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Full text of "Journal für Ornithologie"

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JOURNAL $C^ 




für 



ORNITHOLOGIE. 



Deutschen Ornithologischen GesellscWff*'*^ 



GEGRÜNDET VON J. C ABANIS. 



Im Auftrage der 



berausgegeboD 



^ 



Prof. Dr. Ant. Reictienow^, 

Geh. Regierangsrat, Zweiter Direktor am Kgl. Zoologischen Museam in Berlin, 
Oeneralsekretär der Deutschen Ornitholoeischon Gesellschaft. 



Heft 1. 



66. Jahrgang:. 



Januar 1918. 



I^eipzig 191$. 

Verlas von L. A. Kittler. 



London, 



Paris. 



New-York. 

Williama & Norgate, 14 F. Vieweg, rue Richefieu 67. Lemcke & Buechner 

Henrietta Street, Coventgarden. 30—32 West, 27 tri Street. 

Preis des Jahrganges (4 Hefte mit Abbildungen) 20 Rmk. praen. 





JOURNAL * 

für ^ 

ORNITHOLOGIE. 




Sechsuudsechzigster Jahrgang. 



No. 1. Januar. 1918. 

Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt 
der ProTinz Posen. 

Von Professor J. Hamznlingr. 

(Fortsetzung von Jahrg. 1917, S. 397—434.) 

85. Circus aeruginosus L. — Rohrweihe. 

Nach Schulz von Grotrian 1898 bei Samostrzel (Kr. Wirsitz) 
beobachtet. 

Nach einer mündlichen Mitteilung wurden vor ein paar 
Jahren (etwa 1910) einer im Röhricht eines der Tümpel rechts 
der Samica (zum Rittergute Zlotnik gehörig) nistenden Rohrweihe 
die ersten beiden Eier fortgenommen, worauf die Brutvögel ver- 
schwanden und sich in der Folgezeit nicht wieder zeigten. Erst 
1913 wurde wieder 1 Stück etwa um die Mitte des April aus 
demselben Röhricht aufgescheucht, und ich selbst bekam hier am 
26. V. 1913 an der Samica einen Vogel dieser Art zu Gesicht. 

86. Circus cyaneus L. — Kornweihe. 

Grotrian will die Kornweihe mit voriger Art brütend gefunden 
haben, wohl bei Samostrzel; doch fehlen nähere Angaben (Schulz 
a. a. 0., S. 71). 

Helle cT dieser Art habe ich im Herbste in Gegenden mit 
fruchtbarem Ackerboden vor einigen Jahren mehrfach angetroffen, 
so zweimal in den Rübenfeldern bei Zechau (Kr. Gnesen) und 
einmal in einem Kartoffelfelde bei Falkenau (Kr. Gnesen) um 
den Anfang Oktober. 

Wie mir mitgeteilt wurde, zeigte sich diese Art wiederholt 
auf der Feldmark des Rittergutes Zlotnik. 

Kayser sah beim Ausstopfer in Lissa ein am 18. H. 1914 
bei Wollstein (Kr. Bomst) erlegtes Stück. Diese Art ist nach 
demselben Gewährsmann in 1 oder 2 Paaren Brutvogel im Lauber 
Bruch. Am 9. VI. 1915 sab er dort 2 alte cf. Ein jüngeres 

Joum. f. Cm. LXVI. Jahrg. Jann&r 1918. 1 



2 J. Hammlingt 

Stück mit grüngelben Beinen wurde in Lissa ausgestopft. Im 
Mai 1915 erhielt Kayser ein altes bei Priebisch, also unweit des 
Lauber Bruches erlegtes 9. das 4 Eier am Eierstock ausgebildet 
und im Innern 2 Eidechsen und 1 Frosch hatte. Am 1. VI. 1915 
sah Kayser 1 Pärchen über dem Priebischer Bruch und 1 altes 9 
auf einer Wiese am Lauber Bruch (Nachträge). — 2 gestopfte 
Stücke (alte cf ) stehen in der Sammlung von Pietsch in Wielichowo. 

87. Circus macrurus Gm. — Steppenweihe. 

Wie Kretschmer meldet, wurde diese Art von Grotrian 1889 
bei Gnesen beobachtet. — Nach Dr. Hesse (a. a. 0., S. 587) 
befinden sich im Berl. Mus. 2 aus Posen stammende Stücke dieser 
Art: No. 30879. juv. 29. VIII. 1890. Brätz (Posen). Jablonski 
(ohne Geschlechtsbestimmung) und No. 28322. cT juv. 30. VIII. 
1890. Zbysch'wice bei Pawlowo (welches ?), Posen. Molle. — 
Nach Kayser erhielt Lenhard in Lissa am 8. VIIL 1915 ein 9 
im Jugendkleide von Grotnik bei Luschwitz (Kr. Fraustadt) und 
ein 2. Stück im Jugendkleide im September 1915 aus der 
Gegend von Schmiegel. 

88, Circus pygargus L. — Wiesen weihe. 

VonHomeyer bei Schildberg, von Grotrian 1898 bei Samostrzel 
brütend gefunden. — Nach dem 8. Jahresberichte des Kaiser- 
Friedrich-Museums 1910 steht in der zoologischen Sammlung ein ge- 
stopftes Stück dieser Art. Der Vogel war als geflügelt dem 
hiesigen zoologischen Garten aus der Provinz eingesandt worden, 
aber bald eingegangen und dem Museum übergeben worden. 

Eine am 15. VIL 1913 von L. Dobbrick in Treul in West- 
preufsen als junger Vogel im Horste beringte Wiesenweihe wurde 
am 26. VIIL 1913 bei Marko witz (Kr .Strelno) bei der Hühnerjagd, 
als sie auf den Jagdhund stiefs, erlegt (Thienemanu im J. f. 0. 
1915, 3. Heft, S. 482). — 1 Stück im Jugendkleide steht in der 
Sammlung von Pietsch in Wielichowo. 

89. Astur palumharius L. — Hühnerhabicht. 

Im Jahre 1906 hat diese Art bei Posen gebrütet. Auf der 
Eichwaldstrafse unfern des Eichwaldes wurde ein Jungvogel ge- 
funden, der einige Zeit in der Gastwirtschaft im Eichwalde im 
Käfig gehalten und dann dem zoologischen Garten überwiesen wurde. 
Die beiden alten Vögel hatten sich der Beobachtung geschickt 
zu entziehen gewufst (vgl. I). 

Nach Kayser wurde 1914 1 Stück bei Schmiegel erlegt. In 
der Nähe von Lissa ist der Hühnerhabicht nicht selten und 
scheint auch dort zu horsten. — Ein gestopftes Stück steht in 
der Sammlung von Pietsch in Wielichowo; ebendort 1 Stück im 
Jugendkleide. 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt der Provinz Posen. 3 

90. Äccipiter nisus L. — Sperber. 

Der Sperber ist hier nicht selten, im Herbst sogar ziemlich 
häufig. Vgl. I. und II. 

1912: Am 9. VIII. war gegen Abend zweimal 1 9 am Steil- 
ufer der Warthe oberhalb der Wolfsmühle sichtbar. Der Raub- 
vogel schien unter den hier nächtigenden Baumsperlingen schon 
Beute gemacht zu haben; denn die Schwärme näherten sich um 
7* 7 p. unter Beobachtung grofser Vorsicht — sie flogen immer 
ganz niedrig und lautlos von Gebüsch zu Gebüsch — ihren 
Schlafplätzen. Auch am 23. VIII. daselbst 1 Stück sichtbar. — 
Am 29. X. strich 1 Stück, von 3 Nebelkrähen verfolgt, die ab- 
wechselnd aufs heftigste nach ihm stiefsen, über den alten Renn- 
platz hinweg der Eichwaldstrafse zu. 

1913: Am 29. VIII. 1 Stück am Eichwalde. Schwalben 
warnten eifrig mit ziflit, und 1 Stück stiefs nach dem Raubvogel. — 
Am 29. IX. zog 1 Stück über die städtischen Anlagen an der 
Oborniker Chaussee hinweg nach den Kernwerksanlagen, 

Nach Kayser ist der Sperber bei Lissa ziemlich häufig. 

91. Circaeius gallicus Gm, — Schlangenadler. 

Nach dem neuen Naumann (V., S, 177) wurde der Schlangen- 
adler bei Neustadt (Warthe) nachgewiesen. Dieser Angabe liegt 
offenbar eine Beobachtung A. v, Homeyers zugrunde, der am 
17. IX. 1863 diese Art bei Smielow an der Lutyuia feststellte. 
Gleichzeitig wurde ein Exemplar bei Zerkow (Kr, Jarotschin) erlegt. 

Nach Dr. Hesse (a. a. 0., S. 588) befindet sich l Stück im 
Berl. Museum: No, 29874. cT juv. 7. IX. 1892. Bucharzewo bei 
Zirke, Posen, Hermann Meyer, 

92, Buteo bufeo L. — Mäusebussard. 

Am 3. V. 1913 1 Stück rufend am Wluknoer See, auch 
sichtbar; es wurde von einer Nebelkrähe heftig verfolgt. Bald 
darauf rief daselbst ein 2. Stück. — Am 11. V. 1 Stück in der 
Nähe des Weinatales unfern Obornik sich mit Flugspielen er- 
lustigend und rufend. Der Kreise ziehende Vogel zog ab und 
zu die Flügel an und liefs sich einige m fallen, so dals es aus- 
sah, als wolle er tauchen, um dann aufs neue zu kreisen. Über 
Rufe junger Bussarde am Kupker See bei Zirke (vgl. IL). 

Nach dem Posener Tageblatt vom 3, VIII. 1913 (No. 359, 
erste Beilage) wurde dem hiesigen zoologischen Garten von E. Barf- 
knecht (Obornik) ein Stück der weifsen Spielart geschenkt. 

Auch Kayser (a. a, 0,, S. 15) berichtet über ein fast weifses 
Exemplar mit dunklen Primärschwingen, das am 18. VII. 1913 
zwischen Dambitsch und dem Reisener Walde vorkam. Weiter 
bemerkt Kayser, dafs in Lissa öfters Bussarde mit rötlicher 
Färbung zum Ausstopfen eingeliefert werden und beschreibt 



4 J. Hammling: 

einen am 18. IL 1914 bei Bojanowo erlegten rötlichen Vogel. 
Er spricht diese Vögel jedoch für Buseo vulgaris an, da sie den 
Artkennzeichen von Buteo desertorum (Daud.) nicht entsprechen. 
Ein Stück mit viel Weifs im Gefieder steht in der Sammlung von 
Pietsch in Wielichowo. 

93. Archibuteo lagopus Brüun. — Rauhfufsbussard. 

Rauhfufsbussarde durchqueren auf dem Zuge nicht selten 
die Provinz und werden vielfach erlegt (vgl. L). Am 8. IV. 1914 
sah ich unfern Lubasch (Kr. Czarnikau) vom Zuge aus ein niedrig 
über den Boden hinfliegendes Stück. Nach Kayser wird diese 
Art bei Lissa öfters geschossen. — Am 20. III. 1908 wurde in 
Piotrowo bei Kreising (Kr. Posen Ost) in einem mit einem Rep- 
huhn beköderten Eisen 1 Stück gefangen, das am 19. XI. 1907 
in Rossitten beringt und aufgelassen worden war (J. f. 0. 1908, 
Heft 3, S. 466). Der Zug der von Norden her über die Kurische 
Nehrung im Spätherbst einwandernden Rauhfufsbussarde geht 
nach Thienemann regellos von statten und richtet sich ganz nach 
den Nahrungsquellen (J. f. 0. 1912, Heft 2, S. 160). 

94. Aquila chrysaetus L. — Steinadler. 

Von A. V. Homeyer (bei Smielow) und Kretschmer beob- 
achtet. In den Zeitungen wird die Erlegung dieser Art oft ge- 
meldet (vgl. IL). Eine Nachprüfung ist meist unmöglich, und so 
mag denn auch wohl manchmal eine Verwechslung mit unter- 
laufen. Soviel ist jedenfalls sicher, dafs Steinadler, wohl meist 
junge Stücke, besonders zur Herbstzeit nicht selten unsre Provinz 
auf ihren Streifereien berühren. Es seien noch ein paar Fälle 
aufgeführt: 

Nach einer Meldung der Ostdeutschen Warte vom 23. X. 1911 
(No. 268) aus Retschke (Kr. Lissa) erlegte der herrschaftliche 
Förster Hoffmann 1 Stück, dessen Flügelspannung 2,26 m betrug, 
und nach einer Melduug derselben Zeitung (No. 265) aus Frau- 
stadt Förster Fikusch 1 Stück von 1,90 m Flügelspannung und 
0,90 m Körperlänge und zwar in der zum Rittergute Geyersdorf 
gehörenden Fasanerie. 

Nach den Posener Neuesten Nachrichten vom 26. XL 1912 
schofs der Rittergutsbesitzer M. Blau in Strenze (Kr. Kempen) 
einen Steinadler mit einer Flügelspannung von 2,25 m. Das 
Stück wurde vom zoologischen Präparator Kapp in Posen gestopft. 

Nach dem Posener Tageblatt vom 24. V. 1914 (No. 239) 
stand ein im Ausstelluugshezirk geschossener Steinadler auf der 
Jagdausstellung in Birnbaum (Sonderausstellung auf der Land- 
wirtsch. Ausstellung in Birnbaum). Ein von Pietsch am 28. XL 
1907 in der Forst Wielichowo erlegtes Stück steht in der Sammlung 
von Pietsch. 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt der Provinz Posen. 5 

95. Aquilä pomarina Brehm. — Schreiadler. 

Den Schreiadler beherbergt nach Detmers (a. a. 0., S. 135) 
unsre Provinz nur noch sehr selten. Die Rundfrage vom Jahre 1911 
ergab keinen Brutplatz, während 1907 noch 2 Brutstellen ge- 
meldet wurden. Auf dem Zuge wird er wohl noch ab und zu 
erlegt, wobei es dahingestellt bleiben mufs, ob die Bestimmung 
richtig war. So meldeten die Posener Neuesten Nachrichten vom 
21. VIII. 1912 (No. 4026) aus Rawitsch die Erlegung eines 
Stückes im Revier Follusch durch den Hilfsförster Raue (Flügel- 
spannung 1,46 m). 

Unter der Bezeichnung: Falco naevius fem. Schreiadler, 
Fasanerie, Koch (ohne Jahr) steht 1 Stück in der Radziwillschen 
Sammlung. 

96. Pernis apivorus L. — Wespenbussard. 

A. v. Homeyer beobachtete diese Art am 12. VIII. 1863 bei 
Olobok (Kr. Ostrowo) und bei Schildberg und nannte sie häufig; 
im Herbst 1888 beobachtete Kretschmer den Wespenbussard bei 
Braciszewo (Kr. Gnesen) und bezeichnete ihn als* sehr selten. 
Eine Brutstelle wurde 1907 gemeldet (vgl. Schulz a. a. 0., S. 72). 

Von dieser Art befinden sich mehrere gestopfte Stücke in 
der Radziwillschen Sammlung; dadurch wird Homeyers Angabe 
über die frühere Häufigkeit dieser Art im südlichen Teile der 
Provinz bestätigt. Die Stücke tragen folgende Bezeichnungen: 

a) Wespenbussard fem. sen. Fasanerie, 1829, Köhler; b) und 
c) 2 cf, Fasanerie, 1830, eins ohne Jahr, Köhler; d) 1 cT, Falco 
apivorus L., Fasanerie, 1836, Koch; e) 2 junge cf, Fasanerie, 
1837, Koch und Köhler; f) 1 Falco apivorus L. masc, Fasanerie, 
1837, Koch. 

Nach Kayser (a. a. 0., S. 15) wurde 1 im Mai 1913 bei 
Priebisch (Kr. Lissa) erlegtes Stück in Lissa gestopft. 

97. Milvus milvus L. — Gabelweihe. 

Die Gabelweihe wird im neuen Naumann (V, S. 135) als 
Brutvogel der Provinz Posen aufgeführt. Nähere Angaben werden 
nicht gemacht. Offenbar war für den Bearbeiter eine Bemerkung 
Brehms und der Berichte der Beobachtungsstationen bestimmend, 
nach der dieser Vogel auch in Posen an geeigneten Stellen überall 
horstet. — Grotrian beobachtete die Gabelweihe bei Samostrzel. 

In der Radziwillschen Sammlung steht ein gestopftes Stück: 
altes cf, Fasanerie, 1831. 

Kayser sah beim Ausstopfer in Lissa ein im April 1913 
bei Schmiegel erlegtes Stück. 1 Stück steht in der Sammlung 
von Pietsch in Wielichowo. 

98. Ealiaetus alhiciUa L. — Seeadler. 
Mehrere Stücke wurden von A. v. Homeyer 1861 und 1863 
gemeldet. 



6 J. Hammling: 

In den Tagesblättern wird über erlegte Seeadler öfters be- 
richtet, doch ist wohl die Bestimmung nicht immer einwandfrei. 
Ein im Winter 1910 bei Marienberg (Kr. Posen West) erlegtes 
Stück steht im Kaiser-Friedrich-Museum (vgl. IL). 

Am 31. V. 1913 sah ich 2 gestopfte Stücke auf der Posener 
Jagdausstellung im Bazarsaale; der eine Seeadler war von 
V. Paliszewski in Hutka (Kr. Czarnikau) ausgestellt. 

2 im Aussteliungsbezirke erlegte Stücke standen nach dem 
Posener Tageblatt vom 24. V. 1914 (No. 239) auf der Jagdaus- 
stellung in Birnbaum. Ein in Elsenhain bei Wielichowo auf 
einer Gans erschlagenes Stück steht in der Sammlung von Pietsch. 

99. Pandion haliaetus L. — Fischadler. 

Diese Art ist von Homeyer und Kretschmer beobachtet 
worden. Sie ist anscheinend noch ständiger Brutvogel der Pro- 
vinz. Nach Schulz (a. a. 0., S. 72) wurden 1907 3 Horste aus 
dem Regierungsbezirk Posen gemeldet. 

Nach Krohn „Der Fischreiher und seine Verbreitung in 
Deutschland", 1903, horstete 1 Paar zusammen mit Wanderfalken 
in einer Reiherkolonie der Oberförsterei Zirke. Der Vogel ist 
an gröfsere Wasserflächen und umfangreichere Wälder gebunden. 
Beide Bedingungen sind daselbst reichlich vorhanden. Detmers 
(a. a. 0., S. 143) wurde auf Grund der Umfrage vom Jahre 1911 
je eine Brutstelle aus den Kreisen Adelnau und Samter gemeldet. 

Dittrich sah 1 auf dem Goplosee im Frühjahr 1910 ge- 
schossenes Stück (vgl. IL). 

Kayser (a. a. 0., S. 15) beobachtete am 16. VI. 1914 ein Stück 
am Tharlanger Bruch und ein 2. am 20. VI. 1914 am Domniker 
See. Der Vogel bei Tharlang war schon längere Zeit dort beob- 
achtet und von Unkundigen für einen Seeadler gehalten worden. 

Ein Stück, das mit der Bezeichnung juv. mas. in der Rad- 
ziwillschen Sammlung steht, stammt aus Antonin. 

100. Falco rusticolus L. — Norwegischer Jagdfalk. 
Am 5. L 1911 sah Thienemann (J. f. 0. 1911, 4. Heft, S. 647) 
beim Präparator Kuck in Cranz einen nordischen Jagdfalken, 
der vom Forstmeister Heym in Mirau (Kr. Strelno) am 17. XL 
1910 erlegt und zum Ausstopfen eingeschickt worden war. Der 
Vogel wurde von Kleinschmidt bestimmt (vgl. Falco, VII. Jahrgang, 
No. 1, 1911, S. 18). 

101. Falco cherrug Gr. — Würgfalk. 
Dieser „sehr seltene Gast im östlichen Deutschland" (Rei- 
chenow) wurde nach Kayser (a. a. 0., S. 23) in der ersten Hälfte 
des Oktober 1914 aus Görka duchowna, Kr. Schmiegel, zum Aus- 
stopfen eingeliefert. Das gestopfte Stück, „ein jüngerer, noch 
blaufüfsiger Vogel", befindet sich in der Sammlung Kaysers. Vgl. 
auch die Notiz Kaysers in den 0. Mb. 1915, Heft 3, S. 43. 



Neuer Beitrag »ur Kenotnifl der Vogelwelt der ProTinz Posen. 7 

102. Falco peregrinus Tunst. — Wanderfalk. 
Der Wanderfalk ist nicht allzu seltener Brutvogel der Pro- 
vinz. Nach Krohn (Der Fischreiher und seine Verbreitung in 
Deutschland, 1901) brüteten Wanderfalken in einer Reiherkolonie 
der Oberförsterei Zirke. Die Deutsche Jägerzeitung 27. XL 1910 
meldete einen Horstplatz bei Wongrowitz, Detmers (a. a. 0., 
S. 147) zählt folgende Kreise auf, in denen brütende Wanderfalken 
gemeldet wurden: Hohensalza (mehrfach in einigen Revieren), 
Strelno, Znin, Bomst, Fraustadt, Obornik (in 2 Revieren), Schmiegel 
(in einem Revier 1911 2 Junge erbrütet), Schrimm, Schwerin (in 
2 Revieren). Detmers hält es für wahrscheinlich, dafs manche 
Brutplätze zurzeit (1912) nicht mehr besetzt sind, und erklärt 
es für möglich, „dafs auch in manchen Fällen ein anderer Raub- 
vogel für einen Wanderfalken angesehen und als solcher auf- 
geführt wurde". Im Dezember 1907 wurde 1 Stück in Kartschin 
(Kr. Hohensalza) nach Dittrich geschossen (IL). Ein gestopftes 
Stück steht in der Sammlung von Pietsch in Wielichowo. 

103. Falco subbufeo L. — Baumfalk. 

Der Baumfalk ist in der Umgebung Posens nicht selten. 
Am 2. VIIL 1913 sah ich ein jagendes Stück; am 14. VIIL wieder 
1 Stück am Eingänge zum Kobylepoler Grunde. Schwalben 
wichen eiligst aus. Vor mehreren Jahren schofs ich 1 junges 
Stück auf der Feldmark von Czerwonak (Kr. Posen Ost), das in 
einem kleinen Feldgehölze erbrütet worden war; andere Stücke 
wurden dort mehrfach gesehen. 

Auch bei Lissa ist diese Art nicht selten, horstet dort auch 
in den Wäldern nach Guhrau zu (Kayser). 

Welche Wirkung das Erscheinen dieses kleinen Räubers 
auf Lerchen ausüben kann, zeigt folgender Vorfall, der mir aus 
meiner Jugend noch in lebhafter Erinnerung geblieben ist: Als 
ich unfern eines Feldgehölzes an einem Kartoffelacker stand, 
erschien plötzlich von dem Wäldchen her ein jagendes Baum- 
falkenpaar. Da kam eine Lerche auf mich zugeflogen und warf 
sich einige Schritte von mir in die Kartoffeln. Ich eilte hinzu 
und konnte den Vogel aufheben, dessen Herzchen zum Zerspringen 
klopfte. Nach dem Verschwinden der Falken liefs sich die Lerche 
fliegen, und sie zog, freudig mir ihren Dank zurufend, wie es 
mir vorkam, von dannen. 

104. Falco aesalon Tunst. — Merlinfalk. 

Von Kretschmer bei Gnesen, nach der Deutschen Jäger- 
zeitung X bei Schildberg beobachtet. Über frühere Beobach- 
tungen dieses kleinen Falken bei Posen und bei Hohensalza 
(vgl. L und IL). 

2 gestopfte Stücke befinden sich in der Radziwillschen 
Sammlung: a) Falco Äesalon L. Steinfalk, Fasanerie 1837, Koch; 



8 J. Hammling: 

b) Falco Aesalon L. Stelnfalk, Fasanerie, 1838, von Sr. Durch- 
laucht erlegt. Ein Stück steht in der Sammlung von Pietsch in 
Wielichowo. 

105. Cerchneis vespertina L. — Rotfufsfalk. 

Ein Stück, altes cf, befindet sich im hiesigen Kaiser-Friedrich- 
Museum. Es war im Juni oder Juli 1911 in Zerkwitz (Kr. Jarot- 
schin) vom Lehrer Kroll lebend gefangen worden. 

Nach Kayser (a. a. 0., S. 22) erhielt Lenhard in Lissa am 
20. VIIL 1913 1 Stück im Jugendkleide aus Pleschen zum Aus- 
stopfen. 

106. Cerchneis tinnuneulus L. — Turmfalk. 

In der Umgegend von Posen, sowie bei Lissa (Kayser) der 
häufigste Tagraubvogel. Er erscheint in der Regel im März, 
wird jedoch auch manchmal im Winter beobachtet. So sah ich 
am 11. IL 1913 1 Stück über den Warthewiesen diesseit des 
alten Rennplatzes (vgl. auch L). 

107. Buho buho L. — Uhu. 

Der Uhu soll noch im nördlichen Teile der Provinz brüten 
1907 soll ein Brutpaar zum ersten Male im Bromberger Bezirk 
beobachtet worden sein (Schulz a. a. 0., S. 72). Auf dasselbe 
Paar scheint sich nach Detmers (a. a. 0., S. 151) die Angabe 
eines Forstmeisters im Kreise Hohensalza zu beziehen, nach der 
der Uhu dort 1911 gebrütet habe und nach Möglichkeit Schonung 
geniefse. Die Meldung zweier Berichterstatter von 2 oder 
3 Horsten in genanntem Kreise wird von Detmers angezweifelt. 

Ab und zu kommen Stücke dieser Art in der Provinz zur 
Erlegung: Wie Schulz nach der Deutschen Jägerzeitung VIII, 
S. 386 meldet, wurde am 25. XII. 1886 1 cT bei Kruszewo (Kr. 
Czarnikau) gefangen; in der hiesigen Vogelhandlung von Seiler 
stand einige Zeit hindurch ein gestopfter Uhu, der am 6. oder 
7. IIL 1912 vom Förster Eifler, Forsthaus Dembno bei Stenschewo 
(Kr. Posen West) erlegt worden war; am 31. V. 1913 sah ich 
1 gestopftes Stück auf der Jagdausstellung im Bazarsaale. 

108. Äsio otus L. — Waldohreule. 

Die Waldohreule brütet regelmäfsig im Eichwalde (vgl. I. 
und IL). Am 18. VL 1913 liefsen um 8 V^ Uhr 2 junge Stücke 
in den hohen Kiefern der Nordseite des Eichwaldes ihre bettelnden 
Rufe hören. Am 10. V. 1914 wurden vom Oberlehrer Bloedorn 
in der Nähe des Ansiedlerdorfes Kardorf (Kr. Posen Ost) 1 altes 
Stück und 2 Junge gesehen. Das Nest stand auf einer Kiefer. 

Nach Kayser bei Lissa ziemlich häufig; brütete 1914 am 
NapoleoDsstein. 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt der Provinz Posen. 9 

109. Äsio flammeus Pont. — Sumpfohreule. 

Am 12. IX. 1863 von A. v. Homeyer bei Komorze (Kr. 
Jarotschin) beobachtet. Am 13. V. 1910 von mir 1 Stück in der 
Nähe des Wartheknies bei Posen angetroffen. Kayser sah bei 
Lenhard in Lissa 2 Ende September 1913 bei Wollstein erlegte 
Stücke; bei demselben wurde 1 anfangs Oktober 1913 aus Prie- 
bisch eingeliefertes Stück gestopft. August 1915 wurde nach 
Kayser 1 Stück bei Grüne (Kr. Lissa) erlegt. 

110. Syrnium dluco L. — Waldkauz. 

1912: Im Eichwalde, wo er Brutvogel ist (vgl. IL), mehr- 
mals angetroffen, so am 21. IV. und 6. V. Einen seltsamen Ruhe- 
platz hatte 1 Stück der grauen Form erwählt, das ich am 23, XIL 
antraf. Der Vogel safs kaum 2 m hoch im trocknen Laube 
einer jungen Eiche, die unmittelbar am Wege dicht am Giebel 
einer Holzscheune in der Nähe der Loncz-Mühle steht. Ich hielt 
den Vogel zuerst für einen Tuchfetzen. Als ich das Bäumchen 
berührte, fuhr der erschreckte Kauz aus dem raschelnden Laube 
heraus und wäre, durch den Scheunengiebel am Abfliegen ge- 
hindert, beinahe zu Boden gepurzelt. 

1913: Am 17. V. flog 1 Stück in der Nähe des Sees von 
Kowalskie aus niedrigen Kiefern ab und strich den jenseit der 
Gluwna unmittelbar am See stehenden Erlen zu. Der Kauz mochte 
hier wohl von den auffällig zahlreichen wilden Kaninchen leben. 

Am 18. V. liefs um Vi ^ P- 1 Stück einige Male in der 
Nähe des Schillingstores in gedämpftem Tone seinen Paarungsruf 
hören. 

1914: Am 15. IV. sah ich gegen 7 Uhr abends in den An- 
lagen vor dem Schillingstore 1 Stück, auf das mich die Warnrufe 
einer Amsel aufmerksam machten. Nach Kayser bei Lissa ziemlich 
häufiger Brutvogel. 

111. INyctea nyctea L. -— Schneeeule. 

Am 31. V. 1913 sah ich ein sehr schönes gestopftes Exem- 
plar auf der Posener Jagdausstellung im Bazarsaale, ausgestellt 
vom Rittergutsbesitzer v. Janta-Potczyiiski in Redgoszcz (Kr. 
Wongrowitz). Die Eule war am 24. III. 1910 in Redgoszcz im 
Fangeisen gefangen worden. 

110. Surnia ulula L. — Sperbereule. 

Ein Stück dieser Art, am 12. XL 1905 vom Förster in 
ünterberg, Forstbezirk Seeberg, erlegt, steht in der Sammlung 
der hiesigen Berger - Oberrealschule (vgl. 1.), 1 Stück in der 
Sammlung von Pietsch in Wielichowo. 



10 J. Hammling: 

113. Aegolius funereus L. — Rauhfufskauz. 
1 gestopftes Stück befindet sich in der Radziwillschen Samm- 
lung: fem., Antonin, 1837. Der Erleger ist nicht genannt. 

114. Athene noctua Scop. — Steinkauz. 
Am 28. und 29. IX. 1915 rief 1 Stück mehrmals abends 
auf dem Petrikirchhofe. 

Nach Kayser bei Lissa häufig, auch auf den Promenaden. 

115. Strix alba guttata Brehm. — Schleiereule. 
Am 3. III. 1912 sah ich im Gastzimmer im Schlofspark 
Ostend ein gestopftes Stück, das im November 1911 abends am 
Hause vom Besitzer erlegt worden war. 

116. Cuculus canorus L. — Kuckuck. 

Ankunft: Am 27. IV. 1912 zwischen Ostend-Park und dem 
Kobylepoler Grunde gehört -und etwas später 2 Stück gesehen 
(seit 2 Tagen wehen Westwinde); am 26. IV. 1913 rufend im 
Bogdankatale in der Höhe des Bahnhofs Elsenmühle (recht warm 
bei S.); am 26. IV. 1914 rufend zwischen Radojewo und Warthe- 
lager. 

Am 7, VIII. 1913 1 Stück am Eichwalde sichtbar. Kayser 
sah noch 1 Stück am 14. IX. 1912. 

117. lynx torquilla L. — Wendehals. 

Ankunft: Am 26. IV. 1912 sichtbar und rufend; am 18. IV. 
1913 ein Stück gegen 10 Uhr morgens im Schillerpark sichtbar; 
am 19. IV. 1914 mehrmals rufend auf den Wegakazien jenseit 
Kobylepole; am 25. IV. 1915 rufend auf einem Kirchhofe am 
Markgrafen ring. 

Letzte Paarungsrufe: Am 26. VI. 1912 in der Nähe des 
Schillingstores; am 20. VI. 1913 auf dem Petrikirchhofe. 

Das Schwirren ausgeflogener junger Stücke wurde gehört: 
Am 8. VIII. 1912 um 5 Vi P- auf einem Kirchhofe am Livonius- 
platz und am 9. VIII. an der Wartheseite des Kernwerks (Spät- 
brut); am 28. VI. 1913 an der Wartheseite des Kernwerks; 
ebendort am 28. VI. 1914. 

118. Dryocopus martius L. — Schwarzspecht. 
Auf seinen Herbststreifereien besuchte 1912 der Schwarz- 
specht auch unsern Eichwald. Der stattliche Vogel schien sich 
in dieser Winterfrische recht wohl zu fühlen; denn er verweilte 
daselbst nicht nur im Herbste, sondern bis tief in den Winter 
hinein und zwar zeitweilig in 3 Exemplaren. Den ersten Vogel 
traf ich hier am 19. XI. 1912 um 2 Vt P- Er machte sich südlich 
des Bahndammes durch sein energisches Klopfen an einer dicken 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt der Provinz Posen. 11 

Eiche bemerkbar. Bei meiner AnnäheruDg flog der Vogel ohne 
Laut ab. Als er jedoch etwa 100 m entfernt war, liefs er zuerst 
im Sitzen, dann unschlüssig zwsichen den hohen Eichen hin und 

her ziehend ein lebhaftes Kyrr hören. Um 37* P- 

traf ich einen zweiten Vogel in der Lichtung an der Nordseite 
des Eichwaldes. Dieser begrüfste mich sogleich mit Kyrr-Rufen, 
ging dann aber bald zu durchdringenden Rufen über, die wie 
ein gedehntes Klih oder Klüh klangen. Diesem Klih wurde oft 
ein fast tonloses, abfallendes äh angehäugt, also Klihäh. Anders 
klang der Ruf am 29. Der Vogel schlug^ heute das Klih nur 
kurz an und liefs demselben ein gedehntes Äh oder öh nachfolgen. 
Am l. I. 1913 machten sich 2 Schwarzspechte unfern von ein- 
ander an den starken Eichen südlich des Bahndammes zu schaffen, 
1 Stück mehrmals rufend. Ihm antwortete weiter südöstlich ein 
drittes Stück. Sie wurden auch am 24. L wahrgenommen. Am 
11. IL hörte ich nur noch Klüh-Rufe von 1 Stück. Auch dieses 
war nach einigen Tagen verschwunden. Eine Eiche südlich des 
Bahndammes zeigt auch heute noch ein Schlafloch mit dem 
charakteristischen Eingang; es ist etwa 8 m hoch. 

Interessant ist, dafs sich das Klüh des Schwarzspechts eine 
hier überwinternde Amsel zu eigen gemacht hatte. Die Amsel 
schlofs ab und zu eine Strophe ihres Märzliedes mit einem lauten 
Klüh, das in der Tonfärbung so spechtähnlich war, dafs ich mich 
zuerst wiederholt nach dem vermeintlichen Schwarzspechte um- 
schaute, bis ich endlich mit Sicherheit die Urheberin des Specht- 
rufes feststellte. In späterer Zeit schien die Amsel dieses über- 
nommene Motiv wieder vergessen zu haben. 

Am 21. VI. 1913 hörte ich im Walde jenseit Kobylepole 
kyrr-Rufe des Schwarzspechts, ebenso am 1. VI. 1914 im Walde 
bei Neudorf- Manche (Kr. Bomst). 

Nach Kayser ist der Schwarzspecht regelmäfsiger Bewohner 
des Kankeler Waldes bei Lissa. 

119. Bendrocopus leucotos Bechst. — Elsterspecht. 
Nach Dr. Hesse (a. a. 0., S. 598) befinden sich 2 Stücke 
dieser Art aus Posen im Berliner Museum: No. 28236. d*. 17. III. 
1890. Posen. Linnaea. (genauerer Fundort fehlt) und No. 28326. 
9. 3. XL 1890. Sophienau bei Sulmierzyce, Posen. Linnaea. 

120. Bendrocopus medius L. — Mittelspecht. 
Am 27. 1. 1864 wurde von A. v. Homeyer 1 Stück bei Grab 
an der Prosna (Kr. Jarotschin) erlegt. 

121. Ticus viridis L. — Grünspecht. 
Regelmäfsiger, nicht seltener Brutvogel in der Umgebung 
von Posen (vgl. L). 

Nach Kayser bei Lissa ziemlich selten. 



12 J. Hammling: 

122. Ficus canus viridicanus Meyer und Wolf. — Grauspecht. 
Von Schulz einmal bei Boguniewo im Buchwalde (Kr. Obornik) 
gesichtet. Ich habe vor Jahren einmal im Eichwalde bei Wongro- 
witz 1 Stück beim Trommeln beobachtet. Der Vogel war so 
eifrig bei der Arbeit, dafs ich ihn nahe angehen konnte. 

123. Älcedo ispida L, — Eisvogel. 
1912: Am 11. I. 1 Stück an der Warthe oberhalb des 
Schillings; es setzte sich einen Augenblick auf einen der fest- 
liegenden Kähne. Am 19. X. um 3 V2 P- 1 Stück an der Cybina 
unfern ihrer Einmündung in die Warthe. Auch später wurde 
hier öfters 1 Stück, wohl immer dasselbe, angetroffen. 

1913: Am 17. I. flog um 7^3 p. 1 Stück oberhalb des 
Schillings von der Bordwand eines Kahnes der Strombauverwaltung 
ab und wandte sich der Cybina zu (leichter Frost, in den vor- 
hergehenden Tagen bis IP Kälte bei 0.; die Warthe an den 
Rändern mit Eis bedeckt). Am 24. II. zwischen Vi und 7* 4 Uhr p. 
1 Stück an der Cybina. Es liefs sich fast bis zur Einmündung 
in die Warthe treiben. Vermutlich dasselbe Stück wie vorher. — 
Am 19. III. traf ich an der unteren Cybina ein Pärchen, das 
eifrig rufend flufsabwärts zog. Manchmal klangen die Rufe, sehr 
rasch ausgestofsen, wie trillernd: tirrr oder trni (vgl. darüber 
auch IL). Dafs es sich um ein Brutpärchen gehandelt hat, unter- 
liegt keinem Zweifel. Vor mehreren Jahren traf ich hier Alte 
mit erwachsenen Jungen (vgl. I.). Die Brutröhre wurde bisher 
nicht gefunden. 

Am 1. IX. 2 Stücke an der mit dichtem Weidengestrüpp 
bedeckten Buhne gegenüber dem Bootshause des Marien-Gym- 
nasiums. Am 22. XI. 1 Stück im Eichwalde an der südlichen 
Randlache. — Der Eisvogel ist demnach bei Posen ziemlich häufig, 
auch Brutvogel. Am 13. VII. 1911 sah ich 2 Stücke am Kupker 
See bei Zirke (vgl. II.). Nach Kayser bei Lissa mehrfach erlegt, 
so im Priebischer Bruch. 

124. Merops apiaster L. — Bienenfresser. 
Nach dem neuen Naumann (IV, S. 337) wurden am 20. V. 
1859 (im Texte steht 95) ein Paar Bieuenfresser in Wittowo bei 
Neustadt an der Warthe von Schwaitzer erlegt (J. f. 0. 1864, 
S. 72 und Borggreve a. a. 0., S. 69). 

125. Coracias garrulus L. — Blaurake. 
Am 8. V. 1913 traf ich um Vi 5 p. 1 Stück am Waldrande 
bei Kobelnitz (Kr. Posen Ost) und am 7. VII. 1914 bei dem 
Dorfe Dembnitza (Kr. Adelnau) eine Familie von mindestens 
4 Stücken. Die Vögel hatten offenbar in den nahen hohen Kiefern 
gebrütet. 



Neuer Beitrag znr Kenntnis der Vogelwelt der Provinz Posen. 13 

Nach den früheren Berichten wurden Vögel dieser Art aufser 
bei Posen beobachtet bei: Czerwonak (Kr. Posen Ost), Jankendorf 
(Kr. Koimar), Schoenlanke (Kr. Czarnikau), Kobylepole (Kr. Posen 
Ost), Zirke (Kr. Birnbaum), Neustadt a. d. Warthe (Kr. Jarotschin), 
Czeszewo (Kr. Wreschen), Friedeuhorst(Kr. Meseritz), Eichenhorst 
(Kr. Neutoraischel) und Neuwelt (Kr. Lissa) (nach Kayser); am 
19. V. 1915 sah Kayser 2 Stücke im Kankeler Walde. 

126. Upupa epops L. — Wiedehopf. 

1912; Am 21. IV. flog ein Stück über den Kirchhof vor 
dem Warschauer Tor hinweg den militärischen Schiefsständen zu; 
am 24. IV. 1 Stück rufend um 5^° an der Loncz-Mühle. 

1913: Am 28. IV. 1 Stück am kleinen Ketscher See; am 
8. V. an 2 Stellen bei Kobelnitz je ein Stück; am 11. V. mehrere 
Stücke rufend im Welnatale bei Obornik. Auch bei Posen an 
den alten Brutstellen: 2 cf rufend im Eichwalde (19. V.), 1 cT 
auf den Schiefsständen vor dem Warschauer Tor. Am 3. VII. 
1 Stück unfern des Powidzer Sees. 

1914: Am 23. IV. auf den Wiesen bei Johannistal 1 Stück. 
Am 6. V. ein Paar unfern der Wolfsmühle, jräp im Fluge rufend ; 
denselben Ruf liefsen am 7. V. 2 Stücke im Eichwalde hören. 

Letzte Rufe am 13. VI. 1912 im Eichwalde und am 18. VI. 
1913 in der Höhe des Viktoriaparks. Bei Lissa spärlich vor- 
kommend. Kayser sah ihn im Priebischer Bruch und unweit des 
Napoleonssteins. 

127. Caprimulgus europaeus L. — Ziegenmelker. 

Im September 1914 wurde auf der Feldmark von Kreising 
(Kr. Posen Ost) an einem Erlenwäldchen 1 Stück vom Oberlehrer 
Dr. Ardelt erlegt, das sich offenbar auf dem Zuge befand. 

Bei Posen habe ich diese Art nur einmal auf dem Früh- 
jahrszuge gesehen und zwar am 30. IV, 1909 (I.). Bei Bromberg 
wurde sie früher häufig von mir beobachtet, auch bei Koimar 
und in andern Gegenden (vgl. I.). Von Kayser einmal in Lissa 
über die Promenade fliegend gesehen. 

128. Cypselus apus L. — Mauersegler. 

1912: Am 7. V. um y^7 a,. hörte ich die ersten Mauersegler 
über der Gartenstrafse, zugleich waren sie überall in der Stadt 
sichtbar. Sie waren durch die kalte, windige Witterung (vielfach 
Nachtfröste) zurückgehalten worden; erst den Tag vorher trat 
etwas wärmeres Wetter bei 0. ein, der aber gegen Abend abflaute. 

Am 1. VIII. waren die Segler noch anwesend, doch schien 
jenseit des Schlofsparks Ostend schon ein Flug in westlicher 
Richtung abzuziehen. Am 2. VIII. noch in der Stadt zu hören; 



14 J. Hammling: 

um 7 Uhr p. in der Nähe der Endstation der Strafsenbahn in 
Wilda hoch in der Luft ein Schwärm von 20 Stücken, laut 
schreiend und gedrängt fliegend, offenbar zum Abzüge gerüstet. 
Die Zahl der Vögel nahm nun in der Stadt sichtlich ab; am 
3. und 4. nur wenige Vögel sichtbar. Am Nachmittage des 4. 
war aber Zuzug eingetroffen. Um ^|^ 8 p. über der Umschlagstelle 
ein Schwärm von 20—30 Stücken, bald zerstreut hin und her 
jagend, bald sich unter Geschrei zusammenscharend. Am 5. VIII. 
hier und da noch über der Stadt zu sehen; gegen V28 P- sucht 

I Stück seinen Schlafplatz unter dem Dache eines Hauses der 
Petristrafse auf. Die meisten sind fort. Infolge des Regens ist 
Abkühlung eingetreten. Am 6, VIII. um 7*8 p. über dem Kernwei'k 
rufend. Es sind sicher durchreisende Fremdlinge. Am 7. VIII. um 

I I Uhr a. 1 Stück über der Gartenstrafse sichtbar. Auch am 10. VIII. 
noch Durchzügler zu sehen und zwar um 7 7* P- ein Schwärm von 
10—12 Stücken unter Stadtschwalben, in der Nähe des Schlofs- 
parks Ostend dem Insektenfang obliegend. Abends 7'^ anscheinend 
dieselben Vögel in der Nähe der Johanniskirche, langsam in west- 
licher Richtung abrückend. Auch am 11. VIII. ein ziemlich 
starker Schwärm hoch über dem Petrikirchhofe rufend und sicht- 
bar, scheinbar von Osten sich langsam gen Westen schiebend. 
Da seit einigen Tagen lebhafter Westwind weht, geht der Zug 
nur langsam vonstatten. Abends um 7* 8 ^^^ch Segler zu hören. 
Der Westwind frischte immer mehr auf; daher in den folgenden 
Tagen immer noch Vögel dieser Art zu sehen: Am 12. VIII, um 
72 7 p. 1 Stück an der Insel, um 7 ^^ p. mehrere Stücke über 
dem Keruwerk; gegen 738 Uhr über der Umschlagstelle 10 bis 
12 Stücke; am 13. VIII. gegen 7« 8 p. über dem Bernhai'diner- 
platze; am 14. VIII. um 7*7 p. mehrere Stücke (mindestens 5) 
über der alten Warthe unter Stadt- und Dorfschwalben. Nach- 
zügler wurden auch später noch angetroffen: Am 24. VIII. um 
7, 7 p. 1 Stück unter Schwalben über der alten Warthe ; am 
30. VIII. um 7* 6 p. 1 Stück unter Stadtschwalben über dem 
Eichwalde; endlich am 8. IX. um 7i ö p. 1 Stück über dem 
Kobylepoler Grunde unter Stadtschwalben (kühles, böiges Wetter 
bei SW.). 

1913: Am 2. V. einige über der Stadt, bei SO. angekommen. 
Infolge eines Witterungsumschlages verschwanden die Vögel 
wieder. Am 7. V. einige um 7 Uhr p. über der Umschlagstelle 
trotz des kalten NO. 

Am 30. V, badete gegen 7* H a. 1 Stück im Schillerteiche, 
indem es nach Art der Rauchschwalben in scharfem Fluge mit 
der Unterseite des Körpers die Wasserfläche berührte. 

Der Abzug der Segler wurde auch in diesem Jahre durch 
die stetig wehenden frischen Westwinde arg verzögert. Ob es 
sich hierbei stets um einheimische oder immer wieder zugewanderte 
Vögel handelte, liefs sich nicht entscheiden. Während am 2. VIII. 
um 7» 8 Uhr p. ein Schwärm von etwa 25 Stücken hoch über dem 



Neuer Beitrag zur Kenutnis der Vogelwelt der Provinz Posen. 15 

Bahnhof Gerberdamm meist dichtgeschart und unter lautem Ge- 
schrei hin und her jagte und also offensichtlich zum Abzüge 
bereit war, trieben sich andere zerstreut über der Stadt umher, 
ja manche jagten noch familienweise in den Strafsen umher. Am 
4. VIII, und 5. VIII. gegen Abend über der Fronleichnamskirche 
und über dem Wilhelmsplatze ansehnliche Schwärme und auch 
in den folgenden Tagen über dem Petriplatze, dem alten Markte, 
der Halbdorfstrafse und dem Petrikirchhofe noch zahlreiche Vögel, 
ohne am 11. VIII. von einem über sie hinwegratternden Flieger 
Notiz zu nehmen. Ihre Zahl nahm in den folgenden Tagen zwar 
merklich ab, doch schwärmten am 17. VIII. abends um 7 Uhr 
wieder 15—20 Stücke über dem Petriplatze. Um 7i 8 zerstreuten 
sich die Vögel, um ihre Schlafplätze aufzusuchen; 5 Minuten vor 
7a 8 waren alle verschwunden. Auch am 19. VIII. und später 
immer noch einige, am 22. VIII. sogar reichlich über dem Petri- 
platz. Sie flogen bis V^ 8 Uhr. Nun trat endlich Südostwind 
ein, und die Vögel waren mit einmal fort. Am 23. VIII. zog um 
10*<> a. noch ein Paar niedrig über den Vorgarten des Marien- 
Gymnasiums unter lebhaften Rufen hinweg. Es waren die letzten. 

1914: Am 3. V. vor dem ehemaligen Eichwaldtore 1 Stück 
sichtbar (sonnig bei kühlem SW., nachts sehr kühl). Am 4. V. 
häufig über der Stadt (wärmer bei W.). 

Am 30. und 31. VII. tagsüber keine Segler zu sehen; auch 
gegen Abend und morgens nur wenige sichtbar. Die Vögel sind 
offenbar dem regnerischen Wetter ausgewichen. Am 2. VIII. wieder 
zahlreiche Stücke über der Langen Strafse; es dürfte sich schon 
um Zuzügler gehandelt haben (Witterung noch sehr warm). 

Nach Kayser ist diese Art auch bei Lissa häufig. 

129. Eirundo rustica L. — Rauchschwalbe. 

1912: Die erste hörte ich am 20. IV., mit wit-Rufen über 
den Eichwald hinwegstreichend. Die Vögel sind durch die 
herrschenden Ostwinde aufgehalten worden. Am 24. IV. sah um 
V2 7 a. Professor Ratsch 1 Stück auf dem Königsplatze und am 
25. IV. ich einige Stücke jenseit der Kläranlage und über den 
Lachen vor der Insel. Rauchschwalben waren in diesem Jahre 
bei Posen in auffallend geringer Zahl vorhanden; es war ein 
schlechtes Schwalbenjahr. 

Am 5. IX. Ansammlung von Stachelschwalben unfern der 
Kläranlage, zum Teil auf Sturzacker sitzend. Die meist kühle 
Witterung bewirkte es, dafs die meisten in der zweiten Hälfte 
des September verschwanden. 

1913: Am 3. IV. um 3'^ p. 2 Stücke über dem Schwersenzer 
See (Witterung vorher recht warm, am 1. IV. + 19**). Am 13. IV. 
3 Stücke über dem Lubascher See, die sich bei dem argen 
Wettersturz (nachts vom 11. zum 12. bis — 5®, dabei heftiger 



16 J. Hammling: 

NW. mit starken Schneeböeu) wohl kümmerlich genug durch- 
gebracht haben mögen. Am 14. ebendort 6—8 Stücke sichtbar. 

Am 15. V. zog um y^8 p. ein Schwärm von 20—30 Stücken 
in der Nähe des Röhrichts am Ostend-Park rufend hin und her, 
offenbar um dort Nachtruhe zu halten. Die kühlen Ostwinde 
hatten vermutlich den Beginn des Brutgeschäfts verzögert. 

Am 14. VIII. eine ziemlich starke Ansammlung über der 
Cybina. Am 2. IX. traf ich noch unter dem überhängenden 
Dache (1) des Wirtschaftsgebäudes im Schilling au einem Dach- 
sparren ein Nest mit 4 ziemlich erwachsenen Jungen. Am 9. IX. 
starke Ansammlung (auch Mehlschwalben darunter) diesseit der 
Loncz- Mühle. Der Abzug erfolgte auffallend früh, noch im 
September. Am 1. X. noch 2 Stücke unfern von Moschin (Kr. 
Schrimm). 

1914: Am 19. IV. zog vormittags an der städtischen Flufs- 

badeanstalt 1 Stück lebhaft singend über mich hinweg der Stadt 

zu (Witterung schön bei leichtem 0., vorher Nachtfröste). Am 

-21. IV. 1 Stück sichtbar, am 23. IV. gegen Abend 5 Stücke über 

den Wiesen bei Johannistal (sehr warm bei SW.). 

130. Biparia riparia L. — Uferschwalbe. 

1912 : Erst am 7. V. sah ich ein Stück unterhalb des Schillings, 
und am 9. V. trieben sich einige 20 Stücke in der Sandgrube 
vor Naramowitz an den in der Lehmwand vorhandenen Löchern 
umher. Das Brutgeschäft wurde in diesem Jahre mehrfach durch 
Absturz der Sandwände gestört. Die Zahl der nistenden Schwalben 
war erheblich geringer als früher. Am 12. VI. zählte ich 168 
neu angelegte Brutröhren neben 32 alten ; am 2. VII. waren 
gegen 250 Röhren vorhanden, die am 6. VIII. gröfstenteils ver- 
nichtet waren. 

Am 29. VI. fand ich wiederum in der im vorigen Berichte 
(II.) erwähnten Torfgrube diesseit Ketsch nistende Erdschwalben. 

Der Abzug erfolgte wie gewöhnlich in der ersten Hälfte des 
September. Am 5. IX. sah ich einige Stücke über der alten 
"Warthe, am 6. IX. noch einige wenige an der Warthe diesseit 
des Eichwaldes unter andern Schwalben. 

1913: Am 28. IV. mehrere Stücke über einem Torfstichtümpel 
in der Nähe des kleinen Ketscher Sees. Am 10. V. traf ich da- 
selbst eine ansehnliche Kolonie von Erdschwalben, die in den 
Yj m hohen Uferwänden nisteten. 

Während die Uferschwalben sonst meist schon in der ersten 
Hälfte des September verschwunden waren, traf ich über dem 
genannten Torfstiche am kleinen Ketscher See noch am 27. IX. 
einen Schwärm. Die Vögel, gegen ihre sonstige Gewohnheit sehr 
scheu, machten sich bei meiner Annäherung unsichtbar. Es dürfte 
sich um zugewanderte Vögel gehandelt haben. 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt der Provinz Posen. 17 

131. Delichon urhica L. — Mehlschwalbe. 

1912 sah ich die ersten am 2. V. um 7" p. über der Wasch- 
anstalt Neptun. 

Am 14. V. flogen mehrere Mehlschwalben die alten Brut- 
stellen an der städtischen Kanalpumpstation an, doch war von 
einem Nestbau noch nichts zu bemerken (kühl bei steifem W.). 

Am 18. V. nahmen etwa 15 Vögel unfern der Olschak-Mühle 
an einer tiefliegenden Stelle der Strafse Nistmaterial (Moder) auf 
und flogen alle zusammen den Wirtschaftsgebäuden der Mühle zu. 

Am 1. IX. wurde von Professor Selting unter andern Mehl- 
schwalben ein ganz weifses Stück in der Nähe der Bahnstation 
Kreising (Kr. Posen Ost) beobachtet. 

Im letzten Drittel des September waren nur noch hier und 
da ein paar Mehlschwalben sichtbar, so am 18. IX. im Schilling 
und am 22. IX. in der Nähe von Johannistal (2 Stück unter zahl- 
reichen Rauchschwalben). 

Nach Kayser ist bei Lissa die Mehlschwalbe Bewohnerin 
der Vorstädte, während in der Stadt rusiica ihre Stelle einnimmt. 
Das trifft auch im ganzen für Posen zu. 

132. Bomhycüla garrula L. — Seidenschwanz. 

1913: Zahlreicher als früher (vgl. I. und II.) erschienen 
Seidenschwänze in diesem Jahre bei Posen. 

Ich habe ausführlich darüber berichtet in den 0. Mb. 1914, 
No. 5, S. 73 f. Nachzutragen ist noch eine Beobachtung vom 
26. XII. : Einige 20 Stücke in den Solatscher Parkanlagen, sich 
meist im Windschutz haltend (nachts Schnee, vormittags leichter 
Frost, nachmittags heftiger W. mit Regen). Auch am 16. I. 1914 
sah ich noch gegen 3Va P- einen Flug von mindestens 15 Stücken 
und zwar am Bismarck-Denkmal, teils auf Bäumen sitzend, teils 
unter Büschen Nahrung suchend (bis 4® unter Null; leichte 
Schneedecke. Nach Zeitungsnachrichten herrschte in Schweden 
und Norwegen grofse Kälte, in einer Provinz Schwedens sank 
das Thermometer bis 54® unter den Gefrierpunkt). In den folgenden 
Tagen trat strenge Kälte ein, der die Vögel auswichen. Gegen 
Ende des Januar herrschte milde Witterung, am 1. IL beinahe 
Frühlingswetter. An diesem Tage bemerkte ich um 2 V« Uhr 
einen Flug von 12 Stücken auf den Bäumen an der Rückseite des 
Stadttheaters, meist der Ruhe pflegend, hin und wieder 1 Stück 
an einer Knospe knabbernd. Die Vögel, sehr vertraut, waren 
anscheinend schon auf dem Rückzuge und schienen schon paar- 
weise zusammenzuhalten. Am 7. II, sah ich 1 Stück auf einer 
Robinie oberhalb des Steilufers der Warthe, das sehr vertraut 
war. Bei dem stark ausgebildeten Geselligkeitstriebe dieser Vögel 
war zu vermuten, dafs noch andere in der Nähe waren. Und 
in der Tat sah ich etwas weiter noch ein Stück in Gesellschaft 
eines Fr. coelebs. 

Journ. f. Om. LXVI. Jahrg. Janui.r 1918, 2 



18 J. Hammling: 

Auch bei Lissa kamen nach Kayser im Januar 1914 
Seidenschwänze vor. 

133. Muscicapa grisola L. — Grauer Fliegenschnäpper. 

1912: Erst am 7. V. 1 Vogel an der alten Warthe in der 
Höhe der Wolfsmühle zu sehen (etwas wärmer mit Regen bei W.); 
am 9. V. im Schilling zu hören; erst am 12. V. häufiger. 

Am 19. VIII. waren schon die meisten Vögel fortgerückt. 
Nur solche mit Spätbruten noch vorhanden: Am 21. VIII. wurde 
ein Jungvogel im Schilling gefüttert; am 24. VIII. eine Familie 
diesseit Winiary auf Bäumen der Ringstrafse. Einzelne Stücke, 
offenbar zugereiste, waren auch in der Folgezeit noch sichtbar: 
Am 29. 1 Stück in der Gärtuerei von Zippel, ein zweites an der 
Wartheseite des Kernwerks; am 5. IX. 2 Stücke im Schilling, 
gegen Abend ein dritter Vogel unter Wind an der Wartheseite 
des Schillings dem Insektenfange obliegend (böiges, kühles Wetter 
bei SW.); am 10. IX. 1 Stück auf der Einfriedigung eines Kirch- 
hofs am Markgrafenring; am 12. IX. 1 Stück auf dem Petrikirch- 
hofe, 1 Stück unfern der Loncz-Mühle, 1 Stack auf den Wegbäumen 
unweit der Johanniskirche; am 14. IX. 2 Stücke im Schilling; 
am 18. IX. 1 Stück ebendort und am 20. IX. ebendort 2 Stücke. 
Die Vögel sind offenbar durch die steifen westlichen Winde zu 
längerem Verweilen veranlafst worden. 

1913: Am 29.IV. mehrfach im Eichwalde rufend und sichtbar 
(sehr warm bei SO.). 

Der Abzug erfolgte im August. Am 24. VIII. nur noch 
wenige Vögel vorhanden ; eine Familie in der Nähe des Bahnhofs 
Gerberdamm. 

1914: Am 4. VII. nahm an der Wartheseite des Kernwerks 
1 Stück ein Bad, was bei der grofsen Hitze und Dürre erklärlich 
war, aber nicht eben oft vorzukommen scheint. 

Am 4. X. sah ich noch 1 Stück auf einem Grabgitter auf 
dem Kirchhofe in Lubasch (Kr. Czarnikau). 

Nach Kayser auch bei Lissa häufig, besonders zahlreich im 
Jahre 1914. 

134. Muscicapa airicapilla L. — Trauerfliegenschnäpper. 
1912 : Vom eigentlichen Frühjahrszuge war nichts zu spüren. 
Die Vögel, die ich antraf, waren bereits im Gesänge, waren also 
wohl Brutvögel: Am 6. V. 1 Stück eifrig singend um 7* 7 p. im 
Eichwalde auf hohen Erlen; am 7. V. um 3 Va P- 1 Stück singend 
an der Wartheseite des Schillings; hier auch am 20. V. singend; 
um "/i 8 P- 1 Stück an der Wartheseite des Kernwerks ; ebendort 
am 23. V. Auch im Kobylepoler Grunde beobachtete ich 1 Stück 
vom 11. V. bis zum 17. V., das in der Nähe einer trockenen Erle 
sang; am 22. V. 1 Stück im Eichwalde auf den Eichen südlich 
des Bahndammes; ebendort am 25. und 31. V. und am 4. VI. 
(iz zid^h zid^h). 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt der Prorinz Posen. 19 

Auf dem Abzüge kamen nur wenige Vögel zur Beob- 
achtung: 2 Stücke am 12. IX. um 4 Vi P- auf den Wegbäumen 
der militärischen Strafse jenseit der Loncz-Mühle und um 5 V» P« 
1 Stück auf einer Wegweide an der Cybinaseite der Schiefsstände 
vor dem Warschauer Tor. 

1913: Auch in diesem Jahre kein Durchzügler im Frühjahr. 
Dafür haben sich wieder zahlreiche Brutvögel angesiedelt. Am 
14. V. um Y2 8 p. 1 eifrig singendes Stück im Eichwalde unweit 

des Spielplatzes (idzäd idzäd idzäd); am 15. V. 1 Stück im 
Kobylepoler Grunde; am 16. V. 1 Stück an der Westseite des 
Eichwaldes singend; am 19. V., an welchem Tage alle Vögel sehr 
sangeslustig waren, hörte ich im Eichwalde 5 cT an verschiedenen 

Stellen südlich des Bahndammes, meist mitzidöh beginnend; 

ein junges cf, das sich in der Nähe einer in einem alten Eichen- 
knorren befindlichen Spechthöhle herumtrieb, begann den Gesang 

meist mit zidü , manchmal auch mit zidüj oder zidüll . 

Einige Stücke sangen den ganzen Mai hindurch, und auch im 
Juni (5. VI.) wurde noch hier und da Gesang vernommen. 
Von einem Herbstzuge war nichts zu spüren. 

1914: Am 19. V. 1 singendes (f im Obstgarten diesseit des 
Solatscher Gutsparks, auch sichtbar. 

Am 2. VI. hörte ich mit Prof. Dr. Gerigk 2 singende cT 
auf der dichtbewaldeten Maiglöckcheninsel im Primenter See 
(Kr. Bomst). 

1915: Am 13. V. 1 Stück im Eichwalde singend. 

Nach Kayser bei Lissa ziemlich spärlich. Nach Schulz (a. a.O., 
S, 74) von A. v. Homeyer bei Komorze (Kr. Jarotschin), von 
Schulz bei Schönlanke beobachtet (vgl. auch I. und IL). 

135. Muscicapa parva Bechst. — Zwergfliegenschnäpper. 
Über die Verbreitung des Zwergfliegenschnäppers in der 
Provinz (vgl. IL). Danach ist diese Art festgestellt von Schwaitzer 
bei Wittowo (Kr. Schroda) als Brutvogel (vgl. neuen Naumann IV, 
S. 176), bei Dzialyn (von Kretschmer), ferner in der Forst Podanin 
(Kr. Kolmar), in der Forst Eckstelle (Kr. Obornik) und in der 
Grabauer Forst (Kr. Wirsitz). Über den Gesang (vgl. L). 

136. Lantus excuhiior L. ~ Raubwürger. 

Bei Posen habe ich diese Art bisher nur im Frühjahr und 
Winter beobachtet (vgl. L). 

Vor Jahren brütete der Raubwürger im Garten des Guts- 
besitzers A. Jany in Sarben (Kr. Czarnikau) auf einem Birnbäume 
und in Schmilau (Kr. Kolmar) auf Kiefern. Neuere Beobachtungen 
über das Brutvorkommen fehlen. 

Kayser sah 1 Stück beim Ausstopfer in Lissa, das vom 
Jahre 1913 aus der Gegend von Grüne stammte. Ein gestopftes 



20 J. Hammiing: 

Stück der einspiegeligen Form steht in der Sammlung von Pietsch 
in Wielichowo. 

137. Lanius minor Gm. — Grauer Würger. 

Im Jahre 1912 wurde diese Art bei Posen nicht beobachtet. 
Auffallend war, dafs auch der bei Posen sonst häufige L. collurio 
in diesem Jahre viel seltener war als früher. 

1913: Am 23. V. 1 Stück auf den Wegakazien jenseit der 
Wolfsmühle, lebhaft rufend und singend und dabei andere Vogel- 
stimmen nachahmend, ich wurde leider zu spät auf den Vogel 
aufmerksam. Am 31. V. traf ich das Stück an der Wolfsmühle, 
in deren Nähe diese Art bereits wiederholt gebrütet hat (vgl. 
I. und IL), auf einer mittelhohen Espe. Nachdem der Vogel 
zuerst durch ein mehrmals wiederholtes energisches Dscharrik 
oder Djarrik seinem Unwillen über die Störuog Luft gemacht 
hatte, begann er ganz wie collurio ein Lied im Stile des Sumpf- 
rohrsängers, liefs dann den Buchfinkenschlag und mehrmals das 
Kar kar kiet der Rohrdrossel, sowie Rufe der Stare und allerlei 
wohl den Staren abgelauschte Pfiffe hören. Daran schlössen sich 
wieder einige Djarrik, worauf wieder ein leises Schwatzen begann, 
aus dem sich die Strophe des Fitis deutlich heraushob. Endlich 
flog der Grauwürger auf eine der hohen Spitzpappeln am Mühl- 
graben. Der Gesang war ziemlich leise, so dafs man dem Sänger 
ziemlich nahe sein mufste, um das fremde Gesangsgut darin 
deutlich unterscheiden zu können. Ein 9 wurde nicht bemerkt, 
und das Fehlen desselben dürfte wohl der Grund für die eifrige 
gesangliche Betätigung des cT gewesen sein. Auch am 4. VI. sah 
ich den Vogel dort; er wurde dann aber nicht wieder beobachtet. 
Seine Bemühungen dürften also wohl umsonst gewesen sein. 

Am 28. V. sah ich 1 Stück dieser Art auf einer Spitzpappel 
an der Weidentalmühle. Es flog dem Parke von Urbanowo zu. 

Kayser sah 2 gestopfte Stücke aus der Gegend von Lissa. 

138. Lanius collurio L. — Rotrückiger Würger. 

1912: Am 12. V. 1 Stück im Parke von Kobylepole. Der 
Rotrückenwürger war heuer entschieden seltener als in früheren 
Jahren; es konnten kaum 5 bis 6 Brutpärchen nachgewiesen 
werden. Unsere Rotrückenwürger scheinen also in den Winter- 
quartieren oder auf der Reise vom Unglück verfolgt worden zu 
sein. Wie den Neuntötern, so scheint es auch den Grauwürgern 
ergangen zu sein. Von dieser Art wurde, während früher 2 Brut- 
paare beobachtet worden waren, in diesem Jahre überhaupt kein 
Vogel angetroffen. 

Der Abzug erfolgte in der Regel im August. Später wurden 
meist nur einzelne Vögel gesehen, die wohl zugewandert sein 
mochten. Es waren immer Jungvögel: Am 15., 23., 24., 25. und 
30. VIII. einzelne Stücke; 3 Stücke, die offenbar zusammengehörten, 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogel weit der Prorinz Posen. 21 

sah ich am 8. IX. auf den Wiesen bei Johannistal. Sie lagen 
von kleinen Heuhocken aus dem Nahrungserwerbe ob. Auch am 
10. und 1 2. IX. verweilten die Vögel dort. Am 13. IX. noch 2 Stücke 
an der Ringstrafse jenseit des Schillings. 

1913: Am 1 1. V. ein cf in der Nähe der Welna bei Obornik; 
am 14. V. im Obrabruch zwischen Gr. Sepno und Bonikowo 
2 Stücke, auch hier Nachbarn der Dorn- und Sperbergrasmücken; 
am 16. V. 1 cT am „Rohrteich" an der Südseite des Kernwerks. 
In diesem Jahre stellenweise wieder etwas häufiger. So traf ich 
am 19. VI. an der militärischen Strafse jenseit der Schiefsstände 
vor dem Warschauer Tor 3 c/. 

Abzug: Am 30. VIII., 1. und 2. IX. je 1 Stück im Weiden- 
gebüsch der Warthe diesseit der Insel; am 13. IX. 1 Stück im 
Schwarzdorngebüsch jenseit der Kläranlage, etwas weiter ein 
2. Stück; auch am 16. IX. daselbst noch 1 Stück sichtbar. 

1914: Am 15. V. 1 Stück auf den Erlen im „Rohrteich", 
ebendort am 18. V. Auch in diesem Jahre waren die Vögel ziemlich 
spärlich vertreten. 

1915: Am 17. V. 1 Stück am Nordrande des Eichwaldes, 

tem und mehrfach te pfit rufend. 

139. Lanius Senator L. — Rotköpfiger Würger. 

Der Rotkopfwürger wurde von mir mehrfach bei Posen 
beobachtet, einzeln und auch paarweise, doch immer nur auf dem 
Durchzuge (vgl. I. und IL). Am 22. VI. 1912 traf ich wieder 
l Stück um 4 7i P- und um 8 Uhr abends an den städtischen 
Anlagen gegenüber dem Viktoriapark, wo ich auch früher mehr- 
fach Vögel dieser Art gesehen hatte. Es wurde daselbst auch 
noch am 24. VI. und am 1. VII. beobachtet und schien mit der 
Zeit zutraulicher zu werden. 

Am 6. VII. 1914 gelanges mir, unweit Przygodzice(Kr. Ostrowo) 
1 Paar mit erwachsenen Jungen festzustellen, so dafs nunmehr 
auch das Brüten dieser Art im Süden der Provinz erwiesen ist. 
Ich habe darüber ausführlich berichtet in 0. Mb. 1915, No. 2, 
S. 23 f. 

Am 15. VII. 1915 sah ich gegen V»5 Uhr p. 1 Stück am 
Eichwald in der Nähe der jungen Anpflanzungen bei der westlichen 
Unterführung. Es flog bei meiner Annäherung von den Drähten 
der Eisenbahn auf die Einfriedigung der Neuanlagen und von 
dort auf die Telephondrähte an der Lubaner Strafse. Es war 
anscheinend ein altes 9 und war offenbar schon auf dem Abzüge. 
Der Vogel liefs als leise Warnrufe ein mehrmals wiederholtes 
Täk oder Kjäk hören. 

140. Corvus corax L. — Kolkrabe. 
Am 27. 1. 1864 von A. v. Homeyer bei Grab (Kr. Jarotschin) 
beobachtet. 



22 3. Hammliog: 

Nach Detmers (a. a, 0., S. 156) hat der Kolkrabe vor 
mehreren Jahren (1907) noch in der Oberförsterei Mirau (Kr. 
Strelno) gehorstet. Auf Grund von Erkundigungen bemerkt 
derselbe Gewährsmann, dafs in einem Gutsbezirke im Kreise 
Wongrowitz 1911 noch 2 bis 3 Paare nisteten. Ferner wurde 
Detmers diese Art als Brutvogel in den Revieren der Grafschaft 
Przygodzice gemeldet. 

Ein gestopftes Stück (masc, Fasanerie, 1837, Mafs (?) be- 
findet sich in der Radziwillschen Sammlung. 

141. Corvus cornix L. — Nebelkrähe. 

Im Jahre 1905 wurde eine Ringkrähe bei Czempin (Kr. 
Kosten) erbeutet, die am 12. X. 1903 in Rossitten aufgelassen 
worden war (J. f. 0. 1909, Heft 3, S. 438 und 441). 

Eine andere in Rossitten beringte Nebelkrähe wurde im 
Parke des Schlosses Filehne am 19. III. 1913 erlegt (J. f. 0. 
1915, Heft 3, S. 424). Sonst geht der Zug der über die Nehrung 
wandernden Krähen nach Westen, nicht nach Süden. 

Am 9. V. 1913 traf ich einige Stücke am Schwersenzer 
See, die das Ufer, dessen Rohrbestände abgeerntet waren, syste- 
matisch absuchten, um die Nester des Wassergeflügels zu plündern. 

Am 13. IL 1915 sah ich bei Zawade unmittelbar vor den 
Toren Posens folgenden recht drolligen Vorgang. Auf einem 
Roggensaatfelde lag_, ein Hund der Mäusejagd ob. Wild dieser 
Art war leider im Übermafse vorhanden. Den Hund umgab ein 
Kranz von 15 bis 20 Krähen, die offenbar auch nach Mäuse- 
braten lüstern waren und sich bereit hielten, die Mäuse, welche 
die vom Hunde durchstöberten Löcher heimlich verliefsen, ab- 
zufangen. Damit schien aber der vierfüfsige Jäger keineswegs 
einverstanden zu sein. Er machte bald nach dieser, bald nach 
jener Richtung Angriffe auf die in 5 bis 10 Schritt Entfernung 
lauernden Schmarotzer. Diese wichen nun zwar fliegend aus, 
sammelten sich aber sofort wieder um ihren unfreiwilligen Kost- 
geber, sobald dieser kehrt machte. Auch ein paar Saatraben 
waren mit dabei, wagten sich aber nicht so nahe an den Hund 
heran wie ihre graubemäntelten Vettern. 

Am 20. IL sah ich, wie 2 Stücke eifrig in der Cybina 
badeten. 

Am 9. IV. suchte ein Hase auf den Netzwiesen bei Guhren 
(Kr. Czarnikau) 2 Paar Nebelkrähen dadurch abzuwehren, dafs 
er immer wieder auf sie losfuhr und sie so zur Flucht zwang. 
Nach etwa 1 Stunde wurde dem einen Paar Krähen die Sache 
zu langweilig, und es gab das Rennen auf. Das andre Paar 
aber harrte aus und suchte nach wie vor bis an eine bestimmte 
Stelle vorzudringen, wo offenbar die Jungen lagen. Eins davon 
hob sich mehrmals etwas und wurde so sichtbar. Das dauerte 
mehrere Stunden lang, und noch, als es schon dunkelte, mufste 



Neuer Beitrag zur Eenntais der Yogelwelt der Prorinz Posen. 28 

der unermüdliche Lampe seine Nachkommenschaft gegen,, die 
gierigen Angriffe des gefiederten Räuberpaares verteidigen. Über 
einen ähnlichen Vorgang ist von mir in I. berichtet worden. 

142. Corvus frugilegus L. — Saatkrähe. 

Wie in den Jahren 1906 und 1910 (vgl. I. und II.), so ver- 
suchten auch im Frühjahr 1913 wieder einige Paare sich auf 
dem Petrikirchhofe anzusiedeln. Zuerst begann 1 Paar mit dem 
Bau eines Nestes; 2 Tage darauf stellten sich bereits mehrere 
ein. Der Versuch wurde auch jetzt wieder gewaltsam verhindert. 

Über Ansiedelungen der Saatraben im Posenschen (vgl. 
Detmers a. a. 0., S. 163). Die Angaben über Brutkolonien der 
Saatkrähen von Matschie und von Rörig werden erheblich er- 
weitert. Doch auch jetzt dürften sich die Angaben über die Zahl 
der Siedelungen noch unschwer vermehren lassen. Ich nenne 
hier nur die Kolonien von Lubasch (Horstzahl mehrere 100) und 
am See von Kowalskie (Kr. Posen Ost), die ich aus eigener An- 
schauung kenne. Die Zahl der Saatraben hat sich in 40 bis 
50 Jahren im Posenschen aufserordentlich vermehrt. Vor dieser 
Zeit waren sie bei uns fast völlig unbekannt, wenigstens strich- 
weise. — Ein Stück mit gekreuztem Schnabel steht in der 
Sammlung von Pietsch in Wielichowo. 

143. Lycos monedula spermologus Vieill. — Dohle. 

Am 11. 1. 1914 zog gegen 3 7* P- eine etwa 150—200 Stücke 
starke Dohlenschar in einer Höhe von etwa 150 m eiligen Fluges 
von NO. nach W. über die Stadt und den Schillerpark hinweg. 
Es herrschte böiger Wind aus N., dabei fiel etwas Schnee; das 
Thermometer zeigte 4® unter dem Gefrierpunkt. Ich hatte den 
Eindruck, als ob die Vögel dem Eintreten gröfserer Kälte aus- 
zuweichen suchten. Und in der Tat zeigte abends um 7,9 Uhr 
das Thermometer schon 6** Kälte an, die sich dann noch steigerte 
und längere Zeit anhielt. Die Vögel zogen in breiter Front, wie 
ich das bei dieser Art bisher noch nicht beobachtet hatte. 

Die Dohle ist in Posen häufiger Brutvogel (vgl. 1.); ebenso 
nach Kayser in Lissa. Die Form der hier brütenden, sowie im 
Winter zugewanderten Vögel bedarf noch einer näheren Unter- 
suchung. 

144. Fica pica L. — Elster. 

1913: Am 24. III. sah ich ein frisches Nest auf einer Spitz- 
pappel in der Wolfsmühle. Obwohl hier und an der Wartheinsel 
den Elstern meines Wissens nicht nachgestellt wird, hat sich ihre 
Anzahl doch in den letzten Jahren verringert. 

Am 25. V. in einer Kiefernschonung jenseit Kobylepole eine 
Familie sichtbar und rufend. 



24 J. Hammling: 

1914: Ein Paar brütete im Buschwerk des Steilufers der 
Warthe oberhalb der Wolfsmühle. Anfang Juli sah ich hier 
mehrmals 7 Stücke. 

Nach Kayser fehlt diese Art bei Lissa. 

145. Garrulus glandarius L. — Eichelheher. 
Am 27. V. 1913 wurde um Vt 6 p. im Eichwalde 1 Stück 
von einem Kleiber unter grofsem Gelärm befehdet. Der Heher 
verhielt sich still; zu Räubereien hatte er hier jetzt ein ergiebiges 
Feld. Es war das erste Mal, dafs ich diese Art zur Brutzeit im 
Eichwalde antraf. Am 13. V. 1915 machte sich wieder ein Stück 
im Eichwalde durch Eufe bemerkbar. 

146. Nucifraga caryocatades macrorhynchos Brehm. — 
Dünnschnäbliger Tannenheher. 

Die Stücke, nach denen Brehm diese Form von der Dick- 
schnäbligen abtrennte, stammen nach Hartert im neuen Naumann 
(IV., p. 57) aus der Provinz Posen. Die dünnschnäblige Form 
erscheint ziemlich regelmäfsig in jedem Herbste in Posen: 1907 
bei Schönlanke (Schulz); 1908 bei Janowitz (Szulczewski ; 1 Stück 
von Reichenow als typischer Dünnschnabel bestimmt); 1910 
1 Stück nach der Deutschen Jägerzeitung, Bd. 56, in Posen beob- 
achtet; 1911 reichlich in der Provinz (vgl. IL; nach Dr. Hesse 
a. a. 0., S. 507, 1 Stück im Berl. Mus.: No. B 882. Oktober 
1911. Wydawy, Posen. Graf Mieczyüski; ohne Geschlechtsbe- 
stimmung); 1912 1 Stück in der Vogelhandlung von Seiler, an- 
geblich am 17. IV. aus der Provinz eingesandt; 1913 im Eichwalde 
(vgl. 0. Mb. 1914, No. 5, S. 75). ^ . 

147. Oriolus oriolus L. — Pirol. 

1912: In diesem Jahre um einige Tage verspätet eingetroffen; 
erst am 11. V. machte sich 1 Stück durch Ratschen und Pfeifen 
um 6* Uhr p. im Kobylepoler Grunde bemerkbar (noch kühl, 
aber SW.); am 12. V. an 2 Stellen zu hören, am 15. V. häufiger 
(seit dem 12. wärmer, Nachtgewitter); am 31. V. recht reichlich 
im Eichwalde, nachdem endlich freundliche Witterung eingetreten 
ist, während vorher wochenlang rauhe Westwinde wehten. 

In der ersten Hälfte des August liefsen die Vögel, sich 
familienweise umhertreibend, noch eifrig ihre Flötentöne hören, 
so am 8. VIII. um 9 und Vs 10 a. auf dem Schulhofe des Marien- 
Gymnasiums, wo auch der leise zwitschernde Gesang zeitweilig 
zu vernehmen war; ebendort trotz kühler Witterung am 9: VIII. 
um Va 10 a.; am 10. VIII. in Kobylepole sehr lebhaft; am 12. VIII. 
um 3 Uhr p. auf dem Petrikircbhofe; ebendort am 13. VIII. um 
V> 4 p. und am 14. VIII. um 11 7* a» Zum letzten Male hörte 
ich hier das Pfeifen des Pirols am 17. VIII. um 7 Uhr a. und 
gegen V> 8 a. und auch noch um Va 7 p. Die gröfste Zahl der 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt der Prorinz Posen. 26 

Vögel war trotz der ungünstigen kühlen Westwinde abgezogen; 
mir vereinzelte Rufe junger Vögel (jijäk u. s. w.) wurden noch 
vernommen, so am grofsen Ketscher See am 18. VIII. und auch 
im Dorfe Ketsch, am 25. VIII. an der Weidental-Mühle von einem 
Stück, am 31. VIII. im Schilling von 1 Stück und am 1. IX. gegen 
5 Uhr p. im Park von Kobylepole von 1 Stück. 

1913: Am 3. V. lebhaft rufend an dem grofsen See bei 
Schokken ; am 6. V. etwas zaghaft pfeifend an mehreren Stellen 
im Eichwalde (kühler 0.). 

Auch in diesem Jahre verweilten Pirole hier und da fast 
den ganzen August bei uns, so eine Familie auf dem Petrikirch- 
hofe, die durch Schreien und Pfeifen ihre Anwesenheit verriet: 
am 19., 21., 25. schreiend und flötend stets um V, 9 a., am 27. 
ebendort; am 24. VIII. 1 Stück in den Solatscher Anlagen sichtbar. 

1914: Am 6. V. pfeifend in den Kernwerksanlagen. 

1915: Am 17. V. im Eichwalde auffallend häufig auf den 
alten Eichen. 

Nach Kayser bei Lissa ziemlich häufig. 

148. Sturnus vulgaris L. ~ Star. 

1912 : Am 3. III. die ersten Stare in Guhren (J. Jauy); am 
5. III. ein starker Schwärm auf den teilweise überschwemmten 
Wiesen bei Gluwno. Gegen Sonnenuntergang (Va 6 p.) erschienen 
die Stare am Schlofspark Ostend auf einer hohen Pappel und 
flogen von hier aus ins Röhricht zum Übernachten. Das war 
auch noch am 2. V. der Fall, wo um 7" p. ein Schwärm von 
100 und mehr ins alte Rohr flog. Das Brutgeschäft schien also 
noch nicht recht im Gange zu sein (nachts Fröste), oder es waren 
Vögel, die noch weiterzuwandern beabsichtigten. Denn einige 
Pärchen brüteten bereits trotz der kühlen Witterung, so 2 Paare 
im Schilling und ein drittes in einer Pappel an der Wartheseite 
des Kernwerks. An diesen Stellen wurden am 14. V. bereits 
Junge gefüttert. Da auch am 17. und 18. V. wieder Stare in 
grofser Menge im Rohr der Cybina nächtigten, so mufste wohl 
angenommen werden, dafs die Vögel für dieses Jahr nicht mehr 
ans Brüten dachten. 

Auf dem Herbstzuge wurden in diesem Jahre bei Posen 
keine Stare wahrgenommen. 

1913: Am 4. III. ein Schwärm auf den Wiesen bei Johannistal, 
15—20 Stücke. Am 9. III. war der Schwärm trotz der kühlen 
Witterung auf 40 bis 50 Stücke angewachsen; am 10. III. die 
ersten in Guhren (Jany). 

Ihre Nachtruhe hielten die Stare wieder im überjährigen 
Röhricht an der teichartig erweiterten Cybina. Am 30. III. wurde 
um Yi 7 p. ein starker Schwärm durch einen Schufs heraus- 
gescheucht. Am 3. IV. gegen 6 Uhr p. viele Hunderte auf den 
hohen Pappeln an der Scheibenseite der Schiefsstäude und auf 



26 ^ J. Hammling: 

den Erlen an der Cybina lärmend. Am 21. IV. hatte sich ihre 
Anzahl erheblich vermindert. Die Vögel waren sehr unruhig, 
jagten hinter einander her, waren also wohl beim Paarungs- 
geschäft. Dies schien am 25. IV. in der Hauptsache geregelt zu 
sein; nur wenige flogen noch unruhig umher. 

Am 16. V. übte 1 cT an der Südseite des Eichwaldes mit 
mir um die Wette Pirolpfiffe. Der Vorsänger war in der Nähe 
zu hören. Am 28. V. trieb sich schon ein Flug von 12 Stücken 
(alte und junge Vögel) auf den Bogdankawiesen diesseit der 
Solatscher Teichanlagen umher. Dann waren die Vögel aus der 
Umgebung Posens verschwunden. 

Herbstvögel liefsen sich am 22. IX. auf einem überjauchten 
Ackerstücke unfern der Kläranlage sehen; am 26. IX. erst 6, 
dann 15 Stücke daselbst sichtbar. Am 17. X. ebendort um 4 7» p. 
20—25 Stücke; am 18. X. ein kleiner Schwärm (bis 12 Stücke) 
auf den Wiesen bei Gluwno; am 25. X. 1 Graustar unweit der 
Kläranlage, am 26. X. daselbst 2 Stücke. 

Sonstige Staransammlungen: Am 30. IX. ein Schwärm am 
rechten Wartheufer diesseit des Dorfes Czerwonak (Kr. Posen 
Ost); am 1. X. ein Schwärm bei Marienberg (Kr. Posen West), 
ein zweiter am Witobeler See, ein andrer am Demantschiner See. 

1914: Am 12. III. ein Paar auf den Strafsenpappeln an der 
Südseite des Kernwerks, Motive der Singdrossel, sowie den Flöten- 
ton und den Schrei (gwäh) des Pirols hören lassend. Am 15. III. 
ein Schwärm von 16 Stücken, lebhaft singend, auf einer der 
hohen Wegpappeln am „Rohrteich", wobei wieder der Rätschton 
des Pirols und auch Motive aus dem Gesänge der Amsel zu 
hören^ waren. 

1915: Am 21. III. ein Schwärm auf den Wiesen bei Gluwno 
(der März bisher recht unfreundlich: Kälte, Schneestürme). 

149. Pastor roseus L. — Amselstar. 

Ein am 20. V. 1886 in Oporowo (Kr. Lissa) erlegtes Stück 
befindet sich im Mielzy6ski-Museum. 

Im neuen Naumann (IV, S. 21) heifst es vom Rosenstar, 
nachdem die einzelnen Fälle des Erscheinens der Rosenstare in 
Deutschland aufgeführt worden sind: „Der letzte bedeutendere 
Zug fand 1889 statt; in Deutschland wurden Rosenstare beob- 
achtet im Mai bei Zirke in Posen." Weitere Angaben werden 
nicht gemacht. 

150. Coccothraustes coccothraustes L. — Kernbeifser. 

Kernbeifser sind, wie schon in I. bemerkt wurde, bei Posen 
nirgends häufig, aber über das ganze engere Beobachtungsgebiet 
verstreut. Dies bestätigten wieder Beobachtungen aus dem Jahre 
1912. Einzelne Vögel oder Pärchen wurden beobachtet: Am 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt der ProTinz Posen. 27 

21, III. im Vorgarten des Marien -Gymnasiums; 22. IV. an der 
Südseite des Kernwerks; 24. IV. in den Anlagen am „Städtchen"; 
2. V. im Kobylepoler Grunde; 9. V. am Steilufer der Warthe 
oberhalb der Wolfsmühle; 14. V. ebendort ein Paar; 2. VI. in 
den Solatscher Parkanlagen; 4. VI. am Eingange in den Eich- 
wald; 23. VI. 1 Paar im Wäldchen jenseit Kobylepole. 

Ein Pärchen brütete 1912 im Schillerpark. Prof. Brock 
beobachtete diese Vögel beim Nestbau. Das Nest stand etwa 
3 m hoch auf einer Linde unmittelbar am Fufssteige. Am 14. V. 
safs das brütende 9 auf dem Neste. Da erschien plötzlich das 
d* in der Nähe des Nestes. Das brütende 9 flog dem Gatten 
eine Strecke von 2—3 m entgegen und nahm flügelschlagend und 
schreiend Futter entgegen. Am 8. II. 1914 sah ich ein Stück 
im Schillerpark. Im Winter sind die Kernbeißer seltener. 

Nach Kayser ist diese Art bei Lissa spärlicher Brutvogel. 

151. Fringüla coelehs L. — Buchfink. 

Überwinternde Vögel wurden wieder ziemlich häufig an- 
getroffen (1912): Am 21. I. um 4 Vj p. 1 d* unter Sperlingen im 
Buschwerk au der Akademie (es scheint die 14 Tage strengen 
Frostes, nachts immer über 10 Grad und bis 18® Kälte, gut 
überstanden zu haben) ; 29. I. 2 Stücke am Eingange zum 
Schilling; 30. I. 1 cf an der Wartheseite des Schillings; 1. II. 
mehrere Stücke an der Wartheseite des Kernwerks; 3. IL ebendort 
3 Stücke, an den überwinternden Kähnen sich bei Hühnern zu 
Gaste ladend, andere am Schilling; 5. IL ebendort (nachts 15"* 
Kälte); 17. IL ein d* im Buschwerk an der Insel; 19. IL 1 oder 
2 Stücke an der Kläranlage. 

Eins der überwinternden cf erfreute mich recht früh mit 
seinem Gesänge: Am 10. IL morgens um 7*8 singend auf dem 
Petrikirchhofe, noch etwas ungewandt. Da nach der strengen 
Kälte der letzten Tage mildere Lüfte aus SO. wehten, waren auch 
Spatzen, Meisen und Grünlinge sehr fröhlich. Am 19. IL sang 
das cf auf dem Petrikirchhofe wieder um V2 9 a« niehrmals seine 
Strophe, doch auch jetzt noch etwas stümperhaft. Am 21. IL 
klang dagegen der Gesang um 7*° a. schon recht gewandt, ganz 
vortrefflich aber am 29. IL um 7i8 a. Im Anfange des März 
wurde auch schon an anderen Stellen Buchfinkengesang gehört. 
Vielleicht gehörte auch in diesen Fällen der Gesang solchen 
Stücken an, die hier überwintert hatten: 3. IIL im Schlofspark 
Ostend, noch ungewandt; 5. III. 2 cf schlagend im Garten des 
Generalkommandos (Prof. Selting); 6» III. um '/aS a. 1 cf singend 
im Vorgarten des Marien-Gymnasiums. 

Am 15. IV. trieben sich zahlreiche d*, darunter einige 9> 
Nahrung suchend an der Wartheseite des Kernwerks unter den 
Bäumen umher, die offenbar noch auf dem Zuge waren. 



28 J. Hammling: 

Am 17. IV. zupfte 1 9 »Q der Wartheseite des Kernwerks 
von einer Rüster Nistmaterial ab. Als ich am 25. IV. gegen 
4 Uhr p. an der Offizierspeiseanstalt des Regiments 46 war, 
fielen plötzlich von den Ästen eines Alleebaumes 2 fest inein- 
andergekrallte Buchfinken dicht vor meinen Füfsen nieder. Ich 
konnte den einen Vogel ergreifen, während der andere mir eben 
noch entwischte. Der ergriffene Vogel war ein 9« Als ich es 
fliegen liefs, war das cf sofort wieder hinter ihm her. Am 28. IV. 
fand ich ein ziemlich fertiges Nest in einem Strauche, nur etwa 
1 V, m über dem Erdboden. Es wurde später noch mit einigen 
Federn ausgestattet. Am 8. V. waren 4 Eier im Nest. Einige 
Tage darauf war es zerstört. Am 22. VI. fand ich ein Nest auf 
dem Zweige einer kleinen Eiche, nur Va ^ über der Erde. Das 
9 brütete auf 3 Eiern. Es handelte sich also offenbar um eine 
2. Brut oder um eine Ersatzbrut. 

1913: Am 27. I. traf ich nachmittags an einem Holzlager- 
platze jenseit des „Städtchens" einige 20 überwinternde Stücke, 
auf alten Gemüsebeeten Nahrung suchend, meist cf, doch auch 
ein 9 deutlich sichtbar. Die Vögel verweilten dort auch noch 
am 9. IL, und auch am 28. IL sah ich daselbst noch 6 Stücke. 

Am 23. IIL hielt sich ein starker Schwärm Durchzügler 
am Rande des Kiefernwäldchens jenseit Kobylepole auf. Die d* 
waren in Gesangsübungen begriffen. Die Vögel trieben sich zum 
Teil auf einem an den Wald stofsenden gepflügten Ackerstücke 
umher. Auch am 30. III. waren noch zahlreiche Vögel dort. 
Sogar am 21. IV. wurden noch Buchfinken im Schwärm im 
Kobylepoler Grunde angetrofl'en. 

Am 29. IV. ein annähernd fertiges Nest auf Stammausschlägen 
einer Erle, 1 Vi ni hoch, an der Südseite des Eichwaldes. Am 
14. V. lagen Junge darin. 

Am 3. IX. 1913 stümperhafter Gesang um 9 Uhr a. auf dem 
Schulhofe des Marien-Gymnasiums. Am 2. VIII. 1914 sang 1 Stück 
recht ungewandt auf dem Petrikirchhofe; ebendort am 3. VllL 
und 29. VIII. Es handelte sich wohl um Jungvögel. 

Überwinternde Stücke wurden auch in den Jahren 1914 
und 1915 mehrfach angetroffen. 

152. Fringilla montifringilla L. — Bergfink. 

Auf dem Rückzuge: Am 28. IV. 1903 etwa 8 Stücke im 
Eichwalde; am 29. IV. 1907 einige Stücke in den Kernwerks- 
anlagen (vgl. L). 

Auf dem Herbstzuge: Am 26. X. 1910 1 Stück (anscheinend 
mehrere) in einem Buchfinkenschwarm in der Nähe des Schillings 
(vgl. IL). 

In den letzten Jahren ist diese Art von mir nicht beobachtet 
worden. 



Neuer Beitrag zur KeDntnis der Vogelwelt der Provinz Posen. 29 

153. Chloris chloris L. — Grünling. 
Am 8. IL 1914 um 7i 9 a. 1 Stück eifrig singend im 
botanischen Garten des Marien-Gymnasiums (sonnig bei westlichen 
Winden); am 15. II. singend. Am 25. IV. brütend im Schillerpark. 

154. Acanthis flavirosiris L. — Berghänfling. 
Kretschmer hat diese Art in strengen Wintern bei Dzialyn 
regelmäfsig beobachtet. Auf Grund dieser Beobachtung nehme 
ich den Berghänfling in meine Liste auf. Ich glaube zwar 
auch diesen Vogel naehrmals bei Posen gesehen zu haben, es ist 
mir aber bisher nicht gelungen, die charakteristischen Merkmale 
dieser Art an den beobachteten Stücken einwandfrei festzustellen. 
Es wäre daher nicht ausgeschlossen, dafs es sich um A. canna- 
hina gehandelt hat: Am 24. XI. 1911 mehrere Stücke in der 
ersten Sandgrube an derStrafse nach Naramowitz auf Unkräutern; 
am 19. X. 1912 auf den Bäumen an der Cybinabrücke; am 
8. XII. 1912 auf einer Birke in den Anlagen zwischen Bismarck- 
Denkmal und Stadttheater, 15—20 Stücke. 

155. Acanthis linaria L. — Birkenzeisig. 

Von Kretschmer bei Dzialyn beobachtet. 

Über die Masseneinwanderung dieser nordischen Gäste im 
Winter 1910/11 (vgl. 0. Mb. 1911, S. 35 und Bericht IL). 

1912: Am 13. I. um 7a ^ P- ^i^ kleiner Schwärm, lebhaft 
rufend, auf den hohen Erlen im Schilling ( — 11<*, morgens — 18**). 
Die Vögel wurden nicht wieder angetroffen. 

1914: Am 1. I. ein Flug von 20—25 Stücken auf den Erlen 
im „Rohrteich", sehr vertraut (Schneedecke, morgens — 7°); am 
3. I. 1 Stück am Schilling über die Warthe fliegend; bald darauf 
setzten sich 2 Stücke, die vom andern Ufer der Warthe kamen, 
zu einigen Feldsperlingen auf den Zaun der Gärtnerei von Zippel; 
am 18. 1. ein kleiner Flug auf den Erlen an der Bahn gegenüber 
der Budde-Strafse. 

156. Chrysomitris spinus L. — Erlenzeisig. 

1913: Am 26. IX. ein kleiner Schwärm auf den Erlen an 
der unteren Gluwna ; am 7. XII. ein starker Schwärm auf den 
hohen Erlen im Schilling; am 21. XII. ein Flug von 10—12 Stücken 
im Eichwalde gegen Abend über die hohen Eichen südlich des 
Bahndammes hinstreichend; am 22. XII. einige auf einer Erle 
am Parkrestaurant in Solatsch; am 26. XIL ebendort ein Flug 
von 8—10 Stücken; am 31. XIL ein Schwärm unfern der Bog- 
danka im Solatscher Wäldchen. 

1914: Am 6. I. einige rufend auf den Erlen der Westecke 
des „Rohrteichs"; am 16. I. 1 Stück unter einer Birke an der 
Rückseite des Bismarck-Denkmals ; am 24. 1. einige auf den Erlen 



80 j. Hammling: 

im Schilling; am 8. IL ein Schwärm auf den hohen Erlen an 
der Westseite des Eichwaldes. 

Am 18. X. 3 Stücke auf dem Drahtgitter an der Kläranlage 
(2 cT und 1 9 oder Jungvogel), sehr vertraut, auf Stauden der 
Melde Nahrung suchend; am 25. X. 6—8 Stücke auf den Grau- 
erlen an der Kläranlage; am 2. XI. ebendort 3 Stücke sichtbar. 

157. Carduelis carduelis L. — Stieglitz. 

Am 11. II. 1912 sang um Vj 4 p. 1 d* recht eifrig auf 
einer Kastanie an der Witting-Strafse. Als ich mich dem Vogel 
näherte, flog er dem Eisenbahndamme zu und sang auf einer 
Gartenmauer weiter (seit 3 Tagen milde Witterung). 

158. Serinus canarius germanicus Laubmann. — Girlitz. 

Der Girlitz wurde von A. v. Homeyer zum ersten Male am 
7. V. 1864 bei Posen beobachtet, 1866 bei Fraustadt. Zur Zeit 
ist diese Art über die ganze Provinz verbreitet und in der näheren 
Umgebung Posens ziemlich häufiger Brutvogel. 

1912: Am 1. V. hörte ich um 6" p. in der Nähe des 
Schillingstores das erste singende cf (Nordwind, nachts Frost; 
am 30. IV. war der Wind nach W. herumgegangen, Witterung 
etwas milder). 

Singende Girlitze machten sich noch den ganzen Juni hin- 
durch bemerkbar, so am 20. VI. in der Nähe der Pestalozzi- 
Strafse; 23. VI. um 10 Vi a. unweit der Fronleichnamskirche; 
26. VI. in der Nähe des Schillingstores. Auch am 2. VII. liefs 
noch ein cf auf dem Petrikirchhofe einige Gesangstöne hören. 

1913: Am 21. IV. um 7* 12 ein singendes cf in den Kern- 
werksanlagen unweit des Schillingstores; am 25. IV. um 7 Uhr a. 
auf dem Petrikirchhofe singend; nachmittags im Goethepark 
1 Stück, an der Südseite des Kernwerks 3 singende Stücke. Am 
11. V. hörte ich 2 oder 3 Stücke bei Obornik. 

Am 12. V. fand ich ein Nest an der Südseite des Kernwerks 
etwa 1 Vj m hoch hinter dem abgefaulten Aste einer Robinie, 
wo früher ein Grauschnäpper genistet hatte; am 28. V. waren 
die Jungen sichtbar, am 31. V. waren sie ausgeflogen. Alte cf 
liefsen wieder hier und da ihren Gesang hören. 

In der Nähe des Bahnhofs Gerberdamm liefs 1 Stück am 
2. VIII. gegen Vs 8 p. sein Liedchen hören und veranlafste dadurch 
ein 2., ihm zu sekundieren. Es dürfte sich wohl um Jungvögel 
gehandelt haben. 

1914: Am 25. IV. an der Südseite des Kernwerks mindestens 
3 singende cf; am 29. IV. 1 Stück im Vorgarten des Marien- 
Gymnasiums singend. 

Am 23. V. zog 1 cf in der Nähe des Schillingstores in 
fledermausartigem Fluge (Balzflug, wie beim Grünling) singend 



Neuer Beitrag zur Kenntois der Vogelwelt der Provinz Posen. 81 

hin und her, fufste dann auf einem Telegraphendrahte und sang 
hier weiter, 

Gesang im Juli: 4. VII. am Schillingstor; 6. VII. in Antonin 
von 1 cf, ebendort am 7. VII. von 1 Stück an andrer Stelle; 
am 16. VII. von 1 Stück am Bahnhof in Lissa. 

Nach Kayser bei Lissa ziemlich häufig. Kayser hörte 1913 
hier schon am 3. IV. den Gesang dieser Art, ja in Trachenberg 
sogar schon am 23. III. 

159. Finicola enucleator L. — Hakengimpel. 

Nach Borggreve (a. a. 0., S. 74) unregelmäfsiger Winter- 
vogel des östlichen Gebiets, für die Provinz Posen von Schwaitzer 
am 16. XII. 1849 und am 13. 1. 1860 im Kreise Pleschen fest- 
gestellt. Im neuen Naumann wurde die Beobachtung Schwaitzers 
nicht berücksichtigt. Aber auch die beiden folgenden im Posenschen 
erlegten Stücke sind nicht aufgeführt. 

Nach Dr. Hesse (a. a. 0., S. 598) befinden sich 2 Stücke 
dieser Art aus der Provinz Posen im Berl. Mus.: a) Ohne Katalog- 
numraer. 9- 1- X.IL 1887. Brätz, Posen. Jablonski und b) Ohne 
Katalognummer. 1. XII. 1887. Brätz, Posen. Jablonski (ohne 
Geschlechtsbestimmung). Das Kleid ist nach Hesse gelb. 

160. Carpodacus erythrinus Pall. — Karmingimpel. 

Man vergleiche über das Erscheinen dieser Art bei Posen 
meinen ausführlichen Bericht in IL 

Auch im Jahre 1912 und zwar im Monat Juni beobachtete 
ich 2 Karmingimpel an der Wartheinsel und am Schilling. Ich 
habe darüber in den 0. Mb. 1912, No. 11, S. 172 f. berichtet. 

161. Fyrrhula pyrrhula L. — Grofser Gimpel. 

Der Grofse Gimpel ist ein ziemlich regelmälsiger Wintergast 
bei Posen. Im Jahre 1911 konnte ich die Art bis zum Anfang 
April (7. IV.) beobachten. Ein Stück, ein schönes cf, kam mir 
sogar noch am 24. V. im Eichwalde südlich des Bahndammes zu 
Gesicht. Es blieb für die Folgezeit unsichtbar. Ein 9 wurde 
nicht wahrgenommen (vgl. IL). 

1912: Am 4. IL zeigten sich 8 Gimpel auf dem Schulhofe 
in Guhren (Kr. Czarnikau), ebenso am 5. IL bei 19<> und 23 <> Kälte 
(J. Jany). 

Am 12. XL ein Pärchen um 3 V4 P- auf Beerensträuchern 
im Schillerpark. Die VCgel waren sehr vertraut und verhielten 
sich still; auch am 13. XL daselbst sichtbar. Am 17. XL ebendort 
3 cf ; Rufe von 2 weiteren Vögeln zu hören. Am 18. XL daselbst 
3 Stücke sichtbar, 2 cf und 1 9j das eine cf wurde von dem 
anderen befehdet; dieselben Vögel auch am 19. dort. Nachmittags 
desselben Tages im Eichwalde an mehreren Stellen einzelne Stücke 
rufend. Am 23. XL gegen 3 Uhr p. an 2 Stellen je 1 Stück im 



d2 J. Hammiing: 

Kobylepoler Grunde rufend. Am 24. und 29. XI. und am 6. XII. 
wurden Gimpelrufe im Eichwalde vernommen ; dann wurde während 
des Dezembers kein Vogel mehr bemerkt. 

1913: Nach langer Zwischenpause am 10. II. wieder einige 
Vögel im Schillerpark auf den hohen Pappeln rufend. Sie waren 
vermutlich schon auf dem Rückzüge (milde, sonnige Witterung 
bei SW.; weibliche Blüten der Haseln sichtbar). Am 11. II. auch 
im Eichwalde rufend; am 25. II. im Schillerpark, 1 cT sichtbar. 
Am 26. II. rufend auf einem der Kirchhöfe am Schillerpark; 
ebendort am 21. III. rufend, 1 Stück sichtbar. 

Über den Herbstbesuch der Gimpel bei Posen habe ich in 
den 0. Mb. 1914, No. 5, S. 74 berichtet. 

1914: Am 5.1. vormittags ein Flug im Schillerpark, 4 cT 
und 2 9) sichtbar, teils auf Spiräen, teils am Boden unter 
Sträuchern Nahrung suchend; auch am 7.1. daselbst 2 cT und 
2 9 sichtbar. Am 8. I. 1 9 ^.n der Böschung der Ringstrafse 
unweit der Kläranlage. Anfang Februar ein Pärchen auf Sträuchern 
im Schillerpark, an einer andern Stelle ein einzelnes Stück; in 
den Wochen vorher, in denen starker Frost herrschte, war kein 
Vogel zu sehen gewesen. Am 24. II. 3 Stücke im Schillerpark. 
Am 15. III. auf dem Petriklrcbhofe 3 9 ^^d 1 cT und 2 9 iwi 
Goethepark. Am 18. III. im Eichwalde auf einer Rüster 2 d* 
und 3 9. die sich an den Knospen zu schaffen machten und sich 
dabei mäuschenstill verhielten. Einige Tage später 1 cf in den 
Anlagen vor dem Kalischer Tor, die Knospen eines Wildbirnbaums 
fressend; am 1. IV. ein Pärchen im Buschwerk des Steilufers der 
Warthe, sehr vertraut. Am 6. IV. sah ich in Lubasch 4 Stücke, 
2 cf deutlich sichtbar, auf Schwarzdornbüschen, deren Knospen 
verzehrend. 

Am 22, XI. 1 Stück im Schillerpark. Sonst wurden in 
diesem Herbste bei Posen keine Gimpel angetroffen. 

1915: Am 7. II. vormittags 4 Stücke im Schillerpark, 2 cf, 
2 9 (nachts Schnee bei — 6<>), 1 cf Birkensamen fressend. 

Nach Kayser im Winter 1914 bei Lissa beobachtet. 

162. Loxia curvirostra L. — Fichtenkreuzschnabel. 

Kreuzschnäbel wurden 1907 (am 3. II.) bei Argenau (Kr. 
Hohensalza) beobachtet (1 Stück wurde gefangen) und um die- 
selbe Zeit bei Posen (vgl. I.); April 1910 ein schönes cf bei 
Unterberg (vgl. IL). 

R. Winkler meldet in den 0. Mb. 1910, 2. Heft, S. 29, dafs 
in Neu-Flötenau bei Brahnau (Kr. Bromberg) am 10. X. 1909 
Kreuzschnäbel beobachtet worden sind. Die Vögel trieben sich, 
am Vormittag erscheinend, in ziemlich grofser Zahl den Tag über 
an Sonnenblumen umher und verschwanden dann plötzlich. Am 
II. II. 1914 hörte Professor Brock mehrere Stücke dieser Art, 
etwa 4, am Görkasee in der Forst Ludwigsberg. 



[ ^ Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt der Provinz Posen. 38 

163. Loxia leucoptera hifasciata Brehm. — Bindenkreuzschnabel. 
Nach Dr. Hesse (a. a. 0., S. 599) befindet sich ein Stück 
dieser Art im roten Kleide im Berliner Museum: Ohne Katalog- 
nummer, cf. 31. VIII. 1889. Altenhüf, Posen. Jablonski. — 
Der Erbeutungsort liegt im Kreise Meseritz. 

164. Fasserina nivalis L. — Schneeammer. 

Diese Art wurde im Winter 1863/64 von A. v. Homeyer an 
der Prosna beobachtet. Ein Stück, aus Krotoschin vor 1905 
stammend, befindet sich im Kaiser-Friedrich-Museum. Ein ge- 
stopftes Stück steht in der Sammlung von Pietsch in Wielichowo. 

165. Emberiza calandra L. — Grauammer. 

1912: Am 7. V. traf ich unterhalb der Wolfsmühle 1 cT, das 
neben dem typischen Gesänge auch und zwar oft genug eine ganz 
eigentümliche Strophe hören liefs, die wie tyng tyng titititi 
terillillill klang. Noch am 12. V. flog gegen 7 Uhr ein kleiner 
Schwärm zur Nachtruhe ins Röhricht am Schlofspark Ostend. 
Grauammergesang war bei Posen bis zum 11. VIII. zu hören. 
In der Nähe des Bahnhofs Ketsch sang noch am 18. VIII. 1 Stück 
seine Strophe. 

Gesang im Spätherbst und Winter: Am 23. XI. gegen ^j^i p. 
an der Scheibenseite der Schiefsstände vor dem Warschauer Tor; 
am 28. XII. und 29. XII. gegen Mittag in Falkenau (Kr. Gnesen). 

1913: Gesang im Winter: Am 9. IL um Yj ^ P- ^uf den 
Wegbäumen der Strafse nach Kobylepole unweit Johannistal. 

Eigentümlichkeiten im Gesänge: Am 21. IV. liefs 1 Stück 
am Ziegelwege die ersten Töne in seinem Gesänge ansteigen, 

auch der Schlufs war abweichend: ti t.i " zihrrilll;am 30.IV. 
sang 1 Stück auf einem Schwarzdornbusche unweit der Kläranlage 
immer wieder: zip zip zip ti tete terillU. Als ich von meinem 
Ausfluge zurückkehrte, hörte ich daselbst wieder mehrmals die- 
selbe Strophe; dann aber ging der Ammer zum typischen Ge- 
sänge über. 

Herbstgesang: Am 26. X. in den städtischen Anlagen an 
der Oborniker Chaussee und wieder am 29. X. in der Nähe der 
Pionierkaserne. Am 31. XII. gegen Abend ein Flug in den 
Solatscher Anlagen, wobei einige Stücke Ansätze zum Singen 
machten trotz der Schneedecke und einiger Grade unter Null 
(Jungvögel). 

1914: Gesang im Winter: Am 1, II. 1 Stück singend auf 
einem Telegraphendrahte in der Nähe des Ziegelweges; am 2. IL 
singend an den Solatscher Anlagen; 14. IL ebendort singend, 
sowie auch am 15. IL; am 21. IL eifriger Gesang aus einem kleinen 
Schwärm in einem Garten in Zawade. 

Jooni. f. Gm. LXVI. Jahrg. Janoar 1918. 3 



34 J. HammÜDg: 

166. Emheriea «itrinella L. — Goldammer. 

1912: Am 23. II. erster Gesang auf dem Petrikirchhofe 
um Va 8 a. 

Am 10. III. sang an der Lache am Nordrande des Eich- 
waldes ein cf mehrmals folgende Strophe : trrry ze ze zet 'h» ging 
aber bei meiner Annäherung zum typischen Gesänge über. 

Gesang wurde bei Posen bis zum 11. VIII. vernommen; bei 
Ketsch liefs 1 Stück noch am 18. VIII. sein Liedchen hören. 

Gesang im Herbste: Am 13. X. gegen 9 Uhr a. in Lubasch. 

1913: Am 25. II. eifriger Gesang um 74 12 a. im Schiller- 
park und auf den angrenzenden Kirchhöfen. 

Gesang im August war mehrfach zu hören: Am 2. VIII. 
gegen Abend am Kirchhofe westlich des Kernwerks; am 3. VIII.; 
am 7. VIII. an der Südseite des Eichwaldes von 1 Stück. Es 
handelt sich im Falle des späten Gesanges offenbar um Brutvögel. 
Spätbruten sind bei dieser Art nicht selten. Am 9. VIII. fand 
ich diesseit des Wartheknies einen halbflüggen Vogel dieser Art. 

1914: Am 16. II. liefsen einzelne Stücke schon ihr Liedchen 
hören, so im Schillerpark; am 26. IL eifrig singend an der West- 
seite des „Rohrteichs" trotz ziemlich rauher Witterung. 

Am 1. VIII. war noch mehrfach gegen Abend an der Warthe- 
insel und Militärfähre Gesang zu hören. 

1915: Am 20. IL gegen Abend mehrere Stücke singend, 
noch etwas ungewandt. Im März sangen Goldammern selbst bei 
empfindlicher Kälte (am 9. und 10. zeigte das Thermometer nachts 
12 und 1372° unter Null). 

167. Ewiberiea hortulana L. — Ortolan. 

1912: Am 2. V. liefs 1 Stück an der Ringstrafse diesseit 

der Loncz-Mühle seinen Lockruf güb zieh hören; gegen 7a ^ p. 

sang 1 Stück am linken Cybinaufer unweit der Loncz-Mühle und 

ein zweites am rechten Ufer in den Festungsanlagen (seit dem 

I. tagsüber etwas wärmer, nachts leichter Frost bei N. und NW.). 

Den ganzen Juni hindurch wurde Gartenammergesang ver- 
nommen, und auch noch am 2. VII. liefs ein cf sein Liedchen 
hören. 

1913: Am 27. IV. 1 Stück singend unweit der Loncz-Mühle 
(sehr warm bei S.); am 30. IV. am Kernwerk und am Schilling 
singend. 

Der Gartenammer ist über die ganze Provinz verbreitet. 
Nachdem ich ihn früher bei Parkowo (Kr. Obornik) ziemlich 
zahlreich vorgefunden hatte, traf ich ihn heuer an folgenden Orten: 

II. V. bei Obornik, 13. V. bei Kurzagora (Kr. Kosten), 14. V. bei 
Gr. Sepno desselben Kreises (von dort bis zum Obrabruche 5 Stücke ; 
ein Stück sang hier dide dide dide dide du), dann wieder bei 
Bonikowo mehrere; in dem zwischen Gr. Sepno und Bonikowo 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt der Provinz Posen. 86 

sich ausbreitenden Obrabruche war kein Vogel zu hören; 17. V. 
an der Strafse von Kobelnitz nach Zwierzonka 2 Stücke, 1 Stück 
bei Jerzykowo und bei Borowo-Mühle (Kr. Posen Ost); 1. VI. bei 
Krummfliefs (Kr. Posen Ost); 23. VI. bei Werdum (Kr. Obornik); 
2. VII. mehrere in der Nähe des Powidzer Sees ; 4. VII. reichlich 
an den Wegen um Powidz (Kr. Witkowo); bei Falkenau (Kr. 
Gnesen) ; bei Wilhelmsau (Kr. Gnesen). 

Am 17. VIII. hörte ich an der militärischen Ringstrafse in 
der Nähe der Lawicaer Schiefsstände an 2 Stellen den Lockruf 
des Ortolans. 

1914: Am 29. IV. sang 1 Stück in der Nähe des Gutes 
Malta, ein zweites an der Rückseite der Schiefsstände vor dem 
Warschauer Tor (warm bei W., die Tage vorher rauher NW.). 

Am 30. V. hörte ich zwischen der Zieliniec- Mühle und 
Schwersenz mindestens 5 Stücke, andere jenseit Kobylepole; am 

I. VI. singend bei Neudorf-Mauche, dann zwischen Starkowo und 
Blotnik (Kr. Bomst) 5 singende cf ; am 6. VI. an der Ringstrafse 
von Dembsen nach dem Eichwalde 3 singende cf, ein viertes an 
der von Dembsen nach dem Eichwalde führenden Landstrafse, 
ein fünftes an der Strafse nach Luban; am 18. VI. einzelne an 
den Höhen von Zerkow (Kr. Jarotschin). 

Letzter Gesang: Bei Posen am 2. VII. in der Nähe des 
Eichwaldes; am 3. VII. 1 Stück singend bei Golenhofen (Kr. Posen 
West), bei Heidedombrowka (Kr. Obornik) 2 Stücke; am 6. VII. 
singend bei Antouin ; am 7. VIL unweit Przygodzice und 1 Stück 
in der Nähe von Antonin. 

1915: Am 30. IV. 2 Stücke an der Aufsenseite des Kern- 
werks auf Wegbäumen güb zieh rufend und sichtbar, einander 
befehdend. 

Am 5. VI. sangen mehrere Stücke auf der Erde unweit der 
Pionierkaserne, immer in einiger Entfernung von einander (vgl. IL). 

Letzter Gresang: 10. VII. 1 Stück an der Pionierkaserne, 

II. VII. unweit der Luftschiff halle; 15. VIL in der Nähe des 
Eichwaldes. 

Nach Kayser ist diese Art bei Lissa ziemlich häufig. 

168. Emberiea schoeniclus L. — Rohrammer. 

1912: Am 17. IL gegen 4 Uhr p. sah ich ein wohl über- 
winterndes schwarzköpfiges Stück im Buschwerk der Warthe 
zwischen der Gärtnerei von Zippel und der Militärfähre. 

Erster Gesang am 24. III. von 1 (f diesseit des Wartheknies 
und von einem andern unweit der Kläranlage (Frühlingswetter 
bei SO.). 

1913: Am 20. III. sang um Y2 4 p. 1 cf eifrig am rechten 
Wartheufer oberhalb der Militärfähre tsit tsit tsit tetet; am 22. III. 
1 Stück am kleinen Ketscher See; am 30. III. sang 1 Stück in 

der Nähe der neuen Warthebrücke psi tjar tjar 

und auch psi tse . 

3>* 



86 J. Hammliog: 

Auf dem Herbstzuge am 22. und 30. IX. diesseit und jenseit 
der Wartheinsel zu hören. 

1914: Am 25. III. 1 Stück gegen Abend singend am rechten 
Wartheufer gegenüber der Gärtnerei von Zippel (Frühlingswetter). 

Am 15. V. sang in einem kleinen Erlengebüsch auf den 
Wiesen bei Johannistal 1 cf immer wieder die Strophe zip zih 
(leise) wedzet (recht laut); die beiden letzten Silben klangen, aus 
gröfserer Entfernung gehört, wie widwid. Auch in der Folgezeit 
wurde der Gesang daselbst mehrfach vernommen. 

1915: Am 3. V. liefs das ebengenannte cf an derselben 
Stelle wie im vorigen Jahre sein eigentümliches Liedchen hören. 
Ein weifses Exemplar, aus Dobrzya 1909 eingeliefert, steht im 
Mieizyüski-Museura. 

169. Anthus pratensis L. — Wiesenpieper. 

1912: Am 5. III. um 5 7* p. auf den Wiesen bei Gluwno 
1 Stück unter lebhaften ist- Rufen vor mir abfliegend (warm bei 
SW.); am 6. III. ebendort 2 Stücke. 

Am 25. III. liefs 1 d* bei Gluwno im Balzfluge seinen Gesang 
hören; am 28. IV. sang gegen 6V2 P- ein Wiesenpieper an der 
Wartheseite des Rennplatzes und übte dabei seinen Balzflug, eine 
seltene Erscheinung bei dieser Art vor Mai und Juni. Gesang 
wurde bis zum 80. VI. vernommen. 

Am 11. VIII. trieb sich ein Pärchen mit den erwachsenen 
Jungen an der Bogdanka umher. Während vor 8 Tagen hier die 
Alten noch ängstlich gewarnt hatten, taten sie dies jetzt nicht mehr. 

Am 21. IX. traf ich gegen 5 Uhr p. nach einem Regen- 
schauer zahlreiche Zugpieper an der Warthe unterhalb der Wolfs- 
mühle, bin und her streichend. 

Am 19. X. noch zahlreiche Stücke auf den Warthewiesen, 
am 20. X. mehrere unweit der Kläranlage, am 21. X. einige an 
der Bogdanka. 

1913: Am 13. III. um 4 Uhr p. ein Pärchen an einem Graben 
auf den Warthewiesen bei Gluwno (tags ziemlich warm, nachts 
leichter Frost bei SO., am 12. leichter SW.); am 16. III. daselbst 
reichlicher. 

Gesang nur von wenigen Stücken während des Aprils: 
25. IV. 1 Stück singend unweit der Zieliniec-Mühle, 1 Stück bei 
Johannistal; am 26. IV. von 1 Stück Gesang (bruchstückweise) 
an der Bogdanka. 

Letzter Gesang am 30. VI. Am 9. VIIL liefs noch 1 Stück, 
das Futter im Schnabel trug, in einem an eine Lache bei Gluwno 
stofsenden Kartoffelfelde Warnrufe hören, hatte also noch Junge 
zu ernähren (zit oder zip, auch zidit, doch auch ist-Rufe). 

Abzug: Seit dem 6. IX. diesseit der Wartheinsel, doch weniger 
zahlreich wie früher. Hier und an der Kläranlage, sowie unweit 
des Wartheknies trieben sich in der Folgezeit Zugpieper den 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Togelwelt der Provinz Posen. 37 

ganzen September hindurch bis zum letzten Drittel des Oktober 
umher. Noch am 25. X. ziemlich reichlich an der Kläranlage. 
Am 26. waren daselbst keine mehr zu sehen; ein günstiger 
Ostwind hatte sie fortgeführt (wie auch die letzten Lerchen). 
Am 30. X. wurden noch einige Nachzügler gehört (doch keine 
Lerchen mehr). 

1914: Am 8. IIL 1 Stück an dem zwischen Gluwno und 
Zawade fliefsenden Graben. Dann sah ich erst wieder am 18. IIL 
ein Pärchen auf den Wiesen diesseit des Eichwaldes und am 
19. III. an den Warthewiesen zwischen Zawade und Gluwno 
8 Stücke, einzeln und paarweise auffliegend. 

In diesem Frühjahr (März und April) habe ich Wiesenpieper 
häufiger singend angetroffen als sonst, so am 26. III. mindestens 
3 singende d* auf den Wiesen bei Johannistal, am 19. IV. 1 Stück 
am Schwersenzer See, andere nur rufend, am 23. IV. 3 bis 4 
singende d* auf den Wiesen bei Johannistal, ebendort am 29. IV. 
Ich möchte nicht ganz den Gedanken abweisen, ob nicht doch 
vielleicht hier und da ein Pärchen 2 Brüten macht. Wie früher, 
war auch in diesem Jahre im Juni eifriger Gesang zu hören, so 
am 12. VI. und 27. VI. auf den Wiesen diesseit des Eichwaldes. 

1915: Am 24. III. 1 Stück auf den Wiesen bei Gluwno. 

170. Änthus irivialis L. — Baumpieper. 

1912: Am 24. IV. 1 Stück singend auf den militärischen 
Schiefsständen vor dem Warschauer Tor; zahlreicher erst im Mai. 

Der Gesang der Brutmännchen wurde bis in den Juli ver- 
nommen, so am 2. VII. an der Nordseite des Kernwerks. 

1913: Am 21. IV. 1 Stück singend jenseit der Loncz-Mühle 
in der Nähe der Cybi nabrücke; am 25. IV. auf den Wällen des 
Kernwerks; ein 2. cf im Wäldchen jenseit Kobylepole. 

In der Provinz traf ich den Baumpieper während der Brut- 
zeit an folgenden Stellen: 8. V. mehrere im Walde bei Kobelnitz; 
14. V. bei Bonikowo und Kurzagora (Kr. Kosten); 17. V. bei 
Wierzonka im Gluwnatale 2 Stücke; 1. VI. im Promnoer Walde 
bei Krummfliefs unweit des Dembitsch-Sees (Kr. Posen Ost) 5 bis 
6 Stücke; 24. VI. bei Goray (Kr. Czarnikau) ; 25. VI. bei Lubasch 
(Kr. Czarnikau). 

1914: In diesem Jahre wieder bei Posen selten (vgl. IL). 
Erst am 30. V. hörte ich ein cT im Kobylepoler Wäldchen. Im 
Juni auch bei Posen, so am 12. VI. auf den Wällen rechts des 
Bromberger Tores 1 Stück und ein 2. an der Scheibenseite der 
Schiefsstände vor dem Warschauer Tor. In der Provinz fest- 
gestellt: Am 1. VI. mehrere cf in den Wäldern am Primenter 
See (Kr. Bomst); am 18. VL mehrere cT im Warthewalde (Kr. 
Wreschen); am 3. VII. bei Trommelort und in der „Bagna" 
(Kr. Obornik); am 7. VII. bei Dembnica (Kr. Adelnau). 

Nach Kayser bei Lissa spärlich vertreten. 



B8 J. Hammling; 

171. Anthus campestris L. — Brachpieper. 

1912: Am 11. V. rief um ^4,7 p. 1 cf unweit des Spechtschen 
Schiefsstandes, um 7 Uhr ein 2. auf den Ödflächen hinter den 
militärischen Schiefsständen vor dem Warschauer Tor. 

Brachpieper waren in diesem Jahre im engeren Beobachtungs- 
gebiete nicht selten. Ihre Rufe wurden bis in den Juli vernommen, 
so am 2. VII. in der Nähe der Sandgrube vor Naramowitz. 

1913: Am 4. V. gegen Abend rufend in der Nähe des Bahnhofs 
Krummfliefs. — Am 17. V. am Gluwuatale bei Wierzonka 
2 Stücke; am 25. V. jenseit Kobylepole; hinter den Schiefs- 
ständen vor dem Warschauer Tor 2 Pärchen, die cf rufend; am 
28. V. auf der Feldmark von Solatsch ; am 3. VII. 1 Stück rufend 
unweit des Powidzer Sees. 

1914: Den ersten Brachpieper hörte ich am 16. V. diesseit 
der westlichen Eisenbahnunterführung am Eichwalde. — Am 
30. V. 1 cf an der Rückseite der Schiefsstände vor dem War- 
schauer Tor, ziurr rufend; am 10. VI. in der Nähe der Cybina- 
mündung; am 12. VI. diesseit des Kobylepoler Grundes; am 
18. VI. ein d* rufend über einer mitten im tiefliegenden Warthe- 
walde sich erhebenden sandigen Stelle, auf der das Försterhaus 
steht (Kr. Wreschen); am 7. VII. ein Stück in der Nähe der 
Waldwärterei Tarchalski bei Przygodzice (Kr. Ostrowo). 

172. Motacilla alba L. — Weifse Bachstelze. 

1912: Am 5. III. um 5 Vi p. 2 Stücke auf den Wiesen bei 
Gluwno (warm bei SW.); am LO. III. an dem Ausstichtümpel 
diesseit des Eichwaldes 5 Stücke. 

Am 2. V. flog um 7 ^^ p. von einem kleinen Rohrtümpel in 
der Nähe der Johanniskirche ein kleiner Schwärm, von Knaben 
aufgescheucht, ab, laut schimpfend über die Störung und im 
Bogen wieder zurückkehrend. Die kühle Witterung mochte wohl 
das Brutgeschäft verzögert haben (Nachtfröste). Mitte September 
waren die Stelzen teilweise schon auf dem Abzüge begriffen, der 
sich freilich bei dieser Art recht lange hinzieht. Der Zug scheint 
wartheaufwärts, also nach Süden zu gehen. Am 16. X. 2 Stücke 
um Vi 5 P- an der Warthe in der Höhe des alten Rennplatzes 
sichtbar, die Richtung nach Süden einschlagend, und noch am 
1. XL flog um Vi 12 a. ein verspätetes Stück, anscheinend Jung- 
vogel, lockend über den Schillerpark hinweg nach Südwesten. 

1913: Am 16. III. auf den Wiesen bei Gluwno 2 Stücke zu 
hören und ein drittes sichtbar (lebhafter SW.). 

Am 9. V. verfolgte 1 Stück, dabei lebhaft singend, einen 
Kuckuck in der Nähe der Cybinabrücke bei Johannistal; es 
handelte sich offenbar um einen Brutvogel. 

Am 28. IX. zahlreiche Stücke an den kleinen Tümpeln in 
der Sandgrube diesseit Naramowitz; am 1, X. zahlreiche Stücke 



Neuer Beitrag zur Eenntnis der Vogelweit der Provinz Posen. 39 

in der Nähe von Moschin (Kr. Schrimm); am 17. X. 1 Stück in 
der Nähe der Kläranlage sichtbar. 

1914: Am 13. III. 1 Stück auf einem Gehöfte in Zawade 
rufend, bald darauf den nahen Wiesen zufliegend (kühle Witterung 
bei N., nachts Schnee); am 15. 111. 1 Stück auf dem Kohlen- 
stapel am Bahnhof Gerberdamm; am 18. III. 1 Stück auf den 
Eichwaldwiesen, lustig zwitschernd; am 25.111. ein Pärchen auf 
dem vorher genannten Kohlenstapel. 

Am 23, V. sah ich auf dem Kohlenstapel ein Junges neben 
einem alten Vogel; am 4. VII. daselbst 8—9 Stücke, von einem 
Telegraphendrahte aus ab und zu ein Insekt fangend. Am 12. X. 
1912 schofs Lehrer a. Ü. Pietsch.in Wielichowo ein ganz weifses 
Stück dieser Art. 

173. Motacilla hoarula L. — Graue Bachstelze. 
Nach Borggreve a. a. 0., S. 87 wurde die Gebirgsbachstelze 
einmal von Schwaitzer im Posenschen gefunden und zwar am 
6. V. 1860 bei Wittowo (Kr. Schroda). 2 Vögel dieser Art beob- 
achtete Kayser am 11. IX. 1914 bei Lissa am Schlofsteich. 

174. Budytes flavus L. — Kuhstelze. 

1912: Am 20. IV. 1 Stück unfern der Endhaltestelle der 
Strafsenbahn in Wilda; am 3. V. zahlreiche Kuhstelzen, die ver- 
mutlich noch auf dem Zuge waren, an dem seichten Ausschachtungs- 
tümpel diesseit des Eichwaldes. 

Am 13. VI. liefs um 7*9 P- 1 cf über einem Roggenfelde 
östlich der Endstation der Strafsenbahn in Wilda, während es 
hinter dem eifrig lockenden 9 herflog, einen kurzen zwitschernden 
Gesang hören. 

Der Abzug dieser Art erfolgt im September. Am 21. IX. 
war noch der Ruf einer Kuhstelze zu hören. 

1913: Am 17. IV. 1 Stück am Schwersenzer See, lebhaft 
rufend; am 21. IV. mehrere am Ziegelwege. 

Am 18. IX. noch 1 Stück diesseit der Wartheinsel rufend. 

1914: Am 22. IV. in der Nähe der Gärtnerei von Zippel 
rufend ; an der Kläranlage 1 Stück sichtbar. 

Am 7. V. traf ich vom Endpunkte der Strafsenbahn in Wilda 
bis zum Viktoriapark mindestens 5 Pärchen, von denen meist 
nur die cf sichtbar waren. 

175. Älauda arvensis L. — Feldlerche. 
1912: Am 19. IL traf ich gegen 4 Uhr p. 1 Stück auf den 
Wiesen unweit der Kläranlage. Der Vogel war vielleicht schon 
ein Rückzügler; denn andere machten sich bereits in der Nähe 
der Sandgrube diesseit Naramowitz durch ihre Rufe bemerkbar 
(Witterung sonnig und warm, mittags -|- 8^); am 26. IL waren 



40 J. Hammliog: 

Lerchen mehrfach auf dem Zuge an der Insel zu hören und auf 
einem Saatfelde unweit der Kläranlage zu sehen (sonnig bei SW.). 
Erster Gesang am 6. III. auf den Wiesen bei Gluwno. 

Am 21. IX. traf ich zahlreiche Zuglercheu unterhalb der 
Wolfsmühle. Nach einem Regenschauer flogen mehrere cf etwa 
20—30 ra hoch hin und her und liefsen dabei bruchstückweisen 
Gesang hören. Die Vögel rückten anscheinend in nordwestlicher 
Richtung weiter. Auch im Oktober noch mehrfach auf dem Zuge, 
so am 19. X. auf den Warthewiesen bei Gluwno und am 20. X. 
unterhalb des Schillings. Am 3. XI. machten sich gegen Abend 
während eines gewaltigen Schneesturms 2 Nachzügler unterhalb 
des Schillings durch Rufe bemerkbar. 

1913: Am 6. III. auf den Wiesen bei Gluwno reichlich vor- 
handen; einige d* sangen eifrig. Die Vögel waren am 5. oder 
in der folgenden Nacht bei dem kräftigen, aber warmen SW. 
eingetroffen, denn am 4. wurde daselbst keine Lerche vorgefunden. 

Abzug im September beginnend: Am 21. IX. gegen Abend 
ein Schwärm von 25 — 30 Stücken an der Warthe unweit der 
Kläranlage, lebhaft rufend. Am 27. IX. traf ich auf den FeWern 
bei Ketsch noch reichlich Lerchen an; bruchstückweiser Gesang. 
Am 4. X. unweit Moschin vielfach singend. Am 17. X. gegen 
4 Uhr p. ein Schwärm von 60—70 Stücken über den Wiesen an 
der Wartheinsel unruhig hin und her ziehend und auch am 
25. X. noch einige in der Nähe der Kläranlage. Seitdem habe 
ich kein Stück mehr gesehen. 

1914: Am 15. II. traf ich gegen Vj 5 p. auf den an die 
Warthewiesen bei Gluwno grenzenden Feldern einen Schwärm von 
14 Stücken, dann etwa 30 Schritt weiter einen Flug von 10 Stücken, 
lebhaft im Abfliegen rufend (Witterung seit einiger Zeit sonnig 
und mild bei südlichen Winden, nachts meist leichter Frost); am 
21. II. ein Schwärm über den Wiesen bei Zawade, anscheinend 
aus W. kommend ; am 27. IL 1 Stück sichtbar. Am 8. III. stieg 
1 cT an den Wiesen bei Zawade singend in die Luft; am 10. III. 
daselbst reichlich singend. 

Am 22. IV. ein Nest mit 4 Eiern, von dem der Vogel abflog. 

1915: Am 17. IL nachmittags ein Schwärm von 12 Stücken 
auf einem Stoppelfelde an den Wiesen bei Gluwno (Wetter schön 
bei schwachem SW.) ; am 20. II. ebendort rufend ; erst am 24. III. 
dort singend nach den bösen bis zum 21. IIL andauernden März- 
tagen. 

176. Lullula arborea L. — Heidelerche. 
1912: Am 18. V, traf ich um Vj 6 p. in dem lichten Teile 
des Kobylepoler Wäldchens 2 Stücke. Das eine Stück, wie sich 
später zeigte, das Q, warnte, auf einem Baume sitzend, mehrmals 
mit einem dreisilbigen, von mir bisher noch nicht vernommenen 
Rufe, der wie kädwiwit klang. Das in der Nähe sitzende cf erhob 
sich bald darauf in die Luft und liefs einige Strophen hören, so 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt der Provinz Posen. 41 

dafs die Artzugehörigkeit der beiden Vögel mit Sicherheit fest- 
gestellt war. In einiger Entfernung sang ein 2. (f. Bisher hatte 
ich Heidelerchen dort nicht angetroffen. Es handelte sich offenbar 
um Brutvögel. 

1913: Am 23. III. zwischen den spärlichen Jungeichen und 
Birken jenseit des Kobylepoler Wäldchens 3 cf dieser Art, die 
sich anscheinend befehdeten, also wohl im Paarungsgeschäfte 
begriffen waren. Die Vögel liefsen immer wieder einen meist 
dreimal wiederholten Ruf hören, der, aus einiger Entfernung ver- 
nommen, wie zeffdl — — klang. Sie gingen bei meiner An- 
näherung hoch und sangen (Frühlingswetter, über 15° Wärme, 
Regenneigung). Am 25. IV., also schon in der Brutzeit, traf ich 
ein Stück um V2 7 p. diesseit des Kobylepoler Grundes, das über 
den sandigen Üferhöhen der Cybina am Wäldchen lebhaft sang 
und bei meiner Annäherung nach den jenseit der Cybina liegen- 
den sandigen Kirchhöfen flog (vgl. IL). Ebendort traf ich am 
15. V. um V2 7 p. ein singendes Stück. Es dürfte sich also 
wohl um einen Brutvogel gehandelt haben. 

Sonstiges Vorkommen: Am 14. IV. 3 Stücke unweit des 
Lubascher Sees singend trotz des heftigen Nordwests; am 8. V. 
1 singendes Stück zwischen Kobelnitz und Wierzonka; am U.V. 
bei Obornik (vgl. auch IL). 

1914: Am 7. VII. sah ich eine Familie in d'er Nähe der 
Waldwärterei Tarchalski bei Przygodzice. 

Kayser beobachtete diese Art in der weiteren Umgebung 
von Lissa. 

Der Abzug erfolgt, wie aus meinen Beobachtungen bei Tütz 
in Westpreufsen hervorgeht, im Oktober (0. Mb. 1915, No. 6, 
S, 84). 

177. Galerida cristaia L. — Haubenlerche. 

1912: Am 19. II. an der Kläranlage am Erdboden singend; 
am 29. II. von einem Dache herab singend; 6. III. um '/a 10 ^• 
über dem Bernhardinerplatze und um Va 12 über den Fabrik- 
gebäuden am ehemaligen Eichwaldtore singend. 

1913: Am 28. IL 1 Stück hoch in der Luft an der Strafse 
Dach Johannistal und ein 2. zwischen der Johanniskirche und 
den Schiefsständen trotz heftigen Nordwests singend. 

Am 26. IV. setzte sich um 2'^ p. 1 Stück dieser Art unweit 
des Bahnhofs Elsenmühle in der Nähe eines Gehöfts auf die Spitze 
einer hohen Wegkastanie. Ich dachte zunächst an einen Grau- 
ammer, war aber nicht wenig überrascht, als sich der Vogel bei 
meiner Annäherung durch einige Gesangsstrophen als Haubenlerche 
auswies. Der Vogel stand auf der breiten Fläche einer geöffneten 
Knospe ; trotzdem sah man es ihm, der sich nur mühsam im 
Gleichgewicht hielt, au, dafs diese Stellung ihm etwas Unge- 
wohntes war. 



42 J. Hammling: Neuer Beitrag i. Kenntn. d.Vogelw. d. Fror. Posen. 

Am 9. V. wurden ausgeflogene Junge der ersten Brut dies- 
seit Kobylepole gefüttert. 

Am 3. VII. traf ich recht zahlreiche Vögel dieser Art bei 
dem Städtchen Powidz (Kr. Witkowo); am 4. VII. trieben sich 
daselbst Haubenlerchen in ansehnlicher Menge auf allen Wegen 
umher. 

Herbstgesang: 9. IX. über dem Berdychowoer Damm; 15. IX. 
an der Kanal-Pumpstation; 18. IX. an der Kläranlage; 23. IX. 
über dem Livoniusplatz; 28. IX. westlich des Kernwerks und über 
der Fäkaliengrube an der Strafse nach Solatsch, auch an der 
Sandgrube bei Naramowitz und an der Kläranlage; 29. IX. an 
der Kläranlage; 1. X. in der Umgegend von Moschin; 4. X. und 
8. X. mehrfach gehört; 18. X. um 4 Vj P- an der Kläranlage; 
19. X. am ehemaligen Wildatore; 11. XI. mehrere (7—8 Stücke) 
auf dem Bernhardinerplatz, teilweise im Umherlaufen singend. 

1914: Am 1. II. sang 1 Stück auf dem Bahndamme der 
Eisenbahn Posen— Gnesen in der Nähe des Ziegelweges; am 7. II. 
und 8. II. mehrfach im Umherlaufen singend; um Vi 10 a. sang 
1 Stück hoch in der Luft über dem Exerzierplatze vor dem Eich- 
waldtore (Witterung sonnig und milde bei SW.); ebendort am 
13. II. hoch in der Luft singend, ein anderes Stück in der Nähe 
des ehemaligen Rittertores; am 15. IL am „Städtchen" singend 
und am 18. IL über dem Krankenhaus am Bernhardinerplatz. 

1915: Am 13.11. sang um 7> ^1 a. 1 Stück hoch in der 
Luft in der Nähe des Neubaues der Eisenbahndirektion, ebenso 
am 20. IL 

Hieraus dürfte sich wohl ergeben, wie unberechtigt es ist, 
der Haubenlerche Sangesträgheit vorzuwerfen, wie man dies hier 
und da getan hat. 

Nach Kayser ist diese Art bei Lissa recht häufig. 

(Schlufs folgt.) 



43 



Aufzeichnungen über das Vorkommen der Sylrien 

im Leipziger Flachlandgebiete. 

Von Rioli. SoMegel. 

Unsere fünf Sylvienarten dürfen infolge ihres häufigen Auf- 
tretens geradezu zu den charakteristischen Erscheinungen der 
Leipziger Auniederungen, Parks, Garteuanlagen und bebuschten 
Gelände gezählt werden. Dies galt in erster Linie vor ca. 
20 Jahren von 

Sylvia atricapilla atricapilla (L.), 
die damals stellenweise noch häufiger auftrat als die ihr syste- 
matisch am nächsten stehende Gartengrasmücke. Im mittel- 
sächsischen Berg- und Hügellande, sowie im Erzgebirge, wo sie 
sich in ihrem Vorkommen hauptsächlich auf jüngere Nadelholz- 
bestände beschränkt, ist sie als Brutvogel gar keine so häufige 
Erscheinung. Als ich meinen ständigen Aufenthalt in Leipzig 
nahm, war ich erstaunt, schon bei meinen ersten Frühjahrs- 
exkursionen das Tier in so grofser Häufigkeit anzutreffen. Heute 
haben sich hier die Verhältnisse etwas geändert. Vielfach ist 
dichtes Unterholz abgeschlagen worden, vielfach zu beträchtlicher 
Höhe emporgeschossen, bar jedes verworrenen Ast- und Zweigwerks. 
Immerhin ist unser Schwarzplättchen, wie dies auch Dr. Hesse 
tut, noch eine häufige Erscheinung unserer Aubestände zu nennen. 
S. atricapilla bevorzugt, wie ihre Verwandten, mehr die 
Räuder als das Innere des Waldes, womit jedoch nicht gesagt 
sein soll, dafs sie hier gar nicht anzutreffen sei. Sie brütet unter 
Umständen auch in Buschwerk von nur geringer Ausdehnung, 
vorausgesetzt, dafs sich dasselbe in der unmittelbaren Nähe eines 
gröfseren Bestandes befindet. Mir kommt es vor, als liebe S. 
atricapilla in dem niedrigen Buschwerke ihres Nestbezirks auch 
höheres Strauchwerk und niedrige Bäumchen mit lichten Kronen, 
in denen sie sich, singend, namentlich nach ihrer Ankunft, sowie 
vor und während der Paarungszeit am liebsten aufhält. In ganz 
isoliert liegendem, weniger umfangreichem Gebüsch, wo man zu- 
weilen alle übrigen Sylvien zusammen antreffen kann, habe ich 
das Schwarzplättchen nie brütend angetroffen. In niedrigen 
Nadelholzdickungen inmitten oder in der Nähe gröfserer Laub- 
holzbestände brütet das Schwarzplättchen ebenso gern wie im 
Laubholzgebüsch, hat aber hierorts weniger Gelegenheit dazu. 
Unsere Grasmücke ist nicht allzuselten auch inmitten der Anlagen 
unserer Stadt zu finden, um dort zu brüten. Ich konnte sie in 
den Familiengärten des Johannistales, im alten und neuen Johannis-, 
sowie im Südfriedhof zur Brutzeit feststellen. Für Altenbach, 
Groitzsch, Grimma wird unsere Grasmücke gleichfalls als Brut- 
vogel, für letzteren Ort in den ornithologischen Jahresberichten 
für das Königreich Sachsen sogar als häufigste Art verzeichnet. 



44 Eich. Schlegel: 

Im naheliegenden Borna soll sie jedoch selten vorkommen. Bei 
Belgershain ist sie nach eigenen Beobachtungen ebenfalls ein 
häufiger Brutvogel. Dr. Koepert berichtet über ihr Vorkommen 
im angrenzenden Herzogtum Altenburg, dafs sie dort allenthalben 
nicht selten brüte und auch im Westkreise häufig sei. Für den 
Frühlingszug liegen für verschiedene Jahre bei eigenen und fremden 
Beobachtungen folgende Daten vor: April: IL, 14., 15., 18., 18., 
19., 19., 22., 23., 25. Folgende Daten des Herbstzuges besagen 
nur, dafs am angegebenen Tage der Vogel noch bemerkt wurde: 
13. IX,, 16. X. — Die von mir recht zahlreich aufgefundenen 
Nester standen alle unter Manneshöhe, ein Nest mit erythristischen 
Eiern sogar recht nahe am Boden. Die Nester sind fast regel- 
mäfsig nicht gut versteckt gebaut, sondern meist immer leicht 
auffindbar und in Rüster-, Traubenkirschen und anderem Gebüsch, 
Dorngebüsch nicht ausgenommen, angelegt. Für besonders er- 
wähnenswert halte ich, dafs ich hier, wie auch in Aderstedt bei 
Bernburg wiederholt Nester auffand, welche, wie dies Oriolus tut, 
in einer Traubenhollunderastgabel, nach unten hängend, einge- 
flochten waren. Auf einer gemeinsamen Exkursion fand ein solches 
Nest auch J. Thienemann in einer Fichtenschonung, und Herr 
Westphal legte mir 1916 ein ebensolches Nest aus Gundorf vor. 
Auch beobachtete ich wiederholt, dafs sich das Männchen am 
Brutgeschäfte eifrig beteiligt; ich fand dasselbe nicht nur um die 
Mittagszeit, sondern auch noch in den späteren Nachmittagsstunden 
im Neste sitzend an, was auch durch Capek in seiner CuculusMheit 
durch Beobachtung eines Falles für Mähren bestätigt wird. Die 
aufgefundenen Gelege waren fast immer mit 5 Eiern vollzählig; 
eine Anzahl von 6 Stück ist selten, weniger selten sind 4 Stück 
im Gelege. Erythristische Gelege fand ich in einem Zeiträume 
von 5 Jahren zweimal auf; die Herren Rey jun., Dr. Proft, Roux 
und R. Müller fanden gleichfalls solche. Ihr Vorkommen ist für 
unsere Gegend also kein allzuseltenes zu nennen. Über die 
Brutzeit selbst geben nachstehende Daten Aufschlufs: 

Grimma: 29. V. 2 Nester mit befiederten Jungen, 1. VH. 
und 3. VH. ausgeflogene und ziemlich erwachsene Junge. 

Rüben b. Leipzig: 23. V. 2 Nester mit je 4 Eiern. 

G r i t z s c h : 14. VI. Eier ausgebrütet. 

Leipzig: 22. V. ziemlich stark bebrütete Eier, 25. V. 

2 Gelege ä 5 Stück frisch, 26. V. 2 Gelege ä 5 Stück frisch, 
28. V. Gelege 6 Stück frisch, 31. V. 1 frisches Ei. 8. V. 3 und 
5 frische Eier, 23. V. 5 frische Eier und 5 eben ausgeschlüpfte 
Junge, 13. VI. 3 frische Eier. S. atricapilla tiitt hierorts nur 
ausnahmsweise als Brutpfleger von Cuculus auf. 1894 wurden 

3 Eier eines und desselben Weibchens (No. 120 nach Dr. Rey) 
vorgefunden, ein Fall, nach dem Cuculus S. atricapilla als Brut- 
pfleger bevorzugt. Einige andere, mir bekannt gewordene Fälle 
sind vielleicht nur Notablage gewesen. 



Aafzeichn. üb. d. Vorkommen d. Sylvieo i. Leipziger Flachlandgeb. 45 

Sylvia horin borin (Bodd.). 
Die Gartengrasmücke ist über das gesamte Leipziger Gebiet 
verbreitet und eine häufig auftretende Art. Wir finden sie 
zahlreich in den Auwaidungen mit üppigen, am liebsten recht 
dichten Unterholzbeständen und mehr am Rande oder nicht weit 
von diesem entfernt, ferner überall an den mit Buschwerk be- 
standenen Wiesen und Flufsläufen. S. hortensis ist die Art, welche 
vor allem die fruchtbaren Auen liebt, in welchen sich dichtes, 
reich belaubtes Buschwerk eingestreut findet, ohne Vorliebe für 
Dorngestrüpp zu bekunden. Dies mag wohl auch der Grund sein, 
weswegen man S. hortensis da am wenigsten anzutreffen pflegt, 
wo sich S. nisoria und cinerea brütend zeigen. Die Gartengras- 
mücke weicht der Nähe des Menschen gern aus und siedelt sich 
deswegen auch nur ausnahmsweise in ausgedehnteren Garten- 
anlagen an, denen vor allem dichtes Gebüsch nicht fehlen darf. 
So ist sie vor mehreren Jahren von Dr. Proft und R. Müller in 
Lohmanns Garten an der Funkenburg, nahe am Holze, brütend 
beobachtet worden, und Ende Mai 1917 hörte ich den Vogel in 
den Familiengärten bei Stünz singen. Aufzeichnungen, dafs ich 
sie auch in städtischen Parkanlagen zur Brutzeit angetroffen hätte, 
liegen nicht vor, nur im König Albert Park habe ich einige Male 
ihren Gesang vernommen. Auch in Leipziger Friedhöfen ist mir 
der Vogel nicht aufgefallen ; wohl aber im Gelände des Völker- 
schlachtdenkmales. In den Nadelholzbeständen der Harth und 
des Universitätsholzes findet sich der Vogel naturgemäfs seltener, 
wird aber sofort wieder häufiger, sobald Laubholzbestände auf- 
treten und die Gegend Auencharakter annimmt. In der näheren 
Um-gebung Leipzigs ist S. hortensis ebenso häufig wie in den 
städtischen Bezirken. Ich fand sie zahlreich in den Wäldern um 
Machern, Polenz, Markkleeberg, Crostewitz, Deuben, Zehmen, 
Rüben, Rötha und in allen Auwald- und Wiesengebieten von 
Zwenkau bis Leipzig. Für Würzen, Altenbach, Groitzsch, Grimma 
und Belgershain ist sie ebenfalls als Brutvogel, für die letzten 
beiden Orte sogar als häufigste Art verzeichnet. Für das an- 
grenzende Altenburg notiert sie Dr. Koepert als nicht seltenen 
Brutvogel. Vom Frühjahrszuge liegen für verschiedene Jahre 
folgende Daten vor: 27. IV., 6. V., 10. V., IL V., 13. V. Am 13. IX. 
beobachtete ich noch ein Exemplar am beerentragenden Gesträuch. 
Im Auwalde scheint Sylvia hortensis ihr Nest gern in Trauben- 
kirschenbüschen anzulegen; ferner werden auch Rüster- sowie 
jedes andere dichte Buschwerk zur Unterbringung des Nestes 
gewählt. Dann fand ich die Nester in Brombeer- und Hopfen- 
ranken, reinen Nesselstauden und Fichtenschonungen, selten in 
Weifs- und Schwarzdorngebüsch. Die Höhen der Neststandorte 
sind aufserordentlich schwankend: Sie stehen mitunter ganz nahe 
am Boden, doch findet man sie auch bis über Manneshöhe vom 
Boden entfernt. Die Zeit des Brutgeschäftes sowie die Anzahl 
der Eier im Gelege werden durch folgende Aufzeichnungen 



46 ^ich. Schlegel: 

wiedergegeben, wobei nicht alle Daten berücksichtigt wurden : 16. V. 
2 frische Eier, 19. V. 5 frische Eier, 20. V. 2 frische Eier, 23. V. 
4 frische Eier, 24. V. „3 Nester mit Eiern", 25. V. 5 und 5 
frische Eier, 29. V. 3 und 4 frische Eier, 30. V. 5 frische Eier, 
31. V. 3 frische Eier, 15 VI. 5 Eier ziemlich stark bebrütet. 
Eine Eierzahl von 6 Stück im Gelege scheint recht selten zu 
sein und ist mir bei vielen Funden nicht vorgekommen. 

Unter den Sylvien wird hortensis in unserer Gegend in erster 
Linie vom Cuculus mit Unterbringung der Eier bedacht. In den 
diesbezüglichen Arbeiten Dr. Reys finde ich 21 derartige Fälle 
verzeichnet. Unter diesen ist ein Weibchen (No. 99 nach Rey) 
mit 6; 4 Weibchen sind mit je 2 Eiern registriert. Ich kenne 
noch eine ziemliche Anzahl weiterer Fälle der Ablage zu S. hor- 
tensis und besitze in der eigenen Sammlung 5 Eier bei diesem 
Pfleger aus dem Leipziger Gelände. 

Sylvia nisoria nisoria (Bechst.). 

Während wir im Innern der gröfstenteils mit Unterholz 
bewachsenen umfangreichen Laubholzbestände sowie an den be- 
buschten Rändern derselben Sylvia horin und atricapilla in viel- 
leicht derselben relativen Häufigkeit anzutreffen gewohnt sind, 
tritt S. nisoria im Innern von Beständen niemals, an den Rändern 
nur dann auf, wenn diese ihren ganz bestimmten Anforderungen 
entsprechen. Überhaupt liebt die Sperbergrasmücke keine gröfseren 
Bestände, sondern bevorzugt die mit Hecken und dichtem Gebüsch 
bestandenen Flufsufer, die sich durch freie, hier gröfstenteils 
durch Wald begrenzte Wiesenflächen sowie Lachen und Gräben 
inmitten von Wiesen und Feldern, wenn diese mit dichten Hecken 
umgeben sind, die ihr Niststätten und Unterschlupf gewähren. 
Dorn-, Berberitzen-, Feldahorn und anderes recht dichtes und 
verworrenes Gebüsch, namentlich wenn dieses noch obendrein 
mit Hopfenranken durchwuchert ist, liebt S. nisoria als Aufenthalt 
ganz besonders. Aber auch in den geeignetsten Hecken wird 
sich diese stattliche Grasmücke nicht dauernd niederlassen, wenn 
sich nicht wenigstens ein Bewässerungs- oder Abzugsgraben dort, 
ein Flufslauf resp. eine Lache daselbst befinden. Äufserst auf- 
fällig bleibt es, dafs die Sperbergrasmücke von verschiedenen 
Örtlichkeiten, die ihr nach dem Ermessen des Beobachters alle 
die gleichen Existenzbedingungen bieten, einer bestimmten ganz 
entschieden den Vorzug gibt, dafs man von einem inselartigen 
Auftreten, etwas übertrieben, an bestimmten Stellen von einem 
kolonienweisen Brüten zu reden versucht sein könnte. Es sind 
dies immer solche Stellen, die bei geringer Ausdehnung möglichst 
von allen, wenigstens aber von 2 Seiten von Wasser umgeben 
und mit dichtem, besonders Dorngebüsch bewachsen sind. Als 
eine solche Stelle war in den 90er Jahren der sogenannte „Esel" 
bei Deuben zu bezeichnen. Auf diesem Gebiete, vielleicht 



Aufzeichn. Üb. d. Vorkommen d. Sylvien i. Leipziger Flachlandgeb. 47 

300 Schritte im Umkreise, konnte ich einmal 8—10 Pärchen 
feststellen. Seit diese Stelle als Bauplatz für eine Villa diente 
und mit Nadelholz bepflanzt wurde, wurde auch S. nisoria dort 
verdrängt. Als eine weitere Stelle, wo das Tier recht häufig 
anzutreffen war, waren die Markkleeberger Pleifsenwiesen zu 
bezeichnen, da, wo sich Göselbach und Pleifse auf ca. 100 Schritte 
nähern. Hier konnte ich einmal 6 Pärchen nistend festmachen. 
Da dieses Gebiet neuerdings schwieriger zugängig ist, kenne ich 
die gegenwärtigen Verhältnisse weniger, vermute aber, dafs sie 
bei unveränderten Vegetationsverhältnissen dieselben geblieben 
sind. Hierauf folgen dann die Lachen bei Gohlis-Möckern, während 
ich in den reich bewässerten Niederungen nach Wahren zu das 
Tier nicht antreffen konnte. Regelmäfsig zwar, aber vereinzelter 
finden wir den stattlichen Vogel dann wieder in der Nähe des 
jetzt abgetragenen neuen Schützenhauses, in den Wiesen- und 
Waldhecken des Connewitzer-, Schleufsiger- und Zschocherschen 
Holzes, an den Ufern der Elster und Patzschke bei Zwenkau, 
Eythra, Prödel, Zöbigker, bei Gaschwitz, Markkleeberg, Zehmen 
und am Zauchgraben hinter Holzhausen. In der weiteren Um- 
gegend Leipzigs ist das Auftreten von S. nisoria ein selteneres. 
Für Würzen heifst es in den sächsischen Jahresberichten: Seltener 
Sommerbrutvogel. Von Altenbach ist erwähnt: Einmal beobachtet, 
Durchzugsvogel. Wie ic-h aus den 1894 er Kuckucksbeobachtungen 
Dr. Reys entnehme, ist S. nisoria dort auch als Brutvogel kon- 
statiert worden. Dr. Hennicke schreibt für Belgershain : „Selten, 
als Brutvogel nicht nachgewiesen." Dr. Koepert berichtet vom 
nahen Herzogtum Altenburg: Brütet nur ausnahmsweise bei uns. 
Kratzsch erlegte am 24. V. ein (f bei Kleintauschwitz. Der 
Beobachter Thiele schreibt in den sächsischen Berichten für die 
Glauchauer Gegend hinsichtlich des Vorkommens der Sperber- 
grasmücke „selten". Diese allgemeine, in keiner Weise begründete 
Angabe scheint nach meinen Erfahrungen stark weiterer Be- 
stätigung zu bedürfen. Ausdrücklich Einspruch aber möchte ich 
erheben betreffs der Angabe Heyders, dafs unsere Sperbergras- 
mücke nach A. Markert zur Brutzeit im Mitweidatale aufgetreten 
sei. Ich komme darauf sowie auf die von Heyder nach A. Markert 
registrierten Fälle des Brütens von Ä. linaria, Aeg. caudatus und 
des Vorkommens von Luscinia svecica svecica (L.) bei Scheiben- 
berg im hohen Erzgebirge gelegentlich noch eingehender zurück 
und mufs diese Angaben im Interesse der Wissenschaft, so schwer 
mir die Kritik gegen den einstigen alten Freund auch fällt, als 
im höchsten Grade auffällig und anfechtbar erklären, für deren 
Beurteilung unserm fleifsigen Faunisten Heyder leider keine 
persönlichen Erfahrungen zur Seite gestanden haben. S. nisoria 
gehört zu den Zugvögeln, die im Frühling erst sehr spät ein- 
treffen. 1895 wurde sie am 14. V., 1896 am 13. V. von mir 
erstmalig notiert. Am häufigsten fand ich die zahlreichen, 
leicht aus Gras und Labkrautstengeln geflochtenen Nester in 



48 Eich. Sehtegel: 

Schwarz- und Weifsdorngebüsch, das mit Hopfen überwuchert ist, 
aber auch im dichten Feldahorn und Rüstergebüsch. Alle, auch die 
in den entgegengesetztesten Beobachtungsgebieten aufgefundenen 
Nester waren ohne Ausnahme mit den trockenen Stengeln von 
Polygonum dumetorum ausgelegt, sodafs sich die Nestmulde durch 
ihre hellbraune Färbung immer von der dunkleren Aufsenwand 
unterschied. Die Höhe des Staudortes der Nester ist, wie bei 
den übrigen Grasmücken, stärkeren Schwankungen unterworfen. 
Ich fand sie von 1 Fufs bis 2V8 m vom Boden entfernt auf. Um 
Ende Mai findet man die Mehrzahl der Gelege mit 5 Eiern voll- 
zählig; 6 Eier im Gelege sind nicht gerade selten, 4 Eier sind 
jedenfalls eine recht seltene Ausnahme, die ich nur einmal fand. 
Nur wenige Eierfundnotizen aus meinem Tagebuche möge das 
Gesagte bestätigen: 

27. V.: 2, 4, 5, 5, 5, 5 frische Eier, 6 Stück stark bebrütet 
und 5 Stück schwach bebrütet; 28. V.: 4 und 5 frische Eier; 
29. V.: fertiges Nest; 30. V.: 4 frische Eier; 1. VI.: 5 frische 
und 5 stärker bebrütete Eier; 2. VI. 5 frische Eier, 3 frische 
Eier, 5 Stück, mehrere Tage bebrütet; 10, VI. 4 stärker bebrütete 
Eier; 16. VI,: 4 frische Eier, 4 halbflügge Junge und 1 faules Ei, 
16. VI. ausgeflogene Junge. Nur bei Wegnahme des 1. Geleges 
schreitet S. nisoria zu einer 2. Brut, und besteht das Nachgelege 
in der Regel auch aus 5 Eiern, Bei den frischen Eiern — in 
der Sammlung bleicht die blaue Fleckung meist stark aus — 
läfst sich ein zweifacher Typus unterscheiden. Bei dem einen 
herrscht trübweifser Untergrund mit matt trübbläulicher und 
hellrostfarbener Fleckung vor, während beim andern, ohne rost- 
gelbe Flecken, düster graubläulicher Untergrund mit viel inten- 
siverer trübbläulicher Fleckenzeichnung auftritt. Sehr oft ist am 
stumpfen Pole ein Fleckenkranz zu bemerken, der, ähnlich Lanius 
collurio Zeichnung, seltener in der Mitte, noch seltener am spitzen 
Pole bemerkbar ist, Dr, Rey registriert in seinen OMCM^Msarbeiten 
10 Fälle vom Ablegen eines Cuculuseies zu S. nisoria, wovon je 
ein Fall auf Altenbach und Würzen entfällt. Unter diesen 10 Eiern 
sind 2 Weibchen (No. 107 und 44) mit je 3 Eiern aufgeführt. 
Meine Sammlung enthält 6 Funde von Cuculuse'iern bei diesem 
Pfleger aus der Leipziger Umgebung. 

Sylvia communis communis Lath. 

Die Dorngrasmücke, welche hinsichtlich ihres Gesanges und 
Aufenthaltes, ihrer Nistweise und Beschaffenheit der Eier S. nisoria 
generisch am nächsten steht, ist die häufigste der hier vor- 
kommenden Grasmückenarten. Wenn sie hinsichtlich ihres Auf- 
enthaltes auch offeneren Stellen entschieden den Vorzug gibt, so 
fehlt sie doch auch keineswegs inmitten gröfserer geschlossener 
Bestände mit Unterholz, wenn dieselben hin und wieder lichtere 
Stellen aufweisen, die mit dichtem Stockausschlag, Nessel-, Brom- 
und Himbeerstrauchgewirre bewachsen sind. Allerorts, auch in 



Aufzeicbn. üb. d. Vorkommen d. SyMen i. Leipziger Flachlandgeb. 49 

Nadelholzschonungen, selbst im Sumpfe und Rohre finden wir 
S. communis, wenn ihr dort dichtes Pflanzengewirre günstige 
Niststätten bietet. Sehr gern werden auch Waldränder und Feld- 
raine bewohnt, die mit Brombeer- und anderen Pflanzenhecken 
dicht bewachsen sind. Seit mehreren Jahren fällt mir auf, dafs 
unsere Grasmücke mehr und mehr auch die Gartenanlagen be- 
siedelt, die bisher nur vom Müllerchen als willkommener Auf- 
enthaltsort gewählt wurden. Über das Vorkommen in der weiteren 
Umgebung finden sich recht wenig Aufzeichnungen, weil man, 
wohl infolge der Häufigkeit, dem Vogel keine besondere Beachtung 
zuteil werden liefs. Dr. Hennicke führt sie für die Umgebung 
von Belgershain als häufig auf. Auffällig häufig fand ich sie 
selbst an den Muldenufern bei Würzen. Dr. Koepert berichtet 
über ihr Vorkommen im Herzogtum Altenburg: „Allenthalben 
brütend, haben sich von den mehr und mehr verschwindenden 
Dornhecken der Feldraine in die Obstbaumpflanzungen zurück- 
gezogen." S. cinerea kehrt, je nach Beschaffenheit des Wetters, 
von Mitte bis Ende April aus dem Süden zurück. Als Ankunfts- 
daten werden angegeben für Grimma 3. V., für Leipzig 24. IV., 
Groitzsch 5. V. Als Ankunftsdaten wurden von mir notiert: 
16. IV., 29. IV., 26. IV. Die im Laufe der Jahre recht zahlreich 
aufgefundenen Nester unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Bauart, 
ihres Standortes und ihrer Höhe nicht von Nestern aus anderen 
Gegenden. .S. communis baut mit Vorliebe tief, oft ganz nahe 
am Boden. Über die Brutzeit geben die wenigen nachstehenden 
Daten Aufschlufs: 

7. V.: 4 Eier, frisch; 

22. V.; 6 Eier, frisch, 5 Eier, schwach bebrütet, 5 kleine Junge; 

23. V. : 6 Eier, schwach bebrütet, 5 Eier, frisch, 5 Eier, frisch ; 

24. V. : 5 Eier, frisch, 5 Eier, schwach bebrütet, 5 Eier, ziemlich 

stark l3ebrütet, 6 Eier, frisch; 

25. V.: 5, 5 Eier, ziemlich stark bebrütet, 4 Eier, frisch, 

fertiges Nest; 
27. V.: 6 Eier, frisch, 6 Eier, mehrere Tage bebrütet; 

18. VL: 4 Eier, schwach bebrütet; 

19. VL: 4 Eier, frisch. 

Die Sechszahl im Gelege finden wir ziemlich häufig. Ich 
kann nicht entscheiden, ob S. communis^ ungestört, jährlich 
2 Brüten macht, da die Junibruten auch infolge Störung des 
1. Geleges oder Geheckes verursacht worden sein können. Ich 
will nicht unterlassen, der Eier zweier Weibchen zu gedenken, die 
auffällig abnorm gezeichnet sind. Die Eier des einen Weibchens, 
1894 in 2 Gelegen, ä 6 Stück von Rey jun. und 1895 in 3 Gelegen, 
ä 6, 5 und 4 Stück von Dr. Proft aufgefunden, werden von Dr. 
Rey in der Z. f. 0. u. 0. 1894, pag. 17 eingehend beschrieben. 
Die Eier des 2. Weibchens (Coli. Dr. Rey) zeigen am stumpfen 
Pole die bekannten trübblauen Fleckenzeichnungen kranzartig, 
doch von solcher Gröfse und Massigkeit, dafs sie, wenn ich mich 

Joarn. f.'Om. ULVI. Jahrg. Jaanar 1918. 4 



50 Kich. Schlegel: 

recht erinnere, gröfstenteils ineinanderfliefsen und einen breiten, 
zusammenhängenden Ring bilden. Dafs das starke Variieren der 
Eier von der Beschaffenheit des Bodens abhängig sein soll, wie 
dies Dr. Floericke nach Graf Roedern in seiner Avifauna der 
Provinz Schlesien angibt, ist m. E. weiterer Beobachtung und 
Bestätigung wert. In der Leipziger Gegend legt Cuculus nur in 
seltenen Ausnahmen sein Ei zur Dorngrasmücke ins Nest; Dr. 
Rey registriert nur 4 Fälle aus den Jahren 1893 und 1894, in 
die sich 2 Weibchen teilen. 

Sylvia curruca curruca (L.). 
Unser Müllerchen, in der Umgebung auch Weifskehlchen, 
Weifskätchen genannt, ist häufig im gesamten Leipziger Gebiet 
und seiner Umgebung verbreitet und scheint, im Gegensatz zu 
S. nisoria, trockener gelegene Gebiete feuchten Niederungen vor- 
zuziehen. Damit stimmt auch die Beobachtung Dr. Floerickes 
überein, dafs S. curruca in der Bartschniederung Schlesiens nicht 
allzuhäufig auftritt. Aus dem Grunde trifft man unsere niedliche 
Grasmücke in den Auwaldgebieten etwas weniger häufig als S. borin, 
atricapilla und communis. Einige Hecken, oft eine einzige schon 
genügen, S. curruca an ein bestimmtes Gebiet zu fesseln. Regel- 
mäfsig ist S. curruca auch dort anzutreffen, wo sich in den 
Laubholzbeständen recht dichte Nadelholzschonungen eingestreut 
finden, die sie neben Dornhecken, am liebsten Weifsdorn hecken, 
Dornzäunen und Stachelbeersträuchern ganz besonders bevorzugt. 
In der wasserarmen Harthebene mit ihren umfangreichen Nadel- 
holzbeständen wie im Universitätsholze ist S. curruca ebenfalls 
nicht selten anzutreffen. Regelmäfsig treffen wir dann das 
Müllerchen auch in den östlichen und nördlichen Ackerbaugebieten 
der Leipziger Ebene, wo sie Gelegenheit findet, in Zäunen und 
Hecken von Gärten, Bahndämmen und Feldwegen ihr Nest ver- 
steckt unterbringen zu können. S. curruca scheut weit weniger 
die Nähe des Menschen als ihre Gattungsverwandten, und selbst 
inmitten der Stadt, aus Zäunen und Gebüschen der Familien- 
gärten und Friedhöfe hören wir im Frühling häufig ihren leisen 
Gesang mit der charakteristischen lauten Klapperstrophe. Aus 
der weiteren Umgebung wird ihr Vorkommen als Brutvogel bei 
Würzen (Hagen), Bennewitz bei Würzen (v. Minckwitz), Grimma, 
Naunhof (Höpfner), Pegau, Altenbach, Belegershain (Hennicke) 
und Groitzsch, für letztere beiden Orte sogar als häufig und sehr 
häufig gemeldet. Als Ankunftsdaten finde ich registriert: IL, 17., 
18., 18., 18., 22., 22., 23., 23. IV. Für welches Gebüsch S. curruca 
bei Unterbringung des Nestes besondere Vorliebe zeigt, ist bereits 
angedeutet worden. Die nachstehenden Aufzeichnungen ergeben 
das Nähere über die Brutzeit: 2. V. begonnene Nester, 14. V. 
fertiges Nest, 17. V., einige Tage bebrütete Eier, 21. V. halbnackte 
Junge, 22. V. 5 frische Eier und .5 halberwachsene Junge, 27. VL 
4 und 5 Stück stark bebrütete Eier. Weitere diesbezüglichen 



Anfzeichn. flb. d. Vorkommen d. Sylvien i. Leipziger Flacblandgeb. 61 

Aufzeichnungen liegen in meinen Tagebüchern noch recht zahl- 
reich vor. 11 Fünfer- und 1 Vierergelege der Dr. Proftschen 
Sammlung tragen die Daten vom 10. V. bis 18. VI. Drei auf- 
fällig abweichend gezeichnete Eier der Zaungrasmücke vom 1. VI. 
sind den Eiern des Zaunliönigs zum Verwechseln ähnlich, 1888—93 
war S. curruca im Connewitzer Holze Brutpfleger eines Kuckucks- 
weibchens (No. 17 nach Dr. Rey). Von den 10 gefundenen Eiern 
gehören allein 8 Stück diesem Weibchen an. 



Biologische Folgen der KrlegsnOte in der Yogelstabe. 
Von Fritz Braun. 

Als der Weltkrieg ausbrach, besafs ich rund siebzig gefiederte 
Pfleglinge. Es ward mir bald klar, dafs ich soviel Vögel auf die 
Dauer nicht durchzubringen vermöchte. So ward denn mein 
Vogelbestand im Laufe der Zeit bis auf die Hälfte verringert. 
Zu noch gröfserer Einschränkung mochte ich mich nicht verstehen, 
nicht zum mindesten infolge einer in meiner Charakteranlage 
begründeten, schwer zu überwindenden Abneigung dagegen, 
äufserem Drucke irgendwie nachzugeben. 

Die Mehrzahl meiner gefiederten Hausgenossen bestand bei 
Kriegsausbruch aus Finkenvögeln im weitesten Sinne dieses Wortes. 
Diese Vögel sollten zwar seit jeher einige wenige Flugkäfige be- 
völkern, befanden sich aber — leidiger Erfahrung nach war das 
seit Jahrzehnten die Regel — zum grofsen Teil wegen Unver- 
träglichkeit in Einzelhaft. 

Da ich mir nun sagte, dafs bei der Fütterung in zehn, elf 
Käfigen eine viel gröfsere Futtermenge verstreut, verschwendet, 
bei der Bauerreinigung fortgeschüttet werde, als wenn es sich 
um zwei, drei gröfsere Käfige mit entsprechend mehr Insassen 
handelte, so nahm ich mir fest vor, diese Vögel nunmehr endgiltig 
zusammenzusetzen und lieber ein oder das andere Stück zu opfern 
als wieder mit der Absonderung streitsüchtiger Tiere zu beginnen. 
Jedoch dieser schöne Plan ist trotz alledem gescheitert; augen- 
blicklich sitzen die 25 finkenartigen Pfleglinge, die ich beherberge, 
schon wieder in einer ganzen Menge von Käfigen. 

Liest man die Veröffentlichungen solcher Vogelpfleger, die 
gröfsere Flugkäfige ihr eigen nennen, so macht man die Erfahrung, 
dafs der eine diesen, der andere jenen Finkenvogel als unleid- 
lichen Zänker anschwärzen möchte, und dafs dabei einem jeden 
von ihnen von anderen Vogelkennern lebhaft widersprochen wird. 
Ein Vögelfreund, der sich angelegentlichst erkundigt, ob wirklich 
schon friedliche Grünfinken (Chloris chloris L.) vorgekommen 
seien, erhält zur Antwort, grade diese Art habe sich an anderen 
Stellen lals unbedingt friedliebend erwiesen, und hinsichtlich des 

4* 



52 Fritz Braun: 

Rothänflings (Äcanthis cannabina L.), des Girlitzes {Serinus hör- 
tulanus Koch), des Zeisigs {Chrysomitris spinus L.), eigeotlich 
bei allen Fringillidae begegnen uns ähnliche Meinungsverschieden- 
heiten. Mitunter reden sich die Gegner ordentlich in Hitze; 
beide sind überzeugt, im Recht zu sein, und in gewisser Hinsicht 
sind sie es auch, allerdings in anderem Sinne, als sie vermeinen, 
nämlich deshalb, weil die umstrittene Art ebenso gut zänkische 
wie friedliche Individuen aufweist. 

Früher habe ich mich wohl auch an solchen Gerichtsver- 
handlungen, sei es als Sachwalter, sei es als Staatsanwalt, beteiligt, 
um diese oder jene Art zu verteidigen oder anzuklagen. Heute 
stehe ich nach den Erfahrungen eines Menschenalters, denen 
wohl das Beiwort reichlich zugebilligt werden dürfte, auf dem 
Standpunkt, dafs im allgemeinen die eine der in Frage kommen- 
den Arten nicht schlimmer oder besser ist als die anderen, und 
dafs die entgegengesetzten Ansichten der Tierpfleger darauf 
zurückzuführen sind, dafs von ihnen rein zufällig verträgliche 
oder unverträgliche Stücke in den Flugraum gesetzt worden 
waren. Noch neulich riet beispielsweise ein Vogelliebhaber einem 
anderen, der mit dem Zusammenleben der Finkenvögel üble 
Erfahrungen gemacht hatte, er solle einige Dompfaffen (Pyrrhula 
phyrrhula L.) als „Ruhestifter" in den Flugkäfig werfen (siehe 
Gef. Welt, 46. Jahrg., Seite 131). 

Ich gestehe, dafs ich mir bei dem angeführten Ausdruck 
nichts rechtes vorzustellen vermag, jedenfalls hätte das aber doch 
wohl zur Voraussetzung, dafs die Gimpel selber sich friedfertig 
benehmen. Darauf ist jedoch durchaus nicht mit irgend welcher 
Sicherheit zu rechnen. Brünstige Dompfaffen sind nicht selten 
ganz unleidliche Zänker. Kurz vor dem Kriege mifshandelte bei 
mir ein grofser Gimpel allerlei Exoten derartig, dafs ich ihn aus 
dem Flugbauer ins Zimmer scheuchen mufste, wo er sich, was 
allerdings nicht in meiner Absicht lag, sogleich den Kopf an einer 
Fensterscheibe zerschellte. Auch jetzt ist bei mir ein Gimpel 
wieder zu Einzelhaft verurteilt, weil er einem Kreuzschnabel- 
männchen {Loxia curvirostra L.), das er unaufhörlich verfolgte, 
den ganzen Bürzel kahlgerupft und den gröfsten Teil der Schwanz- 
federn ausgerissen hatte. Wir werden unsere Erfahrungen wohl 
dahin zusammenfassen dürfen, dafs, entsprechend ihrem Freileben, 
kein einziger unserer deutschen Finken daran gewöhnt ist, während 
der Brunst- und Brütezeit mit nahverwandten Arten die alier- 
engste Nachbarschaft zu halten, sodafs man also auch in der 
Gefangenschaft bei ihnen stets mit Angriffen auf die Käfiggenossen 
rechnen mufs. Dafs dem so ist, erfuhr ich noch in diesen Wochen 
bei Basser montanus L., obgleich ich früher grade die Feldsper- 
linge für die allerfriedlichsten Geschöpfe hielt. Der schmucke 
Feldspatz, ein aufgepäppeltes Männchen im dritten Lebensjahr, 
tötete mir einen prachtvollen Goldammer. Die übrigen Käfig- 
genossen hatten merkwürdigerweise von dem Feldsperling nichts 



Biologische Folgen der KriegsoOte in der Vogelstube. ^ 

zu besorgen. Ähnliche Fälle, wo die brünstigen Angriffe eines 
Vogels sich nur gegen einen Gegner richten, sind nicht selten. 
Der betreffende Vogel, der daran glauben mufs, braucht deshalb 
dem brünstigen Nachbar garnichts getan zu haben. Es genügt, 
dafs er in seinem Wesen irgend etwas hat, das auf den erregten 
Partner wirkt wie das rote Tuch auf den Stier. Auch dabei 
handelt es sich ja um einen stellvertretenden Reiz. 

Alle diejenigen, welche tierisches Handeln einfältiglich nach 
menschlichen Analogien deuten möchten, kommen grade bei diesen 
Erscheinungen hart ins Gedränge. Wenn ein Mensch plötzlich 
überfallen wird, pflegt er sich doch zur Wehr zu setzen, namentlich 
in solchen Fällen, wo seine körperliche Überlegenheit über den 
Gegner ganz deutlich hervortritt. Bei den Gefiederten ist dagegen 
die Fähigkeit dazu von dem Vorhandensein eines ganz bestimmten 
körperlichen Zustandes abhängig. Prallt ein zanksüchtiger Girlitz 
auf einen brünstigen Grünfinken, so wird ihm der schon gehörig 
heimleuchten, fehlt aber bei dem Grünfinken diese körperliche 
Voraussetzung, so läfst er sich von dem kleinen Gegner hetzen 
und zerren wie ein grofser Hammel von einem winzigen Hündchen. 
Der Kreuzschnabel, von dem ich eben sprach, war dem Gimpel, 
einem kleinen, aus Thüringen stammenden Vogel, an Gröfse und 
Körperkraft weit überlegen, aber dennoch machte er nicht die 
geringsten Anstalten, die unablässigen Mifshandlungen seines 
jähen Bedrängers abzuwehren. Heute herrscht unter meinen 
Finkenartigen Friede, aber aus dem guten Vorsatz, endlich all 
dies Gefieder in zwei, drei Flugkäfige zu bannen, ist wieder 
einmal nichts geworden. 

Grade aufgepäppelte Vögel sind hinsichtlich ihrer brünstigen 
Wut übrigens oft noch schlimmer als alte Frischfänge. Wenn 
sie im Flugkäfige ausschliefslich von Vertretern anderer Arten 
umgeben sind, sodafs ihre Bewerbungen nirgends jene Rück- 
äufserungen auslösen, auf die sie im Freileben bei artgleichen 
Weibchen rechnen dürfen, so verfallen diese Vögel leicht in blinde 
Wut, und minnigliches Spiel verwandelt sich in mörderisches Tun. 

Hinsichtlich des Eintritts und Verlaufs der Brunst ergeben 
sich bei gefangenen Vögeln die auffälligsten Regelwidrigkeiten. 
So z. B. mufste ich einen Girlitz in diesem Jahre schon in den 
letzten Februartagen aus einem Flugkäfig entfernen, weil er in 
höchster Brunstraserei seine Genossen befehdete, dabei aber von 
stärkeren Gegnern auf das erbärmlichste zerzaust und zerschunden 
worden war. Im Einzelbauer gesundete der Vogel in wenigen 
Tagen, aber mit der brünstigen Erregung war es für dieses Jahr 
vorbei. Auch hörte ich von ihm fürderhin keinen Ton mehr, 
obgleich sein Steifszapfen, wie ich eben (24. VI.) eigens feststellte, 
noch immer geschwollen ist. 

Einen anderen Grund hatte es, dafs ich einen Stieglitz 
(Carduelis carduelis L.) in Einzelhaft belassen mufste. Dieser 
Vogel, den ich im Winter aus Thüringen bezog, gehört zu jenen 



54 Fritz Braun: 

Angsthasen, die man mit keinem Genossen zusammensetzen kann. 
Als ich ihn in einen Flugkäfig steckte, den drei vollkommen 
friedliche Vögel (ein Kreuzschnabel, ein Rothänfling, ein Zeisig) 
bewohnten, fand ich ihn nach einigen Stunden mit ganz zer- 
schlissenem Flügel und überhastig arbeitenden Lungen am Boden 
sitzen. Dabei hatte ihm sicherlich niemand etwas zu leide getan. 
Es handelt sich bei derlei Angsthasen zumeist um solche Vögel, 
die Jahr und Tag im Einzelkäfig gesteckt haben, doch ist auch 
dies Verhalten durchaus individuell; denn mancher Stieglitz, der 
mehrere Jahre in Einzelhaft geweilt hat, benimmt sich trotzdem, 
wenn wir ihn in den Flugkäfig werfen, von vornherein so ver- 
ständig, als hätte er sich fortwährend in der gröfsten Gesellschaft 
bewegen dürfen. So hat der Liebhaber, welcher sich plötzlich 
entschliefst, noch einen Vogel in seinen längst besiedelten Flug- 
käfig zu werfen, mit allerlei Hindernissen zu rechnen. Bald wird 
der Neuling von allen Insassen angegriffen und vertrieben, bald 
versetzt er sie selber in sinnlose Furcht, bald geberdet er sich 
selbst so, als solle es ihm an den Kragen gehen, obgleich ihm 
augenscheinlich nicht die geringste Gefahr droht. Hinsichtlich 
einer anderen Ursache, die namentlich dem guten Einverständnis 
zwischen Weichfressern Abbruch tut, des Futterneides, möchte 
ich hier noch eine Beobachtung nachtragen. Ich erwähnte in 
einer früheren Arbeit, dafs manche Weichfresser im Flugkäfig 
kaum jemals dazu kommen, einen Mehlwurm zu erhaschen, weil 
sie mehr auf ihre Mitbewerber achten als auf die gelben Kerfe. 
Ganz ähnlich geht es zur Zeit einem der beiden Moorfrösche 
(Rana arvalis), die ich im Zimmer verpflege. Sobald me nach 
einer in nächster Nähe befindlichen Beute Ausschau halten, 
schnappt der eine der beiden Braunröcke fortwährend nach dem 
Kopfe seines Gesellen, aber nie nach dem Wurm oder Brummer, 
was denn in der Mehrzahl der Fälle die leidige Folge hat, dafs 
er bei der Jagd um die Beute zu kurz kommt. 

Aus demselben Grunde wie der eben erwähnte Stieglitz 
mufs auch ein Zeisigbastard {Chrysomitris spinus L. X Serinus 
canarius L) für sich allein einen kleinen Käfig bewohnen. Das 
ist nun nachgerade der dritte Vertreter eben dieser Kreuzung, 
der sich durch solche übergrofse Furchtsamkeit auszeichnet, an 
der sonst grade Bastarde nicht eben zu leiden pflegen. Es 
handelt sich hier also offenbar um eine jener Erscheinungen, 
welche dem Beobachter, der ob der Fülle individueller Eigen- 
tümlichkeiten, ob der Mienge von Ausnahmen seufzt, die alle vor- 
eilig aufgestellten Regeln hinfällig zu machen drohen, die tröstende 
Gewähr geben, dafs im geistigen und seelischen Gepräge der 
Arten und sogar ihrer Kreuzungen etwas Typisches vorwiegt, 
das uns berechtigt, zu behaupten, sie seien so oder so veranlagt. 

Der Futtermangel ist mittlerweile so arg geworden, dafs 
der Satz, den ich neulich einem Bekannten schrieb: „Ich suggeriere 
meinen Vögeln mehr eine Ernährung, als dafs ich sie tatsächlich 



Biologische Folgen der EriegsDÖte in der Vogelstabe. 55 

füttere" nicht nur einen faulen Witz bedeutet. Dabei ergab 
sich's wieder, dafs Individuen der gleichen Art sich denselben 
Futterstoffen gegenüber ganz verschieden verhalten. Manche ver- 
hungern lieber, als dafs sie eine neue Samenart berühren, welche 
artgleiche Vögel ohne viel Bedenken annehmen. Im allgemeinen 
ist es aber bisher besser gegangen, als ich dachte. So war ich 
in ernster Sorge, als ich an meine Kreuzschnäbel den letzten 
Hanf und die letzte Düte Kanariensaat verfüttert hatte und 
nunmehr zu Mischungen greifen mufste, die aus alten Gemüse- 
sämereien bestehen, mit denen ein paar minderwertige Getreide- 
körner vermischt worden sind. Vorläufig ist aber den Tannen- 
papageien dies klägliche Futter recht gut bekommen, und dem 
Vogel, den der Gimpel stellenweise ganz kahl gerupft hatte, sind 
die Federn schier über Nacht wieder nachgewachsen. 

Ich möchte in diesem Zusammenhange auch darauf hin- 
weisen, dafs das Schlagwort, man solle die Vögel im Käfig natur- 
gemäfs verpflegen, nicht immer das Richtige trifft, wenn man 
darunter versteht, man solle ihnen im Zimmer ganz genau das- 
selbe Futter verabfolgen, das sie in der gleichen Jahreszeit im 
Freien verzehren. Man darf dabei nicht vergessen, dafs es einen 
Unterschied ausmacht, ob sich ein Vogel im Walde tummelt, 
tagaus, tagein mit brünstigen Artgenossen hitzige Kämpfe besteht 
oder ob er im Käfig sitzt, wo seinem Bewegungstrieb gar enge 
Grenzen gezogen sind, und dafs es nicht dasselbe ist, ob er die 
Winterzeit über im Zimmer am gefüllten Futternapf safs oder 
sich auf der Heerstrafse zwischen den Pferdeäpfeln ein paar Hafer- 
körner zusammenlas. Daher wird es mir auch begreiflich, dafs 
ich mit gefangenen Ammern viel weiter kam, wenn ich sie auch 
im Sommer im wesentlichen mit mehlhaltigen Sämereien fütterte, 
als wenn ich ihnen hauptsächlich Weichfutter und Mehlwürmer 
verabfolgte, obgleich diese Futterstoffe ihrer sommerlichen Nahrung 
im Freileben viel besser entsprechen. Der Unterschied besteht 
eben darin, dafs es sich, wie eben erläutert wurde, draufsen und 
drinnen um ganz verschiedene Geschöpfe handelt, und zum anderen 
auch in der Tatsache, dafs freilebende und gefangene Vögel in 
der Zeiteinheit ein ganz verschiedenes Mafs von Kraft verausgaben. 

Wer seit langen Jahren, Woche aus, Woche ein, ein halbes 
Hundert Vögel verpflegt hat, wird sicherlich gleich mir schon die 
Erfahrung gemacht haben, dafs derselbe Vogel zu verschiedenen 
Zeiten auch eine ganz verschiedene Futtermenge beansprucht. 
Dieselbe Feldlerche {Älauda arvensis L.), die während der Mauser 
ihren Futternapf täglich bis auf den letzten Rest leerte, verzehrt 
im Winter und im Frühling vielleicht nur einen winzigen Bruchteil 
davon, sodafs ihr Pflegeherr sich dann erstaunt fragt, wovon der 
Vogel eigentlich bestehe. Meinen Beobachtungen zufolge möchte 
ich, wie eben angedeutet, behaupten, dafs das Futterbedürfnis 
der gefangenen Vögel in der Mauserzeit am gröfsten ist, wenigstens 
dann, wenn sie als völlig gesunde Tiere in den Federwechsel 



S6 Fritz Braun: 

eintreten und dieser in jener raschen Art verläuft, die ihm bei 
den Vogelpflegern den Namen Sturzmauser eingetragen hat. In 
solchen Fällen, wo Käfigvögel bei Beginn der Mauser auffällig 
verdrossen und ohne rechte Efslust sind, darf sich ihr Herr nicht 
allzuviel Hoffnung machen, dafs sie diese kritische Zeit gut über- 
stehen werden. Selbstverständlich wird die Efslust der Gefiederten 
im Laufe des Jahres noch von vielen anderen Dingen beeinflufst, 
doch halte ich mich zur Zeit noch nicht für befähigt, darüber 
allgemeine Urteile zu fällen, aus Furcht, allerlei zu behaupten, 
was sich nicht auf einen genügend grofsen Kreis von Erfahrungen 
stützt. Bei freilebenden Vögeln wird das Nahrungsbedürfnis 
wohl auch grofsen Schwankungen unterworfen sein. In mancher 
Hinsicht dürfte der ganze, unter Umständen äo weite und auf- 
fällige Kreis von Bewegungen und Leistungen, welche mit der 
Brunst und dem Brutgeschäft verbunden sind, im unauffälligen 
Nebenamt auch noch die Aufgabe erfüllen, eine Überfütterung 
der Tiere mit hitzigen Futterstoffen zu verhüten, die plötzlich 
in reichster Menge zu geböte stehen, während sie vordem fast 
gänzlich fehlten. Das Sprichwort „ein guter Hahn wird selten 
fett" wirft auch auf diese Fragen sein erhellendes Licht. Solche 
Vögel, welche — kastriert oder infolge einer Entartung — die 
Brunstzeit in neutralem, geschlechtlich indifferentem Zustande 
verbringen würden, dürften sich hinsichtlich der Nahrungsaufnahme 
ganz anders verhalten als ein eingepaarter Buchfink, der uner- 
müdlich singt und rauft oder ein noch unbeweibtes Männchen 
der gleichen Art, das von Revier zu Revier zieht, um zu sehen, 
wo ihm das Glück erblühe. 

Nur einem meiner Pfleglinge war der Übergang zu anderen 
Futterstoffen fast verderblich geworden, einem Grünfinken, dessen 
Oberschnabel durch eine knochenfrafsartige Krankheit gänzlich 
zerstört worden ist, der aber dennoch in diesem Zustande bereits 
mehrere Jahre überdauert hat, weil ihm an Stelle des Oberschnabels 
zwei sichelförmige, nach oben gerichtete Horngebilde gewachsen 
sind, mit deren Hilfe er Hanf, Hirse und Glanzsaat zu enthülsen 
vermag. Als ich zu dem geringeren Mischfutter überging, begann 
der Vogel zu trauern, sodafs ich schon eine innere Krankheit 
vermutete. Bald erkannte ich aber, wo es fehlte. Er konnte in 
seinem Zustande mit den Gemüsesämereien nichts anfangen und 
kümmerte deshalb dahin. Als ich einen Rest Hirse unter sein 
Futter mischte, trug er sich von Stunde an schlanker. 

Vielleicht hat der Futtermangel, unter dem wir heute leiden, 
auch etwas Gutes. Die Erfahrungen, die er in dieser Zeit der 
Not sammelt, warnen den Tierpfleger davor, allzurasch zu schema- 
tisieren. In jedem Menschen steckt hinsichtlich solcher Fragen 
etwas von einem Gesetzgeber, und ähnlich, wie die medizinische 
Wissenschaft zur Zeit unserer Ahnen, wo ihre Theorien noch sehr 
„grau" waren, schon zu der allergenauesten Mischung der oft 
recht willkürlich gewählten Heilmittel neigte, so schreibt auch 



Biologigche Folgen der Krieganöte in der Vogelstube. 67 

der erfahrene Vogelpfleger uns für eine jede Vogelart nur allzugern 
gleich eine ganz bestimmte Futtermischung vor. Jetzt, wo wir 
vergeblich nach Hanf und Mohn, Rübsen und ähnlichen guten 
Dingen Ausschau halten, sehen wir mit einem Male, dafs es auch 
anders geht. Mitunter überkam mich bei solchen Erlebnissen ein 
ähnliches Gefühl des Staunens wie dereinst, da ich in Smyrna 
und Aidin sah, dafs die kleinasiatischen Vogelliebhaber ihren 
ganz schmuck ausschauenden Nachtigallen (Erühacus luscinia L.) 
nichts anderes verabfolgten als Erbsmehl. 

Nicht viel besser wie um das Körnerfutter ist es um die 
Weichfuttermischungen bestellt, auf die man in Kriegszeiten viel 
mehr angewiesen ist wie im Frieden, da es namentlich hier in 
der ostmärkischen Kleinstadt jetzt beinahe unmöglich ist, alle 
die Bestandteile aufzutreiben, deren man zur Selbstbereitung von 
Weichfutter bedürfte. Das Futter, das ich seit Monden an meine 
Stare und Drosseln verfüttere, besteht zur Hauptsache aus den 
Abfällen von Dörrobst und Dörrgemüse, die ich noch mit allerlei 
Abfällen unseres eigenen Tisches verlängere. Noch vor drei Jahren 
hätte ich den Gedanken, die Vögel damit auf die Dauer zu er- 
nähren, entrüstet von der Hand gewiesen. Als mustergültige 
Nahrung kann das Futter auch beileibe nicht gelten, aber bisher 
haben sich die Pfleglinge damit ganz gut abgefunden, denn wenn 
mein Mainastar {Sturnus tristis L.) nicht mehr recht singen will, 
so mufs ich bedenken, dafs er schon im Jahre 1908 als älterer 
Vogel zu mir kam und demnach bereits als bemoostes Haupt 
gelten darf. Anders steht es dagegen mit meiner Weindrossel 
(Turdus iliacus L.). Sie kam in diesem Jahre nicht recht in 
Brunst und singt jetzt im Juni gar nicht mehr, obgleich bei dem 
nordischen Vogel der Brunstgesang grade um Johanni herum am 
eifrigsten erschallen sollte. Vögel in solcher Lage, die man 
eigentlich nicht vorbehaltlos als krank bezeichnen darf, dünken 
dem Beschauer recht befremdlich. Ihr Organismus gleicht etwa 
einer Uhr, in der eine zum Schwingen bestimmte Feder gewaltsam 
festgehalten wird. Es scheint fast so, als träfe der Strom ihres 
Lebens auf eine feste Schleusenwand, die ihm verwehrt, seinen 
Weg fortzusetzen. Die Verabreichung von Reizmitteln (Mehl- 
würmern u. ä. m.) hat bei solchen Vögeln nicht etwa die Wirkung, 
dafs der stockende Trieb nunmehr rasch ausgelöst wird, sondern 
die Vögel gehen dann, wie das schon der Wiener Vogelpfleger 
Rausch richtig beobachtet und trefflich geschildert hat, unter 
krampfartigen Erscheinungen zugrunde. Ob es im Freileben 
wohl auch ältere (nicht senile) Vogelmännchen gibt, die im Lenz 
dann und wann nicht in die richtige Brunst kommen? Es wäre 
ganz interessant, zufällige Erfahrungen, die darüber hier und da 
vielleicht einmal gemacht sein mögen, zur allgemeinen Kenntnis 
zu bringen. 

Jetzt in der warmen Jahreszeit geht es meinen Weichfressern 
bei der geschilderten Nahrung augenscheinlich viel besser als im 



58 Fritz Braun: 

Winter, wo ihr Körper in dem nur schlecht heizbaren und des- 
halb recht kühlen Vogelzimmer einer gröfseren Kräftezufuhr be- 
durfte wie in diesen glühenden Junitagen. Die trockenere Luft 
der sonnigen Frühsommerwochen hat meinem Greisenstar {Sturnus 
malaharicus Gm.) sogar endlich zu gesunden Füfsen verholfen. 
Seine Zehen waren nämlich entzündet, weil er damit fortwährend 
in den Kot hineintrat. Obgleich ich einen Tag um den anderen 
bei ihm Fufswäsche hielt, stellte sich dadurch schliefslich doch 
ein unangenehmes Fufsleiden ein, das mich schliefslich recht nervös 
machte. Nunmehr werden die Auswurfstoffe des Stars in der 
durchsonnten Luft rasc"h knochentrocken, und weil die Zehen rein 
und sauber blieben, ist auch das Fufsleiden bereits ganz überwunden. 

Als kläglich mufs auch die Ernährung meiner Papageien 
bezeichnet werden, da mir die gewohnten Sämereien schon lange 
nicht mehr zur Verfügung stehen. Dennoch erfreuen sich grade 
die Krummschnäbler des besten Wohlseins. Im allgemeinen 
pflegen ja grade diese Geschöpfe, nicht unähnlich^ manchen ge- 
wichtigen menschlichen Rentnern, viel mehr an Überernährung 
als an Mangel zu leiden. Ich hoffe daher auch, meine Papageien 
glücklich bis zum Frieden durchzubringen, während mir das bei 
den anderen Vögeln, namentlich bei den Hirse heischenden Exoten 
recht zweifelhaft erscheint. Selbst die deutschen Waldvögel müfste 
ich, wenn es mir jetzt nach der Ernte nicht gelänge, bei befreun- 
deten Gutsbesitzern ein gut Teil Scheuergesäme aufzutreiben, mit 
dem Chloroformbausch ins Jenseits befördern. Gewisse englische 
Staatsmänner dürften sich in dem Falle glücklich preisen, dafs 
sie nicht im Wurfbereich meines Mobiliars weilen. 

Auch den Papageien haben die Wintertage mit ihrer Kälte 
und ihren langen Nächten wenig behagt. Die Blaustirnamazone 
{JBsittacus aestivus Lath.) wurde damals so schweigsam, dafs meine 
Angehörigen schon meinten, sie hätte ihren reichen Sprachschatz 
ganz und gar verlernt. Heute plappert sie dagegen so munter 
wie nur je. Selbst mein Naktaugenkakadu {Psitfacus gymnopis 
Lath.) liels sich monatelang so gut wie garnicht hören. Solche 
Stimmungen spielen beim Verkauf von Papageien oft eine sehr 
ärgerliche Rolle, und es mag dadurch schon mancher sehr mit 
Unrecht in den Ruf eines Aufschneiders gekommen sein. Über 
den Sprachschatz meines Nacktaugenkakadus gewann ich erst 
einigermafsen Klarheit, als der Vogel schon vier, fünf Monate in 
meinem Besitz war, da er offenbar sehr lange Zeit seiner früheren 
Herrin nachtrauerte. Noch sehr viel später hörte ich dann und 
wann eine Redensart, die er schon an seinem früheren Wohnort 
gelernt haben musfte. Es ist das ein Beweis für das aufser- 
ordentliche Gedächtnis dieser Vögel, doch möchte ich diese 
Erinnerungsgabe beinahe als Organgedächtnis bezeichnen, da das 
Bewufstseinszentrum meiner Ansicht nach daran ziemlich un- 
schuldig sein dürfte. Geraten die Stimmwerkzeuge einmal 
zufällig in Bewegungen, die solchen ähneln, die vor Jahr und Tag 



Biologische Folgen der EriegSDöte in der Vogelstabe. 59 

des öfteren geübt wurden, so dauert diese Bewegung fort wie 
diejenige eines Wagens, der zufällig auf glatte Schienen geriet, 
und wir hören Menschenworte, welche der Papagei seit langer 
Zeit niemals zum besten gab. 

Auch in den normaleren Zuständen der Friedensjahre fühlten 
sich meine verschiedenen Papageien in ganz verschiedenen Lagen 
zum Sprechen aufgelegt. Die Blaustirnamazone war dann am 
redseligsten, wenn alles um sie her lachte und plauderte und 
womöglich noch fremde Gäste ihr eine ganz unerwartete An- 
regung gewährten. Der Nacktaugenkakadu, der für einen Kakadu 
ganz auffällig viel in Sätzen spricht, liefs sich ganz im Gegenteil 
dazu vornehmlich dann hören, wenn er durch nichts von seinen 
geruhsamen Übungen abgelenkt wurde. Bei weitem am meisten 
plapperte er an den langen, hellen, stillen Juniabenden, wenn 
das laute Leben und Treiben, das tagsüber die Vogelstube erfüllt 
hatte, schon verklungen war und nur noch hin und wieder ein 
Goldammer zu seinem friedevollen Liedchen ansetzte oder ein 
Stärlein, wie im Traum, eine Gesangesstrophe hervorsprudelte. 

Eine eigentümliche Beobachtung machte ich neuerdings bei 
meiner Kohlmeise {Farus maior L.). Ich sah nämlich eines 
Abends eine Kohlmeise in den Büschen und Bäumchen vor den 
Fenstern meiner Vogelstube so eigentümlich erregt und viel- 
geschäftig umhergeistern, dafs man ihr sogleich ansah, sie sei 
nicht nach der Weise ihrer Artgenossen auf regelrechter Nahrungs- 
suche begriffen. Ihr Benehmen fiel mir so sehr auf, dafs ich 
spornstreichs in mein Vogelzimmer eilte, um nachzusehen, ob 
meine Kohlmeise noch da sei, denn solche Vögel, die nach langer 
Gefangenschaft plötzlich dem Freileben wieder zurückgegeben 
werden, benehmen sich wohl ähnlich wie jener Vogel, der mir 
aufgefallen war. Meine Meise steckte aber noch in ihrem Bauer, 
und zwar war sie in der gleichen Erregung wie der Vogel draufsen 
im Garten. Mehrere Tage hindurch konnte ich nun beobachten, 
dafs die beiden Kohlmeisen in regem Lautaustausch standen, 
und dafs beständig Lockrufe hin und her gingen, um so eifriger, 
als meine Meise, was bei Kohlmeisen in der Gefangenschaft 
gar nicht so häufig ist, ein fleifsiger Sänger blieb, der mitunter 
viertelstundenlang seinen Frühlingsruf hinausklingelt. Mich er- 
erinnerte die Geschichte an ein ähnliches Ergebnis in Konstanti- 
nopel, wo sich einem Feldsperling, dessen Käfig auf meiner Loggia 
hing, bald ein gleichartiger Vogel (Weibchen? — ) beigesellte, 
der zuweilen lange Zeit auf der Decke des Käfigs safs und mit 
seinem Insassen Zwiesprache hielt. (So schrieb ich am 24. VI. 
und am 25. VI. wurde ich ganz zufällig Zeuge, dafs auch mein 
Feldsperling an dem Geschwätz einiger Artgenossen im nächsten 
Fliederbusch den eifrigsten Anteil nahm. Es ist mir nun ziemlich 
klar, dafs ähnliche Auseinandersetzungen auch den Erregungs- 
zustand hervorriefen, der neulich meinem schmucksten Gold- 
ammer das Leben kostete.) 



69 Fritz Braun: 

In früheren regenreichen Sommern ist mir mitunter auf- 
gefallen, dafs die Brunst der Singvögel verlängert wurde, und 
dafs sie noch in der zweiten Hälfte des Juli so fleifsig sangen, als 
sei das Johannisfest um einen Monat verschoben worden. Aber 
auch in diesem bodenlos heifsen und trockenen Juni dachte ich 
immer wieder über die auffällige Sangesträgheit der freilebenden 
Vögel nach, die mitunter selbst in den Morgenstunden, wo ihr 
Lied sonst am feurigsten schallt, gar keine Lust verspürten, sich 
hören zu lassen. Auch ein tüchtiger Stimmenkenner hätte, wenn 
das Gehör seine einzige Quelle gewesen wäre, nach vierund- 
zwanzigstündigem Aufenthalt in einem Garten nur eine unvoll- 
ständige Liste der Vögel zu liefern vermocht, die in seiner 
Nachbarschaft hausen, denn Pirol (Oriolus oriolus L.), Sprosser 
(Erithacus philomela L.) und Weidenlaubvogel {Phylloscopus rufus 
Bebst.) liefsen sich wiederholt tagelang nicht hören, und selbst 
so fleifsige Sänger wie der Fitis (Phylloscopus trochilus L.) und 
die Dorngrasmücke {Sylvia Sylvia L.) erwiesen sich zeitweise als 
recht schweigsam. Erst als der Witterungsumschlag dicht bevor- 
stand, überflutete der Weidenlaubvogel alles gehörig mit dem 
gleichmäfsig rieselnden Bächlein seines einförmigen Liedes so 
eifrig, wie er das sonst kaum nach seiner Rückkehr tut, indem 
er damit den alten Volksglauben bestätigte, dafs er vor anderen 
ein hydroskopisches Wesen sei. 

Um so besser schien die Trockenheit dem Kuckuck {Cuculus 
canorus L.) zu bekommen, der hier in grofser Zahl und ganz 
merkwürdiger Vertrautheit mit dem Menschen vorkommt. Als 
mir die Schüler erzählten, der Kuckuck rufe immer vom Dach 
der Turnhalle, hielt ich das anfänglich für einen schlechten Witz. 
Aber nur zu bald sollte ich mich von der Wahrheit des Berichtes 
überzeugen, und nicht nur die Turnhalle, auch gar manches 
Wohnhaus unserer Parkstralse diente dem Stimmgewaltigen als 
Rednerkanzel, und immer wieder sah ich den in meiner Danziger 
Heimat recht scheuen Vogel hinter dem kichernden Weibchen 
her über meinen Hausgarten hinwegstreichen. Das hielt den 
ganzen Mai hindurch an; erst zu anfangs des Juni schien sich 
die übergrofse Brunst, welche die Vögel alle Vorsicht vergessen 
liefs, ganz allmählich zu legen. 

Sicherlich wird es auch nach dem Friedensschlufs noch Jahr 
und Tag währen, ehe der Vogelpfleger seine gefiederten Haus- 
genossen und das, wovon sie leben, wieder so leicht und billig 
erwerben kann wie in den letzten Jahren vor dem grofsen Ringen, 
da ein Weltverkehr von beispielloser Entwickeluug selbst so 
nebensächlich erscheinende Dinge in reicher Fülle und zu Preisen, 
die reger Wettbewerb ständig darniederhielt, auf den Markt zu 
bringen pflegte. Aber wir wollen über unser Los auch in 
dieser Hinsicht nicht murren. Vielleicht geht es unseren Be- 
strebungen auf diesem Gebiet wie den Strömen, die, von Felsen 
beengt, desto tiefere Betten graben, weil sie sich nicht mehr in 



Biologische Folgen der Kriegsnöte in der Vogelstube. 61 

die Breite verlieren dürfeo. Das würde dem deutschen Genius, 
dem Reklame und Bluff allezeit wesensfremd bleiben sollten, vor 
anderen wohl anstehen. 



Vogelarten des afrikanischen Fannengelbiets, 
die Ton 1905—1914 neu feeschrieben worden sind. 

Von Ant. Reiohenow. 

Seit dem Erscheinen des dritten Bandes meines Werkes 
„DieVögelAfrikas" im Jahre 1905 sind in runder Summe 
etwa 1000 neue Vogelformen aus Afrika beschrieben worden. 
Eine übersichtliche Zusammenstellung dieser Neubeschreibungen 
wird eine willkommene Erleichterung für die fernere ornithologische 
Erforschung Afrikas und eine nützliche Ergänzung zum vorge- 
nannten Werke sein. 

Im Nachstehenden sind die seit 1905 bis zum Beginn des 
Weltkrieges beschriebenen Arten aus dem gesamten Schrifttum 
zusammengetragen und durch solche ergänzt worden, die während 
des Krieges in deutschen und den mir zugegangenen Schriften 
des neutralen Auslandes veröffentlicht wurden. Auch sind noch 
einzelne Artnamen hinzugefügt, die man bisher irrtümlich gedeutet 
hatte. Innerhalb der einzelnen systematisch geordneten Gruppen 
sind die Namen des bequemeren Auffindens wegen alphabetisch 
geordnet. R c h w. 

Anatidae. 

1. Anas leucosfigma Rüpp. artlich verschieden von A. sparsa 
[A. Sm.] Eyt.; Reichenow, Journ. Orn. 1912, 319. 

2. Fteronetta hartlauU albifrons n. vom oberen Kongo, Ituri 
und Uelle; 0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 42. 

Oharadriidae. 

3. Cursorius gallicus dahlaJcensis n. von den Dahlakinseln ; Graf 
Zedlitz, Orn. Mntsb. 1910, 9. 

4. Cursorius gallicus kordofanensis n. von Kordofan; 0. v. Wett- 
stein, Ak. Wissensch. Wien, Mai 1916. 

5. Glareola antaenia n. von Mawambi am Ituri; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1908, 191. 

6. Glareola fusca füllehorni n. von Ostafrika, Manjarasee bis 
Natal; 0. Neumann, Orn. Mntsb. 1910, 10. 

7. Eemiparra hyhrida n. von Deutsch -Ostafrika; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1909, 42. 

8. Lobivanellus senegallus maior n. von Nord-Abessinien, Schoa, 
Gallaländer; 0. Neumann, Orn. Mntsb. 1914, 8. 

9. Oedicnemus capensis ehrenhergi n. von den Dahlakinseln; 
Graf Zedlitz, Orn. Mntsb. 1910, 9. 



62 Ant. Beichenow: 

10. Oedicnemm csongor n. von Schirati am Victoria Niansa; J. 
V. Madaräsz, Arch. Zool. 1909, 11. — Nicht verschieden von 
Oe. capensis nach Reichenow, Wiss. Erg. D. Zentral- Afr.- 
Exped. d. Herz, zu Mecklenb. 1911, 245. 

11. Ehinopiilus chalcopterus ohscurus n. von Südafrika, Kapland 
bis Loango und Mombassa; 0. Neumann, Orn. Mntsb. 1910, 11. 

12. Stephanibyx melanopterus minor n. von Ost- und Südafrika; 
Graf Zedlitz, Orn. Mntsb. 1908, 181. 

Rallidae. 

13. Eimantornis whitesidei n. vom oberen Kongo; Sharpe, Bull. 
Br. 0. C. 25. 1909, 19. — [In der Beschreibung ist nicht 
angegeben, wie diese Art sich von H. (Psammocrex) peiiti 
Oust. unserscheidet, welche Form von Landana am Kongo 
beschrieben ist, aber mit H. haematopus vereinigt wird.] 

14. Ortygops macmillani n. von Kaffa im südwestlichen Abessinien; 
D. A. Bannerman, Bull. Br. 0. C. 29. 1911, 38. 

15. Podica jacobi n. von Kamerun; Reichenow, Journ. Orn. 
1906, 325. 

16. Sarothrura antonii n. von Ndassekera an der Grenze von 
Deutsch- und Englisch-Ostafrika; J. v. Madaräsz u. 0. Neu- 
maun, Orn. Mntsb. 1911, 186. 

17. Sarothrura huryi n. von den Waggabergen im Somaliland; 
W. R. Ogilvie-Grant, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 93. 

18. Sarothrura pülchra centralis n. von Mittelafrikanischen Seen- 
gebiet; 0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 45. — [Die 
Verschiedenheit der Form von S. pulchra wird bezweifelt von 
Reichenow, Wissensch. Erg. D. Zentral-Afr.-Exp. d. Herz, zu 
Mecklenb. 1911, 249.] 

19. Sarothrura pulchra zenlceri n. von Kamerun; 0. Neumann, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 45. 

Otididae. 

20. Lissotis nofhophila neuer Name für L. lovati Grant; Ober- 
holser, Proc. Un. St. N. M. 28. 1905, 836. — [L. nothophila 
(L. lovati) jedoch von 0. melanogaster Rüpp. nicht artlich zu 
trennen nach Reichenow, Wissensch. Erg. D. Zentral-Afr.-Exp. 
d. Herz, zu Mecklenb. 1911, 247.] 

21. Otis adolß-friederici n. von der Ostseite des Victoria Niansa; 
0. Neumann, Journ. Orn. 1907, 306. 

22. Otis ardbs stieheri n. vom westlichen Sudan (Schari); 0. Neu- 
mann, Journ. Orn. 1907, 307. 

23. Otis Icori struthiunculus n. von Nordost- und Ost-Afrika; 
0. Neumann, Journ. Orn. 1907, 306. 

24. Otis ruficrista hilgerti n. vom nördlichen Somaliland; 0., Neu- 
mann, Journ. Orn. 1907, 308. 



Vogelarten des afrikanischen Faunengebiets, etc. 68 

Ibidldae. 

25. Eagedashia hagedash erlangeri n. vom südlichen Somaliland 
bis Niassaland; 0. Neumann, Ornis 13. 1909, 193. — [Vergl. 
Reich.enow, Mitt. Zool. Mus. Berlin 5. 1910, 74.] 

26. Eagedashia hagedash guineensis n. vom Gambia bis Kongo; 
0. Neumann, Ornis 13.^1909, 194. — [Vergl. Reichenow, Mitt. 
Zool. Mus. Berlin 5. 1910, 74.] 

27. Eagedashia hagedash nilotica n. von Mittel-Abessinien bis 
Uganda; 0. Neumann, Ornis 13. 1909, 193. — [Vergl. Rei- 
chenow, Mitt. Zool. Mus. Berlin 5. 1910, 74. J 

28. Oreoibis dkleyorum n. vom Kenia ; F. M. Chapman, Bull. Amer. 
Mus. N. H. 31. 1912, 235 T. 23 u. 24. 

29. Theristicus brevirostris n. von Spanisch Guinea; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1907, 147. 

Ardeidae. 

30. Tigribaphe leucolaema n. von der Insel Ukerewe im Victoria 
Niansa; Reichenow, Orn. Mntsb. 1912, 61. 

Turnioidae. 

31. Turnix sylvatica alleni n. vom Kenia; E. A. Mearns, Smiths. 
Mise. Coli. 20. 1911, 5. 

Pteroolidae. 

32. Fterocles bicinctus muUicolor n. vom Limpopo; E. Hartert, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 53. 

33. jBterocles lichtensteini abessinicus n. von Diredaua und Harar; 
Frhr. Geyr v. Schweppenburg, Orn. Mntsb. 1916, 57. 

34. Fterocles lichtensteini arabicus n. von Südarabien bis Nordost- 
Indien; 0. Neumann, Orn. Mntsb. 1909, 152. 

35. JBterocles lichtensteini sukensis n. von den Ländern zwischen 
Victoria Niansa, Kenia und Rudolfsee; 0. Neumann, Orn. 
Mntsb. 1909, 153. 

36. Pteroclurus exustus erlangeri n. von Südarabien; 0. Neumann, 
Orn. Mntsb. 1909, 154. 

37. Fteroclurus exustus olivascens n. vom Massailand ; E. Hartert, 
Orn. Mntsb. 1909, 183. 

Phasianidae. 

38. Francolinus adolß-friederici n. von Ruanda; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1908, 48. — [Fällt zusammen mit F. mulemae Grant 
nach Reichenow, Wiss. Erg. D. Zentral-Afr.-Exped. d. Herz, 
zu Meckenb. 1911, 259.] 

39. Francolinus bicalcaratus adamauae n. von Adamaua und Ost- 
Kamerun; 0. Neumann, Orn. Mntsb. 1915, 73. — [Zu beachten 
ist, dafs Übergänge vorkommen. Vögel mit ähnlich blasser 
Unterseite kommSn auch in Togo vor. Die Färbung der 
Oberkopfplatte wechselt ebenfalls.] 



64 Ant. ßeiebenow: 

40. Francolinus camerunensis n. vom Kamerun- Pik; Alexander, 
Bull. Br. 0. C. 25. 1909, 12. — [Vergl. auch 0. Grant, Bull. 
Br. 0. C. 25. 1910, 125.] 

41. Francolinus clappertoni heuglini n. vom oberen Weifsen Nil 
und Gazellenflufs ; 0. Neumann, Orn. Mntsb. 1907, 199. 

42. Francolinus granti dilutescens n. vom Kenia ; E. A. Mearns, 
Smith. Mise. Coli. 56. No. 20, 1911. 

43. Francolinus grisescens n. von Uganda; E. A. Mearns, Smiths. 
Mise. Coli. 56. No. 20, 1911. 

44. Francolinus gutturalis eritreae n. von Asmara und Bogos; 
Graf Zedlitz, Journ. Orn. 1910, 357. 

45. Francolinus icterorhynchus emini n. von ünjoro und der 
Äquatorial-Provinz ; 0. Neumann, Orn. Mntsb. 1907, 198. — 
[Fällt mit F. dyhowskii Oust. zusammen.] 

46. Francolinus jugularis pallidior n. von Deutsch-Süd westafrika; 
0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 45. 

47. Francolinus lathami schubotzi n. vom üelle (Kongogebiet); 
Reichenow, Journ. Orn. 1912, 320. 

48. Francolinus levaillanti benguellensis n. von Benguella; 0. 
Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 44. 

49. Francolinus nahani n. vom Kongo; A. Dubois, Ann. Mus. 
Congo Fase. 1. 1905, 17 T. 10. 

50. Francolinus nohilis n. von den Wirunga-Vulkanen (Sabinio) ; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1908, 81. 

51. Francolinus schuetti maranensis n. vom Kilimandscharo; E. 
A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. No. 14, 1910, 1. — [Die 
angegebenen Unterschiede dieser Form von F. schütti werden 
durch das Material des Berliner Museums nicht bestätigt. 
Bei dieser wie bei den drei folgenden Formen scheint es 
sich nicht um ständig verschiedene Arten, sondern um Spiel- 
arten zu handeln. — Siehe auch E. Lönnberg, Arkiv 
Zool. 9. No. 14, 1915, 5.] 

52. Francolinus schuetti hapitensis n. von Nairobi in Britisch- 
Ostafrika; E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. No. 14, 
1910, 2. — [Vergl. vorher.] 

53. Francolinus schuetti Jceniensis n. vom Kenia; E. A. Mearns, 
Smiths. Mise. Coli. 56. No. 14, 1910, 2. — [Vergl. unter 
F. seh. maranensis.] 

54. Francolinus schuetti zappeyi n. vom Victoria Niansa; E. A. 
Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. No. 20, 1911. — [Vergl. 
unter F. seh. maranensis.] 

55. Francolinus sephaena jubaensis n. vom südlichen Somaliland 
und nördlichen Britischen Ostafrika; Graf Zedlitz, Journ. 
Orn. 1914, 656. 

56. Francolinus ugandensis n. von Uganda; 0. Neumann, Orn. 
Mntsb. 1907, 199. 

57. Francolinus tohytei n. vom Nyikahochland; 0. Neumann, Bull. 
Br. 0. C. 21. 1908, 76. 



Vogelarten des afrikanischen Faunengebiets, etc. 65 

58. Guttera cristata mdkondorum n. vom Makondehochland in 
Deutsch-Ostafrika; H. Grote, Journ. Orn. 1912, 514. 

59. Guttera cristata seth-smithi n. vom mittelafrikanischen Seen- 
gebiet; 0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 13. 

60. Guttera cristata suahelica n. vom Küstengebiet Deutsch-Ost- 
afrikas; 0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 14. — [Vergl. 
Reichenow, Wiss. Erg. D. Zentral-Afr.-Exped. d. Herz, zu 
Mecklenb. 1911, 257.] 

61. Guttera lividicollis n. vom Sambesi; A. Ghigi, Mem. Acc. Sc. 
Bologna 1905, 196. 

62. Guttera pallasi neuer Name für Guttera cristata (Fall.) 
(Numida cristata Fall.); W. Stoue, Auk 1912, 208. — [Die 
Ausführungen des Verfassers lassen keinen Grund erkennen, 
der ein Verwerfen des Namens N. cristata Fall, erforderlich 
machte.] 

63. Guttera plumifera schubotzi n. vom Uelle; Reichenow, Jouro. 
Orn. 1912, 320. 

64. Numida frommi n. vom Rukwasee; K. Kothe, Orn, Mntsb. 
1911, 13. 

65. Numida ptilorhyncha haringoensis n. vom Baringosee; C. Grant, 
Bull. Br. 0. C. 33. 1914, 141. 

66. Numida ptilorhyncha rendilis n. vom Guasso Njiro in Ost- 
afrika; E. Lönnberg, Sv. Vet. Ak. Handl. 47. No. 5, 1911, 47. 

67. Numida strasseni n. vom Ubangi; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1911, 82. 

68. Pternisies castaneiventer n. vom Fort Beaufort- Distrikt in 
Transvaal; J. W. B. Gunning u. A. Roberts, Ann. Transvaal 
Mus. 1911, 110. 

69. Fternistes cranchi intercedens n. vom Rukwasee ; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1909, 88. 

70. Fternistes harterti n. von üsumbura am Tanganjika; Rei- 
chenow, Orn. Mntsb. 1909, 41. 

71. Fternistes leucoscepus heniensis n. vom Kenia; E. A. Mearns, 
Smiths. Mise. Coli. 56. No. 20, 1911. 

72. Fternistes leucoscepus Tcilimensis n. vom Kilimandscharo; E. A. 
Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. No. 20, 1911. 

73. Ftilopachus fuscus brehmi n. von Kordofan; 0. Neuqiann, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 68. 

74. Ftilopachus fuscus Jceniensis n. vom Kenia; E. A. Mearns, 
Smiths. Mise. Coli. 56. No. 20, 1911. 

75. Ftilopachus fuscus maior n. vom nördlichen Abessinien; 0. 
Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 68. 

Columbidae. 

76. Aplopelia tessmanni n. vom Campo in Spanisch Guinea; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1909, 87. 

77. Chalcopelia chalcospila acanthina n. vom Kilimandscharo; 
H. C. Oberholser, Proc. Un. St. N. M. 28. 1905, 845. 

Joam. f. Om. t£VI. Jthig. Janau 1916. 5 



66 Ant. Beichenow: 

78. Columha alhinucha u. vom Albert- Edward -See; M, Sassi, 
Orn. Mntsb. 1911, 68. 

79. Columha sodalicia n. von Abessinien; J. v. Madaräsz, Orn. 
Mntsb. 1912, 46. 

80. Columha unicincta iuv. beschrieben von Seth-Smith, Bull. 
Br. 0. C. 19. 1907, HO. 

81. Oena eapensis anonyma n. vom Kilimandscharo; H. C. Ober- 
holser, Proc. Un. St. N. M. 28. 1905, 843. 

82. Turtur capicola hilgerti n. vom nördlichen Somaliland ; Graf 
Zedlitz, Orn. Mntsb. 1913, 60. 

83. Turtur decipiens elegans n. vom südlichen Somaliland ; Graf 
Zedlitz, Orn. Mntsb. 1913, 59. 

84. Turtur electus n. von Abessinien ; J. v. MadaMsz, Orn. Mntsb. 

1913, 7. 

85. Turtur hypopyrrhus n. von Adamaua; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1910, 174. 

86. Turturoena iriditorques rothschüdi n. vom Ituriwald ; 0. 
Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 42. 

87. Vinago calva uellensis n. vom Celle; Reichenow, Journ. Orn. 
1912, 320. 

88. Vinago orientalis n. von Boror in Portugiesisch-Ostafrika; 
J. W. Gunning u. A. Roberts; Ann. Transvaal Mus. 1911, 109. 

Vulturidae. 

89. Gyps erlangeri n. von Eritrea, Abessinien und Schoa; T. 
Salvador!, Boll. Mus. Anat. Zool. No. 576, 1908. 

Faloonidae. 

90. Ästur riggenhachi n. vom Senegal; 0. Neumann, Bull. Br. 
0. C. 21." 1908, 69. 

91. Astur sparsimfasciatus aceletus n. vom Kilimandscharo; H. 
C. Oberholser, Proc. Un. St. N. M. 28. 1905, 823. 

92. Astur sphenurus ohscurior n. vom üamflufs, Ost-Kamerun; 
Reichenow, Journ. Orn. 1916, 161. 

93. Astur tachiro orienticola n. von Ostafrika ; H. C. Oberholser, 
Ann. Carnegie Mus. 3. 1906, 495. 

94. Astur tachiro tenehrosus n. vom Elgon; E. Lönnberg, Arkiv 
f. Zool. 11. No. 5, 1917. 

95. Buteo oreophilus n. von den Hochgebirgen von Nordost-, 
Ost- und Mittelafrika; Hartert und Neumann, Orn. Mntsb. 

1914, 31. 

96. Cerchneis tinnunculus carlo n. von Schoa bis zum Victoria 
Niansa [Cerchneis arthuri (von Gurney) Reichenow, Vögel 
Afrikas 1. S. 643; Journ. Orn. 1904, Taf. 16]; Hartert und 
Neumann, Journ. Orn. 1907, 592. — [Gleichbedeutend ist 
augenscheinlich: Cerchneis rufescens (Sw.) (Falco rufescens 
Swainson, Birds West. Afr. 1. 1837, 109).] 



Vogelarten des afrikanischen Faunengebiets, etc. 67 

97. Circaetus rufulus n. von Songea in Deutsch-Ostafrika; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1905, 179. 

98. Falco horsbrughi n. von Pretoria in Transvaal; J. W. B. 
Gunning u. A. Roberts, Ann. Transvaal Mus. 1911, 110. 

99. Falco pyrrhogaster n. aus dem Uamgebiet in Ostkamerun; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1915, 25. 

100. Melierax canorus neumanni n. von Nubien; Hartert, Vögel 
pal. Fauna 2. 1914, 1165. — [Ist anscheinend der recht 
alte Vogel von M. metabates. Bei diesem sind die Arm- 
schwingen wie die übrige Oberseite in der Jugend braun, 
werden danach grau und bekommen dann weifse Wellen- 
zeichnung, die immer breiter und ausgedehnter wird, so 
dafs im späten Alter die Armschwingen auf weifsem Grunde 
grau gewellt erscheinen.] 

101. Micronisus niger (Vieill.) Melanismus von M. gabar (Daud.) 
nach A. L. Butler, Ibis 1905, 369. 

102. Milvus aegyptius parasitus (Daud.) vom tropischen und 
südlichen Afrika artlich verschieden vom ägyptischen M. 
aegyptius Gm. nach Hartert, Bull. Br. 0. C. 33. 1914, 90. 

103. Foliohierax semitorquatus deckeni n. vom südlichen Somali- 
land bis zum Baringosee; Graf Zedlitz, Journ. Orn. 1914,676. 

Strigidae. 

104. Asio abessinicus graueri n. vom Urwald westlich des Tan- 
ganjika; M. Sassi, Ann. Naturh. Hofmus. Wien 1912, 360. 

105. Asio maculosus amerimnus n. vom Kilimandscharo; H. C. 
Oberholser, Pr. Un. St. N. M. 28. 1905, 856. — [Zweifelhafte 
Form, siehe E. Lönnberg, Arkiv f. Zool. 9. No. 14, 1915, 9.] 

106. Bubo ascalaphus trothae n. von Keetmannshoop in Deutsch- 
Südwestafrika; Reichenow, Orn. Mntsb. 1906, 10. 

107. Bubo vosseleri n. von Amani in Usambara; Reichenow, 
Journ. Orn. 1908, 139. 

108. Olaucidium capense ruf um n. von Boror in Portugiesisch- 
Ostafrika ; J. W. B. Gunning u. A. Roberts, Ann. Transvaal 
Mus. 1911, 111. 

109. Olaucidium capense scheffleri n. von Ukamba; 0. Neumann, 
Orn. Mntsb. 1911, 184. 

110. Olaucidium pycrafti n. von Süd-Kamerun; G. L. Bates, Bull. 
Br. 0. C. 27. 1911, 85. 

111. Fisorhina capensis grisea n. von Bethulie im südlichen 
Oranjestaat; J. W. B. Gunning u. A. Roberts, Ann. Transvaal 
Mus. 1911, 111. 

112. Pisorhina capensis intermedia n. von Transvaal; J. W. B. 
Gunning u. A. Roberts, Ann. Transvaal Mus. 1911, 111. 

113. Pisorhina capensis pusilla n. von Boror im Portugiesischen 
Ostafrika; J. W. B. Gunning u. A. Roberts, Ann. Transvaal 
Mus. 1911, 111. 

5* 



68 Ant. Keichenow: 

114. Pisorhina leucoUs granti neuer Name für JP. erlangen (O.Grant) 
(Scops erlangen Grant, nee P. scops erlangeri Tschusi); 
P. Kollibay, Orn. Mntsb. 1910, 148. — [Nach Reichenow, 
Vögel Afr. 1. S. 661, Die Vögel 1. S. 421 u. 423, gehört 
die Art zur Gattung Äsio.] 

115. Scops erlangeri n. von Südafrika; W, R. Ogilvie-Grant, Ibis 
1906, 660. — [Vergl. vorher Pisorhina leucotis granti.] 

116. Scops hönigseggi n. von südlichen Sudan (Blauer Nil); J. v. 
Madaräsz, Orn. Mntsb. 1912, 81. 

117. Scops spurrelli n. von Aschanti; W. R. Ogilvie-Grant, Bull. 
Br. 0. C. 29. 1912, 116. 

118. Scotopelia peli fischeri n. von Ostafrika; Graf Zedlitz, Orn. 
Mntsb. 1908, 172. 

119. Scotopelia peli salvago-raggii n. von Abessinien; Graf Zedlitz, 
Orn. Mntsb. 1908, 172. 

Psittaoldae. 

120. Agapornis nigrigenis n. von Rhodesien; W. L. Sclater, Bull. 
Br. 0. C. 16. 1906, 61. 

121. Agapornis puUaria ugandae n. von ünjoro bis Ruanda und 
bis zum Omogebiet; 0. Neumann, Nov. Zool. 1908, 388. — 
[Die Sonderung der Form von A. puUaria erscheint nicht 
durchführbar nach Reichenow, Wiss. Erg. D. Zentral-Afr.- 
Exp. d. Herz, zu Mecklenb. 1911, 268.] 

122. Agapornis swinderianus emini n. vom Ituriwald; 0, Neu- 
mann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 42. — [Auf Agapornis zenkeri 
zurückzuführen nach Reichenow, Wiss. Erg. D. Zentral-Afr.- 
Exp. d. Herz, zu Mecklenb. 1911, 269.] 

123. Palaeornis Jerameri centralis u. vom Tschadsee und Adamaua 
bis zum Weifsen Nil; 0. Neumann, Orn. Mntsb. 1915, 73. 

124. Poicephalus gulielmi fantiensis n. von der Goldküste; 0. Neu- 
mann, Nov. Zool. 1908, 381. 

125. Poicephalus meyeri abessinicus n. vom südlichen Eritrea und 
nördlichen Abessinien; Graf Zedlitz, Orn. Mntsb. 1908, 175. 

126. Poicephalus meyeri nyansae n. von Unjoro bis Kawirondo; 
0. Neumann, Nov. Zool. 1908, 383. — [Fällt mit P. m. 
virescens Rchw. zusammen.] 

127. Poicephalus senegalus mesotypus n. von Adamaua; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1910, 174. 

128. Poicephalus simplex Rchw. ist als selbständige, von P. ruß- 
ventris unterschiedene Form aufrecht zu erhalten nach J, 
V. Madaräsz, Orn. Mntsb. 1912, 80. 

129. Psittacus princeps n. von der Insel Principe; B. Alexander, 
Bull. Br. 0. C. 23. 1909, 74. 

Musophagidae. 

130. Oymnoschizorhis personata centralis n. vom Gebiet zwischen 
Victoria-, Kiwu- und Albert-See; 0. Neumann, Bull. Br. 0. 
C. 21. 1908, 94. 



Vogelarten des afrikanischen Faunengebiets, etc. 69 

131. Ruwenzorornis chalcophthalmicus n. vom Rugegewald ; Rei- 
chenow, Orn. Mntsb. 1908, 48. 

132. Buweneorornis johnstoni Jcivuensis n. von den Kivuvulkanen; 
0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 54. — [Fällt mit 
B. chalcophthalmicus zusammen. Siehe Reichenow, Wiss. Erg. 
D. Zentral-Afr.-Exp. d. Herz, zu Mecklenb. 1911, 271 Anm.] 

133. Turacus corythaix phoebus n. von Transvaal; 0. Neumann, 
Orn. Mntsb. 1907, 198. 

134. Turacus Uvingsionei loüanus n. von den Loitabergen; 
0. Neumann, Nov. Zool. 1908, 378. 

135. Turacus ugandae n. von Uganda; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1907, 4. — [S. auch: Wiss. Erg. D. Zentral-Afr.-Exp. d. 
Herz, zu Mecklenb. 1911, 271.] 

Cuoulidae. 

136. Centropus heuglini n. vom Weifsen Nil; [0. Neum.] Koenig, 
Verhandl. 5. intern. Ornith.-Kongrefs 1911, 503 T. 1. 

137. Centropus monachus angolensis n. vom nördlichen Angola; 
0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 77. 

138. Centropus monachus occidentalis n. von der Goldküste bis 
Gabun; 0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 77. 

139. Centropus neumanni n. vom Uelle; B. Alexander, Bull. Br. 

0. C. 1908, 78. 

140. Centropus senegalensis ischadensis n. vom Tschadsee-Gebiet; 
Reichenow, Journ. Orn. 1915, 124. 

141. Cercococcyx olivinus n. von der Rutschurru-Ebene zwischen 
Albert-Edward- und Kiwu-See; M. Sassi, Ann. Naturh. 
Hofmus. Wien 26. 1912, 341. 378. 

142. Chrysococcyx smaragdineus intermeditts Hartl. von Südafrika 
verschieden von Ch. smaragdineus Sw. von Nordwest- und 
Nordostafrika; D. A. Bannerman, Ibis 1912, 244. 

Indioatoridae. 

143. Ceriocleptes (n. g.) xenurus n. vom Belgischen Kongo; 
Chapin, Bull. Amer. Mus. N. H. 34. 1915, 512. 

144. Indicator exilis erlangeri n. vom südlichen Somaliland; Graf 
Zedlitz, Orn. Mntsb. 1913, 59. 

145. Indicator maior riggenbachi n. von Adamaua; Graf Zedlitz, 
Journ. Orn. 1915, 12. 

146. Indicator minor senegalensis n. vom Senegal; 0. Neumann, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 43. 

147. Indicator naroJcensis n. vom Doingo-Narok in Britisch-Ost- 
afrika; F. J. Jackson, Bull. Br. 0. C. 19. 1906, 20. 

148. Indicator iheresae n. von Gudima am Iriflufs in Mittelafrika; 
B. Alexander, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 90. — [Scheint mit 

1. stictithorax Rchw. zusammenzufallen; die angegebenen 
Unterschiede stimmen durchaus auf den Typ von i. sticti- 
thorax.'] 



70 Ant. Reichenow: 

149. Jndicator variegdtus juhaensis n. von Kismaju am Djuba; 
0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 97. 

150. Melichneutes sommerfeldi n. vom Dume-Gebiet in Süd- 
Kamerun; Reichenow, Orn. Mntsb. 1910, 160, 

151. Melignomon robustus n. vom südlichen Kamerun; G. L. 
Bates, Bull. Br. 0. C. 25. 1909, 26. 

152. Melignothes exilis meliphilus n. vom Kilimandscharo; H. C. 
Oberholser, Proc. Un. St. N. M. 28. 1905, 869. 

Capitonidae. 

153. Barbatula chrysocoma pallida n. von Kordofan ; 0. v. Wett- 
stein, Ak. Wissensch. Wien Mai 1816. 

154. Barbatula chrysocoma schubotei n. von Archambault im 
französischen Sudan; Reichenow, Orn. Mntsb. 1912, 28. 

155. Barbatula chrysocoma eedlitzi n. von Sennar; 0. Neumann, 
Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 30. 

156. Barbatula leucolaema urungensis n. von Urungu am Südende 
des Tanganjika; Reichenow, Orn. Mntsb. 1915, 91. 

157. Barbatula leucolaima nyansae n. von Uganda und den Ge- 
bieten im Westen des Victoria Niansa; 0. Neumann, Journ. 
Orn. 1907, 347. 

158. Barbatula leucolaima togoensis n. von Togo; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1907, 347. 

159. Barbatula kandti vielleicht gleichbedeutend mit B. jacksoni\ 
Reicheüow,Wis8. Erg. Zentr.-Af.-Exp. Herz. z. Meckl. 191 1, 279. 

160. Barbatula mfumbiri n. von den Mfumbiro-Vulkanen; W. R. 
Ogilvie-Grant, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 107. 

161. Barbatula poensis n. von Fernando Po; B.Alexander, Bull. 
Br. 0. C. 23. 1908, 15. 

162. Barbatula rubigularis n. vom Kongo ; A. Dubois, Ann. Mus. 
Congo Tome 1, Fase. 1. 1905, 1 T. 1. — [Augenscheinlich 
der junge Vogel von L. congicus Rchw.; 0. Neumann, Journ. 
Orn. 1910, 196.] 

163. Barbatula sharpei n. von der Goldküste; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 108. 

164. Barbatula subsulphurea üuriensis n. vom Ituri; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1907, 344. 

165. Buccanodon anchietae rex n. vom nördlichen Angola; 0. 
Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 47. — [Scheint der 
jüngere Vogel von B. anchietae zu sein.] 

166. Buccanodon leucogrammicum n. von Mahenge in Deutsch- 
Ostafrika; Reichenow, Orn. Mntsb. 1915, 90. 

167. Gymnobucco adolfi-friederici n. von Beni am Semliki ; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1908, 160. — [Fällt mit Cr. sladeni 
zusammen.] 

168. Gymnobucco sladeni n. vom Kongowald ; W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 42. 



Vogelarten des afrikanischen Faunengebiets, etc.* 71 

169. Lyhius hidentatus aethiops n. vom Omo; 0. Neumann, Bull. 
Br. 0. C. 23. 1908, 29. 

170. Lyhius leucocephalus usukumae n. von üsukuma ; 0. Neumann, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 46. — [Vielleicht nur Spielart. 
Bei einer Reihe von Vögeln von der Insel Ukerewe im 
Victoria Niansa geht das Weifs des Unterhalses bald mehr, 
bald weniger weit auf die Brust herab.] 

171. Lyhius levaillanti intercedens n. von Manjanga; 0. Neumann, 
Orn. Mntsb. 1908, 27. — [Es bleibt festzustellen, ob diese 
Form nicht der ausgefärbte Vogel von L. levaillanti ist, 
was um so wahrscheinlicher ist, als beide in denselben Ge- 
bieten gefunden sind.] 

172. Lyhius tridactylus ugandae n. von Uganda; A. Berger, Orn. 
Mntsb. 1907, 201. 

173. Lyhius undatus senafensis n. von Bogos; 0. Neumann, Bull. 
Br. 0. C. 23. 1908, 29. 

174. Lyhius zombae alhigularis n. vom Niassasee; 0. Neumann, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 46. 

175. Trachyphonus arnaudi zedlittsi n. vom Baringosee; A. Berger, 
Journ. Orn. 1911, 512. 

176. Trachyphonus darnaudi usamhiro n. von Usambiro; 0. Neu- 
mann, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 30. 

177. Trachyphonus margaritatus somalicus n. vom nördlichen 
Sonialiland; Graf Zedlitz, Orn. Mntsb. 1910, 57. 

178. Trachyphonus nohilis n. vom Ngamisee; W. R. Ogilvie-Grant, 
Ibis 1912, 397. 

179. Tricholaema hirsutum angolense n. vom nördlichen Angola ; 
0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 47. — [Es bleibt 
festzustellen, ob die Form nicht der jüngere Vogel von T. 
hirsutum ist.] 

180. Tricholaema hirsutum hyhridum n. von Süd-Nigeria; 0. Neu- 
mann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 46. 

181. Tricholaema lacrymosum ruahae n. von Uhehe; 0. Neumann, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 47. 

182. Tricholaema schulteei n. von Süd -Kamerun; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1911, 82. 

183. Viridihucco n. g. Typus: Barhatula leucomystax Sharpe; 
H. C. Oberholser, Proc. Un. St. N. M. 28. 1905, 865. 

184. Xylohucco aloysii n. von Ntebbi in Uganda; T. Salvadori, 
Bell. Mus. Zool. Anat. Torino 1906, No. 542. 

Pioidae. 

185. Dendromus ahingoni annectens n. von Angola und Benguella; 
0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 95. 

186. Dendromus alhifacies n. von Portugiesisch-Ostafrika; J.W. 
B. Gunning u. A. Roberts, Ann. Transv. Mus. 1911, 112. 

187. Dendromus aureicuspis n. von Ussagara; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1915, 26. 



72 Ant. Beicbenow: 

188. Bendronms bennetti uniamwesicus n. von Deutsch-Ostafrlka; 
0. Neumann, Orn. Mntsb. 1908, 27. — [Vergl E. Hesse, 
Mitt Zool. Mus. Berlin 6. 1912, 260.] 

189. Dendromus efulenensis n. von Kamerun: Cb. Chubb, Bull. 
Br. 0. C. 21. 1908, 92. — [Anscheinend nur Spielart von 
D. nivosus. Vergl. E. Hesse, Mitt. Zool. Mus. Berlin 6. 
1912, 249.] 

190. Bendromus herberti n. vom Ubangi bis Unjoro; B. Alexander, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 89. — [Vermutlich nur Spielart 
von D. nivosus wie D. efulenensis. Vergl. E. Hesse, Mitt. 
Zool. Mus. Berlin 6. 1912, 248. 

191. Bendromus kasaicus n. von Kassai im belgischen Kongo; 
A. Dubois, Revue Frang. d'Orn. 3. 1911, 17. — [Vielleicht 
nur Spielart von D. caroli. Vergl. E. Hesse, Mitt. Zool. 
Mus. Berlin 6. 1912, 249.] 

192. Bendropicus camerunensis n. von Kamerun; Sharpe, Ibis 

1907, 443. 

193. lynx thorbeckei n. von Kamerun; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1912, 126. 

194. Mesopicos schultMei n. von Fernando Po; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1912, 28. 

Ooliidae. 

195. Colius kirbyi n. von Lydenburg in Transvaal; Sharpe, Bull. 
Br. 0. C. 21. 1907, 32. 

196. Colius kiwuensis n. vom Kiwusee; Reichenow, Orn. Mntsb. 

1908, 191. 

197. Colius striatus erlangen n. vom mittleren Abessinien; Graf 
Zedlitz, Orn. Mntsb. 1910, 58. 

198. Colius striatus hilgerti n. vom nördlichen Somaliland bis 
zum Hauasch; Graf Zedlitz, Orn. Mntsb. 1910, 58. 

199. ürocolius macrourus syntactus neuer Name für die nordost- 
afrikanische Form von 17. macrourus^ falls diese von V. 
macrourus das Senegal verschieden sein sollte [!]; H. C. 
Oberholser, Pr. Un. St. N. M. 28. 1905, 863. 

Trogonidae. 

200. Apaloderma minus n. vom Belgischen Kongo ; Chapin, Bull. 
Amer. Mus. N. H. 34. 1915, 510. 

Buoerotidae. 

201. Bycanistes aloysii n. von Ntebbi in Uganda; T. Salvadori, 
Boll. Mus. Zool. Anat. Torino 21. 1906, No. 542. 

202. Lophoceros melanoleucos geloensis n. vom Sobat in Nord- 
Ostafrika; 0. Neumann, Journ. Orn. 1905, 187. 

203. Lophoceros melanoleucos suahelicus n. von Deutsch- und 
Englisch-Oslafrika ; 0. Neumann, Journ. Orn. 1905, 187. 



Yogelarten des afrikaniscfaen Faunengebiets, etc. 78 

Aloedinidae. 

204. Alcedo leucogaster bowdleri n. von Oberguinea; 0. Neumann, 
Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 14. 

205. Ealcyon albiventris erlangen n. vom südlichen Somaliland; 
0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 71. 

206. Halcyon semicaeruleus centralis n. von Bussissi am Victoria 
Niansa; 0. Neumann, Journ. Orn. 1905, 189. 

207. Halcyon senegalensis fuscopileus n. von Kamerun ; Reichenow, 
Orn. Mutsb. 1906, 171. 

208. Ispidina leopoldi n. vom Kongo; A. Dubois, Ann, Mus. 
Congo Fase. 1. 1905, 10 T. 6. 

Meropidae. 

209. Aerops albicollis maior n. von Ostafrika; C. Parrot, Orn. 
Mntsb. 1910, 12. 

210. Bicrocercus hirundineus heuglini n. vom oberen Weifsen 
Nil; 0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 16. 1906, 113. 

211. Bicrocercus hirundineus omoensis n. vom Omo; 0. Neumann, 
Bull. Br. 0. C. 16. 1906, 114. 

212. Merops persicus saharae n. vom Tschadsee; 0. Neumann, 
Orn. Mntsb. 1908, 28. — [Der Typ hat ausnahmsweise lange 
mittlere Schwanzfedern, bei anderen Stücken aus dem 
Tschadgebiet sind die Schwanzfedern kürzer.] 

213. Merops viridis reichenowi n. von Abessinien ; C. Parrot, 
Orn. Mntsb. 1910, 13. 

Upupidae. 

214. Irrisor erythrorhynchos marwitzi n. von der Wemberesteppe; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1906, 171. 

215. Irrisor erythrorhynchos neglectus n. von Schoa und Süd- 
Äthiopien; 0. Neumann, Journ. Orn. 1905, 194. 

216. Irrisor eryihrorhynchus brevirostris n. von Portugiesisch- 
Ostafrika; J. W. B. Gunning u. A. Roberts, Transv. Mus. 
1911, 113. 

217. Bhinopomastus minor somalicus n. vom Somaliland; C. v. 
Erlanger, Journ. Orn. 1905, 461. 

218. Scoptelus adolfi-friederici n. vom Ituri; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1908, 160. 

219. Scoptelus aterrimus emini n. vom Gebiet des Weifsen Nil; 
0. Neumann, Journ. Orn. 1905, 197. — [Vielleicht nur 
Spielart. Gleiche Stücke liegen im Berliner Museum vom 
Tschad und von Togo vor. Der Gefiederglanz ist bald 
blauer, bald mehr veilchenrötlich sowohl bei westlichen, wie 
bei nordostafrikanischen Vögeln.] 

220. Scoptelus aterrimus maior n. von den südäthiopischen Seen; 
0. Neumann, Journ. Orn. 1905, 197. 



74 Ant. Beichenow : 

221. Upupa butleri n. von Chor-Em-Dul zwischen Dinter und 
Blauen Nil; J. v. Madaräsz, Ann. Mus. Nat. Hung. 9. 1911, 
339. 

222. üpupa waibeli n. von Bamugu in Kamerun; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1913, 8. 

Ooraoiidae. 

223. Coracias caudatus suahelicus n. von üssagara; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1907, 593. 

224. Coracias Jcovacsi n. vom südlichen Abesslnien ; J. v. Madaräsz, 
Bull. Br. 0. C. 29. 1911, 13. 

225. Eurystomus afer aethiopicus n. von Südaethiopien und dem 
Gebiet des Blauen Nil; 0. Neumann, Journ. Orn. 1905, 
184. — [Vergl. Reichenow, Journ. Orn. 1909, 235.] 

226. Eurystomus gularis negledus n. von Kamerun bis Angola; 
0, Neumann, Orn. Mntsb. 1908, 28. — [Vergl. Reichenow, 
Journ. Orn. 1905, 235.] 

Oaprimulgldae. 

227. Caprimulgus batesi n. von Süd-Kamerun; Sharpe, Bull. Br. 
0. C. 19. 1906, 18. 

228. Caprimulgus chadensis u. vom Tschadsee; B. Alexander, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 90. 

229. Caprimulgus claudi n. vom Ubangi; B. Alexander, Bull. Br, 
0. C. 19. 1907, 47. 

230. Caprimulgus gabonensis n. vom Gabun; B. Alexander, Bull. 
Br. 0, C. 21. 1908, 90. 

231. Caprimulgus goslingi n. vom französischen Kongo (Kemo); 
B. Alexander, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 47. 

232. Caprimulgus houyi n. vom östlichen Kamerun; 0. Neumann, 
Orn. Mntsb. 1915, 73. 

233. Caprimulgus ludovicianus n. vom südwestlichen Abessinien; 
St. Clarke, Bull. Br. 0. C. 31. 1913, 108. 

234. Caprimulgus nauta n. vom südlichen Arabien ; E. Lönnberg, 
Orn. Mntsb. 1915, 39 u. 64. 

235. Caprimulgus palmquisti n. vom Kilimandscharo; Y. Sjöstedt, 
Wissensch. Ergebn. Kilimandjaro Exp. 3. Vögel 1908, 101. 

236. Caprimulgus ruweneorii n. vom Ruwenzori ; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 23. 1909, 94. 

237. Caprimulgus stellatus simplex n. vom Suai-See; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1907, 593. 

Oypselldae. 

238. Äpus apus Jcalaharicus n. von der Kalahari; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1908, 81. 

239. Apus apus marwitzi n. von Mkalama am Ostrande der 
Wemberesteppe in Deutsch-Ostafrika; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1906, 171. 



Vogelarten des afrikanischen Faunengebiets, etc. 75 

240. Apus JciUenhergeri n. vom Ngare Dobasch im Osten des 
Victoria Niansa; J. v. Madaräsz, Archiv Zool. 1. 1910, 177. 

241. Apus melanonotus n. von Kamerun; Reichenow, Orn. Mntsb. 

1907, 60. 

242. Apus reichenowi n. vom Massailand ; 0. Neumann, Bull. Br. 
0. C. 21. 1908, 57. 

243. Apus roehli n. von Usambara in Deutsch - Ostafrika ; Rei- 
chenow, Orn. Mntsb. 1906, 172. 

244. Apus schubotei n. vom Ruwenzori; Reichenow, Orn. Mntsb. 

1908, 161. 

245. Chaefura brevicauda n. von Kamerun; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1911, 159. — [Fällt mit Ch. Cassini zusammen.] 

246. Chaetura melanopygia n. vom Belgischen Kongo; Chapin, Bull. 
Mus. N. H. 34. 1915, 509. 

247. Chaetura sabini ogowensis n. von Fernando Po bis Loango; 
0. Neuraann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 69. 

248. Chaetura sticiilaema marwitei n. von Mkalama am Ostrande 
der Wemberesteppe in Deutsch-Ostafrika; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1906, 171. 

249. Chaetura ussheri benguellensis n. von Benguella; 0. Neumann, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 57. 

250. Chaetura ussheri senegalensis n. vom Senegal ; 0. Neumann, 
Orn. Mntsb. 1915, 182. 

251. Chaetura ussheri sharpei n. vom südlichen Kamerun; 0. 
Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 57. 

252. Cypselus maximus n. vom Ruwenzori; W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 56. 

253. Tachornis parvus griseus n. vom nordwestlichen Abessinien; 
Graf Zedlitz, Orn. Mntsb. 1910, 58. 

254. Tachynautes n. g. Typ : Cypselus parvus Lcht. ; H. C. Ober- 
holser, Proc. Un. St. N. M. 28. 1905, 860. 

Eurylaemidae. 

255. Fseudocalyptomena graueri n. vom Russissi zwischen Tangan- 
jika und Kiwusee; Hon. W. Rothschild, Ibis 1909, 690. T. 10. 

Hirundinidae. 

256. Cotile sudanensis n. vom Tschadsee ; B. Alexander, Bull. Br. 
0. C. 21. 1908, 88. 

257. Hirundo christyi n. von Uganda; Sharpe, Bull. Br. 0. C. 16. 
1906, 86. 

258. Ifsalidoprocne bamingui n. vom oberen Schari; B. Alexander, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 88. 

259. Psalidoprocne pallidigula n. vom Merusee; T. Salvadori, 
BoU. Mus. Zool. Anat. Torino 1907, No. 570. 

260. Fsalidoprocne Sammetina ü. von Adamaua; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1910, 191. 



76 Aot. BeicheDOw: 

261. Fsalidoprocne tessmanni n. von Spanisch Guinea; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1907, 146. 

262. Riparia cinda erlangen n. von Schoa; Reichenow, Journ. 
Orn. 1905, 673. 

263. Riparia ducis n. von Ruanda; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1908, 81. 

264. Riparia nigricans u. von Deutsch- Ostafrika; J. v. Madaräsz, 
Ann. Mus. Hung. 1911, 339. 

265. Riparia paludicola dohertyi n. von Britisch-Ostafrika; E. 
Hartert, Bull. Br. 0. C. 25. 1910, 95. — [Scheint mit R. 
ducis zusammenzufallen.] 

266. Riparia rupestris pusilla u. von Eritrea; Graf Zedlitz, Orn. 
Mntsb. 1908, 177. 

Musoioapidae. 

267. Alseonax caerulescens pondoensis u. von Pondoland; J. W. 
B. Gunning u. A. Roberts, Ann. Transv. Mus. 1911, 114. 

268. Alseonax griseigularis ü. vonToro und Uganda; F.J.Jackson, 
Bull. Br. 0. C. 19. 1906, 19. 

269. Alseonax flavipes neuer Name für A. fantisiensis Sharpe; 
G. L. Bates, Ibis 1911, 522. — [Für diese Namenänderung 
liegt kein Grund vor.] 

270. Alseonax ituriensis n. vom Ituri; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1908, 191. 

271. Alseonax melanopiera n. von Toro; F. J. Jackson, Bull. Br. 
0. C. 16. 1906, 89. 

272. Alseonax murinus albiventris n. von Adamaua; Reichenow; 
Orn. Mntsb. 1910, 95. 

273. Alseonax murinus djamdjamensis n. von Djamdjam ; 0. 
Neumann, Journ. Orn. 1905, 206. 

274. Alseonax poensis n. von Fernando Po; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1912, 46. — [Fällt mit A. poensis Alex, zusammen.] 

275. Alseonax pseudogrisola n. von Guasso Njiro in Britisch- 
Ostafrika; E. Löonberg, Vet. Ak. Haudl. 47. 1911, 82. 

276. Balis chadensis n. vom Tschadsee; B. Alexander, Bull. Br. 
0. C. 21. 1908, 105. 

277. Balis erythropJithalma n. von Gasaland ; C. F. M. Swynnerton, 
Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 109. 

278. Balis minor congoensis n. von Süd-Kamerun bis Nord-Angola; 
0. Neumann, Journ. Orn. 1907, 354. 

279. Balis minor erlangeri n. von Harar bis zum Seengebiet; 
0. Neumann, Journ. Orn. 1907, 353. 

280. Balis minor nyansae n. von der Nord- und Ostküste des 
Victoria Niansa, vom Albertsee und oberen Weifsen Nil; 
0. Neumann, Journ. Orn. 1907, 354. 

281. Balis molilor lilloralis n. von Sansibar; 0. Neumann, Journ. 
Orn. 1907, 356. 



Vogelarten des afrikanischen Faunengebiets etc. 77 

282. Baus moUtor montana n. vom Kilimandscharo; Y. Sjöstedt, 
Wissensch. Ergebn. Kilimandjaro Exp. 3. 1908, 109. 

283. Baus mystica n. von Ukamba; 0. Neumann, Journ. Orn. 
1907, 594. 

284. Batis orientdlis somaliensis n. vom Somaliland; 0. Neu- 
mann; Journ. Orn. 1907, 351. 

285. Baus perkeo n. vom Somaliland; 0. Neumann, Journ. Orn. 
1907, 352. 

286. Batis reichenowi n. von Mikindani in Deutsch-Ostafrika; 
H. Grote, Orn. Mntsb. 1911, 162. 

287. Batis senegalensis togoensis n. von Togo; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1907, 350. 

288. Batis sheppardi n. von Lourenzo Marques; A. Haagner, 
Ann. Transvaal Mus. 1. 1909, 179. 

289. Bias feminina n. von Toro; F. J. Jackson, Bull. Br. 0. 
C. 16. 1906. 87. 

290. Bradornis griseus erlangen n. vom Somaliland ; Reichenow, 
Journ. Orn. 1905, 680. 

291. Bradornis pallidus nigeriae n. von Adamaua; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1910, 95. 

292. Bradornis pallidus tessmanni n. von Ost -Kamerun; 
Reichenow, Journ. Orn. 1915, 129. 

293. Bradornis parvus n. von Uganda; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1907, 171. 

294. Bradornis Sylvia n. von Spanisch-Guinea; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1909, 47. 

295. Bradyornis granti n. von Südwest-Abessinien bis Rudolph- 
See; D. A. Bannerman, Bull. Br. 0. C. 27. 1911, 84. 

296. Bradyornis infuscatus ansorgii n. vom nördlichen Benguella; 
W. R. Ogilvie-Grant, Ibis 1913, 636. 

297. Bradyornis infuscatus seimundi n. vom Kapland und Trans- 
vaal; W. R. Ogilvie-Grant, Ibis 1913, 636. 

298. Bradyornis pallidus sharpei n. neuer Name für B. subalaris 
Sharpe; Hon. W. Rothschild, Bull. Br. 0. C. 33. 1913, 66. 

299. Chloropeta batesi n. von Kamerun; Sharpe, Ibis 1905, 468. 

300. Chloropeta gracilirostris n. vom Ruwenzori ; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 19. 1906, 33. 

* Chloropeta minulla siehe Cryptolopha minulla [vergl. Orn. 
Mntsb. 1909, 24j. 

301. Chloropeta schuhotzi n. von Rugegewald, südöstlich des 
Kiwusees; Reichenow, Orn. Mntsb. 1908, 119. 

302. Chloropeta sioreyi n. von Chedaro in Britisch - Ostafrika ; 
W. R. Ogilvie-Grant, Bull. Br. 0. C. 19. 1906, 32. 

303. Cichlomyia n. g. Typ: Butalis caerulescens Hartl.; H. C. 
Oberholser, Proc. Un. St. N. M. 28. 1905, 908. 

304. Cryptolopha alpina n. vom Ruwenzori ; W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. C. 16. 1906, 117. 



78 Ant. Beichenow: 

305. Cryptolopha budongoensis n. von Uganda; D. Seth-Smith, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1907, 12. 

306. Cryptolopha camerunensis n. vom Kamerun- Pik ; B. Alexander, 
Bull. Br. 0. C. 25. 1909, 13. 

307. Cryptolopha niinulla n. von Usambara; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1905, 181 [irrtümlich als Chloropeta minulla] 1909, 24. 

308. Cryptolopha umhrovirens omoensis n. vom Omo in Nordost- 
Afrika; 0. Neumann, Journ. Orn. 1905, 208. 

309. Cryptolopha umbrovirens yemenensis n. von Yemen; W. R. 
Ogilvie-Grant, Bull. Br. 0. C. 31. 1913, 90. 

310. Diaphorophyia ansorgei n. von Benguella; E. Hartert, Bull. 
Br. 0. C. 15. 1905, 74. 

311. Diaphorophyia graueri n. vom Albert-Ed ward-See ; E. Hartert, 
Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 7. 

312. Diaphorophyia tonsa n. von Süd -Kamerun; G. L. Bates, 
Bull. Br. 0. C. 27. 1911, 86. 

313. Dioptrornis uhehensis n. von Uhehe, Deutsch -Ostafrika; 
Reichenow, Journ. Orn. 1916, 162. 

314. Erythrocercus congicus n. vom östlichen Kongowald; W. R. 
Ogilvie-Grant, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 41. 

315. Erythrocercus nyasae n. von Niassaland; W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. C. 29. 1912, 115. 

316. Hyliota rhodesiae n. von Rhodesien; A. Haagner, Journ. 
S. Afr. Orn. Un. 6. 1910, 14. 

317. Hyliota slatini n. von Beni (Mittelafrika); M. Sassi, Stzb. 
Ak. Wien 12. Juni 1914 u. Journ. Orn. 1915, 112. 

318. Muscicapa ansorgei n. von Gabun; E. Hartert, Bull. Br. 
0. C. 25. 1910, 95. 

319. Muscicapa brevicauda n. vom oberen Kongo; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 107. 

320. Muscicapa somaliensis n. vom nördlichen Somalilaud ; D. A. 
Bannerman, Bull. Br. 0. C. 25. 1909, 20. 

321. Fedilorhynchus brevirostris n. von Kamerun; G. L. Bates, 
Bull. Br. 0. C. 25. 1909, 28. — [Fällt offenbar mit F. 
tessmanni Rchw. zusammen.] 

322. Fedilorhynchus tessmanni n. vom Uelle in Spanisch-Guinea; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1907, 147. 

323. Platysteira cryptoleuca n. vom Kilimandscharo; H. C. Ober- 
holser, Proc. ün. St. N. M. 28. 1905, 913. — [Fällt ver- 
mutlich mit F. peltata zusammen. Weifser Genickfleck und 
Mangel der weifsen Tropfenflecke auf dem Bürzel scheinen 
nur Abänderungen der Eigenart zu sein.] 

324. Flatysteira cyanea aethiopica n. von Schoa; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1905, 210. 

325. Flatysteira cyanea nyansae n. vom innerafrikanischen Seen- 
gebiet; 0. Neumann, Journ. Orn. 1905, 210. 

326. Sheppardia gunningi n. von Lourenzo Marques; A. Haagner, 
Ann. Transvaal Mus. 1. 1909, 180. 



Vogelarten des afrikaDiscben Faunengebiets, etc. 79 

327. Smithornis camerunensis n. von Süd-Kamerun ; Sharpe, Ibis 
1905, 469. 

328. Stieorhina grandis n. von Mombas; W. R. Ogilvie - Grant, 
Bull. Br. 0. C. 27, 1910, 30. 

329. SüMorhina vulpina intermedia n. von Uganda; St. Clarke, 
Bull. Br. 0. C. 31. 1913, 108. 

330. Tchitrea camhurni n. vom Ituri; 0. Neumann, Bull. Br. 0. 
C. 21. 1908, 43. 

331. Tchitrea poliothorax n. von Bukoba, westlich des Victoria 
Niansa; Reichenow, Journ. Orn. 1916, 161. 

332. Tchitrea schubotesi n. vom Ubangi; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1911, 82. 

333. Trochocercus albonotatus swynnertoni n. von Gasaland ; 
0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 46. 

334. Trochocercus bedfordi n. vom oberen Kongo; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 40. 

335. Trochocercus hibaliensis n. vom oberen Ubangi; B. Alexander, 
Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 88. — [Fällt mit T. nigromitraius 
Rchw. zusammen nach Reichenow, Wiss. Erg. D. Zentr.-Afr.- 
Exp. d. Herz, zu Mecklenb. 1911, 306.] 

336. Trochocercus megalolophus n. von Gasaland; C. F. M. Swynner- 
ton, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 109. 

337. Trochocercus ioroensis n. von Toro im innerafrikanischen 
Seengebiet; F. J. Jackson, Bull. Br. 0. C. 19. 1906, 20. — 
[Fällt vielleicht mit T. nigromitratus Rchw. zusammen. 
Vergl. Reichenow, Wiss. Ergeb. D. Zentr.-Afr.-Exp. d. Herz, 
zu Mecklenb. 1911, 306.] 

338. Trochocercus vivax n. von Katanga im südöstlichen Kongo- 
staat; S. A. Neave, Ann. Mag. N. H. (8.) 4. 1909, 129. 

Campephagidae. 

339. Campephaga quiscalina münzneri n. von Mahenge in Deutsch- 
Ostafrika; Reichenow, Orn. Mntsb. 1915, 91. 

340. Campephaga rothschildi n. von Boranaland; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1907, 594. 

341. Campephaga theliei n. vom oberen Ituri; H. Schouteden, Rev. 
Zool. Afr. 1914, 266. [Fällt mit C. martini zusammen nach 
Neumann, Journ. Orn. 1916, 150.] 

342. Campophaga martini n. von Uganda; F. J. Jackson, Bull. 
Br. 0. C. 31. 1912, 18. 

243. Campophaga petiti cf beschrieben ; W. R. Ogilvie - Grant, 
Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 87. 

244. Coracina graueri n. vom Kongowald westlich des Albert- 
Edward-See; 0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 11. 

245. Loboius oriolinus n. von Kamerun ; Sharpe, Bull. Br. 0. C. 
25. 1909, 14. 



80 Ant. Reichenow : 

Laniidae. 

346. Chlorophoneus hatesi n. von Kamerun; Sharpe, Ibis 1908, 
330. ' 

347. Chlorophoneus melamprosopus ituriensifi n. vom oberen Ituri; 
H. Schouteden, Rev. Zool. Afr. 3. 1914, 267. — [Fällt 
vielleicht mit der noch zweifelhaften Form reichenowi Neum. 
zusammen.] 

348. Chlorophoneus müneneri n. von Mahenge in Deutsch -Ost- 
afrika; Reichenow, Orn. Mntsb. 1915, 91. 

349. Chlorophoneus muUicolor theliei n. vom oberen Ituri; H. 
Schouteden, Rev. Zool. Afr. 3. 1914, 268. — [Fällt augen- 
scheinlich mit Ch. graueri Hart, (siehe Laniarius graueri) 
zusammen.] 

350. Chlorophoneus quadricolor intercedens n. von Deutsch-Ost- 
afrika ; Reichenow, Orn. Mntsb. 1915, 120. 

351. Chlorophoneus quadricolor nigricauda siehe Laniarius qu. 
nigricauda. 

* Chlorophoneus rubiginosus rudolß siehe Laniarius r. rudolfi. 

352. Dryoscopus adolß-friederici n. vom Ruwenzori; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1908, 160. — [Fällt mit D. nandensis Sharpe 
zusammen.] 

353. Dryoscopus alboplagatus n. von Doingo Narok in Aquatorial- 
Afrika; F. J. Jackson, Bull. Br. 0. C. 16. 1916, 90. 

354. Dryoscopus hocagei ansorgei n. vom nördlichen Angola; 
W. L. Sclater, Bull. Br. 0. C. 29. 1911, 37. 

355. Dryoscopus holomelas n. vom Ruwenzori; F. J. Jackson, 
Bull. Br. 0. C. 16. 1906, 90. 

356. Euroctphalus anguitimens böhmi n. vom südlichen und west- 
lichen Deutsch-Ostafrika ; Graf Zedlitz, Orn. Mntsb. 1913, 58. 

357. Eurocephalus anguitimens deckeni n. vom südlichen Somali- 
land bisWitu; Graf Zedlitz, Orn. Mntsb. 1913, 58. 

358. Eurocephalus anguitimens erlangeri n. von Abessinien ; Graf 
Zedlitz, Orn. Mntsb. 1913, 58. 

359. Eurocephalus anguitimens fischeri n. vom nordöstlichen 
Deutsch-Ostafrika und Britisch-Ostafrika; Graf Zedlitz, Orn. 
Mntsb. 1913, 58. 

360. Earpolestes australis ansorgei n. von Angola; 0. Neumann, 
Bull. Br. 0. C. 23. 1909, 53. 

361. Laniarius bergeri n. vom Baringosee; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1911, 34. — [Fällt mit L. funebris rothschildi Neum. zu- 
sammen.] 

362. Laniarius erythrogaster chrysostictus n. von Adamaua ; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1910, 95. 

363. Laniarius funebris airocaeruleus n. von Abessinien bis Nord- 
Somali; C. Hilgert, Nov. Zool. 18. 1912, 606. 

364. Laniarius funebris degener n. vom südlichen Somaliland; 
C. Hilgert, Nov. Zool. 18. 1912, 606. 



Vogelarten des afrikanischen Faunengebiets, etc. 81 

365. Laniarius funebris rothschüdi n. von Süd-Äthiopien; 0. Neu- 
mann, Journ. Orn. 1907, 595. 

366. Laniarius graueri n. vom Waldgebiet westlich des Albert- 
Edward-See; E. Hartert, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 9. 

367. Laniarius helenae n. von Sierra Leone; H. J. Kelsall, Bull. 
Br. 0. C. 31. 1913, 85. 

368. Laniarius melas n. vom Rugegewald ; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1908, 47. — [Fällt miti. holomelas Jacks, (siehe Dryoscopus 
holomelas) zusammen.] 

369. Laniarius mufumbiri n. von den Mfumbiri-Vulkanen ; W. R. 
Ogilvie-Grant, Bull. Br. 0. C. 29. 1911, 30. 

370. Laniarius quadricolor nigricauda n. von der Küste Britisch- 
Ostafrikas; St. Clarke, Bull. Br. 0. C. 31. 1913, 32. — 
[Besser als ChloropJioneus gu. nigricauda zu führen.] 

371. Laniarius rubiginosus rudolß n. vom Urwald westlich des 
Albert-Edward-See; E. Hartert, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 10. 

372. Lanius antinorii mauritii n. von den Korolibergen im west- 
lichen Somaliland; 0. Neumann, Journ. Orn. 1907, 595. 

373. Lanius arabicus n. von Süd-Arabien , W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. C. 15. 1905, 78. — [Es bleibt festzustellen, in 
welcher Weise diese Art von L. buryi sich unterscheidet.] 

374. Lanius gubernator sirümpelU n. von Adamaua; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1910, 8. 

375. Lanius humeralis camerunensis n. von Adamaua und Ost- 
Kamerun; Reichenow, Orn. Mntsb. 1910, 191. 

376. Malaconotus adolß - friederici n. vom Semliki; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1908, 191. 

377. Malaconotus interpositus n. von der Gegend nordwestlich 
des Tanganjika und Bihe in Angola; E. Hartert, Bull. Br. 
0. C. 29. 1911, 36. 

378. Malaconotus melinoides n. vom nördlichen Kamerun ; Rei- 
chenow, Journ. Orn. 1907, 470. 

379. Malaconotus pallidirostris n. von Portugiesisch - Guinea; 
Reichenow, Journ. Orn. 1915, 613. 

380. Nicator chloris laemoctjclus n. vom Semliki; Reichenow, 
Journ. Orn. 1909, 108. — [Noch zweifelhafte Form, bedarf 
der Bestätigung.] 

381. Nicator lepidus (Cass.) von Unterguinea vermutlich von 
N. chloris zu trennen ; Reichenow, Wiss. Ergeb. Exp. d. Herz, 
zu Meckl. 1911, 311. 

382. Nilaus afer camerunensis n. von Kamerun; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1907, 364. 

383. Nilaus afer erlangeri n. vom südlichen Somalilande ; C, 
Hilgert, Orn. Mntsb. 1907, 63. 

384. Nilaus afer erythreae n. von Bogos und Erythraea; 0. Neu- 
mann, Journ. Orn. 1907, 361. 

385. Nilaus afer hilgerti n. von Schoa; 0. Neumann, Journ. Orn. 
1907, 362. 

Journ. f. Om. LXVI. Jahrg. Januar 1918. 6 



82 Ant. Reicbenow: 

386. Nilaus afer massaicus u. von Deutsch- und Britisch-Ost- 
afrika; 0. Neumann, Journ. Orn. 1907, 363. 

387. Fomatorhynchus australis Jciwuensis n. vom Kiwusee ; Rei- 
cbenow, Wiss. Erg. Exped. d. Herz, zu Mecklenb. 1911, 310. 

388. Pomatorhynchus senegalus armenus n. von Taweta in Ost- 
afrika; H. C. Oberholser, Proc. Un. St. N. M. 30. 1906. — 
[Die Sonderung dieser Form von P. senegalus ist ebenso- 
wenig durchführbar wie die von P. orientalis.] 

389. Frionops cristata omoensis n. vom Omogebiet in Nordost- 
Afrika; 0. Neumann, Journ. Orn. 1905, 216. 

390. JPrionops poliocephalus adamauae n. von Adamaua; Rei- 
cbenow, Orn. Mntsb. 1910, 95. 

391. Sigmodus caniceps harterti n. von Süd-Nigeria; 0. Neumann, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 70. 

392. Sigmodus retmii neumanni n. vom südlichen Soraalilande; 
Graf Zedlitz, Journ. Orn. 1914, 51. 

393. Telophonus^) australis dohertyi n. von Kikuju; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1907, 370. — [Fällt mit P. emini Rchw. zu- 
sammen.] 

394. Telophonus jamesi kismayensis n. von Kismaju; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1907, 369. 

395. Telophonus senegalus cdmerunensis^) n. von Kamerun und 
Gabun; 0. Neumann, Journ. Orn. 1907, 375. 

396. Telophonus senegalus catholeucus n. vom südlichen Somali- 
lande; 0. Neumaun, Journ. Orn. 1907, 377. 

397. Telophonus senegalus erlangen n. von Schoa und Süd- 
Äthiopien; 0. Neumann, Journ. Orn. 1907, 373. 

398. Telophonus senegalus pallidus n. von der Goldküste; 0. 
Neumann, Journ. Orn. 1907, 375. 

399. Telophonus senegalus rufofuscus n. von Angola ; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1907, 376. 

Oriolidae. 

400. Oriolus larvatus reichenowi n. vom Süd-Somaliland, Küste 
von Englisch- und Deutsch-Ostafrika; Graf Zedlitz, Journ. 
Orn. 1915, 7. 

401. Oriolus nigripennis leucostidus n. vom Semliki; Reichenow, 
Wiss. Ergeb. Exp. d. Herz, zu Mecklenb. 1911, 317. 

402. Oriolus tanganjicae n. vom Gebiet westlich des Tanganjika; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1910, 161. 



*) Telophonus gleichbedeutend mit Fomatorhynchus. 

*) Die Abarten von T. senegalus sind sämtlich noch sehr zweifelhaft 
und bedürfen der Bestätigung auf Grund umfangreichen Materials. Es 
scheinen mancherlei Abänderungen nach Alter und Jahreszeit vorzukommen. 



Vogelarten des afrikanischen Faonengebiets, etc. 83 

Sturnidae. 

403. Amydrus neumanni n. von Nord-Nigeria; B. Alexander, Bull. 
Br. 0. C. 23. 1908, 41. 

404. Arieelopsar n. g. Typ : Fholidauges femoralis Rieh. ; H. C. 
Oberholser, Proc. Un. St. N. M. 28. 1905, 888. 

405. LamprocoUus chalyhaeus harüaubi n. vom Senegal ; 0. Neu- 
mann, Orn. Mntsb. J908, 64. 

406. LamprocoUus chloropferus schraderi n. von Abessinien und 
Schoa; 0. Neumann, Orn. Mntsb. 1908, 65. 

407. LamprocoUus sycohius nordmanni n. von Mossamedes; E. 
Hartert u. 0. Neumann, Orn. Mntsb. 1914, 11. 

408. Lamprotornis corrusca Nordm. älterer Name für Lamprotornis 
melanogaster Sw. ; 0, Neumann, Orn, Mntsb. 1913, 8. 

409. Foneropsar n. g. Typ: Spreo albicapiUus Blyth; H, C. Ober- 
holser, Proc. Un. St. N. M. 28. 1905, 888. 

410. Spreo pulcher intermedius n. von Adamaua, Sudan, Dongola; 
Graf Zedlitz, Orn. Mntsb. 1910, 9. 

411. Spreo torquatus n. von Kamerun; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1909, 140. 

412. Sülhopsar leucothorax n. vom Belgischen Kongo; Chapin, 
Bull. Amer. Mus. N. H. 35. 1916, 23. — [Fällt mit Spreo 
torquatus Rchw. zusammen.] 

Plooeidae. 

413. Aidemosi/necantans haraensis n. von Kordofan; 0. v. Wettstein, 
Ak. Wissensch. Wien Mai 1916. 

414. Aidemosyne cantans meridionaUs n. von Nord-Ostafrika bis 
Deutsch-Ostafrika; E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61. No. 14, 
1913, 4. — [Sehr zweifelhafte Form.] 

415. Aidemosyne inornaia n. vom Weifsen Nil; E. A. Mearns, 
Smiths, Mise. Coli. 61. No. 14, 1913, 3. — [Sehr zweifelhafte 
Form. In einer mir vorliegenden Reihe von Vögeln aus 
Ostafrika sind ebenfalls Stücke mit einfarbiger, ungewellter 
Oberseite]. 

416. Amadina fasciata alexandri n. von Ostafrika, von Abessinien 
bis Deutsch - Ostafrika ; 0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 23. 
1908, 43. 

417. Amadina fasciata meridionaUs n. von Rhodesien; K. Neunzig, 
Journ. Orn. 1910, 198. 

418. A. sudanensis n. von Nord-Nigeria und Sudan; B. Alexander, 
Bull. Br. 0, C. 19. 1907, 104. — [Fällt mit A, fasciata 
zusammen. Siehe A. f. alexandri.] 

419. Amhlyospiza saturata n. von Süd- Kamerun; Sharpe, Ibis 
1908, 353. 

^20. Cinnamopteryx mpangae n. von Uganda; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 21. 1907, 15. 

6* 



84 Ant. Eeicbenow: 4. 

421. Coliuspasser duhiosus n. von Gelo; 0. Neumann, Journ. Orn. 
1905, 348. — [Ist Winterkleid von Pyrömelana ansorgei 
Hart, nach 0. Naumann, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 47.] 

422. Coliuspasser macroura conradsi n. von der Insel Ukerewe 
im Victoria Niansa; A. Berger, Journ. Orn. 1908, 487. 

423. Cryptospiza horealis n. von Urguess-Berg nördlich vom 
Guasso Njiro; A. B. Percival, Bull. Br. 0. C. 29. 1912, 76. 

424. Cryptospiza sharpei n. vom Kemo (Französisch - Kongo) ; 
B. Alexander, Bull. Br. 0. G. 19. 1907, 46. 

425. Diafropura progne ansorgei n. von Angola; 0. Neumann, 
Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 45. 

426. Estrilda anambrae n. von Süd-Nigeria; R. Kemp, Journ. 
Orn. 1907, 624. 

427. Estrilda astrild adesma n. von Kissenji am Kiwusee; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1916, 168. 

428. Estrilda astrild erlangeri n. von Harar; Reichenow, Journ, 
Orn. 1907, 20. 

429. Estrilda astrild niassaica n. von Englisch - Ostafrika ; 0. 
Neumann, Journ. Orn. 1907, 596. — [Es bleibt festzustellen, 
wie sich diese Form von E. a. erlangeri unterscheidet.] 

430. Estrilda astrild münzneri n. von Bismarckburg amTanganjika; 
K. Kothe, Orn. Mntsb. 1911, 70. 

431. Estrilda astrild niediecki n. von Namuala am Kafue in 
Rhodesien; Reichenow, Orn. Mntsb. 1916, 168. 

432. Estrilda astrild nyansae n. vom Victoria Niansa; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1907, 596. 

433. Estrilda astrild nyassae n. von Uhehe bis zum Sambesi ; 
0. Neumann, Journ. Orn. 1907, 596. 

434. Estrilda atricapilla graueri n. von den Kiwu -Vulkanen ; 
0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 55. — [Vielleicht 
der alte Vogel von E. kandti Rchw.] 

435. Estrilda cinderella n. von Benguella ; 0. Neumann, Bull. Br. 
0. C. 23. 1908, 44. 

436. Estrilda incana hapalochroa n. von ürungu in Deutsch- 
Ostafrika; Reichenow, Orn. Mntsb. 1916, 168. 

437. Estrilda larvata togoensis n. von Togo; 0. Neumann, Orn. 
Mntsb. 1907, 167. 

438. Estrilda macmillani n. vom Baroflufs in Nord-Ostafrika; 
W. R. Ogilvie-Grant, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 108. 

439. Estrilda pallidior n. vom Guasso Njiro in Britisch-Ostafrika; 
F. J. Jackson, Bull. Br. 0. C. 27. 1910, 6. 

440. Estrilda paludicola henguellensis n. von Benguella; 0. Neu- 
mann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 96. 

441. Estrilda rhodopyga centralis n. von Kissenji am Kiwusee^); 
K. Kothe, Orn. Mntsb. 1911, 70. 



*) Kissenji liegt nicht am Albertsee, wie in der Urbeachreibung 
irrtümlich angegeben ist, sondern am Kiwusee. 



Vogelarten des afrikanischen Faunengebiets, etc. 85 

442. Esiritda rhodopyga frommi n. von Karema am Tanganjika ; 
K. Kothe, Orn. Mntsb. 1911, 70. 

443. Estrüda rhodopyga hypochroa n. von Britisch -Ostafrika; 
E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61. No. 9, 1913, 2. — 
[Fällt augenscheinlich mit E. r. centralis Kothe zusammen.] 

444. Estrüda rhodopyga polia n. von Südabessinien bis Mombas; 
E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61. No. 9, 1913, 1. — 
[Sehr zweifelhafte Form, bedarf der Bestätigung.] 

445. Euplectes sabinjo n. vom Nordabhang des Sabinjo-Vulkans 
in Mittelafrika; Reichenow, Orn. Mntsb. 1910, 161. 

446. Granatina ianthinogastra roosevelti n. von Sotik in Britisch- 
Ostafrika; E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61, No. 9, 
1913, 3. — [Sehr zweifelhafte Form.] 

447. Eeteryphantes golandi n. von Britisch-Ostafrika; St. Clarke, 
Bull. Br. 0. C. 31. 1913, 32. 

448. Hypargos niveoguttafus macrospilotus n. vom Meru; E. A. 
Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61. No. 14, 1913, 2. — [Diese 
Form ist vom typischen H. niveoguttatus nicht zu trennen.] 

449. Hyphantornis feminina n. vom Ruwenzori; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 21. 1907, 15. — [Fällt vielleicht mit 
bohndorfß Rchw. zusammen.] 

450. Hypochera codringtoni n. von Rhodesien ; S. A. Neave, 
Manchester Mem. Proc. Lit. Phil. Soc. 51. No. 10, 1907, 94. 

451. Hypochera neumanni n. vom Tschadsee; B. Alexander, Bull. 
Br. 0. C. 23. 1908, 33. 

452. Hypochera nigeriae n. vom Gongolaflufs ; B. Alexander, Bull. 
Br. 0. C. 23. 1908, 15. 

453. Lagonosticta butleri n. vom Gazellenflufs; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 21. 1907, 16. 

454. Lagonosticta graueri n. von Baraka, nordwestlich des Tangan- 
jika; Hon. W. Rothschild, Bull. Br. 0. C. 23. 1909, 102. 

455. Lagonosticta incerta n. von Uganda; E. A. Mearns, Smiths. 
Mi-sc. Coli. 56, No. 14, 1910,6. — [Fällt augenscheinlich mit 
L. ruberrima Rchw. zusammen. Die Unterschwanzdecken 
sind bei dieser Art meistens bräunlichgrau mit weifsem 
Endsaum, bisweilen aber grauweifs.] 

456. Lagonosticta rara forbesi n. vom Niger; 0. Neumann, Bull. 
Br. 0. C. 21. 1908, 58. 

457. Lagonosticta rhodopareia ansorgei n. von Angola; 0. Neu- 
mann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 58. 

458. Lagonostictarhodopareianeglectaü. \on Portugiesisch-Guinea; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1916, 168. 

459. Lagonosticta rubricata fricki n. von Abessinien ; E. A. Mearns, 
Smiths. Mise. Coli. 61. No. 14, 1913, 4. — [Fällt augen- 
scheinlich mit C. rhodopareia zusammen.] 

460. Lagonosticta rubricata haematocephala n. vom Niassagebiet; 
0. Neumann, Orn. Monatsb. 1907, 168. 



86 Aot. Reicbeaow: 

461. Lagonosticta rubricata hildebrandti n. von Britisch-Ostafrika ; 
0. Neumann, Orn. Mntsb. 1907, 167. 

462. Lagonosticta senegala abayensis n. vom Abajasee; 0. Neu- 
mann, Journ. Orn. 1905, 349. 

463. Lagonosticta senegala carlo n. von Harar; Graf Zedlitz, 
Orn. Mntsb. 1910, 172. 

464. Lagonosticta senegala erythreae n. von Bogosland ; 0. Neu- 
mann, Journ. Orn. 1905, 349. 

465. Lagonosticta senegala flavodorsalis n. von Adaraaua; Graf 
Zedlitz, Orn. Mntsb. 1910, 172. 

466. Lagonosticta senegala pallidicrissa n. von Angola ; Graf 
Zedlitz, Orn. Mntsb. 1910, 173. 

467. Lagonosticta ugandae n. vom Ruwenzori; T. Salvadori, Boll. 
Mus. Zool. Anat. Torino 1906, No. 542. — [Fällt mit L. 
rhodopareia zusammen nach 0. Grant, Ibis 1908, 272.] 

468. Lagonosticta umbrinodorsalis n. von Adamaua; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1910, 82. 

469. Malimbus coronatus n. von Süd-Kamerun ; Sharpe, Bull. Er. 
0. C. 19. 1906, 18. 

470. Malimbus fagani n. vom Semliki; W. R. Ogilvie-Grant, Bull. 
Br. 0. C. 21. 1907, 15. 

471. Malimbus flavipes n. vom Belgischen Kongo; Chapin, Bull. 
Amer. Mus. N. H. 35. 1916, 27. — [Vielleicht iuv. von M. 
coronatus.'] 

472. Malimbus gracilirostris n. von Spanisch-Guinea; Reichenow, 
Journ. Orn. 1909, 108. — [Ist 9 von M. coronatus Sharpe.] 

473. Malimbus malimbica melanobrephos n. von Oberguinea; 
E. Hartert, Novit. Zool. 14. 1907, 491. 

474. Malimbus nitens microrhyncha n. vom mittelafrikanischen 
Seengebiet; Reichenow, Orn. Mntsb. 1908, 161. 

475. Neisna dufresneyi nyansae n. von Bukoba; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1905, 350. 

476. Neisna minima n. vom Ruwenzori; W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. C. 16. 1906, 117. 

477. Nigrita alexanderi n. von Fernando Po; W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1907, 16. 

478. Notiospijga neuer Name für Sharpia\ H. C. Oberholser, 
Smiths. Mise. Coli. 48. No. 1579, 1905, 64. 

479. Odontospiea n. g. Typ: JBitylia caniceps Rchw. ; H. C. Ober- 
holser, Proc. Un. St. N. M. 28. 1905, 883. 

480. Ortygospiea ansorgei n. von Portugiesisch- Guinea; W. R. 
Ogilvie-Grant, Bull. Br. 0. C. 25. 1910, 84. 

481. Ortygospiea atricollis mülleri n. von der Wemberesteppe ; 
Graf Zedlitz, Journ. Orn. 1911, 604. 

482. Ortygospiza gabonensis n. von Gabun; Lynes, Bull. Br. 0. 
C. 33. 1914, 131. 

483. Othyphantes batesi n. von Kamerun; Sharpe, Ibis 1908, 
348. — cf beschrieben: Bull. Br. 0. 0. 25. 1910, 41. 



» 



Yogelarteo des afrikanischen Fannengebiets, etc. 87 

484. Oihyphantes fricJci n. von Abessinien; E. A. Mearns, Smiths. 
Mise. Coli. 61. No. 14, 1913, 1. 

485. Othyphantes kovdcsi n. von Abessinien; J. v. Madaräsz, Orn. 
Mntsb. 1914, 28. — [Diese Form wird mit 0. fricki zu 
vergleichen sein.] 

486. Othyphantes lovaii n. von Süd-Abessinien; G. E. Shelley, 
Birds of Africa IV. 2. 1905, 457. — [Ist altes Männchen 
von E. haglafecht nach E. Hartert, Nov. Zool. 1907, 495.] 

487. JBachyphantes superciliosus omoensis n. vom Omogebiet; 
0. Neumann, Jouru. Orn. 1905, 342. 

488. Baludipasser (n. g.) locustella n. vom Bangweolo-See in 
Rbodesieo ; S. A. Neave, Bull. Br. 0. C. 25. 1909, 25. 

489. Faludipasser uelensis n. vom Belgischen Kongo; Chapin, 
Bull. Amer. Mus. N. H. 35. 1916, 24. 

490. Flocepasser mahali ansorgei n. von Benguella; E. Hartert, 
Novit. Zool. 1907, 487. 

491. Jflocepasser melanorhynchus erlangeri n. von Kismaju im 
südlichen Somaliland; Reichenow, Journ. Orn. 1907, 4. 

492. Floceus anochlorus n. vom Uelle (Kongogebiet) ; Reichenow, 
Journ. Orn. 1912, 321. 

493. Floceus aurantius rex n. von Uganda; 0. Neumann, Bull. 
Br. 0. C. 23. 1908, 12. 

494. Floceus epipolius n. von Kilwa, Deutsch-Ostafrika; Reichenow, 
Journ. Orn. 1917, 392. 

495. Floceus flavissimus n. von SouUoukä in Nordostafrika; 0. 
Neumann, Journ. Orn. 1907, 595. — [Vielleicht nur Spielart 
von F. galhula.'] 

496. Floceus graueri n. von Usumbura am Nordende des Taugan- 
jika; E. Hartert, Bull. Br. 0. C. 29. 1911, 21. 

497. Floceus heuglini neglectus n. vom Senegal bis zum Niger; 
0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 58. 

498. Floceus insignis frater n. vom Gebiet westlich des Albert- 
Edward-See; 0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 12. 

499. Floceus ocularius ahayensis n. vom Abayasee; 0, Neumann, 
Journ. Orn. 1905, 339. — [Noch fragliche Form (vergl. 
Zedlitz, Journ. Orn. 1915, 13).] 

500. Floceus ocularius po n. von Fernando Po; E. Hartert, Novit. 
Zool. 14. 1907, 498. 

501. Floceus ocularius suahelicus n. von Lamu bis zum Sambesi; 
0. Neumann, Journ. Orn. 1905, 339. — [Vergl. Journ. Orn. 
1915, 13]. 

502. Floceus pondoensis n. von St. Johnsbucht, Pondoland; 
Reichenow, Journ. Orn. 1917, 392. 

503. Floceus quilimanensis n. von Q.uilimane ; Reichenow, Jouru. 
Orn. 1917, 392. 

504. Floceus rubiginosus cinnamominus n. von Benguella und 
Mossamedes; E. Hartert, Bull. Br. 0. C. 21. 1907, 11. — 
[Fällt mit F. trothae Rchw. zusammen.] 



88 Ant. Beicbenow: 

505. Floceus schubötei n. vom Karisimbi in Mittel - Afrika; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1908, 161. — [Fällt mit P. alienus 
(Sharpe) zusammen.] 

506. Floceus trothae n. von Deutsch-Südwestafrika; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1905, 147. 

507. Fseudonigrita arnaudi hapUensis n. von Britisch-Ostafrika; 
E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. No. 14, 1910, 5. — 
[Von P. arnaudi nicht zu trennen.] 

508. Pseudospermestes goossensi n. vom Stanley-Pool; A. Dubois, 
Ann. Mus. Congo T. 1. Fase. 1, 1905, 16. 

509. Fseudospermestes microrhyncha n. von Buddu, Westseite 
des Victoria Niansa; Reichenow, Orn. Mntsb. 1916, 168. 

510. Pyrenesies granti n. von Beira in Lourenco Marques; Sharpe, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 67. — [Fällt mit P. minor Shell, 
zusammen nach 0. Neumann, Journ. Orn. 1910, 530.] 

511. Fyrenesies ostrinus centralis n. vom mittelafrikanischen 
Seengebiet; 0. Neumann, Journ. Orn. 1910, 529. 

512. Pyrenesies ostrinus frommi n. von Urungu in Deutsch-Ost- 
afrika; K. Kothe, Orn. Mntsb. 1911, 70. 

513. Pyrenestes ostrinus gahunensis n. von Süd -Kamerun bis 
Kongo; 0. Neumann, Journ. Orn. 1910, 528. 

514. Pyrenestes ostrinus rothschildi u. vom Niger bis Nord- 
Kamerun; 0. Neumann, Journ. Orn. 1910, 528. 

515. Pyromelana crassirostris n. vom Ruwenzori; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 21. 1907, 14. 

516. Fyromelana flammiceps rothschildi n. vom Abayasee; 0. 
Neumann, Journ. Orn. 1907, 596. 

517. Pyromelana flammiceps sylvatica n. von Kamerun bis Angola; 
0. Neumann, Journ. Orn. 1905, 345. 

518. Fyromelana leuconota n. vom Kiwusee; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1909, 72. 

519. Pyromelana marwitzi n. von Mkalama in Deutsch-Ostafrika; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1906, 171. 

520. Pytelia belli n. vom Ruwenzori ; W. R. Ogilvie-Grant, Bull. 
Br. 0. C. 21. 1907, 14. 

521. Pytelia chubhi n. von Britisch-Ostafrika und Uganda; W. 
R. Ogilvie-Grant, Bull. Br. 0. C. 29. 1912, 64. 

522. Pytelia lopeni n. von Bunda in Innerafrika; B. Alexander, 
Bull. Br. 0. C. 16. 1906, 124. 

523. Fytilia melba tanganjicae n. von Usumbura am Tanganjika; 
Reichenow, Wissensch. Ergeb. D. Zentr.-Afr.-Exp. d. Herzog 
zu Mecklenb. 1911, 332. 

524. Spermestes bicolor permisia n. von Nord-Kamerun ; 0. Neu- 
mann, Orn. Mntsb. 1907, 166. 

525. Spermospiga haematina leonina n. von Siecra Leone ; 0. 
Neumann, Journ. Orn. 1910, 523. 



Vogelarten des afrikaniscbeD Faunengebiets, etc. 89 

526. Spermospiea haematina togoensis n. von Togo; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1910, 523. 

527. Spermospiaa poliogenys n. vom Ruwenzori ; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 19. 1906, 32. 

*Spermospiga rubricapüla \ruficapilla\ Beschreibung des cf; 

D. Seth-Smith, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 110. 

528. Sporopipes frontalis ahyssinicus n. von Abessinien; E. A. 
Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. No. 14, 1910, 7. — [Von 
S. frontalis nicht zu trennen; die angegebenen Unterschiede 
sind nicht stichhaltig.] 

529. Steganura paradisea aucupum n. von Oberguinea; 0. Neu- 
mann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 43. 

530. Sycohrotus herberti n. vom Uelle; B. Alexander, Bull. Br. 
0. C. 19. 1907, 88. 

531. Textor alhirostris nyansde n. von Kawirondo; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1905, 335. 

532. Uraeginthus bengalus barcae n. vom Barkagebirge in Eritrea ; 
Graf Zedlitz, Journ. Orn. 1911, 29. 606. 

533. Uraeginthus bengalus brunneigularis n.von Britisch-Ostafrika; 

E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. No. 20, 1911, 6. — 
[Fällt anscheinend mit ü. b. ugandae zusammen.] 

534. Uraeginthus bengalus camerunensis n. von Kamerun; Rei- 
chenow, Mitt. Zool. Mus. Berlin 5. 1911, 228. 

535. Uraeginthus bengalus mikindaniensis n. von Mikindani in 
Deutsch-Ostafrika; H. Grote, Orn. Mntsb. 1911, 162. 

536. Uraeginthus bengalus natalensis n. von Natal; Graf Zedlitz, 
Journ. Orn. 1911, 607. 

537. Uraeginthus bengalus niassensis n.von Songea am Niassasee; 
Reichenow, Mitt. Zool. Mus. Berlin 5. 1911, 228. 

538. Uraeginthus bengalus perpallidus n. vom Weifsen Nil; 0. 
Neumann, Journ. Orn. 1905, 351. 

539. Uraeginthus bengalus schoanus n. von Schoa; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1905, 350. 

540. Uraeginthus bengalus senafensis u. von Nord -Abessinien; 
Reichenow, Mitt. Zool. Mus. Berlin 5. 1911, 228. 

541. Uraeginthus bengalus togoensis n. von Togo; Reichenow, 
Mitt. Zool. Mus. Berlin 5. 1911, 228. 

542. Uraeginthus bengalus ugandae n. von Uganda; Graf Zedlitz, 
Journ. Orn. 1911, 606. 

543. Uraeginthus bengalus ugogensis n. von Ugogo in Deutseh- 
Ostafrika; Reichenow, Mitt. Zool. Mus. Berlin 25. 1911, 228. 

544. Uraeginthus cyanocephalus mülleri n.^vom südliehen Somali- 
lande; Graf Zedlitz, Orn. Mntsb. 1912, 77. 

545. Xanthophilus bojeri alleni n. von Britisch-Ostafrika; E. A. 
Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. No. 20, 1911, 6. — [Von 
P. bojeri nicht zu trennen Graf Zedlitz, Journ. Orn. 1916, 20.] 



90 Ant. Beicbenow: 

Fringillidae. 

546. Anomdlospiza macmillani n. vom südwestlichen Abessinien ; 
D. A. Bannerman, Bull. Br. 0. C. 29. 1911, 37. 

547. Emheriea affinis omoensis n. vom Omogebiet; 0. Neumaun, 
Journ. Orn. 1905, 358. 

548. FringiUaria goslingi n. vom Uelle in Innerafrika ; B. Alexander, 
Bull. Br. 0. C. 16. 1906, 124. 

549. FringiUaria Jcovdcsi n. von Abessinien; J. v. Madaräsz, Orn. 
Mntsb. 1912, 46. 

550. FringiUaria reichenowi n. von Kordofan ; 0. v. Wettstein, 
Ak. Wissensch. Wien Mai 1916. 

551. Gymnoris pyrgita massaica n. von Britisch- und Deutsch-Ost- 
afrika; 0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 70. 

552. Gymnoris pyrgita paUida n. vom Sudan, Senegal bisKartum; 
0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 70. 

553. Gymnoris pyrgita reichenowi n. von Süd-Somali; GrafZedlitz, 
Journ. Orn. 1916, 42. 

554. Heliospiza noomeae n. von Transvaal; J. W. B. Gunning, 
Journ. S. Afr. 0. U. 1907, 209. 

555. Fasser albiventris n. vom Sudan ; J. v. Madaräsz, Ann. Mus. 
Stat. Hung. 1911, 342. 

556. Fasser griseus ahyssinicus n. von Abessinien; 0. Neumanq, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 70. 

557. Fasser griseus eritreae n. von Eritrea und Nordwest- 
Abessinien; Graf Zedlitz, Journ. Orn. 1911, 33. 

558. Fasser grisetis neumanni n. vom abessinischen Küstenstrich ; 
Graf Zedlitz, Orn. Mntsb. 1908, 180. 

559. Fasser nikersoni n. vom Gebiet zwischen Dinder und Blauen 
Nil; J. V. Madaräsz, Ann. Mus. Nat. Hung. 1911, 341. 

560. Foliospiza coUaris n. von Gurra-Land; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1905, 146. 

561. Foliöspiea dimidiata n. von Abessinien; J. v. Madaräsz, Orn. 
Mntsb. 1912, 45. 

562. Foliöspiea elgonensis n. vom Elgon; W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. C. 31. 1912, 17. 

563. Foliöspiea erlangeri n. vom Arussi-Gallaland; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1905, 146. 

564. Foliöspiea menachensis n. von Yemen; W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. 0. 31. 1913, 90. 

565. Foliöspiea mennelli n. von Rhodesien; Sharpe, Bull. Br. 0. 
C. 21. 1908, 62. 

566. Foliöspiea monticola n. von Adamaua; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1910, 8. 

567. Foliöspiea pachyrhyncha n. von Garre Liwin; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1905, 146. 

568. Fseudacanthis (n. g.) yemenensis n. von Yemen ; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 31. 1913, 88. 89. 



Vogelarten der afrikanischen Faunengebiets, etc. 91 

569. Bhynchostruthus yemenensis n. von Yemen; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 31. 1913, 112. 

570. Serinus angolensis hilgerti n. vom südlichen Somalilaud; 
Graf Zedlitz, Orn. Mntsb. 1912, 76. 

571. Serinus angolensis somereni n. von Uganda; E. Hartert, 
Bull. Br. 0. C. 29. 1912, 63. 

572. Serinus frommi n. von der Gegend im Südosten des Tangan- 
jika; K. Kothe, Orn. Mntsb. 1911, 71. 

573. Serinus dorsostriatus harterti n. von Süd-Somali ; Graf Zedlitz, 
Journ. Orn. 1916, 47. 

574. Serinus leucopygius riggenbachi n. von Senegambien; 0. 
Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 44. 

575. Serinus striolatus graueri n. vom Ruwenzori; E. Hartert, 
Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 84. 

576. Spinus citrinelloides kikuyensis n. von Kikuju, Kenia, Nai- 
waschasee; 0. Neumann, Journ. Oru. 1905, 356. 



Motaoillidae. 

577. Anthus camerunensis n. vom Kamerun-Pik; B. Alexander, 
Bull. Br. 0. C. 25. 1909, 12. — [Fällt mit A. rufulus 
camaroonensis Shell, zusammen.] 

578. Anthus legaei n. vom Ruwenzori; W. R. Ogilvie-Grant, Bull. 
Br. 0. C. 19. 1906, 26. 

579. Anthus leucophrys angolensis n. von Angola und Deutsch- 
Ostafrika; 0. Neumauu, Journ. Orn. 1906, 236. — [Von 
A, leucophrys nicht zu trennen.] 

580. Anthus leucophrys bohndorfß n. vom Kongo; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1906, 236. 

581. Anthus leucophrys omoensis n. vom Omo; 0. Neumann, Journ. 
Orn. 1906, 234. — [Nicht von A. sordidus Rüpp. zu trennen 
nach 0. Grant, Ibis 1913, 587.] 

582. Anthus leucophrys saphiroi n. von Harar ; 0. Neumann, Journ. 
Orn. 1906, 235. 

583. Anthus leucophrys zenkeri n. von Kamerun; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1906, 235. 

584. Anthus nicholsoni hararensis n. von den Hararbergen; 0. 
Neumann, Journ. Orn. 1906, 233. 

585. Anthus nicholsoni nyassae n. von Uhehe bis Ungoni in 
Deutsch-Ostafrika; 0. Neumann, Journ. Orn. 1906, 233. 

586. Anthus nivescens n. von Kismaju im südlichen Somaliland; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1905, 179. 

587. Charadriola (n. g.) singularis n. vom Jipe-See; J. v. Madaräsz, 
Ann. Mus. Hung. 2. 1904, 396. — [Fällt mit Tmetothylacus 
tenellus Gab. zusammen.] 

588. Macronyx ascensi n. vom Maerusee; T. Salvadori, BoU. 
Mus. Zool. Anat. Torino No. 570, 1907. 



92 Ant. Reicbenow: 

589. Macronyx capensis colUtii n. von Natal; H. Schou, Orn. 
Mntsb. 1908, 119. 

590. Motacilla clara n. neuer Name für M. longicauda Rüpp. ; 
Sharps, Ibis 1908, 341. 

591. Motacilla wellsi n. von den Mfumbiru- Vulkanen; W. R. 
Ogilvie-Grant, Bull. Br. 0. C. 29. 1911, 30. 

Alaudidae. 

592. Alaemon hamertoni n. vom Somaliland; H. F. Witherby, 
Ibis 1905, 513. 

593. Ammomanes phoenicura pallens n. vom Sudan (Bajudasteppe) ; 
0. le Roi, Orn. Mntsb. 1912, 6. 

594. Certhilauda albofasciata erikssoni n. vom Owamboland; E. 
Hartert, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 82. 

595. Certhilauda albofasciata ohscurata n. von Benguella; E. 
Hartert, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 83. 

596. Certhilauda daviesi n, von Ost-Griqualand; J. W. B. Gunning 
u. A. Roberts, Ann. Transvaal Mus. 1911, 114. 

597. Certhilauda falcirosiris n. von Port Nollot, Klein-Namaqua; 
Reichenow, Journ. Orn. 1916, 161. 

598. Certhilauda Jcalahariae n. von der nördlichen Kalahari; 
W. R. Ogilvie-Grant, Ibis 1912, 375. 

599. Galerida cristata alexanderi n. von den Haussaländern ; 
0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 45. 

600. Galerida cristata eritreae n. von Eritrea; Graf Zedlitz, Orn. 
Mntsb. 1910, 59. 

601. Galerida cristata sonialiensis n. vom nördlichen Somali- 
lande; Reichenow, Journ. Orn. 1907, 49. 

602. Eeteromirafra ruddi neuer Name für Heteronyx ruddi Grant; 
C. H. B. Grant, Bull. Br. 0. C. 31. 1913, 114. 

603. Heteronyx ruddi n. von Transvaal; C. H. B. Grant, Bull. 
Br. 0. C. 21. 1908, 111. 

604. Mirafra africana dohertyi n. von Esearpment in Britisch- 
Ostafrika; E. Hartert, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 93. 

605. Mirafra africana harterti n. von Süd-Ukamba bis Teita; 
0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 45. 

606. Mirafra chadensis n. vom Tschadsee; B. Alexander, Bull. 
Br. 0. C. 21. 1908, 89. 

607. Mirafra cranbrooJci n. vom Ubangi und Uelle ; B. Alexander, 
Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 88. 

608. Mirafra hypermetra gallarum n. vom Gallaland; E. Hartert, 
Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 84. 

609. Mirafra meruensis n. von der Kilimandscharo-Meru-Steppe; 
Y. Sjöstedt, Wiss. Ergab. Kilimand. Exp. 1908, 137. 

610. Mirafra poecilosterna jacJcsoni n. von Kikuju; W. R. Ogilvie- 
Grant, Ibis 1913, 586. 

611. Mirafra schillinysi n. vom West-Kilimandscharo, Ostafrika; 
Reichenow, Journ. Orn. 1916, 163. 



Vogelarten äes afrikanischen Paunengebiets, etc. 98 

612. Mirafra sobatensis d. vom Sobat; H. Lynes, Bull. Br. 0. C. 
33. 1914, 129. 

613. Mirafra strümpelU n. von Adamaua; Reichenow, Orn. Mntsb. 

1910, 191. 

614. Spizocorys ohbiensis n. vom östlichen Somaliland; H. F. 
Witherby, Ibis 1905, 514. 

615. Tephrocorys cinerea erlangeri n. vom Hauaschgebiet; 0. Neu- 
mann, Journ. Orn. 1906, 239. 

Pyononotidae. 

616. Andropadus ansoryei u. von Süd-Nigerien; E. Hartert, Bull. 
Br. 0. C. 21. 1907, 10. 

617. Andropadus fricki n. von Endoto in Britisch - Ostafrika ; 
E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61. No. 25 1914, 4. — 
[Sehr zweifelhafte Art, von A. insularis wohl nicht zu 
trennen.] 

618. Andropadus fricki kiiungensis n. von Kitunga in Britisch-Ost- 
afrika; E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61. No. 25, 1914, 
4. — [Wie voriger von A. insularis wohl nicht zu trennen.] 

619. Andropadus gracilirosiris congensis n. von Leopoldsville 
am Kongo; Reichenow, Orn. Mntsb. 1916, 181. 

620. Andropadus kagerensis n. von Buddu, westlich des Viktoria 
Niansa; Reichenow, Orn. Mntsb. 1908, 47. 

621. Andropadus modestus n. vom Semliki; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1908, 160. 

622. Andropadus roehli n. von Usambara; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1905, 181. 

623. Bleda notata pallidior n. von Tschintschoscho in Loango; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1916, 180. 

624. Bleda syndactyla ogowensis n. vom Kamerun bis Kongo; 
0. Neumann, Orn. Mntsb. 1914, 9. 

625. Bleda woosnami n. von Uganda; W. R. Ogilvie-Grant, Bull. 
Br. 0. C. 19. 1907, 87. 

626. Chlorocichla flaviventris meruensis n. vom Meruwald in 
Britisch - Ostafrika; E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61. 
No. 26, 1914, 3. — [Anscheinend von Ch. f. mombasae nicht 
zu trennen.] 

627. Criniger barhatus ansorgeanus n. von Süd-Nigeria; E. Hartert, 
Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 97. 

628. Criniger swainsoni n. von Gambia oder Senegal ; 0. Neumann, 
Orn. Mntsb. 1914, 8. 

629. Criniger sylviculior n. von Katanga im südöstlichen Kongo- 
staat; S. A. Neave, Ann. Mag. N. H. (8.) 4. 1909, 130. 

630. Phyllastreplius albigularis adametzi n. von Bamenda in 

Kamerun; Reichenow, Orn. Mntsb. 1916, 181. 

631. Phyllastrephus capensis intermedius n. von Portugisisch-Ost- 
afrika; J. W. B. Gunning u. A. Roberts, Ann, Transv. Mus. 

1911, 115. 



94 Ant. Beichenow: 

632. Phyllastrephus cerviniventris lönnbergi n. von Tharaka in 
Britisch -Ostafrika; E, A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61. 
No. 25, 1914, 2. 

633. Phyllastrephus chlorigula schusteri n. vom Ngurugebirge; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1913, 161. 

634. Phyllastrephus dowashanus n. vom Ngare-Dowasch ; J. v. 
Madaräsz, Archiv. Zool. 1. No. 11, 1910, 176. — [Fällt mit 
Ph. cdbanisi sucosus zusammen.] 

635. Phyllastrephus flavicollis adamauae n. vom Ngendero-Gebirge 
in Nord-Kamerun; Reichenow, Orn. Mntsb, 1910, 94. 

636. Phyllastrephus graueri n. vom Albert - Edward - See; 0. 
Neumann, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 13. 

637. Phyllastrephus icterinus sethsmithi n. von Unjoro; E. Hartert 
und 0. Neumann, Orn. Mutsb. 1910, 81. 

638. Phyllastrephus indicator congensis n. vom Kongo ; Reichenow, 
Journ. Orn. 1917, 115. 

639. Phyllastrephus indicator lacuum n. vom mittelafrikanischen 
Seengebiet; Reichenow, Journ. Orn. 1917, 115. 

640. Phyllastrephus indicator togoensis n. von Ober -Guinea; 
Reichenow, Journ. Orn. 1917, 115. 

641. Phyllastrephus Tcilimandjaricus n. vom Kilimandscharo; Y. 
Sjöstedt, Wissensch. Erg. Schwed. Kiiimandj. Exp. 1908, 140. 

642. Phyllastrephus leucolaema camerunensis n. von Duma in 
Süd-Kamerun; Reichenow, Journ. Orn. 1915, 128. 

643. Phyllastrephus lorenei n. von Moera (Mittelafrika); M. Sassi, 
Sitzb. Ak. Wien 12. Juni 1914 und Journ. Orn. 1915, 112. 

644. Phyllastrephus olivaceogriseus n. vom Rugegewald in Mittel- 
afrika; Reichenow, Orn. Mntsb. 1908, 47. 

645. Phyllastrephus placidus grotei n. von Mikindano in Deutsch- 
Ostafrika; Reichenow, Orn. Mntsb. 1910, 8. 

646. Phyllastrephus placidus Tceniensis n. vom Kenia; E. A. Mearns, 
Smiths. Mise. Coli. 61. No. 25, 1914, 2. — [Wohl nicht von 
Ph. placidus zu trennen.] 

647. Phyllastrephus placidus müneneri n. von Sanyi in Mahenge, 
Deutsch-Ostafrika; Reichenow, Orn. Mntsb. 1916, 181. 

648. Phyllastrephus schuhotei n. vom Rugegewald; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1908, 47. — [Fällt mit Ph, hikuyuensis zu- 
sammen.] 

649. Phyllastrephus strepitans fricki n. vom Tana; E. A. Mearns, 
Smiths. Mise Coli. 61. No. 25, 1914, 1. — [Augenscheinlich 
von Ph. strepitans nicht zu trennen ] 

650. Phyllastrephus ugandae n. von Uganda; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1907, 200. — [Diese Art ist mit Ph. leucolaema 
Sharpe noch genauer zu vergleichen.] 

651. Phyllastrephus aenheri n. von Bipindi in Kamerun; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1916, 180. 

652. Prosphorocichla scandens acedis n. vom Ogowe; H. C. Ober- 
holser, Smiths. Mise. Coli. 48. No. 1588, 1905, 157. 



Vogelarten des afrikanischen Faunengebiets, etc. 95 

653. JBycnonotus barhatus harterti n. vom Mossamedes; Graf 
Zedlitz, Journ. Orn. 1916, 71. 

654. Fycnonotus layardi fayi n. von Britisch-Ostafrika östlich 
des Victoria Niansa; E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. 
No. 20, 1911, 7. — [Von F. layardi micrus nicht zu 
trennen. — Siehe auch E. Lönnberg, Ärkiv Zool. 9. No. 14, 
1915, 21.] 

655. Fycnonotus layardi micrus n. von Britisch- und Deutsch- 
Ostafrika; H. C. Oberholser, Proc. Uu. St. Nat. Mus. 28. 1905, 
891. — [Südafrikanische Vögel des F. layardi sind im all- 
gemeinen gröfser als ostafrikanische, wie das bei so vielen 
Arten der Fall ist, doch gehen die Formen so ineinander 
über, dafs es schwer ist, eine Grenze zwischen der gröfseren 
südafrikanischen Form layardi und der kleineren ostafri- 
kanischen micrus zu ziehen. — Siehe auch E. Lönnberg, 
Arkiv Zool. 9. No. 14, 1915, 21.] 

656. Fycnonotus layardi pallidum n. von Boror in Portugiesisch- 
Ostafrika; A. Roberts, Journ. S. Afr. Orn. Un. 8. 1912, 49. 

657. Fycnonotus layardi peasei n. von KituDga in Britisch-Ost- 
afrika; E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. No. 20, 1911, 
8. — [Zweifelhafte Form, bedarf der Bestätigung.] 

658. Fycnonotus layardi phaeocephalus n. von Uganda; E. A. 
Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. No. 20, 1911, 8. — [Sehr 
zweifelhafte Form, die der Bestätigung bedarf.] 

659. Fycnonotus tricolor ngamii n. vom Ngamisee ; W. R. Ogilvie- 
Grant, Ibis 1912, 391. 

660. Fycnonotus tricolor tanganjicae n. vom Gebiet zwischen 
Victoria Niansa, Albert-Edward- und Kiwu-See; Reichenow, 
Wissensch. Erg. Z.-Afr.-Exp. d. Herz, zu Mecklenb. 1911, 346. 

661. Stelgidillas hypochloris n. von Toro in Mittelafrika; F. J. 
Jackson, Bull. Br. 0. C. 19. 1906, 20. 

662. Stelgidocichla latirostris pallida n. vom Berg Gargues in 
Britisch-Ostafrika; E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61. 
No. 25, 1914, 5. 

663. Stelgidocichla latirostris saiurata n. vom Kenia; E. A. Mearns, 
Smiths. Mise. Coli. 61. No, 25, 1914, 6. — [Dafs in den 
Gebirgen Britisch - Ostafrikas gleich zwei Abarten des 
Ändropadus latirostris vorkommen sollten, erscheint recht 
auffällig. Da der Autor der Art, wie aus anderen Beispielen 
hervorgeht, das Bestreben hat, möglichst viele Arten zu 
beschreiben und dabei die Veränderlichkeit der Eigenart 
nach Alter, Jahreszeit und Geschlecht nicht berücksichtigt, 
ist Nachprüfung der Formen dringend erforderlich.] 

664. Xenocichla flavicollis soror n. von Kamerun bis Kongo; 
0. Neumann, Orn. Mntsb. 1914, 9. — [Fällt mit Fhylla- 
sirephus flavigula (Cab.) zusammen.] 



96 Ant. Keichenow: 

Zosteropidae. 

665. Zoslerops ahyssinica socotrana 11. von Sokotra; 0. Neumann, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 59. 

666. Zosterops bayeri n. vom Elgon ; E. Lönnberg, Arkiv f. Zool. 11. 
No. 5, 1917. 

667. Zosterops genderuensis n. vom Genderugebirge in Kamerun ; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1910, 192. 

668. Zosterops phyllicus n. von Nord-Kamerun ; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1910, 192. 

669. Zosterops poliogastra erlangeri n. von Schoa; 0. Neumann, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 60. 

670. Zosterops schubotzi n. vom Ruwenzori; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1908, 160. 

671. Zosterops senegalensis fricJci n. vom Thikaflufs in Britisch- 
Ostafrika; E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61. No. 20, 
1913, 6. 

672. Zosterops strümpelU n. von Adamaua; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1910, 191. 

673. Zosterops usambarae n. von Usambara; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1909, 42. 

674. Zosterops vaalensis n. von Transvaal; J. W. B. Gunning 
u. A. Roberts, Ann, Transv. Mus. 1911, 115. 

675. Zosterops virens garguensis n. vom Gargues, nördlich des 
Guasso Njiro in Britisch-Ostafrika; E. A. Mearns, Smiths. 
Mise. Coli. 61. No. 20, 1913, 7. 

676. Zosterops virens var. reichenowi n. von Baraka, Belgisch- 
Kongo; A. Dubois, Rev. Frang. d'Orn. 3. 1911, 18. 

Nectariniidae. 

677. Anthothreptes carruthersi n. vom VVestufer des Tanganjika ; 
W. R. Ogilvie-Grant, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 106. — 
[Vergl. Reichenow, Wiss. Ergeb. Z.-Afr.-Exp. d. Herz, zu 
Meckl. 1911, 348.] 

678. Anthreptes coUaris elachior n. von Mombas ; E. A. Mearns, 
Smiths. Mise. Coli. 56. No. 14. 1910, 5. — [Von A. collaris 
nicht zu trennen, nur Spielart.] 

679. Anthreptes longmari angolensis n. von Angola ; 0. Neumann, 
Orn. Mntsb. 1 906, 6. — [Vergl. Reichenow, Wiss. Ergeb. Z.-Afr.- 
Exp. d. Herz, zu Mecklenb. 1911, 348 u. Orn. Mntsb. 1916,25.] 

680. Anthreptes longmari haussarum n. von Togo; 0. Neumann, 
Orn. Mntsb. 1906, 6. — [Vergl. Reichenow, Wiss. Ergeb. 
Z.-Afr.-Exp. d. Herz, zu Mecklenb. 1911, 348.] 

581. Anthreptes longmari neumanni n. von Süd -Somali; Graf 
Zedlitz, Journ. Orn. 1916, 75, 

682. Anthreptes longmari nyassae n. vom Niassa- und Maschona- 
Land; 0. Neumann, Orn. Mntsb. 1906,7. — [Vergl. Reiche- 
now, Wiss. Ergeb. Z.-Afr.-Exp. d.Herz. zu Mecklenb. 1911, 348.] 



Vogelarten des afrikanischen Faunengebiets, etc. 97 

683. Änthreptes reichenowi n. von Beira in Portugiesisch-Ostafrika; 
J. W. B. Gunning, Ann. Transvaal Mus. I. 1909, 173. 

684. Änthreptes ruhritorques n. von üsambara; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1905, 181. 

685. Chalcomüra adamauae n. von Adamaua; Reichenow, Journ. 
Orn. 1915, 127. 

686. Chalcomitra borgerti n. von Üsambara; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1905, 182. 

* Chalcomitra changamwensis s. Oyanomitra changamwensis. 

* Chalcomitra olivacea daviesi s. unten Cinnyris olivaceus daviesi. 

687. Chalcomitra verticalis niassae n. vom Niassagebiet; Reiche- 
now, Orn. Mntsb. 1910, 174. 

688. Chalcomitra verticalis tanganjicae n. vom Urwald westlich 
des Tanganjika; Reichenow, Journ. Orn. 1915, 128. 

689. Cinnyris afra graueri n. von den westlichen Kiwuvulkanen ; 
0. Naumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 55. — [Fällt mit 
Cinnyris schubotei Rchw. zusammen.] 

690. Cinnyris batesi n. von Kamerun ; W. R. Ogilvie-Grant, Bull. 
Br. 0. C. 23. 1908, 19. 

691. Cinnyris chloropygius var. pauwelsi n. von Baraka im Norden 
des Tanganjika; A. Dubois, Rev. Frang. d'Orn. 3. 1911, 17. 

692. Cinnyris chloropygius uellensis n. vom Uelle ; Reichenow, 
Journ. Orn. 1912, 321. 

693. Cinnyris decorsei n. vom Tschadsee; E. Oustalet, Bull. Mus. 
Hist. Nat. Paris 1904, 536. 

694. Cinnyris genderuensis n. von Adamaua; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1910, 8. 

695. Cinnyris habessinicus alter n. vom nördlichen Somaliland; 
0. Neumann, Orn. Mntsb. 1906, 7. 

696. Cinnyris kempi n. von Sierra Leone; W. R. Ogilvie-Grant, 
Trans. Zool. Soc. London 19. 1910, 329. 

697. Cinnyris Jcruensis n. von Liberia und Goldküste; D. A. 
Bannerman, Bull. Br. 0. C. 29. 1911, 23. 

698. Cinnyris manoensis n. von Mano, westlich des Niassasees; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1907, 200. 

699. Cinnyris marginatus n. vom oberen Kongo; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 106. 

700. Cinnyris mariquensis kiwuensis n. vom Kiwusee; A. Berger, 
Orn. Mntsb. 1907, 181. — [Vergl. Reichenow, Wissensch. 
Ergeb. Z.-Afr.-Exp. d. Herz, zu Mecklenb. 1911, 352.] 

701. Cinnyris mediocris keniensis n. vom Kenia; E. A. Mearns, 
Smiths. Mise. Coli. 56. No. 14, 1910, 4. 

702. Cinnyris melanocenion n. von Tibati ; Reichenow, Orn. Mntsb, 
1910, 192. 

703. Cinnyris neergaardi n. von Inhambane; W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 93. 

704. Cinnyris obscurus neglectus n. von Ukamba, Taita, Sansibar; 
0. Neumann, Journ. Orn. 1906, 249. 

Journ, f. Gm. LXVI. Jahrg. Januar 1918. 7 



d8 Ant. Beichenow : 

705. Cinnyris oUvaceus daviesi n. von Pondoland; E. Hartert, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1907, 11. 

706. Cinnyris pembae u. von der Insel Pemba ; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1905, 180. 

707. Cinnyris schubotzi n. vom Rugegewald ; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1908, 47. 

708. Cinnyris schillingsi n. vom Gebiet westlich des Kilimand- 
scharo; Reichenow, Orn, Mntsb. 1916, 154. 

709. Cinnyris seimundi n, von der Goldküste und Gabun bis 
zum Semliki; W. R, Ogilvie-Grant, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 19. 

710. Cinnyris sheppardi n. von Lamu in Britisch-Ostafrika ; F. J. 
Jackson, Bull. Br. 0. C. 27. 1910, 6. 

711. Cinnyris tanganyicae n. vom Westufer des Tanganjika; 
W. R. Ogilvie-Grant, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 105. 

7 1 2. Cyanomitra changamwensis n. von Morabas, Britisch-Ostafrika ; 
E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. No. 14, 1910, 4. 

713. Hedydipna platura adiabonensis n. vom nordwestlichen 
Abessinien; Graf Zedlitz, Orn. Mntsb. 1910, 59. 

714. Helionympha raineyi n. von Sotik in Britisch-Ostafrika; 
E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. No. 28, 1911, 1. 

715. Nectarinia adolßfriederici r\. vom Kiwusee; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1908, 81. — [Vergl. Wiss. Ergeb. Z.-Afr.-Exp. d. Herz, 
zu Mecklenb. 1911, 352.] 

716. Nedarinia arturi n. von Südost-Rhodesien; P. L. Sclater, 
Bull. Br. 0. C. 19. 1906, 30. 

717. Nectarinia chloronota n. vom Ruwenzori; F. J. Jackson, 
Bull. Br. O.e. 16. 1906, 90. 

718. Nectarinia congensis n. von Borna am unteren Kongo; E. 
D. van Oort,' Orn. Mntsb. 1910, 54. 

719. Nectarinia dartmouthi n. vom Ruwenzori; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 16. 1906, 117. 

720. Nectarinia johnstoni idius n. vom Kenia; E. A. Mearns, 
Smiths. Mise. Coli. 56. No. 14, 1910, 3. — [Fällt anscheinend 
mit N. salvadorii Shell, zusammen.] 

Oerthiidae. 

721. Amaurocichla hempi n. von Sierra Leone; Sharpe, Bull. Br. 
0. C. 15. 1905, 38. 

722. Salpornis riggenbachi n. von Nord - Kamerun ; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1909, 140. 

723. Salpornis salvadorii abyssinica n. von Süd-Abessinien; W. 
R. Ogilvie-Grant, Ibis 1913, 597. — [Fällt mit S. spilonota 
erlangeri Neum. zusammen.] 

724. Salpornis salvadorii occidentalis n. von Nord - Nigerien ; 
St. Clarke, Bull. Br. 0. C. 33. 1914, 94. 

725. Salpornis spilonota erlangeri n. von Kaflfa; 0. Neumann, 
Orn, Mntsb. 1907, 52. 



Vogelarten des afrikanischen Faunengebiets, etc. 99 

Paridae. 

726. Anfhoscopus ansorgei n. von Benguella; E. Hartert, Bull. 
Br. 0. C. 15. 1905, 74. 

727. Änihoscopus colomannin. von Ngare-Dobasch; J. v. Madaräsz, 
Archiv. Zool. I. 1910, 177. 

728. Anthoscopus robertsi n. von Portugiesisch -Ostafrika; J. W. 
B. Gunning, Ann. Transvaal Mus. 1. 1909, 233. 

729. Anthoscopus roccatii n. vom Ruwenzori; T. Salvador], Boll. 
Mus. Zool. Anat. Torino 1906, 542. 

730. Anthoscopus rothschildi n. von Britisch- Ostafrika; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1907, 597. 

731. Anthoscopus sharpei n, von Usambiro; E. Hartert, Bull. Br. 
0. C. 15. 1905, 75. 

732. Melaniparus afer fricJci n. von Dire Daua in Abessinieo; 
E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61. No. 20, 1913, 5. 

733. Farisoma buryi n. von Yemen; W. R. Ogilvie-Grant, Bull. 
Br. 0. C. 31. 1913, 87. 

734. Farisoma holospodium n. von Süd -Kamerun; G. L. Bates, 
Bull. Br. 0. C. 25. 1909, 27. 

735. Farus brunnescens n. von Kubub in Namaland ; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1916, 154. 

736. Farus fasdiventer tanganjicae n. vom Gebiet westlich des 
Tanganjika; Reichenow, Orn. Mntsb. 1909, 42. 

737. Fholidornis denti n. vom östlichen Kongowald; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 41. 

Sylvlidae. 

738. Accentor fagani n. von Yemen; W. R. Ogilvie-Grant, Bull. 
Br. 0. C. 31. 1913, 88. 

739. Acrocephalus cinnamomeus n. vom Nordufer des Albert- 
Edward-Sees; Reichenow, Orn. Mntsb. 1908, 161. 

740. Alethe aJceleyae n. von Britisch -Ostafrika; N. Dearborn, 
Field Mus. Chicago Publ. 135. 1909, 170. 

741. Alethe carruthersi n. von Toro; W. R. Ogilvie-Grant, Bull. 
Br. 0. C. 19. 1906, 25. 

742. Alethe fülleborni usambarae n. von Usambara; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1905, 182. 

743. Alethe hikuyuensis n. von.Kikuju; F. J. Jackson, Bull. Br. 
0. C. 27. 1910, 7. 

744. Alethe montana n. von Usambara; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1907, 30. 

745. Alethe polioparea n. vom Uelle; Reichenow, Journ. Orn. 
1912, 321. 

746. Alethe uellensis n. vom Uelle; Reichenow, Journ. Orn. 
1912, 321. 

747. Alethe woosnami n. von Irumu, nordwestlich des Ruwenzori ; 
W. R. Ogilvie-Grant, Bull. Br. 0. C. 19. 1906, 24. 



100 Ant. Reichenow: 

748. Apalis adolfi-friederici n. vom Rugegewald; Reichenow, Orn. 
Mntsb'. 1908, 46. — [Fällt mit A. personata Sharpe zusammen 
nach Reichenow, Wiss. Ergeh. Z.-Afr.-Exp. d. Herz, zu Meckl. 
1911, 362] 

749. Apalis afßnis n. vom Ruwenzori; W. R. Ogilvie-Grant, Bull. 
Br. 0. C. 16. 1906, 116. 

750. Apalis ansorgei n. von Angola; E. Hartert, Bull. Br. 0. C. 
15. 1905, 95. — [Fällt mit Eremomela atricollis Boc. zu- 
sammen nach Hartert, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 94.] 

751. Apalis caiiodes n. vom Rugegewald; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1908, 46. — [Fällt mit A. ruwenzorii Jacks, zusammen 
nach Reichenow, Wiss. Ergeh. Z.-Afr.-Exp. d. Herz, zu Meckl. 
1911, 362.] 

752. Apalis chirindensis n. von Gasaland; G. E. Shelley, Bull. 
Br. 0. C. 16. 1906, 126. 

753. Apalis claudei n. vom Kapland; W. L. Sclater, Bull. Br. 
0. C. 27. 1910, 15. 

754. Apalis darglensis n. von Natal; J. W. B. Gunning u. A. 
Roberts, Ann. Transvaal Mus. 3. 1911, 117. 

755. Apalis denti n. von Uganda; W. R. Ogilvie-Grant, Bull. Br. 
0. C. 19. 1907, 86. 

756. Apalis flavida malensis n. vom Stephanie-See ; 0. Neumann, 
Orn. Mntsb. 1905, 78. 

757. Apalis flavida neumanni n. von Süd-Somaliland; Graf Zedlitz, 
Journ. Orn. 1916, 89. 

758. Apalis flaviventris n. von Pretoria; J. W. B. Gunning u. 
A. Roberts, Ann. Transvaal Mus. 3. 1911, 117. 

759. Apalis goslingi n. vom Uelle ; B. Alexander, Bull. Br. 0. C. 
21. 1908, 89. 

760. Apalis griseiceps uluguru n. von den Ulugurubergen ; 0. Neu- 
mann, Orn. Mntsb. 1914, 10. 

761. Apalis pulchra polionota n. von Adamaua; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1910, 7. 

762. Apalis rhodesiae n. von Matebeieland; J. W. B. Gunning 
u. A. Roberts, Ann. Transvaal Mus. 3. 1911, 115. 

763. Apalis ruddi n. von Inhambane; W. R. Ogilvie-Grant, Bull. 
Br. 0. C. 21. 1908, 93. 

764. Apalis rußceps n. von Usambara; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1908, 119. , 

765. Apalis rufogularis hafnerunensis n. von Süd-Kamerun; Rei- 
chenow, Orn. Mntsb. 1912, 28. 

766. Apalis spelonkensis n. vom nördlichen Transvaal; J. W. B. 
Gunning u. A. Roberts, Ann. Transvaal Mus. 3. 1911, 116. 

767. Apalis thescela n. vom Kilimandscharo; H. C. Oberholser, 
Proc. Un. St. Nat. Mus. 28. 1905, 904. — [Die Beziehung 
dieser Art zu A. murina Rchw. bleibt festzustellen.] 

768. Apalis veniistus n. von Pondoland ; J. VV. B. Gunning u. 
A. Roberts, Ann. Transvaal Mus. 3. 1911, 116. 



Vogelarten des afrikanischen Faunengebiets, etc. 101 

769. Ärgya Jceniana d. vom Kenia; F. J. Jackson, Bull. Br. 0. C. 
27. 1910, 7. 

770. Argya rubiginosa emini n. von Unjamwesi; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1907, 30. 

771. Bathmedonia talboti n. vom Uelle; B. Alexander, Bull. Br. 
0. C. 19. 1907, 46. 

772. Bradypterus alfredi albicrissalis n. vom Ruwenzori; 0. Neu- 
mann, Orn. Mntsb. 1914, 10. 

773. Bradypterus babaeculus fraterculus n. von Eskarpment in 
Britisch -Ostafrika; E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61. 
No. 20, 1913, 3. 

774. Bradypterus barakae neuer Name im B. rufescens (Sharpe); 
Sharpe, Ibis 1906, 546. 

775. Bradypterus bedfordi n. vom Ngamisee; W. R. Ogilvie-Grant, 
Ibis 1912, 382. 

776. Bradypterus brachypterus centralis n. von Kikuju bisKiwusee; 
0. Neumaun, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 55. 

777. Bradypterus camerunensis n. vom Kamerun-Pik ; B, Alexander, 
Bull. Br. 0. C. 25. 1909, 19. 

778. Bradypterus carpalis n. vom Belgischen Kongo; Chapin, Bull. 
Amer. Mus. N. H. 35. 1916, 27. 

779. Bradypterus cinnamomeus pallidior n. von den Gebirgen 
westlich des Tanganjika; 0. Neumann, Orn. Mntsb. 1914, 10. 

780. Bradypterus elgonensis n. vom Elgon ; J. v. Madaräsz, Orn. 
Mntsb. 1912, 175. 

781. Bradypterus graueri n. von den westlichen Kiwu-Vulkanen; 
0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 56. 

782. Bradypterus macrorhynchus n. von Leikipia in Britisch-Ost- 
afrika; F. J. Jackson, Bull. Br. 0. C. 27. 1910, 8. 

783. Bradypterus mariae n. von Kiboscho am Kilimandscharo; 
J. V. Madaräsz, Ann. Mus. Hung. 1905, 401. 

784. Bradypterus mildbraedi n. vom Ruwenzori; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1908, 161. — [Der Name war ursprünglich irrtümlich 
müdbreadi geschrieben 1] 

785. Bradypterus nisiri n. von Katanga; S. A. Neave, Bull. Br. 
0. C. 25. 1909, 25. 

786. Bradypterus pondoensis n. von Pondoland; A. Haagner, 
Journ. S. Afr. Orn. ün. 5. 1909, 90. 

787. Bradypterus sjöstedti n, vom Meruberg und Kilimandscharo ; 
0. Neumann, Orn. Mntsb. 1914, 9. 

788. Bradypterus usambarae n. von Usambara, Ostafrika; 
Reichenow, Journ. Orn. 1917, 391. 

789. Burnesia bairdi obscura n. vom Albert - Edward- und 
Kiwu-See; 0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 13. 

790. Calamocichla ansorgei n. von Angola; E. Hartert, Bull. Br. 
0. C. 16. 1906, 52. 

791. Calamocichla ansorgei nilotica n. von Wadelai; 0. Neumann, 
Novit. Zool. 1908, 246. 



102 Ant. Beichenow: 

792. Calamocichla chadensis n. vom Tschadsee; B. Alexander, 
Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 63. 

793. Calamocichla leptorhyncha nuerensis d. vom oberen Weifsen 
Nil; H. Lynes, Bull. Br. 0. C. 33. 1914, 130. 

794. Calamocichla neglecta n. vom Tschadsee; B. Alexander, 
Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 33. 

795. Calamocichla palustris n. vom Massailand ; Reichenow, Journ; 
Orn. 1917, 391. 

796. Calamocichla zuluensis n. von Sululand bis Süd-Mossambik; 
0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 96. 

797. Calamonastes fasciolatus pallidior n. von Benguella; E. 
Hartert, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 97. 

798. Calamonastes hatangae n. von Katanga ira südöstlichen 
Kongostaat; S. A. Neave, Ann. Mag. N. H. (8.) 4. 1909, 130. 

799. Calamonastes simplex erlangen n. von Nord -Somali und 
Abessinien; Graf Zedlitz, Orn. Mntsb. 1912, 78. 

800. Calamonastes simplex hilgerti n. von Gurra-Land; Graf 
Zedlitz, Orn. Mntsb. 1912, 78. 

801. Calamonastes stigmosus n. von Deutsch - Südwestafrika; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1910, 8. 

802. Callene aequatorialis n. von Lumbwa; F. J. Jackson, Bull. 
Br. 0. C. 16. 1906, 46. 

803. Callene lopeei n. vom Uelle; B. Alexander, Bull. Br. 0. C. 
19. 1907, 46. 

804. Camaroptera hrachyura bororensis n. von Portugiesisch- 
Ostafrika; J. W. B. Gunning u. A. Roberts, Ann. Transvaal 
Mus. 1911, 117. 

805. Camaroptera brevicaudata pulchra n. vom nördlichen Angola 
bis Tanganjika; Graf Zedlitz, Journ. Orn. 1911, 331. 

806. Camaroptera brevicaudata rothschildi n. von Gabun; Graf 
Zedlitz, Journ. Orn. 1911, 331. 

807. Camaroptera caniceps n. von Süd -Kamerun; Reichenow, 
Journ. Orn. 1915, 128. 

808. Camaroptera griseoviridis abessinica n. von Eritrea bis zum 
nördlichen Somaliland ; Graf Zedlitz, Journ. Orn. 1911, 338. 

809. Camaroptera griseoviridis harterti n. von Nord-Angola; 
Graf Zedlitz, Journ. Orn. 1911, 342. 

810. Camaroptera griseoviridis noomei n. von Nord-Transvaal; 
J.W.B. Gunning u. A.Roberts, Ann. Transvaal Mus. 1911,117. 

811. Camaroptera griseoviridis sharpei n. von Südwestafrika; 
Graf Zedlitz, Journ. Orn. 1911, 343. 

812. Camaroptera pileata littoralis n. von Mikindani in Deutsch- 
Ostafrika; H. Grote, Orn. Mntsb. 1911, 163. 

813. Camaroptera superciliaris hamerunensis n. von Kamerun; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1912, 29. 

814. Camaroptera superciliaris ugandae n. von Uganda; St. Clarke, 
Bull. Br. 0. C. 33. 1914, 136. 



Vogelarten des afrikanischen Faunengebiets, etc. 103 

815. Cercomela melanura erlangen n. von Süd- Arabien; 0. Neu- 
mann u. Graf Zedlitz, Journ. Orn. 1913, 364. 

816. Cercomela scotocerca enigma n. von Somali- und Gallaland; 
0. Neumann u. Graf Zedlitz, Journ. Orn. 1913, 368. 

817. Cichladusa. guttata mülleri n. von Süd-Somali; Graf Zedlitz, 
Journ. Orn. 1916, 108. 

818. Cisticola adamauae n. von Adamaua; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1910, 175. 

819. Cisticola adametei n. von Bamenda in Nord -Kamerun; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1910, 175. 

820. Cisticola alleni n. vom Meru und Guaso Njiro; E. A. Mearns, 
Smiths. Mise. Coli. 56. No. 25, 1911, 3. 

821. Cisticola ansorgei n. von Benguella; 0. Neuraann, Bull. Br. 
0. C. 16. 1906, 114. 

822. Cisticola belli n. vom Ruwenzori ; W. R. Ogilvie-Grant, Bull. 
Br. 0. C. 21. 1908, 71. 

823. Cisticola hutleri n. vom Gazellenflufs ; W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1907, 17. 

824. Cisticola camerunensis n. von Ost-Kamerun; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1910, 191. 

825. Cisticola carruthersi n. vom Ruwenzori; W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. C. 23. 1909, 94. 

826. Cisticola cinnamomeiceps n. von Matebele; A. Haagner, Ann. 
Transvaal Mus. 1. 1909, 197. 

827. Cisticola deserticolor n. von Kordofan; 0. v. Wettstein, Ak. 
Wissensch. Wien Mai 1916. 

828. Cisticola difßcilis n. von Lakiondu, nördlich des Kenia; 
E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 36. No. 25, 1911, 5. 

829. Cisticola elgonensis n. vom Elgon ; J. v. Madaräsz, Orn. 
Mntsb. 1913, 7. 

830. Cisticola floweri n. von Sennar; E. Hartert, Bull. Br. 0. C. 
27. 1910, 12. 

831. Cisticola frater n. von] Damaraland ; Reichenow, Journ. Orn. 
1916, 162. 

832. Cisticola garuensis n. von Adamaua; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1910, 7. 

833. Cisticola harrisoni n. von Britisch -Ostafrika; W. Stone, 
Proc. Ac. Philad. 1905, 771. 

834. Cisticola heterophrys n. von Britisch- Ostafrika; H. C. Ober- 
holser, Ann. Carnegie Mus. 3. 1906, 496. — [Fällt augen- 
scheinlich mit C. chiniana zusammen.] 

835. Cisticola hypoxantha reichenowi n. von Mombas; E.A. Mearns, 
Smiths. Mise. Coli. 56. No. 25. 1911, 6. 

836. Ctsticola isabellina n. von Songea in Deutsch -Ostafrika; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1907, 60. 

837. Cisticola halahari n. von Britisch-Betschuanenland; W. R. 
Ogilvie-Grant, Bull. Br. 0. C. 25. 1910, 121. 



104 Änt. Reichenow: 

838. Cisticola hmunkei d. von Buhungu am Elgon; J. v. Madaräsz, 
Orn. Mntsb. 1912, 175. 

839. Cisticola münzneri n. von Mahenge, Deutsch-Ostafrika; 
Reichenow, Journ. Orn. 1916, 163. 

840. Cisticola natalensis inexpectata n. von Schoa; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1906, 268. 

841. Cisticola mystica n. von Pretoria; A. Roberts, Journ. S. Afr. 
Orn. Union 9. 1913, 106. 

842. Cisticola petrophila n. von Nord-Nigerien ; B. Alexander, 
Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 104. 

843. Cisticola pretoriae n. von Pretoria; A. Haagner, Ann. Transvaal 
Mus. 1. 1909, 230. 

844. Cisticola prinioides kilimensis n. vom Kilimandscharo; E. A.. 
Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. No. 25, 1911, 1, — [Nach 
mir vorliegendem Material sind Vögel vom Kilimandscharo 
von der typischen Form C. prinioides nicht zu trennen.] 

845. Cisticola prinioides wanibugensis n. von Britisch-Ostafrika ; 
E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 60. No. 20, 1913, 1. 

846. Cisticola pussilla n. von Portugiesisch-Ostafrika; J. W. B. 
Gunning u. A. Roberts, Ann. Transvaal Mus. 1911, 118. 

847. Cisticola pyrrhomitra n. von Gallaland; Reichenow, Journ. 
Orn. 1916, 162. 

848. Cisticola robusta schraderi n. von Nord-Abessinien; 0. Neu- 
mann, Journ. Orn. 1906, 265. 

849. Cisticola ruficapilla hororensis n. von Portugiesisch-Ostafrika 
A. Roberts, Journ. S. Afr. Orn. Un. 1912, 54. 

850. Cisticola schusteri n. von den Ulugurubergen ; Reichenow, 
Journ. Orn. 1913, 557. 

851. Cisticola simplicissima n. von Benguella; 0. Neumann, Bull. 
Br. 0. C. 23. 1908, 47. 

852. Cisticola slatini n. von Kordofan; 0. v. Wettstein, Ak. 
Wissensch. Wien Mai 1916. 

853. Cisticola soror n. vom Kilimandscharo, Ostafrika; Reichenow, 
Journ. Orn. 1916, 162. 

854. Cisticola stoehri n. von Rhodesien ; S. A. Neave, Manchester 
Mem. Proc. Lit. Phil. Soc. 51. No. 10, 1907, 65. — [Fällt 
augenscheinlich mit C. angusticauda Rchw. zusammen.] 

855. Cisticola strangei kapitensis n. von Britisch-Ostafrika; E. A. 
Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. No. 25, 1911, 4. 

856. Cisticola subruficapilla aequatorialis n. vom Naiwascha-See; 
E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. No. 25, 1911, 2. — 
[Fällt vielleicht mit C semifasciata Rchw. zusammen.] 

857. Cisticola suhrtificapilla borea n. von Lado; E. A. Mearns, 
Smiths. Mise. Coli. 56. No. 25, 1911, 3. 

858. Cisticola sudanica n. vom Blauen Nil; J. v. Madaräsz, Ann. 
Mus. Nat. Hung. 9. 1911, 340. — [Fällt vielleicht mit 
C. floweri Hart, zusammen.] 



Vogelarten des afrikanischen Faunengebiets, etc. 105 

859. Cisticola ugandae n. von Nord -Uganda; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1908, 13. 

860. Cisticola vulpina n. von Portugiesisch-Guinea; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1911, 54. 73. 

861. Cisticola wellsi n. vom Gazellenflufs ; W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1907, 17. 

862. Cisticola woosnami n. vom Ruwenzori; W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 72. — [Nach 0. Grant (Trans. Zool. 
Soc. London 19. 1910, 349) fällt die Art mit C. emini 
zusammen; indessen widerspricht die Beschreibung dieser 
Annahme.] 

863. Cisticolazedliteiü. voüEvltrea,; Reichenow,Oru. Mntsb. 1909,42. 

864. Cossypha albicapilla genderuensis n. von Adamaua; Rei- 
chenow, Orn. Mntsb. 1910, 176. 

865. Cossypha bocagei albimentalis n. vom Urwald westlich des 
Tanganjika; M. Sassi, Sitzb. Ak. Wien 12. Juni 1914 u. Journ. 
Orn. 1915, 117. 

866. Cossypha caffra namaquensis n. von Grofs-Namaqua ; W. L. 
Sclater, Ibis 1911, 415. 

867. Cossypha haagneri n. von Pondoland; J. W. B. Gunning, 
Ann. Transvaal Mus. 1. 1909, 174. 

868. Cossypha heuglini occidentalis n. vom Lufuku ; Reichenow, 
Journ. Orn. 1909, 108. 

869. Cossypha natalensis garguensis n. vom nördlichen Britisch- 
Ostafrika; E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61. No. 20, 
1913, 2. — [Die Form ist nicht aufrecht zu halten, nur 
Spielart. Rchw.] 

870. Cossypha natalensis intensa n. von Taweta in Britisch-Ost- 
afrika ; E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61, No. 20, 1913, 2. — 
[Nicht als Form zu trennen, nur Spielart.] 

871. Cossypha nigriceps n. von Adamaua; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1910, 7. 

872. Cossypha roberti rufescentior n. vom Albert -Edward -See; 
E. Hartert, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 9. 

873. Cossypha semirufa saturatior n. von den südäthiopischen 
Seen; 0. Neumann, Orn. Mntsb. 1906, 7. 

874. Cossypha somereni n. von Uganda; E. Hartert, Bull. Br. 
0. C. 31. 1912, 3. 

875. Crateropus carruthersi n. vom oberen Kongo; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 106. 

876. Crateropus cordofanicus n. von Kordofan; A. L. Butler, Ibis 
1905, 330. T. 7. 

877. Crateropus grisescens n. vom Gebiet westlich des Victoria 
Niausa (Mpororo); Reichenow, Orn. Mntsb. 1908, 47. 

878. Crateropus hypoleucus rufuensis n. von Usegua ; 0. Neumann, 
Orn. Mntsb. 1906, 148. 

879. Crateropus jardinei hypobrunneus n. vom Uelle; Reichenow, 
Journ. Orn. 1915, 129. 



106 Ant. Reichenow: 

880. Crateropus pleheius gularis n. von Ädamaua; Reicheuow, 
Orn. Mntsb. 1910, 7. 

881. Crateropus pleheius hikuyuensis n. von Kikuju; 0. Neumann, 
Orn. Mntsb. 1906, 7. — [Fällt mit C. hypostidus Gab. Rchw. 
zusammen.] 

882. Crateropus pleheius permistus n. vom Senegal; 0. Neumann, 
Orn. Mntsb. 1906, 146. 

883. Crateropus reichenowi n. vom Ngare-Dobasch ; J. v. Madaräsz, 
Arch. Zool. 1. 1910, 177. 

884. Dryodromas pearsoni n. von Katanga im südöstlichen Kongo- 
staat; S. A. Neave, Ann. Mag. N. H. (8.) 4. 1909, 130. 

885. Eminia lepidus hypochlorus n. von Wambugu in Britisch- 
Ostafrika; E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. No. 20, 
1911, 10. — [Die Form ist nicht zu trennen; die angeblichen 
Unterschiede sind nicht stichhaltig.] 

886. Eremomela crawfurdi n. von Sotik; St. Clarke, Bull. Br. 
0. C. 29. 1911, 43. 

887. Eremomela elegans abyssinica n. vom Omo in Südwest- 
Abessinien; D. A. Bannennan, Bull. Br. O.G. 29. 1911, 38. 

888. Erythracus [?] swynnertoni n. von Gasaland; G. E. Shelley, 
Bull. Br. 0. C. 16. 1906, 125. 

889. Erythropygia collsi n. vom Uelle; B. Alexander, Bull. Br. 
0. G. 19. 1907, 46. 

890. Erythropygia hamertoni n. vom Somaliland ; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. G. 19. 1906, 24. 

89 1 . Erythropygia paena benguellensis n. von Benguella ; E. Hartert, 
Bull. Br. 0. C. 19, 1907, 96. 

892. Erythropygia paena damarensis n. von Omaruru ; E. Hartert, 
Bull. Br. 0. G. 19. 1907, 96. 

893. Erythropygia reichenowi n. von Angola; [E. Hartert, Bull. 
Br. 0. G. 19. 1907, 95. 

894. Euprinodes nigrescens n. vom Ruwenzori ; F. J. Jackson, 
Bull. Br. 0. G. 16. 1906, 90. — [Siehe auch E. Hartert, 
Bull. Br. 0. G. 19. 1907, 95.] 

895. Geocichla hatesi n. von Süd-Kamerun ; Sharpe, Bull. Br. 
0. G. 16. 1906, 36; Ibis 1908 T. 3. 

896. Geocichla camaronensis n. von Süd-Kamerun; Sharpe, Ibis 
1905, 472. 

897. Geocichla gurneyi oherländeri n. von Beni (östlicher Kongo- 
wald) ; M. Sassi, Sitzb. Ak. Wien 12. Juni 1914 u. Journ. 
Orn, 1915, 115. 

898. Geocichla gurneyi raineyi n. vom Mbolololoberg in Britisch- 
Ostafrika; E. A. Mearns, Smiths. Mise. Goll. 61. No. 10, 
1913, 4. — [Zweifelhafte Form. Soll der Gr. g. otomitra 
ähnlich sein, über die Abweichung ist aber nichts angegeben.] 

899. Geocichla gurneyi tanganjicae n. vom Urwald westlich des 
Tanganjika; M. Sassi, Sitzb. Ak. Wien 12. Juni 1914 u. 
Journ. Orn. 1915, 116. 



Vogelarten des afrikanischen Faunengebiets, etc. 107 

900. Geocichla piaggiae keniensis n. vom Kenia; E. A. Mearns, 
Smiths. Mise. Coli. 61. No. 10, 1913, 3. 

901. Geocichla princei graueriü. von Moera (östlicher Kongowald); 
M. Sassi, Sitzb. Ak. Wien 12. Juni 1914 u. Journ. Orn. 
1915, 113. 

902. Graueria vittata n. vom Albert-Edward- und Kiwu-See; E. 
Hartert, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 8. 

903. Heliolais Tcirhyi n. von Portugiesisch-Ostafrika; A. Haagner, 
Ann. Transvaal Mus. 1. 1909, 233. 

904. Hemipteryx minuta n. von Nord-Transvaal; J. W. B. Gunning, 
Ann. Transvaal Mus. 1. 1909, 174. 

905. Lioptilus rufocinctus n. vom Rugegewald ; Hon. W. Roth- 
schild, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 6. 

906. Luscinia qolzi bei Chartum nachgewiesen; A. L. Butler, Ibis 
1908, 233^ 

907. Macrosphenus griseiceps n. von Mikindani in Deutsch-Ost- 
afrika; H. Grote, Orn. Mntsb. 1911, 162. 

908. Macrosphenus leoninus n. von Sierra Leone; 0. Neuraauu, 
Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 46. — [Ist Jugendform von M. flavi- 
cans nach O.-Grant, Bull. Br. 0. C. 25. 1910, 85.] 

909. Melocichla mentalis adamauae n. von Adamaua ; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1910, 175. 

910. Merula johnstoni n. von Uganda; Sharpe, Ibis 1906, 543. 

911. Monticola cyanus tenuir ostris ioh^nsQn in Abessinien nach- 
gewiesen; Graf Zedlitz, Journ. Orn. 1911, 78. 

912. Monticola pretoriae n. von Pretoria; J. W. B. Gunning u. 
A. Roberts, Ann. Transvaal Mus. 3. 1911, 118. 

913. Neocossyphus granti n. vom Uelle; B. Alexander, Bull. Br. 
0. C. 23. 1908, 15. 

914. Neocossyphus praepectoralis n. von Toro; F. J. Jackson, Bull. 
Br. 0. C. 16. 1906, 90. 

915. Neocossyphus rufus gabonensis n. vom Ogowe ; 0. Neumann, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 77. 

916. Notiocichla n. g. Typ.: Sylvia baeticata Vieill. ; H. C. Ober- 
holser, Proc. Un. St. N. M. 28. 1905, 900. 

917. Oenanthe yemenensis n. von Yemen; W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. C. 31. 1913, 87. 

918. Pentholaea albifrons pachyrhyncha n. vom Omo ; 0. Neumann, 
Orn. Mntsb. 1906, 8. 

919. l'entholaea macmillani n. vom Omogebiet; Sharpe, Bull. Br. 
0. C. 16. 1906, 126. 

920. Fhyllanthus cearnikowi n. vom oberen Kongo; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 40. 

921. Pinarochroa rudolphi n. vom Elgon; J. v. Madaräsz, Orn. 
Mntsb. 1912, 175. 

922. Pinarochroa sordida djamdjamensis u. von Djamdjam; 0. 
Neumann, Journ. Orn. 1906, 291. 



108 Ant. Beicbenow: 

923. Pinarochroa sordida erlangen n. vom Gara-Mulata ; Reiche- 
now, Orn. Mntsb. 1905, 25. 

924. Finarochroa sordida schoana n. von Schoa; 0. Neumann, 
Journ. Orn. 1906, 290. 

925. Finarornis rhodesiae n. von Rhodesien; Sharpe, Bull. Br. 
0. C. 21. 1908, 110. 

926. Flanesticus helleri n. vom Mbololoberg in Britisch-Ostafrika; 
E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61. No. 10, 1913, 1. 

927. Flanesticus olivaceus polius n. vom Lololokui-Berg in Britisch- 
Ostafrika; E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61. No. 10, 
1913, 2. 

928. Fogonocichla cucullata helleri n. vom Mbololoberg in 
Britisch-Ostafrika; E. A. Mearns, Smiths. Mise. Coli. 61. 
No. 20, 1913, 1. — fZweifelhafte Form, bedarf der Be- 
stätigung.] 

929. Fogonocichla cucullata Jceniensis n. von Kenia ; E. A. Mearns, 
Smiths. Mise. Coli. 56. No. 20, 1911, 9. — [Zweifelhafte 
Form, bedarf der Bestätigung.] 

930. Fratincola torquata orientalis n. von Kapland bis Niassaland 
und Angola; W. L. Sclater, Ibis 1911, 409. 

931. Frinia gracilis yemenensis n. von Süd- Arabien; E. Hartert, 
Vögel paläarkt. Fauna Heft 5, 1909, 609. 

932. Frinia intermedia n. vom Guasso-Njiro ; F. J. Jackson, 
Bull. Br. 0. C. 27. 1910, 7. 

933. Frinia metopias n. von Usambara; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1907, 30. 

934. Saxicola campicolina n. von Adamaua; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1910, 175. 

935. Saxicola hawkeri n. vom Sudan ; W. R. Ogilvie-Grant, Bull. 
Br. 0. C. 21. 1908, 94. 

936. Schoenicola brunneiceps n. von Uganda; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1907, 172. 

937. Sphenoeacus tranvaalensis n. von Nordost-Transvaal ; C. Grant, 
Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 92. 

938. Stiphrornis mahirae n. von Uganda; W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. C. 25. 1910, 85. 

939. Sylvia oliviae n. vom Tschadsee ; B. Alexander, Bull. Br. 0. 
C. 23. 1908, 15. 

940. Sylviella batesi n. von Süd-Kamerun ; Sharpe, Ibis 1908, 319. 

941. Sylviella chubbi n. von Nordwest-Rhodesien; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 27. 1910, 10. 

942. Sylviella denti n. vom Westen des Ruwenzori; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 19. 1906, 25. 

943. Sylviella distinguenda n. vom Ngare-Dobasch; J. v. Madaräsz, 
Arch. Zool. 1. 1910, 177. 

944. Sylviella kardyi n. von Sierra Leone; D. A. Bannerman, 
Bull. Br. 0. C. 29. 1911, 23. 



Vogelarten des afrikanischen Faunengebiets, etc. 109 

945. Sylviella lowei n. von St. Paul de Loanda; W. R. Ogilvie- 
Grant, Bull. Br. 0. C. 27. 1911, 105. 

946. Sylviella oliviae n. von Tscbadsee; B. Alexander, Bull. Br. 
0. C. 23. 1908, 16. 

947. Sylvietta ansorgei n. von Angola; E. Hartert, Bull. Br. 0. C. 
19. 1907, 97. 

948. Sylvietta hrachyura hilgerti n. von Nord -Somali und Ost- 
Abessinien; Graf Zedlitz, Journ. Orn. 1916, 99. 

949. Sylvietta hrachyura nilotica n. vom Weifsen Nil; 0. Neu- 
mann, Journ. Orn. 1906, 279. — [Fällt mit S. micrura Rüpp. 
zusammen.] 

950. Sylvietta carnapi dilutior vom Ruwenzori; Reichenow, Orn. 
Mntsb. 1916, 154. 

951. Sylvietta epipolia n. von Adamaua; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1910, 7. 

952. Sylvietta neumanni n. vom Gebiet westlich des Tangaojika; 
Hon. W. Rothschild, Bull. Br. 0. C. 23. 1908, 42, 

953. Sylvietta rufescens ochrocara n. von Damaraland ; H. C. Ober- 
holser, Smiths. Mise. Coli. 47. 1905, 373. — [Fällt augen- 
scheinlich mit S. flecJci Rchw. zusammen.] 

954. Sylvietta whytii loringi n. von Britisch -Ostafrika; E. A. 
Mearns, Smiths. Mise. Coli. 56. No. 20, 1911, 11. — [Bedarf 
der Bestätigung.] 

955. Sylvietta whytei var. pallidior n. von Mikindani in Deutsch- 
Ostafrika; H. Grote, Orn. Mntsb. 1911, 163. 

956. Tarsiger elgonensis n. vom Elgon ; W. R. Ogilvie - Grant, 
Bull. Br. 0. C. 27. 1911, 57. 

957. Tarsiger eurydesmus n. vom Rugegewald; Reichenow, Orn. 
Mutsb. 1908, 48. — [Fällt mit T. ruwenzorii 0. Grant 
zusammen nach Reichenow, Wiss. Ergeb. Z.-Afr.-Exp. d. Herz, 
zu Meckl. 1911, 374.] 

958. Tarsiger johnstoni montanus n. von Usambara; Reichenow, 
Orn. Mntsb. 1906, 172. 

959. Tarsiger ruwenzorii n. vom Ruwenzori; W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. C. 19. 1906, 33. 

960. Tarsiger stellatus transvaalensi? n. von Woodbush, Trans- 
vaal ; A. Roberts, Journ. S. Afr. Orn. Un. 8. 1912, 21. 

961. Thamnolaea claudi n. vom Tschad-Gebiet; B. Alexander, 
Bull. Br. 0. C. 16. 1906, 124. — [Ist 9 von Th. coronata.] 

962. Thamnolaea cinnamomeiventris usambarae n. von Usambara; 
0. Neumann, Orn. Mntsb. 1914, 11. 

963. Thamnolaea coronata kordofanensis n. von Kordofan ; 0. 
V. Wettstein, Ak. Wissensch. Wien Mai 1916. 

964. Turdinus hardkae n. von Toro; F. J. Jackson, Bull. Br. 0. 
C. 16. 1906, 90. 

965. Turdinus moloneyanus iboensis n. von Süd-Nigera; E. Hartert, 
Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 84. 



L 



110 Ant. Reichenow: Vogelarten des afrikaniachen Faunengebiets, etc. 

966. Turdinus phoebei n. von Unter-Nigerien ; R. Kemp, Bull. 
Br. 0. C. 21. 1908, 111. 

967. Turdinus pyrrhopterus kivuensis n. von den westlichen Kiwu- 
vulkanen; 0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 55. — 
[Sonderung der Form nicht haltbar nach O.-Grant, Bull. 
Br. 0. C. 21. 1908, 60.] 

968. Turdinus stictigula n. von Usambara; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1906, 10. 

969. Turdinus tanganjicae n. vom Urwald westlich des Tanganjika ; 
Reichenow, Journ. Orn. 1917, 391. 

970. Turdus albipectus n. von Mboga südlich des Albert-Sees; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1908, 191. 

971. Turdus graueri n. vom Kiwusee; 0. Neumann, Bull. Br. 
0. C. 21. 1908, 56. — [Fällt vielleicht mit T. bocagei zu- 
sammen.] 

972. Turdus menachensis n. von Yeraeo; W. R. Ogilvie-Grant, 
Bull. Br. 0. C. 31. 1913, 86. 

973. Turdus olivaceus bambusicola n. von den Kiwu-Vulkanen ; 
0. Neumann, Bull. Br. 0. C. 21. 1908, 56. 

974. Turdus pelios guineensis n. von Portugiesisch -Guinea; 
Reichenow, Mitt. Zool. Mus. Berlin 5. 1911, 237. •— [Fällt 
mit T. lugubris zusammen.] 

975. Turdus pondoensis n. von Pondoland; Reichenow, Journ. 
Orn. 1917, 391. 

976. Turdus roehli n. von Usambara; Reichenow, Orn. Mntsb. 
1905, 182. 

977. Turdus swynnerfoni n. von Rhodesien ; D. A, Bannerman, 
Bull. Br. 0. C. 31. 1913, 56. 

978. Turdus sylvestris n. vom Gebiet östlich des Kiwusees ; 
Reichenow, Orn. Mntsb. 1908, 191. 

979. Xenocopsychus (n. g.)ansorgei n.von Mossamedes; E. Hartert, 
Bull. Br. 0. C. 19. 1907, 81. 82. 



Deutsche Ornithologische Geseilschaft. 

Bericht über die OI<tobersitzung 1917. 

Verhandelt Berlin, Montag, den 8. Oktober 1917, abends 
7 Uhr im Blauen Saale des „Rheingold", Potsdamerstrafse 3. 

Anwesend die Herren Bärwald, K. Neunzig, Heck, 
v. Lucanus, Schalow, Reichenow, Haase und 
Heinroth. 

Als Gäste die Herren P. Kothe, Seilkopf, R. Neunzig 
und Frau H e i n r o t h. 

Vorsitzender Herr Schalow, Schriftführer Herr Heinroth. 



Bericht über die Oktobersitzung 1917. 111 

Der Vorsitzende begrüfst die Mitglieder in dem neuen 
Sitzungslokal. Das Preufsische Kriegsministerium hat das Archi- 
tektenhaus, in dem die Gesellschaft vom 2. Februar 1881, 
also 36 Jahre hindurch, ihre Zusammenkünfte abgehalten hat, 
angekauft. Die Herren Reichenow und Schalow, die in der 
heutigen Sitzung anwesend sind, haben auch bereits an jener 
vor 36 Jahren teilgenommen. Herr Reichenow übermittelt 
die Grüfse t m a r R e i s e r s aus Bialowies. 

Der Genannte und Herr Schalow legen neu erschienene 
Veröffentlichungen vor. Herr Reichenow geht näher auf 
eine Arbeit von J. v. Domaniewski über Sitta homeyeri und 
verwandte Formen ein. Er hält die Darstellung für irrtümlich. 
In Polen kommen zwei Formen vor: im Norden S. sordida, die 
dem Redner aus Lomscha vorliegt, im Süden eine Form, die den 
Übergang von sordida zu caesia darstellt und von Kleinschmidt 
S. reichenotvi genannt ist. Diese Form wird von Domaniewski 
augenscheinlich mit S. homeyeri verwechselt. Redner konnte 
Stücke der S. reichenowi aus Radom und Lublin und aus der 
Gegend südlich von Warschau untersuchen. Mit Bezug auf die 
Anschauung des Redners, dafs S. homeyeri aus Zwischenbrüten 
von S. europaea und sordida hervorgehe, sagt Herr v. Doma- 
niewski: „Bastarde treten nur an der Grenze der Brutgebiete 
zweier Formen auf." Er denkt sich danach diese Grenze nur 
als Linie. Demgegenüber ist auf die Tatsache aufmerksam zu 
machen, dafs Bastarde der Nebel- und Rabenkrähe von der Elbe 
bis zur Spree, also über eine Landstrecke von über 100 Kilometern 
verbreitet sind. — Herr Schalow weist auf den Neudruck eines, 
nur in sehr wenigen Exemplaren bekannten Werkes: Waidwerck 
und Federspiel; Durch Eberhardum Tappium Lunensem Bürger 
zu Cöln ; Zu Strafsburgk bey M. Jacob Cammer Lander [wahr- 
scheinlich 1542 gedruckt] hin. Der Neudruck ist in 250 nummer- 
ierten Exemplaren bei J. Scheible in Stuttgart erschienen. 

Herr H e i n r o t h spricht hierauf über reflektorische Be- 
wegungsweisen (Kratzen, Schütteln, Baden u. s. w.) im Lichte der 
Stammesverwandtschaft und führt dabei Folgendes aus: 

Das Kratzen des Kopfes geschieht entweder in der 
Weise, dafs der Vogel das Bein an der Brust vorbei an den Kopf 
bringt oder indem er es hinter dem Flügel hindurch steckt und 
sich also gewissermassen über den Rücken hinweg kratzt. Wir 
wollen das erstere als vorn herum und das letztere als hinten 
herum bezeichnen. Diese Bewegungsweise ist durchaus zwangs- 
läufig, d. h. bereits die jungen Vögel im Nest führen sie in der 
der betreffenden Art zukommenden Weise aus oder versuchen 
es wenigstens. Es kratzen sich vorn herum: Hühner, Tauben, 
Rallen, Steifsfüfse, Pinguine, Möwen, Schnepfen, Kraniche, Cariama, 
Triel, Reiher, Störche und Verwandte, Entenvögel, Pelikane, Kor- 
morane, Raubvögel, Eulen; von den Papageien: Eclectus, Conurus, 
Ära, Amasona, Falaeornis, Trichoglossus ; ferner Hornrabe, 



llä Bericht über die Oktobersitzung 1917. 

Kuckuck, Bartvögel und Spechte. Im Gegensatz hierzu führen 
die Kratzbewegung hinter dem Flügel aus: Flufsregenpfeifer, 
Kiebitz, Baumnashornvögel ; von den Papageien : Plattschweif- 
sittiche, Agapornis, Loriculus, MelopsiUacus, Calipsitiacus, Fsitta- 
cula; ferner Bienenfresser, Eisvögel, Wiedehopf, Segler und alle 
Singvögel. 

Es ist natürlich schwer zu sagen, warum die Kratzbewe- 
gungen bei der einen Vogelgruppe so und bei der anderen anders 
ausgeführt werden. Die Beinlänge ist jedenfalls nicht in jedem 
Falle mafsgebend, und auch sonst scheint die Figur des Vogels 
keinen Einflufs darauf zu haben, wie aus dem Vergleich der oben 
angeführten Vogelgruppen hervorgeht. Ausdrücklich sei noch- 
mals bemerkt, dafs der betreffende Vogel sich nur in der der 
betreffenden Art zukommenden Weise den Kopf kratzen kann. 
Wird er durch irgend etwas daran verhindert, so fällt er ent- 
weder um, oder er läfst es ganz sein, versucht aber niemals, 
sich auf die andere Art zu helfen. 

Die Schüttelbewegung beginnt bei allen Vögeln am 
Körper und endet mit einem Schütteln des Kopfes. Paradies- 
und JuDgfern-Kranich schütteln zum Schlufs noch das Ellenbogen- 
gefieder, das ja bei ihnen besonders entwickelt ist. Besonders 
bezeichnende Haltungen kommen z. B. bei den Schwänen vor, 
sodafs man an dem dabei gestreckt gehaltenen Halse den Höcker- 
schwan ohne Weiteres von dem sich krummhalsig schüttelnden 
Singschwan unterscheiden kann. Man hat den Eindruck, dafs 
das Schütteln ein echter Reflex ist. Es gehört für den Vogel 
eine gewisse Ruhe dazu, dafs er wirklich gut zustande kommt. 
Das Schütteln geht, wie beispielsweise bei uns das Niesen, 
manchmal unverrichteter Sache vorüber. Bei Gänsen wird das 
Schütteln auch bei grofser Wut häufig ausgeführt. 

Die bekannte Sichsonnen-Stellung, die darin be- 
steht, dafs der Vogel sich die Sonne von hinten in das stark 
gesträubte Gefieder unter gleichzeitigem Breiten von Flügeln und 
Schwanz scheinen läfst, kommt sicherlich folgenden Vogelgruppen 
zu: Raubvögeln, Eulen, Hühnern, Tauben, Kuckuck (auch Guira), 
Ziegenmelkern, Bienenfressern, Spechten, Regenpfeifern, Sing- 
vögeln. Rallen verhalten sich darin noch besonders eigenartig, 
dafs sie wie beim Strecken meist beide Flügel in sehr gleich- 
mäfsiger Weise nicht nur breiten, sondern auch nach unten und 
hinten strecken. 

Der Wiedehopf legt den Kopf mit geöffneter Haube auf den 
Rücken. Die Sichsonnenstellung, mit der die Stellung beim 
Trocknen des Gefieders nicht zu verwechseln ist, fehlt allen 
Anatiden, anscheinend den Papageien und wohl auch den Peli- 
kanen, Flammingos, Kranichen und verschiedenen anderen Grofs- 
vögeln. 

Das Baden im Wasser ist bekanntlich fast allgemein 
verbreitet, auch Kasuare tun es. Niemals baden: Lerchen, Hühner, 



Bericht über die Oktobersitzung 1917. 113 

vielleicht Baumnashornvögel, Wiedehopf und vielleicht Segler. 
Kuckuck, Blaurake, Ziegenmelker und Bienenfresser lassen sich 
gelegentlich gern beregnen. Sie breiten dabei Flügel und 
Schwanz, baden aber nur sehr wenig, was bei der Blaurake und 
dem Bienenfresser dann wohl nur im Fluge durch Eintauchen 
ins Wasser ausgeführt wird, wie dies bekanntlich die Schwalben 
regelmäfsig und der Pirol gelegentlich tun. Manche Vögel, die 
draufsen vom Röhricht oder von Zweigen aus ins Wasser gelangen, 
springen beim Baden auch im Käfig nicht in das Gefäfs, sondern 
versuchen, sich vom Rande aus zu benässen, wie z. B. der Zeisig 
und der Rohrsänger. Häherlinge und Sonnenvögel {Liothrix) 
baden in der Weise, dafs sie ins Wasser springen, rasch eine 
Schüttelbewegung machen, wieder aufs Trockene gehen und dies 
in schneller Reihenfolge einige Male wiederholen, nicht aber wie 
die meisten andern Vögel während des Badens im Wasser 
sitzen bleiben. 

Sandbäder nehmen Hühner, Lerchen, viele Raubvögel, 
Cariama, Eulen, Wiedehopf, Baumnashornvögel, Blauraken, Mauer- 
läufer, Zaunkönig, Sperlinge und wahrscheinlich auch noch andere. 
Es gibt also eine ganze Anzahl von Vogelgruppen, die sowohl 
im Sande als auch im Wasser baden. Sicherlich niemals tun es 
alle Schwimmvögel, Kraniche, Rallen, Schnepfen, Regenpfeifer, 
Reiher und Störche, Flamingo, Ruderfüfsler, Tauben. 

Eine besondere Körperhaltung beim Sichstrecken ist 
den Tauben dadurch eigen, dafs sie beim Strecken der geschlossenen 
Flügel nach oben den Schwanz weit fächern, und dafs die Rallen, 
wie bereits erwähnt, die Flügel in eigenartiger Weise nach hinten 
nehmen. 

Der Fufs wird zum Festhalten von Beute u. s. w. 
benutzt und dem Schnabel genähert: bei Raubvögeln, Eulen, 
einer Anzahl von Papageien und den Sultanshühnern (Porphyrio). 
Andere, aber auch nur wenige Vögel, stellen sich auf die Beute. 
Es tun dies die Rabenvögel, die Gattung Parus und einige Finken 
(Zeisig, Kreuzschnabel und Stieglitz). Würger und Bartmeisen 
haben die Gewohnheit, die Nahrung in die Zehen zu nehmen und 
dann den Lauf auf die Unterlage aufzulegen. Es befremdet sehr, 
dafs nicht alle, oder doch wenigstens viele Vögel auf den uns 
doch so naheliegenden Gedanken kommen, unbequeme Nahrungs- 
brocken mit den Füfsen festzuhalten oder wenigstens festzulegen; 
die physische Möglichkeit dazu hätten sicher die meisten. Es 
handelt sich bei der Verwendung der Füfse eben auch um rein 
instinktive Gewohnheiten, zu denen der Vogel im Leben nie etwas 
dazu lernt. 

Besondere Fufsbewegungen werden von den 
kleineren Regenpfeifern und dem Kiebitz in Gestalt einer zitternden 
Bewegung ausgeführt, die wohl den Zweck hat, Würmer und 
Insektenlarven in Bewegung zu bringen, damit sie von dem auf 
dem Boden Umschau haltenden Vogel durch das Auge bemerkt 

Joum. f. Om. LXVI. Jahrg. Januar 1918. 8 



114 Bericht über die Oktobersitzung 1917. 

werden können. Der Vortragende hat dies gelegentlich einer 
Jahresversammlung den Mitgliedern bei einem zahmen Flufsregen- 
pfeifer vorgeführt. Über das eigenartige Trampeln der Gänse 
ist das Nötige in der Änatiden-Biologie des Vortragenden erwähnt. 

Beim Putzen des Gefieders haben die Baumnashorn- 
vögel die Eigentümlichkeit, dafs sie beim Ordnen der Schwanz- 
federn den Schnabel unter dem Ast, auf dem sie sitzen, hindurch- 
führen, was sonst wohl kaum ein Vogel tut. Bei den Männchen 
von Faradisea beobachtet man ein eigentümliches Federlegen 
dergestalt, dafs der Vogel jedesmal, wenn er sich auf seinem 
Ast umgedreht hat, diejenigen Brustschmuckfedern, die dabei 
auf der anderen Seite des Astes zurückgeblieben sind, mit dem 
Schnabel vorsichtig erfafst und an die rechte Stelle bringt. Diese 
Handlungsweise erscheint sehr einfach und selbstverständlich. 
Um so mehr befremdet es, dafs sie anscheinend bei keinem 
anderen Vogel vorkommt. Geraten z. B. einem langschwänzigen 
Papagei, einem Pfauhahn u. s. w. seine langen Federn beim Um- 
drehen auf der Stange irgendwie in die Klemme, so kommt der 
Vogel nie auf den nahe liegenden Gedanken, sie mit dem Schnabel 
zurechtzulegen. 

Bekanntlich erfolgt der Lidschlufs des Vogels durch 
Anheben des unteren Augenlides nach oben. Eine Ausnahme 
machen darin die Eulen und der Zaunkönig, die das obere Augenlid 
ebenso wie wir Menschen nach unten ziehen. 

Das Aufsperren des Schnabels bei Hitze ist 
bei Eulen, Scharben und vielleicht auch bei den Reihern und 
Verwandten dahin etwas abgeändert, dafs der Kehlsack dabei 
rasch bewegt wird, also ein eigentliches Hecheln zustande kommt. 

Herr v. L u c a n u s bemerkt zu den Ausführungen des 
Herrn Heinroth, dafs all die Papageien, die sich vorn herum den 
Kopf kratzen, auch den Fufs zum Festhalten der Nahrung be- 
nutzen. Falco sparverius stützt nach Würgerart den Lauf auf 
die Stange auf und hat auch sonst in seiner Bewegungsweise 
viel singvogelhaftes. Nach Angabe von Herrn Neunzig verhält 
sich die indische Timalie Pictorhis hinsichtlich des Aufstützens 
des Laufs wie die anscheinend nahe verwandte Bartmeise. 

Herr Reichenow weist auf eine von ihm gemachte 
Beobachtung hin, dafs Stare sich nicht nur im Wasser, sondern 
in Ermangelung dessen auch im Schnee baden. 

Herr v. Lucanus legt eine abweichend gefärbte Wein- 
drossel (T. iliacus) vor, die aus dem Breslauer Universitäts-Museum 
stammt und eine Ausartung ins Gelbliche darstellt. Herr Hein - 
r t h wirft die Frage auf, bei welchen Rotkehlchen die sogenannten 
Spiegelflecke auf den Armdecken vorkämen. Nach seiner Erfahrung 
sind sie sowohl bei unvermauserten Jungen, als auch bei mehr- 
jährigen Vögeln, deren Alter genau feststeht, vorhanden. Auch 
das Geschlecht hat nachweislich keinen Einfliifs. Zu der Arbeit 
des Herrn v. L u c a n u s in der Festschrift des Journals für 



I 



Bericht über die Novembersitzung 1917. 115 

Ornithologiel917 über „das numerische Verhältuis der Geschlechter 
in der Vogelwelt" bemerkt er, dafs 2 Gelege von Bekassine und 
Kiebitz, die am 23. Juli und 25. Mai ausschlüpften, also sicher 
2. oder 3. Gelege sein müssen, je d* 999 ^^'^ O^. 99 ergeben 
haben, sodafs also auch in späten Brüten eine Überzahl von 
Weibchen vorkommen kann. Ein am 12. V. erbrütetes Kiebitz- 
gelege ergab gleichfalls 1 Männchen und 3 Weibchen. 

Herr K. Neunzig fragt an, ob der Eichelhäher wirklich, 
wie angegeben wird, Eicheln im Kehlsacke erweicht. Nach seinen 
Beobachtungen könne der Vogel überhaupt nur eine Eichel für 
kurze Zeit darin unterbringen. Den Anwesenden ist darüber 
nichts Näheres bekannt. 

Herr von Lucanus teilt mit, dafs ihm eine sichere An- 
gabe über das vor kurzem stattgehabte Horsten von Haliaetus 
alhicilla in der Mark Brandenburg zugegangen sei. Ferner sind 
ihm Beobachtungen über das Brüten von Colymhus arcticus in 
unserer Provinz mitgeteilt worden. Der betreffende Beobachter, 
ein Mitglied unserer Gesellschaft, bittet mit Rücksicht auf die 
Gemeingefährlichkeit geschäftlicher Eiersammler von der Nennung 
der betreffenden Lokalitäten Abstand nehmen zu wollen. 

Herr Reichenow berichtet, dafs ein am 8. Juli d. J. 
durch Otto Bock (Berlin) bei Kremmen erlegter Purpurreiher 
dem Berliner Museum übergeben worden ist. Herr Schalow 
fügt hinzu, dafs das Vorkommen von Ardea purpurea in der 
Mark nunmehr durch 5 Exemplare belegt sei, von denen nach- 
weislich drei im Monat Juli erlegt worden sind. Wahrscheinlich 
handelt es sich in allen Fällen um aus dem Westen verflogene 
Vögel, wie solche aus den an Holland grenzenden Distrikten 
Norddeutschlands mehrfach bekannt geworden sind. Heinroth. 

Bericht über die Novembertitzung 1917. 

Verhandelt Berlin, Montag, den 5. November 1917, abends 
7 Uhr im Blauen Saale des „Rheingold", Potsdamerstrafse 3. 

Anwesend die Herren Neunzig, Steinmetz, Reichenow, 
V. Lucanus, Graf Zedlitz, Schalow, Haase, und 
H ei n r th. 

Als Gäste die Herren R. Neunzig, Weise, Helfer, 
S e i 1 k p f und Frl. B e e 1 e. 

Vorsitzender Herr Schalow, Schriftführer Herr Heinroth. 

Der Vorsitzende teilt mit, dafs J. W. Stolz von der landes- 
kundlichen Kommission in Polen, der sich eifrig und mit grofser 
Liebe ornithologischen Arbeiten zugewendet hatte, am 26. September 
den Folgen einer schweren Verwundung erlegen ist. Eine kurze 
Notiz über den Dahingeschiedenen findet sich in den Ornith. 
Monatsberichten (1917, No. 11, 167). 

Die Herren Reichenow und Schalow besprechen neu 
erschienene Schriften. 

8* 



116 Bericht über die Novembersitzung 1917. 

Herr Reichenow legt das Werk von Pontoppidan, Danske 
Atlas 1763 vor und bemerkt dazu: „Bei Bearbeitung der „Neuen 
Nanienliste" hat das Werk mir nicht vorgelegen, wie auf S. 329 
des Journ. f. Orn. 1916 bemerkt worden ist. Ich war deshalb 
in der Annahme der P.'schen Namen dem Vorgange von Hartert 
u. A. in der Handlist of British Birds gefolgt. Nachdem ich 
das Werk nunmehr einsehen konnte, finde ich, dafs abgesehen 
von den allgemeinen Mängeln dieser „Kompilation" darin die 
binäre Nomenklatur nicht folgerichtig durchgeführt ist. So steht 
auf S. 617 JBalco Ossifraga Brissonii, auf S. 621 Colymhus Äuritus 
minor, auf S. G23 Scolopax Gallinago alius und Scolopax Galli- 
nago minor. Damit wird also die Benutzung der Namen hinfällig. 
An Stelle von ürinatar stellatus Pont, mufs wieder ü. lumme Gunn. 
treten, an Stelle von Larus argentatus Pont. L. argentaius L. 
und iür Äsio flammeus Font. Asio accipitrinus Pall. gebraucht werden. 
Demgemäfs bleibt auch Strix flammea L. für Strix alba Scop. 
bestehen. Bezüglich Strix flammea Pont, auf S. 617 des „Danske 
Atlas" ist noch zu bemerken, dafs dieser Name neben der ge- 
gebenen Abbildung auf Linnes Fauna Suecica sich gründet. Strix 
flammea der Fauna Suecica bezieht sich aber nach der Beschreibung 
in der 12. Ausgabe des Systema Naturae und den beigefügten 
Stellen des Schrifttums zweifellos auf die Schleiereule. Pont- 
oppidans Abbildung scheint allerdings die Sumpfohreule darzu- 
stellen. Somit waren hier augenscheinlich zwei Arten unter dem 
Namen S. flammea vereinigt, der 1766 von Linne auf die von 
ihm ursprünglich gemeinte Schleiereule zurückgeführt ist. 

Herr von Lucanus berichtet, dafs von der Ornitholo- 
gischen Station Lotos, die von Forstmeister Loos in das Leben 
gerufen wurde, innerhalb zweier Jahre 11000 Vögel in 95 Arten 
beringt worden sind. Es handelt sich dabei namentlich um 
Lachmöwen aus einer bei Liboch gelegenen Kolonie. 

Herr Schalow übermittelt Grüfse von Herrn Prof. Neu- 
mann in Warschau und berichtet über dessen Arbeiten in den 
dortigen Museen. 

Herr Steinmetz hält einen Vortrag über die Vogelschutz- 
stätte auf Langeoog. Sie ist, wie der Vortragende ausführt, in 
den 70er Jahren von der Kgl. Regierung in Aurich gegründet 
und 1914 an den Deutschen Bund für Vogelschutz (Charlotten- 
burg, Tegeler Weg 13) verpachtet worden. Sie umfafst eine 
Fläche von einer Längenausdehnung von 8—9 km und liegt auf 
dem östlichen Teile der Insel zum gröfsten Teile auf Dünen- 
gelände. Hauptsächlich brüten dort Silbermöwen, nach sorgfältiger 
Schätzung ungefähr 6000 Paare. Aufserdem sind an andern 
Stellen der Insel noch Sturmmöwen, Flufs-, Küsten- und Zwerg- 
seeschwalben , Brandgans , Rotschenkel , Kiebitze , Austern - 
fischer und viele Kleinvögel zu finden. Im letzten Jahre (1917) 
ist die Kolonie der Silbermöwen von den Einwohnern in der 
sinnlosesten Weise geplündert worden, sodafs wenige Jungvögel 



Bericht über die Novembersitzung 1917. 117 

erbrütet worden sind. Der Vortragende hat sich an Ort und Stelle 
überzeugt, dafs die Wärter ihre Pflicht taten, gegen die Bruta- 
lität der Einwohner aber machtlos waren. Der Vortragende gab 
einige Beispiele von der Dreistigkeit der Eierräuber zum Besten. 

Im nächsten Jahre soll eine Schutzhütte erstehen, in der 
3 Wärter mit Gewehr und Hund ausgerüstet, die Schutzbestim- 
mungen streng durchführen. Die nötigen Verhandlungen mit 
dem Reg.-Präsidenlen und den in Frage kommenden Behörden 
sind eingeleitet. 

In Verfolg des Meinungsaustausches verspricht Herr 
Seh a low jede Unterstützung seitens (JerDeutschenOrnithologischen 
Gesellschaft. 

Graf Zedlitz teilt hierauf Beobachtung an Rabenvögeln 
im westlichen Rufsland mit (wird besonders abgedruckt). 

Herr H e i n r o t h berichtet in Ergänzung des Vortrages 
über seine jung aufgezogenen Kolkraben, dafs sie ebenso schreck- 
haft wie die meisten Singvögel sind. So fürchtete sich das 
Männchen entsetzlich vor einer gewöhnlichen Küchenwaage, und 
bei beiden wurde durch das Aufziehen einer Fahne in etwa 
100 ra Entfernung ein stundenlanger panischer Schrecken aus- 
gelöst. Eine kleine Veränderung innerhalb ihres gewöhnlichen 
Aufenthaltsortes erfüllt sie mit grofsem Mifstrauen: das Weibchen 
scheute sich tagelang vor einer in das Drahtgeflecht geschnittenen, 
ganz unauffälligen, zum Ein- und Ausflug bestimmten Tür. Auch 
hier wurde also wieder beobachtet, dafs besondere Veränderungen 
in einer sonst bekannten Umgebung am meisten gefürchtet werden. 
Dies erklärt ja auch die Vorsicht vieler Tiere den ihnen ja an 
sich unbekannten Fallen gegenüber. Der Nahrungsmittelverbrauch 
war, so lange die Tage lang waren, ein sehr grofser. Die beiden 
Vögel verzehrten aufser einem eingequellten Backwerk zusammen 
1 Pfd. Fleisch täglich. Besonders als Nestjunge sind sie sehr 
wasserbedürftig. Sie werden sofort schwer krank, wenn man es 
unterläfst, sie zu tränken. Das Stofsen auf alles Fliegende ist 
ihnen angeboren. Ebenso das Verstecken von Nahrung und an- 
derem, eine Tätigkeit, die im Übermafs ausgeführt wird. 

Herr H e i n r o t h stellt die Frage, ob und wohin der 
Kolkrabe im Freien seine Nahrung versteckt, und wann die 
Mauser eintritt. 

Graf Zedlitz berichtet, dafs die Reste abgefressener 
Enten z. B. stets von den Vögeln beiseite getragen werden. 
Der Eintritt der Mauser richtet sich danach, wann die Vögel 
brüten, dürfte aber meist nicht vor dem Mai stattfinden. Herr 
Reichenow hat früher bei Berlin Kolkraben Fleischstücke 
im Schnee verstecken sehen. Er richtet die Frage an den Grafen 
Zedlitz, ob die Nebelkrähe in Polen häufig auftritt, die Saat- 
krähe ist dort sehr zahlreich vertreten. Ferner betonte er im 
Gegensatz zu der Angabe des Vortragenden, dafs Nebelkrähen 



118 Bericht über die Novembersitzung 1917. 

im Herbst sehr fett sein können. Graf Zedlitz erwidert, dafs 
die Nebelkrähe in Polen selten sei. Ziehend komme sie aus 
Südwesten die Schara entlang. 

Bezüglich der Bemerkung des Grafen Zedlitz, dafs 
bei den östlich des Ural wohnenden Dohlen der Halsfleck stets 
merklich gröfser sei und dafs es sich dort wohl um eine noch 
nicht beschriebene östliche Form handle, bemerkt Herr Schalow, 
dafs Hellmayr vor kurzem darauf hingewiesen hat (Verhandl. 
Ornith. Ges. Bayern 1917, Bd. 13, 154), dafs dem Namen Corvus 
soemmeringi von Fischer (Mem. Soc. Irap. Natur. Moscou 1811, 
vol. 1, 3 pl. 1) für die östliche Dohle die Priorität vor Corvus 
collaris Drummond (Ann. Mag. Nat. Hist. 1846, 10) gebühre. 
Sollte sich indessen, wie Graf Zedlitz oben angedeutet hat, er- 
geben, dafs die im Nordosten wohnende Coloeusiorm von der 
südöstlichen zu trennen ist, so würde der ersteren der Name 
von Fischer verbleiben und die zuerst aus Mazedonien beschriebene 
Form als Coloeus monedula collaris (Drum.) weiter geführt werden 
müssen. Hellmayr bemerkt übrigens, dafs er bei Exemplaren 
aus West-Rufsland, Südungarn, Rumänien, Mazedonien, Krim, 
Kaukasus etc. einen Unterschied nicht habe feststellen können. 

Herr Schalow legt aus seiner Bibliothek die ornithologischen 
Veröffentlichungen Johann August Donndorfs: — Handbuch der 
Naturgeschichte (Leipzig 1793); Zoolog. Beiträge zur 13. Ausgabe 
des Linn6'schen Natursystems (Leipzig 1794—1795); und Joh. 
Aug. Ephr. Goezes Europäische Fauna (Band 4 — 9 von Donndorf 
bearbeitet Leipzig 1794 — 1803) — vor und weist auf die Be- 
deutung dieses Zeitgenossen von Johann Matthäus Bechstein für 
die Entwicklung der Vogelkunde in Deutschland hin. 

Heinroth. 



Berichtignng. 

Auf S. 514 des Jahrgangs 1917 der Zeitschrift ist durch 
nachträgliches Herausrücken eines Absatzes ein Druckfehler 
entstanden. Unter Chaetura bürgersi mufs es weiter heifsen : 
Der Chaetura novaeguineae gleichend, aber dadurch unterschieden 
u. s. w. 



Dem Herausgeber zugesandte Schriften. 

St. v. C h e r n e 1 , Beim Anbruch eines neuen Zeitalters. (Ab- 
druck aus: Aquila Bd. 23.) 

— Horstbaum und Stimme des W^espenbussards. (Abdruck aus: 
Aquila Bd. 23.) 

— Nekrolog. W. Graf Wilamowitz-Möllendorflf, 0. le Roi, A. Kocyän, 
0. Finsch, H. E. Dresser. (Abdruck aus: Aquila 1917.) 



I 



r 



I 



Dem Herausgeber zugesandte Schriften. - 119 

St. V. Chernel, Ornithologische Beiträge aus den Feldbriefen 
Nikolaus von Chernels. (Abdruck aus: Aquila 1917.) 

— Über das Nisteu des Seidenschwanzes in Ungarn. (Abdruck 
aus: Aquila Bd. 23.) 

C. Daut, Der Herbstzug in Bern im Jahre 1905 unter nament- 
licher Berücksichtigung der Segler und Schwalben. (Orn. 
Beobachter 4. Nov. 1905.) 

E. Gebhardt, Fichtelgebirgsbeobachtungen 1914. (Abdruck 
aus: Verh. Orn. Ges. Bayern 13. Heft 2.) 

E. Greschik, Geschmacksknospen auf der Zunge des Ama- 
zonenpapageis. (Abdruck aus: Anat. Anzeiger 50, No. 11.) 

C. Hennicke, Schwindende Vogelarten in Deutschland. (Natur- 
denkmäler Bd. 2, Heft 14, 15.) 

H. Lüttschwager, Einiges vom Buchfinken. (Zeitschr. d. 
Naturw. Abt., Deutsche Ges. f. Kunst u. Wissensch. in Posen 
24. Jahrg., 2. Heft.) 

F. Fax, Der Kulturzustand Polens in seiner Bedeutung für die 
Tierwelt. (Abdruck aus: Die Naturwissenschaften 1917, 
Heft 37.) 

H. R e n d a h 1 , Flyttfägelsobservationer vid svenska fyrar. (Ab- 
druck aus: Fauna och Flora 1917.) 

J. Schenk, Altberühmte siebenbürgische Vogelsammlungen. 
(Abdruck aus: Aquila Bd. 23.) 

— Fauna Regni Hungariae. Animalium Hungariae hucusque 
cognitorum enumeratio systematica. Aves. Budapest 1917. 

F.Schwabe, Neunter Jahresbericht 1916/17 der Versuchs- 
und Musterstation für Vogelschutz von Hans Freiherrn v. 
Berlepsch. 

J. Strohl, Conrad Gessner's „Waldrapp". (Abdruck aus: 
Vierteljahrsschr. Naturf. Ges. Zürich 1917.) 

— Die Massenverhältnisse des Herzens im Hochgebirge. Ein 
Vergleich zwischen Alpen- und Moorschneehuhn. Nebst Aus- 
blick auf die Funktion der Luftsäcke. (Abdruck aus: Verhandl. 
Schweiz. Naturf. Ges. 93. Jahresvers. Basel 1910, 1. Bd.) 

F. Tischler, Über den Zug der nordischen Schaftstelze 
{Motacilla thunbergi) in Ostpreufsen. (Falco No. 1, 1917.) 

E. P. T r a t z , ü. Jahresbericht der Ornithologischen Station in 

Salzburg. 1914-17. 
V.Ritter v. Tschusi zu Schmidhoffen, Ornithologische 

Literatur Österreich- Ungarns 1915. (Abdruck aus: Verhandl, 

zool.-bot. Ges. Wien 1916.) 

— Ornithologische Kollektaneen aus Österreich-Ungarn. (Abdruck 
aus: Zool. Beobachter 58. Heft 7/9.) 



120 Dem Herausgeber zugesandte Schriften. 

H. Virchow, Über die Halswirbelsäule von Plotus anhinga. 

(Abdruck aus: Sitzb. Ges. naturf. Fr. Berlin No. 7, 1917.) 
A. Voigt, Exkursionsbuch zum Studium der Vogelstimmen. 

Praktische Anleitung zum Bestimmen der Vögel nach ihrem 

Gesänge. 7. verm. u. verb, Auflage. 
E, Werth, Kurzer Überblick über die Gesamtfrage der Orni- 

thophilie. (Abdruck aus: Botan. Jahrb. 53. Heft 3—5.) 



Druck TOD Otto DorablUtk in Btrnburg. 



JOURNAL 



für 



ORNITHOLOG 




Sechsundsechzigster Jahrgang. 



No. 2. 



April. 



1918. 



Ins Land der Tnareg. 
Von H. Frhr. Geyr von Sohweppenbupg. 

II. Die beobachteten Vogelarten. 

Im Folgenden sollen die einzelnen Vogelarten, die ich auf 
der Reise nach und in den Tuaregbergen gesammelt habe, im 
Einzelnen abgehandelt werden. Ich erwähne nur jene Arten, die 
mir im eigentlichen Wüstengebiet, also südlich Biskra begegneten.*) 

Leider kann ich über die Zugvögel und namentlich über 
die unter ihneo vorkommenden Unterarten bisweilen nicht 
ganz so ausführlich Nachricht geben, wie ich es gewünscht hätte. 
Einige wenige der betreffenden von mir gesammelten Belege be- 
finden sich noch unter den Sachen von Herrn Spatz, andere hatte 
nur Herr Spatz gesammelt, was mir zum Nachweis genügend 
schien. Infolge des Krieges war es mir nun nicht möglich, diese 
Bälge zu untersuchen und zu vergleichen. 

Bei meiner eigenen Sammlung legte ich namentlich Wert 
auf schöne und ausreichende Reihen der saharischen Brutvögel. 
Neben diesen sammelte ich zwar noch eine ganze Anzahl ver- 
schiedenster Zugvögel, aber ich mufste mich bei diesen beschränken, 
da ich den Präparator nicht überlasten konnte. Wochenlang war 
kaum ein Vogel zu balgen. Aber in günstigen Zeiten und an 
günstigen Orten waren sowohl Brut- wie Zugvögel meist ziemlich 
häufig, und unser trefflicher Herr Wünsche hatte dann mit den 
heimischen Arten meist genügend zu tun. Dazu kam noch, dafs 
neben den Vögeln vierzehn grofse Antilopen und Mähnenschafe, 
mindestens dreifsig Gazellen und im Ganzen viele Dutzende von 
Wüstenfüchsen, Füchsen, Schakalen, Kammratten und kleineren 



*) Die angefahrten Ortsnamen finden sich von Temassinin ab 
sämtlich auf dem Blatt „In Salah" der französischen Generalstabskarte 
Sahara alg^rien beiw. auf der dem I. Teil dieser Arbeit beigegebenen 
Karte. 

9 



Journ. f. Orn. LXVI. Jahrg. April 1918. 



I. 



122 H. Frhr. Geyr von Schweppenburg : 

Nagern präpariert werden mufsten. Dies nahm viel Zeit in An- 
spruch, die den Vögeln verloren ging. Im allgemeinen reicht 
meine Sammlung aber gut aus, um ein ziemlich abgerundetes 
Bild des Vogellebens der inneren Grofsen Wüste zu geben. 

Hinsichtlich der in dem folgenden Verzeichnis angewandten 
lateinischen Namen bemerke ich, dafs ich im wesentlichen ein 
Anhänger des Prioritätsprinzip bin. Aber, da ich mich selbst 
mit dem Studium dieser Fragen nicht beschäftige, so halte ich 
einstweilen für mich den Zeitpunkt noch n i c h t für gekommen, 
um eine auf dem Grundsatz der Priorität aufgebaute Nomenklatur 
durchweg anzunehmen. Es werden nämlich immerhin noch 
so viele Namen neu aufgefunden und neu eingeführte wieder 
geändert, dafs ich in vielen Fällen eine weitere Klärung abwarten 
möchte. 

Auch inbezug auf die Anwendung des Trinominalsystems, 
welches ich für die Ornithologie als aufserordentlich praktisch 
und für unersetzlich ansehe, stehe ich im allgemeinen durchaus 
auf dem Standpunkte der neueren Systematiker. Ich halte es 
aber für überflüssig, sogar für falsch, nun auch in jedem Falle 
einen trinären Namen anzuwenden. So werden neuerdings bis- 
weilen von Ornithologen, welche über die gewöhnlichsten deutschen 
Vögel irgendwelche biologischen Beobachtungen veröffent- 
lichen trinäre Namen angewandt, obschon die Betreffenden in 
den meisten Fällen gar nicht einmal ganz sicher sagen können, 
dafs es sich wirklich um die betreffende Unterart gebandelt hat. 
Es kommen da nämlich meist F e Id beobachtungen in Betracht, 
bei welchen eine durchaus sichere subspezifische Bestimmung 
vielfach gar nicht möglich ist. 

Ganz entschieden mufs ich mit Reichenow gegen eine 
Forderung des Prioritätsprinzips wenden, die ich, selbst wenn sie 
den Beratungen einer „internationalen" Versammlung entsprungen 
ist, nur als Unfug i) bezeichnen kann: Das ist die Übertragung 
und Umtauschung alt und allgemein eingebürgerter Namen, — 
die mit gutem Willen leicht von einer Kommission festgestellt 
werden könnten — innerhalb derselben Gattung. 

Wenn A den Storch Ciconia alba bezw. alba alba und B 
ihn Cic. ciconia bezw. ciconia ciconia nennt, so ist das zwar nicht 
eben erwünscht, aber im Grunde ziemlich gleichgültig, da jeder- 
mann jetzt und auch später wissen kann, was für ein Tier gemeint 
ist. Wenn aber A die Singdrossel und B die Weindrossel 
mit T. musicus bezeichnet, so hört eben jede Verständigung auf. 

^) Kobelt führt einmal in ähnlichem Zusammenbang (Die geogr. 
Verbreit. d. Mollusken d. pal. Fauna) das Wort Goethes an: Vernunft 
wird Unsinn, Wohltat Plage. Kobelt bemängelt an genannter Stelle 
namentlich die Änderung alter Gattungsnamen in der Konchjlogie, und 
auch in der Ornithologie hätte man manche derselben, z B. Saxicola, 
vor Änderung bewahren sollen. 



I 



Ins Land der Tuareg. 128 

Die Nomenklatur ist im allgemeinen nicht Selbstzweck, aber 
ihr Hauptzweck und ihre vornehmste Aufgabe ist die Schaffung 
von Ordnung und Klarheit. Diesem Zwecke wird durch 
derartige Übertragung in der gröblichsten Weise entgegen ge- 
arbeitet, und es ist eine unglückliche Unterlassung der inter- 
nationalen Nomenklatur-Kommission gewesen, dafs sie für diesen 
Fall keine klare Ausnahmeregel aufgestellt hat. Wenn man solche 
Namen nicht im alten Sinne beibehalten wollte, so wäre es wohl 
am besten gewesen, sie einfach zu anuUieren. Dann wäre, wenn 
nicht die Einigkeit, so doch die Klarheit gröfser gewesen. 

Selbst, wenn alle Zoologen das Prioritätsgesetz in seiner 
krassesten Form annehmen würden, so müfste bei dem genannten 
Namenwechsel Unklarheit entstehen, da die frühere Literatur 
bestehen bleibt. Eine solche allgemeine und einheitliche An- 
nahme des Prioritätsprinzips ist aber ganz unwahrscheinlich, da 
man es bei den Zoologen eben auch nur mit Menschen zu tun 
hat, die erfahrungsgemäfs in solchen Fällen höchst selten sich 
einigen können. Stets wird es Leute geben, die aus Über- 
zeugung, aus Gewohnheit, Gleichgültigkeit oder gar aus Eigen- 
sinn solche Neuerungen nicht mitmachen. Damit mufste bei 
der Aufstellung der Regeln gerechnet werden, denn es handelte 
sich ja nicht um die Verteidigung einer im wahren Sinne 
wissenschaftlichen Überzeugung — hinsichtlich 
deren es natürlich keine Konzession des lieben Friedens 
willen geben kann — sondern schliefslich doch nur um eine 
Formsache. Wenn die Kommission dies nicht getan hat — ich 
bin im übrigen über die Verhandlungen nicht unterrichtet — so 
war es Selbstüberschätzung oder Vergefslichkeit — beides hätte 
nicht vorkommnn sollen. 

Hinsichtlich der Genera ist mir Reichenows und Harterts 
Standpunkt sympathisch, welche den Begriff der Gattung ziemlich, 
aber nicht z u weit fassen, welch letzteres entschieden Klein- 
schmidt tut, wenn er (Falco 1917, No. 2) für alle Raubvögel, 
welche nicht Falken und Geier sind, das Genus „Praedo" auf- 
stellt. Ich sehe darin keinen Vorteil und meine, den unter Be- 
rücksichtigung der praktischen Möglichkeit besten Inhalt gibt 
man den Namen einer Vogelart, wenn man ihn trinär, ferner 
nach oben, inbezug auf das Genus, nicht zu eng, nach unten 
recht scharf im subspezifischen Sinne fafst. 

1. Colymhus crisfatus L. 
Am 15. Dezember 1913 beobachteten wir zwei jüngere Stücke 
bei Temacin. Herr Wünsche erlegte beide. 

2. Colymhus nigricanus Scop. 
p Auf demselben Teiche wie die Haubentaucher hielt sich auch 

ein Zwergtaucher auf. 

9* 



I 



124 H. Frhr. Geyr von Schweppeoburg : 

3. Anas boscas L. 

Am 18. April fand ich in der Sandebene zwischen Oued 
Baris und Ir-err-err die Federn einer anscheinend von einem 
Raubvogel geschlagenen männlichen Stockente. Ich vermute, 
dafs eine gewisse Anzahl dieser Enten die Sahara durchzieht, um 
jenseits derselben in wasserreichen Gegenden des Sudans zu 
überwintern, denn auch Foureau *) fand vereinzelte Stücke in 
der Wüste bei Ain Taiba und in der Gegend des 21. Parallels 
bei In-Azaoua. 

4. Anas acuta L. 

Im Oued Agelil fand ich am 18. März die Reste einer Ente, 
welche Herr Dr. Heinroth als die einer Spiefsente cf im ersten 
Lebensjahre bestimmte. 

5. Cursörius gallicus Gm. 

Bei unserem Hinwege sah ich nördlich Ouargla keine Spur 
von Cursörius. Eine Fährte dieser Art beobachtete ich erst 
weit südlich Ouargla am 8. Januar etwa in der Gegend des 
29. Breitengrades. Im Süden beobachtete ich den Wüstenläufer 
niemals, und auf dem Rückwege trafen wir ihn erst wieder ein 
bis zwei Tagereisen südlich Ouargla. Von dort an bis Touggourt 
sah ich ihn häufiger. Es scheint demnach, als ob diese Art im 
Winter mehr südwärts zieht, ohne jedoch bis zum Südrand der 
Wüste vorzudringen, denn sonst hätte ich sie wohl — oder doch 
wenigstens ihre Spuren — im Frühlinge in den Tuaregbergen 
wahrgenommen. 

6. Charadrius alexandrinus L. 

Mitte Dezember an den Wasseransammlungen bei Djaraa 
nicht selten. 

7. Oedicnemus oedicnemus L. 
Leider ist es mir nicht gelungen, während unserer Reise 
einen Triel zu sammeln. Ich möchte aber glauben, dafs er 
aufser als Durchzugsvogel auch als Brutvogel im Tuareggebiet 
vorkommt. Den ersten bemerkte Ali am 23. Februar : „Wenn 
die Ziegenlämraer zur Welt kommen", sagt der Araber, „kehrt 
der Triel zurück". Am 8. März sah ich seine Spuren in der 
Gegend von Tazzait, ebenso vom 9. — 11. vielfach am Fufse der 
Gara Djenoun, wo Wünsche einen krank schofs. Am 2. April 
sah ich wiederum nur Spuren im Ir-err-err etwa 60 km nördlich 
Ideles. In der Nacht zum 16. April schrie wiederholt ein Triel 
laut in der Nähe unseres Lagers am Oued Raris, und am folgenden 
Tage bemerkte ich auch einen Vogel, der aber so scheu war, 
dafs ich ihn nicht erlegen konnte. Im Oued Tounourt wurde am 

^) Docoments scientifiques de la Mission sabarienne, pp. 998 u. 
1001. 



Im Land der Tuareg. 125 

24. April ein Stück von unserer Karawane aufgescheucht, und 
ganz frische Spuren sah ich am 1. Mai im Tahihaout. Nachts 
kommt der Triel gerne ganz in die Nähe der ruhenden Karawane, 
wie ich wiederholt aus den Spuren ersehen konnte. 

Welcher Unterart die beobachteten Oedicnemus angehörten, 
konnte natürlich in Ermangelung eines erlegten Vogels nicht 
festgestellt werden. 

In der trostlosen Wüste zwischen den Tuaregbergen und 
Ouargla vermifste ich den Triel bei unserem Rückmarsch ganz; 
er scheint jene nahrungsarmen Gegenden zu meiden. 

8. Pavoncella pugnax L. 

Am 25. Mai hielten sich zwei Kampfläufer am Teich von 
Ain Taiba auf. 

9. Totanus hypoleucus L. 

In den letzten Tagen des März sah ich einen Uferläufer bei 
Ideles. 

10. Totanus ochropus L. 

Ende März bei Ideles und am 25. Mai bei Ain Taiba je 
ein Stück beobachtet resp. erlegt. 

11. Totanus glareola L. 

Am 10. Mai sah ich einen Bruchwasserläufer mit Schnabel- 
verletzung bei Temassinin. 

12. GalUnago galUnago L. 

Am 22. Dezember ein Stück in den Gärten von Rouissat 
südlich Ouargla. 

13. Otts undulata Jacquin. 
Kragentrappen sah ich am 16. Dezember südlich Bled-el 

Ahraar und am 19. Dezember etwa 20 Kiloni. nördlich Ouargla. 
Südlich Ouargla sah ich weder eine lebende Trappe noch irgend 
eine Spur, und Ali sagte, dafs sie in seinen südöstlich von Ouargla 
gelegenen Weidegebieten nur ganz selten erscheine. Nach Harterts 
Funden scheint sie in günstigen Jahren ihr Brutgebiet bis etwa 
zum 30. Parallel auszudehnen. In den breiten Tälern des Tuareg- 
landes, welche mir für Trappen teilweise ganz geeignet erschienen, 
sah ich nie einen dieser Vögel, doch scheint nach Foureau^) 
schon bald südlich der Tuaregberge eine grofse Trappe (vielleicht 
arahs) vorzukommen. 

14. Ortygometra sp.? 
Am 28. April sah ich in einem kleinen Tümpel in einem 
Seitental des Oued Tig'amaiin ein Sumpfhuhn, welches sich an- 
geschossen so verkroch, dafs ich seiner nicht habhaft werden konnte. 



1) a. a. 0, S. 1001. 



126 H. Frhr. Geyr von Schweppenburg : 

15. Gallinula chloropus L. 
Am 2. Juni ein Stück in den Gärten von Ouargla beobachtet. 

16. FuUca atra L. 

Wasserhühner waren gegen Mitte Dezember sehr häufig auf 
den Wasserflächen bei Djama, und am 15. Dezember sah ich einige 
bei Temacin. 

17. Plegadis falcinellus L. 

Als ich am Morgen des 11. Mai in die Gärten von Temas- 
sinin kam, sah ich in die Luft blickend sehr hoch einen 
geradeaus von Süden kommenden Sichler. Über den Gärten 
liefs er sich langsam nieder und fiel dicht vor mir in einen 
kleinen Tümpel ein. Es war ein 9 Diiit ziemlich entwickeltem 
Eierstock. Nach der Erzählung eines französischen Unteroffiziers 
liefs sich vor einigen Jahren ein ganzer Flug dieser Vögel in 
der Nähe des am Südfufse des Ahaggar- Plateaus gelegenen 
Tarhahaout nieder. Diese Sichler kamen vermutlich aus ihren 
in der Nigergegend gelegenen Überwinterungsgebieten. 

18. Ciconia ciconia L. 
Störche wurden beobachtet: Am 1. März (fünf Stück) in der 
Gegend des Oued Ahellakan, am 4. März (einige) bei Tiraenaiin, 
am 27. März bei Ideles und am 28. April im Oued Tig'amaiin 
je 1 Stück. Die Reste von verunglückten sah ich bei Ain Taiba 
und im Gassi Abu. Auf den Zug des Storches durch die Sahara 
bin ich im Januarheft 1917 dieser Zeitschrift ein wenig ausführ- 
licher eingegangen. 

19. Nydicorax nycticorax L. 
Am 31. März beobachtete ich ein Stück im Ir-err-err etwa 
eine Tagereise nördlich Ideles. 

20. Botaurus stellaris L. 
Eine im Frühjahr 1914 geschossene Rohrdommel sah ich 
bei einem französichen Beamten in Touggourt. 

21. Ärdea purpurea L. 
Sowohl in den Feldern von Ideles wie in jenen des Oued 
Ouhad hing je ein toter Purpurreiher als Vogelscheuche. Auch 
diese Vögel dürften auf ihrem Zuge von oder nach den Sumpf- 
gebieten des tropischen Afrika umgekommen sein. 

22. Fterocles senegallus L. 
Dieses Wüstenhuhn sah und erlegte ich nur im Dezember 
bei Rouissat. In den Tuaregbergen bemerkte ich diese Art 
niemals. 



Ins Land -der Tuareg. 127 

23. Fterocles coronatus coronatus Licht. 

Recht häufig stellte sich das Krooenflughuhn an einer Wasser- 
stelle in den neu angelegten Gärten bei Rouissat im Dezember 
ein. Dann sah ich es nicht mehr, bis wir bei In Keimet die 
Tuaregberge betreten hatten. Ich beobachtete die Art südlich 
von In Keimet in Oued Tiliouin, bei Amgid, an der Wasserstelle 
Timenaiin, am Fufse der Gara Djenoun, im Oued Ahetes, Oued 
Agelil, im Ir-err-err einen Tagemarsch nördlich Ideles, bei 
Aceksem, im Oued Raris, in der Gegend des Oued Tounourt und 
im Tahihaout. 

Wo ich diese Wüstenhühner beobachten konnte, kamen sie 
einmal im Tage zum Wasser und zwar in den späten Morgen- 
stunden. Ihren Aufenthalt nehmen sie meist in den weiten, meist 
sandigen, aufserhalb der Berge liegenden Ebenen, doch traf ich 
sie auch verschiedentlich in den Bergen dort, wo sich weite 
Talkessel bilden, oder wo die Oueds sich zu ausgedehnten ebenen 
Flächen erweitern. Bei Stücken, welche ich am 16. April erlegte, 
war der Eierstock sehr entwickelt. 

Zwei der von mir gesammelten cfcf sind an den Schwingen 
in der Mauser begriffen, die Flügel von zwei anderen messen 
210 und 211 mm. Drei 99 haben die gleiche Flügellänge von 
195 mm. 

24. Fterocles lichtensteini targius Geyr. 

Über die Neuaufstellung dieser Unterart mag man meine 
Ausführungen in Orn. Monatsb. 1916, S. 56 nachlesen. Wir 
trafen dieses Wüstenhuhn zuerst im Oued Tidebar, wo der Jäger 
Messaoud 4 99 schofs. Dann sah ich einen Flug von etwa 
zwölf Stück in der Gegend des Oued Ahellakan und eine gröfsere 
Anzahl etwa einen Tagemarsch südlich davon in der Umgegend 
des Brunnens Takouazet. Weiterhin beobachteten wir keine 
mehr, bis wir auf dem Rückmarsche das Oued Raris besuchten, 
wo sie zahlreich zur Tränke kamen. Dann sah ich fernerhin 
wenige bei Tahart, Amgid und in einem Seitental des Tig'amaiin. 
Viele fanden sich an den Wasserstellen seitwärts des Oued Tounourt 
und im Unterlauf des Tig'amaiin ein. 

In seinen Gewohnheiten unterscheidet sich Pier, lichtensteini 
ziemlich erheblich von der vorhergehenden Art. Seinen Aufent- 
halt nimmt es meist nicht in ebenen und sandigen Gegenden, 
sondern in jenem Teil der Oueds, der, obschon meist aufserhalb 
der höheren Berge liegend, doch noch mit mehr oder weniger 
starkem Geröll und Felsblöcken bedeckt ist. i) Auch schmale 
zwischen den Bergen liegende Felsentäler meidet es nicht. 

Infolge dieser Gewohnheit kommt es dem Reisenden in den 
Tuaregbergen viel seltener zu Gesicht wie coronatus, wenn man 
sich nicht abends am Wasser ansetzt. Diese Art fliegt nämlich 

1) Ganz im Gegensatz dazu hat Herr Geheimrat Koenig diese Art 
in Nubien, wie er mir sagte, fast ausschliefslicb in den Oasen angetroffen. 



128 H. Frhr. Geyr von Schweppenburg : 

bekanntlich nicht wie andere Wüstenhühner am bellen Tage zur 
Tränke, sondern in der Dämmerung, etwa bei einer Beleuchtung, 
wo wir bei uns in Deutschland die streichende Schnepfe erwarten. 

An einer Wasserstelle im Oued Tig'amaiin setzte ich mich 
versteckt an, um das Treiben der Wüstenhühner zu beobachten. 
Als die Sonne untergegangen war und das abnehmende Licht die 
entfernteren Gegenstände dem Auge schon entschwinden liefs, 
kamen die Hühner pfeilschnellen Fluges aber lautlos von allen 
Himmelsgegenden herangeflogen — zu zweien, vieren und bis zu 
sechs Stück zusammen. Sie liefsen sich in der Nähe des Wassers 
nieder, lockten tluit, tluit — etwa wie ein Steinkauz — und 
gurrten behaglich leise nach Taubenart. Das Locken sah ich 
beim Männchen, gurren taten sowohl cf wie 9- Nachdem sich 
alle versammelt hatten, liefen sie nach und nach zum Wasser 
hin und nahmen 5 — 8 lange Schluck. Dann blieben sie noch 
längere Zeit sitzen,- lockten und gurrten durcheinander, um. dann 
nach und nach meist paarweise wegzufliegen, wobei sie das tluit 
auch im Fluge hören liefsen. Aufgescheucht liefsen sie ein heiseres 
Quarren hören, lockten dann in der Luft aber wieder. Dieser 
Schreckruf, den ich stets hörte, wenn ich Pier, lichtensteini auf- 
scheuchte, lautet etwa wie arr-arr. 

Beim Beobachten der Wüstenhühner drängt sich einem un- 
willkürlich der Vergleich mit Tauben auf und mir scheint, dafs 
sie mit diesen, wenn auch weit, so doch noch am nächsten ver- 
wandt sind, worauf ja auch die anatomischen Untersuchungen 
hinweisen. Das Trinken in langen, tiefen Schlucken ist ganz 
taubenartig, auch die Art wie sie sich übereinander weg zum 
Wasser drängen. Das Gefieder sitzt zum Leidwesen des Präparators 
namentlich auf dem Rücken gerade so lose wie bei den Tauben, 
und in Zahl und Form der Eier stimmen sie ebenfalls eher mit 
den Tauben, als mit den Regenpfeifern überein. Dafs schliefslich 
ein Erd- und Wüstenvogel keine weifsen Eier legt, ist weiter 
nicht auffallend. Auch das starke Wasserbedürfnis an sich weist 
auf Verwandtschaft mit den Tauben hin, die wohl allesamt das 
Trinken nicht lange entbehren können, während die Regenpfeifer 
der Wüste — Cursorius, Oedknemus -— gar nicht oder selten 
zum Wasser kommen. 

In den Tuaregbergen scheint sich Fter. lichtensteini vor- 
nehmlich von Akaziensamen zu nähren, denn ich fand wiederholt 
die Kröpfe vollkommen damit angefüllt. Die ganzen Tiere hatten 
von dem Samen jenen gewissen unangenehmen Geruch angenommen, 
den wir auch bei manchen anderen Leguminosen, z. B. Saro- 
thamnus, Robinia finden, und der mir den Genufs des Fleisches 
unmöglich machte, während z. B. Blanford das Fleisch sehf gut 
fand. 1) Meist waren es wohl Samen der Tamatakazie (Ac. seyal), 
die an dem Aufenthaltsorte der Wüstenhühner vornehmlich gedeiht. 

. ») Elliot in P. Z. S. 1877, S. 259. 



Ids Land der Taareg. 129 

Die Flügel von acht cfd* ad. messen 188—193 mm, meist 
über 190 mm, die von einem jüngeren cf 185 mm und die von 
drei 99 ^^- 181 — 190 mm, von einem jüngeren 9 178 mm. Bei 
den Weibchen fand ich die Kehle stets gefleckt, bei den Männchen 
ist das Kinn stets ungefleckt, die Kehle bei vieren schwach, bei 
fünfen gar nicht gefleckt. 

Durch die Auffindung des Fter. lichtensteini in den Tuareg- 
bergen erfährt das Wohngebiet dieses Wüstenhuhns eine starke 
Erweiterung nach Westen. Nach Norden zu dürfte es in der 
zentralen Sahara den 27, Breitengrad kaum wesentlich über- 
schreiten. Den nördlichsten Punkt ihrer Verbreitung erreicht 
die Art wohl in Fter. licht, arabicus am Nordende des Golfs von 
Akabah, etwa am 30. Parallel, wo es Philipps i) im Frühjahr 1914 
auffand. 

Soweit ich sehe, ist über die Verbreitung des Lichtenstein- 
huhns bis jetzt etwa folgendes bekannt: 

1. Fter. lichtensteini arabicus Neum. verbreitet sich von den 
trockenen Gebieten am unteren Indus bis zum Roten Meer, 
wobei es jedoch fraglich ist, ob die indischen Wüstenhühner 
mit arabicus übereinstimmen. 

2. Pter. licht, lichtensteini Temm. — Nubien, Kordofan. 

3. Fter. licht, abessinicus Geyr — „Abessinien", Erythraea, 
Nordsomaliland, 

4. Fter. licht, hyperytrus Erl, — Südsomaliland. 

5. Fter. licht, sukensis Neum, — Victoria Nyanssa, Kenia und 
Rudolfsee. 

6. Pter. licht, targius Geyr — Tuaregbergland. Diese Form 
steht nach unseren heutigen Kenntnissen nicht im räumlichen 
Zusammenhang mit den vorher genannten, aber es kann 
kaum zweifelhaft sein, dafs sie über Air, Tibesti, Darfur und 
Kordofan Anschlufs an die nubische Unterart findet. Auch 
wissen wir nicht, wie weit westlich vom Tuaregbergland aus 
die Wohngebiete von Fter. lichtensteini sich erstrecken, 
mindestens reichen sie aber wohl in südwestlicher Richtung 
über das Adrar der Ifoghas bis gegen Gao am Niger hin. 

25. Coturnix coturnix L, 
Wir sahen ein Stück am 29. Januar bei Temassinin, eines 
gegen Ende März bei Ideles, eines am 24. April bei Amgid, und 
schlielslich fing ich ein verletztes cf am 5. Mai an der Quelle 
Ta-n-elak, Flügel 107 mm. 

26. Columba livia targia Geyr. 
Genaueres über die Stellung dieser Taube zu den anderen 
Formen von livia siehe Orn. Monatsber. 1916, S. 58. Die 

1) The Auk 1915, S. 280. 



180 H; Frhr. Geyr von Schweppenburg : 

Felsentaube begegnete uns zuerst an der Wasserstelle von Amgid, 
und weiter taleinwärts fand ich dort einen Flug von etwa zwanzig 
Stück. Ich beobachtete sie ferner an der Quelle Tahart, am 
Rande der Ahellakan Berge, an der Gara Djenoun, im Oued 
Agelil, bei Ideles, im Oued Ouhad, an einer Quelle seitwärts des 
Oued Tounourt und im Oued Tig'amaiin-en-tisita. Bemerkungen 
in den Reisewerken von Barth und Nachtigal lassen vermuten, 
dafs sich diese Taube nach Osten noch weit bis nach Tibesti 
hinein verbreitet und südwärts scheint sie noch im nördlichen 
Air vorzukommen. 

Die Felsentaube bewohnt in den Tuaregbergen nur solche 
Orte, die nicht allzu weit vom nächsten Wasser entfernt sind. 
Ich fand sie paarweise und in kleinen Flügen. In der Nähe der 
kleinen Oasen, wie bei Ideles und im Oued Ouhad, suchen sie 
an Stellen, wo Getreide gedroschen wurde, nach zurückgebliebenen 
Körnern. Ihre Hauptnahrung dürfte Akaziensamen sein; ich sah 
sie unter den Bäumen danach suchen und eine erlegte hatte 
damit den Kropf ganz angefüllt. An der Gara Djenoun liefs 
sich diese Taube aber auch auf die Büsche des Rhus oxyacantha 
nieder und pflückte die schwarzroten Beeren. 

Meist hält sich C. livia targia natürlich auf dem Boden 
oder auf Felsen auf, aber an mehreren Stellen sah ich sie auch 
auf den Wedeln von Palmen ausruhen. An der Quelle Tahart 
erlegten wir sechs Tauben, unter denen sich nur ein cf befand. 

Die Flügelmafse von vier cfcf liegen zwischen 197 und 
217 mm, die von fünf 99 zwischen 199 und 207 mm. In den 
0. Monatsber. wies ich darauf hin, dafs diese Taube nicht, wie 
man erwarten sollte, der nordalgerischen weifsbürzeligen Form 
sondern der ägyptischen schimperi am meisten ähnelt. Offen- 
bar hat sich diese Taubenform nicht von Norden, von Algerien 
aus, in die innere Sahara verbreitet, sondern sie stammt aus dem 
Osten, vom Nil, und mag über Fessan, Kufra oder auf noch mehr 
nördlich gelegenem Wege die Gebirge der zentralen Wüste er- 
reicht haben. Auch ist es möglich, dafs sie vom Nil aus Tibesti 
auf direktem Wege erreicht hat. 

27. Turtur turtur L. 

Turteltauben wurden beobachtet: Am 26. April seitwärts 
des Oued Tounourt (einige), am 2. Mai im In-Dekak, 6. V. 
nördlich Ta-n-elak, 9.V. an der Sauia, 10. bis U.V. etwa 8— 10 Stück 
bei Temassinin, 18. V. Brunnen el Bioth, 25. V. bei Ain Taiba 
(2 Stück), 28. V.: etwa 2 Tagereisen nördlich Ain Taiba (1 Stück). 
Die zahlreichen inOuargla selbst beobachteten Turteltauben dürften 
wohl meist der dort heimischen Unterart arenicola angehört haben. 

Die Hauptzeit des Durchzuges scheint in der Sahara in das 
letzte Drittel des April und in die erste Maihälfte zu fallen. 



Ins Land der Tuareg. 181 

28. Turtur iurtur hoggara Geyr. 

Neubeschreibung siehe 0. Monatsb. 1916, S. 59. Als wir 
gegen Ende März uns etwa acht Tage in dem 1400 m hoch 
gelegenen Ideles aufhielten, fanden wir dort eine ganze Anzahl 
Turteltauben, die sich namentlich gerne in den dichten Kronen 
schöner Feigenbäume aufhielten. Ich war so fest davon über- 
zeugt, dafs es sich nur um Durchzügler handeln könne, dafs ich 
der Behauptung der Einwohner, diese Tauben blieben den ganzen 
Sommer über in Ideles, zögen aber im Winter weg, keinen be- 
sonderen Wert beimafs. So erlegte ich nur ein Stück, an dem 
mir ohne Vergleichsmaterial nichts besonderes auffiel. Zu Hause 
entdeckte ich dann, dafs es eine der Turtur t. isabellinus aus 
Nubien sehr nahestehende Form sei. Beim Vergleich gröfserer 
Serien von T. t. isabellinus sehe ich jetzt, dafs sie dieser Form 
noch näher steht, als ich in den 0. Monatsb. annahm. 

Ich bin nun ganz überzeugt, dafs diese Turteltaube bei 
Ideles brütet — es sind die nördlichsten Ausstrahlungen ihres 
weiter südlich gelegenen Hauptbrutbezirks. In günstigen Jahren 
mögen einzelne Paare auch noch weiter nördlich brüten, denn 
in den lichten Akazienhainen am oberen Oued Raris fand ich in 
der dichten Krone eines Laubenbaums (Maerua crassifolia) ein 
altes Nest, welches unverkennbar einer Taube angehörte. Es 
kann nur ein Nest dieser Turteltaube gewesen sein, denn C. livia 
iargia kommt ja nicht in Betracht. — Der Flügel des bei Ideles 
erlegten cf mifst 170 mm. Dieses Mafs wird von einer Anzahl 
nubischer T. t. isabellinus, die ich untersuchen konnte, nur ein- 
mal annähernd (169 mm) erreicht. 

29. Turtur senegalensis aegypiiacus Lath. 
Die Palmtaube wurde südlicher wie Rouissat nicht mehr 
beobachtet. 

30. Gyps sp.? 
In unseren Erwartungen hinsichtlich der grofsen Raubvögel 
sahen wir uns sehr getäuscht. Während der ganzen Reise sahen 
wir nur einen grofsen Geier, der in der Gegend von Temassinin 
am 31. Januar auf einem toten Dromedar safs. Der allgemeinen 
Erscheinung nach ähnelte er am meisten einem Pseudogyps, den 
ich so häufig im Sudan sah, aber es wird wohl ein junger Gyps 
fulvus gewesen sein, den ich aus dem Freileben nicht kenne. 
Weiter südlich in den Tuaregbergen fanden wir keine Spur der 
grofsen Aasfresser, obschon Herr Spatz mehrfach eine tote Ziege 
auslegte. 

31. Neophron percnopterus L. 
Aasgeier bemerkte ich bei In Keimet, bei Amgid, am Oued 
Ahellakan, bei Timenaiin, südlich Tazzait, im Oued Ahetes, im 
Oued Amra und Agelil, bei Ideles, im Oued Ouhad, bei Aceksem, 



132 H. Frhr. Qeyr von Schweppenburg : 

im Oued Tounourt, im Oued Tig'amaÜD, im Tahihaout und eine 
Tagereise nördlich Ta-n-elak. Ich glaube, dafs diese Vögel, die 
meist paarweise auftraten, wohl immer wieder dieselben waren, 
die uns bei den weiten Streifen durch ihr Revier am Lagerplatz 
aufsuchten. Mehr wie drei bis vier verschiedene Paare dürften 
es kaum gewesen sein, und diese wenigen hatten es anscheinend 
schon recht schwer, ihren Lebensunterhalt zu finden. Einen 
jungen dunkel gefärbten Vogel bemerkten wir in den Dünen bei 
El Bioth. Ali erlegte ihn, und unsere Araber liefsen ihn sich 
wohlschmecken. 

32. Circus aeruginosus L. 

Bei Djama machten Mitte Dezember Rohrweihen Jagd auf 
Bläfshühner. Am 9. Mai sah ich ein Stück an der Sauia und am 
10. wohl dasselbe bei Temassinin. 

33. Circus macrourus Gm. 

Dieser Art gehörten anscheinend Vögel an, die ich am 
19. März im Oued Agelil, nicht selten Ende März bei Ideles (d* 
und 9)i einzeln am 6./7. April im Oued Ouhad und in einem 
Stück am 11. Mai bei Temassinin sah. Bei Ideles lebten die 
Weihen vom Raube kleiner Vögel, und ich sah, wie sie unter 
anderem Erith. phoenicurus fingen. 

34. Circaeius gallicus Gm. 

In den Tuaregbergen fand ich die Reste eines toten Schlangen- 
adlers zwischen Timenaiin und Talachimt. Aufserdem sah ich 
nur noch einmal ein Stück am 9. März an der Gara Djenoun. 
Auf der Rückreise sah ich einen Circaetus nördlich Hassi Mahmar 
auf einer Telegraphenstange sitzen. Ich ritt heran und schofs 
ihn vom Rücken meines Mehari aus. Er hatte die Reste eines 
ziemlich grofsen Wüstenvarans (Varanus griseus) im Kröpfe. In 
derselben Gegend beobachteten wir noch einen zweiten Schlangen- 
adler. 

35. Hieraaetus pennatus Gm. 

Am 7. Mai strich in der trostlosen Wüste nördlich der Quelle 
Ta-n-elak ein weifsbäuchiger Zwergadler so dicht über uns hin, 
dafs an der Richtigkeit der Bestimmung kein Zweifel sein kann.. 

Steinadler (Ä. chrysaetos) haben wir mit Sicherheit in den 
Tuaregbergen nicht beobachtet. Doch sahen wir zweimal in 
der Ferne einen grofsen Raubvogel, den Herr Spatz für diese 
Art zu halten geneigt war. Ich habe den Steinadler niemals im 
Freien gesehen und kann mir daher in dieser Hinsicht kein Urteil 
erlauben. 

36. Buteo ferox cirtensis (Leo.) 

In den Bergen der Tuareg sah ich einen einzelnen Wüsten- 
bussard am 11. Februar an den Randbergen des Ir-err-err nördlich 
von Amgid, am 26. Februar einen in der Gegend des Oued AhellakaD, 



Ids Land der Taareg. 188 

der von einem Berberfalken verfolgt wurde, am 18. März einen 
im Oued Agelil. Als wir uns Ende März in Ideles am Nordrande 
des Ahaggar- Plateaus aufhielten, erlegte Herr Spatz einen und 
ich zwei B. cirtensis. Sie kamen offenbar um Beute zu machen 
in die Nähe der Gärten, litten anscheinend Nahrungsmangel und 
waren nicht besonders scheu. Auf dem Rückwege sah ich noch 
einen dieser Bussarde im Oued Tig'amaiin. Das Brüten des 
Wüstenbussards in den Tuaregbergen konnten wir durch Auf- 
findung eines Nestes nicht nachweisen, doch ist anzunehmen, 
dafs er hie und da zur Brut schreitet. Flügellänge der beiden 
erlegten cfcf 365 und 377 mm. 

37. Fernis apivorus L. 

Am 17. Mai erlegte ich einen aus dem Palmenhorst am 
Brunnen El Bioth abstreichenden Wespenbussard. Es war ein 
ungemein fettes 9 Q^it schwach entwickelten Eierstock. Diese 
Art scheint im gesamten Gebiet des saharischen Wüstengürtels 
recht selten auf dem Zuge beobachtet worden zu sein. 

38. Milvus migrans Bodd. 

Am 19. April erlegte ich an der Quelle Tahart ein 9 des 
Schwarzen Milans, das zwar einen ziemlich entwickelten Eierstock 
hatte, aber jedenfalls nicht in der dortigen Gegend brütete. 
Bei manchen Vogelarten sind die Geschlechtsdrüsen offenbar 
schon beim Aufbruch aus den Winterquartieren mehr oder weniger 
stark entwickelt. Es wurde dies ja auch bei den nordischen 
Wasservögeln beobachtet, die bis in den Juni hinein an unseren 
Küsten verweilen. 

In der Gegend des Oued Tounourt sah ich am 25. April 
ebenfalls einen Milan, und in der öden Wüste der Gegend von 
I-n-dekkak zogen am 3. Mai zwei Stück niederen Fluges gegen 
Norden, von denen ich ein cT erlegte. 

39. Falco biarmicus erlangri Klschm. 
Ziemlich häufig wurden während des Marsches Falken ge- 
sehen, aber in vielen Fällen wagte ich nicht zu entscheiden, ob 
es Wüstenfeldeggsfalken oder Berberfalken waren. Ganz oder 
annähernd sicher beobachtete ich F. biarmicus gegen Ende 
März bei Ideles, am 1. April im oberen Ir-err-err, am 20. April 
bei Ain Tahart, wo ich ein Nest mit einem Dunenjungen und 
zwei dem Ausfallen nahen Eiern ausnehmen liefs und das cf er- 
legte ^), ferner am 24. April seitwärts des Oued Tounourt, am 
5. Mai bei Ta-n-elak, am 19. V. nördlich El Bioth, am 24. und 
25. V. in der Gegend von Ain Taiba, am 31. V. nördlich Hassi 
Medjira und am 9. Juni bei Temacin. 



^) Näheres siehe im I. Teil dieser Arbeit. 



184 H. Frhr. Geyr von Schweppenburg : 

Zwischen Quargla und Tuggurt wurde uns von Arabern ein 
junger Vogel zum Kauf angeboten. Wir konnten ihn jedoch 
nicht gebrauchen, weil ihm die Flügel gebrochen waren und er 
sich überhaupt in einem trostlosen Zustande befand. Ich liefs 
den Leuten sagen, sie sollten das arme Tier doch töten. Da sie 
das nicht wollten, kaufte es ich für eine Kleinigkeit und erlöste 
es von seinen Schmerzen. Für die Leiden von Tieren hat der 
Wüstenaraber keinen Sinn, und es ist bei ihnen durchaus ge- 
bräuchlich, einem gefangenen Vogel die Flügel und einer Spring- 
maus die Beine zu brechen, damit sie nicht mehr entfliehen können. 

Die Feldeggsfalken der Wüste leben anscheinend gröfstenteils 
von Zugvögeln, die sie wohl meist dicht über oder auf der Erde 
schlagen. An dem Neste bei Aiu Tahart lagen die Reste eines 
Wiedehopfs. Die kleine Quelle Ta-n-elak wurde von einem auf 
den beherrschenden Höhen sich aufhaltenden Falkenpaare geradezu 
belagert. Fast auf jeden der durch das Wasser und die Palme 
angelockten Zugvögel machten sie Jagd. Sie stiefsen oft fehl 
z. B. auf Budytes und Sax. hispanica^ fingen aber mehrere 
Budytes, die sie meist vom Boden aufnahmen, nachdem sich diese 
zur Erde geworfen hatten. In den Dünen sauste einmal ein 
F, hiarmicus dicht an mir vorbei auf ein von meinem Dromedare 
aufgejagtes Gartenrötel zu, stiefs fehl, griff es dann, liefs es fallen 
und nahmen es dann wieder vom Boden auf. Auch bei Ain Taiba 
lauerte ein Paar auf der Spitze eines hohen Dünenberges auf die 
an- und abziehenden Zugvögel. 

In bergigem Gelände werden die Eier wohl stets in irgend 
ein Felsversteck abgelegt, aber in den Dünen, wo der Falke 
gar nicht selten ist, steht ihm ein solches nicht zur Verfügung. 
Er mufs dort wohl auf dem Boden oder in einem alten Raben- 
horst brüten. Die Araber, welche den oben erwähnten jungen 
Vogel besassen, sagten, sie hätten ihn aus einem Nest in einem 
Strauch entnommen. Wenn dies wahr ist, woran kaum zu 
zweifeln, so kann es sich nur um ein Rabeunest gehandelt haben. 
Übrigens hat ja auch Hartert, der früher annahm F. b. erlangen 
brüte nur in Felsen, 1914 selbst ein Gelege in einem auf einem 
Baume stehenden Rabennest gefunden. 

Die Flügellänge des von mir bei Ain Tahart erlegten cf 
beträgt 312 mm. 

40. Falco peregrinus peregrinoides Temm. (barbarus auct.). 

Im allgemeinen Reiseberichte habe ich die Erlegung eines 
Paares des Berberfalken in den Bergen bei Amgid geschildert. 
Sonst habe ich diese Art noch sicher beobachtet am 26. IL am 
Südfufse der Ahellakan - Berge des Tassili der Asger und am 
15. V. am südlichen Steilabfall der kretazeischen Hammada 
Tinghert, wo wir einem Loche der Felswand drei Junge ent- 
nahmen. Höchst wahrscheinlich gehörte auch ein Falkenpärchen, 



Ins Land der Taareg. 185 

welches ich wiederholt am 23. II. in ziemlicher Nähe in den 
hohen Felsen bei der Quelle Tahart beobachtete, dieser Art an. 
Sonst mögen noch bisweilen unter den in einiger Entfernung 
gesehenen Falken Berberfalken gewesen sein, aber ich konnte 
das nicht sicher feststellen. 

Die erlegten Vögel haben diese Flügelmafse: Amgid, cf, 
27,7 cm, Amgid, 9^ 32,8 cm, Temassinin, 9. 32 cm. Die All- 
gemeinfärbung des Männchens ist ziemlich hell, namentlich kann 
man den Vorderrücken kaum „schwarz mit grauen Binden" 
nennen, wie ihn Hartert nach den ihm vorliegenden Stücken 
schildert (Vögel der pal. Fauna Bd. II, 2), aber das mag bei 
einzelnen Stücken abändern. 

Der Wüstenwanderfalke scheint im Gegensatze zu F. Mar- 
micus im allgemein höhere Berge und Felsen für sein Brutrevier 
zu beanspruchen, und darauf ist es wohl zurückzuführen, dafs 
er bisher nicht von den Ornithologen aufgefunden worden ist, 
welche die nördliche Sahara bereisten. Die meist niederen 
Gesteinswände, welche in jenen Gegenden die namentlich in 
miozäne Ablagerungen eingeschnittenen Täler begleiten, genügen 
seinen Ansprüchen offenbar nicht. 

F. peregrinoides dürfte sich in der Sahara vornehmlich von 
Zugvögeln ernähren. Aber auch von den Wüstenhühneru wird er 
einen Tribut fordern, worauf die im allgemeinen Reisebericht 
erwähnte Beobachtung hindeutet. Oft wird es ihm allerdings 
nicht gelingen, fliegende Ft. lichtensteini zu überraschen, da diese 
sich meist still am Boden halten und ihren Flug zur Tränke 
erst bei vorgeschrittener Dämmerung antreten. Niemals sah ich 
den Wüstenwanderfalken auf sitzende Vögel stofsen, wohl aber 
erfreute ich mich einmal längere Zeit an dem schönen Anblick, 
welchen mir die — allerdings vergebliche — Jagd eines Paares 
auf Turteltauben bot. 

Als Tuareg- Bezeichnung für Falke wurde mir „Tarda" 
genannt. 

41. Falco naumanni Fleisch. 
Am 18. März sah ich im Oued Agelil aus nächster Nähe 
ein schönes Männchen des Rötelfalkeu, welches Herr Spatz am 
nächsten Tage erlegte. 

42. Falco tinnunculus L. 
Eude März [erlegte ich ein 9 bei Ideles. Ganz nahe sah 
ich einen Turmfalken am 6. April im Oued Ouhad. Auch die 
kleinen Falken, welche ich am 28. April in einem Seitental des 
Oued Tig'amaiin, am 6. V. nördlich Ta-n-elak und am 17. Mai 
bei El Bioth sah, waren allem Anscheine nach Turmfalken. In 
allen Fällen handelte es sich offenbar um ziehende oder ver- 
strichene Stücke ; die Art brütet jedenfalls nicht in den Tuareg- 
bergen. 



186 H. Frhr. Geyr von Schweppenburg : 

43. Buho buho ascalaphus Sav. ? 

Gesehen habe ich den Pbaraonenuhu nipht, doch fand ich 
seine unzweifelhaften Gewölle südlich Hassi Medjira an einem 
umfangreichen Tamariskenhügel und ebenso wiederholt etwa 
120 km südlich Ouargla in der Gegend von Hassi Djeribia. 

In den Tuaregbergen bemerkte ich nie etwas von einem 
Uhu und auch meine Nachfragen hatten einen negativen Erfolg. 
Unser Karawanenführer Ali und andere unserer Leute, welche 
den Uhu genau kannten, versicherten mir jedoch bestimmt, sie 
hätten, als wir am 23. März ein wenig westlich Ideles lagerten, 
zwei Uhus an dem mächtigen Doppelberge Tidiz'ha rufen hören. 
Als wir uns in Ideles einige Zeit aufhielten, lagerten wir leider 
mehrere Kilometer von diesem Berge entfernt. Tagsüber dehnte 
ich meine Ausflüge mehrfach bis dorthin aus, fand aber keinen 
Uhu, was jedoch nicht auffallend ist, denn der gröfste Teil des 
mächtigen Bergstockes war vollkommen unzugänglich. 

Ein Uhugewölle aus der Gegend von Ouargla, welches mir 
seiner Zeit von Dr. Hartert übergeben wurde, hatte eine Länge 
von 7,9 und einen Umfang von 8,6 cm. Es enthielt neben den 
Resten von Käfern solche an verschiedenen Nagern (Meriones 
und Dipus). 

44. Otus scops L. 

Vermutlich zieht die Zwergohreule nicht selten durch die 
innere Sahara, aber da sie sich meisterhaft zu drücken versteht, 
kommt sie wenig zur Beobachtung. Ich sah sie am 13. April bei 
Aceksem, fand ihre Federn in der Gegend des Oued Raris und 
erlegte eine am 22, April in dem Akazieohain bei Amgid. In 
Ouargla hörten wir Anfang Juni hin und wieder ihren Ruf. 

45. Athene nociua saharae Klschm. 

Der Wüstenkauz tritt in der inneren Sahara offenbar recht 
spärlich auf. Einen Vogel, welchen ich am 17. Januar im Oued 
Abu in einem Erdloch fing, verglich ich mit den Stücken der 
Sammlung Kleinschmidt. Es ist sogar noch heller wie der Typus 
von saharae. In den Tuaregbergen fand ich bei In Keimet Gewölle 
und Federn, die offenbar dieser Art angehörten und sah ein sehr 
scheues Stück am 1. März in einem Tal beim Brunnen Takuazet. 
Herr Spatz bemerkte ein Exemplar am 22. April bei Amgid. Das 
Bergland der Tuareg besitzt offenbar nur einen recht geringen 
Bestand an Steinkäuzen. Von anderen Eulen habe ich in der 
innersten Sahara nichts gefunden. 

46. Cuculus canorus L. 

Im Oued Ahetes fand ich die Reste eines Kuckucks. Bei 
Amgid erlegte Herr Wünsche einen am 23. April, ferner sah ich 
je ein Stück am 2. Mai im I-n-dekkak und am 16. Mai etwa zwei 



Ins Land der Tuareg. 187 

Tagemärsche nordwestlich von Temassinio in öder Hammada. 
Da das eine erlegte Stück sich in der Sammlung von Herrn Spatz 
befindet, konnte ich nicht feststellen, welcher Unterart es angehört. 

" 47. lynx torquilla L. 
Mehrere Wendehälse beobachtete ich am 6./7. April im Oued 
Ouhad. Ferner sah ich die Art am 14, April zwischen Aceksem 
und Tin Tabarik und am 9. Mai bei Temassinin. Gesammelt 
wurde kein Stück. 

48. Merops apiaster L. 
Im Oued Tounourt begegnete ich am 24. April einem Fluge 
von etwa zwanzig Bienenfressern, die offenbar eine kurze Rast 
während des Zuges machten. Ein einzelnes Stück bemerkte ich 
am 9. Mai bei Temassinin. 

49. Merops persicus chrysocercus C. u. Heine. 
Diese Art wurde nur auf der Fahrt von Touggourt nach 
Biskra beobachtet. 

50. Coracias garrulus L. 

Die Reste einer offenbar erst kürzlich getöteten Blauracke 
fand ich bei Temassinin zu Anfang Mai. 

51. üpupa epops L. 

Wiedehopfe kamen zur Beobachtung am 18/19. März im 
Oued Agelil, Ende März bei Ideles, am 2. April im Ir-err-err 
ca. 60 km nördlich Ideles, 6. IV. Oued Ouhad, 11. IV. Oued Tar- 
emert-n-Akh, 13. IV. Aceksem, 14. IV. Gegend von Tin Tabarik. 
Am 9. Mai bemerkte ich noch einzelne bei Temassinin und Anfang 
Juni einen einzelnen in den Gärten von Ouargla. Wiederholt 
wurden unter den oben angeführten Daten mehrere Stücke 
gesehen. 

52. Caprimulgus europaeus L. 

Zwei Tagereisen südlich von Ta-n-elak ging am 4. Mai in 
pflanzenloser Wüste ein Ziegenmelker vor unserer Karawane auf. 
Am 7. Mai scheuchte ich in ähnlichem Gelände eine Tagereise- 
nördlich der genannten Quelle wieder zwei Nachtschwalben auf, 
von denen ich eine erlegte. Es ist ein Weibchen mit 182 mm 
Flügellänge. Offenbar fand in diesen Tagen ein Zug von Capri- 
mulgus durch die Wüste statt, denn wenn man drei dieser nur 
unmittelbar vor einem aufstehenden Vögel hochmacht, so müssen 
in jener Gegend immerbin eine ganze Anzahl vorhanden gewesen 
sein. Am 2. Juni erlegte ich vor den Toren von Ouargla einen 
C. europaeus, der mit einem C. aegyptius zusammen umherstrich. 
Das Stück wurde nicht präpariert und ich vergafs die Flügelmafse 
zu nehmen. 

Jöurn. f. Oni. LiVI, Jahr«. April 1918. 10 



188 H. Frhr. Geyr von Schweppenburg: 

Hartert gibt für die 99 der Form meridionalis keine Flügel- 
mafse an, sodafs ich nicht zu beurteilen vermag, welcher Unterart 
das Stück vom 7- V. angehört. 

53. Caprimulgus aegyptius saharae Erl. 
Am 4. März erlegte ich ein anscheinend auf dem Zuge 
rastendes Stück südlich Timenaiin in den Tuaregbergen. Es war 
so zerschossen, dafs ich nur Schwanz und Flügel aufhob. Am 
31. März sahen wir im Ir-err-err wenig nördlich Ideles zwei dieser 
Nachtschwalben, von denen Herr Spatz eine erlegte. Hartert 
erwähnt, dafs C. aegyptius bisher nicht südlicher wie Bledet- 
Ahmar brütend gefunden wurde. Bei Ouargla ist es aber ver- 
mutlich nicht seltener Brutvogel, denn dort sah ich ihn Anfang 
Juni geradezu häufig. Über den Gärten, namentlich aber über 
den Häusern strich jeden Abend eine ganze Anzahl umher, die 
hauptsächlich auf die massenhaften geflügelten Ameisen Jagd 
machten. Auf dem Marsche nach Touggourt sah ich die Art am 
7. Juni bei Hassi Mahmar. 

54. Cypselus apus apus L. 
Als ich am 3. Juni in Ouargla hinaus in die Gärten ging, 
um ein oder den anderen fahlen Segler zu erlegen, war ich sehr 
erstaunt, als das erste Stück, welches ich schofs, unsere ge- 
wöhnliche europäische Art war. Es war ein 9 n^'t 179 mm Flügel- 
länge. Reste eines Seglers, welche ich östlich des Oued Abu fand, 
gehörten anscheinend auch dieser Art an. Unbestimmt blieb ein 
Vogel, den ich bei Temassinin am 11. Mai nordwärts enteilen sah. 

55. Cypselus murinus brehmorum Hart. 

Die Fahlen Segler, welche anscheinend meist westlich von 
Ouargla in der Wüste brüten, kamen zahlreich über Stadt und 
Gärten, um sich dort den Schlund mit geflügelten Ameisen zu 
füllen und dann wieder hinaus zu ihren Jungen oder Weibchen 
zu fliegen. 

In den Tuaregbergen habe ich niemals einen Segler bemerkt. 

56. Hirundo rustica L. 
Rauchschwalben wurden während unserer Wüstenreise 
häufig ziehend beobachtet. Niemals sab ich einen gröfseren Trupp 
zusammen; meist flogen sie einzeln oder zu zweien, selten zu 
dreien oder mehreren niederen Fluges gegen Norden. Ich notierte 
mir die Art am 5. März bei Talachimt, 7. III. Tazzait, 17, III. 
Ahaggar-n-ideren, 24.— 30. III. wiederholt bei Ideles, 2. April 
oberes Ir-err-err, 3. IV. Ir-err-err, 4. IV. Oued Amra, 6./7. IV. 
Oued Ouhad, 9. IV., lO./ll. IV. Tar-emert-n-Akh, 16. IV. Raris, 
18. IV. Unteres Raris, 21./22. IV. Amgid, 23. IV., 24./25. IV. 



Ins Land der Tuareg. 139 

Oued Tounourt, 28./29. IV. Tig'amaiin, 1. Mai Tahihaout, 2. V. 
I-n-dekkak, 4. V. bei sturmartigen Nord in pflanzenloser 
Wüste wiederholt 1 bis 3 Rauchschwalben gegen Norden ziehend, 
5. V. Ta-n-elak, 7. V., 9.— 12. V. Temassinin, 17. V. noch mehr- 
fach normal ziehende gesehen. Am 20. V. nördlich El Bioth 
vereinzelte bei Nordwind nach N. ziehend, am 21. V. bei Gegen- 
wind ziehend, 25. V. Äin Taiba, 26. und 28. V. verschiedentlich 
ziehend gesehen, 3. Juni Ouargla. Der Durchzug der Rauch- 
schwalben in der Sahara dauerte also ziemlich genau drei Monate. 
Am 10. Juni, als die letzten nordwärts wandernden Rauch- 
schwalben erst vor kurzem vorbeigezogen sein konnten, fütterte 
in Touggourt ein Paar seine ausgeflogenen Jungen. Die Toug- 
gourter Brutschwalben hatten recht helle Unterseiten. 

57. Riparia riparia L. 

Die Uferschwalbe wurde entsprechend ihrem späteren Er- 
scheinen in Europa auch in der Wüste etwa drei Wochen später 
wie die Rauchschwalbe zum ersten Male beobachtet, nämlich am 
31. März bei Ideles. Ferner sah ich sie: Am 1. April oberes 
Ir-err-err, 6/7. IV. ziemlich viele im Oued Ouhad, 11. IV. Tar- 
emert-n-Akh, 24. IV. Oued Tounourt und seitwärts davon, 1. Mai 
Tahihaout, 4. V. ein ermattetes Stück im Sirocco, 5. V. bei Ta- 
n-elak ziehend beobachtet, 7. V. nördlich Ta-n-elak, 9. V. Sauia 
bei Temassinin einige recht matte Stücke, 10. — 12. V. beiTemassinio 
zeitweise viele, 14. V. Sauia, 17. V. eine Anzahl nordwärts 
ziehend, 25. V. bei Ain Taiba wiederholt ziehend, 26. V. gegen 
starken Nord ziehend, 27. V. nördlich Ain Taiba ein nordwärts 
ziehendes Stück. Bei Ouargla bemerkte ich am 3. Juni noch 
einige, und sogar am 7. Juni sah ich in der Gegend von Hassi 
Mahmar noch eine offenbar ziehende Uferschwalbe. 

58. Cotyle rupestris spatzi Geyr. 

Genauere systematische Angaben über diese kleine Felsen- 
schwalbe finden sich in den 0. Monatsb. 1916, S. 59. — Ich 
beobachtete diese Form nach dem Eintritt in die Tuaregberge 
zuerst bei Amgid, wo sich jedoch nur wenige Stücke aufhielten. 
Ebenfalls spärlich kam sie am Fufse der Gara Djenoun vor, 
ziemlich häufig im Oued Ahetes. Ferner beobachtete ich sie auf 
dem Wege nach Ideles im Oued Amra, am Ahaggar-n-ideren, im 
Oued Agelil und Gif Aman. In der Nähe von Ideles war sie 
nicht selten und wurde auch im Ir-err-err wenig nördlich davon 
angetroffen. Auf dem Rückmarsch sah ich die Art im Oued Ouhad, 
Raris und im Oued Tig'amaiin-en-tisita. 

Die Tuaregschwalbe sieht man meist in den Bergtälern, wo 
sie entweder dicht über dem Boden dahinfliegt oder sich um 
hohe Felskuppen tummelt; zur Nahrungssuche streicht sie aber 
auch in die Ebene hinaus. 

10» 



140 H. Frhr. (>eyr Ton Schweppenbarg : 

Die am 12. März im Oued Ahetes erlegten Vögel hatten 
mäfsig geschwollene Hoden. Bei Ideles schienen sie noch nicht 
mit dem Brüten begonnen zu haben, doch beobachtete ich sie 
am 3. April im oberen Ir-err-err beim Nestbau. Bei Amgid flog 
sogar schon Mitte Februar ein Stück mit einer aufgefangenen 
Feder taleinwärts, vermutlich zum Neste. 

Alte Nester sah ich bei Amgid an steiler Felswand. Im 
Tale von Ideles waren sie am Säulenbasalt stellenweise nur 
mannshoch über der Talsohle angebracht. Im Oued Ouhad fand 
ich ein schönes, aber leider leeres Nest an der Unterseite eines 
mächtigen Felsblocks. In einem Seitental des Tig'amaiin war 
eines an der Unterseite einer das Oued durchsetzenden niedrigen 
Felsbank angebracht an einer Stelle, wo sich bei Regen ein 
Wasserfall bildet. Das Nest hat die Form einer Viertelkugel 
wie bei Eir. rustica ist aber ohne Beimischung von trockenen 
Stengeln u. dergl. nur aus Erde wie bei DeUchon urbica gebaut. — 
Cot. rup. spatjfi ist offenbar Standvogel in den Gebirgen der 
ioneren Sahara. Für das Brüten irgend einer anderen 
Schwalbenart wurden keine Anzeichen gefunden. 

Unser Targi nannte die Felsenschwalbe „A-seru". 

59. Deliehon urbica L. 

Hausschwalben wurden beobachtet: 26. März, 6./7. April 
Oued Ouhad, 24. IV. Oued Tounourt, 28. IV. Tig'amaiin, am 
13. Mai in der Nähe von Temassinin 10—15 langsam nordwärts 
ziehend, 14. V. an der Sauia ziemlich viele, am 21. \. im Laufe 
des Morgens mehrfach einzeln und in kleinen Trupps eiligen 
Fluge-s bei recht starkem Gegenwind nordwärts ziehend, 24. V. 
am Abend ein Trupp nordwärts ziehend, am 25. V. bei Ain Taiba 
offenbar noch recht im Zuge begriffen, worüber im allgemeinen 
Bericht nähere Angaben. Am 26. V. ziehend, am 30. V. beim 
Hassi Medjira ein Hug von sieben Stück, am Abend des 31. V. 
zwei Stück nach N. ziehend, am 1. Juni in Ouargla noch ziemlich 
viele, am 3. VI. dort ein kleiner Trupp offenbar nordwärts ziehend, 
am 4. VI. noch verschiedentlich in Ouargla und am 6. VL die 
letzte in der Wüste bei Hassi Bouchesana. 

Aus meinen Aufzeichnungen und Beobachtungen geht hervor, 
daß Ende Mai und Anfang Juni offenbar noch ein recht starker 
Zug vermutlich nordischer Hausschwalben durch die Sahara geht. 

Im allgemeinen kommt Deliehon nicht so häufig zur Beob- 
achtung, da sie auf dem Zuge meist höher und auch besser und 
ausdauernder fliegt wie die anderen Schwalben. Ufer- und Rauch- 
schwalben habe ich nicht selten, eine Hausschwalbe jedoch niemals 
ermattet in der Wüste angetroffen, doch wird auch sie besonders 
ungünstigen Wetterlagen in der Sahara zum Opfer fallen. Die 
Hausschwalbe zieht wie nisUca zwar auch einzeln und zu zweien, 



Ins Land d«r Taareg. 141 

nicht selten jedoch in gröfseren Vereinigungen von 5, 6, 7 bis 
zu 15 Stück, Zahlen die ich bei dieser nie beobachtet habe. 

Da keine D. urbica gesammelt wurde, kann ich über die 
Form meridionalis keine Angaben machen, doch überfliegt auch 
diese Unterart nach den Beobachtungen Harterts, wie zu erwarten, 
die Wüste auf dem Zuge. 

60. Muscicapa grisola L. 

Ich notierte den Fliegenschnäpper am 19. April bei Ain 
Tahart, 28. IV. Tig'amaiin, 2. Mai I-n-dekkak, 9. V. Sauia, 
10. — 12. V. Temassinin, 15. V. eine Tagereise westlich Temassiniu, 
16. V., 18. V. Brunnen El Bioth, 20. V. in den Dünen, 22. V. 
Hassi Bou Chachba, 25. V. Ain Taiba. 

Als wir bei Baba ben Brahim in Temassinin zu Gaste waren, 
kam unter einem Schrank ein kleiner Federball mit einem Schnabel 
hervor und fing auf dem Boden Fliegen. Es war ein Fliegen- 
schnäpper, dem nach Araberweise Flügel- und Schwanzfedern 
ausgerissen waren, um ihn gründlich an der Flucht zu verhindern. 

61. Muscicapa airicapilla L. 

Gesehen am 20. April bei Ain Tahart, 23. IV. Oued Tounourt, 

24. IV. Oued Tounourt und 28. IV. Tig'amaiin-n-tisita. 

62. Muscicapa collaris Bebst. 

Ich sah und erlegte diese Art nur einmal und zwar ein cf 
am 11. April im Oued Tar-emert-n-Akh. 

63. Lanius excubitor elegans Swaius. 
Nördlich Ouargla ist der Wüstenwürger nicht selten. Weiter 
im Süden kam er an folgenden Orten zur Beobachtung: Am 

25. Dezember etwa 25 km südlich Ouargla, am 27. Dezember fand 
ich südlich Hassi Medjira in einem Tamariskenbusch zwei offenbar 
dieser Art angehörende alte Nester, am 1. Januar wurde er etwa 
150 km südlich der Ouargla bemerkt, am 15. Januar im Gassi 
Abu, am 26. Januar bei Temassinin, am 26. Februar im Aheliagau, 
am 11. März an der Gara Djenoun. Bei Ideles, also jenseits des 
24. Breitengrades, hielten sich Ende März mehrere Lan. e. elegans 
auf, von denen ich zwei erlegte, Sie waren in recht schlechtem 
Gefieder und weichen daher von meinen anderen guten Bälgen 
ziemlich ab. Auf dem Rückwege sah ich ein Stück im unteren 
Oued Ouhad, sonst keine mehr bis in die Gegend von Ouargla. 

Ich glaube, dafs Lan. e. elegans nicht weit südlich über 
Ouargla hinaus als Brutvogel auftritt. Die in den Tuaregbergen 
beobachteten Vögel schienen mir verstrichene Stücke zu sein, 
die dort gewöhnlich nicht zur Brut schreiten. Eigentlicher 
Zugvogel ist dieser Würger nicht, denn auch im Winter ist er 



142 H. Frhr. Geyr von Schweppenbarg: 

in der nördlichen Vorwüste nicht selten. Er hält sich dann gerne 
in den Oasen auf, die er zur Brutzeit wohl meist wieder verläfst. 

64. Lanius Senator L. 

Den ersten Rotkopfwürger sah und erlegte ich am 22. III., 
und in der letzten Märzwoche bemerkte ich die Art wiederholt 
bei Ideles. Ferner wurde dieser Würger beobachtet: Am 7. April 
Oued Ouhad, lO./ll. IV. ziemlich viele im Tar-emert-n-Akh, 
12. V. Aceksem ziemlich viele, 16. V. Raris, 19./20. IV. Ain Tahart, 
23. IV. Oued Tounourt, 24. IV. ebendort, 28./29. IV. Tig'amaiin, 
ein recht mattes Stück fängt eine noch mattere Rauchschwalbe 
{Hir. rusiica), 30. IV. Unterlauf des Tig'amaiin, fängt einen kleinen 
Vogel, 2. Mai I-n-dekkak, 6. V. nördlich Ta-n-elak, 8. V. in ziemlich 
pflanzenloser Wüste ein vollkommen ermatteter Würger, 9. V. 
Sauia, 10.— 12. V. Temassinin, 18. V. im Brunnen El Bioth ein 
ganz ermattetes Stück, 20. V. zwei Tagereisen nordwestlich von 
El Bioth ein am frühen Morgen bei Nordwind nach N. ziehender 
L. ßenator, am 21. V. für die Falken ein 9 erlegt, 31. V. nördlich 
Medjira ein schwanzloses Stück. 

Im Januarheft 1917 dieser Zeitschrift habe ich darauf hin- 
gewiesen, dafs Lanius collurio im Gegensatz zu seinem rotköpfigen 
Verwandten die westliche Sahara auf dem Zuge durchaus nicht 
berührt. Die Beobachtung eines Rotrückigen Würgers in diesen 
Gegenden wäre daher besonders bemerkenswert. Hartert erwähnt 
die Art im allgemeinen Bericht über seine Reise nach In 
Salah (Nov. Zoolog. XX, 1913) zwar einmal von El Golea, aber 
bei seiner eingehenden Besprechung der beobachteten Vogel- 
formen vermisse ich L. collurio ganz, woraus vielleicht zu schliefsen 
ist, dafs die Beobachtung nicht durchaus sicher war. 

65. Corvus corax ruficolUs Less. {umhrinus). 

Schon bei Djama sah ich Raben, doch weifs ich nicht, welcher 
Form sie angehörten. In der Oase von Bledet Ahmar hielten 
sich viele auf, von denen ich einige deutlich als ruficolUs erkannte. 
Bei Rouissat, im Süden Ouarglas, erlegte ich das erste Stück. 
Von Ouargla bis Temassinin fehlte im übrigen der Wüstenrabe 
im Winter vollkommen, was sogar unseren Arabern auffiel. Im 
Sommer wurde er jedoch in jener Dünengegend wiederholt von 
uns beobachtet. In den Tuaregbergen wurde er bis Ideles hinauf 
überall von uns gefunden und fehlte nur tageweise, sodafs ich 
es mir wohl ersparen kann, die d r e i u n d d r e i f s i g verschiedenen 
Örtlichkeiten anzuführen, an welchen ich C. ruficolUs in jenem 
Wüstengebirge sah. 

Aus meinen Beobachtungen ergibt sich, dafs dieser Rabe 
durchaus nicht wie Graf Zedlitz (J. f. 0. 1911) meint, nur ein 
Bewohner der flachen, sandigen Wüste ist. Innerhalb seines Ver- 
breitungsgebietes ist sein Vorkommen ganz unabhängig von der 



los Land der Taareg. 148 

Ausformung und Bedeckung des Bodens. Überhaupt stellt ja 
Corvus corax einen Formkreis dar, dessen Ansprüche an Klima 
und Gelände, also an das etwa, was der Botaniker „Standort" 
nennt, sehr gering sind. Am Kap Lupton im arktischen Nord- 
amerika, wo ihn Coppinger unter annähernd 82® fand*), brütet 
er ebensowohl wie in den tropischen Steppen Kordofans*), in 
den eisigen Hochländern Asiens erscheint der riesige C. c. tibe- 
tanus am Lager des Reisenden ebenso wie es ein kleinerer Vetter 
dies in der unter dem Meeresspiegel gelegenen Senke des Toten 
Meeres tut, und in den fast jeden Pflanzenwuchses baren Stein- 
wüsten der inneren Sahara fühlt er sich kaum weniger wohl als 
in den dichten Wäldern Ostpreufsens. 

Im Winter sammeln sich die Raben im nördlichen Teil der 
Wüste zu mehr oder minder grofsen Gesellschaften, um, wie dies 
V. Heuglin auch aus Nubien berichtet, die Dattelpalmen zu 
plündern. Bei Bledet Ahmar sah ich etwa 25 Stück vereinigt, 
und der erste Vogel, den ich bei Rouissat erlegte, safs auf einer 
Palme und hackte eifrig auf eine Dattel ein. Gegen das Früh- 
jahr hin gehen sie dann auseinander, doch halten jüngere Vögel, 
vom Jahre vorher vermutlich, noch länger zusammen. So trieb 
sich bei Ideles noch Ende März eine solche Schar von etwa 
30 Stück ruhelos in der Gegend umher; die Vögel schritten in 
jenem Jahre wohl nicht mehr zur Fortpflanzung. 

Wenn man irgendwo in den Tuaregbergen das Lager auf- 
schlägt und die Dromedare auf die Weide getrieben werden, so 
erscheint meist bald der Wüstenrabe, weniger um nach Abfällen 
am Lager zu suchen, als vielmehr mit der Absicht, den Drome- 
daren seine Aufmerksamkeit zu widmen und ihnen namentlich 
die manchmal unglaublich dicken blutgefüllten Zecken abzulesen. 
Er läfst sich auf die weidenden Tieren nieder, spaziert bald auf 
diese, bald auf jene Seite des Höckers, untersucht den Hals und 
hängt an den Hinterschenkeln wie eine Spechtmeise mit dem 
Kopf abwärts, um auch die weniger leicht zugänglichen Körper- 
teile einer Untersuchung zu unterziehen. Hübsch sieht es aus, 
wenn er auf dem hocherhobenen Kopfe eines Dromedars sitzt, 
um die gerade hier manchmal recht zahlreichen Schmarotzer 
abzulesen. Die Araber behaupten, er mache sich auch an den 



*) Diederich, Die geogr. Verbreit. d. echten Raben, Gera 1889, 
S. 79. 

') Reichenows Angabe vom Vorkommen des Wüstenraben bei 
Kawirondo aod Barawa, die ich selbst noch kürzlich benutzte (Reichenow- 
Festscbrift) und die auch in den „Hartert" übergegangen ist, kam mir 
inzwischen sehr verdächtig vor, und ich fragte deshalb bei Herrn Qeheimrat 
Reichenow nach der Quelle jener Angabe. Dieser schreibt mir nun, dafs 
ihm selbst schon Zweifel an diesem Vorkommen des Raben gekommen 
seien, dafs gesammelte VOgel nicht vorliegen, und dals er an einen Irrtum 
Fischers glaube, dessen Aufzeichnungen die Beobachtung entnommen sei. 



144 H. Frhr. Geyr Yon Schweppenburg : 

Druckwunden der Tiere zu schafifen. Ich habe das mit Sicherheit 
nicht beobachtet, und wenn ich einmal die von uns behandelten 
Wunden frisch blutend fand, so hatte es eher den Anschein, als 
ob die Dromedare sich die aufgelegte Watte an Akazien ab- 
gerissen hätten. Aber die Araber werden wohl doch recht haben. 
Schon Aristoteles und die äsopischen Fabeln berichten ja von der 
Vorliebe der Raben für die Wunden auf dem Rücken der Rinder 
und Esel.*) 

Der Erwerb der täglichen Nahrung fällt den Raben in der 
lebensarmen Wüste wohl manchmal recht schwer. Einmal sah 
ich, wie etwa ein halbes Dutzend der hungrigen Vögel in der 
Nähe eine Targihütte über ein menschliches Exkrement herfiel. 
Ein anderes Paar besuchte häufiger eine Tamariske, in welcher 
Tuaregs die Teile eines Dromedars aufgehängt hatten, um sie 
vor vierfüfsigen Räubern zu schützen, und bei Temassinin beob- 
achtete ich Raben, welche die ein eingegangenes Lasttier um- 
schwirrenden dicken blauen Aasfliegen wegfingen. Wenn derlei 
Leckerbissen nicht zu haben sind, müssen sie sich auf den Fang 
von ermatteten Zugvögeln, Reptilien, kleinen Nagern und Insekten 
verlegen. Die Reste von Reptilien, kleinen Nagern, von ver- 
schiedenen Käfern und Forficuliden nebst Sand und Steinchen 
bildeten den Inhalt von zwei „Gewöllen", die zweifellos dem 
Wüstenraben angehörten und die mir seinerzeit von Dr. Hartert 
übergeben wurden, welcher sie im Oued Saret zwischen In Salah 
und El Golea fand. Sie mafsen hinsichtlich Länge und Umfang: 
I. 5,2 und 5,9 cm; II. 3,2 und 5,3 cm. 

Sein Nest legt der Wüstenrabe im Dünengelände, wo Felsen 
und höhere Bäume fehlen, auf dem Boden von Tamariskenhügeln 
oder auf ganz niederen Sträuchen an. In den Tuaregbergen sah 
ich seinen Horst mehr oder weniger hoch in Felsen und, wo 
diese fehlten, namentlich in Tamarix articulata, die bisweilen zu 
ganz stattlichen Halbbäumen heranwächst. 

Ende März schien mir in Ideles ein dort häufig erscheinender 
und nach den hohen Bergen zurückstreichender Rabe sein Weib- 
chen oder Junge zu füttern. Am 3. April fand mein Kameljunge 
Salem im Oued Agelil in einer Tamariske ein Nest mit vier 
leicht bebrüteten Eiern, welche ich ins Museum meines verehrten 
Freundes Geheimrat Koenig gab. Dieser machte mir darüber 
folgende Angaben: 

„a) 4,4 X 3,1 cm b) 4,2 X 3 cm 

1,1 gr 1,3 gr 

c) 44, X 3,1 cm d) 4,4 X 3 cm 

1,4 gr 1,3 gr. 

a und c sind im Grundtone etwas dunkler als b und d. Die 
Gröfse der Eier übersteigt im Durchschnitt kaum die unserer 

*) Keller, Die antike Tierwelt, IL, S. 98. 



Ins Land d«r Taareg. 14S 

Nebel- und Eabenkräheneier. Durch die Lupe gesehen erscheint 
die Oberfläche glatt, stellenweise pustelartig aufgetrieben, mit 
tiefen, nadelstichartigen Poren. Die Farbe ist ein lichtes Meer- 
grün mit dunkeln Flecken und Schmitzen, durchaus im Charakter 
der Kräheneier stehend." 

Ich sammelte auf unserer Reise fünfzehn Raben, welche ich 
alle bis auf einen, der sich in einer kleinen Falle fing, selbst 
erlegte. Naturgemäfs fallen einem leichter die weniger erfahrenen 
jüngeren Vögel als die vorsichtigen alten zur Beute, doch ist 
unter meiner Serie auch eine ganze Reihe prächtiger ganz alter 
Stücke. Wirklich junge habe ich überhaupt nicht darunter, sie 
sind alle wohl mindestens 8 bis 10 Monate alt. 

Hartert bemerkt gelegentlich (Vög. d. Pal. Fauna u. Nov. 
Zool. VIII, 1901), die frisch vermauserten Federn von C. ruficoUis 
seien schwarz bezw. glänzend schwarz. Ich kann das nicht 
bestätigen, im Gegenteil scheinen mir die Federn von Kopf, Hals 
(bis ziemlich weit auf den Rücken) und Oberbrust schon in ganz 
frischem Zustande eine vom übrigen Gefieder sich deutlich ab- 
hebende bräunliche Färbung zu besitzen. 

Unter meinen Bälgen sind tadellose, ganz frische, unbe- 
stofsene und nicht abgenutzte Stücke aus Dezember und Januar,' 
welche dies deutlich zeigen. Sehr gut läfst sich das auch an den 
Bälgen der beiden prachtvoll entwickelten ägyptischen Stücke 
erkennen, welche Mitte November, nachdem Geheimrat Koenig 
sie zehn Jahre in Gefangenschaft gehalten hatte, an einer Seuche 
verendeten. Kopf und Nacken, Hals und Oberbrust sind auch 
bei diesem eben mit der Mauser fertigen Raben ent- 
schieden bräunlich, wenn auch dunkler und glanzreicher als bei 
Vögeln, welche ihr Federkleid schon mehrere Monate getragen 
haben. 

Bei einer Anzahl meiner frischen alten Stücke sind Brust- 
und Bauchgefieder hell geschuppt, da jede Feder mit einem helleren 
bräunlich-grauen Rändchen versehen ist. Auch diese recht auf- 
fallende Zeichnung ist keine Wirkung des ausbleichenden Klimas, 
scheint aber auch bei anderen Rabenformen gelegentlich vorzu- 
kommen, da ich sie ähnlich bei einem Vogel der Farörinseln in 
der Sammlung Kleinschmidt sah. 

Jüngere Vögel, vor der ersten Mauser wohl, zeigen die 
schöne, reine bräunliche Farbe alter Vögel nicht, sie sind auch 
an Kopf und Hals wie am ganzen Körper mehr schwärzlich, wie ver- 
schossen, und dürften bald nach dem Ausfliegen noch dunkler sein. 

Die von mir gesammelten 15 Wüstenraben haben Flügel- 
längen von 355 — 410 mm*), und zwar haben sieben ältere d'cf 



*) leb messe stets den rechten FlOgel. Beim Messen beider Flügel 
zeigt sieb b&ufig eine kleine Differenz, was aber meist nicht an den tat- 
fiacbliebeD Verbältnisson liegt, sondern wohl daran, dafs die Handgriffe 
beim Messen von Rechts und Links etwas verschieden sind. 



146 H. Frbr. Geyr von Scbweppenburg: 

383—410 mm, drei alte 99 363—398 mm und vier jüngere cf 
und 9 355 - 360 mm. Die Schnabellänge messe ich zu 57—69 mm, 
und zwar bei 9 d*cf einmal 61, sonst 65— 69 mm, bei 4 99 
57 — 63 mm. Die Schnabelhöhe mafs ich über den vorderen Rand 
der Nasenlöcher weg zu 20—25 mm, und zwar haben 9 cfcf 
21—25 mm, 5 99 20—22 mm. 

Aus den genannten Zahlenwerteu ergibt sich, dafs die Mafse 
welche Graf Zedlitz (Jouru. f. 0. 1912, S. 531) für Corvus c. 
krausei angibt, doch nicht s o sehr aufserhalb jener von ruficollis 
liegen wie es dort den Anschein hat, wo nur die grofsen Mafse 
einer im Tring-Museum befindlichen Reihe aus Egypten ange- 
führt sind. 

Nach meinem algerischen Material sieht das Verhältnis 
von krausei und ruficoUis etwa so aus: 

Flügel Schn.-L. Schn.-H. 

ÄraMSet (nach Zedlitz): 355—375 58—64 21— 23 mm 

ruficoUis 8id. und ia\.: 355-410 57 — 69 20— 25 mm 

nur ad.: 363-410 63—69 21— 25 mm 

nur iuv.: 355-360 57—69 20— 23 mm 

nur cfcf : 355-410 65-69 21— 25 mm. 

(1X61) 
nur 99: 356-398 57—63 20— 22 mm 

Man wird jedes Einzelstück von krausei nicht, wie Graf 
Zedlitz voraussetzt, nach den Mafse n ohne weiteres bestimmen 
können, und auch die Mafsangabe von Sundevall, nach welcher 
Graf Zedlitz infumatus zu ruficoUis zieht, kann nicht als ent- 
scheidend angesehen werden, denn dafür ist das bisher vorliegende 
Material an krausei zu gering, und ich bezweifele, ob mit 375 mm 
dessen Flügelmaximum erreicht ist.^) Der Name ..infumatus'-'- 
mufs also vielleicht doch noch benutzt werden, worüber die Unter- 
suchung des Typus entscheiden mag. 

Nachdem ich meine Wüstenraben gemessen hatte, stand 
ich der Form krausei etwas zweifelnd gegenüber, und ich bat 
mir daher aus der Graf Zedlitzschen Sammlung zwei Bälge zum 
Vergleich aus. Als ich sie auspackte, hatte ich keinen ruficoUis 
zum Vergleich bei der Hand, war aber trotzdem nicht im Zweifel, 
dafs die Form tatsächlich „gut" ist. Dieser Eindruck wurde be- 
stärkt, als ich in Bonn im Museum Koenig die prachtvollen, 
frischfedrigen Bälge sah, welche der treffliche Schrader bei El 
Tor sammelte. 

Dieser Rabe ist tatsächlich eine sehr kleine Form, und in 
der Gesellschaft anderer Raben sah er in einer Balg-Schublade 



^) Herr Gebeimrat Koeoig schreibt mir, dais in einem Manuskripte 
le Rois das Maximum für krausei nach dem Bonner Material mit 
878 mm angegeben ist, der Unterschied gegen Sandevalls Angaben 
schrumpfte also schon auf 7 mm zusammen. 



Ins Land der Taareg. 147 

des Museums Koenig fast wie eine Krähe aus. Auch ist das 
Gefieder an Kopf und Hals entschieden schwärzlicher als bei 
rußcollis. Beim Vergleich ganz frischer Vögel ist der Unterschied 
hierin nicht übermäfsig grofs aber immerhin deutlich. Inbezug 
auf den Metallglanz des Gefieders, der übrigens bei ruficoUis 
manchmal mehr bläulich, manchmal etwas violett ist, konnte ich 
keinen besonderen Unterschied feststellen. Die Braunfärbung 
der Schnabelborsteu rührt bei Jcrausei höchst wahrscheinlich 
lediglich von Abnutzung und Ausbleichung her , vielleicht 
veranlafst durch häufigeres Eintauchen der Schnäbel ins Meer- 
wasser. Bei frisch vermauserten Stücken sind die Schnabelborsten 
schwarz. 

Die Verbreitung des El Tor-Raben ist noch etwas dunkel. 
Vermutlich bilden namentlich die Ufer des nördlichen Teiles des 
Roten Meeres seine Heimat, denn in Südarabien sind die Vögel 
wieder gröfser und ebenso gegen das Tote Meer hin. Im Museum 
Koenig sah ich mir genauer ein 9 aus dem Wadi Chamile im 
Sinai an. Dieser Rabe hat eine Flügellänge von 385 mm und 
wurde sowohl von Geheimrat Koenig wie von Dr. le Roi als 
umbrinus bezeichnet. Ein echter Jcrausei scheint es allerdings 
nicht zu sein, aber für einen typischen ruficoUis (umbrinus) halte 
ich ihn auch nicht, denn dafür ist die Oberseite von Kopf 
und Hals allzu dunkel — namentlich im Hinblick auf das Er- 
legungsdatum 25. III. Seiten und Unterseite von Kopf und Hals 
und namentlich ein scharf hervortretendes Brustband sind aller- 
dings recht bräunlich, aber auch nicht ganz im Charakter von 
ruficoUis. 

Die Grenze zwischen den einzelnen Rabenformen dürfte sich 
in jenen Gegenden, wo verschiedene zoogeographische Gebiete 
sich berühren und ineinanderschieben, ein wenig verwischen. 
Sicheres läfst sich darüber zur Zeit nicht sagen. Es scheint aber, 
dafs C. c. ruficoUis dort den Anschlufs an den Formkreis findet, 
und dafs er von dort, also von Osten her die nordafrikanischen 
Wüstengebiete bevölkert hat. 

Hinsichtlich des Unterschiedes von krausei und ruficoUis 
möchte ich noch darauf hinweisen, dafs, wie mir schien, die hellen, 
inneren Teile des Kleingefieders bei diesem mehr weifs oder 
bräunlichweifs, bei jenem mehr grau oder grauweifs sind, aber 
ich fand diesen Unterschied nicht immer bestätigt. 

Die grofsen Mafse der ägyptischen Raben werden auch von 
meinen alten algerischen Stücken nicht ganz erreicht. Im nah- 
ruDgsreichen Niltal mag die körperliche Entwicklung der Vögel 
unter günstigeren Bedingungen verlaufen als in den so unendlich 
armen Gebieten der inneren Westsahara, wo die Wüstenraben 
manchmal tatsächlich „schwarzen" Hunger leiden. 

Die Tuareg nennen den Raben „Ärälik". 



148 H. Frhr. G^•y^ Ton Seh weppenburg : 

66. Oriolus oriolus L. 

Pirole kamen zur Beobachtung: Am 13. April Aceksem 2 cfcf , 

24. IV. Amgid, 30. IV. Tig'araaiin, wiederholt 99 und cfcT, 1- Mai 

Tahihaout, 2. V. I-n-dekkak viele, 4. V. ein 9 in pflanzenloser 

Wüste, 6. V. Ta-n-elak, 9. und 24. V. an der Sauia bei Teraassinin. 

• 67. Sturnus vulgaris L. 
Die Ornithologen, welche bisher die algerische Wüste 
besuchten, haben meist den Star dort nicht angetroffen, jeden- 
falls weil er nach beendeter Dattelernte wieder nordwärts zieht. 
Im Dezember 1913 war er bis nach Ouargla hinunter sehr häufig, 
und wolkenartige Schwärme fielen in die Oasen ein , um die 
Palmen zu plündern. Unser Starmatz versteht es zu leben: 
Nachdem er in Europa Kirschen, Trauben und sonstige Beeren 
gezehntet hat, macht er sich nach dem Süden auf, um auch dort 
seinen Teil von den leckeren Datteln zu fordern. 

68. Carduelis cannabina L. 
Sehr erstaunt war ich, in den Gärten von Rouissat im Süden 
von Ouargla einen ganzen Flug Hänflinge anzutrefi'en. Sie waren 
jedoch so scheu, dafs ich mit dem Einsteckrobr nur ein d* er- 
langen konnte, das Herr Kleinschmidt für einen nordischen ßrut- 
vogel zu halten geneigt ist. 

69. Fasser. 

Südlicher als Rouissat wurden von mir keine Haus- 
Sperlinge beobachtet, und nördlicher habe ich keine gesammelt, 
da mir die Frage der systematischen Stellung der Oasensperlinge 
durch die schönen Arbeiten Harterts hinreichend geklärt zu sein 
scheint. 

Es ist auffallend, dafs Passer domestictis und hispaniolensis 
sich in Algerien so leicht vermischen. Bei Abu Simbel in Nubien, 
wo die beiden Arten auf das schmale Niltal angewiesen sind, 
beobachtete ich sie in streng getrennten Flügen, die auch ge- 
trennte Lieblingsplätze im Gesträuch inne hatten. Dafs dort im 
Niltal gelegentlich auch Bastarde vorkommen, darauf scheint mir 
die von Hartert beschriebene Form „senicenburgianus"' hinzu- 
deuten, welche den an Fass. dorn, italiae erinnernden algerischen 
Mischlingen aus der Sammlung Graf Zedlitzs^) entsprechen dürfte. 

70. Fasser simplex saharae Erl. 
Der schöne Wüstensperling begegnete uns zuerst südlich 
Bledet Ahmar, wo unter anderem eine lange Reihe auf dem die 
Wüste überspannenden Telegraphendraht safs. Südlich Ouargla 

1) Nov. Zoolog. XX, S. 169. 



Ins Land der Taareg. 149 

fand ich die Art bei Hassi Medjira, bei Ain Taiba und im Gassi 
Abu am Südende des Grofsen Ergs. Dann sah ich lange Zeit 
keine mehr. Am 4. März fand sich ein kleiner Flug in den 
schönen Tamarisken in der Gegend der Wasserstelle Timenaiin 
ein, und an demselben Tage bemerkte ich ein Pärchen ein wenig 
südlicher in einer Äcacia tortilis. In jener Gegend dehnten sich 
zwischen den zerstreuten Bergen weite Ebenen aus, in denen 
auch mächtige Dünen nicht fehlten. Am 8. März sah ich noch 
ein Männchen etwa einen Tagemarsch südlich Tazzait etwa unter 
25* 20'. Dies ist der südlichste Punkt, an welchem ich 
Fässer Simplex beobachtete, doch waren die Gegenden, welche 
wir weiter südlich berührten nicht recht für ihn geeignet. 

Das am 8. März beobachtete cf war ganz allein, suchte 
aber seinem Triebe zur Geselligkeit dadurch nachzukommen, dals 
es sich unzertrennlich zu zwei Läuferlerchen {AI. alaudipes) hielt. 

Der VVüstensperling dürfte sich gröfstenteils von dem Samen 
des Drin - Grases (Aristida pungens) ernähren, doch sah ich ihn 
auch beim Verzehren eines Käfers, und im Gassi Abu fand sich 
ein Flug wiederholt in der Nähe unseres Lagers ein, um einen 
Retamstrauch (Retama raetam) seiner aufbrechenden Knospen zu 
berauben. 

Anfang Januar kamen an der Wasserstelle Ain Taiba abends 
zahlreiche Wüstensperlinge aus allen Himmelsrichtungen heran- 
geflogen, um in den wenigen Palmen und im Rohr zu schlafen. 
Am 25, Mai waren an der gleichen Stelle nicht sehr viele. Flügge 
Junge gab es anscheinend noch nicht, und von einem kolonie- 
weisen Brüten in den Palmen (s. Nov. Zool. XX, S. 170) konnte 
ich nichts bemerken. Es brüteten anscheinend nur wenige 
Pärchen im Palmgebüsch, die kleine Junge hatten. Alte Nester 
fand ich in der Gegend des Hassi Medjira in Tamarix und 
anderen Wüstensträuchern. 

Der Wüstensperling wird von Hartert in seinem Betragen 
mit dem Feldsperliog verglichen, mich erinnerte er in Gestalt 
und Bewegung mehr an Fass. domesticus. Die Flügel von elf 
cfcf messen 7,8—8,2 mm, von einem 9 ca. 7,7 mm. Die Schnäbel 
von 9 cfcf aus dem Januar sind teils recht hell, teils schwarz. 
Die Oberseite mancher dieser Wintervögel ist sehr stark gelblich, 
die schwarzen Kehlfedern haben vielfach helle Säume. 

71. Erythrospiea githaginea xedlitgi Neum. 
Die ersten Wüstengimpel, etwa 20 Stück, sah ich am Süd- 
rande des Grofsen Erg in der Nähe des Oued Abu. Sie waren 
so scheu, dafs es mir nur mit Mühe gelang, ein Stück zu erlegen. 
Sehr viele trieben sich zuni Ärger der Besitzer in den neu 
angelegten Gärten an der Sauia und bei Temassinin umher. Wie 
man mir sagte, waren sie in diesem Winter zum ersten Mal er- 
schienen, obschon die Gärten schon eine Reihe von Jahren be- 
stehen. Das läfst vermuten, dafs die Wüstengirapel in ungünstigen 



150 H. ("rbr. Geyr tod Schweppenburg: 

Jahren mehr oder weniger weit umherstreifen. So sah ich auch 
zwei Tagereisen südlich Temassinin am 2. Februar im fast 
pflanzenlosen ebenen Reg einen kleinen Flug nordwärts streichend. 

In den Tuaregbergen beobachtete ich Erythrospiga bei In 
Keimet, Amgid, an der Quelle Tazzait, im Oued Ahetes und Agelil. 
Bei Ideles machten sie den Einwohnern scharenweise die spärlich 
gezogenen Körnerfrüchte streitig und spielten ganz die Rolle des 
Sperlings in unseren Gegenden. Auf dem Rückwege sah ich 
Wüstengimpel im oberen Ir-err-err, im Oued Ouhad, im Oued 
Raris, wiederum bei Amgid, im Oued Tounourt, im Unterlauf 
des Tig'amaiin, im Tahihaout und ein Paar an der Quelle Ta-n- 
elak. In den Gärten von Temassinin waren im Mai erheblich 
weniger als im Winter. 

In den Tuaregbergen wurden die hübschen Vögel meist in 
der Nähe des Wassers angetroffen, das sie anscheinend im Winter 
längere Zeit, wohl kaum aber im Sommer entbehren können. 
Von Nestern fand ich nichts, und namentlich in Ideles hatten 
die Gimpel bei unserer Anwesenheit gewifs noch nicht mit dem 
Brutgeschäft begonnen, doch schienen sie im Oued Ahetes am 
13. März dem Sektionsbefunde nach dicht vor der Fortpflanzung 
zu stehen. 

In den Oasen hatten sie es, wie schon bemerkt, namentlich 
auf das milchreife Getreide abgesehen. Sonst beobachtete ich 
sie wiederholt beim Verzehren der Knospen einer stacheligen 
Kruzifere (Zilla macroptera), und bei Amgid sah ich zu meinem 
Erstaunen einen ganzen Flug sich in der Krone eines mehrere 
Meter hohen Laubenbaumes (Maerua crassifolia) umhertreiben, 
wo sie die halbentwickelten schotenförmigen Früchte verzehrten. 

Acht von mir gesammelte cTcf messen im Flügel 8,4 (ein- 
mall)— 9,1 mm, drei 99 8,5—8,6 mm. 

72. Emherixa striolata sahari Lev. 

Diesen in Biskra so gewöhnlichen niedlichen Ammer ver- 
mifste ich weiterhin gänzlich, bis ich zu meiner freudigen Über- 
raschung am 11. März am Fufse der 2700 m hohen Gara Djenoun 
ein Pärchen fand und erlegte. Der Ammer lebte hier entgegen 
seinen sonstigen Gewohnheiten fern von menschlichen Wohnungen, 
wie es Erlanger auch in Tunesien fand und wie es von Heuglin 
von der nubischen Form berichtet. Im Oued Agelil hielten sich 
einige in der Nähe der Hütten und kleinen Gärten auf, ebenso 
bei Ideles, wo ich 5—6 Paare bemerkte. Hier sowohl wie im 
Oued Agelil waren sie teils recht vertraut, teils, besonders 
wenn sie sich beobachtet oder verfolgt glaubten, so scheu, 
dafs es nicht möglich war, ihrer habhaft zu werden. 

An den kleinen Gärten im Oued Ouhad hielten sich etwa 
10—12 Stück auf. An einer Waserstelle in einem Seitental des 
Oued Tig'amaiin bemerkte ich ein Paar und Herr Spatz an einer 



Ins Land der tuareg. IKl 

anderen Stelle ebenfalls zwei Stück. Das Vorkommen des Haus- 
ammers in den Tuaregbergen ist nach unseren bisherigen 
Kenntnissen ein ziemlich isoliertes, da weder ich sie sonst südlich 
von Ouargla noch Hartert sie in den Tidikelt-Oasen auffanden. 
Die Flügelmafse der von mir in den Tuaregbergen gesammelten 
fünf Männchen sind: 78, 80, 80, 81, 82 mm, übertreffen also die 
von Hartert (Vög. d. pal. Fauna, S. 191) angegebene Variations- 
breite von 75—80 mm ein wenig. 

73. Anthus pratensis L. 
Der Wiesenpieper macht auf seinem Herbstzuge im allge- 
meinen schon nordwärts der Sahara Halt. Ich beobachtete ihn 
nur am 21. und 22. Dezember bei Rouissat wenige Kilometer 
südlich Ouargla und erlegte ferner ein Stück am 7. April im Oued 
Ouhad im Tefedest des Tuaregberglandes. 

74. Anthus cervinus Fall. 
Am 29. Januar fand ich in den Gärten von Temassinin zwei 
Stück, von denen ich eines erlegte. Am 10. Mai bei unserer 
Rückkehr hielt sich ebendort ebenfalls ein Stück auf. In den 
Tuaregbergen sah ich am 19. April einen Rotkehlpieper an der 
Quelle Tahart; er wurde später von Herrn Spatz erlegt. Wie 
ich schon in einer Arbeit über den Vogelzug in der Sahara be- 
merkte, sind diese aL\gerischenAnth. cervinus offenbar die äufsersten, 
spärlichen westlichen Ausläufer einer Zugwelle, die von den im 
hohen Norden gelegenen Brutgebieten im allgemeinen ziemlich 
direkt nach Süden verläuft. 

75. Anthus trivialis L. 
Den Baumpieper bemerkte ich nur einmal in wenigen 
Exemplaren im Oued Ouhad am 6. und 7. April; er dürfte meist 
schon nördlich der Wüste Winterquartiere beziehen. 

76. Anthus campestris L. 
Beobachtet: Am 15. März Oued Ahetes, 18./19. III. Oued 
Agelil, Ende März wiederholt bei Ideles, 6.-7. April im Oued 
Ouhad, wo ich auch einen toten, gänzlich abgemagerten fand, 
24./25. IV. Oued Tounourt, 26. IV. ebendort, 5. Mai Ta-n-elak, 
9. V. Sauia, 10.— 12. V. Temassinin. 

77. Motacilla alba L. 
Die Weifse Bachstelze dehnt ihren Zug nur zum geringsten 
Teile bis jenseits des grofsen Wüstengürtels aus und wird dem- 
entsprechend nur verhältnismäfsig selten in der innersten Sahara 
beobachtet. Häufiger ist sie in den nördlichen Teilen, wo ich sie 
im Dezember verschiedentlich bei Bledet Ahmar, Hassi Mahmar, 



1B2 H. Frhr. öejr von Schweppenburg : 

Ouargla und Rouissat autraf. Weiter südlich fand ich sie am 
26. Januar bei Temassinin, am 30. Januar bei der in der Nähe 
gelegenen Sauia, am 14. Februar bei Amgid, in der letzten März- 
woche vereinzelt bei Ideles und am 6./7. April im Oued Ouhad, 

78. MotaciUa flava (flava) L. 

Sehr häufig kam die Kuhstelze in der inneren Wüste während 
des Zuges zur Beobachtung. Da ich nur die weiter unten er- '. 
wähnten dunkelköpfigen Unterartten erlegte, so dürfte unter den : 
als flava flava angesprochenen Stücken jedenfalls auch ctnereo- ; 
capilla gewesen sein, die Hartert wiederholt auf seiner Reise 
nach In Salah antraf. 

Am 22. Dezember beobachtete ich noch eine verspätete 
Kuhstelze in den Gärten von Rouissat. Sonst wurde die Art an 
folgenden Daten notiert : 22. März Oued Tamudat, in der letzten 
Märzwoche ziemlich viele bei Ideles, 2. April Ir-err-err nördlich 
Ideles, 6./7. IV. Oued Ouhad, 13. IV. Aceksem, 14. IV. Tin tabarik, 
17.— 18. IV. verschiedentlich im unteren Raris, 21. IV. Amgid, 
24/25. IV. Oued Tounourt, 26. IV. ebendort ziemlich viele, 
28. IV. Tig'amaiin, 1. Mai Tahihaout, 2. V. I-n-dekkak, 4. V. in i 
pflanzenloser Wüste ermattete Stücke, 6. V. Ta-n-elak, 7. V. \ 
nördlich Ta-n-elak, 9. V. ziemlich viele an der Sauia, meist 99» i 
10.— 12. V. bei Temassinin viele 99^ wenig cfcf, 14. V. Sauia, I 
15. V. Tagereise westlich Sauia, 20. V. einzelne ziehen bei Nord- ; 
wind bis ziemlich spät in den Morgen hinein, 21. V. am frühen : 
Morgen einige nordwärts ziehend (die für unsere Falken erlegten 
sind 99). 22. V. beim Brunnen Bou Chachbah, 23. V. nördlich ; 
Bou Chachbah einige. Am 24. Mai ziehen bei Ain Taiba gegen 
Abend offenbar einige Stelzen nach Norden zu ab, ebenso brechen 
während des 25. noch mehrfach welche nach Norden auf. Das 
letzte Stück sah ich am 29. Mai in der Gegend vom Hassi Medjira. 

79. MotaciUa flava fhunhergi Billb. 
Die nordische Kuhstelze zieht anscheinend nicht eben selten 
durch die Wüste. Ich erlegte Männchen am 19. April bei Ain 
Tahart, am 5. Mai bei Ta-n-elak und am 9. und 11, Mai vier Stück | 
an der Sauia resp. bei Temassinin, wo sich noch mehr aufhielten. 

80. MotaciUa flava melanocephala Licht. 
Diese bisher aus Algerien nur ganz ausnahmsweise nach- 
gewiesene Stelze habe ich in der inneren Wüste wiederholt be- 
obachtet und erlegt. Am 30. März erlegte ich ein Stück (cf) bei 
Ideles, das ich schon einige Tage vorher gesehen hatte, am 
31. März sah ich die Art (cf) im oberen Ir-err-err, am 6./7. April 
hielten sich ein oder zwei Stück (cfcf) in den Gärten im Oued 
Ouhad auf. Am 30. April erlegte ich von zwei cfcf im unteren 
Tig'amaiin eines. An der Quelle Ta-n-elak beobachtete ich am 



Ins Land der Tuareg. 158 

5. Mai ein cf und an der Sauia am 9. Mai ebenfalls ein cf. Da 
die 99 nicht sicher von denen der anderen Form zu unterscheiden 
sind, kann ich über das Vorkommen dieser keine Angaben machen, 
doch mögen einige auffallend dunkle Stücke, die sich am 9. Mai 
an der Sauia umhertrieben, dieser Unterart angehört haben. 

81. Calandrella hrachydaciyla Leisl. 
Ich liefs nur eine kurzzehige Lerche abbalgen, und da ich 
diese nicht mehr unter meinen Bälgen vorfinde, kann ich über 
event. Unterarten keine Angaben machen. Die erste dieser Lerchen 
— ein Stück — sah ich am 27. Februar im Oued Ahellakan, dann 
einen kleinen Flug am 2. März bei Timenaiin. Fernerhin wurde 
sie beobachtet: Vom 9.— H. März an der Gara Djenoun, am 
17. März am Ahaggar-n-ideren ein kleiner Flug niedrig nord- 
wärts ziehend, am I8./19. März Oued Agelil, in der letzten März- 
woche bei Ideles häufig, am 26. ein kleiner Flug nordwärts 
ziehend, 6/7. April Oued Ouhad, 20. IV. Amgid, 23. IV. Oued 
Töunourt etwa 6—8 Stück, am 24./25. im Oued Tounourt und 
seitwärts davon ziemlich viele, 26. IV. im Tig'amaiin wiederholt, 
2. Mai verschiedentlich im I-n-dekkak, bei Ta-n-elak am 5. V. 
noch ziehend, 6. V. nördlich Ta-n-elak, 9. V. an der Sauia kleiner 
Flug, 10. — 12. V. viele in den Gärten von Temassinin, 14. V. an 
der Sauia. Der Durchzug von Stummellerchen scheint demnach 
in der Sahara etwa zwei und einen halben Monat anzudauern. 
Sie überwintern anscheinend nicht in der Wüste selbst. 

82. Ammomanes deserti mya Hart. 

Da wir in den ersten Wochen nach unserem Aufbruch von 
Ouargla meist durch Dünengelände und ebenes Reg wanderten, 
so trafen wir die Steinlerche erst, als wir bei In Keimet das 
Berglaod der Tuareg betraten. Dort war sie sehr häufig und 
stand offenbar am Beginn der Fortpflanzungszeit. Die Vögel 
waren sehr lebhaft, sangen, jagten sich, waren aber auch noch 
teilweise in kleinen Trupps vereinigt. Von In Keimet an ver- 
mifsten wir diese Art in den Bergen nicht mehr auf gröfseren 
Strecken, und in meinem Tagebuch finde ich sie von fünfund- 
dreifsig verschiedenen Orten erwähnt. Auch bei Ideles war sie 
nicht selten, und dort sah ich sie Ende März mit dem Nestbau 
beschäftigt, doch schienen sie noch nicht mit dem Brüten 
begonnen zu haben. 

Meist hält sich die Steinlerche in den kleineren und gröfseren 
Tälern der Berge auf, in der Nähe von Steinen, Geröll und Fels- 
wänden, doch geht sie auch in die Ebene hinaus an solchen 
Stellen, wo, meist im unteren Teil der Oueds, zahlreiche Tamarisken- 
hügel sich zusammenscharen. In solchem Gelände haben ich si& 
dann auch wiederholt sich auf die Zweige von Tam. articulata 
niederlassen sehen. Die Steinlerche ist ein niedlicher und 

Jooin. (. Gib. LXVl. Jalug. AprU 1918. 11 



164 H. Prhr. Gejr voq Schweppenburg: 

zutraulicher Vogel, der sich nicht selten ganz in der Nähe unseres 
Zeltes urahertrieb, um dies oder jenes aufzulesen. So sah ich 
sie einmal die kleinen Fleischreste von einem Gazellenknochen 
absuchen, und als unbrauchbar von mir weggeworfene Nacht- 
schmetterlinge waren ihr gleichfalls willkommen. 

Dreizehn der von mir gesammelten Vögel sind von sehr 
gleichmäfsiger rötlichgrauer Allgemeinfärbung. Ein 9 ist jedoch 
sowohl ober- wie unterseits erheblich heller, und ein anderer 
dem Geschlecht nach unbestimmter Vogel ist auf der Oberseite 
wiederum erheblich anders, nämlich viel grauer gefärbt. Dieser 
Vogel fiel mir schon im Leben durch seine Färbung vor anderen i 
auf und wurde deshalb erlegt. Er hat eine Flügellänge von i 
97 mm, das gelbliche 9 eine solche von 95 mm. Die übrigen 
fünf von mir gesammelten 99 haben Flügel von 98 (einmal), 
99 (einmal) und 102 mm (dreimal). Unter den acht als Männ- 
chen bezeichneten Steinlerchen befindet sich je eine mit 97 bezw. 
102 mm Flügellänge. Ich vermute, dafs bei diesen das Geschlecht , 
vom Präparator nicht richtig angegeben ist, denn Hartert gibt ; 
für A. des. mya 107—111 mm als Flügellänge der cfcT au, wo- j 
mit meine übrigen Stücke auch besser übereinstimmen. Sie i 
messen: 105 mm (einmal), 107 mm (einmal), 108 mm (zweimal) : 
und 110 mm (zweimal). 

83. Ammomanes phoenicura arenicolor Sund. 

Graf Zedlitz wundert sich (Nov. Zool. XX, S. 171), dafs 
Herr Spatz diese Lerche auch in der Dünengegend fand, während 
sie doch eigentlich ein Kind der steinigen Plateaus, der 
Hammada sei. Nach meinen Beobachtungen ist die Sandlerche 
im Gegensatz zu Am. deserti ein Freund der Ebene, ob diese 
nun steinig, mehr oder weniger mit Sand bedeckt, oder ganz 
sandig ist, das ist ihr ziemlich gleichgültig. Aber im Grofsen 
und Ganzen eben, frei und ziemlich ausgedehnt mufs die Land- 
schaft sein, wenn sie ihr gefallen soll. Mag dies nun eine leicht 
wellige Sandgegend sein, wie wir sie wiederholt zwischen Touggourt 
und Ouargla kreuzten, mag es steinige, nur hin und wieder spärlich 
mit Sand bedeckte Hammada oder mögen es schliefslich die weiten 
flachen Kies- und Sandtäler zwischen den gewaltigen Dünen, 
die Gassis, sein ~ überall findet man Am. phoenicura. Aber 
selbst auf den Hängen der hohen Dünenketten sah ich sie im 
Winter wiederholt sich umhertreiben. 

In den Tuaregbergen wird man sie in den schmalen 
steinigen Tälern vergeblich suchen, aber wo zwischen den Bergen 
ein weiter sandiger Talkessel sich auftut, oder dort, wo die Oueds 
sich erweitern und zu breiten Sandflächen sich dehnen, da wird 
man häufig nicht lange nach dem kleinen, sandgelben Vögelchen 
suchen brauchen. 



Ins Land der Taareg. 155 

Aus dem Gesagten geht hervor, dafs sich die Brutgebiete 
von Am. deserii und phoenicurus meist ausschliefsen, doch be- 
rühren sich die oben als mehr ausnahmsweise Wohnstätten der 
Steinlerche geschilderten Örtlichkeiten nicht so ganz selten mit 
dem Gebiet der Sandlerche. An solchen Stellen kann man dann 
die beiden Wüstenlerchen bisweilen ziemlich nahe beieinander 
beobachten, so z. B. im unteren Teil des Oued Amra und im 
Tahihaout. 

An folgenden Punkten bemerkte ich Am. phoenicura: 
13. Dezember Djama, 16. XII. südlich Bledet Ahmar, sehr viele!, 
17. XII. Hassi Mahmer, 18. XII. sehr viele südlich Hassi Mahmer, 
24. XII. wenig südlich Ouargla, 25. XII. ca. 25 km südlich Ouargla, 
26. XII. kleine Flüge bei Hassi Medjira, 27. XII. südlich dieses 
Brunnens, 31. XII., 1. Januar ca. 150 km südlich Ouargla, 7. I. 
Hassi Bou Chachbah, 14. I. Gassi Abu, 17. I. Oued Abu, 26. I. 
bei Temassinin, 4. Februar In Keimet, 9. II. Oued Tiliouin, 24. II. 
Oued Tidebar, 26. II. noch in kleinen Flügen, 27. II. Oued Ahel- 
lakan, 2. März Timenaiiu, 7. III. südlich Tazzait, 9.— 11. III. am 
Fufs der Gara Djenoun, 15. III. Oued Amra, 16. III. Ahaggar-n- 
ideren, 3. April südlich Oued Amra, 22. IV. bei Amgid, Balzgesang, 
23. IV. im Ir-err-err und Maader Tounourt ziemlich viele, Balz- 
gesang, 24. IV. in den weiten sandigen Teilen des Oued Tounourt 
viele, 1. Mai im Tahihaout an einigen Stellen mit Am. des. mya 
zusammen, 15. Mai eine Tagereise westlich Temassinin, 21. V. in 
den Dünen nördlich El Bioth, 27. V. nördlich Ain Taiba, 29. V. 
Gegend von Hassi Djeribia, 30. V. Hassi Medjira. 

Ich sammelte an den verschiedensten Orten unseres Reise- 
weges im ganzen elf Am. phoenic, kann aber weder in der Farbe 
noch in der Flügellänge einen Unterschied zwischen Vögeln des 
Nordens und Südens finden. Die Flügel von 5 (fcf messen 
9,5—9,9 mm, die von 6 99 8,8—9,2 mm. 

84. Galerida thehlae deichleri Erl. 

Am Morgen des 19. Dezember, des Tages unserer Ankunft 
in Ouargla, erlegte ich in der Gegend des Brunnens Bou Chesana 
in sandigem Gelände aus einer gröfseren Anzahl zwei Hauben- 
lerchen, die der Form deichleri angehören. Der Ort, wo ich sie 
erlegte, liegt anscheinend auf annähernd derselben Breite, wo 
auch Hartert sie fand. Weiter südlich begegneten mir keine 
mehr. Die Flügelmafse sind: cf 105, 9 99 ^^' 

85. Galerida thehlae carolinae Erl. 

Am 17. und 18. Dezember erlegte ich beim- Hassi Mahmer 
zwei kurzschnäbelige Haubenlerchen, die ich mit Herrn Klein- 
scbmidt für carolinae halten möchte. Die Flügellängen betragen : 
(f 98 mm, cf (?) 98 mm. 

11* 



156 H. Frbr. Geyr tod Scbtreppenbarg: 

86. Oalerida cristata arenicola Tristr. 

Hartert fand diese Haubenlerche auf seiner letzten Wusten- 
reise nicht südlicher als Bledet Ahmar, und über Ngoussa hinaus 
fand weder er noch sonst jemand bisher irgendwelche Galeriden. 
Ich sammelte jedoch ein Stück von arenicola bei Bledet Ahmar und 
fünf Stück aus einer gröfseren Anzahl, welche ich bei Rouissat, 
etwa fünf Kilometer südlich Ouargla fand. Die Haubenlerchen 
hielten sich dort in neu angelegten Gärten auf und waren meist 
so scheu, dafs es kaum möglich war, sie mit dem Einsteckrohr 
zu erlegen. Ob die Vögel nur für den Winter soweit südlich 
verstrichen waren oder ob sie dort auch brüten, kann ich nicht 
sagen, da wir uns auf der Rückreise Anfang Juni nicht in 
Rouissat aufhielten. 

Hartert erwähnt, dafs er auf seiner letzten Reise zum ersten 
Male eine cristat a-Form, nämlich arenicola, in hoher Luft singend 
beobachtet habe, während ihm dies bisher nur von theklae-Formen 
bekannt gewesen sei. Ich möchte dazu bemerken, dafs auch 
unsere G. cristata bisweilen ihren hübschen Gesang in dieser 
Weise vorträgt, was zwar Naumann erwähnt, was aber vielen 
Vogelkenneru unbekannt zu sein scheint. 

Von meinen fünf Vögeln haben 2 d*cf Uli 112 mm, 3 99 
101, 103 und 105 mm Flügellänge. 

87. Alaemon alaudipes alaudipes (Desf.). 

Von Djama bis Ouargla wurde dieser wunderhübsche Vogel 
wiederholt gesehen. Südlich Ouargla beobachtete ich ihn an 
folgenden Stellen, welche ich dem Verlauf unserer Reise nach 
aufzähle: Rouissat, wiederholt zwischen Rouissat und Hassi 
Medjira, Gegend vom Brunnen Medjira, Hassi Bou Chachbah, 
südlich Bou Chachbah, Gassi Abu, Oued Abu, Temassinin, In 
Keimet, Oued Tiliouin, Amgid, verschiedentlich am Südfufs der 
Ahellakan Berge, Oued Ahellakan, etwa einen halben Tagemarsch 
südlich Tazzait, Oued Tamudat, Ir-err-err ca. 30—40 km nördlich 
Ideles und an verschiedenen anderen Stellen des oberen Ir-err-err, 
Oued Amra, im Irr-err-err bei Amgid und im Maader des Oued 
Tounourt nicht selten, Tahihaout, etwa eine Tagereise westlich 
Temassinin, wo nui spärlichster Pflanzenwuchs vorhanden war, 
nördlich El Bioth, nördlich Ain Taiba, Gegend von Hassi Djeribia 
und Medjira. 

Von Anfang April an hörte ich in den breiten sandigen 
Talebenen der Tuaregberge mehrfach den so ansprechenden 
Gesang und die Vögel mochten kurz vor Beginn der Brut stehen. 

Unter den Nahrungstieren der Läuferlerche scheint meinen 
Beobachtungen nach eine Termite, Psammotermes hybostoma*), 

^) Die Bestiiumung verdanke ich Herrn Prof. Nils Holmgren in 
Stockholm. 



Ins Land der Taareg. 167 

eine gewisse Bedeutung zu haben. Diese Art baut ihre Nester 
in sandigen Gegenden unterirdisch in den lockeren Boden, ober- 
halb des Sandes sichtbare Nester sind offenbar vom Winde blofs- 
gelegt. Die ungeflügelte Form dieser Termite schafft anscheinend 
S^nd von unten in kleinen Häufchen an die Oberfläche und 
einzelne vermutlich vom Neste verirrte Tiere fand ich wiederholt 
am Ende langer, im feinen Sande dicht unter der Oberfläche 
verlaufenden Gängen. Die fetten der Erdoberfläche nahen Ter- 
miten holt die Läuferlerche nun, wie ich an den Spuren fest- 
stellen konnte, aus dem Saude hervor, wobei ihr der lange ge- 
bogene Schnabel besonders zu statten kommt. 

Unser Targi nannte die Muka „N-ged-edara". 



88. Sylvia borin (Bodd.). 

Am 3. und 5. Mai sah ich wiederholt Gartengrasmücken im 
I-n-dekkak. Vom 10. — 12. Mai waren sie in den Gärten von 
Temassinin recht häuflg, und auf dem Marsche durch die Dünen 
wurde eine am 21. Mai erlegt. 

Zu meiner Schande mufs ich gestehen, dafs ich diese mir 
aus Feldbeobachtungen im Brutgebiet so wohl bekannte Gras- 
mücke nicht erkannte, als ich sie in der Hand hielt. Da ich 
aber bis dahin als Nicht-Balgsammler noch niemals eine tote 
Gartengrasmücke in der Hand gehabt hatte, so ist meine Un- 
kenntnis immerhin entschuldbar, zumal viel besseren Ornithologen 
mit dieser Art schon ähnliches vorgekommen ist. Das Äufere 
der S. borin weicht namentlich hinsichtlich des Schnabels ganz 
auffallend von den anderen Grasmücken ab. Herr Dr. Heinroth 
sagte mir, dafs es ein typischer Fruchtfresser-Schnabel sei. Be- 
sonders liefs aber das eigentümliche biologische Betragen Zweifel 
in mir aufsteigen. Während sich nämlich die Garteiigrasmücke 
am Brutplatze in ihrem Wesen nicht so sehr von anderen Sylvien 
unterscheidet, war dies in der Wüste ganz anders. Sie kletterte 
nicht wie S. melanocephala, orphea und die kleinen Arten frei 
und munter in Gesträuch und Bäumen umher, sondern hielt sich 
scheu im dichtesten Pflanzenwuchs, am liebsten in der Nähe der 
Erde. So huschte in Temassinin aus einem ganz kleinen dichten 
Feigenbusch etwa ein halbes Dutzend erst hervor, als ich mit 
dem Fufse bineinstiefs, aber nur, um schleunigst im nächsten 
Strauche wieder zu verschwinden. Drei cfcf messen im Flügel 
7,9; 8,1 und 8,3 mm, ein 9 7,7 mm. 

89. Sylvia communis Lath. 

Diese Art erlegte ich am 12. Dezember im Gassi Abu. Am 
10. — 12. Mai war sie anscheinend nicht ganz selten in den Gärten 
von Temassinin, doch sammelte ich dort kein Stück. 



168 H. Frhr. 6ejr von Schweppenburg: 

90. Sylvia orphea Teva. 
Beobachtet: Einige am 9. April in der Gegend des Oued 
Ouhad, 16. IV. Oued Raris, 28. IV. Tig'amaiin, 6. Mai nördlich 
Ta-n-elak, ein Stück; 11. V. Temassinin. Das Stück vom 6. Mai 
hielt sich in der Nähe unseres Lagerplatzes in spärlichem Grün 
von Traganum nudatum und Salsola foetida auf und machte 
vergebliche Versuche eine der grofsen Rachenbremsenlarven zu 
zerkleinern, die von unseren Dromedaren in jener Zeit häufig 
ausgeniefst wurden. 

91. Sylvia melanocephala Gm. 

Ich fand diese unverkennbare Art am 23. Dezember bei 
Rouissat, 3. Januar Ain Taiba, 26. I. Temassinin, 15. Februar 
Amgid, 23. II. Ain Tahart, 2. März Timenaiin, 3. III. ebendort, 
9.— 11. III. Gara Djenoun, 13. III. Oued Ahetes, 14./15. III. Oued 
Amra, 18./19. III. Oued Agelil, 21. III. Oued Gif Aman, 6./7. April 
Oued Ouhad, 19./20. IV. Ain Tahart, 24. IV. Oued Tounourt, 30. IV. 
Unterlauf des Tig'amaiin, 1 9» !• Mai Tahihaout und 9. V. ein 
Stück bei Temassinin. 

Wie man sieht, habe ich die Schwarzköpfige Grasmücke 
ziemlich häufig und an den verschiedensten Orten bis weit in 
die Tuaregberge hinein beobachtet. Um so bemerkenswerter ist 
es, dafs Hartert sie unter den auf seiner Reise nach In Salah 
beobachteten Arten überhaupt nicht aufführt. In der allgemeinen 
Reiseschilderung erwähnt er sie allerdings einmal von Ain Guet- 
tara, der kleinen Quelle am Südabhang des Tademait.*) 

Meine Beobachtungen nach überwintert diese Grasmücke 
im allgemeinen nur an Stellen, wo ofi^enes Wasser nicht zu weit 
entfernt ist. Sie scheint es im Gegensatz zu anderen Sylvien 
ebenso wie Phyll. collybita auf die Dauer nicht gut oder gerne 
entbehren zu können. 

Im Oued Ouhad beobachtete ich sie beim Verzehren der 
kleinen rötlichen Früchte des Ficus teloukat. Am 20. April 
sang in einem kleinen Gras- und Schilfdickicht an der Quelle 
Tahart ein Männchen eifrig, doch ist an ein Brüten nicht zu 
denken, zumal da ich den Vogel stets nur allein sah. 

Merkwürdigerweise haben auch Koenig und Baron Erlanger 
S. melanocephala in Algerien und Tunesien nur bis El Kantara 
bezw. in den küstennahen Oasen gefunden, obschon sie die 
Wüstengebiete noch zur Zugzeit unseres Vogels bereisten. Die 
östliche Form S. mel. momus geht im Winter bis weit nach 
Nubien hinein. 

Sylvia atricapilla und curucca habe ich auf meiner Reise 
in der Wüste durchaus vermifst. Die Mönchsgrasmücke über- 
wintert im Westen offenbar Im allgemeinen schon an den Ufern 



») Not. ZooI. XX, 1918. 



Ins LaDd der Tuareg. 150 

des Mittelmeeres, und die Zaungrasmücken scheinen in mehr 
östlicher Richtung zu ziehen, worauf ich in meiner Arbeit über 
den Vogelzug in der Sahara (J. f. 0. 1917) näher eingegangen 
bin. Jede Beobachtung von curucca in der westlichen Sahara 
ist daher besonders interessant und bemerkenswert. Um 
so auffallender ist es, dafs Hartert im allgemeinen Bericht 
über seine Reise*) nach In Salah die Art zwar zweimal — von 
Ain Guettara und aus dem Oued Mya — erwähnt, sie bei der 
eingehenderen Besprechung der einzelnen beobachteten Vogelarten 
aber ganz ausläfst. 

92. Sylvia nana deserti Loche. 

Die reizende Wüstengrasmücke scheint im Winter ein wenig 
südlich zu streichen, denn im Dezember sahen wir auf dem Wege 
von Touggourt bei Ouargla gar keine. Die erste bemerkte ich 
am 28. Dezember südlich HassiMedjira, also südlich des 32. Breiten- 
grades. Ferner notierte ich mir das Vögelchen am 5. Januar 
südlich Ain Taiba, 7. I. Hassi Bou Chachba. Ziemlich häufig 
war sie am 8. und 9. südlich dieses Brunnens, wo sich die Vögel 
in einem ebenen Gassi umhertrieben, das ziemlich reichlich mit 
Farsetia linearis (?) und Zollikoferia spinosa bewachsen war. 
Am 14. und 15. I. begegnete ich ihr im Gassi Abu und am 19. I. 
im Oued Abu. Dann vermifsten wir sie lange, bis am 5. Februar 
in der Gegend von In Keimet und am 10. II. im Oued Tilouin 
wieder einige zur Beobachtung kam. Am 11. II. sah ich sie in 
der Ebene des Ir-err-err, am 27. II. im Oued Ahellakan und am 
28. II. und 2. III. in der Gegend der Dünen bei Timenaiin. Am 
6./7. März bemerkte ich mehrere in sandiger Gegend bei der 
Quelle Tazzait, am 8. ein Stück im Oued Tinekart am Fufse der 
Gara Djenoun und am 16. eines in der Umgebung des Ahaggar- 
n-ideren. Dieses ist der südlichste Punkt, an welchen ich 
S. nana beobachtete, er liegt etwa unter 24'' 45'. Am 12. April 
kamen zwei Stück im Unterlauf des Oued Aceksem etwa unter 
25'' 25' zur Beobachtung, und am 24. April sah ich die Art im 
Oued Tounourt. Die verschiedenen Fundstellen im Gebiet der 
Tuareg liegen zwar teilweise ziemlich weit in den Bergen drin, 
immer aber an Orten, wo sich die Oueds zu weiten^ mehr 
oder weniger stark versandeten Ebenen erweitern. 

Neun Bälge, die ich mitbrachte, haben Flügellängen von 
5,4—5,7 mm; 9 «od d* scheinen sich hinsichtlich der Gröfse nicht 
zu unterscheiden. 

93. Sylvia cantillans cantillans Fall. 
Bei den kleinen südlichen Grasmücken macht sich in meiner 
Ausbeute der Mangel an reichlichem Balgmaterial am empfind- 
lichsten bemerkbar, denn auch einem besseren Kenner, wie ich 



*) Novitates Zoologicae XX, 1918. 



160 H. Frbr. Qeyr von Scbweppenburg : 

es bin, dürfte es nicht möglich sein, draufsen etwa Weibchen von 
cantillans und S. deseriicola stets zweifelsfrei anzusprechen, ohne 
sie zu erlegen. Gut erkennbar sind jedoch die Männchen 
von cantillans an ihrem ausgeprägten Bartstreifen und auf sie — 
ohne Rücksicht auf die Unterart — beziehen sich diese Daten: 
24.— 30. März Ideles, 1. April Ir-err-err nördlich Ideles, 2. IV. 
Oberes Ir-err-err, 4. IV. Oued Amra, 8. IV. Oued Ouhad, 9. IV. 
Unteres Oued Ouhad, 11. IV. Tar-emert-n-Akh, 12. IV. Aceksem, 

14. IV. Gegend von Tin Tabarik, 16. IV. Oued Raris, 21. IV. 
Amgid, 23. Oued Tounourt, 24. IV. ebendort, 28. IV. Tig'amaiin, 
30. IV. Unterlauf des Tig'amaiin, 1. Mai Tahihaout, 2. V. I-n- 
dekkak, 9. V. Sauia, 18. V. El Bioth. 

Da die Männchen nach allgemeiner Erfahrung den Zug meist 
eröffnen, so geht aus den vorstehenden Notizen hervor, dafs 
Sylvia cantillans in der Zeit von Ende März bis Anfang Mai 
häufig durch die Sahara zieht. Die Winterquartiere liegen 
im allgemeinen nicht in den Oasen und in den Tuaregbergen, 
sondern vermutlich am Südrande der grofsen Wüste 
in Air und am Nigerbogen. 

Ein altes cT mit 60 mm Flügellänge, erlegt am 29. März bei 
Ideles, hält Herr Kleinschmidt für cantillans cantillans, ein 9 
vom 20. April gehört hierzu oder zu inornata. 

94. Sylvia cantillans alhistriata Brehm. 
Ein Q vom 15. März aus dem Oued Amra bestimmte Herr 
Kleinschmidt als alhistriata ; ich besafs kein geeignetes Vergleichs- 
material von diesen Grasmücken. 

95. Sylvia deserticola Tristr. 

Ich erlegte diese Grasmücke am 21. Dezember bei Rouissat, 
am 26. beim Brunnen Medjira und am 14. Januar im Gassi Abu. 

Dieser Vogel ist einer von den wenigen, die wirklich i n 
der Wüste überwintern, und folgende Daten, die vor dem Beginn 
des Zuges von S. cantillans Männchen fallen, dürften sich wohl 
meist auf deserticola beziehen: 13. Dezember Djama, 18. XII. 
südlich Hassi Mahmer, 19. XII. nördlich Ouargla, 25. XII. südlich 
Ouargla, 26. XII. Hassi Medjira, 28. und 29. XII. südlich davon, 
2. Januar Ain Taiba, 5. I. ca. 50 km südlich Ain Taiba, 7. I. 
Hassi Bou Chachba, 8. und 9. I. südlich dieses Brunnens, 14. I. 
Gassi Abu, 19. I. Oued Abu, 26. I. Gegend von Temassinin, 
7. Februar In Keimet, 9. II. Oued Tiliouin, 10. II. Oued Enesfir, 

15. II. Amgid, 23. IL Ain Tahart, 27. und 28. II. Oued Ahellakan, 
1. März Gegend des Brunnens Takouazzet, 4. III. Timenaiiu, 6. III. 
Tazzait, 9.— 11. III. Gara Djenoun. 

96. Agrobates galactodes Temm. 
Bei unserem Aufenthalte in Ideles vom 26. bis 30. März 
hielten sich einige anscheinend durchziehende Heckensänger in 



- los Land der Taareg. 161 

den dortigen Gärten auf. Sonst notierte ich mir noch folgende 
Daten: 11. April Tar-emert-n-Akh, 17. IV. Unterlauf des Oued 
Raris, 24./25. IV. verschiedentlich im Oued Tounourt, 28. IV. 
Tig'amaiin, 1. Mai Tahibaout, 9. V. Sauia. Noch am 28. Mai 
begegnete ich etwa zwei Tagereisen nördlich von Ain Taiba in 
ebener nur mit Damrahn (Traganum nudatum) bewachsener 
Wüste zwei Heckensängern. Das scheint mir für den Zug eines 
so südlichen Vogels ein sehr spätes Datum zu sein, aber es ist 
mir auch unwahrscheinlich, dafs die Vögel in jener Gegend ge- 
brütet haben. In den Gärten von Ouargla fand ich am 3. Juni 
ein Nest, welches vier schwach bebrütete Eier enthielt. Damit 
ist das bisher nur vermutete Brüten von Agrobaies für diese 
Oase festgestellt. 

97. Scotocerca inquieta saharae Loche. 
Ich traf diese Art am 16. Dezember südlich Bledet Ahmar 
und am 19. etwa 20 km nördlich von Ouargla an. Südlich von 
Ouargla habe ich sie durchaus vermifst. 

98. Crateropus fulvus fulvus Desf. 

Lärmdrosseln sahen wir am 17. Dezember in der Gegend 
von Hassi Mahmer und am 19. etwa 20 km nördlich Ouargla. 
Dann verschwanden sie gänzlich, und erst 600 km weiter 
südlich in den Tuaregbergen bei In Keimet fand ich sie wieder. 
Ich traf sie ferner an folgenden Orten der Tuaregberge: Oued 
Ezebra, Oued Ir-err-err, Amgid, Ahellakan, Gara Djenoun, Oued 
Ahetes, Oued Amra, Ahaggar-n-ideren, Oued Agelil, Ideles, 1400 m' 
hoch, Oued Ouhad, Oued Tounourt, Oued Tig'amaiin-en-tisita und 
zuletzt im I-n-dekkak. 

Die Lärmdrosseln waren an einigen Stellen wie Amgid, 
Gara Djenoun, Ideles nicht selten, trieben sich in mehr oder 
minder zahlreichen Flügen umher und waren meist nicht beson- 
ders scheu. In Amgid z. B. kamen sie häufig ganz dicht au 
unser Zelt, sassen auf den Zeltleinen und pfiffen, früh morgens, 
wenn wir noch ruhten, dicht neben der Zeltwand. Sie nahmen 
kleine beim Präparieren abfallende Fleischstückchen auf und 
sammelten die unbrauchbaren Nachtschmetterlinge, die ich abends 
beim Lichtfang weggeworfen hatte. 

Das Oued bei In Keimet, in welchem sich die Lärmdrosseln 
aufhielten, war infolge eines im Jahre vorher gefallenen Regens 
leidlich grün. Das hatte die Vögel wohl veranlafst, früh mit 
dem Nestbau zu beginnen, denn ich sah am 7. Februar ein 
Pärchen, welches in einer niederen Akazie baute. Bei Amgid, 
wo auch ein reichlicher Baumbestand gedieh, dachten sie um 
Mitte Februar offenbar noch gar nicht an die Fortpflanzung, und 
erst am 22. April bei unserer Rückkehr fand ich dort in Acacia 
tortilis fertige neue aber noch nicht belegte Nester. Bei Ideles 



162 H. Frhr. Qeyr Schweppenburg : 

hatten sie in den letzten Märztagen unvollständige Gelege in 
Nestern, welche in dichtem Palmgebüsch standen. Die Vögel 
trieben sich dort vielfach im Getreide, Schilf und in den Feigen- 
bäumen umher. In einem Seitental des Oued Tounourt, wo auch 
ziemliche Trockenheit herrschte, begannen sie am 24. April mit 
dem Nestbau im Palmengebüsch. Aus diesen Beobachtungen 
kann man vielleicht den Schlufs ziehen, dafs durch Regen hervor- 
gerufene günstige Vegetationsverhältnisse den Beginn der Brut 
beschleunigen. 

Bei 5 cfcf aus den Tuaregbergen messe ich Flügel von 
97 bis 99 mm, bei 4 99 93, 96, 97 und 99 mm. 

Die Tuareg nennen den Vogel „Atihiti". 

99. Fhylloscopus trochilus L. 

Ich sammelte je ein 9 von dieser Art am 11. April im Oued 
Tar-emert-n-Akh und am 11. Mai bei Temassinin; die Flügel 
messen 65 mm. 

Aus weiter oben angegebenen Gründen war es mir nicht 
möglich gröfsere Reihen der gewöhnlichen Zugvögel zu sammeln. 
Bei den Laubvögeln sind daher die angegebenen Daten beschränkt, 
da ich diese Vögel zwar häufig sah, aber ihre Artzugehörigkeit 
ohne sie zu erlegen meist nicht sicher feststellen konnte. So 
findet sich unter den von mir notierten Arten Ph. sibilatrix 
überhaupt nicht, obschon auch er die Wüste vermutlich nicht 
allzu selten durchzieht. 

100. Fhylloscopus collybita coUybita Vieill. 

Ein Vogel, den ich am 27. Januar bei Temassinin erlegte, 
hat einen Flügel von 58 mm. Der Weidenlaubvogel überwintert 
nicht selten schon nördlich der Sahara z. B. in Biskra. I u der 
Wüste findet man ihn während des Winters meist dort, wo 
ständiges Wasser in der Nähe ist. So sah ich ihn z. B. am 
2. Januar bei Ain Taiba, am 27. I. bei Temassinin, 30. I. Sauia, 
15. Februar im Oleander bei Amgid, 23. II. Ain Tahart, 3. März 
Timenaiin. Die fernerhin beobachteten Fhylloscopi waren dann 
wohl schon auf dem Zuge. So sah ich z. B. am Morgen des 
17. März in der Nähe unseres Lagers am Ahaggar-n-ideren eine 
Anzahl vermutlich dieser Art angehörender Laubvögel in niederem 
Krautwuchs. Sie waren offenbar erst in der Nacht angelangt, 
denn am Tage zuvor sah ich keinen in weitem Umkreise. 

Im Winterquartier ist der Weidenlaubvogel sehr vertraut 
und hält sich viel in der Nähe menschlicher Wohnungen auf, um 
die dort massenhaft vorkommenden Fliegen zu fangen. In einem 
Gehöft in Biskra trieb er sich in Hof und Schuppen umher, 
machte sich unter der Toreinfahrt zu schaffen, besuchte die Maul- 
tiere im Stall und löschte seinen Durst aus einer mit Wasser 
gefüllten Weinflasche. Auch in Temassinin war ständig einer am 



« 



Ins Land der Tuareg. 168 

Fort und an Babas Wohnung zu beobachten, obschon nirgends 
in der weiteren Umgebung eine Spur von Pflanzenwuchs vor- 
handen war. Im Wohnzimmer von Baba fing er Fliegen und 
hatte sich dabei gelegentlich auch schon auf den Kopf des 
Hauseigentümers gesetzt. 

101. Fhylloscopus bonelli bonelli Vieill. 
Dieser Laubvogel zieht anscheinend recht häufig durch die 
Sahara. Ich sammelte drei cfcf und zwar am 11. April im Oued 
Tar-emert-n-Akh, am 13. bei Aceksem und am 29. IV. im Oued 
Tig'amaiin-en-tisita. Die Flügel messen 62, 63 und 64 mm. 

102. Eippolais iderina Vieill. 
Ich erlegte diese Art am 29. April im Oued Tig'amaiin-en- 
tisita, cf, Flügel 78 mm. Aufserdem sah ich noch aus nächster 
Nähe Gartenlaubvögel am 5. Mai in der einsamen Palme an der 
Quelle Ta-n-elak, am 6. Mai nördlich Ta-n-elak, am 9. V. an der 
Sauia und am 28. V. nördlich Ain Taiba. Es kann darunter aber 
auch H. polyglotta gewesen sein, welche Art Hartert ebenfalls 
in der inneren Wüste erbeutete. 

103. Hippolais pallida opaca Gab. 
Diesen Spötter erlegte ich am 14. April bei Aceksem und 
am 12. Mai bei Temassinin. Die Flügel der beiden gTcT messen 
70 bezw. 72 mm. 

104. Hippolais pallida reiseri Hilg. 

Ich erlegte je ein Männchen des Oasenspötters, wie man 
diese Form nennen könnte, am 9. Mai an der Sauia bei Temas- 
sinin und am 4. Juni in Ouargla. Dieser Vogel hatte stark ent- 
wickelte Hoden und schien Junge zu füttern. Flügelmafse: je 
66 mm. Es wäre nicht unmöglich, dafs einzelne Paare von reiseri 
noch in den Oasen der innersten Wüste z. B. Temassinin brüten, 
doch liegen keine Beweise dafür vor. 

105. Aerocephalus arundinaceus L. 
Rohrdrosseln sah bezw. erlegte ich: Mehrfach am 2. und 

3. Mai im I-n-dekkak, am 9. Mai Sauia, U.V. Temassinin und 
2. Juni Ouargla. Auch bei der letzten Beobachtung handelte es 
sich offenbar um einen verspäteten Wandervogel, an ein Brüten 
in Ouargla ist nicht zu denken. 

106. Aerocephalus streperus Vieill. 

Einen Teichrohrsänger beobachtete ich am 11. Mai in den 
Gärten von Temassinin und erlegte einen am 25. Mai am Teich 
von Ain Taiba. 



164 H. Frhr. Geyr yon Schweppenburg: 

Der Sumpfrohrsänger (Acroc. palustris) scheint sowohl im 
Westen wie im Osten von Nordafrika nur sehr spärlich beobachtet 
worden zu sein. Er gehört vermutlich zu jenen Zugvögeln, die 
Europa auf südöstlichem Wege verlassen bezw. im Frühjahr auch 
wieder erreichen. 

107. Acrocephalus schoenobaenus L. 

Graf Zedlitz ist gewifs im Irrtum, wenn er (Nov. Zool. XX, 
S. 176) an ein Brüten dieses Rohrsängers in den Oasen der 
Wüste denkt. Wie ich schon in meiner Arbeit über den Vogelzug 
in der Sahara ausführte, handelt es sich bei den spät im Mai 
geschossenen Vögeln zweifellos um ganz regelrechte Wanderer 
aus weit nördlich liegenden Brutrevieren. 

Ich beobachtete die Art: 24. bis 30. März bei Ideles, wo 
ich ein ungemein fettes Stück erlegte, 6./7. April Oued Ouhad, 
22. IV. Amgid, 25. IV. Oued Tounourt, 9. Mai Sauia, 10/12. V. 
Temassinin, vereinzelt, 14. V. Sauia, vereinzelt, 25. V. Ain Taiba 
mehrere, 2. Juni in den Gärten von Ouargla mehrere, am 3. 
ebenfalls mehrere, am 4. nur noch ein Stück. 

108. Monticola saxatilis L. 

Beobachtet Ende März bei Ideles, am 6. April zwischen 
Oued Amra und Oued Ouhad, am 7. IV. z.wei Stück im Oued 
Ouhad. Ein bei Ideles erlegtes cf hat eine Flügellänge von 122 mm. 
Bei den wenigen beobachteten Steinröteln handelte es sich offenbar 
um Zugvögel. 

109. Monticola solitaria L. 

Vereinzelte Blaumerlen sah ich am 18. Februar bei Amgid, 
18./19. III. Oued Agelil, Ende März bei Ideles und am 8. April 
im unteren Oued Ouhad. Die Vögel waren meist sehr scheu, nur 
ganz früh morgens, wenn es noch recht kalt war, schienen sie 
viel von ihrer Lebendigkeit eingebüfst zu haben. Ein bei Ideles 
erlegtes cf niifst im Flügel 128 mm. Irgend einen sicheren 
Anhalt für das Brüten dieser Art in den Tuaregbergen habe ich 
nicht gewonnen, ganz unmöglich wäre es jedoch nicht, dafs ein 
vereinzeltes Paar dort einmal zur Brut schreitet. 

110. Saxicola oenanthe L. 
Steinschmätzer durchziehen häufig die Sahara und 

finden anscheinend nicht ganz selten ihren Tod in der ungast- 
lichen Wüste. In meinem Tagebuch finde ich die Art an folgenden 
Tagen erwähnt: 3. März Timenaiin, 5. III. Gegend von Talachimt, 
13. III. Oued Ahetes, 18./19. III. Oued Agelil, 21. III. Oued Gif 
Aman, in der letzten Märzwoche bei Ideles viele, 2. April Ir-err- 
err nördlich Ideles, am 6./7. IV. verschiedentlich im Oued Ouhad, 
wo ich ein ganz ermattetes Stück mit der Hand fing, 8. und 9. IV. 



Ins Land der Tuareg. 165 

unteres Oued Ouhad, 11. IV. Tar-emert-n-Akh, am 12. IV. auf 
dem Wege nach Aceksem in pflanzenlosem Reg, 13. IV. Aceksem, 
14. IV. Gegend von Tin Taharik, 16. IV. Oued Raris, 17/18. IV. 
Unteres Oued Raris, 22. IV. Amgid, 23. und 24. IV. Tounourt, 
25. IV. Oued Tounourt meist 99, 28./29 IV. im Oued Tig'amaiin 
ziemlich matte 99> 6- Mai nördlich Ta-n-elak, 9. V. Sauia, 
lO./ll. V. Temassinin, 14. V. Sauia, 16. V. etwa zwei Tagereisen 
nordwestlich Temassinin, 3. Juni in Ouargla vereinzelt, 4. Juni 
noch ein Stück. 

Die Hauptzugzeit scheint demnach in der Sahara in die 
Zeit vom 20. März bis Ende April zu fallen. Da ich nur einen 
einzigen dieser Steinschmätzer präparieren liefs, kann ich leider 
keine Angaben über eventuelles Vorkommen von leucorhoa machen. 

111. Saxicola deserti homochroa Tristr. 
Dieser Steinschmätzer brütet wohl kaum erheblich über 
Ouargla nach Süden hinaus. Im Winter fand ich ihn südlich 
nur bis zur Gegend von Hassi Medjira, und im Sommer begegnete 
er uns zuerst wieder etwa 25 km nördlich von Ouargla. 

112. Saxicola hispanica L. 

Angaben über die Unterart kann ich nicht machen, da ich 
kein Stück sammelte. Beobachtet wurde die Art nicht selten 
und zwar in der letzten Märzwoche bei Ideles, 6/7. April Oued 
Ouhad, 9. IV. Unteres Oued Ouhad, lO./ll. IV. Tar-emert-n-Akh, 
16. IV. Oued Raris, 23. IV. Oued Tounourt, 24. IV. ebendort, 
28./29. IV. Tig'amaiin, ziemlich matt, 6. Mai Ta-n-elak ein cf, 
9. V. Sauia, 10.— 12. Mai Temassinin, 19. V., am morgen zieht 
offenbar noch ein einzelnes cf nordwärts bei Nordwind, 25. V. 
Ain Taiba, am 3. Juni in Ouargla noch ein Stück. 

Hartert (Nov. Zool. XX, 5 [73]) glaubt, dafs dieser Stein- 
schmätzer gröfstenteils in den Oasen der Sahara überwintere, 
da er nicht südlicher als Senegambien und dort nur selten ge- 
funden sei. Nach meinen Erfahrungen überwintert er in den 
Oasen nicht, und ich vermute, dafs seine Winterquartiere vor- 
nehmlich am Rande der südlichen Vorwüste am Nigerbogen, in 
Air und in der Gegend des Tschadsees liegen. 

113. Saxicola moesta Licht. 

Diesen Steinschmätzer fanden wir nur einmal in einem 
singenden Männchen am 18. Dezember südlich Hassi Mahmer. 
Dies ist einer der südlichsten Punkte, an welchen er in Algerien 
beobachtet wurde. 

114. Saxicola lugens halophila Tristr. 
Brütend fand i c h S. lugens nicht südlich Ouargla, doch 
scheinen im Winter namentlich Weibchen und Junge ziemlich weit 



166 H. Frbr. Geyr Ton Schweppenburg: 

südwärts zu streichen. Südlich Ouargla sah ich die Art: Am 
2. Januar bei Ain Taiba 9» 14. I. Gassi Abu, 17. I. Oued Abu, 
26. I. Temassinin cf ad., in den Tuaregbergen junge Vögel oder 
99 ftni 9. Februar im Oued Ezebra, 11. II. Ir-err-err, 14. II. 
Amgid, vereinzelt, 26. II. Abellakan, 7. März südlich Tazzait. 

115. Saxicola leucopyga aegra Hart. 

Bei Hassi Mahmer sah ich die erste S. leucopyga, und dann 
vermifsten wir sie bis Ideles hinauf eigentlich in keiner für sie 
geeigneten Gegend, sodafs ich mir die Aufzählung der etwa 
vierzig verschiedenen Orte, wo ich sie mir notierte, ersparen 
kann. In den Dünen und in flachem sandigen Gelände fehlt die 
Art naturgemäfs manchmal längere Zeit, und die an solchen 
Stellen gesehenen Stücke waren meist schwarzköpfige, also junge, 
die noch keinen festen Brutbezirk bezogen hatten — eine Beob- 
achtung, die auch schon Baron Erlanger in Tunesien machte. 

Bei In Keimet war dieser Steinschmätzer sehr häufig, und 
namentlich morgens früh erscholl in den Tälern überall der 
hübsche Gesang, der von einem Felsblock, nicht selten aber auch 
von der Spitze einer Akazie aus vorgetragen wurde. Die Strophen 
der einzelnen Männchen fand ich sehr verschieden. Einige singen 
sehr gut, andere sind minder begabt, und bisweilen erinnerte 
mich der Gesang an das Lied unserer Schwarzdrossel, doch war 
er natürlich viel leiser. Sehr gerne wählen sich die Männchen, 
wie schon erwähnt, die Spitze einer Akazie oder sonst eines 
Baumes, z. B. Tamarix articulata, aus, um dort zu singen, aber 
auch sonst sah ich die Vögel vielfach im Baumwuchs, wo sie sich 
dann mit Vorliebe auf die unteren freien Äste setzen, um sich 
dort vor der Strahlen der allzu heifsen Sonne zu schützen. 

Nur einmal sah ich einen Vogel eine Art Balzflug ausüben: 
Er stieg von einem Baume aus sehr hoch in die Luft, flog dort 
im Kreise umher und schofs dann in reifsendem Fluge wieder 
abwärts. 

Scheu sind sie im allgemeinen gar nicht und wo viele sind, 
ist es leicht, beliebig viele zu sammeln, aber manchmal, wenn 
sie sich verfolgt sehen, werden sie so mifstrauisch, dafs es sehr 
schwierig ist, ein bestimmtes Stück zu erlegen. Einmal lockte 
ich einen Vogel von der Höhe einer Talwand durch in die Luft 
geworfene Steinchen, die er für Insekten hielt, bis zu mir herab 
und erlegte ihn. 

Die Nahrung besteht meist aus Insekten, doch beobachtete 
ich einmal im Oued Ahetes einen Vogel, der in einem Tahunok- 
Strauch (Rhus oxyacantha) umherkroch und sich an den schwarz- 
roten Beeren gütlich tat. Am Wasser erinnere ich mich nicht 
Trauerschmätzer beobachtet zu haben, auch nicht wenn solches 
in der Nähe war; nötig haben sie es jedenfalls nicht. 



tos Land der taareg. 167 

Am 13. Februar begannen einzelne Rennschniätzer mit dem 
Nestbau. An der Gara Djenouo bauten sie am 10. März. Bei 
dem 1400 m hoch gelegenen Ideles waren gegen Ende März noch 
die meisten Paare mit dem Zusammentragen von Nistmaterial 
beschäftigt. Nur ein Paar fütterte dem Ausfliegen nahe Junge, 
und ein Nest fand ich mit drei etwa halb bebrüteten Eiern. Die 
Nester standen in Felsspalten oder unter dicken Steinblöcken, 
eines in der Mauer einer alten Lehmhütte. Hier befanden sich 
unter den herbeigeschafften kleinen Steinen auch allerhand 
Knochenstückchen. Bei Amgid fütterte ein Paar am 21. April 
Junge in einem vollkommen unerreichbaren Nest, und in der 
Gegend des Brunnens Medjira begegnete mir am 30. Mai ein 
alter Vogel mit zwei vollkommen erwachsenen Jungen. Ich ver- 
mute, dafs ein ganz in der Nähe aus einer Felsspalte von einem 
offenbar neu errichteten aber noch leeren Nest wegfliegender 
Vogel der zu dem anderen alten Vogel gehörende Gatte war. 

Über die Eier des leichtbebrüteten Geleges von Ideles, welches 
ich meinem hochverehrten Freunde Herrn Geheimrat Koenig 
schenkte, schreibt mir dieser folgendes : 

„a) 2,2 X 1,6 cm b) 2,2 X 1,7 cm 

0,14 gr 0,14 gr 

c) 2,2 X 1,7 cm 
0,13 gr. 

Die Eischale ist glatt mit unregelmäfsigeu Grübchen und 
vereinzelten nadelstichartigen Poren versehen. Die Grundfarbe 
ist klar milchweifs mit hellrostroten Punkten bestreut, die sich 
am stumpfen Pole kranzartig anlagern." 

Unter den von mir gesammelten Vögeln befinden sich 
7 (Scf ad. mit Flügellängen von 102 — 106 mm, 4 cfcf juv., 
schwarzköpfig, mit 103—105 mm, 3 99 ad. mit 98—100 und 
drei 99 J^v. mit 94—98 mm. Die von mir gemessenen Vögel 
stimmen also durchaus mit den von Hartert für die westliche 
Form aegra gegebenen Mafsen überein. 

Ganz junge, im Frühjahr meiner Reise ausgekommene 
Vögel, habe ich nicht gesammelt. 

Bei meinen sechs schwarzköpfigen Vögeln ist es klar er- 
sichtlich, dafs dies junge Vögel im ersten Jahre sind, welche nur 
das Kleingefieder in tiefes Schwarz vermausert haben, während 
die Schwingen und Hauddecken noch den schwarzbraunen Ton 
der Jugend zeigen und helle Spitzenränder tragen. Diese Vögel 
haben auch alle mehr oder weniger reichliche dunkle Flecke und 
Wische auf den weifsen Schwanzfedern, während die sämtlichen 
sieben alten weifsköpfigen cfd* mehr oder weniger ganz weifse 
Schwanzfedern haben — mit Ausnahme natürlich des mittelsten 
Paares. 

Meinem Materiale nach mufs ich annehmen, dafs in der 
südlichen Sahara Sax. leucopyga aegra nur einmal nach dem 



168 H. Frhr. Qeyr tod Scbweppenburg : 

erste D Jugeodkleid eine schwarze Kopfplatte erhält und 
diese alsdann bei der nächsten, also zweiten, Mauser in weifs 
ändert. In anderen Gegenden scheint dies, nach einigen von 
mir im Museum Koenig gesehenen Bälgen zu urteilen, nicht immer 
der Fall zu sein, doch kann ich keine genaueren Angaben machen. 
In den Tuaregbergen sah ich durchweg weifsköpfige Brutpaare, 
nur einmal an der Gara Djenoun beobachtete ich ein Pärchen 
beim Nestbau, von denen das eine weifs- das andere schwarz- 
köpfig war. 

Es ist bemerkenswert, dafs unter zehn von mir gesammelten 
alten Vögeln acht Stück mehr oder weniger zahlreiche weifse 
Federn im Flügel zeigen. Namentlich die Handdecken neigen 
zum Weifswerden, doch finden sich auch weifse Schwung- und 
Arnideckfedern. Die weifsfedrigen Vögel wurden meist schon im 
Leben von mir erkannt und eigens erlegt. Immerhin tritt diese 
Variation so häufig auf, dafs man ihre Beachtung gchenken mufs. 
Ich halte sie nicht für Albinismus im eigentlichen Sinn, zumal 
ich sie bei jungen Vögeln nicht gefunden habe, vielmehr glaube 
ich, dafs es eine Weiterentwicklung des zum Herausbilden weifser 
Zeichnungen neigenden alten Vogels bedeutet. Ähnliche Färbungs- 
erscheinungen sehen wir bei anderen schwarzweifsen Schmätzern, 
z. B. in Südafrika, und namentlich bei Myrmecocichla nigra, bei 
der die verschiedenen Variationen auch benannt wurden. Ich 
denke später noch einmal ausführlicher auf diese Erscheinung 
bei S. leucopyga zurückzukommen. 

116. Fratincola ruhetra L. 

Da ich keine Wiesenschmätzer sammelte, kann ich nicht 
sagen, inwieweit die beobachteten Vögel der Unterart spatzi an- 
gehörten. Folgende Zugdaten finde ich in meinem Tagebuch: 
Ein Stück am 26. Januar in den Gärten von Temassinin. Dies 
war offenbar ein zurückgebliebener Vogel, denn der Zug begann 
ziemlich spät. Ich sah die ersten Wiesenschmätzer am 6. April 
im Oued Ouhad, sie waren anscheinend am folgenden Tage weiter- 
gezogen. Ferner: 9. IV. Unteres Oued Ouhad, 10. IV. Tar-emert- 
n-Akh, 12/13. IV. Aceksem, 14. IV. Tin Tabarik, 16. IV. Raris, 
25. IV. Oued Tounourt, 26. IV. ehendort an verschiedenen Stellen, 
28. IV. Oued Tig'amaiin, 1. Mai Tahihaout, 2. V. I-n-dekkak, 5. V. 
Ta-n-elak, 7. V., 9. V. Sauia, 10.— 12. V. Temassinin, 26. V. 
nördlich Ain Taiba ein mattes Stück, 3. Juni Ouargla 9» ^.ra 
7. Juni noch ein Stück bei Hassi Mahmer. 

117. Fratincola rubicola L. 

Offenbar nur ganz spärliche Teile der Zugwelle von F. rubi- 
cola gelangen bis in die Sahara. Ich sah ein Stück am 14. Dezember 
in Touggourt und erlegte ein 9 am 2. Januar bei Ain Taiba. 



I 



Ins Land der Taareg. 169 

118. Erithacus phoenicurus L. 
Gartenrötel wurden zuerst in der letzten Märzwoche bei 
Ideles gesehen; ferner 2. April im Ir-err-err, 6. IV. Oued Ouhad, 
16. IV. Raris, 17. IV. Unterlauf des Raris, 21. IV. Amgid, 6. Mai 
nördlich Ta-n-elak, 10.— 12. V. Temassinin, 12. V. El Bioth, 24. V. 
südlich Ain Taiba ein cf, 25. V. Ain Taiba ein 9, 26. V. nördlich 
Ain Taiba ein mattes Stück. 

119. Erithacus moussiert Olphe-Gaill. 
Während unserer ganzen Reise sah ich den Diademrotschwanz 
nur in einzelnen Stücken in den Gärten von Rouissat südlich 
Ouargla. Bis in die Tuaregberge scheint er im Winter im all- 
gemeinen nicht zu streichen. 

120. Erithacus svecicus gaetJcei Elschm. 
Am 10. Mai erlegte ich ein Weibchen des Rotsternigen 
Blaukehlchens in den Gärten von Temassinin etwa unter 28® n. 
Br. Herr Kleinschmidt bestätigte mir meine Bestimmung des 
Stückes als ^^gaetTcei^\ Der Flügel mifst 76 mm. 

121. Erithacus svecicus (cyaneculus Wolf?). 
Bei dem 1400 m hoch liegenden Ideles, wenig nördlich des 
Wendekreises sah ich in der letzten Märzwoche wiederholt an 
einer sumpfigen Stelle aus nächster Nähe ein schönes weifssterniges 
Blaukehlchen. Als ich es nach mehrtägiger Beobachtung schliefs- 
lich erlegen wollte, weil gerade der Präparator Zeit hatte, war 
es nicht mehr aufzufinden. 

122. Erithacus luscinia L. 
In der letzten Märzwoche beobachtete ich mehrfach 
Nachtigallen bei Ideles. Ferner sah ich zwei Stück am 23, April 
bei Amgid, und dann vermerkte ich sie mir am 24./25. IV. im 
Oued Tounourt. 

Struthio camelus L. 

Der Straufs — in der Tuaregsprache anhil, fem. tanhilt — 
findet sich heute weder in den nördlichen Teilen der algerischen 
Wüste noch in den Tuaregbergen. Wie ich im allgemeinen Reise- 
bericht schon bemerkte, erzählte uns jedoch unser Karawanen- 
führer Ali ben Moussa, ein Mann von vielleicht vierzig Jahren, 
dafs er vor längeren Jahren, es dürfte gegen Ende des vergangenen 
Jahrhunderts gewesen sein, noch einige frische Fährten von 
Struthio bei Amgid fand. 

Die weite und pflanzenreiche Ebene des Ir-err-err bei Amgid 
bot den Tieren ausreichende Nahrung, und das Wasser der am 
Fufse der Berge liegenden Quelle Ti-n-eselmaken war ihnen leicht 
erreichbar. In gröfserer Anzahl dürften sie in jenem Gebiet aber 

Joura. t. Orn. L.XV1. Jahrg Aprü 1018. 12 



170 H. Prhr. Geyr von Schweppenburg : 

kaum gelebt haben, denn ich entsinne mich nicht, dort häufiger 
oder überhaupt die Schalen ihrer grofsen Eier gefunden zu haben, 
die man im nördlichen Teile der Wüste nicht so gar selten auf- 
lesen kann. 

Das ungemein trostlose Gebiet zwischen dem 27. und 
29. Breitengrade etwa dürfte auch in früheren Zeiten nur in 
besonders günstigen, regen- und daher auch Pflanzenreichen Jahren 
vom Straufs bewohnt gewesen sein. So fand ich im südlichen 
Teil des grofsen Sauddüneugebiets auf kleiner Stelle eine Menge 
grofser Eischalen zusammenliegen, welche nur den Schlufs zu- 
liefsen, dafs sich dort einmal ein Nest befunden hatte. Dafs 
reisende Araber dort eine so reichliche Mahlzeit gehalten hätten, 
erschien dem Befunde nach ganz unwahrscheinlich. 

Duveyrier*) berichtet uns, dafs zu seiner Zeit der Straufs 
im Gebiete der Tuareg selten gewesen sei und nicht gejagt wurde, 
weil die Federn in jenem steinigen Gelände nicht schön ausge- 
bildet und daher wertlos gewesen seien. 

Unsere Vermutung, dafs auch in früheren Jahren eine Ver- 
bindung der Straufse des Tuareggebiets mit jenen des Nordens 
kaum bestand — wie jetzt noch z. B. bei Crateropus fulvus — 
wird durch die Angaben von H. Bissuel bestätigt, welcher seiner- 
zeit die im Jahre 1887 beim Hassi Inifei gefangenen Tuareg 
verhörte. ") 

Jene Touareg stammten aus dem wasserarmen, im Westen 
des Ahaggarmassivs gelegenen Bergland von Ahnet. Sie sagten, 
der Straufs sei in ihrem Gebiete nicht ganz selten, gehe nordwärts 
wohl bis über das Oued Adrem hinaus, — anscheinend das unter 
etwa 25 <> n. Br. gelegene Oued Ag'am der neueren Karten — , 
komme aber nicht mehr bis in die Gegend von Akabli vor, welches 
im Südwesten von In Salah etwa unter 26" 30' liegt. Dies sei, 
sagten sie, seit undenklichen Zeiten so gewesen, und eine Ver- 
änderung in der Anzahl der Vögel oder in ihren Wohngebieten 
sei nicht eingetreten, obschon sie den Straufs jagten. 

Die Ausrottung des schönen Tieres blieb dem Feuergewehr 
und der rücksichtslosen Verfolgung der das Land besetzenden 
Europäer, also den Franzosen vorbehalten. Einen besonderen 
Vorwurf kann man ihnen daraus kaum machen, denn in den 
Jahren, als sich das Schicksal des algerischen Straufses erfüllte, 
hörte man noch wenig von Tier- und Vogelschutz. 

In welcher Menge der Straufs noch in der Mitte des ver- 
gangenen Jahrhunderts in der nördlichen algerischen Wüste vor- 
kam und mit welcher Rücksichtslosigkeit er verfolgt wurde, 
darüber belehren uns die im übrigen hübsch und sympathisch 



*) H. Duveyrier, Les Touareg du Nord, 1864. 
') H. Bissuel, Les Touareg de l'ouest, 1888. 



L^ Ins Land der Tuareg. 171 

geschriebenen jagdlichen Erinnerungen des Generals Margueritte.^) 
Der General jagte den Straufs vornehmlich in dem Gebiet der 
Daias (Pflanzenreiche flache Senkungen) zwischen Laghouat und 
dem Gebiet der Beni Mzab. Genaue Angaben finden sich nur 
über die in den Hochsommer fallende Jagdzeit des Jahres 1855. 
Damals wurden von den Jägern an acht Jagdtagen 72 Straufse 
erlegt, unter denen sich nur 30 männliche Vögel befanden. 

Herr Spatz sammelte auf seinen Reisen in der algerischen 
Wüste sehr viele Reste von Straufseneiern, die sich gröfstenteils 
im Besitze des Museums Koenig befinden, jedoch noch nicht 
genauer untersucht sind. Vermutlich sind darunter auch Schalen- 
reste des ausgestorbenen Riesenvogels Fsammornis röthschildi 
Andr. 

Ich weifs nicht, auf welche Gründe hin Lord Rothschild 
diesen Fsammornis mit Eremopexus eozänus unter den Heter- 
ornithes des Eozäns aufzählt. ^) Da die Eischalen auf der 
Oberfläche des Bodens gefunden wurden, ist kein Anhalt 
für die Bestimmung des geologischen Alters gegeben, worauf ja 
auch Andrews*) hinweist. Es ist übrigens unwahrscheinlich, dafs 
jene Funde eozänen Alters sind, denn soviel ich sehen kann, 
nehmen die Geologen eine eozäne Meeresbedeckung jener für 
Fsammornis in Betracht kommenden Gebiete an. Aufserdem 
sind die eozänen Schichten von bedeutenden Ablagerungen mio- 
zänen Alters überlagert, und die Fsammornis - Reste könnten 
somit eher noch aus diesen Ablagerungen kontinentaler Herkunft 
stammen. Ein Beweis liegt aber dafür nicht vor, und Harterts 
neue Funde*) machen es sogar nicht unwahrscheinlich, dafs 
Fsammornis in noch viel jüngerer Zeit in der Sahara lebte. 

Schlufsbemerkungen. 

Da Hartert im Jahre 1912 auf ähnlichem Wege, wie Herr 
Spatz und ich in die innere Wüste vordrang — wenn auch weniger 
weit — so mögen hier einige Vergleiche gezogen werden zwischen 
den von ihm und von mir festgestellten Vogelarten. 

Hinsichtlich der Brutvögel rührt der ziemlich erhebliche 
Unterschied unserer Listen daher, dafs Hartert*) seine Karawanen- 
reise mehr im Norden, bei Biskra begann, während ich 
erheblich weiter südlich vordrang. Auch berührte Hartert 



1) A. Margueritte, Chasses de l'Algörie, 3. Aufl., Paris 1884. An- 
gaben über den Straufs finden sich aacb bei Daumas, Les cheveaux du 
Sahara, ein Buch, welches ich früher besafä, das mir aber abbanden 
gekommen ist und das ich mir noch nicht wieder beschaffen konnte. 

2) Present distr. of the so called Ratitae, Verb. V. Intern. Ornith. 
Kongr. 

») Verh. V. Int. Ornith. Kongr., S. 170. 
*) Nov. Zool. XX, 1913. 

12* 



Ik^ 



172 H. Frhr. Geyr von Schweppenburg : 

auf dem Rückwege das vogelreichere Mzabgebiet, während der 
von uns auf Hin- und Rückmarsch benutzte kürzeste Weg zwischen 
Tuggourt und Ouargla in ornithologischer Hinsicht ziemlich wenig 
bietet. So wurden von mir Hhamphocorys^ Am. des. algeriensis, 
Gal. cristata macrorhyncha, Eremoph. alp. bilopha, Sylvia con- 
spicillata, Col. l. livia und Fter. alchata nicht gefunden, weil sie 
in den von mir durchrittenen Gegenden wahrscheinlich ga 
nicht vorkamen. Ebenso konnte Hartert Cot. rup. spatei, Col. 
livia iargia, Turtur t. hoggara, Fter. licht, targius und Falco 
per. pelegrinoides nicht auffinden, weil sie an seinem Reisewege 
höchst wahrscheinlich nicht heimateten. 

Die beobachteten Zugvögel sind in Harterts und in 
meinem Verzeichnisse im Grofsen und Ganzen dieselben. Die 
Abweichungen haben offenbar verschiedene Ursachen. Zunächst 
sammelte Hartert mehr Vögel der gewöhnlichen Arten und 
konnte daher einige Spezies und Subspezies feststellen, die mir 
zwar gewifs auch begegneten, sich aber ohne Belegstücke nicht 
sicher feststellen liefsen. Dahin gehören z. B Calandrella brach, 
longipennis, Mot. flava cinereocaptUa, Fhyl. sibilatrix, Hippolais 
polyglotta, Sax. hispanica xanthomelaena und Hir. urbica meri- 
dionalis. 

Andere Zugvögel wiederum kommen in der Wüste so selten 
vor oder entziehen sich durch ihre Lebensweise dem Auge des 
Reisenden so gut, dafs eine Begegnung mit ihnen mehr zufällig 
ist und nicht jeder Ornithologe darauf rechnen kann, sie sicher 
dort anzutreffen. So fand Hartert folgende Arten, welche mir 
entgingen: Lantus collurio^).^ Emb. hortulana, Sylvia curucca^), 
Caprim. rufic. desertorum und Asio flammeus^ während ich eine 
Reihe von Vögeln beobachtete, die bei Hartert fehlen, die er aber 
vermutlich ebenso leicht festgestellt haben würde, wenn sie ihm 
begegnet wären : Cuculus, Anthus cervinus^ Mot. flava melano- 
cephala, Acroc. arundinaceus, Moni, soliiaria^ Erith. cyanec. gaetkei, 
Pernis apivorus und Aquila pennata. Wasser- und Sumpfvögel 
sind hierbei nicht berücksichtigt, da ihre Auffindung wesentlich 
davon abhängt, ob der betreffende Reisende gröfsere Wasseran- 
sammlungen berührt und umforscht hat oder nicht. 

Auffallend in der Verschiedenheit unserer Beobachtungslisten 
ist eigentlich nur eines: Das Fehlen von Sylvia melanocephala 
bei Hartert, über welche Art nur eine anscheinend nicht ganz 
sichere Beobachtung im allgemeinen Reisebericht angeführt wird, 
während ich diese Grasniücke gar nicht so selten, nämlich an 
sechzehn verschiedenen Örtlichkeiten in der inneren Sahara beob- 
achtete. Ob dieser Unterschied in der jahrweisen Schwankung 
der in die Wüste vordringenden Zahl der Schwarzköpfigen Gras- 
mücken begründet ist, oder ob die von mir besuchten Gegenden 



») Vielleicht zweifelhaft! 



Ins Land der Tuareg. 



178 



von diesen Vögeln besonders bevorzugt werden, darüber läfst 
sich jetzt noch nichts Bestimmtes sagen. 

Einiges Interesse hat auch ein Vergleich derjenigen Daten, 
an welchen Hartert 1912 und ich 1914 gewisse Zugvögel zuerst 
bemerkten. Ich wähle nur jene Arten aus, welche die Sahara in 
recht erheblicher Anzahl kreuzen und die im allgemeinen auch 
leicht ins Auge fallen. Nur bei diesen kann man erwarten, dafs 
sie, wenn auch nicht gleich bei ihrem Eintreffen unter einer 
bestimmten Breite, so doch in den ersten Tagen ihres Durch- 
zuges einem aufmerksamen Beobachter in der Wüste zur Beob- 
achtung kommen. 

Wo bei den folgenden Erstbeobachtungen zwei Daten an- 
gegeben sind, konnte ich aus Harterts Veröffentlichungen oder 
aus meinem Tagebuche leider nicht feststellen, an welchem Tage 
des angegebenen Zeitraumes die Beobachtung erfolgte. 



Beobachtete Art 



Hartert 
1912 



Geyr 
1914 



Turiur turtur 

üpupa epops 

Hir. rustica 

Biparia riparia 

Deiichon urbica 

Muscicapa grisola 

Lantus Senator 

Änth. campestris 

Mot. flava flava bezw, cine- 

reocapilla 

CalandreUa hrachydactyla 

Sylvia borin 

Sylvia caniillans 

Saxicola oenanthe 

Sax. hispanica 

Frat. rubetra 

Erith. phoenicurus 



16/23. IV. 
24./30.III. 

9. III. 
26./28. III. 
24./30. III. 

5. V. 
27. III. 

7. III. 

22. III. 
7. III. 
13. V. 
10. III. 
8./13.III. 
26. III. 
12. IV. 
20. III. 



26. IV. 

18./19.III. 

5. III. 

31. III. 

26. III. 
19. IV. 
22. III. 
15. III. 

24./26. III. 

27. IL 
3. V. 

15.1IL 
3. III. 

24./28. III. 
6. IV. 

24./28. III. 



Mir scheint, die vorstehenden Daten stimmen im allgemeinen 
ganz leidlich überein — besonders, wenn man berücksichtigt, 
dafs die Beobachtungen in verschiedenen Jahren gemacht wurden, 
und dafs durch die Wetterlage auch in der Wüste leicht eine 
Beschleunigung oder Verzögerung des Zuges um mehrere Tage 
eintreten kann. Zu beachten ist, dafs ich einige Breitengrade 
weiter südlich beobachtete wie Hartert. Ich messe diesem Um- 
stände in der Wüste aber keine so grofse Bedeutung bei, denn 
wenn das Wetter günstig ist, wird der Zugvogel eine solche 



174 H. Frhr. Gejr von Schweppenburg : 

Strecke gewifs in recht kurzer Zeit, vermutlich in einer Nacht 
zurücklegen. 

In einer besonderen Arbeit über den Vogelzug in der Sahara*) 
empfahl ich als günstigen Punkt für eine ständige Zugbeobachtung 
die kleine Oase von Temassinin (Fort Flatters, nicht Temacin!). 
Günstiger noch dürfte nach dem, was Hartert berichtet, El Golea 
sein. Dort befindet sich nämlich ein ziemlich grofser schilfum- 
wacbsener Teich, auf dem zeitweise zahlreiche Wasservögel rasten. 
Ein solch gröfseres Wasser fehlt in Temassinin, wo nur kleine 
Tümpel in den Gärten liegen, an welchen wasserliebende Vögel 
sich selten niederlassen. Ungünstiger ist an El Golea die weite 
Ausdehnung der Gärten, welche die eingetroffenen Wanderer 
nicht so leicht finden läfst, während beim Fort Flatters bezw, an 
der Sauia') nur wenige Palmen und kleine Fruchtfelder 
die müden Gäste in ödester Öde erwarten. Aber wann wird 
einmal ein ständiger Beobachter sich in jenen Gegenden nieder- 
lassen ? 1 1 

Id der oben erwähnten kleinen Arbeit über den Vogelzug 
sprach ich auch die Vermutung aus, dafs einige Vogelarten den 
unwirtlichsten Teil der grofsen Wüste in ununterbrochenem Fluge 
durcheilten, bemerkte aber, dafs die Möglichkeit einer solchen 
Leistung noch erwiesen werden müfste. Wie ich nun einer kleinen 
aber recht lehrreichen Schrift*) über den Vogelzug in Nord- 
amerika entnehme, wählt der gröfste Teil der nordamerikanischen 
Zugvögel einen Weg, welcher den Golf von Mexiko überquert und 
welcher sie zwingt, eine Entfernung von etwa 800 bis 1300 klm 
über das Meer hin zurückzulegen. Auch die fast unglaubliche 
Flugleistung des Charadrius dominicus, welche schon Gätke in 
seiner Vogelwarte erwähnt, finde ich in jener Arbeit bestätigt. 
Der gröfste Teil jener Regenpfeifer legt einen Weg von mindestens 
3000 klm ohne Rast zurück. Nach alle dem liegt ein ununter- 
brochener Flug von 1500 bis 2000 klm über die Sahara hin für 
manche Vogelarten sehr wohl im Bereiche des Möglichen. 

Mit der ornithogeographischen Stellung der zentralsahari- 
schen Vogelfauna habe ich mich an anderer Stelle*) befafst und 
dabei festgestellt, dafs von 23 Arten, welche wir als Brutvögel 
— zum Teil allerdings mit Zweifel — annahmen, eine Art = 
4,35 7*^ als kosmopolitisch, acht Arten = 34,787o als paläarktisch 
und vierzehn Arten = 60,87 7o als äthiopisch bezw. paläotropisch 
betrachtet werden konnten. Lassen wir die kosmopolitische Art 
ganz aufser Betracht, so entfallen rund 36 7o auf den palä- 
arktischen und rund 64 7o auf den äthiopisch -paläotropischen 
Anteil. 



1) Journal f. Ornith. 1»17, S 48. 

') ebendort, S. 256. 

») W. W. Cooke, Bird Migration, Washington 1916. 

*) Jonrn. f. Ornithologie 1917, Eeichenowfestachrift. 



Ins Land der Taareg. 175 

Zum Schlüsse wollen wir noch einen kurzen Blick auf die 
Brutverhältnisse der Vögel unseres an der Grenze der Tropen 
gelegenen Wüstengebirges werfen. 

Meine Leser werden schon bemerkt haben, dafs ich sehr 
wenig Nester und Gelege gefunden habe. Dies liegt namentlich 
daran, dafs der Vogelbestand der durchreisten Landschaften meist 
ein ungemein spärlicher war. Immerhin hätte ich wohl ein 
wenig mehr eingesammelt, wenn die meisten Vögel nicht ver- 
hältnismäfsig spät mit dem Brutgeschäft begonnen hätten, sodafs 
sie vielfach noch gar nicht oder soeben erst damit angefangen 
hatten, als wir an den vogelreichsten Örtlichkeiten weilten. 
Folgendes sind die Daten, welche einen Schlufs auf den Beginn 
der Fortpflanzung zulassen : 

Fter. c. coronatus, 16. IV. Eierstock sehr entwickelt. 

Falco per. pelegrinoides^ 15. V. erwachsene Junge. 

F. biatn. erlangen, 20. IV. ausfallende Eier. 

Cot. rup. spaizi, 3. IV. beim Nestbau im oberen Ir-err-err. 

Corv. cor. ruficollis, 3. IV. leicht bebrütete Eier. 

Erythr. gith. zedlUzi, 13. III. dicht vor Beginn der Fortpflanzung. 

Ammom. des. mya, Ende IlL beim Nestbau. 

Am. phoen. arenicolor, 22. IV. Balzgesang. 

Älaemon al. alaudipes, Anfang IV. Balzgesang. 

Crater. f. fulvus, 7. II. bei In Keimet Nestbau, Ideles Ende III. 
unvollständige Gelege, Amgid 22. IV. fertige Nester, Oued 
Tounourt 24. IV. beim Nestbau. 

Sax. leucop. aegra, 13. II. und 10. III. Nestbau, bei Ideles 
Ende III. Nestbau, leicht bebrütete Gelege und dem Aus- 
fliegen nahe Junge. 

Die vorstehenden, allerdings recht spärlichen Daten lassen 
keinen Zweifel daran, dafs der Brutbeginn der meisten inbetracht 
kommenden Vogelarten in die zweite Hälfte des ersten Jahres- 
drittel, also in den Frühling fällt. Auch die äthiopischen Formen 
halten sich an diese Zeit. 

Dieselbe Erscheinung konnten wir an einem Teil der nicht 
ephemeren, also jener nicht unmittelbar von Niederschlägen ab- 
hängenden Pflanzen feststellen, von welchen eine ganze Anzahl 
im Frühjahr in erhöhte Lebenstätigkeit, in Blüten- und Frucht- 
bildung eintrat. Auch hier scheinen sich paläarktische (Tarn. 
Geyri, Rhus oxyacantha) und äthiopische Formen (Cassia obovata, 
Maerua crassifolia u. a.) gleich zu verhalten. 

Vom Pflanzenleben hängt vielfach das Insektenleben, von 
beiden das Vogelleben ab, und der Urgrund dieser erhöhten 
Lebenstätigkeit der ganzen Natur liegt wohl darin, dafs auch im 
Tuaregbergland der Frühling gegenüber den verhältnismäfsig 



176 H. Frhr. Geyr »u Schweppenburg: los Land der Tuareg. 

ziemlich rauhen Wintermonaten — namentlich niedere Nacht- 
temperaturen — eine erhebliche Klimaverbesserung hinsichtlich 
der Wärme bringt. 

In besonders ungünstigen Teilen des Tuaregberglandes setzt 
vermutlich ein Teil der Vögel jahrweise mit dem Brüten aus. 
Beweisende Beobachtungen kann ich dafür nicht beibringen, aber 
stellenweise drängte sich mir diese Vermutung auf. Auch konnte 
ich nicht feststellen, ob die unregelmäfsigen Regen, welche für 
die Flora von so aufserordentlicher Bedeutung sind, auch auf 
die Brutzeit der Vögel wesentlich einwirken können. Es schien 
aber, dafs im Oued In Keimet die infolge vorjährigen Regens 
verhältnismäfsig reichliche Vegetation und vermutlich auch In- 
sektenwelt beschleunigend auf den Brutbeginn gewirkt hatte. 



BeitrAge zur Ornis Mazedoniens. 
Von Rloh. SoMegeL 

Nach einem kürzeren Aufenthalt in Serbien weilte mein 
älterer Sohn als Sanitätsfeldwebel in den Etappenlazaretten von 
Üsküb vom April 1916 bis zum Mai 1917. Mit der eifrigen 
Ausübung des Jagdsports verband sich ein erwachendes Interesse 
für die Ornithologie, die im Elternhause infolge der Hinneigung 
zur Entomologie stark vernachlässigt wurde. Die nicht über 
das Wissenswerteste hinausgehenden und sich nur auf allgemeiner 
bekannte und auffälligere Vogelformen erstreckenden Kenntnisse 
sind der Grund, weswegen vorliegende Arbeit im speziellen Teile 
nur in recht bedauerlich lückenhafter Weise ausfallen konnte. 
Leider konnten auch meine per distance einsetzenden Aufklärungen 
keinen Ornithologen nach meinem Herzen fertigen. Die mit 
wachsendem Interesse erwünschten ornithologischen Belehrungen 
erfolgten brieflich und auf Grund abgebalgter und mit Alaun 
behandelter eingesandter Häute, die bei weiterer Bearbeitung 
zum Teil noch recht schöne und brauchbare Präparate ergaben. 
Die Zeit eines Heimaturlaubes wurde in ergiebiger Weise aus- 
genutzt dem nun angehenden Ornithologen nach Reisers Ornis 
Balcanica ein möglichst erschöpfendes ornithologisches Bild des 
dortigen Landes zu geben, wobei dem viel Eifer zeigenden Schüler 
die unbekannten Vogelformen im Bilde oder in Bälgen vorgeführt 
wurden. So lernte er neue Formen kennen oder gesehene zu 
bestimmen, und so war es möglich gewesen, dafs unser Feldgrauer 
als neubackener Ornitholög mit der Note „Genügend" weiter für 
das Vaterland schaffen und wirken, sich aber auch in den Muse- 
stunden in den Dienst unserer so anziehenden Ornithologie stellen 
konnte. „Doch mit des Geschickes Mächten" — habe ich den 
einstmaligen, nur weidmännisch interessierten Feldgrauen endlich 



Beiträge zur Ornis Mazedoniens. 177 

ornithologisch so leidlich zusammen, da tritt er nach nur acht- 
tägiger Abwesenheit wieder ins Elternhaus ein mit der Begründung, 
dafs auf höchsten Befehl alle zerstreuten Sachsen wieder zum 
Originalregiment zurückversetzt worden seien. Damit müfste 
auch 80 manche ornithologische Hoffnung bestattet werden, und 
nur einen sparsamen, lückenhaften Rest konnte ich herüberretten. 

Von der Eigenart des Landes und seiner Bewohner entwirft 
mein Sohn nachstehendes Bild: 

„Üsküb, die Hauptstadt Mazedoniens, ist, wie wohl kaum 
eine 2. Stadt Europas geeignet, den Ethnologen infolge der viel- 
seitigen Nationalität seiner Bewohner in ganz hervorragender 
Weise zu fesseln. Mit dieser bulgarischen Hochburg öffnet sich 
uns die Pforte des Orients. Dem Betretenden werden unwill- 
kürlich die Erinnerungen an die Zauberwelt aus „Tausend und 
eine Nacht" wach, wenn sein staunender Blick schweift über die 
zahllosen vergoldeten Kuppeln der Moscheen, über die schlanken, 
spargelkopfartigen Minaretts, den trutzigen steil anstrebenden 
Bau der alles beherrschenden Citadelle, dem Lieblings- und Brut- 
platze zahlreicher Lachtauben und Dohlen. Das breite Wardar- 
band durchschneidet die Stadt von Nordost nach Südwest, und 
die geräumige Zar-Ferdinandstrafse überbrückt im Zentrum den 
Flufs, der mit seinem braunen Lehmwasser unten an gewaltigen 
Steinquadern dahinbraust. Beide teilen die Stadt in 4 Hauptteile, 
in denen die Angehörigen der Hauptnationalitäten streng von- 
einander getrennt wohnen. Man unterscheidet jenseits des Wardar 
zur Linken das Judenviertel, in dem die Eigenart seiner Bewohner 
in dicht zusammengedrängten Läden und Lädchen, Kaufständen 
und Spelunken charakteristisch zur Geltung kommt, da dort zu 
jeder Tageszeit gehandelt und gefeilscht wird und lärmende 
Debatten geführt weiden. Rechts eröffnet das Türkenviertel dem 
Fremdling eine neue Welt. In offenen und reinlichen Schauläden 
hocken die Muselmänner in der charakteristischen Sitzstellung 
mit ihren langen Pfeifen in stoischer Ruhe an dem unerläfslichen 
Kohlenherdchen, inmitten der bunten Flitterfarben ihrer Tücher, 
Feze, Perlen und Schmuckgegenstände und lassen in stets sich 
gleichbleibendem Phlegma die Wogen der buntscheckigen Menge 
vorüberfluten. Wandern wir über den Wardar zurück, so schliefst 
sich diesseits, rechts, das Bulgarenviertel an, welches mit seinen 
schmucken Häuschen und den einzelnen, in Barockstil gehaltenen 
Villen der wohlhabenderen Klassen an ein sauberes Landstädtchen 
Südungarns erinnert. In den hohen Pappeln der chausseeartigen 
Landstrafse wetteifern frühmorgens das Gurren der Lachtauben 
und das Krächzen der Krähen in ohrenverletzender Disharmonie. 
Wenden wir uns, vom Stadtinnern ausgehend, nach links, so treten 
wir in die eigentliche Altstadt ein. Niedere und baufällige Häuser 
reihen sich da wie Tabernen aneinander. Die lange öde Häuser- 
flucht ist nur von schmutzigen, winkligen Gassen unterbrochen, 
in denen die letzten, von den Bulgaren geduldeten Serben hausen, 



178 Rieh. Schlegel: 

die Anhänger der blutigen Obrenowitsch und Karrageorgewitsch, 
der emporgekommenen Mörderdynastien, die von Macht und Glanz 
träumten, bis die Weltgeschichte in grausiger Ironie sie durch 
selbstgestifteten Verrat erstickte. Da kauern sie in ihren Hütten 
und zehren vom Glanz der Zeiten, die längst dahin, hoffend, dafs 
auch ihr Ättila wieder einmal seinen prunkvollen Einzug halten 
wird, der jetzt als Namenloser sein Gnadenbrot falschen, fremden 
Herren dankt. Wir haben nun die alte Getreidemühle erreicht. 
Hier herrscht geschäftige Tätigkeit. Das Ohr vernimmt den 
gleich mäfsigen Rhythmus von Motoren und Maschinen. Feldgraue 
und feindliche Gefangene sind in Eintracht beschäftigt, Tausende 
von Zigaretten zu fertigen, um den enormen Vei brauch der Armeen 
zu decken. Hier sind wir scheinbar am Südostende der Stadt 
angelangt, doch nur scheinbar; denn bei der nächsten Flufs- 
krümmung macht der Besucher plötzlich Halt, und sein erstaunter 
Blick weidet sich: Da pusten und plätschern unweit von ihm 
kleine, nackte, schwarzbraune Teufelchen beiderlei Geschlechts 
mit blauschwarzem Kraushaar in den schmutziggelben und trägen 
Fluten. Niedere, verfallene Hütten säumen das Flufsufer ein und 
lassen nur eine schmale Gasse frei. Hier wird man das drückende 
und beängstigende Gefühl nicht los, dafs plötzlich ein scharfer 
Windstofs alle diese elenden Bauwerke mit schiefen, ächzenden 
Dächern und Schindeln wie ein Kartenhaus zusammenblasen wird. 
Und dafs dieses Vorkommnis nicht ungewöhnlich ist, beweisen 
die vielen morschen Trümmerhaufen, die, Reste ehemaliger Zigeuner- 
lager, hier den Weg alles Irdischen gehen. Die allem Luxus nicht 
geneigten Bewohner wissen sich zu helfen: Man verbindet im 
Boden eingerammte Pfähle und Pflöcke, ohne jedwede architek- 
tonische Regel mit Tüchern und Fetzen und ist mit diesen so 
geschaffenen Wohnungen höchst zufrieden, wie uns der behaglich 
schmunzelnde Ausdruck der verrunzelten, pechschwarzen Gesichter 
beweist. So hocken Männlein und Weiblein in inniger Gemein- 
schaft beisammen, dehnen sich wohlig in den erwärmenden Sonnen- 
strahlen und verkürzen sich die Zeit mit ausgibigem Erfolg ver- 
sprechender, insektenvernichtender Tätigkeit. Halbschüssige 
Burschen betteln um Zigaretten und Nickel und vollführen unter 
Geheul einen Freudentanz, wenn ein Stummel oder Almosen 
abfällt. Am Erdboden hocken auch Mütter, stumpfen Ausdrucks 
und den Säugling an der welken Brust. Junge Dirnen, kaum 
notdürftig bekleidet, laden unter nicht mifszudeutender Geste 
den Fremden ein, ihren Bauchtanz, der äufseren Hülle völlig bar, 
im strengsten Separe für ein geringes zu bewundern. Sie 
bilden den Aussatz der Stadt, die Hefe, eine brüchigige Demi- 
monde. „Hier wendet sich der Gast mit Grausen." In der 
Umgebung dieser Stadt nun fand ich ausgibig Gelegenheit, 
den Lockungen Dianas zu folgen. Bevor ich an die Schilderung 
einiger kleiner Jagdepisoden gehe, ist es notwendig, auch in 
kurzen Strichen das ebenso eigentümliche wie interessante 



Beitr&ge zar Ornis Mazedoniens. 179 

Gelände zu schildern, das infolge seines mangelnden Baurabestandes 
dem Weidmann die Pirsch aufserordentlich schwierig, um nicht 
zu sagen oft unmöglich machte; denn stets merkt das infolge 
vieler Nachstellungen scheue Wild den Anzug der drohenden 
Gefahr seitens des Menschens schon von weitem. An beiden 
Wardarufern erstreckt sich nach Südost ein dürftiges, kahles 
Ackerland. Auf der, infolge der zeitweise geradezu sengenden 
Hitze ausgetrockneten morschen Scholle gedeiht nur der Mais, das 
Hauptprodukt dieses Landes nebst Knoblauch und anderen zwiebel- 
artigen Gewächsen. Brach und verwarlost liegt das Land da, 
bar aller Kultur. Nur einzelne schilfüberwucherte, übelriechende 
Sümpfe und Tümpel bieten in dieser farblosen Einöde eine 
dürftige Abwechselung. Und sie zu meiden, gebietet die Vorsicht; 
denn sie werden infolge ihres grofsen Mückenreichtums dem 
Menschen zu verderbenbringenden Brutplätzen der gefürchteten 
Malaria in allen Variationen. Schon von weitem dringt von 
ihnen tausendstimmiges Froschkonzert an "das Ohr, ein Grund, 
der sie zu Lieblingsplätzen von Störchen und Reihern macht. 
Bisweilen verrät hier auch die grofse Rohrdrommel durch ihr 
unheimliches Gebrüll ihren Aufenthalt. Zwischen den Schilf- 
stengeln rudert und krabbelt es von kleinen Taucherarteu und 
Wildenten in reicher Zahl und Abwechselung besonders zur Zeit, 
wenn sie die noch unselbständigen, flaumigen Jungen führen. Am 
Ufer rennen die immer vorsichtigen Waldwasserläufer hin und 
her, ewig beweglich und anziehend für den Beobachter, und auf 
einer kleinen Sumpfinsel drückt sich, kaum vom Boden zu unter- 
scheiden, die kleine Bekassine, um beim Nahen in ihrem charak- 
teristischen Fluge davonzueilen. Auf den Schilfstengeln wiegt 
sich im Winde die schöne Maskenstelze; bisweilen erscheint ein 
kleiner Falke über dem Wasser, um plötzlich abwärts zu stofsen 
und mit seiner Beute davonzustieben. Öfters fand ich in den 
Mägen erlegter Rötel- und Turmfalken halbverdaute Überreste 
einer Froschmahlzeit, die mir die Gewifsheit gab, dafs die ge- 
nannten kleinen Räuber auch jene Nahrung nicht verschmähen. 
Ein kleines Bächlein hemmt plötzlich den vorwärtseilenden Schritt. 
Ein Sprung, und das kleine Hindernis ist überwunden, worauf 
ein Eisvogel erschreckt aufliegt, um etwas flufsaufwärts einen neuen 
Beobachtungssitz einzunehmen. Ein anderes Gewand hat plötzlich 
die Landschaft angenommen. Dorniges, an manchen Stellen fast 
undurchdringliches Gestrüpp rankt bis zur Manneshöhe am 
Strauchwerk empor, ritzt auf Schritt und Tritt die Kleider und 
hinterläfst auf Hand und Gesicht für einige Tage unangenehm 
nachwirkende Spuren. Melodisches Glockengeläut und Hunde- 
gekläff verraten die Anwesenheit einer aus Rindern, Pferden und 
Ziegen gemischten Herde. Peitschenknall und rauhe Zurufe eines 
schmutzigen, halbwüchsigen Zigeunerknaben gelten einem bis- 
weilen zu weit von den sonstigen Tieren grasenden Ausreifser. 
Hinter einem dichten Busch ertönt laut erregtes Krächzen. Ab 



I 



180 Rieh. Schlegel: 

und zu schnellt eine schwarze Silhuette empor, zornig spektakelnd 
und zeternd, um gleich wieder nach dem Boden zu zu verschwinden. 
Das Lärmen und Schreien beginnt von neuem. Beim Weiter- 
schreiten macht sich ein widerlich süfslicher Leichengeruch 
bemerkbar und erklärt das Beobachtete : Eine kleine Boden- 
erhebung gestattet einen freien Überblick, und wir schauen das 
ganze, widerliche Schauspiel. Unweit sauber abgenagter Knochen, 
von der Sonne weifs gebleicht, liegt ein verendetes Rind mit 
stark aufgeblähtem Leib. Da sitzen Elstern und Dohlen, Raben- 
krähen und Kolkraben unter unausgesetztem Schelten, Korren 
und Krächzen bei gemeinsamer Mahlzeit. Ein Schufs treibt das 
schwarze Gelichter entsetzt auseinander; einige bleiben im Feuer 
und bleiben unbeachtet liegen. Geradeaus ragen einige abgestorbene 
Weidenstümpfe wie drohend ausgestreckte Riesenfäuste empor. 
Ein Kaiseradler hockt dort oben und äugt, schon unruhig, nach 
der Richtung des Nahenden. Wenn der Bursche doch zu fassen 
wäre! Aber schon wenige vorsichtige Schritte belehren mich 
über die Aussichtslosigkeit meines Beginnens. Stolz schwingt er 
sich nach oben und erreicht in kurzer Zeit in gewaltigen Kreisen 
schwindelnde Höhen. Die Aufmerksamkeit wird plötzlich ab- 
gelenkt durch den eigentümlichen, fast kuckucksrufartigen Lockruf 
eines Wiedehopfes, der bald wieder verschweigt. Ich sehe den 
sckeckigen Wicht noch in taubenartigem Fluge dahinschweben. 
Am jenseitigen Flufsufer stehen in absoluter Sicherheit einige 
Reiher; sie lassen sich, kühl bis an die Fersengelenke hinan, 
gar nicht stören und starren in stoischem Gleichmut in das 
schützende, breite, emsig murmelnde und plätschernde Wardar- 
band. Bei einer Fulsbiegung taucht am jenseitigen Ufer ein 
verlassenes Zigeunerdorf auf. In der Nähe einer kleinen Sand- 
bank, mitten im Flusse, rudert langsam ein Kormoran. Er ver- 
hofft bei meinem Nahen kurz und schwebt ganz dicht über dem 
Wasserspiegel stromaufwärts. Das Gelände wird jetzt steiniger 
und steigt jenseits der Treska zu den albanischen Schneeriesen 
an, die den Gesichtskreis abschliefsen und den weiteren Ausblick 
hemmen. Der Treskaquelle zu wird die Landschaft romantischer 
und wilder. Zerklüftete, über den Fufs hängende Felsen treten 
nahe an das Ufer heran, sodafs man sich in des Wortes wahrer 
Bedeutung durch das Felsgewirr hindurchwinden mufs. Die 
Vogelwelt meidet scheinbar diese Gegend, nur im Äther kreist 
der Adler, und um die nackten Felsen schwebt spielend ein 
Fälkchen im Sonnenglanze. Ein 3 km vom Wardar fliefsender 
Wasserlauf begleitet mit äufserst reifsendem Gefälle den Strom, 
um dann in scharfem Knick nach Osten umzubiegen und in den 
Flufs einzumünden. Seine Ufer sind mit dichtkronigen Laub- 
bäumen und üppigem Buschwerk eingesäumt und gestatten dem 
Jäger eine bequeme Pirsch. Unter dem Schutze guter Deckung 
gelang es mir hier öfter, mancher begehrten Avis beizukommen. 
Folgen wir dem Flüfschen abwärts vor Sonnenuntergang noch 



Beiträge zur örnis Mazedooieos. 181 

ein Stückchen! Eine wunderbare Äbendstimmung hat sich über 
die Landschaft gebreitet. Die Scheitel der fernen albanischen 
Schneeberge erglänzen im letzten Abendrot; aus den Tälern des 
Wodnomassivs steigen Nebelschwaden auf und vereinigen sich 
mit dem Rauch, der von den vereinzelten Hirtensiedlungen 
und Wachthäuseru bulgarischer Posten aufsteigt. In der Luft 
schmettert noch die Feldlerche ihr Abendlied, und eine Kiebitz- 
herde streicht unter kläglichem Ruf am einsamen Jäger vorüber. 
Ein Schwärm Dohlen rauscht vorbei, um bald die Türme und 
Dächer der Stadt zu erreichen. Plötzlich raschelts im Gebüsch ; 
eine feiste Waldschnepfe steigt erschreckt auf und sucht Höhe zu 
gewinnen, aber schon gebietet ein schnell hingeworfener Schufs 
ihrem Vorhaben ein energisches Halt! Ein über dem Flüfschen 
liegender Baumstamm ermöglicht einen riskanten Übergang; es 
gelingt 1 Das Flüfschen hat hier während des Hochwassers im 
Frühjahr einen ausgedehnten, schilfbewachsenen Tümpel gebildet. 
Kleine, mit Erdreich und Zweigen gut verkleidete Hütten und 
Erdlöcher mit Schiefsöffnungen befinden sich am Ufer und sind 
so angelegt, dafs sie einen guten Überblick über die Wasserfläche 
ermöglichen. In diesen hockt der mazedonische Bauer mit 
seinem Vorderlader und lauert morgens und abends auf das 
Einfallen der besonders im Winter zahlreich auftretenden Enten- 
völker. Vielfach werden hierbei auch Lockenten verwendet, eine 
Jagdart, die immer reichliche Beute einträgt. Das hat auch der 
deutsche Weidmann bald weg, und wenn jagdliches Interesse hier 
einmal aneinanderstöfst, dann räumt der mazedonische Jäger immer 
den Plan : Vor deutscher Wehr und Waffen hat auch er einen 
heillosen Respekt, wie seine Lockenten auf dem Wasser, die aber 
auch den wilden Vettern manchmal gar so ähnlich sahen. An 
einzelnen hohen Pappeln vorbei führt jetzt der Weg. Um die 
schlanken Gipfel ziehen Turm- und Rötelfälkchen ihre gleich- 
mäfsigen Kreise. Nach wenigen Minuten ist die Bahnstrecke 
Üsküb— Veles erreicht. Reichlicher Baumwuchs begleitet den 
Schienenstrang eine kurze Strecke. Der Ruf des Wiedehopfes 
übertönt das Plätschern eines kleinen Wildbaches, der das Ge- 
lände in schäumenden Kaskaden gischtwerfend durchströmt. Der 
rote Sonnenball verschwindet mehr und mehr hinter den ge- 
waltigen Schneeriesen und giefst über die Natur seine letzten 
matten Strahlen. Schon erglänzt die fahle Mondsichel intensiver. 
Da hören wir auf einmal munteres Gezwitscher. Ein Schwärm 
Bienenfresser hat sich in unmittelbarer Nähe auf einem dicht- 
belaubten Nufsbaum niedergelassen. Vor Erregung bebend, be- 
trachte ich das wunderbare Farbenkleid unsers europäischen 
Exoten, sein munteres, nimmerruhendes Verhalten und seine 
charakteristische Geschwätzigkeit. Eine Dunstpatrone wirft einige 
Exemplare zu Boden — tot, nur in den feuerroten Augen liegt 
noch warmes Leben. Die Schar fliegt erschreckt auf, und ver- 
liert sich unter kläglichen Rufen in weiten Fernen. Die Dämmerung 



182 Kich. Schlegel: 

bricht langsam herein. Eine Mandelkrähe im bunten Flitter- 
kleide, die zur Nachtruhe eilt, bleibt noch im Feuer. Immer mehr 
Sterne erglänzen am südlichen Horizonte; schon ertönt aus den 
Wipfeln irgendwoher der Ruf des Käuzchens. Das Froschkonzert 
wird vielstimmiger, und über den dampfenden Wassertümpeln 
spielen Fledermäuse. Ein Schwärm heimwärtsziehender Störche 
läfst sich zu kurzer Rast auf einigen abgestorbenen Weiden- 
stümpfen nieder. Mit meinen ornithologiscben Ergebnissen zu- 
frieden, kehre auch ich heim und zeichne meine Beobachtungen 
ins Tagebuch ein." 

Die nachstehend aufgeführten Arten wurden von meinem 
Sohne sicher beobachtet, teilweise erlegt und eingesandt. In der 
Reihenfolge und Nomenklatur folge ich Hartert, die Vögel der 
paläarktischen Fauna. 

1. Corvus corax corax L. Kolkrabe. Immer zu beobachten, 
aber stets einzeln oder paarweise und stets sehr scheu. An 
Pferde- und Hundekadavern oftmals gemeinsam mit Krähen, 
Dohlen und Elstern. 

2. Corvus cornix cornix L. Nebelkrähe. Besonders im Winter 
und Frühjahr zahlreich anzutreffen. Als Brutvogel konnte 
diese Krähe nicht beobachtet werden. 

3. Corvus frugilegus frugilegus L. Saatkrähe. Vom Herbst bis 
Frühjahr immer recht zahlreich auf Wiesen und Feldern 
nahrungsuchend sich herumtreibend, bisweilen auch im Stadt- 
gebiete anzutreffen. 

4. Colaeus monedula coUaris (Drummond). Dohle. Obwohl kein 
Belegstück vorliegt, ist nach den Verbreitungsangaben Harterts 
die dortige Dohle wohl obiger Form zuzuschreiben, zumal 
auch die Beschreibung Reisers (Ornis balcanica II), der hin- 
sichtlich der Formenfrage immer einen konservativen und 
gemäfsigten Standpunkt einnimmt und sein Material unter 
L. monedula L. aufführt, auf seine zwei Vögel zu passen 
scheint. Die Dohle ist in Mazedonien überall ein gemeiner 
Vogel, der in den Nischen der Moscheen und höherer Ge- 
bäude brütet. 

5. Fica pica pica (L.). Die Elster ist überall gemein und 
truppweise schlafend angetroffen worden. Auf den ver- 
einzelten Bäumen wurden vielfach die Nester angetroffen. — 
Der Eichelheher kam trotz aller auf den Vogel verwendeten 
Mühe und Aufmerksamkeit nie zur Beobachtung. 1 Beleg- 
stück liegt vor. 

6. Sturnus. Star. Reiser weist den bulgarischen Star der Form 
menzbiri Sharpe zu, während Hartert das Brutgebiet dieses 
nach Sibirien bis zum Baikalsee verlegt. Nach ihm vertritt 
unsern Star auf der Balkanhalbinsel Sturnus vulgaris purpur- 
ascens Gould. Der Star ist bei Üsküb namentlich um die 



Beiträge zur Ornis Mazedoniens. 188 

Frühlingszeit in grofsen Scharen zu beobachten. Vereinzelte 
Exemplare kann man auch während der Wintermonate be- 
merken, 

7. Pastor roseus (L.). Der Rosenstar wurde nur ein einziges 
Mal im März im Garten des Lazaretts 54 B beobachtet. 

8. Oriolus oriolus oriolus (L.). Pirol. Am Rande eines unbe- 
deutenden Bächleins traf ich am 12. IV. 1917 nur einmal 
mit 2 Pirolen zusammen, welche infolge ihrer grofsen 
Flüchtigkeit es nicht ermöglichten, in den dichten Nufsbaum- 
kronen ein Exemplar zu erbeuten. 

9. Coccoihraustes coccothraustes coccothraustes (L.). Der Kern- 
beifser wurde nur einmal auf ca. 5 Schritte Entfernung im 
Lazarettgarten beobachtet. 

10. Chloris chloris chloris (L.). Der Grünfink konnte öfters, 
besonders im Winter zahlreicher beobachtet werden. 

11. Acanthis carduelis carduelis (L.)- Der Stieglitz tritt massen- 
haft und herdenweise auf, dasselbe gilt auch von Cuprija in 
Serbien. Gefangene Vögel werden von dortigen Buben für 
20 Stotinki pro Stück angeboten. 

12. Acanthis spinus (L.). Der Zeisig wurde im Winter häufig 
beobachtet. 

13. Acanthis cannahina cannabina (L.). Auch der Hänfling 
konnte häufig beobachtet werden. 

14. Fyrrhula pyrrhula europaea (L,)? Der Gimpel, ohne An- 
gabe, ob nordische oder mitteleuropäische Form, wurde im 
Herbst oder bis zum Frühjahr in Menge beobachtet; überall in 
den Gärten der Stadt und im Gebüsch an Gewässerrändern. 

15. Fringilla coelebs coelebs L. Der Buchfink ist eine sehr häufige 
Erscheinung. 

16. Fasser domestica doniestica (L.). Der Haussperling ist so 
gemein wie in Deutschland, im Herbst und Winter scharenweise. 

17. Fasser montana montana (L.). Auch der Feldsperling ist 
häufig und in den Lazarettgärten eine häufige Erscheinung. 

18. Emberiea calandra calandra L. Der Grauammer ist häufig. 

19. Emberiea ciirinella citrinella L. Der Goldammer ist zu jeder 
Jahreszeit eine gewöhnliche Erscheinung also Brutvogel. 

20» Galerida cristata cristata (L.). Die Haubenlerche ist überall, 
besonders auf den Strafsen der Stadt und der Umgebung 
recht häufig. Ein Belegstück liegt vor, das sich nach gewissen- 
haftem Vergleichen in keiner Weise von Leipziger Exemplaren 
unterscheidet und daher nicht zur Form meridionalis Br. 
gezogen werden kann. 

21. Alauda arvensis arvensis L. Die Feldlerche ist besonders 
im Frühjahr recht häufig. 



184 Rieb. Schlegel: 

22. Motacilla flava melanocephala Licht. Die reizende Masken- 
stelze ist eine häufige Erscheinung der Sumpfgebiete und 
ihrer Umgebung, deren Beobachtung dem auf Sumpf- und 
Wassergeflügel ansitzenden Jäger durch ihre Zutraulichkeit 
und Schönheit viel Vergnügen und Unterhaltung gewährte. 
2 männliche Belegstücke vom 21. V. liegen vor. 

23. Motacilla alba alba L. Die weifse Bachstelze ist überall als 
Brutvogel anzutreffen, und besonders im Frühjahr fällt ihre 
Häufigkeit auf. 

24. Sitta europaea caesia Wolf. Die Spechtmeise kam nur in 
wenigen Exemplaren zur Beobachtung. 

25. Farus major major L. Die Kohlmeise ist stets und zu jeder 
Jahreszeit anzutreffen. 

26. Farus caeruleus caeruleus L. Auch die Blaumeise ist immer 
da und häufig zu nennen. 

27. Aegithalos caudatus europaeus (Herm.). Die Schwanzmeise 
wurde im Winter bis Ausgang April häufiger angetroffen, 
besonders in Gemeinschaft mit Blaumeisen. Leider wurde 
auf die Kopffärbung nicht geachtet. 

28. Lantus minor Gm. Der Schwarzstirmwürger ist häufig und 
wird oft auf Telegraphenleitungen sitzend angetroffen. Ein 
Brutpärchen wurde am 18. V. erlegt und am 24. V. ein Ge- 
lege von 4 Eiern genommen. Das Nest stand auf einem 
Nufsbaum 6—7 m hoch. Bälge und Eier liegen vor. 

29. Lanius collurio collurio L. Der rotrückige Würger wurde 
häufiger an dornigen Hecken angetroffen. Die Haut eines 
am 17. V. erbeuteten Männchens konnte nicht mehr zu einem 
Balge verarbeitet werden. 

30. Fhylloscopus collybita collybita (Vieill.)? Der Weidenlaub- 
vogel vermutlich war es, dem im Februar 1916 in grofser 
Menge im Gebüsch beobachtet wurde. Die Vögelchen zeigten 
sich aufserordentlich zutraulich. 

31. Sylvia nisoria nisoria (Bechst.). Die Sperbergrasmücke 
wurde im März vereinzelt in Hecken beobachtet. 

32. Turdus pilaris L. Die Wachholderdrossel wurde vom Dezember 
an bis Februar in Verbänden von 30—40 Stück beobachtet. 
Von diesem Zeitpunkte an wurden sie seltener. Die Vögel 
trieben sich, futtersuchend, an Tümpeln und angrenzenden 
Wiesen umher. Ein Exemplar vom März liegt vor. 

33. Turdus viscivorus viscivorus L. Die Misteldrossel erschien 
im Winter plötzlich in grofsen Verbänden, um Ende Januar 
ebenso plötzlich wieder zu verschwinden. Die Vögel waren 
nicht besonders scheu, liefsen sich leichter unterlaufen und 
wurden, da sehr feist, vom Lazarettpersonal eifrig gejagt. 



Beiträge zar Ornis Mazedoniens. 18S 

An einem Januartage konnte mein Sohn 7 Exempla,re öi^" 
beuten, die in der Küche eine angenehme Abwechselung auf 
der Speisenkarte boten. 

34. Turdus philomelos philomelos Br. Die Singdrossel trat vom 
November bis Februar in grofsen Mengen auf und wurde von 
da ab vereinzelter und seltener. 1 Belegstück liegt vor. 

35. Turdus merula merula L. Die Amsel ist im Herbst und 
Winter einer der gemeinsten Vögel. Sie verschwindet von 
Anfang April an allmählich wieder. 

36. Luscinia megarhynchos megarhynchos Br, Die Nachtigall 
konnte in den Hecken und in dem Gestrüpp eines kleinen 

^- Wardarzuflusses im März recht häufig beobachtet werden. 
■ Beobachtungen liegen vor bis zum 24. April. Ein Beleg- 
stück ist vorhanden. 

37. Erithacus ruhecula ruhecula (L.). Das Rotkehlchen wurde 
häufig im Gebüsch und Gestrüpp aufserhalb und innerhalb 
der Stadt während des ganzen Jahres angetroffen, besonders 
im Winter. 

38. Troglodytes troglodytes troglodytes (L.). Das Vorkommen des 
Zaunkönigs ist ein häufiges während des ganzen Jahres, 
besonders im Winter. 

39. Chelidon rustica rustica (L.). Die Rauchschwalbe ist eine 
häufige Erscheinung. Ihr Eintreffen wurde für den 2. April 
vermerkt. 

40. Riparia riparia riparia (L.). Die Uferschwalbe wird für 
Üsküb ebenfalls als häufiges Vorkommnis bezeichnet. Sie 
wurde nebst rustica, über Wasserlachen schwebend, erbeutet, 
aber leider nicht eingesandt. 

41. Merops apiaster L. Bienenfresser. Im Herbst 1916 wurden 
gegen Abend, nie vor 7 Uhr, Schwärme in der Luft beob- 
achtet und ebenso im Mai 1917. Hin und wieder liefsen 
sich Exemplare auf Telegraphendrähten nieder, wobei ein cT 
und ein 9? die beide vorliegen, erlegt wurden. 

42. üpupa epops epops L. Der Wiedehopf wurde öfters auf 
freiem, spärlich mit dornigem Gestrüpp bestandenem Gelände 
beobachtet und ist vermutlich Brutvogel. 2 Exemplare, das 
eine vom 14. IV., wurden erlegt. Ein Balg liegt als Beleg- 
exemplar vor. 

43. Coracias garrulus garrulus L. Die Mandelkrähe ist Brut- 
vogel im Gebiet. Im Sommer 1916 wurden 1 Exemplar juv. 
und am 17. V. 1917 ein 9 ad. bei Üsküb erlegt. Das letztere 
hatte einen Frosch im Magen. Beide Stücke liegen vor. 
4—5 Exemplare wurden ferner bei Madzarlik, 5 km nördlich 
von Üsküb auf Telegraphendrähten beobachtet. 

Joura. t, Ora. ULVL iubsg. ApiU 1918. 13 



I 



186 Rieb. Schlegel: 

44. Alcedo ispida ispida L. Der Eisvogel wurde im Februar am 
Wardar und seinen Zuflüssen öfters beobachtet. Ein Exem- 
plar vom März liegt vor, das bei normallangen Schnabel- 
und Flügelmafsen durch seine körperliche Kleinwüchsigkeit 
und seinen grazilen Schnabel auffällt. Veranlassung zu diesen 
Angaben bot mir Reisers Bemerkung, dafs sich von All^on 
gesammelte bulgarische Stücke aufserordentlich der Form 
A. ispida benegalensis Gm. nähern. Ich möchte das mir 
vorliegende Exemplar infolge seiner Schnabelbildung und der 
auffälligen Helle der Unterseite zur Form A. ispida pallida 
Br. ziehen. 

45. Ficus viridis pineiorum (Br.). Der Grünspecht wurde einmal 
im Januar bei Schnee in den kleinen Baumbeständen an der 
Türkenschule beobachtet. 

46. Bryohaies major pineiorum (Br.). Der grofse Buntspecht 
wurde im März einmal in einem Exemplare beobachtet, wie 
er, recht flüchtig, in einer Baumreihe am Wardar, seinen 
Balg in Sicherheit brachte. 

47. Dryohates medim medius {h.)l splendidiar {?QXvoi)'i Mittlerer 
Buntspecht. Nach eingehendem Studium meiner Spechtbälge 
behauptet mein Sohn, auch den mittleren Buntspecht zweimal, 
und zwar im Dezember 1916 und im Februar 1917 in den 
Gärten der Stadt geschossen zu haben. Obwohl nur zögernd, 
teile ich doch mit allem Vorbehalt mit, dafs mein Sohn 
in den Gärten der Stadt auch den Blutspecht beobachtet 
haben will. 

48. Cuculus canorus canorus L. Der. Kuckuck ist eine häufige 
Erscheinung in der Gegend von Üsküb. Ein Weibchen von 
Anfang April liegt von dort vor. 

49. Bubo buho hubo (L.). Uhu. Ein gezähmtes, jung aus den 
Schluchten vom Gebiet des Prespasees erhaltenes Exemplar 
wurde bei der Kompagnie eines an der Front befindlichen 
Regiments gefangen gehalten. 

60. Athene noctua indigena Br. Das Steinkäuzchen scheint zahl- 
reich vorzukommen, da man den Ruf desselben abends in 
den Gärten der Stadt oft vernehmen kann. 

51. Falco suhbuteo L. Baumfalk. Ein Horst dieses Falken 
wurde bei Üsküb auf einem Nufsbaume in ca. 5 m Höhe 
entdeckt. Er enthielt am 22. V. ein Ei. Der schwerkrank 
geschossene Vogel kam nicht zur Strecke. 

52. Falco naumanni nautnanni Fleisch, Bei Üsküb und Madzarlik 
recht häufig und mehrfach erlegt, im Winter nicht beobachtet. 
2 alte Männchen, 2 alte Weibchen und ein Männchen im 
Übergangskleide vom Sommer liegen vor. 



Beitrftge sar Ornis Matedoniens. 187 

53. Falco tinnunculus tinnunculus L. Der Turmfalk war im 
Herbst und Winter seltener, wurde aber nach dem Frühjahr 
hin häufig. Er brütet auf hohen Pappeln bei Üsküb und 
wurde vielfach eingesandt. 3 Männchen und 3 Weibchen 
liegen als Bälge vor. 

54. Aquila heliaca heliaca Sav. Der Kaiseradler wird als häufig 
für Mazedonien verzeichnet und soll mit Vorliebe Weiden- 
stümpfe als Sitzgelegenheit benützen. Ein Unterlaufen wollte 
infolge der grofsen Vorsicht des Vogels nie gelingen. 

55. Buteo buieo eimmermannae Ehmcke. Bussard. Schon die 
ersten ornithologischen Berichte meines Sohnes, der damals 
die Bussardformen noch nicht kannte, lauteten dahin, dafs 
sich die dort beobachteten Bussarde durch „rote" Färbung 
von den heimatlichen unterschieden. Ich stehe deshalb nicht 
an, die dort beobachteten Bussarde dieser Form zuzuschreiben. 
Da der Beobachter dortige Bussarde auch als klein bezeichnet, 
sind ihm möglicherweise auch Steppenbussarde im Zuge mit 
unterlaufen. Hartert zieht nach Dombrowski und Neumann 
die Bussarde der Dobrudscha und der bulgarischen Ebenen 
zu Mimmermannae, einer Form, die erst ihre Auferstehung 
feierte, als Reiser sein Bulgarien verfafste. Letzterer nennt 
seine Bussarde aus Bulgarien desertorum (Daud.) und bemerkt 
ausdrücklich, dafs sich ein gesammeltes Männchen nicht von 
südrussischen Stücken unterscheidet und dafs bei ihm die 
Steppenbussardcharaktere sehr stark zu Tage treten. An 
letztgenannten Örtlicbkeiten (im Südosten Rufslands) tritt 
nach Hartert schon Buteo huteo anceps A. E. Br. auf. Ich füge 
diese Bemerkungen hier an, um Sammlern die mazedonisch- 
bulgarischen Bussarde ihrem Interesse ganz besonders ans 
Herz zu legen. 

56. CtVcMs spec. ? Eine blaue Weihenart wurde im Frühjahr 1917 
in 3 Exemplaren beobachtet; es war nicht festzustellen, ob 
diese der Korn- oder Steppenweihe angehörten. 

57. Accipiter genülis gentilis (L.). Der Hühnerhabicht kam im 
Frühjahr mehrfach zur Beobachtung. Bei einer Beschleichung 
von Totanus ochropus kam ein ad. Exemplar dem Schützen 
auf ganz nahe Entfernung an, mufste aber unbehelligt bleiben, 
da in beiden Rohren nur Dunstpatronen staken. 

58 Accipiter nisus nisus (L.). Der Sperber kam ebenfalls ver- 
einzelt zur Beobachtung. Ein prächtiges Weibchen ad. liegt vor. 

59. Neophron percnopterus percnopterus (L.). Der Schmutzgeier 
wurde einige Male beobachtet. 

60. Gyp fulvus fulvus (Habl.)- Der Gänsegeier wurde recht oft, 
besonders hoch in der Luft kreisend, beobachtet. Ein Stück 
wurde von meinem Sohne und mehrere Exemplare von einem 



188 Rieh. Schlegel: 

Rittmeister im Wotnostock erbeutet. Der Fang eines „Lämmef- 
geiers", der von einem Wachtmeister an einen mir be- 
freundeten Gutsbesitzer eingeschickt wurde, erwies sich eben- 
falls als dieser Spezies zugehörig. 

61. Ciconia ciconia ciconia (L.). Der weifse Storch ist ein 
gemeiner Brutvogel. In Madzarlik konnte der Beobachter 
einmal 3 Horste auf den Gebäuden eines Gehöftes zählen. 

62. Ärdea cinerea cinerea (L.). Der Fischreiher ist als häufige 
Erscheinung während des ganzen Jahres bei Üsküb zu beob- 
achten. 

63. Ärdea purpurea purpurea L. Vom Purpurreiher kamen 
ebenfalls vereinzelte Exemplare zur Beobachtung. Federn 
eines von einem Rittmeister geschossenen Exemplares wurden 
eingesandt. 

64. Casmerodius albus albus (L.). Der Edelreiher wurde als 
vereinzelte und seltene Erscheinung bei Madzarlik beobachtet. 

65. NycUcorax nycticorax nycticorax (L.). Vom Nachtreiher wurde 
1 Exemplar von einem Feldgrauen im August 1916 bei Mad- 
zarlik erlegt. 

66. Botaurus stellaris stellaris (L.). Die Rohrdommel wurde 
wiederholt in den Wardarsümpfen beobachtet. Von 3 erlegten 
Stücken liegt eins, vermutlich ein Weibchen, als Balg vor. 

67. Anser spec? Züge von Wildgänsen wurden im Frühjahr 
öfters gemeinsam mit Kranichen beobachtet. Die Tiere fielen 
nur abends in den sumpfigen Wiesen ein, und konnte man 
ihr Geschrei während der ganzen Nacht vernehmen, 

68. Querquedula querquedula (L.) crecca? Eine kleine Ente — 
mein Sohn konnte damals beide Arten nicht auseinander- 
halten, und auch heute kann er sich nicht bestimmt ent- 
scheiden — wurde dort brütend angetroffen und vielfach 
erlegt. 

69. Anas platyrhynchos platyrhynchos L. Auch die Stockente ist 
als Brutvogel, besonders bei Madzarlik nicht selten. Während 
der Wintermonate fällt sie in gröfseren Schofen auf den 
Wardartümpeln ein und bildet ein begehrtes Jagdobjekt 
dortiger Bewohner. Es wurden viele Exemplare erbeutet 
und der Küche zugeführt. 

70. Fhalacrocorax carbo carbo (L.). Der Kormoran ist Brutvogel 
und während des ganzen Jahres zu beobachten. Die Vögel 
wurden wiederholt in den klaren Fluten der Treska fischend 
beobachtet, von wo aus sie dann regelmäfsig zum Wardar 
flogen. Ein erbeutetes Exemplar würgte im Verenden einen 
Fisch aus. 



Beitrage zur Ornis Mazedoniens. 189 

71. Pelecanus onocrotalus L. Ein Pelikan, der bei Madzarlik 
beobachtet wurde, wurde von einem, meinem Sohne befreun- 
deten Offizier mit der Kugel gefehlt. 

72. Vanellus vanellus (L.). Vom Kiebitz wurden im Frühjahr 
Schwärme bis 50 Stück gezählt, brütet vereinzelt bei Mad- 
zarlik, von 2 erlegten Exemplaren liegt ein Stück vor. 

73. Tringa ochrophus ochrophus L. Der Waldwasserläufer wurde 
häufig, besonders im Winter beobachtet. 2 Exemplare wurden 
eingesandt, und 1 Stück im Fleisch ergab einen prächtigen Balg. 

74. Limnooryptes gallinula (L.). Die kleine Sumpfschnepfe wurde 
an Sümpfen und Tümpeln öfters hochgemacht. Ein Exemplar 
wurde eingesandt und liegt im Balge vor. 

75. Scolopax rusticola L. Die Waldschnepfe wurde im ersten 
durchziehenden Exemplar am 1. Februar erlegt. Bis Mitte 
März war der Langschnabel immer anzutreffen. Beide 
wurden erlegt. Von den 4 eingesandten Exemplaren liegen 
2 Bälge vor. 

76. Larus ridibundus L. Die Lachmöwe wurde nur während 
des Winters beobachtet. 2 Exemplare juv. wurden erlegt 
und eingesandt. 

77. Larus argentatus michahellesi Bruch.? Südliche Silbermöwe. 
Vermutlich handelt es sich bei der selten und nur im Früh- 
jahr an sumpfigen Wiesen beobachteten, scheuen, grofsen 
Silbermöwe um die südliche Form derselben. 

78. Megalornis grus grus (L.). Kranich. Züge desselben wurden 
vom Herbst bis Frühjahr des öfteren beobachtet. Die Tiere 
liefsen sich aber nie nieder. 

79. Forxana porzana (L.). Vom Tüpfelsumpfhuhn wurde 1 Exem- 
plar bei Madzarlik im April erlegt. Der Balg liegt vor. 

80. Columba palumbus palumhus L. Die Ringeltaube, welche 
selten beobachtet wurde und sich infolge ihrer Scheu allen 
Nachstellungen zu entziehen wufste, wurde in 2 Exemplaren 
bei Madzarlik erlegt. 1 Exemplar davon liegt im Balge vor. 

8L Columba livia livia (L.). Die Felsentaube wurde in einem 
einzigen Exemplare erbeutet. Dem Vogel sowie der Hohl- 
taube wurde aber vor meiner oruithologischen Beeinflufsung 
keine weitere Beachtung zuteil. 

82. Streptopelia turtur turtur (L.). Die Turteltaube wurde im 
April in grofsen Schwärmen auf den Feldern nahrungsuchend 
beobachtet, ein einzelnes Exemplar bereits 3 Wochen vorher 
erbeutet. Die erlegten Exemplare, die ich im Fleische zu- 
geschickt erhielt, hatten die Kröpfe prell gefüllt mit noch 
unreifen Samenkapseln eines Wolfsmilcbgewächses und eines 
nelkenartigen Unkrautes. 3 Männchen und 1 Weibchen vom 
13. und 23. IV. liegen als schöne Bälge vor. 



190 Rieb. Scblegel: Beiträge zur Ornis Mazedooieoi. 

83. Turtur risorius decaocto(Fm.). Die Lachtaube ist einer der 
gemeinsten Jahresvögel Üskübs und besonders zahlreich am 
Bahnhof anzutreffen. Die Dächer der Häuser und die Bäume 
der Landstrafsen in der Nähe der Stadt sind oft vollbesetzt 
von dieser zutraulichen Taube. Im Freien ist sie nicht an- 
zutreffen, sondern immer nur in der Stadt und deren un- 
mittelbarer Nähe. Viele Exemplare wurden zum Verspeisen 
erbeutet. Wohl ein Dutzend brachte mein Sohn im Fleische 
mit heim, aber alle waren auf der zweitägigen Reise infolge 
der Hitze verdorben. Von zwei Weibchen konnte ich je 
ein legereifes Ei dem Uterus entnehmen. Dies« sowie ein 
Balg befinden sich in meiner Sammlung. 

84. Perdix perdix perdix (L.). Das Rebhuhn wurde im Herbst 
in weniger Ketten beobachtet, im Frühjahr selten und paar- 
weise angetroffen. Infolge des vielen Krähengelichters 
kommen scheinbar nur selten Brüten auf. 

85. Caccabis saxatilis saxatilis (Meyer). Das Steinhuhn wurde 
in einem Weibchen bei Madzarlik und einmal im Freien 
beobachtet und erlegt. Der Balg liegt vor. Eine recht tier- 
quälerische Sitte besteht darin, dafs im Sommer öfters Stein- 
hühner mit zusammengebundenen Ständern, in Ösen und mit 
dem Kopfe nach unten hängend, lebend auf den Markt kommen. 

Ein Vergleich mit der Arbeit des Majors v. Viereck über 
dasselbe Gebiet (cf. Orn. Monatsschr, 1917, p. 233 ff.) ergibt, dafs 
in vorliegender Arbeit teilweise infolge mangelnder Kenntnis und 
teilweise auch infolge anfänglicher ornithologischer Unempfind- 
lichkeit 29 Arten weniger zur Beobachtung gelangten. Als neue, 
von V.Viereck nicht verzeichnete Arten kämen hinzu: Rosenstar, 
Gimpel, Zeisig, Grünfink, Specht-, Schwanz-, Blaumeise, Sperber- 
grasmücke, Wachholder-, Singdrossel, Amsel, Zaunkönig, Ufer- 
schwalbe, Grün-, Mittelspecht, östlicher Bussard, Ringeltaube, 
Tüpfelsumpfhuhn, Purpurreiher, grofser Silberreiher, Rohrdommel, 
Nachtreiher, kleine Bekassine, grofse Silbermöwe, Kormoran und 
Krick- oder Kräckente. Infolge unserer noch mangelhaften orni- 
thologischen Kenntnis dieses Landes wäre es verfrüht, sich in 
Untersuchungen und Erwägungen darüber zu ergehen, inwieweit 
sich im Gebiete mitteleuropäische, südeuropäische, resp. euro- 
päisch-afrikanische Grenzformen berühren oder ineinanderschieben 
und inwieweit bei Berücksichtigung dieser Faktoren so dem Ge- 
biete ein bestimmter Charakter aufgedrückt wird. Möge aber 
dem ornithologisch so interessantenLande bald ein ornithologischer 
Fachmann nach dem Muster Reisers erstehen 1 Das Ziel ist würdig 
und der Kreis ist hoch. 



191 



¥ 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt 
der ProTlnz Posen. 

Von Professor J. Hammllng. 

(ßoWuls voö S. 1-43.) 



178. Certhia famüiaris L. — Waldbaumläufer. 

In meinen früheren Berichten (I. und IL) hatte ich die 
beiden bei uns vorkommenden Formen dieser Art nicht gesondert 
behandelt, wohl aber dem Gesänge nach unterschieden. Ich ver- 
mutete in dem Urheber der kürzeren Strophe (titiroiti) c. famüiaris, 
während ich in dem Urheber der lauteren Strophe hrachydactyla er- 
kennen zu müssen glaubte und zwar deswegen, weil die erste 
Form, die oft als die westliche bezeichnet wird, hier viel häufiger 
angetroffen wird als die zweite, die Östliche, während man doch 
eher das Gegenteil hätte erwarten sollen. Meine Vermutung 
war irrtümlich, und Professor Voigt machte mich in dankens- 
werter Weise auf diesen Irrtum aufmerksam. Auch Dobbricks 
Schrift „Unsere Baumläuferarteu" (Jahrb. des westpreufs. Lehrer- 
vereins für Naturkunde, 1913) wirkte aufklärend. Man vergleiche 
auch den neuerdings erschienenen Artikel Fenks „Zum Gesang von 
Certhia'' (0. Mb. 1915, No. 11, S. 170 ff.). Das beste Unter- 
scheidungsmerkmal beider Ccr/Äia-Formen ist der Gesang. Alle 
übrigen (z. B. Färbung und sonstige Stimmäufserungen) sind für 
den Feldornithologen von geringerer Bedeutung, weil die Vögel 
sich wegen ihrer Unruhe meist einer eingehenden Betrachtung 
entziehen und ihre Rufe doch wohl manches Übereinstimmende 
haben. Mir wenigstens ist bisher eine sichere Unterscheidung 
der Rufe beider Formen nicht gelungen. Die Gesänge zeigen 
allerdings einen meist recht verschiedenen Charakter. Das 
Liedchen von c. familiaris ist in „Klangfarbe und Aufbau" 
(Fenk) anders als das von hrachydactyla. Jenes wird lauter, 
d. h. mit gröfserer Stimmkraft vorgetragen und ist meist durch 
einen dem des Blaumeischens ähnlichen Triller ausgezeichnet. 
Ich werde nunmehr die Fälle, in denen ich diese Form (c. fami- 
liaris) bei Posen beobachtet habe, aufführen und dabei einige 
Liedeben, wie ich sie gehört habe, in Buchstaben wiedergeben. 
Es sind nicht allzu viele Fälle, denn, wie ich schon oben sagte, 
diese Form ist hier entschieden seltener als die andere. 

Am 22. IV. sang 1 cf in den Kernwerksanlagen zitiroitiroizirrr. 
Der Triller liegt hier am Ende des Liedchens, das im übrigen 
eine gewisse Ähnlichkeit mit der Strophe der andern Form er- 
kennen läfst. Am 18. III. 1906 hörte ich auf dem Petrikirchhofe 
die Strophe zizitirrroazitiroi, mit dem Triller in der Mitte, was 
in der Regel der Fall ist. Am 15. IV. 1907 sang 1 cT in den 
Kernwerksanlagen zizizi (abfallend) zizizirrrlelaziowit; in diesem 



192 J. Hammling: 

Falle handelte es sich um ein Brutpärchen, das auf der Wohnungs- 
suche war; am 17. IV. hörte ich eine ähnliche Strophe im Eich- 
walde; ebendort auch am 10. V., vielleicht von demselben cT. 
Am 18. II. und am 18. III. 1908 1 cf auf dem Petrikirchbofe 
singend; am 20. III. am Südrande des Eichwaldes 1 Stück. Am 
22. V. 1909 im Eichwalde und ebendort am 27. V.; auch in 
diesem Falle handelte es sich wohl um 1 cf- Am 7. IV. 1910 
an der Wartheseite der Kernwerksanlagen 1 singendes Stück; 
am 17. V. in Lubasch (Kr. Czarnikau) 1 (f. Am 24. V. 1 cf 
eifrig singend im Eichwalde unter den alten Eichen südlich des 
Bahndammes; ebendort am 27. V. dasselbe cf ; am 26. V. 1 cf 
singend an der Nordseite des Kernwerks. Am 19. III. 1912 1 cf 
an der nördlichen Randlache des Eichwaldes; dasselbe cf sang 
auch am 26. III. und am 26. IV.; am 24. IV. 1 c^ auf den 
Schiefsständen vor dem Warschauer Tor (zizizilahoit, ohne Triller 1). 
Am 14. IV. 1913 1 cf in der Nähe des Lubascher Sees; 19. V. 
im Eichwalde 1 Stück; 1. VI. 1 cf singend unter den hohen 
Kiefern unfern des Dembitsch-Sees bei Krummfliefs (Kr. Posen 
Ost), meist mit einem Triller beginnend. Am 18. III. 1914 
1 Stück an der Westseite des Eichwaldes, ebendort am 16. V.; 
am 6. VI. wieder 1 Stück an andrer Stelle im Eichwalde singend. 
Diese Form wurde also bei Posen in den Kernwerksanlagen, auf 
dem Petrikirchbofe, im Eichwalde, auf den Schiefsständen vor 
dem Warschauer Tor, ferner bei Lubasch und in der Forst 
Krummfliefs beobachtet, doch immer nur einzeln, so dafs also 
ihr Auftreten bei Posen als ziemlich selten bezeichnet werden 
mufs. Die Aufenthaltsorte trugen waldartigeu Charakter; oft, 
nicht immer, waren Kiefern unter Laubbäumen eingestreut oder 
es wucherte unter Kiefern dichtes Unterholz. Dafs ein fam. cf 
je die Strophe von brach, wiedergegeben hätte, ist von mir hier 
nicht beobachtet worden. 

179. Certhia brachydactyla Brehm. — Kurzzehiger 
oder Gartenbaumläufer. 

Diese Form des Baumläufers kommt bei Posen neben der 
andern vor, und zwar ist sie die häufigere. Weil beide Formen 
in denselben Gegenden neben einander leben, erkennen ihnen 
manche Ornithologen den Wert guter Arten zu (Kollibay a. a. 
0., S. 294; ß. Fenk in den 0. Mb. 1915, S. 170). 

Die typische Gesangsstrophe dieser Form ist meist kürzer 
und wird mit einer dünneren, feineren Stimme vorgetragen. Sie 
lautet tiroiti oder ziroiti; die vorletzte oder auch die letzte Silbe 
ist kräftiger betont. Dieses Liedchen wird nicht selten erweitert, 
indem die erste Silbe 2 oder 3 mal angeschlagen wird: titiroiti 
oder tititiroiti. Manche cf lassen auch wohl noch ein 4 ti hören 
oder verdoppeln die Strophe: titititiroiti (am 11. II. 1910 auf dem 
Grünen Platze, jetzt Ludendorffplatz) oder {iroititiroiti (am 2. IX. 



Neuer Beitrag zur Eenntois der Vogelwelt der Prorinz Poien. 198 

1910 im Kernwerk); am 10. XL 1905 wiederholte 1 cf im Kern- 
werk seine Strophe sogar dreimal: titiroitititiroitititiroiti. So 
wurde zwar das Liedchen ziemlich lang, aber diese Verlängerung 
bestand nur in der mehrmaligen Wiederholung der typischen 
Strophe, ohne dafs der Aufbau der Strophe eine Änderung erfahren 
hätte. Der Gesang dieser Form wurde nicht selten schon im 
Februar vernommen. 

Der kurzzehige Baumläufer wurde in der Umgebung Posens 
an folgenden Stellen beobachtet: In der Nähe von Golencin; im 
Eichwalde; im Kernwerk meist mehrere Pärchen; im Schilling; 
an der Eichwaldstrafse ; im Kobylepoler Grunde; im Garten des 
Krankenhauses am Bernhardinerplatz; im Viktoriapark; auf den 
Pappeln des Weges von Golencin nach der Elsenmühle (Familie, 
das cf sang), auf dem Petrikirchhofe; am Schlofspark Ostend; 
auf dem Turnplatze und im botanischen Garten des Marien- 
Gymnasiums; auf den Pappeln am Schillingstor; auf dem Kirch- 
hofe vor dem Warschauer Tor; im Park von Kobylepole; auf dem 
Kirchhofe an der Garnisonkirche; in der Nähe des Gneisenau- 
Denkmals. Hiernach verdient diese Form in der Tat den Namen 
Gartenbaumläufer. 

Brüten wurden mehrfach beobachtet; alte Vögel, die mit 
ihren Jungen umherzogen, wobei die alten cf oft ihr Liedchen 
hören liefsen, wurden nicht selten gesehen. 

Am 18. VI. 1914 hörte ich 1 cT in einigen Kiefern am rechten 
Wartheufer gegenüber dem Warthewalde unweit des Fährhauses 
von Czeszewo (Kr. Wreschen). 

Nach Kayser sind beide Formen bei Lissa ziemlich spärlich 
vorhanden. 

180. Sitta caesia Wolf. •— Kleiber. 
181. Sitta caesia sordida Rchw. — Ostdeutscher Kleiber. 

Bei Posen scheinen beide Formen des Kleibers vorzukommen, 
soweit sich dies durch eine Beobachtung der Vögel in der freien 
Natur überhaupt entscheiden läfst. Jedesfalls sind Stücke mit 
ockergelber (besonders im Herbst), sowie mit mehr oder weniger 
weifser, ockergelblich verwaschener Unterseite oft beobachtet 
worden. Die im Bericht II. im Schilling beobachteten Brutvögel, 
sowie andere im Eichwalde gesehene Stücke gehörten anscheinend 
zu sordida. Die Verbreitung der Formen des Kleibers in der 
Provinz ist zurzeit noch durchaus unsicher. 

182. Farus maior L. — Kohlmeise. 

Am 29. V. 1914 hatte ein Pärchen in einem an der Aufsen- 
wand des Eichwaldrestaurants angebrachten tönernen Rehkopfe 
12 Junge. Zwei Jahre vorher war hier die Brut dadurch gestört 
worden, dafs das 9 durch Unachtsamkeit getötet worden war. 



194 J. Hammling: 

183. Farus ater L. — Tannenmeise. 
Während ich früher (vgl. I.) die Tannenmeise nur in der 
Strichzeit im Eichwalde antraf, konnte ich den Vogel am 20. IV. 
1912 auch in der Brutzeit daselbst feststellen und zwar in den 
Kiefern südlich des Försterhauses. Am 13. VI. machte sich 
1 Stück in den hohen Kiefern am Südrande des Eichwaldes durch 
Rufe bemerkbar. 

184. Farus palustris L. — Glanzköpfige Sumpfmeise. 

Am 1. III. 1914 rief im Goethepark 1 Stück mehrmals 
tschewlhp tschewibp, dann etwas später tjihp , meist vier- 
mal, doch auch manchmal nur zweimal; dann ging das Meischen 
über zu den Rufen tjip , wiederholte aber da- 
zwischen auch hin und wieder die zweite Rufform. 

Die uiattköpfige Form habe ich hier bisher nicht beobachtet, 
auch Kayser bei Lissa nicht. 

185. Favus cristatus L. — Haubenmeise. 

1913: Am 21. IV. an 2 Stellen in den Kiefern oberhalb des 
Kobylepoler Grundes rufend; am 25. IV. war an 2 Stellen des 
Kiefernwaldes jenseit Kobylepole das Zi zi zi zürrr und Zi gürrr 
von Haubenmeisen zu hören. 

1914: Am 14. II. 1 Stück rufend im Solatscher Wäldchen. 
Am 9. VII. beobachtete ich diese Art bei Antonin und vorher 
am 7. VII. bei Przygodzice. 

Es dürfte sich um die Form mitratus gehandelt haben; 
Belegexemplare habe ich jedoch bisher nicht in Händen gehabt. 

Nach Kayser zuweilen bei Lissa beobachtet. 

186. Aegithalus caudatus L. — Schwanzmeise. 

Diese Art ist nur spärlicher Brutvogel bei Posen (vgl. I.). 

1912: Am 7. I. 1 Stück um 4 Uhr p. an der Wartheseite 

des Kernwerks lebhaft zit rufend; am 17. V.ebendort. 

Am 22. VI. eine Familie im Eichwalde; ebendort am 20. XII. eine 
Familie, 6 Stücke sichtbar, zerr rufend, dazwischen ein leises Tik. 

Auch bei Lissa ist diese Art nach Kayser ziemlich spärlich 
vertreten. 

187. Äccentor modularis L. — Heckenbraunelle. 

Nach A. V. Homeyer war die Heckenbraunelle in Zerkow 
und an der Prosna im Oktober und November 1863 häufig. 

Diese Art überwintert manchmal bei uns, so bei Bromberg 
und auch bei Posen. Bei Bromberg wurde die Braunelle von 
K. Kothe und Schiller im Winter angetroffen (J. f. 0. 1910, 4. Heft, 
S. 814); iu Posen am 22. IL 1903 1 Stück im Weidengebüsch der 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Yogelwelt der Froyinz Posen. 195 

Warthe unweit des Schillings (I.). Als Brutvogel ist die Hecken- 
braunelle, wie es scheint, im Posenschen noch nicht festgestellt 
worden. 

188. Sylvia nisoria Bchst. — Sperbergrasmücke. 
Diese Art wurde von Schwaitzer bei Wittowo (Kr. Schroda), 
von A. V. Homeyer an der Prosna beobachtet. 

1912: Auch in diesem Jahre bei Posen häufig. Den ersten 
Vogel hörte ich am 11. V. um 4 Uhr p. in den Festungsanlageu 
am „Städchen"; am 13. V. 1 Stück am Eingange zum Schilling. 
Etwas häufiger waren die Vögel am 14., zahlreich vorhanden vom 
15. ab an allen zusagenden Plätzen. Der Gesang wurde bis tief 
in den Juni hinein vernommen, doch nahm die Sangeslust von der 
Mitte dieses Monats an merklich ab. Letzter Gesang am 26. VI. 

19131 Am 9. V. um 7" Uhr p. singend in einem dichten 
Weidenbusche diesseit der Loncz- Mühle; im Cybinatal jenseit 
Kobylepole noch fehlend; am 12. V. 1 cf an der Westecke des 
„Rohrteichs". Erst vom 14. V. an zahlreicher vorhanden und 
zwar an der Südseite des Eichwaldes 2 cf ; an der Warthe in der 
Höhe des Viktoriaparks 1 cf; in Johannistal 2 cf ; diesseit der 
Loncz-Mühle 2 cf ; an der Südseite des Kernwerks am „Rohr- 
teich" 4 cf ; in den Anlagen an der Oborniker Chaussee 1 cf 
(einen schönen Balzflug ausführend); an der militärischen Strafse 
in der Nähe der Kläranlage 2 cf; an der Cybinamündung 1 cf ; 
an der Warthe in der Höhe der Wolfsmühle 2—3 cf ; im Schiller- 
park oder auf dem angrenzenden Kirchhofe 1 cf, das am 30. V. 
die einleitenden Töne aus dem Gesänge des Gartenrötlings nach- 
ahmte; in den Festungsanlagen am „Städtchen" mehrere cf. 

Sonstiges Vorkommen: Am 14. V. traf ich im Obrabruche, 
besonders zwischen dem Pruth- Kanal und dem Obra- Nordkanal 
neben zahlreichen Dorngrasmücken auch mehrere Sperbergras- 
mücken, die auf den Wegbäumen eifrig sangen. In den feuchten 
Strafsengräben standen niedrige, vonLupulus durchzogene Weiden- 
büsche, und der die Strafse begleitende Bahndamm war mit 
dichtem Weidengebüsch bestanden. Hier dürften die Vögel ge- 
brütet haben. Ein weiteres cf beobachtete ich im Teufelszwirn 
gegenüber dem Bahnhofsgebäude in Kosten. 

1914: Am 17. V. mehrere Stücke in den Festungsanlagen 
am „Städtchen" singend; am 19. V. 1 cf eifrig singend in dem 
buschreichen Garten diesseit des Solatscher Gutsparks und in 
den neuen Solatscher Anlagen (Balzflug). Am 30. V. hörte und 
sah ich ein Pärchen in einem Weidenbusche am Schwersenzer 
See. Am 6. VI. sangen an der Südseite des ehemaligen Renn- 
platzes 3 cf . 

Am 3. VII. traf ich 1 Stück in der „Bagna" im Kreise 
Obornik, das sein warnendes Terr hören liefs. 

1915: Am 17. V. mehrere Stücke an der Wartheseite des 
Viktoriaparks singend. 



I 



196 J. Hammling: 

Am 25. V. traf ich am Moschiner Obra-Kanal 8 bis 10 Stücke, 
die eifrig sangen. Auch Balzflüge wurden von einzelnen Stücken 
wahrgenommen. Dagegen waren die vor 2 Jahren am Bahndamm 
nistenden Vögel verschwunden, weil die Weidenbüsche am Bahn- 
körper niedergelegt waren (vgl. 0. Mb. 1916, Maiheft). 

Nach Kayser ist diese Art bei Lissa selten. 

Ein Stück aus Altkloster (Kr. Bomst) befindet sich nach 
Dr. Hesse (a. a. 0., S. 601) im Berl. Mus.: No. B 481. 24. V. 
1899. Altkloster (Posen) (Geschlechtsbestimmung fehlt). 

Sperbergrasmücken wurden, abgesehen von der Umgebung 
Posens, demnach an folgenden Stellen beobachtet: In der Nähe 
von Guhren im Kreise Czarnikau; bei Wittowo (Kr. Schroda); 
an der Prosna; im Obrabruche bei Kosten; in der Bägna (Hoch- 
moor) im Kreise Obornik ; in der Nabe der Stadt Kosten; in der 
Nähe von Lissa; bei Altkloster im Kreise Bomst. 

189. Sylvia borin Bodd. — Garten grasmücke. 

1912: Erst am 15. V. hörte ich um e'« Uhr p. 1 Stück im 
Kobylepoler Grunde; am 17. daselbst 2 singende cf. 

1913: Am 6. V. Gesang von dieser Art in einer kleinen 
Lichtung in den hohen Kiefern der Südseite des Eichwaldes. Als 
ich mich dem Vogel näherte, dämpfte er sein Liedchen zu einem 
lieblichen Flüstern. Am 7. V. sang 1 Stück trotz des kalten 
Nordostwindes an der Wartheseite des Kernwerks. 

In der Provinz beobachtet (vgl. auch II.): Am 14. V. in einem 
kleinen Erlenhain am Obrabruch bei Bonikowo (Kr. Kosten) 
mindestens 3 singende cf ; am 17. V. am See von Kowalskis im 
Tale der Gluwna; am 1. VL am Dembitsch-See in der Promnoer 
Forst unweit Krummfliefs mehrere singende Stücke; am 24. VI. 
mehrere (f bei Lubasch (Kr. Czarnikau). 

1914: Am 7. V. 1 cf an der Rückseite des Viktoriaparks 
singend, ein 2 tes in der Lichtung an der Nordseite des Eich- 
waldes; am 20. V. 2 Stücke singend am Steilufer der Warthe. 

Am 2. VI. hörte ich diese Art auf der Maiglöckcheninsel 
im Primenter See (Kr. Bomst); am 18. VI. reichlich im Warthe- 
walde; am 6. VII. singend bei Antonin, am 7. VII. in der Nähe 
des Bahnhofs Przygodzice und unweit der Waldwärterei Tarchalski 
(mehrere cf). 

1915: Am 8. V. singend im Eichwalde. Am 15. VII. daselbst 
noch Gesang an 2 Stellen. 

Nach Kayser bei Lissa ziemlich spärlich vertreten. 

190. Sylvia communis Lath. — Dorngrasmücke. 
1912: Ankunft infolge der kühlen Nordost- und Ostwinde 
verzögert; am 5. V. hörte ich das erste Stück um 7 Uhr p. vor 
dem Warschauer Tor singen; am 6. V. 1 Stück an der mittleren 
Unterführung im Eichwalde; am 7. V. ziemlich zahlreich, . häufig 
erst vom 14. V. an. 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogel weit der Provinz Posen. lÖ? 

Am 4. VI. eifriger Gesang eines cf in einem Roggenstücke 
unweit der Pionierkaserne; hier und in einem benachbarten 
Weizenfelde sang das cf auch am 11., 22., 24. VI. und am 2. VII. 

1913: Am 30. IV. ein singendes cf am rechten Wartheufer 
oberhalb des Schillings, ein zweites an der Warthe in der Höhe der 
Gärtnerei von Zippel, ein drittes am Steilufer der Warthe. 

Am 3. VI. sang 1 Stück in dem kleinen, aber buschreichen 
Garten der Garnisonwascbanstalt. Am 5. VI. wieder der Gesang 
eines Stückes in einem Roggenstücke am Wiesen wege nach dem 
Eichwalde. 

In der Provinz beobachtet: 14. V. im Öbrabruche bei Bonikowo 
reichlich; 17. V. diesseit Wierzonka auf dürrem Gelände, das aber 
einige Schwarzdornbüsche trug, häufiger im nahen Gluwnatale; 
1, VI. unweit des Üerabitsch-Sees bei Krummfliefs in dem dichten 
Unterholz unter hohen Kiefern; 24. VI. mehrfach bei Lubasch; 
4. VII. singend in der Umgebung von Powidz (Kr. Witkowo); im 
^etztal bei Guhren nicht selten. 

1914: Am 30. IV. 1 singendes cf an der rechten Warthe- 
seite gegenüber dem Schilling; am 6. V. schon ziemlich reichlich 
an der Wartheinsel. 

Am 2. VI. Gesang dieser Art auf der Maiglöckcheninsel im 
Primenter See ; am 3. VII. singend in der Bagna im Kreise Obornik. 

Am 1. VII. sang 1 Stück an der Bogdanka diesseit der 
Solatscher Anlagen in einem Haferfelde. 

Nach Kayser bei Lissa nicht selten, berührt jedoch nicht das 
eigentliche Stadtgebiet 

191. Sylvia curruca L. — Zaungrasmücke. 

1912: Am 22. IV 1 cf eifrig singend gegen V« 6 P- an der 
Wartheseite des Kernwerks; am 24. IV. waren schon mehrere 
zu hören, aber noch immer keine andere Grasmücke; erst am 
i. V. machte dem Müllerchen ein Plattmönch im Kernwerk 
Konkurrenz. 

1913: Am 24. IV. sang 1 Stück gegen 4 Uhr p, am Steil- 
ufer der Warthe; am 25. IV. an 2 Stellen an der Südseite des 
Kernwerks singend. 

Am 9. V. fand ich ein Nest in einer lichten Kiefernschonung 
jenseit Kobylepole. Es stand auf einigen trockenen Reisern 
zwischen ein paar Kiefernstämmchen etwa Va ^ über dem ^Erd- 
boden. Das d' zeigte sich sehr beunruhigt und liefs bei meiner 
Annäherung mehrmals seinen Gesang hören. Das Nest, das noch 
keine Eier enthielt, wurde infolge der Störung verlassen. 

Sonstiges Vorkommen: Am 17. V. im Gluwnatale bei Bar- 
cinek in einer Kiefernschonung singend; ebenso bei Kobylepole 
und bei Unterberg mehrfach in Kiefern; 1. VI. unweit des Dem- 
bitsch-Sees bei Krummfliefs ; 24. VI. bei Lubasch. 



198 i- fiammling: 

1914: Am 19. IV. liefs 1 cT mehrmals im Park von Kobyle- 
pole den lauten Teil seines Gesanges hören; am 20. IV. singend 
am Eingange zum Schilling; am 22. IV. mehrfach gehört, während 
von andern Grasmücken noch keine wahrgenommen wurde. 

Am 18. VI. hörte ich 1 Stück in der Nähe von Zerkow (Kr. 
Jarotschin). Nach Kayser nicht selten bei Lissa, aber weniger 
häufig als die folgende Art. 

192. Sylvia atricapilla L. — Mönchgrasmücke. 

1912: Am 1. V. l (f singend an der Wartheseite des Kern- 
werks unweit des Schillingstors; erst am 7. V. etwas häufiger. 

Am 18. IX. war im Schilling 1 Stück deutlich sichtbar, 
während ein zweites sich durch Rufe bemerkbar machte. 

1913: Am 26. IV. 1 (f singend an der Südseite des Kern- 
werks gegenüber dem Bahnhof Gerberdamm; am 27. IV. singend 
im Kobylepoler Grunde. 

Am 28. V. ahmte 1 cf am Solatscher Teiche deutlich mehrere 
Motive aus dem Gesänge des Gartensängers nach und liefs, aller- 
dings leise, den Schreckruf der Amsel hören. 

Am 12. VIII. machte ein junges cf im Schillerpark Gesangs- 
übungen ; am 18. VIII. sang um Vj I Uhr mittags ein junges 
Stück im Vorgarten des Mariengymnasiums; derselbe Vogel sang 
am 22. VIII. um Vt 9 »• auf dem Schulhofe und später wieder 
im Vorgarten. 

Sonstiges Vorkommen: Am 17. V. im Gluwnatale am See 
von Kowalskie; am 1. VI. am Dembitsch-See bei Krummfliefs; 
am 24. VI. bei Lubasch. 

1914: Am 26. IV. brachte an der Wartheseite des Kern- 
werks 1 cT nach mehreren mifsglückten Versuchen den Überschlag 
ziemlich gut heraus. 

Am 18. V. liefs 1 cf an der Südseite des Kernwerks 3 oder 
4 mal ein drosselartiges Tüdi hören und fuhr dann jedes- 
mal in seinem eigenen Gesänge (Überschlag) fort. Am 31. V. 
begann 1 cf auf dem Petrikirchhofe mehrmals seineu Überschlag 
mit 2 bis 4 oder 5 Tönen der Amsel, also manchmal mit einer 
ganzen Strophe derselben und brachte dann den Gesang in seiner 
Art zu Ende. In diesen Fällen wurde das einleitende Gras- 
mückengeplauder nicht gehört, was ja freilich auch sonst bei 
vorgeschrittener Saugeszeit oft, ja fast immer fortgelassen wird. 
Am 3. VI. begann auch im Eichwalde 1 cf seinen Gesang mit 
einer Amselstrophe. 

Am 2. VI. traf ich diese Art auf der Maiglöckcheninsel im 
Primenter See, bei Neudorf — Manche und bei Oelpoche (Kr. 
Bdomst); am 18. VI. sangen zahlreiche Stücke im Warthewalde; 
am 6. und 8. VII. an mehreren Stellen im Park von Antonin 
und am 7. VII. am Bahnhof Przygodzice und im nahen Misch- 
walde singend. 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogeiwelt der Provinz Posen. 1Ö9 

1915: Am 30. IV. singend im Kern werk, noch etwas un- 
gewandt. 

Noch am 15. VII. und wieder am 16. und 17. VII. sang 

1 Stück auf dem Petrikirchhofe. 

Der Abzug im Herbste geht manchmal recht spät vor sich. 
Noch am 3. X. 1915 traf ich 1 cf im Propsteigarten in Tütz in 
Westpreufsen. 

Nach Kayser ist der Plattmönch bei Lissa die häufigste 
Grasmückenart; sie ist jetzt auch bei Posen recht häufig, während 
sie nach A. v. Homeyer 1866 hier ein ziemlich seltener Brutvogel 
war. 

193. Fhylloscopus sihilator Bebst. — Waldlaubsänger. 

1912: Am 22. IV. liefs 1 Stück djü-Rufe an der Wartheseite 
des Kernwerks hören; am 27. IV. sang ein cf im Kobylepoler 
Grunde; am 28. im Eichwalde. Am 2. V. sangen im Kobylepoler 
Grunde mindestens 3 — 4 cf- 

Am 4. VI. fand ich im Eichwalde ein «Nest, in dem gerade 
die Jungen auskamen; neben 4 Eiern lagen 2 nackte Vögelchen. 
Als ich am 13. VI. das Nest besichtigte, liefs 1 Junges einen 
Angstruf hören; das alte cf sang in der Nähe. Am 15. safsen 
die ausgeflogenen Jungen, 4 an der Zahl, unweit des Nestes etwa 

2 Vj m hoch auf einem Zweige. Sie wurden von dem 9 eiligst 
fortgeführt. Die Jungen folgten, nur eins verweilte etwas länger, 
ehe es sich zur Flucht entschlofs. Währenddem sang das alte 
cf. Im Neste lagen 2 unbefruchtete Eier. 

1913: Am 25. IV. gegen Abend djü-Rufe oberhalb des 
Kobylepoler Grundes zu hören, dann auch mehrmals der Gesang. 

Am 29. V. hörte ich daselbst fast nur das trillernde Sirrr 
oder Psrrr ohne die einleitenden Töne. 

1914: Am 30. IV. singend und djü rufend im Solatscher 
Wäldchen (Oberlehrer Fabra). 

1915: Am 21. IV. 1 cf singend in den Festungsanlagen vor 
dem Warschauer Tor; am 30. IV. in den Anlagen des Kernwerks 
reichlicher als sonst. 

Nach Kayser bei Lissa ziemlich zahlreich. 

194. Fhylloscopus trochilus L. — Fitislaubsänger. 

1912: Am 19. IV. sang 1 cf, durch das Kiefernwäldchen 
unterhalb der Militärfähre gegen den scharfen Ostwind gedeckt, 
im Weidengebüsch des rechten Wartheufers, 1 oder 2 andere 
auf der nahen Insel; am 24. überall reichlich. 

Am 6. VIII. liefs 1 Stück um 6 Uhr p. am Steilufer der 
Warthe Gesang hören, ebendort auch um 6*°, Vi ^ und um 
Vi 7 p. Da der Gesang etwas unfertig klang, schrieb ich ihn 
einem Jungvogel zu; auch am 9. VIII, versuchte sich daselbst 
1 Stück im Gesänge. 



I 



200 ^- Hammling : 

1913: Die warme Witterung am Ausgang des März und 
Anfang des April hat den Rückzug dieser Art stark beeinflufst 
(auch bei andern Vögeln, z.B. Dorfschwalben, wurde dies bemerkt). 
Schon am 6. IV. hörte ich mehrmals die Strophe des Fitis im 
Kobylepoler Grunde (Sträucher belauben sich, Birken ergrünen, 
Schwarzdorn und Weichselkirsche blühen). An demselben Tage 
hörte Schulz den Fitis im Eichwalde. Die grofse Masse traf erst 
später ein: Am 21. IV. reichlich im Kobylepoler Grunde; am 
24. IV. wimmelte es von Vögeln dieser Art an der Wartheinsel, 

Die früh eingetroffenen Vögel sind offenbar auch früh zur 
Brut geschritten. So machte denn bereits am 20. VI. ein Jung- 
vogel an der Wartheseite des Kernwerks Gesangsübungen, was 
ich sonst immer erst viel später beobachtet habe. Am 9. VIII. 
Gesangsübungen eines Jungvogels auf der Insel; am 27. VIII. 
versuchte 1 Stück seine Strophe im Weidicht des rechten Warthe- 
ufers gegenüber der Gärtnerei von Zippel. 

1914: Am 15. IV. reichlich am Steilufer der Warthe und 
auf der Insel. Die Vögel dürften in den warmen Tagen vor den 
Osterfeiertagen eingetroffen sein, an denen meist südliche und 
südwestliche Winde herrschten; am 16. IV. an der Nordseite des 
Kern Werks. 

Am 4. VII. noch eifriger Gesang dieser Art am Steilufer 
der Warthe. Am 1. VIII. wurde wieder der Gesang junger Vögel 
im Weidicht der Insel gehört. 

1915: Am 18. IV. erster Gesang an der Westseite des 
„Rohrteichs" (unfreundliche und rauhe Witterung). 
Nach Kayser bei Lissa häufig. 

195. Phylloscopus collyhita Vieill. — Weidenlaubsänger. 

1912: Die mehrere Wochen andauernde stürmische Witterung 
ausgangs März und in der ersten Hälfte des April verzögerte das 
Eintreffen dieser Art oder hemmte die gesangliche Betätigung. 
Dafür liefsen am 16. IV. nach Eintritt milderer Witterung gleich 
mehrere cf ihren Gesang hören; im Eichwalde konnten 6—8 Stücke 
beobachtet werden. 

Herbstgesang wurde, wie früher, häufig von dieser Art 
vernommen: Am 9. IX. 1 Stück singend an der Südseite des 
Kernwerks trotz rauher Witterung; am 17. IX. singend auf dem 
Schulhofe des Marien-Gymnasiums bei Regenwetter; ebendort 
singend am 18. und 23. IX. vormittags bei bedecktem Himmel 
und zeitweiligem Regen. 

1913: Am 30. III. trieb sich um Vi 10 a. l Stück neben einem 
Blaukehlchen in Weidenbüschen diesseit der städtischen Flufs- 

badeanstalt umher und liefs auch einmal einige leise Zil zel 

hören (recht windig aus S. oder SQ.); am 31. III. sangen im Eich-, 
walde 5—6 Stücke (recht warm bei S.). . . •. 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt der ProTinr Posen. 2(^1 

Herbstgesang wurde in diesem Jahre nicht vernommen. 
Die ungünstige Witterung im letzten Drittel des September und 
im Anfang Oktober hat die Vögel früher als sonst von hinnen 
getrieben. 

1914: Am 3. IV. Gesang auf den Kirchhöfen vor dem 
Rittertor. 

Herbstgesang: Am 24. IX: auf dem Petrikirchhofe singend; 
am 25. IX. mittags singend auf dem Schulhofe des Marien- 
Gymnasiums. Weigold erwähnt im J. f. 0. 1911, S. 165 neben 
den gewöhnlichen huid - Rufen des Weidenlaubvogels einen Ruf 
djie; auch ich habe 1907 diesen absinkenden Ruf von einem 
Stück gehört und mit zfeb umschrieben (I, S. 577). 

Nach Kayser bei Lissa häufig. 

196. Regulus regulus L. — Gelbköpfiges Goldhähnchen. 

Im Frühjahr nicht selten in Gärten und Parks, so am 
23. III. 1912 vormittags mehrere im Vorgarten des Marien- 
Gymnasiums und am 17. IV. 1913 mehrere im Schillerpark; auch 
am 18. noch dort. 

Im Spätherbst erscheinen die Vögelchen wieder an den ge- 
nannten Stellen, besonders im November und Dezember: Am 
2. XL 1912 und am 13. XI. im Schillerpark unter Meisen; ebendort 
am 27. XI. 1913; am 9. XII. 2 Stücke auf den Linden am Schlofs 
trotz des grofsen hier herrschenden Verkehrs. Auch im Winter 
wurden mehrfach Goldhähnchen beobachtet: Am 22. XIL 1913 
einige Stücke auf den niedrigen Fichten in den Solatscher An- 
lagen; am 28. XIL im Eichwalde; am 15. I. 1914 2 Stücke im 
Schillerpark; am 19. IL in der Nähe des Bismarck-Denkmals 
(ziemlich mild, Westwinde). 

197. Eegulus ignicapülus [Brehm] Tem. — Feuerköpfiges 
Goldhähnchen. 

Am 17. X. 1863 beobachtete A. v. Homeyer zahlreiche 
Stücke auf dem Durchzuge. Mir ist nur einmal 1 Stück dieser 
Art zu Gesicht gekommen. Am 16» IV. 1911 trieb sich ein 
Feuerköpfiges Goldhähnchen ohne Scheu stundenlang in Flieder- 
und Johannisbeersträuchern des Propsteigartens in Falkenau (Kr. 
Gnesen) umher (vgl. IL). 

Nach Dr. Hesse (a. a. 0., S. 601) ein Nest dieser Art im 
Berliner Museum: Nest; ohne Katalognummer. 8. VI. 1900. 
Wierzowka bei Posen, v. Treskow. 

198. Eippölais icferina Vieill. — Gartensänger. 
1912: Am 9. V. um 4^<'ühr p. liefs sich der erste Garten- 
sänger an der Wartheseite des Kernwerks vernehmen ; der Vogel 
begann seinen Gesang mit mehreren Pirolrufen. Sonst war kein 

Journ. f. ürn. LS.VI. Jahrg. April lölö. 1* 



302 J* HammliDg: 

Stück zu hören, was bei der ungünstigen Witterung nicht auf- 
fällig war. Auch am 10. V. war nur dieser Vogel im Kernwerk 
zu hören; am 12. V. wurden bei einem Ausfluge nach Kobylepole 
an 2 Stellen singende cf gehört und am 13. V. 2 oder 3 an der 
Wartheseite des Kernwerks, die bei der windigen und kühlen 
Witterung wenig sangeslustig waren. Die Gartensänger, in 
früheren Jahren hier fast gemein (vgl. I. und II.), waren wie im 
vorigen so auch in diesem Jahre fast selten zu nennen. 

Mit Jungen umherziehende Vögel wurden am 6. VIII. im 
Schilling, am 7. VIII. im Eichwalde, am 9. VIII. an der Warthe- 
seite des Keruwerks, am 10. VIII. im Weidicht an der Scheiben- 
seite der Schiefsstände vor dem Warschauer Tor und im Kobyle- 
poler Grunde wahrgenommen, endlich noch am 24. VIII. eine 
Familie auf Wegbäumen am Gutshofe in Naramowitz; die Jungen 
wurden gefüttert. 

1913: Am 12. V. 1 Stück an der Südseite des Kernwerks 
gegenüber dem Bahnhof Gerberdamm; etwas weiter ein 2. Stück. 

In diesem Jahre war dieser treffliche Sänger hier wieder 
etwas reichlicher vertreten: Am 16. V. sangen an der Warthe- 
seite des Kernwerks um Yi 12 a. 5 cf, an der Südseite des Kern- 
werks mindestens 7 cT. Auf einem Gange durch den Eichwald 
hörte ich am 27. V. 16 singende cT. Am 30. V. flocht 1 Stück 
im Eichwalde die einleitenden Töne aus dem Gesänge des Trauer- 
fliegenschnäppers in seinen Gesang ein. 

Am 2. VII. und 4. VII. saugen noch mehrere cT recht eifrig 
in den prächtigen Gärten des Städtchens Powidz. 

1914: Am S.V. ein singendes cT an der Wartheseite des 
Kernwerks; am 17. V. in den Festungsanlagen am „Städtchen" 
bis 5 singende cf. 

Am 2. VI. traf ich den Gartensänger bei Neudorf— Manche, 
ferner bei Starkowo und bei Blotnik (Kr. Bomst) ; am 3. VII. 
singend in Heidedombrowka und in Lippe (Kr. Obornik); am 
6. VII. singend in Antonin und am 7. VII. am Bahnhof Przygodzice, 
ein weiteres Stück in einem Garten von Dembnica (Kr. Ädelnau). 

Nach Kayser bei Lissa häufig; 1 Stück trug das Wäd wäd 
der Dorngrasmücke täuschend vor. 

199. Acrocephalus arundinaceus L. — Rohrdrossel. 

1912: Am 2. V. sang 1 cf am Schlofspark Ostend, am 7. V. 
1 Stück im Weidicht des alten Warthebettes und ein anderes 
gegen Abend im „Rohrteich". Reichlicher waren die Vögel erst 
seit dem 9. vertreten. 

Am 29. VI. hörte ich noch eifrigen Gesang bei Ketsch, während 
sich die Vögel in der näheren Umgebung Posens schon still ver- 
hielten. 

1913: Am 27. IV. liefs 1 Stück um 7 Uhr p. bruchstück- 
weisen Gesang im alten Röhricht am Üstendpark hören ; am 






Neaer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt der Provinz Posen. 208 

28. IV. mehrere am kleinen Ketscher See singend; am 9. V. sangen 
zahlreiche Vögel im alten Röhricht am Schwersenzer See unweit 
der Zieliniec-Mühle. Die Vögel hatten sich hierher gezogen, weil 
sonst das Rohr abgeerntet war. Wo Weidenbüsche in der Nähe 
des Sees standen, boten diese den Rohrdrosseln erwünschten 
Unterschlupf. Am 7. V. fand ich diese Art reichlich am See von 
Kowalskie. 

1914: Schon am 24. IV. sang kurz nach 6 Uhr p. 1 cf mit 
verhaltener Stimme im Weidicht unweit der Cybinabadeanstalt ; 
am 30. V. sehr zahlreich am Schwersenzer See. 

200. Acrocephalus streperus Vieill. — , Teichrohrsänger. 

1912: Am 12. V. um 6" Uhr p. hörte ich ein Stück im 
Kobylepoler Grunde und zwar im Buschwerk am kleinen Tümpel; 
am 14. sang 1 Stück im Rohrtümpel diesseit der Wartheinsel, 
und auch am Steilufer der Warthe war an 2 Stelleu je ein cf 
zu hören. 

Noch am 6. VIII. hörte ich um V^ 7 p. von dieser Art einige 
Touren an der Wartheinsel. 

1913: Am 7. V. liefs 1 Stück gegen Vi 7 p. im Weidicht 
am „Rohrteich" bruchstückweisen Gesang hören; am 12. V. sangen 
daselbst 2 cf. 

1914: Am 17. V. 1 Stück eifrig singend im alten Rohr eines 
Tümpels gegenüber Ostendpark; am 18. V. im „Rohrteich" singend, 
am 24. V. daselbst 2 cT; am 30. V. mehrere am Schwersenzer See. 

Am 10. VI. sangen 2 cf im Rohr des kleinen Teiches der 
Wolfsmühle, mehrere an der Insel, zum Teil im Weidicht. 

201. Acrocephalus palustris Bebst. — Sumpfrohrsänger. 

1912: Am 14. V. um 5 7* P- eifriger Gesang dieser Art im 
Weidengebüsch der Warthe gegenüber der Gärtnerei von Zippel; 
am 17. V. um 3 Vi P- in der Nähe des städtischen Flufsbades. 
Reichlicher vertreten erst vom 20. an; an diesem Tage sang 1 cf 
in Syringensträuchern im Schilling, ein zweites ebendort in einer 
Teufelszwirnhecke. 

In der zweiten Hälfte des Juni liefs der Sangeseifer der 
hiesigen Vögel merklich nach; am 29. VI. hörte ich noch 1 Stück 
am grofsen Ketscher See, es ahmte streperus und schoenobaenus 
sehr gut nach. 

1913 : Am 17. V. 1 cf singend im Gluwnatale bei Jerzykowo; 
am 18. V. unterhalb des Schillings bis zur Militärfähre min- 
destens 3 cf. 

Am 31. V. reichlich an der Warthe ober- und unterhalb der 
Militärfähre und an der Insel. Ein d' liefs den Ruf des Wende- 
halses und das wihd k der Nachtigall deutlich hören. 

14* 



204 J* Hammling: 

Noch am 4. VII. hörte ich gegen Abend in Falkenau (Kr. 
Gnesen) auf einem mit Gemenge bestandenen Ackerstticke 2 eifrig 
singende cT; Weidengebüsch war weit und breit nicht vorhanden. 

1914: Am 17. V. ein eifrig singendes cf im Weidengebüsch 
eines Grabens diesseit Johannistal. Bei Posen in diesem Jahre 
wieder recht reichlich vertreten. Am 30. V. 2 d* am Schwer- 
senzer See. 

Am 12. VI. gab ein d* gegen 8 Uhr p. unweit von Johannis- 
tal deutlich Rufe der Kohlmeise und das Liedchen des Fitislaub- 
vogels wieder. Am 15. VI. sang 1 Stück in einem Roggenfelde 
diesseit der Solatscher Teichanlagen. Am 1. VII. 1 singendes Stück 
in einem Haferfelde an der Bogdanka zwischen dem Ziegelwege 
und den Solatscher Anlagen. 

Kayser hörte 3 Stücke unweit von Lissa im Erlenbusch und 
im Priebischer Bruch. 

202. Acrocephalus schoenohaenus L. — Schilfrohrsänger. 

1912: Am 24. IV. sang 1 cf auf einer der kleinen schwimmen- 
den Inseln am Schlofspark Ostend; vom 27. ab waren Schilfrohr- 
sänger reichlicher vertreten. 

Am 23. VI. sang 1 cf im Gemenge von Sommerroggen und 
Wicken unweit der Zieliniec-Mühle ; auch Balzflug wurde fleifsig 
geübt. Ebenso machte es 1 Stück am 26. VI. im Sumpfschachtel- 
halm diesseit der Wartheinsel. Am 27. VI. sang 1 cf in einem 
Roggenstücke jenseit der Kläranlage. In diesen Fällen handelte 
es sich offenbar um Ersatz- oder zweite Brüten. 

1913: Am 25. IV. singend am Schwersenzer See und im 
Kobylepoler Grunde. 

1914: Am 26. IV. sang 1 cf im Weidicht der alten Warthe 
einige Touren; am 29. IV. 1 Stück in dem kleinen Erlengebüsch 
auf den Wiesen bei Johannistal. Bruchweifskehlchen waren in 
diesem Jahre bei Posen weniger häufig als sonst. 

Schon A. V. Homeyer nannte diese Art 1864 bei Posen 
äufserst gemein, ebenso bei Mixstadt (Kr. Schildberg). 

203. Acrocephalus aquaticus Gm. — Binsenrohrsänger. 

Im neuen Naumann (II, S. 44) wird der Binsenrohrsänger 
als Bewohner der Provinz Posen aufgeführt, offenbar auf Grund 
einer Angabe A. v. Homeyers, der am 22.-25. IX. 1863 diese 
Art bei Smielow (welches?) beobachtet hat (Schulz a. a. 0., S. 77; 
vgl. auch Borggreve a. a. 0., S. 92) : A. v. Homeyer fand Salicaria 
cariceti an der polnischen Grenze. Danach dürfte es sich um 
den im Kreise Ostrowo liegenden Ort handeln. 

Dr. Hesse führt (a. a. 0., S. 602) ein Nest dieser Art aus 
dem Berliner Museum an, das von A. v. Homeyer eingeliefert 
worden ist, jedoch ohne nähere Angabe des Fundortes: Nest. 
Ohne Katalognummer. Mai 1864. Posen. A. v. Homeyer. 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt der Provinz Posen. 205 

204. Locustella naevia Bodd. — Heuschreckensänger. 

1912: Schon am 24. IV. sirrte ein Vogel eifrig im Kobyle- 
poler Grunde am rechten Ufer der Cybina an einer mit spärlichem 
Rohr und niedrigen Erlenbüschen bestandenen Stelle. Trotzdem 
ich dem Vogel ziemlich nahe war, konnte ich ihn nicht erspähen. 
Nur wenige Tage später, am 27. um 5V, p., machte sich 1 cf 
gegenüber Schlofspark Ostend bemerkbar. Beide Vögel wurden 
auch in der Folgezeit an den genannten Stellen oder in der 
Nähe derselben angetroffen und zwar das Stück im Kobylepoler 
Grunde am 2. V. um 6 7* P- und am 5. und am 17. V., das Stück 
gegenüber Schlofspark Ostend am 21. VI. um 6 Uhr p. 

Recht spät zog dagegen 1 Stück, das am 17. V. um SVs P- 
in der Nähe des städtischen Flufsbades vor dem ehemaligen 
Eichwaldtore sang. In diesem Falle handelte es sich sicher um 
ein durchziehendes Stück, da die Stelle zum Brüten wegen des 
grofsen Menschenverkehrs kaum geeignet ist. Der Vogel wurde 
hier denn auch nicht mehr angetroffen. Aufserdem traf ich den 
Schwirl auch wieder am Steilufer der Warthe (vgl. I. und II.) 
und auf der nahen Wartheinsel, wo er nun schon mehrere Jahre 
hindurch während der Brutzeit verweilt hat. Am 7. V. sang um 
4 7i P- 1 Stück am Steilufer und ebendort um 7 Uhr p.; auch 
am 9., 11., 12. und 15. V., am 7., 12. und 17. VI. ebendort. Von 
da ab hörte ich den Vogel auf der Insel und zwar am 26., 27. 
und 28. VI. meist gegen 7 Uhr p. 

Ferner war am 17. V. um 7 Vi P- 1 Stück auf den mit Busch- 
werk durchsetzten Wiesen diesseit der Loncz-Mühle zu hören, 
auf das ich schon einige Tage vorher aufmerksam geworden war. 

Danach war der Heuschreckensänger im Jahre 1912 in der 
näheren Umgebung Posens keineswegs selten, eher verhältnis- 
mäfsig häufig vertreten. Dafs es sich dabei zum Teil um Brut- 
vögel gehandelt hat, ist m. E. zweifellos. 

1913: In diesem Jahre fehlte auf der Wartheinsel diese Art. 
Offenbar hatte die zur Unzeit eintretende Überschwemmung (Aus- 
gangs April und erste Hälfte des Mai) die Vögel vertrieben oder 
ihre Ansiedelung unmöglich gemacht. 

1914: Am 23. V. liefs 1 cf kurz nach 5 Uhr p. auf der 
Insel einige kurze Schwirrtouren hören. Auch in der Folgezeit 
wurde hier mehrmals mindestens 1 sirrendes d* gehört, so am 
10. VI. um Vt 8 Pm am 13. VI. gegen Va 8 P- "^d am 24. VI. 
gegen 7 Uhr p. 

Nach Schulz wurde diese Art schon 1864 von A. v. Homeyer 
bei Posen festgestellt. 

Kayser hörte am 26. V. 1914 vormittags zwischen 6 und 
10 Uhr 2 d^ im Priebischer Bruch. Am 14. V. 1915 schwirrten 
nach demselben im Tharlanger Bruch 3 cf, am 1. VI. 1915 im 
Priebischer Bruch ebenfalls etwa 3. 



206 J. Hammling: 

205. LoctisfeUa fluviatiUs Wolf. — Flufsrohrsänger. 

Der Schlagschwirl wurde zum ersten Male für die Um- 
gebung von Posen, sowie für die Provinz am 18. V. 1906 in einer 
Lichtung am Nordrande des Eichwaldes festgestellt (vgl. 0. Mb. 
1908, Maiheft). Über das Auftreten dieser Art bei Posen in den 
folgenden Jahren (vgl. I. und IL). 

1912: Am 12. V. begann um 5 "Uhr p. ein Flufsrohrsänger 
im Kobylepoler Grunde am rechten Cybinaufer zu singen und 
zwar anscheinend in einem "Weidenbusche, kaum 20—30 Schritte 
von einem eifrig sirrenden naevia-cf entfernt. Der Vogel sang 

ziemlich lange Touren. Der Lautkomplex satte (oder sette) 

schien mir immer noch am besten den Gesang von fluviatilis 
wiederzugeben. 

Am 1 5. V. liefs sich 1 Stück um 5 ^^ Uhr p. an der Cybina 
gegenüber Schlofspark Ostend vernehmen. Vielleicht war dieser 
Vogel mit dem vorher genannten identisch; jedenfalls wurde an 
der früher bezeichneten Stelle kein Vogel mehr beobachtet. 

Am 31. V. sang 1 Stück im Eichwalde um 6" Uhr p. in 
einer kleinen Lichtung in den hohen Eichen südlich des Bahn- 
dammes. Daselbst hörte ich den Vogel auch am 8. VI. um V, 8 p., 
dann jedoch nicht wieder. 

Am 29. VI. traf ich 1 cf um 7 Vi P- im Bogdankatale un- 
weit der Elsenmühle. 

Im Jahre 1913 wurde kein Flufsrohrsänger bei Posen wahr- 
genommen. 

1914: Am 7. VI. sang um V46 p. 1 c^ eifrig im grasdurch- 
wachsenen Weidicht des alten Warthebettes oberhalb der Wolfs- 
mühle. Auch in der Folgezeit wurde der Schlagschwirl hier 
mehrfach beobachtet, so am 10. VI. gegen Vi 7 P-, am 13. VI. 
um Vi 8 p., am 16. VI. um 7 Uhr p. An dem zuletzt genannten 
Tage hörte ich bald nach Vi 8 Uhr auch an der Cybinamündung 
1 Stück. Es wurde später hier nicht mehr vorgefunden. 

Am 26. V. 1914 hörte Kayser im Priebischer Bruch „eine 
Anzahl Männchen" etwa zwischen 6 und 10 Uhr fleifsig singen; 
am 1. VI. 1915 sangen etwa 3 cf im Priebischer Bruch. Ein cf 
sang sogar im Erlenbusch, dicht an der Stadt Lissa. Die voran- 
stehenden Beobachtungen lassen auf das Brüten dieser Art im 
Posenschen mit Sicherheit schliefsen. 

206. Troglodytes troglodytes L. — Zaunkönig. 

Am 26. I. 1913 liefs um 7^12 a. 1 Stück mehrmals auf 
einem Kirchhofe am Schillerpark seinen Gesang hören (heftiger, 
böiger Wind aus W., doch ab und zu ein Sonnenblick; das 
Thermometer zeigte etwas über Grad; auch die Meisen sind 
recht fröhlich und ein Grünling macht Gesangsstudien). 

Herbstgesang hörte ich von 1 Stück am 21. X. um 7*4 p. 
in der Wolfsmühle. 



Neuer Beitrag zor Kenntnis der Vogelwelt der Provinz Posen. 207 

207. Turdus nmsicus L. — Singdrossel. 

1912: Am 5. IIL mehrfach schreckend zwischen Bromberger 
und Kalischer Tor, am 18. III. daselbst singend. 

Am 11. VI. fand ich ein Drosselnest mit 3 Eiern. Das Nest, 
stark nach einer Seite geneigt, war verlassen. Es war das ver- 
mutlich durch die Einwirkung des gewaltigen Regengusses vom 
10. VI., der besonders zahlreiche Nester von Grasmücken vernichtet 
hatte, geschehen. 

Am 19. VI. bemühte sich 1 cf im Eichwalde Nachtigallstrophen 
wiederzugeben, wobei es sich jedoch von dem Rhythmus des 
Drosselliedes nicht recht losmachen konnte. 

1913: Am 17. III. hörte ich im Kernwerk den ersten Gesang. 

1914: Am 17. III. erster Gesang in den Anlagen vor dem 
Warschauer Tor. 

208. Turdus iliacus — Weindrossel. 

1912: Am 22. III. traf ich auf den Eichen im südlichen Teile 
des Eichwaldes einen lebhaft schwatzenden Schwärm, aus dem 

auch hin und wieder die Heultour (tjyr — % i t> i, 

^ •'•' — — ) oder Bruch- 

stücke derselben zu hören waren. Am 26. III. ebendort unter 
Wachholderdrosseln. Die Heultour von iliacus, die heute wie 

^ ~~ ~" — — klang, sowie das Schackern wonpilaris war mehrfach 
zu hören. Auch am 15. IV. wurden noch Weindrosseln an der 
Südseite des Kernwerks und am 16. IV. an der Nordseite des 
Eichwaldes und südlich des Eisenbahndammes beobachtet, unter 
denen einige Wachholderdrosseln sichtbar waren. Wahrscheinlich 
hat die bis zum 15. herrschende stürmische Witterung die Vögel 
aufgehalten; ja selbst am 20. IV. wurden noch an 2 Stellen im 
Eichwalde und am 21. vor dem Warschauer Tor Weindrosseln 
gehört, die sich durch Bruchstücke der Heultour kenntlich machten, 
und am 24. IV. trieb sich ein Flug von 13 Stücken im Kobylepoler 
Grunde umher, aus dem quip-Rufe und ein leises Geschwätz zu 
vernehmen waren. 

Auf dem Durchzuge im Herbst sah ich am 7. XI. kurz nach 
V, 4 Uhr p. 1 Stück im Schillerparke, das recht vertraut war, 
und am 19. XI. hörte ich quip- oder kip-Rufe von ziehenden 
Drosseln, die offenbar dieser Art angehörten, im Eichwalde. Die 
Vögel safsen zerstreut im Geäst der hohen Bäume. 

1913: Am 23. III. sah ich 4 Stücke auf einer Birke in dem 
lichteren Teile des Kiefernwäldchens jenseit Kobylepole. Die 
Vögel flogen unter kip-Rufen den Kiefern zu, wo ein gröfserer 
Schwärm das bekannte Geschwätz vollführte, aus dem sich ab 
und zu Bruchstücke der Heultour (dji — _) herauslösten. Ähnlich 
betätigte sich am 6. IV. ein kleiner Schwärm im Kobylepoler 
Grunde. Am 14. und 15. IV. traf ich einen ziemlich starken 



108 J> Hammling: 

Schwärm am Lubascher See, am 18. IV. einen Schwärm im Eich- 
walde südlich des Bahndammes. Am 25. IV. wurde noch mehrmals 
die Heultour im Kobylepoler Grunde gehört. 

1915: Am 8. IV. zahlreich, mit Wachholderdrosseln gemischt, 
am See von Lubasch, schwatzend und Bruchstücke der Heultour 
hören lassend. 

209. Turdus visdvorus L. — Misteldrossel. 

Kayser (a. a. 0., S. 20) berichtet über ein am 7. X. 1912 
am Telegraphendraht erstofsenes Stück; diese Drossel ist bei 
Lissa nur Durchzügler. 

Bei Posen wurde diese Art nur selten auf dem Zuge an- 
getroffen ; in den Kiefernwäldern bei Schönlanke ist sie Brutvogel 
(Schulz). An der Prosna ist sie von A. v. Homeyer beobachtet 
worden. 

210. Tufdus pilaris L. — Wachholderdrossel. 

1912: Umherstreichende und teilweise wohl hier überwinternde 
Wachholderdrosseln wurden mehrfach angetroffen. Am 1. II. traf 
ich einen starken Schwärm am Steilufer der Warthe, über das 
Buschwerk zerstreut; am 7. II. ein Paar ebendort, lebhaft 
warnend, ein drittes Stück flog schackernd ab. Am 9. III. traf 
ich ein einzelnes recht vertrautes Stück auf den Wiesen an 
der Cybinamündung ; am 25. 3 Stücke an den Wiesen bei Gluwno, 
andere abends zwischen Bromberger und Warschauer Tor, lebhaft 
schwatzend. Noch am 18. IV. flogen um 4 7« P- von den Erlen 
an der Cybinamündung 13 Stücke unter lebhaftem Schackern ab. 

Auf dem Herbstzuge: Am 30. XI. 4 Stücke im Eichwalde; 
ebendort war am 17. XII. das Schackern dieser Art zu hören. 

1913: Am 17. I. um V>4 p. ein ziemlich starker Schwärm 
auf den Wiesen diesseit der Insel, in ihrer Nähe zahlreiche 
Nebelkrähen; 2 pilaris flogen schackernd ab. Auch im Busch- 
werk des Steilufers trieben sich einige umher. Am 24. IL auf 
den Wiesen in der Nähe der Cybinamündung ein einzelnes Stück, 
am 4. III. wieder ein Stück an derselben Stelle, vielleicht der- 
selbe Vogel. 

Am 27. XI. traf ich ein einzelnes Stück im Schillerpark, 
bald an der Erde, bald auf Büschen. Am 29. war der Vogel noch 
dort, er safs ruhig im Gezweige einer Weide. Am 7. XII. sah ich 
1 Stück auf dichtem Schwarzdorngebüsch zwischen Kläranlage 
und Steilufer. Nach dem Verhalten (recht vertraut, neugierig) 
möchte ich annehmen, dafs es der vorher im Schillerpark beob- 
achtete Vogel war, der dort am 30. nicht mehr vorgefunden wurde. 
Der Vogel war offenbar verletzt. 

1914: Am 8. II. 4 Stücke auf den Wiesen jenseit der 
städtischen Anlagen am Vicktoriapark auf der Nahrungssuche. 



Neuer Beitrag lur Kenntnis der Vogel weit der Prorinz Posen. 209 

211. Turdm merula L. — - Amsel. 

Überwinternde oder zur Winterszeit durchziehende Stücke 
im Jahre 1912: Am 7. I. 1 Stück im Schilling; es flog um 4 Uhr 
dem Buschwerk an der Cybinamündung zu; am 1. IL 1 Stück am 
Steilufer der Warthe, schreckend; am 5. II. 1 Stück im Schilling 
(es ist wohl das unter 7. 1. genannte Stück; Schneedecke, nachts 
— lö^'); am 7. II. wurde auch das Stück am Steilufer wieder ge- 
sehen und gehört, ebenso am 17. II. Am 1. III. gegen Abend 
2 Stücke an der Wartheseite des Kernwerks, offenbar schon 
Rückzügler. 

Am 6. III. gegen Sonnenuntergang Amselgesang gegenüber 
Schlofspark Ostend und am 7. III. um dieselbe Zeit an der Cybina- 
mündung. Von nun an überall in der Umgebung Posens, auch 
auf einem der Kirchhöfe am Schillerpark und auf dem Petri- 
kirchhofe; sogar im Buschwerk des kleinen Gartens der Wolfs- 
mühle sang 1 cf sehr eifrig. 

Im Schillerpark und auf den anstofsenden Kirchhöfen trieben 
sich Amseln im Herbste recht lange umher: Am 30. X. 1 Stück 
im Schillerpark, am 1. XI. daselbst 3 Stücke (Prof. Dr. Gerigk); 
am 6. und 7. XI. befehdeten sich daselbst 2 Stücke mit ärger- 
lichem Tik oder Tix , wobei es den Anschein 

hatte, als ob 1 Stück das andere aus dem Revier zu vertreiben 
suchte. Das schien gelungen zu sein; denn am 13. XI. war 
1 Stück auf dem Petrikirchhofe sichtbar, während im Schillerpark 
seitdem nur 1 Vogel zu sehen war. Am 30. XI. war der Schreck- 
ruf der Amsel im Eichwalde zu hören und am 6. XII. daselbst 
ein Stück sichtbar, das sich auch am 17. XII. bemerkbar machte 
und auch am 20. XII. sein leises Duck hören liefs. 

1913: Ein im Schillerpark überwinterndes Stück wurde 
mehrmals im Januar und Februar und im Anfang März beobachtet. 

Erster Gesang am 10. III. gegen 5 Uhr p. auf dem Garnison- 
Friedhof (westliche Winde mit Regen- und Schneeböen). 

Am 18. VI. flocht im Eichwalde eine Amsel in ihren Gesang 
ab und zu das Klüh des Schwarzspechts ein. Es wurde stets ans 
Ende einer Strophe gestellt. Die Tonfärbung wurde so genau 
getroffen, dafs ich zuerst immer nach einem Schwarzspecht als 
dem vermeintlichen Urheber Umschau hielt, bis ich endlich eine 
Amsel als Urheberin dieses Tones mit Sicherheit feststellen konnte. 
Schwarzspechte gab es zudem jetzt hier nicht mehr. Offenbar 
mufs die Amsel den Winter hier verbracht und dabei eine Vor- 
liebe für diesen Spechtruf gefafst haben. In der Tat habe ich 
an der Stelle mehrfach während des Winters ein Amsel -cT 
angetroffen. 

Am 12. XI. 1 Stück im Schillerpark sichtbar; am 23. gegen 
Abend daselbst 3 Stücke, von denen 2 sich kräftig befehden. 
Am 5. XII. 2 Stücke sichtbar, einträchtig auf einer Weide sitzend, 
ebenso am 7. XII., offenbar ein Pärchen, das auch im Winter 



210 J* Hammling: 

getreulich zusammenhielt. Am 7. XII. auch 1 Stück am Steil- 
ufer der Warthe, mit dak warnend. Am 9. XII. ein junges d* 
oder 9 ^^ Schlofsgarten auf einer Eberesche (Schneedecke). 
Am 20. XII. das Pärchen im Schillerpark um V2 ^ Uhr deutlich 
sichtbar. "Während das Q in einem Weidenbusche am Teiche safs, 
lief das cf am Rande des Teiches umher, ging dann in das seichte 
"Wasser und nahm ein Bad, wobei es sich klatschnafs machte. 
Da kam das Q heran und griff das cf an, das denn auch das 
Wasser verliefs und auswich. Das 9 wollte vermutlich den un- 
vorsichtigen Gatten vor den üblen Folgen des unzeitgemäfsen 
Bades bewahren (das Thermometer zeigte um Null herum). Am 
27. XII. war das Pärchen wieder sichtbar, an verschiedenen 
Stellen unter den Sträuchern Nahrung suchend. An den im 
Schillerpark eingerichteten Futterstellen habe ich bisher keine 
Amsel gesehen. 

1914: Das Pärchen im Schillerpark hielt auch im Januar 
hier den Unbilden der Witterung stand. Am 3. 1. und 14. 1. 1 Stück 
am j^Rohrteich" sichtbar. Eintretende Schneefälle brachten Zuzug. 
Es handelte sich dabei offenbar um Stücke, die aus östlichen 
Gegenden kamen und dem Schnee auszuweichen versuchten. So 
waren infolge des in der Nacht vom 30./31. Dezember herrschen- 
den Schneetreibens an verschiedenen Stellen Amseln anzutreffen, 
die aber bald weiter rückten : 1 Paar in der Gärtnerei von Zippel ; 
1 Stück in einem Schwarzdorngebüsch jenseit der Kläranlage, 
von einer andern Drossel, anscheinend pilaris^ von welcher Art 
ich dort vorher 1 Stück beobachtet hatte, angefeindet; 2 Stücke 
am Steilufer der Warthe schreckend und sichtbar. 

Am 2. III. erster Amselgesang im Goethepark (Prof. Dr. 
Gerigk); 15. III. Gesang auf dem Petrikirchhofe; am 18. III. leb- 
haftes Amselkonzert im Eichwalde, an dem sich zahlreiche Stücke 
beteiligten. 

Am 7. V. fand ich ein Nest an der Wartheseite des Kern- 
werks. Als die Jungen schon ziemlich herangewachsen waren, 
war eines Tages das Nest mit dem Inhalt verschwunden. 

1915: Am 10. 1. sang um 3 Vi P- 1 cf etwa 10 Minuten lang 
eifrig auf einer hohen Kastanie an der Wittingstrafse; es flog 
dann in den nahen Goethepark und liefs auch hier seinen Gesang 
hören. Das war bei uns bisher unerhört (Witterung schön, mittags 
sonnig bei SW., nachts leichter Frost); am 14. II. im Goethepark 
singend, wohl dasselbe Stück; ein anderes sang auf dem Kirch- 
hofe an der Garnisonkirche (warm und sonnig). Es scheint eine 
Umbildung unsrer Park- zur Stadtamsel im Wege zu sein. Die 
erste Hälfte des März brachte sehr rauhe Witterung und starke 
Fröste (bis 13"). Dadurch war auch den Amseln das Singen 
verleidet. Erst am 14. III. um 9 Uhr a. hörte ich Gesang von 
einem cT auf dem Petrikirchhofe. Noch am 15. VII. sang je ein 
cT eifrig auf dem Petrikirchhofe und im Eichwalde. 



Neuer Beitrag zur KeDntnis der Vogelwelt der Provin« Posen. 211 

Nach Kayser ist die Amsel bei Lissa häufig, in den Wäldern 
zahlreicher als die Singdrossel, in der Stadt als Gartenvogel ein- 
gebürgert. 

212. Saxicola oenanthe L. — Steinschmätzer. 

1912: Am 19. IV. begrüfste mich knicksend 1 Stück auf dem 
Kohlenstapel am Bahnhof Gerberdamm ; es wurde auch in der 
.Folgezeit hier angetroffen und hat sicher hier wieder gebrütet. 
Am 21. IV. sang 1 cf einige Strophen auf einem Wegbaume der 
militärischen Strafse jenseit der Schiefsstände vor dem Warschauer 
Tor und flog dann den benachbarten sandigen Feldern zu. 

Auf dem Abzüge verweilen die Steinschmätzer gern auf 
umgepflügten Ackerstücken, so am 2. IX. 1 Stück auf der Feld- 
mark von Kreising und am 12. IX. 1 Stück auf den umgestürzten 
Sandflächen jenseit der Loncz-Mühle. 

1913: Am 6. IV. liefs 1 Stück auf einem Steinhaufen an der 
städtischen Flufsbadeanstalt eine Strophe hören. Der Stein- 
schmätzer ist hier Brutvogel. Auch 1910 hat in diesem Stein- 
haufen 1 Pärchen Junge erbrütet, die ich mehrmals unweit der 
Stelle beobachtet habe (vgl. IL). 

Am 10. V. traf ich in der Nähe des Bahnhofs Ketsch 1 Stück, 
das auf einem Telegraphendrahte fleifsig sang. 

1914: Am 19. IV. trieb sich 1 Stück auf dem Platze der 
ehemaligen Cegielskischen Fabrik und auf dem durch die Strafse 
davon getrennten Holzlagerplatze umher. 

Am 30. V. sah ich ein Pärchen auf dem Gelände der Zement- 
röbrenfabrik diesseit Kobylepole. Das Paar gebärdete sich sehr 
ängstlich; es hatte offenbar Junge. 

1915: Auf dem Abzüge waren mehrere Stücke, die ich am 
2. IX. bei Kreising auf Sturzacker sah. 

213. Fratincola rubeira L. — Braunkehliger 

Wiesenschmätzer. 

1912: Am 1. V. sang 1 Stück um 4=*' Uhr p. in der Nähe 
der Kläranlage, mehrere andere liefsen in der dichtbegrasten 
Schonung links des Weges von Naramowitz ihren Gesang hören 
(NW., nachts — 2^ dürr und staubig). Die ungünstige Witterung 
hat ihre Ankunft etwas verzögert, da sie bei günstigem Wetter 
schon in der zweiten Hälfte des April einzutreffen pflegen. Die 
Wiesenschmätzer waren in diesem Jahre bei Posen ziemlich 
reichlich vertreten. 

Gesang wurde bis in das letzte Drittel des Juni vernommen : 
Am 23. VI. bei Johannistal und in der Nähe von Schwersenz; am 
26. an der Kläranlage; am 27. ebendort. Hierahmte um Va^p. 
ein eifrig singendes cf den Buchfiokenschlag (etwas gekürzt, aber 
der Rhythmus festgehalten) und die Strophe des Hausrotschwanzes 
nach und bemühte sich, den Pfiff des Pirols wiederzugeben. 



212 J. Hammling: 

1913: Am 24. IV. 1 Stück gegen 5 Uhr p. im Weidicht unter- 
halb der Wolfsmühle deutlich sichtbar, docli still; am 25, 2 — 3 
singende cf am Schwersenzer See. 

Am 7. V. traf ich in den Anlagen an der Oborniker Chaussee 
6—7 cf, darunter auch gute Spötter. Ein Stück liefs den Buch- 
finkenschlag und anderes hören. Zahlreich waren die Vögel am 
13. V. auf den Wiesen am Kostener Obra-Kanal bei Kurzagura, 
noch reichlicher am 14. V. im Obrabruch zwischen Gr. Sepno und 
Bonikowo an der Strafse und dem diese begleitenden Eisenbahn- 
damme. Noch am 28. VI. hörte ich von 2 cf Gesang diesseit. 
der Wartheinsel. 

Auf dem Abzüge: Am 1. IX. eine Familie unweit der 
Militärfähre und am 8. IX. einige Stücke in dem Rübenfelde an 
der Kläranlage. Später wurden keine mehr beobachtet. 

1914: Am 21. IV. 1 cf in der Nähe der Cybina auf den 
Wegbäumen der Schwersenzer Chaussee unweit der Jeliniec-Mühle 
singend und mehrmals ein haubenlerchenartiges Titüdüe hören 
lassend; am 22. IV. mehrere eifrig singend unterhalb der Wolfs- 
mühle; am 29. IV. 3 singende (f auf den Wiesen bei Johannistal. 

Am 22. V. 1915 liefs 1 cf im Obrabruch bei Kosten in der 
Nähe der Brücke über den Moschiner Obra-Kanal mehrmals den 
Buchfinkenschlag hören. 

Kayser hat diese Art bei Lissa öfter beobachtet. Am 
7. VI. 1914 gab 1 cT den Gesang der Dorngrasmücke täuschend 
wieder. 

214. Fratincola rubicola L. — Schwarzkehliger 
Wiesenschmätzer. 

Am 9. V. 1909 wurde ein schönes altes d* an der Rückseite 
der Schiefsstände vor dem Warschauer Tor beobachtet. Man ver- 
gleiche das Nähere in I. Anscheinend in der Gesellschaft des <f be- 
fanden sich 2 Vögel mit fahlbraunen Köpfen, die sehr vertraut taten. 
Vielleicht waren es 2 junge 9 dieser Art. Da ich bezüglich des 
cf einen Irrtum für ausgeschlossen halte, nehme ich diese Art 
in meine Liste auf. 

215. üinclus aquaticus Bebst. — Wasserschmätzer. 
Nach Schulz (a. a. 0., S. 77) aus 2—4 Forstbezirken des 
Regierungsbezirks Posen 1907 als Brutvogel gemeldet. Die An- 
gabe ist erfolgt auf Grund einer Umfrage des Geheimrats Conwentz 
aus dem Jahre 1907. Nähere Angaben wurden nicht gemacht, 
so dafs eine Nachprüfung unmöglich ist. Zwei Exemplare aus 
der Provinz befinden sich im Mielzyüski- Museum. Fundort und 
Gewährsmann sind nicht genannt. 

216. Erühacus titijs L. — Hausrotschwanz. 
1912: Während Schulz am 4. IV. in Schneidemühl die Strophe 
des Hausrotschwänzchens hörte, vernahm ich seinen Gesang bei 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt der Provinz Posen. 213 

Posen erst am 16. IV. (am 15. endlich der Wind zu leichtem 
NW. und dann 0. ahgeflaut, nachdem 3 Wochen lang meist sehr 
starke Winde aus W,, SW. und NW. geweht hatten, die Regen-, 
Graupelschauer und Schneeböen brachten; am 12. und 13. gab 
es richtige Wintertage mit heftigen Schneestürmen). 

Gesang im Spätsommer und Herbst: Am 23. und 25. VIII. 
um 9 V2 a. auf der Bernhardinerkirche; am 30. VIII. an der 
Eisenbahnbrücke im Eichwalde; am 14. IX. um V2 9 »• auf der 
Bernhardinerkirche; am 5. und 6. X. in Tütz (Westpreufsen). 

1913: Am 6. IV. sang ein (f (grau) in der Gartenwirtschaft 
Johannistal. 

Am 29. VIII. um 7^3 p. singend in Dembsen; am 1. IX. 
morgens an der Bernhardinerkirche singend; am 28. IX. gegen 
Sonnenuntergang im Schilling. 

1914: Am 31. III. 1 cf singend auf einem der Holzlager- 
plätze vor dem ehemaligen Eichwaldtore; am 1. IV. gegen Abend 
am Steilufer der Warthe in der Nähe militärischer Gebäude. 

Am 24. IX. und ll.X. Gesang bei Posen, am 3. X. in Lubasch. 

Nach Kayser ist diese Art bei Lissa ziemlich spärlich. 

217. Erithacus pTioenicurus L. — Gartenrotschwanz. 

1912: Am 22. IV. nachmittags singend an der Wartheseite 
des Kernwerks. 

Letzter Gesang in der Brutzeit am 1. VII. an der Eichwald- 
strafse in der Nähe des Viktoriaparks. Auffallender Weise sang 
am 26. VIII. kurz vor 9 Uhr a. 1 Stück eifrig auf dem Petri- 
kirchhofe; es war wahrscheinlich ein junges cf. 

Am 12. IX. war 1 Stück an und auf der Umzäunung des 
Kirchhofs bei der Loncz-Mühle sichtbar. Später wurde kein 
ziehendes Stück mehr wahrgenommen. 

1913: Am 17. IV. üra '/^ 9 a. eifriger Gesang eines cT auf 
dem Petrikirchhofe ; gegen 11 Uhr a. sangen 3 Stück an der 
Südseite des Kernwerks. 

1914: Am 16. IV. 1 oder 2 cf singend auf dem Garnison- 
friedhof; am 18. IV. im Eichwalde singend, am 19. IV, auf dem 
Petrikirchhofe. 

1915: Am 23. IV. 1 cT singend an der Südseite des Kern- 
werks, am 24. IV. auf einem Kirchhofe am Schillerpark. 

Nach Kayser ist diese Art bei Lissa häufig. 

218. Erithacus rubecula L. — Rotkehlchen. 
1912: Am 26. III, an 5 oder 6 Stellen im Eichwalde singend 
(schwüler Lenztag mit Regenneigung, Westwind); Schulz sah 
schon am 24. 1 Stück im Eichwalde. Am 27. III. Gesang an 
der Wartheseite des Kernwerks (warm bei bedecktem Himmel, 
Südwest, abends gegen 8 Uhr starkes Gewitter mit Regen ; um 
V2 7 p. flog eine Fledermaus über der Warthe hin und her). 



2 14 J* Hammling : 

Zweite Gesangsperiode: Am 1. VI. sangen mehrere Stücke 
im Kobylepoler Grunde. Noch am 27. VI. Gesang abends an der 
Wartheseite des Kernwerks. 

Der Abzug unserer Rotkehlchen beginnt wohl schon im 
September, ja vielleicht sind die Vögel, die sich dann bemerkbar 
machen, schon Durchzügler. Doch manche Stücke können sich 
von liebgewordenen Stellen nur schwer trennen. So zieht sich 
denn gerade bei dieser Art der Zug lange hin, bis in den Oktober 
und November: 30. X. zickernd im Schillerpark; ebendort am 
13. XL 2 Stücke. Beide Stücke liefsen, etwa 30 Schritt von ein- 
ander entfernt, leisen Gesang hören, und es hatte den Anschein, 
als ob eins das andere aus dem erwählten Reviere vertreiben 
wollte. Am 19. XI. gegen Va 12 a. machten sich beide Vögel 
durch Zickern bemerkbar und 1 Stück liefs mehrmals leisen Gesang 
hören. Am 26. XL sang wieder 1 cf leise um 3 Uhr p., ebenso 
am 5. XIL Das zweite Stück machte sich an einer entlegeneren 
Stelle durch Zickern bemerkbar. Auch am 10., 11. und 16. XIL 
wurden die Vögel hier wahrgenommen. Die zahlreichen Besucher 
der Eisbahn und die dadurch hervorgerufene Unruhe schienen 
dann den Vögeln den Platz verleidet zu haben. Am 17. XL und 
am 16. XII. bemerkte ich auch im Goethepark ein Stück. Am 
20. XIL sang gegen Sonnenuntergang 1 cf ziemlich laut im Eich- 
walde unweit der Gastwirtschaft (sonnig bei SW.). 

1913: Die vorher genannten beiden Vögel im Schillerpark 
machten sich wieder bemerkbar, überwinterten also offenbar da- 
selbst, so am 2. I. (bisher recht milde Witterung, nachts leichter 
Frost), am 26. I. und am 30. 1. Am letztgenannten Tage trieb 
sich 1 Stück an einer Futterstelle umher (nachts — 14*>). Am 
23. I. wurde auch das im Goethepark beobachtete Stück wieder 
gehört. Am 5. IL zickerte 1 Stück in den Anlagen an der 
Franziskanerkirche. 

Am 20. IIL erster Gesang gegen 6 Uhr abends in den 
Anlagen vor dem Warschauer Tor, am 21. im Eichwalde. Rot- 
kehlchen waren in diesem Jahre überall ziemlich reichlich vor- 
handen. 

Abzug: Am 22. IX. am Steilufer der Warthe sich durch 
Zickern vernehmlich machend und zwar mehrere Stücke; am 
26. X. 1 Stück auf dem St. Adalberts- Kirchhofe; am 11. XL 
2 Stücke gegen Mittag im Vorgarten des Marien -Gymnasiums. 
Überwinternde Stücke wurden in diesem Jahre nicht wahr- 
genommen. 

1914: Am 1. IV. 2 Stücke in dem Garten der Wolfsmühle 
zickernd und sichtbar, 3 — 4 Stücke an der Wartheseite des Kern- 
werks singend. 

Auf dem Abzüge: 14. X. zickernd im Vorgarten des Marien- 
Gymnasiums, am 25. X. 1 Stück am Eingange zum Schilling. 

Nach Kayser bei Lissa ziemlich häufig. 



I 



Neuer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt der Provinz Posen. 215 

219. Erithacus cyanecula M. W. — Weifssterniges 
Blaukehlchen. 

1912: Die ersten beiden Blaukehlchen hörte ich am 31. III. 
um 6 Vi p. in der Nähe des alten Rennplatzes. Auch in diesem 
Jahre waren Blaukehlchen an den zusagenden Stellen im Warthe- 
tale überall vertreten. Aufserdem fand ich einzelne Vögel: In 
dem Ausschachtungsgelände vor dem ehemaligen Eichwaldtore 
(am 21. IV. bruchstückweiser Gesang zu hören), im Buschwerk 
auf den Wiesen bei Johannistal, im Weidicht an der Rückseite 
der Schiefsstände vor dem Warschauer Tor (am 21. IV. um 6 Uhr 
p. lebhaft singend), in einer buschreichen Senkung jenseit der 
Loncz-Mühle. Dieses cf liefs am 27. IV. immer wieder gewisse 
Meisenrufe (zfdeh und zizidä) mit aller Deutlichkeit hören, und 
am 9. V. gab hier ein Blaukehlchen um Y2 6 P- den Gesang des 
Weidenlaubvogels sehr gut wieder; nur die Stimme war etwas 
kräftiger. 

Am 7. VI. warnte gegen 6 Uhr p. ein 9 ängstlich an einem 
der Tümpel der alten Warthe. Es hatte hier offenbar Junge. 

Letzter Gesang am 12. VI. um '/^G p. an der Insel. 

1913: Am 30. III. liefs ein schönes cf um 7^10 a. in einigen 
Weidenbüschen vor dem ehemaligen Eichwaldtor trotz des 
scharfen Ostwindes bruchstückweisen Gesang hören; abends um 
7*7 sang 1 Stück im Weidengebüsch der Wiesen bei Johannistal. 

Sonstiges Vorkommen: Am 17. IV. sah ich um 3*** am 
Schwersenzer See in einem einzelnen Weidenbusche 1 Stück, das 
sich offenbar noch auf dem Zuge befand; am 28. IV. traf ich 
mehrere Stücke in der Nähe des kleinen Ketscher Sees und an 
der Samica, die fleifsig sangen, also wohl Brutvögel sein mochten. 

In der zweiten Hälfte des Mai und im Juni (bis zum 20.) 
sangen die Blaukehlchen in diesem Jahre besonders eifrig im 
Weidicht an der Warthe. Wahrscheinlich hatte dies darin seinen 
Grund, dafs die ersten Brüten durch die Überschwemmung Ausgangs 
April und Anfang Mai vernichtet worden waren, so dafs die 
Vögel zu einer Ersatzbrut hatten schreiten müssen. 

Am 14. V. liefs 1 cT an der Warthe diesseit des Eichwaldes 

ein oftmaliges Zjep — hören, das ähnlich klang wie 

der Paarungsruf der Sumpfmeise. 

1914: Am 19. IV. 1 Stück in der Nähe der städtischen 
Flufsbadeanstalt im Weidengebüsch sichtbar; am 20. IV. 1 Stück 
am rechten Wartheufer gegenüber der Gärtnerei von Zippel in 
den vom Hochwasser freien Weidenbüschen singend; am 22. IV. 
1 cf an einem Graben am Steilufer der Warthe, ein zweites in 
der Höhe der Wolfsmühle; das letztere liefs mehrmals das Sizidä 
der Kohlmeise hören. Im Juni noch mehrfach singend: Am 7. VI. 
1 cf, auch sichtbar, im alten Warthebett oberhalb der Wolfs- 
mühle; am 10. VI. 2 cf, etwa 100 m von einander entfernt, an 
dem rechten Wartheufer in der Höhe des Schillings gegen 8 Uhr p. 



216 j. Hammling: 

singend, 2 weitere oberhalb der Cybinamündung ; 1 Stück an der 
Einmündung des Vorflutgrabens; am 13. VI. um V«8 p- 1 cT an 
der alten Warthe, auch sichtbar; am 16. VI. 1 cT um 7 Uhr p. 
auf der Insel. Mehrere Flugzeuge zogen ratternd überhin, ohne 
dafs die singenden Blaukehlchen oder Scliwalben und Segler da- 
durch irgendwie beunruhigt wurden. 

Von Szulczewski wurden Blaukehlchen in Birkholz im 
Kreise Znin beobachtet (Schulz). 

220. Erithacus luscinia L. ■— Nachtigall. 

1912: Am 28. IV. sang um 4 Uhr p. 1 cT an der Warthe- 
seite des Viktoriaparks, ein zweites d* an der Nordseite des 
Eichwaldes, beide treffliche Sänger; am 29. IV. um 4 Vi P- sang 
1 cT einige Strophen im Schilling, sonst war nirgends ein Vogel 
dieser Art zu hören (kühl bei 0.; die Vögel mögen wohl schon 
am 27. oder am 26. eingetroffen sein, als noch Westwind wehte). 

Reichlicher waren Nachtigallen erst am 7. V. vorhanden, so 
dafs ich an der Wartheseite des Kernwerks 10 — 11 Stücke zählen 
konnte. Ein Teil war sicherlich noch auf dem Zuge; denn ich 
traf um 5 *<> p. ein im Weidicht unterhalb der Wolfsmühle rasten- 
des Stück, wo sonst diese Art nicht zu finden ist. Im ganzen 
genommen, waren die Nachtigallen in diesem Jahre bei Posen 
weniger zahlreich vertreten als sonst. 

Am 15. VI. fand ich im Eichwalde ein Nest, das etwa Vs m 
hoch im Brombeergerank hing. Am 24. VI. brütete der Vogel 
noch, während sonst die Jungen schon fast flügge waren; am 
1. VII. lagen Junge im Neste, die tüchtig sperrten. Die Brut 
ist offenbar aufgebracht worden, da das Nest bei meinem Besuche 
nach den Ferien sich als unbeschädigt erwies. 

Am 27. VI. sang noch 1 cf um 8 Uhr p. ziemlich eifrig und 
ein zweites um 8'^ p. an der Wartheseite des Kernwerks. 

Im August hört man vorzugsweise gegen Sonnenuntergang 
die Lockrufe der Nachtigallen. Nur einmal, am 10. VIII., rief 

1 Stück sein Wihd um 4 Uhr p. auf den Schiefsständen vor dem 
Warschauer Tor. Teilweise mögen es noch heimische Vögel aus 
Spätbruten sein; doch dürften auch wohl zugewanderte Stücke 
sich zusammenrufen, um sich zum Weitermarsche vorzubereiten. 
Soviel scheint sicher zu sein, dafs die Vögel, wenn die Jungen 
völlig erwachsen sind, die Abreise antreten, da doch bei längerem 
Verweilen derselben mehr Vögel zu sehen und vor allem auch 
zu hören sein müfsten, als dies tatsächlich der Fall ist. Ich will 
auch diesmal die einzelnen Fälle, in denen ich im Laufe des 
Monats August Nachtigallen wahrnahm, hier anführen: Am 2. VIII. 
lockten um V> 7 p. an einer Stelle des Eichwaldes mehrere Stücke ; 
am 6. VIII. war um V, 8 p. an 4 Stellen der Wartheseite des 
Kernwerks das Wihd einzelner Vögel zu hören ; am 9. VIII. riefen 

2 Stücke ihr Wihd, mehrere liefsen ein leises, warnendes Krr 



iJouer Beitrag zur Kenntnis der Vogelwelt der Provinz Posen. 217 

hören; am 10. VIII. rief um 4 Uhr p. auf den Schiefsständen vor 
dem Warschauer Tor und um Vt 7 p. in Kobylepole je ein Stück; 
am 12. VIII. um 7 Uhr p. an der Nordwestseite des Kernwerks 
an mehreren Stellen lockend, ebenso um Vi 8 p. an der Warthe- 
seite 1 Stück; am 14. VIII. gegen V« 8 p. an 3 Stellen der 
Wartheseite des Kernwerks je 1 Stück rufend; am 19. VIII. im 
Kernwerk nichts zu vernehmen; am 21. VIII. kurz nach 7 Uhr p. 
an 2 Stellen der Wartheseite des Kernwerks je 1 Stück wihd 
rufend und ein leises Krr anhängend; ebendort am 26. VIII. 

1 Stück (oder 2) um 6 V^ p. Nach diesem Tage wurde keine 
Nachtigall mehr gesehen oder gehört. 

1913: Am 25. IV. um 9'* a. im Goethepark ein singendes 
cf, an der Südwest- und Südseite des Kernwerks etwa 5 Stücke, 
lauter gute Sänger; an der Ostseite des Kernwerks (Wartheseite) 
war noch kein Vogel zu hören (warm und schwül bei S., am 24. 
W. und SW.). Am 26. hatte sich die Zahl der singenden Vögel 
etwas vermehrt; auch auf den Kirchhöfen am Schillerpark 

2 Stücke; am 30. daselbst 8—10 Stücke, im Goethepark mindestens 
4 Stücke. Kayser hörte in Lissa, wo Nachtigallen häufig sind, 
gleichfalls am 25. IV. ersten Gesang. 

Sonstiges Vorkommen: Am 3. V. in Schokken 2 singende cf, 
in Lopuchowo (Kr. Obornik) 1 Stück; am U.V. mehrere bei 
Obornik und einige im nahen Welnatale, darunter anscheinend 
ein Sprosser; am 13. V. mehrere bei Kurzagura (Kr. Kosten) in 
einer aus Kiefern, Fichten und Lärchen gemischten Schonung; 
am 17. V, im Tale der Gluwna und zwar bei Kowalskie 1 Stück, 
am Kowalskier See 3 Stücke, bei Jerzykowo 2 Stücke, bei Olschak- 
Mühle und etwas weiter oberhalb je 1 Stück. 

Der Abzug ging in diesem Jahre vermutlich wegen der 
unfreundlichen Witterung im Juli recht früh vor sich. Am 3. VIII. 
wurde weder im Kernwerk noch zwischen Warschauer und Brom- 
berger Tor von einer Nachtigall ein Ton vernommen, obwohl sie 
sich dort früher besonders gegen Sonnenuntergang durch ihr 
lockendes Wihd und das warnende Krr bemerkbar zu machen 
pflegten, so dafs sie kaum übersehen werden konnten. Auch in 
den folgenden Tagen war dort nichts von Nachtigallen zu spüren, 
auch nicht am Steilufer der Warthe. Nur 1 Stück liefs am 
6. VIII. um V2 6 p. in einem Weidenbusche diesseit der Warthe- 
insel sein lockendes Whid hören und liefs sich ohne Scheu be- 
trachten. Es war wohl ein Jungvogel. Sowohl beim Abzüge als 
beim Rückzüge wurden mehrfach Nachtigallen im Weidicht der 
Warthe beobachtet. Sie scheinen demnach auf ihrem Zuge teil- 
weise der Warthe zu folgen, weil sie hier meist die erwünschte 
Deckung vorfinden. In der Brutzeit dagegen sind die Vögel dort 
nie zu treffen. Auch am 9. VIII. machte sich unterhalb des 
Schillings ein Durchzügler bemerkbar. Sonst konnte mit Sicherheit 
kein Vogel dieser Art mehr festgestellt werden. Die kühle^ 

Joun. f. Gm. ULVI. Jkhrg. April 1918, 15 



218 J. Hammling: 

regnerische Witterung hat offenbar die Vögel zur Beschleunigung 
ihres Abzuges veranlafst 

1914: Am 21. IV. kurz nach 7 Uhr p. warnte 1 Stück mehr- 
mals mit wihd krr auf dem jenseit der Johanniskirche liegenden, 
an das Cybinatal anstofsenden Kirchhofe (Witterung sehr schön 
bei leichtem östlichen Winde) ; am 22. IV. liefs 1 Stück am 
Steilufer der Warthe einige Töne hören ; am 23. IV. sang 1 Stück 
eine Strophe in den Anlagen vor dem Kalischer Tor; am 25. IV. 
2 singende d* im Schillerpark, 1 Stück an der Südseite des 
Kernwerks ; am 26. IV. 1 singendes Stück unweit des Schillingtors ; 
am 30. IV. sangen 8 Stücke an der Wartheseite des Kernwerks. 

Auch Kayser beobachtete bei Lissa am 21. IV. das erste 
singende Stück. 

Am 19. V. hörte ich in den neuen Solatscher Anlagen 5 bis 
6 <f singen. Am 16. VI. fand ich ein etwa in Augenhöhe hinter 
Stammausschlägen einer Rüster stehendes Nest. Am 4. VII. lagen 
Junge im Neste. Diese schienen aber nicht aufgekommen zu sein, 
denn nach den Ferien fand ich das Nest zerstört vor. 

Am 1. VII. liefs noch 1 cf im Park von Solatsch einige 
Strophentrümmer hören, und auch am 4. VII, sang noch am 
Steilufer der Warthe 1 Stück mehrere Strophen. 

Am 18. VI. hörte ich 1 cf im Warthewalde in der Nähe 
des Forsthauses singen, später 2 Stücke im Parke von Zerkow 
(Kr. Jarotschin). 

1915: Erst am 30. IV. wurde gegen Abend Gesang dieser 
Art vernommen. Die Tage vorher waren kalt und unfreundlich. 

221. Erithacus philomela Bebst. — Sprosser. 

1912: Am 23. V. sang ein Sprosser an der Wartheseite des 
Kernwerks unweit des Schillingstors. Doch hat sich der Vogel 
hier nicht sefshaft gemacht. Am 31. V. hörte ich im Eichwalde 
um 7 7^ p. 1 Stück, jedoch nur dieses eine Mal an dieser Stelle. 
Dagegen traf ich am 13. VI. um 7'/i P- einen Sprosser am Süd- 
rande des Eichwaldes, der sich als Standvogel erwies. Trotz des 
späten Termins seiner Entdeckung hörte ich den Vogel noch am 
15. VI. um Va6 p., 19. VI. um 6i» p. und am 22. VI. um e»/* 
und um 7 7* p.; auch am 24. VI. sang der Vogel um Vi 7 p. 
noch ziemlich eifrig, während Nachtigallen nur noch hier und da 
bruchstückweisen Gesang hören liefsen. Seitdem aber habe ich 
ihn nicht wieder vernommen. Der Vogel war recht scheu und 
wich mir stets aus, so dafs ich ihn nicht zu Gesichte bekam. 
Doch war sowohl sein Gesang als auch sein Warnruf durchaus 
sprosserhaft. 

1913: In diesem Jahre wurden 2 Sprösser im Eichwalde 
beobachtet und zwar an der Nord- und an der Südseite desselben. 
Am 14. V. liefs 1 cf an der nördlichen Randlache ausgesprochenen 
Sprossergesang hören. In der Folgezeit hatte sich der Vogel 



j 



Neuer Beitrag zur Eenntois der Vogelwelt der Pronox Posen. 219 

etwas tiefer in den Wald hineingezogen und etwa 30 m südlich 
der grofsen Lichtung seinen Standort gewählt. Hier sang der 
Sprosser am 27. V. um Vi ^ P- recht fleifsig, ebenso am 30. V. 
um 4" Uhr p. Kaum 20 Schritt von ihm entfernt sang eine 
Nachtigall. Am 2. VI. um 6 und 7 Uhr p. hörte ich nur die 
letztere, während am 5. VI. um 4^* Uhr p. bei einem herauf- 
ziehenden Gewitter sich beide in eifrigem Gesänge zu überbieten 
suchten. Auch um 6*® sang der Sprosser eifrig. Seitdem habe 
ich ihn nicht wieder gehört. 

An den vorher genannten Tagen habe ich auch das Stück 
an der Südseite des Eichwaldes verhört. Ich traf diesen Sprosser 
zuerst am 14. V. und zwar an derselben Stelle, an der auch im 
vorigen Jahre 1 Stück dieser Art gewohnt hatte. Ich hörte diesen 
Vogel am 18. VI. zum letzten Male. Auch bei den Nachtigallen 
hatte um diese Zeit die Sangeslust schon sehr merklich nach- 
gelassen. 

Sonstiges Vorkommen: Am 3. V. traf ich einen zwischen 
4 und 5 Uhr p. eifrig singenden Sprosser unweit des Bahnhofs 
Revier (Kr. Wongrowitz) in der vom Wluknoer See südwärts 
ziehenden Senkung, die, eine richtige Sprossergegend, mit dichtem 
Weidicht bedeckt ist, in das halbhohe Birken eingestreut sind. 
Die westliche Seite dieser Senkung wird von einem stattlichen 
Kiefernhochwalde eingefafst, in dem Hohltauben sich durch 
Paarungsrufe bemerkbar machten. Am U.V. traf ich im Welna- 
tale bei Obornik einen Sänger, der anscheinend dieser Art 
angehörte. 

1914: In diesem Jahre konnte mit Sicherheit kein Stück 
dieser Art bei Posen nachgewiesen werden. 

1915: Am 8. V. war am Nordrande des Eichwaldes Sprosser- 
gesang zu hören (tjojo u. s. w.), ebendort auch am 

17. V. 

Einige Angaben über die Verbreitung des Sprossers in der 
Provinz habe ich im II. Bericht gemacht. Kayser hörte am 26. V. 
1914 im Priebischer Bruch bei Lissa einen Sprosser. 



Zu den vorher behandelten 221 Arten kommen noch fol- 
gende 7 in den früheren Berichten (I. oder II.) besprochene: 
Anas boschas L. — Stockente, Dendrocopus maior L. — Grofser 
Buntspecht, Dendrocopus minor L. — Kleinspecht, Passer domesti' 
cus L. — Haussperling, Fasser montanus L. — Feldsperling, 
Acanthis cannabina L. — Bluthänfling, Parus caeruleus L. — 
Blaumeise. Somit beträgt die Gesamtzahl der von mir bisher 
aus der Provinz Posen aufgeführten und besprochenen Arten und 
Nebenarten 228. 



15* 



2S0 

Fragen und Aufgaben der Yogelsprachknnde. 
Von Oomel Sohmitt und Hans Stadler. 

ni.*) Nachtigall, Kuckuck, Tannenmeise. 

A. Die musikalischen Elemente des Nachtigallen-Gesanges. 

Bernhard HoffmaoD nennt die Nachtigall eine grofse Künst- 
lerin, aber schlechte Komponistin. Wir müssen ihm vollständig 
beipflichten. Wie die Nachtigall die Seele in ihre Lieder legt, das 
macht ihr kein anderer Singvogel unserer Breiten nach. Das ist 
umso kostbarer, als ihre Strophen von einer aufserordentlichen 
Einfachheit sind. Man stelle sich eine Sängerin vor, die vor das 
Publikum träte und eine Strophe aus 15 — 30 gleichhohen, sehr 
langsamen Tönen sänge, darunter als Text: ü ü ü. Und wenn 
sie ihre ganze Seele dareinlegte, sie würde uns doch lang weilen! 

Peter Cornelius hat es einmal gewagt, ein Lied zu schreiben, 
das der Singstimme zumutet, 80 mal den gleichen Ton zu singen 
und sonst weiter nichts. Das Lied heifst bezeichneterweise: „E i n 
T n." Das Experiment mufs als ziemlich gelungen betrachtet 
werden. Aber man würde das Unzureichende sofort erkennen, 
wollte man den Text ausschliefsen oder gar die wundervolle 
Klavierbegleitung weglassen. Aber die Strophe der Nachtigall, 
in der nur ein Ton wiederholt wird, die ist es grade, die seit alters 
jedermann als die schönste preist, und eine Nachtigall, die diese 
Strophe nicht oder doch selten bringt, wird stets als minderbegabt 
bezeichnet werden müssen. 

Die Süfse, der Klangschmelz der Stimme lassen sich nicht 
schildern. Wir können nur die Zeichen bringen, die dem Musiker 
bei der Niederschrift zur Verfügung stehen. j| 

1. 

Die meisten musikalischen Elemente des Nachtigallengesangs 
sind in der Crescendo-Strophe enthalten : gleich- 
hohe Töne, in verschiedener Zahl je nach der 
Stimmung des Vogels aneinandergereiht. 

Als Tonhöhe haben wir meist das nachpfeifbare gi fest- 
gestellt, doch auch die Töne, die in der Spannung von «s^ bis tt4 | 
liegen. Die Strophe enthält in der Regel ein durchlaufendes j 
Crescendo, so dafs die Töne piano, die folgenden mf und f 
gebracht werden. 



^T? TU ??t?^ 

üüüüüüüüü 



^) S. Journ. f. Ornithologie 1917, Festschrift far Eeichenow. 



Fragen und Aufgaben der Vogelsprachkunde. 221 

Öfter hört man aber aufserdem auf jedem einzelnen 
Ton ein Crescendo: 



n ul 



Die dynamische Verschiedenheit der Töne ist fast immer 
vorhanden, doch haben wir auch Tonreihen in gleichmäfsigem p 
gehört. Ein Schnellerwerden (Accelerando) ist im Crescendo 
zuweilen wahrzunehmen. 

Einmal konnten wir ganz deutlich ein Decrescendo und ein 
damit verbundenes Absinken des Tons konstatieren. Das scheint 
mit der Stimmung des Vogels zusammenzuhängen. 

Die dynamische Schattierung verschwindet, wenn die Töne 
verkürzt werden. Dann tritt in der Betonung viel mehr Gleich- 
mäfsigkeit ein. 



t i M I f 



iht iht ibt iht ibt ibt. 

Dafür kann aber in diesem Falle die Tonhöhe der einzelnen 
Strophe stark wechseln. Wir haben diese Tonreihen in der 
Spannung von f^ bis c^ gehört. Bevorzugt wird in der drei- 
gestrichenen Oktave wiederum e f g. 

Die eingangs angeführte Strophe kann nun noch weiter 
verkürzt werden, indem nur Achtel 

-liillU 

lilililililili 



nur Sechzehntel 



n IUI n 



ze ze ze ze ze ze ze ze 
ja Zweiunddreifsigstel von gleicher Tonhöhe gereiht werden, was 

wir Roller nennen und mit dem Zeichen P^"^'^-'^'^'^ wiedergeben. 

Die Tonhöhe ist auch hier sehr verschieden. Als tiefsten Ton 
haben wir a,, als höchsten g^, den Roller allerdings nur in der 
Quarten-Spannung von c^^—f^ gehört. 

Der Roller kann auch mit kleinen Unterbrechungen gebracht 
werden, so dafs man schreiben kann: 



xfc*** Jii*'»^ iff-^^ af»*^ 



irrirrirrirnrr. 



222 Cornel Schmitt und Hans Stadler: 



2. 



Die bisher angeführten Beispiele mit Ausnahme der zwei 
ersten stelle man sich nun vor mit durchstrichenen Notenköpfen: 



Y oder I 



Das ist unser Zeichen für Klangarmut bezw. für Geräusche. Es 
wird nämlich von der sonst so begnadeten Sängerin, und zwar 
ziemlich häufig, solch klangloses Zeug eingestreut. Besonders 
häfslich klingt dann der Roller, wenn er länger gehalten wird 



arrrrrrrrr. 
Die kurzen derartigen Roller 



'IZSUUZT') 



erweckten in uns immer die Vorstellung vom Aufziehen einer 
alten Wanduhr mit Gewichten, wie man sie früher in allen Haus- 
haltungen antraf. 

3. 

Die auf einem Ton liegenden Tonreihen — die Geräusche 
miteingeschlossen — folgen nun nicht immer im gleichen Rhythmus 
aufeinander. Sie treten punktiert auf: 

\fvj vj rj u 

Iwi fwi Iwi fwi 
oder die Töne sind durch Pausen auseinandergehalten 

t-' V' V> V'W 

i i i i 

oder es treten kurzeVorschläge dazu, die entweder etwas 
höher oder etwas tiefer liegen. 

iiüiiiiW '^fiÜLkiiiiii] 

üiüiüiüi iuiuiuiuiuiu. 



^) Durch ein Versehen blieben hier die NoteokOpfe ohne Striche 
•teben. 



Fragen und Aufgaben der Vogelspraohkunde. 228 

4. 
Wir haben bereits erwähnt, dafs die Tonreihen, von denen 
bis jetzt die Rede war, in verschiedener Höhe gesungen werden. 
Nun kommt es häufig vor, dafs eine Tonreihe plötzlich einen 
Knick erhält und dann um ein Bedeutendes höher ;oder 
tiefer liegend weitergeführt wird. 

i-LÜ tlü ifLililiJ ^^-^^^ 

iiii zäzäzäzä gwügwügwügwü wiwiwiwi. 

Dabei findet sehr oft eine Verschiebung im Tempo statt! 

it it it it iiiiii. 

Man könnte das auch als eine Verbindung zweier Elemente 
betrachten. 

5. 
Wenn zwei nebeneinanderliegende Töne, wie sie unter 3. 
gezeigt worden sind (also Vorschläge mit ihrem Hauptton) so 
schnell wiederholt werden, dafs von einer Betonung nicht mehr 
die Rede sein kann, dann entsteht in der Musik der Triller, 
der wohl zu unterscheiden ist vom Roller. Im Triller werden 
zwei unmittelbar nebeneinander liegende Töne 
schnell gereiht: 



f Oboe ün,sehUg ^ [ [ [ [ | [ [ | | | | [ [ | [ [ 



Der Triller findet sich im Vogelgesang unendlich viel seltener 
als der Roller. Aber bei der Nachtigall tritt er häufig und in 
unnachahmlicher Geschmeidigkeit auf. Wie wunderbar mögen die 
Singkehlkopfmuskeln der Künstlerin dabei spielen! 

6. 

Im Nachtigallengesang treten aber selbstverständlich (wie 
auch in den Strophen anderer Singvögel) Sprünge auf. 

Während der Triller aber eine Bindung bedingt, können 
solche Tonsprünge auch imStaccato erfolgen: 

^*L^^ Li Lf ^'^ (Quartensprünge), 
wadiwadiwadiwadi. 



224 



Cornel Schmitt und Hans Stadler: 



Häufig erklingen sie aber auch im legato: 

;rlj vij vU'< 

dliü dliü dHü. 



7. ' 

Dafs die Spannung zwischen zwei weiter auseinanderliegenden 
Tönen von der Nachtigall ausgefüllt wird (also durch eine Art 
Tonleiter) haben wir bisher nur zweimal gehört. 

Einmal geschah es in einem aufwärts gezogenen Roller 




das andere Mal wurde eine Tonleiter stakkatiert abwärts gesungen, 
(Hofgarten, Würzburg). Das war etwas ganz Wesenfremdes für 
den Nachtigallengesang : 




8. 

Wie erfolgt nun dieVerbindungdieserElemente? 
Die Nachtigall und zwar schon jedes Einzeltier verflicht diese 
Elemente so subjektiv, dafs eine Aufstellung von Regeln als aus- 
sichtloses Unterfangen bezeichnet werden müfste. Aber einzelne 
Verbindungen sind so beliebt, dafs sie nicht nur auffallen, sondern 
bald recht, verbraucht, ja für den Zuhörer peinlich werden durch 
die Häufigkeit ihres Auftretens. 

Von den angeführten Elementen werden selten mehr als 3 
zu einer Strophe verbunden. Dann folgt meist eine Pause; längere 
Strophen sind äufserst selten. Wir haben einmal sechs Nachti- 
gallen im Würzburger Hofgarten nebeneinander schlagen hören: 
Die eine bevorzugte die sentimentale Strophe, die andere liebte 
Roller und Triller, die dritte schlofs gerne jene Geräusche ein, 
von denen oben die Rede war, u. s. f. Eine Liebhaberei für be- 
stimmte immer wiederkehrende Strophen besitzt eben jede. 

An den klingenden Roller wird aufserordentlich häufig ein 
Hochton als Schlufs gehängt: 



^f" 



Fragen und Aufgaben der Yogelspracbkunde. 



225 



Wie unter 4 schon gezeigt, können klangvolle und klang- 
arme Tonfolgen, selbst Geräusche verbunden werden; das machen 
besonders die schlechten Schläger ziemlich häufig: 

LLLU IJJJ V , oder: 
ididididi zezezeze wiz 



zädizädizädizädi 



üüüü itz 



(die durchstrichene Note bezeichnet die Stelle, wo die Sängerin 
ein Geräusch ähnlich dem beim Taschenuhraufziehen einflocht). 
Die beiden Rollerarten stehen überhaupt gerne am Schlufe 
einer Strophe. 



.^v .>v .'> 



I^lflvi^-^l ^f^^'^r-l 



[duid duid duid ürrrr 



tiu tiu tiu zarrrr 



l^lM ; ] jTl k] i-^ 



lilili 



lülülü gwarrrr 



Im allgemeinen darf man sagen, dafs es dem Temperament 
des Vogels entspricht die einzelnen Gesangsstücke so anzuordnen, 
dafs die langsameren vorausgestellt werden. Ver- 
bindungen wie die 2 nachfolgenden dürften seltener sein: 

l U !•■: 1-j I-.I \: Tj J i j i i 



ji jiöjiejiejiöjiejie 



li li li li li; 



zizizizizizi üle üle üle iiiiiwi. 

Die letzte Strophe zeichnet sich auch durch ihre verhältnismäfsige 
Länge aus ; sie besteht aus drei der oben angeführten Grundteile. 



226 



Cornel Schmitt und Hans Stadler: 



Eine beliebte Strophe ist auch diese: 



T TTT 



•■V/X'V^ 



V 



güh güh güh güh iiiii itz. 

Die Anzahl der gezogenen Töne können natürlich viel gröfser 
sein. Wir zählten einmal in Marktheidenfeld dreifsig! 

Wir sind uns dessen bewufst, dafs diese „Klitterung" der 
Nachtigallenstrophe dem Nichtmusiker gar nichts sagt, im Gegenteil 
auf ihn vielleicht abstofsend wirkt. Aber wer sich die herrliche, 
80 sehr zum Herzen gehende Sprache der Nachtigall einmal 
so zergliedert und erkannt hat, wie unendlich einfach die musik- 
technischen Hilfsmittel der Sängerin sind, wie simpel der Aufbau 
der Strophe anmutet, der wird erst richtig die Seele der Künstlerin 
bewundern müssen. 

B. „Der Kuckucksruf.'' 

Jedermann glaubt den Kuckucksruf genau zu kennen und 
meint, er stimme völlig überein mit dem Anfang des Kinderliedes 




Kuckuck, Kuckuck, rufts aus dem Wald. 

Wer jedoch genau hinhört, findet an der Schreibung vielerlei 
auszusetzen. Zwar: die zwei ersten Takte des Notensatzes ent- 
halten die absolute Tonhöhe und damit die Oktave richtig.*) 
(Die Erwachsenen, die im Freien den Kuckuck nachsingen oder 
-pfeifen, irren in der Oktave sich regelmäfsig -— sie singen zu 
tief, setzen sie pfeifend zu hoch an.) In allen andern Punkten 
aber steht die Schreibung mit den Tatsachen im Widerspruch. 
Es wäre richtig zu schreiben: 




/- 



^=^^=^ v^^ y -. 



]Z^±± 



wuggü 



wuggü. 



*) Infolge eines Druckfehlers ist in zwei Schriften^ [von uns die 
Oktave des Kuckucks falsch angegeben, als Cg statt c,:inArdeal914, 
S. 39, und British birds, Bd. 8, 1914, S. 4. Diese beiden ärgerlichen 
Druckfehler seien hiemit berichtigt. 



Fragen und Aufgaben der Yogelspracbkunde. 



227 



Es wäre also zunächst statt des dreiteiligen der vierteilige 
Takt zu setzen — dieser ist der am häufigsten vorkommende Takt. 
Ferner wären die Notenwerte auf Achtel zu kürzen und ent- 
sprechende Pausen = zwei Achseln einzusetzen. Die Hervor- 
hebung des tieferen Tons müfste durch das Akzentzeichen 
geschehen : Denn der zweite Ton ist akzentuiert — die auf 
dem höher gelegenen Ton gebrachte erste Silbe hat auch den 
Komponisten irregeführt. Beide Töne sind gewöhnlich gleich 
lang. Es gibt einen Kanon, das bekannte „Erwacht, ihr Schläfer 
drinnen", dieser verwendet das Kuckuckslied nahezu richtig. 




I y^^ 1 [ J V^vfp 



[Kuckuck Kuckuck. 

Hier ist der erste Ton wie im Vorbild als Auftakt gebraucht, 
es stimmt die Metrik, nur das Tempo ist langsamer als das des 
Originals. Die Tonspannung ist hier wie im Frühlingslied richtig 
getroffen: Die kleine Terz, etwas für den Kuckucksruf so sehr 
charakteristisches. 

Diese Tonspannung wird allerdings häufig von dem Vogel 
nicht genau eingehalten. An manchen Tagen hört man fast nur 
die Sekundenschritte e — d. Andere Gauche überschreiten die 
kleine Terz und singen oft tagelang fis—d. Gar nicht so selten 
werden sogar Quarten gesungen. 



^^ 



2±-t 



E 



^ 



*:^ 



U. S. f. 



Beachtenswert und schon früheren Beobachtern*) aufgefallen 
ist nun das: Innerhalb der halben Eu fr eihe schwanken 
die Intervalle; der Kuckuck treibt häufig während des Singens 
die Töne in die Höhe. 

Häufig beginnt er mit grofsen Sekundenschritten (e—d) — 
seltener mit es— d — treibt dann mit den zwei nächsten Rufen 
den Hochton in deutlich wahrnehmbaren Schritten bis zur kleinen 
oder grofsen Terz (/" bezw. fis) und behält von nun ab das Inter- 
vall bei. Der so gewonnene Hochton wird, wie gesagt, während 
der gesamten noch folgenden Strophenstrecke beibehalten. 



*) J. Oppel, Vom Ettckucksrufund Amselgesang. 
Zoolog. Beobachter 1869. 

Ft. Thomas, Die Mannigfaltigkeit imEnckucks- 
raf. Thüringer Monatsblfttter, 14. Jahrgang, Eisenacb 1906. 



228 



Cornel Schmitt und Hans Stadler: 





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* — P 




J^ — < »- 

PA - 


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d 


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77 




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» 



























Oppel und Thomas berichten sehr hübsch über diese 
Besonderheit der Kuckucksstrophe. Diese Erweiterung der Ton- 
abstände kann zuweilen gesteigert werden. Ein von uns verhörter 
Kuckuck machte zunächst den Sekunndenschritt d—c, ging schnell 
über es nach e und gelangte dann nach f; als Grundton wurde 
jedoch von diesem Vogel stets c beibehalten. Einmal haben wir 
festgestellt, dafs die kleine Terz wieder gegen Schlufs verlassen 
und das Intervall Aerkleinert wurde. Am 5. V. 1917 hörten wir 
in Ochsenfurt den Kuckucksruf in der Art: 



fe^ 



m 



w^^ 



v^ 



.y^yy^^l' 



xt. 



^x 



Es wurde also die grofse Terz fis d beim 2. Ruf abgemindert 
nach f d, um dann wieder zurückzukehren. -- Hie und da kann 
man den Kuckuck auch mit einem aufsergewöhnlich hoben Ton 
einsetzen hören. 

Am 30. V. 1917 begann einer 



rf 



6 



^ 



^t± 



Am 1. VI. 1917 setzte einer gar mit a ein 




V\\.>>^'\V) ^ , 



verbesserte sich zur Durterz, kehrte aber im weiteren Verlaufe 
der Rufreihe immer wieder einmal zur Quint a zurück. Dieser 
Ton klang wie ein „Gickser", der dem schlechten Klarinetten- 
bläser öfter unterläuft. Es war also ein mifsratener Ton. — Im 
Verlauf einer längeren Strophe kann sich jedoch auch der 
Grundton etwas nach oben verschieben, wenn auch lange nicht 
in dem Grade wie der Hochton. Wir haben dies an Ort und 
Stelle übersichtlich dargestellt, wobei jedoch im Bild die Takte 
unnatürlich auseinander gezerrt wurden. 



f'ragen und Aufgaben der Yogelspracbkunde. 



229 



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Mit diesen Beobachtungen stimmt der Wettstreit im 
„Wunder hörn" überein zwischen Nachtigall und Kuckuck, bei 
dem der Esel zu Ungunsten der Nachtigall entscheidet, weil sie's 
ihm „zu kraus macht". In der 4. Strophe heifst es da: 
„Der Kuckuck drauf anfing geschwind: Kuckuck! 
Sein Sang durch Terz, Quart und Quint, 
Und tat die Noten breche n." 

Brechen bedeutet wohl soviel wie unterbrechen durch Pausen. 
Dafs der Kuckuck bis zur Quint seinen Sang hinauftreibe, haben 
wir in den letzten drei Jahren zweimal gehört. Unsere Erfahrung 
deckt sich demnach mit dem mittelalterlichen Kollegen völlig. 

Auch die Tonhöhe der Kuckucksstrophe ist nicht immer 
ganz gleich. Von einer Sopranstimme ist das zweigestrichene 
f—d, das man am meisten hört, gut zu erreichen. Das d, liegt 
auch gerade noch an der untersten Grenze unserer Pfeiflage. 
Wir hörten aber auch csj Cg, so dafs der Kuckucksruf die Quint 
von Cj bis g^ umspannen kann. Seine Tonhöhe liegt demnach 
zwischen dem des Waldkauzes, der sehr beharrlich c^ g^ singt, 
und dem Gurren der Ringeltaube von der Tonspannung d, ay 

Als wir einst mit einer tönernen Pfeife, die auf fi,s dis 
abgestimmt war, einen Kuckuck anlockten, kam der Vogel zwar 
in die Nähe, gab aber nur noch ein einzigesmal erregt Antwort. 
Er hatte wohl Anstofs genommen an der Verschiedenheit der 
Tonhöhe oder an dem für uns kaum wahrnehmbaren Unterschied 
der Klangfarben. Dagegen gelang es leicht, denselben Vogel mit 
einer hölzernen Kuckuckspfeife anzulocken. Der Ruf des 
vermeintlichen Nebenbuhlers erregte ihm aufs höchste. Zuerst 
rief er in forte ein lautes zorniges 



P^^ 



l^ 



S 



rauhe 



Dann lauschte er und brachte zwischen hinein leise, etwas 



y^U^^'l, -l ^ 




280 Cornel Schmitt and Hans Stadler: 

um dann, der Lockpfeife wieder zornig antwortend, die sehr 
merkwürdige Triole herauszustofsen : 



^m 



Dann erklang wieder der Ruf in der grofsen Terz, heraus- 
fordernden Tons. Er wollte sich gar nicht mehr beruhigen, 
39 mal erklang sein Ruf in der Minute. — Das entspräche nach 

Mälzeis Metronom dem Tempo Adagio j =112. 

In dem angeführten Wunderhorngedicht lobt der Esel den 
Kuckuck : „Aber Kuckuck singst gut Choral und hältst den Takt 
fein inne." Hiezu eine Beobachtung vom 30. V. 1917. In einem 
Wäldchen unmittelbar an einem Eisenbahngleis singt ein Kuckuck 
seine gewöhnliche Rufreihe f d im Vs Takt. Er will gar nicht 
damit enden und läfst sich durch einen herankommenden Güter- 
zug nicht stören. Wir hören durch das Schüttern und Rollen 
nur noch das tieferregte, akzentuierte d hindurch und beginnen 
unwillkürlich Vs Takt zu zählen, wobei der Tiefton mit gröfster 
Genauigkeit auf den bestbetonten Taktteil fällt. Als wir die 
tickende Taschenuhr zur Hand nehmen, finden wir, dafs etwa 
zwei Schläge auf einen Ton bez. eine Pause des Rufs kamen. 

Der Name des Kuckucks lautet in den verschiedenen 
Sprachen ziemlich gleich. So 

im Altdeutschen = Gugu, 

- Lateinischen = cuculus (italienisch: cuculo), 

- Griechischen = kokkyx, 

- Französischen = coucou, 

- Englischen = cuckoo, 

- Russischen = kakuschka, 

in der bulgarischen Volkssage Gugo (Georg). 

Diese Übereinstimmung hat nichts Überraschendes; sie erklärt 
sich aus der dunklen, obertonarmen, leicht nachzuahmenden 
Klangfarbe des Kuckucksrufs. Dafs auch der scharfe Ansatz 
eines jeden Tones überall gehört wird, also überall der gleiche 
konsonantische Eindruck empfunden wird, ist aus dem voraus- 
gesetzten Laut g, k (c) ersichtlich. Wenn man den Vogel aus 
nächster Nähe belauscht, ist der Anlaut aber nicht y oder k, 
sondern ein eigentümlich, gleichsam aus der Tiefe heraufgeholtes 
längeres ww: wwuggu. 



Fragen und Aufgaben der Vogelsprachkunde. 231 

Ungemein häufig geht dem lauten Gesang eine leise 
Vorstrophe voraus. Sie ist tonlos, vom Rhythmus 




w w w w 
vom Spracheindruck waggaggaggagg oder -ra-j-a-ra— a oder 

w w w 
schwi — h^~h^"~h ^ — '™ wesentlichen der Begattungsruf = Ruf 

der Liebesekstase, und ist ein Beispiel mehr der leisen Vorstrophen 
vermutlich sehr vieler Vogelarten : deren bekannteste Grasmücken, 
Laubvögel, Buschheuschreckensänger, Flufs- und Nachtigallschwirl, 
Kauarienvogel, Kiebitz, Rohrdommel, Wachtel sind. Einmal hörten 
wir einen Gauch das gleiche waggaggaggagg seinem Stropben- 
schlufs anhängen. 

C. Die Tannenmeisenstrophe. 

Die Tann enm eise (ParMS ater ater) überrascht den 
aufmerksamen Beobachter immer wieder einmal mit einem neuen 
Liedchen, freilich nicht in dem Grade wie die grofse Base, die 
Kohlmeise, deren Strophen sich auch durch gröfseren Wohlklang 
und gröfsere Stärke auszeichnen. 

Der sprachliche Eindruck, den die Tannenmeisenstrophen 
auf den Hörer machen, kann recht verschieden sein. Bald klingt 
ihr Notentext wie dewld dewid, bald wie wäsi wäsi oder siwäsi, 
oder Wide, wide, wise, wise, jefis, gizä, zehize, zehlze, dezfzi defli, 
stikl. 

Musikalisch betrachtet erscheinen die Lieder oft sehr einfach 
gebaut. Zwei hohe, nah beieinanderliegende Töne am Ende der 
vierten oder am Anfang der fünften Oktave werden in Achtel- 
bewegungen aneinandergereiht, auf der Höhe des Gesangs bis zu 
dreifsig malen und noch öfter. Dabei kann der obere oder der 
untere Ton betont werden: 



wize wize w^zi w6zi. 

Vielfach wird punktiert: 



282 Oornel Schmitt und Hans Stadler: 

oder ein Auftakt vorausgestellt: 

. ? .^r u. s. f.; *fi^ u. s. w. 

J^tj u. s. f.; yj^ u. s. w. 

ze hize zihezi. 

Dieser Auftakt tritt öfter auch als Doppelnote auf: 

Durch Verschiebung der Betonung entsteht: 

Dabei kann das zweite Sechzehntel durch eine Pause ersetzt 
werden: 

dewfd döwid. 

Alle diese Strophen werden mit dünnem Stimmchen vorgetragen 
und haben das gemeinsam: Sie sind stakkatiert. 

Den Bindebogen dagegen haben wir sehr selten beobachtet: 

Qria«.s.f.; yQQu.s.f, 

deis deis 

und neigen beinahe zu der Auffassung, dafs das aneinandergereihte 
Rufe der Beunruhigung waren. 

Manchmal bleibt ein Sänger lange Zeit bei einer dieser 
Strophen stehen. Ein anderer aber findet Zeit und Gelegenheit 
günstig, Variationsversuche zu machen — das Strophenmotiv, wie 
oben gezeigt, zu wechseln. Dann kann man sehr merkwürdiges 
erleben. 

Was zuerst in Achtelbewegung gebracht wurde, erklingt 
plötzlich in Sechzehnteln; was gleichmäfsig betont war, erhält 
einen besonderen Akzent, der im weiteren Verlauf wieder auf 
den anderen Ton verlegt wird ; Pausen werden eingeschoben und 
Vorschläge angebracht. Kurz, das bewegliche Temperament des 
Vögelchens zeigt sich auch in seinem Liedchen. 



Fragen und Aufgaben der Vogelspracbkunde. 288 

Beliebt ist der kurze Vorschlag, der meist vom nächst 
höheren Ton herabgezogen wird; dabei wird aber das Stakkato 
nicht verlassen. 

.-> O .> f:N t> ^r 



^t ^! ^T '^l ^f cfw u. s. f, oder: 



s. w. 



d^ Sil d6 sii d^ sii. 

Die in der ersten Notenschreibung dargestellten Liedchen 
werden öfter so gebracht, dafs jeder der zwei Töne gleichmäfsig 
stark betont erscheint. Wollten wir nun aber eine schreiben: 

Ü U Ü oder U LJ LJ 

so stockten wir schon und wurden unsicher. Die Strophe hat 
etwas so Schwankendes, dafs in uns stets das Bild eines Hinund- 
hertaumelnden auftauchte. Ein Ton wird zum andern hingezogen. 
Wie oft wir das rhythmische Rätsel auch in Noten zu fassen 
suchten, immer wieder verwarfen wir unsere Schreibung. Als die 
beste dünkte uns scbliefslich die: 

Man mufs sich, um das Notenbild zu verstehen, klar machen, 
dafs der Tiefton zerlegt ist in zwei Sechzehntel, die aber nicht 
genau von einander geschieden werden. Während nun das erste 
Sechzehntel genau mit dem Hochton verbunden ist, von dem es 
herabgezogen wird, geht die 2. Hälfte des Tieftons, also das 
zweite Sechzehntel schon wieder eine Verbindung mit dem nächsten 
Hochton ein. 

Wir möchten diese Strophe als die Tannenmeisenstrophe 
ansprechen, denn alle die vorher Besprochenen unterscheiden 
sich lediglich durch ihre Tonstärke (Dynamik) von Kohlmeisen- 
strophen. 

Noch verwickelter wird die Sache, wenn einer der beiden 
Töne recht klanglos auftritt. So finden wir in einer Aufschreibung 
vom 30. IV. 1914 folgende Strophe aufgezeichnet: 

^OV O - 

JoBcn. U Om. LXYI. Jalicg. Aprü 1913. 16 



234 C. Schmitt u. H. Stadler: Fragen u. Aufgaben derVogelsprachkande. 

Das merkwürdige Geräusch, das einem guten Ton in genau 
der gleichen Weise schwankend auf dem Fufse folgte, klang wie 
das Geräusch, das der Bader beim Streichen des Rasiermessers 
macht, wenn er das Messer auf dem Streichriemen umklappt. Miti 
diesem Vergleich ist zugleich auch das Unrhythmische, Schlappe, das , 
für diese Tannenmeisenstrophe bezeichnende Holpernde ausge- ■ 
drückt. Wenn wir jedesmal zuerst die einfache Schreibung 
anwandten, so müssen wir es heute, da wir die „Rechtschreibung" ' 
für diese Strophe entdeckt zu haben glauben, in folgender Weise 
schreiben : 

ky Uy ^ Üf ü y T=J 

Auch hier darf man sich durch die Zerlegung der Achtel 
in Sechzehntel nicht irreführen lassen ; diese dienen mehr der 
Veranschaulichung. Das Schwankende, Taumelnde kommt uns hier 
zum Bewufstsein — während wir bei der einfachen Schreibung 
uns unwillkürlich einen straffen Rhythmus dazu denken. Und 
gerade das Fehlen des Rhythmus ist hier das 
typische. 

Wir sind natürlich nicht die einzigen, die diese Beobachtung 
gemacht haben. Auch Alwin Voigt scheint seiner Sache nicht 
gewifs gewesen zu sein. Seinen Ausführungen über den Tannen- ' 
meisengesang (im „Exkursionsbuch") ist zu entnehmen, dafs auch 
ihm das schleppende und eigentümlich ziehende dieser Vogelmusik 
aufgefallen ist, was er in Silbenschreibung mit stiefle stiefle und 
dividividivi ausdrückt. Jedoch geht er nicht näher auf diese 
Frage ein. 

Umsomehr gibt dem Musiker das rhythmische Rätsel der 
Tannenmeisenstrophe zu denken. 



Deutsche Ornithologische Gesellschaft. 

Bericht über die Dezembersitzung 1917. 

Verhandelt Berlin, Montag, den 3. Dezember 1917, abends 
7 Uhr im Blauen Saale des „Rheingold", Potsdamerstrafse 3. 

Anwesend die Herren v. Versen, Bünger, Stein- 
metz, V. Stralendorff, 0. Neumann, Reichenow, 
Schalow, F. V. Lucanus, Haase und H e i n r o t h. 

Als Gäste die Herren H. v. Lucanus, Quehl, Helfer, 
S e i 1 k p f und Frl. B e e 1 e. 

Vorsitzender Herr Schalow, Schriftführer Herr Heinroth. 



Beriebt über die Dezembersitzung 1917. 235 

Der Vorsitzende begrüfst die aus dem Felde vorübergehend 
hier weilenden Mitglieder Herren v. Ve r s e n und 0. Neumann 
und legt zusammen mit Herrn R e i ch e no w die eingegangenen 
Bücher und Zeitschriften vor. Herr v. Lucanus gibt hierauf 
einen Überblick über den Zug der Waldschnepfe, der später 
ausführlicher mitgeteilt werden wird. 

An dem sich anschliefsenden Meinungsaustausch be- 
teiligen sich die Herren Reichenow und S c h a 1 o w. Auf 
entsprechende Anfragen antwortet der Vortragende, dafs von der 
ungarischen ornithologischen Zentrale Waldschnepfen nicht 
beringt worden sind. Es sei unwahrscheinlich, dafs die in 
Rossitten im Herbstzug zur Beobachtung kommenden Schnepfen 
an der Ostseeküste entlang wandern, da diese Art ja kein Küsten- 
vogel ist und die Wanderer an der Nordsee nicht erst nach 
4 Wochen eintreffen würden. Auch sei an der Ostsee in der 
dazwischenliegenden Zeit ein wesentlicher Schnepfenzug nicht 
zur Beobachtung gekommen. 

Herr N e u m a n n gibt hierauf einen Überblick über die 
Vogelwelt der Kapverden. 

Die Ornis dieser Inseln hat ein eigentümliches Schicksal. 
Sie setzt sich unbedingt aus Vertretern der äthiopischen und solchen 
der paläarktischen Fauna zusammen. Aber in den beiden Haupt- 
werken, die diese Gebiete behandeln, fehlen sie. Hartert in seinen 
„Vögeln der paläarktischen Fauna" erwähnt die Kapverden in 
seiner Einleitung gar nicht, gibt aber im Text mehrfach zu ver- 
stehen, dafs er sie vollkommen zum äthiopischen Faunengebiet 
rechnet. Reichenow in seinen „Vögeln Afrikas" rechnet die Kap- 
verden wieder zum paläarktischen Faunengebiet und meint, dafs 
sich ihre Ornis eng an die der Kanaren und Azoren anschliefse. 
Der Vortragende hat an der Hand der letzten ausführlichen 
Arbeiten über die Vögel dieser Inseln, der von Boyd Alexander 
und der von T. Salvadori (Sammlung Fea) die dort bestimmt 
oder vermutlich als Brutvögel vorkommende Arten durchgeprüft. 
Er hat dabei die Arten nicht nur in paläarktiscbe und afrikanische 
(resp. tropische bei Seevögeln) eingeteilt, sondern dazwischen eine 
Gruppe neutraler Arten anerkannt, das heifst solcher, welche 
Formenkreisen angehören, die sowohl im paläarktischen als im 
afrikanischen (resp. tropischen) Gebiet Vertreter haben. Er 
kommt zu folgendem Resultat. 

Rein paläarktischen Formenkreisen gehören 3 Arten an: 
Sylvia conspicillata, Sylvia atricapilla, Milvus fasciicauda. 

Neutralen Formenkreisen gehören 20 Arten an: Älaemon 
alaudipes subsp., Ammomanes cinctura^ Calandrella rajiae, Passer 
hispaniolensis, Corvus umhrinus^ Cypselus unicolor^ Falco neglectus^ 
Fandion haliaetus , Neophron percnopterus , Strix insularis ^ 
Columba livia subsp., Coturnix coturnix subsp., Cursorius gallicus 
subsp., Ardetta gargeita, Fhoenicopterus roseus, Marmaroneita 

16* 



286 Beriebt über die Dezembersitzang 1917. 

angustirosiris j Fufßmts edwardsi, Pufßnus assimilis subsp., 
Fegalodroma marina, Oceanodroma cryptoleucura. 

Rein afrikanischen (resp. tropischen) Formenkreisen gehören 
folgende 10 Arten an : Calamocichla brevipennis, Passer jagoensis, 
Esirilda jagoensis, Pyrrhulauda nigriceps, Halcyon erythrogaster, 
Numida meleagris^ Fhalacrocorax lucidus, Sula fiber^ Fregata 
aquila, Fhaeton aethereus. 

Es sind also nur 3 rein paläarktiscbe, 7 rein afrikanische 
Arten, zu denen 3 echt tropische Seevögel kommen, während 
20 Arten Formenkreisen angehören, die sowohl paläarktisch als 
afrikanisch, resp. tropisch, sind. Bei den meisten Formen dieser 
Gruppe überwiegt der afrikanische Charakter. 

Es dürfte sich also empfehlen, die Avifauna der Inseln 
künftigbin dem äthiopischen Gebiet zuzurechnen. 

Die gröfsere Mehrzahl der Landformen der Kapverden ist 
mehr oder weniger stark differenziert. Einige sind schon als 
verschieden von den kontinentalen erkannt, aber aus Mangel an 
genügendem Material noch nicht neu benannt worden, so Alaemon, 
Columba, Coturnix, Cursorius. 

Herr Reichenow entgegnet, dafs 3 dort brütende See- 
vögel nicht in Betracht kämen, da sie keine afrikanischen sind. 
Das Perlhuhn und der dort lebende Astrild seien eingeführt. 
Es handelt sich nach seiner Ansicht dort meist um paläarktiscbe 
Arten, die Inselgruppe sei aber dann von Afrika, namentlich von 
Nordwestafrika aus noch weiter besiedelt. 

Herr N e u m a n n sprach dann über die beiden orni- 
thologischen Sammlungen Warschaus, diejenige des zoologischen 
Museums der Universität und die des Grafen Xaver Branicki. 

Den Grundstock der ornithologischen Sammlung des Uni- 
versitäts-Museums bildet eine schlesische Sammlung eines Herrn 
v. Minckwitz, welche in der zweiten Hälfte des 18. Jahr- 
hunderts angelegt wurde, und vermutlich Anfang des 19. Jahr- 
hunderts in der „südpreufsischen" Periode Polens an das Warschauer 
Universitäts-Museum kam. 

Von exotischen Gebieten sind es 2 Ländergruppen deren 
Ornis durch Original-Sammlungen und Typen in beiden Samm- 
lungen reich vertreten sind, nämlich Zentral- und Ost-Asien 
einerseits, Süd -Amerika, speziell Cayenne, Ecuador und Peru 
andrerseits. 

In Daurien, im Amurgebiet, Kamschatka und Korea sammelten 
Dr. Dybowski, Victor Godlewski, Michael Jankowski und Jean 
Kalinowski, deren Sammlungen im Universitätsmuseum und im 
Branicki-Museum verteilt sind. Diese Sammlungen bilden be- 
kanntlich die Quellen von Taszanowskis Werk „Faune orni- 
thologique de la Sibörie Orientale". In ersterem befinden sich 
ferner mehrere Typen von Przewalski und die Sammlungen von 
Mlokosievicz aus dem Kaukasus, im Branicki - Museum die 



Bericht tlber die Dezembersitzung 1917. 287 

Sammlungen von Thomas Barey aus Transkaspien und dem 
Ferghana-Distrikt von Turkestan. 

Bareys Sammlungen sind von Stolzmann bearbeitet worden. 

Im Universitätsmuseum befinden sich von Süd-Amerika die 
nie ganz durchgearbeiteten Sammlungen Jelskis aus Cayenne, 
ferner die Sammlungen Jelskis aus Peru, und ein Teil der 
Sammlungen Stolzmanns aus Peru und Ecuador, während sich 
die späteren Sammlungen Stolzmanns im Branicki - Museum 
befinden. 

Jelskis und Stolzmanns Sammlungen sind die Quellen für 
Taszanowskis gröfstes Werk, die „Ornithologie du Perou". 

Stolzmanns Forschungen in Peru wurden von Jean Kali- 
nowski fortgesetzt, dessen Sammlungen Graf Berlepsch und 
Stolzmann in mehreren Arbeiten behandelten. 

In Südamerika sammelte ferner noch Dr. Siemiradski und 

zwar in Argentinien und Patagonien für das Branicki-Museum. 

^^ Sonst sind dort noch die Sammlungen der Grafen Branicki 

aus Ägypten, Tunis und Algier vorhanden. Bei diesen Reisen war 

Taszanowski selbst Begleiter der Grafen. 

Aus dem Universitätsmuseum wurden leider beim Nahen 
der deutschen Truppen über 300 Typen und die ganze sehr 
wertvolle Kolibri-Sammlung von einem übereifrigen Assistenten, 
Dr. Eysmond nach Rufsland verschleppt. 

Nur wenige sind glücklicherweise vergessen worden, so der 
von Urocynchratnus pyleowi Przew., welcher ebenso wie das von 
Taszanowski bei Biskra gesammelte Exemplar von Foreana 
marginaia Hartl. von Herrn v. Domaniewski dem Vortragenden 
geliehen und der Versammlung vorgelegt wurde. 

Das Branicki-Museum ist natürlich reich an Typen, besonders 
der von Graf Berlepsch und Stolzmann beschriebenen Arten aus 
Peru und Ecuador. 

Das Branicki-Museum hat ferner viele seltene Arten anderer 
Länder durch Tausch mit dem Londoner, dem Pariser und dem 
Tring-Museum erworben und ist durch den Vortragenden jetzt 
auch mit dem Berliner Museum in regen Tauschverkehr ge- 
kommen. 

HerrSchalow bemerkt hierzu, dafs Vögel der Minckwitz'schen 
Sammlung von J. M. Bechstein in seiner „Gemeinnützigen Natur- 
geschichte Deutschlands*' und im „Ornithologischen Taschenbuch" 
mehrfach erwähnt werden. 

Herr Neumann sprach schliefslich noch über einiges aus 
der Ornis Polens. Er hat dort im Winter 1914/15 in der Um- 
gegend von Mlawa, im Sommer 1915 am unteren Bug, 1916 und 
1917 bei Modlin und Warschau und am Narew und unteren Bobr 
beobachtet und auch etwas für das Berliner Museum gesammelt. 

Wenn P a x in seiner Abhandlung über die Fauna Polens 
Carpodacus erythrinus und Locustella fluviaiilis als Charakter- 
vögel Polens bezeichuet, so kann sich der Vortragende damit 



288 Bericht über die Dezembersitzang 191t. 

nicht einverstanden erklären. Beide kommen wohl im Weichsel- 
gebiet an vielen Stellen vor, leben aber so versteckt, dafs sie 
meist nicht bemerkt werden, Charaktervögel Polens sind Oriolus 
oriolus und Coracias garrulus, beide, besonders der letztere, er- 
heblich häufiger als in Deutschland und in allen Mischwäldern 
auffallend. Emheriea calandra wurde bei Mlawa Januar und 
Februar 1915 in Schwärmen von vielen Jiunderten, vielleicht 
tausenden angetroffen. Gemischt waren diese Schwärme mit 
einzelnen Emberisa citreola. Im Winter 1916/17 und 1917/18 
wurde bei Lomza und Warschau die Grauammer in viel geringerer 
Zahl beobachtet. Cerihia hrachydaciyla wurde bei Lomza zum 
ersten mal festgestellt, während sich in den beiden Warschauer 
Museum nur Bälge von Certhia familiaris aus Polen befinden. 

Im strengen Winter 1916/17 kamen bei Lomza und Ossowiez 
nordische Gäste wie Parus borealis, Ampelis garrulus und Oto- 
corys flava mehrfach zur Beobachtung. 

Corvus corax ist am Narew und Bobr stellenweise noch 
regelmäfsig anzutreffen. Die in West- und Nord-Polen brütende 
Dohle ist Colaeus spermologus^ während Colaeus coUaris nur im 
Winter als Strichvogel vorkommt. 

Von Raubvögeln ist Milvus ater erwähnenswert, von dem 
mehrere Paare im Wäldchen von Bielany bei Warschau horsten 
und dort über der Weichsel regelmäfsig zu sehen sind. 

Colymbus arcticus kommt im ganzen Sommer auf den Bobr- 
Sümpfen bei Ossowiez häufig vor und dürfte dort brüten. Bei 
Lomza wurde Dezember 1916 vom Vortragenden eine Harelda 
glacialis Q, das siebente überhaupt für Polen festgestellte Exem- 
plar, erlegt, bei Modlin Anfang Juni 1916 ein alter Erpel von 
FuUgula marila. 

Larus canus und Larus fuscus kamen im Winter häufig 
bei Warschau und Modlin auf der Weichsel zur Beobachtung, 
aber nicht auf dem mittleren Narew und dem Bobr. 

Häufige Sommervögel auf Weichsel und Narew sind Sterna 
fluviatilis und Sterna minuta. 

Durch Verordnung des Generalgouverneurs ist auf Antrag 
der landeskundlichen Kommission, welcher P a x (Breslau) und 
der leider so früh ein Opfer des Krieges gewordene Stolz an- 
gehörten, das Schiefsen einer Anzahl Arten verboten worden, so 
des Kolkraben, des Uhu, des schwarzen Storchs, der Blaurake, 
des Eisvogels. 

Herr Reichenow macht darauf aufmerksam, dafs Urocyn- 
chramus im Gegensatz zu anderen Finken 10 Handschwingen 
haben soll (Hartert). Er findet jedoch bei dem vorliegenden 
Stück nur 9, wobei aber die äufserste sehr lang ist. 

Derselbe bemerkt noch, dafs die Girlitze aus Südpolen mit 
der südeuropäischen Form übereinstimmen. Er hält die Unterart 
germanicus, die er in typischer Färbung aus Bromberg erhalten 



Bericht ftber die Januarsitzang 1918. 28^ 

hat, für eine im EntstebeD begrififeue Form. Sie scheint sich auf 
dem Zuge häufig mit südeuropäischen Vögeln zu mischen. 

Helnroth. 

Bericht über die Januarsitzung 1918. 

Verhandelt Berlin, Montag, den 7. Januar 1918, abends 
7 Uhr im Blauen Saale des „Rheingold", Potsdamerstrafse 3. 

Anwesend die Herren Graf J. v. Schwerin, Stein- 
metz, V. Versen, Heck, F. v. Lucanus, Schalow, 
Reichenow und H e i n r o t h. 

Als Gäste die Herren H. v. Lucanus, F. Moewes, 
Quehl, H. Schulz, R. Jasse, Gottschlag, Kopp, 
sowie Frau H e i n r o t h und Frl. B e e 1 e. 

Vorsitzender Herr Schalow, Schriftführer Herr Heinroth. 

Der Vorsitzende beglückwünscht die Anwesenden zum neuen 
Jahre, verliest Grüsse der zum Teil im Felde stehenden auswär- 
tigen Herren v. Boetticher, Hennemann, Gengier, 
Kracht, Bacmeister, Rüdiger, Szielasko und 
begrüfst den Grafen J. v. Schwerin als neues Mitglied. 

Im Anschlufs an den verlesenen Bericht über die Dezember- 
sitzung kommt Hr. Reichenow nochmals auf das Gepräge 
der Kapverdenfauna zurück und bemerkt, dafs seine erneute 
Nachprüfung der Zusammensetzung der Vogelfauna der Inseln 
ihn zu einem ganz anderen Ergebnis führe, als es Hr. Neu manu 
gewonnen. Geht man die Liste der auf den Kapverden vor- 
kommenden Arten durch, so erhält man 16 Arten, die als be- 
zeichnend teils für die afrikanische, teils für die europäisch- 
asiatische, insbesondere für die Mittelmeerfauna anzusehen sind, 
nämlich typisch afrikanisch: Calamodchla hrevipennis, Estrilda 
jagoensis, Fasser jagoensis, Spitocorys raxae^ Pyrrhulauda nigri- 
ceps, Halcyon erythrogaster. Numida meleagris, auf die noch 
hingewiesen werden könnte, fällt weg, denn das Perlhuhn ist 
zweifellos auf den Kapverden ebenso eingeführt wie auf Mada- 
gaskar, St. Helena u. a. — Den genannten 6 afrikanischen Formen 
stehen dagegen 10 gegenüber, die als bezeichnend für das euro- 
päische und genauer für das mittelländische Gebiet zu gelten 
haben, nämlich : Buteo vulgaris, Corvus umhrinus, Sylvia con- 
spicillaia, Sylvia atricapilla, Passer salicicola, Älaemon alaudipes, 
Ammomanes cinctura, Cypselus unicolor, Columba livia, Marmaro- 
neita angustirostris. — Wollte man die Kapverden faunistisch 
Afrika zurechnen, so würde man diese Fauna also mit 10 ihr 
sonst ganz fremden Formen belasten. Zählt man die Inseln zum 
Mittelmeergebiet, so wird dieses allerdings um 6 Arten vermehrt, 
aber um Formen, die vollständig in den Rahmen der Fauna 
passen, da die Mittelmeerfauna aus einem Gemisch europäischer 
und afrikanischer Formen besteht. Somit erscheint es zweck- 
mäfsiger, die Kapverden faunistisch dem Mittelmeergebiet (Nord- 
afrika, Madeira, Kanaren, Azoren) anzuschliefsen. 



240 Bericht Ober die Januarsitzung 1918. 

Die eingegangenen Bücher und Zeitschriften wurden von 
den Herren Rcichenow, Schalow und H e i n r o t h vor- 
gelegt und besprochen. 

Herr Schalow hielt hierauf einen Vortrag „Versuch einer 
Geschichte der faunistischen Ornithologie in Brandenburg". 

Herr Reichenow dankt dem Vortragenden für seine 
durch anschauliche Lebensbilder einiger Forscher erweiterten 
hochinteressanten Ausführungen. 

Herr v. Lucanus legt 11 in Bialowies zwischen dem 
Oktober und Februar gesammelte Bälge der Misteldrossel vor 
und bemerkt hierzu: 

Das Berliner Museum erhielt 12 Bälge von Turdus viscivorus 
aus der Bialowieser Sammlung. Von diesen ist ein Vogel im 
Juni gesammelt, während alle übrigen in der Zeit vom Oktober- 
Januar erlegt sind und daher nicht als Brutvögel angesprochen 
werden können. Der Sommervogel gleicht in seiner hellen blassen 
Färbung, die auf der Unterseite des gelben Aufluges fast völlig 
entbehrt, dem jubüaeus-Typ. Die Wintervögel dagegen haben 
ein dunkles und lebhaftes Kolorit, mit stark ausgeprägtem gelben 
Anflug auf der Unterseite und rostgelbem Bürzel, der bei jubilaeus 
mehr grau gefärbt ist. Es handelt sich anscheinend um nord- 
russische Brutvögel als Wintergäste im Bialowieser Wald. 

Drei Vögel aus meiner Sammlung, die im Oktober in Rossitten 
erlegt sind und daher ebenfalls als nordrussische Brutvögel an- 
zusprechen sind, haben dasselbe dunkle und lebhafte Kolorit. 
Ob die nordrussischen Vögel eine besondere Subspezies bilden, 
oder aber, was ich für wahrscheinlicher halten möchte, mit dem 
Liuue'schen viscivorus übereinstimmen, kann erst durch einen 
Vergleich mit schwedischen Brutvögeln entschieden werden. 

Der Einwand, dafs die blasse Farbe vieler Misteldrosseln 
eine Folge der Gefiederabnutzung sei und daher nicht als Art- 
kennzeichen benutzt werden könne, ist nicht zutreffend, da unter 
den Bälgen aus dem Kaukasus und Altai, die mir bei meinen 
Untersuchungen vorlagen, sowohl die Winter- wie die Sommer- 
vögel ohne Unterschied dieselbe helle Färbung besafsen. Eine 
mikroskopische Untersuchung der Brustfedern ergab ferner, dafs 
die gelbe Farbe, welche den Anflug der Unterseite hervorruft, 
nicht etwa nur an den Rändern der Feder ihren Sitz hat, sondern 
über die ganzen Strahlen und Äste verbreitet ist. Durch Ab- 
reibung der Kanten oder Ausfall der Strahlen kann also die 
gelbe Farbe nicht verschwinden. Auf der Oberseite tragen die 
Federn im frisch vermauserten Gefieder schmale helle Säume. 
Da diese sich mit der Zeit abnutzen, so kann also auch die 
Oberseite niemals heller, sondern nur dunkler werden, wie über- 
haupt durch Gefiederabnutzung immer ein Dunklerwerden erzeugt 
wird. So werden z. B. die dunklen und lebhaft gefärbten Hoch- 
zeitskleider vieler Finken und Ammern lediglich durch Abstofsen 
der hellen Federräuder hervorgerufen. 



Bericht Aber die Februarsitzaag 1918. 241 

Herr Reichenow erwiedert, dafs verschiedene Feder- 
farben, dem Licht ausgesetzt, sehr bald verblassen, wie z. B. 
das Gelb von Metalloeoccyx smaragdineus und das Rot und Gelb 
der Trogon- Arten, von Seleucides u. a. Heinroth. 

Bericht über die Februarsitzung 1918. 

Verhandelt Berlin, Montag, den 4. februar 1918 abends 
7 Uhr im Blauen Saale des „Rheingold", Potsdamerstr. 3. 

Anwesend die Herren Steinmetz, Neunzig, Graf 
V. Schwerin, Baerwald,Bünger, Heck, V. Lucanus, 
Schalow, Reichenow, Haase und H e i n r o t h. 

Als Gäste die Herren P. Kothe, Seilkopf, Krum- 
bach, Wache, Gottschlag, sowie Frau H e i n r o t h und 
Frl. E. Beele. 

Vorsitzender Herr Schalow, Schriftführer Herr Heinroth. 

Der Vorsitzende macht zunächst die traurige Mitteilung, 
dafs der Oberstudienrat Prof. Dr. L a m p e r t in Stuttgart 
vor kurzem verstorben sei. Er war seit 20 Jahren Mitglied der 
Gesellschaft und allen in besonders lebhafter Erinnerung durch 
seine überaus liebenswürdige Führung gelegentlich einer Jahres- 
versammlung in Stuttgart vor nunmehr 15 Jahren. Lampe rt 
hat sich besonders um die niedere heimische Tierwelt verdient 
gemacht und war bemüht, ihre Kenntnis in weite Kreise zu tragen. 
Die Anwesenden ehren sein Andenken durch Erheben von ihren 
Sitzen. 

Zu seinen Mitteilungen von der Oktobersitzung 1917 über 
reflektorische Bewegungen trägt Herr H e i n r o t h nach, dafs die 
Kratzbewegung auch bei Schieorhis, bei Haematopvs leucopus 
und bei Pterocles lichtensteini hinter dem Flügel herum aus- 
geführt wird. Bei der letzteren Form ist dies deshalb besonders 
bemerkenswert, weil sie sich auch hierdurch als den Regenpfeifer- 
artigen verwandt erweist. 

Die eingegangenen Bücher und Zeitschriften werden von 
Herrn Schalow vorgelegt und besprochen. 

Herr H e i n r o t h spricht hierauf über das Genus Dendro- 
cycna und führt dabei unter Vorlegung von Bälgen, Flügeln, 
Schädeln, Brustbeinen und Luftröhren etwa folgendes aus: Die 
Gattung Dendrocycna wird mit Unrecht im Deutschen als 
Baumente bezeichnet, da die meisten ihrer Arten, kaum je, jeden- 
falls viel weniger aufbäumen als beispielsweise Braut-, Mandarin- 
und Türkenenten. Sie besteht aus 9, sämtlich fast tropischen 
Arten und unterscheidet sich von den eigentlichen Schwimm- und 
Tauchenten äufserlich dadurch, dafs die Vorderseite des Laufs 
nicht mit Schildern, sondern mit netzartigen Schuppen bedeckt 
ist, wie wir dies auch bei Schwänen, Cereopsis, Gänsen und 
andern finden. Der von G o u 1 d gewählte Name Leptotarsis ist 
daher recht gut gewählt. Alle Arten haben eine überaus be- 
zeichnende Figur: die hohen dicken Beine, der sehr kurze Schwanz 



242 Beriebt über die Februarsitzung 1918. 

und der lange Hals, sowie der plumpe Schnabel geben ihnen etwas 
Unschönes. Der Flügel ist rund und breit und erinnert etwas 
an den der Hühnervögel. Bei allen Arten sind die Geschlechter 
völlig gleichgefärbt. Auch die Färbung selbst ist eigentümlich. 
Soweit die Dunenjungen bekannt sind, haben sie sämtlich im 
Gegensatz zu allen Anatiden ein hellgelbliches Band quer über 
den Nacken, im Übrigen gleicht ihre Färbungsweise der der 
Schwimmenten. Dem Brustbein fehlt der vordere Fortsatz, der 
beispielsweise bei Schwimmenten und Gänsen vorhanden ist, aber 
bei Tauchenten und den meisten Plectropteriden fehlt. Sehr 
bezeichnend für die Gattung Dendrocycna ist eine dellenartige 
Vertiefung auf der Oberseite des Coracoides dicht am Ansatz am 
Brustbein. Er findet sich bei sämtlichen Dendrocycna- Arten, fehlt 
aber allen übrigen Anatiden. Die Knochentrommel (Bulla ossea) 
der Männchen ist völlig abweichend von der aller übrigen Zahn- 
schnäbler gebaut: sie ist klein und völlig symmetrisch. Bei den 
Weibchen von D. eytoni, viduata, fulva und javanica ist an ihrer 
Stelle an der Rückseite ein mit einem Häutchen überzogener Spalt, 
der bei D. autumnalis, discolor und aborea und wahrscheinlich 
auch guttata fehlt ; von D. arcuata liegt eine weibliche Luftröhre 
nicht vor, sie dürfte jedoch ebenfalls mit einem Spalt versehen 
sein. Abweichend von den Verwandten beteiligen sich, soweit 
dies bei D. discolor und viduata bekannt ist, Männchen und 
Weibchen am Ausbrüten der Eier, wobei ersterem sogar der 
Hauptanteil zufällt. Die Stimme ist bei allen mir bekannten 
Arten (ich habe nur D. guttata lebend nicht beobachtet) ein 
eigentümliches zwitscherndes Pfeifen. Sämtliche Arten scheinen 
ihre Nahrung hauptsächlich tauchend zu erwerben, worauf ja auch 
ihre Tauchentenfigur hinweist. Dabei sind die sehr gut ent- 
wickelten Tragfedern von Wichtigkeit, die den Flügel so dicht 
abschliefsen, dafs Dendrocycna nicht nach jedesmaligem Tauchen 
mit den Flügeln schlagen mufs, wie dies bei allen Schwimmenten, 
Gänsen u. a. der Fall ist. Die Paarungsvorbereitungen und das 
Nachspiel sind dieselben wie bei Gänsen, Sarcidiornis und Cygnus 
clor (Halseintauchen, nachheriges EUenbogenhebeu) nicht aber wie 
bei den eigentlichen Schwimmenten und den Tauchenten. Beim 
Einfallen wird der Hals auffallend weit nach unten gestreckt, 
sodafs sich Schnabel- und Zehenspitzen fast berühren. 

Was die einzelnen Arten angeht, so sind D. autumnalis aus 
Mittelamerika und D. discolor aus dem tropischen Südamerika 
untereinander in Stimme, Färbungsweise und Knochentrommel 
ungemein ähnlich, sie stehen aber den andern Arten durch ihre 
Zeichnungsweise, Schnabel- und Beinfarbe und ihre eigentümlich 
scharfe Stimme verhältnismäfsig fern und haben also keine nahen 
Verwandten in andern Erdteilen. Gewicht etwa gegen 800 g bei 
mittlerem Ernährungszustande. 

D. arborea (etwa 1 kg) von den Grofsen Antillen und D. 
guttata von Neuguinea und den umliegenden Inseln sind gleichfalls 



Bericht über die FebruarsitzuDg 1918. 243 

durch ihre recht übereiostimmende Färbung nahe verwandt. 
Merkwürdig ist ihre eigenartige Verbreitung. B. eytoni (etwa 
650 g) steht in ihrer Zeichnungsweise und vor allem in der eigen- 
tümlichen Entwicklung der Tragfedern etwas abseits. Vielleicht 
kann man diese Australierin in engere Beziehung zu den vorigen 
Arten bringen. 

B. viduata (700 g, Ei 44 g) hat in der Färbung ihrer Ober- 
seite und der Querstrichlung der Unterseite vielleicht eine gewisse 
Verwandtschaft mit der letzterwähnten Art, lehnt sich aber durch 
ihre schwarze Unterseite an B, autumnalis und discolor und 
durch ihren braunen Flügelbug an die nachher zu erwähnenden 
Arten an. Im Übrigen weicht sie aber durch ihre Zeichnung 
und vor allem durch die weifse Maske sehr von den übrigen ab. 
Ihre Verbreitung, die sich sowohl über Afrika und Madagaskar, 
als auch über das tropische Amerika erstreckt, ist sehr auffallend. 
Sklater meint, dafs sie durch frühere Sklavenschiffe von Afrika 
nach Amerika eingeführt sei, was jedoch noch sehr des Nach- 
weises bedarf. 

Es folgen nun die 3 braunen Formen. B. fulva (800 g) 
verbreitet sich gleichfalls über das warme Amerika, Afrika und 
Madagaskar, kommt aber aufserdem noch in Indien vor. Sie 
unterscheidet sich von B. arcuafa durch die breiter gebänderte 
Oberseite, die ungefleckte Unterseite und die eigentümlich stichel- 
fiedrige weifse Kehle. B. arcuata, die in Hinterindien, den Sunda- 
inseln und dem Papuanischen Gebiet zu Haus ist, hat eine nicht 
sehr ausgeprägte Schallschwinge, die bei B. javanica (500 g) am 
besten entwickelt ist und ein pfeifendes Geräusch im Fluge 
hervorruft. Letztere Art verbreitet sich über das indisch-malayische 
Gebiet und ist durch ihre Kleinheit und die kastanienbraunen 
Oberschwanzdecken ausgezeichnet. 

Zusammenfassend kann man sagen, dafs es sich hier um 
eine den übrigen Anatideu recht fern stehende Gruppe handelt, 
die offenbar sehr alt ist und von der 2 Arten, B. viduata und 
fulva, wohl schon in Tertiär gelebt haben. Wenigstens wäre sonst 
ihre merkwürdige Verbreitung sowohl in Amerika als auch in 
Afrika nicht zu erklären, denn es ist nicht glaublich, dafs die 
Tiere den Ozean überflogen haben. Man mufs vielleicht an- 
nehmen, dafs aus B. fvlva allmählich die sich nach Osten ver- 
breitet habenden Arten B. arcuata und javanica entstanden sind. 
Ebenso war wohl von Alters her ein Urtyp B. arborea und B. 
guttata vorhanden, dessen beide noch heute überaus ähnlichen 
Reste einerseits in Mittelamerika und andererseits in Neuguinea 
erhalten blieben. Ich möchte glauben, dafs die Wiege der Gattung 
Bendrocycna in dem tertiären brasilianisch-äthiopischen Kontinent 
gestanden hat und zwar mehr nach Westen als nach Osten zu, 
denn sonst kann man sich die abweichenden Arten B. autumnalis 
und discolor nicht recht erklären. Merkwürdig ist, dafs sich in dieser 
Gruppe keinerlei Veränderung in der Figur, Knochentromrael 



244 Beriebt über die Februarsitzang 1918. 

und im Coracoid entwickelt hat. Auch ist die Gruppe so gut 
wie völlig den Tropen treu geblieben. 

Ich glaube, dafs wir nicht berechtigt sind, die Gattung 
Dendrocycna so ohne weiteres in die Schwimmenten einzugliedern, 
wie es Gadow im Britischen Katalog und wie es Reichenow tut. 
Es ist eine der ältesten und konservativsten Gruppen, die vielleicht 
in einigen Formen der Plectropteriden ein schönes Gegenstück hat. 

Herr Reichenow legt eine grofse Reihe von Kleiber- 
bälgen vor, die eine lückenlose Reihe von Übergängen von der 
Form europaea im Osten mit weifser Unterseite bis zu der west- 
lichsten affinis mit rostfarbener Unterseite darstellen, derartig, 
dafs zwischen zwei aufeinander folgenden Stücken kein deutlicher 
Unterschied wahrnehmbar ist: ein Schulbeispiel für das geo- 
graphische Abändern der Arten. 

Herr Heck zeigt eine Photographie aus Skansen-Stockholm, 
von dem Direktor des genannten Gartens Deber gefertigt, auf 
der ein Mischling von Birkhahn und Moorschneehenne wieder- 
gegeben wird. Derartige Kreuzungen sind dort schon mehrere 
Jahre hindurch erzielt worden. 

Herr Reichen ow legt zwei neue Arten aus Neuguinea vor : 

Fsittacella bürgersi Rchw. 9= Von dem 9 der Psittacella 
brehmi durch etwas geringere Gröfse, insbesondere kleineren 
Schnabel und dadurch unterschieden, dafs der olivenbraune Kopf 
oben dunkler, an den Seiten und an der Kehle grauer ist. Von 
F. pallida durch viel dunkleren und an den Seiten graueren 
Kopf unterschieden. Schraderberg, Sepikgebiet (Bürgers). 

Astrapia alboundata Rchw. 9 • Von den Weibchen anderer 
Arten der Gattung, die rein schwarzen oder auf ockerbraunem 
Grunde schwarz gebänderten Unterkörper haben, dadurch unter- 
schieden, dafs Brust und Bauch mit feinen weifsen Wellenlinien 
gezeichnet sind, im Genick ein aus kurzen blafs ockerbräunlichen 
Wellen gebildetes Band. Angeblich aus dem Osten von Kaiser- 
Wilhelms-Land, ohne genauere Fundortsangabe. 

Von Herrn 0. Neu mann ist die nachfolgende Mitteilung 
eingegangen: 

„Im Bericht der Novembersitzung wiVd berichtet, dafs nach 
Graf Z e d 1 i t z die Nebelkrähe in Polen selten sei. Ich möchte 
fast bezweifeln, dafs sich der so vorzügliche Beobachter in dieser 
Form ausgesprochen hat. Hier kann es sich nur um ganz lokale 
Verhältnisse handeln. Überall in Nord- und Westpolen, so bei 
Mlawa, am Bohr und Narew, von Ossowiez über Lomza, Ostro- 
lenka, Rozan, Pultusk, Sserock bis Modlin; an der Weichsel von 
Modlin herauf bis Warschau ist die Nebelkrähe ebenso gemein 
wie an den meisten Orten in Mittel- und Ostdeutschland. Aber 
auch in Ost-Polen kann sie nicht überall selten sein, denn nach 
mündlicher Mitteilung Domaniewskis hat sie derselbe südlich von 
Pinsk sehr häufig angetroffen." Heinroth. 



Druek von Oiio OomblUili in Bscnburg. 



'^Ca^ 



JOURNAL 

für 



ORNITHOLOGIE;^s.^ 




o 



Sechsundsechzigster Jahrgang. 



No. 3. Juli. 1918. 

Zar Ornithologie Ton Nordost-Frankreich. 
Von W. Baomelster und O. Kleinsoliinidt. ^) 

„Es isL eine wiolilige Aufgabe der Zoologie, 
sieh von jeder Abweichung innerhalb der 
Kinheit der Art Rechensdiaft zu geben." 
,1. H. Blas ins. 

Ein zweimaliger Aufenthalt im nordöstlichen von den 
deutschen Truppen besetzten Teile Frankreichs, bei dem ich, 
soweit es Zeit und Umstände zuliefseu, ein achtsames Auge auf 
die dort vorkommende Vogelwelt hatte, veranlassen mich, die an 
Ort und Stelle gemachten Aufzeichnungen im Zusammenhang 
darzustellen. Das erstemal führte mich der Krieg im Jahre 1914 
nach Frankreich. Mit dem Truppenteil, dem ich damals angehörte, 
marschierte ich durch Lothringen und Luxemburg in das Gebiet 
des Argonnerwaldes. Unvergefsliche Zeiten 1 Aber wer hätte in 
jenen Tagen im Sturm und Drang der Ereignisse daran gedacht, 
mit der Fauna des Landes im allgemeinen oder mit dessen Vogelwelt 
im besonderen sich zu befassen. Wohl hielt man das Auge auf 
den Märschen oder in den spärlichen Zeiten der Ruhe offen und 
schaute nach dem Vogel, der unterwegs, im Biwak oder in der 
Ortsunterkunft flüchtig sich dem Beobachter zeigte. Aber niemand 
hatte und nahm sich Zeit, Aufzeichnungen zu machen, um irgend- 
einmal etwas darüber zu veröffentlichen. Auch als der Krieg 
auf jenem Teil des Kampfgebietes allmählich zum Stellungskrieg 
wurde, liefs man Bleistift und Merkbuch noch ruhig in der Tasche. 
Man hatte anderes, wichtigeres aufzuzeichnen! Mit der Zeit aber, 
als man einsah, dafs der Krieg sich nicht nach den persönlichen 
Wünschen richtete, die auf ein baldiges Ende abzielten, sondern 



1) Der faunistische Teil der Arbeit ist vonBacmeister, der systematische 
TOD Eleinschmidt verfafat. Im Text ist dies jeweils am Ende der be- 
treffenden Abschnitte durch die Anfangsbuchstaben unserer Namen B. 
und E. zum Ausdruck gebracht. 

Journ. f. Om. LXVl. Jahrg. Jnli 1918. 17 



246 Vf. Bacmeister and 0. Eleinscbmidt : 

seinen eigenen eisenklirrenden harten Gang ging, da erwachte in 
dem deutschen „Barbaren" die alte Lust und Neigung, festzuhalten 
und aufzuschreiben, was in der Natur um ihn her vorging und 
was ihm bemerkens- und wissenswert däucbte, um sich selber 
Rechenschaft über die Tierwelt des Landes ablegen zu können. 
Nicht blofs Streiche mit dem Schwert führte der Deutsche, auch 
der Wissenschaft sollte, wenn auch nur in bescheidenem Umfange, 
durch die Besetzung des feindlichen Gebietes ein Anteil zufallen. 
Andere haben über die Geologie und Paläontologie, über die 
Kunst- und Altertumsdenkmale der besetzten Teile Frankreichs 
geschrieben — auch die Zoologie soll nicht vergessen werden. 

Im Herbst 1914 lernte ich die Argonnen genauer kennen, 
hielt mich auch an einem an deren Nordrande gelegenen Orte 
einige Zeit auf. Doch bald mufste ich den westlichen Kriegs- 
schauplatz mit dem östlichen vertauschen. Nachdem aber Ende 
1915 mein Truppenteil wieder nach dem Westen verlegt wurde 
und mich selbst ein merkwürdiger Zufall fast an dieselbe Stelle 
führte, von der ich 1914 nach dem Osten aufgebrochen war, fing 
ich an, meine Beobachtungen aufzuschreiben. Beschränkt freilich 
war die Zeit, die der Beobachtung der Vogelwelt gewidmet werden 
konnte. Doch blieb immerhin so viel Mufse übrig, dafs man, wenn 
man Auge und Ohr offen hielt, ein Bild der Avifauna des nord- 
östlichen Teiles von Frankreich zu erhalten vermochte. In wie 
weit dies geglückt ist, mögen die nachfolgenden Zeilen dartun. 
Dr. J. G e n g 1 e r hat sich mit demselben Stoff befafst und seine 
Forschungen in der Arbeit: „Kriegsbeobachtungen aus Belgien 
und Frankreich" im Journal für Ornithologie, 64. Jahrg. (1916), 
S. 398—412 niedergelegt. In den „Ornithologischen Monats- 
berichten", 25. Jahrg. (1917), S. 112—119 berichten Dr. V. Franz 
über „Das Vogelleben im Aisnegebiet" und ebendaselbst S. 1 2 1 — 1 28 
Rieh. Heyder über „Einige Gelegenheitsbeobachtungen an der 
Vogelwelt der weiteren Umgegend von Verdun (Frankreich)". 
Ludwig Schuster schreibt in derselben Zeitschrift „Über 
.Vorkommen der Weidenmeise in Ostfrankreich" S. 145 — 146, 
„Über das Vorkommen der Ammern in Nordostfrankreich" 
S. 160 — 163 und berichtet an gleicher Stelle über „Einige ornitho- 
logische Beobachtungen aus der Champagne" S. 1 70— 1 74. W.S u n k e 1 
teilt „Einige Winterbeobachtungen aus Frankreich" daselbst 
S. 169—170 mit. „Über den Herbstzug bei Reims 1915" berichtet 
Dr. Hans Böker, Ornith. Monatsberichte 1916, S. 103 ff. 
Vielleicht haben noch andere weiteres zu melden und es werden 
die bisherigen Beobachtungen ergänzt und vervollständigt, so 
dafs man durch vereinte Bemühungen allmählich ein vollständiges 
Bild der Vogelwelt Nordostfrankreichs erhält. 

Auch zum Sammeln blieb einige Zeit. Nicht wahllos wurde 
geschossen, sondern planmäfsig und mit Beschränkung. Ich sandte 
alle Vögel anfangs im Fleisch, später als Bälge an Herrn Pastor 
Kleinschmidt, der meine Kriegssammlung aufbewahrt. Dem 



Zur Oroithologie von Nordost-Frankreich. 247 

erlegten Vogel wurde Borsäurepulver in Schnabel, Augen und 
Kloake eingeführt und dieses Verfahren erhielt die Tiere so vor- 
trefflich, dafs sie fast ausnahmslos in frischem Zustande beim 
Empfänger ankamen und wissenschaftlich verwertet werden konnten. 

Bei unseren Bestrebungen haben wir reichliche Förderung von 
verschiedenen Seiten erfahren. Verbindlichster Dank sei auch an 
dieser Stelle allen denen ausgesprochen, die mitgeholfen und mit- 
gearbeitet haben: in erster Reihe Herrn Dr. M o n n a r d , meinem 
Begleiter und treuen Kameraden in guten und bösen Tagen auf 
mehreren Kriegsschauplätzen bei manchem ornithologischen Streif- 
zug in dienstfreien Stunden; weiter Herrn Oberstabsarzt Dr. 
Dorbritz und Herrn Dr. Rüst, welche mir eine Reihe von 
Vögeln übersandten und lebhaftes Verständnis für die Sache 
bekundeten. 

Das Beobachtungsgebiet liegt, wie schon die Überschrift 
besagt, im Nordosten Frankreichs. An drei geographisch zu den 
Argonnen und zu der Champagne gehörenden Orten verweilte ich 
je längere Zeit. Im Argonnengebiet hielt ich mich am längsten 
auf, und zwar im Oktober und November 1914 und ein zweites 
Mal von Ende Dezember 1915 bis Anfang Juli 1916 im Gebiete 
des eigentlichen Argonnerwaldes, in dessen Nordausläufern; 
bis November 1916 im Gebiet von Verdun und bis Ende Februar 
1917 in der Champagne. Dem Gebiete des Nordargonnerwaldes 
gehören folgende im Nachstehenden aufgeführten Orte an: Authe, 
Bar, Beflfu, Beult aux Bois, Brieulles, Briquenay, Buzancy, Germont, 
Grandpr^, Ferme de Greve, Harricourt, Lezille-Ferme, Ferme de 
Lüge, Malmaison-Ferme, le Morthomme, Sänuc, Talma, Termes, 
Th^norgues, la Tourauderie, Verpel. 

Politisch gehören diese Orte dem Departement des Ardennes, 
geologisch dem Jura an. Der eigentliche Argonnerwald liegt 
zwischen den Wasserläufen der Aisne und Aire. Er erstreckt sich 
von Passavant im Süden bis Grandpre im Norden. Die Gegend 
dicht nördlich Grandpre war mein eigentlichstes hauptsächlichstes 
Beobachtungsfeld. Es ist Hügelland mit viel Laubwald wenig 
Mischwald in allen Gröfsen: von kleinen Parzellen bis zum grofsen 
zusammenhängenden Forst. Dichtes Unterholz, üppig wucherndes 
Gestrüpp von Schwarzdorn, Himbeere und Brombeere erschweren 
vielfach das Durchstreifen dieser Wälder, die schon früher sich 
keiner guten Bewirtschaftung erfreuten und die in der langen 
Kriegszeit erst recht verwilderten. Wachholder, zum Teil in hohen 
prachtvollen Stücken, auch Stechpalme kommen darin vor. Mehr- 
fach finden sich eingesprengte riesige Fichten und Föhren und 
kleinere Nadelholzschläge. Der nicht bewaldete Teil der Gegend 
ist Ackerland, das fast ganz brach lag und mit seinem üppig 
wuchernden Unkraut für die Vögel eine reiche Nahrungsquelle 
bildete. Bezeichnend für die Landschaft sind die häufigen Weiden- 
anpflanzungen, die in uubelaubtem Zustand in prächtigem im 
Sonnenglanze förmlich leuchtenden Rot schimmern. Kleinere 

17* 



248 W. Bacmeister und 0. Eleinschmidt: 

Spärliche Wasserläufe fliefsen der Aire zu, die in der Nähe von 
Sönuc dicht südwestlich von Grandpre in die Aisne mündet. 
Während im Argonnerwald selbst sich nur wenige elende Dörfer 
befinden, ist sein Nordrand reicher mit gröfseren Ortschaften be- 
siedelt. Die Bevölkerung lebt fast ausschliefslich von den Er- 
trägnissen der Landwirtschaft. Der Wildstand ist nicht schlecht: 
Hasen und Hühner sind häufig, Fasanen in geringer Anzahl vor- 
handen. Schwarzwild ist reichlich vertreten und zerwühlt die 
Felder. Fuchs und Htis spürte man häufig, Rehe wurden nur 
wenige bemerkt. Gerade dieses letzgenannte edle Wild mochten 
die Unruhe und der Lärm des Krieges vertrieben haben. Einmal 
wurde von einem Hund ein Fischotter gefangen. Auffallend wenig 
Eichhörnchen habe ich gesehen. Eine Anzahl von Nestern der 
Zwergnaaus fand ich im Dorngestrüppe an den Waldrändern. 

Ähnlich im Charakter und Aufbau wie dieses Gelände ist 
das südlich von Verdun im Departement Meuse gelegene Gebiet, 
das ich Anfangs Juli 1916 betrat. Sein Klima ist noch rauher 
als das des Argonnerwaldes. Dieses Gebiet wird zu den kältesten 
Gegenden Frankreichs gerechnet. Geologisch gehört es ebenfalls 
der Juraformation an. Hier lag mein hauptsächlichstes Beob- 
achtungsfeld südlich von Jametz an dem Flüfschen Loison, welches 
in der Nähe von Montm^dy in die Chiers, einem Nebenflufs der 
Maas, mündet. Diese Gegend bildet den Nordostrand der Cötes 
Lorraines. Wälder, nur aus Laubhölzern bestehend, waren vor- 
handen, doch in geringerer Zahl und Ausdehnung wie in dem früher 
beschriebenen Landesteil. Folgende im Nachstehenden aufgeführten 
Orte gehören zu diesem Gebiete: Damvillers, Delut, Dombras, 
Jametz, Peuvillers, Vitarville. 

Einer ganz anderen geologischen Formation gehört das 
dritte Gebiet an, in das ich meine dienstliche Tätigkeit Anfang 
November 1916 zu verlegen hatte und in welchem ich bis Ende 
Februar 1917 verweilte. Es ist die Kreidezone der Champagne 
und zwar in ihrem unergiebigsten und landschaftlich am wenigsten 
anziehenden Teile zwischen Rethel und Reims, der sogen. „Cham- 
pagne pouilleuse" d. i. der lausigen Champagne. Ein völlig 
neues eigenartiges Landschaftsbild: weit ausgedehnte Felder mit 
magerer Humusschichte und rein weifser Kreide als Untergrund. 
Ein grofser Teil der Erdoberfläche ist von Föhrenwäldern in 
allen Gröfsen bedeckt, in welchen das Kaninchen massenhaft auf- 
tritt. Sehr zahlreich ist der Fuchs vertreten ; Hasen, Rebhühner 
und — in Friedenszeiten künstlich gehegte — Fasanen sind in 
grofser Anzahl vorhanden. Auch Wildschweine wurden gespürt. 
Die Einförmigkeit und der ganze Charakter der im ganzen wasser- 
armen Gegend erinnerte mich lebhaft an die weiten eintönigen 
Gefilde Polens. Durchströmt wird das Gebiet von der Retourne 
und der Suippes, welche parallel nebeneinander herlaufend bei 
Neufchätel bez. bei Coude sur Suippes in die Aisne sich ergiefsen. 
Politisch gehört das Gebiet ebenfalls wie die Argonnen dem 



Zur Ornithologie von Nordost-Frankreich. 249 

Döpartemeot des Ardennes an. Folgende im nachstehenden Texte 
genannten Orte liegen in diesem Gelände: Alincourt, Aussonce, 
Biermes, Juniville, Menil-Annelles, Neuflize, la Neuville, Rethel, 
Tbugny, Perthes. B. 

Doch nun zur Aufzählung der festgestellten Arten! 

1. Colymhus nigricans Scop. 
Recht selten traf ich den niedlichen Zwergtaucher an, zum 
erstenmal am 31. III. 1916 auf der Aisne am Nordausgang von 
Grandpre, woselbst ihn auch Dr. Gengier am 16. IV. 1915 beob- 
achtet hat. Ein einziges Stück nur war es, das ich dort sein Wesen 
treiben sah. Am 22. XII. 1916 sichtete ich zwei dieser kleinsten 
unter unseren Steifsfüfsen auf der Retourne, einem Nebenflüfschen 
der Aisne, zwischen Juniville und Alincourt in der Champagne. 

B. 
2. Anas boschas L. 

Anfangs Februar 1916 wurden die ersten Stockenten gesehen. 
Oberstabsarzt Dr. Dorbritz teilte mir mit, dafs bei Buzancy auf 
den überschwemmten Wiesen Mitte Februar 1916 täglich „ein 
paar Hundert Wildenten" wohl meistens Stockenten sich herum- 
treiben. Am 13. III. 1916 stiefs ich ein Paar auf dem Mühlbach 
bei der Ferme „la Tourauderie", meinem damaligen Unterkunfts- 
orte, bei Briquenay auf. Das cf flog voraus, bald fiel das Paar 
wieder auf dem Bache ein. Auch in den folgenden Tagen beob- 
achtete ich die beiden daselbst. Doch zum Brüten blieben sie 
nicht da. In der Champagne bemerkte ich die ersten, ein Paar, 
am 23. XI. 1916 auf dem Paons-Bache, der bei Juniville in die 
Retourne mündet. Am 4. II. 1917 stöberte mein Hund im selben 
Bache zwölf Stücke auf. Laut schnatternd erhoben sie sich hoch 
in die Luft, beschrieben einen mächtigen Bogen, um nach einiger 
Zeit an derselben Stelle wieder einzufallen. Am 6. IL 1917 
waren an der gleichen Stelle 24 Stücke. Bis zum 18. II. 1917 
konnte man fast täglich Enten sichten, zumeist auf der Retourne, 
einem idealen Entenrevier; einmal sah ich eine Schar von mehr 
als 40 Stück. Es wurde eifrig Jagd auf sie gemacht. Zwei 
kamen auch auf unsern Tisch, von dem einen, einem von Dr. 
Monuard bei Aussonce am 13. IL 1917 erlegen Erpel im Pracht- 
kleide wurde der Balg der Sammlung einverleibt. B. 

Flügel rechts 27,4 — links 27,4, Oberschnabel 5,4 vom Stirn- 
zipfel, 6,2 cm aus Stirnseiten und Mundwinkel in gerader Linie. 

K. 
13. Vanellus vanellus L. 

Am 3. III. 1916 sah ich bei Thenorgues die ersten Kiebitze. 
Auf einem Acker suchten gegen 150 Stücke ihre Nahrung. Am 
19. III. 1916 trieb sich eine grofse Schar auf den überschwemmten 
Wiesen bei Thenorgues herum; es mochten gegen 300 sein. Ihre 
gaukelnden Flugspiele boten einen entzückenden Anblick. Eine 



250 W. Bdcmeister und 0. Klein Schmidt: 

grofse Anzahl von Fischreihern war am selben Platze. Ende 
März verringerte sich die Zahl der Kiebitze, am 4. IV. 1916 
wurden die letzten beobachtet. In der Verduner Gegend sah ich 
nur einmal zur Zeit des Herbstzuges, am 4. XI. 1916, einen Flug 
auf den frisch gepflügten Feldern bei Vitarville. B. 

4. Gallinago galUnago (subsp. ?). 

Am 3. II. 1916 stiefs ich am Waldrande bei der Tourau- 
derie eine Bekassine aus einer nassen Wiese auf. Am 1. III. 1916 
traf Oberstabsarzt Dr. Dorbritz an derselben Stelle 20—30 Stücke 
an. Am 19. III. 1916 wurde ich auf eine Bekassine dadurch an 
jenem Orte aufmerksam, dafs sie quäkte, während' sie noch auf 
der Erde war. Als ich dem Tone nachging und die Schnepfe 
hoch machte, strich sie lautlos ab. Am 25. X. 1916 wurde ein cf 
bei Dombras geschossen. Nach Mitteilung des Schützen, der mir 
den Vogel für die Sammlung überliefs, hielten sich am Erlegungs- 
orte — nasse Wiesen — etwa 15 Stücke auf. B. 

cT Dombras, D^p. Meuse 25. X. 1916. Flügel 13,2 — 13,1. 
Kropfzeichnung und Seitenbänderung grob und engstehend. 
Helle Zwischenräume auf Innenfahnen der äufseren Schwanzfedern 
nur etwa 3 mm breit. Schwanzbasis über die Hälfte hinaus 
grau. K. 

5. Scolopax rusticola L. 

In den Argonnen war zur Strichzeit im Frühjahr 1916 die 
Waldschnepfe häufig. Am 13. III. 1916 bemerkte Dr. Monnard 
die erste. Am 15.111. 1916 stiefs ich nachmittags im Hochwald 
bei Briquenay zwei Stücke auf; eine dritte und vierte flogen 
nahe au mir vorbei. Die Balz war schon in vollem Gange. Am 
selben Abend sah ich 7 Stücke im Wäldchen bei der Tourauderie. 
Es war ein warmer sonniger Frühlingstag. Am 16. III., einem 
regnerischen kühlen Tage, kam Abends 7" die erste, 7>*> die 
letzte leise quarr quarr rufend. Am 17. III. strichen drei, am 
18. III. acht Langschnäbel an meinem Standorte vorüber, die 
letzte 7*^ Bei zwei Stücken, die mir schufsgerecht kamen, ver- 
sagte das Gewehr. Das war ärgerlich! Die Balz neigte sich 
dem Ende zu. Am 19. und 20. III. war auf dem Abendstrich 
keine mehr zu sehen und zu hören; die letzte liefs sich am 30. III. 
puizend und quarrend vernehmen. Dr. Monnard bemerkte in 
der zweiten Hälfte des Mai allabendlich bei Briquenay ein Stück. 
Die Waldschnepfe ist in den Argonnen ohne Zweifel Brutvogel. 

Am 25. XI. 1916 wurde ein Stück im Park von Thugny 
erlegt. Mitte Dezember 1916 schofs Dr. Rüst eine Waldschnepfe 
bei la Neuville. Es sei ein Paar bei einander gewesen. Der- 
selbe Herr machte am 16. I. 1917 ein Stück im Walde in jener 
Gegend hoch. Die Art überwintert somit in der Champagne, was 
ich selbst aus eigener Wahrnehmung bestätigen konnte. B. 



Zur Ornithologie von Nordost- Frankreich. 251 

6. Otis tarda L. 

In deu Argonnen erfuhr ich, es seien daselbst im Jahre 
1915 grofse Trappen erlegt worden. Mir selbst begegnete dort 
keine. In der Champagne aber erhielt ich eine am 1. IL 1917 
bei Menil— Annelies geschossene Henne, Sie wog 9 Pfund 100 g. 
Spannweite 1,25 m. Der nach Abbalgen des Vogels der Küche 
überwiesene Körper lieferte einen schmackhaften Braten. Der 
Vogel war gut bei Fleisch. B. 

7. Crex crex L. 

Nur an einer Stelle auf einer nassen Wiese am Bois de Thönor- 
gues wiederholt, letztmals am 21. VI. 1916 beobachtet. B. 

8. GalUnula chloropus L. 

Im Gegensatz zu Dr. Gengier, der das grünfüfsige Teichhuhn 
als „recht seltenen Standvogel" bezeichnet, ist mir die Art in den 
Argonnen und in der Champagne sehr oft begegnet. Vom Februar 
bis zum Juni 1916 sah ich sie allenthalben auf den Bächen in 
der Umgebung der Tourauderie. Am 10. VI. 1916 brachte man 
mir vom Mühlbach 3 puUi, die in einen Käfig gesteckt waren, be- 
ständig laut quiekten und an den Wänden des Käfigs unter Zu- 
hilfenahme der Flügelstummeln emporzuklettern versuchten. Ich 
liefs sie sofort wieder in das Nest bringen. Von der Verduner 
Gegend erhielt ich ein am 1. XI. 1916 bei Dombras erlegtes Stück. 
Geradezu gemein war die Art bei Juniville. Den ganzen Winter 
1916/17 hindurch sah man sie auf der Retourne bei Juniville und 
hörte ihre trillernden Stimmenlaute. Am 21, XI. 1916 zählte ich 
an einer und derselben Stelle 11 Stücke. Ein von Dr. Rüst am 
2. XII. 1916 bei Thugny geschossenes Teichhuhn wog 387 g. 
Wiederholt kamen sie von den Bächen auf die Strafse herauf. 
Bei Neuflize fuhr ich am 4. II. 1916 an einem Stück vorüber; 
erst als der Wagen schon vorbei war, verliefs es langsam die 
Strafse. Am 14. II. 1916 fing mein Hund ein von ihm im Schilf 
an der Retourne gestelltes Stück. 

Während diese Art häufig, in der Champagne gemein war, 
kam Fulica atra L. nie zur Beobachtung. Gengier bezeichnet 
letztere a. a. 0. als über den ganzen Winter spärlich vorkommenden 
Standvogel. B. 

Flügelmafse des am 2. XII. 1916 bei Thugny erlegten Stückes 
17,8 — 17,8; des am 1. XI. 1916 bei Dombras gesammelten Vogels 
18,2 — 18,3; des am 14. II. 1917 bei Juniville erbeuteten 9 juv. 
16,8. Die Füke zeigten bei den frisch eingetroffenen Bälgen der 
alten Stücke viel Gelb, Doch lag dies vielleicht schon an 
postmortaler Veränderung der Farben. 

Mafse von drei in den Nordargonnen im Frühjahr 1916 
gesammelten Eiern mit normaler Färbung: 

43,2 X 29,9, 39,1 X 29,1, 39,4 X 29,0. K. 



252 W. Bacmeister und 0. Eleinschmidt : 

9. Ciconia ciconia L. 

Nachdem im Februar 1916 schöne trockene Tage mit schnee- 
und regenreichen in bunter Folge abgewechselt hatten, fiel am 
6. III. 1916 aufs neue Schnee und hüllte die Landschaft in ein 
weifses Gewand. Um so mehr war ich überrascht, als ich an 
diesem Tage auf einer Waldwiese am Bache bei der Tourauderie 
einen Storch im Schnee um 12 Uhr Mittags herumstelzen sah. 
Nachmittags sichtete ich ihn wieder an der gleichen Stelle. Beim 
Näherkommen flog er auf und kreiste über der Wiese. Am 24. IV. 
1916 zogen 4 Stücke hoch in den Lüften ihre Kreise. Dies waren 
die einzigen Störche, die ich in Frankreich sah. Nirgends konnte 
ich Nester wahrnehmen. Ein storchenarmes Land! Ganz anders 
Polen und Galizien! B. 

10. Ardea cinerea L. 

Um so öfter kam der schöne Fischreiher zur Beobachtung. 
In beiden Wintern 1915/16 und 1916/17 waren einzelne zu sehen. 
Am 24. 1. 1916 flog ein Stück über den Wald bei der Tourauderie, 
5 Minuten darauf ein zweites. Am 6. II. 1916 zogen 12— 15 von 
N. nach S. Ab Mitte Februar bis Anfang April hielten sie sich 
in erheblicher Anzahl auf den nassen Wiesen zwischen Bar und 
Thenorgues auf. Am Bachrand fand ich viele zweifellos von Reihern 
zerrissene laichende Frösche, an einer Stelle einmal die Reste 
von 6—8 Stücken. Auch in der Champagne wurden 1916/17 
überwinternde Reiher beobachtet. Am 31. I. 1917 schofs Offizier- 
stellvertreter Wachtmeister Strauch ein Stück bei Thugny. 
Er flügelte es und als er an den verwundeten Vogel herantrat, 
um ihn vollends zu töten, stach dieser nach ihm mit dem Schnabel 
und brachte ihm eine tüchtige Wunde dicht unterhalb des linken 
Auges bei. Ich sah noch die frische Wunde. Der Schütze, der 
mit einem blauen Auge davon gekommen war, schenkte mir den 
Vogel. Der Balg wurde der Sammlung einverleibt, das Brustbein 
präpariert und der Körper mit Genufs verspeist. B. 

juv. Thugny, Dep. des Ardennes 31. L 1917. Flügel 44,0. 
Schnabelfirst 10,8; Lauf 14,0. Crista sterni 86 mm. Ausgeprägte 
schwarze Fleckung am Flügelbug. K. 

11. Phasianus colchicus L. 
In den Argonnen nur vereinzeltes Vorkommen; in der 
Verduner Gegend nirgends bemerkt. Dagegen in der Champagne 
in der Gegend von Juniville noch immer häufig, obwohl der 
Krieg auch auf diesen Bestand verheerend gewirkt hat. Im 
Frieden wurden dort Fasanen gehegt und nach allem, was ich 
darüber hörte, müssen bedeutende Strecken erzielt worden sein. 

B. 
12. Perdix subsp. nov.? 
Überall im Beobachtungsgebiet häufig. Auch in der Gegend 
von S6dan sah ich in der zweiten Hälfte des Dezember 1915 viele 



Zar Ornithologie von Nordost-Frankreich. 2Ö8 

Rebhühner. Vom 7. II. 1916 ab bemerkte ich sie in Paaren. 
Besonders häufig waren sie im Winter 1916/17 in der Champagne. 
Überall sah man im Schnee die Völker in stattlicher Zahl, einmal 
am 19. XII. 1916 bei Biermes gegen 40 Stücke. Es wurden viele 
erlegt. Am 5. I. 1917 schofs Dr. Monnard ein Sperber 9» das 
ein Rebhuhn 9 geschlagen hatte. Beide kamen in die Sammlung. 
Ein am 29. I. 1917 erlegtes 9 hatte den Kropf prall voll mit 
Spitzen der Roggensaat, die es geäst hatte. Der Kropfiuhalt 
wog 32,3 g. Nimmt man ein Volk von nur zehn Hühnern an, 
welches diese Nahrung äst, so verzehrt ein solches Volk an einem 
Tag 323 g; in einem Monat 30 X 323 g = 9690 g. Dies sind 
19,38 Pfd., also rund 10 kg. 

Ab 16. II, 1917 gepaarte Paare in der Champagne. 

Sämtliche im Winter 1916/17 erlegten Rebhühner waren gut 
genährt, ja vielfach gerade zu feist und fett, obwohl Kälte ein- 
gesetzt hatte und reichlicher Schnee im Januar und Februar ge- 
fallen war, in einem für die Champagne sogar ungewöhnlich 
grofsen Mafse. Man sah den Vögeln nicht die geringste Not an. 
Der jüngst verstorbene Graf H. von Berlepsch triflt den Nagel 
auf den Kopf, wenn er in seiner sehr beherzigenswerten Arbeit 
„Einiges über die Winterlütterung der Vögel"*) sagt: „Die Winter- 
vögel werden sich in der Regel gut durchschlagen, auch wenn sie 
die Futterplätze des Menschen entbehren müssen. — Der Vogel 
hat Flügel und kann sich leichter in Gegenden begeben, wo er 
dasihm zusagende Futter findet, als der Vierfüfsler, dem es tatsächlich 
im Winter oft recht schlecht geht. — Das Füttern der Vögel im 
Winter ist nicht notwendig, ja es kann den Vögeln leicht 
Schaden bringen, wenn es unsachgemäfs betrieben wird." B. 

Vierzehn französische Bälge der Collectio Bacmeister zeigen 
gegenüber drei Bälgen aus Rufsland (1 Gouv. Warschau, Bac- 
meister legit, 2 Pripjetsümpfe, Dennler legit) sowie einer Anzahl 
von Rüdiger und Dennler eingesandter Flügel nur geringe Unter- 
schiede, wenn man nicht Extreme gegenüberstellt. 

Die französischen Stücke haben zum Teil recht kleine 
Mafse. Die Sekundärschwingen sind anscheinend am Aufsensaum 
häufiger und reichlicher rostrot gefärbt. Das Brustschild ist 
mehr rotbraun, bei den russischen Bälgen dagegen mehr schwärz- 
lichbraun. Bei den Russen ist die Basis der Schulterfedern grell 
abstechend und tief schwarz, bei den Franzosen matter schwarz, 
oft nur braun. Die Stücke zeigen folgende Flügellängen: 

Frankreich. Gewicht Flügel 

1. cf. 13. 1. 17 zwischen Juniville und Mönil-Annelles g 

erl. Bacm. 441 16,3 

2. „ 20. 1. 17 Aussonce erl. Dr. Monnard 340 15,8 

*) Erschienen im „Witzenbäuser Ereisblatt und Tageblatt" 46. Jahrg. 
Nr. 82 (7. Februar 1915) und Nr. 33 (9. Februar 1915); unveränderter 
Neudruck im „Falco" XIII. Jahrg., Sonderheft, Januar 1917. 



Gewicht Flügel 


325 


15,5 


383 


15,6 


395 


15,6 


384 


15,4 


440 


15,3 


365 


15,4 


415 


15,2 


348 


15,3 


360 


15,4 


i 310 


15,1 


365 


14,3 


375 


14,9 



254 W. Bacmeister und 0. Eleinschmidt : 

3. cf. 22. I. 17 Aussonce erl. Dr. Monnard 

4. ,, lo. 1. i I „ „ ,, ,, 

5. 22. I. 17 

6. ," 2. XII. 16 ThugDy,"Arrond. de'Rethel, eii. 

Dr. Rüst 

7. (cf.)21. I. 17 Aussonce erl. Dr. Monnard 

8. cf- 16. XII. 16 „ tot aufgefunden Bacm. 

9. 9. 18. I. 17 ., erl. Dr. Monnard 

10. „ 20. I. 17 „ „ „ 

11. „ 25. X. 16 Dombras, Dep. Meuse, 

12. „ 21. XII. 16 Ville sur Retourne, Arrond. de 

Rethel, vom Hund krank gefunden 310 

13. ,, 5. I. 17 Aussonce vom Sperber geschlagen 

14. „ 29. I. 17 Menil-Annelles 

Kropfinhalt wog allein 32,3 g prall voll von 
Roggenhalmspitzen, Bern. 
Nr. 9 ist oben grau, Nr. 11 oben braun; die andern stehen 
in der Mitte. 

Zum Vergleich einige andere Mafse: 
d*. 27. IL 17 Pripjetsümpfe Dennler 16,0 

„ 24. XI. 16 „ „ 15,8 

9- 2. IL 15 Maliny, Gouv. Warschau, Bacm. 16,0 

cT. 27. IL 17 Flügel Pripjetsümpfe Dennler 16,3 

„ 27. IL 17 „ „ „ 16,2 

M — „ » Rüdiger 16,0 

M „ ,t M 15,9 

V* M » »1 15,8 

CT . ,, „ „ 15,2 

9. 30. XIL 16 „ „ „ 15,9 

Vielleicht wird in Rufsland noch ein Hahn über 16,3 cm 
gefunden. Vorläufig ergeben die Extreme (Frankreich 14,3 bis 
16,3, Rufsland 15,2 bis 16,3) keinen klaren Unterschied, obschon 
deutlich in Frankreich kleinere Zahlen vorherrschen. Reichenow 
nennt das westeuropäische Rebhuhn JP. damascena (Gm.), das 
russische P. robusta Hom. Tancre (Die Vögel, Bd. I, p. 286). 
Ich bin der Meinung, dafs der Name Perdix damascena (der das 
fabelhafte mitteleuropäische Wanderrebhuhn bezeichnete) und der 
Name Ferdix pallida Demeezemaker (vergl. Olphe Galliard, Faune 
orn. de l'Europe occid. XXXIX, p. 35), der eine Aberration aus 
Belgien im Gegensatz zu dem einheimischen Vogel bezeichnet, 
auf das französische Rebhuhn schwerlich anwendbar sein werden, 
dafs vielmehr seine Unterscheidbarkeit und Benennung noch 
weiteren Studiums bedürfen, wie so viele europäische Vogel- 
formen. *) K. 



^) Nach weiteren UotersucbuDgeo haben wir uns zur BeneDnang 
der Form entschlossen und geben ibr den Namen Perdix galliae, 
Hauptkennzeichen die braune Basis der Schulterfedern. Wir sind uns 



Zur Oroithologie von Nordost-Frankreich. 255 

Ein Ei von den Nordargonnen vom Frühjahr 1916 mifst 
34,9 X 26,5. 

13. Coturnix coturnix L. 

In den Nordausläufern der Argonnen nicht selten. Den ersten 
Wachtelschlag hörte ich am 22. V. 1916 morgens um 6 Uhr auf 
den Wiesen am Mühlbach westlich des Bois de Thenorgues, dann 
vernahm ich den Ruf wieder am 28. V. 1916 abends 8 Uhr bei 
der Sägemühle der Tourauderie; weiterhin da und dort in jener 
Gegend im Monat Juni 1916. Am 7. VI. 1916 fand ich, als ich 
von Beult aux Bois nach Germont ritt, ein cf tot auf der Strafse. 
Es war offenbar au den Fernsprechdrähten verunglückt. Flügel 
10,7—10,7. Schwanz 4,0! Matter schwärzlicher Längsstreif an 
der Kehlmitte. Im Verduner Gebiet hörte ich die Wachtel nur 
einmal am 24. VII. 1916 bei Vitarville. Hey der bezeichnet 
sie für diese Gegend als „ziemlich häufigen Sommervogel". In 
der Champagne wurde sie, entsprechend der vorgerückten Jahres- 
zeit, nicht mehr gehört. B. 

14. Columha palumbus L. 

Ein über das ganze Beobachtuugsgebiet weit verbreiteter 
und daselbst überwinternder Vogel. Sofort nach meinem Eintreffen 
auf dem westlichen Kriegsschauplatz i. J. 1915 sah ich die Ringel- 
taube bei Frenois nahe bei S6dan: Am 15. XII. 1915 drei, fünf, 
sieben Stücke in der Umgebung von Frenois, am 17. XII. 1915 
etwa 7— 10 Stücke im Park des genannten Ortes. Am 17. I. 1916 
ein Stück im Walde (Laubwald mit wenigen eingesprengten Fichten) 
bei der Tourauderie, am 3. II. 1916 etwa ein Dutzend bei Briquenay, 
am 7. II. 1916 einen Schwärm von 25—30 Stücken im Walde 
bei der Lezille - Ferme. 'Am 24. II. 1916 hatte sich dieser 
Schwärm auf über 60 Stücke vergröfsert; am 10. III. 1916 waren 
dort 60— 80 Tauben. Sie suchten Nahrung auf den brachliegenden 
Feldern am Waldrande. Weiterhin wurden da und dort in der 
Gegend derTourauderie Trupps zwischen 5 und 30 Stücken gesichtet. 
Am 29. III. 1916 war bei der Lezille-Ferme ein gegen 200 Köpfe 
zählender Schwärm. Sie waren immer sehr scheu und liefsen 
den Beobachter höchstens auf 150 m herankommen. Ein Pärchen 
nistete auf einer der Riesenfichten im Grasgarten der Tourauderie. 
(Lichtbild- Auf nähme des Nistplatzes in „Falco" 1916, Tafel III.) 
Ein am 26. V. 1916 von mir bei Senuc erlegtes cT befand sich 



bewufst, damit eine nomenklatoriscbe Schwierigkeit in dem Sinne zu lOsen, 
dafs eine Rasse nicht den Namen einer Aberration tragen darf, wenn 
diese in Gegensatz zu ihr beschrieben wurde. Der Name pallida wurde 
im Gegensatz zu normalen französischen Vögeln, nicht im Gegensatz zum 
schwedischen Bebhnhn gegeben, und so bezeichnend der Name ,,paUida^'^ 
wäre, ist doch die beschriebene Aberration nicht charakteristisch für unsere 
Ferdix galliae. Bacmeister und .Kleinschmidt. 



256 W. Bacmeister und 0. Eleinscbmidt : 

in der Mauser. Das Rückengefieder hatte Blutkiele. Am 28. V. 

1916 beobachtete ich bei Termes den Balzflug des cf. 

Auch in der Gegend von Verdun sah ich die Art in den 
Wäldern bei Peuvillers und Vitarville von Mitte Juli bis in den 
September fast täglich, immer aber nur in einzelnen Stücken 
oder Paaren. Von der zweiten Hälfte des November 1916 an 
war die Art in der Champagne wieder in kleineren Flügen zu 
sehen, am 3. XII. 1916 sichtete ich einen solchen von etwa 
20 Stücken bei Juniville. Dr. Rüst sagte mir, dafs er Mitte 
Dezember bei Thugny „ungeheure Scharen, Tausende" gesehen 
habe. Ebenso wufste Rittmeister Bosse zu berichten, dafs er 
in der ersten Hälfte des Januar 1917 bei Menil-Annelles „ungeheure 
Scharen" wahrgenommen habe. Ich selbst beobachtete am 21. 1. 

1917 an der Retourne bei Juniville einen Schwärm von 200 bis 
300 Stücken, der abends zur Rast auf den Bäumen des Baches 
einfiel. Bis Mitte Februar 1917 sah ich bei Juniville die Art 
immer noch in Scharen. B. 

Bei zwei jungen Vögeln noch ohne Halsring, die Unteroffizier 
(Forstwart) Schlecht am 8. XI. 1914 bei Beffu, Dep. des 
Ardennes, erlegte, betragen die Flügellängen 24,8 und 24,0 cm. 

K. 

15. Turtur turtur L. 

Die ersten Turteltauben, ein Paar, sah ich am 31. V. 1916 
im Bois de Thenorgues. Von da an wurde die Art beinahe täglich 
in der Umgebung der Tourauderie gesichtet. Von Mitte Juni ab 
waren die reizenden Täubchen in Schwärmen beisammen; am 
13. VI. 1916 sah ich einen Flug von 31 Stücken auf einem Acker 
bei Briquenay Nahrung suchend. Eine der Tauben, ein cf, führte 
schöne Flugspiele aus; schwebend zog es Kreise, stieg plötzlich 
steil empor und ging dann im Gleitflug nieder. Hey der be- 
zeichnet die Art für die Verduner Gegend als „Sommervogel, mit 
Vorliebe die Weidengruppen der Bachtäler bewohnend". Ich 
selbst begegnete weder im Gebiet von Verdun noch in der 
Champagne dieser zierlichen Taube. B. 

Ein am 22. VI. 1916 bei Briquenay erlegtes cf hat dunkel- 
schieferblauen Unterrücken mit einem Längsstreif abgenützter 
brauner Federn. Flügel 17,7 — 17,7 cm. K. 

16. Circus cyaneus L. 

Schon im November 1914 hatte ich diesen schönen Raub- 
vogel wiederholt in der Nähe von Beffu beobachtet, wie er nieder 
über die Erde streichend Nahrung suchte. Einmal sah ich ihn 
einen Vogel schlagen. Ich liefs ihn ruhig eine Zeit lang kröpfen, 
ging dann auf die Stelle zu, wo er seine Mahlzeit eingenommen 
hatte, und fand dort die Federn eines Stieglitz vor. Wenn auch 
die Hauptnahrung der Kornweihe aus Mäusen besteht — die 
Untersuchung, des Magen- und Kropfinhalts von erlegten Stücken 



Zur Ornithologie tod Nordost-Frankreich. 257 

dieser Art bestätigte mir dies — so vergreift sie sich doch auch 
an Kleinvögeln. Sehr oft, nahezu täglich konnte ich vom 6. I. 
1916 ab in der näheren und weiteren Umgebung der Tourauderie 
diese Weihe beobachten. Die weithin brachliegenden, von üppigem 
Unkraut bewachsenen Felder bot ihr günstige Gelegenheit 
zur Jagd und zur Anlegung des Horstes. Am 11. II. 1916 
sichtete ich zwischen Germont und Authe 6—8 Kornweihen. 
Man wird nicht müde, ihren schönen Flugspielen zuzusehen. Am 
16. II. 1916 balgte ich das erste Stück, ein cf, für Dr. Rüst ab. 
Die testes waren noch klein, 6—7 mm lang. Der Magen ent- 
hielt eine Maus, im Kropf war der Kopf einer weiteren Maus. 
Die testes eines am 23. III. 1916 erlegten recht kleinen cTjuv. 
raafsen 8—9 mm, die Flügel 32,7 cm. Mageninhalt 3 Mäuse, im Kropf 
eine vierte Maus ohne Kopf. Am 27. III. 1916 sah ich einem 
Paare bei der Jagd zu; dicht flog es über einen Schwärm von 
Kiebitzen hin, der sich nicht im mindesten von den beiden Weihen 
stören liefs. 

Am 31. III. 1916 schofs Oberstabsarzt Dr. Dorbritz ein sehr 
schönes cT bei Th^uorgues. Die stark angeschwollenen Hoden 
mafsen 19 und 20 mm. War man zu Pferde, so liefsen die Weihen 
den Reiter sehr nahe heran kommen: am 6. VI. 1916 safs ein 
prachtvoll helles cf bei Boult aux Bois auf einem Pfosten und 
kröpfte seine Beute. Als ich auf 15 Schritte mich ihm genähert 
hatte, bequemte es sich erst zum Abstreichen. Die Beute nahm 
es mit. 

Bei Vitarville (Dep. Meuse) beobachtete ich die Art nur 
2 mal, je ein Stück am 1. und 5. XI. 1916. Auch in der Champagne 
sichtete ich nur zwei Stücke, am 27. XI. 1916 eines bei Thugny 
und Mitte Dezember 1916 eines bei la Neuville. 

Die Kornweihe geniefst keinen guten Ruf. 0. v. Riesenthal 
sagt von ihr („Die Raubvögel Deutschlands" S. 116): „Die Korn- 
weihe ist um so gefährlicher, als sie besonders gern in der frühen 
Morgen- und späten Abenddämmerung herum streift, wo die Vögel 
ruhen und deshalb am leichtesten überrascht werden. Allerdings 
gehen auch die Mäuse um diese Zeit am meisten ihrem Geschäft 
nach und verfallen ihr desto zahlreicher, wobei der Weihe ihr 
überaus scharfes Gehör, wie den Eulen, besondere Dienste leistet, 
aber dennoch zieht sie junge Vögel und deren Eier für sich und 
ihre Jungen jeder anderen Nahrung entschieden vor. So gefährlich 
die Rohrweihe den Sumpf- und VVasservögeln ist, ebenso dezimiert 
die Kornweihe die Landvögel und zerstört zahllose Brüten. Sie 
ist mithin ein sehr schädlicher Vogel." Friderich-Bau 
kommt zu dem Ergebnis: „Man darf die Kornweihe unbedingt 
zu den schädlichsten Raubvögeln zählen, deren Verminderung zu 
begünstigen ist", und A. E. Brehm meint: „Zu meinem auf- 
richtigsten Bedauern darf ich nicht als Anwalt des Kornweihs 
auftreten". Er fügt aber doch bei, dafs er „durch Aufzehren von 
Mäusen und Kerbtieren, namentlich Heuschrecken uns entschieden 



258 W. Bacmeister und 0. Eleinschmidt : 

nützlich werde, durch Wegfangen von Eidechsen und Fröschen, 
welche nächst den Mäusen wohl seine hauptsächlichste Nahrung 
bilden dürften, uns wenigstens nicht Schaden bringe." Im übrigen 
aber wird, wie ersichtlich, der Kornweihe von diesem „Anwalt 
der Tiere" ein scharfes Urteil gesprochen. Es liegt mir ferne, 
gegen die Ansicht dieser anerkannten Forscher Einsprache zu 
erheben; dazu sind die von mir vorgenommenen Untersuchungen 
des Magen- und Kropfinhalts nicht umfassend genug. Immerhin 
aber wird das oben angeführte Ergebnis beachtlich sein, umsomehr, 
als gerade die Gegend, in welcher ich die Untersuchungen an 
den erlegten Weihen vornahm, überaus reich an Kleinvögeln aller 
Art ist. — Ein im Frühjahr 1916 bei Germout aufgefundenes 
Circus-Ei (wohl cyaneus) mit wenig blassen Schmutzflecken mifst 
46,0 X 36,4. B. 

17. Circus pygargus L. 
Die Wiesenweihe habe ich selbst nicht im Beobachtungs- 
gebiet gesichtet. In der näheren Umgebung der Tourauderie, 
wo ich, wie erwähnt, C. cyaneus fast täglich sehen konnte, kam 
sie nicht vor. Hier wäre sie mir wohl kaum entgangen. Bei 
Authe, das nur 8 km von meinem damaligen Standorte entfernt 
war, ist die Art nach Mitteilung von Stabsarzt Dr. P fister häufig. 
Ein von ihm am 10. VI. 1916 erlegtes cT und ein am 19. VI. 1916 
geschossenes 9 sah ich selbst im Balge. Er schofs das letztere 
von einem in einer Wiese stehenden Pfosten herab. Es hatte 
den Schützen nahe herankommen lassen, flog weg und kehrte 
wieder auf seinen Sitz zurück. Bei Authe befinden sich grofse 
Strecken brachliegenden Ackerlandes und ausgedehnte sumpfige 
Wiesen, welche den Wiesenweihen in jeder Beziehung zusagen. 
Sollten etwa pygargus und cyaneus einander im gleichen Brut- 
gebiet nicht dulden? Doch ist dies wohl kaum anzunehmen. B. 

18. Astur palumbarius L. 
Dr. Gengier bezeichnet — mit Recht — den Habicht als 
sicheren Brutvogel in den Ardennenwäldern. In den Nordargonnen 
habejch ihn nur 2 mal beobachtet: Am 9. VI. 1916 bei Germont 
und am 15. VI. 1916 bei Harricourt je ein Stück. Sonst nirgends 
mehr in Nordost-Frankreich. H e y d e r sah ein angenageltes cT 
an einer Baracke im Bois de Saulx bei Etain (östlich der Maas). 

B. 
19. Äccipüer nisus galliae (Klschdt, Falco 1917, p. 24). 
Sehr häufig ist das kleinere Abbild des Habichts, der Sperber. 
Eine grofse Anzahl von Ortsangaben weist mein Tagebuch über 
sein Vorkommen auf. Er ist gleichermafsen häufig in den Argonnen, 
wie in der Gegend von Verdun und in der Champagne. Er über- 
wintert im ganzen Beobachtungsgebiet. Doch mögen unter den 
zur Beobachtung gekommenen eine Anzahl Zuwanderer sich 
befunden haben. Erwähnenswert ist, dafs am 8. I. 1917 ein cf 



Zar Ornithologie von Nordost-Frankreich. 259 

bei A . . . . gefangen wurde, das sich im Stacheldraht verwickelt 
hatte. Es war sehr mager, wohl schon halb verhungert, und 
wog nur 121 g. Das am 5. I. 1917 bei Aussonce von Dr. Monnard 
erlegte 9. welches ein Rebhuhn 9 geschlagen hatte, wog dagegen 
235 g, also beinahe das Doppelte. Am 22. II. 1917 erhielt ich 
von Veterinär Wollschläger ein von ihm bei Thugny er- 
legtes 9- Wiederholt konnte ich die Keckheit dieses kühnen 
Räubers beobachten, wie er im Innern der Dörfer auf Klein- 
vögel stiefs. B. 

Es wurden gesammelt: ^«'^^«^^ ^^^^'^ ^l^^ 

1.9 21. XI. 1916 Thugny (mit Brustbein) -- — 57 

2. 9 juv. 5. I. 1917 Aussonce Dr. Monnard 

(mit Rebhuhn) 235 23,3 52 1 

3. cT ad. 8. I. 1917 Aussonce lebend gefangen 121 19,8 45| 

4. 9 ad. 22.11. 1917 Thugny Veterinär Woll- 

schläger — 22,9 — 

Ich halte Nr. 4 für einen sicher französischen Vogel, 
die andern für Wandervögel oder fragliche Stücke. Nr. 2 gleicht 
in der Färbung einem Stück von der Ostfront (Dr. Schlüter legit), 
welches 23,4 cm Flügellänge und 54 mm crista-Länge hat. 

Ich habe nach Nr. 4 den französischen Sperber Accipiter 
nisus galliae (vergl. Faico 1917, p. 24) genannt, um endlich ein- 
mal zum Ausdruck zu bringen, dafs zwischen Accipiter nisus L. 
von Schweden (cf 21,0 — 9 23,7 Flügellänge z. B.) und der 
sardinischen Form woUersiorfß (cf 18,3 — 9 22,0) 
Zwischenformen existieren. 

Ich durfte die Abtrennung nach einem Stücke wagen, da 
es alle 3 Merkmale einer solchen Form zeigt, dunkle Färbung, 
stumpfen Flügel, geringe Gröfse, und weil ich es in meiner 
Sammlung mit 70 Sperbern vergleichen konnte. 

Auch auf Sardinien kann man die einheimischen und 
die zugewanderten Sperber an diesen Merkmalen leicht unter- 
scheiden, zumal der Unterschied am Brustbein sehr in die 
Augen fällt: wolterstorffi z. B. cf 40 — 9 48 Va» nordische Sperber 
z. B. cf 48 — 9 57 mm. Jede Form hat natürlich eine gewisse 
Variationsbreite in allen Merkmalen. K. 

20. Buteo buteo L. 

Der Mäusebussard, der ebenfalls im Beobachtungsgebiet 
überwinterte, war vom ersten Tag an überall fast täglich zu sehen : 
Am 30. XII. 1915 und den folgenden Tagen 4-5, am 17. I. 1916 
8, alles meist wohl zugewanderte Stücke. Am 12. III. 1916 
kreisten über dem Walde bei der Tourauderie 7 Bussarde. Am 
8. IV. 1916 strich ein Stück vom Horste, der auf einer Eiche sich 
befand, ab. Am 2. VI. 1916 liefs ich den Horstbaum ersteigen 
und man brachte mir 3 Dunenjunge ins Quartier. Sie waren 



260 W. Bacmeister und 0. Eleinschmidt : 

noch so klein und hilflos, dafs ich zweifelte, es möchte die Auf- 
zucht gelingen. Doch nahmen die jungen Vögel sofort Futter 
an und entwickelten sich prächtig. Sie machten uns in unserm 
sonst so einförmigen Leben viele Freude und mehrere male hielten 
wir ihre Fortschritte im Wachstum auf der Lichtbildplatte fest. 
Am 10. VL zeigen sich die ersten Kielfedern. Vom 18. VL an 
stehen sie auf den Füfsen. Sie sind jetzt ganz braun befiedert, 
nur die Köpfe haben noch den weifsen Flaum. Am 22. VL zeigen 
sich auch auf den Köpfen Federstoppeln. Da wir Anfang Juli 
das Quartier verlassen raufsten, gab ich sie einem Urlauber nach 
Frankfurt a. M. an den Zoologischen Garten mit, wo sie sich 
nach Mitteilung der Leitung vollends gut entwickelt haben. 

Wiederholt sah ich helle Stücke. Am Ende der ersten 
Woche des Februar 1917 wurde bei Aussonce ein prachtvoll helles 
Stück geschossen. Am 11. IL 1917 sichtete ich selbst eines im 
Walde iDoi Juniville von fast ebenso heller Farbe. Wiederholt 
sah ich Bussarde auf den Telegraphenstangen, manchmal die 
Beute verzehrend, sitzen. Wenn man zu Pferde war, liefsen sie 
den Reiter sehr nahe herankommen. Am 20. XIL 1915 ritt ich 
bei Doncbery an einem Mäusebussard vorbei, der ganz nieder auf 
einem Baume an der Strafse safs und erst zum Abstreichen sich 
bequemte, als ich unter dem Baume das Pferd anhielt und ihn 
Auge in Auge betrachtete. B. 

Die gesammelten Stücke messen: 

1. cT 24. XL 1914 Beffu, D^p. des Ardennes 

(Unt.-Off. Schlecht) Flügel 37,3 cm 

2. cf 16. VL 1916 Talma, D6p. des Ardennes „ 39,6 „ 

3. cf 4. XIL 1916 Juniville „ „ „ „ 37,3 „ 
4. 9(?)circa7. IL 1917 Aussonce,, „ „ „ 

(Feldhilfsveterinär Wollschläger). — „ 

Das Brustbein des Vogels Nr. 2 mifst von der Spitze der 
crista bis zum Hinterrand gemessen 5,8, das des Vogels Nr. 3 
5,75 cm. Vom Vogel Nr. 4 liegt nur das Brustbein vor, welches 
5,7 cm mifst und einem prachtvoll weifsen Vogel angehörte. Der 
Gröfsenunterschied der beiden ersten Vögel entspricht der 
Variationsweite. Nr. 1 und 2 gehören der dunklen Varietät (ganz 
braun mit geringer heller Querbänderung an Unterleib, ünter- 
flügel und Unterschwanzdecken) an. Die Steuerfedern sind bei 
beiden grau mit dunkelbraunen Binden. Bei Nr. 2 zeigt eine 
neu hervorsprossende mittlere Schwanzfeder an einem Teil der 
Innenfahne schönes Rostrot. Das Brustbein trägt rechts einen 
Rippeuansatz mehr als links, ein Beweis, wie variabel die Aus- 
bildung der Rippen ist. Sonst gleicht es in allem (in Gröfse, 
kleinen Fenstern) zufällig fast ganz genau dem Brustbein eines 
von Rüdiger eingesandten Buteo eimmermannae (9?) aus den 
Pripjet-Sümpfen mit 37,3 cm Flügellänge. Während das russische 
Exemplar von deutschen Vögeln sehr abweicht, kann ich die 



Zar Ornithologie toq Nordost-Frankreicli. 261 

französischen Bussarde von deutschen nicht unterscheiden. Nr. 3 
ist ein junges Stück der gewöhnlichen Färbung, Brust licht mit 
vielen braunen Herzflecken, es sind also sämtliche Färbungen 
vertreten. Sicher französisch ist nur der zweite Vogel, da im 
Winter viele fremde Bussarde sich in Westeuropa aufhalten. K. 

2^1. Fernis apivorus L. 

Am 29. V. 1916 erlegte Leutnant Schneider ein schönes 
cf an der Strafse Briquenay-Germont, das er mir schenkte. Es 
hatte im Kropf und Magen gegen 50 Wespenlarven, im Kropf 
auch noch ein Froschbein. Die testes waren sehr stark entwickelt. 
Das Brustbein wies nur ein Fenster auf. Am 9. VI. 1916 beob- 
achtete ich an derselben Stelle, an welcher der eben erwähnte 
Wespenbussard erlegt worden war, einen rüttelnden Bussard. 
Die Schwanzfedern waren fächerartig ausgebreitet. Der Vogel 
stiefs nach einer Beute auf der Erde. Ich hielt ihn für einen 
Wespenbussard, Allerdings versteht auch der gewöhnliche Mauser 
das Rütteln, wenn er es auch nicht allzu häufig anwendet. 
Am 12. VI. 1916 erhielt ich von Hauptmann Kranzbühler 
ein bei Talma am 11. VI. erlegtes 9f von Stabsarzt Dr. Pietsch 
zwei Eier aus der Gegend von Germont. Am 1. VII. 1916 
sah ich einen Wespenbussard bei der Tourauderie. Späterhin 
kam die Art nicht mehr zur Beobachtung. ß. 

T?ni»«i Brustbein von 
^^"S^^rista bis Ende 
Nr. 1 cf 29. V. 1916 Briquenay, Dep. des Ardennes 41,0 5,85 
Nr.2 9 11. VI. 1916 Talma, „ „ „ 41,0 6,5 

Nr. 1 hat schön ausgefärbte Schwingen, grau mit scharf 
abgesetztem, sehr breitem schwärzlichem Endsaum, auch am 
Schwanz die für das Alterskleid charakteristische weite Entfernung 
der zwei grofsen letzten Binden an den Steuerfedern. Bei Nr. 2 
sind die grofsen Schwanzbinden zahlreicher und stehen in engerem, 
gleichmäfsigerem Abstand. Der Vogel ist also ein jüngeres Stück. 
Bei gleicher Flügellänge ist der Gröfsenunterschied der Brustbeine 
erheblich. Er bestätigt die Geschlechtsbestimmung. 

Die zwei bei Germont gesammelten Eier ~ wohl ein Gelege — 
sind normal gefärbt; sie messen 50,6X^2,1 und 54,0 X ^1»^ "t*'^- 
Das kurze Ei hat am stumpfen, das längliche am spitzen Ende 
dunklere grofse Wischflecken. K. 

22. Milvus milvtis L. 

Auch die Gabelweihe überwinterte in den Argonnen. Am 
5. 1. 1916 sichtete ich den ersten dieser dort gar nicht seltenen 
Vögel. Oftmals sah ich ihn in der Folgezeit, am 13. III. 1916 
das erste Paar. Am 20. III. 1916 schaute ich lange einem Paare 
zu, wie es seine herrlichen Flugspiele ausführte; am 21. III. übte 
sich in solchen Spielen ein roter Milan mit einem Turmfalken 

Joam. f. Om. LXVL Jiüurg. JoU 1918. 18 



262 W. Bacmeister und 0. Kleinscbiniclt i 

zusammen in der Nähe meiner Behausung. Es mufsten mehrere 
Paare in jener Gegend horsten. Im Frühjahr 1916 wurde ein 
Stück bei Germont erlegt. Die Stimme ist bussardähnlich. Sie 
klingt wie „piäh". 

Auch in der Gegend von Verdun habe ich die Art mehrfach 
beobachtet; am 29. VIII. 1916 wurde ein 9 ^^ Walde bei Peuvillers 
erlegt. Die Spannweite betrug 1,50 m. Die mittleren Schwanz- 
federn hatten noch nicht ihre volle Länge erreicht. Das Brust- 
bein mifst von der Spitze der crista bis zum Hinterrande 65 mm, 
das linke Fenster war verknöchert. B. 

23. Milvus migrans Bodd. 

Den schwarzen Milan sichtete ich nur einmal, am 6. VII. 
1916 im Walde bei Peuvillers. Lange kreiste der Vogel ganz in 
meiner Nähe über einer Waldwiese. Während anderwärts (z. B. 
in Württemberg) der rote Milan stark zurückgegangen und an 
seine Stelle mehr sein schwarzer Vetter getreten ist, herrscht in 
Ostfrankreich offenbar Milvus milvus noch durchaus vor. B. 

24. Falco suhbuteo L. 

Der Lerchenfalke ist im Beobachtungsgebiet Brutvogel. 
Ich beobachtete ihn erstmals am 3. VI. 1916 zwischen Bar und 
Harricourt; dann wieder am 21. VIII. 1916 bei Delut und am 
20. und 30. XI. 1916 bei Juniville. Ein Belegstück zu erbeuten 
gelang leider nicht. . B. 

25. Falco columbarius subsp. — ? {Falco aesalon auct.). 

Unter den vielen „Turmfalken" in der Umgebung der 
Tourauderie beobachtete ich wiederholt ein Pärchen, das seinen 
Horst auf einer Pappel am Mühlbach errichtet hatte. Allmählich 
fiel mir aber dieses Brutpaar auf, da es sich in manchem von 
den übrigen Turmfalken unterschied. Wenigstens kam es mir 
so vor. Ähnlich klang die Stimme und doch schien mir eine 
Abweichung von andern Turmfalkenstimmen vorhanden zu sein. 
In meinem Tagebuch verzeichnete ich als den Stimmlaut dieses 
Paares „kliklikli''. Das kann natürlich ebenso auf den gewöhnlichen 
Turmfalken stimmen. Aber — doch ich will hierher den W^ortlaut 
meiner Aufzeichnungen setzen: „Heute (10. IV. 1916) kam ich 
ihm näher. Der Falke safs auf dem Baum neben dem Horstbaum. 
Er kommt mir kleiner vor als tinnunculus, der Stofs kürzer als 
bei diesem. Kopf stark eingezogen. Beobachtung durch das Glas. 
Im Abflug sah der Vogel stahlblau, graublau aus und schrie 
„krä-äh, krä-äh" wie kein Turmfalke schreit. Am 15. IV., am 
17. IV. 1916 der Falke an derselben Stelle." Nun setzte durch 
einen Frübjahrsurlaub die Beobachtung leider aus. Als ich wieder 
zurückkam, sah ich, sobald ich konnte, nach dem Falkenpärchen 



Zar Ornithologie von Nordost-Frankreich. 268 

und liefs am 18. V. 1916 den Horstbaum durch einen gewandten 
Mann erklettern. Ein Falke safs auf dem Baum, das Nest war 
leer. — Was hauptsächlich zu denken gibt, das waren die eigen- 
tümlichen Stimmlaute krä-äh, wie ich sie nie bei einem Turmfalken 
gehört habe. Ich halte es für m ö g 1 i c h , dafs sie vom niedlichen 
Merlin herrührten. Dieser ist allerdings ein nördlicher Vogel. 
Dafs er Nordostfrankreich mindestens auf der Wanderung berührt, 
bezw. in ihm überwintert , dafür konnte ich einen Beleg 
erbringen durch ein am 11. II. 1917 bei Mönil-Annelles erlegtes 
Zwergfalken-9, das mir für die Sammlung überlassen wurde. 
HenrySeebohm sagt: „Der Merlin brütet im ganzen Norden 
Europas, auf tlen Faröer und Island. Er überwintert in Süd- 
europa und Nordafrika. Im Osten bewohnt er das nördliche 
Sibirien als Brutvogel, wandert durch Turkestan und Mongolien 
und überwintert im südlichen China, dem nordwestlichen Indien 
und Scinde." „Vom hohen Norden", berichtet Alfred E. Brehm 
im „Tierleben" 2. Aufl., Vögel, Bd. 2, S. 562, ,,seiner Heimat, aus 
durchzieht unser Vaterland allherbstlich ein kleiner reizender 
Edelfalk, um in Südeuropa und Nordafrika den Winter zu ver- 
bringen und im Frühlinge nach seinem Brutgebiete zurückzuwandern. 
Dies ist der Merlin . . . ." Brehm fährt dann fort: „Wiederholt, 
am bestimmtesten von Bechstein und Päfsler, ist be- 
hauptet worden, dafs der Merlin in Deutschland brüte. Bechstein 
versichert, ihn während der Brutzeit im Thüringer Walde, G loger 
auf dem Riesengebirge, Tobias in der Lausitz beobachtet zu 
haben, erstgenannter Naturforscher beschreibt auch den Horst, 
anscheinend nach eigenen Beobachtungen, und Päfsler zählt 
ihn unter den Brutvögeln Anhalts auf, weil er einmal in den 
dreifsiger Jahren seinen Horst selbst aufgefunden und neuerdings 
erfahren hat, dafs der Vogel in demselben Gebiete wiederholt 

gebrütet haben soll Solche Fälle gehören jedoch zu den 

seltenen Ausnahmen; denn das wirkliche Brutgebiet ist der hohe 
Norden Europas." Häufig wurde der Merlin in vielen Ländern 
als Zugvogel beobachtet, in der Provence von Salvador i. 
Weitere Nachrichten über sein Erscheinen in Frankreich sind mir 
nicht bekannt. Es wäre von Belang, zu erfahren, ob das hübsche 
Fälkchen auch von anderen auf dem westlichen Kriegsschauplatz, 
insbesondere zur Brutzeit, beobachtet wurde. Nach meinen Wahr- 
nehmungen besteht die Möglichkeit, dafs der Merlin im östlichen 
Frankreich brütet. B. 

Ein 9 ad. „11. Februar 1917, Menil-Annelles, D6p. Ardennes, 
Gewicht 215 gr. Mageninhalt: Reste eines Vogels, sehr wahr- 
scheinlich Sperling". Bacm. 

Der Vogel, als altes Stück kenntlich an den mehr Tropfen 
als Streifen bildenden Flecken der Unterseite und den bläulich 
angeflogenen Bürzelfedern, hat 21,5 cm Flügellänge. Die crista 
sterni mifst von der Spitze bis zum Hinterrand des Brustbeins 
42 mm. 

18* 



264 W. Bacmeister UDd 0. Eleioscbmidt : 

Die deutscheu Merline meiner Sammlung sind meist etwas 
gröfser (Flügel bis 22,3, crista bis 44), auch heller. Für solche 
Stücke kann vielleicht der von Hartert angewendete Name 
regulus (Fall.), der sich auf die westsibirischen Vögel gründet, 
richtig sein. Ich trage aber Bedenken, ihn auf alle europäischen 
Vögel zu übertragen. Bei dem ungeheuren Unterschied der beiden 
in Falco 1917, p. 10 benannten Formen ist es ganz unwahr- 
scheinlich, dafs dazwischen eine vollkommen gleichförmige Rasse 
wohnen sollte. Wie inkonsequent man verfährt, zeigt sich darin, 
dafs ornithologische Expeditionen in die Sahara unternommen 
werden, um einen minimalen Färbungsunterschied zwischen, zwei 
Haubenlerchenformen festzustellen, während daheim immer noch 
die Neigung herrscht, vorläufig „alles in einen Topf zu werfen". 
Mafsgebend sind freilich für Merlinstudien nur Vögel aus den 
Brutgebieten. Auch ist die starke individuelle Variation zu be- 
rücksichtigen. Das vorliegende Stück bedeutet nur ein Schrittchen 
zur Klärung der Frage, ob wir in Deutschland mehr östliche, in 
Westeuropa mehr nordeuropäische Vögel als Wintergäste haben. 

K. 

26. Cerchneis tinnuncülus L. 

Der Turmfalke war im ganzen Beobachtungsgebiet überaus 
häufig. Er überwinterte daselbst und war nahezu täglich zu 
sehen. Sofort nach unserer Ankunft auf dem westlichen Kriegs- 
schauplatz (Mitte Dezember 1915) wurde er zumeist in 2 oder 
3 Stücken beieinander an mehreren Orten in der Umgebung von 
Södan gesichtet. Auch diese Art liefs, wie der Mäusebussard, 
den zu Pferde befindlichen Beobachter oft ganz nahe herankommen, 
ja wiederholt schlug der Falke seine Beute vor unseren Pferden. 
Entsprechend der Beschaffenheit des Beobachtungsgebietes er- 
richtete der Turmfalke daselbst seinen Horst nur auf Bäumen. 
Das erste Nest fand ich am 15. IV. 1916 auf einer Pyramiden- 
pappel bei Th^norgues, am 18. IV. 1916 ein solches an anderer 
Stelle auf derselben Baumart. Das 9 safs beim Neste, während 
das <f in der Nähe seine Flugspiele aufführte. Ein weiterer 
Horst in derselben Gegend war auf einer Eiche angelegt. Am 
9. IV. 1916 — also sehr frühzeitig! — fand Oberstabsarzt Dr. 
D orbritz ein zerbrochenes Ei im Walde. Am 2. VII. 1916 
erhielt ich zwei junge Vögel, die am Tage vorher bei Beult aux 
Bois erlegt worden waren. Ein am 13. IV. 1916 geschossenes d* 
hatte 3 Mäuse (jede ohne Kopf) im Magen. Die testes waren 
7 (links) bezw. 6 (rechts) mm grofs, erbsenrund. 

Nahezu ebenso häufig wie im Argonnengebiet war der 
Turmfalke in der Verduner Gegend. Zu erwähnen ist, dafs im 
ganzen Monat Oktober die Art nicht gesichtet wurde. 

Auch in der Champagne war der Turmfalke während des 
Winters 1916/17 überall zu sehen: mehrfach hatte er den Sitz 
auf den Ferusprechdrähten gewählt. B. 



Zur Ornithologie von Nordost-Frankreich. 266 

1. d* juv. 1. VII. 1916 Boult aux Bois, D6p. des Ardennea. 

*• CT \f)]\lV. „ „ ,, „ „ ,, „ „ ,, 

3. cf ad. 8. XII. 1916 Aussonce, „ „ „ 

erl. V. Dr. Monnard 176 g. 

4. cf ad. 15. I. 1917 Strafse Juniville— la Neuville, D^p. des 

Ardennes, erl. v. Bacmeister 185 g. 

5. d* ad. 13. IV. 1916 La Tourauderie, Ddp. des Ardennes, erl. v. 

Bacmeister, crista bis Hioterrand 3,16 cm 

6. Brustbein 7. II. 1917 Aussonce crista bis Hinterrand 3,57 cm. 

Bei Nr. 1 und 2 sind die Schwingen noch lange nicht aus- 
gewachsen. Nr. 2 ist stärker gebändert als 1, vielleicht ein 9* 
Beide Vögel zeigen ein lebhaftes Kolorit von warmer Tönung, 
während unter den übrigens individuell sehr variablen 
Turmfalken, die im Herbst in Deutschland erscheinen, blassere 
Stücke auftreten. 

Die alten Männchen Nr. 3 und 4, die vielleicht, aber nicht 
sicher, Vögel von französischer Heimat sind (alte Vögel über- 
wintern gern), zeigen ziemlich grob gefleckte Brust. Nr. 5 zeigt 
auch auf dem Unterflügel sehr grobe Fleckung. Nr. 3 hat rein- 
grauen, Nr. 4 rötlich grauen, Nr. 5 (offenbar jünger als 3 und 4) 
stark rötlich getrübten Scheitel. Flügel von Nr. 3 24,4, Schwanz 
etwa 19,0; Flügel von Nr. 4 24,0, Schwanz etwa 17,5; Flügel 
von Nr. 5 24,6, Schwanz 18,3 cm. Ein gerade vor mir liegendes 
Winter-Männchen vom 29. Dezember 1916, Prov. Sachsen, bat 
25,0, 19,1 cm. K. 

27. Äsio otus L. 

Im Argonnerwaldgebiet hat Dr. M o n n a r d am 25. III. 1916 
abends bei unserem Wohnhaus ein cf mit stark entwickelten 
6 mm grofsen testes, und am 31. III. abends kurz vor 8 Uhr im 
Walde ebenfalls 1 cf der Waldohreule erlegt, dessen testes etwa 
5 mm mafsen. Im Verduner Gebiet wurde die Art nicht beob- 
achtet. In der Champagne hat Oberstabsarzt Dr. D o r b r i t z 
am 21. XL 1916 bei Thugny, Arrond. de Rethel, ein d* erbeutet, 
das 250 g wog und dessen Flügel 28,9 cm mafsen. Dr. Gengier 
und R. H e y d e r haben die Waldohreule im besetzten Gebiet 
von Frankreich nicht beobachtet, V. Franz führt sie als im 
Aisnegebiet vorkommend auf. 0. v. Riesenthal schreibt von 
dieser Art: „In ganz Frankreich verbreitet, doch seltener Stand- 
vogel in der Provence". B. 

Die gesammelten Stücke können natürlich ebenso wohl 
einheimische Vögel wie nordöstliche Zugvögel sein. Von Rufs- 
land liegen zwei von Herrn Dr. D e n n l e r gesandte Stücke vor, 
ein ähnlich gefärbtes männliches und ein brauneres, vermutlich 
weibliches Stück. Das russische Männchen mifst 30,1 cm. 



266 W. Bacmeister und 0. Eleinscbmidt : 

Die französischen Vögel zeigen etwas breitere Zeichnungen an 
Brust und Schwingen. K. 

« 
28. Äsio arcticus (Sparrm.). 

„In Frankreich und Belgien zahlreich auf dem Zuge", sagt 
Riesenthal in seinen „Raubvögel Deutschlands und des an- 
grenzenden Mitteleuropas" (S. 484, 1. Aufl.). Diese Bemerkung 
trifft auch für das Beobachtungsgebiet in den Nordargonnen zu. 
Oberstabsarzt Dr. Dorbritz hat daselbst in den Monaten Januar, 
Februar und März 1916 mehrere Sumpfrohreulen geschossen und 
zwar alle am Tage. Ich selbst sah die Art am 25. I. 1916 am 
hellen Tage über den Feldern bei Thenorgues jagen. Dafs sie, 
wie A. E. B r e h m meint, nur „ausnahmsweise" bei Tage umher- 
fliege, scheint nicht richtig zu sein, wenn gleich ihre Hauptjagd- 
zeit in die Abend- und Nachtstunden fallen mag. Ein am 5. III. 
1916 bei Thenorgues erlegtes cT hatte 4 bezw. 47, mm grofse 
testes. Dafs die Sumpfrohreule aber auch Brutvogel in den 
Argonnen ist, beweist ein von Stabsarzt Dr. Pfister am 10. VI. 1916 
bei Authe geschossenes Stück, das ich nach seiner Gröfse als ein cf 
ansprach. In der Gegend von Verdun und in der Champagne 
kam die Art nicht zur Beobachtung. B. 

. Sternam crista 

Gesammelte Vogel : Flügel * • Hinter- 

" y ° rand mm 

1. 9 9. I. 1916 Thenorgues, Dep. d. Ard. 31,5 sehr dunkel, — 

2. cflö. 1.1916 „ „ „ 31,3 heller — 

3. cf 12. 11.1916 „ „ „ 31,5 heller 42,5 

4. cf 25. II. 1916 „ „ „ 32,1 noch heller 40,9 

5. 9 10. III. 1916 

(ovariura 7| mm) „ „ „ 31,0 dunkel 43,0 

6. cT 5. III. 1916 

(testes 4. 4 1 mm) „ „ „ 31,2 heller 40,3 

7. cf 10. III. 1916 

(testes 5. 4 1 mm) „ „ „ 30,9 heller 39,4. 

Die Vögel sind fast alle dunkler und kräftiger gefleckt als 
die Zugvögel, die ich aus Mitteldeutschland besitze. Ob dies 
Zufall ist? Die Unterseite der Flügel, besonders der grofsen 
Schwungfedern ist bei jedem Stück anders gezeichnet. Bemerkens- 
wert ist bei dieser individuellen Variation, dafs der dunkelste 
Vogel (Nr. 1) schiefe Binden, also Neigung zu Längszeichnung 
besitzt. Hier ist also wie bei den Schleiereulen das Zeichnungs- 
gesetz der Tagraubvögel umgekehrt, die bei dunkelster Färbung 
ausgesprochenste Querzeichnung tragen (vgl. Bussarde und 
Falken). K. 

29. Athene nocfua Scop. 

Häufig in der Gegend von Sedan, in den Argonnen und im 
Verduner Gebiet. Aus meinen Aufzeichnungen nur die eine: 
„Am 4. III. 1916 sitzt ein Steinkauz bei der Ferme de Loges (in 



Zar Ornithologie von Nordost-FraDkreicb. 267 

der Nähe von Grandpre) auf einem auf einer Stange angebrachten 
Starenhäuschen, während wir der Zerlegung eines Pferdes bei- 
wohnen. Ob es durch den Geruch des toten Tieres angelockt war? 
Es fliegt in eine Weide ab, wo es Kleinvögel umzetern." B. 
Q ad. 6. 11. 1916 Briquenay, Flügel 16,6 

9 ad. 6. III. 1916 „ Dr. Monnard, Flügel 16,3. 

Ich kann mit beiden Vögeln ein russisches, leider junges 
Stück vergleichen, das 16,0 mifst. Die Franzosen sind sehr dunkel 
gefärbt, was aber daran liegen kann, dafs es wohl alte Vögel sind. 

K. 

30. Strix flamtnea rhenana (Klschdt.). 

Die Schleiereule ist ein über das ganze Beobachtungsgebiet 
verbreiteter häufiger Vogel. In den Argonnen habe ich sein 
Vorkommen für folgende Orte aufgezeichnet: la Tourauderie, 
Briquenay, Thönorgues, le Morthomme, Boult aux Bois, Talma. 
Sofort nach unserem Eintreffen in der Tourauderie meldete sie 
sich mit ihrem heiseren Geschrei in den ersten Tagen des Januar 
1916 und umflog allabeodlich unsere Unterkunft. Ich höre diese 
heiseren Schreie gerne, weil ich ein Eulenfreund bin. In ihrem 
nächtlichem Gebahren liegt etwas Geheimnisvolles. Von acht iu 
den Nordargonnen erlegten bezw. tot aufgefundenen Stücken 
waren 5 cTcT, 2 99, 1 ? 

Der schöne Schleierkauz war in der Tourauderie gewisser- 
mafsen unser Hausgenosse. Er hielt sich im Dachboden unseces 
Stalles auf, wo ich ihn wiederholt aufscheuchte; ein Paar nistete 
in der zurFerme gehörenden im Betrieb befindlichen Sägemühle. 
Am 23. V. 1916 stieg ich zum Horst hinauf. Er befand sich in 
einem früheren Taubenschlage. Auf dem blofsen Gemäuer unter 
der Dachsparre lagen drei Dunenjunge von sehr verschiedener 
Gröfse und 2 Eier, die sich später als unbebrütet erwiesen. Als 
ich mich dem Neste näherte, strich der alte Vogel ab. Am 25. V. 
1916 entfernte Leutnant Erdmann ein Brett, um das Nest mit 
den Jungen auf der Lichtbildplatte festhalten zu können. Als 
ich am 27. V. zu diesem Behufe wieder zum Horst emporstieg, 
waren alle drei Jungen verendet. Zwei lagen auf dem Boden 
des Taubenschlages, eines noch im „Neste". Sollten die Alten 
die Störung so übel genommen haben, dafs sie die Jungen dem 
Hungertode preisgaben? Solange diese sich noch am Leben be- 
fanden, waren die Eitern eifrig um ihre Pflege bemüht. Dies 
bewies die Unzahl von den umherliegenden Gewöllen, zwischen 
denen zwölf frische Feldmäuse, eine Spitzmaus und eine Zwerg- 
spitzmaus lagen. Die toten Jungen balgten Dr. Monnard und 
ich ab — es war eine schwierige, heikle Arbeit — , die beiden 
Eier wurden ausgeblasen. Auch in der Verduner Gegend und 
in der Champagne war die Art sehr häufig. Mitte Dezember 
1916, am 23. 1. und 24. I. 1917 wurden in Juniville verendete 
Stücke gefunden. Während allen übrigen Vögeln der Winter 



268 



W. Sacmeister und 0. Eleioschmidt : 



nichts anhaben konnte, erlag gerade diese Art wiederholt offenbar 
dem Hunger. B. 

Während eine Schleiereule aus Isländern, die ich bei Schlüter 
sah und viele westfranzösische Stücke, die ich früher dort 
verglich, der typischen Strix alba aus Italien und der Form 
hostilis von England ähnlich waren, gleichen 8 vorliegende 
ostfranzösische Bälge durchaus meiner Strix rhenana von 
Hessen. Sie zeigen ziemlich genau dasselbe Variations- 
bild wie die in Berajah abgebildete Reihe vom Rheinufer aus 
der Gegend von Darmstadt. Ich ordne sie nach der Färbung: 



No. 


Geschlecht 


Datum 


Ort 


Erleger 
u. Gewicht 


1. 


„9" 


23. März 1916 


Tourauderie 
Schnepfenstrich 


Dr. Monnard 


2. 


„9" 


20. Mai 1916 


Talma 


Hptm. 
Kranzbühler 


3. 


„cf" 


gef. 24. oder 25.11. 16 
verendet 1. III. 16 


Thenorgues 


— 


4. 


„cf" 
testes 10. 9. 


gef. 25. III. 1916 
gef. 27. III. 1916 


Briquenay 


— 


5. 


„cf" 
testes 8| . 7| 


4. April 1916 


Briquenay 


— 


6. 


„cf" 


27. April 1916 


Tourauderie 


Lt. Wagner 


7. 


— 


29. Februar 1916 


Tourauderie 


Lt. Reitz 


8. 


„cT" (? 9) 


23. Januar 1917 


Juniville 


tot gefund. v. 

Gefr.Hübner 

nur 230 g. 



Ein E i mifst 43,0 X 31,7 mm. 

Vom Fufsknochen wurden folgende Präparate und Mafse 
entnommen: 
Von Nr. 8. Unterschenkelknochen 82,8 Fufsknochen (Lauf) 59,5 

I» » 6. „ o7,ö „ „ 

„ „ 4. „ 88,0 „ „ 64,0 

Mitteldeutsche Vögel sind gegenüber westdeutschen und 
französischen 

1) seltener weifs, wenn auch zuweilen gleich hell, 

2) oberseits grauer in allen Färbungsstufen, 

3) weiter und weniger am Schwänze gebändert; 

4) die Varietät adspersa ist bis jetzt am Rhein oder in Frankreich 
mit brauner Grundfarbe der Brust nicht gefunden worden. 



Zur Oraitbologie von Nordost-Frankreich. 



269 



Ich besitze 36 schöne Präparate von mitteldeutschen Vögeln.*) 
Aus Rufsland , und zwar aus den Pripjet-Sümpfen erhielt ich 
kürzlich von Rüdiger eine Schleiereule, die aus jeuer Gegend 
(wenigstens nach Menzbiers Angaben über die Verbreitung der 
Art in Rufsland) eine grofse Seltenheit ist. Es war mir interessant, 
dieses östliche Stück mit seinen westlichen Entente-Kameraden 
vergleichen zu können. Es ist ein Q, auf der Brust noch etwas 
heller als Nr. 4, aber auf der Oberseite grauer und am 
Schwanz weiterund weniger bebändert (4 Binden 
auf 6,3 cm Entfernung, vom Unterrand der oberen bis 




Weite der 
Schwanzbinden 



28,2 


3,66 


28,4 


3,45 


30,0 


3,58 


28,2 


3,63 


28,7 


3,58 


29,4 


3,7 


29,6 


3,7 


28,5 


34,9 



gelb mit kleinen 

Flecken 

hellgelblich mit 

kleinen Fleckchen 

hellgelblich mit mittel- 

grofsen Fleckchen 
ebenso, aber Oberseite 

lebhafter 
weifslich mit mittel- 

grofsen Fleckchen 
weifslich mit grofsen 

Flecken 

weifslich mit grofsen 

Flecken 

weifs mit grofsen 

Flecken 



4 4 auf 6,3 cm 

4 4 „ 5,8 „ 

4 4 „ 5,9 „') 

5, davon 4 auf 5,1 cm*) 

5, davon 4 auf etwa 5,1 cm 



4 auf 5,4 cm 
4 „ 5,8 „ 



5, davon4auf5,lbis5,2cm. 



zum Oberrand der unteren gemessen). Der ünterschenkelknochen 
mifst 90,0, der Lauf 63,0 cm. 

Flügelmafse sind bei Schleiereulen wegen der verschieden 
stark gekrümmten Flügelgelenke ungenau. 



1) Sammler können sich stattliche Reiben dieser besonders inte- 
ressanten Tiere verscbaffen, wenn sie sich im Winter tot gefundene 
Schleiereulen einsenden lassen. Scbleiereulenleicben verwesen sehr langsam 
und bleiben daher lange brauchbar. 

*) Die letzte Binde spitzenwärts etwas verloschen, die basale fünfte 
auch nur angedeutet. 

B) Die letzte Binde aufgelöst. 



270 W. Bacmeister und 0. Eleinschmidt: 

Drei südfranzösische Bälge meiner Sammlung sind oben 
lebhafter rotgelb als Nr. 8, unten alle drei weifs, bleiben aber 
noch weit von der italienischen alba entfernt. 

Die französischen und westdeutschen Schleiereulen als eine 
Mischrasse anzusehen und sie durch eine Formel als solche zu 
benennen, wie es Hartert will, ist unsinnig, da in Mittel- 
deutschland ganz weifsbrüstige brüten und in Rufsland helle vor- 
kommen, die durch grauen Rücken sich als autochthon erweisen, 
wenigstens vorläufig durch kein Ringexperiment*) als westliche 
Wanderer erwiesen sind. Den isländischen Jagdfalken fafst 
Hartert nicht als Mischrasse zwischen der europäischen und 
grönländischen Form auf, obschon da die Variation ähnlich ist. 
Vollends wird kaum jemand das Variieren der Bussarde aus 
Rassenmischung erklären wollen. Es ist nur ein eingefleischtes 
Vorurteil, eine reine Rasse müsse ganz einförmig sein und dürfe 
nicht in Farbenvariationen spielen. 

Die Schleiereule hat die Eigenart, herrlich geographisch zu 
variieren und in jeder Rasse individuelle Spielarten zu bilden. 
Es gibt kaum einen dankbareren Gegenstand für das Studium 
von Rasse und Spielart als sie. Man mufs nur die entsprechen- 
den Varietäten, also weifse mit weifsen, dunkle mit dunklen ver- 
gleichen. Man vergewaltigt die Natur, wenn man den falschen 
Grundsatz in sie hineinträgt, Variation widerlege die Rassen- 
reinheit und den systematischen Wert. Von den acht gesammelten 
Stücken ist nur Nr. 1 so dunkel wie die mitteldeutsche Normal- 
färbung. Am Unterflügel sind Nr. 2—8 licht oder weifs. Man 
kann natürlich zahlreiche ganz gleichgefärbte Stücke aus Frank- 
reich und Mitteldeutschland finden, aber sie stehen jedes auf 
einer andern Stufe der Variationsskala ihrer Rasse. A 1 gleicht 
nicht B 1, sondern vielleicht B 2, A 2 gleicht B 3 etc. 

Interessant ist es, dafs das helle Stück Nr. 8 am Hinter- 
rand des Brustbeines geringe Ausbuchtung zeigt. Das scheint 
zu bestätigen, dafs die Variation des Skelettes mit der der Fär- 
bung Hand in Hand geht, wie ja auch die Bindenweite mit der 
Färbung variiert, d. h. bei heller Färbung meist enger, bei 
dunkler in der Regel weiter wird. Bei Tagraubvögeln ist es 
umgekehrt. E. 

31. Cuculus canorus L. 

Der Kuckuck ist in den Argonnen gemein. Am 10. IV. 1916 
vernahm Dr. Monnard morgens ö*** den ersten Kuckucksruf im 
Bergwald bei Briquenay. Am 17. V. 1916 hörte ich nachmittags 
mehrere im Bois de Thenorgues. Ein von mir beschossenes aber 
gefehltes cf liefs nach dem Schusse sofort wieder in allernächster 
Nähe seine Stimme hören. Als ich um 7 Uhr abends meiner 



*) Kingexperimente kOnnen erst ergeben, wie weit Schleiereulen 
streichen, ob weifse östlich, braune westlich, Südländer nördlich sich 
yerfliegen. 



Zur Ornithologie von Nordost-Frankreich. 



271 



Wohnung mich nähere, sitzt ein Kuckuck auf der Strafse und läfst 
mich bis auf 25 Schritte herankommen. Am 3. VI. 1916 Hefa 
sich ein Gauch noch abends 10 Uhr vernehmen. In der zweiten 
Hälfte des Juni verstummte dieser edle Sänger. In den übrigen 
Teilen des Beobachtungsgebietes konnten wir das Vorkommen 
der Art nicht mehr feststellen. B. 

32. lynx torquilla L. 
Der Wendehals kam auffallend wenig zur Beobachtung. 
Erst am 29. V. 1916 hörte ich zum erstenmal seinen bekannten 
Ruf bei Briquenay, am 5. VI. in der Nähe der Tourauderie und 
am 22. VI. morgens 7 Uhr bei Harricourt. Als wir am 5. VII. 1916 
ins Kampfgebiet vor Verdun zogen, vernahm ich die Stimme des 
Wendehalses auf dem Marsche von Stenay nach Damvillers. B. 



33. Dendrocopus major arduennus (Klschdt. Falco XII, S. 12). 

Die ersten grofsen Buntspechte sah ich am 28. I. 1916 im 
Walde bei der Tourauderie. Sie jagten einander. Bei der un- 
gewöhnlich milden Witterung war es nicht zu verwundern, dafs 
sie schon in der Balz sich befanden. Die Art kam in der Folge- 
zeit häufig zur Beobachtung in allen Teilen des Gebietes. Am 
13. III. 1916 hörte ich das erstmalige Trommeln. Am 4. III. 
1916 erlegte ich das erste Stück (9) im Birkenwäldchen bei der 
Tourauderie. Am 4. IV. 1916 erhielt ich ein von Leutnant 
Schneider bei Briquenay (Vi Stunde von der Tourauderie ent- 
fernt) erlegtes <f. Es gelang nicht, noch weitere Stücke zu 
sammeln, obgleich ich die neugierigen und eifersüchtigen Vögel 
wiederholt durch Nachahmen des Pochens anlockte. Immer 
verbargen sie sich vorsichtig hinter dem angeflogenen Baum- 
stamme. Am 7. IV. 1916 beobachtete ich lange ein Stück im 
Walde östlich von Verpel. Es hielt sich beständig in der Nähe 
einer frisch gezimmerten Nisthöhle in einer abgestorbienen Birke 
auf. Das Nistloch war etwa 5 m über der Erde. Den letzten 
Rotspecht sichtete ich am 20. XII. 1916 im Walde bei Juniville. 

B. 

Es liegen nur die beiden erwähnten Stücke vor, aber die Form 
Ist so ausgeprägt, dafs sie durch diese hinreichend begründet ist. 






Datum 



Ort 



■■d 



'S 



Vi M 'S 
CS ® :0 



CQ 



Ol 

fcT) 









«'S 



o;3 



9. 10 
— 9 



4.April 1916 
4. März 1916 



Briquenay, 25,2 
D4p. Ardennes 
Tourauderie [25,6 



40,7? 
42.5 



+ 4,3 
+ 4,5 



12,9 
13,2 



9,5 
10,0 



70 gr 
74 „ 



31 mm. 
30 „ 





272 


W. Bacmeister 


und 


D. Eleioscbmidt : 








Das Männchen ist weifs, das Weibchen bräunlich auf der Brust. 


Zum Vergleich einige Mafse vom nordosteuropäischen major und 


vom mitteldeutschen pinetorum-. 


Z). major major (L.)- 


.2 

CO 

Ü5 


eo CO 

00 o 


Datum 


Ort 


a 

:o3 


'53 

CQ 


Schwanz 
unbedeckt 
von Flügeln 


93 

ÖD 
:ff 


ff 

es 
-^ 

.ff 

CC 


■4^ 
-ff 

u 

o 


Sternum 
crista-Spitze 
bisHinterrand 


d* 


3.6^1) 


20.Aprill908 


Ostpreufsen 
(von Tischler) 


27,5 


46,0 


+ 4,3 


14,6 


10,6 


105 gr 


33 mm 


cf 


3.3^ 


8. Dez. 1915 


N.-Rufsland 
(v.Dr.Schlüter) 


27,2 


44,51) 


+ 4,3 


14,1 


10,3 


88 „ 


33 „ 


cf 


— 


23. Dez. 1916 


Pripjet-Sümpfe 
(von Dennler) 


— 


'~— 


— 


14,1 


10,0 


85 „ 


32 „ 


cf 


3.2| 


4.Febr.l917 


Pripjet-Sümpfe 


25,8 


43,1 


+ 4,2 


13,6 


10,0 


80 „ 


30 „ 








(von Rüdiger) 






1 








X>. major pinetorum (Brm.). 


9 


— 


27. Jan. 1902 


Ziegenhain 
i. Hessen 


— 


— 


— 


14,1 


— 


— 


— - 


cf 


— 


28. Nov. 1891 


Marburg 

a. L. 
Marburg 


26,5 


44 


— 


13,7 


— 


— 


— 


cT 


— 


9. Jan. 1893 


26,9 


45,0 


+ 5,0 


13,85 


— 


64 er tot 
gefondQn 


— 


d* 


3.3 


Dez. 1912 


Dederstedt 
Fror. Sachsen 


— 


— 


— 


13,7 


— 


— 


— 


9 


— 


12. Nov. 1891 


Marburg 

a. L. 
Marburg 

a. L. 
Volkmaritz 


25,5 


43,5 


— 


13,6 


— 


— 


— 


9 


— 


9. Jan. 1893 


25,1 


43,1 


+ 4,2 


13,4 


— 


— 


i 


cf 


3.3 


8. Jan. 1908 


__ 


__ 


___ 


13,35 


^_ 


__ 


31 mm. 








Prov. Sachsen 
















d» 


— 


25. Nov. 1892 


Marburg 

a. L. 
Marburg 

a. L. 


26,3 


42,7 


+ 4,8 


13,2 


— 


— 


— 


cf 


— 


22. Jan. 1893 


25,8 


43,5 


+ 4,7 


13,25 


— 


— 


! 


1>. m,ajor prope arduennus (KL). 


cf 


10.14 


8. Mai 1897 


Rhein 
bei Darmstadt 


25,5 


43,2 


+ 3,7 


13,5 


9,2* 


— 


^ 


Ich habe hier nur einen Teil meines Vergleichsmaterials 


angeführt. i 


^) Diese Zahlen deuten auf eine spatere Entwicklung der testes bei 




der 


Dordischen For 


m gegenüber c 


1er fr 


anzOsis 


eben h 


n. 






\ 



Zur Ornithologie von Nordost-Frankreich. 273 

Die FIügelläDge der nordischen Rasse major variiert von 13,5 bis 

14,6 cm Flügellänge, 

die Flügellänge der mitteldeutschen Rasse pinetorum variiert von 

13,2 bis 14,1 cm Flügellänge, 

die Flügellänge der englischen Rasse anglicus variiert von 12,5 bis 

12,8, selten bis 13,1 cm Flügellänge. 
Picus major arduennus füllt mit 12,9 bis 13,5 cm die Lücke, 

d. h. die fehlende Stufe zwischen pinetorum und anglicus ziemlich 

genau im Abstand der anderen Rassen aus. Wollte man arduennus 

als Zwischenform weglassen, so müfste man logischerweise auch 

pinetorum weglassen. 

Noch mehr als durch den schon ohne Messung ins Auge 
fallenden Gröfsenunterschied kennzeichnet sich arduennus gegen- 
über major und pinetorum durch den schlanken Schnabel, der 
ziemlich dem von D. leucopterus gleichkommt. Die ab. pityo- 
picus Brm. fand ich tatsächlich in Kiefernwald, die ab. fron- 
dium Brm. mit weifser Brust (etwas längerem und schlankerem 
Schnabel) mehrfach in Laubholz. Ob dies Regel ist, oder ob 
beide Aberrationen (ich gebrauche den Ausdruck hier so, wie er 
bei Schmetterlingssammlern im alltäglichen Gebrauch ist) zufällige 
Schwankungen sind, die in jeder Holzart vorkommen, wird an 
Brutpaaren noch festzustellen sein. Doch ist es nicht leicht diese 
Frage zu lösen, da man selten beide Waldformen in demselben 
Rassengebiet in ganz reinem Bestände findet. Engherzige Syste- 
matiker sind nur auf scharfe Abgrenzung ihrer Formen be- 
dacht, während der Rassenforscher grade an den zusammen- 
hängenden Formenketten seine Freude hat und an ihnen 
die wirklichen Arten nachweist. 

Zum Vergleich seien hier noch die Flügelmafse der von 
Herrn Hauptmann Bacmeister in Polen gesammelten grofsen 
Buntspechte angeführt: Gouvernement Warschau: d* etwas 
brauubrüstig 13,6, 99 13,6 und 14,1. Gouv. Lublin d* etwas 
braunbrüstig 14,1 cm. Braun- und weifsbrüstige Vögel finden 
sich auch in Schweden und überall zu gleicher Jahreszeit. Ein 
weifsbrüstiger Vogel vom Gouv. Warschau hat ein kleines rotes 
Fleckchen am Vorderhalse. Die spanische Form hat an dieser 
Stelle oft ein ausgeprägtes rotes Band i), sonst kommt diese, auch 
in den Mafsen, arduennus sehr nahe. 

Die oben angegebenen Gröfsenunterschiede werden dem 
Leser durch eine vergleichende graphische Darstellung 
der Variationsweite deutlicher werden, wenngleich sie im Schrift- 
satz nur annähernd wiedergegeben werden kann. 



1) Hier liegt wieder, wie bei den Schleiereulen der Fall vor, dafs 
nicht das Auftreten, sondern die Häufigkeitsziffer einer Aberration eine 
Rasse kennzeichnet. Vergleiche auch grönländische und europäische 
Jagdfalken. ^' 



274 W. Bacmeieter und 0. Kleinschmidt: 

D. m. major D. m. major 

„ „ pinetorum „ „ pinetorum 

„ „ arduennus .... 
D, m. anglicus .... « » anglicus .... 

Läfst man arduennus unbenannt, so erscheint anglicus 
fälschlich als eine weit abstehende Inselform, während in 
Wirklichkeit seine Verschiedenheit den kontinentalen Graden 
entspricht. K. 

34. Dendrocopus minor hacmeisteri (Klschdt. Falco XII, S. 14). 

Der niedliche Zwergspecht ist ein über das ganze Beob- 
achtungsgebiet verbreiteter, nicht seltener Vogel. Am 27. II. 1916 
erlegte ich das erste Stück; es war ein 9» das auf dem Gipfel 
einer hohen Eiche im Walde bei der Tourauderie gesessen hatte. 
Am 11. III. 1916 schofs Dr. Monnard im selben Walde ein cf. 
Ich vermute, das es zu dem von mir erlegten 9 gehörte. Beide 
Vögel gingen frisch im Fleische an Herrn Pastor Kleinschmidt 
ab, der mir am 18. III. 1916 über den zuerst eingesandten Vogel 
schrieb : „Trotz der Brustwunde und Kopfwunde ein sehr brauch- 
barer Balg geworden (wissenschaftlich wichtige Teile unverletzt). 
Die Form ist mit keiner der beschriebenen identisch." Da die 
Zwergspechte ziemlich scheu waren und sich zumeist hoch im 
Geäst der Waldbäume aufhielten — nur einmal sah ich einen 
ganz nieder an einer Staude hängen — gelang es nur dreier 
Stücke im ganzen habhaft zu werden. Am 17. IV. 1916 schofs 
ich den dritten und letzten Zwergspecht im Birkenwäldchen bei 
der Tourauderie. Als ich nach meiner Behausung zurückging, 
sah ich noch ein Stück am Waldwege ganz nieder an einer 
Staude sitzen. Auf den Schufs stieg der Vogel kerzengerade 
in grofse Höhe empor. , .Jetzt mufs er fallen, Kopfschufs" dachte 
ich. Aber hoch oben griff er plötzlich nach Osten aus und war 
für mich verloren. Am 9. IV. 1916 hörte ich einen in der Frühe 
auf der Rieseneiche bei der Tourauderie trommeln (Abbildung 
des prachtvollen Baumes s. Falco 1916, Tafel II). Wie elektrisiert 
eile ich nach der Stelle: da hängt der kleine Kerl an einem Ast, 
der so stark war, dafs ihn der winzige Specht durch Schnabel- 
hiebe unmöglich in Schwingung versetzen konnte. Am 10. IV. 
trommelte er wieder an derselben Stelle. Einen andern, ein cf, 
sah ich an einem abgestorbenen Ast einer Erle im Walde bei der 
Tourauderie herumhämmern, in welcher drei gemeifselte Nistlöcher 
sich befanden. Etwa 15 mal rief er hell und scharf sein „kli- 
kli-kli". Leicht hätte ich ihn erlegen können, hatte aber keine 
Waffe bei mir. Deutlich war der rote Fleck auf dem 
Scheitel zu sehen. Bei Vitarville beobachtete ich am 3. XI. 1916 
ein Stück, kam aber nicht zu Schufs. Den letzten Zwergspecht 
sichtete ich am 21. I. 1917 im Walde zwischen Juniville und 
Aussonce. Ich schofs, fehlte ihn aber zu meinem Leide. B. 



Zur Ornithologie von Nordost-Frankreich. 
Die drei erbeuteten Stücke messen: 



2?5 



S5a 



— 6 
11.10 



Datum 



27. Febr. 16 
11. März 16 
17. April 16 



Ort 



1-3 



Tourauderie 

Bacm. 
Tourauderie 

Monnard 
Tourauderie 

Bacm. 



15,9 



CQ 



CO 



28,1 



+ 2,2 






9,10 
9,05 
8,95 



a 



6,25 
6,05 
6,0 



1,85 
(19,5) 

zarich. 

1,85 



O 



19 gr. 
20|- 
21 - 



Ziemlich übereiustiramend sind hier wieder die Mafse 
rheinischer Vögel, dagegen mafsen zwei Ostpreufsen: 



— 2 

Ol QS 



19. Jan. 97 
6. April 97 



Brödlaukeu 



17,2 
16,9 



27,5^ 
29,5 



+ 2.2 
+ 2,4 



9,1 
9,3 



6,9 
6,8 



Das Zeichen * bedeutet, dafs das betreffende Mafs wegen 
Verletzung eines Knochens oder Gelenkes durch den Schufs un- 
genau ist. Die Schwanzmafse sind sehr genau beim Präparieren 
nach der im Ornithol. Jahrbuch 1897, pag. 56 bildlich von mir 
dargestellten Methode genommen und mit den üblichen ungenauen 
und flüchtigen Mefsmethoden nicht zu verwechseln. 

Der grofse Unterschied der Schwanzlänge fällt schon 
ohne Messung sofort ins Auge. Er ist um so bemerkenswerter, 
da er, wie aus den Zahlen ersichtlich, bei Vögeln von gleicher 
Flügellänge hervortritt. Der Schwanz scheint bei den nordischen 
Vögeln, abgesehen von seiner Gröfse mehr keilförmig (länger 
gestuft), bei den Franzosen mehr abgerundet (kürzer gestuft) 
zu sein. 

Äufserst schwierig ist es, die Merkmale des zwischen beiden 
Rassen liegenden D. m. hortorum (Brm.) aus Mitteldeutschland 
genau zu bestimmen. Brutvögel sind so abgerieben, dafs man 
sie schwer messen kann. Bei den Wintervögeln dagegen weifs 
man nicht, ob die zwischen ihnen auftretende aberratio pustlla 
(Brm.) „mit wenig ausgesprochenen Strichen am Unterkörper" 
dazugehört oder ein Wanderer aus dem Osten ist. 

Legt man aber eine Reihe aus Schlesien und die 
französischen Stücke nebeneinander, so hebt sich die 
schwache pusilla-Z eich nun g der von mir ,,silesiacus 
genannten Schlesier und die grobe Streifung 
der Franzosen höchst auffallend und deutlich 
von einander ab. Besonders ins Auge springend ist die 
grobe Bänderung der Schwanzfedern und Unterschwanz- 
deckfedern bei den letzteren. Sie ähneln darin den itahemschen 
Vögeln {buturlini Hartert), die aber kleiner sind. Die englische 



276 



W. Bacmeister nnd 0. Eleinschmidt : 



Form (comminutus Hartert) ist ebenfalls kleiner. Ich besitze sie 
bis 8,4 cm herab, also noch kleiner als Hartert bezw. das Tring- 
Museum. Aufserdera sind wenigstens meine englischen Exemplare 
schwächer gezeichnet als die Franzosen, von denen das cf vom 
17. April so dunkel ist, dafs an den Bauchseiten schwarze Quer- 
bänder entstehen. 

Ich bin keineswegs erpicht darauf, neue Namen aufzustellen. 
Die Rassen comminutus und buturlini lagen jahrelang, bevor sie 
Hartert beschrieb, mir wohlbekannt aber unveröffentlicht, in 
meiner Sammlung. Ich nahm, wie in Dutzenden ähnlicher Fälle 
von einer Benennung Abstand, um törichter und ignoranter Kritik, 
wie sie sich auch alsbald nach der Beschreibung der neuen 
französischen Kriegsvögel hervortat, keinen Anlafs zu überflüssiger 
Aufregung zu geben ! Nachdem aber D. m. hortorum Brehm wie 
andere „made-in-Germany-Sachen'* über England in deutsche 
Werke zurückimportiert wurde, fand die wundervolle Rassenab- 
stufung der Zwergspechte endlich Beachtung und Würdigung. 
Es wurde fast zu eifrig drauf los beschrieben. Ich halte die 
französische Form für sehr beachtenswert, da sie ähnlich, wie 
wir es bei den grofsen Buntspechten sahen, eine Lücke ausfüllt. 
Wie bei den grofsen Buntspechten und bei den Kleibern finden 
wir auch bei den Zwergspechten eine Ähnlichkeitsreihe: Frank- 
reich — Italien — Kaukasus. Ob Klima oder Ver- 
breitung (Südrand einstiger Vereisungen) diese Ähnlichkeitsreihen 
verursachte? Jedenfalls wird diese Frage nur gelöst, wenn das 
Gesamtbild der europäischen Zwergspechtrassen in allen Ländern 
geklärt wird. Das ist vernünftiger als törichte Bemängelungen 
von Seiten, die nichts zur Sache beigetragen haben. 



Übersicht der europäischen Zwergspechte und ihrer bis jetzt 
gefundenen Flügellängen : 

mm (9) ganz licht 

xgx Tzwischen 1 u. 3 
" ^ -' (ziemlich 



1. kamtschatkensis (Malh.) 93 

2. transitivus (London) 1 

3. minor (L.) J 

4. silesiacus (Klschdt.) \ 

5. hortorum (Brm.) / 

6. hacmeisteri (Klschdt.) 

7. buturlini (Hartert) 

(= ledouci?) 

8. comminutus (Hartert) 

9. colchicus (But.) 



•101 



89-97 



87—93 

89-91 
82-88 

84—90 
88-91 



licht 

^„x /zwischen 3 u. 5 

^'^ \dunkler 

(?) viel dunkler 

(7) ebenso 

(7) heller als 6 u. 7 

(?) wie 6 u. 7 



Ostrufsland. 

Nordrufslanc 

Schweden. 

Schlesien. 

Deutschland 

Frankreich. 

Italien. 

England. 
Kaukasus. 



Die eingeklammerten Zahlen bedeuten die seither festgestellte 
Schwankungsweite, die bei hacmeisteri und colchicus noch zu un- 
genügend bekannt ist. K. 

35. Picus viridis L. 

Gleichmäfsig über das ganze Gebiet verbreitet. Häufig. Am 
17. XII. 1915 hörte ich im Parke von Frönois bei Sädan das 



Zor Ornithologie ron Nordost-Frankreich. 277 

Jauchzen des Grünspechts. Es klang frühlingverkündend, und 
doch war der Frühling noch weitl Auch im Januar 1916 und erst 
recht im Februar machte sich die Art durch ihre Stimme in den 
Nordargonnen bemerkbar. In der Woche vom 21. — 28. IL 1916 
klang der Ruf mächtig und leidenschaftlich. Im November 1916 
vernahm ich das Jauchzen dieses Spechtes im Kampfgebiet von 
Verdun, im selben Monat, im Januar und Februar 1917 in der 
Champagne. Es gelang uns nicht, ein Stück zu sammeln. B. 

36. Älcedo ispida L. 

Gleichmäfsig — jedoch nicht häufig — über das ganze 
Beobachtungsgebiet verbreitet. Der Eisvogel hatte mehrfach 
seinen Aufenthaltsort, ganz in der Nähe der menschlichen 
Wohnungen genommen, wo er sein Wesen trieb. Ein von Dr. Rüst 
am 5. II. 1917 bei Thugny erlegtes cf, das Fischgräten im Magen 
hatte, wog 52,8 g. Im Juni 1916 bot sich mir beim Baden im 
Mühlbach ein Bild, das wert gewesen wäre, von einem Maler mit 
dem Pinsel festgehalten zu werden: ein klarer Bach, der sich 
reich umbuscht durch blühende Wiesen windet. Über das Gewässer 
neigt ein wilder Rosenstrauch seine über und über blühenden 
Zweige. Auf einem von ihnen sitzt der farbenprächtige Eisvogel 
auf Beute lauernd. Sein blaues und grünes Kleid spiegelt sich 
im Bach. Mächtige weifse Wolken stehen still im unendlichen 
Blau der Himmelskuppel. Als ich auf den kleinen Fischer zu- 
schwimme, entflieht er pfeilgeschwind und nur noch der schwankende 
Rosenzweig gibt Kunde von dem entzückenden Stillleben, das 
sich meinem Auge dargeboten hatte. B. 

37. Vpupa epöps L. 

In der Umgebung der Tourauderie waren 4 Brutpaare. 
Erstmals sah ich die Art am 16. IV. 1916 bei Germont. Am 
13. VI, 1916 wird mir berichtet, es niste ein „Specht" in einem 
hohlen Apfelbaum am Dorfrand von Briquenay. Der von mir 
vorgenommene Augenschein ergab, dafs der Specht ein Wiedehopf 
war, der in einem der vielfach vorhandenen alten Obstbäume 
sein Wigwam aufgeschlagen hatte. Das etwa 3 m über der Erde 
befindliche Nistloch war nach Süden gerichtet. Im Brutraum, 
der übel roch, waren drei flügge Junge. Etwas unterhalb des 
Nistloches befand sich ein zweites nach W. gerichtetes kleineres 
Loch, an dessen Rand auf Mulm ein faules Wiedehopfei lag. 
Dieses mufs innerhalb des Baums von oben herunter gerutscht 
sein. Am 15. VI. 1916 waren die Jungen ausgeflogen. In den 
übrigen Teilen des Beobachtungsgebietes habe ich die Art nicht 
gesichtet. B. 

38. Cypselus apus L. 

Im Gebiet der Argonnen war der Mauersegler als Brutvogel 
nur in Grandpr^ festzustellen, wo ich ihn im Mai und Juni 1916 

J««m. t. Om. LXVT. JAtg. Jali 1»18, 19 



978 W. Bacmeister und 0. Eleinschmidt : 

in erheblicher Anzahl sichtete. In der Verdunergegend sah ich am 
5.VII. 1916 mehrere bei Schlofs Louppy; eines war am Fernsprech- 
draht verunglückt. Zum Abbalgen des Vogels fand ich leider 
keine Zeit. Am 12. VII. 1916 flogen etwa 20 Stück über eine 
V^aldwiese bei Peuvillers. Am 25. VII. 1916 zeigten sich abends 
mehrere wohl schon auf dem Abzug befindliche Segler in Vitarville. 

B. 

39. Hirundo rustica L. 

Die Ankunft der ersten Rauchschwalbe im Argonnengebiet er- 
folgte am l. IV. 1916 in Tbenorgues. An den folgenden Tagen 
treffen weitere jedoch nur in wenigen Stücken ein. Im Mai sind 
in allen Orten des Argonnengebiets wie auch in Sedan sehr viele 
da. Am 23. V. waren mehrere Nester in unseren Ställen fertig. 
Am 9. VI. 1916 begann ein Pärchen in meinem Zimmer auf dem 
oberen Rande des Fensterrahmens zu bauen. Ich brachte, 
um das Fenster öffnen und schliefsen zu können, über ihm ein 
Brettchen an, das sofort angenommen und auf dem die Grund- 
lage des Nestes begonnen wurde. Beim 9 war die Unterseite 
ganz weifs, während das cf braune Unterschwanzdeckfedern hatte. 
Beide Gatten beteiligten sich am Nestbau. Allmählich aber 
gaben sie den Bau zu meinem Leide auf. Letztmals trug das cf 
am 22. VI. Niststoff herbei, das 9 ^a-r nicht mehr zu sehen. 
Am 19. VI. zählte ich in unsern beiden Ställen 5 Nester mit Eiern 
und Jungen. 

In meinem Geschäftszimmer in Vitarville baute ebenfalls 
ein Pärchen und brachte die Jungen auf. Im dortigen (Verduner-) 
Gebiet war die Art gleichfalls überaus häufig. In jeder Ortschaft 
war sie in grofser Anzahl Brutvogel. 

Um über die Zeichnung der Schwanzfedern näheres zu er- 
fahren, fing ich einige, die zum Nest trugen, und schnitt ihnen 
die äufsern Schwanzfedern ab. Sie nahmen diesen Eingriff nicht 
im mindesten übel. Am 24. VII. 1916 machte ich an dem im 
Geschäftszimmer nistenden Paare folgende Beobachtung: nachdem 
das eine der Alten die Jungen gefüttert hatte, blieb es am Neste 
hängen und wartete, bis eines der Jungen sich umdrehte, um 
den Kot abzusetzen. In dem Augenblick, als das Kotklümpchen 
die Kloake verliefs, nahm es das Alte in den Schnabel, flog 
zum Fenster hinaus und liefs es fallen, nachdem es die Strafse 
überquert hatte. Gegen den 20. IX. 1916 verschwanden die 
Rauchschwalben aus Vitarville. Am 29. X. 1916 sah ich 2 Stücke 
in Damvillers auf der Wanderung ausruhend. B. 

Ein 9 ad. 18. IX. 1916 Delut, Dep. Meuse stellt die aber- 
ratio pagorum (Brm.) in recht ausgeprägter Färbung dar. 
Namentlich sind die ünterschwanzdeckfedern schön dunkel zimt- 
braun. Auch von der Ostfront erhielt ich ein Exemplar dieser 
aberratio durch die Freundlichkeit des Herrn Dr. Schlüter. Das 
französische pagorum-^tück ist viel brauner als das russische. 



2ar Ornithologie ron Nordost^Fraukreicb. 279 

Zwischen west- und osteuropäischen Rauchschwalben sind mir 
Unterschiede aufgefallen, doch fehlt mir jetzt die Zeit, das ge- 
samte Material durchzusehen. Sie betreffen u. a. die sehr 
schwankende Gröfse der hellen Scbwanzflecken. K. 

40. Belichon urbica L. 

Viele Hausschwalben sah ich am 15. V. 1916 in S^dan über 
der Maas der Insektenjagd obliegen. Auch im Argonnengebiet 
war die Art sehr häufig, wenn auch nicht so zahlreich wie rustica. 
Das gleiche gilt von den Orten des Gebietes von Verdun, in 
die ich kam. Am 21. VIII. 1916 flog noch ein Altes in Vitar- 
ville zu Neste. B. 

Von Herrn Pfarrer Voigt in Niedernhausen im Odenwald er- 
hielt ich mehrere tot gefundene Mehlschwalben, die durch geringe 
Flügellänge an die nordafrikanische Form erinnern. Ich war 
daher gespannt auf französische Stücke. Das Material ist in- 
dessen zu völliger Klärung der Frage nicht ausreichend. Ein 
Flügel vom 29. VIII. 1916 von Vitarville, Dep. Meuse, mifst 10,8. 
Zwei alte Vögel vom 18. IX. 1916 Delut, Dep. Meuse (Dr. Rüst), 
die bereits einzelne der dunkelgefleckten Herbstkleidfedern auf 
dem Bürzel tragen, messen 11,4 und 11,1. Ein dritter Vogel 
vom 17. IX. 1916 von ebendaher ist jung, also für die Messung 
wertlos. 10,8—11,4 ist genau das von Hartert angegebene Normal- 
mafs. Es könnte sich freilich schon um Zugvögel handeln. K. 

41. Muscicapa grisola L. 

Ob der graue Fliegenschnäpper überhaupt sehr selten in 
den Argonnen ist, oder es nur im Jahre 1916 war, vermag ich 
nicht zu sagen. Ich selbst habe keinen einzigen gesichtet. Doch 
teilte mir Stabsarzt Dr. Pfister mit, dafs er mit Sicherheit die 
Art einmal Mitte Juni in der Gegend von Authe gesehen habe. 

Dr. Gengier und R. Heyder erwähnen die Art in ihren 
Arbeiten nicht, Dr. Franz führt ihn unter den im Aisnegebiet 
vorkommenden Vögeln auf, ohne sich jedoch über den Grad der 
Häufigkeit zu äufsern. Allem nach scheint dieser Schnäpper nur 
sehr spärlich im Beobachtungsgebiet aufzutreten. B. 

42. Lantus excuhitor galliae Klschdt. (Falco XIII, p. 24). 
Der Raubwürger war in allen Teilen des Beobachtungsgebiets 
eine häufige Erscheinung. Mit Vorliebe hatte er seinen Sitz auf 
den Fernsprechdrähten gewählt, von wo aus er nach Beute spähte. 
Es gelang 4 Stücke der Sammlung einzuverleiben: Am 4. II. 1916 
erhielt ich von Dr. Rüst ein bei Thönorgues geschossenes 9; »na 
25. II. erlegte Oberstabsarzt Dr. Dorbritz ein cf eben daseibst, 
dessen Hoden 3 Vt mm grofs waren und das im Magen eine 
Maus hatte; am 26. III. 1916 erbeutete Oberleutnant Moeser 
ein Stück bei der Tourauderie mit Blutkielen im Schwanzgefieder. 

19* 



28Ö W. BAcmeist«r und 0. Eeinschmidi : 

Am 15 VI. 1916 lärmte ein Stück im dichten Dorogebüsch am 
Mühlbach im Bois de Thenorgues ganz unsinnig: offenbar war 
dort sein Bratplatz. Am 2, XII. 1916 schofs ich ein ^ an der 
Stralse Hauvine— la Neuville. Es wog 67 g und hatte Teile einer 
Maus im Magen. Auch als Ende Januar 1917 starke Kälte 
eingesetzt hatte, blieb die Art in der Champagne. 

Dr. Gengier bezeichnet a. a. 0. den grofsen Würger als 
., recht spärlich auftretenden Wintervogel", fügt aber ganz richtig 
hinzu, dafs ,. seine Anwesenheit noch Mitte April auf sein Brüten 
in der Gegend schliefsen lasse". Die Eigenschaft des Raubwürgers 
als Brutvogel ist sicher nach meinen und nach Heyders Beob- 
achtungen, der die Art ausdrücklich als ..Jahresvogel" bezeichnet 
und über sein Vorkommen östlich und westlich der Maas eine 
Reihe von Angaben bezüglich Ort und Zeit macht. B. 

Die gesammelten Raubwürger zeigen folgende Mafse: 

Flü^ orista 

1. d* testes3A.3|mm 25. II. 16Thenorgues (Dr. Dorbritz) 11,1 26.5 

11. Schwinse == VII. 

2. 9 Ovar. 9 mm 2. IL 16 Thenorgues (Dr. Rüst) 10,75 — 

11. Schwinge fast ^ VII. 

3. Geschl.r 31.111. 16fourauderie(Oblt.Moeser)Gew. 62 g 11,2 27,5 

II. Schwinge = VI. 

4. cf — 2. XU. 16 la Neuville (Bacmeister) Gew. 67 g 11,2 — 

II. Schwinge = VI— VII. 
1—3 sind oben dunkel, 4, ein ganz alter Vogel, ist oben heller. 

Nr. 1 und 2 gehören sicher zu der Form galliae, die ich 
Faleo 1917, p. 24 auf Grund ihrer kürzeren Flügel abtrennte. 
Hartert (V. d. p. F.) hat 82 Raabwürger untersucht und fand 
ihre Gröfee beim 9 ^on 11,0 bis 11.3 (selten 11.5). beim cT von 
11,3—11,6 (selten bis 11,8 und 11,9) schwankend. Da auch 
rhein-hessische Stücke meiner Sammlung geringere Mafse zeigen, 
als sie Hartert trotz seines grofsen Materiales kennt, ist die 
geringe Flügellänge sicher geographische Variation und 
die Rasse zweifelsfrei, obschon Brutvögel fehlen. Zudem sprechen 
die testes-Mafse von Nr. 1 für einen Standvogel. 

Nr. 3 hat die dunkle Färbung wie 1 und 2, Nr. 4 ist lichter, 
vielleicht ein Wandervogel Man könnte ihn fast zu honieyeri 
ziehen, denn die hellste Sekundärschwinge hat weifse Innenfahne 
mit nur 10 mm langem halb aufgelöstem Fleck. Der Sekundär- 
schwiogenspiegel ist grofs und ein weifser Aufsensaum verbindet 
ihn mit den breiten weifsen Spitzen. Es kann sein, dafs es sich 
nur um ein schönes altes cf von galliae handelt und dafs diese 
Form ebenso wie txcubitor und homeyeri eine kleinspiegelige und 
eine grofsspiegelige Aberration bildet- 

Dennlers homeyeri aus den Pripjetsümpfen ist jung, hat aber 
längere Flügel, mehr Weifs an der Basis der mittleren Schwanz- 
federn, dagegen dunklere Innenfahnen der Annschwingen. Meine 



Zar Orüithologie tod Nordost- Frankrticb. 281 

homeyeri vom Kaukasus und von Ostrufsland sind lichter als 
beide. Dagegen stimmt ein excuhitor cT am 16. III. 1915 von 
Bacmeister bei Maliny, Gouv. Warschau, gesammelt in der Rücken- 
färbung von Nr. 4 genau iiberein. Lassen wir also die Bestimmung 
von 3 und 4 offen, bis einmal am Nest erlegte Vögel verglichen 
werden können. Die Ostfront- Vögel haben alle gröfsere Mafge : 

5. Dassoeben genannte Stück vom Gouv. Warschau Coli. Bacm. 11,5 

6. Dr. Dennlers ah. homeyeri Pripjet - Sümpfe 11,6 

7. „ „ ah. major „ „ 11,3 

8. „ „ excuhitor „ „ 11,3 

9. Dr. Schlüters „ Kreis Smorgon 11,6 

*^- M M !• i> n 11,5 

* i • )> »1 11 H M 1 1|0 

Die crista von Nr. 10 mifst 27,2 mm. 
12. Ein westdeutsches Weibchen der Coli. Bacmeister vom 
15. II. 1917 von Heilbronn am Neckar, welches in der Färbung 
der Oberseite zu galliae stimmt, mifst dagegen nur 11,1. 

Die Flügelformel ist bei diesem Vogel II = VI, bei den er- 
wähnten russischen Stücken II = VI oder 11 = VII. Diese An- 
gaben stimmen mit meinem reichen ejrctt&»Y<w- Material, zu dessen 
genauer Anführung Raum und Zeit nicht ausreichen. Es sei nur 
betont, dafs sich die Spaltung der seither unter Lanius excuhitor 
vereinigten Vögel nicht lediglich auf die oben angeführten Stücke 
gründet. Jedenfalls ist die drei-Teilung der deutschen Würger 
bez. ihre Bestimmung als major, excuhitor und homeyeri in den 
meisten Fällen unrichtig, weil sie individuelle Variation mit 
geographischer verwechselt. — 

Nach Abschlufs dieses Schriftstücks schickte mir Herr 
Hauptmann Bacmeister noch den Balg eines inzwischen in seinen 
Besitz gekommenen Raubwürgers ausErstein, Unter-Elsals, 18. XI. 
1917. Er hat den Vogel als cT (?) bezeichnet. Er zeigt das 
dunkle Grau der zuerst aufgeführten Stücke von galliae. Auch 
seine Flügellänge ist mit 10,9cm unter dem excuMor-'Sl^ls. 

Der Name Lanius major ist bei Gmelin ein Anhängsel, also 
ein Varietätenname. Da man die Namen von Gmelins Falken- 
varietäten nicht annimmt, ist auch sein Lanius txcubiior major 
nicht als Name in unserem Sinn zu betrachten. Mindestens 
können darüber die Ansichten geteilt sein, und unsichere Namen, 
über die Streiten möglich ist, verwerfen wir am besten ganz. 

Dadurch wird Lanius major Pallas wieder frei. Nimmt man 
Nord-Rufsland als terra typica, die zuerst genannt wird, so bleibt 
nur zu ergründen, ob L. major = excuhitor ist oder eine zwischen 
excuhitor und dem sibirischen moUis stehende Form. L. mcUis 
ist groö; er geht bis 12,2 cm Flügellänge. Was zeigt nun unser 
Material ? 

Es zeigt, dafs tatsächlich in Nordrufsland 
ein etwas gröfsererRaubwürgergefundenwird 



282 W. Bacmeister und 0. Eleioschmidt: 

als iu Frankreich. Da käme also die Form major 
Pallas zu ihrem schönsten Recht? Nein! Der 
typische schwedische Lantus excuhitor ist den 
russischen Vögeln nahe oder gleich. Nicht die 
gröfsere, sondern die kleinereRasse warmithin 
abzusondern. 

Wir haben dann folgendes Bild: 
Rasse mollis Sibirien Flügellänge bis 12,2 cm 

„ excuhitor Nordeuropa „ nahe 11,6 „ 

„ galliae Frankreich „ „ 11,0 „ 

„ meridionalis Spanien etc. „ „ 10,5 „ 

Die genauen Abstände der Maxima und Minima bleiben zu 
ermitteln. Die Variationsweite wird bereits von Hartert (V. d. 
p. F.) fiXr Lantus mollis 11,3—12,2 uüd Lanius excubiior 11,0—11,9 
als genau gleich (10 mm) angegeben. Für den französischen 
Brutvogel wären also etwa 10,7—11,6 zu erwarten. Es sei dies 
bemerkt, damit niemand, der etwa einen Brutvogel von 11,6 
Flügellänge in Frankreich findet, daraus verkehrte Schlüsse zieht, 
wie sie leider alltäglich in der Literatur vorkommen. Der 
französische „Äomcycn" Nr. 4 ist also vielleicht sogar das schönste 
und typischste galliae Stück der Reihe. Lanius meridionalis 
variiert von 10,2 bis 11,0. Auch hier wird also wieder durch 
die neue Form eine klaffende Lücke in der Formenkette aus- 
gefüllt. K. 

43. Lanius collurio L. 

Nicht so zahlreich wie die eben genannte Art war der 
Dorndreher, doch immerhin noch häufig genug. Dr. Gengier und 
Dr. Franz führen ihn nicht auf, Heyder bezeichnet ihn als 
„Sommervogel". Auch ich sichtete die Art nicht in den Winter- 
monaten. Während sonst die Zahl der im Beobachtungsgebiete 
überwinternden Vögel eine grofse war, scheint der rotrückige 
Würger ebenso wie der rotköpfige gegen die Kälte empfindlich 
zu sein: er verliefs das nordfranzösische Gebiet zu Beginn der 
rauhen Jahreszeit. Die ersten Neuntöter — ein Paar — sah ich 
am 16. V. 1916 bei der Tourauderie, die letzten, ebenfalls wieder 
ein Pärchen, am 23. VIIL 1916 bei Jametz. In der Gegend von 
Verdun kam die Art nur dreimal zur Beobachtung: Am 23. VIL 
1916 ein Stück bei Vitarville, am 25. VIL 1916 eins bei Jametz 
und am 23. VIIL 1916 ein Paar an derselben Stelle bei Jametz. 

ß. 

Erlegt wurden: Flügel 

1. d* ad. 23. VL 1916 Strafse Le Morthomme— Grandprö 

(Bacmeister) 9,7 

2. cf „ 5. VI. 1916 Le Morthomme „ 9,6 

3. cf „ 23. VL 1916 La Tourauderie „ 9,6 

4. cf „ 22. VI. 1916 „ „ (Dr. Dorbritz) 9,3 



Zar Ornithologie von Nordost-Frankreich. 283 

Flügel 

5. d* ad. 4. VI. 1916 Briquenay (Bacmeister) 9,3 

6. cf M 5. VI. 1916 StrafseTheuorgues — LaTourauderie 

(Bacmeister) 9,2 

7. 9 „ 31. V. 1916 La Tourauderie (Dr. Monnard) 9,55. 

Mitteldeutsche collurio meiner Sammlung messen 9,05 — 10,0. 
Leider ist es nicht geglückt, in Frankreich extreme Stücke zu 
erbeuten und die Frage zu lösen, ob die französischen Neuntöter 
eine Brücke zu der kleineren südeuropäischen Form bilden. Die 
vorliegenden Stücke sind z. T. etwas dunkler gefärbt als deutsche, 
doch lassen sich daraus bei der starken individuellen Variation 
dieses Würgers schwer Schlüsse ziehen. K. 

44. Lantus Senator L. 

Erfreulich war es, den schönen Rotkopfwürger häufig im 
Beobachtungsgebiet während der Frühjahrs- und Sommermonate 
anzutreffen. Da auch er bei Eintritt der kühlen Jahreszeit ab- 
wanderte, kam er — wie der rotrückige — in der Champagne 
nicht mehr zur Beobachtung. Stets hielt sich die Art in der 
Nähe der Dörfer auf. Als ich aus dem Urlaub zurückkam, teilte 
mir Dr. Monnard mit, dafs er am 22. IV, 1916 einen Rotkopf bei 
der Tourauderie geschossen habe. Am 17, V. 1916 erlegte ich 
an derselben Stelle ein cf- Ein am 13. VI. 1916 gesammeltes Q 
hatte ziemlich stark entwickelte Eier. Im Magen waren Reste 
von Käfern. Den letzten Rotkopfwürger sichtete ich am 17. VIII. 
1916 bei Vitarville. B. 

Gesammelt wurden: 

testes Gewicht Flügel Schwanz 

1. cf ad. 6| 6| 17. V, 1916 La Tourauderie 

(Bacmeister) 35,5 9,95 8,5 

2. cf juv. 18. VL 1916 Briquenay 

(Bacmeister) 9,9 

3. ? 22, IV. 1916 La Tourauderie 

(Dr. Monnard) 9,7 

4. 9 13. VL 1916 Briquenay 

(Bacmeister) 9,9 

5. 9 juv. 26.VIL1916 Vitarville 

(Bacmeister) 9,95 

6. -pull. 28.VIL 1916 Vitarville 

(Bacmeister). 
Crista sterni von Nr. 2 21 mm, von Nr. 4 20 mm. Das 
Stirnband ist bei Nr. 1 breit, bei Nr, 2 und 4 sehr breit, bei 3 
schwächer, bei 5 schwach. Die letzten Schwanzdeckfedern sind 
bei allen grau, nur bei Nr, 2 weifslich hellgrau, bei diesem Stück 
so stark abgenützt, dafs die Farbe kaum zu erkennen ist. Der- 
selbe Vogel hat auch ganz licht ockergelben Scheitel, Die ab- 
genützten Scheitelfedern sind fast weifslich, einzelne frische sind 



284 W. Bacmeister u. 0. Eleinsehmidt : Z. Ornithologie t. NO.-Frankreicb. 

gleichfalls matt gefärbt. Solche hellköpfige Stücke kommen auch 
in Deutschland und in Sardinien vor, nicht nur in Nordafrika. 
Nr. 3 ist am Vorderhalse gebändert, am Rücken ziemlich dunkel, 
also entweder ein ganz altes Weibchen oder ein junges Männchen, 
den Schwanzfedern nach wohl das erstere. Die Weibchen dieser 
Würgerart stehen oft den Männchen an Flügellänge nicht nach. 
Interessant ist an den ziemlich gleich grofsen Brustbeinen von 
2 und 4 die kräftigere Ausbildung beim männlichen Vogel. 

Die französischen Vögel gehören zu dem echten 
Lantus Senator vom Rhein. Die Basis der mittleren Schwanzfedern 
ist bei allen dunkel, während z. B. unter Erlangers tunesischen 
Vögeln von sieben cfcf fünf weifse Basis zeigen und von drei 
Weibchen eins. Die Zweifel, denen Rothschild und Hartert (Nov. 
Zool. XVIII, 1911/12, pag. 501 und 502) in wenig vornehmer Form 
Ausdruck gegeben haben, sind keineswegs berechtigt. Sie haben 
einen alten normalen Lanius Senator flücJciyeri gewifs nie gesehen. 
Wenn man nicht begreift, dafs Rassen mit variablen Merkmalen 
die interessantesten sind, dafs nicht das Einzelstück, sondern die 
verschiedene Pendelweite der Variationsreihe unterscheidet, so 
huldigt man veralteten Ansichten über das Wesen der geographischen 
Rasse. K. 

(Fortsetzung folgt.) 



28» 



Zwei Jahre Feldornlthologie in den Bokitnosümpfen. 

Von W. Grafsmann. 

Zur Einleitung meiner Aufzeichnungen möchte ich einige 
Worte über die geographischen und geologischen Verhältnisse 
dieses Gebietes sagen. 

Die Rokitno-Stimpfe liegen etwa zwischen dem 24. und 29. 
östlichen Längengrad und zwischen dem 51. und 53. nördlichen 
Breitengrad. Das gesamte Sumpfgebiet stellt ein riesiges nach 
Osten geneigtes Becken dar, das zum Teil aus baumlosen Sümpfen, 
zum Teil aus Wald, in Wasser und moorigem Grunde wachsend, 
besteht. Nur ein kleiner Rest ist Kulturland. Die ganze Fläche 
wird von zahlreichen Sanddünen durchzogen, die meist in west- 
östlicher Richtung verlaufen. Auf diesen Dünen stehen stets die 
Dörfer, besonders dort wo eine fortlaufende Dünenkette die gröfseren 
Wasserläufe begleitet. Auf diesen Dünen führen auch die Post- 
strafsen entlang, da die Wege durch die Sümpfe und Wälder nur 
sehr bedingt und während kurzer Zeit im Jahre fahrbar sind. 

In dieses Sumpfbecken stöfst von Westen aus eine über 
100 km lange Landzunge hinein, auf deren Spitze Pinsk liegt. 
Nur hier erinnern eratische Blöcke und vereinzelte Lehmlager 
an die Gletscherwanderungen der Eiszeit. 

Trotz des gleichförmigen geologischen Aufbaues ist das 
Gebiet doch reich an Wechsel der Vegetation, je nach der Höhe 
des Grundwasserstandes und der Menge des aufliegenden Sandes 
gibt es alle Vegetationsformen von kümmerlichst bewachsenen 
sterilen Flugsanddünen bis. zum üppigsten Lauburwalde. Durch 
die künstliche Entwässerung der Sümpfe, die die russische 
Regierung vor 40 Jahren begonnen hat, sind ausgedehnte Moor- 
flächen für einen grofsen Teil des Jahres trocken gelegt worden, 
hier ist der Hochmoorcharakter vorherrschend, grofse Bestände 
Heidekraut (Calluna vulgaris und Erica tetralix), Prist (Ledum 
palustre) und Wollgras (Eriophorum vaginatum), hier und dort 
Gayel (Myrica Gale) und Moosbeere (Vaccinium oxycoccus) und 
verkümmerte Birken und Kiefern bilden die Vegetation. Die 
meisten Moore sind nach ihrer natürlichen Vegetation Übergangs- 
moore, nur die Umgebung der gröfseren Flüsse trägt Niederungs- 
moorcharakter mit ausgedehnten Phragmites-Wäldern. 

Der Wald ist noch zum gröfsten Teile im Urzustände. 
Forstbetrieb gibt es nur an den Rändern und in der Nähe 
brauchbarer Land- oder W asser strafsen. Vorherrschend ist Laub- 
wald^ und in diesem wieder die Weichhölzer als: Birke, Erle, 
Espe, Weide, Linde, Faulbaum ; aber auch Eiche, Buche und Esche 
fehlen nirgends und bilden mitunter sogar grofse Bestände. Als 
Unterholz nimmt Hasel und Weidengesträuch die erste Stelle ein. 



286 W. GrafsmaDo: 

Von den Nadelhölzern habe ich südlich der Pina nur die Kiefer 
gefunden, aufserdem Wachholder, der stellenweis ganze Haine 
bildet. Mächtige Schirmkiefern von einer Stammstärke bis zu 
1 Va m Durchmesser stehen über das ganze Gebiet verstreut, 
mitunter auf einer kleinen Sandinsel mitten im Moore. Oft haben 
die russischen Bauern für Bienen lange Spalte in den Stamm 
hineingestemmt, und häufig wird der Wipfel dieser riesigen Kiefern 
durch ein Storchnest gekrönt. Überall im Walde besonders an 
den Rändern stehen aus hohlen Baumstämmen gefertigte Bienen- 
stöcke, die jetzt leer sind und mit Vorliebe von manchen Vogel- 
arten bewohnt werden. 

Der Übergang der freien Moorfläche zum Walde wird durch 
einen breiten, undurchdringbaren Gestrüpp-Gürtel gebildet, dessen 
Hauptbestandteil verschiedene Weidenarten sind. Mitunter sind 
mehrere qkm grofse Flächen mit diesem Gebüsch bestanden. 

Die Flüsse zeigen infolge des geringen Gefälls einen reich 
gewundenen Lauf und bilden oft tote Arme. Die Wassertiefe ist 
grofs, bei der Pina bis 12 m. 

Alle Wasserläufe der Rokitno-Sümpfe vereinigen sich im 
Pripjet, der sein Wasser auf einem 1500 km laogen Wege durch 
den Dnjepr dem Schwarzen Meere zuführt. Nur am Westrande 
liegt ein kleiner Teil jenseits der Wasserscheide und gehört zum 
Stromgebiet der Weichsel. 

Politisch gehörte dieses Gebiet, das an Gröfse dem Königreich 
Bayern gleichkommt, zu den russischen Gouvernements Wolhynien, 
Minsk und Grodno, es ist eins der ärmsten und am geringsten 
bevölkerten des ganzen europäischen Rufslands. Der gröfsere 
Teil der Sümpfe ist in der Hand der Russen verblieben, nur Vs 
ist in unserem Besitz. Meine obigen Ausführungen beschränken 
sich gröfstenteils nur auf das westliche Sumpfdrittel, das ich im 
Spätsommer und Herbst mehrfach durchzogen habe, und wo ich 
seit November 1915 im Stellungskrieg liege. 

Es ist wohl selbstverständlich, dafs meine Aufzeichnungen 
keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben können, habe ich 
doch nur ein Gebiet von wenigen Qudratmeilen etwas eingehender 
kennen gelernt und durchforscht. 

Zur Lösung der so überaus interessanten Fragen der Ver- 
breitung und Begrenzung der Unterarten (Übergangsgebiet der 
westeuropäischen Formen zu den osteuropäischen und sibirischen) 
habe ich leider nur wenig beitragen können, da hierzu doch das 
Sammeln von Bälgen unbedingt nötig ist, während ich mich meist 
nur auf das Beobachten lebender Vögel beschränkt habe. 

Zum Schlufs möchte ich noch eine Erscheinung erwähnen, 
die mir in diesem Jahre aufgefallen ist, und für die ich zunächst 
keine Lösung gefunden habe. Es ist dieses einmal das fast 
gänzliche Fehlen des Waldwasserläufers {Totanus ochropus L.) 
der im vergangenen Jahre bei weitem der zahlreichste aller 
Totaniden war, dann das bedeutend seltenere Vorkommen von 



Zwei Jahre Feldornitbologie in den Bokitnosflmpfen. 287 

Blaurake und Wiedehopf. Beide sind auch in diesem Jahre noch 
als gewöhnliche Brutvögel zu bezeichnen. Aber im Vorjahre gab 
es etwa die dreifache Menge an Brutpaaren. 

Der in meinen nachstehenden Aufzeichnungen mehrfach er- 
wähnte Gewährsmann Nikita ist ein russischer Bauer aus Kont- 
schizy, der Jahrzehnte laug Waldwärter im gräflichen Forst war. 
Als echtes Naturkind besafe er eine hervorragende Beobachtungs- 
gabe und war Meister im Fährtenlesen. Ich verdanke ihm manche 
interessante Beobachtung. 

Die selbst beobachteten Vögel sind fortlaufend nummeriert. 

Polartaucher — ürinator arcticus (L.). 
Mufs auf dem Zuge öfter diese Gegend berühren, habe ihn 
in mehreren Guts- und Forsthäusern der Pinsker Gegend aus- 
gestopft gefunden. Selbst nicht beobachtet. 

* 1 . Haubensteifsfufs — Colymbus cristatus L. 
Auf den Seen und der alten Pina häufiger Brutvogel. Im 
Herbste 1916 hielten sich Schwärme bis 300 Stücke auf dem 
Kontschizy-See auf, am 5. November war noch der ganze See von 
Tauchern und Enten belebt; neben dem Haubensteifsfufs auch in 
geringerer Zahl Schwarzhalstaucher. 

2. Schwarzhalssteifsfufs — Colymbus nigricollis (Brehm). 

Auf dem Frühjahrszuge rasteten 15 Schwarzhalstaucher 
10 Tage lang auf dem Kontschizy-See, in den ersten Maitagen 
waren sie dann verschwunden und wurden erst wieder auf dem 
Oktoberzuge gesehen. 

3. Zwergsteifsfufs — Colymbus nigricans Scop. 
Brutvogel auf den toten Armen und Kolken der Pina. 

4. Heringsmöwe — Larus fuscus L. 

Im November 1915 beobachtete ich am Hafen von Pinsk 
2 mal je eine Möwe flufsaufwärts fliegend, die ich für fuscus an- 
sprach. Ende Juli 1916 flog bei Kontschizy eine Heringsmöwe 
stromaufwärts über der Pina. 

5. Lachmöwe — Larus ridibundus L. 

Nur vereinzelt beobachtet. Der erste Frühlingsbote des 
Jahres war am 8. III. 1916 eine Lachmöwe. In der Pinsker 
Gegend soll sich eine Kolonie befinden, ich habe aber bisher nicht 
in Erfahrung bringen können, auf welchem See. Jedenfalls jenseits 
der Drahtverhaue. Vereinzelte Paare sah ich am Odryczyn und 
am Lubias-See. 



288 W. QrafsmanD: 

6. Zwergmöwe — Larus minutus Fall. 

Nördlich Shitnovitschi sah ich unter den Scharen der Trauer- 
seeschwalben stets einige dieser zierlichen Möwen. Gebrütet 
haben sie auch mitten unter den Trauerseeschwalben auf 
schwimmendem Morast und Schlammbänken in der Nähe der Pina. 

7. Flufsseeschwalbe — Sterna hirundo L. 
Während des Sommers in geringer Anzahl an der Pina 

beobachtet. 

8. Zwergseeschwalbe — Sterna minuta L. 

Im Juni und Juli 1916 beobachtete ich öfter 1 Paar dieser 
Seeschwalbe an den Ufern des Kontschizy-Sees, besonders nach 
stürmischem Wetter suchten sie die Ufer nach angespülten 
Fischchen ab, unbekümmert um den schwarzen Milan, der der 
gleichen Arbeit oblag. Gebrütet werden die Seeschwalben wohl 
auf den unweit gelegenen Sandbänken der Pina haben. 

9. Trauerseeschwalbe — Hydrochelidon nigra (L.), 

Häufigste Seeschwalbe des Gebietes, besonders auf den 
nassen, freien Mooren in der Nähe der Flüsse. Über der Pina 
tummelten sich mitunter Scharen bis zu 100 Stück herum. 

Kormoran — Phalacrocorax carho (L.). 

Nach Aussage des alten Waldwärter Nikita auf dem Herbst- 
zuge nicht selten. Selbst nicht beobachtet. 

10. Samtente — Oidetnia fusca (L.). 

Auf dem Durchzuge im Oktober und November rastet die 
Samtente in grofsen Scharen auf den Seen. Am 4. und 5. November 
1916 sah ich neben zahlreichen Stock-, Knäk- und Schellenten 
etwa 60 — 80 Samtenten auf dem Kontschizy-See. 

11. Tafelente — Nyroca ferina (L.). 

Im Sommer und Herbst 1915 sah ich wiederholt Tafelenten 
auf den gröfseren Seen des Sumpfgebietes. An der Pina und 
deren Umgebung scheint die Tafelente nicht zu brüten, ich habe 
dort während des ganzen Sommers 1916 und 17 keine beobachtet. 

12. Moorente — Nyroca nyroca (Güld.). 

Am 5. IX. 1915 traf ich auf einem kleineren, stark ver- 
lauchten See die Moorente in gröfserer Anzahl an, sonst habe 
ich sie nur vereinzelt auf dem Frühjahrszuge beobachtet. 

13. Schellente — Nyroca clangula (L.). 
Besonders auf dem Frühjahrszuge rastet die Schellente in 

gröfseren und kleineren Scharen auf den Seen, in den ersten 



Zwei Jahre Feldörnithologie in den Bokitnosümpfen. 289 

Maitagen waren auch die letzten Nachzügler verschwunden, und 
als Brutvogel habe ich sie nicht feststellen können. Im Dezember 
sah ich auf den letzten eisfreien Stellen der Pina noch einige 
Schellenten. 

14. Löffelente — Spatula clypeata (L.). 
Auf dem Durchzuge im April bis zum Mai vereinzelte Paare 
beobachtet. 

15. Stockente — Anas hoschas L. 
Die bei weitem am zahlreichsten vertretene Ente des Gebietes 
ist die Stockente. Die meilenweiten Rohr- und Schilfbestände 
der Pina, die von zahllosen kleinen und kleinsten Wasserlachen 
und Kolken durchsetzt werden, sind das Dorado der Stockente. 
Die Jagd lieferte besonders in der ersten Zeit recht gute Resul- 
tate. Die Enten haben 1916 recht frühzeitig mit der Brut 
begonnen, die meisten Jungenten waren bereits am 1. Juli aus- 
gewachsen. 

16. Schnatterente — Anas strepera L, 
Diese Ente habe ich nur auf dem Frühjahrszuge beobachtet. 
Jedoch glaube ich, dafs auch mit einem gelegentlichen Brüten 
gerechnet werden kann. 

17. Spiefsente — Anas acuta L. 

Während des Frühjahrszuges wird man unter den Enten- 
scharen, die zu Hunderten die überschwemmten Moore beleben, 
auch oft die Spiefsente beobachten. Vereinzelte Paare brüteten 
hier. 

18. Knäkente — Anas querquedula L. 

Nächst der Stockente ist die häufigste Art die Knäkente, 
sie zeigte hier eine ausgesprochene Vorliebe für den Wald. Kleine 
Moorlachen und Tümpel mitten im Walde, oft 8 und mehr klm 
von jedem gröfseren Gewässer entfernt, wählen sie als Brutrevier 
und zur Aufzucht der Jungen, Die ersten Dunenjungen sah ich 
schon Mitte Mai. 

19. Krickente — Anas crecca L. 

Häufiger Brutvogel, aber nicht so zahlreich wie die Knäk- 
ente. Im Frühjahre auf dem Durchzuge rasteten Scharen auf 
dem See und dem Überschwemmungsgebiet der Pina. 

Von den Gänsen kommt keine Art, auch die Graugans nicht, 
als Brutvogel vor, dafür aber durchziehen Gänse in sehr grofser 
Zahl das Gebiet auf dem Zuge. Sowohl im Frühjahre als auch 
im Herbst kann man mehrere Wochen lang, fast Tag für Tag, 
grofse und kleine Ketten Gänse durchziehen sehen, an guten Zug- 
tagen 20—30 Ketten, deren gröfste bis zu 200 Stück enthalten. 
Welcher Spezies die durchziehenden Gänsen angehören, ist schwer 
festzustellen, mit Sicherheit habe ich nur die 



^90 W. GraTsmann: 

20. Ringelgans — Branta bernicla (L.). 
erkannt. 

Die grofse Menge der Durchzügler aber setzt sich jedenfalls 
aus 

21. Graugänsen — Anser unser (L.) und 

22. Saatgänsen — Anser fabalis (Lath.) zusammen. 
Aufserdem beobachtete ich an einem klaren Spätherbsttage 
einen kleineren Zug Gänse, deren Unterseite, auch Hals, reinweifs 
erschien. Der Zug flog in etwa 40—50 m Höhe senkrecht über 
mich hinweg. 

23. Flufsregenpfeifer — Charadrius dubius Scop. 
Von den Charadriiden habe ich als Brutvogel nur den Flufs- 
regenpfeifer beobachtet, dieser war an den Sandbänken der Pina 
und den sandigen Ufern der Seen nicht selten. 

Zu den Zugzeiten sab ich öfter den 

24. Halsbandregenpfeifer — Charadrius hiaticula L. 
25. Goldregenpfeifer — Charadrius apricarius L. 
Ende September 1915 fand ich unter einer Fernsprechleitung 
einen verunglückten apricarius. 

26. Kiebitz — Vanellus vanellus (L.). 

In dem ihm zusagenden Gelände ist der Kiebitz überall 
eine häufige Erscheinung. Auch auf den tief in den Sumpfwäldern 
liegenden Mooren ist er anzutreffen. Sein gefährlichster Feind 
ist dort, wohin die Graukrähe sich nur selten einmal verirrt, der 
Fuchs. Im Mai war ich mehrere Male Augenzeuge, wie der Fuchs, 
unbekümmert um die grofse Schar der verfolgenden Kiebitze, 
Limosen, Kampfläufer und Bekassinen, der Nester-Räuberei oblag; 
trotzdem das Moor noch 10—20 cm tief unter Wasser stand, 
patschte er von Kaupe zu Kaupe, von Inselchen zu Inselchen, 
und suchte nach Eiern und Dunenjungen. 

Auch hier gehört der Kiebitz neben Star und Lerche zu den 
zeitigsten Ankömmlingen im Frühjahre. 1916 kamen am 17. III. 
die ersten Kiebitze durchgezogen, und 10 Tage später fand ich 
bei lauem Frühlingswetter die ersten Nester; die Hauptlegezeit 
fiel in die erste Hälfte des April. 1917 kamen die ersten Kiebitze 
am 27. III. an. 

Auffallend früh und schnell vollzog sich hier der Rückzug; 
schon Ende Juni kommen die ersten Scharen hindurchgezogen, 
meist in westlicher Richtung — an der Pina entlang — , im Juli 
nimmt der Zug zu bis zum Monatsschlufs und flaut dann plötz- 
lich ab, so dafs im August nur selten noch vereinzelte Kiebitze 
gesehen werden. 



Zwei Jahre f^eldornithologie in den RokitnosflmpfeD. 291 

27. Triel — Oedicnemus oedicnemus (L.). 

Trotzdem der Triel hier überall günstige Lebensbedingungen 
finden würde, habe ich ihn nirgends als Brutvogel angetroffen. 
Nur einmal habe ich in der Gegend nördlich Kowel mehrere 
Vögel gesehen, und das war bereits zur Zugzeit am 1. September 
1915. 

28. Flufsuferläufer — Tringoides hypoleuctis (L.). 

In der ihm zusagenden Umgebung ist dieser üferläufer eine 
ständige Erscheinung. Zahlreich auf den Sand- und Schlamm- 
brücken der Pina. 

29. Kampfläufer — Toianus pugnax (L.). 

Im Frühjahre trägt der Kampfläufer neben Kiebitz und 
Bekassine am meisten zur Belebung der grofsen Moorwiesen bei. 
Auf den grofsen, nassen Mooren mit schwimmenden, für den 
Menschen unerreichbaren Inseln brütete er in grofser Zahl. Bis 
zur Brut, die hier erst Ende Mai begann, lebte der Kampfläufer 
in Gesellschaften von 20—80 Stücken beisammen. 

30. Rotschenkel — Totanus totanus (L.). 

Kehrte als erster Totanus bereits im März zurück. Ge- 
wöhnlicher Brutvogel der nassen Moore und Wiesen. 

31. Heller Wasserläufer — Totanus littoreus (L.). 
In den ersten Maitagen sah ich neben Waldwasserläufern 
auch einige Vögel dieser Art. Wohl verspätete Durchzügler. 

32, Waldwasserläufer — Totanus ochropus (L.). 

Von den To^anwsarten war der Waldwasserläufer der häufigste 
Brutvogel. Freilich liebte er, im Gegensatz zum Kampfläufer 
und Rotschenkel, mehr die mit Buschwerk durchsetzten Waldmoore, 
ohne jedoch die freien Moorflächen gänzlich zu meiden, noch den 
Wald. Hier traf ich ihn wiederholt km tief drinnen, mitten im 
Sumpfurwald, sofern dort nur eine kleine Pfütze war, die ihm 
als Jagdgefilde diente. Das vollzählige 4 Gelege fand ich im 
Juni in einem Singdrosselneste in etwa 3 m Höhe, 25 Schritte 
vom Sumpfrande entfernt. Bei einem späteren Besuch zeigten 
die wenig verletzten Schalenhälften, dafs die Jungen bald nach 
dem Ausschlüpfen das Nest verlassen hatten. 

Dieses schrieb ich im Vorjahre über den Waldwasserläufer, 
in diesem Jahre habe ich ihn nur, wie ich schon in der Ein- 
leitung sagte, in wenigen Paaren gesehen. 

33. Bruchwasserläufer — Totanus glareola (L.). 

Auch dieser kleinste Totanus ist hier Brutvogel, doch 
weniger verbreitet. Im Überschwemmungsgebiet der Pina, dort 



292 W. Grafsmann: 

wo nach dem Abflufs des Tauwassers durch zahlreiche Gräben 
und Sumpflöcher ein Wassernetz entstanden war, traf man stets 
einige Paare. Später im Sommer besuchte er gern die seichten 
Stauwasser des Kontschizy-Sees. 

34. Schwarzschwänzige Uferschnepfe — Limosa Umosa (L.). 
Gewöhnlicher Brutvogel aller gröfseren Moore, Hielt sich 
besonders an die tieferen und nassen Stellen der Sümpfe, die 
a,uch im Sommer nicht gänzlich austrockneten. 

35. Rostrote Uferschnepfe — Limosa lapponica (L.). 

Auf dem Frühjahrszuge rasteten bis Ende April kleinere 
Gesellschaften von 20—30 Pfuhlschnepfen. Als Brutvogel habe 
ich sie nicht feststellen können. 

36. Grofser Brachvogel — Numenius arquatus (L.). 

Wenige Tage nach Eintritt des Tauwetters und bald nach- 
dem das übereiste Moor die ersten aufgetauten Stellen zeigte, 
stellte sich der „Keilhaken" ein. Während des Frühjahrszuges 
besuchte der grofse Brachvogel alle überschwemmten Moorflächen, 
zur Brut aber suchte er sich die unzugänglichen Stellen der 
grofsen Sümpfe aus. Auch hier gehört sein klangvoller Flöten- 
ton zu den schönsten und eindruckvollsten Stimmen im Konzerte 
der befiederten Moorbewohner. Vom Herbstzuge war wenig zu 
merken. Ende Juli kamen aus östlicher Richtung die ersten Brach- 
vögel hindurchgezogen. 

37. Bekassine — Gallinago gallinago (L.). 

Die Bekassine ist hier der am zahlreichsten vorkommende 
Vogel, nicht nur aus den Familien der Charadriiden und Scolo- 
paciden, sondern vielleicht überhaupt aller Vögel. 

Wie in den Nordseemarschen der Kiebitz, im deutschen 
Laubwalde der Buchfink, in den „Kultursteppen" Sachsens die 
Feldlerche und deren Base die Heidelerche in der Lüneburger 
Heide derjenige Vogel ist, der durch die Häufigkeit seines Vor- 
kommens der Landschaft den Charakter verleiht, so ist es hier 
in den Rokitno-Sümpfen die Bekassine. 

Nur derjenige, der an einem schönen Frühlingstage eine 
Wanderung durch Moor und Ried unternimmt, bekommt einen 
Begriff von dem Bekassinenreichtum dieser Gegend, überall be- 
gegnen dem Blicke balzende und sich jagende cfcf, oft 5—6 in 
wildem Fluge hintereinander her, und überall summt aus der 
Luft das bekannte Meckern und tönt aus dem Riede der „ticküp 
ticküp" Ruf, der zur Haupt-Balzzeit zu keiner Stunde der Nacht 
gänzlich verstummt. Hier kann man noch die Lebensäufserungen 
der Bekassine mit ihren Balzspielen und -kämpfen belauschen 



2frei Jabre Feldoroitbologie in deo ftokitooifimpfen. 298 

und Freude empfinden an manchem amüsanten Bilde aus dem 
Familienleben dieser zierlichen Langschnäbel. 

Die Bekassine kam im Frühjahr gleichzeitig mit der Wald- 
schnepfe, am 27. III. 1916 und 31. III. 1917. Mitte Mai fand ich 
die ersten erbrüteten Gelege. Im Juli nach dem Flüggewerden 
der Jungen und mit zunehmender Trockenheit besuchten sie in 
Scharen die moorigen Ufer der Pina. Der Herbstzug verlief 
ziemlich unbemerkt; die letzten Bekassinen sah ich in beiden 
Jahren, sowohl 15 als 16, um den 20. Oktober herum. 

38. Waldschnepfe — Scolopax rusticola L. 

Die Waldschnepfe ist in grofser Anzahl Brutvogel, aber 
bedeutend weniger verbreitet als galUnago. Ihr Gebiet ist der 
feuchte Sumpfwald, besonders dort, wo dieser reich an Blöfsen 
und Moorwiesen ist. 

Der Frühlingszug begann in beiden Jahren (1916 und 1917) am 
27. III. und währte etwa 2 Wochen. Die Brutschnepfen balzten 
hier Abend für Abend bis in den Juli hinein. Im Juni sah ich 
an manchen Abenden bis 20 Schnepfen, die ersten schon 2 Stunden 
vor Sonnenuntergang. Während der Strichzeil kommt die Schnepfe 
erst nach dem Untergang der Sonne, wenn das letzte Drossellied 
verhallt ist. Vom Herbstzuge ist hier wenig zu merken. 

39. Grofse Sumpfschnepfe — GalUnago media (Frisch). 

Auch die Doppelschnepfe ist hier keineswegs seltener Brut- 
vogel. Auf dem Durchzuge habe ich sie häufig beobachtet und 
im Frühjahre auch in der Dämmerung den eigenartigen Balz- 
gesang und das „Knabbern'' zwischen den Bülten im Moore ge- 
hört. Im September 1915 stöberte ich am Rande eines verlauchten 
Sees bei Suliczero eine Schar von etwa 80 Doppelschnepfen auf. 

40. Kranich — Grus grus (L.). 

Der Kranich ist Brutvogel, aber keineswegs sehr zahlreich, 
zu welcher Annahme man eigentlich bei dem idealen Gelände 
hier berechtigt wäre. Im Frühjahre kamen die ersten Kraniche 
aus westlicher Richtung am 31. III. 1916 und am 28. III. 1917 
hindurchgezogen, einige Scharen rasteten bis Ende April. Der 
Herbstzug ist nicht so markant wie im nördlichen Deutschland, 
vom August an durchstreifen die Kraniche in gröfseren und 
kleineren Gesellschaften die Sümpfe in allen Himmelsrichtungen, 
im Oktober kommen dann gröfsere Scharen, die ohne zu rasten 
in westlicher oder südwestlicher Richtung weiterziehen, im Gegen- 
satze zu den Störchen und Gänsen, die eine ausgesprochene 
südliche Zugrichtung innehalten. 

Erwähnen will ich, dafs ich am 4. V. 1916 bei einem Fuchs- 
graben neben 4 Welpen auch einen toten Kranich aus dem Bau 

Joon. t Qn. LXVL Jalug. J«U 191fi. 20 



29i W. Grafsmann: 

holte. Also hat sich der so vorsichtige und mit scharfen Sinnen 
begabte Kranich doch von Reinicke überlisten lassen, jedenfalls 
wohl brütend auf dem Neste. Nun noch eine ebenso eigenartige 
als ergötzliche Episode, die zeigt, dafs gelegentlich auch der be- 
sonnene und würdige Kranich zu kindlichem Spiel neigt. An 
einem Juni-Nachmittage stand ich in guter Deckung am Sumpf- 
rande, als etwa 200 Schritte von mir entfernt 4 Kraniche einfielen. 
Sie begannen bald nach Nahrung zu suchen, aber auch hier in 
dieser menschenleeren Einöde hielt stets einer mit lang gestrecktem 
Halse Wache. Nach Vs Stunde waren mir die Kraniche etwa 
100 Schritte näher gekommen, als plötzlich einer mit erhobenen 
Flügeln erschreckt einige Sprünge nach rückwärts machte, um 
aber sogleich wieder vorzuspringen und mit Schnabel und Flügeln 
auf eine Bulte zu schlagen, die 3 anderen eilten nach einem 
Moment der Bestürzung zu Hilfe und nun zogen alle vier gegen 
den gefährlichen Feind auf der Kaupe zu Felde: sprangen besorgt 
in grofsen Sätzen heran und führten mit Schnabel und Flügeln 
einige Schläge aus und begaben sich schnell wieder in Sicherheit. 
Dieses Treiben sah ich mir einige Zeit lang an, als ich aber auch 
mit dem Glase nichts von dem Feinde der Kraniche entdecken 
konnte, ging ich aus meinem Versteck heraus auf die Stelle zu 
und fand auf der betreffenden Bulte mit zerschmetterten Gliedern 
einen . . . Laubfrosch! Ein Irrtum ist ausgeschlossen, da das 
Moor an dieser Stelle vollkommen vegetationslos war und in 
weiter Umgebung nur diese einzige Kaupe stand. 

Hätte der Angriff einer Kreuzotter gegolten, die hier im 
Moore sehr zahlreich sind, so wäre das Gebaren der Kraniche 
verständlich gewesen I So hingegen kann es sich nur um Spielerei 
gehandelt haben. 

41. Wasserralle — Ballus aquaticus (L.). 
Die Ralle ist Brutvogel, in den mit Sumpfpflanzen aller 
Art dicht bestandenen Teilen des Pinagebietes. Von dort her 
habe ich ihren Ruf abends oft vernommen. 

42. Wiesenralle — Crex crex (L). 
Die Wiesenralle ist in den mehr wiesenartigen Teilen der 
Moore und besonders dort, wo hohe und dichte Gräser gute 
Deckung geben, aufserordentlich häufig. Sie war hier von den 
Moorbewohnern der letzte Ankömmling, ihr Knarren hörte ich 
zum 1. Male am 8. V., dafür ist dieses aber auch dann noch 
häufig zu hören, wenn es im Moore bereits recht still geworden 
ist und nur der vereinzelte Ruf eines Brachvogels, Totanus oder 
Kranichs die lautlose Stille durchbricht. 

43. Tüpfelsumpfhuhn — Ortygometra poreana (L.). 
Das ganze Frühjahr hindurch habe ich überall das „cuid, 
cuid'* des Tümpfelsumpfhuhns gehört, weniger in den grofsen 



2wei Jabre Feldornitbologie in deo RokitooBflmpf«D. S95 

Schilfwaldungen, der Heimat der Rohrdommel, als vielmehr in 
dem Blaukehlchen- Revier: undurchdringlichem Weidendickicht 
mit Schilf- und Lisch-Ünterwuchs, stets fufs- bis metertief unter 
Wasser stehend, hier und dort sind kleine Sandinseln, die mit 
einem dichten Gräser-Gürtel umgeben, in der Mitte Heidekraut, 
Ginster und vereinzelte Kiefern und Eichen tragen. Dort habe 
ich auch öfter aus nächster Nähe abends einen rallenartigen Ruf 
gehört, nur nicht so schrill, sondern gedämpfter und schwächer 
etwa: karrarrarrar. Ich glaube, dafs dieses der Ruf des von mir 
bisher noch nicht gehörten pusilla oder parva ist. Vielleicht 
habe ich noch Gelegenheit, die kleinen Rohrgeister zu beobachten 
und als Brutvögel festzustellen. 

44. Grünfüfsiges Teichhuhn — Gallinula chloropus (L.). 

Im Gebiet der Pina gewöhnlicher Brutvogel. Aufserordent- 
lich häufig habe ich dieses Teichhubn im Sommer 1915 in den 
Sumpfniederungen des nördlichen Galizien angetroffen. 

45. Bläfshuhu — Fulica atra L. 

Seltener Brutvogel im Gebiet der Pina. Diesen in den 
meisten Gegenden Deutschlands gewöhnlichsten aller Wasservögel 
begegnet man östlich vom Bug nur selten. 

Steppenhuhn — Syrrhaptes paradoxus (Pall.). 
In 2 Gutshäusern dieser Gegend fand ich je 1 ausgestopftes 
Steppenhuhn, jedenfalls sind sie bei einer der Steppenhuhn-Wan- 
derungen nach dem Westen, die auch Deutschland berührten, 
erbeutet worden. 

46. Weifser Storch — Ciconia ciconia (L.). 
Der Storch ist hier in dem ganzen Gebiet häufiger Brut- 
vogel. In den südlich der Pina gelegenen 13 ünterkunftsort- 
schaften meiner Division waren in Sawitschitschi 15, in Shitno- 
witscbi 14 und dem kleinen, nur aus 14 Gehöften bestehenden 
Isin 8 besetzte Nester, in den übrigen 10 Dörfer ungefähr in dem 
gleichen Verhältnis. Ein gröfserer Teil der Störche brütet im 
Walde auf Bäumen, mit Vorliebe auf dem Wipfel mächtiger 
Schirmkiefern (Durchmesser bis 1,5 m) die hier zahlreich sind, 
sowohl im Sumpfe, wie im Walde, mitunter völlig isoliert auf 
einer kleinen Sandinsel mitten im grofsen Moor. Die Zugrichtung 
der Störche ist eine nordsüdliche bezw. südnördliche; im Früh- 
jahre kamen die ersten Störche am 27. III. Der Fortzug begann 
im Jahre 1915 am 15. August; 1916 am 11. August; am 24. VIII. 
1916 waren auch die letzten Störche aus Kontschizy verschwunden. 
Am 25. VIII. 1917 rasteten in der Nähe von Kobryn mehrere 
hundert Störche. 



296 ^« OrafsmaDD: 

Nach meinem als zuverlässig bewährten Gewährsmann, dem 
alten Waldwärter Nikita, haben auch hier die Störche merklich 
abgenommen, besonders in den letzten 10 Jahren. Von der 
Bevölkerung soll hier den Störchen so gut wie garnicht nach- 
gestellt werden. 

47. Schwarzer Storch — Ciconia nigra (L.). 
Der Waldstorch gehört auch hier zu den seltensten Vögeln 
und ist es nach Nikita von jeher gewesen. Ich habe wiederholt 
2 Paare beobachtet, ohne jedoch die Horste gefunden zu haben. 

48. Rohrdommel — Botaurus stellaris (L.). 
In den ausgedehnten, fast endlosen Rohrwaldungen längs 
der Flüsse ist die Rohrdommel sehr häufig. Ihr Vorkommen ist 
aber nicht auf diese Schilfrohrbestände beschränkt, wie bei der 
Zwergrohrdommel, sondern sie brütet auch im Moore, dort wo 
hohe Seggen, Lisch- und Weidengebüsch gute Deckung bieten. 
Ihre Nahrung besteht hier nach einigen Magenuntersuchungen, 
besonders aus Zwergmäusen und Wasserratten. Während des 
Frühjahrzuges und gelegentlich der Entenjagd wurde eine ganze 
Anzahl Rohrdommeln erlegt; da sie im Bewufstsein ihrer guten 
Schutzfärbung den Schützen auf nächste Entfernung heranläfst, 
wird sie meist eine leichte Beute. Im Mai und Juni konnte 
man das prümb zu jeder Tageszeit hören. Im September und 
Oktober, bis zum ersten gröfseren Frost, war ein lebhafter Zug 
längs der Pina aufwärts. Die Rohrdommel zieht in klaren Mond- 
scheinnächten und ist an dem lauten und kräftigen Ruf zu er- 
kennen ; sie zieht meist einzeln oder zu 2 und 3. Am 4. November 
1916 stand ich mit Nikita auf dem Enteneinfall, an einem toten 
Arme der Pina, als von weit her das öak der Rohrdommel zu hören 
war, Nikita ahmte diesen Ton vortrefflich nach und V* Stunde 
lang kreiste die Rohrdommel in geringer Höhe über uns, so dafs 
sie im Mondschein deutlich zu sehen war und fiel dann in ganz 
geringer Nähe von uns ein. 

49. Zwergrohrdommel — Ardetta minuta (L.). 

Häufiger Brutvogel in dem gleichen Gebiet wie Botaurus^ 
habe sie aber bei ihrer versteckten Lebensweise nur einmal zu 
Gesicht bekommen. Ein ausgefärbtes Exemplar wurde beim 
Grasmähen ergriffen und zu mir gebracht, entfloh aber in der 
Nacht. 

50. Fischreiher — Ardea cinerea L. 

Der Fischreiher war an der Pina und auch am See nicht 
selten, mitunter 7—9 beisammen. Sie brüten wohl nur in ein- 
zelnen Paaren, von Reiher-Kolonien habe ich nichts in Erfahrung 
bringen können. Ein Horst stand auf einer Schirmkiefer inmitten 
einer Blöfse im Walde, etwa 3—4 km vom Wasser entfernt. 



Zwei Jahre Feldornithologie in den Rokitnosampfen. 297 

51. Ringeltaube — Columba palumbus L. 
Im Sommer nur ganz vereinzelt mal gesehen, im Frühjahre 
beim Durchzuge öfter. 

52. Hohltaube — Columba oenas L. 
Die Hohltaube ist hier in sehr grofser Zahl Brutvogel; im 
Sommer traf man mitunter Scharen von 100 und mehr auf den 
abgeernteten Feldern. 

53. Turteltaube •— Turfur turiur (L.). 
Gewöhnlicher Brutvogel, aber nicht so zahlreich wie die 
Hohltaube; im Gegensatz zu dieser, die die Geselligkeit liebt, 
hält sie sich nur paarweis. 

54. Rebhuhn — Ferdix perdix (L.). 
Das Rebhuhn gehört hier zu den selteneren Brutvögeln, 
der zu seinen Daseinsbedingungen nötige Ackerbau ist zu unvoll- 
kommen und wenig ausgedehnt. 

Verbreiteter ist die 

55. Wachtel — Coturnix coturnix (L.) 
die auch überall an den Sumpfrändern anzutreffen ist, und sogar 
mitten im Moore, sofern dort flache Sanddünen Deckung und 
Äsung liefernde Pflanzen tragen. Obwohl ausgesprochener Zug- 
vogel, mufs die Wachtel mitunter doch überwintern, so auch in 
vergangenem Jahre, wo sie zahlreich noch im Spätherbst und 
vereinzelt sogar im Winter bis Ende Dezember geschossen wurde. 
Der Grund des Überwinterns wird im Jahre 1916 in den sehr 
guten Ernährungsverhältnissen zu suchen sein, die durch viele 
brachliegende und Samen aller Art liefernde Ländereien bedingt 
wurden. 

56. Auerhuhn — Tetrao urogallus L. 

Seltener Jahresvogel, hält sich hier an den trockenen Sand- 
boden mit geschlossenem Kiefernbestand. Im Fühjahre 1916 
wurden östlich Mochre 2 Hähne zur Strecke gebracht. 

57. Birkhuhn — Tetrao tetrix L. 
Das Birkhuhn gehört zu den Charaktervögeln der Rokitno- 
sümpfe. Der dauernde Wechsel zwischen Moorwiese und Wald 
und die groüse Häufigkeit der Birke genügen in vollstem Mafse 
den Ansprüchen, die das Birkhuhn an seine Umgebung stellt. 
Die Hauptbalzzeit fällt hier in den April, aber vereinzelte Hähne 
balzten noch den ganzen Mai hindurch. Gute Balzplätze, auf 
denen zahlreiche Hähne zusammen kamen, gab es hier kaum, 
meist balzen die Hähne einzeln oder zu 2 auf kleinen überragenden 



198 W. Grafemann: ^ 

Stellen der überschwemmten Moorwiesen (kleinen Inseln, Baum- 
stümpfen, Pfühlen). Zum Winter ging das Birkwild in Scharen 
von 20—80 Stück mehr in das Waldinnere, einzelnen Hähnen 
und kleineren Familien begegnete man auch im Winter aufser- 
halb und am Rande des Waldes. 

Schon am 1. Mai wurde hier ein Nest mit 3 Eiern gefunden, 
die in 28 Tagen von einem Haushuhn erbrütet wurden. 

Bastarde von Auer- und Birkwild gibt es hier garnicht so 
selten, zur Balzzeit wurden 3 Rakelhähne erlegt. 

58. Haselhuhn r- Tetrao bonasia L. 

Dss Haselhuhn ist in den bewaldeten Teilen des Sumpf- 
gebietes gewöhnlicher Brutvogel. Infolge seiner guten Schutz- 
färbung nimmt man es meist erst dann wahr, wenn es, aufgestöbert, 
pfeilschnell durch das Unterholz hindurch zwischen den Baum- 
kronen verschwindet. Neben den bekannten Pfeiflauten hörte 
ich auch im Frühjahre von einem Hahn, der dicht neben mir 
auf einer Eiche eingefallen war, gluckenartige Töne, ähnlich wie 
sie die Birkhenne hören läfst, nur höher. 

Der Russe jagt hier das Haselhuhn auf folgende Art: Zur 
Zeit der Herbstbalz stöbert er mit einem Hunde in dem meist 
sehr dichten Walde das Haselhuhn auf und lockt es dann, 
nachdem es meist in nicht zu weiter Entfernung aufgebäumt ist, 
auf Schufsweite heran. 

Das Moorschneehuhn — Lagopus lagopus (L.) 
ist hier in dem westlichen, von uns besetzten Teil der Rokitno- 
sümpfe nicht vertreten. 

59. Rohrweihe — Circus aeruginosus (L.). 
Häufiger Brutvogel besonders in den Rohrwäldern der Pina, 
aber auch in den Weiden-Dschungeln am Rande der Waldmoore. 
Sie erschien im Frühjahr als erste Weihenart bereits mit den 
Enten und Kiebitzen. 

60. Kornweihe — Circus cyaneus (L.). 
61. Steppenweihe — Circus tnacrourus (Gm.). 
62. Wiesenweihe — Circus pygargus (L.). 
Alle drei Weihen sind Brutvögel und ganz besonders zahl- 
reich zu den Zugzeiten. Kein Raubvogel trägt in dem gleichen 
Mafse zur Belebung der Moore und Ödländer bei wie die Weihe. 
Dort findet sie in den Mengen Kleinvögel und Dunenjungen der 
Moorvögel den Tisch reich gedeckt, und stets während des ganzen 
Sommerhalbjahres wird man sie in leichtem Fluge dahingleiten 
sehen und Freude empfinden an den schönen Flugkünsten, die 
die Nahrungssuche begleiten. Die nach Bussard und Rohrweihenart 
hoch in der Luft ausgeführten Balzfiüge beobachtete ich auch an 
ichönen, sonnigen Herbsttagen. 



Zwei Jahre Feldoroithologie in den EokitQoiUmpfeQ. 299 

Über die Häufigkeit der 3 Weihenarten kann ich keine 
bestimmten Angaben machen, ich glaube aber, dafs die gröfsere 
und weniger schlanke Kornweihe seltener ist als ihre beiden 
Vettern. Ein Horst mit Jungen wurde im Juni in einem Brach- 
felde gefunden, unweit einer vorgeschobenen Batteriestellung nur 
wenige 100 m hinter dem vordersten Drahtverhau. 

Während des Herbstzuges fiel mir in beiden Jahren die 
verhäituismäfsig grofse Zahl ausgefärbter cfcT auf. 

63. Hühnerhabicht — Ästur palumharius (L.). 

Der Hühnerhabicht ist hier nur Sommervogel und gehört 
zu den selteneren Raubvögeln. Am 6. IV. 1916 sah ich in dichtem 
Sumpflaubwald 1 Paar in der Nähe des Horstbaumes, 8 Tage 
darauf klopfte ich das brütende 9 vom Horste, bei einem späteren 
Besuch traf ich diesen verlassen an. Im Laufe des Sommers 
wurden einige Hühnerhabichte geschossen, davon ein 9 i° 
Kontschizy jagenderweise in der Abenddämmerung. 

64. Sperber — Accipiter nisus (L.). 
Gewöhnlicher Brutvogel, In beiden Jahren fand ich in 
einem trockenen Kiefern- bezw. Birken-Moosbruch je einen Horst 
mit 5 und 4 Jungen, die am 13. Juli 1916 und 6. Juli 1917 
flugbar und für Rossitten beringt wurden. Im Winter 1915/16 
hielten sich in den Ortschaften zahlreiche Sperber auf, die aus 
Osten zugezogen waren. In dem diesjährigen strengen Winter war 
nur selten ein Sperber zu sehen, sie werden mit dem Heer der 
Ammern weiter westlich und südlich gezogen sein. 

65. Schlangenadler — Circaetus gallicus (Gm.). 

Der Schlangenadler ist hier noch verhäituismäfsig zahlreich, 
ich glaube wohl nächst dem Schelladler der häufigste Adler. Ich 
habe ihn im Mai und Juni öfter beobachtet, jedoch keinen Horst 
entdecken können. Im August schofs Lt. Meyer ein altes 9. ^^^ 
Kropf und Magen gefüllt mit Eidechsen hatte. Da der betreffende 
Vogel auf der gleichen Sanddüne mehrere Tage beobachtet 
worden war, ist wohl anzunehmen, dafs in dieser Zeit seine 
Nahrung nur aus den dort zahlreichen Eidechsen bestand. 

66. Zwergadler — Hieraaetus pennatus (Gm.). 
In den Monaten April und Mai 1916 sah ich im Walde 
wiederholt einen Vogel von der Gröfse eines starken Rauchfufs- 
bussards, aber von adlerartigem Aussehen und Flugbild. Meine 
Vermutung, dafs dieses der Zwergadler sei, fand ich in den ersten 
Julitagen bestätigt, als Lt. Meyer ein altes 9 dieser Art mit aus- 
gedehntem Brutfleck erlegte. Auch in diesem Jahre sah ich im 
Juni einige Male einen Zwergadler. 



800 W. Qrafimann: 

67. Steppenbussard — Buteo desertorum (Daud.). 
Nächst den Weihen ist der Steppenbussard der häufigste 
Raubvogel. Im Gegensatz zum Mäusebussard, der doch besonders 
gern den trockenen Kiefernwald liebt, bevorzugt der Steppenbussard 
zum Horsten den feuchten Sumpflaubwald. 

68. Rauhfufsbussard — Archihuteo lagopus (Brunn). 
Den Herbst und Winter über, vom September bis zum 
April, ist der Rauhfufsbussard hier ständig anzutrefifen, besonders 
zahlreich in diesem Winter. Als Brutvogel habe ich ihn nicht 
bestätigen können, wenngleich ich im Sommer in einem bestimmten 
Revierteil wiederholt einen Bussard sah, der für desertorum, der 
doch merklich kleiner als buteo ist, viel zu grofs war. Ich halte 
es aber nicht für ausgeschlossen, dafs hier auch schon vereinzelt 
der Adlerbussard Buteo ferox vorkommt. 

69. Steinadler — Aquila chrysaetos (L.). 
Als Brutvogel habe ich ihn nicht kennen gelernt. Unter 
den grofsen Adlern, die ich hier auf dem Zuge im Frühjahre und 
Herbst öfter beobachtet habe, werden auch Steinadler gewesen 
sein. Im Januar dieses Jahres sah ich an einem von Lt. Meyer 
eingerichteten Luderplatz in nicht allzuweiter Entfernung einen 
Adler, den ich ohne Zweifel als chrysaetos ansprach. Nach 
Lt. Meyer soll der Luderplatz oft von 3 Steinadlern besucht 
worden sein. 

70. Reiheradler — Aquila melanaeios (L.). 
Am 13.V11I. 1915 beobachtete ich östlich Wladimir- Wolynsky 
gelegentlich der Beschiefsung eines vom Feinde besetzten Dorfes, 
mit dem Scherenfernrohr 5 kreisende Reiheradler. Am folgenden 
Tage sah ich die 5 Adler wieder und konnte deutlich den charak- 
teristischen Schulterfleck erkennen. Zur gleichen Zeit erlegte 
Oberlt. Graf Sierstorflf einen jungen imperalis und sagte mir, dafs 
auch in seinem Quartier ein ausgestopfter Reiheradler stände. 
In den Monaten September und Oktober und auch im Frühjahre 
sah ich öfter grofse Adler, deren spezies ich nicht feststellen 
konnte. Ich halte es für wahrscheinlich, dafs der Reiheradler 
hier Brutvogel ist, denn selbst dann, wenn die im August beob- 
achteten Adler sich auf dem Zuge befanden, so ist doch sicher, 
dafs die jungen, erst seit kurzem flugbaren Vögel noch nicht 
allzuweite Strecken zurückgelegt haben. 

7L Schelladler — Aquila clanga Fall. 
Zu den regelmäfsigen und nicht seltenen Brutvögeln gehört 
der tief schwarzbraune Schelladler. Zu den Zugzeiten gehörte 
er zu den häufigsten Raubvögeln, und in der Pina-Niederung 
ist er dann täglich in mehreren Exemplaren zu sehen. 



Zwei Jahre Feldoroitbologie in den BokitDOiümpfen. 801 

Im Sommer fand ich inmitten einer mit Laub^ürwald be- 
standenen Insel auf einer Espe den Horst, er stand in 13 m Höhe 
und niafs fast 1 Yi m im Durchmesser. Ein 2. Horst stand in 
einem dicht verwachsenen Erlenbruch nicht ganz in halber 
Baumhöhe etwa 10 m über dem Boden. Am 14. VII. wurde dem 
ersten Horst ein fast flugbarer junger Adler entnommen. Der 
während der Nacht am Brutgeschäft nicht beteiligte Elternvogel 
suchte sich als Scblafbaum stets eine am Moorrande stehende 
verkrüppelte kleine Kiefer oder Birke aus und nicht die schützenden 
Laubkronen des Hochwaldes. 

Es ist möglich, dafs hier als dem Übergangsgebiet neben 
dem Schelladler auch der Schreiadler vorkommt, 2 hier im Sommer 
erbeutete Stücke waren jedenfalls, nach der tief dunkelen Fär- 
bung und der über 50 cm messenden Fittichlänge, Schelladler. 

72. Gabelweihe — Milvus milvus (L.). 
Gehört zu den selteneren Raubvögeln. Im August 1915 
sah ich in der Umgebung von Wladimir -Wolynskj eine aus 

4 Köpfen bestehende M ilvus-F &m'i\ie, die auf einem am Wald- 
rande gelegenen Stoppelfelde nach Mäusen jagte. 

73. Schwarzer Milan — Milvus korschun (Gm.). 

Zu den Zugzeiten wird hier der schwarze Milan recht häufig 

gesehen, als Brutvogel ist er seltener. Ein Paar brütete auf 

einer kleinen, im ungangbaren Moore stehenden Birkeninsel am 

Rande der Pina, aufserdem hatten dort ein Turmfalken- und 

5 Graukrahnpaare ihre Nester. Im östlichen Galizien habe ich 
horschun als den häufigsten Raubvogel kennen gelernt. 

74. Seeadler — Haliaetus albicilla (L.). 

Im Frühjahre waren über der Pina-Niederung öfter Seeadler 
zu sehen. Einen alten Vogel mit weifsen Schwanz sah ich noch 
bis in den Mai hinein, gebrütet hat er in meinem eng begrenztem 
Beobachtungsgebiet nicht. 

75. Fischadler — Fandion haeliatus (L.). 

Ich selbst habe den Fischadler bisher nicht beobachtet 
jedenfalls nicht mit Bestimmtheit. Nach Nikita soll er zu den 
Zugzeiten und auch im Sommer vereinzelt vorkommen. Da mir 
Nikita eine gute Schilderung der charakteristischen Fangmethode 
dieses Adlers, den er Weifsbauch nennt, gab, habe ich den Fisch- 
adler hier mit aufgezählt. 

Im Mai soll hier einer geschossen worden sein, ich halte 
aber eine Verwechslung mit dem ebenfalls blaufüfsigen Schlangen- 
adler, der den meisten Jägern unbekannt ist, nicht für ?ius- 
geschlossen. In dem einen Fall, den ich nachprüfen konnte, Ent- 
puppte sich der „Fischadler" auch als Schlangenadler. 



802 W. Grafsmann: 

76. Wauderfalk — Falco peregrinus Tunst. 

Zu den häufigsten Raubvögeln gehört der Wanderfalk nicht, 
auch zu den Zugzeiten habe ich ihn nur vereinzelt beobachtet. 
In einem alten Kiefernbestand mufs ein Paar gebrütet haben, 
dort sah ich ihn Anfang April beim Balzfluge und traf ihn später 
im Mai und Juni öfter. Aufserdem brü-tete in dem als höchsten 
bekannten Storchneste, das hier 8 km tief im Walde auf einer 
mächtigen besonders hohen Kiefer steht, im vergangenen Jahre 
ein Wanderfalkenpaar ; in diesem Jahre sind wieder junge Störche 
in dem Horst. 

77. Baumfalk — Falco subbuteo L. 

Von den Falken ist subhuteo wohl am zahlreichsten vertreten, 
Ein schönes Schauspiel bot im August und September allabendlich 
in der Pina-Niederung die Schwalbenjagd zahlreicher Baumfalken, 
mitunter Ys Dutzend beisammen. Hierbei fiel es mir auf, dafs 
die Falken noch im Mondscheine ihre Jagden und Luftspiele 
weiterführten bis zum Einbruch der Nacht, nachdem längst alle 
Kleinvögel im Schilfe zur Ruhe gegangen waren. 

78. MerliTifalk — Falco aesalon Naum. 
Um Mitte September stellten sich die ersten Merline ein. 
Vereinzelte Exemplare hielten sich den Winter über auf, die 
meisten jedoch zogen weiter. 

79. Abendfalke — Cerchneis vespertinus (L.). 
Wurde im Frühjahre während des Zuges öfter beobachtet 
und auch mehrfach erlegt. Als Brutvogel habe ich ihn bisher 
hier nicht bestätigen können, dagegen aber im Sommer 1915 in 
Ost-Galizien und der Bukowina. 

80. Turmfalk — Cerchneis tinnunculus (L.). 
Gewöhnlicher Brutvogel, aber nicht entfernt so häufig wie 
in vielen Gegenden Deutschlands, wo er der zahlreichste Raub- 
vogel ist. Er zeigt hier ebenso wie dort Vorliebe für kleine, 
isoliert stehende Gehölze mit trockener Umgebung. 

81. Uhu — Bubo hubo (L.). 

Bei der versteckten und nächtlichen Lebensweise des Uhus 
ist es erklärlich, dafs ich ihn nur wenige Male zu Gesicht be- 
kommen habe, trotzdem er hier gar nicht selten ist. Das tiefe 
bu hu habe ich im Sommer recht oft gehört, mitunter schon vor 
Sonnenuntergang. Nach Nikita brütet hier der Uhu stets am 
Boden. 

82. Waldohreule — Äsio oius (L.). 

Die Waldohreule ist hier selten und wohl nur strichweise 
verbreitet. Ich habe sie im September 1915 auf der Pinsker 



Zwei Jahre Feldornitbologie in den RokitnosttmpfeD. SOS 

Landzunge getroffen und fand jetzt bei Mal Wulki am 8. VIII. 
19:17 einen Horst mit einem halbflüggen Jungen. 

83. Sumpfohreule — Asio accipitrinus (Fall.). 

Die Sumpfohreule ist hier gewöhnlicher Brutvogel. Im 
Herbste, vom 1. September an, war sie recht zahlreich, und ich 
habe dann bis zu 10 beisammen gesehen und am hellen Nach- 
mittage ihre Flugkünste bewundert. Stöbert man sie am Brutplatz 
auf, so umkreist sie einen bellend ein gut Stück Weges und stöfst 
auch bin und wieder herab auf einen so nahe, dafs man sie er- 
greifen könnte. 

Uraleule — Syrnium uralense (Fall). 

Nach meinen Beobachtungen und allen Erkundigungen, die 
ich eingezogen habe, scheint diese Eule hier nicht vertreten zu 
sein. 

84. Waldkauz — Syrnium aluco (L.). 

Von den Eulen ist der Waldkauz bei weitem der häufigste. 
Ob er hier auch unter den Strohdächern der Bauernhäuser brütet 
wie der Steinkauz in Galizien, habe ich bisher nicht feststellen 
können. Im Walde ist er sehr zahlreich. Junge Vögel, die ich 
einmal Anfang und einmal Ende Juni fand, waren noch nicht 
flugbar. An der Front wurde er nachts oft auf den Hindernis- 
pfählen gesehen und mehrfach erbeutet. 

85. Steinkauz — Athene nocfua (Retz). 

Auch das Käuzchen mufs hier selten sein. Ende März 1916 
hörte ich aus einer Baumgruppe bei Stitischewo seinen Ruf. 

Schleiereule — Strix flamniea (L.). 

Nie gehört und gesehen. Allerdings fehlen mir Beobachtungen 
aus Ortschaften und Städten mit gröfseren Steingebäuden, als 
Kirchen, Klöstern u. s. w. 

86. Kuckuck — Cuculus canorus (L.). 

Der Kuckuck ist recht häufig. Wohin auch immer ich im 
Laufe des Sommers gekommen bin, überall habe ich den Ruf des 
Kuckucks gehört, zum ersten Male bereits am 19. IV. 1916 und 
23. IV. 1917. 

87. Wendehals — lynx torquilla (L.). 

Auch der Wendehals gehört zu den regelmäfsigen und ge- 
wöhnlichen Brutvögeln. Im Frühjahre 1916 hörte ich ihn zuerst 
am 18. April. 



104 W. Grafsmann: 

88. Schwarzspecht — Dryocopus martius (L.). 

Es ist erklärlich, dafs die Spechte in den Sumpfwäldern, 
die sich meist noch im Urzustände befinden und in denen der 
geregelte Forstbetrieb zur Ausnahme gehört, sehr zahlreich ver- 
treten sind, zumal dort Weichhölzer einen grofsen Teil des Be- 
standes ausmachen. 

Der Schwarzspecht ist hier eine gewöhnliche Erscheinung, 
man trifft ihn überall, nicht nur im Hochwalde. An einem klaren 
Septembertage sah ich nach Sonnenuntergang 2 Schwarzspechte 
in beträchtlicher Höhe eine viele km breite Moorfläche überfliegen 
in westlicher Richtung. 

Vielleicht führt der Schwarzspecht gelegentlich weitere 
Züge aus, als bisher beobachtet und bekannt ist. 

89. Grofser Buntspecht — Dendrocopus maior (L.). 
90. Mittlerer Buntspecht — Dendrocopus medius (L.). 

Beide Spechte sind überaus häufig, sowie man nur einige 
Schritte in den Wald tut, wird man nicht umsonst nach ihnen 
zu suchen brauchen. 

91. Kleinspecht — Dendrocopus minor (L,). 
Auch der Kleinspecht ist Brutvogel, aber bedeutend seltener 
als seine Vettern medius und maior. Nach Reichenow, dem ich 
ein Exemplar schickte, ist hier bereits die östliche Abart D. m. 
transitivus vertreten. 

92. Grünspecht — Picus viridis (L.). 
Ist hier der seltenste Specht, ich habe ihn nur 2 Mal 
beobachtet. 

93. Grauspecht — Ficus canus viridicanus (Wolf). 
Der Grauspecht ist fast ebenso zahlreich wie D. medius und 
maior, nur meidet er den geschlossenen Kiefernwald. 

94. Eisvogel — Alcedo ispida L. 
Zu meiner Freude habe ich auch hier den schönen farben- 
prächtigen Eisvogel getroffen. Im Sommer sah ich mehrfach ein 
Paar an einem toten Arm der Pina. Im Dezember 1914 begegnete 
ch ihm an der Piliza unweit des russischen Jagdschlosses Spala. 

95. Blaurake — Coracias garrulus L. 
In der Umgebung von Wladimir-Wolynsk traf ich im August 
1915 noch zahlreiche Blauraken. Als ich im September in nord- 
östlicher Richtung tiefer in das Sumpfgebiet hinein kam, waren 
dort bereits alle Blauraken fortgezogen. Im Frühjahre 1916 



Zwei Jahre Feldornithologie in den RokitDOsämpfen. ^06 

kamen die ersten Vögel am 2. Mai und bald darauf in grofser 
Menge, so dafs die Maudelkrähe hier zu den bekanntesten Vögeln 
gehört, besonders da sie durch ihre grofse Vertrautheit und das 
prächtige Gefieder nicht übersehen werden kann. Am meisten 
liebt sie den mit Laubhölzern aller Art bestandenen Sumpfurwald 
und besonders dort, wo sterile Sanddünen, nur spärlich bewachsen, 
Blöfsen bilden. Gänzlich fehlen tut sie aber nirgends, so fand 
ich ein Nest mit 2 Jungen in einem Astloch einer alten Birke 
mitten im Postwege nach Pinsk, an einer Stelle, wo in weiter 
Umgebung nichts als Wachholder und Heidekraut kümmerlich 
wuchs. Um einen Begriff der Häufigkeit zu geben : An einem 
etwa 4 klm langen Waldwege waren 7 Brutpaare. 

Aus unbekannten Gründen ist die Maudelkrähe in diesem 
Jahre in bedeutend geringerer Anzahl zurückgekehrt. 

96. üpupa epops L. 
Auch der Wiedehopf gehört zu den auffallendsten und 
gewöhnlichsten Vögeln des Gebietes. Er kam hier recht zeitig 
zurück, im Frühjahre 1916 schon am 26. März. Er nistet recht 
gern in den leeren Bienenstöcken, die überall im Walde, meist 
auf allen Kiefern stehen. In einem Falle teilte er sogar seine 
Wohnung mit einem Bachstelzenpaar, Motacilla alba. Er scheut sich 
auch nicht mitten im Dorfe, sogar mitten im Gehöfte zu brüten. 
Mit Vorliebe verspeist er hier Maulwurfsgrillen, einmal fand ich, 
in einem Neste neben den jungen Wiedehopfen ein ganzes Mafs 
voll dieser Schädlinge. Er gehört zu den häufigsten Zugvögeln. 
Ende August sah ich die letzten Wiedehopfe. 

97. Nachtschwalbe — Caprimulgus europaeus L. 
Häufiger Brutvogel, besonders auf den mit Kiefern bestandenen 
Sanddünen. In den hellen Sommeroächten konnte man sie In 
ganzen Scharen in der Pina- Niederung auf der Insektenjagd 
beobachten. 

98. Mauersegler — Apus apus (L.). 

Aufser den wenigen hohen Steingebäuden dieses Gebietes 
bewohnt der Mauersegler auch den Wald. Tief im Sumpfwalde 
drinnen traf ich eine kleine Kolonie, sie umschwärmte mehrere alte 
Kiefern mit zahllosen Spechtlöchern. Am 8. August zogen die 
letzten Segler die Pina westwärts. 

99. Rauchschwalbe — Hirundo rustica L. 

Diese Schwalbe habe ich hier bei weitem am zahlreichsten 
angetroffen. Ihr Nest steht meist auf den Holzlatten unter den 
Strohdächern. Ankunft im zweiten Drittel des April (1917 am 
19. IV., 1917 am 14. IV., Fortzug um den 20. IX. herum). 
Während der kalten Zeit im Mai, wenn strenge Nachtfröste auf 



8Ö6 W. Griifsmftnä: 

den grofsen freien Mooren und in der Pina-Niederung alles 
Insektenleben zerstören, besuchen die Schwalben in grofsen Scharen 
die geschützten Waldwiesen. 

100. Uferschwalbe — Eiparia riparia (L.). 

Die Uferschwalbe bewohnt in kleinen und kleinsten Kolonien 
hier und dort auch nur paarweis steil abfallende Sanddünen am 
Rande der Pina. Im August 1917 hielten sich Scharen von 
mehreren Tausend Uferschwalben einige Tage bei Chojno auf. ' 

101. Mehlschwalbe — Delickon urhica (L.). , 
Kolonien der Mehlschwalbe habe ich hier nur selten gefunden, 

aber vereinzelt ist sie überall anzutreffen. 

102. Grauer Fliegenschnäpper — Muscicapa grisola L. 

Sehr häufig, besonders in der näheren Umgebung der Dörfer 
und in diesen selbst, wo er neben Schwalbe und Bachstelze mit 
zu den Hausbewohnern zählt. 

103. Trauerfliegenschnäpper — Muscicapa atricapüla L. 
Häufiger Bewohner des Waldes, besonders des hochstämmigen 

Mischwaldes mit Unterholz. 

Muscicapa parva habe ich bisher mit Bestimmtheit nicht 
beobachtet. 

104. Östlicher Raubwürger — Lantus excuhitor rapax Br. 
Dieser Würger erscheint hier in den ersten Oktobertagen 

und hält sich bis Ende März auf. Als Brutvogel habe ich ihn 
nicht bestätigen können. 

105. Grauer Würger — Lanius minor Gm. 
Gewöhnlicher Brutvogel, den ich stets in oder doch dicht 
bei Ortschaften antraf. 

106. Rotrückiger Würger — Lanius collurio L. 
Sehr zahlreich ist hier der Neuntöter besonders auf den 
mit Weiden, Erlen und Birkenaufschlag bestandenen Sümpfen. 
Die Nester stehen tief im Gebüsch und zwischen langen Gräsern 
und üppigen Pflanzen gut versteckt, so dafs sie schwer zu finden 
sind; ganz im Gegenteil zu Deutschland, wo kaum ein Nest 
leichter zu finden ist, als das des Neuntöters. 

107. Kolkrabe — Corvus corax L. 
Als wir im Juli 1915 beim Vormarsch aus Galizien nach 
Süd-Polen kamen, traf ich dort die ersten Kolkraben. Am Rande 



Zwei Jahre Feldornithologie in den Rokitnosflmpfen. 807 

der Sümpfe bei Wladirair-Wolynsk waren sie in grofser Menge, 
Scharen von 40—50 Stück. Während des weiteren Marsches 
durch die Sümpfe bis Pinsk trafen wir überall Kolkraben an, mit 
wechselnder Häufigkeit, auch im ersten Herbst und Winter war 
der Kolkrabe eine gewöhnliche Erscheinung, die man tagtäglich 
hatte, jetzt ist er seltener geworden. Gewifs ist der Kolkrabe 
auch in den Wäldern hinter der Front ständiger Brutvogel, aber 
doch nicht in der Zahl, die man nach den Beobachtungen des 
Jahres 1915 hätte erwarten müssen. Der Grund hierfür liegt 
wohl darin, dafs die grofsen Mengen Pferde-, besonders Viehkadaver, 
(die Rinderpest hatte verheerend unter dem Bauernvieh gewütet) 
die Raben aus weiten Fernen herbeigelockt hatte. Dann darf 
man auch die Nachstellungen nicht unterschätzen, denen der Rabe 
von den vielen Jägern an und hinter der Front ausgesetzt ist, 
besonders im Winter sind viele dem Fuchseisen und Giftbrocken 
zum Opfer gefallen. 

Die schönen Balzflüge des Kolkraben mit den Luftsprüngen 
habe ich noch Ende April beobachtet. Ein Paar liebte es das 
ganze Frühjahr hindurch am frühen Morgen mit viel Gekrächze 
und Geschrei die Runde durch sein Revier zu machen, es schlug 
hierbei stets den gleichen Weg ein, blockte stets auf den gleichen 
Bäumen auf u. s. w. 

Ein Horst, den ich sah, stand in einem dichten Bestand 
beinstarker Kiefern, in der etwa 15 m hohen Krone des Baumes, 
dieser war von gefangenen Russen, die in der Nähe Kanalarbeiten 
verrichteten, gefällt worden ; das Nest enthielt 6 Eier. Allabendlich 
bis zum Herbst kehrte das Paar, das nicht wieder brütete, in 
die Nähe des Horstes zurück und übernachtete dort. Im Winter 
beobachtete ich 2 Kolkraben, die auf einen Fuchs stiefsen, der 
etwas im Fang trug. 

108. Nebelkrähe — Corvus cornix L. 

Zahlreich auf der Pinsker Landzunge, brütet auch in der 
Stadt selbst. Im Sumpfgebiet beschränkt sich ihr Vorkommen 
auf Feldgehölz und Waldränder in der Nähe der Ortschaften, 
mindestens aber gröfserer Verkehrsstrafsen. In dem Innern der 
grofsen Moore und Waldungen trifft man die Nebelkrähe selten. 
Im Herbste und Frühjahre findet ein bemerkbarer Durchzug von 
Nebelkrähen statt. Die den Winter hier in grofser Zahl — be- 
sonders in Pinsk — zubringenden Krähen sind nur in geringer 
Zahl Sibirier, die Heimat der meisten Wintergäste dürfte wohl 
näher liegen. ' . 

109. Saatkrähe — Corvus frugilegus L. 

Eigenartig ist es, dafs die Saatkrähe hier und auch in 
Galizien besonders gern die Städte bewohnt. In Pinsk ist eine 
grofse Kolonie von mehreren hundert Paaren über die ganze Stadt 
verteilt. Auch in dem kleinen Judennest Lubaschewo am Stochod 



8ÖS W. Grafsmann t 

ist eine Kolonie, sonst iiabe ich keine Brutplätze im Sumpfgebiet 
gefunden. Auf der Pinsker Landzunge sollen hier und dort noch 
in Feldgebölzen kleine Kolonien sein. 

110. Dohle — Colaeus monedula (L.). 
Bewohnt auch hier, ebenso wie in Deutschland, in kleinen 
Gesellschaften Kirchtürme, alte Klöster und andere gröfsere 
Steinbauten. Vereinzelt habe ich auch Dohlen im Sumpfwalde 
getroffen, wo sie in einem Falle eine Schwarzspechthöhle bewohnten 
in dichter Nachbarschaft von Blauraken. 

111. Elster — Pica pica (L.). 

Sonderbarerweise gehört die Elster hier zu den selteneren 
Vögeln, im Gegensatz zu allen anderen Gebieten, wo ich während 
des Krieges hingekommen bin. In Belgien, Nordfrankreich, Polen, 
Ungarn, Galizien und der Bukowina, selbst in den Karpathen bis 
1000 m Höhe gehört sie zu den gewöhnlichsten Vögeln. 

Ich habe sie hier nur in wenigen Paaren am Südrande der 
Pinsker Landzunge getroffen. 

112. Eichelheher — Garrulus glandarius (L,). 
Gewöhnliche Erscheinung, brütet mitunter in leeren Bienen- 
stöcken. Im Herbst findet ein lebhafter Zu- und Durchzug statt. 
Die in mäfsiger Zahl hier überwinternden Vögel tragen viel zur 
Belebung des tief verschneiten, einsamen Waldes bei. 

113. Tannenheher — Nucifraga caryocatactes (L.). 
Nur einmal habe ich hier den Tannenheher beobachtet. 
Anfang Mai sah ich am Rande eines gröfseren Kiefernwaldes 
einen Vogel, der recht vertraut war und sich auf etwa 20 Schritt 
ungestört beobachten liefs. 

114. Pirol — Oriolus oriolus (L.). 
Der Pirol ist hier recht häufig. Er fehlt dem so überaus 
wechselreichen Waldgebiet nirgends. Von seiner mir von 
Deutschland her bekannten Scheu ist hier wenig zu merken, 
gewifs streift er auch hier oft in den dichten Kronen grofser 
Laubbäume umher, wo er schwer zu entdecken ist, trifft man ihn 
aber in kleinen, lichten Beständen, so läfst er sich getrost aus 
nächster Entfernung beobachten. Ankunftsdaten sind: 1916 den 
3. V., 1917 6. V. — Aufserordentlich zahlreich ist der Pirol in 
den lieblichen Laubwäldern der Bukowina am Nordrande der 
Karpathen. 

115. Star — Sturnus vulgaris L. 

Der Star ist hier nur Waldbewohner, und nicht so gewöhnlich 
wie in Deutschland. Er ist hier der erste der zurückkommenden 
Zugvögel, 1916 am 13. III., 1917 am 23. IIL 



2wei Jabre Feldornitbologie in den BokitnosflmpfeD. 809 

116. Haussperling — Fasser domesiicus (L.). 

Gewöhnlichster Bewohner aller menschlichen Siedlungen. 
In Dörfern, die im Jahre 1915 zerstört und verlassen worden 
sind, habe ich ihn in diesem Jahre nicht mehr brütend gefunden. 

117. Feldsperling — Passer möntanus (L.). 

In den Ortschaften wird man den Feldsperling nicht so 
zahlreich finden wie seinen Vetter doniesticus, dafür ist er aber 
weiter verbreitet. Die Storchnester auf den alten Schirmkiefern 
beherbergen oft eine Gesellschaft Feldsperlinge. Zum Herbste 
scharen sich beide Arten zusammen und verbringen hier ge- 
meinsam den Winter. 

118. Kernbeifser — Coccothraustes coccothraustes (L.). 

Der Kirschkernbeifser ist hier überall recht häufig, auch 
tief im Sumpfurwalde wird man bald den auffallenden Lockruf 
vernehmen. Im Hochsommer besucht er in kleinen Gesellschaften 
die Sauerkirschanlagen, die einzige Obstart, die in nennenswerter 
Menge in den Dörfern zu finden ist. Wird der Kernbeifser hierbei 
nicht gestört, so kann er in kurzer Zeit bedeutenden Schaden 
anrichten. 

Den Winter verbringt er hier nicht, erst Ende März stellt 
er sich wieder ein. 

119. Buchfink — Fringüla coelebs L. 

Häufiger Brutvogel. Mit Ausnahme der baumlosen Sumpf- 
flächen bewohnt der Buchfink alle Gebietsteile. Anfang Oktober 
1915 und 1916, kamen mehrere Scharen von 50—200 Stück hin- 
durchgezogen. Überwinternde cfcf habe ich nie gesehen. 

120. Bergfink — Fringüla montifringilla L. 

Auf dem Frühjahrszuge Ende April öfter beobachtet. Im 
Oktober 1916 hielten sich einige grofse Scharen je etwa 800 bis 
1000 Stück Bergfinken auf den sonnenreichen Brachfeldern auf. 
Im Herbste 1915 habe ich keinen einzigen Bergfinken gesehen. 

121. Grünling — Chloris chloris (L.). 

Als Brutvogel nur häufiger zu den Zugzeiten vereinzelt 
beobachtet. 

122. Bluthänifling — Acanthis cannäbina (L.). 

Häufiger Brutvogel in der näheren Umgebung der Dörfer, 
nistet auch öfter in den Strohdächern der Bauernhäuser. Im 
Frühjahre kamen bald nach den ersten Staren grofse Schwärme 

Joarn. t Orn. TXLI. Jahrg. J«U 1918. 21 



81Ö W. Grafsmantt: 

von vielen hundert Hänflingen hindurchgezogen. Der Herbstzug 
fand Anfang bis Mitte Oktober statt und war gleichfalls recht 
bedeutend. 

123. Birkenzeisig — Äcanthis linaria (L.). 

In beiden Wintern sah ich öfter kleine Scharen Birkenzeisige. 
In diesem Winter auch bei der gröfsten Kälte von — SS** Gels. 

124. Erlenzeisig — Chrysomitris spinus (L.)- 

Im Juli 1916 fand ich in einem Sperberhorst einen frisch 
geschlagenen Erlenzeisig. Sonst nie gesehen. 

125. Stieglitz — Carduelis carduelis (L.). 

Auf der Pinsker Landzunge ist der Stieglitz nicht seltener 
Brutvogel. Im Surapfgebiet südlich der Pina habe ich ihn zur 
Brutzeit nie gesehen. Im Januar 1916 traf ich in einem Erlen- 
bruch eine Gesellschaft von etwa 100 Stieglitzen, diese werden 
wahrscheinlich Vertreter der östlichen Form C. c. major ge- 
wesen sein. 

Der Girlitz — Serinus hortulanus ist hier nicht vertreten. 

Von dem Gimpel habe ich bisher keine Art als Brutvogel 
bestätigen können, jedoch erschien der 

126. grofse Gimpel — Fgrrhula pyrrhula (L.) 

im Oktober in grofser Zahl und war bis Ende März ein häufiger 
und ständiger Gast der Ortschaften. 

127. Kiefernkreuzschnabel — 
Loxia curvirostra pityopsiUacus Bebst. 

Ein einziges Mal sah ich am Rande eines Kiefernwaldes 
eine Gesellschaft Kreuzschnabel. Spuren von ihnen habe ich recht 
oft gefunden. 

128. Schneeammer — Fasserina nivalis (L.). 

In dem vergangenen strengen Winter beobachtete ich einige 
Male eine Schar Schneeammern. Im Januar 1915 traf ich in 
Ungarn südlich der Karpathen zwei riesige Schwärme von etwa 
1000 Scbneeammern. Es war mir ein ebenso schöner als seltener 
Anblick, die Ammern in einer dichten Wolke dahineilen zu sehen, 
die sich plötzlich in grofse, in der Sonnenbeleuchtung schlohweifs 
erscheinende Flocken auflöste, die fast senkrecht zur Erde glitten. 

129. Grauammer — Emberiga calandra (L.). 

Die Grauammer gehört hier zu den selteneren Brutvögeln. 
Im Herbst sah ich sie öfter; im Winter nur ganz vereinzelt. 



Zwei Jahre Feldoroitbologie io den Bokitoosfimpfen. 811 

130. Goldammer — Emberiaa citrinella L. 
Gewöhnlichster Jahresvogel, Brutvogel in allen Gebietsteilen* 
In dem strengen Winter dieses Jahres wurden nur wenige Ammern 
gesehen, die grofse Menge ist weiter südlich gezogen. 

131. Ortolan — Emheriea hortulana L. 

Dort, wo die alten Poststrafsen sich über Ödländer und 
Sanddünen dahinschlängeln, wird man im Sommer aus dem Ge- 
zweig der Birken, die den Weg begleiten, oft das schwermütige 
Lied des Ortolans vernehmen. 

Den Sümpfen und dem Walde fehlt er. 

132. Rohrammer — Emberiga schoenidtis (L.). 
An allen geeigneten Stellen recht häufig. Im Frühjahre 
einer der ersten Ankömmlinge. 

133. Wiesenpieper — Anthus pratensis (L.). 

Häufiger Brutvogel, aber an Zahl hinter den meisten Rohr- 
sängerarten und Bachstelzen zurückbleibend. 

134. Baumpieper — Anthus trividlis (L.). 
Gewöhnlichster Pieper, recht zahlreich in lichten Gehölzen 
und Waldrändern. 

135. Weifse Bachstelze — Motacilla alba L. 
Gewöhnlicher Brutvogel. Ankunftsdaten: 22. III. 1916 und 
27. III. 1917. 

136. Kuhstelze — Budytes flavus (L.). 
Verbreiteter noch und auch zahlreicher als die vorige Art 
ist die Kuhstelze vertreten. Bieten ihr doch auch die baumlosen 
Sumpfflächen beste Daseinsbedingungen. Dann, wenn die zweiten 
Brüten beflogen sind, sammeln sich die gelben und weifsen Bach- 
stelzen allabendlich in den Schilfwäldern der Pina. Einzeln, in 
Familien und in Gesellschaften von 20—40 stellen sich mit der 
sinkenden Sonne die Schlafgäste ein, bis schliefslich das ganze 
Schilf längs der Pina von Stelzen wimmelt. Diese Scharen, zu 
denen noch Pieper und Rohrsänger aller Art hinzukommen, sowie 
das Heer der Eulen, Schnepfen, Regenpfeifer und Rallen locken viele 
Raubvögel herbei. Gegen Abend ist hier der Raubvogelverkehr 
besonders grofs, alle Weihen, Milane, Sperber und Hühner- 
habichte, Turm- und Baumfalken, aber auch Schelladler und Uhu 
suchen die Jagdgründe an der Pina auf. Es drängt sich die 
Empfindung auf, dafs alles das an Räubern, was im Laufe des 
Tages nicht satt geworden ist, noch einen Beuteflug zur Pina 
unternimmt, bevor es sich zur Ruhe begibt. 

21» 



8 12 W. Grarsmano: 

Vom 4.— 17. August 1915 sah ich am Bug bei Wladimir- 
Wolynsk viele hundert Stelzen zur Hälfte M. alba, zur Hälfte 
B. flavus, die auch den Tag dort zubrachten, da das fast aus- 
getrocknete Flufsbett reiche Nahrung lieferte. 

137. Feldlerche — Älauda avensis L. 

Gewöhnlicher Brutvogel. Während des Frühjahrszuges, der 
mehrere Tage anhielt, durchzogen viele 1000 Feldlerchen das 
Gebiet. Dem Charakter der Landschaft entsprechend leben Feld- 
und Heidelerche meist in engster Nachbarschaft, oft auch gemeinsam 
in dem gleichen Revier. Der recht markante Herbstzug findet 
im Oktober statt. 

138. Heidelerche — Lullula arborea (L.). 

Gewöhnlicher Brutvogel. Über das ganze Gebiet verbreitet. 
Bei einer Kahnfahrt in den toten Armen der Pina hörte ich 
dichtbei Über dem endlosen Schilfwalde das Lullen der Heide- 
lerche, das Rätsel löste sich bald, als plötzlich in dem Röhrichte 
eine Insel auftauchte, die dicht mit Heidekraut und Ginster be- 
wachsen war und auch einzelne Birken und Kiefern trug. 

139. Haubenlerche — Galerida cristaia (L.). 

Nicht so verbreitet wie die beiden vorhergehenden Arten, 
hält sich in die Nähe der Ortschaften und Landstrafsen. Auf 
der Pinsker Landzunge häufiger. 

140. Baumläufer — Certhia familiaris (L.). 

Der Baumläufer ist recht zahlreich vertreten. Ein Vogel, 
den ich untersucht habe, gehörte der langzehigen Unterart an, 

141. Kleiber — Sitta caesia Wolf. 

Sehr zahlreicher Jahresvogel. Bei der ünmengeabgestorbener 
und morscher Bäume, besonders Weichhölzer, ist der Kleiber- 
reichtum dieser Gegend nicht überraschend. Es scheint hier das 
Übergangsgebiet der westlichen zur östlichen Unterart zu sein, 
Zwischenformen sind besonders zahlreich. 

142. Kohlmeise — Farus major L. 

Häufigste Meise, zahlreich in den Ortschaften besonders 
im Winter. 

143. Blaumeise — Farus caeruleus L. 

Die Blaumeise ist hier nur spärlich vertreten, ich habe sie 
nur selten zu Gesicht bekommen. 



Zwei Jahre Feldornithologie in den Rokitnosümpfen. 818 

144. Tannenmeise — Parus ater L. 
Gewöhnlicher Jahresvogel, überall angetroffen; häufiger in 
trockenen Kiefern beständen. 

145. Glanzköpfige Sumpfmeise — Farus palustris L. 
Im Sumpfwalde traf ich diese und die folgende Art am 
zahlreichsten an. Welcher Unterart die hier vertretene Sumpf- 
meise angehört, läfst sich ohne Beleg -Exemplare nicht sicher 
feststellen, zumal ich auch wiederholt Meisen mit mehr grauen 
Rücken gesehen habe, die ich als Weidenmeisen ansprach. 

146. Haubenlerche — Farus cristatus L. 
Häufiger Jahresvogel. Ich glaube, dafs hier noch die in 
Deutschland vertretene Form ist, nicht die nordische. 

147. Schwanzmeise — Äegithalus caudatus (L.). 

Nicht sehr häufig, aber immer noch zahlreicher als die 
Blaumeise. Am 6. April 1916 fand ich schon ein fertiges Nest 
mit einigen Eiern. 

Bart- und Beutelmeise haben (nach dem Kustos des War- 
schauer Museums) schon einige Male im Gouvernement Minsk 
gebrütet, selbst nie beobachtet. 

148. Gelbköpfiges Goldhähnchen — Regulus regulus (L.). 
Im Sommer seltener, im Winter häufiger beobachtet. 
Das Feuerköpfige Goldhähnchen — R. ignicapillus Brehm 
bisher nicht gesehen. 

149. Zaunkönig — Troglodytes troglodytes (L.). 
Gewöhnlicher Jahresvogel. 

150. Sperbergrasmücke — Sylvia nisoria (Bebst.). 
Häufigste Grasmücke. Bewohnt in grofser Zahl die dichten 
Busc^nder der Sümpfe, kommt aber auch sonst überall vor, 
soferfl^twas Gebüsch vorhanden ist. 

151. Gartengrasraücke — Sylvia simplex (L). 
Seltener Brutvogel, nur 2 mal gesehen. 

152. Dorngrasmücke — Sylyia sylvia (L.). 
Gewöhnlicher Brutvogel auf den mit vereinzelten Kiefern, 
Eichenaufschlag und Ginster bestandenen Sanddünen. 

153. Zaungrasmücke — Sylvia curruca (L.). 
Bewohnte die gleichen Örtlichkeiten wird die vorige Art, 
geht aber auch wieder in die Sümpfe hinein in das Gebiet der 
Sperbergrasmücke. 



814 W. Grafsmftnn: 

154. Mönchgrasmücke — Sylvia airicapiUa (L.). 
Gewöhnlicher Brutvogel in den Parkanlagen der Gutshäuser 
und den nicht allzu feuchten Laubwäldern mit Unterholz. Die 
erste hörte und sah ich am 3. Y. 1916. 

155. Drosselrohrsänger — Acrocephalus arundinaceus L. 
Gewöhnlicher Brutvogel der dichteren Rohrbestände. 

166. Teichrohrsänger — Acrocephalus streperus (L.). 
Bewohnt gemeinsam mit arundinaceus die Schilfdickichte 
besonders an der Pina. 

157. Sumpfrohrsänger — Acrocephalus palustris (L.). 
Weiter verbreitet als die beiden vorhergehenden Arten, aber 
nicht besonders häufig beobachtet. 

158. Schilfrohrsänger — Acrocephalus schoenohaenus L. 
Aufserordentlich zahlreich über das ganze Gebiet verbreitet. 

Bewohnt auch den im Wasser stehenden Wald mit Weidenunter- 
wuchs. Besonders häufig in den mit Seggen, Binsen, Rohrschwingeln 
und Buschwerk bestandenen Sumpfwiesen, 

159. Binsenrohrsänger — Acrocephalus aquaticus (Gm.). 

In den eben genannten Sümpfen am Rand der Pina habe 
ich auch öfter Binsenrobrsänger beobachtet, allzu häufig scheint 
er aber hier nicht zu sein. 

160. Heuschreckensänger — Locustella naevia (Bodd.). 

Der Heuschreckensänger ist weit verbreitet und recht zahl- 
reich, überall dort, wo hoher Gräserwuchs und dichtes Buschwerk 
gute Deckung gewähren, hörtej ich im Sommer das Schwirren, 
öfter auch tief im Laubwalde drinnen. Zur Hauptsangeszeit 
hörte ich Schwirrtouren bis zu 5 Minuten ; mit nur sekundenlangen 
Pausen folgte Tour auf Tour über eine Stunde lang biteonders 
in der Abenddämmerung von 9® bis 10®. 

161. Flufsrohrsänger — Locustella fluviaiilis (Wolf). 
Das weichere Schwirren des Flufsschwirls vernahm ich be- 
deutend seltener. Interessant war es, beide Arten nebeneinander 
zu hören und den Unterschied festzustellen. In unvergleichlicher 
Häufigkeit traf ich im Mai—Juni 1915 diesen Schwirrsänger und 
den Sprosser im Czermccz-Tal in der Bukowina. 

162. Gartensänger — Eippolais hippolais (L.). 
Der Spötter ist hier selten, ich sah ihn nur einige Male in 
den Parkanlagen des Gutes Duboj auf der Pinsker Landzunge. 



Zwei Jahre Feldornitbologie in den BokitDosümpfeo. 816 

163. Waldlaubsänger — Phylloscopus sibilator (Bebst.). 

In den nicbt allzu nassen Laub- und Mischwäldern mit 
Unterwuchs ist sibilator recht zahlreich und der gewöhnlichste 
Laubsänger. 

164. Fitislaubsänger — Fhylloscopus trochilus (L.). 
165. Weidenlaubsänger — Fhylloscopus rufus (Bebst). 

Beide Sänger sind gewöhnliche Brutvögel, zwar verbreiteter, 
aber nicht so zahlreich wie der Waldlaubsänger. 

166. Singdrossel — Turdus musicus L. 
Gewöhnlicher Brutvogel, traf sie aber nirgends häufig. 

167. Weindrossel — Turdus iliaeus L. 

Auf dem Durchzuge im Frühjahre und Herbst hält sich die 
Weindrossel in grofsen Scharen von vielen hundert wochenlang 
auf den Wald- und Wiesenrändern auf. Brüten nicht festgestellt. 

168. Misteldrossel — Turdus viscivorus L. 

Ist neben der Amsel die am meisten vertretene Drosselart. 
Vereinzelt überall, häufig im trockenen, lichten Kiefernwald. Der 
von allen Beobachtern aufgestellte Satz: Nest stets hoch in 
9—12 m Höhe, nie unter 2 Vi m trifft hier nicht zu, ich habe 
.bereits zwei Nester gefunden, die nur manneshoch standen — 
in das eine konnte ich sogar hineinsehen — und eine ganze Anzahl 
etwa 3—5 m hoch, diese Höhe dürfte wohl hier als Durchschnitt 
gelten. 

169. Wachholderdrossel — Turdus pilaris L. 

Kleine Gesellschaften herumstreichender Wachholderdrosseln 
sah ich in allen Sommermonaten, ohne indessen diese brütend 
gefunden zu haben. 

170. Amsel — Turdus merula L. 

Die Amsel ist hier ausschliefslich Waldvogel, mifstrauisch 
und scheu. Sie gehört zu den Vögeln, die Ende Oktober bis 
Anfang November fortziehen und Ende März wiederkommen. 
Trotzdem die Amsel hier recht häufig ist, sah ich sie im Winter 
nicht ein einziges Mal, ein Beweis, dafs sie hier regelmäfsiger 
Zugvogel ist. Die Nester fand ich stets sehr tief stehend, meist 
so, dafs sie noch von den hohen Gräsern verdeckt wurden. 

171. Steinschmätzer — Saxicola oenanthe (L.). 

Trotzdem das Sumpfgebiet südlich der Pinsker Landzunge 
vollkommen steinarm ist — ich habe hier aufser kleinsten Kieseln 



816 W. GraüimaDii : Zwei Jahre Feldornithologie i. d. Bokitnosümpfen. 

noch nie einen einzigen Stein gefunden — gehört der Stein- 
schmätzer zu den Brutvögeln dieser Gegend, freilich zu den 
selteneren. Ich traf ihn auf Holzstapelplätzen und auf alten 
Kartofifelmietenstellen. 

172. Braunkehliger Wiesenschmätzer — Fratincola ruhetra (L.). 

Das Braunkehlchen gehört mit zu den zahlreichsten und 
verbreitesten Vögeln des Gebietes. Ich traf es auch stets in den 
unter Wasser stehenden Seggen-Sümpfen mit Sal- und Zwerg- 
weidengebüsch, häufiger ist es freilich auf den mit hohen Pflanzen 
und Kräutern bestandenen trockenen Wiesen und steppeuartigen 
Brachfeldern. Auch auf kleinsten Waldblöfsen und Wiesen sogar 
im lichten Laubwalde traf ich es regelmäfsig. 

173. Gartenrotschwanz — Erithacus phoenicurus (L.). 

Von den in Deutschland so bekannten und häufigen Rot- 
schwänzchen ist keines hier Brutvogel : iitys habe ich nie gesehen 
und phoenicurus nur einmal im April 1916 auf dem Durchzuge. 

174. Rotkehlchen — Erithacus rubeculus (L.). 
In allen Waldteilen mit viel Unterholz ist das Rotkehlchen 
regelmäfsiger Brutvogel. In den ständig unter Wasser stehenden 
Birken- und Erlenbeständen habe ich es nie getroffen. 

175. Weifssterniges Blaukehlchen — Erithacus cyaneculus (Wolf). 
Häufiger Brutvogel. Überall dort, wo die Sümpfe mit zu- 
sammenhängendem Gebüsch, Weiden, Erlen und Birkenaufschlag 
bestanden sind, hörte ich den Gesang des Blaukehlchens und 
bewunderte die schöne kornblumenblaue Brust des Sängers. Am 
häufigsten aber traf ich das Blaukehlchen in den grofsen dichten 
3 — 4 m hohen Weiden-Dschungeln, die während des ganzen Jahres 
beintief unter Wasser stehen, und die man nur auf den wenigen 
Elchpfaden, die diese Dickungen durchqueren, betreten kann. 

176. Sprosser — Erithacus philomela (Bebst.). 
Im feuchten Laubwalde mit viel Unterholz aus Gebüsch 
und in Parkanlagen war der Sprosser nicht selten, 191,6 hörte 
ich den ersten am I.V. 



817 



Einige Bemerliungen 
und Ergänzungen zu Heyders „Ornis Saxonlca^^ 

Von Bernh. HofiVnann, Dresden. 

So aufserordentlich dankenswert die Arbeit Heyders ist und 
so gründlich und gewissenhaft er alles zusammengetragen und 
bewertet hat, was bisher über die sächsische Vogelwelt veröffentlicht 
worden ist, so dürften doch, besonders unter Hinweis auf eine 
wünschenswerte Genauigkeit und Vollständigkeit die nachfolgenden 
Ergänzungen und Bestätigungen dieser und jener Angabe Heyders 
gerechtfertigt erscheinen. 

Zum allgemeinen Teil der Arbeit Heyders möchte ich nur 
das eine hinzufügen, dafs ich das „Gefühl völliger Ohnmacht" betreffs 
des Schicksals unsrer Vogelwelt nicht teilen kann. Ich gebe die 
Hoffnung nicht auf, dafs doch noch vieles gerettet werden kann 
und verweise in dieser Beziehung z. B. auf den Eisvogel, der nach 
vielseitigen Erfahrungen in den letzten Jahren in Sachsen an 
Zahl zugenommen hat; ich denke ferner daran, dafs uns die 
moderne Zeit die starke Ausbreitung der Zippen und Amseln in 
den Städten, die der Grasmücken und mancher andrer kleinen 
Singvögel in so vielen Anlagen gebracht hat, dafs die freilich noch 
sehr zu vermehrenden Naturschutzgebiete für den Bestand unsrer 
Vogelwelt vorteilhaft sein werden, und dafs die doch immer weiter 
um sich greifende Aufklärungsarbeit in den verschiedenen Be- 
völkerungskreisen gute Früchte zeitigen wird. 

Im besonderen Teil halte ich mich bei den nachstehenden 
Ausführungen und Nummern an die Eeihenfolge der Arten, die 
Heyder (nach Reichenow) gegeben hat. 

9. Colymbus nigricans Scop. Der Zwergtaucher überwintert 
bei uns noch in einer Höhe von 340 ra auf dem oberen, kleineren 
Teil der Malter-Talsperre. Dort traf ich am 27. 1. 1916 und am 
8. I. 1917 je 5 Stück an. 

17. Larus ridihundus L. Heyder sagt betreffs der sächsischen 
Brutplätze dieser Art u. a. : „Eine alte Brutstätte ist die des 
(grofsen) Hospitalteiches bei Adelsdorf (bei Grofsenhain), die 
1878 nach M. Neumann ca. 1000 Paare umfafste. Von ihr 
splitterten Teile ab, welche die südöstlich gelegenen Teiche 
zwischen Kaikreuth und Schönfeld besiedelten. Gegenwärtig sind, 
wie mir Jacobi 1913 mitteilt, beide Kolonien besetzt, erstere mit 
ca. 50 Paar." Am Schlüsse der Ausführungen über die Lachmöwe 
schreibt Heyder: „Es bestehen also gegenwärtig im Königreich 
(Sachsen) vier Kolonien: Adelsdorf, Kaikreuth, Moritzburg und 
Grofshartmannsdorf." Leider sind die betr. Teiche nicht benannt. 
Der Ausdruck „beide Kolonien" ist deshalb nicht klar. Sicher 
scheint mir hiernach, dafs H. die sehr grolse Lachmöwenkolonie 



818 Bernh. HoffmaDo: 

auf dem Vierteich nicht kennt, der ebenfalls in südöstlicher 
Richtung von Grofsenhain, zwischen Freitelsdorf und Zschorna 
gelegen ist. Hier dürfte sich jetzt die gröfste, von dem Pächter 
Herrn Hauptmann Schubert sorgfältig gehegte Kolonie von Lach- 
möwen auf sächsischem Boden befinden. Die vielen im Teich 
stehenden Kaupen, seine Abgelegenheit und die aus Wiesen, 
Feldern und kleinen Waldbeständen sich zusammensetzende Um- 
gebung lassen hoffen, dafs die Kolonie auch in Zukunft erhalten 
bleibt. Im Jahre 1916 nisteten hier ungefähr 1500 Paare. Über 
Ankunft und Abzug der Scharen am Vierteich liegen nur wenige 
Angaben vor: 1913 sind die ersten Lachmöwen am 15. März 
eingetroffen, während die letzten am 8. August gesehen worden sind. 

21. Hydrochelidon leucoptera (Schinz) ist von mir in wahr- 
scheinlich 10—11 Exemplaren am 19. Juni 1917 am Dippelsdorfer 
Teich n.-w. von Dresden beobachtet worden. Doch scheinen 
sie nur kurze Zeit dageblieben zu sein, da ich sie bald darauf 
nirgends mehr auffinden konnte (Siehe die diesbezügliche Ver- 
öffentlichung im Journ. f. Orn. 1917, Oktober -Heft). 

22. Hydrochelidon nigra (L ). Die Anwesenheit der Trauer- 
seeschwalbe im Juni 1914 auf den Teichen bei Caminau bezw. 
Cammerau kann ich bestätigen; ich zählte ungefähr 15 Stück. 

26. Mergus serrator L. Geradezu abstofsend haben auf mich 
die Angaben über die vielen „erlegten" Exemplare dieser Art 
berührt. Dafs doch alles weggeknallt werden mufsl Solche Tat- 
sachen können allerdings zu einer pessimistischen Auffassung 
betreffs der Zukunft unsrer Vogelwelt führen. 

39. Anas boschas L. Die Stockente überwintert in grofser 
Zahl seit Jahren auf der Elbe oberhalb Pirna, und auf der 
Malter- Talsperre. An letzteren Orte zählte ich am, 8. Januar 1917 
nicht weniger als 76 Stück. Auffallend war das Überwiegen der 
cf. An einer Stelle konnte ich die Geschlechter deutlich unter- 
scheiden und fand da unter 44 Individuen 29 cT und nur 16 9- 
Bei Pirna zählte ich am 13. Januar 1917 62 Stück, darunter 32 oT 
und 30 9; <ias Verhältnis der Geschlechter war der Zahl nach 
also ganz anders, wie an der Malter-Talsperre; die Paare hielten 
gut zusammen. Vereinzelte Paare traf ich u. a. im Sommer 1916 
an der Polenz und au der Kirnitzsch in der Sachs. Schweiz. 

40. Anser fabalis Latb. Im Januar 1917 sind Saatgänse in 
der Nähe des Vierteichs nicht weit von der Röder von Herrn 
Schubert beobachtet worden. Er schreibt mir unterm 31. I.: 
„Wilde Gänse ziehen täglich und liegen Nachmittags auf offenen 
Stellen der Gräben." 

79. Totanus littoreus (L.). Der Grünschenkel hält bei seinen 
Wanderungen auch an der Malter-Talsperre Rast, wo ich ihn ein 
paar mal tagelang auf dem Herbstzuge beobachtet habe. Auch 



Einige Bemerkungen und Ergänzungen zuHeyders „Ornis Saxonica". 819 

am Moritzburger Mittelteich habe ich ihn 1916 während des 
Frühjahrszuges angetroffen. 

HO. Ärdea cinerea L. Die gröfste Zahl von Fischreihern, 
die ich während meiner zahlreichen Ausflüge in Mittelsachsen 
beobachtet habe, war fünf, ich traf sie am 27. August 1916 am 
Moritzburger Mittelteich, wo sie teilweise auf Bäumen (Kiefern) 
fufsten und sehr schöne Flugspiele ausführten. 

115. Eine ganze Anzahl Hohltauben nisten alljährlich im 
Dresdner Grofsen Garten, an der Röder bei Hermsdorf, Radeburg 
u. s. w., u. a. auch vereinzelter in den kleinen linken Seitentälern 
der Elbe unterhalb Dresden. Auf meinen Wanderungen im Erz- 
gebirge habe ich Hohltauben recht selten angetroffen, z. B. 
im oberen Muldental und im Bockautal. 

116. Turtur turtur (L.), Das recht vereinzelte Auftreten 
der Turteltaube mufs bestätigt werden; ich sah und hörte in der 
Regel immer nur einen Rufer, z. B. hinter Tharandt, bei Moritz- 
burg, Grüngräbchen, im Muldental bei Nossen u. s. w , stets aber 
in gemischten Beständen mit vereinzelten alten Laubbäumen. 

119. Coturnix coturnix (L.). Die Wachtel war früher in 
Sachsen recht vereinzelt anzutreffen. Den Wachtelschlag ver- 
nahm ich vor längeren Jahren zu Pfingsten bei Tirpersdorf i. Erzg. 
(480 m), ein anderes Mal in der Nähe von Wilsdruff. Im Jahre 
1817 dagegen, das uns in Sachsen eine wesentliche Steigerung 
der Zahl der Wachteln brachte, habe ich solche verhört aufser 
auf den Höhen bei Dresden, nördlich und südlich von Freiberg 
(420—450 m), bei Bockau (500 m), Sosa (650 m), Eibenstock 
(650 m), Schellerhau (750—780 m) und auf den höchsten Feldern 
bei Hermsdorf i. Erzg. (über 800 m), wodurch die Bemerkung 
Heyders „Das Gebirge besiedelt sie nur bis zu mäfsigen Höhen" 
wohl hinfällig wird. Nebenbei sei bemerkt, dafs ich 1916 Wachteln 
in Pfronten (Allgäu) in 860 m Höhe beobachtete. Im Eibtal habe 
ich sie früher nur ein einziges Mal und aller Wahrscheinlichkeit 
nach als Durchzügler angetroffen. 

126. Circus cyaneus (L.). Fand im Mai 1916 ein totes, von 
Raubtieren bereits stark angefressenes Exemplar am Vierteich bei 
Nieder-Rödern. 

146. Falco peregrinus Tunst. Beobachtete ein Paar Wander- 
falken 1916 im Sommer im Tiefengrund hinterm Brand (Sächs.- 
Schweiz). Es könnte das Heyder von Hohnstein oder Mitteln- 
dorf (?) gemeldete Paar sein. 

158. Verhörte 1916 Waldkauze im Grofsen Garten von 
Dreden, hinter Bühlau-Weifser Hirsch, im Park von Hermsdorf 
a. d. Röd., bei Nieder-Rödern und im Kirnitzschtal, wo ein Paar 
seit ein paar Jahren in einem Taubenschlag des Gasthauses 
„Kleine Wasserfall" nistete. 1917 sind sie von dort verschwunden, 
doch scheinen sie nicht weit davon ihr Heim aufgeschlagen zu haben. 



820 Börnh. Hoffmann: 

173. Ficus canus viridicanus Wolf. Vor einigen Jahren 
trieb sich ein Grauspecht von Weihnachten bis Neujahr im Dresd- 
ner Grofsen Garten herum ; sein Winterquartier bildete eine 
Höhle in einer alten Weifsbuche. Sonst habe ich auf sächsischem 
Boden noch keinen Grauspecht erblickt, verschiedene dagegen 
jenseits der sächs.-böhmischen Grenze z. B. an der Kirnitzsch- 
schenke, sowie in der Nähe von Aufsig. 

174. Alcedo ispida L. Die Zahl der von mir beobachteten 
Eisvögel hat in den letzten Jahren zugenommen, was mich auf 
ein Anwachsen der Art in Sachsen schliefsen läfst. 

177. üpupa epops L, 1914 rief ein Wiedehopf das ganze 
Frühjahr hinter Hermsdorf a. d. Röd., 1915 ist einer bei Rade- 
burg verhört worden und 1916 traf ich einen bei Nieder-Rödern 
am Wege zum Vierteich. Dies Exemplar hatte jahrelang dort 
genistet. 1917 rief ein Wiedehopf wieder bei Hermsdorf. 

178. Caprimulgus europaeus L. Ziegenmelker habe ich vor- 
wiegend nördlich der Elbe beobachtet, so z. B. 1914 ein Paar in 
Rathewalde (Sächs.-Schweiz), ein Paar hinterm Weifsen Hirsch 
bei Dresden und ein drittes Paar bei Bühlau. 1915 war das 
Bühlauer Pärchen wieder da, ein anderes wurde beim Auer 
zwischen Coswig und Moritzburg beobachtet. In demselben Jahre 
stiefs ich am 12. November auf einen Ziegenmelker im Kirnitzsch- 
tal, es war gegen 3V2 Uhr kurz vor Eintritt der Dunkelheit; 
der Vogel war andauernd auf Insekteujagd, die er von seinem 
ständigen Sitzplatz — einem liegenden Pfahl am Erdboden — 
unternahm, innerhalb 10 Min. zählte ich 15 Flüge. Jedenfalls 
war dieses Exemplar auf dem Durchzuge. 1917 verhörte ich 
Ziegenmelker im Grillenburger Waldrevier in der Nähe von 
Spechtshausen. 

179. Apus apus (L.). Zu Pfingsten 1914 sah ich ein ganzes 
Rudel Turmschwalben die Häuser auf dem Keilberg (1234 m) 
umschwärmen.^) 

185. Muscicapa atricapilla L. Habe den Trauerfliegen- 
schnäpper mindestens ebenso oft in künstlichen Niststätten wie 
in natürlichen Baumlöchern brüten sehen. Letztere befanden 
sich u. a. auch in alten Kastauienbäumen und Birken. 

187. Muscicapa parva Bebst. Trotz mehrfachen Suchens habe 
ich am Winterberge (Sächs.-Schweiz) keine Zwergfliegenschnäpper 
gefunden, worauf ich umsomehr gehofft hatte, als nicht sehr weit 
davon in einem Buchenbestande bei dem kleinen böhmischen 
Grenzorte Rasseln a. d. Elbe seit Jahren mehrere Paare nisten. 
Sonderbarerweise konnte ich selbst in unmittelbar benachbarten 

^) Wenn der Keilberg auch aafserbalb der säcbsiscben Grenze liegt, 
80 dürfen aus naheliegenden Gründen Angaben über seine Vogelwelt hier 
doch wohl gemacht werden. 



Einige Bemerkanges und Ergänzangen zu Heyders „Orois Saxonica". 821 

sächsischen Buchenbeständen an der Elbe keine Zwergtiiegen- 
schnäpper auffinden. 

194. Corvus corone L. Betreffs des volkstümlichen Namens 
Gake trage ich Bedenken, ob er wirklich der Rabenkrähe zu- 
kommt; sicherlich ist er erst später vom Volke auf diese über- 
tragen worden. Ist der Name oenomatopoetisch gebildet — und 
das kann wohl nicht geleugnet werden, — so weist er in erster 
Linie auf die Saatkrähe hin, die in der Tat sehr oft ein breites 
gahk hören läfst, während die Rabenkrähe vorwiegend arrk ruft. 
Aufserdem scheint mir die Rabenkrähe scheuer als die Saatkrähe 
zu sein, so dafs anzunehmen ist, dafs die nähere Bekanntschaft 
der Menschen mit den Rabenvögeln wohl durch die Saatkrähe 
vermittelt worden ist. 

Die Rabenkrähe ist von mir vielfach nordöstlich der Elbe 
bei Radeburg, Grüngräbchen, Sebnitz u. s. w. beobachtet worden. 
Anderseits geht die Rabenkrähe bis zu den höchsten Berggipfeln. 
Pfingsten 1914 kreisten Rabenkrähen in ziemlicher Höhe über 
dem Keilberg. 

196. Corvus frugilegus L. Die gröfste Zahl von Saatkrähen 
kam mir zu Gesicht am 19. März 1916 hinter Spechtshausen bei 
Tharandt auf den weiten Äckern, die sich vom Waldrand nord- 
wärts ziehen. Hier hatten sich die Saatkrähen in der Hauptsache 
in drei verschieden grofsen Scharen niedergelassen; die Äcker 
waren teilweise noch mit einer leichten Schneedecke überzogen. 
Nach Abzählen von hundert Stück schätzte ich, mit dem so ge- 
wonnenen Mafsstab messend, die Zahl aller dort versammelten 
Saatkrähen auf 2400 Stück! Eine Schar von 5 — 600 Stück fand 
ich am 11. Januar 1917 am Rande des „Hellers" am grofsen 
Exerzierplatz im NO. von Dresden ; hier war ein ausgedehnter 
Schutt- und Ascheabladeplatz angelegt worden, der auf die 
Saatkrähen eine sehr starke Anziehungskraft auszuüben schien. 

Sonst überwintert die Saatkrähe in beachtlicher Zahl mit 
Vorliebe in der Nachbarschaft der Dresdner und andrer Bahnhöfe. 
Im strengen Winter 1916/17 sind sie aber hier in Dresden in der 
Zahl sehr zurückgegangen. Es hängt dies möglicherweise mit 
dem erwähnten Schuttabladeplatz zusammen, vielleicht aber auch 
mit dem Umstand, dafs die Zahl der verkehrenden Züge derart 
eingeschränkt und der Brotkorb den Menschen so hoch gehängt 
worden ist, dafs die Menge der Nahrungsreste und Abfälle wesent- 
lich zurückgegangen ist. Viele Saatkrähen mögen in die Brat- 
pfannen und Kochtöpfe der Menschen gelangt sein. Beim Eintritt 
hohen Schnees und bitterer Kälte kommen die Saatkrähen 
bis in die belebteren Strafseu und an die Futterstellen vor den 
Fenstern der menschlichen Wohnungen. 

198. Pica pica (L.). Der Rückgang in der Zahl der Elstern 
ist wohl vorwiegend auf das Verschwinden so vieler kleiner Feld- 
gehölze zurückzuführen, welche die Besitzer meist aus recht 



8^2 ßernh. Hoffmaon: 

eigennützigen Gründen beseitigen, was auch im Interesse der 
Erhaltung mancher anderen Vogelart — wir nennen z. B. die 
Würger — sehr zu bedauern ist, ganz abgesehen davon, dafs das 
Landschaftsbild von unserm „Nieder-Sachsen" durch das Ver- 
schwinden der Feldgehölze sehr beeinträchtigt wird. 

203. Sturnus vulgaris L. „Die gröfseren Ansammlungen 
nichtbrütender Individuen" im Sommer setzen sich wohl in der 
Hauptsache aus jungen Vögeln zusammen, worauf auch die Ein- 
tönigkeit der Rufe hinweist. 

208. Coccothraustes coccothraustes (L.). Am 29. Dezember 
1915 traf ich ein Rudel von 8 Kernbeifseru bei Hermsdorf, südlich 
von Königstein in einer Höhe von 340 m. Sie machten sich durch 
fortwährende zied-Rufe bemerklich. 

209. Fringilla coelebs L. 1914 bevölkerte der Buchfink in 
grofser Zahl die Wälder am und auf dem Fichtelberg. Die z. B. 
in den Dresdner Anlagen überwinternden einheimischen oder von 
Norden her eingetroffenen Individuen glaube ich dadurch unter- 
scheiden zu können, dafs letztere recht menschenscheu, die ersteren 
aber zutraulicher sind. 

210. Fringilla montifringilla L. Bergfinken beobachtete ich 
in Rudeln von 10, bezw. 18—20 Stück Mitte November 1914 
zwischen Zinnwald und Moldau unmittelbar an der sächs.-böhmischen 
Grenze in ungefähr 840 m Höhe und im Dezember desselben 
Jahres bei Rehefeld (919 m), wo sie in Gesellschaft von vielen 
Grünlingen den Ebereschenfrüchten sehr zusprachen. Am I.Oktober 
1913 führte mich eine Wanderung durch den Wald von Klotzsche 
nach Weixdorf durch eine ziehende Schar von Bergfinken; in 
meiner Nähe flogen 30 — 40 über mich weg, doch waren es viel mehr, 
da auch vor und hinter mir Bergfinken fortwährend den Weg kreuzten. 

232. Emberiza hortulana L. In der Gegend von Königs- 
wartha ist der Ortolan noch häufig. 1915 wurden Gartenammern 
bei Wantewitz, südlich von Grofsenhain beobachtet; ich selbst 
verhörte im Sommer 1916 drei Stück und zwar auf der linken 
Seite der Elbe, zwei bei Weifstropp und einen hinter Nickern, 
südöstlich von Dresden, alle drei in Obstalleen, die sich durch 
die Felder zogen; 1917 traf ich keine dieser Ortolane wieder an. 

237. Anthus campestris (L.). Brachpieper habe ich beob- 
achtet bei Dippelsdorf und Ullersdorf auf der rechten Seite der 
Elbe; am 25. März traf ich mehrere Brachpieper auf der durch 
Brand des Holzbestandes beraubten Fläche des Katzensteius 
südlich vom Königstein (464 m); es mochten Durchzügler sein, 
da ich sie später nicht mehr vorfand. 

240. Motacilla alba L. Die höchsten befiederten Bewohner 
des Erzgebirges dürften 1914 neben ein paar Turmschwalben ein 
Bachstelzenpärchen gewesen sein, das unter dem Dache eines der 
Keilberghäuser nistete. 



Einige Bemerkangen and ErgäozüDgen za Hejders „Ornis Saxoaica''. 828 

245. Lullula arhorea (L.). Die Heidelerche habe ich auch 
immer nur ganz vereinzelt aogetrofifen, so z. B. bei Bärenburg 
(750 m), an der Zeughausstrafse der Sachs. -Schweiz (ungef. 300 m) 
und an verschiedenen Stellen der Heide, nördlich der Elbe. Um 
so herrlicher ist meine Erinnerung an den 19. März 1916, wo ich 
im Grillenburger Walde während einer Wanderung vom Breiten- 
grund bis Spechtshausen in der kurzen Zeit von V* H bis V« 2 Uhr 
mittags auf nicht weniger als 9 andauernd singende Heidelerchen 
stiefs. Sie waren sicherlich auf der Wanderung und durch einen 
sehr dichten, am Abend vorher einsetzenden Nebel, der sich erst 
nach 10 Uhr früh zerteilte, aufgehalten worden; nun begrüfsten 
sie die durchbrechende warme Sonne mit ihrem Gesang. Als ich 
gegen Abend denselben Weg zurücklegte, traf ich nur noch drei 
Heidelerchen an. Am 2. April 1916 hörte ich am und auf dem 
Katzenstein vier singende Heidelerchen, fast gleichzeitig. 

248. Alauda arvensis. Habe die Feldlerche ebenfalls nahe 
dem Gipfel des Fichtelbergs und auf den höchsten Feldern nach 
dem Keilberg zu in ziemlicher Zahl beobachtet. 

248. und 249. Certhia famüiaris macrodaciyla Brehm und 
Cerihia hrachydactyla Brehm. Neuerdings habe ich mich immer- 
mehr davon überzeugt, dafs beide Arten an ganz gleichartigen 
Stellen vorkommen; ich habe beide Arten unmittelbar bei ein- 
ander gefunden im Park von Hermsdorf a. d. Röd,, in Moritzburg, 
am kleinen Winterberg, auf der Bastei, bei Herrnskretschen ; am 
ersten Platze z. B. an alten Kiefern, Eichen, Kastanien u. s. w., 
an andern Stellen in lockeren oder dichteren Nadelwald. Obwohl 
ich den Waldbaumläufer in der sächsischen Schweiz mehrfach 
getroffen habe, so war es bisher immer nur auf der Nordseite 
der Elbe; auf der Südseite z. B. von Königstein bis zum Schnee- 
berg habe ich ihn noch nicht feststellen können. 

261. Eegulus ignicapillus (Temm.). Verhörte „Feuerköpf- 
chen" — wie ich diese Art im Gegensatz zum „Gelbköpfchen" 
kurz benennen möchte — zur Brutzeit neuerdings im Priefsnitz- 
grund bei Klotzsche, im Breitengrund bei Tharandt und hinter 
Ostrau bei Schandau. In diesen Gebieten dürfte das Zahlen- 
verhältnis zum Hegulus regulus (L.) wesentlich ungünstiger sein 
als 1 : 3, wie es Heyder für das Erzgebirge angeben zu können 
meint. 

263. Accenior modularis (L). Die Heckenbraunelle traf ich 
Pfingsten 1914 in verhältnismäfsig grofser Zahl in den höchsten 
Gebieten des Fichtel- und Keilbergs an. 

265. Sylvia nisoria (Bebst.). 1915 beobachtete ich längere 
Zeit eine Sperbergrasmückenfamilie mit drei Jungen unterhalb 
der Brücke von Niederwartha in einem sehr kleinen Gebüsch 
mit viel Brombeer- und niedrigem Robinienstrauchwerk; 1916 fand 
ich die Art dort nicht wieder. Nach meinen vieljährigen Er- 
fahrungen ist sie in Mittelsachsen sehr selten und tritt nur 



824 B. Hoffmann : Einige Bemerk, u. ßrg&Dz. za Heyders „Ornis Saxonica'^. 

sporadisch auf. 1917 traf ich am 12. Mai ein Paar in Sachsdorf 
bei Wilsdruff. 

272. Acrocephalus palustris (Bebst.). Der Sumpfrobrsänger 
ist sehr häufig sowohl in den Weidenanpflanzungen an der Eibe, 
z. B. bei Loschwitz und Niederwartha als auch in den Feldern 
z. B. von Leubnitz, Neu-Ostra, Räcknitz, Weifstropp, also am 
südlichen Rande des Elbtals um Dresden herum. 

285. Turdus pilaris L. Habe Krammetsvögel ebenfalls 
mehrfach nistend und brütend angetroffen, z. B. im Goppelner 
Grund (mit Mayhoflf), im Triebischtal bei Taubenheim, in den 
Kieferwäldchen unterhalb von Rödern a. d. Röd., u. s. w. 

282. und 289. Turdus musicus L. und T. merula L. Pfingsten 
1914 gehörte zu dem der Artzahl nach geringen Vogelbestand 
des Gipfels vom Fichtelberg ein Zippenpärchen, während ich unter 
dem gleichfalls geringen Bestand des Gipfels vom Keilberg ein 
Amselpärchen antraf. 

293. Saxicola oenanthe (L.). Auf Steinschmätzer stiefs ich 
besonders häufig in den flacheren Teilen des nördlichen Sachsens 
z. B. bei Königsbrück, Dippelsdorf, Bärnsdorf, Nieder-Rödern u. 
s. w., ferner verzeichnete ich sie häufig noch am Nordrande des 
Erzgebirges, bei Räcknitz, Goppeln, Goldne Höhe, auf den alten 
Halden bei Freiberg (400—450 m), recht selten dagegen im 
Gebirge selbst. 

295. Pratincola rubicola (L). 1815 hielten sich zwei Paare 
an der Niederwarthaer Eibbrücke den ganzen Sommer über auf; 
im gleichen Jahre brüteten 2 Paare bei Hosterwitz an der Elbe; 
auch in Böhmen habe ich diese Art mehrfach an den Ufern der 
Elbe nistend angetroffen. 

297. Eriihacus phoenicurus (L.). Pfingsten 1914 fand ich 
Gartenrotschwänzchen in verhältnismäfsig grofser Zahl im Gebiete 
des Gipfels vom Keilberg. 

301. Eriihacus luscinia (L.). Den Rückgang der Zahl von 
Nachtigallen in Sachsen mufs ich zum Schlufs selbst bedauernd 
zugeben. Ganz vereinzelt tauchen sie hier oder da auf. Ende 
der 90 er Jahre z. B. in Ober-Loschwitz, ein paar Jahre darauf an 
einer kleinen Waldquelle hinter dem „Weifsen Hirsch" bei Dresden, 
1916 ist ein Sänger beim „Wilden Mann" nordwestlich von Dresden 
verhört worden. Die im Grofsen Garten von Dresden ausgesetzten 
Paare blieben sehr bald weg, mindestens zum Teil deshalb, weil 
das alte Laub im Frühjahr sorgfältigst beseitigt und die Sträucher 
recht kurz und sauber verschnitten wurden. Andre Exemplare 
wanderten in königliche und nichtkönigliche Sammlungen, damit 
man das letzte Exemplar dieser oder jener Gegend im Schaukasten 
einmal bestaunen kannl Wann wird hier endlich einmal ein 
Wandel eintreten?! 



pGTC4^ 




über das Brttten ^^v 

Ton Lartis melanocephalws Natt. in Vn^mL^ 

Von Herman Sohalow. ^^ 

Jacob Schenk hat vor kurzem die Frage des früheren Brütens 
von Larus melanocephalus Natt. in Ungarn eingehend erörtert 
(Aquila, Bd. XXIII, 1916, 559—561). Nach des Genannten Aus- 
führungen ist die schwarzköpfige Möwe heute ein seltener Gast 
im ungarischen Binnenlande, der, immer aber aufserhalb der 
Brutzeit, vielleicht etwas häufiger nur im Litoralgebiet um Fiume 
angetroffen wird. Am a. 0. sind, vornehmlich nach ungarischen 
Quellen, die wenigen Fälle des Vorkommens zusammengestellt 
worden. 

Auf die von Baldamus im Jahre 1852 veröffentlichte Mit- 
teilung, nach welcher der Genannte am 17. Juni 1847 im Weifsen 
Morast bei Ecska ein Nest von Larus melanocephalus mit drei 
augebrüteten Eiern gefunden haben will, geht Schenk des näheren 
ein. Die Vögel wurden nur gesehen, zur Sicherstellung der Art 
aber leider nicht erlegt. Schenk nimmt an, dafs sich Baldamus 
in der Bestimmung der beobachteten Möwen kaum geirrt haben 
könne, eine Meinung, der ich ohne weiteres nicht beipflichten 
möchte. Die Eier kamen s.Z. in die Sammlung von Baldamus; 
später ist es jedoch nicht mehr möglich gewesen, den weiteren 
Verbleib der für die Faunistik Ungarns wertvollen Stücke fest- 
zustellen. „Ohne diese Belege", sagt Schenk in seiner Ver- 
öffentlichung mit Recht, „sind jedoch die Baldamus'schen Auf- 
zeichnungen sehr interessante und hochwahrscbeinliche Daten der 
ungarischen ornithologischen Geschichtsschreibung, welche des 
striktesten Beweises aber entbehren. Das einstige Nisten der 
Schwarzkopfmöwe kann daher nicht als erwiesen betrachtet 
werden". Schenk hat darauf hingewiesen, dafs sich in dem Ver- 
zeichnis der von Baldamus s. Z. gesammelten Eier, welches er 
am 16. September 1847 Pet^nyi mitteilte, solche von Larus 
melanocephalus nicht verzeichnet finden. Er erklärt dies damit, 
dafs Baldamus an Ort und Stelle die Spezies nicht erkannte und 
die Identität derselben erst bei der Bearbeitung des Materials, 
fünf Jahre später, auf Grund der gesammelten Eier bestimmte. 

Nach Drucklegung der Schenk'schen Arbeit erhielt ich durch 
das gütige Interesse von Frl. Eleonore Leverkühn in Hildesheim 
für meine ornithologische Handschriften-Sammlung den brieflichen 
Nachlafs ihres am 5. Dezember 1905 in Sofia verstorbenen Bruders, 
des Hofrats Dr. Paul Leverkühn. In diesem fand ich in zwei 
Exemplaren ein gedrucktes, vier Seiten in Quart umfassendes 
„I. Verzeichnis der Eier europäischer Vögel", von welchem wohl 
nur noch sehr wenige Exemplare vorhanden sein dürften. Eins 
derselben befindet sich im Naumann-Museum in Köthen und ein 

Joum. {. Orn. LXVI. Jahrg. Jsli 1918. 22 



S26 Herman Schalow: 

weiteres wahrscheinlich in der Herzogl. Naturaliensammlung auf 
der Veste in Coburg. Das eine der in meinem Besitz befindlichen 
Verzeichnisse trägt von Baldamus Hand die Überschrift : „Catalog 
der Nester- und Eiersammlung des Dr. phil. Eduard A. Baldamus 
in Coburg 1882". Auf Seite 4 desselben werden „6 Gelege 
(3 X 3)" von Larus melanocephalus aufgeführt. Es ist nicht aus- 
geschlossen, dafs sich darunter die drei am 17. Juni 1847 im 
Weifsen Morast gesammelten Eier sowie ferner jene befanden, 
welche Baldamus später in Paris erworben hatte (Naumannia, 
1852, Heft 2, 81). 

Schenk hat a, a. 0. die Mitteilungen, die ich ihm hinsichtlich 
des Verbleibs der Baldamus'schen Sammlungen gemacht hatte, 
wiedergegeben. Nachträglich habe ich noch in Erfahrung gebracht, 
dafs ein Teil der oologischen Kollektion des alten anhaltischen 
Ornithologen nach Coburg gekommen sei. Die Eier befinden sich 
im Herzogl. Naturwissenschaftlichen Museum daselbst. Herr 
Direktor Brückner hatte die Güte mir mitzuteilen, dafs in der 
genannten Sammlung vier Eier von Larus melanocephalus aus 
dem Baldamus'schen Besitz aufbewahrt werden. Sie stammen 
sämtlich nach den Angaben des Katalogs aus Smyrna. Die 
fraglichen ungarischen Eier sind also dort nicht vorhanden. 
Auch im Herzoglichen Museum in Braunschweig, wohin bei der 
Aufteilung der Sammlung des Rechtsanwalt Hollandt einige Eier 
aus dem alten Baldamus'schen Besitz gekommen sind, befinden 
sich nach der freundlichen Mitteilung von Hermann von Lucanus 
nur Stücke aus Smyrna, aber nicht die gesuchten ungarischen 
Exemplare der Eier der Schwarzkopfmöwe. Nach den Unter- 
suchungen von Schenk wie nach den vorstehenden Darlegungen 
mufs als sicher angenommen werden, dafs die von Baldamus im 
weifsen Morast gesammelten Eier verschollen sind. Als zulässige 
Beweisstücke für das einstige Nisten von L. melanocephalus in 
Ungarn können sie also nicht mehr herangezogen werden. 

Ich möchte nun fragen: Sind denn die von Baldamus ver- 
öffentlichten Angaben und Mitteilungen überhaupt derartig sicher 
und überzeugend, um jeden Zweifel hinsichtlich der von ihm 
vorgenommenen Bestimmung der Eier auszuschliefsen? Ich glaube 
diese Frage mit einem Nein beantworten zu dürfen. 

Baldamus schreibt in seinen Beiträgen zur Naturgeschichte 
einiger dem Südosten Europas angehöriger Vögel (Naumannia, 
1. c.) wie folgt: 

„Unter einer der kleineren Kolonien von Sterna leucopareia 
im weifsen Moraste bemerkte ich Anfang Juni's ein Paar Möwen, 
die sich durch Flug und Gröfse von Larus ridibundus so merklich 
unterschieden, dafs ich sie in meine Gewalt zu bekommen suchte. 
Leider vergeblich. Erfolgreicher war das Suchen nach ihrem 
Neste, das sich am Rande jener Seeschwalben Kolonie befand. 
Es enthielt drei Eier, die sich durch Gröfse und Gestalt so sehr 



über das Brüten von Larus melanocephalus Natt. in Ungarn. 827 

von denen der Lar. ridih. unterschieden, dafs meine Vermutung 
zur Gewifsheit wurde.*' Nach Beschreibung des Nestes fährt 
Baldamus fort: „Er [der Napf des Nestes] enthielt am 17. Juni 
drei ziemlich Start: bebrütete Eier. Diese stehen hinsichtlich 
derGröfse genau in derMitte z w i s ch e n de n en 
von Lar. ridihundus und L. minutus, sind also ansehnlich 
kleiner, als die der Lachmöwe, denen sie, wie den 
anderen Möweneiern, in Färbung und Zeichnung gleichen. 
Ganz verschieden sind sie aber in der Form. 
Kein anderes mir bekanntes Möwenei ist so kurz, so 
rund, so an beiden Seiten abgestumpft, und ich 
habe unter den Tausenden von Möweneiern, welche ich sah, 
niemals eine ähnliche Form beobachtet." 

So weit Baldamus. Wenn Schenk die Ansicht ausspricht, 
dafs sich der Genannte in der Bestimmung der beobachteten 
Möwen kaum geirrt haben könnte, so möchte ich auf eine Be- 
merkung Reisers, des besten und erfahrensten lebenden Kenners 
der Vogelfauna des Balkans hinweisen (Materialien zu einer Ornis 
Balcauica, II. Bulgarien, 1894, 198), in welcher der Genannte 
sagt: „Es bleibt sehr unentschieden, ob mehrere in der 
Nähe der Baiadamündung am 17. Juni an der Küste von mir 
und am 30. Juni von Wutte bei Burgas wahrgenommene Möwen 
dieser Art angehört hatten." Reiser hielt sich also nach der 
blofsen Beobachtung im Freien nicht berechtigt, die gesehenen 
Möwen mit Sicherheit als Larus melanocephalus anzusprechen. 
Eine Verwechslung mit L. ridibundus erschien ihm nicht aus- 
geschlossen. 

Was nun die Gröfse der Eier der schwarzköpfigen Möwe 
betrifft, so ist Baldamus mit seiner Angabe, dafs sie ansehnlich 
kleiner seien als die der Lachmöwe, entschieden im Irrtum. 
Mafse sind von ihm leider nicht angegeben worden. Nach dem 
heut vorliegenden, relativ reichen Material läfst sich aber über 
die Eier der genannten Möwe ein zuverlässigeres Urteil fällen 
als dies Baldamus vor siebenzig Jahren möglich war. Reiser 
sagt bei der Bearbeitung der von G. V. von Almäsy in der 
Dobrudscha gemachten oologischen Ausbeute (Aquila 1898, 177) 
über die Eier von Larus melanocephalus — es lagen ihm 15 Stück 
vom Sinoi-See vor — dafs sich dieselben ,,vorAllem durch 
gröfsereMafse und bedeutenderesGewichtvon 
den sonst ziemlich ähnlichenLachmöweneiern 
unterscheiden, sodafs die gröfsten Lachmöweneier den 
kleinsten von L. melanocephalus gleichkommen". Dies wird durch 
die Untersuchung weiterer Eier, welche St. Strimmeneas in der 
grofsen Brutansiedlung in den Sümpfen von Megali vrysis bei 
Lamiain Griechenland sammelte, bestätigt (Reiser, Ornis Balcanica, 
Bd. III, Griechenland, 1905, 531). 

Ich möchte auf die Dimensionen der Eier der drei hier in 
Frage kommenden Möwen -Arten etwas näher eingehen, um zu 

22* 



828 Herman Schalow: 

zeigen, dafs die von Baidaraus s. Z. mitgeteilten, oben wieder- 
gegebenen Angaben über die Gröfsenverhältnisse der Eier durch- 
aus irrige sind, Reiser und Rey standen gröfsere Mengen dieser 
Objekte zur Untersuchung zur Verfügung. Ich benutze die von 
den Genannten gegebenen Zahlen, wobei ich bemerke, dafs sich 
dieselben in den Endergebnissen mit den Mafseu decken, welche 
die im Berliner Museum befindlichen Eier von Larus melano- 
cephalus ergeben. Reiser hat die einzelnen Gröfsen- und Gewichts- 
zahlen von 113 Eiern veröffentlicht, aus denen ich die Mittel- 
werte berechnet habe. Von diesen 113 Eiern stammen 12 Gelege 
mit 90 Eiern wie 8 einzelne Stücke aus Griechenland und die 
ferneren 15 aus der Dobrudscha (Aquila 1. c). Die von Rey 
gemessenen 25 Eier der schwarzköpfigen Möwe wurden in der 
Umgebung von Smyrna gesammelt. Bei der Berechnung ergaben 
sich die folgenden Zahlen: 



Gröfse : 




L. melan. 


L. ridib. 


L. minutus 


Durchschn. 


Reiser: 


54,52 X 37,86 — 


— mm. 




Rey: 


55,32X38,96 52,6X36,5 


1 41,62X30,58 - 


Gewicht: 










Durchschn. 


Reiser: 


2890 


— 


— gr. 




Rey: 


2806 


2269 


1129 - 


Bei Larus melanocephalus schwanken die Gröfsenverhältnisse 


zwischen : 












Maximum Reiser: 


61,9X38,30 


mm. 








55,5 X 40,80 


- 






Rey: 


60 X 38,50 
59,6 X 40,60 


. 




Minimum Reiser: 


46,2 X 34 


- 








46,8 X 33,7 


- 






Rey: 


51,9X38,8 
46 X37,2 


" 



Bei Larus ridibundus: 

Maximum Rey: 57,8X38,8 mm. 
Minimum 54 X34,3 - 

Bei Larus minutus: 

Maximum Rey: 45X32 mm. 
Minimum 37X30 - 

Aus den obigen Messungen geht hervor, dafs von den Eiern 
der drei genannten i-arMS-Arten diejenigen von L. melanocephalus 
nicht, wie Baldamus schreibt, in der Mitte zwischen L. ridibundus 
und L. minutus stehen, sondern dafs sie die beiden letzteren in 
Gröfsen- und Gewichtsdimensionen wesentlich und konstant über- 
treffen. Nehrkorn, Bau, Seebohm, Dresser, Gates u. a. kommen 
für die Gröfsenverhältnisse der Eier von Larus ridibundus und 
L. melanocephalus zu demselben Ergebnis. 



über das Brüten tob Larus melanocephalm Natt. in Ungarn, 829 

Ein weiteres Moment, die von ihm im Weifsen Morast ge- 
sammelten drei Eier für solche der schwarzköpfigep Möwe an- 
zusprechen, glaubte Baldamus in der Form derselben zu finden. 
Nun ist aber diese kurze, runde, abgestumpfte Gestalt absolut 
nichts Charakteristisches für die Eier irgend einer bestimmten 
Lariden-Art. Sie kommt, so viel ich weifs, nie als ausschliefsliche 
und alleinige Form bei einer Spezies vor, sondern findet sich bei 
der Durchsicht gröfserer Mengen von Exemplaren wohl bei allen 
Arten. Wenn Oates (Cat. Coli. Birds Eggs Brit. Mus. I, 1901, 
205) von den Eiern von L. melanocephalus sagt: „They vary in 
shape from short broad oval to an elongated oval" so dürfte 
dies wahrscheinlich für die Eier aller Möwen-Spezies Geltung 
haben. 

Baedeker (Die Eier der europäischen Vögel, 1863) bildet 
auf Tafel 72 fünf Eier der Lachmöwe ab, von denen das eine 
Stück sehr starke Abrundung aufweist. Auf derselben Tafel werden 
Abbildungen von 3 Eiern der schwarzköpfigen Möwe gegeben, von 
denen nur das mittlere an der Spitze kaum eine leichte Rundung 
zeigt. 

In der History of British Birds von Henry Seebohm, 
(London 1883—85) werden auf Tafel 52 zwei Eier von L. ridi- 
bundus, von denen Figur 2 sehr stark am spitzen Ende gerundet 
ist, abgebildet. Von den beiden auf Tafel 53 des genannten 
Werkes dargestellten Eiern von L. melanocephalus zeigt Figur 1 
eine starke, Figur 2 nur eine sehr schwache Rundung. 

Unter den von Krause (Oologia universalis palaearctica, 
Stuttgart 1911) auf einer der Lariden - Tafeln abgebildeten 
16 Eiern der Lachmöwe sind die Figuren 3 und 5 stark ab- 
gerundet. Letzteres Stück zeigt in der Form völligen Eulen- 
Charakter. 

Rey (Die Eier der Vögel Mitteleuropas, Gera 1905) gibt auf 
Tafel 89 die Abbildungen von 9 Eiern von L. ridibundus und auf 
Tafel 90 von 8 solchen von L. melanocephalus. Auf ersterer 
Tafel ist No. 2 an beiden Polen gleich rund, auf Tafel 90, No. 4 
kaum etwas am spitzen Ende gerundet. 

Aus diesen wenigen Beispielen läfst sich ersehen, dafs starke 
Abflachungen am spitzen Pol auch bei Larus ridibundus auf- 
treten — ich finde sie hier sogar relativ häufig — , dafs sie also 
durchaus nicht als charakteristische Eigenschaften für die 
Schwarzkopfmöwe angesehen werden können. Und auch bei 
anderen Lariden -Arten ist dies der Fall. Ich kenne stark ab- 
gerundete Eier von Larus maculipennis Licht, von Südamerika, von 
L. brachyrhynchus Richardson von Alaska — nach dem im British 
Museum befindlichen Exemplar in sehr ausgesprochener Form — , 
von Rissa tridactyla L. und der aleutischen K brevirostris (Bruch), 
von Larus canus L., L. hemprichi (Bruch), L. minutus Pall., L. 
bulleri Hutton und anderen. 



880 Herman Schalow : Über d. Brüten t. L, melanocephalus i.lJngarn. 

Mehr noch als die von mir oben widerlegten Angaben von 
Baldamus über Gröfse und Form der von ihm im Weifsen Morast 
gesammelten Möweneier scheint mir gegen deren richtige Be- 
stimmung der Umstand zu sprechen, dafs Baldamus mit keinem 
Wort der Schalenfärbung und Zeichnung erwähnt. Und diese 
sind für die Eier von Larus melanocephalus in hohem Grade 
charakteristisch. Die Eier dieser Möwe besitzen als Regel einen 
ausgesprochenen Sterniden — nicht aber Landen - Typus. In 
ähnlicher Grundfärbung habe ich ihn bei Larus gelastes Thien. 
(siehe hierüber auch Gates, Cat. Eggs Brit. Mus. vol. 1, 1901, 
210 und Nehrkorn, Katalog, 2. Aufl. 1910, 55) gefunden und ihn 
auch bei Larus atriciUa L. und, allerdings sehr vereinzelt und 
selten, bei L. argentatus Gm. beobachtet. Die Schalengrund- 
färbung schwankt bei L. melanocephalus zwischen hellsandfarbeuer, 
sandgrauer, lehmfarbener, rahmfarbener, rein gelblicher, selten 
hellestgrünlicher und mattbräunlicher Tönung. Immer herrscht 
bei den Eiern dieser Möwe, wie schon Reiser betont (Aquila 1. c.) 
eine durchaus lichte Grundfärbung vor. Ausgesprochenen 
Lariden-Charakter habe ich bei den von mir gesehenen Eiern 
aus Rumänien und Smyrna nicht gefunden, wenngleich ich gern 
zugeben will, dafs derselbe bei der ungemein grofsen Variations- 
möglichkeit der Färbung der Möwen-Eier vorkommen kann. In 
Parenthese möchte ich übrigens bemerken, dafs zwei von Tancr^ 
erworbene Dobrudscha-Eier der von Treskow'schen Sammlung, 
jetzt im Berliner Museum, mit ausgesprochenem Lariden-Typus 
L. ridibundus angehören dürften. Einige Eier letzterer Art in 
der Krause'schen Varietätensammlung (im Berliner Museum), 
die einen Übergang zu blasser cyanistischer Färbung zeigen, 
besitzen nicht den hellen Typ der mir bekannten Eier von L. 
melanocephalus. Aufserdem fehlt ihnen die charakteristische 
braune Wurmlinien- und Schnörkelzeichnung wie die feinen Haar- 
linien, welche letztere besitzen. Diese sind bei der schwarz- 
köpfigen Möwe ungemein scharf ausgeprägt, unregelmäfsig und 
in wechselnder Menge über das ganze Ei ausgedehnt und oft am 
stumpfen Pol zu dichten und wirren Gebilden vereinigt. (Vergl. 
z. B. Rey, 1. c. Bd. II, Taf. 90, fig. 3—5, 6 und 8). Diese 
charakteristische Zeichnung fehlt als Regel den Eiern der 
Lachmöwe. Nur sehr selten und als Abnormität kommt sie bei 
dieser Art vor (Krause, Ool. univers. pal. Taf. Fam. Laridae, 
fig. 8). 

Nach den vorstehenden Ausführungen dürfte die Angabe 
Jakob Schenks in dessen Fauna regni hungariae (Budapest 1917, 
98) über das Brutvorkommeu von Larus melanocephalus Natt. in 
Ungarn, welche lautet: „Nidificavit, ut fertur, anno 1847 in regione 
banatica ad paludem Feh6r mocsär" zu streichen sein. 



881 



Lantus excubitor rapax Brehm 

und dessen Yorkommen in Brandenburg. 

Von Herxnan Sohalow. 

Neben dem grofsen Grauwürger L. excubitor L. ist das Vor- 
kommen der einspiegeligen Form, welche wir dem Vorgange Cabanis' 
folgend (J. f. 0. 1873, 75) früher als L. major Fall, zu bezeichnen 
pflegten, in Brandenburg wiederholt nachgewiesen worden. 
Das erste märkische Exemplar, welches als solches erkannt wurde, 
erlegte Jablonski im Januar 1875 bei Zion (Kr. Schwiebus) in 
der Neumark. Ich konnte es in der Februarsitzung der Deutschen 
Ornitb. Gesellschaft im Fleisch vorlegen (J. f. 0. 1875, 232 und 
Ber. XXI. Verh. d. D. 0. G. Braunschweig 1875, U). Das Stück 
kam in den Besitz Henry Seebohms und gelangte später mit des 
Genannten Sammlungen an das British Museum. Nach diesem 
ersten Nachweis des Vorkommens liegt eine grofse Reihe weiterer 
Beobachtungen aus der Mark vor: Allwinterlich bei Zion, bei 
Eberswalde, bei Brandenburg, Templin, Potsdam, bei Köpenick, 
in der Uckermark, u. s. w. Altum sprach einmal die Ansicht 
aus, zu der sich übrigens auch Clodius für Mecklenburg bekannte, 
dafs der einspiegelige Würger ausschliefslich in der Mark im 
Winter vorkäme. Dies ist indessen nicht der Fall. 

Alle Exemplare, die ich zu sehen Gelegenheit hatte, wiesen 
keine Andeutung von Weifs auf den Armschwingen auf, 
waren also sämtlich der typischen einspiegeligen Form zugehörig 
und zeigten sämtlich mehr oder weniger wellige Zeichnung der 
Unterseite. Ich habe nie -ein Stück mit rein weifser Brust- und 
Bauchfärbung gesehen. 

Das Berliner Museum besitzt vier märkische Exemplare, 
sämtlich aus Zion in der Neumark, durch Jablonski gesammelt: 



1. 


cT. 


6. 


XII. 


1881 


ai. 
118 


r. 
16 


tars. 
27 mm. 


2. 


cT. 


18. 


XI. 


1885 


115 


16 


27 - 


3. 


d*. 


2. 


XI. 


1882 


115 


16 


26 - 


4. 


cf. 


16. 


IV. 


1883 


114 


16 


27 - 



Das erste Exemplar ist auf der Brust graulich weifs, mit 
leiser Andeutung von Wellenlinien. Spiegel nur auf den Hand- 
schwingen. 

Bei dem zweiten Exemplar ist die Kehle weifslich, Brust 
grau gewellt, Spiegel auf den Handschwingen. 

No. 3: Brust grau gewellt, Kehle schmutzig grau, Spiegel 
auf den Handschwingen, 

No. 4: Brust hell grau, dunkel gewellt, Handschwingen- 
spiegel. 

Von den vorstehend aufgeführten vier Exemplaren weist 
das erste eine Flügellänge von 118 mm auf, eine Länge, welche 



882 Herman Scbalow: 

Hartert für L. excubitor excubiior L. als selten bezeichnet. Der 
Güte Dr. Heinroths danke ich die Mafse von vier auf Helgoland 
am 10. Oktober 1912 erlegten Würgern, und zwar von: 

L. excuhitor excuhitor L. 

ad. al. 118 mm. Gewicht: 61 gr. 
ad. al. 117,5 - - 60,5 - 

juv. al. 116 - - 54 - 

L. excuhitor rapax Brehm. 
juv. al. 118 mm. Gewicht: 72,5 gr. 

Auch hier unter den wenigen vier Exemplaren finden wir 
zwei mit einer Flügellänge von 118 mm. Dieselbe scheint mithin 
doch häufiger aufzutreten, als es nach der Hartert'schen Angabe 
den Anschein hat. Interessant ist die Gewichtsdifferenz, welche 
Heinroth bei den an demselben Tage erlegten Stücken beider 
Formen fand. 

Die Diskussion über die Verschiedenheit bezw, Formberech- 
tigung von Lantus excuhitor L. und L. rapax Brehm hat beinahe 
fünfzig Jahre die ornithologische Welt beschäftigt. Mit der ihm 
eigenen Sicherheit hat Hartert die Frage dadurch zu erledigen 
gesucht, dafs er die bei uns im Winter vorkommenden einspiege- 
ligen grauen Würger als zu Lanius excuhitor excuhitor L. gehörig 
bezeichnete. Diese Lösung ist sehr einfach. Ob sie aber eine 
allseitig zufriedenstellende ist, möchte ich bei der grofsen 
Schwierigkeit der Beurteilung der Materie dahin gestellt sein 
lassen. Ich hätte z. B. die folgenden Einwürfe zu machen: 

Woher kommt es, und ich halte dies für recht bemerkens- 
wert, dafs, soweit ich die Literatur unserer deutschen Tiefebene 
und Mitteldeutschlands kenne und soweit ich Exemplare in 
Händen gehabt habe, kein einziger Fall des Brütens 
der gewellten typischen einspiegeligen Form in den genannten 
Gebieten nachgewiesen worden ist. 

Woher kommt es, dafs die typisch einspiegelige, gewellte Form 
n u r im Herbst, Winter und Frühjahr und zwar in relativ geringer 
Individuenmenge, bei uns auftritt, und dann wieder verschwindet, 
worauf bereits KoUibay (Ornith. Jahrb. 1909, 198) hingewiesen hat. 

Woher kommt es, dafs man im Winter typisch einspiegelige 
Formen — die mit einer auch nur leichten Andeutung von Weifs 
auf den Armschwingen sind ausgeschlossen — immer nur mit 
gewellter Unterseite findet, die doch bei L. excuhitor spätestens 
mit dem zweiten Kleide bereits verschwinden soll, was ich übrigens 
nicht aus eigener Erfahrung weifs. 

Woher kommt es, dafs alte, ungewellte Individuen 
mit rein weifser Brust und einem Handschwingenspiegel nie 
bei uns gefunden werden? Zu letzterer Frage möchte ich be- 
merken, dafs nach meiner Überzeugung Exemplare mit rein weifser 
Brust, welche als Lanius major Pall. bezw. als L. excuhitor rapax 



L. excuhitor rapax Bi«bm und deeseo Yorkommen in Brandenburg. 888 

Brehm angesprochen worden sind, nicht letztgenannter Form 
angehören, sondern nur als aberrante Individuen unseres gemeinen 
grauen Würgers mit oft nur wenig wahrnehmbarer Fleckung auf 
den Armschwingen betrachtet werden müssen. 

Alles das sind Fragen, die sich hinsichtlich der Beurteilung 
der einspiegeligen Form aufdrängen. Wenn Lanius major Fall., 
in der Cabanis'schen Bezeichnung, nur eine „Varietät", oder wie 
es Blasius Hanf einmal genannt hat „eine zufällige Spielart der 
Natur" von L. excubitor L. ist, so müfste doch ein solches 
Individuum irgend einmal und irgendwo einmal in Deutschland 
während der Brutzeit vorgekommen sein, was, wie ich bereits 
sagte, noch nicht nachgewiesen worden ist. 

Aus allen Gebieten Nieder- und Mitteldeutschlands liegen 
nur Beobachtungen der einspiegeligen Form aufserhalb der 
Brutzeit vor. Meist sind es Angaben aus dem Osten Deutschlands, 
in dem diese Form am häufigsten aufzutreten scheint. Dobbrick 
weist für die Tuchlerheide darauf hin, dafs sich der einspiegelige 
Grauwürger in der Heide häufiger zeige als L. excubitor. Nach 
des Genannten Beobachtungen überwintert er im Gebiet und 
scheint Anschlufs an Wachholderdrosselgesellschaften zu suchen. 
Dobbrick traf noch am 6. April — das Berliner Museum besitzt 
ein Stück vom 16. April — einen einspiegeligen Raubwürger, der 
sich wahrscheinlich verspätet auf der Rückwanderung befand. 
Wie weit diese Form ihre Wanderungen nach Westen übrigens 
ausdehnt, scheint noch nicht festgelegt zu sein. Nach le Roi 
(Vogelfauna der Rheinprovinz, 183) ist sie mehrmals im Winter 
in den Rheinlanden gesammelt worden. Ich hatte ein typisches 
Exemplar im Fleisch in Händen, welches im Dezember 1904 in 
einem Venn bei Horsten (nahe Münster) von meinem Neffen ge- 
sammelt wurde. 

In der reichen Literatur über Lanius major Fall, findet sich 
auch eine Mitteilung Robert CoUetts (Ibis 1886, 30) des Inhalts, 
dafs er aus dem nördlichsten Norwegen aus einem Nest einen 
einspiegeligen und einen zweispiegeligen jungen Vogel erhalten 
hätte. Der norwegische Forscher schlofs daraus, dafs es sich 
um eine Art handle, d. h. also dafs L. major auct. mit L. 
excubitor L. synonym sei. Da die alten Vögel nicht gleichfalls 
gesammelt wurden, so beweist obige Beobachtung meiner Ansicht 
nach nichts. Und selbst wenn das alte Brutpaar aus gleichartigen 
Vögeln bestanden hätte, so würde die Collett'sche Beobachtung 
noch kein zwingender Beweis für die Einheit der Art oder Form 
sein, da bereits in einer früheren Generation eine Bastardierung 
statt gefunden haben kann, wie sie bei den grauen Würgern 
mehrfach beobachtet worden ist. Ein Rückschlag könnte dann 
erst bei den Jungen einer späteren Generation zum Ausdruck 
gekommen sein. 

Cabanis hat bereits 1886 nachdrücklich betont, dafs zur 
Klarlegung der ungemein schwierigen Verhältnisse bei der 



884 Herman Schalow: 

Beurteilung der grauen Würgerformen auf eventuelle Bastar- 
dierungen gröfserer Wert gelegt werden müsse, als dies bis dahin 
geschehen sei. In gleichem Sinne ist Seebohm später auf den 
Gegenstand zurückgekommen. 

Der Ansicht, dafs man die einspiegelige Form nicht mehr 
aufrecht halten könne und sie mit L. excubitor vereinen müsse, 
wie dies u. a. le Roi und Baron Geyr (Verhandl. d. Naturhistorisch. 
Ver, der preufsischen Uheinlande und Westfalen, 69. Jahrg. 1912, 
89) annehmen, möchte ich nach den obigen Ausführungen doch 
nicht ohne weiteres beipflichten. 

Die Nomenklatur des einspiegeligen Grauwürgers ist von 
Hesse (J. f. 0. 1916, 354) eingehend erörtert und der Name 
Lanius excubitor rapax Br. für diese Form fest gelegt worden. 
Brehm sagt von ihr (J. f. 0. 1854, 148) „die Schwungfedern 
zweiter Ordnung sind fast -ganz schwarz", und von L. excubitor 
„die 6 vordersten Schwungfedern zweiter Ordnung weit herauf 
weifs". Nach dieser Beschreibung Brehms dürfte es meines Er- 
achtens nicht richtig sein, wenn Kleinschmidt (Falco 1916, 11) 
Vögel aus den Ardennen „mit doppeltem Spiegel'* als Lanius 
excubitor rapax (Brehm) anspricht. 

In den Ausführungen über diese Formen der grauen Würger, 
welche Modest Bogdanow in seiner in russischer Sprache ge- 
schriebenen und wenig benutzten monographischen Arbeit über 
Laniiden (Petersburg 1881) veröffentlicht hat, werden wir hin- 
sichtlich der oben berührten Fragen in Stich gelassen. Bogdanow 
scheint den von Cabanis als L. major Fall. (1. c. 75, 77, 78 
und 79) behandelten grauen Würger zu dem nearktischen L. 
borealis Vieill. zu ziehen. Er unterscheidet drei Formen dieser 
amerikanischen Art : L. borealis americanus (= L. borealis Vieill. 
typ.), L. borealis Sibiriens (= L. major auct, ?) und L. borealis 
europaeus (?). Die Diagnosen, die für die drei genannten Formen 
gegeben werden, sind nicht klar und bezeichnend und geben keine 
scharfen Charaktere. „Gastraeo albo leviter sordide fulvescente, 
lineis trausversis undulatis, fuscis ornato; speculo alarum sim- 
plici, tantum remiges primarias occupante," gilt für alle drei 
Formen. Der Unterschied ist begründet in einem mehr oder min- 
derem lichteren bezw. derselben dunkleren Ton der Graufärbung. 

Jedenfalls finden wir bei Bogdanow 1881 das ausgesprochen, 
was Cabanis bereits 1873 betont hatte, dafs es sich bei der frag- 
lichen Form um einen Vogel mit gewellter Brust und einem 
Flügelspiegel handelt. Die von dem russischen Ornitbologen für 
L. b. sibiricus wie für L. b. europaeus zitierten Literaturstellen 
beziehen sich ausschliefslich auf die älteren, auf L. major auct. 
bezogenen Angaben; bei seiner europäischen borealis Form auf 
Herbst- bezw. Winter-, nicht aber Brutvögel. 

Ich möchte annehmen, dafs die beiden vorgenannten Bog- 
danow'schen Formen als Synonyme zu Lanius excubitor rapax 
Brehm zu ziehen sind. In dem von Bogdanow gegebenen 



L. excühiior rapäx Brebm und dessen Vorkommen in Brandenburg. 88ß 

Verzeichnis (1. c. 209) des von ihm für seine Arbeit benutzten 
Materials stammen die von ihm für L. b. Sibiriens aufgeführten 
Stücke sämtlich aus Sibirien. Nur eins von den genannten 
Individuen, am 25. April bei Jakutsk gesammelt, stammt vielleicht 
aus der Brutheimat. Unter den von ihm als L. b. europaeus auf- 
geführten Vögeln, die ich zu L. excubitor rapax ziehen möchte, 
befinden sich zwei junge Stücke, welche von Pleske am 12. August 
im Kreise Wyschnewolozk, Gouv. Twer, erbeutet wurden. Viel- 
leicht liegt hier bereits die Brutheimat. Die übrigen Individuen, 
sämtlich alte Vögel, stammen aus der Petersburger Umgebung, 
von der Wolga und der Krim, sind also alles Winterstrichvögel, 
wie auch einzelne Daten ergeben. Ein von Bogdanow als L. b. 
europaeus bezeichnetes im Jugendkleide befindliches, aus Süd- 
frankreich stammendes Exemplar, im Besitz des Museums der 
K. Akademie in Petersburg, vermag ich nicht zu deuten. 

Nach den vorstehenden Ausführungen darf nun wohl an- 
genommen werden, dafs der typische gewellte, einspiegelige graue 
Würger seine Brutplätze nicht in Deutschland habe. Vermutlich 
liegen dieselben im Osten bezw. Nordosten Europas. Die 
westlichen europäischen Grenzgebiete seiner Brutheimat werden 
nur während der Strichzeit vom Herbst bis Frühjahr von ihm 
besucht. Hierfür scheint auch die Tatsache zu sprechen, dafs 
„Lawiw« major'-'' bei uns meist in geringerer Menge als unser 
Standvogel Lanius excubitor excubitor L. im Winter und in der 
anschliefsenden Jahreszeit in Deutschland gefunden wurde. Viel- 
leicht haben wir im Osten eine eigene Brutform; vielleicht aber 
dehnt auch eine dem weit über Sibirien verbreiteten Lanius 
excubitor mollis Eversm. nahestehende Form ihre Strichzüge im 
Winter nach Westen hin aus. Weitere Beobachtungen müssen 
hierüber Klarheit bringen. Jedenfalls glaube ich aber bereits 
jetzt mit einer an Gewifsheit grenzenden Wahrscheinlichkeit 
sagen zu dürfen, dafs der einspiegelige Grauwürger mit dem 
deutschen Brutvogel L. excubitor excubitor L. nicht zu vereinen ist, 
wie dies Hartert in seinen Vögeln der Palaearktischen Fauna tut. 



Deutsche Ornithologische Gesellschaft. 

Bericht üb6r die Märzsitzung 1918. 

Verhandelt am Montag, den 4. März 1918, abends 7 Uhr im 
Blauen Saale des „Rheingold", Potsdamerstr. 3. 

Anwesend die Herren Graf von Schwerin, Stein metz, 
Neunzig, v. Straleudorff, Heck, v. Lucanus, Graf 
v. Zedlitz, Schalow, Helfer und H e i n r o t h. 

Als Gäste die Herren Otto Bock, Fr. Bock, Strahl, 
Florstedt, P. Kothe, G. Schulz, Schnöckel, 



886 Bericht ttber die Märzsitzang 1918. 

Gottschlag, Albrecht, v. Schuckmann,Moewes, 
S e i 1 k p f , sowie Frau H e i n r o t h und Frl. B e e 1 e. 

Vorsitzender HerrSchalow, Schriftführer Herr Heinroth. 

Herr Graf v. Z e d 1 i t z bemerkt zu dem Bericht der Februar- 
Sitzung, dafs seitens des Herrn 0. N e u m a n n ein Irrtum inso- 
fern untergelaufen sei, dafs er, Graf v. Z e d 1 i t z , die Nebelkrähe 
für das Sumpfgebiet der oberen Schara, nicht aber für ganz 
Polen als verhältnismäfsig selten bezeichnet habe. 

Herr S c h a 1 o w legt die eingegangenen Bücher und Zeit- 
schriften vor und übermittelt Grüfse von den Herren Rüdiger, 
Stresemann und Freiherrn Geyr v. Schweppenburg. 

Herr Graf v. Z e d 1 i t z hält darauf einen Vortrag „Über 
den Einflufs des russischen Winters auf die Vogelwelt; Biologische 
Beobachtungen aus demScharagebiet" (wird besonders abgedruckt). 

Herr H e i n r o t h bemerkt hierzu, dafs der Rauhreif; der in 
diesem Winter lange angehalten hat, den Meisen, Spechten, Baum- 
läufern und Kleibern anscheinend nichts habe anhaben können, 
denn es wurden bald darauf alle diese Arten in der ortsüblichen 
Anzahl in ihren Gebieten bemerkt. Zur Feststellung des Körper- 
zustandes empfiehlt er dringend, Vögel zu wiegen. Man hat so 
unter Vergleich mit dem Normalgewicht sofort einen genauen 
Anhaltspunkt für die Körperbeschaffenheit. Was den Zug der 
Spechte angeht, so bemerkt er, dafs es sich im allgemeinen wohl 
um Standvögel handelt, doch trifft man z. B. in Ascania-Nova 
in Südrufsland in dem Park des Herrn Friedrich Falz-Fein unter 
den ziehenden Meisenschwärmen stets Grofse Buntspechte, trotz- 
dem der dortige kleine Baumbestand auf hunderte von Kilometern 
nur von Steppen und Feldern umgeben ist. Zwei durch Loos in 
Böhmen im Nest beringte Schwarzspechte wurden im darauf- 
folgenden Herbst in sehr weiter Entfernung (der eine am Rhein) 
erlegt. Die Bekassine macht auch bei uns immer mehrere Brüten. 
Man trifft die Vögel auch im Sommer stets noch meckernd an 
und erhält Eier im Juli. Ferner fragt Herr Heinroth, ob 
Herr Graf v. Zedlitz die Beobachtung gemacht hat, dafs die 
Stockenten, wie früher einmal behauptet worden ist, bei grofser 
Kälte vermeiden, längere Strecken zu fliegen, weil dann angeblich 
die Flügel unter dem Frost leiden sollen. An sich ist es ja 
überhaupt kaum verständlich, warum einem fliegenden Vogel, 
dessen doch sehr dünne und von Federn nur wenig bedeckte 
Flügel der Kälte ungemein ausgesetzt sind, die Hände und Arme 
nicht abfrieren. Bei Neuweltsgeiern tritt schon bei wenigen 
Kältegraden eine völlige Amputation der Hände ein, wenn man 
sie im Herbst zu lange im Freien läfst. 

Herr v. Lucanus berichtet zu der Frage des Meisen- 
zuges, dafs nach Ergebnis der Beringungen die alten Brut- 
vögel Sommer und Winter in ihrem Gebiet verbleiben, dafs 
jedoch die Jungen stets spurlos verschwinden. Jedenfalls setzen 



Beriebt Aber die Aprilsitzaog 1918. 88f 

sich also die streichenden Meisenschwärme aus Jungvögeln zu- 
sammen. Ähnlich scheint es sich auch mit der Amsel, den 
Finken und auch bis zu einem gewissen Gerade mit dem Star 
zu verhalten. Herr M o e w e s fragt, ob die Mistel in dem von 
Herrn Graf v. Z e d 1 i t z geschilderten Gebiet häufig vorkommt, 
was der letztere verneint. Herr G. Schulz ist der Ansicht, 
dafs die Bekassine wohl bis zu 3 mal im Jahre bei uns brüte. 
Er hat die Gelege bis Ende August, merkwürdigerweise aber nie 
im Frühjahr gefunden. Auch in Lappland stellte er Brüten im 
Juli fest. Herr 0. ß o c k bemerkt hierzu, dafs in der Umgebung 
Berlins im Mai die Eier der Bekassine namentlich an binsen- 
bewachsenen Stellen gefunden werden können. Zum Goldammer- 
zug äufsert sich Herr Schalow dahin, dafs die Form erythrogenys 
regelmäfsig zu ziehen scheine. Zur Frage der örtlichen Formen 
des Buchfinken erwähnt er, dafs es in den deutschen Museen 
sehr an Vergleichsstücken aus Schweden fehle; diese müfsten 
beschafft werden, um zu wissen, welche Vögel Linnö seiner Zeit 
geraeint hat. Ferner bemerkt Herr Schalow, dafs die Angabe 
im Neuen Naumann über das ein- oder mehrmalige Brüten der 
Bekassine sich auf ein Werk Homeyers stütze, das vollkommen 
verschollen ist, aber doch wohl seiner Zeit erschienen sein mufs. 
Die Frage des Herrn H e i n r o t h über das Fliegen der Enten 
beantwortet Herr Graf v. Zedlitz dahin, dafs er Stockenten 
am Vormittag bei sehr niederer Temperatur, auch ohne dafs sie auf- 
gescheucht waren, umherkreisen sah. HelnrotlL 



Bericht über die Aprilsitzung 1918. 

Veiiandelt Berlin, Montag, den 8. April, abends 7 Uhr im 
Blauen Saale des „Rheingold", Potsdamerstr. 3. 

Anwesend die Herren Strahl, Neunzig, Haase, v. 
Boetticher,0. Neumann, F. v^ Lucanus, Schalow, 
Reichenow und H e i n r o t h. 

Als Gäste die Herren R. Neunzig, Seilkopf, H. v. 
Lucanus, Otto Bock, Fritz Bock, sowie Frau H e i n - 
r t h , Frl. B e e 1 e und Frl. Österreich. 

Vorsitzender Herr Schalow, Schriftführer Herr H e i n r o t h. 

Der Vorsitzende begrüfst Herrn v. Boetticher, der nach 
langem Aufenthalt in Bulgarien sich jetzt auf Urlaub hier befindet. 
Der Genannte hat für das Berliner Museum als Geschenk Seiner 
Majestät des Königs Ferdinand Vogelbälge mitgebracht, 
worunter sich auch ein paar Uhus befinden, die sich als die für 
Ungarn beschriebene Form hungaricus erwiesen haben. Herr 
Dr. Fehringer hat dagegen aus Mazedonien einen auffallend 
dunklen Vogel geschickt, der dem Uhu aus Norwegen und den 
Hochlalpen, Form norvegicus, gleicht. 



838 Bericht über die Aprilsittung 1918. 

Die Herren Reichenow und S c h a 1 o w legen die ein- 
gegangenen Bücher und Zeitschriften vor. Der Letztere bringt ein 
Verzeichnis der ornithologischen Sammlungen Eugen von Homeyers 
zur Besprechung. 

Herr v. Lucanus bespricht hierauf unter Vorlage einer 
Anzahl von Bälgen die Waldhühuerbastarde und ihre Abänderungen. 
Er führt Folgendes aus: 

„Der häufigste Mischling der Waldhühner ist der Rackelhahn, 
der entweder mit fast einfarbig schwarzem Gefieder mehr dem 
Birkhahn gleicht oder infolge aschgrauer Perlung des Kopfes 
und oberen Halses mehr dem Auerhahn ähnelt. Der Birkhahn- 
typus ist der häufigere, der Auerhahntyp dagegen sehr selten. 
Dies hängt vielleicht damit zusammen, dafs meistens ein Birk- 
hahn der Vater ist. Die Anwesenheit von Auerhennen auf den 
Balzplätzen der Birkhähne ist schon oft beobachtet worden, 
während eine Paarung zwischen Birkhenne und Auerhahn bisher 
nicht verbürgt ist und jedenfalls selten stattfindet, falls sie über- 
haupt vorkommt. Der Rackelhahn ist als Bastard stets an 
folgenden Merkmalen zu erkennen: 

1. Das Hals- und Brustgefieder trägt einen bronzefarbigen 
Glanz im Unterschied zu dem blauen Glanz des Birkhahnes und 
dem grünen Brustschild des Anerhahnes. Die Ursache liegt darin, 
dafs die Struktur der Rackelhahnfeder eine andere ist als beim 
Auerhahn und Birkhahn und infolgedessen ein andersfarbiger 
Glanz durch die Strahlenbrechung hervorgerufen wird. 

2. Der Stofs des Rackelhahnes ist gabelförmig ausgeschnitten. 
Die äufseren Federn sind jedoch nicht sichelartig gebogen, sondern 
gerade. Die unteren Schwanzdecken bedecken den Stofs zu 
Ve Länge, während sie beim Birkhahn über ihn hinausragen und 
beim Auerhahn nur die Hälfte der Schwanzlänge erreichen. 

Die Rackelhenue gleicht äufserlich im wesentlichen der unter 
sich einander sehr ähnlichen Auer- und Birkhenne. Ihr sicheres 
Erkennungszeichen ist der Schwanz, der stets gerade abgeschnitten 
erscheint im Gegensatz zu dem gegabelten Schwanz der Birkhenne 
und dem abgerundeten Stofs der Auerhenne. Bezüglich der 
unteren Schwanzdecken gilt dasselbe wie vom Rackelhahn. 

Die Schwellfalte im Gehörgang und der Fortsatz des Unter- 
kieferwinkels, die beim balzenden Auerhahn die Taubheit erzeugen, 
sind auch beim Rackelhahn soweit ausgebildet, dafs dieselbe 
Erscheinung hervorgerufen wird. 

Ein anderer Waldhuhnbastard ist das Birk- Schneehuhn, 
zuerst von Nilsson 1809 beschrieben. Das Gefieder ist schwarz 
und weifs gescheckt, die Zehen sind ganz oder teilweise befiedert. 
Naumann beschreibt einen solchen männlichen Bastard, der in 
dem schwarz-weifs gescheckten Kleide braune Federn trug, die 
nach Naumanns Ansicht vom Sommerkleid des Birkhuhnes ererbt 
sind. Es ist noch unbekannt, ob der Bastard von Schnee- und 
Birkhuhn eine Doppelmauser hat wie das Schneehuhn und im 



Beriebt über die Aprilsitzuog 1918. 889 

Sommer ein schwarz-braunes, im Winter ein schwarz-weifses 
Kleid trägt. Es wäre denkbar, dafs der von Naumann beschriebene 
Vogel mit schwarz-weifs-brauner Färbung sich vielleicht im Wechsel 
zwischen Sommer- und Winterkleid befand. Vielleicht sind die 
braunen Federn auch nur ein Zeichen der Jugend; denn auch 
im Gefieder des einjährigen Birkhahnes befinden sich auch nach 
der Mauser noch braune Federn. — 

Liebe erwähnt in der ornithologischen Monatsschrift 1891 
einen Bastard zwischen Auerhahn und Schneehuhn, dessen grün- 
schillerndes Brustgefieder auf die Vaterschaft des Auerhahnes 
hindeutet. In Anbetracht des bedeutenden Gröfseuunterschiedes 
des Auer- und Schneehuhnes erscheint es doch sehr zweifelhaft, 
ob es sich tatsächlich um einen solchen Bastard handelt. Der 
betreffende Vogel befindet sich im Museum' in Bergen und ist 
einer näheren Untersuchung wert. 

Auch zwischen Birkhuhn und Haselhuhn kommen Misch- 
linge vor, die mehr dem Haselhuhn ähnlich sind als dem Birkwild. 

Die Mischlinge der Waldhühner sind defswegen besonders 
interessant, weil es Kreuzungsprodukte verschiedener Arten in 
der Natur sind, die im allgemeinen sehr selten vorkommen und 
wohl hauptsächlich bei polygamisch lebenden Vögeln auftreten. 
Der häufigst in der Freiheit entstehende Bastard ist der Misch- 
ling zwischen Raben- und Nebelkrähe auf der Grenze ihrer Ver- 
breitungszoneu. Bei der nahen Verwandtschaft dieser beiden 
Vögel, die man ebensogut auch nur als geographische Unterarten 
betrachten kann, können diese Mischehen weiter nicht auffallend 
erscheinen. — 

Verhältnismäfsig häufig tritt bei allen Waldhühnern Hahnen- 
fedrigkeit der Hennen auf. Eine hahnenfedrige Auerhenne meiner 
Sammlung gleicht in ihrer Färbung fast völlig einem Hahn, und 
nur die geringe Körpergröfse kennzeichnet sie als Henne, 
während eine Birkhenne aus meiner Sammlung sich durch einen 
Stofs auszeichnet, der so herrliche Sichelfedern trägt, wie man 
sie sonst nur bei einem alten Hahn findet. Als Ursache der 
Hahnenfedrigkeit betrachtet man Sterilität infolge Entartung der 
Keimdrüsen durch Alter oder Krankheit. Ein Beweis hierfür 
ist die bei kastrierten Hühnern stets eintretende Hahnenfedrigkeit. 
Ferner hat PoU in zahlreichen Fällen nachgewiesen, dafs eine 
krankhafte Veränderung der Keimdrüsen, die deren natürliche 
Funktion verhindert, bei weiblichen Vögeln stets Hahnenfedrigkeit 
nach sich zieht. Eine Störung der Keimdrüsen findet sich häufig 
bei Bastarden ; auch in diesem Fall reagiert darauf der weibliche 
Organismus durch Ausbildung des Männchenkleides. Dagegen 
wurde die Fruchtbarkeit hahnenfedriger Weibchen bisher noch 
nicht einwandfrei nachgewiesen. Wurm nimmt in seinen Schriften 
über die Waldhühner auch Zwitterbildung als Ursache für Hahnen- 
fedrigkeit an. Die Hahnenfedrigkeit ist dann also nur eine 
scheinbare, da es sich nicht um ein Weibchen handelt, sondern 



340 Beriebt ttber die Aprilsitzung 1918. 

um ein Wesen doppelten Geschlechts. Sehr lehrreich für die 
Färbung solcher Zwitter ist ein hermaphroditer Gimpel, den Dr. 
*Heinroth vor Jahren in der unserer Gesellschaft vorlegte. Die 
Brust dieses Vogels war rechtsseitig rot, linksseitig grau gefärbt. 
Wegen der linksseitigen Lage des Eierstockes bei dem weib- 
lichen Vogel mufs dieser laterale Dimorphismus beim Zwitter 
ganz natürlich erscheinen. Dieselbe Erscheinung wurde aufser 
bei dem genannten Gimpel auch noch bei anderen Vogelzwittern 
beobachtet. Im Gegensatz hierzu tritt aber die Hahnenfedrigkeit 
der Waldhühner gleichmäfsig am ganzen Körper auf, sodafs eine 
Zwitterbildung sehr zweifelhaft erscheint. — 

Etwas ganz andres als die Hahnenfedrigkeit der Weibchen 
ist die Hennenfedrigkeit der Männchen. Sie tritt nur als eine 
Hemmungsbildung in Erscheinung, als eine nicht völlige Ver- 
mauserung des dem Weibchen ähnlichen Jugendkleides. Dagegen 
ist ein Vertauschen des Prachtkleides mit dem unscheinbar ge- 
färbten Weibchenkleid bisher noch niemals beobachtet worden. 
Auch kastrierte Haushähne behalten stets ihr Männchengefieder ; 
nur die Kämme und Kehllappen schrumpfen ein. 

Bei den Laufhühnchen (Turnix) besitzt bekanntlich das 
Männchen ein unscheinbares, erdfarbenes Gefieder, während sich 
das Weibchen durch ein Prachtkleid auszeichnet. Das Weibchen 
balzt, das Männchen hingegen brütet und führt die Jungen. 
Interessant ist die Frage, welche Folgen würde eine Kastration 
der Laufhühnchen nach sich ziehen? Hier würde wahrscheinlich 
das kastrierte Weibchen sein Prachtkleid behalten, während das 
Männchen das bunte Hennenkleid anlegen würde. Wir würden 
dann also hier ausnahmsweise einen Fall bunter Hennenfedrigkeit 
vor uns haben. Derartige interessante Versuche werden sich 
hoffentlich in späterer Zeit, wenn die Einfuhr ausländischer Vögel 
wieder zu erwarten ist, ermöglichen lassen." 

Anschliefsend hieran bemerkt Herr H e i n r o t b , dafs auch 
Formen, die nach unsern Begriffen untereinander ferner stehen 
als z. B. Birk- und Auerhuhn, fruchtbare Mischlinge ergeben 
können, wie beispielsweise Löffler und Ibis, Stock- und Spiefsente. 
Wenn es gestattet ist, von den Enten auf Waldhühner zu schliefsen, 
so müfste ein Mischling von Birk- und Schneehuhn ein besonderes 
Winterkleid anlegen, denn bei solchen Enten-Mischlingen, deren 
eine Elternart ein Sommer- und ein Prachtkleid besitzt, die 
andere aber nur ein einfaches Kleid, tritt ein regelmäfsiger 
Wechsel von Pracht- und Sommerkleid ein, 

Herr N e u m a n n bemerkt, dafs Mischlinge in der freien 
Natur wohl meist nur dann vorkämen, wenn bei den betreffenden 
Arten geschlechtlicher Dimorphismus besteht, so z. B, bei Capito 
hourcieri und bei der Nektarinien-Gruppe, deren Weibchenkleider 
unter sich sehr ähnlich sind. Hahnenfedrigkeit tritt bei Nektarinien, 
Capitoniden und Campephagiden öfters auf. Bei letzteren ist 
jedoch darüber schwierig zu entscheiden, da das Männchen zuerst 



Bericht über die Aprilsitzung 1918. 841 

das weibliche Kleid trcägt. Er bittet um Mitteilung von Bastarden 
aus der Freiheit. Herr Reichenow antwortet, dafs das 
Museum einen Mischling zwischen Rauch- und Mehlschwalbe be- 
sitzt, ebenso von Turdus atrigularis und T. ruficoUis. Herr 
V. Lucanus berichtet daran anschliefsend noch über eine 
Kreuzung von Farus horealis und F. cristatus. Nach Herrn 
Neumann's Ansicht handelt es sich bei der Rotkehl- und 
Schwarzkehldrossel um keine eigentlichen Bastarde, da sie ganz 
nahe verwandte Formen seien, die in ihrem Grenzgebiet anein- 
ander wohnen. Herr S c h a 1 o w erwidert, dafs auch Mischlinge 
zwischen Wachholder- und Weindrossel bekannt sind, die doch 
neben einander vorkommen. 

Herr H e i n r o t h hat eine Anzahl Photographien mitgebracht, 
die einen lebenden, völlig nackten Coracopsis vasa in verschiedenen 
Stellungen darstellen und als Aktaufnahmen ein klares Bild der 
Stellung und der Bewegungsweise des dem Auge sonst durch 
Federn verdeckten Körpers geben. Zugleich bemerkt er, dafs 
alt eingeführte, tadellos befiederte Vaza-Papageien mit der nächsten 
Mauser häufig weifse Federn bekommen, dann manchmal ganz 
weifs werden und schliefslich an völligem Federausfall leiden. 
Um einen solchen Vogel habe es sich hier gehandelt. 

Herr N e u m a n n legt eine Anzahl papuanischer Vögel vor 
und bespricht die überraschende Ähnlichkeit des Ästur planes 
aus Neu-Guinea und des westafrikanischen Astur melanoleucus. 
A. planes entspricht der Jugendform vom A. hürgersi. Ferner 
zeigt er, dafs bei gewissen roten Loriformen das Weibchen blaue 
und das Männchen schwarze Unterflügeldecken hat, worauf bisher 
noch nicht hingewiesen ist. Herr v. L u c a n u s , der Gelegenheit 
hatte, einen jungen Eos ruhritorques aufzuziehen, berichtet, dafs 
das Jugendkleid daran kenntlich ist, dafs die orangenen Brust- 
federn einen violetten Saum haben, der später fehlt. 

Das Ehepaar Heinroth hat einen heute IStägigen, zu 
Hause aus dem Ei erbrüteten lebenden Nachtreiher mitgebracht 
und bespricht seine Wachstumskurve und den Nahrungsverbrauch 
sowie die eigentümliche Befiederung: während der ganze Vorder- 
körper nach dem ersten Daunenkleid sofort Federn erhält, an 
deren Spitzen vereinzelte Daunen sitzen, bekommt der Hinter- 
körper ein neues, weifses Daunenkleid, so dafs der Vogel gerade 
so aussieht, als sei er aus zwei verschiedenen Wesen zusammen- 
gesetzt. O. Heinroth. 



Dem Herausgeber zugesandte Schriften. 

St. Chernel v. Chernelhäza, Daten zur Vogelfauna Ungarns. 
Notizen über den Herbstzug aus der Gegend des Balaton-Sees. 
Das Vorkommen des Alpenflühvogels {Accentor collaris) im 
Komitat Zala. (Abdruck aus: Aquila 24. 1917.) 

Jonra. f. Orn- LXVI. Jahr?. Juli 1918. 23 



842 Dem Herausgeber zugesandte Schriften. 

R. D e m 1 1 , Der Flug der Insekten und der Vögel. Eine Gegen- 
überstellung. Jena (Fischer) 1918. 

J. Domaniewski, Compte rendu d'une excursion ornitho- 
logique, faite ä Polesie en 1913. (Odbitka z Tomu XXV 
Pamietnika Fizyograficnego 1918.) 

— Kilka slow o organizacyi Muzeum Zoologicznego przy Muzeum 
Narodowem w Warszawie. (ebenda 1917.) 

— Contribution ä la connaissance de quelques faucons palearc- 
tiques. (Abdruck aus: Comptes Rend. Soc. Sc. Varsovie 1917, 
Fase. 3.) 

0. Heinroth, Allerlei Wildenten. (Abdruck aus:Velhagen u. 
Klasings Monatshefte, 32. Jahrg., 1917/18.) 

A. J a c b i , Die Schutzfärbung der Schneehühner. (Die Natur- 
wissenschaften, 6. Jahrg., Heft 16, 1918.) 

F. Lindner, Hiddensoes Vogelwelt im Jahre 1917. (Abdruck 
aus: Orn. Monatsschr. 43., No. 5.) 

E. Lönnberg, Fauna och Flora. Populär Tidskrift för 
Biologi 1917. 

K. Logs, Erster bis Dritter Bericht über die Tätigkeit der 
Ornithologischeu Station des „Lotos" in Liboch a. E. in den 
Jahren 1914—16. 

F. V. Lucanus, Der Zug der Waldschnepfe. (Abdruck aus: 
Deutsche Jäger-Zeitung, No. 8, Bd. 71.) 

H. Noll-Tobler, Beobachtungen an unsere einheimischen 
Rallen. (Abdruck aus : 54. Bd. Jahrb. St. Gall. Naturw. Ges. 1917.) 

P. Rosenius, Sveriges Fäglar och Fägelbon. 12.— 15. Häftena. 
Lund (C. W. K. Glerups Förlag.) 

W. Rüdiger, Ornithologische Beobachtungen in den Gou- 
vernements Kowno und Kurland. (Abdruck aus: Archiv f. 
Naturg., 82. Jahrg., 1916.) 

E. Stresemann, Die Verwendbarkeit des Entfernungsmessers 
zur Ermittelung der Flughöhe. (Abdruck aus: Verh. Orn. 
Ges. Bayern 13. Heft 2, 1917.) 

— Über gemischte Vogelschwärme. (Abdruck aus: Verh. Orn. 
Ges. Bayern 13. Heft 2, 1917.) 

0. Taschenberg, Weshalb gackern die Hühner? (Abdruck 
aus: Orn. Monatsschr. 43. No. 3, 1918.) 

V. V, TschusizuSchmidhoffen, Zur Klärung der Frage 
bezüglich der Wanderrebhühner. (Wild u. Hund, 24. Jahrg., 
No. 7, 1918.) 

Druck TOD Otto DornblUtb in Bernburg. 



JOURNAL 



für 



ORNITHOLOGIE. 




SeohaundseohslgBter Jahrgang. 



No. 4. 



Oktober. 



1918. 



XTII. Jahresbericht (1917) der Vogelwarte Bossltten 
der Beutichen Omlthologlschen Cfesellschaft 

Von Prof. Dr. J. Thlenemaxm. 

(Hiercu Itfel 1.) 

Das Jahr 1917 war für die Vogelwelt im höchsten Grade 
verhängnisvoll. Wann hat man je einen solchen langen, strengen 
Nachwinter erlebt wie in diesem Jahre l In der Menschenwelt 
scheint alles auf den Kopf gestellt und draufsen in der Natur auch. 

Am Karfreitag, den 6. April, wo sonst schon reger Boots- 
und Dampferverkehr auf dem Kurischen Haff stattfindet, kamen 
unsere Pillkoppener Fischer in stolzer Schlittenkarawane noch 
über Eis nach Rossitten zur Kirche gefahren. Erst am 17. April 
fing die starke Eisdecke an zu weichen. Am 29. April lustiges 
Schneegestöber bei vollständiger Winterlandschaft ; am 22. Mai 
zeigt das Minimumthermometer noch -— 3,7* C. Und dann diese 
Überschwemmung 1 Das halbe Dorf Rossitten steht unter Wasser. 
Die Leute fahren in den Strafsen mit Kähnen und Schweinebrüh- 
trögen umher. Dafs solche abnorme Witterung nicht ohne Ein- 
flufs auf die Vogelwelt geblieben ist, läfst sich verstehen: viel 
Vögel sind zu Grunde gegangen, ein sehr mäfsiger Frühjahrszug 
1917, wobei manche Arten ganz ausblieben, grofse Lücken im 
Brutvogelbestande — all das war zu merken. Ich mufs gestehen, 
dafs ich in dem Kapitel „Winterwetter und Vogelwelt" etwas 
habe umlernen müssen. In dem unten folgenden Berichte über 
den Beringungsversuch finden sich bei dem Kapitel über die 
Lachmöwen einige Bemerkungen darüber. 

Die Arbeiten auf der Vogelwarte wurden in der üblichen 
Weise, den Kriegsverhältnissen angepafst, fortgesetzt. Durch- 
halten! so heilst ja auch hier die Losung. 

Über besondere Besuche sei folgendes erwähnt. Während 
der Oktoberzugzeit war Herr Kunstmaler E s c h k e im Auftrage 

JoBn. f. On. LXVI. Jakrg. Oktobar 1916. 24 



844 J. Thienemanii': 

des Eöüiglichen Instituts für Meereskunde aus Berlin hier an- 
wesend, um an Ort und Stelle Skizzen zu dem grofsen Gemälde 
zu entwerfen, das an dem für die Vogelwarte bestimmten Platze 
im Institut aufgehängt werden soll. Es war auf diese Angelegen- 
heit schon im vorigen Jahresberichte hingewiesen worden. Herr 
E s c h k e wohnte auch mit in Ulmenhorst und hatte das Glück 
recht gute Zugtage anzutreffen. 

In militärischem Auftrage kam, ebenfalls im Oktober, Herr 
Prof. Dr. P a X mit zwei Ordonnanzen von Berlin nach Rossitten, 
um 10 lebende Krähen abzuholen, die die Vogelwarte für einen 
geplanten Versuch zu liefern hatte. Die Krähen sollen an der 
Front als Anzeiger für ferne Flugzeuge ausgebildet werden. 

Zum Studium des Vogelzuges war Herr Dr. Lüttschwager 
aus Elbing in Ulmenhorst anwesend. Auch Freund Tischler 
besuchte die Station wieder in gewohnter Weise. Im Juli führte 
Herr Prof. Dr. A n d r 6 e von der Universität Königsberg seine 
Studenten gelegentlich einer geologischen Exkursion über die 
Kurische Nehrung auch nach Rossitten und nach der Vogelwarte. 

Vom 26. bis 29. Mai wurde wieder ein Kursus über Vogel- 
schutz und praktische Vogelkunde abgehalten, der gut besucht war. 

Vorträge wurden vom Unterzeichneten gehalten im land- 
wirtschaftlichen Verein Schugsten, ferner in der gemeinschaft- 
lichen Sitzung der biologischen und faunistischen Sektion der 
Physikalisch-Ökonomischen Gesellschaft in Königsberg i. Pr., im 
landwirtschaftlichen Kreisverein Nordenburg, sowie in der Deutscheu 
Vaterlandspartei in Cranz. 

Nach der vorjährigen kurzen Studienreise nach Kurland 
hielt sich der Unterzeichnete im verflossenen Jahre längere Zeit 
in Kurland auf. Eine ausführliche Abhandlung darüber mufs 
leider hier unterbleiben, da der vorliegende Jahresbericht des 
Papiermangels wegen sehr kurz gehalten werden soll, ich aber 
aufer dem Berichte über den Beringungsversuch diesmal sehr gern 
die unten folgende Abhandlung über die künstlichen Nisthöhlen 
bringen wollte. Aufserdem wird Herr Geheimrat Reichenow 
die Güte haben, einige Bemerkungen über die von mir in Kur- 
land gesammelten und nach Berlin geschickten Vögel einzufügen. 

Das eine mag aber hier schon im Voraus bemerkt werden, 
dafs die Vogelarmut in den Kurländischen Wäldern manchmal 
gradezu trostlos ist. Auf diese Erscheinung wurde schon im 
Berichte über meine vorjährige Kurlandreise hingewiesen. Wenn 
ich in Rossitten von meiner Wohnung nach der Vogelwarte gehe, 
also etwa 10 Minuten weit, dann beobachte ich mehr Vögel, als 
wenn ich in Kurland vier Stunden lang reise. Und welche Strecken 
bin ich dort mit dem Wagen durch's Land gefahren 1 Im ganzen 
etwa 460 km. Aber fast überall Vogelarmut; „Totengeruch", wie 
Herr Oberförster Hugenberger, mein liebenswürdiger Begleiter 
auf manchen Exkursionen, scherzhaft zu sagen pflegte. 



XVII. Jahresbericht der Vogelwarte Rosiitten. 345 

Inwieweit an diesem Vogelmangel die Kriegs- oder un- 
günstigen Witterungsverhältnisse des vorigen Winters schuld sind, 
müssen spätere Vergleiche zeigen. Meine Beobachtungen beziehen 
sich auf den Kreis T a 1 s e n. Ich will auch ohne weiteres zu- 
geben, dafs man durch langjährigen Aufenthalt im vogelreichen 
RoBsitten etwas verwöhnt wird. 

Auch die üblichen Reisen in die Storchreviere der Provinz 
wurden unternommen. Es konnte festgestellt werden, dafs merk- 
liche Veränderungen im Storchbestande während des Krieges 
nicht eingetreten waren. 

Fräulein Dr. Beyer, die zur Hilfeleistung auf der Vogel- 
warte angenommen war, mufste leider abgehen, um ihr Probejahr 
als Oberlehrerin durchzumachen. An ihre Stelle trat Fräulein 
Q er lach. 

Als ein Kriegszeichen sei erwähnt, dafs der Berichterstatter 
ein Gutachten über Krähenpreise für die Provinzial-Preisprüfungs- 
stelle Ostpreufsen aufzustellen hatte. 

An die Bibliothek haben folgende Autoren, der Zeitfolge 
nach aufgeführt, Schriften eingesandt: 

von Tschusi zu Schmidhoffen, Hallein. 

F. K s k e - Greifswald. 

Dansk ornithologisk Forenings Tidsskrift (0. Helm s). 

P. Krüfs. 

Pastor Wilhelm Schuster, Chefredakteur. 

Westpreufsiscb Botanisch-Zoologischer Verein Danzig (Prof. 

Dr. L a k w i t z). 
Westpreufsisches Provinzial-Museum Danzig (Prof. Dr. K u mm). 
Kroatische Ornithologische Zentrale (Prof. Dr. £. Röfsler). 
Geh. Sanitätsrat Dr. R. H i 1 b e r t. 
Alfred Richard- Neuchätel. 
A. K 1 e n g e 1 - Meifsen. 
Geh. Reg.-Rat G. G. Winkel. 
Königl. Ungarische Ornithologische Zentrale, Budapest. 
Stefan y. Chernel. 
Dr. Fr. L i n d n e r - Quedlinburg. 
Karl Daut und Albert Hefs in Bern. 
F. Tischler- Heilsberg. 
Erwin Gebhardt- Nürnberg. 
R. S t i m m i n g - Grofswusterwitz. 
Naturhistorische Gesellschaft zu Nürnberg. 
Staatliche Stelle für Naturdenkmalpflege in Preufaen (Geh. 

Rat Prof. Dr. C o n v e n t z). 
Prof. Dr. E. R u p p , Königsberg i. Pr. 
August Thienemann. 
Dr. Hans Stadler (Lohr). 
C. Kayser-Lissa i. Po. 
Werner Sunkel. 



846 J. ThieDemann: 

Dr. Hans Lüttschwager- Elbing. 

Hialmar Rendahl. 

Ornithologische Gesellschaft in Bayern (C. E. H e 1 1 m a y r). 

Prof. Dr. F. P a x - Breslau. 

Friedrich von Lucanus. 

Ornithologische Station des „Lotos" in Liboch a. E. (Kurt 

L s). 
UdoBährmann. 
HermanSchalow. 
Jakob Schenk. 
Prof. Dr. C. H e n n i c k e. 
Sociötö Zoologique de Genfeve. 
Wilhelm Rüdiger. 
Prof. Dr. A. V i g t. 
Erwin Stresemann. 
A. Laubmann- München. 
Walther Bacmeister. 
Sylvester M. Saxtorph. 

Dafs der Beringungsversuch als internationales Unternehmen 
durch den Weltkrieg geschädigt wird, liegt klar auf der Hand, 
aber das Interesse dafür ist immer noch sehr rege. Das geht 
schon daraus hervor, dafs im verflossenen Jahre wieder 122 er- 
beutete Versuchsobjekte an die Vogelwarte zurückgeschickt oder 
zurückgemeldet wurden, gegen 127 im Vorjahre. Im Jahre 1915 
waren es 111. Aber das Schlimme ist, dafs der männermordende 
Krieg mir so viele treue Mitarbeiter entreifst. 

Wer in begeisterter Weise am Vogelberingungsversuche mit- 
hilft, der ist gewöhnlich kein Stubenhocker, sondern ein Mensch, 
der mit offenen hellen Augen durch die Natur geht und der 
sich bei seiner kräftigen Leibesverfassung nicht scheut auf den 
Dächern und Bäumen herumzuklettern, um Jungvögel zu beringen. 
Solche Menschen, mit solchem Körper und mit solchem Geiste 
werden aber jetzt an der Front gebraucht und gern bei schwierigen 
Aufgaben verwendet, und die Folge ist die grofse Verlustzahl 
unter ihnen. So kann ich auch jetzt wieder von einem besonders 
schmerzlichen Verluste berichten. Zu den Vermifsten aus den 
Somme-Kämpfen vom 9. April 1917 gehörte auch der Unteroffizier 
Erich Speer aus Sibyllenort, Kreis Oels in Schlesien. Der 
junge Mann hatte es sich, ich darf sagen, mit zur Lebensaufgabe 
gestellt, mit allen Kräften nicht nur selbst für den Beringungs- 
versuch zu arbeiten, sondern auch in weiten Kreisen Anregung 
zu geben. Er hatte zu dem Zwecke — worauf schon im vorigen 
Jahresberichte hingewiesen war — auf eigene Kosten Karten 
drucken lassen, worauf alles das verzeichnet steht, was ein Mit- 
helfer bei dem Versuche wissen mufs. 

Diese Karten sind jetzt von dem Vater des Vermifsten, 
Herrn Königlichen Förster Speer in Domatschine bei Sibyllenort 



XYII. Jahresbericht der Vogelwarte Bossitten. 847 

zu beziehen. Sie seien allen denen angelegentlichst empfohlen, 
die sich schnell über die Art und den Zweck des Versuches 
unterrichten wollen. 

Die Schriftstellerin Fräulein A. E. Schmidt aus Breslau 
bat mich, im vorliegenden Jahresberichte des jungen Mannes kurz 
zu gedenken. Ich komme dieser Bitte sehr gern nach, hätte 
aber auch aus eigenem Antriebe den herben Verlust gemeldet. 
Ob der Vermifste nochmal auftauchen wird? 

Aus dem Felde laufen übrigens weiter sehr oft Meldungen 
über Auffindung beringter Vögel ein, ebenso helfen die Soldaten 
fortgesetzt bei der Markierung. In dem folgenden Berichte finden 
sich dafür mancherlei Beweise. Allen Mitarbeitern herzlichsten 
Dank! 

Baricht über den y(ooelberingungtvArtuch im Jahre 1917. 

Im Jahre 1917 wurden auf der Vogelwarte selbst beringt: 
2 Heringsmöwen {Larus fuscus) 
9 Lachmöwen {Larus ridibundus) 
2 Stare (Sturnus vulgaris) 
1 Baumfalk (Falco subhuteo) 
45 Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes macrorhyncha) 
1 Plattmönch {Sylvia atricapilla) 
1 Rotkehlchen {Erithacus rubeculus) 
1 Singdrosse l {Turdus musicus). 

62 Vögel. 
Nach auswärts wurden folgende Ringe abgegeben: 
Gröfse A: 23 Stück 

- B: 331 - 

- C u. D: 540 - 

- E: 670 - 

- F: 1014 - 

- G: 1454 - 

4032 Stück. 
Im Ganzen wurden also im Jahre 1917 4094 Ringe gebraucht. 

Zurückgeliefert oder zurückgemeldet wurden im Jahre 1917 
folgende Vögel: 

4 Nebelkrähen {Corvus cornix) 
1 Rabenkrähe {Corvus corone) 
9 Störche {Ciconia ciconia) 

1 Schwarzer Storch {Ciconia nigra) 
25 Lachmöwen {Larus ridibundus) 

2 Silbermöwen {Larus argentatus) 
1 Mantelmöwe {Larus marinus) 

1 He ringsmöwe {Larus fuscus) 

44 



848 J. Thienemann: 

44 
5 Sturmmöwen (Larus cdnus) 
1 unbestimmter „Seevogel" 

1 Mittlerer Säger (Mergus serrator) 

2 Stockenten (Anas boschas) 
2 Bläfshühner (FuUca atra) 

1 Fischreiher (Ärdea cinerea) 

1 Auerhahn (Tetrao urogallus) 

2 Hühnerhabichte (Ästur palumharius) 

2 Sperber (Äccipiter nisus) 

3 Mäusebussarde (Buteo huteo) 

1 Rauhfufsbussard (Ärchibuteo lagopm) 

1 Wespenbussard {Pernis apivorus) 

1 Steinkauz (Athene noctua) 

1 Schleiereule (Strix flammea) 

2 Grünspechte (Picus viridis) 

1 Mehlschwalbe (Delichon urbiea) 
1 Dohle (Lycos monedula) 

1 Elster? (Fica pico) 

2 Eichelhäher (Garrulus glandarius) 

5 Tannenhäher (Nucifraga caryocatactes macrorhyncha) 

3 Stare (Sturnus vulgaris) 
19 Kohlmeisen (Parus major) 

2 Blaumeisen (Partis caeruleus) 

3 Sumpfmeisen 

9 Grünlinge (Chloris chloris) 

1 Bergfink (Fringilla montifringilla) 

2 üaussperlinge (Passer domesticus) 

3 Hausrotschwänze (Erithacus titys) 

•-■• — - *— ^— ^»— ^- — I I ■ - " — 

Summe 122 Vögel in 36 Arten. 



Nebelkrähen (Corvus cornix). 

a) Als Zugkräben bei Rossitten gefangen und 
beringt aufgelassen. 

1) Nr. 16678. Gezeichnet am 2. April 1913 mit noch 
59 Artgenossen. 

Erbeutet auf einer Kräbenhütte bei D i c k u r s b y in 
der Nähe von Helsingfors, Finland am 6. April 1917. 

Nachricht durch Herrn Carl Huber, der eine entspre- 
chende Notitz aus „Finlands Jakttidskrift" einschickt. 

Zeit: 4 Jahre. 

Entfernung: etwa 600 km nach NO. 

Die Krähe war bei der Erbeutung wahrscheinlich schon 
am Brutplatze eingetroffen. Die Umgegend von Helsingfors hat 
bisher viel Ringkrähen geliefert. 



XVII. Jabfesbericbt der Vogelwarte Bosiitten. 349 

3) Nr. 21760. Gezeichnet am 13. Oktober 1913 mit noch 
35 Artgenossen. 

Erbeutet am 10. Januar 1918 in Auerhof bei Thieren- 
berg, Samland, Ostpreufsen durch Herrn Hauffe jun. 

Zeit: 4 Jahre, 3 Monate. 

Entfernung: 57 km nach SW. 

Auerhof liegt in der Verlängerung der Zugstrafse von 
Rossitten nach Süden zu. Es ist anzunehmen, dafs diese Krähe 
den Zugscharen angehört hat, die fast in jedem Jahre um die 
Weihnachtszeit und Anfang Januar noch die Nehrung entlang 
nach Süden wandern. Solche Züge fanden z. B. bei stürmischem 
Schneetreiben und Frost am 4. und 5. Januar 1918 statt. 

b) Als Jungvögel im Neste markiert. 

3) und 4) Nr. 26683 und Nr. 26686. Gezeichnet am 20. 
und 26. Mai 1917 bei Schituowitschi 12 km südwestlich von 
Pinsk in Polen durch Herrn Leutnant Grafsmann. 

Geschossen wurde die erste Nummer am 10. Juli 1917 
bei Pinsk von Herrn Leutnant Bötterling, die zweite am 
25. September 1917 in den Rokitnosümpfen durch Herrn 
Feldw.-Leutnant H o f m a n n. 

Zeit: fast 2 Monate und andrerseits 4 Monate. 

Entfernung. Die erste Krähe ist vorläufig in der Um- 
gebung ihres heimatlichen Nestes verblieben. Die zweite, die 
am 5. September erlegt wurde, hatte, nach Rossittener Zugver- 
hältnissen beurteilt, bereits ihre Winterreise angetreten und war 
etwa 180 km nach W. vorgedrungen. Es ist, wie ich schon im 
vorigen Jahresberichte Seite 320 erwähnte, sehr zu bedauern, 
dafs nun schon das vierte Mal solche in Polen markierten Jung- 
krähen schon bald nach dem Ausfliegen wieder ihren Tod fanden, 
ohne uns ihre Winterreise aufzuzeichnen, auf deren Verlauf man 
sehr gespannt sein mufs, da sie Vergleiche mit den über die 
Kurische Nehrung wandernden Krähen zuläfst. Unsere Soldaten 
draufsen scheinen den Krähen und auch andern Vögeln sehr eifrig 
nachzustellen. So ist es zum Beispiel nicht möglich junge hinter 
der Front markierte Störche bis zum Wegzuge durchzubringen. 
Sie werden vorher immer in der Nähe ihres Brutplatzes erlegt. 
In neuester Zeit wurde ein junger Ringstorch gemeldet, der sogar 
vom Neste herabgeschossen war. 

Rabenkrähe (Corvus corone). 

Nr. 26440. Gezeichnet in Lohr am Main durch Herrn 
Dr. Stadler, der jetzt im Felde steht und über den Berin- 
gungstermin keine näheren Angaben macheu kann. 

Am 6, Januar 1918 wird diese Krähe ebendaher durch Herrn 
Jagdpächter Clemens Franz gemeldet. 

Wieder diese Sefshaftigkeit der Rabenkrähe im Gegensatz 
zur Nebelkrähe (cf. XV. Jahresbericht). 



8ft0 J> Thienemann: 

Störche (Cicönia eieonia). 

a) Die von den Störchen im Frühjahre verfolgte 
nordwestliche Zugrichtung. 

Die drei folgenden Fälle zeigen recht deutlich die von den 
Störchen im Frühjahr verfolgten Rückwege. Die Mecklenburger 
Störche durch Südungarn, die Pommerschen und Ostpreufaischen 
durch Galizien und Polen. 

1) Nr. 10131. Gezeichnet am 6. Juli 1914 in Golden- 
bau m bei Carpin, Mecklenburg-Strelitz durch Herrn 
Förster Fischer. 

Erbeutet am 18. März 1917 bei Nagyszentmiklos, Gomi- 
tat Torontal, Südungarn am Marosflusse. 

Nachricht unter Beifügung des Ringes durch Herrn Hel- 
f r i c h t , Eönigl. Staatstierarzt in Perjamos, Ungarn. 

Die Art der Erbeutung ist höchst eigenartig. Laut Bericht 
ist der Storch „auf der Reise aus dem Süden am 18. März er. 
während des Fluges plötzlich tot herabgefallen". 

Zeit: 2 Jahre, 8 Monate. 

Entfernung: ca. 950 km nach SO. 

Der Storch befand sich auf der Rückreise aus der afrika- 
nischen Winterherberge nach seiner Mecklenburger Heimat. 

2) Nr. 214. Gezeichnet im Sommer 1907 in Borntuchen, 
Kreis 6 ü t o w , Bez. Köslin, Pommern durch Herrn Lehrer 
Zaddach. 

Erbeutet im März 1912 inChorostkow etwa 50 km 
südöstlich von Tarnopolin Galizien. 

Meldung durch Herrn Oberleutnant Bredemeier, der 
auf dem Vormarsche unserer Truppen im Juli 1917 das beringte 
Storchbein bei einem Förster auf einem Rehgehörne fand, wo es 
schon fünf Jahre gelegen hatte. Der Sohn des Försters erzählte 
die Geschichte der Erbeutung: Sein Vater hätte bemerkt, dals 
der Storch einen Ring ums Bein trüge und hätte sehen wollen, 
was das bedeute. 

Dieser Ring wäre für die Wissenschaft verloren gewesen, 
wenn er von unsern Truppen nicht aufgestöbert worden wäre. 

Zeit: ca.- 5 Jahre. 

Entfernung: etwa 850 km nach SO. 

Auch dieser Storch befand sich auf der Rückreise aus seiner 
afrikanischen Winterherberge. 

8) Nr. 2254. Gezeichnet am 6. Juli 1909 in Jodszuhnen, 
Kreis Darkehmen, Ostpreufsen durch Herrn Kreisarzt 
Dr. Schüler. 

Erbeutet im Jahre (wohl Frühjahre) 1912 bei Stradecz 
um B u g südlich von Brest-Litowsk. 



XYII. Jabresbericbt der Vogelwarte Boiiitten. 861 

Nachricht unter Beifügung des Ringes durch die Etappen- 
Inspektion Bug Zivilverwaltung unterm 7. April 1917. Der Storch 
war geschossen worden. Er wäre sicher in Vergessenheit geraten, 
wenn ihn unser Militär nicht wieder entdeckt hätte. Solcher 
Fälle liegen schon mehrere vor. Man kann daraus sehen, wieviel 
erbeutete Ringe verloren gehen, ohne ihrer wissenschaftlichen 
Auswertung entgegengeführt zu werden. 

Zeit: ca. 3 Jahre. 

Entfernung: ca. 300 km nach SO. 

Dieser Storch hätte auf seiner Frühjahrswanderung durch 
Polen seine ostpreufsische Heimat bald erreicht. 

b) Der Zug nach und in Afrika. 

4) Unterm 17. Februar 1917 meldet Herr Prof. Dr. Jurisch 
aus Berlin W. 57, Pallas Str. 17 folgendes: In einem Briefe aus 
Kapstadt vom 26. November 1916 war die Mitteilung ent- 
halten, dafs nach einer dortigen Zeitungsnotiz vor einigen Tagen 
bei Bloemfontein im Orange Freistaat ein Storch 
gefangen worden sei, der am Fufse einen Ring trug mit der 
Aufschrift „Rossitten". 

Die Nummer war nicht genannt, konnte auch während des 
Krieges nicht ermittelt werden. So läfst sich über den Mar- 
kierungsort nichts sagen. Der Fall beweist nur, dafs die Störche 
auch während des Krieges ihre altgewohnten Winterherbergen in 
Südafrika aufsuchen. 

c) Rückkehr der Störche in ihr Heimatgebiet. 

Da liegen wieder vier recht lehrreichen Fälle vor. Davon 
sind zwei Störche durch Telegraphen- oder Telefonleitungen zu 
Grunde gegangen. 

Die Entfernungen zwischen Qeburts- und Erbeutungsstätte 
betragen: 30; 38; 65 und 130 km. 

5) Nr. 9394. Gezeichnet am 21. Juli 1913inSaussienen 
bei D m n a u , Ostpreufsen durch Herrn P a n n k e. 

Erbeutet am 24. Juli 1917 in Stollen bei Lieb- 
stadt, Ostpreufsen. Der Ring wird eingeschickt. Meldung 
durch Herrn v. K u e n h e i m. 

Zeit: 4 Jahre. 

Entfernung: etwa 65 km nach SW. 

6) Nr. 1370. Gezeichnet im Sommer 1909 in A 1 1 - B e 1 z , 
Kreis Köslin, Pommern durch Herrn Präparator Franz Bahr. 

Erbeutet am 4. Mai 1917 bei Kusso w bei G umbin, 
Kreis Stolp, Pommern. 

Der Storch lag am Telegrapheudrahte verunglückt auf 
einer Wiese. 



862 J- ThieDem&nn: 

Meldung durch die Schriftleitung der „Zeitung für Hinter- 
pommern*'. Der beringte Fufs liegt der Meldung bei. Ring 
nebst Aufschrift sind tadellos erhalten trotz achtjährigen Tragens. 
An der Stelle, wo der Ring auf der Hinterzehe aufliegt, zeigt 
das Metall die bekannte nach und nach eingeschliffene Kerbe. 
Der Ring hätte ohne Weiteres noch 8 Jahre gehalten. 

Zeit: 8 Jahre. 

Entfernung: ca. 130 km nach NO. 

7) NY 10132. Gezeichnet am 6. Juli 1914 in Golden- 
baum bei Carpin, Mecklenburg -Strelitz durch Herrn Förster 
Fischer. 

Erbeutet Ende Juni 1917 in Trollenhagen bei 
Neubrandenburg, Mecklenburg-Strelitz. 

Meldung durch Herrn Fideikommifsbesitzer Dr. jur. R. 
Grisebach. Der Ring liegt bei. 

Zeit: fast 3 Jahre. 

Entfernung: ca. 30 km nach N. 

Es sei darauf hingewiesen, dafs der oben erwähnte Storch 
Nr. 10131. der auf der Frühjahrsrückreise in Südungarn erbeutet 
wurde, demselben Gehecke entstammte wie der vorliegende Storch 
Nr. 10132, der nach seiner Rückkehr in die Heimat seinen Tod 
fand. Es ist jedenfalls ein merkwürdiges Zusammentreffen, dafs 
diese beiden Geschwister ungefähr das gleiche Alter erreicht haben. 

8) Nr. 7942. Gezeichnet im Jahre 1913 oder 1914 in 
Windbergen in Holstein durch Herrn Lehrer Henken. 
Der Herr ist im Felde, bat in der Heimat seine Notizen im unbe- 
wohnten Hause verschlossen und kann daher das Jahr der Mar- 
kierung nicht genau angeben. Den Ring hat der Herr im März 
1913 von der Vogelwarte zugeschickt erhalten. 

Erbeutet Ende April 1917 in der Nähe von Bergen- 
husen an der Kreisbahnstrecke Schleswig — Friedrichstad. 

Der Storch hatte sich an einem Telefondrahte den Flügel 
gebrochen und ging ein. Meldung durch Herrn Kreisbaumeister 
HugoThomsenin Schleswig, Husumstr. 6. Der Ring liegt bei. 

Zeit: unbestimmt (3 oder 4 Jahre?). 

Entfernung: ca. 38 km nach N. 

Es folgt ein Storch, der im Felde hinter der Front gezeichnet, 
sehr bald nach dem Ausfliegen seinen Tod gefunden hat: 

9) Nr. 11163. Der Ring wurde am 27. März 1917 an die 
Omithologische Gesellschaft in Bayern geschickt und war für 
Herrn Scheicher bestimmt, der jetzt im Felde als Arzt in 
G a 1 i z i e n weilt 

Unterm 2. August 1917 meldet Herr Unteroffizier J. Engels, 
Starkstrom-Zug 265, Deutsche Feldpost 90, dals ein mit diesem 
Ringe behafteter Storch in der Nähe der russischen Stellungen 
bei L i p i c a - D 1 n a am Ufer der vielgenannten Narujowka 



XVII. JabrMbericht der Vogelwart« BouitiAD. 858 

ungefähr 20— 22 km südöstlich des Städtchens Hohatyn inOst- 
g a 1 i z i 8 n aufgefunden worden sei. Nach Ansicht des Herrn 
Berichterstatters soll der Storch infolge Brandwunden umgekommen 
sein, die er durch das Sprengstück einer Brandgranate oder durch 
eine Leuchtrakete erlitten hat. Da er aber beim Abbau von 
Starkstromleitungen aufgefunden wurde, so darf man wohl an- 
nehmen, dafs er durch diese selbst umgekommen ist. 

Sohwarzer Storoh (Ciconia nigra). 

Herr Dr. Müller aus Elbiug berichtet unterm 26. Juni 
1917 über folgende merkwürdige Geschichte von zwei markierten 
schwarzen Störchen: 

Auf einer Wiese bei Christburg südlich von Elbing, 
Westpreufsen, wurden um den 16. Juni 1917 zwei schwarze Störche 
beobachtet Jeder von ihnen trug am Halse ein Kettchen, das 
^6eim Schreiten ein eigenartiges Klappern verursachte. Eines 
Tages wurde bemerkt, da£s das eine Exemplar sich am Stachel- 
draht verfangen hatte. Beim Näherkommen machte sich der Storch 
frei, und nun fand man zwei Blechmarken an der Stelle am 
Boden liegen. Erlegt ist keiner der beiden Störche. 

Die Blechmarken wurden Herrn Dr. Müller überbracht, der 
sie freundlichst an die Vogelwarte einschickte. 

Es sind 2 ziemlich grofse und schwere Anhängsel von 
starkem Blech. Durchmesser 5 X 5 cm mit abgerundeten Ecken. 
Gewicht 20 und 22 gr. Aufschrift auf der einen Marke: Wild. 
Süd. 67, auf der andern Wild. Süd. 403. Durch die Marken ist 
je ein grofses Loch gebohrt von 13 mm Durchmesser. 

Vielleicht trägt die Veröffentlichung dieser rätselhaften 
Geschichte zu ihrer Klärung bei. In der alten Literatur finden 
sich Fälle aufgezeichnet, dafs Störche Halsschildchen längere 
Zeit auf ihren weiten Reisen getragen haben. Die vorliegenden 
Marken sind braun verwittert. 

Laohmöwen (Lartts ridibundus). 

1. Auf dem Rossittener Möwenbrucbe als 
Halbdun enj u n ge markiert und dann aus- 
wärts auf dem Zuge oder in der Winter- 
herberge erbeutet. 

Zunächst ein Stück von der südlichen Zugstraüse: 

1) Nr. 9903. Gezeichnet am 9. Juli 1912. 

Erbeutet am 28. März 1917 im Garten einer Holz- 
bandlung, die an der Peripherie Münchens in der Nähe der 
Isar liegt Hatte sich am Telegraphendrahte den Flügel verletzt. 
Der Vogel wurde an das Zoologische Museum und dann an den 
Zoologischen Garten in München eingeliefert. Er trug schon das 



854 J> Thienemann: 

vollständig entwickelte Kleingefieder, das heifst der Kopf war 
bereits braun. 

Nachricht durch die Herren H e 1 1 m a y r und Bungartz. 

Zeit: 4 Jahre, 8 Monate. 

Entfernung: 1000 km nach SW. 

Ein fortpflanzungsfähiges Stück, und da mufs es Wunder 
nehmen, dafs die Möwe bei so vorgerückter Jahreszeit noch im 
Süden weilte. Es folgt unten noch ein ähnlicher Fall. Das späte 
Frühjahr 1917 hat den Zug und die Brutzeit verzögert. Sonst 
erscheinen die ersten Lachmöwen um den 22. März an ihrer 
Brutstelle in Rossitten, und das erste Ei liegt gewöhnlich um den 
2. Mai. Im Jahre 1917 war das erste Ei am 10. Mai zu finden. 

Nun die westliche ZugstraTse^ 

3) Nr. 20230. Gezeichnet am 26. Juni 1913 mit noch 
59 Artgenossen. 

Gefangen am 30. Januar 1917 bei Brunsbüttel 
a. Elbe. 

Nachricht durch den Matr. d. Res. I. H. Brinkmann. 

Zeit: 3 Jahre, 7 Monate. 
Entfernung: 760 km nach W. 
Ein fortpflanzungsfähiges Stück. 

8) Nr. 20958. Gezeichnet am 22. Juli 1913. 

Diese Möwe wurde am 3. Februar 1917 an Bord S. M. S. 
„Posen" in einem bedeckten Räume vom Ober-Matrosen Herrn 
M. Kämpfer gefangen. Das Schiff kreuzte grade auf der 
Aulsenjade. 

Die ganze Möwe wird eingeschickt und kann für die Samm- 
lung aufgestellt werden. Es ist ein Weibchen. 

Man sieht wie die Möwen durch die starke anhaltende 
Kälte im Januar, Februar 1917 so in Not geraten, dafs sie ganz 
ungewohnte Orte aufsuchen. 

Zeit: 3 Jahre, 7 Monate. 

Entfernung: 840 km nach W. 

Ein fortpflanzungsfähiges Stück. 

4) Nr. 20235. Gezeichnet am 26. Juni 1913 gleichzeitig 
mit dem vorigen Stücke. 

Am 7. Februar 1917 wurde diese Möwe auf einem Hofe in 
Flensburg, Schleswig - Holstein eingefangen. Hatte einen 
grofsen Eisklumpen am Schwänze. Nachdem dieser abgetaut war, 
wurde sie wieder freigelassen, kam aber nicht weit, denn am 
nächsten Tage wurde sie auf der Strafse in Flensburg in völlig 
erschöpftem Zustande wieder eingefangen und verendete bald 
darauf. Es ist ein Weibchen. 

Nachricht unter Beifügung des ganzen Vogels durch Frau 
Christiansen in Flensburg, Norderstr. 137. 



XVIL Jahresbericht der Vogelwarte BoiiitteD. 865 

Zeit: 3 Jahre, 8 Monate. 

Entfernung: 740 km nach W. 

Ein fortpflanzungsfähiges Stück. 

Es folgt eine Lachmöwe, deren Zug aus dem Rahmen des 
bisher Beobachteten herausfällt. Der Vogel hat einen Überland- 
flug nach Süden unternommen, oder ist von Wien aus, wo sehr 
häufig Bossittener Lachmöwen vorkommen, Donau abwärts geflogen. 

Es ist ein nicht fortpflanzungsfähiges Stück: 

6) Nr. 28539. Gezeichnet am 24, Juli 1916. 

Gefunden am 11. Februar 1917 bei Biala in Nord- 
bulgarien. Biala liegt an der Bahnstrecke ßustschuck — 
Biala — Sofia. Wahrscheinlich durch Frost eingegangen. 

Nachricht mit Ring durch Herrn Ernst Harff, Armee- 
Fernsprech-Abteilung 18, Oberkommando Mackensen. 

Zeit: ca. 7 Monate. 

Entfernung: ca. 1400 km nach S. 

2. Eine auf dem grofsen Lauternsee, Kreis 
Rössel, Ostpreufen erbrütete und von F. 

Tischler markierte Lachmöwe. 

6) Nr. 15867. Gezeichnet am 18. Juni 1913. 

Erbeutet: Am 11. Februar 1917 in den Isar-Anlagen 
bei M ün c h e n in gänzlich ermattetem Zustande von einem 
Spaziergänger aufgefunden. Verendete kurz darauf. Total ab- 
gemagert. Gewicht 182 gr. (In normalem Zustande wiegt eine 
Lachmöwe 286 gr.) Magen ganz leer. Ein Männchen. 

Meldung durch Herrn M. A. HansBungartz, Inspektor 
des Zoologischen Gartens in München, 51 Harlaching, Tierpark 
Hellabrunn. 

Der beringte Fufs liegt bei. Herr Bungartz schreibt dazu, 
dafs er in diesem Winter (1916/17) grofse Schwärme (bis 500 Stück) 
Lachmöwen auf der Isar beobachtet habe, die sich wochenlang 
da aufhielten und nachts auf Kiesplätzen des Flusses salsen. 

Zeit: 3 Jahre, 8 Monate. 

Entfernung: ca. 900 km nach SW. 

Ein fortpflanzungsfähiges Stück. 

Die Fundstellen für die Lachmöwen von Rossitten und vom 
Gr. Lauternsee sind also diesmal: München, Elbmündung, Aufsen- 
jade, Flensburg und Nordbulgarien. 

3. Die auf der Insel Hiddensee, ferner auf 
den Werderinseln bei Zingst, sowie auf 
der Insel Riems im Greifswalder Bodden 

erbrüteten und markierten Lachmöwen. 

Das Kennzeichen ist vom „Internationalen Bund 
für Vogelschutz" sowie vom „Anhaltischen Bund 
fürVogelschutz"in dankenswerterweise fortgesetzt worden. 



S56 3. Thienemannt 

Auf der Insel Riems hat Herr Dr. T u r o w s k i mit gutem Er- 
folge weiter beringt. 

Zunächst die Hiddensee-Möwen: 

7) Nr. 19291. Gezeichnet am 6. Juni 1914 von Herrn 
Kasten. War erst wenige Tage alt. 

Erbeutet am 9. Februar 1917 in Cuxhaven. Der 
Vogel wurde von Herrn Ober-Masch.-Maat L i e b n i t z gefangen. 
Zeit: 2 Jahre, 8 Monate. 
Entfernung: 300 km nach W. 
Ein fortpfianzungsfähiges Stück. 

8) Nr. 20? 97. Da die Hunderter-Ziflfer durch das Tragen 
ganz abgeschliffen ist, so kann die Zahl nicht genau bestimmt 
werden. Nach dem Journal kann es sich aber nur um eine 
Lachmöwe handeln, die im Sommer 1913 auf dem Möwenbruche 
in Rossitten oder auf H i d d e n s e e markiert worden ist. 

Weil nun bereits aus dem XIII. Jahresberichte eine Hidden- 
see-Lachmöwe von Ober-Bayern vorliegt, so ist wohl diese Insel 
als Markierungsort anzunehmen. 

Erbeutet wurde diese Möwe am 19. März 1917 unweit 
Dietramszell bei Holzkirchen in Oberbayern. 

Auf dem Felde aus einem Fluge von etwa 200 Stück her- 
ausgeschossen. Möwen treten dort sehr selten auf. 

Nachricht mit beringtem Fufse durch die Herren Frhr. v. 
Besserer und H e 1 1 m a y r. 

Zeit: fast 4 Jahre. 

Entfernung: ca. 740 km nach S. 

Ein fortpflanzungsfähiges Stück, das auffallender Weise bei 
vorgerückter Jahreszeit noch im Süden weilte. 

Es folgen die Werder-Möwen: 

9) Nr. 17840. Gezeichnet am 4. Juli 1913. 
Erbeutet am 17. Oktober 1917 in der Nähe des S t r a 1 - 

s u n d e r Hafens. 

Meldung durch Herrn Gutspächter A. Schutt in Drigge 
bei Altefähr, Rügen. 

Zeit: 4 Jahre, 3 Monate. 

Entfernung: ca. 25 km nach SO. 

Ein fortpflanzungsfähiges Stück. Auffallend, dafs der Vogel 
zu so später Jahreszeit noch in der Nähe seiner Brutstätte weilte. 

10) Nr. 25604. Gezeichnet am 5. Juli 1917. 
Gefunden Mitte September 1917 am Strande bei A 1 1 e - 

fähr auf Rügen. 

Mitteilung durch Herrn Hermann Hoppe in Berlin- 
Steglitz, Schildhornstr. 231. 

Zeit: ca. 3 Monate. 

Entfernung: ca. 30 km nach 0. 



XVII. Jahresbericht der Vogelwarte Bossitten. S57 

11) Nr. 8699. Gezeichnet am 23. Juni 1912. 
Erbeutet am 8. Februar 1917 in den Anlagen an der 

Alster in Hamburg, und zwar in völlig erschöpftem Zustande 
eingefangen. Verendete am nächsten Tage. 

Nachricht und beringter Fufs durch Herrn Obersekundaner 
0. M ö r i n g in Hamburg, Alsterglacis 7. 

Der Ring ist sehr dünn geschliffen. 

Zeit: 4 Jahre, 8 Monate. 

Entfernung: ca. 200 km nach SW. 

12) und 13) Nr. 11425 und 11426, beide gezeichnet am 
25. Juni 1913. 

Die erste Nummer erbeutet am 31. Januar 1917 bei 
H a r w i c h , Essex, die zweite im Februar 1917 bei N o r w i c h , 
Norfolk, England. 

Die Meldung läfst Herr W i t h e r b y aus London an Herrn 
Chr. C. Mortensen nach Viborg, Dänemark, gelangen mit der 
Bitte nach Rossitten weiter zu berichten. 

Zeit: 3 Jahre, 7 Monate und 3 Jahre, 8 Monate. 

Entfernung: ca. 800 km nach W. 

Fortpflanzungsfähige Stücke. 

14) Nr. 25459. Gezeichnet am 23. Juni 1916. 

Erbeutet am 31. Januar 1917 bei N o r w i c h , Norfolk, 
England. 

Nachricht ebenso wie bei den vorhergehenden Nummern von 
Herrn With er by durch Vermittlung des Herrn Mortensen. 

Zeit: 7 Monate. 

Entfernung: ca. 800 km nach W. 

Es folgen die Möwen von der Insel R i e m s : 
16) Nr. 29024. Gezeichnet am 5. Juli 1917. 
Erbeutet am 19. August 1917 am D e v i n e r See 10 km 
südöstlich von Stralsund. 

Nachricht durch Herrn Dr. K a r r e r in Stralsund. 
Zeit: 1 Monat, 14 Tage. 
Entfernung: ca. 17 km nach NW. 

16) Nr. 28883. Gezeichnet am 18. Juni 1917. 
Erbeutet am 18. August 1917 beim Fischerdorfe Kalk- 
witz zwischen Stralsund und Greifswald. 

Gebraten, gegessen, vorzüglich geschmeckt. 

Nachricht durch Herrn Ratsherrn F i e l i t z in Greifswald. 

Zeit: 2 Monate. 

Entfernung: ca. 10 km nach NW. 

17) Nr. 29066. Gezeichnet am 5. Juli 1917. 

Er b eutet am 29. August 1917 im Hafen von Stralsund. 
Meldung durch Herrn Gutspächter A. S c h ü 1 1, Drigge bei 
Aitefähr, Rügen. 



858 J. Thienemann: 

Zeit: 1 Monat, 24 Tage. 
Entfernung: ca. 25 km nach NW. 

18) Nr. 29093. Gezeichnet am 5. Juli 1917. 
Erbeutet am 6. September 1917 am Neuwarper See 

am Haff in Pommern. 

Meldung durch Herrn Amtsrichter KurtFürt in Neuwarp. 

Zeit: 2 Monate. 

Entfernung: 160 km nach SO. 

Die Fundstellen der von Hiddensee, von den Werderinseln 
und von der Insel Riems stammenden Lachmöwen sind also diesmal: 
Cuxhaven, Dietramszell in Ober-Bayern, Stralsund und Umgegend, 
Eugen, Hamburg, Harwich und Norwich in England und Neu- 
warper See am pommerschen Haff. 

4. Die auf dem Hemmelsdorfer See bei Lübeck 

und auf der Insel Fehmarn erbrüteten und von 

Herrn W. Blohm markierten Lachmöwen. 

Zunächst die Möwen vom Hemmelsdorfer See: 

19) Nr. 24193. Gezeichnet am 7. Juni 1914. 
Erbeutet Mitte Februar 1917 bei Felkes tone in 

Kent an der Südküste Englands. 

Meldung durch das Königl. Institut für Seeverkehr und 
Weltwirtschaft an der Universität Kiel, das eine entsprechende 
Notiz aus der „Times" vom 16. Februar 1917 einschickt. Dieselbe 
Notiz geht der Vogelwarte vom Stellvertr. Generalkommando des 
I. Armeekorps von Königsberg zu, ferner meldet Herr Witherby 
aus London durch Vermittlung des Herrn Chr. C. Mortenseu 
in Viborg, und schliefslich erfolgt noch eine direkte Meldung 
aus England durch Herrn Hauptmann P e i t g e n , der die Nach- 
richt aus englischer Gefangenschaft in Holyport nach der Heimat 
gelangen läfst. 

Zeit: 2 Jahre, 8 Monate. 

Entfernung: ca. 700 km nach W. 

Ein fortpfianzungsfähiges Stück. 

30) Nr. 23525. Gezeichnet am 7. Juni 1914. ' 

Geschossen am 12. Februar 1917 in mitten der Stadt 
Hamburg in der Nähe der Alster. 

Nachricht unterm 14. II. 1917 auf einer Ansichtspostkarte 
ohne Namensunterschrift. 

Zeit: 2 Jahre, 8 Monate. 

Entfernung: ca. 50 km nach SW. 

21) Nr. 24001. Gezeichnet am 7. Juni 1914 gleichzeitig 
mit dem vorigen Stücke. 

Erbeutet, und zwar in völlig erschöpftem Zustande 
aufgegriffen am 5. Februar 1917 im Zoologischen Garten zu 



XVII. Jahresbericht der Vogelwarte Bossitten. 869 

Hamburg. Gleichzeitig wurden noch mehrere Artgenossen 
eingefangen, die sich in demselben abgekommenen Körperzustande 
befanden. 

Nachricht durch Herrn Direktor Prof. Dr. J. V o s s e 1 e r. 
Die Möwe wird in Gefangenschaft gebalten und soll freigelassen 
werden, falls sie sich erholen sollte. 

Zeit: 2 Jahre, 8 Monate. 

Entfernung: ca. 50 km nach S W. 

Es sei darauf hingewiesen, dafs zwei vom Jahrgang 1914 
stammende Möwen nach 3 Jahren in derselben Winterherberge 
vereint gewesen sind. 

Es folgen die Möwen vom Norden-See auf F e h m a r n : 

23) Nr. 18115. Gezeichnet am 11. Juli 1913. 

Gefangen am 5. Februar 1917 auf dem Ems -Jade- 
Kanal. 

Die Möwe war flügellahm. Angeschossen? Sie soll gesund 
gepflegt und dann wieder in Freiheit gesetzt werden. „Hoffent- 
lich ist dann auch das Wasser wieder vollkommen frei von Eis" 
schreibt der Ob.-Matr. Herr G r o t h e von S. M. S. „Prinzregent 
Luitpold", der die Möwe eingefangen hatte. Ihre Freilassung mufs 
dann auch erfolgt sein, aber der Vogel ist nicht weit gekommen, 
denn am 6. März 1917 wurde er in erfrorenem Zustande bei 
Rüstringen-Wilhelmshaven, also am Anfang des 
Ems-Jade-Kanals, von Herrn Joh. Bories aufgefunden. 
Beringter Fufs eingeschickt. 

Zeit: 3 Jahre, 7 Monate. 

Entfernung: ca. 250 km nach SW. 

23) Nr. 18145. Gezeichnet am 11. Juli 1913 gleichzeitig 
mit der vorigen Möwe. 

Geschossen Anfang Januar 1917 auf dem Flusse 
Nieuwe Maas in Holland. 

Nachricht durch Herrn F. W. H. van Beuningen in 
Rotterdam, Avenue Concordia 75. 

Zeit: 3 Jahre, 6 Monate. 

Entfernung: ca. 520 km nach S W. 

Die Fundstellen der vom Hemmelsdorfer See und von Feh- 
marn stammenden Lachmöwen sind also diesmal: Folkestone 
(England), Hamburg, Ems-Jade-Kanal und Mündung der Maas. 

5. Eine bei Schwandorf in der Oberpfalz von 
Herrn Erwin Gebhardt markierte Lachmöwe. 

24) Nr. 27048. Gezeichnet am 4. Juli 1915. 
Erbeutet am 2. Februar 1917 in Rorschach am 

Bodensee. 

Meldung durch Herrn Präparator Sev. Schlappritze 
in A r b n , Thurgau, Schweiz. 

Journ. t, On. LXVI. Jahif. Oktob« 1»18. 25 



860 J* Thienemann : 

Zeit: 1 Jabr, 7 Monate. 
Entfernung: ca. 270 km nach SW. 

6. Eine bei Falkenberg markierte Lachmöwe. 

25) Nr. 22839. Gezeichnet am 6. Juli 1914 bei Falken- 
berg in Oberschlesien (etwa 15 km westlich von Oppeln) durch 
Herrn Gräfl. Revierförster M a 1 i g in Forsthaus Brande. 

Erbeutet am 26. Januar 1917 bei Teodo in der Bucht 
von Gattaro, Süddalmatien. 

Meldung durch Herrn k. k. Leutnant Armin Haatz. 
Ring liegt der Meldung bei. 

Zeit: 2 Jahre, 6 Monate. 

Entfernung: ca. 900 km nach S. 

Diese Möwe ist nach Süden, nach dem Adriatischen Meere 
abgewandert. Sonst pflegen die schlesischen Möwen den Weg 
nach Nordwesten und Westen zu nehmen. — 

Dem aufmerksamen Leser der vorstehenden Lachmöwen- 
notizen wird es nicht entgangen sein, dafs sich die Einlieferungen 
oder Zurückmeldungen der meisten erbeuteten Versuchsobjekte 
auf eine ganz kurze Spanne Zeit zusammendrängen, und zwar 
auf Januar und Februar 1917. 

Vom 26. Januar bis Mitte Februar wurden 16 erbeutete 
Ringmöwen gemeldet oder eingeschickt, davon 8 Stück, also die 
Hälfte, von der Elb- und Wesermündung. Eine stammt von 
Anfang Januar. Fast an jedem Tage brachte der Postbote die 
bekannten dicken Briefe, die einen Ring oder einen ganzen 
beringten Fufs enthielten, oder Paketchen mit eingegangenen 
Möwen. Vom 5. und 11. Februar liegen sogar je 2 Meldungen vor. 

Woher diese Häufung? Die Antwort ist nicht schwer, wenn 
wir uns die damaligen Witterungsverhältnisse vergegenwärtigen. 
Was war das für eine furchtbare Kälteperiode, die wir durch- 
machen mufsten! Schon Mitte Januar fanden sich einige recht 
kalte Tage, aber der tollste Frost trat mit Ende Januar ein und 
hielt den ganzen Februar hindurch an. Es seien die Kältegrade 
von Rossitten genannt: 30. Januar — 20*0; 31. Januar — 22" C; 
1. Februar — 24»; 2. — 25»; 3. — 27,5»; 4. — 21»; 5. — 16,5»; 
6. — 18»; 7. — 17»; 8. — 20»; 9. — 3»; 10. — 1«; 11. — 1,5»; 
12. —7,5«; 13. —7»; 14. -2»; 15. —6»; 16. 0»; 17. —9»; 
18. — 13»; 19. — 16»; 20. — 12«; 21. — 15»; 22. — 10»; 23. 
— 18»; 24. — 13»; 25. — 2»; 26. — 5«; 27. — 1»; 28. — 1,5». 

Die See zeigte sich bis weit hinaus zugefroren, die Möwen 
konnten nicht an ihre Nahrung heran, und da sind sie in grofse 
Not geraten. Wie oft hiefs es in den Berichten, dafs sich die 
Tiere in völlig erschöpftem Zustande mit der Hand greifen liefsen, 
und nicht nur die eine beringte Möwe war dann an dem be- 
treffenden Orte zu fangen, sondern meist trieben sich noch mehr 
kranke Leidensgefährten in der Nähe umher. Der strenge Winter 



IVII. Jahresbericht der Vogelwarte Bossitten. 861 

1917 hat viel Opfer gefordert, das zeigt der Beringungsversuch 
in seiner bekannten urkundeumäfsigen Deutlichkeit, und dazu 
möchte ich im allgemeinen bemerken, dafs nach meinen neuesten 
Erfahrungen strenge Kälte, besonders verbunden mit hohem 
Schnee der Vogelwelt doch recht empfindlichen Abbruch tun kann, 
weil dann der Zugang zur Nahrung verschlossen ist. Und zwar 
denke ich da nicht nur an die kleinen Arten, denen nach land- 
läufigem Sinne durch Winterfütterung geholfen werden kann, 
sondern auch an die grofsen, wie Raubvögel und Möwen, denen 
durch menschliches Eingreifen nicht beizukommen ist. Man 
merkt die Schädigung so recht deutlich, wenn man viel bei Prä- 
paratoren einkehrt und ihre Eingänge unter ständiger Beobachtung 
hält. Ich möchte sagen, dals die Leute ihren ganzen Geschäfts- 
betrieb nach den herrschenden Witterungsverhältnissen einstellen. 
Tritt plötzlich starke Kälte ein, dann wissen sie, dann bringt 
die Post Arbeit, und umgekehrt wenn mildes Wetter herrscht, dann 
ist faule Zeit. Es müssen aber immer verschiedene ganz besonders 
ungünstige Umstände zusammentreffen, wenn durch Witterungs- 
verhältnisse ein bemerkenswertes Vogelsterben eintreten soll, und 
da ist es nicht immer leicht, hinter den wahren Grund zu kommen. 
Eingehende Beobachtungen tuen da noch sehr not, denn es kann 
einem leicht passieren, dafs man draufsen im tief verschneiten 
Winterwalde bei schneidender Kälte, wenn man glaubt, dafs kein 
Vogel mehr lebt, mit kreuzvergnügten Rotkehlchen zusammen- 
trifft. Auch ist zu bedenken, dafs solche durch Witterungsein- 
flüsse verursachten Abgänge in der Vogelwelt sich bald wieder 
ersetzen. Die Natur bat vernichtet, aber sie hilft dann auch 
schnell wieder. 

Doch zurück zu unsern obigen Möwenbeobachtungen. Es 
ist bei den zahlreichen Möwenrückmeldungen, die auf der Vogel- 
warte einliefen, weiter in Betracht zu ziehen, dafs jetzt im Kriege 
diesen Vögeln viel mehr nachgestellt wird, wie im Frieden. Dar- 
über gingen mir direkte Meldungen aus Lübeck und Hamburg zu. 
Früher fütterten die Spaziergänger die Möwen an der Alster 
mit allerhand Abfällen, die zu dem Zwecke von besonderen 
Händlern feil geboten wurden — und jetzt lockt man die Vögel 
an und fängt sie zum Essen. Einige Wirtschaften machten direkt 
jjekannt: „Möwen mit Kohl für 2,50 M. das Gericht." 

Während nun früher die beringten Möwen in verhältnis- 
mäfsig jugendlichem Alter zurückgeliefert wurden (die meisten 
in dem auf ihre Geburt folgenden Winter), so liegen jetzt fast 
ausschliefslich ganz alte Stücke vor, und zwar über 1 Vt Jahre 
alt 1 Stück; über 2Va Jahre alt 7 Stück; über 3 7« Jabre alt 

6 Stück; über 4 Vi Jahre alt 1 Stück, und nur 2 Stück sind 

7 Monate alt. 

Ich möchte mir das so erklären, dafs in den Kriegsjahren 
weniger Möwen markiert worden sind als sonst, dafs also nicht 
viel junges Material vorhanden war. 

25*- 



861 J> Tbienemanttt 

Daher mufsten sich unter den durch die Kälte eingegangene 
Möwen viel Alte befinden. 

Nun aber folgt das Wunderbarste an der ganzen Beob- 
achtung. Da findet dort an der Elb- und Wesermündung eine 
allgemeine Lachmöwennot statt. Die Vögel darben und gehen 
elend zu Grunde — aber sie harren aus und denken nicht an's 
Fortziehen. 

Allgemein ausgedrückt: Eine Vogelart, die allerdings nicht 
zu den ausgeprägten Zugvögeln gehört, die aber erwiesenermafsen 
sehr weite Winterreisen unternimmt, bis nach Afrika, je bis in 
die neue Welt, harrt bei ungünstigster Witterung und unter den 
schwierigsten Lebensbedingungen an den Gestaden der Nordsee 
aus, ja geht da lieber elend zu Grunde, ehe sie sich zum Fort- 
ziehen in südlichere Gegenden entschliefst. 

Mufs man da nicht sagen: Die betreffenden Vögel konnten 
nicht fort. Der Zugtrieb war bei ihnen nicht ausgelöst. Und 
der ganze Zug geht instinktmäfsig vor sich. 

Silberxnöwen (Larus argentatus). 

Es liegen wieder zwei Stück vor, die am 13. oder 14. Juli 
1909 auf dem M em m ert bei Juist durch 0. Leege markiert 
waren, und zwar die 

1) und 2) Nr. 2594 und 3015. 

Die erste wurde am 8. Juli 1917, also während der Brut- 
zeit, am Strande von B o r k u m aus einem Fluge von drei Stück 
Artgenossen herausgeschossen. 

Meldung durch Herrn Hauptmann R o h d e. 

Zeit: 8 Jahre. 

Entfernung: 20 km nach W. 

Die zweite fand der Landsturmmann Herr Wilhelm Kiese 
in Hörnum auf Sylt am 30. September 1917 in angeschossenem 
Zustande. 

Zeit: 8 Jahre, 2 Monate. 
Entfernung: 170 km nach NO. 

Über 8 Jahre hindurch haben sich diese beiden Silbermöwen 
nun schon in der näheren und weiteren Umgebung ihrer alten 
Stammkolonie aufgebalten und bestätigen immer wieder die alte 
Regel, dafs die Silbermöwen nicht zu wandern pflegen. Gefieder- 
studien wegen wären mir die ganzen Vögel ihres hoben Alters- 
wegen sehr erwünscht gewesen. Die beiden Ringe, die ungefähr 
gleich lange getragen worden sind, zeigen recht verschiedene 
Beschaffenheit. Nr. 2594 sehr gut erhalten; Schrift tadellos; 
während bei Nr. 3015 die Schrift schon recht abgeschliffen ist. 



. XVII. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 868 

Mantelmöwe (Larus marinus). 

Nr. 16608. Am 25. Februar 1913 am Seestrande bei 
Rossitten auf dem Zuge gefangen und beringt. 

Erlegt am 19. Februar 1917 am Ostseestrande in der 
Nähe der neuen Weichselmündung. 

Nachricht durch Herrn Rentier F. Peters in Nickelswalde, 
Danziger Niederung, Frische Nehrung. Ring eingeschickt. 

Zeit: 4 Jahre. 

Entfernung: ca. 155 km nach SW. 

Ring fast gar nicht abgenutzt. Die Möwe ist bei ihren 
regelmäfsigen Wanderungen immer am Ostseestrande entlang 
geflogen. 

Heringsmöwe (Lärm fuscus). 

Nr. 21737. Am 11. Oktober 1913 am Seestrande bei 
Rossitten auf dem Zuge gefangen und beringt. 

Verendet aufgefunden im Oktober 1917 am Seestrande 
bei K u n z e n bei R o s s i 1 1 e n. Ring eingeliefert durch Fischer 
W a t z k a t. 

Zeit: 4 Jahre. 

Entfernung: etwa 3 km. 

Dieser und der vorhergehende Fall mit der Mantelmöwe 
zeigen wieder einmal die grofse Regelmäfsigkeit der Möwen- 
wanderungen an den Meeresküsten. Immer hin und her! Und 
wie genau müssen die Vögel über das Gelände orientiert sein, 
wenn sie jahraus jahrein immer dieselben Strecken durchfliegen. 
Auf diesen Punkt wird vielleicht noch viel zu wenig Gewicht 
gelegt. Ich meine — allgemein gesprochen — , dafs die Wander- 
vögel nach und nach ihre Wege bis ins Kleinste genau kennen 
lernen, so dafs sie sich dann auch unter den schwierigsten Ver- 
hältnissen, also bei Nacht und Nebel zurecht finden. Man ver- 
gleiche dazu die Tatsache, dafs manche Zugvögel während des 
Zuges alle Jahre an ein und denselben genau abgegrenzten Ört- 
licbkeit anzutreffen sind: Waldschnepfen z. B. in ein und dem- 
selben kleinen Gebüsch, ja unter ein und demselben Busche, 
Lerchen auf ein und demselben Ackerstücke und dergleichen. 
Den Vögeln sind diese Orte von ihren Reisen her bekannt, es 
sind ja oft immer dieselben Vögel. 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich auf eine hierher gehörige 
Beobachtung bei Ulmenhorst hinweisen, die mir öfter aufgefallen 
ist. Da steht nun schon seit fast 10 Jahren in jeder Zugperiode 
mein Hüttenuhu an derselben Stelle hinter einem kleinen Gehölze 
in den Dünen. Wenn er nun mal zufällig nicht dasteht, dann 
haben die darüber hinziehenden Krähen diese Stelle schon öfter 
durch Geschrei markiert. Dafs es immer dieselben Krähen sind, 
die die Nehrung entlang wandern, das hat der Beringungsversuch 



864 J« Tbienemann: 

genugsam gezeigt. Ich meine, dafs die Vögel diese verhängnisvolle 
Stelle, wo sie vielleicht schon manche trübe Erfahrung gemacht 
haben, kennen. 

Sturmmöwen (Larus canus). 

a) Im Herbste am Seestrande bei Rossitten 
auf dem Zuge gefangen und beringt. 

1) Nr. 27497. Gezeichnet am 27. September 1915. 
Geschossen am 13. Februar 1917 inVondaa bei 

Ringkjobing an der Westküste J ü 1 1 a n d s. 

Zeitungsausschnitt aus „Ringkjobing Amtsdagblad" vom 
14. Februar 1917 mit der betreffenden Notiz von Herrn Schrift- 
steller Karl Strackerjan aus Hadersleben eingeschickt. 

Zeit: 1 Jahr, 5 Monate. 

Entfernung: ca. 820 km nach W. 

b) Am Brutplatze als Nestjunge markiert. 

2) Nr. 9466. Gezeichnet am 14. Juli 1912 auf Hiddensee. 
Verendet aufgefunden am 6. Juli 1917 bei Prästoe 

auf Seeland (Dänemark). 

Meldung durch Herrn KarlElsoeJörgensen, Abildhoj 
Skole Praesto. 

Zeit: 5 Jahre. 

Entfernung: 95 km nach NW. 

Als alter fortpflanzungsfähiger Vogel in der Brutzeit er- 
beutet. Hat also jedenfalls in der Nähe gebrütet. 

8) Nr. 25425. Gezeichnet am 17. Juni 1917 auf den Werder- 
in sein bei Zingst. 

Geschossen am 12. August 1917 an der Nordost-Klippe 
auf Helgoland. 

Meldung unter Beifügung des beringten Fufses durch Herrn 
Dähn. 

Zeit: fast 2 Monate. 

Entfernung: ca. 320 km nach W. 

Es folgen zwei Stücke, die Herr B e n g t Berg jedenfalls 
im Sommer 1913 auf der schwedischen Insel Öland markiert hat: 

4) und 6) Nr. 9051 und 9176. Die erste Nummer wurde 
am 10. Februar 1917 bei Marstal im südlichen Fünen, Däne- 
mark erbeutet. 

Nachricht durch Herrn 0. C. P. Jörgensen, Skippesgade 
Nr. 20 in Marstal. 

Zeit: ca. 3 Vi Jahre. 
« Entfernung: ca. 450 km nach S W. 



XVn. Jahresbericht der Vogelwarte Boseitten. 866 

Die zweite Nr. wurde Anfang Februar 1917 bei Hy lie- 
st ed nordöstlich Aarhus an der Ostküste Jütl and s geschossen. 

Zeitungsausschnitt aus dem „Aarhus Amtstidende'* vom 
7. Februar 1917 von Herrn Karl Strackerjan eingeschickt. 

Zeit: ca. 3 Vi Jahre. 

Entfernung: ca. 400 km nach W. 

Beide Möwen sind gleich alt geworden. Sie mögen auch 
ein Opfer der starken Kälte im Februar 1917 geworden sein. 

Im Allgemeinen ist über die auf Hiddensee, auf den Werder- 
inseln und auf Öland erbrüteten Sturmmöwen zu sagen, dafs 
besonders weite Reisen bisher von ihnen nicht vorliegen. Die 
gröfste Entfernung beträgt bis jetzt 1650 km nach der Küste der 
Bretagne in Frankreich. Die Möwen ziehen also an der Küste 
entlang nach SW., bleiben aber auch öfter den Winter über in 
der weiteren Umgebung ihres Brutplatzes. Sie brüten auch sicher 
in der weiteren oder näheren Umgebung ihrer Heimatkolonie. 
Vergleiche oben die Nr. 9466. 

Unbestimmter „Seevogel*. 

Nr. 7327. Ring am 2. Juli 1912 an Dr. Erwin Detmers, 
Deutsche Arktische Expedition Schröder -Stranz Berlin W. 50, 
Kurfürstendamm 235 geschickt. Auf den Färör verwendet. 

Nähere Angaben über Markierung sind von dieser verun- 
glückten Expedition nicht eingetroffen. Ein „Seevogel" mit diesem 
Ringe wurde im Mai 1917 auf der Nolsöer-Bank, Färör, 
geschossen. 

Meldung erfolgte vom Kaiserlichen Vizekonsul in Trangis- 
vaag (Färöer) an das Kaiserlich Deutsche General-Konsulat in 
Kopenhagen, von da an den Deutschen Reichskanzler und von 
da auf dem Dienstwege an die Vogelwarte Rossitten. 

Danach hat in der Färöer -Zeitung „Dimmaloetting" vom 
9. Juni 1917 eine Notiz gestanden, die in der Übersetzung so 
lautet : 

Gezeichneter Vogel. — Kurz vor Ausbruch des Krieges 
haben einige deutsche Wissenschaftler, die während des Sommers 
sich hier aufhielten, einige Vögel gezeichnet oder zeichnen lassen. 
Letzten Monat schofs ein Mann aus den Hellen auf der Nolsöer- 
Bank einen Seevogel, der einen Aluminiumring um das Bein hatte. 
Auf dem Ringe steht: „Vogelwarte Rossitten Germania 7327." 

Zweite Meldung, auf die gleiche Zeitungsnotiz Bezug nehmend, 
durch Herrn Vizefeldwebel Dr. Hans Rudolphi- Leipzig. 

Zeit: etwa 5 Jahre. 

Entfernung: Der Vogel ist an Ort und Stelle geblieben, 
oder immer wieder dahin zurückgekehrt. 

Nach dieser Sefshaftigkeit zu urteilen, mufs man an eine 
Silbermöwe denken. 



866 J. Thienemanni 

Mittlerer Säger (Mergus serrator). 

Nr. 25338. Gezeichnet am 15. Juni 1917 auf der Insel 
R i e m s im Greifswalder Bodden, Pommern durch Herrn Dr. 
Turowski. Als altes Tier vom Neste gefangen. 

Geschossen am 29. Juli 1917, vormittags 9 Uhr auf 
der Nordseite der Insel Koos bei Greifswald. 

Meldung und beringter Fufs durch Herrn Erich Lüdecke, 
Architekt, Greifswald, Knopfstr. 34. 

Zeit: 1 Monat, 14 Tage. 

Entfernung: 5 km nach SO. 

In der Nähe geblieben, da Brutzeit. Im XV. Jahresberichte 
lag ein junger, im Neste gezeichneter Säger von demselben Brut- 
platze vor, der bei Beginn der kalten Jahreszeit nach Süden, und 
zwar nach Steiermark, abgewandert war. 

Stockenten (Anas hoschas). 

1) Nr. 24786. Gezeichnet als alter Erpel am 1. August 1916 
in K 1 b i t z bei Lobsa, Oberlausitz durch Herrn Ritter- 
gutsbesitzer Keferstein. War körperlich abgekommen. Der 
Hund brachte ihn gelegentlich der Entenjagd. Ob früher schon 
mal verletzt? 

Geschossen am 12. Februar 1917 beiKönigsbrück 
in Sachsen. 

Nachricht durch Herrn Königl. Förster Jährig in Schmor- 
kau bei Eönigsbrück i. Sa. 

Zeit: 6 Monate. 

Entfernung: 35 km nach SW. 

Der Erpel hat keine Winterreise unternommen. 

3) Nr. 1133. Gezeichnet al6 junger Vogel am 9. Juli 1912 
in Li s den bei Wolmar, Livland durch Herrn Baron 
London. 

Geschossen am 19. Dezember 1916 bei Vorbruch bei 
Alt-Garbe, Kreis Friedeberg, N e u m a r k. 

Zeit: 4 Jahre, 5 Monate. 

Entfernung: ca. 800 km nach S W. 

Die Ente hat eine Winterreise nach SW. unternommen. Sie 
war schon im letzten Jahresberichte aufgeführt. Damals konnte 
aber der Markierungsort nicht genau angegeben werden. Nun 
ist unterm 4. Oktober 1917 über Dänemark durch Herrn Mor- 
tensen von Herrn Baron London Nachricht eingetroffen. Sehr 
gern hätte ich die ganze Ente in Händen gehabt, um daran des 
hohen Alters wegen Gefiederstudien zu machen. Von jagdlichem 
Interesse ist der Umstand, dafs sich dieser Vogel trotz des jetzigen 
intensiven Jagdbetriebes 4V9 Jahre gehalten hat. 



XYII. Jahresbericht der Vogelwarte Bossitten. 867 

Bläfshuhn (FuUca atra), 

1) Nr. 26077. Gezeichnet am 31. Oktober 1917 in Flu- 
ni e n a u , Bez. Profsnitz, Land Mähren vom Fürst Johann 
Liechtensteinschen Forstamt Plumenau. 

Geschossen am 2. November 1917 in Alibunar, 
Comitat Torontal, Ungarn von Herrn Kracsunov. 

Nachricht durch Herrn Redakteur Gyula von T a k ä c h 1 
von der Ungarischen Jagdzeitung „Jagd und Tierleben", Budapest 
IX, Ferenczkörut 34. 

Zeit: 2 Tage. 

Entfernung: 525 km nach SO. quer durch Ungarn, als 
Richtlinien wohl March und Donau, Richtung aufs Schwarze 
Meer. Zugstrecke pro Tag 263 km. Ein bemerkenswerter Fall, 
der Schlüsse zuläfst über die Schnelligkeit des Vogelzuges. 

Im Gegensatz dazu ziehen die Bläfsbühner von der Insel 
Fehmarn nach Südwesten an der Küste entlang bis zur 
französischen Küste. 

%) Nr. 21489. Gezeichnet als ausgewachsener Vogel am 
13. Juli 1913 in Wallnau auf der Insel Fehmarn von Herrn 
Wilh. Blohm. 

Erbeutet am 25. März 1917 in Kekenis, Insel Alsen, 
Post Sönderby, Kreis Sonderburg, Schleswig-Holstein. 
Vom Landmann Job. Lorentzen verendet aufgefunden. Ring 
eingeschickt. 

Zeit: 3 Jahre, 8 Monate. 

Entfernung: ca. 90 km nach NW. 

Der Vogel ist immer wieder in die weitere Umgebung 
seiner alten Brutstelle zurückgekehrt. Ein ähnlicher Fall liegt 
bereits vor. 

Fisohrelher {Ardea cinerea). 

Nr. 8336. Gezeichnet als junger Horstvogel am 12. Mai 
1913 in Walsrode in Hannover. 

Erlegt am 20. Oktober 1917 an der AI 1er bei Eicke- 
loh in Hannover. 

Meldung durch Herrn Fr. Börstling in Eickeloh. 

Zeit: 4 Jahre, 5 Monate. 
Entfernung: 15 km nach S. 

Der Reiher ist immer wieder in seine Heimat zurückgekehrt. 
Ein altes fortpflanzungsfähiges Stück. 

Auerhuhn (Tefrao urogallus). 

Nr. 9256 B. Gezeichnet am 26. April 1915 im Stadtreviere 
Karlsbad durch Herrn Karl Richter, den Obmann der 
Karlsbader Jagdgesellschaft. Der Vogel war mit etwas ver- 
stauchtem Flügel eingefangen worden und wurde dann beringt 



868 J. Tbienemann: . 

an einem Platze ausgesetzt, tvo immer Auerwild steht. Herr 
Richter hielt den Vogel beim Aussetzen für einen zweijährigen 
Hahn. Er bemerkt dazu, dafs im Stadtgebiete Karlsbad fast in 
jedem Jahre verletztes Auerwild vorkomme und glaubt dies 
irgend einer Telefon- oder Telegraphenleitung schuld geben zu 
müssen, deren mehrere durch die Auerhahn-Balzreviere führen. 

Erbeutet am 29. Juni 1917 im Forstrevier Espen thor 
etwa 16 km von Karlsbad entfernt. Der Hahn wurde, wahr- 
scheinlich durch einen Schufs verletzt, verendet aufgefunden. Die 
Verwesung war leider schon so weit vorgeschritten, dafs ein 
Verschicken oder Abbalgen unmöglich war. Der Hahn war etwa 
4 jährig und stark entwickelt. 

Meldung und Ring durch Herrn Revierförster Karl Tetsch 
in Engelhaus bei Karlsbad. Der Ring, ein Storchring Serie B, 
fast wie neu, gar nicht abgeschliffen. An einem Storchbeine 
wäre die Abnutzung nach 2 Jahren viel stärker gewesen. 

Zeit: 2 Jahre, 2 Monate. 

Entfernung: ca. 16 km. 

Der Hahn ist in der weiteren Umgebung der Aussetzungs- 
stelle geblieben. 

Hühnerhabicht (Ästur palumharius). 

1) Nr. 24653. Gezeichnet am 19. April 1916 in Weierhof, 
Gürzenich bei Düren, Rheinland durch Herrn Prof. C. G. 
Schillings. Der Habicht war in einem Schlagnetze gefangen 
worden. 

Wiedergefangen ebenda in derselben Fangvor- 
richtung am 14. März 1917. 

Zeit: 11 Monate. 

Meldung durch Prof. S c h i 1 1 i n g s , der den Balg, ein altes 
ausgefärbtes Weibchen, der Vogelwarte geschenkweise freundlichst 
einschickt. 

Prof. Schillings hält es für ausgeschlossen, dafs der Habicht 
etwa das ganze Jahr über an Ort und Stelle geblieben sei. Da- 
mit hätte der Vogel in 2 aufeinander folgenden Frühjahren ein 
und dieselbe Zugstrafse benutzt. Ein interessanter Fall! Die 
bisher mit beringten Hühnerhabichten erzielten Resultate betrafen 
fast ausschliefslich junge Nestvögel, und da stellten sich die Ver- 
hältnisse gewöhnlich so, dafs diese Versuchsobjekte schon ein 
paar Monate nach dem Ausfliegen in der näheren und weiteren 
Umgebung ihres Horstes wieder gefangen wurden, denn den 
Hühnerhabichten wird gewaltig nachgestellt. Es sei aber auch an 
einen Fall aus dem XIV. Jahresberichte der Vogelwarte Seite 482 
erinnert, der Ostpreufsen betrifft, wo ein im Mai markierter 
nestjunger Hübnerhabicht sich im darauffolgenden Februar noch 
fast an derselben Stelle vorfand. Dieser Vogel scheint an Ort 
und Stelle geblieben zu sein. 



XVII. Jabresbericbt der Vogelwarte Bossitten. 869 

Jedenfalls soll nicht unterlassen werden zum eifrigen Mar- 
kieren von Raubvögeln anzuregen. Gerade Hühnerhabichte und 
Sperber sind sehr dankbare Objekte, und ina Kapitel „Raubvogel- 
züge" ist noch mancherlei aufzuklären. 

Es folgt noch ein ähnlicher Fall wie der vorhergehende: 

3) Der Ring C. 14897 wurde durch Herrn Major von 
L u c a n u 8 an die Oberförsterei W o i d n i g , Bezirk Breslau 
in Schlesien geschickt und gelangte dort zur Verwendung. Über 
die Zeit konnte aber leider nichts ermittelt werden. 

Herr Rittergutsbesitzer Kampe meldet, dafs er am 1 9. Oktober 
1917 auf dem Dominium Jawor bei Militsch in Schlesien 
einen mit diesem Ringe gezeichneten Sperber? geschossen habe, 
macht aber hinter „Sperber" ein Fragezeichen. Da nun die 
C-Ringe für Sperber viel zu grofs sind, aber Hühnerhabichten 
genau passen, so darf angenommen werden, dafs es sich um einen 
solchen Vogel handelt. 

Entfernung: 37 km nach 0. 

Viel anfangen kann man mit diesem Falle nicht, weil über 
Markierung nichts bekannt ist. 

Der Hühnerhabicht scheint in der Nähe seines heimatlichen 
Horstes geblieben zu sein, oder ist immer wieder dahin zurück- 
gekehrt. 

Sperber (Accipiter nisus). 

1) Nr. 5299. Der Ring wurde am 11. Februar 1911 an 
Herrn J. M a r s h a 1 1 , Rittergut Koslau bei R i b b e n , Kreis 
Sensburg, Ostpreufsen geschickt und ebenda im Frühjahr 1911 
einem Sperber umgelegt, der sich im Pfahleisen gefangen hatte. 
Herr Marsball gibt diese Angaben aus de.^ Erinnerung. Die schrift- 
lichen Unterlagen sind beim Russeneinfall verloren gegangen. 

Geschossen am 23. März 1917 in Ribben, also ganz 
in der Nähe des Beringungsortes, von Herrn M i g g e. 

Nachricht durch die Königl. Domänenadministration Ribben, 
Ostpr. Postort, Bahnstation Dombrowken. Der ganze Sperber 
wird eingeschickt. 

Zeit: 6 Jahre, 1 Monat. 

Entfernung: ebenda. 

Der Fall ist recht bemerkenswert. Der Sperber wurde im 
Frühjahr 1911 entweder auf dem Zuge oder als eingesessener 
Standvogel gefangen. Das kann nicht genau entschieden werden. 
Wenn er nun nach 6 Jahren im Frühjahr wieder an derselben 
Stelle erbeutet wurde, so hat er entweder immer dieselbe Zug- 
strafse eingehalten, oder ist an Ort und Stelle verblieben, 
vielleicht auch im Winter weggezogen und immer wieder in die 
Heimat zurückgekehrt. Das letzte ist vielleicht am ehesten an- 
zunehmen, wenn man zum Vergleich einen früheren ähnlichen 



870 J' Thieoemano: 

Fall aus Anhalt zum Vergleich heranzieht. Da war ein junger 
Nestvogel im April markiert worden, der sich nach fast 4 Jahren 
an derselben Stelle wieder vorfand (cf. XIV. Jahresbericht p. 485). 

2) Nr. 14556. Gezeichnet als junger Horstvogel am 8. Juli 
1913 in der Oberförsterei Wanfried, Bezirk Gas sei. 

Geschossen am 3. August 1917 im Caub'er Stadt- 
walde am Rhein in Hessen. 

Meldung durch Herrn G. v. Maries in Gaub, Jagdhaus 
Viktoriastollen. Ring eingeschickt. 

Zeit: 4 Jahre und fast 1 Monat. 

Entfernung: ca. 200 km nach SW. 

Der Vogel ist jedenfalls immer wieder in seine Heimat 
zurückgekehrt und befand sich am 8. August auf seiner Reise 
nach SW. 

Bei den bisherigen Sperberergebnissen ist es ganz auffallend, 
dafs so viel hoch bejahrte Vögel eingeliefert werden, ganz im 
Gegensatz zu andern Vogelarten, die gewöhnlich bald nach der 
Beringung wieder in Menschenhände gelangen. 13 Sperber liegen 
bis jetzt vor. Davon sind 6, also fast die Hälfte, über ein Jahr 
alt und zwar: 1 Jahr, 6 Monate; 2 Jahre, 2 Monate; 3 Jahre, 
21 Tage ; 3 Jahre, 9 Monate; 4 Jahre, 1 Monat und 6 Jahre, 1 Monat. 
Man sollte meinen, diesen Räubern würde sehr energisch nach- 
gestellt, dafs sie kein so hohes Alter erreichen könnten. Es 
scheint doch nicht so. 

MäusebUBsard (Buieo buteo). 

1) Nr. 8533. Gezeichnet als junger Vogel am 23. Juni 
1913 in der Oberförsterei Dhronecken, Bezirk Trier. 

Geschossen am 23. Februar 1917 auf dem Jagdgebiet 
Niederemmel an der Mosel, 24 km nordöstlich von Trier. 

Meldung durch Herrn Betriebschef Schreiber, Rheinische 
Stahlwerke Duisburg — Meiderich. 

Zeit: 3 Jahre, 8 Monate. 

Auch im W i n t e r in der Nähe seines Brutortes geblieben. 

2) Nr. 24481. Gezeichnet als alter Vogel am 6. Februar 
1917 in Schaffhausen, Schweiz durch Herrn Karl 
S t e m m 1 e r. Der Vogel wurde beim Kröpfen einer toten Krähe 
gefangen und beringt aufgelassen. 

Geschossen am 13. Februar 1917 in einem Garten in 
St. Jakob bei Basel. 

Nachricht durch die Zoologische Anstalt der Universität 
Basel. 

Zeit: 7 Tage. 

E n t f e r n u n g : 78 km nach WSW. 

Der Vogel ist den Rhein abwärts geflogen. 



XVII. Jahresbericht der Vogelwarte Bossitten. 8t I 

3) Nr. 24658. Gezeichnet am 5. April 1917 inWeierhof, 
Gürzenich bei Düren, Rheinland durch Prof. C. G. 
Schillings. Der Vogel war infolge Wintersnot schon recht 
schwach und wurde am 19. April, also nach 14 Tagen, im Walde 
bei Gürzenich verendet aufgefunden. 

RauhfafsbuBsard (Archibuteo lagopus). 

Nr. 24677. Gezeichnet als Zugvogel am 25. März 1916 
auf der Vogelwarte Rossitten. 

Geschossen am 6. März 1917 bei Negnewitschi 
bei Nowogrodek, Gouvernement Minsk in Rufsland. 

Meldung und Ring durch Herrn Leutnant und Adjutant 
Hendrichs. 

Zeit: fast ein Jahr. 

Entfernung: ca. 350 km nach SO. 

Der Bussard war, wie die Meldung lautet, schon seit Monaten 
an derselben Stelle zu sehen. Der Schütze hat ihn sich aus- 
stopfen lassen. Es soll ein besonders prächtiges Exemplar 
gewesen sein. 

Der Vogel befand sich beidemale auf seiner Winterreise, 
und zwar auf dem Rückzuge. Ob er im Frühjahre 1917 auch 
wieder die Kurische Nehrung passiert hätte? 

Wespenbussard {Fernis apivorus). 

Nr. 20641 C. Gezeichnet als junger Vogel im Neste am 
24. Juli 1913 in D öUnitz, Saalkreis durch Herrn Direktor 
Fels in Döllnitz. 

Geschossen auf der Rebhühnerjagd im August 1917 
bei P ö r s t e n , Kreis Weifsenfels a. Saale, Provinz Sachsen. 

Meldung durch Herrn Friedrich Kof, Gutsbesitzer und 
Amtsvorsteher. 

Zeit: 4 Jahre, 1 Monat. 

Entfernung: ca. 25 km nach S. 

Der Vogel ist in seiner engeren Heimat verblieben oder ist 
immer wieder dahin zurückgekehrt. 

Auf eine Rückfrage wurde mir der Bescheid, dafs es sich 
wirklich um einen Wespenbussard gehandelt habe. Man hat sogar 
beobachtet wie das Männchen ein Wespennest ausgekratzt hat. 
Selbst gesehen habe ich den Vogel nicht. 

Steinkauz {Athene noctua). 

Nr. 27533. Gezeichnet als flügger junger Vogel am 4. Juli 
1916 in Lohr am Main durch Herrn Dr. Stadler. 

Erbeutet am 20. April 1917 in einem Hausein Pflochs- 
bach, 4 km unterhalb Lohr. 



872 J. TbienemanD i 

Nachricht durch Herrn Dr. Stadler. 
Zeit: 9 Monate. 
Entfernung: 4 km. 

Der Kauz ist in der Nähe seiner Geburtsstelle geblieben. 

Schleiereule (Strix flammeä). 

Nr. 26151. Gezeichnet am 11. August 1916 auf dem Kirch- 
turme in Langeoprozelten bei L o h r am Rhein als junger Nest- 
vogel durch Herrn Dr. Stadler. 

Verendet aufgefunden am 14. Februar 1917 im 
Schulgarten ebenda. 

Nachricht mit Ring durch Herrn Dr. Stadler. 

Zeit: 6 Monate. 

Entfernung: Die Schleiereule ist an Ort und Stelle 
geblieben. 

Dieser und der vorhergehende Fall zeigen wieder einmal die 
grofse Sefshaftigkeit der Eulen (Ausgenommen Sumpfohreulen). 
Vergleiche dazu die öfter schon von mir beobachteten und 
geschilderten ausgedehnten Züge von Waldohreulen über die 
Kurische Nehrung. 

Qrünspeoht (Ficus viridis). 

1) und 2) Nr. 24921 und 24924. Gezeichnet als junge Kest- 
geschwister am 11. Juni 1917 in einer Nisthöhle in Spandau 
bei Berlin von Dr. 0. Heinroth. Fünf Junge waren im Neste. 

Die erste Nummer wurde am 26. Dezember 1917 in einem 
Garten in Siemensstadt bei Berlin, Märkischer Steig 7 
von Herrn Kalkulator B r i m m e r verendet aufgefunden. Der 
Vogel lag an der Wassertonne. Der ganze Vogel wird an die 
Vogelwarte eingeschickt. 

Zeit: 6 Monate. 

Entfernung: 6 km. 

Die zweite Nummer wurde Ende Dezember 1917 von 
einem Offizier in Tegel bei Berlin erlegt und an Herrn 
Kricheldorff- Berlin zum Präparieren eingeschickt, woher 
die Meldung stammt. 

Zeit: 6 Monate. 

Entfernung: 8 km nach NO. 

Beide Vögel haben sich in dem auf ihre Geburt folgenden 
Winter in der Umgebung ihrer Heimstätte umhergetrieben. 

MeMsohwalbe {Delichon urbica). 

Nr. 18966. Gezeichnet am 14. Juni 1916 auf dem Gute 
Z i r h 1 e n , Kreis Tukkum, Kurland durch Herrn Baron 
TonderRopp. 



XVII. Jahresbericht der Vogelwarte Bossitten. 8?8 

Wiedergefangen in demselben Neste am 26. Mai 1917 
von demselben Herrn. 

Zeit: 11 Monate. 

Die Schwalbe ist in die alte Heimat und in dasselbe Nest 
zurückgekehrt. 

Dohle {Colaeus monedula). 

Nr. 18335. Gezeichnet als junger Nestvogel am 16. Juni 
1916 in Heilsberg, Ostpreufsen von F. Tischler. 

Erbeutet am 20. Juli 1917 in nächster Nähe der Stadt 
H e i 1 s b e r g. 

In Tischlers Gegenwart zufällig aus einem grofsen Dohlen- 
schwarme herausgeschossen. 

Nachricht und ganzer Vogel von Tischler eingeschickt. 

Zeit: 1 Jahr, 1 Monat. 

Entfernung: Der Vogel ist in die Heimat zurückgekehrt. 

Als junger einjähriger Vogel ist die Dohle an den braunen, 
verwitterten abgestofsenen Schwung- und Schwanzfedern zu er- 
kennen. Der Schwanz mitten in der Mauser. Zwei alte braune 
Steuerfedern stehen noch. Die neu hervorwachsenden Federn 
haben etwa die Hälfte der Schwanzlänge erreicht. 

Elster? 

Ein rätselhafter Fall. 

Nr. 26504 D. Dieser Ring wurde am 28. August 1916 von 
Herrn Scholtissek, dem 1. Vorsitzenden des Vereins der 
Liebhaber einheimischer Vögel in Leipzig-Plagwitz vor Reims 
in Frankreich einer halb gezähmten Elster umgelegt, die 
frei umherflog. Am 30. August wechselte der betreffende Truppen- 
teil seine Stellung. Die Elstern (es waren gleichzeitig 2 Stück 
markiert worden) wurden eine Strecke Wegs mitgenommen und 
dann ihrem Schicksale überlassen. 

Unterm 12. März 1917 meldet Herr Fabrikant H. Compter 
aus Strafsburg im Elsafs, Rosheimerstr. 9, dafs er „vor 
einige Tagen" auf seiner Jagd in Ingweiler, Elsafs, einen 
Erpel geschossen habe, der den betreffenden Ring trug. 

Beide Herren, sowohl der Zeichner als auch der Erleger 
beharren bei wiederholter Anfrage auf der Richtigkeit ihrer 
Angaben, so dafs mit diesem Falle nichts anzufangen ist. Ein 
Irrtum über die Ringsorte ist ausgeschlossen, da das Zeichen D 
angegeben ist. Ist die halbzahme Elster eingefangen, und der 
Ring einem Erpel umgelegt worden? 

Eiphelheher {Garrülus glandarius). 
1) Nr. 27204. Gezeichnet als junger Nestvogel mit noch 
5 Nestgeschwistern am 1. Juni 1916 bei Kontschizy, etwa 
15km südwestlich von Pinsk in Polen durch Herrn Leutnant 
Q rafsmann. 



874 J. TbieDemannt 

Erleg t Ende Januar 1917 in Bösching, Nordböhmen 
unweit Gablonz a. Neisse. 

Nachricht durch Herrn Präparator EdmundSommer in 
Neustadt an der Tafelfichte in Böhmen. 

Der Vogel war sehr abgekommen und wurde ausgestopft 
der Schulleitung in Bösching übergeben, die ihn der Vogelwarte 
freundlichst überliefs. 

Zeit: 7 Monate. 

E n t f e r n u n g : ca. 800 km nach WSW. 

Der Vogel ist im Winter ein Stück nach WSW. durch Polen, 
Schlesien nach Böhmen abgewandert. 

2) Nr. 26181. Gezeichnet als junger Nestvogel am 25. Juni 
1917 im Walde beiPilk bei Tukkum in Kurland durch Herrn 
W. Kahl vom Artilleriemefstrupp 144. 

Erbeutet am 11. Juli 1917 etwa 10 km nordöstlich von 
Tukkum. Der Vogel wurde in gerupftem und zerfleischtem 
Zustande unter einem Wanderfalkeuhorste aufgefunden, worin 
sich fast flügge Junge befanden. Zwei safsen auf dem Horst- 
rande. Aufserdem fanden sich auf dem Erdboden noch zahlreiche 
Reste von geschlagenen Mandelkrähen vor. 

Nachricht und beringter Fufs durch Herrn Forstaufseher 
und Unteroffizier W. B 1 e k e r. 

Zeit: 16 Tage. 

Der Vogel ist gleich nach dem Ausfliegen vom Falken 
geschlagen worden. 

Tannenbäher (Nucifraga caryocaiactes macrorhyncha). 

Im Herbste 1917 fand wieder einmal ein stärkerer Durch- 
zug von Sibirischen Tannenhähern statt. Die aufgeführten Vögel 
wurden bei ihrem Zuge über die Kurische Nehrung bei U 1 m e n - 
borst in Fallen gefangen und beringt. 

Zunächst 2 Stücke, die beide am 8. Oktober 1917 ihre 
Marke erhielten: 

1) und 2) Nr. 29312 und 29316. 

Die erste Nummer wurde schon am nächsten Tage (am 
9. Oktober) bei der Försterei Damm walde bei Goldschmiede 
im Samlande von Herrn Hegemeister D r a h e i m im Dobnen- 
stiege gefangen. 

Entfernung: 51 km nach SW. 

Die zweite Nummer erbeutete Herr Förster Tartsch in 
Schul stein bei Bledau, Samland, am 13. Oktober 1917 
ebenfalls im Dohnenstiege. 

Zeit: 5 Tage. 

Entfernung: 28 km nach SW. 

Das zweite Exemplar ist also viel langsamer gezogen wie 
das erste. 



XVII. Jahresbericht der Vogelwarte Bossitten. 376 

3) Nr. 29288. Gezeichnet am 5. Oktober 1917. 
Geschossen am 10. Oktober 1917 im Stadtwalde von 

Fischhausen, Ostpreufsen. 

Nachricht durch Herrn Rittergutsbesitzer Paul Dous in 
Wischrodt. 

Zeit: 5 Tage. 

Entfernung: 70 km nach SW. 

4) Nr. 29300. Gezeichnet am 7. Oktober 1917. 
Geschossen am 21. Oktober 1917 in der Gutsforst 

S e 1 c h w , Kreis Ost-Sternberg, N e u m a r k. 

Meldung und Bing durch Herrn Förster Müller. 

Zeit: U Tage. 

Entfernung: 480 km nach SW. 

5) Nr. 29295. Gezeichnet am 7. Oktober 1917. 
Geschossen am 27. Oktober 1917 in einem Walde etwa 

19 km von Posen entfernt. 

Meldung und Ring durch die Staatliche Gutsverwaltung 
G h 1 u d w , Kreis Posen Ost. 

Zeit: 20 Tage. 

Entfernung: 385 km nach SW. 

Die zwei letzten Tannenhäher sind fast ein und dieselbe 
Strafse gezogen, denn die beiden Fundstellen in der Neumark 
und in Posen liegen nur etwa 100 km auseinander. 

Im Ganzen wurden im Laufe des Oktobers 1917 45 Tanuen- 
häher beringt. Bis zum 27. Oktober waren 5 Stück = iP/o 
wieder zurückgemeldet. Sämtliche Versuchsvögel sind die gleiche 
Strafse gezogen: nach Südwesten zu durch das Innere Deutsch- 
lands. Das Zeitmafs ihrer Züge ist sehr verschieden. Näheres 
siehe in der Dezembernummer 1917 und Februarnummer 1918 
der Ornith. Monatsberichte, wo bereits über diese Er- 
gebnisse mit der Tannenhäherberingung berichtet worden ist. 

Stare (Sturnus vulgaris). 

a) Die jungen Stare bleiben nach dem Ausfliegen 
zunächst in ihrer engeren Heimat. 

1) Nr. 24112. Gezeichnet als junger Vogel im Neste am 
7. Juni 1917 durch Prof. C. G. Schillings in Weierhof- 
Gürzenich bei Düren, Rheinland. 

Geschossen am 10. Juli 1917 auf einem Kirschbaume 
in Z ü 1 p i c h , Kreis Euskirchen, Bezirk Köln. 

Nachricht durch Herrn Dr. M. v. Koolwyk. Ring ein- 
geschickt. 

Zeit: 1 Monat, 3 Tage. 

Entfernung: 18 km nach SO. 

Joura. t Oim. yXU. Jukt^. Oktober 1918. 26 



876 J« TbienemaDD: 

b) Die Stare kehren aus derWinterherberge 
Id ihre Brutheimat zurück. 

3) Nr. 20328. Gezeichnet als junger flügger Vogel im Neste 
am 10. Juni 1914 in Stedesand, Schleswig - Holstein durch 
Herrn Lehrer J. K e d e n. 

Gefangen um den 19. Mai 1917inOster-Schnate- 
bull bei Leck, Kreis-Tondern, Schleswig-Holstein. 

Meldung und Ring durch Herrn Lehrer T h o m s e n. 

Zeit: 2 Jahre, 1 1 Monate. 

Entfernung: 2 Vi km. 

3) Nr. 23214. Gezeichnet als junger Vogel im Neste am 
5. Juni 1915 in Rossitten. 

Geschossen ebenda am 22. August 1917. 

Zeit: 2 Jahre, 2 Monate. 

Der Vogel ist für die Sammlung der Vogelwarte aufgestellt 
worden. Ein Männchen. 

KoMmeise {Farus major). 

1) In diesem Jahre findet die Lebensgeschichte des K o h 1 - 
meisenweibchens Nr. 16063, das am 13. Februar 1915 
in Nürnberg von Herrn Erwin Gebhardt markiert worden 
war ihr Ende. Der Vogel hatte in den Jahren 1915 und 1916 
mit dem Männchen Nr. 16064 gepaart je zweimal im Garten mit 
Erfolg gebrütet und wurde nun am 3. Mai 1917 in demselben 
Garten tot aufgefunden. Von einer Verwundung war nichts zu 
sehen. Fufs und Ring tadellos. Der beringte Fufs wird ein- 
geschickt. Die Meise ist also 2 Jahre, 2 Monate und 20 Tage 
an ein und derselben Stelle beobachtet worden. Der metallene 
Fufsring hat beim Brüten den zarten Eiern nichts geschadet. 
Das Paar ist 2 Sommer hindurch zusammengeblieben, (s. den 
Anfang der Lebensgeschichte dieser Meise im XV. Jahresberichte 
Journal f. Ornithologie 1916, Seite 574, und im XVI. Jahresberichte 
Journal f. Ornithologie 1917, Seite 352.) 

2) Nr. 20441. Gezeichnet am 6. April 1917 in der Offiziers- 
kolonie Dufs in Lothringen von Herrn M. Hiller. 

Verendet aufgefunden (anscheinend „erfroren") am 
7. Januar 1918 ebenda. 

Meldung durch Herrn Franz Mainzinge r. 

Zeit: 9 Monate. 

Entfernung: An Ort und Stelle geblieben. 

Blaumeise (Farus caeruleus). 

Nr. 21260. Gezeichnet am 16. Oktober 1917 von Herrn 
Pfarrer WilhelmSchuster in Heilbronn a. N., Karlstr. 97 a. 



XVII. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 877 

Wied ergefangen ebenda am 24. Dezember 1917 nach 
2 Monaten, 8 Tagen und am 2. und 4. Januar 1918 nach 2 Monaten, 
19 Tagen. 

An Ort und Stelle geblieben. 

Kleinvöffel, 

die von Herrn B. Volz in Berlin NW., Stromstrafee 36 oder 
in H e r m 8 d r f bei Berlin am Futterplatze eingefangen und 
beringt und ebenda oder in der Umgebung wiedergefangen wurden. 
(Vergleiche dazu die Bemerkungen an denselben Stellen in den 
letzten Jahresberichten.) 

a) Orünllnge (Chloris chloria). 

1) Nr. 14397. Gezeichnet am 21. November 1914 in der 
Stromstr. 

Am 19. Februar 1917 auf dem Balkon des Hauses Berlin 
NW. 87, Huttenstr. 11 verendet aufgefunden. 

Nachricht und Ring durch Herrn E. H o 1 1 z. 

Zeit: 2 Jahre, 3 Monate. 

Entfernung: ca. 1,2 km. 

Der Vogel ist also in der Nähe seines Standortes geblieben. 

Die folgenden Vögel sind in Hermsdorf beringt und 
wiedergefangen : 

8) Nr. 16299. (f. Gezeichnet am 31. Dezember 1915. 

Wiedergefangen am 28. November 1916 nach fast 
11 Monaten. 

3) Nr. 18585. Gezeichnet am 14. November 1916. 
Wiedergefangen am 1 1 . Dezember 1916 nach 27 Tagen. 

4) Nr. 16296. Gezeichnet am 23. Dezember 1915. 
Wiedergefangen am 21. Dezember 1916 nach einem 

Jahre. 

5) Nr. 18601. Gezeichnet am 21. Januar 1917. 
Wiedergefangen am 21. und 25. Januar und am 

18. Februar 1917 nach 28 Tagen. 

Mehrere Grünlinge, die gleich am selben Tage, oder nach 
ein paar Tagen wiedergefangen wurden, führe ich nicht besonders 
auf. Solche Beispiele liegen nun schon zur Genüge vor. 

b) Kohlmeisen (Farus major). 

1) Nr. 16305. Gezeichnet am 18. Februar 1916. 
Wiedergefangen am 12. September 1916 nach fast 
7 Monaten und am 8. Oktober nach fast 8 Monaten. 

3) Nr. 18575. Gezeichnet am 4. Oktober 1916. 
Wiedergefangen am 5. November 1916 nach 1 Monat. 

26* 



878 J* ThienemaDD: 

3) Nr. 18577. Gezeichnet am 8. Oktober 1916. 
Wiedergefangen am 14. und 20. November 1916 nach 

1 Monat, 12 Tagen. 

4) Nr. 18579. Gezeichnet am 22. Oktober 1916. 
Wiedergefangen am 13. Februar 1917 nach 3 Monaten, 

22 Tagen. 

5) Nr. 18597. Gezeichnet am 6. Januar 1917. 
Wiedergefangen am 17. März 1917 nach 2 Monaten, 

11 Tagen. 

6) Nr. 18587. Gezeichnet am 15. November 1916. 
Wiedergefangen am 18. und 19. November 1916 und 

am 17. und 26. März 1917 nach 4 Monaten, 11 Tagen. 

Sechs Kohlmeisen, die am Beringungstage selbst oder 
schon noch wenigen Tagen wiedergefangen wurden, fUhre ich 
nicht besonders mit ihren Nummern auf. Es mag dieser Hin- 
weis genügen. Es sind Vögel darunter, die sich nach und nach 
siebenmal überlisten liefsen. 

c) Blaumeise (Parus caeruleus). 

Nr. 16246. Gezeichnet am 3. April 1915. 

Wiedergefangen am 11. Dezember 1916 nach 1 Jahre, 
8 Monaten und 8 Tagen. 

Diese Meise ist schon einmal im XV. Jahresberichte Seite 568 
aufgeführt. Da war sie bereits am 30. November 1915 also nach 
fast 8 Monaten zum ersten Male wieder eingefangen worden. 

d) Sumpfmeisen. 

1) und 2) Nr. 16324 und 16325. Gezeichnet am 11. September 
1916. 

Wiedergefangen die erste Nummer am 8. Oktober 
nach 27 Tagen und die zweite Nummer am 30. September 1916 
nach 19 Tagen und am 3. Dezember 1916 nach fast 3 Monaten. 

8) Nr. 18604. Gezeichnet am 23. Januar 1917. 
Wiedergefangen am 25. Januar und am 10. Februar 
1917 nach 18 Tagen. 

e) HausrotBOhwanz (Erithacus tity$). 

1) Nr. 16311. ad. Gezeichnet am 20. April 1916. 
Wiedergefangen am 12. und 21. Juni 1916 nach 

2 Monaten. 

2) Nr. 16321. juv. Gezeichnet am 11. Juli 1916. 
Wiedergefangen am 19. Juli 1916 nach 6 Tagen. 



XVII. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 879 

3) Nr. 18627. Gezeichnet am 4. September 1917. 

Wiedergefangen am 14. und 25. September 1917 
nach 21 Tagen. 

f) HauBsperling: (Passer domesticus). 

1) Nr. 16315. 9. Gezeichnet am 16. Mai 1916. 
Wiedergefangen am 20. Mai 1916 nach 4 Tagen. 

3) Nr. 18628. Gezeichnet am 3. Oktober 1917. 
Wiedergefangen am 7. Oktober 1917 nach 4 Tagen. 
Auch der als überaus vorsichtig und schlau eingeschätzte 
Spatz läfst sich immer wieder in derselben Falle fangen. 

Kleinvöerel, 

die von Herrn Oberförster Schäffer am Forsthaus F r e i - 
h a l d e n bei Gtlnzberg in Schwaben am Futterplatze markiert 
und ebenda wiedergefangen wurden. 

a) Grtinllngre (Chloris chloris). 

1) Nr. 20229. Gezeichnet am 12. Januar 1917. 
Wiedergefangen am 12., 14., 19., 20., 26., 31. Januar 
und am 2. Februar 1917, zuletzt also nach 21 Tagen. 

3) Nr. 20225. Gezeichnet am 17. Januar 1917. 
Wiedergefangen am 19., 21. und 26. Januar und am 
3. Februar 1917, zuletzt also nach 17 Tagen. 

3) Nr. 20223. Gezeichnet am 18. Januar 1917. 
Wiedergefangen am 26. Januar und 12. Februar 1917, 

zuletzt also nach 25 Tagen. 

4) Nr. 20203. Gezeichnet am 26. Januar 1917. 
Wiedergefangen am 30. und 31. Januar, sowie am 

2. und 3. Februar, zuletzt also nach 8 Tagen. 

b) Bergfink. 

Nr. 20227. Gezeichnet am 12. Januar 1917. 

Wiedergefangen am 17. Januar 1917 nach 5 Tagen. 

Die letzten Bergfinken waren am 26. März 1917 bei Neu- 
schnee am Futterplatze zu sehen. Grünfinken waren auch noch 
am 18. April vorhanden, also wohl Standvögel. 

Kleinvögel, 

die von Herrn Leutnant Rutkowsky im Offiziergefangenen- 
lager Helmstedt in Braunscbweig und bei V i 1 s e n in 
Hannover beringt und ebenda wiedergefangen wurden. 



880 J> TbieDemann : 

Herr Leutnant Rutkowsky hatte sich von der Vogelwarte 
Kleinvogelringe schicken lassen und hat damit im Gefangenenlager 
besonders Kohlmeisen, aber auch einige Blaumeisen, 
Sumpfmeisen, Buchfinken und Haussperlinge 
beringt. 

Die Ergebnisse waren dieselben wie an den andern Stellen, 
wo die genannten Vogelarten an Futterplätzen gefangen und 
gezeichnet wurden: Die Vögel liefsen sich immer und immer 
wieder an demselben Orte mit denselben Fallen, Schlagnetz und 
Fangbauer, einfangen. Die bemerkenswertesten Fälle sollen hier 
angeführt werden, sie betreffen KoMmeisen {Barns major). 
Der Markierungsort ist Berxen bei Vilsen: 

1) und 2) Nr. 19838 und 19839. cTd*. Gezeichnet am 
23. Februar 1917. 

Beide wiedergefangen ebenda am 4. April 1917 nach 
40 Tagen. 

8) Nr. 19832. cf. Gezeichnet am 6. Januar 1917. 
Wiedergefangen ebenda am 24. Februar 1917 nach 
49 Tagen und am 8. März 1917 nach 61 Tagen. 

4) Nr. 19833. 9- Gezeichnet am 20. Januar 1917. 
Wiedergefangen ebenda am 10. März 1917 nach 
49 Tagen und am 30. März 1917 nach 69 Tagen. 

6) Nr. 19834. cf. Gezeichnet am 30. Januar 1917. 

Wiedergefangen ebenda am 7. April 1917 nach 
67 Tagen. 

Herr Rutkowsky bemerkt dazu, dafs in der Nähe des 
Lagers nur selten eine ungezeichnete Kohlmeise zu sehen sei. 
Beringte Kohlmeisen und Buchfinken wurden bei 
Paarungsspielen beobachtet, und da Fangdaten auch in den An- 
fang der Brutzeit fallen, so ist bestimmt anzunehmen, dafs die 
Vögel an dem Orte, wo sie den Winter zubrachten, auch ge- 
brütet haben. 

Untersuchungen künstlicher Nisthöhisn. 

In den nachfolgenden Zeilen sollen die Erfahrungen nieder* 
gelegt werden, die ich im Laufe der Zeit beim Untersuchen 
künstlicher Nisthöhlen gesammelt habe. Bei den Tonurnen handelt 
es sich um die von Schlüter'schen Nisturnen alten Modells. Über 
die neuen Urnen, die Geheimrat R ö r i g in der Dezembernummer 
1915 der „Ornithologischen Monatsschrift" als „Rörig'sche Urnen" 
beschreibt, liegen mir bisher noch keine persönlichen Erfah- 
rungen vor. 

Was die Untersuchungsmethode anlangt, so mufs betont 
werden, dafs ein blofses Beobachten der Höhlen vom Erdboden 
aus, wie es in Königlichen Forsten oft geübt wird, durchaus nicht 



XYII. Jahresbericht der Vogelwarte Bossitten. 881 

genügt, um ein genaues Bild vom Besetztsein oder Nichtbesetztsein 
der Höhlen zu gewinnen. Ich habe bei meinen Untersuchungen 
oft die Listen der betreifenden Beamten zum Vergleichen in 
Händen gehabt und viele „unbesetzt" vorgefunden, wo in Wahrheit 
junge Vögel oder Eier in der Höhle waren. Die alten Vögel sind 
eben sehr heimlich am Neste. Die Urnen wurden von mir stets 
abgenommen, vorsichtig gekippt bis Eier oder Junge zu sehen 
waren, und wenn sich nichts lebendes vorfand, dann wurde das 
Nest mit einem Haken hervorgezogen, um den ganzen Höhlen- 
inhalt auf seine Beschafifenheit hin zu prüfen. Da das einen 
ziemlich harten Eingrifif darstellt, so wählte ich für die Unter- 
suchungen einen späten Termin, um möglichst wenig zerbrechliche 
Eier vorzufinden ; gewöhnlich die Zeit kurz nach dem allgemeinen 
Starausfliegen. Und wenn in der Urne keine Jungen mehr an- 
zutreffen waren, so konnte man ohne weiteres am Geruch, am 
Vorhandensein von Federschuppen und an sonstigen unträglichen 
Merkmalen feststellen, ob darin soeben eine Brut gezeitigt war 
oder nicht. 

Bei den Holzhöhlen, die fast ausschliefslich v. Berlepscb'sches 
Modell waren, wurden bei der Besichtigung einfach die Deckel 
entfernt. 

Als Beobachtungsgebiet kam vor allem die Oberförsterei 
Schnecken im Kreise Niederung in Betracht, von Rossitten 
aus auf dem jenseitigen Haffufer gelegen. Dort herrschte in den 
Jahren 1907, 1908 und teilweise auch noch 1909 eine arge Nonnen- 
plage, die viele Stare herbeizog. Das veranlafste den damaligen 
Revierverwalter, Herrn Forstmeister Dr. S t o r p , mehrere Tau- 
send von Schlüter'sche Nisturnen in seinem Reviere, einem 
Nadelholzreviere, aufzuhängen, um die Stare massenweise sefshaft 
zu machen und vor allem in den Wald hineinzuziehen. Das 
gelang auch vollkommen. Die Stare kamen in hellen Haufen 
und brüteten in den Urnen in den Jahren 1911 und 1912. Von 
da ab nahm ihre Zahl ständig ab. Im Jahre 1915 waren nur 
noch vereinzelte Brutpaare zu finden, 1916 und 1917 keine mehr. 
Auch aufserbalb des Waldes scheinen die Stare abgenommen zu 
haben. So berichtet mir Herr Hegemeister Borchardi in 
Schneckenhof, dafs bis einschliefslich 1915 eine Anzahl Paare 
unter den Dachpfannen seines Förstereigehöftes genistet hätten. 
Auch die sind jetzt verschwunden. 

Wir haben also ein sprechendes Beispiel dafür, dafs eine 
Insektenkalamität Vogelansammlungen auf dem gefährdeten Ge- 
biet veranlafst hat. In wie weit nun aber die herbeigeeilten 
Vögel zur Unterdrückung der Kalamität wirklich beigetragen 
haben, das zu beurteilen ist natürlich wieder recht schwer, wenn 
nicht unmöglich. 

Die Urnen hängen meist in Kiefernaltholz mit Fichtenunter- 
holz. Es fand eine dreimalige eingehende Untersuchung auf der 
Oberförsterei Schnecken statt, nämlich zweimal zur Brutzeit (am 



882 J> Thienemann : 

21. UDd 22. Juni 1911 und 28. Juoi 1912) und einmal ausgangs 
Winter, am 6. und 7. März 1912, um festzustellen, ob die Urnen 
während der kalten Jahreszeit als Schlafräume sehr beliebt sind. 
In den Tabellen ist der Einfachheit weg^n nur immer der erste 
Untersuchungstag genannt. Da die Urnen alle numeriert waren, 
so konnte ich teilweise immer wieder dieselben Nummern unter- 
suchen, um ihre Beschaffenheit in verschiedenen Jahren und zu 
verschiedeneu Jahreszeiten zu kontrollieren. 

Darum stelle ich die Untersuchungsergebnisse bei ein und 
derselben Urne in den folgenden Tabellen in einer Rubrik zu- 
sammen. Im Übrigen sind die Urnen der Gröfse nach A) für Stare, 
B) für Meisen, C) für Halbhöhlenbrtiter, D) für Tauben und 
örtlich nach Schutzbezirken angeordnet. Wenn sich die Worte 
„trocken" oder „nafs" vorfinden, so soll das bedeuten, dafs der 
Urneninhalt, besonders der vorhandene Niststoff oder Mulm die 
betreffende Beschaffenheit aufwies. 

Nun könnte ich ganz ausführlich die Aufzeichnungen der 
von mir geleiteten meteorologischen Station folgen lassen aus den 
Zeiten, die den Untersuchungen vorausgingen. Davon sehe ich 
ab, weil das meines Erachtens wenig Zweck hat. Schnecken 
liegt von Rossitten 55 km weit entfernt, durch das breite Kurische 
Haff getrennt. Es ist durchaus nicht gesagt, dafs dort immer 
dasselbe Wetter herrscht wie in Rossitten. Da kann man gerade 
hier in der Nähe der See mancherlei Überraschungen erleben. 
Wie oft ist's mir schon vorgekommen, dafs in Rossitten das 
schönste Wetter war, und in Ulmenhorst regnete es. Und dann 
Schnecken mit seinen nahen Hochmooren, wo Fröste, Nebel 
Niederschläge oft ganz beschränkt strichweise auftreten! Will 
man den Befund der Urnen und die Witterung genau gegenseitig 
abwägen, dann müfste man die meteorologischen Instrumente an 
den Stellen aufstellen, wo die Urnen hängen. Aufserdem ist zu 
bedenken, dafs bei Beurteilung der Urnen nicht nur die meteoro- 
logischen Verhältnisse in Betracht kommen, sondern noch ganz 
andere Dinge, wie wir unten sehen werden. 

Aber die allgemeine Wetterlage will ich schildern, wobei 
Temperatur und Niederschläge die Hauptrolle spielen. 

Das Monatsmittel der Lufttemperatur im Juni 1911 betrug 
13,P; im Juni 1912: 15,5*> G. Sommertage d.h. Tage mit Max. 
25*> oder mehr kamen im Juni 1911 drei vor, und zwar der 24., 
25. und !26. Juni, also nach den Revisionstagen. Im Juni 1912 
kamen 2 Sommertage vor, und zwar der 8. und 14. Juni. 

Niederschlagsmenge im Juni 1911: 66,5 mm; davon entfallen 
auf den 14./ 15. allein 30,9 mm. Im Juni 1912 betrug die Nieder- 
schlagsmenge 46,6 mm. Der stärkste Regen fand ebenso wie 
1911 am 14./15. statt mit 12,9 mm. 

Die Sonne schien im Juni 1911: 242,1 Stunden, dagegen 
im Juni 1912: 214,3 Stunden. 



XYII. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 



888 



Das gilt alles für Rossitten. Jedenfalls weisen die beiden 
Monate Juni der Jahre 1911 und 1912 in Bezug auf ihre Witterung 
keine so grofsen Verschiedenheiten auf, dafs man daraus allein 
die Abweichungen in den Urnenbefunden, wie sie sich unten 
zeigen werden, erklären könnte. 

Ehe ich nunmehr zu dem eigentlichen Berichte übergehe, 
möchte ich nicht verfehlen der Königlichen Regierung 
in Gumbinnen und vor allem Herrn Forstmeister Luther 
in Schnecken für alle in entgegenkommendster Weise gewährten 
Unterstützungen meinen verbindlichsten Dank auszusprechen. 



• 

1.- 

r 


tu 


Untersuchung vom 
21. Juni 1911. 


Untersuchung vom 
6. März 1912. 


Untersuchung vom 
28. Juni 1912. 


A. für Stare. 


Schutzbe'äirk Schneckenhof. 


1. 


54. 


1 fast ausgewach- 
sener toter junger 
Star; sehr nafs; 
Maden. 




Wespennest. 


2. 
3. 


65. 
56. 


junge Stare ausge- 
flogen; sehr nafs; 
Fliegentönchen. 

junge Stare aus- 
geflogen; nafs. 


— 


von Eichhörnchen 
frisch eingetragen. 

von Eichhörnchen 
frisch eingetragen. 


4. 


57. 


junge Stare aus- 
geflogen; trocken. 


— 


von Eichhörnchen 
frisch eingetragen. 


5. 


58. 


Nest (jedenfalls 
von Eichhörnchen) 
zerstört; Eierscha- 
len; trocken. 






6. 


59. 


2 tote fast erwach- 
sene junge Stare; 

Aaskäfer; fast 
ohne Nistmaterial. 


^■^ 


Eichhörnchennest. 


7. 


60. 


von Eichhörnchen 

eingetragen ; 

trocken. 


— 


— 


8. 


61. 


junge Stare ausge- 
flogen; viel Nist- 
material; wenig 
nafs; Maden. 




Eichhörnchennest. 



884 



J. Tbienemann: 



• 

r 


r 


9. 


62. 


10. 


63. 


11. 


64. 


12. 


65. 


13. 


66. 


14. 


67. 


15. 


31. 


16. 


32. 


17. 


33. 


18 


34. 


19. 


35. 


20. 


36. 


21. 


37. 


22. 


38. 


23. 


39. 



Untersuchung vom 
21. Juni 1911. 



Untersuchung vom 
6. März 1912. 



Untersuchung vom 
28. Juni 1912. 



von Eichhörnchen 
eingetragen. 

junge Stare aus- 
geflogen; 1 faules 
Ei. 

junge Stare aus- 
geflogen; 1 totes 
halberwachsenes 
Junges. 

junge Stare aus- 
geflogen; viel 
Nistmaterial. 

ganz leer. 

junge Stare aus- 
geflogen; viel 
Nistmaterial; nafs. 

Meisennest; Junge 
ausgeflogen ? 

flügge Trauer- 
fliegenschnäpper. 

altes Meisennest. 

Junge sind nicht 

ausgeflogen. 

angefangenes 
Meisennest. 

unbesetzt. 

unbesetzt. 

Kohlmeisennest; 
Eierschalen. 

angefangenes 
Meisennest. 

Trauerfliegen- 
schnäpper sitzt 
auf Eiern. 



sehr nasier 
Mulm. 

Nest; fast 
trocken. 

ganz nasser 
Mulm. 

feuchter Mulm. 

feuchter Mulm. 

feuchter Mulm. 

trockener Mulm. 



feuchter Mulm. 

nasser Mulm. 

Urne von aufsen 

feucht. 



unbesetzt; 
trockener Mulm. 



unbesetzt; 
trockener Mulm. 

frisch eingetragen; 
Wespennest. 

Eichhörnchennest. 



leer. 
Eichhörnchennest. 



halbflügge Trauer- 
fliegenschnäpper; 
ganz trocken. 



von Eichhörnchen 
eingetragen. 



XYII. Jahreibericbt der Vogelwart« Rossitten. 



886 






Untersuchung vom 
» 21. Juni 1911. 



Untersuchung vom 
6. März 1912. 



Untersuchung vom 
28. Juni 1912. 



40. 
41. 

42. 

43. 
44. 

103. 



102 
107 



111. 

105. 
112. 

139. 



unbesetzt. 

angefangenes Nest 

vom Trauer- 
fliegenschnäpper. 

2 frische Meisen- 
eier; 2. Brut? 

angefangenes 

Nest. 

Meisen aus- 
geflogen. 

junge Stare aus- 
geflogen; 1 halb- 
flügges totes 
Junges. 

leer. 

junge halbnackte 
Wen deh älse; 
die Alte bleibt 
beim Abnehmen 
der Urne sitzen. 

halbflügge junge 
Gartenrotscbwänze. 

leer. 

2 tote flügge 

junge Stare; kein 

Nistmaterial ; 

Aaskäfer. 

junge halbflügge. 
Wendehälse. 



sehr nasser 
Mulm. 

Nasses Nest. 



Nasses Nest. 

Urne von aufsen 

feucht. 

Nasses Nest. 
Viel Material. 

1 verfaulter 
junger Vogel; 
Nest sehr nafs. 



von Eichhörnchen 
eingetragen. 



junge Stare aus- 
geflogen; ganz 
trocken; kein 
Nistmaterial, 
nur Mulm. 



die 6 vertrockneten 

jungen vorjährigen 

Wendehälse. 



frisches Starnest; 

Junge sind nicht 

ausgeflogen. 



trockener, seiner 

Zeit hinein- 
gefüllter Mulm; 
ausgeschlüpfte 
Fliegentöncben ; 
etwas Kot. 



886 



J. TbienemaDD: 



3^ 

W 



Untersuchuug vom 
21. Juni 1911. 



Untersuchung vom 
6. März 1912. 



Untersuchung vom 
28. Juni 1912. 



36. 



37. 



38, 



39. 



130, 



92 



136 



133. 



auf dem ganz 
trockenen, seiner 
Zeit beim Auf- 
hängen eingefüllten 
Mulm junge halb- 
nackte Wende- 
hälse. Die Alte 

fliegt aus mit 
Futter im Schnabel. 

junge Trauer- 
fliegenschnäpper 

sind ausgeflogen; 

3 schlechte Eier. 

unbesetzt; ein- 
gefüllter Mulm 
trocken. 

frisches Kohl- 
meisennest mit 
1 Ei; 2. Brut? 



• 




w 


a 


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£C 


|SB 




5 


H 



Untersuchung vom 
21. Juni 1911. 



Untersuchung vom 
6. März 1912. 



40. 


87. 


41. 


82. 


42. 


79. 


43. 


75. 


44. 


65. 


45. 


101. 



Schutzbezirk Wassespind. 
leer. etwas feuchter Mulm. 



4 fast flügge verfaulte 
Stare. 

unbesetzt. 

junge Stare ausgeflogen; 
Nest sehr nafs. 

leeres Nest vom Baum- 
läufer {Gerthia)'i Junge 
ausgeflogen. 



zerstörtes Meisennest; 
Eierschalen. 



etwas feuchter Mulm; eine 
vertrocknete Spechtmeise. 



Nichts mehr vom alten 
Neste vorhanden; Moos 
und Flechten vom Eich- 
hörnchen eingetragen; 
etwas feucht. 
Nest; wenig feucht. 



XVII. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 



887 



5» 

n 



Untersuchung vom 
21. Juni 1911. 



Untersuchung vom 
6. März 1912. 



102. 



103. 

104. 
105. 
106. 

107. 
109. 
HO. 

111. 
112. 
lU. 

124. 

132. 

135. 

136. 

159. 

148. 
147. 
145. 



junge halbnackte Trauer- 
fliegenschnäpper. 



frisches Nest. 

unbesetzt. 

frisches Nest ; Eichhörnchen? 

Starnest; Junge aus- 
geflogen; trocken. 

angefangenes Nest. 

unbesetzt. 

junge Stare ausgeflogen; 
Nest nafa. 

unbesetzt. 

unbesetzt. 

junge Stare ausgeflogen; 
1 faules Ei; trocken. 

junge Stare ausgeflogen; 
1 totes Junges; nafs. 

junge Stare ausgeflogen; 
trocken. 

junge Stare ausgeflogen; 
fast trocken. 

junge Stare ausgeflogen; 
fast trocken. 

junge Stare ausgeflogen; 
nafs. 



Grobes Genist; wenig 

feucht; nach den Trauer- 

fliegenscbnäppern müssen 

Stare oder Eichhörnchen 

eingetragen haben. 

Nest und Mulm; vom 

Eichhörnchen?; ganz 

trocken. 

feuchter Mulm. 

Mulm; Hälmchen; trocken. 

trockenes Genist. 

trockener Mulm. 



trockener Mulm. 



frisch eingetragenes 
trockenes Moos. 

feuchtes altes Starnest. 



trockener Mulm ; kein Nest. 

trockener Mulm; kein Nest. 

altes ganzes nasses Star- 
nest; 1 toter flügger 
junger Star. 



88S 



J. ThienemaDD : 



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fi!* 


J 


W 



UutersuchuDg vom 
21. Juni 1911. 



Untersuchung vom 
6. März 1912. 



65. 


160. 


66. 


161. 


67. 


162. 


68. 


163. 


69. 


202. 


70. 


16. 


71. 


18. 



junge Stare ausgeflogen; 

ohne Nistmaterial; 1 toter 

fast flügger junger Star. 

junge Stare ausgeflogen; 
fast trocken. 

junge Stare ausgeflogen; 

trocken ; Urne hängt stark 

seitlich geneigt. 

unbesetzt; nur Hälmchen. 

junge Stare ausgeflogen; 
fast trocken. 

Stareier; 2. Brut? 

Nest mit 2 Eiern vom 
Trauerfliegenschnäpper. 



« 




■D 


a 


u 




■3 


w 



Untersuchung vom 
21. Juni 1911. 



Untersuchung vom 
6. März 1912. 



Untersuchung vom 
28. Juni 1912. 



68. 



69. 



71. 



74. 



B. für Meisen. 

Schutzbezirk Schneckenhof. 



junge Trauer- 
fliegenschnäpper 
(noch sehr klein); 
1 Ei. 

Meisen 
ausgeflogen. 

ganz kleine tote 
Junge; Art? 1 Ei. 



3—4 nackte junge 

Meisen; 4—5 

faule Eier. 



frisches Nist' 
material. 



altes Nest. 

2 flügge Trauer- 
fliegenschnäpper; 
1 ausgeflogenen 
fange ich in der 
Nähe. 

Höhle 
verschwunden. 



XVII. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 



889 



h 


1 


Untersuchung vom 


Untersuchung vom 


Untersuchung vom 


r 




21. Juni 1911. 


6. März 1912. 


28. Juni 1912. 


5, 


75. 


1 flügger Trauer- 
fliegenschuäpper; 
einen bereits aus- 
flogenen fange ich. 


— 


frisch eingetragen. 


6. 


77. 


7 halbflügge tote 

Kohlmeisen ; 

Aaskäfer. 




junge Trauer- 
fliegenschnäpper 

ausgeflogen; 
Nest sehr nafs. 


7. 


78. 


angefangenes 
Nest. 


— 


leer; nur etwas 
trockener Mulm. 


8. 


81. 


leer. 


• 


Meisennest; 

jedenfalls Junge 

ausgeflogen. 


9. 


83. 


Trauerfliegen- 
scbnäpper sitzt. 




Trauerfliegen- 
schnäpper sind 
ausgeflogen ; 
rufen in der Nähe; 
Nest trocken. 


10. 


24 


junge Meisen 


altes Nest; 


altes Meisennest; 






ausgeflogen. 


trocken; Kot; 
übernachtet. 


Kot. 


U. 


25. 


fast flügge Trauer- 
fliegenschnäpper. 


trocken; Kot; 
übernachtet. 


altes Nest. 


12. 


27. 


Meisen ausgeflogen. 


nasser Mulm. 


Kot. 


13. 


28. 


leer. 


altes Nest; 
wenig feucht. 


Höhle 
verschwunden. 


14. 


30. 


Meisennest. 


der obere Rand 
der Urne ist 
eingewachsen. 


Höhle 
verschwunden. 


15. 


45. 


Trauerfliegen- 
schnäpper; Eier. 


2 alte Eier vom 
Trauerfliegen- 
schnäpper; Nest 
trocken. 


unbesetzt; leer. 


16. 


47. 


Meisen 
ausgeflogen. 


feuchter Mulm. 


viel Kot; 
übernachtet. 


17. 


48. 


flügge Trauer- 


1 toter junger 


Trauerfliegen- 






fliegenschnäpper. 


Trauerfliegen- 

Bchnäpper; Nest 

wenig feucht. 


schnäpper 
ausgeflogen ; 
Nest trocken. 



890 



J. TbieDemano: 



o 




1.- 




l^ 


^'* 


3 


n 



Untersuchung vom 
21. Juni 1911. 



Untersuchung vom 
6. März 1912. 



Untersuchung vom 
28. Juni 1912. 



18. 


50. 


19. 


51. 


20. 


53. 


21. 


164. 


22. 


165. 


23. 


166. 


24. 


167. 


25. 


168. 


26. 


169. 


27. 


170. 


28. 


171. 


29. 


173. 


30. 


174. 


31. 


175. 



Tannenmeise, Eier. 

Trauerfliegen- 
schnäpper, Eier. 

nackte Junge 
vom Trauer- 
fliegenschnäpper. 

unbesetzt, 
unbesetzt. 



angefangenes 
Meisennest. 

halbflügge Trauer- 
fliegenschnäpper. 



Meisennest; Junge 
ausgeflogen ? 

Tannenmeise, 
Eier. 

Meisennest; Junge 
ausgeflogen. 

angefangenes 

Nest. 



Meisennest; feucht, 

1 Ei vom Trauer- 
fliegenschnäpper; 
Nest fast trocken. 

sehr nasses Nest 

vom Trauer- 
fliegenschnäpper. 

etwas feuchter 
Mulm. 

trockener Mulm. 



feuchtes Nest. 
feuchtes Nest. 



altes Meisennest, 
frisch eingetragen. 

Wespennest. 

frisch eingetragen. 

flügge Trauer- 
fliegenschnäpper; 
am Hinterleibe 
schmutzig, 
junge Meisen sind 
ausgeflogen. 

vorjährige ver- 
trocknete junge 
Trauerfliegen- 
schnäpper. 
Meisennest; Junge 

ausgeflogen, 
altes Meisennest; 
dazu frisch ein- 
getragen, 
junge halbflügge 
Trauerfliegen- 
schnäpper, 
frisches Nest vom 
Trauerfliegen- 
schnäpper. 
Nest vom Trauer- 
fliegenschnäpper ; 
wobl Junge aus- 
geflogen. 
1 flügger Trauer- 
fliegenschnäpper. 

Meisennest; Junge 

ausgeflogen ; 

ganz trocken. 



XVII. Jahresbericht der Vogelwarte Eossitten. 



391 



r 


d 


Untersuchung vom 
21. Juni 1911. 


Untersuchung vom 
6. März 1912. 


Untersuchung vom 
28. Juni 1912. 


32. 


176. 


_ 


__ 


unbesetzt. 


33. 


177. 


— 


— 


leer; Kot; 
übernachtet. 


34. 


178. 


- 




2 frische Eier 
vom Trauer- 
fliegenschnäpper. 


«1 

Sä 

;3 




Untersuchung vom 
21. Juni 1911. 


Untersuchung vom 
6. März 1912. 



90. 

89. 

88. 

86. 
85. 
84. 

81. 

80. 

78. 

77. 
76. 

74. 

73. 



Schutzbezirk Wassespind. 



Meisennest, 
junge halbnackte Meisen. 

altes Meisennest. 

unbesetzt. 

angefangenes Meisennest. 

fast flügge Trauer- 
fliegenschnäpper. 

frisch gebautes Meisennest. 



frisch gebautes Meisennest. 

halbflügge Trauer- 
fliegenschnäpper; 
kein festes Nest gebaut. 

junge Meisen ausgeflogen. 

unbesetzt. 
1 tote Hornisse. 

flügge Trauer- 
fliegenschnäpper. 

altes Meisennest. 



trockener Mulm. 

trockenes Nest; Kot; 
übernachtet. 

altes Nest; trocken;" 
alter Kot. 

trockener Mulm. 

trockener Mulm. 

trockenes Nest; Kot; 
übernachtet. 

altes Nest; trocken; 

5 vorjährige noch unein- 

getrocknete Eier. 



Jown. t OiB. VXl.I, Jakr?. Oktob« 1918. 



27 



392 



J. ThienemaDD: 



« 




u 




5 


W 



Untersuchung vom 
21. Juni 1911. 



Untersuchung vom 
6. März 1912. 



48. 


72. 


49. 


71. 


50. 


70. 


51. 


69. 


52. 


68. 


53. 


67. 


54. 


66. 


55. 


153. 


56. 


200. 


57. 


199. 


58. 


203. 


59. 


198. 


60. 


197. 


61. 


196. 


62. 


196 


63. 


194. 


64. 


193. 


65. 


228. 



angefangenes Nest. 

Kot. 

unbesetzt. 

unbesetzt. 

altes Nest. 

ein paar Haare. 



Nest; Junge ausgeflogen; 
*nafs; Maden. 



4 tote fast flügge • 
Trauerfliegenschnäpper. 

nackte junge Blaumeisen. 



6 tote halbflügge 
Trauerfliegenschnäpper. 

leer; beim Aufhängen 
kein Mulm eingelegt, 

leer; beim Aufhängen 
kein Mulm eingelegt. 

leer; beim Aufhängen 
kein Mulm eingelegt. 

leer; beim Aufhängen 
kein Mulm eingelegt. 

leer; beim Aufhängen 
kein Mulm eingelegt. 



Moos; Mulm; trocken. 

nasser Mulm. 

trockener Mulm. 

Meisennest; trocken. 

viel alter Kot; feucht. 

Nest; fast trocken; 

eine vertrocknete junge 

Kohlmeise. 

alter feuchter Mulm ; 
nichts vom Nest vorhanden. 

ganz nasser Mulm; 
kein Nest. 

trockenes Genist. 

nasses Meisennest. 

ganz leer, 
trockenes Genist. 

das bei der vorjährigen 

Untersuchung eingelegte 

trockene Moos. 

der bei der vorjährigen 

Untersuchung eingelegte 

Mulm; nafs. 

der bei der vorjährigen 

Untersuchung eingelegte 

Mulm; feucht. 

der bei der vorjährigen 

Untersuchung eingelegte 

Mulm; trocken. 

alter nasser Kot. 



ganz nasses Moosnest 

mit etwas altem ganz 

nassen Kote. 



XYII. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 



898 



V 






a 


"3!« 




^ 


n 



Untersuchung vom 
21. Juni 1911. 



Untersuchung vom 
6. März 1912. 



Untersuchung vom 
28. Juni 1912. 



0. für Halbhöhlenbrüter. 

Schutzbezirk Schneckenhof. 



1. 


70. 


2. 


76. 


3. 


79. 


4. 


82. 


5. 


26. 


6. 


29. 


7. 


46. 


8. 


49. 


9. 


52. 


10. 


44. 


U. 


17. 



leer. 

4 verlassene Eier 

vom Trauer- 
fliegenschnäpper. 

Gartenrotschwanz 
sitzt auf Eiern. 



ganz leer. 

leer, 
leer. 



Gartenrotschwanz 
7 Eier. 

leer. 



Moos. 



trocken ; Kot vom 
Übernachten. 

leer. 

trockener Mulm; 

2— 3Kotklümpchen 

von früheren 

Übernachtungen. 

Nest; fast 
trocken. 

wenig Mulm; 
trocken. 

feuchter Mulm. 



leer. 

Nest vom 
Eichhörnchon. 

Nistmaterial. 

Wespennest, 
ganz leer. 

leer, 
leer. 



frisch eingetragen, 
leer. 



1. 


16. 


2. 


17. 


3. 


18. 


4. 


19. 



D. für Tauben. 

Schutzbezirk Schneckenhof. 

Eichhornnest. Eichhornnest; 

trocken. 

Eicbhornnest. Eicbhornnest; 

trocken. 

leer. ganz wenig 

trockener Mulm. 

Gartenrotschwanz 

fliegt heraus; 

wohl Junge. 



27* 



8d4 



J. Tbienemann: 



» ■ 



Untersuchung vom 
21. Juni 1911. 



Untersuchung vom 
6. März 1912. 



Untersuchung vom 
28. Juni 1912. 



20. 



leer; nur einige 

weifse Eierschalen; 

im vorigen Jahre 

soll eine Taube 

aus- und eingeflogen 

sein. Geheck wohl 

vom Eichkater 

zerstört. 



Schutzbezirk Wassespind. 



64. 



vom Eichhörnchen 
vollgetragen. 



Moos, vom Eich- 
hörnchen ein- 
getragen; trocken. 



Zusammenfassung über die Untersuchung vom 21. Juni 1911. 
Gesamtzahl der untersuchten Urnen 135 Stück. 

Davon für Stare .... 64 Stück 

- Meisen .... 56 

- Halbhöhlenbrüter 9 

- Tauben .... 6 - 

135 Stück. 

1. Feststellungen über die 64 Starurnen 

Starnest 2 mal 

Junge Stare ausgeflogen 18 - 

Meisennest 6 - 

Meiseneier 1 - 

Junge Meisen ausgeflogen 1 - 

Trauerfliegenfängernest 1 - 

Trauerfliegenfänger Eier oder Junge . 4 - 

Gartenrotschwanz-Junge 1 - 

Wendehals-Junge 2 - 

Baumläufernest? (Certhia) 1 - 

Loses Nistmaterial (oft vom Eichhorn) . 6 - 

Unbesetzt 13 - 

Tote junge Stare 8 - 

64 mal. 



XVII. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 395 

Faule Eier wurden 2 mal gefunden ; ganz ohne Nistmaterial 
hatten Stare 3 mal gebrütet, wobei sich in der betreffenden Urne 
jedesmal tote Junge vorfanden. Die Bezeichnung „nafs^' und 
„sehr nafs" kam 8 mal vor; „trocken" 12 mal. 

Besetzt waren also von den 64 Starurnen 45 Stück = 72 7o; 
Unbesetzt (dazu werden immer auch die Fälle gerechnet, wenn 
sich nur etwas loses Nistmaterial vorfindet) 19 Stück = 30 Vo« 

Tote junge Vögel fanden sich 8 mal vor = 12,8 7o- 

2. Feststellungen über die 56 Meisenurnen. 

Meisennest 13 mal 

Meiseneier oder Junge 5 - 

Junge Meisen ausgeflogen ..... 7 - 

Trauerfliegenfänger Eier oder Junge . 12 - 

Unbesetzt 15 - 

Tote junge Meisen und Trauerfliegen- 
fänger (je 2 mal) . 4 - 

56 mal. 
Faule Eier 2 mal; „nafs" einmal. 

Besetzt waren also von den 56 Meisenurnen 41 Stück = 
73,8 7o; Unbesetzt 15 Stück = 27 V». 

Tote junge Vögel fanden sich 4 mal vor = 7,2 7o- 

Von den 9 Halbhöhlenbrüterurnen waren 9 be- 
setzt und 6 unbesetzt, von den 6Taubenurnen waren 3 von 
Eichhörnchen vollgetragen, 2 leer und eine vielleicht von einem 
Gartenrotschwanz besetzt. Es liegen von den zwei letzten Urnen- 
sorten, die für Ausübung des Vogelschutzes nur geringen Wert 
haben, zu wenig Untersuchungen vor, um allgemeine Schlüsse 
ziehen zu können. In Eichhornrevieren sind die Taubenurnen 
sicher nicht am Platze. 

Am Schlufse meiner damaligen Aufzeichnungen finden sich 
folgende Notizen: Die in den Urnen gefundenen toten halb- 
verfaulten jungen Vögel waren etwa 4 — 8 Tage vorher gestorben. 
Es hatte vorher keine Hitze, eher Kälte geherrscht. 

Zusammenfassung über die Untersuchung vom 28. Juni 1912. 

Gesaratzahl der untersuchten Urnen 63 Stück. 

Davon für Stare .... 23 Stück 

- Meisen .... 31 

- Halbhöhlenbrüte r 9 - 

63 Stück. 



396 J. Thienemann: 

1. Feststellungen über die 23 Starurnen. 

Starnest 1 mal 

Junge Stare ausgeflogen .... 1 - 

Meiseneier 1 - 

Trauerfliegenfängerjunge .... 1 - 

Trauerfliegenfänger ausgeflogen . , 1 - 

Wendehals-Junge 1 - 

Nistmaterial (oft vom Eichhörnchen) 10 - 

Unbesetzt 7 - 

23 mal. 

Faule Eier wurden einmal gefunden. Ohne Nistmaterial 
hatten die Stare 1 mal gebrütet. Die Bezeichnung „nafs" kam 
nicht vor, „trocken" dagegen 7 mal. Tote Junge wurden nicht 
angetroffen. 

Besetzt waren also von den 23 Starurnen 6 Stück = 25,8 7oi 
unbesetzt 17 Stück = 73,1 7o- Der Prozentsatz der besetzten 
Urnen in diesem Jahre viel niedriger wie im vorigen, obgleich 
viel trockener. 

2. Feststellungen über die 31 Meisenurnen. 

Meisennest 1 mal 

Junge Meisen ausgeflogen .... 4 - 

Trauerfliegenfänger Eier oder Junge 5 - 

Trauerfliegenfänger ausgeflogen . . 4 - 

Loses Nistmaterial 9 - 

Unbesetzt 8 - 

31 mal. 

Die Bezeichnung „nafs" einmal; „trocken" 3 mal. 

Besetzt waren also von den 31 Meisenurnen 14 Stück = 
44,8 7o> unbesetzt (dazu werden immer auch die Fälle gerechnet, 
wenn sich nur etwas loses Nistmaterial vorfindet) 17 Stück = 

54,4 7o. 

Auch bei den Meisenurnen ist der Prozentsatz der besetzten 
Urnen viel niedriger wie im vorigen Jahre. Tote junge Vögel 
kamen in diesem Jahre nicht vor. Also gerade umgekehrt wie 
bei den von B er lep s c h'schen Versuchen. Da kamen im 
Jahre 1911 die Brüten gut aus, und im Jahre 1912 wurden viel 
tote Junge gefunden. (Vergl. den oben angeführten Artikel von 
R ö r i g.) 

Von den untersuchten 9 Urnen für Halbhöhlen- 
brüter waren 6 unbesetzt; 3 wiesen etwas loses Nistmaterial 
auf; also in keiner einzigen war eine Brut gezeitigt worden. 

Am Schlufs des Untersuchungsprotokolles vom 28. Juni 1912 
finden sich folgende seiner Zeit unter dem frischen Eindruck von 
mir geschriebene Notizen: 



XVII. Jahresbericht der Vogelwarte Roseitten. 397 

a) Höhleninhalt viel trockener wie im vorigen Jahre, obgleich 
es in der Zeit vorher genug geregnet hat. 

b) Keine toten jungen Vögel gefunden. Dabei ist es während 
der Brutzeit oft recht kühl und in letzter Zeit recht heifs 
gewesen. In den letzten Tagen geradezu drückend heifs. 
Schwüle Gewitterluft. 

c) Weniger Stare wie im vorigen Jahre. 

d) Verhältnismäfsig weniger Meisen, dafür öfter Trauerfliegen- 
fänger. 

Zusammenfassung über die Untersuchung vom 6. März 1912. 

Gesamtzahl der untersuchten Urnen 79 Stück. 

Davon für Stare .... 30 Stück 

- Meisen .... 39 

- Halbhöhlenbrüter 6 

- Tauben .... 4 



79 Stück. 

Bei dieser Untersuchung sollte festgestellt werden, ob die 
Urnen den Winter über fleifsig von den Höhlenbrütern als Schlaf- 
raum benutzt worden wären, ob sie also einen trockenen wohn- 
lichen Eindruck machten, oder einen nafsen unwohnlichen? ob 
sich viel Kot vorfände? ob etwa erfrorene alte Vögel anzutreffen 
wären und dergleichen. 

Von den 30 untersuchten Starurnen waren 20 Stück = 
66 7o J^öfs, und 10 Stück = 33 7o trocken. An alten Vögeln 
wurde nur eine tote Spechtmeise vorgefunden, sonst noch 2 mal 
vorjährige tote Nestjunge von Staren. 

Von den untersuchten 39 Meisenurnen waren 18 Stück = 
46,87o nafs, und 20 Stück = 527o trocken; eine war ganz leer. 

In fünf Fällen wurden vorjährige Eier oder tote Junge vor- 
gefunden. 

Ein Übernachten liefs sich in 7 Fällen sicher nachweisen, 
das sind von 39 Urnen 18,2 7o- 

Von den 6 Halbhöhl enbrüteruruen waren 4 trocken, 
1 feucht, 1 ganz leer. Ein Übernachten liefs sich in 2 Fällen 
sicher nachweisen. 

Am Schlufs meiner damaligen Aufzeichnungen finden sich 
folgende Bemerkungen: Ein häutiges Übernachten von Vögeln 
konnte nicht nachgewiesen werden. Die meisten Urnen sind viel 
zu nafs und unwirtlich. Die Untersuchungen wurden bis zum 
späten Abend fortgesetzt, aber nie wurde eine zum Übernachten 
einschlüpfende Meise beobachtet. Überhaupt kamen im ganzen 
Reviere sehr wenig Meisen zu Gesicht. Ich beobachtete wie ein 
Spechtmeisenpaar eine Starurne untersuchte. ~ 



898 



J. Tbienemann: 



Im Jahre 1912 schickte die Fabrik von Schlüter'scher Nist- 
urneo, Walter Menzel in Lauban in Schi, eine Anzahl Nist- 
urnen an die Vogelwarte ein, deren Tonmasse durch Beimischung 
verbrennbarer Stoffe poröser gemacht war. Es sollte damit vor 
allem der Feuchtigkeitsniederschlag an den Innenwänden ver- 
hindert werden. Ich darf wohl annehmen, dafs das dieselben 
Urnen waren, die in der oben angeführten Arbeit von R ö r i g 
als „Schlüter'sche Urnen" II bezeichnet sind. 

Die Urnen wurden am 27. November 1912 in Rossitten auf- 
gehängt, und zwar sowohl in der üblichen Weise an Bäumen, als 
auch geschützt unter Hausdächern, um auszuprobieren, ob sich 
die Feuchtigkeitsbildung beseitigen oder einschränken läfst, wenn 
man die Urnen ganz oder gar vor äufserer Nässe schützt. 

Das Ergebnis der am 6. und T.Juli 1913 vorgenommenen 
Untersuchungen war folgendes: 



A. für Stare. 

I. Urnen frei an 
Bäumen hängend. 

1. angefangenes Nest; 

trocken. 

2. junge Stare ausgeflogen; 

feucht. 

3. junge Stare ausgeflogen; 

wenig feucht. 

4. junge Stare ausgeflogen; 
ganz trocken ; wenig Nist- 
material. 

5. junge Stare ausgeflogen; 
ganz trocken ; wenig Nist- 
material. 

6. junge Stare ausgeflogen; 

feucht. 

7. 3 fast flügge verfaulte 
junge Stare; Nest feucht. 

8. 1 vorm Ausfliegen stehen- 
der junger Star; die Ge- 
schwister sind wohl aus- 
geflogen ; Nest trocken. 

9. junge Stare ausgeflogen; 

kein Nistmaterial. 

10. unbesetzt; Nest trocken. 



11. 1 fast flügger junger Star; 
Geschwister wohl ausge- 
flogen; Nest feucht. 

II. Urnen geschützt 
unterm Dache hängend. 

12. junge Kohlmeisen ausge- 
flogen; Nest ganz trocken. 
Die Alten während des 
Fütterers oft beobachtet. 

13. junge Stare ausgeflogen; 
1 toter halbflügger Star. 

14. trockenes Nest; Stareier- 
schalen; Brut nicht ge- 
zeitigt. 

15. unbesetzt; trockener 

Mulm. 

16. unbesetzt; trockener 

Mulm. 



B. für Meisen. 

I. Urnen frei an 
Bäumen hängend. 

1. ganz leer. 

2. jedenfalls junge Meisen 
ausgeflogen ; Nest sehr 

feucht. 



Xyil. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 



399 



3. 8 stark bebrütete ver- 
lassene Meiseneier; wohl 
Blaumeise; Nest feucht; 

ein Embryo lebt noch. 

4. 3 fast flügge tote Kohl- 
meisen; Nest sehr nafs; 
an dieser Urne hatte ich 
die Alten oft beim Füttern 

beobachtet. 

ö. unbesetzt; feucht. 

6. Meisennest; sehr nafs; 

zum Auswinden. 

7. unbesetzt. 

8. KohlmeJp.8 auf Eiern. 

9. etwas trockener Kot. 

10. angefangenes Nest; 

trocken. 

11. leer. 

12. angefangenes Meisennest; 
trocken. Ich beobachtete 
die Alten im Frühjahr 
beim Bauen, das also bald 
darauf eingestellt worden 

ist. 



13. viel Kot; trocken; 

Schlafraum. 

14. Kot; trocken; Schlafraum. 

15. halbflügge Kohlmeisen. 

16. ganz leer. 

17. ganz leer. 

18. feuchter Mulm. 

19. unbesetzt; trocken. 

II. Urne geschützt 
unterm Dache hängend. 

20. Meisennest; trocken. 

O. für Halbhöhlenbrüter. 

I. Urnen frei an 
Bäumen hängend. 

1. unbesetzt; trocken. 

2. Mulm; feucht. 

II. Urne geschützt 
unterm Dache hängend. 

3. trockener Mulm. 



Zusammenfassung über die am 6. und 7. Juli 1913 
vorgenommenen Untersuchungen. 

Die Urnen sollen dabei nicht der Gröfse nach geordnet werden, 
sondern nach ihrem Standort, ob frei hängend oder gedeckt: 

a) frei an Bäumen hängend. 

Zahl der untersuchten Urnen 32 Stück. 

Nest 4 mal 

Eier oder Junge 2 - 

Vögel ausgeflogen 9 - 

Unbesetzt 14 - 

Tote Junge und verlassene Eier . . 3 - 

32 mal. 

Ohne oder mit ganz wenig Nistmaterial hatten Stare 3 mal 
Brüten gezeitigt. „Nafs" oder „feucht" 12 mal; „trocken" 12 mal. 



400 J. Thienemann: 

b) geschützt unterm Dache hängend. 

Zahl der untersuchten Urnen 7 Stück. 

Nest 2 mal 

Vögel ausgeflogen 1 - 

Unbesetzt 3 - 

Tote Junge und verlassene Eier . 1 - 

7 mal. 

„Nafs" keinmal; „trocken" 6 mal. 

Im Ganzen sind also 39 poröse Urnen untersucht worden. 
Davon waren besetzt 22 Stück = 57,2 7o; unbesetzt 17 Stück =: 
44,27p- Tote Junge oder verlassene Eier fanden sich 4 mal vor, 
das sind 10,4 7o- Bei den nicht porösen Urnen war der Prozent- 
satz an toten Jungen 12,87o uod 7,2 7o- Eine Besserung ist 
also nach der Richtung hin nicht eingetreten. 

„Nafs" findet sich 12 mal; „trocken" 18 mal. Da ist wohl 
eine Besserung zu verzeichnen. Von den geschützt hängenden 
Urnen war keine inwendig nafs. 

Das verhängnisvolle Nisten ohne Nistmaterial kam auch bei 
den porösen Urnen leider vor (3 mal). Die jungen Stare die in 
einer Urne ohne Nistmaterial aufgezogen sind, befinden sich 
immer in sehr übler Verfassung: Beschmutzt (und der Schmutz 
ist bei der hohen Temperatur au den Federspitzen wie Kitt an- 
geklebt) bescheuert, Krallen abgewetzt. 

Es kam mir nun darauf an einmal genau kennen zu lernen, 
wie das Brutgeschäft in einer Nisturne verläuft, und wie die 
Jungen beim Ausfliegen aussehen, denn es erschien wir zweifel- 
haft, ob ihr körperlicher Zustand ganz normal sein könne, weil 
ich das Innere der eben verlassenen Höhlen oft so überaus 
unsauber und nafs gefunden hatte. So hing ich im Herbst 1912 
zwei Starurnen, und zwar solche der „porösen" Art, an 
meinem Hause auf, in der Weise, dafs sie vom überhängenden 
Dache gegen Feuchtigkeit geschützt waren. Damit hatte ich die 
Urnen stets vor Augen. Folgende Beobachtungen liegen vor: 

Im ersten Jahre (1913) blieben beide Urnen unbesetzt. Im 
Jahre 1914 wurde Urne Nr. 1 von Staren, Nr. 2 von Kohl- 
meisen bezogen. Am 3. Juni 1914 fand in Rossitten das all- 
gmeine Ausfliegen der jungen Stare statt. Auch aus Urne Nr. 1 
kroch am Morgen desselben Tages ein junger Star heraus, konnte 
aber nicht fliegen, da die Federn von Kot verklebt waren. 
Nachmittags steige ich nach der Urne hinauf, um sie abzunehmen 
und genau zu untersuchen. Zwei junge Stare fahren zum Flugloch 
heraus, können aber auch nicht fliegen. Sind ebenso schmierig 
wie der Bruder vom Vormittage. In der Urne befindet sich ein 
vollständig abgemagerter toter junger Star, der mir besonders 
interessant erscheint. Die Krallen sind vom Anklammern an 



XVII. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 401 

der rauhen harteu Urnenwand, ebenso vom Sitzen und Herum- 
rutschen auf dem Boden, wo sich kein Nistmaterial vorfindet, 
ganz abgescheuert. Sielie Abbildung. Der Vogel hat in der 
zweiten Auffütterungsperiode, wenn die alten Stare nicht mehr 
in die Höhle hineinkriechen, sondern sich von aufsen anklammern, 
um die sperrenden Jungen zu füttern, infolge seiner stumpfen 
Krallen das Flugloch nicht mehr erreichen können und ist ver- 
hungert. Darin ist sicher ein Grund mit zu finden, dafs man 
so oft tote Junge in den Urnen antrifft. Zum Vergleich nehme 
ich heute einen zum Ausfliegen reifen jungen Star aus einer ganz 
in der Nähe an einem Baume hängenden künstlichen H o 1 z - 
höhle heraus, der sich in tadelloser Verfassung befindet (siehe 
Abbildung). 

Aus der Urne Nr. 2 fliegen am 11. Juni 1914 die jungen 
Kohlmeisen aus. In der Höhle befinden sich 3 faule Eier und 
1 totes Junges. Nest trocken. Das verbältnismäfsig häufige 
Auffinden von faulen Eiern in den Urnen fällt auf. 

Es folgen die Beobachtungen von 1915 an den- 
selben beiden Urnen. Das allgemeine Starausfliegen findet um 
den 15. Juni statt, also 12 Tage später wie im Jahre vorher. 
Am 26. Juni Urne Nr. 1 untersucht, die wieder von einem Star- 
paar bezogen war. 3 tote fast flügge Junge liegen darin. Nist- 
material vorhanden, feucht. Krallen der Jungen nicht stark 
abgeschliff'en. Feuchtigkeit kann die Brut nicht getötet haben, 
aber es hat furchtbare Hitze geherrscht. 

Urne Nr. 2 ist wieder von Kohlmeisen besiedelt, wahr- 
scheinlich von demselben Paare wie im vorigen Jahre. Am 
23. Juni liegt unter der Urne eine flügge junge Kohlmeise, die 
nicht fliegen kann, sich sonst aber normal zeigt. Weitere Junge 
sind mir nicht zu Gesicht gekommen. Ob die junge Meise der 
furchtbaren Hitze wegen das Nest verlassen hat? Am 26. Juni 
Urne abgenommen und untersucht. Nest trocken, darin 1 faules Ei. 

Beobachtungen vom Jahre 1916. 

Allgemeines Starausfliegen am 9. Juni. Ich untersuche an 
dem Tage die Urne Nr. 1. Vier junge Stare befinden sich darin; 
sehr beschmutzt, Schwänze ganz verklebt. An den Beineu dicke 
Schmutzkrusten. Nägel nicht ganz abgeschliffen, aber doch 
stumpf und teilweise von Schmutz so verklebt, dafs ein Klettern 
und Anklammern unmöglich erscheint. Nistmaterial ganz nafs 
wie Mist. Die Vögel sind noch nicht ganz zum Ausfliegen reif 
wie ihre Kameraden in anderen Nistgelegenheiten. 

Die 4 Stare werden für die Sammlung gebalgt. Also auch 
in porösen Urnen, die gegen Niederschläge ganz geschützt hängen, 
kann das Nistmaterial total nafs sein. 

Über Urne Nr. 2 liegen von 1916 keine Aufzeichnungen vor. 



402 J. TbienemaDn : 

Beobachtungen vom Jahre 1917. 

Urne Nr. 1 unbesetzt. 

Urne Nr. 2 wieder von Kohlmeisen besiedelt. Am 5. Juli 
ein ausgeflogenes krankes Junges im Grase unter der Urne. 
Kann nicht fliegen. Die Schwung- und Schwanzfedern sind ver- 
kümmert; am Schnabel in- und auswendig Verdickungen, Augen 
trübe. Die Urne wird abgenommen und untersucht. Den vor- 
handenen Federschuppen nach zu urteilen sind mehr Junge aus- 
geflogen wie das eine kranke. Nest trocken. In wie weit die 
Nisturne an der Krankheit des aufgefundenen jungen Vogels Schuld 
trägt, mufs dahingestellt bleiben. (Die jungen Kohlmeisen sind 
in diesem Jahre 24 oder 12 Tage später ausgeflogen wie in den 
Jahren 1914 und 1916.) 

Die beiden Nisturnen haben demnach in den Jahren 1913 
bis 1917 kein einziges normales Geheck gezeitigt, und es ist auf 
Grund der vorliegenden Beobachtungen anzunehmen, dafs durch- 
aus nicht alle jungen Vögel, die die Urnen verlassen, dann im 
Leben auch wirklich weiter fortkommen. Viele gehen sicher 
noch zu Grunde, da sie infolge von anhaftendem Schmutze flug- 
unfähig sind und dem Raubzeuge zum Opfer fallen, oder Krauk- 
heitskeime in sich tragen. 

Alles in allem liegen mir aus der Brutzeit 246 Einzelunter- 
suchungeu von Nisturnen vor. Davon waren besetzt 138 Stück = 
567o>' unbesetzt 108 Stück = 44 7o- Tote Junge und verlassene 
Gelege fanden sich 19 mal vor = 7,6 7o- 

In den ausgangs Winter untersuchten 79 Urnen fanden sich 
7 mal tote Junge vor = 97o- 

Ich möchte mein Urteil über die Tonurnen, wie ich es auf 
Grund eigener Anschauung gewonnen habe, folgendermafsen kurz 
zusammenfassen : Die Urnen werden von den Höhlenbrütern recht 
gut angenommen, und als ein besonderer Triumph mag es gelten, 
dafs dreimal sogar junge Wendehälse, also nicht Nester 
bauende Vögel, darin angetroffen wurden; denn bisher war es ja 
ein Hauptvorwurf gegen die Urnen, dafs sie von dieser Klasse 
von Vögeln streng gemieden würden. 

Den Vögeln, besonders den Staren und Meisen, scheint es 
jetzt, nachdem der Vogelschutz durch Bieten von künstlichen 
Nistkästen eine lange Reihe von Jahren hindurch in grofsem 
Mafsstabe durchgeführt worden ist, ziemlich gleichgiltig zu sein, 
aus weichend Stoff die gebotenen Höhlen bestehen, wenn es nur 
überhaupt Höhlen sind, die einigermafsen den natürlichen Be- 
dingungen entsprechen. Ich darf dabei an das Nisten der Meisen 
in Pumpenrohren, Briefkästen, Giefskannen, Mauerlöchern er- 
innern und möchte aus jüngster Zeit noch zwei recht drastische 
Beispiele anführen. In dem einen Falle hatte ein Meisenpaar 
sein Heim in einem Göpelbaume aufgeschlagen, der aus einem 
eisernen Gasrohre hergestellt war, so dafs die ganze Meisenwohnung 



XVn. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 403 

beim Dreschen oder Häckselschoeideu von den Pferden immer 
im Kreise herumgezogen wurde, und ein andermal lehnte ein 
Stückchen eisernes Gasrohr mit andern Gerätschaften zusammen 
schräg in einer Hofecke. Auch da safs eine Meisenbrut drin. 
Dabei soll ausdrücklich bemerkt werden, dafs das Gebiete waren, 
wo künstliche Holzhöhlen in genügender Zahl zur Verfügung 
standen. 

Dieses leichte Annehmen der gebotenen Höhlen von selten 
der Stare und Meisen ist uns natürlich sehr willkommen, aber 
die Höhlen müssen dann auch so beschaffen sein, dafs sie den 
Brüten nichts schaden, denn die Vögol, deren Instinkt nur darauf 
gerichtet ist eine Höhle zu suchen, vermögen nicht zu unter- 
scheiden, ob eine von ihnen bezogene Wohnung gesundheits- 
schädlich ist oder nicht, ebensowenig wie die Buschbrüter zwischen 
schädlichen und nützlichen Niststoffen unterscheiden und ohne 
weiteres ihr Nest z. B. mit künstlich ausgestreuten Watteflocken 
auspolstern, die sich bei eintretendem Regen dick vollsaugen und 
die Feuchtigkeit nicht wieder hergeben, so dafs die Brut zu 
Grunde geht. Von diesen Gesichtspunkten aus betrachtet stehen 
die Tonurnen, die ich untersucht habe, die porösen und die nicht 
porösen, leider noch nicht auf der Höhe, und zwar nicht nur 
deshalb weil sie als gute Wärmeleiter die viel besprochene innere 
Feuchtigkeit aufweisen, sondern meinen Erfahrungen nach vor 
allem deshalb, weil sie etwas Unnatürliches im Walde darstellen. 
Vergleichende Blicke in eine künstliche Holzhöhle einerseits und 
in eine Tonurne andererseits, worin sich beiderseits flügge junge 
Vögel befinden, geben darüber am besten Aufklärung. Allerdings 
ist auch die Holzhöhle durchaus keine Putzstube. Es duftet 
mörderlich darin, und auf dem Nestrande befindet sich allerhand 
Unrat, aber mitten in dieser scheinbaren Unsauberkeit sitzen auf 
trockener Unterlage die jungen Vögel blank und glatt mit glän- 
zenden Augen, das Gefieder mit dem heilsamen Puder durchsetzt, 
der es so duftig erscheinen läfst. Man sieht es den Tierchen an, 
dafs sie sich in natürlicher Umgebung befinden, und dafs 
bei der ganzen Aufzucht alles natürlich zugegangen ist. 

Und nun einen Blick in eine Tonurne. Da hocken die jungen 
Vögel oft auf einem Haufen nassen Genistes, das man lieber Mist, 
als Nest nennen möchte. Die Flügel- und Schwanzfedern feucht 
und verklebt, das ganze Gefieder zerschlissen. Oder es ist gar 
kein Nistmaterial vorhanden. Dann sind die Jungen zwar 
trocken, aber jedem Federchen ist, wie schon oben erwähnt, ein 
Kotklümpchen angekittet, und die Krallen sind von der harten 
rauhen Tonwand abgescheuert, oder so mit Kot verklebt, dafs 
ein Anklammern an der Wand und ein Erreichen des Flugloches 
unmöglich erscheinen, was als äufserst verhängnisvoll bezeichnet 
werden mufs. 

Wie mag sich aber das verhältnismäfsig häufig vorkommende 
Nisten der Stare ohne Nistmaterial erklären? Wohl auch aus der 



404 J. Tbienemann: 

Unnatürlichkelt. Auch den alten Staren mögen durch den Ver- 
kehr in ihrer harten Steinwohnung die Krallen nach und nach 
stumpf werden, das Anklammern von innen und aufsen wird 
ihnen unbequem sein, und das Eintragen von Nistmaterial wird 
unterbleiben. Dieselben Hinderungsgründe werden beim Füt- 
terungsgeschäft vorliegen. Die Alten werden, da sie sich nicht 
halten können, oft auf den Jungen herumtrampeln und sie be- 
schmutzen, das Wegschaffen des Kotes wird erschwert sein, die 
Jungen werden sich auch gegenseitig betrampeln, und daher ihre 
Schwächlichkeit beim Ausfliegen, und zwar nicht nur bei Staren. 
Wenn ich z. B. bei den Revisionen feststellen konnte, dafs ein 
Geheck Trauerfliegenfänger eine Urne eben verlassen hatte, so 
suchte ich in der Umgebung und konnte die Jungen oft mit der 
Hand greifen. Alles das macht einen unnatürlichen Eindruck. 
Manche Vogelpaare mögen sich leichter an die Unnatürlichkeit 
gewöhnen wie andere. Daher die üngleichraäfsigkeit im Befund 
der Brutverhältnisse. Die Feuchtigkeit aber, die man so sehr 
oft in den Urnen antrifft, dringt nicht nur von aufsen ein, son- 
dern bildet sich auch durch Niederschlag an den Innenwänden, 
wobei die Ausdünstungen der lebenden Insassen eine grofse Rolle 
spielen. Eine feuchte Kellerluft herrscht oft in den Urnen, die 
keine wohltuende Trockenheit aufkommen läfst und das Über- 
nachten im Winter sehr erschwert. So habe ich z. B. bei den 
Märzrevisionen vorjährige Eier vorgefunden, die noch nicht ein- 
getrocknet waren. Hängt man die Urnen so auf, dafs sie vor 
Niederschlägen von aufsen ganz und gar geschützt sind, so wird 
die inwendige Trockenheit erhöht, aber wenn erst Junge vor- 
handen sind und Temperaturschwankungen eintreten, so kann 
auch in solchen Fällen, wie wir oben gesehen haben, das Urnen- 
innere total uafs werden und ein Absterben der Brut eintreten. 

Übrigens habe ich selbst mal einen Winter hindurch in 
einer grofsen „Steinurne", das heifst in einem Hause gewohnt, 
das aus undurchlässigen Feldsteinen gebaut war. Ich kann ein 
Lied davon singen. Es war furchtbar. In der Nähe der Wände 
überhaupt nicht zu hausen. Von da zog ich in ein Holzhaus. 
Der Unterschied war überwältigend. 

Nun liegt es mir fern, von dem Gebrauch der Urnen durch- 
aus abzuraten. Wenn Forstverwaltungen, Gemeinden oder Vereine 
den Vogelschutz rein aus geschäftlichen und wirtschaftlichen 
Gründen in grofsem und gröfstem Mafsstabe betreiben wollen, 
so mögen sie Urnen wählen. Es werden viel Vögel, namentlich 
Stare, daraus ausfliegen. Der Vogelbestand wird wachsen. Und 
wenn dabei ein gewisser Prozentsatz Brüten zu Grunde geht, so 
kümmert das nicht viel. Hat man sich doch die beiden grofsen 
Vorteile der Urnen, die keine andere künstliche Nisthöhle auch 
nur annähernd bietet, die Billigkeit und die Haltbarkeit, zu Nutze 
gemacht. So mag der Geschäftsmann denken. Wer aber den 
Vogelschutz aus ethischen und ästhetischen Gründen ausübt, und 



XVII. Jahresbericht der Vogelwarte Rossitten. 405 

wer sich in seinem Garten Nistgelegenbeiten schaffen will, um 
sich an einem ganz natürlichen Benehmen seiner Schütz- 
linge zu erfreuen, der wird zu den Holzhöhlen greifen. Hoffentlich 
lassen sich die Urnen so verbessern, dafs sie alle die angegebenen 
Mängel ablegen und dabei doch noch so haltbar und billig bleiben 
wie bisher. 

Um nun bei den Urnenuntersuchungen immer eine Gegen- 
kontrolle ausüben zu können, wobei mir das Fahnden nach 
eingegangenen Brüten die Hauptsache war, so revidierte ich 
nebenbei und möglichst gleichzeitig hölzerne künstliche Nist- 
höhlen, Modell V. Berlepsch. Darüber sei folgendes erwähnt: 

Die erste Urnen Untersuchung fand, wie oben angeführt, 
am 21. Juni 1911 in Schnecken statt. Dabei hatte ich das Urnen- 
innere oft so mistartig nafs und auch viel tote Junge angetroffen. 
Als ich nach Rossitten zurückgekehrt war, untersuchte ich am 
26. Juni 1911 drei an der Vogelwarte hängende hölzerne 
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