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Full text of "Journal für Ornithologie"

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OF 



COMPARATIVE ZOOLOGY, 



AT HARVARD COLLEGE, CAMBRIDGE, MASS. 



jFounDetr b$ jpribate suftscrfjtfon, fn 1861. 



Deposited by Alex. Agassiz. 



No. -4r//. 

~fy.t l QU. //■ VrM 



JOURNAL 

für 

ORNITHOLOGIE. 



EIN CENTRALORUAN 

für die 
ff e s a in in i e Ornithologie. 

Zugleich 
als Fortsetzung der Zeitschrift Naumann! a. 

In Verbindung mit 

Dr. B. Altum, F. W. Baedeker, Prof. Dr. J. H. Biasius, Justitiar F. Boie, 

Dr. C. Bolle, «St.-Rath Academ. Prof. Dr. Brandt in Petersburg , Pastor Dr. 

Ch. L. Brehm, Prof. Dr. H. Burmeister in Buenos-Ayres, Dr. C. W. L. Gloger, 

Bar. Eng. v. Homeyer, Pr.-Lieut. Alex. v. Homeyer, Dr. G. Hartlaub, 

Prof. Dr. J. Kaup, Kainmerherr Bar. R. V. König-Warthausen, Pfarrer W. 

Paessler, Hof-K. Prof. Dr. L. Reichenbach, Prof. Dr. H. Schiegel in 

Leiden, Prof. C. J. Sundevall in Stockholm, Prinz Max von Wied zu 

Neu-Wied, und andere Ornithologen des Inlandes und Auslandes. 

herausgegeben 
von 

Dr. Jean Gabanis, 

erstem Custos am Königl. Zoolog. Museum der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. 

und 



Dr. Ed. Baldamns, 



Pfarrer zn Oeternienburg bei Cöthen, Secretair der deutschen Ornithologen-Gesellsehaft. 



X. Jahrgang 1862. 



Cassel, 1868. 

Verlag von Theodor Fischer. 



LONDON, PARIS, 

...Itinnts A Uorgntr, 14, ; X irnnth, rnc «idjrlieu, 67. 

«jrttvitttn Ätrrrt, «oofidgorbcn. j 3.-ß. ßnillirrr, t]nntrfrniÜc 19. 

i " 



NEW-YORK, 

ß. Uleftrrmnuu & <Jo. 

tj. ßnillirrr, ßroobronti, 

HO. 



Inhalt des X. Jahrganges. 



I. Heft, Na. 55. 



Original- Auf sätze : 

1. Die Balearen. Von Alex, von Homeyer - . . . 1 

2. Beiträge zur Ornithologie Nord-Ost- Afrika's. Von Dr. Th. v. H e u g 1 i n 
(Fortsetzung vom November-Heft 1861, S. 417— 43#.) 24 

3. Ueber die nordischen Jagdfalken. Von Prof. Dr. J. H. Blasius 43 

4. Die Vertheilung der Psittaciden über die Inseln des ostindischen 
Archipels. Von H. von Rosenberg 59 

Literarische Berichte: 

5. Filippo de Filippi, über einige Vogel-Milben. Aus dem Italie- 
nischen von Dr. R. Albrecht . 69 

Brief liehe Mittheilungen, Oekonomisehes und Feuilleton : 

6. Aus meinem Tagebuche. Von Dr. Th. Krüper 72 

7. Der Brillenalk, (Plautus impennisj in Europäischen Sammluugen, 

Von W. Preyer - • . . . 77 

Nachrichten : 

8. An die Redaction eingegangene Schriften 79 

9. Berichtigungen zu dem Aufsatze: „Entdeckung der Nester des 
Seidenschwanzes etc." 80 



IL Heft, No. 56. 

O r iginal- Auf sät ze : 

1. Zusätze und Berichtigungen zu den „Beiträgen zur Ornithologie 
Cuba's." (Fortsetzung.) Von Dr. J. G und lach 81 

2. Zur Naturgeschichte des Girlitz, Jfringillaserinus Lin. Von Alex. 

v. Homeyer 97 



IV 

3. Noch etwas über den Girlitz. Von Drl Carl Bolle 106 

4. Ueber Piautus impennis Brunn. Von William Preyer . . . . 110 

5. Beitrag zur Fortpflanzungsgeschichte des Tannenhehers, Nucifraga 
caryocatactes. Von E. Schutt 125 

Literarische Berichte: 

C. W. Mewes. Die röthliche Färbung bei Gypa'etus barbatus. Von 

Dr. Gloger . 128 

7. "VV. Mewes. Die rostig-braunen Rückenfedern des Kranichs im 
Sommer. Von Dr. Gloger 132 

Briefliche Mittheilungen, Oekonomisches und Feuilleton: 

8. Aufforderung zu Beobachtungen über die Wanderungen der Kra- 
niche. (Auszug aus einem Briefe des Prof. C. Sundevall in 
Stockholm an Prof. W. Peters in Berlin.) . 134 

9. Der Kehlsack der grossen Trappe, (Otis tarda). Von Alfr. Newton 135 
10 Ueber das Athmen des jungen Vogels im Ei. Von A. v. Homeyer 

und P. Kössler , . . 153 

11, Joh. Heinr. Christ. Friedr. Sturm. Nekrolog. Von Dr. H. Hauck 157 

Nachrichten : 

12. An die Redaction eingegangene Schriften 160 



HI. Heft, No, 57. 

Original- Aufsätze : 

1. Uebersicht der im Berliner Museum befindlichen Vögel Costa 
Rica's. Vom Herausgeber 161 

2. Zusätze und Berichtigungen zu den „Beiträgen zur* Ornithologie Cu- 
ba's". Von Dr. J. Gundlach . 177 

Literarische Berichte: 

Zur Ornithologie Jamaika's. Von Dr. R. Albrecht 192 

Briefliche Mittheil ungen, Oekonomischefl und Feuilleton: 

4. Notiz, Alca impennis betreffend. Von Dr. Carl Bolle . . . . 208 
Ueber Bastardbildung. Vom Rector Dr. Sommer. (Mitgetheilt 

durch Prof. W. Peters.) 209 

6 Einige Bemerkungen zu dem Aufsatze: Auch ein Wort über das 

Meckern d. Bekassine v.B . Borggreve. Vom Pfarrer J. Andr. Jäckel 212 

7. Ein Curiosum inBetreflf einer Nistweise. Von W. H. Tr in tha mm er 222 

8. Tagebuch-Notizen während eines ornithologischen Ausfluges auf 

der hohen Tatra i. d. Monat. Juli u. Aug. 1861. Von Ernst Schauer. 223 

Nachrichten: 

9. An die Redaction eingegangene Schriften 240 



IV. Heft, No. 57. 



Original- Auf sätze : 

1. Die Balearen. (Fortsetzung.) Von Alexander von Homeyer . . 241 

2. Beiträge zur Ornithologie N.-O.-Afrika's. (Fortsetzung s. Jan.-Heft.) 

Von Hof-Rath Dr. Th. v. Heuglin 285 

Literarische Berichte: 

3. Bemerkungen und Berichtigungen zu dem Berichte : „Ueber Sunde- 
vall's ornithologisches System." Von Prof. Sun de v all .... 307 

Briefliche Mittheilungen« Oekonomisches und Feuilleton.: 

4. Das naturhistorische Museum der Otto's-Universität zu Athen. Von 

Dr. Th. Krüper 311 

Nachrichten : 

ö. An die Redaction eingegangene Schriften 320 



V. Heft, No. 59. 

Original- Auf sätze : 

1. Uebersicht der im Berliner Museum befindlichen Vögel von Costa 
Rica. (Fortsetzung.) Vom Herausgeber 321 

2. Ueber Plautus bnpennis. (Schluss) Von William P r e y e r . . . 337 

3. Anthus Berthelotii, eine neue Pieperart. Aufgestellt von Dr. 

C. Bolle 357 

4. Ornithologische Notizen über Griechenland. Von Dr. Th. Krüper. 360 

Literarische Berichte: 

5. De Vogels van Nederland door H. Schlegel. Von Dr. E. Baldamus 379 

6. Ch. F. Dubois, Oiseaux de la Belgique etc. Vom Herausgeber. . 382 

Briefliche Mittheilungen, Oekonomisches und Feuilleton: 

7. Picus numidicus im Münsterlande erlegt. Von Dr. Altum . . . 382 

8. Beschreibung seltener Drosseln. Von Dr. Ludw. Brehm .... 384 

9. Tagebuch-Notizen, während eines ornithologischen Ausflugs auf der 
hohen Tatra in den Monaten Juli und August 1861. Von Ernst 
Schauer 392 

Nachrichten: 

10. Ornithologen- Versammlung 399 

11. An die Redaction eingegangene Schriften 400 



VI 



VI. Heft, No. 60. 



Original-Aufsätze : 

1. Beiträge zur Ornithologie N.-O.-Afrika's. (Siehe Juli-Heft und Ja- 
nuar-Heft 1863, Seite 285. Von Hof-Rath Dr. Th. von Heuglin. 401 

2. Die Balearen. (Fortsetz.) Von Alexander von Homeyer . . . 417 

3. Ornithologische Notizen über Griechenland. (Fortsetzung.) Von Dr. 

Th. Krüper 435 

Literarische Berichte: 

4. Die Versaminlungeu der Ornithologen Mecklenburgs 449 

B rief liehe Mittheilungen, Oekoiiomisches und Feuilleton : 

5. Notiz zu Alca impennis. Von Alexander von Homeyer . . . 461 

6. Ueber eine kleine Vogelart der Familie der Ploceiden, Estrelda 
malanorhyncha , in der Umgegend von Alexandrien geschossen. 

Von Marchese 0. Antinori 462 

7. Tagebuch-Notizen während eines ornithologischen Ausfluges auf der 
hohen Tatra, in den Monaten Juli und August 1861. Von Ernst 
Schauer 463 

8. Zur Synonymie einiger Pipilo-Arten. Vom Herausgeber .... 473 

Nachrichten : 

9. Vakante Conservator-Stelle 474 

10. Berichtigungen zu der Mittheilung: „Der Kehlsack der grossen 

Trappe (Otis tarda.) 474 



JOURNAL 

für 

ORNITHOLOGIE. 

Zehnter Jahrgang. 



M 55. Januar. 1862. 

Die Balearen. 

Yon 
Alexander von Homeyer, 

Premier-Lieutenant im Schlesischen Füselier-Regiment No. 38. 

Einleitung. 

Mir ist es eine Grewissheit geworden, dass alles Das, was. in 
der Jugend so recht lebhaft erfasst und in sich aufgenommen 
wurde, während des ganzen Lebens vor Augen bleibt; — man 
trägt es als ein Bild in sich, mit dem man sich gern beschäftigt. 
So ist es wenigstens mir stets und ins Besondere mit den Bale- 
aren ergangen, welche ich nie aus dem Gedächtnisse verlieren 
konnte, nachdem mein geographischer Lehrer Herr Wilhelm von 
Malachowski*) für sie ein so warmes Interesse zu erwecken 
gewusst hatte ; das herrliche Clima, Orangenhaine, Palmenwaldungen, 
das waren die Saiten, welche im jugendlichen Herzen Anklang fanden. 

Später, als ich anfing, die Journale für Ornithologie zu studiren, 
wurde das Interesse von Neuem wach, indem die wissenschaftliche 
Theilnahme hinzukam ; denn ich ersah, dass sowohl die spanischen 
Naturforscher, wie der sonst um die Ornithologie Hesperiens 
so hochverdiente Dr. Alfred Brehm von den Balearen nur im 
unsichern Tone sprachen: es sollte, könnte, möchte sein, oder 
dem Vermuthen nach u. dergl. m. 

So reifte denn der Entschluss, die Balearen zu besuchen, im- 
mer mehr, bis er Ende März 1861 zur Ausführung gedieh. 



*) Zur Zeit Bataillons-Commandeur im 19. Infanterie-Regiment, 

Journ. f. Oniith,, X. Jahrg., Nr. 55, Jauuar 18trt. 1 



2 Alex. v. Homeyer: 

Indem ich hoffe, dem ornithologi sehen Publikum durch eine 
Mittheilung meiner dort gesammelten Erfahrungen einen nicht un- 
willkommenen Beitrag zu liefern, füge ich gleichzeitig die Bemer- 
kung hinzu, dass ich denselben ins Besondere meinem, um die 
Ornithologie so verdienten Freunde Carl Bolle gewidmet wissen 
möchte und diesen hiermit auffordere, den Beweis meiner auf- 
richtigen Hochachtung darin zu erblicken. — 

Dem Plan gemäss, welchen ich mir vorgezeichnet habe, wird 
diese Arbeit in folgende Abschnitte zerfallen: I. Allgemeine Ver- 
hältnisse. — II. die Sommervögel der Balearen. — III. Skizzen. 
I. Allgemeine Verhältnisse. 

Die zwischen Frankreich, Spanien und Nord-Afrika mitten im 
Mittelmeer gelegene Inselgruppe der Balearen hat die Grösse von 
circa 82 1 □Meilen. Mallorka, die grosseste dieser Inseln mit einem 
Flächenraum von 60 GMeilen, liegt südlich des 40. Breitengrades 
zwischen dem 20. und 21° östlicher Länge; Menorka, die 2te Insel 
12 DM. nordöstlich davon, circa 7 Meilen entfernt, der Länge nach 
durch den 40° der Breite durchschnitten, östlich durch den 22° 
begrenzt. Das kleine Dragonera liegt dem Westcap Mallorka's 
vorgeschoben, Cabrera und Conejera 3 Meilen südlich Mallorka's 
und Isla de Layre dem Südcap Menorca's vorgelagert, übrigens 
kleine unbedeutende Inseln, wovon Cabrera die grosseste, Layre 
die kleinste ist. 

Der Karakter der Balearen im Allgemeinen schliesst sich 
vollkommen an den Totalkarakter des Mittelmeerbeckens an, 
vor allem an die benachbarten spanischen Küsten: kahl und öde, 
wo es trocken, üppig, wo es feucht ist. 

Die Balearen sind Felseninseln, vor allem Dragonera und Ca- 
brera; Menorka ist ein mit Steinen überschüttetes Höhenplateau 
oder schroffes Hügelland, Mallorka eine Felsengebirgsinsel, denn 
fast V s des gesammten Flächenraumes nehmen Felsengebirge ein, 
den nordwestlichen, wie den südöstlichen Theil so durchzie- 
hend, dass der 3 te Theil der Insel als ziemlich fruchtbares Acker- 
land mitteninne liegt. 



Die Gebirge sind vorzüglich plutonischen Ursprungs: Wild- 
heit, Steilheit und Zerrissenheit ist ihr Karakter; ihre For- 
men bekunden den Granit und Gneis, zahlreiche Tropfsteingrotten 
wie mitgebrachte Versteinerungen den Kalk, welch letzterer auch 
bisweilen durch Dolomit vertreten ist. Dabei steigen sie oft sehr 



Die Balearen. 3 

steil an der ganzen Nordwestküste Mallorka's, dem wildesten Theil 
der Insel, wie auch bei Arta direkt aus dem Meere hervor, mit 
einer Kammhöhe von wohl 2500 Fuss. Während viele Gipfel die 
Höhe von fast 3000 Fuss haben, steigt der höchste Berg der Puig 
de Torella zu 4400 Fuss an. 

Das vorgeschobene Dragonera scheint nur von Mallorka los- 
gerissen zu sein, die kahlen Felsen haben ganz das Ansehen des 
gegenüberliegenden Cap Ceroser; in demselben Verhältnisse steht 
Isla de Layre zu Menorka, während Cabrera und Conejera ins 
Meer hinausgeschoben sind ; den Karakter der steilen Küstenpar- 
tien Mallorka's tragen auch sie vollkommen. — 

Diese Felsgebirge, mit welchen wir es auf den Balearen zu 
thun haben, sind wirklich äusserst karakteristisch mit ihren zacki- 
gen Formen, ihren kahlen Gipfeln, steilen Abhängen, tief einge- 
schnittenen Schluchten und Steingeröll-Plateau's : wild, aber auch 
lieblich, malerisch möchte man sie aus der Entfernung, Öde, trau- 
rig, leblos in der Nähe nennen. Sie tragen ganz das Gepräge 
der östlichen Küstengebirge Spaniens, wie der nördlichen Partien 
Algiers, wie der Küstenpartien des westlichen Mittelmeerbeckens 
überhaupt, mit denen sie neben dem verwandschaftlichen Karak- 
ter der Formation und Vegetation auch dieselbe Längenrichtung 
haben. Namentlich dürfte Menorka hierfür sprechen, vorzüglich 
ihrer Gestalt wegen. In Hinsicht der Gipfel und der Profile 
zeigt Mallorka eine ausserordentliche Mannigfaltigkeit, während 
Küstengebirge Ost-Spaniens mehr Einförmigkeit zeigen, ohne viele 
Spitzen, und die Küstengebirge Algiers inclusive des kleinen 
Atlas ganz massenhaft auftreten mit kupp eiförmigen Gipfeln, wie 
dieses an dem Küstenberg Matifou sehr karakteristisch ausge- 
prägt ist. — 

Das ganze westliche Mittelmeergebiet zeigt viele Ueberein- 
stimmung, selbst auch die Gebirge Süd -Frankreichs stehen zu ihm 
in inniger Beziehung. Grade im Rhonethal gedachte ich oft des Strei- 
tes „ob Afrika hinter den Pyrenäen beginne oder nicht," 
denn den afrikanischen Karakter glaubte ich im südlichen Thal 
schon vollkommen zu finden. Die Scheide dürfte südlich von Lyon 
etwa bei Valence anzunehmen sein, wo das Gebirge das Thal zu 
beiden Seiten einengt und somit den südlichem Theil gegen kalte 
Nordwinde schützt. 

Es könnten bezügliche Tagebuchs-Notizen von Interesse sein, 
weil sie schon am 6. April d. J. nach meiner Abreise von Lyon, 



4 Alex. v. Homeyer: 

also zu einer Zeit gemacht wurden, wo mir der afrikanische Ka- 
rakter noch ganz* fremd war. 

Gleich nach der Abfahrt von Lyon heisst es: Alles ist grün, 
die Abhänge der Berge sind mit Buschwerk bewachsen, die Gip- 
fel bewaldet, im Thale stehen Linden, Birnbäume und Aprikosen, 
die Obstbäume in voller Blüthe ; das Thal prangt vor Frische und 
Fruchtbarkeit, wie in Deutschland zur Maienzeit. 

Bei Valence ändert sich der Karakter, die Gebirge werden 
kahl und sehen wie mit Kreidestaub überdeckt aus, was ihnen 
ein fremdartiges, ich möchte sagen unheimliches Ansehen giebt. 

Bei Montelimar ist diese Oede vollkommen ausgeprägt, die 
röthlichen Berge sind wirklich ganz kahl hier, während die untern 
Abhänge allerlei fremdartige Bäume zeigen, wie Cypressen, Man- 
deln, Maulbeerbäume und Oliven ; bei Tarascon tritt auch Arundo 
äonax auf. — 

Ich gestehe, dieser ganz plötzliche Wechsel überraschte mich 
au sserod entlich und vielleicht um so mehr, da grade das eben 
verlassene Thal von so vorzüglicher Frische prangte; ich wusste 
das Ende nicht abzusehen, wenn dieser Naturwechsel etwa pro- 
gressiv weiter gehen sollte. Doch dieses Mal konnte ich ausser 
Sorge sein, es blieb derselbe Karakter, die Berge blieben nackt, 
die Vegetation blieb fast dieselbe. Valence war eben die Grenze, 
und der fremde Karakter, der mich so überraschte und ergriff, 
war der sich immer gleichbleibende Mittelmeerbecken-Kar akter, 
den ich bei Barcelona, auf den Balearen und in Algier wiederfand. 

Deshalb rede ich nicht gern vom Afrikanischen, sondern von 
einem Mittelmeerbecken-Karakter. — 

Dahingegen erinnerten mich die Pyrenäen mehr an die westlichen 
Schweizergebirge, wie an den bayrischen Algäu, mit ihrer Frische, 
mit ihrem Grün, mit ihren an Wässern stehenden Erlen und an- 
deren deutschen Waldbäumen, zwischen denen einzig und allein die 
Korkeiche als eigentliche Repräsentantin Spaniens zu sehen war. 



In Mallorka beginnt das Gebirge bei Alcudia, jener alten Feste, 
welche jetzt mit ihren verfallenen Mauern ganz den Eindruck ei- 
nes Klosters macht, bei den östlichen Caps Formetor und del 
Pinar, urplötzlich aus dem Meere zu einer bedeutenden Höhe auf- 
steigend, und zieht sich dann in einer Breite von 4—5 Stunden 
(direkter Entfernung) der Nordwestküste entlang bis an die west- 
liche Küste, im Cap Ceroser und Cap de la Figuera endend. 



Die Balearen. 5 

Diese Erstreckung ist eine mächtige, sie bildet die eigentliche 
Central-Gebirgspartie, welche Mallorka den Karakter des wilden 
Felsengebirgslandes giebt. Die Erhebung ist fast gleichmässig, 
doch zwischen Lluch und Sollier am Bedeutendsten; hier treffen 
wir die höchsten Berge der Insel, den Puig de Torella und gleich 
südlich davon den Puig Mayor. Der westliche Theil steht nicht 
um Vieles zurück mit seinem 3200 Fuss hohen Puig Galetro, welcher 
von Palma aus einen herrlichen Anblick gewährt, als dominiren- 
des Haupt des Westens dem Torella korrespondirt und ihm ge" 
wissermassen das Gleichgewicht hält. 

Die Abhänge sind in der Regel enorm steil, werden oft so- 
gar senkrecht; dies geschieht namentlich an der Küste, was hier 
noch augenscheinlicher wird, da die Berge mit grosser Schnellig- 
keit bis zur Kammhöhe emporsteigen. Die Passage im Gebirge ist 
oft sehr beschwerlich, oft ganz unmöglich, leicht nur höchst sel- 
ten; man bedient sich des Maulthieres zum Reiten oder vor dem 
zweirädrigen Karren, der „rippenzerstossenden"*) Charrette. 

Das Meer arbeitet übrigens immerfort an den Küsten weiter, 
so namentlich an den nordwestlichen Mallorka's. Oft stehen die 
hohen Felsen jählings über, drohend jeden Moment einzustürzen; 
dass dieses oft geschieht, davon zeugen die vielen kleinen Küs- 
teninseln, welche plötzlich entstehen und im Laufe der Zeit vom 
Meer wieder weggespült werden. — 

Im südlichen Theil der Insel begegnen wir einem zweiten 
Zuge, welcher fast den ganzen südöstlichen Theil der Insel ein- 
nimmt, doch lange nicht so wild und zerrissen ist, wie der nörd- 
liche Theil. Er beginnt bei Cap Ferrutx und Cap Pent (östliche 
Punkte) und streicht fast in derselben Richtung wie der nördliche 
Zug in einer Breite von 3 — 4 Stunden bis zum Cap de Salinae. 
Die vorzüglichsten Höhen sind die nordöstlichen ; nordöstlich 
von Arta nehmen sie namentlich in der Nähe des Meeres fast 
den wilden Karakter des nördlichen Zuges an, ohne jedoch seine 
Höhe zu erreichen. Im Allgemeinen finden wir den Hügelcharak- 
ter namentlich nach Cap Blanco zu und in den Abfällen zur Ebene 
in der Richtung von Son Serre. In dem wilden Küstentheil von 
Arta dürfen wir eine mächtige Tropfsteingrotte nicht ausser Acht 
lassen, die Grotte von Arta, (La cueva del eremita) die riesige 

*) Für die Güte der Wege (excl. der Hauptstrassen) durchaus bezeichnend. 



6 Alex. v. Honieyer: 

Eremitenhöhle, welche der Grotte im Mont Serrate bei Barcelona 
an Grösse fast gleich kommt, an Schönheit sie aber übertreffen 
soll. Es sind drei mächtige auf hohen Säulen ruhende Säle, welche 
theils neben, theils unter einander liegen, umgeben von einer 
Unzahl von Nebengemächern. 

Zwischen diesen beiden Haupthöhenzügen liegt das eigent- 
liche Ackerland mitteninne. Da dieses somit durch die Gebirge 
geschützt und durch das südliche Clima begünstigt ist, so gedei- 
hen alle Getreidearten wie die Obstbäume vortrefflich, ohne dass 
auf deren Cultur ein besonderer Fleiss verwendet würde. — 

Die Niederung, welche ihrem Wesen nach dem neptunischen 
Gebilde angehört, wie dies Sandstein, Lehm und Mergel anzeigen 
ist fast durchweg eben oder hügelig, und nur durch wenige isolirte 
nicht hohe Berge, wie der schöne Kuppelberg bei Algaide, 
bei Motuiri und Sineu unterbrochen, welche dasselbe plutonische 
Gebilde zeigen, wie wir es im nördlichen und südlichen Gebirgs- 
theil kennen lernten. Somit glaube ich, dass Mallorka früher aus 
2 Inseln bestand, der nördliche Gebirgstheil bildete die eine, der 
südliche die andere, während die Berge bei Algaide etc. als kleine 
Inseln zwischen beiden lagen. Erst später entstand Mallorka in 
seiner jetzigen Gestaltung, indem neptunische Kräfte den Zwischen- 
raum ausfüllten, wobei jene zwischenliegenden Inseln oder Berge 
hülfreich die Hand boten. 

Was Menorka anbetrifft, so hat es einen ganz andern Cha- 
rakter, das Malerische Mallorka's hat es nicht. Es ist eine Fel- 
senplateau-Insel, welche früher über und über mit Steinen überschüt- 
tet war, jetzt von wohl Tausenden von Mauern durchkreuzt wird. 
Der fleissige Landmann, welcher, um Boden für den Ackerbau zu 
gewinnen, die Steine ablas und jene Mauern setzte, hat hierdurch 
zur Charakteristik der Insel selbst beigetragen. Menorka steigt 
in einer Höhe von 50—150 Fuss mit sehr steilen oft senkrechten 
Ufern aus dem Meere und bildet ein Plateau, das Höhenplateau 
der Insel selbst, auf dem sich im Centrum ein schöner Kegelberg El 
Tauro erhebt. Von diesem Centralpunkte aus gehen 2 Abzwei- 
gungen, die eine nach Osten, die andere nach Süd- West; beide 
gehen nicht über die Hügelregion hinaus und sind dennoch der 
vielen Mauern wegen äusserst beschwerlich zu durchwandern. Die 
östlichen nach dem Bufera zu sind höher, als die südwestlichen 
nach Galdana zu. Die westliche Küstenerhebung bei Ciudadela 
ist eine isolirte. 



Die Balearen. 7 

Beide Inseln sind an Quellwasser arm, grösstentheils bestrei- 
ten die Bewohner ihren Wasserbedarf aus Cisternen. Selbst im 
Sommer 186], der ausnahmsweise so reich an Regen war, gab es 
nur kleine Rinnen mit wenigem oder keinem Wasser, oder still- 
stehende Lachen, die dem Austrocknen nahe waren. Die Betten 
aller dieser Wasser jedoch waren weit ausgeschnitten und mit gro- 
bem Geröll angefüllt, welches darauf hindeutet, dass diese im 
Sommer so unbedeutenden dahinsickernden Rinnen, im Winter zur Re- 
genzeit ganz nach Art der nordafrikanischen Flüsse ausserordentlich 
schnell anschwellen. Es giebt derartige Gräben oder Rinnen in allen 
Theilen der Inseln, doch werden sie zur Sommerzeit gar leicht über- 
sehen. In der Niederung von Mallorka giebt es 2 Sümpfe oder 
Teiche, wenn man will, einen grösseren, den Albufera bei Alcudia 
und einen kleineren, den Prat 1£ Stunde südöstlich von Palma. 
Die Ufer des ersteren sind fruchtbar und bebauet, die sandigen 
des letzteren werden als Viehweide benutzt. Auch auf Menorka 
hat man 2 Stunden nördlich von Mahon einen Brackwassersee mit 
steilen felsigen Ufern, den Bufera. 

Meine Beobachtungen über das Clima könnten leicht zu Irr- 
thümern Veranlassung geben, da die Witterungs-Verhältnisse des 
Sommers 61 abnorm waren: oftmaliger bewölkter Himmel, Regen 
und Kälte verdrängten die wenigen schönen und sonnigen Tage; 
andererseits wurde mir der Frühling und Sommer für gewöhnlich 
als heiter und warm geschildert. Ich lasse deshalb einige darauf 
bezügliche Notizen der George Sand folgen, welche im Jahre 
1838 gemacht wurden. Siehe „un hiver ä Majorque par George 
Sand" p. 4.: 

„Die Witterung variirt ziemlich beträchtlich nach den ver- 
schiedenen Lagen des Ortes. Der Sommer ist brennend heiss 
in der ganzen Ebene, aber die nördliche Gebirgskette influirt be- 
deutend auf die Temperatur des Winters. So berichtet auch 
Miguel de Vargas, dass auf der Rhede von Palma während des 
strengen Winters von 1784 Re'aumur's Thermometer nur ein Mal 
und zwar an einem Januartage bis zu 6° über Null herabsank, dass 
es aber auch Tage gab, wo es bis zu 16° stieg, während es sich 
gewöhnlich auf 11° hielt. Diese Temperatur nun aber ist nahe- 
zu dieselbe, welche wir in einem gewöhnlichen Winter in Valde- 
mussa hatten, einem Dorfe, welches in dem Rufe steht, am käl. 
testen von der ganzen Insel zu sein. In den kältesten Nächten, 
und als wir zwei Daumen hoch Schnee hatten, stand das Ther- 



8 Alex. v. Homeyer: 

mometer auf 6—7° über Null. Um 8 Uhr Morgens stieg es dann 
bis zu 9 und 10° , und bis gegen Mittag auf 12—14°. Gegen 3 Uhr 
Nachmittags dann, d. h. wenn die Sonne hinter die uns umgeben- 
den Berge trat, fiel das Thermometer plötzlich bis zu 9, ja selbst 
8°. — Die Nordwinde blasen oft mit Wuth, und in manchen Jah- 
ren fällt im Winter der Regen in einer solchen Fülle und Be- 
ständigkeit, dass wir in Frankreich keine Idee davon haben. Doch 
im Allgemeinen ist das Clima gesund und wohlthätig (gener eux) in 
dem ganzen südlichen Theile, welcher gegen Afrika abfällt und 
geschützt ist vor heftigen Sturmwinden, sowohl durch die Gebirgs- 
kette, wie die ansehnlichen Abfälle der nördlichen Küsten. — " 
Nach so günstigen Verhältnissen dürften meine Tagebuch-No- 
tizen ebenso überraschen, wie mich seiner Zeit das Wetter selbst 
in Erstaunen setzte: 

Im April: 14. — 20. herrliches Wetter, ähnlich wie wir es in Deutsch- 
land Ende Mai haben. Die Sonne scheint den ganzen Tag, der 
Himmel ist blau, keine Wolke, die Vegetation ist üppig. 
21.*) Regen. 

23. und 24. Regen und Wind. 
27. Wind. 

28 Auf den Markt werden die ersten reifen hellrothen Kirschen ge- 
bracht, ganz nach der Manier wie hier als Spielzeug für die Kin- 
der an Stäbe gebunden. 

29. Sehr heftiger Platzregen, welcher drei Stunden anhält. Von der 
Höhe stürzt das Wasser stromweise in das Thal herab, — ich 
stehe am Abhänge unter einem mässigbelaubten Johannisbrodbaum 
und durchnässe so stark, dass ich an dem achten Theil genug ge- 
habt hätte, — dabei ist es kalt, es friert mich. Ein in mein Zim- 
mer gesetzter spanischer Ofen (ein Kohlenbecken mit trichterförmi- 
gem Korbgeflecht darüber als Schornstein) lockt mir später ein 
Lächeln ab 

30. Es regnet den ganzen Tag. 

Mai: 1 - 3. Prächtiges Wetter. 
5. Windig und trübe, Nachmittags klar und kühl. 

8. Luftig, nicht warm. 

9. und 10. Regen und Sturm. 

12 Entsetzlich schwül, Gewitterluft. 

13. In der vergangenen Nacht so starker Platzregen, dass heute alle 
Wege voll Wasser stehen; die Witterung ist kühl und launig wie 
im April, Sonnenschein, dunkle Wolken, Wind, Regenschauer. 

*) Die zwischenliegenden, nicht angeführten Tage, schönes sonniges Wetter. 



Die Balearen. 9 

15. Sonnig und milde. 

17. Sehr heiss. 

20. (2ter Pfingstfeiertag) bedeckter Himmel, dann und wann Sonnen- 
schein. 

21.— 29. sehr schön, am 29. Abends sehr schwül. 

30. In der Nacht entlud sich ein Gewitter; Platzregen und gleich da- 
rauf ein solcher Sturm, wie ich ihn kaum kennen gelernt hatte, und 
wie tobte er mit den Jalousien und Fensterläden ; das Passagier- 
Schiff nach Barcelona ist unterwegs, wenn nur kein Unglück passirt. 
Juni: 2 leidlich. 

3. Leider regnet es diesen Morgen wieder, so dass noch gegen 10 
Uhr alle Sträucher nass sind, und die Jagd sehr erschwert wird. 
Auf Menorka: 

8. Regen. 

14. Entsetzlich heiss, man ist bei der Waizen-Erndte. 

Soweit meine Notizen. Ich glaube, dass man diese Witterung 
wird keine Maienhafte nennen können, was anzunehmen man so 
leicht der südlichen, wie oceanischen Lage der Inselgruppe hal- 
ber geneigt ist; trotz alledem dürfen wir nicht vergessen, dass 
dieser Sommer abnorme Verhältnisse gab. So zusagend nun auch 
diese Witterung für das Getreide wie für die ganze Vegetation 
war, so wenig behagte sie dem Bewohner selbst. Auf seinen 
Spaziergängen, wie namentlich des Abends nach dem Theater, 
sah man ihn bis über die Ohren in den Mantel gehüllt und da- 
bei laut raisonnirend, dass er sich so rauher Witterung nicht zu 
entsinnen wüsste. Der sehr schnelle Witterungswechsel war übri- 
gens oft ein sehr fühlbarer, so namentlich an den Abenden, welche 
oft nach einem schönen Tage kühl waren. Ich meinerseits hatte 
natürlich nicht so zu leiden, und doch trug ich oft Anfangs Mai 
einen dicken, bis an die Kniee gehenden Düffelrock, und fühlte 
mich behaglich darin, übrigens dasselbe Kleid, das ich auch im 
letzten Winter, der sich doch gewiss durch Strenge auszeichnete, 
oftmals in Mainz trug. 

Man sagt, dass Mallorka's Clima, namentlich das der Niede- 
rung, sanfter sei, wie das von Menorka, ich kann darüber weiter 
nicht urtheilen, als dass ich im Sommer 186J keinen Unterschied 
bemerkt habe. 

Ebenso kahl wie Mallorka's Gebirgskäinme, ebenso kahl sind 
gewöhnlich auch die höchsten Theile der Abhänge in einer Aus- 
dehnung von oft 500 Fuss und darüber abwärts. Nur hier und 



10 Alex. v. Homeyer: 

da breitet sich eine elende trockene von der Sonne verbrannte 
Grasdecke aus, oder es klemmt sich eine krüppelige Kiefer (Fi- 
rnis halepensis) im engen Spalt fest, worin sie nur mit Mühe ihr 
Dasein fristet, — denn Humus ist kaum vorhanden. 

Kommt man auf eine solche Höhe nach langem mühsamen 
Steigen, nach vielleicht schlechter Jagd ermüdet und missmuthig 
an, so wird man von Neuem belebt, — man ist entzückt von der 
Fremdartigkeit des Panorama's und überwältigt von der Grösse 
der Natur. — Wohin das Auge sieht, überall kahle Felsen, schroffe 
Profile, Geröll und übereinander geschichtete Blöcke; eine Wild- 
niss von Steinen und Felsen fast ohne jegliche Vegetation. Man 
sieht oft bis zum Meere, man hat es hier mit einer Felsgebirgs-Fern- 
sicht zu thun, das Licht wirkt dabei auf das Merkwürdigste, wie das 
ja vom Süden bekannt ist. Seltsame Contraste bieten sich dem 
Auge dar, das gelblich graue Gestein ist bisweilen blendend weiss, 
dass man namentlich früh Morgens an Schnee denkt, wenn dichte 
Nebel, von der Sonne beleuchtet, die Gipfel umlagern, oder auch 
wieder dunkel mit fast schwarzen Schatten, dass es unheimlich 
aussieht. Am Häufigsten und Schönsten sind die Lichteffekte Mor- 
gens oder Abends, am Seltensten Mittags. Zu dieser letztern Zeit 
liegt die Sonne gern mit brennenden Strahlen auf dem Gebirgs- 
kamm, sich bemühend, die dürftige Vegetation zu versengen. Es 
gehört eine gewisse Selbstverläugnung dazu, oder eine grosse Liebe 
zur Natur, zu dieser Zeit die vegetationsleeren und fast glühen- 
den Abhänge zu erklettern ; ich selbst habe es einige Mal gethan ; 
todtmüde und vor Allem durstig bin ich auf der Höhe ange- 
kommen und habe der Ruhe gepflegt. Beschäftigte ich mich dann mit 
meiner Umgebung, so war ich immer von Neuem erfrischt, denn die 
Natur-Scenen sind grossartig da oben, aber, wenn man sie länger 
betrachtet, so erscheinen sie doch öde trotz aller Mannigfaltigkeit 5 
das erfrischende Grün ist es, was fehlt und wonach sich das Auge 
sehnt. Man fühlt sich einsam hier, — kein Haus ist zu sehen, 
kein Mensch, kein Thier, — man ist allein in der grossen Natur, 
ein heiliger Schauer überfällt uns. Nichts regt sich, — da endlich 
fliegt eine Felsentaube (Columba livia) eiligst vorüber und — 
wieder ist Alles still. Ist hier denn Alles todt? Flötende Klage- 
töne entsteigen dem Felsgeröll, ein dunkler Vogel läuft in die 
Höhe, und wieder hört man dieselben lieblich melancholischen Töne, 
es ist die blaue Steindrossel (Fetrocossyphus cyaneus), welche zu 
uns spricht. Sie singt so traurig, dass es zu Herzen geht, man 



Die Balearen. 11 

fühlt den Gesang, die Weichheit der Töne rührt uns. — Jahre- 
lang habe ich Steindrosseln im Käfig gehalten und nie gefühlt, 
dass ihr Gesang so auf das menschliche Gemüth wirken könnte, 
aber das ist auch nur hier, wo er im Verein mit der grossarti- 
gen Natur zu dem Einsamen spricht. — Unvergesslich werden 
mir diese Momente sein. — Die Einsamkeit hat etwas Grosses, 
Ergreifendes. Immer wurde ich dabei an meinen hochgeschätz- 
ten Freund, den Herrn F. H. v. Kittlitz, jenen unermüdlichen Na- 
turforscher, erinnert und an seine Gemüthsaffectionen, welche ihm 
das öde Kamtschatka mit seiner Thierarmuth verursachte*). Ab- 
sichtlich habe ich mich hier ein wenig weiter ausgelassen, weil 
ich diese Oede für ein karakteristisches Merkmal der Gebirgshö- 
hen der Balearen und wohl vieler Theile Hesperiens halte. Ich 
schliesse mich hierin vollkommen der Ansicht meines Freunde's 
Alfred Brehm an, dessen unvergleichliche Schilderung spanischer 
Gebirgslandschaften ich bei jedem meiner Leser als gegenwärtig 
voraussetzen darf. 

Ausserdem finde ich im geographischen Lexikon von Berg- 
haus Einiges von Interesse. Hausmann sagt daselbst Seite 482 
beispielsweise über die Sierra Nevada: 

„Man gelangt nicht durch Laub- und Nadelholzwaldung in die 
Region der Alpenpflanzen. Sobald die kultivirten aus Gebirgs- 
schutt bestehenden Anhöhen überschritten sind, und das festere 
Gestein beginnt, tritt dieses als nackter Fels hervor, oder ist von 
kärglicher Vegetation bekleidet." — 

Seite 468 heisst es dann weiter über das bei Zaragossa lie- 
gende Tafelland Guadalajara: 

„Das Auge ermüdet, das Herz verengt sich, man müsste vor 
Traurigkeit sterben, wäre man verdammt, längere Zeit und ein- 
sam in solcher Gegend zu wandern." — 

Und nun frage ich, passen nicht die Worte zu meiner Schil- 
derung? 

Die Gebirgsabhänge sind durchweg bewachsen, doch oft un- 
terbricht ein isolirter Fels, oder eine ganze Felsengruppe, oder 
eine mächtige Schuttmasse auf weite Strecken die Vegetation, 
welche im Allgemeinen dürftig genannt werden muss. Der Grund 
der Dürftigkeit liegt in dem gänzlichen Mangel eines Hochwaldes, 



*) Siehe F. H. v. Kittlitz, Denkwürdigkeiten einer Reise nach dem russischen 
Amerika, nach Mikronesien und durch Kamtschatka. Gotha 1858. 



12 Alex.v. Homeyer : 

und der daraus erfolgenden langsamen Humusbildung; die Wald- 
bäume, womit das Gebirge früher vielfach besetzt gewesen sein 
soll, sind schon vor langen Zeiten verschwunden und als Schiffs- 
bauholz verwerthet. Die Vegetation der Abhänge besteht vor- 
zugsweise aus Gestrüpp, welches bald dürftig, bald üppig enipor- 
sprosst, je nachdem wenig oder viel Boden vorhanden ist, dabei 
tritt es oft so massenhaft auf, dass ganze Bergdistrikte damit be- 
deckt sind, wie auch gern mit der Eigenthümlichkeit, dass immer 
ein und dieselbe Art selbstständig einen oder einige Bergab- 
hänge bedeckt, ohne es zu lieben, dass noch andere Strauch- 
arten sich zu ihr gesellen. So sah ich schon bei Barcelona ein 
derartiges Auftreten von Erica arborea und von Coriaria myrti- 
folia und später auf den Balearen von Pistacia Lentiscus, von La- 
vUndula dentata und von Cistus monspeliensis, auf Mallorka in 
specie von der kleinen Fächerpalme, wie auf Menorka von Myrtus 
communis, der grossblättrigen Myrthe. 

Hierdurch wird im engern Sinne wieder eine gewisse Einsei- 
tigkeit, im weitern Sinne aber eine karakteristische Mannigfaltig- 
keit erzeugt. 

Die Lentiske (Pistacia Lentiscus), welche wir auf dem Sand- 
boden, in der fruchtbaren Ebene, am Sumpf, sogar so nahe am 
Strande finden, dass ihr Fuss von der spülenden Welle benetzt 
wird, treffen wir auch als Gebirgspflanze in den höchsten Theilen 
an, allerdings in niedriger Gestalt und oft zur Hälfte von Steinen 
verschüttet. Sie ist überall zu finden, und demnach eine eigent- 
liche Karakterpflanze der Inseln, was auch schon aus ihrem Na- 
men „Arbos" hervorgeht, womit der Bewohner das Gebüsch im 
Allgemeinen (sonst auch bosque) und ganz speciell sie bezeichnet. 
In der Grösse variirt sie ausserordentlich, auf dem Fels erreicht 
sie die Höhe von J |, am Sumpf die Höhe von 6 Fuss. — Ausser 
ihr haben wir im (Jebirge noch 2 fast ebenso oft vorkommende 
Straucharten, die Ciste mit kleiner weisser Blume Cistus monspe- 
liensis und den blaublühenden Lavendel (Lavandula dentata), beide 
jedoch gehen nicht bis auf die höchsten Höhen, sondern sind vor- 
züglich auf den mittleren Abhängen wie Vorhöhen vertreten. Cne- 
orum tricoccon und Arbutus unedo, Relicrissum Stoechas und Do- 
rycnium herbaceum sind andere Pflanzen der Abhänge. Der Erd- 
beerstrauch (Arbutus) liebt nicht die grosse Dürre und schiesst 
bei hinlänglicher Feuchtigkeit üppig 5—7 Fuss empor, als einzi- 
ges Gebüsch mit saftig grünen Blättern. Zum Gestrüpp gesellen 



Die ßalearen. 13 

sich auch noch Ranken, dieses oft so durchwachsend und verbin- 
dend, dass die Jagd recht erschwert wird; vor Allem ist es Smi/a.r 
aspera mit seinen Hacken und Dornen, Asparagus acutifolius, Ru- 
bia peregrina, ja selbst wenn auch nicht häufig, da es ihm an Feuch- 
tigkeit fehlt, unser gemeiner Epheu (Hedera helix). Smilax und 
Asparagus kommen auf jeglichem Boden vor, stets nach der Güte 
desselben die Form wechselnd, — während das geschmeidige 
Smüax auf dürftigem Fels dadurch, dass es immer in sich hinein- 
rankt und nur wenig Blätter ansetzt, igelartig erscheint, vergisst 
Asparagus seine Rankenbestimmung vollständig und stellt sich etwa 
in Form eines robusten Spargelstrauches unsern Augen dar. An 
dem Fuss des Epheu treffen wir oft den schönsten Blumenteppich 
von Ophris-Arten, welche hier an den feuchten Stellen der Ab- 
hänge, namentlich, wo solche von der Kiefer und immergrünen Eiche 
überschattet werden, recht heimisch sind, vor Allen ist es die schöne 
Ophris rosea und die zierliche fusca, welche mit ihrer Pracht den 
Boden so schön decoriren. 

Auf den Vorbergen begegnen wir ausser Lavendel und der 
kleinblüthigen Ciste dem Teucrium Polium, dem Anthyllis genis- 
toides und wieder dem Arbutus, doch hier häufig im Verein mit 
dem schönen Cistus salvifolius, mit grosser weisser Blume, und ei- 
nem ähnlichen Cistus mit fast gleichgeformter aber lila gefärbter 
Blüthe. Auch eine kleine strauchartige immergrüne Eiche tritt hier 
auf, die Quercus coeeifera, entfernt unserer Stechpalme (in Neu- 
Vorpommern Hirschdorn genannt) gleichend, wofür ich sie wenig- 
stens im ersten Moment hielt. 

Von den Bäumen steigt Pinus halepensis, die einzige Kiefer 
Mallorka's*) am Höchsten hinauf. Ganz oben tritt sie einzeln und 
krüppelhaft auf, weiter unten wird sie häufiger und schöner, und 
schon am Abhänge bildet sie mit der der Korkeiche (Q. suber) so 
ähnlichen balearischen Type, der Q. ilex, Waldgruppen**), welche 
tiefer unten sich zu grössern Waldstrecken vereinigen. Beides sind 
die eigentlichen Waldbäume, welche in einer Höhe von 12—20 
Fuss die Dürftigkeit des Balearischen Waldes karakterisiren. Die 
immergrüne Eiche (Q. Hex) gewährt im April in ihrer vollen Blii- 



*) Auf Menorka ist P. halepensis auch die vorherrschende Kiefer, doch traf 
ich im nordöstlichen Hügellande am Sumpf Bufera auch Pinus ninea 
ziemlich häufig, aber auch nur hier an. 

') Auf den Balearen kommt Q. suber nicht vor, auf dem Festlande beide 
suber wie ilex. 



14 Alex. v. Homeyer: 

thenpracht einen freundlichen, aber schon im Juni einen durch und 
durch todten Anblick, was im Juli noch augenscheinlicher wird. 
Man möge sich demnach von immergrünen Eichen, die überdies 
hier im günstigsten Fall die Höhe eines Apfelbaums nicht über- 
schreiten, keine zu hohe Vorstellung machen; für den Winter al- 
lerdings mag es gelten, aber für den Sommer nicht. Freund 
A. Brehm hat dieselbe Ansicht, soviel ich mich dessen erinnere, 
schon vor mir ausgesprochen, ich aber gebe ihm vollkommen Recht. 
Es geht Nichts über unsere deutsche Eiche und Buche, Nichts 
über unsere deutschen Waldbäume. — Wo die Abhänge eine so 
geringe Neigung haben, dass sie sich zum Ackerbau eignen, fin- 
den wir Oliven und Getreide , vorzüglich Hafer und Gerste , Alles 
oft mitten zwischen Geröll, und namentlich den Hafer oft so dürf- 
tig, dass man in ihm der Jagd nachgehen kann, ohne etwas zu zertreten. 

Ueppiger sind die oft tief eingeschnittenen Thalgründe, na- 
mentlich wenn ein kleines Wässerchen sie durchrieselt. Man sieht 
hier wirklich kleine Wiesen mit saftigem Gras, darunter Briza 
major und minor, und allerlei Blumen, Stachys, Picridium Dale- 
champii, etc., während Urtica pilulifera, Genista, die wilde Feige 
(Ficus carica) am Fuss der Felswände stehen, welche ihrerseits 
mit Farren Polipodium vulgare und Ceterach officinarum) bekleidet 
sind. — Der Fuss des Gebirges ist in der Regel mit Oliven be- 
deckt, Zeugen altmaurischer Cultur. 

In der Niederung finden wir alle unsere deutschen Getreide- 
arten*), welche vorzüglich gedeihen und Mitte Juni einen reichli- 
chen Erndteertrag liefern. Dieser ist, abgesehen vom Clima ; ab- 
hängig vom Schatten, den die reichlich angepflanzten Bäume der 
Niederung gewähren, und von der Ausdünstung derselben. Aus- 
serdem bieten die Bäume, die übrigens der Niederung oftmals 
das Aussehen eines grossen Gartens verleihen, noch den Vortheil, 
dass sie selbst Früchte tragen: die Olive liefert das dem Spanier 
unentbehrliche Oel, als Ersatz für die Butter, die Mandel verwer- 
thet sich an Ort und Stelle als angenehmes Dessert wie als Aus- 
fuhrartikel, der Johannisbrodbaum giebt (im Verein mit der Gerste 
und der Saubohne) ein treffliches Pferde- und Schweinefutter, der 



*) Unsere Kornblume (Centaurea cyanus) wie Kornrade (Lychnis qitkago) 
finden wir nicht im Getreide, dafür einzeln den herrlichen Gladiolus se- 
getum mit lila Blüthe, wie ein knoblauchartiges Zwiebel-Gewächs mit 
dunkelblauer Blüthe. Von Letzterer habe ich eine Zwiebel dem botani- 
schen Garten in Berlin zukommen lassen. Die auf Menorka so häufige 
gelbe Distel (Scolyrnus Mspanicus) fand ich auf Mallorka nicht. 



Die Balearen. 15 

Nutzen der Feige ist vielseitig. — Neben den Getreidearten cul- 
tivirt man ausser der strauchartigen Kichererbse mit besonderer 
Vorliebe die Saubohne, welche als das beliebteste Nahrungsmittel 
der ärmeren Klasse der Mallorkiner gilt, und mit fast noch mehr 
Liebe genossen wird, wie bei uns in einigen Distrikten die Kar- 
toffel. Es genüge nur, dass die Bohne Morgens, Mittags und Abends 
kalt oder warm, in jeglicher Art zubereitet genossen wird, und 
dass z. B. ein reicher Bauer Morgens Chocolade stehen Hess, um 
kalte Bohnen zu essen, die noch vom vergangenen Abend übrig 
geblieben waren. Auf Menorka liebt man die Bohne nicht, und 
dient als Ersatz dafür eine dickgekochte Suppe mit Fleisch, Reis, 
und Kartoffeln, mit einem Zusatz von einigen Speckwürfeln und 
Wurstschnitten. Dieserhalb wird auch die Kartoffel auf Menorka 
ziemlich stark angepflanzt, doch sah ich den Reis auf keiner der 
Inseln cultivirt, Hanf und Flachs wird nur wenig geerndtet, am 
Meisten noch bei Alcudie, Inca und Mahon. 

Der Tabackbau findet nur auf Menorka statt, für Mallorka ist 
derselbe verboten. — An den Gehöften und Bauernhäusern, selbst 
den allerunbedeutendsten, findet man Arundo donax und den Blät- 
ter-Cactus d. s. g. Maurische Feige; ersteres wird als Viehfutter 
geschätzt, namentlich für die Maulthiere, letztere wegen ihrer saf- 
tigen und erfrischenden Frucht. — Anmdo donax ist übrigens im 
Verein mit einer Tamariske*) die Karakterpflanze der Sümpfe- 
Mehr von dem Wasser entfernt steht dann der unsern Wachhol- 
der**) vertretende Juniperus phoenicea, und unmittelbar am Wasser 
Salicornia fruticosa, ein Strauch, dessen Zweige mit Schachtelhal- 
men entfernte Aehnlichkeit haben. 

Waldungen von Orangen hat man nicht, wohl aber Gärten, 
in den gegen kalte Nordwinde geschützten Gebirgsthälern. Sol- 
lier hat die vorzüglichsten Orangen, dann kommt Esporlas, Valde- 
mussa, Polienza. Die Apfelsine gedeiht hier ohne weitere Pflege, 
die Limone jedoch ist weit zärtlicher, sie verlangt einen beson- 
ders geschützten Stand und aufmerksame Behandlung. — Den 
Maulbeerbaum, der namentlich durch Franzosen eingeführt wird, 
pflanzt man mehr und mehr an, und hebt sich dadurch die Sei- 



*) Dieselbe Art, welche auch in Algier so häufig ist. 

**) Unser Wachholder kommt nicht vor, dafür aber auf der Höhe zwischen 
Fortune und Andraix eine diesem sehr ähnliche, vielleicht noch nicht be- 
schriebene Art. 



16 Alex. v. Homeyer: 

denzucht. Die Zwergpalme (Chamaerops humilis), womit in alter 
Zeit ganz Mallorka überwuchert gewesen sein soll, findet sich vor- 
zugsweise noch auf den Hügelpartien des Fruchtlandes, wie auf 
den Vorbergen, doch weicht sie auch hier mehr und mehr dem 
Weinbau; gleiches Schicksal hat auf den Hügeln Menorka's die 
grossblättrige Myrthe (Myrtus comnuinis), welche ebenda die Palme 
zu vertreten scheint. Merkwürdig bleibt, dass in Menorka die 
Myrthe auf ganz trocknem, dürftigen IBoden massenhaft vor- 
kommt, während sie in Mallorka mit dem Granatbaum nur verein- 
zelt am Quell steht. — Eine andere Eigentümlichkeit Menorka's 
ist das Auftreten des von Limite Oleaster genannten wilden Oel- 
baums, der jedoch nie zu der Höhe des durch Cultur veredelten 
heranwächst, sondern mit ziemlich gradem aber kurzem Stamm seine 
abgeflachte Krone der Richtung der Nordwinde entgegen an den 
Abhängen mitunter fast auf den Boden legt, bezeichnend für den 
physiognomischen Karakter der Bergprolile. 

Die Riesenaloe treffen wir öfters an Wegen, wie auch als 
Einfriedigung der Weideplätze; sie kommt überall vor, bei Alcu- 
die steht sie im feuchten Sandboden, bei Andraix steigt sie bis zu 
| der Kammhöhe, ohne jedoch irgendwo die Grösse wie bei Bar-, 
celona zu erreichen. Sie ist übrigens zur Blüthenzeit eine herr- 
liche Erscheinung. In Algier, wo sie in einer Ausdehnung von 
3—5 Fuss angepflanzt ist und in dieser Weise einige Chausseen 
begleitet, sah ich sie Ende Juni in voller Blüthenpracht. 

Schliesslich kommen wir zur Dattelpalme, der hervorragend- 
sten Karakterpflanze Mallorka's. Früher soll sie sehr häufig ge- 
wesen sein, und sogar den Arabern Veranlassung gegeben haben, 
die Insel selbst wie die Hauptstadt nach ihr „Palma" zu nennen. 

Pflanzen und Thierleben geht Hand in Hand. Wo wir Man- 
nigfaltigkeit in der Pflanzenwelt antreffen, finden wir auch Man- 
nigfaltigkeit im Thierleben. Zwar scheint der hohe Norden, wo 
die dürftige und einförmige Vegetation unter einer Eisdecke be- 
graben liegt, hiervon eine Ausnahme zu machen, denn Thiere in 
Unzahl kommen hier vor : Hcerden von Vierfüsslern, Schaaren von 
Vögeln, unermessliche Züge von Fischen zeugen vom regen Leben 
in dieser kalten Zone; aber es fehlt dem Norden Mannigfal- 
tigkeit der Arten, indem jene Tausende von Individuen nicht vie- 
len Species angehören. Dagegen finden wir in den Tropen, wo 
die Pflanzen in überraschender Ueppigkeit sicli entfalten, auch 



die Balearen. 17 

eine ausserordentliche Mannigfaltigkeit in den Formen der Thiere^ 
in den Arten. — Auf den Balearen, wo wir es durchschnittlich 
mit dürftiger Vegetation zu thun haben, vermissen wir Mannigfal- 
tigkeit der Arten. Während ganz ähnlich wie im hohen Norden hier 
einzelne Klassen oder selbst einzelne Arten in kaum geahnter In- 
dividuen-Anzahl auftreten, zeigen andere Klassen kaum Repräsen- 
tanten. — Individuen mit Artenreichthum verbinden nur ganz we- 
nige Klassen; vor allen dürften es die Spinnen sein, wie auch 
Blattwanzen und Fliegen, und wollte man die die Balearen um- 
spülende See mit in den Bereich unserer Betrachtung ziehen, so 
ständen die Meerfische in erster Linie. Das Ueberraschendste 
vom massenhaften Auftreten bei sonstiger Artenarmuth (oder wenn 
man will, bei sonstigem nicht Artenreichthum) zeigen die Mol- 
lusken, wie auch wenngleich schon weniger die Schrecken (Or- 
thoptera), Ohrwürmer und einzelne Vögelarten. In jeder Bezie- 
hung arm sind die Klassen der Schmetterlinge, und der Schlangen. 
Was dann die Fauna im Allgemeinen anbetrifft, so ist sie recht 
europäisch, mit einzeln interessanten Typen des Mittelmeerbeckens. 



Wenden wir nun unser Augenmerk auf einzelne Thierklas- 
sen: Am Merkwürdigsten ist die Armuth an Schmetterlingen 
excl. Bombyx dispar; oftmals habe ich mit Blumen decorirte Thal- 
säume beobachtet und auch nicht einen Schmetterling gesehen. 
In Barcelona traf ich doch einen schönen Segler (Feisthammel), so- 
wie auf dem Erdbeerstrauch die grüne Raupe des prächtigen Ja- 
sius, aber auf den Balearen ausser einigen wenigen Mikrodop- 
teren „nur" deutsche Repräsentanten, den Schwalbenschwanz, den 
Distelfalter, den Admiral und sämmtliche Kohl-Weisslinge. 

Menorka ist an Käfern reicher, als Mallorka, doch ist auch 
hier keine Mannigfaltigkeit, eigenthümlich sind Feronia plicata, 
Asida brevicosta und Timarcha. Es gelang mir mit dem grössten 
Fleiss nur ein massiges Resultat zu erzielen, ich glaube 4000 Stück 
in circa 500 Arten gesammelt zu haben. 

Um sich einen Begriff von dem massenhaften Vorkommen 
einzelner Schneckenarten machen zu können, so sei nur gesagt 
dass ein kleines trichterförmiges Landschneckchen oft zu Hun- 
derten an einem einzigen, vielleicht nur einen Fuss langen Kraut- 
stamme sitzen. Die Xerophilen sind vorherrschend. — 

Der auf Mallorka grade nicht häufige Scorpion, ist nach Herrn 

Jouru. f. Ornith., X. Jahrg., Nr. 55, Jauuar 186?. 2 



18 Alex. v. Homeyer: 

J. Lichtenstein*) dieselbe Art, wie die Afrikanische; er ist klei- 
ner und wegen seiner Kleinheit ganz oder fast ungefährlich. Er 
sitzt unter Steinen, und bleibt, wenn man den Stein aufhebt, ru- 
hig sitzen, langsam den bewaffneten Schwanz senkrecht in die 
Höhe hebend. — 

Yon Crustaceen fand ich Nichts im süssen Wasser; in der 
See kommt sehr häufig ein Riesenkrebs (1£ Fuss lang) vor, die 
sogenannte Languste, welcher im ganzen Habitus unserer kleinen 
geschwänzten Ostsee-Krabbe gleicht, und ein vorzügliches zartes 
Fleisch hat. Häufig sind auch in der See namentlich bei Menorka die 
Taschen- und Einsiedlerkrebse, und ebenda in Unzahl wie auch 
auf dem Lande unter Steinen und an feuchten Orten die Asseln. 

Den Ichthyologen würde ich rathen, Studien auf den Balea- 
ren zu machen, der Fischmarkt ist in Palma wie in Mahon rei- 
cher als irgendwo, und bietet mit seinen fremdartigen Fischen, 
welche so ganz abweichend von denen der Ostsee sind, einen 
überraschenden, fesselnden Anblick. Ich besuchte den Markt oft 
und verliess ihn stets nach langem Weilen ungern. Gross ist die 
Mannigfaltigkeit in der Gestalt und in der Färbung, da sieht man 
eckige, runde, lange, fadenförmige, kurze Fische, mit dicken, lan- 
gen, spitzen, grossen und kleinen Köpfen, mit rothen, blauen, grü- 
nen Farben. Brackwasserfische sind wenig, Süsswasserfische sel- 
ten vorhanden. 

Frösche giebt es nur wenig, weshalb auch wohl der Storch 
fehlen mag; nur ein Mal fand ich unter einem Stein eine grau- 
grünliche Unke, und ein Mal auf Menorka einen etwas gelblichen 
Laubfrosch, der sonst dem unsrigen ganz ähnlich war. Von Schlan- 
gen traf ich immer dieselbe zierliche Coluber wohl 5 — 8 Mal, sonst 
keine andere Art, es sei denn, dass ich einer Wasserschlange 
erwähne, welche ich am Prat zu wiederholten Malen gesehen zu 
haben glaube. Oefters, obwohl stets vergebens, machte ich Jagd 
darauf, die Schlange sass fast stets im Kraut nahe am Ufer und 
glitt bei meiner Annäherung in den Süsswasserteich und schwamm 
dicht unter oder an der Oberfläche fort. Anfänglich hielt ich sie 
für einen Aal, dann aber glaubte ich ganz sicher in ihr eine 
Schlange zu erblicken, worin mich später die Exemplare des Mu- 



*) Ein Nefie unseres Lichtensteiu. Er ist in Charlos, einem zwischen 
Barcellona und Valencia liegenden Küstenstädtchen Kaufmann und war- 
mer Verehrer der Natur. 



Die Balearen. 19 

seums in Algier bestärkten. — Von Eidechsen fand ich vorzugs- 
weise 2 Arten ; eine Langgestreckte mit eckigem Kopf von brau- 
ner und grüner Farbe und von ausserordentlicher Schnelligkeit; 
in der Regel traf ich sie hoch im Gebirge, namentlich an den Ab- 
hängen zur See, häufig z. B. auf Dragonera. Ferner traf ich un- 
ter den verschiedensten Oertlichkeitsverhältnissen die südliche 
Type der plattschwänzigen Eidechsen (Platydactylw) aus der Fa- 
milie der Schreier (Gecko), mit vielen rothen Milben an den Ze- 
henwinkeln. Hierbei erwähne ich, dass 2 Franzosen, welche mir 
nach einander als Dolmetscher dienten, stets von einem Drachen 
(dragon) erzählten, welcher stäche. Sie suchten unter Steinen 
nach, ohne ihn zu finden, doch stimmten Beide dahin überein, dass 
die plattschwänzige Eidechse ihm ähnlich sehe; niemals habe ich 
dahinter kommen können, was sie darunter für ein Thier verstanden. 
Eine kleine geschwänzte Sumpfschildkröte fand ich in Me 
norka im süssen Wasser; die Schildkröten sind mindestens selten 
auf den Balearen, denn niemals sah ich Schildkröten ausser 
dieser einen, und doch verrathen sich dieselben so leicht, na- 
mentlich die im Wasser Lebenden. Im Meer kommt die Riesen- 
schildkröte (C. Miclas) ziemlich häufig, der Tintenfisch übri- 
gens sehr häufig vor. Delphine sieht man zu 5 — 10 gesellig bei 
einander, doch gehen dieselben nicht gern so nahe an das Ufer, 
dass man sie von hier aus sieht.*) 



Wenden wir uns nun zu dem, diese Blätter speziell interes- 
sirendem Gegenstände unserer Betrachtungen, den Vögeln, so be- 
merken wir von vorn herein, dass die grossen Hoffnungen, mit 
denen wir die Balearen betraten, nicht in Erfüllung gingen. 

Das Vögelleben der Balearen ist ä priori in 2 Abschnitte zu 
theilen, da die Natur- Verhältnisse der Inseln je nach den Jah- 
reszeiten ganz verschieden sind, herbeigeführt durch die Eigen- 
thümlichkeiten des Klima's und der Witterung; denn während die 
Pflanze im Sommer fast vor Dürre eingeht, stürzt während des 



Tch erlaube mir im Hinblick darauf, dass es vielleicht von Interesse für 
einen oder den andern der Herrn Leser ist, zu bemerken, dass ich meine 
n;it urgeschichtliche Ausbeute excl. der Vögel einigen meiner Freunde un- 
ter der Bedingung verehrt habe, noch im Laufe des Jahres L862 der 
Wissenschaft Bericht abzustatten. So behandelt Herr Kaufmann F.D. Hey- 
nemann zu Frankfurt a.M. und Dr. Dohrnjun. zu Stettin die Mollusken, Herr 
Schöff v. Heyden und Lucas von Heyden die Blattwanzen, Fliegen und 
Spinnen, die Herrn Gebrüder Seinper in Hamburg die wenigen Schmet- 
terlinge, Herr Dr. Georg Haäg-Kutenberg in Frankfurt a.M. die Käfer. 

2* 



20 Alex. v. Homeyer: 

Winters der Regen in Ueberfluss. [Das Vorkommen der Vögel wird 
natürlich von diesen Verhältnissen beeinflusst, wird von ihnen ab- 
hängen müssen. 

Und so haben wir es auch erfahren, während im Winter Tau- 
sende von Schwimmern und Watern am Prat und Bufera ihr Do~ 
micil aufschlagen, sind während des Sommers jene Ufer oft 
ohne Leben. Die Balearen sind arm an Brutvögeln; nur wenige 
von ihnen gewähren als karakteristische Vögel des Mittelmeer- 
beckens ein besonderes Interesse; andere Vögel treten in grosser 
Anzahl oft unter den verschiedensten Oertlichkeitsverhältnissen v 
auf; viele Arten hingegen vermisst man mit Recht, weil sie in 
den benachbarten Küstenländern vorkommen, so namentlich fast 
ganz die Afrikaner. 

Bei diesen ungünstigen Verhältnissen, die mir ja ganz fremd 
waren, wurde ich fast an mir selbst irre; fasttagtäglich ging ich 
auf die Jagd, und fast nie sah ich Etwas von Interesse. Woher 
kommt das? fragte ich mich, ist es etwa meine Schuld, — kann ich 
nicht sehen, — verstehe ich nicht zu beobachten? — Ich hätte ver- 
zweifeln mögen. In Algier glaubte ich, müsste es sich entschei- 
den, an wem die Schuld läge. 

Und Algier beruhigte mich auch, hier sah ich Aedon hier sah 
ich A. bubulcus, hier sah ich die südlichen Saxicolae, welche ich auf 
den Balearen nicht gefunden, welche ich jedoch ganz bestimmt zu 
finden erwartet hatte. So hoffe ich denn trotz alledem später doch 
Einiges, wenn auch nicht Vieles in diesen Blättern zu bringen, 
und ist die Reise nach Algier mir nach einem längern Aufent- 
halt auf den Balearen doppelt lieb geworden, weil sie mich in 
den Stand setzte über Streitfragen wie z. B. über klimatische Va- 
rietäten, Rassen und Arten, z. B. über Fringilla coelebs und spodi- 
ogenys, über Parus coeruleus und ultramarinus etc. zu entschei- 
den. Was dann mein Wirken auf den Balearen selbst anbetrifft, 
so machte ich einige Beobachtungen über Fortpflanzung, Lebens- 
weise, Stimme und Jugendkleider, wobei Silvia Cettii, Cisticola 
und sarda in erster Linie stehen. Gehen wir nun zurück zur 
Karakteristik : 

Die Steindrosseln sind echte G-ebirgsvögel, oder besser wohl 
noch gesagt, echte Felsenvögel, und deshalb auf den Balearen, 
namentlich aber auf dem gebirgigen Theil Mallorka's recht zu 
Hause. Petrocossyphvs cyanevs hält die Höhe, saxatilu die Vor. 
berge doch treffen sie sich auf halbem Abhänge, am Liebsten in 



Die Balearen. 21 

den alten Oliven-Plantagen, wenn daselbst Steingeröll vorhan- 
den, und nackte Felsen nicht zu fern stehen. Während wir ihren 
lieblich melancholischen Gesüßgen lauschen, kreist der König der 
Vögel, der Steinadler (Aquila fulva) über uns, über dem Gipfel 
der Gebirge, und entschwindet unserm Auge nach der Ebene zu. 

Am Abhänge ist es in der Strauchregion lebhaft, hier ist es 
Sylvia melanocephala mit ihrem Individuen-Reichthum fast allein, 
welche Leben schafft, es sei denn, dass sich zu ihr noch eine Cou- 
sine, die kleine sarda gesellt, doch dann darf das Gebüsch nicht 
zu üppig, auch das Meer nicht zu entfernt sein. — Auch Perdix 
rufa lockt aus dem dürftigen Haferland jetzt, während ein Trupp 
Kreuzschnäbel an den Zapfen von Pinus halepensis arbeitet, und 
die spanische Alauda cristata mitten aus dem Eichenwald ihre 
Klagelieder pfeift. Hier auch hören wir deutsche Stimmen, Frin- 
gilla coelebs schlägt uns freundlich entgegen, Cuculus canorus ruft, 
Parus major lockt, Columba palumbus ruchst, doch auch ein klei- 
ner Fremdling, die Sylvia Nattereri lässt dazwischen sein Lied- 
chen hören. — Auf den pflanzenarmen Plätzen, namentlich wenn 
sie von Geröll überschüttet sind, läuft Oedicnemus crepitans in 
abenteuerlicher Gestalt den Gebüschrand entlang und scheu ent- 
fliehend, wenn wir kommen, während Anthus campestris sein cirlui 
rufend in die Luft steigt. 

In den üppigen Schluchten hören wir unsere Amsel (Turdus 
merula), selbst unser Troglodytes parvulus schmettert uns mit be- 
kannter Kraft sein Lied entgegen, während Sylvia luscinia am 
Quell sitzend, ganz auf deutsche Weise uns entzückt; Emberiza 
cirlus hingegen treffen wir als eigentlichen Repräsentanten der 
Mittelme er-Fauna. 

Auch am Fuss und auf den Vorhöhen hören wir Bekannte 
singen, hier ist es das muntere Corps der Finken, der Grünlinge, 
der Stieglitze, der Hänflinge und der Girlitze; doch auch Frin- 
gilla petronia schreiet aus dem Astloche hervor, und Strix noctua 
meridionalis in die Nacht hinein. — Lanias rufus, Emberiza mili- 
aria und Saxicola rubicola dürften für den Fuss des Gebirges als 
eigentliche Karaktervögel angesehen werden, die ersteren in den 
Baumgärten, die letztern auf den Sträuchern; — auf dem freien 
Felde hingegen ist es Alauda brachydactyla. Am Sumpf ist es vor- 
zugsweise Sylvia Cettii, welche Leben schafft, dann auch Rallus 
aquaticus mit seinem Grüns en und Quicken, wie Circus rufus und 



22 Alex. v. Homeyer: 

Ibis falcinellus. Am Strande schliesslich läuft Charadrius cantia- 
nus und hiaticula behende, während paarweise der unzertrennliche 
Corvus corax bedächtig schreitet, und weiter hinaus im Meere bei 
den Delphinen und fliegenden Fischen sehen wir Larus cachinnans, 
Puffinus cuiereus und Thalassidroma i)elagica. 

Was die Vierfüssler anbetrifft, so herrscht auch hier eine 
gewisse Armuth. Das Pferd ist klein, gedrungen und nicht schön 
übrigens ein guter Karrengaul; man kreuzt es vielfach mit dem 
Esel. Oft gehen diese Bastarde so in die Type eines der Eltern 
zurück, d. h. bei 2ter oder 3ter Mischung, mit einem der Racen- 
thiere dass sie kaum noch als Bastarde zu erkennen sind, wobei als 
Hauptkriterium stets die Länge des Ohrs und die Beschaffenheit 
des Schwanzes gilt; übrigens sind diese Mischlinge die nützlich- 
sten Zugthiere. 

Die Kühe werden mehr und mehr durch das Schwein ver- 
drängt; Butter braucht man ja nicht, Olive und Schweinefett er- 
setzen sie dem Spanier vollkommen. Die Schafe sind gross, sie 
haben das Gesicht und die Beine bis zum Knie kurz behaart, 
übrigens eine grobe lange haarige Wolle. Die Ziegen sind in 
der Regel von gemsenartiger constanter Färbung und von seltener 
Schönheit, zuweilen sind sie halb verwildert, wie auf den Höhen 
zwischen Arta und Son Serre. Es ist wohl möglich, dass der 
Mufflon (Ovis musimon) mit ihnen verwechselt wurde, welcher nicht 
auf den Balearen vorkommt. Das grösste wilde Thier ist Lepus 
timidus, unser gewöhnlicher Hase, vielleicht ein wenig röther, er ist 
nicht häufig und sitzt gern auf den gegen Süden gelegenen Vor- 
bergen. Lepus cunicidus ist dagegen ausserordentlich häufig, na- 
mentlich auf Dragonera und Conejera, welch' letztere Insel über- 
setzt Kaninchen-Insel heisst. Die Jagd mit dem Frettchen, wel- 
ches nicht wild vorkommt,*) ist sehr beliebt, zum Hetzen bedient 
man sich eines kurz gestellten kräftigen Windhundes mit langen 
spitzen Ohren. Dabei sei auch bemerkt, dass ich in Palma eine 
Hunderace fand, welche ich für weiter Nichts, als für den im 
Aussterben begriffenen Mops halte. Ich habe die früheren Mopse 
nicht 'mehr aus eigener Anschauung kennen gelernt, das aber, was 
man mir von ihnen erzählt hat, passt vollkommen auf diese bale- 
arische Type. 

Auch unsern Igel sah ich 1 Mal auf Menorka, wie bei Herrn 



*) Die Viverra Genetta sah ich 1 Mal ausgestopft als auf Menorka erlegt. 



Die Balearen. 23 

Dr. Weiler in Palma das Eichhörnchen im Käfig. In Esporlas 
traf ich einen hamsterartig gefärbten Schläfer von der Grösse ei- 
ner Ratte in einem alten Vogelnest sitzend, und zwei Mal auf 
freiem Felde das kleine Wiesel; Feldmäuse hingegen sah ich nie- 
mals, dagegen bei Alcudie Maulwurfshaufen; ob dieselben aber 
von unserm Maulwurf oder von caeca herrührten, konnte ich na- 
türlich nicht bestimmen. Die Fledermäuse flogen ziemlich häufig 
und» fiel dabei eine Art auf, welche sich durch ihre Grösse aus- 
zeichnete, oft genug habe ich an Strix noctua gedacht. — 

Zum Schlüsse noch einige Worte über die Bewohner selbst: 
Der Baleare hat Araberblut in seinen Adern, der Körper ist pro- 
portionirt und schön, mittelgross mit freiem Blick. Die Sprache 
weicht von dem Spanischen ab und steht in Beziehung zum Ita- 
lienischen, Catalonischen und dem platten Süd-Französischen. Der 
Mallorkiner ist von - dem Mahonesen, dem Bewohner Menorka's, 
sehr verschieden, er ist still, ein Wenig langsam, doch betrieb- 
sam, er liebt den Ackerbau, und ist zufrieden, wenn er zu leben 
hat, viele Bedürfnisse hat er nicht, dabei ist er ehrlich, und hasst 
das gemeine Verbrechen, namentlich den Diebstahl; von sich ist 
er sehr eingenommen. — Der Mahonese liebt den Handel und 
den Ackerbau, ist sehr lebhaft und hält sich dem Mallorkiner 
gegenüber für klug. Was das Weib anbetrifft, so ist das von 
Mallorka das Schönste, was ich je gesehen: die Andalusierin ist 
eine strahlende, die Mallorkinerin eine stille Schönheit mit rund- 
lichen Formen und äusserst sanftem und doch feurigem Auge, 
wobei die lange Wimper das Fächerspiel prächtig versteht. 

Glogau im Dezember 1861. 

(Fortsetzung folgt.) 



24 Dr. Th. v. Heuglin: 

Beiträge 
zur Ornithologie NordOst-Afrika's. 

Von 
Dr. Th. v. Heuglin. i 

(Fortsetzung vom November-Heft 1861, S. 417— 43f.) 

II I. lieber die Unken artigen Vögel 

des obern Ain-Saba-Gebietes und der Samhar-Küste. 

Genannte Theile des Nord- Ost -Afrikanischen Küstenlandes 
sind nicht arm an Finken, doch fehlen namentlich die für das 
tropische Afrika so charakteristischen Ploceus- (Hyphantornis-) 
Arten fast gänzlich, ebenso Euplectes, Coliuspasser und eigent- 
liche Sperlinge, von welchen nur eine einzige Art vorkommt. 
Reichlicher treffen wir vorzüglich Amadina- und Esti-elda-Arten, 
zwei Viduen und mehrere Serinus- ähnliche Finken. So ziemlich 
alle diese sind gute bis sehr gute Sänger : von Textor alecto habe 
ich nur einen drosselähnlichen Angstruf und ein unschönes Ge- 
zwitscher und zänkisches Geschrei gehört, Passer Swainsonii hat 
auch etwas gemein sperlingartiges im Ruf, die kleinen Estrelden 
und Amadinen singen angenehm aber wenig laut, auch Ploceus, 
Euplectes und Plocepasser, namentlich letzterer, hat manches von 
unserm Passer domesticus und dabei ein ammerartiges Zirpen; Se- 
rinus xanthopygus ist ein sehr fleissiger und guter Sänger und 
hat — wie auch Crithagra leucopyga viel vom Gesang des Girlitz. 

Betreffs des Nestbaues und Färbung der Eier finden wir ganz 
auffallende Verschiedenheiten. Fringilla minima und theilweise 
F. Swainsonii nisten ziemlich kunstlos unter Strohdächer, Frin- 
gilla cantans ist theils Schmarozer und benutzt Webervogelnester, 
die sie nach eigenem Bedürfniss und Geschmack ausgefüttert, 
wahrscheinlich auch, .Fr. phoenicotis. Vidua erythrorhyncha baut wie 
Hyphantornis galbula sehr feste künstliche Beutelnester, Fringilla 
detruncata, Plocepasser super ciliosus und wohl auch Xanthodira 
haben sehr grosse, aus langen, nicht umgebogenen trockenen Gras- 
halmen gefertigte, oft mit besonderem Schutzdach versehene Woh- 
nungen, Textor alecto endlich brütet in grossen Gesellschaften und 
zusammenhängenden Bauen. Bei einigen Webervögeln und Plo- 
cepasser superciliosus hat cT und J ein besonderes Nest. Die Farbe 
der Eier variirt zwischen rein weiss, roth, grün, braun, in allen 
möglichen Zeichnungen und Hyphantornis galbula macht so ver- 



Beiträge zur Ornith. N.-O.-Afrika's. 25 

schieden gefärbte Eier, dass ich oft glaubte, offenbar nicht gleich- 
artige vor mir zu haben. 

1. Alecto (Less.) albirostris Sw. Textor alecto Temm. 
Gemein in den Bogosländern auf Viehweiden und meist in Ge- 
sellschaft von Lamprotornis cyanotis, L. rufiventris und L. ae- 
neocephalus Heugl. Brütet Ende September gemeinschaftlich auf 
Adansonien. Das Nest besteht aus dürrem Reis, von dem eine 
grosse Quantität, oft eine Masse von 5 — 8' Länge und 3—5' Breite 
und Höhe zwischen tauglichen Astgabeln aufgehäuft wird. In ei- 
nem solchen sind 3—8 Nester tief im Innern angelegt und diese 
mit feinem Gras und Federn gefüttert. Sie enthalten 3 — 4 Eier 
von graulich weisser Grundfarbe meist mit grössern grauen, zu- 
weilen leberbraunen Punkten und Flecken bedeckt. 

Sie sind eigestaltig bis eiförmig, selten stumpf rundlich und 
sehr feinschalig. 

Alecto Dinemelii Horsf. — auch gesellschaftlich auf Viehtrif- 
ten lebend, kommt nur in Schoa und am mittlem Lauf des Bahr 
el abiad vor. Nach Lefebvre (Voy. en Abiss. Ois. p. 108) wäre 
diese schöne Art auch im östlichen Abyssinien. 

Sycobius melanotis Lafres. (nee. PL melanotis Swains. nee 
Guer.) haben wir aus Schoa und vom oberen blauen Fluss, aus 
Fazoglo, Kamamil, Beni-Schangol etc. erhalten, und eine ihr in Fär- 
bung nahe stehende zweite Sycobius-Art, S. pyrrhocephalus nob. 
(Euplectes pyrrhoeephalus Heugl. Syst. Uebers. Nr. 384.) kleiner, 
mit braungrauem Rücken vom obern Bahr el abiad. 

2. Hyphantornis (Bp.) chrysomelas Heugl. 

Fring. chrysomelas Heugl. Syst. Uebers. Nr. 418. — Paar- 
weise auf Triften und längs Regenbetten in den Bogos. 

H. personato (Vieill.) similis sed minor, nigredine capitis mi- 
nus extensa pectus versus prolongata, in apicem decurrente; colli 
lateribus citreis (nunquam aurantiacis) nucha flavo viride. — 
Long. tot. 4"; rostr. ä fr. 5"'; al. 2" 3"'; cauda emarginata 1" 
5'"; tars. 7$"'; iride coccinea, rostro nigro, ped. coerulescentibus. 

Westafrikanische Exemplare von Fl. perso?iatus, die ich zur 
Vergleichung benutzte, sind um ein Ansehnliches grösser, auch grös- 
ser als Hartlaubs Orig. Exemplar für seine Beschreibung in der 
Syn. W.-Afr. p. 123. Brütet im September in kleinen beuteiför- 
migen, aus zarten Wurzeln gefertigten Nestern in denen ich 2 — 3 
rein weisse Eier fand. 



26 Dr. Th. v. Heuglin: 

3. Textor Bp. flavoviridis Rüppell. 

Nach Rüppell im Modatthal in der Samhar-Küste. Ich be- 
merke hier beiläufig, dass ich der Ueberzeugung bin, dass Bo- 
naparte Unrecht hat, wenn er den abyssinischen Ploceus larvatus 
Rpp. mit P. flavo-viridis Rpp. vereinigt. Bekanntlich bauen bei 
den Webervögeln bloss die Männchen und ich habe in Central-Abys- 
sinien im Monat Januar PL flavo-viridis am Nestbau in Menge ge- 
funden, niemals aber ein Individuum dabei beschäftigt gesehen, 
das in Färbung nur entfernte Aelmlichkeit mit PL larvatus ge- 
habt hätte. Ebenso hat Bonaparte sicher PL intermedius Harris 
aus dem Londoner Museum nicht mit PL vitellinus Licht, verglichen ; 
denn von Gleichartigkeit derselben kann keine Rede sein. Auch 
Gesang, Betragen und Aufenthalts-Ort sind sehr verschieden. 

4. Hyphantornis aurifrons Temm. 

Nach Rüppell im Samhar-Küstenland, nach Lefebvre um Adoa 
gefunden. Ob das der ächte PL abyssinicus Less.? 

5. Textor (Bp.) galbula Rpp. 

Sehr häufig im Samhar und den Bogos, am Meer südwärts 
bis ins Somali-Land angetroffen. Brütet ähnlich dem PL vitellinus 
in beuteiförmigen, aus Grasblättern (nicht Halmen) erbauten Nes- 
tern, an deren Anfertigung die Männchen die ganze Brützeit über (von 
Juli bis Oc tober) in Vorrath arbeiten; zuweilen viele Paare auf ei- 
nem und demselben Baum, so dass man oft 30 — 50 Nester zählen 
kann. Die Eier haben weisse, röthlich weisse, bis rosenröthliche 
und sp an grüne Grundfarbe und sind gewöhnlich gegen das stumpfe 
Ende kranzförmig gefleckt. Die Farbe der Fleckchen und Trop- 
fen wechselt zwischen violett, violettbraun und schwarz. Länge 
9-10'" auf 6— 6£"' Breite. 

6. Textor melanotis Guer. — Hyphantornis Querini Gray. Le- 
feb. Voy. Ois pl. IX. fig. media. Long. tot. 5" 9"'; rostr. vix 
8'"; al. V 10'"; tars. 11'"; caud. 2" 2"'; iride pallide flava. 

Nicht häufig in der Provinz Mensa, am Fuss des Debra-Sina, 
auf Hochbäumen brütend, und ähnliche Nester bauend wie PL gal- 
bula. Ich fand diesen Vogel vor Jahren ziemlich häufig in Ost- 
Abyssinien (namentlich den Thälern des Takasseh) und hielt ihn 
einer unrichtigen Bestimmung im Stuttgarter Naturalien-Cabinet 
zu folge für identisch mit PL aurantius Vieill. (Heugl. syst. Uebers. 
Nr. 369.) Das Nest ist grösser, plumper und aus rauherem Ma- 
terial gefertigt, als das von P. galbula und daher leicht zu unter- 
scheiden; die Eier dagegen sind nicht in Grösse verschieden, meist 



Beiträge zur Ornith. N.-O.-Afrika's. 27 

röthlich weiss mit porpurbraünen verwaschenen an den stumpfen 
Spitzen mehr zusammengedrängten Flecken. Ich fand in mehre- 
ren Nestern nur 2 Eier. Vielleicht gehört hierher mein PL leu- 
cophthalmos, der das Winterkleid von PL melanotis sein könnte. 

7. Textor rubiginosus Rüpp.? 

Capite toto et collo antico nigris, dorso ; pectore. abdomine, 
uropygio et tectric. caudae aurantiacis, Collum versus intense et 
laete castaneo - lavatis; — subalaribus citreis, alis et cauda 
nigricantibus, flavo marginatis, iride rubrobrunnea. Long, vix 6" ; 
rostr. a. fr. 7"; al. 2". JO'"; caud. 1" 10'"; — rostro nigro, pe- 
dibus rubentibus. 

Wie es scheint — selten — in der Provinz Barka. 

8. Plocepasser (Smith) superciliosus Rpp. 

Häufig in den Bogos- Ländern. Brütet im August und Sep- 
tember in sehr grossen ; aus dürren Strohhalmen erbauten tiefen 
Nestern, meist mit nach abwärts führender Röhre, oder mit einem 
besonderen Schirme bedeckter Oeffnung. Neben dem Nest des 
5 steht gewöhnlich das des cT, das immer zwei nach abwärts 
führende Zugänge hat. Ich fand zwei Eier in einem Nest, 10!'" 
lang und 6£"' breit, eigestaltig, f einschalig, röthlich weiss mit 
kleinen verwaschenen, gegen das stumpfe Ende etwas zusammen- 
gedrängten, sehr hellrosenrothen Strichelchen und Fleckchen, die 
nur bei ganz genauer Betrachtung des Eies in die Augen fallen- 
Der als PL superciliosus, alter Vogel, Lefeb. Voy. IX. Fig. 2. 
abgebildete Vogel vom Bahr el abiad ist PL melanorhynchus 
Rpp., der nur in Schoa, aber nicht im eigentlichen Abyssinien 
vorkommt ! ! 

Nigrita Arnaudi Puch. vom Bahr el abiad ist identisch 
mit meiner Fringilla molybdocephala (Syst. Uebers. No. 421.) 

9. Sporopipes (Cab.) frontalis Vieill. 

Sehr gemein auf Buschwerk, Hecken und um Wohnungen in 
den Bogos. Nest ähnlich dem von Plocepasser, aber kleiner und 
die Nesthöhle dicht mit feinen, wolligen Pflanzen und Federn aus- 
gefüllt. Ei rundlich, eigestaltig, gegen 7'" lang und 5'" breit, von 
bräunlich grauer Grundfarbe, glänzend, mit dunkleren graul »rau- 
nen Flecken über und über gleichförmig bedeckt. 

Den verwandten 8p. lepidopterus haben wir nur im Südwestl. 
Abyssinien und aus der Gegend von Fazoglo erhalten. 

10. Quelea Reich, orientalis (Quel. sanguinirostris? — ) 
Q. occidentali (Sund.) major, capite rubcnte ochraceo, loris 



28 Dr. Th. v. Heuglin: 

genis gulaque (sed non fronte) nigris, rostro sanguineo, pedibus, 
unguibus et periophthalmiis nudis pulchre mineis, iride brun- 
nea. — Long. tot. 4", 10"'; rostr. a. fr. 6*'"; al. 2", 7'"; 
caud. I" , 6"'; tars. 9'". In grossen Schaaren zur Regenzeit 
in den Bogos-Ländern, scheint aber nicht da zu brüten. 

Die im benachbarten Abyssinien so häufigen Euplectes- Arten 
(E. franciscanus , E. Petiti, E. craspedopterus , E. xanthomelas) 
und Pentheria- Arten habe ich hier nicht beobachtet. 

11. Steganura (Rchb.) sphenura Verr. — - St. Verreauxi Bp. 
Nicht selten von August bis Deceniber an der abyss. Küste 

südwärts bis zum Adail-Land, in den Bogos und im Barka. 

12. Vidua (Reichb.) principalis L. — V. erythrorhyncha Sw. 
Nicht selten zur Regenzeit in den Bogos. 

Die hiesige Wittwe scheint etwas grösser als die west- afri- 
kanische; alle von mir untersuchten Exemplare haben schwarzes 
Kinn. 

13. Hypochera (Bp.) ultramarina Gmel. 

cT coracino cyanea; rostro pallide rubro ; pedibus mineis. 
Ziemlich selten in den Bogos -Ländern und nicht Dorfbewohner 
wie im Sudan. Dort unter Dächern brütend. Eier bläulich milch- 
weiss. — 

14. Amadina (Sw.) fasciata Gm. — Fringilla detruncata 
Licht. 

In Flügen im Samhar-Küstenland. 

15. Uroloncha (Cab.) cantans Gm. 

In kleinen Gesellschaften oder Familien im Samhar und den 
Bogos. Brütet in verlassenen Webervogelnestern, die fein aus- 
gefüttert werden auf 3—5 reinweissen ; sehr feinschaligen Eiern. 
6|'" lang und 4|'" breit. — 

Ortygospiza polyzona aus Abyssinien scheint hier nicht zu 
sein, Amadina sunguinolenta Lefeb. Ois. pag. 174 und Fring. 
erythro cephala Lin. aus Tigreh sind mir nicht bekannt, als ost- 
afrik. Vögel. 

16. Estrelda (Sw.) phoenicotis Swains. 
Sehr häufig im Samhar und den Bogos. 

Nest aus sehr feinen Strohhalmen erbaut, mit weichen Gras- 
blumen gefüttert, enthält 3 bis 4 rein weisse, etwas walzen- 
förmige Eier von der Grösse derer von F. cantans. Ich glaube, 
dass diese Art auch dann und wann die Nester von Ploceus gal- 



Beiträge zur Ornith. N.-O.-Afrika's. 29 

bula zum Brüten benutzt. Eierzahl 3—4 von rein weisser Farbe, 
angebrütet weniger durclisch einend und bläulich milchfarben. 

17. Estrelda leucotis Heugl. 

Estreldae astrild, rhodopterae etc., similis; gula et gcnis argen- 
teo albis, crisso et subcaudalibus nigricantibus, puniceo indutis, 
plumis apice albido-variegatis; subcaudalibus, uropygio, margini- 
bus pogoniorum exteriorum, tectricum alae majorum et rectricum 
scarlatinis; gastraeo nunquam roseo induto; rostro rubento fusco; 
pedibus fuscescentibus; iride pallide brunnea. Long. 3", 8'"; rostr. 
a. fr. fere 4'"; al. 1", 8£'"; tars. 51'"; caud. I" 7"'. 

Foem. pallidior, colli colore absoletiore, subcaudalibus palli- 
dioribus, his et tectric. alarum ut in mare rubro indutis; rostro vix 
nigro. 

Nur 1 Paar um Kdren angetroffen, und jedenfalls nicht mit 
E. rhodoptera zusammenfallend. 

18 Estrelda minima Vieill. 

Nicht selten in Dörfern und längs Regenbetten in den Bogos 
und dem Küstenland. Zur Paarungszeit hat das c/ einen schwe- 
felgelben Ring um's Auge. 

J9. Estrelda Ernesti IL 

Minima, capite obscure — lateribus colli et pectore pallide — 
argenteo cinereis; mento vix albo; tergo tectricibusque alarum 
viride olivaceis, delicatissime fusco fasciolatis; hypochondriis 
viride grisescentibus; gastraeo flavido, medio pure flavo: subcau- 
dalibus isabellinis; uropygio et tectricibus caudae superioribus 
scarlatinis; remigibus fuliginosis, extus olivaceo marginatis; cauda 
gradata, nigra, rectricibus exterioribus pallidioribus , tenuissime 
fasciatis; iride coccinea; maxilla nigerrima, mandibula corallina; 
pedibus nigricantibus. — Long. tot. 3", 4"'; rostr. a fr. 3J; al. 
1", 9'"; tars. 6'"; caud. 1", 5'". ? mari similis. 

In kleinen Gesellschaften um Ke're'n und am Debra-Sina, an 
sonnigen, buschigen Abhängen; scheu und schwer zu erlegen. 

Unterscheidet sich von E. Perreini, E. Dufresnii, E. Quar- 
tinia etc. augenblicklich durch Mangel von allem Schwarz am Kopf. 

20. Habropyga (Bp.) larvata Rüpp. 

Selten in den Bogos und nur auf einer absoluten Höhe von 
5—6000' angetroffen und zwar immer paarweise. Ist wohl Zugvogel. 

21. Pytelia (Sw.) melba Lin. — P. citcrior. 

In Paaren im ganzen Samhar und Bogos-Land von der Küste 
bis gogen 6000' Meereshöhe. Scheint Standvogel zu sein. 



30 Dr. Th. v. Heuglin: 

22. Emberiza (L.) hortulana L. 

Von Ende September an sehr häufig in den Bogos, auf 
Weideland und felsigen Abhängen. 

23. Fringillaria (Sw.) septemstriata Rpp. 

Ueber die Regenzeit wenigstens von Mitte Juli an in den 
Bogos und dem Küstenland zu Paaren und in Flügen auf Büschen, 
Felsen, Hecken, Bäumen, singt ammerartig und nicht unangenehm. 
Dürfte Standvogel sein. 

24. Fringillaria flaviventris Vieill. 

Erst Mitte August paarweise hier beobachtet. Dürfte daher 
Zugvogel sein. Oberschnabel schwärzlich, Unterschnabel fleisch- 
farb, wie die Füsse. 

25. Passer (Ray) Swainsonii Rüpp. 

Dieser Vogel ist hier merkwürdiger Weise fast gänzlich 
Dorfbewohner, und nistet gleich dem europ. Sperling in Dächern 
und Löchern der Häuser, übrigens fand ich auch einmal seine 
Eier in einem Dornbusch, wohl in einem von Fr. frontalis usur- 
pirten Neste. 

25a. Passer spadiceus Licht.*) 

Aus Taka ist mir unbekannt. Ob P. motitensis Smith, den ich 
in Kordofan aufgefunden? 

26. Pyrrhulauda (Smith) melanauchen Cab. 

Häufig im abyssinischen Küstenland und dem peträischen 
Arabien. Standvogel. 

27. Xanthodina pyrgita Heugl. 

Im Jahre 1852 fand ich im Östlichen Sennaar die 1850 von 
Sundeval bekannt gemachte X. dentata (Pyrgita lunata mihi,) von 
der ich keine genaue Diagnose bei Händen habe. Ich glaube, 
dass der nachstehend beschriebene Vogel — obgleich im Allge- 
meinen der genanten Art sehr ähnlich, aber namentlich durch 
Grösse und verschiedene Rückenfarbe abweichend, eine zweite 
Art bildet, die wir nur in den Bogos -Bergen und Abfällen zum 
Barka gesehen haben. Im Benehmen und Lockton haben beide 
mir bekannten Xa?ithodinae, wie die folgende Art (Carpospiza bra- 
chydactyla) sehr viel Aehnlichkeit mit den Ammern. 

X. major supra fuliginoso cinerea, subtus obsolete albida, 
periophthalmiis et subcaudalibus pure albis, remigibus rectricibus- 
que fuliginosis, extus pallide (vix albide) limbatis. 

Iride rubro-brunnea, rostro caerulescente brunneo, pedibus 
*) Fr. spadicea Licht, ist gleich Swainsonii Rüpp. D. Herausg. 



Beiträge zur Ornith. N.-O.-Afrika's. 31 

plumbeis; macula gularis sulfurea. — Long. tot. 5", 6'"; al. 3"; 
cauda emarginata 2", 5'"; rostr. a fr. 5£"'; tars. 8'". 

28. Carpospiza (v. Müll.) bracKydactyla Hempr. u. Ehr. 
Carpospiza longipennis v. Müll. — Passer griseus Heugl. 

Im Herbst und Winter in kleinen Gesellschaften in dem Ha- 
bab und dem Samharland, westlich bis Ti grell und dem Mareb. 
In Kordofan und bei Gonfuda in Arabien. Lebt vorzüglich von 
den Sämereien einer wilden Eleusine-Art, die auf tigrisch Ade'- 
qeld heisst. 

29. Poliospiza (Schiff) tristriata Rüpp. m 

Nicht häufig in den Bogos. Somal- Länder: Speke Ost- und 
Central-Abyssinien. Geht bis in die Deka-Regionen hinauf. 

30. Poliospiza xanthopyga Rpp. — P. uropygialis Hempr. 
u. Ehr. 

Häufig in den Bogos bis auf 5 — 6000' Meereshöhe, theils 
paarweise, theils in kleinen Flügen. Arabien: Hempr. u. Ehr. — 
Tigreh. 

31. Serinus (Boje) striolatus Rüpp. 

Nicht selten, aber immer nur einzeln in den Bogos und der 
Samhar- Küste, in Central-Abyssinien auf über 10,000' Meeres- 
höhe angetroffen. 

32. Serinus leucopygius v. Heugl. Crithagra lencopyga 
Sundev. 

In kleinen Gesellschaften oft mit Poliospiza xanthopyga ge- 
meinschaftlich lebend. 

IV. Addenda zu den vorigen Berichten. 

a. Zu den Tagraubvögeln. 
Die Beschreibung der Schwingen bei Micronisus miltopus Heugl. 
sollte folgendermaassen verändert werden: 

„remigibus primariis cinereo-fuscis, basin versus albicantibus 
griseoque adspersis, apice, margine angustato rhachidum interna- 
rum et maculis transversalibus nigris; secundariis in utroque parte 
maculatis; tertiariis nigris, fasciis albicantibus vel cincreis. 

Bei Micronisus spkenurus Rüpp. soll statt tf „§ u gesetzt wer- 
den. Das cf ist kleiner, 10" 9'" lang; Flügel 6" 5'"; Schwanz 
5" 4"'; tars. 1" 4— 5'"; die 2 mittleren Schwanzfedern ansehnlich 
verlängert, die Unterflügeldeckfedern ebenfalls gefleckt, ebenso 
auf den rectrices mit Ausnahme der 2 mittelsten und der ausser* 
sten durchgehende schwarze Binden, 7 — 8 an der Zahl. Auch 
auf der äussersten Steuerfeder sind auf der Innenlahne graue 



32 Dr. Th. v. Heuglin: 

schmale Querbinden benierklich. Das in Rede stehende cf erleg- 
ten wir an einem Zufluss des Ain-Saba im September 1S61. 

Vor Milvus einzuschalten: 

Buteo Augur Rüpp. Im September 1 Paar am Fuss des 
Debra Sina an einem Zufluss des Ain-Saba gefunden. 

V. Ueber die Cuculiden des Ain-Saba-Gebietes. 

Indicator. Dieser Vogel spielt eine grosse Rolle in der Or- 
nithologie der Abyssinier und Bogos. Er ist — obgleich selten 
vorkommend — von Jedermann gekannt und schon P. Lobo in 
der „Relation historique d'Abyssinie du p. p. J. Lobo." Paris 1728. 
und Ludolf „J. Ludolfi historia aethiopica, Franktot a. M. 1681." 
erwähnen dieses unscheinbaren Thierchens. Letzterer sagt (L. I. 
C. 12.) Etenim avicula , quae Tigrensibus , ubi frequens est 
„Pipi" a voce vocatur, venatores eo ducit, ubi feras latere ani- 
madvertit; tamdiu Pipi pipi suum ingeminans, donec sequantur 
easque oeeidat. Im Commentar pag. 163. citirt Ludolf sodann die 
Beschreibung Afrika's von Dapper, wie folgt: Fonton avis est 
divinatoria, magnitudine alaudae, cum in sylva feram observaverit 
sive sit bubalus, elephas, tigris, serpens, vel etiam alveare apum 
in quadam arbore, vel quidquid sit sive mali sive boni, confertim 
ad hominem advolat et ubieunque aliquem repererit quasi vocando 
et cantilando circumvolitae. Althiopes qui illam bene norunt 
sequuntur haec verba dicentes: „Fonton Kerre, Fonton Kerre" 
secuturos se significantes Praecedit avicola multo clamore, donec 
ad feram veniat. Si forte illam amittant nee ulterius sequantur, 
redit et venatores, quo vult, ducit, tunc demum arbori insidet et 
cantat, ex quo cognoseunt, praedam ibi esse quam investigare et 
reperire possint. 

P. Lobo erzählt (pag. 71.): „Le Moroc, ou oiseau de miel 
a un instinet tout particulier pour decouvrir le miel des abeilles 
dont il y a une infinite' en Aethiopie et de differentes espe'ces . . . 
lorceque le Moroc a dCcouvert un trou de l'abeille, il vient se 
mettre sur les chemeins tre'mousse des äiles, chante des qu'il voit 
quelqu'un et täche par tous ces mouvemens de faire entendre ä 
cet homme, qu'il n'a qu'ä le suivre et qu'il va lui montrer une 
rüche ou un trou piain de miel. Sil s'appercoit qu'on le suit il 
voltige d'arbre en arbre, jusqu'ä ce qu'il soit au Heu ou est le 
miel. La il change de ramage et chante tres melodieusement. 
L'abissin de'couvre le miel le prend et ne manque jamais d'en 
laisser une partie ä cet oiseau. 



Beiträge zur Ornith. N.-O.-Afrika's. 33 

Es ist schon längst auch bei uns in Europa diese Eigen, 
schaft der Indicator- Arten bekannt. Sie halten sich vorzüglich 
an baumreichen Bachufern auf, flattern von einem Baum zum an- 
dern und lassen ihre starke, wohlklingende , etwas an Pogoniaz 
oder Truchyphonus erinnernde Stimme dabei hören; dass sie so 
rufend häufig an Bienenschwärme führen, weiss jeder Eingebo- 
rene Afrika's vom Cap bis zum Senegal und von der Westküste 
bis nach Abyssinien herüber, doch führt der Indicator den ihm 
folgenden Menschen eben so häufig auf gefallene Thiere die voller 
Insektenlarven sind, und verfolgt mit seinem Geschrei den Löwen 
und Leoparden, kurz Alles, was ihm auffällt, auch ist er gegen- 
über vom Menschen nichts weniger als scheu und trotz der un- 
scheinbaren Grösse und Färbung sind alle Arten an der eigen- 
thümlichen Art der Bewegung im Flug und der weissen Farbe 
der äusseren rectrices leicht und weit zu erkennen. 

Im Nordosten Afrika's haben wir vier Arten von Indikatoren: 
7. major, am mittleren Lauf des Bahr el abiad vorkommend; 
7. minor, von mir in Abyssinien auf 3 — 6000' Höhe und in der 
Provinz Gelabat in Ost -Sennaar gefunden; Indicator albirostris, 
Abyssinien und Bahr el abiad und I. barianus mihi (I. majori 
similis, tectrieibus alarum in regione humerali macula intense 
flava ornatis) aus dem Bari-Land am weissen Nil. 

Im Sudan und Abyssinien müssen diese Vögel nach meinen 
Beobachtungen Zugvögel sein, denn ich habe sie zur trockenen 
Jahreszeit niemals angetroffen; ich möchte die Zeit ihres Aufent- 
halts hier zwischen September und April setzen. In den Bogos- 
Ländern scheint nur I. albirostris vorzukommen, 7. major und 
7. minor haben wir aber vom benachbarten Takasseh und Marebthal 
erhalten. Die Iris ist bei allen von mir untersuchten Indicator- 
Arten braunroth bis karminroth. Die generische Benennung in 
Tigreh und bei den Bogos ist „Ke'he're'." 

Von der Familie der Coccyzinen kommen in N.-O.-Afrika vier 
Arten vor: Centropus senegalensis in Unteregypten, vorzüglich auf 
Sykomoren und Lebek-Bäumen; nach Lefebvre auch um Gondarj 
C. monachus längs Regenbetten und bauinreichen Fluss-Ufern von 
Süd-Nubien durch ganz Abyssinien und am weissen und blauen 
Fluss. 

C. super ciliosus Rüpp. Im östlichen Abyssinien von der 
Samhar- Küste an; seltener am weissen und blauen Nil, und in 
Arabien. Ist ziemlich häufig in den Ländern um den Ain-Saba. 

Journ, f. Ornith., X. Jahrg., Nr. 55, Januar, 1882. 3 



34 Dr. Th. v. Heuglin: 

Coccystes glandarias. Von Egypten südwärts durch ganz 
Nubien und Abyssinien, in Arabien und den Somali - Ländern, 
überall jedoch ziemlich einzeln vorkommend. In den Bogos- 
Ländern haben wir ihn nur zweimal angetroffen. Der junge Vo- 
gel hat weit bunteres Gefieder als der alte: der Oberkopf ist 
braunschwarz und die Schwingen rostfarb. Er nistet in verlasse- 
nen Rabennestern und das veriiältnissmässig grosse Ei ist gefärbt 
wie ein blasses Schwarzdrossel-Ei. 

Oxylophus ater. In N.-O. -Afrika nur in Abyssinien bis 
Schoa in Fazogl und Sennaar nordwärts bis zum 16° vorkommend, 
nirgends häufiger gefunden als um den Ain-Saba. 

Brütet in hohlen Bäumen mit Beginn der Regenzeit.*) Iris 
nach der Brutzeit wenigstens immer hellbraun und nicht gelb. 

Avis juv: cristatus; supra fuliginosus subtus obsolete albidus, 
pectore et colli lateribus fuscogriseis; stria griseo et albido va- 
riegata ab angulo oris sub oculos ad Collum lateralem usque de- 
currente; crisso et subcaudalibus obsolete isabellino tinctis; sub- 
alaribus ochraceo-griseis; rectricibus supra chalybaeis, lateralibus 
apicem versus binis externis albidis; pectoris lateribus striis non- 
nullis fuscis. 

Oxylophus serratus Sparrm. oder besser O.pica H. u. Ehr. 

Selten in S.-Nubien, Kordofan, dem nördlichen Sennaar und 
auch jetzt am Ain - Saba von mir gefunden. Aber immer nur 
Exemplare mit weissem Unterleib. Auch Ehrenberg und Strick- 
land scheinen an der Gleichartigkeit des nordöstlichen Vogels 
mit 0. serratus von S. -Afrika zu zweifeln! 

Cuculus chalybaeus HeugL 

Magnitudine praecedentis , capite subcristato ; supra ater, ni- 
tore chalybaeo, subtus pallidior; subcaudalibus aeneo resplenden- 
tibus, his, pectore ventreque ferrugineo lineatis; remigibus fuli- 
ginosis, intus, basin versus maculis transversalibus albis notatis, 
subalaribus anguste albido-fasciatis ; cauda gradata supra virente 
atra, subtus fuliginosa, fasciis angustis anteapicalibus pallide-griseis, 
paullo conspicuis 1 — 2; rostro nigro, pedibus fuscis, iride rufo- 
brunnea. — Long. tot. 1', 1'"; rostr. a fr. 10-11'"; al. 6", 2'"; 
caud. 5", 10"'— 6"; tars. 6—7"'. 

Nach drei Exemplaren aufgestellte Spezies. Ein jüngeres 
Individuum, ein £, zeigt am Flüg.elrand und untern Schwanzdeck- 
federn theils weisse, theils rostfarbne Querzeichnung und auf der 

*) Für diese, wie für die verwandten Arten bezweifle ich das Selbst- 
Brüten. Der Herausg. 



Beiträge zur Ornith. N.-O.-Afrika's. 35 

Innenfahne der rectriccs viele schmale schräglaufende helle Quer- 
streifen , Schwanzspitzen mit schmalem weissen Rand. Anfangs 
September fand ich fast zum Legen reife Eier am Eierstock. 
Das cT hat eine sehr laute, flötenartige Stimme, 3 — 4 Töne wer- 
den ziemlich rasch nach einander ausgestossen und der letzte ist 
immer um eine Octave höher als die zwei ersten. Meist sind 
mehrere Weibchen mit einem tf zusammen, sie halten sich unter dicht 
belaubten Bäumen und im Gebüsch, fliegen nicht selten zur Erde, 
um Raupen aufzulesen, und sind ziemlich scheu und flüchtig. 

Nach Lefebvre soll Cuculus clamosus in Schirren vorkommen, 
aber die Bonaparte'sche Diagnose : totus niger passt offenbar nicht 
auf obige Beschreibung meines C. chalybaeus. 

Cuculus c an or us* Im Herbst und Frühjahr in ganz N.-O.- 
Afrika vorkommend. Schon Ende Juli traf ich ihn einzeln um 
Kerdn, jetzt Ende August und Anfang September ist er ungemein 
häufig, doch sammelte ich nur einen einzigen im Jugendkleid ein. 
Iris immer braun. C. gularis Steph. sammelten wir nur längs des 
weissen Nil ein; dass er, wie Verreaux behauptet, in Nubien 
vorkommt, möchte ich bestreiten. 

Chrysococcyx smaragdinus Swains. 

Seltener in N.-O. -Afrika als der folgende im südl. Sennaar, 
den wärmeren Gegenden Abyssiniens und niemals in Nubien, 
woher Verreaux diese Art erhalten haben will. 

Hier um Ke're'n ist er auch einzeln vorkommend. Bei einem 
älteren, ganz ausgefärbten Vogel (tf) ist der Schnabel grünlich 
grau, am Mundwinkel intensiver, fast spangrün, Spitze und Schnei- 
den schwärzlich, Füsse und nackter Augenring blaugrau, Iris braun- 
grau. Ganze Länge 8", 3'"; Schwanz die Flügel um 2", 3'" 
überragend; 4", 3'" lang; Schnabel von der Stirn 7!'"; Flü- 
gel 4", 2'"; tars. 8J'". Die längste Steuerfeder um 1" 5'" län- 
ger als die kürzeste. Einzelne Federn der Brust und des Vor- 
derhalses zeigen noch den weissen nicht ganz abgeriebenen Rand, 
und die untern (immer gelben) Schwanzdeckfedern sind grossen- 
theils breit goldgrün quergestreift. 

Schwung- und Steuerfedern scheinen bei dieser Art einem 
immerwährenden Wechsel unterworfen, und ich habe niemals ein 
Exemplar gesehen, bei welchem nicht eine oder die andere der 
genannten Federn oder viele im Nachwachsen begriffen gewesen 
wären, auch wenn das übrige Kleid in all" seiner erstes Farben- 
pracht entwickelt war. Ich glaube in Abyssinien eine ganz ahn 

3* 



36 Dr- Th. v. Heuglin: 

lieh gefärbte, aber mindestens £ kleinere Art gesehen zu haben, 
doch ist es mir noch nicht gelungen, sie einzusammeln. 

Chrysococcyx auratus Gm. 

In keiner Diagnose finde ich die auffallend intensiven Farben 
der Augenlider angegeben, die beim alten <? zur Paarungszeit 
wenigstens korallroth, die Augen selbst cochenille-roth sind, beim 
J ist die Iris dagegen lebhaft gelbbraun, der Augenring grünlich. 
Nicht selten am weissen und blauen Nil und in Abyssinien, zu- 
weilen in kleinen Gesellschaften beisammen. Um Ke're'n sogar 
häufig und bis auf die Hecken und Bäume im Dorf kommend. 
Zur Paarungszeit balgen sich die Männchen zuweilen unter grossem 
Geschrei. Der Lockton ist ein lautes, etwas klägliches und melan- 
cholisches, flötentonartiges Pfeifen, das den unter dichtem Laub- 
werk versteckten und wegen seiner grünen Farbe oft dann schwer 
sichtbaren Vogel oft verräth. Das J scheint zwei Brüten zu 
machen*), indem ich Ende Juli's und Anfang September's fast reife 
Eier am Eierstock und im Eileiter fand, deren befruchtete An- 
zahl eine ziemlich namhafte ist. 

Chrysococcyx Clasii. 

T heilt die Lokalitäten mit den zwei vorhergehenden. Hier 
um Ke're'n schoss ich nur ein einziges ?, ebenfalls mit befruch- 
teten Eiern. 

Aus der Familie der Bartvögel (Pogonias und Trachyphonus) 
finden sich in dem Ain-Saba-Gebiet : 

Pogonias ßaltii Stanl. 

Sehr häufig. Lässt zur Paarungszeit im Juli bis September 
häufig seine sehr starke, tiefe und pfeifende Stimme, ein gedehn- 
tes huid — huid huid hören. 

Pogonias Vieilloti. 

Nur sehr vereinzelt hier. Iris hochroth, Füsse graubraun. 

Pogonias undatus Rüpp. 

Nicht selten auf dürren Gipfeln von Hochbäumen längs den 
Ufern von Regenbetten. Iris citrongelb. Nahrung wie bei den 
Vorhergehenden, mehr aus Vegetabilien, namentlich Körnern, Oel- 
früchten etc. bestehend. 

Pogonias bifrenatus Hempr. u. Ehr. 

Häufig im Samhar-Küstenland , seltener gegen den Ain-Saba; 
auch am Setit gefunden, aber niemals im Sennaar oder Kordofan 
oder Central-Abyssinien. 
*) Brütet aber nicht selbst! wie diess gewiss keine Chrysococcyx- Axt thut. 

D. Herau9g. 



Beiträge zur Ornith. N.-O.-Afrika's. 37 

Barbatula uropygialis Heugl. 

B. chrysocomae similis; rostri apice paullo erecta; macula 
occipitali minio-coccinea nucham versus pure citrea; uropygio 
late aurantiaco; dorso medio gula et abdomine pallide sulfureis, 
subalaribus albidis fronte nigra, basin rostri versus pure alba; 
rostro nigro, pedibus nigricantibus , iride brunnea. — Long. tot. 
3", 9'"; rostr. a fr. 5"'; al. vix 2"; tars. 6'"; caud. J", 2'". 

Häufig paarweise um den Ain-Saba auf Hochbäumen und im 
Gebüsch, die Zweige oft ganz Sylvien- ähnlich umflatternd. Die 
Stimme ist ein sehr lautes Pfeifen, ähnlich der von Pogonias Saltii. 
Beide Geschlechter ganz gleich gefärbt. Nistet Anfangs Septem- 
ber in wohl selbst gehackten Löchern in Hochbäumen wie die, 
Spechte. 

Trachyphonus margaritatus Rpp. 

Ueberall häufig in den Bogos -Ländern und bis auf 5 — 6000' 
hoch gehend. Brütet in Höhlen an steilen Ufern von Regen- 
betten. 

Track, squamiceps mihi könnte mit Micropogon Barnaudi 
Prev. u. Des Murs zusammenfallen. Er kömmt am mittleren 
Laufe des Bahr el abiad vor. 

Aus den Familien der Spechte und Papageien haben wir 
hier gar nichts besonders bemerkenswerthes zu beobachten Ge- 
legenheit gehabt. 

Dendrohates Hemprichii und Dendromus aethiopicus sind häu- 
fig, eben so Palaeornis cubicidaris und Pionus Mayen um den 
Ain-Saba bis über 17° N. Br. gehend. Agapornis Tarantae da- 
gegen fand ich nur in der Region der Olivenwälder von 5— 6000' 
aufwärts im Distrikt Mensa. 

VI. Nachträge zu den Klettervögeln. 

Zu Trachyphonus margaritatus Rpp. 

An einem zum Ain-Saba führenden Regenbett, dem „Dari" 
der Eingeborenen, fand ich am 26. Sept. das Nest dieses Vogels 
in einer senkrechten Alluvium -Wand. Es war ungefähr 8 — 9' 
über der Thalsohle angebracht. Ein ganz kreisrundes , 2|" im 
Durchmesser haltendes Loch führt mit wenig Neigung nach auf- 
wärts, etwa 2' tief in die Wand, in einen grossem rundlichen 
nach unten trichterförmig zulaufenden Raum, der von dein zu 
ihm führenden Gang noch durch eine Art von kleinem Wall ge- 
schieden ist; im Innern lag ein frisches Ei ohne alle Unterlage 
auf etwas aufgelockerter Erde. Es ist mittclgross im Verhältniss 



38 Dr. Th. v. Heuglin: 

zum Vogel, eigestaltig, an beiden Enden ziemlich stumpf, rein 
weiss, rosenrothlich durchscheinend, ausserordentlich feinschaalig 
und glänzend, 11£"' lang auf 8,3'" Dicke. Am 8. Oct. entdeckte 
ich in einer ähnlichen Lokalität ein Nest mit 4 bebrüteten Eiern. 
Sie sind um weniges kürzer als das beschriebene und durch das 
Anbrüten fast milchweiss geworden. Das Nest ganz gleich dem 
eben beschriebenen, nur war das Bett für die Eier mit Malven- 
Saamen (ob zufällig) gefüllt. Auch darüber kann ich keine Aus- 
kunft geben, ob der Tr. seine Nesthöhle selbst gräbt. Am glei- 
chen Fundort waren 6—8 ähnliche Löcher in der Uferwand, deren 
einige offenbar Brutstellen, theils von dieser Art, theils von 
Atticora pristoptera Rpp. enthielten, in einer aber fand ich die 
Behausung einer Acomys-Art, (ähnlich, aber doch wesentlich ver- 
schieden von Acomys dimidiatus), die möglicher Weise diese Baue 
anlegt, welche dann von den Vögeln in Besitz genommen und 
nach Bedürfniss verändert werden. 

Zu Chrysococcyx auratus. 

Stimme ein klagend-flötendes huid, huid, huiddi in Cadenzen 
von je einem ganzen Ton, und gleichzeitig immer etwas an Stärke 
abnehmend. Jugendkleid des tf von C. auratus dem der alten sehr 
ähnlich. Schnabel aber mennigroth, Kehle und Brust metallgrün 
dicht geschuppt; die Fleckung der Schwingen und Ränder fast 
aller Federn der Oberseite rostgelb. Unterseite gelb angeflogen. 
Stimme ein klägliches Pipen. 

Jynx torquilla. 

Anfangs October ein altes Männchen bei Kdren erlegt. 

TU. Zu den Cypselinen und Hi rundinen 

In der zweiten Hälfte Septembers sind fast alle Arten, mit 
Ausnahme von Hirundo rußfrons, die noch brütet, und Cotyle pa- 
ludicola, die erst vor Kurzem angekommen — wie es scheint, aus 
den Bogos nach Süden abgezogen. In den Gebirgen von Zad' 
Amba wurden dagegen noch Cyps. abyssinicusf oder eine ähnliche 
Art gesehen. 

Cotyle paludibula? 

C. supra fuliginosa, subtus albida; subalaribus, torque inte- 
gro et hypochondriis fuliginosis; cubitalibus albo tertiariis ochra- 
ceo limbatis; pogoniis rectricum externis margine angustissimo 
sed distinctissimo albo. — Long, ad ap. caudae 4§"; rostro ni- 
gro 2£'"; tars. vix 4'"; cauda emarginata 2"; alis 4". 



Beiträge zur Ornith. N.-O.-Afrika's. 39 

VIII Addenda zu den Falconiden der Bogos-Länder. 

No. Circaetos gallicus. 

Gegen Ende September in den Bogos erlegt. 

No. Circus aeruginosus. 

Mit C. palüdus gegen Anfang October auf sumpfigen Wiesen 
in den Bogos. C. pallidus und wahrscheinlich auch C. cineraceus 
werden Mitte Octobers sehr häufig. 

Zu Vultur Rüppellii. , 

Sehr häufig auf Zad'-Amba, wo er nistet. 

Zu Buteo Augur. 

Nicht selten um Zad'-Amba und Atirba, südlich von Kere'n. 

No. Falco tinnunculus L. 

Während der Regenzeit nie in den Bogos gesehen. Erst 
vom 5. bis 6. October an hier bemerkt, und zwar ausserordent- 
lich zahlreich, und zwar alte und junge Vögel. 

No. Falco tinnunculoides. 

Erschien fast gleichzeitig und noch zahlreicher- als der ge- 
meine Thurmfalke Anfang Octobers. Er treibt sich in der offe- 
nen Steppe herum und lebt ausschliesslich von den zahlreichen 
Raupen und Heuschrecken. 

Ein dieser Tage erlegtes altes, eben frisch vermausertes cf 
hat Rücken und grosse Flügeldeckfedern einfarbig glänzend dunkel 
zimmtbraun und ganz ungefleckten Unterleib. In der Ebene von 
Moqara zählte ich am 8. October nicht weniger als einige 50 Stück 
dieser niedlichen Falken beisammen. 

Zu Gypaetos ineridionalis Kays. u. Blas. 

Auch einzeln bei Kere'n. 

IX. Heber Drymoeea und jErevnomela- 

An eigentlichen Sylvien, (Drymoeea, Ficedula, Calamoherpe, 
Aedon, Luscinia etc.), sind die Bogos-Länder sehr arm, namentlich 
an Standvögeln und ächten afrikanischen Typen. 

Aus der Gattung Drymoeea finden sich im Samhar-Land — 
soweit mir bekannt ist drei Arten. 

Dr. rufifrons Rüpp. 

Dr. gracüis und 

Dr. brunneonucha mihi, die möglicher Weise mit Dr. lugu- 
bris Rpp. zusammenfallen könnte. 

Major, supra fuliginosa, pilco, cerviceque umbrinis, — Stria 
supraoeulari flavente albida; remigibus extus basin versus rufe- 
scente limbatis, subalaribus obsolete et dilute isabellinis; gastraco 



40 Dr. Th. v. Heuglin: 

obsolete albido, pectoris lateribus et hypochondriis umbrino cine- 
reis; tibiis subcaudalibusque pallide ferrugineo isabellinis. Fas- 
cia anteapicale rectricum nigra, his. duabus mediis exceptis apice 
alba; rostro nigro basi mandibulae flavida, pedibus rubente flavis. 
Long. tot. 5"; rostr. a fr. ij*"; al. 2"; caud. 2 U 2"'; tars 10'". 
Selten im Küstenland. 

Cisticola semitorques nob. (ob Drymoeca ruficeps Rpp.?) 

Fronte pallide ferruginea; macula anteoculari nigra, supra albo 
marginata; cervice, dorso, tectricibus alarum, uropygio et supra- 
caudalibus fulvescente cinereis ; remigibus fuscis, his ferugineo — 
tectricibus alae pallide isabellino limbatis; gastraeo sericeo-albido, 
genis, hypochondriis et colli lateribus cinerascente indutis; rectrici- 
bus duabus mediis fuscescentibus, reliquis fuliginosis apicem versus 
nigricantibus, apice late alba; tibiarum plumis pallide ferrugineis. 
Rostro nigro, mandibula medio albescente, pedibus rubentibus; iride 
laete pallide-brunnea. Long. tot. 3" 10'"; rostr. a fr. 4|'"; al. 1" 
10*'" caud. !!"; tars. 10'". 

Hat in Flug, Benehmen und Lockton ungemein viel Aehnlich- 
mit Sylvia cisticola. Im August 1 Paar auf Viehtriften und nie- 
drigen Balanitessträuchern bei Keren angetroffen. — Drymoeca gra- 
cilis ist auch einzeln in den Bogos-Ländern und auf Zad'-Amba. 

Einen andern sehr kleinen und lieblichen Sänger fanden wir 
nicht selten in den Thälern um Keren. Er scheint zu Eremomela 
Sund, zu gehören, obgleich die Innen- und Aussenzehen der ziem- 
lich starken, gestiefelten Füsse nicht ganz gleichlang sind. Der 
Schnabel ist zierlich, kurz, an der Basis ziemlich breit, etwas ab- 
gebogen, fast ganzrandig und von der Mitte an seitlich zusam- 
mengedrückt. Schwanz und Flügel kurz, die erste Schwinge sehr 
kurz, die 3. und 4. die längsten, die 5. noch länger als die 2. 

Eremomela? griseoflava nob. 

Supra cinerascens, Stria supraoculari, periophthalmiis, gula 
et collo antico albidis; Stria a rictu per oculos ducta fuliginosa; 
colli et pectoris lateribus cinereis, abdomine laete sulfureo; sub- 
caudalibus paullo pallidioribus ; uropygio flavescente an virente 
tincto; tibiis fuliginosis albido variegatis; subalaribus albis basi 
fuliginosis; remigibus, rectricibus et alarum tectricibus fuliginosis 
his pallidius limbatis; rostro brunneo, iride pallide cinnamomea; 
pedibus unguibusque nigricantibus. Long. tot. 3" 2'"; rostr. a fr. 
3r"; al. 1" 11'"; caud. 1" 3'"; tars. 8'". 



Beiträge zur Orinith. N.-O.-Afrika's. 41 

Auf Hecken, Sträuchern und Hochbäumen zu Paaren. Singt 
nicht laut aber angenehm. 

Oligura micrura und Camaroptera brevicaudata sind ebenfalls 
nicht selten und wie es scheint, Standvögel hier. Letztere heisst 
bei den Bogos Isa, und an die Art seines Erscheinens und Ge- 
sanges knüpft sich bei Reisen der Einwohner etc. Aberglauben 
aller Art. 

Currüca lugens Rüpp. dürfte hier im Juni und Juli brüten 
und könnte auch leichtZugvogel sein, da sie im September noch 
an felsigen Abhängen um Ke'reii häufig ihren schilfsängerartigen 
Lockton hören lässt. 

Von europäischen Grasmücken fand ich bis jetzt hier und zwar 
von Anfang September an C. cinerea und Sylvia curruca Lath. 
ebenso Lusciola luscinia Kays. u. Blas. Aedon galactodes ist nicht 
häufig und wohl hier Standvogel, während er in S.-Europa und 
Egypten im Herbst wegzieht und Anfang April wieder erscheint. 

Ke'rdn, 26. September 1861. 

X. Zum Genus Zoster ops Vig. 

Aus A/rika kennen wir etwa 12 Arten dieser auch über 
Australien, Oceanien und Asien verbreiteten Gattung; nur eine 
Art aus West,- 3 aus Süd-Afrika, 3—4 von Madagascar und den 
benachbarten Inseln und 4 — 5 aus Abyssinien und Ost Sudan- 
Ich habe keine genaue Beschreibung von Z. madagascariensis L., 
den ich im Takassah-Thal, am Mareb etc. früher öfter erhielt, 
bei Händen und glaube hier in den Bogos -Ländern eine sowohl 
von dieser als den übrigen ost - afrikanischen verschiedene Art 
aufgefunden zu haben, die ich hier aufführe, als: 

Zosterops aurifrons Heugiin. 

Z. supra virente flava, fronte abdomineque intense et pure 
citreis, pectoris lateribus virente indutis; macula nigra inter ocu- 
los et rictum; annulo periopthalmico niveo; remigibus rectrici- 
busque fuliginosis, virente flavo marginatis; subalaribus albis, mar- 
ginem alae versus flavis; rostro nigro, dimid. basali mandibulae 
et pedibus plumbeis; iride rubente brunnea. — Long. tot. 3" 8'"; 
rostr. front. 4"'; al. 2"; caud. 1£"; tars. 6'". J paulo minor, 
coloribus minus distinctis. 

Ziemlich selten um Ke're'n und schon auf grössere Entfernung 
von andern Arten durch ihre intensiv gelbe Färbung kenntlich. 
Ist wie ihre Gattungsverwandten äusserst behend und flüchtig, 
man sieht sie kaum einen Augenblick in Ruhe, sondern immer 



42 , Beiträge zur Ornith. N.-O.-Afrika's. 

von einem Zweig zum andern hüpfend oder mehr noch in einem 
der Sylvia fitis und sibilatrix ähnlichen Flug Büsche und Bäume 
umflattern. Der Gesang ist ähnlich dem der andern Arten, ziem- 
lich laut und augenehm, der Lockton ein sanftes Pfeifen. 

Zosterops abyssi?iica Guer. — Rev. 1843 p. 162. 

Gleicht im Allgemeinen meiner Z. poliogastra , ist aber klei- 
ner und hat viel kürzern fleischfarbnen Schnabel mit schwärzlichem 
Culmen, während Z. poliogastra einen längern, intensiv schwarzen 
Schnabel hat und weit dunklern, aschgrauen Unterleib, der bei 
Z. abyssinica schmutzig bräunlich grau und heller ist. 

Von Z. abyssinica erlegte ich ein Paar am Fuss des Debra- 
Sina. — Long. 4"; rostr. a fr. 3" 9'"; al. 1" II'"; caud. 1" 5'": 
tars. 6£"'. 

Zosterops poliogastra (Heugl. in Sclat. Ibis 1861, p. 357, 
pl. 13. fig. bon.) fand ich nur auf Olivenbäumen in Semen auf 
einer absoluten Höhe von 10—11,000'. 

Z. supra virente-flava , superciliis, gutture subcaudalibusque 
sulfureis; pectore et abdomine cinereis, hoc medio pallidiore; tec- 
tric. caudae superioribus fere totis flavis; macula nigra inter ocu- 
lum et rictum; annulo periophthalmico nitide niveo; tibiis griseis, 
flavente tinctis; rostro nigerrimo, pedibus plumbeis, hypodactylis 
flavescentibus, iride brunnea. — Long, tot. 4' 2— 3'"; rostr. a fr. 
4" 4"'; al. 2" 5"'; caud. 1" 5'"; tars. 8'". 

[Heuglin hatte diese Art in seinem Verzeichnisse der Vögel 
N.-O.-Afrika's Z. euryophthalma genannt, wünscht aber später 
diesen Namen in Z. poliogastra geändert zu sehen. Hartl.] 

Eine weitere nord-ost-afrikanische Art ist: 

Zosterops icterovirens Herzog Paul v. Würtemberg, die 
nach Hartlaub (Synop. W.-Afr. p. 72) wohl mit Z. senegalensis 
Bp. zusammenfällt. Sie wurde von dem unermüdlichen hohen 
Entdecker am Atbara gefunden. 

Ke're'n, im Bogos-Land im September 1861. 



lieber die nordischen Jagdfalken. 43 

Ober die nordischen Jagdfalken. 

Von 
Prof. Dr. J. H. Blasius. 

So lange nicht alle Ansichten über eine offene Streitfrage .sich 
geeinigt haben, bedarf es keiner Entschuldigung, wenn die Dis- 
kussion wieder aufgenommen wird. 

In der Fortsetzung der „Nachträge zu Naumanns Naturge- 
schichte" schliesse ich die allgemeine Bemerkung über die Jagd- 
falken folgender Weise : „Obwohl noch nicht alle Zweifel über die 
Artberechtigung endgültig erledigt sind u. s. w." Ich hoffe weitere 
Beiträge zur Erledigung liefern zu können. 

Als feststehend stellen die Beobachtungen im Freien an Ort 
und Stelle und die Sendungen der Reisenden heraus, dass eine 
grössere Form in allen nördlichen Polarländern, in Island, Grön- 
land, Nordamerika und Sibirien, eine kleinere Form in Skandina- 
vien vorkommt, und dass beide auf dem Herbstzuge oder im Win- 
ter einzeln sich in südlicher gelegenen Gegenden einfinden. Exem- 
plare mit Brutflecken habe ich selber in directen Sendungen aus 
Island, Grönland und Labrador erhalten; das Berliner Museum 
besitzt einen grossen Jagdfalken aus Sibirien von Pallas ; kleinere 
norwegische Jagdfalken besitze ich selber aus Norwegen und Lapp- 
land und habe deren in Leyden und anderen Sammlungen ge- 
sehen. 

Als fesstehend muss ich ferner ansehen, dass alle nordischen 
Jagdfalken im Körperbau, in den plastischen und andern Kör- 
perverhältnissen, in der gesammten Befiederung, dem Bau der Flü- 
gel und der Gestalt der einzelnen Schwungfedern, der Befiederung 
und Bedeckung der Füsse u. s. w. vollkommen übereinstimmen- 
Ich habe mich ausführlich darüber in der Naumannia 1857. S. 223 
u. f. ausgesprochen, und muss auch jetzt noch, nachdem ich über 
drittehalb hundert Jagdfalken genau untersucht habe, dies als fest- 
stehendes Resultat der Untersuchung hinstellen. 

Ausser in der Grösse sind die Jagdfalken nur in der Färbung 
und Zeichnung verschieden: es giebt Jagdfalken mit weisser und 
grauer Grundfarbe, mit Querzeichnung und Längszeichnung im Ge- 
fieder. Die Verschiedenheiten in der Zeichnung sprechen sich 
am Entschiedensten auf der Unterseite an den Weichen- und Ho- 
sen-Federn, auf der Oberseite am Hinterriicken, Bürzel und den 
oberen Schwanzdeckfedern aus. 



44 Prof. Dr. J. H. Blasius. 

Die Naturbeobachter behaupten und die Sendungen der Rei- 
senden bestätigen, dass in Skandinavien nur die kleinere, graue, 
in Island nur die grössere, graue Form brütend vorkomme. Aus- 
serhalb der Brütezeit sind in Island auch weisse Falken beobach- 
tet worden, während über Scandinavien in dieser Hinsicht Wider- 
sprüche bestehen. In Grönland und Labrador giebt es weisse und 
graue Falken der grösseren Form als Brutvögel. Von Midden- 
dorff hat im Tainryrlande dunkle, von Schrenck am Amur weisse 
Jagdfalken beobachtet, und das Exemplar von Pallas im Berli- 
ner Museum ist ein grosser weisser Jagdfalke mit Längszeichnung. 

Zum bestimmten Verständniss müssen wir auf die vorkom- 
menden Verschiedenheiten noch etwas weiter eingehen. 

Die grösseren Jagdfalken kommen vor mit vorherrschend weis- 
sem und vorherrschend grauem Gesammtgefieder. 

1. Die Falken mit vorherrschend weissem Gefieder sind in 
der Zeichnung zweifach verschieden. 

a. Mit Längszeichnung: Die Rückseite ist mit breiten, der 
Scheitel und die Unterseite mit schmalen dunklen Schaftflecken 
von rostfarbig brauner Farbe bezeichnet, die dunklen Schaft- 
striche des Hinterhalses sind nach den Federspitzen hin keil- 
förmig erweitert. 

b. Mit Querzeichnung: Die Rückseite ist bis zu den obe- 
ren Schwanzdeckfedern mit dunklen Querbinden der Scheitel 
mit dunklen Schaftstrichen, die am Hinterhalse sich rhombisch 
oder lanzettlich erweitern, die Weichen- und Hosenfedern mit 
querrundlichen Erweiterungen der dunklen Schaftstriche bezeich- 
net, sämmtliche dunkle Zeichnungen mit bläulichgrau - schwarz, 
ohne Spur von Rostfarbe. 

H. Die grossen Jagdfalken mit vorherrschend grauem Gefie- 
der zeigen eine dreifache Verschiedenheit: 
a. Mit Längszeichnung: 1. die ganze Oberseite. Vom Schei- 
tel einschliesslich bis zur oberen Schanzdecke gleichmässig dun- 
kelbraun, ungefleckt ; auf der Unterseite weiss mit breiten dunk- 
len Schaftflecken; die braune Färbung entschieden rostfarbig 
überflogen. 

2. Die Oberseite auf vorherrschend dunklem Grunde weisslich 
gefleckt; der Scheitel weisslich, mit braunen Schaftflecken; Unter- 
seite weiss mit braunen Längsflecken; die braune Färbung ebenfalls 
rostfarbig überflogen. 

b. Mit Querzeichnung: Die Oberseite licht bläulichgrau 



Ueber die nordischen Jagdfalken. 45 

und dunkelbraun quergebändert ; der Scheitel fast einfarbig 
dunkelgraubraun; die Unterseite weiss mit dunklen Querfle- 
cken und Querbinden an Weichen und Hosen; die dunkelbraune 
Farbe mit entschieden blaugrauem, nie rostfarbigem Anflug. 
III. Die kleinere skandinavische Form kommt nur mit vor- 
herrschend grauem Gefieder etc., entsprechend dem grossen grauen 
Jagdfalken, vor. 

a. Mit Längszeichnung: J. die Oberseite und der Scheitel 
ungefleckt, gleichmässig braun; die oberen Schwanzdeckfedern 
mit unvollständiger Querzeichnung vom Rande aus; die Unter- 
seite mit dunklen Schaftflecken. 

2. Die Oberseite rostweisslich gefleckt; der Scheitel weisslich; 
der Hinterhals und die Unterseite etwas heller, wie beim vorigen, 
mit dunklen Schaftflecken. 

b. Mit Querzeichnung: Die Rückseite blaugrau und dunkel- 
braun quergebändert; der Scheitel graubraun; auf der Unter- 
seite und an den Weichen quergefleckt. 

Es ist auffallend und unverkennbar, dass der Farbenton bei 
allen Formen mit Längszeichnung einen entschieden rostfarbigen, 
bei allen Formen mit Querzeichnung einen entschieden bläulich- 
grauen Anflug zeigt. 

Welche Bedeutung haben bei vollkommener Uebereinstim- 
mung in der Gestalt und allen plastischen Verhältnissen die Ver- 
schiedenheiten in Grösse, Grundfärbung und Zeichnung? Die Ant- 
wort enthält den Kern der Falkenfrage. Nach Verschiedenheit 
der Deutung hat man ein, zwei oder drei Arten unterschieden. 

Bis auf Linne' und Brisson war nur von einem nordischen 
Jagdfalken, Gierfalken, die Rede; Albertus magnus und Kaiser 
Friedrich II. sprechen sich ausführlich, Belon, Gessner und Al- 
drovandi kürzer über denselben aus. Brisson und Linne' unter- 
scheiden mehrere Jagdfalken, deren Deutung sehr schwierig ist. 
Später haben die Ansichten der Ornithologen sich wieder mehr 
für eine einzige Art entschieden. Faber kennt nur den grauen 
isländischen Falken als Brutvogel, und fügt den weissen, den er 
nur in den Wintermonaten in Island gesehen, als Abart hinzu, 
ohne an wesentliche Verschiedenheit zu denken. 

Noch später tritt die Ansicht schärfer hervor, dass man die 
weissen Vögel als alte anzusehen habe. Brehm findet den Grund der 
Verschiedenheit im Alter, ähnlich wie Bechstein im Alter und Jah- 
reswechsel. 



46 Prof. Dr. J. H. Blasius: 

Es ist interessant, die Ansichten der beiden ältesten Falken- 
schriftsteller, die beide aus eigener Beobachtung urtheilen konn- 
ten, über diese Fragen zu vergleichen. 

Albertus Magnus führt ausdrücklich an, dass die eine Fal- 
kenform sich stets durch schwärzliche Flecke unterscheide, eine 
andere, die im ersten Jahre bräunlich sei, durch wiederholte Mau- 
ser eine weissere werde. 

Kaiser Friedrich über II. cap. 20. unterscheidet graue und 
weisse und Mittelfärbungen als individuelle Abweichungen, und 
fügt hinzu: im ersten Jahre seien bei den weissen die Federn 
des Rückens theils weiss, theils rostbraun: subruffum vel subru- 
beum; nach der Umwandlung verwandle sich die rostgraue Farbe 
in eine schwärzliche, und die helle Färbung würde weisser und 
heller: postquam vero sunt mutati, subruffedo mutatur in nigredi- 
nem, et albae pennae sunt albiores et clariores ; die grauen seien 
im ersten Jahre theils braun, theils röthlich, und zwar einige am 
Rücken und Schwanz gefleckt, andere ungefleckt: die dunkelbrau- 
nen würden nach der Mauser dunkelgrau, die ungefleckten röth- 
lichen hellgrau, und die gefleckten hanffarbig: cannabaeii. 

Es ist bedeutsam, wenn Albertus andeutet, dass die Falken 
mit schwärzlichen Flecken sich in diesem Punkte nicht änderten 
und andere, die im ersten Jahre bräunlich seien, durch wieder- 
holte Mauser nur heller, weisser werden. 

Auch Kaiser Friedlich behauptet bestimmt, dass bei den weis- 
sen die rostbraune Farbe des Rückens sich in eine schwärzliche 
umwandle, und soweit ich ihn verstehe, dass die dunklen Falken 
durch die Mauser einen mehr grauen Farbenton annehmen. Er 
sieht aber ausdrücklich die weissen nicht als alte Vögel an, son- 
dern sagt nur, dass sie aus entfernteren G-egenden gebracht wür- 
den. Beide, Albertus und Kaiser Friedrich, stimmen darin über- 
ein, dass die weisse Farbe mit dem Alter klarer und reiner werde. 

Nach Linne hat Brehm zuerst wieder im Jahre 1823 im Lehr- 
buch eine speeiiische Trennung eintreten lassen : Falco Gyrfalco 
L. oder candicans Gm. mit gelben Füssen und doppeltem Zahn 
und F. islandicus Br. mit bleifarbenen Füssen und einfachem Zahn. 

Brehm hat offenbar nur die grossen Jagdfalken vor Augen 
gehabt. Dass eine speeifische Sonderung auf die Zahnbildung 
oder Fussfärbung zu gründen sei, hat sich nicht bewährt. Die 
weissen Falken, I. b., sind nach ihm alte Individuen des Gyrfalco; 
die Jungen desselben, dunkel gefärbt, sollen denen vom islandi- 



Uebcr die nordischen Jagdfalken. 47 

cus gleichen. Als Junge von Mandiem beschreibt er die Form 
IL a. 2. mit Längszeichnung und hellem Scheitel; die alten Indi- 
viduen von islandicus weichen nach der Beschreibung nicht we- 
sentlich von den Jungen ab. Brehm's Ansicht von den weissen 
Falken ist offenbar nur eine Hypothese, die nicht mit den Beob- 
achtungen des Kaiser Friedrich zu vereinen, aber seitdem fast 
allgemeine ' Annahme geworden ist. Bechsteins Hypothese, dass 
auch der Jahreswechsel einen Binfluss habe, ist vergessen worden. 

In der Isis im Jahr 1826 und im Handbuch 1832 bezeichnet 
Brehm seinen Gyrfalco oder candicans mit dem Namen Groen- 
landicus, und unterscheidet beide Arten nach Schnabel und Schä- 
delbildung und Grösse. Beiderlei Verschiedenheiten sind in der 
Natur nicht begründet. 

Als alten islandicus beschreibt Brehm einen Falken mit 
weisslichem Scheitel und Querzeichnung, fast wie IL b, nur mit 
hellerem Scheitel; als mittleres, einmal vermausertes Kleid einen 
Vogel mit Querflecken, statt Querbinden, auf der Oberseite; als 
jungen Vogel einen grauen Falken mit weisslichem Scheitel und 
Längszeichnung der Unterseite, wie H. a. 2. Weisse Vögel die- 
ser übrigens grauen Art sieht er als Ausartungen an, beschreibt 
als alten Vogel ein weisses Gefieder mit Längs Zeichnung, wie I. a. 

Brehm's groenlandicus soll 1 bis 2 Zoll kürzer sein, aber ganz 
gefärbt, wie islandicus. Weisse Ausartungen sollen bei dieser 
Art häufiger sein, und theils ähnlich denen von islandicus, theils 
oben quergefleckt und unten fast rein weiss, ähnlich I. b, oder 
sogar ungefleckt weiss. 

Unter denselben Namen trennte im Jahre 1838 Hancock 
zwei Falken-Formen wesentlich nach der Färbung. In den „Wir- 
belthieren Europa's" adoptirten wir diese Zweitheilung, da das 
Material des Berliner Museums, welches uns zu Gebote stand, 
eine abweichende selbstständige Ansicht nicht begründen liess. 

Im Jahre 1844 wies Schlegel in der kritischen Uebersicht 
die Unhaltbarkeit dieser Sonderung nach, trennte die grossen 
nordischen Falken in zwei Nebenarten, und unterschied von bei- 
den zum erstenmal den kleinen scandinavischen Jagdfalken unter 
dem Namen Gyrfalco als besondere Art. 

Von den jungen Vögeln der grossen Jagdfalken sagt Seide- 
gel, dass zwischen ihnen nicht der geringste Unterschied >iati- 
finde. Den alten candicans oder groenlintdirus Brehm und Hancock 
beschreibt er als weissen Falken mit dunkler Queizeiehnnng, ahn- 



48 Prof. Dr. J. H. Blasius: 

lieh I. b. Den alten Vogel von candicans islandicus, den islan- 
dicus von Brehm und Hancock, beschreibt er als grauen Vogel 
mit dunkler Querzeichnung, ähnlich II. b. 

Nach Schlegel soll der junge Gyrfalco von dem dunklen 
grossen Jagdfalken wesentlich durch geringere Grösse und anderes 
Naturell sich unterscheiden; der junge Vogel soll ganz wie der 
isländische, der alte ganz wie der Wanderfalke gezeichnet sein; 
den jungen weiblichen Gierfalken soll man vom jungen männlichen 
Isländer äusserlich gar nicht unterscheiden können. 

Thienemann erklärt sich in der „Rhea" 1846 gegen jede 
Sonderung der Jagdfalken, und versucht aus theoretischen Grün- 
den den scandinavischen Gierfalken als eine verkümmerte dunkle 
klimatische Varietät zu deuten. 

Im Jahr 1855 eröffnete Kjaerbölling auf der Ornithologen- 
versammlung in Braunschweig die Falken - Discussion mit einem 
neuen Gesichtspunkte. 

Sein F. groenlandicus hat eine bläuliche, sein islandicus eine 
fahlbraune dunkle Zeichnung. Junge groenlandicus mit blau-schwärz- 
lichem Oberkörper und dunkler Längszeichnung auf der Unterseite 
sind mir nie zu Gesicht gekommen. Sein groenlandicus im zwei- 
ten Jahr ist grau mit Querzeichnung, ähnlich II. b. Sein sehr alter 
groenlandicus ist weiss mit Querzeichnung, ähnlich I. b. 

Der junge F. islandicus ist oben fahlbraun, ungefleckt, ähn- 
lich II. a. 1. Im zweiten Jahr soll der Vogel weiss oder hell- 
russfarbig gefleckt, im Alter oben langgestreckt lanzettförmig ge- 
fleckt sein, so weit ich mich erinnere, ungefähr wie I. a. 

Den F. Gyrfalco Schlegel hält er für eine kleine Rasse 
vom islandicus, 

Dass die von Kjaerbölling geltend gemachten Verschieden- 
heiten im Verhältniss des Laufs zur Mittelzehe nicht begründet 
sind, lehrt jede genaue Messung. Die Sonderung seiner Arten 
und der Verlauf der allmählichen Entwickelung beider, ist aus- 
schliesslich hypothetisch; auch Kjaerbölling hat, wie die meisten 
Ornithologen, seine Ansicht blos aus Bälgen gewonnen. Eine 
Aehnlichkeit mit der Deutung von Albertus oder Kaiser Friedrich 
besteht nicht. 

Während ich mich an eigenem und fremdem Material durch ge- 
naue Messungen überzeugte, dass die vom Kjaerbölling behauptete 
Verschiedenheit in den Verhältnissen unbegründet sei, konnte ich 
mich doch auch der Ueberzeugung nicht verschliessen, dass die 



Ueber die nordischen Jagdfalken. 49 

von ihm angedeuteten Abweichungen in der dunklen Grundfär- 
bung eine ernstere Bedeutung haben müssten. Diese Ansicht 
wurde um so eindringlicher, als ich mich allmählich überführte, 
dass mit der Abweichung im Grundton der dunklen Farbe eine 
bestimmte Zeichnung des Gefieders unwandelbar verbunden sei. 
Ist die dunkle Farbe schwärzlich mit bläulichem Farbeton, so ist 
die Zeichnung immer Querzeichnung; ist die dunkle Färbung fahl 
oder rostbraun, so ist die Zeichnung immer Längszeichnung. 

Es fragte sich, wie gehören diese Formen nach ihrer Ent- 
wicklung zusammen? Sind, vom scandinavischen Gyrfalken abge- 
sehen, die dunklen Vögel junge, und die weissen alte; oder sind 
die mit rost- oder fahlbrauner Längszeichnung versehenen junge, und 
die mit bläulichem oder schwärzlichem Farbenton der Querzeich- 
nung versehenen alte Vögel? 

Nach den Erörterungen Schlegel's war ich zu der Ueberzeu- 
gung einer einheitlichen Art mit drei Rassen, einer grossen weissen, 
einer grossen grauen und einer kleinen grauen, gekommen. Aber 
diese widersprach allen Annahmen, die in neuerer Zeit in Gang 
gekommen waren. Und diese Ansicht konnte ja auch nur hypo- 
thetisch, aus Bälgen gewonnen, sein! 

Brehm im Lehrbuch, Schlegel in der kritischen Uebersicht, 
Kjaerbölling und die meisten neueren Ornithologen nahmen an, 
dass die weissen Vögel alte, und die jungen Vögel nur dunkel 
gefärbt seien. Und Schlegel, das war offenkundig, hatte von allen 
neueren Ornithologen allein Gelegenheit gehabt, Jagdfalken viel- 
fach lebendig zu beobachten. 

Aber wenn ich mich in die Ansicht fügte, dass alle weissen 
Vögel alte seien, so konnte ich mich doch nicht zu der Ueber- 
zeugung bequemen, dass die weissen mit fahlbrauner Längszeich- 
nung ganz identisch seien mit den weissen mit bläulich-schwarz- 
brauner Querzeichnung. Ich überzeugte mich, dass beide Formen 
immer unterscheidbar seien, und hatte bis dahin keinen Ueber- 
gang der einen Form in die andere beobachtet. 

Die weissen mit fahlbrauner Längszeichnung waren dagegen 
durch eine Mittelfärbung mit fahlbrauner Längszeichnung untrenn- 
bar verbunden mit einfarbig fahlbraunen, die auf der hellen Un- 
terseite ebenfalls dunkle Schaftflecke, Längszeichnung besassen: 
die weissen mit bläulich -schwarzer Querzeichnung sah ich eben- 
falls durch eine weissbläuliche Mittelfärbung verbunden mit dun- 

Journ. f. Ornith., X. Jahr«., Nr. 55, Januar 1862. 4 



50 Prof. Dr. J. H. Blasius: 

kelgrauen Individuen, die wenigstens an den untern Schwanzdeck- 
federn noch deutlichere Querzeichnung zeigten. 
In dieser Weise verbunden würde man 

1) eine fahlbraun grosse Form mit Längszeichnung, in der 
Jugend grau, im Alter weiss; 

2) eine bläulich-schwärzliche grosse Form mit Querzeichnung, 
in der Jugend mit grauem, im Alter mit vorherrschend 
weissem Federgrunde, und 

3) eine kleinere scandinavische graue Form, in der Jugend 
fahlbraun mit Längszeichnung, im Alter blau - schwärzlich 
mit Querzeichnung erhalten. 

In Bezug auf die grossen Jagdfalken würde diese Ansicht 
fast ganz mit der von Kjaerbölling übereinstimmen. Was diese 
Ansicht fast zur G-ewissheit erheben musste, war die bestimmte 
Versicherung von Kjaerbölling, S. Naumannia 1855. S. 228. Z. 10. 
von oben und S. 493. Z. 9 von oben, dass nach brieflichen Mit- 
theilungen eines langjährigen Beobachters, des Kapitain Holböll, 
beide Formen in Grönland als Brütvögel vorkommen, ohne sich 
zu vermischen. 

Yon dieser Anschauung aus habe ich die Jagdfalken in der 
Naumannia 1857 und in der Fortsetzung zu Naumann's „Nach- 
trägen" 1860 erörtert, ohne das Gefühl zu verlieren, dass die 
Zweifel über die Artberechtigung nun alle beseitigt seien. S. Fort- 
setzung zu den „Nachträgen" S. 14. Ich war zu der Ueberzeu- 
gung gekommen, ohne zuverlässige Beobachtungen im Freien sei 
die Frage nicht überzeugend zu erledigen. Was mich in meinen 
Zweifeln noch am meisten bestärkte, war die Thatsache, dass ich 
mich mit Schlegel, sogar angesichts der Exemplare des Leydener 
Museums , nicht verständigen konnte. Doch der Ansicht von 
Schlegel konnte ich mich auch nicht ganz fügen; eine Falken- 
form, die sehr häufig vorkommt, weiss mit fahlbrauner Längs- 
zeichnung, I. a. , fand ich bei Schlegel gar nicht gedeutet ; und 
auch von seinem alten Isländer, grau mit dunkler Querzeichnung, 
II. b. glaubte ich weit dunklere Exemplare zu besitzen, als ich 
bei Schlegel angedeutet fand. 

Inzwischen unterliess ich es nicht, weiter zu sammeln, und alle 
erreichbaren Exemplare auf die offene Streitfrage hin zu prüfen. 

Einen neuen Anstoss erhielt ich im Sommer des vergangenen 
Jahres durch einen Besuch von Alfred Newton: er theilte mir 
als eine an lebenden Jagdfalken in England beobachtete That- 



Ueber die nordischen Jagdfalken. 51 

sache mit, dass die Falken mit Längszeichnung durch Mauser 
sich in Falken mit Querzeichnung umgewandelt hätten. Diese 
Thatsache vorausgesetzt: konnte es sich nur noch darum handeln, 
ob man die weissen Falken von den grauen als Rasse oder als 
Art zu trennen habe. Die Ansicht, dass alle jungen Edelfalken 
dunkel, alle alten hellweiss seien, die von Kjaerbölling vertheidigte 
Sonderung des groenlandicus und iüandicus, die von mir erörterte 
Sonderung eines arcticus vom candicans musste unbedingt als irrig 
erscheinen. Dagegen zeigte sich in der Entwickelung aller grossen 
Edelfalken mit feingenetzten Läufen ein übereinstimmendes Ge- 
setz : Längszeichnung in der Jugend, Querzeichnung im Alter, wie 
es Schlegel am lebenden scandinavischen Gyrfalco ebenfalls be- 
obachtet hatte. Zugleich fiel damit jede Verschiedenheit des 
scandinavischen Jagdfalken von den übrigen, mit Ausnahme des 
geringen Grössenunterschiedes, weg. 

Da mir keine lebenden Jagdfalken zu Gebote standen, so 
untersuchte ich aufs Neue alles mir zugängliche Material, um 
diese Entwickelung an ein und demselben Individuum durch Mau- 
ser zu verfolgen. Vor allen Dingen bemühte ich mich, in der 
Mauser begriffene Exemplare zu erhalten. 

Unter sechszig Exemplaren von Jagdfalken, die jetzt in mei- 
nem eigenen Besitz sind, finde ich zehn in der Mauser begriffene 
Bälge, deren Federgegensätze keine andere Deutung zulassen, 
als die von Alfred Newton mit* mündlich mitgetheilte Beobachtung. 
Da die Frage so lange eine schwebende gewesen, so muss jedes 
Belagstück, das zur endgültigen Entscheidung beitragen kann, 
von ornithologischem Interesse sein. 

A. Exemplare mit blau-schwärzlicher dunkler Querzeichnung, 
deren frischem Gefieder noch einige abgenutzte ältere Federn 
mit fahlbrauner Längszeichnung untermischt sind. 

1. Ein Weibchen im Februar erlegt, aus Grönland. Die 
Oberseite ist schwärzlich-grau, mit licht weisslich-grauen Quer- 
binden; auf der Brust rundliche Flecke; an den Weichen und 
Hosen dunkle Querbinden; der Scheitel weisslich mit dunklen 
Schaftflecken; die Federn des Hinterhalses mit tropfenartig er- 
weiterten dunklen Lanzettflecken; deutliche weissliche Schwanz- 
binden, quergebänderte untere Schwanzdeckfedern. Das beschrie- 
bene Gefieder frisch, und offenbar neu, nicht abgerieben. 

Dagegen sind auf den oberen Flügeldeckfedern auf dem Rük- 
ken und Bürzel zahlreiche, fahlbraune einfarbige Federn, ohne 



52 Prof. Dr. J. H. Blasius: 

Querzeichnung, eingemischt, deren Ränder zerstossen und abge- 
rieben erscheinen. 

Die fahlbraunen einfarbigen Federn gehören offenbar einer frü- 
heren, jugendlicheren Färbungsstufe des Vogels an. Das Exem- 
plar ist ein ausgefärbter Vogel mit Resten des Jugendkleides: 
es ist offenbar eine Entwickelung von II. a. in IL b. 

2. Ein Weibchen im Februar, aus Grönland. 

Die Oberseite ist schwarzgrau mit rein weissen Querbinden; 
auf der Brust ovale Schaftflecke und an den Weichen- und Ho- 
senfedern dunkle Querbinden; der Scheitel weiss mit schmalline- 
alen Schaftstrichen, die Federn des Hinterhalses mit lanzettlich 
erweiterten Schaftstrichen; deutliche Schwanzbinden und querge- 
bänderte untere Schwanzdeckfedern. Das beschriebene Gefieder 
mit bläulichem Farbenton der dunklen Zeichnung ist frisch, nicht 
abgerieben. 

Ganz abweichend sind auf den Oberflügeln und dem Mittel- 
rücken fahlbraune, einfarbige, abgeriebene, offenbar ältere Federn 
zahlreich untermischt. Das Exemplar ist ein ausgefärbter Vo- 
gel mit fahlbraunen Resten des Jugendkleides: eine Entwickelung 
von II. a. in eine Mittelfärbung zwischen II. b. und I. b. 

3. Ein Weibchen im Winter, aus Grönland. 

Die Oberseite ist schwarzgrau, am Vorderrücken die Federn 
mit weisslichen, quergestellten Randflecken, auf dem Hinterrücken 
mit nicht durchgehenden blauweis slichen Querbinden, die oberen 
Schwanz deckfedern mit durchgehenden blauweisslichen Querbin- 
den j auf der Brust länglich runde Flecke, auf den Weichen- und 
Hosenfedern dunkle Querbinden; der Scheitel gleichmässig schwarz- 
grau; die Federn des Hinterhalses schwarzgrau mit breiten weiss- 
lichen Randflecken; die Schwanzfedern mit nicht ganz durch- 
gehenden gesprenkelten weisslichen Querbinden; die untern 
Schwanzdeckfedern quergebändert. Das beschriebene Gefieder 
mit bläulichem Farbenton ist frisch, nicht abgerieben. Auf dem 
Mittelrücken sind einzelne einfarbig fahlbraune, an den Rändern 
abgeriebene ältere Federn des früheren Kleides eingemischt. Das 
Exemplar ist offenbar ein ausgefärbter Vogel mit Resten des 
Jugendkleides: eine Entwickelung von H. a. in IL b. 

4. Ein Weibchen im Winter, aus Grönland. 

Die Oberseite ist dunkel-schwarzgrau, vorn mit rundlichen 
breiten Randflecken, hinten auf dem Rücken mit nicht ganz durch- 
gehenden weissen Querbinden; die Brust hat länglichrunde Tropfen- 



Ueber die nordischen Jagdfalken. 53 

flecke; die Weichen- und Hosenfedern mit dunklen Querbinden; 
der Schwanz und die untern Schwanzdeckfedern quergebändert. 
Sämmtliche beschriebene Federn in frischem Zustande. An den 
Seiten des Rückens sind einfarbig fahlbraune, abgeriebene ältere 
Federn untermischt. 

Der Vogel ist offenbar eine Entwickelung von II. a. in II. b. 

B. Exemplare mit fahlbrauner dunkler Längszeichnung, deren 
Gefieder einzelne noch nicht vollständig ausgebildete, frische Fe- 
dern mit bläulicher, dunkler Querzeichnung untermischt sind, 
a. Mit vorherrschend dunklem Federgrunde. 

5. Ein Männchen aus Grönland, im Winter. 

Die Oberseite fahlbraun, mit lichtfahl abschattirten Feder- 
kanten und weisslich- geflecktem Oberflügel; die Scheitelfedern 
weisslich mit dunklen Schaftflecken; der Hinterhals dunkel, fahl- 
braun; die Federn der Unterseite mit langgestreckten dunklen 
Schaftflecken, auf den Weichen und den Hosen rundliche scharfe 
weissliche Querflecke in den dunklen Schaftflecken; auf den un- 
tern Schwanzdeckfedern dunkle Schaftflecke mit scharfen dunklen 
Querbinden; die Schwanzfedern mit nicht durchgehenden undeut- 
lichen Querbinden. 

Das ganze Gefieder ist ziemlich gleichmässig mit etwas ab- 
genutzten Rändern. Die fahlbraunen einfarbigen Federn sind auf 
dem Hinterrücken noch nicht ganz ausgebildete bläulich-schwarze 
neue Federn, mit nicht ganz durchgehenden weisslichen Quer- 
binden untermischt. 

Das Exemplar zeigt offenbar eine Entwickelung von II. a. 2. 
in II. b. 

6. Ein Männchen aus Grönland, im Winter. 

Die Federn der Oberseite fahlbraun, mit breiten weisslichen 
Rändern, auf dem Oberflügel weisslich gefleckt; die Unterseite 
und die untern Schwanzdeckfedern mit länglichen Schaftflecken; 
die Scheitelfedern weisslich mit breit lanzettlichen dunklen Schaft- 
flecken; die Schaftstriche am Hinterhalse nach der Federspitze 
keilförmig erweitert; auf den Schwanzfedern nicht durchgehende 
weissliche Querbinden. 

Diesem gleichmässig ausgebildeten Gefieder sind auf dem 
Bürzel bläulich -schwarz und weissbläulich quergebänderte , noch 
nicht ganz ausgebildete jüngere Federn eingesprengt. 

Es ist das offenbar eine Entwickelung von IL a. 2. in H. b. 



54 Prof. Dr. J. H. Blasius: 

7. Ein Weibchen aus Grönland, im Winter. 

Die Federn der Oberseite sind blass-fahlbraun mit fahlweiss- 
lichen Kanten und rostweisslichen Flecken; die Unterseite mit 
dunklen langgestreckten Schaftflecken; die Scheitelfedern weiss 
mit dunklen Schaftflecken; die Schaftflecke an den Hinterhals- 
federn nach der Federspitze keilförmig erweitert; die Schwanz- 
federn mit nicht durchgehenden weissen Querflecken, die Mittel- 
federn fast einfarbig braun. 

Diesem gleichmässig ausgebildeten Gefieder sind auf der 
oberen Schwanzdecke blauschwärzlich und blauweisslich querge- 
bänderte frische Federn eingemischt. 

Das Exemplar ist eine Entwickelung von II. a. 2. in II. b. 

8. Ein Männchen aus Island. 

Die Federn der Oberseite sind blass - fahlbraun mit breiten 
weissen Kanten und weissen Flecken auf dem Oberflügel; auf 
den obern Schwanzdeckfedern nicht durchgehende weisse Quer- 
binden; auf der Unterseite dunkle Schaftstriche; die Kopffedern 
sind weiss, mit schmalen dunklen Schaftstrichen; die Schaftstriche 
des Hinterhalses nach der Federspitze keilförmig erweitert. 

Diesem gleichmässigen abgeriebenen Gefieder sind auf dem 
Mittelrücken noch nicht ganz ausgewachsene, schwärzlich-blaugraue 
Federn mit blauweisslichen, vom Rande aus nicht ganz durch- 
gehenden Querbinden, eingesprengt. 

Der Vogel ist offenbar in der Entwickelung von II. a. 2. 
in IL b. 

b. Mit vorherrschend weissem Federgrunde. 

9. Ein Männchen aus Grönland. 

Das Gefieder ziemlich weiss; die Federn der Oberseite mit 
breiten fahlbraunen Schaftflecken, die im verdeckten Federgrunde 
mit schiefen, vorn fast durchgehenden weissen Querflecken be- 
zeichnet sind; die Scheitelfedern weiss, mit schal linealen Schaft- 
strichen; die Schaftstriche des Hinterhalses nach der Federspitze 
keilförmig erweitert; auf der Unterseite tropfenartig erweiterte 
dunkle Schaftstriche ohne Querzeichnung; der Schwanz gebändert; 
die untern Schwanzdeckfedern fast rein weiss. 

Diesem gleichmässigen Gefieder sind auf der Mitte des 
Rückens kleine, kaum halbausgewachsene jüngere Federn von 
bläulich- schwarzer Farbe mit weissen Querbinden eingesprengt. 

Offenbar eine Entwickelung von I. a. in I. b. 



Ueber die nordischen Jagdfalken. 55 

10. Ein Männchen aus Grönland. 

Ganz ähnlich dem vorhergehenden im Gesammtgefieder von 
fahlbrauner und weisser Färbung. 

Auf dem Bürzel sind jüngere, noch nicht ganz ausgebildete 
bläulich-schwarze, deutlich quergebänderte Federn eingesprengt. 

Ebenfalls eine Entwickelung von I. a. in I. b. 

Alle Exemplare zeigen deutlich, dass der blauschwärzlichen 
Färbung eine fahl- oder rostbräunliche, dass der Querzeichnung 
eine Längszeichnung vorausgeht: dass man die fahlbraune Längs- 
zeichnung als die des jüngeren Vogels, die blauschwärzliche Quer- 
zeichnung als die des älteren Vogels, sowohl bei vorherrschend 
grauen, als bei vorherrschend weissem Gesammtgefieder, anzu- 
sehen habe. 

Von Island habe ich Nestjunge mit noch nicht ganz ausge- 
wachsenen Schwanz- und Flügelfedern in Händen gehabt, die ein 
fahlbraunes Gefieder mit Längszeichnung der Unterseite hatten. 
Es liegt nahe, in dem fahlbraunen Gefieder mit Längszeichnung 
im Allgemeinen das Jugendkleid, in dem bläulich-schwärzlichen 
Gefieder mit Querzeichnung das ausgefärbte, mindestens einmal 
vermauserte Kleid des ausgebildeten alten Vogels zu er- 
blicken. 

Ist der Vogel einmal vermausert, so behält er den bläulich- 
schwärzlichen Farbenton der dunklen Zeichnung constant bei, wie 
Albertus Magnus ausdrücklich andeutet. Ebenso spricht Albertus 
von einer anderen Färbung, die im ersten Jahre bräunlich, 
also noch im Jugendkleide, nach öfterem Mausern immer weisser 
werde. An der selbstständigen Beobachtung ist kaum zu zwei- 
feln. Auch die offenbar aus dem Leben gegriffenen Färbungs- 
entwickelungen, wie sie Kaiser Friedrich andeutet, stimmen mit 
dieser Ansicht überein. 

Nur ein weisses Exemplar besitze ich unter drittehalbhundert, 
die ich untersucht, das einzige, welches auf den ersten Blick 
Zweifel an einer solchen Ansicht zulässt. 

Es ist ein weisses Männchen von Island. Die dunkle 
Zeichnung der Oberseite ist fahlbraun; alle Federn des Rückens 
sind mit sehr breiten, schief verlaufenden Querbinden durchzogen, 
von denen die letzte dunkle Binde aber nicht als abgerundeter 
Querfleck, sondern als zugespitzter Pfeilfleck an der Federspitze 
frei vorsteht; die Oberflügel weiss quergebändert; die Scheitel- 
federn weiss mit schmallinealen Schaftstrichen, die auf den Fe- 



56 Prof. Dr. J. H. Blasius: 

dem des Hinterhalses nach der Federspitze sich keilförmig er- 
weitern; die Unterseite hat länglichrunde, in der Mitte tropfen- 
artig erweiterte Schaftflecke ohne Querzeichnung. 

Der Vogel ist offenbar jung. Schiefe weisse Querzeichnung 
auf den dunklen Federn der Ober- oder Unterseite ist nur ein 
Zeichen des Jugendkleides; bei alten Vögeln steht die Querzeich- 
nung senkrecht zum Federschaft. Auch die spitzen Pfeilflecke 
auf den obern Federspitzen sprechen für den Jugendzustand. 
Und vor Allem die fahlbraune dunkle Färbung. 

Das Exemplar ist ein Belag, dass die Art auch in der Zeich- 
nung sich weite Grenzen gesteckt hat. 

Diese weiten Grenzen zeigen sich vielfach. Bei den dunk- 
len Falken mit Querzeichnung zeigt sich die Querzeichnung der 
Oberseite in allen Uebergängen von bläulich - weisslichen Quer- 
flecken am Rande bis zu durchgehenden hellen Querbinden. Die 
weissen Falken haben auf dem Rücken theils durchgehende 
dunkle Querbinden, theils rundliche, nur einen Theil der Feder- 
breite einnehmende Querflecke. Die Fahlbraunen mit Längszeich- 
nung kommen vollkommen einfarbig, mit schmalen und mit breiten 
weisslichen Federkanten der Oberseite, mit gefleckten und unge- 
fleckten Oberflügeln, mit weissliehem und einfarbig braunem Schei- 
tel vor. Die weissen mit fahlbrauner Längszeichnung haben oft 
sehr breite, oft schmallineale Schaftflecke auf dem Hinterrücken 
und breite Schaftflecke bis zu ganz schmalen Schaftstrichen auf 
der Unterseite. Auch die Grundfärbung ist nicht gleichförmig. 
Die weissen Falken mit Querzeichnung sind auf der Oberseite 
oft rein weiss, oft bläulichweiss ; die weissen mit Längszeichnung 
oben oft rostfarbig überflogen. Die dunkle Färbung der grauen 
Falken mit Querzeichnung ist oft bläulichschwarz, in allen Ueber- 
gängen bis zu einem bläulichen Grau; die helle Querbänderung 
auf der Oberseite von einem bläulichen Grau bis zu reinem Weiss 
in allen Abstufungen. 

Welche Bedeutung haben diese Verschiedenheiten? Die jetzi- 
gen Ornithologen wissen darüber wenig aus eigener Beobachtung 
an lebenden Thieren zu sagen. Vermuthungen können nur nach 
Analogien aufgestellt werden, und müssen dann auf Bestätigung 
warten. Alles, was wir wissen, ist vielleicht in den wenigen An- 
deutungen von Albertus Magnus und Kaiser Friedrich II. ent- 
halten: Nach beiden Beobachtern wird die weisse Färbung der 
Oberseite durch wiederholte Mauser immer weisser, reiner und 



Ueber die nordischen Jagdfalken. 57 

klarer. Nach Kaiser Friedrich werden die schwärzlichgrauen nach 
der Mauser düster gefärbt, die auf der Oberseite nicht gefleckten 
hellgrau, und die starkgefleckten hanffarbig. 

Diese Mannichfaltigkeit der Zeichnung und Färbung führt 
aber zu der letzten wichtigen Frage: als was hat man die weissen 
und grauen Falken anzusehen? Als verschiedene Arten oder als 
Abarten, Ausartungen, oder Rassen ein und derselben Art mit 
vielleicht localer Bedeutung? Thatsachc ist, dass die meisten 
entweder entschieden weiss, oder entschieden grau sind, dass es 
aber auch Mittelfärbungen zwischen beiderlei Exemplaren giebt, 
und dass es nach der blossen Färbung kaum möglich sein würde, 
scharfe Unterscheidungen innerhalb der ganzen Reihe fest zu stellen. 

Kaiser Friedrich fällt es nicht ein, eine specifische Unter- 
scheidung machen zu wollen; alle Falkoniere finden keinen we- 
sentlichen Unterschied im Naturell. Unter den neueren hat Hol- 
böll die Jagdfalken im Freien am ausgedehntesten beobachtet. 
In seinem ornithologischen Beitrag zur Fauna Grönland's, Leip- 
zig J854, finde ich nichts, was nur entfernt an die Behauptungen 
Kjaerbölling's, Naumannia 1855. S. 228 u. 493, erinnern könnte, 
wohl aber wichtige Aussprüche über die vorliegende Frage. 
Er sagt S. 18: „Ich habe mehrere brütende Päärchen gesehen, 
von denen der eine Vogel hell war, der andere dunkel, und so- 
wohl hell gefärbte als dunkle Männchen beim Neste erlegt. Nur 
ein einziges Mal erhielt ich ein Falkennest mit 4 Jungen, von 
denen das eine blaugrau, fast ohne Abzeichen, die andern da- 
gegen sehr hell mit hellbraunen Streifen waren. Die freilich we- 
nigen Male, dass ich dergleichen Beobachtungen anstellen konnte? 
veranlassen mich zur Annahme, dass die weisse Farbe in Nord- 
grönland vorherrscht, wo das erwähnte Nest ausgenommen wurde, 
während in Südgrönland mehr dunkle Farben ausgebrütet werden." 

Das scheint auf ein Verhältniss hinzudeuten, wie es zwischen 
Corvus Corone und C. Cor nix, oder zwischen den beiden 
Rassen der Bussarde, der dunklen quergefleckten und der hellen 
längsgefleckten Form, besteht. Bei den zahlreichen Mittelformen 
wird an eine Speciestrennung in dieser Richtung noch weniger 
zu denken sein, als bei den beiden Krähen. 

Dass Unterscheidungen, wie sie bisher von Linne', BriöSOD, 
Brehm, Hancock, Kjaerbölling und mir selber versucht worden, 
nicht haltbar sind, bedarf wohl keiner weiteren AusiMiiaml Er- 
setzung. Alles Erwähnte scheint darauf hinzudeuten, dass die 



58 Prof. Dr. J. H. Blasius : Ueber d. nord. Jagdfalken. 

grossen nordischen Jagdfalken nur einer einzigen Art angehören, 
und nicht einmal in Nebenarten oder Varietäten zu spalten sind, 
wie sie Schlegel aufstellt. Die einzige, aber keineswegs scharfe 
Sonderung, die noch möglich scheint, mag die in eine helle und 
dunkle Rasse sein. 

Beide scheinen in der Jugend fahlbraune Färbung oder Zeich- 
nung der Oberseite und Längszeichnung der Unterseite, im ein- 
mal vermauserten Kleide bläulichgraue oder blauschwärzliche 
Querzeichnung der Oberseite und der Weichen- oder Hosenfedern 
zu besitzen. Die grauen scheinen in der Jugend mit einfarbig 
fahlgraubrauner Oberseite und mit geflecktem Gefieder, mit ein- 
farbig dunklem und mit weisslichem Scheitel vorzukommen. 
Darüber, wie diese verschiedenen Abweichungen sich bei den 
aufeinander folgenden Mausern verhalten, bestehen keine aus- 
reichende Beobachtungen. 

In welchem Verhältniss steht nun der kleine, graue scandi- 
navische zu den grossen nordischen Jagdfalken? 

Ich kann nicht läugnen, dass in meinen Augen die irrige 
Ansicht, der scandinavische Gierfalke habe eine ganz abwei- 
chende Entwickelung in der Zeichnung, eine Hauptstütze für die 
Artselbstständigkeit zu sein schien. Sie besteht nicht; sehen wir, 
was bleibt. 

In der Färbung und Entwicklung der Zeichnung und Fär- 
bung bietet er die genaueste Analogie zu den grauen nordischen 
Jagdfalken dar: eine Uebereinstimmung, die für die Falken ver- 
schiedener Art ohne Gleichen ist. Die jungen Vögel, sowohl die 
auf der Oberseite einfarbig graubraunen, als die mit weisslichem 
Scheitel und weisslichen Flecken der Oberseite, sind gar nicht 
in der Färbung und Zeichnung von den grauen nordischen zu 
unterscheiden. Die alten Vögel sind in der Zeichnung gar nicht 
von den alten nordischen verschieden, sollen sich aber durch 
etwas dunklere Färbung der Oberseite von jenen trennen. Gross 
kann der Unterschied nicht sein, und allgemein scheint er auch 
nicht; ich besitze blaugraue alte Isländer und Grönländer, die in 
der Rückenfärbung den Norwegern nicht nachstehen. Ich halte 
es nicht für möglich, an der Färbung die alten Vögel zu unter- 
scheiden, auch wenn man sie nebeneinander hat. 

Von äusserlichen Charakteren bleibt nur die Grösse übrig. 

Die Flügellänge der nordischen Weibchen schwankt nach 
zahlreichen Messungen zwischen 15" 9'" und 15"; die der Weib- 



Die Vertheil. d. Psittacid. üb. d. Inseln d. ostind. Archip. 59 

chen der Scandinavier zwischen 14" 8'" und 14" 6'"; die der 
nordischen Männchen bewegt sich zwischen 14" und 13" 6"'; die 
der Scandinavier zwischen 13" 6"' und 13" 2"'. Die Weibchen 
des scandinavischen Gierfalken sind grösser, als die Männchen 
der nordischen Jagdfalken. 

Kennt man die Heimath und das Geschlecht nicht, so ist 
eine Unterscheidung nach äusseren Merkmalen unmöglich; aber 
auch wenn man dieser Beziehungen sicher ist, kann man auf 
eine scharfe sichere Sonderung nicht rechnen, da die Grenzen der 
entsprechenden Geschlechter dicht aneinander liegen. 

Aber kleiner ist der Scandinavier, und ein anderes Naturell 
schreiben ihm die Falkoniere zu. Das sind vielleicht unläugbare 
Naturverhältnisse! Sie führen uns wieder zu dem unvermeidlichen 
Conflicte zwischen dem Begriffe von Arten und örtlichen Varie- 
täten, der vorläufig noch ungelöset ist. 

Braunschweig, im Januar 1862. 



Die Verkeilung der Psittaciden über die Inseln des 
ostindischen Archipels. 

Von 
H v. Rosenberg, 

Niederländisch -indischem Regierungsbeamten. 

Nachstehende Uebersicht, welche den Ornithologen hoffent- 
lich nicht unwillkommen sein wird, stützt sich zum grösseren Theil 
auf eigne Anschauung, zum kleineren auf Mittheilungen glaub- 
hafter Personen. Die mit einem Sterne bezeichneten Inseln und 
Arten habe ich, was Erstere betrifft, persönlich besucht, und was 
Letztere anbelangt, selbst beobachtet. 

* Sumatra. 

* 1. PsittacuSj Palaeornis barbatulatus. 

* 2. „ Agapornis malaccemis. 

* 3. „ Loriculus galgulus. 

Drei Arten, welche wir auf Borneo wiederfinden werden. 
No. 1 fand ich an der Westküste nur auf der Insel Nias; No. 2 
lebt in den höheren Gegenden des Inneren, namentlich in den 
Distrikten Ankola und Mandheling; No. 3 endlich -— „Beizung 



60 H. v. Rosenberg: Die Vertheilung der 

Sündd" der Malaien — findet sich überall in den Strandgegenden 
und wird häufig im Käfig gehalten. 

* Java. 

* 1. Psittacus, Palaeornis pondicerianus. 

* 2. „ Loriculus vernalis. 

No. 1 fand ich vorall häufig in einem Bambuswäldchen in 
der Nähe von Buitenzorg, dem Landsitze des Generalgouverneurs. 
Jeden Abend, kurz vor Sonnenuntergang, versammeln sich da- 
selbst Schaaren dieser Vögel aus der ganzen Umgegend, um 
dort gemeinschaftlich zu übernachten, wobei es nicht an. Ge- 
schrei und Zänkerei gebricht, ehe alles zur Ruhe kommt. Der Ja- 
vane nennt den Vogel Betet; No. 2, Tj elin dit der Eingeborenen, 
ist ebenfalls häufig und vertritt auf Java seinen Sumatranischen 
Ga ttungs verwandt en . 

Borneo. 

1. Psittacus, Palaeornis barbatulatus. 

2. „ Agapornis malaccensis. 

3. „ Loriculus galgulus. 

* Celebes. 

* 1. Psittacus, Trichoglossus ornatus. 

2. „ Tanygnaihus Mülleri. 

3. „ Prioniturus platurus. 

4. „ Nanodes stigmatus. 

* 5. „ Plyctolophus sidfureus. 

No. 1 findet sich zumal in der Minahassa, dem nördlichsten 
Theile der Insel, sehr häufig; ob No. 2 eine gute Art ist, ver- 
dient noch näher untersucht zu werden, da dieselbe nur auf einem 
bei Papageyen nach meiner Erfahrung öfter vorkommenden 
Grössen-Unterschied beruht; No. 5 sieht man gezähmt beinah vor 
jeder Wohnung. 

B u t o n. 

1. Psittacus, Trichoglossus ornatus. 

2. „ Prioniturus platurus. 

3. „ Plyctolophus sulfureus. 

No. 1 und 3 sind auch hier in Menge anwesend. 
Xulla Inseln. 
1. Psittacus, Trichoglossus ornatus. 
Die einzige Art, gleichfalls sehr häufig. 

* Buru. 

* I. Psittacus, Trichoglossus capistratus. 



Psittaciden über die Inseln d. ostind. Archipels. 61 

* 2. Psittacus, Trichoglossus placentis. 

* 3. „ Eos rubra. 

* 4. „ Eclectus grandis. 

* 5. ,. Psittacodis magnus. 

* 6. y, Tanygnathus macrorhynchos. 
7. „ Aprosmictus 

No. 7, unter dem Namen Arijat bekannt, ist bei Weitem der 
seltenste und leider mir nie zu Gesicht gekommen; ob der Vogel 
zu Aprosmictus amboinensis gehört, muss noch näher untersucht 
werden. Kakatus und Loris fehlen der Insel. 

* Amboina. 

* J. Psittacus, Trichoglossus capistratus. 
„ „ placentis. 
„ Eos rubra. 
„ „ reticulata. 
„ Lorius domicella. 
„ Eclectus grandis. 
,, Psittacodis magnus. 
„ Tanygnathus macrorhynchos. 
„ Geoffroyus personatus. 
„ Plyctolophus moluccensis. 

Alle sind häufig mit Ausnahme von No. JO, welcher eigent- 
lich nicht als Standvogel auf Amboina angesehen werden kann, 
sondern nur von der nahen Küste Ceram's überfliegt. Psittacus 
domicella ist unter dem Namen Linie oderNinrie, und Eclectus 
grandis unter dem von Kastorie bekannt; Ersteren findet man ge- 
wiss in jedem Hause gezähmt vor. Von No. 3 besitze ich in 
meiner Sammlung ein prächtiges Exemplar, welches um die Hälfte 
grösser, und von No. 8 ein solches, das bedeutend kleiner ist 
wie gewöhnlich. 

* Cerain. 

* 1. Psittaczis, Aprosmictus amboinensis. 

* 2. „ Trichoglossus capistratus. 

* 3. » » placentis. 

* 4. „ Eos rubra. 

* 5. „ „ reticulata. 

* 6. „ Lorius domicella. 

* 7. „ Eclectus grandis.. 

* 8. „ Psittacodis magnus. 

* 9. „ Tanygnathus macrorhynchos. 



* 


2. 


* 


3. 


* 


4. 


* 


5. 


* 


6. 


* 


7. 


* 


8. 


* 


9. 


* 


10. 



62 H. v. Rosenberg: Die Vertheilung der 

* 10. Psittacus, Geoffroyus personatus. 

* 11. „ Plyctolophus moluccensis. 

No. 1 der seltenste von Allen, lebt mehr im Inneren, an 
einzelnen Stellen jedoch auch an der Küste, wie z. B. in der 
Nähe von Wahai auf der Nordküste; er ist bekannt unter dem 
Namen Kastorie-Radja, und wird zuweilen lebend nach Amboina 
gebracht, stirbt aber bald in der Gefangenschaft. No. 2 findet 
sich zumal in den strichweise der Nordküste entlang wachsenden 
Kasuarinen, deren Saamen er sehr liebt. No. 3 und 10 finden sich 
nur in manchen Localitäten häufig, während dagegen alle übri- 
gen über die ganze Insel in gleicher Menge verbreitet sind. 
Namentlich gilt dies von No. 11, welchen man als einen der ge- 
meinsten Vögel überall sieht und hört und vor vielen Wohnungen 
gezähmt antrifft. 

Batjan. 

1 . Psittacus, Trichoglossus placentis. 

2. „ Eos ricinata. 

3. „ Lorius garrulus. 

4. „ Psittacodes magnus. 

5. „ Tanygnatkus macrorhynchos. 

6. „ Geoffroyus cyanicollis. 

7. „ Plyctolophus cristatus. 

* Ternate. 
1. Psittacus, Trichoglossus placentis. 

* 2. „ Eos ricinata. 

* 3. „ Lorius garrulus. 

4. „ Psittacodes magnus. 

No. 2 und 3 finden sich ausserordentlich häufig und sind be- 
liebte Hausvögel. 

Halmaheira. 

1. Psittacus, Aprosmictus hypophonius. 

2. „ Eos ricinata. 

3. „ „ coccinea. 

4. „ Lorius garrulus. 

5. „ Tanygnathus macrorhynchus. 

6. „ Geoffroyus cyanicollis. 

7. „ Plyctolophus cristatus. 

No. I soll wie sein Gattungsverwandter auf Ceram mehr im 
Inneren leben. 



Psittaciden über die Inseln d. ostind. Archipels. 63 

* Misool. 

* 1. Psittacus, Chalcopsitta novae Guineae. 

* 2. w Opopsitta Desmaresti. 

* 3. „ „ diophthalma. 

* 4. „ Nasiterna pygmea. 

* 5. >9 Microglossus aterHmus. 

* 6. „ Plyctolophus aequatorialis. 

No. 1 ist nicht selten, lebt in kleinen Truppen und streicht 
bis zur Küste. No. 2 und 3 leben mehr im Inneren. No. 4, 
der seltenste von Allen, ist wegen seiner geringen Grösse und 
grünen Farbe schwierig zu bekommen, und No. 5 wird öfter ge- 
fangen und nach Ternate und Amboina gebracht, woselbst das 
Stück zwanzig bis fünfundzwanzig Gulden gilt. 

* Salawatti. 

* 1. Psittacus, Trichoglossus nigrigulaiis. 

* 2. „ Aprosmictus dorsalis. 

* 3. „ Lorius tricolor. 

* 4. „ Eclectus cardinalis. 

5. „ Opopsitta Desmaresti. 

6. „ „ diophthalma. 

* 7. „ Psittacodis magnus. 

* 8. „ Tanygnathus macrorhynchus. 
9. „ Nasiterna pygmea. 

* 10. „ Microglossus aterrimus. 

* 11. „ Plyctolophus aequatonali8. 

Alle angeführten Arten, mit Ausnahme von No. 9, sind in 
bestimmten Lokalitäten sehr häufig zu finden. 

* Waigeü. 
I. Psittacus, Chalcopsitta rubiginosa. 
2. „ Eos guebensi8. 

* 3. w Lorius tricolor. 

4. „ Psittacodis Stavorini. 

* 5. „ Microglossus aterrimus. 

* 6. w Plyctolophus triton. 

Unzweifelhaft beherbergt die Insel noch mehrere Species 
als die genannten. So sahen Quoy und Gaimard in den Wäldern 
von Kawak einen kleinen schwarzen Kakatu, dessen sie jedoch 
nicht habhaft werden konnten; während meines kurzen Aufent- 
haltes auf Waigeu erfuhr ich jedoch nichts von der Existenz 
eines solchen Kakatus. 



64 H. v. Rosenberg: Die Vertheilung der 

* Neu-Guinea. 

* 1. Psittacus, Aprosmictus dorsalis. 
2. w Charmosyna papuensis. 

* 3. „ „ pectoralis mihi. 

* 4. „ Trichoglossus nigrigularis. 

* 5. „ Chalcopsitta scintillata. 

* 6. „ Eos lencopygialis mihi. 

* 7. „ Lorius tricolor. 

* 8. „ Eclectus cardinalis. 

* 9. „ Opopsitta Desmaresti. 

* 10. ,' ? „ diophthalma. 

* 11. „ Psittacodis magnus. 

* 12. „ Tanygnathus macrorhynchus. 

13. , „ Geofroyus Pucherani. 

14. „ Nasiterna pygmea. 

* 15. „ Microglossus aterrimus. 
16. „ „ Alecto. 

* 17. w Plyctolophus triton. 

No. 3 und 6 entdeckte ich im Mai 1858 gleichzeitig mit dem 
englischen Zoologen R. A. Wallace in der Gegend von Doreh 
und zwar in dem hohen Urwalde hinter dem Dorfe Lonfobie. 
Verschiedenartig schattirtes Braun mit scharlachrother Abzeich- 
nung an Kopf, Bauch und Flügeln und weisser Unterrücken sind 
die Farben von No. 6; merkwürdiger Weise giebt es eine selt- 
nere, genau ebenso gezeichnete Abänderung, welche jedoch gelbe 
Färbung an der Stelle der rothen hat. No. 3 ist ähnlich gezeich- 
net wie Charmosyna papuensis, nur sind die bunten Flecke anders 
auf dem rothen Grunde vertheilt und sieht man auf der Brust 
weisslich gelbe Längsflecke. Microglossus Alecto halte ich für 
keine besondere Art, sondern nur für den jungen M. aterrimus. 
M. Alecto habe ich niemals zu sehen bekommen, wohl aber ver- 
schiedene junge Vögel von M. aterrimus, welche, wie es mir so 
vorkom, sehr auf die Beschreibung von M. Alecto passten. M. 
aterrimus heisst an der Nordwestküste Kasmalos, und ist ziemlich 
häufig, sowohl am Strande, wie mehr im Inneren. Der gemeinste 
von Allen aber ist Plyctolophus triton, welcher streng genommen, 
kaum zu unterscheiden wäre von Plyctolophus galeritus. Zufolge 
Aussage der wilden Bewohner, lebt im Inneren ein langgeschwänz- 
ter schwarzer Kakatu mit befiederten Wangen , der M. aterrimus 



Psittaciden über die Inseln d. ostind. Archipels. 65 

weit an Grösse übertreffen soll, und demnach wahrscheinlich der 
grösste aller Psittaciden wäre. 

Inseln im Geelvinks-Busen. 

* 1. Psittacus, Eos cyanogenia. 
2. „ „ semilarvata. 

* 3. „ Lorius superbus. 

4. „ Dasyptilus Pecqueti. (?) 

Nr. 1 und 3 erhielt ich während meines Aufenthaltes zu 
Doreh lebendig, von welchen Exemplaren noch im Augenblicke 
einige am Leben sind. Von No. 4 kennt man bekanntlich bis 
jetzt nur ein einziges Exemplar, dessen näheres Vaterland noch 
immer ermittelt werden muss. 

Aru-Inseln. 

* 1. Psittacus, Trichoglossus nigrigularis. 
2. „ „ coccineifrons. 

* 3. „ • „ placentis. 
4. „ Chalcopsitta scintillata. 

* 5. „ Eclectus cardinalis. 

* 6. „ Opopsitta diophihalma. 

* 7. „ Psittacodis magnus. 

8. „ Geoffroyus aruensis. 

9. „ Microglossus intermedius. 

* 10. „ Plyctolophus triton. 

Alle aufgezeichnet nach einer Angabe des Herrn Wallace. 
Ob Microgl. intermedius eine wohl zu unterscheidende Species 
wäre, bezweifle ich noch mehr wie bei M. alecto. 

Key-Inseln. 

* 1. Psittacus, Trichoglossus placentis. 

* 2. „ Eos 

* 3. „ Psittacodis magnus. 

und wahrscheinlich noch einige andere Arten. No. 2 ist reiner 
gezeichnet wie Eos reticulata und mit einem himmelblauen Fleck 
auf dem Ohre. 

Tenimber. 

1. Psittacus, Eos 

ein niedliches Thier, welches ich zu Amboina einige Zeit lebend 
besass, mir jedoch auf unbegreifliche Weise abhanden kam. Die 
Farbe ist roth mit schwarz, mit breiten ultramarinblauen Längs- 
flecken auf dem Rücken. Der Vogel ist selten zu bekommen. 

Jouru. f. Ornith.,X. Jahrg. Nr. 55, Januar, 1882. 5 



60 H. v. Rosenberg: Die Vertheilung der 

Wahrscheinlich leben auf der Insel noch verschiedene der timo- 
resischen Arten. 

* Banda-Inseln. 

* 1. Psittacus, Eos rubra. 

* 2. „ Trichoglossus capistratus. 

* Timor. 

* 1. Psittacus, Platyccrcus vulneratus. 

2. „ Trichoglossus haematodus. 

3. „ Belocercus euteles. 

4. „ „ iris. 

5. „ Geoffroyus personatus. 

* 6. „ Plyctolophus citrinus. 

Alle aufgezählt nach einer Angabe von S. Müller. 
Sumbawa. 
1. Psittacus y Trichoglossus Forsteni 
und wahrscheinlich noch einige andere Arten. 

Zu Anfange dieses Jahres sah ich auf Hila ; einem Dorfe auf 
der Westküste von Amboina, einen kleinen weissen Kakatu mit 
scharlachrother Iris, welche sonst immerwährend und bei allen 
Arten dunkelbraun gefärbt ist; woher der Vogel gekommen, 
wusste mir der Eigenthümer nicht zu sagen. Eclectus Carolinae, 
Psittacodis intermedius und Westermanni ? Tanygnathus marginatus 
und Plyctolophus chrysolophus sind mir bis jetzt noch nicht zu 
Gesicht gekommen. 

Betrachten wir die in vorstehender Uebersicht genannten 
Inseln nach der Anzahl der Arten, welche auf jeder Gruppe 
leben, und fangen wir mit derjenigen Insel an, welche die mei- 
sten Arten zählt, so erhalten wir nachstehende Reihenfolge: 

Neu - Guinea mit 17 Arten, 

Ceram 

Salawatti 

Amboina 

Aru 

Bürü 

Batjan 

Halmahera 

Misool 

Waigeü 

Timor 

Celebes 



| „ io 



Psittaciden über die Inseln d. ostind. Archipels. 67 





Ternate 






^ , . , f } mit 4 Arten, 
Geelvinks Ins J 




Sumatra 






Borneo 


( 3 




Buton 






Key 




J 




Java 




1) * ii ' 




Xulla 








Tenimber 


[ » " 




Sumbawa 


) 


Fassen 


wir die Arten 


zusammen, so fänden sich nachfolgende 


aufgezählt,. 


von welchen 


ich die mit * bezeichneten in meiner 


Sammlung besitze. 






* 


Psittacus, 


Palaeornis barbatulatus. 


* 


?? 




„ pondicarianus. 




» 


Nanodes stigmatus. 




» 


Platycercus vulneratus. 


* 


>> 


Api 


'osmictus amboinensis. 




>> 




„ hypophonius. 


* 


» 




„ dorsalis. 




>> 




..... (Buru.) 


* 


?> 


Charmozina papuensis. 


* 


» 




„ ' pectoralis. 




>> 


Trichoglossus haematodus. 


* 


>> 




„ capristratm. 


* 


» 




„ nigrigularis. 


* 


>> 




„ ornatus. 




» 




„ coccineifrons. 




>> 




„ Forsteni. 


* 


>> 




„ placeniis. 


* 


?> 


Chalcopsitta novae Guineae. 




» 




„ scintillata. 


* 


>> 


Eos rubra. 


* 


>> 


,v 


reticulata. 


* 


» 


» 


ricinata. 




>> 


99 


coccinea. 




)> 


» 


guebensis. 


* 


11 


11 


leucopygiaUs. 


* 


11 


n 


cyanogenia. 




11 


1} 


senü larvata. 



68 H. v. Rosenberg: D, Verth. d. Psittaciden d, ostind. Archip. 



* 


Psittacus, 


, Eos (Key.) 




11 


j) (Tenimber.) 


* 


i) 


Lorius garrulus. 


* 


11 


„ domicella. 


* 


11 


„ tricolor. 


* 


11 


„ superbus. 


* 


11 


Eclectus grandis. 


* 


11 


„ cardinalis. 


* 


11 


Psittacodis magnus. 




11 


„ Stavorini. 


* 


11 


Tanygnathus macrorhynchus. 




11 


„ Mulleri. 




11 


Balocercus euteles. 




11 


„ iris. 




11 


Prioniturus platurus. 


H 


11 


Geoffroyus personatus. 




11 


„ cyanicollis. 




11 


„ Pucherani. 




11 


„ aruensis. 


* 


11 


Opopsitta Desmaresti. 


*♦ 


11 


„ diophthalma. 


* 


11 


Loriculus galgulus. 


* 


11 


Loriculus vernalis. 




11 


Agapornis malaccensis. 


# 


11 


Nasiterna pygmea. 


fr 


11 


Micro glossus aterrimus. 




11 


„ interrnedius. 




11 


„ Alecto. 




11 


Plyctolophus cristatus. 


* 


11 


„ moluccensis. 


* 


11 


„ Triton. 


* 


11 


„ aequatorialis. 


# 


11 


„ sulfureus. 




11 


„ citrinus. 




11 


Dasyptilus Pecqueti. 



Im Ganzen 62 Arten, welche man ohne Uebertreibung auf 70 bis 
75 bringen« kann , sobald manche Inseln, zumal das Innere von 
Neu-G-uinea, zugänglicher geworden sein werden. 
Südküste von Ceram, im Juli 1861. 



F. de Filippi: Ueber einige Vogel-Milben. 69 

Literarische Berichte. 

Ueber einige Vogel-Milben nach Prof. Filippo de Filippi 

in Turin. 

(Estratto dall' Archivio per la Zoologia, Anatomia 

c Fisiologia, mese di Giugno 1861.) 

Von Dr. R. Albrecht 

Wenn die Entdeckung neuer Vogelmilben zunächst am 
meisten den Entomologen interessiren wird, so liegt sie doch 
auch dem Ornithologen nicht ganz fern, zumal, wenn, wie Hr. 
Prof. Filippi gefunden hat, in jedem Individuum einer gewissen 
Vogelart eine bestimmte Milbenart, in verwandten Vogelarten 
verwandte Milbenarten sich finden, so dass man aus den verwandten 
Vogelarten auf verwandte Parasiten und aus verwandten Para- 
siten auf verwandte Wirthsthiere schliessen kann. Nachdem 
Gene in dem Unterhautzellgewebe über dem grossen Brustmus- 
kel an der Stria flammea constant eine Milbenart gefunden hatte, 
fand Filippi eine verwandte Art an derselben Körperstelle, 
constant an allen von ihm untersuchten Ardea nycticorax , eine 
andere Art bei einer A. garzetta und eine dritte bei mehreren 
Alcedo ispida. Jedoch konnte er bei den verwandten Vögeln 
A, purpurea, cinerea, minuta keine Milben finden. Die gefunde- 
nen stellt er als neues Genus Hypodectes auf und beschreibt sie 
so : „Hypodectes nycticoracis hat einen ziemlich länglichen Körper, 
ist l,30 mm - lang; die Glieder sind wenig entwickelt, es fehlen 
ihnen die wahren Ambulacren der Sarcoptiden, oder sind kaum 
angedeutet an der vorderen Extremität und zwar durch einen 
kleinen cylindrischen und gebogenen Fortsatz, welcher sich von 
der Basis des letzten Gliedes ausdehnt, welches an allen Extre- 
mitäten lange Borsten, die längsten an den Hinterfüssen trägt. 
Ich habe an jeder Extremität fünf Glieder gezählt. Die Epime- 
ren sind sehr entwickelt, die vorderen besonders; die des ersten 
Fusspaares berühren sich längs der Mittellinie des Körpers, die 
folgenden sind grösser, lassen zwischen sich einen kleinen Raum 
und ähneln durch ihre Form gleichsam zwei Flügeln. Es ist sehr 
schwer, genau die Mundorgane zu bestimmen. Man könnte sagen, 
dass sie an einander gelöthet sind. Der Mitteltheil scheint in 
der That die Oberlippe und die in ein Stück vereinigten Kiefer 
darzustellen. Die beiden Seitenthcile , welche ihnen angeheftet 
sind und die sich durch dieselbe braune Farbe der Epimeren 



70 F. de Filippi: 

auszeichnen, sind wahrscheinlich die Fühler. In einiger Entfer- 
nung von den Hintergliedern und in der Mittellinie des Bauches 
stellt eine kleine, durch zweihornige Scheiden geschützte Längs- 
spalte den Geschlechtsapparat dar. In der entgegengesetzten 
Körperseite sieht man eine hornige Stirnplatte und zwei sehr 
verlängerte Rückenplatten." 

„Was die innere Organisation dieser Art betrifft, so sind der 
besonderen Aufmerksamkeit drei Augen oder Aeugelchen würdig, 
die unter der Form von drei Körperchen mit rothein Pigment, 
die innerlich d. h. unter den Bedeckungen der Bauchfascie an 
den entsprechenden Theilen der Oesophagus- Ganglinmasse gela- 
gert sind. Das mittlere Auge ist auf der Brustbeinlinie, die durch 
das Berühren der beiden Epimeren der vorderen Extremitäten 
gebildet wird, die beiden andern in dem Felde der beiden fol- 
genden Epimeren gelegen." 

„Sehr verwandt dem H. nycticoracis durch die gesammte Ge- 
stalt und durch die Grössenverhältnisse und die Gegenwart der 
drei Augen, an derselben Stelle ist H. garzettae, der kaum durch 
eine verschiedene Form und Stellung der Kopf- und Rücken- 
platten unterschieden ist. Den beiden andern Arten in der Strix 
flammea und Alcedo ispida fehlen die Augen, sie haben einen 
kürzeren Körper und deshalb einen kürzeren Zwischenraum zwi- 
schen den beiden vorderen und den beiden hinteren Fusspaaren. 
Die Charaktere an den Füssen, dem Mund und zum Theil auch 
an den Epimeren, sind auch ihnen als Charaktere des Genus ge- 
meinschaftlich. Ein anderer wichtiger, allen vier Hypodectes- 
Arten gemeinschaftlicher Umstand ist der, dass alle Individuen 
unverehelicht (agami) und in demselben Grade der Entwickelung 
sind; es finden sich nie jüngere oder ältere. Um es genauer 
auszudrücken, so sind sie wegen der Gegenwart der normalen 
Fusszahl keine Larven und wegen des Mangels an Geschlechts- 
organen keine vollkommen reife Individuen. In dieser Hinsicht 
und wegen des Mangels an einem deutlichen Mund, haben die 
Hypodectes etwas gemeinsames mit jener eigenthümlichen Art der 
Acariden, auf die Duj ardin sein Genus Hypopus gegründet hat. 
(Ann. des sc. nat. 3 me serie tom. 12). Sie stellen einen Ueber- 
gangszustand dar, den man Nympfe oder zweite Larve nennen 
kann. Die letztere Bezeichnung ist meines Erachtens vorzuziehen, 
da sie den einfacheren Gedanken an eine Hypermetamorphosis 
einiger Acariden entsprechend der einiger parasitischen Insekten 



Ueber einige Vogel-Milben. 71 

zulässt. Auch bin ich geneigt, in den Augen mit rothem Pigment 
der Reiher - Hypodectes einen Larven - Charakter zu sehen, wie 
auch in Analogie mit vielen andern Thieren, die nur im Larven- 
zustand mit Augen versehen sind, und wegen der rothen Farben 
des Pigments, die im Allgemeinen rudimentären und vergäng- 
lichen, oder Augen beim Beginn der Entwickelung eigen sind." 

Camba jun., Custos am zoologischen Museum in Turin, hat bei 
4 Ardea nycticorax, in der Gegend der Parotis, eine andere Milbe 
gefunden, die F. 2\% Hypodectes par oticus so beschreibt: „Ihre 
Dimensionen sind viel kleiner als die Hyp. nycticoracis , da sie 
nicht mehr als l,5 mm - in der Länge messen. Ihre Form ist weni- 
ger verlängert, durch welche Charaktere, wie auch durch die an 
den Epimeren sie mehr den beiden andern Arten bei Stria flam- 
mea und Alcedo ispida ähnelt, ausser dass sie sich von denen so- 
gleich durch die Gegenwart der 3 innern Augen, wie sie bei den 
beiden Arten beider Reiher vorkommen, unterscheidet." Die ge- 
fundenen Hypodectes-Arten stellt Filippi so neben einander: 

A. Körper ziemlich verlängert. Der Abstand zwischen dem 
zweiten und dritten Fusspaar beträgt ungefähr das Doppelte von 
der Körperbreite. Die Zweige der Epimeren der beiden ersten 
Fusspaar e fliessen in der Art zusammen, dass sie einen Zwischen- 
raum umschreiben. Die beiden Zweige der Epimeren des dritten 
und vierten Fusses sind von beiden Seiten mit ihrer Extremität 
an ein gemeinsames Hornstück geheftet: 

^ . . [ Hypod. nycticoracis. 

a. Drei innere Augen \ * r ü 

t „ garzettae. 

b. Ohne Augen?? 

B. Körper nicht viel verlängert. Der Abstand zwischen dem 
zweiten und dritten Fusspaar ist ungefähr gleich der Körperbreite. 
Die einzelnen Zweige der Epimeren sind an ihrer Extremität frei. 

a. Drei innere Augen, Hypod. paroticus. 

. a. Im alcedinis. 

b. Ohne Augen . . 

\ „ stngis. 

In demselben Heft des Archivio per la Zoologia etc. giebt 
Filippi Nachricht von einer hinguatula (Pentastomum), die er bis- 
weilen bei Sterna hirundo gefunden hat. Es ist die erste Pen- 
tastomum- Art, die bei Vögeln gefunden ist, während man sie 
bisher nur bei Säugethieren und Amphibien bemerkt hat. Die 
neuentdeckte Art ist wurmförmig, und mit der Lupe betrachtet, 
zeigten sich auf dem ganzen Körper kleine und dichte Poren mit auf- 



72 Dr. Th. Krüper: 

geworfenem Rand, in denen die sogenannten Stigmen der hin- 
guatulae erkannt wurden. Der cylindrische Körper des Thieres 
war 39 mm - lang und zeigte keine Abschnitte, aber durch die äussere 
Bedeckung schimmerte klar der Intestinal-Canal wegen der schwar- 
zen Farbe seiner Wandung hervor. Der ganze Körper war mit 
einer grossen Masse von Eiern angefüllt, in deren jedem ein 
Embryo mit 3 Beinpaaren aber ohne Andeutung von Epimeren und 
Krallen, welche die 4 Ftisse der wahren Linguatulae besitzen. 
Auch an erwachsenen Exemplaren der LAnguatula aus Sterna 
hirundo zeigten sich nicht immer die Fusskrallen. 



Briefliche Mittlieilungen , Oecono- 
misches und Feuilleton. 



Ans meinem Tagebnehe. 

Von 
Dr. Th. Krüper. 

A e t o 1 i c o , deu 25. Januar 1861, Abends. 

Den heutigen Tag hatte ich zu einem Ausfluge in die hinter 
der kleinen Klissura liegenden Waldungen bestimmt. Der heitere, 
wolkenlose Himmel half diese Tour verschönern. Auf dem Wege 
durch den Olivenwald, der einen Jagdliebhaber den ganzen Win- 
ter hindurch beschäftigen kann, hielt ich mich wenig auf; eine 
Sylvia Cettii, die unter den Gebüschen im Grase ihrer Nahrung 
nachgehend, ihr „tack" und „tirr" hören Hess, bewog mich zum 
vergeblichen Lauern und Verfolgen; ebenso 2 Accentor modularis; 
6 — 8 Vögel in der Spitze eines Busches erkannte ich als spa- 
nische Sperlinge, von denen ich ein altes Männchen erlegte, wel- 
ches dem am 22. erlegten völlig glich. Am Fusse des Vorberges 
machte sich noch eine überwinternde Blaudrossel auf den Steinen 
bemerklich. Jetzt kam ich zum Eingange in die vod mir soge- 
nannte kleine Klissura, die durch einen Bach gebildet ist und an 
dessen Seite steile, an einigen Stellen terrassenförmige, hohe Fels- 
wände sich befinden. Hoch über dem Eingange sah ich eine An- 
zahl brauner Geier, Vultus fulvus schweben, die in entgegenge- 
setzten Richtungen Kreise zogen; bei einer schnellen Zählung 
brachte ich 19 Exemplare heraus. Im vorigen Jahre hatte ich 
dort 3 Horste ausgehoben, die ich in diesem Jahre wiederum be- 



Aus meinem Tagebuche. 73 

setzt zu finden hoffe, deren Untersuchung ich jedoch noch einige 
Zeit verschieben wollte. Als ich den Bach überschritten hatte, 
wurde ich durch ein Ammerngeschrei aufmerksam gemacht und 
erlegte das Weibchen von Emberiza cia. In Folge des Schusses 
stürmten oben von den Felswänden 2 Vultur fulvus fort, die dem 
Anscheine nach von den zwei mir bekannten Brutplätzen kamen, 
so dass ich vermuthen konnte, dass dieselben schon gelegt haben. 
Bald darauf sah ich einen schwärzlichen Adler mit halb grauweis- 
sem Schwänze, Aquila fulva, fliegen und an den Felswänden ent- 
lang eilen; da ich diesen Yogel in der Schlucht noch nicht ge- 
sehen hatte, so verfolgte ich ihn mit den Augen so lange als ich 
konnte; es machte ihm Vergnügen, sich zu den Geiern zu erhe- 
ben und mit denselben zu kreisen. Ein zweiter Adler wurde 
sichtbar: er ging ebenfalls dorthin und hielt sich zu seinem Vor- 
gänger, so dass ich beide als Gatten annahm. Bald kehrten beide 
Adler zu den Felswänden zurück; abwechselnd ruhte auch der 
eine auf der Höhe der Wand aus; in eine Höhle flog keiner hin- 
ein. Bei meinem weitern Vorschreiten am Bache entlang, be- 
merkte ich einen andern grössern Adler, den ich an seinem blen- 
dend weissen Schwänze als Aquila albicilla erkannte; derselbe 
flog gerade aus und setzte sich auf die Ecke einer terrassenför- 
migen Felswand nieder, wahrscheinlich die Nisthöhle. 

In der Absicht, die von der Ebene aus sichtbaren Waldungen 
zu erreichen, schreite ich auf dem schmalen Pfade vorwärts, als 
plötzlich der letztere aufhört und das Terrain enger wird: ich 
klettere weiter und bleibe endlich vor einem hohen Wasserfalle 
stehen. Es blieb mir nichts anders übrig, als umzukehren. Um 
nicht denselben Weg zurückzugehn, stieg ich zu den Felswänden 
hinan und wanderte hart an denselben fort. Die Geier hatten 
sich vertheilt: zu gleicher Zeit sah ich nur einzelne. Das Aquila 
fulva-PsLQT zog hin und her. Soeben kommt Aquila albicilla wie- 
der und wird von den andern Adlern, besonders von einem der- 
selben, stark verfolgt. Der Angriff dauerte so lange, bis beide 
Adler bei den jenseitigen Felsen angekommen waren, wo beide 
in geringer Entfernung von einander Platz nahmen. Die Flug- 
schnelligkeit beider Adlerarten war ziemlich gleich, nur war Aq. 
fulva in den Schwenkungen viel geschickter als Aq, albicilla, der 
als der im Fluge verfolgte auf dem Sitzplatze verharrte, wahrend 
Aq. fulva bald davonflog und zur Felswand . wo sein Gefährte 
geblieben war, zurückkehrte. Unter derselben Wand befand ich 



74 Dr. Th. Krüper: 

mich gerade, und da ich vermuthete, dass hier der Horst des 
Paares angelegt werden sollte, verblieb ich dort, um von dort aus 
Beobachtungen anzustellen. In der warmen Mittagssonne, neben 
einem grossen Felsblocke sitzend, schaue ich in der Gegend um- 
her, mitunter das Fernglas benutzend. Beide Steinadler kreisen 
in der Luft, braune Geier fliegen ab und zu: aus der Ferne 
kommt wiederum einer herbei, den ich ebenfalls für V. fulvus 
annahm, als er jedoch näher kam, erkenne ich den Lämmergeier 
Gypaetus barbatus, der die Absicht zu haben schien, sich an den 
Felswänden niederzulassen. Ohne mich zu bewegen, verfolgte 
ich denselben, der den Kopf mehrmals hin- und herwendend mich 
jedenfalls erblickte und deshalb in die Lüfte sich erhob, einige 
Male in der Nähe der Steinadler, ohne beunruhigt zu werden, 
kreiste, und dann verschwand. Schon im vorigen Jahre bemerkte 
ich zweimal einen Gypaetos am Eingange dieser Schlucht, ohne 
damals behaupten zu wollen, dass derselbe dort seinen Horst 
habe, was ich jetzt glaube. Vielleicht habe ich noch das Glück, 
denselben aufzufinden. 

Darauf hatte ich wiederum das Verfolgungsschauspiel von Aq. 
fulva und aibicilla, doch diesmal viel schöner. Ein Seeadler er- 
schien; der Steinadler eilt zu dessen Verfolgung hinzu; die wohl- 
bekannten Töne des Unwillens stösst der Verfolgte mehrmals aus, 
die noch öfters gehört wurden, als von den Felsen her noch ein 
Seeadler hinzukam, der jedoch nicht den Steinadler vertrieb, 
sondern auf seinen Gefährten, jedenfalls sein Weibchen, Liebes- 
angriffe machte. Es war höchst lächerlich, diese drei Adler bald 
hinter bald über einander fliegen zu sehen. Durch das vielfache 
„klüff, klüff" Schreien angelockt, kam noch von dem Strande ein 
dritter Seeadler, auch ein ganz alter Vogel mit schneeweissem 
Schwänze herbei, der jedoch keinen Antheil an der Verfolgungs- 
scene nahm. Eine Viertelstunde später fliegt ein Steinadler über 
die Schlucht fort und setzt sich an der andern Seite auf eine 
kleine Eiche nieder. Nach einigen Minuten sehe ich wahrschein- 
lich denselben Adler zurückkehren, der Baumaterial, welches den 
Schwanz überragte und wegen der Höhe die Dicke eines Rohrs 
zu haben schien, mit sich führte; schon freute ich mich, dass 
jetzt der Horst mir verrathen sein würde! Doch nein: der Adler 
erblickte mich und Hess seine Last, wahrscheinlich nur dürre 
Baumzweige fallen, die kaum 100 Schritt von mir, aber hoch 
oben auf der Felswand liegen müssen. 



Aus meinem Tagebuche. 75 

Wenn ich es heute auf das Leben der Geier abgesehen hätte, 
so würde ich mehrere haben erlegen können, da sie oftmals dicht 
an meinem Posten vorbeizogen, was mit ziemlich starkem Ge- 
räusche verbunden war. 

Endlich musste ich diesen interessanten Platz verlassen, es 
geschah mit dem Vorsatze, ihn nochmals zu besuchen. Ich stieg 
zum Plateau hinauf und verliess es an den Stellen, die der Insel- 
stadt Aetolico gegenüber liegen. An den Felswänden, die sich 
hier entlang ziehen, fand ich im vorigen Jahre den Horst eines 
Habicht - Adlers Aquila Bonellii auf, dessen 2 Eier vom Herrn 
Simpsson und mir am 27. Februar ausgenommen wurden. Da ich 
am 22. d. M. einen dieser Adler fliegen sah, vermuthete ich, dass 
das Paar diese Gegend nicht verlassen habe; ich ging heute zum 
alten Horste. In ziemlicher Entfernung von demselben kam mir 
ein Adler entgegen, der aber bald verschwand. Was dieses Ver- 
schwinden zu bedeuten haben würde, errieth ich wohl: der Adler 
nämlich, der Wächter des Nestes und Vertheidiger des Nistreviers 
holte seinen Gefährten zur Hülfe, und gerade als ich unter dem 
Horste ankam, kehrten beide Adler zurück und schwebten hoch 
über den Felsen ruhig. Ohne länger in jenem Reviere zu ver- 
weilen, stieg ich zur Ebene hinab, von Zeit zu Zeit nach den 
Adlern umschauend. Als ich beinahe unten war, flogen beide 
Vögel einem Felsen zu und setzten sich dort in einiger Entfer- 
nung nieder. Etwa nach 5 Minuten verliess der eine, das Männ- 
chen, den Platz und flog auf das Weibchen zu, und unter einem 
schwachen dreimaligen „gia" wurde die Begattung vollzogen. Wie 
selten bei Raubvögeln die Begattung beobachtet wird, ist bekannt. 
Darauf entfernte sich das Männchen, während das Weibchen dort 
so lange verblieb, als ich es auf der Ebene noch sehen konnte- 
Hoffentlich werden die Eier in derselben vorjährigen Höhle gelegt. 



Obiges schrieb ich am Abende des 25. Januars d. J. nieder. 
Heute füge ich noch einige Bemerkungen hinzu. 

Von den Geiern liess ich in jenen Felsen im Februar sechs 
Horste ausnehmen; 4 — 5 schwieriger auszuhebende liess ich aus 
Mangel an Zeit und Lust ungestört; dieselben enthielten im Mai 
grosse Junge, von denen mein Freund, der Engländer Tindall, 
2 Stück selbst aushob und auferzog. 

Der Horst des Lämmergeiers, der jährlieh besetzt gewesen 
sein soll, wurde uns von einem Hirten nachgewiesen, jedoch war 



76 Dr. Th. Krüper: Aus meinem Tagebuche. 

der Horst oder seine beiden Horste heuer nicht bewohnt. Jeden- 
falls ist das Pärchen nicht vollzählig gewesen. Bei Aetolico 
hatte man einen Geier flügellahm geschossen und mehrere Tage 
lebendig gehabt; nach der Beschreibung scheint es ein Gypaetos 
und wahrscheinlich das zu jenem Horste gehörige Männchen oder 
Weibchen gewesen zu sein. Freilich beobachtete ich in der 
Schlucht später noch 2 Lämmergeier, jedoch war der eine ein 
sehr junger, nicht brutfähiger Yogel mit schwarzem Gefieder- 
Hoffentlich ist das Pärchen im nächsten Jahre vollständig. 

Das oben erwähnte Paar von Aquila fulva hat mir viel zu 
schaffen gemacht; ich konnte die Nisthöhle nie auskundschaften. 
Der Adler mit dem Baumaterial in den Fängen verleitete mich, 
den Horst dort zu suchen, wohin er flog; allein dies war nicht 
der Fall; gerade an der entgegengesetzten Felswand, von wel- 
cher der Adler kam, hatte er sein Nest. Durch Hirten erhielten 
wir bei unsrer Rückkehr nach Aetolico am 1. Mai die Nachricht, 
dass die Adler sich dort aufhalten. Am 4ten begab ich mich mit 
meinem Kletterer dorthin, und vernahm aus der Ferne das Hunde- 
gebell ähnliche Geschrei des Adlers ; wir sehen endlich den Adler 
auffliegen und auf Jagd ausziehen. Da wir voraussahen, dass das 
Weibchen noch beim Horste sein müsse und bald zu schreien 
beginnen würde, lauerten wir noch, bis ich das dumpfe Geschrei 
des Adlers vernahm. Jetzt war ich froh, den Horst aufgefunden 
zu haben. Nachdem wir in | Stunde bis zur Felswand, von wo 
das Geschrei kam, gegangen waren, erblickten wir die Höhle, an 
deren Rand Nestreiser zu sehen waren. Unser Lärmen blieb er- 
folglos : erst ein Pistolenschuss brachte den Adler zum Abfliegen. 
Am 5. Mai war das Osterfest der Griechen, daher wurde der 
Montag zur Untersuchung des Adlerhorstes bestimmt. Mit den 
nöthigen Seilen ausgerüstet zogen wir, der Engländer Tindall mit 
seinem Bedienten und ich mit 2 Kletterern zur Felswand hinauf- 
Das Männchen vom Steinadler erfüllte die Luft mit seinem Klage- 
geschrei, verschwand jedoch gleich, als Herr Tindall mit seinen 
Spitzkugeln auf die fliegenden Geier schoss, von denen er einen 
tödtlich verwundete. Das Ausheben des Adlerhorstes war sehr 
schwierig, gelang aber doch. Der Kletterer brachte das einzige 
Ei herauf, welches jetzt in der Sammlung des Herrn Pralle ist- 
Das Ei war so sehr bebrütet, so dass das Junge ganz laut darin 
piepte; in Aetolico legte ich es in kaltes Wasser, um den jungen 
Adler zu tödten; als ich denselben erfroren glaubte, legte ich das 



Der Brillenalk in Europäischen Sammlungen. 77 

Ei in die Kiste. Am folgenden Morgen war ich nicht wenig 
überrascht , als ich bei dem Oeifnen der Kiste den jungen Adler 
wiederum schreien hörte; den ganzen Tag hindurch liess ich nun 
das Ei im Wasser liegen. Um den Horst des Seeadlers aufzu- 
spüren und auszuheben, gaben wir uns keine Mühe! 

Das Pärchen des Bornelli's Adler, dessen Begattung ich 
gesehen hatte, musste in den ersten Tagen des Februar legen; 
am 8. Februar kehrte ich von meinen Excursionen nach den Seen 
von Vrastori nach Aetolico zurück; am nächsten Tage ging ich 
zum Brutplatz: auf mein Lärmen flog der Adler ab, der jedoch 
nicht den vorjährigen, sondern einen andern, 30 Schritt entfernten 
Horst inne hatte. Am 10. Februar liess ich den Brutplatz er- 
steigen und erhielt 2, seit 8 Tagen bebrütete Eier. Dieses Pracht- 
gelege befindet sich jetzt in der Sammlung meines Freundes 
Odebrecht zu Greifswald. 

Ueckermünde, im November 1861. 



Der Brillenalk« (Vlautus impennis) in Europäischen 
Sammlungen. 

Von 
W. Preyer. 

Seitdem wir mit ziemlicher Bestimmtheit wissen, dass der 
Brillenalk (Plautus impennis Brunn., Alca impennis hin., nicht 
mehr den lebenden Thierarten zugezählt werden darf, ist natür- 
lich alles, was wir noch von diesem merkwürdigen Vogel besitzen; 
ungemein im Werthe gestiegen. Es ist allein schon deshalb in- 
teressant zu erfahren, welche Sammlungen im Besitze eines sol- 
chen Schatzes sind, und ich stelle daher folgendes Verzeichniss 
der in Europäischen Museen und Privat Sammlungen aufbewahrten 
ausgestopften Exemplare des Vogels hier zusammen. Es be- 
finden sich: 

1) in Paris in dem Muscte d'historie naturelle (Galerie de Zoolo- 
gie, 2. Stock, 3. Saal,) ein schönes Exemplar mit der In- 
schrift: Alca impennis L. 1. Grand Pingouin. Pinguin us Bon.; 

2) in London in dem British Museum (Eastern Zoological Gal- 
lery,) ein Exemplar genannt: Great Auk. Alca impennis. 
Labrador ; 

3) ebenda in der Northern Zoological Gallery (Birds qf British 
Islands) ein Exemplar aus Papa (West Orkneys) mit den- 
selben Namen: 



78 W. Preyer: Der Brillenalk in Europäischen 

4) in München in der Akademie (zootomisch-zoologische Samm- 
lung), ein sehr schönes Exemplar mit der Etiquette: Alca 
impennis Linm Mare glacial. 1836; 

5) ebenda, aus der Leuchtenb ergischen Sammlung stammend, 
ein Exemplar mit den Namen: alca impennis Lin. Grand 
Pingouin. Grosser Alk. Grönland; 

6) in Berlin in der kgl. zoologischen Sammlung ein Exemplar 
mit der Inschrift: Alca impennis Lin. Polarmeer. Reinhardt; 

7) in Strassburg in der Akademie ein sehr beschädigtes Exem- 
plar mit einem künstlichen weissen (!) Oberkiefer. Es ist 
das schlechteste der mir bekannten Exemplare; 

8) in Mainz im Naturhistorischen Museum ein sehr schönes 
Exemplar; 

9) das andere, von welchem Herr Dr. Hellmann schreibt (dieses 
Journ. Vni. Jahrg., S. 206,) kam im Jahre 1860 von Mainz 
nach Amsterdam; ein Naturalienhändler, Herr Frank, glaube 
ich, tauschte es gegen die Haut eines indischen Tapirs ein; 

10) in Gotha in der herzogl. Sammlung ein „sehr schönes" Exem- 
plar; 

11) in Wien in dem K. K. Museum ein Exemplar; 

12) in Köthen in der herzogl. Sammlung (der frühern Naumann- 
schen) ein Exemplar; 

13) in Dresden im kgl. Museum ein Exemplar; 

14) u. 15) in Kopenhagen mindestens zwei Exemplare. 

16) in St. Petersburg in dem Zoolog. Museum der kaiserl. Akad. 
der Wissenschaften ein Exemplar; 

17) u. 18) in Flensburg im Städtischen Museum ein gutes und 

ein beschädigtes Exemplar, welche, aus der Mechlenburgi- 

schen Sammlung stammend, der Stadt geschenkt wurden; 
19) in Flensburg in der Sammlung des Herrn Apotheker Mech- 

lenburg ein Exemplar.*) 

Von diesen 19 in Europäischen Sammlungen autbewahrten 
Exemplaren von Plautus impennis sind mir nur die erstgenannten 
acht aus eigener Anschauung bekannt. Mein Gewährsmann für 



*) Da ich im verflossenen Herbste Gelegenheit hatte, einige hier nicht aufge- 
zählte Exemplare zu sehen, kann ich zur ersten Vervollständigung der obi- 
gen Liste hinzufügen, dass sich im Museum des Naturhistorischen Vereins zu 
Hannover und ebenso im Grossherzogl. Naturalien-Kabinet zu Oldenburg ein 
Exemplar von Alca impennis befindet. Letztere Sammlung besitzt zugleich 
auch ein sehr schönes Ei des genannten Vogels. In Prag dürfte ebenfalls 
das eine oder andere Exemplar sich befinden. Der Herausg. 



Sammlungen. — Eingegangene Schriften. 79 

No. 9 ist Herr Dr. Wittmann in Mainz, für No. 10 Herr Dr. Hell- 
mann (dieses Journ. VIII. Jahrg., S. 206,) für No. 11, 12 u. 13 
Herr W. Pässler (ebenda S. 60,) für No. 14 u. 15 Herr C. F. 
Siemsen in Reykjavik, für No. 16 Brandt im Bullet, de l'Acad. 
des Sciences de St. Peterb. 1837, p. 345, für No. 17 u. 18 Herr 
C. F. Siemsen in Reykjavik, für No. 19 derselbe und Herr W. 
Pässler (a. a. 0.) 

Es werden sich gewiss diesen 19 Exemplaren noch mehrere 
anreihen lassen — ich vermuthe in Christjania, Stockholm, Edin- 
burgh und Leipzig noch Exemplare — und ich bitte jeden, 
der im Besitze eines Plautus impennis ist, oder weiss, 
wo ein hier etwa nicht genanntes Exemplar sich be- 
findet, hierüber Mittheilung zu machen. 

Heidelberg, im Januar 1862. 



Nachrichten, 

An die Redaction eingegangene Schriften: 

(S. September-Heft 1861, Seite 399—400.) 

398. The Ibis, a Magazine of General Ornithology. Edited by Ph. L. Scla- 
ter. London. Vol. HI., No. 11. Juli 1861; No. 12. October 1861. — 
Von der British Ornithologist's Union. 

399. Note zoologische di Filippo de Filippi, Prof. nella Universita' di 
Torino. (Estratto dall' Archivio per la Zoologia, Anatomia e Fisiologia, 
mese di Giugno.) — Vom Verfasser. 

400. Ch. F. Dubois. Planches coloriees des Oiseaux de la Belgique et de 
leurs Oeufs. Livraison 127— 141me. Bruxelles, 1859—1860. Schluss des 
Tome III. und somit der Vögel Belgiens. — Vom Verfasser. 

401. J. M. Wheaton. Catalogue of the Birds of Ohio. (From the Ohio 
Agricultural Report for 1860.) — Vom Verfasser. 

402. Reports of Explorations and Surveys for a Railroad Route from the Mis- 
sisippi River tno the Pacific Ocean. Vol. IX.: Birds by Spencer F. 
Baird, with the Co-operation of John Cassin and Geo. N. Lawrence. 
Washington, 1858. — Von der Smithsonian Institution. 

403. Th. M. Brewer. North-American Oology. Part. I. Raptores and Fis- 
sirostres. gr. 4to., tab. 1 — 5. — Von der Smithsonian Institution. 

404. Annual Report of the Board of Regents of the Smithsonian Institution, 
for the Year 1859. — Von der Smithsonian Institution. 

405. Smithsonian Miscellaneous Collections. — Catalogue of North American 
Birds, chiefly in the Museum of" the Smithsonian Institution. By Spencer 
F. Baird. (First Octavo Edition.) Washington 1859. — Von Derselben. 

406. Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia, for 
1860, pag. 97 to the end; for 1861, pag. 1—96. — Von der Äcademie 
zu Philadelphia. 

407. Charles B. Norton. Litterary Letter. The Bibliography of the State 
of Maine, and other Papers of interest: together with a Catalogue of 
a Large Collection of Works upon Bibliography and Amerika. 1869. 
No. 4. und Litterary Letter, comprising the Bibliography of the State 
et New-Hampshire etc. 1860, New-Series No. I. GhaneB B. Norton, 
Agent for Libraries, New-York. Vom HtmtiSftfeci ■. 



80 Eingegangene Schriften. — Berichtigungen. 

408. Second Report of a Geological Reconnoissance of the middle and sou- 
thern Counties of Arkansas. Made during the Years 1859 and 1860. 
By David Dale Owen. Philadelphia, C. Sherman et Son, 1860. — Pre- 
sented through the Smithsonian Institution by the State of Arkansas. 

409. Svenska Foglarna. Med Text of Prof. CarlJ. Sundevall, tecknade och 
lithographierade af Peter Akerlund. Stockholm, Querfol. IX. Lief. Taf. 
XXXV., XXXVL, XLHL u. XLIV., Text, pag. 69-80. - Von Prof. 
C. Sundevall. 

410. Dr. Ph. L. Sclater. Catalogue of a Collection of American Birds. 
Bogen IX., August; Bog. X. Novbr. 1861. — Vom Verfasser* 

411. Geo. N. Lawrence. Catalogue of a Collection of Birds, made in New- 
Grenada, by James Mc. Leannan, with Notes and Descriptions of New- 
Species. Part. II. (Abdr. aus Ann. Lyc. Nat. Hist. New.- York, Vol. VII., 
1861, pag. 315—334.) — Vom Verfasser. 

412. Elliott Coues. A Monograph of the Tringeae of North- America. (Pro- 
ceedings Acad. Nat. Sc. Philad. 1861, p. 170—205) und: Notes on the 
Ornithology of Labrador. (Proc Acad. Philad. 1861, p. 215—257.) — 
Vom Verfasser. 

413. Dr. Anton Fritsch. Vögel Europa's. VII. Heft. Taf. 25— 28. >1. 
und Text in Octavo unter dem Titel: Naturgeschichte der Vögel Euro- 
pa's. Dritte Abtheilung: Singvögel. Bogen 12—16. Prag, 1861. — 
Vom Verfasser. 

414. Dr. L. Buvry. Mittheilungen des Central - Instituts für Acclimatisation 
in Deutschland zu Berlin. Dritter Jahrg. No. 10 — 12, Octbr. — Decbr. 
und Titelblatt. — Vom Central-Institut. 

415. Dr. D/Korth u. H. Korth. Tauben- und Hühnerzeitung. Organ der 
gesammten Hausfederviehzucht etc. Sechster Jahrg. No. 51. 52; nebst 
Titelblatt und Inhalts-Verzeichniss. Siebenter Jahrg. No. 1—3. (Januar 
1862.) — Vom Herausgeber. 

416. Dr. Ph. L«. Sclater. Catalogue of a Collection of American Birds. 
Bogen XI. u. XH. Decbr. 1861. — Vom Verfasser. 



Berichtigungen 

zu dem Aufsatze: „Entdeckung der Nester des Seidenschwanzes (Ampelis 
garrulus)" u. s. f. 

Journ. f. Ornith. 1860, Heft II., S. 132 u. f. 
Seite 133 Zeile 3 von oben statt Linne's lies Gmelin's. 



5) 


134 


55 


18 


i) 


unten 


55 


Eittia „ 


Kittila. 


55 


134 


55 


2 


55 


55 


55 


2 


9. 


55 


135 


5T 


3 


55 


oben 


55 


erwartete „ 


erwarte. 


55 


135 


55 


4 


55 


5, 


55 


dieser „ 


Gellivara's. 


55 


136 


55 


17 


55 


5) 


55 


Elster „ 


Eichelheher. 


5) 


137 


5> 


3 


55 


5) 


55 


Watter's „ 


Walter's. 


55 


137 


55 


10 


5, 


55 


?, 


Muorio „ 


Muonio. 


55 


137 


55 


20 


55 


55 


55 


Terisjevi „ 


Jerisjervi. 


55 


137 


55 


31 


55 


,5 


55 


Kemi-sun „ 


Kemi-suu 


55 


137 


55 


32 


55 


55 


55 


Kenn „ 


Kemi 


55 


139 


55 


15 


55 


unten 


55 


Karbi' „ 


Karlö 


55 


141 


55 


11 


55 


oben 


55 


Nester „ 


Eier. 


Elveden bei Thetford, 














England, den 26 


1. Februar 1862 


I 




Alfred Newton 



Berlin, Druck von Kornegg's Buchdruckerej. 



JOURNAL 

für 

ORNITHOLOGIE. 

Zehnter Jahrgang. 



Ne 56. März. 1862. 

Zusätze und Berichtigungen 
zu den „Beiträgen zur Ornithologie Cuba's." 

(In den früheren Jahrgängen dieses Journals.) 

Von 

Dr. J. Gundlach. 

(Fortsetzung vom November-Heft 1861, Seite 401—416.) 

No. 148. Ortyx cubanensis G-ould. 

Noch ist mir die Geschichte dieser Art unklar. Es ist aus- 
gemacht, dass die cubanische Wachtel eine eigene Art ist, und 
dennoch habe ich noch anderen Orts die Sage der Einbürgerung 
gehört. So z. B. kannte man vordem in der Gegend der Stadt 
Bayamo, im östlichen Theile der Insel, die Art nicht, und jetzt 
seit wenigen Jahren hat sie sich dort eingebürgert, von N.-W. 
herkommend. Bei Santiago de Cuba und Saltadero (Guantänamo) 
gab es keine und hat man einige losgelassen, die sich schon ver- 
mehrt haben. Da die Art nicht die Wälder bewohnt, so ist mir 
die Idee gekommen, dass sie sonst nur in den sabanas (Steppen) 
des westlichen Theiles der Insel lebte, und nach und nach zu 
den entwaldeten Ebenen des mittleren und östlichen Theiles der 
Insel gebracht wurde. Es ist dieses jedoch nur eine Vermuthung. 
Nach Gosse ist Ortyx virginianus auf Jamaica seit etwa 100 
Jahren eingeführt worden. 

No. 149. Grus canadensis Sws. 

In Reports werden 3 Arten Kraniche angeführt. 1) G. ame- 
ricantis Ord. (Arclea L.) 2) canadensis Tennn. (Ardea L.) und 
3) G. fraterculus Cassin. Letztere Art nur nach einem Jungen 
gebildet. Grus canadens. hat folgende Synonymie: Ardta can. L. 
Gm. Forster, Grus can. „Temm." Sw. Nutt. Bon. Grus pratensis 

Journ. f. Oriiitb., X. Jahrg. Nr. 56, Märt, 1862. 6 



82 Dr. J. Gundlach: Zusätze und Berichtigungen 

Bartr., Gr. fusca Vieill., Gr. poliophaea Wagl., G'rus amerieana 
juvenis Aud. 

No. J50. Ardea Herodias L. 

Mr. Baird gab eine sehr ähnliche Art A. Würdemannii zu 
erkennen. Bis jetzt habe ich diese nicht auf der Insel beobach- 
tet, werde aber darauf aufmerksam sein; denn da sie in Süd- 
Florida lebt, könnte sie auch hier vorkommen. Ein Hauptunter- 
schied ist die umgekehrte Farbe des Kopfes. Bei Herodias ist 
der Kopf schwarz mit weissem Stirnfleck, bei Würdemannii weiss 
mit schwarzem Stirnfleck. 

No. 152. Herodias Egretta Gray. 

In der Synonymie steht in Reports noch Ardea alba Bon. 
Obs. Wils. 1825 (nee. Linn.) Egretta nistete im Juli, Pealii im 
September und October, candidissima und rufescens im Septem- 
ber, October und Juli. 

No. 15. Herodias rufescens Gray. 

Dieser Paragraph ist jetzt falsch. Audubon hatte mich irre 
geführt. Ich hielt die graue Art früher verschieden von der 
weissen, dann las ich Audubon und vereinigte sie, jetzt bin ich 
der ersten Meinung und ohne Spur von Zweifel; denn ich fand 
die weisse Art in grosser Anzahl gesellschaftlich brüten und sah 
auch nicht ein einziges Exemplar der rufescens. — In einem 
Briefe des Mr. Lawrence lese ich „Dr. Heerman visited the bree- 
ding places of Ard. rufescens and among hundreds of young did 
not find a white one but the colours of some just fledged were 
developing the colors of the adult. A. Pealii is a smaller bird, 
the young being white without elongated plumes which are never 
found in young birds. Es stellen sich also beide Arten so heraus. 

Herodias rufescens Gray. 

Ardea rufa Bodd. 1784. A. rufescens Gm. 1788, Lath. Wagler, 
Aud. Egretta ruf. Bon. Herodias ruf. Bon. Demiegretta Baird 
in Reports. 

Die Beschreibung Seite 342 in den drei ersten Zeilen gehört 
ihr an. Ich fand sie nur selten, einmal an der Südküste und 
zweimal an der Nordküste, oder auf den Cayos oder Inselchen. 
Sie nistet hier, denn ein Junges hat noch Flaum an den Federn. 

Herodias Pealii. 

Ardea Pealii Bon. 1828. Nutt. Egretta Pealii Gambel. Ard. 
cubensis Gund. juv. Bei Audubon ist diese Art als junger Vogel 
der rufescens. 



zu den „Beiträgen zur Ornithologie Cuba's." 83 

Die Beschreibung beider Arten ist auf Seite 341 die neun 
untersten Zeilen. Ich fand diese Art einigemal an der Nordküste 
auf den Cayos aber in grosser Zahl neben der Mündung des 
Flusses Cauto im Mangle nistend. 

No. 155. Herodias ruficollis Cab. 

In Reports ist der Name ludoviciana beibehalten, indem Baird 
sagt: there is no occasion to change Wilson' s name for this bird 
on account of its having been employed by Linneus. The white 
A. ludov. is a synonym of Butorides virescens a bird of a very 
difFerent genus. Gosse's Name bezieht sich nur auf den jungen 
Vogel. 

No. 156. Herodias caerulea. 

Auch im Juli nistend. In Reports steht noch bei der Syno- 
nymie lArd. cyanopus Gm. Ard. caerulescens f Lath. „Ard. plum- 
bea Brown". „Ard. chalybea Stephens" 1Egr. nivea Gosse, junger 
Vogel. 

No. 160. Botaurus minor. 

Ich glaube, dass der Name lentiginosus von 1813 dem minor 
von 1814 vorzuziehen ist. 

No. 161. Nycticorax Gardeni Jard. 

In Reports ist der Genusname Nyctiardea, weil Moehring's 
Genus Nycticoracc von 1752 nicht dasselbe ist als das von Stephens 
im Jahre 1819. 

Nach der Synonymie in Reports wäre Ardea naevia Bodd. 
von 1784 der älteste Name, aber es scheint dass man diesen einem 
jungen Vogel angehörigen Namen nicht annehmen will. Dieses 
wäre also das Gegentheil von dem, was Herr Cabanis bei Herodias 
ruficollis Gosse that. Ausserdem gehört hierher Ard. Bot. discors 
Nutt. und Nycticorax americanus Bp. 

No. 163. Platalea ajaja L. 

Legt Eier im August. — Platea incarnata Sloane gehört hierher. 

No. 164. Tantalus loculator. 

Ich lese auf Seite 348 Ibis naudasson Vieill. Es scheint aber 
naudapoa heissen zu müssen.*) 

No. 165. Eudocimus ruber. 

So gern ich auch eine so schöne Art in unserem Vogelkata- 
loge zu sehen wünsche, muss ich sie dennoch zum Anhänge ver- 



•) Gray schreibt: naudapoa; richtig aber ist: Ibis Nandapoa Vieill. 
Encycl. p. 1149. Der Herausg. 

6* 



84 Dr. J. Grimdlach: Zusätze und Berichtigungen 

weisen. Richtig sagt mein Freund Poey in seinen Memorias, dass 
Unwissenheit dem Irrthume vorzuziehen ist. Da ich nur im Cata- 
loge sichere Arten zu sehen beabsichtige, kann ich diese nicht 
aufnehmen. Jetzt habe ich Nachrichten an den verschiedenen 
Theilen der Insel über den rothen Ibis aufgenommen, ohne jedoch 
auch nur eine etwas sichere zu erhalten. Wie kann man glauben, 
dass ein so schöner, auffallend gefärbter Vogel, wenn er wirklich 
vorkäme, unbemerkt geblieben sei?! 

No. 167. Falcinellus erythrorhynchus. 

Mir scheint der Name erythrorhynchus nicht richtig, denn 
mein Vogel hatte ihn anders gefärbt. Ich bin fest überzeugt, 
dass unsere cubanische Art mit der nordamerikanischen gleich 
sei. Diese wird in Reports Ibis Ordii Bon. Tantalus mexicanus 
Gm. Ord. Ibis falcinellus Bon. Nutt. Aud. Ibis und Falcinellus 
Ordii Bon. Ibis guarauna Woodhouse genannt. Mr. Baird sagt: 
Admitting it to be distinct from the European Ibis falcinellus the 
earliest name for an american bird is Tant. guarauna L. which 
howewer is considered by Bonaparte to be distinct and confined 
to South America. The mexicanus Gm. referred to the same spe- 
cies by Bonaparte seems to have as much claim to identity with 
the North-american as with the more southern bird. The chal- 
copterus of Temminck belongs to the South -american species. 
Setting aside T. mex. Gm. as too uncertain for the present case 
the next name in order is the Ordi Bon. 

No. 168. Numenius longirostris Wils. 

Scolopax arquata var. ß Gm. Num. arq. var. ß Lath. N. long. 
Wils. Bon. Nutt. Aud. Num. melanopus Vieill. Nouv. Dict. JV. 
rufus Vieill. Galerie. Num. brasiliensis Pr. W. N. occidentalis 
Woodh. 

No. 169. Limosa hudsonica. 

? Scol. lapponica var. ß Gm. Scol. hudsonica Lath. Limosa 
hudsonica Sw. Nutt. Aud. Lim. melanura Bon. (Specchio). L. 
aegocephala Bon. (Syn.) ?L. Edwardsi Sw. 

Noch habe ich kein anderes Exemplar beobachtet. 

No. 170. Lim. fedoa Vieill. Doch ist wohl Vieill. ein Druck- 
fehler für Ord. 

Scolopax fedoa L. Wils. Lim. fed. Ord. Bon. Sw. Nutt. Aud. 
Limicula fedoa Vieill. Encycl. p. ] 166. — Scol. marmorata Lath. 
Limicula marm. Vieill. Limosa americana Steph. „Lim. adspersa 
Licht.« 



zu den „Beiträgen zur Ornithologie Cuba's." 85 

No. 171. Gallinago Wihoni Bp. 

Obgleich im Journal die hauptsächlichste Synonymie auf- 
genommen wurde, so theile ich doch noch Zusätze mit, der Voll- 
ständigkeit wegen, im Falle Sie noch nicht die „Reports" besitzen.*) 

Scol. Wihoni Teram. (in den PI. Col. aber im Texte Scolo- 
jxt.r gigcmtea,) Bon. Sw. Nutt. Aud. Gallinago Wihoni Bon. Sco- 
lopax gallinago Wils. nee. L. Scolopax Brehmii „Kaup" Bon. nee 
Kau}). Scol. delicata Ord. ? Sc. Drummondii, Sc. Douglassii und 
Sc. leite ums Swain. 

No. 172. Macrorhamphus griseus. 

Mr. Lawrence trennte nach Say's Vorgange den scolopaceus. 
Ich sandte unsere Exemplare zur Vergleichung und er fand beide 
Arten darunter, und ausserdem gab er in den Notes nochmalige 
Unterschiede. Etwas zuvor schrieb er mir: I have made notes 
of Macror. scol. and griseus both species being represented by 
yours speeimens. Prof. Baird and Mr. Cassin both have doubts 
of there being 2 species. I have none and hope my notes will 
throu some light on the matter when you get them and your 
birds are reeeived back. I think you will agree with me and may 
be able by further investigations to strengthen my opinion. In 
diesen Tagen empfange ich die Exemplare, da das Schilf schon 
angekommen ist.**) Hier noch die Synonymie, wie sie in Re- 
ports steht. 

Macror. griseus (Gmel.) Leach. Scolopax gnsea Gmel. Mac. 
gr. Leach. Steph. Bon. Scol. noveboracensis Gm. Wils. Swains. 
Aud. Scol. leueophaea Vieill. nee Lath. 

Macror. scolopaceus (Say) Lawrence, himosa scolopaceus Say. 
Scolop. longirostris Bell. 

No. 173. Symphemia semipalmata Hartl. und speculifera Cuv. 

Aus den Notes des Mr. Lawrence werden Sie ersehen, dass 
auch er beide nur für Varietäten einer einzigen Art hält. Tota- 
nus crassirostris Vieill. gehört nach den Reports hierher. 

No. 174. Glottis melanoleuca Gray. 

Nacli Reports das Genus Gambetta Kaup. 1829. Hierher 
Tot. sasasheio Vieill. 



Erst kürzlich bin ich in den Besitz von Baird's Report gelangt. Dass ich 
denselben in früheren Fällen leider nicht benutzen konnte , habe ich be- 
reits anderweitig zu bedauern Gelegenheit gehabt. Der Heransg. 
Ich habe jetzt die Vögel mit der Beschreibung verglichen und sehe, dass 
der eine wirklich grösseren Schnabel und längere nackte Schienen hat. 
Ich lasse also beide Arten im Kataloge. Gundl. 



86 Dr. J. Gundlach: Zusätze und Berichtigungen 

No. 175. Totanus flavipes Vieill. Vig. 

Gehört sicherlich zum selbigen Genus als melanoleuca. Scol. 
flav. Gmel. Wils. Tot. flav. Vieill. Sw. Aud. Gambetta flavipes 
Bon. Tot. fuscocapülus Vieill. Tot. natator Vieill. 

No. 176. Totanus chloropygius Vieill. 

Der Name chloropygius ist später als solitarius Wils. In 
Reports lese ich: 

Tringa ochropus var. A. Lath. 1790. Tringa solitaria Wils. 
1813. Totanus sol. Aud. 1839. Tot. chloropygius Vieill. Nouv. 
Dict. 1816. Bon., Sw., Wagl., Nutt., Aud., Gosse. Rhyncophilus 
chloropygius Bon. (Compt. Rend.) Tot. glareola Ord. Tot. macro- 
ptera Spix. — In la Sagra's Werk ist der Name solitarius, ebenso 
in Reports angenommen, und ich bin derselben Meinung. In Re- 
ports nahm Mr. Cassin das Genus Rhyacophüus Kaup. 1829 für 
diese Art an. 

Nr. 177. Actitis macularia Bp. 

In Reports sagt Mr. Cassin Tringoides macularius Gray. Das 
Genus Tringoides bildete Bonap. im Jahre 1831. Cassin nimmt 
Actitis Boie vom Jahre 1822 nicht an, weil Actitis in Illigers Pro- 
domus verschieden und älter ist. 

No. 179. Euligia Bartramia. 

Sollte kein Zweifel vorhanden sein, dass dieser Vogel mit 
dem von Bechstein beobachteten gleich ist, so möchte doch wohl 
Bechstein's Name vorzuziehen sein. In Reports wird er nicht 
angenommen, weil Mr. Cassin nicht die Zeit der Bildung kennt. 
Noch gehört hierher Tot. campestris Vieill. und vielleicht mela- 
nopygius Vieill. 

No. 180. Hemipalama himantopus. 

In Reports heisst die Art Micropalama himantopus. Mr. 
Cassin nimmt dieses Genus an, weil Hemipalama Bon. Synopsis 
1828 (als Typus Tringa himantopus Bon.) nicht dem Hemipalama 
Bon. Obs. Wils. 1825 (als Typus Tringa semipalmata) gleich ist. 
Das von 1825 gilt nichts wegen Illiger's Ereunetes und das von 
1828, weil es nicht dem früheren gleich ist. Im Journal lese ich 
Tringa multifasciata Licht, in Reports aber Hemipalama multi- 
striata „Licht" Gray Genera.*) Auch wird hierhergezogen Tringa 
(Hemipalama) Auduboni Nutt. 



*) Das letztere Citat ist irrthümlich. Lichtenstein hat den Vogel aber nicht 
beschrieben, sondern nur im Berliner Museuni benannt. D. Herausg. 



zu den „Beiträgen zur Ornithologie Cuba's." 87 

No. 18 J. Ereunetes semipalmatm Cab. 

Hier stimme ich den Reports bei, die die Art petrificatm 
Illig. nennt, denn dieser Name ist vom Jahre 1811. (Mr. Cassin 
sagt hier: Proved identical with Tnnga semipalmata Wils. by Ca- 
banis from actual examination of original specimen in Berlin 
Museum), was ich auch auf Seite 421 im Journal lese. — Mr. 
Cassin setzt hierher aber mit Zweifel ? Tringa pusilla Linn., in 
diesem Falle (wäre es richtig,) wäre er der ältere Name. — 
Auch setzt er hierher: Tringa brevirostris Spix, Heteropoda Mauri 
Bon. und Hemip. minor Gundl. 

Mr. Lawrence, an den ich meine Exemplare zur Vergleichung 
sandte, sagt brieflich: ^Ereunetes Mauri. I do not think a good 
species, but myself and sons shot large number this summer. 
The individuals in the same flock varied exceedingly in size, but 
I would only consider them as the same." Da auch Hr. Cabanis, 
wie er Seite 421 sagt, und ich, verschiedene Grössen zusammen- 
fanden, so wollen wir alle in eine einzige Art mit dem älteren 
Namen petrißcatus beibehalten, oder wenigstens als zwei varietates 
ejusdem speciei. 

No. 183. Pelidna pectoralis Say. 

In Reports nennt Mr. Cassin diese Art Tringa, Actodromas 
(Kaup 1829), maculata Vieill. 1819 und giebt die Synonymie 
Tnnga pectoralis Say 1823, Tringa campestris Licht, nee Vieill. 
Diese Art variirt auch in Grösse. 

No. 184. Pelidna Schinzii Bp. 

Aber Mr. Cassin in Reports sagt: Tnnga Schinzii „Brehm" 
Bon. (nee Brehm) Sw. Nutt. Aud. Pelidna Schinzii Bon. Tnnga 
cinclus var. Say. Tringa Bonapartii Schlegel (Rev. Crit. Ois. 
Eur. 1844), welcher Name von Cassin angenommen ist und ? Sco- 
loipax puälla Gmel. (Die pusilla Linn. ist bei Nr. 181.) 

No. J85. Pelidna pusilla Bp. 

Da die Art von Tnnga pusilla L. verschieden ist, hat 
Mr. Cassin richtig einen andern Namen vorgezogen, nämlich Tr. 
Wilsonii Nutt. Als Citat aber mit ? ist Tnnga minutilla Vieill. 
Nouv. Dict. 1819 gesetzt. Wäre es gewiss, so würde Vieillot's 
Name der beste sein. 

No. 186. Calidris arenaria Illiger. 

Ich habe auch auf der Insel ein Exemplar im vollständigen 
Winterkleide getödtet. In Reports ist die Synonymie vermehrt 



88 Dr. J. Gundlach: Zusätze und Berichtigungen 

durch Charadrius rubidus Gm. Wils. Tringa tndactyla Pall. Ca- 
lidris tringoides Vieill. Cal. americana Brehm. (Vögel Deutschi.) 

No. 187. Macrotarsus nigricollis. 

Warum Macrotarsus als verschieden von Himantopusll Mr. 
Cassin zieht noch hierher Hirn, brasiliensis Brehm. Sehr gemein 
an süssen und salzigen Sümpfen. 

No. 188. Recurvirostra americana Gm. 

Ist stets sehr selten geblieben. Ist auch Rec. occidentalis 
Vig. Wagl. Baird. Cassin, im Jugendkleide. 

No. 189. Strepsilas interpres Illig. 

Als junger Vogel ist er Tringa Morinella L. nach Mr. Cassin. 
Hierher Char. -cinclus Pall. 

No. 190. Haematopus palliatus Temm. 

Als synonym werden genannt H. arcticus Jard. und hypoleu- 
cus Pall. 

No. 191. Squatarola helvetica Cuv. 

Synonyme sind noch Charadrius hypomelas und pardela Pall., 
Squat. cinerea Cuv. 

No. 192. Charadrius virginicus Borkh. 

Noch iChar. pectoralis Vieill. Nouv. Dict. Ch. xanthocheilus 
Jard. 

No. 194. Oxyechus vociferus. 

Ich sehe im Journal Char. torquatus et jam. Gm. in Reports 
aber Ch. torquatus L. Syst. Nat. I. 1766. — 

Ich glaube 2 Arten ganz gleich gefärbter Aegialitis zu haben, 
die sich durch die Schnabellänge unterscheiden. Die mit länge- 
rem Schnabel ist die neue Art und sie fand ich nistend. Ich 
werde diese beiden nach New -York zur Ansicht schicken und 
Ihnen dann das Resultat schreiben noch vor Publizirung des Ka- 
talogs. [Mr. Lawrence hat den neuen tenuirostris benannt.] 

No. 195. Aegialitis melodus Bon. 

Ich fand sie im Juni und Juli nistend. — Im Journal steht 
in der Synonymie Char. hiat. Wils. nee L. Dieses ist aber nur 
theilweise richtig. Wilson gab diese und die folgende Art als 
hiaticula. Diese Art ist Ch. hiaticula var. Wils. Am. Orn. V. 1812; 
30 pl. XXXVII, dagegen die folgende Art 

No. 196. Aegialitis semipalmatus Bp. 

Wils. Am. Orn. VII. 1813, 65, pl. LIX. Tringa hiaticula und 
Char. hiaticula Ord., ed. Wils. VII. 69. In Reports ist Kaup nicht 
erwähnt, was doch sein müsste. 



zu den „Beiträgen zur Ornithologie Cuba'.s." 



89 



No. 197. Parva jacana L. 

Sonderbar, dass beim Drucke dieser Art die Worte „noch 
niemals das Nest etc." blieben; denn damals hatte ich gewiss 
schon Eier eingesandt. Die Eier liegen auf dem Blatte einer 
Nymphaea oder auf anderen Sumpfkräutern, kaum mit etwas fau- 
lenden Pflanzen umgeben, und fast stets befeuchtet. 3-4 Eier. 
Es gibt schon Eier im März. 

No. 198. Notherodius scolopaceus. 

Herr Cabanis vermuthete, dass die cubanische Art von der 
südamerikanischen verschieden sei, und gab ihr den Namen ho- 
lostictus. — Zu meiner Freude fand ich dieselben Gründe in Re- 
ports, aber die Art mit anderem Namen. Ich weiss jetzt nicht 
mehr, weshalb Wagler den früheren Genusnamen Aramus verwarf 
und mit Notherodius vertauschte. Sollte er keine trifftige Gründe 
haben, so müssen wir Aramus beibehalten, was auch Mr. Baird 
that. Jedoch zur Sache. Mr. Baird sagt: (ich copire, weil ich 
nicht weiss, ob Sie diese Reports besitzen.) Two species are at 
present known to naturalists until recently supposed to be one. 
Cabanis was the first to point out the differences between them 
and to insist that they were distinct and not merely adult and 
young. 

Comparative measurements of species. 



Ar.qiq. 
Ar. sc. 


IndianKeyFlo- 
. . . rida . . . 
Brazil .... 


24.00 
27.50 
31.00 


44.00 


12.80 
13.00 
14.20 


5.88 
7.60 


5.03 
5.10 


4.26 
4.22 


069 
0.74 


5.04 
4.86 


5.28 
5.18 


skin. 

fresh. 

mntd. 


spec. 


Locality. 


Leng. 


Stret. 
ofwin 


Win. 


Tail 


tars. 


midi. 


its 
claw. 


bill 
abov. 


along 
gape 


Spec. 
meas. 



Aramus giganteus Baird. — Rallus giganteus Bon. J. Ac. N. 
Sc. V. 1825, 31. A. scolopaceus Bon. Am. Orn. Bon. Consp. 
(only young.) Nutt. Aud. im Texte, aber nicht in Abbildung. Noth. 
holostictus Cab. 

Ar, scolopaceus Vieill. hat folgende Synonymie. Ardea sco- 
lopacea Gmel. Ar. scol. Vieill. Bon. (Consp.) nur der alte aber 
nicht der junge. Aud. Abbildung. Rallus ardeoides Spix. Raum 
gigas Licht. Notherodius Guarauna Wagl. 

With a general rcsemblance to the typical Ar. scolopaceus of 
Brazil the species inhabiting North-America ia readily distinguis- 
hable by its smalcr size although the bill is of the same length. 
There is much more of the white strcaks throughout. These in 



90 Dr. J. Gundlach: Zusätze und Berichtigungen 

scolopaceus are confined to the head and nack and indeed not 
seen at all on the crown and the lower part of throat. A few 
concealed streaks may be found on the jugulum and middle line 
of the belly but they are not conspicuous. In the other bird all 
the small feathers show streaks of white except on the lower part 
of the back, rump and crissum and including the jugulum and top 
of head. The dark colors of the Florida bird are lighter, with 
less of the chocolate brown shade. Mr. Audubon appears to 
figure the true South -American species A. scolopaceus althoug 
describing A. giganteus as the young. There is nothing to show 
that the original of his figure was taken in Florida. 

No. 199. Rallus elegans Aud. und Nr. 200 R. crepitans Gm. 

Die Synonymie, wie sie in Reports steht, gefällt mir mehr 
als die im Journal. Sie ist: 

R. eleg. Aud. R. crepit. Wilsons Abbildung allein. Cab. Journ. 

R. crep. Gm. 1788. Wilsons Beschreib, allein. Bon. Aud. Cab. 
Journ. und wie es scheint ?? R. longirostris Boddaert. 
1784. In diesem Falle würde letzterer Name dem crepi- 
tans vorzuziehen sein. 

No. 203. Porzana Carolina. 

Ausser den Speciesnamen carolinus oder Carolina nach Re- 
ports noch R. stolidus und melanops Vieill*). 

No. 206. Gallinula galeata. 

Im Journal steht als Autor Pr. Max, in den Reports Licht, und 
als Synonymie Gall. gal. Bon. Am. Orn. u. List. Nutt. Gosse, Cab. 
Galt, chlor opus Bon. Synopsis. Aud. 

No. 207. Porphyrio martinica Gray. 

Auch hier ist die Synonymie in Reports genauer. Fidica mar- 
Unica L. Gall. mart. Lath. Bon. Nutt. Aud. Crex mart. Licht. Por- 
phyrio mart. Gosse, Cab. Fulica martinicensis Jacq. Gmel. Ionornis 
martinic. Reich. Fulica flavirostris Gm. Porph. tavoua und cyani- 
collis Vieill. Gallinula porphyrio Wils. Porph. americanus Sw. 

No. 208. Fulica americana Gm. 

Fulica americ. Gm. Bon. Aud. Hartl. Fulica Wilsonii Steph. 
Brehm. F. atra Wils. Orb. lleucopyga Wagl. Mexico. 

No. 210. Sylfeocyclus carolinensis Bon. 

Wie ich aus Reports sehe, ist der daselbst gebrauchte Ge- 



*) Rallus melanops Vieill. ist der Typus meiner Gattung ffydrocicca, 
und gehört nicht hierher. D. Herausg. 



zu den „Beiträgen zur Onithologie Cuba's." 91 

nusname wohl älter; denn Podüymbus, auf dieselbe Art gegrün- 
det von Lesson, ist vom Jahre 1831, da Sylbeocyclus wohl vom 
Jahre 1838 ist. Auch der Speciesname ist bei Reports besser, 
denn Linnd gab ihn im Jahre 1766, während carolinensis vom Jahre 
1790 ist. In den Reports ist die Synonymie folgende: 

Podüymbus podiceps Lawrence. Colymbus pod. L. Col. ludovi- 
cianus Gm. Podiceps carol. Lath. Bon. Rieh. Nutt. Aud. Sylbeoc. 
carol. Bon. ? Pod. brevirostris Gray Genera. Podüymbus lineatus 
Heermann. 1854. 

No. 212. Chen hyperboreus Boie. 

Im Falle, dass die europäische Art mit der amerikanischen 
gleich ist, darf auch die Synonymie vermehrt werden. In Reports 
ist sie wie folgt: 

Anser caerulescens L. Cassin. Anser hyperboreus Pallas, Bon. 
Sw. Nutt. Aud. Eyton, Cassin. Anas hyp. Gm. Wils. Anas nivalis 
Forster. Tadorna nivea Brehm. ? Anser albatus Cassin. 

In dem Nachtrage zu Reports wird caerulescens als verschieden 
von hyberb. angesehen und auch die Meinung ausgedrückt, dass 
albatus eine andere Art sei. Mr. Baird sagt in den Reports: 
„The name caerulescens has priority of date over hyperboreus and 
if the species are the same should be used but for the fact, that 
the adult bird is not bluish, but white, thus conveying a false im- 
pression respecting it. — Ich glaube die zwei fraglichen Arten 
zu haben, wenigstens habe ich 2 ganz verschiedene Junge. Die 
Diagnose in Reports ist: Adult: Bill and legs red, color pure 
white. Primary quills black towards the end, silvery bluish gray 
towards the base, where the shafts are white. The spurious 
quills are also bluish. Inside of wings except primary quills, 
white. Ich habe diese Färbung und auch nach Cassel ein sol- 
ches J geschickt. Immature birds have the head washed with 
rusty. Ich habe diese auch und ausserdem ein Junges mit 
gräulichem Gefieder und rothfarbigem Kopfe, und ein anderes 
mit stellenweise schon weissem Gefieder. — ? young: Head and 
upper parts of neck white ; lover parts of neck to the wings dark 
brown, passing on the sides of body into a more ashy shade; rest 
of under parts, concealed portions of the back, rump and over 
coverts white. The entire scapular and scapular region is ashy- 
brown, each feather with faint reddish brown margin. The upper 
surface of the wing Is of a clear silvery ash, but pMcdng into 
dark brown on the endsof the quills. The coverts, secondaries, tertials 



92 Dr. J. Gundlach: Zusätze und Berichtigungen 

and scapulars edged with white. Ich habe ein solches oder doch 
ähnliches Exemplar und sah einst mit dem Perspectiv in der Cie- 
nega de Zapata viele dunkle Exemplare mit rein weissem Kopfe 
und Oberhals. Diese Art wird wohl die caerulescens sein. 

Ich werde darüber Mr. Lawrence und Mr. Cassin befragen U; 
einstweilen nur die eine Art hyperboreus im Kataloge anführeu. 

No. 216. Dafila acuta Bp. 
Anas acuta Lin. Gm. Wils. Bon. Aud. Phasianurus acutus Wagl. 
Anas (Dafila) acuta Jenyns. Diesen Namen führt sie in Reports, er 
ist vom Jahre 1835, dagegen Dafila acuta Bon. vom Jahre 1838. 
A. (Boschas) acuta Nutt. A. caudacuta Ray, Dafila caudacuta Steph. 
Jard. Eyton. Dafila longicauda Brehm. Defila acuta var. A. ame- 
ricana Bon. Compt. Rend. 

No. 218. Rhynchaspis clypeata Leach. 

Ich sehe aus Reports, dass der Genusname Spattda vom 
Jahre 1822 und der Rhynchaspis vom Jahre 1824 ist. Es ist also 
Spatula clypeata Boie besser. Der Gmelin'sche Name Anas 
rubens gehört auch hierher. 

Die weibliche Ente, die ich auf Seite 228 bespreche, ist keine 
cyanoptera. Mr. Lawrence in den Notes redet von ihr. 

No. 220. Querquedula carolinensis. 

Anas carolinensis Gm. Aud. Reinh. (von Grönland). Querq. 
carol. Steph. Anas crecca var. Forster, A. crecca Wils. Bon. 
A. (Boschas) crecca Sw. Nutt. „A. sylvatica Vieill." 

No. 222. Anas obscura Gm. 

Ist zu streichen, es war jenes Exemplar eine weibliche dunkle 
zahme Boschas gewesen. Ebenso ist die moschata keine wilde 
Art, sondern eingeführt. Dass sie vom Herzoge und von Gosse 
aufgeführt wird, beweist nichts, denn ich selbst schoss ein Männ- 
chen in der Cienega de Zapata, was sich als ein aus der Nach- 
barschaft entflohenes Exemplar ergab. Es hatte auch stellenweise 
weisse Färbung. Mr. Gosse ist nicht kritisch; denn er führt 
Stubenvögel u. a. als jamaikanische Arten auf, z. B. 3 J.m-Arten, 
Numida meleagris u. a. 

No. 224. Fuligula mariloides. ' 

Die Seite 230 gegebene Synonymie ist nach Reports nicht 
richtig; denn da ist sie Fulix af Jinis Baird. Anas marila Forster 
nee L. Fuligula marila Aud. (aber nicht Aud. im Bd. VII. von- 
Birds of America) nee Stephens. Fuligula affinis Eyton. Gosse 



zu den „Beiträgen zur Ornithologie Cuba's." 93 

Marila affinis Bon. (Compt. Rend.) Fuligula mariloides Vig. nee 
Yarrel Brit. Birds. Fuligula minor Giraud. 

Die anderen Namen gehören der auch in Europa vorkom- 
menden grösseren Art an, nämlich: Fulix marila Baird. Anas 
marila L. Gm. Wils. Fulig. mar. Steph. Sw. Bon. (Aud. im Bd. 
VII.) Giraud, Eyton. Aythya marila Bon. „Anas frenata Sparrm. 
2 Marila frenata Bon. (Compt. rend.) Fuligula Gesneri (Wils.) 
Jard. 

No. 226. Clangula albeola. 

Noch gehört zur Synonymie Anas rustica L. J. 

No. 227. Clangula americana Bp. 

Meinem Plane getreu, nur beobachtete sichere Arten aufzu- 
nehmen, unterdrücke ich diese Art gänzlich. Die von Lembeye 
beobachtete Art war übrigens nicht Clangula americana — Anas 
clangula Wils. — sondern Oidemia americana = Anas nigra Wils. etc. 

No. 229. Erismatura dominica. 

Bleibt das ganze Jahr hindurch auf der Insel und nistet. 

No. 230. Mergus cucullatus L. 

Als Seite 232 zum Druck kam, hatte ich selbst schon ein 
Weibchen gesammelt; auch schon im Jahre 1850 zwei Stück in 
Zarabanda erlegt. Seit jener Zeit ist die Art noch einigemal 
vorgekommen. 

Die Familien Longipennes , Totipalmes und Colymbidae sind 
in den Reports von Mr. Lawrence abgefasst worden. Er weicht 
etwas in den Namen und der Synonymie von Cabanis Ansicht ab. 
Ich copire die Namen und Synonymie der cubanischen Arten. 

No. 231. St. frenata Gambel. St. minuta Wils. Bon. Aud. 
St. argentea Nutt. vom Jahre 1834. St. frenata Gambel 1848» 
(Im Falle St. argentea Nutt. dieselbe als St. arg. Pr. M. wäre, 
dürfte arg. vorzuziehen sein. Der Vieillot'sche Name ist jedoch 
wohl der beste. Mr. Lawrence kannte bei seiner Abfassung noch 
nicht Herrn Cabanis Ansicht, sonst hätte er wohl etwas geändert.) 

No. 232. Hydrochelidon plumbea Wils. Sterna plumbea Wils. 
junger Vogel. St. nigra Bon. Nutt. Aud. „St. suri/uimc/i<is Gm.'' 
Bon. (Wenn Bonaparte's Meinung richtig ist, so wäre der Name 
surinamensis besser, als plumbea, d. h. wenn wir annehmen, dass 
die amerikanische Art von der europäischen abweicht.) 

No. 233. St. fuliginoea Gm., ohne andere Namen. — Ich 
habe Herrn Lawrence die letzten Bogen des Journals noch über- 
sandt, und nach Ansicht derselben schreibt er mir: „1 will wiite 



94 Dr. J. Gundlach: Zusätze und Berichtigungen 

you about Sterna fuliginosa at some future time, as I wish to 
exaraine into the matter (über panayensis Gm.) If you send me 
any more birds for examination, I would like to see a specimen 
such as sent to Cabanis." Uebrigens glaube ich, dass, wenn unsere 
Art wirklich die panayensis ist, die Nordamerikaniche es auch ist; 
denn diese lebt dort von Texas bis Florida. 

No. 234. Gelochelidon aranea Wils. Sterna aranea Wils. Bon. 
St. anglica Nutt. Aud. (Es scheint, dass Lawrence die anglica Mont. 
als verschieden ansah, was auch Bonap. that. 

No. 235. Thalasseus acuflavida Cabot. Sterna cantiaca Nutt. Aud. 
No. 236. Sterna regia Gambel, St. cayana Bon. Nutt. Aud. 
Thal. reg. Gamb. 1849. 

No. 237. Anous stolidus Leach. Sterna stolida L. Bon. Nutt. Aud. 
Dieses ist die von Mr. Lawrence gegebene Synonymie. Er 
nimmt nur 3 Genera an 1. Sterna, 2. Hydrochelidon , 3. Anous. 
Letztere 2 jedes nur mit l Art, (plumbea und stolidus.) 

Bonap. in Comptes rendus erscheinen die auf Cuba vorkom- 
menden Arten so: 

Anous (Leach.) stolidus L. (niger Steph. leucoceps Sw.) 
Hydrochelidon (Boie) surinamensis Gm. (plumbea Wils. nigra 
autorum americanorum). 

Gelochelidon (Brehm) aranea Wils. 
Thalasseus (Boie) acuflavida Cabot {cantiaca Aud.) 
Sternula (Boie) frenata Gamb. (minuta Wils. nee L. argentea 
Nutt nee Wils. Antülarum Less.) 
Haliplana (Wagl.) fuliginosa Gm. 
Sylochelidon (Brehm.) cayennensis Gmel. 
No. 238. Chroicocephalus atricilla. 
Bietet keine Neuigkeit dar. 
No. 239. Larus zonorhynchus. 

Mr. Lawrence nennt sie L. delawarensis Ord. Dieser Name ist 
vom Jahre 1815. L. canus Bon. Rieh. L. Irachyrhynchus Rieh, et 
Sw. L. zonorhynchus Rieh, et Sw. 1831. Nutt. Aud. Bon. Ga- 
vina zonorh. Bruch. 

Diese Art ist dem argentatus sehr ähnlich, hat aber die 
Spitzen der Schwingen schwarz, während sie bei argentatus weiss 
sind. Ich besitze den ächten alten L. argentatus. Es wäre mög- 
lich, dass der Herzog den zonorhynchus beobachtet hat, jedoch 
könnte auch ein Irrthum stattgefunden haben. Ich setze die Art 



zu den „Beiträgen zur Ornithologie Cuba's." 95 

zonorkynchus jetzt in den Anhang als unsichere Art, und streiche 
gänzlich 

No. 240. Larus marinus 
aus dem Katalog. Das Individuum, welches Lembeye besass (jetzt in 
meiner Sammlung) sandte ich zu Mr. Lawrence, der es als Junges 
von argentatuß erklärte. Die Art des Ausstopfens hatte es ver- 
grössert. 

Demnach blieben also nur 2 Mövenarten, die No. 23S und 
No. 241. Larus argentatus Brunn. Bon. Nutt. Aud. 
dem Mr. Lawrence Laroides argentatus Bruch. Bon. und Laroides 
argentatoides Rieh, beisetzt. Diese Art wird zuweilen zum Markte 
in Habana gebracht, auch ward sie in der Bai von Cardenas 
lebend gefangen. 

No. 243. Phalacrocorax floridanus Aud. 

Diese Art, schon vom Herzoge angegeben, ist als richtig be- 
stimmt, ungeändert geblieben. Mr. Lawrence sagt: Phalacroc. 
florid. Aud. Graculus floiid. Bon. Phalacr. brasiliensis Bon. und 
Chaculus düophus Gray, aber letztes Citat ist auf 2 Seiten vor- 
her als Art Grac. dil. festgestellt, (also ein Irrthum von Lawrence). 
Herr Cabanis setzte mit ? zu floridanus den düophus Vieill. 

Nach Mr. Lawrence heisst das Genus Graculus L. und hat 
die Subgenera 

1. Phalacrocorax Briss., mit den Arten carbo, perspicillatus 
und cincinnatus. 

2. Graculus Bon. mit düophus, floridanus, mexicanus. 

3. Uiile mit penicillatus, violaceus. 
No. 244. Phalacr. Townsendi Aud. und 
No. 245. Ph. resplendens Aud. 

Herr Lawrence, dem ich meine Musterexemplare zur Ansicht 
schickte, sagt, die Art sei mexicanus. Carbo mexicanus Brandt. 
Graculus mex. Bon. Phal. lacustris Gundl. mss. „Phal. resplendens" 
Lemb. adult. „Ph. Townsendi" Lemb. juvenis. Das, was ich früher 
bei 245 sage, gehört also zu mexicanus. 

No. 246. Sula fusca Br. Es ist nur ein Druckfehler : Sula 
„fulva" anstatt fusca Vieill. Mr. Lawr. lässt den Namen „Sula" 
für die Art „bassana" L. und „Dysporus Illig." für die Art „Jiber" 
Linn. Letzte Art ist nach ihm 

Pelecanus fiber L. Pelecanus sida L. Dysporus sula Ölig. Hon. 
Sula brasiliensis Spix. Sula fusca Vieill. Bon. Nutt. Aud. In des 



96 Dr. J. Gundlachs : Zusätze u. Berichtig, z. d. „Beitr. z. Orn. Cuba's." 

Herzogs erstem Verzeichnisse steht Dysporus Sula was richtiger 
ist als die Aenderung Hartlaub's in Sula bassana. 

No. 247. Phaeton aethereus L. 

Ich traf diese Art in grösserer Anzahl im Frühjahr am Cabo 
Cruz, d. h. der südlichsten Spitze der Insel in den Felswänden 
der steilen Küste nistend an. Ich erlangte 10 Stück und sandte 
1 Stück an Mr. Lawrence, der gerade diese Familie bearbeitete. 
Er sagt in den Reports: 

Phaeton flavirostris Brandt. — Lepturus candidus Briss. Phaeton 
candidus Gray. Ph. aethereus Bon. Nutt. Aud. Ph.flav. Brandt. 1837. 
Sclater. 

The above description is taken from a very perfect specimen 
obtained on the south side of Cuba. It is without doubt the 
species described and figured by Audubon and which recent wri- 
ters refer to the „candidus" of Brisson (flamr. of Brandt). In 
a monograph of the Phaetonidae, given by the Prof. Brandt in 
the Bulletin of the St. Petersburg Academy, he says Gmel. Latham 
and others have confounded the too species aethereus L. and 

candidus Br Mr. Sclater in Zool. Proc. adopts Brandt's 

name of „ßavir." for the reason that Br. was no binomalist and 
has no claim to bestow specific names in a binominal System. — 
Mr. Lawrence spricht dann noch von einem anderen, von einem 
Händler ohne Vaterlandsangabe gekauften. Dieses hat er später 
im Jahre 1860 als Ph. ßavo-aurantius in den Ann als of the Ly- 
ceum of Nat. Hist. in New- York, Vol. VII. April 1860 beschrieben. 

No. 248 Plotus Anhinga Linn. und folgende autores. 

Diese Art heisst bei Wilson melanogaster. 

No. 249 Tachypetes aquilus Vieill. 

Schon von weitem kann man das Männchen am völlig schwar- 
zen Gefieder, das Weibchen an einem weissen Brustfleck und die 
Jungen an einem weissen Kopf und Hals erkennen. Nistet auf 
Bäumen. — 

Dieses sind die Anmerkungen und Verbesserungen die ich im 
Augenblick machen kann. Zufälligerweise bleibt sich die Zahl der 
Vogelarten gleich, obgleich viele Arten seitdem entdeckt wurden, 
während andere gestrichen werden müssen. Ich lasse nun die 
in den früheren „Beiträgen" im Journal noch nicht angeführten 
Arten folgen. 

(Schluss folgt.) 



Alex. v. Homeyer: Zur Naturgeschichte des Girlitz. 97 

Zar Naturgeschichte des Girlitz, Fringilla Serinus Lin. 

Von 
Alex. v. Homeyer. 

Sechs Jahre in Frankfurt a. M., — in einer Gegend, in der 
der Girlitz sehr häufig, vielleicht von ganz Deutschland am häu- 
figsten ist, dazu manche interessante Notiz in den ornithologischen 
Zeitschriften über seine noch nicht genügend bekannte Verbrei- 
tung, wie Aufklärung seiner Naturgeschichte selbst, — veranlassten 
mich, dem Girlitz meine Aufmerksamkeit zu widmen. Ganz be- 
sonders willkommen war mir der durch Herrn Dr. Julius Hoffmann 
gelieferte Aufsatz*), welcher mir bei meinen Beobachtungen viel- 
fach als Richtschnur diente, indem er auf das Interessante der Le- 
bensweise aufmerksam machte; möge mir demnach erlaubt sein, 
auch hier mich an diese, in jeder Beziehung vorzügliche Ar- 
beit**) zu halten und einige bezügliche Bemerkungen folgen zu 
lassen, wobei gleich gesagt sein mag, dass Vieles übereinstim- 
mend ist und demnach nur als eine Bestätigung gelten mag, und 
nur Weniges abweicht, worüber von Anderen entschieden werden 
möge. Zur Sache also! 

Julius Hoff mann sagt 

1. Ueber die Ankunft: dass einzelne Vögel Anfang- 
April, alle erst in der Mitte dieses Monats da seien. 

Meine Beobachtungen sind folgende: 

Im Jahre 1854 sangen am 1. April sehr viele Girlitze in der 
Stadtpromenade von Frankfurt a. M., woraus hervorgeht, dass die 
ersten Ankömmlinge gewiss 8 Tage früher einpassirt seien, also 
am 23. März, einer Zeit, welche genau mit der Ankunft in den 
folgenden Jahren übereinstimmt. 

1855 nämlich sang der erste Girlitz ebenda schon am 19. März, 
56 am 24., 57 am 23. einige, 58 der erste am 24, viele am 2. 
April, 59 der erste sogar schon am 13. viele am 19. März. Im Jahr 
1860 verliess ich Frankfurt am 9. März, und war bis dahin der Gir- 
litz noch nicht angekommen; den ersten sah ich am 5. April in 
Baden-Baden am Alten-Schloss, den zweiten am 15. April ebenda 
am Neuen-Schloss. 

Demnach dürfte für Frankfurt a. M. der Frühjahrszug etwas 

*) Naumannia IL 3. p. 58—64. 
**) Je mehr und länger ich mich mit dem Vögelchen beschäftigte, desto 
mehr lernte ich die Arbeit würdigen. 

Journ. f. Ornith., X. Jahrg., Nr. 56, Mars 1862. 7 



98 Alex. v. Homeyer: 

früher als für Stuttgart fallen, etwa für die ersten Ankömmlinge 
am 20. bis 24. März, für den Hauptzug am 1. April. 

In Betreff des Herbstzuges bin ich ein schlechter Beobach- 
ter, wenigstens für die Details, und weiss ich desshalb auch nichts 
Näheres anzugeben, als dass im August die Girlitze mit ihren 
Jungen flugweise auf die Felder gehen und Ende September oder 
Mitte Oktober uns verlassen, während einzelne noch Anfangs No- 
vember zu sehen sind. — 

Am Mittel-Rhein überwintert der G-irlitz nicht, und wurden 
mir nur 2 Ausnahmefälle bei Mainz bekannt, während ich es bei 
Frankfurt nicht beobachtete. Das erste Mal war es im Febr. 54, 
als ein laut lockendes Männchen an mir vorbeiflog, das 2. Mal 
im strengen Winter 60 bis 61, dass sich drei Vögel bei hohem 
Schnee dicht vor meinem Fenster auf einem Gartenstück des al- 
ten Kästerich sehen Hessen, ohne sich den Hänflingen und Stieg- 
litzen intim anzuschliessen, denn oft genug waren die Vögel ein- 
zeln oder unter sich; einige Tage darauf sass ein Trupp von 8 
Stück vor meinem Fenster, welcher acht Tage lang blieb und 
dann der rauhen Witterung halber weiterzog. 

2. Ueber sein Treiben gleich nach der Ankunft: 
Die ersten sind stets Männchen, und diese machen sich 
sogleich durch ihren Gesang, den sie von den Baum- 
spitzen ertönen lassen, sowie durch ihr unruhiges 
Treiben sehr bemerkbar. 

Wenn die Witterung schön, d. h. hell, sonnig und milde ist, 
so hat es vollkommen seine Richtigkeit mit dem munteren Treiben 
des lebhaften Vögelchens und mit dem schnellen Sichbemerkbar- 
machen; denn die singenden Männchen schwirren immerzu oder 
treiben sich mit einem zizizi händel- und. eifersüchtig aus dem 
kleinen Revier ihres zukünftigen Nistplatzes. Ist es aber kalt 
und unrüstig, namentlich windig und regnerisch dabei, oder treibt 
gar Schnee, — eine Witterung wie wir sie Ende März und An- 
fang April so oft haben, — so macht unser Vögelchen ein ganz 
anderes Gesicht. Es hält sich niedrig, um Schutz gegen die 
Witterung zu finden, und lockt nur hier und da leise und verstoh- 
len aus einem Strauch heraus, oder trippelt der Nahrung halber 
auf der Erde neben einem Meldenstrauch, — aber immer ruhig 
ohne bei seiner schlechten Laune viel Wesen's und Lärm zu 
machen. So kann es bei anhaltend ungünstiger Witterung kom- 
men, dass schon viele Girlitze vorhanden sind, ohne dass man 



Zur Naturgeschichte des Girlitz. 99 

viel von ihnen sieht, und dass dann beim ersten Sonnenblick er 
in Unzahl von allen hohen Bäumen herabsingt. 

Das eigenthümlichc grünlingsartige Fliegen, was immer von 
heftigem Singen begleitet ist, geschieht erst Mitte April; oder 
wenn dieser Monat kalt ist, erst von Anfang Mai ab , und scheint 
mir ein Balzen zu sein, herbeigeführt durch regen Geschlechtstrieb. 

3. Der Gesang hat die meiste Aehnlichkeit mit dem 
des Accentor modularis. 

Hoffmann's Vergleich ist vorzüglich; der Gesang ist durch- 
aus dem einer Heckenbrunelle (Accentor modularis) so ähnlich, 
dass er mit ihm verwechselt werden kann, wie es wenigstens mir 
am 1. April 1854 erging, als ich nach Frankfurt kommend, den 
Girlitzgesang noch nicht kannte. Dieser Irrthum dauerte jedoch 
nur wenige Minuten, dann wusste ich mir den „eigenthümlichen Bru- 
nellengesang" sofort zu deuten; Hoffmann weiss dies „eigentümlich" 
ganz prächtig mit seinem „Finkenschnabel" zu charakterisiren, d. h. 
das Klangvolle der Brunelle fort, und dafür S- und R-Töne, wo- 
durch der Gesang hart wird, und nun noch das Tempo der Car- 
riere hinzu, wodurch fast ein Schwirren erzielt wird. — Dem 
Gesänge des Goldhähnchens (Regulus), wie Baldamus will, ist 
der Gesang allerdings auch ähnlich, doch gefällt mir Hoffmann's 
Vergleich ungleich besser, wenigstens würde es mir nie passiren, 
Girlitz- und Goldhähnchengesang mit einander zu verwechseln; 
der Girlitzgesang entbehrt einmal jeglichen sanften Characters. 
Aehnlichkeitsbeziehungen erster Linie sind ferner noch mit dem 
Gesänge der Fringilla citrinella vorhanden, welcher zwischen 
Stieglitz- und Girlitzgesang „genau mitteninne" steht.*) 

Der Vergleich des Gesanges mit dem Kanarienvogel will mir 
durchaus nicht gefallen; mit diesem hat der Girlitz nur die pie- 
penden Töne unmittelbar vor der Begattung wie das „äd" gemein, 
welch' letzterer Ton von beiden Vögeln in Mitten des Singens 
während einer kleinen Pause so gern gegeben wird und bei Bei- 
den mit einem Seitwärtswenden des hinteren Körpertheilcs be- 
gleitet ist, welches beim Kanarienvogel langsam, bei Letzterem, 
bedingt durch die grosse Lebhaftigkeit, sehr oft und sehr schnell 
mit hängenden Flügeln und gehobenem Schwänze geschieht 

Sehr bezeichnend für den Gesang ist übrigens der bayrische 
Name unseres Vögelchens „Hirngritterl", wie es uns Pfarrer Jäekel 



k ) Siehe darüber dieses Journal Y1IL S. 372 und IX. S. 71. 

7* 



100 Alex. v. Homeyer: 

in der Naumannia III., S. 394 , mittheilt, indem der ganze Cha- 
racter des Schwirrgesanges mit seinen R-Tönen darin enthalten ist. 

Was den Gesang in der Stube anbetrifft, so hat er seine 
Liebhaber; Herr Eduard Kuhlmann*) schwärmt sogar für ihn; 
dieser hielt stets 1 — 3 Vögel „des Gesanges halber" im 
Käfig, und charakterisirte mir diesen 1852 in Mainz durch die 
Worte : ähnlich schwirrend und stotternd wie der Grauammer, aber 
der Ton klangvoller und der Gesang abwechselnder und länger. 

Mir ist der Gesang im Freien seiner Eigenthümlichkeit hal- 
ber stets willkommen, im Zimmer jedoch kann ich ihn nicht lei- 
den, und so wird es gewiss einem Jeden ergehen, dessen Ohr 
ein Wenig durch die sanften Töne der Sylvien verwöhnt ist, — 
ja ich sage, dass die Härte des Girlitzgesanges sogar nicht mit 
andern Finkenge sängen harmonirt und somit auf die Dauer stört. 

4. Sehr eigenthümlich ist die Vorliebe des Girlitz 
für bestimmte Orte. In der nächsten Nähe von Stutt- 
gart ist er ziemlich gemein, aber über eine Stunde 
ringsum ist gewiss kein einziger anzutreffen. 

Dies ist sehr richtig. Der Girlitz kann an einem Ort sehr 
häufig und 4 Meilen davon eine Seltenheit sein, wenn auch dem 
Anscheine nach di# Oertlichkeitsverhältnisse die nämlichen sind; 
dies gilt (oder galt, wie wir gleich sehen werden), z. B. von 
Frankfurt a. M. und Mainz. Das Warum jedoch vermag man 
nicht zu deuten, und darin liegt eben das Räthselhafte, was noch 
vermehrt wird, wenn dann an einem solchen nicht besuchten Ort 
der Girlitz sich plötzlich sehr zahlreich einstellt, ohne dass die 
Verhältnisse günstiger für ihn wurden (s. Mainz und den Nach- 
trag über Hanau), oder auch plötzlich verschwindet (s. Rastatt). 

Bei Frankfurt a. M. also und ganz speciell in der dortigen 
Stadtpromenade ist der Girlitz ein so häufiger Vogel, dass man 
kaum dem Sperlinge**) das Vorrecht geben kann. Man findet ihn 
ferner bei sämmtlichen benachbarten Dörfern und den dazwischen 
liegenden Obstbaumpflanzungen, wenn auch nicht so häufig, wie 
in der Promenade selbst, welche als eigentlicher Lieblingsaufent- 
halt der ganzen Gemarkung zu betrachten ist. 

Als ich 1852 zu Mainz in Garnison stand, war der Girlitz 
daselbst eine grosse Seltenheit; im Gartenfelde, einem ausge- 
dehnten Baum- und Buschgartenstück, lebten damals kaum 2 Paare ; 

•) Grossherzoglich Hessischer Oberzollamts-Kevisor und Freund der Vögel. 
**) Der allerdings gerade nicht sehr zahlreich ist. 



Zur Naturgeschichte des Girlitz. 101 

später etwa 1858 vernahm ich durch Herrn Conservator Nicolaus, 
dass der Girlitz etwas häufiger wurde, und im Frühlinge 1860 
hörte ich ihn daselbst überall in so unglaublicher Menge sin- 
gen, dass ich die Zahl eben so gut auf 100, wie nur auf 50 an- 
geben kann. 

In Hanau ist er jetzt häufig. (S. Nachtrag.) 

Bei Offenbach überall, jedoch nicht zahlreich. 

Bei Trier kam er 53 nicht vor. 

Bei Durlach im Rheingau war der Girlitz vor einigen Jahren 
nach Herrn Förster Diess ziemlich häufig, jetzt nicht. 

Bei Rastatt sah ich ihn nicht, obwohl für treffliche ertlich- 
keit gesorgt zu sein scheint (Schloss Favorite). Durch den alten 
Vogelfänger Schwan, der unsern Vogel ganz genau kennt, und 
für den ich überhaupt einstehe, erfuhr ich, dass der Girlitz da- 
selbst früher sehr häufig gewesen, dass sein Vorkommen jetzt 
aber so vereinzelt wäre, dass er nur in einzelnen Jahren einige 
Junge während des Herbstes auf den Salatstauden gefangen hätte. 

Bei Baden-Baden beobachtete ich im April 1859 zwei Paare, 
und endlich am 16. Juni und die folgenden Tage ebenda viele 
singende Männchen. Da diese nun vorhin nicht daselbst gewesen 
waren, es überdies für die Zugzeit bedeutend zu spät war, so 
glaube ich, dass es Brutvögel des Schwarzwaldes waren, welche 
nun mit ihren Jungen in's Thal hinabstiegen. — 

5. Er ist nie auf der Höhe, sondern nur im Thal, 
oder auf ziemlich ebenem, tiefliegendem Terrain zu 
suchen. 

Im Allgemeinen stimmt dieses allerdings, namentlich für 
Frankfurt, dem Lieblingsaufenthalte, aber nicht für Baden-Baden, 
Gernsbach, Ebersteinschloss, den Fremersbergen, dem Merkur, 
kurz den westlichen Schwarzwaldpartien. Hier in fast geschlos- 
senen 80jährigen Weisstannen -Waldungen, welche mit Buchen 
durchwachsen sind, trifft man den Girlitz, wenn auch gerade nicht 
häufig, so doch fast überall zu 1 — 3 Pärchen, namentlich auf den 
gegen Süden liegenden Bergabhängen. 

Ich gestehe, dass einerseits bei der Aehnlichkeit des Girlitz- 
und Citronenzeisig-Gesanges, wie andererseits wegen Hoffmann's 
definitiven Urtheils „er ist nie auf der Höhe", ich im Schwarz- 
walde bei einem mir sonst doch so bekanntem Vogel ganz irre 
wurde und lange nicht wusste, wen ich denn eigentlich vor mir 
hätte, bis ich denn endlich sicher beobachtete, dass dies hier der 



102 Alex. v. Homeyer: 

Girlitz sei, während der Citronenzeisig im eigentlich hohen Schwarz- 
wald und dessen östlich nach Würtemberg zu liegenden Abhän- 
gen vorkommt. 

6. Er hat für den Birnbaum eine ganz besondere 
Vorliebe, auch für den Zwetschenbaum; auf einem 
Apfel- oder Kirschbaum fand ich noch kein Nest, und 
im Nadelholz, wie HerrHeuglin im 3ten Heft der Nau- 
mannia vermuthet, möchte er wohl nie brüten. 

Bei Frankfurt a. M. nistet der Girlitz vorzugsweise 
auf Nadelholz. Ich erwähnte gleich anfangs die Stadtpromenade 
als den Hauptaufenthaltsort unseres Vogels; diese ist im wahren 
Sinne des Wortes im englischen Geschmack angelegt: Laubholz ist 
vorherrschend, Laub- und Nadelholz aller Art wechselt mit offenen 
Gras- oder Wiesenplätzen oder den herrlichsten Blumenanlagen, 
bald für sich in Gruppen stehend, bald im bunten Gemisch, bald 
das Nadelholz isolirt eingesprengt. So ist es namentlich die 
Rothtanne, die Weisstanne, die Lärche wie die Weihmuthskiefer, 
welche oft in 3—5 Stämmen mit einer grösseren Laubholzgruppe 
vereint, den Promenaden ein so hübsches Ansehen geben, da sie 
so schön zum hellen Grün des Laube« contrastiren, was recht 
oft noch erhöht wird, wenn sich das an und für sich unheimliche 
Laub einer Blutbuche zu ihnen gesellt. 

Hier nun, — namentlich wenn diese Busch- und Baumgrup- 
pen ein Wenig zurückgezogen sind, so dass ein freies Rasen- 
plätzchen vor ihnen liegt, und vielleicht auch noch ein Teich, 
und seitwärts sich andere Baumpartien anschliessen, so dass da- 
durch ein gegen Süden offenes , gegen Norden vielleicht noch 
durch hohe Rothtannen geschütztes Plätzchen von circa £ Morg. 
Grösse entsteht, ist der Girlitz zu Hause; hier sieht man ihn, 
hier gaukelt er im hellen Sonnenschein über den offenen Platz 
hin von Baum zu Baum laut singend, und oft fledermaus- oder 
grünlingsartig flatternd. 

Hier nun fand ich das Nest fast stets in dem in einer Laubholz- 
gruppe einzeln eingesprengtem Nadelholz in einer Höhe 
von 6-— 20 Fuss; das Nest sitzt am häufigsten auf der Rothtanne, 
doch fand ich es auch oft genug auf der Weihmuthskiefer, der 
Weisstanne und Lärche, wie 1 Mal auf dem Taxusbaum und 
etliche Male auch auf dem Lebensbaum (Frankfurter Kirchhof). 
Man kann sich denken, dass ich nach Hoffmann's Aufsatz gerade 
dieser Sache meine ganze Aufmerksamkeit schenkte, und ergab 



Zur Naturgeschichte des Girlitz. 103 

sich das 8 jährige Resultat bei circa 40 Nestern von Nadelholz 
zu Laubholz wie folgt: 



Rothtanne 9 

Weihmuthskiefer ... 4 

Weisstanne 3 

Pinu8 halepensis ... 1 

Lärche 2 

Taxus J 

Lebensb. (Juniperus) 4 



Apfelbaum 6 

Birnbaum 3 

Zwetschenbaum ... 2 

Traubenkirsche ... 2 

Linde 1 

Quercus ilex 1 



24 15 

Der Platz des oft sehr variirenden Nestchens ist je nach 
dem Alter des Baumes verschieden; am liebsten sitzt es bei 
circa 50jährigen Rothtannen, auf den vielleicht 15 Fuss hoch 
entspringenden und bis zu 5 Fuss herabhängenden grossen Sei- 
tenästen, und zwar gewöhnlich 5 Fuss von der abwärts gewen- 
deten Spitze entfernt, zwischen der Hauptrippe selbst und 1 — 2 
Nebenästchen. 

Ist der Baum jünger (10—15 Jahr), so steht das Nest gern 
auf % der Höhe neben dem Hauptstamm und der Gabelung zweier 
Quirläste (ähnlich wie so oft Fr. coelebs bauet). — 

Ein Mal fand ich das Nest hängend angebracht, so dass ich 
es anfänglich für ein Goldhähnchennest hielt, um so mehr, da es 
in einer alten Rothtanne hing, welche mitten im Laubwald und 
wenigstens 150 Schritt vom Waldsaum entfernt stand; der Boden 
des Nestes hatte nicht die geringste Stütze, und waren die Seiten 
mit 3 senkrecht herabhängenden Zweigen verwebt, kurz, ganz 
wie beim Goldhähnchen.*) 

Im geschlossenen, d. h. dichten Nadelwald, kommt der Gir- 
litz meines Wissens nicht vor; sind jedoch Laubbäume einge- 
sprengt, so dass der düstere Charakter gemildert wird, Partien, 
wie wir sie im westlichen Schwarzwalde finden, so ist es unserm 
Vogel recht. 

Ja selbst in 20jährigen Tannenschonungen, welche mitten 
im Laubwalde. liegen, kommt der Girlitz vor (Forstliaiis bei Frank- 
furt), sie dürfen nur nicht zu dicht, sondern durch Laubbäume 
und offene Plätze durchbrochen sein. Der Vogel tändelt hier 
viel älter der NadelhoTianlage selbst n'er, welche durch den hohen 
sie umstehenden Laubwald geschützt und wann ist. und setzt gern 
sein Nest am Saum der Schonimg in einem Nadelholzbaum selbst. 



*) Natürlich ein Ausnahmefall. 



104 Alex. v. Homeyer: 

Bei Frankfurt also ist nach meinen Erfahrungen eine wirk- 
liche Vorliebe für das Nadelholz vorhanden; oft genug habe ich 
das Nest in einer ganz isolirt stehenden Tanne oder Kiefer etc. 
mitten in einem Garten oder Weinberg gefunden, wo sonst nur 
Laubholz vertreten war; nur 1 Mal ist mir der entgegengesetzte 
Fall passirt, wo das Nest auf einer alten Linde stand, wo die 
schönsten gemischten Laub- und Nadelholzpartien in nächster 
Nähe standen. Es fällt mir übrigens eine kleine Neckerei Sei- 
tens des Herrn Dr. Bolle ein, welche angeführt zu werden verdient : 

Im Sommer 1858 war der Freund bei mir in Frankfurt, und 
viel wurde über den Girlitz und über die Vorliebe für das Na- 
delholz gesprochen; wir befanden uns gerade im botanischen 
Garten, als ein Girlitzmännchen vor uns aufflog, sich einige Mo- 
mente auf einen Fliederstrauch setzte und dann einem grossen 
Firnissbaum zuflog. „Nun," meinte Bolle, „der Vogel wird sein Nest 
hier haben und zwar nach Ihrer Theorie oder Praxis im Taxus- 
baum." „Allerdings," meinte ich, „wenn dieser Vogel sich an die 
alte Frankfurter Regel seiner Kameraden hält, ja." Nun ging es 
an das Durchsuchen des riesigen Taxus; Bolle schüttelte mit dem 
Kopf, — wir durchsuchten die Laubbäume, — umsonst, — end- 
lich wieder zurück nach dem Taxus, und — das Nest sass 
wirklich in ihm. Ich lege auf diesen Fall natürlich kein Ge- 
wicht, denn andere ähnliche Fälle stehen ihm zur Seite; aber 
Freude machte es mir doch. 

Schliesslich noch einige Worte über das Nisten auf dem 
Apfelbaum; Hoffmann will es nicht gern, er hat noch kein Nest 
gefunden, während in meiner Verhältniss-Rubrik die Zahl 6 steht, 
und ich beantworte die Sache mit dieser Frage: Wo nistet der 
Girlitz in jenen Apfelbaumpartien, welche zwischen Frankfurt und 
den benachbarten Dörfern fast das ganze Feld bedecken, ohne 
dass gerade andere Baumarten vertreten sind, und wo das Vö- 
gelchen so häufig ist?*) 

Der Girlitz ist nach verschiedenen Oertlichkeiten seines Auf- 
enthaltes (Frankfurt und Stuttgart) in seinen Lebens Verrichtun- 
gen und Gewohnheiten bei sonst vielleicht ganz ähnlichen Ver- 
hältnissen verschieden, was allein ihn uns zu einem so interessan- 
ten Vogel macht, dass er unsere vollkommene Aufmerksamkeit 
verdient. 



S. Naumannia 1858. p. 146. 



Zur Naturgeschichte des Girlitz. 105 

Wohlan denn, ihr Ornithologen des Rheinlandes und anderer 
girlitzbewohnter Gegenden, schenkt ihm die ganze Aufmerksam- 
keit, ergründet das Eigentümliche Eurer Gegend, erforschet alles 
Interessante, vor Allem die Ursachen des geheimnissvollen Wan- 
dertriebes, und theilt hierorts das Ergebniss der Studien mit. — 

Als Nachtrag gebe ich die Beobachtungen meines ehrwürdi- 
gen Freundes, des Pfarrers W. F. Trinthammer, welche um so 
interessanter sein dürften, da sie schon 1806 beginnen. 

Es ist eine bemerkenswerthe Erscheinung, dass sich manche 
Vögel bisweilen von langgewohnten beschränkteren Standorten 
nach gewissen Richtungen hin allmälig weiter verbreiten. Auch 
an dem Girlitz hat man solch ein langsames Fortrücken von 
Süden nach Norden wahrgenommen, und kurz sei Ihnen mitge- 
theilt, was ich selbst in dieser Hinsicht beobachtet habe. Zu- 
vörderst eine Vorbemerkung: Als warmer Freund der Natur hatte 
mein Vater schon früh in mir ein besonderes Wohlgefallen an 
dem gesammten gefiederten Völkchen zu wecken gesucht und auch 
mit dem Girlitz wenigstens par renommde mich bekannt gemacht. 
Wir wohnten eine Stunde nördlich von Frankfurt a. M., wo ich 
bis 1809 das Gymnasium besuchte, und jener niedliche Vo- 
gel im Weichbilde der Kaiserstadt, Gott weiss, seit 
wann her, ein freies Beisassenrecht nebst beliebigem 
Gartenvergnügen genoss. Da Letzteres im naturgeschicht- 
lichen Unterrichte zu Haus bereits öfters erwähnt worden war, 
so konnte es wahrlich nicht fehlen, dass „unser Frankfurter 
Vögelchen", wie meine Schulkameraden gemeinlich ihn nannten, 
desto stärker mich anziehen musste, weil ich dasselbe nie zuvor 
in der heimischen Gemarkung gesehen hatte, jetzt aber es über- 
all in den diesseits gelegenen Gärten und noch viel häufiger in 
den Sachsenhäuser Baumstücken am Mühlberge vor Augen bekam. 
So wurde denn sechsmal von mir aufs freudigste der Girlitz be- 
grüsst, wenn er im Laufe der Ostermessen zur lustigen Feier des 
Nickelchestages sich einstellte, wobei nicht vergessen werden darf, 
dass seine Vermehrung von Jahr zu Jahr zu wachsen schien, 
nachdem die seit 1806 geschleiften Festungswerke Frankfurts sich 
nach und nach in herrliche Anlagen umgewandelt hatten. — 
1818 kehrte ich in das elterliche Haus zurück und lebte dort 
bis 1835, während welcher Zeit mein Frankfurter Liebling mir 
etliche Mal von einem Bornheimcr Vogelfänger, der ihn am Rö- 
derberge gefangen hatte, für meine Stubenvoliere geliefert ward. 



106 Dr. Carl Bolle: 

Im Sommer 1829 wurde mir zum ersten Mal das Vergnügen zu 
Theil, in meinem Garten 2 junge Vögelchen an einem Kressen- 
beet zu sehen und ihrer habhaft zu werden. Sie mussfcen wohl 
in der Nähe ausgebrütet worden sein, denn in den folgenden Jah- 
ren Hessen sich hin und wieder um das Dorf her Standvögel hö- 
ren, ohne dass ich jedoch ihre Nester ausfindig machen konnte. 
Seit 1835 ist Hanau mein Wohnort, wo ich schon früher von 1813 
bis 1818 mich aufgehalten habe. Während jener Zeit ist mir 
nie ein Girlitz hier vorgekommen, — nach meinem 2. Einzüge 
aber gewahrte ich bald, dass mittlerweile rings um unsere Stadt, 
also 4 Meilen östlich von Frankfurt, eine ziemliche Ansiedlung 
stattgefunden hatte, und seit einigen Sommern zeigte sich regel- 
mässig auch in meinem kleinen Hausgarten ein Pärchen, das, da 
sich in der nächsten Nachbarschaft die günstigste Brutgelegenheit 
darbietet, sich ansässig gemacht haben muss. Auf Nadelholz soll 
der Girlitz am liebsten nisten. Hieraus erklärt sich wohl, warum 
es ihm zu Frankfurt, dessen Gärten mit allerlei Nadelholzarten 
von jeher geziert waren, so vorzugsweise behagt hat." — 
Glogau, den 24. Februar 1862. 



Noch etwas aber den Girlitz. 

Von 
Dr. Carl Bolle. 

Im Anschluss an den vorstehenden Aufsatz meines Freundes, 
des Lieutenant A. von Homeyer, bemerke ich noch Folgendes : 

Der Girlitz ist bei Frankfurt so lange einheimisch, als wir 
überhaupt eine ornithologische Litteratur haben, d. h. seit wenig- 
stens drei Jahrhunderten. Konrad Gessner, dem Aldrovandi fast 
wörtlich nachschreibt, kennt ihn bereits daselbst unter der noch 
jetzt von uns gebrauchten Benennung. Er fügt hinzu, der eigent- 
liche deutsche Name sei Fademle, in der Schweiz Schwadeile, im 
Elsass Gyrle. Auch des Ausdruckes Hirngryll geschieht bei jenen 
älteren Autoren bereits Erwähnung. „Zu derselben Art gehören 
nicht minder die Scartzerini genannten Vögelchen, die bei Trient 
(in Welschtyrol) gefangen, und nach Deutschland gebracht werden. 
Dort heissen sie „Hirngryllen", ihres beständigen Singens wegen, 
welches sie, gleich den Grillen auf sonnigen Aeckern oder den 
Heimchen um warme Bäder und Backöfen herum, unaufhörlich 



Noch etwas über den Girlitz. 107 

vernehmen lassen. Auch in Kärnthen fängt man sie und in Augs- 
burg werden sie häufig verkauft, wobei man die Bemerkung ge- 
macht haben will, das Weibchen singe ebenfalls. Man hat in Italien 
in den Vogelhäusern vom Girlitz Junge aufgebracht. Mit dem Zeisig 
gepaarte Sieen haben nur Eier gelegt, aus denen nichts auskam." 
Der Girlitz erscheint, allerdings höchst selten, von Zeit zu Zeit 
im nördlichen Deutschland und dehnt seine Flüge wahrscheinlich 
bis zu beiden Meeren aus. Er ist, soviel ich weiss, auf Helgo- 
land erlegt worden. Ausserdem kenne ich zwei Fälle seines Vor- 
kommens in der Mark Brandenburg. Sie betreffen Beide in der 
Jungfernhaide bei Berlin gefangene, vereinzelte, aber unstreitig 
wirklich wilde Individuen. Der Erste derselben ereignete sich 
vor länger als zwanzig Jahren, wo der Vater eines hiesigen Vo- 
gelhändlers und Vogelstellers, des Herrn Gustav Bless, für den 
ich mich als höchst zuverlässigen Gewährsmann verbürgen kann, 
einen Girlitz dicht bei der Möckernitz, einem verwachsenen Wald- 
sumpf am rechten Spreeufer, zwischen Berlin und Spandau, unter 
Zeisigen fing. 

Damals war der Girlitz den Berliner Vogelhändlern so gut 
wie unbekannt. Das ist seitdem anders geworden. Die durch 
die Eisenbahn so sehr erleichterte Kommunikation führt ihn uns 
nun aber nicht von Frankfurt her, sondern aus dem Südosten, 
aus Ungarn und Oesterreich, in ziemlicher Menge lebend als Stuben- 
vogel zu. Dies geschieht erst seit zwei bis drei Jahren. Jetzt fehlt 
es einem Vogelstande unseres so reich versehenen Marktes nicht 
leicht an einigen Paaren dieses niedlichen Finken, den man seines 
Gesanges halber weniger als seines hübschen Gefieders und sei- 
ner Kleinheit wegen schätzt und von dem die alten Hähnchen 
mit fast ganz goldgelbem Kopfe am beliebtesten sind. Besonders 
Schöne gelten das Stück etwa einen Gulden. Anfangs verstüm- 
melten nicht selten die Verkäuferinnen den wahren Namen des 
Vogels nach der Analogie des provinziellen „Zeising" in „Girling" 
jetzt haben sie ihn richtig aussprechen gelernt. Das Thierehen 
Schon eine so alltägliche Erscheinung geworden, dass Alfred 
Hansmann, wenn er fortfährt unseren durch seine elegante Feder 
verherrlichten Vogelmarkt zu besuchen, jetzt die Schulkunden 
mit demselben Gleichmuf !i auf einen Käfig hindeutend „Das ist 
ein Girlitz," sagen hören kann, wie sie sonst wohl in ihren ornitlio- 
logischen Erklärungen : „Das ist ein Stieglitz, das ist ein Ilanfer- 
ling," etc. zu dociren pflegen. 



108 Dr. Carl Bolle: 

Die Fortpflanzung des Girlitzes in der Gefangenschaft geht 
mit grosser Leichtigkeit vonstatten.*) Es unterliegt keinem Zweifel, 
dass derselbe mit geringer Mühe, gleich dem Canarienvogel, zum 
vollendeten Haus vögelchen gemacht werden könnte. 

Ich will hier ein Beispiel einer derartigen Vermehrung, de- 
ren Zeuge und Veranlasser ich ganz neuerdings gewesen bin, er- 
zählen, weil sie Nebenumstände zu meiner Kenntniss brachte, die 
für die Beurtheilung des Girlitznaturells nicht ohne Bedeutung 
sein dürften. Dieselbe kann zugleich als Beweis der Zutraulich- 
keit und der Verhältnis smässigen Klugheit dieses Thierchens 
dienen. 

Ich unterhielt im Frühling 1861 ein Girlitzpärchen in einer 
geräumigen Voliere, unter Canarien vögeln und anderen Fringillen. 
Sie waren spät hineingesetzt worden, daher mochten sie wohl 
Zeit brauchen, sich mit ihrem neuen Aufenthalt zu befreunden. 
Trotzdem, dass das Hähnchen mit gewohntem Eifer sein Lied er- 
tönen Hess und auch die eigenthümlichen flatternden Schwenkun- 
gen in der Luft ausführte, fing es doch erst in der zweiten Hälfte 
des Juni an, Paarungsversuche zu machen, welche anfangs vom 
Weibchen eigensinnig zurückgewiesen wurden, doch bald mit ei- 
nem, zu meiner Freude, keineswegs platonischen Ehebündniss en- 
deten. Nach längerem Zögern entschlossen sich die Vögel plötz- 
lich zum Nestbau. Binnen drei Tagen ward er begonnen und 
vollendet. Das Nest stand in einem jener bekannten Harzer Holz- 
bauer, war hoch aufgethürmt, enthielt oben aber nur eine ganz 
flache Vertiefung, gerade geräumig genug um die drei Eier, wel- 
che hineingelegt wurden, aufzunehmen. Vom Legen des zweiten 
Eies an, verliess die Mutter das Nest fast gar nicht mehr; sie 
Hess sich auf demselben von ihrem darin sehr eifrigen Gatten 
aus dem Kröpfe atzen. Das Merkwürdigste war, dass sie, hierin 
den gewöhnlich schüchternen und bei jeder Annäherung abstrei- 
chenden, oft die Eier mit sich hinausreissenden Canariensieen 
ganz ungleich, fast wie eine Glucke auf den Eiern und später 
auf den kleinen Jungen sass. Man konnte den Bauer sammt 
dem Nest herunternehmen und das brütende Thierchen mit der 



*) Der treffliche Beobachter Tristram bemerkt über den Girlitz in Algerien, 
derselbe werde daselbst oft zahm gehalten, und pflanze sich mit Leichtigkeit 
in der Gefangenschaft fort. Er fand den Vogel in dem hauptsächlich aus 
wilden Oelbäumen bestehenden Walde von Koleah, am Südrande des Sa- 
helgebirges, im Mai 1856 brütend und das Nest dem des Stieglitzes sehr 
ähnlich, aber weniger tief und wärmer ausgefüttert. 



Noch etwas über den Girlitz. 109 

Hand berühren und streicheln, ohne dass es von seinem Platze 
gewichen wäre. Dabei muss bemerkt werden, dass hier von keinem 
etwa aufgefütterten Vogel die Rede ist. Gegen Ende der Brut- 
zeit nahm die Emsigkeit im Brüten noch zu. Nur durch vorsich- 
tiges Beiseiteschieben des Vögelchens konnte man zur Ansicht 
der Eier gelangen. Ein Ei war klar. Die zwei ausgekommenen 
Jungen gediehen unter der Pflege ihrer Eltern anfangs vortreffllich. 
Das Hähnchen fütterte noch fleissiger als die Sie. Immer noch 
bedeckte sie Letztere, als ich eines Tages bemerkte, wie ein 
Kleines, schon mit Stoppeln bedeckt, gestorben war und bereits 
in Verwesung überzugehen begann. Die Alte hatte es weder zu 
entfernen gewusst, noch sich in ihrer Mutterpflicht durch den üblen 
Geruch beirren zu lassen. Sie hatte ihren Sitz auf dem Nest 
nicht aufgegeben. 

Das überlebende Junge wuchs heran und war vollständig 
befiedert, als es nach mehrmaligen, verfrühten Versuchen das Nest 
zu verlassen, bei einem abermaligen Herausspringen aus dem hoch 
hängenden Bauer, so unglücklich fiel, dass es mit zerbrochenem 
Kreuze am Boden der Voliere gefunden wurde. 

Was that nun das Girlitzpärchen? Es gab einen seltenen 
Beweis seiner Klugheit und Denkfähigkeit. Die Ursache des 
Todes seines Kindes bewog es nähmlich, das zweite Nest tief un- 
ten in einem, kaum einen Fuss über dem Erdreich erhabenen, 
Harzbauer anzulegen. Hier hätte ein flügges Junge dreist, ohne 
sich zu verletzen, herausspringen können. Da das Männchen in- 
dess, — es war Ende Juli, — zu mausern begonnen hatte, konnte 
das Weibchen keine genügende Befruchtung mehr erlangen und 
die zweite Brut unterblieb. 

Aus dem Gesagten scheint hervorzugehen, dass, nach Art 
der Buchfinken, die jungen Girlitze das Nest sehr früh verlassen 
müssen. Sie werden sich wohl, halbflügge auf benachbarten 
Zweigen sitzend, von den Eltern grossfüttern lassen. Im Winter 
mögen beide Geschlechter in getrennten Flügen leben; wenig- 
stens bemerkte ich zu dieser Jahreszeit an im Käfig Zusammenge- 
sperrten eine ebenso grosse Unverträglichkeit, als sie im Sommer 
einander Zärtlichkeiten zu erweisen gewohnt sind. 

Den Gesang lässt das Männchen in der Gefangenschaft auch 
nach beendeter Mauser, im Herbst, aber weniger fleisdg als im 
Frühling hören. Es beginnt Ende Januar oder im Februar wie- 
der damit. Was die Fütterungsmethode anbelangt, so lehrt die 



110 William Preyer: 

Erfahrung, dass, obwohl der Girlitz an fast alle Arten kleiner 
Sämereien geht, doch, wenn er gedeihen, d. h. sich halten soll, 
Mohn als Hauptfutter gereicht werden muss. In Frankfurt füttert 
man schwarzen, in der Mark geben wir mit ebenso gutem Erfolg 
den hier zu Lande gebräuchlicheren weissen Mohnsamen. 



Ueber Plaut us impennis Brunn. 

Von 
William Preyer. 

Wenn irgend eine Thierart die zu ihrer Existenz nöthigen 
Bedingungen nicht gegeben findet, wenn sie durch ihre natürliche 
Anlage im Kampfe um's Dasein im Nachtheil ist, so geht diese 
Art unter und macht andern besser organisirten Platz. So sehen 
wir Arten vergehen oder eigentlich unterliegen. Welches nun 
die unmittelbaren Ursachen des Unterganges der zahllosen jetzt 
nicht mehr durch lebende Repräsentanten vertretenen Thierge- 
schlechter sind, das ist für uns in den allermeisten Fällen in das 
geheimnissvollste Dunkel gehüllt. Nur bei einigen wenigen, in 
historischer Zeit ausgestorbenen Arten, welche, seitdem sie uns 
bekannt, immer auf einen sehr kleinen geographischen Verbrei- 
tungsbezirk beschränkt waren, kann kein Zweifel obwalten darüber, 
dass der Mensch und zwar o^er Mensch allein der Vernichter der 
Art gewesen sei; den Dodo z. B. (Didus ineptus) fanden Portu- 
giesische Matrosen noch in der Mitte des 17. Jahrhunderts lebend 
auf den Inseln Mauritius und Rodriguez, wo er jetzt ganz aus- 
gerottet ist, und wenn es nicht gelingt, ihn in den unbekannten 
Sümpfen Madagaskars aufzufinden, was sehr unwahrscheinlich ist, 
so muss er den allein durch Menschenhand vernichteten Arten 
zugezählt werden*); ebenso die zu der merkwürdigen Familie der 
Apterygiden gehörenden riesigen, wahrscheinlich flügellosen Di- 
nomis (giganteus, struthioides und didiformis Owen,) in Neuseeland. 
Der letzte Vertreter dieser räthselhaften Familie, der Kiwikiwi 
(Apteryx australis) wird zweifelsohne ebenfalls bald durch Men- 
schenhand ausgerottet werden; ein gleiches Schicksal steht viel- 



') Nicht einmal ein Skelett, oder einen Balg, oder ein Ei besitzen wir von 
diesem Vogel. Es befindet sich bekanntlich nur noch ein Brustbein in Paris, 
ein Schädel in Prag, ein Schnabel in Kopenhagen, ein Kopf nebst zwei 
Füsseu in Oxford und ein Fuss in London (im British Museum). 



Ueber Plautus impennis. 111 

leicht dem Cacas oder Guacharo (Steatornis canpensis HumbJ 
bevor. In neuester Zeit ist ein Vogel aus einer andern Ord- 
nung als die vorgenannten, wie es scheint, spurlos von der Erde 
verschwunden. Wenigstens ist es den eifrigsten Nachforschungen 
in den Gegenden, wo er zu brüten und sich aufzuhalten pflegte, 
seit mehreren Jahren nicht gelungen, auch nur eine Spur von 
dem sonderbaren Vogel zu entdecken. Es ist der von LinnC 
Alca impennis genannte Brillenalk. Er ist das einzige mir be- 
kannte Beispiel eines zu Lebzeiten des Menschen ausgestorbenen 
Thieres, welches nicht ausschliesslich durch Menschenhand ver- 
nichtet wurde, sondern wobei Natur selbst zum Theil ihr eigenes 
Werk zerstört hat, indem sie durch wiederholte submarine vul- 
canische Eruptionen gewaltig unter den Brillenalken aufräumte, 
doch will ich nicht vorgreifen. 

Dass alle ausgestorbenen Thierarten vor ihrem gänzlichen 
Aufhören immer seltener und seltener wurden, findet sich auch 
beim Brillen alk bestätigt. Gab es doch zuletzt nur einige wenige 
dicht bei einanderliegende Klippen, welche von einzelnen Reprä- 
sentanten dieser Art bewohnt wurden, während altern Berichten 
zufolge der Brillenalk auf gewissen Inseln des nordatlantischen 
Ocean's in ungeheurer Menge gesehen und getödtet worden ist. 
Jene Klippen, südwestlich von Island gelegen, heissen die Geir- 
fuglasker (Geirvogelscheren) und Eldeyjardrängar (Feuerinsel- 
klippen). Ich hatte während meines Aufenthaltes in Island im 
Sommer 1860 Gelegenheit über das letzte Auftreten des Brillen- 
alks auf diesen Felseninseln, sowie an frühern um Island gele- 
genen Nistplätzen, manche Erkundigungen einzuziehen, so dass 
wol die Acten über das Aussterben des Brillenalks in Island, 
wenn auch vielleicht nicht als geschlossen, jedenfalls als ziemlich 
vollständig betrachtet werden können. Freilich ist immer noch 
die Möglichkeit vorhanden, dass der Brillenalk nicht ausgestor- 
ben sei, die Wahrscheinlichkeit aber spricht dagegen und es steht 
fest, dass er an dein Ort, wo er zuletzt beobachtet worden, jetzt 
nicht mehr anzutreffen ist, nämlich in Island. 

Ich beabsichtige nun keineswegs in den nachfolgenden Sei- 
ten einen vollständigen Nekrolog auf den Brillenalk zu halten, 
ich will nur wenige die Naturgeschichte und Geschichte des Vo- 
gels betreffende Punkte berühren, erstlich Dämlich die Stellung, 
welche ihm int System zukommt, besprechen, und dann nach An- 
gabe des ehemaliges geographischen (iesainintvcrWeitnngsbezirks 



112 William Preyer: 

einige das Aussterben des Brillenalks auf seinen isländischen 
Brüteplätzen betreffende Mittheilungen machen, zu denen ich selbst, 
namentlich durch die zuvorkommende Güte des Herrn Carl Franz 
Siemsen in Reykjavik gelangte. 

I. • 

Ueber die Stellung des Brillenalks im System. 

Alca impennis ist der älteste, von Linne* dem Vogel zuer- 
theilte systematische Name. Linne' stellte ihn mit Alca torda in 
sein Genus Alca, welches lange Zeit keine Species ausser diesen 
beiden aufzuweisen hatte.*) Neuerdings aber hat Steenstrup ge- 
zeigt, dass A. impennis L. generisch von A. torda L. zu trennen 
sei, daher er sie nach Brünnich Plautus impennis zu nennen vor- 
schlägt. Er sagt:**) 

„Dass Alca impennis Lin. der einzige mit Recht der Art zu- 
kommende Name ist, dafern er in dem eigentlichen Alkengenus, 
Alca, verbleiben soll, wird von jedermann eingeräumt. Aber es 
werden wol eben so fast Alle darin einig sein, dass der Brillenalk 
in seinem Wesen und Verhalten so abweicht von der andern Spe- 
cies des Genus, Alca torda L., welcher der eigentliche Typus 
desselben ist und dem ganzen Geschlecht den Namen gab, dass 
er nach der jetzt allgemein üblichen Auffassung des Genusbegriffs 
ein eignes Genus für sich bilden muss. Die Kleinheit des Flü- 
gels, die vornehmlich darin ihren Grund hat, dass das Unterarm- 
bein in solchem Grade verkürzt blieb, dass es gerade nur halb 
so lang ist, als der Oberarm, während er bei A. torda fast von 
gleicher Länge ist ($)f) und das damit zusammenhängende Ver- 
halten der geringen Entwickelung der Flügelfedern der Hand, 
werden bereits die übrigen Kennzeichen aufwiegen, welche sonst 



•) Der als n. sp. unter dem Namen Alca camtschatica von Joh. Lepechin 
in den Nova Acta Academ. Petrop. (Tom 12. p. 369 — 371. 1794 (1801) 
beschriebene Vogel ist von Temminck in das Genus Phalerts gestellt wor- 
den (Phal. cristatella). Pallas nannte ihn Uria mystacea (Zoograph. II. 
p. 372). 

**) Jap. Steenstrup: „Et Bidrag til Geirfuglens, Alca impennis Lin., Natur- 
historie og aerligt til Kundskaben om dens tidligere Udbredningskreds" 
in den: Videnskabelige Meddelelser fra den naturhistoriske Forening i 
Kjöbenhavn. 1855. p. 108 ff. 

f) „Einen Unterarm finde ich beim ausgewachsenen Brillenalken durch Mes- 
sung kürzer, als bei einem ausgewachsenen Alken und seine Hand ist 
kaum ein paar Linien länger, als beim Alken ungeachtet der Oberarm 
bei ihm bedeutend länger ist und weiter reicht, als bei jenem, und der 
Brillenalk an Körpermasse den Alken bei weitem übertrifft." 



Ueber Plautus impennis. 113 

in der Classe der Vögel die Genusuntersehiede bedingen. Auf 
die Leben3wei.se des Vogels wirken jene Verkürzungen in mehr- 
facher Hinsicht ein, indem sie ihn zum Fluge untauglich machen, 
und dadurch auch eine ganz andere Atzung der Jungen bedingt 
wird, als die beim eigentlichen Alken übliche. Während man 
jenen, wann er Junge hat, häufig vom Wasser zu diesen in das 
Nest fliegen sieht mit einem Fisch im Schnabel, muss eine solche 
Fütterung beim Brillenalk von selbst wegfallen, wie bereits Nau- 
mann bemerkt hat (Deutschlands Vögel XII. Th., S. 645.) Wenn 
der Vogel wirklich bei seiner aufrechten gehenden Stellung den 
Jungen Futter im Schnabel zubrachte, dann hätte das ein so auf- 
fallender Zug sein müssen, dass die Aufmerksamkeit darauf hin- 
gelenkt und es zum Wenigsten mitunter bemerkt worden wäre, 
als man über ihn von den einzelnen Nistplätzen berichtete. Ich 
bin daher geneigt das Stillschweigen hierüber als einen Beweis 
dafür auszulegen, dass die Atzung nicht der Art war; aber es 
konnte dennoch eine Atzung mit dem Schnabel Statt finden, wenn 
man annehmen will, dass die Jungen, unmittelbar nachdem sie 
ausgekrochen waren, in's Wasser gingen, und das wird in der 
That in einigen Beschreibungen der Fischereien auf der New- 
foundlandsbank berichtet; jedoch ohne dass die ursprüngliche 
Beobachtung davon näher angegeben wäre. 

[Ein Bericht aus zweiter oder dritter Hand darüber, dass 
die Brillenalkjungen ins Wasser gehen, kurz nachdem sie ausge- 
brütet worden, ist folgender: 

„Der Pinguin ist ein anderer Vogel, schwarz und weiss ge- 
flecket. Er flieget nicht, und hat nur zween stumpfe Flügel, wo- 
mit er auf das Wasser schlaget, wenn er fliehen oder unter- 
tauchen will. Man meynet er tauche bis auf den Grund hinab, 
um seine Speise auf der Bank zu finden. Man siehet deren ei- 
nige, wenn man noch 100 Meilen vom Lande entfernt ist: sie le- 
gen aber ihre Eier auf das Land, wie die anderen. Wenn sie 
nun Junge ausgebrütet haben, begeben sie sich mit den Jungen 
auf dem Rücken zu Wasser, welche sie also auf die Bank brin- 
gen, wo man einige findet, die nicht grösser sind, als ein Küch- 
lein, wiewol sie so gross werden wie die Gänse." 

Summarische Nachricht von dem Bakkeljan- n. Stockfischfang 
bei Terreneuf in den nördlichen Theilen von Amerika, aus den 
Schriften des Herrn Denys gezogen, weicht 1 als Anhang beige- 
fügt sind dem in Leipzig 1723 in deutscher Uebersetzung heraus- 

Journ. f. Ornith., X. Jahrg., Nr. 56, Man 1862. 8 



114 William Preyer: 

gegebenen: „Alte u. neue Grönland. Fischerei u. Wallfischfang" 
v. C. G. Zorgdrager. S. 459. Denys eigne Schriften habe ich 
bis jetzt nicht aufgefunden. Obiges ist nach einer Holländischen 
Uebersetzung wiedergegeben. — ] 

Die von den St. Kilda-Bewohnern hervorgehobene Eigen- 
tümlichkeit, dass er nie zum zweiten Male ein Ei lege, wenn 
das erste Ei weggenommen werde, kann vielleicht in irgendeiner 
Beziehung stehen zu der ungleichen Atzung der Jungen und der 
grossen Schwierigkeit, die der Vogel unter gewissen Vorausset- 
zungen beim Füttern der Jungen haben muss, wenn er letzteres 
nur schwimmend und gehend besorgen kann, während seine näch- 
sten Artsverwandten im Fluge das Futter in's Nest bringen kön- 
nen. — Die Beschaffenheit des Flügels ist indessen bei weitem 
nicht der einzige aus s erste Unterschied, durch den eine gene- 
rische Trennung begründet werden könnte: auch die Verlänge- 
rung des Schnabels bietet eine solche, und noch mehr die Klein- 
heit, Stärke und der ganze Bau des Fusses, welcher eine sehr 
grosse Fähigkeit zum Klettern auf den Abhängen der Scheren 
bedingt. (Sh. Michahelles. Isis 1833. S. 650.) 

Muss aber der Brillenalk zur Seite des Tordalks ein eigenes 
Genus bilden, dann muss er seinen eigenen Genusnamen haben, 
da der Name Alca nach jeder richtigen Nomenclatur, dem Haupt- 
inhalte des Genus verbleiben muss, und die Frage ist nur die, 
ob ihm ein ganz neuer muss gegeben werden, oder ob man un- 
ter den Synonymen des Genus einen findet, der mit annehmbarem 
Grunde dafür ausgesondert werden kann. 

Als eigenes Genus ist der Brillenalk bereits seit 1771 aufge- 
stellt worden von unserm Landsmann M. T. Brünnich, welcher in 
seinen „Zoologia fundamenta"*) grosses Gewicht auf die Beschaf- 
fenheit des Flügels bei Karakterisirungen von Familien und Ge- 
nera legt, und z. B. die Genera unter den Schwimmvögeln, welche 
„femora** intra abdomen recondita" haben nach dem erwähnten 
Verhalten des Flügels, der Hinterzehe und des Schnabels folgen- 
dermassen begränzt (p. 78, 79.): 
alae ad volatum ineptae, , 

digiti antici palmati III., 
posticus unicus solutus, 



*) M. T. Brünnichii Zoologiae Fundamenta praelectionibus Academicis acco- 

domata Hafiaiae u. Lipsiae. 
**) Femora fälschlich statt tibias . . . reconditas. 



Ueber Plautus impennis. 115 

rostrum compressum, latius, 
apice incurvum, 

mandibula inferior integra: Penguinus (Pinguine) 
mandibula inferior truncata: Spheniscus (Lappen- 
flügler) 
posticus 0., 

rostrum compressum latius, 

apieibus incurvum: Plautus (Brillenvog.) 

alae ad volatum aptae, 
digiti antici palmäti III. 
posticus unicus solutus, 

rostrum rectum, acuminatum, 
membrana digitorum lobata 

vel integra: Colymbus (Lummen) 

posticus 0., 

rostrum angustum rectum, acu- 
minatum: Uria (Lumvien) 
rostrum latum compressim 

transversim striatum: Alca (Alke). 
Bereits seit 1771 ist demnach von Brünnich der Brillenalk 
(Geirfugl) als Genus gesondert worden, nicht blos von den flie- 
genden Alken unter dem Namen Plautus, sondern auch von den 
andern flügellosen Vögeln, welche mit ihm unter der Benennung 
Pinguin verwechselt worden waren, und für die Brünnich nun die 
Genusnamen Penguinus und Spheniscus feststellte. 

Ein Jahr vorher waren jedoch diese zuletzt genannten süd- 
lichen Formen als eigene Genera aus der nur wenig natürlichen 
Stellung entfernt worden, die ihnen Linne' in seinem System theüs 
als Arten des Genus Diomedea, theils als solche des Genus Phae- 
ton gegeben hatte, indem nämlich Brisson in seiner Ornithologia 
sive Synopsis methodica avium (1770. 4to. T. VI. p. 96 u. 102,) 
die damals bekannten Species der Fettgänse in seine zwei Ge- 
nera: genre du manchot (Genus Sphenisci) und genre du Gorfou 
(Genus Catarractis) gestellt hatte. Bei der Vergleichung der Kenn- 
zeichen dieser beiden Brisson'sehen Genera wird man linden, dass 
sie durchweg Glied für Glied einander entsprechen, mit An- 
nahme des einen Merkmals des Unterkiefers, welches bei den 
ersten Genus mit: „apex mandibula inferioris quasi truncatus" 
bezeichnet wird, während es beim zweiten lieisst: ,,ap. mand. int". 
rotundatus"; man wird daher gezwungen anzunehmen, dass Bris- 

8* 



116 William Preyer: 

son's und Brünnich's zwei Genera vollkommen zusammenfallen, 
und dass letzterer bei der Aufstellung der seinen wesentlich dem 
Brisson gefolgt ist, und nur darin von ihm abwich, dass er dem 
Genre du Gorfou jenes (Genus Catarractis) den Namen Pengui- 
nus beilegte. Hierbei ist zu erinnern, dass Brisson's Genuskennzei- 
chen nicht als nomina generica im Linne"schen Sinne zu betrach- 
ten sind, folglich auch nicht als solche irgend ein Prioritätsrecht 
im System haben können, und ferner dass Brünnich einige Jahre 
vorher, 1764, in seiner Ornithologia borealis, den Namen Catar- 
racta bei dem Genus anbrachte, für welches später Illiger den 
Namen Lestris vorschlug und danach konnte er nicht hier wieder 
die Bezeichnung anwenden.*) 

Später als Brünnich haben noch Leach, G. R. Gray und 
Ch. Luc. Bonaparte gesagt, der Brillenalk behaupte eine selbstän- 
dige Stellung, die beiden erstem unter dem Namen Alca, 
doch Gray nur eine Zeit lang, da er ihn später wieder mit un- 
serer A. torda**) zusammenstellte; letzterer unter dem Namen 
Pinguinus, indem er im vorigen Jahre ihn in seine in den Comp- 
tes rendus aufgestellten synoptischen Tabellen der Genera- der 
Vögel aufnahm, f) 

So wünsch enswerth es nun auch wäre, die Benennung Pin- 
guinus auf den Brillenalk zu übertragen, so halte ich das doch 
nicht für möglich ohne den bestimmten Regeln der Namengebung 
Abbruch zu thun, — und namentlich zumeist der oben angeführ- 
ten Brünnich's chen Begründung jener Genera, von der ich an- 
nehmen muss, dass sie Bonaparte unbekannt war. 

Von den Benennungen, welche Brünnich in seiner Begrän- 
zung der Genera in Anwendung brachte, können zwar mehrere, 
infolge der für eine bestimmte naturhistorische Nomenclatur ge- 
bräuchlichen Regeln, ihren Platz nicht behaupten, indem sie im 
Voraus eine bestimmte Bedeutung im System erhalten haben und 
bei festen Genera angebracht worden sind, z. B. die Namen Ca- 
tarracta und Spheniscus, die schwerlich den Genera entzogen 
werden können, an welche Möhring (Genera avium 1752) sie ge- 



*) „Ich weiss wol, dass der Brauch mich hierin nicht vollkommen bestätigt, 
aber ich will deshalb noch hinzufügen, dass Brissons Namen in dem hier er- 
wähnten Fall demungeachtet den Möhringschen weichen musste, wie man kurz 
daranf sieht." 

**) „Für den (Tord) -Alken nahm er unpassend den Leach'schen Namen 
Utamania an." 

f) „Comptes rendus des seances de l'Academie des sciences. 1856." 



Ueber Plautus impennis. 117 

knüpft hatte. Selbst der Name Plautus, wenn er nur als eine 
andere Schreibweise von Plotus*) betrachtet wird, der 1766 von 
Linnd auf den Anhinga angewandt wurde, kann nur unter der 
Voraussetzung beibehalten werden, dass jene Linne"sche Benen- 
nung der noch altern Möhring'schen, Ptynx, weicht; aber das muss 
wol ein Zufall sein, und es werden sowol Plautus als Penguinus**) 
als Genusbenennungen vermöge ihrer Priorität in der Brünnich'- 
schen Bedeutung anzuwenden sein, was um so passender ist, als 
sonst der Brillenalk die Einführung eines durchaus neuen Na- 
mens erfordern würde, indem keiner von den Synonymen des 
Genus Alca, z. B. Chenalopex Mohr., angewandt werden kann, da 
sie denselben Umfang wie Alca haben oder dem Inhalt des gan- 
zen Genus zukommen. Als Species in seinem eigenen Genus 
wird daher der Brillenalk zu nennen sein: Plautus impennis (Lin.) 
Sollten wider Erwarten die Voraussetzungen, auf die hin 
ich die Einführung des Genusnamens Plautus Brunn, für den 
Brillenalk gründete, nicht Stich halten, und ich namentlich eine 
Anwendung dieses Namens übersehen haben, welcher ihn un- 
brauchbar machen könnte, so muss ich für einen solchen mög- 
lichen Fall hinzufügen, dass ich in meinem mündlichen Vortrage 
(damals unbekannt mit dem Möhring'schen Namen Ptynx für den 
Anhinga), für den Brillenalk die Benennung Gyralca vorgeschla- 
gen habe, wenn nämlich Pinguinus, den ich für den passendsten 
Namen ansehe, von der südlichen Form der Pinguine auf die er 
angewandt geblieben ist, nicht freigemacht werden kann. Das 
Wort Gyralca wurde weniger wegen der nächsten Artsverwand- 
ten des Brillenalks gewählt, als wegen der nordischen Benennung, 
und dabei fällt dem Ohre die Analogie auf mit dem für einen 
andern nordischen Vogel gangbaren Namen: Gyrfalco." 

*) „So Cuvier Regne animal I. p. 554. note 2; anders Agassiz im Nomen- 
clator zoologicus I. Aves p. 61, aber unrichtig; Klein, welcher zuerst, soviel 
ich weiss, in die Classe der Vögel als gleichartige Ordnungsnamen die Be- 
nennungen Plotus, Plautus und Plancus einführte (damit drei der 8 grossen 
unnatürlichen „Familiae" bezeichnend, in die er sämmtliche Vögel eintheilt), 
will durch ein Wortspiel mit diesen drei Ausdrücken für „ Plattfüsser " an 
dreier berühmter Männer Namen erinnern: Rob. Plott, M. Acc. Plautus und 
Jan. Plauens (Historiae avium prodromus. Lubecae 1750, p. 14)." 

•*) „Wenn übrigens ein Genusnamen Pinguinus zurückgeführt wird auf 
Cuvier 1790 oder auf Bonnaterre 1790, so ist das meiner Meinung nach ein 
zwiefaches Missverständniss; man muss wol unterscheiden zwischen des Ver- 
fassers Umschreibung eines Genus- oder Subgenus - Begriffs und seiner Be- 
zeichnung dieser; beide rechnen des Brillenalk und [ Toni |- Alk zu Alca L., 
und wenn sie Pingouins als französische Benennung für eine Gruppe brauchen, 
wo ist dies hierbei der Inbegriff beider Alken und nicht des BriUenalks allein, 
wie bei Brisson." 



118 William Preyer; 

Soweit Steenstrup. Ich habe absichtlich den ganzen Passus 
wortgetreu übersetzt, welcher die Stellung des Brillenalks im Sy- 
stem betrifft, weil er nicht jedem leicht zugänglich ist und 
meines Wissens die ausführlichste Begründung der generischen 
Trennung des Brillenalks von dem Tordalk enthält, ausserdem 
jedoch hierbei noch manches zu berichtigen und hinzuzufügen ist. 

Steenstrups hier angegebene Gründe für eine Trennung der 
Alca impennis Lin. von Alca torda Lin., sind folgende: 

1) Die Kleinheit des Flügels und die dadurch bedingte Un- 
fähigkeit zu fliegen, mithin die von Alca torda Lin. verschiedene 
Atzung der Jungen; 

2) die Verlängerung des Schnabels; 

3) die Stärke, Kleinheit und der ganze Bau des Fusses. 
Diese drei Gründe sind die einzigen von Steenstrup geltend 

gemachten, und die beiden letzten hat er nur ganz kurz, gewis- 
sermassen vorübergehend, ohne irgendwelche nähere Angabe ge- 
nannt (S. 110, mit Hinzufügung eines Citats für den letzten.) 

So sehr ich nun der Ansicht Steenstrups bin, dass A. im- 
pennis Lin. generisch zu trennen sei von A. torda Lin. so wenig 
kann ich mich von der Gültigkeit der beiden letztgenannten 
Gründe dafür überzeugen: 

1) Die Beschaffenheit des Schnabels des Brillenalks berech- 
tigt durchaus nicht zu einer generischen Trennung von A. torda 
L., es ist bei nur oberflächlicher Betrachtung die Aehnlichkeit 
sehr gross und bei genauer Betrachtung tritt sie noch mehr her- 
vor. Bei beiden ist der Schnabel vorn stark seitlich zusammen- 
gedrückt, bei beiden linden wir das kurze, knappanliegende, 
sammetartige Gefieder, das zum Theil den Oberkiefer und noch 
weiter den Unterkiefer bedeckt. Der Schnabel ist im Verhält- 
niss zu den übrigen Körpertheilen bei beiden von ziemlich der- 
selben Höhe; ferner ist bei beiden die Firste hochgewölbt, bei 
beiden die Kuppe sanft abgedacht, bei beiden ragt die Spitze 
des Oberkiefers über den Unterkiefer hervor; bei beiden finden 
sich die bogig verlaufenden Querfurchen, welche keine Einschnit- 
te auf der bei beiden scharfen Firste erzeugen; die Dillenkan- 
te ist bei beiden hervorstehend, „sie zieht sich nach ihrer Erhe- 
bung in einer flachen Curve zu den etwas nach abwärts geboge- 
nen Ladenrändern empor;" endlich sind diese bei beiden hinten 
breiter als vorn, wo sie scharf werden. Bei so ausserordentlichen 
Aehnlichkeiten fällt, dünkt mich, die von Steenstrup als gene- 



Ueber Plauttcs impennis. 119 

rischer Unterschied hervorgehobene im Verhältniss etwas grössere 
Verlängerung des Schnabels beim Brillenalk kaum in's Gewicht. 
Es kommt noch hinzu der Umstand, dass es Individuen von Alca 
torda L. gibt — und dies ist vielleicht bei allen jungen Alca torda 
der Fall — , welche einen längeren Schnabel haben als andere. 
Ich selbst erhielt in Thorshavn auf Strömöc (Faröer) eine solche 
A. torda, welche einen bedeutend längern und seitlich weit mehr 
zusammengedrückten Schnabel hat, als dies bei gewöhnlichen 
Exemplaren der Fall ist.*) Somit erscheint es am natürlichsten 
den beiden Unterschieden des Schnabels des Brillenalks und Tord- 
alks, d. i. der Grösse desselben und der grössern Anzahl der 
Querfurchen, welche beide rein speeifischer Natur sind, die Ver- 
längerung als drittes speeifisches Unterscheidungsmerkmal anzu- 
reihen, nicht aber dieselbe als einen Grund zur generischen Tren- 
nung der beiden Vogelarten anzusehen und als Genuskennzeichen 
aufzustellen. 

[Ich will hier eine Bemerkung einschalten über die Quer- 
furchen am Schnabel des Brillenalks. Bei keinem der Exemplare, 
die ich mit Bezug darauf untersuchte, stimmt die Zahl der Quer- 
furchen am Ober- und Unterkiefer vollkommen überein: Das 
Pariser Exemplar hat am Oberkiefer 8, am Unterkiefer 9 weiss- 
liche, deutlich sichtbare Querstreifen, wogegen das aus Papa er- 
haltene im British Museum oben 8, unten 12 Querfurchen aufweist, 
von denen jedoch die 3 letzten nicht sehr deutlich sind; das an- 
dere im Brit. Mus. befindliche Exemplar mit einem vollkommen 
schwarzen (wie es scheint, gefirnissten oder lackirten) Schnabel, 
zeigt auf dem Oberkiefer 7, auf dem Unterkiefer 8 Querstreifen, 
eine JUe ist äusserst schwach angedeutet. Das eine in München 
aufbewahrte Exemplar (welches aus der Leuchtenbergischen 
Sammlung stammt) zeigt oben 8, unten 14 Querfurchen, von 
denen die beiden letzten nicht ganz deutlich. Die Zahl der 
Furchen am andern Münchener Exemplar beträgt oben 8 (der 
letzte undeutlich) und unten 11. Das Berliner Exemplar hat am 
Oberkiefer 8 und am Unterkiefer 12 Querfurchen. Aus diesen 
Angaben ergiebt sich, dass die Zahl der Querfurchen am Schna- 
bel des Brillenalks individuell verschieden ist, wie es scheint, 
immer mehr als 6 und weniger als 9 am Oberkiefer, und mehr 



*) Siehe das Nähere in meiner systematischen Uebersichi der Rückgrat- 
thiere Islands in: \\ . Pivyer und Dr. K. Zirkel: Reise nach Island im 
Sommer 1860. Leipzig, Brockhaus 1862. 6. 125. f. 



120 William Preyer: 

als 8 und weniger als 15 am Unterkiefer beträgt, dass also erste- 
rer immer weniger Querfurchen aufweist, als letzterer, dann dass 
die Zahl der Querfurchen am Oberkiefer bei weitem nicht so 
variirt, wie die am Unterkiefer, und schliesslich, dass sie immer 
grösser ist, als bei A. torda.'] 

2) Der dritte von Steenstrup aufgestellte Grund ist der Bau 
des Fusses. Michahelles sagt in der Isis (Jahrg. 1833. S. 650): 

„Ausser den drei grossen nach vorn gerichteten Zehen ist 
jedoch eine bis jetzt unbeachtet gebliebene vierte, gleichfalls 
nach vorn gerichtete, also ganz der vierten der Pinguine analog 
gebildete, rudimentäre, unter der Hautdecke der planta pedis 
verborgene Zehe vorhanden. Man sieht auf letzterer sehr deut- 
lich in Form eines dicken Wulstes mitten vom Tarsus entsprin- 
gend diese Zehe sich gerade unter die Mittelzehe hinlegen, eine 
Zehenbildung, die in ihrer Art einzig ist. — Diese ganze unter- 
geschlagene Zehe ist nur 6 — 8'" lang, und scheint mir, da ich 
den Fuss dieses seltenen Vogels nicht zum Skelett benutzen und 
so ganz deutlich untersuchen konnte, nur aus einem einzigen 
Phalanx zu bestehen." — 

Nur diese Stelle kann Steenstrup gemeint haben, wenn er 
Michahelles citirt, denn von der Stärke und Kleinheit (?) des 
Fusses (die überdies als generische Unterscheidungsmerkmale 
nicht in Betracht kommen können), sowie davon, dass der Fuss 
des Brillenalks besonders zum Klettern auf Felsen geeignet wäre, 
findet sich in der Arbeit von Michahelles nichts. 

Was aber die vierte Zehe betrifft, welche Letzterer beobach- 
tet haben will, so muss dabei vor allem sehr in Zweifel gezogen 
werden, ob das, was er so nennt, überhaupt eine Zehe, selbst 
nur eine rudimentäre, war. Denn: 

1) heisst es, „er habe die Sache nicht so ganz deutlich unter- 
suchen können;" 

2) ist die problematische Zehe meines Wissens, noch von nie- 
mandem als von Michahelles beobachtet worden und nicht 
einmal von diesem am Skelett; 

3) erwähnt Steenstrup mit keiner Sylbe „der in ihrer Art ein- 
zigen Zehenbildung", sondern begnügt sich mit dem blossen 
Citat, legt also derselben offenbar kein grosses Gewicht bei ; 

4) gibt Michahelles nicht an, ob er die Zehe bei allen von ihm 
untersuchten Exemplaren fand. 

Wenn aber die Michahellesche rudimentäre Hinterzehe wirk- 



Ueber Plautus impennis. 121 

lieh existirt und was er beobachtete nicht etwa blos eine unbe- 
deutende Verdickung oder Protuberanz des Tarsalknochens war, 
oder, was mir das wahrscheinlichste ist, eine mit der Zeit — 
durch das Gehen — immer mehr verhärtete einfache Falte der 
die Sohle bekleidenden Haut (es heisst ja: in Form eines dicken 
Wulstes), so würde der Umstand allerdings ein wichtiges Genus- 
merkmal abgeben; so lange indessen diese vierte Zehe nicht am 
Skelett nachgewiesen ist, so lange sie noch nicht beobachtet 
worden (denn die Zehe selbst hat noch niemand — auch Micha- 
seiles nicht — gesehen), so lange müssen wir auch anstehen, 
sie als vorhanden zu betrachten, und der Brillenalk hat nur 3 
Zehen, wie der Tordalk, und keine Hinterzehe, was auch Brün- 
nich auf seinem Schema angibt und wie man es in jedem Lehr- 
buche findet. 

Es bleibt also von Steenstrups Gründen eigentlich nur der 
erste stehen, welcher allerdings schon allein genügt. Wenn uns 
auch thatsächlich unbekannt ist, wie die Brillenalke ihre Jungen 
fütterten, so war jedenfalls die Atzung dieser eine total andere, 
wie beim Tordalken, und es ist allerdings wahrscheinlich, dass 
die jungen Brillenalke, gleich nachdem sie ausgekrochen waren, 
in's Wasser gingen, was die Tordalk jungen nicht thun, zumal der 
ganze Körperbau des Brillenalks diesen zu einem weit geschick- 
teren Schwimmer und Taucher macht, als Alca torda L. ist. 
Ausser der Verschiedenheit im Flügelbau jedoch und der dadurch 
bedingten Flugunfähigkeit und verschiedenen Atzung der Jungen 
kommen als generische Unterscheidungsmerkmale des Brillen- 
und Tordalks noch zwei Thatsachen in Betracht, welche von 
Steenstrup nicht in Anschlag gebracht wurden, obwol sie wichtig 
genug sind, erstens die, dass beim Brillenalk die Flügel bei wei- 
tem näher nach dem hintern Ende des Körpers zu angebracht 
sind als bei A. torda L., was erstem wiederum den Fettgänsen 
der südlichen Hemisphäre näher bringt; zweitens hat E. Blyth in 
den Proceedings of the Zoolog. Soc. London, 1837, p. J22, 123 
gezeigt, dass beim Brillenalk das Oberarmbein einen ungemein 
engen Hohlraum aufweist und die Tibia vollständig mit Mark an- 
gefüllt ist. Beim Tordalken sind diese beiden Knochen vollkom- 
men hohl; er würde auch sonst mit seinen kurzen Flügeln tfcmög- 
lich fliegen können. Beim Brillenalk hingegen sind jene Knochen 
ebenso schwer, wie sie bei Aptenodytes sind. 

Meine Gründe für eine generische Trennung der Alca im- 



122 William Preyer: 

pennis L. von Alca torda L. sind daher, mit Beibehaltung des 
ersten von Steenstrup, folgende: 

1) Die Kleinheit des Flügels (des Unterarmbeins und der 
Flügelfedern) und die dadurch bedingte Unfähigkeit zu fliegen, 
somit die von A. torda verschiedene Atzung der Jungen; 

2) die Stellung der Flügel, welche bei A. impennis L. weit 
mehr nach hinten gerückt sind, als bei A. torda L.; 

3) die anatomische Beschaffenheit der ossa brachii und der 
tibiae, welche bei A. impennis, erstere zum grössten Theil, letz- 
tere ganz mit Mark angefüllt sind, während sie bei A. torda 
vollkommen hohl befunden werden. 

Will man noch mit Steenstrup als vierten Grund 

4) die Verlängerung des Schnabels bei A. impennis L. hinstel- 
len, so mag man es thun, wiewol sie streng genommen kein ge- 
nerisches Unters cheidungsmal darbietet, wie wir gesehen haben, 
indem der Schnabel im Uebrigen zu sehr mit dem von A. torda L. 
übereinstimmt. Es lässt sich indessen die Frage: „Was ist ge- 
nerischer, was specifischer Unterschied?" nicht immer ganz scharf 
beantworten^ namentlich wenn es sich um die Diagnose zweier 
Genera handelt, welche jedes nur eine einzige Species enthalten; 
es bleibt leider dabei einzelnes der Willkür überlassen. 

Ausser den von Steenstrup genannten Forschern hat noch 
C. W. Gloger im Jahre 1842 (also 13 Jahre vor Steenstrup) in 
seiner gemeinnützigen Naturgeschichte der Säugethiere und Vö- 
gel die Notwendigkeit der Herstellung eines eigenen Genus 
für A. impennis L. ausgesprochen und zu dem Zwecke das Ge- 
nus Mataeoptera aufgestellt. Dem Nachweis Steenstrups zufolge 
hat indessen der Brünnichsche Plautus die Priorität für sich. Soll- 
te dieser Name Plautus etwa der grossen Ausdehnung wegen, die 
Klein*) 12 Jahre vor Brünnich dem Begriffe gab, oder weil er 
nur eine andere Schreibart für Plotus ist oder aus andern Grün- 
den, nicht Stich halten, so darf er keinenfalls durch G-yralca Steen- 
strup ersetzt werden, sondern es muss in diesem Fall der sehr 
passende Name Mataeoptera Gloger**) seine Stelle einnehmen, 
welcher dann die Priorität für sich haben würde. 

*) Siehe Klein : Stemmata avium Lips. 1759. p. 36 — 38 u. dessen : Prodrom, 
histor. avium Lubecae 1750. §. 75. sowie historia avium. 

**) Der von Gloger vorgeschlagene Name „Schwimmalk" scheint hingegen 
weniger passend, indem „Brillenalk" charakteristischer ist. Immerhin 
kann Schwimmalk als deutsche Bezeichnung dem Genus verbleiben, wäh- 
rend die Species Brillenalk genannt bleibt. 



Ueber Plautus impennis. 



123 



Es bleibt nun noch übrig die systematische Stellung des Genus 
mit seiner einzigen Species Plautus impennis Lin. Brünnich fest- 
zusetzen. 

Dass es unmöglich da stehen bleiben kann, wohin es Brün- 
nich stellte, ist einleuchtend. Das Brünnichsche von Steenstrup 
vorstehend mitgetheilte Schema der sechs Genera Penguinus, Sphe- 
niscus, Plautus, Uria, Colymbus und Alca, welches Steenstrup 
wenn er es auch vielleicht nicht aufrecht erhalten will, nirgends 
missbilligt, ist durchaus unnatürlich. Dadurch wird der mit wahr- 
haften Federn versehene dreizehige Brillenalk von seinen nächsten 
Artsverwandten, den Alken weit weg in die Gruppe der vierze- 
higen, mit Schuppenfedern bedeckten Fettgänse verwiesen, und 
nun die Unterscheidungsmerkmale ! Das „digiti antici palmati III" 
kommt allen 6 Genera zu, kann also nicht als Unterabtheilung 
figuriren, das „rostrum transversim striatum" bei Alca ist in weit 
höherm Grade bei Plautus der Fall, also nicht am Ort; dassel- 
be gilt von dem „rostrum compressum latius apieibus ineurvum" 
bei Plautus was ebenso Alca zukömmt, und überdies auch noch 
bei Penguinus und Spheniscus angebracht ist u. s. f. 

Die 6 Genera Brünnichs sind seit der Entdeckung vieler 
neuer Species in viele neuere Genera zerspalten worden. In fol- 
gender Tabelle habe ich sie zusammengestellt und es geht daraus 
hervor, welches die natürlichste Stelle ist, die dem Plautus Br. 
zukommt: 

Brünnichsche Genera: Neue Genera: 

Penguinus | _ , Tll . / Penguinus Brunn. 

1 Farn. Impennes Illig. \ Ä ■. ^ 

r Aptenodytes Forster. 



Spheniscus 

Plautus 

Alca 



Farn. Alcadeae 



Uria 



Colymbus Farn. Colymbidae 



Plautus Brunn. 
Alca Lin. p. 
Uria Brunn. Lath. 
Brachyramphus Brandt. 
Mergulus Ray. 
Stychoramphus Brandt. 
Phaleris Tennn. 
Tyloramphus Brandt. 
Omhia Eschsch. 
Cerorhina Bonap. 
Fratercula Briss. 
Podiceps Lath. 
Eudytes lllig. 



1 
g 



£ 



124 



William Preyer: Ueber Plautus impennis. 



Plautus bildet den Uebergang von den Alken zu den Pingui- 
nen. Die Reihenfolge der übrigen zu der Familie der Alcadeae 
gehörenden Genera ist nach Brandt (Bullet, de l'Acad. de St. 
Petersb. 1837, p. 345 — 349) gegeben. Somit ist die Stellung des 
Brillenalks im Systeme folgende; 

Plautus (Brün.) impennis (Lin.) ist einzige Species des Genus 
Plautus Brunn., welches das letzte Genus der grossen Familie der 
Alcadeae darstellt und von allen der Familie der Impennes 111. am 
nächsten steht, auf der andern Seite aber unmittelbar neben das 
aus der einzigen Species Alca torda Lin. bestehende Genus Alca 
Lin. gestellt werden muss. 

Synonymen und Namen des Plautus impennis sind: 
Plautus pinguis Klein. 
Plautus impennis Brünnich. 



Alca impennis 
Alca maior 
Chenalopex impen. 
Pinguinus impenn. 
Mataeoptera imp. 
Grönländisch : 
Isländisch : 
Färöisch: 
Dänisch: 
Auf St. Kilda: 
Norwegisch : 
Englisch : 



Linn£ 

Brisson. 

Möhring. 

Bonaparte. 

Gloger. 
Esarokitsok. 
Geirfugl. 

Goirfugl, Gaarfugl. 
Brillefugl, Tossefugl. 
GarefowL 
Anglemage. 
Great Auk, Northern Auk. 



Holländisch : Penguyn. 
Französisch: Grand Pingouin du Nord. 
Deutsch: Brillenalk. 
Auf den schottischen Inseln: Alk, Auk, Alka. 



(Fortsetzung folgt.) 



E. Schutt: Fortpflanzung des Tannenhehers. 

Beitrag zur Fortpflanzungs-Geschichte des Tannenhehers, 
Nucifraga caryocatactes. 

Von 
E. Schutt. 

Schon voriges Jahr hatte ich auf Anregung unseres hoch- 
verdienten Ornithologen Ba Idamus, alle nur mögliche Aufträge 
gegeben und ziemlich hohe Belohnungen für die Auffindung des 
Tannenheher-Nestes ausgesetzt; aber ich selbst hatte keine grosse 
Hoffnungen für Realisirung dieses Wunsches, weil bei der ange- 
borenen Indolenz der Gebirgsbewohner und dem leichten aber 
sicheren Verdienst jedes Streben nach einer ungewissen, wenn 
auch höhern Belohnung mangelt. Ausserdem hält es schwer, den 
Leuten eine Vorstellung von dem Gewünschten zu machen, wenn 
man auch, wie ich gethan, ausgestopfte Exemplare vorzeigt, sie 
hatten vorher zu wenig Acht auf so etwas gegeben. Ich machte 
mich selbst auf, um die Orte, an welchen ich den Vogel schon 
in den vorhergehenden Jahren häufiger beobachtet hatte, zu visi- 
tiren, hatte aber, auf der Höhe angekommen, nur das Vergnügen 
bei jedem Schritt durch die leicht gefrorene Decke eines 4' hohen 
Schnees zu brechen, eine Masse Schneedruckholz zu übersteigen 
und schliesslich nach Zurücklegung von mehreren Stunden Wegs 
nach kurzem Suchen mein Vorhaben aufzugeben. Einige Monate 
später erhielt ich Nachricht, dass das Nest mit Jungen und Eiern 
zwar gefunden wurde, aber des hohen Grades der Bebrütung 
wegen mir nicht überbracht wurde!? Dieses Frühjahr sollte ich 
nun glücklicher sein und die ausnahmsweise zu dieser Zeit schnee- 
freien Gebirge begünstigten mein Vorhaben besonders. Ich bitte 
nun aber die Herren Leser, meine etwas minutiöse Beschreibung 
zu entschuldigen; denn wenn man so wenig von der Fortpflan- 
zung eines Thieres weiss, so hat oft das Geringste Werth. 

Gelegentlich einer vereitelten Auerhahnenjagd, denn bei uns 
beginnt die Falz später als in Norddeutschland, durchstreifte ich 
mit einigen Taglöhnern, denen ich für Auffindung des Nestes 
eine hohe Belohnung versprach, auf einem südöstlichen, 3500 Fuss 
hohen Ausläufer des Kandels, die bereits durchforsteten jungem 
Tannenbestände. Aber stundenlanges Suchen hatte nichts Wei- 
teres zur Folge, als dass eine Menge s. ^-. Eichhörnchen- Ballen 
von den Bäumen herabgeworfen wurden. Nun begab ich mich 
mit den Leuten in eine noch nicht durchforstete, etwa 30 Fuss 
hohe Fichtendickung, wo ich das Nest siehe* verniuthete: doch 



126 E. Schutt: Beitrag zur Fortpflanzungs- 

wer solche Gehölze kennt, besonders im Hochgebirge, wird er- 
klärlich finden, wie wir nach einigen Stunden aussahen, da die 
abgestorbenen Aeste und der dichte Stand des Holzes ein regel- 
mässiges Durchgehen beinahe unmöglich machte. Schon war mir 
einer der Leute durchgebrannt, auf seinen Tagelohn verzichtend, 
und ich selbst hatte in meinem zerkratzten Zustande die Absicht 
nach nochmaliger Erhöhung der ausgesetzten Belohnung den 
nichtsnutzigen Vogel (wie ihn Herr Baldamus nennt,) seinem 
Schicksal zu überlassen, als er dicht vor uns auf wenige Schritte 
wegflog, ohne sich aber hören zu lassen. Das gab nun wieder 
neuen Muth, und im Verlauf einer halben Stunde fand ich in 
der Nähe auf einer etwa 35' hohen Fichte, hart an einem Schlitt- 
wege, das Nest. Aber, o Täuschung! ohne Eier. 

Es stand etwa 25' hoch, dicht am Stamm und war von unten 
schwer zu erkennen. Am 19. März wurde das Nest gefunden 
am 23. war das erste Ei gelegt und jeden dritten Tag die zwei 
weiteren. Nachdem der Vogel drei Tage lang kein Ei' mehr hinzu 
gelegt hatte, nahm zu meinem Leidwesen der Bursche das Nest 
mit den Eiern weg. 

Als wir beim ersten Auffinden dem Neste ganz nahe waren, 
liess sich der Vogel erst in der Ferne hören, und als wir uns 
schon eine Stunde entfernt hatten, hatte sich der Vogel noch 
nicht beruhigt. Beim Ausnehmen des Nestes flog er erst ab, als 
der Bursche hinaufkletterte, und setzte sich auf den Gipfel des- 
selben Baumes, sah, ohne einen Laut von sich zu geben, dem 
Schicksal seines Nestes geduldig zu. 

Noch ist hier zu bemerken, dass von allen Verwandten nur 
die Elster so früh aber einige tausend Fuss tiefer in den Thä- 
lern brütet. Nur mit dem Nest und Ei des Eichelhehers hat das 
vorliegende einige entfernte Aehnlichkeit, aber dieser zeigt sich 
nur im Herbst zur Strichzeit hier oben. Auch hängt noch etwas 
Flaum vom Gefieder des Unterleibs im Nest, welcher noch sicher 
als dem Tannenheher gehörig zu erkennen ist. 

Aeusserlich besteht das Nest aus schwachen dürren Tannen- 
reisern , an welchen Bart- und andere Flechten haften, und ist 
mit grünen Tannenzweigen durchflochten, die von dem Baume, 
auf welchem es stand, herzurühren scheinen, doch unterliegt hier 
vielleicht dieselbe Absicht, wie bei einigen Raubvögeln, die ihren 
Horst mit frischen Laubholzzweigen garniren; fernere Bestand- 
theile sind Moos, zartere Baumrinden und Bast; die innere Aus- 



Geschichte des Tannenhehers, Nucifr. caryocatactes. 127 

fütterung besteht aus Bartflechten , Bast und dürren Grashalmen 
und bildet eine schön gewölbte Halbkugel von 4" 8"' Durch- 
messer und 2" KV" Tiefe. Das Gewicht der Eier differirt zwi- 
schen 10,27 — Hri5 Grammes im gefüllten Zustande; die Länge 
zwischen 14,75—1575"' und die Breite von 11 — 11,5"' par. M. 
Die Gestalt ist bei allen drei Eiern verschieden , von der ge- 
streckt eiförmigen spitz zulaufenden bis zur ausgebaucht ovalen. 

Grundfarbe sehr blass grünbläulich und gegenüber den zahl- 
reichen, gleichmässig über das Ei vertheilten, hell lederfarbenen 
Flecken, stark vorwiegend. Die Flecken sind theils gröber, bald 
feiner, manche zerfiiessen mit einander, doch sind sie kleiner als 
bei allen mir bekannten Corvus- Eiern, ausgenommen jenen des 
Eichelhehers, welche aber viel zahlreichere und dichter stehende, 
mehr mit der Grundfarbe verschmelzende Flecken haben, so dass 
erstere beinahe verschwindet. Nur bei einem Ei findet sich am 
stumpfen Pol eine stärkere Anhäufung von Flecken, aber ohne 
kranzförmige Bildung. 

Das Korn ist fein mit sparsamen punktförmigen Vertiefungen, 
und die Schale glätter und glänzender als beim Eichelheher; auch 
fehlen die wellenförmigen Auftreibungen in der Richtung der Breite 
bei ersteren gänzlich. 

Die kleinsten Eier vom Tannenheher kommen den grössten 
vom Eichelheher an Länge gleich, doch ist dann die Ausbauchung 
bei ersteren grösser. Die Differenz in der Breitenaxe beträgt 1"'. 

Mit der von Baron König- Warthausen in unserem Journal 
v. J. 1861, S. 39, gegebenen Beschreibung stimmen vorliegende 
Eier im Maasse so ziemlich überein, ebenso in der Grundfarbe, 
die Flecken dagegen sind zahlreich und deren Farbe lässt selbst 
unter der Lupe keine Spur von Violetgrau noch Grünbraun er- 
kennen, auch fehlen die schwarzbraunen Tüpfel. In Betracht 
dessen möchte ich jene Eier für weniger authentisch erklären. 

Beiläufig erlaube ich mir zu bemerken, dass der Aufenthalt 
des Tannenhehers während seiner Brutzeit so ziemlich von dem 
Vorhandensein undurchforsteter Fichtendickungen und von der Bart- 
flechte abzuhängen scheint, welch' letztere natürlich eine gewisse 
Höhe, Feuchtigkeit der Luft und Berglage nach Himmelsgegend 
bedingt. 

Unterdessen habe ich noch ein Nest gefunden und werde 
warten bis das Gelege vollzählig ist, um seiner Zeit weiteren Be- 
richt abstatten zu können 



128 W. Mewes: 

Sollte einer der Herren Collegen Eier dieses Vogels wün- 
schen, so bitte ich mit Angabe eines Tauschobjekts in Vögeln 
oder Eiern um gefällige Nachricht. 

Waldkirch, den 31. März 1862. 



Literarische Berichte. 



Die röthliche Färbung bei Gypaetus barbatus* 

Von 
Cons. W. Mewes 

(in Stockholm. Aus der Oefvers. af. K. Vtt.-Acad. FÖrh., 1860, No. 10, 8. 487—88 
übersetzt von Gloger.) 

Bei der Zusammenkunft der königl. Akademie der Wissen- 
schaft im April hatte ich die Ehre, einen Bericht über meine 
Reise nach Jemtland vorzulegen, in welchem ich darzulegen ver- 
suchte, dass die rothbraune oder rostgelbe Farbe, welche man 
bei manchen Kranichen im Sommer wahrnimmt, und welche Prof. 
Nilsson und Dr. Gloger für das Zeichen einer theilweise vorhan- 
denen Sommertracht des Vogels angesehen haben, blos von äusser- 
lich festgeklebtem Eisenocher herrührt. Jetzt befinde ich mich 
in dem Falle, ein gleiches Vorkommen bei dem Bartgeier, Gypae- 
tus barbatus, mitzutheilen. 

Im letzten Sommer erhielt das Reichs-Museum, mit der Orts- 
angabe „Süd-Europa", ein Exemplar dieses grossen Raubvogels, 
welches, den Ansichten einiger neueren Ornithologen zufolge, zu 
G. barb. occidentalis Schleg. , G. meridionalis und G. subalpinus 
Br. gehören sollte. Diese Subspecies soll auf Sardinien und 
auf den Pyrenäen vorkommen, und sich durch die am stärksten 
hervorstechende, orangeähnliche rostgelbe Farbe auszeichnen. 

Beim Ausstopfen des gemeinten Exemplars fand ich, dass 
das Gefüge der orangegelben Federn etwas verändert war. Die 
Strahlen waren nicht so deutlich und nicht so glatt anzufühlen, 
wie jene der übrigen Federn; sondern sie erschienen bei der 
Berührung mit den Fingern etwas hart und steif. Am kräftigsten 
zeigte sich die Farbe am Vorderhalse und der Brust, nahm da- 
gegen am Bauche ab; auch fand sich hier, da oder dort eine 
fast weisse Feder eingemengt. Der Hinterhals war entschieden 
bleicher. Die hellen Schaftstriche der graubraunen Schulter- und 
der vorderen Flügeldeckfedern waren gleichfalls orangegelb; aber 



Die röthliche Färbung bei Gypaet. barbatus. 129 

diejenigen von ihnen, welche mehr bedeckt oder neu waren, er- 
schienen weiss. Die weiter hinter und seitwärts liegenden Federn 
hatten weisse Schaftstriche und Spitzenflecke. 

Alles dies führte mich auf die Vermuthung, dass diese Farbe 
später entstanden sei, als die Federn selbst, und dass sie von 
Eisenoxyd herrühren könne. 

Um mich über die Sache zu vergewissern, wurde eine kleine, 
schmale Halsfeder in verdünnte Salzsäure gelegt und letztere bis 
zum Kochen erhitzt. Hierbei löste sich die Farbe sehr schnell 
auf, und die Feder wurde weiss. Die Auflösung Hess, mit Blut- 
laugensalz behandelt, einen sehr stark blauen Niederschlag zu- 
rück. Eine zweite, ebenso beschaffene und behandelte Feder 
gab mit kohlensauerem Kali einen orangegelben Niederschlag. 
Nun wurde auch eine beinahe weisse Feder von einem nicht an- 
gefärbten G. barbatus aus Egypten untersucht, und sie zeigte 
mit Blutlaugensalz ebenfalls nur eine geringe blaue Reaction. 

Da ferner die Farbe der Eier des Bartgeiers sehr verschie- 
den beschrieben wird, — nämlich bald weiss, bald weiss mit 
braunen Flecken: — so schien es wichtig, ein solches kennen 
zu lernen. Das Reichs - Museum erhielt eins aus den Pyrenäen; 
dieses war aber nicht weiss, sondern rostgelb mit einigen un- 
ordentlichen Flecken oder „Farbe-Anhäufungen." Auch hier rührte 
die Färbung, wie es die chemische Untersuchung vollständig er- 
wies, von äusserlich hinzugekommenem Eisenoxyd her. Es ist 
hiernach wahrscheinlich, dass der Vogel weisse Eier legt, (ein 
solches fand Meissner vollständig ausgebildet im Eileiter), und 
dass sie erst während des Brütens gefärbt werden. Eier aus 
Egypten oder sonst aus Landstrichen, wo der Vogel nicht gefärbt 
ist, sind wahrscheinlich stets weiss. 

Wie die Farbe auf die Federn kommt, müsste da, wo sich 
der Vogel vorfindet, an Ort und Stelle untersucht werden. In- 
dess wird man wohl vermuthen dürfen, dass es durch Baden des- 
selben in eisenhaltigem Wasser geschehe. Ebenso wird es wahr- 
scheinlich, dass man nach seiner mehr oder weniger intensiven 
Färbung auf das Vorhandensein einer grösseren oder geringeren 
Zahl eisenhaltiger Quellen in der von ihm bewohnten Gegend 
schliessen dürfe. Welchen Werth aber diese Farbe für das Auf- 
stellen von Arten habe, ist jedenfalls leicht einzusehen. 

Die Exemplare der schweizer Alpen seheinen weniger Stark 
gefärbt zu sein, als die aus dem westlicheren Süd- Europa 

Jouro. f. Ornith., X. Jahrg., Nr. 56, Min 1862. 9 



130 W. Mewes: 

Die vom Altai sollen bleich sein, würden also mit den egypti- 
schen übereinstimmen. 

Zusatz. Auch mir war es längst aufgefallen, dass nament- 
lich an blos ausgefüllten, (nicht ausgestopften) Bälgen die kleinen 
obersten Vorderhals- oder Kehlfedern, jede für sich betrachtet, 
an der Spitze oft wie durch einen fremdartigen Stoff zusammen- 
geklebt erschienen, und dass man besonders hier durch Schnellen 
mit dem Finger einen röthlichen Staub recht sichtbar heraus- 
klopfen konnte. Ich schrieb aber das Erstere dem Umstände zu, 
dass dem Yogel bei dem Verzehren seines Frasses gerade an 
diesen Stellen leicht Etwas von den Säften der von ihm verzehr- 
ten Thiere anhaften und so das Zusammenkleben der Federn be- 
wirken könnte; besonders wenn er sich öfters mit Aas begnügen 
müsse, welches bereits mehr oder weniger in Zersetzung über- 
gegangen sei. Und in der That muss ihm, wegen der Kürze 
seines Halses, das Eeinigen dieser Stellen durch Putzen offenbar 
schwerer fallen, als das Wiedersäubern anderer Theile, die er 
mit dem Schnabel erreichen kann.*) 

Bei dem Herausstäuben des puderähnlichen Stoffes, dachte 
ich zunächst an den ähnlichen Fall bei den Reihern, wo man 
freilich die von Nitzsch so genannten „Puderdunen" als das Organ 
kennt, welches jenen bei ihnen talgähnlich fettigen Staub erzeugt. 
Aber das Gefieder unseres Eisvogels fühlt sich, im Gegensätze 
zu dem fettigen des Wasser Schwätzers, ebenso wie mit dem fein- 
sten Talge durchstäubt an, wie das eines Reihers, obgleich jenem 
die Puderdunen fehlen. 

Rührt übrigens die röthliche Anfärbung des Geieradlers, wie 
Herr Mewes verinuthet, von dem Baden in eisenhaltigem Wasser 
her: dann könnte sehr wohl nicht bloss die Oertlichkeit, sondern 
auch die Jahreszeit, hierin einigen Unterschied bewirken. Denn 
überall wird sich der Vogel während der kühleren Jahreszeit 
weniger oft baden, als in der wärmeren; ja in der Schweiz, in 
Bayern, Tirol etc., wo er seit langer Zeit sich auf die höchsten 
Berge zurückgescheucht sieht, (während er weiter im Süden bereits 
wenige Tausend Fuss über der Meeresfläche wohnt,) wird er ver- 
mutlich den ganzen Winter über nicht an das Baden denken. 



*) Nebenher bemerkt: sollte ihm hierbei nicht vielleicht sein langer, harter 
und steifer Bart gleichsam als Bürste oder Kehrwisch dienen? Ohne irgend 
einen „praktischen" Zweck dürfte ihm diese eigenthümliche Zierde wohl kaum 
verliehen sein.> 



Die röthliche Färbung bei Gypagt. barbatm. 131 

Ebenso wenig dürfte er dies in dem sehr kalten Nordosten, also 
z. B. auf dem Altai, zu thun Lust haben. So aber kann es wohl 
geschehen, dass er zu Anfange des Frühjahres überall heller ge- 
färbt erscheint, als gegen Ende des Sommers. 

Indess wäre es denkbar, dass das Anfärben theilweise auch 
auf trockenem Wege erfolgen, und sogar da Statt finden könnte, 
wo er es nicht nöthig hat, gerade eisenhaltiges Wasser zum Baden 
zu benutzen, oder wo er sich überhaupt nur selten badet. Denn 
man darf wohl annehmen, dass er, wenn er Letzteres thut und 
hierbei die Auswahl hat, reines Wasser vorziehen werde. (Doch 
wäre vielleicht auch das Gregentheil nicht unmöglich : insofern man 
annehmen dürfte, dass eisenhaltiges Wasser dem ihn plagenden 
Ungeziefer zuwider sei, und dass bei dieser Wahl sein Instinct ihn 
leite. Suchen ja auch mehrere unserer grösseren Säugethiere das- 
selbe in kränklichem Zustande gern zum Trinken auf.) Nämlich: 
das Anfärben könnte im Zustande der Ruhe geschehen, wenn der 
Vogel sich dabei auf den Bauch legt, und wenn das Gestein seines 
Wohnplatzes eisenhaltig ist. 

Seiner, für einen Raubvogel auffallend kurzen Beine wegen 
muss er zum Ausruhen entweder eine ganz schmale Felskante 
wählen, die ihm gestattet aufrecht zu sitzen und seinen langen 
Schwanz niederhängen zu lassen; oder er muss sich, wo er keine 
solche findet, an einer flachen Stelle auf den Bauch legen. Das 
Eine, wie das Andere, hängt wesentlich von der Formation des 
Gebirges ab, welches er bewohnt. Sind nun die Stellen, wo er 
liegend ausruht, mit verwittertem, eisenhaltigem, oder in Staub 
zerfallenem Gestein, oder mit rothein eisenschüssigem Sande be- 
deckt, so macht sich das Anfärben mit Ochcr von selbst, besonders 
wenn es gerade regnet oder geregnet hat. In wärmeren Ländern 
tritt dieser Fall bekanntlich am häufigsten während der kühleren 
Jahreszeit ein. Dort kann es daher vorkommen, dass der Vogel 
sich eben dann am stärksten anfärbt, wenn er sich am wenigsten 
badet. Auch beim Liegen wird er sich übrigens den Vorderhals 
desshalb am meisten färben, weil er mit ihm bei jeder Bewegung 
des Kopfes an dem Boden hinstreicht. 

Schade nur, dass gegenwärtig kein zoologischer Garten einen 
Geieradler besitzt. An solch' einem lebenden winde sich die Dich- 
tigkeit aller dieser Vermuthungen sehr leicht prüfen lassen. 
Einiges Gelb, wenn auch nur ein mattes, dürfte aber doch wohl, 
als von innen gekommene Farbe, stets vorhanden sein und bleiben. 

9* 



132 W. Mewes: 

Das von Herrn M. vermuthete Anfärben der Eier des Geier- 
adlers würde ein Seitenstück zu dem bekannten ähnlichen Falle 
bei den Eiern der Steissfüsse bilden. In den Pyrenäen, aus 
welchen das von unserem Freunde untersuchte Ei herstammt, 
trifft übrigens das Legen und Brüten des Vogels auf eine Zeit, 
wo er das Bedürfniss des Badens wohl noch nicht häufig empfinden 
mag. Dagegen fällt namentlich sein Brüten mit dem Schmelzen 
des Schnees zusammen, bei welchem die Feuchtigkeit mehr oder 
weniger auch nach den meisten, sonst trocknen Höhlen und 
Schluchten durchsickert. Wo sie dann rothen Sand,, oder Eisen- 
ocher durchdringt und letzteren erweicht, da wird sie nun das 
Anfärben der Eier beschleunigen oder verursachen, auch wenn 
diese wirklich vorher ganz weiss gewesen wären. 

G-loger. 

Die rostig -b raunen Rückenfedern des Kranichs 

im Sommer- 
Herr Conservator Mewes berichtet über seine Untersuchung 
derselben Folgendes:*) 

„Ich habe im hiesigen Museum ein, am 19. August 1832 in 
Norbotten geschossenes Männchen untersucht, welches sich in der 
Mauser befand und auf dem Rücken und den Schultern noch einen 
Theil der alten, sehr zerschlissenen, rostbraunen und rostgelb ge- 
färbten Federn besitzt. Schon bei äusserlicher Untersuchung sieht 
man und erkennt bei dem Berühren mit den Fingern, dass etwas 
Fremdes an diesen Federn festsitzt, und dass auch schwache 
Abdrücke davon sich auf den neuen, grauen, unmittelbar unter 
den alten liegenden Federn vorfinden." 

„Um mich zu versichern, ob diess wirklich ein fremder Stoff 
sei, und aus was derselbe wohl bestehen möge, wurde eine 
solche stark gefärbte Feder mit verdünnter Salzsäure behandelt. 
Diese löste den grössten Theil des färbenden Stoffes auf; die 
Lösung aber gab mit Blutlaugensalz einen reichlichen Niederschlag 
von Berliner Blau. Hierdurch war der starke Eisen-Gehalt dar- 
gethan. Es kann somit kein Zweifel darüber bestehen, dass die 
Färbung durch Eisenocher entstanden war, an welchem manche 
unserer grossen Moore bedeutend reich sind. Die Beobachtung 
des Herrn Eug. v. Homeyer dürfte mithin wohl Aufmerksam- 
keit verdienen. W. Mewes. 



*) „Bidrag tili Jemtlands Ornithologi." In „Oefvers. af Vet. — Akad. Förh. 
Arg. 17, N. 4;« 8. 218; den 18. April 1860. 



Die rostig-braunen Rücketafedern des Kranichs. 133 

Hieran hat es ja auch nicht gefehlt. Nur dürfte eben die 
Meinung oder versuchte Erklärung, dass der Vogel sich absichtlich 
mit solchem eisenhaltigen Schlamme einschmiere, gewiss keinen 
Beifall verdienen: da kein Vogel sich irgendwie absichtlich be- 
schmutzt. Es geschieht also wohl auch beim Kraniche nur zufällig, 
wenn sein Schnabel vom Herumstechen nach Nahrung im 
Sumpfboden beschmutzt ist. 

Dass es gerade im Spätsommer häufiger und für längere Dauer 
geschieht, als zu jeder anderen Zeit, das lässt sich aus mehreren 
Gründen leicht genug erklären. Denn abgesehen davon, dass ihn 
dann vermuthlich die, sein Gefieder bewohnenden Schmarotzer 
mehr beunruhigen, als sonst, verursachen ihm zur Mauserzeit die 
neu hervorwachsenden Federn, so wie die gleichzeitige Erneuerung 
der Oberhaut (Epidermis,) mit welcher das Abstossen der alten 
Federn erfolgt, ein sehr verstärktes Jucken. Dieses versucht er, 
wie in gleichem Falle alle andern Vögel, dadurch zu lindern, dass 
er mit dem Schnabel im Gefieder herumstört. Ist dieser also 
nicht rein, so beschmiert er sich hierbei mit dem, was daran 
klebt. Nun ist aber der Sumpfschlamm gerade in der trocken- 
sten Zeit des Jahres am dichtesten und zähesten. Er haftet da- 
her um so leichter und länger, je seltener dann Regenwetter ein- 
tritt, welches ihn wieder abwaschen hilft. Uebrigens möchte ich 
nicht glauben, dass dieser eisenhaltige Schlamm bloss mechanisch 
auf das Gefieder wirke. Hierdurch allein würde sich letzeres 
wohl kaum aus dem ursprünglichen Grau bis zu „rostgelb" ent- 
färben, wie es der von Herrn M e w e s untersuchte Kranich theil- 
weise zeigt. Vielmehr beizt der, unter solchen Umständen con- 
centrirte Eisengehalt die graue Farbe, indem er sie zersetzt oder 
chemisch verändert, recht eigentlich heraus, ähnlich, wie es 
„Rostflecke" mit der Farbe von Geweben thun. 

Gloger. 



134 Sundevall: Beobachtung, d. Wanderung, d. Kraniche. 

Briefliche Mittlieilungen , Oecono- 
miscbes und Feuilleton. 



Aufforderung 
ku Beobachtungen über die Wanderungen der Kraniche« 

(Auszug aus einem Briefe des Prof. C. Sundevall in Stockholm an Prof. W. P e t e r s in Berlin.) 

„Vor mehreren Jahren suchte ich die Wanderungen der Kra- 
niche so weit als möglich durch Schweden zu verfolgen, wie aus 
der „Oefversigt" der K. schwed. Akademie für 1844 bis 1850 her- 
vorgeht. Da es sehr wünschenswerth erscheint, diese Wanderun- 
gen durch Deutschland zu verfolgen, welches für diese Beobach- 
tungen viel günstiger liegt, so bitte ich Sie, die Ornithologcn 
Deutschlands und anderer Länder, etwa durch Ca banis' Journal, 
auf diesen Gegenstand aufmerksam zu machen, und sie aufzufor- 
dern, Beobachtungen über die Züge der Kraniche anzustellen. 
Wenn dies im Frühjahr, April und Mai und dann auch im Herbste 
geschähe, so würde man daraus wissen können, wo diese Vögel 
erscheinen und wo nicht und wohin sie gehen, um in Europa ein- 
oder auszuwandern, was besonders durch Frankreich und Spanien 
gesehen muss. Es müssten Tag, Tageszeit, Richtung und un- 
gefähre Anzahl der Individuen angegeben werden, auch ob diese 
Vögel in einem Districte nur selten oder gar nicht erscheinen. 
Durch solche Mittheilungen würde man schon im ersten Jahre 
wissen können, wo diese Vögel regelmässig durchziehen, wo sie 
etwa ausruhen, ob alle von Deutschland durch Frankreich gehen, 
oder ob einige mehr direct nach Süden ziehen." Sundevall. 

Indem wir die vorstehende Aufforderung zur geneigten 
Kenntnissnahme der Ornithologen und vielen Freunde der Orni- 
thologie bringen, schliessen wir hieran die Bitte um freundliche 
Mittheilung jeder auf die Wanderungen des Kranichs bezügli- 
chen Notiz. 

Das lebhafte, Interesse für naturwissenschaftliche Beobach- 
tungen hat in Schweden bereits seit längerer Zeit zu den ausführ- 
lichsten Aufzeichnungen über das Vorkommen der dortigen Thier- 
arten geführt. Auch bei uns in Deutschland ist der Vorschlag 
zur Errichtung von „Beobachtungs-Stationen" schon mehr- 
fach, und namentlich in den früheren Jahrgängen der „Naumannia" 
lebhaft angeregt worden, ohne bis jetzt zu einer umfassenden, 
dauernden Ausführung gelangt zu sein. Um so mehr hoffen wir, 
für den vorliegenden speciellen Fall, die erwünschten Mittheilun- 
gen allseitig als einen praktischen Anfang zu solchen Beobach- 
tungs-Stationen betrachtet zu sehen, und sind gern bereit, jede 
hierauf bezügliche Notiz in diesem Journale zur Veröffentlichung 
zu bringen. D. Herausgeber. 



Alfr. Newton: Der Kehlsack der grossen Trappe. 135 
Der Kehl sack der groiien Trappe (Otis tarda).*) 

Elveden, Hereford, 29. November 1861. 

An Hrn. Dr. Hartlaub in Bremen. 

Als ich das Vergnügen hatte, Sie im vergangenen September 
in Bremen zu sehen, machten Sie mir das gütige Anerbieten, für 
mich einige Bemerkungen zu übersetzen, welche ich auf Dr. Gloger's 
Artikel in einem damals eben erschienenen Hefte des „Journal's 
für Ornithologie" (1861. p. 153 — 55) zu erwidern für meine 
Pflicht erachtete. 

Zu einer Antwort auf die Beschuldigungen, welche Dr. Glo- 
ger so freundlich war, gegen englische Naturforscher zu schleu- 
dern, fühlte ich mich nämlich nicht nur deshalb verpflichtet, weil 
ich mich gerade für den Gegenstand seiner Abhandlung bereits 
seit längerer Zeit ganz speciell interessirt habe, sondern auch 
weil von den drei Herren, über welche er sich ganz vorzüglich 
lustig macht, bereits zwei diese Erde verlassen haben, zwei, 
welche ich stets mit Stolz unter meine frühesten ornithologischen 
Freunde zu zählen pflegte. In Betreff des dritten wage ich 
nicht zu reden, denn die Stellung, welche Professor Owen in der 
wissenschaftlichen Welt einnimmt, ist ja nach seines Angreifers 
eigenem Geständniss so erhaben, dass Dr. Gloger weder durch 
verkleinernde Aeusserungen noch durch vertheidigende Beweis- 
gründe dieselbe auch nur im Geringsten afficiren würde. 

Ich will indessen nicht Dr. Gloger's critisirenden Styl criti- 
siren , sondern überlasse es vielmehr Ihren eigenen aufrichtigen 
Landsleuten, sich selbst ein Urtheil über den wahren Werth sei- 
ner Behauptungen zu bilden. 

In Betreff des verstorbenen Mitchell der zuerst als Illustrirer 
des berühmten Gray'schen Werkes „The genera of birds" be- 
kannt, dann Secretär der zoologischen Gesellschaft zu London und 
später Director der Gärten der Acclimatisations- Gesellschaft zu 
Paris war — habe ich nur wenig zu sagen. Er scheint bei der 
Untersuchung der ersten von Yarrell secirten Trappe zugegen 
gewesen zu sein, bei welcher kein Kehlsack gefunden wurde; 
und ist sein Name nur in der Eigenschaft als Zeuge bei dieser 
Operation erwähnt. 

Was aber zunächst den sei. Yarrell betrifft, so gebe ich gern 



*) Auf Ersuchen des Herrn Dr. Hartlaub aus dem Englischen über- 
setzt von Ferd. Heine. 



136 Alfred Newton: 

zu, dass er nur wenig mit der deutschen Literatur bekannt. war, 
wie er es ja auch selbst freimüthig und mit unverhohlenem Bedau- 
ern gestand; aber Alle, die ihn kannten, bewunderten so sehr die 
Grösse der wissenschaftlichen Kenntnisse, die er in den wenigen 
Mussestunden seines mühevollen Lebens sich anzueignen gewusst 
hatte, dass sie gern seine Unkenntniss in einigen specielleren 
Zweigen seines Studiums übersahen. Leider trifft es sich indes- 
sen in dem vorliegenden Falle gerade recht unglücklich für Herrn 
Dr. Gloger, denn Yarrell kannte gar wohl die von mehreren 
deutschen Naturforschern, besonders von Nitzsch selbst 
aufrecht erhaltene Ansicht über den Kehlsack der Trappe, wie 
seine Correspondenz in Betreff dieses Punktes beweist, welche 
augenblicklich vor mir liegt. Yarrell's Bemerkungen über den 
Bau der grossen Trappe wurden in der Linne' sehen Gesellschaft 
zu London am 18. Januar 1853 vorgetragen und in deren „Trans- 
actions" veröffentlicht (XXI. p. 155—160), nicht in denen der 
zoologischen Gesellschaft, wie Dr. Gloger, ohne sich viel Sor- 
gen darüber zu machen, behauptet. In der dritten Ausgabe sei- 
ner „British Birds" (II. p. 445—449), die im Jahre 1856 erschien, 
sind dieselben Angaben fast wörtlich wiederholt; und in einem 
seiner Briefe an mich vom 11. Januar 1856 heisst es folgen- 
dermassen: 

„Ich habe nun meinen Aufsatz über die grosse Trappe zum 
Drucke vorbereitet, ohne dabei auf die mannigfachen Einwürfe 
Naumann's und Anderer Rücksicht zu nehmen. Das Vorhanden- 
sein oder Fehlen einer Oeffnung unter der Zunge u. s. w. hängt 
keineswegs vom Alter ab, denn von den zwei Exemplaren, die 
ich untersuchte, war das eine 1£ Jahr alt, das andere vierjährig. 
Die verschiedene Gestalt des Luftsackes in dem einen Fall mit 
einer Einschnürung in der Mitte wie eine Sanduhr, zeigt hinläng- 
lich an, dass er nicht dazu dienen kann, Wasser zu halten. Seine 
Schwere würde jede Theilung hindern. Die geringe Menge von 
Flüssigkeit ist nur eine temporäre Absonderung der Halsdrüsen 
und der damit zusammenhängenden Zellengefässe, welche die um- 
liegenden Theile schmeidigt. Die Gras-Saamen sind zweideutig, 
ich kann nicht begreifen, wie sie hineinkamen u. s. w., solche 
fremden Substanzen würden den Vogel durch Entzündung zer- 
stören." 

Offenbar bezieht sich diese Stelle grösstentheils mehr auf 
den Bericht, den Naumann (Vög. Deutschi. VH. p. 20 — 21) über 



Der Kehlsack der grossen Trappe. 137 

seine eigenen Untersuchungen giebt, als auf den Nitzsch's, in- 
dessen hatte ich in meinem Schreiben vom 5. December 1855, 
worauf jenes die Antwort war, ganz besonders der Beobachtun- 
gen dieses letztern talentvollen Anatomen als von dem Erstem 
(1. 1. p. 10) wiederholt Erwähnung gethan. Wenn der Arzt ein 
blutendes Glied zu stillen hat, wendet er sich zu den Arterien 
und überlässt es den andern Blutgefässen, sich allmählich auszu- 
laufen, ohne grosse Furcht dem Patienten dadurch zu schaden; 
ebenso begnügte sich auch Yarrell ganz einfach damit, den Ori- 
ginal-Bericht über den vermeintlichen Kehlsack, so gut er es 
konnte, zu widerlegen, ohne die Schriftsteller zu beachten, die 
ihm, da sie neues Licht auf die fragliche Sache warfen, nur durch 
jenen irregeleitet schienen. 

Nun strengt sich Dr. Gloger gewaltig an, um den Anschein 
hervorzurufen, als sei der Glaube an dieses geheimniss volle Or- 
gan nur auf die deutschen Ornithologen beschränkt gewesen — 
ja, er deutet sogar an, dass ihnen das Verdienst dieser Ent- 
deckung gebühre. Diese Behauptung ist indessen geradezu der 
Wahrheit entgegengesetzt und beweist nur, wie ich weiterhin zei- 
gen werde, wie wenig achtsam er die Werke seiner eigenen 
Landsleute studirt hat, deren Vernachlässigung er uns Engländern 
zu einem so herben Vorwurfe macht. Um nun daher die Leser 
des „Journals für Ornithologie" in Stand zu setzen, sich selbst 
ein richtiges Urtheil über die Sachlage bilden zu können, muss 
ich sie um die Erlaubniss bitten, etwas ausführlicher auf alle 
Zeugnisse und Beweisgründe einzugehen. Ich werde dabei auf 
eine möglichst unparteiliche und folglich ganz andere Weise als 
Dr. Gloger zu Werke gehen, der das alte gute Sprichwort: „Phi- 
losophus non habet patriam" ganz und gar nicht zu ken-' 
nen scheint. 

Nach Schneider (Reliqua librorum Friderici 11. iinpera- 
toris etc. I. p. 34) hat bereits Kaiser Friedrich U. den „grossum 
Collum" beider Geschlechter der grossen Trappe, besonders bei 
(Ion Männchen „tempore coitus" bemerkt: ebenso auch Sir Thomas 
Browne im Jahre 1681. Dieser gelehrte Herr, welcher in der 
Kenntniss der Naturgeschichte seinem Zeitalter §0 weil voraus- 
geeilt war, bemerkt ferner (Works, Wikin's Edition, l. p. 311), 
dass, wie der Truthahn einen seltsamen gro 96 eU A l swu eiis 
aussen, so hat die OtU tarda einen Bekhen inwendig in der 
Haut."-- Um das Ende dos I7ten Jahrhunderte wurden sechs 



138 Alfred Newton: 

männliche Exemplare der grossen Trappe auf Veranlassung der 
französischen Academie der Wissenschaften secirt. Perrault, wel- 
cher sie untersuchte, erwähnt bei keinem derselben das 
Vorhandensein eines Kehlsackes (Mein, de l'Acad. Roy. 
des Sciences tom. III. 2te partie, p. 99 — 109); und es stimmen 
seine sonstigen ganz genau detaillirten Beobachtungen, wie Yarrell 
ganz richtig angiebt, mit Allem, was seitdem über den Bau die- 
ser Art bekannt geworden, völlig überein. — Im Jahre 1688 wurde 
der „Royal Society of London" von Allan Moulen eine Schrift mit- 
getheilt, welche einige anatomische Beobachtungen über die Köpfe 
der Vögel enthält. Unter den untersuchten Arten befanden sich 
auch Trappen (Phil. Trans. XVII. p. 714); aber nichts Kehl- 
sack-Aehnliches wird als dabei gefunden beschrieben. 
Ohne allen Zweifel verdanken wir unsere Kenntniss von 
der Existenz des vermeintlichen Kehlsackes bei der grossen 
Trappe einem britischen Anatomen, Dr. James Douglas, wel- 
chen Haller (Biblioth. Anatom. II. p. 31) als einen „vir erudi- 
tus et solers, diligentissimus incisor" bezeichnet; und die erste 
mir bekannte Erwähnung dieser Entdeckung (denn Douglas scheint 
nicht so lange gelebt zu haben, dass er es selbst veröffentlichen 
konnte, geschah im Jahre 1740 von Albin (Nat. Hist. B. III. 
p. 36) mit folgenden Worten: „Dr. Douglas hat bei dem Männ- 
chen (der Otts tarda) zwei Magen gefunden, den einen zur Auf- 
nahme der Nahrung, den andern gleichsam als ein Wasserreser- 
voir, aus welchem sie auf trockenen Haiden, fern von Quellen 
und Flüssen zehren." — Im Jahre 1747 gab Edwards (Nat. Hist. 
B. II. p. 73) einen ausführlichem Bericht und auch eine Abbil- 
dung des fraglichen Organ's: „Das Ueberraschendste aber", sagt 
er, „entdeckte bei diesem Vogel der verstorbene James Douglas 
M. D., Mitglied der physikalischen Gesellschaft; es ist dieses ein 
Beutel oder Sack, der stets frisches Wasser hält, um den Vogel 
in dürren wasserarmen Gegenden damit zu versehen; dieser Sack 
ist aufgeblasen abgebildet als Fig. A. Ich goss in denselben, ehe 
der Kopf abgeschnitten war, 7 Pinten Wein, (d. h. gegen 7 Pfunde 
nach unserem Gewicht,) ehe er überlief; Fig. B zeigt die Luftröhre, 
Fig. C die gewöhnliche Speiseröhre. Dieser Sack fehlt bei der 
Henne". Diese Stelle hat Seeligmann 1753 (Samml. verschiede- 
ner Vögel, IH. p. 41), ohne indessen Edward's Namen zu nennen, 
fast wörtlich übersetzt, auch die Abbildung wiederholt und so den 
deutschen Ornithologen bekannt gemacht; so dass ich hier seine 



Der Kehlsack der grossen Trappe. 139 

Worte wohl nicht anzuführen brauche. — Der nächste Schriftsteller, 
welcher diesen Umstand andeutet, ist Pallas in seiner Reisebe- 
schreibung unter'm 28. bis 30. Mai 1772. Leider kann ich augen- 
blicklich die betreffende Stelle nur aus der französischen Ueber- 
setzung Gauthier's de la Peyronie (Voyages de Pallas IV. p. 309) 
citiren, welche, obschon im Allgemeinen nicht eben sorgfältig, 
hier doch ausreichend sein wird. Es heisst darin von Otts tarda: 
„Cet animal a un petit trou sous la langue, qui sert d'ouverture 
ä une bourse aqueuse, qui est de la grosseur d'un oeuf-d'oie". 
Obgleich nun ohne Zweifel Pallas die in England veröffentlichten 
und in Deutschland wiedergegebenen Beobachtungen über dieses 
Organ gar wohl kannte, so scheint er doch jene Angaben ledig- 
lich nach seiner eigenen unabhängigen Untersuchung gemacht zu 
haben. — Später im Jahre 1781 erwähnt Barrington (Miscellanies 
p. 553) Douglas 's Entdeckung und giebt zugleich an, Sir Ashton 
Lever habe niemals bei dem Weibchen den Kehlsack gefunden, 
sowie, dass ein Freund, der lange in Marocco gelebt, ihm mit- 
getheilt habe, dort, wo man häufig auch zur Trappenbeize die 
Falken benutzte, mache der Hahn von diesem Wasserreservoir 
gegen seine Angreifer Gebrauch, und überliste sie gewöhnlich 
auf diese Weise (Cf. Tristram in „Ibis'" 1859, p. 285). 

Bereits vor einigen Jahren hörte ich von einem Aufsatze 
Bloch's über den fraglichen Gegenstand, konnte aber, obschon 
ich dessen Wichtigkeit vermuthete, erst ganz kürzlich und zwar 
durch die gütige Vermittlung meines Freundes Dr. A. Günther, 
denselben zur Durchsicht erhalten und so seinen wahren Werth 
erkennen lernen. Ich kann nicht umhin, meine grösste Verwun- 
derung darüber auszusprechen, dass Dr. Gloger dessen Existenz 
nicht kannte, oder dass, wenn er wirklich darum wusste, er nicht 
weit eher auf diesen, als auf Nitzsch's Angaben sich bezog, da 
er jedenfalls die stärksten Beweisgründe für seine Ansicht lie- 
fert, die ich je gefunden habe. Bloch veröffentlichte nämlich 
einen Bericht über den vermeintlichen Kehlsack der grossen 
Trappe nebst einer Tafel, welche die Oeffnung unter der Zunge 
höchst genau und deutlich darstellt, in den Schriften der berlini- 
schen Gesellschaft naturforschender Freunde vom Jahre 1782, aus 
denen ich mir die folgende Stelle etwas ausführlicher anzuführen 
erlaube : 

„Bei diesem grossen Vogel sieht man einen Sack un- 
ter der Haut am Halse, dessen Oeffnung unter der Zunge nicht 



140 Alfred Newton: 

sichtbar ist (Fig. 7a).*) Er ist weit, war bei einem alten Hahn, 
den ich untersuchte , einen Fuss lang, und erstreckte sich von 
der Kehle bis an die Brust. In den Pariser Denkschriften tref- 
fen wir eine umständliche Zergliederung dieses Vogels an, es 
ist jedoch darin dieses Sackes nicht erwähnt worden. Albin ge- 
denkt seiner zuerst, allein wie Catesby**) behauptet, so hat man 
dem Dr. Douglas diese Entdeckung zu . verdanken (Seeligmann's 
Vögel, 3. ThL p. 41). Wenn jedoch Catesby anführt, dass nur 
die Männchen allein mit diesem Sacke versehen wären, so wider- 
spricht diesem meine Erfahrung, denn ich habe ihn auch bei 
einem Weibchen gefunden. Auch Herr Professor Pallas hat die- 
sen Sack bemerkt (dessen Reise 3. Thl. S. 220), wenn jedoch 
dieser genaue Beobachter sagt, dass er nur die Grösse eines 
guten G-änse-Eies habe, so ist derselbe wahrscheinlich von einem 
jungen Vogel gewesen." 

Sodann stellt Bloch einige Betrachtungen über den mög- 
lichen Zweck dieses sonderbaren Organs an, die ich hier un- 
wiederholt lassen kann. Das Merkwürdigste übrigens an der 
angeführten Stelle ist seine Angabe, dass er den Kehlsack auch 
„bei einem Weibchen" gefunden habe, doch giebt es ja eine 
allen Juristen gar wohl bekannte Art von Zeugen, die zu viel 
beweisen wollen, und in diesem Lichte scheint schon Schneider, 
der im Jahre 17S8 das oben erwähnte Falknerei - Werk Kaiser 
Friedrich's n. herausgab, Bloch's Angaben aufgefasst zu haben. 
Derselbe lässt sich darüber (Op. cit. II. p. 9) folgendermassen 
aus: „Saccum gularem primus annotavit et pinxit in Otide 
vulgari Edwards B r i t an n u s : eundem deinde in mare vidit aquae- 
que recipiendae dicavit Cl. Pallas Itinerarii Russici T. IH. p. 220. 
Sed nuper demum exstitit vir doctus Cl. Bloch, qui feminae otidi 
eundem saccum communem asseverat in Scriptis Societat. Berolin. 
Amicorum Naturae Curios. Vol. HI. p. 376. Doleo me nondum 
potiri potuisse hac ave satis in his regionibus frequenti, sed captu 
difhcili, quo ipse oculis meis de dubitatione hac virorum docto- 
rum decernerem. Si mas solus sacco gulari gaudet, potest tum 
eum in amore forte inflare, ut Collum intumescat. Contra si fe- 
mina eundem habet, quod vix credo, alium tum eidem usum 



*) So heisst es im Original, soll aber wahrscheinlich 2 a heissen. 
**) Wahrscheinlich nur eine leichte Verwechselung mit dem oben erwähn- 
ten Edwards. 



Der Kehlsack der grossen Trappe. 141 

excogitare debemus." In der Tath ; man kann hier nur die feine 
und inständige Art und Weise bewundern, i]i welcher Sehneider 
seinen Zweifel ausgedrückt hat. — Von 1799 bis 1805 veröffent- 
lichte Dumeril Cuvier's auch von Yarrell angeführte „Lecons 
d'Anatomie comparöe^, in denen derselbe ziemlich ausführlich und 
■«■ bei den Blutgefässen, den Drüsen und überhaupt dem Zel- 
lengewebe im Halse der Vögel verweilt, ohne indessen irgend 
einer Eigenthümliehkeit an dem Halse der grossen Trappe zu er- 
wähnen. Dagegen sagt Montagu (Orn. Dict. pagg. innumm.) im 
Jähre 1802, dass ein Exemplar des Kehlsackes im Leverianischen 
Museum zu sehen sei. Leider wurde diese berühmte Sammlung 
später bei dem Verkauf gänzlich zerstreut, und ich habe nie er- 
fahren können, was aus jenem Präparate geworden ist. Mir 
scheint es indessen durchaus nicht unmöglich, dass dasselbe 
Douglas' Original-Exemplar gewesen, da Barrington, wie man sich 
erinnern wird, Sir Ashton Lever als damit in Verbindung stehend 
erwähnt. Nachdem sodann Montagu durch einen offenbaren 
Schreibfehler den behaupteten Gehalt des Sackes verdoppelt, 
fährt er fort zu beweisen, dass diese Grösse etwas übertrieben 
worden sein müsse. — Dieser Umstand hat einen anonymen Schrift- 
steller — in dem ich übrigens den verstorbenen Broderip ver- 
muthe — zu einer sehr spasshaften Bemerkung in Frazer's Ma- 
gazin (No. 297. Sept. 1854, p. 339) veranlasst. — Tiedemann wie- 
derholt im Jahre 1810 (Zoologie, IL p. 398) viel von dem früher 
über diese Sache Geschriebenen, ohne irgend neue Einzelnheiten 
hinzuzufügen, und obschon er auf Seeligmann Bezug nimmt, so 
scheint doch seine Bekanntschaft mit diesem Schriftsteller offen- 
bar nur aus zweiter Hand zu stammen, da er höchst genau alle 
die zufälligen Irrthümcr Bloch's nachschreibt, weshalb ich es hier 
untei ia»m •. -eine Worte zu wiederholen. — In Sir Everard Home's 
„Lcctures <m Comparative Anatomy" (I. p. 277 — 78) vom Jahre 
1814 heisst es folgeudermassen : 

„The male bustard in some particular speeies, which 1 liave 
examined, aas a long bag, which hange down od the anterior pari 
of the aesophagua as low aa the middle of the oeck eommnBioü 

ting with the moutli by an opening ander the tongue. wliieh 
appeara to have a splii net er-muscle. This bag was not 
met with in the young bustard, and ig unknown to several very 
intelligent naturalists in Hengal. where the bustard is eonimon 
and of several speeies." 



142 Alfred Newton: 

Diese ganze Stelle zeichnet sich eben nicht sehr durch eine 
wünschenswerthe Präcision aus, und lässt die Frage unerledigt, ob 
Sir Everard Home jemals selbst ein männliches Exemplar der grossen 
Trappe untersuchte, besonders wenn man eine damals noch unver- 
öffentlichte Schrift John Hunter's damit in Verbindung bringt, welche 
ich gelegentlich noch anführen werde. — Im Jahre 1838 compilirte 
Vieillot (Nouv. Dict. d'Hist. Natur. XXIY. p. 286) aus Perrault's 
und Pallas' weiter oben besprochenen Beobachtungen eine Be- 
schreibung der Zunge, des Gaumens und des Kehlsackes der 
OUs tarda, die ich hier nicht zu citiren brauche, da sie uns nichts 
Neues darüber mittheilt. 

Im Verlaufe der auf 1821 folgenden 10 Jahre erschien Mek- 
kels grosses Werk „System der vergleichenden Anatomie", das 
ich leider nur in der autorisirten Uebersetzung der Herrn Dr. 
Janson und Schuster zu Rathe ziehen konnte (Traitd ge'ne'ral 
d'anat. compar. tom. VIH. p. 236). Diese lassen Meckel folgender- 
massen von der grossen Trappe sprechen: „Chez le male on voit 
descendre de la face infe'rieure au-devant de la langue un sac 
fort spacieux et ä parois minces, qui place' imme'diatement au- 
dessous de la peau, occupe toute la löngueur du cou et dont la 
cavite* präsente chez les adultes assez d'ampleur pour contenir 
deux litres d'eau. Selons M. M. Bloch et Tiedemann ce sac serait 
propre non seulement au male, mais encore ä la femelle, Mais 
il faut ne'cessairement, que ces observateurs ce soient laisser 
aller ä quelque illusion, puisque j'ai examine' dix sujets femelles, 
qui ne m'en ont pas pre'sente' le moindre indice. Je dois donc 
adherer ä l'opinion de M. M. Douglas et Home, qui avait 6t6 
de^jä hypothetiquement ernise par Schneider, et admettre que cet 
organe ne se remontre que chez le male." 

„Quant ä l'autre assertion de M. Home, qui dtablit que le 
sac en question n'existe pas chez les jeunes sujets je n'ai pas 
e'te' en mdsure de la verifier; cependant je ne serais pas loin 
de penser qu'une jeune femelle ait e'te' prise par cet auteur pour 
un male; une semblable meprise, mais en sens iverse, semble 
avoir induit en erreur M. Tiedemann." 

Dass bei einer flüchtigen Untersuchung ein derartiges Ver- 
sehen leicht vorgekommen sein kann, halte ich für höchst wahr- 
scheinlich. Auch hat Herr von Rochebrune (Trans. Soc. Linn. de 
Bordeaux, IV. p. 167.) die Bemerkung gemacht, dass völlig aus- 
gewachsene Weibchen im Alter von 3 — 4 Jahren dieselben Sei- 



Der Kehlsack der grossen Trappe. 143 

tenfedern am Kinn bekommen wie die Männchen, nur etwas we- 
niger entwickelt. 

Uebrigens scheinen die indischen Ornithologen den von Sir 
Everard Home hingeworfenen Wink aufgenommen zu haben; so 
machte z. B. Oberst Sykes im Jahre 1832 (Proc. Comm. Zool. 
Soc. II. p. 155) bei der Otts nigricepx (Eupodotis Edwardsi Gray) 
die Angabe, dass das Männchen dieser Art ebenfalls jenen 
merkwürdigen Kehlsack hat, den man sonst bei Otis tarda 
findet." Und, um diesen Punkt gleich auf einmal abzumachen, 
will ich hier noch erwähnen, dass Lieutenant Bürge ss im Jahre 
1855 (Proc. Zool. Soc. XXIII. p. 32 — 33) auf A. J. Davidson's 
Autorität gestützt erzählt, das Männchen eben dieser Art steige in der 
Brützeit gern auf einen hoch gelegenen Platz und stolzire dort mit 
erhobenem ausgebreiteten Schwänze und herabhängenden Flügeln 
einher, wobei es den Kehlsack so mit der Luft aufblase, 
dass derselbe wie eine grosse Schwimmblase erscheine. Auch 
fügt er dann noch zur Bekräftigung hinzu, dass Jemand ihm er- 
zählt, er habe eine Trappe gesehen mit weisslich aussehendem 
am Halse herabhängenden Sacke; doch scheint er selbst nie ein 
Exemplar untersucht zu haben. Kürzlich hörte ich auch von Herrn 
J. H. Gurney dass vor einigen Jahren der verstorbene Frederik 
Strange in einer australischen Zeitung einen Aufsatz über die 
grosse Trappe jenes Landes (Eupodotis australis Gray) veröffent- 
licht habe, worin er versichere, jene Art habe ebenfalls einen 
Kehlsack; doch habe ich bis jetzt nur mehrere erfolglose Ver- 
suche gemacht, um den Namen dieser Zeitung zu erfahren. — 

Im Jahre 1834 gab uns Naumann seine eigenen und Nitzsch's 
Untersuchungen über diesen Gegenstand, auf welche schon weiter 
oben Bezug genommen wurde; indessen unterlasse ich es, hier 
Einiges daraus anzuführen, in der Voraussetzung, dass Ihre Lands- 
leute ja sicherlich das Werk ihres grössten Ornithologen hin- 
länglich kennen werden. — Yarrell's Ansichten über unsere Frage 
habe ich schon früher wiedergegeben, und, da auch Siebold und 
Stannius (Lehrbuch der vergleichenden Anatomie, p. 296 — 297) 
uns nichts Neues lehren, so gehe ich nun zu den höchst interessan- 
ten Angaben über, welche im Jahre 1849 Degland (Orn. Eur. iL 
p. 73) veröffentlicht hat. Hier heist es u. a. Iblgendcrmassen: 

„Je dois ä niun honorable confrcrc, le doeteur Dorin de 
Chälons-sur-Marne la connaisuncc dun i'ait assez curieux, et que je 
ne dois pas omettre. A le'poque des amours, il se de'veloppe 



144 Alfred Newton:, 

dans le Heu meine, oü s'inserent les moustaches, une sorte de fanon 
forme' pas une masse de tissu cellulaire graisseux, lache, dont le 
volume est considerable, puisqu'il atteint et depasse le poids d'un 
kilogramme. Cette sorte de fanon, qui occupe la partie ante^rieure 
et laterale du cou est formte de deux niasses, qui se rdnaissent sur 
la ligne mediane, ä partir de la naissance des barbes jusqu'au bas 
du collier. C'est au moyen de muscles seanciers assez de'veloppe's, 
que l'oiseau peut imprimer des mouvements ä cette masse, et par 
consequent relever ou abaisser les plumes allonge'es, qui s'y im- 
plantent. A la fiu de juillet eile commence ä s'affaiser, les plumes 
tombent et se renouvellent, si bien qu'avant la fin de septembre, il 
ne reste plus rien de cette grande masse de tissu cellulaire." 

Doch ich muss, wie ich sehe, den schon zu langen Brief so 
viel wie möglich abzukürzen, und mich desshalb möglichst dar- 
auf zu beschränken suchen, nur solche Schriftsteller zu nennen, 
deren Angaben entweder wegen der Originalität ihrer Beobach- 
tungen, oder aus anderen gewichtigen Gründen, hier besonders 
und wörtlich angeführt zu werden verdienen. Es ist leicht möglich, 
ja es ist sogar höchst wahrscheinlich, dass ich manche zu er- 
wähnen unterlassen habe, und ich werde in diesem Fall gern 
von Dr. Gloger oder irgend einem andern Herrn weitere Be- 
lehrung entgegen nehmen, denn meine eigene Büchersammlung 
ist leider recht dürftig, und ich habe nur selten Gelegenheit eine 
gute Bibliothek zu Rathe ziehen zu können; trotzdem aber glaube 
ich , bereits eine ziemliche Menge mit einander streitender Zeug- 
nisse angeführt zu haben , welche sicherlich jeden unparteilichen 
Richter davon überzeugen werden, dass diese interessante Frage 
nicht gleich durch so wenige nur so leicht in einem Ton, wie ihn 
Herr Dr. Gloger annimmt, hingeworfene Bemerkungen erledigt 
sein kann, ohne dieselben nur durch die geringsten 
neuen Thatsachen unterstützen zu können. Ich muss 
deshalb noch einige weitere Beweise vorbringen. 

Im März 1848 machte Professor Owen ein Präparat von dem 
Kopf und Hals einer männlichen Otis tarda, welches sich jetzt 
im Museum des königlichen Wundarzt-Collegiums zu London be- 
findet, und das er im Jahre 1852 folgendermassen beschrieb 
(Cat. Physiol. Ser. Mus. R. ColL Surg. 2d. ed. I. p. 233): 

„No. 772. — The head of a bustard (Otis tarda) with the 
mouth and fames exposed showing the glandulär orifices between 
the ram£ of the lower jaw, the tongue, glottis, internal nostril 



Der Kehlsack der grossen Trappe. 145 

and eustachian orifice. There is no trace of a gular pouch." 
Ich kann hier noch hinzufügen, dass eine Besichtigung dieses 
Exemplares, wie es öffentlich in jener Sammlung zu sehen ist, mir 
deutlich gezeigt hat, dass Professor Owen seine Section durchaus 
nicht in der ihm zugeschriebenen Art und Weise ausgeführt hat. 
Nun komme ich zu dem Aufsatze, welcher Dr. Gloger's Kritik 
hervorgerufen hat, und um Yarrell's Andenken gerecht zu wer- 
den, muss ich einige längere Auszüge daraus machen, damit die 
Leser des „Journals für Ornithologie" selber entscheiden können, 
ob er in einem falschen Lichte dargestellt wurde, oder ob nicht. 
Yarrell sagt hier, wie folgt: 

„Ich hatte schon lange den Wunsch gehegt, einmal selbst 
ein Männchen der grossen Trappe genau seciren zu können, um 
den Kehlsack zu untersuchen, wie ihn Barrington in seinen 
„Miscellanies" vom Jahre 1781 und Edwards in den „Gleanings in 
Natural History" von 1811 beschrieben, und nach diesemBewick und 
ich selbst abgebildet hatten; aber erst ganz kürzlich wurde dieser 
Wunsch mir erfüllt. Ungefähr vor 4 Jahren erhielt nämlich die 
zoologische Gesellschaft sechs oder sieben junge Trappen käuflich 
aus Deutschland. Einer dieser Vögel, ein Männchen, starb nach 
Jahresfrist, Mitchell und ich untersuchten ihn, fanden aber 
keinen Kehlsack und schrieben diesen Umstand der 
Jugend des Vogels zu. Während des vergangenen Sommers des 
Jahres 1852 sahen wir eines der Männchen häufig einem 
Weibchen den Hof machen, u. s. w. Dieses vierjährige 
Männchen verunglückte leider im verflossenen December, und 
Mitchell erlaubte mir gern diesen ausgewachsenen Vogel zu un- 
tersuchen. Um anzudeuten, was ich zu finden hoffte, könnte ich 
zuvor Edward's Worte aus den „Gleanings" citiren [welche ich hin 
da ich sie bereits oben angeführt, nicht zu wiederholen brauche]. 
Meine Untersuchung dieses ausgewachsenen Trapp en ha h h s 
de» ich aus den Gärten der zoologischen Gesellschaft erhielt, be- 
schränkte sich nur auf den Hals. Ich trennte höchst sorg- 
sam die Haut in einer geraden Linie von dem Vereint- 
«2 iin gs punkte der beiden Zweige des V n t ers<Ö h na be ls 
nach dem Winkel des Gabel- oder Brustbeines. Als 
ich nun diese Haut jaul' beiden Seiten nach recht«; und links 

trennte, erschien ein dünnes zartes Eläntcnen; welches die 1 \ or 
derseite der »licht an der tnnenseite der Haut Kegenden Luftröhre 
bedeckte und fest daran 9&8S Indem ich die Haut noch weiter 

Jouru. f. Ornith., X. Jahrg. Nr. 56, März, I8W. 10 



146 Alfred Newton: 

trennte, fand ich auf beiden Seiten der Luftröhre eine lange 
dünne Membranen-Säule welche mit den Blutgefässen und Hals- 
drüsen zusammenhängend dieselben bedeckte und weiter unten an 
den seitlichen Zweigen des Gabelbein's auf ihrer eigenen Seite 
befestigt war. Der Aesophagus neigt sich unten nach der 
rechten Halsseite. Unter der Zunge fand sich keine eff- 
nung, und versuchte ich mehrere Male vergeblich durch Luft oder 
Flüssigkeit irgend einen Theil der untern Membranen auszudehnen." 

„Ich wurde verdriesslich und begann die Genauig- 
keit meiner eigenen Untersuchung zu bezweifeln;" 
und nun fährt Yarrell fort zu schildern, wie er nur, nachdem er 
Perrault's und Cuvier's Berichte gelesen, welche beide ich schon 
früher erwähnte, Professor Owen's Ansicht adoptirt und seine Un- 
tersuchung der linneischen Gesellschaft mitgetheilt habe. Als 
ich dann im folgenden Sommer in London war, zeigte mir Yarrell 
gütigst das Präparat, welches er damals gemacht hatte, und kann 
ich als Augenzeuge erklären, es zeigte sich daran keine 
Oeffnung unter der Zunge. 

Im Jahre 1854 theilte Dr. Crisp der zoologischen Gesellschaft 
die Resultate seiner Secirung dreier Trappen mit, von denen die 
eine, ein ungefähr 2|jähriges Männchen, in den Gärten an 
einer zufälligen Verletzung gestorben war. Indessen findet sich 
in den Schriften der Gesellschaft keine Erwähnung dieses Auf- 
satzes, vielmehr steht derselbe ganz in „Newmans Periodical" jenes 
Jahres (Zoologist, XII. p. 4237 — 4239). Es ist übrigens bemer- 
kenswerth, dass, als dieser Aufsatz geschrieben wurde, sein Ver- 
fasser die Schluss -Folgerungen, zu denen Yarrell gelangt war, 
nicht kannte. „Ich bringe", sagt Dr. Crisp, „die Anatomie dieses 
Vogels an die [zoologische] Gesellschaft in Bezug auf den Kehl- 
sack, welchen Yarrell in seinen „British Birds" von 1843 und 
Professor Owen in dem Artikel über Vögel in seiner „Cyclopädia 
of Anatomy and Physiology" abgebildet haben Eine sorg- 
fältige Untersuchung des Männchens Hess mich nur ein dünnes 
Häutchen finden, das die ganze Länge der Luftröhre bedeckend 
oben am Os hyoides, hinten an der Speiseröhre und der Nackenhaut, 
unten an dem Schlüsselbein und dem Brustbein befestigt war. Der 
Zusammenhang dieses Häutchens vorn mit der Luftröhre ist sehr 
locker, und man kann leicht mit einer Sonde zwischen dasselbe und 
die Luftröhre hinabreichen, so dass, wenn man Luft oder Wasser 
darunter brächte, wahrscheinlich sehr bald ein Beutel entstehen 



Der Kehlsack der grossen Trappe. 147 

würde; indessen hat dasselbe weder mit dem Munde oder 
dem Schlünde Zusammenhang, noch vermag ich zu begreifen, 
wie es zu dem ihm beigelegten Zwecke dienen können soll, denn 
mit Wasser gefüllt, würde es die Functionen der Luft- und der 
Speiseröhre ganz wesentlich beeinträchtigen. Vielleicht hat 
das Vorhandensein dieser Haut die Angabe, dass der männliche 
Vogel mit einem Sacke versehen ist, um während der Brützeit 
Wasser zu halten, veranlasst. Ich läugne zwar nicht, die 
Existenz eines solchen Sackes, halte aber sein Vor- 
handensein auf alle Fälle für höchst zweifelhaft 

Bei meinen Sectionen der Weibchen habe ich die Hälse 
leider nicht untersucht, und wird es desshalb später interessant 
sein, festzustellen, ob die soeben beschriebene Haut auch bei 
weiblichen Individuen oder auch noch bei andern Vögeln vorkommt." 
Dann schliesst er damit, dass auch er Professor Owen's Präpa- 
rat in „Surgeons Hall" besichtigt habe „welches deutlich 
zeigt, dass kein Zusammenhang zwischen den Pharynx 
und diesem vermeintlichen Kehlsack stattfindet." 

Dr. Crisp hat mich seitdem davon benachrichtigt, dass er 
noch zwei oder drei Trappenhähne untersucht, jedoch stets die- 
selben Resultate gefunden habe. 

Nach Vergleichung aller dieser verschiedenen Ansichten, die 
ich hier zusammengestellt habe, gelangte ich zu der so nahelie- 
genden Vermuthung, dass der Glaube an dieses geheimnissvolle 
Organ voreilig aufgegeben sei, und trachtete nun nur um so mehr 
danach, selbst einmal die Sache zu ergründen. Ich hielt desshalb 
die Untersuchung eines wirklich recht alten Hahnes für höchst wün- 
schenswerth, und zwar in einer Jahreszeit, wo diese Organe am 
meisten entwickelt zu sein pflegen; da aber unsere einheimische 
Trappen -Rage bereits ungefähr seit 1838 ausgerottet ist, so war 
es gar nicht eben leicht ein Exemplar ganz nach Wunsch zu be 
kommen. Endlich erhielt ich durch eines Freundes Güte am 15. 
März 1858 ein prachtvolles altes Männchen von Otts tarda, das 
wenige Tage zuvor bei Leipzig erlegt und mir mit der grösst 
möglichen Eile übersandt worden war. Dasselbe wog 23 i Pfund 
und kam in ausgezeichnetem Zustande an. — Mit der grössten 
Besorgniss sah ich unter die Zunge, — keine Höhlung war 
sichtbar, ich nahm eine Sonde, — keine Oeffnung er- 
schien. — Misstrauisch auf meine eigenen Sections-lvuuste eilte 
ich damit nach London und holte Herrn A. I). Bartlett noch zur 

10* 



148 Alfred Newton: 

Hülfe herbei. Sie kennen ihn ja längst diesen praktischen und 
sorgfältigen Beobachter; wir fingen zusammen abermals an nach 
einer Oeffnung unter der Zunge zu suchen und kamen doch 
schliesslich wieder zu der Ueberzeugung, dass bei diesem 
Vogel wenigstens sie nicht vorhanden war. 

Dann begann Bartlett den Hals zu enthäuten — nicht von 
vorn, sonst würden wir in den Kehlsack geschnitten haben — 
sondern an der Seite von der Achselgrube nach dem Mundwinkel 
hinauf, und legte so an beiden Seiten die Haut bloss — aber 
nichts einem Sacke Aehnliches war zu sehen. Alsdann 
trennten wir die Luft- und die Speiseröhre los und schnitten sie 
vom Kopfe ab; und nun war es ja leicht, vermittelst einer Blase- 
röhre den Leib durch den Aesophagus aufzublasen — - durch die 
Trachea gelang es uns nicht, da die Luft durch ein zerbrochenes 
Flügelbein entschlüpfte — aber indem wir durch erstem bliesen, 
konnten wir den ganzen Leib und den Hals wunderschön an- 
schwellen lassen. Darauf entfernten wir die Haut von dem gan- 
zen Halse und dann vom ganzen Körper; der erstere war ganz 
mit ZelleDgeweben auf eine sehr bemerkenswerthe Weise beklei- 
det, dieselben waren sehr zart und lagen so dicht unter der 
Haut, dass wir sie sogar bisweilen beim Entfernen der Feder- 
wurzeln durchschnitten. Als wir eine Blaseröhre in eine der so 
zufällig entstandenen Oeffnungen des Zellengewebes brachten, 
entstand bald eine kleine Blase, die sich bei Anwendung grösse- 
rer Kraft zu einem fast 3 Zoll langen Beutel steigerte. Wir fan- 
den diese Eigentümlichkeit an jedem Theile des Halses, aber 
nach zwei oder drei Versuchen war es uns klar, dass keiner 
dieser so gebildeten Beutel an und für sich existirte, sondern 
dass dieselben vielmehr nur durch das vermittelst des Luftdruckes 
hervorgerufene gewaltsame Zerreissen der feinern Häutchen ge- 
bildet waren. Ein oder zwei Mal entstand bei dem Aufblasen 
dieser Zellengewebe eine Art von Sanduhrform (wie sie Nau 
mann beschreibt), gewöhnlich aber waren die Beutel an der Spitze 
weiter als am Boden. Diese Untersuchung dauerte drei bis vier 
Stunden, bis zuletzt die Häutchen so trocken wurden, das3 wir 
schliesslich nur mit grosser Schwierigkeit ein kleines Häufchen 
von Blasen so aufblasen konnten, dass wir es als Probe-Exem- 
plar präparirt aufheben konnten. Ich kann Ihnen in der That 
aufrichtig versichern, dass, wenn ich neben dem Wunsche der 
Wahrheit auf den Grund zu kommen, noch ein Vorurtheil hegte, 



Der Kehlsack der grossen Trappe. 149 

dasselbe sicherlich für die Existenz des Kehlsackes sprach, und 
ich bin fest überzeugt, dass Bartlett sich nach Kräften die 
grösste Mühe gab, denselben zu finden. Ich hatte ihm Vieles 
erzählt, was darüber geschrieben, und Vieles / was ich darüber 
gehört, unter andern auch eine Mittheilung, die mir ein Freund, 
Mr. John Scales, gemacht hatte, dahin nämlich, dass er vor 
vielen Jahren, als er noch in diesem Theile England's wohnte 
einen aus serge wohnlich grossen Trappenhahn*) erhalten, „aus 
dem er den Kehlsack herausgeschnitten habe." Wie Sie 
wissen, hat Bartlett jetzt die Stelle eines Superintendenten der 
Gärten unserer zoologischen Gesellschaft zu London, und da ich 
wusste, dass derselbe seitdem andere Gelegenheiten zu Beobach- 
tungen gehabt hatte, wandte ich mich an ihn mit der Bitte, mich 
mit den Resultaten derselben bekannt zu machen. 

Soeben nun erhielt ich von ihm folgende Antwort: 
„Das Interesse, welches ich an der Existenz oder Nicht- 
Existenz des Kehlsackes bei der grossen Trappe nahm, hat mich 
natürlich zur sorgfältigsten Untersuchung aller Vögel dieser Art 
veranlasst, die mir unter die Hände kamen. Ungeachtet meiner 
Erfolglosigkeit — und ich muss wohl hinzufügen, meines Ver- 
drusses — bin ich jedoch der Meinung, dass es eben so unklug 
als unpassend sein würde, das gelegentliche Vorhandensein eines 
von dem, das ich gefunden, etwas abweichenden Organs zu läug- 
nen. Das schöne alte Männchen, welches Sie im März 1858 er- 
hielten, und bei dem wir weder eine Oeffnung unter der Zunge 
noch einen natürlichen Kehlsack irgendwo erspähen konnten, 
zeigte bei der Untersuchung eine Structur des Zellengewebes, 
die leicht zu einer Aehnlichkeit mit derjenigen gebracht werden 
konnte, welche ältere Schriftsteller so sorgfältig beschrieben 
haben. Seitdem habe ich noch zwei andere Männchen zu 
seciren Gelegenheit gehabt; eines davon am 14. Februar 1861. 
Dr. Albert Günther, Dr. Sclater und Herr E. W. H. Holdsworth 
waren dabei zugegen. Der Vogel war ein grosses Männchen, 
kein altes, aber anscheinend im zweiten Jahre, da die Bartfedern 
bereits etwas entwickelt waren. Die sorgfältigste Unter- 
suchung, die ich ziisam in en mit den oben genannten 
Herren vornahm, liess uns keine Oeffnung unter der 
Zunge entdecken. Von <lie,sein Umstand hinlänglich über- 



•) Derselbe ist jetzt eine der Zierden des Norwich-Museum's. 



150 Alfred Newton: 

zeugt, machten wir einen Einschnitt in die Haut vom Mundwinkel 
herab, und fanden, wie bei dem Exemplare, welches ich damals 
mit Ihnen untersuchte, dieselbe Menge zarter Häutchen über den 
andern Theil des Halses und der Kehle ausgebreitet. Vermittelst 
einer Blaseröhre konnte jede beliebige Anzahl von Zellen auf- 
geblasen werden, deren Wandungen bei einiger Kraftanstren- 
gung nachgaben und so eine oder mehrere Höhlungen oder Beu- 
tel bildeten. Während dieser Untersuchung stritten wir uns 
darüber, wodurch diese Häutchen im Leben geweitet würden, 
ob durch Muskel - Erweiterung oder durch Aufblähung; und ich 
muss in der That zugeben, dass mir dieser Umstand seitdem einer 
weit grösseren Berücksichtigung werth erscheint, als ich ihm an- 
fangs zugestehen wollte. Am 21. Februar 1861 untersuchte ich 
dann einen zweiten schönen grossen Trappenhahn von ungefähr 
demselben Alter und erhielt genau dieselben Resultate wie zu- 
vor. Nach diesen Erfahrungen kann ich nun nur die einzige 
Vermuthung als ein Auskunftsmittel für die Erklärung des Vor- 
handenseins eines Sackes im Vorderhalse aufstellen, dass bei 
dem Männchen einige der die Kehle umgebenden Häutchen bis- 
weilen bei der ausserordentlichen Spannung zerreissen, welche 
bei den heftigen Paroxysmen, denen diese Vögel beim Nahen der 
Brützeit unterworfen sind, einzutreten pflegt. Ich habe es oft 
gesehen, wie sie dann die Kehle zu einer ausserordentlichen Aus- 
dehnung weiten und die Flügel bis zur Erde senken, während 
sich die Spitzen der Schwingen über dem Rücken kreuzen. In 
dieser verzerrten Stellung stürzen sie auf einander zum Angriff 
los, und da Hesse sich wohl mit Grund die Vermuthung aufstellen, 
dass in einem solchen Augenblicke jene zarten Häutchen nach- 
geben und so die so viel besprochene abnorme Bildung im Halse 
der alten Männchen hervorbringen könnten. Als einen fernem 
Beweis für die Wahrscheinlichkeit dieser Erklärung möchte ich 
Ihre Aufmerksamkeit auf die grosse Verschiedenheit der Form 
und Gestalt jenes sogenannten Kehlsackes lenken, wie sie von 
den verschiedenen Beobachtern angegeben wird. Auch würde 
sich, falls meine Hypothese sich als richtig erwiese, die darin 
gefundene Flüssigkeit als ganz natürlich und nothwendig heraus- 
stellen.« — 

Ausserdem hat mir Dr. Günther noch seine Beobachtungen 
über die Section eines jener Exemplare mitgetheilt, bei der er 
nach Bartlett's Angabe zugegen war. „Es war ein altes Mann- 



Der Kehlsack der grossen Trappe. 151 

chen", sagt er, „wie wir am Gefieder und an den Testikeln sahen. 
Es war bei ihm keine Spur von einer Oeffnung unter der 
Zunge oder von einem eigenthümlichen mit dem Munde 
in Verbindung stehenden Sacke zu finden. Der Aesophagus 
erweiterte sich in eine weite Höhlung, das Zellengewebe zwischen 
dem Aesophagus und der Trachea und in der Gegend oberhalb 
der Furcula zeigte keine grosse Abweichung von der beLandern 
Vögeln vorliegenden Entwicklung." Dr. Günther, glaube ich, 
stimmt nicht ganz der Glaubwürdigkeit jener geistreichen Ver- 
muthung Bartlett's bei, sondern er fährt dann fort: „Es ist mög- 
lich, dass bei einigen, ja vielleicht bei den wenigsten Männchen 
ein diesem Geschlechte eigenthümliches sackähnliches Organ ge- 
funden wird, bei andern hingegen nicht; und ich möchte gegen- 
wärtig von dem einzigen Exemplare, das ich gesehen habe, nur 
den Schluss ziehen, dass der Sack nicht bei allen Männ- 
chen constant gefunden wird." — 

Ich glaube nun hinlänglich gezeigt zu haben, dass die neuern 
englischen Ornithologen ihre Untersuchungen keineswegs in der 
ihnen von Herrn Dr. Gloger zugeschriebenen Art und Weise aus- 
geführt haben. Sie haben vielmehr dieselben in allen Fällen 
damit begonnen, dass sie zuerst nach der Oeffnung sahen, welche 
unter der Zunge existiren soll. Wenn sie diese nicht fanden, so 
war es sicherlich nur aus dem Grunde, weil in den von ihnen 
untersuchten Exemplaren keine vorhanden war. Dass diese Exem- 
plare aber nicht sämmtlich junge unentwickelte Vögel waren, ist 
ebenfalls klar, und könnte ich, falls noch ein weiteres Zeugniss 
dafür verlangt würde, nur auf jene schöne Abbildung Wolfs 
(Zool. Sketches, p. 45) hinweisen, welche nach einem Exemplare 
unseres zoologischen Gartens entworfen wurde, das später zum 
Gegenstande einer der oben erwähnten Untersuchungen geworden 
ist. Niemand, der diese Abbildung sieht, welche das Männchen 
der Otts tarda in dem ganzen Stolze des Hochzeitskleides darstellt, 
kann bezweifeln, dass das Original ein wirklich ausgewachsener 
und völlig entwickelter Vogel war, den der naturgetreue Stift 
jenes grossen Künstlers hier verewigt hat. 

Nur ein Beweisstück will ich noch anführen. — Lange ist 
es in unserem Lande bekannt gewesen, dass bei dem Tode John 
Hunter's im Jahre 1793, dessen Manuscripte in die Hände Sir 
Everard Home's übergingen, welcher Bie epÄter, nachdem er ihnen 
manche Gedanken entlehnt, verbrannte; glücklicherweise jedoch 



152 Alfred Newton: Der Kehlsack d. gr. Trappe. 

nicht eher, als bereits Clift eine grosse Anzahl derselben copirt 
hatte. Bei dem Tode dieses Mannes kamen jene Copien in den 
Besitz Professor Owen's, welcher sie in diesem Jahre sämmtlich 
veröffentlicht hat. In diesem Werke (Essays and Observations 
on Natural History, II. p. 300—301) findet sich folgende Stelle: 

„Der Trappenhahn hat einen sehr dicken Hals uud lange 
haarige Federn unter der Kehle. Am Vordertheile des. Halses, 
der weiter als der mittlere hinabreicht, ist ein grosser Sack, so 
gross wie der dicke Theil eines Mannsarmes, er endigt unten in 
einem blinden Beutel, hat aber eine Oeffnung am obern Ende 
vom Munde her. Diese Oeffnung fasst drei oder vier Finger; 
sie liegt unter der Zunge, und scheint das Frenuni linguae hinein 
zu münden, auch scheint sie einen Schliessmuskel zu haben. Wozu 
dieser Sack dient, weiss ich nicht. Bei einem jungen, etwa ein 
und einhalbjährigen Trappenhalm, existirte derselbe nicht; und 
wird es daher fraglich, ob derselbe vom Alter abhängig ist, 
oder nicht." 

Diese Frage scheint augenblicklich ihrer Entscheidug noch 
ebenso fern zu sein, als sie es zu Hunter's Zeiten war, und 
müssen wir ihre endliche Lösung den Ornithologen und Anatomen 
der Länder überlassen, in denen Otis tarda noch häufig vorkommt. 
Ihre Erledigung fordert schon die Ehre der Naturwissenschaft. 
Wir haben in unserm Lande jedenfalls Alles gethan, was zu dem 
Ende geschehen konnte, aber die Schwierigkeiten, eine hinrei- 
chende Menge frischer Exemplare zu erhalten, sind so gross, 
dass die englischen Naturforscher gewiss Entschuldigung finden 
wenn sie später den Untersuchungen Anderer nachfolgen sollten. 

In Deutschland liegt die Sache ganz anders; und hoffe ich, 
dass diese Bemerkungen, wenn ihnen die Ehre einer Stelle im 
„Journal für Ornithologie" zu Theil wird, eine baldige Aufklä- 
rung der Wahrheit hervorrufen werden. Freilich werden nach 
meiner Ansicht getrocknete Präparate, wie das des verstor- 
benen Rammeisberg, worauf sich Dr. Gloger bezieht, keine 
sichere Ueberzeugung gewähren können. Wir haben 
solche bereits, wie ich oben zeigte, in England gehabt; ja, wir 
haben noch jetzt eines, und das von einem Vogel, welcher sicher- 
lich keinen richtigen Kehlsack besessen hat! Die Sache erfordert 
noch eben so viel Aufmerksamkeit und Prüfung, als je zuvor. 
Alle Naturforscher würden sich freuen, wenn ein wahrhaft wissen- 
schaftlich gebildeter und vorurtheilsfreier Mann — wie z. B. 



A. v. Homeyer u. Kössler; Athincii d. jungen Vogels im Ei. 153 

Herr Professor Giebel - neue Untersuchungen anstellte und 
deren Resultate veröffentlichte, der ja noch dazu, wenn ich nicht 
sehr irre, mitten in dem eigentlichen Herde des Verbreitungs- 
bezirks der grossen Trappe lebt. — Doch muss ich, bevor ich 
schliesse, noch zwei Fragen an Herrn Dr. Gloger stellen. Hat 
er nie von „Possen" gehört, die selbst, wenn sie einen unterhal- 
tenden „Doppeltitel" trugen, von den Zuhörern ausgezischt wur- 
den, weil der Autor einen zu schlechten Geschmack entwickelt 
hatte? Und hat er bei seinen Studien in „Ritter -Romanen" nie 
jene Geschichte von einem Schilde gefunden, das auf der einen 
Seite golden, auf der andern von Silber war? Ich habe zu ihm 
das Vertrauen, dass er seine Antwort auf diese Fragen nicht bis 
nach der Vollendung seines grossen ornithologischen Werkes auf- 
schieben wird, das schon so lange erwartet worden ist. 

Ich verbleibe, mein lieber Herr Dr. Hartlaub, stets Ihr auf- 
richtiger Alfred Newton. 



Ueber das Athmen des jungen Vogels im Ei. 

Von 
A. v. Homeyer und Paul Kö ssler. 

Wenn wir den ausserordentlich entwickelten Zustand man- 
cher junger Vögel betrachten, in welchem sie das Ei verlassen, 
einen Zustand, der bei fast allen Hühnern, Wadvögeln und 
Schwimmern, als den sogenannten „Nestflüchtern", so vollkommen 
ist, dass das Junge fast ohne Mutter sich weiterentwickeln und 
fortleben kann, — und wenn wir ferner erwägen, dass jede Ent- 
wicklung allmählig, nicht aber sprungweise verläuft, wie es ja 
in der Natur durchaus keine Sprünge giebt, so wird uns dieser 
hoch entwickelte Zustand des jungen Vogels nicht befremden 
können. Wir werden vielmehr zugeben müssen, dass es noth- 
wendig und naturgemäss ist, wenn er kurz vor dem Ausschlüpfen 
schon fast ebenso organisirt sein muss, wie unmittelbar nachher. 
Denn wir erkennen dann leicht, dass er fähig sein muss, bereits 
im Ei dieselben Funktionen zu verrichten, welche er im Ircien 
Verkehre mit der atmosphärischen Luft zu besqrgen hat. Zu 
diesen Funktionen gehört aber vor Allem das Atlmien. Doch, 
höre ich einwenden, — - das ist keim* nntliwcndigc Folge: Das 
junge Säugethiel' ist oft schon ebenso vollkommen ausgebildet, 
und athmet dessen ungeachtet nicht im Mutterleibe, wie dies die 



^54 A-. v. Homeyer und P. Kössler: 

bekannte Lungenprobe bekundet. Das eben gesetzte Reh, oder 
gar die Gazelle, weiss mit Schnelligkeit der Mutter zu folgen und 
der Gefahr zu entrinnen. 

Hierauf antworte ich: Dies ist ein ganz anderer Fall. Frei- 
lich athmet das junge Säugethier vor seiner Geburt nicht: und 
es kann dies nicht, weil es bis dahin buchstäblich „im Wasser", 
(nämlich in der Flüssigkeit der „Eihäute") liegt; aber die 
Mutter, mit welcher es bis zur Geburt auf das Engste verbunden 
und fast Eins ist, athmet für dasselbe; oder wenigstens findet 
durch das Athmen der Mutter der erforderliche Stoffwechsel auch 
für das Junge mit statt. Dagegen ist das Vogel -Ei, also der 
Stoff zu dem künftigen, in ihm zu bildenden Organismus des jun- 
gen Vogels im Eie selbständig, sowie es den Legekanal verlässt, 
d. h. sobald es gelegt ist. 

Kann es uns hiernach befremden, dass dieses Junge, oder 
gleichsam schon das Ei selbst, athmen soll? 

Wir sehen ja, dass durch das Bebrüten ausserordentlich 
schnell ein sehr vollkommener Organismus sich zu entwickeln 
beginnt; und wir wissen nach Dr. Johannes Müller, dass selbst 
die Embryonen der Batrachier, so wie der der Haie und Rochen, 
äussere Kiemen zum Athmen im Wasser haben, und dass sogar 
die Embryonen der Mollusken durch drehende Bewegungen zu 
beweisen scheinen, dass sie durch die Thätigkeit ihrer Athem- 
organe schon Strömungen erregen. 

Betrachten wir demnach das Wesen des Eies, und stellen 
wir uns zuerst die Frage: 

Ob das Athmen in demselben überhaupt möglich ist? 

Da das Athmen auf einem gegenseitigen Austausche von 
Kohlensäure und Sauerstoff beruht, und da der Organismus, wel- 
cher da im Eie athmen soll, von der atmosphärischen Luft durch 
die Eischale getrennt ist: so ist zunächst die eigenthümliche Be- 
schaffenheit der Schale selbst zu untersuchen, um zu ermitteln, 
in wieweit sie einen solchen Austausch zweier verschiedener Luft- 
arten gestattet. 

0. des Murs lässt uns in seiner Oologie ornithologique Fol- 
gendes über die Eischale wissen. 

Manesse sagt: der Stoff derselben ist nur eine kalkige Erde 
gleicher Art, wie die der Knochen ; nur enthält sie vielleicht nicht 
ganz so viel Phosphorsäure. Sie ist sehr reichlich im ganzen 
Vogelkörpcr vorhanden und macht z. B., dass zerbrochene oder 



Ueber das Athmen des jungen Vogels im Ei. 155 

zerschossene Gliedmassen in sehr kurzer Zeit, und weit leichter 
als bei den Säugethieren, wieder verwachsen. — Nach Fourcroy 
enthält die Eischale 89 g kohlensauren Kalk und 5£ phosphor- 
sauren Kalk; Vauquelin behauptet, auch ein wenig Magnesia, 
Eisen und Schwefel in derselben gefunden zu haben. Die ein- 
zelnen, körnigen Massentheilchen, (grains), welche aus der inni- 
gen Vereinigung dieser beiden Stoffe bestehen und die Körnung 
oder Krystallisationsmasse der Schale bilden, sind verbunden 
durch eine Art thierischen Leims, (glutin animal), und getrennt 
durch unzählige, oft schon mit dem blossen Auge sichtbare Zwi- 
schenräume. Diese Poren aber sind es, welche die Permeabilität 
der Schale bedingen, und eine gewisse gegenseitige Durchdrin- 
gung zweier Flüssigkeiten sowohl, als auch zweier Luftarten 
gestatten. Deshalb ist die Möglichkeit zu athmen vorhanden. 

Die zweite Frage dürfte sein: 

Liegen Beobachtungen vor, welche für einen wirkli- 
lichen Athmungsprocess des jungen Vogels bereits im 
Ei sprechen? 

Antwort: 

Ein frisch gelegtes Ei sinkt im Wasser unter und legt sich 
der Länge nach auf den Boden; ein wenig bebrütetes sinkt zwar 
ebenfalls, bleibt aber stets aufrecht, mit dem dicken Ende nach 
Oben gekehrt, stehen; ein noch mehr bebrütetes verlässt den Bo- 
den und schwimmt mitten inne; ist endlich das Brütestadium be- 
reits ein sehr hohes, so schwimmt das Ei hoch oben. 

Man ersieht hieraus, dass das Gewicht des Eies in demsel- 
ben Masse abnimmt, wie das Brütestadium zunimmt. Diese Ab- 
nahme seines Gewichts nun lässt sich, da bekanntlich das Volu- 
men des Eies dasselbe bleibt, auf doppelte Weise erklären. 
Nämlich: sie geschieht entweder dadurch, dass ein Theil der Flüs- 
sigkeit, welche in dem Ei enthalten ist, verdunstet und durch die 
Schale entweicht; oder dadurch, dass andere Bestandteile des Eies 
sich mit dem Sauerstoffe der atmosphärischen Luft verbinden, und 
dass das hieraus entstehende luftförmige Produkt in gleicher 
Weise durch die Schale entweicht; oder noch mehr dadurch, dass 
gleichzeitig Beides geschieht. 

Für die erste dieser Annahmen spricht der Umstand, dass 
das Eiweiss durch das Bebrüten eine dickere Conaistenz erhält; für 
die zweite zeugt die Vergrösserung des lufterfüllten, nach Bischoff 



156 A. v. Homeyer u. P. Kössler: Athmen d. jung. Vogels im Ei. 

sehr sauerstoffhaltigen, vom Fötus nicht eingenommenen Raums 
am dicken Ende des Eies, welcher von Leunis als eigentlicher 
Luft- und Athmungsb ehälter genannt wird. Luft dringt also in 
das Ei und aus dem Eie; und es fragt sich nur, ob man diesen 
gegenseitigen Austausch von atmosphärischer Luft und von Luft- 
arten, welche sich durch eine theilweise Umsetzung der Bestand- 
teile des Eies erzeugen, einen Athmungsprozess nennen will und 
nennen darf, oder ob nicht. 

Wie sehr übrigens dieser gegenseitige Austausch nöthig ist 
und wie lebhaft er sein muss, beweist die Thatsache, dass ein Ei 
nur kurze Zeit mit Oel oder Firniss überzogen zu sein braucht, 
um vollkommen untauglich zur Entwickelung des Jungen zu wer- 
den: indem der so abgeschlossene Organismus erstickt; da dies 
auch, bei ganz frischgelegten Eiern der Fall ist, so ersehen wir 
übrigens daraus, dass der Athmungsprozess im Ei sofort beginnt. 
Hiermit stimmt auch die fernere Thatsache überein, dass brü- 
tende Vögel dann und wann vom Neste weggehen, oder eine Zeit 
lang stehend über den Eiern verharren. Beides thun sie offen- 
bar und instinktmässig, um den Eiern den ihnen dienlichen Zu- 
tritt von frischer Luft zu gestatten. Daher die Erfahrung, dass 
nicht selten die Eier faul werden, wenn Brutvögel gar zu fest 
sitzen, also diese Lüftung derselben verabsäumen: während es 
selbst bei kleinern Vögeln nicht schadet, wenn dieselben in offe- 
nen Nestern täglich stundenlang völlig kalt werden. 

Nunmehr kommen wir zur dritten Frage: 

Hat man ein wirkliches Athmen des Jungen im Ei 
beobachtet? 

Es ist eine jeder Bauerfrau bekannte Thatsache, dass junge 
Hühner etc. kurz vor denk- Ausschlüpfen, und zwar ohne dass 
die Schale verletzt ist, piepen. G-loger schreibt mir darüber: 
Das Piepen gehört ja unter die allbekannten Dinge. Zum Piepen 
gehört aber das Athmen,, und zwar das Ausathmen, welches wie- 
der das Vorhandensein von Luft in den Lungen voraussetzt. 

Recapituliren wir demnach die vorstehende Auseinander- 
setzung, so haben wir kurz folgende drei Hauptpunkte: 1) die 
Möglichkeit zu athmen in Folge der Porosität der Eischale; 
2) einen thatsächlichen Luftwechsel, erwiesen durch die Gewichts- 
abnahme des Eies beim Brüten; und 3) ein factisches Athmen, 
bedingt durch das Piepen des Jungen innerhalb der noch unver- 
letzten Eischale. 

Glogau, den 11. März 1862. 



Dr. Hauck : Job. Hein. Christ. Friedr. Sturm's Nekrolog. 157 

Job. Hein. Christ. Friedricb Sturm. 

Nekrolog. 

Herr Dr. Johann Heinrich Christian Friedrich Sturm wurde 
am 6. Februar 1805 in Nürnberg geboren. Sein ihm im Jahre 
1806 (?) in die Ewigkeit vorangegangener Vater war Herr Dr. Ja- 
cob Sturm, seine schon im Jahre 1832 selig vollendete Mutter 
Frau Christiana Albertina Wilhelmina geb. Wagner. Schon früh 
entwickelte sich in dem Sohne trefflicher Eltern, die demselben 
die sorgfältigste Pflege angedeihen Hessen, ein ausgeprägtes 
Künstler-Talent, so dass er schon in jenen Knabenjahren, die ge- 
wöhnlich mit kindlichen Spielen verbracht werden, Zeichnungen 
lieferte, die den künftigen Meister ahnen Hessen. Anfangs un- 
ter der Leitung seines Vaters, der es selbst in der Nachbildung 
naturhistorischer Gegenstände zur vollendeten Meisterschaft ge- 
bracht, später unter der des Directors Zwinger und Kupferstechers 
Gabler, widmete er sich von 1820 — 1828 als Eleve der hiesigen 
Kunstschule unter der Direcktion des trefflichen Reindel mit sol- 
chem Erfolge der ausübenden Kunst, dass er stets als einer der 
ausgezeichnetsten unter seinen Kunstgenossen sich hervorthat. 
Obwohl der Selige nie von der im engern Sinne so genannten 
„schönen" Kunst sich trennte, namentlich im Portraitfache auch 
in späteren Jahren die Seinigen durch vortreffliche Leistungen 
erfreute: so wandte er sich doch auf Anregung seines im natur- 
historischen Fache mit ausgezeichnetem Erfolge wirkenden Va- 
ters jener Kunstphäre zu, der er ebenso reiche Begabung als 
rastlosen Eifer entgegenbrachte. 

Wohl ein liebliches Bild entrollt sich im Geiste derjenigen, 
die Zeuge sein durften jenes einmüthigen Zusammenwirkens des 
Vaters und der beiden Söhne, alle vereint im Dienste der Kunst 
und Wissenschaft, und doch in die Arbeiten sich theilend, je nach- 
dem Talent und Neigung sich entschieden. So ward der Ver- 
ewigte ein treuer Mitarbeiter an seines Vaters klassischem Werke : 
„Deutschlands Fauna," da er sich vorzugsweise von zoologischen 
namentlich entomologischen Studien angezogen fühlte, während 
der jüngere Bruder, Herr Dr. Johann Wilhelm Sturm, mehr den 
botanischen Studien sich hingebend, die Fortführung des von dem 
Vater begonnenen Werkes: „Deutschlands Flora" unternahm. 
Auschliesslich und mit grösster Hingebung seinem Berufe sich 
widmend, verliess der Selige selten seine Vaterstadt, 1826 be- 



158 Dr. H. Hauck: Joh. Heinr. 

gleitete er seinen allzufrüh vollendeten Freund, den Professor 
Dr. Wagler, nach München; 1832 folgte er einer Einladung des 
um die Naturwissenschaften verdienten Herzogs Paul von Würt- 
temberg nach Mergentheim. 

Das einträchtige Zusammenleben des Vaters und der beiden 
Söhne ward keineswegs getrübt, als sich die Brüder am 5. Febr. 
J837 einen eigenen Hausstand gründeten, und der Selige seine 
nun tiefgebeugte Gattin, Frau Anna Margaretha Luise, geb. Zwin- 
ger, zur Lebensgefährtin sich erwählte. 

Den greisen Vater mit kindlicher Pietät pflegend, sich selbst 
mit brüderlicher Liebe umfassend, durfte das Brüderpaar wohl 
mit Recht als Beispiel jenes Schriftwortes gelten: „Wie fein 
und lieblich ist es, wenn Brüder einträchtig beisammen wohnen!" 
Nicht blos in wissenschaftlichen Arbeiten waren sie sich gegen- 
seitig Stützen, sondern auch in jenen Tagen, die jedes Men- 
schenleben aufzuweisen hat. Auch unseres Seligen sonst so glück- 
liches Familienleben erfuhr gar manche Trübung. Er musste den 
Schmerz erfahren, dass seine beiden einzigen Kinder, ein Töch- 
terchen schon nach einem Jahre und eine lieblich aufblühende 
Jungfrau von 16 Jahren, seine und der Mutter grösste Freude 
und Hoffnung, allzufrühe in das Grab sanken. Doch nie verliess 
den Seligen jenes Gottvertrauen, das gerade in den Tagen des 
Leides sich als die beste Tröstung und Stärkung erweist, und das 
ihn in den Stand setzte, seine tiefgebeugte Gattin, die jetzt so 
sehr vereinsamte, in ihrem grossen Schmerze aufzurichten, und 
obwohl selbst des Trostes bedürftig, zu trösten und zu ermun- 
tern. Was ihm an äusseren Freuden des Lebens versagt war, 
dafür fand er Ersatz in jenem stillen Wirken, von dem doch 
trotz all' seiner Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit die Kunde 
weit hinausgedrungen war, und zu dessen Anerkennung ihm am 
20. September J848 die Akademie zu Gettysburg in Pennsylva- 
nien die philosophische Doktorwürde honoris causa ertheilte. 

Ehrend war ihm auch der Auftrag des als Naturforscher 
rühmlichst bekannten Prof. Naumann, den Schluss seines grossen 
Werkes: „Die Vögel Deutschlands" in dessen artistischer Ab- 
theilung zu übernehmen, und noch in den letzten Jahren hatte 
der Selige die Freude, seine mit der grössten Sorgfalt durchge- 
führte Arbeit im Druck vollendet zu sehen. Früher schon hatte 
ein grosses Bildwerk von seiner Hand: „Die Ramphastiden" ver- 
diente Anerkennung gefunden; des ungetheiltesten Beifalls aber 



Christ. Friedrich Sturm's Nekrolog, 159 

erfreuten sich seine wahrhaft mustergiltigen Käfer -Abbildungen, 
die wohl schwerlich übertroffen werden können. Doch nicht blos 
als zeichnender Künstler hat sich der Vollendete glänzende Ver- 
dienste erworben : auch als kunstsinniger Bildner hat er sich ein 
schönes Denkmal gesetzt sowol in den naturgetreu in Wachs ge- 
bildeten Conchylien, als in der herrlichen Naturaliensammlung, 
die, ein Werk Jahre lang fortgesetzten Fleisses zu den ersten 
Zierden seiner Vaterstadt mit Recht gezählt werden kann. *) 

Wie sehr auch competente Richter die Verdienste des Seli- 
gen zu schätzen wussten, das beweisen die Auszeichnungen, die 
ihm von Seite gelehrter Gesellschaften zu Theil wurden. So 
wurde er nach und nach theils zum ordentlichen, theils zum cor- 
respondirenden und Ehrenmitglied ernannt: 

von der Kaiserl. Leopoldinisch -Carolinischen Akademie der Na- 
turforscher, 
„ „ Kaiserl. Gesellschaft der Naturforscher zu Moskau, 
„ „ General Union Philosophical Society of Dickinson Col- 
lege zu Carlisle in Pennsylvanien, 
„ dem entomologischen Vereine zu Stettin, 
„ der Wetterauischen Gesellschaft für die gesammte Natur- 
kunde zu Hanau, 
„ dem zoologisch-mineralogischen Verein zu Regensburg, 
„ „ Siebenbürgischen Verein für Naturwissenschaft in Her- 
mannstadt, 
„ der naturforschenden Gesellschaft „Isis" zu Dresden, 
„ ,, deutschen Ornithologen-Gesellschaft, 
„ „ naturforschenden Gesellschaft zu Bamberg. 

Doch wir würden die Wahrheit verletzen, wollten wir sagen, 
dass den Seligen nach solchen Auszeichnungen verlangt, oder 
dass er sich durch sie besonders befriedigt gefühlt hätte. Im 
Gegentheil — die Liebe, mit der er sich seinem Berufe widmete, 
fand ihre vollste Befriedigung in der Ausübung desselben, und 
keinem lag es ferner, als ihm, auf äussere Anerkennung allzu- 
hohen Werth zu legen. Wer den Seligen kannte, wusste, wie 
bescheiden er über sich selbst dachte, und wenn man in ihm den 
Künstler und Gelehrten hoch verehren durfte, so musste man in 



*) Vergl. „Dr. Stnrm's naturhistorisches Museum in Nürnberg" , Augs- 
burger Allgem. Zeitung 1860, p. 3174, (auch abgedruckt in Bonplandia, Zeit- 
schrift f. d. gesammte Botanik. VIII. N. 19 u. 20. [15. Oct. 1860] p. 317) 
und Dr. Carl Müller in Zeitung Natur N. 16. v. 19. April 1861, p. 127. 



160 Dr. Hauck: Fried. Sturm's Nekrolog. — Eingeg. Schriften. 

ihm den biederen Charakter, den treu besorgten Freund achten 
nicht minder als in Wahrheit lieben. Fern war es von ihm, sich 
über Andere zu erheben; Menschenfreund im wahren Sinn des 
Worts war er Allen zugänglich, gern bereit aus dem reichen 
Schatze seines Wissens mitzutheilen, sich an des Andern Freude 
mitzufreuen, und mitzutrauern , wenn dem Freunde Unglück be- 
gegnete. 

Ihm, der noch in rüstiger Arbeitskraft wirkte, der anschei- 
nend noch völlig gesund war, nahete der Tod unerwartet, unge- 
ahnet; eine Lungenlähmung machte am 24. Januar d. J. seinem 
theuern Leben ein Ende. 

Dr. H. Hauck. 



Nachrichten. 



An die Redaction eingegangene Schriften: 

(Siehe Januar-Heft 1862, Seite 79—80.) 

417. Prof. Dr. H. Schlegel. De Kasuaris met een lel. Casuarius uniap- 
pendiculatus. (Met eene plaat.) — Yom Yerfasser. 

418. H.Schlegel. De Maleo. Megacephalon Maleo. (Met eene plaat.) — 
Von Demselben. 

419. Henry Bryant. Remarks on the variations of plumage in Buteo borea- 
äs and Buteo Harlani Aud. Boston 1861. — Vom Verfasser. 

420. H. Bryant. Monograph of the Genus Catarractes. Boston 1861. — 
Von Demselben. 

421. Elliott Coues. A Monograph of the Genus Aegiothus^ with descriptions 
of new species. (Proceedings of the Academy of Nat. Sciences of Phi- 
ladelphia 1861, p. 373 - 390.) — Vom Verfasser. 

422. Dr. Ph. L. Sclater. Catalogue of a Collection of American Birds. 
Bog. XIII— XVI. (Januar u. Februar 1862.) — Vom Verfasser. 

423. H. Masius. Die gesammten Naturwissenschaften. Für das Verständ- 
niss weiterer Kreise und auf wissenschaftlicher Grundlage bearbeitet von 
Düppel, Gottlieb, Koppe, Lottner, Mädler, Masius, Moll, Nauck, Nögge- 
rath, Quenstedt, Romberg u. von Russdorf. Zweite, verbesserte und be- 
reicherte Auflage. II. Band. Essen, 1861. Druck und Verlag von 
G. D. Bädeker. — Vom Verleger. 

424. Dr D. Korth u H. Korth. Tauben- und Hühnerzeitung. Organ der 
gesammten Haus-Federviehzucht etc. Siebenter Jahrg. No. 4-12. (Fe- 
bruar u. März.) — Vom Herausgeber. 

425. Dr. L. Buvry. Mittheilungen des Central -Instituts für Acclimatiaation 
in Deutschland, zu Berlin. Dritter Jahrgang, 1862, No. I III. — Vom 
Central-Institut. 



JOURNAL 

für 

ORNITHOLOGIE. 

Zehnter Jahrgang. 



N2 57. Mai. 1862. 



Uebersicht 
der im Berliner Museum befindlichen Vögel von Costa Rica. 

Vom 
Herausgeber. 

(Fortsetzung; s. Juli-Heft 1861, S. 241—256.) 
114. Chloroceryle amazonia Rchbch. 

Handb. I, p. 28, no. 60. Tab. 412, fig. 3110. 3111. — Burm. 
Thiere ßras. IL p. 405. — Cab. Hein. Mus. Hein. II, p. 148, no. 
422. — Alcedo amazona Lath. Ind. orn. I, p. 257. sp. 31. — Vieill. 
Encycl. p. 292, sp. 25. fem. — Tschudi Faun. Peruan. Ornith. p. 
253. — Ceryle amazona Gray, Gen. B. I, p. 82, sp. 7. — Sclat. 
Ibis., 1859, p. 131, no. 208. — 

Correo de agua; mas. et fem. v. Frantz. 

Die von Dr. v. Frantzius eingesandten beiden Exemplare wei- 
chen durch kürzern, eigenthümlich abgestumpften Schnabel, sonst 
aber nicht von den südamerikanischen Vögeln ab. Es bleibt vor 
der Hand unentschieden,ob diese Eigenthümlichkeit individuell ist 
oder etwa durch veränderte äussere Verbältnisse bedingt wird. 

[Ein Männchen unsrer Sammlung, aus dem Thale Aragua in 
Venezuela ist in allen Verhältnissen auffallend kleiner. Ganze 
Länge: 9|"; Schnabel v. Mundw. 2|"; Flügel 4" 10"'; Schwanz 
etwa 3". Da ich nicht weiss, ob alle venezuelanische Vögel von 
gleicher Kleinheit sind, so lasse ich den specinschen Werth dieser 
Abart für jetzt dahingestellt.] 

115. Streptoceryle torquata Bp. 

Consp. Vol. Anis. p. 10. gen. 124 , no. 332. — Tab. Hein. 
Mus. Hein. II, p. 150, no. 428. — Alcedo torquata Lin. Syst. p. 
180, sp. 8. — Less. Traite' p. 242, sp. 2. — Ceryle torquata Bp. 
Proc. Zool. Soc. 1857, p. 108. — Cass. Cat. Haie von. Mus. Philad. 

Jouru. f. Ornith., X. Jahrg. Nr. 57, Mai iWi. 11 



162 Cabanis: Uebersicht der 

p. 4., sp. 2. — Sclat. Ibis 1859, p. 131, no. 206. — Megaceryle 
torquata Rchbch. Handb. I, p. 24. no 56; tab. 411, fig. 3106. — 
Burm. Thiere Bras. II, p. 404. — 

Coreo de agua: v. Frantz. 

116. Streptoceryle alcyon Bp. 

Consp. Vol. Anis. p. 10. gen. 125, no 333. — Cab. Hein. Mus. 
Hein. H., p. 151, no. 430. — Alcedo alcyon Lin. Syst. p. 180, sp. 
7. — Vieill. Encycl. p. 283, sp. 4. — Wils. Amer. Orn. III. p. 59. 
tab. 23, fig. 1. — Audub. Synops. pag. 173, no. 255. — Ceryle al- 
cyon Bp. Proc.Zool. Soc. 1837, p. 108, no. 4. - Sclat Ibis 1859, 
p. 131, no. 207. — Cass. Cat. Halcyon. Mus. Philad. p. 4, no. 3. — 
Baird Report pag. 158. — Megaceryle alcyon Rchbch. Handb. I., 
p. 25. no. 59, tab. 412, fig. 3108. 3109. 

Correo de agua: v. Frantz. 

ORDO STRISORES. 

FAM. TROCHILIDAE. 

SÜBFAM. CAMPYLOPTERINAE. 

117. Campylopterus hemileucurus Cab. Hein. 

Mus. Hein. III, pag. 13, no. 20. — Gould, Introduction to the 

Trochilidae, p. 52. — Trochilus hemileucurus Licht. Preis verzeich- 

niss mexic. Thiere ges. v. Deppe. (Septbr. 1830) no. 33. — Or- 

nismya Delattrei Less. Rev. zool. 1839, p. 14. — Campylopterus 

Delattrei Bp. Consp. I, p. 71. — Rchbch. Troch. Enum. p. 9. tab. 

804, fig. 4869-70. — Gould, Monogr. Troch. Vol. IL, tab. 45. — 

Sclat. Ibis, 1859, p. 127, no 179. 

Gorrion; ein jüngeres Männchen, v. Frantz. 
SÜBFAM. LAMPORN1THINAE. 
118. Petasophora cyanotis Gould 
Proc. Zool. Soc. 1847, pag. 8, no. 2. — Id. Monogr. Troch. 
Vol. IV, tab. 228. — Id. Introd. Troch. p. 125. — Trochilus cy- 
anotus Bourc. Ann. Soc. Sc. Phys. et Nat. Lyon 1843, pag. 41. — 
Id. Rev. Zool. 1843, pag. 101. — Sclat. Birds Bogota no. 72. — 
Gorreon: v. Frantz. 

Zwei durch Dr. v. Frantzius gesammelte Exemplare lassen den 
Vogel von Costa Rica gewissermaassen als eine Mittelform von cya- 
notis nach thalassina Sws. hinüber erscheinen. Die schöne blaue 
Färbung am Ohr scheint breiter zu sein; die dunkle vor der Spitze 
befindliche Schwanzbinde an der Aussenfahne der äussersten Steu- 
erfedern ist nicht so markirt ausgeprägt. Da Gould indess dem 



Vögel von Costa Rica. 163 

cyanotis einen ausnahmsweise grossen Verbreitungskreis anweist 
und von Abweichungen dieser Art innerhalb desselben spricht, mir 
auch nur wenige Exemplare zur Vergleichung vorliegen, so lasse 
ich die Sonderung des Vogels von Costa Rica bis auf weitere 
Vergleichung von mehr Exemplaren dahingestellt sein. 
SUBFAM. HYLOCHARINAE. 
119. Pyrrhophaena Dubusi Cab. Hein. 

Mus. Hein. III, pag. 36, sp. 75. — Trochilus Dubusi ßourc. 
Ann. Soc. Sc. Phys. et Nat. Lyon 1852, p, 141. — Amazüiu Du- 
busi Rchbch. Aufz. Colibr. p. 10. — Id. Troch. Enum. p. 8. tab. 
778, iig. 1809—10. — Amazilia Riefferii Sclat. (nee. Bourc.) Ibis 
1859, pag. 180, no. 198. — Id. Ibis 1S60, p. 40, no. 59. — Gould, 
Introd. Troch. p. 158. 

Gerron pato: v. Frantz. 

Bureon, Gattungsname aller Colibris; San Jose: Hoffm. 

Gould und Sclater scheinen in der That diesen central- 
amerikanischen Vogel nicht als Art anzuerkennen. Bourcier sagt 
in seiner Beschreibung ganz ausdrücklich, dass der Oberschna- 
bel schwarz, der Unterschnabel hell mit schwarzer 
Spitze sei. Hierdurch und durch weniger Weiss am After un- 
terscheidet sich die Art schon genügend an dem columbischeu 
Riefferii mit fast ganz hellem Schnabel. Alle Exemplare von Costa 
Rica, wo Dubusi gemein zu sein scheint, stimmen in der Schna- 
belfärbung durchaus mit Bourcier's Angabe überein, selbst die 
jungen Nestvögel, welche Dr. Hoffmann mit dem Neste einsandte. 
Die Schnabelfärbung ist daher eine in allen Alterszuständen un- 
abänderlich gleiche und die Art somit nicht mit Riefferi zu ver- 
einigen. 

120. Hemithylaca Hoffmannii. n. sp. 

Cab. Hein. Mus. Hein. III, pag. 38, no. 80. — Saucerottiu 
Sophiae Gould, Introd. Troch. p. 162, no. 358. 

H. affinis caligato, uropygio partim tectrieibusque caudae su- 
perioribus fere totis violaceo-rufescentibus. 

Gorrion: v. Frantz. 

S. JosC; Hoffm. 

Die längsten oberen Schwanzdecken sind blau wie der Flü- 
gel; die unteren Schwanzdeckcn sind dunkelgrau, beim alten Vo- 
gel nur so die Ränder, sonst grünblau, bei ganz alten Vögeln vi- 
olett schillernd. Ganze Länge: 4" 2'"; Schnabel: <)]": Flü- 
gel: 2" 3'"; Schwanz: l" 6'". 

Diese Art scheint in Costa Rica häutig zu sein und daselbst 
den caligatus Gould von Neu-Granada zu vertreten. 

11 • 



Iß4 Cabanis: Uebersicht der 

Der in Veragua vorkommende, sehr ähnliche H. Warszewiczi 
ist etwas kleiner und hat den Bürzel und die oberen Schwanz- 
decken blau, fast ganz ohne violetten Schiller. 

Mr. Gould, welcher einige Original-Exemplare von hier er- 
hielt identificirt Hoffmannii mit Sophiae s. caligatus. Da mir Vö- 
gel von Neu-Granada zur Vergleichung fehlen, so kann ich hier- 
über nicht entscheiden. Wir besitzen nur ein Exemplar von Me- 
rida, welches ich für caligatus genommen habe. Sollte Hojfmanni 
mit Sophiae zusammenfallen, so würde unser Vogel von Merida als 
neue Art zu beschreiben sein. 

121. Panterpe insignis n. gen. et n. sp. 

Burreon oder Chupaflor rosa; San Jose*. Hoffm. 

Die Hauptfärbung ist glänzend grün, die Stirn bis zur Mitte 
des Kopfes schuppig, blau, Hinterkopf purpurescirend. Kehle 
goldig, hoch ausgefärbt, bis zu röthlich goldigem Schiller. Die 
Unterschwanzdecken sind tiefgrün und nicht so bläulich als die 

oberen. 

Von dieser ausgezeichneten, neuen und generisch eigentüm- 
lichen Art, welche Dr. Hoffmann entdeckte und unserm Museum 
einsandte, ist bis jetzt nur das eine Exemplar, anscheinend ein 
altes Männchen bekannt. Dasselbe ist in einer Note des Museum 
Heineanum (III, pag. 43.) ausführlicher beschrieben und auch an 
Mr. Gould zur Abbildung für seine Monographie der Trochiliden 
mitgetheilt worden, wo es in dem jetzt abgeschlossenen Pracht- 
werke, Vol. V, tab. 336 erschienen ist. 

122. Chlorolampis Salvini n. sp. 

Cab. Hein. Mus. Hein. IH, p. 48, no. 105. — Gould, Introd. 
Troch. pag. J74, no. 396. 

Gorrion: v. Frantz. — Hoffm. Ellendorf. 

Die Spitzen der Schwanzfedern, und zwar besonders der mit- 
leren, sind mit einem grünschillernden Spitzenflecke versehen. 
Diese von allen drei Reisenden in verschiedenen Altersstufen ein- 
gesandte Art scheint in Costa Rica häufig zu sein und dort die 
grössere Caniveti zu vertreten. 

Von dieser Art sind Exemplare in verschiedenen Kleidern zur 
Ansicht und Vergleichung an Mr. Gould mitgetheilt und hält Der- 
selbe sie für verschieden von der mir unbekannten Ch. Osberti. 
123. Heliomaster Constanti Gould. 

Monogr. Trochil. Vol. IV, tab 260. — Id. Introd. Troch. p. 
140, no. 290. — Sclat. Ibis 1859, pag. 129, no. 190. — Cab. Hein. 



Vögel von Costa Rica. 165 

Mus. Hein. III, p. 54, no. 120. — Trochäus Constanti Delattre 
Echo du Monde Sav. Juni 184.1. — Selasphorus Constanti Rchbch. 
Troch. Enum. p. 11. — 
Gorreon: v. Frantz. 

124. Selasphorus scintilla Gould. 

Monogr. Trochil. Vol. III, tab. 128. — Cab. Hein. Mus. Hein, 
pag. 56, no. 125. — Trochäus (Selasphorus) scintilla Gould, Proc. 
Zool. Soc. 1850, pag. 162, no. 1. 

Gorreoncito: v. Frantz. 

Zwei alte Männchen in defektem Zustande wurden durch Dr. 
v. Frantzius eingesandt. Gould beschrieb diese Art zuerst nach 
den von dem Reisenden Warszewicz in Veragua, am Vulcan Chi- 
riqui in Höhe von 9000' entdeckten Exemplaren. 
FAM. CYPSELIDAE. 

[Aus dieser Familie erhielten wir bis jetzt von Costa Rica 
noch keine einzige Art. Nach Sclater kommen indess im Cen- 
tral-Amerika die folgenden 4 Arten vor: 
Panyptila melanoleuca (Baird.) 
Chaetura rutila (Vieill.) 
„ Vauoci (Baird,) 

Hemiprocne zonaris (Shaw.) albicollis Vieill. collaris Wied. 

Die letzte der hier aufgezählten Arten wird von der brasilischen, 
auf welche die vorstehenden Synonyme sich beziehen, zu sondern 
sein. Schon bei Bearbeitung des ornithologischen Anhangs zu 
„Schomburgk's Reisen in Guiana" war mir aufgefallen, dass der 
Vogel von Guiana in allen Dimensionen auffallend kleiner 
als der brasilische zonaris s. collaris ist. Seitdem habe ich Gelegen- 
heit gehabt mexikanische Exemplare zu untersuchen und gefunden 
dass dieselben vollständig mit denen von Guiana übereinstimmen. 
Im Gegensatze zu dem grössern brasilischen Vogel wird man 
also die von Mexico bis Guiana sich erstreckende constant kleinere 
Abart als Hemiprocne albicincta sondern können. Das weisse 
Halsband scheint namentlich oben am Nacken schmäler zu sein, 
weniger fällt diess an der Brust auf. 

Hemiprocne semicollaris, (Acanthylis semicollaris de Sauss.,) 
ist eine mit den vorstehenden nicht zu verwechselnde, grössere Art, 
nur mit weissem Nackenbandc und ganz ohne Binde an der Brust.] 
FAM. CAPRIMULGIDAE. 

125. Chordediles brasxlianus Bp. 

Consp. pag. 63, no. 10. — Caprimulgus brasilianus Gm. Syst. 



1(56 Cabanis: Uebersicht der 

p.- 1031, sp. 11. — Caprimulgus semitorquatus Pr. Max Neuw. 
ßeitr. III, p. 330. — Chordeiles brasilianus Cass. Proc. Acad. Phil. 
1851, p. 187, art. 20. — Id. Catal. Caprimulg. p. 8, sp. 2. — 

Guaco; Nachtvogel; Pupille braun, Augen gelb. Hoffm. 

Das von Dr. Hoffmann eingesandte Exemplar, ein Männchen, 
stimmt mit dem südamerikanischen Vogel, es ist kleiner als texen- 
sis Lawr. welcher letztere gleich dem americanus nur auf den 4 
äussersten Schwingen den weissen Fleck haben soll, (während 
vircjinianus diese Zeichnung an 5 Schwingen zeigt,) sonst aber in 
Grösse und anderer Beziehung die Mitte zwischen americanus und 
vtrginianus zu halten scheint. 

126. Nyctidromus albicollis Cab. 

Licht. Nomencl. Mus. Ber. 1854, p. 62. — Caprimulgus albi- 
collis Gm. Syst. p. 1030, no. 8, mas et guianensis no. 10, fem. — 
Nyctidromus americanus Cass. (nee. Gm.!) Proc. Acad. Phil. 1851, 
p. 179. — Sclat. Ibis 1859, p. 125, no. 173. — Cab. Hein. Mus. 
Hein. III, p. 92, no. 211. — Nyctidromus afinis Gray. 

Coyeo; mas et fem. v. Frantz. 

Guaco; zeigt sich nur des Nachts mit unhörbarem geister- 
haftem Fluge; Pupille braun, Auge gelb. Hoffm. 

Scheint die häufigste Nachtschwalbe in Costa Rica zu sein. 
Das viele Weiss an den Steuerfedern ist Charakter des männ- 
lichen Vogels und kein speeifischer Unterschied. Die von den 
Reisenden eingesandten Exemplare stimmen mit mexikanischen 
und südamerikanischen überein. Ich hatte die Art früher als 
albicollis richtig erkannt, und tritt dieser Name als älteste Be- 
zeichnung des männlichen Vogels wieder in sein Recht, nachdem 
Sclater nachgewiesen- hat, dass der von Cassin irrthümlich gedeu- 
tete C. americanus Lin. Gm. nicht auf diese Art zu beziehen sei. 
(vid. Siphonorhis americanus Sclat. Proc. Zool. Soc. 1861, p. . . .) 

Als Abart des weitverbreiteten albicollis könnte höchstens zu 
betrachten sein : der allerdings viel grössere Nyctidromus Derbyanus 
Gould vom südlichen Brasilien und weiter südwärts. Einen an- 
scheinend kleineren, in Venezuela, namentlich im Thal von Ara- 
gua vorkommenden Vogel, wage ich indess ebensowenig, als den 
wieder etwas grossem mexikanischen und central-amerikanischen 
mit Gray als affinis abzusondern. 



Vögel von Costa Rica. 167 

ORDO SCANSORES. 

FAM. CÜCULIDAE. 

SÜBFAM. COCCYGINAE. 

127. Coccygus americanus Bp. 

Cuculus americanus Lin. Gm. Syst. p. 414 no. 10. — Cuculus 
carolinensis Wils. Araer. Orn. IV, p. 13. tab. 28, fig. 1. — Ery- 
throphrys americanus Sws. Bp. List. p. 40, no 269. — Coccygus 
americanus Bp. Obs. Wilson, 1825, no 47. — Audub. Synops p. 
187. no 278. — Baird Report p. 76. — Sclat. Ibis 1860, p. 43, 
no. 69. 

Bobo: v. Frantzius. 1 Exemplar. 

128. Pyrrhococcyx Mehleri. — 

Piaya Mehleri Bp. Consp. pag. 110. sp. 3. — Sclat. Proc. 
Zool. Soc. 1860, p. 285. — Piaya mexicana Sclat. (nee Sws.) 
Proc. Z. Soc. 1856, p. 308. — Id. Ibis 1859, p. 133, do 224. — 
Piaya thermophila Sclat. Proc. Zool. Soc. 1859, p. 368. — Id. 
Ibis 1860, pag. 43, no 68. 

Pajaro cocao; Auge gelb:*) Hoffm. 

Bobo: v. Frantzius. 

Die eingesandten Exemplare passen vollständig zu Sclater's 
guter Diagnose von Piaya (!) thermophila; der in Costa Rica an- 
scheinend gemeine Vogel gehört daher zu Mehleri Bp. Das 
einzige mexikanische Exemplar unsrer Sammlung ist zwar kleiner 
und stimmt in dieser Beziehung mit Bonaparte's Angabe von 15", 
ist sonst aber nicht von den Vögeln von Costa Rica verschieden. 
Letztere differiren gleichfalls (nach Alterszuständen) etwas in 
Grösse und zeigen die Färbung des Crissum mehr oder weniger 
entschieden schwärzlich. 

[Solange man den von Mexico südlich über den grössten 
Theil von Süd-America verbreiteten und überall häufigen oder 
leicht zu erlegenden Vogel als ein und dieselbe Art, cayanus 
Lin. betrachtete, konnte man im Voraus darauf rechnen dass in 
jeder einigermaassen umfangreicheren Sendung auch der s. g. 
cayanus nicht fehle. Bemerkenswerthe Unterschiede hatten 
mich indess seit längerer Zeit belehrt, dass die wenigsten dieser 
Vögel auf cayanus Lin. zu beziehen seien und dass diese Art mit 

*) Ich betrachte diese, wie einige andere Angaben über Färbung der Iris 
nicht ohne Misstrauen, da wahrscheinlich alle die verwandten Arten eine rothe 
Iris haben; ich gebe indess stets die Angaben des Sammlers genau so, wie 
er sie notirt hat. 



lß$ Cabanis: Uebersicht der 

aschgrauem Crissum*) auf die Guiana's beschränkt sei. Eine 
entschiedene Species ist meadcanus Sws. Misslicher erscheint die 
scharfe Sonderung der Vögel mit schwärzlichem Crissum : Mehleri, 
nigricrissa und macroura. Mit Sclater's Veröffentlichungen über 
diesen Punkt stimmen meine Untersuchungen wesentlich überein, 
da indess die Grenzen zwischen den vermeintlichen Arten oder 
Abarten des cayanus immer noch fraglich bleiben, die Angaben 
in Bonaparte's Conspectus aber sogar leicht irre leiten könnten, 
so lasse ich zur weiteren Klärung der Frage hier eine kurze 
Aufzählung folgen: 

(1.) Pyrrhococcyx macroura. — Piaya macroura (Gamb.) Sclat. 
Proc. Z. Soc. 1860, p. 285, ex. Gambel, Journ. Acad. Philad. I, 
p. 215. — Tingazu! Azar. Apunt. no 265. — Cuculus cayanus 
Pr. MaxNeuw. Beitr. IV, p. 329. — Piaya circe Bp. Consp. p. 110. — 

Gambel's Beschreibung ist mir nicht bekannt, ich nehme den 
Namen macroura auf Sclater's Autorität als den älteren an. Die 
Vaterlands- Angaben Columbien und Guiana sind irrthümlich, der 
Vogel ist entschieden Azara's Tingazu und ein Bewohner von 
Brasilien und südlich von Brasilien. Je mehr südlich, je grösser 
scheint der Vogel zu werden, so dass Bonaparte's Angaben am 
besten auf unsre Exemplare von Montevideo und dem süd-östli- 
chen Brasilien passen. Die folgenden Angaben aus Bonaparte's 
Diagnose charakterisiren den Vogel gut: „Maxima, crisso nigri- 
cante; cauda elongata; rectricibus subtus nigricantibus, mediis 
proximas valde excedentibus. Long. 19", cauda 12—13"." 

Die Oberseite ist ganz schwach olivengrau überhaucht, die 
rothbraune Hauptfärbung erscheint daher gedämpfter, weniger 
lebhaft als bei der folgenden Art; der Schwanz zeigt von unten 
betrachtet in der Regel Nichts von röthlichem Anfluge. 

(2.) Pyrrhococcyx Mehleri. — Piaya Mehlen Bp. Consp. p. 110. 
— Sclat. Proc. Z. Soc. 1860, p. 285. — Piaya mexicana Sclat. 
(nee Sws.) Proc. Z. Soc. 1856, p. 308. — Piaya thermophila Sclat. 
Proc. Zool. Soc. 1859, p. 368. 

Bonaparte's Diagnose ist unklar, (die Färbung des Crissum 
fehlt,) und möchte ich derselben, als Bezeichnung des Unterschie- 
des vom Vorhergehenden, nur den Ausdruck „retrieibus mediis 
proximas vix excedentibus" entnehmen, weil dieser in der Regel 



•) Der Kürze wegen gebrauche ich hier den Ausdruck Crissum für die 
ganze Körpergegend, welche die unteren Schwanzdecken, den After, den hin- 
teren Theil des Bauchs und die Hinterseite der Hosen umfasst. 



Vögel von Costa Rica. 169 

zutrifft. Sclater hat Bonapartes Original untersucht und mit dem 
mexikanischen Vogel indentificirt. Sclater's gute Diagnose lautet : 
„Saturate castanea, subtus cinerea, gutture pallide cinnamomeo- 
rufescente, ventre imo crissoque nigricantibus; cauda rectricibus 
subtus unicolori -nigricantibus, lateralibus in pogonio exteriore et 
mediis duabus in utroque pogonio rufescentibus, omnibus albo 
late terminatis; rotri plumbei culmine et apice toto flavo- 
virentibus; pedibus nigris. Long. 17; al. 6. 2; caud. 10. 8." 

Hab. Tierra caliente von Mexico, Guatemala, Costa Rica. 

(3.) Pyrrhococcyx nigricrissa. — Piaya nigricrissa Sclat. Proc. 
Zool. Soc. 1860, p. 285. [297. — Piaya Mehleri Sclat. (nee. Bp.) 
Proc. Zool. Soc. 1860, p. 95; 1859, p. 146; 1858, p. 75. 460. 

Nach Sclater in Neu-Granada, Equador und Peru. Wie der 
Name andeutet, würde diese Abart das Crissum am entschieden- 
sten schwarz gefärbt haben. Wir besitzen nur ein Fraser'sches 
Original-Exemplar von Equador und vermag ich zwischen diesem 
und einigen Stücken von Costa Rica keinen speeifischen Unter- 
schied mit Sicherheit festzustellen. Eine vergleichende Diagnose 
hat Sclater noch nicht gegeben, diese wird zunächst abzuwarten 
sein. Einige Angaben Fräsers widersprechen sich, so heisst es 
in Proc. 1859, p. 146: Iris roth, nackte Gegend um's Auge und 
Basis der Mandibel grün; Schnabel gelb, mit grünlichem Anfluge ; 
Lauf und Zehen blau; in Proc. 1858, p. 460 dagegen: Iris roth; 
nackte Augengegend vorn, hinten und oben roth, unterm Auge 
bläulich fleischfarben. 

(4.) Pyrrhococcyx cayanus Cab. in Schombgk. Reisen III, p. 
713. — Cuculus cayanus Lin. Gm. Lath. — Coccyzus macrocercus 
Vieill. Encycl. p. 1347 no 12. — Piaya cayana Sclat. Proc. Zool. 
Soc. 1860, p. 285. Kleiner als die vorhergehenden Arten, wie 
diess so häutig bei verwandten Vögeln in Cayenue der Fall ist, 
und merklich verschieden durch das nicht schwärzliche, sondern 
hellere, aschgraue Crissum. Nach Sclater in Cayenne und Tri- 
nidad; wozu ich noch Guiana setzen kann. 

Anmerkung. Hin und wieder kommen auch bei den vor- 
stehenden Arten Individuen mit mehr oder weniger hellerem, 
fast grauem Crissum vor, es wird sich dieser verfängliche Umstand 
aber bei genauerer Kenntniss auf Alters- oder Gesclileehtsunter- 
schiede zurückführen lassen. Wir ersehen hinaus dass in zwei- 
felhaften Fällen das „Vaterland" zu einein Haupteriterium bei 
Entscheidung über die Art werden kann und dass, wo dasselbe 



170 Cabanis: Uebersicht der 

unsicher ist, auch die Bestimmung der Art unsicher bleibt, der 
Vogel mithin im Sinne der Gegner der „Artenzersplitterung' 4 eben 
keine Species ist. Die genaue Kenntniss der geographischen Ver- 
breitung und der durch climatische Abänderungen bedingten Ver- 
schiedenheit ist indess eine wichtige Aufgabe der fortschreiten- 
den Wissenschaft und wird letztere sicherlich durch ein ent- 
sprechendes Auseinanderhalten mehr gefördert als durch Rückkehr 
zu dem gemüthlich-patriarchalischen Standpunkte des seiner Zeit 
grossen Buffon. Die Feststellung lokaler oder klimatischer 
Arten oder Abarten (natürlich mit Auschluss individueller, sexu- 
eller oder temporärer Verschiedenheiten!) ist eine Aufgabe unse- 
rer Zeit, wogegen der definitive Abschluss des Begriffes der Spe- 
cies sehr häufig noch an gegenwärtiger mangelhafter Kenntniss 
scheitern wird. 

(5.) Pyrrhococcyx mexicanus, — Cuculus mexicanus Sws. Sy- 
nops. Birds Mexico in Philos. Mag. 1827, p. 440, no. 89. — Pi- 
aya cayana Bonap. (nee Lin.) Consp. p. 110. sp. 2. (partim.) — 
Piaya mexicana Sclat. Proc. Z. Soc. J859, p. 388; 1860, p. 285. 
Cuculus cinnamomeus Licht in Mus. Ber. — 

Durchweg heller, lebhafter gefärbt und von den vorigen Ar- 
ten wesentlich verschieden. Hat mit cayanus das hellere, graue 
Crissum gemein, ist sonst aber an der Oberseite lichter zimmtfar 
ben und mit längerm Schwänze. Letzterer ist an der Ober- und 
Unterseite lebhaft rothbraun.. Die von Bonaparte im Conspe- 
ctus für Piaya cayana gegebene Diagnose bezieht sich der Haupt- 
sache nach auf mexicanus Sws. und scheint ein Gemisch nach die- 
sem und cayanus zu sein. Namentlich charakserisiren die folgen- 
den Stellen den mexicanus ganz gut: „Major; rufo-cinnamomea; 
cauda elongata; rectrieibus undique laete rufis, omnibus apice 
albo macula subterminali nigra." 

Die Art scheint im Gegensatze zu Mehleri wohl hauptsäch- 
lich die westlich von den Cordilleren gelegenen Landstriche Mexi- 
co's zu bewohnen. Nah Sclater Oaxaca; im Berliner Museum von 
Cuernavacca und Acapulco. 

(6.) Pyrrhococcyx columbianus n. sp.? — Die columbische Ab- 
art des Vorhergehenden, welche kurz als mexicanus ex Columbia 
charakterisirt werden könnte. (Wir finden öfters in Columbien 
eine der mexikanischen entsprechende sehr ähnliche Form wieder 
und mag hierbei an ßaurophagus rußpennis und S. Derbyanus er- 
innert werden.) Der Vogel ist dem mexicanus sehr ähnlich also 



Vögel von Costa Rica. 171 

mit hellem Crissum und rechlicher Unterseite des Schwanzes, sonst 
aber in allen Maassen kleiner, also auch mit kürzerm Schwänze, 
der Schnabel aber ist grösser und kräftiger. Die helle, fahl roth- 
braune etwas ins Weinfarbene ziehende Färbung der Kehle erstreckt 
sich anscheinend nicht so weit über die Brust herab. Die Oberseite 
des Schwanzes ist etwas dunkler, also mehr nach der Färbung 
der andern Arten hinüberfahrend; die rothbraune Färbung der Un- 
terseite des Schwanzes ist nicht so rein, sondern matt und fein 
schwärzlich gewässert, was aber auch Individuen von mexicanus 
zeigen und was vielleicht Weibchen oder Jugendzustand andeutet. 

Unser Museum besitzt 2 Weibchen, bei welchen die Sammler 
die Färbung der Iris abweichend angegeben haben. Das eine 
Exemplar stammt von Cartagena, Iris carmoisinroth ; das andere 
aus Venezuela, Thal von Aragua, Iris gelb.] 

129. Dromococcyx phasianellus Pr. Max. Neuw. 

Beitr. IV., p. 353. — Macropus phasianellus Spix. Av. Bras. 
I, pag. 53. tab. 42. — Diplopterus phasianellus Gray, Gen. Birds 
p. 456. no. 5. — Piaya macroura Verr. Bp. Consp. — Dromo- 
coccyx mexicanus Bp. Compt. Rend. May. 1856. — Sclat. Proc. 
Z. Soc. J856, p. 308. 

Bobo: v. Frantzius. 1 Exemplar. 

Die von Bonaparte vorgenommene Sonderung des mexikani- 
schen Vogels erscheint mir nicht stichhaltig. Sclater stimmt da- 
für, dass wenig Unterschied vom brasilianischen phasianellus vor- 
handen sei, vermuthet aber, dass der Vogel, da es nicht bekannt 
sei, dass er in den dazwischenliegenden Landstrichen vorkomme, 
sich vielleicht als verschieden herausstellen werde. Diese An- 
nahme wird nicht zutreffen ; denn wir besitzen ein Exemplar von 
Porto Cabello und ein anderes von Bahia, beide stimmen aber 
mit dem von Costa Rica, welches doch wohl zu mexicanus gehö- 
ren müsste, speeifisch überein. 

SUBFAM. CROTOPHAGINÄE. 
130. Crotophaga sulcirostris Sws. 

Synops. Mex. Birds in Phil. Mag. 1827, p. 440 no. 90. — 
Crotophaga Casasii Less. Cent. Zool. tab. 11. — Crotoph. stdei- 
rostra Sws. Two Cent, p, 322. fig. 65 c. 

Zapilotillo; in Schaaren beim Vieh, dem er die Zeken 
(garapatos) absucht, Hoffm. 

Zapilotillo; v. Frantzius. — Ellendorf. 
SUBFAM. Büi'CONIJSAK. 

[Als ich die Bucconinae (s. Orn. Not. in Wiegmann's Archiv 



172 Cabanis: Uebersicht der 

J847, 347.) zu den Cuculiden stellte, kam es mir hauptsächlich 
darauf an, die unnatürliche Verbindung dieser trägen melancho- 
lischen Vögel mit den Capitoninen in ein und derselben Familie zu 
lösen; will man den Begriff der Familie enger nehmen, so kön- 
nen die Bucconinen ebenso gut als eigene Familie aufgeführt 
werden. 

Die lebhaften und lebhaft gefärbten Capitoninae stellte ich 
zur selben Zeit zur Familie der Ramphastiden. Ich kannte da- 
mals ausser cayennensis nur den Capito glaucogularis Tschudi's, 
die Ansicht dieser Art reichte indess hin, um mir die nahen Be- 
ziehungen zu Aulacorhamphus etc. klar zu machen. Die letzten 
Jahre haben weitere Belege dafür gebracht und namentlich scheint 
durch den Tetragonops ramphastinus Jard. (Sclater Monogr. der 
Capitonidae in Ibis 1861, p. 184. tab. 6,) die Verwandschaft mit 
den Ramphastiden so zu sagen handgreiflich geworden zu sein. 
Was Mr. Sclater in seiner angeführten Arbeit über die systema- 
tische Stellung der Capitoninen als seine Ansicht giebt, passt 
ziemlich genau zu den von mir schon 14 Jahre früher gemach- 
ten, anscheinend in Vergessenheit gerathenen Ornithologischen 
Notizen.] 

131. Malacoptila costaricensis n. sp. 

M. supra fusco-brunnea, dorsi pennis et alarum tectricibus 
apice pallide maculatis, tectricibus caudae superioribus rufescen- 
tioribus, cauda rufescente brunnea; fronte albo nigroque vario; 
loris plumisque mystacalibus albis; capitis lateribus distincte pal- 
lide ferrugineo striatis, pennis nigricante marginatis ; gutture pec- 
toreque pallide ferrugineis, abdomine albescente: mento gulaque 
albo nigroque variis, pectoris et epigastrii pennis nigrescente et 
fusco marginatis, tectricibus caudae inferioribus fulvescentibus ; 
rostro nigro, mandibula parte basali flava. Magnitudine pictura- 
que M. panamensi valde similis. 

Cubezan; v. Frantzius. 

Bis jetzt nur 1 Exemplar. Da dasselbe bei grosser Aehnlich- 
keit mit mehreren verwandten Arten doch in einigen Punkten ab- 
weicht, so nehme ich an, dass die Arten der Gruppe Malacoptila 
als stille, melancholische, wenig fliegende Vögel wohl nur einen be- 
schränkten geographischen Verbreitungskreis haben mögen und 
glaube deshalb den Vogel von Costa Rica als neu beschreiben zu 
müssen. Nach Vergleichung mit dem einzigen hier vorhandenen 
Exemplare der M. panamensis (von Esmeraldas in Equador), ist 



Vögel von Costa Rica. 173 

unser Vogel kaum etwas grösser als diese und gleicht dersel- 
ben auch in der Färbung bis auf die folgenden Unterschiede: 
Das Weiss am Grunde der Stirnfedern ist entwickelter / ebenso 
das Schwarz der Spitzen, wodurch die Stirn nach hinten schwarz 
begrenzt erscheint. Die roströthliche Färbung ums Auge fehlt. 
Die Wangen sind entschieden gestrichelt und sind die hell gelb- 
braunen Schafstriche schwärzlich eingefasst, wodurch die Färbung 
der Kopfseiten der von substriata ähnlicher wird, während sie bei 
panamensis viel verloschener ist. Der untere Theil der Kehle und 
die Brust sind heller rostfarben. Die dunklen Streifen an der 
Unterseite, als Einfassung des Gefieders des unteren Theils der 
Brust und nach den Bauchseiten hin, sind markirter, dunkler. 

FAM. TROGONIDAE. 
132. Trogon puella Gould. 
Proc. Zool. Soc. 1845, p. 18. — Bonap. Consp. p. 149, sp. 
9. — Sclat. Ibis 1859, p. 132, no. 216. — Trogon xalapensis 
Du Bus, Esq. Orn. tab. 2. 

Quezal; Mas. et Fem. v. Frantz. 

133 Trogon tenellus n. sp. 

Quezal; 1 Exemplar, Mas juv. v. Frantz. 

Das einzige bis jetzt durch Dr. v. Frantzius eingesandte 
Exemplar ist ein junges Männchen, welches zum Theil noch die 
Färbung des Weibchens zeigt. Der Vogel gehört zum Färbungs- 
typus derjenigen Arten mit gelbem Bauch, bei welchen das Man- 
chen an der Oberseite und Brust grün, das Weibchen daselbst 
brau^ist. Unter den mir bekannten Arten kommt tenellus nur 
dem südamerikanischen atricollis Vieill. sehr nalie und dürfte die 
entsprechende Form desselben in Central- Amerika sein. Die 
Grösse des Jüngern männlichen Vogels im Uebergangskleide, ist 
etwas geringer als die von atricollis. Die Oberseite ist bereits grün 
mit dem üblich goldigen Schiller der Jüngern Männchen; an den 
Schwanzdecken ist das Grün dunkler. Flügel ähnlich dem atri- 
collis, die Handschwingen unterbrochen weiss gerandet. Die bei- 
den mittelsten Steuerfedern rothbraun, dunkler als beim Weibehen 
von atricollis und mit ganz schmalem schwarzem Spitzensaum: 
nach den Obersehwanzdeeken hin zeigt sieh an diesen Stcuerfedern 
schon ein grüner Schiller; die nächstfolgenden beiden Steuerfedern 
jederseits haben die Ausscnfahne rothbraun, die Innenl'ahne da- 
gegen ist schwarz und nur schmal rothbraun gesäumt, die Spitze 



174 Cabanis: Uebersicht der 

ist an beiden Fahnen schwarz.*) Die 3 äussersten Steuerfedern 
jederseits sind ähnlich gefärbt wie bei atricollis, jedoch mit län- 
geren weissen ungefleckten Spitzen, auch ist die Querzeichnung 
weitläufiger, die weissen Zwischenräume der schwarzen Querzeich- 
nung sind viel breiter, der Schwanz von unten betrachtet er- 
scheint daher nicht so dicht und nicht so zahlreich quergebändert, 
als bei atricollis. Die Seiten des Kopfs und der Brust sind 
braun; das braun ist jedoch weniger lebhaft als bei atricollis und 
mehr ins Graubraune ziehend. Die übliche schwarze Maske des 
alten Männchens ist bereits hin und wieder durch schon vorhandene 
schwarze Federn angedeutet. Um das Auge, (namentlich nach 
hinten,) zeigt sich ein Kranz kleiner weisser Federchen (cilia.) 
An der Mitte der Brust wo das Braun endet und das Gelb beginnt 
ist eine weisse Stelle angedeutet. Die Unterseite von der Brust 
abwärts ist gelb, an den Seiten graubraun. Das Gelb ist heller, 
reiner und ohne die orange Beimischung des atricollis. Der 
Schnabel ist vorherrschend olivenfarben, mit gelber Vorderhälfte 
des Oberschnabels. Die Tarsen sind nackt und nur nach oben 
befiedert. Hosen schwärzlich. 

Die Art bedarf einer weiteren Bestätigung der Unterschiede 
von atricollis durch Auffindung der bis jetzt fehlenden alten aus- 
gefärbten Vögel. 

J34. Trogon Massena Gould. 

Monogr. Trogon. tab. J6. — Bonap. Consp. p. 149, sp. 18. — 
Sclat. Ibis 1859, p. 132, no. 220. 

Gallinilio; im hohen Bergwalde. Hoffm. 

Zwei Exemplare dieser grössern Art, altes und junges Männ- 
chen, durch Dr. Hoffmann eingesandt, stimmen mit Gould's Ab- 
bildung und Beschreibung bis auf die folgenden Abweichungen. 

Beim alten Männchen zeigt sich an der Brust, wenn auch keine 
Brustbinde, so doch eine schwache Andeutung derselben, indem 
hin und wieder ein weisser Flecken oder ein schmaler weisser 
Querstreif an den Federn bemerkbar wird. Trogon macrourus 
Gould, den ich nicht kenne, hat jedoch ein entschiedenes weisses 
Brustband, ein anderes lebhafteres Roth des Bauchs und einen 
längeren Schwanz (8" statt 7".) 

Beim jungen Männchen ist der Bauch schon roth, die grauen 

*) Beim Weibchen von atricollis sind (nach Gould) die 6 mittelsten Steuer- 
federn braun ; sollte unser Vogel daher hier noch die Färbung des Weibchens 
zeigen, so wäre auch dies ein wesentlicher Unterschied. 



Vögel von Costa Rica. 175 

Brustfedern aber sind nur an der Spitze roth und sonst schwärz- 
lich quergezeichnet. Die Armschwingen sind an der Aussenfahne 
hellbraun vermiculirt gerandet. Die 3 seitlichen Steuerfedern je- 
derseits sind an der Spitze weiss und an der Aussenfahne nament- 
lich der äussersten Steuerfeder, fein weiss querliniirt oder zick- 
zackförmig gezeichnet. Beim alten Vogel ist nur Letzteres und 
in viel geringerem Grade bemerkbar. 

135. Pharomacrus paradiseus Sclat. 

Ibis 1859, p. 132, no. 221. — Trogon pavoninus Temm. (nee 
Spix) PI. col. 372. — Trogon paradiseus Bonap. 1826. — Pharo- 
rnacrus micinno De la Llave, Registro Trimestre, I, p. 48. (1831.) — 
Trogon resplendens Gould Monogr. Trogon. tab. 21. — Calurus mo- 
cinno Bp. Consp. p. 152, sp. 1. 

Quezal; Mas. et Fem. v. Frantz. — Hoffm. 

Diese prächtigste Art der Trogoniden ist also auch ein Be- 
wohner von Costa Rica. Nähere Angaben über dessen Vorkom- 
men daselbst fehlen jedoch bis jetzt. 

FAM. PICIDAE. 

SÜBFAM. P1CINAE. 

136. Picus Harrisii Audub. 

Birds Amer. tab. 417. fig. 8. 9. — Id. Synops. p. 178, no. 
263. — Baird Report p. 87. — Picus Jardinii Malh. Rev. Zool. 
1845,"p. 374. - Bonap. Consp. p. 137, no. 22. — Sclat. Proc. 
Z. Soc. 1858, p. 359. - Id. Ibis 1859, p. 136, no. 237. — Picus 
incarnatus Licht, in Mus. Ber. (err. inornatus Bp. Consp.) 

1 Exemplar von Desengano, im Juli. Hoffm. 

Das einzige von Dr. Hoflfmann eingesandte junge Männchen 
stimmt in allen wesentlichen Punkten speeifisch mit einem alten 
männlichen Salle"schen Exemplare des P. Jardinii von Mexico. 
Ebenso finde ich keinen speeifischen Unterschied zwischen unse- 
ren Exemplaren von Temascaltepec, welche zweifellos P. ßarrim 
sind , und den Vorhergehenden. Da die Salle"schen Exemplare 
durch Dr. Sclater bestimmt sind, welcher mit M. Malherbe in häu- 
figen Beziehungen steht, so scheint hierdurch die Identität von 
Jardinii und Harrisii erwiesen zu sein. 

137. Phlo eoceastes guatemalensis. — 

Picus guatemalensis Hartl. Rev. Zool. 1844, p. 21 4. (fem.) — 
Campephilus guatemalensis Gray Gen. B. p. 436, no. 6. — Dryo- 
copus guatemalensis Bp. Consp. p. 133, sp. 12. — Sclat. Proc. Zool. 
Soc. 1857, p. 266; 1858, p. 359. — Id. Ibis 1859, p. 135, no. 



176 Cabanis: Uebersicht der Vögel v. Costa Rica. 

231. — Campephilus regius (Licht.) Rchb. Handb. der spec. Orn. p. 
393. no. 908. c. tab. (mas) et guatemalensis pag. 392, no. 904. fem.) 

Capintero, Name für alle Spechte; mas. Hoffm. 

Carpintero real; mas. et fem. v. Frantz. 

Mas, v. Lepanto durch Dr. Ellendorf. 

Stimmt mit den mexikanischen Vögeln der Art überein. Das 
Hartlaubsche Original-Exemplar, welches ich untersucht habe, ge- 
hört als Weibchen hierher. Als pollens bezeichnete mir Bonaparte 
den von Reichenbach als mesoleucus Licht, gegebenen Vogel; 
es ist dies ein Weibchen oder jugendliches Exemplar von Bogota. 

[Die Arten, deren Männchen fast den ganzen Kopf roth gefärbt 
haben, mit langer äusserer Hinterzehe und Verhältnis smässig kür- 
zeren Flügeln, lassen sich als Phloeoceastes ((floioc, Baumrinde u. 
xfßfo), zerspalten) zusammenfassen, es gehören ausser dem obigen 
hierher: 1. Ph. albirostris (Vieill.) — 2. Ph. Sclateri (Malh.) — 3. PK. 
robustus (111. Licht.) Typus generis. — 4. Ph. rubricollis (Bodd. Gm.)] 
138. Ceophloeus scapularis. — 

Picus scapularis Vig. Zool. Journ. IV, 1829, p. 354. — Dry- 
ocopus scapularis Gray Gen. B. p. 436, no. 8. — Bonap. Consp. 
p. 133, sp. 9. — Sclat. Ibis 1859, p. 135, no. 232. — Campephilus 
leucorhamphus (Licht.) Rchb. Handb. p. 393, no. 906. cum. tab. 

Carpintero; Mas. et fem. v. Frantz. 

Mas; Aguacate Gebirge, im August: Hoffm. 

Die eiogesandten 3 Exemplare sind grösser als die nördli- 
cheren mexikanischen, auch ist der Schnabel nicht mehr elfen- 
beinfarben, sondern bei zweien entschieden dunkel hornfarben. 
Hierdurch wird die Annäherung an den . südamerikanischen line- 
atus sehr bedenklich. Während die mexikanischen und südame- 
rikanischen Vögel gut auseinander zu halten waren, scheint auch 
in diesem Falle, in dem geographisch dazwischenliegenden Costa 
Rica, eine Uebergangsform aufzutreten. Für lineatus bleibt im 
Ganzen noch der etwas längere dunklere Schnabel, etwas grössere 
Körperformen und das entschiedenere Weiss ohne die merkliche 
gelbe Beimischung unterm Flügel als Unterschied von den Costa- 
Rica-Vögeln. 

[Der von Prof. Baird für pileatus gebrauchte Gattungsname 
Hylatomus wird orthographisch richtig Hylotomus zu schreiben 
sein und kann dann leider (wegen Hylotoma Latr.) nicht in An- 
wendung bleiben. Statt dessen, oder als Unterabtheilung der 
Gruppe, falls pileatus für sich bleiben sollte, wende ich Cßophloeus 
an (von xtu>, spalten, und ykoiög, Rinde,)und rechne hierher: 1. 
C. lineatus (Lin.) Typus generis. — 2. C scapularis (Vig.) — 
3. C. erythrops (Cuv.) — 4. C. pileatus (Lin.)] 

(Fortsetzung folgt.) 



Dr.J.Gundl.: Zusätze u. Berichtig, z.d. „Beitr. z.Ornith.Cuba's." 177 

Znsätze und Berichtigungen 
zn den „Beiträgen zur Ornithologie Cuba's." 

(In den früheren Jahrgängen dieses Journals.) 

Von 

Dr. J. Gundlach. 

(Schiusa j s. März-Heft, Seite 81—96.) 

No. 38 a. Culicivora Lembeyei Gundl. 

Mr. Lawrence sagt in seinen „Observations" zu meinem Auf- 
satz e : „Dr. G. sends no description of the female u. s. w„ ich be- 
merke aber, dass das J dem </< in Färbung gleicht. 

No. 52 a. Rhimamphus caeruleus (Wils). 

Sylvicola caerulea Sw. Bon. Aud. Sylvia rara Wils. Bon. 
Aud. Nutt. jung oder J. Vermivora rara Jard. Sylvia azurea 
Steph. Bon. Aud. Nutt. Sylvia bifasciata Say. Ein hübsches 
Männchen ward zwischen Matanzas und Cardenas getödtet. 

No. 57 a. Helminthophaga chrysoptera (Motacilla L. Gmel). 

Sylv. chrysoptera Lath. Wils. Bon. Sylvicola chrysoptera Rieh. 

Vermivora chrysoptera (Sw.) Bon. Helinaia chrysopt. Aud. Hei- 

mitheros ch % ysopterus Cab. Motacilla flavifrons Gm. Sylv. flavi- 

frons Lath. Mein Freund Don Ramon Forns schoss ein Exemplar 

bei Habana. 

No. 57 b. Helm, peregrina (Sylvia) Wils. Bon. Aud. Sylvia 
(Dacnis) peregr. Bon. Nutt. Sylvicola peregr. Rieh. Vermivora 
peregr. Bon. Helinaia peregr. Aud. Helmitheros peregrinus Bon. 
Helminthophaga peregrina Cab. „Sylvia tennessaei Vieill" Gray. 

No. 58 a. Teretistris Fornsi Gundl. 

In meinen „Notes" ist das Nähere angegeben. 

No. 83 a. Nephocaetes collaris (Cypselus) Pr. Max. 

Ebenfalls in meinen „Notes" beschrieben. 

No. 83 b. Nephocaetes niger. (Hinaido Gmel). 

Cypselus niger Gosse. Gundl. and Lawrence. Cypnelus bo- 
reatis Kennerly. Hirundo apus dominicensis Br._, ebenfalls in mei- 
nen Notes beschrieben. 

No. Sialia Stalia Baird. (Motacilla) L. Gm. 

Sylvia sialis Lath. Vieill. Wils. Doughty, Aud. Sa.ricola 
sialis Bon. Ampelis sialis Nutt. Rubecula caroUnensi* caerulea 
Br, Bu£ (pl. enl. 396). Sialia Wilson! Sw. Aud. (Birds of Am.) 
Erythaca (Sialia) Wilsonii Sw. et Rieh. 

Diese Art kam 1860 in grosser Anzahl zur Insel. Ich tüd- 

Joum. f. Ornith.,X. Jahrg. Nr. 57, Mai, IStii. 12 



178 Er. J- Gundlach: Zusätze und Berichtigungen 

tete einige und es wurden viele zum Verkauf auf den Marktplatz 
zu Habana gebracht. 

No. Protonotaria citrea Baird. (Motacilla) Boddaert 1783. 

Mniotiita citrea Gray. Motacilla Protonotarius Gm. Sylvia pro- 
tonotaria Lath. Vieill. Wils. Aud. Sylvia (Dacnis) prot. Bon. Ver- 
mivora protonot. Bon. Helinaia protonot Aud. Helmitheros protonot. 
Bon. Compsothlypis protonot. Gab.*) Ficedula canadensis major 
Br. Buff. (PI. enl. 704, f. 2). 

Ward einige mal im botanischen Garten zu Habana im April 
1859 geschossen. Ich glaube ihn auch früher einmal gefehlt 
zu haben. 

No. 104 a. Hyphantes oder Icterus spurius Bon. Aud. (Orio- 
lus) L. Gm. Oriolus varius Gm. Turdus ater Gm. Oriolus casta- 
neus Lath. (dieselbe Art als 0. varius Gm.) Turdus jugidaris 
Lath. (dieselbe Art als Turdus ater Gm.) Yphantes solitaria 
Vieill. tf\ „Pendidinus nigricollis Vieill. P. viridis Vieill." Oriolus 
mutatus Wils. Xanthornus affinis Lawr., kleine Varietät von Texas. 

In mehreren Exemplaren im Jahre 1858 April, und I Stück 
am Ende März 1860 bei Habana beobachtet und getödtet. 

No. 109 a. Xanthocephalus icterocephalus Baird. 

Icterus icterocephalus Bon. Nutt. (nee Oriolus icteroc. L.) Age- 
laius icteroc. Cab. Icterus (Xanthornus) xanthocephalus Bon. Ict. 
xanthoc. Aud. Agelaius xanthoc. Sw. Bon. Aud. Newberry. Age- 
laius longipes Swains. Psarocolius perspicillatus „Licht." Wagler 
und Ict. persp. „Licht." Wagl. Xanthoceph. persp. Bon. (Consp.) 
Icterus frenatus Licht. Reinh. 

Am 2. Mai 1858 waren einige Stücke auf dem Markte zu 
Habana. 

No. 145a. Melopelia leueoptera Bon. (Columba) L. Gm. 
Wagl. M'Call. Zenaida leueoptera Gray Gm. Turtur leueopterus 
Gosse. ICol hoitotl Gm. Columba Trudeaui Aud. 

Eine gemeine Taube an der Südküste im östlichen Departe- 
mento der Insel, aber nie im westlichen oder centralen gesehen. 
Sie lebte bei Buyamo an den Flussufern am Cabo-Cruz, bei San- 
tiago de Cuba und Guantänamo an der Seeküste. Im Inneren 
des Waldes oder in fruchtbaren Ländereien habe ich sie nie ge- 

*) So schreibt Baird in Eeport und nach ihm Sclater; im Museum Hei- 
neanum (I. p. 20, nota 1), steht jedoch Hehninthophaga Protonotarius. Baird 
bezog die Note durch ein Versehen auf die Gattung Compsothlypis und scheint 
hierin auch der Grund zu liegen, dass dessen Gattung Protonotarius von Hei- 
minthophaga entfernt und neben Compsothlypis gestellt wurde. Cab. 



zu den „Beiträgen zur Ornithologie Cuba's." 179 

sehen, auch nicht an der Nordküste des östlichen Departementes. 
Ihre Lieblingsnahrung sind Saaraen von Yatropha curcas. Ich 
bemerkte in meinem Tagebuche, die zweite Schwinge ist die 
längste. Altes cT Schnabel schwarz. Wachshaut etwas bräunlich, 
Füsse mit carminrothen Schuppen, deren Zwischenräume rosen- 
farbig weis3. Loruni und Augenkreis türkenblau zur Heckzeit, 
mehr graulich zur anderen Zeit. Augenstern lebhaft ockerfarbig, 
oder gelbroth zur Heckzeit. 

Am Jungen ist der Schnabel blasser, die Füsse sind röthlich 
braun, die Wachshaut bräunlich, der Augenstern hasselbraun oder 
bräunlich ockerfarben. 

Der junge Vogel gleicht im Gefieder dem alten, er hat aber 
die Farben weniger rein und die grösseren Deckfedern der zehn 
ersten Schwingen und die Federn des Afterflügels mit weisslichem 
Saume. Die Seiten des Kopfes und Halses sind graubraun und 
der schwarze Fleck an den Halsseiten ist weniger begrenzt und 
ohne Metallschimmer. 
Länge des ^ 0,308 Flugweite 0,4 S2 Schwanzlänge 0,108 millimtr. 

„ „ $ 0,288 „ 0,474 „ 0,104 „ 

Die Flügelspitze ist von der Schwanzspitze 0,062 mill. entfernt. 

No. 215 a. Dendrocygna viduata {Anas) L. 

Am Palmsonntage des Jahres 1859 wurden bei Santiago de 
Cuba 23 Stück von einem Schwärme getödtet, von denen ich 
leider nur eine Probe erhielt, die übrigen waren auf dem Markte 
verkauft worden. Später im Juni tödtete mein dortiger Freund 
und Schüler ein altes schönes Männchen und sandte es mir aus- 
gestopft. J Schnabel schwarz, mit einer hellbleifarbigen Quer- 
binde hinter dem Nagel. Sie erstreckt sich jedoch nicht bis zu 
den etwas angeschwollenen Schnabelrändern. An einem J war 
auch Äie weiche Haut der Nasenlöcher bleigrau. Schnabel unter- 
her wie obenher, nur bildet die Querbinde einen Halbkreis. Beine 
bleigrau, an einem mit schwarzen Schildchen vor dem Tarsus und 
auf den Zehen. Augen sehr dunkelbraun. Länge des J 0,473, 
Flugbreite 0,872, oder beim anderen Exemplar 0,885, Schwan/ 
0,070. Flügel vom Flügelbug zur Spitze 0,230. Die Flügelspitze 
um 0,010 mill. kürzer als dir <|rs Schwanzes. 

No. Occanitis Wihoni Bon. oder Thalassidrotna Wxhoni 

Bon aparte. 

Procellaria pelagica Wils. nee L. „P/\ oceanica Kühl" Gray. 
Th. Wilsoni Bon. Aud. Schon seit langer Zeit hatte ich den 

12* 



180 Dr. J- Gundlach: Zusätze und Berichtigungen 

Glauben, diese Art komme auch an den Küsten Cuba's vor, — 
und obgleich Don Andres Poey in seinem Kataloge diese Art 
anführte, sie aus des Herzog's erstem Verzeichnisse entnehmend, 
so wollte ich dennoch erst Gewissheit haben. 1858 am ersten 
Pfiugstfeiertage , kehrte ich vom Cabo-Cruz nach Santiago de 
Cuba zurück. Etwa eine Stunde weit vom Hafen flogen 9 sol- 
cher Sturmvögel nur wenige Ellen weit hinter dem Schiffe her. 
Ich sättigte mich mit der blossen Ansicht, denn da das Schiff 
kein kleines Boot hatte, um den getödteten Vogel aufzunehmen, 
wollte ich auch keinen tödten. — Eigentlich kann ich nicht sagen, 
dass diese Art die beobachtete ist, jedoch muss man solches an- 
nehmen, da die drei nordamerik. Arten folgendes Vaterland an- 
gemerkt haben. 

Thalassidroma (Oceanodroma) furcata. Küste von Oregon u. rus- 
sischem Amerika. 

— — Hornbyi. Nordwestküste v. Amerika. 

— (Thalassidroma) Leacliii. Atlant. Küste von Massa- 

chusetts bis Baffinsbay. 
— - — melania. Küste von California. 

— (Oceanitis) Wilsoni. Atlant. Küste vom Golf von 

Mexico bis Baffinsbay. 

— (Procellaria) pelagica. Atlant. Küste Bank v. New- 

foundland. 
Fregetta Lawrencii von anderer Färbung als die beobachtete. 

Küste von Florida. 

Auch hat Wilson geradezu Cuba angegeben: „The Stormy 
Petrels breed in great numbers on the rocky shores of the Ba- 
hama and the Bermuda's Islands and in some places on the 
coast oi East Florida and Cuba," 

Ich stehe also nicht an, diese Art als sicher aufzunehmen. 
Tags vorher sah ich auch südlich vom Turquinoberge, nahe beim 
Lande, zwei Stück fliegend. 

No. Rhyncops (und nicht Rhynchops) nigra L. et autores. 

Auch diese Art vermuthete ich als Bewohner der Küste oder 
der Inselchen bei Cuba. Endlich 1858 erhielt ich Sicherheit. 
Ein Pilot von Manzanillo fand zwischen Manzanillo und Santa 
Cruz an der Küste etwa 20 Stück fliegend über eine salzige 
Sumpfgegend. Er schoss ein Stück, beschrieb mir die Farbe 
und wollte mir noch den etwas zerstörten Schnabel vorzeigen. 
Da er jedoch die Eigenthümlichkeit des Schnabels und das Ge- 



zu den „Beiträgen zur Ornithologie Cuba's" 181 

fieder richtig angab und zudem den Beweis im Vorzeigen des 
Schnabels geben wollte, und er als einfacher Seemann kein In- 
teresse an einem Betrüge haben kann, so nehme ich diese Art 
ebenfalls in den Katalog auf. Der Schnabel war leider von der 
Familie als unnütz weggeworfen. 

Mein Rath an Personen, die nicht ausstopfen können, ist, 
mir bei Vorkommen unbekannter Vögel den Kopf oder andere 
Theile zu verwahren und zu schicken. So erhielt ich einen Kopf, 
den ich nur für 

No. Turdus (Planesticus Bp. 1854) migratorius L. halten 

konnte. Ein Schwärm des fraglichen Vogels kam nach dem west- 
lichen Theile der Insel zur Südseite und wurde dort getödtet 
und gegessen. Die Art ist jetzt identificirt; ich fand ein Exem- 
plar in einer Sammlung eines meiner Schüler, welches er vor 
etwa zwei Jahren auf dem Markte zu Habana kaufte, wo mehrere 
sich befanden. 

No. 195 a. Aegialitis tenuirostris. In Guantänamo fing ich 
auf dem Neste einen Charadrius, völlig dem melodus gleich, aber 
mit einem schlankeren Schnabel wie bei vociferus. Mr. Lawrence, 
dem ich die Vögel zur Ansicht sandte, hält ihn für verschieden 
von melodus und nennt ihn tenuirostris. Die Art ist kleiner, Flü- 
gel und Schwanz abweichend gezeichnet. Ich besitze das brütende 
Weibchen, von dem ich die Eier nach Cassel sandte. 



Verwilderte Arten von Vögeln sind: 

Numida meleagris Linn. An verschiedenen Orten, besonders 
aber im östlichen Theile der Insel, weil viele Kaffeepflanzungen 
von den Eigenthümern verlassen wurden, um neue Pflanzungen 
an besseren Orten anzulegen. Somit blieben Perlhühner zurück, 
die sich nun sehr verwildert haben. 

Fringilla domestica Linn. Bis jetzt, wie es scheint, nur in 
Habana und ihren Vorstädten. Hat sich seit mehreren Jahren in 
unglaublicher Anzahl vermehrt, und verbreitet sich stets mehr 
nach aussen. 

Fringilla carduelis Linn. Vor mehreren Jahren war ein 
Schwann dieses Vögele nistend im botanischen Garten, am Fusse 
der Festung Fl Principe, seheint aber jetzt weggefangen zu sein. 
Ich sehe keine mehr. 



182 Dr. J. Gundlach: Zusätze und Berichtigungen 

Anmerkungen über die im Kataloge angewandten 
Genusnamen. 

Die in Klammern vorgesetzten Zahlen beziehen sich auf die Nummern der 

Species des Katalogs, (im September -Hefte 1861, S. 322 u. ff.,) welcher der 

betreffende Genusname vorgestellt ist. 

(38) Mr. Baird sagt Culicivora Swains. Class. Birds II. 1837, 243 
type C. atricapilla. Not Culicivora (type stenura) of Swains. 
Zool. Journ. III. 1827, 359. Er nimmt also als Genusname 
Polioptila Sclater Pr. Zool. Soc. 1855, 11, type Motacilla 
caerulea an. 

(39) Mr. Baird sagt Seiurus Swains. Zool. Journ. III. 1827, 171 
(sufficiently distinct from Seiurus) type Motacilla aurocapilla 
L. Henicocichla Gray List of Genera 1840; also wohl besser 
der Name Seiurus. [Die alten Griechen schrieben aber 
Seiswa und Vigors wandte diesen Namen für eine Gattung 
der Muscicapidae an. Cab.] 

(44) Mr. Baird sagt Myiodioctes Aud. Syn. 1839, 48 type Mota- 
cilla mitrata. Wilsonia Bon. List 1838 (preoecupied in Bo- 
tany) — Myioctonus Cab. Mus. Hein. 1850, 18. 

(46) Sylvicola Gray Genera Birds 2. ed. 1841, 32 (not of Huin- 
phreys nor Swains.). 

Dendroica Gray Genera Birds, appendix 1842, 8. 
Rhimamphus Hartl. Rev. Zool. 1845, 342 (not of Rafinesque 
Am er. Monthly Mag. 1818 and Jour. de Phys. 1819. 

(60) Chloris Boie Isis 1826, 972 (not of Moehring 1752) type 
Parus americanus. 

Sylvicola Swains. Zool. Journ. III. Jury 1827, 169 same type; 
(not of Humphrey. Landschnecke.) Panda Bon. Geogr. and 
Comp. List, 1838, same type. — Compsothlypis Cab. Mus. 
Hein. 1850—51, 20 same type. 

(63) Pyranga' Vieill. Ois. Am. sept. I. 1807, IV. — ibidem Ana- 
lyse 1816, 32. Sclater Pr. Zool. Soc 1856, 123. Phoeni- 
soma (Cab. schreibt Phoenicosoma) Sw. Cl. Birds 11.1837, 284. 

(75) Sayornis Bon. ?Ateneo italiano 1854 — ib. Comptes Rendus 
1854, Notes Orn. Delattre. Aulanax Cabanis Journal für 
Ornith. 1856, type nigricans. 

(77) Ampelis L. Syst. Nat. 1735 type A. garrulus. Bombycilla 
Vieill. Ois. Am. sept. I. 1807, 88 type B. cedrorum. 

(97) Guiraca Swains. Zool. Jour. in. Nov. 1827, 350 type Loxia 
caerulea L. 



zu den „Beiträgen zur Ornithologie Cuba's." 183 

Coccoborus Sw. Class. Birds II. 1837, 277, some type. 

(98) fGoniophea Bowdich „Excursions in Madeira 1825" Agassiz 
type Loxia ludoviciana L. according to Gray. — Habia Rei- 
chenbach Av. Syst. nat. 1850 plate XXVIII. type Loxia lu- 
doviciana L.; not. Habia Lesson 1831. — Hedymeles Cab. 
Mus. Hein. 1851, 153 same typus. 

(103) Mr. Baird sagt als Einleitung der Subfamilie Icterinae: „in 
studying the North- American Orioles I have found it excee- 
dingly diificult to arrange them in any sharply defined sect- 
ions as whatever characters be taken as the basis of Classi- 
fication, the other features will not correspond. Thus, spe- 
cies with the bill of the same proportions and' amount of 
curvature differ in the shape and graduation of the tail, 
while tails of the same form are accompanied by entirely 
dissimilar bills and wings. The bill is sometimes much atte- 
nuated aud decurved, as in cucullatus, while in melanoce- 
phalus and baltimore it is stouter and straighter. The tail 
is usually much graduated; in /. baltimore and Bullockii it 
is only moderately rounded. These last mentioned species 
constitute the genus Yphantes etc. Nachher sagt er: In view 
ol the difficulties attendant upon the definition of subordin- 
ate groups among the United States Icterinae, I propose 
to consider them all under the Single genus Icterus leaving 
it for some one with a fuller series of specimens at his 
command to establish satisfactory divisions into genera. 

(119) Im Journal belässt Cabanis die Art Helenae, da er sie nicht 
kannte, beim Genus Orthorhynchus. — In Reports führt die 
sehr ähnliche Art Anna den Genusname Atthis. Reichen- 
bach. Cab. Journ. f. Ornith. Extraheft für 1853, App. B. 

(123) Mr. Baird setzt Picus varius zum Genus Sphyrapicus Baird. 
Pilumnus Bon. Consp. Zygod. Ateneo Italiano, May, J854, 
(type Picus thyroideus). 

(141) In Reports steht die Art martinica im Genus Oreopeleia 
Reichenbach, Handb. der spec. Ornith. L, 1851, S. XXIY. 
type Col. martinica. 

Mr. Baird sagt aber ,,this genus is placed by Bonaparte 
as a subgenus of Geotrygon of Gosse. 

(146) Obgleich Mr. Baird Perissura Cab. kannte, hat er doch Ze- 
naidura beibehalten. [Der Genusname Zenaida, als Stamm- 
wort, ist zu Ehren einer Frau creirt! — Sapienti sat. Cab.] 



184 Dr. J. Gundlach: Zusätze und Berichtigungen 

(151) In Reports werden die Arten anders vertheilt, nämlich: 

A. Ardeae, B. Botaureae und C. Nycticoraceae. Erstere zer- 
fallen wieder in 
Middle of back with elongated plunies, their fibrillae distant. 
Demiegretta. Plumes straight, fastigiate depending and 
elongated. Feathers of the head and entire 
neck lanceolate, narrow and well defined (in this 
differing from all our other genera). Toes very 
short the lateral not more than half the tarsus 
(a character entirely peculiar to this genus). Spe- 
cies Pealii, rufa, ludoviciana. 
Garzetta. Plumes reaching about to the tail recurved 
at the end; the fibrillae horizontal but not fasti- 
giate. A Ml occipital crest, and lower part of 
the throat with similar plumose feathers, the fibril- 
lae festigiate. Color. white. Species candidissima. 
Herodias. Plumes reaching beyond the tail straight 
fastigiate, depending. Head perfectly smooth. Spe- 
cies Egretta. 
Back without elongated plumes, Scapulars usually elongated. 
Ardea. Occiput with greatly lengthened feathers, rea- 
ching far beyond the occipital crcst. Scapulars 
equal to the tertials. Sp. Herodias, Würdemanni. 
Audubonia. Head without much lengthened feathers. 
Scapulars scarcely elongated. Species occidentalis. 
Florida. Head with occipital feathers moderately elon- 
gated; the webs decompounded; those of lower 
throat, lanceolate. Scapulars longer than the tail. 
Lower outline of bill nearly straight. Sp. caerulea. 
(J57) Butorides Blyth 1849 type Ardea javanica Horsf. — Ocm- 
scm Cab. 1856. 

(160) (Botaurus) lentiginosus {Ardea Montagu) Orn. Dict. suppl. 
1813, minor {Ardea Wils.) Am. Orn. VIII. 1814, 35, pl. LXV. 
Also besser ist lentiginosus als minor. 

(161) Nyctiardea Swains. Classif. Birds II. 1837, 354 type Ardea 
nycticorax L. — Nycticorax Stephens. Shaws Gen. Zool. XI. 
1819, 608 same type, not of Moehring 1752. 

(174) Mr. Cassin sagt in Reports Glottis Nilsson Orn. Suec. 1817 
type Scolopax glottis Linn. (Gray) und fügt hinzu „the genus 
Glottis diflfers very little from the American Gambetta and 



zu den „Beiträgen zur Ornithologie Cuba's." 185 

all their species might very appropriately be combined in 
a Single genus Glottis. 

(176) Cabanis gibt der Art im Journal den Namen Totanus chlo- 
ropygius, besser scheint mir Rhyacophilus solitarius. Rhyacoph. 
Kaup. Sk. Entw. Europ. Th. 1829. type Tringa glareola L. 

(177) Tringoides Bon. S„aggio di una dist. etc. 1831, type Tringa 
hypoleucus L. Actitis Boie Isis 1822, 560. Not of Illiger 
Prodromus 1811. 

(179) Bartramia Lesson Traitd d'Orn. 1831 preoccupied in Botany. 
Actiturus Bon. Saggio etc. 1831 type Tringa bartramia Wils. 
Euliga Nutt. Man. II. 1834. Im Journal lese ich Euligia, 
wohl Druckfehler? [Doch wohl von fayvg, Mysta. Cab.] 

(180) Micropalama Baird. Hemipalama Bon. Synopsis 1828, 316 
type Tringa himantopus Bon. Not. of Bonap. Obs. Wils. 
1825. No. 212. which includes only Tringa semipalamat. Wils. 

(183) In Reports wurden die drei von Cabanis als Pelidna ange- 
führten Arten als Actodromas genannt. Actodromas Kaup. 
Sk. Ent. Eur. Th. 1829, type Tringa minuta Leissler. — 
Den Genusnamen Pelidna führen auch noch einige Arten, 
die in Reports zu anderen Genera gehören, nämlich Arqua- 
tella (Baird) maritima. — Erolia (Vieill.) subarquata. — 
Schoeniclus (Moehring) alpina. Hier lese ich Schoeniclus 
Moehring Gen. Av. 1752, type Tringa cinclus L. equal to 
Pelidna Cuv. 

(195) In Reports sind die Charadrius in drei Genera gestellt, 
nämlich Charadrius L. mit virginicus, Aegialitis mit den klei- 
neren Arten und Squatarola Cuv. mit Helvetica. Die Aegia- 
litis Boie sind wieder eingetheilt in Oxyechus Reich., Ochtho- 
dromus Reich., Aegialeus Reich, und Leucopolius Bonap. 
Oxyechus hat die Arten vociferus und montanus; Ochthodr. 
die Art Wilsonius; Aegialeus die Arten semipalmatus und 
melodus und Leucopolius die Art nivosa. 

(198) Herr Cabanis nimmt den Genusnamen Notherodius WagL 
an. Ich weiss nicht, wcsslmlb Wagler den Vieillot'schefl 
„Ammm* von 1816 verwirft. [Ärcmw ist ein willkürlich 
gemachtes Wort — also vielmehr kein Wort. Cab.] 

(209) Linne nannte Colymbus ;ille Arten. Alsdann trennte Latham 
in 1790 das Genus Podicepx für die mmesehwan/.ten mit 
lappenartigen Schwimmhäuten und Cofymlms für die mit gan- 
zen Schwimmhäuten und Schwanz versehenen. 



186 Dr. J. Gundlach: Zusätze und Berichtigungen 

Meiner Meinung nach könnte man im neuen Katalog so 
setzen: Fain. Colymbidae, G-enus Podiceps, Art dominicus. 
Genus Podilymbus, Art podiceps L. — Vielleicht bildet do- 
minicus ein andres Genus. 
(210) Cabanis führt die Art mit dem Namen Sylbeocyclus caroli- 
nensis an. In Reports lese ich jedoch: 
Podilymbus Lesson Traite' d'Orn. 1831, 595 type Golymbus 
podiceps L. und Sylbeocyclus scheint von Bonap. in 1838 
gebildet zu sein. 

(215) Ich glaube, dass, da Herr Cabanis die Subfamilien Ana- 
tinae, Fuligulinae, Erismaturinae und Merginae gab, er auch 
Phoenicopterinae und Anserinae hätte angeben können. Es 
wäre alsdann mehr Gleichheit eingetreten. Zu Anserinae 
würde dann am besten das Genus Dendrocygna gehören, 
wohin es auch Mr. Baird in den Reports gestellt hat. Also 



Fam. Anatid 


ae. 


Anser 


oder wenn man die Den- 


Phoenicopte 


rinae. 


Gambeli. 


drocygna nicht zu den 
Gänsen stellen will. 


Phoenicopterus 




Dendrocygna 


Anatinae. 


ruber L. 




arborea L. 


Dendrocygna früher als 


Anserinae. 




viduata L. 


arborea. \_Aix. 


Chen 




Anatinae. 


viduata. 


hyperboreus 


L. 


Aix u. s. w. 


Aix. sponsa u. s. w. 



(218) Spatula Boie Isis 1822, 564 type Anas clypeata L. 
Ehynchaspis „Leach" Stephens, Shaw's Gen. Zool. XII. 1824 
same type. 

(219) Querquedula Stephens, Shaw's Gen. Zool. XII. 1828 type 
Anas Querquedula. 

Cyanopterus Eyton Mon. Anat. 1838 (Not of Haliday). 
Pterocyanea Bonap. List. J842. 

(220) Nettion Kaup. Entwick. 1829 type Anas crecca L. (Gray). 
Querquedida Bon. List. 1838 not of Stephens 1824. 

(223) Hier nur etwas über Orthographie. In Cab. Journ. lese ich 
Aethyia valisn. , in Reports aber Aythya vallisn., also ver- 
schieden in Genus und Species. Die Isis von 1822 kann 
über Boie's Genus entscheiden. Ich habe Wilson's Ornitho- 
logie herausgegeben von Brcwer und lese daselbst Valis. 
mit einem /. Audubon schreibt auch valis. Linne jedoch 
nennt die Pflanze Vallisneria. [Boie schrieb 1826 Aythya 



zu den „Beiträgen zur Ornithologie Cuba's." 187 

(jedoch von at&viet, Aristot. !) und Wilson Valisineria. Ortho- 
graphisch richtig ist nur: Aethyia Vallisneria. Gab.] 

(224) FuUx Sundevall Kong. Vet. Ak. Hand. 1835 (as restricted). 
Fuligula of authors but not of Stephens. 
Marila Bon. not of Reichenbach. 

(226) Bucephala Baird, type Anas albeola L. 

Clangula Fleming Phil. Zool. 1828 type clangula L. Not 
of 1822 which has A. glacialis for type according to Gray. 
Glaucion Kaup. Eni Europ. Thierw. 1829 not of Oken 1816 
Mollusca. 

(230) Lophodytes Reichenb. Syst. Av. 1852 p. IX. 

(234) Gelochelidon auch so bei Lawrence. Ich copirte aber aus 
Comptes rendus Geochelidon, vielleicht ein Schreibfehler! 

(236) Bonaparte gibt dieser Art das Genus Sylochelidon. 

Ehynchop's inuss Rhyncops heissen. Man sieht fast stets 
Ehynchops und für dieses Genus muss man die Subfamilia 
Rhynchopinae annehmen. 

(243) Ich nehme mit Mr. Lawrence den Genusnamen Graculus an. 

(246) Mr. Lawrence sagt in Reports Farn. Sulidae „Prince Bona- 
parte has placed our Booby Gannet in the genus Dysporus 
Illig. but I have not considered there was sufficient generic 
distinction to separate it from S. bassana and have therefore 
admitted but one genus as existing in North America uncler 
this subfamily. 

Im Texte setzt er den Namen Dysjjorus Illig. der Voll- 
ständigkeit wegen. 

Unsichere oder gänzlich aus dem Katalog zu 
streichende Arten. 
I. Beobachtete*, aber wohl aus Käfigen entflohene Arten. 

1. Chrysomitris pinus Wils. (Fringilla) von Orbigny in La 

Sagra erwähnt. 

2. Calyptrophorns dominicanus L. (l^o.ria) ebenfalls von Or- 

bigny in la Sagra angeführt und später I Exem- 
plar in Matanzas gefangen« 

3. Calyptrophorus cucullahts Lath. (Löaia) in la Sagra bei 

der vorigen erwähnt 

4. Cardinalu trirginianut Br. (CöccothraukU*) in Poey's Ka- 

talog unter dem Namen Fringilla ( ardinalü L. 



188 



Dr. J. Gundlach: Zusätze und Berichtigungen 



und von mir im Januar 186] einige Stunden weit 
von Cardenas im Walde gesehen. 

5. Crithagra brasiliensis Spix. (Fringilla.) Ein Paar ward 

bei Matanzas gefangen. 

6. Pyrrhomitris cucullatus Swains. (Garduelis) im Mag. de Zool. 

par Gudrin unter dem Namen Fringilla Cubae 
Gervais beschrieben. 
II. Als cubanische beschrieben, jedoch irrthümlich und mit wirk- 
lich vorkommenden verwechselte Arten. (Es sind jedoch die 
Arten hier nicht angeführt, die in den verschiedenen Kata- 
logen andere aber synonyme Namen führen.) 



Irrige Namen. 



Richtige Namen. 



Kataloge oder Bücher 
wo sie erwähnt wurden. 



Cymindis cayennensis 
Gm. 
„ uncinatus 111. 
Pandion haliaetus Lin. 

Orubitinga br^asiliensis, 

Morphnus Urubitinga 

Cuv. 
Nisus pileatus Pr. Max. 

Astur Cooperii Bon. 

„ fuscus Gm. 

Circus uliginosus Edw. 

„ cyaneus (Mont.) 
Linn. 
Falco communis Linn. 

93 peregrinus Gm. 

„ sparverius Linn. 

Otus brachyotus Gm. 
Brachyotus palustris 

Gould. 
Strix perlata Licht. 
Vireo olivaceus Wils. 

„ gilvus Bon. 
„ virescens Vieill. 
Sylvia aestiva Linn. 



Regerhinus Wilsoni 

(Cass.) 

Pandion carolinensis 

Gm. 
Hypomorphnus Gund- 

lachi Cab. 



Accipiter Gundlachi 
Law. adult 
„ Gundlachi 

juvenis. 

Vig. 

Circus hudsonius Linn. 



Falco anatum Bon. 

Tinnunculus domini- 

censis (Gm.) Cab. 
BrachyotusCassiniiBw. 



Stria; furcata Temm. 
Phyllomanes barbatidus 
Cab. 



(Rhimamphus) Den- 
droica albicollis Gm. 



Poey. 

Lembeye. Cab. Journ. 
Poey, Lembeye. 

Poey. 

Lembeye. 

Lembeye, Cab. Journ. 

Lembeye, Cab. Journ. 

Lembeye, Cab. Journ. 

Herzog v. Württemb. 
Sagra, Poey, Lembeye. 

Poey. 

Lembeye. 

Vigors, Herzog, Sagra, 

Poey, Lembeye. 
Poey, Lembeye. 
Cabanis Journal. 

Poey. 

Herzog, Lembeye. 

Sagra. 

Poey. 

Poey, Lembeye. 



zu den „Beiträgen zur Ornithologie Cuba's." 



189 



Irrige Namen. 



Richtige Namen. 



Katalog oder Bücher 
wo 9ie erwähnt wurden. 



Tanagra zena Linn. 

„ multicolor 
Vieill. 
Tyrannus phoebe Lath. 

„ nigriceps Sw. 

Muscicapa pusilla Sw. 

Capiimulgus semitor- 
quatus L. 
„ vociferusWils. 

Emberiza pallida Aud. 
Hedymeles melanoce- 

phala Sw. 
Hyphantes costototlQm. 
Stumus praedatorius 

Wils. 
Sturnella ludoviciana 

Lin. 
Corvus jamaicensis 

Gm.? 
„ amencanus Aud. ? 
Trochilus gramineus. 
Todus viridis Linn. 
Picus ruficeps. 

„ radiolatus Wagl. 

Colaptes auratus Linn. 

Crotophaga ani Linn. 

Columba caribaea Tm. 

Ortya virginianus Linn. 



Spindalis Pretrei Less. 



Myiarchus stolidus Gos. 
? Melittarchus magni- 

rostris Orb. 
Empidonacc acadicus 

Gm. 
Chordeiles minor Gab. 

Antrostomus Cubanen- 
sis Linn. 

Spizella socialis Wils. 

Hedym. ludovicianus 
L. ? 

Icterus cucullatus Sw. 

Agelaeus assimilis Gdl. 

Sturnella hippocrepis 

Wagl. 
Corvus nasicus Temm. 



Chlorestes Ricordii. 
Todus midticolorGould. 
Chloronerpes percussus 

Temm. 
G'e n £ wu# su per ci Ha ris 

Temm. 
Co/, chrysocaulosiis 

Gundl. 
Crotoph. rugirostris Sw. 

Geotrygon ca n icepa 

Gundl. 
Ortya cubanennsGovld, 



Ardea «/6aBelonLinn. Herodias occidentaHs 

Aud. 
Eqretta Gm. Sagra 



Vigors, Sagra, Poey. 
Herzog. 

Sagra, Poey, Lembeye. 
Herzog. 

Lembeye, Cabanis und 

? Herzog. 
Poey. 

Sagra, Poey, Lembeye, 

Cabanis. 
Lembeye, Cab. Journ. 
Cabanis Journal. 

Cabanis Journal. 
Poey. 

Vigors, Sagra, Poey, 

Lembeye. 
Vigors, Sagra, Poey, 

Lembeye, Cab. 
Poey, Lembeye. 
Herzog in der 1. Liste. 
Vigors. 
Herzog in der 1 . Liste. 

Herzog. 

Vigors, Sagra, Poey, 
Lembeye, Cab. 

Vigors, Sagra, Poey, 
Lembeye, Cab. 

Poey (ab. nicht Her Äg.) 

Herzog, Sagra, Poey, 

Lembeye. 
Herzog, Poey. 



Ibis guarauna lacht. 
„ falcinellus Linn. 
Falcinellus crythro- 

rhynehus Bon. 

Scolopax gallinago Lin. 



falcinellus Ordi Bon. Poey 
„ „ Lembeye* 

Cabanis Journal. 



Gallinago Wihoni Tm. Sagra, Poey 



190 



Dr. J. Gundlach: Zusätze und Berichtigungen 



Irrige Namen. 



Richtige Namen. 



Katalog oder Bücher 
wo sie erwähnt wurden. 



Tringa Temminchii 

Leisl. 
Aramus scolopaceus 

Gm. 
„ guarauna. 
Gallinula chloropus L. 
Fvlica atra Linn. 
Anser albifrons Bech. 
Anas crecca Linn. 
Sterna minuta Linn. 

„ nigra Linn. 

,_, panayensis Gm. 

„ anglica Mont. 

„ cantiaca Gm. 

Larus marinus Linn. 

Pelecanus Thajus Mo- 
lina. 

Phalacrocorax graculus 

Gm. 

, y Townsendi 

Aud. 
,, resplendens 

Aud. 
„ pygmea Azara. 
Sula bassana auct. 



„■ piscator Linn. 
Phaeton aethereus Lin. 



(Pelidna) Actodromas 

Wilsoni Nutt. 

Aramus giganteus Bon. 



Gallinxda galeata Licht. 
Fidica americana Gm. 
Anser Gambeli Hartl. 
Nettion carolinensis G. 
Sternula super ciliaris 
Vieill. (frenata Gamb.) 
Hydrochelidon plum- 

bea Wils. 
Haliplana fidiginosa 

Linn. 
Gelochelidon aranea 

Wils. 
Thalasseus acuflavidus 

Cab. 
Larus araentatus Br. 



juv. 
Pelecanus fuscus Linn. 

f Graculus floridanus 

Aud. 
„ mexicanus 

Brandt juv. 
„ mexicanus 

adultus. 



Sagra. 

Vigors. 

Sagra, Lembeye. 

Sagra. 

Sagra. 

Lembeye. 

Poey. 

Lembeye. 

Lembeye, Cab. Journ. 

Herzog, Sagra, Poey, 

Lembeye, Gab. 
Sagra, Poey, Lembeye. 

Cabanis Journal. 

Lembeye, Cab. Journ. 

Herzog. 

Sagra. 

Lembeye, Cab. Jour. 

Lembeye, Cab. Journ. 



» » | Poe y- 

Sulafusca L. = fiberL. Herzog (2. Liste von 

Hartl.) 
jPoey. 

Phaeton flavirostris Br. Sagra, Poey, Lembeye, 

Cabanis. 

III. Gänzlich aus dem Kataloge zu streichende Arten, die wohl 
alle auf irrige oder mangelhafte Beobachtung sich stützen : 



Stria occipitalis Temm. 

Scops asio Linn. 
Stria nyctea L. 

Lantus carolinus — carolinensis 
Wils. 



Vigors (in Cab. Journ. als synon. 
d. Glaucidium Siju Orb.) 
Herzog v. Württemb. Cab. Journ. 
Herzog. — Cabanis Journ. 
Herzog, (carolinus in 1. Liste, ca- 
rolinensis in 2ter.) 



zu den „Beiträgen zur Ornithologie Cuba's." 



191 



Lanius ludovicianus L. 
Turdus jamaicensis Gm. 
Sylvia olivacea. 
Euphona musica Lath. 
Tanagra palmarum. 
Tyrannus forficatus. 

„ sidphurascens Herzg. 

„ ferox. 
Nyctibius jamaicensis Gm. 
Jacapa Passerini. 

Ammodromus maritirnus Wils. 
Linaria caniceps Orb. 
Agelaeus phoeniceus L. 
Quiscalus versicolor. 



Cab. Journ., diesel. Art als vorherg. 

Herzog, Cabanis Journ. 

Herzog. 

Poey, Lembeye, Cabanis Journ. 

Herzog. 

Poey in der Einleitung, Cabanis 

im Anhange. 
Herzog, Cabanis. 
Herzog. 

Herzog, Cabanis Journ. 
Poey in der Einleitung, nach Rev. 

zoologique. 
Herzog, Cabanis Journ. 
Sagra, Poey, Lembeye, Cab. Jour. 
Cabanis Journal. 
Vigors, Herzog, Sagra, Lembeye. 



quiscalaL., dieselbe als vorhergehende. Poey, Cab. Journ. 



Cassicus niger. 


Herzog. 


„ cayanus. 


Herzog. 


Psittacus havanensis Linn. 




Conurus squamosus Lath. 


Herzog, Cabanis Journ. 


Columba caribaea. 


Herzog. 


„ jamaicensis. 


Herzog. 


„ squamosa. 


Herzog. 


„ dominicensis Lath., annu- 


Herzog (2. Liste aber nicht lste.) 


lata Wagl. 


Cabanis Journ. 


Peristera albifrons Bon. olim 


Cabanis Journ. (nach Bonap.) 


mexicana. 




Ibis rubra Linn. 


Herzog, Sagra, Poey, Lembeye, 




Cabanis Journ. 


Cairina moschata Linn. 


Herzog, Cabanis Journ. 


Anas bahamensis. 


Herzog. 



Anas (Querquedula) cyanoptera Yieill., Cabanis Journal. 



„ obscura Gin. 
Clang u la a m e ricuna . 
Larus zonorhyuchus Rieh. 



Cabanis Journ. 
Cabanis Journ. 
Herzog, Cabanis Journ. 



192 R. Albrecht: Zur Ornithologie von Jamaica. 

Literarische Berichte. 



Zur Ornithologie von Jamaica. 

Nach Osburn, Sclater und Gosse zusammengestellt. 

Von R. Albrecht. 

1. List of a Collection of Birds made by the late Mr. 
W. Osburn in Jamaica; by Sclater. (Proceedings of 
the Zool. Soc. of Lond. Febr. 26, 1861.) 

2. The Birds of Jamaica by Ph. H. Gosse. Lond. 1847. 

3. The Zoologist J858 u. 1859. (Osburn.) 

Dr. Sclater hat neuerdings eine Uebersicht der von dem 
verstorbenen W. Osburn 1858—60 in Jamaica gesammelten Vö- 
gel gegeben, welche in Bezug auf die mehrfachen Mittheilungen 
im Journal über angrenzende Inseln willkommen sein wird und 
nicht fehlen darf. Da Dr. Sclater stets Bezug auf das treffliche 
Werk von Gosse nimmt, so scheint es gerechtfertigt, der Voll- 
ständigkeit halber, bei Uebersetzung der Sclater'schen Arbeit zu- 
gleich auch diejenigen Arten mit aufzunehmen, welche Gosse 
ausserdem noch aufführt, um so eine vollständige Uebersicht 
dessen, was auf Jamaica vorkommt, zu gewinnen. 

Sclater zählt 92 Arten auf. Wir werden die übrigen Arten 
von Gosse an der betreifenden Stelle einschalten und mit No. 93 
beginnen. 

1. Turdus jamaicensis Gm. Gosse. Birds Jam. pg. 142. 

2. Turdus aurantius Gm. Merula leucogenys Gosse, pg. 136. 

3. Henicocichla ludoviciana Aud. Sejurus ludovicianus Baird. 
Zwei Exemplare von Freemann's Hall, Trebawny, 5. Sept. 1859. 
Diese ist nicht von Gosse erwähnt. Osburn bezeichnete sie als 
Sejurus noveboracensis. 

4. Henicocichla noveboracensis Gm. Gosse, pg. 151. Bin Exem- 
plar von Savannah la Mar, Westmoreland, 28. Aug. 1858. Seju- 
rus Gossii Bp. Consp. pg. 306, ist auf einen jamaicanischen Vogel 
gegründet, scheint sich aber nicht von dem festländischen H 
noveboracensis zu unterscheiden. 

5. Henicocichla auricapilla Lin. Sejurus auricapillus Gosse, 
pg. 152. Ein Exemplar von Long Hall, 11. März. 

6. Panda americana Lin. Gosse, pg. 154. Zwei Exemplare 
von Mahagony Hall. 

7. Geothlypis trichas Lin. Gosse, p. 158. Drei Exemplare 
von verschiedenen Orten. 



R. Albrecht: Zur Ornithologie von Jamaica. 193 

8. Mniotüta varia (Lin.) Gosse, pg. 134. Ein Exemplar von 
Freemanh's Hall, Januar. 

9. Dendroeca canadensis (Linn.) Gosse, pag. 160. Mehrere 
Exemplare. 

10. Dendroeca pannosa Sei. Sylvicola pannosa Gosse, p. 162. 
Osburn's Sammlung enthält ein Exemplar dieses Vogels mit der 
Bezeichnung „Weibchen". Sclater hält sie, wie Baird (B. Amer. 
pg. 271) für das Weibchen von D. canadensis, konnte sie aber 
nicht mit dieser vergleichen. 

11. Dendroeca pharetra (Gosse). Sylvicola pharetra Gosse, 
pg. 163. Osburn in Zoologist pg. 6660. 

Acht Exemplare befinden sich in Osburn's Sammlung, meist 
von Freemann's Hall im Januar, April und August 1859 gesam- 
melt. Sie stehen an Färbung der D. striata zunächst. Die Ge- 
schlechter sind fast gleich gefärbt; nur ist das Weibchen weni- 
ger gestrichelt und mehr weiss an der Unterfläche und hat den 
Bauch und die oberen Schwanzdeckfedern blass braun. Im Mann. 
chen sind diese Theile mehr aschbraun. 

12. Dendroeca petechia Lin. Cassin Proc. Acad. Phil. 1859, 
pg. 376. Sylvicola aestiva Gosse, pg. 157. 

Die drei Exemplare dieses Vogels, welchen Cassin mit Recht 
von der festländischen D. aestiva getrennt hat, sind von Osburn 
als Sylvicola eoa Gosse bezeichnet. Sclater kennt den letzteren 
Vogel nicht, hält ihn aber nach Gosse's Beschreibung pag. 157 
und Illustr. No. 34 für eine verschiedene Art. Die drei Stücke 
wurden im April, Mai und August erlegt. Die Krone des im 
Mai getödteten ist tief orange-roth, nicht so stark bei dem im 
April getödteten. Da3 im August erhaltene Exemplar ist in der 
Mauserung. 

13. Dendroeca tiyrina Gm. Baird. B. Amer. p. 286. Certhiola 
maritima Gosse, pg. 157. Zwei Exemplare, ein Männchen von 
Long Hill, St. Elisabeth, 12. März 1832 in ausgebildetem Ge- 
fieder, und ein Weibchen oder junger Vogel von Portiana, Vere. 
12. April, als Sylvicola aestiva bezeichnet. 

14. Dendroeca pulmarum Vieill. Baird. B. Amer. pg. 288 
Die drei Exemplare aus Osburn's Sammlung sind als S. aestica 
bezeichnet. Ein Exemplar, getödtet am 6. April 1859, hat am 
Kopf einen Anflug dir rothen Färbung, in einem zweiten Männ- 
chen, im November getödtet, ist die rothe Farbe deutlieh zu 
unterscheiden. Da3 dritte ist ein J ohne Angabe der Todeszeit. 

Jouru. f. Ornith., X. Jahrg., Nr. 57, Mai 18ti2. 13 



194 R. Albrecht: 

15. Dendroeca discolor. Vieill. Gosse, pg. 159. Drei Exem- 
plare aus dem Januar und August. 

93. Mimus polyglottus Gosse, pg. 144. Dieser auf Jamaica 
häufige Vogel ist auffallender Weise in der Osburn'schen Samm- 
lung nicht aufgezählt. 

94. Vermivora Pennsylvanica Gosse, p. 150. Es ist ein sel- 
tener Zugvogel auf Jamaica. Gosse traf sie zuerst am 7. Ocfcbr. 

95. Sylvicola coronata Gosse, p. 155. Ein ziemlich seltener 
Zugvogel in Jamaica. 

96. Sylvicola pensilis. p. 156. Einer der frühesten Zugvögel? 
die vom Norden nach Jamaica wandern. Gosse traf ihn schon 
am 16. August und sah ihn bis in den April. 

97. Sylvicola eoa. Gosse, p. 158. - 

98. Turdus mustelinus Gm. Gosse hat ihn zwar nicht erhal- 
ten, hält ihn aber für einen jährlich kommenden Zugvogel. 

16. Setophaga ruticilla Lin. Gosse 7 p. 164. 

17. Petrochelidon fulva Vieill. Hirundo poeciloma Gosse, p. 64. 
Es ist bekannt, dass dieser Inselvogel und nicht die nordameri- 
kanische H. lunifrons Say die wahre H. fulva Vieillot's ist. (Siehe 
Cab. in Journ. f. Orn. 1856, S. 4.) 

18. Petrochelidon euchrysea Gm. Gosse, p. 68. 

99. Tachornis phoenicobia Mill. Gosse, p. 58. Diese Schwal- 
benart ist nicht selten, sondern fliegt in Schwärmen von 50 — 100 
umher, baut ihre haarige Nester nur aus Bombax-Fäden auf Cha- 
maerops-Bäumen. Zu beiden Seiten des Kammes des Brustbeins 
findet sich ein oblonges und in dem Kamme selbst ein rundes, 
nur durch eine Haut geschlossenes Loch. 

100. Cypselus niger Gmel. Gosse, p. 63, hält sie für Gme- 
lins und Latham Hirundo nigra, welche der Letztere als Bewoh- 
ner sowohl von S. Domingo als Guiana angiebt. 

101. Progne Dominicensis Lin. Gosse, p. 69. sah sie im Win- 
ter nicht so häufig, als im Sommer und glaubt, dass sie dann 
nach Central -Amerika auswandern. 

19. Vireo modestus Sclater P. Z. S. 1860, p. 462. Vireo. 
noveboracemis Gosse, p. 192. 

Drei Exemplare bei Freemann's Hall und Mahagony Hall, 
Trelawny, im Februar, October und November von Osburn erlegt, 
bestärkten Sclater darin, diese Art von V. noveboracemis zu 
trennen. 



Zur Ornithologie von Jamaica. 195 

20. Vireosylvia altiloqua Vieill. Muscicapa altiloqua Vieill. 
Ois. Am. Sept. I. p. 67. Vireosylvia olivacea Gosse, p. 194. 

Die drei von Osburn erlegten Exemplare sind von Juni, Juli 
und August. Diese Art wurde von Grosse mit Unrecht, wie New- 
ton (Ibis 1859, p. 145) gezeigt hat, für V olivacea gehalten. 

21. Laletes Osbumi sp. et gen. nov. 

Laletes genus novum Vireoniäarum, inter Vireonem et Vireolaniurn 
medium, rostro huic, illi vero coloribus magis affine: rostrum 
altius, fortius, compressius quam in Vireone et apice magis un- 
cinato, sed brevius quam in Vireolanio: alae modicae, dimidium 
caudae attingentes: reinige externo spurio praesente; quinto lon- 
gissimo, sed quartum et sextum, inter se aequales, vix superante, 
secundo breviore quam secundarii: pedes et cauda fere sicut in 
Vireone, sed pedes majores et robustiores, et tarsi paulo longio- 
res (Sclater). Laletes olivaceus, pileo vis olivascente, subtus di- 
lutior, abclomine praecipue in medio flavicente: rostro plumbeo, : 
pedibus corylinis. 

Long, tota 5, 7, alae 2, 2, rostri ä rictu 0,65, tarsi 0,85. 
Hab. in insula Jamaica. 

Vier Exemplare wurden von Osburn bei Freemann's Hall im 
Januar und April 1 859 erhalten. Sie übertreffen Vireo flavifrow 
um |" in der Körperlänge, der Schnabel ist mehr zusammenge- 
drückt und würgerartig, ähnlicher den Vireolanius pulchellus, aber 
kürzer. Die erste falsche Primärfeder ist wohl entwickelt, da 
sie ungefähr }" misst. Tarsi und Fuss sind in Laletes stärker, 
der Schwanz etwas länger, als im Vireo. Osburn sagt über diese 
neue Art in Zoologist p. 6662. 

„Ein zweiter in dieser Gegend ziemlich häutiger und in Ihrer 
Liste nicht aufgenommener Vogel, ist ein ehrbar gekleideter, 
olivenfarbener kleiner Bursche, welcher meist auf den höheren 
Zweigen luftiger Bäume sich bewegt, obgleich ich ihn nicht sel- 
ten an weniger erhabenen Orten gefunden habe. Wegen seines 
starken, zusammengedrückten, tiefgezahnten Schnabels war ich 
zuerst gezeigt, ihn zu Swaiuson's (ienus T/iani/t<>j>/u/us zu rech- 
nen; aber eine bessere Kenntniss von seiner Lebensweise und 
Struktur, hat mich überzeugt, dass er wahrscheinlich unter seine 
AtnpeKdae, und ziemlich nahe an Pterutkw*, vielleicht, obgleich 
ich es niehl bestimmt behaupten kann, unter cine< VOM meinen 
Genera zu rechnen sei. Ich kann hinzufügen . da— sein Kopf 
grau -undeutlich olivenfarben ist und nach dem Kucken zu erü- 

13* 



196 R. Albrecht: 

ner wird. Die Schwingen und der Schwanz rauch-schwarz, mit oli- 
venfarbenen Kanten und schmutziggelber Unterfläche. Aber am 
charakteristischsten ist die unverhältnissmässige Höhe und Dicke 
des Kopfes, welche nur aus der Anordnung der Federn hervor- 
zugehen scheint, da sie an dem getrockneten Balg nicht bemerkt 
wurde. Der Vogel ist zahm und furchtlos, wenn er niedrig fliegt, 
kann man sich ihm leicht nähern. Auch ist er einer von den 
Liebhabern der tiefsten Waldeinsamkeit. Ich schoss zwei am 
Anfang des Jahres und zwei weitere im Frühling. Sie waren da- 
mals in grösseren Gesellschaften und nicht selten. Sie jagen In- 
sekten mit beträchtlichem Getöse. Es kann eine Idee von ihren 
Bewegungen geben, wenn ich hinzufüge, dass, als ich sie in 
grosser Höhe schoss, ich vor dem Abfeuern, die eine für Vireo- 
sylvia, die andere für Sylvicola pharetra hielt etc. 

22. Ptilogonys armillata Vieill. Gosse, p. 198. 

23. Certhiola flaveola Linn. Gosse, p. 84. 

24. Glossiptüa ruficollis Sclater P. Z. S. 1856, p. 269. Tana- 
grella ruficollis Gosse, p. 236. Mehrere Exemplare von beiden 
Geschlechtern. 

25. Euphonia Jamaica Linn. Gosse, p. 238. 

26. Spindalis nigricephala (Jameson). Sclater P. Z. S. J856, 
p. 230. Tanagra zena Gosse, p. 231. 

27. Loxigilla violacea Lin. Pyrrhula violacea Gosse p. 254. 
102. Pyrrhula Robinsonii Gosse p. 259. 

J03. Guiraca ludoviciana Sw. Gosse, p. 259 giebt an, dass 
er nach der Angabe von Mr. Hill in Spanish-Town, dem Mitarbei- 
ter von Gosse's birds of Jamaica, auf dieser Insel vorkommt. 

28. Loxigilla anoxantha Gos. Spermophila anoxantha Gosse, 
pag. 247. 

104. SpermopJiila olivacea Sw. Gosse, p. 249. Dieser Vo- 
gel ist, wie der folgende, sehr gemein, und ähnelt dem europäi- 
schen Sperling in seiner Lebensweise. 

105. Spermophila bicolor Lin. Gosse, p. 252. 

106. Spermophila adoxa Gosse. Gosse, p. 253 hat nur ein 
Exemplar dieser von ihm neu aufgestellten Art am 9. August 
1815 erhalten. 

29. Coturniculus tixicrus. Gosse, p. 242. Osburn erhielt ein 
Exemplar im Juli 1859 bei Freemann's Hall, ein anderes in den 
Santa -Cruz -Bergen, März 1860. Sclater hält sie für eine gut ab- 
gesonderte Art. 



Zur Ornithologie von Jamaica. 197 

30. Sycalis BrasiliensU Gm. Crithagra Brasiliensis. Gosse, 
pag, 245. 

107. Pyranga rubra Vieill. Gosse, p. 235. Er berührt auf 
seinem Frühlingszug von Central-Amerika nach dem Norden bis- 
weilen Jamaica, überwintert hier nicht, wenn er es auch auf Cuba 
nach D'Orbigny thun soll. 

31. Icterus leueopteryx Wagl. Gosse, p. 226. Psarocolius 
leueopteryx Wagl. Syst. Av. sp. 16. 1. personatus Temm. 

32. Dolichonyx oryzivorus Lin. Gosse, pag. 229. Ein Exem- 
plar im Oktober von Osburn erlegt. 

108. Quiscalus crassirostris Sw. Gosse, p. 217. Einer der 
gewöhnlichsten, durch seine glänzenden Farben, fortwährendes 
Gezwitscher (deshalb Tinkling, Klingler genannt), auffallender Vo- 
gel. Er sucht wie die Staare dem Vieh die Insekten ab, frisst 
aber auch gern den Nektar aus der Agave keratto , von der er 
oft durch den Mocking-bird (Mimus polyglottus) verjagt wird. 

33. Nesopsar nigerrimus Sei. Ibis 1859, p. 456. Icterus ni- 
gerrimus, Blak Banana Bird, Osburn in Zoologist pgg. 6661 u. 
6714. Sclater sagt über diesen* Vogel: „Mr. Osburn's Sammlung 
enthält 6 Exemplare von diesem Vogel, die mit meinen eigenen 
übereinstimmen. Diese Form muss, nach meinem Dafürhalten, 
unter die Quiscalinae nicht fern von Scolecophagus und zunächst 
dem Lampropsar Gab. gestellt werden. Wenn ich in meiner 
Deutung von Lampropsar guianensis Recht habe, so sind diese 
beiden Formen vielleicht kaum dem Genus nach zu trennen. 
Der Schnabel ist in beiden fast gleich; die Schwingen sind ver- 
hältnissmässig etwas kürzer in Lampropsar, aber ihre allgemeine 
Struktur ist dieselbe. Der Schwanz ist kürzer in Nesopsar und 
die Tarsen sind gleichfalls beträchtlich kürzer." 

Mr. Osburns sechs Exemplare dieses Vogels wurden zu Free- 
mann's Hall erlegt, wie in dem Zoologist (p. 6661) berichtet ist, 
wo die folgenden Bemerkungen über diesen Vogel gegeben sind: 

,. Gegen Ende des letzten Jahres liess sich, während ich durch 
die niederen Berge ritt, ein vollkommen schwarzer Vogel in senk- 
rechter Richtung auf eine wilde, ziemlich hohe Fichte (pine) 
nieder; und ihn beobachtend, bemerkte ich, wie er auf den stei- 
fen Blättern mit grosser Beweglichkeit herumkletterte, und eifrig 
ihre Schutzdecken durchsuchte. Ihre Vermuthung in Betreff des 
schwarzen Banana- Vogels fiel mir sogleich ein. Ich konnte ihn 
mir nicht verschaffen; aber die Neger versicherten mir, dass sie 



198 R- Albrecht: 

höher herauf zahlreich wären, und ihre Auffindung war ein Haupt- 
ziel, dass ich mir für mein Herkommen setzte. Ich fand sie nicht 
sehr häufig und erlegte nur 4 Stück während der ersten 6 Wo- 
chen in diesem Jahr. Sie sind besonders in jenen tiefen, dum- 
pfen Schluchten zu finden, wo die Forstgewächse sich scheinbar 
bemühen, sich zu verstecken und wo Orchideen und wilde Fichten 
(pine) in Ueberfluss wuchern. Da kann man ihn sehen durch sie hin- 
durchschlüpfend , wie oben erzählt ist, oder von Baum zu Baum 
in kurzem Fluge ziehend, oder, wenn er nicht sichtbar, so ist 
sein sehr eigenthümlicher Gesang hoch über dem Kopf hörbar. 
Ich möchte diesen mit Kepchur~r-r-r vergleichen, wovon der erste 
ein lauter, klarer Ton ist, dem ein Gerassel folgt, das mit ziem- 
licher Genauigkeit durch ein langes heiseres r hervorgebracht 
werden kann. Der ganze Vogel ist schwarz gefärbt, und das 
Gefieder hat den Purpurglanz unseres Quiscalus. Die Hinterzehe 
scheint etwas mehr entwickelt als in Icterus leucoptery.x , und er 
hat, wie ich glaube, dem entsprechend eine grössere Kletterkunst, 
weshalb er öfter die senkrechte Stellung einnimmt. 

Der Eine, welchen ich schoss, hing eine Zeitlang kopfunter, 
ganz so, wie es der gewöhnliche Bananen- Vogel zu thun pflegt. 
Ein anderer sehr bemerkbarer Unterschied ist, dass der Rücken 
oder die obere Kante des Schnabels abgeflacht und breit, die 
Stirnfedern gleich einer Platte theilt, aber nicht auseinanderbrei- 
tet. Es folgen die Maasse von zwei Exemplaren; das zweite war 
ein Weibchen und das erste, glaub' ich, ein Männchen. 
Länge 8J", ausgebreitet 13, gebeugter Flügel 4$, Schwanz 2£ 

Mundspalte 1", Tarsus 1, Mittelzehe $-, 
1" l i 

Erste Zehe f, also nicht so lang, als der Tarsus. Darm 8. 
Die Magen aller Vier enthielten Insekten-Stücke, besonders von 
Käfern; ich fand keine Samen-Reste. Am 11. Februar waren die 
Eier des Weibchen noch ganz klein, und als ich die Vögel ent- 
balgte, nahm ich einen widerlichen Geruch wahr, wie er bei vielen 
Corvidae zu sein pflegt. Ein Weibchen ward mir noch lebend 
und scheinbar, ausser einem Beinbruch, unverletzt gebracht; es 
zeigte, in die Hand genommen, nicht den geringsten Widerstand, 
und lebte mehrere Stunden etc. 

34. Elainea cotta. Gosse, Ana. Nat. Hist. ser. 2, p. 257 
(1849) 111. B. Jam. pl. 45. 



Zur Ornithologie von Jamaica. 199 

Vier Stück, an einem ist die gelbe Krone kaum sichtbar. 
Sclater hat zwei Exemplare, die er zu der Gruppe mit versteckter 
weisser Krone wie in E. pagana rechnet, währe i: l E. cotta sich 
mehr dem E. placens von Guatemala nähert, wo die Krone we- 
niger versteckt und von einem glänzenden Gelb ist. Sclater be- 
schreibt diese beiden Exemplare als neue Art, E. fallax: 

109. Elainea fallax Sei. sp. nov. 

Obscure olivaeeo-viridis, alis caudaque fuscis, hac olivaceo 
extus limbata, illarum tectrieibus et seeundariis virescenti - albo 
extus late marginatis; pileo suberistato interne albo; subtus flavi- 
cans, gutture olivaceo induto: rostro obscure corneo, basi albi- 
cante: pedibus nigris. 

Long, tota 5,2", alae 2,7, caudae 2,5, tarsi 0,75. Hab. in ins. 
Jamaica. 

35. Pitangus caudifasciatus (D'Orb.) La Sagra Cuba b. J, 12. 
Tyrannus caudifasciatus Gosse, B. J. p. 177. 

36. Myiarchus validus Cab. Orn. No. II. p. 351. Tyrannula 
Gossii Bp. Consp. p. 189. Tyrannus crinitus Gosse, p. 186. 

110. Tyrannus Dominicensis Bon. Gosse, p. 169. 

37. Myiarchus stolidus Cab. Myiobius stolidus Gosse, p. 168. 

38. Blacicus pallidus Cab. Journ. 1855, p. 480. Myiobius 
pallidus Gosse, p. 166. 

Mehrere Exemplare dieser kleinen Art, welche, nach Caba« 
nis, dem B. caribaeus auf Cuba, dem Typus von dieser Abthei- 
lung der Tyrannidae, sehr nahestehen. 

111. Myiobius tristis. Gosse, p. 167. 

Gosse beschreibt ihn als eine häufig vorkommende Art, die 
sehr eifrig Fliegen sucht und schon vor Sonnen-Aufgang singt. 

39. Platypsaris nigra (Gm.) Lanius niger Gm. Pachyramphus 
niger Sei. P. Z. S. 1856, p. 72. Tityra leueonotus Gray et Gosse, 
p. 187. Pack, nigrescens Cab. 

40. Ceryle aleyon Linn. Gosse, p. 81. 

41. Todus viridis Linn. Gosse, p. 72. 

42. Nycübius Jamaicensis Linn. Gosse, p. 41. 

1 12. Nycübius pallidus Gosse, p. 49. 

|3. Chordeüe* minor Cab. Journ. 1856, p. 5. C. G-undlachü 
Lawr. Ann. Lye. N. Y. 5.. p. 103. C. virginianus Gos. B. Jam. p. 33. 

44. Siphonorhis americanw Linn. 

Caprimulgits seil Noctua sylvatica jamaice?uis minor Ray. Syn. 
Av. et Pisc. (1713). 



200 R. Albrecht: 

Small-Wood-Owl. (kleine Waldeule) Sloane Jam. II , p. 296. 
Caprinulgus jam. Brisson. Av. IL, p. 480. 

Sclater beschreibt sie so: 

Caprimulgus americ. Liun. S. N. I., p. 346. Gm. S. N. IL 1032. 

Siphonorhis genus novum Caprimulgidarum, affine Nyctidromo 
sed rostro valde dilatato, apice uncinato, naribus tubularibus et 
longe eminentibus diversum: alae modicae: pedes gressorii, tarsis 
elongatis, nudis: digiti medii ungue pectinato, cauda rotimdata. 

Typ. et spec. im. Siphonorhis americanus. 

cf. Fulvo nigroque variegatus, colore capitis cinerascentiore : 
maculis quibusdam, plumarum scapos occupantibus, in capite elon- 
gatis, in dorso magis quadratis; alis nigris, pallido fulvo extus 
regulariter ocellatis et intus transvittatis : cauda fulvo nigroque 
minute variegata, fasciis transversis indistinctis nigris, margine 
lato apicali, in rectricibus mediis angustiore, albo: subtus dorso 
similis sed cervice albo torquata, et ventris medii plumiis late 
albo terminatis. 

J. Torque cervicali et rectricum apicibus fulvescentibus. 

Long, tota 8,75", alae 5,3, tarsi 0,95, digiti medii 0,95. Hab. 
in ins. Jamaica. 

Osburn's Sammlung enthält zwei Stück von diesem eigen- 
thümlichen Ziegenmelker zu Freemann's Hall, Trelawny, im Sep- 
tember 1859 erlegt. Sclater sagt über ihn: „Diese Art, welche 
mir ganz neu ist, kann von anderen amerikanischen Ziegenmel- 
kern leicht durch seinen verbreiterten Schnabel, welcher fast der 
des Nyctibius ist, durch die ausserordentliche Verlängerung sei- 
ner röhrenförmigen Nasenlöcher und die langen nackten Tarsi 
unterschieden werden. Ich möchte ihn zunächst zu Nyctidromus 
stellen, mit dem der in dem letzten Punkt übereinstimmt, und 
ich zweifle nicht, dass seine Gewohnheiten, von denen wir leider 
wenig Kenntniss haben, mehr oder weniger die der am Erdboden 
lebenden Vögel sind. Dass dieser Vogel (und nicht Nyctidromus 
Derbyanus, wie Mr. Cassin Proc. Ac. Phil. 1851, p. 180, zu zeigen 
versuchte), die jamaikanische Art Sloane's ist, auf welchen Linne' 
seinen Caprimulgus americ. begründete, ist, glaub' ich ; unzweifel- 
haft. Mr. Cassin hat eingehend den ganzen Gegenstand behan- 
delt und kommt zu diesem Schluss, dass eine Art Nyctidromus 
Jamaica bewohnt, die nicht von Gosse erwähnt ist, wie Sloane's 
Figur und Beschreibung klar zeigt." Doch, es ist nicht bekannt, 
dass ein wahrer Nyctidromus Jamaica bewohnt; aber diese ab- 



Zur Ornithologie von Jamaica. 201 

weichende Art, welche diesem Genus vielleicht am nächsten kommt, 
nimmt wahrscheinlich seinen Platz ein. Er ist auch speciell kennt- 
lich durch seine röhrenförmigen Nasenlöcher, den einzigen Cha- 
rakter, der von Linne' zur Erkennung seines Caprim. amer. ge- 
geben ist, (narium tubulis eminentibus Linn. S. N. I., p. 346), und, 
wie ich glaube, an und für sich hinreichend, diese eigenthümliche 
Art von jedem anderen bekannten Caprimulgus zu unterscheiden. 

45. Chaetura zonaris (Shaw.) Acanthylis collaris Gosse, p. 51. 

Mehrere Exemplare, die sich von festländischen nicht wesent- 
lich unterscheiden. Auch auf St. Domingo findet sich derselbe 
Vogel. 

46. Lampornis porphyrura (Shaw.) Lampomis mango Gosse, 
pag. 88. 

47. Polytmus cephalater Bp. Consp. p. 72. Trochilus polytmus 
Gosse, p. 97. 

113. Mellisuga humila Gosse, p. 127. Ornismyia minima Lcss. 
Ois. d. 79. Gosse sagt, dass dieser Honigsauger (Kolibri) unter 
allen, den Insekten in seinem Gebahren am ähnlichsten sei und 
rechnet die Vibrationen seiner Flügel in einer Minute auf ISO. 

114. Turdus mustelinus Gm. Gosse, p. 144. G. hat ihn zwar 
nicht selbst gesehen, glaubt jedoch nach Berichten, dass er jähr- 
lich die Umgegend von Spanish-Town besuche. 

115. Mimus polyglottes Boie. Gosse, p. 144. 

Der Spottvogel (amerikanische Nachtigall) ist auf Jamaika, 
wie auf S. Domingo einer der allergewöhnlichsteii Vögel und viel- 
leicht gerade wegen des häufigen Vorkommens in der Osburn- 
schen Sammlung ausgelassen. 

116. Vermivora Penmylvanica Sw. Gosse, p. 150, sagt, dass 
er ein seltener Zugvogel ist, jedoch traf er ihn drei- bis viermal, 
zuerst am 7. October. 

117. Sylvicola coronata Sw. Gosse, p. 155. 

Ein Zugvogel, der spät im Herbst nach Jamaika kömint und 
Ende März abzieht. 

118. Sylvicola pensilis Bp. Gosse, p. J56. 

Dieser Vogel, der in seinem Wesen den Meisen und Baum- 
läufern ähnelt, ist einer der frühesten Zugvögel auf Jamaika, da 
Gosse ihn schon am 16. August sah. Kv bleibt bis in den April. 

119. Sylviro/a eoa Gosse, p. 158. Gtosse hat von dieser 
neuen, von ihm aufgestellten Art, nur zwei Exemplare am 21. und 
21. Januar zu Crabpond gefunden. 



202 R. Albrecht: 

120. Ampelis Carolinensis Briss. Aud. pl. 43. 

Gosse, p. 197, sah ihn nicht selbst, jedoch glaubt er nach 
dem Bericht des Mitarbeiters an seinem Werk Mr. Hill, dass er 
in strengem Winter wie 1836 bei Spanish Town gesehen sei. 

121. Corvus pileatus Illig. Gosse, p. 208, erwähnt, dass ein 
Exemplar zu Ende des Jahres 1844 Mr. Hill durch einen Neger ge- 
bracht wurde, der ihn in seinem Garten gefangen hatte. Jedoch 
zeigten seine wilden Manieren, dass er kein aus einem Käfig ent- 
schlüpfter war. 

122. Corvus Jamaicensis Gm. Gosse, p. 209. 

Die jamaikanische Krähe findet sich in den wildesten Berg- 
gegenden, kömmt aber auch in die Pflanzungen, um die reifen 
Bananen zu fressen. Sie ist ein starker Vogel, der, wie Gosse 
sah, siegreich mit einem Habicht kämpfen kann. Unter allen 
Krähen, die alle mehr oder weniger der menschlichen Stimme 
ähnliche Töne erschallen lassen, schien ihm die von Jamaica es 
am besten zu können. Ihr Gesang klang ihm wie eine fremde, 
an Gaumenbuchstaben reiche Sprache. 

123. Ära tricolor Le Vaill. Gosse, p. 260. 

Die Macaos, Mexico zur Regenzeit verlassend, kamen wohl 
im Winter jeden Jahres nach Jamaika, wo sie an der Westküste 
in Höhen von 2500—3000' sich aufhalten. Gosse giebt besonders 
Ära tricolor an, nach seinem Mitarbeiter Hill kömmt auch Ära 
militaris hin, und Latham führt, auf die Autorität von Brisson ge- 
stützt, auch Ära aracanga u. ararauna als Bewohner Jamaikas auf. 

124. Ära militaris Gosse, p. 261. 

125. Picus varius Gosse, p. 270. Gosse erlegte fünf Exem- 
plare in den Monaten Dezember, Januar, Februar, und glaubt, 
dass sie alle Winter von N.-Amer. nach Jamaika kommen. 

126. Saurothera vetula Vieill. Gosse, p. 272. 

Der Regenvogel ist nicht selten auf Jamaika. Da er nur 
kurze Flügel hat, hüpft er mehr mit hochgehaltener Brust auf 
sumpfigen Stellen, sucht sich Insekten, Amphibien etc., ähnelt im 
Wesen dem Crotophaga. 

127. Coccyzus Americanus Lin. Gosse, p. 279. 

Dieser Kuckuk kömmt Anfang Mai nach Jamaika und hält 
sich während des Sommers dort auf, während die andern dort 
vorkommenden Standvögel sind. 

48. Coccyzus seniculus Lin. Gosse, p. 281. 



Zur Ornithologie von Jamaica. 203 

49. Piaya pluvialis Gin.*) Gosse, p. 277. 

50. Crotophaga am Lin. Gosse, p. 282. 

Beide Geschlechter dieses hier sehr häufigen Vogels sind 
gleich gefärbt, der scharfe Kiel am Oberkiefer ist an beiden 
gleich stark entwickelt. 

51. Centurus radiolatus Wagl. Gosse, p. 271. 

52. Conurus nanus (Vig.) Psittacara nana Vig. Zool. Journ. 
p. 273. C. flaviventer Gosse, p. 263. 

Beide Geschlechter haben äusserlich keinen Unterschied. 

53. Chrysotis agilis (Lin.) Psittacus agilis Gosse, p. 266. 

54. Chrysotis collaria (Lin.) Ps. collarius Lin. S. N., p. 149. 
P. leucocephalus Gosse, p. 269. Pionus mnaceicollis Lafr. R. Z. 
1846, p. 321. 

Sclater vermuthet, dass, weil sich C. leucocephala auf Cuba, 
C. Sallaei auf S. Domingo, Chr. collaria auf Jamaika, Chr. vittata 
in Porto-Rico ungemein ähnlich sehen, sie von einem Chr. priscus 
abstammen, aus einer Zeit, als diese Inseln noch ein Ganzes 
bildeten. 

128. Cathartes aura lllig. Gosse, p. 1. 

Dieser Vogel ist nicht in grosser Anzahl auf Jamaika, wird 
aber oft auf seinen Raubzügen bemerkt. Da er in Cuba und 
Trinidad, aber nicht in Hayti und den Inseln der Caraibischen 
See vorkommt, vermuthet Hill, dass er von Cuba nach Jamaika, 
nach Cuba aber von Florida gewandert sei. Es werden auf den 
ersten 10 Seiten von Gosse's Werk viele Anekdoten erzählt, die 
von den scharfen Sinnen dieses Geiers Zeugniss abifegen, beson- 
ders auffallend ist aber die Beobachtung, die von vielen glaub- 
würdigen Leuten gemacht sein soll, dass er öfter mit schwarzen 
Haushennen und schwarzen Truthennen, den Coitns vollziehen 
soll, ohne ihnen sonst ein Leid anzutlmn; die Hennen starben 
aber nach einiger Zeit an Krankheiten der Geschlechtsorgane 

55. Ilyjiotriorr/u's ml Hmhuriit*. Falco Solumbarius Gss., ]>. 17. 

129. Buteo borealü Rechst. Gosse, p. 11. 



*> Du der Regen-Kuckuk (Rain-Bird Sloane) mit gleichen Rechte zu 
Coccyzus wie zu Piaya (1) aebrachl werden kann, auch Beziehungen nA'at* 
rother a nicht zu verkennen sind, so bleibt die venerische Stellung dieses eigen- 
tframlichen Vogels zweifelhaft and wird derselbe füglich als Typus einer 
nen Gruppe betrachtet werden müssen: Gen Byetomantm, (von bet6u< 
tto$, 6, Regenprophet). Typus: llyet. pluviaiit. Cucuhu pluviatis (im. 
Coccyzus jamaicensis (Briss.) Haiti. — Piaya cinnamomewentris Lafr. — 
Piaya pluvialis Sclat. Der Herausgeber. 



204 R- Albrecht: 

Das ganze Jahr hindurch fliegt dieser Falke in grossen Zir- 
kelzügen über die Gefilde Jamaika's. 

130. Falco anatum Bp. Gosse, p. 16. 

Nur ein Exemplar erhielt Gosse, das im März 1846 erlegt war. 

131. Morplinus urubitinga Cuv. ) 

132. Pandion Caroliniensis Bon. / Gosse, p. 19. 

133. Nauclerus furcatus Vig. ) 

Diese drei Falken sind von Hill, aber von Gosse selbst nicht 
auf Jamaika beobachtet. 

56. Stria pratincola Bp. Gosse, p. 23. 

57. Pseudoscops grammicus (Gosse). Ephialtes grammicus 
Gosse, p. 19. Otus grammicus Kaup. Tran. Zool. Soc. IV., p. 231. 

58. Patagioenas caribaea (Linn.) Bp. Consp. Av. II., p. 54. 
Columba caribaea Gosse, p. 299. 

59. Patagioenas leucocephala (Linn.) Columba leucoc. Gosse, 
pag. 299. 

60. Chloroenas inornata (Vig.) Bp. Consp. Av. II., p. 53. Co- 
lumba rufina Grosse p. 296. 

61. Zenaida leucoptera (Linn). Turtur leucoptera Gosse, p. 304. 

62. Zenaida amabilis Bp. Gosse, p. 307. 

63. Chamaepelia passerina (Linn.) Gosse, p. 311. 

64. Geotrygon montana (Linn.) Gosse, p. 320. 

134. Peristera Jamaicensis. Gosse, p. 313. 

Diese Taube, von den Einwohnern Jamaika's „Weissbauch" 
genannt, zeichnet sich vor den andern, die wie P. caribaea fast 
nie den Boden berühren, sondern immer auf den Bäumen leben, 
dadurch aus, dass sie viel auf der Erde herumläuft, wozu sie 
durch ihre stärkeren Beine geschickt ist. 

135. Geotrygon sylvatica Gosse, p. 316. 

Sie hält sich in den dichtesten Bergwäldern zurückgezogen. 
Gosse hält sie für Columba sylvatica major nigro caerulescem in 
Browne's Jamaica p. 468, und für den schönsten Vogel dieser 
Insel neben dem langschwänzigen Kolibri. 

136. Starnoenas cyanocephala. Gosse, p. 324. 

Obgleich Albin, Brisson, Buffon und Temminck diesen Vogel 
als einheimisch auf Jamaika angeben, glaubt Gosse, dass er zwar 
sehr häufig von Cuba hingebracht, höchstens aber in den ab- 
schüssigen Wäldern, im N. der Insel, einheimisch sei. 

65. Numida meleagris (Linn.) Gosse, p. 325. Von Afrika 
eingeführt. 



Zur Ornithologie von Jamaica. 205 

66. Ortyx virginianus (Linn.) Gosse, p. 328. 

Von den vereinigten Staaten eingeführt seit 100 Jahren. 

67. Aegialitis melodus Gosse, p. 330. 

137. Aegialitis vociferus Gosse, p. 300. Zum grössten Theil 
Wintergäste. 

138. Aegialitis semipalmatus \ 

139. Charadrius Virqiniacus I _, ,___ 

140. bquatarola Helvetica ( 

141. Strepsilas interpres ' 

Diese Vögel hält Gosse, nach Hill's Angaben, für Bewohner 
Jamaika' s. 

68. Gallinago Wilsonii (Temm.) Gosse, p. 353. 

69. Gambetta melanoleuca (Gm.) Totanus mel. Gosse, p. 352. 

70. Rhyacophilus solitarius (Tringa solitaria Wils.) Totanus 
chlor opygius Gosse, p. 350. 

142. Totanus flavipes Bechst. Gosse, p. 351. 

71. Tringoides macularius ^Linn.) Actitis macularius Boie. 
Gosse, p. 349. 

72. Tringa Wilsonii Nutt. — Pelidna pusilla Gosse, p. 348. 

73. Tringa Bonapartii Schleg. 

74. Herodias egretta (Gm.) Baird, p. 666. 

Dieser von Gosse nicht erwähnte Vogel hat einen gelben 
Schnabel mit schwarzem Fleck am Oberkiefer. Osburn hat ihn 
als Egretta leucef im Zoologist p. 6932 beschrieben. 

75. Garzetta candidissima Bp. Baird p. 665. Gosse, p. 336. 
Osburn in Zoologist, p. 6932. 

Osburn beschreibt ihn; „Schnabel schwarz ausser am Grunde, 
welcher gleich der Stirn hellgelb ist; Tarsen vorn schwarz, hin- 
ten, wie die Zehen, grünlich gelb." 

76. Florida coendea (Linn.) Baird p. 671. Egretta coerulea 
et E. nivea Gosse, pgg. 334 u. 337. Osburn in Zoologist p. 6932. 

Zwei Exemplare, von denen eines blau gefärbt, das andere 
in dem weissen Jugendkleide ist. (E. nivea Gosse.) 

143. Egretta ruficollis Gosse, p. 339. 

Diesen von ihm entdeckten, nur in zwei Exemplaren gefun- 
denen Vogel hält Gosse für einen Standvogel in Jamaiea. Er ist 
nach ihm durch die grosse Länge seines I>armkanals. der 7,2" 
mass, vor den verwandten Arten Ausgezeichnet 

144. Herodias virescens Bp. Gosse, p. 341. 



alba? S 



206 R- Albrecht: 

Dieser Reiher wird, wenn auch einzeln lebend, sehr häufig 
auf der Insel angetroffen. 

145. Nycticorax Americanus Steph. Gosse, p. 344. 

Dieser Vogel wird oft in den Sümpfen gehört, aber selten 
gesehen, und ist als ein scheuer Vogel schwer zu schiessen. 

77. Ardeola Herodias Linn. Gosse, p- 346. 

78. Ardetta exilis (Gm.) Gosse, p. 343. 

79. Nycticorax violaceus Linn. 

146. Egretta leuce ) 

147. Botaurus minor £ Gosse, p. 346. 

148. Platalea ajaja ) 

149. Ibis rubra 

150. Numenius longirostris ^ Gosse, p. 348. 

151. Numenius Hudsonicusf aut Ibis 
Diese sechs Vogel-Arten sind von Hill öfter gesehen, Egretta 

leuce sah Gosse selbst und Ibis rubra kömmt in manchem Winter 
sehr zahlreich, wie 18ff zugleich mit den beiden zuletzt genannten. 

80. Aramus giganteus (Bp.) Baird. B. N. Am. p. 657. Noihe- 
rodius holostictus Cab. Jour. f. Ornith. 1856, p. 426. Aramus sco- 
lopaceus Gosse, p. 355. 

81. Rallus crepitans (Gm.) Baird, p. 747. Rallus longirostris 
Gosse, p. 364. 

152. Rallus concolor Gosse, p. 369. 

82. Porzana Carolina (Linn.) Gosse, p. 371. 

83. Porzana jamaicensis (Gm.) Gosse 375. 

84. Crex minuta (Lath.) Gosse, p. 372. 

85. Fulica americana Gm. Gosse, p. 384. 

86. Gallinula galeata (Licht.) Gosse, p. 381. 

87. Porphyrio martinicus (Linn.) Gosse, 377. 

153. Himantopus nigricollis Vieill. Gosse, p. 386. 
Gosse sah ihn vom December bis Mai öfter. 

154. Recurvirostra Americana. Gosse, p. 389, ist nach Hill 
ein nur seltener Gast Jamaika's. 

155. Phoenicopterus ruber Linn. Gosse, p. 390. 

156. Dendrocygna arhorea Sw. Gosse, p. 395. 

157. Dendrocygna autumnalis Gosse, p. 388, selten. 

158. Anas maxima Gosse, p. 399. 

159. Cyanopterus inornatus Gosse, p. 402. 

Gosse giebt an, dass diese von ihm aufgestellte Art für das 



Zur Ornithologie von Jamaica. 207 

Weibchen von C. discors gehalten ist. Sclater zweifelt noch an 
der Selbstständigkeit dieser Art. 

88. Querquedula clypeata (Linn.) Gosse, p. 401. 

89. Spatula clypeata (Linn.) Gosse, p. 408. Rhynchaspis. 

160. Erismatura spinosa. Gosse, p. 404. 

161. Chen hyperboreus. — 162. Anser Canadensis. 
163. Dafila acuta. — 164. Poecilonetta Bahamensis. 
165. Mareca Americana. — 166 Aix sponsa. 

167. Querquedula Carolinensis. — 168. Chaulelasmus streperus. 

169. Anas obscura. — 170. Anas boschas. 

171. Cairina moschata. — 172. Oedemia perspicillata. 

173. Fuligula Americana. — 174. Fuligula affinis. 

175. Fuligula rufitorques. — 176. Nyroca leucophthalma führt 
Gosse ; p. 408, nach Hill's Angabe, zum Theil von ihm selbst ge- 
sehen auf. 

90. Podilymbus podiceps (Linn.) Baird, p. 898. Gos., p. 438. 

91. Podiceps dominum Gosse, p. 400. 

92. Sterna regia Gambel. Baird, p. 858. Thalasseus cayanus 
Gosse, p. 431. 

177. Pelecanus fuscus Gosse, p. 409. 

178. Sula fusca Gosse, p. 417. 

179. Sula fiber. — 180. Sula piscator. — 181. Sula parva 
von Gosse, p. 418, angegeben, aber noch nicht genau bestimmt. 

182. Fregata aquilus Gosse, p. 422. 

183. Phaeton aethereus Gosse, p. 430. 

184. Hydrochelidon fuliginosa Gosse, p. 433. — 185. Megalo- 
pterus stolidus. — 186. Talasseus Cantiacus Gos., p. 434. Die Eier 
dieser drei Arten werden auf den Neben-Inseln, Pedro Kavs, in 
grosser Anzahl gesammelt. 

187. Sterna argentea Bp. — 188. Hydrochelidon nigra Boie. 

189. Xema atricilla Bp. Gosse, p. 437. 

190. Thalassidroma? Gosse, p. 437. Ein Sturmvogel ward 
im Winter 1846 nach einem Sturm an der Küste gefunden. 

191. Alcal Gosse, p. 437. Auf den Gipfeln der Blue-Moun- 
tains wohnt ein Vogel, der eine Atca zu sein scheint. 



208 Dr. C. Bolle: Notiz, Alca impennis betreffend. 

Briefliche Mittheilungen, Oecono- 
misclies und Feuilleton. 



Votlz, Alca impennis betreffend, 

mitgetheilt von 
Dr. Carl Bolle. 

Um der Preyer'schen Aufforderung hinsichtlich noch in den 
Museen vorhandener Individuen des in der Ueberschrift genann- 
ten Vogels unsererseits nachzukommen, beeilen wir uns aus einem 
Briefe Dr. Hartlaub's an den Schreiber dieses vom 1. Mai d. J. 
Folgendes mitzutheilen: 

„In der Bremer Sammlung befindet sich ein prachtvolles 
Exemplar der Alca impennis. Dasselbe erstand ich für 40 Thlr. 
von dem Naturalienhändler Salm in in Hamburg, bei Gelegenheit 
von dessen Anwesenheit in Bremen, zur Zeit der Versammlung 
deutscher Aerzte und Naturforscher in unserer Stadt. Für dieses 
Exemplar sind mir von England aus bereits 50 Pfund Sterling 
geboten worden. Wissen Sie, dass ganz kürzlich in einem ver- 
staubten Winkel des Royal College of Surgeons in London zehn 
Eier der Alca impennis entdeckt worden sind ! ! ! 

Eine grosse Arbeit über Alca impennis steht von Seiten 
Alfred Newton's bevor. Kein Zweifel mehr an dem Didus- 
Schicksal des Vogels." 

Uebrigens bin ich im Stande, den von Herrn Preyer citirten 
Namen des grossen Alks, einen neuen hinzuzufügen: denjenigen 
nämlich, welchen die ersten französischen Neufundland- und Ca- 
nadafahrer der Sprache der Ureinwohner jener Insel entnahmen 
und in ihren Berichten aufgezeichnet haben. In der Reisebe- 
schreibung Jacques Cartier's, welcher unter der Regierung Franz I. 
1534, die Gewässer von Terre-neuve und den St. Lorenzgolf be- 
fuhr, geschieht der Alca impennis gelegentlich des Besuchs der 
Vogelinsel (Isle des oiseaux) Erwähnung, welche ein und dieselbe 
mit dem jetzt Funk-Island genannten Lande ist, wo, wie wir 
wissen, grosse Knochenanhäufungen heut noch von der früheren 
Häufigkeit des nordischen Pinguins zeugen. Trotz des dieselbe 
umgebenden Eises Hess Cartier seine Boote auf ihr landen, um 
sich daselbst mit Proviant, den das Fleisch der Seevögel lieferte 
und zu dem die Brillenalken, zweifelsohne als die grössten, am 
meisten beigesteuert haben werden, zu versehen. Vögel überhaupt 
waren dort in unglaublicher Menge vorhanden. „Die etwa eine 



Dr. C. Bolle: Alca impennis. -- Dr. Sommer: Bastardbildung. 209 

halbe Meile im Umkreis haltende Insel, sagt der Bericht, ist so 
voll davon, dass es scheint, als seien sie express hingebracht 
und fast wie gesäet. Nichts destoweniger giebt es noch hundert 
mal mehr drum herum und in der Luft darüber, als darauf. Einige 
sind so gross wie Elstern*), schwarz und weiss, mit einem Ra- 
benschnabel. Sie halten sich immer auf der See, um so mehr, 
da ihre Flügel klein, nicht grösser als eine halbe Hand, 
sind; dennoch schiessen sie auf der Wasserfläche mit derselben 
Geschwindigkeit dahin, wie andere Vögel in der Luft. Sie sind 
enorm fett und die Eingeborenen nennen sie Apponath. Von 
diesen luden wir zwei unserer Boote in weniger als einer halben 
Stunde voll, als wären es Steine gewesen, so dass auf jedem 
Schiffe vier bis fünf Tonnen davon eingesalzen wurden, die nicht 
gerechnet, welche wir frisch verzehrten." 

Auch die in denselben Meeresstrichen gelegenen Margaux- 
Inseln wurden damals mit Apponath's bevölkert angetroffen und 
gewährten ausserordentlich reiche Jagdbeute davon. Es wird 
ausdrücklich erwähnt, dass die Eisbären schwimmend zu den Vo- 
gelinseln herüberkämen. Diese mögen unter den nicht flugfähigen 
und durch ihre Grösse am meisten zum Raube eines so gewaltigen 
Fleischfressers geeigneten Pinguinen am stärksten aufgeräumt haben. 

Die französischen Akadier sollen dieselben Vögel später Bar- 
ricardieres geheissen haben. 



Ueber Bastardbildung. 

Von 

Rector Dr. Sommer, in Salzungen. 

Mitgetheilt von Prof. W. Peters.**) 

Von den fraglichen Bastardirungen kenne ich vier posi- 
tive Fälle, zwei zwischen Enten und Hühnern, einen zwischen 
Enten und Gänsen und einen zwischen Perlhuhn und Pfau oder 
Truthuhn. Den ersten habe ich beobachtet nach der Mitte der 
zwanziger Jahre auf dem Hofe Oeblitzmühle, halbwegs von Naum- 
burg nach Weisscnfels, Goseck gegenüber, wo ich meistenteils 
meine Schulferien zubrachte. Dort war aus einem Entenei ein 



*) „Grands corame pies." Diese viel zu kleine Grössenbezeichnuiiii' mOBfl 
auf einem lapsus calami beruhen, da die übrige Beschreibung vollkommen 
übereinstimmt und erstens im hohen Korden nur ein Bugnnfihjffer Vogel exi- 
stirt, zweitens Funk-Island, als VVohnplatz der Alca impennis bekannt , deren 
zur Zeit seiner Entdeckung noch viel mehr als später besitzen musste. 

**) Als ich im vorigen Herbste das V er gn üg en hatte, eine Zeitlang mit 
dem trefflichen Prof. Lenz in Schnepfeuthal zusammen zu sein, kamen wir auch 
Jouru. f. Ornith,, X.. Jahrg. Nr. 57, Mai I8A2. 14 



21 U xtector i>r. oominer: 

dunkelfarbiges Mittelding zwischen Huhn und Ente hervorgegan- 
gen, in der Körperform jedoch mehr der Ente, am Kopfe und in 
der Schnabelbildung mehr dem Huhne gleichend, mit vollständi- 
gen Hühnerfüssen, deren Zehen jedoch bis zur Hälfte durch eine 
Schwimmhaut verbunden waren. Flügel und Schwanz waren noch 
nicht ganz entwickelt, als ich das seltsame Geschöpf während der 
Hundstagsferien täglich vor Augen hatte. Es hielt sich zu der 
Entenbrut, unter welcher es ausgekommen war, Hess sich mit 
diesen aufs Wasser treiben, schwamm auch recht gut, kehrte aber 
immer bald ans Ufer zurück, und ging freiwillig nur dann in's 
Wasser, wenn sichs baden wollte, und dann auch nur soweit, 
als es gründen konnte. Ob Männchen oder Weibchen konnte ich 
bei Ablauf meiner Ferien noch nicht unterscheiden. Als ich 
Ostern drauf wieder hinkam, hatte ein gewisser Thienemann in 
Naumburg, G-astwirth im braunen oder rothen Ross, meiner Tante 
das Wunderthier abgeschwatzt, in einen Lattenkäfig seines Hofes 
neben Raubvögel und anderes Unthier gesteckt und dort während 
des Winters umkommen lassen. Ich alterirte mich über diesen 
vandalischen Eingriff in mein naturhistorisches Spezialitätsinteresse 
dermassen, dass ich schon den andern Tag mein Ränzchen wieder 
auf den Rücken nahm und der Heimath vollends zuwanderte. 

Natürlich liess mich das Ding nicht ruhen und ich wollte nun 
planmässig herstellen, was dort durch Zufall entstanden war. Den 
Faden, der mich dabei leiten sollte, glaubte ich schon in der 
Hand zu halten. Ich hatte nämlich schon beobachtet, dass ein- 
zelne von Hühnern ausgebrütete Entriche eine ewige Hetzjagd 
auf Hühner machten, hatte dann umgekehrt Hühner von Enten 
ausbrüten lassen und dieselbe Leidenschaft gegen Enten schon an 
einem noch nicht halb ausgewachsenen Hähnchen wahrgenommen, 
und fiel nun darauf, dass dies Paarungsneigung sein könnte, wäh- 
rend der Geflügellärm, der dadurch auf dem stillen Pfarrhofe 
meiner Eltern angerichtet wurde, ich mochte fürbitten soviel ich 
wollte, die Anstifter davon als unerträgliche Störenfriede regel- 
mässig in die Küche brachte. Wollte ich daher den beabsichtig- 
ten Versuch wirklich ausführen, so musste ich zur List greifen. 

auf Bastardbildungen zu sprechen. Derselbe theilte mir einen Fall von Bas- 
tardbildung zwischen Ente und Huhn mit, den ich, da er ihn nicht selbst be- 
obachtet hatte, bezweifelte. In Folge dieses Gesprächs hatte Hr. Prof. Lenz 
die Güte, mir einen Brief von Hrn. Rector Dr. Sommer zu senden, welcher 
die folgenden interessanten Mittheilungen enthält. Der Brief vom 23. März 
L862 war nicht für die Oefientlichkeit bestimmt gewesen, indess schreibt mir 
Hr. Prof. Lenz, dass ich auf seine Verantwortung die folgenden Notizen in 
einem Journale veröffentlichen könne. W. Peters. 



Ueber Bastardbildung. 211 

Ich wusste nämlich einen Entrich, der wieder einmal recht auf 
die Verfolgung der Hühner versessen war, so lange vor dem 
Schlachten zu bewahren, bis nur noch der übrig war, der im näch- 
sten Jahre die Art fortpflanzen sollte, dann schaffte ich diesen 
letztern auf die Seite und nun musste wohl mein geheimer Lieb- 
ling zur Zucht behalten werden. Als die Legezeit wieder begann, 
traf sich's, dass der Entrich eine besonders zahme Henne vor 
allen anderen bevorzugte, wodurch es mir möglich wurde, ihrer 
Bereitwilligkeit noch ein bischen nachzuhelfen und die Eier zu 
sammeln. Aus diesen waren beim Ausschlüpfen, das leider in 
meiner Abwesenheit stattgefunden, zwei Monstra zum Vorschein 
gekommen, ein in allem Uebrigen vollständiges Hühnchen, nur 
mit förmlichen, blos etwas höheren Entenbeinen, das aber schon 
in der ersten Nacht von der Alten erdrückt wurde, und ein mehr 
entenartiges Geschöpf mit Hühnerfüssen und einem Mittelding 
zwischen Enten- und Hühnerschnabel. Letzteres befiederte sich 
auch ganz nach Art der Enten, indem die ersten Federn nicht 
an den Flügelspitzen, sondern auf den Schultern hervorzubrechen 
begannen. Da ich es nicht selber pflegen und überwachen, son- 
dern ihm von Jena aus nur Sonnabends einen Besuch abstatten 
konnte, und darüber sogar einigemal Reinholds Geschichte der 
Philosophie schwänzte, so fand ich das Thierchen, als es unge- 
fähr 6 Wochen alt war, wahrscheinlich zur Strafe für diese wissen- 
schaftliche Versündigung, von einer Kuh ertreten todt zuhause 
vor. Es wird dies im Iahre 1829 oder 30 gewesen sein. 

Der dritte Fall ist Ihnen wohl selber aus eigner Anschauung- 
bekannt. Im Jahre 1842 führte mich der verstorbene Kriegszahl- 
meister Pörsch in Gotha zu Herrn Holzvogt Heyn, um mir nament- 
lich einen Bastard von Perlhuhn und Pfau- oder Truthuhn, — 
ich erinnere mich des letzteren Umstandes nicht mehr genau — - 
zu zeigen. Dieses Thier hatte überwiegend die Körperform des 
Pfau, nur in kleinerem Massstabe, der Kopf war ohne Krone, 
aber auch ohne Hörn und Backenläppchen und bloss mit grau- 
braunen kurzen Ilaaren bewachsen, das Gefieder an Hals und 
Brust dunkel und unscheinbar und nur Rücken und Schulterdecken 
wirklich geperlt, wie beim Perlhuhnc. Ein genauerer Eindruck 
ist mir nicht geblieben, weil ich das Geschöpf nur einmal habe 
betrachten können. Es schlich einsam und theilnahmlus herum, 
wie ein Kapaun, 

Der vierte Fall hat sich erst vor 5 oder G Jahren in dem 

14* 



212 Rect. Dr. Sommer: Ueber Bastardbildung. 

Dorfe Wellenborn bei Saalfeld zugetragen. Der damalige Pfarrer 
Pröscholdt daselbst hatte einen Entrich, der zur Legezeit allen 
Gänsen, denen er beikommen konnte, auf den Rücken flog. Die 
Besitzer beschwerten sich darüber und der Pfarrer versprach den 
Schaden zu vergüten, wenn solcher entstehen sollte. Gegen den 
Herbst hin brachte man ihm von verschiedenen Seiten gutbeleibte 
Mitteldinger zwischen Gans und Ente, die er billig kaufte und 
sich so wohl schmecken Hess, dass eben das letzte verzehrt war, 
als ich von meinem Bruder, der ganz in der Nähe, in Obernitz, 
Pfarrer ist, von diesem interessanten Vorkommniss in Kenntniss 
gesetzt hineilte, um zu sehen, was noch zu sehen, und zu retten, 
was noch zu retten war. Leider kam ich, wie so oft im Leben, 
auch hier zu spät. 

Das ist alles, was ich über dergleichen Bastardirungen in 
thatsächliche Erfahrung gebracht. Hätte mich der Himmel anstatt 
zum Schul- zu einem Fasanenmeister gemacht, so würde ich der- 
artigen Studien mit dem Eifer der Liebhab er eileidenschaft und 
unermüdlicher Ausdauer obgelegen haben. Ein bloss wissen- 
schaftliches Interesse reicht, glaube ich, nicht hin, um solchen 
Fragen auf den Grund zu kommen. Soviel ist mir aber bezüg- 
lich der vorliegenden zur unbedingten Gewissheit geworden, dass 
etwas von dem Wesen des brütenden Vogels auf die ihm unter- 
gelegten Eier übergeht, dass sich dieses bei den männlichen In- 
dividuen, die aus solchen Eiern hervorgehen, vornehmlich in der 
Neigung äussert, sich mit der Art ihrer Pflegemutter zu paaren, 
und dass man mit Benutzung dieser Neigung dergleichen Bastarde 
beliebig hervorbringen kann. Ein Hähnchen von Tauben ausge- 
brütet, ist bei mir noch jedesmal das bösartigste Ding gegen 
Menschen und Vieh geworden, das man nur sehen konnte. Erst 
kürzlich noch habe ich einen von Cochinchinesen ausgebrüteten 
Perlhahn weggethan, weil er sich durchaus nicht mit Seinesglei- 
chen paarte, sondern sich bei jeder Versetzung doch immer wie- 
der nur an Cochinchinas anschloss. 



Einige Bemerkungen zu dem Aufsätze: 

„Auch ein Wort über das Meckern der Bekassine von B. Borggreve" 
in diesem Journale, Jahrg. 1860, S. 63 ff. 

Herr Borggreve versichert, den wie „Tikküpp" klingenden 
Kehlton der Bekassine ziemlich oft von der vorderen zweier vor 



Pfar. Jäckel: Bemerk, über d. Meckern d. Bekassine. 213 

der Paarung sich in pfeilschnellem Fluge jagenden Bekassinen 
gehört zu haben. Hierbei sei wegen der fortwährend sich ändern- 
den Richtung und Entfernung, in welcher sich der fli gende Vo- 
gel dem Beobachter gegenüber befinde, eine Sinnestäuschung so 
gut wie unmöglich. 

Ich glaube auch, dass die gejagte Bekassine häufig, sogar ge- 
wöhnlich, das Weibchen ist und besagten Ton von sich gibt. Ich 
glaube es, weiss es aber auch nicht in einem einzigen Falle 
gewiss, wenn mir nicht Flinte und Messer Gewissheit geben. 
Wer ausser Herrn Borggreve getraut sich, zu unterscheiden, ob 
ein im Fluge ausgestossener Ton von dem vorne oder hinten 
fliegenden Vogel herrührt, wenn nämlich die sich verfolgenden 
pfeilschnell dahinschiessenden Vögel, wie dies in der Begattungs- 
zeit der Fall ist, wenige Zolle, höchstens einen oder zwei Schuhe 
weit von einander entfert sind? Gewöhnliche Menschenkinder, 
wie ich, können das nicht und wäre ich sehr begierig, den Mann, 
sei es Jäger oder Naturforscher, kennen zu lernen, welcher an- 
geben kann, ob von zwei ruhig dahin streichenden Wasserläufern, 
Brachvögeln oder Limosen (ich nenne absichtlich Vögel mit sehr 
lauten Stimmen) der vordere oder hintere ruft. Herr BorggreVe 
irrt, wenn er die gejagte Bekassine immer für das Weibchen hält 
und auf das Geschlecht des Vogels nur schliesst, je nachdem 
derselbe Jagender oder Gejagter ist. Bis die Ehen der Vögel 
fest geschlossen sind, und noch Wochenlang darnach haben die 
Männchen oft genug Nebenbuhler abzutreiben. Am 8. Mai 1856 
sah ich ein auf den feuchten Wiesen am Bucher Eichwäldchen 
bei Neuhaus sich aufhaltendes Bekassinen-Männchen in den Nist- 
bezirk eines in den Bucher Weihern wohnenden Pärchens, dessen 
Männchen sich aber hoch in der Luft herumtrieb, begehrlich ein- 
dringen. Noli tangere circulos meos ! und hinschoss auf den Ein- 
dringling der eifersüchtige Eheherr, trieb ihn eine gute Strecke 
fort, kehrte zurück, schnurrte triumphirend etliche Male und fiel 
dann bei der Geliebten ein. 

Meine Behauptung, dass ich von einem und demselben In- 
dividuum das Schnurren oder Mäckern und das Tikküpp gehört 
habe, bezweifelt Herr Borggreve, ob er gleich mich langst nach 
meiner Sprache als einen nüchternen ehrlichen Beobachter schätzen 
gelernt hat, und hinter meine Mittheilungen in der Nauinannia 
J858, Seite 490 ff. viel lieber drei Ausrufer als drei Fragezeichen 
setzen möchte. Auf Zweifel war ich gefasst und habe mich 



214 Pfarrer J. Andr. Jäckel: 

Seite 492 a. a. O. darüber des Näheren ausgesprochen. Ich 
Hiu ss Herrn Borgfreve verzeihen, wenn er meinen Angaben miss- 
traut, seinen Mittheilungen aber müssen die Leser, natürlich 
auch ich, auf das Wort glauben; denn awog eya. Was er frei- 
lich mit der allergrössten Genauigkeit sah, nämlich das Vibriren 
der Schwungfeder spitzen, das hat seit der Zeit, wo man anfing, 
die Erscheinungen in der Natur anders zu betrachten, als der 
Schäfer von seinem Strickstrumpf aus, Niemand bezweifelt, wenn 
er sich nach Vater Naumann darum bemühen und die Augen auf- 
thun wollte. Ich habe die von Herrn Borggreve berichtete 
Thatsache längst geglaubt und war nie anderer Meinung, und 
hätte es der feierlichen Versicherung wegen der guten Augen 
und Ohren wenigstens mir gegenüber nicht bedurft. Ich bin nicht 
so ungläubig, als jene bayerische Sennerin, welche den ihr für 
einen Kuss versprochenen, angeblich in die Joppe des zärtlichen 
Jemsenjägers eingenähten Dukaten selbst dann noch herausge- 
schnitten sehen wollte, als der Kussbegierige beleidigt versicherte, 
wenn er sage: „uff Ehre! so sei es so viel als uffjeschnitten." Ich 
glaube Herrn Borggreve aufs Wort. Derselbe hat seine Be- 
obachtungen in Ost- und Westpreussen, ich, ein Bayer, die mei- 
nigen in dem bierumschlungenen Böotien, dem Winkel politischer 
und anderer Finsterniss, gemacht. Daher kommt's wohl, dass 
ich glauben muss und Herr Borggreve zweifeln darf. Er thut 
dies, weil meine Mittheilung der ziemlich bestimmten Behauptung 
Naumann's widerspricht , dass nur das Bekassinen - Männchen 
schnurren, das Weibchen dagegen Tikküpp rufe, und letztere 
Behauptung auf Beobachtungen beruhe, von denen sich in der 
Regel etwas mehr wie 99 pCt. zu bewähren pflege. Naumann 
hat bekanntlich nie von einer fliegenden Bekassine das Tikküpp 
gehört, Herr Borggreve ist der Glückliche, welcher diesen Laut 
im Fluge gehört und dem anerkannten Grossmeister deutscher 
Vogelkunde eine nicht erkannte Wahrheit nachgewiesen hat. An- 
dere wussten es zwar längst, dass es also sei; bevor aber Herr 
Borgg. es hörte, waren die Beobachtungen derselben apokryph. 
Naumann bezweifelt übrigens nur die Bechstein'sche Angabe, dass 
zuweilen das Weibchen sich wie das Männchen hoch in die Luft 
schwinge und jene meckernden Töne hervorbringe. „Ich habe", 
sagt er, „trotz unzähliger Beobachtungen so Etwas nie bemerkt. 
Auch ist mir nicht glaubhaft, dass auch das Männchen zuweilen 
Tikküpp rufe, obgleich ich dieses nicht behaupten mag, weil diese 



Bemerkungen über das Meckern der Bekassine. 215 

lieblichen klaren Töne oft auch, ohne dass sich gerade ein wie- 
herndes Männchen in der Luft hcrumtummclte, anscheinlich ohne, 
wenigstens sichtbare Veranlassung aus dem grünen ; umpfgefild 
ertönen/' Naumann hat also in diesem Punkte nicht absprechen, 
sondern künftiger Forschung Raum verstatten wollen. Es ist 
lobenswerth, dass Herr Borggreve vor Naumann's Forschungen 
grossen Respekt hat und sich besinnt, ehe er ihm widerspricht. 
Denn heutzutage kann es vorkommen, dass Jemand nie eine Be- 
kassine hat schnurren hören, endlich den berüchtigten Laut ver- 
nimmt, sogleich weiss, wie er entsteht, zur Feder greift und einem 
Forscher Irrthümer nachweisen will, welcher bei Abfassung sei- 
ner Naturgeschichte der Vögel Deutschlands dem Grundsatze „no- 
nuni prämatur in annum" drei- und vierfach Genüge gethan und 
anerkanntermassen mit einer Schärfe der Sinne ausgestattet war, 
wie nicht leicht ein Anderer. Wollen wir also nicht vorwitzig 
sein und Augen und Ohren gehörig aufthun, ehe wir einem sol- 
chen Beobachter widersprechen. So habe ich es bisher gehalten 
und so werde ich ferner thun. Nun habe ich mich aber mit aller 
Gewissheit überzeugt, das letzte Mal am 6. Mai 1859 in den 
Weihern bei Hesseiberg und Poppenwied, dass auch die schnur- 
rende, also die männliche Bekassine, und zwar im Fluge, zuwei- 
len Tikküpp ruft. Dasselbe hat Pralle beobachtet, desgleichen 
der verstorbene Diczel, welcher anführt, dass die männliche Be- 
kassine nicht selten unmittelbar vor dem Mäckern ihr „Gazzi, 
Gazzi" aus der Luft vernehmen lasse, und endlich der Recenscnt 
der zweiten Aufläge der Diezel'schen Erfahrungen aus dem Ge- 
biete der Niederjagd,*) welcher versichert, sich hiervon durch 
eigene 1 Wahrnehmung so vollständig überzeugt zu haben, dass ein 
Zweifel nicht übrig geblieben sei. Ich stehe demnach mit mei- 
ner Beobachtung nicht allein. Und was mein Auge sieht und 
mein Öhr Hört, das glaubt mein Herz. 

Nach Herrn Borggreve ist die Feststellung des Instruments. 
welches «Im Schnurrlaut hervorbringt, einmal eine Sache, die 
durch Stimmenmehrheit von wirklich mit guten Sinnen versehenen 
Beobachtern entschieden werden muss. Um die Stimmenmehrheit 
ist es eine eigene Sache, und viele der resp. Leser werden mit 
mir anderer Meinung sein. Die unten Sinne anlangend, wünschte 

ich übrigens zu wi8Seh, was derjenige, welcher in der Sache mit- 

*) Allgemeine Forst- und Jsgdseitung von Dr. Gustav Heyer, 1851 
Seite 25)6 ff. 



216 Pfarrer J. Andr. Jäckel: 

reden will, zu thun hat, um sich als stimmfähig zu documentiren. 
Reicht z. B. für mich ein Zeugniss meines Arztes hin, contrasig- 
nirt vom Landgerichts-Physikate? oder habe ich mich zur Unter- 
suchung irgendwem zu stellen? und wem? 

Mathematisch lässt sich nach Herrn B. nicht beweisen, dass 
zwei Beobachtungen, die Jemand mit verschiedenen Sinnen macht, 
in ursächlichem Zusammenhange stehen. Wirklich nicht? Wenn 
ich also z. B. einen Hasen mit zerschmettertem Hintertheile auf 
der Erde elendiglich herumrutschen sehe und zugleich ein erbärm- 
liches Geschrei höre, oder wenn ich eine sitzende Krähe ge- 
wahre, welche den Schnabel aufreisst und Verbeugungen macht, 
während zu gleicher Zeit mit dem Schnabelaufreissen und aus 
der Richtung der Krähe her rauhes Gekrächze an mein Ohr 
schlägt, oder endlich (alle guten Dinge sind drei), wenn ein Trut- 
hahn seine schon ganz abgenützten Schwungfedern unter einem 
gewissen Rauschen zur Erde stösst, so kann ich nicht sagen, 
dass das Umherrutschen des Hasen und das Schnabelauf sperren, 
sammt den Bücklingen des Raben mit dem Geschreie und resp. 
Krächzen dieser Thiere und das Flügel-Rauschen des Puters mit 
dem Aufstossen der Schwingen auf die Erde in ursächlichem Zu- 
sammenhange steht? Freilich so, wie ich mit Göthe sagen und 
mit Adam Riesens Rechenbuch beweisen kann, dass „vier und 
fünf ist neun, und zwei davon, bleibt sieben", gerade so kann 
ich nicht beweisen, dass das Vibriren der Schwungfeder-Spitzen 
der abstürzenden Bekassine und der Schnurrlaut in ursächlichem 
Zusammenhange stehen. Herr B. hat ganz Recht, wenn er sagt, 
dass wir selbst dann, wenn eine wohlerzogene Bekassine auf 
freundliches Zureden mit gespreizten und vibrirenden Federn in 
der Stube Salto mortales schlagen und den „Nesthockern" in 1| 
füssiger Sehweite vormäckern wollte, mathematisch noch nicht 
beweisen könnten, dass der verschmitzt genug aussehende Vogel 
sich nicht ein Vergnügen daraus mache, seinen Laut trotz aller 
äusseren Anstrengungen gar mit demselben Instrument hervorzu- 
bringen, welchem Naumann das Murksen bei seiner zahmen Wald- 
schnepfe zuschreibt. Hiezu ist zu bemerken, dass Naumann sagt, 
dass die zahme männliche Schnepfe nicht selten auch ihre Balz- 
töne ausstösst, wo man nach jedem ausgestossenen „Psiep" dumpf- 
murmelnde Bauchtöne vernimmt, welche klingen, als kämen sie 
aus dem Hintern. Er sagt nicht ; „sie kommen aus etc.", sondern : 
sie „klingen als kämen sie etc." Aber, wie gesagt, Herr B. hat 



Bemerkungen über das Meckern der Bekassine. 217 

vollkommen Recht, auch darin, wenn er auf die Möglichkeit hin- 
deutet, dass sogar noch der s. v. Hintere der Bekassinen als das 
Meckerinstrument bezeichnet werden könne, da die verschiedenen 
und doch bewiesenen Ansichten gelehrt hätten, was Alles a priori 
bewiesen werden könne. Auf dem geraden Wege zu dieser Er- 
klärung sind wir ja ohnehin schon gewesen, als wir bei den 
Schwanzfedern angelangt waren. Noch ein kühner Schritt und 
— „es farzt die Hexe,*) es stinkt der Bock." Dann haben wir 
ausser Kehl-, Erschütterungs-, Kiel- und Schwanzmäckereien auch 
noch s. v. — Mäckerer. Wenn etwa Jemand Lust trägt, den 
Steiss in Affaire zu nehmen, so empfehle ich ihm die angeführte 
Stelle aus Göthes Hexenchor zur Benutzung als klassisches Motto 
und erlaube mir, auf unsere bekannten Bombardierkäfer, Brachi- 
nus crepitans und explodens , Bombarda, Sclopeta, efflans und 
exhalans, als Analoga aus dem Bereiche der Zoologie, aufmerk- 
sam zu machen. Diese Käfer pflegen nämlich auf der Retirade 
vor ihren Verfolgern denselben ein belästigendes Feuer in das 
Angesicht entgegen zu protzen, eine Kunstfertigkeit, von der 
sie, erkundet hat man das noch nicht, auch in der Begattungs- 
zeit zu Freudenschüssen Gebrauch machen dürften. 

Es ist Schade, dass ein gezähmtes Bekassinen -Männchen auf 
freundliches Zureden im Zimmer nicht mäckern wird. So wenig 
der Gamsbock unserer Alpen der freundlichen Einladung: „Liebes 
Jemschen halt man still, weil man dir mal runterpuffen will," 
Folge leistet, ebensowenig wird die wohlgezogenste Bekassine 
Jemanden Etwas vorschnurren. Und wenn sie es thäte, ich stimme 
hier Herrn B. im vollsten Ernste bei, so würde der Streit über 
das Mäcker-Instrument doch nicht abgethan werden. Der Todten- 
kopf-Schwärmer (Acherontia Atropos) bringt nach Art der Bock- 
käfer (Cerambyces), der Julikäfer (Melolontha Fullo) und des 
Windisch-Schwärmers (Sphinx Convolvuli) einen eigenthümliehen 
lauten Ton hervor. Man weiss, dass die fraglichen Laute bei den 
Cerambycinen und dem Julikäfer auf mechanischem Wege durch 
Reibung des Rückcnschildes an den Flügeldecken oder der letz- 
teren am Hinterleibc entsteht, man sieht, wie der Todtenkopf- 
Schwärmer bei dem Schreien das Bruststück und den Hinterleib 
bewegt, man kann hiebei den frisch geschlüpften oder gefange- 
nen, ruhig dasitzenden riesigen Schwänner 3 bis 4 Zoll vor der 



•) Donnerhexe, Donnerbock, Moosbock sind alte Namen der Bekassine. 



218 Pfarrer J. Andr. Jäckel: 

Nase mit blossen Augen, mit Brille oder Loupe con amore be- 
trachten, kann ihn schreien lassen, so oft man will, was er, bei- 
läufig gesagt, nicht auf freundliches Zureden, sondern nur dann 
thut, wenn man ihn durch Berührung belästigt oder drückt, und 
trotz diesem Allen weiss die gelehrte Welt, Dank der deutschen 
Gründlichkeit, heute noch nicht gewiss, ob der mehrbesagte Laut 
durch Reibung der Flügel am Bruststück oder des Kopfes am 
Bruststück, oder des Bruststücks am Hinterleib, oder des Rüssels* 
und der Bartspitzen oder endlich vermittelst eines besondern 
Organes im Innern des Schmetterlings entsteht. Tout comme 
chez nous. Mathematisch lässt sich natürlich nichts beweisen und 
— „was du mit Händen nicht greifst, das scheint dir Blinden 
ein Unding." 

Nachdem Herr B. seine Stimme für die Flügeltheorie abge- 
geben hat, sucht er sie noch durch eine wichtige, bisher nirgends 
erwähnte Thatsache zu motiviren. Das nicht aufgescheucht flie- 
hende; sondern aus eigenem Antriebe aufgestandene, die Gattin 
jagende Bekassinen - Männchen bringe bei jeder Wendung und 
neuen Schrägstellung der Flügel während des pfeilschnellen, meist 
nahe über der Erde sich hinbewegenden Fluges Laute hervor, 
welche man am besten mit dem Ausdrucke „Schnurren im ver- 
jüngten Maassstabe" bezeichnen würde. Diese Laute hat er nur 
in der Paarungszeit während der jedesmaligen seitlichen Neigung 
des Vogels bei plötzlichen Wendungen und nur von jagenden 
Männchen vernommen, doch hütet er sich wohl zu behaupten, dass 
sie nicht auch sonst erschallen. Da hat er gar nicht übel d'ran 
gethan. Einen kurzen Schnurrlaut hört man im Momente einer 
urplötzlichen Schwenkung im Fluge sowohl von der männlichen, 
als von der weiblichen Bekassine und zwar zu jeder Jahreszeit. 
Oder will Herr B. wirklich behaupten, dass trotz vollständigster 
Uebereinstimmung im Baue des männlichen und weiblichen Be- 
kassinen-Flügels nur das verfolgende Männchen ein hörbares 
dumpfes Sausen (denn diess und nichts Anderes ist das Schnur- 
ren im verjüngten Maassstabe) hervorbringe, das verfolgte Weib- 
chen aber diese von beiden Gatten im nämlichen Augenblicke 
vollkommen gleichmässig ausgeführte Schwenkung ohne Erzeugung 
von Luft und Schallwellen, also lautlos, mache? Das wäre in der 
That eine starke Behauptung, die Herr B. nicht wagen wird. 
Er wirf| übrigens sagen, das von ihm gemeinte „Schnurren im 
verjüngten Maassstabe" sei etwas Anderes, als der von mir ge- 



Bemerkungen über das Meckern der Bekassine. 219 

meinte Laut. Dieser solle allerdings nicht bestritten werden, je- 
ner aber sei viel stärker und werde nur zur Begattungszeit ge- 
hört. Ich bedaure, unhöflich sein und sagen zu müssen, dass das 
nicht wahr ist. Wenn zwei Bekassinen eine urplötzliche Schwen- 
kung machen, so muss der hiedurch erzeugte Ton noch einmal 
so stark sein, als wenn diese Schwenkung nur von einem dieser 
Vögel gemacht wird. Weil aber unser Wasserschnepfchen ausser 
der Begattungszeit höchst ungesellig ist, sich nicht das Mindeste 
darum kümmert, ob zwei oder hundert Stücke zugleich mit ihm 
auf einem Moose liegen, vom Nachbar oder der Gesammtheit 
ganz und gar nicht beeinfiusst, einzeln aufsteht, wenn es vom 
Jäger oder Hund hinausgestossen wird und dann fortstreicht, 
ohne darauf zu achten, wohin sich der nächste Genosse wendet, 
Charakterzüge, welche dadurch nicht aufgehoben werden, dass 
man in sehr guten Bekassinen-Lagen manchmal einen kleinen 
Haufen zufällig sich vereinigen und mit einander streichen sieht, 
so hat Herr B. das mehrerwähnte Schnurren im verjüngten Maass- 
stabe aber nur im Frühjahre von zwei sich jagenden Gatten, 
nicht aber im Herbste auf der Bekassinenjagd hören können, 
vorausgesetzt, dass er diese Jagd praktisch kennt. 

Schliesslich bestreitet er die Richtigkeit einzelner der in 
Altum's und meinen Aufsätzen über die sosehr breit gedroschene 
Mäckergeschichte angewendeten Analogieen und Voraussetzungen. 
Was mich betrifft, kann Herr B. da und dort Recht haben. 
Augustins Grundsatz: „Dicaht qui possunt, si tarnen possunt pro- 
bare, quod dieunt; ego me ignorare confiteor," ist jederzeit auch 
der meinige gewesen. Habe ich geirrt, was ja recht wohl sein 
kann, so bin ich Herrn B. zu aufrichtigtem Danke verpflichtet, 
wenn er dieses nachgewiesen hat. Darüber werden sich die ver- 
ehrlichen Leser unseres Journales ihr Urtheil gebildet haben. Er 
hat mich indessen in einem und dem anderen Punkte gewiss 
nicht recht verstanden. Die Bekassine bleibt während der gan- 
zen Dauer des Schnurrens in schiefer Lage, so dass der eine 
Flügel nach unten, der andere oben steht, und schiesst in einer 
geraden Linie abwärts. Ich nehme, nachdem ich eine Curven- 
bewegung abgewiesen, dieselbe in meiner weiteren Ausführung 
durchaus nicht wieder an. Bin Anderes ist eine Cnrve, ein An- 
deres eine gerade Linie. Um aus der schiefen Lage wieder in die 
horizentale Fluglinie einzuschwenken (dieses Woti wird «las Miss- 
verständniss erzeugt haben) ist keine Curvenbewegung, weder 



220 Pfarrer J. Andr. Jäckel: 

eine convexe, noch eine coneave, nöthig, auch keine von beiden, 
weder in natura zu sehen, noch von mir angenommen worden. 
Wenn ich in schiefer Haltung meines Oberkörpers dastehe, die 
linke Schulter vor, die rechte zurück, so genügt eine kleine Be- 
wegung, bei welcher zugleich und in einem Augenblick die linke 
Schulter zurück, die rechte aber vorwärts geht, um Front zu 
machen. Ebenso, mit einem einzigen Ruck, legt sich die schnur- 
rende Bekassine aus der schiefen wieder in die horizontale Flug- 
linie uud glaube ich nichts mir Widersprechendes gesagt zu ha- 
ben, kann es wenigstens nicht finden, wie oft ich auch die inkri- 
minirte Stelle und Herrn Borggreve's Ausstellung lese. 

Ferner irrt mein geehrter Herr Kritiker, wenn er meint, dass 
nachdem ich die von Altum angeführte Raubvogelpfeife als ein 
den Federn nicht analoges Instrument mit vollem Rechte ver- 
worfen habe, mich doch in dem zweiten, dem Tonhöhe - Beweise 
contra Altum auf schwingende Blättchen stütze. Wenn sich der 
geehrte Leser die Mühe nehmen will, in meiner Abhandlung 
(Naumannia 1857 Seite 26 unten und Seite 27 nachzulesen, so 
wird er finden, dass ich ausdrücklich sage, zur Hervorbringung 
des Mäckerns seien weder Ventile, noch Blättchen nöthig. Wie 
Herr B. sich auf das wellige Feld der Akustik nur darum bege- 
ben hat, um die in die „Mäckertheorie eingedrungene Krankheit 
homöopathisch zu behandeln, geradeso bin ich Altum gegenüber 
auf dessen Blättchen- und Ventil-Theorie eingegangen. Freund 
Baldamus glaubte, in seiner Anmerkung unter dem Texte meiner 
Abhandlung a. a. 0. Seite 28 über die Höhe und Tiefe des mit- 
telst des Blättchens hervorgebrachten Tones etwas Vernünftiges 
gesagt zu haben, bekommt aber von Herrn B. eine unliebsame 
Aufklärung. Welche die schwerlich als richtig zu beweisenden 
Behauptungen sind, zu denen ich mich durch Annahme der nicht 
ganz richtigen Baldamus'schen Bemerkung habe verleiten lassen, 
das hat Herr B. nicht näher bezeichnet und weiss ich nicht, 
kann also auch nicht nochmals dafür eintreten. 

Ich sagte: „Eine Feder mit starkem Schafte gebe unter Um- 
ständen einen tiefen, eine mit schwachem einen hohen Ton von 
sich," und Herr B. fragt mich, was das wohl für Umstände seien. 
Antwort: Die Schwungfedern der meckernden Bekassine geben, 
wenn der Luftstrom sich durch dieselben hindurchpresst, Töne 
von sich, die je nach der Schaftstärke an Höhe oder Tiefe diffe- 
riren. Oder: Ein Gänsekiel, mit dem ich, wie früher angegeben, 



Bemerkungen über das Meckern der Bekassine. 221 

an drei verschiedenen Punkten vom Nabel an aufwärts gegen die 
Federspitze an einen Tisch klopfe, gibt an Höhe zunehmende 
Töne von sich. Das sind die Umstände, welche ich im Auge 
hatte. Doch Herr B. weist das Analogon des geklopften Gänse- 
kiels, als nicht zur Sache passend, zurück, weil der schwingende 
Körper derselbe bleibt und nur die Schwingungsknoten durch 
Klopfen an verschiedenen Stellen verschoben werden. Gut! so 
nehme der Herr drei verschiedene, an Grösse und Schaftstärke 
sich stark abstufende Kiele resp. Schwungfedern, und schlage 
mit denselben an drei bis vier Stellen vom Nabel an schaftauf- 
wärts an einen Tisch. Ich mache dieses Experiment so eben 
mit einer Schwan-, Gans- und Rabenfeder. Doch dagegen könnte 
wieder ein naheliegender Einwurf gemacht werden. So nehme 
er drei Gänsefedern, eine von den Schwingfedern erster Klasse, 
also einen der stärksten Kiele, und von den Schwingen zweiter 
Klasse zwei Stücke, eine der stärksten und eine der schwächsten 
Federn dieser Ordnung und klopfe. Hoffentlich hört er dann 
eine Zunahme der Tonhöhe. 

Um zuletzt noch meine Ansicht über die Borggreve'sche Ar- 
beit auszusprechen, so muss ich gestehen, dass mir der Schluss, 
die Erklärung des an Tonhöhe wie an Tonstärke zunehmenden 
Schnurrens, sehr wohl gefallen und ich glaube, dass Herr B. hier 
das Richtige getroffen hat. Seine Ansicht empfiehlt sich schon 
durch ihre Einfachheit, bei der man viele Künste nicht zu suchen 
braucht. Möge er diese expositio galeata nicht übel aufnehmen. 
Ohne pikante Würze wird das endlose Gerede über diesen Ge- 
genstand zuletzt fade und eckelt an. Mich hat es, ehrlich ge- 
standen, verdrossen, dass Herr Borggreve von mir Glauben für 
seine Beobachtungen fordert, sich aber mir gegenüber davon dis- 
pensirt hat. Das ist nicht fein gewesen. Ich freue mich aber, 
dass er an seinem Theile wacker mitgeholfen hat, die Nauraann- 
sche Theorie zu verfechten. 

Zur Vervollständigung der Akten über unsern Gegenstand 
will ich noch Weniges aus der oben angeführten Recension der 
„Erfahrungen aus dem Gebiete der Niederjagd von C. E. Diezel. 
IL Auflage 1856" in den litterarischen Berichten der allgemeinen 
Forst- und Jagdzeitung von Dr. Gustav Heyer, L857, p. 296 ff. 
auszugsweise mittheilen. Reccnsent führt die Chiffre 87, und ent- 
scheidet sich für den Flügelschlag, jedoch mit dem Zusätze (ein 
überwundener Standpunkt!) dass bei dem Herabstürzen die hier- 



222 Pfar. Jäckel: Bemerk, über d. Meckern d. Bekassine. 

bei vorkommende eigenthüinliche Stellung der Schwanzfedern als 
nothwendig mitwirkendes Moment in Anschlag gebracht werde. 
Die Bekassine sei mit einer ausgezeichneten Muskelkraft der Flug- 
werkzeuge ausgestattet, und dadurch erkläre sich die Stärke des 
durch sie hervorgebrachten Lautes. Jedenfalls mache sich aber 
das aus der Stärke des Lautes abgeleitete Bedenken mit grösse- 
rem Rechte gegen die Annahme eines Kehllautes geltend, wenn 
man das ungleich schwächere Quarren der grösseren Waldschnepfe 
mit in den Vergleich ziehe und bedenke, dass die Stimmwerk- 
zeuge des Menschen das Meckern der Bekassine zwar täuschend 
nachahmen können, ihm aber eine gleiche Stärke zu geben, kei- 
neswegs ausreichen. Auf staunenswerthe Kraftäusserungen ein- 
zelner Thiere habe ich schon in der Naumannia 1857, Seite 30 f. 
hingewiesen. Das non plus ultra dürfte in dieser Beziehung der 
sogenannte Pochkäfer (Anobium pertinax) leisten, welcher vom 
Volke „Todtenuhr, Erdschmiedlein" genannt wird, und dessen, 
dem Picken einer Uhr ähnliches Pochen als Vorzeichen eines 
baldigen Todesfalles betrachtet wird. Dieser etwa 3"' lange 
Kerf schlägt mit solcher Kraft an das Holzwerk an, dass man 
in stiller Nacht sein Klopfen durch ein grösseres Zimmer hin- 
durch, nicht blos wenige Schritte von dem Gegenstande entfernt 
hören kann, in dessen Innerem er thätig ist. 

Unter den verschiedenen Erklärungsarten des Mäckerns er- 
achtet der Recensent diejenige des Herrn Controlleurs Stein- 
brenner für die schwächste. Sie könne sich im ganzen weiten 
Bereiche der Natur auf keine einzige Analogie berufen, und Hesse 
sich, nicht ganz unpassend, mit der Meinung eines in die Geheim- 
nisse der Singkunst Uneingeweihten vergleichen, welcher den 
Triller unserer Sängerinnen etwa aus einem Trommeln der Fin- 
ger auf dem Kehlkopfe erklären wollte. Hätte die Bekassine 
aus der Kehle mäckern sollen, so würde die Natur sie ebenso 
wenig an die Mitwirkung der zum Fliegen bestimmten Werkzeuge 
verwiesen haben, als sie dies bei irgend einem andern befieder- 
ten Musiker gethan habe. Auch die Ziege mäckere, ohne mit 
den Extremitäten taktmässig zu zappeln, der Vogelaffe, Markolf,*) 
und der Mensch könnten dasselbe. 

Endlich sei Steinbrenners Behauptung irrig, dass die mann- 



*) Das rauhe hässliche Schnarren des Pirols (Oriolus gatbula) ist eher 
mit Katzenlauten, als mit dem Mäckern einer Ziege zu vergleichen. 



W. IL TWnthammer : Curiosum in Betreff einer Nistweise. 223 

liehe Bekassine ausser dem Mäckern einen anderen Begattungs- 
laut nicht habe. Sie lasse, wie Dietzel ganz richtig anführe, rieht 
selten unmittelbar vor dem Mäckern ihr „Gazzi, Gazzi" aus der 
Luft vernehmen, während das im Sumpfe liegende Weibchen den 
Ruf des Geliebten mit dem weichen „Düeki, Dücki" erwiedeiv. 
Reccnsent habe sich hiervon, wie ich oben bereits angeführt, 
durch eigene Wahrnehmung so vollständig überzeugt, dass ein 
Zweifel nicht übrig geblieben sei. Das „Gazzi" und „Dücki" sind 
nicht zwei, je nach dem Geschlechte verschiedene Liebeslaute, 
sondern ganz dieselben Töne, was eines besonderen Nachweises 
nicht bedarf. 

Sommersdorf, den 9. November 1861. 

Joh. Andr. Jäckel, Pfarrer. 



Kiu Curiosum in Betreff einer ATistweise. 

Von W. H. Trinthammer. *) 

Während der dreissiger Jahre befand sich in einem Kiefern- 
districte der Bulau bei Hanau eine Pechbrennerei, deren Ofen 
nebst Wohnhüttc nach Bedarf des Geschäftes manchmal von einem 
Platze des Waldes zum andern verlegt werden musste. Der da- 
malige Forstmeister H. pflegte mich öfters einzuladen, ihn auf 
seinen amtlichen Exemtionen zu begleiten, was ich in Mussestun- 
den um so lieber that, da gleiche Hinneigung zur Natur uns 
freundlich mit einander verbunden hatte. So waren wir eines 
Tages in die Nähe der Pechbrennerei gekommen und setzten 
uns, um unsern mitgebrachten Imbiss bequemer zu verzehren, auf 
die Bank neben der niederen Hütte. Da huschte ein Zaunkönig 
(Troylodytes jxirvidus) mit Atzung im Schnabel, ohne die mindeste 
Sehen vor uns, in eine Spalte des Strohdaches. „Ei, da habt Ihr 
ja Miethsleute," sprach der Forstmeister zum Brenner, „und wie 
es scheint, lebt Ihr auch recht friedlich mit ihnen." — „Das will 
ich meinen," entgegnete Jener, „es ist aber auch unser Zaun- 
schliipferchen, und schon lange kein fremdes mehr!" — „Wie so? 
Was soll das heissen?" fragte Herr IL „Ei nun," antwortete 
der Bren ihm-, „das soll heis.sen, dass er sich schon viele Jahre 
bei ansaufhalt; and wenn wir 'Frühjahrs i weiterrücken, auch jedes- 
mal mit uns zieht." 

„Was? Mitzieht?" lachte der Forstmeister ihm zu. „wollt Ihr 



*) Aus einem Briefe an Hrn. Alf\. \on llomrwr 



224 Trinthammer: Curios. Nistweise. E. Schauer: Tagebuch- 

mir etwas weiss machen, Alter?" — Da trat der Mann einen 
Schritt näher und sagte ganz feierlich: „0 bewahre, Herr, ich 
belüge Sie nicht, Sie können es sicherlich glauben^ dass er mit- 
zieht. Fragen Sie nur die Holzmacher dort drüben, die wissen 
es auch." Dies geschah. Auf's Schlaueste wurden diese Leute 
inquirirt und — nach übereinstimmender Zeugenaussage — ver- 
hielt sich die Sache wirklich so seit einer Reihe von Jahren. 



Tagebuch-Notizen, 

während eines ornithologischen Ausflugs auf der hohen Tatra, 
in den Monaten Juli und August 1861, 
verfasst von 
Ernst Schauer. 
Seit einer Reihe von Jahren, dass ich mich in Galizien be- 
finde, war es stets mein Wunsch, die Tatra zu besuchen, und er 
steigerte sich immer mehr, je öfterer ich die Augen auf die herr- 
lichen Bergspitzen warf, und je mehr ich zur Ueberzeugung kam, 
dass dieser Theil der Karpathen von ornithologischer Seite nicht 
bekannt ist. Eine Vermuthung ausgesprochen, hat ein zweiter 
bekräftigt, ein dritter beschworen. Kein Cabinet kann einen Vo- 
gel von der hohen Tatra aufweisen, und so sind falsche Gerüchte, 
kolossaler als die Granitmassen selbst, in Umlauf gekommen, die 
deutsche Ornithologen gern glauben, weil sie nicht zulassen, 
dass man etwas berichten kann, was nicht existirt. Wohl habe 
ich schon die Karpathen an einigen Stellen besucht, und war 
schon der Tatra zweimal nahe bis auf wenige Meilen; aber nie- 
mals wollte es mir glücken, hinauf zu kommen. Der lange Ge- 
birgszug von Schlesien bis Siebenbürgen hatte zu verschiedenen 
Zeiten, an verschiedenen Orten verschiedene Namen: Karpat, 
Kre.pak, Krempak, Tatr, Tatra, Piennin, (synonym mit Appenninen, 
alpes penninae), Beskid, im ruthenischen Bes der Böse, der Teu- 
fel, Kid der Wurf, kidate werfen etc. Die neue Geographie hat 
für diesen ganzen Gebirgszug den Namen Karpathen angenom- 
men. Der höchste Theil derselben, genau südlich von Krakau 
gelegen, ein Gebirge im Gebirge, wenige Meilen lang, kaum zwei 
Meilen breit, schroffe zerklüftete Granitmassen mit ewigem Schnee 
durch mehrere Meilen breite Ebenen fast rund herum abgeschlos- 
sen, hat den Namen Tatra behalten, und ist bis jetzt ein ornitho- 
logisches Fabelland geblieben. 



Notizen: Ornitholog. Ausflug auf d, Tatra. 225 

Der aufmerksame Vogelkenner, der in die „Fauna der g.ili" 
zisch-bukowinischen Wirbelthiere, Stuttgart, Schreizerbarts Ver- 
lagsbuchhandlung 1840," einen Blick thut, muss sich gestehen, eb- 
schon einige Facta angeführt, dass die meisten Angaben nur 
muthmasslich gemacht sind, dass Vögel als selten bezeichnet, die 
übo (-häufig vorkommen, und manche sogar fehlen. 

Der Verfasser, der um die Naturwissenschaften grosse Ver- 
dienste hat, hat die Karpathenkette von Schlesien bis Transsyl- 
vanien mehrere Male zu Fuss durchzogen, die Flora mit neuen 
Speciea bereichert, er kennt als öffentlicher Lehrer und Gelelirter 
die Bedeutung des Vogels besser als ich, und wolle dem alten 
Jäger diese Bemerkungen verzeihen. Wenn er die Loxia serinus, 
die, wo nur das Land bergig und hügelig ist, in Unzahl vorkömmt, 
auf den Promenaden von Krakau, Krzesowica und Przemysl zu 
sehen ist, ängstlich in die Bukowina und in den zaleszczyker 
Kreis versteckt, so darf man sich nicht wundern, wenn sein Nach- 
folger , Herr Graf Kasimir Wodzicki, dieses Thierchen nicht auf- 
finden konnte, der eine Brochure von 100 Seiten erscheinen liess 
unter dem Titel: Wycieczka ornitologiczna w tatry i karpaty ga- 
licyjskie na pocz^tku czerwca 1850 roku.*) 

Andere Schriften, welche die Karpathen in ornithologischer 
Beziehung näher berühren, kenne ich nicht. 

Wenig Hoffnung, die Tatra zu sehen, zeigte sich mir auch 
dieses Jahr, als sich plötzlich die Umstände so gestalteten, dass 
ich die Reise unternehmen konnte; schnell wurde eingepackt, 

und am 22. Juni früh war ich schon auf der Reise und Abends 

■ 

in Lemberg. Dort besuchte ich Herrn Grafen Wladimir Dzie- 
duszycki, der mir zur Ausführung meines Vorhabens gütigst 300 
Gulden anbot. 

28. Juni. Früh um 6 Uhr in Bochnia angekommen, that 
ich mich sogleich um eine Fuhre um, und bald ging die Reise. 
leider mit schlechten Pferden, in die noch sein- niedrigen Vor- 
gebirge hinein. Ein H a u s r o t h s c h w ä n z c h e n , einige Girlitze, 



*) Um diese Broschüre, auf den Wunsch competeuter Beurtheiler , den 
deutschen Ornithologen durch auszugsweise Uebersetzung zugänglicher zu 
machen, hat ansei Journal früher einen ziemlich ausführlichen Berichl gebracht, 
namentlich die systematische Aufzahlung aller dort vorkommendes Vogel-Arten, 
so weit die damalige Kenntnis« der Ornis dieses wenig durchforschten Striches 
es gestattete. Wir verweisen auf diesen Bericht, im Jahrgänge L863, S. 1-1 
bis HG. Die gegenwärtigen ,,Tagel>ueh-Notizen" liefern für manche dort hei- 
mische Art einen weiteren dankenswerthen Beitrag. D. Herausg. 

Journ. f. Ornith., X. Jahrg., Nr. 57, M»i 1862, X5 



226 E. Schauer: Tagebuch-Notizen: 

Flussregenpfeifer und Tamarix- Strauch er gaben schon An- 
deutung, wohin die Reise gehe. Bei Limanow, welches ich aber 
nicht berührte, sehe ich die erste Gebirg sbachstolze; bei 
Tymbark deren mehrere und viele Girlitze. 29. Juni zu Mit- 
tag erreichte ich Wielka poreba, Eigenthum des Herrn Grafen 
Heinrich Wodzicki, es liegt in einem freundlichen Thale, von den 
höchsten Bergen dieses Complexes umgeben; einer der höchsten 
Trubacz, zur Herrschaft gehörig, mag nahe an 3000' über Meeres- 
fiäche haben. Vor 12 Jahren habe ich mit Hrn. Grafen Kazi- 
mierz Wodzicki diese Gegend durchsucht, Rauchfusskäuzchen, 
Dreizehenspechte, Ringdrosseln mit Eiern gefunden und 
Auerwild geschossen. Der Güterverwalter Herr Szalewski nahm 
seinen alten Bekannten gütigst auf. Er hat sich eine kleine 
Sammlung von Yögeln angelegt; ich erwähne nur eines Gold- 
adlers und eines Natteradlers. Es giebt Natter adler mit drei 
und welche mit vier Schwanzbinden. Aquila chrysaetos horstet 
hier in den Fichtenwäldern. Ueberall, wo ich den Karpathenzug 
berührt, habe ich auch den Goldadler gefunden, während ich mit 
ihm im flachen Lande, weder in Polen noch in Galizien zusammen 
gekommen bin; die, welche einem die Hasen vor den Bracken 
wegnehmen, sind immer Steinadler. Im Fluge lässt sich der 
Goldadler noch besser von dem Steinadler unterscheiden. 
Es ist wie mit dem Hasen, im Laufen erkennt man leicht cujus 
generis er ist, den Geschossenen muss man gewöhnlich in die 
Hand nehmen. 

Eben so haben wir hier neben Aq. albicilla noch eine Species, 
die in östlichen Ländern zu Hause zu sein scheint. In der Ju- 
gend hat sie die Färbung des alten rothen Milan' s und dunkelt 
mit dem Alter; sie ist etwas stärker, und der Schnabel schwung- 
hafter, kecker gebogen. Ich kenne seit vier Jahren zwei Exem- 
plare, die aus dem Horste genommen, in der Gefangenschaft 
gehalten worden. — 30. Juni setzte ich meine Reise weiter fort. 
Ueber die hohe steile Obidowa, den letzten Berg vor der Ebene 
von Nowy-Targ (Neumarkt), ging ich zu Fusse. Von oben hat 
man einen Anblick auf die Tatra wie vielleicht von keinem zwei- 
ten Standpunkte aus; man übersieht die 5 Meilen breite Ebene, 
und das Hochgebirge gleicht einer steilen Mauer. Vor 12 Jah- 
ren stand ich auf derselben Stelle und auf besseren Füssen als 
heute. Ich setzte mich auf einen Grenzhügel. Ein Zwergfalke 
machte Jagd auf Baumpieper und Haidelerchen; grosse Rin- 



Ornitholog. Ausflug auf der hohen Tatra. 227 

geltauben und ein Schwarzspecht Hessen sich hören, und 
ein Hirtenknabe hatte so eben zu seiner grossen Zufriedenheit 
einen dreizehigen Specht gerupft. Es dürfte eine noch wenig 
bekannte Thatsache sein, dass die dreizehigen Spechte ? 
als Nestvögel, ohne Ausnahme des Geschlechtes, gelbe 
Köpfe haben. 

In Niwy tang 1828' über Meeresfläche, machte ich Mittag. 
Um 3 Uhr bekam ich andere Pferde, und weiter ging es durch 
die Dörfer Szaflary, Biali dunajec, Poronin an den Ulern des 
Biali dunajec, weisser Dunajetz, entlang. Der zerfallenen Brücken 
und verschütteten Wege halber, muss man stellenweise über kof. 
fergrosse Granitstücke das Flussbett passiren. Ich kam mit 
Sonnenuntergang in den Eisenhammerwerken von Zakopane, am 
Fusse der hohen Tatra an, 3033'. — 3. Juli. Noch war kein 
Wetter, um auf die Berge steigen zu können. Hr. Mally, Beam- 
ter bei den Eisenwerken, der Geschäfte in der Orawa, Arva hatte, 
lud mich ein, mit zu fahren, ich nahm gern den gütigen Vorschlag 
an. Nachmittags heiterte sich der Himmel auf, und nun wurde 
ich gewahr, dass ich mich am Fusse des gewaltigen Rohacz be- 
fand. Es erfasste mich die Lust, hinauf zu steigen, wenn auch 
nicht dazu ausgerüstet, leicht war ich gekleidet, aber mit der 
Gutta percha versehen und hatte 10 Schuss Schiessbedarf. Hr. 
Mally recommandirte mir einen sicheren Führer, warnte, die Flinte 
nie aus der Hand zu legen und auf ihr zu schlafen, und fuhr nach 
Hause. Mein Mentor Jan Pitun aus Koscielisko führte mich in 
das Thal bobrowiec, bobr der Bieber (Bieberthal) zum salasz. 
Ein Salasch (ungarisches Wort) ist eine dürftige Hütte aus eini- 
gen Brettern, Baumrinden und Reisern ; kaum vor Regen schützend, 
und von allen Seiten offen. Die Einwohner, 5 Schafhirten, trac- 
tirten uns mit ze.tyca Molken, wovon sie den ganzen Sommer 
leben ohne etwas anderes zu gemessen, und dabei fett und fettig 
werden. Zu uns gesellte sich noch Jan Krzeptowski aus Koseic- 
lisko, der in Holzgeschäften hier war, er ist Gemsenjügrr und 
Raubschütz, (unter uns gesagt), vor allen aber versteht er am 
besten im Herbst die Alpenmurmelthiere auszugraben. Auch Jan 
Pitun hat die benannten Geschäftchen betrieben, doch jetzt giebl 

ßr sich nur noch mit Ilasrihühnern ab. Auf dei 'Tatra, sagten 
mir die beiden Männer, verlohnt es sich nicht dvr Muhe, mich 
Al|>cnmurmclthieren zu suchen, sie sind fasl ausgerottet, einige 
finden sieh noch über dev Ebene, südwestlich von der Tatra, auf 

15* 



228 E« Schauer: Tagebuch-Notizen: 

dem Dziumbir, dessen Gipfel Granit sein soll; vor 15 Jahren be- 
zahlte man ein solches Thier mit 1 Gulden, jetzt ist es schwer^ 
eins zu bekommen und kostet 8 — 10 fl., also theurer als eine 
Gemse. Dem Fette werden medizinische Wunderkräfte zugeschrie- 
ben. Ich hielt mir vor 12 Jahren ein zahmes im Zimmer. 

Polnisch nennt man es bobak, auf der Tatra swistak, von 
swistac pfeifen. Die beiden göralen (Gebirgsbewohner göra der 
Berg), waren übrigens auch treffliche Ornithologen und wussten 
genau auf meine Fragen zu antworten. Den Mauer sp echt 
nannten sie mentel, schlechtes Wort für motyl, pol. der Schmetter- 
ling; eine recht artige Benennung für diesen Vogel. Im Sommer 
sagten sie sieht man ihn selten, im Winter kommt er an unsere 
Häuser. Auf meine Fragen nach Schneehühnern berichtete 
mir Jan Krzeptowski, dass er vor 17 Jahren auf der Osobita 
über dem Krummholze drei weisse Vögel gesehen habe: podobny 
(ähnlich) do koguta, kogut der Hahn, so heisst hier das Birkhuhn, pol. 
cietrzew. Die erste sehr schwache Spur die ich von Schnee- 
hühnern finde. 

Während unsrer Unterhaltung war die Sonne untergegangen, 
ich nahm die Flinte, stellte mich an einen geeigneten Ort um 
eine streichende Schnepfe oder eine Eule zu erwarten, aber 
nichts rührte sich; nur Amseln, Ringdrosseln und Hecken- 
braun eilen Hessen sich hören. Bei Tage sah ich 2 Wespen- 
bussarde, wahrscheinlich einen zweimal. 4. Juli bis 8 Uhr 
regnete es, dann marschirten wir aus, nach 5 Stunden erreichten 
wir den ersten Bergrücken mit Krummholz, von 6 Paar Spino- 
letten bewohnt, die ersten Vögel welche ich heute sehe. Auf 
dem Bergrücken ging es nun auf Schneefeldern abwechselnd und 
auf blühenden Soldanellen aufsteigend weiter bis unter den Gip- 
fel des rohacz, wolowiec (von wol der Ochse) genannt, 6534", 
Granit. Es erhob sich ein so kalter Wind, dass wir uns hinab 
flüchten mussten. 

Wir überschritten die Grenze und befanden uns wieder auf 
galizischem Territorio. Auf meinen Weg zurück blickend, sieht 
man eine zierliche Bergspitze Kiciora und ganz nahe die präch- 
tige Osobita, (osobny allein, alleinstehend). Unten gab es wieder 
Spinolettpieper, die die bereits ausgeflogenen Jungen fütter- 
ten; ich suchte nach Nestern, fand drei, aber leer, und Pitun 
brachte eins mit einem jungen Kuckuck; 5000' hoch! 

Durchs Krummholz einige Ziegenwege verfolgend kamen wir 



Ornitholog. Ausflug auf der hohen Tatra. 229 

zum salasz; hier ruhten wir eine Stunde, es fiel wie im April 
etwas Schnee, wurde aber bald wieder warm. Pituu führte mich 
durch das reizende Thal polana chocholowska, Kalkformation, 
zum salasz auf die polana jwanowska, wo ich die Nacht zu- 
brachte.. Eine alte Frau mit ihrer Enkelin nahm uns herzlich 
auf, und damit icli weich schlafen sollte, legte mir die Alte eine Hand- 
voll Heu auf die Erde und gab mir überdiess ihren Pelz zum Kopf- 
kissen; es hiesse die Gastfreundschaft verletzen wollte ich etwas 
Näheres über diesen Pelz sagen. — 5. Juli. In der Nacht war 
Frost. Der Reif auf dem Grase blieb bis 8 Uhr. Den ganzen 
Morgen sass eine S. tithys auf dem Dache des Salasch, fing Flie- 
gen und wärmte sich im Rauche; sie heisst polnisch Kopciusko 
von kopec der Rauch, auf der Tatra aber gazda salasny, gazda 
ist der Hausherr, Hauswirth; polnisch gospodarz, ruthenisch ho- 
spodar, russisch gospodin, Wörter die jedenfalls eben so alt sind, 
als hospes und hospitium. Die gazdynia, die Alte, tractirte mich 
mit einer Schüssel voll Kuhmilch, und die freundliche Oreade 
beglückte mich mit Engelsüss. Die Mädchen haben hier den all- 
gemeinen Gebrauch, die Wurzel von Polypodium vulgare oder 
Fichtenharz zu kaufen. Zu Mittag befanden wir uns bereits auf 
dem hohen Bergsattel, welcher den prächtigen ornak mit jwanows- 
ka skala (Johannsfelsen) verbindet. Iwanowska skala hat wohl 
hübsche Pflanzen und Reptilien aufzuweisen, aber keine Yögel. 
Jan schlug eine Vipera bencs todt, ich steckte einen Thaufrosch 
und zwei Eidechsen in die Spiritusflasche, die jedenfalls eine an- 
dere sp. als agilis ist. Sie ist von derselben Grösse, der Schwanz 
stumpf, Ringelflecken, gelben Bauch, Bewegungen langsamer, Hals- 
band wie bei agilis ; 4500'. Vor 5 Jahren fand ich auf den Kar- 
pathen im stanislauer Kreise, bei Delatyn, im Walde als ich ein 
Stück Rinde von einem Fichtenstock abriss zwei Eidechsen bei 
einander cT ? sie flohen nicht. Sie sind an Grösse der agilis 
gleich, aber farbig gestreift, eine wie die andere, harte Schuppen, 
9 Halsschilder, Schwanz so lang als der Leib, ein schmaler Rücke n- 
streifen schwarz, zu beiden Seiten desselben ein breiter brauner, 
dann ein schmälerer gelber, Bauchseiten schwarz: und Bauch po- 
lirt kupferfarbig, Kehle bläulich. 

Wir stiegen am Fusse des Ornak in das Thal Koscielisko 
hinab; um H Uhr befanden wir uns am Ausgange des Thals beim 
Forsthause; ich miethete einen Führer. Meine 10 Schuss Schiess- 
bedarf brachte ich wieder nach Hause. So hoch die Fichten 



230 E. Schauer: Tagebuch-Notizen: 

reichen sieht man Parus ater, cristatus, Phyllopneuste fitis, Anihus 
arboreus, Lusciola rubecula, Accentor modularis, Troglodytes parvu- 
lus, Fringilla coelebs, Turdus torquatus. Im Krummholze: Turdus 
torq. und Anthus spinoletta, über dem Krummholz: nur spinoletta 
und tithys, im Thale: Cinclus aquat. Motacilla alba, boarula, Tur- 
dus musicus, merula, Muscicapa grisola, Emberiza citrinella, Acti- 
tis hypoleucus. — 7. Juli. Mit mehreren Einwohnern von Za- 
kopane und einem andern Führer, ging ich früh 4 Uhr aus um 
czerwony wierzch 6718' zu besteigen, rother Gipfel. Einen 
Augenblick verweilten wir an der Quelle des weissen Dunajetz, 
der schäumend aus dem Berge stürtzt und bald darauf die Eisen- 
hämmer bewegt; durchwanderten sodann das halbkesselförmige 
Thal mit seiner ganzen Umgebung, Kondratowa genannt, und 
Hessen uns, da wir nüchtern ausgegangen waren, im salasz die 
warme ze„tyca gut schmecken. 

Man bereitet sie folgendermaassen: Gleich nachdem die 
Schafe gemolken, was täglich dreimal geschieht, wird die Milch 
in einen Kübel gegeben, dazu etwas von dem Wasser gegossen, 
in welchem ein Kälbermagen macerirt; nach einer halben Stunde 
ist die Milch geronnen, und knetet nun solange mit den Händen, 
bis ein Klumpen Käse heraus kömmt; was im Kübel bleibt, geht 
zum Kochen in einen kupfernen Kessel, darauf in den Kübel zu- 
rück, und wird stark umgerührt, weil sich Käse- und ßuttertheil- 
chen zusammen geballt hatten; diess ist die sehr wohlschmeckende 
und nahrhafte zQtyca Molken, aus welcher noch Butter gemacht 
werden kann. Den Molken aber, welcher für die Brustkranken 
Gäste in die Dörfer geschafft werden, lässt man erst durch ein 
Tuch laufen. Um 7 Uhr befanden wir uns bereits im Krumm- 
holze, und 3 Stunden später erreichten wir den ersten Bergsattel 
6115'. Jas Pitun war mir nachgekommen. Ich vernahm mir un- 
bekannte Vogelstimmen, ging näher und bemerkte auf einem 
Kalkfelsen 2 Vögel die mit einander spielten und die ich auch 
sogleich für A 1 p e n f 1 ü e v ö g e 1 erkannte. Nachdem ich sie sorg- 
fältig eingepackt hatte, suchte ich nach dem Neste, und fand ein 
halbvollendetes oder vielmehr in Reperatur begriffenes,, das $ trug 
Moos im Schnabel. Ein anderer Accentor, welchen ich verfolgte, 
führte mich zu einem Kalkfelsen , der in die herrlichste Blumen- 
pracht gekleidet war, keine Spalte aus der nicht das freundlichste 
Blümchen gesprossen wäre, und zwar am nördlichen Abhänge- 
Viola alpina, Dianthus nitidus, glacialis, Ranunculus glacialis, rutae- 



Ornitholog. Ausflug auf der hohen Tatra. 231 

folius, Cistus alpestris, Primula minima, Gentiana rraulis, tenella, 
Cherleria sedoides, Saxifraga etc. 

Ich erlegte 6 Alpenflüevögel und 12 Spinolettenpieper 
und schoss zur Belustigung der Gesellschaft einige Thurms chwal- 
ben; aber der Tag sollte nicht so glücklich werden. Gewitter 
zogen herauf, der Wind steigerte sich zum Sturme, ein Thurm- 
falke schoss vorüber, 2 Raben beeilten sich 'ins Trockene zu kom- 
men. Pitun, nachdem er noch einmal mit prüfendem Auge die 
Wolken betrachtet hatte, eiferte mich an den Gipfel zu bestei- 
gen, ich gab nach, obschon ich wusste was mir bevorstand, denn 
ein alter Waidmann, der den grössten Theil seiner Lebenszeit 
auf der Jagd, im Winter im Walde , im Sommer, ein wahres Am- 
phibium, auf Teichen und Sümpfen zugebracht hat, kennt sich 
überall auf das Wetter. Ich blieb nur 5 Minuten oben. Ein 
zweites Gewitter rückte heran, wir eilten abwärts in Nacht und 
Nebel eingehüllt. Um 5 Uhr waren wir wieder beim salasz und 
zwei Stunden später konnte ich die durchnässten Kleider aus- 
ziehen; in solchen Fällen hilft auch die Gutta percha nichts. Der 
Alpenflüevögel heisst polnisch: plochacz, auf der Tatra aber 
skalny wröbel, skala der Felsen, wröbel der Sperling, Spinolett- 
pieper siwiarnik, siwy grau. In den Alpen am Stanislau nennt 
man ihn polaninka, polana Waldwiese, Cypselus, turnowiec, turnia 
thurmähnlicher Felsen auf der Tatra gebräuchlich; polnisch heisst 
die Mauerschwalbe jerzyk, diminutiv von Jerzy Georg, ruthe- 
nisch Jurko, so nennt man in Podolien an der bessarabischen 
Grenze den Bienenfresser, wovon ich an den Lehmwäuden 
am Ufer des Dniestera 2 brütende Colonien, und über denselben 
auf Kreidefelsen, ebenfalls brütend Neophron perenopteru« fand. 

9. Juli. Ich besuchte im Thale von Koscielisko einen kleinen 
Teich smereezynski staw und ging bis ins Krummholz die Pyszna. 
Unten im Thale fand ich einige Nester von der Motacilla boarula 
mit Jungen und Eiern. — 10. Juli war bestimmt zu Hause zu 
bleiben, Bälge zu machen und einen kaum dem Ei entschlüpften 
Totamta liypoleucos auszustopfen, Schnecken zu waschen, Pflanzen 
zu trocknen etc. Ich trat vor die Thür und besprach mich, wie 
ich es immer thue, mit einigen Goralen, und einer sagte mir, 
«lass er sich erinnere, die ihm beschriebene JÜohodroma an der 
kasprowa skala hinter der fiiagöra gesehen zu halfen, da aber 
der Denuneiant keine Zeit hatte mit zu gehen, so wollte ich mich 
allein dahin begehen, als Jas Pitun ankam. 



232 E. Schauer: Tagebuch-Notizen: 

Wirklich hatte ich das Vergnügen an der bezeichneten co- 
lossalen Kalkfelsenwand ein Pärchen bei dem unzugänglichen 
Neste anzutreffen. Bevor ich sie erlegte, erfreute ich mich eine 
lange Zeit an ihrem zierlichen Betragen. An derselben Wand 
horsteten ein Paar Thurmfalken. Ich schoss auf der Magöra 
einige Spinole tten und Alpenflüevögel, unter ihnen junge 
ganz flügge; im Krummholz gab es Ring drosseln, die weder 
Steinwürfe noch der Hund herausbringen konnte, und traf ich auf 
eine Gesellschaft Gimpel. Ich habe irgend wo gelesen, dass die 
grauen Brustfedern des jungen männlichen Gimpels umfärben 
sollen; das Nestkleid ist allerdings grau, aber Ende Juli vermau- 
sern sie sich und die jungen Brustfedern wachsen de 
radice roth heraus. Ein solches Thierchen, wenn es erst 
einige rothe Federn zeugt, sieht sehr befremdend aus. Gewitter 
und Regen zwangen mich früher hinabzusteigen als ich beabsich- 
tigt hatte. In den ersten Fichten vernahm ich verdächtige Vogel- 
stimmen; nach mühevollem Suchen, der Regen schlug mir ins 
Gesicht, sähe ich ein kleines Geschöpf, welches sein nasses Ge- 
fieder putzte. Die Flinte wie aus dem Wasser gezogen versagte, 
und als ich nähere Betrachtungen anstellen wollte, flog der kleine 
Vogel mit einigen andern, die ich früher nicht bemerkt hatte 
davon; es waren keine Girlitze, keine Zeisige, ich möchte 
schwören, dass ich Citronenfinken sähe. — J2. Juli. Bei 
meiner Ankunft hier, traf ich Niemand von der Familie Homolacz, 
der Grundherrschaft an, um meine Aufwartung zu machen und 
um Erlaubniss zum Schiessen erbitten zu können; in Voraussetzung 
aber, dass mir solche von der Güte der Herrschaft nicht verwei- 
gert werde, begann ich sogleich meine kleinen Wilddiebereien. 
In meinem lieben Vaterlande hätte man mir einen Prozess an 
den Hals geworfen. Ein polnischer Edelmann versagt Niemandem 
einen Schuss auf seinem Jagdreviere, selbst nicht auf jagdbares 
Wild. Unterdessen waren zwei Söhne angekommen, von wel- 
chen der eine die Berg- und Hammerwerke in technischer Be- 
ziehung selbst leitet. Ich wurde von ihnen freundlich aufgenom- 
men und mir ein Schrank mit ausgestopften Vögeln geöffnet, 
unter ihnen befand sich eine Stria; Tengmalmi, Aquüa chrysaetos 
und fast weisse var. von Buteo lagopus. — 13. Juli. Regenwetter 
verhinderte mich am 10. die Kasprowa skala ganz abzusuchen; 
bin darum heute noch einmal dort gewesen, um unbefriedigt zu- 
rückzukommen. — 15. Juli. Um die Gebirgsteiche zu besuchen, 



Ornitholog. Ausflug auf der hohen Tatra. 233 

fuhr ich mit Tagesanbruch, von Jas Pitun begleitet, und mit 
Lebensmitteln auf 4 Tage versehen, ober Poronin, (Jliezarow, 
Bukowina, bis an das Meerauge. Im Flussbettc der Hialka. welche 
dem Meerange entströmte, erhoben 2 brütende Actitis-Pä/rcheu 
ein gewaltiges Geschrei. Misteldrosseln und zwei Gesellschaf- 
ten Kreuzschnäbel licssen sich sehen. Ich schlug eine Vipera 
berus todt von 3| Fuss Länge. Morskie oko Meerauge, ist ein 
Name von den Besuchern eingeführt. Die Göralen nennen es 
rybie von ryb der Fisch, weil dort die letzten Forellen, pstr^g, 
(pstry bunt,) vorkommen; es liegt 4200' über der Meeresfläche, 
hat einen Flächenraum von 57 Morgen, ein Morgen zu 1600 D 
Klafter. Man kann im Wagen bis an sein Ufer fahren, dahin- 
ter erheben sich steile Granitwände von beinahe 3000'. An den 
Ufern stehen Zirbelkiefern, Fichten und Krummholz. Von Vögeln 
sind zu sehen Ringdrosseln, Spinoletten, Finken, 1 Paar 
Thurmfalken und 1 S. tithys. Ich hatte mich mit Angeln ver- 
sehen und fing in Zeit von 1 Stunde 12 Forellen, die man für 
eine andere Species angesehen hatte, 9 waren auffallend dunkel, 
die rothen Flecken wenig oder gar nicht zu sehen, drei von ge- 
wöhnlicher Färbung. Im salasz, wo ich die Nacht blieb, zeigte 
man 12 im Fluss gefangene, 7 dunklere, 5 hellere, und am andern 
Morgen liess ich im Meerange noch 12 Stück fangen. Ich hatte 
36 Forellen in allen Farbenabstufungen vor mir, auch waren sie 
alle fast von einer Grösse. Bei der grössten Aufmerksamkeit 
konnte ich kein anatomisches Unterscheidungszeichen finden ; 
Flossenstrahlen, Kiemenstrahlen ganz gleich. Dass der Aufent- 
halt der Forellen auf ihre Färbung Einfluss hat, habe ich schon 
in den stanislauer Bergen beobachtet. Das Wasser des Meer- 
auges ist schwarzgrün und äusserst durchsichtig: wie anders 
müssen die Lichtstrahlen einwirken als im schäumenden Bache? 
Dazu kommt noch, dass die Forellen 8 Monate lang unter der 
Fisdecke begraben sind und höchst wahrscheinlich in dieser Zeit 
keine Nahrung haben; sie sind im Sommer sehr hungrig und bele- 
sen an, so wie man die Angel einwirft. Ich kann nicht glauben, 
dass sie sieh in diesem Teiche vermehren, alle mögen von unten 
eingewandert sein. — 16. Juli ungefähr S00' höher ebenfalls 
an schroffen Grauitwanden mit Schmu 1 umgeben, liegt osaroj staw, 
schwarzer Teich. Cascadenartig fallen seine Wässer in das Meer- 
auge, man brAUCÜI eine Stunde um hinauf zu kommen. Ich weihe 
heute noch die fünf Teiche 0ie,O stawow sehen, und verlangte 



234 F. Schauer: Tagebuch-Notizen: 

von meinem Führer, dass er mich nicht den Weg führen solle, 
welchen schon tausende zarter Frauenfüsse betreten haben; denn 
ich suche Vögel. 

Wir beschlossen, über die mie'dziana, mie'dz Kupfer, Kupfer- 
berge zu gehen. Jas war etwas vorausgegangen und rief mit 
einemmale erfreut mentel! Es war ein Pärchen, welches nicht 
an der Felsenwand, sondern auf in horizontaler Fläche liegenden 
Gesteinen herumkletterte, ich näherte mich ihnen auf 30 Schritte 
und beobachtete sie geraume Zeit, als beide unverhofft aufflogen, 
ein Lauf meiner Flinte war mit Kugel geladen und ich konnte 
nur das g erlegen. Die Ringdrosseln waren stark in der Mau- 
ser, eine hatte nur noch in jedem Flügel die erste Schwungfeder; 
der Hund fing sie. Ich fand sechs Nester des Spinole ttpie- 
pers, die bekanntlich aus feinen Grashalmen gebaut sind, und 
unter einem Steine, in einem Heidelbeer- oder Krummholzstrauche 
und im hohen Moose stehen, eins mit 5, eins mit 3 frischen Eiern. 
Es erhoben sich die furchtbarsten Windstösse von verschiedenen 
Seiten, und mit Mühe erreichten wir den salasz unter dem Mönche, 
pod mnichem. — 17. Juli. Die Nacht habe ich auf Granitsplit- 
tern geschlafen. Den Tag über regnete es, und ich brachte 
meine Zeit sitzend auf dem weichsten Granitblocke zu, die im 
salasz als Fauteuils dienten; balgte meine Vögel ab, und suchte 
während des Regens über 100 Käfer unter Steinen. — 18. Juli. 
Um 11 Uhr Hess der Regen nach und wir gingen auf die mied- 
ziana, von deren Gipfel aus ich das Vergnügen hatte, den schwar- 
zen Teich, das Meerauge und die fünf Teiche zu gleicher Zeit 
zu sehen. Auf den Karpathen, im Kreise Stanislau, glaubte ich 
Arnica montana gefunden zu haben, wurde aber von uusern Bo- 
tanikern dahin belehrt, dass ich Arnica nicht auf den Karpathen 
finde, sondern Aronicum chronicum hier Kozlowiec, Koziol der 
Bock, genannt; ich fand in Menge Aronicum und mit ihm die 
Gewissheit, dass ich mich damals nicht geirrt hatte. Arnica 
wächst auf hohen Bergwiesen und Aronicum immer zwischen 
Steinen und jeder Stengel trägt nur eine Blüthe. Jas rieth mir, 
die Wurzeln zu essen, um mich gegen Schwindel zu schützen, 
und setzte dazu: wir göralen thun dies und die Gemsen auch. 
Vielleicht möchten sich im flachen Lande mit dieser Pflanze Ge- 
schäftchen machen lassen? Auf dem Bergrücken wurde Mittags- 
tafel gehalten; ausser einigen weissen Tagschmetterlingen liess 
sich kein lebendes Wesen sehen. Vergebens gaben wir uns Mühe, 



Ornitholog. Ausflug auf der hohen Tatra. 235 

einen zu fangen; kein anderes Mittel als die sichere Flinte, denn 
nachlaufen kann man nicht, der kleinste Fehltritt, (eine tugendhafte 
Aufführung ist hier von Nöthen,) kann einem zerbrochene Glieder 
kosten. Er gehört in das Geschlecht Pontia, möglich, dass es 
rapae ist, zwei Punkte und Endspitze des Oberflügels sind fast 
schwarz. Keine andere Pflanze die der Raupe Nahrung geben 
könnte als Nasturtium ofücinale. Nach Art der Schornsteinfeger 
stiegen wir in einer steilen schmalen Felsenspalte hinab, die einem 
mehr Angst einjagt, als nothwendig ist. Zuerst warf ich meinen 
englischen Hühnerhund Droll hinunter und ich folgte zuletzt. 
Darauf fuhren wir mit Blitzesschnelle über zwei Schneefelder; 
eine harte Zumuthung für den Theil meines Körpers, der drei 
Nächte und zwei Tage in ununterbrochener Berührung mit Gra- 
nitstücken war; ich glaube, kein Cynocephalus sphinx hatte in 
diesem Augenblicke etwas Besseres aufzuweisen. Auf dem zwei- 
ten Schneefelde sehe ich die Fährte von zwei Gemsen, die mit- 
unter von der ungarischen Seite herüber kommen. Endlich kam 
ich an dem grössten der fünf Teiche an, 6000', ich habe aber 
nur vier gezählt. Dort wo ich Schneefinken, Schneehühner, 
Alp en krähen, Alpensegler etc. suchte, wurde ich alter Sumpf- 
jäger von drei unverschämten Kibitzen verlacht und verhöhnt, 
die einen wundersamen Eindruck auf mich machten: und die 
Pflanzen umher, die meinen Fuss berührten, Caltha ])alustris, Em- 
petrum nigrum, Parnassia, Pedicularis, Pinguicola; und die Cariceen 
neigten grüssend ihre schweren Häupter. Die Schuhe voll Wasser, 
blickte ich unwillkürlich auf den Hund; ich hätte mich nicht ge- 
wundert, wäre er vor einer Bekassine gestanden. 

Die Hirten sagten mir, dass sich auf diesen Teichen auch 
Enten haben sehen lassen. 

Ein Naturforscher hat hier „Enten" gefunden, die soeben aus 
den Eiern geschlüpft. Ich zweifle nicht daran; aber dies ist eine 
Species, die die Ornithologie nicht anerkennt. 

Wir gingen in den salasz und hier brachte ich die schreck- 
lichste Nacht meines Lebens zu, zehn Männer süssen wir einer 
auf dem andern, fettige, stinkende k;Heinacher . die FÜ886 bis 
an die Knieen mit Schaf koth besudelt, die nie trocken und nie 
»•(»waschen werden: das schwarze, mit Speck cingeschmiertc Hemd, 
legen sie ine ab. her salasz war voller Rauch von Krummholz, 
welcher am empfindlichsten ist: ich versuchte im Freien zu sitzen, 
aber bei Regen und Wind, das Thermometer auf dem Eispunkte, 



236 E. Schauer: Tagebuch-Notizen: 

war es auch nicht zum Aushalten. — 19. Juli. Erst um 8 Uhr 
konnten wir weiter gehen. Der Pass, durch welchen wir gehen 
mussten um nach Zakopane zu kommen, liegt 500' unter dem 
Gipfel der Swinnica (von swinia das Schwein, einem Schweins- 
rücken ähnlich, 7000' ungarische Grenzlinie), heisst Zawrat, (za- 
wröcic umdrehen, Schwindel bekommen.) Es dauerte drei Stun- 
den bis wir hinauf kamen; oben machten wir Mittag und verzehr- 
ten das letzte was wir hatten. Ich blieb zwei Stunden in der 
Hoffnung, einen Vogel zu sehen, wenigstens eine einzige von den 
Alpenkrähen, die man hierher versetzt hat in Haufen und Colo- 
nien ; aber mit solchen Colonialwaaren ist der Wissenschaft nicht 
gedient. Ein Tithys -Färchen hat hier seine Sommerwohnung auf- 
geschlagen. Von der Swinnitza kann man einen tiefen Blick in 
die ungarischen Gebirge thun, und jetzt erst wurde ich gewahr, 
dass ich um die hohe Tatra, wie die Katze um den heissen Brei 
gestiegen war. 

An vielen Orten kann man an zerbissenem und zusammenge- 
tragenem Grase Spuren von Mäusen sehen; ich bot alles auf, um 
eine zu bekommen oder nur eine zu sehen , vielleicht sind es 
nächtliche Thiere ; ich bin nicht darauf bedacht gewesen, sonst 
hätte ich Fangapparate mitgenommen. Jas sagte mir, dass, wenn 
er im Winter im Gebirge Holz fällt, grosse rothe Mäuse in den 
salasz kommen und das Brod ihm fressen, dies mag Mus sylvaticus 
sein. Droll brachte mir einmal ein Stückchen Fell mit daran- 
hängendem Schwänze, das andereraal wieder ein solches Stück 
mit vollkommenem Schädel; die wenigen Haare am Felle gleichen 
denen der Arvicolinen. Ich bin nicht gelehrt genug, um über 
diesen Schädel mit Nagezähnen etwas -sagen zu können. 

Wir machten Anstalten, den Zawrat hinabzusteigen; ein sehr 
steiles, gletscherartiges Schneefeld zwischen Felsenwänden, zu 
steil um hinabfahren zu können. Tief unten bemerkten wir drei 
Männer, und Jas musste sein Project aufgeben, einige Granit- 
stücke hinabrollen zu lassen, welche uns Stufen und Anhaltspunkte 
bereiten sollten; statt dessen fing er an, mit der Axt kräftig Stu- 
fen einzuhauen. Die Männer von unten thaten ein gleiches ; nach 
einer Stunde fleissigen Arbeitens begegneten wir uns. Es waren 
zwei Bergstudenten aus Schlesien; ich schenkte ihnen eine An- 
gel, und wir trennten uns. Sie die unsrigen, wir ihre Stufen be- 
nutzend, brauchten wir beiderseits nur die Hälfte Zeit und Mühe. 
Zmarzly staw, gefrorener Teich, thaut nie auf, ich ging nahe vor- 



Ornitholog. Ausflug auf de* liohen Tatra. 237 

über zu Gacienicowy staw, soll 31 Morgen Flächenraum enthalten 
und gegen 5000' hoch liegen; er hat an der vorderen Seite eine 
kleine Insel, auf welcher sich ein Cinclus aquaticus belustigte; 
so hoch habe ich noch keinen gesehen. — 23. Juli fuhr ich noch 
einmal in das Thal von Koscielisko, um meinem Versprechen 
nachzukommen, eine grosse Kiste voll gewünschter lebender Pflan- 
zen mit Wurzeln für den botanischen Garten in Lemberg zu sam- 
meln. Es war ein mühevoller Tag, sehr heiss, und auf der ma- 
turowa skala kein Wasser. Aber ein Pärchen von Tichodroma 
war hier, ich bekam nur d", J fiel und verkroch sich angeschos- 
sen in eine Felsenspalte. Reichlich sammelte ich zwei Species 
Schnecken, die eine ähnelt der Relix cricetorum, ist aber grösser, 
die andere der Relix fruticum, ist grösser und ungenabelt. — 
26. Juli. Vor einigen Tagen traf ich mit Herrn Buchhändler 
Friedlein aus Krakau, einem alten Bekannten, zusammen. Wir 
verabredeten eine Exkursion auf den Krywan. Herr Homolacz 
und der Herr Oberförster hatten die Güte, auf meine Bitte, dem 
Waldheger Je.drzej Wala einige Tage Urlaub zu geben, um uns 
begleiten zu können. Wala ist Nestor aller Führer auf der Ta- 
tra, er kennt, kann man sagen, jeden Stein. 

Herr Friedlein, dessen Verwandter, Pitun, Wala und Sohn 
holten mich früh um 8 Uhr ab. Um II Uhr hatten wir die un- 
garische Grenze, den Sattel der Goryczkowa 5500' erreicht, 
(goryczka Enzion gentiana), und stiegen die andere sehr steile 
Seite in das Thal Wier cichy hinab. Unten am Wasser entdeckte 
ich die frische warme Spur eines überaus starken Bären, die 
deutlich ausgedrückte Vorderbrante mass vom Daumen bis klei- 
nen Finger 8f polnische oder sächsische Zoll. Den beiden alten 
Bärenjägern sah man eine Verlegenheit an, dass ich ihnen, und 
nicht sie mir die Spur gezeigt hatten, und steigerte sich noch 
mehr, als ich ihnen sagte: der Bär ist zweimal hier gegangen, 
dieser Tritt ist von gestern, dieser von heute; in den gestrigen 
hat es ein wenig geregnet, auch hat er nicht weit von hier ein 
Thier geschlagen oder ist verwundet, denn zwischen Daumen und 
Zeigefinger ist ein wenig Schweiss zu sehen. Die beiden (J ora- 
len massen mich mit grossen Augen, aber sagten nichts. So 
etwas geht gegen ihr punctum honoris. Polnisch niedzwiedz der 
Bär, ein verunstaltetes Wort, es soll Honigfresser bedeuten, von 
miöd der Honig; russisch, rathenisch heisst er medwed, midwed, 
med, mid, der Honig, Meth. Wir traten in den safosz, die Sin- 



238 E. Schauer: Tagebuch-Notizen: 

waken bewirtheten uns mit Zejyca; in einer Umzäunung lag ein 
schwer verwundetes Lämmchen, vor wenigen Stunden wollte es 
der Bär rauben, man hatte es ihm mit Steinwürfen abgenommen. 
Wier cichy ist das einzige Längenthal auf der Tatra. Wier, Wir- 
bel, wo sich das Wasser dreht, cichy still. Wir ruhten eine 
Stunde; die kleinen schmalen Wege, welche die Schafe in dem 
Krummholze machen, und perci heissen, benutzend, marschirten 
wir aufwärts auf den Sattel der Wier cichy; links hinter dem 
Berge liegen die fünf Teiche. Wir machten Halt und genossen 
des herrlichsten Anblicks auf gruby wierzeh und Krywan. Den 
ganzen Tag hatte ich nur einige Mauerschwalben, Spino- 
letten und Zaunkönige gesehen, um so mehr freute ich mich, 
als fast auf Schussweite ein Goldadler bei uns vorüberstrich. 
Wir hatten noch einen weiten Weg zu machen und eilten hinab 
in das lange Thal von den Polen ciemna smereczyna, finstere 
Fichten, und von den Slowaken Koprowa genannt. Es zieht sich 
von der hinteren Wand der fünf Teiche bis in die Ebene hinaus ; 
öffnet sich nach Süd-West und ist also auch ein Längenthal zu 
nennen. Zwei Teiche mit Wasserfällen blieben uns links. Es 
ist ein furchtbar wildes Thal; riesige Lärchenbäume vom Winde 
umgeworfen liegen umher, ungeheuere, vor Alter abgestorbene 
Fichten stehen noch, man geht durch weite Strecken mit Rumex 
alpinus bewachsen, dessen gewöhnlich nasse Blätter bis an die 
Brust reichen und überschreitet zwei Stellen, wo Lawinen gegan- 
gen sind. Wir traten im salasz ein; er ist geräumig mit Dach, 
Wänden und Thür. Wir hätten gern hier übernachtet, aber Wala 
erlaubte es nicht, und führte uns noch eine halbe Meile weiter, 
in einen anderen salasz, wo Ochsenhirten mit Frauen und klei- 
nen Kindern wohnten. — 27. Juli. Der Krywan, an dessen 
Fusse wir genächtiget, ist nur von einer Seite zu ersteigen; darum 
führte uns Wala noch weit in das Thal hinab, so dass wir fast 
die ganze Tatra im Rücken hatten. Um ein Stück Weg abzu- 
schneiden, kletterten wir zwei Stunden lang durch einen Fichten- 
wald, der so steil gelegen ist, dass man die Hände brauchen 
muss. Ein Taubenfalke fing vor unseren Augen einen Eichel- 
häher; rechts und links hörte ich einige Spechte arbeiten. (Bitte 
um Verzeihung, dass ich sie nicht aufgesucht habe, aber auf die- 
ser Stelle war es eine Unmöglichkeit.) Wala brachte Federn vom 
Auerwild und Häher oben, vom Birkwild, um mich in's Examen 
zu nehmen; er ist ein zuverlässiger Vogelkenner, unterscheidet 



Ornitholog. Ausflug auf der hohen Tatra. 239 

acht Spechtarten. Unter dem Krummholze frühstückten wir, weil 
sich in einem verfallenen Schachte das letzte Wasser befand; 
bald darauf kamen wir in den Fahrweg, welcher zu dem dama- 
ligen Bergwerksbetriebe angelegt wurde, jetzt aber theilweise mit 
Krummholz bewachsen ist. Bei den letzten Büschen ruhten wir 
und ich machte, zum Aerger der Gemsenjäger, die Gesellschaft 
auf einen Gemsbock aufmerksam, der auf 200 Schritt Entfernung 
ruhig vorüberging. Wohl hatte ich eine Kugel in der Flinte, 
aber auf 200 Schritt zu schiessen, bedarf es eines gezogenen 
Rohres, und ein ehrlicher Jäger schiesst nur auf edles Wild, 
wenn er es erlegen kann; auch wollte ich keinen unnöthigen 
Lärm machen. Auf dem ersten Bergsattel angekommen, machte 
ich den Vorschlag, vorauszugehen, Wala sollte von der anderen 
Seite einen Felsen umklettern, und im Falle Gemsen dort seien, 
mir so dieselben zutreiben; er hatte mir nicht Zeit gelassen 
und drei Gemsen gingen an dem zum Stand ausersehenen Orte 
langsam vorüber. Ich setzte mich ermüdet auf eine hervorragende 
Granitspitze und gewahrte 200 Schritt entfernt einen Gemsbock, 
welcher ruhig weidete sich dann niederthat und wiederkäu ete, 
aufstand und auf die Felsenklippe herumspazierte. Ich rührte, 
mich an Gerstäckers Gemsenjagden erinnernd, kein Glied und 
dies dauerte f Stunden ; endlich bekam der Bock von der Ge- 
sellschaft, die 600 Schritt hinter mir hielt, und unruhig wurde, 
und während der Zeit ein Rudel von 16 Gemsen gesehen hatte, 
Wind, stampfte mit den Vorderläufern und pfiff J2 — 15 mal, 
wendete sich etlichemal um, konnte lange zu keinem Entschlüsse 
kommen, und kletterte langsam weiter. Ich habe gesagt, er pfiff, 
nur darum, weil in Jagd- und naturwissenschaftlichen Schriften 
dieser Laut ein Pfeifen genannt wird, wahrscheinlich aus Deli- 
catesse gegen dieses edle Thier; es ist aber mehr ein Schnaufen, 
auch möchte ich behaupten, dass dieser Laut nicht im Larynx 
sondern in der Nase gebildet wird. Die verwichenen Stunden 
reichten aus, mich mit der Natur der Gemse bekannt zu machen. 
Kaum war ich aufgestanden als auch Wala bei der Hand 
war, denn aus meinem Verhalten erkannte er nur zu wohl, <hi<> 
ich etwas im Auge hatte, und störte mich nicht: er setzte sich 
auf die Stelle wo ich gesessen, und verlangte, dass ich ihm den 
Platz anzeigte wo dw Hock gestanden; mi1 pfiffigem Lächeln 
sagte er: Ja Pana mam za dobrego mysliwego, sie na kozach 
dzikich Pan Sie, nie rozumiesz. Ich halte Sic für einen guten 



240 Nachrichten: Eingegangene Schriften. 

Jäger, aber auf Gemsen verstehen Sie sich nicht. Von hier hätten 
Sie können zu jenem Felsen schleichen, (dabei glitt Wala mit 
Schneckengeschwindigkeit von der Klippe hinweg) sodann unter 
die Wand weggehen, dort die Flinte langsam auf den Felsen 
legen, den Kopf ohne Hut nachschieben und ruhig den Bock 
schiessen; denn so schloss er seine Strafpredigt: koza dzika jest 
najglupsze'm zwierze^ciem, sarna nie da sie. podcjsc, ale koze. za 
nogi mozna zlapac. Die Gemse ist das dümmste aller Thiere, ein 
Reh lässt sich uicht beschleichen, aber die Gemse kann man 
beim Fusse ergreifen. Wala! sagte ich, ich habe doch gegen 30 
Rehböcke mich anschleichend geschossen. Er wendete sich ver- 
ächtlich ab, denn er hielt es für eine grobe Lüge. Zu Herrn 
Friedlein aber sagte ich: es thut mir leid, dass ich diesen 
Bock nicht geschossen, aber noch mehr thut es mir leid, dass 
Herr Gerstäcker Walas Prolection nicht mit angehört hat. 

Ich kletterte noch 100 Klafter weiter, bis zu dem berühmten 
Goldschacht. Aufrecht gehend kann man den horizontal in den 
Krywan hinein gearbeiteten Gang betreten. Die Granitmassen 
umschliessen sehr dürftig goldhaltende Quarzgänge; ich habe in 
dem ausgefahrenen Schutte, auf welchem bis jetzt noch nicht ein- 
mal Flechten gewachsen sind, so lange gesucht, bis ich einige 
Stückchen fand, in welchen man mit der Loupe Goldkörnchen 
erkennen kann. Vor 90 Jahren hat eine Gesellschaft den letzten 
Versuch gemacht, Gold zu suchen, ist aber dabei zu Grunde ge- 
gangen. Die Anlage dieser Bergwerke, schreibt man Kaiser 
Max II. zu, nach anderen dem Könige Matthias. (schiuss folgt.) 

IVaclirichten. 

An die Redaetion eingegangene Schriften: 

(Siehe März-Heft 1862, Seite 160.) 

426. The Ibis, a Magazine of General Ornithology. Edited by Ph. L. Scla- 
ter. London, N. Trübner u. Co. Vol. IV., No. 13. January 1862; No. 14. 
April 1862. — Von der British Ornithologist's Union. 

427. Prof. W. Peters. Mittheilung des Hrn. Eich. Schornburgk in Austra- 
lien über die Entwicklung der Leipoa ocellata. (Auszug aus dem Mo- 
natsbericht der Kgl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Gesammt- 
sitzung der Akademie 21. Nov. 1861.) — Vom Prof. Peters. 

429. Aug. v. Pelzein TJebersicht der Geier und Falken der k. k. ornitho- 
logischen Sammlung. I. Abtheilung. Wien, 1862. (Separatabdr. a. d. 
Verhandl. der k. k. zool.-botan. Gesellschaft in Wien, 1862.) — Vom 
Verfasser. 

430. Dr. D. Korth u. H. Korth. Tauben- und Hühnerzeitung. Organ der 
gesammten Hausfederviehzucht mit Inbegriff der Sangvögel. Berlin. 
Siebenter Jahrg., No. 13—16, (April 1862.) — Vom Herausgeber. 

Druck von Kornegg's Buchdruckerei, 



JOURNAL 

für 

ORNITHOLOGIE. 

Zehnter Jahrgang. 



Ne 58. Juli. 1862. 

Die Balearen. 

Von 
Alexander v. Homeyer. 

(Fortsetzung; siehe Januar-Heft 1862, Seite 1—23.) 

II, Die Sominervogel der Balearen. 

1. Vorbemerkungen. 

Unter „Sommervögel" sind die Brutvögel, dann auch die- 
jenigen Vögel zu verstehen, welche überhaupt während der Som- 
merzeit auf den Balearen anzutreffen waren; solche, die nur auf 
dem Zuge durchpassirten, hernach sich aber nicht mehr sehen 
Hessen, wurden zwar im Verzeichniss erwähnt, aber nicht mit 
einer Nummer einregistrirt. 

Die beim Niederschreiben dieser Arbeit mich leitende Idee 
war, stets nur Thatsachen und keine Vermuthungen vorzuführen, 
also nur die Vögel anzugeben, deren Vorkommen thatsächlich 
constatirt wurde, sei es durch den Schuss oder durch ganz sichere 
Beobachtung. Hypothesen hingegen Hess ich ganz fort, in der 
Meinung, sie lägen Anderen jedenfalls ebenso nahe wie mir, und 
in dem Bewusstsein, dass Trugschlüsse gerade hier ausserordent- 
lich leicht sind. Acrobates galactodes kommt z. B. in Süd -Ost- 
Spanien, in Algier, wie in Griechenland ziemlich häutig vor, was 
liegt näher zu vermuthen, als dass er auch auf den Balearen 
wäre, und doch irrt man. — Aehnlich würde es mit vielen an- 
deren Vögeln ergchen, so mit den Cormoranen, den Steinschmätzern, 
den Hypolaia-Arten etc. etc. 

Wenn demnach mein Yerzciclmiss mit hundert Nummern etwas 
dürftig erscheint, so möge mau nicht mir die Schuld beimesse», 
sondern die l'rsache in der l'asi durchweg herrschenden t'aunisti- 
schen Armuth der Balearen suchen. Den Grund dieser Thatsache 

.Tourn. f. Oruith., X. Jahrg. Nr. 58, Juli |8fl% 16 



242 



Alex. v. Homeyer: 



genügend zu erklären, dürfte nicht so leicht sein, um so mehr, 
da der landschaftliche Charakter der Gruppe ausserordentliche 
Mannigfaltigkeit zeigt; doch glaube ich als Hauptmotiv in den 
Vordergrund stellen zu müssen, da§s wir es hier mit Inseln zu 
thun haben, und solche, wie wir es aus der Analogie wissen, im 
Allgemeinen stets ärmer an Thierklassen sind, als der Continent; 
und nenne dann als zweites Motiv den felsigen Boden, den Man- 
gel an süssem Wasser und vor allem die ausserordentliche Dürre 
des Sommers,*) wodurch trotz der reichen Gestaltung des Pro- 
fils dennoch das Gepräge gewisser Einförmigkeit entsteht. — Dass 
jedoch Gruppen, wie die Steinschmätzer (Saaäcolae) so wenig 
Artenreichthum zeigen, da doch für sie die Gegend so ganz ge- 
eignet erscheint, — welche Eigenthümlichkeit nach Dr. Carl Bolle 
auch auf den Canaren stattfindet, — bleibt mir ein Räthsel, oder 
findet in Bolle's Ansicht (Journ. f. Ornith. V. 279.) seine Lösung. 





2. Uebers ichtliches Yerzeichniss der Arten. 


1. 


Cathartes percnopterus. 


17. 


Corvus corone. 




Gyps fulvus. 


18. 


Cypselus apus. 


2. 


Aquila fulva var. fuscicapilla 




„ melba. 




(Brehm). 


19. 


Cecropis rustica. 


3. 


„ Bonellii. 


20. 


Chelidon urbica. 


4. 


Haliaetus albicüla. 


21. 


Cotyle riparia. 


5. 


Pandion haliaetus. 


22. 


Cuculus canorus. 


6. 


Mihus regalis. 




Oriolus galbula. 


7. 


„ niger. 


23. 


Merops apiaster. 


8. 


Dendrofalco Eleonorae ? 


24. 


Upupa epops. 


9. 


Cerchneis tinnunculus. 


25. 


Butalis grisola. 


10. 


„ cenchris. 


26. 


Muscicapa atricapüla. 


11. 


Circus ruf us. 


27. 


Lantus ruf us. 


12. 


„ cyaneus. 


28. 


Crucirostra curvirostra var. 


13. 


Athene noctua var. meridio- 




balearica (Alex. v. Ho 




nalis. 




meyer.) 


14. 


Stria flammea. 


29. 


Serinus flavescens. 


15. 


Scops zorca. 


30. 


Chlorospiza chloris. 


16. 


Corvus corax. 


31. 


Petronia rupestris. 



*) Mit den Angaben meiner ersten Arbeit scheinen diese Worte in Wider- 
spruch zu stehen, da dort vielfach des Regens erwähnt wurde ; dies ist jedoch 
eben nur scheinbar, indem gerade die Witterungsverhältnisse pro 1861 abnorm 
waren, und dennoch — trotz dieser vielen Regengüsse — eine grosse Dürre 
herrschte. 





Die Balearen. 2 


32. 


Passer domesticus und cisal- | 


65. Cotumix dactylisonans. 




pinus. 


66. Oedicnemu8 crepitans. 


33. 


F'ringilla coelebs. 


67. Charadrius cantianus. 


34. 


Cannabina linota. 


68. „ hiaticula. 


35. 


Carduelis elegans. 


69. „ minor. 


36. 


Miliaria cana. 


70. Strepsilas collaris. 


37. 


Emberiza cirlus. 


71. Glareola pratincola. 


38. 


Melanocorypha brachyda ctyla. 


72. Ardea cinerea. 


39. 


Galerita Teklae (ßrehm)? 


73. „ pur pur ea. 


40. 


Corydalla campestris. 


74. Egretta garzetta. 




Anthus arboreus. 


75. Nycticorax griseus. 


41. 


Budytes flavus var. fasciatw 


76. Botaurus stellaris. 




(Brehm). 


77. Phoenicopterus roseus. 


42. 


Luscinia vera. 


78. Ibis falcinellus. 


43. 


Ruticilla phoenicura. 


79. Numenius tenuirostris. 


44. 


Petrocos8yphus cyaneus. 


80. Limosa melanura. 


45. 


„ saxatilis. 


81. Totanus calidris. 


46. 


Turdm merula. 


82. „ glottis. 


47. 


Pratincola rubetra. 


y , fuscus. 


48. 


„ rubicola. 


83. Machetes pugnax. 


49. 


Sylvia atricapilla. 


84. Himantopus melanopterus 


50. 


„ orphea. 


85. Rallus aquaticus. 


51. 


Dumeticola melanocephala. 


86. Gallinula pygmaea. 


52. 


„ sarda. 


87. „ porzana. 


53. 


Phyllopneu8te Natter eri. 


88. „ chlor opus. 




„ sibilatrix. 


89. Porphyrio hyacinthinus. 


54. 


Calamoherpe arundinacea. 


90. Fulica cristata. 


55. 


Cettia sericea. 


91. Lestris Skua. 


56. 


Cisticola schoenicola. 


92. Larus argentatus. 


57. 


Troglodytes parmdus. 


93. Gavina Audouini (Bp.) 


58. 


Regulus ignicapillus. 


94. Hydrochelidon nigra. 


59. 


Parus major. 


95. „ leucoptera 


60. 


„ coeruleus. 


96. Sternula minuta. 


61 


Columha palumbw. 


97. Sterna anglica. 


62 


„ livia. 


98. Thalassidroma pelagica. 


63 


Turtur auritus. 


99. m Pufß?ius cinereuM. 


64 


Perdix rufa. 


100. Callichen rufinus. 



243 



16 



244 Alex. v. Homeyer: 

3. Balearische Vogelgestalten, ihr Wohnen und 

Treiben. 
a. Raubvögel und Hocker. 

] . Cathartes percnopterus . *) 

Degland bezeichnet den schmutzigen Aasgeier als Winter- 
vogel Spaniens und Süd-Russlands, womit für Spanien auch Alf. 
Brehm übereinstimmt, Dr. Erhardt hat ihn auf den Cycladen über- 
winternd angetroffen, während Dr. Lindermayer vom nördlichen 
Griechenland den Zug zu Anfang Mai angiebt. 

Auf den Balearen wollen ihn Hirten dann und wann im 
Winter, gewöhnlich mit Gyps fulvus zu grösseren Gesellschaften 
vereint, gesehen haben. Ich beobachtete ihn auf Mallorka erst 
am zweiten Mai. Es waren zwei alte Vögel, welche in Gesell- 
schaft einiger Adler und Raben vom nördlichen Gebirge kamen 
und sich dem Fruchtlande zuwendeten; dann zur Mittagszeit sel- 
bigen Tages wohl 15 — 20 Vögel, welche über der Stadt Palma 
ganz ebenso kreisten, wie es in Deutschland Milvus reaalis so 
gern zur Zeit des jungen Federviehs zu thun pflegt. Tags darauf 
waren alle Geier verschwunden, und es wurden von nun an wäh- 
rend der nächsten Monate nur dann und wann einzelne alte 
Vögel, welche im Gebirge nisteten, auf beiden Inseln beobachtet. 

Ich glaube, dass Jene vom zweiten Mai auf dem Zuge waren ; 
hierfür spricht sowohl das Correspondiren der von Dr. Linder- 
mayer für Griechenland angegebenen Zugzeit, als auch das Fac- 
tum,, dass vor dieser Zeit (von J8 Tagen), in der ich im Beob- 
achten sehr rührig war, kein einziges Individuum gesehen wurde, 
endlich der Umstand, dass alle Vögel schwarz und weiss gefärbt, 
d. h. also alt und brutfähig waren. Andrerseits müsste ich, wenn 
Cathartes hier Standvogel wäre, junge Vögel und zwar in ziem- 
lich bedeutender Anzahl zu Gesicht bekommen haben, weil diese 
bis zum Anlegen des ausgefärbten Gefieders bekanntlich minde- 
stens drei Jahre gebrauchen. Dieses jedoch ist niemals geschehen, 
indem ich auch nicht ein einziges derartiges Individuum sah, und 
somit nehme ich für unsere Inseln den Zug an. Brutvogel aber, 
wenngleich nur in wenigen Paaren, ist der Aasgeier immerhin 
für die Balearen. 

Die alten Vögel ziehen nach dem Brutgeschäft mit ihren 
Jungen nach Süd-Spanien, oder nach Nord-Afrika, und schaaren 



^) Gypaetus barbatus kommt auf den Balearen nicht vor. 



Die Balearen. 245 

sich ohne Unterschied des Ältere und des Geschlechts zu hundert 
und mehr Individuen zusammen. Während des Winters führen 
sie ein vagabondirondes Nomadenleben und kehren im Frühling 
zu ihren Standquartieren zurück; indess die nicht brutfähigen, 
vom l'narnngstrieb noch nicht berührten Jungen zusammenge- 
scharrt bleiben und das Land auch ferner, nach Aas suchend, 
durchstreifen. Gestützt ist diese Annahme auf die Analogie mit 
dem Leben so vieler anderer Vögel, namentlich grösserer Raub- 
und kleinerer Sumpfvögel, wie auch durch meine in Algier Ende 
Juni und Anfang Juli gemachten Beobachtungen, dass die vielen, 
oft zu Hunderten zusammenschwärmenden Aasgeier das Jugend- 
kleid trugen, während einzelne alte Vögel nur selten bei ihnen 
waren. Diese durchzogen vielmehr weit lieber einzeln, paarweise 
oder zn fünf bis zehn das Land. So erklärt sich auch für die 
Balearen das Erscheinen des Aasgeiers im Winter, wie das 
Nichterscheinen der Jungen im Sommer. Im Winter ist alt und 
jung beisammen, und aus klimatischen Gründen Nahrungsmangel 
viel eher vorhanden wie im Sommer, und somit auch die Wahr- 
scheinlichkeit „grosse Türen zu dieser Zeit zu machen" ganz nahe 
da eben die Noth dazu zwingt, und selbst eine Ausdehnung der- 
selben bis zu den Balearen hin, für einen so guten Flieger nicht 
unglaublich. Im Sommer jedoch findet ein derartiger Besuch 
deshalb nicht statt, weil zu dieser Zeit überall, namentlich aber 
in Afrika selbst, Nahrungsmangel nicht eintritt. — 

Geht der Aasgeier der Nahrung nach, so ist sein Flug 
Bchwimmend, fast ohne Flügelschlag; er kreist, zieht, oder win- 
det sieh durch die Baumkronen oder an den Abhängen entlang, 
schwebt aber nicht ausschliesslich hoch im Aether. Will er 
grössere Entfernungen durchfliegen, so rudert er mit fünf bis 
sieben gemessenen nicht harten Schlägen und streicht dann eine 
weite Strecke dahin, gerade wie es auch Gypv fulvm thut. wo- 
l>ei. wie stets im Finge, der Hals lang ausgestreckt wird. Bolle 
sagt: „der alte Vogel sieht im Fluge einem Storch nicht unähn- 
Kch." Ich kann dies nur bestätigen, indem ich wirklich beim 
HiUirken (\w ersten fliegenden Geier denselben (bedanken In 
Kinen Ton hörte ich von ihm nie. 

Qyps fiulvus**) 

Der Kahlköpfige MÖnchsgeier wurde von mir nicht bemerkt 



*) Vultur cinereus sive monachus kommt w;ilncn.l der Sommermonate 
nicht auf deo Inseln vor. 



246 Alex. v. Homeyer : 

und kommt derselbe hier während des Sommers, wenigstens als 
Bewohner nicht vor. Es unterliegt jedoch keinem Zweifel, dass 
er während des Winters die Inseln, zuweilen sogar recht zahlreich 
besucht, und dass dann und wann ein Paar im nördlichen Gebirgs- 
theil Mallorka's nistet. Mein Gewährsmann ist, ausser einzelnen 
Anderen, ein Bauernknecht, der mir folgende Mittheilung machte: 

„Der grosse Geier sei wohl 10 Fuss breit, wenn er die Flü- 
gel ausspanne, gelbbraun mit weissem Kopf und Hals.*) Er 
komme von Zeit zu Zeit in die dortige Gegend,**) gewöhnlich, wenn 
ein grösseres Thier als Aas daläge ; man sehe selten einen allein, 
gewöhnlich viele beisammen; oft seien auch die weissen Geier***) 
dabei. Sobald das Aas verzehrt sei, verliessen sie das Land wieder/' 
— Tags darauf erfuhr ich durch denselben Hirten noch Folgendes : 

„Der Geier sei während des Sommers nicht auf Mallorka. 
Ein Fall sei ihm jedoch erinnerlich, wo ein solcher Vogel daselbst ge- 
nistet habe; er glaube, es sei im Januar 1856 gewesen, als man 
zwischen Valdemussa und Sollier oben in einem grossen Felsen- 
loche ein Nest gefunden habe, zu dem ein Mann an Stricken her- 
abgelassen worden sei. Dieser habe ein grosses weisses unge- 
flecktes Ei heraufgebracht, dessen Gewicht 16 spanische Unzen 
betragen hätte. Was das Erscheinen des Vogels betreffe, so 
finde er sich im November oder December oft wohl zu Hunderten 
bei einem Aase ein, ohne dass man Tags vorher auch nur einen 
gesehen habe; in der Regel seien es jedoch nur zehn bis zwan- 
zig, höchstens dreissig. Sie kreisten lange über dem Aase und 
stürzten dann plötzlich herab; sitzend, könnten sie nicht gleich 
auffliegen, sondern machten erst drei bis vier Sprünge, wobei sie 
die Flügel lüfteten. Vom Aase rissen sie lange Stücke mit dem 
Schnabel ab, und seien dann oft so zutraulich, dass man sich 
nahegenug anschleichen könne, um einen Steinwurf zu thun." — 

Soweit unser Knecht. Und nun frage ich meine geehrten 
Herrn Leser. „Wie gefällt Ihnen dieser Mann? Hört sich die 
von ihm gegebene Schilderung, welche ich fast wörtlich wieder- 
hole, nicht fast so an, als wenn Alfred Brehm uns eine Geier- 
Mahlzeit schildert? In meinem Tagebuche steht unterm 5. Juni: 
,,In Wahrheit, dies war der erste Mensch auf den Balearen, bei 



*) Es geht aus dieser bündigen Beschreibung klar hervor, dass Gyps ful- 
vus wirklich gemeint ist. 

**) Dies ist das Dorf Feredell, eine Stunde nördlich von Valdemussa, 
also ziemlich in dem wildesten Gebirgstheile Mallorkas. 

***) Cathartes percnopterus. 



Die Balearen. 247 

dem ich ein rege* Interesse für die Natur antraf. Es ist zu be- 
dauern, dass er keine bessere wissenschaftliche Richtung hatte." 
— Nachträglich thut es mir leid, den Namen dieses Mannes 
nicht notirt zu haben, derselbe verdiente gewiss der Oeffentlich- 
keit übergeben zu werden. 

2. Aquila fuha var. fuscicapilla (Brehm). 

Alfred Brehm sagt über diesen braunköpfigen Steinadler, den 
der Spanier wie der Baleare Aguila real nennt, in seiner Zu- 
sammenstellung der Vögel Spaniens:*) 

Die einzige mir zu Händen gekommene Art des Stein- 
adlers. Auch der junge Vogel hat dunkle Füsse und einen 
schwärzlichen Schwanz mit aschgrauer Querbinde. Er lebt paar- 
weise ..einzeln" (wenn auch Graells behauptet „häufig") im Hoch- 
und Mittelgebirge ganz Spaniens. Beobachtet bei Murcia. auf 
der Sierra Nevada und bei Madrid. Ausserdem auch von Ma- 
chado, welcher ihn sogar „sehr gemein" nennt, in der Sierra 
Morena. von Lopez-Seoane in Galicien und von Azüa in Arrago- 
nien. Standvogel. Brütet im März, April und Mai. Als furcht- 
barer Räuber überall bekannt. — """ 

Und dann ferner ebenda über die von mir auf den Balearen 
nicht beobachtete Aquila imperialis : 

.Paarweise einzeln wie der vorige, aber mehr in Süd- 

und Mittel- Spanien. Beobachtet im Königlichen Thiergarten el 
Pardo bei Madrid. Graells nennt ihn „weniger häufig als den 
vorhergehenden", ich aber sage: wenn man alle Exemplare bei- 
der Arten, welche beobachtet werden, für die einer Art rechnete 
und daraus das Re:*ultat bestimmen wollte, dies immer noch Nie- 
mand berechtigen würde, diese Adler häufig zu nennen. Darnach 
mag das „gemein"' (bei Sevilla) Machados zu beurtheilen sein. 

Soweit Brehm über den Continent! Auf den Balearen ist 
Bfl Ali-Irr-, liier ist der Steinadler ein ziemlich häufiger 
Raubvogel, während Aquila imperialis nach meinem Dafürhal- 
ten gar nicht vorkommt, denn bei den vielen Adlern, welche ich 
oft aus ziemlicher Nähe betrachtete, sah ich nie den tfei 
SrhultiTnVek. und doch stand ich so oft auf der Höhe und -ah 
die Individuen unter mir schweben, so das- ich, wäre ein alter 
imperialis dabei _ . die karakteri-tische Färbung desselben 



*) Siehe: Allgemeine deutsche Naturhistorische Zeitung von Dr. Adolph 
Drechsler in Dresden 1857 p. 435. Gleichzeitig mit dein Bemerken, dass ich 
auf diese Arbeit oftmals zurückkommen werde. 



248 Alex. v. Homeyer: 

hätte sehen müssen. In Algier kommt übrigens A. imperialis nach 
der mündlichen Mittheilung des Herrn Loche, dem Director des 
dortigen zoologischen Museums etc. nur zufällig vor. 

Unsere balearische Steinadler-Type ist ein fast einfarbig brau- 
ner Vogel ohne hellere Schattirungen mit nicht hellem Nacken, 
mit weisslicher Schwanzwurzel , was sich stets in der Luft deut- 
lich markirte, und mittelstarkem Körper; zweifelsohne also die 
Aquila fuscicapilla (ßrehm). Meines Erachtens ist dies keine ei- 
gene Art, wohl aber eine höchst interessante klimatische Rasse, 
denn der Schnabel, die Füsse und Körperverhältnisse, wie auch die 
Zeichnung sind im Allgemeinen ganz die unserer deutschen Aquila 
fulva. In Algier ist diese Type vielleicht ebenso häufig, wie auf den 
Inseln ; ich sah ihn lebend im dortigen durch Monsieur Loche neu 
angelegten zoologischen Garten und dicht neben ihm einen sehr 
starken, buntscheckigen Adler mit goldgelbem Nacken ; beide un- 
ter sich fast gleiche Typen in wohl fünf bis acht Exemplaren. 
Hoffentlich werden wir bald über die Artberechtigung dieser ver- 
schiedenen Typen ins Klare kommen, denn sowohl Loche wie seine 
durch und durch naturwissenschaftlich gebildete Frau haben es 
sich zur Aufgabe gestellt, hier wie auch bei den echten Falken, end- 
lich einmal durch treue Beobachtung und genaues Notiren der 
Farben Veränderungen durch den Federwechsel Licht zu schaffen. 
Unsere Aquila fuscicapilla nistet in der ganzen nördlichen 
Gebirgskette Mallorka's, von Andraix bis Alcudie und geht hier, 
wie in der Ebene auf Beute aus, welche vorzugsweise aus Kanin- 
chen, Hasen und rothen Steinhühnern (Perdix rufa) besteht. In 
der Regel sah ich diese Adler paarweise; ein Mal am 13. Mai, 
was fast unglaublich klingen mag, 21 beisammen, wobei ich mich 
ausdrücklich gegen den nahe liegenden Verdacht verwahre, dass 
hier eine Verwechselung mit dem jungen Aasgeier stattgefunden. 
Ein Paarmal sah ich ihn auch mit ein bis zwei Aasgeiern, einigen 
Thurmfalken und einem Kolkrabenpärchen, d. h. jede Art für 
sich, aber doch alle in Verbindung mit einander, was auch von 
den 21 Adlern gilt, welche immer zu zwei bis fünf vereint krei- 
sten. Der Flug des Steinadlers ist bekannt, und das Edle ihm 
nicht abzusprechen, aber das Leichte, ich möchte sagen das Hoch- 
elegante, wie es Percnopterus im Fluge hat, besitzt er nicht. 

3. Aquila Bonellii 
ist trotz seines nicht seltenen Vorkommens im benachbarten südöst- 
lichen Spanien und Algier für die Balearen eine äusserst seltene 



Die Balearen. 249 

Erscheinung, indem ganz sicher nur ein Exemplar am 6. Mai von 
mir beobachtet wurde. 

4. Haliaötus albicilla. 

Drei junge Vögel hielten sich am 9. Mai bei. Dragonera auf; 
ich glaube kaum, dass ein Nisten hier stattfindet, sondern dass 
diese jungen Individuen sich nur in dieser Gegend herumtrieben, 
wie wir es bei noch nicht brutfähigen Vögeln so oft finden. 

5. Pandion haliaetus. 

Der Fischadler, nach Vidal bei Valencia vorkommend, von 
ßrehm selbst auf dem Continent nicht beobachtet, ist auch für 
die Balearen eine seltene Erscheinung, indem nur ein Pärchen 
bei Dragonera und zwei einzelne Vögel bei Cabrera und in der 
Bucht von Arta beobachtet wurden. Das Paar schien seinen 
Horst in der Nähe zu haben , es tändelte unter sich ebenso wie 
mit den Möven über dem Wasser her, und setzte sich dicht an 
die Strömung auf einen Felsen.*) 

6. Milvus regalis, 
ist auf den beiden grössern Inseln ein ziemlich häufiger Brut- 
vogel, von 

7. Milvus niger 
wurde nur ein Pärchen am Eingange des Thaies von Esporlas 
gesehen. 

8. Dendrofalco Eleonorael 

Nur bei Erwähnung dieser höchst seltenen und interessanten 
in ihrer Eigenthümlichkeit noch nicht genau bekannten Raub- 
vögelart möge es mir gestattet sein, von meinem Vorsatze, nicht 
über streng thatsächlich Beobachtetes hinauszugehen, um ein We- 
niges abzuschweifen. Unsere Inselgruppe liegt in verhältni ss- 
mässig so geringer geographischer Entfernung von Sardinien, der 
Urheimath des Eleonorenfalken, dass auch aus diesem Grunde 
sein Vorkommen hier nicht unglaublich ist. — 

Zu wiederholten Malen habe ich einen in der Luft fast schwarz 
erscheinenden Falken gesehen, ohne ihn schiessen zu können. 
Oefters dachte ich an F. concolor Tcnim. oder ardeiiacuz Vieill., 
doch auf Dragonera notirte ich am 9. Mai: 

„Auch wieder ein Pärchen des kleinen schwarzen Falken, 
welches liier im Felsen nistet, es ist Fctfco FJeononir , wie ihn 
Suhsemihl Taf. 54, Fig. 1 u. 2 abbildet, denn heute sehe Ich die 

*) Circactus gal/icus wurde nicht beobachtet, ebejtfu auch nicht Buteo 
vulgaris und Pernis apivorus. 



250 Alex. v. Homeyer: 

weissen Backen, den schwarzen Bart, wie die dunkelbraune Brust 
ganz deutlich. Die Vögel kreisen oft dicht vor mir, bald lang- 
sam, bald sein- gewandt und schnell. Sie erinnern während des 
Fluges im Halten der Flügel und des Schwanzes an F. subbuteo, 
von dem sie aber in der Grösse, wie durch das dunkle Colorit 
auf den ersten Blick, selbst in sehr grosser Entfernung, sich un- 
terscheiden. Sie brachten einen Corvus corax, der sich bei ihrem 
Neste sehen Hess, durch heftige Verfolgung bald fort, wobei sie 
ein lautes aber weiches Küh, Kuh, Kuh ausstiessen, und gingen 
dann mit demselben Geschrei auf drei langsam vorbeiziehende 
Seeadler los, ohne jedoch zu reussiren. Das Nest stand in einer 
fast senkrecht zum Meere abfallenden Felswand, vielleicht 500' 
über dem Wasser, während 100' tiefer einige Felsentauben und 
noch tiefer Puffine und Möven nisteten." — 

Trotz dieser, im Momente des Beobachtens mit grosser Sicher- 
heit und Ueberzeugung gemachten Notiz, stelle ich es der Kri- 
tik jetzt anheim, ob wir es hier wirklich mit F. Eleonorae zu 
thun haben, was ich für meine Person ganz sicher glaube, oder 
mit concolor (Temm.) oder ardesiacus (Vieill.) und bemerke nur 
noch, dass es einer von diesen dreien ganz gewiss ist.*) 

Ueber die Manieren dieses Falken Folgendes: Er hält gern 
das Felsgebirge und streicht des Raubens halber in das tiefer- 
liegende Fruchtland, ähnlich wie es bei uns F. subbuteo aus den 
Waldungen thut. Auf der Fahrt dorthin hält er sich nicht viel 



•) Sicherlich, und dann wird es nur F. Eleonorae sein können! Denn da 
es sich mehr und mehr herausstellen wird, dass die bisherige Seltenheit des 
Vogels nur darin ihren Grund hat, dass die Art ausschliesslich ein Bewohner 
der Meeresküsten, Inseln und Klippen im Meere ist, mithin auf dem Festlande 
nur als verschlagen oder verflogen zu betrachten sein wird, so kann man gleich- 
zeitig annehmen, dass seine geographische Verbreitung, wie bei allen Raub- 
vögeln, keine so beschränkte wie etwa auf „Sardinien" sein wird. Es werden 
die passenden Oertlichkeiten mindestens des ganzen Mittelmeerbeckens sein, 
mithin auch die Balearen. Dass F. dichrous Erh. von den Cycladen keine 
neue Art ist, sondern als Eleonorae sich herausstellen wird, ist eine nahelie- 
gende Vermuthung, welche durch Dr. Krüpers diesjährige Untersuchungen 
hoffentlich erwiesen werden wird. Ebenso erkannte ich in einem von Smyrna 
gekommenen Vogel der Heine'schen Sammlung zu Halberstadt den alten 
(vorherrschend schwarzgrauen) Eleonorae. — F. concolor Temm (schistaceus 
Ehbg.) vom Rothen Meer und der ostafrikanischen Küste ist, nach Verglei- 
chung, kleiner und als speeifisch verschieden oder mindestens als klimatische 
Abart zu betrachten. — F. ardesiacus Vieill. von Westafrika, weicht durch 
seine sehr kurzen Flügel generisch von Hypotriorchis ab, während die Klip- 
pen falken durch auffallend lange Flügel, die den Schwanz bedeutend über- 
ragen, anscheinend eine eigene Unterabtheilung bekunden, welche ganz passend 
Pontotriorchis benannt werden könnte. Zu derselben würden gehören: P. 
concolor und P. Eleonorae. Der Herausgeber. 



Die Balearen. 251 

auf, sondern schiesst echt edelfalkenartig, sehr hoch in der Luft 
dahin, wobei er gewöhnlich einzeln, selten paarweise zu sehen ist. 

9. Cerchneis tinnunculu s 
ist ziemlich häufig auf beiden Inseln und nistet, wie auch der 
nicht ganz so häufige 

10. Cerchneis tinnunculoides 
es zu thun pflegt, sowohl in die Felslöcher, wie in alte Ruinen, 
Klöster etc. etc. Die Beobachtung des Dr. Alfred Hansmann, 
dass der auf Sardinien häufige kleine Thurmfalk daselbst mit 
Vorliebe in die Felsengrotten niste, wie mir Bolle mündlich mit- 
theilte, fand ich auf Mallorka in der (Seite 5) erwähnten Grotte 
von Arta bestätigt, wo ich ein Cenchris-Nest in nächster Nähe 
von Felsentauben- und Mauersegler-Nestern fand; die Eigentüm- 
lichkeit, das Nest unter die Dächer der Wohnhäuser anzulegen, 
wie es in Griechenland geschieht, wurde nicht von mir bemerkt. 
Dabei erlaube ich mir zu erwähnen, dass die höchst interes- 
santen Wahrnehmungen Hansmann's über diesen kleinen Falken 
sowohl, wie über andere befiederte Bewohner Sardiniens „leider 
immer noch nicht" veröffentlicht sind : ein grosser Verlust, wie 
Jeder gestehen wird, der den Aufsatz des genannten Naturfor- 
schers „über die Sylvien Sardiniens" gelesen hat!*) 

Jl. Circus ruf us 
ist hier an geeigneten Orten ein sehr gemeiner Brutvogel, wel- 
cher unter dem Wassergeflügel grosse Verheerungen anrichtet. 
Ein Schuss scheuchte aus dem sumpfigen, mit Salicornia und Ta- 
marix vielfach überwuchertem Nebengelände des Prat, welches 
während des Sommers zum Theil unter Wasser steht, sechszehn 
dieser Vögel (alt und jung) auf, welche nun in der Luft zu krei- 
schen anfingen, welches Geschrei oftmals ganz deutlich durch die 
noch im Nest sitzenden Jungen beantwortet wurde. Der ja sehr 
bekannte Vogel macht übrigens so „en masse" gar keine schlechte 
Figur in der Luft, wozu die Abwechselung der Färbung der ver- 
schiedenen Individuen, wie der leichte schwimmende Flug beiträgt. 

12. Circus cyaneus 
ist, wenn auch nicht so häufig wie der Vorige, doch ein nicht 
seltener Brutvogel; dabei ist es möglich, dass auch < 'im/s 
raceus oder pd ffldü t beobachtet wurde, ohne dass ich Ü6M Arten 
im Fluge zu unterscheiden im Stande gewesen wäre. 

*) Der nach Brehm in ganz SpMMB auch als Bnitrogel einzeln vorkom- 
mende Fako nitut L. wurde nicht von mir bemerkt 



252 Alex. v. Homeyer: 

13. Athene noctua var. meridionalis 
steckt während des Tages in Löchern von Felsen und alten Oli- 
ven, fliegt aber ganz gut zu dieser Zeit. Dieses Käuzchen ist 
nicht eigene Art, sondern nur eine klimatische Ausartung unserer 
noctua, mit der sie ganz dieselbe Zeichnung des Gefieders, die- 
selben Körperverhältnisse, denselben Aufenthalt und sonstige 
Manieren, vor allem aber ganz dieselbe Stimme gemein hat. Der 
einzige ständige Unterschied liegt darin, dass die Tinten des Ge- 
fieders etwas matter und bräunlicher erscheinen, wie dies die Ab- 
bildung Suhsemihls in seinen Vögeln Europa's trefflich zeigt. 

14. Stria) flammea 
hörte ich recht oft Abends in Palma, Mahon und Ciudadela schreien. 

15. Scops zorka 
wurde nicht so oft wie Athene noctua beobachtet, was bei ihrer 
Häufigkeit in Spanien wie Italien auffallen muss; sie hält gern 
die alten Oliven, kommt Abends erst ziemlich spät zum Vor- 
schein, und ist nicht so rührig wie der Steinkauz; sie fliegt nicht 
so viel, sondern schreit ruhig vom Baume herab. 

16. Corvus cor ad-. 

Man sieht den Kolkraben überall paarweise, namentlich aber 
am Seestrande, wo er todten Fischen und anderen Seethieren, 
insbesondere dem Einsiedlerkrebse nachspürt. Diesen weis er 
geschickt zu fassen und aus seiner Wohnung, dem Seeschnecken- 
gehäuse, herauszuziehen; will dieses aber wegen gänzlichen Zu- 
rückziehens des Krebses nicht gleich gelingen, so hämmert er mit 
dem Gehäuse so lange hin und her, bis der Insasse doch endlich zum 
Vorschein kommt. Der mir im Allgemeinen klein erscheinende 
Rabe nistet hier, wie es wohl übrigens auch die meisten Raub- 
vögel thun, mit Vorliebe auf Felsen, indem die hohen Bäume oft 
fehlen; er ist ebenso scheu und vorsichtig, wie anderswo. 

17. Corvus corone. 

Die Rabenkrähe kommt in einzelnen Paaren in Mallorka vor, 
was von Interesse ist, da sie von A. Brehm auf dem benachbar- 
ten Festlande Hesperiens nicht angetroffen wurde, und sie sich 
nach Loche in Algier nur dann und wann im Winter sehen lässt 
Ein Irrthum meinerseits mit dem allerdings „kleinen" Kolkraben 
ist nicht denkbar, denn einerseits wurde mir in Deutschland ein 
Unterscheiden beider Vögel selbst in grosser Entfernung und im 
Fluge niemals schwer, und andererseits fand ich auf Mallorka 
ein Nest von der Rabenkrähe noch Ende April, einer Zeit, in wel- 



Die Balearen. 253 

eher C. corax gewiss nicht mehr brütet. Ich gestehe, dass ich 
damals die Wichtigkeit der Sache nicht kannte, sondern auf die- 
selbe erst später Awnh Brelim mündlich aufmerksam gemacht 
würdig, und somit damals (im Interesse meiner hellen Hosen) den 
Baum (Pinus kbfopeitok) nicht bestieg, auch nicht die Alten sehoss. 
Dies Letztere geschah auch beim späteren Zusammentreffen nicht, 
sondern winde nur immer einfach die betreffende Notiz ins Ta- 
gebuch eingetragen. 

Der Zukunft sei die Entscheidung vorbehalten.*) 
18. Cypselus apus**). 

Der Zug des Seglers, wie auch der drei deutschen Schwalbenar- 
ten war noch vom 15. April bis zum 7. Mai in vollem Gange. Kleine 
und grosse Flüge kamen, hielten sich ein bis drei Tage auf und wan- 
derten weiter, während andere nachfolgten. So hatten wir in 
dieser Zeit oft unzählig viele, oft gar keine Schwalben. 

Die Zugzeit war also noch räthselhaft spät, indem Linder- 
mayer dieselbe für Griechenland schon mit Anfang März begin- 
nen lässt, was für die Balearen vielleicht auch der Fall sein dürfte 
indem die ersten Schwalben in Deutschland sich auch Ende März 
(am 29. 60. bei Rastatt die erste rustica) oder Anfang April zei- 
gen. Hierdurch wurde mir die Gewissheit, woran ich schon lange 
nicht mehr gezweifelt habe, dass einerseits die Vögel derselben 
Art nicht gleichzeitig ihre Winterquartiere verlassen, und ande- 
rerseits in specie die Schwalben, trotz ihres rasend schnellen Flu- 
ges auf dem Zuge nicht hunderte von Meilen hintereinander durch- 
fliegen, sondern von Station zu Station wandern, ein bis zwei 
Tage ausruhen, wobei die oft sehr durch die Witterung bedingte 
Nahrung mitzusprechen hat, und dann erst wieder weiter ziehen. 
Ist die Witterung schön und die Jahreszeit noch nicht zu weit 
vorgerückt, so bleibt der Flug länger anwesend, da Nahrung vor- 
handen ist und der Nisttrieb noch nicht drängt; ist sie kalt und 
unrüstig, so macht der Vogel, aus Noth gezwungen, dass er wei- 
ter kommt, in der Kegel nach der neuen Heimath zu, seltener da- 
hin, woher cv kam: bleiben einige von den Thicren zurück. -<> 
sind diese marode, welche zur Weiterreise sich zu schwach luh- 



Corvus monedula (L.) und Pica qaudata wie cyanea wurden nicht be- 

et, ebenso auch nicht /'i/rrhocoru.c gracutui uin'l uipinus 
*) Von den bettien Nacntschw&lbenarten €aprimvlgus europaeus and 



ruficoU'ts wurde weder bei Tage ein Thier aufgestöbert, noch bei Abendzeit 
gesehen oder gehört. 



254 Alex. v. Homeyer: 

leu und nun sich kümmerlich forthelfen; wird die Witterung noch 
ungünstiger, so gehen dieselben vorzugsweise aus Nahrungsman- 
gel*) leicht zu Grunde, wird sie dagegen günstiger, so schliessen 
sie sich nachrückenden Flügen an und ziehen mit diesen weiter. 
So lässt sich auch die Erscheinung der vielen todten, oder bis 
zum Tode ermatteten Segler (Cypselus apus) erklären, welche man 
im Frühjahr so oft findet. 

Cypselus apus ist als Brutvogel nicht sehr häufig; theils nis- 
tet er in den alten hohen Gebäuden der Städte, theils, und hier 
oft mit Falco tinnunculus und cenchris, mit Columba livia und Mus- 
cicapa grisola zusammen in den zum Meer fast senkrecht abfal- 
lenden Felsen. 

Cypselus melba 
passirte am 23. April durch, und wurde bei Benoetiga, einem Ge- 
birgsorte Mallorka's von mir gesehen. 

19. Cecropis rustica 

ist als Brutvogel, in derselben Färbung wie in Deutschland, nicht 
gar häufig. C. Boissonneautii s. cahirica wurde, obwohl ich sehr 
darauf achtete, nicht beobachtet. 

20. Chelidon urbica. 

Diese Schwalbe hält hier hauptsächlich das Gebirge; in der 
Stadt kommt sie ziemlich selten vor. Sie umkreist oft in star- 
ker Zahl die hohen kahlen Felsen, inmitten des nördlichen Ge- 
birgszuges, so dass man immer an C. rupestris denkt, oder sucht 
die senkrecht abfallenden Felsen des Strandes auf, um daselbst 
ihr Nest anzukleben; hier fand ich Colonien von oft nur zwei bis 
fünf Pärchen, einmal sogar ein einzeln nistendes Paar. 
21. Cotyle riparia. 
Ich hatte die Uferschwalbe während des Zuges ziemlich oft in 
Gesellschaft von H. rustica und urbica, nachher aber nicht mehr 
beobachtet, so dass ich schon glaubte, sie hätte sich nicht ange- 
siedelt. Endlich fand ich eine kleine Kolonie von circa 20 Paa- 
ren bei Alcudie. Sie gingen eifrigst dem Fange der Wasser- 
insekten in der Weise nach, dass sie dieselben theils über dem 
Wasser in der Luft wegschnappten, theils von der Oberfläche 
des Wassers selbst aufnahmen, wobei sie oft die Flügel und den 
Schwanz eintauchten.**) 

*) Nach meinen Beobachtungen kann die Schwalbe ziemlich viel Kälte 
vertragen; so sah ich schon zu wiederholten Malen Hirundo rustica und 
Schneeflocken zu gleicher Zeit. 

**) Die mir in Algier so interessant gewordene Hirundo rupettru, von 



Die Balearen. 255 

22. Cuculua cauorus. 

Der Kuckuk ist während der Sommermonate ziemlich häufig 
in den alten Oliven und Waldstücken, welche sich um den Fuss 
der Berge ziehen; er hat von hier einen freien Flug in das Ge- 
büsch der Vorberge, um daselbst sowohl der Nahrung, wie der 
Fortpflanzung nachzugehen. Die Erstere bestand vorzüglich oder 
sogar fast allein aus den Raupen des Bombyx dispar, welche in 
diesem Sommer zu Millionen auf Pistacia Lentiscus und Quercus 
Hex anzutreffen waren. Ich sah nur die graue Varietät des 

Kuckuks. 

Oriolus galbula 

wurde 1 Mal, und zwar ein Weibchen oder junges Männchen, von 

mir am 12. Mai auf den Vorbergen Mallorkas gesehen. 

23. Merops apiaster 

wird nicht alle Sommer gesehen; erscheint jedoch mit Gewissheit 
von Zeit zu Zeit, wie mir dies von einem dortigen Lehrer ver- 
sichert wurde. Der mir erstatteten Beschreibung zufolge, kann 
ich nicht den geringsten Zweifel hegen und nehme deshalb den 
Bienenfresser hiermit unter die Balearenbewohner mit auf.*) 

24. Upupa epops. 

Ich sah ihn überall ziemlich häufig, namentlich aber zwischen 
den Mauern Menorka's, in denen er mit Vorliebe sein Nest an- 
legte. Er lebt vorzüglich von den im Kulidünger vielfach vor- 
kommenden Staphylinen, welche er mit grosser Geschicklichkeit 
hervorzieht. Vertreibt man ihn von dieser Arbeit, so ist es 
drollig zu beobachten, wie er bald zu wiederholten Malen zurück- 
kommt, um zu sehen, ob der etwa selbst nach Käfern suchende 
Störenfried noch da sei; ist dieser endlich fort, so kehrt unser 
Vogel schnell zurück. Beweist dies Gefrässigkeit oder Neugierde? 
Ich glaube das Letztere, denn oft genug besuchte der Vogel nur 
den durchwühlten Düngerhaufen, um ihn in Augenschein zu neh- 
men und dann ohne weiter nach Würmern zu suchen, davon- 
zufliegen. 

Brelmi überall in Spanien paarweise oder in kleinen Gesellschaften beobachtet, 
sah ich während des Sommers auf den Balearen nicht; dabei soll die Unmög- 
lichkeit ihres Vorkommens nicht bestritten werden, da diese Schwalbe in ganz 
tief eingeschnittenen Thälern höchst zurückgezogen und still lebt, ohne viel 
Wesens von sich zu machen, jedoch sofort durch ihr eigentümliches dunkel- 
graues Aussehen und ihren ruhigen, schwebenden Flug auffallt, wenn man 
durch Zufall in ihr abgelegues, von Felsen umringtes Revier kommt. 

*) Jynx torauitla> Certhta , die in Griechenland so häutige Muudelkrähe 
(Caracias garrula) kommen nicht vor; die S'Uta caesia glaube ich ein Mal bei 
Esporlas gehört zu haben. — 



256 Alex. v. Homeyer: 

25. Butalis grisola. 

Graf Wodzicki war der Erste, welcher in den Karpathen den 
grauen Fliegenfänger als Felsenvogel beobachtete : auf den Ba- 
learen trifft man ihn häufig, sowohl hoch oben im Gebirge und 
in den Felsen der Küste an, wie selbst auf den allerkleinsten, 
dem Festlande benachbarten Klippeninseln, selbst wenn kein Baum 
auf ihnen vorhanden ist. Im Gebirge sind die Felsen sein Lieb- 
lingsaufenthalt, im Fruchtlande die Feigenbäume. 
26. Muscicapa atricapilla. 

Auf dem Zuge, wie als Brutvogel einzeln in den Waldpar- 
tien der Vorberge, wo Querem Hex und Pinus halepensis wech- 
seln, so z. B. beim Belvedere unweit Palma. 
27. Lanius rufus. 

Dieser für unsere Inseln alleinige Repräsentant des Würger- 
geschlechts*) tritt ganz ausserordentlich häufig auf; sowohl auf 
den bewaldeten Abhängen des Gebirges, wie an jedem mit Ta- 
mariscen besetzten Sumpf; sowohl in den oft fast isolirt stehen- 
den Feigen- und Mandelbäumen des freien Feldes, wie ganz beson- 
ders zahlreich in den Baumgärten. Er nistet in der Höhe von 4 —20 
Fuss, nicht minder im Gebüsch, als hoch oben in den Culturbäumen. 
28. Crucirostra curvirostra var. balearica 
(Alex. v. Homeyer.) 

Plüt, plüt, plütplüt! Was, Kreuzschnäbel auf den Balearen? 
Kaum glaublich! Ich war wirklich sehr überrascht, diesen Yogel 
so südlich und dabei so zahlreich zu finden, indem mir die Mit- 
theilung Dr. Erhardt's über die Cycladen (Naumannia VIII, 24) 
erinnerlich war, worin es von dem für Deutschland strengen, für 
die Cycladen mildem Winter von 1855 heisst: 

„Coccothraustes vulgari sund Pyrrhula sanguinea waren so häu- 
fig, dass man sie des Fleisches halber auf den Markt brachte. 
Noch mehr aber überrascht das Erscheinen wirklicher Kreuz- 
schnäbel, nämlich der Loxia curvirostra und pityopsittacus, davon 
ich junge Vögel auf dem Markte von Syra sah; und wenn auch 
anzunehmen ist, dass sich das Vorkommen dieser Arten nur sehr 
ausnahmsweise in besonders strengen Wintern wiederholen dürfte, 
so glaubte ich dennoch es hier erwähnen zu müssen." — 



*) A. Brehm hat auf dem Continent den Lanius exeubitor, minor und 
collurio mit Bestimmtheit nirgends selbst getroffen; den L. meridionalis in 
Mittel- und Süd-Spanien überall, jedoch selten und einzeln; den Lanius rufus 
hingegen überall häufig. - Lanius cucullatus (Teinm) wurde weder v. Brehm 
auf dem Festlande, noch von mir auf den Inseln gesehen. 



Die Balearen. 257 

Für Mallorka, namentlich seinen nördlichen Cxcbirgstheil, ist 
Loxia curvirostra als Sommervogel eine ganz gewöhnliche Er- 
scheinung. Er zieht von einem Kieferwald zum andern trupp- 
weise zu 5 — 15 Stück, und macht sich durch seinen hellen Ruf 
„plüt, plüt" sofort bemerkbar. Er scheint auf dem ersten Blick 
nicht verschieden zu sein von unserem curvirostra obwohl er 
„stets bedeutend kleiner*) ist, und die Weibchen wie die 
Jungen ein eigen thümlich graues Colorit" haben. Dessen 
ungeachtet giebt es zwei interessante Abweichungen, 
nämlich die Form des Schnabels, die ganz an pityopsittucv* 
erinnert, und die auffallende Kürze seiner Flügel. Im 
Lockton, wie Gesang und Lebensweise fand ich jedoch nicht den 
geringsten Unterschied, auch kommt das Männchen schön roth vor. 

Deshalb möge eine Abtrennung dieses Vogels von curvirostra 
gerechtfertigt erscheinen, d. h. nicht als Art, sondern als lokale 
Verschiedenheit unter dem oben angeführten Namen.' 

Der Oberschnabel ist sehr lang, hakenförmig, der Unter- 
schnabel ganz kurz und verdickt. Ich lege hierauf insofern Ge- 
wicht, als es uns beweist, wie sehr die Nahrung im Laufe der 
Zeit auf die Schnabelbildung influirt. Ich meine nämlich, dass 
diese Schnabelform erst im Laufe der Zeit im unaufhörlichen 
Verkehr mit Pinus halepensis, der Kiefer der Balearen, sich nach 
der Eigenthümlichkeit der Zapfen des genannten Nadelholzes 
bildete, und dass sie ebenso geeignet ist zum Oeffnen dieser Conife- 
renfrucht, wie der Schnabel der deutschen curvirostra zum Verkehr 
mit der Rothtannenfrucht, und der des pityopsittacus zum Verkehr 
mit der deutschen Kiefer. Die Gestalt der balearischen Kieferfrucht 
ist schön kegelförmig, grösser und länglicher als bei den Zapfen un- 
serer deutschen Kiefer oder Föhre, sonst ähnlich, die Farbe ist roth- 
braun. Ob der Vogel auch an die viel kompacteren Früchte der 
Pinus Pinea geht, glaube ich kaum, da ich diese Conifere nur ein 
Mal am Bufera Menorka's und auch hier nicht häufig antraf, wäh- 
rend gerade die Pinus halepensis ein eigentlicher Charakterbaum der 
Balearen, und in seinen Wäldern unser Vogel so recht zu I lause 
ist. — Interessant wäre es, Kreuzschnäbel aus Italien zu schon, denn 
ohne Zweifel hat auch der Verkehr mit der Frucht der dortigen 
Karacterkiefer, der Pinus pinea auf die Schnabelioini intluirt.**) — 



*) Der Unterschied ist bedeuter, wie zwischen piti/opsittacus uml nirrirostm. 
**) Brehm hat für seine Person diese Kreuzschnäbel nicht im Freien be 
obachtet, dafür sie aber auf dem Markte in Madrid gesehen, welch»' beim Lust- 

Jouin. f. Ornith., X. Jahrg., Nr. 58, Juli 1862. 17 



258 Alex. v. Horaeyer: 

Was die kurzen Flügel betrifft, so geben sie den Beleg, dass 
dieser Kreuzschnabel schon von Alters her ein Standvogel der 
Balearen ist, womit ich jedoch nicht verstanden wissen will, dass 
er daselbst mit so kurzen Flügeln geschaffen worden sei, sondern 
der Ansicht bin, dass die Flügel nach und nach in der Entwicke- 
lung zurückgeblieben, weil sie eben zu grossen Wanderungen 
nicht verwendet wurden, wozu der stets reichlich vorhandenen 
Nahrung halber, der Yogel gar nicht genöthigt war. 

Nach Catalonien kommt der Kreuzschnabel von den Bergen, 
wahrscheinlich also von den Pyrenaeen herabsteigend, in manchen 
Jahren in Menge. So versicherte meinem Freunde Carl Bolle 
ein auf der Insel Gran-Canaria ansässiger vogelkundiger Catalan. 
Welche Schnabelform hier vorhanden ist, vielleicht nach der 
Frucht des Pinus maritimus gebildet, weiss ich nicht; man nennt 
den Vogel in jenem Lande höchst bezeichnend Rumpe-pinas, 
d, h. Tannenzapfenbrecher. 

29. Serinus flavescens. 

Ein häufiger Vogel, der namentlich auf jenen Abhängen zu 
treffen ist, welche bald Waldgruppen, bald offene, bald nur von 
wenig Gebüsch bewachsene Stellen zeigen. Ist eine Verbindung 
mit Gartenstücken vorhanden, oder gar ein Quell in der Nähe, 
so ist damit ein Lieblingsaufenthalt für ihn geschaffen, nament- 
lich wenn die niedrige Vegetation durch einzelne hohe Bäume 
überragt wird. So kommt es hier denn häufig vor, dass der 
Girlitz sich im Nadelwald der P. halepensis aufhält; geschlossene 
Bestände dürfen es jedoch ebensowenig wie in Deutschland sein. 
Bei Son Oleza traf ich ihn mitten im Gebirge recht häufig an, 
und fand das Nest • daselbst auf einer alten Kiefer, wohl 25 Fuss 
vom Boden entfernt, in den sich neigenden Nebenzweigen; ein 
zweites auf einer Quercus Hex nur 5 Fuss hoch. 

30. Chlor ospiza chloris 
ist äusserst häufig und als Stubenvogel sehr beliebt. Bolle ist (Cab. 
Journ. V. 317.) über das Vorkommen dieses Vogels auf den 
Canaren nicht ganz ins Klare gekommen. 

Ich erlaube mir zu bemerken, dass bei seiner Häufigkeit auf 
den Balearen ich ein Vorhandensein auf den Canaren ganz na- 
türlich finden würde; dennoch lege ich auf die Ansicht des von 



schlösse Granga gefangen waren. Er fand auch im Museum von Madrid 
dickschnäblige Fichtenkreuzschnäbel, Crucirostra paradoxa seines Vaters; wie 
ein Mal auf dem Markte daselbst lebend die C. rubrif'asciata (Brhm.) 



Die Balearen. 259 

meinem Freunde erwähnten Catalanen viel Gewicht, weil der Grün- 
ling (Verdon oder Verderon) in Catalonien sehr häutig ist, und 
demnach von diesem Liebhaber gewiss genau gekannt war. Der 
Name Verdon ist bei Barcelona, Verderon auf den Balearen ge- 
bräuchlich. 

Anmerkung: Brehm sagt vom Kirschkernbeisser (Cocco- 
thraustes vulgaris) : 

„Ganz und gar der unsrige,*) aber aus dem Grunde merk- 
würdig, weil er im Winter wegzieht und erst im Mai im Lande 
wieder einrückt. Möglicher Weise kommt das daher, weil es we- 
nig beerentragende Bäume in Spanien und somit wenig Nahrung 
für ihn giebt u. s. w." — 

Dies stimmt für die Balearen nicht, denn zwei bis drei mal 
sah ich unsern Vogel im Winterkleide ausgestopft, ohne ihn 
während des Sommers im Freien jemals gesehen oder gehört 
zu haben. — 

31. Petronia rupestris (Bp.) 
ist über den ganzen gebirgigen Theil der Insel verbreitet, doch 
an einzelnen Orten häufiger, wie an anderen. Sehr gern ist er da, 
wo Dörfer und Gärten mit alten Oliven und Mandelbäumen in oder 
am Gebirge liegen; am häufigsten, wo ganz isolirte Felsen am Fuss 
des Gebirges, am Abhänge oder am Thalrand stehen. Hier lebt 
er gern colonieweise, in den Oliven mehr zerstreut. Die Männ- 
chen sitzen Morgens auf der Hohe und schreien mit einem be- 
wunderungswürdigen Eifer ihr dreisilbiges ciüib, ciüib, welches 
höchst karakteristisch ist und kaum mit einer anderen Vogel- 
stimme verglichen werden kann; Bolle nennt es „Schnalzern I," 
welcher Vergleich nicht übel ist. Der Ton liegt übrigens ganz 
auf dem langen i. Kommt man näher, so sieht man nur diesen 
einen schreienden Vogel in ziemlich kecker Stellung, ein we- 
nig mit dem Schwanz seitwärts wippend; tritt man noch näher 
heran, so fliegt er in schnellem Fluge fort, und mit ihm fünf bis 

*) Um so interessanter ist, dass der Kernbeisser in Algerien merklich ab- 
weicht. Er ist augenfällig kleiner und nach dem von Herrn Dr. Huvi y 
im Mai gesammelten Pärchen zu schliessen, weniger lebhaft gefärbt, namentlich 
beim Weibchen an der Unterseite, oben am Kopfe, am Bürzel und Schwänze 
mehr ins Graue ziehend. Während bereits manche algerische Art in Betreff 
ihrer Species-Dignität lebhaft in Betracht gezogen wurde, scheint man de* Kern 
beisser bisher ganz ignorirt zu haben. Es dürfte dahe-r ?oi wissenschaftlichem 
Nutzen sein, wenn derselbe (zur Kiinnerung an den eifrigen Reisenden and SO 
geschickten als erfolgreichen Sammler) als Coccothraustes Ihicnji abgesondert 
würde — um die Aufmerksamkeit sicherer auch auf diese elimatisehe Abart 
gelenkt zu sehen. Der Herausg. 

17* 



260 Alex. v. Homeyer: 

sechs seines Gleichen, welche ruhig und versteckt neben ihm ge- 
sessen hatten. Ist die Schaar auf dem nächsten Felsen oder 
Baum angekommen, so versteckt sich Alles sofort, um so schnell 
als möglich wieder wegzueilen, sobald man wieder durch Näher- 
treten stört. Merkt der Vogel, dass man auf ihn Jagd macht, 
so ist er ausserordentlich scheu und vorsichtig, und in den Fel- 
sen kaum zu erlegen. Ich begreife übrigens nicht, wie man die- 
sem schlauen und durch und durch vorsichtigen und aufmerksa- 
men Vogel hat das Prädikat „stultus" geben können, auf den 
Balearen scheint es wenigstens nicht gerechtfertigt. Am Besten 
schiesst man diesen Sperling in den Gärten zur Fortpflanzungszeit, 
wenn er, wie es Passer campesiris »s. montanus auch thut,*) zum 
Astloche herausschreit. Zur Sommerzeit verlässt er gern der 
Nahrung halber das Gebirge auf mehrere Stunden; man trifft ihn 
alsdann in der ganzen Niederung an, bald auf dem reifenden 
Waizen sitzend, bald an uns vorüber im schnellen Fluge, trupp- 
weise zu fünf bis acht „laut quietschend" dahinschiessend. 
32. Passer domesticus. 

Unseren Haussperling traf ich überall, doch nicht so häufig 
wie in Deutschland, an. Man hält ihn wie cisalpinus mit einer 
gewissen Vorliebe im Käfig „seiner Rührigkeit halber (parcequ'il 
bouge)", wie man mich in Marseille versicherte. 

Passer dorn. var. cisalpinus beginnt bei Lyon und hört bei 
Algier auf; in Lyon sah ich nur den echten braunköpfig- weiss - 
backigen Vogel; in den viel südlicheren Städten Marseille und 
Barcelona hingegen wieder nur domesticus, und auf den Balearen 
wie in Algier beide Typen ziemlich häufig. Im Museum zu Al- 
gier nahm ich Gelegenheit, die ganze Suite von Sperlingen zu 
mustern, und gestehe, so viele Uebergänge zwischen braun- und 
graubraunköpfigen, zwischen weiss- und graubäckigen Individuen 
gefunden zu haben, dass ich Passer domesticus, tingitanus (Bp.)**) 
und cisalpinus nicht als selbstständige Arten ansehen kann. In 
Lebensweise und Stimme, Beschaffenheit des Ei's und der Fort- 
pflanzung ist übrigens wohl nicht der geringste Unterschied. 



•) Er nistet auch gern in der Weise dieses Vogels. 

**) Tingitanus, Ch. Bonap. Cat. Parzud. (1856), p. 18., sp. 12. Ich habe 
unterlassen eine genaue Notiz über das Original-Exemplar des Museums zu 
Algier zu machen, eben weil ich keinen erheblichen Unterschied fand, wenn 
ich mich dessen recht erinnere, so ist die etwas grössere Ausdehnung der 
dunklen Kropf- und Brustfedern die Ursache der Abtrennung. 



Die Balearen. 261 

Passer salicarius. (Vieill.) 
kommt auf den Balearen nicht vor, ist aber in Algier, z. B. 
am See Hulula ausserordentlich häufig. Man will diesem interes- 
santen Vogel die Artberechtigung absprechen und ihn mit P. do- 
mesticus und cisalpinus entweder ganz verschmelzen, oder doch 
nur als klimatische Race bestehen lassen. — Ich halte beide An- 
sichten für nicht gerechtfertigt. Der europäische Haussperling 
variirt, und so entstanden domesticus, tingitanus (Bp.), rufidorsalis 
(Brehm) und cisalpinus, ohne jedoch irgend welche Uebergänge 
zu salicarius s. hispaniolensis zu zeigen. P. domesticus etc., d. h. 
also die Haussperlings-Type mit ungefleckten Flanken und 
rundlichen Schnabel-Formen ist europäisch und hört in Ae- 
gypten und Algier auf; salicarius hingegen, also die Type mit ge- 
fleckten Flanken und kantigen Schnabel-Formen beginnt 
auf den Canaren und zieht sich durch das ganze, in sich so ei- 
genthümliche Mittelmeergebiet weit nach Central-Asien bis in die 
Bucharei hinein.*) Letzterer scheint ebenfalls unter sich ein we- 
nig, aber nicht im Entferntesten in dem Maasse wie der Haus- 
sperling (P. domesticus) zu variiren. So hat er nach Bolle auf 
den Canaren einen sehr dunklen, fast schwarzen Rücken, in Ae- 
gypten als rufipectus (Bp.) eine sehr röthliche Flankenzeichnung. 
Dass die Weibchen sämmtlicher Haussperlingstypen, salicarius 
mit eingeschlossen, sich so ausserordentlich gleichen, so dass sie 
kaum oder nicht von einander zu unterscheiden sind, dürfte in Betreff 
der Artberechtigung nur für den ersten nicht für den zweiten Mo- 
ment störend sein, da wir wissen dass die Weibchen einiger den 
Sperlingen nahestehenden Ploceus-Arten ebenfalls sich ganz gleich 
kommen. Dahingegen dürfte uns Bolle's, durch ein im Berliner Mu- 
seum befindliches Exemplar uns Sardinien sichtlich bestätigte, Mit- 
theilung (s. Cab. Journ. 1857 p. 305.), dass der junge salicarius 
einen wachsgelben Schnabel hat, um so mehr interessiren, als ge- 
rade dieser Umstand für die Artberechtigung in die Waagschale 
fallen muss. Eine klimatische Varietät des Haussperlings ist un- 
ser Vogel ebenso wenig; woher käme es sonst, dass er beim Zu- 
sammenleben mit allen diesen fremden Sperlingen bei derselben 
Nahrung, demselben Klima, dennoch anders und ständig gefärbt 
ist, ohne Uebergänge zu zeigen? 

*) Der nachweislich mit der fortschreitenden Kultur (Ackerbau) in Sibirien 
hinaufgerückte Sperling (P. Pallasii BpJ hat keinerlei Beziehungen zu un- 
serm domesticus sondern entschieden nur zu salicicohis 8. hispaniolensis! Beide 
waren sicherlich schon im Alterthum verschiedene Species. D. Herausg. 



262 Alex. v. Homeyer: 

Nein! Wer unseren Vogel im Freien kennen gelernt hat, 
muss ihn als selb st ständige Art betrachten, darüber sind mit mir 
einer Ansicht: Carl Bolle für die Canaren und Capverden, Alfred 
Brehm für Spanien und Egypten,*) Hansmann für Sardinien und 
Graf von der Mühle für das südliche Griechenland und die dor- 
tigen Inseln. Passer salicarius ist das für die Flur, was domesti- 
cus für das Haus ist. Deshalb nennt Savi ihn auch in seiner klassi- 
schen Ornithologia Toscana „Passera sarda" mit dem Hinzufügen, 
dass derselbe nach seinen Beobachtungen in Korsika und Sici- 
lien, und nach Anderen auch in Calabrien vorkomme; dass der 
Franzose als Kolonist in Algier unter „le moineau des campagnes" 
unsern Vogel versteht, dürfte übrigens ebenfalls den Aufenthalt 
und das Leben charakterisiren. Ja, Passer salicarius meidet in 
Algier die menschlichen Wohnungen, während domesticus sie 
aufsucht, und kommt mit diesem entweder gar nicht in Berührung 
oder nur auf dem Futterplatze, etwa einem Waizenfelde. Hier 
sieht man beide Arten vermischt, aber mit dem Unterschiede, 
class domesticus etc. vom Hofe dahin, jener aber aus der Flur, 
aus der Wildniss dorthin kam, und dass, wenn man beide Vögel 
verscheucht, domesticus wieder dem Hause, salicarius aber wieder 
der Wildniss zufliegt. 

Carl Bolle schreibt mir so eben über Passer salicarius s. his- 
paniolensis Folgendes : 

„Dieser Vogel ist im Ganzen mehr ein Feld- als ein Haus- 
sperling; er hält sich in den meisten von ihm bewohnten Ländern 
von den Ansiedelungen fern. Doch erleidet diese Regel auch 
ihre Ausnahmen. Wo kein anderer Sperling neben ihm wohnt, 
wie z. B. auf einigen canarischen Inseln, da folgt auch er der 
Neigung seiner Gattungsgenossen, sich dem Menschen anzuschlies- 



*) Nachdem ich dies geschrieben, bekomme ich nachträglich die schon 
mehrmals citirte Arbeit Alfred Brehms (Naturhistorische Zeitung 1857) in die 
Hände, und lese darin Folgendes über den Sumpfsperling, was ich um so lieber 
anführe, da es mir so ganz aus dem Herzen gesprochen ist. Brehm sagt da- 
selbst Seite 452: 

„In Mittel- und Südspanien an Flüssen und Sümpfen in Heerden. Ich 
habe schon früher irgendwo dieser, von der des Haussperlings gänzlich ab- 
weichenden Lebensweise Erwähnung gethan, und werde später mehr zu sagen 
haben. Für jetzt nur so viel: dass Einer, welcher helle Augen hat, auch von 
Weitem diese „klimatische Varietät" unseres Haussperlings sofort von diesen 
im Flug und Betragen unterscheidet, obgleich letzterer gar oft neben dem 
Sumpfsperling lebt — vielleicht in der stillen Hoffnung, nun endlich bald um- 
klimatisirt zu werden. In Ost- und Nord-Spanien scheint er aber dazu noch 
wenig Aussicht zu haben, sintemal und alldieweil der Sumpfsperling dort gar 
nicht vorkommt." — 



Die Balearen. 263 

sen. Palmenkronen allem Uebrigen als Wohn- und Niststätten 
vorziehend, haben eben diese Bäume, welche der Landmann um 
seine Wohnungen zu pflanzen liebt, ihn zuerst mit der Nachbar- 
schaft des Herrn der Schöpfung vertraut gemacht. So hat er 
sich nach und nach daran gewöhnt, seine Nahrung nicht allein 
auf den, Fluren, sondern auch auf den Dreschtennen (Eras) der 
Höfe und an anderen belebteren Orten aufzusuchen, und ist zu- 
letzt in gewissen Strichen seines Verbreitungsbezirks ein dem 
Passer domesticus an Individuenzahl und Zutraulichkeit kaum nach- 
stehender Hausgenosse des Menschen geworden." — 

Im Fluge hat mich unser Vogel vielfach an den Steinsperling 
erinnert, doch unterscheidet ihn sein schlanker Körperbau sofort, 
sein Flug ist auch noch schneller und hält sich in demselben die 
ganze Schaar von oft hundert und mehr Vögeln auch auf weite, 
gern direkt und ohne Aufenthalt zurückgelegte Entfernungen 
dicht geschlossen, was kein anderer Sperling thut. Er nistet 
wie Bolle dies sehr schön (Cab. Journ. 1857. p. 307,) von den 
Canaren schildert, in den Palmenkronen oder wo dergleichen 
fehlen, nach meinen Erfahrungen in Algier in anderen Bäumen, 
z. B. in den wilden Oliven oben in den Zweigen, colonienweise, 
so dass man zwanzig Nester auf einem Baum beisammen finden 
kann. Jedes einzelne ist eine unförmliche Masse von dem Aus- 
sehen des Nestes unseres Haussperlings, wenn dieses auf einen 
Baum gesetzt wurde. Die Stimme des Passer hispaniolensis ist 
ganz haussperlingartig, doch ist sie stärker, reiner und wohl auch 
mannigfaltiger, wenngleich auch wieder einzelne dem P. domesticus 
eigenthümliehe Laute fehlen. Eine grosse Verschiedenheit der- 
selben ist aus bekannten Gründen bei allen Sperlingen überhaupt 
nicht zu erwarten ; und doch glaube ich, der Stimme nach unse- 
ren Vogel sicherer von domesticus*) unterscheiden zu können, 
wie manche andere sich nahestehende Vögel, so z. B. die bei- 
den hiesigen Kreuzschnäbel, welche dennoch gute Arten sind. 
33. Fringilla coelebs. 

In Betreff des Buchfinken sind die Balearen mit Einblick auf 
die Type apodiogemjs des benachbarten Algiers von grossem In- 
tvivs>c: und in Wahrheit, wenn es wirklich reine klimatische 
Racen gäbe, d. h. einzig und allein durch das Klima herbei- 



•) Ich kann insofern genau darüber artheilen, weil ich zwei Passer hispa- 
niolcnsis aus Algier, einen P. domesticus und einen P. montanus s. campes- 
tris im Käfige nahe. 



264 Alex. v. Homeyer: 

geführte Abänderungen, so müsste der Buchfinke der Balearen 
mitteninne stehen, zwischen dem europäischen coelebs und dem 
afrikanischen spocliogenys. Dies ist nun nicht der Fall, sondern 
die balearische Type repräsentirt uns den deutschen Buchfink 
(coelebs) mit seiner Kopf-, Backen- und Brustzeichnung in höch- 
ster Farbenpracht, was natürlich beim Männchen am augenschein- 
lichsten hervortritt; ebenso ist der Lockton und der Gesang 
von dem des Unsrigen in keiner Weise verschieden, — kurz, es 
ist in jeder Beziehung unsere Fringilla coelebs. 

Die afrikanische Type spodiogenys ist also nicht eine Race, 
sondern wie der Teydefink und der Tintillon*) der Canaren eine 
gute Art. Der Vogel ist grösser und, worin ich mich nicht ge- 
täuscht habe, schlanker gebaut; er trägt sich im Sitzen, wie im Gehen 
auf der Erde bachstelzenartig mit wenig gehobenem Schwänze. 
Der Lockton ist ganz verschieden, nämlich dem des Budytes fla- 
vus sehr ähnlich und demnach mit dem des unsrigen nicht zu 
verwechseln. Sein Schlag ist echt finkenartig, zwar erkennt man den 
Edelfinken sofort, doch werden die einzelnen Sylben nicht so rein 
und hart, wie bei coelebs abgesetzt, sondern durch R-Töne (fri, 
fri statt fi, fi,) mit einander verbunden, wodurch der an und 
für sich kürzere Gesang unrein erscheint. 

Auf den Balearen lebt der gerade nicht sehr häufige Buch- 
fink an denselben ertlichkeiten, wie ich sie bei Fringilla serinus 
beschrieben, doch können die Wälder der Pinus halepensis noch 
geschlossener sein, ohne dass es ihn stört. Diese belebt er na- 
mentlich am Fuss der Berge auf das Angenehmste. Ziemlich oft 
trifft man ihn auch in den fruchtbaren Thälern des nördlichen Ge- 
birgszuges an, wie auch in den Obstbaumpflanzungen der Gebirge 
mittlerer Höhe, um daselbst mit gewisser Vorliebe in den Oliven 
zu nisten. Für die Balearen ist der Buchfink Standvogel, denn 
sonst würde man ihn in Algier während der Zugzeit finden, was 
jedoch excl. eines Falls aus neuester Zeit nach der mündlichen 
Mittheilung Loche's, nicht stattfindet, weshalb Nord-Afrika nicht 
als Wohnplatz unserer Fr. coelebs zu betrachten ist, wie Lenz es 
annimmt, (s. Lenz Naturgeschichte der Vögel S. 155.) 

A. Brehm sagt übrigens in der naturhistorischen Zeitung 
1857 S. 453: 

„Der Edelfink Fr. coelebs lebt „ständig" wahrscheinlich nur im 

# ) Fringilla teydea (Berth.) und F. Tintillon (Berth.) 



Die Balearen. 265 

Norden Spaniens ; im Winter ist er als Gast überall häufig anzutreffen. 
Ich habe nie einen Unterschied zwischen den in Deutschland leben- 
den und den in Spanien vorkommenden Edelfinken finden können." — 

Brehms Beobachtungen auf dem €ontinent passen also mit den 
meinigen für die Inseln vollkommen, nur dass seine Vermuthungen 
über das ständige Leben nicht ganz richtig sind, indem die Bale- 
aren doch nicht zum Norden Spaniens gerechnet werden können. 

Mag hier Einiges über den Vogelzug bemerkt werden: Ob- 
wohl im Allgemeinen ein Rücken in der Weise stattfindet, dass 
z. B. Vögel Schwedens nach Deutschland, die deutschen nach Ita- 
lien, und diese nach Afrika ziehen, so darf man andererseits doch 
nicht zu weit in dieser Annahme gehen; und ich meine, dass ge- 
rade Vögel, die so hoch nördlich leben, dass sie durch Klima und 
Nahrungs Verhältnisse alljährlich gezwungen werden, zu wandern, 
auch zuweilen, da sie einmal im Reisen begriffen sind, nament- 
lich, wenn an Ort und Stelle ungünstige Witterung eintritt, ohne 
Bedenken noch weiter ziehen; während sich dieselbe Art, südli- 
cher lebend, und für gewöhnlich durch das Klima und den Ueber- 
fluss der Nahrung nicht zum Wandern genöthigt, schwer zum Zie- 
hen entschliesst. So kann es kommen, dass Vögel derselben Art 
nach Süden durchwandern, ohne dass die schon mittäglicher woh- 
nenden nachfolgen, — eben weil sie an das Wandern nicht gewöhnt 
sind. Für Neu-Vorpommern, den mittleren Rhein und Schlesien lie- 
fert hierfür gerade der Buchfink einen Beleg, indem viele Vögel 
dieser Art während des Winters bleiben, indess Vögel Schwe- 
dens und Norwegens in grossen Schaaren durchziehen. Man be- 
obachtet dies sowohl zur Periode des Herbstzuges, wie nament- 
lich auch im Frühlinge; denn da sind unsere Standvögel schon 
vollauf mit dem Nestbau beschäftigt, während noch immerfort aus 
den Winterquartieren zurückkehrende Schwärme durchziehen. 

34. Cannabina linota. 

Ein äusserst häutiger Vogel der Vorberge. Vom deutschen ist 
er in Nichts abweichend; als Zimmervogel hält man ihn nicht oft. 

35. Carduelis elegans. 

Mit dem Hänfling gleich häufig in den Vorbergen. Auch zur 
Brutzeit sieht man Schaaren von Stieglitzen, Hänflingen und Gir- 
litzen, welche, meist aus Männchen bestehend, indem die Weibchen 
brüten, singend die Nachbarschaft des Nistreviers durchziehen, 

*) Siehe die übereinstimmenden Beobachtungen von iinaenn Altmeister 

Brehm (Allg. Nat.-Zeit. p. 21 ( J.) 



266 Alex. v. Homeyer: 

36. Miliaria cana. 

Der sehr häufige Grauammer lebt nach Art seiner in Deutsch- 
land wohnenden Artgenossen in den Feldern, wie auch in den 
Gärten. 

37. Emberiza cirlus*) 

Der einzige südliche Ammer, der auf den Balearen vorkommt. 
Er findet sich da, wo Miliaria cana aufhört, d. h. also im Gebirge. 
Einem fruchtbaren Thal sowohl, welches er mit Vorliebe bewohnt, 
wie auch allen nur einigermaassen bewaldeten oder bebuschten 
Bergabhängen dürften ein bis fünf Pärchen nie fehlen. Der 
Vogel verräth sich bei seinem sonst so harmlosen und stillen 
Leben gar bald durch den scharfen Lockton, nicht minder durch 
den weithinschallenden Stottergesang. Ganz oben auf dem Ge- 
birge, wo der Baum wuchs aufhört, und nur ganz niederes Ge- 
büsch steht, oder gar auch dieses fehlt, kommt unser Vogel nicht 
vor. Zu grosse Dürftigkeit der Vegetation und Mangel jeglichen 
Wassers liebt er durchaus nicht. Die Männchen variiren kaum 
unter sich. 

38. Melanocorypha brachydactyla. 

Diese kleine, hübsche Lerche ist in einer überraschenden An- 
zahl vertreten. Sie ist auf jedem Felde, selbst wenn es ziemlich 
mit Bäumen besetzt ist; auf den wenigen nassen Süss- und Brack- 
wasser-Wiesen, auf den dürftigen Sandpartien des südöstlichen 
Strandes, auf den Felsen der Vorberge, in dem fruchtbaren Ge- 
treide-, Mais- und Oelfruchtgelände, kurz überall, nur nicht in dem 
eigentlichen Gebirge und dem Walde; sind jedoch die cultivirten 
muldenförmigen Thaleinschnitte nicht zu klein und eng, so. zeigen 
sich selbst hier einige Pärchen. Bald singt diese Lerche aus der 
Luft, bald von einem Stein oder einer Ackerscholle herab, na- 
mentlich Abends bei untergehender Sonne, oder Morgens, um 
gleichzeitig das Gefieder zu ordnen. Wird irgendwo gepflügt, so 
findet sich unsere Lerche aus der ganzen Nachbarschaft zu Hun- 
derten der Nahrung halber ein, welche ungefähr dieselbe ist, wie 
bei A. arvensis. Ihr Gesang ist nicht ausgezeichnet, wie dies auch 
schon v. d. Mühle angiebt. Die Jungen sind schön gelb gefleckt. 

Dass Alauda calandra auf den Balearen nicht vorkommt, muss 



*) Brehms Beobachtung über die Emberiza citrinella auf dem Festlande, 
dass dieselbe nämlich nur im Innern lebt und die Küsten meidet, findet in 
dem Nichtvorhandensein auf den Balearen eine hübsche Bestätigung. Embe- 
riza schoeniclus wie cia wurden niemals gesehen, trotzdem wir soviel nament- 
lich nach der Letzteren ausschaueten. — 



Die Balearen. 267 

um so mehr befremden, da sie sowohl in Spanien, wie in Italien 
und Stid-Frankreich heimisch ist. Während meines Aufenthalts 
schrieb ich der oceanischen Lage die Ursache zu, doch kann dies 
nicht richtig sein, weil A. calandra selbst als Brutvogel auf den 
Cycladen vorkommt. 

39. Galerita Teklae (Brehm)? 

Unser Altmeister Brehm giebt in der Naumannia VIII. 204. 
eine karakteristische Beschreibung aller seiner Haubenlerchcn- 
Species und Subspecies. Mich hat diese Arbeit sehr interessirt, 
und doch bin ich nicht so glücklich gewesen, die Arten etc. un- 
terscheiden zu lernen. Dessenungeachtet lässt sich nicht läug- 
nen, dass Vogelarten unter sich oft sehr variiren, wie es auch be- 
kannt ist, dass gerade die Haubenlerchen hier in erster Linie ste- 
hen, indem sie selbst nach der Beschaffenheit der Oertlichkeit 
in dem Maasse abweichen, dass sie auf schwarzem Moorboden 
dunkleres, auf lichterem Sandboden helleres Colorit, und ausser- 
dem noch andere kleine Abweichungen zeigen. So entstand bei- 
spielsweise Brehm's Galerita cristata nigricans vom schlammigen 
Ufer des Nil's und Galerita flava von den hochliegenden Berg- 
abhängen derselben Gegend. Aus Spanien hat derselbe Autor 
mehre Unterarten, — seine Galerita Teklae aber will er als gute Art 
betrachtet wissen, und stellt sie fast, „den Körperverhältnissen, 
Schnabel etc. nach" als Uebergang zu Alauda arborea hin. Ihre 
Diagnose lautet: 

„Galerita cristata vulgari multo minor et striis longitudinali- 
bus distinctis et valde conspicuis in ingluvie, quibus Galeritae ar- 
boreae similis fit insignis." — 

Vor meiner Reise war ich hierüber genau unterrichtet und 
schenkte während derselben den Haubenlerchen eine grosse Auf- 
merksamkeit. 

Wenngleich die Haubenlerchen auf den Balearen variirten, 
so war doch eine mittelgrosse Type mit ziemlich kurzem, sehr 
hohem Ober- und sehr breitem Unterschnabel vorherrschend, 
deren Hinterzehen mit langem, wenig gekrümmten Nagel verse- 
hen ist, Das Colorit zeigt sich im Allgemeinen sehr gesättigt 
rostfarben; die weisslichc Kehle ist wenig-, die intensiv rostgelb 
gefärbte Brust strak schwarz-, de* rostgclbc Hauch -rar nicht ge- 
fleckt. Kopf und Rücken sind gesättigt graubraun, der erster« 
deutlich schwarz gefleckt und nicht fein gest i ichclt. der letztere 
oben deutlich, unten fast nicht gefleckt. Der rostfarbene Augen- 



268 Alex. v. Homeyer: 

streif ist breit und deutlich; die Binden auf den Flügeln sind 
nicht deutlich, die Schwungfedern länger wie die Oberflügeldeck - 
federn, und zwar die zweite die längste; die Oberschwanzdecken 
rostfarbig, die mittleren Steuerfedern schwarzbraun mit hellbräun- 
lichen Enden, die äussere Steuerfeder ganz rostfarbig, die zweite 
schwarzbraun mit rostfarbiger Aussenfahne; die oberen wie un- 
teren Steissfedern sind rostfarbig. Ausser dieser Type sah ich 
zuweilen sehr kleine und dabei sehr gelbliche Exemplare. Beide 
Formen waren in Hinsicht ihrer Lebensweise ganz gleich und 
von unserer deutschen Haubenlerche sehr verschieden. Brehm 
sagt, dass seine A. Teklae den Uebergang zu A. arborea mache; 
— seltsam, hiernach haben alle Haubenlerchen der Balearen, 
sowohl in Hinsicht ihrer Lebensweise, wie auch ihrer Stimme, 
gerechten Anspruch zu A. Teklae zu gehören, denn sie leben auf 
den Balearen da, wo man bei uns die Haidelerche -anzutreffen 
gewohnt ist. In der Ebene, namentlich auf dem fruchtbaren 
Felde, wo es fast überall kleine Gehöfte und mit diesen auch 
Wege und Strassen giebt, fand ich unsern Vogel nicht.*) 
Am Fuss des Gebirges beginnt er, an den Abhängen ist er 
überall häufig und selbst auf dem kahlen Kamme der hohen 
und höchsten Ketten steigt er hinauf, um hier auf Felsblök- 
ken sitzend, mit den Felsendrosseln Trauerconcerte auszu- 
führen. So dicht und so hoch wie in Deutschland ist der 
balearische Wald allerdings nicht, aber doch kann man ihm 
den Charakter des Waldes nicht absprechen, überdies spielt 
das Gebüsch oft die Rolle des Unterholzes in dem Maasse, 
dass man kaum durchdringen kann, am allerwenigsten eine freie 
Aussicht hat. Hier nun trifft man diese Lerche überall. Sind 
kleine offene Stellen vorhanden oder überragen einige Felsen- 
blöcke das Strauchwerk, oder führt ein schmaler Eselssteig hin- 
durch, so ist damit für sie ein Lieblingsaufenthalt geschaffen. 
Der Vogel fliegt dicht vor uns auf und setzt sich auf den nächsten 
Baum oder Strauch, wozu er factisch oft gezwungen ist, indem 
häufig das Gebüsch so dicht steht, das,s ein freies Plätzchen auf 
dem Boden nicht übrig bleibt. So wie in Deutschland die Hau- 
benlerche auf der Dachfirste läuft und die Bewohner des Gehöf- 
tes durch ihren Gesang erfreut, also singt sie hier wie eine Hai- 



*) Lenz giebt in seiner Naturgeschichte der Vögel, für die deutsche Hau- 
benlerche grade die Ebene mit Wegen und Gehöften, als Lieblingsorte des 
Aufenthaltes an, was sehr richtig ist. 



Die Balearcn. 269 

delerche vom Baume herab. Der Gesang des deutschen Vogels 
ist zu charakteristisch, als dass er nicht von jedem Kinde ver- 
standen würde, der unserer Type ist ein ganz anderer. Das 
Klagende, der Haidelerche ist ihm nicht nur eigen, sondern er 
übertrifft diese liebe Sängerin gerade in dieser Eigenthümlichkeit 
des Gesanges noch bedeutend. Auch der Ton ist durchaus ver- 
schieden von dem der deutschen Haubenlerche, er ist so weich, 
so klagend, so silberrein, ähnlich wie bei A. arborea, aber noch 
melancholischer und dann, was den ganzen Vortrag anbetrifft, 
die Strophen stehen zur Tonweise in engster Harmonie. Ich 
kenne kaum etwas Schöneres, als den gefühlvollen Gesang die- 
ser Lerche, während im Vergleich damit der oft schreiende Ton 
und die Sangweise unserer AI. cristata mir oft zuwider war. 
Den schreienden Lockton, der ja hier zu Lande beim Landmann 
auf Regen deuten soll, hörte ich niemals, dafür ein wehmüthiges 
Klagen „trüi, trüi, trüii," ähnlich aber nicht so stark und schreiend 
wie bei Alauda calandra. Schliesslich bemerke ich noch, dass 
ich den Gesang, ah ich ihn zuerst hörte, durchaus nicht für den 
einer Haubenlerche halten wollte. — 

Bei Unterscheidungen von Arten und Racen lege ich viel 
Gewicht auf die Zeichnung und den Lockton ; dass auch hier Ab- 
weichungen stattfinden können, ist mir bekannt, die grossen Edel- 
falken und der* Hühnerhabicht geben mit ihren das Alter bestim- 
menden Längs- oder Querflecken einen sicheren Beleg, aber im 
Allgemeinen glaube ich, dass beide zusammen die Art bestimmen. 
Hier nun kann von der unbedeutenden Abweichung der Zeichnung 
eher abgesehen werden, da diese bei allen Lerchen nicht viel 
variirt, man sehe nur die nordafrikanischen Arten an, wie ich 
hierzu im Museum zu Algier Gelegenheit hatte. Was jedoch den 
gänzlich verschiedenen Lockton anbetrifft, im Verein mit einem 
ganz abweichenden Gesang und einer ganz anderen Lebensweise, 
so giebt sie uns den Fingerzeig, dass wir es hier mit einer gu- 
ten Art, und wie ich vermuthe mit Brehm's Galerita Tehlae zu 
thun haben. Will man diese Ansicht jedoch nicht gelten lassen, 
so kann von jetzt ab beim Zusammenziehen nahestehender Vögel 
zu einer Art, nicht mehr davon die Rede sein , dass Vö* 
weil sie sich im Betragen durchaus nicht unterschei- 
den, zu einer Art gehören, denn noch ein Mal, in Hinsicht 
des Aufenthaltes, des Betragens und der Stimme ist die baleari- 
sche Haubenlerche von der deutschen himmelweit verschieden. 



270 Alex. v. Homeyer: 

40. Corydalla campestri s. 

Dieser Pieper ist überall häufig anzutreffen, nur den ganz 
geschlossenen Wald und die nächste Nähe das Prat meidet er. 
Seine Lieblingsplätze sind die nur massig bewachsenen, unmittel- 
bar zur See abfallenden Fels- oder Bergabhänge, so dass ich 
anfänglich immer den Anthus aquaticus vor mir zu haben glaubte; 
dann auch die dürren, nur mit kurzem Gras, der Lentiske und 
dem Stechapfel dürftig bedeckten Sandfelder, die sich von Palma 
aus an der östlichen Seeküste entlang ziehen; und endlich hoch 
oben im Gebirge an allen den Orten, wie wir sie bei Alauda 
Teklae kennen lernten, und wo wir eher den Anthus arboreus 
als diesen Pieper zu finden geglaubt hätten. Das eigentliche 
Fruchtland liebt der Brachpieper nicht, da man in diesem jedoch 
so oft sterile, mit der Zwergpalme überwucherte Hügelpartieen 
antrifft, so fehlt er auch hier nicht. Der Vogel sitzt gern frei 
auf den zwischen dem Gebüsch liegenden und oben hervorsehen- 
den Steinen, auf Felsabsätzen, welche in die See hinausschauen, 
auf Mauern, Sandhügeln und selbst sehr häufig auf den untern 
Aesten der Bäume, wie oben auf den dichten Ranken. Geht er 
der Nahrung nach, so läuft er behende zwischen dem Gesträuch 
umher, ist dabei ziemlich harmlos und nicht scheu; wird er aber 
gestört, so steigt er schräge in die Luft und ruft sein klares 
cirlui (Accent auf ui); in einer Höhe von 100 bis 150 Fuss wird 
der Flug zappelnd, der Vogel fliegt unregelmässig hin und her, 
ohne Kreise zu beschreiben, iieissig cirlui weiter rufend, woraus 
der ganze Gesang zu bestehen scheint. — Bei Glogau habe 
ich jetzt vielfach Gelegenheit, den hier ziemlich häufigen Brach- 
pieper zu beobachten, aber nie habe ich das cirlui so deut- 
lich rufen hören, wie es auf den Balearen stets geschah, auch 
kommt mir der deutsche Vogel viel wilder und ungestümer vor. 
Die in Deutschland zur Herbstzeit so oft gehörten Locktöne, 
splief oder spliet hörte ich weder auf Mallorka,, noch jetzt zur 
Frühlingszeit hier in Schlesien. Der balearische Name Piula 
scheint ihm wegen seines Locktones geworden zu sein. 

Dieser Vogel giebt uns auch den Beweis, wie verschieden 
oft die Verbreitung ein und derselben Species auf dem Festlande 
und den Inseln ist ; A. Brehm sagt vom Festlande : „Auf dem Zuge 
als durchwandernder Gast paarweise und in kleinen Gesellschaf- 
ten ; wohl auch hier und da Brutvogel. Wir beobachteten ihn am 
2. Mai bei Masnou in Catalonien, am 11. Juli bei Engudra in Valencia, 



Die Balearen. 271 

am 20. August und 20. September bei Murcia, immer sehr einzeln." 
Und ich von den Balearen: „Ueberall häufig als Brutvogel." — 

Was Zander von der Zeichnung der südlichen Brachpieper 
sagt, passt vorzüglich, denn von sechs Exemplaren haben vier nicht 
die geringste, und zwei kaum sichtbare Fleckenzeichnung des Un- 
terleibes und des Rückens. Der Oberkopf ist hingegen stets ziem- 
lich stark schwarz gefleckt. Was die Färbung anbetrifft, so ist 
sie bei vier Exemplaren sehr gesättigt ockergelb, bei einem stark 
ins Graue ziehend, während No. 6 mitteninne steht. Im Allge- 
meinen schliessen sich die von mir erbeuteten Individuen, nament- 
lich die vier ockergelben, ganz an die Original-Exemplare Ehren- 
bergs des Berliner Museums aus Arabien und Dongola an, sowohl 
hinsichtlich des ockerfarbenen Tons des Gesammtgefiders, wie der 
ungefleckten Brust. Das helle Flügelschild hingegen zeigen nur drei 
meiner Vögel. Den eigenthümlichen rothlichen Ton der Brachpieper 
Süd-Frankreichs des Berliner Museums haben meine Vögel nicht. 

Bemerken könnte ich noch, dass der oben erwähnte Brachpieper 
mit grauem Colorit ein wenig stärker ist, wie die übrigen; dabei 
ist auch sein Schnabel augenscheinlich grösser und der Nagel der 
Hinterzehe länger, selbst seine Lockstimme variirte dermaassen, 
dass ich endlich einen Richardii vor mir zu haben hoffte, was je- 
doch nicht der Fall war. Die abweichende Lockstimme lautete 
übrigens zlätel titt, (Accent auf titt;) im Gefieder fand ich zwei 
grosse Federläuse der Gattung Philoptems'*), welche auf der Stirn 
förmliche Gänge gefressen hatten; im Magen ein Bruchstück ei- 
ner so gross beflügelten Heuschrecke, dass ich im ersten Augen- 
blick ein Salatblatt vor mir zu haben glaubte. 

Anthus arboreus 
zog vom J5. bis 20. April sehr zahlreich durch, ohne als Brut- 
vogel zu bleiben, und hielt sich vorzugsweise am Fuss der Berge 
auf. Ein mitgebrachtes Exemplar schliesst sich in der Kehlzeich- 
nung ganz dem thüringischen Vogel des Berliner Museums an, 
doch ist die Färbung der Kehle bei diesem weiss, beim Balka- 
ren gelb, ähnlich wie es ein Vogel vom Sinai zeigt. 

41. Budytes flavus 
stimmt vollkommen mit Alfred Brehms Original-Exemplar (de* Ber- 
liner Museunis) Budytes javeiatus von Cnartum, nur ist der Kopf der 
balearischen Type noch aschblauer und die Stirn wie der Zügel, d. h. 



*) Im Besitz des Dr. Adolph Schmidt in Krankflirt a. M. 



272 Alex. v. Homeyer: 

also der Strich unter und hinter dem Auge noch dunkler, also 
fast schwarz. Der Vogel ist demnach fast so wie B. Feldeggii 
gezeichnet, jedoch mit dem Unterschiede, dass er den weissen 
Augenstreifen hat. Im Uebrigen halte ich ihn für eine südliche 
Race des Budytes flavus, mit der er fast übereinstimmt. Der Kopf 
ist jedoch beim Balearen aschblauer, der weisse Strich über dem 
Auge schmaler, und die Färbung des Gefieders intensiver, nament- 
lich das Gelb des Bauches. Im Schwanz sind in Summa nur 4 
fast ganz weisse Federn. — 

Diese Bachstelze lebt nur auf den wenigen sumpfigen Thei- 
len Mallorka's, und ist namentlich auf den nassen Wiesen des 
Prat und des Albufera, aber auch nur hier, als Brutvogel sehr häufig. 
Dies sind Salzwiesen mit eigenthümlicher Vegetation, Salicornia 
ist vorherrschend, Tamariske, Stachelbiese etc.*) 

In allen Lebensäusserungen, wie namentlich Stimme und 
Fortpflanzung ist unsere Type von B. flavus nicht zu unterschei- 
den. Hiermit stimmt auch Brehms Ansicht vollkommen überein 
(s. Nat.-Zeitung 1857. p. 457,); dieser Forscher beobachtete auf 
dem Continent folgende hierher gehörende Species: 
La. Budytes flavus 
Ib. „ flavus fasciatus (Brm.) 

2. B. cinereocapillus (Savi.) 

3. B. atticapülus (Brm.) 

4. B. neglectus (au ct.) 

Ueber ihren Aufenthalt als Brutvogel ist er nicht ganz un- 
terrichtet worden, indem er schreibt: 

„Auf dem^Zuge überall in Spanien; wahrscheinlich auch 
hier und da ständig, wenigstens fanden wir sie im Juni noch 
am Albufera de Valencia, während Ries sie als Standvogel San- 
tiagos angiebt." — 

42. Luscinia vera. 

Alfred Brehm schildert (Cab. Journ. VI. 46,) in anziehender 
Weise die Sänger Spaniens, und denkt mit Wohlgefallen an die 
schönen Tage zurück, wo er Hunderte von Nachtigallen zu glei- 
cher Zeit singen hörte. Ich stimme vollkommen bei. Auf den 
Balearen ist diese gefeierte Sängerin gleichfalls in den üppig 
bebuschten und bewässerten Gebirgsthälern recht häufig, während 
sie in den eigentlichen Gärten viel seltener auftritt; so war z. B. 

*) Siehe Verhandlungen des naturgeschichtlichen Vereins zu Passau: die 
Vögel Griechenlands von Dr. Lindermayer, S. 93. 



Die Balearen. 273 

in den schönen Orangengärten der Granja des Thaies von Es- 
porlas auch nicht eine Nachtigall, während ebenda Sylvia atrica- 
pilla mit seinen Flötengesängen diese Haine auf das Lieblichste 
belebte. Auch mir werden die Stunden unvergesslich bleiben, an 
denen ich den Nachtigallen lauschte, deren wohl 10—15 zu glei- 
cher Zeit in nächster Nähe schlugen. Es stimmte mich immer so 
froh und doch so wehmüthig, denn deutsche Klänge waren es 
hier, welche ich in der Fremde hörte. Zugleich aber fielen mir 
Brehm's Worte ein: „Diese spanische Nachtigall ähnelt ebensowohl 
im Gesänge als auch in ihrem Kleide dem Sprosser auffallend." — 
Was das Kleid anbetrifft, so will ich nicht widersprechen, jedoch 
bemerken, dass auch in Deutschland die Nachtigall variirt, so ist 
sie z. B. bei Trier durchweg klein und röthlich, in der bairischen 
Pfalz gross und grau, sprosserartig, gefärbt. Was aber den Ge- 
sang anbetrifft, so bin ich nicht mit Brehm's Ansicht einverstanden, 
und erkläre, dass die Nachtigall der Balearen wie eine deutsche 
Nachtigall singt, ohne dass auch nur die geringsten Anklänge des 
Sprossergesanges vorhanden sind. — 

Die Nachtigall (Luscinia vera) ist für unsere Insel nicht Stand- 
vogel, denn vom 14 — 24. April hörte ich sie an den Orten nicht 
singen, wo sie nachher sehr zahlreich war. Dies stimmt auch 
vollkommen mit Brehm's Beobachtungen, indem er die ersten An- 
kömmlinge bei Madrid Ende April notirte. 

Der Sprosser (Luscinia philomelaj der, wie Graf v. d. Mühle 
in seiner Monographie der Sylvien (Seite 33) angiebt, nach Teni- 
minck auch Spanien bewohnen soll, was ich übrigens bezweifle, 
umsomehr, da ich nachträglich erfahre, dass Brehm ihn niemals 
sah, kommt auf unsern Inseln zur Sommerzeit nicht vor. — 

Das schon in Catalonien seltene Rothkehlchen (Rubecula fami- 
liaris*) lebt auf den Balearen nicht, obwohl sich viele Felsen- 
schluchten ausserordentlich gut für seinen Aufenthalt zu eignen 
scheinen; ebenso ist es zu verwundern, dass 

Acrobates galactodes, dessen Heimath so recht Süd-Ost-Spa- 
nien*"*) und Algier ist, auf den Balearen sich nicht vorfindet, eben- 
so auch nicht die auf dem nahegelegenen Continent so seltene 

Ruticilla tithys, wenigstens als Brutvogel. 



♦) S. Alf. Brehm in Cal>. Jonrn. f. Om. VI. 53. 

**) Brehm sagt kurzweg: „Im Sommer häufiger Brutvogel in Ost-, Mittel* 
und Süd-Spanien, namentlich in Valencia und Andalusien. Kr Lebt in dvn Jo- 
hannisbrod- und Oelbännien des Hügellandes etc." -- 

Jouru. f. üruith., X. Jahrg., Nr. 5H, Juli 18G'^. 18 



274 Alex. v. Horneyer: 

43. Ruticilla phoenicura. 

Dieses Vögelchen wurde sowohl Ende April wie Mitte und 
Ende Mai einige Mal von mir, und immer am Fuss des Gebirges 
in den alten Oliven angetroffen, woselbst es zweifelsohne nistete. 

Nach A. Brehm soll das Waldrothschwänzchen Spanien nur 
auf dem Zuge berühren. Alle Individuen zeigten das lebhafte 
Colorit, namentlich an der Brust, wie es auch einzelne Vögel in 
Deutschland haben. 

44. Petrocossyphtis saxatilis 
45. „ cyaneus. 

Die Felsendrosseln sind liebe Thiere und echte Charakter- 
vögel der Balearen, namentlich P. cyaneus. Diesen trifft man über- 
all in den engen Gebigsschluchten an, vom Fusse des Gebirges 
beginnend und bis zur höchsten Höhe hinaufsteigend. Das Ein- 
zige, was er verlangt, sind Felsen; eigentlichen Wald, wenn auch 
mitten zwischen Gesteinsmassen, meidet er; dahingegen sind ihm 
die oben auf dem Kamm, oder auch hoch oben im Gebirge in 
den weiten Thalmulden, isolirten wie zusammengewürfelten Fel- 
senpartien, welche sich hoch über dem Gebüsch aufthürmen, will- 
kommene Plätze. In freiem Felde kommt die Blaudrossel nicht 
vor; hebt sich jedoch, wie bei Motuiri, ein steiniger Berg aus die- 
sem mit einigen Spalten und Schluchten empor, so fehlt sie sicher- 
lich nicht. Was Menorka, woselbst sie nur einzeln beobachtet wurde, 
anbetrifft, so nimmt sie in der dortigen Hügelregion mit den oft 
fünf bis acht Fuss hohen Mauern fürlieb, selbst um ihr Nest 
hineinzustellen; sogar auf Dragonera hielt sich ein Pärchen auf. 

Die bunte Steindrossel (P. saxatilis) ist fast nie auf so kah- 
len Bergpartien, sie liebt die weiten steinigen Thalmulden, sowohl 
in der Höhe zwischen den eigentlichen Felsen, wie auch am Fuss 
und an den Abhängen, welche mit einzelnen alten Bäumen besetzt 
sein müssen. Hier in den Baumstücken alter Oliven ist sie über- 
all, die blaue Drossel nur dann und wann anzutreffen. Die er- 
stere setzt sich vorzugsweise auf die Oliven selbst, die letztere 
mehr auf die Felsblöcke, doch oft genug sah und hörte ich auch 
sie von einer Olive herabsingen. 

Das Treiben beider Vögel ähnelt sich sehr, nur liebt die 
blaue Drossel stets die Höhe ; selbst im Fluge geht sie höher in 
die Luft, während die bunte sich mehr zwischen den Bäumen auf- 
hält. Hier singen beide bald im Sitzen, bald im Fluge. Sie 
sind lebhaft dabei und bleiben selten lange an einem Orte, es sei 



Die Balearen. 275 

denn, dass es ein Lieblingsplatz ist. Gehen sie der Nahrung, 
welche vorzüglich aus Käfern bestellt, nach, so wird diese viel- 
fach „rothschwanzartig" im Fluge weggeschnappt, oder zierlich, 
ohne sich dabei lange aufzuhalten, von der Erde aufgenommen. 
Im Gebirge sind beide Arten sehr scheu und nur mit Mühe zu 
erlegen; am Besten thut man. sich auf die Lauer zu stellen, 
aber da heisst es, Geduld haben und beim Sichzeigen des Vo- 
gels schnell zu schiessen, denn so plötzlich oft sein Kommen, so 
schnell ist auch sein Verschwinden. — 

Selbst in nächster Nähe menschlicher Wohnungen zeigt sich 
die Blaudrossel, — selten fehlt sie einer alten Kirche, einem 
alten Schloss oder Kloster, und singt von den Zinnen herab, wie 
es bei uns Ruticilla tithys thut. So sah ich fünf Pärchen mitten 
in der Stadt Palma selbst, ferner andere in Valdemussa und 
Andraix. Dabei benimmt sie sich so ungenirt und zutraulich zum 
Menschen, ohne jedoch die Vorsicht ganz ausser Augen zu lassen, 
dass man kaum glaubt, dass dies derselbe Vogel, wie im Gebirge 
sei. Die bunte Steindrossel jedoch, die in den rheinischen Ge- 
birgen oft ähnliche Manieren hat, sich gern in der Nähe von al- 
ten Burgen und Schlössern aufhält, selbst in diesen ihr Nest an- 
bringt, zeigt auf den Balearen niemals diese Zuthunlichkeit. 

Petrocossyphus cyaneus ist Standvogel für die Balearen, so 
wurde es mir wenigstens allgemein versichert, auch sah ich schon 
am 14. April ein Weibchen seine kleinen Jungen füttern; 
P. saxatilis jedoch ist Zugvogel, indem sie erst am 5. Mai 
an Plätzen häufig war, wo vorher keine bemerkt wurde. Beide 
Beobachtungen harmoniren mit Brehms Erfahrung, wobei ich nur 
noch bemerke, dass nach Diesem die bunte Steindrossel auf dem 
Continent eine Seltenheit ist, ja von ihm selbst nur 1 Mal in Ca? 
talonicn gesehen wurde. Beide Arten nisten in den Felsen; die 
blaue jedoch auch gern in den Kirchen und alten Häusern der 
Städte und Dörfer, wie auch in den gemauerten Eacarpen der 
Festungswerke. Als Merkwürdigkeit füge ich noch hinzu, daafi 
ich ein Nest der bunten Steindrosscl in einer uralten Olive fand. 
in einem seehs Fuss hohen Loche, das mit fast zur Knie \ermo- 
dertem Holze (sog. Olm) abgefüllt war. 

46. Türdus meruta. 

Die Amsel findet sieh namentlich in den fruchtbaren Geh 
Schluchten, weniger auf den trockenen Gebirgsabhangei, doch 
auch auf diesen trifft mau sie big auf die h<>eli-teu Hohen, wenn 

18* 



276 Alex. v. Homeyer: 

nur die Lentiske nicht ganz fehlt; selbst im Kiefernwalde des 
Seestrandes hält sie sich auf; nirgend jedoch ist sie häufig. Sie 
weicht übrigens in keiner Weise von der unsrigen ab. Ihr Be- 
nehmen ist ziemlich zutraulich, während Brehm sie auf dem Con- 
tinent als scheu bezeichnet. 

Ixos ob s cur us (Temm.) 
wurde auf den Balearen ebensowenig von mir, wie auf dem Con- 
tinent von Brehm beobachtet. — 

Sturnus unicolor 
welcher auf dem Continent als Standvogel vorkommt, dabei aber 
nach Brehms Beobachtungen die Küsten des Meeres zu meiden 
scheint, lebt auf den Inseln nicht, weshalb obige Meinung nur 
noch an Wahrscheinlichkeit gewinnt. 

47. Pratincola rubetra. 

Der braunkehlige Wiesenschmätzer war auf dem Zuge vom 
15. bis 30. April sehr häufig, später als Brutvogel ziemlich sel- 
ten auf dem Quell- und Wiesengebiet breiter Gebirgsthäler. 

48. Pratincola rubicola. 
ist einer der allerhäufigsten Vögel der Balearen; man findet ihn 
überall, sowohl hoch oben im Gebirge, wie in den Wasserpartien 
des Prat und Albufera ; auf dem Fruchtlande der Niederung, wie 
auf den öden Sandflächen; auf dem Steingeröll und den Schutt- 
ablagerungen nicht minder, wie auf den mit der Zwergpalme be- 
wachsenen Hügeln. Selbst mitten im Kiefernwalde des Gebirges 
und zwischen dem unmittelbar am Seestrande isolirt stehenden Len- 
tiskengebüsch fehlt dieser Vogel nicht. — 

Gerade an Steinschmätzern glaubte ich so reichliche Beute 
auf den Balearen zu machen, und dafür fand ich nur diese bei- 
den Arten, die erstere zahlreich und die andere zu Hunderten. 
Die so interessante Saxicola leucura L., welche schon am Monte 
serrate in Catalonien, wenngleich selten, vorkommt, beobachtete 
ich hier nicht, sogar nicht einmal die auf dem Continent Hespe- 
riens, in Algier und an der Rhonemündung so häufige S. stapazina. 

So häufig Vitiflora oenanthe auch auf dem Zuge Mitte April 
war, blieb doch keiner als Brutvogel zurück; es sei denn, dass 
man den einen, welchen ich noch am 10. Mai auf Dragonera be- 
merkte, als einen solchen betrachten wollte, wozu wir wohl kein Recht 
haben, indem es nur ein Verspäteter zu sein schien, um so mehr, 
da auch Brehm ihn nicht brütend auf dem Festlande beobachtete. 
Dies waren übrigens die ersten balearischen Landvögel, welche 



Die Balearen. 277 

ich sah: Als nämlich das Dampfschiff sich der Insel am 14. April 
früh Morgens näherte, und in einer Entfernung von einer halben 
Meile die Küste entlang fuhr, kamen alle Augenblicke diese Stein- 
schmätzer, um dann kurz vor dem Schiffe Kehrt zu machen und 
wieder dem Lande zuzueilen. 

49. Sylvia atricapilla. 
Der Mönch ist ungefähr in gleicher Anzahl wie die Amsel 
und der Zaunkönig vertreten; er ist nicht häufig, fehlt jedoch 
kaum einem fruchtbaren Thale oder grösseren Orangen - Gärten. 
Es ist ganz unser Vogel; jedoch bemerkte ich bei allen Vögeln 
des Thaies Valdemussa und Ferredell, denselben, aber von dem 
unsrigen, abweichenden Ueberschlag des Gesanges. Dieser bestand 
nur aus den Strophen didelt, didelt, didelt, wohl 8 Mal wieder- 
holt, laut beginnend und nach dem Ende in Moll übergehend.*) 
Sylvia nisoria, die sich durch ihren charakteristischen War- 
nungslaut so leicht verräth, wurde nicht beobachtet, ebensowenig 
Sylvia hortensis und curruca] dass jedoch die auf dem Continent 
häufige Curruca cinerea, wie wir uns bei Barcelona davon selbst 
überzeugt haben, auf den Inseln nicht vorkommt, muss befremden; 
sehr möglich dass bei ihr dieselben Gründe, wie bei Curruca 
orphea maassgebend sind. 

50. Curruca orphea. 
Für die Balearen ist der Orpheussänger eine enorme Sel- 
tenheit. Ich sah und erlegte nur einen Vogel, welcher sich am 
Südfuss des nördlichen Gebirgszuges Mallorka's in den Oliven- 
kronen aufhielt, und sofort durch seinen weitschallenden Gesang 
meine Aufmerksamkeit auf sich zog. — 

Lindermayer sagt uns in Betreff dieser Species über Grie- 
chenland (Passauer Verein 1859, S. 114:) 

„Ebenfalls Standvogel in allen Provinzen des Festlandes, sel- 
tener im Peloponnes und gar nicht auf den Inseln." — 

Demnach scheint Curruca orphea überhaupt die Inseln mit 
ihrem mehr oceanischen Clima nicht zu lieben. 

51. Dumeticola melanocephala. 
Dies ist auch ein echtes Charaktervögelchen der Balearen, 
das sich überall, also unter allen Verhältnissen , selbst dicht bei 



*) Etwas Aehnliches erlebte Ich im Frühlinp 60 bei den Buchfinken (Fr. 
coelebs), indem in dem Allerheiligrn-Tlial** dea Bchwanwaldefl die I.ocktone 
dieses Vogels nicht denen der Nachtigall, sondern denen des Sprossers ähnel- 
ten, also nicht sanft füit, sondern scharf fi klangen. 



278 Alex. v. Homeyer: 

den Wohnungen findet, und kaum von den Cistenrosen, dem La- 
vendel und der Lentiske zu trennen ist. Er ist auf sämmtlichen, 
selbst auf den kleineren Inseln der Gruppe gemein, auf Mallorka 
jedoch am häufigsten. Von dem ganzen Geschlecht der Strauchsän- 
ger ist er der eigentliche Repräsentant, welcher sich auch durch 
sein munteres keckes Wesen und seine Häufigkeit sofort verräth. 
Hansmann's Ansicht, dass von den Strauchsängern nur Syl- 
via leucopogon Bäume über sich dulde, ist für die Balearen nicht 
richtig, indem gerade Sylvia melanocephala sich auch an solchen 
Orten aufhält, selbst wenn nicht einmal Gebüsch unter den Stäm- 
men vorhanden ist. Ich fand sogar das Nest einige Mal in Sträu- 
chern, welche im dunkeln Schatten der Bäume standen. Dieses 
sitzt gewöhnlich 2 bis 4 Fuss hoch im Strauch, namentlich gern 
in dem so stark duftenden Lavendel (Lavandula dentata,) wie auch 
dicht an Mauern und Felsen in den Ranken des Epheu's, des 
Smilax und Asparagus. In der Regel ist es sehr versteckt und nicht 
leicht zu finden, zuweilen aber auch ganz frei inmitten eines 
ganz durchsichtigen Busches angebracht. Wieviel Brüten alljähr- 
lich der Vogel macht, ist schwer zu sagen, zwei jedoch sind es 
gewiss, denn schon kurz nach Mitte April fand ich oftmals grosse 
Junge im Neste und dann wieder Anfang Juni Nester mit frischen 
Eiern. Hansmann fand letztere sogar noch im August, so dass 
drei Brüten wahrscheinlich sind. Die Nester variiren nach den 
Materialien, sie sind selten dickwandig, gewöhnlich zierlicher und 
tiefer als die der echten Sylvien es sonst zu sein pflegen. Die Zahl 
der Eier betrug stets vier, die der Jungen zwei bis drei. Dass 
die Färbung des Eis gewöhnlich die des Holzheher-Eis ist, ist be- 
kannt: dass aber eine ständige Abweichung vorkommt, welche 
ganz das Ei der Sylvia curruca s. garrula repräsentirt, also hier 
dasselbe Verhältniss wie bei Curruca orphea stattfindet, dürfte um- 
somehr neu sein, da Hansmann darüber schweigt. Ich fand ein 
Nest mit drei grossen Jungen und einem so abweichend gefärbten 
Ei, und war überrascht, da. ich an den Jungen die D. melanoce- 
phala erkannte. Um mich genau zu überzeigen, wollte ich die 
Ankunft der Alten abwarten; jedoch, nach längerem, vergeblichen 
Lauern ; verlor ich die Geduld und nahm das Ei fort, indem ich 
nicht die Aussicht hatte, diesen Ort zum zweiten Mal zu besuchen. 
Später machte ich mir wegen dieser Uebereilung Scrupeln; endlich 
jedoch war ich so glücklich, Ende Mai wieder ein Nest mit vier 
gerade ebenso gefärbten Eiern zu finden. Ich schoss beide Alten 



Die Balearcn. 279 

und somit war jeder Irrthum unmöglich: Es war wirklich D. 
melanocephala, und die Eifärbung ganz die der Sylvia curruca. 

Was das Aussehen der kleinen Nestjungen in dem Alter an- 
betrifft, wenn eben die Federspulen anfangen aufzuspringen, so 
kann ich folgende, am 19. April beim Neste selbst gemachte 
Notiz geben: 

„Der Rachen und die Zunge der Thierchen sind hellgelb und 
auf der letzteren befinden sich zwei kurze schwarze Längsstriche; 
Die Iris ist hornfarbig und das Augenlid fleischfarbig angeflogen; 
die Färbung des Gefieders ist bläulich, die des Kopfes schon in's 
Schwärzliche ziehend, die de.^ Rückens ins Bräunliche übergehend."*) 

Sind die Thierchen flügge und folgen sie schon den Eltern auf 
ihren Streifereien, so gleichen sie dem alten Weibchen sehr in der 
Färbung, nur ist das Gefieder weicher, flaumiger, lockerer; der 
Schnabel intensiver gelb, die Füsse heller, der Oberkopf nicht 
so stark graubläulich und die ganze Brust- und Bauchpartie mehr 
rostgelb überflogen. Der Ton der Rückenfärbung ist jedoch ganz 
so wie beim Weibchen. 

Die Alten überwachen übrigens auf das Sorgfältigste ihre 
Jungen, und ist bei ihnen der eigenthümliche Kunstgriff, sich flü- 
gellahm zu stellen, um dadurch die Aufmerksamkeit auf sich und 
von den Jungen abzulenken, so stark, wie bei keiner der echten 
Sylvien ausgeprägt. 

52. Dumeticola sarda**) 

Hansmann schildert das Treiben dieses, wie aller Strauch- 
sänger, Nauinannia VII. 101 so meisterhaft, dass es wirklich schwer 
hält, noch Neues zu bringen, und daher hier nur zu bestätigen ist, 
dass bei D. sarda der Stniiiehsüiiger-Charaktcr so recht ausge- 
prägt wird. Bolle verglich meine erbeuteten Exemplare mit de- 
nen (\c^ Berliner Museunis und schrieb mir darüber: 

„Ihre Exemplare sind echte Sarda'*, mit einem italienischen 
Vogel dieser Art ganz übereinstimmend; das hier befindliche sar- 
dinische Exemplar weicht dadurch ein klein wenig ab, dass die Yor- 
derbrust ein wenig dunkler und mehr dem Rucken gleich ist, doch 
das ist durchaus kein specih'scher Unterschied." Ich führe dies 

um SO lieber an, weil Biehni (Nut. -Zeitung 1S57) schreibt, dass 



*) Das eine Vogelchen liti bo duroh die Sitze, dass aa meinen ihm darge- 
botenen Speiche] mit grosser Begierde sperrend aufnahm. 

**) Dumeticola subaipma kommt wahrend des Sommere auf den Bataten 

nicht vor. 



280 Alex. v. Homeyer: 

er auf dem Continent die Sylvia sarda weder im Freien, noch in 
irgend einem Museum gesehen habe, dafür aber die Sylvia pro- 
vincialis, welche ich wieder nicht auf den Inseln fand, nicht sel- 
ten in Nord- und Mittelspanien beobachtete. 

Auf Menorka traf ich diesen Vogel nicht, dafür aber auf 
Mallorka an drei Plätzen und daselbst immer ziemlich häufig. 
Das erste Mal war es bei Son Fortune; hier lebte er hoch oben 
im Gebirge, welches theils kahle Felsen zeigte, theils mit Ge- 
büsch bedeckt war, während überall einzelne, circa 20 Fuss hohe 
Kiefern eingesprengt waren ; er verkehrte nun hier viel mehr in den 
Baumkronen selbst, als wie unten in dem Gestrüpp. Auf Dra- 
gonera traf ich am 10. Mai den Vogel sehr häufig mit seinen 
flüggen Jungen an; diese Insel ist eigentlich nur ein mächtiger 
Felsen, der fast überall nackt, nur hier und da mit der kleinen, 
zwei Fuss hohen Cistenrose und der Lentiske dürftig bedeckt ist, 
aus denen grosse Gesteinsmassen blockartig hervorsehen. Das 
dritte Mal endlich waren es die mit der Lentiske und der Zwerg- 
palme überwachsenen Hügelpartieen von Son Serre, wo wohl 7 
bis 8 Mal singende Männchen gesehen und gehört wurden. Aus- 
serdem traf ich den Vogel noch hier und da im Gebirge, immer 
jedoch unweit der Küste, welche ähnliche Lage obige 
dreiPunkte ebenfalls haben; mitten im Lande sah ich 
ihn nie, und somit ist eine gewisse Vorliebe desselben 
für die Nähe der See vorhanden. 

Der Augenrand der Männchen ist dunkelroth, mit einem kaum 
merklich orangen Schein und ausserordentlich entwickelt, der der 
Weibchen nicht so intensiv, und der der Jungen licht-orange gefärbt. 
Die Färbung der Männchen variirt kaum, die der Weibchen ist die- 
ser sehr ähnlich, doch der Ton nicht so ganz rein und lebhaft. Die 
Jungen in dem Alter, in welchem sie die Eltern schon überall be- 
gleiten, haben ein ausserordentlich weiches, lockeres Gefieder; ihre 
Färbung ist der der Alten sehr ähnlich, jedoch fehlt die dunkle, bläuli- 
che Beimischung, welche namentlich beim alten Männchen so schön 
ist; mithin ist also der Ton mehr rostfarbig und wärmer. Die 
Oberflügeldeckfedern sind bei ihnen deutlich roströthlich gesäumt, 
der Unterbauch rostfarbiger, wie bei den Alten, der Kopf jedoch 
wie der Rücken ohne die schwarzbläuliche Tinte dieser. — 
53. Phyllopneuste Nattereri. 

Auf Mallorka beobachtete ich in den Olivenkronen, nament- 
lich in denen der am Fusse des nördlichen Gebirgszuges stehenden 



Die Balearen. 281 

alten Oliven, diesen kleinen Laubsänger, der seiner Gestalt und 
allgemeinen Färbung nach zur rufa wie fitis zu stellen ist, einige 
Mal, während ich ihn auf Menorka nicht sah. Er ähnelt beim 
Aufsuchen der Nahrung, wie seiner ganzen Lebensweise der P. 
rufa fast ganz : Behende, doch still und harmlos, dann und wann 
seinen Gesang ertönen lassend. Dieser ist an und für sich un- 
bedeutend, indem ihm Tempo und Melodie fehlt, und eigentlich 
nur Stückwerk ist, dokumentirt sich aber sofort als Laubsänger- 
gesang. Er beginnt mit den sanften Strofen des P. fitis und endet 
nach einer kurzen Pause mit einem Stottern, ähnlich wie wir es 
bei sibilatrix finden, jedoch viel schwächer im Ton. 

Phyllopneuste sibilatrix 
passirte nur einzeln auf dem Zuge durch, und wurde ein ausser- 
ordentlich schön gefärbtes Weibchen von mir erlegt. — 

P. rufa, die auf den Canaren nach Bolle so ausserordentlich 
häufig, auch in Algier nach Loche und mir, und in Griechenland 
nach v. d. Mühle vorkommt, ist während des Sommers nicht auf 
den Balearen, was auch von P. fitis und der ganzen Gattung Hy- 
polais gilt: H. olivetorum selbst nicht ausgeschlossen. 
54. Calamoher pe arundinacea. 

Man findet diesen Rohrsänger wie den unsrigen gefärbt und 
mit demselben Gesang und Lockton in den Anpflanzungen des 
Arundo donax, unmittelbar an den Bauernhäusern. Indem er hier 
auch sein Nest anlegt, wird er auf Mallorka dem Wasser eben- 
so untreu, wie dies oft in Deutschland stattfindet. In die be- 
nachbarten Hanf- und Bohnenfelder werden Ausflüge gemacht, 
selbst auch darin genistet. Im Allgemeinen ist der Vogel ziem- 
lich selten, indem ich ihn wohl nur zehn Mal beobachtete. In 
der scheinbar günstigsten Oertlichkeit, dem vielfach mit Arundo 
donax durchwachsenen Prat traf ich diese Art nur einmal, am 
Bufera Menorka's aber nicht. 

Dem in Algier so häufigen Calamoherpe turdoides scheinen 
die Balearischen Seen zu klein zu sein, indem er daselbst auch 
nicht einmal bemerkt wurde. 

Calam. locustella s. Locustella Rayi, für die ich eine gewisse 
Vorliebe habe, und sie fast in allen Theilen Deutschlands l.eoh- 
achtete, indem sie sich mir so leicht durch ihren charackteristi- 
schen Gesang verrieth, sah oder körte ich ebenfalls nicht. 
55. Cettia Btricea, 

Der Cettis-Sanger ist am Trat auf Mallorka ausserordentlich 



282 Alex. v. Homeyer: 

häufig; ausserdem finden sich einige Paare unweit Valdemussa am 
Bach vor, d. h. also ungefähr eine Stunde weit ins Gebirge hin- 
ein. Auf Menorka traf ich den Vogel nicht; die Oertlichkeiten 
bei Valdemussa waren der Art, wie Hansmann sie uns schildert: 
Brombeerranken, Dickicht etc. etc. Am Prat jedoch, wie mehrmals 
schon erwähnt: nasse Wiesen von Salicornia überwuchert, mit 
Tamariscus und Arundo donax überall versehen, inmitten welchen 
Pflanzenwulstes ein Süsswasserteich von 800 Schritt Länge und 150 
bis 200 Schritt Breite mit Einbuchtungen sich befindet. 

Der Cettissänger giebt uns wieder den augenschein- 
lichsten Beweis, wie verschieden oft die Verbreitung 
ein und derselben Art auf dem Continent und den In- 
selnist, denn während er hier sehr häufig ist, wurde er 
dort von Brehm weder beobachtet, noch irgendwie im 
Verzeichniss erwähnt. — 

Der Vogel ist ausserordentlich lebhaft und fast immer in der 
Bewegung, er kommt nicht häufig zum Vorschein, verräth sich aber 
sofort durch seinen laut aufflackernden Gesang, und ist ausseror- 
dentlich schwer zu schiessen, wenigstens so lange wie man die 
Jagd auf ihn nicht kennt. Der Vogel durchstreift ein Revier von 
einigen hundert Schritten und überrascht durch seine Eilfertig- 
keit. Bald singt er zur Linken, bald zur Rechten, so dass wir 
uns anfänglich die Möglichkeit dieser Schnelligkeit gar nicht er- 
klären können, um so mehr, da wir den Vogel nicht zu Ge- 
sicht bekommen, ein Fliegen also nicht wahrscheinlich erscheint; 
endlich aber sehen wir, dass er nicht nur das Gebüsch eilfertig 
durchschlüpft, sondern auch niedrig über der Erde hin, in 
der Regel durch das Gesträuch gedeckt, weitere Strecken durch- 
fliegt. Hierdurch unterscheidet er sich recht auffällig vom Vet- 
ter Cisticola schoenicola, welcher bei der geringsten Störung gleich 
das deckende Gebüsch verlässt und fliegend die Höhe sucht. 

Das Gesammtgefieder beider Geschlechter des Cettissängers 
und auch der Jungen ähnelt sich in dem Maasse, dass die sichere 
Unterscheidung ebenso grosse Schwierigkeiten hat, wie beispiels- 
weise bei der Calamoherpe arundinacea, der Gartengrasmücke oder 
den Laubsängern. Die Männchen sind stets augenscheinlich grös- 
ser, es liegen zehn Exemplare (vier Männchen, vier Weibchen, 
und zwei Junge) vor. Das Gefieder ist bei den Alten, namentlich 
den Weibchen, sehr abgeflogen, was besonders an den Schwanz- 
federn sichtbar ist. Hier fehlen einerseits fast stets einige Fe- 



Die Balearen. 283 

dern, oder sind zur Hälfte abgebrochen, andererseits aber ist das 
untere Schwanzende fast ganz weggestossen. Die Färbung des 
Männchens ist ein wenig mehr intensiv, wie beim Weibchen, auch 
ist der helle Augenstreif, wie überhaupt die Färbung um das 
Auge herum bei ihm markirter, doch nur unbedeutend. Der Rük- 
ken und der Oberkopf sind bei ihm kräftig braun, beim Weib- 
chen mehr fahl, und fast will es mir so scheinen, röthlicher, was 
auch für den Schwanz gilt. Dieser letztere ist beim Männchen 
am Steiss röthlichbraun, von schönem dunklen Colorit, nach der 
Spitze zu in einem bräunlich weissen Ton der Art übergehend, 
dass diese selbst fast weiss ist. Vollkommen ist dies allerdings 
nur bei zweien meiner männlichen Exemplare, hier aber sehr 
schön sichtbar, während meine beiden anderen Männchen, wie 
die vier Weibchen diese Partie fast oder ganz abgestossen haben. 
Die weissliche Brust und Bauchfärbung ist beim Männchen ein 
wenig brauner, wie beim Weibchen. Bei ersterem sind die Füsse 
dunkler, bei beiden die Iris gleich „dunkelbraun" gefärbt. 

Das Gefieder der Jungen ist ausserordentlich locker, und 
nicht ganz so röthlich, was namentlich am Kopf und dem Unter- 
rücken zu sehen ist. Der weisse Augenstreif ist bei ihnen kaum 
angedeutet, und fehlt der ganzen Zügelpartie unter dem Auge 
jegliches Braun, welches Letztere ins Besondere bei den alten Männ- 
chen so schön vorhanden ist. Der Mundwinkel, wie der Rachen 
sind hellgelb, ebenso auch die Füsse, welche überdies fleischiger 
wie bei den Alten sind. Die Iris ist ebenfalls dunkelbraun. 

Im Magen des Cettissängers fand ich Spinnen, Raupen, Pup- 
pen, Maden, vorzugsweise aber kleine Cikaden und Heuschrecken. 
56. Cisticola schoenicola. 

Häufig, namentlich auf Mallorka. Hier fand ich den Cisten- 
sänger weniger in den eigentlichen Sumpfpartien des Albufera 
und des Prat, wie in dem fruchtbaren Getreideland, insonderheit 
bei Palma, unweit der Küste. In Menorka traf ich ihn zwischen 
dem Hafen von Mahon und dem Bufera zu wiederholten Malen 
im Getreide, den Tabacks- und Hanffeldern, einer durchaus gebir- 
gigen Gegend an, was mich seiner Zeit sehr überraschte, jedoch 
schon von Hansmann vor mir in Sardinien beobachtet worden ist. 

Die alten Vögel haben mehr Zeichnung, namentlich auf dein 
Rücken, was ihnen ei n bunteres Anasehen, alfl den Jungen giebt, 
bei welchen die Zeichnung ineinander flieset. Der Schwanz der 
Alten ist hell, der der Jungen dunkel. Mitte Mai traf ich viele 



284 Alex. v. Homeyer: Die Balearen. 

üiigge Jungen an, die sich in Zaunkönigs artigen Stellungen von 
den Alten füttern Hessen. 

57. Troglodytes parvulus. 

Unser Zaunkönig ist in fast allen den fruchtbaren Gebirgs- 
thälern anzutreffen, wo Wasser und Gebüsch nicht fehlt. Hier 
singt er ausserordentlich fleissig mit derselben Kraft und Weise, 
wie es der deutsche Vogel thut, von dem er sich in Nichts un- 
terscheidet. Häufig ist er nicht. 

A. Brehm glaubt einen Zaunkönig unter dem Namen Troglo- 
dytes Naumannii von dem Troglodytes europaeus, d. h. der deut- 
schen Type abtrennen zu müssen, „weil derselbe in Felsen lebe," 
womit ich mich nicht einverstanden erklären kann, indem die Fär- 
bung keinen Unterschied zeigt, und unser deutsche Zaunkönig 
ebenso gut in Felsen lebt, wie in Gärten oder Wäldern. 

58. Regulus ignicapillus 

ist ziemlich selten und immer nur in ganz kleinen Trupps von 
mir auf Mallorka wie Menorka beobachtet und geschossen wor- 
den. Das feuerköpfige Goldhähnchen hält sich vorzugsweise in 
den alten immergrünen Eichen und Kiefern auf. Ich traf es 
im Thale von Fortune, bei Valdemussa und Senbahussa, Esporlas 
und Arta. Im Wesen, Lockton und Gesang ist es nicht abweichend. 
59. Parus major. 
Die Kohlmeise ist auf den Vorbergen , namentlich in den Oliven 
wie den Kiefern ein recht häufiger Vogel mit denselben Manie- 
ren etc. unseres deutschen Vogels. — Da ich in diesen Zeilen 
schon mehrmals eine Parallele zwischen den balearischen Ornis- 
bürgern und ihren Verwandten in anderen Mittelmeerländern ge- 
zogen habe, will ich von Gegenwärtigem noch bemerken, dass 
er nach einer mündlichen Mittheilung meines Freundes Carl Bolle 
in den Oelbaum-Pflanzungen Corfu's (September 1860) eine ganz 
gewöhnliche Erscheinung ist. 

60. Parus coeruleus. 
Die Blaumeise ist selten auf den Balearen, denn nur 3 — 4 
Mal wurde dieselbe von mir in den fruchtbaren Thälern oder 
zwischen den jungen Eichen der Abhänge beobachtet. Was ihre 
Färbung anbetrifft, so ist dieselbe vom deutschen Vogel nicht zu 
unterscheiden, steht also durchaus nicht, wie man vielleicht der 
Lage der Inseln nach schliessen möchte, in irgend welcher Be- 
ziehung zu der afrikanischen Type, dem Parus ultramarinus . Nein, 
nehmen wir das erlegte Vögelchen, ein altes, ausgefärbtes Mann- 



Dr. v. Heuglin: Beitr. z. Omith. N.-O.-Afrika's. 285 



o 



chen zur Hand, so sehen wir auf den ersten Blick, dass es die 
echte Blaumeise (Parus coeruleus) ist. Achten wir nun ferner 
auf sie im Freien, so finden wir in Manier, Lockstimme und Ge- 
sang nicht den geringsten Unterschied. 

Parus ultramarinus hingegen, welchen ich später in Algier, 
namentlich im Thale der Chiffa vielfach beobachtete, kommt auf 
den Balearen gar nicht vor. Dieser Vogel ist dem äusseren An- 
sehen nach unserem P. coeruleus so ähnlich, dass die Idee einer 
klimatischen Varietät allerdings nicht ausser dem Bereiche der Mög- 
lichkeit liegt; diese Idee jedoch kann nur beim Vergleich von Bäl- 
gen Wurzel fassen. AVer nur einmal diesen Vogel im Freien ge- 
sehen hat, und auch nur eine Idee von Beobachtungsgabe besitzt, 
muss sofort anderer, nämlich der Meinung sein, dass Parus ultra- 
marinus gute Art ist, denn Locktöne und Gesang sind so abwei- 
chend, dass man viel eher einen Parus ater wie einen Parus coe- 
ruleus vor sich zu haben glaubt. 
Glogau, im April 1862. 

(Schluss folgt.) 



Beiträge 
zur Ornithologie Nord-Ost-Afrika's. 

Von 

Hof-Rath Dr. Th. v. Heuglin. 

(Siehe Januar-Heft 1862, S. 24 u. f.) 

Meine Forschungen in den Bogos wurden vorigen Monat ge- 
schlossen, indem wir nach Ablauf der Regenzeit unsere Reise 
von dort nach Süden fortsetzten. Ich hätte noch manche nicht 
uninteressante ornitholog. Mittheilung aus den Quellenländern des 
Ain-Saba zu geben, muss dies aber auf eine nächste Station ver- 
schieben, wo ich etwas mehr Müsse zur Beobachtung haben dürfte. 

Gegen Ende Oktobers verliessen wir also Keren und schlu- 
gen eine auch in geographischer Beziehung wichtige Route über die 
Quellen des Ain-Saba und Marcb nach Adoa ein, von wo aus ich 
— sobald meine Correspondenz mit Europa abgeschlossen ist — 
ich denke in 8 Tagen — die Reise über West-Abissinien nach 
dem blauen Niel fortzusetzen gedenke, da die beabsichtigte nach 
Narea und Kalla zu meinem grossen Leidwesen vorläufig verscho- 
ben werden inusste. Ich sah mich in Gedanken bereits an den 
Ufern des Baro oder gar am N\au/.a in neuen Welten für den 

Forscher, in dem in zoologischer Beziehung gewise interessantesten 



286 Dr. TL v. Heuglin: 

und wichtigsten Lande des ganzen afrikanischen Continents, wohin 
mir zu gelangen Verhältnis smässig leicht gewesen wäre ! l'homme pro- 
pose mais Dieu dispose. Ich muss nach Chartum und dazu wähle ich 
einen in wissenschaftlicher Beziehung möglichst günstigen Weg, 
dessen Richtung übrigens noch durch verschiedene Verhältnisse 
bedingt werden wird; geht es an, so folge ich eine Strecke weit 
dem Lauf des Bahr el asrak. Von Keren bis Adoa habe ich 
in ornithologischer Beziehung wenig arbeiten können, obgleich ich 
sehr wichtige Punkte wie den Mareb, den wir zweimal passirten 
(nahe an der Quelle und bei Gondet 16 Meilen von hier) und die 
wasserreiche Ebene von Hamedo berührten. Das Land zwischen 
Mareb und den Ain-Saba- Quellen, die Provinzen Hamesen und 
Serani, bilden ein 6 — 7000' hohes, ziemlich ebenes, aber durch 
viel Wildbäche zerrissenes Plateau mit wenig Baumschlag; hier ist 
die Nordgrenze von Corvultur crassirostris, Vanellus melanopterus, 
Alauda ruficeps, von Ploceus larvatus, einigen Drymoecen und 
Saxicolen (von denen ich unten einige beschreibe) auch nahe zu 
die von Buteo Augur, der nur wenig nördlicher geht und von 
Ploceus Querini Gray, von Euplectus ignicolor, Bessonornis semi- 
rufa\, Thamnobia semirufa, (Th. alboscapularis geht bis in die 
Bogos nordwärts,) Coliuspasser macrocerca Cab., C. laticauda 
Licht. (= C. torquatus Rüpp.) Rallus abissinicus, Alcedo maxima 
und cristata; Columba albitorques, Ciconia leucocephala. 

Der Mareb bei Gondet und Hamedo sind um fast 2000' tie- 
fer als die Hochebenen von Hamesen und Sarani, das Uferland 
ist zwar bedeckt mit den mannigfaltigsten Produkten des Pflan- 
zen- und Thierreichs und nur en passant erlegten wir dort u. a 
2 Falco ardesiacus, Nisus sphenurus, Nisus niger, Malaconotus oli- 
vaceus, Aegialites cinereicollis mihi, und sahen ausser mehreren 
kleineren Sperberarten Circus pallidus, Falco cervicalis, Aquilastur 
spilogaster etc. während ich dieser Tage bei Axum einen weiteren 
mir neuen Astur (wohl rufiventris Smith) einsammelte. An Merops, 
Alcedo, Klettervögeln, Fringillinen und Sylvien ist der Mareb übri- 
gens kaum reicher als die Umgegend von Adoa und Axum. Die 
ersten Pterocles gutturalis A. Smith begegneten mir schon an der 
N.-Grenze Hamesen's ; sie gleichen in ihrer Lebensweise sehr den 
übrigen Sandhühnern, haben aber eine ungemein rauhe, und 
knurrende Stimme, und das Vorkommen dieser capischen Art in 
N.-Abissinien und Schoa ist sehr interessant: ich konnte sie s. Z. 
übrigens bloss mit der Beschreibung von A. Smith in den 111. 



Beiträge zur Ornith. N.-O.-Afrika's. 287 

South Afr. Zool. vergleichen und nicht mit Südafr. Original-Exempla- 
ren und es ist nicht unmöglich, dass eine spezifische Verschieden- 
heit vorhanden ist. 

Die hiesige Fauna, in ornith. Beziehung wenigstens, ist durch 
Schimper sehr ausgebeutet, dagegen lässt sich in Säugethieren 
noch mehr machen. Die wenige freie Zeit die ich habe, verwende 
ich auf den Anstand auf Ottern und Grabthiere, bei welcher Ge- 
legenheit ich einen wenigstens für Abissinien neuen Ichneumon 
acquirirt habe. 

Von europäischen Zugvögeln fand ich auf der Reise durch Ha- 
mesen bis Adoa (Anfang Novbr.) Buteo rufinus (Butaetes leucurus 
oder ferox) Ciconia nigra, Motacilla flava, melanocephala, sulfurea 
und alba in Menge, Podiceps minor, Anas fuligula, crecca, marila, 
(A. clypeata ist hier Standvogel,) Gallinula chloropus (ob nicht 
auch Standvogel?) Emberiza hortulana, Anthus campestris, A. cer- 
vinus etc. Saxicola oenanthe und rubetra, Turdus cyanus und sa- 
xatilis, Circus aeruginosus et cyaneus, Falco tinnunculus, Totanus 
ochropus und glareola. — 

Ich gebe Ihnen hier einige Diagnosen von Species, die zu 
bestimmen mir hier auf der Reise die Mittel fehlen. 

Accipiter (i'ufiventris Smith?) fem. adult., Axum. 20. Nov. 1861. 
Supra unicolore nigricante schistaceus subtus pulchre ochraceo- 
ferrugineus; macula poneoculari gula et subcaudalibus albis; cau- 
da subrotundata, supra grisea, subtus albida fasciis 6 nigricanti- 
bus (earum ultima, anteapicali minus distincta) apice margine 
alba; subalaribus pallide rufis, genis tibiisque ventre obscurioribus, 
regione inguinali pallidiore indistincte rufo-fasciata: remigibus, 
tergaei colore, subtus pallidioribus, pogoniis internis transversim 
albo notatis. Rostro nigricante, basi plumbeo; ceromate peri- 
ophthalmiis, pedibusque flavis, iride igneo-flava. Long, ad ap. cau- 
dae vix 13"; al. 8" 3'". — caud. 6" 9"'; rostr. a fr. 8"'. — tars. 
2" 0,3"'. — dig. med. sine ung. 1" 3£"'. — caudae apice reinig. 
superante 2" 8"'. 

BSinzelne grosse Schwungfedern haben auch auf der Aussen- 
Inline eine Spur von weisser Querzeichnung, wie dieselbe auch 
auf dem verdeckten Theil der Mantelfedern bemerkbar tet; die 
längsten OberschWanzdeckfedern mit ^relöslichem Rand an der 

Spitze, an den Seiten der Mandilmla einige dunkle Federsi-hafte. 
Dieser Vogel dürfte wohl /.n A. rvfivmtrie Smith, den ich für 
identisch mit A.perspicülaris Rp. und A. <■.<■///.>■ Tenun. halte, gehören. 



288 Dr. Th. v. Heuglin: 

Merovs ? Adoa, November 1861. 

Simillimus M. erythroptero ; Stria supraoculari vivide ultra- 
marina, macula gulari pulchre nigro-cyanea; pectore castaneo, ab- 
domine fulvo; rectricum prima mediis 3"' longiore. Iride coc- 
cinea, pedibus griseis. — Long. tot. 5" 10'"; al. 2" 10£'"; caud 
2" 9'"; rostr. a fr. 10'"; tars. 4'" — 

Jetzt häufig um Adoa. Ist Schmarotzer und legt seine Eier 
in verlassene Webervogelnester; sie sind weiss, rosenroth durch- 
scheinend, verhältnissmässig lang, fast 11"' auf 7'" Breite. 

Hirundo (Mifera Steph.??) Adoa 18. Nov. 1861. 

Supra nitide cyaneo-coracina, subtus alba, gula rubente se- 
mitorque supra nitide cyaneo-nigricante ; pileo toto pulchre cinna- 
momeo; subcaudalibus longioribus maculis anteapicalibus coracinis 
et scapis nigricantibus, rectricum prima elongata et apicem versus 
valde angustata, reliquis vix aequalibus quatuor exterioribus po- 
goniis internis macula anteapicali rotundata alba ornatis. — Long, 
ad ap. alae 5" 4"'; al. 4" 1'"; rectric. mediis l" 4'"; tars. 4£"'; 
rostr. a fr. 3£'". — 

Baut an senkrechten Flussufern unter überhängenden Stei- 
nen aus Koth und Pflanzenstoffen ein solides Nest und hat in 
Mitte November 4 halbflügge Junge. 

Selten um Adoa, nur 2 Paare dort gesehen. 

Capiimulgus sp. Axum, 21. Nov. 1861. 

Minor, occipite fusco-griseo, maculis nonnullis nigerrimis, fer- 
rugineo marginatis; dorso et pectore griseo fuliginosis, nigricante 
undulatis et punctatis ; tectricibus alarum majoribus maculis sa- 
gittisformibus nigris, pogoniis exterioribus et apicem versus con- 
spicue ochraceo variegatis; gula brunneo rufa, nigricante fascio- 
lata, Stria suboculari collique macula utrinque albescentibus; re- 
migibus quatuor exterioribus nigris macula mediana, magna alba, 
ex parte rufo-lavata; omnibus ferrugineo-fasciatis apicibus griseo 
vermiculatis; rectricibus duabus intermediis griseis, nigro fasciolatis 
et vermiculatis, 3., 4. et 5*a nigris maculis apicalibus angustis 
cinerascentibus et fasciolis interruptis rufo ochraceis, indistinctis ; 
1. et 2 da albis, prima margine rufo fusco in pogonio externo; 
abdomine et subalaribus ochraceis, nigricante fasciolatis. Long, 
tot. 8"; al. 5" 9"'; caud. 4" 3"'; rostr. a fr. 4f"; tars. vix 5"'. 

Alcedo (Ceryle) gigantea Sw.? 

Bei Adoa ein wohl jüngeres ^ erlegt, das, was die Maasse 
anbelangt, ziemlich mit A. gigantea übereinstimmt. — [Long. tot. 



Beiträge zur Ornith. N.-O.Afrika's. 289 

I5'<; rostr. a fr. 2" 9'"; al. 7" U'"; caud. 4" 7'"; tar3. 7";] 
dagegen in der Färbung des Unterleibes abweicht; dieser ist 
rein weiss mit schwärzlichgrauen Tropfen und Flecken und brei- 
tem, rostbraunem Halsband. 

Alcedo rudis ist sehr häufig an den hiesigen Bächen. 

Alcedo cristata ebenso. Schnabel, Füsse und Nägel sind 
corallroth. 

Unfern Axum erlegte ich einen ähnlichen Vogel, mit kurzem 
schwarzen Schnabel, schwärzlichen Füssen, röthlichen Nägeln, sehr 
stark gehäubt, mit schwarzem Rücken und breiten, ultramarin- 
blauen Spitzen der Federn; Die Brust ist weniger intensiv rost- 
gelb als beim alten A. cristata. — Long. 4" 9"; rostr. a fr. 10"'; 
al. 2" 2.J'". Die Streifung auf dem Kopf ist breiter und deutli- 
cher, die Flügel etwas länger, als bei cristata. Ob der junge Vo- 
gel oder ob A. cyanostigma Rpp. doch verschieden von letzte- 
rem und zu A. coeruleocephalaf 

Drymoeca flaveola Heugl. (Cisticola flaveola Heugl. in Syst. 
Uebers. No. 166.) 

cf . Occipite nuchaque ferrugineo fuscis, plumis mediis ni- 
gro striolatis, colli lateribus regione parotica et fronte viridi 
tinetis; dorsi et tectricum alarum plumis medio nigerrimis, mar- 
ginibus latis, conspieuis cinnamomeis; pogoniis remigum externis 
et internis pallide ferrugineis; rectrieibus supra fuliginosis, ex- 
terioribus vix albo- interioribus ferrugineo-limbatis , macula lata 
anteapicali nigerrima, apieibus primae et seeundae albidis, reli- 
quorum pallide fuliginosis: corpore subtus stria poneoculari et 
periophthalmiis intense citreis, gula saturatius tineta; pecto- 
ris lateribus hypochondriisque ferruguineo indutis, tibiis ferrugi- 
neis, subalaribus et subcaudalibus isabellino- ferrugineo lavatis, mar- 
gine alari citreo. Mandibula tomiisque maxillae flavis, angulo 
oris aurantiaco, maxilla et unguinibus brunneis; iride brunnea, 
pedibus rubente flavis. Long. tot. 5" 2"'; rostr. a fr. 5'"; caud. 
2" 3'"; al. 2" 3.j'"; tars. 11'". - Die 5te Schwinge die längste, 
die 2. und 6. ihr fast gleich. 

Diese Art unterscheidet sich von allen N.-O. -Afrikanischen 
sogleich durch die intensiv gelbe Unterseite. Sie ist nicht eben 
selten in Sümpfen bei Adoa, Axum etc. 

Cisticola hruintexcens Heugl. nova species. \ 
Sylv. ct\stico/<it' siniilis. caudfi >ul>rotund;ii;i ei >upracaudalibus 
nigro bruiuieis his pallide limbatis. illa apice dimidioque 

Jouru. f. Ornith., X. .Jahrg., Nr. 38, Joll 1662, 19 



290 Dr. Th. v. Heuglin : 

apicali pogonii externi rectricis primae alba; occipite brunne- 
scente cinereo, plumis mediis obscurioribus ; macula nigra inter 
oculos et basin maxillae; regione parotica, genis et gastraeo fla- 
vente albidis; macula distincta laterum pectoris fuliginoso-brunnea ; 
hypochondriis , tibiis subcaudalibusque ochraceo indutis; uro- 
pygio ferrugineo-isabellino ; scapularibus fusco brunneiis, pallide 
flavente limbatis; rostro brunneo, mandibula pallidiore, pedibus 
rubentibus; iride ochracea. Long. tot. 3" 6'"; rostr. a fr. 4,8'"; 
al. 2" H"'; caud. 1" 3'"; tars. 10"'. 

Die Tarsen sind sehr lang, der Schwanz nicht gestuft, son- 
dern ausgebreitet, wenig gerundet; die weissen Spitzen auf den 
mittleren, etwas helleren Schwanzfedern kaum angedeutet, auf den 
übrigen eine fast gerade weisse Linie bildend, die höch- 
stens 1"' breit wird; die braunschwarze Farbe der rectrices reicht 
bis zu ihrer Basis und die oberen Schwanzdeckfedern sind ebenso 
dunkel, aber hellgraugelblich gerandet; die Rostfarbe des Uro- 
pygium scharf davon abgesetzt; über dem Auge ein sehr undeut- 
licher hellerer Streif; die 4. Schwinge die längste, die 2. bis 7. 
ihr fast gleich. Die Innenfahne der Schwingen mit Ausnahme 
der Spitze blass röthlich, die Aussenfahne rostgrau gerandet. — 
Bis jetzt erlegte ich nur 1 Exemplar dieser, wenigstens fürN.-O.- 
Afrika neuen Species. Ich fand sie auf sumpfigen Wiesen und 
unfern Gudofelassi in Hamesen, beiläufig auf 6000' Meereshöhe. 

Saodcola sp.? 

Major, capite colloque supra schistaceo cinereis, dorso brun- 
neo iusco, alis et earum tectricibus nigro fuscis, ochraceo limbatis, 
pogoniis remigum interioribus basin versus albidis; loris niger- 
rimis; Stria supraoculari a fronte decurrente, mento gula et 
supracaudalibus albis; regione parotica nigricante; abdomine fer- 
rugineo-ochraceo , pectoris lateribus et hypochondriis fuliginoso 
indutis; subalaribus albis ex parte griseo flammulatis; cauda di- 
midio basali alba, apicali nigra ; rostro et pedibus nigris. Long, 
tot. 6"; rostr. a fr. 6|'"; al. 3" 9'"; caud. 2" 3'"; tars. vix 1" 
3'". — Die dritte Schwinge ist die längste. 

Ob Myrmecocichla Quartini Bonap. ? die ich nicht kenne. Die 
beschriebene Art fand ich nicht selten im November auf dem 
Hochlande von Hamesen auf Aeckern, Steinen und Büschen, oft 
in Gesellschaft mit S. isabellina, oenanthe, etc. 

Eine dieser sehr ähnliche, aber um i kleinere Art sammelte 
ich vor Jahren um Gondar und habe sie in zahlreichen Exempla- 



Beiträge zur Ornith. N.-O.-Afrika's. 291 

ren an verschiedene Museen des Continents abgegeben, aber un- 
geschickter Weise unter der schon vergebenen Benennung S. Leu- 
corhoides. So nennt auch Guerin in der Rev. Zool. 1843 einen 
abyssinischen Steinschmätzer, der übrigens ohne Zweifel identisch 
ist mit S. lugubris Rüpp. 

Adoa, 1. December 1861. 

Ueber verticale Verbreitung der Vögel in Hab es eh. 

Es ist nicht möglich, ohne dass ein Reisender sich verhältniss- 
mässig lange Zeit m verschiedenen Regionen aufhält, dass der- 
selbe im Stande sei, ein getreues Bild der zoologischen Vorkomm- 
nisse zu entwerfen; er kann höchstens dann einige Umrisse geben, 
wie ich dies hier versuchen werde, in Bezug auf die Ornithologie 
der in einigen Wochen von unserer Expedition durchwanderten Nie- 
derungen des Takasseh, und Hochgebirge von Semie'n bis herüber 
nach dem Becken des Tana-See's. Von den 7—8000' hohen, 
meist baumlosen und nicht viele Abwechselung bietenden Plateaux 
von Tigreh stiegen wir am I. Januar d. J. in die engen, heissen 
Schluchten des Takasseh, unfern der Mündung des Worre* in 
denselben (2700' Meereshöhe) herab, von dort am Ataba-Flüss- 
chen, theils durch prachtvolle Woina-Deqa- Wälder rasch wieder 
bergan, von der Region der Adansonie und des Büschelmaises zu der 
der kolossalen Feigen- und Sparmannia-BMme, der Kronleuchter- 
Euphorbien, Oliven, Brayera und Celastrus, weiter auf zu der 
Zone der baumartigen Eclänops, Hypericum und Erich *> Arten, 
die hier dicht mit Flechten bedeckt sind, bis über 13000' Meeres- 
höhe, wo aller Baumwuchs selbst unter diesen tropischen Breiten 
(13 — 14 N. Br.) aufgehört hat, zur Region einer Dracaenen-älm- 
lichen Lobelie der kolossalen Pjibara ( Rhynchopctahini montanum.) 
Ueber die mit letzterer bedeckten Grasflächen ragen hoch wenige 
kahle Trapp-Gipfel zur ewigen Eisregion empor, wo aber natürlich 
auch nur noch sehr wenige warmblütige Wirbelthiere vorkommen. 

Von Säugethieren bewohnen die Djibara und Eis-Region nur: 
Theropilhecus Gelada Rüpp., der bis auf 8 — 9000' abwärts geht, die 
gefleckte Hyäne geht auf 13000' Meereshöhe, seltener der Le- 
opard und vielleicht einige kleinere Katzen-Arten, ein Fuchs (7 W- 
nis oder Vulptd WaJqe mihi,) der ausschliesslich von den äusserst 
zahlreich hier hausenden Kalten etc. (M. habestonicus Rüpp; (h-eo- 
mys nov. genus, Rhizomys etc.) lebt, die genannten kleinen Na- 
gethierc, Ibe.v Watia Rüpp. (von 11000' aufwärts, Antilope o/vo- 



292 Dr. Th. v. Heuglin : 

tragus (von 3 — 12000',) möglicher Weise erseheinen auch ausnahms- 
weise Antilope montana und A. redunca und Canis semiensis (C. 
simensis Rüpp.) noch hier. 

Von Vögeln bemerkten wir hier: 

Gypaetos barbatus oder meridionalis Kays und Blas. 

Der nirgends fehlende Milvus parasitus, Cathartes rnonachus 
und percnopteru8 (vom Meer bis 13000') Aquila rapax (ebenso) 
Buteo augur (von 5 — 13000') Falco tinnunculus und einige Geier, 
wohl Vultur Rüppellii und V. occipitalis, sind die einzigen Raub- 
vögel die ich hier noch zu Gesicht bekam, etwas tiefer ( 1 2000') 
Circus cinerascens und C. pallidus. 

Mein Begleiter, Dr. Steudner, traf dagegen unfern der höch- 
sten Gipfel des Buahit (an 14000') einen weissen Falken von 
der Grösse des Thurmfalken, der jedoch nicht erlegt werden 
konnte (ob Varietät des F. tinnuncidusl) und unfern des Amba- 
Ras, auf einer Höhe von mindestens 11500' gelang es uns einen 
Falco cervicalis einzusammeln. 

Ueber 12000' gehen noch Nectarinia Takazze, ein Caprimulgus 
(unten beschrieben,) Hirundo melanocrissa, Cotyle rupestris, Cyp- 
selus Rüppelli nob._, Corvultur crassirostris Rüpp., Corvus affinis 
Rüpp., Pyrrhocorax graculus, der in Paaren und grossen Schaa- 
ren pfeifend and schreiend seine Felsenwohnungen umzieht und 
bis 1J000' abwärts sogar die höchstgelegenen Dörfer und Ge- 
höfte besucht.*) 

Tichodroma phoenicoptera wurde von Dr. Rüppell in den abyssi- 
nischen Hochgebirgen beobachtet und nach Dr. Schimper käme auch 
Pyrrhocorax alpinus Vieill. auf den höchsten Bergen Semie'ns vor. 

Von Glanzdrosseln, an denen das tropische Afrika so reich 
ist, fanden wir auf 11 bis 13000 Fuss Höhe eine einzige Art, 
und zwar Oligomydrus tenuirostris, die sich paarweise und in Flü- 
gen namentlich gerne auf den Blüthenschossen des Rhynchopeta- 
lum montanum hält, deren feine Saamen er jeder andern Nahrung 
vorzuziehen scheint. Sein theils dohlenähnliches Geschrei, theils 
glanzdrosselartiger Pfiff erinnern am meisten an die lebhafte 



*) Die Bartborsten-Büschel am Oberschnabel und Mandibula sind ausser- 
ordentlich scharf abgeschnitten und ihr Rand nach vorne bildet zwei grosse 
Bogensegmente. Die Iris ist braun, Schnabel und Füsse corallroth, die Soh- 
len der letztern mennigroth, remiges und rectrices zeigen einen bronze-grünen 
Schiller. Long. tot. ad ap. caudae 15"; rostr. a fr. 2" 2'"; tars. 1" 11"'; al. 11"; 
caud. 5|". — Die Flügel überragen den Schwanz um 1". — Gaumen und Zunge 
sind gelblich- bis morgenroth. Heisst auf amharisch Djadjade. 



Beiträge zur Ornith. N.-O.Afrika's. 293 

Stimme des ihm überhaupt sehr nahestehenden Pilorhinus albiro- 
stris (Rüpp.) Cab. Saxicola sordida, S. albofasciata und wahrschein- 
eine 3te Art, schmatzen munter auf Erica- und iiypm'cwm-Büschen, 
während eine Myrmecocichla sich mehr auf Viehtriften hält. 

Serinus striolatus Rüpp., Citrinella nigriceps Rpp., Euplectes 
.ranthomelas , Serinus tiistriatus , Anthus pratensis f (nicht einge- 
sammelt,) Macronyx flavicollis, Alauda cristata und ruficeps, Aedon 
abyssinicus Rüpp., Parus dorsatus Rüpp., Motacilla longicauda Rpp., 
eine Drymoeca, wohl D. lugens Rpp., Ixos leucopygius ; ein wohl 
neuer Crateropus (den ausgezeichnetsten Sänger den ich kenne, 
C. melodus mihi, conf. weiter unten.) Columba albitorques Rüpp., 
in grossen Flügen, Streptopelia lugens Rpp., sind die höchsten 
abyssinischen Alpenbewohner mit einigen Hühnerarten, Ibis ca- 
runculata und Eulabeornis (Rallus) habessinicus Rpp., welch letz- 
tere ich noch wenige 300' unter dem Gipfel des Beredj-Woha und 
Amba-Ras, also auf mindestens 13000' nicht selten gesehen habe.*) 

Steigt man aus der Zone der Djbarroa oder Djibara herab 
an die untersten Grenzen der Erica-Region , auf die 9 — 10,500' 
hohen Plateaux von Semien und Woggera, so nimmt die Indivi- 
duen- und Artenzahl der dort lebenden Vögel in grossem Maas- 
stabe zu; von Raben- Arten linden wir hier noch Corvus capensis 
und curmrostris (oder phaeocephalus Cab.) Der grosse Nashornvo- 
gel schreitet bedächtig nach Insekten schnappend oder sein tie- 
fes, Du-du klingendes, Brummen ausstossend über Felder und Trif- 
ten , auf denen 2 Venellus- Arten ( V. melanopterus und melanocepha- 
lus Rpp J unter zahlreichen Steinschmätzern und Taubenflügen sich 
tummeln. Buceros limbatus zieht Hochbäume dem freien Felde vor, 
seine Standorte sind zwischen 7 und 10 — 11000'.**) Der niedliche 
Picus Hemprichii und Psittaculus Tarantae wie auch Jynx aequa- 
torialis klettern an Juniperus- und Colqual-Stämmen, die Sumpf- 
schnepfe, einzelne Strandläufer, Scopus umbretta, Ciconia nigra 
und leucocephala , Gypogeranus serpentarius treiben an Hochmoo- 
ren herum und Podiceps minor, Anas flavirostris und Bernicla cya- 
nojttsra, letztere immer paarweise, sind nicht selten an Bächen 
und Pfützen. Würger, (namentlich Lantus fiaeus Gab.) Eulen, (Otus 
montctnus mihi, die wohl identisch mit 0. habessinüms Quer. 0« ma- 



•) Dr. KÜppell fand an der Eisgranze von Semien noch eine Papagei-Art, 
die aber noch nicht genauer bekannt ist. Dr. Hartlaub rermuthet, ne möge 
zu Phaecoccphalus paqhyrhynchus gehören. 

**) In seinem Magen fanden wir ausser Sycomoreu, Heuschrecken, Rau- 
pen, Käfern auch u. a. ein Chamaeteon. 



294 ' Dr. Th. v. Heuglin: 

culosus,) und mehrere Tagraubvögel, namentlich Helotarsus ecauda- 
tus und Falco cervicalis treten auf, Pilorhinus albirostris (von 6— 
9000',) Thamnobia alboscapulata u. semirufa (v. 4 — 9000',) Estrelda 
phoenicotis, Lagonosticta minima, die Coliuspasser, Euplectes stictus 
Heugl., Ploceus Querini Gray, Passer Swainsonii, Muscicapa cho- 
colatina Rüpp., M. minima Heugl., Tchitrea Ferreti Bp. Oriolus 
moloxita, Nectannia gularis etc. etc. treten hier auf, sowie einige 
Schwalben, namentlich Cotyle paludibula, Rirundo rufula, filicauda 
und Atticora cypseloides Heugl., eine sehr an A. melbina erin- 
nernde Art mit sehr langen Flugwerkzeugen ausgerüstet. Die 
meist an Baumschlag reicheren Thäler der De'qa bis zur Woina 
D£qa hinab, beherbergen viele Eisvögel, Bienenfresser (Alcedo 
maxima, semitorquata, cristata, coeruleocephala, rudis, Merops he- 
febvrei, Irrisor senegalensis und cyanomelas,) und den muntern pracht- 
vollen Corythaix leucotis, Pogonias Brucei und undatus, zahlreiche 
Drymoeca und Zosterops-Arten, Lamprotornis chalybaeus, Psittacus 
Mayeri, Aquila Verreauxii, Falco ardesiacus, viele Sperber- Arten, 
Melierax polyzonus, Graucalus phoenicea Swains., Dicrurus lugens, 
Lanius aethiopicus und Telophonus longirostris, Platysteira pririt, 
Nectarinia cruentata und habessinica, Melaconotus olivaceus. Von 
Taubenarten scheint die niedliche Columba bronzina Rtipp. den 
Tiefthälern Semien's fast ganz eigenthümlich zu sein, Treron ha- 
bessinica und nudirostris Swains., Chalcopelia afra, Oena capensis 
sind hier häufig, wie auch Buphaga erythrorhyncha, Colins leuco- 
tis und senegalensis, Cossypha semirufa. Als ausschliesslich hier 
in den Tiefländern um den Mareb und Takasseh etc., also zwi- 
schen 2 und 5000' Meereshöhe lebend, glaube ich nennen zu kön- 
nen: Centropus mortachus, Trogon narina, Chrysococcyx smaragdi- 
nuSj auratus und Classii, Indicator albirostris und minor. Alle Chry- 
sococcyx und Indicator nur zur Regenzeit und letztere bis zum Be- 
ginn der heissesten Jahreszeit (März oder April.) Oxylophus afer, 
Palaeornis cubicidaris, Lanius cubla und erythro gaster, Turdus pe- 
lios (T. olivaceus geht mit T. semiensis bis auf 9 und 10,000') 
Strix leucotis, Spizaetos spilogaster Dubus, Nisus sphenurus und nigen 
Pterocles quadricinctus, Hoplopterns spinosus , Pluvianus melanoce- 
phalus, Ardea Goliath , (bis 6000') Butorides atricapillus (Ardea. 
nigricollis und purpurea und Ciconia umbellata gehen bis auf 9000'.) 
Phalacrocorax melanogaster, Buphaga africana. Hier fand ich end- 
lich einen Malaenomis, über den ich unten einige Bemerkungen 
gebe. (Bei Dicrurus.) 



Beiträge zur Ornith. N.-O-Afrika's. 295 

Noten zum vorstehenden Berichte. 

Gypaetus barbatm, cf und ? kaum in Grösse verschieden, in 
Färbung ganz und gar nicht. <? long, ad ap. caud. 3' 2"; 
extens. al. 7': long, ad apic. alae 2' 9|"; rostr. a fr. 2' 10"; ab 
ang. or. 3" 6'"; al. 2' 3f"; caud. 18" 2'"; tars. 4". Rostro pal- 
lide fiavente brunneo, basi et eromate coerulescentibus, iride pal- 
lide rubente-albida, corallino circumscripta; ciliis nigris; pedibus fla- 
vescentibus, squamis digit. unguibusque coerulescentibus. — Die Rost- 
farbe der Kehle und Brust sind oft sehr intensiv, lässt sich jedoch 
theils ausstäuben und auswaschen. Erscheint oft in grösserer An- 
zahl an Orten, wo sich Schlacht- Vieh-Ueberreste finden und frisst 
Knochen von ganz erstaunlicher Grösse, die sehr rasch verdaut 
werden. Der Gang des Bartgeiers hat viel Rabenartiges, wie 
auch die Aasgeier-Arten, er ist nicht sein* scheu, bedarf aber na- 
türlich eines kräftigen Schusses, um rasch zum Fall gebracht zu 
werden. Verfliegt sich aus seinen Felsgebirgen bis auf 6 — 7000' 
Fuss herab gar nicht selten, tiefer ist sein Vorkommen ein aus- 
sergewöhnliches, doch habe ich ihn bis zum Meeresstrand gesehen. 
Zu Falco cervicalis Licht, (oder tanypterus Licht.?) 

Ein auf der Hochebene von Woggera erlegtes Exemplar, al- 
tes cf, hat geringe Grösse, 14{" Länge bis zur Schwanzspitze, 
die 6"' länger als die zusammengelegten Flügel; Tarsus so lang 
als Mittelzehe ohne Nagel, = 1" 8'"; Flügellänge 12" 6"'; Schwanz 
6£", Schnabel von der Stirn fast 1" und unterscheidet sich von 
andern namentlich durch braungrünen Grundton der Oberseite, 
rein weissen Voderhals, jede Feder mit sehr schmalem aber 
deutlichem Schaftstrich; der Unterleib dagegen weinröthlich an- 
geflogen, und namentlich seitlich mit grösseren, rhombischen, 
schwärzlichen Spitzfedern, die theils in Pfeilform übergehen; die 
Unterschwanzdeckfedern theilweise bräunlich gewellt und gestreift, 
sonstige Zeichnung nicht erheblich abweichend, die langen Flügel- 
deckfedern reichen zur Spitze der 9. Schwinge. 

Ein tf aus Semidn ist etwas grösser, hat bräunlich weinroth 
überflogene Unterseite, Vorderhals grösstenteils mit grössern unten 
breiter werdenden Längsflecken. Hosen und Untersehwanzdeek- 
federn ungefleckt. 

.1 allenfalls bezweifle ich, dasfl das Verhältniss der Länge des 
Laufes zur Mittelzehe beuler sich so nahe stehenden Arten(??) 
F. tanypterus Licht, (wozu nach brieflicher Mittheilung Schlegel 
seinen F. Feldeggii, F. lanariu* Klein und F.rubius Albertus Mag- 



29G Dr. Th. v. Heuglin: 

nus und Thienem. rechnet,) und F. cervicalis Liebt, (F. chiqueroi 
des A. Smith = F.biarmicus Tcmm.,) als massgebende Kennzeichen 
betrachtet werden dürfen; es ist sehr variabel, wie auch das 
zwischen Schwanz und Flügelspitzen. Lassen sich beide Arten 
wirklich speeifisch trennen? Stiickland vereinigt sie, Bonaparte 
und wie es scheint auch Hartlaub sind anderer Meinung. Ich 
habe zu viele Uebergangsformen beobachten können, als dass ich 
vorläufig einer Sonderung beistimmen könnte, obgleich nicht zu 
läugnen ist, dass der kleine cap'sche Vogel mit fast rostrother 
ganz ungefleckter Unterseite und dunkelschiefergrauem Rücken 
vom blassen nubischen auf den ersten Anblick ausserordentlich 
abweichend erscheint, aber auch in N. 0. Afrika kommen ein- 
zelne sehr intensiv gefärbte Würgfalken mit gänzlich fleckenlosem 
rostfarbigen Unterleib und Brust vor. Für wirklich gute Arten 
von N.-O.-afric. Edelfalken halte ich den F.peregrinoides und ebenso 
F. barbarus. Der Letztere ist der Falke, dessen die egyptischen 
und syrischen Grossen sich ausschliesslich zum Grazellenfang be- 
dienten, der Saqr-el'-hor »^J! J^ der Araber und Dughan qLcjO 
der Türken, wogegen F. biarmicus oder tanypterus in beiden Spra- 
chen Schahin d. i. ^aPL^ heisst. 

Falco Horus mihi, (von Dr. A. Brehm nach meinem Original- 
Exemplar aus Unter egypten in der Naumannia als F. gracilis be- 
schrieben, dürfte ein junger F. concolor Tem. sein, obgleich die 
Flügel verhältnissmässig kurz, vielleicht unausgebildet sind u. bei 
ganz jungen unzweifelhaft ächten F. concolor, die ich aus dem 
Neste nahm und aufzog, weit stärkere rostbraune Säumung der 
Federn der Oberseite vorhanden ist. 

Gypogeranus serpentarius Gm. 

cf. Long, ad apicem caudae II' 8"; tars. vix 11"; rostr. 
a fr. 2" 1'"; al. 2'; rectr. intermed. 2' 6". 

Regione nuda periophthalmica et ang. oris aurantiacis, papil- 
lis supraoeularibus violascentibus, rostro et pedibus coerulescente 
carnicoloribus, iride brunnea. 

Plumis oeeipitalibus elongatis uropygioque nigris, cauda 
pure cinerea fascia anteapicali tripollicari nigerrima, apice 
alba. 

Das Aschgrau der Oberseite schiesst bald ab und wird blass- 
gelblich grau. Ich halte diesen Vogel für einen Zugvogel in 
N. 0. Africa; die N. Gränze seines Vorkommens während der 
Regenzeit wohl nicht jenseits des 16° N. B. 



Beiträge zur Ornith. N. Ol Afrikas. 297 

Caprimulgus. 

Capite supra fusco grisea, medio nigerrime striolato; plumis 
laterum mandibulae, albo variegatis, striam mystacalem formanti- 
bus. Collarc integro ocliraceo; scapularibus fusco griscis, ochra- 
ceo nigroquc maculatis; rectricum prima pogon. interno et apice 
alba, dimidio apicali pogonii externi in fundo albo fusco tincto; 
secunda dimidio basali toto albo ochraceo et fuliginoso iriduto ; 
tertia, quarta et quinta dimidioque sccundae fusco nigricantibus, 
fasciis 8—9 griseis. Gastraeo rufo-ochraceo subcaudalibus ex- 
ceptis fusco undulato; long. tot. 8"; al. 5" 4|"'; caud. 4"; hac 
vix rotundata. Gleicht im Uebrigen sehr einem im Dec. v. J. 
in Axum erlegten Vogel, von dem ich Ihnen von Adoa aus eine 
Beschreibung sandte. 

Diese Art findet sich in Abyssinien vom Tiefland des Mareb 
und Takasseh bis in die höchsten Gebirge und verräth mit ein- 
brechender Dunkelheit ihre Anwesenheit alsbald durch einen kläg- 
lich pfeifenden Lockton des cf , den es oft die ganze Nacht durch 
hören lässt, wogegen es im Fluge ein kreischendes Knurren 
ausstösst. 

Atticora cypseloides Heugl. 

Occipite rectrieibusque fuliginosis, his medio ehalybaeo ni 

tentibus; interscapulio alisque chalybaeis, remigum prima extus 

delicate albido limbata; uropygio et supracaudalibus pallide einc- 

reo fuscis; gastraeo, striolaque supraoeulari albis, loris nigerrimis, 

rectrieibus basin versus pallide fusco limbatis, prima vakle elon- 

gata dimidio apicali angustata; subalaribus sordide albidis. Long. 

ad apicem caudae 5" 4"; rostr. a fr. vix2|'"; al 3" 6J/" ; tars. 
4 w//_ 5 ///. 1 . ectn extim> vix 3 ,y. rcctl . j^i^j^^. [// 4 i"/ 

Ein Exemplar hat die Schäfte der Unterschwanzdeck federn 
schwärzlich, die letzteren reichen bis zur Spitze der mittelsten 
rectrix; die erste Schwinge, die längste, reiclrt wie bei A. mcl- 
bina Verr. zur Spitze der 2. Steuerfeder. Lebt in (Vntrul-Aby- 
sinien auf 6 — 8000' an Flussufern und auf Wiesen gemeinschaft- 
lieh mit Cotyle paludibula und zeichnet sich durch reissend seh nel- 
len Fing ans; von H. melbina von Gabun seheinl sich diese 2te 
ostalVikaiiische Art vorzüglich durch die dunkle Färbung (\v> Ober- 
kopfes, den weissen Streif Über den sainineNehwar/en Zugein n. 
weit helleren llinterrüeken zu unterscheiden. 

Hirviulo ni i I tt noeriss u s Kupp. 

Die Abweichung eines altes S von der Beschreibung von 



298 -Dr. Th. v. Heuglin: 

ff. melanocrissus in Hartlaub Syst. W. Afr. veranlasste mich , eine 
grössere Anzahl dieser kleinen Schwalben zu genauerer Verglei- 
chung zu schiessen u. die Resultate meiner Untersuchungen schei- 
nen zu bestätigen, dass der abyssinische Vogel doch von dem 
Hartlaubs vom Casamanze abweiche. Die Maasse namentlich er- 
geben einen allzu namhaften Unterschied und auch einzelne Merk- 
male in der Zeichnung wollen nicht ganz mit genannter Beschrei- 
bung übereinstimmen. 

Grösse nach Hartlaub : Long. 5"; rost. 3"; al. 4" 2'"; rectr. 

med. (??) 3|". Beim hiesigen Vogel finde ich: Long, ad apic. 

caudae 7£"; ad ap. alar. 5" 8—9'"; rostr. afr. 3, 2—3"'; al. 4" 

7—9"'; rectric. med. 1" 9'"; rectr. extima 3" 10'"; tars. 6£'" 

— 6f". 

Dr. Hartlaub erwähnt endlich nicht der schwarzblauen obern 
Schwanzdeckfedern und sammt schwarzen Zügel, die Unterschwanz- 
deckfedern haben einen 12—15"' breiten blauschwarzen Spitzen- 
fleck, die röthlich braune fascia analis ist nur seitlich angedeu- 
tet und nicht durchgehend, die Wangen weisslich braungrau an- 
geflogen, die ganze Unterseite und Unterflügeldeckfedern weiss, 
rostgelb überlaufen, ein eigentlicher rothbrauner Nackenfleck fehlt 
und nur bei einem $ erstreckt sich die genannte Farbe der re- 
gio parotica als kaum angedeuteter unzusammenhängender Streif 
über den stahlblauschwarzen Nacken. 

ö* und 2 weder in Grösse noch Farbe sonst verschieden. Oben 
angegebene Maasse habe ich nach 3 tf und 2 J zusammengestellt. 

Die Art scheint fast über das ganze abissinische Hochland 
verbreitet mit Ausnahme der östlichsten Theile. Ihre Standorte 
zwischen 6 und J1Ö00'. Während der Regenzeit erscheint sie 
hier und zieht nach Lefebvre im Februar und März weg, also nur 
auf kurze Zeit. Sie lebt, ähnlich ihren meisten Gattungs verwand- 
ten, gesellschaftlich, lässt sich schon aus weiter Ferne an der be- 
trächtlichen Grösse, rothbraunem Uropygiuni und eigenthümlicher 
Stimme, die sie mit H. habessinica gemein hat, leicht erkennen, 
ist aber gemeiniglich schwer zu erlegen, weil sie meist ausser- 
ordentlich hoch streift. 

Zu Hirundo Mifera Steph. , habe ich zu bemerken, dass ich 
erst am Takasseh ein tf erlegte, das vollkommen ausgebildete 
äussere Steuerfedern hat; diese messen 3" 8'" und sind äusserst 
schmal auf der Spitzhälfte. (Die übrige Beschreibung von Adoa 
aus eingesandt.) 



Beiträge zur Ornith. N.-O.-Afrika's. 299 

Ob diese Art identisch mit H. Smithii Cranell. , ist aus der 
mangelhaften Beschreibung derselben nicht zu ersehen. — 
Zosterops euryophthalma Heugl. 

Ich habe kurz vor meiner Abreise aus Europa noch das Ma- 
nuscript zur Publikation einiger hiesiger neuer Arten, darunter 
dieser, an Ph. L. Sclater in London eingesandt, gebe jedoch, da 
ich damals nur ein sein* kleines $ zur Beschreibung benutzen 
konnte, hier kurz die des alten tf . — Z. major, supra virente flava, 
subtus albida, mento, collo antico, subcaudalibus flavissimis , pec- 
toris lateribus, hypochondriisque cinereis, macula majore anteocu- 
lari nigerrima, subalaribus tibiisque (his in fundo cinerascentis) fla- 
vis; periophthalmiis niveis; rectric. et reinig, fuliginoso nigris extus 
ex parte virente flavo marginatis, his basin versus flavente albo- 
limbatis; rostro nigerrimo, mandibulae basi coerulescente; pedibus 
coerulescentibus, hypodaetylis pallide griseis, iride brunnea. Long, 
tot 4" 9'" — rostr. a fr. 5'" — caud. 1" 11'" — tars. 8|'" — 
al. 2" 4£'". — 

Die fast rein weisse Grundfarbe der Bauchmitte theils auch 
gelblich überflogen. Ein sehr lebhafter Vogel, den ich hier und 
da in Zellemt und Semie'n auf Oliven und Feigenbäumen antraf. 
Er flattert ähnlich unsern Laubsängern um die Zweige und lässt 
zuweilen seinen Lockton, ein volles, tiefes „huid u hören. Im Ma- 
gen fand ich ausschliesslich Saamen einer Feigen -Art. Unter- 
scheidet sich auf den ersten Blick von Z. habessinica. Die an- 
sehnlichere Grösse (letzterer ist 3" 7 1'" lang,) der viel schwärzere, 
kräftigere Schnabel, (bei Z. habessinica blass-fleischfarb) und die 
Färbung der Unterdeckfedern (bei Z. hob. weiss.) 

Crateropus melodus Heugl. — Medius, cauda paulo rotundata 
medio emarginata, totus fusco cinereus, loris nigerrinius, regione 
inguinale et subcaudalibus intense ferrugineis, fronte 
argentino-cinerca; remigibus, rectrieibus , ulnaque nigris, Ulis sub- 
tus fuliginosis, pogoniis externis ex parte delicate argentino lim- 
batis; subalaribus griseis, rubente indutis niarginein alae ver-u- 
nigricantibus; rostro nigro, tomiis mandibulae albido; iride cocei- 
nea, ciliis liliacinis; tarsis pedibus rubente brunneis. Long, tot. 
6" 6— 8"'; rostr. a fr. 6'" ; al. 3" l"'; caud. 3" 2'"; tars. 1" 1" {'". 

Die Männchen selieinen sich durch einen weisslichon Flock 
auf der Mitte des Unterleibes von den Weibchen ZD unterscheiden. 

Diese schöne Art lebt paarweise in dichtem (irbiiM'h und 
dickbelaubten Hochbäumen zwischen 9000 und 11500' Meeres- 



300 Dr. Th. v. Heuglin: 

höhe in Semten und Woggera und macht sich — obgleich immer 
unter Laubwerk verborgen, sogleich durch ihren ebenso klang- 
vollen als lieblichen, dem unseres Sprossers sehr ähnlichen Ge- 
sang bemerklich. Das J assistirt dem singenden <? durch ein 
schnarrendes, etwa demLocken der Schilf sänger ähnliches terr-r-r-r. 

Im Magen fand ich Körner und kleine Beeren, namentlich 
die dunkelblauen Früchte einer Celastrus-Aii , die auch die Ex- 
cremente schön veilchenblau färben.. 

Merkwürdig ist die schöne Färbung der Augen gewisser Cra- 
teropus- Arten; hier und bei C. leucopygius ist die Iris brennend 
hochroth, bei C. leucocephalus schwefelgelb, bei C. cinereus mihi 
hellperlgrau. 

Ich gebe hier gelegentlich noch die Beschreibung einer sehr 
in Färbung aberranten Art vom mittleren Lauf des Bahr el abiad. 
Crateropus guttatus nob.: Supra cinerascente rufus, subtus albi- 
dus, ferrugineo-lavatus ; fronte cinerascente, plumis medio abscu- 
rioribus ; loris, orbitis et macula temporali sordide albis ; regione 
parotica fuliginosa, ex parte albo-striolata. Juguli lateribus pec- 
tore et epigastreo maculis majoribus rotundatis nigro-brunneis; 
hypochondriis subcauclalibusque dilute rufescente brunneis, Ulis 
nigricante striolatis; uropygio caudaque intense ferrugineis; re- 
migibus basi ferrugineis apice fuliginosis, ex parte ferrugineo- 
limbatis; subalaribus albidis maculis nonnullis longitudinalibus 
fuscis. Rostro nigro, pedibus fuscis, iride castanea. — Long. tot. 
6£'' ; rostr. a fr. 61'"; al. 3" ]'"; caud. 3"; tars. J 1" 8'". 

Der Schwanz etwas gerundet, die Steuer- und grossen Flü- 
geldeckfedern zeigen eine feine Querstreifung, die Stirnfedern 
nach der Spitze zu sehr verschmälert und etwas steif, hornartig 
wie bei C. plebejus und dem ihm verwandten C. cinereus mihi, 
G. limbatus Harris. 

C . cinereus mihi. Dilute cinerascente brunneus, subtus palli- 
dior, pileo et gutture argentino cinereis, plumis medio nigricante 
striolatis, gutturis et pectoris plumis macula parva apicali alba no- 
tatis et ex parte albido-marginatis; remigibus et rectrieibus fuli- 
ginoso brunneis, his vix chocolatino indutis, subalaribus rufescente 
cinereis; uropygio cinerascente; rostro nigerrimo, iride dilute ci- 
nerea, pedibus fuscis. Long. tot. 9"; rostr. a fr. 9"'; al. 3" 9"'; 
caud. 3" 8"'; tars. I" 4'". Gesellschaftlich längs des Bahr el 
abiad zwischen 10 u. 5° N. Br. 

Ueber eine weitere neue, dem Rüppellschen C, rubiginosus 



Beiträge zur Ornitli. N.-O.-Afrikn' .-.. 301 



•.- 



etwas verwandte Species vom obcrn weissen Nil, C. rufescena 
mihi, fehlen mir im Augenblick die nöthigen Notizen zur Publika- 
tion. Letztgenannte schliessen sich sehr innig an Sphenura 
squamiceps und Sph. acaciae an. Auch gehört Drymophüa habex- 
sinica Rüpp. ihrer ganzen äussern Erscheinung nach eher hier- 
her als zu Aedon. 

Tchitrea Ferreti Guer. — Rev. zool. 1843 p. 162. 
Schon ehe ich Guerins oben citirte Publicationen kannte, war 
mir aufgefallen, dass die N. 0. afr. Tchitreen nicht recht auf die 
Beschreibungen von Tch. melanogastra u. cristata passen wollten, 
jetzt stellte ich wieder Vergleichungen an, und bin vollkommen 
von der spezif. Verschiedenheit zwischen Tch. Ferreti und mela- 
nogastra überzeugt. Beide gleichen sich namentlich in der Fär- 
bung des Kopfes und der Oberseite, der Unterleib ist dunkel 
aschgrau, die untern Schwanzdecken dagegen schmutzige weiss in's 
Graue, die obernbraunroth, theilweise schwarz und weiss gescheckt, 
die Unterflügeldeckfedern grau, ebenfalls weislich gefleckt, gegen 
die Ulna hin stahlblau bis schwarz, Schnabel und Füsse blei-blau, 
Mundwinkel und Augenring glänzend violett blau; Rachen gelb, 
Iris braun. Long. tot. ad. ap. rectricum intermed. 14 |"; al. 3" 4"'; 
tars 6'"; rectr. prima 3" 2'"; rectr. intermedia 12" 2"'; rostr. a fr. 6'". 

Eigentümlich ist der Wechsel der zimmet-rothen Farbe des 
Rückens und Schwanzes in Weiss; doch glaube ich nur zur Re- 
genzeit Exemplare, und nur Männchen, gesehen zu haben, bei de- 
nen diese Abänderung vorkommt; die 2 sehr langen mittleren 
Steuerfedern sind dagegen meist weiss, mit schwarzen Schäften, 
aber nur dann, wenn sie ihre Normal-Länge ganz oder fast er- 
reicht haben. 

Nördlichstes Vorkommen in N.-O -Afrika etwa 16° N. ; Stand- 
orte zwischen 1000 10000'. 

Dem kleinern J fehlt der breite weisse Spiegel der Flügeldeek- 
federn und die mittleren Schwanzfedern sind verhältnissmässig 
wiiiig verlängert und immer braunroth. Ob M. cristata vom obe- 
ren Bahr el Abiad, Dclilip. in Collect. Brun-Rollet? 

Nach Lefebvre käme Rhipidttra p&spiciüata Yieill. und Mu*ci- 
capa pistrinasia Yieill. um Grondar und in Schircli vor!! 
M //sc i cd pa minima Ueu^l. 

Minima, supra fuacescente cinerea; frqnte, lm-is, ciüis, gastreoque 
sordide albidis; lateribiis colli, pectore, hypochondriis suhalari- 
busque cinereo-fulvesctnte [ndutis; reipjgibus el rectrieibus fuligi 



302 Dr. Th. v. Heuglin: 

nosis illis intus basin versus fulvis; tectric. alarum et rectrici- 
bus extus et apice ochraceo limbatis; rostro depresso lato nigro 
basi coerulescente carnicolore, ped. coerulescente nigricantibus f 
iride brunnea. — Long. tot. 4" 3'"; rostr. a fr. 3" 2'"; tars. 5'"; 
al 2" 4|'"; caud. 2" 101'". 

Dieses niedliche Yögelchen, ein allerliebster und fleissiger 
Sänger, lebt in dichtem Buschwerk paarweise in Central-Abissi- 
nien und Tigreh; ich fand ihn zwischen 4 und 9000' Meereshöhe, 
meist in Thälern und Schluchten. Er hat, wie viele Fliegenfän- 
ger, seinen bestimmten Ruhe- oder Lauer- Platz auf einem dür- 
ren kahlen Zweig, von dem er auffliegt um eine Fliege zu er- 
haschen, was ebenfalls mit einem klappenden Geräusch des Schna- 
bels geschieht. Dort ist auch sein Standpunkt für Gesangübun- 
gen, zuweilen hüpft er auch in Gebüschen von Zweig zu Zweig, 
und schmatzt dazu wie ein Schilfsänger. 

M. Lais Hempr. u. Ehr. aus Dongola (Ambukol) ist mir nie 
vorgekommen, sie scheint doch der M. parva sehr nahe zu stehen. 

Das Schwingenverhältniss meiner neuen Art ist ähnlich dem 
von M. parva, und verschieden vom Subgenus Aheonax Caban. ; 
der Schnabel aber breiter als bei M. parva, die Bartborsten dicht, 
steif und sehr entwickelt; der Schwanz etwas ausgerandet. 
Zu den Dicrurinae und Melaenornis. 

Die Dicrurinae N.-O.-Afrika's im Allgemeinen scheinen mir 
sehr einer genaueren Prüfung zu bedürfen. 

Jch kenne mit Sicherheit nur zwei Arten eigentlicher Dicrurus : 

1. Dicrurus lugubris Ehr., der namentlich in baumreichen Ge- 
genden südlich vom 16° N. überall zwischen 1000 und etwa 10000' 
Meereshöhe vorkommt, südwärts bis in die Somali-Länder. 

2. D. erythrophthalmos Herzog P. von Würtemberg., 

aus Fezogl, Kamamil, Schangol, etc. etc. mit dem nach Hartlaub 
der W. afrikanische D. modestus Hartl. nahe verwandt ist. 

Ausserdem führen einige Autoren auf: 
3. D macrocercus Vieill. nach Lefeb. Ois. p. 102, am Bahr el Abiad. 

4. D. aculeatus Cass. Aus FazogL — Nahe verwandt mit dem 
westlichen und capischen D. rnusicus Vieill. 

5. D. divaricatus Licht. Aus Sennaar und Kordofan, (Lichtenst. 
Strickl. u. Cabanis) — Strickl. (Coli. Petherick) citirt übrigens als 
Syn. hierzu: D. lugubris Ehr.? 

6. D. emarginatus Licht. Im Leydner Museum aus „Nubien" 
als Edolius emarginatus Tem. 



Beiträge zur Oniitli. N.-O.-Afrika's. 803 

Von Melaenornis- Arten finden sich: 

Melaenornis edolioides. Aus Schoa (Rüpp.) 

Soll auch in Sennaar und Abissinien vorkommen. Haiti. Syst. 
W. Afr. p. 102. — 

Melaenornis nigerrima Herz, von Würtemberg. 

= M. lugubns v. Müller, = M. rnelas Heugl. 
Vom Herzog Paul v. Würtemberg in Fazogl. entdeckt, von 
mir in der Kolla Central- Abissiniens und am Mareb gefunden. 
Das v. Müllersche Orig. Exempl, stammt aus einer Schimperschen 
Sammlung aus Tigreh, wohl auch vom Mareb. Die Iris ist im- 
mer schön schwefelgelb, wie schon Herzog Paul beobachtet hat, 
und nicht braun, (v. Müller.) 

3. Melaenornis intermedia Heugl. 

Beim Uebergang unserer Expedition über den Takasseh er- 
legte ich eine der vorhergehenden ähnliche, jedoch etwas grössere 
Art mit brauner Iris und gerundetem Schwanz, kräftigen Vibris- 
sen, und grauen, langen Unterflügeldeckfedern. 

M. schistaceo niger; cauda et alarum tectricibus majoribus 
nigris; remigibus primariis intus basin versus albido marginatis; 
subcaudalibus tribiaeque plumis apice limbo albicante; subalarum 
longioribus griseis, distincte nigro-marginatis, reliquis schistaceo 
nigris. Cauda vix elongata, rotundata delicate fasciolata; rostro 
et pedibus nigricantibus ; iride brunnea. — Long. tot. 7" 5'"; rostr. 
a fr. 6'"; al 3£"; caud. 3" 6'"; tars. 9£'". 

Diese Art hielt sich, so viel ich beobachten konnte, niedri- 
ger als D. lugubris, (der vorzugsweise gern die dürren höchsten 
Aeste von grossen Bäumen, namentlich von Tamarinden liebt,) 
und scheint nur einzeln und paarweise vorzukommen. 

Zu den Fringilliden habe ich wenig zu bemerken, da die 
buntfarbigen Hyphantornis, Euplectes, Coliuspasser, etc. etc. jetzt 
seit der Regenzeit ihr Prachtbild abgelegt haben, ist mir vielleicht 
manches aus dieser Gattung entgangen. Die Hyphantornis sind 
meist Tieflands-Vögel, H. larvata Rüpp. traf ich übrigens noch 
auf etwa 8500', IL Guerini noch höher; Euplectes Petit i und iani- 
color gehen höchstens auf 7500'; E. zanthomelas und E. stictus 
mihi (coni'. Haiti. W. Afrika p. 129,) nur auf 8500 — 11000'. — 
Die Standorte von Golmsp attoth , die 1 , beiläufig gesagt, vorzüglich 
und oft in immensen Flügen im Schilt' (M/v/We donu.r) und Ci/pe- 
rw«-Dickichten leben, scheinen zwischen 5 und 8000' zu sein. 

Ich habe auch keine der abissinischcn Arten im Nilihal ge- 



304 Dfc Th. v. Heuglin: 

fimden, wohl aber eine neue vom Sobat und weissen Nil: C.phoe- 
niceus (totus niger, scapularibus laete aurantiaco-rubris ; rectrici- 
bus latis valde elongatis.) 

Die Fi'dwa- Arten sind nur im Tiefland, höchstens bis 6 und 
7000' herauf. 

Estrelda cinerea und -ihre nächsten Verwandten fanden wir 
zwischen J000 und 8000'; ebenso Lagonosticta larvata, L. mini- 
ma vom Meer bis 9000', ungefähr ebenso Uraeginthus phoenicotis, 
Estrelda Ernesti IL von 4 — 10000', in Semien bis in die Gränze 
der Erica, Hypochera ultramarina bis gegen 8000'. Serinus strio- 
latus Rpp. {Pyrrh. striolata Rpp.) Citrinella nigriceps, Poliospiza 
tristriata bis zur Eisgränze, Citrinella citrinelloides Rpp. nicht hö- 
her als 8000' wo auch die höchste Gränze von Passer Swainso- 
nii und Poliospiza xanthopyga zu suchen sein dürfte; die Pytelien 
leben im Tiefland bis zu 6000'. 

Die Angabe Lefebvres über das Vorkommen von Amadina 
sanguinolenta Tem. und A. erythrocephala Lin. um Adoa, dürfte 
wohl auf einem Irrthum beruhen. Merkwürdig ist, dass dieser 
Reisende Crithagra chrysopyga Swains., mit der wohl seine Frin- 
gilla batyriaca Gml. und meine F. aurifrons (v. Heugl. Syst, Uebers. 
No. 412) zusammenfallen, in Haramat und Semien einsammelte. 
Als Fundorte dieses Vogels bezeichnet Hartlaub: Bourbon, Ma- 
dagascar, Mauritius, Mossambique, St. Helena, Cap Coast, Sene- 
gambien, in N.-O. -Afrika wäre er in Abissinien u. O. Sennaar! 

Von Ammern fiel mir im Hochland nur Fringülaria Septem- 
striata auf. Standort 1000 — 8000', und Glycispina hortulana, die 
den Winter über in ganz Abissinien gemein ist; von Lerchen 
Alauda cristata, vom Meer bis an 12000'; Megalophonus ruficeps 
Rpp., ein ebenso lieblicher Sänger von 5500— über 10000'; Cora- 
phites leucotis trafen wir einmal in Zellemt, auf etwa 8000'. 

Colins leucotis lebt zwischen 2 und 10000', den C. senegalen- 
sis Gm. fanden wir nur um Adoa, Lefebvre auch C. capensis!! 
Buphaga erythrorhyncha fehlt in Abissinien nirgends bis auf die 
Höhen derPlateaux von Semien und Woggera. Buceros erythrorhyn- 
chusund nasatus (hierher glaube ich aber bestimmt den P. poecilorhyn- 
chus als 1 jähr. Vogel rechnen zu dürfen), kommen wohl nicht höher 
als 6000'; B. limbatus auf 10 — 11000', B. habessinicus nicht viel 
niedriger, B. flavirostris und cristatus sind mehr im Süden Abis- 
siniens, Letzterer bis Schoa,, Ersterer bis zu den Somali-Ländern 
geherad. Aus der Ordnung der Klettervögel habe ich verhältniss- 



Beiträge zur Ornithologie N-O-Afrikas. 305 

massig im Gebirg wenig Erhebliches gesehen. Picus Hemprichü 
ist noch häutig auf 9 — 10000'; P. habessinicus bis in die Woina 
Deqa; den seinen lynx aequatorialis Rüpp. traf ich zweimal auf 
der Hochebene von Woggera, von Bartvögeln Pogonias Brncei 
und undatus bis zur Woina Deqa, ersteren etwas über 8000'. Psittu- 
eulus Tarantae ist auf den Plateaux von Woggera keine Selten- 
heit, Palaeornis cubicularis nur Ti efland- Vogel, dagegen fand ich 
zwischen dem Takasseh auf etwa 8000', eine oder besser wohl 
zwei Arten von Phaecocephalus, von denen ich vermuthe, dass sie 
nicht bei Ph. Mayeri Rüpp. unterzubringen sind, von welch letz- 
terem ich keine Beschreibung bei Händen habe^ 

1. Ph. pileo, loris et genis pallide sed laete flavis, collo, pec- 
tore, interscapulio, alarum tectrieibus et subalaribus olivaceo fus- 
cis, plumis omnibus late et nitide psittacino-viridi marginatis, ven- 
tre, uropygio, tectrieibusque caudae superioribus et interioribus uni- 
colore nitidissime psittacino-viridibus ; remigibus et rectrieibus ob- 
scure fuscis, his apieibus versus nitore nonnullo vierscente ; rostro 
graciliore albido, maxilla paullo obscuriore. Long. tot. 10"; rostr. 
a fr. 1"; al. 6" 3'"; caud. 3"2'";tars. 6 — 7'". — Sexus leider 
nicht bekannt, da die Etiquette verloren ging. 

2. Ph. capite supra, genis, loris, apieibusque plumarum ulnae 
pallide citreis, collo antico , interscapulio , tectric. alarum et sub- 
alaribus in fundo fusco psittacino-viride indutis, marginibus plu- 
marum ex parte malachitino resplendentibus ; uropygio, ventre, ti- 
biis hypochondriisque laete beryllinis, nitore ultramarino. 

Subcaudalibus in fundo Havo psittacino-viridibus; remigibus 
rectrieibusque fusco nigricantibus, margine externo (his etiam apice) 
viride indutis. Maxilla coeruleo- mandibula unguinibusque pallide 
corneis, pedibus coeruleo-fuscis, pcriophthalmiis nudis nigris, iride 
brunneo rubra, ceromata fusca, rostro rubustiore; praecedenti 
paulo minor. Long. tot. 9"; rostr. a fr. 1" 1'"; al. 6"; caud. 3"; 
tars. 7 — 8"'. 

Die Weiclitheile von No. 1 . im Uebrigen ganz wie bei No. 2. 

Der ganz gelbe Kopf der zweiten Art veranlasste mich — da 
ich solchen bei Ph. Mayen nie gesehen hatte, viel Jagd auf die- 
se Vögel zu machen, deren auffallend glänzendes Gefieder schon 
sie vor den trübgrauen Farben der letzteren Art sehr vortrefflich 
auszeichnet; aber ohne Vergleichung, die ich hier nicht vorneh- 
men kann, wage ich nicht ein Urtheil über mögliche Art- Selbst- 
ständigkeit meiner Vögel von Takasseh u. Ataba zu gehen. No. 1. 

Jouru. f. Ornith., X. Jahrg. Nr. 58, Juli |8ft& 20 



306 Dr. Th. v. Heuglin: Beiträge z. Ornith. N.-O.-Afrika's. 

scheint mit demRüppelschen Ph.flavifrons aus Schoa nahe verwandt, 
gegen specifische Verschiedenheit zwischen ihm und No. 2 spricht 
aber der Umstand, dass beide zusammen vorzukommen scheinen. 

Von Tauben-Arten ist bereits die Rede gewesen. Aplopelia 
bronzina Rüpp. kommt, nach Lefebvre, auch bei Adoa und in 
Bellesa vor, C. albitorques und arquatricula sind theils Bewohner 
von Häusern und Kirchen in Abissinien. 

Streptopelia semitorquata Rüpp. ist von der Meerküste bis 
auf 8000 — 9000'. Sie geht noch nördlich bis 21° N. B. in Don- 
gola und Sanakin. 

Oena capensis kommt im Gebirg bis auf 8000' herauf, wie auch 
Chalcopelia afra. 

Trotz aller Mühe ist es mir bis jetzt nicht gelungen, die von 
Lefebvre erwähnten C. larvata Temm. und C phasianella (ohne 
Autor) zu finden,, oder sollte erstere zu bronzina gehören? 

Francolinus Erkelii und gutturalis gehören zu den Bewohnern 
der höchsten Gebirge Abissiniens, auch F. Rüppellii und Ptilopachys 
ventralis fand ich noch auf etwa 7 — 8000'; Numida wenig tiefer, 
Pternistes rubricollis ist nur Küsten-Vogel. 

Von Sandhühnern kommen bei Axum die schöne Pteroocles 
gutturalis Smith., am Takasseh Pt. Lichtensteinii vor. In Woggera 
u. Semie'n habe ich nie einen Pterocles gesehen, dagegen Wach- 
teln bis zu 10000'. 

Otis melanogaster , häufig am Tana-See, geht bei Axum auf 
8000'. 

An Sumpf und Wasservögeln ist das Gebirgsland arm, Eulabe- 
ornis habessinica ist uns nie unter 6000', aber bis zu 11 u. 12000' 
in Semie'n, Bernicla cyanoptera nur bei Axum und auf den Sümpfen 
von Woggera (sie soll auch in Enderta sein) zwischen 8 u. 9300' 
Meereshöhe zu Gesicht gekommen. Ebenso hoch gehen Podiceps 
minor, Anas crecca, üavirostris und sparsa, wohl auch Gallinxda 
chloropus, Oedicnemus crepitans sah ich noch auf beiläufig 6500'; 
Vanellus melanopterus zwischen 5000 u. 10500', Lobivanellus sene- 
galensis in der Kolla etwa bis 5500' aufwärts, L. melanocephalus nur 
auf 9 — 10000', Hoplopterus spinosus u. Sarkiophorus pileatus höchstens 
auf 3—5000'. Aegialites cinereicollis Heugl. zwischen 500 — 8000', 
Totanus glareola, ochropus u. hypoleucos bis 10000'; Ibis caruncu- 
lata u. comata vom Meer bis 1 1000', erstere vielleicht noch höher. 

Von europäischen Zugvögeln trafen wir im December im Hoch- 
land Turdus cyanus und saxatilis, Cyanecula suecica, Motacilla sid- 



Prof. Sundevall: Bemerkungn und Berichtigungen. 307 

furea, alba und Budytes flavus und melanocephalus, Emberiza hor- 
tulana, einige AnthvA-kxten, Sylvia rufa, die Wachtel, die schon 
erwähnten Strandläufer, Anas crecca und querquedula, Ana* mj- 
roca, feiina und strepera, (A. clypeata, Podiceps minor, Gallinvlu 
chhropus scheinen Standvögel, wohl auch Totanas hypoleucos u. 
Falco tinnunculus ,) Ruticilla, Scolopax gallinago; dagegen keine 
europäische Schwalbe, Kuckuk, Oriolus, CapHmulgus. 
Gondar, den 24. Januar 1862. 



Literarische Berichte. 

Bemerkungen und Berichtigungen 

zu dem Berichte: „Ueber SundevaU's ornithologisches 

System." 
in diesem Journal, Jahrg. 1861, Seite 350 und ff. 

Kürzlich erhielt ich das V. Heft für 1861 dieses Journales 
und fand darin den Bericht von Herrn Albrecht über meine 
Versuche in der Systematik der Vögel, mit Auszügen meiner 
Arbeit über „Svenska Foglarna." Es ist mir gewiss sehr schmei- 
chelhaft, dass diese, ausser dem Vaterlande vollkommen unbe- 
kannten Schriften der Erwähnung werth befunden wurden, wie auch 
dass sich der Herr Berichterstatter so viele Mühe damit gege- 
ben und dicss auf eine für mich so freundlich wohlwollende Weise 
gethan hat. Doch muss ich dem Herrn Albrecht wegen eini- 
ger ganz unrichtiger Uebersetzungen und Meinungen, die er mir 
offenbar nur durch ungenügende Kenntniss der schwedischen 
Sprache in den Mund gelegt hat, leider in einigen Punkten be- 
richtigend entgegentreten. Ohnehin enthält die Abhandlung viele 
Druck- oder Schreibfehler, deren wesentlichste Berichtigungen 
wünschenswert h erscheinen. 

Ich will mich nicht lange dabei aufhalten dass ich beschuldigt 
werde, alle Wichtigkeit der inneren Theilc und besonders der 
Singmuskeln zu verneinen. Ich hoffe doch, das Unzutreffende «lie- 
ser Behauptung im Allgemeinen erwiesen zu haben. Al»er (Wv 
Satz wird richtig, wenn man nur die Worte: ..für zoologische 
Charaktere <><|er Kennzeichen" hinzufügt; d. h. in Schemen und 
Aufstellungen; denn von Anderein kann hier nicht die Rede sein. 
Ich meine noch immer, daBfl die iunern Theilc dazu nicht benut/i 

20* 



308 Prof. Sundevall: Bemerkungen z. d. Berichte 

werden können, weil diese nicht leicht und überhaupt nicht an 
den ausgestopften Exemplaren der Sammlungen untersucht wer- 
den können, folglich fast immer oder sehr oft bei den ausländi- 
schen seltneren Formen, ganz unbekannt sind. Die Ornithologen, 
oder Zoologen, welche alle Gattungen und alle deren Formen- 
verhältnisse kennen, haben gewiss nicht Charaktere oder Kenn- 
zeichen nöthig; aber nur Wenige sind so glücklich und so kennt- 
nissreich. Den Meisten glaube ich, ergeht es wie mir selbst, der 
ich noch, nach 40jährigen zoologischen Studien, sehr oft gute 
äussere Charaktere für sehr willkommen und nützlich, selbst für 
nöthig halte und gar nicht mit Charakteren von inneren, und viel- 
leicht Niemandem zugänglichen Theilen, befriedigt bin. Ich denke 
es liegt doch einige Wichtigkeit in der Kenntniss der äusseren 
Theile und daraus müssen die äusseren Charaktere, oft mit vie- 
ler Mühe entnommen werden. Aber dies hindert Niemanden alle 
möglichen Merkwürdigkeiten des innern Baues bei Beschreibung 
einer Art, Gattung, Familie oder grösseren Gruppe zu erwähnen, 
und deren Wichtigkeit für die Erkennung der Affinität m. m. auf- 
zulegen. Wie soll man endlich die Gattungen kennen lernen, 
wenn man innere und unbekannte Theile, in der Diagnostik für 
äussere und allen zugängliche substituirt. Wie würde sich z. B. 
ein Gattungscharakter für das Genus Euphone ausnehmen, der 
nur den unvollkommenen Muskelmagen erwähnte, den Lund vor 
etwa 30 Jahren in einer Art entdeckte, den wohl wenige seitdem 
gesehen haben, der aber nicht immer so unvollkommen ist. Mir 
scheint es besser die Formen des Schnabels, der Flügel u. s. w. 
als Charaktere zu benutzen und dann den sonderbaren Magen zu 
beschreiben, soweit man ihn kennt. Ganz so mit Singmuskelapa- 
rat und hintererer Laufbekleidung. Unsere Kenntniss der letz- 
teren ist vollständig; die des ersteren noch sehr lückenhaft. Wenn 
ich daher sage, dass ich nach den Singmuskeln eintheile, so ist 
dies oft doch nicht wahr; denn in allen den Fällen, wo ich den 
Singmuskelapparat nicht kenne, muss ich doch nach den Füssen 
urtheilen und es könnte leicht der Fall eintreten, dass in einigen 
Formen, wie bei den Lerchen, die beiden Charaktere nicht über- 
einstimmen. Ebenso ist es mit meiner eigenen Entdeckung, dass 
der Flexor hallucis longus bei allen von mir untersuchten Pas- 
seres mit oder ohne Singapparat, von den Flexoren der übrigen 
Zehen ganz frei ist, aber bei allen übrigen Yögeln mit diesen 
verbunden. Auch dies nehme ich nicht als zoologisches Kenn- 



„Ueber Sundevall's ornithologisches System." 309 

zeichen, sondern nur die entsprechende äussere Form der Hin- 
terzehe. 

Wohl schon zuviel habe ich über diesen Gegenstand gesagt, 
den doch jeder, der nicht allzu gelehrt ist, gut verstehen und 
richtig würdigen wird. Ich muss zu den anderweitigen Berichti- 
gungen übergehen und beschränke mich auf die wichtigsten, in- 
dem ich die kleineren Druckfehler etc. wie z. B. in den 6 Bü- 
chertiteln und Citaten zu Anfange, Seite 350, übergehe.) 

Seite 350, Zeile 5 — 7. Ich habe nicht das Verhältnis,? der 
hinteren Fussschilder entdeckt, und immer die Arbeiten Anderer 
darüber angegeben (wie Sv. Foglarna p. 10, 2te Spalte.) 

Ibid. Zeile 9 — 12. Ich habe immer gesucht, Linnens Regel 
zu befolgen: „Genus dabit characterem, nee vice versa," und stelle 
nur das als Charakter (Kennzeichen) auf, was ich selbst vollstän- 
dig kenne und was von einem jeden untersucht werden kann. 

Seite 351, Z. 11, von unten steht: „auf ihren Wanderungen" 
muss aber, um mit meinen Ansichten zusammenzutreffen, gelesen 
werden: „und zu Wanderungen." 

Seite 353, Zeile 10. steht: „eine starke Klaue," aber es ist 
wesentlich, dass diese Klaue (die hintere) bei den Singvögeln 
(oder richtiger Passeres od. Oscines mit und ohne Singmuskeln) 
stärker als die übrigen Krallen ist. 

Ibid. gerade in der Mitte muss etwa so verbessert werden: 
Sundevall sieht als die höchsten Vögel die an, welche Handschwin- 
gen haben, von denen die Iste sehr klein ist, ungefähr wie die 
daneben liegenden Deckfedern. 

(Vergl. Sv. Foglarna, pag. 9, am Ende der ersten Spalte.) 
Meine Ansicht über die Flügel mit nur 9 Handschwingen steht 
daselbst, theils p. 38. gegen Ende der ersten Spalte. Ich be- 
trachte dies als überbildet oder als ein Zurücktreten, wie der Ver- 
lust von Haaren oder Zähnen bei alten Thieren. 

S. 354. in der Mitte: Die zwei Reihen der (keine* sind nur 
durch die Bekleidung der Hinter seite (Sohle)' des Laufs cha- 
rakterisirt, wie dies Cabanis auseinandergesetzt hat. 

Ibid. Z. 4 v. o. und Z. 10 v. u. Die dort gemachten Vor- 
würfe können gern bis auf Weiteres ohne Antwort bleiben. 

S. 355, Oohors 1: Dessen Kennzeichen ist, d;is> die Tomien 
des Unterkiefers nach feinsten Bein- hoch aufsteigend, stark, schnei- 
dend, (aber nicht immer „spitz") und gegeneinander eingebogen 
sind, was am allerbesten verstanden wird, wenn man den geöff- 



310 Prof. Sundevall: Bemerkungen z. d. Berichte 

neten Schnabel einer Fringilla oder Emberiza betrachtet. Der 
Ausdruck, dass diese Tonnen (Kanten, Schneiden,) „oft einige 
kürzere Falten, flik-plica, bilden," ist etwas ganz Missverstande- 
nes und kommt daher, dass im Originale (pag. 14 unter Cohors I) 
gesagt wird, dieselben seien oft wie ein Lappen geformt. 

Ibid. Cohors 2: steht „Zehe" für Klaue. Die Klauen sind 
zusammengedrückt aber nicht besonders „nach oben gerich- 
tet." Auch in dem folgenden ist das Wort: „zusammenge- 
drückt" mit „aufgehoben" oder „aufrecht" übersetzt, wie 
z. B. S. 369, Drosselgeschlecht, 1. Zeile: „aufrechtem Schna- 
bel" für „zusammengedrücktem Schnabel." 

Ibid. Cohors 3.: Ganz dieselben beiden Fehler: „Zehe" für 
„Klaue" und „nach oben gerichtet" für „zusammengedrückt". 

In der hier gegebenen Beschreibung der Schiefheit der Mit- 
telklaue muss man: „die innere Kante" lesen. Wie dort steht, 
im Plural, wird die Beschreibung widersinnig. 

Ibid. Cohors 5: Die Erwähnung der Nasenlöcher ist ganz 
verkehrt, die Stelle muss so lauten: Kinnwinkel vor den Nasen- 
löchern (zuweilen wenig, aber immer deutlich) ausgezogen. Er 
erstreckt sich weiter als die Nasenlöcher gegen die Schnabel- 
spitze hin. 

S. 356, Farn. 1, steht: Hintere Armfeder „bei aufgerich- 
tetem Flügel über die Flügelspitze" reichend. Der schwe- 
dische Text hat: Hintere Armfeder, „bei zusammengelegtem 
Flügel, gegen die Flügelspitze" hinausreichend. 

Ibid. Fringilliformes, steht: Schnabel statt Unterkiefer. (Ver- 
gleiche die Berichtigung S. 355. Cohors 1.) 

Ibid. Z. 3 v. u.: Die Schwanzfedern von Loxia werden als 
zwei statt zwölf angegeben. 

S. 362: „l)a" sollte nur a sein, steht: „vor den Nasenbei- 
nen" statt: vor den Nasenlöchern. 

Ibid. no. 18.: Das Wort Elf bedeutet Fluss (Elbe) und nicht 
„Meerbusen." Die dortige Uebersetzung (Emberiza citrinella) ist, 
wie Jedermann sieht, zu Anfange und am Ende ganz verunglückt. 

S. 368, Z. 14 v. u. ganz unrichtig. Ich betrachte, wie Glo- 
ger, die Motacilla melanocephala Licht, nicht als „besondere Art," 
sondern nur als „eine etwas mehr abweichende Form von M. flava." 
(Sv. Foglarna p. 46, am Ende der 3. Spalte.) 

S. 369. Z. 9.: „Nasenlöcher oberhalb gelb" findet sich 
nicht im Originale, und in der folgenden Zeile muss man lesen: 



„Ueber Sundevall's ornithologisches System." 311 

„Nur wenige Arten entbehren die Borsten (vibrissae) an den 
Mundwinkeln." 

S. 371 am Ende der Abhandlung von Turdus varius: „die 
drei Exemplare" sind von mir (Sv. Foglarna p. 53.) ganz unbe- 
stimmt angegeben : „vielleicht der vorige od. T. malayanus. 11 

S. 373 in der Mitte: Der Gattungsname Luscinia ist nicht 
von mir gegeben sondern wird von mir (Sv. Fogl. 59, Note) als 
von Linnd im Syst. Nat. 1735 gegeben angeführt. Es ist da ge- 
wiss nicht die Rede von einer „Sylvia luscinia" sondern schlecht 
hin von der Gattung „Luscinia." Aber die in Italien gewöhnliche 
Art habe ich Luscinia vera genannt, weil alle früheren Namen 
unmöglich gemacht sind. 

S. 376, Sylvia abietina: nistet um 63° lat., ist aber von Nil- 
son, als am Polarkreise gesehen, angegeben. 

Anmerkung. Diese Art soll eigentlich S. collybita heissen ; 
denn dieser Name, (der in Sv. Fogl. unter den Synonymen, pag. 
68 steht,) ist der älteste, von Vieillot schon im Dictionnaire . . . 
gegeben, wie ich später bemerkt habe. 

Unter den unrichtig geschriebenen Namen will ich nur fol- 
gende anmerken: 

S. 361, no. 15, steht Fringilla montana statt F. domestica. 
S. 364, unter der Mitte, zu lesen: Die Gattung Chironomus. 
S. 372, Z. 4: Buskärla. (Das ist Gebüsch-Stelze; wie Bachstelze.) 
Ibid. no. 39, zu lesen: rubecula. 

S. 376, no. 51: „S. hypolais" Ich habe eben eine Anmerkung, 
(Sv. Fogl. pag. 68, Note) beigefügt, dass dieser Name hypolais 
geschrieben werden muss. So schrieb ihn' auch Gloger nach den 
alten Autoren. 

Stockholm, im März 1862. Prof. C. J. Sunde vall. 



Briefliche Mittlieilungen , Oecono- 
miscbes und Feuilleton. 



Das natnrhistorische Museum der Otto's-Universität zu Athen. 

Von 
Dr. Th. Krttper 

Bei meinem vierjährigen Aufenthalte in Griechenland hatte 
ich Gelegenheit, das naturhistorisehe Museum zu Athen näher ken- 



312 Dr. Krüper: Das naturhistorische 

nen zu lernen. In den folgenden Zeilen werde ich versuchen, 
die Entstehung desselben, die Einrichtungen, sowie den jetzigen 
Inhalt mitzutheilen, damit dieses Institut, welches für die Wissen- 
schaft vielen Nutzen zu bringen verspricht, allen Naturforschern 
bekannt wird. 

Im Jahre 1836 bildete sich in Athen eine naturhistorische 
Gesellschaft, welche durch die Beiträge der Mitglieder, einen jähr- 
lichen Geldzuschuss Sr. Maj. des Königs und eine kleine Unter- 
stützung von der Regierung nach und nach ein kleines naturhi- 
storisches Museum errichtete, dessen ornithologische und mine- 
ralogisch-geologische Sammlungen die ansehnlichsten waren. Die 
Anlegung der ersteren verdankt sie besonders dem Eifer des 
Dr. Lindermayer. Als später — besonders vom Jahre 1843 an, 
wo die meisten deutschen Mitglieder Griechenland verliessen, — 
die Beiträge nicht mehr gezahlt wurden, und das Interesse für 
die Naturwissenschaften sich überhaupt verminderte, geriethen die 
Sammlungen der Gesellschaft aus Mangel an Mitteln und passen- 
dem Personal zur Conservation derselben, nach und nach in gänz- 
lichen Verfall. Aus dem gemietheten Lokale wurden sie endlich 
im Jahre 1850 in der grossen Aula der Universität provisorisch 
aufgenommen und standen von nun an nur noch unter der Auf- 
sicht eines alten Invaliden und Dieners der Gesellschaft. 

Im Jahre 1858, auf Anregung des damaligen hochverdienten 
Cultusministers Christopoulos und mehrerer Professoren der Uni- 
versität fasste die Gesellschaft im Mai in einer Plenarsitzung den 
EJntschluss, alle ihre naturhistorischen Sammlungen (mit Ausnahme 
jedoch der kleinen Bibliothek) der Universität für immer zu schen- 
l^HP, unter der Bedingung, dass die Universität eine Direktion 
ernenne, das nöthige Personal anstelle und für Erhaltung und Be- 
reicherung derselben fernerhin aus eignen Mitteln sorge, ferner, 
dass den Mitgliedern der Gesellschaft freier Gebrauch der Sam- 
lungen für immer gestattet bleibe. Der akademische Senat nahm 
die Schenkung unter den bezeichneten Bedingungen an und er- 
nannte eine Commission, bestehend aus den Herren Professor 
Mitzopoulos, Th. Orphanides und Th. v. Heldreich, zur Ausarbei- 
tung eines Reglements (xarovicftog) des Museums. Nach kurzer 
Zeit wurde das Reglement dem Cultusministerium zur Genehmi- 
gung übergeben und von diesem auch mit wenigen Modifikatio- 
nen angenommen und bereits am 17. August 1858 durch Aller- 
höchsten Befehl zum Gesetz erhoben und als solches publicirt. 

Nach diesem Reglement besteht die Direktion ( öievÜvrGic) 
des Museums aus 2 Ephoren und einem General -Conservator 
(yevixög emitf-Xr^ylg.) Ephoren sind die jedesmaligen Professoren 
der Zoologie, Mineralogie, Geologie und Botanik, und werden, 
sowie der Conservator vom Könige ernannt. Gehalt bezieht nur 
der Conservator. Sie sind verantwortlich und unterschreiben ge- 
meinschaftlich die Rescripte des Museums. Behufs der innern 
Verwaltung und der Arbeiten des Museums handelt indess jeder 



Museum der Otto's Universität zu Athen. 313 

Ephor unabhängig vom andern in seiner Abtheilung, stets jedoch 
in Gemeinschaft und mit Zustimmung des Conservators. 

Ausser den Mitgliedern der Direction ernennt das Cultusmi- 
nisterium auf Vorschlag des akademischen Senats und der Di- 
rection des Museums das übrige Personal, bestehend aus wenig- 
stens einem Präparator (TaQtxevirjc) und einem Aufwärter oder 
Portier (ifi>?.al£.) 

Im September 1858 wurde durch Konigl. Dekret die Direc- 
tion des neuen Museums ernannt: Herr Prof. Mitzopoulos als 
Ephoros der Zoologischen, mineralogischen und geologischen, Herr 
Prof. Th. Orphanides als Ephoros der botanischen Abtheilung, 
Herr Th. v. Heldreich als General-Conservator. Später wurden 
durch Ministerialerlass bestätigt: G. Guicciardi (aus Mailand) als 
erster Präparator und A. Leontopoulos als Aufwärter des Museums. 

Die Gehalte und die übrigen Ausgaben des Museums bestrei- 
tet, wie oben angegeben, die Otto's-Universität aus ihren eigenen 
Capitalien, wozu die Regierung vorläufig nur einen geringen jähr- 
lichen Beitrag bewilligt. Die Dotation belief sich im ersten Jahre 
1859 auf 9140 Drachmen, wovon 4020 Drachmen für Gehalte des 
Personals nöthig waren; jetzt im Jahre 1861 beläuft sich die Do- 
tation auf 10640 Drachmen, wovon wiederum 4140 Drachmen für 
Gehalte abgerechnet, 6500 Drachmen (circa 1550 Thaler Preuss. C.) 
für Ankäufe und Bestreitung aller übrigen Bedürfnisse, Transport- 
spesen, Schränke, ausserordentliche Gehülfen etc. etc. übrig blei- 
ben. Möge doch bald die griechische Regierung den Bestrebun- 
gen der jungen Universität zu Hülfe kommen! — An litterarischen 
Hülfsmitteln besitzt das Museum eine kleine im Entstehen be- 
griffene und grösstentheils aus Geschenken bestehende Bibliothek ; 
die öffentliche und Universitäts-Bibliothek, deren naturhistorische 
Abtheilung erst neuerlich durch die vom seeligen Dr. J. R. Roth 
derselben vermachten Bibliothek besonders an entomologischen 
und molacozoologischen Büchern bereichert wurde, hat nur sehr 
wenig ornithologische Werke aufzuweisen. 

Schliesslich sind noch diejenigen Gönner des Museums na- 
mentlich zu erwähnen, die demselben bedeutende Geschenke ge- 
macht haben. Zuerst der verstorbene griechische Consul in 
Petersburg Herr Charit off, der eine reichhaltige werthvolle 
Sammlung russischer Mineralien schenkte. 

Herr Carron de Villards — leider gestorhen 1860, -- 
der eine grosse Zahl Vogelbälge und Insekten aus Brasilien gab. 
König Otto verlieh ihm für diese Geschenke den Erlöseron Im. 

Herr A. Senoner, Sekretair der k. k. geologischen Reielis- 
anstatt zu Wien, machte dem Museo zu wiederholten Malen , wie 
schon früher der naturhistoriselien Gesellschaft, riele und bedeu- 
tende Geschenke aller Art. Vor Kurztun verlieh ihm der König 
in Anerkennung dafür und auf Antrag der Direktion dea Museums 
den Erlöserorden. 

Herr F. W. Spielter, griechischer Consul in Bremen, pah 



314 Dr. Krüper: Das naturhistorische 

sehr bedeutende Geschenke aus Ostindien: Vogelbälge, Conchi- 
lien und ethnographische Gegenstände. 

Herr Professor Fr. Unger in Wien Übermächte dem Mu- 
seo den grössten Theil seiner Werke. 

Die k. k. geologische Reichsanstalt in Wien gab einen 
grossen Theil ihrer Druckschriften etc. 

Herr Bonvicini in Padova gab viele Werke des berühmten 
Professors Raf. Molin und eine kleine Sammlung Entozoen. 

Ausserdem wurden dem Museo viele andre kleine Geschenke 
gemacht, sowohl von Griechen als von Ausländern, von denen 
und deren Geschenken jährlich ein genaues Verzeichniss im Jah- 
resbericht der Direktion des Museums veröffentlicht wird. 

Da das Museum zweimal in der Woche, am Mittwoch und 
Sonnabend, von 9 Uhr bis Mittag dem Publikum geöffnet ist und 
von diesem auch fleissig besucht wird, werden sich die Geschenke 
der Griechen bald mehren; hoffentlich werden auch die ausländi- 
schen Naturforscher und Freunde der Künste und Wissenschaften 
das Aufblühen des naturhistorischen Museums auf Hellas klassi- 
schem Boden zu fördern suchen! 

Jetzt wollen wir die Sammlungen selbst betrachten! Diesel- 
ben sind noch, wie oben angeführt, in der Aula der Universität 
aufgestellt; freilich ist das Lokal für ein Museum nicht geeignet, 
da es zu klein ist und bei Aufnahme der Sammlungen inwendig 
noch nicht ausgeschmückt war. Das Bedeutendste und in jeder 
Beziehung Kostbarste, was das Athener Museum aufzuweisen hat, 
ist die grosse und reiche Sammlung fossiler Säugethierreste von 
Pikermi, mit deren Reinigung von der Erde und zweckmässiger 
Aufstellung man noch immer beschäftigt ist. Zur Ausgrabung in 
Pikermi bewilligte der akademische Senat einen aussergewöhn- 
lichen Zuschuss von 2500 Drachmen. Die Ausgrabungen, die 
während des vorigen Winters und des Frühjahrs (1860 — 61) circa 
6 Monate dauerten, leitete mit der grössten Umsicht, Sparsam- 
keit und Geschicklichkeit der Präparator des Museums G. Guicciardi. 
Besonders hervorzuheben unter den bereits aufgestellten Stücken 
sind ein oberer Theil des Schädels und Oberkiefer des Rhinoce- 
ros Schleiermacheri (kolossal), eine circa 95 Centimetr. lange Tibia 
nebst Perone vom Dinotherium. Ein Unterkiefer vom Sus Ery- 
manthius Roth, ein vollständiger Schädel vom Hippotherium gracile, 
sehr viele Hörner und Schädeltheile von verschiedenen Antilopen- 
Arten. Kiefer von Anoplotherium, von Hyaena eximia Roth, Ma- 
chaerodus leoninus , Affenschädel (Mesöpithecus Pentelicus Wagn.) 
und sehr grosse vollständig erhaltene Affenhände mit allen Car- 
pengliedern, etc. etc. 

Unter den mineralogischen Sammlungen ist die reichhaltige 
und durch Schönheit der Stücke ausgezeichnete, oben erwähnte 
Sammlung russischer Mineralien hervorzuheben. 

Die botanischen Sammlungen sind noch sehr klein; sie be- 



Museum der Otto's-Universität zu Athen 315 

stehen aus einem angehenden kleinen Herbarium und einer kar- 
pologischen Sammlung. 

Eine kleine ethnographische Sammlung wurde provisorisch 
mitaufgenommen, weil das Museum mehrere derartige Gegenstände 
aus Indien zum Geschenk erhielt. Ebenso sind 2 Mumien aus 
Egypten, die kürzlich geöffnet wurden, auf dem Museo ausgestellt. 

Die zoologischen Sammlungen mussten fast ganz neu gegrün- 
det und angelegt werden, da die Sachen der naturhistorischen 
Gesellschaft grösstenteils verdorben waren, selbst die Schränke 
waren unbrauchbar. Insekten hatten sich gar keine erhalten. Zu 
den neuen Insektensammlungen habe ich selbst das meiste Mate- 
rial geliefert, auch die Aufstellung und systematische Etiquettirung 
habe ich während meines jährlichen kurzen Aufenthalts in Athen 
ausgeführt; die ichthyologische und amphibiologische Sammlung 
ist noch sehr gering und die vorhandenen Exemplare harren noch 
auf wissenschaftliche Bearbeitung. An Säugethieren ist noch 
grosser Mangel, da deren Herbeischaffung und Aufstellung sehr 
kostspielig ist. 

Ueber die ornithologische Sammlung darf ich hier in diesem 
Journale nähere Mittheilungen machen. Wie schon erwähnt waren 
von der Vogelsammlung der naturhistorischen Gesellschaft nur wenige 
Exemplare so erhalten dass sie in die neue Sammlung aufgenommen 
werden konnten: einige seltenere Vögel sind jedoch restaurirt wor- 
den ; die übrigen stehen dort in 2 alten Schränken zusammengedrängt. 
Die neue Vögelsammlung war bei meiner Abreise von Athen — am 
14. October — in 10 Schränke untergebracht, von denen die er- 
sten 5 nur solche Vögel enthielten, die in Griechenland erlegt wur- 
den ; die übrigen 5 Schränke füllen die europäischen und exoti- 
schen Vögel: die sogenannte allgemeine Sammlung. Die erstere 
wild für die europäische Ornithologie jedenfalls von grossem 
Nutzen werden und soll von mir besonders erwähnt werden. 
Unter den Geiern ist ein diesjähriger junger Vultur fulvus her- 
vorzuheben, der etwas über 1 Monat alt ist; Kopf, Hals und 
Brust sind mit weissen Dunen bedeckt, der Rücken und Bauch ist 
von hellröthlicher Färbung; unter den Adler steht dort ausser 
alten Exemplaren von Aquila fulva und imperialis ein interessan- 
ter junger Vogel von Aquila imperialis; von allen aber macht ein 
am 4. September d. J. flügellahm geschossener, später vom Herrn 
Schrader meisterhaft aufgestellter Schlangenadler, Circaetos cjalH- 
rus, einen imposanten Eindruck: in diesem Kxcmplar ist sein riiu- 
artiges, ja ieh möchte sagen sein ZTarpyianartigea Weaen auwje- 
drüekt; der zweite CircaHos ist mehrere Stunden von Athen hei 
dem Horste erlegt, worden. Zlf ei Zwergadler, Aquila pennata, sind 
ebenfalls aufgestellt, von denen der eine am 7. .luli 1 Sö7 im Par- 
nassgebirge, der andere am M). Oetober 1860 bei Athen erlegt 

wurde; letzterer gehört dw veissüchen Brehm'sohen Aquila mnuia 

an. Unter den Falken bebe ieh mehrere Arten hervor, zuerst 
2 Wespenbussarde, Pernis ajnvorus, die für die Ornis Griechen- 



316 Dr. Krüper: Das naturhistorische 

lands jetzt erst hinzugekommen sind, (siehe über diesen Vogel 
sowie über die folgenden meine späteren ornithologischen Notizen !) 
ferner 3 Exemplare des ebenfalls für Griechenland, sogar für 
Europa neuen Falken Astur badius s. Dussumieri; dann 2 Exem- 
plare des selten beobachteten schwarzen Milan, Milvus ater, von 
denen der eine am 16., der andere am 18. August d. J. einge- 
liefert wurde, und ein sehr kleines Männchen der Wiesenweihe, 
Circus cineraceus, dessen Bauch roströthlich ist, sein Schwanz trägt 
2 schwarze Binden, sein Schleier ist schwarz; am 28. August d. J. 
erhielt ihn das Museum; am interessantesten unter den Falken ist 
ein am 11. Mai 1858 bei Athen erlegter Falke, der in der Grösse 
zwischen dem Wander- und Baumfalken steht, er ist vorläufig mit 
dem Namen Falco concolor versehen worden, gehört aber keines- 
wegs dem wirklichen concolor an, es ist vielleicht der ganz unbe- 
kannte sehr alte Vogel von F. Eleonorae; nähere Mittheilungen 
sind in meinen Notizen nachzulesen. Unter den Eulen der Samm- 
lung ist ein junger Waldkauz, Strix aluco, im Dunenkleide aus der 
Umgegend Athens hervorzuheben. 

Die zur Schau gestellten Raubvögel waren damals 71 an Zahl; 
unter den aufgestellten 117 kleineren griechischen Vögeln ist ein 
rothbrauner Kuckuck zu erwähnen, dann ein von L. Schrader, der 
mich bei meiner Reise im vorigen Jahre begleitete, am 18. Juni 
im Taygetos erlegter Würger, Lanius meridionalis , 2 Muscicapa 
collaris und 1 Muscicapa parva tf, ebenfalls vom Taygetos, ferner 
2 Motacilla melanocephala und 2 Albinos eines Steinschmätzers, 
wohl Saxicola rubicola, vom Dr. Nieder aus Missolungi eingesandt. 
Der eine ist rein weiss, nur die Spitzen des rechten Flügels sind 
grau; die 4 ersten Schwingen des linken Flügels sind ebenfalls 
weiss, die Spitzen der folgenden sind jedoch grau; die Deckfe- 
dern der grossen Schwingen sind ebenfalls grau. Das zweite 
Exemplar ist von der Kehle ab weiss, an den Seiten des Bauches 
grau; die Oberseite ist mehr mit grauer Färbung gemischt, ebenso 
die Schwingen; die beiden mittleren Schwanzfedern tragen schon 
eine graue Spitze. Die in Griechenland so zahlreich vertretenen 
Grasmücken fehlen der Sammlung grossentheils, nur Sylvia elaeica 
und 1 S. Rüppellii ist hervorzuheben. Von den Ammern ist Em- 
beriza caesia und ein Albino von E. miliaria, der gelbweiss ist, zu 
erwähnen. Von den Finken kann ich einen Kreuzschnabel, Loxia 
curvirostra vom Taygetos, L. coccothraustes und petronia anführen; 
von den in Griechenland zur Winterszeit unsäglich häufigen Dros- 
seln ist augenblicklich noch keine Art aufgestellt, sogar die dort 
brütenden Turdus merula und viscivorus fehlen noch, dagegen ist 
T. cyanus und saxatilis vorhanden. Vom Hirten vogel, Pastor roseus, 
sind 2 Exemplare, c? und ? am 5. Mai 1859 bei Athen erlegte, auf- 
gestellt, ebenso 2 Alpendohlen, Pyrrhocorax alpinus. Die Schwal- 
ben und Segler sind bis auf Hirundo urbica und riparia vertreten. 

Unter den 49 aufgestellten Trappen, Reihern und Strand vö- 
geln sind nur Otis tetrax, Ardea garzetta, egretta, nycticorax etc. 



Museum der Otto's-Universität zu Athen. 317 

zu erwähnen, ferner Himantopus rufipes , Numenius tenuirostris, 
Hoplopterus spinosm, Glareola pratincola und ein bei Yrachori er- 
legter wilder Fasan, Phasianus colchicus; von den 45 Schwimm- 
vögeln sind die in Griechenland überwinternden nordischen Enten 
anzuführen, sowie die schöne Anas rutila, Anser minutus, ferner 
einige Scharben und ein junger Pelikan, Pelecanus crispus. 

Aus dem Angeführten ersieht man, dass die Sammlung grie- 
chischer Vögel, obgleich noch klein, doch schon viele interessante 
Arten aufzuweisen hat. Die Stückzahl der aufgestellten Vögel 
betrug damals 282; wir können sie mit den noch in Arbeit ge- 
wesenen auf 300 angeben. Dr. Lindermayer führt in seinem vor- 
jährigen Verzeichnisse 345 in Griechenland gefundene Vögelarten 
auf. Im Interesse der Wissenschaft wäre zu wünschen, dass die 
ornithologische Erforschung Griechenlands durch das Museum zu 
Athen baldigst beginnen möge! 

Die allgemeine Sammlung enthält bis jetzt sehr wenig euro- 
päische Vögel, von denen kaum Eine Art hervorzuheben wäre; die 
exotischen, besonders aus Brasilien und Ostindien stammend, wie 
oben erwähnt, Geschenke von den Gönnern des Museums, machen 
die Hauptmasse aus, die damals 485 oder richtiger 500 Exemplare 
ausmachten. Diese Exoten, meistentheils von Herrn Schrader mit 
bekannter Künstlerhand aufgestellt, tragen viel zur Verschönerung 
des Museums bei; freilich ist bei diesen für die wissenschaftliche 
Seite noch nichts geschehen, sie stehen sämmtlich ohne systema- 
tische Namen, weil es bisher an Zeit und litterarischen Hülfs- 
mitteln gefehlt hat. Vielleicht wird mir selbst in den nächsten 
Jahren der Auftrag gegeben, die systematische Bestimmung der 
ornithologischen Sammlung zu übernehmen. 

Bei den Raubvögeln ist unter andern ein Haliaetos vocifer her- 
vorzuheben, ferner ein Bubo lacteus. Von Klettervögelu sind 18 
Arten Spechte, 9 Eisvögel- und 4 Bienenfresser-Arten aufgestellt, 
ausserdem einige Papageien, 4 Arten indische Nashornvögel, die 
durch ihre Schnabelform und Grösse bei den Griechen viel Be- 
wunderung erregen, ebenso wie die Pfeiferfresser. Die Singvögel 
sind nur sparsam vorhanden, so die exotischen Gattungen Tyrannus, 
Pipru, Tanagra etc; von den Finken sind einige Amadina aufge- 
stellt. Von den Honigvögeln und Kolibris sind c. 30 Arten vor- 
handen, von denen viele durch ihre Farbenpracht und Kleinheit 
viel betrachtet und gelobt werden; auch 2 schöne Paradiesvögel 
.stehen diesen Zwergen zur Seite. Die grosse Gruppe der Tauben 
ist erst durch 6 Arten vertreten. Unter den Hühnervögeln sind 
mehrere indische Formen zu erwähnen, ferner die Goldfasane und 
ein prächtiger Haushahn, die früher den englischen Hühnerhof der 
Königin Ainalie geziert haben. l'nter den Reihervögeln sind der 
rothe Ibis sowie der Flamingo hervorstechend. An exotischen 
Schwimmvögeln ist noch grosser Mangel 

Schliesslich wird den Lesern noch die Auskunft über die oolo- 
gische Sammlung des Athener Museunis erwünscht sein. Der alte 



318 Dr. Krüper: Das naturhistorische 

Bestand der Eiersammlung war sehr gering und zum Theil in de- 
fectem Zustande, wesshalb die Gründung derselben ebenfalls erst 
von der Umgestaltung des Museums an zu betrachten ist. Da ich 
bei meiner ersten Anwesenheit in Athen im Jahre 1858 die Lücken- 
haftigkeit dieser Sammlung sah, brachte ich bei meiner zweiten 
Reise nach Griechenland aus meiner grossen Sammlung eine Aus- 
wahl von beiläufig 900 Eiern mit, die ich theils selbst im Norden 
Europa's und in Deutschland gesammelt, theils aus anderen Ge- 
genden aus guten Quellen erhalten hatte; dieselbe übermachte ich 
dem Museo, so dass zur Zeit über 1000 Exemplare vorhanden sind. 
Ende August und im September d. J., nach meiner Rückkehr vom 
Veluchi-Gebirge , habe ich die Eiersammlung systematisch aufge- 
stellt, mit Etiquetten und Nachweis über Fundort etc. versehen. 

Die ganze Sammlung zertheilte sich in drei, von denen die 
erste die in Griechenland gefundenen Eier enthält, die zweite die 
allgemeine oder Haupts ammlung, die dritte eine sogenannte Schau- 
sammlung ist. Beide ersten Sammlungen werden später in Glas- 
kasten in einem dunkeln Schranke verwahrt und nur auf speciellen 
Wunsch den Naturfreunden gezeigt; die dritte für Studirende und 
das Publikum angefertigte enthält nur aus jedem Genus Eine her- 
vorstechende Species. 

Die Sammlung der griechischen Eier werde ich etwas genauer 
anführen, als die beiden andern, da durch dieselbe zu gleicher 
Zeit die griechischen Brutvögel zur Kenntniss kommen. Oben 
an liegen 2 Eier von Vultur fulvus , die am 6. April 1861 vom 
Parnes - Gebirge eingeliefert wurden. Ein schönes Gelege von 
Aquila fulva, ebenfalls vom Parnes am 28. März d. J. gebracht; 
beide Eier tragen lilafarbige Schaalenflecken, die rostrothen 
Flecken sind über die Eier vertheilt, stehen jedoch am spitzen 
Ende dichter. 1 Aquila naevia am 8. Mai 1859 und 1 Aquila 
albicilla von mir am 24. Februar d. J. in Akarnanien ausgehoben; 
1 gestrecktes, fleckenloses, weisses Ei von Circaetos gallicus / am 
14. April 1859 am Parnes genommen; 3 Falco peregrinus, ein Ge- 
lege vom 28. März d. J., das zuletzt gelegte Ei ist einfarbig roth 
ohne die intensiveren Flecken; das beim Horste erlegte Weib- 
chen steht in der Sammlung; 2 Gelege (6 Eier) von Falco tin- 
nunculus aus der Attica; 2 Falco cenchris vom 7. und 25. Mai 
1859 aus Akarnanien; 1 Falco buteo aus der Attica, 1 Circus 
ruf us von mir am 16. April 1859 an den Seen von Vrachori ge- 
funden. 2 Stria bubo vom 2. April d. J. aus dem Parnes; das 
eine Exemplar ist nicht rund, sondern scharf zugespitzt. 2 Stria; 
noctua vom April d. J. aus der Attica, 2 Stria scops vom 24. und 
29. Juni d. J. von mir vom Veluchi mitgebracht. 3 Merops apiaster 
aus Akarnanien, 5 Lanius rufus und 5 L. minor. 4 Motacilla 
alba von mir am Parnass und 5 M. melanocephala auf den La- 
gunen von Missolungi von mir aufgefunden. 9 Anthus campestris 
aus verschiedenen Gegenden, 4 Saaicola oenanthe von mir aus 
dem Parnass, 2 S. rubicola aus Attica. Von den Grasmücken 



Museum der Otto's-Universität zu Athen. 319 

sind vorhanden 5 Eier von Sylvia tithys vom Parnass, 8 orphea 
aus verschiedenen Gegenden, 2 galactodes, 3 elaeica, 4 olivetorum, 
1 passerina, 3 luscinia, viele cinerea und 3 von garrula vom Ve- 
luchi. 5 Parus major und 4 P. ater vom Veluchi. Ausser meh- 
rern Exemplaren von Alauda braehydaetyla, cristata und calandra 
auch 4 A. arborea. Von Ammern ist eine grosse Anzahl von 
Emberiza melanocephala vorhanden, ferner 3 miliaria, 3 da, 7 cir- 
lus, 7 caesia; ferner 2 Ammereier von nicht genauer Herkunft, 
kleiner als E. caesia, mit wenigen Stricheln am spitzen Ende; 
diese Eier kenne ich nicht; es sind mir nie derartige vorgekom- 
men, weiss auch nicht zu welcher Art als Varietät ich sie rech- 
nen soll. Ein Gelege 3 Loxia coecothraustes am 5. Juni 1860 vom 
Taygetos, 3 ßitta syriaca , 3 Hirundo rufula, 1 H. Boissonneautii 
aus Akarnanien. 2 Corvus corax aus der Attica, 1 Pyrrhocorax 
alpinus vom Veluchi, 2 Caprimulgus europaeus vom 13. Juli 1859 
vom Parnass, ferner Perdix graeca und coturnix; 3 Charadrius 
cantianus, sowie 6 Glareola pratincola und 1 Totanus calidris aus 
Akarnanien. 2 Oedicnemus crepitans aus dem Kephissus-Thale am 
20. Mai d. J. ; 2 Pelecanus crispits, 2 Larus argentatus und mehrere 
Sterna minuta, hirundo und anglica aus den Lagunen von Mis- 
solungi. 

Die Hauptsammlung enthält die Eier der gewöhnlichen Vö- 
gel Europa's und einiger Exoten. Hervorheben will ich die Eier 
von Falco lanarius aus Süd-Russland, F. lagopus aus Lappland, 
F. cenchris aus Steiermark, ebendaher Stria scops und otus; Picus 
Martins, viridis canus, Alcedo ispida, Lantus exeubitor, collaris aus 
Süd-Afrika, Motacilla flava und boarula, Antlius aquaticus, Oriolus 
galbula, Saxicola rubicola, Sylvia luscinia, suecica, nisoria, sibilatrix, 
arundinacea, palustris, turdoides , phragmitis , Regulus ignicapillus, 
alle aus Deutschland; Emberiza nivalis und lapponica aus Nord- 
Europa, Pyrrhula vulgaris, Corvus corax, Sitta europaea, Tetrao 
tet'rix und bonasia, Islandorum, Perdix petrosa, rubra, Grus virgo, 
Rallus aquaticus, Gallinula pusilla aus den Sümpfen von Padua, 
vom Herrn Senoner als Gallinula porzana gegeben. Charadrius 
auratus, hiaticula, minor, cantianus, Strepsilas interpres , Limosa 
melanura, Numenius arquata und phaeopus, Totanus glareola, ochro- 
pus , hypoleucus, Phalaropus cinereus, Platalea leucerodia , Ardca 
minuta; ferner Bämmtliche von mir im Norden gesammelten En- 
teneier sowie Pufflnus Auglorum, Larus /cucpj>ferus , tridacty/its, 
Lestris catarrhactes, parasilica, Sfcrnä tanüaea, li'iicopareia, Podi- 
ceps urcltcus, a/trltus, subcn'statius, Colymhus aretica*, sij>tt'fitrio/t(dix y 
Uria Traue und llriinnichii. 

Die später im- das Publicum zur Schau gestelfte 1 Kiersainm- 
lung enthält I Vultur fvhmt, von mir in Akarnanien ausgehoben, 
1 Neophron percnopteruQ aus Attica, ein Gelege von AquUa fulva, 
am 25. Mar/ I8(>l aus dem Parnes gebracht; das stark rothge- 
fleckte Exemplar trägt am spitzen Ende mein- Flecken, das zweite 
schwach gelblich gelleckte zeigt die Flecken am Stampfen Ende. 



320 Nachrichten; Eingegangene Schriften. 

1 Aquila brachydactyla , am 2. April 1861 aus dem Parnes ge- 
bracht. Ein Gelege von 2 Falco peregrinus vom 25. März 1.861, 

2 Falco cenchis. 1 Pernis apivorus, 1 Cuculus canorus, 1 Croto- 
phaga ani, 1 Cinclus aquaticus, 4 Hypolais olivetorum aus der At- 
tica. 1 Ploceus textor aus Süd-Afrika, 1 Spizella canadensis aus 
Labrador, 1 Tetrao urogallus , Grus cinerea, Otis tetrax, 2 Ortyx 
virginiana, Tringa alpina, Ardea cinerea u. minuta, Platalea, Ibisfal- 
cinellus, Ciconia nigra, 1 Sula alba, 1 Procellaria glacialis, Alca 
torda, Mormon f rater cula, sowie ein Prachtexemplar von Dromaeus 
Novae Hollandiae und 1 Struthio camelus. 

Die Sammlung von griechischen Nestern ist noch sehr klein; 
vorhanden sind das Nest von Fringilla coelebs, Motacilla melano- 
cephala mit 5 Eiern, mehrere von Hypolais olivetorum, H elaeica, 
Alauda brachydactyla mit 5 Eiern, Fringilla carduelis mit 4 Eiern, 
Sylvia cinerea mit 6 Eiern, S. orphea, Emberiza cirlus mit 3 Eiern, 
E. miliaria mit 4 Eiern, Lanius rufus, Turdus merxda sowie 2 
Sitta syriana. 

Aus dem oben Mitgetheilten ersieht man, dass das naturhi- 
storische Museum zu Athen in den 3 Jahren seines Bestehens 
einen guten Grund gelegt hat: im Interesse der Wissenschaft ist 
zu wünschen, dass die griechische Nation zu dem Aufblühen die- 
ses Museums hülfreiche Hand leiste. 

Uecker münde (Pommern) im November 1861. 



Nachrichten, 



An die Redaction eingegangene Schriften. 

(Siehe Mai-Heft 1862, Seite 240.) 

431. John Gould. An Introduction to the Trochilidae , or Family of 
Humming-Birds. ,8 00 . London, 1861. — Yom Verfasser. 

432. Reports of Explorations and Surveys etc. for a Raüroad-Route from the 
Missisippi-River tho the Pacific Ocean. Yol. IX and X. — Von Prof. 
Spencer F. ßaird. 

433. Protocoll der zweiten Versammlung (mecklenburgischer Ornithologen) der 
Section für Ornithologie in Plau am 1. und 2. October 1861. - Vom 
Prem.-Lieut. von Preen 

434. Dr. B. AI tum. Die Nahrung unserer Eulen. (Aus einem Provinzial- 
Blatte (?). — Vom Verfasser. 

435. Dr. L. Buvry. Mittheilungen des Central-Instituts für Acclimatisation 
in Deutschland zu Berlin. Dritter Jahrgang 1862, No. IV— VI. — Vom 
Central-Institut. 

436. Dr. D. Korth und H. Korth. Tauben- und Hühnerzeitung. Organ der 
gesammten Hausfederviehzucht mit Inbegriff der Sangvögel. Berlin. Sie- 
benter Jahrgang. No. 16-22. (Mai und Juni.) — Vom Herausgeber. 



Berlin, Druek von Kornegg's Buchdruckerei. 



JOURNAL 

für 

ORNITHOLOGIE. 

Zehnter Jahrgang. 



M! 59. September. 1862. 

Uebersicht 
der im Berliner Museum befindlichen Vögel von Costa Rica. 

Vom 
Herausgeber. 

(Fortsetzung; s. Mai-Heft, Seite 161—176.) 
139. Chloronerpes uropygialis n. sp. 

Ch. simillimus canipileo et yucatanensi sed differt interscapu- 
lio solum alis concolore aurulente brunneo, tergo laete viride. 

Mas; Candelaria Gebirge; 1 Expl. Hoffmann. 

[In Tschudi's Fauna per. Orn. (1845—46) Seite 268, habe ich 
auf die Zusammengehörigkeit und die climatischen Abweichungen 
von rubiginosus und canipileus aufmerksam gemacht. Da jetzt in 
Costa Rica wiederum ein abweichender Vogel aufgefunden ist, 
so ersehen wir, dass es sich hier um eine Spechtform handelt, 
welche nach den verschiedenen Landstrichen in Abarten zerfällt. 
Dieselben sind: 

(1.) Chloronerpes yucatanensis (Cabot) Sclat. Proc. Z. Soc. 
1856, p. 307. no. 200. — Ch. rubiginosus Gray (nee Sws.) Gen. 
B. tab. 110.*) — Picus aeruginosus Licht. 

Die grösste Art; der ganze Rücken bis zu den Schwanzdek- 
ken hellgrün, Unterseite lebhaft grasgrün angeflogen. Kopfseiten 
weissgrau, dunkler gestrichelt. Mexico. 

(2.) Chloronerpes canipileus. — Picus canipileus Orb. VOjT. 
Ois. tab. 63. tig. 3. — P. rubiginosus Tschudi (nee Orb.) Faun. 
per. 1. c. — Kleiner als der vorhergehende; der gante Hucken 
wie die Flügel gefärbt, aber noch lebhafter gelb- oder goldigbraun. 
Unterseite regelmässig dunkel gebändert. Bauch gelb. Wei- 



*) Hier ist die charakteristische Zeichnung; und Farbe der Unterleite trefflich 
wiedergegeben. B**i den audern Arten sind t»s gietohmtMIfe ftaM ■streiten. 

Jouru. f. Orniili , X. Jahrg., Nr. 5S, Öeptt<u»ber Vbi'l. "1 



322 Cabanis:. Uebersic^t dei- 

chen ebenso gefärbt und nur verloschen quergebändert. Kopf- 
seiten hell schmutzig gelblich, ungestrichelt. Peru. 

(3.) Chloronerpes uropygialis n. sp. — Dem vorhergehenden 
am ähnlichsten, unbedeutend kleiner, aber der Unterrücken und 
Bürzel grünlich, mithin ähnlich wie bei yucatanensis] auch der 
Anflug des Bauches noch ins Grüne . ziehend. Costa Rica. 

(4.) Chloronerpes rubiginosus Sw. Illustr. Orn. I, tab. 14. — 
Die kleinste Abart; dunkler, weniger lebhaft gefärbt als canipi- 
leus, und ohne allen merklichen grünen Anflug. — Guiana, Ve- 
nezuela. (Spanish Main S'ws.)] 

140. Melanerpes formieivorus Gray 

Gen. Birds p. 444, sp. 5. — Picus formieivorus Sws. Synop. 
Mex. Birds in Phil. Mag. 1827, p. 439 no 80. — Picus melampo- 
gon Licht. Temm. PI. col. 451. (1828.) — Licht. Preis-Verz. 1830, 
no 18. ■ — Melanerpes formieivorus Bp. Consp. — Cass. Illustr. 
B. Californ. tab. 2. — Baird Report (— Birds of N. Amer.) p. 
114. — Sclat. Ibis 1859, p. 137, no. 241. 

Carpintero; Augen gelb; Irazu in Juni. Hoffm. — 

Carpintero; v, Frantz. — Ellendorf. 

Den sehr ähnlichen Melanerpes flavigula (Malh.) von Neu-Gra- 
nada, dessen Weibchen gar kein Roth am Kopfe und dessen 
Männchen nur am Hinterkopfe Roth haben soll, also ähnlich dem 
Weibchen von formieivorus, nur weiter nach hinten beginnend, 
kenne ich nicht, zweifle auch etwas an dessen begründeter Exi- 
stenz. Alle von Costa Rica stammenden Exemplare, in verschie- 
denen Alters- und Geschlechtszuständen, unterscheiden sich nicht 
vom mexikanischen formieivorus, welcher auch mehr oder weniger 
Gelb an der Kehle hat. 

141. Centurus Hoffmannii n. sp. 

C. simillimus aurifronti quoad picturam, statura vero multo 
minore et rectrieibus duabus mediis non nigris sed albo nigroque 
variis sane di versus. 

Eine in der Färbung fast vollständige Wiederholung des grös- 
sern nördlichen aurifrons, zeigt diese Art dasselbe Roth der 
Scheitelmitte und das Orangegelb des Hinterkopfs und Nackens; 
nur das Gelb der Schneppen (anthiae) ist weniger intensiv und 
weniger über die Stirn ausgebreitet, vielmehr nur auf die Stelle 
unmittelbar hinter den Nasenlöchern beschränkt und bei vielen 
Individuen kaum von der übrigen grauen Stirn abstechend. Das 
Gelb der Bauchmitte dagegen ist dunkler und entschieden orange, 



Vögel von Costa Rica. 32$ 

bei hochausgefärbten Individuen fast ins Röthliclie ziehend, wie 
auch im Nacken zuweilen angedeutet ist. Die Oberseite erscheint 
lebhafter und weniger überwiegend schwarz, da die weisse Quo 
Zeichnung am Rücken und an den Flügeln breiter auftritt; im 
Ganzen ähnlich mit der Färbung dieser Theile bei elegans Sws. 
Bürzel und obere Schwanzdecken sind rein weiss. Bei aller. 
Aehnlichkeit mit aurifrons genügt aber schon der Unterschied in 
der Färbung der 2 mittelsten Steuerfedern: dieselben sind an 
der Innenfahne fast in ganzer Länge abwechselnd weiss und 
schwarz quergebändert oder gefleckt, häufig ist dies auch von der 
Aussenfahne der Fall, jedoch in geringerem Grade, mindestens 
zeigt letztere an der Basalhälfte die Andeutung eines weissen 
Längsstreifens. Die Individuen differiren etwas in der Grösse, 
ich messe daher das grösste und das keinste Exemplar. Ganze 
Länge 1[~ 8J"; Schnabel von der Stirn 1 1 i — 13'"; Flügel 4$ 
bis 4f"; Schwanz 2" 3'" bis 2" 9'". 

Carpintero. Augen gelb; Mas et Fem. Hoffm. — Ellendorf. 

Carpintero. Mas. et Fem. v. Frantz. 

Die Art seheint in Costa Rica die gewöhnlichste Form voil 
Centurus zu sein, und vertritt hier als südlicher Repräsentant den : 
nördlichen mexikanischen aurifrons. 

[Die continentalen Arten der Gattung Centurus scheinen bis- 
her öfters verwechselt und deren Synonymie nicht immer richtig 
gedeutet zu sein. Auch nach Bonaparte's Conspectus lassen sich 
die Arten nicht mit Sicherheit bestimmen, am wenigsten der von 
Bonaparte selbst aufgestellte subelegans. Ich lasse daher eine 
kurze Zusammenstellung der Arten nebst deren Charakteristik 
und geprüfter Synonymie hier folgen: 

(1.) Centurus aurifrons Gray, Gen. Birds App. p. 22. — Pi- 
<*M aurifrons Lieht, Wagl. Isis, 1829, p. 512. — Lieht. PrekSi 
Verz. 1830, no. 20. — Centvrus sube/ec/ans Bona}». Ppoc. Xool. Soc. 
1837, p. 109. (nee l>onnp. Consp.l) — Century* ßaviventris Sws. 
Two Cent. p. 354. — Baird Report pag. 110. — Piats ornatu« 
Less. Key. Zooi. 1839, p. 102. no. 10. — Picus thtfpogettya Yig. — 
(\ut\ints ornütua Bebbob, Handbuch d. sp. Ornith, U, p. 110. spec, 
963. cum tab. — 

Hab. Nördl. Mexico. — Die gröeöte Art, Milte des Scheitels 
roth; Stirn, Ilintei -köpf und Nacken sowie die üauclimitte (auch 
eine Andeutung, aber matter, da, wo apntl bei den Spechten der 
Bartstreif ist.) oran gegelb. Mittelsten Schwanaftideni iran/ 

21« 



324 Cabanis: Uebersicht der 

schwarz, ohne alles Weiss. Das Weibchen ist ohne Roth am 
Scheitel; Oberkopf grau, nur die Stirn u. der Nacken sind orangegelb. 

Baird zieht mit Recht hierher C. elegans Lawr. nee. Sws., 
ob aber auch C. ßantacruzii Lawr. scheint fraglicher, vielleicht 
ist dieser Texas -Vogel von Lawrence der albifrom Sws. Bona- 
parte ist mit aurifrons nie in's Klare gekommen, vermuthlich weil 
ihm eine kleinere Mss. - Art von Swainson, deren er bei Ge- 
legenheit seines subelegans (Proc. 1837) erwähnte, vorschwebte und 
zur steten Verwechselung verleitete. 

Unzweifelhaft gehört der ursprüngliche C. subelegans Bp. 
hierher, zu aurifrons Licht. Bonaparte 's Vogel ist entschieden 
vom nördlichen Mexico und wurde in Gesellschaft solcher Arten 
gesammelt, wie sie in der Umgegend der Hauptstadt Mexico vor- 
zukommen pflegen, (z. B. Melanerpes formieivorus und Colaptes 
rubricatus), also da, wo vorzugsweise aurifrons Licht, anzutreffen 
ist. Später hat Bonaparte seine eigene Art nicht wiedererkannt 
und hat in dem Bemühen dieselbe zu deuten sich an tricolor 
Wagl. von Venezuela vergriffen, für welche Art Wagler irrthüm- 
lich Mexico als Vaterland angab. Bonaparte's ursprüngliche Dia- 
gnose lautet: „albo nigroque fasciatus; subtus cum capite dilute 
cinerascens, vertice rubro, fronte et cervice subauratis," und fügt 
er hinzu dass der Vogel dem elegans ähnlich sei, aber ohne 
schwarzen Superciliarfleck und mit weniger brillanter Goldfarbe 
der Haube. Also sicherlich aurifrons Licht! — (s. weiter hinten no 7.) 

(2.) Centurus carolinus Baird, Report p. 109. — Picus caroli- 
nus Lin. Wils. Audüb. — Picus erythrauchen Wag.l 

Nordamerika. Kleiner als die vorhergehende Art, Schnabel 
und Flügel etwas kürzer. Charakteristisch für diese Art ist die 
Färbung des Oberkopfes, welcher von den Nasenlöchern an bis 
über den Nacken hin ununterbrochen roth ist, ebenso die Mitte 
des Bauches und zuweilen ein Anflug an der Brust. Die mittel- 
sten Schwanzfedern sind grösstenteils weiss und schwarz quer- 
gefleckt. Baird giebt die Stirn und die Gegend um den Schnabel 
weisslich an, ich finde aber die Schneppen unserer Exemplare 
schon bei Jüngern Vögeln und bei Weibchen, (welche letzteren 
bekanntlich den Scheitel aschgrau und nur den Hinterkopf roth 
haben,) mehr oder weniger stark roth angeflogen. 

(3.) Centurus albifrons, — Picus albifrons Sws. Synops. Mex. 
Birds in Phil. Mag. 1827, p. 439 no. 82. — Centurus Santacruzii 
Bp. Proc. Zool. Soc. 1837, p. 116. no. 11; Conspect. pag. 119. — 



Vögel von Costa Rica. 325 

Picus erythrophthalmus Licht. Mus. Ber. Rchb. Handb. d. sp. Or- 
nith. IL Abth. p. 409 no. 926, tab. 664. fig. 4407. 8. err. 4396. 97.— 
Picus dubi\i8 Cabot Journ. N. H. Boston V. pag. 91. 

Mexico. Bei uns von Xalapa und Santuario. Scheitel und 
Hinterkopf bis zum Nacken roth. Stirn schmutzig weisslich; die 
Schneppen lebhaft gelb wie die Bauchmitte, in höherer Ausfär- 
fung roth oder röthlich*) angeflogen. Mittelste Schwanzfedern 
fast ganz schwarz, nur an der Innenfahne etwas weiss gespren- 
kelt oder quergezeichnet. Charakteristisch für diese Art ist noch 
dass die Querzeichnung der Oberseite schmäler ist und, die fol- 
gende Art ausgenommen, dichter als bei allen anderen Arten 
steht. Die weisse Querzeichnung ist schmäler als die alternirende 
schwarze, was von der folgenden Art kaum gesagt werden kann. 

Das Weibchen unterscheidet sich durch den Mangel der dun- 
kelrothen Färbung oben auf dem Kopfe, die Federn daselbst sind 
am Grunde schwärzlich, mit hellgrauen Rändern; Hinterhaupt bis 
zum Nacken hellroth, ähnlich nur heller wie beim Männchen. 
Die weisse Querzeichnung an der Innenfahne der beiden mittel- 
sten Steuerfedern ist entwickelter, auch befindet sich an der 
Wurzel der Aussenfahne ein etwas weiter als die Schwanzdecken 
reichender weisser Keilfleck, welcher beim Männchen oft kaum 
vorhanden oder angedeutet ist. 

Baird beschreibt die Art in Reports, Seite 110 unten und 111 
oben, als früher irrthümlich für flaviventris gehalten und in Cali- 
fornien und Mexico vorkommend. 

Auffallend ist dass keiner der neueren Autoren den P. olhi- 
frons Sws. zu deuten gesucht hat. Swainson's freilich nur kurze 
Beschreibung ist ganz unbeachtet geblieben und anscheinend in 
Vergessenheit gerathen, und doch kann neben flavirentris (= cmri- 
frons) und elegans, die dritte von Swainson in der Synops. Mex. 
Birds aufgeführte Centurus- Art, keine andere als die hier abge- 
handelte sein, schon weil sonst keine passende dort vorkommt. 
Wenn auch die Schneppen gelb sind, so ist diess immer noch 
nicht die eigentliche Stirn und da der Vogel den Vorderkopf 
sonst bis zum Scheitel weiss oder w^isslieli gefärbt zeigt, und 
entschiedener als andere Arten, so passt sowohl der Name nlhi- 



') So ist namentlich Lichtenetein'a Original-Exemplar dea mjthrophthai- 
mut von Santuario gefärbt. Da ich sonst keine wesentlichen Unterschiede be- 
merke, so halte ich dasselbe für eine höhe r e Ansfirbmng dei alten V 
Dies Exemplar wurde früher an die Herren Malherbe und Reichenbach mitge- 

f heilt, wodurch der Name erythrophtha/nws zur Veröffentlichung gelangte. 



326 Cabanis: Uebersicht der 

frone als die Annahme, dass wir es hier sicherlich mit Swainson's 
Vogel zu thun haben. Vielleicht hat auch eine Verwechselung 
mit albifrom Kühl (= radiolatus Wagl. von Jamaica) bisher den 
albifrons Sws. übersehen lassen. 

(4.) Centurus polygrammus n. sp. — Eine noch unvollkom- 
men bekannte Art, da sie bis jetzt nur auf einem Exemplare des 
Berliner Museums, einem Weibchen von St. Bartholo, Mexico, 
basirt. Dasselbe hat den Kopf ähnlich wie das Weibchen von 
awifrons gefärbt; die Schneppen und der Hinterkopf sind leb- 
haft orangegelb gefärbt, die Mitte des Bauchs ähnlich gelb, aber 
weniger intensiv angeflogen. Stirn bis zur Mitte des Scheitels 
sind weisslich und heller als beim Weibchen von aurifrons. Die 
Rückenzeichnung stimmt in der zahlreicheren Bänderung (an den 
einzelnen Rückenfedern lassen sich je 5 alternirende weisse und 
schwärzliche Binden von fast gleicher Breite zählen) mit der vor- 
hergehenden Art über ein. Der viel kürzere weniger gebogene 
Schnabel und auch die abweichende Färbung der Steuerfedern 
widerstreben indess der Annahme, dass der Vogel als Weibchen 
zu derselben gehöre. Die mittelsten Steuerfedern sind nämlich 
zum grössern Theile weiss, da auch die Aussenfahne an der Ba- 
salhälfte längs des Schaftes eine ausgebreitete, keilförmige, spit- 
zer und schmäler werdende weisse Färbung zeigt. An der Innen- 
fahne befinden sich 4 — 5 ovale, von Weiss umschlossene schwarze 
Querflecken. Auch die äusserste Schwanzfeder jederseits ist ent- 
schiedener als bei der vorhergehenden Art schwarz und weiss 
quergebändert. 

Die orangegelben Abzeichen der vordem Stirn, (Schneppen,) 
des Hinterkopfes und der Bauchmitte lassen vermuthen, dass auch 
das Männchen dem aurifrons ähnlich (also vielleicht mit rother 
Scheitelmitte) sein werde. Die geringere Grösse, die zahlreiche 
schmälere Bänderung des Rückens und die Schwanzzeichnung las- 
sen aber keine Verwechselung zu. Die grösste Aehnlichkeit, auch 
in der schmalen Rückenzeichnung, findet aber mit dem vorherge- 
henden albifrons statt. Da indess bei allen Centurus- Arten die 
Färbung des Hinterkopfes in beiden Geschlechtern eine gleiche 
ist und als feststehendes Gesetz betrachtet werden kann, das 
Weibchen von albifrons am Hinterkopfe aber Roth, vorn schwärz- 
lich begrenzt hat, polygrammus dagegen Gelb zeigt, so ist die- 
ser Umstand für die Begründung der letztgenannten Art entschei- 
dend gewesen. Sie ist nach Grösse und Färbung als Mittelform 
zwischen aurifrons und Hoffmannii zu betrachten. 



Vögel von Costa Rica. 327 

(5.) Centurus Hoft 'man nit. Siehe weiter vorn, S. 322, no. 141. — 

(6.) Cmturns elegqm. — P4cv$ efegam Sws. Phil. Mag. 1827, 
p. 439, no. 81. — Centunis elegans Gray, den. ßirds. pag. 412, 
sp. 6. — Bp. Consp. p. 119, sp. 5. — 

Mexico, Westküste; bei uns von Acapulco. Wenig grosser 
als die vorhergehende Art und dem aurifrons annähernd ähnlich 
gefäjbi, also mit rothem Scheitel, gelber Stirn, gelbem Hinter- 
kopf und Nacken und gelber Bauchmitte, zeigt diese Art die fol- 
genden charakteristischen Unterschiede: Das Gelb des Hinterkop- 
fes ist viel lebhafter, goldgelber, und vorn ist es nicht blos auf 
den Vordertheil der Stirn beschränkt, sondern zieht sich rings 
um den Schnabel, am Kinn und gewissermaassen als Bartstreif von 
der Wurzel des Unterschnabels bis unter das Auge. Vor, über 
und hinter dem Auge als Augenstreif eine breite schwarze Stelle; 
der hellgraue Scheitel des Weibchens ist auch nach hinten, vor 
dem Goldgelb des Hinterkopfes mit Schwarz untermischt. Bürzel, 
obere Schwanzdecken, die beiden mittelsten und die beiden aeus- 
sersten Stcuerfcdern sind regelmässig schwarz und weiss querge- 
streift; die zweitäusserste Feder jederseits auch noch an beiden 
Fahnen, mehr oder weniger ausgebildet quergefleckt. 

(7.) Centimes tricolor. — Picus tricolor Wagl. Isis 1S29, p. 512. — 
Centurus rubriventris Sws. Two. Cent. pag. 354 no. 214. — Cen- 
turus subelegans Bonap. Consp. p. 1 19. sp. 6. (?), nec Proc. Zool. 
Soc. 1837! — Centurus subelegans Rbch. Handb. S. 411, no. 966 cum 
tabula, nec Bonap. 1837. - - Sclat. Birds Bogota no. 398, nec Bonap. 
1837. - Baird Report p. 109. — Picus Swainsoni Malh. sec. Gray. — 

Hai). Venezuela und Neu-Granada. Die kleinste Art; Flügel 
kaum über 4" lang; roth bauchig. Der Vogel ist nicht nach 
dem Modell der vorhergehenden Arten gebildet, sondern kann an- 
nähernd als Diminutivform des C. carolinu* betrachtet werden. 
Mitte des Scheitels dunkelroth. der Nacken heller roth angeflogen. 
Beim Weibchen der Oberkopf grau und nur der Nacken röthlieh. 
Die rothe Scheitelfärbung beim Männchen ist ringsum, auch nach 
hinten, von der grauen kopflarbung begränzt, also von dem hel- 
1 eren Roth d esNacke n s geson.de vi. Bürzel und obere Schwanz- 
deeken weiss: die nii 1 1 «d < t < n Sleuerfedorn weiss und schwarz ge- 
zeichnet, ähnlich wie bei c<i><>//>i>ts. Die Sehneppen etwas gelb, 
beim Mannehen zuweilen auch etwas orange oder rothlich leicht 
angellogen. 

Kin Männchen unsere- Museum.-, von ( 'artagena. (das Origi- 



328 Cabanis: Uebersicht der 

nal-Exemplar zu Wagler's Beschreibung,) hat auch das von Swainson 
zu stark hervorgehobene Goldgelb rings um den Schnabel ange- 
deutet, auch sind bei demselben der Bürzel und die oberen Schwanz- 
decken schwarz quergezeichnet, also übereinstimmend mit Baird's 
subelegans (Report, p. 109, unten.) 

Die Art wurde zuerst von Wagler gut beschrieben, aber das 
Vaterland derselben irrthümlich als Mexico angegeben, und der 
Vogel sicher ohne Grund auf den Quauhchochopitli Hernand. ■=» 
P. tricolor Gm. gedeutet. Der C. subelegans Baird, welcher 1. c. 
als kleine rothbäuchige Art von Mexico und Unter -Californien 
beschrieben wird, scheint mir entschieden hierher zu gehören und 
nehme ich an, dass die Angaben des Vaterlandes auf einem Irr- 
thum beruhen. Im entgegengesetztem Falle würde eine solche 
Miniaturform des carolinus in Mexico und Californien eine ganz 
neue, bisher aber sonst nirgend erwähnte Art sein. 

Die Annahme, das Bonaparte's ursprünglicher subelegans, Proc. 
1837, auf aurifrons Licht, zu beziehen sei, gewinnt um so mehr an 
Gewissheit, als Bonaparte bis zuletzt über Lichtenstein's Vogel im 
Unklaren geblieben ist, da er von dieser grössten Art noch im 
Conspectus sagt : „similis praecendenti (subeleganti) sed etiam mi- 
nor." Eben daselbst fügt Bonaparte der ursprünglichen Diagnose 
des subelegans die Worte hinzu „abdominisque medio rubris; ma- 
cula oculari nigra nulla" und passt so dieselbe mehr dem tricolor 
an, nur dass der Ausdruck „et cervice subauratis" dennoch im- 
mer dem rothen Nacken des tricolor widerspricht. 

Anmerkung. Die Vögel aus dem Innern von Neu- Granada 
scheinen von denen von der Küste und von Venezuela etwas ab- 
zuweichen : Zwei Männchen von Baranquilla in der Sammlung des 
Herrn Ober- Amtmann Heine zu Halberstadt, haben die Haube 
vom Scheitel bis zum Hinterkopf und Nacken ohne Unterbre- 
chung roth gefärbt, also ähnlich wie albifrons sive erythrophthalmus. 
Die sonstigen Abweichungen erscheinen jedoch unwesentlich; Weib- 
chen sind mir nicht bekannt. Sollten letztere gleichfalls differi- 
ren, so könnte diese Abart, wenn sie sich später bestätigen sollte, 
als Centurus rubricapülus bezeichnet werden. 

Centurus Pucherani Bp. Consp. pag 1 20 sp. 9. — Zebrapicus (!) 
Pucherani Malh. Rev. Zool. 1849 p. 542 sp. 15. — 

Equador, und Central America nach Sclater. Im Ganzen 
nicht viel grösser als die vorhergehende Art und mit rother Bauch- 
mitte, weicht Pucherani wesentlich durch die schwarze Färbung 



Vögel von Costa Rica. 329 

der Kopfseiten, welche sich hinter den Augen mehr oder weni- 
ger deutlich über den Kopf als Grundfärbung erstreckt, und durch 
die bis zur Brust hinaufsteigende schwärzliche Querzeichnung der 
Unterseite ab und erinnert durch diese Abweichung an Tripsurus, 
namentlich an T. flavifrom sive rufriventris Vicill. Das Weibchen 
(von Equador) hat die vordere Stirn goldgelb, nach hinten in 
gelbgrau übergehend, Mitte des Kopfes von Auge zu Auge schwarz, 
Hinterkopf roth. Das mir unbekannte Männchen soll den Vorder- 
und Hinterkopf roth haben. (Mr. Malherbe sagt: „toto vertice, sin- 
cipite, nucha et ventre medio sanguineo-rubris.") Wir fänden 
also hier die von dem Färbungsgesetze abweichende Ausnahme, 
dass das Weibchen die Stirn gelb hat, während das Männchen 
dieselbe roth haben soll, da sonst immer die (vordere) Stirn bei 
beiden Geschlechtern gleich gefärbt ist, wenn auch weniger in- 
tensiv beim Weibchen. Bürzel und obere Schwanzdecken weiss. 
Die mittelsten Steuerfedern und die äussersten schwarz und weiss 
quergezeichnet. 

(9)Centurm hyjyopolius Cab. — Licht. Nomenclat. Mus. Ber. 
p. 16. — Picus scalaris Licht, (bis) in Mus. Berol. nee Licht. Wagl., 
Isis. — Picus hypbpolius Wagl. in Mus. Ber. — Id. Isis 1S29, 
p. 514. — Centurus hypopolius Rchbch. Handb. d. spec. Orn. p. 
140, no. 965 cum tab. 

Mexico. Weicht gleichfalls in einigen Beziehungen von den 
typischen Arten ab, besonders auffallend in der Schnabelform. Der 
Schnabel ist dünner, spitziger und mit eigenthümlich abgerundeter 
Firste. Das Grau de f i Kopfes, Halses, der Brust und des Bauches 
ist viel dunkler, ein dunkles röthliches Grau. Die Stirn ist 
hell, weisslich oder schmutzig weissgrau; Zügelgegend und Fleck 
über dem Auge schwarz oder schwarz untermischt, also nicht so 
entschieden markirt als beim elegans Sws. Das Männchen hat 
hinter der Stirn beginnend, auf der Mitte des Kopfes eine ver- 
hältnissmässig kleine dunkelrothe Platte, welche unserem angeb- 
lichen Weibchen fehlt. Einige unterhalb der Ohrengegend nach 
vorn sich bei unseren beiden P]xemplaren zeigende rothe Feder- 
chen, möchten fast vermuthen lassen, dass dir Art vielleicht im 
gut ausgeHedcrten Zustande einen Bartstreifen halten möge, oder 
wenigstens eine Andeutung, wie letztere sich aucli bei alten In- 
dividuen von enrolinus und nun frans bemerkbar macht. Von ei- 
ner gelben oder sonst lebhafteren oder überhaupt abweichenden 
Färbung der Bauchmitte findet sich bei unseren beiden Exempla- 



330 Cabänis: Uebersicht der 

ren keine Spür. Der anscheinend etwas längere Schwanz ist an- 
nähernd ähnlich dem des Picus varius Lin. gezeichnet, mit welcher 
Species auch in dem eigenthümlichen Umstände eine Aehnlichkeit 
stattfindet, dass nämlich die weisse Zeichnung des Rückens und 
der Flügel hin und wieder olivengrau überwaschen erscheint. Diese 
Art scheint wenig gekannt zu sein, da Picus hypopolius Wagl. bis- 
her öfters falsch gedeutet wurde. Die beiden Exemplare unseres 
Museums von Tehuacan und Tecuapan führten ursprünglich den 
Namen scalaris, welchen Lichtenstein zweimal an verschiedene Specht- 
arten vergeben hatte, weshalb Wagler dieselben als Typen zu sei- 
ner Beschreibung unter dem Namen hypopolius benutzte. Später 
theilte ich Herrn Prof. Reichenbach unsere Vögel mit, und ist 
dessen gute Beschreibung daher gleichfalls nach Wagler's Origi- 
nalen genommen. Die folgende Art ist mir aus Autopsie nicht 
bekannt : 

(10.) Centurus uropygialis Baird. — Proc. Acad. Philad. VII, 
(Juni 1854) pag. 120. — Id Report pag. 111. — Centurus hypopo- 
Uus Bp. Pucher. (nee Wagl.) Rev. et Mag. Zool. 1853, p. 163. — 
Centurus sulfureiventer Rchbch. Handb. (Octbr. 1854,) pag. 410, 
no. 964 cum tab. — Centurus Kaupii Bp. Mss. passim Mag. 1853, 
p. 162. — 

Nördliches Mexico. Dem hypopolius anscheinend sehr ähnlich, 
aber mit gelber Bauch mitte. Baird's Behauptung, dass der 
Vogel von letzterer Art verschieden sei, wird durch den Umstand 
um so mehr bestätigt, dass Reichenbach, welcher die Typen des 
hypopolius kannte und beschrieb, mit Baird fast gleichzeitig diese 
verschiedene Art als sulfureiventer bekannt machte. Reichenbach 
sagt: ,,Durch seine gleichförmige schwarz und schön weiss gebän- 
derten Mittel- und Aussenschwanzfedern ist er leicht unterscheid- 
bar." Pucheran giebt die Mss. -Diagnose von Bonaparte wie 
folgt: „Ex Mexico, Zacatecas. Albo nigroque fasciatus; subtus 
cum capite et collo rufescente cinereis; crisso subaureo. Mas. ma- 
cula verticis coccinea. Fem. vertice concolore."] 

FAM. RHAMPHASTIDAE. 

SUBFAM. RHÄMPHAST1NÄE. 

142. Äulacorhynchus coeruleogularis. — 

Aulacorhamphus coeruleogularis Gould, Proc. Zool. Soc. J853; 

Id. Monagr. of the Ramphast. 2. ed. tab. 51. — Pteroglossus coeru- 

leigularis Gray, List Coli. Brit. Mus, III, Sect. I, p. 14; no. 32. ~ 



Vögel von Gpsta Rica. 331 

Cur 6; v. Frantzius. — Barba Vulcan; Iloffin. 

Goukl beschrieb diese Art zuerst von Varagua. Unsere Exem- 
plare stiminmen sonst vollkommen mit Gould's Abbildung, wei- 
chen aber in folgender Beziehung ab: Die Stelle am oberen seit- 
lichen Theilc des Oberkiefers vor den Nasenlöchern ist nicht 
schwarz, sondern kirschbraun gefärbt; das weisse Band an der 
Basis des Unterschnabels ist nicht so breit als in Gould's Ab- 
bildung, daher weniger auffallend breiter als bei albivitta. Die 
Färbung der nackten Augengegend ist von den Reisenden leider 
nicht angegeben. 

[Hierher gehören ferner: i. Aulacorhynchus prasinus (Licht.) 
Mexico. — 2. A. Wagleri (Sturm.) Mexico. — 3. A. albivitta (Boiss.) 
Bogota. — i., A. atrogularis (Sturm.) Peru, Equador. 

Die Gattung Aulacorhynchus wurde von Gould 1834 begrün- 
det, und der Name, als bereits anderweitig vergeben, später durch 
Aulacorhamphus Gray 1840 ersetzt. Da indess, soweit mir be- 
kannt ist, Aulacorrhynchus Nees erst in der Linnaca 1835 — 36 
als Pflanzenname angewandt wurde, so behält Gould's Name die 
Priorität. Für die von Gray (Catal, Genera et Subgen. 1855.) 
abgezweigte, aber unbenannt gelassene Gruppe, könnte in An- 
wendung kommen: 

Aulacops. (Aulacorhamphus Gray pt. Bp.) 

Hierher gehören: l. Aulacops sulcata (Sws.) Venezuela; Ty- 
pus generis. — 2. A. Derbyana (Gould) Peru, Bolivia. — 3, A. 
rastaneorhyncha (Gould) Bogota. — 4. A. haematopygia (Gould) 
Brasilien? — 5. A. coeruleicincta (Orb.) Peru. Abweichende Form.] 
143. Pteroglossus torquatus Wagl. 

Isis 1829, {). 508. — Ramphastos torquatus Gm. Syst. p. 351. — 
Pterogl. torquatus Gould, Monogr. Ramphast. cd. 2. tab. 20. — 
Sclat. Ibis 1859, p. 135 no. 229. — Pterogl. ambiguus Lcss. Traite 
d'Orn. p. 178. — Pterogl. regalis Licht. Mus. Ber. Gould Monogr. 
J. ed. tab. 14. 

Curie; San Miguel de Costa Rica. Las Apiqui, Septbr. 59; 
junger Vogel, v. Frantz. 

Das einzige durch Dr. v. Frantzius eingesandte Fxcniplar 
ist ein junger, noch nicht ganz ausgewachsener Vogel. Derselbe 
hat jedoch schon das characteristische Nackenband angedenkt. 
und die Schnahelfärbiing zeigt nichts Widersprechendes, so dass 
diess Exemplar mit Sicherheit als junge I Yn-cl deö torqvatua, und 
nicht der folgenden neuen Art, 77. Fn/nt://) genommen weiden kann, 



332 Cabanis: Uebersicht der 

[Interessant ist das Vorkommen einer dem torquatus höchst 
ähnlichen Art, oder climatischen Abart, in Süd- America, in der 
Küstengegend von Neu- Granada. Unser Museum erhielt ein Exem- 
plar aus der Gegend von Porto Cabello : 

Pteroglossus nuchalis n. sp. Diese Art hat einen grösseren 
längeren Schnabel, welcher von der Wurzel bis zur Spitze 4£" 
misst, und dessen Oberkiefer, ausser den dem Schnabel des tor- 
quatus entsprechenden Einschnitten, am ßasaldrittel 3 kleinere 
Einschnitte mehr zeigt, welche bei torquatus nicht vorhanden sind. 
Die Unterseite des Unterkiefers ist nicht rein schwarz, sondern 
hin und wieder helldurchscheinend. Hauptunterschied in der Fär- 
bung ist fast nur der anscheinende Mangel eines vollständigen 
rothbraunen Nackenbandes. Statt dessen zeigt unser Exemplar 
nur in der Mitte des Nackens einen Fleck von hellerer rothbrau- 
ner Färbung, welcher durch die so gefärbten Spitzen der letzten 
schwarzen Federn der Haube gebildet wird. Anscheinend ist der 
schwarze Brustfleck bei unserem Vogel etwas kleiner, die schwar- 
ze rothuntermischte Brustbinde dagegen breiter, als bei torquatus. 
Trotz des unvollständigen, nur durch einen Fleck angedeuteten Nak- 
kenbandes, möchte ich unser Exemplar für einen alten ausgewachse- 
nen Vogel halten, selbst aber für den Fall, dass das Nackenband 
bei anderen Individuen entwickelter auftreten sollte, würden die 
angegebenen Charactere des Schnabels zur Sonderurig genügen. — 

Vom Pteroglossus Aracari von Cayenne und Para hat man 
eine kleinere brasilische Abart als Pt. Wiedii getrennt, ebenso 
kann man eine grössere Abart von Venezuela unterscheiden: 

Pteroglossus formosus n. sp. Wie Wiedii, mit schmälerm schwar- 
zem Streif am culmen, mit nicht entschieden sichtbarer röthlicher 
Brusteinfassung der schwarzen Kehle und mit grünen Hosen. Da- 
gegen aber in allen Verhältnissen nicht nur viel grösser als Wie- 
dii, sondern auch grösser als Aracari und mit fast i" längerem 
Schnabel als letzterer. Kinn und Kehle sind dunkel rothbraun 
und an den Seiten des Halses mit dem ebenso gefärbten Ohr- 
streifen verbunden, so dass die schwarzen Wangen dunkelrothbraun 
eingefasst erscheinen. Das Geschlecht des hier eben beschriebe- 
nen Vogels ist nicht angegeben, vielleicht deuten die rothbraunen 
Abzeichen auf ein Weibchen, und ist abzuwarten wie die Ohrge- 
gend und Kehle beim Männchen gefärbt sein wird. Bei den nächst- 
verwandten Arten kommt öfters, namentlich wohl bei den Weib- 
chen, eine Andeutung von Rothbraun an der Ohrgegend vor, nicht 



Vögel von Costa Rica. 333 

aber an der Kehle. Ausserdem ist formosus grösser als Aracari 
und mithin wohl die grösste bekannte Pteroglossus-Art überhaupt.] 
144. Pter oglossus Frantzii. — 

Pteroglossus Frantzii Gab., Sitzungs-Bericht der Gesellschaft 
naturforschender Freunde zu Berlin am 19. November 1861. 

Curre"; Aguacate Gebirge, im Januar; 1 Exempl., alter Vo- 
gel, v. Prantz. 

Im Ganzen etwas grösser als Pt. torquatus und diesem in al- 
len Beziehungen, auch selbst bis auf die dieser Art bisher aus- 
schliesslich eigenthümliche rothbraune Nackenbinde sehr ähnlich, 
dagegen wesentlich verschieden durch den viel längeren Schnabel, 
durch die feinere, zahlreichere Zähnelung des Oberkiefers, wel- 
cher an der Spitze nicht schwarz, sondern hochgelb, fast röthlich, 
gefärbt ist. Statt des seitlichen rothen Flecks an der Basis des 
Oberkiefers ist diese Stelle schwärzlich oder dunkelolivengrün 
gefärbt. Die nackte Stelle ums Auge ist am getrockneten Exem- 
plar vor dem Auge dunkel, nach hinten anscheinend roth. Die 
sehr breite einfarbig hochrothe Bauchbinde ist sehr verschie- 
den von der schmalen schwarzen, roth untermischten des torquatus. 
145. Ramphastos approximans n. sp. 

R. simillimus carinato, differt statura rostrique magnitudine vix 
minore et torque pectorali distinctissima rubra. 

Cure"; v. Frantz. 

Von dem mexikanischen carinatus Sws. (« jriscivorus Lin.? — 
sulfuratus Less. — poecilorhynchus Licht.) hat Gould bereits eine 
kleine, an der Westküste vorkommende Art, R. brevicarinatus, 
abgesondert. Dieselbe unterscheidet sich durch den um * der 
Länge kürzeren Schnabel und ein rothes Brustband. 

Der Vogel von Costa Rica ist wiederum verschieden, indem 
er mehr die Grössenverhältnisse des mexicanischen carinatus zeigt, 
und von diesem nur durch unbedeutend geringere Maasse abweicht, 
dagegen aber eine entschieden ausgebildete, etwa 5'", breite, rothe 
Brustbinde zeigt, während dieselbe bei carinatus nur sehr schwach 
angedeutet ist, oder öfters fast ganz fehlt. R. brevicarinatus, \\A 
chen ich nur aus Gould's Abbildung kenne, hat einen viel kür- 
zeren Schnabel. 

Sclater führt (Ibis 1859, p. 135, no. 228.) für (Vntral-Ame- 
rica nur den carinatus Sws. auf. Es bleibt daher fraulich, ob dar- 
unter der inexicanisehe oder mein appn^imani zu verstehe! i?t. 
und wo die Verbrcitungsgiänzt' beider Akuten eintritt 



334 Cabanis: Uebersichtder 

146. Ramphastos Tocard Vieill. 

Encycl. me'th. III, pag. 1430. — Wagl. Syst. Av. spec. 4. — 
Gould Monogr. Ramphast. 2. ed. tab. 4. — Ramphastos Swainsonii 
Gould Proc. Zool. Soc. I, p. 69; Id. Monogr. 1 ed. — 

Cur£; v. Frantz. 

Das Vorkommen dieser Art in Costa Rica ist neu, bisher war 
dieselbe nur aus Peru und Equador bekannt. An der eigenthüm-; 
liehen Färbung der Basalhälfte des Unterkiefers und des entspre- 
chenden Theils der Seiten des Oberkiefers, welche Gould „red- 
dish chesnut" nennt und welche ich als annähernd Fleischfarbig 
bezeichnen möchte, ist der Vogel leicht kenntlich und ^om ambigums 
Sws sofort zu unterscheiden. 

[In der 2. Ausgabe seiner Monographie hat Gould beide Arten 
richtig gesondert und Swainson's ambiguus hauptsächlich auf den; 
Vogel von Bogota, Schnabellänge 5^", zurückgeführt. Unser Exem- 
plar von Peru, (mithin Tschudi's ambiguus,) hat eine Schnabellänge; 
von 5f", stimmt aber sonst mit Gould's Angaben ziemlich genau 
überein, indem bei demselben bloss der Nacken einen dunklen 
purpurfarbigen Anflug zeigt („with a tinge of rufous at the back 
of the neck" Gould), während die Brust und die Unterseite abwärts 
von derselben blau-schwarz schillern. Da ich kein Exemplar von 
Bogota zur genaueren Vergleichung habe, so muss ich die etwaigen 
Abweichungen vom peruanischen Vogel dahingestellt sein lassen. 
Ein Exemplar unsersMuseums aus der Küstengegehd von Neu-Grana- 
da, von Porto Cabello, betrachte ich jedoch als zusondernde Abart r 

R. abbreviatus n. sp. Merklich kleiner; Schnabel wenig über 
4f" lang; Scheitel, Nacken, Oberrücken und die schwarze Bauch- 
seite, namentlich die Brust, röthlich angeflogen. Nackte Augenge- 
gend, nach Angabe, des Sammlers, grün. 

Schliesslich möge hier noch die Bemerkung eine Stelle fin- 
den, dass auch die im südlichem Brasilien vorkommende, dem 
R. Toco von Peru und Cayenne entsprechende Form, constante 
Abweichungen zeigt: 

R. alboyularis n. sp. Etwas kleiner, mit etwas kürzerem Schnabel 
und mit rein weisser Kehle ohne den gelben Anflug und ohne 
die feinen rothlichen Spitzen an der Grenze der Kehle. Es ist 
diess Azara's Vogel, Apunt. no. 50.] 

FAM. PSITTACIDAE. 

Einer brieflichen Andeutung des Herrn Dr. von Frantzius zu 
Folge, hat derselbe 11 Arten von Papageien in CostaRica beobachtet. 



Vögel von Cota Rica. 335 

Bis jetzt sind ifldess nur 3 Arten eingesandt und ist mir nur eine 
vierte (Ära nülitaris b. amhiqutis) anderweitig aus 06flta Rica be- 
kannt. Die Vervollständigung dci- Psittaciden mnss daher der 
Veröffentlichung Ms auf weitet«' zu erwartende Zusendungen vor- 
behalten bleiben. 

SIBFAM. PSITTACINAE. 

147. Pionvs senilis Wagl. 

Monograph. Psitt. p. 604.— Psittacus senilis Splx, Av. Blas. 
1. Tab. 31, Pig. 1. — Psittacus leiicorliifnchvs Sws. Syn. Mex. Birds 
in Phil. Mag« 1827, p. 438 no. 77. — Pionus senilis Bonap. Rev. Zool. 
Mars. 1854, Pionus spec. 7. — Sclat. Ibis 1859, p. 138, no. 247. 

Chucuyo: v. Frantz. 
Vom brasilischen Vogel nicht verschieden. 

SUBFAM. CONURINAE. 

148. Eu i> s it t (icii Petzii, — 

Psittacus Petzii Leild. Hahn Orn. Atlas Tab. 64. — Sittace 
Petzii Wagl. Monogr. Psitt. p. 650. — Psittacus (Arutmya) ebur- 
neirostrum Less. Rev.* Zool. 1842, p. 135. — Conurus Petzii Gray, 
Gen. Birds II, p. 513. — Eupsittula (!) Petzii Bp. Souance' Rev. 
Zool. 1856, sp. 39. 

Periquito; v. Franfz. — Hoffmaim. 

Scheint in Costa Rica häufig zu sein und ersetzt daselbst, wie 
überhaupt in Central-Amerika und Mexico, die brasilische Eupsit- 
taca aurea, (Psittacus aureus Linn.) Letztere Art hat einen klei- 
neren dunkelgefärbten Schnabel, die orange Farbe der Stirn wei- 
ter über den Ynrderkopf und als Einfassung um die Augen IM 
gedehnt. Bei E, Petzii ist nur die Stirn orange, die Umgebung 
der Augen ist nackt und der helle Schnabel grösser, stärker. 

Eupsittulu Bp. ist vox hybrida und kann als solches nicht in 
Anwendung kommen, ich setze daher Eupsittaca. 

149. Pijrrliura Hoff mann i i. — 
>irus Ho/fmanni ('ab. u. sp. Sitzungs- Bericht der Gc<ellseh. 
naturfbrenender Freunde zu Berlin am 13. Nov. 1861. 

/'. viridis niaeula aurieulari caudaque sui)tus sanguineis. Long, 
toi. fere 9"; ala 5"; eauda 4{". 

Wir erhielten diese charakteristisch gezeielmete neue Spccie- 
zuerst (\\\w\\ Di. I lollnmiiii von Agua ealiente bei Cartago, später 
auch durch Dr. v. Frantzius. Die Art gehört zu den kleineren 
Formen der Cpnurinae und kommt in den GrÖäscftverhUttnif 
mit den andern central-amerikani sehen Conuren ziemlich iiberein. 



336 Cabanis: Vögel von Costa Rica. 

Das ganze Gefieder ist grün, ebenso die Oberseite des Schwan- 
zes. Charakteristisch ist die blutrothe Färbung der Befiederung 
der Ohrgegend, ebenso ist die Unterseite des Schwanzes blutröth- 
lich gefärbt. Die Aussenfahne der lsten Schwinge ist schwarz, 
die der folgenden bläulich, mit grünem Aussenrande. Die Unter- 
seite des Flügels mehr oder weniger gelb. Die Federn der alula 
sind am Grunde gelb und scheint diese Farbe, je nach dem 
Alter oder Geschlecht, sich auf die Schwingen, namentlich am 
Grunde und an der Innenfahne der Armschwingen zu verbreiten, 
wodurch ein gelber Flügelfleck gebildet wird. Schnabel hell, 
Stelle dicht ums Auge nackt. 

Merkwürdiger Weise kommt, nach Sclater's Abbildung zu schlies- 
sen, in Central-America gleichfalls eine äusserst ähnliche Pionw- 
Art vor, also mit kurzem, nicht keilförmigen Schwänze. Hier 
kann also keine Verwechselung stattfinden. Ebenso sind aber 
auch die Unterschiede zwischen Hojfmanni und der Pyrrhura hae- 
matotis Souance' von Neu-Granada sehr wesentlich. 

ORDO RAPTATORES. 

FAM. STRIGIDAE. 

SUBFAM. SURNIINAE. 

150. Glaucidium Gnoma Wagl. 

Isis 1832. pag. 275. — Surnia passerinoides Audub. (nee Temm.) 
Synops. pag. 23, 30. — Stria elata (err. pro eluta!) Bp. Consp. 
pag. 36, Glaucidium spec. 2. — Glaucidium infuscatum Cass. (nee 
Temm.) Birds Californ. pag. 189. — Glaucidium californicum Sclat. 
Proc. Zool. Soc. 1857, p. 4. — Glaucidium Gnoma Cass. Baird, 
Report, pag. 62. — Glaucidium infuscatum Sclat. Ibis 1859, pag. 
220. no. 295. et Glaucium Jardinii Sclat. 1. c. no. 296. — St7%x 
Pusio Licht, (mas.) et Stria; cinnamomea Licht, (fem. juv.) in Mus. 
Berol. — 

Estucuru; v. Frantz. 

Salitral bei S. Jose', im Juli; Hoffm. 

Diese meistens mit dem südamerikanischen Gl. infuscatum 
(s. passerinoides) indentificirte Art, vertritt dieselbe in Nord- und 
Mittel-Amerika. Sie ist etwas kleiner, namentlich die Männchen, 
und etwas lichter gefärbt als infuscatum, sonst demselben in vie- 
len Beziehungen äusserst ähnlich. Schwanz heller, nicht schwärz- 
lich sondern dunkelbraun, mit 5 — 6 weissen oder vorherrschend 
weissen Querbinden, welche nur unmittelbar am Schafte unter- 
brochen sind, mithin nicht gänzlich isolirte rundliche Flecke wie 
bei infuscatum. Die mehr ins Rothbraune ziehenden Individuen, (jün- 
gere) haben zahlreichere, 7—8 durchgehende rothbraune Binden. 

(Fortsetzung folgt.) 



W. Preyer: Ueber Plautus impennis. 337 

lieber Plautus impennis Brunn. 

Von 
William Preyer. 

(Fortsetzung und Schluss ; 9. Seite 110 — 1'24.) 

IL Geographische Verbreitung. 

Seiner rein oceanisehen Natur gemäss hat der Brillenalk, wie 
es scheint, niemals auf dem Festlande oder auf grössern Inseln 
genistet, sondern immer nur auf den einige Meilen von der Küste 
entfernten Felseneilanden, Klippen und Scheren im Nordatlanti- 
schen Ocean. Weder auf Grönland, noch auf Island, noch auf La- 
brador und Newfoundland hat er jemals gebrütet, soweit unsere 
Kenntniss reicht, sondern nur auf den Inselchen an den Küsten 
dieser und anderer Länder. 

Als Nistplätze des Brillenalks kommen überhaupt in Betracht : 

1. Die Norwegischen Scheren. 2. Spitzbergen^ 3. Grön- 
lands Scheren. 4. Die Inseln und Klippen um Newfoundland, 
in der Bay of St. Lawrence und bei Labrador, nebst Cape Cod. 
5. Die Färöer. 6. St. Kilda, die Orkneys und die Hebriden. 
7. Die Dänischen Inseln. 8. Die Scheren und Felseninseln um 
Island. 

III. Geschichte. 

Ueber das frühere Vorkommen und das Aussterben des Bril- 
lenalks an den genannten Orten hat Steenstrup in seiner bereits 
erwähnten Abhandlung ausführliche und interessante Angaben zu- 
sammengestellt. Es ist aber noch gar manches hinzuzufügen. Ich 
beschränke mich hier darauf, über das Verschwinden des Brillen- 
alks von den zu Island gehörenden Inseln zu berichten, und schicke 
betreffs der übrigen Brüteplätze nur folgende Bemerkungen voraus. 
1) Die Norwegischen Scheren. 
Hier scheint selbst vor mehrern Jahrhunderten der Vogel 
nicht häufig gewesen zu sein, wenigstens fehlen darüber alle Be- 
richte*). In den letzten 50 Jahren ist nicht ein Exemplar an der 
Norwegischen Küste gesehen worden. Da3 letzte war, scheint es, 
das 1814 im Kattegat erlegte, aber auch das war nur eine Aus- 
nahme. Steenstrup giebt ausdrücklich an, dass, seines Wissens, 
der Brillenalk an dem nördlichen Theile der Norwegischen Küste, 
niemals sei angetroffen worden. 

2) Spitzbergen. 

Die einzige mir bekannte Stelle , wo der Brillenalk als Be- 
*) Habitat in mari Norwegico rarius. Linn6 Fn. Suec. 1746. 

Journ. f. Oruith., X. Jnhrj:. Nr. 59, Soptcml.or \Wi. 22 



338 William Preyer: 

wohner von Spitzbergen genannt ist, findet sich in: John Gould 
„The birds of Europe" (vol. V. 1837. Text zu T. 400. Steenstrup 
1. c. p. 68). Sie lautet: „Er wird in Menge an den zerrissenen 
Küsten von Labrador angetroffen, und aus dem Umstände, dass 
er auch in Spitzbergen gesehen worden ist, können wir füglich 
schliessen, dass sein Verbreitungsbezirk sich über den ganzen Po- 
larkreis erstreckt." Welche Stelle Gould hier im Sinne hatte, ist 
mir unbekannt. Es wird schwerhalten, irgend einen Beweis für 
das Vorkommen des Brillenalks in Spitzbergen beizubringen. Keine 
dahin einschlagende Reisebeschreibung erwähnt seiner. Ebenso 
ist er meines Wissens nie auf Jan Mayen und der Bäreninsel be- 
obachtet worden. 

3) Grönlands Scheren. 

In dem Verzeichnisse der Vögel Grönlands von Reinhardt, 
welches dejoi Buche über Grönland von A. v. Etzel (Cotta 1860) 
als Beilage angehängt ist, findet sich „Alca impennis L., Grönlän- 
disch Isarokitsok" unter den zufällig und vereinzelt in Grönland 
erscheinenden Vögeln aufgeführt. Doch kann diese Angabe nur 
auf frühere Zeiten und den bekannten, südlichen Theil Grönlands 
sich beziehen. Jetzt findet sich wol keiner mehr dort. Steen- 
strup schreibt (1. c. p. 43): 

„Infolge der bisjetzt bekannten Beobachtungen sind wir durch- 
aus unberechtigt anzunehmen, dass der Geirvogel die Sommerzeit 
oder Brütezeit an Grönlands Küsten zugebracht habe; er ist nur 
ein Wintergast gewesen, gemeiniglich nur als junger Vogel und 
nie in einer irgend grossen Anzahl. Die Orte, an denen er in 
frühern Zeiten gesehen worden ist, waren die Inseln im südlichen 
Theile von Grönland, und er ist ebensowenig von unsern Kolo- 
nisten und Seefahrern und von den Grönländern in Nordgrönland 
gesehen worden, wie an irgend einer andern Stelle oben in der 
Davisstrasse bei Gelegenheit der zahlreichen Besuche, die, wie 
Ross' und Parry's Reisen und namentlich die letzte der zahlrei- 
chen Franklin suchenden Expeditionen, in diese Gegenden unternom- 
men worden sind. u Hier geht Steenstrup offenbar zu weit, wenn 
er alle in Grönland beobachteten Exemplare als verirrte und nur 
zufällig anwesende, nicht an den Küsten Grönlands brütende, hin- 
stellt. Die Grönländer sagen im Sommer sehe man den Esarokit- 
sok nicht, weil er auf seinen Brüteplätzen sich aufhalte. Ist es 
nicht zum mindesten wahrscheinlich, dass er auf den Scheren des 
östlichen Grönland genistet hat, wie dies auch Thienemann u. a. 
annehmen? 



Ueber Plautus impennis. - 339 

Im Jahre 1821 erhielt Benicken nach achtjährigem vergeb- 
lichem Bemühen ein Exemplar aus Diskö zugesandt (Isis 1824, S. 
887). Dieses war wol das letzte Grönländische Exemplar, welches 
nach Europa kam. 

4) Die Inseln und Klippen um Newfoundland , in der 

Bay of St. Lawrence und bei Labrador (?) nebst Cape Cod. 

Ueber das frühere Vorkommen des Brillenalks an diesen 
Orten gibt Steenstrup (1. c. p. 41 — 70) ausführliche Nachrichten. 
Es geht aus alten Englischen und Französischen Reisebeschrei- 
bungen hervor, dass im 16. Jahrhundert der Vogel auf den um 
Newfoundland gelegenen Inseln zahlreicher als irgendwo anders 
gebrütet hat und zu Tausenden getödtet wurde, da sein Fleisch 
sehr schmackhaft war. In den folgenden Jahrhunderten wurde 
die Zahl der an den Nordamerikanischen Küsten brütenden Bril- 
lenalken immer kleiner und zwar ausschliesslich*) durch die unab- 
lässigen Verfolgungen der Seeleute, welche förmlich im grossen 
betrieben wurden, indem man ungeheure Scharen des Vogels in 
die langen schmalen Buchten und aus diesen mittels Stöcken auf 
das Land trieb, wo man sie wie Schafe einpferchte, um sie jeder- 
zeit abschlachten zu können. Kein Wunder, wenn das unbehol- 
fene Thier sehr bald gänzlich ausgerottet wurde, so dass in die- 
sem Jahrhundert in Amerika kaum ein Exemplar angetroffen ward. 

5) Die Färöer. 

Wann der Brillenalk von dieser Inselgruppe verschwunden 
ist, lässt sich nicht angeben. Es erscheint zweifelhaft ob er über- 
haupt in den letzten Jahrhunderten auf einer der Färöer anhal- 
tend und in einer erheblichen Anzahl genistet hat. 1786 schreibt 
Mohr, ein geborener Färöaner (in seinem Forsög til en Islandsk 
Naturhist. Kphgn. S. 28.) : „Auf den Färöer, wo doch in den mei- 
sten Sommern einige vereinzelte Exemplare auf dem Lande un- 
ter den Lummen gefangen werden, weiss man nichts von seiner 
Blindheit." Diese vereinzelten Exemplare waren vennuthlich von 
Island aus dorthin verschlagen worden. 

6) St. Kilda, die Orkneys und die Hebriden. 

Diese Inseln waren — wenigstens St. Kilda gewiss — im 
17. Jahrhundert zeitweilige Brüteplätze des Vogels seit dem Jahre 
1764 jedoch sind immer nur vereinzelte Exemplare daselbst ge- 
fangen oder erlegt worden. Das letzte hier — und überhaupt auf 
i — i . 

*) Es ist mir nicht bekannt, dass der Eisbär (Thalarctos manümttsj dem 
Brillenalk nachgestellt habe. 

22* 



340 William Preyer: 

den zu Grossbritannien gehörenden Inseln — beobachtete war das 
1829 bei St. Kilda erlegte. Im British Museum wird eines aus 
Papa (West-Orkneys) neben einem andern angeblich aus Labra- 
dor aufbewahrt. Ersteres steht zwar in dem die Fauna Gross- 
britanniens repräsentirenden Theile, aber ein eigentlich Britischer 
Vogel ist »der Brillenalk wol nie gewesen. Fast mit eben dem 
Rechte wie die Engländer können die Franzosen den Vogel als zur 
Fauna ihres Landes gehörig beanspruchen, weil J830 ein Exemplar 
davon an die Küste der Norman die antrieb. (Isis 1833 S. 648.) 
7) Die Dänischen Inseln. 

Sie werden nur insofern als Aufenthaltsort des Brillenalks 
hier angeführt, als man bei Havelse auf Seeland und in Meil- 
gaard (Jütland) Knochen des Brillenalks gemeinschaftlich mit de- 
nen von Tetrao urogallus L. unter zahlreichen Muscheln (Mytilus, 
Cardium, Ostrea sppj und andern Ueberbleibseln der Mahlzeiten 
(Kjökkenmöddingen d. i. Küchenmoder) der Ureinwohner Däne- 
marks gefunden hat,*) was darauf hinweist, dass Plautus impen- 
nis — in vorhistorischer Zeit — sich hier aufgehalten hat. 

8) Die um Island gelegenen Felseninseln und Klippen. 

Als ehemalige Aufenthaltsorte des Brillenalks um Island habe 
ich gefunden: 

1) Gunnbjarnareyjar (und Krosseyjar?). 

2) Lätrabjarg im Lätravik. 

3) Grimsey. 

4) Geirfuglasker IV. 

5) Geirfuglasker III. 

6) Geirfuglasker II. 

7) Reykjaneseyjar (d. i. Geirfuglasker I. oder Fuglasker 
und Eldeyjar drängar.) 

Ueber das frühere Vorkommen des Geirfugl an diesen Or- 
ten und über sein Verschwinden daselbst habe ich bis jetzt fol- 
gendes in Erfahrung gebracht: 

J) Gunnbjarnareyjar (und Krosseyjar?) 

Diese in der modernen Geographie, wie es scheint, gänzlich 
vergessenen Inseln liegen alten Angaben zufolge zwischen Island 
und Grönland und nach den „Grönlandske historiske Mindesmär- 
ker u (Kphgn. 1838. I. 71 fg.) zwischen 65° 30' und 65° 40' NB. 
Sie wurden zu Ende des neunten Jahrhunderts von Gunnbjorn 

*) Steenstrup: Oversigt over Vidensk. Selskabs Forhandlinger 1855, S. 13 
- 20 und 385-386. 



Ueber Plovtvx impennis. 341 

Ulfson entdeckt und benannt, sollen aber jetzt Danells oder Graahs 
Öer heissen. 

Von den zahlreichen Stellen, welche ich bisjetzt in alten Rei- 
sebeschreibungen, Chroniken, Sagas u. dgl. über diese verschol- 
lenen Inseln mit ihrem hohen Berge Hvitserk gesammelt, erwähnt 
nur eine einzige das Vorkommen des Brillenalks daselbst. Sie 
steht in einem in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts geschrie- 
ben rn Isländischen Manuscript, welches abgedruckt ist in den 
Grönl. hist. Mindesmärker (I, 124), und lautet wörtlich über- 
setzt: „Clemens hiess ein Mann in Lätur am Adalsvik, jetzt vor 
50 Jahren. Der Clemens besass Lätur. Dieser Clemens war ein 
guter Bauer in seinem Haushalt (i bui sinu,) bieder und wahrheits- 
liebend. Er war den Verfolgungen der Machthaber ausgesetzt 
und entfloh auf ein Schilf zu den Engländern, welche fortwährend 
dort umhersegelten und trieben. Damals hatten diese Engländer 
nicht aufgehört mit dem Angelfischfang in Boten. Er bat sie ihn 
den (selben) Sommer wieder an das Land zu setzen, aber die an- 
dern, seine Feinde, sollten glauben, er sei fortgesegelt. Deshalb 
war er in einem Hause auf den Bergen, w r o sein Dienstmann 
Thordr, welcher später der Treulose genannt ward, ihn verrieth. 
Dieser Lätra-Clemens sagt, dass sie gesegelt seien unterhalb der 
östlichen Gunbjarnareyjar, ohne die Ausdehnung derselben über- 
sehen zu haben, dann seien sie mit 2 Boten an einige Scheren 
gefahren und hätten das eine Bot mit Geirfugl geladen, aber das 
andere Bot ging in irgend eine Bucht hinein; sie wollten an das 
Land zu den Vögeln, aber da war das Meer voll Dorschen. Sie 
befestigten das Bot, während sie es mit Fischen luden , nur um 
davon erzählen zu können, dort oben in der Bucht. Clemens war 
dabei, da sie ihn Scherzes halber mitgenommen hatten in das Bot 
und er erzählte es gäbe Ueberfluss an Fang und Graswuchs auf 
diesen Inseln, obschon man (vom Meere) nichts sah, als Sche- 
ren und öde Inseln." 

Obgleich man nun seit 200 Jahren*) nichts mehr von dem 
Vorkommen des Geirfugl auf den Gunnbjarnareyjar weiss, haben 
jene Nachrichten doch zu sehr ein historisches Gepräge, als dass 
man sie in s Reich der .Min ehen zu setzen berechtigt wäre. l>t 
der Vogel dort (vielleicht durch die periodische Zunahme des 
Eises) vertilgt worden oder sollte man ihn vielleicht jetzt noch 



•) Danells Reise 1652 und Graahs Reise 1829 habe ich noch nicht einge- 
sehen. Vielleicht finden sich Angaben in der einen oder andern. 



342 William Preyer: 

da finden? dies ist eine schwer zu entscheidende Frage, da mit 
gewöhnlichen Schiffen die eisumpanzerten Inseln nicht erreicht 
werden können. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering hier noch 
lebende Brillenalke anzutreffen, die Möglichkeit aber ist vorhanden. 
2) Lätrabjarg im Lätravik. 

Lätravik (von lätr*) und vik Bucht) ist eine im Nordwesten 
Islands in der Isafjardarsysla am Eismeer gelegene Bucht mit ei- 
nem Vogelberge (fuglbjarg), welcher Lätrabjarg heisst. Als Fa- 
ber in Island war (1819—21) besuchte er auch diesen Ort und es 
erzählte ihm ein Bauer daselbst, dass er im Jahre 1814 sieben 
Geirfugl auf einer kleinen Schere erschlagen habe, welche wie 
ihre Verwandten da hinauf geklettert waren, und nicht geschwind 
genug wieder herunter kommen konnten (Faber Prodr. Isl. Orn. 
Kphgen 1822 S. 49.) Ein achter entkam (Isis 1829. S. 682). 
Später hat man von diesen 7 Exemplaren nichts mehr gehört und 
in Lätravik keinen Geirfugl mehr gesehen. 

3) Grimsey. 

Grimsey (von Grimur Mannsname und ey Insel) liegt unter 
66° 33' 42" N. B., also jenseit des Polarkreises und 13 geogr. 
Meilen nördlich von Akureyri, dem Haupthafenplatz am Eismeer. 
Ich erfuhr an letzterm Orte manches Interessante über diese In- 
sel: Grimsey ist die armseligste Pfarre von ganz Island. Die 
wenigen Einwohner leben fast nur von Fischen und Seevögeln, 
deren es dort ungeheure Mengen giebt. Es herrschen in Folge 
schlechten Trinkwassers schreckliche Krankheiten auf der Insel 
u. dgl. m. Grimsey ist auch merkwürdig deshalb, weil zwei zur 
Fauna Islands gehörende Vögel ausschliesslich daselbst brüten: 
Calidris arenaria lllig. (sanderla der Isländer) und Mergulus alle 
Ray (Isl. haftirdill). Ausserdem erfuhr ich, als ich fragte ob wol 
der Geirfugl dort vorkomme, dass vor etwa 30 Jahren (also nach 
der grossen submarinen vulcanischen Eruption bei Reykjanes 
1830) ungefähr 20 Stück dieser Vögel daselbst erschlagen wor- 
den wären. Die Fischer schlugen die aufs Land gekletterten un- 
beholfenen Thiere mit Knütteln todt. Was aus den 20 Exempla- 
ren geworden, vermochte mir mein Gewährsmann an dessen Wahr- 
heitsliebe ich übrigens keine Ursache habe zu zweifeln, nicht an- 
zugeben. Diesem Berichte zufolge scheint Plautus impennis auf 
Grimsey, wenn auch nicht anhaltend genistet jedenfalls vor etwa 

*) Lätr : der Seehunde Lagerstätte in den Buchten der Meeresküste oder 
auf den Klippen des Festlands. Nach Björn Haldorsen. 



Ueber Plautus impennis. 343 

SO Jahren sich in grösserer Anzahl aufgehalten zu haben. Nur 
fällt auf, dass er auch hier plötzlich ausgerottet wurde, denn seit 
der Zeit ist in Grimsey kein Geirfugl mehr gesehen worden; und 
dann dass vor der Zeit vom Brillenalk auf Grimsey, meines Wis- 
sens, nirgends die Rede ist. Schenkt man obiger Erzählung Glau- 
ben so ist Grimsey der nördlichste Punkt, an dem überhaupt der 
Brillenalk gesehen wurde , im entgegengesetzten Falle ist dieser 
Punkt das 7 — 8 Minuten südlichere Latravik. 

4) Geirfuglasker IV. 

Südöstlich von Island, einige Meilen von dem Breidamerkur- 
sandr entfernt, liegt eine jetzt selbst in Island kaum dem Namen 
nach gekannte Felseninsel Geirfuglasker. Wann hier die letzten 
Geirfugl gesehen worden sind, lässt sich nicht angeben, fällt in- 
cless jedenfalls in weite Vergangenheit. Jetzt erinnert nichts als 
der Name an den Vogel. Eggert Olafsson schreibt (Olafsson og Pals- 
son Reise igj. Isl. Soröe 1772. g. 765): „Einige Meilen vom Lande 
entfernt liegt die Klippe Geirfuglasker , wo sich Alca rostri sul- 
cis octo alis minimis aufhalten soll, doch muss man diese Insel von 
der gleichnamigen in Südisland wol unterscheiden." 

Ebenso sind hiervon zu unterscheiden: 

5) Geirfuglasker III. 

Sie liegen östlich vom Breiddalsvi'k an der Ost-Küste Islands. 
Von ihnen meldet Olaus Olavius (in seiner ökonomischen Reise 
in Island 1780 — übersetzt aus dem Dänischen 1787. Dresd. u. 
Lpzg. S. 313): „Zu den vorerwähnten sichtbaren Klippen kann 
man noch eine ziemlich grosse rechnen, die 6 — 7 Meilen vom 
Lande liegen soll, nemlich das Geirfugleskjär, wo man vor Zei- 
ten um Johannis hingezogen ist, Geirfugle und Seehunde zu fan- 
gen. Dergleichen Reisen sind nunmehro nicht mehr gebräuchlich, 
allein zur Sicherheit der Schifffahrt müsste auch wol diese Klippe 
auf der Charte angemerket werden." 

Dies ist auf den neusten Kalten geschehen. 
6) Geirfuglasker IL 

Die südlichsten der Westmännerinseln (Vestmaunaeyjar), drei 
nur von Seevögeln bewohnte gewaltige Felsen haben gleichfalls 
den Nninrn Geirfuglasker erhalten, weil vordem, d. i. jedenfalls 
vor mein- als einem halben .Jahrhundert, der Brillenalk auf einem 
von ihnen genistet haben soll. OlaftiÖfl schreibt (1. C. $. 83*2): 

„Sulusker liegt von Beimaey (der gröteten der WestmannerinBein) 

gegen SW. und eine ziemliehe Strecke gegen W. von derselben 



344 William Preyer: 

Geirfuglasker, eine kleine flache Klippe*), auf welcher der Geir- 
fugl Eier legt, wie auch auf einer andern Insel gleiches Namens 
seewärts von Reykjanes." „Der Bauer auf den Westmännerinseln" 
sagt Faber (Prodr. S. 49), „der am meisten mit dem Vogelberge 
daselbst zu schaffen hatte, erzählte dass er vor ungefähr 20 Jah- 
ren [also etwa 1800] einen solchen Vogel, den einzigen der Art, 
den er gesehen hatte, unter dem Vogelberge genommen habe. 
Er lag auf seinem Eie, das der Bauer mir so gross als das des 
Cygnus musicm, aber an Gestalt und Farbe ganz wie das der A. 
torda beschrieb. Der Vogel und das Ei hingen lange im Han- 
delshause auf diesen Inseln, waren aber leider bei meiner Ankunft 
vernichtet." In der Isis (1827. S. 682) wird hinzugefügt, das Ei 
sei auf dem nackten Fels gefunden worden. 

Ueber das letzte Vorkommen des Plautus impennis bei den 
Westmännerinseln siehe unten Seite 349. Von 1800 — J845 ist 
kein Exemplar daselbst beobachtet worden. 

7) Geirfuglasker I oder Fuglasker, und Eldeyjardrangar. 

Ungefähr drei Meilen südwestlich von der äussersten Süd- 
westspitze Islands von Reykjanes (d. i. Rauchcap) liegen viele 
Klippen und Felseninseln von den Isländern sker (Schere, eigent- 
lich zerrissenes oder zerspaltenes Land von skera, scindere, la- 
niare) und drangr (Klippe) genannt. Die geographische Lage je- 
der einzelnenist noch nicht ganz genau bestimmt; es lassen sich je- 
doch 2 Inselgruppen wol unterscheiden, die Geirfuglasker oder Fug- 
laskerund weiter seewärts die Eldeyjardrangar, ausserdem dicht bei 
Reykjanes 2 flache Klippen Karl und Kerling. Alle zusammen nennt 
man auch Reykjaneseyjar. Die mit fast stets gleicher Heftigkeit 
um diese Inseln tosende Brandung macht sie für Menschen nur aus- 
nahmsweise nahbar; sie sind daher ganz besonders geeignet ausser 
den gewöhnlich daselbst in unangeblicher Zahl nistenden Vögeln 
auch scheuere und seltenere Bewohner des Nordatlantischen Oceans 
zu beherbergen, und in der That ist es gerade hier, wohin der al- 
lerwärts vom Menschen verscheuchte Brillenalk zuletzt hinflüchtete 
und noch vor 19 Jahren lebend angetroffen wurde. 

Ich stelle hier nun das Thatsächliche, was ich über das Vor- 
kommen des Brillenalks auf den Geirfuglasker und Eldeyjardran- 
gar in Erfahrung gebracht, chronologisch zusammen: 

1746 wurde nach Anderson, der freilich viel Falsches erzählt, 



*) Ein Irrthum: Es sind drei hohe Felsen. W. P. 



Ueber Plautus impennis. 345 

der Vogel nur auf den Geirfuglasker gesehen und zwar sehr sel- 
ten. (Nachrichten von Isl., Grönl. und der Strasse Davis. Frnkf. 
und Lpzg. 1847. S. 54.) 

1752 schreibt Horrebow, Andersons Werk recensirend, aber 
nicht mit der nöthigen Unparteilichkeit und Wahrheitsliebe ver- 
fahrend: „Auf diesen Klippen hält sich zwar eine grosse Menge 
Geirfugl auf, aber man findet ihn auch an andern Orten im Lande. 
Obschon es keine so grosse Mengen von Geirfugl wie von andern 
Seevögeln giebt, so ist er doch nicht so selten, oder kommt nicht 
so spärlich vor, dass nicht die Einwohner ihn gewöhnlich (jevn- 
lign) auf der See erhalten, er wenigstens jederzeit von denen ge- 
sehen würde, welche hinausfahren seine Eier zu nehmen, die so 
gross sind wie Strausseneier. In einer gewissen Jahreszeit und 
mit ziemlicher Gefahr suchen sie diese grossen Vogeleier und brin- 
gen eine grosse Ladung heim mit sich in einem Bot, welches 8 
Mann rudern. Die Gefahr und Schwierigkeit besteht darin, die 
Scheren zu erreichen. (Tilforladeliga Efterretningar om Island 
1752. g. 49.) 

1772 schreibt Olafsson: „Der Geirfugl ist in Island selten 
und nistet nirgends, als auf 2 niedrigen Scheren, wovon die eine 
zu den Vestmannaeyjar, die zweite und bedeutendere zu Reykjanes 
gehört, von der wir sowol den Vogel als sein Ei erhalten haben. 
Der Vogel, der zwar so gross ist, wie eine Gans, hat sehr kleine 
Flügel, weshalb wir ihn auch Alca alis minimis genannt haben. 
Der Linne'ische Name Alca impennis passt nicht auf ihn, da er 
sowol auf dem Leibe, wie an den Flügeln vollkommene Federn hat. 
Mehrere Geirfugl haben Nest und Ei gemeinschaftlich; genau ge- 
nommen, bauen sie kein Nest, sondern die Eier liegen auf ihrem 
Kothe dicht beisammen auf den Klippen. . . . Der Vogel ist sehr 
fett, hat ein sehr mürbes Fleisch und giebt daher eine recht gute 
Speise ab." 

„Reykjaneseyjar nennt man mit einem Wort einige bei Reyk- 
janes gelegene Klippen, vor denen die Seefahrer sich wol hüten 
müssen. Karl und Kerling, zwei hohe Felsen,*) dicht an der Lan- 
desspitze, haben in der Ferne die Gestalt von Menschen, wes- 
halb man sie für Hexen ausgiebt, welche die Reisenden berau- 
ben. Eldey liegt eine Meile von dieser Spitze entfernt und dicht 
dabei Eldeyjardrängar eine hohe Klippe. An diesen Orten hal- 



•) Jetzt flache Klippen. 



346 William Preyer: 

ten sich Alken auf und andere See- und Bergvögel; aber sie sind 
jetzt so steil, dass Niemand hinaufkommen kann; doch hat man 
in frühern Zeiten auf Eldey Strickleitern gehabt, und man sieht 
noch grosse Nägel in den Felsen, wo die Seile befestigt wor- 
den sind. Geirfuglasker liegt weiter seewärts,*) eine ziemlich 
grosse Insel, die niedrig und daher auch auf der Westseite be- 
steigbar ist. Dicht davor, landwärts liegt eine mittelhohe Klippe 
und seewärts eine andere sehr hohe, welche in weiter Entfer- 
nung das Ansehen eines Segels hat. Sie hat auch eine weisse 
Farbe wegen der Excremente der grossen Menge Bergvögel, welche 
sich hier aufhalten. Diese Inseln erstrecken sich bis Beykjanes 
5 Meilen in die See hinaus, gerade nach Westen, und 2 Meilen 
weiter hinaus, in derselben Linie ist ein blindes BifF, welches für 
Segelnde gar gefährlich ist; doch sieht man oft Brandung dort. 
Fremde Seeleute nennen diese Inseln mit einem Fugleskjär (Vo- 
gelscheren) und die äussersten det blinde Fugleskjär. Wenn hier 
die Schiffe an's Land oder zwischen die Inseln kommen, sind sie 
in schlimmer Gefahr, denn hier ist ein Strudel (Böst oder Mal- 
ström), wo das Wasser mit einem starken Strome bald ein- bald 
ausströmt, jederzeit auf und um die Klippen, auch wenn das Wet- 
ter ruhig ist. Auf den Geirfugleskjär halten sich Pinguine auf, 
(Alca alis minimis) in grösster Menge, denn sie können dahinauf 
kriechen und sie werden mitunter von den Einwohnern des Süd- 
landes gefangen, welche sich hier hinauswagen, wenn das Meer 
am wenigsten braust; doch können sie nicht anlanden; sondern 
einer von der Mannschaft muss mit einem Seile den Sprung auf 
die Klippe wagen, und wann sie zurück wollen, müssen sie ihn 
oft durch das Wasser in das Bot ziehen." (E. Olafsson og Bjarni 
Pälsson Reise igj. Isl. Soröe 1772, g. 896. 831.) Olafsson war 
von 1752—1757 und 1760—1764 in Island (§. 852.) 

1786 schrieb Mohr, der 1780 u. 81 in Island reiste, und den 
Yogel nicht lebend sah: „Der Geirfugl, Brillefugl ist nur dem 
Namen nach im Nordlande bekannt, hat seinen Nistplatz auf den 
Geirfuglasker südlich vom Lande. In frühern Zeiten haben die 
Isländer, wie erzählt wird, ihre Bote mit seinen Eiern auf den 
Geirfuglasker gefüllt" (Forsög til en Isl. Naturh. Kjbhvn. S. 28, 



*) Jetzt heissen diese Eldeyjardrängar und Ölafsson's Eldeyjardrängar Geir- 
fuglasker. Durch vulcanische Ausbrüche ist die Lage und auch die Gestalt 
der einzelnen Klippen oft eine andere geworden, so dass Olafssons Vergleiche 
mit Menschengestalten und Segeln nicht mehr zutreffen. 



Ueber Plautua imyennw. 347 

29.) Letztere Angabe ist zweifelsohne nach oben citirtein Horre- 
bow und durchaus übertrieben. „Einige Bauern, welche dabei 
waren, als er gefangen wurde, behaupteten, er wurde blind, so- 
wie er an das Land käme, da sich eine dicke Haut über sewe 
Augen zöge, weshalb er auch ganz ruhig dasässe, bis man ihn 
griffe und todtschlüge; wieweit dies wahr ist, kann ich nicht sa- 
gen, da ich den Vogel nie lebend sah." 

1813 segelte nach Faber (Isis 1837, S. 682) ein Schiff von 
den Färöer an den Scheren vorbei, und da das Wetter gut war, 
landeten die Leute mit einem Bote. Sie ergriffen ungefähr 20 
grosse alte Alken auf den Eiern. Sie brachten sie nach Reyk- 
javik, wo der Bischof Vidalin ein Stück bekam, das er aus- 
stopfen Hess und später nach England sendete. Die andern wurden 
gleich verkauft und gegessen. „Seit dieser Zeit (1813 — 1827) ist 
Niemand aus Island auf diesen Scheren gewesen. Dieser Ueber- 
fall hat sie da freilich nicht ausrotten, aber doch zurücksetzen 
und verscheuchen können. Ueberdies liegen diese Scheren ge- 
rade auf dem Wege der vorbeisegelnden Handelsschiffe, die zu 
dem Hafen von Westisland wollen, wie auch der Holländischen 
Fischerjachten. Wenn solche gerade die Scheren brandungsfrei lin- 
den, so gehen die Leute mit Booten ans Land und nehmen die Vö- 
gel zur Speise. Dies ist eine bekannte Sache, aber zuviel dergleichen 
Nachstellungen duldet diese an Individuen so arme Art nicht." 

1821 unternahm Faber eine Botfahrt nach den Reykjanes- 
eyjar, ohne eine Spur von dem Vogel zu entdecken. 

J823 wurden nach Faber (Isis 1827, S. 683) 2 alte Vögel 
in Brüttracht auf einer Schere beim Handelsplatz Eyrarbakki un- 
weit der Reykjaneseyjar von einem Knaben mit einem Stocke 
todtgeschlagen, abgebalgt und an das Kgl. Museum in Kopenha- 
gen gesandt. (Reinhardt in Kröyers Naturh. Tidsskr. Bd. II, Heft 
5. S. 533-535, nach der Isis 1841 S. 421.) 

1828 wurde ein Balg von Reykjavik nach Kopenhagen ein- 
gesandt. (Reinhardt 1. c.) 

1830 und 31 wurden, wie ich in Reykjavik erfuhr, nicht we- 
niger als 27 Bälge nach Kopenhagen zum Verkauf geschickt Die 
Vögel waren an verschiedenen Stellen des Fa\a- und Breidi- 
Fjord gefangen worden, und zwar an Stellen, wo man Brillenajke 
sonst nie gesehen hatte. Sit 1 waren offenbar durch den vuleani- 
schen Ausbruch im .Jahre 1830, welcher ziemlich lange andauerte, 
die flachen Geirfuglask er grossentheils zerstörte nndviele Klippen 



348 William Preyer: 

erniedrigte, verscheucht worden, verirrten sich, und wurden von 
den Fischern erschlagen. 

IS32 kamen in Reykjavik noch 3 schlechte Bälge zum Ver- 
kauf. Seit der Zeit hat der Vogel nicht mehr auf seinem alten 
Brüteplatz nisten können und ist nur einzeln auf der Eldeyjar- 
und Karlsklippe gefangen worden. Nach Reinhardt (1. c.) wur- 
den im Jahre 1831*) von der Mannschaft eines Schiffes von Thors- 
havn noch 24—25 Geirfugl auf der „Alkenklippe" erbeutet und 
nach Reykjavik gebracht, wo man sie rupfte und einsalzte. Diese 
Zerstörung der Kolonie war natürlich von grösstem Einfluss auf 
das Verschwinden des Vogels von Islands Scheren. 

1833 wurden auf der Karlsklippe 3 alte Vögel und 1 Ei er- 
beutet. Erstere verkauften die Fischer zu 8 Rgsd. (etwa 6 Thlr. 
Deutsch) in Reykjavik, und später eignete sie sich Herr Apothe- 
ker Mechlenburg in Flensburg käuflich an. Das Ei ward dem 
Prof. Thienemann auf seinen Wunsch zur Ansicht Übermacht, aber 
nicht zurückgesandt. Die Versuchung scheint diesem Gelehrten 
zu gross gewesen zu sein. Es weicht durch seine sonderbare 
Zeichnung von allen andern Brillenalkeiern ab und findet sich in 
Okens Naturgeschichte abgebildet. 

1834 (Anfangs Juni) sandte ein in Reykjavik ansässiger Kauf- 
mann ein grosses wol bemanntes Boot hinaus. Auf der Karls- 
klippe war nichts zu sehen, dagegen fand man auf Eldey 5 Ne- 
ster mit je 2 Eiern. Die dazu gehörigen Vögel waren sämmtlich 
auf der Klippe und konnten, wie die Bootsleute erzählen, nicht 
sehen, indem sich eine dünne weisse Haut übers Auge zog, wenn 
sie aus dem Wasser kamen (?). Ein Vogel rettete sich ins Was- 
ser, die übrigen 9 nebst 8 Eiern — 2 Eier zerbrachen im Boot — 
brachten die Leute nach Kjeblevig. Von den Vögeln erhielt der 
damals in Island anwesende Kronprinz — jetzt König — von 
Dänemark einen zum Geschenk; die übrigen 8 wurden an ei- 
nen Naturalienhändler in Hamburg zu 13 Thlr. Deutsch das 
Stück (und die Eier zu 2£ Thlr.) verkauft. Aus den mir vorlie- 
genden Rechnungen und Briefen geht hervor, dass diese Preise 
dem Manne zu theuer schienen. Durch diese Expedition wurde der 
Untergang des Vogels wieder um ein Bedeutendes beschleunigt. 



*) Es ist wahrscheinlich, dass diese Jahreszahl 1813 heissen soll, so dass 
der Fang mit dem oben (S. 347) angegebenen zusammenfällt; alles übrige 
stimmt überein. Ueberdies würde man schon im Jahre 1831 keinen Brillen- 
alken mehr gerupft uud gegessen haben. 



Ueber Plautus impennis. 349 

] 835- 1839 wurden zwar von Reykjavik aus alljährlich El- 

dey und die Karlsklippe während der Brütezeit durchsucht; es 
fand sich aber keine Spur von den Vögeln, so dass die gefähr- 
lichen Bootfahrten ganz eingestellt wurden. 

1843 kamen die Fischer wieder mit 2 Vögeln und 1 paar 
Eiern, welche 3ie von der Karlsklippe geholt hatten, nach Reyk- 
javik. Diese kaufte Prof. Eschricht für einen sehr hohen Preis. 
Es waren ihm für den Balg von England aus 200 Florin gebo- 
ten worden. 

1845 oder 1846 wurde im Hafen der Westmännerinseln ein 
alter, zweifelsohne von den Reykjaneseyjar dorthin verschlagener 
Vogel geschossen (alle übrigen sind mit den Händen ergriffen 
worden), was denn das letzte ist, was man von Plautus impennis 
in Island gesehen oder gehört hat. Die Nachricht von Dr. N. 
Kjärbölling (Naumannia 1857, IV, p. 200), es hätten sich im Som- 
mer 1857 „4 Eier von Alca impennis auf den Geirvogelscheren im 
SW- von Island gefunden," scheint sich nicht bestätigt zu haben. 

Es muss jedoch erwähnt werden, dass seit 1831 die einige 
Meilen weiter seewärts gelegenen Eldeyjardrängar nicht besucht 
worden sind. Infolge der vulcanischen Erschütterungen ist die 
Hauptklippe sehr niedrig geworden und rings von blinden Riffen 
umgeben, gewöhnlichen Boten unerreichbar. Möglich ist es so- 
mit immer noch, dass hier einige wenige Brillenalke sich aufhal- 
ten, möglich, aber unwahrscheinlich. Die vulcanischen Ausbrüche 
haben den Vogel theils von dort verscheucht, theils ihn vernich- 
tet. Vor einigen Jahren weilte ein junger Engländer (Newton) 
monatelang an der Küste, mit der Absicht, sämmtliche Klippen 
zu durchsuchen, er konnte aber, irre ich nicht, keinen Tag gutes 
Wetter treffen, und musste, ohne etwas von Plautus impennis ge- 
sehen zu haben, abreisen. 

Dieses sind die Nachrichten, welche ich über das Verschwin- 
den des Plautus impennis von Islands Scheren habe in Erfahrung 
bringen können; ich verdanke sie grossentheils, wie ich schon 
oben (S. 112) hervorhob der zuvorkommenden Güte des Herrn 
C. F. Siemsen in Reykjavik, dessen briefliche Mittheilungen ich 
hie und da fast wörtlich wiedergab. 

Es ergeben sich aus vorstehender Zusammenstellung folgende 
Resultate : 

I) Wenn man die Geschichte du- gpeciea Plautus immenms 
soweit irgend möglich verfolgt, so stellt es sich heraus, dass ihre 



350 William Preyer: 

Individuenzahl in einem fortwälzenden Abnehmen begriffen und 
schliesslich auf wenige Exemplare beschränkt war. 

2) Es sind in diesem Jahrhundert (von 1800—1846) auf Is- 
lands Scheren etwa 120 Exemplare getödtet worden. Davon wur- 
den 45 abgebalgt und nach Kopenhagen (30) Hamburg (9) Flens- 
burg (3) und England (3) geschickt, 43 wurden gleich nach dem 
Fange gerupft und verspeist oder eingesalzen, so dass das 
weitere Schicksal von 32 zwischen 1800 und 1846 auf Islands 
Scheren getödteten Exemplaren noch unbekannt ist. Sieht man 
von den fraglichen Exemplaren von G-rimsey ab (1831), so blei- 
ben noch 12 (7 vom Lätrabjarg 1814, 3 in Reykjavik 1833 ver- 
kaufte und 2 auf den Geirfuglasker II 1800 und 1846 getödtete, 
von denen jedoch der 1800 gefangene, 1821 vernichtet gewesen 
sein soll, so dass nur 11 blieben). 

3) Ausser auf Islands Scheren ist in diesem Jahrhundert der 
Brillenalk nirgends brütend angetroffen worden, und da man selbst 
da von 1835 bis 1846 nur 3 und von 1846 bis 1862 kein Exem- 
plar mehr trotz sorgfältiger Nachforschungen gesehen hat, so ist es 

4) keinenfalls verfrüht, den Brillenalk den ausgestorbenen 
Thierarten zuzuzählen. Denn selbst, wenn sich das eine oder an- 
dere Exemplar jetzt noch sehen lassen sollte, zur Erhaltung der 
Species reicht es nicht aus, und der Untergang der einzigen Art 
des Genus Plautus nämlich Plautus (Brunn) impennis (L.), somit 
des Genus Plautus, ist eine vollendete Thatsache. 

5) Gebrütet hat Plautus mit Bestimmtheit nur an folgenden 
Orten: auf den um Newfoundland und in der Bay of St. Lawrence 
gelegenen Inseln und Klippen, am Cape Cod, auf den Reykjanes- 
eyjar im SW. von Island, auf den Geirfuglasker II im S. von Is- 
land, auf den Färöer, auf St. Kilda, und in den ältesten Zeiten 
auf den Dänischen Inseln. 

6) Ausserdem hat er wahrscheinlich genistet: auf den Gunn- 
bjarnareyjar (den Graahs Öer), auf Grönlands Scheren, auf den 
Geirfuglasker III und IV im SO. und O. von Island und auf den 
Orkneys, vielleicht auch in den ältesten Zeiten auf Norwegens 
Scheren. 

7) Gesehen wurde Plautus ^ausserdem noch auf Grimsey, 
nördlich vom Polarkreise, im Lätravik im nordwestlichen Island 
und an den Britischen Küsten. 

8) Es ergibt sich hieraus, dass der Verbreitungsbezirk des 
Plautus zwischen 42° und 60° 34' lag, und wenn wir nur die mit 



Ueber Plautus impennis. 351 

Sicherheit als Brüteplätze bekannten Punkte berücksichtigen, 
stellt es sich heraus, dass sie alle zwischen den^Juhresisothernien 
10° C. uud 0° 0. liegen. Ja es fallen sogar alle wahrscheinli- 
chen Brüteplätze (mit Ausnahme der Grönländischen Scheren) in 
diese Isothermalzone. 

Steenstrups Behauptung, dass Plautus impennis kein arktischer 
Vogel sei ist somit vollkommen richtig. Er hat den Polarkreis 
nicht überschritten um jenseit desselben zu brüten. 

9) Plautus impennis war ein rein oceanischer Vogel, der den 
grössten Theil seines Lebens auf dem Wasser zubrachte, und hielt 
sich demgemäss immer nur in der Nähe von und auf Inselchen 
und Klippen auf, die einige Meilen vom Festlande oder von grös- 
sern Inseln entfernt liegen. Er wäre auch sonst — Verfolgun- 
gen leichter ausgesetzt — früher untergegangen, wie z. B. in Dä- 
nemark es der Fall war. 

10) Man hat keinen Grund anzunehmen, dass Plautus im 
pennis gern in der Nähe von Eisbergen sich aufgehalten habe, 
denn mit einer einzigen Ausnahme (Funk's Island) war keiner der 
mit Sicherheit bekannten Brüteplätze dem Treibeise besonders 
ausgesetzt.*) (Nach Steenstr.) 

11) Die westliche Seite des N. Atlantischen Oceans ist in 
historischer Zeit als die eigentliche Heimath des Brillenalks 
zu betrachten. (Nach Steenstr.) 

12) An allen Orten, an denen zu allen Zeiten der Brillen- 
alk gesehen wurde, ist er durch Menschenhand ausgerottet wor- 
den; nur an dem, wo er zuletzt beobachtet wurde, auf den Reyk- 
janescyjar, trat noch eine andere Ursache der gänzlichen Ver- 
nichtung hinzu: vulcanische Eruptionen. (Siehe unten S. 353.) 

13) Wenn es gelingen sollte an Orten, die als Aufenthalts- 
orte des Plautus impennis hier nicht genannt sind, Knochen oder 
andere Ueberbleibsel des Vogels aufzufinden, so wird dadurch 
weder betreffs des hier angegebenen Verbreitungsbezirks, noch 
rücksichtlich der Ursachen des Untergangs des Brillenalks eine 
Irgend wesentliche Aenderung bedingt werden. Dies geht aus 
der Geschichte des Vogels genugsam hervor. 

Vergegenwärtigen wir uns nun die Ursachen der Vernich- 
tung von Plautus im pennis. 

Relativ Mangelhafte Organisation, infolge davon (JnvennÖgefl 

*) Hier konimni wieder die zwischrn Island und (JiYuiUuul gelegenea (»unn- 
bjarnareyjar in Betracht. 



352 William Preyer: 

zu fliegen und zu laufen, und unablässige Verfolgungen des Men- 
schen (wegen des schmackhaften Fleisches und der trefflichen 
Dunen), das sind die Nachtheile, welche Plautus andern nahe ver- 
wandten Vögeln gegenüber hatte, und denen er schliesslich erlag. 
In Bezug auf die mangelhafte Organisation stehen sich der Brillen- 
alk, der Dodo und die Riesenvögel vonNeuseeland biologisch ziem- 
lich gleich. Das Flugvermögen fehlte allen dreien, und alle drei wur- 
den durch Menschenhand ausgerottet. Ein Vogel, der weder flie- 
gen noch laufen kann, gewissermaassen das Zerrbild eines Vo- 
gels, scheint von vorn herein in einer Periode wie der jetzigen 
dem Untergange geweiht. Hätte Plautus fliegen können, so würde 
es, trotz der grossartigen Verfolgungen, jetzt noch zahlreiche 
Scharen davon auf den Inseln des Nordatlantischen Oceans ge- 
ben. Aehnlich verhält es sich mit Didus und Dinornis. 

Diese drei Vogelgeschlechter liefern ein glänzendes Beispiel 
dafür, wie im Kampfe um's Dasein das wol organisirte über das 
unvollkommnere die Oberhand gewinnt, bis letzteres ganz unter- 
liegt. Während der dem Brillenalk so nahe verwandte Tordalk, 
bei jeder Ueberrumpelung des gemeinschaftlichen Nistplatzes, so- 
fort wegfliegen, einen andern Brüteplatz sich suchen konnte und 
höchstens seine Brut verlor, fiel der Brillenalk stets selbst als 
Opfer mitsammt seiner Brut, seiner tölpelhaften Unbeholfenheit 
wegen, die freilich wieder der ausschliesslich zum Aufenthalt im 
Wasser geeigneten in fast jeder andern Hinsicht mangelhaften 
Organisation zur Last fällt. Hätte bei dieser Organisation Plau- 
tus, wenn auch nicht fliegen, wenigstens etwas behender gehen, 
nur wenig laufen können, so würde gleichfalls der Untergang 
der Art noch lange nicht herbeigeführt worden sein. Die Vögel 
hätten sich bei jedem Ueberfall rascher in das Meer begeben 
können, und da spotteten sie jeder Verfolgung. Sie waren die 
geschicktesten Schwimmer und Taucher. 

Die ihnen (auf dem Lande) eigene Schwerfälligkeit aber, 
welche nur dann dem betreffenden Individuum, der betreffenden 
Art, dem betreffenden Grenus nicht verderblich wird, wenn sie dem 
Ueberlegenen, Gewandten, Mächtigen, dem Menschen z. B., unbe- 
kannt bleibt — wie vor der Entdeckung von Rodriguez beim 
Dodo — , die unvollkommene Entwickelung des die Klasse der 
Vögel vor allem kennzeichnenden Organes, des Flügels, und in- 
folge davon, die Unfähigkeit den Verfolgungen der Menschen sich 
zu entziehen, haben sowol den Untergang des Didus und Dinornis 



Ucbcr Plautus impennis. 353 

wie den dv* Plautus herbeigeführt. Bei letztens ist jedoeh merk- 
würdigerweise noch ein Agens hinzugekommen, welches mancher 
zwar nur als einen Zufall oder als ein Spiel Aav Natur anzuseilen ge- 
neigt sein wird, welches indessen ebenso wie die andern Ursachen 
erfolgreich mitgewirkt hat an der Vernichtung des Brillenalks und 
deshalb auch unter den Ursachen der gänzlichen Vernichtung mit- 
angeführt werden muss. Es sind dieses die vulcanischen Aus- 
brüche und Erderschütterungen, von denen gerade der Ort wie- 
derholt heimgesucht wurde, aufweichen Plautus als letzte Zuflucht- 
stättc beschränkt war: die Reykjaneseyjar. Ich entnehme hier- 
über dem Vereeicbniss der historischen Ausbrüche der Isländi- 
schen Vulcane, welches Herr Dr. Zirkel und ich zusammenge- 
stellt,*) folgendes : 

„1210. Eruption im Meere unweit des Vorgebirges Reykja- 
nes (Güllbringusysla.) 

1219? Eruption im Meere ebenda. 

1222—26. Fortwährende Eruptionen im Meere bei Reykja- 
nes, darunter vier Hauptausbrüche. 

1237. Siebente Eruption daselbst. 

1240. Achte Eruption daselbst; eine Menge kleiner Inseln 
bildete sich im Meere unweit der Küste, welche zum Theil bei spä- 
ten! Ausbrüchen ganz verschwanden, zum Theil an andern Stel- 
len <U^ Meeres wieder zum Vorschein kamen. 

1422. Neunte Eruption im Meere bei Reykjanes. lieber 
dem Wasserspiegel erschienen Felsklippcn von betrachtlichem 
Umfang und ungewöhnlich hohe Säulen von glühenden Aschen 
wurden ausgeschleudert. 

1583. Zehnte Eruption im Meere bei Reykjanes. 

1783. Elfte Eruption daselbst. Zu Anfang des Monats Mai 
fand in einer Entfernung von 15 Meilen von Reykjanes, ein vul- 
canischer Ausbruch statt: eine so unermessliche Menge Bimsstein 
ward ausgeworfen, dasa das Meer 10 Meilen weit davon bedeckt 
war. und die Schilfe in ihrem Laufe gehindert wurden ; eine neue 
Insel entstand, aus hohen Bergklippen gebildet, in deren Bütte 
das Feuer in gewaltiger Thätigkeit war. Die Insel wurde vom Ko- 
ni-«- von Dänemark in Anspruch genommen und Xvoe. neue Insel,. 
genannt; doch ehe noch ein Jahr verflossen, war sie langsam in 

den SchoS de- Meeres zurückgesunken. 



') Preyet und Zirkel I. c. 8. 143— iti. Durch ein sehr bedauerliches Ver« 
sehen is1 gerade die entscheidende Eruption von 1830 S. 168 vergessen worden. 

J.. in n. i'. Oruitb., X. Jahrg, Nr, 5t», Septem bei iöül, 23 



354 William Preyer: 

1830. Zwölfte Eruption im Meer bei Reykjanes. Im Früh- 
jahr begann der ziemlich lang dauernde submarine Ausbruch, 
welcher viele der dort liegenden Klippen grossentheils zerstörte 
und zum Sinken brachte. Die auf den Felsen brütenden Vögel 
wurden durch diesen Ausbruch und die ihn begleitenden Erschütte- 
rungen förmlich decimirt, und d er Brillenalk (Plautus impennis Brunn., 
Lin.), welcher nur hier ni stete, erhielt dadurch seinen Todesstoss." 

Nach andern Berichten fand noch im Jahre 1390 eine hef- 
tige Eruption im Meere bei Reykjanes statt. 

Inwieweit nun diese Ausbrüche, die alle mehr oder weniger 
von Erschütterungen begleitet waren auf die Vernichtung des 
Plautus impennis eingewirkt haben, das ist für frühere Zeiten nicht 
zu ermitteln. Soviel steht jedoch fest, dass der letzte Ausbruch, 
der von 1830, gewaltig unter den Brillenalken aufgeräumt hat. 
An die 30 Stück wurden von ihrem Nistplatz vertrieben und an 
den umliegenden Küsten von den Isländern gefangen ; da die Erup- 
tion im Frühling anfing und einige Monate dauerte, so gingen 
offenbar die Brüten dieser 30 Individuen ebenfalls verloren. 
Wie viele aber mögen ausserdem vernichtet worden sein? nicht 
wenige sind zweifelsohne durch die gewaltigen Aschen- und Bims- 
steinregenfälle umgekommen. 

Da Plautus impennis schon 1830 zu den seltensten Vögeln 
gehörte und in diesem Jahrhundert nur auf den Reykjaneseyjar 
brütend angetroffen ward, so lässt sich mit grösster Wahrschein- 
lichkeit annehmen, 'dass durch die submarine Eruption in jenem 
Jahre der letzten Kolonie des Vogels der Todesstoss gegeben 
wurde. Es wurden freilich in den darauffolgenden Jahren immer 
noch einzelne Exemplare gefangen (von 1831 — 1845), auch nach 
einem allerdings vielleicht irrigen Berichte indem auf das Erup- 
tionsjahr folgenden Jahre ein grösserer Fang von 24 — 25 Stück 
gethan (siehe S. 348), aber das hätte alles nicht ausgereicht, den 
Brillenalk gänzlich auszurotten. Ohne die vulcanischen Erschüt- 
terungen wäre zweifelsohne der Vogel noch auf den so äusserst 
selten zugänglichen Reyjaneseyjar in einer nicht eben kleinen An- 
zahl anzutreffen. Man ist daher im Unrecht, wenn man behaup- 
tet der Brillenalk sei ausschliesslich durch den Menschen aus- 
gerottet worden, nicht zum kleinsten Theile haben dabei, seine gänz- 
liche Vernichtung beschleunigend, gewaltige Naturereignisse, näm- 
lich submarine vulcanische Eruptionen und Inseln schaffende, In- 
seln zerstörende Erschütterungen mitgewirkt. 



Ueber Plautus impennis. 355 

Es gestattet diese Thatsache von der (theilweisen) Verrich- 
tung des Plaut us impennis durch vulcanische Eruptionen einen 
Schluss zu machen auf die Art und Weise des Untergangs der 
zahllosen uns nur zum verschwindend kleinen Theil bekannten 
paläozoischen Gebilde. 

Wenn auch die Hypothesen der altern Geologie von unge- 
heuren plötzlichen Kataklysmen und periodischen Erdumwälzungen, 
welche alles Lebendige auf einmal vernichtet haben sollen, unbe- 
dingt verwerflich sind, und was man als die Folgen dieser Kata- 
strophen aufweisen möchte das allmählich zu Stande gekommene 
Werk von Millionen Jahrtausenden ist, so kann doch nicht ge- 
leugnet werden, dass local gewaltige Naturereignisse, wie sie auch 
jetzt noch stattfinden, von dem grössten, verderbenbringenden Ein- 
fluss gewesen sind auf die Fortdauer der Organismen, die auf 
dem unmittelbaren Schauplatz des Phänomens sich befanden. Trat 
es sich, dass gerade solche Thiere, welche zugleich selten und 
auf einen kleinen Verbreitungsbezirk beschränkt waren, heimge- 
sucht wurden von vulcanischen Eruptionen, Erdbeben u. dgl., so 
erklärt sich ihr plötzlicher und spurloser Untergang leicht. Wenn 
wir es erleben, wie vor unsern Augen ein Vogel, nachdem er 
von allen seinen frühern Aufenthaltsorten vertrieben worden, 
schliesslich selbst da, wo seine Verfolger ihn nicht oder nur sehr 
schwer erreichen konnten, durch plötzliche Eruptionen und Er- 
schütterungen den Todesstoss erhält, so gewinnt die Vermuthung 
ungemein an Wahrscheinlichkeit, dass nicht nur die Xachtheile, 
in denen seiner Natur nach ein Thier dem andern gegenüber ist, 
nicht nur klimatische Einflüsse und was sonst noch nach Darwin 
allmählich wirkend, die eine Art der andern weichen macht, 
Ursachen des Untergangs derselben sind, sondern auch häufig 
plötzliche locale Katastrophen in grossartigem Maassstabe, vul- 
canische Ausbrüche, Erdbeben, Uebcrschwemmungen u. a. m. ge- 
radezu die Vernichtung einzelner Thiergeschlechter herbeigeführt 
oder mindestens durch Reduction der Individuenzahl um ein Be- 
deutendes beschleunigt haben. 

[sland bietet mit seinen 29 Vuleanen manche Belege hierfür. 
Im .Jahre 1783 fand die großartigste Eruption statt, die in hi- 
storischer Zeit auf unserm Planeten bekannt geworden, die des 
Skaptarjökull. Der directe Einfluss diese- Ausbruchs auf Islands 
Thierwelt ist unverkennbar. Die Fischereien an der südliehen 
und südöstlichen Küste der Insel haben seit jenei Zeit gani aus- 

23* 



356 William Preyer: lieber Plautus impennis. 

s er ordentlich an Ertrag eingebüsst. Die Vogelberge, bei denen 
ein einziger secundenlanger Erdstoss genügt, tausende von Brüten 
zu vernichten, litten ungeheuren Schaden. Seit der Eruption des 
Leirhnükur und der Krafla im NO. Islands in den Jahren 1724 
bis 1727 sind die vor der Zeit durch ihre Güte und Menge in 
ganz Island bekannten Forellen des Mückensees an Zahl so ver- 
mindert worden, dass an den meisten ehemaligen Fischorten das 
Fischen ganz eingestellt ist. Diese wenigen Beispiele, deren Zahl 
mit Leichtigkeit sich vermehren lässt, zeugen von dem Einfluss, 
den vulcanische Naturerscheinungen — um hier nur bei diesen 
stehen zu bleiben — auf die Fortdauer vieler Thiergeschlechter 
ausüben. 

Nirgends deutlicher aber als bei Plautus impennis haben wir 
zugleich gesehen, wie eine Thierart vor ihrem Aussterben immer 
seltener und seltener wird, nicht etwa mit einem Male verschwindet. 

Sie wird allmählich von den von ihr zumeist bewohnten Or- 
ten durch überlegene Geschöpfe, vielleicht auch durch Wech- 
sel des Klimas, Treibeis oder dgl. vertrieben, bis sie zuletzt auf 
einen kleinen Bezirk beschränkt bleibt, wo sie vor Verfolgungen 
geschützt, die Bedingungen zu ihrer Existenz und Fortdauer am 
günstigsten lindet und wo sie ungestört selbst bei langsamer Ver- 
mehrung sich noch unberechenbar lange erhalten kann. Tritt nun 
aber gerade da eine solche locale Katastrophe ein, sei es nun eine 
Ueberschwemmung, sei es ein Erdbeben, sei es wie bei Plautus 
eine von wiederholten Erschütterungen und Bimsstein- und Aschen- 
rege nf allen begleitete Eruption, sei es selbst ein gewöhnlicher 
Ausbruch von Lava, so wird dann die Thierart allerdings mit 
einer gewissen Plötzlichkeit ihrem Untergange nahegebracht, wenn 
nicht gänzlich vernichtet. So sind möglicherweise viele Geschöpfe 
der Vorwelt untergegangen, von denen jetzt nur noch einzelne 
Ueberbleibsel zeugen, und noch unendlich viele mehr, von denen 
wir durchaus nichts wissen. Man sagt zwar, die Natur macht 
keinen Sprung, aber es gehört zu ihrem Haushalt, dass sie mit- 
unter aufräume, das Unvollkommene vertilgend zu Gunsten des 
Vollkommenen, und an Mitteln dazu fehlt es ihr nicht. 
Heidelberg, im Juni 1862. 



Dr. C. Bolle: Anthus Berthelotk n. sp. 357 

Anthus Berthe lotii, eine neue Pieperart. 

Aufgestellt von 
Dr. Carl Bolle. 

Sy ]] o n vmi c : Anthus tritXalü Berthelot et Moquin-Tandon, 
Ornithologie eanarienne ; nee Linn. (sub Alauda.) C. Bolle, Be- 
merkungen Aber die Vögel der canarisehen Inseln, in Cabanis 
Journ. II (1854.) p. 455. — A. campestris C. Bolle, mein zwei- 
ter Beitrag zur Vogelkunde der canarisehen Inseln. 1. c. V. p. 
288: nee Rechst. — ? A. pratensis E. Vernon Harcourt, Birds of 
Madeira in Annais and Magazine of natural history, No. 67., Juni 
1853: nee Beehst 

Ba ist eine von mir selbst lange verkannte, jetzt aber durch 
genaue Vergleiehung von Bälgen ausser allem Zweifel gesetzte 
Thatsache, dass der die canarisehen Inseln in so grosser Anzahl 
bewohnende Pieper eine vollkommen gut charakterisirte selbst- 
ständige Art ausmacht. Die im Allgemeinen zwischen dem Gefie- 
der der europäischen Anthus-Species obwaltende grosse gegen- 
seitige Aehnlichkeit hat unserem Vogel das Schicksal zugezogen, 
lange im Dunkeln geblieben zu sein, indem er von den Schrift- 
stellern abwechselnd mit diesem oder jenem seiner bekannteren 
G-attimgsgenossen zusammengeworfen und verwechselt wurde : so 
namentlich mit dem Baum- und Brachpieper, höchst wahrschein- 
lich auch mit dem Wiesenpieper. Die Ehre, wenigstens eine An- 
deutung von Verschiedenheit in Betreff seiner ausgesprochen zu 
haben, gebührt von Kittlitz. welcher ihn im November 1826 zwi- 
schen Sta. Cruz u. Lagtina, als den ersten von ihm in Teneriffa 
überhaupt gesehenen Vogel, beobachtet hat. Die Worte dieses 
ausgezeichneten Naturforschers und Wcltumseglers lauten: 

..Hie ersten Vogel, die wir antrafen, liefen am Wege. Ich 
sChoss einen aus dieser Gesellschaft und fand ihn wenig verschie- 
den von dem auf dem Riesengebirge so häufigen Wasserpieper 
(Anthw aquatkus ;) nur die Fiisse waren heller gefärbt und der 
Nagel der Uinterzehe weniger lang, so da<s CS ein Mittelding 
zwischen jener Art und campbetris schien.'' 

Diese kurze Schilderung, welche mich von dem Augenblick 
an wo ich sie las, frappirte, trifft, was das Kolorit anbelangt, 
den Nagel auf deti Kopf. Sie ist eigentlich an sieh sehou eine 
Förmliche speeifische ^elbststttndigkeitsei'klarung, denn. (Vage ich, 

Wttfi kann ..ein Mittelding zwischen Wasser- und Hnielipieper. da 
wo es sich um einen zahlreich vorkommenden Vogel, ohne jed- 



358 Dr. C. Bolle: 

weden Verdacht von Bastardbildung, handelt, anders sein, als eine 
besondere Anthus- Axt ? 

Diesen Rang vindicire ich dem canarischen Pieper aufs Ent- 
schiedenste. Den Namen, welchen ich ihm beilege, indem ich ihn 
nach meinem würdigen Freunde Sabin Berthelot Anthus ßerthe- 
lotii nenne, haben mir die Gefühle des Herzens, sowie dankbare 
Anerkennimg hohen wissenschaftlichen Verdienstes zugleich, in 
die Feder diktirt. 

Diagnose: Nagel der Hinterzehe etwas länger als diese, ro- 
bust, leicht gebogen, Schnabel ziemlich lang. Allgemeine Fär- 
bung des Oberkörpers ein mehr oder weniger röthlich-fahles Grau- 
braun, mit Ausnahme. des ungefleckten Bürzels und Unterrückens 
dunkel geflammt, am stärksten auf dem Kopfe. Unterseite weiss, 
an der Brust mit schwärzlichen Längsflecken. Aeussere Schwanz- 
feder weiss, der Länge der inneren Fahne nach mit Braun nüan- 
cirt; Schaft derselben der Hälfte nach unten weiss, oben dunkel- 
farbig. Zweitletzte Schwanzfeder ebenfalls weiss mit der äusse- 
ren Fahne braun, gelblichweiss gesäumt, Schaft ganz dunkelbraun. 
Drittletzte Schwanzfeder meist noch mit etwas Weiss an der Spitze. 
Beschreibung. An Grösse steht Anthus Berthelotii dem Brach- 
pieper, mithin noch bedeutend mehr dem Wasserpieper nach, dem 
Wiesenpieper dagegen gleich, nur trägt er sich weit aufrechter 
als dieser. Seine Gestalt ist schlank und zierlich, sein Kopf klein, 
seine Flügel sind verhältnissmässig kurz, wie von einem nicht 
wandernden und stets mehr laufenden als fliegenden Vogel er- 
wartet werden kann. Sie erreichen nicht die Mitte der Schwanz- 
länge; nichts destoweniger sind die stark ausgebildeten hinteren 
Schwungfedern im Durchschnitt von der Länge der vorderen. 
Die Füsse sind von lichter Farbe; diejenige des Schnabels ist. 
wenigstens am Oberkiefer, hornbraun. 

Die Grundfarbe des Gefieders ist, im Frühling, (u. ich glaube 
nicht, dass der Vogel nach Jahreszeit und Geschlecht bedeutend 
abändert,) oben ein mattes Graubraun, grösstentheils mit dunklen 
Längsflecken, die auf dem Kopfe am dichtesten gedrängt stehen. 
Ein weisslicher Streif, der seinen Ursprung am Grunde des Ober- 
kiefers hat, verläuft über dem Auge. Der Bürzel ist hell fahl- 
röthlichbraun , ungefleckt und geht nach vorn unmerklich in die 
Färbung des Rückens über. Die hinteren Schwungfedern sind 
breit fahl -röthlichbraun gesäumt. (Diese Färbung verleiht dem 
Vogel die meiste Aehnlichkeit mit dem ebenfalls, aber noch in 



Anthus Berthelotii n. sp. 359 

viel höherem Grade, fahlen Federkleidc des Brachpiepers.) Die 
vorderen Schwungfedern sin«! einfarbig bräunlich. Die zweite 
Reihe der Flügeldecken ist nmtiw. i^ gesäunjt, wodurch ein we- 
nig hervortretender weisglichm' Streik quer über den Flügel ge- 
bildet wird. Die ganze Unterseite des Körpers ist tuattw* 
der Brust mit ziemlich entferntstehenden -Hiwär/lielieii Längs- 
flecken. weiche au beulen Seiten dv\- weissen K < • 1 1 1 « - bi> zum Grunde 
des Unterkiefers emporsteigen. 

Noch verdient bemerkt zu weiden, <\us* in dem ganzen Ge- 
fieder auch nicht eine Spur von Grün sichtbar wird. 

Länge des Vogels 5|". Länge des Tarsus 9'". Länge des 
Nagels der Hinterzehe 4'". Länge des Schnabels von der Stirn 
an gerechnet 4'". 

Die Fortpflanzung des ßerthelotschen Piepers ist uoch nicht 
genauer beobachtet worden. Hinsichtlich seiner Lebensweise ver- 
weise ich auf das in eben diesem Journal in meinen beiden Ar- 
beiten über canariselie Ornithologie Gesagte. Ich wiederhole, 
dass er ein Stnndvogel ist und fuge hinzu, dass man ihn entweder 
paarweis oder in ganz kleinen Flügen, die nur aus einer Familie 
zu bestehen scheinen, antrült. Seine Trivialnamen, meist von der 
Vorliebe des Thierchens für gebahnte Wege hergeleitet, sind: 
Corre-camino, Caminero Pajarö cajon. 

Die geographische Verbreitung von Anthus Berthelotii dehnt 
sich über den gesummten canarischen Archipel, von Fuerta\en- 
tura im Osten bis Fenn im Westen aus. Diesem scheint Ma- 
dera als Vaterland hinzugefügt werden zu müssen. Für mich we 
nigstens ist es eine fast zur («ewissheit gewordene Wahrscheinlich- 
keit, d;i— Wnion Harcourts Anthus pratensis mit dem canarischen 
Vogel identi-«l! sei. Diese sich auf allerdings nur flüchtige Re 
miniscenzen gründende Annahme, wird durch Alles das, was l. 
Yates Johnson (Madeira, its climate and scenery. 1857.) über 
die Lcben-\ «i liMltni — ' de£ M;.!era-Piepers mitthcilt, unterstützt, 
so wie nicht minder diueh den Trivialnamen des Letzteren, der 
eben&Ufl Corre de Caminho lauten soll und mithin gleiche wege* 

mdr Nrioiiiior,, VÄranssetat. Johnen berichtet Folgendes: 
„.\ntlnis />mfrnsis winl li dej I '■ i" nahe am Meere 

und in dm Bergen angetroffen. Fi iiös&i am fJo<l< d herum- 
laufend, einen leisen Ruf (w low nute) aus und erhell sich nie 
zu weitem I'Iiiüc Piß Ejugeboraeu halten den Vogel für heilig, 



360 Dr. C. Bolle: Anthus Berthelotii. — Dr. Th. Krüper : 

und tragen sich mit einer Legende, derzufolge er der Jungfrau 
Maria bei der Geburt Jesu beigestanden haben soll/' Wahrschein- 
lich in Folge seiner Zutraulichkeit und Furchtlosigkeit, Eigenschaf- 
ten, welche dem wahren Anthus pratensis fremd, wohl aber dem 
canarischen Pieper eigen sind. 

Als unterscheidendes Merkmal des A. Berthelotii von A. cam- 
pestris möge hier noch Folgendes Platz finden : Die Färbung des 
Unterrückens und der Flügel ist fast ganz wie bei campestris, nur ist 
der durch die Spitzen und Ränder der zweiten Reihe der Deck- 
federn gebildete Streif bei Berthelotii weisglich, bei campestris gelb- 
lich. Das Weiss geht auch beim Brachpieper nie auf die dritte 
Steuerfeder nach innen über, sondern beschränkt sich , stark aus- 
gebildet und sie grossentheils einnehmend, auf die zwei äusseren 
Steuerfedern. 

Der Hinternagel ist bei Beiden absolut gleich lang, also bei 
dem kleineren A. Berthelotii verhältnissmässig grösser. 

Dass der von Christiern Smith auf der capverdischen Insel 
Santiago erwähnte „lerchenäliuliche Vogel" ebenfalls ein Pie- 
per sei, ist höchst wahrscheinlich: welcher Art er indess zuzuzäh- 
len, muss vor der Hand dahingestellt bleiben. 
Berlin, am 26. Juni 1862. 



Ornithologische Notizen über Griechenland. 

Von 
Dr. Th. Krüper. 

Cap Matapan, den 15. October 1861. 

Das südlichste Vorgebirge Griechenland's , zugleich auch 
Europa'?, ist schon seit langer Zeit als ein von heftigen Stürmen 
umwehtes, und daher gefährliches Terrain, den Seefahrern sehr 
bekannt. Ich hatte es bisher erst einmal umschifft! Heute, einige 
Stunden nach Mitternacht, spürte ich, dass das Kriegsdampfschiff 
Otto, auf dem ich gestern Abend 6 Uhr den Hafen von Athen 
den Piräus, verlassen hatte, in heftige Schwankungen gerieth: das 
ebenso sehr gefürchtete Cap Malea wurde passirt, und Cap Ma- 
tapan stand bevor. Der Himmel war heiter; das vom Sturme 
sehr bewegte Meer warf seine Wellen auf das Verdeck. Sobald 
die äusserste Spitze des Cap Matapan's umfahren war, nahm der 
Sturm und der hohe Wellenschlag schnell ab. 



Ornitholog. Notizen über Griechenland '161 



^-> 



.Meine zweite Reise in Griechenland, die in die Jahre 1859, 

60 u. Hl fiel, habe ich beendet. Obgleich Ich mich nicht rühmen 
kann in 1 Jahren alle Theile Griechenlands durchreis! und durch- 
sucht zu haben, so habe ich doch schon einige Gegenden bedacht, 
die früher in zoologischer Einsicht noch gar nicht durchforscht 
waren: 1858 war ich in Akarnanicn, wie den Lesern aus der Mao- 
ni a n n i n bokanntist; 1859 verbrachte ich vorzugsweise im Parnassos- 
Gebirge Nord-Griechenlands, 1860 am T&ygetos-Gebirge im süd- 
lichsten Theile des Peloponnesos, in dem gegenwärtigen Jahr« war 
ich am Veluchi, dem nördlichsten Gebirge Griechenlands. Wie 
sehr die von mir besuchten Gegenden einer längeren Untersuchung 
bedürfen, fühlt keiner mehr als ich. Sollte ich nochmals den klas- 
sischen Boden Griechenlands betreten, ode* sogar für immer mei- 
nen Wohnsitz dort nehmen, so werde ich die mir bekannten Ge- 
genden noch mehrmals besuchen, vorher jedoeh dem Hochbinde 
Arkadien, den Cycladen und dvv Insel Huböa # Jahre lang meine 
Aufmerksamkeit widmen. Dass meine Absieht auszuführen für mich 
nicht leicht ist, zumal wenn ieh weder von Griechenland noch von 
Deutschland aus unterstützt werde, kann der Leser sich wold den 
ken. Möge doch unsere deutsche Ornithologcn-Gesellsehaft jähr- 
lich einen kleinen Beitrag für die Erforschung unbekannter Ge- 
genden in Europa aussetzen! 

Was bisher über die Ornithologie Griechenlands bekannt ge- 
worden ist. hat der Leibarzt Dr. Lindermayer in seinem heuen 
Weike: „die Vögel Griechenlands'' Passau 1860 zusanimengclasst: 
es wird daher für diese Zeilen am zweckmässigsteii sein, wenn 
ich diesem Buche folge, um meine eignen Beobachtungen zugeben! 

Der A a sg<> i er, Neoph ro n per CK 0])tprun, 
wird in den nördlichen Theilen Griechenlands wei (der 

weisswangige) genannt, unter diesem Namen ist er im Parna 
birge überall bekannt; in Veluchi nennt man ihn lieber xavxbv pkoyuv 
(das Pferd ^\v^ Kuckuks.) Die Landleute wollen dort beobachten, 
dass der Aasgeier zu gleicher Zeit mit dem Kuckuke ankommt 
und abzieht, wesshalb sie den Aasgeier <\\\> Pferd des Kuckuke 
benennen. Nach meiner Beobachtung kommt dieser ( »rin- viel iVn- 
her an als ^\rv Kuekuk und zieht spater ab als jener Nach I>r. 
Lindermayer kommt er „Ende April alten Htyls in Griechenland 
an, wenigsten- in der nördlichen Hälfte desselben', du Dr. Ehrhardl 

in Syra behauptet. daSB dieser Vogel auf den Cyladen den Winter 
hindurch zubringe." Nach meiner Beobachtung trifft diu- Geier 



Dr. Th. Krüper: 

schau einen Monat früher ein; im Jahre 1859 erblickte ich die 
ersten Ankömmlinge am 27. März in Akarnanien, 1860 am 26. März 
am Parnass; im gegenwärtigen am 19. März ebendort. 

Der Aasgeier ist über alle Theile Griechenlands verbreitet, 
jedoch nirgends in grösserer Anzahl, zumal während der Fortpflan- 
zungszeit. Bis jetzt bin ich zu der Ansicht gekommen, dass in 
Griechenland nur ein oder sehr selten zwei Paare an benachbar- 
ten Felswänden ihren Wohnort aufschlagen, dagegen habe ich 
beobachtet, dass jede grössere Felswand, zumal wenn dieselbe 
einer Ebene [nah ist, von einem Paare bewohnt wird. Im Varas- 
sova-Gebirge in Akarnanien, welches nach der Westseite ziemlich 
steil abfällt und an der Südseite eine grosse Schlucht, die soge- 
nannte Prassula, zum Meere sendet, beobachtete ich 3 Paare, je- 
doch sind die Wohnsitze der einzelnen sehr entfernt von einander. 
Der Neophron ist in Griechenland sehr scheu und flieht den Men- 
schen auf grosse Entfernungen: man kann daher sich kaum vor- 
stellen, dass dies derselbe Vogel ist, der in andern Gegenden 
viel mit den Menschen verkehrt und in deren Städten und vor 
deren Thüren seine Nahrung sucht. Seine Scheu vor Menschen 
giebt er auch nicht während des Brutgeschäftes auf, worüber ich 
oftmals Bebachtungen angestellt habe. Bei Missoluugi beobach- 
tete ich zum ersten Male einen brütenden percnopterus, und zwar 
an dem Felsen, an welchem ÄqiUla Bonellii seine Wohnung hatte. 
Am 23. Mai 1858 flog der Aasgeier ungesehen aus seinem Felsloche; 
zwei Stunden später überraschte ich ihn und sah ihn abfliegen, 
ohne jedoch sicher zu sein, dass sein Horst sich dort befinde. 
Am 28. Mai kehrte ich dorthin zurück und traf ihn abermals 
jedoch zeitig abfliegend an. Am folgenden Tage stieg ich selbst 
vermittelst eines Seiles zu einem Absätze herab und nahm das. 
einzige, ziemlich angebrütete Ei heraus. Während dieser Zeit 
sass der Neophron auf einem Felsen, sah unserm Treiben zu, stiess 
einige dumpfe Klagetöne aus und verschwand endlich. Am 23. 
April 1859 nahm ich aus demselben Loche 2 schöne Eier, welche 
wenig angebrütet waren; das Weibchen war ebenfalls scheu. 
1860 war ich nicht zur Brütezeit bei Missolungi, erfuhr jedoch 
durch den Dr. Nieder, der auf meine Bitte den Felsen besuchte, 
dass der Aasgeier dort nicht gebrütet habe. Der Grund, dass 
die Nisthöhle 1860 nicht besetzt wurde, liegt wie ich vermuthe 
darin dass das Weibchen verunglückt war. In diesem Jahre 
konnte ich es nicht unterlassen, am 8. Mai bei meiner Reise über 



Ornitholog. Notizen über Griechenland. 363 

Missolungi den Nistplatz wiederum zu untersuchen ; ein Weibehen, 
welches ziemlieh dunkel gefärbt erschien , flog von ferne WW der 
Höhle, in der mein Begleiter nur ein ziemlich kleines Ei fand. 
Jedenfalls war das WeibcheJi ein jüngeres, welches zum ersten 
Male gelegt hatte. 

Die Anzahl der Eier is gewohnlieh 2; dreimal fand ich je- 
doch um' 1 Ei, welches gewiss von jüngeren Individuen herrührt. 
Dass alte Neophrou 3, sehr selten auch 4 Eier legen, wie Schin- 
der behauptet, halte ich zwar für möglich, halte es jedooh noch 
nicht selbst gefunden. Die Eier eines Horstes sind in der Regel 
sehr verschieden; am 21. Mai 1861 fand ich bei dem Kloster St. 
Elias einen Horst mit 2 Eiern, von denen das eine den Eiern 
des Fischadlers (Aq. haliaetos,) das andere denen des Schreiadlers 
(Aq. nuevia) in Färbung glich; das naevia - artige Ei enthielt ein 
Junges, das andere war faul gebrütet. Dieser Aasgeier benahm 
sich ebenfalls sehr scheu. Auf der Höhe der Felswand lösten 
wir einen Pistolenschuss; unter uns erschien in raschem Fluge 
ein Aasgeier und verschwand. Wir kletterten hinab zum Fusse 
der Wand, um das Nistloch aufzusuchen. Wir hofften, der Geier 
würde es selbst verrathen, doch nein! er kam nicht wieder. 
Endlich schlug mein Begleiter vor, eine ihm verdächtig aussehende 
Höhle zu untersuchen. In der That fand er darin die beiden 
Eier. — Am Varassova beobachtete ich einen Neophrou längere 
Zeit: meine 2 Begleiter stiegen in der Prassula voraus und schössen 
an einer passenden Stelle eine Pistole ab; ein Aasgeier strich ab 
und flog über 1 Stunde bald an der einen, bald an der anderen 
Seite der Schlucht entlang, um in sein Nest zurückzukehren. was 
wir im Versteck abwarten wollten, da wir den Ort des AI>fiic-< n- 
nicht genau beobachtet hatten. Endlich kam auch das Mannehen 
und zog in der Schlucht umher, entfernte sich jedoch bald, al- 
es unsrer ansichtig geworden war. Sinei meiner Begleiter ging 
aus, um die Zugänglichkeit der Felswand zu untersuchen, während 
dieser /eil machte das Weibchen mehrere Versuche in dir N i - 1 
höhle hineinzufliegen, was es auch endlich ausführte. Meine bei- 
den Leute erkletterten einen Absatz, i\vi c. 10 Kn-> aber der 
Höhle war: vermittelst eine- Seile- itfftg der eine hinab: unten 
erwartete ich, dass der Aasgeier herausfliegen sollte: durch her- 
abfallende Steine sowie dureh Lärmen wurde derselbe meht her- 
vorgetrieben: eist als mein Steiger \<>r dem Eingänge der |(nhl< 
schien, stürmte der Vogel vom Horste hervor, der 2 laqggeal reckte 



364 Dr. Th. Krüper: 

schön roth gefärbte Eier enthielt. Später berichtete der Steiger, 
dass der Eingang nur klein, die Höhle selbst sehr geräumig und 
tief gewesen sei; ferner dass die Höhle früher von einem Läm- 
mergeier Gypaetos barbatus bewohnt gewesen sei, was die Nest- 
unterlage ihm andeutete. 

Gleich nach seiner Ankunft in Griechenland schreitet der 
Aasgeier zum Brutgeschäfte; Ende April findet man schon ange- 
brütete Eier; am 25. Mai d. J. — April und Mai waren die Win- 
termonate — fanden wir schon Junge in dem Felsen, auf welchem 
die Akropolis der alten griechischen Stadt Lilaea am Parnass 
steht. 

Der braune Geier, Vultur fulvus, 
wird in allen Theilen des Landes als ein bekannter Vogel ooviov 
genannt; in einigen Gegenden, wo hohe Felswände fehlen, wird 
er nur dann bemerkt, wenn ihn gefallenes Vieh herbeilockt. 

Ueber das Brutgeschäft des braunen Geiers in Griechenland 
werde ich ausführlicher berichten. Dr. Lindermayer, der sich durch 
sein 25 jähriges Studium um die Ornithologie Griechenlands sehr 
verdient gemacht hat, giebt in seinem im v. J. erschienenen Werke, 
welches vielen der Leser nicht zur Hand sein wird, Folgendes 
über die Fortpflanzungsgeschichte dieses Geiers an: v Sein Nest 
bereitet er auf hohen unzugänglichen Felsenvorsprüngen; es be- 
steht aus grobem Reisig, nimmt einen ungeheuren Raum ein, wohl 
über ein Meter im Durchmesser, und giebt den Jungen wenig Schutz 
wenn die Alten sie nicht bedecken. Er legt gewöhnlich 2 grosse 
grobkörnige schmutzigweisse Eier, die fast immer an den beiden 
Enden mit dunkelbraunrothen Flecken und Spritzern bedeckt sind. 
Sein Aufenthaltsort ist freilich zunächst die Gebirgswelt." In 
den neueren ornithologischen Schriften ist nur dasjenige beigebracht 
worden, was man durch Hörensagen erfahren, oder aus älteren 
Werken entnommen hat. Den Horst selbst haben nur wenige 
Ürnithologen gesehen, woran auch die schwere Zugänglichkeit 
Schuld hat. Ob und was der seel. Thienemann in seinem aus- 
gezeichneten zoologischen Werke über diesen Geier geschrieben 
hat, weiss ich nicht; Freund Pässler theilt in dem Bädeker'schen 
Prachtwerke mit : ,.Gyps fulvus horstet in derKlissura in Griechen 
land, und anderwärts auf den Absätzen und Klüften hoher, steiler, 
meist unzugänglicher Felsen. Der grosse Horst bestellt unten 
aus starken Aesten, auf welchen dünne dürre Zweige folgen und 
ist oben mit Moos belegt. Zu Ende des Februar oder zu Anfang 



Ornitholog. Notizen über Griechenland. #65 

des März findet man darin 2 Eier. Brutzeit 4 Wochen". — 
Nachfolgende Mittheilungen über den braunen Geier beruhen nicht 
auf Jägernachrichten, sondern auf eigne in Begleitung meiner 
Leute, besonders meines unermüdlichen und onübertrefflicheu 

grieeliisehen Felsensteigers an Ort und Stelle gemachte Beob- 
achtungen« Dieser Geier verlangt Fels wände zur Anlegung 
seines Horstes, wcsshalb er vorzugsweise in gebirgigen Gegenden 
dieselben aufsucht; Felswände, die der Ebne nahe liegen oder 
bis ans Meer reichen, liebt der Geier jedoch mehr als solche, 
die in den höchsten Regionen der Gebirge sieh belinden. Nur 
am Veluchi -Gebirge traf ich unmittelbar unter seinem Gipfel im 
Juli Geier an, die dort jedenfalls auch ihre Brutplätze hatten; 
an andern niedriger gelegen Felswänden, die in diesem Bezirk 
sehr selten sind, scheint kein Geier zu wohnen. Der Geier legt 
sein Nest jedesmal in einer Höhle an, so dass es von oben ge- 
gen Regen gedeckt ist. Der Eingang zur Höhle ist gewöhnlich 
klein, das Innere sehr geräumig; die Griechen benennen solche 
Höhle passend mit dem Namen „Backofen ((fovyrog).' 1 Nur ein- 
mal am Varassova-Gebirge sah ich ein Nest auf einem Felsen- 
vorsprunge so angelegt, dass von der Höhe aus das Ei in dem- 
selben gesehen werden konnte. Ein eigentliches Nest aus Baum- 
zweigen und Reisern, wie man sich nach den früheren Angaben 
vorgestellt haben mag, baut der Geier nicht; sondern nur eine 
spärliche Lage von zusammengetragenen trocknen Pflanzen, die 
meistens von frühern Brüten herrühren, bildet dasselbe; oftmals 
liegt das Ei ohne Unterlage auf dem beschmutzten Boden der Höhle. 
Man wird sich wundern und es für angereimt halten, wenn ich 
behaupte, dass Vultur fulvuA in Griechenland stets nur 1 Ei legt« 
Wenn Ihn andere Ornithologen 2 auch 3 Eier legen lassen und 
nicht einmal erwähnen, dass er auch J Ei legt, SO sage ich, dass 
dieselben falsch unterrichtet worden sind. Die Schöpferkraft 
würde dem Geier eine grosse Last auferlegt haben, wenn sie ihm 
befohlen Jiätte, 2 oder gar 3 Junge jährlieh aufzuziehen. Wie 
schwer CS zweien Geiern wird, 1 Junges mit Speise zn versehen, 

wird derjenige ersl erfahren, der In einer einsamen Felsschlucht 
das bestandige Schreien von hungrigen Geierkindern vernommen 

hat. Wie dem aueh sein mag, 30 wenig wie ich, haben die \mi 
mir befragten Griechen mehr als 1 Ei oder I Junge- im N 

gefunden. Freund Simpson versicherte, dass er auch in Algier, 
wo er eine Anzahl Eier vom braunen Geier ausgehoben hat, nur 



366 *>r- Th. Krüper: 

1 Ei im Horste gefunden habe; nur einmal habe er neben einem 
jungen Geier noch 1 Ei gefunden. Ueber den Beginn der Lege- 
zeit war ich früher ziemlich im Unklaren. 1858 fand ich am 22. 
April bei Aetolico das erste Geiernest auf: ein Flintenschuss in 
der Nähe der Felswand scheuchte den Geier heraus. Ich ver- 
muthete Eier darin; am folgenden Tage begab ich mich dorthin 
in Begleitung zweier Griechen, von denen einer eine kleine Leiter 
trug. Der griechische Sonntagsjäger wollte den Geier beim Ab- 
fliegen erlegen; allein das Geräusch des abfliegenden grossen 
Geiers erschreckte ihn so sehr,, dass er zu schiessen vergass. 
Unser Begleiter mit der Leiter kommt nicht Zu uns : endlich kehren 
wir um und finden ihn in der Mitte des Berges liegend. Eine 
Woche später traf ich den Geier nicht mehr im Neste an, ver- 
muthete daher, dass die Eier ausgebrütet waren; an demselben 
Tage fand ich noch einen andern Horst auf, der jedenfalls auch 
Junge enthielt. Um zur Legezeit der Geier nach Griechenland 
zukommen, reiste ich schon am 14. Februar 1859 von Berlin ab 
und kam am 16. April in Missolungi au, wo die Ausnahme des 
Horstes von Aq. Bonellii die ersten Tage vergeblich beschäftig- 
ten; am 21. ging ich zum Geierhorste bei Aetolico: ich klettere hin- 
auf, finde aber statt der Eier schon 1 ziemlich grosses Junges. Ich 
war zu spät gekommen, nach meiner Berechnung konnte das Ei 
in den ersten Tagen des Februar gelegt sein. 1860 verliess ich 
am 28. Januar Athen und landete am 7. Februar in Aetolico. Am 
8. ging ich mit meinem Diener zum Brutplatze, der wiederum be- 
setzt war. Jetzt nahm ich eigenhändig das erste Ei des braunen 
Geiers aus ; es war in jenen Tagen erst gelegt worden. Am nach- 
ten Tage nahmen wir Avieder 1 frisches Ei aus; am 12. Februar 
nahmen wir 1 Ei aus, welches ziemlich stark bebrütet war, so 
dass es ungefähr um die Mitte des Januar gelegt war. 

Nach allen meinen bisherigen Beobachtungen über die Le- 
gezeit des Geiers, richtet sich dieselbe sowohl nach der Gegend, 
als auch nach dem Alter des Weibchen. In höher gelegenen, mit- 
hin kälteren Gegenden legt der Geier später. Die gewöhnliche 
Zeit des Legens fällt um die Mitte des Februar; aussergewöhn- 
lich ist es, wenn ein Pärchen schon im Januar oder erst im März 
legt. Am 19. März d. J. Hess ich bei Velitza am Parnass 2 Eier 
ausheben, von denen das eine, ein riesig grosses, einen jungen 
Geier enthielt, der die Schaale schon durchbrochen hatte, das 
andre Ei war sehr klein und erwies sich bei Entleerung als we- 



Ornitholog. Notizen aber Griechenland. 367 

nig bebrütet. Ein so grosser Unterschied in der Bebnitung fin- 
det sich hei Paaren derselben Felswand nur selten: jedenfalls 
ein sehr altes und ein junges Weibchen. 

Wenn dem Geier <l"s Ei genommen ist, so macht er in dem- 
selben Jahre keine Anstalten mehr, noch eins zu legen; wenig- 
stens habe ich es bisher noch nicht beobachtet. 

In einer Höhle findet man nie 2 oder mehrere Nester, was 
zwischen den alten und jungen Geiern, obgleich sie sonst gesel- 
lig sind, zu grossen Streitigkeiten und Raufereien Anlass geben 
würde; jedoch kommt es vor, dass auf einem langen Felsabsatze, 
der von oben gedeckt ist, mehrere Paare in gehöriger Entfernung 
von einander brüten; so hoben meine Steiger am 22. Februar d. 
J. im Varassova- Gebirge auf einem solchen Absätze, der eine 
Steigung von c. 45° hatte, vier Horste aus. 

Die Eier des braunen Geiers sind gewöhnlich ungefleckt; röth- 
lich gefleckte kommen nur selten vor. Die gewöhnlichste Form 
istdie rundliche: gestreckte und zugespitzte Eier kommen einzeln vor. 
Worin sich die Eier des braunen Geiers von denen des schwar- 
zen V. cinereus unterscheiden, kann ich nicht angeben, da ich au- 
thentische Eier des V. cinereus noch in keiner Sammlung sah. 

lieber die Dauer der Brütezeit habe ich bisher keine siche- 
ren Beobachtungen gemacht, bin jedoch der Meinung, dass die 
gewöhnlich angegebene Dauer von 4 Wochen viel zu klein ist: 
ich schlage sie auf 6 Wochen an, hoffe später zu diesem Zwecke 
ein Paar beobachten zu lassen. — Begiebt man sich zu den Brut- 
plätzen der Geier besonders im Frühjahr, so sieht man hoch in 
der Luft die Geier in solcher Anzahl ab und zufliegen, dass man 
glaubt, dort eine grosse Menge Nester aufzufinden. So erging 
es mir in den ersten Jahren in der Klissura. Ich taxirte die 
Zahl der Brutpaare auf iOO!*) Jetzt nachdem ich fast sämmtliche 
Nistplätze aufgefunden habe, wage ich die Zahl der jährlich dort 
legenden Weibchen nicht viel über 30 anzugeben. Im vorigen 
Jahre kam ich am 13. Februar in die Klissura; die Absätze und 
Löcher der Felswand Übet dem Chane und der Kirche waren 90 
sehr von den Geiern beschmutzt, das- wir dort eine Anzahl Nester 

erwarten konnten. Wir gingen hinauf: die Geier entflohen) ich zahlte 

*) Aufschneidende Touristen, welche die in drnithologischer Hinsicht so 
intressante klissma beschreiben, geben an, dass dort Bö viel Qeier, Adler und 
Dohlen sind da.-- mau den Bimmel nicht sehen kann; ebenso, sagen sie von 
den Seen von Vrachori, das- auf dem Wasser derselben BOviel Vogel; Enten, 
Möven etc. sind, dass das Wasser gar nicht mein- sichtbar ist. 



368 Dr Th. Krüper: 

22 Stück, die in Gesellschaft kreisförmige Flug emachten und end- 
lich, da wir den Ort nicht verliessen , verschwanden. Wir lau- 
erten vergeblich auf deren Rückkehr, nur 1 Geier kam wieder 
und schien dort sein Nest zu haben, welches wir jedoch nicht 
ausfindig machen konnten. Nach einigen Wochen fand ich dort 
2 Nester auf. Die übrigen Geier waren keine Brutvögel, sondern 
von jüngerm Alter. Wie alt der Geier werden muss um brut- 
fähig zu werden, weiss man wohl nicht. Sollten 8 — 10 Jahre zu 
hoch angeschlagen sein? 

Während der Brütezeit sind die Geier weniger furchtsam als 
zu andern Zeiten: durch Geräusch und Händeklatschen kann man 
die meisten aus der Höhle heraustreiben, vorausgesetzt, dass man 
am Fusse der Felswand steht und das Felsloch nicht zu hoch 
ist; ich bediente mich gewöhnlich einer Pistole, um die Geier 
ihren Brutort verrathen zu lassen. Am Parnass sind die Geier 
viel dreister als in Akarnanien, namentlich bei dem Dorfe Velitza 
wo sich nach 2 Seiten hin hohe Felswände erheben, die den Gei- 
ern zu Wohnsitzen dienen. - Durch den steten Anblick der Dorf- 
bewohner und das tägliche Schiessen sind die Geier so dreist ge- 
worden, dass sie sich nicht leicht hervortreiben lassen. Am 9. 
April 1860 stieg ich mit einem Begleiter und dessen Sohn zu den 
Felsen hinan und wunderte mich, dass aus 2 niedrigen Höhlen, in 
denen jährlich Geier brüten, auf einen Pistolenschuss kein Geier 
entfloh. Beim Hinaufklettern an der gegenüberliegenden Felswand 
kamen wir in solche Höhe, dass wir in die eine Höhle hineinsehen 
konnten: Ein Geier lag in derselben und wich nicht trotz unse- 
res Schreiens und Lärmens. Der unten gebliebene Knabe musste 
jetzt mit Steinewerfen versuchen; er traf oftmals in die Höhle 
hinein und einmal fiel der Stein auf den Bücken des Geiers nie- 
der, der jedoch unbeweglich liegen blieb. Als wir nach 1£ Stunden 
zurückgekehrt waren, sandte ich von unten eine Ladung Hagel 
in die Höhle: auch dieses Mittel half Nichts; wir mussten den 
Geier in Ruhe lassen. Mein Begleiter untersuchte an diesem Tage 
mehrere Höhlen, fand aber in jeder einen jungen Geier. In die- 
sem Jahre kam ich am 19. März zu derselben Höhle; nach ei- 
nem Pistolenschusse kam kein Vogel aus derselben. Als meine 
beiden Kletterer die gegenüberstehende Felswand erklettert hat- 
ten, berichteten sie, dass der Geier im Neste liege. Ob die 
zweite Höhle ein Nest enthielt, konnte nicht bemerkt werden. 
In den 2 Stunden, die meine Begleiter zur Aushebung von 2 



Ornitholog. Notizen über Griechenland. 369 

Horsten gebrauchten, sammelte ich Insekten und beobachtete die 
Geier, von denen einer in die erwähnte Hohle flog. Aus beiden 
Nestern nahmen wir am Abend je 1 Ei. 

Oben habe ich angegeben, dass Vultur fulvnx kein Nest am 
Baumzweigen habe. Ich muss daher hier noch einen interessanten 
Fall erwähnen. In der kleinen Klissuru bei Aetolico hat ein 
Lämmergeier sein Standrevier, in welchem er 2 Horste in nahe 
gegenüberliegenden Felsen hatte. In diesem Jahre waren beide 
nicht besetzt, da ein Stück des Paares im Winter erlegt war. 
Am 4. Mai passirte ich mit meinem Kletterer bei beiden aus Baum- 
zweigen erbauten Horsten ; in dem letzten liegt ein weisser Ge- 
genstand, den mein Begleiter für ein Ei hält. Am 6. Mai, nach- 
dem wir 1 Ei des Steinadlers, Aquila chrysaetos, ausgenommen 
hatten, stiegen wir hinab, um den GypaHos - Horst zu untersuchen 
und den weissen Gegenstand in demselben, (mein Kletterer sprach 
jetzt die Vermuthung aus, dass es eine ausgebleichte Schaale ei- 
ner Schildkröte sein könne!) kennen zu lernen. Herr Tindall, 
ein englischer Ornithologe und ich, bleiben auf einer Felswand; 
meine Leute begaben sich zur Stelle. Nach einer Stunde gehe 
ich denselben nach, sehe jedoch aus der Ferne, dass sie zur Rück- 
kehr sich bereiten und dass sie den weissen Gegenstand in der 
hochgehaltnen Hand mir zeigen. In grosser Spannung erwartet 
Herr Tindall und ich die Ankunft! Man denke sich unser Er- 
staunen, als mein Diener ein Ei von Vultur fuhus aus der Ta- 
sche zieht. Dieses Ei, welches ich als Andenken an diese Ex- 
cursion meinem Gefährten verehrte, erwies sich bei der Präpara- 
tion als faul. Der Geier hat es, da er so oft von der gegenüber- 
stehenden Felswand aus von Hirten beunruhigt worden, verlassen. 

Der Kolbe'sche Geier, Vultur Kolbit. 
\-\ schon oftmals der Zank- und Streitapfel für die europäische 
Ornithologie gewesen; schliesslich war er ganz ans Furopa ver- 
trieben. Vor 2 Jahren winde er wiederum und zwar so kräftig 
eingeführt, dass Niemand an das Vorkommen dieses Geiers in 
Kuropa gezweifelt halten mag: es geschah durch den Dr. Uhrhai dl 
in Syra, in seiner Fauna der (Vcladen. Dr. Lindermayer in Athen 
protestirt in seinem neuen Werke gegen den Vultur Kolbü und be- 
müht sich darzuthun, dass der V. Kolhü der jüngere, ein- und 2jah- 
rige Vogel von V. fulvuß ist, worin er wohl Recht hat: er geht 
jedoch darin zu weit, dass er den V. Kolhit gänzlich von der 
Erde als Art vertilgen will. Bfl giebt wirklieh einen V. Kolbii, 

Journ, f. Ornilh., X. Jnlirg. Nr. jy, S.pliinl.er löfitf. 24 



370 Dr. Th. Krüper: 

nicht in Europa, sondern im südlichen Afrika, der aber keines- 
wegs ein junger V, fulvus ist: es ist der berühmte Chasse-fiente 
von Le Vaillant. 

Der Ohrengeier, Vultur auricularis, 
ist auch von Temminck und Schlegel als häutig in Griechenland 
vorkommend bezeichnet worden ; auch Alfred Brehm führte nach 
seinem flüchtigen Besuche in Athen an, dass er den Ohrengeier 
in der Nähe von Athen habe fliegen sehn. Bis jetzt gehört dieser 
Geier sowie der vorige nicht zur Fauna Griechenlands! 

Der graue Geier, Vultur cinereus, 
ist den meisten Landlcuten Griechenlands nicht bekannt; seinen 
griechischen Namen habe ich bisher nur am Parnass erfahren, wo 
er Xvxoqviov heisst. Ich selbst kanu mich nicht rühmen, diesen Geier 
oftmals lebend gesehn zu haben: nach Athen brachte man einen ge- 
flügelten zum Verkauf; beiLamia sah ich einen auf dem Felde sitzen; 
sehr wenige sah ich fliegend. Daher ist es auch nicht zu erwarten, 
dass ich Etwas über die wohl gänzlich unbekannte Fortpflan- 
zungsgeschichte sagen kann. Indess will ich behaupten, dass 
dieser Geier in Akarnanien (in der Klissura und dem Varassova- 
Gebirge) sowie im Parnass durchaus nicht brütet; denn, wenn 
dort nur ein Paar zwischen den braunen Geiern, von denen ich 
sagen möchte, dass es dort kein Individuum giebt, welches ich 
in den 4 Jahren noch nicht gesehn hätte, brütete, so müsste ich, 
meine Leute sowie alle Landleute denselben während der Brüte- 
zeit wenigstens einmal zu sehn bekommen. Den Behauptungen 
des Dr. Lindermayer kann ich nicht entgegentreten, da ich die 
Gegenden, in denen der graue Geier brüten soll — die Attica, 
von Korinth an bis hinauf gegen Livadien — noch nicht durch- 
sucht habe. Die jungen Geier, die Dr. Lindermayer auferzog, 
beweisen, dass dieser Vogel dort brütet; die Angaben über Nest 
und Eier sind nur nach Mittheilungen der Griechen gemacht. 

Der englische Ornithologe Simpson sowie der deutsche Heeren, 
mit denen ich 1859 in Akarnanien Excursionen machte, reisten 
über Constantinopel, die Donau hinauf nach Hause, wobei sie in 
der Türkei noch gelegentliche Excursionen machten. Im Fe- 
bruar 1860 traf ich Herrn Simpson wiederum in Akarnanien, wo 
er die Waldschnepfenjagd betrieben hatte. Er theilte mir mit, 
dass er in der Dobrudscha Brutplätze der grauen Geier auf- 
gefunden habe und dass er beabsichtige, zur Brütezeit, die et- 
was später als die des braunen Geiers in Griechenland fallen 



Ornitholog. Notizen über Griechenland. 371 

soll, dorthin zurückzugchn. Seinem Eifer günstige Resultate 
wünschend, brachte ich ihn am 9. März vom Missolunyi zum 
Dampfschiffe, mit welchem er nach Athen abfahr. Im Laub- de* 
Sommers erhielt ich vom Herrn Simpson einen aus Dresden <la- 
tirten Brief, in welchem er mittheilte, dass er in Coii3tantino|>«'l 
Nachrichten bekommen habe, die ihn zur schleunigen Rückkehr 
nach England getrieben haben, wesshalb er die beabsichtigte Durch- 
suchung der Dobrudscha unterlassen habe. In diesem Frühjahre 
traf ich in Akarnanien einen andern englischen Reisenden, Herrn 
Tindall, welchem ich die beabsichtigte, jedoch nicht vollendete 
Durchsuchung der Dobrudscha des Herrn Simpson mittheilte. Da 
Herr Tindall den Eifer, die Zeit und die Mittel besas, versprach 
er, im nächsten Jahre dort zu sammeln, um die Unsicherheit der 
Fortpflanzungsgeschichte des grauen G-eiers zu heben. — 

[Es ist meine Pflicht, nähere Nachrichten über Herrn Tin- 
dall zu geben. William Tindall war der Sohn des verstorbenen 
Banquier John Tindall zu Scarborough in Yorkshire in England, be- 
fand sich im 24 — 25. Lebensjahre, war von mittelgrosser, kräfti- 
ger Statur. Seit einigen Jahren reiste er im Süden Europa's 
sowie in Egypten, um sich auszubilden. Den Winter 1860 -61 
brachte er in Corfu und Albanien zu, kam Mitte März nach Grie- 
chenland und nahm in Aetolico meine seit 14 Tagen verlassene 
Wohnung ein. Hier betrieb er die Vogeljagd, besonders zu 
Wasser; sämmtliche brauchbare Vögel präparirte er für seine 
Privatsammlung, die er erst seit der letzten Reise begonnen liatte. 
2 grosse Kisten voll in Albanien gesammelter Vögel hatte er 
schon nach Hause geschickt. Bei meiner Rückkehr nach Aeto- 
lico am 1. Mai hing sein Zimmer wiederum voll von Vogelbäl- 
gen; unter anderen hatte er 2 prächtige Pelecanv* crispue, Carbo 
pygmaeus^ Larus minutus, viele Enten, Bienenfresser etc. Am 2. 
begleitete er mich zur Klissura, wo ich den Horst eines Stein- 
adlers ausheben wollte; das abfliegende Weibchen erlegte Tin- 
dall mit geübter Hand und präparirte es. An den nächsten Ta- 
gen machten wir noch einige Excursioncn. Ha Herr Tindall zu 
jener Zeit an Geschwüren litt, so konnte er meine Heise über 
das Parnassgebirge zum Veluchi nicht mitmachen % hoffte jedoch 
nach mehreren Wochen direct dorthin zu kommen. Am S. Mai 
zog ich von Aetolico ab und kam am 5. Juni in Cnrpcnisi am 
Veluchi an. Von hier aus thcilte ich Herrn Tindall meine An- 
kunft mit und stellte ihm mein Zimmer zur Disposition. Im Juli 

24* 



372 Dr. Th. Krüper: 

bekam ich aus Corfu einen Brief, worin er mittheilte, dass er 
ein Reisezelt anschaffen, einige Wochen in Thessalien reisen und 
dann nach Aetolico zurückkommen wollte, um später über Car- 
penisi, Lamia in die Türkei bis zur Donau zu gehn. Im Sep- 
tember schrieb ich von Athen aus einen Brief an den englischen 
Consul zu Missolungi, und erhielt durch den Dr. Nieder die Nach- 
richt, dass man nicht wisse, wo Herr Tindall sich augenblicklich 
aufhalte. Am 16. Oktober kam ich bei meiner Reise nach Deutsch- 
land nach Corfu, wo ich den Diener und Koch des Herrn Tin- 
dall — Namens Mathaeus, der im vorigen Jahre den englischen 
Ornithologen Simpson auf seiner Reise in Griechenland beglei- 
tete — aufsuchte. Durch denselben erfuhr ich, dass sein Herr 
nach England zurückgereist sei und beabsichtige, zu Weihnachten 
nach Griechenland zurückzukehren, um von dort seine Tour in 
die Türkei auszuführen. Von Ueckermünde aus theilte ich am J3. 
d. M. dem Herrn Tindall meine Ankunft mit und machte ihm 
den Vorschlag, die Rückreise nach Griechenland in Gesellschaft 
mit mir zu machen. Nun erhielt ich gestern einen Trauerbrief 
aus Scarborough vom 21. November, dessen Inhalt ich hier wört- 
lich anführe: 

„Werther Herr! Ich bin sehr betrübt, Sie zu benachrichtigen, 
dass Herr William Tindall sein Leben verloren hat am 2. d. M., 
indem er versuchte, das Leben mehrerer Schiffbrüchigen zu ret- 
ten; er und mehrere andere wurden gegen die Felsen geworfen 
und sogleich getödtet. 

Ich öffnete Ihren Brief, da ich einer von seinen Verwaltern 
bin. Ich verbleibe, mein Herr, 

Ihr 
W. Hebden." 

Diesem Briefe war noch eine Zeitung „Supplement extraor- 
dinary of the Scarborough gazette, of thursday, November the 
7th., 1861." beigefügt, aus der ich Folgendes entnehme und 
mittheile : 

In der Nacht zum Sonnabend den 2. November entstand 
ein heftiger Sturm, der um 3 und 4 Uhr am stärksten war. Die- 
ser Sturm richtete nicht nur in der Stadt Scarbro vielen Scha- 
den an, wo er die festgebauten Häuser zittern machte, die Dä- 
cher von Häusern und einer Kirche abdeckte, sondern auch in 
der See, wo viele Schiffe verunglückten. Am Nachmittage 4 Uhr 
versuchte der Schooner Coupland, der mit Granit beladen war/ 



Ornithologische Notizen über Griechenland. 373 

in den Hafen von Scarbro einzulaufen, strandete jedoch dicht 
vor dem Hafen. Das Rettungsboot wird bemannt und versucht, 
die Schiffbruchigen zu retten, kann aber selbst nicht gegen die 
Wogen ankämpfen und geräth in die grösste Gefahr vor den 
Augen von mehr als 100 Personen, die vom Walle aus zuschauen. 
Unter diesen Zuschauern befand sich auch mein Freund Tindall, 
der mit vielen andern den Wall hinabläuft, um die Mannschaft 
drs Rettungsbootes zu retten. Eine Woge reist ihn, sowie meh- 
rere andere hinein. Der Berichterstatter schreibt: „Zwei oder 
drei andere wurden unter dem Boote gesehn, als es sich hob 
mit der Welle. Einer von diesen war Herr Wm. Tindall, Sohn 
des verstorbenen John Tindall, Esq., Banquier dieses Ortes. Die- 
ser junge Gentleman war einer der ersten in der Todscene, und 
er fiel als Opfer seiner menschenfreundlichen Bemühungen. Er 
ist früher durch Gefahren zu Land und Gefahren zu Wasser in 
verschiedene Gegenden gegangen, aber es war ihm vorbehalten 
gewesen, sein Leben in einer edlen Sache grade an der Schwelle 
seines Hauses zu verlieren. Er wurde in dem Wasser zu jener 
Zeit gesehn, aber später wurde er nicht mehr gehört. Er war 
25 Jahr alt und war gelobt und geachtet von allen, die ihn kann- 
ten. Eine Belohnung von 20 Pfund St. wurde für die Auffin- 
dung seines Leichnams geboten." 

Durch den Tod des Herrn Tindall hat die Ornithologie einen 
eifrigen Förderer verloren! 

Aus London, am 26. November, schreibt mir Freund Simpson 
von dem traurigen Tode des Herrn Tindall und fügt hinzu : „Wir 
hatten die Absicht, ich und der arme Tindall, zusammen nach 
Griechenland zu reisen, und London gegen den 10. December 
zu verlassen. Nach seinem Tode habe ich keinen Gedanken an 
diese Reise; es ist wahrscheinlich, dass ich England diesen Win- 
ter nicht verlasse."] 

Der Lämmergeier, G y p agto * barhat u 9, 
kommt, in allen Theilen Griechenlands, die ich besuchte, vor; sein 
griechischer Name ist nicht allen Landleuten bekannt Früher 
glaubte ich, dass dem GypaVtos der Name mav^oaerog zukomme; 
erst im vorigen Jahre hörte ich, als Ich mit Herrn Simpson das 
Paar ckfr EOissura beobachtete, durch einen Hirtenknaben den wah- 
ren Namen; derselbe sagte ans, als ich ihn nach der Benennung 
des über uns Biegenden Lämmergeiers befragte, dass derselbe nicht 
öTttVQoaerog sondern 6%vd sei, und in der Thal Itczeichnet in Akar- 



374 Dr. Th. Krüper: ) 

nanien und Aetolien nur dieser Name unsern Vogel. Am Parnass 
nannte man ihn auch xActQct, im Peloponnesos am Taygetos wurde 
er schlecht weg derog genannt. 

Hört man den Namen Lämmergeier aussprechen, so erinnert 
man sich unwillkührlich an den kühnsten Räuber in der Vogel- 
welt und schaudert zusammen. So gebrandmarkt stellt sich die- 
ser Vogel vor das geistige Auge! Ist der Lämmergeier denn 
auch wirklich ein den Heerden und Menschen Furcht und Schrek- 
ken einflössendes und so schädliches Thier? Oder ist er ohne 
sein Zuthun in den Ruf gekommen, den er in den ornithologischen 
Schriften und Köpfen erhalten hat? Schon Dr. A. Brehm hat sich 
in seinem neusten Werke bemüht, den Lämmergeier in ein weni- 
ger dunkles Licht zu stellen. 

Der Lämmergeier wird als Bewohner der höchsten Gebirge 
betrachtet, von deren Spitzen er nie oder nur während der Win- 
terzeit hinabsteigt. In Griechenland bewohnt er weniger die höch- 
sten Kuppen der Gebirge, sondern mehr die mittlem Regionen 
und oft genug die Ebenen, wenn dieselben steile Schluchten in 
der Nähe haben. In Akarnanien, wo nicht sehr hohe Gebirge 
sind, beginnt sein Revier unmittelbar am Meere und reicht bis 
über die Berge. Was raubt denn dort in der Ebene dieser ge- 
fährliche Nachbar? Sucht er dort die Lämmer, Ziegen oder sogar 
die Kinder auf, um sie zu verspeisen? Man sieht ihn zuweilen 
in nicht grosser Höhe am Fusse eines gebüschreichen Berges 
kreisen, den Kopf nach unten gerichtet, spähend, plötzlich herab- 
fliegen und verschwinden. Sicherlich machte er in diesem Au- 
genblicke eine Beute! gewiss er hat eine Ziege? — nein, eine 
Schildkröte gefunden, die seinen Appetit stillen, oder seinen Jun- 
gen wohlschmecken soll. Um zu dem Fleische der Schildkröte 
zu gelangen, wirft er dieselbe aus der Höhe auf einen Felsen, 
damit sie zerschellt. Bisher hatte ich noch nicht Gelegenheit, die 
Zerschmetterungsmethode zu beobachten. Der Engländer Simp- 
son, der 1857 Algier bereiste, wo der Gypaetos häufiger sein 
soll, als in Griechenland, bestätigt das Verfahren und erzählte mir, 
dass jeder Vogel einen Felsen habe, auf den er die Schildkröten 
zertrümmert; solche Stellen sah Herr Simpson selbst. In Spa- 
nien soll der Lämmergeier, nach Brehm, ebenso mit den Knochen 
von grössern Thieren verfahren. Am 34. März d.J. besuchte ich 
den Horst eines Lämmergeiers bei Dragmana; unten an der nicht 



Ornitholog. Notizen über Griechenland. 375 

hohen Felswand lagen eine grosse Menge Bruchstücke von Schild- 
kröten, sowie verschiedene Knochen. 

Ueber das Urutgeschäft des Gypaeton sind bisher nur wenige 
Beobachtungen angestellt worden. Wie schwer es ist, den Horst 
desselben ausfindig zu machen, selbst wenn man sein Revier ge- 
nau kennt, davon mögen sich nur wenige meiner Leser eine Vor- 
stellung machen. Sagt man mir, der Vogel sei ja so gross, dass 
man nur aufzupassen habe, wenn er in sein Nest hineinfliegt, so 
erwiedre ich, dass der Geieradler, wenn er Eier oder Jungen hat, 
nicht stündlich zu Horste fliegt, sondern täglich vielleicht einmal 
dorthin zurückkehrt, zumal wenn er merkt, dass Menschen ihn be- 
obachten. Hat man den Hon-t gefunden, so kann man versichert 
sein, dass man ihn jährlich in derselben oder in einer benach- 
barten Höhle finden wird. Bisher habe ich selbst nur wenige 
Ncsthöhlen entdeckt. Um den Leser näher mit dem Lämmergeier 
und seiner Fortpflanzungsgcschichte bekannt zu machen, will ich 
soviel ich beobachtet habe, hier mittheilen. 

In Akarnanien befindet sich ein Pärchen in der grossen ato- 
lischen Klissura. Im Sommer 1858 hielt ich mich oftmals in der 
Klissura auf, hatte aber nie das Glück, einen Geieradler zu se- 
hen. Am 1. Juni 1859, als ich Herrn Simpson und Heeren zur 
Klissura führte, bemerkten wir beide alten Vögel an den hohen 
Felswänden hin und her fliegen. Simpson vermuthete aus Ana- 
logie mit den in Algier gesehenen Bruthöhlen, dass in einer ge- 
räumigen Höhle, etwa in der Mitte der höchsten Felswand, der 
Horst sein könne. Am 13. Februar J860 zog ich mit einem deut- 
schen Diener zur Klissura, wo wir uns in der Kaserne der Gens- 
dWmefl einquartirten: unsere Absicht war, den Horst des Geier- 
adlern aufzusuchen. In Begleitung eines Gens« f armen begannen 
wir am nächsten Tage von dem äussersten Ende der Klissura alle 
Felswände der nördlichen Seite abzusuchen, wobei verschiedene 
Schüsse getaac wurden. Wählend des Tages sahen wir mehr- 
mals einen Lämmergeier allein umherfliegen, weshalb wir vermu- 
theten. dass der andere im Horste sein wurde. Am dritten Tag« 1 

<n wir zur andern Seite hinauf: unsere Bemühung blieb eben- 
falls erfolglos; deU männlichen Geiör sahen wir ruhig umherflie- 
gen. Wir kehrten zur Ka-erne zurück und beschlossen . da 6g 

noch nicht Abend war, nach Aetolico zurückzukehren. Unser Ge- 
päck wurde den schwer mit Tabaek belasteten Mnulthiercn noch 
aufgebürdet. Missgeatimml aber den Verlust von 9 Tagen tra- 



376 Dr. Th. Krüper: 

ten wir den Rückweg an. Ungefähr in der Mitte der Klissura 
bemerkten wir den von dem Seestrande herkommenden Lämmer- 
geier , der einer hoch gelegenen Felswand zueilt und in einer 
Höhle verschwindet. Deutlich konnten wir das Freudegeschrei 
vernehmen : nach einer halben Minute zog derselbe Vogel wieder 
fort, wir hatten den Horst entdeckt. Da wir nicht wieder um- 
kehren konnten, beschlossen wir, in den folgenden Tagen zurück- 
zukehren, um den Horst auszuheben. Ein Unfall meines Beglei- 
ters am 16. Februar hielt mich von meinem Vorhaben ab. Erst 
am 1. März kam ich mit Herrn Simpson und dessen Begleiter 
zur Klissura zurück. Schon am 7. Februar hatte Simpson zwei 
Lämmergeier dort bemerkt, von denen der eine in jene oben er- 
wähnte Höhle in der Mitte der höchsten Felswand hineingeflo- 
gen sein soll. Dass die Höhle nicht der Brutplatz war, davon 
war ich überzeugt. Wir stiegen zu dem von mir gefundenen 
Horste hinan; da ich die Höhle in der Felswand nicht wiederse- 
hen konnte, Hess ich meine Begleiter zurück, ging höher hinauf, 
verfehlte aber die Schlucht. Nach 2 Flintenschüssen zeigten sich 
mehrere braune Geier, sowie ein Gypaetos, der nicht hoch über 
mir kreiste und endlich auf der entgegengesetzten Seite auf ei- 
nem Felsabsatze sich niederliess. Von den Seen von Vrachori 
kam der zweite Gypaetos zur Klissura, verschwand jedoch bald 
meinen Blicken. Jetzt gehe ich zum Herrn Simpson hinab, der 
keinen von den Lämmergeiern gesehen hatte, da er mit dem Fern- 
rohre die Horste der braunen Geier auszuspähn versuchte. Hir- 
tenknaben, die sich uns zugesellten, konnten uns keine Auskunft 
über den verlornen Horst geben. Während unseres Gespräches 
kommt der Gypaetos herbei und fliegt gerade in seine Bruthöhle 
zurück, der wir so nahe waren, dass wir deutlich den Rand des 
aus Zweigen gebauten Horstes sehen konnten. Von unten ab 
war der Höhle nicht beizukommen. Einer der Knaben wurde 
gedungen, um uns einen Pfad hinauf zu zeigen; derselbe wurde 
so steil, dass unsere Hunde und einer unserer Begleiter nicht 
folgen konnten. Unsere Bemühungen blieben erfolglos, da sich 
Niemand hinablassen wollte: die Felswand war etwas überhän- 
gend, so dass das Seil c. 20 Fuss von der Höhle abblieb. Ein 
Hirte schlug nun vor, dass wir am folgenden Tage wiederkom- 
men sollten, da sein jüngerer Bruder sich hinablassen werde. Wir 
versprachen es und kehrten am nächsten Tage von Aetolico zurück. 
Der Bursche von 14 Jahren war da; er forderte 6 spanische Tha* 



Ornitholog. Notizen über Griechenland. 377 

ler (c. 9 Thlr Pr. Ort.); Herr Simpson bot ihm die Hälfte, wo- 
rüber sie sich nicht einigten, da der Bursche überhaupt nicht 
den Muth zum Hinablassen zu haben schien. Un verrichteter Sa- 
che kehrten wir auch jetzt nach Aetolico zurück und störten den 
Geieradler im vorigen Jahre nicht mehr. 

In diesem Jahre stieg ich allein zum Brutplatze hinan; in 
einer Entfernung, in der ich den Horst schon sehen konnte, 
schoss ich meine Flinte ab, um den Lämmergeier hinauszuscheu- 
chen. Da er nicht erschien, stieg ich beinahe bis zum Fusse 
der Felswand: mein Lärmen und Händeklatschen störten das 
grosse Thier auf, welches einige Kreise in der Luft beschrieb 
und in die Höhle zurückkehrte; zweimal jagte ich ihn noch hin- 
aus. Einige Tage später Hess ich Versuche machen, den Horst 
zu erreichen; am 19. Februar kam mein Steiger bis zur Höhle, 
konnte jedoch der Entfernung wegen das einzige im Horste lie- 
gende Ei nicht nehmen. Von nun an wurde der Vogel nicht 
mehr gestört. Im nächsten Jahre wird es jedenfalls gelingen, 
das Ei zu nehmen. 

Ein zweiter Geierhorst befindet sich dort in einer von einem 
Bache gebildeten Felswand; der Horst wurde erst in diesem 
Jahre meinem Steiger nachgewiesen, als er schon ein Junges 
enthielt. Am 7. Mai liess ich mir diese Brutstelle zeigen: die 
Lämmergeier sah ich an diesem Tage eben so wenig als früher, 
so oft ich auch die Schlucht besucht hatte. 

Ein dritter Brutplatz findet sich in der Schlucht bei Aeto- 
lico: die 2 benachbarten Horste lernte ich erst in diesem Jahre 
kennen; bisher hatte ich stets vergebens darnach gesucht. Da 
im vorigen Winter wahrscheinlich einer von diesem Paare erlegt 
war, blieben diese Horste in diesem Jahre anbewohnt. 

Ein vierter Brutplatz des Lämmergeiers in Akarnanieii be- 
findet sich im Varassova -Gebirge; den Horst ausfindig zu ma- 
chen gelang mir bisher nicht. Am 22. Februar d. J. bemerkten 
wir den Gyparto* in der sogenannten Prassnla. als wir verschie- 
dene Pistolenschüsse thaten, um die braunen Geier aus den Brut- 
höhlen zu treiben. Diese Schüsse riefen auch einen Lämmer- 
geier herbei, der an beiden Seiten der Felswand entlang 

jedoch nach einer Stunde wiederum verschwand. Am 11. Mai 
sahen wir denselben Wieder, als Wir nach den Morsten der . Va- 
geier suchten. 

Am Parnassgebirge, wo <\w Lämmergeier von den Hirten 



378 Dr. Th. Krüper: 

durchaus nicht gefürchtet wird, giebt es nach meinen bisherigen 
Beobachtungen 6 — 7, vielleicht 8 Brutpaare; mit voller Sicherheit 
kenne ich erst einen Horst von diesen ; einen zweiten vom Paare 
bei Agoriani fanden wir am 26. Mai d. J., als ein heftiger Regen 
das Paar in die Höhle trieb. Die Horste der übrigen sind so- 
wohl mir als auch sämmtlichen Hirten des Parnasses unbekannt, 
wenngleich auch einige behaupten, einen oder den anderen Horst 
zu kennen. Trotz ausgebotener Belohnungen hat mir Keiner si- 
chere Auskunft gegeben. Der mir bekannte Horst befindet sich 
bei Dragmana; am 7. April 1S60 suchte ich mit einem Griechen 
in einer Thalschlucht nach Adlerhorsten, als zwei Lämmergeier 
durch ihr ängstliches und beinah sorgloses Wesen zu erkennen 
gaben, dass ihr Brutplatz in der Nähe sei. Oftmals sassen sie 
innerhalb der Schussweite auf einem Steine, dann flogen sie nie- 
drig in der Schlucht umher. Wir fanden den Horst nicht. Auf 
dem Heimwege trafen wir einen Bauer, der uns berichtete, dass 
an demselben Tage ein Hirte an dem gegenüberstehenden Felsen 
einen jungen Geieradler aus dem Horste genommen und getödtet 
habe. Am J4. März d. J. begab ich mich mit meinem Steiger dort- 
hin, um den Horst kennen zu lernen und vielleicht das Ei zu 
nehmen; ohne Schwierigkeit fanden wir den mächtigen Horst, 
der von starken Zweigen gebaut und mit verschiedenen Thier- 
haaren, besonders von Ziegen, ganz durchwebt war; er war ganz 
flach und verhältnissmässig weich ausgepolstert; an den benach- 
barten Felsen konnten wir so hoch steigen, dass wir den ganzen 
Horst, der Nichts enthielt, übersehen konnten. Unten an der 
Felswand waren eine Menge Knochen und Schildkrötenschaalen, 
wie oben schon berichtet, zwischen den Steinen zerstreut. Dass 
diese Gegend vom Lämmergeier nicht gänzlich verlassen war, 
sahen wir an einem alten dort umherschweifenden Vogel. Wir 
zogen weiter, um die Felswände des Klosters St. Elias zu unter- 
suchen; auf dem Wege dorthin trafen wir einen Hirten, der uns 
versicherte, dass er den Lämmergeier in dem eben verlassenen 
Thale öfters aus einer Felshöhle hinausgejagt habe; dieselbe be- 
fand sich jedoch an der anderen, im vorigen Jahre untersuchten 
Seite. Am nächsten Tage eilten wir dorthin zurück und wirklich 
flog aus der bezeichneten Höhle der gesuchte Vogel; bei dem 
Fortfliegen vernahm ich eine feine Stimme, die ich von einem 
jungen Vogel kommend behauptete, was mein Begleiter jedoch 
nicht zugeben wollte. Ohne grosse Schwierigkeit erreichte die- 



Ornitholog. Notizen über Griechenland. 379 

ser die Höhle und fand ein c. 3 Wochen altes .Junges darin, des- 
sen Tafel mit Knochen, einem ganzen Eselsfusse, Schildkröten 
reich bedeckt war. Wir Messen den Sohn des Königs der Lüfte 
unangetastet. Beide Eltern nahten und stiessen zuweilen ein Pfei- 
fen, welches dem eines Hirten nicht unähnlich klang, aus. Am 
21. Mai sass der junge Lämmergeier noch iu seiner Wiege; seine 
Eltern waren jetzt noch ängstlicher um ihn besorgt als früher. 
Jedenfalls ist derselbe unbeschädigt ausgeflogen; im nächsten 
Jahre werde ich diesen Horst zeitiger untersuchen lassen. Die 
Legezeit dieses Paares fällt nach meiner Berechnung in die er- 
ste Hälfte des Januar; in den Tagen vom 20—25 Februar ist das 
Junge ausgeschlüpft; die Brütezeit schätze ich auf 6 Wochen. — 
Im Veluchi-Gebirge kenne ich nur 2 Brutplätze; den einen glau- 
ben wir zwischen Thyrska und Coprina durch einen in die Höhle 
fliegenden Lämmergeier am 5. Juli d. J. entdeckt zu haben, der 
zweite einem Hirten bekannte ist bei Sello. 

Im Taygetos- Gebirge sind mir 3 Brutgegenden bekannt ge- 
worden: die eine unterhalb des Dorfes Althomyra, die zweite 
oberhalb Andruvista in der grossen Gebirgsschlucht, die dritte bei 
dem Dorfe Anavriti oberhalb Sparta. Im Taygetos müssen noch 
mehrere Brutplätze zu entdecken sein, da das Terrain sehr gün- 
stig ist. In der Gefangenschaft wird der jung aufgezogene Läm- 
mergeier sehr zahm, er erkennt seinen Wärter und nimmt dessen 
Liebkosungen mit grossem Behagen auf. Einen solchen besitzt 
der Herr Director v. Heldrcich in Athen auf seinem Hofe. Dr. 
Brehm theilt mit, dass sein junger Geieradler in Spanien durch- 
aus nicht habe Vögel fressen wollen; der Athener verschlingt 
mit Behagen die Leiber der vom Herrn Schrader für das Mixt- 
um präparirten Vögel, ja sogar verschmähte er nicht das ihm 
dargereichte Weissbrot. Obgleich ich diesen Lämmergeier nicht 
zu oft besuchte, so kannte er mich doch, und Hess Sich gern von 
mir streicheln; was er von ganz fremden Personen nicht zu lei- 
den SChien. (Fortsetiuns folgt.) 

Literarische Berichte. 

Fauna van Nedorland, door H. Schlegel en J. A. Herklots, 
deisst ein bei P. W. M. Trap in Leiden erscheinendes Werk. 
d(S( ii zweit» i TheihDe Vogels van Nederland door H. Sohle- 
gel, 1854 — 1858 — in 45 Bogen kurz Octav •TeQDl und 362 Uli- 



380 Dr. E. Baldamus, Bericht über 

minirten Steindruck-Tafeln vor uns liegt. Ueber die Entstehung 
dieses Werkchens sagt Dr. Schlegel in der Vorrede, dass er der 
Aufforderung des Dr. J. A. Herklots, sich bei dessen Fauna der 
Niederlande zu betheiligen, vorbereitet durch die Resultate seiner 
seit mehr als 30 Jahren in der Natur gemachten Studien und 
Beobachtungen, und eine Menge von nach der Natur entworfenen 
Studien, Skizzen und Zeichnungen der einheimischen Vögel, leicht 
habe entsprechen können. Der Plan des Werkchens ist: „getreue 
Abbildungen und kurze Beschreibungen aller bis jetzt in den Nie- 
derlanden im wilden Zustande beobachteten Vögel zu geben. Für 
jede Art wurde die sie am meisten kennzeichnende Stellung ge- 
wählt. Genauigkeit der Zeichnung wurde in den Vordergrund 
gestellt, und darnach getrachtet, die grö sstmögliche Kraft im 
Kolorit zu erreichen, ohne doch die Wahrheit zu überschreiten 
oder der Kunst Concessionen zu machen, welche den wissenschaft- 
lichen Werth der Abbildungen benachth eiligen könnten. Die Land- 
schaften oder die Staffage der Tafeln sind im Allgemeinen den 
Orten entlehnt, wo die verschiedenen Arten beobachtet wur- 
den. Bei der Beschreibung wurden die Beobachtungen S's. 
über das Nachwachsen und die Verfärbung der Federn 
zu Grunde gelegt. Man wird sehen, dass demzufolge viele 
Ergebnisse anders sind, als die meiner Vorgänger, dass die Wis- 
senschaft hierdurch sehr vereinfacht wird, aber zugleich auch, dass 
es noch grosse Lücken in der Kenntniss vieler gewöhnlichen Ar- 
ten giebt, über die man seit lange im Klaren zu sein glaubte. Al- 
lein durch fortgesetzte neue Beobachtungen, angestellt mit Rück- 
sicht auf den höheren Standpunkt und die jetzigen Forderungen 
der Wissenschaft, kann man hoffen, diese Lücken mit der Zeit 
auszufüllen." 

Der H. Verf. hat uns damit selber den Maassstab zurBeur- 
theilung seines Werkes in die Hand gegeben. Was zunächst die 
Abbildungen — nach der Natur entworfen, also Originalzeichnun- 
gen, und nicht Copieen der Naumannschen Figuren, wie sie in so 
vielen neueren Werken bis zum Ueberdruss wiederholt werden — 
anlangt, so ist im Allgemeinen der Effekt, trotz der Einfachheit 
der Mittel, doch ein guter. Die Zeichnung ist fast ohne Aus- 
nahme, stets correkt, wie das von einem Meister nicht anders 
zu erwarten ist; die Stellung fast immer die charakterisirende, 
den geistreichen Beobachter verrathende; das Colorit fast immer 
vortrefflich und von seltener Genauigkeit, meist gehoben durch 



H. Schlegel: De Vogels van Nedcrland. 881 

die mindestens nach einer Richtung hin charakterisirende Staffage 
„het bijwerk," das wir, abgeseheji von dem künstlerischen Effekt, 
in einer doch auch das populäre Element berücksichtigenden Lan- 
des-Fauna ganz an der Stelle finden. Dazu passt die gefällige 
Form des Kurzoctav-Formats der Tafeln, die dazu hilft dem Werke 
ein angenehmes, selbst elegantes Aeussere zu geben. 

Die Beschreibungen, kurz und bündig, und dabei deutlich 
und meist genügend, erstrecken sich auf die verschiedenen Ge- 
schlechter, Jugend und Alter. Ebenso kurz ist Verbreitung, Auf- 
enthalt, Fortpflanzung, Nahrung, Nutzen und Schaden angegeben. 
Auffallend ist, dass die Normalzahl der Eier zuweilen — bei vie- 
len Arten um eins bei manchen selbst um 2 — zu niedrig ange- 
geben ist.*) 

Es sind 283 Arten als in den Niederlanden vorgekommen 
aufgeführt. Einige Arten mögen sich den scharfen Augen des 
Verf. bisher entzogen haben, und wir würden uns nicht wundern, 
wenn z. B. Sylvia nisoria und Calamoh. aquatica nachträglich ge- 
funden würden. Die erstere glaube ich selbst einmal in Holland 
gesehen und gehört zu haben. Von diesen 283 Arten sind etwa 
170 heimisch, d. h. sie brüten in Holland, und unter diesen sind 
einige Arten, die in Deutschland gar nicht oder an den äusser- 
sten Ost- und Südostgrenzen brüten. Dahin gehören C. luscinioi- 
des Ardea purpurea, nyeticorax, Flatalea leucerodius, Phalacroco- 
rax cormoranus u. v. a. 

Von allgemeinem, das local-faunistische überragendem Intresse 
sind die mancherlei Berichtigungen über europ. Vögel und die von 
der früheren Ansicht abweichenden Angaben über den Wechsel 
der Kleider. Wir würden weit über den uns zustehenden Raum 
dieser Bl. hinausgehen müssen, wollten wir in die vielen interes- 
santen Einzelheiten in dieser Richtung eingehen, und fügen wir 
noch hinzu, dass auch die meist kurze kritische Angabe der Ar- 
ten und Racen des übrigen Europa und deren Repräsentanten in 
den anderen Erdtheilen das Werk allen Ornithologen zum Bedürf- 
nisse macht. Dabei empfiehlt sich dasselbe durch seine grosse 
Billigkeit. 

Dr. E. Baldamus. 



*) So z. B. sind bei F. subbuteo und tinnunculus 3-4, statt 5 -7; bei 
Circ. rufus, cyaneus gleichfalls 3 4 statt 5- G; bei A. nisus 3—4 statt 5 
bis 7 angegeben. 



382 Ch. F. Dubois: Oiseaux de la Belgique. — Dr. Altum: 

Ch. F. Dubois. Planches coloriees des Oiseaux de la Bel- 
gique et de leurs Oeufs. Tome III, avec 162 Planches. Bru- 
xelles 1860, chez Muquardt. 

Seit der Anzeige des II. Bandes (s. d. Journ. Jahrg. 1859, 
S. 120 u. ff.) ist auch dieses mit Eifer und Fleiss begonnene und 
in der gefälligen naturgetreuen Darstellung der Abbildungen einen 
steten erfreulichen Fortschritt bekundende Unternehmen zum be- 
friedigenden Abschlüsse gelangt. Mit der 141. Lieferung schliesst 
der III. Band der Vögel Belgiens. Die Tafeln 191—300 enthalten 
den Schluss der Grallatores und die gesammten Natat07'es. Auf 
Taf. XXXVII. — LXXIV sind die Eier sämmtlicher dargestellter 
Arten abgebildet. 

Im Hinweis auf unsere früheren ausführlicheren Besprechun- 
gen in diesem Journale können wir nunmehr die Liebhaber der 
europäischen Ornis auf das vollendete Werk selbst verweisen, um 
so mehr, als die ansprechenden Abbildungen nicht verfehlen wer- 
den auf den Beschauer einen empfehlenden Eindruck zu machen. 
Wir wollen daher nur noch darauf hinweisen, dass, nach Absicht 
des Verfassers, die Vögel Belgiens, welche für sich ein Ganzes 
bilden, zugleich als „l re Serie" der „Planches colorides des Oi- 
seaux de l'Europe" zu betrachten sind. Die „2 de S£rie" soll eben- 
falls für sich ein Ganzes bilden (zugleich aber auch als Ergän- 
zung der 1. Abtheilung dienen,) und sämmtliche seltene europäi- 
sche Vögel, darunter viele bis jetzt gar nicht abgebildete, zur Dar- 
stellung bringen. Jährlich sollen 16 Lieferungen (ä 3 Tafeln 
mit Text zum Preise von 2-J Francs) erscheinen. Indem wir vor- 
läufig auf die Subscription verweisen, glauben wir das Unterneh- 
men um so eher empfehlen zu können, als durch die regelmässige, 
prompte Vollendung der ersten Abtheilung, auch der sichere Fort- 
gang der zweiten Serie verbürgt erscheint. 

Dr. Cabanis. 



Briefliche Ilittiieiluiigen , Oecono- 
misches und Feuilleton. 



Vicus nwmiüicus im Miinsterlande erlegt. 

Die erste Woche nach Ostern d. J. brachte ich auf Haus 
Geist bei Oelde zu und begab mich am 3. April in's Geister- 
Holz, einem theilweise gemischten, noch mit uralten Bäumen be- 
standenen interessanten Walde, um ausser Anderem auch Picus 



Picxis numidicus im Münsterlande erlegt. 383 

major fem. zu erlegen, weil das einzige Exemplar unsere- akade- 
mischen zool. Museums kurz vorher bedeutenden Schaden genom- 
men hatte. Die Pici (der Wald beherbergt eine grosse Meng« von 
Buntspechten) jagten sieh zur Paarung Deckend umher, und ich fing 
an zu lecken (pochen). Auf der Stelle setzte sieh der gewünschte 
weibliche Rothspecht in meine Nähe und ward erlegt und ferpackt 
Schon im Begriff weiter zu gehen, entsehloss ich mich, aueli das 
Männchen zu schiessen, damit ich auf dem Museum ein schönes 
frisches Paar hätte. Auf mein Pochen kommt auch dieses. Al- 
lein, wie gross war mein Erstaunen als ich es von der Erde auf- 
nehme und nicht Picus major sondern major mit den inten- 
siv r o t h e n V c r b i n d u n g s s t r e i f e n zwischen den seitli- 
chen schwarzen Brust flecken, also numidicus in der 11 and 
halte. Erst hielt ich die Zeichnung für Blut, da mir ein solches 
nur für Afrika und Spanien bekanntes Kleid für unser Münster- 
land zu merkwürdig war. Allein es war und blieb ein schön rothes 
natürliches Band, mit den unteren Schwanzfedern von gleichem 
Farbentone. Meine Vergleichung mit anderen Rothspechten con- 
statirte nur sehr geringe anderweitige Verschiedenheit, wie ja 
überhaupt kein Individuum dem anderen ganz vollständig gleicht; 
auch das zu diesem numidicus gehörende Weibchen war anderen 
weiblichen grossen Buntspechten gleich. — Ich musterte darauf 
später zu Haus das spärlich mir zu Gebote stehende Material, und 
siehe, ich fand zwei Junge (mit rother Kopfplatte), welche eben- 
falls in 2 — 3 Federn dieses rothe Brustband, freilich blass aber 
doch hinreichend deutlich, an sich trugen, — und bin fest über- 
zeugt, dass, wenn man eine Menge dieser höchst nützlichen Vö- 
gel der Wissenschaft opfern wollte, sich dieses Kleid mehrfach bei 
uns finden würde. Doch wer schiesst einen Rothspecht?! Nur 
der unbedachtsamc Knabe kann sich dazu verstehen, und wie 
würde es mir eingefallen sein, darnach zu fahnden ohne die er- 
wähnte Calamität unseres Exemplars. Was ich übrigens nach die- 
sen Erfahrungen von dcrSpeciesdignitätdes?w?w7//n/x halte, brauche 
ich wohl nicht ausdrücklich zu bemerken. Die ganze Gruppe der 
Bothspechte, cruentatus, himalayensis, major, numidicus und wie sie 
heisset] mögen, scheint mir der Revision sehr bedürftig und mochte 
ich Fachmännern, denen literarisches sowohl als naturhistoriseln - 
Material zur Genüge zur Hand ist, besonders dein" Herausgeber 
dieses Journals, selbe recht warm ans Herz legen, und bitte hier 
gleich um eine Nachschrift. 



384 Dr. Ludw. Brehm: 

Am 20. Juli wurde ganz in der Nähe von Münster ein Vultvr 
fulvus geschossen. 

Münster, 29. October 1861. Dr. Altum. 

Nachschrift. Für die genaue und kritische Sichtung aller 
bekannten Specht-Arten überhaupt, verweisen wir auf die seit ei- 
nigen Jahren als Prachtwerk in der Publikation begriffene „Mo- 
nographie des Picide's par M. Alfred Malherbe", President de 
la Socie'te' d'Histoire naturelle, etc. ä Metz. Der genannte Herr 
Verfasser, welcher seit mehr denn 20 Jahren unermüdlich dem 
Studium der Spechte sich widmete, ist unbedingt der competen- 
teste Kenner der gesammten Familie der Picidae. Wir möchten 
daher eine Zusendung des im Münsterlande erlegten interessan- 
ten Exemplares an Mr. Malherbe zur definitiven Erledigung 
event. Aufnahme in dessen Monographie als besonders zweckdien- 
lich empfehlen. Der Herausgeber. 



Beschreibung seltener Drosseln. 

Von 
Dr. Ludwig Brehm. 
Herr Wilm, ein junger Kaufmann in St. Petersburg, ist ein 
grosser Freund der Stubenvögel und hat über sie recht hübsche 
Beobachtungen angestellt, welche wir nächstens bekannt machen 
werden. Er bekümmert sich aber um die Vögelkunde überhaupt 
und hat mir grossmüthiger Weise zu meinem letzten Geburtstage 
und später ein Geschenk mit Vögeln gemacht, welche ihn 50 Thlr. 
gekostet haben, was ich ihm, da ich ihm nichts dagegen zu bie- 
ten weiss, nicht genug verdanken kann. Dadurch bin ich in den 
Stand gesetzt, den Freunden der Vögelkunde eine Beschreibung 
der seltenen Drossel zu geben, welche gewiss jeden Leser die- 
ser Blätter mit Dank gegen den edeln Geber erfüllen wird. 

Turdus varius besitze ich zwar; aber da ich ihn nicht mit Turdus 
Whitii vergleichen kann : gebeich keine Beschreibung von ihm. 
Turdus ruficollis Pall. 
Das Männchen: Dieses ist sehr leicht zu erkennen an 
dem Rostroth, welches fast den ganzen Unterkörper bedeckt. Diese 
Drossel ist deswegen mit keiner anderen zu verwechseln; denn 
Turdus migratorius und rufiventris haben nicht nur ein ganz ande- 
res Roth, sondern auch gar keins am Halse, an welchem dieses 
bei T. ruficollis am ausgebreitetsten ist. Die rothhalsige Drossel 



Beschreibung seltener Drosseln. 385 

hält in der Grösse die Mitte zwischem unserem Turdus pilaris 
und musicus] sie ist 8" 8'" par. M. lang, wovon auf den Schwanz 
3" 4'" gehen. Der Flügel misst vom Buge an 4" 8"'. Der Schna- 
bel ist am getrockneten Vogel, auf dem Rücken und an der Spitze, 
matt hornschwärzlich, BD der Wurzel des Unterkiefers, hornfarben : 
die Füsse und Nägel sind dunkelhornfarben, über d^n Augen ein 
breiter rostrother Fleck: der Oberkopf' ist sehr dunkelgrau, der 
Hinterhals und Oberrücken grau, hin und wieder rostroth ange- 
flogen; der Unterrücken, Bürzel, der Schwanz und seine Ober- und 
Unterdeckfedern sind rostroth, die 8 mittleren Steuer- und ihre 
Deckfedern zumTheil dunkelbraun; die Schwungfedern sind schärz- 
lichgrau, auf der inneren Fahne zum Theil rostfarben, auf der äus- 
seren so gekantet; die Oberflügeldeckfedern sind tiefgrau, auf der 
äusseren Fahne rostfarben gekantet, der tiefgraue Unterflügel ist 
wegen der Rostfarbe auf der inneren Fahne der Schwungfedern 
grössten Theils rostfarben, an den Unterflügeldeckfedern rostroth; 
die Backen sind tiefgrau; ein Streif über den Augen ist gelblich 
weiss; der ganze Yordcrhals, der Kropf, die Kopf-, Hals-, Brust- 
und Bauchseiten sind rostroth, von der Brust an mit weissen Spit- 
zenkanten. Die Mitte der Unterbrust und des Bauches ist rein weiss. 
Das alte Weibchen ist eben so gross, als das Männchen, aber 
ganz anders gezeichnet. Der Oberkopf, die Backen, der Hinter- 
hals und ganze Rücken, der Bürzel und die Oberschwanzdeckfe- 
dern sind grau. Die Schwungfedern schwarzgrau, auf der inne- 
ren Fahne zum Theil rostgclblich-weissgrau mit grünlichgrauem 
Saume; die tiefgrauen Oberflügeldeckfedern mit grüngrauen Fe- 
derkanten, der Unterflügel ist grau, etwas rostfarben angeflogen, 
die Steuerfedern sind mattrostfarben, von der 2. an auf der aus- 
sersten Fahne schwarzbraun gekantet; was an den beiden mitt- 
leren auch auf die innere Fahne übergeht und einen grossen Theil 
der Feder einnimmt. Der V orderhals ist mattrostfarben, was sieh 
auch auf die Halsseiten erstreckt, an der Kehle und Gurgel schwärz- 
lich gestreift, an dem Kröpfe durch weissgraue Spitzenkanten un- 
terbrochen ist. Der übrige Unterkörper ist schmutzigweiss. an 
den Seiten der Oberbrust etwas rostbraun: von da an kaum merk- 
lich grau gefleckt, die Unterschwanzdeckfedern sind weisslich rost- 
farben überflogen. 

Diese beiden Vögel, welche mir Herr Wilm zu senden die 
Güte hatte, stammen aus Sibirien. 

Journ. f, Oruitli., X. Jahrg. Nr. 5^, SfpU'inber löW. '23 



386 Dr. Ludw. Brehm: 

2. Turdus atrigularis. 

Diese Drossel hat mit der vorhergehenden gleiche Grösse, 
sie ist 8" 6'" bis 8"' lang, wovon auf den Schwanz 3" 5"' gehen, 
der Flügel misst vom Buge an 4" 6"'. 

Das Männchen im ersten Herbstkleide. Der Schnabel 
ist hornschwarz, an den hinteren Seiten des Unterkiefers horn- 
farben; die Füsse sind hornbraun. Der ganze Oberkörper ist sehr 
tiefgrau, auf dem Kopfe mit verdeckten schwärzlichen Längestrei- 
fen; die Schwung- und Steuerfedern sind schwarzgrau, die erste- 
ren an der inneren Fahne lichter, nahe an der Wurzel weiss, auf 
der äusseren Fahne grau gesäumt. Die Oberflügeldeckfedern sind 
sehr tiefgrau, die längeren hellgrau, an der Spitze weissgrau ge- 
säumt, wodurch eine schmale helle Binde auf dem Flügel entsteht. 
Der tiefgraue Unterflügel ist an seinen Deckfedern rostfarben. 
Der Vorderhals und Kropf schwarz mit breiten grauweissen Fe- 
derkanten; der übrige Unterkörper schmutzigweiss, an den Sei- 
ten grau und kaum merklich tiefgrau in die Länge gefleckt. 

Dieses Männchen wurde am 10. September 1843 in Vorder- 
Asien geschossen. Ich erhielt es von dem seligen Professor Dr. 
Eversmann zu Kasan. 

Ein altes Weibchen: Der Oberkörper ist wie bei dem 
Männchen, nur etwas lichter, auf dem Kopfe ohne dunkle Strei- 
fen und auf dem Flügel ohne helle Binde. Die Unterflügeldeck- 
federn sind ebenfalls rostfarben. Das Kinn und die Gurgel sind 
weisslich mit schwarzen Längestreifen, der Kropf ist schwarz mit 
breiten weisslichen Kanten; der übrige Unterkörper ist weisslich, 
auf den Seiten grau mit hellbraunen Schaftstreifen. Dieses Weib- 
chen wurde am 10. October 18J7 auf dem Thüringer Walde ge- 
fangen. 

3. Turdus Naumanni Temm. 

Die Naumanns-Drossel ist bedeutend kleiner, als die beiden 
vorhergehenden, nur 8" lang, wovon auf den Schwanz 3" kom- 
men. Der Flügel misst vom Buge bis zur Spitze 4". 

Der Schnabel ist hornschwarz, an der Wurzel des Unterkie- 
fers hornfarben; die Füsse sind hellbraun. 

Das alte Männchen. Ueber dem Auge ein mattgelber 
Streif; der Oberkopf und die Backen sind dunkelbraun, der ers- 
tere mit schwarzen Längeflecken, der Hinterhals und Oberrücken 
braungrau, sanft rostfarben überflogen mit wenig vortretenden tief- 
braunen Flecken, auf dem Unterrücken und Bürzel tritt das Rost- 



Beschreibung seltener Drosseln. 387 

färben mehr hervor! Die Steuer- und längsten Oberschwanzdeck- 
federn sind tiefbraun ; die Schwungfedern schwärzlich, auf der 
inneren Fahne grossen Theils rostfarben, auf der äusseren dun- 
kelrostfarben gekantet, was nach hinten zu immer breiter wird; 
die Oberflügeldeckfedern sind braun, rostfarben gekantet, wodurch 
2 wenig bemerkbare helle Binden auf den Flügeln entstehen. 
Der Unterflügel ist rostfarben, an den Unterflügeldeckfedern hoch- 
rostfarben. Der Unterkörper weiss, an der Gurgel ins Gelbliche 
ziehend; hier und da an der Kehle schwärzlich gepunktet, an dem 
Obertheile des Kropfes mit braunschwarzen Fleken, welche einen 
unterbrochenen Ring bilden, unter diesem steht ein gelbweisser 
Ring ohne Flecken, an welchen die grossen schwarzen, einen in 
der Mitte unterbrochenen Ring bildenden, die ganzen Seiten zie- 
renden Flecken stossen. Das beschriebene Stück ist ein altes 
Männchen im Herbstkleide aus Japan. 

Das alte Weibchen ist etwas kleiner als das Männchen 
und auf dem Oberkörper ihm ähnlich gezeichnet, nur zieht der 
Rücken weniger in das Rostfarbige und hat auch kaum bemerk- 
bare dunkele Flecken; die Unterflügeldeckfedern sind ebenfalls 
hochrostfarben. Der Unterkörper ist von dem des Männchens 
sehr verschieden, auch er ist weiss, hat aber weit weniger dunkle 
Flecken als bei dem Männchen. Die Kehle und Obergurgel ist 
rein weiss, nur an den Seiten mit einer Reihe schwärzlicher Punkte 
besetzt; an der Untcrgurgel steht ein unterbrochener schmaler, 
aus schwärzlichen Fleckchen gebildeter Ring, unter diesem ein 
weisser, an welchen sich ein in der Mitte unterbrochener schma- 
ler, schwarzer anschliesst. Diese 3 Ringe werden durch einen 
grossen schwarzen Seitenfleck mit einander verbunden. An den 
Seiten bemerkt man nur wenige rostbraune Flecken. 

Dieses Weibchen, welches ich auch meinem theuern Wilm 
verdanke, ist ein alter, in Sibirien eflegter Frühlingsvogel. Glo- 
ger war, wie ich schon in meinem Handbuche p. p. S. 391 bemerkt 
habe, geneigt, TurcJus Naumanni und riificollis für eine und die- 
selbe Art zu halten. Diess lässt sich nur daraus erklären, das 
damals den sehr seltenen T. ruße, noch nicht gesehen hatte. Jet/t 
wird er gewiss ganz anderer Meinung sein, und deswegen enthalte 
ich mich aller weiteren Auseinandersetzungen dieses lrrthums. 

Aber mit einer anderen sibirischen Drossehut ist Tunlu* Nau- 
manni zu verwechseln und wirklich verwechselt worden. Di. 

25» 



388 Dr. Ludw. Brehm: 

4. Turdus fuscattcs Pallas. 

Ich freue mich deswegen gar sehr, dass Herr Wilm mir auch 
diesen aus Sibirien stammenden Vogel zugesandt und mich da- 
durch in den Stand gesetzt hat, die Unterschiede beider Arten 
deutlich zu zeigen. 

Er ist vom Körper ebenso gross, als Turdus atrigularis, nur 
etwas weniger lang, weil sein Schwanz kürzer, als bei diesem ist. 
Er übertrifft also den Turdus Naumanni weit an Grösse. Die 
Länge des Männchens beträgt 8" 4"', wovon auf den Schwanz 3" 
3"' kommen. Der Flügel misst vom Buge bis" zur Spitze 4" 4'". 

Das alte Männchen. Schnabel und Füsse sind schwarz, über 
den Augen ein mattgelber Streif. Der Kopf, Nacken, Hinterhals, 
und Oberrücken, die Wangen und Halsseiten sind schwarz, gros- 
sen Theils mit rostgrauen, fast überall wenig vortretenden Fe- 
derkanten. Das Schwarzbraun des Unterrückens und Bürzels ist 
von den rostgrauen Spitzenkanten fast verdeckt. Die Schwung - 
und Oberflügeldeckfedern sind schwarz, aber mit so breiten rost- 
farbigen Kanten geziert, dass fast der ganze Oberflügel schön rost- 
farbig erscheint. Der Unterflügel ist matt-, an seinen Deckfedern 
hochrostfarben. Die Steuer- und Oberschwanzdeckfedern sind 
mattschwarz; der ganze Vorderhals ist gelblich, an den Seiten 
mit schwärzlichen Fleckchen eingefasst, übrigens ungefleckt. Auf 
dem Kröpfe steht ein breites schwarzes nicht unterbrochenes 
Querband; die Seiten sind mit grossen schwarzen und wenigen 
rostfarbigen, weissgekanteten Flecken bedeckt. Die Mitte der 
Brust, des Bauches und Afters ist weiss, der Unterschwanz matt- 
schwarz, an seinen Deckfedern braun mit rostgrauen und weissen 
Spitzen. 

Dieses Männchen unterscheidet sich wesentlich von dem gleich- 
alten des Turd. Naumann^ J. Durch die bedeutende Grösse. 

2. Durch das Schwarz auf einem grossen Theil des Oberkörpers. 

3. Durch den viel längeren Augenstreifen. 4. Den mehr rostfar- 
bigen Oberflügel. 5. Den schwarzbraunen Bürzel. 6. Das breite, 
schwarze nicht unterbrochene Quer band am Kröpfe, unter wel- 
chem kein helles steht. 7. Die schwarzen, bei Turd. Naumanni 
gelblichen Halsseiten. "8. Die fast ganz schwarzen Seiten des Kör- 
pers und 9. die schwarzen Schwung- und Steuerfedern. 

Bei Beachtung dieser Merkmale sind beide einander ähnliche 
Vogelarten nicht zu verwechseln. Nun folgen einige verwandte 
Drosselarten, auf deren Besitz ich stolz bin. 



Beschreibung seltener Drosseln. 389 

5. Tut du 8 p allen* Mus. Petersb. 

Auch diese Drossel, welche ieh vorher nie gesehen hatte, ver- 
danke ich Herrn Wilms Güte, sie stammt auch ao8 Sibirien. 

Das alte Männchen ist grösser, als das unserer Singdros- 
sel, 8" 3'" lang, wovon auf den Schwanz 3" 2'" kommen; der 
Flügel misst vom Buge an 3" U". Der Oberkiefer und der un- 
tere an der Spitze ist hornschwarz, der übrige Thcil dc^> unteren 
hornfarben; über den Augen ein schmaler weisser Streif; der Kopf 
und Nacken ist schwarzgrau, der übrige Oberkörper dunkeloli- 
vengrüngrau. Die Schwung- und Stcuerfcdern sind dunkelschwarz- 
grau, auf der inneren Fahne lichter, und an der Wurzel weiss, 
die hinteren heller, alle mit olivengrauem Saume. Die letzten 
Schwung- und alle Oberflügeldeekfedern dunkelolivengrüngrau. 
Der Unterflügel grau, an seinen Deckfedern schwarzgrau. Der 
Anfang des Kinnes ist weiss; der Vorderhals, die Kopf- und Hals- 
seiten sind russschwarz; der Kropf graulich rostgelb, der übrige 
Unterkörper weiss, an den Seiten ungefleckt dunkelrostgelb, an 
den Unterschwanzdcckfedern schwärzlich gefleckt. 

6. Turdus paUidus Gm. et Pallas. 

Auch von dieser seltenen Drossel verdanke ich Herrn Wilms 
Freundschaft ein altes Weibchen. Dieses ist so gross als 
eins unserer Rothdrossel, 7" 4'", wovon der Schwanz 2" 10'" 
wegnimmt; der Flügel misst vom Buge an 3" 1'". Der Schnabel 
ist oben hornschwärzlich, der untere hinten hornfarben vorn dun- 
kel; der Fuss hellhornfarben ! Ueber dem Auge ist ein schmaler, 
unter ihm ein breiter weisser Streif. Der ganze Oberkörper ist 
helloli vengrau, auf dem Flügel eine weisse schmale Binde, Zei- 
chen des einjährigen Vogels; die Schwung- und Steuerfedern sind 
dunkler, als der Rücken, die erste der letzteren mit einer weissen 
Spitze ; der hellgraue Unterflügel ist an seinen Deckfedern weiss, 
dunkler gewölkt; die Kehle und Gurgel sind rein weiss, auf den 
Seiten mit einem dunkel olivcngraugrünen Streifen cingefasst. Zwi- 
schen diesem und den dunkel olivengrauen, heller gewölkten Wan- 
gen steht ein breiter weisser dunkel gewölkter Streif: der Kropf 
und die Seiten sind matt rostgelb, die Mitte dvi- «ranzen Brust, 
feg Bauches und Afters ist rein weiss. Die weissen Untersehwanz- 
deckfederu sind dunkel gefleckt. 

7. Turilits Sc ;)[]'*' r 1 1 t 2 i i l>rehm. 

Mm hat diese Drossel zu der vorhergehenden gezogen, aber 
mit Unrecht, wie ich sogleich /.eigen weide. 



390 Dr. Ludw. Brehm: 

Ein Männchen im ersten Herbste seines Lebens ist 
8" 4'" lang, wovon auf den Schwanz 2" 9"' abgehen; der Flügel 
misst vom Buge an 3" 2"'. Der matt hornschwarze Schnabel ist 
an der Wurzel des Unterkiefers hornfarben. Der Fuss und die 
Zehen sind hell hornfarben. 

Ueber dem Auge steht ein breiter graugelber Streif; der 
ganze Oberkörper, die Wangen, die Halsseiten sind olivenbraun- 
grün, die Steuerfedern etwas dunkler, die erste und zweite mit 
hellerm Spitzenrande, die Schwungfedern sind schwarzgrau mit 
dunkelolivengraugrünem Saume, welcher sich auf denen 2. Ord- 
nung über die ganze äussere Fahne verbreitet. Der Unterflü- 
gel und seine Deckfedern sind grau mit einem graugelben An- 
fluge. Der Vorderhals und ein Fleck unter den Wangen ist gelb- 
lich weiss, der erstere fein dunkel gepunktet und von einem 
dunkelolivenbraungrünem Reif eingefasst, der Kropf oben oliven- 
grün, unten ist dieser wie die Oberbrust und die Seiten hoch 
ockergelb, die Mitte der Brust und des Bauches rein weiss. Die 
Unterschwanzdeckfedern sind weiss, dunkler gefleckt. 

Diese Drossel unterscheidet sich also von dem oben beschrie- 
benen Turclus pallidus: 1) durch die andere Farbe des Ober- 
körpers. 2) durch den Mangel des weissen Streifs unter den 
Augen. 3) durch den olivengrünen Kropfanfang. 4) durch das 
weit verbreitete und sehr lebhafte Ockergelb des Unterkörpers, 
welches bei T. pallidus wenig verbreitet und blass ist. 5) durch 
die Unterflügeldeckfedern, welche bei meinem Exem- 
plare rein weiss, dukler gewölkt, bei T. Seyffert grau, 
kaum merklich gelbgrau angeflogen sind. 6) Der letztere 
Unterschied ist besonders hervorzuheben, weil er entscheidend 
ist. 7) Das beschriebene Männchen wurde bei Ahlsdorf unweit 
Herzberg in Sachsen im September 1823 gefangen und mir von 
dem Freiherrn von SeyfFertitz gütigst übersandt. 
8. Turdus libonyanus Smith. 

Auch diese Drossel hat sehr viel Aehnlichkeit mit den vor- 
hergehenden. Sie ist etwas grösser, als Seyifertitz's Drossel, 
8" 4'" lang, wovon der Schwanz 3" 1" wegnimmt. Der Flügel 
misst vom Buge an 3" 10'". Der Schnabel ist wachsgelb, die 
Füsse sind hornfarben, kein heller Strich über dem Auge, der 
ganze Oberkörper ist dunkelolivengrüngrau, an den Schwung- und 
Steuerfedern fast schwarzgrau, die ersteren sind auf der innern 
Fahne rostgelb, auf der äussern kaum merklich heller gesäumt, 



Beschreibung seltener Drosseln. 391 

der graue Unterflügel ist rpstgelb jiberflogen, an seinen Deckfe- 
dern lioch rostockergelb. Die Kehle und Obergurgel ist beim Männ- 
chen rein weiss, auf den Seiten mit graubraunen Langeflecken, 
<\cv Kropf und die Oberbrust sind hellgrau, die Seiten hochrost- 
ockcrgelb, die Mitte der Unterbrust, tU)* Bauches, des Afters und 
die Unterschwanzdeckfedern sind blendend weis 

Das Weibchen unterscheidet sich von dein Männchen: 1) durch 
die dunkel gestreifte Kehle und Obergurgel und 2) durch das 
blassere und weniger weit verbreitete Gelb an den Seiten. 

Mein Sohn Alfred erlegte das beschriebene Männchen am 1. 
Januar und das Weibchen am 20. Januar 1851 in Sennaar. Beide 

sind alte Vögel. 

f). Tur.dus obsoletus ßrehin. 

Eine noch hierher gehörige, wahrscheinlich noch unbeschrie- 
bene Drossel besitze ich aus Japan. Da ich keinen Namen derselben 
kenne, habe ich ihr einen gegeben, werde ihn aber so gleich zu- 
rücknehmen, wenn ich den rechten Namen erfahren haben werde. 
Unsere unscheinbare Drossel ist grösser als die zunächst vor- 
hergehenden ; sie ist 9" lang wovon auf den Schwanz 3" 3'" kom- 
men; der Flügel misst vom Buge an 4" 2'". Der Schnabel ist 
dunkelhornfarben, an der Wurzel des Unterkiefers heller: die 
Füsse sind lichthornfarbcn. Ueber dem Auge kein heller Streif. 
Der ganze Oberkörper ist rostgraubraun, auf dem Kopfe und Rücken 
rein graubraun; die vordersten Schwungfedern sind grauschwarz, 
auf der inneren Fahne lichter, auf der äusseren grau gesetzt, die 
anderen Schwungfedern seh warzgrau, auf der äusseren Fahne rost- 
graubraun, wie die Deckfedern von denen die längsten helle Spit- 
zen haben, welche eine wenig bemerkbare, unterbrochene Binde 
bilden : der Unterflügel ist grau, an seinen Deckfedern weissgrau. 
Die Steuerfedern sind schwarzgrau, die W änssersten mit weisser 
Spitze, welche an der I. weit verbreitet ist. Die Kehle ist weiss, 
an den Seiten graubraun eingefassf: der Oberkropf und die Sei- 
ten sind grau, die letzteren rostfarben überflogen. Der übrige 
Unterkörper ist weiss. 

Unter den amerikanischen Drosseln befindet sieh eine Art. 
welche sieh wegen ihrer einfachen Zeichnung an den Turdus nh- 
8oletus ansehliesst, nämlich Turdus croiopezw lllig. Ihr grauer 
Oberkörper ist auf dem Öbcrrückcn und Öberflügel gelblich grau. 
frer Unterkörper grau, an der Kehle weis.-, s ch war z grau gestreift, 
am Bauche und After weiss. 

Renthendorf bei Triptis, 23. April I8(>2. 



392 E. Schauer: Tagebuch Notizen: 

Tagebuch-Notizen, 

während eines ornithologi sehen Ausflugs auf der hohen Tatra, 

in den Monaten Juli und August 1861, 

verfasst von 

Ernst Schauer. 

(Fortsetz. ; s. Mai-Heft, S. 225—240.) 

Es war Mittag, wir stiegen dem Gipfel zu, welchen wir in 
drei Stunden erreicht hätten; doch plötzlich zogen Gewitter heran, 
ein empfindlich kalter Wind erhob sich, wir drückten uns in Fel- 
senspalten, ich nahm den Hund auf den Schooss um mich zu er- 
wärmen, der aber noch mehr zitterte, als sein Herr. Einige Al- 
penflüe vögel suchten die Tiefe, und Jas schwor, einen Mentel 
gesehen zu haben. Die Gesellschaft entschloss sich umzukehren 
und so gingen wir bis zum Schacht wo wir gefrühstückt hatten, in 
dessen Nähe Wala einen alten salasz wusste, wir suchten ihn auf; 
er war von dem Winters chnee zerdrückt. Aus dem Material, 
Stangen und Baumrinden, bauten wir eine neue Hütte. Jas ent- 
schälte mit bewundernswerther Geschicklichkeit 2 24 zöllige Fich- 
ten; bald brannte ein lustiges Feuer, wir zogen uns aus und trock- 
neten die Kleider. Bei dieser Gelegenheit füllte sich meine Kä- 
ferflasche mit den prächtigsten Sachen. Einige Nusshäher orze- 
chöwka, (orzech die Nuss), E i c h e 1 h ä h e r ,ojka, Buntspechte, 
dzie^ciol, Meisen, sikora, Kreutzschnabel Krzywonos, krzywy 
krumm, nos, Nase, machten uns Besuch. Im Herabsteigen erlaubte 
sich Wala einen kleinen Umweg und sähe 19 Gemsen. Unsere 
Gesellschaft hatte mithin, in Zeit von 3 Stunden, 4D Gemsen ge- 
sehen. Bie Nacht war neblig aber still. 

28 Juli.\Um 4 Uhr standen wir auf und zogen die getrock- 
neten Kleider anY^eschwind war ein Glas Thee gemacht, und 
nach 2 Stunden hattex wir die Stelle erreicht wo wir gestern 
umkehrten. Nun wurde Oer Weg mühsamer, von einem Granit- 
stück muss man auf das anderKjdettern. In schrägliegenden Plat- 
ten 45° sind Löcher eingehauen, dass man die halbe Sohle ein- 
setzen kann, sie sollen im Jahre 1844 für den König von Sachsen 
eingehauen sein. Hier wächst eine seltene Composita, Herbichia 
abrotanifoL, Senecio camiolicus Willd. Auf dem Gipfel, welchen 
wir um 10 Uhr erreichten, standen 3 Gemsen. Wir hatten das 
schönste heiterste Wetter, konnten bis Krakau und in das unga- 
rische Flachland sehen, zu unseren Füssen, unter gruby wierzch 
liegen zwei Gebirgsseen, und südlich am Fusse des Krywan der 



Ornitholog. Ausflug auf der hohen Tatra. 393 

See von Csorba und die Quellen des Poprad und der Waag. 
Die Stadt Hibie Geib und die vielen Dörfer mit den weissen Kir- 
chen, in sächsischer Bauart, erinnerten mich lebhaft an mein Hei- 
mathsland. Aber verwundert starrt das Auge östlich in die Gra- 
nitspitzen der hohen Tatra, deren Klüfte und Thälcr mit Firn 
ausgefüllt sind. „Da blühet kein Frühling, da grünet kein Reis." 
Es ist der Mond hinter einem guten Telescope. „ Trümmer ei- 
ner Welt." Das Monument, welches man zum Andenken seiner 
Anwesenheit, dem Könige von Sachsen setzte, hat das Jahr 1848 
in die Untiefen gestürzt; eine Eisenplatte liegt noch. Alte An- 
gaben stellen die Höhe des Krywans, (krzywy, krywy, krumm,) 
auf 8000', neuere Barometermessungen auf 7643' und auf der neu- 
sten ungarischen Karte ist er mit 7884' angegeben. Und hier 
suchte ich Vögel? Nun ja! und habe sie auch gefunden. Die 
höchste Spitze, neben dem topographischen Zeichen, bewohnt ein 
vergnügtes Tithys- Pärchen, welches ihren Jungen emsig magere 
Kost zutrug. Auf dem ganzen Karpathenzuge ist die Tithys nicht 
so schwarz, als ich sie an anderen Orten gefunden habe. 

Wir blieben bis Mittag, verdächtige Wolken mahnten zur Rück- 
kehr. Angekommen auf dem ersten Bergsattel, wo ich die 3 Gemsen 
gestern sah, und ein Alpenmurmelthier lebt, schlugen wir einen ande- 
ren Weg ein, Wala stimmte dagegen, und wir hatten es zu bedauern. 

Auf einem thurmähnlichen Felsen sass ausser Schussweite 
ein Wür gfalk e, polnisch rarog. Ueber keinen Falken ist vielleicht 
so viel geschrieben als über den Blaufuss. Wohl hat man be- 
merkt, dass auch welche mit gelben Füssen und gelber Wachs- 
haut vorkommen, und es als einen krankhaften Zustand oder Fol- 
gen der Gefangenschaft genommen. Ich habe mehrere erlegt, 
auch brütende beim Horste, auch von anderwärts welche erhalten, 
so dass ich zu einer klaren Ansicht über diesen Vogel koinmen 
konnte. Wer jemals Vögel gesammelt hat, mag sich erinnern. 
däsa man wohl 20 Zwergfalken oder Hühnerhabichte er- 
legt, bevor man ein schönes altes Thier bekommt. So ist es auch 
mit dem Blaufuss. Schon im vierten Jahre hat er gelbe Püsse 
und gelbe Wachshaut, dem sehr alten Männchen wird die Brost 
38 mit -diwarzen fast haardünnen Schaftstrichen, und die Krb- 
Sen-j Linsen- und Uohnenflccke im Schwänze des jüngeren Vogels 
halten sich zu vollkommen durchgehenden Binden gestallet 

Unten stiess ich auf 2 Ketten Ha selhuhner. In einiger 
Entfernung sahen wir den bekannten Ochscnsalasch und um 7 



394 E. Schauer: Tagebuch Notizen; 

Uhr wurden wir von den Slowaken im Ziegensalasch, wo wir vor 
48 Stunden unsere Visite abgestattet hatten, zum Nachtlager herz- 
lich aufgenommen. Wir baten um Zelyca, Molken, aber die Schafe 
und Ziegen waren noch in den Bergen, kehrten jedoch bald zu- 
rück. Die Caprimulgi gingen an ihre Arbeit, und in einer Stunde 
war die warme Ze.tyca fertig. 

29. Juli. Wir nahmen denselben Weg zurück wie wir gekom- 
men. Noch in ciemna smereczyna blieb Wala stehen, und machte 
uns auf etwas aufmerksam: widzicie to, to my nazywamy plyn, 
Seht ihr, dass nennen wir den Fluss, das Fliessende, plyne. ich 
rinue, ich fliesse. Es waren die Maden der Marcus- oder Johan- 
nisfliege Bibio oder Tripida, in Prozession begriffen. Ein einzel- 
nes solches Würmchen ist 3 Linien lang, | Linie breit, grau durch- 
sichtig mit hartem schwarzen Kopf. Der ganze Zug war 4 Fuss 
lang und 2 Zoll dick und glich auf dem ersten Blick einer gros- 
sen natrix. Jedes Individuum änderte jeden Augenblick seine 
Stellung iu der Masse, so dass diejenigen, welche jetzt an der 
Oberfläche erschienen . in die Mitte gingen; auch waren es nicht 
stets dieselben, welche den Zug anführten; immer neue Köpf- 
chen kamen zum Vorschein. Dieser Wechsel scheint nöthig um 
sie schlüpfrig zu erhalten; einzelne blieben zurück und starben 
bald. Um einen Fuss Raum zurückzulegen brauchten sie 7 Mi- 
nuten. Ich zerriss den Zug um einige mitzunehmen, und bevor 
ich das Spiritusgefäss geschlossen, waren sie wieder in Ordnung. 
Wala sagte, dass er weit grössere Züge gesehen habe. 

Beobachtet wurden: 

Turdus merula, musicus, torquatus, viscivorus, Troglodytes par- 
vidus, Sylvia rubecula, Cypselus apus, Loxia pyrrhida, curvirostra, 
Accentor alpinus , modularis, Parus ater , cristatus, Aquüa chry- 
saetos, Phyllop neuste titis, Garrulus glandarius, Nuci/raga caryoca- 
tacteSj Picus sp., Astur palumbarius, Falco lanarius, Corvus corax, 
Anthus spinoletta, arboreus. Falco tinnunadus, Sylvia tithys, Re- 
gulus flavic, Tetrao bonasia, Cinclus aquaticus, Motacilla alba, bo- 
arula, Fringilla coelebs. Spuren von Tetrao urogallus und tetrix. 

1. August. Es waren mir Andeutungen gemacht worden, dass 
ich an der Nordseite des Czerwony wierzch Vögel finden könne, 
und so hatte ich Jas Pitum nach Koscielisko bestellt. Wir gin- 
gen durch die finster enge Schlucht Krakow, wobei mehr als eine 
Stunde Zeit erforderlich ist, und stiegen sodann auf Czerwony 
wierzch. Die Nacht verbrachten wir im salasz auf Uplaz. 



Ornitholog. Ausflug auf der hohen Tatra. 395 

2. August gingen wir durch die Thäler mieUisia in die mala 
la.ka, kleine Wiese. Beide Thäler öffnen sieh nach Norden, lie- 
gen parallel und gleichen sich in Form; aber die Thalsohle von 
mala laka ist eine im Niveau liegende prachtige Wiese, während 
in mientusia mächtige Kalkblöckc stehen, zwischen welchen Och- 
sen and Schafe dürftige Nahrung linden, die Ursache ist iuipÜ 
kennbar. Mala lajka war ehedem geschlossen und bildete einen 
Teich; mictusia blieb offen und die Gebirgswässer führten den 
Humus hinaus, während er in mala laka abgesetzt wurde. Wir 
blieben die Nacht in einem Heuschuppen. 

3. August durchstreiften wir das Thal Straiysko, freundlicher 
noch, als die beiden letztgenannten, und gingen in ornithologischer 
Hinsicht unzufrieden nach Hause. 

Auf Uplaz schoss ich einige Ringdrosseln, in mietusia ei- 
nige Haselhühner, in mala laka zwei Waldschnepfen. 

5. August. Die genannten Vögel, die so eben auf dem Ti- 
sche liegen, geben mir, da ich nichts Besseres zu thun habe, An- 
lass zu folgender Bemerkung. Aus der Jugendzeit der Ring- 
drossel scheint wenig bekannt zu sein. Im Neste, welches nach 
Art der Amseln angelegt ist, gleicht sie sehr der jungen Wach 
holderdrossel, sieht dunkler und verräuchert aus; am dunkelsten 
ist die Stelle, wo gleich bei der nächsten Mauser der weisse Fleck 
erscheint. Ich habe in diesem Jahre wie im vergangenen, im 
Juli junge Vögel geschossen, noch mit den ockerfleckigen Nest 
federn auf dem Kopfe, an welchem die Dunen hingen, und deren 
Brust bereits weiss wurde; so schnell geht die Mauser vor sich. 
Der Fleck der J $> ist erst grau, wird im Alter auch weiss. Die 
Schulter- und Flügel -Deckfedern des Nestvogels haben grosse 
gelbliche, rhombische Schaftstriche, die manchmal die Hälfte der 
ganzen Fläche der Feder einnehmen. Im Juli und August streuen 
die Ringdrosseln im Gebirge umher, ihre Nahrung sind dann aus- 
schliesslich Heidelbeeren; ihr Fleisch wird davon Mau, die Kno- 
chen roth, und es ist eine abscheuliche Arbeit sie in dieser Zeit 
abzubalgen. Blut und Koth wo sie beflecken, lassen sieh kaum 
abwaschen. Auf den Karpathen werden jährlich Millionen Kram- 
nicHvoM-el gefangen, in Laufdohnen unter Waehhohlei l»u<ehen. 
Eine Menge Ringdrosseln sind auch dabei. \>vv HaupthandeNplat/. 
ist Krakau, von wo aus sie nach Warschau, Lemberg, Wie« verwen- 
det werden. Jch habe zur Zeit, als ich mich in Krakau aufhielt, 
alljährlich mehrere Tage dazu verwendet, solche Transporte zu 



396 E. Schauer: Tagebuch Notizen: 

durchsuchen, und nie etwas anderes als einige Varietäten der 
Wachholderdrossel gefunden. 

Der reizendste und lieblichste aller Vögel ist die Wald- 
schnepfe und verdient noch grössere Aufmerksamkeit, als man 
ihr bis jetzt erwiesen hat. Vielen macht die Waldschnepfenjagd 
nicht mehr Vergnügen als die plumpe Rebhühnerjagd, studire man 
aber die Eigenthümlichkeiten dieses Vogels genau, so wird sich 
eine Vorliebe zur Waldschnepfe einfinden, die alle anderen jagdba- 
ren Thiere auf die Seite stellt. Steht der Hund vor einer Dop- 
pelbekassine, so weiss man was geschehen wird; steht der Hund 
vor einer Bekassine, so erfolgt nur zweierlei; sie steigt schräg, 
immer gegen den Wind, auf, oder zieht in Bogenlinien auf dem 
Sumpfe hin, und dieses macht die Bekassinenjagd etwas mehr 
anziehender. Steht aber der Hund vor einer Waldschnepfe, so 
weiss man nie was geschehen wird; jedesmal passirt etwas Neues, 
auch wenn man sie wie gewöhnlich immer in demselben Busche 
findet; ich habe erlebt, dass mich die Waldschnepfe mit dem Flü- 
gel in's Auge schlug. Eine unzählige Menge Waldschnepfen habe 
ich erlegt, aber nie 2 unter gleichen Umständen; bei jeder ereig- 
nete sich etwas Unerwartetes. Und welche possirliche Haltung 
hat sie, wenn sie in der Schlinge hängt. Aber weit interessanter 
und bezaubernder sind die Schnepfen wenn sie ziehen. Alle sind 
von einem einzigen Geiste, von einer Seele belebt. Vorgestern 
zogen alle sehr niedrig und langsam, gestern niedrig und ge- 
schwind, heute sehr hoch und balzten nicht, morgen kommen sie 
so spät, dass man kaum noch schiessen kann, und übermorgen 
sind sie schon da gleich nach Sonnenuntergang. Manchmal bal- 
zen sie in zwei Tempo gur gur, manchmal in 5 und 6 gur, gur ; 
gur, gur, gur, aber zick immer nur zweimal auch mitunter ein- 
mal. Die Haltung des Schnabels ist der Massstab nach welchem 
ich den Schnepfen strich beurtheile; ziehen sie gemächlich, so hängt 
der Schnabel perpendikulär herunter; ziehen sie schneller, so wird 
er in einem Winkel von 45° gehalten ; ziehen sie aber geschwind 
und unruhig, so tragen sie ihn in horizontaler Lage vor sich her. 
Ich habe den Schnepfenstrich durch 17 Jahre in Polen und Ga- 
lizien fast täglich frequentirt, und die letzten 5 Jahre wohnte ich 
so gelegen, dass ich ihn jeden Tag ohne Ausnahme, vom ersten 
bis letzten April, bei dem schlechtesten Wetter besucht habe. Da- 
bei habe ich genaue Register geführt mit Rubriken: Datum, Ther- 
mometer, Barometer, Stunde des Striches, Anfang, Ende, Anzahl 



Ornitholog. Ausflug auf der hohen Tatra. 397 

der Schnepfen, geschossen, gesehen, gehört, Witterung des Tages, 
während des Striches, Wind, Wolkenzug, Winkel des Schnabels. 
Art und Weise des Zuges, besondere Bemerkungen. Die Hu- 
mid das Thermometer hängen vor mir auf dem Buche. Sagt 
man mir: Sie gehen bei diesem Wetter auf den Schnepfenstrich. 
es wird keine ziehen, so antworte ich: Davon eben will ich mich 
überzeugen. Solche Beobachtungen lassen sich nur machen wo 
es nicht an Schnepfen fehlt, und man auch immer einig« naeh 
Hause bringt Die alten Jäger sind der Meinung, dass 
der Sehn epfen strich von der augenblicklichen Wit- 
terung abhänge. Dem ist aber nicht so! 

Am 7. April befand ich mich mit Herrn Grafen Dzieduszycki 
bei Jaroslau auf der Schweinsjagd. Die Wagen sollten mit Son- 
nenuntergang bei uns eintreffen, kamen aber später. Das Wetter 
war den Tag über unangenehm; aber um 5 Uhr erhob sich kal- 
ter Wind mit Regen, Schnee und Eis. Die Zeit des Schnepfen- 
striches nahte heran; ich nahm die Flinte unter den Mantel und 
suchte einen Stand, die Jagdgenossen machten zwar witzige Be- 
merkungen, aber folgten mir, da nichts besseres zu thun war. 
Fast ein jeder von uns schoss eine Schnepfe. Am anderen Tage 
hatten wir schönes warmes Wetter. Ein Jahr später am 14 April 
bei schönem warmen Wetter suchte ich mit einem Gesellschafter 
Schnepfen, mehr als 30 stiess ich auf, keine hielt aber vor dem 
Hunde, und keine kam zum Schuss; mein Gesellschafter wollte 
50 gesehen haben und hatte einige Male vergeblich geschossen. 
Da so viele Schnepfen da waren, blieben wir natürlich zum Striche; 
aber keine einzige zog. Am anderen Morgen lag ein Fuss hoch 
Schnee. Ich könnte noch viele solche Fälle anlühren. Meine 
genauen ununterbrochenen Beobachtungen haben mich zu der 
(Je berze ugung geführt, dass wie alle Thiere, so auch die Wald- 
schnepfe, durch ein Vorgefühl für die bevorstehende 
Witterung zu ihren Handlungen geleitet wird. Soll 
schlechtes AVetter eintreten, so hat sie; nicht Zeit sich zu beius- 
tigen, sie niuss Nahrung suchen, steht gutes Wetter in Aussieht, 
nun, so freut sie sieh im Voraus darauf. Dass die Schnepfe bei 
threm Streichen oft denselben Wieg zweimal nimmt, dafür habe 
ich Beweise, IJcim letzten Sehnepfenslriche hörte ich eine, die 
nicht zick zick, sondern einen abscheulichen hastenden Ton von 

sieh gab, als hatte sie zerrissene Stimmritzen gehabt; 

genau zweimal denselben Wetz. Wo die Schnepfen bluten, kann 



398 E. Schauer: Tagebuch Notizen: 

man sie im Juni zu jeder Stunde, bei Tage wie bei Nacht zie- 
hen hören. Am 17. Juli 1856 habe ich auf den Karpathen im 
Stanislauer Kreise 4500' hoch, mehr als 15 Schnepfen balzend 
streichen gesehen. Bekanntlich ziehen sie auch im September und 
October, aber ohne zu balzen. Wtisste ich meine Worte so gut 
anzubringen, wie ich eine Unze Blei anzubringen weiss, ich würde 
Folianten über die Waldschnepfe schreiben. Sie heisst polnisch 
slomka. 

6. August. Mittlerweile waren Gäste bei Herrn Homolacz 
angekommen, und zu meiner nicht geringen Freude, Jagdgenossen 
aus der Ebene. Wir verabredeten einen Streifzug in die Mitte 
der Tatra, die wildesten, fast unzugänglichsten Oerter zu besu- 
chen. Neun Gebirgsbewohner wurden mit Lebensmitteln beladen, 
unter ihnen befanden sich Wala, Pitum, Zamek, Jan und Je,drzej 
Krzeptowski, Pajak und Sieczka, der grösste Theil der Gemsen- 
jäger. Früh um 4 Uhr rückten wir 14 Mann froh aus, und gin- 
gen über den Zawrat, welchen ich am 19. Juli passirt war. Die 
tithys auf der Swinnica war verschwunden, nur einige Alpenflüe- 
vögel hatten den Platz eingenommen. Wir kamen zu den 5 Tei- 
chen, Hessen die miedziana links, und stiegen über den Bergsat- 
tel, sodann neben den schon erwähnten 2 Teichen in die Ko- 
prowa hinab, ein sehr beschwerlicher Gang, und bogen links ein, 
in das Thal zwischen gruby wierzch und sredni wierzch, dicker 
Gipfel, Höhe, und mittlere Gipfel Höhe, und nahmen Nachtlager 
inmitten von Granitblöcken und Krummholzkiefern. Obschon wir 
unser Feuer nicht grösser brennen Hessen, als nöthig war etwas 
Wasser zum Thee zu kochen und Räuberbraten anrichten zu kön- 
nen, (man construirt eine voltaische Säule von Fleisch, Speck und 
Salz an einen Fichtenstab gespiesst und bratet es über Kohlen,) 
so waren wir dennoch bemerkt worden. Wir gingen auf keinen 
guten Wegen; denn Wege giebt es hier überhaupt nicht, damit 
sei aber nicht gesagt, dass wir Wilddieberei im Sinne hatten; 
Wilddiebe schleichen allein herum, Raubschützen gehen in Masse. 

7. August. In der Morgendämmerung sprangen, wie mit ei- 
nem electrischen Schlage, unsere sämmtlichen Begleiter auf und 
griffen nach den Flinten, ich that ein Gleiches, und bemerkte den 
übergrossen Hut eines Slowaken und unter demselben meinen al- 
ten bekannten gazda aus dem Ziegensalasch in der Koprowa. 
Er war natürlich nicht ohne Absicht, vielleicht auch nicht allein 
gekommen. Als es hell wurde erblickten wir auf sredni wierzch 



Ornithol. Ausflug a. d. h, Tatra. — OrnHhologen- Versammlung. 399 

5 Gemsen, auf gruby wierzch 6 mit 2 Zicklein, die auf dem Schnee 
die lustigsten, herzerfreuendsten Bockssprünge machten, und spä- 
ter zeigte sicli noch ein einzelner Bock. So schmal, so enge sind 
die Thälcr, dass man zu gleicher Zeit auf zwei Bergen Gemsen 
sehen kann; man sollte sie besser 3000 Fuss tiefe Klüfte oder 
Spalten nennen. Wir liessen diese armen Thierchen in Ruhe, 
(sauere Trauben!) und kletterten hinüber in das Mengsdorferthal, 
südlicher Abhang der Tatra. Hoch oben im Thale liegen 2 kleine 
Teiche und unten im Krummholze ein grosser, welcher reichlich 
Forellen enthalten soll. In der Thalsohle weideten 13 Gemsen in 
enggeschlossener Gesellschaft, ich sähe zu wie sich ein Göral auf 40 
Schritte nahe schlich, ein gezogenes Rohr und eine Doppelflinte 
auf sie ohne Erfolg abschoss. Diese Leute sind wie alle Gebirgs- 
bewohner schlechte Schützen; 6 andere Gemsen liefen flüchtig 
durch das Thal, zwei kletterten an den Wänden und ein alter 
Bock trieb sich im Thale herum, liess sich aber nicht beikom- 
men. Auf der Stelle wo wir waren machten wir Nachtlager. 

(Schluss folgt.) 



Nachrichten. 



Ornithologen- Versammlung. 

Der Vorstand der D. 0. -Gesellschaft hat die folgende 
Einladung erlassen: 

Die diesjährige Versammlung der deutschen Ornithologen- Gesell- 
schaft wird Dienstag den 30. September in Thale bei der Rosstrappe 
am Harz, bis wohin die Eisenbahn von Halberstadt aus führt, eröffnet werden. 
Von dort aus wird die Versammlung am zweiten oder dritten Tage über 
llalberstadt nach Braunschweig zur Besichtigung der trefflichen Samm- 
lungen daselbst weiter gehen. Vorversammlung Montag den 29. Sep- 
tember Abends 9 Uhr im „Waldkater" am Ausgange des schönen Bode- 
thals bei Thale, wohin oder an den Secretair Dr. Baldamus Anmeldungen 
WBgeii Wohnungen etc. zu richten. 

Der Thüringisch-Sächsische Naturforschende Verein hat Beine Versamm- 
lung auf den 29. September .nach dem Bade Suderode am Harz, unweit Qued- 
linburg und Thale, verlegt, und wird die Mitglieder der Ornithologen-tie- 

Bellschaft gern empfangen wie auch viele Mitglieder des Vereins det so ganc 
in der Nähe tagenden Ornithologen-Versatrittrttmg beizuwohnen gedenken. 
Der Vorstand der Deutschen Ornithologen Gesellschaft. 

Dr. Ai/rt m Prof. Dr. BLA81U8, Di..). Hokkmwv IT. Dr. Bvi.i>\\u> 

Pf. Dr. BRKHM, Major a. D. K.IRCHHOPF. Pastor Dr. Zandkr. 



400 Eingegangene Schriften. 

An die Redaction eingegangene Schriften. 

(Siehe Juli-Heft 1862, Seite 320.) 

437. G. S e i d 1 i t z. Verzeichniss der Säugethiere, Vögel, Reptilien und Amphi- 
bien der Ostseeprovinzen, mit Bezugnahme auf die Sammlung der Na- 
turforscher-Gesellschaft zu Dorpat. — Vom Verfasser. 

438. Uebersicht der bis jetzt in Finnland und Lappland vorgekommenen Vo- 
gelarten, von Arthur v. Nord mann Durchgesehen und mitgetheilt von 
Alex, von Nord mann. Moskau 1860. Von den Verfassern. 

439. Alfred Newton. On the supposed gular pouch of the Male Bustard 

Otts tarda Lin. [From the Ibis for April 1862.] — Vom Verfasser. 

440. Some Remarks of the Genus Balaeniceps. By Dr. J. Reinhardt. 
Translated from the Transactions of the Royal Dan. Scientif. Soc. for 
April 1861, pp. 135 bis 154. (From The Ibis April 1862.) — Vom 
Uebersetzer. (Alfr. Newton.) 

441. Elliott Coues. Synopsis of the North American Forms of the Colym- 
bidae and Podicipidae. (Proceedings of the Acad. Nat. Sc. of Phila- 
delphia, April 1862, pp. 226 — 233.) — Vom Verfasser. 

442. The Ibis, A Magazine of General Oraithology. Edited by Ph. L. Scla- 
ter. London, N. Trübner & Co. Vol. IV. No. 15. Juli 1862. -- Von der 
British Ornithologist's Union. 

443. Alfred Newton. On the Zoology of Ancient Europe. A paper read 
before the Cambridge Philosophical Society, on Monday, 31 st. March 
1862. London and Cambridge 1862. Vom Verfasser. 

444. A. W. Malm. Naturhistoriska Studier i det fria och i Kammaren. Gö- 
teborg, 1860. — Vom Verfasser. 

435. Ph. L. Sclater. Catalogue of a Collection of American Birds belon- 
ging to Ph. L. Sclater. London, 1862. N. Trübner and Co. Schluss: 
Bogen XVII -XXIII, nebst Titelblatt und Index. — Vom Verfasser. 

446. Zur Frage : Ist der Sperling vorwiegend nützlich oder schädlich ? Von 
stud. med. Berthold Wicke in Göttingen. (Abdr. aus Henneberg's Jour- 
nal für Landwirtschaft 16. Jahrg. 3 Heft.) — Vom Verfasser. 

447. Dr. D. Korth und H. Korth. Tauben- und Hühnerzeitung. Organ 
der gesammten Hausfederviehzucht mit Inbegriff der Sangvögel. Berlin. 
Siebenter Jahrg. No. 23—30. (Juli, August.) — Vom Herausgeber. 

448. H. G. Ludw. Reichenbach. Die vollständigste Naturgeschichte der 
Tauben uud taubenartigen Vögel. Zweite Abtheilung: Neu entdeckte 
Taubenvögel und Nachträge zu den schon beschriebenen. Mit 9 Tafeln 
mit 98 Abbildungen. Dresden und Leipzig. Expedition der vollstän- 
digsten Naturgeschichte. — Vom Verfasser. 

449. H. G. Ludw. Reichenbach. Die Singvögel als Fortsetzung der 
vollständigsten Naturgeschichte und zugleich als Central- Atlas für 
zoologische Gärten und Thierfreunde . Ein durch zahlreiche illuminirte 
Abbildungen illustrirtes Handbuch zur richtigen Bestimmung und Pflege 
der Thiere aller Klassen. Lieferung I— IV. — Dresden und Leipzig: 
Expedition der vollständigsten Naturgeschichte und durch alle Buchhand- 
lungen des In- und Auslandes zu erhalten. — Vom Verfasser. 



Berlin, Druck von Kornegg's Blichdruckerei. 



JOURNAL 

für 

ORNITHOLOGIE. 

Zehnter Jahrgang. 



N? 60. November. 1862. 



Beiträge 
zur Ornithologie Nord-Ost-Africa's. 

Von 
Hof-Rath Dr. Th. v. Heuglin. 

(Siehe Juli-Heft 1862 und Januar-Heft 1863.) 

Ornithologisches aus Chartum und Ost-Kordofän. 

Chartum, im November 1862. 

Im Monat October 1862 unternahm ich mit meinem unver- 
drossenen Begleiter durch Abissinien und die Galla-Länder, Dr. 
H. Steudner, von Chartum aus einen Ausflug längs der Westufer 
des weissen Nil südwärts bis in's östliche Kordofan nach dem 
sogenannten Scherq el äqaba. Der Hauptzweck dieser Reise 
war keineswegs ein wissenschaftlicher: unserer während längeren 
Aufenthalts in Chartum sehr geschwächten Gesundheit wegen, 
mussten wir eine Luftveränderung vornehmen, und da ich keinen 
disponibeln Jäger oder Präparator hatte, beschäftigte ich mich 
nun mehr mit zoologischen Arbeiten; was davon auf Ornithologie 
Bezug hat, erlaube ich mir hier mitzutheilen, sowie einige Noti- 
zen über den diesjährigen Vogelzug. 

Die ersten Kraniche erschienen in der Gegend von Chartum 
mit Anfang Septembers; ich glaube es waren Grus cinerea, aber 
fast gleichzeitig fanden wir grosse Flüge von Grus üirgo, Diese 
beiden Arten überwintern in Ost-Sudan in sehr beträchtlicher 
Anzahl und halten sich theils am FlußS auf [nseln, theilfl in Purah- 
Feldern und in der Steppe auf, wo sie von (Vrealien und Heu- 
schrecken leben. 

Uni erwähnten Zeitpunkt (i. Sept.) brüteten in Chartum auf 
Haras- und Tamarhinden-Bimnen noch einzelne Paare YOnAnha 

Journ. f. Ün.illi. X. Jahrg. Nr. 60, NOTtab« 186?. M 



402 Dr- Th. v. Heuglin: 

bubulcus und Ciconia Äbdimii. Erstere Art nistet erst seit weni- 
gen Jahren in dieser Gegend, wo sie sonst nur auf ihren Wanderun- 
gen unregelmässig erschien. Nach vollendetem Brutgeschäft ziehen 
Kuhreiher, Störche und Ibis religiosa südwärts (etwa Ende Octo- 
ber,) der Zug der Schwalben begann dieses Jahr auch mit An- 
fang Septembers. Cypselus murarius war schon wohl etwas frü- 
her da; Cotyle riparia sammelte sich mit Abenddämmerung zu 
vielen Tausenden in Durah- und Anqoleb-Feldern längs der Ufer 
des blauen und weissen Nil zur Nachtruhe; auch einzelne Rauch- 
schwalben und Budytes flavus befanden sich darunter. Hirundo 
rufifrons ist hier Hausschwalbe, sie brütet während der ganzen 
Regenzeit bis November und ich glaube dass sie in Ost-Sudan 
Standvogel ist. 

Coturnix communis bemerkten wir zuerst am 4. September. — 
Sie ist diesen Herbst minder zahlreich in Sudan und überwintert 
nur in geringer Menge; die meisten Wachteln ziehen noch südlicher. 

Merops Savignyi und Merops superbus (letzterer von mir früher 
nie in Chartuni bemerkt) streichen vom 5. Sept. an in kleinen Flügen. 
Sie nähren sich zu dieser Jahreszeit, wie fast alle Reiher-Arten, 
Störche, Glareola, ßtema, Circus, Thurm- und schwarzflüglige 
Falken fast ausschliesslich von Heuschrecken. Merops superbus 
sehen wir in Kordofan häufig sich auf Rindvieh, Eseln etc. nie- 
derlassen und sogar zuweilen auf gravitätisch im hohen trocke- 
nen Gras der Steppe wandelnden Abdim-Störchen, von denen aus 
sie auf von ihren Reitthieren aufgeschreckte Heuschrecken etc. 
abflogen, den Fang meist im Flug verzehrten und dann wieder 
auf ihren alten Standpunkt zurückkehrten. Nach 4 — 6 wöchent- 
lichem Aufenthalt ziehen die genannten Bienenfresser, zu denen 
sich noch M. apiaster gesellt, südwärts. Merops albicollis und ery- 
thropterus sind hier Standvögel; M. vi7*idissimtis, der in Mittelegyp- 
ten und Nubien das ganze Jahr sich aufhält, begegnete ich auch 
in Ost-Kordofan im October. Muscicapa grisola und die euro- 
päische Turteltaube, letztere in Flügen bis zu 20 Stück, 
waren zwischen 5. und 10. September um Chartum eingetroffen, 
zu derselben Zeit auch Glareola torquata und Gallimda porzana. 
Ich glaube, dass auch alle diese genannten Arten nicht hier über- 
wintern. Grex pratensis war Mitte Septembers ziemlich zahlreich, 
verschwand aber mit Anfang Octobers. Der Wachtelkönig scheint 
auch auf dem Festlande die Nacht über zu wandern. Ich war 
am 21. September Morgens gegen 4 Uhr mit einer astronomischen 



Beiträge zur Ornitli. N.-Ö.'-Africa's. 403 

Beobachtung beschäftigt, als pfeilschnell ein Crex dicht an mir 
vorüberstrich und mit einem pfeifenden Schrei auf einer benach- 
barten Tamarhinde bäumte. Mehrere Exemplare, die ermattet 
einfielen, konnten wir mit den Händen ergreifen; alle waren sehr 
abgemagert. 

Am 20. September bemerkten wir die ersten Ziegenmelker, 
( aprimulgus europaeus und Sylvia fitis. 

Am 28. Sept. Emberiza caesia und hortulana, Totanus calidns. 
,, 29. „ Oriolus galbula, Alauda brachydactyla , Machetes 
jn/gnax, Saxicola stapazina, oenanthe und saltatrix. 
,, -10. „ Coracias garrula. Ciconia alba. 
„ 2. Oct. Aquila imperialis. 

„ 5. „ Lantus ruße eps und L. sjnnitorquus. Aquila pennata. 
Circus cinerascens , Sylvia curruca, Falco melano- 
pterus. 
„ 6. „ Buteo tachardus. Sylvia crassirostris. 
„ 10.. „ fanden wir in den Sümpfen Ost-Kordofan's eben 
ausgekrochene Junge von Parva afrimna, die pos- 
sirlichsten Geschöpfe die man sehen kann; sie 
haben ganz die Färbung junger Taucher im 
Flaumkleid. 
„ 12. „ bemerkte ich die ersten Anthns pratensis, A. cer- 

cinus und campestris. 
,, 15. „ Motacilla alba. 

Zu Mitte Octobers beobachteten wir in den Sümpfen kordofan's 
Aegialites hiaticula, Ibis falcincllus, Ardea comata, Tofanus ochi < 
glftreola, stagnatilis, gl ottis und Tringa Temminckii ; A\ 'ea. 

Am 10. November Sylvia jyrovincialis und Motacdln melano- 
cephala, Falco peregrimis. — 



Ich lasse weiter unten ein Verzeichnis* der hühnci artigen 
Vögel Nord-Ost- Afrieas folgen, das einige Notizen über Cotumiw 
Instn'onica und Hemipodius lejnirana Smith enthalt, welche beide 
Arten ich im October d. J. am Fasse des Djebel Arnschkol in 
Ost-Kordofan gefunden habe. Beide dürften im September dort 
brüten, die Ourv-Wachtel in grösserer Men ist auf dem 

Durchzug auch sehr gemein in den Ebenen der Schiluk: ei" 
erwähne ich unter den mir im 9chuq el ftqaba aufgefallenen Zug- 
und Strichvögeln der bereits aufgezählten Merope, Sylria, Alauda, 
Anthus, Sa.ricota, Lantus, Totanvs etC, Arten hier nicht mehr. 

W 



404 Dr. Th. v. Heuglin: 

Von Tagraubvögeln beobachteten wir in Ost-Kordofan : Vul- 
tur anricula?'is, V. Rüppellii und Cathartes percnopterus ; mehrere 
Adler, darunter A. imperialis und pennata, Pandion vocifer sehr 
häufig an den Sümpfen, Helotarsus ecaudatus mehr an den Gebir- 
gen; Falco cervicalis) Tinnunadus Alopex Heugl. am Djebel 
Araschkol; Elanus melanopterus , (wohl nicht sedentär und nur 
auf dem Durchzug,) Poliomis rußpennis: Strichvogel im östlichen 
Sudan, der hier mit Beginn der Sommerregen anlangt und in der 
trockenen Jahreszeit verschwindet: wir fanden diesen schönen 
Falken ziemlich häufig von Chartum an südwärts bis Djebel 
araschkol an Regenbetten und in der Steppe auf dürren Baum- 
ästen oder thurmf alkenähnlich schwebend auf Heuschrecken lauern. 
Iris, Füsse, Wachshaut und nackte Zügel sind hochgelb; der 
Schnabel an der Basis orange, Spitzhälfte schwärzlich! Das alte 
cT 14" 3"' lang. — Schnabel v. d. Stirne 1", — Flügel 11", — 
tars. 2", — Schwanz 6" 9'". — 

Am 6. October bemerkte ich auf einem Felsvorsprunge des 
Araschkol einen grösseren Raubvogel mit rein weissem Unterleib 
der sich als ein Buteo erwies und wohl identisch mit B. tachar- 
dus sein dürfte. Kinn und Kehlmitte sind schmutzig, die übrige 
Unterseite glänzend weiss, mit wenigen dunkeln, aber scharf mar- 
kirten Schaftflecken; die Seiten etwas ockerfarben überflogen; 
Grundfarbe des Schwanzes hellrostbraun mit 11 theils verwischten 
Querbinden. Tibiabefiederung ungefleckt, wie auch die unteren 
Schwanzdeckfedern, beide schmutzig isabell; der Tarsus ist hin- 
ten ganz nackt, vorne zu J befiedert; die zusammengelegten Flü- 
gel erreichen die .Schwanzspitze; der Schnabel schwarz, an der 
Basis horngrau, Wachshaut, Mundwinkel und Füsse gelb, Augen- 
lieder schwärzlich, Iris weiss. Das c^ misst 1" 5'" — Flug. V 
]" 3//' _ D er Schnabel vom Mundwinkel 1" 3'" — Schwanz 
7" — tars. 3" 2'" — Mittelzehe ohne Nagel 18— 19"'. 

Gypogeranus serpentarius ist in Ost-Kordofan mehr zur nassen 
Jahreszeit bis Januar; er brütet dort im September und October 
auf Hochbäumen. Polyboroides, im Sudan überhaupt selten, ob- 
gleich er wahrscheinlich hier brütet, habe ich am unteren weissen 
Nil nur einmal gesehen. Ob P. Malzacii Verr. gute Art ist, 
wage ich nicht zu entscheiden. 

An Weihenarten sind die Sümpfe und Steppen Kordofan's 
ungemein reich. Circus pallidus und aeruginosus dürften hier wohl 
Standvögel sein; C. cyanus ist häufiger als C. cinerascens, aber 
nur im Winter. 



Beiträge fcttr Ornith. N.-O.-Africa's. 405 

Ich muss hier einer der Sumpfweihe ähnlichen, wohl selbst- 
ständigen Art erwähnen, die ich in meinem Verzeichniss der Vö- 
gel N.-O.-Afrika's unter der Benennung Oircw umbrimt* aufge- 
führt habe. Es ist das einzige mir bekannte Exemplar, ein $, 
im Monat März am Sobat-Fluss (circa 9 Ö N. Br.) erlegt wurden. 
Der Vogel scheint mir schlanker gebaut als C. nrruginosus und 
hat ganz umbra-braunes Gefieder ohne die geringste Zeichnung, mit 
Ausnahme eines kleinen, gelblich weissen Flecks am Hinterkopf, 
dessen übrige Befiederung etwas roströthlich schattirt ist. Der 
Schnabel ist hornschwarz, wie die langen, spitzen Krallen, Wachs- 
haut und Füsse grünlich gelb|, Iris gelbbraun; der Schwanz auf 
der Unterseite heller als oben; die Flügel sind— -zusammengelegt — 
beträchtlich kürzer als die Schwanzspitze; die 4. Schwinge die 
längste, die 3. wenig kürzer; die 1. bis 4. auf der Innenfahne 
stark verengt. Länge des ganzen Vogels 1' 7" 8'". Schnabel 
von der Stirne 1" 4,5"'. — Schwanz 8" 8'". — Tarsus 3" 1"' — 
Mittelzehc J" 9'" mit Nagel, dieser besonders gemessen 10'". 

Von Nachtraubvögeln bemerkte ich nur Otus macidosus (wahr- 
scheinlich verschieden von den Südafrikanischen) und Otus leueotis. 

Corvus curmrostris (?) oder C. phaeocephahis Caban. 

Der Merops -Arten ist oben schon gedacht. 

Alcedo rudis und semicoeridea; letztere Art ist Strich- oder 
Zugvogel in N.-O.-Africa. 

Dilophus caruncidatus, Argya acaciae Rüpp., Sylvia crassi- 
rostris und carruca. — hanio erythro gaster nicht selten. — 

Lantus mibicus (als Zugvogel) L. spinitorquu* und rufieeps do. 

Lanius algeriensis, oder sehr nahe verwandte Art, sehr gemein 
im ganzen Sehen]. Textor Alecto in Menge auf Bftrtfs-Mini 
an Regenbetten gesellschaftlich brütend. Im October noeh wenig- 
ganz flügge Junge; aber auch sehr selten stark bebrütete Eier; 
die meisten Jungen waren halbgcwachscn. Ich habe deren nie 
mehr als 3 in einem Nest gefunden. 

Pythelia citerior einzelner aber überall in Büschen. 

Amadina detruncata in Flügen am Arasehkol längs der Ufer 
des Bahr el abiad; ihr (J-esehrei gleicht viel dem Zwitschern 
Sperlingen; ich halte die Art für Zugvogel, Pythelia dagegen 
dürfte Standvogel sein. 

Carpospiza braehydaetyla Ehr. (graue Varietät] oder I 
Heugl. ist häufig um dvn Arasehkol und südwärts bis DJ e bei I 

Ich fand die Art immer gesellschaftlich, nmmerähnlieii auf Felsen, 



406 Dr. Th. von Heuglin: 

Hecken etc. umherstreifend, auch ihr Geschrei ist ein ammerar- 
tiges Zirpen; ziemlich scheu und flüchtig. 

Carpospiza grisea (C brachydactylaf) 

Notaeo, collo antico et laterali usque ad pectus, hypochon- 
driis et cruribus pallide umbrino cinereis ; gula media, stria supra- 
oculari abdomineque sordide albis; subcaudalibus pallide fusco« 
griseis, apice albis; tectricibus alae minoribus albido reliquis di- 
lute ochraceo limbatis ; rectricibus et remigibus f uliginosis, extus 
et apice distincte dilute einer eo-marginatis; illis duabus interme- 
diis exceptis pogoniis internis maculis subtriquetris anteapicalibus 
ochraceo-albis; Stria mystacali fuscescente. — Rostro, pedibus 
et unguibus pallide rubentibus. — Long. tot. 5" 3"' — rostr. a fr. 
.V". — al. 3"' 4"'. — caud. 1" 10'" — tars. 6"' — caudae apice 
alas super ante 8'" — iride nigra. 

Fringilla lutea Tem. sahen wir in zahllosen Flügen, aber meist 
nur junge Vögel an den Sümpfen von Tura. Die Art erscheint 
am blauen Fluss und bei Chartum im schönsten Sommerkleid im 
Juni und Juli und zieht im October und November wieder fort, 
wie auch Ploceus vitellinus. 

Ausserordentlich gross war die Menge der Steganura sphenura, 
die wir in der Gegend von Gos-Solimanieh 6 Stunden südlich von 
Chartum längs einiger Regenbetten antrafen, und ich sah nur 
alte Vögel im Prachtkleid in Flügen, die die Kronen von ganzen 
Bäumen bedeckten. Diesem Zusammenrotten nach schliesse ich, 
dass die Art um diese Zeit südwärts wandert und mit dem Som- 
merregen wieder nach O.-Sudan zurückkehrt. Sie hat doppelte 
Mauser. 

Oxylophus pica und Coccystes glandarius einzeln am Araschkol. 

In den dicken Mimosengebüschen der Sümpfe auch Centro- 
pus super ciliosus, Pogonias Vieüloti mehr auf alten Bäumen in der 
Steppe. 

Turtur risorius (?), auritus, aegyptiacus, semitorquatw Rüpp. 
Chalcopelia afra und Oena capensis mehr in den Steppen und 
Waldparthien an Regenbetten. — Otis arabs, 0. nuba und wahr- 
scheinlich eine dritte Art in der Steppe am Araschkol häufig. — 

Pterocles quadricinetus in Paaren am Arasckkol. 

Cursorius isabellinus und Temminckii Sw., letzterer mehr im 
Gebüsch und niederen Pflanzenwuchs, beide in kleinen Gesell- 
schaften. 

Oedicnemus afünis Rüppell nicht selten am Araschkol; ich 



Beiträge zur Ornitli. N.-O.-Africa's. 407 

habe diese Art früher nie hier gefunden. Glareola torquata in 
grossen Flügen in der Steppe. 

Vanellus Villotai am Bahr el abiad, häufiger an den Sümpfen 
von O.-Kordofan; hier ausserdem V. senegalensis , spinosus und 
pileatus. 

Tantalus Ibis überall in Sumpf und Steppe; ich halte ihn hier 
für Zugvogel. Ibis falcinellus und /. religiosa Zugvögel: in den 
Sümpfen von Tura ersterer häufig; letzterer zieht im November weg. 

Platalea tenuirostris nicht selten am Bahr el abiad und in den 
Sümpfen bei Tura. Der Schnabel ist bläulich grün mit rosen- 
rothem Rand und gelb-röthlichen Querstreifen, der nackte Theil 
der Kehle auch blaugrün, Gesicht rosen-bluthroth mit leichter, 
grauer Trübung, Iris weiss. Ein J, das ich mass, ist nur 28" 
lang, Schnabel von der Stirn 6" 7'" — Flügel 13" 3"' — Schwanz 
4" 7_ 8<". _ tars 4" 1'" — Mittelzehe 3" 7'". — Flügel 13" 
3"'. — Beträchtlich kleiner als Hartlaubs Messung des $ . (W.-Afr. 
p. 226.) Die Luftröhre besteht aus zwei knorpelartigen Röhren, 
die am Rand mit einander verwachsen sind, und im Querschnitt 
einem 8 gleichen, sie ist sehr lang und vom Kehlsack bis zur 
Brust noch einmal ab- und aufwärts gebogen. 

• Von Reihern fanden wir in den Sümpfen A. goliath, A. fla- 
virostris, A. bubulcus, in der Steppe A. atricollis, alle fast aus- 
schliesslich mit Heuschreckenjagd beschäftigt. 

Ausserdem fand ich eine wunderschöne Reiherart am Canal 
von Om Kenön (die vielleicht zu A. gutturalis oder rußventris ge- 
hört??) und welche ich für den Fall, dass sie neu sein sollte, 
Ardetta eulopha nenne. 

Mus. junior: supra pulchre et nitide schistacea; pileo, cervioe 
capitis et colli lateribus, dorso et alarum tectricibus ante apicem 
ex parte nigricantibus, omnibus laete fulvo limbatis; uropygio et 
tectricibus caudae superioribus delicatius ochraceo marginatis: 
collo antico et pectore pulchre brunneo-fulvis, nigro striatis; gu- 
lae lateribus pallidioribus , immaculatis; abdomine dilnte lulve- 
scente, fuliginoso striato, subalaribus majoribua Behistaceo-grieeiB, 
ex parte fulvo-limbatis, narginen alae versus fulvis. Bohistaoeo 
maculatis. — Iride, rostro, ciliis, pedilmsque viridibus, regioae ante« 
oculari magis flava, culmiue rostri nigricante. plantis llavo-viridibus, 
unguibus pallide brunneis. — Long, tot. 13". — rostr. a IV. vix 
1.1" — al. 6" — caud. 2" 3'" - tars 1" })"' — dig. dumI. I" 
8"'. — Im Magen fand ich Heuschrecken. Die Art ist jedenraflp 



408 Dr. Th. von Heuglin: 

nicht mit A. Sturrnii zu verwechseln. Nur ein einziges Exemplar 
erlegt. Eine Haube von ziemlich langen Federn umgiebt — ähn- 
lich wie bei A. stellaris den ganzen Hinterkopf. 

Von Rohrhühnern sah ich zwei Arten im Scherq el äqaba, 
konnte aber kein Exemplar einsammeln. Das eine dürfte die ge- 
wöhnliche Gallinula chlor opus sein, (die in Abissinien Standvo- 
gel ist.) die anderen wohl G. porzana. 

Parva africana ist in den Sümpfen O.-Kordofan's sehr gemein. 
Hartlaub giebt die Länge zu 10 — 12£" an, während meine Kor- 
dofaner Exemplare 15" lang sind. Schnabel vom Mundwinkel 1" 
3'"; al. 5"; tars 2" 5'"; Mittelzehe mit Nagel 2" 10'"; ciliis flavis; 
rostro, scuto frontalis pedibus et unguibus pulchre plumbeis, iride 
fusco brunnea, (alba Hartl.) crisso cruribus et subcauda- 
libus cinnamomeis. Die Ulna des Flügels ist ungefähr in ihrer 
Mitte stark gebrochen, indem sie dort eine beträchtliche verstärkte 
Ecke nach hinten macht, nach innen ist dieses Knie übrigens durch 
einen dünnen Knochengrat ausgefüllt. 

Im Magen von Parva afvicana fanden wir hauptsächlich Saa- 
men von Wasserpflanzen. 

Stevna caspia ist einzeln an den Sümpfen Ost-Kordofans; sie 
muss in Africa Standvogel sein. 

St. nigva (nüotica) und anglica dagegen wandern; wir trafen 
sie in kleinen Flügen in der Steppe Heuschrecken jagend, die 
sie geschickt im Flug erhaschen. 

Die stehenden Gewässer und dichten Rohr- und Gramineen- 
parthien wimmeln von Flügen von Dendvocygna viduata und Sav- 
cidiovnis melanotus, welch letztere all-abendlich unter Ausstossen 
eines ganz eigenthümlichen, für die Grösse des Vogels sehr 
schwachen Pfeifens in Schaaren in die Durah- und Dohen-Felder 
fällt. Dendvocygna avcuata habe ich früher im Herbst nicht sel- 
ten in Ost-Kordofan gefunden, war aber auf der letzten Reise 
nicht im Stande auch nur ein Individuum zu acquiriren. Querque- 
dula cyanoptera (A. querquedula) war in kleinen Ketten hin und 
wieder zu finden. 

Pelecanus vufescens nicht selten in Gesellschaften von 3—15 
Stück in grösseren Wasserbecken. 

Plotus melanogastev einzelner. Im Prachtkleid sind die weissen 
Federbüschel hinter den Ohren und längs der Halsseiten herab 
sehr verlängert und im Bogen herabhängend, wie diejenigen von 
Grus virgo. 



Beiträge zur Ornith. N.-O.-Afrh . 409 

Ueber die Hühnerartigen Vögel (Gallinue) 
Nord-Ost-Africa's und der arabischen Küste. 

Im nordöstlichen Africa treten erst innerhalb der tropischen 
Regengräuzen und auf höheren Standpunkten zahlreiche Ilühmi - 
formen auf, während nördlich vom 18° N. Br. nur einige Ft#ro< 
Arten, eine Tumix und zwei Wachteln gefunden werden, nach 
Rüppell auch der europäische Francolin. Auf der Westküste ieg 
Rothen Meeres und im peträischen Arabien finden wir in 3 — 4 
Arten den asiatisch-europäischen Typus Chavura. Während wir 
hier nur ein Perlhuhn haben, weist das westliche Africa nicht 
weniger als 6Meleagriden auf, darunter die höchst eigentümlichen 
Formen Pkasidus, Agelastus und Acryllium. Yerhältnissma 
reich an Francolinen sind die abissinischen Gebirge, aber keine 
der 6 östlichen Arten ist auch im W. gefunden worden und nur 
Franeolinus piUßUts ist im Süden und Nord-Osten (Schoa.) 

Die gemeine Wachtel dürfte über den ganzen africanischen 
Continent verbreitet sein; sie brütet in Süd- und Nord-Africa. 
Cotumix histrionica ist Zugvogel in Ost- West- und Süd- Africa. 
scheint aber nicht nördlich und südlich von den Regenzonen 
zu ziehen. 

Von Hemipodius findet sich im Westen nur I Art, die auch 
im Osten vorzukommen scheint, ausserdem entdeckte ich in Kor- 
dofan eine zweite, wohl mit der südlichen IL lepurana kientische, 
und aus Algerien herüber erscheint H. andalusicus nicht selten 
in der lybischcn Wüste. 

Im Osten begegneten wir 7 Arten von Sandhühnern, aus 
dem Westen zwei oder drei Arten, welche letztere alle auch 
östlich sind. 

Ich gebe hier eine Liste der nordostafrikanisehen GalHnac 
der ich einige Notizen und Beschreibungen anhangen zu dürfen 
glaube. 

i. meleagrinm:. 

No. I. Nu mala (Lin.) ptilorhyncha Licht. Kupp. 
Ueb. t. 39. Fig. opt;arab: , -sXjjJI — =>o=I)idjadj el-Wa'di. — amha- 
risch: Segra, tigriscb: Hagul (woiil vom semitischen L^3i Beiden 

Jegrhanch. Bewohnt gini Nord-O<t-Alriea -miuart- fOffl 18* meist 
in grossen Ketten, die sich naeh der Brutzeit noeh mehr zusam- 
menrotten. Das Perlhuhn lieht hügeliges, mii vielen l'utmhol/. 
bewachsenes Land, namentlich die Nah»- von Regenbetten und 
grosser Hoclibauinc auf denen es bei Nacht Schutz vor Hauli- 



410 Dr. Tii. von Heuglin: 

zeug hat. Seine Standorte sind zwischen 1000 und 10,000 Fuss. 
Die südliche G-ränze dieser Art vermag ich nicht zu bestimmen. 
Sie findet sich noch längs des weissen Nil, im Wollo-Galla-Land, 
Schoa und der Bai von Tadjura; von Berbera ostwärts im 
Somali-Land habe ich sie nicht gesehen. 

Die Brutzeit fällt zwischen Juni und November. Die gelb- 
lich weissen sehr hartschaligen Eier sind durchschnittlich 1" 8"' 
lang und l" 5'" dick. 

2. TETRAONIDAE. 

No. 2. Chacura (Hodgs.) Heyi Tem. — Tem. pl. col. 328. 

arabisch Hadjel. Ls\>i 

In kleinen Ketten in den Bergen und Vorbergen der sinai- 
tischen Halbinsel, bei Akaba, Moila, Djeda etc. Geht bis auf 
1000' Meereshöhe herab. 

No. 3. Chacura sinaitica Bp. (oder Ch. graeca var?) 

Arabisch Senär. 

In Ketten bis zu 20 Stück in den Hochgebirgen des peträ- 
ischen Arabiens und Hedjas; wohl nicht unter 5000'. — Brütet 
im März. Die Eier haben braungelbliche Grundfarbe und sind 
über und über mit roth- und schwarz-braunen Punkten bespritzt. 

No. 4. Chacura melanocephala Rüpp. — Rüpp. N.-W. 
Taf. 5. — 

Arabisch Sennär. 

Nicht selten in den Gebirgen um Djeda und Gonfuda in 
Arabien. 

No. 5. Chacura ? yemensis Nicholson — Franc olinus 
yemensis Nich. Annal. and Mag. 1853 pag. 422. 

Im Hügelland unfern Musa im südlichen Arabien. Ich habe 
nie Gelegenheit gehabt, diesen Vogel zu sehen, der der Beschrei- 
bung nach, offenbar kein Frankolin sondern ein Steinhuhn ist. 

No. 6. Ptilopachus (Swains.) fuscus Vieill. — Perdix 
ventralis Valenc. — Petrogallus fuscus, J. E. Gray. — Vieill. 
Gal. pl. 212. — 

Tigrisch: Derho-moqa. 

Dieses niedliche, äusserst fein schmeckende Huhn hat einen 
beträchtlichen Verbreitungs bezirk in Nord-Ost- Africa. Es findet 
sich in Taka, dem Barka, Bogos, Galabat, durch ganz Abissinien, 
in Fazogl, Sennaar, Kordofan und am oberen Bahr el abiad und 
zwar immer in Ketten von 5 — 15 Stück, in Abissinien bis auf 
8 — 9000' Meereshöhe, aber nur an felsigen Gehängen und auf 



Beiträge zur Ornith. N.-O.-Africa's. 411 



*o 



wildzerrissenen Gebirgen und nie im Flachland. Die Art trägt 
den Schwanz immer seitlich zusammengedrückt und aufgeschlagen 
wie die Haushühner. Verfolgt, ziehen sie sicli meist laufend in 
Felslöcher oder auf dazu zugängliche Felsblöcke zurück, die sie 
äusserst behende kletternd und springend schnell erreichen. Ich 
habe Gelegenheit gehabt, die Kämpfe der Männchen während der 
Balzzeit im Juni bis September auf wenige Schritte Entfernung 
mit aller Müsse zu belauschen. In den Vormittags- und Abend- 
stunden hört man den pfeifend scharfen Lockton der Männchen 
einer Kette, der abwechselungsweise von den benachbarten Ketten 
beantwortet wird. Ist es dem Jäger möglich, unter dem Wind, 
und durch Felsen und Büsche gedeckt, sich einer Gesellschaft 
zu nähern, so findet man meist auf dem Gipfel kleiner Steinhügel 
einen förmlich arrangirten Kampfplatz von 4 — 5 Fuss Durchmesser. 
Die Zuschauer, wohl meist weiblichen Geschlechts, liegen in den 
henachbarten Gebüschen, während zwei oder mehrere Männchen 
sich gegenüberstehen, die Haube und das Gefieder sträuben, den 
Schwanz radförmig ausbreiten, die Flügel unter allen möglichen 
Verdrehungen des Halses und Kopfes auf der Erde reiben, und 
ähnlich kämpfenden Haushähnen sich gegenseitig angehen und 
mit Schnabel, Flügel- und Spornschlägen bedienen, sich im Kreis 
herumtreiben, überspringen etc. 

Die Füsse und der kahle Augenstreif sind hochroth, Schna- 
bel braun, Mundwinkel und Nasengegend ziegelroth. Das schmut- 
zig weisse Ei ist 1" 3£'" lang auf JOf Zoll Breite. 

(Senegambien, Oberguinea, Sierra Leone. — ) 

No. 7 Pternistes (Wagl.) rubricollis Rüpp. Rüpp. Atl. 
t. 30. — 

Lebt paarweise in kleinen Ketten im abissinischen Küsten- 
land bis Adail und zu den Somalen ; die Art scheint nur auf die 
Meeresküste und die benachbarten Gebirge beschränkt zu sein. 
Ein nackter Streif durch das Auge und die sehr faltige Kehle 
sind knallroth, welche Farbe nur an der Basis dos kehltieckes 
in feuriges Gelb übergeht. 

?. No. 8. Francolinuü (Briss.) culqaris Steph. P$rdi*fr*n* 
colinus Lin. 

Nach Rüpp. Wirbelth. Sil. einig* Male im Nildelta l>eol>- 
achtet. Am häufigsten wohl noch in Kleinasien, seltener auf ei- 
nigen Inseln des Mittelmeeres, z.B. aulTvpern. von mir nirgends 

in Griechenland beobachtet, wahrscheinlich aber in der liegend 

von Tripolis. (Malta. Sieilien. Kleinasien. > 



412 Dr. Th. von Heuglin: 

No. 9. Francolinus Erkelii Kupp. — Rüpp. N.-W. t. 6. 

Amharisch Goq. tigr. Goqah bädi. 

Nicht selten in den abissinischen Gebirgsländern südwärts 
bis zu den Galla, und in Schoa von 4 — 10000' Meereshöhe. In 
vielen Gegenden sehr gemein, meist aber nur paarweise. Im 
März fanden wir die Eier dieses stattlichsten Frankolins auf den 
Gebirgen von Begemeder; sie sind kaum kleiner als die von 
Numida ptilorhyncha, feinschaaliger und schmutziger weiss. 

No. 10. Francolinus gutturalis Rüpp. — Rüpp. Syst. 
Uebers. t. 40. fig. opt. 

Tigrisch: Zertmeh. 

In Paaren und kleinen Völkern in Central- und Westabissi- 
nien, nordwärts bis in die Bogos, südwärts bis auf den Plateaux 
der Somali-Länder, Standorte zwischen 1500 und 8000 Fuss. 

No. 11. Francolinus icteropus Heugl. — Heugl. Syst. 
Aufzähl. S. 51. 

Die Aufstellung dieser Art gründet sich nur auf ein einzi- 
ges weibliches Exemplar, dass ich im Februar 1853 auf den Hoch- 
gebirgen von Semien in Abissinien erlegte; trotz aller angewandter 
Mühe war es mir unmöglich, auch ein Männchen zu erhalten, da 
sich diese Hühner immmer am Rand von mehreren 1000 Fuss 
tiefen Abgründen aufhielten, in die sie — flüchtig gemacht — 
sich pfeilschnell herabstürzten. Die Art ist ähnlich gezeichnet 
wie Fr. Erkelii^ aber kleiner als Fr. gutturalis und der Schwanz 
verhältnismässig länger. Von F. Erkelii unterscheidet sie sich 
durch gelbe Füsse, schwarzbraune, in eine kleine Haube endigende 
Kopfplatte, die nach hinten rostroth eingefasst ist, schwarzen 
Streif über der Schläfegegend, mehr Rostfarbe am Hinterhals, 
dessen Federn zwischen Rand und Schaft jederseits einen weissen 
Längsstreif haben; die Federn des Bauches und Weichen jeder- 
seits mit breitem kastanienbraunem Längsstreif, der aber nicht bis 
zur Spitze reicht; die unteren Schwanzdeckfedern mit durchge- 
henden Querstreifen; über die Steuerfedern laufen 12—16 isabell- 
gelb und schwarzbraune Querbinden, die sich am Schaft jeder 
Feder etwas pfeilförmig nach unten ausziehen. — Länge des gan- 
zen Vogels 11". — Schnabel vom Mundwinkel an 10'", von der 
Stirn 9"'. — Schwinge 4" 9"' — Schwanz 3" 5"' — tars. 1" 
4"' — Schnabel schwärzlich braun, Iris rothbraun. 

Dies die wörtliche kurze Beschreibung, die ich seiner Zeit 
vom frischen Vogel neben einigen F. Erkelii und F. gutturalis 
machte, nebst einer Zeichnung. 



Beiträge zur Ornitli. X.-O.-Africa's. 413 

Vorkommen in Ketten von .'1 — 6 Stück auf dem Süd-Abfall 
des Gebirgstockes von Hernien über dem Wuschan-Thal auf einer 
absoluten Höhe von 10—1 1000'. 

No. 12. Francolinitx pileatus A. Smith. A. Smith. 

S.-Afr. Zool. t. 14. 

In Schoa: Dr. Rüppell. (Süd-Africa.) 

No. 13. Francolinus Rüppcllii G. R. Gray. — Rüpp. 
Atl. t. 9. als Fr. Clappertonii. 

Arabisch: jMÜ! *^L>o = Didjadj el Gesch. — tigrisch: Berhe'. 

Gemein in Taka, Abissinien, Sennaar, am weissen Nil und in 
Kordofan, theils in Paaren theils in Ketten, auf 1000 — 6000' 
Meereshöhe. — 

No. 14. Goturnix (Möhr.) communis Bonn. Perdix co- 
t ur nix L. 

Arabisch: ^U~ und_^JL. ■» Semän und Selu. — amhar: Dert- 
schet. — tigrisch: Bernehigo. 

Im Herbst und Frühjahr auf dem Durchzug oft zu Millionen 
in Egypten und in Arabien, scheint in Kordofan, Sennaar und 
Abissinien zu überwintern; im Mai 1858 in Mittelegypten brütend 
gefunden. Im April 1862 hörte ich öfter ihren Schlag in den 
Djimba Bergen im Wollo-Land auf 12000' Meereshöhe. 

(Cap-Colonie, Casamanze, Algerien, Sibirien, China, Persien 
Kleinasien. 

No. 15. Cotumix histrionica Hartl. — C. Delegorguei 
Heugl. Hartl. Beitr. z. Ornith. W.-Afr. pl. 11. — Deleg. Voy. 
IL pag. 615. Heugl. Uebers. pag. 51. — 

Ehe ich Kenntniss von der Entdeckung dieser schönen Art 
durch Delegorgue und Hartlaub haben konnte, erhielt ich ein 
altes Männchen derselben, das im Januar 1854 am Berg Balenia, 
am oberen weissen Nil lebend gefangen wurde, und bald darauf 
Nachricht über ihr häufiges (Erscheinen an den Schilluk-Ufern. 
Im October 1862 traf ich in der Steppe um den Borg Arasohkol 
in Ost-Kordofan zu meinem nicht geringen Erstaunen Ketten halb- 
flügger Wachteln an, die ich, eifrigst auf der sehr schwierigen 
und mühsamen Jagd auf Turnix beschäftigt, und in der Meinung, 
ich habe Cot. communis vor mir. nicht sogleich einsammelte, 
obgleich mir in Ihrem Betragen, namentlich in ihrem Zusammen- 
rotten in dichten Dornbüschen einiges Eigenthümliche auffiel, [oh 
sah einen Hemipodius lepurana einen Moment durchs Gestrüpp 
laufen und fast im seilten Augenblick ging in der nämlichen Rich- 
tung ein ähnlicher Vogel auf. den ich im Moment, als ihn mein 
Schuss schon erreichte, an dem eigentümlichen piror, da* 

aussticss, für eine Wachtel erkannte. Aergerlich über ineinen 

Missgrill", vfollte ieh dies.- keines weiteren Blickes würdigen,, als 

mir der llalskragen auffiel. Es war ein Btark hall 

Junges (f der hi»trionica } und gleich darauf erhielt ieh ein noch 

nicht ganz vollständig vermausertes altes $. Beide hattten Heu- 



414 Dr. Th. von Heuglin: 

schrecken gefressen. Beim alten £ ist der Schnabel braun mit 
röthlich gelbem Fleck an der Spitze ; Füsse gelblich fleischfarben, 
Iris braun-grau. — Ganze Länge 7"; Schnabel v. d. Stirn 5|"'; 
Flügel 3" 8'"; tars. 12'". — 

Beim jungen <$ ist die Brust sehr hell röthlich braungelb, 
die Seiten dunkler, jede Feder mit weissem Schaftstreif und 
dunkleren unregelmässigen Seitenflecken. Auf der weisslichen 
Kehle ist die ankerförmige Zeichnung bereits angedeutet. Füsse 
und Schnabel etwas heller als beim alten Vogel. C. histrionica 
dürfte mit der Regenzeit an den weissen Nil und nach Kordofan 
kommen und nach vollendetem Brutgeschäft nach Sudan ziehen. 
Am Oury erscheint sie im Februar in ungeheurer Menge. Den 
Wendekreis des Krebses erreich^ sie wohl nie auf ihren Wande- 
rungen, den des Steinbocks überschreitet sie ebenfalls kaum 
nach Süden. 

(St. Thomae und Centrales Südafrica.) 

No. 16. Coturnix ?? Aus der Gegend von Tripoli erhielt 
ich im Herbst 1855 eine ganz eigentümliche Wachtel, die mir, 
ehe ich sie beschreiben oder bestimmen konnte, abhanden kam. 

No. 17. Ortyxelus isabellinus Heugl. — Turnix Mei- 
frenii Vieill. 

Ich habe diese Art im Herbst 1854 in Kordofan eingesam- 
melt und sie damals genau mit Temmincks Beschreibung von 
T. Meifreni verglichen, die gar nicht recht auf meinen Yogel 
passen wollte ; ich lasse hier die damals nach dem frischen alten 
Weibchen niedergeschriebene Notizen folgen: Oberseite dunkel 
isabell ins Rostgelbe, Augengegend und ein Streif über der Schläfe- 
gegend hell isabell; Rücken- und Schulterdeckfedern mit weissem 
Streif auf der Aussenfahne, der nach innen scharf schwarz ein- 
gefasst ist, die Flügeldeckfedern weiss mit verdeckter schwarzer 
Wurzel, die dem oberen Rand zunächst liegende isabell, weiss 
eingefasst. — Hinterrücken, Bürzel und Schwanz einfarbig rost- 
gelb ; erste Schwinge weiss mit ebensolchem Schaft und schwarz- 
grauem Fleck an Basis und Spitze ; die 2. nur auf der Mitte weiss, 
alle mit weissen Spitzen. Schwingen 2. Ordnung mit breitem 
weissem Rand auf der Innenfahne ; Flügelbug, untere Flügeldeck- 
feclern, sowie die Unterseite weiss, Halsseiten röthlich isabell ge- 
trübt, hier theilweise mit weissen Flecken auf der Aussenfahne 
der einzelnen Federn. Die grossen Flügeldeckfedern überragen 
die Schwingen um 5 — 6"'. — Die 3. 4. und 5. Schwingen die 
längsten, die erste fast um 6"' kürzer als die 2. — Schnabel, 
Füsse und Nägel gelblich, Schnabelspitze und ein Fleck auf der 
Mitte jedes Nagels hornbraun. Iris hellbraun. $ und g nicht 
verschieden. 

Länge des ganzen Vogels 4£" — Schnabel von dem Mund- 
winkel an 6£'" — Schwingen 2" 10'" — Schwanz 1" 3'" — 
tars. 8"'. — Nicht selten in den Steppen-Landschaften von Cen- 
tral-Kordofan. (Senegambien.) 



Beiträge zur Ornith. N.-O.-AfricaV. 415 

No. 18. Ortyxelus lepuranue A. Smith. — A. Smith 111. 
Zool. S.-Afr. Birds t. 16. 

Im October 1862 erlegte ieh am Potfl des Djebcl Araschkol 

in Ost-Kordofan einen jungen Vogel, der ziemlich genau mit 
Smiths eitirter Abbilduug and Beschreibung Übereinstimmt !><t 
Oberkopf' ist rothbraun, fein schwarz und weis« resehuppt; ein 
gelblich weisser Längsstreif geht von der Stirn ober die Schei- 
telmitte und jederseita des Kopfes ein anderer von den Nasen- 
löchern über die Augen weg. Die Oberseite ist braun gelblieh, 
rauchbraun und weiss gefleckt und gewellt; die Schwingen er« 
Ordnung schmutzig grau, die erste aussen breit, die übrigen fei- 
ner weiss gelandet; die Cubitalschwingen auf der Innenfahne 
granlich, auf der Aussenfahne braun und ockergelb quergestreift j 
Unterflügeldeckfcdern und Unterleib weiss, Weichen und Unter« 
schwanzdeckfedern lebhaft röthlich isabell, Brustseiten schwarz 
getropft und gestreift; Wangen bis zur Ohrengegend schmutzig 
hell ockerfarb, fein schwärzlich geschuppt. — Schnabel und 
Füsse fleischfarb, jener an der Spitze dunkler; Iris gelblich wi 
Ganze Länge 4" 10'" — Schnabel v. d. Stirn 5'" — Flügel 2" 
9'" — tars 91"' — Mittelzche fast 7'" Schwanz 1" 2'" — 
Suffrago nackt. — Nahrung kleine Insekten und Sämereien. — 

Wir fanden diese Art in mit niedrigen Dornbüschen durch- 
wachsenen Grasflächen nicht eben selten in Ost-Kordofan; sie lauft 
sehr behende, fliegt ungern, niedrig, gerade und nicht weit. (S. Afr.) 

No. 19. Ortygis (lllig.) (indalusica Gmel. — Hemipodius 
taehydromus Temm. 

Nicht selten in der Gegend von Tripolis bis Ben Ghasi. 
Einmal in Unteregypten beobachtet aber nicht erlegt. (Algerien. 
Spanien, Sicilien.) 

3. PTEROCLIDAE. 

Die Sandhühner auf arabisch Lbä = Gata; tigrisch: Boqbo<|. 
vom arabischen das spanische Wort Alchata (el-gata.) 

No. 20. Pterocles (Temm.) Alchata Lin. — Bull', pl. cid. 
105. 106. — 

In der lybischen Wüste, in Tripolis, Ben-Ghasi (in Kleinasien, 
Algerien, Calabrien, Sicilien, im Kaukasus, Südrussland. Persien. 
Kirkisensteppe, Insel Cypcrn.) 

No. 21. Pterocles senegalus Lath. — Pt. </uttatus Licht, 
pl. col. 354 — pl. enl. 130. — 

In den Wüsten und Steppen Egyptens und des nordlichen 
Arabiens, sowie in den Somali-Ländern; Nach Hartlaub ist das 
Vorkommen dieser Art im Westen noch zweifelhaft. (Algerien.) 

No. 22. PUroclts imuttus Temm. — Pt. tentgali 
Licht. — pl. col. 351. 360. — 

Sehr häufig in Bgypten, auch in Arabien; Mubien und Kor 
dofan. (Senegal, Casamanze.) 

No. 23. Pterocles cotonatui Licht. Temm. pl. col. 339. 340. 

Sehr zahlreich in Nubien und Ivurdolan. 



416 Dr. Th. v. Heuglin: Beitr. z. Ornith. N.-O.-Africa's. 

No. 24. Pterpcles Lichtensteinii Temin. — Pt. bicin- 
ctus Licht. Temin. pl. col. 355. 36 J. — 

In den Somali-Ländern, bei Tadjura und in den dem Meere 
nahe liegenden abissinischen Tiefländern; nach Rüppell auch in 
Nubien und Kordofan. 

No. 25. Pterocles quadricinctus Temm.— Pt. tricinctus 
Swains. — Swains. W.-Afr. IL tabl. 23. 

Meist nur paarweise in der Waldregion West-Abissiniens, 
Galabat, Fazogl, (Senegambien, Casamanze.) 

No. 26. Pterocles gutturalis A. Smith. (?) — (Smith 
S.-Afr. Zool. Birds t. 3. und t. 31.) 

Ich habe die von mir nicht selten in Hamesen, Seraui bei 
Axum etc. eingesammelten Individuen nie direct mit der südafri- 
canischen Pt. gutturalis vergleichen können; abissinische alte $ $ 
scheinen aber in einiger Beziehung abzuweichen. Der Oberkopf 
ist röthlich oder bräunlich aschfarb, die Schneppe an den Nasen- 
löchern, ein Streif über das Auge und Vorderhals blass-gelb, 
gegen die Brust hin mit Grau verwaschen, ein dunkel schwarz- 
braunes Kehlband zieht sich über die Ohrgegend bis zu den Augen 
herauf; Flügeldeckfedern, Bürzel und Oberschwanzdeckfedern 
auf schön rauchfarbenem Grund gelbgrau überflogen; die Brust 
schön violettgrau; die kleinen Flügeldeckfedern an den Spitzen 
lebhaft kastanienbraun bis braunroth; Unterleib und untere 
Schwanz deckfedern kastanienbraun; Tarsen schmutzig ocker färb; 
Primarschwingen braun, Secundarschwingen schwärzlich, alle an 
der Spitze hell gerandet. — Steuerfedern graubraun, die inneren 
mehr gelbgrau, alle mit rostfarbenem Pfeilfleck an der Spitze 
und einigen solchen Querbinden; die 2 mittelsten uugefleckt, mit 
schwärzlichen Schäften. Auch die unteren Schwanzdeckfedern 
zeigen zuweilen eine schwarze Querstreifung. Zehen und Schnabel 
bleigrau. Ganze Länge 12" — Flügel 8" — caud. 3" 9"' — 
3" 9'" __ tars 1" 1"' — - rostr. a fr. vix 7'". 

Die grösste nordafrikanische Art; lebt in Flügen von 4 — 10 
Stück auf Hochebenen zwischen 5 und 7000'; die Stimme ist ein 
äusserst tiefes und rauhes Kro-Kro. 

Dr.Rüppellhat diesen Vogel auchaus Schoaerhalten (S.-Africa.) 



Anmerkung: Nach Lefebvre kommt Perdix montana Lath. in N.-O." 
Afrika vor. Er sagt: „Perdrix de Chine," rare en Abissinie, commune en 
Egypte aux bords du nil. Perdix montana Lath. ist meines Wissens identisch 
mit Perdix cinerea Briss. welche Art nach Kayserling und Blasius bis nach 
Nordafrica verbreitet ist. Ich glaube aufs Bestimmteste versichern zu können, 
dass unser Kebhuhn weder in Egypten noch in Abissinien angetroffen wird. 
Nach einer mündlichen Nachricht des Reisenden E. de Pruyssenaer hat der 
selbe während der Wintermonate im nördlichen Nubien (Bahr el hadjar) einen 
kleinen Flug von Vögeln angetroffen, die ich der Beschreibung nach nur für 
Syrrhaptes paradoxus halten kann!! 

Auch Perdix petrosa findet sich nach Kayserling und Blasius an der Küste 
Nord-Africas (wohl in Algerien?) 



Alex, von Homeyer: Die Baleareu. 417 

Die Balearen. 

Von 

Alexander von Homeyer. 

II. Die Hommcrvögt'l der Balearen/) 

(8chlu8S ; siehe Juli-Heft 1862, Beite 241— 2H5.) 

b. Tauben, Hühner, Wut-, und Schwimm-Vögel. 

61. Columba yalumbus .**) 
Die Ringeltaube findet sieh hier und da paarweise an den 
stillen, mit Eichen und Kiefern bewachsenen Thalgehängen der 
Vorberge, so namentlich auf Mallorka in dem stidlicnen Theil des 

nördlichen Gebirgszuges, doch ist sie während des Sommers nir- 
gends häufig. Ich glaube nicht, dass sie in der Färbung von der 
deutschen Type abweicht, mit welcher sie die Stimme gemein hat. 
Nach A. Brehm ist sie auch in Catalonien, Galizien und Castilien 
Brutvogel, jedoch nur einzeln; im Winter hingegen in Mittel- wie 
Süd-Spanien sehr häufig. 

62. Columba Livia L. 

Die zweibindige Felsentaube ist ausserordentlich häufig an 
den steilen Küsten der Inseln, während sie im Innern des Landes 
selbst auf den schroffsten Felspartien nicht anzutreffen ist; eine 
Eigenthümlichkeit, welche Bolle lür die Canaren (Journ. f. Orn. 
V. 330) entschieden in Abrede stellt. Sieht man sie im Innern 
des Landes, so sind es nur Flüge, welche von der Küste her liier 
der Nahrung nachgehen. Für gewöhnlich gehen dieselben nicht 
weiter landeinwärts, als bis zum nächsten Futtcrplatz, — und fin- 
det somit hier dasselbe Verhältniss, wie bei unsern Haustauben, 
den sogenannten Feldflüchtem statt, welche den Schlag verla 
um eine halbe Stunde davon Nahrung zu suchen. 

An den steilen Küsten aber, namentlich da, wo die Felsen 
senkrecht zum Meere abfallen, oder wo dieselben der Art unter- 
waschen sind, dass sie jeden Moment einzustürzen drohen, oder 
wo schon grosse losgespülte Felsblöckc in der See liegen, kurz 
Plätze, wo die Brandung schäumend tobt, da kommt unsere Taube 
vor; hier brütet sie colonieweise zu 5—8 Paaren trotz des tollsten 
Wogengeräusches in aller Ruhe und Zurückgezogenheit Aus 



*) Durch ein eiirenthümliehes Versehen habe ich beim Aufzählen der 
Arten in meiner vorigen Arbeil 8. 243 drei im System ausammenstebende Arten 
„4 ctitis kupoleuetiSf Tringa tubarquata und Trmga ahrina 

wes3halb die Schlussnunnner dieser Arbeit nirht 1<H). sondern LOS Lit 

••) Columba oenas wurde wahrend des Sommers weder von mir auf den 
Balearen, noch von A Brehm auf dem Continenf beobachtet 

Journ. f. Ornith., X. Jakrg, Nr. <>Ü, Ü01 «muImt \Wi. 27 



418 Alex, von Homeyer: 

diesen Verhältnissen, welche den Aufenthalt bedingen, ergiebt sich 
von selbst das häufige Vorkommen unseres Vogels auf Mallorka, 
und sein verhältnissmässig selteneres Auftreten auf Menorka. 

Trat ich von Oben her an eine derartige Felswand heran, so 
sah ich in der Regel und das sehr früh, nur eine Taube fortfliegen, 
während andere erst nachfolgten, als ich laut wurde, und end- 
lich erst die Letzten abstrichen, nachdem Steine etc. herabgerollt 
wurden. Alle diese aufgescheuchten Tauben flogen stets 150 — 200 
Schritt weit ins Meer hinaus, bevor sie seitwärts abschwenkend 
wieder der Küste zueilten. — Horchte ich, so hörte ich deut- 
lich das Piepen der Jungen, was mir also sofort diese Stelle 
als Nistplatz anzeigte. Verbarg ich mich nun, so kehrte nach 
Verlauf von einer viertel Stunde immer wieder nur eine einzelne 
Taube zurück, während erst einige Minuten nachher die andern 
einzeln oder truppweise nachfolgten. Diese Eigenthümlichkeit 
wusste mich in der Weise zu fesseln, dass ich ihr mehr Aufmerk- 
samkeit schenkte, und so kam ich denn endlich zu der Ueber- 
zeugung, dass ich es hier nicht mit einer Ausnahme, sondern 
mit einer Regel zu thun habe, dass nämlich jene zuerst 
abfliegende Taube den Wachdienst versehe. 

Die Felsentaube ist sowohl am Nistplatz wie stets scheu 
und schwer zu erlegen, wobei noch der schnelle, eilige Flug das 
Seine thut; nur ein Mal wurde mir bei Fortune das Gregentheil 
vorgeführt, indem ein Flug dieser Tauben sich kaum dreissig 
Schritt von mir auf ein Stoppelfeld setzte, so dass ich im ersten 
Moment an zahme Tauben dachte. 

Von verwilderten, scheckigen Tauben, von denen uns Alfred 
Brehm*) erzählt, sah ich nie etwas, unsere Taube hatte constant 
die blaue Färbung mit zwei dunklen Flügelbinden. — 
63. Turtur auritus. 

Die auf den Canaren und in der Provence, wie in Algier so 
häufige Turteltaube lebt auch, wenngleich nicht grade häufig, als Brut- 
vogel auf den Balearen; so vorzugsweise in den bewaldeten Vor- 
bergen des westlichen Theiles von Mallorka, wie auch bei Arta, 
dem sandigen Son Serre und Son Real; auf Menorka hingegen 
sah ich sie gar nicht. Vor dem sechsten Mai bemerkte ich übri- 
gens keine Turteltauben, und in nächster Zeit stets kleine Flüge 
von 6—12 Stück, welche mir wegen ihres Geschlossenseins den 



*) Allgem. Naturkistorische Zeitung 1857. 



Die Balearen. 419 

Zug anzeigten, weshalb ich auch annehme, dase der Zug für Mallor- 
ka ein so später ist, während ihn Brehm für den Coutiuent schon 
mit Mitte April eintreten lässt. 

64. Perdix rufa. 
Dem balkarischen Jäger ist es wahrlich nicht zu verdenken, 
dass er die Jagd auf Rothhühner mit ausserordentlicher Vorliebe 
betreibt, denn wie intressant ist an und für sieh die Ausübung 
der allerdings etwas mühsamen und ermüdenden Jagd, und wie 
prächtig endlich die Beute] Dieses Huhn, entschieden einer un- 
serer schönsten Vogel Europa)?, ist auf beiden Inseln gleich häu- 
fig; es lebt am Liebsten in den Haferfeldern der Abhänge des 
Gebirges, wie eben da zwischen den mit Cistenrosen und Lentis- 
kengesträuch verwachsenen Steingeröllpartien, wie in den Thal- 
mulden, wie endlich mitten zwischen den Felsen selbst. Dabei 
kommt es im Innern der Insel wie an der Küste gleich häufig 
vor, wenn nur der oben ausgesprochene Boden-Charakter nicht 
fehlt.*) Das eigentliche Fruchtland der Niederung hingegen mei- 
det es: Unser Vogel ist eben ein Felsen- und nicht ein Feldhuhn. 
Im Gebirge ruft es sein „Schick scherna, Schick Schema" in 
derselben Art und Weise, wie Perdix cinerea sein „Kirgick„ in 
den Fruchtfeldcrn Deutschlands, nur ist der Ton nicht so rein, 
kreischend und durchdringend, sondern mehr lispelnd, zischend 
und rund wie beim „Scharuck" des Phasianus Colchicum. In den 
Lebens Verrichtungen hat es viele Aehnlickeit mit dem Rebhuhn, 
denn es weidet, läuft und drückt sich vor dem Hunde, wie vor dem 
Menschen oder von selbst während des Tages, um auszuruhen 
oder sich zu verbergen, und ist Abends auf den Beinen. — Da- 
bei liegt es nicht ganz so fest, sondern geht gern heraus, hält 
jedoch bis auf 5 — 10 Schritt aus; ist es auf den Beinen, so lässt 
es sich weit treiben, ohne aufzufliegen; ist es jedoch des Ver- 
folgens überdrüssig, so fliegt es nicht ausser Schussbereich auf, 
wie es ja bei l'enli.v cinerea so oft geschieht, sondern es drückt 
sich, und lässt den Jäger schussrecht herankommen. — Be ist 
möglich, dass ich hier aus einzelnen erlebten Fällen zu schnell 



') Wenngleich auch die Bodenverhältnisse Schlesiens theüweise der Ar! 
sind, dass daselbst unser Vogel leben könnte, so waren wohl die ungünstigen 
Witterungsverhältnisse Ursache, dass trotz aller angewandten .Muhe eine &.c- 

climatisining nicht stattfand. Man sollte den Mutii nicht sinken hissen, und 
neue Versuche Diaehen. Wilde Katzen und anderes Raubzeng wird immer 
seltener, und dadurch ein glückliches Aufkommen der I >t ut immer wahr- 
scheinlicher. 

2T 



420 Alex, von Homeyer: 

einen Schluss mache und zu schnell eine Regel bilde, aber im 
Wesentlichen, denke ich, wird es doch seine Richtigkeit damit 
haben. Das Auffliegen geschieht stets sehr laut, nachher sehr 
schnell und schön, übrigens ganz wie beim Rebhuhn, diesem so- 
gar so ähnlich, dass man es, wäre der Grössenunterschied nicht 
augenscheinlich, mit ihm verwechseln könnte. Des Abends 
hört man das Locken nicht so häufig, wie hierorts beim Rebhuhn, 
weshalb wohl ein so intimes Familien- oder Zusammenleben nicht 
Bedürfniss ist. 

Für den Jagdliebhaber dürfte es noch von Interesse sein, dass 
die Aasjägerei sich selbst bis auf die Balearen erstreckt hat, in- 
dem während der Sommerzeit heimlicher Weise genug Rothhüh- 
ner dadurch mit Pferdehaarschleifen gefangen werden, dass man 
den Ton des Weibchens nachahmt. 

Man hält das Rothhuhn seiner Schönheit wegen vielfach le- 
bend in ganz kleinen Holzkäfigen, und ernährt es vorzugsweise 
mit türkischem Waizen (Mais),, wobei es sich trefflich befindet 
und jahrelang aushält, während Freund Bolle „Vögelkunde der 
Canaren" uns von dem auf den Balearen nicht vorkommenden 
Perdix petrosa (Journ. f. Orn. V. 324) das Gegentheil versichert.*) 
65. Coturnix dactylisonans. 

Die Wachtel ist Zug-Yogel der Balearen, indem ich vor dem 
26. April keine schlagen hörte. Sie ist auf beiden grösseren In- 
seln recht häufig, und fiel mir eine Farbenvarietät an zwei le- 
benden, jedoch frisch gefangenen Vögeln auf; welche ich Gele- 
genheit hatte genau zu betrachten. Sie zeigten bei sonst nicht 
abweichender Färbung ein graues Nacken- oder Halsband von so 
ausgeprägter Färbung und scharfer Zeichnung, dass es mir auf 
den ersten Blick auffiel. Leider waren sie nicht zu acqueriren; 
versichert wurde mir jedoch, dass man also gefärbte Wachteln 
hier öfter habe. Ohne Zweifel ist es eine eigene Type, welche 
ich in Deutschland nie gesehen habe. Jedenfalls möchte ich die 
Aufmerksamkeit späterer Balearen-Reisender auf diesen Vogel 
lenken.**) 



*) Perdix cinerea wurde von mir nicht bemerkt, auch kannte es keiner 
der balearischen Jagdliebhaber; nach A. Brehm vertritt dasselbe das Rothhuhn 
(P. rufaj in Asturien, Leon, Hoch-Catalonien und hier uud da in Arragonien. 

**) Turnix gibraltariensis war auch eins von jenen Thierchen, welches ich 
auf den Balearen vermuthete und durchaus auffinden wollte. An seinem Vor- 
kommen glaubte ich um so weniger zweifeln zu dürfen, als ja die mit Cha- 
maerops humilis und Pistacia Lentiscus überwachsenen Hügelpartien Mallor- 
kas so ganz den steppenartigen Character Nord-Afrikas zeigen, wo unser Vo- 



Die Balearen. 421 

66. Oedicnemus crepitans. 
Den knarrenden Dickfuss gab ich in meiner Einleitung als Cha- 
raktervogel an, und er verdient es auch im wahren Sinne des Wor- 
tes. Nirgends findet er sich häufig, doch überall auf jenen dürftigen 
Steingeröllpartien der Abhänge, den muldenförmigen Einsenkun- 
gen des Gebirges, wie den kahlen, stillen, von dürftigem Wald 
umgebenen sandigen Plätzen der Vorberge. Er ist nicht scheu, 
doch weiss er die Distancc unseres Schusses ganz genau. Bei 
unserci- Annäherung läuft er davon, — sieht sich um, — steht 
einen Moment still, — läuft wieder, — endlich fliegt er auf; — im 
Fluge wendet er noch einmal den Kopf rückwärts, dann schreiet 
er, und fort ist er. Sein Flug ist nicht hoch, kaum zwei 
bis drei Fusa von der Erde, dabei ist er sanft und ziemlich ge- 
wandt, oft mit hängenden Beinen. Fast wird man an eine Eule 
erinnert, doch nur kurze Zeit, die gelbliche Färbung des Gefie- 
ders täuschte uns, — bald setzt er sich wieder, läuft noch 
zehn bis fünfzehn Schritt und sieht wieder mit seinen grossen 
Augen uns an. Dabei ist er gewöhnlich einzeln, selbst zur Brut- 
zeit kaum paarweise zu sehen; ist es der Fall, so sind die Vö- 
gel 20—30 Schritt von einander entfernt, das Treiben ist dasselbe, 
das Geschrei vermehrt sich. „Es lässt sich nicht leugnen", schrieb 
ich am zweiten Mai in mein Tagebuch, „ein Regenpfeifer ist es 
zwar, aber doch wieder etwas ganz Anderes — er hat so etwas 
Unheimliches mit den grossen Augen, dem schwarzen Bart, dem 
bleichen Colorit, dem geräuschlosen Flug: — es ist ein Gespenst!" 
Aber wozu diese Einzelheiten? Wir haben es ja mit einem 
auch in Deutschland bekannten Vogel zu thun. — Doch nein, 
der spanische ist in seiner Einsamkeit ein anderer Vogel, sein 
Leben ist ^eheimuissvoller, dabei lässt er sich aus der Nähe be- 
trachten, während der Deutsche schon in grosser Entfernung 
davon fliegt.*) 



gel so recht zu Hause Ist. Ich habe nun diese Partieen nach allen Richtungen 
durchstreift, und Abends allda gesessen und gehorcht, aber weder den betref- 
fenden Vogel aufgestöbert, noch einen fremden, von mir nicht gekannten Lock- 
ton oder KuC gehört; habe dann ferner viele Jager befragt, ob ihnen ein 

Thiereheii „ahnlich der Wachtel" bekannt sei, und auch hier nur verneinende 
Antwort erhalten. Ich glaube demnach das Mehlige gethan zu haben, und 
sauen zu dürfen, dass Turnix gibraltarxensit auf den Balearen nicht vorkommt. 
Nach All'. Brehm soll man sie in Nieder-Andalusien antreffen, ohne dass jener 
Forscher selbst sie beobachtete. 

*) In diesem Sommer beobachtete ich bei Glogau, dass ein knarrender 
Dickfuss sich ähnlich wie ein Rebhuhn drückte, als ich ihm zu Pferde sehr 
nahe kam. 



422 Alex, von Homeyer: 

67. Charadrius cantianus. 

Von den drei kleinen Regenpfeifern ist dies der eigentliche 
Repräsentant; man sieht ihn besonders häufig auf den sandigen 
Stellen der südlichen Küste Mallorkas, stets in kleinen Flügen 
zu 3 — 10 mit Gattungsverwandten, vorzugsweise am Strande selbst, 
seiner Nahrung nachgehend, welche mit Vorliebe der spülenden 
See selbst entnommen wird.*) Einen Unterschied von den Vö- 
geln der Ost-See fand ich nur in der etwas bleicheren Färbung; 
in den Lebensverrichtungen, der Fortpflanzung, der Stimme nicht. 
A. Brehm sagt von ihm in der Allg. Nat. Zeitung 447: 
„Nach Rios zufällig und selten im Herbst in Galizien, nach 
Arigo auch bei Valencia" , woraus hervorgeht, dass Brehm selbst 
ihn gar nicht gesehen hat; Bolle nennt ihn auf den Canaren ei- 
nen häufigen und ständigen Strandbewohner und Brutvogel. 

68. Charadrius hiaticula. 

Nicht ganz so häufig an denselben Orten. Dies ist unzwei- 
felhaft Bolle's fraglicher Regenpfeifer der Canaren (s. Journ. f. 
Orn. V. 337). Unser Vogel zeichuet sich durch ein sehr breites 
schwarzes Brustschild aus. Nach Vidal Standvogel am Albufera 
bei Valencia, nach Graells nicht selten in Castilien. 
69. Charadrius minor. 

Der seltenste Regenpfeifer; man findet ihn weniger an der 
Küste der See, als an den Ausmündungen der Süss-Wassergräben 
und am Prat; an diesem Letztern sind stets einige Paare anzu- 
treffen und dienen die sandigen Nachbarpartien desselben nach 
der See zu ihm als Brutstellen. Von dem andern Sumpfgeflügel, 
welches so gern im seichten Wasser watet, hält er sich fern, und 
läuft zwanzig Schritt davon auf den feuchten Stellen, um allerlei 
Gewürm aufzulesen. Nach A. Brehm ist er auf dem Continent 
überall an geeigneten Orten gemein. 

70. Strepsilas collaris (111.)**) 

Wurde dann und wann am Seestrande unweit Palma von 
mir gesehen; sein ganzes Wesen deutete auf einen Brutvogel hin. 
Gewöhnlich traf ich ihn mit Regenpfeifern und Tringa alpina 
s. variabilis damit beschäftigt, aus den kleinen, durch die 
zurückgetretene See gebildeten Lachen allerlei Gewürm als Nah- 
rung aufzulesen. 



') Dennoch im Magen „kleine Landschnecken und Käfer" gefunden. 
*) Aus der Gattung Vanellus wurde Nichts gesehen. 



Die Balearen. 423 

71. G I (l /VO / Q f> in t i i> rola (L.) 

Die Wi'-xMischwalbe, welche Dach Graelle und Yidal wäh- 
rciul i\(^ Sommers röcht häufig bei Valencia und in CaetOien vor- 
kommt, ist für unsere Inseln eine entschiedene Seltenheit, denn 

nasser einem Pärchen^ welches ich am 13. Mai erlegte, habe 
ich nie wieder einen derartigen Vogel angetroffen; selbst die 
Jagdliebhaber, welchen ieli meine praparirten Vögel zeigte, betrach- 
teten dieselben als Fremdlinge, tch komme spater unter den' Titel 
„Zwei glückliche Jagdtage,'" noch ein Mal auf dieses Vogel zurück. 

72. A rdea e ine reo L.*) 

Unser grauer Fischreiher ist von den Öattungsverwandten 
am zahlreichsten anzutreffen^ ohne dabei häufig zu sein. Bei Tage 
Sah ich ihn öfters zu je zwei bifi drei Stück vereint am Prat 
am Abende einzelne Individuen vorbeiziehen, welche den Lachen 
zuflogen. Hrutvogel ist er unzweifelhaft, indem Mitte Mai ein 
junger Vögel auf Mallurka erlegt wurde, jedoch durfte auch hier 
die Brutsielte aus Mangel hoher Bäume und geschlossener Wal- 
der anderer Art wie in Deutschland und in den Dickichten des 
Aruiuln iloita.v am Albufera, oder denen der Tamarisken am Prat 
zu suchen sein. 

73. Ardea purpurea L. 

Dasselbe, wie beim Vorgehenden, nur noch einzelner. 
74. Egretta cjarzetta (Bp.) 

Der kleine Silberreiher wurde einige Mal von mir am Prat 
und Albufera gesehen; es waren stets einzelne Vögel. Eine 
Verwechselung mit dem lviihreiher (ßubulcas comatus), welcher 
nach A. Brenn? der häufigste Reiher Süd Spaniens ist, fand nicht 
statt, indem ich beide Arten im Fluge zu unterscheiden weiss. 
Bei Valencia ist E. </arzetta gemein, und brütet derselbe nach 
Dr. von Müller auch in der Camargue. 

75. Ny c f i d o r q x g r i % e u 8 (Strickl.) 

Der Nachtreiher ist vielleicht ebenso häufig wie A. einsreal 

man sieht ihn vorzugsweise Abend-, wenn er der Nahrung halber 
den Lachen zufliegt, Tags hingegen wie beispielsweise am Trat 
niemals. Wenn schon der Fischreiher einen eigenen Eindruck 
macht, im Dunkel *\rv Nadi! dahin ziehend, und widerlich krei- 
schend. Sft thut dies der Naclitreilier noch viel mehr. Diese 

•) Y«>n Störchen sah ich Nichts. AnffaMeo rnnae es, das* die Kraniche 
ganz fehlen; selbel Balearica pavonina, die ich ihres Namens halber doch 
vermutheo durfte, wnrde nicht von mir beobachtet, und stelle ich ihr Vorkom- 
men als Bnit- oder Sommen chieden in Abrede. 



424 Alex, von Homeyer: 

ein entschiedener Nachtvogel, der Flug ist geräuschlos, die tem 
porisirten Flügelschläge geschehen schneller, und wird Hals- und 
Brustpartie der Art zurückgezogen, dass dieser ganze vordere 
Theil dick aussieht, was dem Vogel ein eulenartiges Aussehen 
verleiht. Bei Valencia ist er nach Vidal, wie uns A. Brehm mit- 
theilt, ein häufiger Brutvogel. 

76. Botaurus stellaris (ex L.) 

Auch der Rohrdommel ist Brutvogel; ich habe sein dumpfes 
Brüllen zu wiederholten Malen am Prat selbst zur Mittagszeit ge- 
hört. 

77. Phoenicopterus roseus*) 

Der Flamingo bewohnt als Brutvogel nur ausnahmsweise 
die Balearen, besucht sie als Sommervogel dann und wann, und 
ist im Winter ständig da. Dies sind die Angaben meiner ver- 
ehrten Freunde des Professor Rudolph Send und des jungen 
Esteban Veiret, Sohn des Hotelbesitzers zu den drei Tauben, 
welche Angaben durch die Jagdliebhaber bestätigt wurden, welche 
unseren Vogel als sehr scheu und schwer zu erlegen schilderten. 
An der Richtigkeit der Mittheilungen ist übrigens nicht zu zwei- 
feln, denn einerseits bürgt die Ehrenhaftigkeit meiner Freunde 
dafür, wie andererseits die vielen ausgestopften Vögel im Win- 
terkleide, (mit nicht abgestossenen Federkanten), welche ich bei 
Privaten und selbst in dem dürftigen zoologischen Universitäts 
Museum in Palma antraf, wie endlich meine eigenen Beobach- 
tungen am 26. Mai, wo ich zwei Flamingos sah, welche gepaart zu sein 
schienen, und somit Brutvögel, zum Mindesten jedoch Sommervögel 
waren. Da alle Aussagen darauf hinausgingen, dass der Flamingo 
vorzugsweise am Albufera lebe, und jene beiden von mir gese- 
henen Vögel ebenfalls daselbst beobachtet wurden, so glaube ich 
den Charakter desselben hier kurz angeben zu müssen: 

Der Albufera ist ein Binnenwasser, im nordöstlichen Theil Mal- 
lorkas unweit Alcudias, von der See durch einen grossen natürlichen 
Damm getrennt, welcher bald felsig bald sandig, bald hoch bald 
niedrig ist, jedoch zulässt, dass das steigende Meer unsern See 
tränkt, der vom Lande her mehrere Zuflüsse von Bächen hat. 
Nach Alcudia zu sind seine Grenzen steil, *nach Son Serre hü- 
gelig, sonst ganz niedrig und sumpfig. Die Wasserfläche hat 
circa die Breite von einer Stunde und die Länge von zwei und einer 



*) Platalea leucerodius L. kommt nicht vor. 



Die Balearen. 425 

halben Stunde, die Tiefe ist nicht bedeutend, und wechselt zwi- 
schen zwei bis zehn Fuss. das Wasser ist ziemlich aalog. Naeh 
Alcudia zu begrenzen ihn die schönsten Fruchtgelande von Mais, 
Hanf, Hafer und Bohnen, während das südliche Schilfrohr (Arwn- 
do donax) die das Gelände durchziehenden breiten \\ 
ben einschliesst resp. einnimmt; nach St. Maria zu finden rieh 
grosse offene mit Car ««-Arten bewachsene Wiesen, welche der 
Nässe halber auch während i\^^ Sommers kann tu pasairen sind; 
die Hügelparticn nach Son Serre sind mit der Lentiske und 
Cistenrose bewachsen; vor ilinen im See und nach dem Meere 
zu liegen grosse Sandbänke. 

Diese Letzteren nun sollen es sein, woselbst sich unser V r ogel 
mit Vorliebe aufhält. 

78. Ibis falcinelius. 

Am 25. April erzählte man mir bei Tische, dass ein junge* 
Franzose, welcher eifriger Jäger sei, unweit Palma einen ganz 
merkwürdigen Vogel geschossen habe. Nach dem Dessert ging 
nun die Wanderung zu jenem Franzosen; meine Tischgen« > 
schlössen sich theilweise an, einerseits um den Vogel zu sehen 
andererseits sich auch davon zu überzeugen, ob ich den Vogel 
kenne, wie ich es im Voraus behauptet hatte. Die Hofthür wurde 
aufgemacht und es spazierte vor uns ein flügellahm geschosse- 
ner Ibis falcinelius. Der Franzose that sehr geheimnissvoll , hielt 
den Ort, wo er den Vogel getroffen, geheim, und sagte mir 
sei zwei Meilen von hier am Seestrande gewesen; es wären da- 
selbst immer ihrer mehrere beisammen und sehr scheu; er 
ihnen zu Lieb' schon oft des Sonntags, wenn er Zeit halte, hin- 
gegangen, ohne sie jedoch regelmässig anzutreffen. Ich wollte 
jetzt mich ihm bei dem nächsten Ansinge anschlössen, und er- 
hielt auch die bereitwilligste Zusage, doch kam es niemals dazu. 
der Franzose hatte stets Ausreden, bald hatte er zu thun , bald 
war er krank, bald hatte er Besuch, kurz, es wurde mir klar. 
dass ihm daran lag, sein Jagd-Terrain nicht zu rerrathenj was 
mir dadurch zur Gewissheit wurde, dass eben dieser Frau 
eines Tages von der Jagd heimkehrend, einem ganz jnngen Fisch- 
reiher ireschossen halle. 

Am 15. Mai endlich berührte ich das Terrain ganz zufällig 
auf meinen Streifzügen, - und isi es der schon so oft erwähnte 
Trat, dessen Beschreibung Ich hier kurz gebe: 

Der Frat, zwei Stunden südöstlich von Palma, ist ein Niede- 



426 Alex, von Homeyer: 

rungsgelände von circa einer Stunde Lange und einer halben 
Stunde Breite; von der See ist er durch einen Sanddamm von 
circa 100 Schritt getrennt, so dass er für gewöhnlich abgeschlos- 
sen ist. Getränkt wird der Prat durch kleine Wässerchen, welche 
ihm zufliessen, ferner durch kalte Quellen, welche er selbst be- 
sitzt, und durch die See, wenn diese ausnahmsweise bis über den 
Sanddamm steigt. Der Gehalt wechselt demnach, bald ist er süss, 
bald brackig. Die Fläche des Wassers ist, wie das aus Obigem 
hervorgeht, sehr verschieden, steigt die See, so steht die ganze 
Niederung unter Wasser, für gewöhnlich jedoch ist die Fläche 
nur 700 Schritt lang und 50 — 200 Schritt breit, woraus sich also 
eine sehr eigenthümliche Form ergiebt. Die Tiefe wechselt 
zwischen 1 — S Fuss. Die Ufer nach der See zu sind durchweg 
flach und sandig, und nur hier und da bewachsen, während auf 
dem Damm "selbst ein vielleicht 1 5' hoher, bald lichter, bald ge- 
schlossener Kiefernwald steht. Die Meeresküste ist ebenfalls 
sandig. Die andere Seite des Prat (nach dem Inlancle zu) ist 
moorig, sumpfig und oft untief, nur ausnahmsweise sandig. Ein 
Tamarisken- und Salicornien-Wald in einer Breite von 50 — 150 
Schritten umgürtet ihn der Art, dass die Tamariske das Ober-, 
die ßalicornia das Unter -Holz bildet, in einer Höhe von je 20 
und je 5 — 8', während das Wasser darunter 1 — 3' tief ist. 
Man kann sich denken, wie schwierig die Passage hier ist. - 
Die Seite nach Palma hin ist eine höchst merkwürdige, bei Bu- 
dytes flavus erwähnte, ich möchte sagen steppenartige Wiese mit 
sterilem Boden und dürftigem Pflanzenwuchs , theils trocken und 
hart, theils unter Wasser stehend. Die vierte Seite nach Luch- 
mayor endlich ist hügelartig, lehmig, fruchtbar und mit hohen 
Kiefern und mit üppigem Gesträuch bewachsen. 

Im Allgemeinen stimmen diese Plätze wohl mit denen, wie 
sie uns bei Ibis falcinellus in den Nachträgen zu Naumanns Na- 
turgeschichte durch Blasius und Baldamus geschildert wurden, und 
es entsteht desshalb die Frage, ob nun auch hier auf Mallorka 
die Ibisse wirklich nisteten. 

Ich traf dieselben bald truppenweise zu zwölf, bald zu 
zwei und drei, bald einzeln, bald jedesmal während acht Tage, 
bald zwei bis drei Tage hintereinander nicht an. Dabei sah 
ich die ersten am 15., die letzten am 25. Mai, während der vor- 
her erwähnte Franzose dieselben schon seit Mitte April beobach- 
tet hatte. Vidal sah dieselben nur im Winter, selten an der 



Die Balearen. 427 

Abufera, Graclls zuweilen in Castilien. Das „Zuweilen" schliefist 
den /Sommer nicht aus, bezeichnet aber Mich nur ein sporadische* 
Auftreten. Dr. von Müller sagt im Journal ('. <). IV. £30, <l;i- 
der Ibis in manchen Jahren sehr zahlreich im Mai nach der Pro- 
vence komme, und dass die meisten weiterzogen, wahrend nur 
wenige in *\w Camnrgue brüteten; demnach glaube ich, dass un- 
sere Balearen-Ibisse auf dem Zuge waren, dass sie aber, w« im 
sie nicht fortwährend gestört worden wären ; jedenfalls auf Mal- 
lorka in dem ihnen zusagenden Terrain gemistet hätten, wofür 
sowohl der lange, über einen Monat dauernde Aufenthalt, wie 
endlich ihr ganzes von mir beobachtetes Leben spricht ; — was 
abernichtgeschah, da jenes Terrain seiner geringen Ausdehnung we- 
gen bei all'den Störungen ihnen nicht genügenden Sehnt/ versprach. 

Andrerseits ist der Ibis durchaus nicht ein ausschliesslich 
südlicher, an das Mittelmeergebiet gebundener V r ogel; Schlegel 
bildet ihn in seinen „Vogels van Nederland" im Jugendkhide 
ab, während ihn der Forstinspcetor Wiese als in der Provinz 
Ost-Preussen verkommend angiebt. Demnach ist also Ibis faldr 
nellus ebenfalls zn jenen Vögeln gehörig, welche seit neuerer 
Zeit sich auf die Wanderung von Süden nach Norden begaben, 
wie Fringilla serinus, Ruticilla tithys etc. 

79. Numenius tenuirostris (Vieill.) 

Die dünnschnäblige Eegenbrachschnepfc kommt am Prat als 
Brutvogel vor, denn während der ganzen Sommerzeit meines Auf- 
enthaltes hielten sich stets einige Individuen daselbst auf; ein 
Nest habe ich nicht gefunden, auch nicht einen Vogel als Prä- 
parat mitgebracht, doch mehrere bei Privaten ausgestopft gese- 
hen. In seiner Lebensweise weicht der Vogel von Num. mrquatu* 
dadurch ab, dass er nach Art der Limosen und des Kampfhahnes 
gern auf ganz nassen Wiesen, selbst bis an den Bauch ins Wa- 
der watet. Herr Julius Lichtenstein aus Charlos (s. mein» 1 Ein- 
leitung S. 18)theilte mir mit, dass dieser Vogel zwischen Valencia 
und Barcelona unweit der Küste an geeigneten Plätzen nieht sel- 
ben niste, so bei Charlos selbst. Nach Bios ist er zufällig und 
selten in Galizien. 

80. Limo s a melanura (Leisl.) 

Ebenfalls Brutvogel, doch nieht häufig; am Trat sind Steig 
einige Paare anzutreffen. Nach Yidal gemein am Allml'eia. 
8J. Tofa/ii/.s ctilidris (Rechst.) 

Per Rothschenke