis Jke vu^neribus capitis, Colonitte 
apud Sebastianum Faucherum 1578, 8, (102 unpaginirte SS.) — Dass 
Scaliger der Verfasser sei, wusste Colomesius (opera p. 119) durch Mar- 
quard Gudius; und die Vertheidigungssclirift des Martinus nennt ihn anf 
dem Titel, den ich von Littre (Hi/tpocrate III, p. 17 ff) entnehme: loannis 
Martini parisicnsis auctoris medici ad losephi Scaligeri ac Francisci Ver- 
tuniani Pseudovincentiorum epistolam responsioy Parisiis 1578, 8. Für den 
Kenner von Scaligers so leicht kenntlichem Stil halte es jedoch nicht einmal 
dieser Zeugnisse bedurft. Vertunianus, den ütarlinus als Mitverfasser nennt, 
kann höchstens eine mündliche Beisteuer medicinischer Bemerkungen ge- 
liefert haben; abgefasst aber ist das Ganze allein von Scaliger, der allen 
Theilen seinen unnachahmlichen Stempel aufgedruckt hat ; jeder Zweifel 
an seiner Autorschaft schwindet, wenn man die oft wörtlich fibereinstim- 
menden Aeusserungen in dem offenen Briefe an Stadius Cepp, p, 63 — €6) 
vergleicht. Nur beobachtet er dort, wo er in eigenem Namen schreibt, 
eine etwas grössere Mässigung und nennt die Namen der Angegriffenen 
nicht; hier dagegen, nachdem er einmal sich als Vincentius verkleidet 
hat, macht er sich auch die volle Maskenfreiheit zu Nutze. Den ein- 
leitenden Vorbericht bildet: 



241 



StephanuM Naudinn» Medicinae Studioiii Sal. 

TerHui hie amnug e$t, $iHdioti Htvenei,' cum Patavio hue veni^ tpe' 
rmu in huc Sckoiu Parisumsi po$*e ,me uietHram gtndiorum mearum «It- 
qwttemu Morcire, quam tum feei cum propter peatiientium citiui quam 
vellem ex ea urbe pedem estuli mosimo meo ei dammo et dolorß,- Una 
tamen specukt me cofuoiabmlury guod m emu urbem profieitcerer, m qua 
eiusmodi Ihetores estent, qui faciie PaUivinorum medicorum deaiderium 
mihi lenire possent, praesertifn cum in ea e$»et Duretu$\ quem tameUi a 
nullo docio viro laudari videbam, tamen quia apud vuipuM Sehotastieorum 
aiiquo in precio eety non amnino me operam luaurum putabam ti eius 
auditor euem, Veni hue ergo: hominem vidi: lectiombua eiua frequena 
interfui, Equidem doctior non evasi quam Patavio discesieram*): utsub^ 
inde taederet me mei, cum illud PhUarchi meeum taeitus rimarer mq tig 
aUsd'ctufoixo kccvtov iv dqst^ nifonontowoß, Nam de me nihil täte pro^ 
mittete potetam, Tamen quid memineram praeceptorea parenium Joco ha^ 
bendos, semper hominis nomen ae existimatio cara mihi fuerunt, ac si 
qnando docti viri eius fastum detestarentur, doctrinam reprehenderent, 
Hippocraticas diatribas irriderenty tamen nunquam animum meum inducere 
potuerunty quin ea magis invidia quam aliqua iusta causa fieri putarem* 
Atque equidem in ea sententia Jantisper tnansi, donec dictata Martini in 
tibrum nBQl xqm^xdov veteri amico meo ac soduli Nicol, Vincentio Chi" 
rurgo Oraece et Latine erudito misi: quia is est unus es ittis qui dicunt 
Duretum confidentiorem quam eruditiorem esse, Ego ut amid pertinaciam 
itlam retunderem, obieci illi quaedam Duretiana de Coacis Praesagiisy 
item Martiniana itla, de quibus iam dixi, ut ex Ulis disceret tandem W- 
rtifii doctum honorificentius appellare ac modestius de eius doctrina sen^ 
tire, At ille Vincentius Chirurgus wxXonciyad'Os ttmtum abest ut leclis 
Ulis de pristina pertinacia remiserit^ ut iuslis ae gravibus rationibus me 
nitro in sententiam suam perduxerit. Quid piuraf ita sua Epislola et 
Duretumtim et Martinianitm vaniloquentiam exagitavilj ut quanvis sero 
{fatendum enim est) tandem resipiscere visus sim. Et quia iltius doetis- 
sima Epistola omnem mentis caliginem mihi discussit^ noluieam tobis in^ 
videre, oplimi iuvenes condiscipuli mei, si quis fructus ex Uta exemplo 



*) SeaUgeranaJ. ($. v.J: Duretut ieiumu in docsndoi^nam Graicam linguam txacte non, 
novit 



U2 

nostro tid vos pervenire possit, fion dubitOy quae vesfra est indoles, quin 
ea lecta idem mecutü sentiatis, Vos quandiu in scholn Üureti mansuri 
esHs, viderUis ipsi, Ego sane snreintts cottiff&ß ac Möntem Pessulnm pelo : ' 
ubi docUssimo Lanr» loherto*) kindiu operam dabo donec mbiginem httnc, 
quam in situ Oymnasii DuretitnU contraa:i, abstersero, Vtdete, Lutetiae 
pridie KtU. Septembr* cio.ci^lxxviii, 

Ib dem nun folgenden Briefe nimmt Yjncentius die Diciate des Mdrli- 
Bus durdi und Ifisst sich in dem 'einleitenden Abschnitt über Scaliger und 
sein Veiliältniss zu Duretns und Hartitins so yernebmen: 

QUod in attero literanttn tnamtn Capite rogas, an los, Seatiijfemm no- 
nw» ei ut tibi quis, quatis, quid hominis sit, sijfnificem: hoc unum tttn^ 
tum respondere possum, iUum esse hominem otü hohesti amantissimnm, 
MeUorem enkn patiem Hteris impendit, ita tarnen ut ubu raro vemttu ex- 
ereeat se**), Ceterum studiosissimus ist, ei ut rem tibi ajferiam^ homo est 
mhUme malus, FamiHaritas et nectssitudo mihi cum eo iam antiquitus 
intercedit. Quin pridie quam hos literas acciperem eum in ^ac urbe et 
vidi et (Utoeutus sum. Huc tarnen rnfo commeare solet, Rustieum enim 
se dicit ety ut ipse nobiscum iocari solet, a nobis urbanis alfenum se esse 
profttetur, Quod vero deinceps sctibis, ei Lud. Duretum et neseio quem 
Martinum infensiasimos esse, neque causam appmis: equidem miror et 
quo fönte hoc odiuni derivatum in^Ütum sif, Nnnquam enim eum Dureti 
menti&nem feeisse nisi cum hönesfn hominis appellatione memini* Qimre 
enim Ute hominem a quo iniuriam nuUaUi accepit laederetf De Martino 
vero itlo magis mirum, quia Hlum hominem ille natum nesciebat, Otiösos 
igitur esse oportet qui hominem optime de literis meritum oderint-: et nisi 
tu ipse odii causam mihi aperueris, ego nultam aliam iustam comminisci 
possum. Nam quod ais Bureto perMasum esse, illum VertunUino flagra 
subministrasse quibus Duretus vapularet: profeetö falsissimum est. Fri- 
mum quia eorum, quae e Dureti auditorio prödierunt, nihil illum un- 
quam legisse cerlo scio. Meltortbus enim sludiis occupatus est. Deinde 
non ita abiecti est animi, ut m(üedicfis gloriam quaerat: quod ilH Sophi- 
stae tarnen faciunt. Eius enim liberale et probum ingenium salis bene 
novi. Postremo Vertuniano opus non est succentore, siqmindo animum ad 
scribendum appellit. Satis enim per se, a natura, ab institutione instru* 



'J SeaUgerana 1. («. v.): loub^tum vidi Monspeilii, qui mihi eaOß doctut videiur. 
••) S. oben S. 118. 



243 

clus est, Negue vero dubito quin ißud quod icrfbis verum ^V: Ulum U- 
bellum um cum iMsligtif^mib^s SetUiifiri magnum favofem emereri pO" 
Luisse, si et Vertunmnus <v smlpetu^^ $C4ibie Dureti maxms itb$Hnuu$et; 
item si DupetMs ülum liärum anteu publice iuterpretiitus tum esaeh Num 
qw4i neque Oloa$em(Ua mutta, quae pa$sim ffii Ubro. intita ab ind^dUß 
fuernnt, odanUus est, cum publice illum eJfHmeret, neque semper satis /It 
deUter atque Latine interpretatus estf hoc k&minem urit scilicet quod ho- 
mines aut sine vlla medicinae arte, aut sattem medici ignobiles et obscuri 
{ita enim de Scaligero et Vertuniano laquuntur ipsi, ut ais} escitati fuer- 
rint, qui e« detegerefit quibus DuretuSy tanii nom^nis vir, gntviter off ende- 
tetur ob hoc iantum quod Uta ignorasse videretur. Magnam ehim iniuriam 
existimationi suae inde fieri putat: atque adeo veretur u$ nomen snum 
ttpud ptebeculam Stcholaslicorum tanti fi4tt qumiti antea^ si neseia qui ho* 
munciones x6 wx%ov ^v Ttsifibivov moveant et Duretum apud ignobüe SckO' 
lasticojrum vulgus totem esse aperiant qualem doctiß medieis eum esse iam 
persuasum est, lüde consequutum est id quod scribis, iltum pritnum sub* 
misisse Martinum istum magnis praemiis invitatum praesertim cathedrae 
spCy quain iUi cedere polficitas est Duretus ea conditione si in Sadigerum 
declamaret et tibeUum illum publice expiiairel ac Glossemata iUa pro ge-r 
nuiuis Hippocrißtieis contrii conscientiam sutim interpretareimr (non ita stit 
pes est, ut Scaligeri aHimadversiqnes omni ratione carere pulet: qu»d tui- 
nten ipse probare canaifur)^ Nam utrum bene tm anale, vere im perperam 
Duretum defendat, dummodo defenda^y parum referre putat, 8ane hoc 
constat unum es simedrio illarum MktHiimr^idn pajam testatum esscy wm 
prius damnandum esse Scaligerum quam de veritate constaret. Neque 
enim ideo sequi Scaligerum male sensissCy tametsi proceres Scholae Pari" 
siensis id non animadverterint, Nam si Martinus iste novus homo aut 
Duretus veterator hanc gloriam Scaligero praeripere potuissent, non du- 
bito quin priores in hanc possessionem invasissent. Sed quin ad 
autores castigandos longe alio ingenio ^sse oportet quam Duretiano aut 
Martiniano, quia non omnes ad hanc rem nati sunt*), pauci ad eandem 
instituli sunt, MartinOy homini religioso ac bonae conscienliae, non difficile 
fuit dicere : Amica veritas, sed amicior Duretus. Iccirco plus satis aestua- 



*) Epp. p, 105 sclireibt Scaliger an Yertimianus : Toiies ex me audisti, non omnibus 

datum esse bonos auctores emendare. Hoc enim vulgo homines aut non audent, quia ne- 

.seUmt, cntt audent, quia impudentet sunt. Ygl. Scaligerana t «.o. auctores (ohtn S. 141). 



244 

vit infelix ac müeUus Duretus. NtMae sunt GrammaticorHm ParUien" 
stum capsellae, quas non^ exeusseritj nuUa Lernen, quae non voiutaverit, 
tnUlus deniqne medicüs, quem non aäierit, ut universi eopüts sibi contra 
Scaiigerum suppeditarent neque sinerent se inermem contra fortissimum 
a6 potenHssimum hostem marte decemere. Magnum inde maium conse-' 
quutum est. Duretus enim, qui totam Lutetiam consulendis Grammaticis 
perreptarerat, ex lassitudine in morbum tandem incidit, et quanvis mulus 
cum ferebiit, tarnen utrique male fuit, Nam et mulo detritae ungulae sunt 
et Dureto cerebrum inde iGtpa%Aic^, et, ut scribis, adhuc in lecto aeger 
cubat, Quod cum Scaliger resrivit, detestatus est et Vertunianum et 
quicquid medicorum Pictaviensium est propter quos ipse imprudens ual 
hxQ'Oiv hominis doctissimi offensionem incurrit, quem ipse amat, laudat et, 
si quid Uli humanitus accidit ut nunc, eins casum ac vicem palam mise^ 
ratur. 8ed Martinus me vocat, Jgnosce^ mi Naudine, si Je in medio 
sermone cogor relinquere. Hieran fichliesst sich eine Reihe von Widerle- 
gungen der Angriffe des Martinus auf Scaliger und Vertunianus. Wir 
tibergehen sie für jetzt und verbinden, zu besserer Uebersicht, mit der 
allgemeinen Einleitung den ebenso allgemeinen und wo möglich noch 
dramatischeren Scliluss des Briefes. Bemerken swerth ist in demselben die 
Bindeutung auf ein früheres Freundschaftsverhältniss zwischen Duretu^ 
und' Scaliger. Duretus hatte dem Scaliger einst in schwerer Krankheit 
ärztliehen Beistand geleistet; und dies mag wohl mitwirkender Grund 
sein, weshalb Scaliger, auch bei gegenseitig veränderter Gesinnung, nicht 
mit offenem Namen gegen den Duretus auftreten wollte: ' 

At poenitet me, mi Naudine, pauciüas horas huic ster.quilinio egerendo 
impendisse. Sed quia fiOQiioXmislqi terrefacere nos videbaris, cum haec 
dictata mihi obiecistij si ppssem sententiam aliquando mutarCj qui ab eo 
tempore quo plus quam ' annum Duretum audivi nunquam animum 
meum inducere potui ut 'de Dureto aliter senfirem quam adhuc 
sentio ; quia, inquam, nunquam potui demoveri de senfentia , quid 
de Dureto sentiam non iam primum discere potes sed recognoscere. 
Eadem enim mea sententia est, quae olim fuit. Quare si plura dictata 
misisses, plures a me Mariinomastigas accepisses. Neque tantum moveor 
hominis inscitia, arrogantia^ temeritate, quae virtutes cum eo natae sunt, 
ut nemo nescit, sed inusitata impudentia, qua Optimum virum losephum 
Scaiigerum per istum impurissimum Emissarium suum insectatur, cum 



245 

I 

I 

Scaliger netitrum umguam Ineserü r— quid nenirum ? cum hodie nemo vi- 
vat^ quem ant facto aut dicto Scaliger umqnam laeseriL Tantum dbest 
ut iUi iniquus sit, contra quam ipse süspicatur, ut paucis diebus imtequam 
ego dictata tua acciperem cum de Dureto forte, sermo incidisset, eum Sca- 
liger^ ignarus'' tarnen harum rerum omnium, et bonum virum et doctnm 
palam appellarit. Quin nitro adiecit, illum de se optime fneritum esse, 
cuius ope et cura gravissimo morbo Lutetiae liberatus sit, Postridie quam 
haec contigerunty ipse Scaliger in Ultimos Tarbellos ad aquas profectus est: 
quem adhuc exspectamus, Ego amico ubsenli deesse nolui, et qnanvis cer^ 
tus sum, eum illam scholasticam petulantiam nihil morari, tamen tanta est 
eius in me magnitudo meritorum, ut hoc officium ei absenti praestare de- 
buerim, Multi sunt doctissimi in hac urbe et medici et iurisconsulti et 
gymnasiorum moderatores^ qni palam dolorem suum dissimulare non po- 
tuerunt, cum hominem innocentissimum absenlem lacerari, nullo humani~ 
tatis ant literarum honore habito, ^viderunt, Itaque omnes avide expeclant 
editionem illorum dictatorum Martinianorum, quue nunc sub praelo sunt^ 
ut Scalig erum etiam invitum adver sos canes illos defendtmt, Sane quum 
Typographus librum hunc Vertuniani editurus esset, omni ope sedulo re- 
stitit Jhiretus, Primo ad mendacia confugit j quis nescit iactantiam Du- 
reti? Dixit enim, et Scaligemm et Vertunianum omnia sibi suffuraios 
esse. Quasi Sctdiger quid Duretus in cathedra garriat curet scilicet. De- 
inde cum hac parte se non obtinert posse videret, ad vim contulit se; 
omni ope, pedibus manibusque enisus est ne ille liber ederetur, Postremo 
atm tandem nihil proficetet, ultima illa via aggressus est, ad quam confu- 
ginnt scilicet qui causae suae diffidunt. Contumeliis enim agere exorsus 
est, Cui rei idoneum alium magis invenire non potuit quam scabiosum 
iUum paedagogulum, inter clysteria et pharmßcotribarum ojficinas delile- 
scentem lo, Martinum: quem et contumeliis et locorum citatorum farra- 
gine et eiusmodi m er dum viatico instructum non prius ad hanc camifici- 
nam adigere potuit, quam cathedrae pollicitatione, quam tamen prius ab 
eo stipulntus est Martinus, Neque aliter se facinvs illud facturum polli- 
citus est. Diceres percussorem quendam ad Scaligerum et Vertunianutn 
iugulandos summitti. Tanta mercede conrpellendus, fuit Emissarius ille, En 
totius fabulae scena. Tu, qui spectator eius fnisti, plaude, mi Naudine, 
et pro Genio tuo Dureto, quem ' adeo laudas, et pro Martino, quem supra 
magistrum videris etiam adorare, Caeterum cum Scaliger redierit, ego et 

17 



246 

eins amicitiae vaiedico et virum non pufo, si patitur se ludibrium ittis lar^ 
vis esse. Scio quid dicet, unicuiqne liberum' esse de omni re quid sen- 
tiat pronunciare, Bonesta oratio. 8ed atroces illas iniurUis avida aure 
ebibere neque viri est neque illius^^qui Ulli genere ac Uinto viro progruttus 

* 

est, Nam snne si Martinus non illiberabilibus et scurrilibus iniuriis apud 
nuditores suos, sed veris rationibus episset, unum tantum negotium et nö- 
bis et Scaligero ipsi reliquisset, sua videlicet et Martini argumenta tantum 
expendendij non etiam, ut nunc, iniurias propellendi. Succenseat mihi 
quantum volet Scaliger, Equidem de iure amicitiae nitiil me deminuisse 
putOy qui absentem amicum defendi pro virili mea, quanquam ingenioli mei 
tenues copiolae sunt. Tu, mi Naudine, quanquam adhuc obslinatus offir- 
mas te, oro te, si me amas, ostende Ulis haec Capita epistolae, ut quid pec- 
Cent tandem videant. Vale. 

Diese capita epistolae, d. h. die ins Einzelne gehenden Widerlegun- 
gen von Martinus' Angriffen, welche den Kern des Briefes bilden, sind 
trotz des dürren Stoffes von einer sprudelnden Ader grotesken Hu- 
mors durchzogen. Ein Paar Beispiele mögen den Ton des Ganzen 
bezeichnen. Scaliger hatte in seinen Beiträgen zu Yertunianus' Ausgabe 
auf Anlass von ofioj^Qolri bei Hippokrates (de capit. vuln. III. p. 185 Lit.} 
auch die Stelle aus Herodot I, 74' angeführt und Martinus dann dem Sca- 
liger Missverständniss der herodotei>chen Worte vorgev^orfen. Darüber 
heisst es nun in Yincentius' Brief S. 34: Ait losephüm Scaligerum locum 
Herodot i non intellexisse: cum Herodotus, inquit ille Varro Academiae 
Parisiensis, loquatur de Orgiis Bacchi. Male, inquit. Scaliger inter^ 
pretatus est locum Herodoti ignoralione sacrorum Bacchi. 
Nescio an Scaligero unquam tantum superaverit otii, ut Uli vacet dictata 
haec Martini scabiosa inspicere. Si viderit, quem risum Uli tollemus f quos 
atchinnos Uli dabit bonus Martinas, histrio Mimi Duretiani in schola Pa- 
risiensi? Crede mihi, mi Naudine, malim me malo fato emori, quam ei 
haec non oslendere. Interea hunc risum lucrifaciam. Scaliger igno^ 
ravit Sacra Bacchi. Quid? Orgiis Bacchi, credo, opertUus erat Mar- 
tinas, cum hoc miserae Scholasticorum plebi dictaret, Nam sane, qui eum 
audit, si discendi potius quam irridendi causa audit, plane Martinianus 
est. Qmie sunt Uta Bacchi orgia? 



247 

Accurrite omne» angwes, arvipices*), 
Portentum inusitatum conflatum est recens. 
Nam Bacehum qui bibehaf, Bacchus factus est. 

In Bacchanal venii Martinvs, nt Scaligemm bacchari doceret. Orgia 
docel nos Marfinus, Martintut bacchatur «voi, cvot. Sed si bacchicus 
furor detumuit, per Genium Dureti oro te, optime, doctissime, acutissime, 
divinissime Martine, ubi sunt iUa Orgia Bacchi apud Herodotumf Verba 
Berodoti: oqtiuc dh noiietcu tavta %a idvsa tdnsQ xs'^iXrivsg' xal ngög 
tovtoust ixsav tvg ßQaxiovcig initd(/a)VTcu ig trjfv ofioxQOitriv x6 al^icc. dva- 
lfL%ovci dlXriXtov, Orgia Bacchi 0(f7ua interpretatur doctistimus scholae 
Lutetianae magister, idter Duretus^ columen artis medicinae, O miseüum 
SctUigerum, qui tot adulterina ac spuria ex Hippocrate sustulit, unum ri- 
tum sacroruttty quae Martinfts bacchans commentus est, animadvertere non 
potuit. Quam latebram inscitiae nunc quaeret infelix losephus ille cum 
sua Critica, cuius ralionem habere SchoUistices Parisienses frvstra postu~ 
lat, htm Martinus erit Orgiastes. Quare itle se medicum esse posttdet, 
qui in Orgiis Bacchi adeo profecü? O infelicia Lexica^ ubi eratis^ cum 
Martinus xa oqüiu verlit Orgia? Mtüe vobis sit qui Martina in tempore ' 
non adfuistis, Deinde addidit Varro noster cum maximo plausti Duretia- 
norum: Scaliger non intelle xit a sacris Bacchi, in quibus fun- 
debatur sanguis, sanctum diclitm esse. PUtusere histrioni quic- 
quid Duretianorum sttectatorum fuit. Misellus autem Scaliger absens ex- 
sibilubatur, Sed neque Martinianum neque Duretiamim esl^ capere unde 
sanctum^ unde sanguis^ nnde sagmina, unde sacrum dicta sinl**), 
Qttia hoc ad sacra pertinet, profanorutn Hon est ea längere. Tarnen vides im-- 
pudentiam, mi Natidine. Vides qtuinta Ucentia et impunitate in eo sng^ 
gestu in.bonorumf nobilittm, doctorum famam et nomen ihvadatur, PrO' 
fecto huiusmodi nebulones tanquam publici boni insessores ac latrones a 
magistratu coerceri oportebat, Sed vtde Orgiastes cum tuo Baccho, hoc 
est cum tuo Dureto, 

Dieser bacchantische Schnitzer wird in allen folgenden Besprechungen 
stets von Neuem, aber immer mit frischer Satire dem Martinus vorgehalten. 



') VgL Scallger zu Cataleeta Virgilii p, 237 ed. Zindenbr.f Antholog. Latin, 773 ed 
Meyer. ' 

**) In den Etymologien hinter den C<^n««(>ton6a sagt Sealiger.* Sancus, sacerj 
sanguis, saxum Tusca. 

17' 



24S 

Z. B. zu Bippocr, de vuln, JJI, ;/. i90 LiU [nal ij d%ori nXriölov yivstai 
avtsov] Tibi eslis Lycurge securiger et Pentheu, Orgiorum Bacchi host es? 
Concurrite huc, auäite quid Bacchus dicit, Novum profecfo rem ex Dtt" 
retiano narlhecio .depromptam, 'Anori, inquit Thebanus Orgiastes, hie mea- 
tum auris significaty atque hoc serio dicit, postquam ex Lexico suo 
de tribus nottonibus huins vocis quam potiorem putavil homo sagax et 
arguius elegit. ,Verba Hippocratis v.al fj dttorj nXriGlov yivstai avzhv 
axoij hie est meatus auris/ Nam profecto^ila est, quia ita vult Mar~ 
tinus autore Dureto. Esto. Interpretemur : et meatus auri$ prope 
ipsum fit. Quid, Durete et Martine? Ergo solent fieri aures apud 
170«? Nam ylvsTcci quid est, nisi id esse quod antea non erat? Putabam 
antea tantum functiones rcöv OQyavLKcov fisqmv yivscd'aL. At nunc autore 
Dureto ipsa tä ogyarmä [iSqti ylvstai. Et quotiescunque Märtinus audit 
scteantes aut garrientes Scholaslicos, toties ilH aures ylvsaQ^ai necesse est, 
Sed doctissimus ille doctissitni magistri Dureti discipulus interpretatus est: 
et meatus auris prope ipsum est^ zb ylvetat, interpretatur : est. Et 
putat tantum hie disputari de voculis, non de re ipsa^ propterea non ha- 
' bendam rationem eorum, qui de verbis non de rebus disputant. Hie pro- 
fecto de re ipsa sermo est. Nam in descriptione n^oacons, ubi Graeci di- 
cunty vnb to fisrooTtov ^Cg ictt,, idem putavit esse Märtinus ac si dicatur, 
vnb zo TVQOßoDTtov ^Ig ylvezat,, quod esset Latine: sub frontem nasus 
nascitur pro nasus est. adolescenies, qui eiusmodi fascinatores iu~ 
ventutis - quotidie auditis et eorum lectionibus inferestis, quid eruditionis 
ab eiusmodi larvis expectatisy a quibus nihil praeter contentionutn quis- 
quilias et eristica sophismata andire poteslis? Adeo pueriliter non temer e 
sed dedita opera hallucinatur^ ut modo a Verluniano dissentiret non ve~ 
reatur ro ylveod'ac idem quod stvai exponere, lam non possum ab illo 
Bacchi liturgo me continere, quin in illum ea dicam, quae in stultos dici 
solent i O Asine, quid te off endebat simplex sententia et notio huius verbi, 
cum posses simpliciter cum Verfuniano dicere: ubi auditus fit, quod 
tarn verum quam purum ac simplex est? Üt te DU Deaeque omnes, Aes- 
culapius et Hygiea atque adeo Apollo ipse ita uti meritu^ es accipiant, 
Nollem te tantum aestuasse ut te nobis Asinum osienderes. 

An den bisher ausgezogenen längeren Brief über Märtinus schliesst 
sich ein kürzerer, welcher den Angriff vom Schüler ab und unmittelbar 



249 

gegen den Lehrer Duretus wendet; mit welcher Derbheit diess geschieht, 
kann man gleich aus den Anfangsworten ersehen: 

Venio nunc ad alterum fiOQfjtolvTtstov ülud quo nos terrificas: nempe 
Decisiones Coactis Duretimsy vel potius Diureticas, Totum enim ridendo 
perminxi me, vbi illas legi. Quid tibi vis, mi Nttudinef Fierine potesl, 
ut doclissimus ille magitter, qui se, omnium hodie qui viminl Latinissimum 
esse iactat, haec unquam audttoribus suis dicUttieritf In solchem Tone 
wi^d dann weiter die Latinität des Duretns im Allgemeinen beurtheilt und 
darauf als Beleg S. 81 — 98 eine Auswahl von einigen /loscti^f elegmuiae 
Vureticae gegeben aus dessen Uebersetzung von Hippokrates' KmttKal 
TCQoyvtßöeig, Jede einzelne ,Blume' begiesst Scaliger mit der Lauge seines 
oft sehr ausgelassenen Witzes; z. B. 

Ex Aphor, 144 [136 Littri]. 

Nonaegrisponteet ins su f.ertur alvus neque uri» 
nae funduntur ^ s e d sine volunlate et sensu meiunt et 
concacant lectum. l^ovga not 8ia^<o^iiata ngoiovca Xad'QaUog.'} 

Stoicus est Durtttis et diligenter legit Epistolam Ciceronis ad Petum 
Arno verecundinm etc, [ad Famil, IX, 22; cf. Scaliger in CatuU 
LIV, p. 49 ed, sec] svd'VQ^iicov enim est et, ut ille hortorum custos 
[vide Scalig. in Priapeia p, 186 ed, Lindenbr,], vrjv cnatprpf c-ndtprjiv 
dicit,' Tarnen homo pudens Hippocrates neque Ofiixstv neque X^S^^^ ^^' 
quam dixit, Deinde concacare lectum barbarum est. Percacare di- 
cendum erat, ut Novius Atellanarius dixit Permerdare aliquem^ öraeci: 
%axa%B^BLV xivog. 

Ex Aphor. 149 [Littrd 140?] 

Si de cumb enäi assiduit<ite pars labefactata suo- 
que , ut ita dicam, G enio defraudata in labor e sui of- 
ficii incremento prohib eatur ^ multum macrescit, 

Membrum suo Genio defraudatum quid sit aliquando nobis 
exponet ipse qui excogitavit Duretus, Potatores quidem defraudant Ge~ 
nium cum minus quam solebant bibunt. Sed aliquid divini tatet in Du- 
reti Latinitate quod vulgo notum non est. 

Ex Aphor. 27*y. 
'O s quod perpolitum est si vermiculatum, quod s o- 



*) Es ist mir nicht gelangen, das Griechisch für dieses unverständliche Latein 
des Duretus aufzufinden. 



250 

li d um j fungosum et molle st appareai t ac t Uj 
a s p e c tu et m o d i el o xeligiosecircumacto, 

Ignoseat mihi dominus Magister Duretus, Ego precio totius Europae 
nollem mihi fadem esse vermiculatam neque primigenia verhi causfi, ut 
Duretiano more loquar, hoc est aricoß^cazov, ^ neque consectanea, ul idem 
arlifex loquitur, hoc est mülticolore varietnte distincfam, gutUis esse solet 
quibus crebro Ingenae exhausto (ita loquitur Duretus) lufeus^ puniceus, 
ruber color in homochroea*) vultus subortus. Sed favet Gallis nostris Du- 
retus f quorum more ilte Latine loquitur. Nam quid ego nsQis^a^Ofua? 
Vermiculatü facies c^est**) nne face vermeitte comme ceUe de nostre 
Maistre Duret» Ego porrOy domine Durete, non possnm continere istos 
nasos Pictonum, qui sunt omnium hominum qui vivunt q>iXo6}i(ofifiat6Tazoi, 
Nam simul ac legerunt aspectum c i r c um a g e r e omnes in risum 
soluti sunt tisque adeo ut maiores Pictonicos cachinnos non viderim. 

Den Schluss des Ganzen bildet eine Zuschrift des Naudinus an den 
Lesdr, in welcher dem Duretus das Endurtheil gesprochen und neue Züch- 
tigung angedroht wird, wofern er diese nicht ruhig hinnehme: 

Sfephanus Naudinus Bersuriensis Lectori Cartdido S. 
Haec sunt, candide Lector^ quae nos et reliqui auditores Dureli, ipso 
magistro dictante, admirabundi tanquam d'soxQrjCta quaedam et divina 
orncula excipiebamus. Atque utinam Duretus Pictonicos vesims nunquam 
irritasset, Miseret enim me conditionis humanae, cum ipse qui in tanta 
admiratione apud vulgus Scholasticorum fuerit, nunc quodam ambitionis 
impetu veluti tempestate aliqutt impulsus eo redactus sit, ut maluerit cer- 
nere vivus videns^que funus existimationi suae palam duci, quam dolorem 
suum dissimulare, quem ob nescio quae minima in se a Vertuniano ani- 
madversa conceperat, Nam profecto et ego nunc primum sentio, quam in- 
epte cum condiscipulis meis iudicarim, qui illum tanti fecerim, Sed prae- 
stat, ut est in proverbio Gallicanoy sero tandem quam vel nunquam sapere. 
Praeter ea scto Pictonicas vespas hactenus non conquieturas, Nostratia enim 
ingenia novi. 8cio quid facient, Colligent eiusmodi multa, quibus Du- 



*) Spielt an auf den oben S. 246 berührten Streit über die Erklärung von 
hpxiy^olii, 

**) Verspottet des Duret schon früher gerügte Maoiert Französisch in seinen la- 
teinischen Vortrag zn mengen. 



251 

reti famam tarn tot vulneribus confossam miserrimä Hiorte conficitint, Quod 
nollem tili ttccidUse. Subveniet Uli forUisse Martinuß, sed non sine prae- 
tnio uut pollicitatione, quod est Uli ultimum perfuyium. Mirifice enim de- 
lectMur Duretusy cum se videt a Martino non solum contra Vertunianum 
defendi sed et luudatiunculis consüllo ac de industria qvaesitis tanquam 
aquula aspergi, Reviviscit enim tum Xsino^vxcov Buretus, Contra Mar^ 
tinus a non ingralo magistro fotidem laudibus vicissim cumuUttur, Nempe , 
%dq X^tqa vtmsu XJt non inscite tidolescens quidmn Hhotomagensis, qui 
huic ludo intererat, ex tempore haec e/fuderit; est enim ille et parabUi in- 
genio et ad versus condendos ntito: 

Martino scabiem scalpit Duretus asello» 
Uli Martinus ulcera lambit hians. 

Mutua lambuntury scalpuntur mutua muli^ 
Nempe Parisinae est mulus ulerque scholae. 
Observaverat enim ille gestum Dureti^ qui primo die, quo Martinus indixit 
bellum Vertuniano et Scaligero, ßlartini diatribae interfuerat, Quoties 
Martinus Duretum laudabat toties sanctissimus Duretus in primores di~ 
gitos tollere sese, octUos contorquere, coronam auditorum circumspectare^ 
Martinum ipsum laudare, Denique non ignoravimus quare Martinus Du- 
retum, quare Duretus illum toties laudaverit, Profecto, candide Lector, 
Duretum impudentissimum esse oportet; si post haec vulnera accepta vivity 
ac non potius eüm pudet*), Coeli convexa tueri, Vale. 



Während nun in der epistola Vincentii, wie ans diesen Auszügen 
wohl genugsam erhellt, das Lachen die eigentliche Hauptsache und die 
Züchtigung des medicinischen Zunftstolzes nur ein gelegentlicher Anlass 
war: so hat Scaliger dagegen in der zweiten Pseudonymen Schrift unter 
d^m keltischen Namen 

Yvo Villiomarus 

seinen Humor ernsteren Absichten dienstbar gemacht. Der volle Titel 

lautet: 

yvonis Vüliomuri Äremorici In Locos Controversos Hoberti Titii 
Anitnadversorum Liber. Ad Nobilissimum Virum Andream Oessentum 
Quinpentonii et BürenteUi dominum, Maecenat^m suum, Imtetiae apud 



") Virg. Aen, IV, 451. 



252 

Mdmerlum Patissoniwn Tgpographnm Regium. In officina Henrici Ste^ 
phani 1586, 8. Em mir jetzt vorliegender Abdruck erschien 1597 In 
bibliopolio Bieronymi Commelini S, 201 SS. und 2% Bl. Indices. 

Die angegriffene, drei Jahre vorher erschienene, Schrift des Titiu9 ist 
betitelt: Roberfi Tita Burgensis (d. h, aus Borgo San Sepulcro im Tosca- 
nischen) Locorum Controversorum Libri Decem. In quibus plurimi veterum 
scriptorum loci conferuntur, explicantur et emendftntur mulfo tditer quam 
hnctenus a quoquam factum sil. Cum duplici indice. Ad Franciscnm 
Mugghionium Virum Integerrimum, Florentiae 1583 (7 unpaginirte BL, 
273 S., 1 y, S. Indices)^ 4. Die Gelehrten, denen, wie schon dieser Titel 
verkündet, der italiänische Verfasser fast immer unhöflich entgegentritt, 
sind vorzüglich Franzosen, Adrianus Tumebus, Dionysius Lambinus u. A.; 
ja auch Huret wird als noch nicht eingebürgerter Italiener über die 
Achsel angesehen, mit besonderer Heftigkeit aber jede Gelegenheit aufge- 
sucht, um Joseph Scaligern Grobheiten zu sagen, die zuweilen in ehren- 
rührige Beschuldigungen übergehen, z. B. Lib. VI, c. 16. Ich setze 
dieses Capitel ganz her, um eine Probe des Tones zu geben, und weil es 
zum Yerständniss der Yvonischen Widerlegung unentbehrlich ist: Tibulti 
verba sunt haec eleg. i lib. 3 [v, 21] 

Sid primum nympham larga donate salute 
Atque haec summisse dicile verba sono: 

Quibus quid polest inveniri suavius atque concinnius? et tarnen in ipsis 
aliquid offendit Scaliger, quod suo palttto non multum saper et} adtnonet 
igitur legi debere ^ex veteri scriptura 

,8ed primum m tri tarn longa donate ' salute, 
yLongum, salver e, longum valere dicebant, [Virg, Ecl, III, 79] 

,Et longum formose vtUe, vale, inquit, lola' 
Ego quid veteris libri testimonio opponam non habeo, nisi quod video 
ipsum adeo frequenter peccare et mendis refertum esse.ut existimem ipsum 
aut imperiti alicuius amanuensis opera fuisse descriptum aut aScali- 
gero, cum audactam suam aliquo praetextu legere vultj.tan- 
quam testem domesticum in medium prodi{ci. Quid hominis 
aucloritati obiiciam abunde suppetit: nam quod ait longum salvere 
idem esse quod longum valere, sit ita sane, nihil pugno, dico tarnen 
hoc loquendi yenus in rebus tristibus usurpari consuevisse, quod praeter 
cetera Vwgüii testimonium ab ipsomet Scaligero ad sententimn swtm con- 



353 

firmoHdam ÜHe citaium uUi$ inäieati sie etiam dic^tmt Oraeci fuxx^y 
XalQSUf, quod proverbhtm hUerpreUUur Lueianus m hone senteniiam to 
yovv pLccHifäv xuCqhv to pnpäti tpQOvtietv drjloi, id est, hoc dictum ylongum 
vaUre* dedaraty nobis nonampUu* eurae futurum: itaque M, TuUius epi$t. 
ad Attic, lib, 8 At ille, mquit^ noXXa %alQSiv t^ %aX^ dicens 
contulit se Brundutium; Hippolytus apud Euripidem: 
Triv oiiP dk Ktmqvp noX£ iym %ai^Hv l^m, 

Jd est, Veneri tuae multum valere renuntio, lodern quoque inteUectu di- 
cebant veter es aeternum valere, unde iocus Martialis m Pontilianum 
m. 5: 

Saepe salutatusy numquam prior ipse salutasj 
Sic erit aeternum, Pontiliane, vtile. 
Et Virgüius: salve aeternum mihi, maxime Pallas^ 

Aetemumque vale. 
Catuüus item: 

Atque in perpetuum, frater^ ave atque vale, 

Poteris etiam de hac re consulere lAicittnum in Apologia, qua se tuetur 
quod in salutando lapsus fuerit, Ille igitur sensus nullo modo facit ad 
TibnUi meutern, sicut videre omnibus in promptu est} quare Scaligero Ion- 
gum Videre iusso, veterem lectionem rätinere non dubitabimus. 

Die Abstraf ung für dieses Capitel erhält Titius durch Yvo Villiomarus 
in drei Absätzen; zuTörderst über meriia oder nympha heisst es p. 125 
unter der Ueberschrift: Josephus Scaliger a calumnia Titii vindicatur. Jn- 
scitia Titii, Barbarismus: 

,Tibuüus: Sed primum NympAam larga donate salute, Qui- 
bus, inquis, quid polest suavius inveniri. Et tarnen in ipsis aliquid offen- 
dit Scidigerum quod suo palato non multum saperet. Admonet igitur legi de- 
bere ex veter e scriptura: sed primum meritam longa donate salute,* 
Salva res est. Ex vetere codice non ex ingenio Scaliger isla protulit, 
Atque nos scimus, quum multi Tibülliani libri scripti extent in Gtdlia et 
Jtalia, ita in omnibus fere scriptum extare, Praeterea Uli quibus Achilles 
Statins usus est non aliter illam lectionem concipiunt. Cur igitur, homo 
impudentissime, soli Scaligero fraudi erit veterem lectionem indicasse? 
Non Uli licebit impune quod (UHs licuitf Quis te tarn tpof^vmov et inci- 
vilem censorem feratf Die mihi, adeone suavis tibi videtur vulgata illa 
lectio? Itane caecus de colaribusf XJbi umquam legisti veterem Roma- 
in 



254 

niim poe$am HmUam $iuam Nympham .tocasuf Adeon a^nus et ut lum 
tideas hoc es idioiismo veslratimn poeiarum dictum esse, et eum qui mu- 
tavit magis Etrusce quam Latine schisse» Tu aUos reprehendis et non 
sentis te SaüvnoSa*) nQsmv ijciSv(ieiv? Nympka pro amasut est idioti- 
smus Italicus, qui nb homine Itiüo in TibuUum inductus a te homine 
Jtalo deprehensus non est, n me homine Aremorico et in finihus Oceuni 
nato indicatus est. Tu asinus haec non vidisti» Etsi nihil aliud quam 
rudere potes**}, tarnen hoc facies, modo tibi non desit occasio bonos insC" 
ctandi. 

Gleich darauf folgt die Erwiederung bezüglich longum salvere unter 
der besonderen Ueberschrift: incivile ingenium Titii. Inscitia: 

Quid incivili et barbaro ingenio tuo respondeam non habeo, Adeo non 
solum inepta sed intricata loqueris. Quis negat longum v alere äbeunti- 
busdici? At longum salvere ergo a venientibus dicetur, Salvere nonne 
est venientium? Valere abeuntiumf Hoc negas? Quid ergo erit donare 
longa salute^ quam iubere longum salvere? Quidad haecaudethi- 
sceref Quis non mirabitur impudentütm tuamf Longum salvere dictum 
a venientibuSf ul longum valere ab dbeuntihus, Quare recte a Scaligero il- 
lud adductum: et longum formose nale, vale, inquit, Jola, Ex- 
pecto quid ad haec dicas. Sed yM%qav xal^sw est ovdkv tpQOvrljrsiv. Ita 
sane, o Corrector, sed iiSTOupOQi'Mig. tJt illud: Valeant qui interna s 
dissidia volunt. At primo significatu rede ab abeuntibus amicis et 
abeuntibus dicitur yM'nqav tuX^B; Longum vale, vale, lola, Itaque 
iüe in ultimo Odysseae [402] ita amicum salutat statim primo alloquio: 

Ovis t£ nal fAeyct^***) xocIqs, d'sol di zoi oXßia Solsv. Ubi vides %alQuv 
(Uya esse non solum idem quod fucn^äv xaL^eiv sed etiam a sidutante non 
ab abeunte neque abeunti dictum. Quid hie dicesf Postquam inscitiam 
tuam et stoliditatem atque audaciam simul perfricuimus, die nobis quid sit 
longa donare salute si non est id quod diximusf lam tempus est te 
taeere. Itaque ^a^äv xai4fe ual offim^ov. 

Und schliesslich mit der Ueberschrift: Livor, calumnia, inciväitas 



*) Suidas s. V. liaaimtg 7i(f£mv htibvfist' Xiysvut ixl xov ixt^iiovvtog 

**) Gedruckt ist: et^i nihU aliud quam rudere non poiet. 
**'J Statt l^ciXa unaerer Ausgaben. 



•2S5 

Titii eine stols missvefstehende Abweisung der oben S. 252 darcb den 
Druck hervorgehobenen Worte des Tftiu», welche den Scaliger einer Fäl- 
schung beschuldigen: 

,Aut a Sealigero, qnwn audaeiam suam aliquo praetextu tegere vtHt — ' 

Jtane Asine? Scnliger solet proäucere festes membranas, quum audaeiam 

» 

suam tegere vultf Quae est haec audacia, libros scriptos festes pro^ 
duceref Ergo vestras Victorius, qui muUos produeity audax. Ergo 
Bermolaus [BarbarusJ. Ergo omnes Itaii criticu Ergo Statins Lu- 
sitanus audax, qui eandem lectionem TibuUianam ex vetere libro 
protulit. 8cio a vestrafibus illum audacem voeari. Quaref Quia Italorum 
andaces correctiones deprehendit et auetoritate veterum codicum sustuiit, 
Haec est audacia: non probare quae Beroaldi, Purtheniij Baptistae Pii et 
nescio quot graculorum olim ad bonos auctores *corrumpendos contuierunt, 
Sed ante hoc biennium*) quum in Itdtia essem' audivi quid itti de eo viro 
lAchiUe StatioJ, quid de Tumebo mentirentur ineptissime. Quid ego iUis 
opposuerim atque responderim, ipsi, si bene memineruni, sciunt. Hoc ünum 
dicam: si unus Italus ea edidisset quae Josephus Scaliger edidit, tantum 
abest'Ut audax diceretur ut magnum eins nomen futurum fuerit. Sed na~ 
iura Alpes ea ratione nobis opposuisse videtur, ut non solum GtUliam ab 
Jtaliay sed etitvm Gallos ab Italis seiungerent, Sed bene cum ItaHis agitur. 
Quotiescumque de Josepho Sealigero excitabitur mentio, habebuitt naturae 
miraculum, columen literarum, Philologiae et Musarum alumnum^ Titium, 
quem Gallis opponant. Hoc satis est ad os Gaüis oceludendum, - 

* 

Was in diesem letzten Absats so klar hervortritt, die Verallgemeine- 
. rung nämlich des* Streites mit Titius zn einer in Angriff fibergehenden 
Vertheidigung der französischen gegen die italienische Philologie — dies» 
war gewiss der eigentliche Zweck der ganzen Yvonischen Schrift, wie 
es. denn anch ihre Bedeutung für uns ausmacht. Aehnlichet hatte friUier 
schon der sonst so ehrenwerthe, aber sehr ungelenke GuilelmusBudäu» 
versucht. Mehrere seiner bei den Haaren herbeigeschleppten endlosen Episo- 
den in der metrologischen Schrift De Asse beschäftigen sich mit dem Ruhm 
der Franzosen und mit der Zurückweisung italienischer, monopoUsirender 
Ansprüche. Aber Bndäus war nicht der Mann, um den Italienern eine 
bessere Meinung von transalpinischer Eleganz beizubringen. Sein von 



•^^^^^^ 



') Absichtlich eine falsdie Zahl^ nm die Anonymitftt zu wahren. Seit 1566, also 
zehn Jahre Tor dem Erseheinen der Yvonischen Sehrift* war Scaliger nicht in Italien. 

18* 



256 

Metaphern startender Stil und die Schwerlöthigkeit «eines Auftretens 
muflsten auch die beste Sache yerderben. Wie mögen erst die angegrif- 
fenen Italiener sich über ihn los^ gemacht haben, da sogar Erasmus, der 
doch die Italiener in seinem dcerontanus nicht schont, sich dennoch ge- 
müssigt sah, an den Budäus selbst in Betreff jener patriotbchen Digres- 
sionen folgendes zu schreiben C^'ft. J, ep, 10, p. 19 ed. Bas.): Quod 
ubigue naw tpiXoiuxxQtg es a multis laudi diibUur, a nemine non facüe 
condondbitur: quamquam tpiXoaotpixtotSQOv est mea sententiii sie de rebus 
ei hommibus agere ut mundum hunc communem omnium patriam esse dur 
camus, etiamsi pulcherrmam orbis Ckristutm partem Gäüiam esse fateor. 
Ad haec dum in nagsTtßdaeig eruditissimas simul et atnoenissimas crebritts 
exspatiaris et in his longule commorarisj perieulum fortassis est ne quis 
morosiar ita secum cogitei: praeciara quidem haec et splendida, sed ut 
olim ti.tavta n(f6g xov AiAwcov ita: quid ista ad Assemf Ganz anders 
als von der plumpen Keule des Budäus mussten sich die Italiener ins- 
gesammt von den geflügelten und gespitzten Pfeilen des Yyo getroffen 
fühlen. Denn dass es nicht auf den unbedeutenden Titius allein abgesehen 
sei, vielmehr an. ihm, da et gerade in den Wurf gekommen, die Vergehen 
aller seiner Landsleute heimgesucht werden sollen — dies ist deutlich 
gesagt, sowohl in der Dedication, als in dem Vor- und Schlusswort. Die 
Mittheilung dieser drei Stücke wird keiner weiteren Befürwortung be- 
dürfen : 

Nobilissimo Viro Andreae Oessento Quinpentonii et Buren- 
s telli domino, Maecenati ««o*), Yvo Villiomarus Aremor. S. 

# 

En tibi, vir nobüissime, qwie in Controversos Locos Titii itnimadver- 
timusj atque eo ordine quo a nobis dicta[ta] et ab amanuensi tuo exce- 
pta in hunc libeüum coniecimus. Neque profectx) hunc laborem quamquam 
levem suscepissem, nisi ad hoc tua me auctoritas, quae pluris itpud me 
est quam studia mea, perpulisset. Nam quis ludus est in hos libros diver- 



*) Unter dieser fingirten, viellticht ein Anagramm enthaltenden, Bezeichnung ist 
wohl der filtere de la Rochepozay gemeint. Darauf ftihrt die Erwähnung der in des 
Angeredeten C^sellschaft untemominenen Reisen (b, oben S. 38^ in Italien« Das Da- 
tum ex aedibuB iuis musste dem uneingeweihten Leser bloss als eine Uebersetsung der 

t 

gezierten franzosischen Höflichkeitsformel de votre maison erscheinen, welche in Briefen 
jener Zeit nicht selten ist. In Bezug auf de la Rochepozay aber, in dessen Hanse 
Scaliger sich wirklich aufhielt, wire die Formel auch der Wahrheit gemäss. 



257 

tere, a quorum leclione neque melior neque doetior dueedere debeo? Qnid 
me potesi docere homo in Chrtutis lüeris peregrmusj in veterum lectiane 
fmefj in seribendo tirof Quanti te faciam, poles ex hoc libeUo conüeeref 
ad quem scribendum me non mttteria $ed auetoritoi tua indfoperit, Quum 
enim ante hoc biennium*} ego in eontubemio tno toiam paene lUdiam Iti- 
straverimj quiequid frucius ex ista peregrinaiione pereepiy totum id Hbe- 
ralitati et humanitati twte acceptum refero. ReUquorum autem tuoritm in 
me magnitudo meritorum tanta est, ut . ingratus sim si non omnia tua 
causa velim, Quia vero tibi, qui Itaiorum de nostratium hominum scri- 
ptis tudicia non ignoras, hie Über in manus nostras opportune incidisse 
tfißus est, quo Italos moneremus ne tantum suis ingeniis tribuant out tan- 
tum nostris detrahant^ hoc onus a te mihi impositum recusare non debui, 
Jtaque hominis inusitat(^ modo imperiti atque audacis lucubrißtiones ex^ 
cussiy ac ifuicquid in iUis autinfeliciter castigatum ^aut calumniose repre- 
hensum out praepostere interpretatum occurebaiy id sine uUo dlio Jtaiico 
apparatUy tumulluaria opera in ^unc commentarium contuli, Quiequid igi" 
tur hoc est quod tua causa atque te hortatore sißscepi, id habe tibi et 
fruere, Vale, Ef aedibus tuis Jd. lanuariu 

Noch freier und verständlicher spricht das den Titias anredende 
Vorwort: Paucos dies dedi operam Controversis Lods tuis* Roberte Titi. 
Ita enim maluisti proscribere libros tuos^ non quomodo quidam populäres 
tui, Varia s Lectiones**) aut Miscellanea***) aut nescio quid eiusmodi. Et 
sähe alio nomine digni non erant. Adhuc enim phme sunt controversi iu^ 
ris, ac nisi caves, vereör ut eorum fines ac possessionem diutius tueri pos" 
sis, Sed tu ipse videris, Quanti enim illos aut existimationem tuam fa-^ 
cisy tua non nostra interest, Noluimus autem ignorare te quantum illorum 
lectione commöti simus, NuUus enim locus in Ulfs est aut a severa casti- 
gatione docti aUcuius aut a canina obiurgatione vacuusy ut decet cum qui 
non solum critici personam sed etiam paedagogi susceperit, Tamen in 
Epistolaf) tua profiteris, te eum'mris doctis non odio aut immicitüs sed 



') Siehe die Note zu S. 25S. 

*') Victorius. 
•'V PoUtian. 

1) d. i. in der Dedicfttion an Mugghionius, wo es gegen den ScUhss heisst : eüf>e 
putes utto me erga ipsot [die Gelehrten, welche er angreift] odio aut Kvore obtreetandive 
studio hoc ppu» conßdendum sutcepitse; quis enim malit cum adeo poUiif praestanHbuS' 
que viris inimcitias exercere quam ofßciis atque humar*itate certaref 



25S 

bffidis aui hümanitate eertare» Longe nlitet pronundnverit is gut in ho- 
rum Itbrorum lectione aliquot horas perJere voluerit. Quod enim genns 
offlcii aut humanitatis est, homines de repüblittt literaria optime tneritos^ 
imperilos, seditiosos, audaees, qmsquilittrum leguios aut alienorum anale- 
clomm liguritores vacare, * si non iisdem nominibus, iisdem tarnen rebui 
manentibusf Nae^ Roberte Titi^ non reperies qui hac mercede humanita- 
lern tuam experiri velint, Sed comicum oeulos conftxisti, inquis*), ac 
propterea vereris ne in reprehensionem incurras, Ego te hac cnrn libero. 
Nequt enim novus Vlavius uUos Vastos protulisti, sed pothts inscitiam tuam 
per hominum ora Iraduxisti atque nationi tuae circumspectissnmie et pru- 
denlissimae honorem parum habuisti, qui ita confidens fuisti, ul cum ami- 
eis tuis libros hos cpmmunicare noluerisy qui te ab eorum editione abster- 
rerent^ nisi forte ita infeliciter nätus es, ul ne*amicum quidam habeas 
qui te erromm tuorufn commonefaciat. Nihil ad levitatem reliqui fecisti, 
quod homines tui nobts Gallis more suo obiicere possint, übi est ittud 
acetum Italicum aut acritas ingeniif Certe adhuc eam qüaero in scriptis 
tuis. Atqui scio nos Transalpinos vobis Italis satis audaces videri, quod 
ea quae memoria avorum noitrorum vestrates Grammatici dej)rnvarunt in 
integrum restituere conamur, Btistici etiam sumus Tiai afiad'Big quod non 
est una voatla ßut syllaba unum integrum cajmt Variarum Lectionum con- 
ficimus atque eo apparalu, propter quem, ut ait itte**), vadimonium dese- 
raturf Quamqunm hac in re transfuga partium non fuisti et bene leges 
Utas servasti. Hoc est quare Tumebus a vobis pulsatur, quod ingeniöse 
nugatör esse noluerity quum in nnicUm caput Adversariorum ea congesserit 
quae vos uno libro vix expHcaverilis^'**)» Quid quod nobis 'Transalpinis 
verum loqui in hoc genere literarum non licet? Annon Sex^ Pompeius Fe- 
8tus indignis modis acceptus esse visus est, quod ab homine jGttüo iUu-* 
strafus tnrtgno studiosorum favore exceptu» est? Itaque Ronute editusf) 



*J Bezieht sich auf Cie. p, Mur. 11 und Titius' Worte : ,7U0(f[das Widerlegen] ad^ 
sa^efado ut reprehensionem interdum verear, quasi eornifntm oeulos eor\figere voluerim.* 

**) Plinius H. N, prcuf. § 23.* inscriptiones propter quas vadimonium deseri possit. 

**V ^va.^ fast gleichlautende Stelle in Scaligers Brief an Stadius, epp. p. 61.* 
Säd non mror haee eos [ItalosJ de me fronundare, qui Adrianum Tumehum non huma- 
wus aeosperunt, cum eum harbarum pronunoiarunt quod iMttum librumMisceUanäorum in 
unum oaput eoniieere toUat, neque admodum hcl t^ fp^Otj (WifOif quasral. S.o.S.164. 

\) Die Aasgabe des Ursiaus ist gemeint 



2S9 

cum iisdem ea$tigatwniUnu tüUu tKWU ess^ centetur j^opterea quod prioru 
eäüoris nomen disstmtUaium e$i, quamqwm eadem pkme eäüto est paucU 
admoäum üsque leviter immutatü: iU$ tarnen ut tarn . levi mutaiume non 
magis latere possit industriu. ftrioris edüorU quam asiwua iUe in apologo, 
gut capite injoepreta immisso reliquum corpus bene latere putabat, Deni^ 
que Alpibus ipsis ingenia nostra circumscribamus necesse estj si vobis ami- 
cis et paciUis uti volumus. Nam et Annibidi ^Isi primo bene cessit impe^ 
tus^ tandem non impune fuü Alpes superasse» — Quae igitur inter legere 
dum Ubros tuos carptim ac velHcatim annotavknusy ea in hat diatribas eo 
ordine quo a nobis animadversa sunt congessimus, ItaquCp Roberte Titiy 
si paulo vehementius in tuam pefulimtiam et insciiiam invecti sumus^ noli 
putare indementer factum. Tu kuic choreae praesultor fuisti. Ne phsribus 
expectationem tuam morer, audi atque togam compone. — Und nun be- 
kommt Titius die ganze Schrift hindurch freilich gar Manches su hören, wat 
modernen, an zartere Polemik gewöhnten Ohren überderb scheinen moss. 
Ein Paar kürzere Beispiele wird man sich gefallen lassen. Titius hatte 
ein ganzes Capitel (IX, 10) der Untersuchung gewidmet, wie bei Hör, 
Od* Jl^ i8y 26 sordidosque natos zu fassen sei und den Vorschlag ge- 
macht, darunter recenter natos^ adhuc u matre rubentes zu veivtehen. Dar- 
ob brietet Tvo in folgende Anrufung aus: ''Ano'Uov anotqinttiMX Sordidi 
nati sunt qui modo nati sunt? Omnes Mordidi pueri kuc! Ceritum vieatim. 
lapidibus incessite! Nam furit. Cavete! Tantum otio abvndits ut quarB 
infuntes sordidi dicat^ur, quaerasf Nön meminisii pallia nutricum? Non 
meministi versum [Martiid^ XM^ 83, 6]: siHt licet in fantis sordi" 
diora sinuf Pete o nuUre tua^ quare tu ita vocari potuistu Jpsa t€ do" 
cebit. — Ein Andermal begegnet dem Titius das Unglück, ein Capite (X, 
19} zu überschreiben: Pulchru quaestio proposita de nup4is atqme ts- 
nuptis müitibus, utri forlius gerant 9e in proeliis^ und Yvo mft dekii 
Florentiner in schneidendster Kürze zu: Apage^ npage viros nupt&i. Hie 
in GaUia viri non nubunt sed ftminae. — Nachdem in solcher Weise Ti- 
tius' Werk in seinen Haupttheilen durchgenommen worden, zieht das 
Schlusswort der Yvonischen Schrift i^iederum die Italiener überhaupt ins 
Spiel: Haec sunt, Roberte Titi, qutke pauca de muttis tuis saltuatim <»r- 
ftere potui, Nam omni» persequi neque ctii mei neque patietUiae fuii. EU 
sane non negarim eas paucas koras melius collocari potuisse, Bed teme» 
ritatis tuae exemplo trahentis pemiciem maior bubikt raiio tst qurnn tem** 



260 

poris, quöä guiäam de veteribus tapietUibus XifAf'^ Tt(uxXipiittctiop voeare 
soiebat, Quae inter iegenäum videbantur animadversionis indigere, ea pr<H 
peranier nos huic commenlario Ubello commendavimus. Nam non dubilo 
«iff/to diiigenimm nosiram vel potius praperanimm effugisie, 8ed memi- 
nerit lector nos omnia persequi m animo non kabuisse. Mam$ enim ca- 
siigationum volumen futurum erat quam hoc ipsum quod castigandum «im- 
cepimus, Sed fortasse exstabunt spicüegi gut huius metsU reUquiat per- 
sequantur, si modo Hbros tuos tanti faciant. Sin autem, interea haec 
quae nos delibavimus satis esse videntur castigandae levitati tuae, quae in 
homine Italo timto conspectior est. quahto Itaii Croilis vos graviores esse 
profitemini, Ingenuitatem Gdüicam in nobis expertus esy quinulla circui" 
tione sed nudis verbis imperitiam tuam exagitavimus ^ quamquam nolo te 
ignorare nos inscitiae tuae bellum non indirisse, sed audaciae et temeritati, 
yiam nemo est mortalium quem non aUqua pars ignoräntiae attingat; hone 
contagionem ex ipsa mortalitaie contraxim$u. Nam homo quum errate hu- 
manitus errat. Errorem autem in homine calumniari est toti ipsi morta- 
litati convicium facere, Quae quidem si tu considerassesy aut nunquam 
humana errata petulanter insectatus esses äut saltem et te hominem quo- 
que esse meminisses. Nunc quum viri docti, praesertim Transalpini^ non 
homine^ sed Cercopitheci tibi videntur^ noU moleste ferre^ te, quum igna- 
rus et petulans sis, ignoräntiae admonilum esse, petulantiae poenas dedisse» 
Vale et resipisce. 

So zn schreiben, eine solche den Gegner vemichtcinde Ueberiegenheit 
zn bewähren, waren nicht Viele der damaligen Schriftsteller im Stande; 
und wer nur ein Wenig sich umschaute, dem musste bald statt des Pseu- 
donymen Yvo der wirkliche Name des Verfassers einfellen. So schreibt 
denn auch schon im Hfins 1587, also gleich nach dem Erscheinen der 
Schrift, Lipsius {ep. cent, U, i7} an Cujacius: Vidi nuper Ivonis in mt- 
sellum Titium, Periit infetidssimus hominum, hoc uno tarnen felix quod 
ab illa manu: tuane an Sealigerij an utriusquef Nam praeter vos fallor 
aut nemo sie scribat, Excitastis sane quosdam [die Italiener}, imo non 
esdtastisi quia certum habeo, immorientur ambitioso iUi vetemo, Dass 
Lipsius hier die Wahl lässt zwischen Cujacius und Scaliger, ist wohl nur 
als Compliment für den angeredeten grossen Rechtslehrer, und nicht als 
ernste Meinung zu nehmen. Jeder Leser von Cujacius' Schriften weiss, 
dass er seine Feder zu Allem zu gebrauchen verstand, nur nicht zum 



261 

Fliegen; und der leichte Flug und Schwung ist es doch gerade/ was die 
Yvonische Schrift so sehr auszeichnet. Man kann daher auch keine Ueber- 
hebung, sondern nur eine einfache Bezeichnung der beiderseitigen Eigen- 
ihümlidikeit darin erkennen, wenn Scaliger, wohl mit Bezug auf den da- 
mals schon veröffentlichten Brief des Lipsius, im Gesprfich geäussert hat: 
Monnemr Cmas n^eust tceu esciire eamme Yvo ViUiomarus iScaligerana II, 
<. 17. Cuiaeius und ViUiomwru*). Und Lipsius selbst nennt anderwärts, wo 
er nicht an Cigadus schreibt, auch nur Scaliger allein . (ep, cenU JI, 3i 
an jQsias Mercerus^: Jmmt« VÜUomari in Titium ante pauco* dies vidi' 
mus, Nesdo an recens lecHo me ita ceperit^ sed non videor scriptum 
bellius legisse a mvitis amtii^}. Non deeinm üla Musa, JHauiut, pouit 

aUquid moffis Musaeum. Sed die sodes, quis seriptorf non enim iile fal' 

* 

sus Ivo. VsviSOfieu, iq hvftov i(fim' ndXstat di (le dvfiog. Sealiger nosier 
est, lumen illud ei columen liiterarum, Non divinavif Bald muss Scaliger 
es unnöthig oder unmöglich gefunden haben, die Anonymität zu bewahren. 
Denn es konnte doch nicht ohne sein Vorwissen geschehen, dass im 
Jahre 1589 von dem ihm genau befreundeten Florens Christianus öffent- 
lich auf ihn als Verfasser gedeutet ward (dum, in AristopA. Pac, bei Colom. 
opp, p, 120): Absurdum est coröwt plumea^omarimüitumgaleas**), quod 
meriio reprehendit adversus Titii loeos eontroversos Yvo Aremoricus in suis 
in loeos illos Animadversis: cuius viri eximiam doctrinam et insuperabile 
ingenium ex aureolo iUo libello tanquatn ex ungue leonem admirari eogor. 
Et sane unus ille aut alter est — dicam libere quod sentio cum boiM, ut 
spero, nutgni amiei venia — quem cum Ipsepho Setdigero comparandum 

/ 

habemus, cuique omnes magnam gratiam habere debemus Cisalpuä, quod 
Itali aeeti libera Francorum ingenia nimium astringentis vün retuderit et 



*) Von des Pater Sirmond Vorliebe für den Yvo ist obeii S. 199 gesprochen. 
*V Nftnüieh bei Polj/b. VI, 23, wo Titius (II,lBJdle gewöhnUche Lesart: inl dh 
näct tovtois %QOCsni,%ocikovvttu ntkf^ivfp cvstpavo) wxl ntB^oig tpoi- 

Widoig so übersetzt: pratter haee ommd adomantur eorona plumea pennitque .. . . - 
punieeit, und deshalb von Yvo (II, 23^ folgendermaaasen zurechtgewiesen wird : In ver- 
bis Pofybii deegpii Lascarim corrupta UeÜo pvtBqlvat CtStpavqt, .Quo factum ut eoroU 
lam plumeam adhibeat galm miUtum, quod ita absurdum est ut eonfutatione opus non 
habeat. Seripsit enim Pofybitts TCCBQLvqi XB (poOup, Romanorum mUUum eristae ex 
pennis elegantioris anritii, Cfraeeorumex eatuUi equina— cristaque hirsutus equina 
[Virg, dm, X, 869/. 

19 



(tcrimoniam remofhverit feceritque ut Tilhis ille HoratianUs [epist Jy 3, f 

H] fastidire l actis et rivos ausns apertos iahi sit atis Tithi aut 
moveai oornicnla risutn [ibid. 19]^ sane'istius plumas iäm nm egö 
empsissem titwillitio [Planta Cas, II, 5, ^9], Vorsichtig war es auf keinen 
Fall von Chrhtianui^, dass er ausser der Öffentlichen NamennenUnng Aiun 
auch noch gerade diejenige' Seite des Streites hervorkehrte, welche die 
Rachsucht der Italiener insgesammt reizen musste. Er hat wohl nicht ge- 
ahnt^ dass aus diesem Yvonischen Angriff gegen das ttcetum Ittdicum jene 
Händel entspringen würden, welche sich durch die ganze übrige Lebenä- 
2eit seines Freundes hinziehen und vorzfiglich dessen Greisenalter belästigt 
haben. 

Titius nämlich konnte eine solche Beschämung, wie der Tvo sie ihm 
bereitet, nicht schweigend hinnehmen, und trotz aller Schwäche seiner 
Sache war ihm die Widerrede dadurch erleichtert, dass zugleich mit ihm 
auch die Gesammtheit der italienischen Gelehrten angegriffen worden ; er 
durfte nun, indem er seine eigene Person so wenig schlecht als möglich 
zu vertheidigen ßuchte, die gemeinsame Angelegenheit seiner Landsleute 
in den Vordergrund rücken. Diese polemische Taktik tritt auch gleich 
auf dem Titel von Titius' Replik hervor: Roberti Titii Burgensis pro suis 
hocis Controversis Asser tio adversus Yvonem quemdam Villiomarum Ita- 
lici nominis calumniatorem» Ad Franciscum Mugghionium, Flo- 
rentiaei* apud Bartholömaeum Sermatellium cid.id.lxxxix, 4, (224 S. 
und 3 unpag. BI.)« Ebensowenig wie dieser Titel nennt das Proömium 
den Namen Scaligers; es bezeichnet ihn aber deutlich genug und trifft 
seine empfindlichste Stelle in folgenden, den Tvo anredenden, Worten: 
Volo autem tibi parcere tuamque levitatem suspensa manu castigare, non 
quia Ulla venia dignus sis sed ne quod in te tuamque inscitiam et impu- 
dentiam verissime dicerem nobüissima gens Gallica, de qua ego semper 
optkne sensi ae perhonoriftce sum loquutus^ aliqua ex parte ad se pertinere > 
suspicaretur ^ quamquam eum te esse puto qui ne istie quidem, unde tarn 
insulsa ae Thrasonica verba magnifice iactabundeque funditas^ probe sis 
cognitus ob ignobilitatem scilicet vel doclrinäe vel moriim; et sunt qui af" 
firment Italogallum te esse Burd onem videlicet quempiam ex ägro 
Patavino haud ita generosum, ut minime vereri opqrteret, ne erudi- 
tissimos viros, quibus semper Gallia tum alias tum vero nunc maxime flo- 



263 

» 
fet^ vel tanfiUum propterea mfensiores mihi f^rperirer} quota enUn ptirs es 

tu nobitisiimi iifiui corporis f cum de (e iure nc merilo qnaeri possit 

Tig it69'Bv stg dvÖQtBif; no^i toi noXig ij^e rbx^fg; 
Der Schluss des Proöminms dreht mit einer nöthigenfalls bald zu liefern- 
den au^brlichen Nachweisung jener BurdotNSchen Abstammung des Yvo; 
im Werke selbst wird Scaliger atl mehreren Stellen fast mit Namen ge- 
rufen, z. B. IV, 25 bei Gelegenheit eines Citates aus Festus : hoc tu igno^ 
rare non debebttSf « is es quem tnuliorufn sertnoites afqve udeo restrntei 
tibrorum mancifßes suis indicibns quos huc ad nosfros trunsmitlnnt esse 
perhibent; in iis enim dinerte ndtttfum vrdimus: Seat ig er contra Ti- 
tium^ und um bei keinem Leser einen Zweifel zu lassen, wendet sich 
das Nachwort an ein Compositum ans Villiomarus und Scaliger: Habes 
ad omnia, ni fallor, Vilfioscaliger, afq>fe ita habes nt iure de me 
queri non possis^ tdov yag fcreo iua-ta vetus prorerbinm ^ in eo tantutn pa^ 
res vicestibi retulisäe non videbor, quod universam gefitem Gatlicam non 
pupugl quemadmodum tu Italam acerbissimis maledictis non uno in loco 
exagitasti etc. 

Der Hieb traf, und Scaliger merkte, dass er es nicht mehr mit dem 
Titins allein zu Ihun habe. Er hatte Grund zu glauben, dass das Burdo- 
nische Gerede dpm Titius von Leuten zugetragen worden, die seit lange 
auf ihn erbittert und im Stande waren, die angedrohte Controverse wegen 
seiner Burdonischen Herkunft mit Ausdauer zu führen. Manche auch, denen 
an Titius' unbedeutender Person wenig gelegen war, die sogar dessen Be- 
strafung recht gern sahen, waren doch durch den Ton verletzt, welchen 
der Yvo gegen die Italiener angestimmt hatte. So schreibt Franciscns 
Bencius im Jahre 1592 an Lipsius (Barm, syll, Jy p* 75): De Ro-, 
berto Titio quaesitum nollem: ita iniucnndae mihi eius controversiae: mihi 
vero ? imo fere omnibus qui de eo inaudierunt aliquid aut legerunt : audar 
nimium ille et purum felix: melius Villiomarus Yro, quisquis ttmdem fuit, 
qui suscepit pafrocinium muilorum} sed de Ihilis si loculus fuisset paullo 
humaniusy nihil in illo opusculo desideraretur ^ nunc mirum pluribus, cur 
causa unius hominis exagitiUperit genus Universum. Haec pauca de Titio 
qui Florentiae agil, de facie mihi iguotus invisusque. Je allgemeiner die- 
ses wegwerfende Urtheil des Bencius über Titius von den Italienern ge- 
theiit wurde, um so misslicher musste es erscheinen, mit einem solchen 
Gegner eine Debatte fortzuführen, welche von nun an in offene Persön- 

19' 



264 

lichkeitep überzug^ehen drohte. Noch weniger aber mochte Scaliger sich 
dazu verstehen^ die ganze Polemik, nachdem sie diese Wendung genom- 
men hatte, ein für alle Mal fallen zu lassen. Was der florentinische Pe- 
dant über Scaligers ^Burdonische' Herkunft zuerst im Jahre 1580 durch 
den Druck zu veröffentlichen. wagte, das hatten italienische Gelehrte schon 
seit längerer Zeit den Italien bereisenden Franzosen gern ins Ohr geraunt. 
Bereits um das Jahr 1573 hatte Scaligers vertrauter Frennd de Thou es 
in Padua zu hören bekommen von Fabius Niphus, dem Enkel des be- 
kannten Aristotelikers Augustinus Niphus. Damals war es noch auf J u- 
lius Scaliger allein gemünzt, der durch geringschätzige Aeusserungen 
über die Philosophie des Augustinus Niphus den Zorn des Enkels erregt 
hatte (Thuan. De Vita Sua J, p. ii93 ed» Frtincf,). Mit dem wach» 
senden und den Italienern immer hinderlicheren Ruhm Joseph Scaligers 
gewannen auch die Burdonischen Gerüchte an Bösartigkeit; und • Scaliger 
selbst hatte sie herausgefordert durch unbedachtes Prunken mit seinem 
Stammbaum sogar in wissenschaftlichen Schriften*). Um sie nun wirksam 
zu ersticken, musste, da die directe Polemik gegen Titius, ihren ersten 
öffentlichen Yerkünder, fortan unthunlich war, ein anderer passender An- 
lass abgewartet oder geschaffen werden. Gar zu augenscheinlich gesucht, 
um passend heissen zu dürfen, war jedoch der Anlass, den Scaliger end- 
lich im Jahre 1504 ergriff, als er eben nach Leyden übergesiedelt war, 
dort fürstliche Ehrenbezeigungen entgegengenommen hatte, und nun sich 
und seinen Freunden die öffentliche Vertheidigung seiner adligen An- 
sprüche nicht länger glaubte schuldig bleiben zu können. So musste denn 
auf seinen Wink der jüngere Janus Douza eine bereits früher veröffent- 
lichte schwülstige Declamation des Julius Scaliger von Neuem znm* 
Druek befördern, und Joseph leitete dieselbe ein durch eine ausführliche 



*) Z. B. zu Cattill XXIX, 1 />. 30 ed. pr.: ScdUgerorum prineiptun amoenisHmut 
secesstu Sirmio a Theodorieo usque Sealigero Gotiho, quem Diedrieh von Bema voeant Ger- 
rnani, ad awmusquemeum BenecUehm ScaUgerum, worauf dann die Geschichte des Scaligcr- 
schen Fürstenhauses mit der veaetianisohen verglichen wird. Aehnlich heisst es zu den 
Catalecta p, 237 ed. Lindenbr. : an intelligit Sirmionem peninsulam ventisiissim€an, quon- 
dam CatuUi poetae et aUquando etiam, dum /ata manebant, Scaugkrobvm Pminciftm 
amoenissimum secessum. Und die Subscription der ersten Ausgabe von de emendatione 
temporum (p. tölj beginnt: losephus Scaliger lul. Caesaris ßlius, BenedicH nepos, I9u 
colai pronepos, WiMmi abnepoe, BarihoUmei Canis adnepos etc. opus novum de emenda- 
tione u. s. w. 



265 

Abhandlang ,über das Alter und den Glanz des Scaligerschen Ge- 
schlechts*)^ in Form eines Briefes an -den älteren Janus Donza. Des Ti- 
tius Namen hier ausdrücklich zu nennen, konnte Scaliger sich nicht 
entschliesfl^en ; aber er bezeichnet ihn doch deutlich genug als den eigent- 
lichen Veranlasser dieser ganzen Publication in folgenden Worten, welche 
neben vorsichtigen Aeusserungen über den Yvo auch noch eine ziemlich 
gezwungene Ehrenerklärung für die Italiener enthalten (p, '53): QuoHdie 
iätquis mihi iuccrescii mu furiosusy aut fiagitiosusy aut indoctus gut mihi 
obUUret .... Praeter sciolos, areiälogos et sophistas exortus est nescio quis^ 
, ut ttudioy furiüsus Florentimts^ quem quidam ttiastores populäres sui in 
obireetationem mei ineifarutU et vitro adiuverunt. Quippe iis instructum 
quihus §enus meum et existimdtionem laedi posse putarunt ad diffamatorii 
libri scriptionem subortuirunt et misero iUo furoris et invidiae suae mi^ 
nistro usi sunt .... Ego iUum horribilem et sacrum librum non vidi prae^ 
^er tituium, quo ftutat apud populäres suos vendibilem mercem suam ex^ 
trudere cum me obtrectatorem nominis Italici vocat (s. oben S. 262)* Hie 
igjtur titulus homines Italos, si qui inter ülos otiosi su^t, ad totum librum 
hgendum invitabit, qui alioqui limis oculis et tituium i^sum praeteriissent, 
Ostendant mihiy cui obtreetatus sim. 8i mihi necessitas imposita esset 
alitui obtrectandi et ita insanirem: cur potius Jtalis quam Germanis aut 
GaUis meisf ov yä(f m^not ifutg ßovg ^Xaactv, vÖi not tiCTCovg, Quis 
eff'ufior unqnam in laudes eius gentis quam ego? lurare possim liquido, 

* 

me plures et meliores viros amicos in Italia habere quam uüum obtrecta- 
torem meum Italum. Quod si furore actus aut per lasciviam toti genti 
odium aut bellum indicerem, tamen propter eos, quos mnltos.in ea gente 
et colo et observo, a furioso instituto desisterem, 8i vero, sunt qui me eo 
amentiae progressum putenty tantum abest ut eos in Jtalorum numero ha- 
beam, ut ne in hominum quidem censeam. Qui librum illum dignum 
auctorüfus suis me autem indignum legerunt, aiimt tenebrionem iUum pu- 
ture me auctorem nescio cuius libri [dk h. des Yvo], qui eius inscitiam et 



') Der volle Titel lautet.* losepU Scaligeri Jül. Caes, F. EpUiola De Vetustate Et 
Splendore GenHs Scaligerae et lul. Caes. ScaUgeri Vita. lul. Caes. Sealigeri Oratio in 
htetußHoli AndeoH. Item Tesiimonia de Gente Scaligera et lul. Caes. SeaUgero. Lug- 
dum Batavorum, Ex OJieina Planüniana, Apud Franeiscum RapheHengium cia.u.xcir. 
4 unpag. Bl. (Dedication des jüngeren Douza) ; 123 S. 4. Ich citire die Epistola De Ve- 
lustate nach dem Abdruck in epp. p. 1—58. 



266 

amentiam, qna oinnes bone» inseetatus est, eamgitavü<t <tc proptereä, dM 
auctoreth vnlneris sui penequitur, obvium oomibns inairsare, more sau*- 
CKtrutn ferarum, qwie in eos quos ohiecit cnsvi satviunt. Msto^ ego aim 
atietor eins libri, et ita otium mihi sit ab re mea, nt eurem qmd äelirent 
Carybantes in urhe Florentinn: quam lafebmm quaerei inseitiue et^ prodi^ 
giosis errorihus suis? siquidem verum retnltrunt amiei qni illius priorem 
librum legerünt. Jdeone ^ego ero nescio quid) iquiu ipse id quod est esse 
non vüUf Absolvant cum ignoranliu et temeritate qni eins monitoPes fue-- 
mnty et viros putabo. Si quis me iHo libro contümeHoso moveri putat et 
me illitts Florentini nitionem habere, qui misericordia potms' mea quam 
ira dignus est: nae iUe longe fallitur, Perinde est mihi ab iÜQ vituperari 
ac laudari, Landes enim et ininrias nebuhnüm in promiscuo habendum. 
Neqtie ex his gaudium, neque ex Ulis dolor ad nos pertinet, 8ed ideo il-^ 
lius mentionem feei, quod quidam male feriuti stipem suam in illum aeru-^- 
scatorem contulerunf, — Schon diese Eine Probe zeigt, dass Scaliger* 
keineswegs gesonnen war^ durch Milde und Demiitfa seine Gegner zu ent** 
waifnen. Wenn dieselben nun dennoch von der unmittelbaren Fortsetzning 
des Streites abstanden pnd der Burdoniscbe Lärm während der nächsten 
6ilf Jahre (1594^-1605) gänzlich verstummte, so muss man darin wohltue 
Folge des günstigen Eindrucks erkennen» welchen die sachliche Beweis- 
führung in jener Scaligersciien epistola auf die grosse Mohrrafal der unbe-' 
fangenen Leser damals gemacht hat^ Noch Delrio (1601) wägte es nicht,^ 
das Thatsächliche der epistola zu leugnen, obgleich er ihren Ton als 
prahlerisch angreift (s. S. 81). Nachdem jedofeh der Kampf mit den Je- 
suiten den höchsten Grad von Erbitterung erreicht hatte, ward auch die 
eingerostete Burdonische Waffe wieder hervörgesucht. Im ,Amphitheater^ 
(1605) schwang sie Scribanius noch mehr zu- blosser Drohung; in fri- 
sches Gift getaucht und zu fechtermässigen Gebrauch verwendet hat sie 
erst Scioppius ^1607), der jene Scaligersche epistola Salz für Satz secirte, 
und so die Ahnenprobe endlich ausführte, welche Titius vor fast einem 
Yierteljahrhundert angekündigt hatte. Wie Scaliger sich des Scioppius 
erwehrte, ist oben S. 87 erzählt. Hier musste an diese genealogischen 
Händel nur wieder erinnert werden, um die verbindenden Fäden aufzu- 
zeigen zwischen Scaligers Bekämpfung der Italiener im Yvo und seinem 
Streite mit den Jesuiten. 



Verzeichniss der Schriften Scaligers. 



1565. 

I. Varro. 

1) losephi Sccdigeri lulü Caesaris Füii Coniectanea in M. Te- 
rentium Varronem de lingua Laüna Ad Nohüissimtm^ et 
ervdüissimum iuvenem Ludovicum Castanaeum Rupipozaeum, 
Parisiis Ex qfflcina Roh. Stephani iifpographi Regii MDLXV, 
Cum prioilegio Eegis. 3 Bl. Dedic. 221 S. 8. — Schluss: 
excudehat Robertus Stephantis Typogra/phus RegiuSy LtUeticte 
Parisiorum X CcU. Septemh. armo MDLXV. 

lieber diese Erstlingsarbeit heisst es Scaligerana I, (s. v. auchres): 
Confecit Coniectanea in Varronem anno aetoHs ^gesimo. ,Et lors'y dU- 
il, ,4toi8-je fou eomme un jeune likvre.^' AlS Denkmal seiner Ju* 
gendlichkeit hat Scaliger die Oonjeetanea in ihret ursprünglichen Ge- 
stalt auch für die späteren Ausgaben beibehalten, und nur in den an- 
gehängten Verborum Etymohgiae ein Paaf Ausraerzungen gar zu unreifer 
Einfülle vorgenommen. In der, jetzt fast allein gangbaren, Bipontiner 
Ausgabe sind die Oonjeetanea vermengt mit der gleich XNo. 2) zu er- 
wähnenden AppendiXf welche aus schön viel reiferer Zeit stammt und 
absichtlich von Scaliger als für sich bestehend und aus einem andern 
Tone redend nicht in die Oonjeetanea eingereiht wurde. 

2) M. TerentU Varronis qpera quae aupersunt. In Lib. de Ling 
Lot Coniectanea losephi Scaligeri, recognita et appendice 
aucta. In libros de Re Rast. Notae^etusdem los. Seal, non 
antea editae. Eis adiuncH /tterunt Adr. Iktm. Comment. in 

20 



270 

Uh De lingua Latina: cwm emendationibus Ant, Atlgtistini. 
Item P. Victorii Castigationes in Hb» De re rustica. Anno 
M.D.LXXIIIy ExcudehcU Henr, StepJumus. 8. 

3) M, Terentii Varronis opera quae supersunt In Lih De Ling, 
Lat.Coniectanea losephi Scaliger i In Lib, De Re Rtcst Notae 
eiusdem. Alia in Eundem Scriptorem trium aliorum Turn. 
Vict. August. Editio Tertia^ Recognita et aucta. Das Druk- 
kerzeichen der Stephan! . Anno M,D,LXXXL 8. 

In Betreff der Scaligerschen rSaöhen unterscheiden sieh diese bei* 
den Drucke dadurch, dass der erste vom Jahre 1573 in der Note zu De 
Re Rustica I, 2 7ned,f wo Scaliger die Redensart auro contra carus er- 
läutert, nach de» Worten obviam occurrant folgendermaassen fortfahrt, 
p. 2^1 extr.i Proflucam autem locum veteris coniici Trabeae ex fabula 
Harpace,uhi hoc loquendi genus u&urpatury tum jpropter sententiae elegan- 
iiam, ivan etiam quia nondum pulgo noti mnt, 

Here^ 8% ouerelisx eiulatu^ ßetibus 

Medicina ßeret miseriis mortalium, 

Auro parandae lacrumae contra forent, 

Nund häec ad minüenda )mata nön magis valerd 

QuariK nenia praeficae ad excitandos mortuos. 
\ Res turhidae consilium non ßetum eapetunt. 
Cjpis enim tarn a/oenui a Musis tamque humanitatis expers, qui horum 
publicßtione qffendaiur? Quod si hi placeift, non graoabor et alias eiusdem 
natae, ^ed alius poetae, adhxbere gut tanquam superiorum gemini et german} 
^ sunt^ Sunt.autem Accii, veteris ac gravissimi tragid, ex Oenomao, 

Na/m si lamentis aUevaretur dolor, 

Longoquefietu mimieretur miseria 

Tum turpe lacrumiS' mdulgere non fbr^, 

Fractaque voce dioum ohtestari fidem, 

Tabifico; doneci^.pectore excesset lues. 

Nunc haec neque hüum de dolore detrahunt, 
* • * Pöiius^lb tttnMluW )fnis&(s adikiuni malt. 

Et indedor'äm'fnenti^ fttoUftMm wgmmt, 
Q^ versus hastemts iataerw^ eos^ "ntmö prinmm "in vulgus pMicamus, 
ijuohiim priores IM^eae m^ ad'verbmn e ^Ütemone mutwxti videntur. 



I 1 

■ i ' • t 



■'* 



271 

qui eandetn aenUmiiam ad ü«r6«m extuUi [Hut conseL Apoll, c. 8; Stob. 
FloriL 124, 18/; 

Ei xä doHifV v^iüf v(oc Kctnup ipt (pa^fUCKOv, 

'Aü ^' Q }ilavatc$ roß noanS^ huxvBto, 

'HlXavtofuo^^ ap Soot^ma d9Ptig x^alov. 
Nam terHus versus tut vsrbwn reddüinr tertia Trabeae, 
Aura parandas läcrumae contra foreM, 
Forktsse de hoc nimis. JUud quod tbi manu est aganms. Hie est, inquit, 
tUe, qui etc. In dem Druck vom Jahre 1581 Qou 196) so wie in allen fol^ 
genden ist dieses ganze Stücl^ ohne weitere Bemerkimg weggelassen, und 
auf die Worte obviam occurrant folgt unmittelbar Hie est, inquit Varro, iüe 
qui etc. Grund dieser Auslassung, i^4r, dass im Jahre 1575, also zwei 
Jahre nach der ersten Veröffentlichung von Scaligers Noten zu De Re 
Rustica, Muret in dem Anhange zu einer Ausgabe seiner Reden bei 
Aldus jene vermeintlichea Trabea- und Attius- Verse n(iit ^en . U^ber- 
schriften Afficta Attio, Aff.cta Trabeae drucken Hess und Ihnen folgende 
Bemerkung vorsetzte (Muret, opp. ed Ruimk. 1, p, 775); Cum veteris 
comici Graeci Fhilemonis nohilem sententiam a Plutarcho et a Stobai$o ac- 
ceptam animi caussa exprimere tentassem et dicendi genere et numero vete- 
rum Latinorum Tragicorum simUlimo, placuit etiam experiri numquid ean- 
detn comice explicare possem. Yisum est utrurnque noh infeliciter succes- 
sisse. Per iocum igitur prioribus versibus Atti, posteriör(bus Traheae nomen 
ascripsi, ut experirer^ aliorum iudicia et vider^m numquis in eis inesset ve- 
tustüMs sapOT. Nemo repertus est, qui non ea pro veteribus acceperit, Unus 
etia/ni et eruditione minime vulgäri et iudicio aeerrimo praedikis*) repertus 
est, qui ea a me euxepta pro veteribus puiblicaret, Ne qms igitur aafripUus 
fallatur, et rem toiam detegendam et carmina ipsa hie suhiicienda duxi, 

Scaligers Rache beschnlnkte Sich auf ein Epigramm, das ein &n6Q- 
iffftov in Murets Leben zu Toulouse berührt, aber ersi nach Scaligers 
Tode gedruckt worden ist (poemm, p, 24): 

In Rumetum, qui suos versus pro antiquis auppasuerat, 

Qui rigidae flammas evaserat ante llk>losife, 
Rumetus, fumos vendidit iüe mihi, 

*) Aehnlich lobend und namentlich wird Sca^ger von Muret erwähnt opp. IV. 
231 : Ita illum Varronis Iocum [L. L, VII, 27/ emendäfifU sununo ingeniö et incredibiU 
doctrinae copia praeditus et, ut omnia quae de eo honorißce dici potsunt uno verbö com- 
pleetar, patre dignitHmw adolescens losephus Sealiger. 

20* 



272 

Uebrlgens litt seine Gesinnung für Muret (s. oben S. 132) nicht 
weiter durch diesen schlimmen Streich, welcher die stilistische Virtuo- 
sität und den Charakter Murets schlagend l^ezeichnet. Nach einer von 
Scriverius aufgezeichneten, im Jahre 1604 gethanen mündlichen Aeusse- 
rung Scaligers hielt er den Mtiret auch für den Fabricanten der ,apu- 
kianischen* Uebersetzung aus Menand/ri 'A«sx6(iBP0g\ s. Burman, add» 
ad Ardhol I, p. 746^ bei Meyer Anthol. I, p, 94^ iVb. 230. Der neueste 
Herausgeber des Apuleius, welcher die ßchtheit der Verse mit keines- 
wegs stichhaltigen Gründen vertheidigt (Äpuleius ed. Büdthrand L 
p. L VJ) scheint diese Notiz übersehen zu haben. 

1566. 

n. Lykopbron. 

1) ATKO^PONOS TOT XAAKIJES12 Als^avöga. Lycophtonis 

Chcdddensis Alexctndrcte sive Cassandrae versiönes duasi una 

ad verhttm a Guldmo Cantero: altera carmnie expressa per 

tosephum Scaligerum^ lulii F, 

Annotationes etc. 

Pasileae per loannem Oporinum etPetrum Pemam MDL XVI 

meme Modo. 4. 

Dem Wilhelm: Canter hat Scaliger auch noch für dessen Novae Le- 
ctionea ausser anderen Beiträgen (III, c. 3; V, 29/ coli. ScaL in CuUc. 
p. 29 ed. Lind, und Voss, de vitiis sermonis I, c. S) Oonjecturen zu dem 
von Canter (IX,\) zuerst veröffentlichten Stück des Athenäus mitgetheilt* 

2) Lycophronis Alexandra. Poema obscurum. loannes Meursitis 
Becenauü, et Libro commentario üktstravU. Acceesü losephi 
Scaligeri hd. (Joes. F. versio cemtum locü emendoHor. Lti- 
gdtmi Batavorum, Ex Offidfut Ludovici Mzevirii Amno 
cio.io.xcvii. 8. 

Bachmann (Lycophr. Akxand. I, p. 455 — 504) hat die Varianten 
der ersten Ausgabe seinem ABdruck der zweiten beigegeben. — S. oben 
S. 121. 



273 

15t3. 

m. Catalecta. 

1) Pqiblii Virgüii Marortis Appendix, Cum mpplemento mvlto- 
rum antehac nunquam excusorum Poematum venerum poeta- 
rum. losephi Scaüigeri In Eandem Appendicem CommerUarii 
ei casHffcUiones. Ad clarissiimim virum lacobum Cutacium, 
Iwriscons, nostrae aetoHs facüe Principem, Lugdtmiy Apud 
Guliel Roüülium, MDLXXHI, cum prmlegio Regis, 8. 

Den Titel dieser, mir nicht vorliegenden, Ausgabe entnehme ich 
der sorgfaltigen, jedoch in einem nicht unwesentlichen Punkte irren* 
den Abhandlung Naeke's (carmm. Val, Catonis p. ^422 — 427). Er meint 
nämlich, nach Burmann's (Anth. Lat I, p, XXI) Vorgang, aus No. 31— 
34 der Scaligerschen Briefsammlung schliessen zu dürfen, dass Pe- 
trus Pithous diese Lyoner Ausgabe. besorgt habe. Nun war aber in der 
letzten Hälfte des Jahres 1572, in welcher nach Ausweis der Dedica- 
tionen an Cujacius und an Senneton (vor den Noten zu den Priapeia) 
das Buch sich unter der Presse befand, Pithous nicht in Lyon, sondern 
zu Paris, hatte dort die Schreckenszeit der Bartholomäusnacht zu be- 
stehen, musste sich Monate lang versteckt halten, wagte nicht, sich 
blicken zu lassen, bevor er seinen Uebertritt zum Katholicismus erklärt 
(Scalifferana II, 8. v. Piihoeus: Au mtuaacre P. Pithoußt^oU de maison 
en maison ei laiuit per aliquot memea, poetea mutavU ae) — kurz, war 
durchaus nicht in der Lage, einen in Lyon vor sich gehenden Druck 
beaufsichtigen zu können, am allerwenigsten als Corrector, wie Naeke 
(p. 423) meint. Dass er es nicht gethan, dafür liefern auch die vier 
von Burmann und Naeke angeführten Scaligerschen Briefe an ihn den 
deutlichsten Beweis, wenn man sie nur nach der richtigen, bei genaue- 
rem Lesen sich von selbst ergebenden, Zeitfolge so ordnet: No. 31, 34, 
33, 32. Die drei ersten Nummern sind aus dem Limoisinischen wahr- 
scheinlich im Jahre 1568 an Pithous nach Paris geschrieben^ und be- 
ziehen sich auf eine vorangegangene Sendung des schon aus dem Jahr 
1567 stammenden Manuscripts der Catalecta (Scaligerana L s. v. audo- 
res: confecit [Seal.] notas in Catalecta Virgüii anno [aetatis] 27), deren 
damals projectirten Druck zu Paris Pithous leiten sollte. Pithous muss 
sich jedoch dazu ausser Stande gesehen haben, wohl in Folge des im- 



,2T4 

mer heftiger wüthenden Bürgerkricgfes; denn aus dem Briefe No. 32, 
der den .Schluss der Reihe bildet und aus Valence frühestens im Jahre 
1571 geschrieben ist, ergiebt sich, dass Scaliger sein Manuscript befeits 
seit zwei Jahren von Pithöus zurückerhalten» es mit beideute^den Zu- 
Sätzen vermehrt hatte und eb^fl im Begriff ww, selbst mit Ci^aeius nach 
Jlyon zu gehen, um den Drupk einzi\le\ten, ^. p* 140; cum ergo me 
Dem amicis restituisaett (^endi domi iam ante biennium, alfal^m mihi 
fuisse iUum Uhr um Parisiis. ,*» Auximw.,. Catalecta nosira plusqt^am cerir 
tum Poematiis quae antehac nunqt4am eaßcusa fuerunt.,», Sane luculentissi- 
mum Culieem, Cirim et Aetnam atque adeo Moretum ipsum edemus etpro- 
pediem 1/ugdunum ego et lac, Cuiäcius deferemus. Der Antheil des 
Pithous an diesem Scaligerschen Werk ist also auf die gelegentlichen 
Bemerkungen zu beschränken, welche er nach Durchsicht des noch un- 
fertigen Manuscripts dem Verfasser mittheilen mochte, und von denen 
wohl die Mehrzahl in den erwähnten Briefen Scaligers berührt sind. — 
Ein kleineres, nur wegen des daran sich Knüpfenden besprechens- 
werthes, Versehen Naeke's betrifft die Schlussworte des ersten Briefes 
an Pithous (p. 138); Ego chariae meae quam legent Operone notas Codicis 
Antcerpiensis äpposui, tarnen sunt multa, quae temere mutata sunt a ftescio 
quo ***, quae tu resUtues. Caetera bene hahent Richtig bemerkt Naeke 
gegen Burmann (AnthoL lat. I, p, XXXII), dass unter nötae codicis 
Antverpiensis nicht handschriftliche, sondern die am Rande der Antwerpener 
Ausgabe des Virgil vom Jähre 1566 stehenden Lesarten gemeint sind, 
welche sich in der Lyoner Ausgabe -der Catalecta ebenfalls am Rande 
finden, und von Lindenbrog, in der gleich zu erwähnenden späteren Aus- 
gabe, am Schluss der Noten p, 337 unter der Aufschrift Variae lectio- 
nes zusammengestellt sind. Dagegen darf man nicht mit Naeke (p, 424) 
glauben, dass Scaliger, dem eine zarte Scheu in polemischer Namen- 
nennung nicht gerade eigen war, den Namen des ungeschickt ändern- 
den nescio quis hätte unterdrücken oder gar m einem Briefe an einen 
Freund durth Sternchen bezeichnen wollen. Vielmehr lehrt ein auch nur 
flüchtiges Durchblättern der Scaligerschen Briefsammlung, dass solche 
Sternchen von der oft allzu peinlichen Aengstlichkeit des Herausgebers 
herrühren. Colomesius (opp, p. 334) hat sich die dankenswerthe Mühe 
gegeben, alle so besternten Lücken auszufüllen; in die hielsige setzt er 
den Namen Pulmanno ein und erklärt somit Theodor Pulmann für den 



«TS 

Uiiieber der an den Rand der A9twerpeiier Ausgabe von 156$ gesets'- 
ten liesarten. Dless best&tigt sich mir dureh Vergleichimg jener Ant- 
werpener Ausgabe mit einem späteren, im Jahre 1580 ebendaselbst er- 
schienenen Abdruck, auf dessen^ sonst dem von 1566 ähnlichen, Titel 
Pulmann's Name genannt ist: Pub, VirgUii Maronig opera Theo dort 
Pulmanni C r an ebur ff ii studio aorreda, Pauli Manutn annotaUones etc. 
Die Dedicationsepistel Pulmann's trägt das Datum Äntuerpiae V Idue 
Octobreis, anno cio. io.lxiji. Sonach ist auf Pulmann's Rechnung alles 
Gute und Schlechte zu schreiben, was zuerst am Rande der Antver- 
pienais von 1566 erscheint und von dortiier an den Rand der Lyoner 
Catalecta, in die variae lectUmea bei Lindenbrog und an den Rand der 
Epigrammata des Pithous verpflanzt wurde; z. B. die auf den ersten 
Blick verzweifelt scheinende, aber auch durch Haupt's (Berliner Pro- 
gramm 1854 p, 5) Beifall empfohlene Aenderung von (Aetna 67) im- 
pellens victos in aniplexa est gnatosf sie steht nämlich, wie Haupt 
vermuthet und. ich bezeugen kami, schon am Rande der Antverpiensis 
von 1566. * . * 

« 

Als theilweises Surrogat für die überaus seltene Lyoner Ausgabe 
kann dienen P. Yirgilii Maronis Appendix cum Josephi Scaiigeri commen- 
tariis et castigaiionibua. Ad Ciarias, Virum lacobum Cuiacium luriscons, 
nosirae aetatis facile principem. Antverpiae Ex officina Christophori Plan- 
um Architypographi Regii MDLXXV 08 S. ä BI. Ind. /o/. 'hinter der 
Ausgabe des Virgil von Germa;nus Valens Güellius. Dieser Abdruck 
enthält', mit Ausnahme der Priapeik, alle Stücke, die in der gleich zu er- 
wähnenden Lindenbrogschen Ausgabe auf deii ersten 182 Seiten des 
Textes stehen. Dass die Lyoner Ausgabe zu Grunde liegt, sagt der 
Drucker in emem Vorberipht auf der Rückseite des Titelblatts. 

2) Pub. Virgüii Maronis Appendix^ Cum supplemento multorum 
antehac nunquam excusorum Poemaium veterum Poetarum, lo- 
sephi Scaligeri lul, Caes, FU, In eandem Appendicem Ca- 
stigationes et Commentarii multis in löcis aucH, curante eden- 
teque Friderico Lindenbruc^: , cuitcs et Notae additae, Lu- 
gduni Batavorum^ Em qffbcma, HonHniana, apttd Franciscum 
Raphelengimm cio,io,xor, B, 

Uniarb«ituj]i|g und Yermefanmg ^d sehr beträchtlich« Lin'dienbrog 



276 

V 

hat jedoch manchmal im Eintragen der ScaKgerschen Zus&tze Fehler ^ 
begangen, z. B. p, 64 des Commentars a, v. Quod si cUio; und während 
in den von Scaliger selbst beaufsichtigten Ausgaben die Indices immer 
Muster von Genauigkeit und Planmässigkeit sind, finden sich hier Dinge, 
wie z. B. im Index Audorum s, v. Eumenides. 

Keine neue Ausgabe und nicht einmal ein neuer Abdruck, sondern 
bloss, weil der Verlag an einen andern Buchhändler übergegangen war, 
mit einem neuen Titelblatt versehen ist Ckctalecta Virgüü et xiUorum 
Poetarum Zatinorum veterum PoemaUa, Cum Commentariis losephi ScoH- 
geri lul Caes, Fil, Lugduni Bcsta/oorum apud loannem Maire 1617, 8. 
Nur der letzte Bogen des Textes (i2) muss umgedruckt sein ; . er ent-* 
hält, ausser einem veränderten Schriftsteller- Verzeichniss (p. 262), das 
von Scaliger selbst nicht in die Sammlung aufgenommene Pervigüium 
Veneria (p. 258) mit dem Zusatz in der Ueberschrift: quod quidam Ca- 
tulh tribuunt, d. h. einem Mimographen 'Catull, dem Scaliger das ,von 
Erasmus citirte Carmen de Ver^ mit leicht hingeworfenem ,forta8sef zu- 
geschrieben hatte in den einleitenden Worten zunf Gomment^ des 
Catull. 

IV. Vita Homeri. 

In Homeri Vitam ex Herodoto losephi Scaligeri notae und 
In Moronis Parodiarum fragmentum [Athen. IV^ p. 134/ no- 
tae eiusdem los. Scaligeri hinter *Oii>ri^ov xal ^Hei68ov ayanr, 
Homeri et Hesiodi certamen. Nunc primum luce donatum 
etc. Anno MD.LXXTTIy excudebai Henricus Stephanus. 8. 
Die Scaligerschen Noten stehen p. 177 — 179. 

V. Empedokies. 

In Empedoclis et AJiorvm carmina notae losephi Scaligeri hin- 
ter noiriaig ^iX6aog}og. Poesis philosophica etc. Anno 
M.D.LXXni^ excudebat Henricus Stephanus. 8. 

Die Scaligerschen Noten stehen p. 216—219. 

1574. 

VI. Ausönius. 
1) losephi Scaligeri lul. Caes. F. Ausonianarum Lectionum Libri 
Duo. Ad Optimum et eruditissimum virum Miam Vinehon 



r 



277 

t 

Sankmem Lugduni^ apud Ant, Gryphium MDLXXlIII I6l S. 
und 3 Bl. Index, hinter 2>. Magfd Ausanii Burdigalensis, 
viri constdariSy Augustarum praeceptoris opera in mdiorem 
ordinem digesta. Recognita sunt a losepho Scaligero Itdii 
Caes, F, et infinitis locis etnendata. Eius^em losephi Sca- 
ligeri Ausonianarum hctionum libri duo ad Miam Vinetum 
Sanionem: in quihus Castigationum rationes redduntur et dif- 
ßcüiores loci Ausoniani explicantur. Lugdtmi^ apud Ant, 
Gryphium MDLXXV. 343 S. und 10 unpaginirte Bl. 12. 

, Von dieser ersten Ausgabe ist ein unveränderter Abdruck losephi 
ScaUgeri lulH Caes, F. Auaanianarum lecüonum Ubri duo -ad optknum 
et eruditissimum virum Eliaim Vinetum Satonem (sk). Heidelbergae 
ciD.iD.L^xxvjii. 255 S. 8. Auch die Nachdnicke von lacob Stoer — 
einer ans dem Jahre 1608 liegt mir vor — sind nach dieser ersten Aus- 
gabe gemacht. 

2) losephi Scaligeri lulii Caes, F. Ausonianarum Lectümum 
Libri Duo. Ad optimum et eruditissimum virum Eliam Vi' 
netum Santonem. Omnia^ ah OMctore recognita et emendata 
hac postrema editume. Burdigalae. Apud S. MUlangium Tg- 
pographum Regium cio»io.lxxxx, hinter Ausanii Burdiga- 
lensis viri constdaris omnia, quae adhuc in veteribus bibliothe- 
eis inveniri potuerunt, opera, Adhaec Symmachi et Pontii 
Paulini litterae . ad Ausonium scriptae^ tum Ciceronis, Sulpiciae, 
aliorumque quorundam veterum carmina nonfiuUay Cuncta ad 
varia vetera novaque exemplaria hac secunda editione emen- 
data commentariisque auctioribus illustrata per Miam Vinetum 

Santonem f fosephvm Scaligerum et alios etc Burdigalae, 

Apud S. MUlangium Typographam Regium MDXC, 4. 

Auf der Rückseite des Titelblattes zu den Lectiones Aueonümae sagt 
der Prucker dem Leser, Scaliger habe per occupationea et variaa huius 
temporis moleatias keine Zeit gehabt, diese zweite Ausgabe durch Zu- 
sätze zu vermehren, sondern nur correxit quae iam scripsercU et detraxit 
onnnuUa. Von erheblicheren Auslassungen betrifft eine im siebenten 

21 



2T8 

Capltel des zweiten Biiches die in der ersten Ausgabe anfgestellte Be- 
hauptung über Lapurda der Itinerarien. l^huanus (de Vita, Sua II, 
p. 1324) machte Scaliger auf den Irrthum aufmerksam. — Aus den un- 
willigen Aeussenmgen Scaligers (epp. p. 439 und de emend/temp, V, p, 
485 ed, teri.) über Vinetus' liUst, ihm xu widersprechen, darf man wohl 
schliessen, dass nicht bloss die ^unruhigen Zeiten' ihn abgehalten haben, 
dieser zweiten Ausgabe, da sie den Anhang zu Vinetus' Commentar 
bilden sollte,, grossere Sorgfalt zuzuwenden. Uebrigens hielt er manche 
Jiier gewagte Ortsbestimmung später selbst nicht für richtig und schreibt 
darüber im Jahre 1*606 an Freherus (epp* p. 483^; nihil animo meo gra- 
tiua faeere potes quam purgare errores, gui iuveniles Ausonianas Ledionea 
noetraa magis dehonestare guam omare paseunt, Tantum vero abeet, id 
aliquid haheam quo tuum Commentarium ingtruere possim, ut verear ne fit- 
mio plura de MoaeUa scripserim quam hamini peregrino eanveniebat. 

VII. Aias. 

Sophoelis Aiax Lorarius Stylo Tragico a losepho Scaligero 
lulii F. translaius, Eiusdem Eptgrammata quaedam. twn 
Graeca tum Latina cum aliquot ex Graeco translatis. Anno 
M,D,LXXIIII 8. (s, L) 70 besonders paginirte Seiten 
als Anhang zu Itdü Caesarü Scaligeri Viri Cktrissimi 
Poemata in duas partes divisa. Anno M,D. LXXIIII (s, Lj 

S. oben S. 121. 

Vin. Hermes Trismegistus. 

Mercurii Trismegisti Pimandras utraque lingtta' restitutvs, D. 
Frandsd Flusaaiis CandaUae industria. Ad Maximilia- 
num Caesarem eius noxninis quartum, ßurdigalae^ Apud 
Simonem Miliafigium ßurdigalensium Typographum via la- 
cobaea, 1574. Oum prioilegio Regia. 70 unpaginirte El. 
' kl. Folio. 

In der Vorrede an den Leser, Bl. 4, sagt der Herausgebec ^^ 

einem Theil einer seiner gräulich geschnorkelten Perioden: accito con- 

, suÜorum assensu non tantum gtaecarum sed etiam orientalium Unguarum 

(utpote losephi Scaligeri, iuvenis illustrissimi, non minus doctis Unguis eru- 



279 

(Uti, quam conditione et prosapia praecktri, opera) perpaucos pingentia . er- 
rores sarcientes etc. Demnach wird man wohl bei den meisten Abwei- 
chungen des Flnssas von Turnebus' Text an Scaliger zu denken haben. 
Man übersieht sie jetzt bequem in der Parthey'schen Ausgabe des Pö- 
mander (Berl. 1854, 8), wo auch p^ 12 die Vorredi? des Flussas abge- 
druckt ist. 

1575. 

IX. F e s t u 8* 

Eine Ausgabe des Festus vom Jalire 1575, welche in den Hand- 
büchern aufgeführt wird, habe ich weder zu Gesicht bekommen, noch 
den vollständigen Titel einer solchen irgendwo angeführt gefunden. Der 
Titel der mir vorliegenden aus dem folgenden Jahre lautet: 

M. Verrii Flacci Quae Extant Et Sex. Pompei Festi De Verbo- 
rum Significatione lAbri XX, Josephi Scaligeri lulii Caesaris jP. 
In Eosdem Lihros Castigationes, Recognitae et attctae, Lutetiae> 
Apiid MamerttCm Patissonium^ in offidna Roberti Stephani. 
M.D.LXXVl 8. 309 S. Text (nach Augustinus) und die Ca- 
stigationes auf besonders paginirten 216 S. 11 Bl. Indices. 
Scaligers Castigationea sind unverändert abgedruckt in derjSam- 
mel ausgäbe des Festus apud Petrum Santandreanum MDXCIII. 8. 
S. oben S. 43,- 157,- 258. 

1577. 

X. Lateinische Elegiker. 

1) Catullij Tibullij PropertI Nova editio^ losephus Scaliger lul, 
Caesaris F. recensuit, Eiusdem in eosdem Castigationum laber. 
Ad GL Puteanvm Consiliarium Regium in stqfrema curia Pa- 
risiensi, LiUetiae^ Apud Mamertum PoHssonium in offidna 
Rob. Stephani M,D,LXXVIL Cttm Primlegio Regis 7 unp. 
BL; 274 S. Text; 252 S. Noten; 5 BL Indices. 

2) Catulli, Tibullif PropertI Nova Editio. losephus Scaliger luL 
Caesairis F» recensuit, Eiusdem in eosdem Castigationum Liber 
OMCtus et recognitus ab ipso auctore. Ad Amplissimwm Vi- 
rum CL Puteanum Consiliarium Regium in suprema Curia 

21* 



280 

Parisiensi. In Bibliopolio Commeliniano 1600. 8. 5 unp 
BI. 274 S. Text. 291 S. Notee. 8 Bl. Indices. 

S. oben S. 46; 101; 132; 143; 229. 

1578. 

XL Hippokrates. 

Beiträge zu Vertiinianus' Ausgabe der Schrift von den Kopfwunden 
S. oben S. 239. 

XII. Vincentii epistola. 
S. oben S. 240. 

1579. 

Xni. Manilius. 

"i) M. Manill Astronomicwn Libri Quinque, losephiLS Scaliger 
luL Caes. F, Recensuit ac pristino ordini stw restituit Ems- 
dem^ los, Scaligeri Commentarius in eosdem libros et Castiga- 
tionum explicationes, Lutetiae^ Apud Mamertum Patissonium 
Typographum Regivmy in ofßcina Roh, Stephani, M,D,LXX1X, 
Cum Privilegio Regia, 8. 5 Bl. 136 S. Text. 3 Bl. index 
verum, 292 S. Noten, 5 Bl. Index. 

2) M. Manill Astronomicon A losepho Scaligero ex vetusto codice 
Oemhlacensi infinitis mendis repurgatum, Eiusdem loiephi Sca- 
ligeri Noiae, Quibus auctoris prisca astrologia explicaktr, ca- 
stigaiionum caussae redduntwr, porteniosae transpositiones in 
eo auctore antiquOus commissae indicantur. Ex Ojßdna Plan- 
tiniana^ Apud Christophorum Raphehngium^ Academiae Lug- 
dunO'Batatae Typographum cio,io.c. Cum Privilegiis. 4. 
74 Bl. Prolegomena, 131 S. Text, 2% Bl. index rerum; 
Ö09 S. Noten, 9 Bl. Index. — S. oben S. 166. 

3) Der erste Theil des Titels wie in 2 bis zu den Wor- 



ten commissae indicantur. Dann heisst es weiter: Nunc 
primum e codice Scaligeri^ quem sua manu ad Tertiam Edi- 
tionem praeparaverat plurimisque accessioHibus suanan vwrairum 
locvpletaicerat^ post longas moras kUebrasque in lucem publi- 



281 

cam cum auctario tarn nobili restittäae, Äccesserunt quaedam 
Clarissimorum Virorum Thomas Renesi et Ismaelis Bullialdi 
animadversiones. Argentorati, Sumptibus loannis loachimi 
Bockenhoff&riy cio.ioclv, 4. 

In einer Ansprache an den Leser berichtet der Herausgeber, Joh. 
Heinr. Boeder, über die Schicksale des Scaligerschen Handexemplars, 
welches zuerst im Besitz des Jacobus Gothofredus gewesen und dann 
in die Hände eines Buchhändlers gekommen war, von welchem es ,Se- 
bastianus Ramspeckius^ kaufte imd bei einer Durchreise durch Strass- 
bufg als Gastgeschenk dem Boeder zur Herausgabe überliess. Leider 
hat Boeder die unbegreifliche Verkehrtheit begangen, das von Scaliger 
auch hier mit grosser Sorgfalt angelegte Veraeichniss der in den No- 
ten angeführten Autoren gerade seines wesentlichsten Theiles, nämlich 
der Seitenzahlen, zu berauben. Hierdurch steht diese dritte postume 
Ausgabe, welche allerdings manche Zusätze enthält, doch an Brauch- 
barkeit zurück hinter der zweiten, von Scaliger selbst besorgten. 



Gleichzeitig mit dem ersten Erscheinen des Manilius muss der oben 
S. 162 erwähnte offene Brief Scaligers an den Mathematiker Johannes 
Stadius gedruckt worden sein; er ist aus Toufou, einem Schlosse des 
Rochepozay, 3L Juli 1579 datirt (epp. p, 69^, und soll eben den Ma- 
nilius bei den Mathematikern einführen. Bis jetzt ist mir jedoch ein 
Separatdruck nicht zu Gesicht gekommen, und auch den Titel eines 
solchen habe ich nirgends angeführt gefunden. 

1582. 

XIV. Schrift gegen Insulanus. 
Scaliger y los, Itist,^ Epistola adver suls harharum^ ineptum et indo' 
ctäm poema Insulani patroniclientis Lucani. I/utet,^ Patisson 
1582^ 8. 
So giebt Ebert's bibliographisches Lexicon den Titel des von mir 
nicht gesehenen Separatdrucks. Da das Schriftchen in die Form 
eines Briefes an den Drucker des Manilius, Mamertus Patisson, geklei- 
det ist, so ward es in die Scaligersche Briefsammlung (epp, p. 69 — 86) 
aufgenommen. Veranlasst war es durch die Kritik, welcher Scaliger in 
der ersten Ausgabe des Manilius p» 50 die astronomischen und son- 



282 

stigen Nachlässigkeiten des Lucanus unterworfen hatte ; im Weseut- 
liehen sagte er dort dasselbe, was jetzt p. 1 1~16 der dritten Ausgabe 
zu lesen ist. Nur war dort der Ton heftiger; dem Lucanus, der vom 
Mittelalter her noch immer in der öffentlichen Meinung hoch und über 
allem Tadel erhaben dastand, waren aßsltsgia, nugae sonorae und ähn- 
liehe üntugeudei^ vorgeworfen ; und die ziemlich lange Abschweifung schloss 
mit folgeiKler Nutzanwendung: Haec digressiuncula non inutilis futura est 

^ adolescerUulis, qui poetas non iUo praecipiti calore, qui Uli aetati communis 
est et quo non caruit Lucanus, sed cum iudicio legere volunt; quarnquam 
scio me nulhm gratiam inivisse a magisteUis, qui illorum Virgilio Cordu- 
bensi os sculponeis batuerim [Plaut Gas. IT, 8, 59/. Hierdui-ch fTihlte 
sich, wie Scaliger erzählt (Scaligerana II, .«. v, Insulanus und ManiL 
p. 14 ed, tert), ein damals berühmter Mathematiker, du Chastellet, ver- 
letzt, der gerade die astronomischen Keimtnisse seines Liebliugsdichters 
gepriesen hatte, und. stiftete einen, mir nicht weiter bekannten, de Tlsle 
an zu eiiier versificirten Vertheidigung Lucans und Bestreitung Scali- 
gers, deren Titel ich bei Nisard (s. oben S. 19, 3) so angefühi-t finde : 
Mathematica pro Lucano Apologiay autore Insulano Parisino procuratore 
Parisiis 1582. Diese Apologie nun fertigt Scaliger in der vorliegenden 
Epistola ab. Warum auf dem Titd derselben Insulanus patronicliens 
Lucani heisst, erklärt Scaliger selbst (epp. p, 72).' Venio ad nuper dien- 
tem nunc vero patronum. Hoc enim me doeent iÜa: ,Te ne ego quem sem- 
per vel magni numinis instar Suspexi, cuUus nunc prisci oblUus/ Coluit 
Lucanum poetaster, nunc Lucanus poetastrum, a quo defenditur, Salve pa- 
tronicliens Lucani, Durch den humoristischen Ton reiht sich dieses 
Schriftchen der epistola Vincentii und dem Yvo an; und eine selbstän- 
dige Bedeutung erhält es durch die weiter ausgeführte Kritik des Lu- 
canus, deren Resultat übereinkommt mit den mündlichen Aeusserungen in 
Scaligerana L (s. v, Lucanus): Lucanus violentissimum et terribUiasimum 
ingenium. U en avoit trop, et nä se pouvant retenir, il n'a sceu que destoit 

[que faire un Poeme; und (s, v, ßnnitts): Ennius poeta antiquus magnifico' 
ingenio, ütinam hunc haberemus integrum et amisissemus Lucanum, Sta- 

I tium, Süium ItaUcum et tous ces gargons-lä. 



283 

1583. 

XV. De emendatione temporum. • 

1^ losephi Scaltgeri JuL Caesaris F. Opus Novum De Emenda- 
tione Temporum In Octo lAbros Tributum. — Stotci: Xqbvog 
iexlv inavo^tociq nQayfiatmv nal TrjQTiCig, Tatianus: nag olg 
aavvaQTfitog ieriv 17 tciv xifovcav avaygacprj, naQct tbvTOtg ov8h 
tä zijg latoglag aXrid'svtiv dvvatcu, Lutetiae^ Apud Sebastta- 
ntsm Nivellium^ svb Ciconiis via lacohaea, M.D,LXXXITL 
Cum Privilegio, Auf der letzten Seite: Lutetia excudebat 
Mamertus Patisson TypographusRegius KaLAug. MJ),LXXXIIL . 
fol. 7 ünpag. Bl. 432 S. 6 Bl. Index. 

In einer Anmerkung zu' Scaligerana IL s, v. Scaliger aagt Sarravius: 
Josephus Scaliger escrivoit ei ^galemenf, que Patissoth imprima aon livre de 
JSmend. Temporum la premiere fois sur la copie escrite de la main de 
*lauteur, page pour page. Quelquefois il ^en manquoit quelque mot que 
Vune foumit a fautre: mais cela n^eetoif pae si considerable en un ei grand 
Oeuvre. Ab ipso P. Puteano, 

2) losephi Soaligeri lul Caesaris F, Opus De Emendatione Tem-^ 
porum, Castigatius et multis partibus auctius, ut novum vi- 
deri possit Item Veterum Graecorum Fragmenta Selseta^ 
Quibus loci aliquot obscurissimi Chronologiae sacrae et Bi" 
bliorum illustrantur, cum Notis eiusdem Scaligeri, 

Zh xbv nad^ovta t&v XQOVoyQaqfatv (pd'OQccg 

"Earriasv slg ro naViiov xagtrig o8t* 

2v ^ol Sog aid-ig alavrj X9^^^^'9 ^Qovs, 

'^laotg duslßov, ca^s tbv omaavta es, 
Lugduni Batavorum, Ex 'Offidna Plantiniana Francisci Rha- 
phelengii, cio.io.iic. /oL 31 unpag. Bl.; 752 S.; 14 unp. Bl. 
(Indices); LIV. S. {Graecc. Fragmm.) 

Z) losephi Scaligeri lull Caesaris F, Opus De Emendatione Tem- 
porum: Hac postrema Editione ex Auctoris ipsius manuscri- 
pto ernendatiuSf magnäque accessione auctius. Addita Veterum 
Qraecorum Fragtnenta selecta^ Quibus loci aliquot obscurissimi 



•284 

Chronohgiae saci'oe et Bibliormn iUustraniur : cum Notis eius- 
dem. Scaligeri, Coloniae Allobrogum Typis Roverianis 
M.DC.XXIX. Cum Privüegio Saci'oe Caesareae Maiestatis 
Et Illicstrissimorum Ordinum foederaii BelgiL fol, LH, S. 
784 S. LtX S. 
S. oben S. 47; 77; 92; 167; 172. 

Im Jahre 1585 veröffentlichte Petrus Pithous in seiner Ausgabe des 
Juvenal ausgewählte Scholien zu Juvenal und Persius. Beweisstellen, 
dass die Persius betreffende Auswahl von Scaliger gemacht ist (epp. 
p. 279; Scaligerana IL s, v. Perse; de re nummaria p. 83) sind von 
Otto Jahn (Persius p. CLXV) ausfulirlich mitgetheilt. Auch Sccdig^ 
rana IL s, v, Cuiacius heisst es : Ledit P(ierre) P(itkou) prU ä sonfrkre 
et lui retint le vieux Commentaire de Juvenal et Perse pour lequel ils ont 
eu dispute, Xen ai faxt les eitraits moy mesmey que Messieurs du Puy ont 
de nta main. 

1586. 

XVI. Yvo Villiolnarus. 
S. oben S. 251. — 

Im Jahre 1587 liess Opsopöus Bemerkungen Scaligers über hippo- 
kratische Stellen drucken in Hippocratis Coi, Medicorum principis lusiu- 
randum, Aphorismorum sectiones VIII. Prognostica, Prorrheticorum Hb. IL 
Coaca praesagia. Crrtzecus et Latinus textus a^curaie ren&vatus, lectionum 
variefate et Com. Celsi versione calci subdita: Studio loannis Opsopoei 
Brettani. Francofurdi Apud heredes Andreae Weckeli Claudium Mamium 
et loann. Aubrium. M.D.LXXXVII. 12. — Die Scaligerschen -Beiträge 
finden sich p. 595, 617, 685. 

15»4. 

XVn. Cyclometriea elementa. 

S. oben S. 188. 

XVni. Epistola de vetustate et splendore 

gentis Scaligerae. 
S. oben S..265. 



285 

XIX. Metrische Sprichwörter. 

TLAPOIMIAI EMMETPOL Praoerbiales Graecortm versus. los. 
lust Scaliger y lul. Caes, F. pridem colkgit^ composuit^ digessit, 
Lutetiae^ Ajpud Ted, MorelUum Typographum Regium, via la- 
cobaea, ad insigne Fontis, M.D.XCUU, 20 S. 8. 

Die von mir nicht gesehene zweite Ausgabe ist, nach Ebert, LBat. 
1600 erschienen; ihr sehr vermehrter und veränderter Text ist von 
Schottus (s. oben S.225), Labbäus (s. unten N. XXTcQ und in der Scri- 
verschen Sammlung von Scaligers Poemaia Graeca \?iriederholt. Dass 
Bonaventura Vuicanius den Druck derselben besorgt habe, sagt Scaliger 
epp. p. 437 

1595. 

XX. Kanon des Hippolyt. 
Hippoh/H episcopi Canon paschalis cum losephi Scaligeri com- 
mentario, Excerpta ex computo Graeco Isaaci Argyri de cor 
rectione Pasc?iatis. losephi Scaligeri Elenchus et casiigatir 
anni Gregoriani. Ad Nbbiliss. et Ampliss, Virum loho/nnem 
X ab Oldenbamevelt L C. Cl'fnum Hollandiae et Westfrisiae pri- 
marium Gonsiliarium et Advocatum, Lu^dimi Batavonim ex 
officina Plantiniafiq apud Fra/nciscum Raphelengium 1595. 
^% unp. BL 78 S. 4. 

Den hippoljrtischen Kanon hat Sealiger abermals i^bgedruckt und 
neu bearbeitet in de emendoHone iemporum p. 721^-731 ed, tert,; eben- 
daselbst p. 331 sind auch die Auszüge aus Argyrus wiederholt. Ueber 

die Ausstellungen g^n das Gregorianische Jahr s. oben S. 167. 

' . . . — — — . — " 

Zu Merula's 1595 erschienener Sammlung der Fragmente des En- 

nius lieferte Scaliger die Stücke aus dem DanieFschen Servius (p. 101) 

und theilte auch dem Merula eine Reihe von Verbesserungen in einem 

Schreiben mit, das dieser in seiner ungeschickten Weise (s. unten No. 

^XXXIL c. rf.) zerstückt und verzettelt hat. 



Im Jahre 1596 sollen Scaligers Emendationes in Theocritum in einei 
Commelin'schen Oktavausgabe des Theokrit erschienen sein; in dei 
Reiske'schen Ausgabe stehen sie Vol. IL p. 42 — 50. 

22 



286 

1598. 

XXI. Publius Syrus; Cato; Aenigmata. 

Publii Si/ri Mimt Selectae Sententiae fp. 4-^277. Dtonym Ca- 
tonis Disticha de Moribus: Cum versione Graeca Planudü pa- 
ribus versibtis fp, 29 — ßSJ, Sententiae Publianae totidem ver- 
sibus GraeciSy et qitaedam Catonis Distüha Qraece a losepno 
Scaligero reddita: cum Notis etusdem fp, 64 — 67 Noten zu 
Publius, p, 67 — 80 zu Catoy. Lugduni Batavorumy Ex Of- 
ficina Plantiniana cio,io,iic, 8. 

Scaligers griechische UebersetzuDg einzelner Catoni scher Disti- 
chen ist hier den Noten einverleibt, welche eine Kritik des Planudei- 
schen Griechisch und auch Varianten aus Bosius' Codex enthalten, 
üeber den Vornamen Dionysius, der aus diesem Codex stammt, s. 
Haupt de carminibua Bucolicis Calpumü p, 15. Die vollständige Scali- 
gersche üebersetzung des Cato s. unten No. XXV, a, — Die hier ge- 
gebene und N. XXV, c, wiederholte Üebersetzung der Jamben des 
Publius Syrus ist nach dem Text des Erasmus gemacht. Als Gruter 
im Jahre 1604 die mehr Verse enthaltende Sammlung der Pfälzer und 
Freisinger Handschriften herausgab, arbeitete Scaliger seine üebersez- 
zung um, Sccdigerana IL (s, v. Gruter): Grtäer avoit faxt imprimer un 
Syrus augmentd; fai taut toumd de nouveau en 4 jours. Das Autograph 
dieser Umarbeitung kam in den Besitz des Isaac Verbürg, welcher es 
dem Haverkamp und Preiger überliess zu folgender Publication: X. 
Annnaei Senecae et P, Syri Mimt, Forsan eliam cUiorum, Sinyulares Senr 
ientiae, Centum aliquot versibus ex Codd. Pall, et Friaing, auctae et corre- 
ctae. Studio et opera lani Grruteri, Cum Notis Eiusdem recognitis et ca- 
gtigatis, Accedunt Eiusdem Notae Postumae; üt et Nova Versio Graeca 
losephi Scaligeri luL Caes, F, Nunc primum ex utriusque autographis 
editae, Lugduni Batavorum apud Henrid Teering 1727, 8. 

Mittheilenswerth ist der im Namen des Verlegers offenbar von 
Scaliger abgefasste Vorbericht zu der Plantin'schen Ausgabe: 

Ad Lectorem, 
Pueri semper sumus plerique hominum et cum aetnte lusuvm potius 
genera mutamns quam mores, Quare cum vutgws a directis et tristioribus 
Ethices praeceptis ut teiris absinthüs etiam olim abhorrerei, reperti sunt 



287 

^t tieffrü mortalibus eadem $alutU medietimmu propinarent^ s$d tutwilo- 
ifuenti iUa enrmine et quiui museo dulci meüe conUtcku SimUiter cum 
plurimi vera kistorüwum esempla, praxin videlicet Philosophicam^ ut ««- 
veriorem rtspuerenty princeps Aesopus tüiique cum sequuH Apologos ad^ 
mvenerunt: quorum, uir inguü Phaedrus, duplex mos est, quod risum mo- 
vent, et quod prudentis vitam consUio monent, Ita enimvero evenit Lu^ 
cretumum [J, 94i] iiiud, ut multi decepti non cnperentur capiaHturque. 
Posteriores geueris opusculum nuper dedimus, benevoie Lector, Phaedri et 
uliorum veterum Latinorum Graecorttmque poetarum Fabeilas Aesopias^ 
prior is hoc dumus^ ita tamen ut iUi, si velis, proponi possit, Continet Pub. 
Spri Mimos €t Dion^sii Catonis Dfsticha de moribus: illos noviter ab Jl" 
iustri viro losepho 8cali§ero paribus versibus Graecis aptissime redditos, 
haec iam olim a PUmude, Ued non tam feliciter* Ab iUustri tamen viro 
ut et Uta transferretf impetrari non potuit; tanta eius ingenuitM est^ ut 
plus apud ipsum antiquitatis maiestas wüeat^ quam auctoris futilitas, Notis 
interea^ quae emendari debeant, admonuit» Tu itaque Leclor utililer utere 
En^iridio gemino Philosophiae poeticae, theorico et practica, Vale. 

Die Fabeisammlung, welcher sich, laut diesem Vorbericht, die 
Sprüche des Syrus und Cato als ,theoretischer* Theil anschliessen sol- 
len, ist in demselben Jahre 1598 in derselben OfBcin und in gleichem 
Format erschienen unter dem Titel: Phaedri Aug. Liberti Fabularum 
Aeeopiarum Ltbri V. Nuper a P. Pithoeo V, O. primtmi editi. Et iam 
emendaU atque illustraii Notis a Cunrado Eittershusio L C etc. Bei nä- 
herer Prüfung ergiebt sich bald, dass Scaliger auch zu dieser Publica- 
tion einen nicht unbedeutenden Beitrag geliefert hat, obgleich sein Name 
nirgends ausdrücklich genannt wird. Als Anhang ist nämlich auf 55 
besonders paginirteu Seiten beigefügt Fc^eUae et Aenigmata Veterum 
Poetarum Grraecorum et LaUnorum. Auctarium ad Phaedri Faheüas et 
^aelii Symposü Aenigmata; mid dazu heisst es in dem Bericht Ad Le- 
ctorem p. 46, wo die bei der Auswahl befolgten Gesichtspunkte kurz an- 
gegeben werden: Nihil hie quod non prisci aevi sit admieimus, exceptis 
versionäms et aenigmate in duas mulieres, quod ultimum est Graecorum. 
Hoc antiquis quibuscunque par, plerisque elegatUius, viri lUustris est; cuius 
nomen non ascrüto, guod haec taUa seriorum ipsi tantum sint interludia 
Id tam^ Lector, memineris, quicquid in hoc opeüa putabis esse dignum 
memoriae, HUus ut esse dicas, si quid mintu arriserit — Phaedri verbis utar — 

22* 



288 

ab aUo contendas ßctum qttovis pignore. Nun ist aber dieses .letzte 
griechische Räthsel von den zwei Frauen* (p. 40) dasselbe, welches sich 
unter Scaligers Gedichten in Scrivers Sammlung (poeniata Graecap. \\% 
findet, und es ^unterliegt daher keinem Zweifel, dass Scaliger der Vir 
lUusiria ist, welchem alles Gute in dem Äuctaritdm gedanki werden 
müsse. Wenn|e8 demnach weiter (p, 4G) heiisst: Aeieni LoHitaa Fabur 
Im wutius est relegari in omnium Avieni Poematon edUionem, cuius epem 
facii idem qtum dixi vir^IUustria, so ergiebt sich daraus, was sonst un- 
bekannt ist, dass Scaliger damals mit einer Ausgabe des Avienus und 
Avianus umging. — Der ganze Ton der kiu^en und lebhaften Noten 
{p. 46—55) lässt den Einfluss Scaligers deutlich erkennen, und die zum 
Theil stillschweigend vorgenommenen Textesverbesserungen werden ihm 
ausdrücklich zugeschrieben in der Note zu den Schlussversen des 
Aenigma otvog (p. dO=^Anth. Pal XIV, 52). Diese lauten mit der 
jetzt gangbaren Lesart übereinstimmend: Tfvv 8i fis Movaa t^itvi 
nv^lvcas Nvfi(pat<Si ybiyhta Js(^)iecai vBkLvoi TisIfLSVov iv daytiÖoft, wozu 
die Note (p, 49) bemerkt: ante legebatur vvv 8h vsfiovacc t^^tij nvQLifßilov 
vvfupoLKii fuysvta di^xevo etc, nuUo sensu. Emendavit vir Illusiris; ut et 
cetera quae emendatiora animadvertes: quod semel dixisse sufficiat — Wenn 
sonach die Betheiligung Scaligers an diesem Auctarium feststeht, so 
verräth doch andererseits manche- Wendung des lateinischen Ausdnicks 
eine gewisse jugendliche Ungeübtheit; und schwerlich würde Scaliger 
selbst, bloss um der Anonymität willen, je sich zu einer ruditas bekannt 
' haben, wie am Schluss des Berichts Ad Lectorem in folgenden Worten 
geschieht (p. 47): paucula annotare operae pretium erit: commentatorem 
tarnen esse non nostra ruditas, non otium permittunt. Wahrscheinlich hat 
man sich daher die Sache so zu denken, dass Scaliger die Sammlung 
anlegte, den Text verbesserte und den Kern der Noten dictirte, dagegen 
die Ausarbeitung derselben und die Besorgung des Drucks einem Jün- 
geren, Vielleicht dem Daniel Heinsius, überliess. 



Im Jahre 1599 erschien zuerst Astrampsychi Oneirocriticon a las. 
Scaligero digestum et castigatum als Anhang zu Oracula Metrica A Johanne 
Opsopoeo coUeda, PärisOs M.D.XCIX, 8. Opsopous* Bemericung über 
den Astrampsyclius lautet (p, 113); Doctissimus los. Sealiger oiißiQOiMftr 
rtnöv istud emendavit, digessU et suo auctori Attrampsycho vindioaüH, pet" 



289 

peram Nicephori pcUriar^uie Constantinopolitani nomine olim editum, — 
Vergl. unten N. XXV, e. Auch in Rigaltius' Ausgabe des Artemidor 
ist der Astrampsychus nach Scaligers Recension aufgenommen. 

1600. 

XXII. Apuleius. 

L, Apulel Madaurensis Opera Omnia Quae Exstant In quilms 
post omnes omnium editiones hoc praestitum esty ut tarn de- 
mum Auetor Ipse Ope Cod, Mss, auctus locis infinitis^ inter- 
poJatuSf et genuino nitori suo restittäus prodeat, per Bon. Vul- 
canivm Brugensem, Ex Officina Plantiniana^ Apud Christo- 
phorum Raphelengiumy Academiae Irngdtmo-Bat. Typographum. 
cio.io.c. 3 Bl. 464 S. 12. 

Dass Scaliger diesen Text besorgt habe, war unter seinen Zeitge- 
nossen allgemein bekannt; Wouwem und Elmenhorst citiren die Les- 
arten desselben ohne Weiteres als Scaligersche ; Oudendorp, der sie 
oft, aber nicht inuner, anfuhrt, bezeichnet sie ViUcanum, sec; und Ruhn- 
ken (praef, in ApuL Oud, p, VII) sagt: Magntis Scaliger cum posterioris 
EdiOonia Vnloanianae apudRapheleng, a* 1600 curctmswcepisset, in alieno opere 
plus süH aumsit quam Critices ratio et modestia ferikarti. Je durchgreifen- 
der Scaligers Verfahren war, um desto mehr ist es zu bedauern, dass 
weder Bosscha^ welcher die zwei letzten Oudendorp'schen Bände zum 
Druck befSrderte, noch der neueste Herausgeber Hildebrand diese Aus- 
gabe gesehen haben. Man findet bei ihnen nicht einmal die richtige Angabe 
des Titels, welcher durchaus von dem der ersten Vulcaniana abweicht» 
und uns jetzt durch den Gebrauch von interpolatu8 in empfehlendem 
Sinne aufiälit (s. Ruhnk. zu Muret, opp, I, 15). Das mh* vorliegende 
Exemplar gehört der Breslauer Universitätsbibliothek. Ich theile daraus 
den, offenbar von Scaliger abgefassten, kurzen Vorbericht mit: 

Tppofftaphus Lectoti, 
Lector ctmdide, Aputeium tibi dmnui, 8ed verum legitimumque^ non 
<htotiov Hut nothnm\ qui tum demum id probaturum se tibiconfidit, si cum 
f/LitOfbrpfOig aliquot collatus fuerit. ß/ovum, inquam^ Apuleium damus, aut 
renatum verius, tine N&tis tarnen, hoc est sine pkateris et epkippio^ non 
enim equum damus sed Asinum: aureum tamen, Bas quoque CL, Vulca 



290 

V 

nius suppeditabiij nee commiisurus est, ui in hac editiome desideres quic- 
quam. De editione hoc unum dicam, Utm disshnüem prioribus esse quam 
üle Asinus Apuleius sibi, qui posi tot mtUe feriatorum hominum carduo», 
forte fortuna in rosas incidit, MS, beneficio, nee Asinus ad vos venit pro- 
fectOf sed homo^ patriae sibique redditus, Vale et diligentiae nostrae fave, 

1603. 

XXin. Indices zu Gruter's Inschriftensammlung. 
S. oben S. 186. 

In Wouwern's 1603 erschienener Ausgabe des Firmicus Matemuti 
de emn'e profanarum religionum finden sich p, 122 und 123 Beiträge 
Scaligers. — üeber die ebenfalls in diesem Jahre gedruckten Noten zu 
Phrynichus s. oben S. 183. 

1605. 

XXIV. Widerlegung des Serarius. 

,S. oben S. 206. 

XXV. Erste Sammlung kleiner Schriften. 

losephi Scaligeri lul. Caes, F, Opuscula diversa Graeca et Latina 
partim numquam hactenv>s edita partim ab auctore recerisüa et 
aucta. Cum notis in aliquot veteres scriptores, Omnium Ca- 
talogum proxima pagina Lector inveniet, Parisiis apud Ha- 
drianum Beys via lacohaea cio.io,o,v, 8. 

Den Druck dieser Sammlung besorgte Carolus Labbäus, wie aus 
Scaligers Briefen an ihn {epp, p, 657) hervorgeht. Sie enthält: 

a) Dionysii Catonis Graeca Metaphrasia (p, 1 — 37), nicht die Planu- 
deische, wie früher (No. XXI), sondern eine von Scaliger ver- 
fasste. 

Notae in eundem auctorem (p, 39 — 83). 

b) De veratbus Ennii et aliorum a Gaza conoersis in libro Ciceronis de 
senedute (p, 84 — 92), wegen i^er Aehnlichkeit des Inhalts hier ein- 
geigt, da die vorhergehenden Noten zu Gato hauptsächlich sich 
mit Kritik der Pianudeischen Uebersetzung beschäftigen. 

c) I\tblU Syri seleäae sententiae Graece expreesae {p, 93—119). S. 
oben S. 286. 



291 

Notae in easdem (p. 120—124). Einige Zusätze zu diesen No- 
ten, welche Labbäus, wohl ihres späten Eintreffens wegen, 
nicht mehr benutzen konnte, finden sich in Scaligers Briefen 
an ihn (epp. p. 658, 660). 

d) StQmfuxtsvg naQoifumv ififihQoov recens digestus et audus (p, 125 — 
174). S. No. XIX. 

e) 'AatQay/ipvxov 'Ovsi^fOTiQnwov (p. 175—178). S. oben S. 288. 

f) Gedichte auf den Tod des Claudius Puteanus, Christophorus 
Thuanus und Johannes Thuanus (p. 179—200). 



In den 1605 erschienenen Caroli Clusii Atrebatis Exoticorum libri 
decem {ex off. Plant. Raphel foL) stehen p. 243 — 252 

Perutiles quaedam in aromatum Garciae historiam Notae, 

von welchen Clusius in einem kurzen Vorbericht sagt, ihr Verfasser 
V, C, idemque dodissimus et Arabiccie linguae peritus wolle ungenannt 
bleiben. Dass sie von Scaliger herrühren, ergiebt sich aus Casaubonus' 
Brief an ihn, Novemb. 1605 (p. 255 ed. Afmel): Legi hie diehus quae a 
te accepta edidit nuper V, Cl. Carolas Clusius; itaque non possum facere 
quin gaudium tibi meum aperiam, quod eorum leciio attulit mihi vel maxi- 
mum; mulfa enim didici qttae antea nesciebam, quaedam etiam quae diu me 
forserant in iis exposita inneni, Contulimus enim aliquando Garciae ab 
Horio Hbeüos cum editione Arahica Avisennae; in quo non dißicile fiiit no- 
bis animadvertere, quod ante ad Manüium tnum [p. 398 ed. tert.J nos do- 
cueras, virum illum Arabismi peniius imperitum fuisse. Ausser der Ver- 
besserung von Garcias* Irrthümem hat Scaliger diesen Noten ndch einen 
selbständigen Werth verliehen durch Uebersetzungen aus seinen eigenen 
arabischen Handschriften. Auch eine Bemerkung zu Horaz wird einge- 
streut auf Anlass von Garcias' (I, c, 14) Worten : nullis natUmibus, quod 
sciam, elephantus appellatur Baro, licet Simon Genuensis id afftrmet, wo- 
gegen Scaliger sagt: Simon Genuensis, quem notat, culpa vacat, quia se- 
cutus est communem grammaticorum sententiam, qui ex eo quod elephanti 
vox Barritus dicitur, elephantum Barrum dici putaruut. Haec opinio satis 
vetus est. Inde quidam illud Horatianum [Epod.XII, 1/ iia interpretantur: 
fQuid tibi vis mulier nigris dignisHma barrisP Sed prvmus omnium do' 
ctissimus Adrianus Tumebus animadvertit Barros esse familiam, cuius 
alibi Horatius [Serm. I, 7, S] meminit. 



292 

1606^ 

XXVI. Eusebius. 

,1) Thesaurus Temporum, Eusebii Pamphili Caesareae Palaestinae 
Episcopi Chronicorum Canonum omnimodae historiae lihri duo^ 
interprete Hieronymo^ ex fide vetustissimorum codicum casti- 
gctti. Item auctores omnes derelicta ab Eusebio et Hieronymo 
contintumtes, Eitcsdem Eusebii Utriusqtte partis Chronicorum 
Canonum reliquiae Graecae^ quae colligi potuerunt^ antehac non 
editae, Opera ac studio losephi lusti Scaligeri lulii Caesaris 
a Bürden filii, Eiusdem losephi Scaltgeri Notae et castiga- 
' tiones in Latinam Hiefonymi interpretationem et Graeca 
Eusebii, Eiusdem losephi Scaligeri Isagogicorum Chronologiae 
Canonum libri tres ad Eusebii Chronica et doctrinam de tem- 
poribiis admodum necessarii, Lugdwni Batavorum Excvdebat 
Thomas Basson Sumptibtcs Commelinorum cio,io,c.vi. Cum 
Privilegio Christianissimi Regis, fol. 
2) Der erste Theil des Titels wie in 1 bis zu den Worten 
Bürden filii. Dann heisst es weiter: Editio Altera; In qua 
Eiusdem losephi Scaligeri Tertia Fere Parte Auctiores Notae 
et Castigationes in Latinam Hieronymi interpretationem et Graeca 
Eusebii suprema Autoris cura emendatae, Eiusdem losephi 
Scaligeri Isagogicorum Chronologiae Canonum libri tres ad 
Eusebii Chronica et doctrinam de temporibus admodum neces- 
sarii: Cum Duobus Indicibus Berum et Autorum, Amstelo- 
dami Apud loannem la/nssonium cio,io.C,Lvni, Cum Pri- 
vilegio Begis, fol, 
,S. oben S. 13; 93; 217;* 226. 

XXVII. Cäsar. 

Die Originalausgabe der im Jahre 1606 bei Raphelengius erschie- 
nenen Textesrecension des Cäsar, welche von Scaliger gemacht war 
und in den nächsten Jahrhunderten die Grundlage der Yulgata geblie- 
ben ist, habe ich mir nicht verschaffen können. Jungermann hat sie in 
seiner Ausgabe ganz treu, wie er sagt, abdrucken lassen und giebt über 
dieselbe in seiner Vorrede folgende Auskunft: 



293 

Novam editionem Raphelengius hoc armo (1606) m lucem estnUt. 
Titvilo inraescribilur ^ex viri doeti accurätissima recognitione^.., Coniectet 
qvisgue vi libetj an in zmv 6vv%mv possit deprehendere kunc Uopta, Lau^ 
dare eum posiumus, nomintiri se ipte noluiu Eam igitur novissimam edi" 
tianem, tamquam omnium^ quae httctenus visae, optimam accurate voluimuM 
sequi, ne sicilicum facile mutare ausi vel apiculum, Ne quid tarnen de» 
sideres sique uUerius te iuvat suspicionibus opernm daref esscribamuM inde^ 
quae typogruphi nomine erudite scripta sunt, Nempe quod avo parentique, 
ait, suo in votis fuerit semper, ut Commentnrios Caesaris quam emenda- 
tissimos haberemus quodque eo usque effecerint, ut nullae correctiores 
editiones prodierint quam qnas Uli ex viri doeti, cuius praecesserit epi" 
Stola, recensione ediderint, id ipsum iam tandem perfectum esse. Itaenimeosce 
Commenlarios iam emaculatos vulgare ut qui deinceps sine insignis alicuius 
codicis auxUio in iis quid ab ingenio aut a iudicio immutare velit, eum 
aut tmsie gnaruluih aut sane divinum esse oportetU, ^Quid multaf^ 
addit, ,Viri illius beneficio perpolitum hunc textum debemus, a quo CaC" 
saruma scripta recensita non nos solum libentes gloriamur, sed et glorietur 
ipse Cuesar, Nomen eius adscribere non permittit ipsius generositas; qui 
tarnen hanc cum prioribus editionem contulerit, facile illustrem manum 
agnoscet, Adde quod idem Nomenclatorem Geographicum sie refinxeritj 
ut qnis solus id praesfare potuerit^ nemo ex ingenue litteratis ignoraturus 
sit. Fragmentorem antem qiiam^ vides luculentam accessionem, eam quidem 
non ab eodem natam illico animadvertesJ übi sie et de Fragmentis- huius 
editionis kabes, Nomenclatorem quod attinet, positus est in fine Adnota» 
tionum, Sed quod ad iilam epistolam, quttm pruecessisse ait 6 detvuj scias 
eam ad Christoph. Plantinum^ qui et excudit primum, exaratam ibique 
inter alia indicari^ quae a variis correctoribus, in primis tffotomanno, 
Faerno, Fulvio, darissimis viris, observafa sint, ea eum cura lecta et ad 
formam eam fademque data, qua censuerit fuisse olim, Non tamen ut 
omnia germ4ina et vera prorsus sint^ scire, id non posse et multis locis 
lulii Celsi vibices etiam agnoscere et flagella^ sed ut proxima germanis et 
verU, Sic itte. 

Um dem Jungermann jede hier geäusserte Ungewissheit zu beneh- 
men, schrieb ihm Petrus Scriverius ipsis idibua Mariii 1607 (hinter Ho^ 
tomanorum epistt. ed. van Meel, Amstehd, 1700, 4. p. 466^: Ipsum Cae- 
sarem, quem ex recenti- editione Baphelengiana expresaisti, scias ab illusiris- 

23 



394 

8imo Scatigero ^mendatum, qui se, quae herois peneroeikM et TnodesUa est, 
nominäri nehiU, Et ego, si parva licet companere mapnis, meum nomen 
fragmenfis non apposui. Ea^ quod etiam ignorare te significaSj sunt ex re- 
cognitione nastra, wodurch der Irrthiim Oudendorp's widerlegt wird, wel- 
cher die Anmerkungen zu den Fragmenten mit Scaligers Namen bezeich- 
net hat. Sie rühren vielmehr von Scriverius her.— Auch Casaubonus wusste 
von dieser Recension des Cäsar. Er sagt (praef, in Scalig. opp. p, 15^: 
Prodiit ante paucos annos Lugdimi Batavorum Caesdris editio, quam sei- 
mua, licet frons lihri dismnulet, pumice critico magni ilUus Censoris ßiisse 
expolitam. 

1607. 

XXVin. Uebersetzungen aus Martial. 

Florilegium Epigrammatum Maftialis. losephus Scaliger luL 
Caesaris F, vertu Graece Ad Isacium Casaidfonum, Lutetiae^ 
Ex Typogra^hia Roberti Stephani MDCVII, 8. 

Casaubonus' Brief an Scaliger (s. oben S. 215) füllt die 9 ersten 
unpaginirten Blätter; dann folgt auf einem ebenfalls unpaginirten Blatte 
Scaligers Epigramm an Casaubonus griechisch und deutsch. Das Flo- 
rilegium selbst füllt Bl. 1—69*. Den Schluss bildet B1.6a*bi870Ä.der 
Prolog des Laberius bei Macrobius in lateinischem Text und griechi-* 
scher Uebersetzung (vergl. epp, p. 665). üeber Zeit und Anlass der 
Arbeit giebt folgende Subscription Aufschluss: Haec Omnia Fere In 
Lecto loaephus^ Scaliger Iid. Caea, F, Meditando insomniam suam solabatu/r 
anno ciD.io.c.i. Ich für mein Theil habe bewährt gefunden^ was Ca- 
saubonus'^ dem vorgesetzten Briefe von dieser Uebersetzung rühmt: 
Quid dicam de perspicuifate oratiönisf quae quidem tanta est, ut muUis in 
locis, de qutbus inter se critici digladiantur, pro commenta/rio tua versio et 
mediocriter erudUis sit fubira^ 

XXIX. lambi gnomici. 

Der Titel der Separatausgabe lautet bei Ebert: losephi Soaligeri 
lambi gnomici nunc primum editi a Dn, Heinsio LB* Haestens 1607. 8. 
Ich habe nach dem Abdruck bei Scriverius (poemm, p. 11^—125) citirt. 



295 

XXX. Söhrift gegeii Pareus. 

losephi Sealigeri luL Caes, a Bürden F. Elenchtis Utritisque 
Orationis Chronologicae D. Davidis Parei: Q^rum seomtda 
operis calci addita: Prior vero Commentariis auctoris in Ho- 
seam Heidelbergae excusis prostat, Lugdu7u Bataoorum, Ex 
officina Henrici Ludovici ab Haestens, Impensis Ludovici El- 
zeoirii Anno 1607. 103 S. und 42 unpag. Bl. 4. 

Gegen die ,prophetische* (s. oben S. 125) Chronologie des refor- 
mirten Theologen David Pareus zu Heidelberg. Scaliger behandelt die- 
sen Geistlichen seiner eigenen Confession mit so wenig Ehrfurcht, dass 
hier einmal Casaubonus sich einen Muth fasste und Scaligem schrieb 
{epp, ed. AlmeL p. 289): Ego non vicem ipsiua (Parei) tarn doleo,., qtiam 
fero impatienter, culpa unius male consüiati datam esse occasionem ov vfiv 
zv%ovOtiv hosiibus verüatis triumphandi de tota causa; omnvbus enim ilHus 
scripHs, quae audio muUa esse,.,fidem censura haee ademit Squidem fa- 
te»r dignissimum ßiisse, qui pro commerila noxa, pro stultissima sentenOa 
quam tuetur etiam^ durius ahs te acciperetur.,.; unicum hoc ut dixi me 
male habet quod ad N. JV. [d. h. eccUsiam reformcctam\ pars magna tius 
ignommiae redundaiura est. Aber über solche Parteirficksichten setzte 
sich Scaliger, besonders im höheren Alter, gänzlich hinweg und er ant- 
wortet dem Casaubonus («pp. p. 334): Tov dsivet (Pareum) a me ita ao- 
ceptum fuisse qui mirantur, nesciunt ilhtm stercoreis Orationäms suis me pro- 
vocasse, praeterea me non solere nisi provocatum ita scribere. Miror tot 
esse hodie qui puiant aut me tarn pUerum ut tutore egeam, auJ^ tarn senem 
ut Ulis deUrare videar. Schliesslich bat Pareus um Verzeihung, und Sca- 
liger gewährte sie gern {epp. p. 348). 

1608. 
XXXI. Confutatio Fabulae Burdonum. 

Der erste Druck aus dem Jahre 1608 liegt mir nicht vor. Ein Ab- 
druck aus dem folgenden Jahre findet sich in Satirae Duae, Hercules 
Tuam Fidem SH^e Munsterus Hypoholimaeus quarto iam editus ac emenda- 
tior. Et Virgula Divina, Cum brevioribus annotatiunculis, quibus normuUa 
in rudiorum gratiam Ühistrantar. Accessit his accurata Burdonum Fa- 
bulae Confutatio, Lugduni Batavorum, Ex Officina Joannes Patii 

23* 



296 

V 

Acad, Typographi. An, cio.io.cix, 12. Die Scaligersche Schrift füllt 
p. 159—441. — S. oben S. 214. 



Postume Schriften. 

1610. 

XXXII. Zweite Sammlung kleiner Schriften. 

los. lusti Scdligeri Tulii Caesaris Filii Opuscrda Varia Antehac 
Non Edita, Omnium Catalogum post Prae/atienem Lector in- 
veniet Parisiis, Apud Hadrianum Beys, Yia lacohaea, 

M.Dax. 4. 

Voransteht auf 12% Bl. eine an Thuanus gerichtete VoiTede 
des Casaubonus, welche über die einzelnen Stücke der Sammlung, einige, 
meistens sehr dürftige, Notizen giebt, 

a) Animadveraiones In MelcMoris GuUandini Gommentarium In Tria C. 
Piinii De Papyro capita Libri XJII Q?. 3 — 55;. Zu Festus s. v. 
exiles hatte Scaliger bei Gelegenheit eines Verbesserungsvorschlags 
zu PUn. XIII, 12 gesagt: .Qui locus etperperam hodie legihir et male 
conceptus est a Mdchiore Guälandi[n]o, qui in ea capita Piinii de Pa- 
pyro scripsit At nos plura in eum dicemus et errata hominis in 
omnes bonos scriptores debacchantis in medium proferemus. Von Clau- 
dius Puteanus an die Erfüllung dieses Versprechens gemahnt, ver- 
fasste er den obigen, in ziemlich derbem Ton gehaltenen Aufsatz, 
der sich handschriftlich verbrekete, aber bei Scaligers Lebzeiten 
nicht gedruckt worden ist. Guillandinus^ ein gebonier Konigsberger, ^ 
der nach vielen Schicksalen Professor der Botanik in Padua ge- 
worden war, gehorte später zu den eifrigsten Verbreitern der Ge- 
rüchte von Scaligers Adelserschleichung. Scaliger schreibt darüber 
an Lipsius Burm, Syü. I, p. 250; Melchior Gruülandimis Silesius, 
praefectus hortos Patavinae Academiae, homo maiore arroyanUa incer' 
tum an barbarie, quum ab Ant. Vincentio PinelUo audivisset, suum de 
Papyro l^um a me non probari^t aliquid a me in iUud opus scrir 



297 

ptumfitisse, neque quamodo de ine sitpplieium sumeret rationem üUam 
inire passet, Anionitts Riccobonus sticcurrit Uli. Ostendit Itbellum Lilii 
GyrMi de Poetis recentioribus; in üHs lulius Caesar Burdonitts pH- 
mum, deinde^ ScaUger vocahis fiUsse dicilur. Ergo qui Burdonius prius 
vocabahir, insititius est Scaliger. Quid designaruntf Fingunt codidUos 
Academiae Patavinae, quibus pater meus luUias Burdonius in dodorem 
promovetur. Aehnliches schreibt er an Casaubonus epp. p. 228 und 
an Gruter p. 785. Auch in der Confutaiio fabuiae Burdomm (opp, 
p. 426) heisst es: Fabubm de Burdone non inoitut excepit Melchior 
Guäiandimis, qui natus, aUus^ educatus in Prussia [Scaliger hatte in- 
zwischen genauere Nachrichten über das Vaterland des vermeinten 
Silesius eingezogen], Prutenum se negabat, atque in genere omnes Teu- 
tonas bardos, st^pites, barharos, ebriosos vooabat, Amici et admiratores 
eiuSf qui de muUis hodie non paud superstint, sciunt me vera dicere et 
nihil ipsum existimasse magis in contuineliam suam dici potvisse quam 
si Prutenus aut Germanus haberdur.., Is igitur tnemor verborum qui- 
bus losephus Scaliger noHs suis in Festum eius protervitatem castigavit^ 
omnes rationes ulciscendi dohris sui quaesioit, quas quum inire non 
posset^ (andern vel a pecore Rodigino vel a non meliore alastore moni- 
tus de BordoniOy satis hoc ad vindictam esse putavit si quemadmodum 
se ipse ex Germanis ita losephum ex Scaligeris exvmeret, 

b) DicUrtba De Decimis In Lege Dei, Ad virum nobilissimum Carolum 
Harlaeum Dolotii dominum (p. 61 — 70^. Der französische Brief, wo- 
rin dieser Harlay, Bruder des oben S. 48 erwähnten Parlaments- 
präsidenten, Scaliger um Erläuterung der Zehnten - Gesetzgebung 
ersucht, steht bei de Reves p, 454 und ist vom 24. April 1599 da- 
tirt. Schon am 17. Juni desselben Jahres schickte ihm Scaliger 
die Abhandlung, wie aus Harlay's Dankbrief (de Reves p. 272) her- 
vorgeht Sie muss also sehr rasch niedergeschrieben sein, und 
einzelne Schnitzer, wie z. B. dass ^^y *ltt^p^ an die Stelle von 
pU^fcO yoyo trete, dürfen nicht Wimder nehmen. Im Ganzen 
zeigt Scaliger auch hier wieder, wie sehr er bemüht und befähigt 
war, geschichtliche Zustände in ihrer Wirklichkeit und in ihrem 
Zusammenhange aufzufassen. Seiden (history of iiäies, Opp, III, 
p. 1053) hat mit Rücksicht auf diese Scaligersche Arbeit den Ge- 
genstand ausführlicher behandelt. 



298 

c) Notitia Gaüiae. Item Super AppelkUionibtu locorum aliquot et gen- 
tium apud Caesarem Notae (p» 73 — 116). 

d) Diatribae De Europaeorum Lingui9; item De Hodiemis Francorum; 
nee tum De Varia Litterarum Aliquot I^'onunOatione (p. 119 — 142). 

Beide Stücke sind auf Veranlassung des Paullus Merula 
entstanden, der für die Beschreibung Galliens in seiner üoemo- 
graphia (ex off, Flantin» 1606. 4.) um Scaligers Beiträge ersucht" 
hatte. Scaliger sandte ihm März 1599 obige Aufsätze, welche 
Merula ungeschickt zerstückelte und in seiner chaotischen Kos- 
mographie {Pars II, lib, III, e» 16, p. 439; c. 19 jp. 455/ Foere II, 
lib. I, c. 8, p. 271; Pars II, lib. III, c. 15, p. 429) zerstreute, 
worüber sich auch Scaliger ungehalten zeigt in einem Briefe an 
Casaubonus epp, p. 306: De Geographia amid mei [MenUae] aut 
Goemographia idem potea iudicare, quod de Olo ad quem scr^>9i Elen^ 
ckum Serarii [Druaio], NoU pwtare t^s non odi, statim me admi- 
raru Pauci advertunt mentem meam, ideoque non raro et(cNn hene- 
vohrum reprehensiones incurrimus^ Hie bonue vir [Merula] neque 
ordine neque suis, locis uti dictavimus neque omnia, quae ilU de locis 
Galliae respondimusy retuUt. Für die Notitia Gaüiae muss dem Ca- 
saubonus nicht bloss Merula's zerstückelte Mittheilung, sondern 
der ganze Aufsatz Scaligers zu Gebot gestanden haben; derselbe 
ist nach dem Autograph vermehrt und berichtigt im zweiten Band 
des Grävius'schen Cäsar (LB, 1713. 8.) p. 833. Dagegen scheinen 
die zwei ersten linguistischen Abhandlungen, welche einen für die 
Geschichte der Sprachvergleichung merkwürdigen Classificatlons- 
V ersuch enthalten, nur aus Merula's Buch entnommen und von der 
dritten {de var. litt, pron.) sagt Casaubonus in der Vorrede: ita 
est a [Petro] Puteano edita ut fuit inventa, non ut optaremus. Ausser 
den angeführten Beiträgen hat Scaliger zu Merula's Kosmographie 
(p. 432 und p. 302) noch Uebersetzungen des Vaterunsers mid 
des S3mibolums in das Bretonische und Baskische beigesteuert. 

e) De Thesi quadam Chronologica tudichmi (p, 133 — 142). Nach den 
einleitenden Worten ist die beurtheilte Thesis anno 1606 IMd. 
Idus Martias erschienen; statt des Druckorts ^ist eine be- 
sternte Lücke gelassen;, ihr Verfasser veriheidigt die Grund- 
sätze der von Scaliger sogenanntea ypropheiischen* Chrono- 



29» 

logie (s. oben 8. 295) und Scaliger widerlegt dieselben in die- 
sem Aufsätzchen ähnlich wie in der Schrift gegen Pareus, jedoch 
in ruhigerem Tone. Wegen der Gleichartigkeit des Inhalts hat Mo- 
rus dieses iudicium in die zweite Ausgabe des Thesaurus temporum 
aufgenommen und hinter die Frolegomena zu den Canones gestellt; 
woher CasaUbonus es hatte, lässt sich aus den betreffenden Wor- 
''ten seiner Vorrede nicht ersehen, 
f) Exposiiio Numismatis Argentei Conskmtini Imp, Byzantini (p, 145 — 
152). An Freherus gerichtet; s. oben S. 184. 

ff) Orphei Poetae Yetustissimi Initia Sive Hymni Sacri ad Musaeum, Ver- 
sibus antiquis Laune expressi (p, 155 — 209). Der Titel mit seinem 
Poeta Yetustissimus rührt schwerlich von Scaliger selbst her; Ca- 

[ saubonus publicirte diese Jugendarbeit (s. o.S. 120) nach einer von 
Florens Christianus flüchtig gemachten Abschrift. Vgl.N. XXXVII, C^e, 

h) In Aeschyli Promeiheum A Q. 8. Fl, Christiano conversum Prohgus 
(p, 210, 211). Hier empfiehlt Scaliger das Altlatein für Uebersez- 
zung der griechischen Tragödien und spricht die Maximen aus, 
welche er selbst beim Aias befolgt hat. 

i) Selecta Epigrammata e Graecorum Florilegio Latine versa (p. 215 — 
267). Die üebersetzung der erotischen Epigramme des Agathias ist 
schon früher hinter Vulcanius' Ausgabe des Agathias (LB. 1594) 
gedruckt gewesen. 

k) Poemafa quaedam et Epigrammata (p, 268 — 296). Einiges in diese 
imd die vorhergehende Abtheilung Aufgenommene war schon frü- 
her gedrückt; in N. VII. (oben S. 278.) 

l) In Q. Annaei Senecae Tragoedias Animadversiones (p, 299 — 334). 
Casaubonus sagt darnl'er in der Vorrede: Apparet typographi ali- 
euius rogahif gut tUarum Tragoediarum ediHonem parabat, hos notas 
ßiisse exaratas. Puteanus vero noster quum exemplar ülarum dc" 
prmoitissimwfn H longe corrupUssimum ßtisset nactus, losias Mercerua 
L F. GHraeoß LaÜneque vir docHseimus sua Ulas manu deseripsU aique 
emendatU. Demnach wäre eine Vergleichung mit Sealigers Auto- 
graph wfinscbenswerth ; vermuthlidi hat sie Scriverius in seinen, 
mir jetzt nicht zugänglichen CoUeckm* vett, <m^^. angesteUt. 

m) AsinH Comelii GaUi Elegia Et Üpigrammctta TVia, Cum Animadver' 
sionibus. Ad AmpUssinmm Yintm Claudium Puteanum Consiliarhim 




300 

Begium in suprema Curia Parisiensi (p, 337-^347), Eine durch Pu- 
teanus' Anfrage veranlasste Aufdeckimg dieser italienischen Fäl- 
schung; f^uf genauere Ermittelung des Fälschers (s. de laMonnaye 
Menagiana III, 241) lässt Scaliger sich nicht ein* 
n) Epistolae ad Diversoa (p. 351 — 536). Dreinndvierzig Briefe an Ca- 
saubonus und andere meistens in Frankreich lebende Freunde. Die 
Auswahl ist nach Gesicht-spunkten der Gelehrsamkeit getroffen und 
schliesst das rein Persönliche absichtlich aus; die Namen der 
Adressaten sind sehr oft bloss durch Initialien angedeutet; und manch- 
mal bat Casaubonus derbe Ausdrucke Scaligers stillschweigend ge- 
mildert, z. B. in dem Urtheil über Johannes Chrysostomus heisst 
es p, 497: Vere dicam: ego multum faveo Chrt/sostomo propter iüud 
ßumen eloquentiae, quod nunquam lutulentum ßuif, sed semper sibi si- 
mite est. Hoc tarnen non poseum dissimulare quod in eo scriptore de- 
prehendi, quum ab Ulis discessit, quae ad sacram paginam perünent, 
Chrgsostomum non agnosco. Statt der letzten drei Worte, welche 
nicht in die Wendung des Satzes passen, hatte Scaliger geschrie- 
ben: nihil puerüius ne dicam inscUius esse ülo {epp. ed, LB. 1627 
p, 238). — Die Noten zu Euripides' Kyklops (s. oben S. 15i) sind 
dem begleitenden Schreiben an Casaubonus (p. 522) angehängt, und 
die zwei früher gedruckten, offenen Briefe an Stadius und Patisson 
(s. oben S. 281) an die Spitze der Sammlung gestellt. 

o) Discours de la iondion des Mers, du dessechement des Marais et de 
la reparaMon des rivieres paar les rendre navigeables (p, 539 — 560). 
Ein populär gehaltenes, vielleicht fOr einen Beamten bestinmites 
Memoire aus der Zeit nach 1572. 

p) Discours sur quelque particularitez de la Müice Romaine, A Monsieur 
de Thou (p, 563 — 566). Ein Paar aus dem Stegreif niedergeschrie- 
bene Bemerkungen über die romische Schlachtordnung. 

^) Lettres touchant Vexplication de quelques MedaiUes (p. 567 — 582). 

Briefe an Vertunianus und den Vorsteher des Pariser Münzcabi- 

nets. De Rascas Bagarris (vgL de Reves p. 12, 198) mit schwerlich 

gelungenen Erklärungen hauptsächlich von Abraxen und Taiismaneo. 

Den Schluss des Bandes bildet auf 4 Bl. ein genauer index rerum et 

vocabulorum memorabiUum^ welcher nach schlechter Nachdruckersitte 

weggelassen ist in folgendem Nachdruck: 



301 

Jos, Jueii SctMgeri luUi Cßeaari$,A Burdm FUü Opuscuh Varia An^ 
iehac Non Edita. Nunc vero nmüis partämt auäa, Francafwü Apud 
laccbum Fischerum, Anno M,DC,XIL 8. 
Die VennehruDg ist allerdiogs beträchtlich. Erstlich ist die Confittatio 
Fabulae Burdonum (s. oben S. 214) aufgenommen; die lambi gnomiei 
(s. oben No» XXIX) und Epicedia (s. oben No. XXV,/) und andere 
Stacke sind den Gedichten hinzugefügt, darunter ein 68 <p. 313 SpHa- 
phium meräriculae), welches nicht von Scaliger, sondern von Battdius 
(poemctH, LB. 1616> 8, p. 350) herrührt. Endlich ist die. Brtefsammlung 
durch Briefe an Deutsche, besonders an Gruter, bereichert. Ausstattung 
und Cörrectur sind in diesem Nachdruck. gleichsehr verwahrlost Den- 
noch habe ich nach demselben citirt, um der Vermehrungen willen, und 
weil der Pariser Originaldruck so überaus selten ist 

1613. 

XXXin. Vorrücken der Nachtglcichen. 

Scaliger, Io$, lust, Diatrtba de aequinodiorum antidpatUme, Ftirig, 
Drouart, 1613. 4. — So lautet der Titel bei Ebert. Ich habe mir 
die Schrift nicht verschaffen können. Yermuthlich behandelt sie den 
epp. p, 255, 445-^50 besprochenen Punkt 

1614. 

XXXIV. Arabische Sprichwörter. 

» 

v3ÜU'!it v^Uf seu Pfaverbiorum Arabicorum Ceniwiae duo ah 

anonymo qnodam Arabe collectae et explicatae cum interpre- 
tatione Latina et Scholüs losephi ScaHgeri L Caes, F, et 
Thamae Erpenii, Leidae m o/ficina Raphelenffiana 1614. 
126 S. 4. 

Sealiger hatte im Jahre 1602 nach einer von Casaubonus fiber- 
sandten fehlerbaflen Absehrift (epp. p. 202) die Ueberseteung gemacht, 
welche dann Erpenius mit berichtigenden Bemerkungen versah. 

1615. 

XXXV. Sammlung der Gedichte. 

Josephi Scaligm lul Cae$. F. Foemata omnia, Ex museio Petri 

24 



363 

Seriverii, Ex Officina Planiiniana Raphelengii M.D.CXV. 
12.« In drei besonders paginirten Abtheilungen. 
A) Poemata proprio Latina et Qraeca, 

a) Suva variorum carminum p. 2—44. MittheiluBgen daraus oben S. 
134; 140; 147; 159; 204; die Skazonten gegen Rom (s. oben 
8. 133) fehlen und Scriver sagt in der Dedicätiouy er habe quae" 
<2am aeerbiora et scripta fere cum cahre et maiore vehementia an in- 
dignatione auszuschliessen für gut befunden. P. 35 findet sich eine 
Paraphrase- von Proverb, 31 in griechischen Hexametern, welche 
9chon in No. VII veröffentlicht war. 

b} Enoomia librorum p, 47—60. 

e) Funebria p, 62 — 109. Darunter am bemerkenswerthesten die £pi- 
cedia auf Lipsius und Beza (s. oben S, 148, 172). 

.d) lambi Gnomici p, 113-125. Abdnuji von ^o. XXIX. Mittheilun 
gen daraus s.oben S. 126, 192. 

e) SzQWiiocTivg imihQtüv nagotfumv p, 130-164; 8. oben S. 285. 

f) Vereint Ennii et Statu comici, qui a Cicerone in Ubro de Senectute d- 
tantur^ cum los. Scdtigeri Graeca versüme p, 165 — 166. Vgl. oben 
N,XXV,6. Hervorzuheben isf'die bisher unbeachtet gebliebene Ver- 
muthung zu Enn, Ann. 208 s. (VahL), welche Verse so geschrieben 
und übersetzt sind: 

Qtu> vobis mentes, rectae quae stare solebant 

AntehaCf dementes sese fiesere vietae. 

^ SvdQsg, nov vvv S(pccQ vfitv al t6 naqoiJ^ev 

"öQ^tai fifwaocv tpQSvsg itpQOVsg iiatovovaai. 
Statt Scaligers vietae, welches dem rectae des vorhergehenden Ver- 
ses entspricht, liest man jetzt meistens viaL Die Handschriften ge- 
ben via. j 
B) Poemata Graeca versa ex Lot. Ital. et Galt. 

a) Fhtüegium epigrammakmi Martialis p.\ — 82. Abdruck von N. XXVIII. 

b) Prometheus Aeschyli apud dceronem [Tusc. 11, lOJ, Charactere 
Aeschyleo p. 85. Aus Scaligers eiuundzwanzigstem Lebensjahr. 

c) CatuUi Elegia ad Ortakim, Coma Berenices, Fhasdus, Priapeium 
[Ego haec, ego arte fabricatus rustica v. Catalect. p, 218 ed. Lind^ 
p. 86-91. 

d) Laberii prologus apud Macrobium p. 91. S. oben S. 294. 

e) Virgilii ecloga decima, Dorice reddita p. 92. Zu Leyden 1600 vcr- 



903 

fasst^ zuerst veröffentlicht in Dan^is Heintii an ima do& s UMn, in 

Theocritum, Die Verse 16, 17, 18 sind nach V. 8 transponirt. 
/) Horaüi ad GafUdiam et Canidiae responaio [Epod. \7] p, %— 98, mit 

^er Sttbsoriptiou: Ista HoraMana oblata M, Änt&nio Mureto Ramae 

anno^ 1565. 
ff) Properüi EUgim III, 27 (Et vom incertam), IV, 17 (Nunc o Bacche 

tuis) p. 96—100. Mit der Sabscription : OUata haec Propertiana 

€htiL Cantero Lutetiae awno 1561 mense Septtmbri, 

h) Ttbuüi Priapeiutr^ (Quid hoc novi est, Catalect, p. 215) p. 100. 

i) Brooemium Auli Peraii p, 102. Auch in epp, p, 281 mit einigen 

Varianten. 
k) Morefum p, 102 — 106. Mit der Subscription : Contersum anno 1561, 

oblatuni vero Petro Ronsardo Lutetiae anno 1563. 

l) Ex Triumpho Amoris Francisci Petrarchae Cap. III. In Fine (v. 148 
Dura legge d'Amor bis zum Schluss) Ex Italico p, 106 — 108, in 
Jamben. 

m) Atta Epigrammata duo Italica incerti p. 108 — 109. Das erste Epi- 
gramm hat keine Ueberschrift und beginnt: TiTdij tpQovSov hpf i^- 
'p]g int xstXsöiv aa^fuc Kov fiax^ nsQiijv tySe dvQUj^sv oöog. Das 
andere ist ^v%ri xal Xd^onv überischrieben. Beide smd schon in 
No. Vn veröffentlicht gewesen. " 

n) Ca£harinae des "Roches pueüae Pictaviensis Protrepiicon ad Henricum IIL 
Gaüice scriptum et Graecis^^iambis a losepho Scaligero expresswrn 
p, 109--111 Vgl. epp, p. loa. 

o) Aliud ex Gallico Incerti p. 112. Ein Epigramm über den Werth 
des Marot und .Beza als Dichter. 

p) Inscriptio incondita aulaei Segusione ad radices Alpium p, 112. Das 
oben S. 288 erw8!hnte Räthsel von den zwei Frauen. 

q)'PUbm Sgri SeUctOe SentenHae p. 115—126. S. oben S. 286. 
r) Dionysii Catofds Bistieha de Moriims p. 129—144; S. oben S. 286. 
C) Poennata Lätina versah Graedo. 
a} Seleeta Epigrammata ex Anthologia Graecorwn p. \ — 31. S. oben 

h) Carmina nomtuUa Tkeognidis et aliorum |7. 32, 33. 
e) SophiK^ AioK Lotarius stilo Tragico translatus p, 37^74. Abdruck 
vpn N. VII» 

24- 



\ 



SM 

4) Lycophronis PoMandra iambico carmine irßnahta p* 75 -r 114. S. 
oben No. IL . . 

^ ß) Orphgi Hyynni Sacri^^ Sice indi^Uamenta Xkeonmyverßüms anHquis La- 
tine ezpressa a losepho ScaKffero luL Caes^ J^. lnßiwH$ mendia, quibus 
editionea priores scatebant, liberata: Addito Graeco t$»tH es H* Ste- 
pha^i ediUone j), 116 — 184. Unter den vou Fehletn wimmelnden 
frul^eren Ausgaben ist Casanbomis' Ausgabe der OpusaUauxxd ihr Frank- 
furter Nachdruck (oben N«X]|CXII) gemeint; Scriver «agt darfiber in 
der epistola dedicatoria p. 6; aiudium naeiruv^ primo octUorum ictu ei 
. lectione paucularum paginarum canatabit. Testia vßl unua Orphei — 
aive Onomacrüi ait — antiquiaaimi poetae libellua, ita foeds nuper Lu- 
■ tetiae excuaua, vi nee vola nee veatiffium aaepe oppareret Hüne i/^- 
nitia quibua acaUhat mendia libertwit emendaiior^mqu^ nostfa diligentia 
fecit, opem ad l^nc ^ rem conferente viro ingenioaiaaimo, unico Mußa- 
rum delicio, Daniele Heinaio, Leider ist in Hermann's Orphika, aus 
welchen man jetzt fast allein Scaligers Uebersetzung zu kennen 
pflegt, nicht der von Scriverius und Heinsius verbesserte, sond.em 
jener Pariser Text mit allen seinen Fehlern abgedruckt worden. 
Besonders die Noten Scaligers sind b^i Hermann zuweilen bis zur 
Sinnlosigkeit entstellt» z. B. [annot 19); Faata Deß. Giiii^, JFaa ^i- 
fi*ß. Nam Faati duae quxbua Q'k^iq ßeri. Bei Scriver steht dafür: 
FaMa Dea, -O'^fAtg, Faa d'ifiig. Nam Faati diea^ qujibua Themidißeri 
aolet» 

1616. 

XXXVI. De re nummaria. 

losephi Scafyeri Jul, Caes, F, äe re t^mmaria dissertaüo^ I0er 

posihumu$ Ex Bibliotheca Academiae Lugd Bat Ex Offi- 

cma Plqntiniam Baphekngii IBljSi. 8 uppag. BL (Dedic^- 

4;Ipii desW^l^ebrod Sneiliu^ \md index autartm), 112 8,3. 

Abgedruckt in Gronovius' ITiesawusAntiquUtUum Qra/egarym IX^ 

\^^ -^ üeber diese Arl^e^it^/welehe i^i Jahr« 1606 ihre jetzige Gestalt 

erhielt^ schreibt Scaliger, November 1606, an Labbäus (epp. p, ^2)^' De 

tseffoytovotg ^n achedio poiiua quam Ubello de re mfmmwtia agimue^ Qu^ 

Ubplkfnf ai qnidem eo nomine tibi dign^a vidäw^ psr in lucem prodire.tgiU' 

topere desidereßf causa non est, Neque enim uUa date corwnendari potest. 



Neque sane illa exB^iaßpMxa lucem videre patiar, quae in priüatos ums tan- 
quam Adversaria confeqi,,,, Mensibm praeteriUs recensui et eo perduxi ut 
aliquam fadem si non libri, sattem diatribae haheat, Ibi nihil recoquo 
eorum, quae omnihus ex nimio usu nofa in contemptum venerunt Sed mul- 
tas origines, quas nemo atHgit, muUos modos locutianis et rationis numma- 
riete atfiffi, quortem ignoraiidne etiam döcH quotidie peccdnt — Vgl. epp. 
p. 34D. ' 

Nicht nachträglich redigirt wie die€»e Bemerkungen de re nummaria 
sondern noch ganz iot ursprünglichen CoUectaneenzustftnd mt ekie lUin- 
liehe Scaligersche Sammlmig,. Xloiy^in}; N6fU9V^ 'Atnimv, welche hand- 
schriftlich in der X.eydeaer Bibliothek auH^ewahrt wird» Einige Mitthei- 
lungen daraus stehen im Rheinischen Museum N, F. VII, 297, zu deren 
Ergänzung folgende Aeusserung Scaligers dient, epp, p. 660» an Lab*** 
foäus, Sept. \60h: LepesAtticas, de quibus agis mecum, nunquam in anim^ 
habui edere, ut nee multa alia quae in priüatos.usus meos colUgi* 

im. 

XXXVn. Abhandlung über Martial gegen 

Marcilius. 

losephi Scatigeri Tul, Caes. FiL Diatribe Critica^ qva Theodori 

Marcilii Commentarius Notaeque in EpigramTnaia de Caesaris 

Amphitheatro et Venationibvß ordine exptmgtmiur, Auforqu^ 

plurMm^ loeis illustraktr, ^ Ex MvseQ Petri Serwerii in Sori^ 

vers Ausgabe cUs Martial LB^ Aptid I^oannßm Mkire 1^1% 

1% p, 139-16e. 

Aud dem «lahre 1603; in der Form eines Briefes .an Soriverkis und 

im humoristischen Ton des Yvo. Schon seit längerer Zeit hattd Soa^ 

liger ein^ wil&ommenen LachstofF &n des Marcilius komtnenttrend^r 

Thatigkeit gefunden, welehe er mit einer itristof^aniscKcn Meti^er 

schmückt in eünem Bieieie an Caäaubonua, Deeember 1601 (epp^p, 196); 

Q^tmt: an^tm, remitiere »ohi ß^iim»^ m tmintar eeripkt iüiim (MarijäH)^ ^ 

Aw^Mihea^nim MarHaüe et Perahim nuper mumvdzodgv. Nam mmqmm 

sußeiue ridfto quam aum aHt^id eirn h^Gummis fiidety, Saepe mirooti sotep 

iUum tant^m aeriptorum kgkse, id^o ut nihil «ctrd|, di h.' wie WolF (Ana* 

Iekt;l, 198) übersetzt» ,duneh seine Belesenheit habe'Marctliit^ sicli zum 

Jgnorsmten studirt.* 



966 

1827. 

XXXVIII. Btiefsammiung. 

Illustriss. Viri losephi Scaligeri^ lulii Caes» A Bürden F, Epi" 
stolae omnes guae reperiri pqtuenmt, nunc primum colleckte 
ac editae. Ceteris pro/^xa est ea quae est de Gente - Scali- 
gera, in qua de autoris viia; et sub finem Danielis Seinsü 
de morte eius altera. Lugduni Bätatforumf Ex 0/ficina Bo- 
naventurae et Abrahami Elsetnr, Academ, Typograph, 
CIO. IOC. XXVII. Cum Prwikgio 12 Bl. und 887 S. 8. — Ist 
im folgenden Jahre unverändert in Frankfurt nachgedruckt. 

Schon im Jahre 1602 hattfe Joh. Lydius Scaligers Einwilligung er- 
halten zur Veröffentlichung einer Hriefsammlung, epp. p. 587; de eden- 
dis epistolis consilium placeL Quin tibi autor suin ui non solum maneaa in 
prcpoaito sed etiam quainpttmum verba in rem conjeras. De epistolis Lipsii 
non audeo. Nihil enim minus optat HU quam ut Uli apud quos est [lesui- 
tae] commercium literarum inter nos intercedere resciscant. Praeterea, tc^ 
metsi quas editurus es non vidi, tarnen certus sum, Lipsianis et charactere 
et argumento discolores esse. Vgl. Scaligerana IL («. v. Epistres): je seray 
contraint de faire un petit volume d Epistres et desavoueray toutes ceUes 
qu^ön feroit imprimer. Dieses unternehmen des Lydius muss aber sehr 
hald aufgegeben worden sein; wenigstens habe icTi weiter keine Spur 
davon gefunden; Casaubönus (s. oben S. 300 n) wollte Wn vorn herein 
Atir eine Auswahl geben ; und so war denn die' vorliegende Sammlung 
die erste, welche Vollständigkeit erstrebte, wie sie leider auch die ein- 
kige geblieben ist. Dass Daniel Heinsius der Herausgeber sei, ist an 
, sich und durch die Beigaben wahrscheinlieh. Schurzfleisch (acta lUterar, 
Vitemb. 1714. -S. p. 22^ hort^ auch noch von Daum, welcher einige Ori* 
gihale vei glichen hatte, dass Heinsius Manches dtra vrgentem causam 
geändert habe. Von den besternten Lücken ist oben (S. 274) geredet. 
Störender jedoeh als die Ungenauigkeit und Aengstliehkeit im EinzeK 
nen ist die durchweg mangelhafte Asordnnng, welche freilich nur dann 
gtflndHefa gebessert werden konnte, wenn man sich entschHesst» aueh 
die Briefe dei* Correspondenten vollständig in die Sammlung aufzu- 
nehmen. Dieses Verfahren ist aber, schon d,tB einfachsten Wort- 
verständnisses wegen, gerade bei den Scaligerschen Briefen unausweieh^ 



307 

lieh, da sie in Andeutungen und Rückbeziehungen die ganze Lebendig- 
keit mündlichen Gesprächs bewahren. 

Ergänzt wird die Heinsius'sche Sammlung durch folgende seitdem 
gedruckte Stücke: 

1) Fünfzehn Briefe an Lipsius in Burmanni Sylt. I, p. 237^-252. 

2) Zwei Briefe an Ranzow, einen an Salmasius, zwei an Scipio Gen- 
tilis in Gudii epistolae p, 152—154; 355-357. 

3^ Vier Briefe an Sibrandus Lubbertus in Chxbbema, lUustrium et Cla- 
rorum Virarum Epistolae, HarUngae Trisiorum 1669. 12. p. 385-^392. 

4) Ein Brief an Laurentius Joubertus (s. oben S. 242) in Laurentii 
louberti opera Lugd, 1582. foL VoL II, p, 312. 

5) Ein Brief an Rittershusius in Hummel, Clarorum Virorum epistolae 
ineditae LX, Norimbergae 1777, 8, p. 114. 

6) Zwei franzosische Billete an Bongarsius in Bongarsii et LingelahemH 
Epistolae Argentorati 1669, 12, p. 338. 

7) Grossere Bruchstucke aus zwei Briefen an Jungermann . in dessen 
Vorrede zu seiner Ausgabe des Cäsar und bei Crenhu Ani- 
madvv. V, p. 14, 

Diesen Vorrath durch einen ansehnlichen Beitrag zu vermehreir, 
setzt mich Dr. Steinhart in den Stand, welcher die im codex Leidensis 
951 (p. 269 des Catalogs) enthaltenen Copien eines lateinischen Briefes 
an Desiderius Heraldus und acht französischer an Dalecampius abzu* 
schreiben die Gute gehabt hat. Die Briefe an Dalecampius, den be- 
kannten Herausgeber des Plinius, welche auch in den Besitz des Hue- 
tius (comment. de reb, ad eum pertin, p. 46) gelangt waren, gewinnen 
durch ihre französische Abfassung ein besonderes Interesse, da, ausser 
einem Schreiben an Prinz Moritz {epp. p. 885^ und den eben erwähnten 
Billeten an Bongarsius, kein Brief Scaligers in seiner Muttersprache 
bisher meines^ Wissens gedruckt war. Der erste Brief in der Reihe, aus 
Agen im Jahre 1561, Scaligers einundzwanzigstem Lebensjahre, gehört 
zu dem Frühesten, das sich aus seiner Feder erhalten hat Auch hier 
findet sich schon eine Hinweisuug auf seine ,Ahnen' (/b memoire de ¥nes 
pridicessewrs). — Der zweite und dritte Brief, aus der Zeit des Aufent- 
zu Valence, geben Nachricht von Cujacius, und der sechste enthält 
eine ziemlich derbe Beurtheilung, oder vielmehr Verurtheilung, des Ho- 
tomaunus, als Gegners des Cujacius. 



308 



I. 

A Monsieur Dalechamps, Docteur en medecine ä Lyon. 

Monsieur, ie n'eusse iaiuais pris la hardiesse de uous importuner 
par mes lettres, sans la pri^re que Monsieur Constantin mha faict, et 
eombien que uostre honnestet^ et clemence me fust ass6 notoire, la- 
quelle > me pouuoit bien assurer que ma temerit^ seroit bien par uous 
re^^eue, toutefois le deffaut que ie connoissois en moy mesme, estoit 
assö süffisant pour me rappeler de mon entreprise. Je ne sgay donc 
ou si la pri^re dudit Seigneur Constantin ou la bonne affection que 
Tauoy ä m'insinuer k uostre bonne grace ha heu plus d'efBcace ä con- 

* 

duire mon intention. Lesquelles comme ayant en mon endroit grand 
pouuoiry aussi ay-je esp6rance qu'excuserez le tout en moy et que par 
uostre bont^ accoustumöe me daignerez tenir au nombre de ceux, qui 
en uous estimant d^sirent uous honorer et demeurer au rang de uos 
imitateurs: lesquelles choses obtenues par moy, comme elles ne dimi- 
nuent point Uostre renom^e en me les octroiant, aussi seront elles une 
accumulation d'honneur ä si peu de bonne renommöe que i'ay peu ac- 
quörir par la memoire de mes pred^cesseurs. Le peu qui est en moy 
ne me pennet uous faire aucune offire: tel toutefois qui est en nostre 
puissanee, ie uous prie me faire cet honneur pour le commencement de 
aostre oiniti^ le reputer uostre. — Qui sera Tendroit oü prieray le 

r 

Seigneur, Monsieur, uous donner en sant^ bonne et longue nie, me re- 
conunandant humblement k uos bonnes graces. D'Agen en haste, ce 
lOe Apuril 156L 

Vofltre trös humble et tr^s affectionne seruiteur 

De la Scale. 

II. 

Au meme. 

Monsieur, Tay re^eu Uosti*e lettre datt^e du demier decembre deux 
mois Bpi^s sa datte. Je suis treä aise qu'aies re^eu mon liure*), car 
i'en auoit do&n6 eharge k Patisson. J^eusse bien uoulu auoir moien de 



V Wohl die Conieetanta. 



300 

U0U6 faire-meilleur present que de mes compositions, lesquelles ne peu- 
uent rien uallotr d'elles mesme que d^autant de telles personnages et de 
teile marque que uous estes les re^oment. Yous eussiez en deia it 
S^n^que, si Teusse estö au lieu oü ma biblioth^ue est: mais tenös pour 
toud asseurä que uous Faurez bien tost et sera liurö entre les mains 
d'un marchant de Poitiers, ou de Monsieur de la Vau*), docteur en 
medecine, pour uous les faire tenir incontinent que ie serai en Poitu, 
qui sera ä la fin d'auril**). Gar depuis le temps que ie yous dit k 
Dieu m'enallant enProuencß, ie[sic]pre8que tous iours demeurö en raa 
patrie sans donner ordre k mes affaires domestiques. Puisque ie uous 
ai promis le dit liure, uous le pouuez tenir pour seur. II faudra aussi 
que Monsieur Cuias uous aide de ses exemplaires, car il a remarqu6 
de fort belies choses en cet auteur par la coUation des anciens exem^ 
plairs, dequoy ie suis temoing. ie n'ai encores ueu le Th'eophraste de 
mon pere. Ce qu'il uous plaira me faire tenir, il le faudra addresser k 
Patisson, a Paris. 

Monsieur, ie uous baise tres-humblement les mains, etdesire estre 
entretenu en uos bönnes graces, priant dieu uous donner bonne et 
longue nie. 

De Chantemille en La Marche, ceste ueille de pasque. Yostre 
Seruiteur 

Joseph de la Scala. 

Monsieur d'Abain uous baise les mains, et aues un bon ami en 
lui. Je uous supplie de me dire quelle herbe est Aspie qu'on dit guö- 
rir de poulmont, par ce n'est point dnoXrjviov [sie. anonwov ?]. 

III. 

Au meme. 

Monsieur, mon frere m'a escrit demierement comment Monsieur 
Constantin, nodtre commim frere et bon ami, estant uenu dltalie, s'estoit 
retir6 a nos quartiers de Gascogne, et qu'il hiy k donnö a entendre 



*) Vertunianus. 

*V Februar 16Ö7 schreibt Jacobus Boraetius Chanliea BnScaligtT(Bunn.Syll.IJ,p. 
368) ; nolui seribere priusquam certiorem eadem faeere U possem de Seneea ilTo i>Hm ttt^, 
quem bibUoihecam Daiecampü capere tttrhitrabariSf ted qui iattten non intfentu» est. 



310 

comnient il uous auoit laiss^ les annotations de ^eu mon pere Jul. Sca^ 
liger in Theophr, Ledict mien frere m'a expressement enioint de les 
retirer de uous, k cause que noUs auons d'autres choses in Theophr. du 
dict feu mon pere, lesquelles nous uouloiis ioifidre auec led dictes an- 
notations. Yous ne faudrez doncque, s'il uous piaist, le(s) liure(r) ä 
cet homme doct M. Paulus Cbibbius*) präsent porteur, d'autant que ie 
suis sollicitö de les rendre a nlon fr^re, qui ä präsent transorit les 
commentaires de nostre p^re in Aristotel, nsgl ^toatv latoff. et autres 
choses in Theophr, lesquelles il ueut mettre auec celles que uous auez, 
«onune ie uous ai le dict. Aussi i'ay quelques choses du mien sur les 
mesmes liures de Theophr.**) lesquelles i*ay deliberez mettre auec cel* 
les de mon pere. Je uous supplie derechef 1^ liurer au präsent poir«- 
teur Monsieur Chibbius. Cependant, Monsieur, ie prie Ie Seigneur uous 
donner sa grace, me recommandant tousiours a uostre bonne grace. — 
De Valence, ce 7 sept. 1571. 

Monsieur Cuias a este fort malade et encore ne se ,porte guere 
bien: il n'a faute que de courage et de s'aider soy-mesme, ceque toute- 
fois il ne ueut faijLe. 

Votre meilleur ami a uous faire humble^ seruice 

Josephus Scaliger. 

iv. 

Au m6me. 

Monsieur, ie uous remercie tres humblement de la souuenence qu'il 
uous piaist auoir de moy, comme i'ai connu par uostre lettre, laquelle 
i'ay re^eue il y a huit jours enuiron. Quant ä la librairie de Bonne- 



•) Wohl: Knibbius, s. epp. p. 75k 

••) Thouana *. v. Scaliger: Vötre Pere [Claudius PuteanusJ tn^a/ait eonnoitre Be^ 
nedetto Manzuolo, Agent en France pour le Cardinal d^Est et depüie Shegue de Beggio, 
Ilfiooit taute sa vie travaille sur TMopkraste de Plantii et Favoit resHtui par Faide 
des manuscripts et par son esprit H y avoit une laeune, sur laquelle U aooit lang temps 
resve. II pria vötre Pere de Iwi faire voir Monsieur Scaliger. Ils se virent unjour ehez 
vötre Pere, o^ favois assignation et ne nCy p^ trouver si tot. InconÜnent il luy eommu» 
nique ee lieu desesper4. SeaUger t^eiU pas si tot M ee Ueu, qtfil le restitua si heurese- 
WMni gue Manzuolo Vadmira et dit depvis gafil erpgait qt^il^eut un esprit famiUer. Vötre 
Pere me montra le lieu, dant il ne me souvient pas. 



31 1 

nau, ie uous puis asseurer qu'il n'y a rien qui uaille, comme le rapport 
in'en a estä faict de quelques amis qui l'out non seülement ueue mais 
aussi feullet^e: et s'il y eust eu chose qui meritait la peide de TaUer 
uoir, Tabbö du dit lieu ne m'en eust point refus^, qui ne demandait rien 
mieux quc de uous y traitter et faire aussy boune chere, qu'il nous fist 
k Vienne ä S. Pierre. Mais j*ay fait bonnes prouisions d'anciennes in- 
scriptions et uous en apporteray de fort belles. Je uous supplie bien 
fort de solliciter le Juntf d'imprimer les aunotations sur Theophraste: 
il est temps niessuy que ce pauure liure uoie la lumiere. Je ne facti- 
dray k uous escrire k toutes mes commoditös et opportuntt^s qui s'of- 
friront: cependant ie prendray garde si ie puis mettre le n^s sur quel- 
que biblioth^que de Prouence, au moins s'Il s'en trouue: car il est ä 
douter: ueue que feu Monsieur Pelissier, Euesque de Montpellier, a si 
bien furetö touts ces endroits, quMl n*a point laissö d'ordure ä ballier. 
Nous partons de cette uille mardi prochain, 25. du raois präsent, et 
esperons estre ä Aix le 10 du proebain. Cependant, Monsieur, ie uous 
baise bien humblement los mains et desire estre maintenu en uostre 
bonne grace, priant Dieu uous maintenir en sa garde. De Grenoble, ce 
22e januier Gregorian 1583. 

Vostre tres a^eetionn^ a uous seruir 
Joseph de la Scala. 

Au meme. 

Monsieur, il ne me souuient iamais d'auoir ueu que le magistrat 
eust besoin de prendre.un autre robbe in capUali iudicio; toutefois si 
j'eusse eu le Senecsi, petf estre que la suitte du propos m'eust donnö 
quelque prise pour en deuiner quelque chose. Quant k l'epistre liim* 
naire du liure de mon p^re, eUe me conuient nuUement pour la clause 
que je demande estre insertiö touchant sa maison illustre et sa uertu, 
tig iccttSQa di^vr^ösuv d fn) ta nocMt tinva? Par ce ie uous supplie tres 
affectueusement d'en vouloir prendre la peine et faire ce bien mantbus 
parefitilms meis [sie]. Nous partons demain pour nous acheminer ä Auignon ; 
si j'ay le moien de uoir les biblioth^ques, nous pouues croire que ie 
ne laisseray passer aucune bonne occasiou d'en faire nostre hon profit. 



312 

Monsieur Loubert^ est mort Ceux de Monpellier sont au pourchas 
de quelque bon docteur regent qui kur peuple leur universit^. De fait on 
di|; qu'un Jacobin d'Arles a promis d'y aller: oii fait grand estame en 
ces quartiers-lä du dict Jacobin. Je s(;auray toutefois s'il est doTtiiMv 
noi^uLxog. Je d^ire estre entretenu en uos bonnies grace^ et prie 
Dieu, Monsieur, uous donner en santö bonne et longue nie. De Va? 
lenee, ce 30 Januier Gregorian 1583. 

Vostre ftes humble k uous seruir 
• Joseph de la Scala. 

VI. 

Au m^me. 

Monsieur, ie pense qu'aurez re^eu le Seneca escrit ä la maio, le- 
quel Picea**) ie baillay au sire Charles Pesuol ä- la fin d'Aoust pass^ poiu: 
uous faire tenir: et il Femballa tout incontinent. Depuis ie n'ay aucun 
aduertissement ni du dict Pesnol de uous Tauoir baill^, ny de uous de 
Fauoir regen. Tant y a que ie d^sire qu'il uous puisse seruir: car ie 
me doute qu'il ne uaille guieres. Toutefois un quidam dit l'auoir col- 
lationn^ k un uieux exemplaire dltalie, comme il appert en ce qu'il en 
a dit in calce libri, J'ay regen six exemplaires des annotations in 
Theophrastum: ie uous en remercie bien fort. Je uous enuoiye le prä- 
sent paquet pour faire tenir ä Geneue en diligence et seureme***) s'il 
uous piaist. Monsieur Cornelius f ) et ses coU^gues auoient censur^ mon 
livre et pensoient auoir trouu6e la febue au gasteau: ie leur reponds et 
monstre de combien ils se trompent. Jusqu'ä prösent, la grace k Dien, 
personne ne s'est attaqu^ k moy qui n'y ait laiss^ non seulement le 
poU mais les dents. Combien que ces messieurs^li niMi nisi amiee: 
mais le malbeur est qu*il y a tant d'hommes qui s'attribuent la scienee 
de temps, et n^y ha rien plus ignörant au monde qu'ils sont. Or ie 
suis k uostre seruice: uostre erudition et uertu m'y a obligö. J'ay en* 
tendu qu' Otoman a fait un liure contre monsieur Coias : ie ne Tay en- 



'J Wohl: Joubert, s. oben S.242. 

*•) Wohl : piefa, altes Wort für »7 y a long temps; s. Montaigne' I, 19, geg. Anf. 
•'V seurete. ' 

•);) S. oben S. 151. 



313 

cores ueu: ie m'asseure que ce sera no(f9fi avxl ßrn^og: et le pauure 
homme*) a est^ tous iours fol en sa jeunesse: il seroit marri, qu'il ne 
«Y ^^st iusque k sa.uieillesse. ^ Monsieur ie tious baiae tr^s humble- 
Dient les mams priant Dieu uons donnel* en santö bonne 6t longue lüe. 
D'Abain ce 24. octobre 1584. 

, Les Ceiestins de la Marche de Limosm n'ont liure qui uaille, et 
s'ils en eussent eti, nous les aurions bien: car les ancestres de Madame 
d'Abain aout fondateurs du monastere. 

Vostre Seniiteur et ami tres affectionnä 
Joseph de la Scala. 

Au mSme. 

Monsieur, si faut il que uous m'escriuiez de vos nouueües des 
quelles ie suis infinement d^sireux et n'ay trouu^ homme qui m'en ait 
a^u dffe. n foudrat addresser, si uous piaist, uos lettres a Mr. Jo^ 
nathas Petit**) aduocat au grand Conseil, demeurant aupr^s de la petite 
porte des Matiurins k Paris. Le Senecque de feu Muret est acheu6 
d'ira|n'imer et i'en dois receuoSr nn exemplaire cette sepmainc. Yous 
aurez moien de faire uostre edition encore plus correete apres tant 
d'autres: mais quelques uns de mes amis m'ont escrit que le Grec que 
Ton a fait imprimer k Romme, qui estait k dire «n controuerses, n'est 
point trouuö es uLeux «xeinplaires, quoy que les Italiens disent du con- 
traire: uoo« k pourres miemc sauotr par Texemplaire que m'auez d'autre 
fois escrit auoir reyev, oü le gree en est, maiä mal lisable: ear on 
pense que l«s Itali^ens oient controuu^ ce grec, de quoy ie ne scay que 
dbc: oar il y a de choses qui me semblent n'estre point controuu^es. 
TMite^s il n'y a homme qui le puisse dire mieux que uous, et uoua 
prie de m^en escrire, et ie plutost qu'il uous sera possible. Du chasteau 
de Touffbu pris Poictiers oe 6 Januier 1587, 

Vostpc etc. Joseph de la Seala. 



*) SeaUgerana I. s. v.: Hotomannum sola dicHö LaHna eommendai ae •loquentia. 
Caetera, pnüvr» Aotitme. 

••) S. epp, p. 451, - 



314 

VJUH. 

Au meme. 
Mon§ieur, ie uous remercie* tr^s humbkment de uostre beaii Plioe^ 
lequel ie tiens eher et pour Tamour ^de Vous» et aussl d'autant qu'il est 

'S 

meilleur qu'il n'estoit: et ne p^se point qu'on pulsse faire plus que 
uous y auez fait. N'eust M cette maudite ^t mescbante guerre, fauoi 
Ie moien d'auoir celuy de TEuesque de Montpellier et de Ie uous faire 
tenir seuremeut. Je receuray cette Sepxnaine Ie Senecque de Mr» Le 
Feure^ car il est acheu^ seulement ces iours passes. J'ay enclos en une 
lettre que i'addresse a Monsieur Ostager Bourgeois -de Marseille, homme 
d'hpnneur et de bien qui m'a deia recouueii; des liures en Ambic du 
Calre et de Marseille, oü il a intelligence et traffique: ie l'aduertis qu'il 
vous fait tenir un paquet qu'il a ä moy de leuant, et il uous plaira Tad- 
dresser k Mr. Jonathas Petit, auocat au grand conseil, pour me le faire 
tenir ou bien au sieur Patisson, libraire. Je serai tous iours ais^ 
d'entendre de uos nouuelles, quand II uous plaira m'en departir et que 
ie uous supplie faire. Cependaiit, Monsieui*, ie uous baise les mains 
priant dieu uous donner en santö bonne et longue uie. D'Abain, ce 
23 Mars 1587. 

^ Vostre tr^s humble et tres affectionnö k uous seniir 

Josepb de laScala. 



losephus Scaliger Desiderro H^raldo 8uo 8. 
Mf^ nt tua$ accepi, ad tUas respondere volui vty si per tabulariot 
liceat, possis perspicere et düigentiam meam et amoreni meumy quo te 
prosequorf et testimonium de tuo encimio ingenio ei eruditione in ea aefate, 
m qua atii primum discere incipiun$, tu vero provectiores docere potes. 
Hoc mihi perspectum iam eft ecp tuis scriptis, presertim illis quae ad 
Martialem ed0isti, Quae uero ego ad te in eum scriptorem telegermm, 
quamvis non erant tanti ut aUquo loco essent apud te, tarnen intererat 
mei te ea accepiüe, ut si fiihÜ aliudj saltem ftdem facerent ditigetUiae 
meae. A lectione enün tuarum*) ad scriptionem eorum §tatim me con- 
tuHi, ut si eam fidem^praestitisset in iis reddendis, cui dederam, quantam 



*) D. h. des französischen Briefes des Heraldus rom leisten Febraar 1600 (bei de 
Reres p. 127), in welchem er Scaliger um Beitrftge. zu Martial ersacht hatte. VgL 
tpp. p. 769, 463. 



I ' 



315 

ega celeritatem m Ulis *de»enbendu adhibueram, po§t pmueo^, äies quam 
iuas aceepi, tu iUi% neeipere potuisti C^d). Mnetum parva esi, ted guae 
tarnen hutam querelam a me expresserit. De eaeterU quae misisse te aüg 
ea eoäem fato funcia sunt quo mea: non enim rnttgis ea mihireädita tuni 
quam tibi mea. Fropediem exibit editio nova Martuüis Petri Scrvßerü 
nostrij quam auctor tibi sum ut priut expecte* qut$m tun edas, BhUtum 
debet is scriptor optima et eruditisnmo Grutero nostro, euiu» editionem^ 
elegantioribus tgpis et tuculentiore Charta instaurat 8eriveriu$, sed mimMMi 
accesMtone optimarum et emendationum et animadversionum ^ et ittm opus 
affeetum est ut puto. J^ editione Parisiensi immista tuis et tdiorum do' 
etorum scriptis paedagogica dfupi^scitQiTta *) risi, perinde ut bardocucuUum 
in Tgrianthinis: sed Scriverius Uli momo defricat scabiem, Non raro mi- 
ratus sum unde Uli tantum nomen contigerit, qui ex tot Ubrorum leetitme 
hoc sblum consecutus est ut nihü sciret et praeterea omnibus ludibrium 
deberet. Certe iuventus nihü ab eo, praeter morum et stili barbariem dis~ 
cere potest. De TertüUiano amo te, sed pulo iam opernm occupatam a 
Joanne Wouuer Hamburgensi, gut eins scripforis editionetn novßm ador^ 
nat, eiusque specimen in antecessum dedit, libellum epidicticum efnenda" 
tionum, Contulit enim totum Terttdlianum cum Vaticttnis, quibus usus est 
hatinns Latinins, postea cum eximio Fulvii Ursini, Itaque quui fMturat 
opus suumj potes interim eipectare dum prodeat et consulere eins epidi" 
ctiat, quae iam proximis nundinis prodierunl, et fieri non potest quin 
proximis Parisios deferantur, Amicus meus^) qui illum auctorem deliriis 
suis inquinavit, si meo consilio potius qtiam confidentiae suae paruisset, 
aut nuUum aut meliorem edidissei: sed tanta eins fuit arrogantia ut cum 
Uli nostra proponerem, ut de epoptis*^), de Sdllite acetof), non sotum 
iUi Visus fuerim mendacium dicere, sed insanire. Pauci sunt qui earum 
quos profitenturj non dico per it iam sed gustum litterarum habeant: felicem 
cui alterutrum, eruditum cui utrumque contigit, Vtde, Lugd. Bat. 
XVIII. Sept. lulutni CIo.Io.CIlI. 

Inscriptio : Omatissimo et eruditissimo Viro Desiderio Heraldo^ Sedanum, 



*) Des Theodoms Mmrcilius; s. oben S. 305, 
**J Franciscus Juniiis. 

***) S. ScaUgerana IL s. v. Epoptas; de emend. temp, p. 419 ed. tert.j Cahtll. 
p. 171 ed. sec. 

y S. Lectt. Ausonn, II, 12. 



3t« 



Uober jdie Kuerst 1666 gedrpckten GtesprSche Sctiigera s. obea 
S. 231. *- Einige MarginaUioten zu HeBiods Werken und Tagen finden 
9ich in Grävius' 1667 erschienener Ausgabe des Hesiod, Amgtelod. 8. 
p. 140 — 143. — FOr andere Marginalnoten genOgt es^ auf die Hauptaus*, 
gaben der betreffenden Autoren zu verweisen, z. B. fiir die Noten zu 
Nonnos auf die Ausgabe des Cun&us (Hanau, 1610; vgl. q>p, p, 581), 
zu Polybios auf Schweighäuser's praef, in YoL ll, p* XXXV, zu 
Aescbylos auf Hertnann's, zu Plautüs auf Ritsohl's Ausgabe. 



AbergUuben 126. 
Aenigmata 287. 
Aeschylos' Eumeniden 121. 

gelöster Promekheus 302, B, Ik 
Apostot 126. 

Arabische Sprichwörter 301. 
Arminius 128. 
Astrampsychiu 288. 
Attische Gesetze 306. 
Attius 270. 
Auratas 141. 
Ausonios 7; 43; 156; 276. 

Barbaras 217. 
Baronias 9; 22; 79; 80; 201. 
Baudius 53; 301. 
BeUarmin 80. 
Bencius 74; 58; 263. 
Benüey 106; 110; 116; 125. 
Beza 42; 148; 150. 
Bibel 14; 37; 91; 99; 127. 
Böckh2; 19; 225. 
Bonefidius 152. 
Buchanan 32; 63; 106. 
Budaeus 60', 255. 
Bozanral 60; 17S; 

Caesar 292. 

Cambden62; 138; 17& 

Ganter 110; 272. 

Casaubonus 51; 63; 76; 88t 95; 103i 

169; 215; 238. 
Cataleeta 7; 41i 46; 373. 
Cato 286. 
Catull 279; 302, B^ c 



Christianus 27 ; 58; 121; 260. 
Chrysostomus, Joh. 296. 
Clavias 193. 
Goliguy 42; 150. 

Louise von 69; 150. 
Commelin 66. 
Cornelius 151; 167; 312. 
Cotton 89; 215. 
Gramer 96 ; 223. 

Guiacius 40; 79; 103; 140-145; 149; 
163; 238; 260; 900; 310. 

DelrioSl; 85; 205; 209. , 
Deutsche 71; 182; 188; 194. 
Deutsche Sprache 187. 
Douza d j. 61; 176; 264. 
Drusius d. fi. 82; 178; 206. 

- d. j. 20. 
Duretus 240. 



Elmenhorst 70; 187; 193. 
Emendiren 141 ; 243 Not 
Empedokles 276. 
Englftnder 39; 62; 139. 
Ennius&ö; 302. 

Erasmi/s 5; 44; 78; 80; 113; 256. 
Euripides' Kyklops 154. 
Eusebius 292. 



Fm ^'^ 



Faber, Tanaquil 232. 
Festus 279. 

Firmieus Matemns'290. 
Foix, Paul de 130. 
Frankreich 217. 
Freherus 184. 



Gibbon 119; 19S. 
Gifanius 163; 166. 
Goanu 222. 
Gomanw 128; 227. 
Gouliurt 151. 
Grammatica 19. 
GrotiuB 61; 176; 228; 236. 
Groulart 154. 
6rater67; 185; 194; 286. 
GuUlatfdiiraa 296. 

, Harlay, Ach. 48; 167; 200. 
Heinrich UI. 158. 

IV. 12; 26; 54; 158. 
Heinsius 61 ; 177. 
Hermes -278. 
Hieronjrmus 93; 221, 
Hippocrates 239; 284. • 
Hippolytus 285. 
Hoeschel 65; 183.^ 
Holland 12; 61; 62; 191. 
Horatius 259; 291; 303, f. 
Horte, Garcias-ab 291« 
Hotomanniu 313. 
Huetius 119; 199; 307. 

Jacob I. 63; 178. 

Idaciu8'217. ' 

Jeannin 60; 89; 175; 216. 

Insulanus ,281. ' 

Joubertus 242 ; 312. 

ItaHener 6; 97; 136; 162; 255. 

Juden 123. 

Junius, Franciscus 123; 315. 

I«abbftas 223. 
Laberias 294. 
Lambin 7; 164. 
Leibnitz 114; 197; 201; 232. 
Lessing 113; 224. 
Lindenbrog 70; 187; 217; 275. 
Lingelsheim 66; 184; 211. 
Lipsias 19; 50; 53; 74; 103; 132; 165; 
169; 174; 175; 197; 238 ;260; 306. 
Lobeck 183. 
Lucanas 282. 
Lucretius 153. 
Lydii^ 179. 
Lykophron 272. 



JHaldonat 74. 

Manilius 47; 166; 280. 

MareeUinus 217. 

Marcilius 305; 315. 

Maria Stuart 137. 

MartiaUs 143; 294; 305. 

Martinus 240. 

Massen 143. 

Merufa 285; 298. 

Mittelalter 157. . 

Moros, Alex. 227. 

Muret32; 74; 103; 121; 131; 164; 198; 

232; 238; 270. 
Masaeus 113. 

ITiebohr 2; 72; 96; 196; 233. 
Niphus 264. 

Orpheus 299, g; 304. e. 
d'Ossat 130. 

Panvinius 133. 

Pareus 127; 295. 

du Perron 76; 79; 175; 201. 

Persius 303, ^ 

• - Scholien zu, 284. 
Petavius 76; 199. 
Petrarca 190; 303, 1. 
Philelphus 190. 
Photius. BibUoth. 183. 

Lexic. 178. 
Phrynichus 183. 
Pithoeus, Franciscus 144. 

- , Petrus i26; 233; 273. 
Plato 119; 131. 
Plautus 164. 
Politianus 6; 164. 
Polybius 102; 131; 230. 
PosteUus35; 122. 
Propertius 163 ^ 303, g. 
Pulmann 274. 

Rabelais 107; 238. 

Ranke 2. 

Raphelengius p4. 

Rhodomanus 65; 183. 

Bitsohl 110. 

Biretus 236. 

Recheposay d. A. 38; 56; 129; 296. 

d. j. 23; 173. 
Rom 9} 39; 129; 133. 



Rosweydus 174. 
Ruhnken 118; 289. 
Rutgersius 61; 108; 177. 

SalmasiuB 69; 186. 

Sarpi 63; 79; 201. 

Sealiger. JoHus 31 ; 70; 87; 107; 113; 187. 

Scioppius 23; 85; 141; 212. 

Scribanius 83; 211. 

Seiden 64; 297. 

Seneca 112; 309; 313. 

Sibyllina 203, 

de Sigogne 232. 

Sirmond 76; 198. 

Sophocles' Aias 278. 

Sprichwörter 285. 

Sylburg 66. 

Syncellu#94; 221. 

Syrus, Pablius 286. 

Taubmann 66; 166; 184. 
Tertallianus 315. 
Theocrit 285. 
Theologie 16; 203; 225. 



Thomson 62; 178. 

Tlieophrast 310. 

Thuanus 41; 130; 145; 204; 222; 264. 

Tibull252; 303 h. 

Timon 206. 

Titius 252. 

Trabea 270. 

Tuning 54. 

Tumebus 7; 208; 258; 291. 

Vadianus 188. 

Yalckenaer 203. 

Valence 145. 

VaUaO; 78; 80; 200. 

Varro 269. 

Vassan 233. 

Venedig 39; 134. 

Vertonianos 117; 151 ; 215; 231; 239. 

Vinetus 278. 

VirgU 302, B, e. 

Weber 88; 126; 215. 
Wolf. P. A. 1; 18. 
Wottwern 70; 187; 193; 315 



S. 41 Z. 5 T. u. lies: stoeiufHlzwanzigsten. 
S. 299 g Z. 5 He«: X^XV. 



S. 153 Z. 5 V. u. lies : reHgionis. — 






Druck Ton Chrass, Barth und Comp. (W. Friedrich.) 




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