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Full text of "Jürgen Ovens; sein Leben und seine Werke. Ein Beitrag zur Geschichte der niederländischen Malerei im 17. Jahrhundert"

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Jürgen Ovens 

Sein Leben und seine Werke 

Ein Beitrag zur Geschichte 
der niederländischen Malerei im XVII. Jahrhundert 

Von 

Dp. Harry Schmidt, Kiel 



Mit Oö Abbildungen und 12 Signaturen auf 60 Tafeln 




Selbstverlag des Verfassers Dr. Harry Schmidt, Kiel, Holtenauerstr. 178. 






T 



Ein Mensch, wenn er gleich sein Bestes getan hat, 

so ist es kaum angefangen, 

und wenn er meinet, er habe es vollendet, 

so fehlet es noch weit. 

Jesus Sirach, 18, 6. 



Pastor em. Johannes Biernatzki, Hamburg 

Dr. Abraham Bredius, Monaco 

Dr. C. Hofstede de Groot, Haag 

in Verehrung und Dankbarkeit 

zugeeignet . 

vom Verfasser. 



Ill 



Kunstgeschichtliche Forschungen, 
mit Unterstützung des Kunstgeschichtlichen Instituts 

der Universität Kiel 

und des Schleswig - Holsteinischen Kunstvereins 

herausgegeben 

von Professor Dr. Arthur Haseloff, Kiel. 

I. 



Das Buch ist gedruckt in der Westholsteinischen Verlagsdruckerei, 

Heider Anzeiger, O. m. b. H., Heide in Holstein. 

Die Cliches sind angefertigt von der Firma Richard Labisch & Eisler, 

Graphische Kunstanstalt, 0. m. b. H., Hamburg. 



IV 



Vorwort. 



^'I ein erst Gefühl sei Preis und Dank! So will 
-^ -*- ich mit den Worten des frommen Sängers 
sprechen, jetzt, wo ich mein Buch hinausgehen 
lasse und damit am Ende langjähriger, durch den 
Krieg freilich zeitweilig unterbrochener und be- 
hinderter Arbeit stehe. Dank gegen Gott und 
Dank gegen die Menschen, daß es mir vergönnt 
gewesen ist, das Werk zu vollenden und, allen 
Nöten der bösen Zeit zum Trotz, auch zu ver- 
öffentlichen. 

Vor mehr als 10 Jahren begannen die Studien 
für dieses Buch. Anfangs hatte ich das Ziel kurz 
gesteckt. Aber bald erkannte ich, daß es sich nur 
durch weitgreifende Forschungen werde erreichen 
lassen. So hab' ich denn auf ausgedehnten 
Studienreisen in den Museen, Privatsammlungen, 
Bibliotheken und Archiven Deutschlands, Hollands, 
Dänemarks und Schwedens meine Untersuchungen 
angestellt und den Stoff zusammengetragen. Das 
urkundliche Material fand ich vornehmlich im 
Staatsarchiv zu Schleswig und im Reichsarchiv zu 
Kopenhagen. Wertvoile Hinweise bot Johannes 
Biernatzkis handschriftliche Sammlung ,, Urkund- 
liche Nachrichten zur Kunstgeschichte Schleswig- 
Holsteins". Außerdem gewährten reiche Ausbeute 
die Sammlungen alter Kataloge, die die Bibliothek 
der Staatlichen Museen zu Berlin, die Kunsthalle, 
die Staats- und Universitätsbibliothek (Stadt- 
bibiiothek), die Bibliothek des Vereins für Ham- 
burgische Geschichte und das Staatsarchiv zu 
Hamburg besitzen. Die Notizen aus den Ver- 
steigerungskatalogen der Kgl. Bibliothek zu Kopen- 
hagen verdanke ich Herrn mag', art. Victor Her- 
mansen, Kopenhagen. Ihr großes, die holländi- 
schen Versteigerungen betreffende Material haben 
mir die Herren Dr. Abraham Bredius, Monaco und 
Dr. C. Hofstede de Groot, Haag aufs freundlichste 
überlassen, jene Forscher, deren unbegrenzter 
Hilfsbereitschaft in allen wissenschaftlichen Fragen 
ich mich auch sonst oft genug erfreuen durfte. 

Die für die Reisen und die Erwerbung der 
Photographien erforderlichen Mittel stellten die 



Altschassische Stiftung der Universität Kiel, die 
Provinzialkommission für Kunst, Wissenschaft und 
Denkmalspflege und die Schleswig-Holsteinische 
Universitätsgesellschaft zur Verfügung, denen auch 
an dieser Stelle geziemend gedankt sei. Viele Be- 
sitzer von Werken des Meisters unterstützten mich 
durch gütige Überlassung von Photographien. 
Vor allem ist zu nennen die Kgl. Kupferstich- 
sammlung zu Kopenhagen, die, in nicht genug 
zu rühmender Liberalität, sämtliche in ihrem 
Besitze befindlichen Zeichnungen des Meisters 
für mich photographieren ließ, sowie das Rijks- 
museum zu Amsterdam, dem ich die Photo- 
graphien der Ovensschen Gemälde dieser Samm- 
lung verdanke. 

Lang ist die Reihe derer, denen der Verfasser 
Dank schuldet, weil sie seine Studien durch tätiges 
Interesse gefördert haben. Einzelne von ihnen 
sind schon von hinnen geschieden : Graf Kurt 
Reventlou-Damp; mein hochverehrter akademischer 
Lehrer Geheimrat Siegfried Sudhaus ; der Direktor 
des Thaulow-Museums zu Kiel, Prof. Dr. Gustav 
Brandt; der Direktor des Rijksprentenkabinets zu 
Amsterdam, E. W. Moes. Ihnen allen bewahre 
ich ein treues Gedenken. Von den Lebenden hab' 
ich besonders zu nennen : Universitätsprofessor 
Dr. Graf Vitzthum von Eckstädt, früher in Kiel, 
jetzt in Göttingen, der die Anfänge meiner Studien 
förderte, und seinen Nachfolger, Universitäts- 
professor Dr. Arthur Haseloff, der mir beim Ab- 
schluß meiner Arbeit unermüdlich mit Rat und 
Tat zur Seite stand. 

Ein besonderer Dank gebührt auch der 
Druckerei, die den schwierigen, durch viele Mo- 
nate sich hinziehenden Druck des Textes und 
der Tafeln mit größter Sorgfalt hergestellt hat. 

Daß ich in einer für wissenschaftliche Veröffent- 
lichungen so ungünstigen Zeit das Werk drucken 
lassen konnte, ist den Unterstützungen zu 
danken, die mir das Oberpräsidium der Provinz 
Schleswig-Holstein, der Provinziallandtag, die 



Schleswig-Holsteinische Universitätsgesellschaft, der 
Schleswig-Holsteinische Kunstverein, der Kreis 
Eiderstedt, die Stadt Friedrichstadt an der 
Eider, das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und 
Volksbildung, Berlin und das Reichsministerium 
des Innern haben zu teil werden lassen. Ihnen 
allen sei auch hier mein herzlichster Dank aus- 
gesprochen. Dem Ministerium für Kunst, Wissen- 
schaft und Volksbildung danke ich besonders noch 
dafür, daß es mich von Ostern 1920 bis Ostern 
1921 von meinen amtlichen Verpflichtungen be- 
freit und mir so die für die Abfassung des Buches 
nötige Muße gewährt hat. Von ausländischen 
Förderern, die mich durch Subscription unter- 
stützt haben, nenne ich in erster Linie Herrn Dr. 
Abraham Bredius, Monaco ; Frau Thora van Loon, 
Amsterdam ; Herrn Pastor P. Eidering, Rotterdam ; 
Frl. Henni Michelsen, Tondern; das Museum in 
Schloß Frederiksborg; das National-Museum, 
Stockholm; Herrn Dr. W. F. Petersen, Chicago; 
Herrn Theodor Brasch, Cincinnati; Herrn Prof. 
Dr. Kuno Francke, Harvard University, Cambridge, 
Nord-Amerika. 



Das Werk über Jürgen Ovens soll eine seit 
Jahrzehnten schwer empfundene Lücke unserer 
Kenntnis der heimischen Malerei endlich ausfüllen. 
Die Bedeutung des hervorragendsten Malers, den 
das Land zwischen Elbe und Königsau in alter 
Zeit hervorgebracht hat, geht freilich über die 
einer lokalen Größe weit hinaus. Auch im Rahmen 
der niederländischen Kunst betrachtet, nimmt 
Ovens eine wichtige Stellung ein. Zweifellos ist 
der Meister die bedeutendste Persönlichkeit, die im 
17. Jahrhundert den künstlerischen Zusammenhang 
zwischen den Niederlanden und Schleswig-Holstein 
hergestellt hat. 

Das Buch verdankt der Liebe zur Heimat, dem 
Interesse an ihrer reichen Vergangenheit seine Ent- 
stehung. Es hat dem Verfasser alle Arbeit und 
Mühe, und, es soll nicht verschwiegen werden, 
auch zeitweilig drückende Sorgen, belohnt. Denn 
es hat in langen, vielfach trüben, von des Vater- 
landes Not umdüsterten Jahren in ihm das Glücks- 
gefühl lebendig erhalten, das die wissenschaft- 
liche Forschung denen schenkt, die sich um die 
Erkenntnis mühen. 



Kiel, 16. November 1922. 



Dr. Harry Schmidt. 



VI 



Inhaltsübersicht. 



Seite 



Verzeichnis der Abbildungen V,[j 

Einleitung 

I. Der Gang der Forschung über Jürgen Ovens 

II. Jürgen Ovens' Leben 

Tauftafel 

Nachrichten über die Familie des Malers Jürgen 
Ovens 



56 



III. Exkurse zum Leben und zur Kunst des Waiers 59 

1. Die chronistische Literatur über Ovens . . 59 

2. Die Gemäldesammlung des Ovensschen 
Hauses 



61 



3. Die Einkünfte und der Besitz des Malers 
sowie die Einrichtung seines Hauses ... 68 

4. Die Bibliothek des Ovensschen Hauses . . 74 
ö. Der Silberschatz des Ovensschen Hauses . 80 
6. Die Plastiken des Ovensschen Nachlaß-In- 



ventars 



83 



7. Govert Flinks, Rembrandts und Ovens' Julius 
Civilis-Bilder g^ 

8. Ovens und die von Artus Quellinus für das 
herzogliche Erbbegräbnis im Dom zu Schles- 
wig geschaffenen Marmorskulpluren .... 88 

9. Ovens und der Maler Johannes Voorhout . 92 

10. Ovens und die Mitglieder der Kunsthändler- 
familie Uylenburg 93 

11. Ovens als Kunsthändler 94 

12. Ovens und Pieter Lastmans Gemälde Schlacht 
zwischen Konstantin und Maxentius .... 9ö 

13. Ovens' Stellung zur Kirche und Religion . 97 

14. Ovens' Einwirkung auf Asmus Jakob Carstens 104 

15. JürgenOvens' Bruder, der Maler BroderOvens 106 

16. Friedrich Adolf Ovens und Friedrich Jürgens, 
der Sohn und der Neffe des Jürgen Ovens, 

als Maler .107 

17. DerTönningerMalerLorens(Lorenz)deKeister 108 

18. Jens Martens, Ovens' Schwiegervater ... l!0 

19. Das Siegel und Wappen des Jürgen Ovens 
sowie das Wappen seines Sohnes Gerhard 

und anderer Familienmitglieder 115 

20. Zur Geschichte des Ovensschen Erbbegräb- 
nisses jjg 

IV. Längere auf den Maler sich beziehende Ur- 
kunden, soweit sie nicht in den darstellenden 
Abschnitten mitgeteilt sind 118 



Seite 

V. Jürgen Ovens' Werke J37 

A. Verzeichnis der Gemälde 137 

1. Systematisches beschreibendes Verzeich- 
nis aller Gemälde von Ovens' Hand . . 137 

2. Verzeichnis der zur Zeit nachweisbaren 
Gemälde des Jürgen Ovens 221 

3. Chronologisches Verzeichnis der datierten 
und datierbaren Bilder des Ovens ... 225 

4. Gemälde, die Ovens mit Unrecht zu- 
geschrieben werden 229 

5. Stiche nach Ovensschen Gemälden ... 231 

B. Verzeichnis der Zeichnungen . . 

1. Systematisches beschreibendes Verzeichnis 
aller Zeichnungen von Ovens' Hand 

2. Verzeichnis der zur Zeit nachweisbaren 
Handzeichnungen des Jürgen Ovens 

3. Chronologisches Verzeichnis der datierten 
und datierbaren Handzeichnungen des 
Ovens 

4. Handzeichnungen, die Jürgen Ovens mit 
Unrecht zugeschrieben werden 258 

C. Verzeichnis der Radierungen. . . 258 

1. Systematisches beschreibendes Verzeichnis 

der Radierungen von Ovens' Hand ... 258 

2. Verzeichnis der Radierungen des Jürgen 
Ovens in alphabetischer Reihenfolge der 
Aufbewahrungsorte 262 

3. Radierungen, die Jürgen Ovens mit Un- 
recht zugeschrieben werden 263 

VI. Ovens-Bildnisse 264 

VII. Jürgen Ovens' äußere Erscheinung. Versuch 
der Charakteristik seiner Persönlichkeit auf 
Grund der ihn wiedergebenden Bildnisse . 

VIII. Alte Inventare und Kataloge, die eine größere 
Zahl von Bildern des Malers anführen und des- 
halb für seine Kenntnis besonders wichtig 



234 



234 



257 



266 



sind 



269 



IX. Die Gedichte auf Bilder des Malers 277 

X. Bemerkungen zu den Handzeichnungen ... 281 
XI. Bemerkungen zu den Radierungen 283 

XII. Versuch, Jürgen Ovens' Kunst zu charakterisieren 

und zu würdigen 285 

Nachtrag 294 



VIl 



Verzeichnis der Abbildungen. 



Abb. 1. 

9 

. 3. 

. 4. 
. 5. 



10. 

11. 

12. 

13. 

14. 
15. 

16. 

17. 

18. 
19. 
20. 
21. 
22. 

23. 
24. 
25. 

26, 

, 27 



Jürgen Ovens. Selbstbildnis im Epitaph der 
Familie Ovens. Kirche, Tönning. 
Unbekannter. Slg. Castiglioni, Wien. 
Unbekannte. Metropolitan Museum of Art.Ncu York. 
Unbekannte Ftmilie. Frans Hals-Museum, Haarlem. 
Herzog Christian Louis I. von Mecklenburg- 
Schwerin. Stich Theodor Mathams nach einem 
verschollenen Ovensschen Gemälde. 
Unbekannter. Zeichnung, Kunsthalle, Hamburg. 
Willem van Loon. Slg. Jhr. Willem Hendrik 
van Loon, Amsterdam. 

Unbekannte. Zeichnung, Kgl. Kupferstichsamm- 
lung, Kopenhagen. 

Die Prinzessin Hedwig Eleonore nimmt von 
ihrer Familie Abschied. Slg Jhr. Prof. Dr. 
Jan Six, Amsterdam. 
Die Trauung der Prinzessin Hedwig Eleonore 

mit Karl X. Gustav von Schweden. Natlonal- 

Museum, Stockholm. 

Unbekannte. Radierung nach einem verschollenen 

Ovensschen Gemälde. Kupferstichsammlung, 

Dresden. 

Herzog Friedrich III. von Cottorf. Zeichnung, 

Kunsthalle, Bremen. 

Unbekannter. Zeichnung, Kunsthalle, Hamburg. 

Unbekannter. Zeichnung, Kunsthalle, Bremen. 

Christi Beweinung. Zeichnung, Kgl. Kupferstich^ 

Sammlung, Kopenhagen. 

Gekreuzigter Schacher und Reiter. Zeichnung, 

Kgl. Kuplerstichsammlung, Kopenhagen. 

Dr. Nicolaes Tulp. Slg. Jhr. Prof. Dr. Jan Six, 

Amsterdam. 

Margaretha Tulp. Slg. Jhr. J. W. Six, Hilverbeek. 

Dirk Tulp. Slg. Jhr. J. W. Six, Hilverbeek. 

Anna Burgh. Slg. Jhr. J. W. Six, Hilverbeek. 

Jan Barend Schaep. Rijksmuseum, Amsterdam. 

Hendrik Matthias und Familie. Slg. Dr. Tak van 

Poortvliet, Oudelande, Holland, als Leihgabe im 

Museum Boymans, Rotterdam. 

Vorsicht, Gerechtigkeit und Friede. Kgl. Palast 
(ehemaliges Rathaus), Amsterdam. 

Die Regenten des Bürgerwaisenhauses in Amster- 
dam. Bürgerwaisenhaus, Amsterdam. 
Die Regenten des Oude Zijds Huiszitten-Huis, 
Amsterdam. (Vgl. Abb. 74.) Rijksmuseum, 
Amsterdam. 

Adam Olearius. Statens Museum for Kunst, 
Kopenhagen. 

Joseph Fran?ols Borri. Stich des P. van Schuppen 
nach einem verschollenen Bildnisse des Jürgen 
Ovens. 



Abb. 28. 



29. 



30. 



31. 



32. 



33. 
34. 

35. 

36. 

37. 
38. 
39. 



40. 



41 



42 



43 



44. 



45 



46 



Oberst Hutchinson und Familie. Kunsthandlung 
Agnew & Sons, London. 

Heilige Familie mit dem kleinen Johannes. Zeich- 
nung nach einem Gemälde des Sebastiano del 
Piombo. Vorbild für das Hauptbild des Ovens- 
schen Epitaphs, Abb. 60 Kunsthalle, Hamburg. 
Gattin und Tochter des Bildhauers Colyns de 
Noie. Zeichnung nach einem Bildnisse van Dijcks. 
Kunsthalle, Hamburg. 

Herzog Christian Albrecht als Beschützer der 
Künste und Wissenschaften. Kammerherr Ceder- 
feld de Simonsen, Erholm. 
Herzog Friedrich III. erhält von Kaiser Matthias 
die Grossjährigkeitserklärung (veniam aetatis), 
16. Juli 1616. Zeichnung, Kupferstichkabinett, 
Dresden. 

Der Kanzler Johann Adolf von Kielmannseck. 
Universität, Kiel. 

Der KanzUr Johann Adolf von Kielmannseck. 
Ausschnitt, Universität, Kiel. 
Herzog Friedrich III. Radierung. 
Der Kanzler Johann Adolf von Kielmannseck. 
Radierung, Kgl. Kupferstichsammlung, Kopenhagen. 
Jürgen Ovens, Selbstbildnis. Zeichnung, Kunst- 
halle, Hamburg. 

Der Kanzler Johann Adolf von Kielmannseck. 
Zeichnung, Kgl. Kupferstichsammlung, Kopenhagen. 
Nacktes Kind (Christkind ?), von Engeln umgeben. 
Zeichnung, Kunst- und Altertümer-Sammlung auf 
der Veste Coburg. 

Allegorie auf die Friedfertigkeit. Zeichnung, 
Stammbuch des Gosenius a Niedal, Kgl. Bibliothek, 
Haag. 

Die Vermählung des Herzogs Johann Adolf 
von Gottorf mit Augusta, Prinzessin von Däne- 
mark, 1598. (Ausschnitt.) Schloß Frederiksborg. 
Die Dithmarscher ergeben sich dem dänischen 
König Friedrich II. und dem Gottorfer Herzog 
Adolf nach der Schlacht bei Heide 1559. (Aus- 
schnitt.) Schloß Frederiksborg. 
Die Königin Christine von Schweden zu Pferde. 
Zeichnung, Kunsthalle, Hamburg. 
Krönung eines Königs. Zeichnung, Kgl. Kupfer- 
stichsammlung, Kopenhagen. 
Herzog Friedrich III. von Gottorf empfängt eine 
persische Gesandtschaft, 11. August 1639. Zeich- 
nung, Kgl. Kupferstichsammlung, Kopenhagen. 
König Christian I. von Dänemark empfängt 1474 
von Papst Sixtus IV. eine geweihte Rose. 
Zeichnung, Kgl. Kupferstichsammlung , Kopenhagen. 



VIII 



Abb. 47 
. 48. 

, 49. 
, 50. 

. 51. 

, 52. 
. 53. 
. 54. 

. 55. 

. 56. 

. 57. 

. 58. 
. 59. 
. 60. 

. 61. 

. 62. 

. 63. 
. 64. 

, 65. 

. 66. 

. 67. 

. 68. 

. 69. 

. 70. 
. 71. 

, 72. 



Begrüßung des Herzogs Christian Albreciit von 
Gottorf durch eine Körperschaft. Zeichnung 
Albertina, Wien. 

Herzog Adolf von Gottorf empfängt von der 
Königin Elisabeth von England den Hosenband- 
orden. Zeichnung, Kgl. Kupferstichsammlung, 
Kopenhagen. 

Die Vermählung des Herzogs Friedrichs III. 
von Cottorf mit Maria Elisabeth von Sachsen. 
Zeichnung, Kgl. Kupferstichsammlung, Kopenhagen. 
Herzog Friedrich III. von Gottorf und Gemahlin 
als Stammeltern von vier Fürstenhäusern. Zeich- 
nung, Kgl. Kupferstichsammlung, Kopenhagen. 
Fünf Herren und ein Diener auf einer Terrasse. 
Zeichnung, Kgl. Kupferstichsammlung, Kopenhagen. 
Gastmahl. Zeichnung, Slg. J. Rump, Kopenhagen. 
Friederich von Cünteroth. Besitzer unbekannt. 
Unbekannter. The Art Collectors Association, 
London. 

Heilige Familie mit dem kleinen Johannes. 

Dom, Schleswig. 

Simeon mit dem Christkinde auf dem Arm, da- 
neben die Eltern. Zeichnung, Kunsthalle, Hamburg. 
Grablegung Christi. Lutherische Kirche, Friedrich- 
stadt a. d Eider. 

Kinderbildnis. Privatbesitz, Flensburg. 
Andromeda am Felsen. Kunsthalle, Kiel. 
Die heilige Familie mit Elisabeth und dem 
kleinen Johannes. Hauptbild im Epitaph der 
Familie Ovens (vgl. Abb. 29). Kirche, Tönning. 
Rückkehr des jungen Tobias mit seiner Gattin 
zu seinen Eltern. Museum, Nantes. 
Großmutter mit Enkelin. Provinzialmuseum, 
Hannover. 

fflutter mit drei Kindern. Museum, Budapest. 
Mutter mit vier Kindern. (Vgl. Abb. 78.). Rijks- 
museum, Amsterdam. 

Mutter mit fünf Kindern. Seine Durchlaucht 
Fürst Salm, Schloß Dyck. 
Herr mit Page, Pferd und Hund. Slg. Osborn 
Kling, Stockholm. 

Dame mit zwei Kindern. Slg. Osborn Kling, 
Stockholm. 

Musizierende Kinder. Statens Museum for Kunst, 
Kopenhagen. 

Mutter mit Kind. Geh. Kommerzienrat J. Cremer, 
Dortmund. 
Betender Greis. Matthias Hübsch, Kopenhagen. 

Jesus mit der Dornenkrone. Landesmuseum, 

Braunschweig. 

Diana mit Nymphen, von der Jagd ausruhend. 

Athenäum, Helsingfors. 



Abb. 7.3 

, 74. 



. 75, 

, 76. 

. 77. 

. 78. 



. 79, 
. 80. 
. 81. 

n 82. 

. 83. 

. 84. 

, 85. 

. 86. 

. 87. 

, 88. 

, 89. 

„ 90. 

. 91. 

, 92. 

. 93. 
, 94. 

„ 95. 
. 96. 
. 97. 



Pan und Syrinx, in der Wolke Diana. Radierung 
nach einem Gemälde von Rubens. 
Skizze zu dem Bildnisse der Regenten des 
Oude Zijds Huiszitten-Huis (Abb. 25). Zeichnung, 
Albertina, Wien. 

Unbekannte Familie. Rijksmuseum, Amsterdam. 
Heilige Familie. Radierung. 
Maria und Jesus, von Engeln umgeben. Radierung. 
Mutter mit Kindern, von Engeln umgeben. 
Radierung. Weiter ausgeführtes Spiegelbild des 
Gemäldes Abb. 64. 

Streit zwischen Priestern und Asketen. Zeich- 
nung. Kgl. Kupferstichsammlung, Kopenhagen. 
Götterversammlung auf Wolken. Zeichnung, 
Slg. J. Rump, Kopenhagen. 

Tiberius zu Gericht sitzend. Zeichnung, Kunst- 
halle, Bremen. 
Susanna im Bade. Zeichnung, Kunsthalle, Bremen. 

Auferweckung des Lazarus. Zeichnung, Kunst- 
halle, Hamburg. 

Auferweckung des Lazarus. Zeichnung, Kunst- 
halle, Hamburg. 

Bildnisstudie. Zeichnung, Kgl. Kupferstich- 
sammlung, Kopenhagen. 

Herzog Friedrich III. und Familie. Zeichnung, 
Kunsthalle, Hamburg. 

Auffindung des Moses. Zeichnung, Kgl. Kupfer- 
stichsammlung, Kopenhagen. 
Venus von Putten umgeben. Zeichnung, Kgl. 
Kupferstichsammlung, Kopenhagen. 
Maria und Jesus mit Johannes und einer Heiligen. 
Zeichnung, Kgl. Kupferstichsammlung, Kopenhagen. 
Heilige Familie. Zeichnung, Kgl. Kupferstich- 
sammlung, Kopenhagen. 

Jesus am Kreuz. Zeichnung, Kgl. Kupferstich- 
sammlung, Kopenhagen. 

Frauen und Kinder, die von einem jungen 
Krieger Hilfe erflehen. Zeichnung, Kunsthalle, 
Hamburg. 

Stich des Jacobus Houbraken nach einem ver- 
schollenen Bildnisse des Ovens von Gerrit Dou. 
Zeichnung des Leutnants Koch nach dem ver- 
schollenen Ovensschen Selbstbildnis in der 
Amalienburg. 

1—12. Signaturen auf Gemälden des Jürgen 

Ovens. 

Eigenhändiger Brief des Jürgen Ovens. 

Städtisches Archiv, Friedrichstadt a. d. Eider. 

Eigenhändige Eintragung des Jürgen Ovens in 

das Kollektenbuch der lutherischen Gemeinde 

zu Friedrichstadt. 



IX 



I Vis Werk, das den Grund für die Kenntnis 

J-^ der schleswig-holsteinischen Kunst gelegt 
hat, ist das Buch des Provinzialkonservators 
Richard Haupt, Die Bau- und Kunstdenkmäler 
der Provinz Schleswig-Holstein, das 1886 bis 1889 
in drei Bänden erschienen ist. Auf sie muß 
jeder, der sich mit heimischer Kunst beschäftigt, 
standig zurückgreifen. Haupts Leistung ist um 
so höher zu werten, als es damals für die In- 
ventarisierung der schleswig-holsteinischen Kunst- 
werke keine Vorarbeiten gab >). Der schwere und 
berechtigte Vorwurf, den noch 1882 W. Lübke 
in seiner Geschichte der Renaissance in Deutsch- 
land 2) erhoben hatte, daß in Schleswig-Holstein bis 
in die jüngste Zeit so gut wie nichts geschehen sei, 
um Licht über die alten Monumente zu verbreiten 3), 
ist erst durch Haupts Werk hinfällig geworden. 
Seit seinem Erscheinen sind über 30 Jahre 
vergangen. In diesen Jahrzehnten ist ja manches 
besser geworden. Das Interesse an der Ge- 
schichte unseres schönen meerumschlungenen 
Landes ist lebhaft erwacht. Das Heimatgefühl 
ist zuletzt noch besonders in Folge des von 
unseren Feinden uns angetanen Unrechts, durch 
das das seit Jahrhunderten vereinigte Land 
zerrissen worden ist, sich seiner selbst bewußt 
geworden und mächtig erstarkt. Diese Wieder- 
belebung der Liebe zur Heimat ist auch der 
Kunstgeschichte förderlich gewesen. Aber wie- 
viel bleibt noch zu tun ! Noch immer gilt Schles- 
v;-ig-Holstein vielen Auswärtigen und Einhei- 
mischen als ein in Kunstsachen bedauerlich armes, 
die Mühe des Betrachtens nicht lohnendes Land. 
Wie falsch ein solches Urteil ist, wird alsbald 
klar, wenn man bedenkt, daß in diesem Lande 
nicht nur der freilich allbekannte Brüggemannsche 

1) Kunstg«schichtliche Schriften führt er nur sehr 
selten an; denn, so äußert er sich in den Vorbemerkungen, 
S. IV: „Es liegt in diesem Lande so gut wie nichts vor". 

2) II., S. 296. 

ä) Der Überblick der Kunsthistorie des transalbingi- 
schen Sachsens, den von Rumohr im Archiv für Staats- 
und Kirchengeschichte der Herzogtümer, 1834, S. 1 — 22 
veröffentlicht hatte, war oberflächlich und dürftig ge- 
wesen. Ovens, obgleich er der bedeutendste unserer 
alten Maler ist, wird in kaum drei Zeilen," die auch 
noch Falsches enthalten, abgetan! 



Einleitung. 



Altar im Dom zu Schleswig entstanden ist, sondern 
eine ganze Reihe von Werken ersten Ranges. Ich 
erinnere nur an die wundervollen Alabaster- 
kamine, die Henni Heidtrider für das Schloß 
zu Husum geschaffen hat, jene Schätze aus der 
Blütezeit der deutschen Renaissance. Weiter haben 
im Anfang des 17. Jahrhunderts in Schleswig- 
Holstein, um nur die allerwichtigsten zu nennen, 
die Meister des Gottorfer Fürstenstuhls, Andres 
Salgen und Jürgen Gower, gewirkt. Wenige Jahr- 
zehnte später war, um von immerhin tüchtigen 
Künstler wie Broder Matthiessen *) nicht zu reden, 
Hans Gudewerdt, der Bildschnitzer von Eckern- 
förde, tätig, den Gustav Brandt als einen der be- 
deutendsten deutschen Bildhauer des Barocks er- 
kannt und gewürdigt «hat. Im 18. Jahrhundert 
haben wir dann Asmus Jakob Carstens aufzu- 
weisen. Ebenso hat das IQ. Jahrhundert uns welt- 
berühmte Dichter nicht nur, sondern auch hervor- 
ragende Maler und Bildhauer geschenkt, und auch 
gegenwärtig haben die Namen schleswig-hol- 
steinischer Künstler in deutschen Landen und über 
die Grenzen des Vaterlandes hinaus einen guten 
Klang. Ausstellungen heimischer Maler in Kiel, 
Flensburg, Hamburg begegnen regem Interesse. 
Unsere vorbildlich geleiteten Kunst- und Kunst- 
gewerbemuseen werden eifrig besucht und er- 
wecken und nähren die Liebe zur Vergangenheit. 
Ein Beitrag zur Kenntnis längst entschwundener 
Zeiten will auch dieses Buch sein. Der Maler, 
dessen Leben und Kunst es darstellen soll, ist 
außerhalb kleiner Kreise seines Heimatlandes fast 
unbekannt. Abgesehen von Kunsthistorikern und 
den Besitzern seiner Werke kennen nur Wenige 
seinen Namen. Es ist bezeichnend, daß die Kon- 
versationslexika von Meyer und Brockhaus, die 
sonst doch über alles und alle etwas zu sagen 
wissen, von ihm schweigen. Die Angaben, die die 
Künsterlexika bieten, seien es nun ausländische oder 
deutsche, sind — nur von Wurzbach macht eine 
Ausnahme — sehr dürftig und meistens dazu 
■noch falsch. Ovens war eben bis vor wenigen 
Jahrzehnten wie im Auslande, Holland mit ein- 

*) über ihn vgl. des Verfassers Oottorffer Künstler, 
11. Teil in Quellen und Forschungen zur Geschichte 
Schleswig-Holsteins, 5. Bd., 1917, S. 335 ff. 



gerechnet, so auch in seiner Heimat fast ver- 
schollen'*). Waitz in seinem ausführlichen Werke, 
Schleswig-Holsteins Geschichte verbreitet sich wohl 
über die Pflege der Wissenschaft und Literatur 
am Gottorfer Hofe, Ovens aber übergeht er, be- 
zeichnend genug, mit Schweigen«). Noch 1884 
mußte F. Posselt in seinem Aufsatze, Wege und 
Ziele der Kunstforschung in Schleswig-Holstein') 
bekennen: ,,Der große Schüler Rembrandts, 
Jurian Ovens, ist nur aus wenigen Gemälden be- 
kannt, und von seinen Lebensumständen wissen 
wir kaum viel mehr, als daß er in Tönning 1623 
geboren, Hofmaler der Gottorfschen Herzöge war 
und in Friedrichstadt am 8. Dezember 1678 
starb"«). So stand es tatsächlich. Posselt be- 
zeichnete es daher als eine der wichtigsten Auf- 
gaben der Kunstgeschichte, gründliche archi- 
valische Studien über Leben und Werke dieses 
einzigen bedeutenden Malers unseres Landes auf- 



5) Eine rühmliche Ausnahme macht nur Theodor 
Storm, jener Dichter, dessen Gemüt so aufgeschlossen 
war für alle Dinge der Vergangenheit. Er weiß von 
dem alten Künstler zu künden. In Aquis submersus 

erzählt er, daß oben im Herrenhause neben des 

Herrn Gemach ein Saal liegt, räumlich und hoch, dessen 
Wände fast völlig von lebensgroßen Bildern verhänget 
waren, so daß nur noch neben dem Kamin ein Raum 
geblieben war. Die beiden spätesten Bilder sind „gar 

trefflich von dem Eiderstedter Georg Ovens in 

seiner kräftigen Art gemalet". Uind in Eekenhof heißt 
es, daß im Rittersaale die Reihe schließend auch des jungen 
Weibes Bildnis hängt, an das die Erzählung ihre Fäden 
anknüpft, unter den Gemälden der alten Zeit, von des 
Herzogs Maler Jurian Ovens gefertigt, strahlend wie 
sie selber in stummer Schönheit. 

6) Daß Ovens auch in seiner Geburtsstadt und 
in der Landschaft, der er entstammte, völlig vergessen 
war, dafür nur zwei Beispiele. In einem Schriftchen 
von 1805, das die damaligen Zustände in Tönning 
schildert, werden die berühmten Männer genannt, die 
dort geboren sind oder sich dort aufgehalten haben. 
Wir erfahren, daß die Stadt als Geburtsort eines Meibom, 
Tetens, Schinmeier bekannt genug sei. Neben diesen 
heute völlig vergessenen Größen wird Ovens überhaupt 
nicht erwähnt. Auch Feddersen, Beschreibung der Land- 
schaft Eiderstedt, 1853, zählt die berühmten Männer 
Tönnings auf. Wir hören außer von Meibohm auch 
von einem Zeitgenossen des Ovens, Grammius, der Pro- 
fessor der Physik und der griechischen Sprache zu Kiel 
war. Von Ovens selbst aber schweigt auch Feddersen. 
Der Maler war eben dem Gedächtnis der Menschen völlig 
entschwunden. 

') Schleswig-Holsteinische Jahrbücher 1884, S. 33 f f . 
8) Die Berichtigung der beiden letzten Angaben 
findet sich S. 21 f. und Urk. 15, 16, 19. 



zunehmen. Die freilich sehr zerstreuten, zum 
Teil in Zeitungen veröffentlichten Arbeiten von 
Johannes Biernatzki, Friedrich Posselt selbst, 
August Sach, Doris Schnittger, denen allen ich 
viel verdanke, haben einiges Licht in die Dunkel- 
heit gebracht, die Ovens Lebensumstände und 
Kunst verhüllte. Doch manches blieb noch zu tun. 
Nach meinen 1913 erschienenen Veröffent- 
lichungen 9) über Jürgen Ovens widmete ich mich 
in den folgenden Jahren vornehmlich der Er- 
forschung der Archive und der Feststellung der weit 
verstreuten Werke des Meisters. Die Zahl der Ur- 
kunden über Jürgen Ovens und der Gemälde, 
Handzeichnungen, Radierungen, die es mir fest- 
zustellen gelang, war unerwartet groß. Das um- 
fangreiche Material mußte gesichtet und geordnet 
werden. In seiner Gesamtheit bildet es die Grund- 
lage, auf der sich die Darstellung seines Lebens 
und seiner Kunst aufbaut. Ich habe es nicht 
verschmäht, in oft mühseliger Kleinarbeit auch 
dem scheinbar Nebensächlichen nachzugehen. Oft 
genug hat es sich überraschend gelohnt. In dem 
Bewußtsein, daß jede Einzelbetrachtung ihr Teil 
dazu beitragen soll, zu dem Menschen im Künstler 
hindurchzudringen, habe ich Baustein auf Bau- 
stein herbeigetragen. Im Gegensatz zu einem sich 
sehr ästhetisch gebärdenden, in Wahrheit aber 
unwissenschaftlichen Dilettantismus, der sich in der 
Kunstgeschichte noch gelegentlich breitmacht und 
mit Geringschätzung auf sorgfältige Spezialstudien 
herabblickt, bin ich mir darüber klar gewesen, 
daß es nötig ist, die Werke eines Künstlers zu 
klassifizieren, seine Familienverhältnisse zu kennen, 
in den Kaufkontrakten, Inventaren, Urkunden aller 
Art Bescheid zu wissen. Die ernste Bemühung 
um die Kenntnis des Schaffens eines Künstlers 
und seiner Lebensumstände gibt ja die Grund- 
lage dafür ab, wie wir ihn zu werten haben. 
Von dieser Überzeugung habe ich mich für die 
vorliegende Arbeit leiten lassen und versucht, einen 
Überblick über den Lebensgang, der das biographi- 
sche Quellenmaterial ebenso wie die Werke des 
Meisters heranzieht, zu geben, einen Katalog der 
Werke aufzustellen und den künstlerischen Ent- 
wicklungsgang zu kennzeichnen. Daneben drängten 
sich kulturgeschichtliche und psychologische 
Fragen mancher Art auf, deren Beantwortung in 
den Exkursen zum Leben und zur Kunst des 
Malers versucht worden ist. 



9) Vgl. über sie S. 6. 



I. Der Gang der Forschung über Jürgen Ovens. 



Der Name des Jürgen 0\'ens wird fast stets 
in Verbindung mit dem seines Lehrers Rem- 
brandt genannt. Ihm erging es darin ähnlich, wie 
l^ieter Lastman, der ^x'ieder Rembrandts Lehrer 
war. Es hat ihm geni^itzt und geschadet zugleich. 
Sein Verhältnis zu dem großen Holländer hat 
auch den Holsteiner vor dem gänzlichen Ver- 
sinken in die Nacht der Vergessenheit bewahrt')- 
Aber die überragende Bedeutung Rembrandts läßt 
den Künstler Ovens des ungleichen Maßstabes 
wegen von vornherein nicht im richtigen Lichte 
erscheinen. Zu seinen Lebzeiten war er ge- 
feiert und hochgerühmt. Doch nach seinem Tode 
verblaßte sein Ruhm bald. Sein Name und sein 
'Wirken entschwanden aus dem Gedächtnis der 
Menschen -). Seine Werke bekamen immer ge- 
ringeren Marktwert. Sie wurden wenig beachtet 
und verloren sich fast ganz. In der Literatur 
nannte man ihn nur noch als Schüler Rembrandts 
und fügte einige Redensarten über seine vortreff- 
lichen Gemälde hinzu, von denen aber meistens 
nur eins, das niemand je gesehen hatte, das Gast- 
mahl der Bataver unter Julius Civilis im Rat- 
hause zu Amsterdam, genannt wurde. Von seinem 
Leben wußte man fast nichts. Die wenigen Nach- 
richten, die die Künstlerbiographen und Kunst- 



1) So wird Ovens, um nur ein Beispiel anzuführen, 
in der Bibliothek der schönen Wissenschaften und der 
freyen Künste, II. Band, 1. Stück, Leipzig 1757, S. 20Q 
in einem Schreiben an einen Liebhaber der Malerey etc. 
von Legationsrath von Hagedorn als Schüler Rembrandts 
erwähnt. 

-) Bezeichnend ist es, daß der Maler in Johann 
Heinrich Zedlers Großem vollständigem Universal-Lexicon 
aller Wissenschaften und Künste usw., jenem monumen- 
t;ilen Werke des 18. Jahrhunderts (63 Teile in 34 Foli- 
anten, dazu noch mehrere Supplementbände! I. Band 
1732, letzter Band 1750), das alles und alle beriick- 
sichtigt, nicht zu finden ist, während seinem Sohne 
Johann Adolpfi ein Artikel gewidmet ist. 



Schriftsteller weitergaben, waren von Irrtümern 
durchsetzt ä). 

So ging es bis etwa zur Mitte des IQ. Jahr- 
hunderts. W. Burger (Thore)*), der den Grund 
aller späteren Forschung über holländische Malerei 
gelegt hat, gab zuerst, 1860, ein eigenes Urteil 
auch über Ovens' Kunst ab. Er stützte sich 
dabei auf die Betrachtung einiger der wenigen 
damals bekannten Bilder des Meisters. Freilich 
ist seine Meinung nicht besonders günstig, ent- 
behrt aber doch auch nicht der Anerkennung, 
wenn er sagt: ,,Praticien habile sans deute, il ne 
semble pas vivement impressionne par la nature 

et il n' en traduit que les accents vulgaires 

Les deux portraits du musee (Rotterdam) ■■■), homme 

et femme sont bien peints, mais sans attrait 

particulier. Qa ressemble un peu ä tous les por- 
traitistes du temps et aux meilleurs, ä Jacob van 
Loo, ä van den Tempel, ä van der Helst; mais 
cependant, puisqu'il y man'que l'originalite, on 
aimerait, du moins, ä y retrouver quelque signe 
eclatant de I'ecole ä laquelle Ovens est cense tenir." 
G. F. Waagen"^), der damalige Direktor der Ber- 
liner Galerie, urteilt 1862: „Obgleich ein Schüler 
Rembrandts, bildete er doch eigne Manier aus 
imd malte mit besonderem Erfolg Nachtstücke." 



3) Das gilt von den Holländern so gut wie von 
den Dänen, so von dem Artikel Ovens in van der Aa, 
Biographisch Woordenboek der Nederlanden u. s. w. oder 
von N. H. Weinwich, Maler-Billedhugger etc. Historie, 
Kopenhagen 1811, S. Ql und demselben, Dansk, Norsk 
og Svensk Kunstner-Lexicon, Kopenhagen 1829. Diese 
Autoren berichten fast nur Falsches. Wohltuend hebt 
sich von ihnen ab, was in dem Buche, Nyeste Skilderie 
af Kjobenhavn 1829, Spalte 886 über Ovens zu lesen ist. 

■') Musees de la Hollande II. (1860), S. 186 f. 

6) Über sie vgl. Nr. 361 und Nr. 362 des Katalogs 
der Gemälde. 

•>) Handbuch der deutschen und niederländischen 
Malerschulen, 11. Abteilung, 1. Band, S. 117. 



!• 



Freilich scheint mir das Letztere nichts als ein 
Nachsprechen des von den älteren Künstler- 
biographen bis zum Überdruß abgeleierten Re- 
frains zu sein. Im übrigen aber fußt Waagen auf 
eigener Anschauung, wenn er besonders das Re- 
gentenstück im Huiszittenhuis (heute im Rijks- 
museum) in Amsterdam '') lobt und von ihm rühmt: 
,,Es zeichnet sich gleich sehr durch die Lebendig- 
keit der Köpfe, die kräftige Farbe, den breiten, 
markigen Vortrag aus." Vosmaer in seiner heute 
noch wertvollen Biographie Rembrandts, der ersten, 
die überhaupt erschienen ist'''), gesteht zwar, daß 
er über Ovens im Zusammenhange mit Rembrandt 
nur deshalb spreche, um ihn nicht auszulassen, 
nennt aber doch nach einigen Bemerkungen über 
Ovens' Verhältnis zu Rembrandt und van der 
Helst die Ovensschen Bildnisse ,, simples, naturels, 
bien peints". Freilich schränkt er diese anerkennen- 
den Beiwörter gleich wieder ein, indem er fort- 
fährt: ,,Mais sans charme particulier". Ganz 
anders stellt sich wenige Jahre später Paul Mantz 
in seinem schönen Aufsatz über die Pariser Samm- 
lung Maurice Cottier") zu unserm Meister. Er 
nennt ihn einen ausgezeichneten Maler, rühmt ihm 
nach, daß er im Bildnis besonders Gutes geleistet 
habe und spricht mit hoher Anerkeimung von 
der Treue der Ausführung und dem Reichtum 
seiner Art, die gewandt, voll überströmender Fülle 
und doch kraftvoll sei. Das Bildnis in der Samm- 
lung Cottier, das heute leider verschollen ist^^'), 
sei prachtvoll gemalt, das Antlitz sei von feinstem 
Ausdruck. Mantz schließt seine eingehende Be- 
sprechung mit der Mahnung: ,,N'oublions plus le 
nom d'un portraitiste qui sait rendre avec tant de 
charme et d' intensite l'accent de la vie individuelle !" 
Die Stimmen, die ich bisher über unsern 
Meister angeführt habe, sind aber doch nur ge- 
legentliche Erwähnungen. Ovens ist gleichsam 
nur im Vorbeigehen gestreift. Von seinem Leben 
wissen diese Autoren so gut wie nichts, jedenfalls 
kaum etwas Richtiges ^i). Und wie sollte man auch, 



') Vgl. Nr. 264 des Katalogs der Gemälde. 

8) Rembrandt, Sa vie et ses oeuvres, I. Auflage 
1868, 2. Auflage 1877. 

ä) In der Gazette des Beaux-Arts 1872, S. 375 ff. 

10) Vgl. Nr. 292 des Katalogs der Gemälde. 

11-) Dasselbe gilt auch von den älteren deutschen 
Künstlerlexicis, so von dem heute noch am meisten be- 
nutzten Naglerschen Neuen Allgemeinen Künstler-Lexicon, 
das im 10. Bande (1841) S. 433 über Ovens neben NX'enigen 
richtigen zahlreiche z. T. ganz unsinnige Nachrichten 



wenn man, wie Mantz, den köstlichen Satz prägen 
konnte: ,, Ovens . . . a travaille dans un pays oü 1' 
ön ne va guere, le duche de Holstein !" Wie konnte 
man denn da über ihn urkundliche Nachrichten 
erhalten oder seine Bilder studieren, deren es in 
jenem fernen Lande, in das eben zivilisierte Men- 
schen nicht kamen, geben sollte?! Diese Auf- 
gaben blieben naturgemäß den einheimischen For- 
schern vorbehalten. Man wundert sich freilich, 
daß C. F. von Rumohr, jener Sohn unsres Landes, 
der den Grund zur wissenschaftlichen Erforschung 
der italienischen Kunstgeschichte gelegt hat, sich 
um den größten der älteren Maler seiner Heimat, 
so wenig gekümmert hat^^). Er weiß in dem Auf- 
satze, Überblick der Kunsthistorie des trans- 
albingischen Sachsens i^), der so überaus dürftig 
ausgefallen ist, von Ovens nur Zu sagen, daß er 
,,der Kieler Universität den Schmuck ihrer Thesen 
geistreich radiert hat". In der Geschichte der 
kgl. Kupferstichsammlung zu Copenhagen (Leipzig 
1835), in der er S. 42 ff. mehrere Radierungen 
des Meisters bespricht, gibt er auch einige Notizen 
über sein Leben. Aber so viele Angaben, so viele 
Irrtümer! Und dabei bot doch um dieselbe Zeit 
(1836) Ersch-Grubers Allgemeine Encyklopädie der 
Wissenschaften und Künste in ihrem Artikel über 
Ovens von Frenzel (8. Teil) schon recht viel 
Brauchbares '*). 



bringt. So sagt Nagler, daß Ovens im Jahre 1600 ge- 
boren sei, spricht von einem Dombild von 1644, be- 
hauptet, die Inschrift auf dem Tönninger Epitaph sei 
von 1641 und, das Tollste, er läßt ihn 1633 in den Dienst 
des Herzogs Christian Albrecht treten. Der lebte aber 
damals noch garnicht! Es lohnt sich nicht, auf Müller, 
Die Künstler aller Zeiten und Völker und Andresen, Der 
Deutsche Peintre-Graveur usw. einzugehen. Sie über- 
nehmen durchweg Naglers arge Irrtümer. In bezug auf 
das Ovenssche Altargemälde in Friedrichstadt a. d. E. 
ist K. L. Biernatzki in seinem trefflichen Aufsatze, Die 
lutherische Kirche in Friedrichstadt a. d. E., S. 208, Anm.21 
ein seltsamer Irrtum unterlaufen. Er behauptet nämlich, 
daß es 1675 von Georg Owens gieschenkt und wahr- 
scheinlich von Jurian Owens, dem Hofmaler Herzogs 
Friedrichs III., gemalt sei! ' 

12) Hätte er doch, anstatt ein Kochbuch, freilich 
ein wissenschaftliches, zu überarbeiten und herauszugeben, 
lieber Ovens' Spuren verfolgt und für den Maler Interesse 
zu erwecken gesucht anstatt für kulinarische Genüsse I 

13) Archiv für Staats- und Kirchengeschichte, IL, 
1834, S. 21. 

1*) Der Verfasser vermied allerdings jede zeitliche 
Bestimmung. In dem ganzen Artikel findet sich keine 
einzige Jahreszahl ! 



Der Ruhm, als Erster das Dunkel, das über 
Ovens' Leben und Schaffen lag, aufgehellt zu 
haben, gebührt dem hoch verdienten Nestor 
unserer heimischen Geschichtsforscher, August 
Sach. Freilich, die Mitteilungen, die er in seiner 
Schrift, Neuere Geschichte des Schlosses Got- 
torp 1^), über den völlig verschollenen berühmten 
Maler machte, enthalten neben vielen bis dahin 
unbekannten Tatsachen doch auch einige Ver- 
sehen 1«). In seiner Geschichte der Stadt Schles- 
wig (1875), S. 322 f., 325 kommt er auf Ovens 
zurück, ohne allerdings, außer der auf S. 188 ff. 
mitgeteilten Grabschrift"), Neues zu bieten. Sachs 
treffliches Buch über Asmus Jakob Carstens' 
Jugend- und Lehrjahre (1881) veranlaßte ihn, 
Ovens' Einfluß auf Carstens sowie die Ovensschen 
Gemälde im Dom zu Schleswig, in Gottorf und 
der Amalienburg ausführlich zu behandeln und 
dabei auch auf des Meisters Leben näher ein- 
zugehen (S. 45 ff., 138 ff.). Eine Zusammen- 
fassung seiner bisherigen Ovensstudien, die auf 
der Kenntnis einiger Bilder und Urkunden be- 
ruhten, brachte schließlich Sachs Artikel ,, Ovens" 
in der Allgemeinen Deutschen Biographie, Band 
25, 1887, S. 1 ff. Inzwischen war auch die dä- 
nische Fors^ung auf unsern Meister aufmerk- 
sam geworden. Weilbach hatte in seinem 1878 
erschienenen Dansk Kunstnerlexikon S. 527' ei'n'q 
kurze, durchweg richtige Lebensbeschreibung des 
Künstlers mitgeteilt '^'^). Im selben Jahre rührten 
sich auch die Schleswig-Holsteiner. Posselt rich- 
tete die Blicke auf ein von ihm in Bredstedt 
entdecktes Ovenssches Gemälde"). Auch in 
seinem Aufsatz, Die kirchliche Kunst in Schles- 



i-'i) Programm der Schleswiger Domschule, 18ö6, 
S. 17, 20, 21 f. 

IS) So sagt er z. B. : „Doch ist nichts gewisser, als 
daß Jurian Owens (es ist bezeichnend, daß beide Namen 
unrichtig sind!) um's Jahr 1606 in Tönning geboren 
ist." Auch die folgenden Jahreszahlen über seinen Auf- 
enthalt in Holland und seine Rückkehr in die Heimat 
sind falsch. Als Ovens' Lehrer nennt Sach den „einige 
Jahre jüngeren Paul Rembrandt" ! 

1') Sie ist Pontoppidan, Marmora Danica, I,, 1739, 
S. 340 ff. entnommen. 

1«) Vgl. auch die^ 2. Auflage, Nyt dansk Kunstner- 
lexikon, II. Band, 1897, S. 201 ff. 

1-') Kieler Zeitung 1878, Nr. 6670. Weiteres über 
Ovens teilte Posselt a. a. C, Nr. 6672 und 1879, 
Nr. 6843 mit. 



wig-Holstein -'») besprach dieser unermüdliche Ver- 
künder der Ovensschen Kunst unsern Meister, ohne 
freilich Neues zu bringen -'). 

,,Neue Forschungen über J. Ovens" dagegen 
konnte mit vollem Rechte Johannes Biernatzki, 
der verdienstvollste Urkundenforscher unseres 
Landes, seine 1885 in der Kieler Zeitung-) 
veröffentlichten drei Aufsätze nennen, er, dem 
wir auch in der Sachbeschreibung so viel 
Wertvolles verdanken. Was Biernatzki über Ovens 
mitteilte, war wirklich bis dahin fast alles un- 
bekannt gewesen. Denn er hatte aus Quellen 
geschöpft, zu denen vor ihm niemand vorge- 
drungen war: aus Kirchenbüchern, Familien- 
papieren und dem von ihm entdeckten Nachlaß- 
Inventar der Witwe von 1691. Er zuerst versuchte 
auch auf Grund des Selbstbildnisses des Meisters 
eine fein abwägende Charakteristik unseres 
Künstlers. Neu waren dann auch Biernatzkis Mit- 
teilungen in dem 1886 ebenfalls in der Kieler 
Zeitung (Nr. 11401) erschienenen Aufsatze, J. 
Ovens in Amsterdam. Er entnahm sie Philipp 
von Zesens Beschreibung der Stadt Amsterdam 
(1664), einem Werke, das bisiher niemand als 
Quelle für Ovens herangezogen hatte. Zu nennen 
sind schließlich noch Biernatzkis Aufsätze, J. Ovens' 
Privileg und Eine Anekdote aus J. Ovens' Leben 
(Kieler Zeitung 1886). In der ,, Übersicht der 
Meister" -^), S. 26 f. faßte Biernatzki das reiche 
Ergebnis seiner urkundlichen Forschungen über 
Jürgen Ovens knapp zusammen. 

Im Anschluß an Sachs und Biernatzkis Ver- 
öffentlichungen ward Ovens von Robert Schmidt, 
Schloß Gottorp, ein nordischer Fürstensitz, 1887, 
S. 43 und 52 ff. behandelt 2*). Allmählich wur- 
den dann auch weitere Kreise auf den Meister 
aufmerksam. Auf Grund eines Aufsatzes von 



20) Zeitschrift usw., Band 11, 1881, S. 300 ff., 
326 f., 336. 

21) Falsch ist die Zuschreibung des Bildes eines 
großen Hundes, der seitdem in populären Aufsätzen immer 
wieder sein Wesen treibt. 

22) Nr. 10 763: Name, Autograpli, BildniR des 
Meisters; Nr. 10 775: Familienverhältnisse, Besitzstand, 
Häusliches Leben; Nr. 11015: Silberschatz, Bibliothek, 
Gemäldesammlung des Ovens'schen Hauses. 

23) III. Band (1889) der Bau- und Kunstdenkmäler 
U.S. w., bearbeitet von Richard Flaupt. 

21) Die zweite Auflage dieses verdienstvollen Werkes 
ist 1903 erschienen. 



Doris Schnittger 25) fand Ovens zum ersten 
Male in einer deutschen Kunstgeschichte Auf- 
nahme und zwar in dem Werl<e Woltmann- 
Woermann, Geschichte der Maierei, III. Band, 
2. Hälfte (1888), S. 894 f. Auch H. Janitscheks 
Geschichte der deutschen Malerei, 1889, S. 562 ff. 
behandelte ihn. Freilich konnte die von Janitschek 
S. 563 vviedergegebene Abbildung eines Ovens- 
schen Gemäldes nach einer Schnittgerschen Zeich- 
nung wegen der Unzulänglichkeit der Vorlage 
von dem Können unseres Meisters nur eine sehr 
geringe Vorstellung erwec,ken. Es sind dann noch 
zu nennen Lübke-Semrau, Grundriß der Kunst- 
geschichte, IV. Band, 14. Auflage (1913), S. 208 
und von ausländisqhen Werken Karl Madsen, Kun- 
stens Historie i Danmark (1901—1907), S. 96. Die 
Ehre, in einer akademischen Festrede erwähnt zu 
werden, wurde, wie den übrigen alten Meistern 
unseres Landes, so auch Ovens, zuerst 1890 zu 
teil-'''). Wenn Begeisterung für den Helden die 
Mängel wissenschaftlicher Schulung aufwiegen 
könnte, so wäre von Doris Schnittgers zweitem 
Aufsatze über Ovens^') viel Rühmliches zu sagen. 
Da aber diese Mängel sehr stark hervortreten — 
es fehlt völlig an kritischer Sichtung und Ordnung 
des Stoffes sowie methodischer Darstellung — 
so bedeutete diese Ve'i'öffentlichung kaum einen 
Fortschritt, zumal da die, Verfasserin sich fast ganz 
auf die Wiedergabe der von Saqh, Biernatzki und 
Posselt gewonnenen Ergebnisse beschränkte. Zwar 
wurden einzelne bis dahin unbekannte Tatsachen 
beigebracht. Unbegreiflich und unverzeihlich aber 
ist es, daß sie ein „B. Conrad pin.xit" signiertes 
Bild Ovens zusqhrieb. Auch die Ergänzung zu 
,, Jürgen Ovens", die Doris SC|hnittger 1910 ver- 
öffentlichte -'»), erregt oftmals, kritiklos wie sie ist, 
starke Bedenken. Ihrem Aufsatz schließt sich ein 
anderer von G. Hille, Ein Autograph des Malers 
Jürgen Ovens 20) an. Er zählt die wichtigsten der 
unsern Künstler betreffenden Urkunden auf, soweit 
sie im Staatsarchiv zu Schleswig ruhen, und fügt 



25) Jürgen Ovens u. s. w., Repertoriuni für Kunst- 
wissenschaft X, 1887, S. 13Q ff. 

26) Richard Foerster, Die Kunst in Schleswig-Hol- 
stein, S. 10 f. Diese Rede bildet einen noch heute 
brauchbaren Überblick über unsre lieimische Kunst. 

"') Jürgen Ovens, ein Schleswiger Rembrandt- 
Schüler, Zeitschrift u. s. w., Band 38, 1908, S. 415 ff. 

28) Zeitschrift u.s, w.. Band 40, 1910/ S. 439 ff. 

29) Ebendort, S. 495 ff. 

6 



eine kunstgeschichtlich wichtige eigenhändige 
Rechnung des Meisters im Wortlaut bei. 

Im Jahre 1910 erschien der II. Band des 
Niederländischen Künstlerlexikons von Alfred von 
Wurzbach. Sein Artikel über Ovens war ein großer 
Fortschritt. Er zählte zahlreiche Gemälde und 
einige Zeichnungen und Radierungen des Meisters 
sowie Stiche nach seinen Bildern auf, die keiner 
seiner Vorgänger gebracht hatte. Auch bietet er 
wichtige Literaturangaben, so daß der Artikel eine 
der wertvollsten Hilfen für die Ovens-Forschung 
darstellt 3"). Das von Biernatzki teilweise ver- 
wertete Nachlaß-Inventar der Witwe unseres 
Meisters hat Hans Hampke in kurzem Auszuge 
veröffentlicht und einige Bemerkungen beige- 
fügt ^i). Er gab einige Notizen über den Inhalt 
des Inventars und verzeichnete die Originale der 
Gemäldesammlung. Von den Kopien jedoch, die 
für die kunstgeschichtliche Forschung von der- 
selben Bedeutung sind, führte er nur wenige auf. 
Ich habe dann das für die Kunst- und Kulturge- 
schichte gleich wichtige Inventar ungekürzt mit allen 
Einzelheiten des Originals herausgegeben ^2). Diese 
Ausgabe war eine für die vorliegende Darstellung 
des Lebens und der Kunst unseres Malers nötige 
Vorarbeit. Zur gleichen Zeit veröffentlichte ich 
einen Aufsatz über Jürgen Ovens ^3), aus dem man 
zum ersten Mal auf Grund einer Reihe von guten 
Abbildungen seiner Werke eine anschauliche Vor- 
stellung von seiner Kunst erlangen konnte. Auf 
diesem Aufsatze fußte O. Granberg, der 1911 
durch sein Inventaire general des tresors d'art en 
Suede die Kenntnis der Ovensschen Gemälde in 
Schweden sehr gefördert hatte, in seinem Artikel 
Ovens in Nordisk Familjebok (Konversations- 
lexikon), der 1914 erschien. Auffällig genug ist es, 
wie schon erwähnt, daß die deutschen Konversa- 
tionslexika, von Ersch-Gruber abgesehen, bisher 
von dem Meister keine Notiz genommen haben. 
Hingewiesen sei schließlich noch auf die von 



^0) Dagegen war der Artiicel Ovens im Allgemeinen 
Künstler-Lexikon von H. W. Singer, 3. Auflage, 1898, 
noch dürftig und vielfach irrtümlich gewesen. Dasselbe 
gilt von der neuesten, 1921 erschienenen Auflage. 

31) Kunstchronik 1896/97, S. 466 ff. 

•'2) Das Nachlaß-Inventar des Malers Jürgen Ovens, 
Band VII. der Quellensammlung' u. s. w., 1913, S. 1 ff. 
Das Wichtigste aus dem Nachlaß-Inventar teilte ich auch 
in Oud-Holland 1914,. S. 29 ff. mit. 

33) Schleswig - Holsteinischer Kunstkalender 1913, 
S. 3 ff. 



Kohfeldt mitgeteilte ,,Alte Nachricht über Jürgen 
Ovens" 3i), die \x-egen der biographischen An- 
gaben wichtig ist, und auf meine Bemerkungen 
zu dieser Mitteilung ^s). 

Daß die Beschäftigung mit Ovens auch in den 
während der letzten Jahrzehnte erschienenen 
Sammelwerken über unser Land einen Nieder- 
schlag fand, ist selbstverständlich. So haben denn 
Matthaei in ,, Schleswig-Holstein meerumschlungen" 
(1896), S. 82 ff. und Schölermann in „Unsere 
meerumschlungene Nordmark" (1914), II. Band, 
S. 224 unseren Meister zu würdigen versucht, ohne 
freilich über Andeutungen hinauszukommen. 

Erwähnt sei schließlich noch, daß mehrere 
Ovenssche Bilder auf der vom Kunstverein, 
Hamburg 1913 veranstalteten Ausstellung der 
Werke Schleswig-Holsteinischer Maler vertreten 



3') Quellen und Forschungen zur Geschichte Schles- 
wig-Holsteins U.S.W., V. Band, 1917, S. 395 ff. 
3S) Ebendort S. 397 f. 



waren 36), und daß man ihn 1914 auf der Aus- 
stellung in Darmstadt, aus der Vereinzelung be- 
freit und in die übrigen Barockmeister eingereiht, 
studieren konnte ^'). 

Wenn denn auch die Forschung, wie dieser 
Überblick dargetan hat, sich schon mit Ovens 
beschäftigt hat, so ist es dennoch geboten, das 
Leben und die Werke dieses bedeutendsten unter 
den alten Malern unserer Heimat eingehend zu be- 
handeln. Wir werden durch diese Untersuchung 
die für die Geschichte der heimischen Malerei im 
17. Jahrhundert bisher noch fehlende Grundlage 
gewinnen. Daß der Künstler jahrelangen Studiums 
nicht unwert gewesen ist, das werden, so hoffe ich, 
die folgenden Blätter beweisen. 



3^) Vgl. den damals erschienenen Katalog. 

ä') Über die in Darnistadt ausgestellten Ovensschen 
Bilder vgl. Georg Biermann, Deutsches Barock und Ro- 
koko, Leipzig 1914. Leider finden sich dort falsche An- 
gaben über das Leben des Malers, die offenbar dem Werke 
Singers, a. a. O., entnommen sind, und, was sehr auffällt, 
über die Besitzer der ausgestellten Ovensschen Gemälde. 



II. Jürgen Ovens' Leben. 



Jürgen Ovens stammte väterlicherseits aus einer 
Familie, die etwa seit dem Jahre 1500 in dem 
zur Landschaft Eiderstedfi) gehörenden Dorfe 
Koldenbüttel^) ansässig war^). Den Friesen war 



1) über Eiderstedt vgl. die von F. Witt, Quellen und 
Bearbeitungen der schleswig-holsteinischen Kirchenge- 
schichte, 2. Aufl. 1913, S. 46 ff. angeführte Literatur, der' 
ich noch beifüge: Heinrich Momsen, Bilder aus Eiderstedt 
und den angrenzenden Gegenden (Garding 1890). 

2) Über Koldenbüttel vgl. die von Witt, a. a. P., S. 82 
angeführte Literatur. 

') Über Ovens' Vorfahren sind wir genau unterrichtet 
durch den ursprünglich von dem Eiderstedter Chronisten 
Peter Sax 1655 aufgestellten Stammbaum der Familie des 
Malers. Diesen bisher nicht bekannten Stammbaum teile 
ich S. 56 mit. Hier sei der Behauptung widersprochen, 
daß die Familie unseres Malers mit der bekannten Dichterin 
und Sektiererin Anna Ovens (Ovena), der Gattin des 
Stallers Härmen Hoyer, verwandt gewesen sei. Diese Be- 
hauptung, die z. B. in den Mitteilungen des Nordfriesi- 
schen Vereins für Heimatkunde und Heimatliebe 1905/ 
1906, Heft 3, S. 87 vertreten wird, beruht auf einem Irrtum. 
Die von Peter Sax aufgestellten Stammbäume der Familien 
Hoyer und Jürgen Ovens wissen von einer Verwandtschaft 
nichts. 



sein Geschlecht entsprossen, jenem stolzen Volks- 
stamme, der sich im Bewußtsein seiner Selbständig- 
keit und im Drange nach Unabhängigkeit mit 
den Dithmarschern messen kann. Bauernblut war 
es, das durch seine Adern rann. Die Vorfahren 
des Künstlers waren ohne Ausnahme L^ndleute, 
Hofbesitzer. Kein Studierter, kein Beamter findet 
sich unter ihnen. Der Maler ist der erste, der 
sich vom alten Herkommen abwendet. Offenbar 
waren seine Väter angesehene, von dem Ver- 
trauen ihrer Mitbürger getragene Männer. Der 
Urahn Bojen Claus war um 1500 aus der südlich 
der Eider gelegenen Landschaft Dithmarschen ein- 
gewandert und hatte auf Drandersum gewohnt, 
einem einstmals dicht bevölkerten Teile des Dorfes 
Koldenbüttel, wo später auch der Hof des Chro- 
nisten Peter Sax lag. Der Sohn des Bojen Claus 
führte bereits den Vornamen Ove. Er war 1522 
Kirchenältermann in Koldenbüttel und wohnte wie 
sein Vater auf Drandersum ^). Seine drei Söhne 

*) Er zahlte 1535 laut Schatzregister von Koldenbüttel 
(Skatte og Jordbogere von F. Falkenstierna og Anna Hude) 
4 ^ Schätzung, sein Sohn Boye zahlte 2 ^ 8 ß. Der 
Höchstsatz betrug 10 ^. 



haben schon als Zunamen den späteren FamiHen- 
■namen Ovens. Die Tochter des jüngsten Sohnes 
Boy, namens Sibbe, wurde die Stammutter der 
Familie unseres Malers. Der Urgroßvater des 
Meisters, Peter Broders, der aus Wittbek bei Osten- 
feld in der Nähe Husums eingewandert war*), 
heiratete sich dadurch, daß er die Sibbe zur Frau 
nahm, in die alte Koldenbütteler Familie ein. Er 
bekleidete 1582 das Ehrenamt eines Kirchen- 
zwölften (Kirchenältesten) "). Andere Mitglieder des 
Geschlechts, so der Bruder des Großvaters, waren 
Lehnsmann, ein Sohn dieses Bruders war wieder 
Kirchenzwölfter. Peter Broders hatte mit Sibbe 
fünf Kinder, die sich durchweg in Koldenbüttel 
verheirateten. Den Stammhof hat, weil er der 
jüngere Sohn war, nicht der Großvater des Malers, 
Broder Peters mit Namen, geerbt, sondern der 
eben erwähnte ältere Bruder des Großvaters. 
Unseres Künstlers Großvater scheint denn auch 
in Koldenbüttel keinen größeren Landbesitz be- 
sessen zu haben, den sein älterer Sohn, Ove 
Broders, Jürgens Vater, hätte übernehmen können. 
So erklärt es sich, daß Ove Broders nicht 
in seinem Heimatsort blieb, sondern nach dem 
in der Nähe gelegenen 1612 eingedeichten 
Harblecker Koog im Kirchspiel Oldenswort verzog. 
Ove Broders wird in dem Saxschen Stammbaum 
als Ratmann in Tönning bezeichnet. Er ist jedoch 
in Tönning erst in späteren Jahren ansässig ge- 
wesen. Vorher wohnte er, wie schon erwähnt, bei 
Harbleck. Er war Landmann wie seine Vorfahren. 
Jn Harbleck ist er zuerst 1601 nachzuweisen. Unter 
dem 17. Januar dieses Jahres findet sich eine Ein- 
tragung, nach der ,,Oue Broders tho Harblecke" 
etwa 10 Demat Land in Tetenbüll, das Demat für 
190 ^ und sonstige Bezahlung in Kleidungsstücken, 
kaufte '). Bald darauf vergrößerte er seinen Land- 
besitz wiederum um 10 Demat im Tetenkoog unter 
denselben Kaufbedingungen ^). Nach dem Eider- 
stedtischen Dematregister von 1616^) hatte er 



^) Leider konnte ich über ihn nichts weiter fest- 
stellen, da das älteste Kirchenbuch in Ostenfeld nur bis 
zum Jahre 1663 zurückgeht, 

s) Er hatte 1575 einen Landbesitz von etwas über 34 
Demat (Dematregister im Staatsarchiv zu Schleswig, A. XX, 
Nr. 1757). 

') Schuld- und Pfandprotokoll Tönning 1601. Es 
beginnt mit dem Jahre 1600. 

8) Ebendort 1601, 1. März. 

^) Staatsarchiv zu Schleswig unter A. XXIV bei der 
Landschaftsrechnung. 



bereits 74 Demat Land. In Harbleck selbst besaß 
er einen Hof, über dessen Größe wir nicht unter- 
richtet sind. Er verkaufte ihn erst 1640"), also 
lange nach seiner Übersiedelung nach Tönning. 
Daß er schon in Harbleck ein wohlhabender Mann 
war, dafür spricht außer den eben mitgeteilten An- 
gaben die Tatsache, daß er 1605 wie später mehr- 
fach als Bürge auftritt n) und 1607 und 1608 
mehrere größere Geschäfte macht, zu denen Kapital 
nötig wari'). Der genaue Zeitpunkt der Über- 
siedelung nach Tönning läßt sich nicht ausmachen, 
doch muß es spätestens 1617 gewesen sein. Denn 
am 7. November 1617 heißt es^^): Oue Broders 
allhie (Tönning). In Tönning hob sich sein Wohl- 
stand zusehends. Er war Kaufmann, Reeder und 
Landmann und wurde mit der Zeit einer der an- 
gesehensten und reichsten Bürger der Stadt. 1623 
besaß er ein Haus mit drei Wohnungen, das 
auf 1200 ^ angesetzt wurde. Damals stand er 
ungefähr in der Mitte des Schatzregisters, woran 
wir seine finanzielle Lage messen können, 1647 
aber hatte er sich so weit emporgearbeitet, daß 
er vorn unter die Ratsverwandten gesetzt ist"), 
so auch 1648, 1649 und 1651, so daß er am Ende 
seines Lebens einer der reichsten Einwohner ge- 
worden war. Mit der Zeit wurde er mehrfacher 
Hausbesitzer. Schon 1630 besitzt er zwei Häuser, 
die auf 2S00 ^ gesetzt sind i^). Bereits im fol- 
genden Jahre kauft er noch ein Haus für 4050 # "'), I 
auch 1639 legt er 2850 # in einem Hauskaufe an. 
Auf die Mehrung seines Landbesitzes war er eifrig 
bedacht. 1633 nannte er, soweit das zu Tönning 
gehörige Land in Betracht kommt, 37 Demat und 
17 fette Kühe, jede zu 45 #, sein Eigen, daz'u, 
hatte er noch 6 Demat in Pacht"). Im selben 
Jahre kauft er 19 Demat und einen vor Tönning 
im Westen belegenen Hauberg für 4740 f. hinzu 
und verpflichtet sich, in fünf Jahren die Kauf- 



10) Kirchenständeregister Oldenswort 1640, 20. Mai. 
Zu dem Hof gehörte ein Kirchenstuhl in Oldenswort. 

11) Schuld- und Pfandprotokoll Tönning 1605, 30. 
November. 

12) Ebendort 1607, 29. Januar, 300 # Lübsch ; 7. 
Dezember, 200 Taler in Specie. 1608, 15. Dezember, 600 
Reichstaler in Specie und 600 # lübisch. 

15) Protokoll der Civilklagen, Tönning. 

li) Schatzregister Tönning 1623, 1647. 

15) Ebendort 1630. 

it!) Buch der proklamierten Häuser in Tönning, 1631. 

1') Schatzregister Tönning. 



8 



summe ratenvceise zu erlegen i«). 1634 besitzt er 
bei Tönning, in Tetenbüll und Ülvesbüll etwas 
über 61 Demat Landi^). 1631 tritt er zuerst mit 
Schiffsparten auf, in einem Schiff hat er 200 ^, 
in einem andern 80 #-"), 1634 hat er bereits 
530 #21) in drei Schiffen stehen. Im Jahre 1641 
liann er daran denken, als Reeder ein eigenes 
Schiff fahren zu lassen. Mit seinem Schwiegersohn 
Härmen Jansen, dem Gatten seiner Tochter Agneta, 
und zwei anderen Tönninger Bürgern will Ove 
Broders ein gutes Schiff erkaufen. Sie bevoll- 
mächtigen einen gewissen Willem Wenckens, etwa 
in Holland oder anderswo in ihrem Namen ein 
Boyertt--) zwischen 40 und 50 Lasten von 5000, 
aufs höchste ' 6000 Gulden einzukaufen. Die 
Tönninger Reeder haben in Amsterdam einen 
Faktor, Gerrit Willems, Kaufhändler, den der Be- 
auftragte bei dem Kaufe zu Rate ziehen soll -^). 

Ove Broders' wachsendem Wohlstande entsprach 
sein Ansehen. Schon 1630 wurde er durch das 
Vertrauen seiner Mitbürger Ratsherr. Diese Ehren- 
stellung hat er bis zu seinem Ende bekleidet-*). 
Mehrfach wird ihm die selten angewandte Be- 
zeichnung ,,Herr", die nur Vornehmen zukam, 
beigelegtes). Daß er ein sehr angesehener Mann 
war, geht auch daraus hervor, daß Peter Sax, wie 
schon erwähnt-''), seinen Stammbaum aufstellte. 
Sax behandelt nur die einflußreichsten Geschlechter 
wie z. B. die Hoyer. Ove Broders galt 1655 
offenbar noch mehr als sein berühmter Sohn, denn 
Sax hat eine Genealogie des Ove Broders, nicht 
des Jürgen Ovens aufgestellt. Die Ehrenämter 
häufen sich. Im Jahre 1646 führt Ove Broders 



18) Protokoll aller Verschreibungen und Buch der 
proklamierten Häuser, Tönning. 
lä) Schatzregister Tönning. 

20) Ebendort 1631, 1633 ebenso. 

21) Ebendort. 

22) Bojer, Bujer = Boyerd ist nach Kluge, Seemanns- 
sprache, S. 113, ein besonders in den Niederlanden ge- 
bräuchliches Frachtschiff, nid. boeier. 

23) Protokoll aller Verschreibungen, Tönning 1641, 
5. August. Die Vollmacht ist von Ove Broders selbst 
konzipiert (er war also die treibende Kraft!) und von ihm 
und den Mitreedem unterzeichnet. 

24) Protokoll aller ' 'erschreibungen 1630, 1632, Tön- 
ninger Stadtbuch 1645, Buch der proklamierten Häuser 
1646. 

25) Schatzregister 1647, Protokoll aller Verschreibungen 
1648, 1650. 

2C) S. 7, Anm. 3. 



die Stadtrechnung 21), 1647 und 1650 'zeichnet er 
unter den Lehnsleuten und Landesbevoilmächtigten 
der Landschaft Eiderstedt 28), 1648 ist er Vor- 
steher des Hospitals 29), 1651 Kirchenältester ^o). 
Daß er die zu diesem Amt erforderliche Liebe 
zur Kirche, den kirchlichen Sinn besaß, dafür 
haben wir zwei Beweise. Unter den 33 Messing- 
docken des Gitters in der Kirche zu Tönning, über 
denen sich der Lettner erhebt, ist eine, die als 
Namen des Stifters den des Ove Broders trägt^i). 
Und zwei Jahrzehnte später, wahrscheinlich 1651, 
spendet er mit seinem Sohne Jürgen und dessen 
späterem Schwiegervater Jens Martens Geld für 
die Erbauung der Friedrichsberger Kirche in 
Schleswig -'2). Dem Ansehen und Vertrauen, das er 
unter seinen Mitbürgern genoß, entsprechend 
kommt er schon 163133) und sonst mehrfach als 
Vormund vor. Kulturgeschichtlich von Interesse 
ist es, zu hören, warum Ove Broders, soweit wir 
sehen, einmal in seinem Leben mit der Obrigkeit 
in Konflikt kam. Im Jahre 1632 steht in den 
Herrnbrüchen 3*) aus Koldenbüttel der Vermerk: 
Ove Broders, daß er gegen F. Gnd. Verbot Korn 
von . . . ., ohne dasselbige ausgeseit gewesen, ge- 
kauft 5 Reichstaler 3s). Die Beziehungen zur alten 
Heimat seines Geschlechtes blieben auch nach der 
Übersiedelung nach Tönning rege. Im Taufregister 
Koldenbüttel erscheint Ove Broders 1632 und 
später mehrfach als Gevatter, ebenso seine Frau 
Agneta. Da er 1651 einen Kirchenstuhl in Oldens- 
wört, dem Kirchdorf, zu dem Harbleck gehört, 
kaufte, könnte man fast glauben, daß er die Ab- 
sicht gehegt hätte, nach seinem früheren Wohn- 
ort zurückzukehren. Wenn ein solcher Plan be- 
standen hat, so hat der Tod seine Ausführung 
verhindert. 

Sicherlich mehr als siebzigjährig ist Ove 
Broders im Juli 1652 in Tönning verstorben. 

27) Tönninger Stadibuch 1646, Bürgerschatz 1646. 

28) Schuld- und Pfandprotokoll, Tönning 1647, Pro- 
tokoll aller Verschreibungen, Tönning 1650. 

29) Protokoll aller Verschreibungen, Tönning. 

30) Ebendort. 

31) Vgl. Haupt, die Bau- und Kunstdenkmäler u. s. w., 
Bd. I., S. 239. Nach Haupt werden die Docken wohl ins 
Jahr 1633 zu setzen sein. 

32) Vgl. Urkunde Nr. 13 und S. 101. 

33) Buch der proklamierten Häuser. 

34) Strafgelder, die dem Herzog zufielen. 

35) Mitgeteilt von Capilain v. Schröder, Staatsbürger- 
liches Magazin X (1831), S. 227. (Offenbar war der Zweck 
des Verbots, die Spekulation in Korn zu verhindern.) 

9 



Das Totenregister Oldenswort vermerkt unter dem 
17. Juli 1652: Ove Broders zu Tönningen G(locken) 
2^8 ß36). An dem Tage seines Begräbnisses also 
wurden zu seinem Gedäciitnis die Glocken der 
Kirche geläutet, zu der er als Landmann in Har- 
bleck eingepfarrt gewesen war. Etwa ein halbes 
Jahr vor seinem Tode, am 30. Januar 1652-"), 
vielleicht weil er sein Ende herannahen fühlte, 
hatten er und seine Gattin Agneta gemeinsam 
ihren letzten Willen errichtet. Leider hat sich das 
am 3. Februar 1652 vom Herzog bestätigte Te- 
stamentes), (die Disposition), nicht erhalten. 

Agneta Ovens oder, wie sie auch ge- 
nannt wird, Agneta Broders folgte ihrem Gatten 
am 17. Oktober 1657 im Tode nach 3'). Von 
ihr, der Mutter unseres Künstlers, wissen \>i'ir 
aus urkundlichen Quellen naturgemäß sehr viel 
weniger als von seinem mitten im öffent- 
lichen Leben stehenden Vater. Sie war zweimal 
vermählt. Bevor sie — es wird um 1620 ge- 
wesen sein — die Ehe mit Ove Broders einging, 
war sie mit einem gewissen Jürgen, dessen Zu- 
namen mir nicht festzustellen gelang, verheiratet ge- 
wesen. Aus ihrer ersten Ehe stammten drei Söhne. 
Hinrich und Peter Jürgens i"), auf die ich später 
zurückkomme, ließen sich in Eriedrichstadt nieder. 
Jacob Jürgens blieb in Tönning. Letzterer machte 
am 12. Dezember 1654 in Tönning mit seiner 
Mutter einen Erbvertrag, dessen Anfangs- und 
Schlußworte in dem Konzept vom 21. Juli 1655 
vorkommen *i). 

Von dem Wesen der Eltern unseres Künstlers, 
ihrem Charakter, ihren geistigen und gemütlichen 
Eigenschaften hat sich keine Überlieferung er- 
halten. In dieser Hinsicht schweigen die Ur- 
kunden, die über die äußere Lage des Vaters 
doch manches mitteilen, völlig. Es sind keine 
bestinnnten Angaben auf uns gekommen, aus 
denen sich sichere Schlüsse auf ihr Innenleben 
ziehen ließen. Wir können nur folgende, wie mir 
scheint, ^x•ohlbegründete Vermutungen hegen. Die 
künstlerische Begabung, die auch seinem Bruder 



36) Das entsprechende Register in Tönning beginnt 
erst 1662. 

37) S. Urknnde Nr. IS. 

38) Ebendort. 
33) Ebendort. 

*°) Jürgens = Sohn des Jürgen. 

*i) Staatsarchiv, Schleswig unter A. XX 3310. 

10 



Broder Ovens*-') ^u teil wurde, verdankt der Maler 
offenbar seiner Mutter. Ich schließe das daraus, 
daß auch Friedrich Jürgens, der Sohn seines 
Halbbruders Peter Jürgens, der mit Jürgen und 
Broder eine gemeinsame Mutter hatte, sich als 
Maler versucht hat*3), daß also die künstlerischen 
Anlagen von Agneta Ovens herstammten. Die un- 
leugbare geschäftliche Begabung des Malers, seine 
Fähigkeit, überkommenes Gut zu wahren und klug 
zu mehren, wird ein Erbteil der kaufmännischen 
Tüchtigkeit seines Vaters sein. Auch von der 
äußeren Erscheinung des Ove Broders und der 
Agneta haben wir keine Vorstellung, da sich ihre 
Bildnisse nicht erhalten haben. Sie kommen, wahr- 
scheinlich ja Werke seiner Hand, im Nachlaß- 
Inventar des Malers unter den Originalien Nr. 49 
und 50 vor. 

Jürgen war der Erstgeborene**). Er hatte 
drei Brüder und zwei Schwestern *•'■). Ein Bruder 
hieß wie der Vater Ove Broders, der andere 
hatte den Vornamen des Großvaters erhalten 
und nannte sich Broder Ovens. Der dritte 
hieß Gerrit Ovens. Die eine Schwester war wie 
die Mutter Agneta oder Anna genannt*^), die 
andere Beele oder Beelke. Broder Ovens betätigte 
sich wie sein Bruder als Maler*'). Gerrit Ovens, 
der im Sa.xschen Stammbaum nicht aufgeführt 
wird, hat in Tönning als Kaufmann gelebt**). 

Die Kirchenbücher Tönnings beginnen erst in 
den fünfziger Jahren des 17. Jahrhunderts*^). Da- 
her sind uns die Tage der Geburt und Taufe sowie 
die Narnen der Paten unseres Malers unbekannt. 
Fest steht nur das Jahr der Geburt: 1623 und 
der Name; Jürgen Ovens. 1623 läßt die Fa- 
milienüberlieferung den Künstler geboren sein. Sein 
Enkel, Carl Auglist Ovens (geb. 1706), der Sohn 



*2) über ihn vgl. den 15. Exkurs. 

*3) Vgl. den 16. Exkurs. 

**) Vgl. S. 11, Anm. 60. 

*5) Über sie vgl. den Stammbaum, S. 56. 

*") So heißt sie im Saxschen Stammbaum. 

*7) Über ihn vgl. den 15. Exkurs. 

*ä) Die die Geschwister betreffenden wichtigen An- 
gaben finden sich im Stammbaum S. 56. 

*ä) Das älteste Taufregister beginnt mit dem Jahre 
1650. Doch sind die Eintragungen bis 1655 unvollständig. 
Das älteste Trauregister beginnt mit dem Jahre 1656 und 
ist von vornherein ordnungsmäßig geführt. Im ältesten 
Totenregister (Klockenbook) findet sich im Anfang ein 
Bruchstück der Einträge von 1656 — 1662, Erst innerhalb 
des Jahrganges 1663 beginnt das Totenregisler vollständig 
geführt zu werden. 



seines Sohnes Johann Adolf, sagt in den im Fa- 
miiienbesitz befindlichen Aufzeichnungen ausdrück- 
lich: „Ovens (Jürgen) . . . war gebohren 1623 in 
Tönning . . ." =o). Auch die lateinische Grabschrift 
berichtet, daß der Meister, der 1678 gestorben 
war, im 55. Jahre seines Alters heimgegangen ist-^^). 
Wir entnehmen also auch aus ihr 1623 als Geburts- 
jahr. Diese beiden Zeugnisse sind unverdächtig 
und wohl begründet. Es ist überflüssig, hier alle 
die vielen anders lautenden falschen Angaben auf- 
zuzählen, die sich besonders in der älteren Literatur 
finden. Ich gehe nur noch ein auf Sachs Be- 
merkung s-'), nach der mancherlei historische Er- 
wägungen ergeben sollen, daß Ovens' Geburtsjahr 
etwas früher als 1623, noch in das zweite Jahr- 
zehnt des 17. Jahrhunderts, fallen dürfte. Ich 
wüßte nicht, was uns veranlassen könnte, der klaren 
.\ngabe der Grabschrift und der Familienüber- 
lieferung zu mißtrauen. 

Und nun erst der Name des Malers! Sein 
Zuname lautet Ovens ^s). Es handelt sich um 
ein der friesischen - Namenbildung eigentümliches 
Patronymikon 51). Ovens bedeutet: Sohn des 
Ove-"). Das ursprünglich von Ove schwach 
gebildete genetivische Patronymikon lautet Oven ''^). 
Allmählich schwand das Verständnis für die 
älteren Formen. .Man bildete ein doppeltes 
Patronymikon, indem man an Oven das s der 
starken Genetivbildung anhängte. So entstand die 
Form Ovens. Inbezug auf den Vornamen gilt es, 



50) S. Urkunde Nr. 21. 

*i) S. Urkunde Nr. 16. 

*^) Allgemeine deutsche Biographie, Band 25, Artikel 
Ovens. 

5') Doch findet sich auch die Form Oven, aus der im 
Kunstblatte 1830, S. 16 der Name eines neuen Malens wird. 
Nagler, Neues Allg. Künstler-Lexikon X, S. 433, der die 
Stelle zitiert, äußert freilich die Vermutung, daß die .Maler 
Oven und Ovens identisch seien. Häufig findet sich die 
falsche Schreibung Owens. Unrichtig ist natürlich auch 
die Form von Ovens, die sich bei Ersch-Gruber, Allg. 
Encyklopädie und Sach a. a. O. findet und auf die irr- 
tümliche Annahme, daß der Maler von Geburt ein Hol- 
länder gewesen sei, zurückzuführen ist. 

5*) Vgl. z. B. die Namen Tetens, Lievens, Fokkens. 

*=) Vgl. das griechische: 6 MuXnd&ov), der Sohn des 
Miltiades. Die älteste Form ist Ova. Sie ist für 1314 be- 
legt. Zvcischen 1430—40 begegnet in Eiderstedt die Form 
Ouenson, zwischen 1440—80 Ovens. Vgl. Sach, Das Her- 
zogtum Schleswig in seiner ethnographischen Entwicklung, 
II. Abteilung 189Q, S. 167 ff. 

5^) Diese Form ist für Eiderstedt zwischen 1440—80 
mehrfach belegt, vgl. Sach, a. a. O. 



alte Gewohnheiten endlich aufzugeben. Unser 
Maler, Niederdeutscher von Geburt, hieß Jürgen. 
Diese Form des Namens entspricht dem Hoch- 
deutschen Georg oder Jörg^'). Demgemäß wird 
er in den Urkunden seiner Zeit bis auf eine einzige 
Ausnahme 5s) Jürgen, ab und zu auch Georg *9) 
genannt. Er selbst unterschreibt sich immer Jürgen. 
Jürgen nennen ihn auch stets die Schreiber der 
Gottorfer Rentekammerrechnungen. Jürgen hieß 
unser Meister nach dem ersten Gatten seiner 
Mutter i^"). Und ebenso nannte er wieder einen 
Sohn nach sich Jürgen. Trotz alledem wird man 
den Maler fast stets Jurian (Juriaen, Juriaan, Jurrian 
oder ähnlich) genannt finden "'). Diese holländische 
Form für Jürgen ist an unserm Holsteiner, da er 
sich so viele Jahre in Holland aufgehalten hat, 
hängen geblieben. Daß die Holländer den deut- 
schen Künstler Jurian nannten und nennen, ist ver- 
ständlich. So geht der fremde Klang des Jürgen 
ihrem Ohre leicht ein. Daß er aber auch in seiner 
deutschen Heimat fast stets Jurian hieß und bis in 
die letzten Jahre so genannt wird ''-), ist bedauerlich, 
zumal da seit meinem Aufsatz über den Meister 
im Schleswig-Holsteinischen Kunstkalender 1Q13 
über die richtige Namensform kein Zweifel mehr 
walten konnte °ä). Das scheint mir nicht nur durch 
gedankenloses Verbleiben beim bisher Gewohnten 
erklärt werden zu müssen, sondern dem alten 



5') Freilich heißt unser Maler nie Jörg, was man nach 
Ersch-Oruber, a. a. O., annehmen muß. 

^) s. S.^30, Anm. 216; Philipp von Zesen nennt ihn 
Johan, ein Irrtum, den schon Ovens' Enk^'! anmerkt (vgl. 
Urk. Nr. 21), Houbraken, 111. S. 272 auch Jan. 

=ä) Diese Form, lateinisch Georgias, hat er selbst für 
die Inschrift des Altarbildes in Friedrichstadt gewählt. 

SO) Daraus geht hervor, daß unser Maler der älteste 
Sohn aus der Ehe des Ove Broders mit Agneta war. Denn 
es war in Eiderstedt allgemein Brauch, daß der erste Sohn, 
der der zweiten Ehe einer Frau entsproß, den Vornamen 
ihres verstorbenen ersten Gatten erhielt. Daß Jürgen der 
Erstgeborene war, erhellt auch daraus, daß Peter Sax ihn 
in der Genealogie unter seinen Geschwistern an die erste 
Stelle setzt. 

61) Sachs Angabe in der Allg. deutschen Biographie, 
daß die bisher gebräuchliche holländische Form seines 
Vornamens nur auf einzelnen seiner Gemälde erscheint, 
entspricht nicht den Tatsachen. Ovens hat in seinen 
Signaturen nie den Vornamen Jurian gebraucht. 

^-) So zuletzt noch von Getrg Biermann, Deutsches 
Barock und Rokoko, Leipzig 1914, II. Band, Namen- und 
Sachregister S. XL. 

53) Vgl. auch die Bemerkungen von Doris Schnittger, 
Zeitschrift der Ges. für schlesw. -holst. Geschichte, Bd. 38, 
S. 415. 

11 



deutschen Fehler zu entspringen, das Fremde für 
besser als das Einheimische zu halten. Freilich 
klingt Jurian viel fremder, also auch viel vor- 
nehmer und interessanter als das ehrliche bäuer- 
liche Jürgen! Diese Ausführungen werden, hoffe 
ich, den Erfolg haben, daß die falsche Form Jurian 
endgültig abgetan ist. Wer sie in Zukunft 
noch anwendet, wird sich den Vorwurf gefallen 
lassen müssen, daß er richtiger Erkenntnis nicht 
folgen will. 

Von Jürgens Jugend ist auch nicht die ge- 
ringste Nachricht auf uns gekommen. Über seiner 
Vorbildung, über seiner Entwicklung zum Jüng- 
ling liegt undurchdringliches Dunkel. Wir wissen 
nicht, wer seine Lehrer und Erzieher waren, wir 
haben keine Kunde von seinen Freunden und 
Gespielen. Die Quellen, die über all dies sichere 
Auskunft geben könnten, sind, so scheint es, auf 
immer verschüttet. Nur gewisse wohlbegründete 
Vermutungen können geäußert werden. In Jürgens 
Vaterstadt bestand nach Ausweis der Akten des 
Tönninger Kirchenarchivs eine lateinische Schule. 
Zwei Klassen mit zwei Lehrern, einem Rektor 
und einem Kantor, waren vorhanden. Die untere, 
die sog. Schreib- und Rechenmeisterklasse, ver- 
mittelte die Elementarkenntnisse. Der Rektor da- 
gegen lehrte, was darüber hinausging, die ,, höhere" 
Bildung also, vor allem Latein. Da die Ver- 
hältnisse der Eltern Jürgens es ihnen erlaubten, 
dürfen wir annehmen, daß ihr Erstgeborener die 
obere Klasse besucht hat, nachdem er das Wissen, 
das ihm der Schreib- und Rechenmeister bieten 
konnte, in sich aufgenommen hatte. Daneben be- 
steht jedoch auch die Möglichkeit, daß Jürgen, 
wie später sein Sohn Johann Adolf, auf eine aus- 
wärtige Lateinschule, wie z. B. die in Husum 
oder die berühmte Domschule in Schleswig, ge- 
schickt worden ist. Wie dem auch sei, des Meisters 
ungewöhnlich ausgeschriebene Handschrift, der ge- 
wandte Stil seiner Briefe, seine rege geistige Inter- 
essen voraussetzende reichhaltige Bibliothek be- 
w'eisen, daß er in seiner Jugend eine über die 
Elementarkenntnisse hinausgehende Bildung ge- 
nossen haben muß. Wie weit seine Kenntnisse 
des Lateinischen gegangen sind, läßt sich nicht 
ausmachen. Auf das Vorkommen der Wendung 
Wolens volens und den Dativ Possessori, auf die 
lateinische Inschrift auf dem Bilde in Erholm 
(Nr. 140 des Katalogs der Gemälde), auf die 
lateinische Unterschrift unter einer Zeichnung 

12 



(Nr. 48 des Katalogs der Zeichnungen) und die 
kiteinische Unterschrift unter dem von ihm ge- 
schenkten Altarbilde (vgl. S. 102) wird man nicht 
allzu viel Gewicht legen dürfen. Denn der Aus- 
druck nolens volens, der Dativ, die Inschrift unter 
der Zeichnung beweisen für den Umfang der latei- 
nischen Kenntnisse des Malers nur wenig, sie 
sind gar zu kurz, ersteres ist dazu noch eine 
formelhafte Wendung. Die lateinische Inschrift 
auf dem Bilde in Erholm kann einem Wunsche 
des Herzogs Christian Albrecht entsprechen und 
ihr Wortlaut möglicherweise, etwa von Olearius, 
dem Maler übermittelt worden sein. Bleibt noch 
die Unterschrift unter dem Altarbilde. Wenn sie 
wirklich von Ovens selbst erdacht ist, so ist sie 
ein vollgültiger Beweis seiner Beherrschung der 
lateinischen Sprache. Es ist aber auch mög- 
lich, daß der Maler nur den Gedanken an- 
gegeben habe, dem er Ausdruck zu verleihen 
wünschte, und daß etwa der Pastor Fabricius ihn 
in die lateinische Form gegossen habe. Auch 
in der Frage der Beherrschung des antiken Stoff- 
gebietes, die auf zahlreichen Ovensschen Bildern 
zutage tritt, muß man vorsichtig sein. Man darf 
aus ihr nicht zu. viel für den Unterricht des Malers 
in seiner Jugend schließen wollen. Was C. Neu- 
mann •'i) in einer Polemik gegen W. R. Valentiners 
Aufsatz, Rembrandt auf der Lateinschule ''5) für 
Rembrandt ausgeführt hat, gilt auch für Ovens. 
Es ist ein Irrtum zu glauben, daß nur das, was 
wir heute Gymnasialbildung nennen, ihn dazu 
hätte befähigen können, die antiken Stoffe in so 
ausgedehnter Weise, wie er es getan hat, für seine 
Kunst zu verwenden. Der gebildeten Welt des 
17. Jahrhunderts waren die alten Fabeln völlig 
vertraut. Man verwandte sie für Darstellungen 
an Häusern und Möbeln. Die Bekanntschaft mit 
den alten Historien konnte man sich auch ohne 
gelehrte Bildung erwerben. Neumann verweist 
auf die wirksam vermittelnde gern gelesene Über- 
setzungsliteratur, z. B. die berühmte Acerra (Weih- 
rauchkästchen) philologica des Rostocker Professors 
Peter Lauremberg, die 1635 zuerst erschien. Sie 
enthielt unter 200 Historien zahlreiche Erzählungen 
und Anekdoten aus der heidnischen Mythologie 
und Geschichte mit angefügter Moral. Den Be- 
weis, daß Ovens die Acerra philologica gekannt 



61) Aus der Werkstatt Rembrandts, 1918, S. 150. 
65) Jahrbuch der König'lich preußischen Kunstsamm- 
lungen, 27. Bd., Berlin (190Ö), S. 118 ff. 



und benutzt hat, kann ich freilich nicht erbringen. 
Aber wenn Ovens so seltene Stoffe v;ie den von 
der Königin Semiramis und den von dem wilden 
Leibroß Alexanders des Großen, Bucephalus, ver- 
wandt und just diese sich auch in der Acerra 
finden s*^), so ist die Bekanntschaft des Malers mit 
dem Buch nicht nur mög-lich, sondern wahrschein- 
lich. Darüber hinaus die Phantasie schweifen zu 
lassen und sich den Knaben oder Jüngling vor- 
zustellen, ist ein müßiges Spiel. Zweckloses Be- 
ginnen auch wäre es, wollte man sich Episoden aus 
seiner Jugendzeit ausmalen. Dafür fehlen alle tat- 
sächlichen Unterlagen i^'). Esheißtalso, sich mit dem 
Geständnis; ,,Wir «'issen es nicht" bescheiden 
und ein Genüge haisen an den Ergebnissen, 
die wissenschaftliche Forschung dem rätselhaften 
.Antlitz der Vergangenheit abzugewinnen vermag. 
Wie die Ereignisse seiner Kinderzeit, so sind 
auch die Erlebnisse der Jünglingsjahre bis hoch 
ins Mannesalter hinein uns unbekannt. Arnold 
Houbrakei; in seinem berühmten, 1718 zu Amster- 
dam erschienenen Buche, De Groote Schouburgh 
der nederlantsche Konstschilders en Schilderessen 
I. Teil, S. 273 rechnet Ovens mit dem Nieder- 
sachsen Paudis und mit Franz Wulfhagen aus 
Bremen unter die Schüler Rembrandts'»s). Da 
Houbraken meistens gut unterrichtet ist, liegt kein 
Grund vor, dieser Angabe zu mißtrauen. Hou- 
braken behandelt die drei Künstler im Anschluß 



'''■) IL, S. 190 Wie Semiramis zum Regiment ge- 
kommen und von derselben Thaten, I., S. 43 Des großen 
Alexandri Leib Pferd genandt Bucephalus. 

^") Möglich ist es, daß er gesehen hat, wie der 
Scharfrichter Meister Philipp von Husum mit seinen 
Knechten unter „vielen Kurtzweilen, Aufzügen und Reden" 
am 18. Oktober 1642, nachmittags 4 Utir, auf öffent- 
lichem Markte zu Tönning in Gegen^xart vieler Zuschauer 
die Bücher und Schriften des Erzketzers David Joris ver- 
brannt hat. Mit diesem ärgerlichen Spektakel fand der 
durch den eifernden Pröpsten Moldenit verursachte Ketzer- 
prozeß, in den auch Ovens' späterer Schwiegervater Jens 
Martens mit seiner Gattin verwickelt war, sein würdiges 
Ende. Sicherlich haben diese Vorgänge, ob nun der 
Jüngling sie miterlebt hat oder nicht, dazu beigetragen, 
schon früh in Ovens die freieren religiösen Anschauungen 
zum Durchbnich kommen zu lassen, die wir als ihm und 
seinem Kreise eigentümlich kennen lernen werden. 

^*) Onder de menig\'uldige leerlingen, die hij (Rem- 
brandt) in de konst heeft opgekweekt (eigentlich: auf- 
gezogen, dann : unterrichtei), worden ook deze volgende 
genoemt. Es folgen dann Paudis und Franz Wulf- 
hagen, die nur kurz erwähnt werden, und Juriaan Ovens, 
auf den Houbraken genauer eingeht. 



an ihren Meister. Wann aber Ovens Rembrandts 
Schüler gewesen sei, sagt Houbraken nicht. Wenn 
Robert Schmidt«») behauptet, daß Ovens, „wie 
sicher erwiesen ist", im Jahre 1642 ein Schüler 
des großen Holländers war, so steht diese Be- 
hauptung auf sehr schwachen Füßen. Nirgends 
ist das Jahr 1642 überliefert. ^ Von sicherem Be- 
weis kann nicht die Rede sein. Mit Robert Schmidts 
Behauptung deckt sich, was Doris Schnittger "o) 
anführt, daß , .schon der Neunzehnjährige für 
längere Zeit in Amsterdam Schüler des Künstlers 
über alle, Rembrandt, gewesen und in dessen Werk- 
statt in der Jodenbreestraat für 100 Gulden Entgelt 
jährlich gearbeitet habe". Sie läßt freilich ihre 
Phantasie weiter spielen als Robert Schmidt. Das 
Lebensalter des Schülers, die Dauer der Lehr- 
zeit, die Höhe des Honorars, alles sind nur Ver- 
mutungen von Doris Schnittger, die sich auf keine 
Überlieferung stützen können. Lediglich das 
Schülerverhältnis wird von Houbraken bezeugt. 
Sachs Angabe"), ,,daß er um 1642 seine Heimat ver- 
ließ, um sich in Holland in der Schule Rembrandts 
als Maler auszubilden", ist vorsichtiger gefaßt. Ich 
würde jedoch lieber um 1640 annehmen; denn 
mit etwa 15 bis 18 Jahren traten die jungen Leute 
als Schüler bei Rembrandt ein '-). 

So wird auch unser Holsteiner etwa 16 Jahre alt 
gewesen sein, als er zum ersten Mal sich nach 
Holland wandte und mit dem größten Maler des 
Landes in nähere Verbindung trat. Ovens' Lehr- 
zeit bei Rembrandt so früh, etwa ins Jahr 1639 
oder 1640 zu setzen, fordert auch folgende Er- 
wägung. Das erste erhaltene Bild unseres Malers 
stammt aus dem Jahre 1642. Es verrät aber nicht 
Rembi'andts, sondern van Dijcks Einfluß. Als es 
entstand, muß also geraume Zeit verflossen sein seit 
der Zeit, in welcher Ovens in Rembrandts Werkstatt 
arbeitete. Ovens rnuß in der Zwischenzeit andere 
Eindrücke auf sich haben wirken lassen. Sonst wäre 



''ä) Schloß Gottorp, ein nordischer Fürstensitz, S. 52. 

'") Jürgen Ovens, ein Schleswiger Rembrandt-Schüier, 
S. 416. (Zeitschrift u. s. w. Bd. 38). 

'1) Allg. deutsche Biographie. Band 25, S. 1. 

'-) So kam Ferdinand Bol, geb. 1616, als löjähriger 
bei Rembrandt in die Lehre (vgl. G. H. Veth, Oud- 
Holland 6 [1888], S. 69). Samuel van Hoogstraaten trat, 
wie er selbst sagt, bereits vor seinem 14. Jahre in die 
Lehre (Inleyding tot de Hooge Schoole der Schilderkonst, 
S. 11, vgl, S. 257) und war als löjähriger Rembrandts 
Schüler. Abraham Furnerius war gar erst et«a 13 Jahre 
alt, als er im Jahre 1641 bei Rembrandt lernte. 

13 



der Stilwandel von Rembrandt, dem er als Schüler 
folgte, zu van Dijck unerklärlich. 

In dem kleinen Tönning, einem von den Mittel- 
punkten des Verkehrs und des geistigen Lebens 
weit entfernten Landstädtchen, konnte ein angehen- 
der Künstler kaum Anregungen erhalten '-''). Er 
wird also aus der Enge in die Weite gestrebt haben. 
Und er' war ja in der glücklichen Lage, daß die 
väterlichen Mittel es ihm erlaubten, sich in der 
Fremde auszubilden. Wie so viele deutsche Maler 
seiner Zeit — ich nenne außer den schon er- 
wähnten niederdeutschen Paudis und Wulfhagen 
nur noch Flinck und Hoogstraaten — wandte 
Ovens sich nach den Niederlanden. Holland war 
ja das Land, in dem sich, von zahlreichen großen 
Künstlern und vor allem von Rembrandts leuchten- 
dem Gestirn angezogen, die Maler sammelten. 
Rembrandt stand im Anfang der 40ei' Jahre auf 
der Höhe seines Ruhms, dessen Gipfel wohl durch 
die Nachtwache von 1642 bezeichnet wird. 

Amsterdam war unbestritten schon um 1640 
die erste Stadt der Welt. Es war der Brenn- 
punkt des Weltverkehrs und dabei eine Hoch- 
burg künstlerischen und wissenschaftlichen Lebens. 
Im 17. Jahrhundert hatte die Königin des Meeres 
für Norddeutschland und insbesondere für Schles- 
wig-Holstein die Bedeutung, die später Kopen- 
hagen und Hamburg errangen. Zudem standen 
die Bewohner der schleswig-holsteinischen Mar- 
schen -in regen wirtschaftlichen Beziehungen zu 
Holland. Der Handel mit der ersten Seemacht 
war für sie der wichtigste. Seltene und wertvolle 
Erzeugnisse bezog man aus Holland. Das Niveau 
der Lebensführung war ja in dem Lande der 
großen Kaufherren weit höher als in dem ab- 
gelegenen und im Vergleich zu Holland be- 
scheidenen Schleswig-Holstein. Die Holländer 
waren in vieler Hinsicht die Lehrmeister. Sie 
bauten kunstvolle Deiche und Dämme gegen die 
Meerflut, vor deren Wüten man sich in Nord- 
elbingen bisher nur in unzureichender Weise hatte 
zu schützen gewußt. Die Holländer entwässerten 
das Land und legten auf öden sumpfigen und 
moorigen Flächen fruchtbare Kulturen an. Sie 
kolonisierten die Insel Nordstrand. Die Holländer 



waren Städtebauer, wie z. B. die vertriebenen 
Remonstranten 1621 das 15 km von Tönning ent- 
fernte Friedrichstadt a. d. Eider erstehen ließen''). 
Die Einwanderung und Rückwanderung dieser 
Holländer, vor allem aber auch die regen Be- 
ziehungen, die zwischen seiner Vaterstadt Tönning 
sowie der Landschaft Eiderstedt und Holland be- 
standen'''), mögen ebenfalls auf den Entschluß 
des Jünglings, sich nach Holland zu wenden, 
ihren Einfluß ausgeübt haben. In Tönning lebte 
ja eine einflußreiche holländische Kolonie, die einen 
regen Handel mit Holland betrieb und geistig 
und religiös mit der alten Heimat eng verbunden 
war "5). Holländische Künstler wie die Maler 
Lorens de Keister, Qowert und Märten van Ach- 
ten lebten in Tönning, der holländische Bild- 
schnitzer Johann von Groningen wirkte im nahen 
Husum. Jürgens Vater selbst ließ, wie wir ge- 
sehen haben, 1641 in Holland ein Schiff kaufen 
und hatte in Amsterdam seinen eigenen Faktor"). 
Der junge Maler könnte also auf seines Vaters 
eigenem Schiff die Reise übers Meer gemacht 
haben. Schließlich mögen auch noch die sein 
Vaterland bedrohenden Stürme des dreißigjährigen 
Krieges den jungen Künstler bestimmt haben, ein 
Land aufzusuchen, das von der Kriegsfurie ver- 
schont war. 

Ovens gegenüber sind wir in der glücklichen 
Lage, daß so viele seiner Bilder datiert oder 
datierbar sind. Sie gewähren uns neben den 
urkundlichen Belegen die sichere Grundlage 
für die Schilderung seines Lebens. Die frühesten 
datierten Ovensschen Gemälde, von denen wir 
Kunde haben, stammen aus dem Jahre 1641. Es 
sind ein Knaben- und ein Damenbildnis, offenbar 
Gegenstücke'^). Beide sind leider verschollen. 
Die kurzen Notizen, die von ihnen berichten, 
lassen nicht erkennen, unter wessen Einfluß diese 
Bilder gemalt sind. Das nächste datierte Bild ist von 
1642, es ist das schon erwähnte, von van Dijck ab- 
hängige männliche Bildnis 'ä) (Abb. 2). Aus den 
folgenden Jahren habe ich kein Werk seiner Hand 



'3) Freilich wäre es sehr wohl möglich, daß er schon 
durch den Töiininger Maler Lorens de Keister (über ihn 
vgl. den 17. Exkurs) in die Anfangsgründe seiner Kunst 
eingeweiht worden ist. 



'*) Vgl. des Verfassers Büchlein, I^ilder aus der Ge- 
schichte der Stadt Friedrichstadt a. d. Eider, 1921. ■ 

'^) Vgl. z. B. Zeitschrift der Ges. f. Schlesw.-holst. 
Gesch., Bd. 20, S. 245 ff. 

"^) Vgl. den 17. und IS. Exkurs und Wolfhagem, 
Beschreibung der Stadt Tönning usw., S. llf. 

") Vgl. S. 9. i 

'S) Nr. 421 und Nr. 422 des Katalogs der Gemälde. 

'9) Nr. 345 des Katalogs der Gemälde. 



14 



feststellen können. Vermutlich 1648 oder 1649 
werden die drei verschollenen Gemälde entstanden 
sein, die er zur Verherrlichung des Friedens von 
Münster gemalt hat*»). Das nächste auf uns ge- 
kommene Bild stammt aus dem Jahre 1649. Es 
stellt, leider sehr schlecht erhalten, eine Mutter 
mit Kind dar«'). 

Um dieselbe Zeit, um 1649/50, hat Ovens, 
was bisher nicht beachtet ist, zu den Malern 
gehört, die im Auftrage der Witwe des Prinzen 
Frederik Hendrik von Oranien, der Amalia 
von Solms, tätig waren, um das Andenken ihres 
Gemahls zu verherrlichen. Unter den Originalien 
des Nachlaß-Inventars nämlich wird als Nr. 3 
angeführt: Ein Original Schetze (Skizze) von H. 
(Herrn) Ovens, worauff des Princen von Oranien 
Triumpf (in der Teilungsakte steht: Aufzug)*-). 
Offenbar hat es sich bei dieser Skizze um einen 
Entwurf zu einem Gemälde gehandelt, wie es 
Jacob Jordaens im Triumpfe Friedrich Heinrichs 
für den Oraniensaal im Huis ten Bosch ausgeführt 
hat, jenem Palast, den die Witwe im Haager 
Wald zum Ruhmestempel für" den Dahinge- 
schiedenen umgestalten ließ *^). Friedrich Hein- 
rich war im März 1647 gestorben. Die trauernde 
Witwe faßte alsbald den Entschluß, den ganzen 
Saal von unten bis oben mit Gemälden ihm zu 
Ehren ausschmücken lassen. Der berühmte Bau- 
meister Jacob van Campen, der bald darauf das 
Rathaus zu Amsterdam erbaute, sowie Con- 
stantin Huygens, der treue Ratgeber und Geheim- 
schreiber des verstorbenen Prinzen, wählten mit 
der Fürstin zusammen die Gegenstände aus, die 
auf den Wänden ausgeführt, sowie die Künstler, 
die mit den Arbeiten beauftragt werden sollten. 
Nicht in Betracht gezogen wurden die Maler, 
die für uns die wahren und höchsten Vertreter 
der holländischen Kunst sind, ein Rembrandt, 
Frans Hals, van der Helst. Man mochte mit 
Recht annehmen, daß sie, die Hauptmeister einer 
ausgesprochen bürgerlichen Kunst, nicht ge- 
eignet seien, so wie man es wünschte, den Auf- 



80) Nr. 164, 165, 166 des Katalogs der Gemälde. 

81) Nr. 313 des Katalogs der Gemälde. 

82) Nr. 167 des Katalogs der Gemälde. 

83) Zu dem Folgenden vgl. vornehmlich Max Rooses, 
Jordaens' Leben und Werke 1906, S. 161 ff.; P. Busch- 
mann, Jacques Jordaens et son oeuvre, 1905, S. HS ff. 
und Carl Neumann, Aus der Werkstatt Rembrandts, 
1918, S. 52. 



gaben einer panegyrisch-allegorischen Fürsten- 
kunst, die in Holland keine Möglichkeit der An- 
knüpfung hatte, gerecht zu werden. So wandte 
man sich von ihnen ab und der Rubensschule 
zu. Man gewann Theodor van Thulden und 
Jacob Jordaens neben dem akademischen Haar- 
lemer Pieter Soutman, ,,Oraniens Hofmaler" Gerard 
Honthorst, weiter Jan Lievens und mehrere andere, 
die alle in der dekorativen und allegorisierenden 
Darstellungsweise der Flamen arbeiteten. Un- 
zweifelhaft paßte Ovens gut zu ihnen. Die Skizze, 
die er für den Triumpf einlieferte, werden wir 
uns etwa in der Art der den gleichen Gegenstand 
behandelnden Skizzen des Jordaens oder in der 
Art des von Jordaens ausgeführten Gemäldes*^) zu 
denken haben. Dieses ist ein Bild mit 70 Personen 
und viel mythologischem und allegorischem Bei- 
werk. Warum Ovens nicht die Ausführung der 
Skizze zu einem Gemälde übertragen worden ist, 
läßt sich mit Bestimmtheit nicht sagen. Vermutlich 
wird ihn die Rückkehr in seine Heimat, die vor 
dem 21. Mai 1651 stattgefunden hat 8^), daran ge- 
hindert haben, den Auftrag zu übernehmen. Dazu 
würde stimmen, daß wir zuerst am 23. April 1651 
in einem Briefe des Huygens davon hören, daß 
Jordaens an dem Bilde des Triumpfes arbeitete. 
Auch andere Gründe können ja vorliegen. Jeden- 
falls muß angemerkt werden, daß auch unter den 
berühmten Malern Antwerpens, die 1649 Skizzen 
zu Gemälden ausgearbeitet hatten, zwei, Thomas 
Willeborts Bosschaert und Gonzales Coques, die 
beide am holländischen Hofe einen guten Namen 
hatten und für diesen vor 1648 wiederholt tätig ge- 
wesen waren, nicht zur Ausarbeitung der Skizze 
kamen, die sie 1649 Huygens gezeigt hatten. 
Welche nun auch die Gründe gewesen sein 
mögen, die Ovens seine Skizze nicht ausführen 
ließen, soviel geht schon aus der bloßen Tatsache, 
daß er eine Skizze für den Triumpf geschaffen hat, 
hervor, daß Ovens schon damals ein angesehener 
Meister gewesen sein muß. Denn nur ein solcher 
konnte für Aufgaben, für die Maler von dem 
Rufe eines Honthorst, Lievens und Jacob Jordaens 
herangezogen wurden, in Betracht kommen. Daß 
Ovens seine Auftraggeber schon so früh in den \-or- 
nehmsten Kreisen fand, dafür sind auch die Bilder 



8i) Abbildung bei Max Rooses, a.a.O., S. 163, 167, 
169, 162, 170 und P. Buschmann, a.a.O., Tafel XXXVIII, 
XXXIX, XXXVII. 

85) Vgl. S. 17 f. 



15 



aus dem Jahre 1650 ein Beweis: Das Damenbiidnis 
in Neuyorksß) (Abb. 3), das Herrenbildnis'*') und 
das Eiiepaar mit 6 Kindern in Haariem ^s) (Abb. 4). 
Wenn wir nun auch seit kurzem wissen, daß es sich 
bei letzterem nicht, wie man früher annahm, um 
einen so großien Herrn wie Rijklof van Qoens, den 
Gouverneur von Niederiändisch-Indien mit Familie, 
handelt, reiche und angesehene, zur besten Gesell- 
schaft gehörende Leute waren es ohne Zweifel 
ebenso wie die vornehme Dame und der Herr, 
der voll Selbstgefühl nach dem goldenen Medaillon 
an seiner Brust faßt. Dasselbe ist über die anderen 
in diesen Jahren entstandenen Bilder zu sagen. 
Da ließ sich z. B. Dirk van Os, der Deichgraf des 
Polders de Beemster, den auch Rembrandt etwa 
10 Jahre später 'gemalt hat, von Ovens porträtieren 
(1651)80)^ ein würdevoller Herr, für dessen Einfluß 
es spricht, daß der große holländische Dichter 
Vondel sein von Ovens gemaltes Bildnis besungen 
hat. Selbst ein Generalgouverneur von Nieder- 
iändisch-Indien, Jacques Specx, ein Mann also, in 
dessen Händen größte Machtvollkommenheit lag, 
ließ sich samt seiner Gattin von unserem Maler 
konterfeien (1651)^"), der auch sonst für ihn tätig 
gewesen ist ^^). Ja, so bel\annt war er schon ge- 
worden, daß einer der größten holländischen See- 
helden, der weltberühmte Märten Harpertsz.Tromp, 
der am 10. August 1653 in einer Seeschlacht gegen 
die Engländer gefallen ist, mit seiner Hausfrau 
unserem Meister gesessen hat^-). Was Wunder, 
daß auch die Großen der Erde ihn schon damals 
mit ihren Aufträgen beehrten! So hat Ovens, 
wahrscheinlich 1653, den Herzog Christian Louis I. 
von Mecklenburg-Schwerin gemalt. Ich vermute 
■nämlich, daß das nach Philipp von Zesens Bericht 
ehemals im Heeren-Logement zu Amsterdam be- 
findliche Bildnis des Herzogs von Ovens, der ihn 
und seinen Kanzler auch später porträtierte ä^), ge- 
malt ist. Ist diese Vermutung richtig, so wäre es in 
dem Stiche Theodor Mathams ^^) (Abb. 5), der das 



*") Nr. 336 des Katalogs der Gemälde. 
8') Nr. 333 A des Katalogs der Gemälde. 
88) Nr. 332 des Katalogs der Gemälde. 
8'J) Nr. 296 des Katalogs der Gemälde. 

90) Nr. 308 und Nr. 283 des Katalogs der Gemälde. 

91) In seinem Nachlaß war ein Pastorale mit einigen 
Kinderchen von der Hand des Ovens (vgl. Nr. 171). 

92) Nr. 300 und Nr. 310 des Katalogs der Gemälde. 

93) Nr. 280 und Nr. 237 des Katalogs der Gemälde. 
91) s. den Abschnitt Stiche nach Ovensschen Ge- 
mälden, 4. 

16 



Bild in Amsterdam gestochen hätte, überliefert 95). 
Der Maler trat damit in Verbindung mit einem 
gekrönten Haupte, das nach Ernst Boll ^'•) ,,ohne 
Zweifel der sonderbarste Charakter in der ganzen 
langen Reihe der mecklenburgischen Fürsten" war. 
Der Herzog wurde dem Glauben seiner Väter 
untreu und ging zum Katholizismus über. Lud- 
wig XIV. — aus bloßer Aufmerksamkeit gegen ihn 
wollte er sein angestammtes Land Mecklenburg 
gegen Kleve vertauschen — ward von ihm so sehr 
bewundert, daß der Herzog seinen Namen annahm. 
Fast ständig hielt sich Christian Louis trotz aller 
Kriegsnöte seines unglücklichen Landes im Aus- 
lande auf, ohne freilich die kümmerliche Rolle, die 
er z. B. atn französischen Hofe spielte — über 
sie berichtet die Herzogin Elisabeth Charlotte in 
ihrer anschaulichen Weise 9') — sonderlich zu emp- 
finden. Sach behauptet 9»), der Herzog sei 1652 
mit der Prinzessin Hedwig Eleonore von Gottorf 
verlobt gewesen. Später sei die Verlobung aufge- 
hoben. Ovens habe damals den Auftrag erhalten, 
das Bildnis des Herzogs zu malen. Daraus sei 
Ovens' Aufenthalt in Mecklenburg erklärlich. Sach 
irrt sich jedoch hinsichtlich der Verlobung. Christian 
konnte eine solche nicht eingehen. Denn bereits 
seit dem 6. Juli 1650 war er vermählt mit seiner 
Base Christine Margarethe, der Schwester des 
Herzogs Gustav Adolf von Güstrow. Damit wird 
auch Sachs Annahme, daß der Maler sich damals 
in Mecklenburg aufgehalten habe, hinfällig. Das- 
selbe gilt von Sachs Behauptung 99), daß sich Ovens 

95) Vgl. über diese Frage meine Ausführungen im 
Katalog der Gemälde Nr. 280. 

96) Geschichte Mecklenburgs, IL, 1856, S. 88. Über 
Christian Louis ist noch zu vergleichen Wagner, Studien 
zur Geschichte des Herzogs Christian (Louis) in den Jahr- 
büchern des Vereins für Mecklenburgische Geschichte 
usw., Bd. 70 (1Q05), S. 191 ff. Derselbe, Herzog Christian 
(Louis) I. in Mecklenburgische Geschichte in Einzel- 
darstellungen, Heft IX, Berlin 1906; Witte, Mecklen- 
burgische Geschichte, Band 2, 1913, S. 193 ff. 

9') Sie sagt von ihm : „In alles, was er that, war 
er ärger als kein Kind von 6 Jahren thun könnte." Einmal 
als der Herzog ihr sein Leid klagte, antwortete sie frei- 
mütig: „Ihre ganze Conduite ist erbärmlich, und machen 
ihn ganz Frankreich auslachen." 

98) Allgemeine deutsche Biographie, Band 25. 

99) a. a. O. Wahrscheinlich stützt Sach sich auf 
Frenzel, Die Kupferstich-Sammlung Friedrich Augusts II., 
König von Sachsen, Leipzig 1854, S. 60, nach dem Ovens 
wechselseitig in den Hauptstädten Schwedens und Polens 
gearbeitet habe. Vgl. Müller, Die Künstler aller Zeiten 
und Völker und Andresen, Der deutsche Peintre-Graveur 
usw., V. (1878), S. 24. 



kurz nach dem dreißigjährigen Kriege zeitvc-eilig am 
polnischen Hofe aufgehalten habe. Für ein Ver- 
weilen in Polen fehlt jeder Anhalt. Weder ur- 
kundliche Belege noch Arbeiten des Malers 
sprechen für ihn. 

Anders steht es mit der Frage, die ich hier auf- 
werfen muß : Ist Ovens in Italien, in Rom gewesen ? 
Von vornherein hat ja die Annahme, daß auch 
Ovens, wie so viele Maler vor und nach ihm, in das 
gelobte Land der Kunst und der Schönheit gezogen 
sei, viel innere Wahrscheinlichkeit. Früh schon hatte 
er sich zur flämischen Kunst, die von Italien so 
starke Anregung erhalten hatte, hingezogen gefühlt. 
Ohne Zweifel ist er häufig durch die italienische 
Kunst beeinflußt worden loo). Und schließlich er- 
laubten ihm seine reichen Mittel die Reise über die 
Alpen und auch einen längeren Aufenthalt in Rom. 
Gestützt wird die an sich \x'ahrscheinliche Annahme 
einer italienischen Reise durch folgende Tatsache. 
Im Jahre 1657 ist zu Amsterdam ein Büchlein 
Gedichte von einem gewissen Jan Six van Chan- 
delier erschienen. Der 1612 geborene Verfasser, 
der nicht mit Rembrandts Gönner zu verwechseln 
ist, gebrauchte, 30 Jahre alt, eine Kur in Spaa. 
Nach seiner Heilung, also etwa von 1642/1643 an, 
machte er mehr als 10 Jahre Reisen durch Frank- 
reich, Spanien und Italien. Auf oder nach einer 
Reise nach Rom ist ein Gedicht entstanden, das 
auf S. 335 des Bändchens abgedruckt isfi"). Es 
trägt die Überschrift: 

Op het scheiden van J. O. te Rome, 
van de Schilders Virgilius gedoopt. 

Mit dem Maler J. O. kann kaum ein anderer als 
Jürgen Ovens gemeint sein. Danach muß man als 
Tatsache ansehen, daß unser Meister sich eine Zeit- 
lang in Rom aufgehalten hat und Mitglied des 
Bundes der niederländischen Künstler, des sog. 
Bent"2), gewesen isfio^)^ von dem auch in der 



100) p-reilich konnte er diese Beeinflussungen auch 
in Holland erfahren. Denn auch in Holland gab es 
italienische Kunstwerke in Menge. Ihren Import ließ 
sich z. B. Gerrit Uylenburg, zu dem Ovens Beziehungen 
hatte (vgl. S. Q3 f.), besonders angelegen sein. 

IM) Den Hinweis verdanke ich Jhr. Professor Dr. 
Jan Six, Amsterdam. 

102) Die Mitglieder des Beut trafen sich in einer 
Weinkneipe. Jeder bekam einen Beinamen, der oft auf 
die Eigenart seiner Kunst oder die körperliche Beschaffen- 
heit des Betreffenden Bezug nahm. Cornelis van Rijssen 
in „Bendvaarzen en liederen in de jaaren 1668 en 1669 



Übrigens ziemlich geistlosen Reimerei die Rede ist. 
Dieser Aufenthalt muß, da Six van Chandelier von 
1643 an auf Reisen war, andererseits Ovens 1650 
unzweifelhaft in Holland gewesen ist, zw-ischen 
1643 und 1649 angesetzt werden. Ihn nach 1650 
zu setzen, ist nicht möglich, da nach 1650 Ovens' 
Anwesenheit in Holland, in seiner Heimat und in 
Schweden Jahr für Jahr belegt werden kann. 

1650 lassen sich die ersten Beziehungen unseres 
Malers zum Gottorfer Hofe nachweisen. Fortan 
ist Ovens' Tätigkeit für die Herzöge, soweit wir 
jedenfalls wissen, abgesehen von den Jahren 
1657 — 1663, in seiner gesamten Tätigkeit die wich- 
tigste. Die für sie gemalten Bilder, seien sie nun 
erhalten oder nur urkundlich belegt, sind eine der 
wichtigsten Quellen für die Kenntnis seiner Kunst 
nicht nur, sondern auch seines Lebens. 1650 ent- 
standen im Auftrage des Herzogs Friedrichs III. von 
Gottorf (1616 — 1659) vier verschollene Bildnisse. 
In der Gottorfer Rentekammerrechnung von 1651 
(Reichsarchiv, Kopenhagen) steht am 3. Januar 
verzeichnet "i): „Jürgen Ouens, Contrafaietern von 
Amsterdam, für 4 gemachte Fürstliche Contra- 
faieten einhält der Rechnung und Quitung . . . 
entrichtet 195 Reichstaler." Anfang 1651- war der 
Maler also noch in Amsterdam ansässig. Viel- 
leicht hatte er sich eben vorher auf kurze Zeit 
in die Heimat begeben, auf Schloß Gottorf die 
vier Bildnisse 1°^) gemalt und dort den Empfang 
des Geldes quitiert. Doch kann er die Quitung 
auch aus Amsterdam übersandt haben. In den 
ersten Monaten des Jahres 1651 — jedenfalls vor 



te Romen gemaakt", Amsterdam 1704 gibt uns einen 
Begriff von dem Leben der oft sehr ausgelassenen Bent- 
vögel, die auf einer Zeichnung Pieter de Laars im Ber- 
liner Kupferstichkabinett im Wirtshause dargestellt sind. 

103) Dem widerspricht nicht, daß Ovens' Name weder 
bei A. Bertolotti, Artisti Belgi ed Olandesi a Roma nei 
Secoli XVI. e XVII., Florenz, 1880, noch bei J. A. F. 
Orbaan und G. ]. Hoogewerff, Bescheiden in Italie 
omtrent nederlandsche Kunstenaars en Geleerden, Haag 
1911/13 genannt wird. Ihn etwa betreffende urkundliche 
Belege können verloren gegangen sein, wenn überhaupt 
sein Aufenthalt in Rom sich zu solchen verdichtet haben 
sollte. 

1"*) Unter „Gemeine Außgabe zu Gottorf". 

105) Ich vermute, daß es sich um Bildnisse gehandelt 
hat, die mit der Hochzeit der Tochter Friedrichs III., der 
Prinzessin Sophia Augusta, mit dem Fürsten Johann von 
Anhalt (19. September 1649) in irgend einem Zusammen- 
hange standen. Vielleicht waren es Geschenke für die 
Neuvermählten. 

17 



dem 21. Mai i^"'') — ist unser Meister auf längere 
Zeit, auf mehrere Jahre, in sein Vaterland zurück- 
gekehrt. Der erste urkundliche Beleg stammt vom 
20. März 1652. Er findet sich in der Qottorfer 
Nagelrechnung und lautet: ,,Dem Conterfeyer 
Mohs. Ofens zue Conterfeyen in den Rahmen zu 
heften ausgeben 230 (Nägel), 3 zum Pfennig" i*"). 
Bald darauf, am 3. April 1652, heißt es: „Mons. 
Ofens, dem Conterfeyer, zue Conterfeyen ein- 
zupacken, ausgeben 36 Pfenning (Nägel)" i"**). Und 
wieder einige Wochen später, am 28. April 
1652, lesen \xir in der Gottorfer Rentekamnier- 
rechnungi"») unter ,, Gemeine Außgabe" : 

,, Jürgen Ouens, Contrafaietern, für eine ge- 
fertigte gar große Schilderey, worauff I. F. Durchl. 
mein gnedigster Herr, dero freundtlich viel- 
geliebte gemahlinn, meine gnedigste Fürstinn und 
Fraw, sowohl die iunge Herrschafft und Frewiein, 
sämtlich abgebildet, absunderlich 1000 (Reichs- 
taler), sodann für sonst gefertigte Fürstl. Contra- 
faiete 521 (Reichstaler), also zusammen, mittelst 
Fürstl. Obligation, dauon die Summe von mir zur 
Einnahme geführt wird, laut der Quitung No. . . . 
entrichtet 1521 Reichstaler 24 Schilling"""). 

Aus den mitgeteilten urkundlichen Belegen geht 
hervor, daß Ovens sich im Frühjahr 1652 mehrere 
Monate auf Gottorf aufgehalten und dort vor 
allem ein großes Bild der herzoglichen Familie, 
daneben aber auch mehrere kleine Bildnisse von 
Mitgliedern des Herzogshauses gemalt hat. Von 
diesen waren offenbar mehrere schon am 20. März 
1652 fertig, so daß der Maler selbst sie in den 
Rahmen heften konnte. Daraus folgt, daß er wahr- 
scheinlich schon im Februar, wenn nicht noch 
früher, in Gottorf eingetroffen sein muß. Am 
3. April packte Ovens selbst mehrere von ihm 
gemalte Bildnisse ein, die also nach auswärts ge- 
sandt wurden, wohl als Geschenke an Fürstlich- 
keiten "1). Das große Familienbild hat sich er- 



1"'') An diesem Tage wurde die Kirche in Friedrichs- 
.berg zu Schleswig eingeweiht. Zu diesem Bau hat 
Ovens, damals in Tönning sich aufhaltend, beigesteuert. 
Vgl. S. 101 und Urkunde Nr. 13. 

i<") Staatsarchiv, Schleswig, Acta A. XX, 3683. 

108) Ebendort. 

109) Reichsarchiv, Kopenhagen. 

"") Die Summe steht unter „Einnahmen, so ohne 
Zinsen im Umbschlage 1653'erlegt werden sollen". 

111) Es liegt nahe, als Empfänger den Landgrafen 
Ludwig von Hessen und seine Gemahlin Maria Elisabeth 



halten n-). Es befindet sich in Schloß Gripsholm 
bei Stockholm. Früher Ehrenstrahl zugeschrieben, 
ist es unzweifelhaft mit dem in der Gottorfer 
Rentekammerrechnung vom 28. April 1652 auf- 
geführten großen Gemälde von Ovens iden- 
tisch "=). Vorher hatte der Meister eine Skizze dazu 
geschaffen, die unter Nr. 221 des Katalogs der Ge- 
mälde beschrieben ist (Abb. 9). Ovens war also so- 
fort nach seiner Rückkehr in die Heimat lebhaft für 
den Herzog Friedrich III. beschäftigt, für den er 
wie für seinen Sohn und Nachfolger Christian 
Albrecht so viele Bilder gemalt hat. 

Hier ist der Ort, auf die Fürsorge der Gottorfer 
Herzöge für Kunst und Wissenschaft, die auch für 
Ovens von so großer Bedeutung gewesen ist, näher 
einzugehen. Leider ist, wie die Gottorfer Zeit noch 
so vielfach im Dunkeln liegt, auch dieses wich- 
tige Gebiet nur teilweise durchforscht. Die Blüte- 
zeit der Gottorfer umfaßt beinahe ein Jahrhundert. 
Sie ist gekennzeichnet durch die Regierung der 
Herzöge Johann Adolf (1590^1616), Friedrich III. 
(1616—1659) und Christian Albrecht (1659—1694). 
Johann Adolfs Wirken für Kunst und Wissen- 
schaft, so bedeutend es ist, muß, da Ovens erst 
unter seinem Nachfolger geboren ist, hier un- 
berücksichtigt bleiben. Über Friedrichs III. Pflege 
der Wissenschaften hat F. W. Christiani in zwei 
Programmen der Kieler Universität"*) einigen Stoff 



anzusehen. Sie war eine Tochter Friedrichs III. Die 
Hochzeit hatte kurz vorher, am 24. November 1650, 
stattgefunden. 

112) Katalog der Gemälde Nr. 220. 

113) Nach der Gottorfer Nagelrechnung, Staatsarchiv 
zu Schleswig A. XX, 3685, wurden am 7. September 
1654 80 Nägel, 16 zum Schilling, gebraucht „zu ein 
groß Gontrafeytfutter zusammenzuschlagen, das nacher 
Schweden gekommen". Wahrscheinlich hat es sich bei 
der großen Hülle für das nach Schweden geschickte 
Bildnis um die Verpackung eben des großen heute 
in Gripsholm befindlichen Familienbildes gehandelt. 
Übrigens wurden am selben Tage noch zwei wesentlich 
kleinere Bilder nach Schweden verpackt. Auch am 4. Ok- 
tober 1654 wurden Nägel „zu Gontrafeytfuttern nacher 
Schweden" verbraucht. Wahrscheinlich hat es sich dabei 
um Ovenssche Bildnisse gehandelt, die der Prinzessin 
Hedwig Eleonore mitgegeben worden sind. Mit Bestimmt- 
heit können wir das von einem Bild sagen, für dessen Ver- 
packung', wie es in der Gottorfer Nagelrechnung, a. a. O. 
unter dem 5. September 1654 heißt: „Jürgen Ovens 
Contrafeyer fodern lassen 20 Scherf (Nägel)." 

11*) Entwurf einer gelehrten Geschichte Herzogs 
Friedrichs III., i772, sowie Rettung der Kenntnisse Und 
Gelehrsamkeit Friedrichs III. usw. 1.786. 



18 



gesammelt. Georg Waitz, Geschichte Schleswig- 
Holsteins II, S. 463 spricht zwar über die Pflege 
der geistigen und literarischen Interessen durch die 
Gottorfer. Es ist aber bezeichnend, daß er die bil- 
dende Kunst mit keinem Worte erwähnt. Dement- 
sprechend ist Ovens bei ihm überhaupt nicht ge- 
nannt. Dasselbe gilt für Georg Hille mit seinem Ar- 
tikel über Friedrich III. in der Allgemeinen deut- 
schen Biographie. Ebenso steht es mit den cälteren 
W'erken über schleswig-holsteinische Geschichte. 
Auch was Hoff, Schleswig-Holsteinische Heimat- 
geschichte II, 1911, S. 311 und Reimer Hansen, 
Kurze Schleswig-Holsteinische Landesgeschichte 
1912, S. 60 f. über die Pflege der Kunst am Got- 
torfer Hofe mitteilen, kommt über einige An- 
deutungen nicht hinaus. Am meisten bietet noch 
Robert Schmidt, Schloß Gottorp, ein nordischer 
Fürstensitz 1887 und 1903. Er handelt S. 41 
über Friedrich III. als Gönner und Beförderer 
der Wissenschaften und schönen Künste. S. 51 ff. 
schildert er Christian Albrecht als Mäzen und 
streift dabei auch Ovens; S. 79 f. teilt er einige 
urkundliche Belege über Künstler und Handwerker 
mit, die zur Zeit Friedrichs III. und Christian 
Albrechts für Gottorf arbeiteten. Über Hans Gude- 
werdt, der viel für die beiden Herzöge gearbeitet 
hat, sind wir seit Gustav Brandts ausgezeichneter 
Monographie über diesen hervorragenden Bild- 
hauer des Barocks eingehend unterrichtet. Durch 
die Veröffentlichung der Gottorffer Künstler, 
Teil I. und II. n^), habe ich dann zeigen können, 
wie ausgedehnt der Kreis der Künstler gewesen ist, 
die in den Diensten der Gottorfer Herzöge standen, 
wie reich die Früchte gewesen sind, die unter 
der Hut insbesondere Friedrichs III. und Christian 
Albrechts heranreiften. Es ist erstaunlich, was 
diese Fürsten, Herrscher eines kleinen Landes mit 
beschränkten Mitteln, auch in schwierigen Zeit- 
läuften, von warmer Liebe zu Kunst und Wissen- 
schaft beseelt, geleistet haben. Ergänzen konnte 
ich meine Mitteilungen noch durch meine .'\b- 
handlung über den Hamburger Maler David 
Kindt"«), einen der bedeutendsten deutschen 
Künstler der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts, 
der auch für Friedrich 111. tatig gewesen ist, und 



115) Quellen und Forschungen zur Geschichte Schles- 
wig-Holsteins, 4. Bd., 1916, S. 181 ff.; ebendort, 5. Bd., 
1917, S. 237 ff. 

11^) Zeitschrift des Vereins für Hamburgische Ge- 
schichte, Bd. XXIII, S. 25 ff. 



durch den Aufsatz, Das Portal der herzoglichen 
Gruft im Dom zu Schleswig, ein Werk des Artus 
Quellinus n'). In ihm konnte ich nachweisen, daß 
ein Künstler ersten Ranges, der berühmteste nieder- 
ländische Bildhauer, der das Rathaus zu .\mster- 
dam so herrlich geschmückt hat, in Christian 
Albrechts Auftrage das schöne Portal geschaffen 
hat für das Begräbnis, in dem Herzog Friedrich III. 
beigesetzt ist. In diesen Kreis von hervorragenden 
Künstlern, von denen ich nur noch den Ham- 
burger Goldschmied Hans Lambrecht, der jahr- 
zehntelang für Gottorf tätig war und 1666 den 
berühmten Silberaltar gearbeitet hafn*), sowie den 
trefflichen Maler und Radierer Broder Matthißen 
aus Husum nenne n^), trat nun auch Ovens Anfang 
der fünfziger Jahre ein. Unter den Malern un- 
zweifelhaft der bedeutendste, hat er für die Her- 
zöge sehr viel gearbeitet und ist reich von ihnen 
belohnt ^iryjrden. Fast drei Jahrzehnte dauerte 
seine Tätigkeit für Gottorf, die nur ab und zu, so 
durch einen sechsjährigen Aufenthalt in Holland, 
unterbrochen wurde. So oft er auf Gottorf w eilte, 
mag es ihm wie dem Poeten Johann Rist ums 
Herz ge\X"esen sein, der in seinem Kriegs- und 
Friedensspiegel schreibt: ,,Gottorff ist 'das für- 
nehmste Schloß und der eigentliche Sitz der Her- 
zogen von Holstein, nahe bei der alten Stadt 
Schleswig an einem überaus lustigen Orte gelegen. 
Es hat sehr schöne Hügel, fröhliche Wälder, köst- 
liche Gärten .... Im Übrigen halte ich gänzlich 
davor, daß kein besser oder gelegener Platz für 
die Künstler und Gelehrten .... als eben dieser 
könnte gefunden werden." 

Ob Ovens zur Rückkehr in seine Heimat un- 
mittelbar durch den Herzog Friedrich III. veranlaßt 
worden ist, steht dahin. Dagegen ist er, wie 
es scheint, in seinem Entschluß, Holland zu ver- 
lassen, durch seinen späteren Schwiegervater be- 
einflußt. Aus dem Leichenprogramm auf die 
Enkelin des Malers, Catharina Burchard i-"), geht 
nämlich hervor, daß Jens Martens ,, von Mehring"i-i) 
und seine Gattin, Catharina geb. Blocken, den 



1") Oud-Hoiland 1914, S. 225 ff. und Die Heimat 
1916, Heft 10. 

118) Vgl. Johannes Biernatzki, Der Gottorfer Silber- 
altar (Schleswig-Holsteinischer Kunstkalender 191 8,' 19, 
S. 3 ff). 

119) Gottorffer Künstler, II. Teil, a. a. O., 5. Band, 
S. 335 ff. 



i-'O) s. Urkunde Nr. 22. 

121) Vgl ü5gr diesen Ekinamen den 18. Exkurs. 



19 



Maler, mit dem sie selbstverständlich schon von 
Tönning her bekannt waren, gelegentlich eines 
Aufenthaltes in Amsterdam ,,aus Wißbegierde (oder 
Neugierde) aufsuchten und begrüßten. Wie er alle 
Dinge habe richtig zu beurteilen gewußt, so habe 
Jens Martens besonders der Kunst unseres Meisters 
das größte Verständnis und die höchste Wert- 
schätzung entgegen gebracht. So habe er ihn für 
würdig erachtet, sein Schwiegersohn zu werden, 
und habe ihm seine einzige Tochter Maria von 
Mehrings zur Frau gegeben. Die Mitgift sei glän- 
zend gewesen, nämlich 60 000 Reichstaler. Jens 
Martens habe jedoch die Bedingung gestellt, daß 
der Maler Holland verlasse und seinen Wohnsitz 
in Tönning oder dem benachbarten Friedrichstadt 
nehme." Dieser Biesuch des Jens Martens und 
seiner Gattin wird 1650 oder in den ersten Mo- 
naten des Jahres 1651 stattgefunden haben. Denn 
vor Mai 1651 war ja Ovens bereits in Tönning 
ansässig. Vermutlich wird das Verlöbnis 1651 ein- 
gegangen sein. Jedenfalls standen ,, Jürgen Ovens 
und Maria Jens Martens (Tochter)" am 9. Januar 
1652 zusammen in Friedrichstadt Gevatter i--), wie 
es scheint, doch wohl als Brautleute. Die Trauung 
fand am 21. September 1652 in Tönning statt. 
Wegen des kurz zuvor, im Juli erfolgten Todes 
des Vaters unseres Maiers, des Ove Broders i-'s)^ 
war es eine sehr stille Hochzeit. Die Trauung 
wurde ohne alle äußerliche Pracht im Hause vor- 
genommen. Pietätvoll verzichtete der Maler auf 
die sonst üblichen öffentlichen Kirchgangs-Zere- 
monien, die, wenn der Trauerfall nicht einge- 
treten wäre, bei dem Reichtum der Braut sicherlich 
Anlaß zu großer Prunkentfaltung gegeben hätten. 
Die vom Herzog erteilte ,,Dispensatio pro Georg 
Ovens Contrafeyern zu Tonningen, daß er Ihm 
inter domesticos parietes seine brautt trawen laßen 
müge," 124) ist vom 13. September 1652 datiert i-^). 
Ihrer fürstlichen Durchlaucht Propst, der samt 
dem Diaconus in der Urkunde erwähnt ist, wird 
kaum die heilige Handlung vollzogen haben. Es 
war ja jener Johannes Moldenit (Propst von 1633 
bis 1653), der eifernde Vorkämpfer strenger Kirch- 
lichkeit, der im David-Joriten-I^rozeß sich so un- 



liebsam hervorgetan hattet-''') und deshalb Jens 
Martens und seiner Gattin und auch dem Maler 
und seiner Braut wenig sympathisch gewesen sein 
wird. Vielmehr wird man sich an den Diaconus, 
M. Jacob Beselin, gewandt haben, der sein Amt 
erst 1650 angetreten hatte, also an jenen Vor- 
fällen von 1642 nicht beteiligt gewesen war. 

Wahrscheinlich ist es, daß das junge Paar sein 
Heim gleich in Friedrichstadt aufgeschlagen hat. 
In der Wahl des Wohnsitzes mögen den Maler 
der ausgesprochen holländische Charakter des 
Ortes und die verwandtschaftlichen Beziehungen 
bestimmt haben. Denn in Friedrichstadt waren 
seine drei Halbbrüder Peter i-'), Jacob i^s) und 
Hinrich i-^), alle drei Kaufleute in angesehenen 
Stellungen, mit ihren Familien ansässig. Der Anfang 
war freilich nicht erfreulich. Denn bald nach- 
dem der Meister sich in Friedrichstadt nieder- 
gelassen hatte, schon am 16. Februar 1653, be- 
klagen sich Bürgermeister und Rat der Stadt beim 
Herzog darüber, „daß Jürgen Ovens von der Stadt 
Jurisdiction e.ximiert worden" "o). Es scheint sich 
nach dem Zusammenhang um die Forderung des 
Malers, von Einquartierung befreit zu sein, ge- 
handelt zu haben. Ovens' Name kommt in der 
Friedrichstädter Stadtrechnung zuerst vor in dem 
Jahrgang vom 1. Mai 1653 bis zum letzten April 
1654^31) Dort findet sich im Steuerregister die 
Eintragung: ,, Jürgen Ovens . . . . ^" Doch ist der 
Betrag nicht gebucht, offenbar weil der Maler 
keine Steuern bezahlt hat. Ebenso ist es in den 
beiden nächsten Jahren "-'). Der Grund ist der, 
daß ihm am 1. November 1652 vom Herzog 
Friedrich III. ein Privilegium erteilt worden war. 
Kraft. desselben unterstand Ovens nicht der Ge- 
richtsbarkeit des Magistrats seines Wohnsitzes, son- 
dern war nur dem fürstlichen Hofgerichte in 
Gottorf verantwortlich. Vor allem aber war er, 
wie die herzoglichen Beamten und Angestellten des 



122) s. die Tauftafel S. 52. 

123) Vgl. S. 9 f. 

124) So steht auf der vierten Seite der Urkunde. 

125) Diese erste sich auf den Maler beziehende längere 
Urkunde ruht im Staatsarchiv zu Schleswig unter A. XX, 
Nr. 3310. Ich habe sie mitgeteilt Urk. Nr. 1. 



i2<5) Vgl. den 18. Exkurs. 

127) Er war nach dem lutherischen Taufprotokoll 
schon 1641 in Friedrichstadt ansässig. 

128) Ebendort erscheint Jakob zuerst 1647. 

129) Ebendort erscheint Hinrich zuerst 1653. 

130) Vgl. des Verfassers Die Friedrichstädter Polizei- 
protokolle usw., !. Teil (1Q18), S. 297. 

131) Staatsarchiv zu Schleswig, A. XX, Nr. 4337. 

132) 1656/57 wird sein Name überhaupt nicht ge- 
nannt, ebenso nicht nach seiner Rückkehr aus Holland 
1663/64, offenbar deswegen, weil er keine Steuern bezahlte. 



20 



Hofes, befreit von allen bürgerlichen Ämtern i-'^) 
und Abgaben alier Art. Daß sich Bürgermeister 
V und Rat seines neuen Wohnsitzes alsbald darüber 
beschwerten, ist schon enx-ähnti^i). 

Das Privileg von 1652 hat sich nicht erhalten, 
wohl aber das dem Maler von Christian Albrecht er- 
neuerte Privileg vom 10. Juli 1663. In diesem wird 
der Inhalt desprsten Privilegs als mit dem des zweiten 
übereinstimmend bezeichnet i'') ^(^ii- können also 
schon hier auf die Bedeutung der Urkunde ein- 
gehen. Biernatzki hat sie im Landschaftlichen 
Archiv von Eiderstedt zu Tönning aufgefunden 
und im Oktober 1SS6 in einem Aufsatze ,,J. Ovens' 
Privileg" in der Kieler Zeitung veröffentlicht ^'^''). 



133) Auch brauchte er keine Vormundschaften zu 
übernehmen, wie er denn, auf das Privilegium exemptionis 
gestützt, die Vormundschaft über die Kinder seiner 
Schwester Beele, die ihm im Testamente seiner Eltern 
vom 30. Januar 1652 übertragen war, ablehnte (s. Ur- 
kunde Nr. 18). 

13J) .Auch in Zukunft sollten der .Maler und nach 
seinem Tode seine Gattin infolge des Privilegiums noch 
viele Scherereien haben. Am -22. Juli 1675 heißt es in 
den Friedrichstädter Poiizeiprotokollen usw. I., S. 360, 
daß wegen der infoige der starken Einquartierung nötigen 
Umlage „Jürgen Ovens, der ganz exempt, mit ersucht 
werden soll, welcher 27. Juli sich dazu ganz willig er- 
zeigt". Ovens war laut dem Privilegium von „an und 
ufflagen, die kommen ordinarie oder extraordinarie, und 
wie das einen Nahmen haben mag, eximieret". Er hätte 
also die Sonderbesteuerung ablehnen können. Daß er 
es nicht tat, sondern sogar „ganz willig" beisteuerte, 
ist ein äußerst seltener Fall bereitwilligen Entgegen- 
kommens, der, wenn man so sagen darf, für die soziale 
Gesinnung des Malers ein sehr günstiges Zeugnis ab- 
legt. Meistens bestanden ja die Privilegierten starr auf 
ihrem Rechte. So scheint sich auch die Witwe unseres 
.Meisters auf ihr Recht versteift zu liaben. Bürgermeister 
und Rat verlangten am 5. Februar 1684, daß sie, einem 
herzoglichen DekTet entsprechend, „zu diesen extra- 
ordinären Anlagen und oneribus Nachbars gleich kontri- 
buieren solle" (Friedrichstädter Polizeiprotokolle usw., I., 
S. 300). Sie weigerte sich (ebendort, 1., 8., 11, 22. März). 
Als man ihr am 23. September 1084 einen Leutnant ins 
Quartier legte, beschwerte sie sich und zog, da die Be- 
schwerde vergeblich war, offenbar verärgert kurzerhand 
am 30. September nach Tönning (Ebendort). 

135) Das erste Privileg ist auch erwähnt in der am 
11. September 1694 tjeim Hofgericht zu Gottorf ein- 
gegangenen Eingabe der Erben des Jürgen Ovens (s. 
Urkunde Nr. 18). 

136) Leider enthielt diese Veröffentlichung viele 
Druckfehler. Ich habe darum das Aktenstück erneut 
verglichen und eine Abschrift genommen, nach der ich 
das Privileg Urk. Nr. 5 wiedergebe. Inz\('ischen ist die 
Urkunde verloren gegangen. 



Das Aktenstück wurde am 5. Juli 1665 in amt- 
licher Abschrift im Eiderstedter Landgericht nieder- 
gelegt als Beilage zu der Gegenvorstellung, zu 
der es der Landschaft Anlaß gab. Aus dem 
Privileg geht hervor, daß der Herzog Christian 
Albrecht, wie sein Vater auch, den Maler in .seiner 
Ncähe zu haben wünschte, damit er ,,Unß uff 
Gnädigstes erfürdern allewäge an hand zu gehen 
vermag". Um nun Ovens zu veranlassen, dauernd 
im Lande zu bleiben, wurden ihm die ,,praero- 
gativen exemptionen und Immunitäten" zuteil, 
welche einer, „so Unsernthalben in würklichem 
officio begriffen", genoß. Er -wurde ,,in die Zahl 
unserer bestalten Dienern gnädiglich reputiret". 
Dennoch hat Ovens, so\ie! er auch für die Her- 
zöge von Gottorf gearbeitet hat, niemals den Titel 
Hofmaler geführt oder eine diesem ähnliche Stellung 
eingenommen. Vielmehr bekleidete dieses Amt 
viele Jahre langi3") der Hofmaler Johannes 
Müller, der amtlich auch durchweg Hofmaler ge- 
nannt \it'ard 138). Ovens dagegen führt diesen 
Titel in zeitgenössischen Urkunden nie, er heißt 
fast stets Contrafeyer (Bildnismaler), bisweilen auch 
Schilderer (Maler). Johannes Müller mußte in 
fester Anstellung gegen jährliches Gehalt seine 
ganze Zeit und Kraft dem Hofe zur Verfügung 
stellen. Ovens dagegen bewahrte seine Unab- 
hängigkeit als Künstler. Nach freier Wahl und 
jedesmaliger \^orheriger Abrede führte er für 
seine Landesherren, die seine Auftraggeber wie 
andere auch waren, einzelne Werke aus. Stets 
blieb ihm Selbständigkeit und eigene Entschließung. 
Dem scheinen die folgenden Zeugnisse zu wider- 
sprechen. Philipp von Zesen nennt unseren 
Künstler 1663 , .Seiner Durchleuchtigkeit des 
Hertzogs von Holstein berühmten Hof-Kunst- 
maler" 13!»). Ahnlich bezeichnet den Maler sein 
Enkel Carl August als „Hof-Schilderer" i"). Und 

137) So schon 1642 und noch 1661. Herzog Friedrich 
erließ 1642 und Christian Albrecht 1661 dem „Hofmaler 
[und Bawinspecfori] Hans Möllern", seiner Frau und 
Kindern Zeit ihres Lebens die Erdheuer von seinem 
im Lollfuß belegenen Hause (Staatsarchiv zu Schleswig, 
Acta A. XX, Pack. 117, Nr. 10). 

138) übrigens ward er wohl zu den Handwerkern 
gerechnet. Jedenfalls gehörte er nicht zu den Beamten, 
wie denn auch in der herzoglich Qottorfer Rangordnung 
von 1662, die 90 Rangklassen umfaßt, der Rang eines 
Hofmalers nicht vorkommt (vgl. Neues Staatsbürgerliches 
Magazin I. (1833), S. 899 ff.). 

139) s. S. 29 f. 

110) s. Urkunde Nr. 21. 



21 



der Tönninger Küster spricht kurz nach dem Tode 
des Meisters von „des Weiland edlen und vesten 
Herrn Georg Ovens, vieljährigen fürstlichen Be- 
dienten" Tochter 1*1). Diese drei Zeugnisse 
scheinen Ovens' Eigenschaft als Hofmaler zu er- 
härten. Doch sind sie, worauf schon Biernatzki 
aufmerksam gemacht hat, vereinzelt, auch wohnt 
ihnen keine rechte Beweiskraft inne. Philipp von 
Zesens Angabe entscheidet nichts, da sie nicht mehr 
ist als eine zufällige Bemerkung. Ihr fehlt die 
Absicht, eine ganz bestimmte Aussage über Ovens' 
Stellung zum Herzog zu tun. In dem Beleg des 
Trauregisters ermangelt der Ausdruck selbst hin- 
reichender Bestimmtheit. Ihm fast gleich' ist die 
von des Malers Witwe gebrauchte Wendung, die 
ich noch beifüge. Sie bezeichnet in ihrem Briefe 
vom 31. Dezember 1678ii-) ihren verewigten Gat- 
ten als ,, hochfürstlichen viel-jährigen bedienten". 
Carl August Ovens' Zeugnis genügt deshalb nicht 
recht, weil es so spät ist, wohl 50 Jahre und mehr 
nach dem. Tode des Meisters. Auch bei ihm wird 
man das Wort Hof-Schilderer nicht zu sehr pressen 
dürfen. Vielleicht will es nur besagen, daß Ovens 
oft im Auftrage seiner Fürsten gemalt hat. Es ist 
ja möglich, daß Ovens als Hofmaler berufen ist. 
Jedoch ist .die eigentliche Anstellung als solcher 
nicht erfolgt. Der Meister war vorkommenden 
Falls zur Hand, ohne Gehalt und festen Dienst an- 
zunehmen. Es ist ja doch auch bezeichnend, daß 
Ovens wohl im Lande wohnte, nicht aber in der 
Residenz der Herzöge, sondern in Friedrichstadt. 
Ein Angestellter des Hofes, ein Hofmaler hätte, \x ie 
Johannes Müller, seinen Wohnsitz ja wohl auch, 
wenn nicht im Schlosse selbst, so doch in unmittel- 
barer Nähe desselben, in der Stadt Schleswig, 
haben müssen. Ovens nahm eben eine freiere 
Stellung zum Hofe ein, wie sie dem selbständigen 
Künstler mehr zusagen mochte als die Fessel des 
Amtes. Seine Vermögensverhältnisse, auf die ich 
später genauer eingehe 1*^)^ gestatteten ihm ja, in 
völliger Unabhängigkeit seiner Kunst zu leben. 
Der Hof protegierte den Künstler, um ihn im 
Lande zu behalten. Die Herzöge gaben ihm in 
dem Privilegium die Vorrechte eines Hofbeamten, 
ohne daß er es wirklich war, ohne daß er die 
Pflichten eines solchen erfüllen mußte. 



Bald nachdem ihm das Privileg durch den 
Herzog Friedrich III. erteilt war, am 16. November 
1652, quitierte Ovens über den Empfang einer 
Zahlung, die ihm für eine biblische Darstellung 
aus der herzoglichen Kasse geleistet wari**). Am 
selben Tage wie auch einmal im Jahre 1653 und 
mehrfach 1654 erscheint der Maler dem Herzog 
gegenüber als Kunsthändler i*^). Sonst hat er in 
diesen Jahren nicht viel für Gottorf gearbeitet. 
Am 7. August 1653 heißt es in der Gattorfer 
.Nagelrechnung"''): „. . . Mons. Ovens zu Con- 
trafeyten anzuschlagen gethan 400 (Nägel), 3 zum 
Pfenning", und am 19. Oktober läßt nach derselben 
Rechnung ,,Mons. Ovens Conterfeyer" ebenfalls 
400 Nägel zum selben Preise holen, um damit 
„Tücher" (Leinewand) in Rahmen einzuspannen^*'). 
Leider erfahren wir nichts über die Bilder, um die 
es sich handelte. Daß Ovens auch 1654 für den 
Herzog tätig war, beweist das 1654 Mense Augusto 
datierte Bild"'^), das, die erst zwei Monate später 
stattfindende Zeremonie vorwegnehmend, alle- 
gorisch die Krönung der Hedwig Eleonore dar- 
stellt"^). Weiter künden zwei Belege aus der 
Gottorfer Amtsrechnung i-^o) dieses Jahres von 
Ovens' Beziehungen zum Herzog. Am 25. Mai 
1654 heißt es, daß ein Bote ,,mit einem Ihr. Fürstl. 
Durchl. Concernierenden Schreiben an Monsieur 
Ovens nach der Friederichstatt ist verschicket ge- 
wesen". Im selben Jahr ist der Maler im Auf- 
trage des Herzogs von Bergenhusen, einem nahe 
bei Friedrichstadt gelegenen Dorfe, bei dem sich 
ein fürstliches Jagdhaus befand, durch einen Unter- 
tanen nach Friedrichstadt gefahren. Ob Ovens in 
Bergenhusen sich an einer Jagd beteiligt hat oder 
pb er dort gewesen ist, um seine Kunst auszuüben, 
ist nicht ersichtlich. Genauen Einblick in Ovens' 
künstlerische und geschäftliche Beziehungen zum 



1") Copulations-Protokoll der Tönninger Stadtkirclie, 

1680, 24. April. 

1-12) s. Urkunde Nr. 15. 

"•') s. S. 68 ff. 



1") „Auff Anzeige des Cammerdieners Otto Jage- 
teuffelen Jürgen Ouens, Contrafaielern, für eine Schilderey 
von den Arbeitern im Weinberge 60 Reichstaler" (Got- 
torfer Rentekammerrecfinung, Reichsarchiv, Kopenhagen). 
Über den Maler Jageteuffel vgl. des Verfassers Oot- 
torffer Künstler I. Teil, S. 245 ff. und II. Teil, S. 332 ff . 

1«) Vgl. darüber S. 95. 

1«) Staatsarchiv, Schleswig, Acta A. XX, 3684. 

1") Ebendort. 

1**^) Es ist wahrscheinlich unmittelbar nach der Wer- 
bung der Gesandten, über die S. 23 zu vergleichen ist, 
entstanden. 

1") Katalog -der Gemälde Nr. 163. 

150) Staatsarchiv, Schleswig. 



22 



Herzog Friedrich III. dagegen gewahrt uns eine 
von dem Maler eigenhändig ausgestellte und am 
20. Dezember 1654 quittierte Rechnung i^i). Da- 
nach hat er für den Herzog ein Brustbild der 
Herzogin Maria Elisabeth, je ein Brustbild der 
beiden fürstlichen Ehegatten sowie ein Gemälde, 
das Pfingstfest darstellend, gemalt. Ferner hat er 
ein großes Bild von Peter Paul Rubens, einen 
Silen, dem Herzog verkauft. Es ist beachtenswert 
und ein Beweis für die große Wertschätzung, die 
Ovens' Kunst sich schon damals auch in seiner Hei- 
mat erfreut haben muß, daß er für das von seiner 
Hand stammende Gemälde, das Pfingstfest, an- 
standslos den hohen Preis von 500 Reichstalern er- 
hielt, -während seme Forderung für das Werk des 
großen Flamen gekürzt wurde und er für dasselbe 
sich mit 200 Reichstalern begnügen mußte. 

Doch ich bin schon zu weit vorgeeilt. In 
den Herbst 1654 fällt Ovens' Reise nach Schweden. 
Der Gottorfer Hofbibliothekar Adam 01e.irius be- 
richtet in seinem 1663 erschienenen Werke, Kurtzer 
Begriff einer holsteinischen Chronic, S. 307 ff., wie 
der König von Schweden Karl X. Gustav durch 
zwei Abgesandte im August um die Hand der 
Prinzessin Hedwig Eleonore hatte werben lassen 
und wie dann nach getaner Zusage eine Gesandt- 
schaft unter Führung des Reichskanzlers Grafen 
Erich Oxenstierna eintraf, um die königliche Braut 
abzuholen. Im Hafen zu Eckernförde waren die 
fünf Orlogschiffe und zwei Boyern i^-), die die Ge- 
sandtschaft und ihr Gefolge überbracht hatten, am 
23. September vor Anker gegangen. Unter großen 
Ehren wurden die schwedischen Heixen empfangen 
und nach Gottorf geleitet. Olearius berichtet von 
den Audienzen des Gesandten bei dem Herzog, der 
Herzogin und der Prinzessin, den dabei gehaltenen 
Reden und überreichten Geschenken. Bis zum 
4. Oktober blieb der Gesandte, der die Braut nach 
Schweden führen sollte, auf Gottorf. Unter dem 

1^^) s. Urkunde Nr. 2. Dort auch der Rechnungs- 
beleg über die Auszahlung der Summe. 

152) Vgl. S. 9, Anm. 22. 

153) Das geht hervor aus dem bei der Gottorfer 
AmtsrechnuTig, Staatsarchiv zu Schleswig, liegenden „Ver- 
zeichnis der Fuhren, so von den Eingesessenen in 
Hüttenharde, als die König!. Schwedische Legation wieder 
von hinnen abgereiset, seint verrichtet worden" (aus Bier- 
natzkis handschriftlicher Sammlung urkundlicher Nach- 
richten zur Kunstgeschichte Schleswig-Holsteins). Dort 
heißt es am 13. April 1655: Jürgen Kruse und Junge 
Peter Sierich von Owschlag (haben) Mons. Ovenß Contra- 
faieter bis Eckernförde (geführet) 1 Reichstaler. 



Geleite ihrer Eltern, der königlichen und fürst- 
lichen Abgesandten und ,,sonsten hochansehnlichen 
Suite", in der sich auch unser Maler befunden 
hat, gelangte Hedwig Eleonore nach Eckernförde, 
wo sie samt ihren Eltern ,,in das darzu auß- 
gerüstete Logement eingekehret", während der 
königliche Gesandte mit seinem Komitat auf die 
auf dem Strom liegenden Schiffe hinüberfuhr. Am 
nächsten Tage besuchte er die Fürstlichkeiten und 
holte sie zur Mittagstafel auf das Schiff „der 
Scepter" ab, „da dann in Anwesenheit der sämpt- 
lichen Ritterschafft der gantze Tag in guter Frölig- 
keit zugebracht und Nachmittage fast Continuirlich 
mit Stücken zur salve gespielet worden". Um 
6 Uhr verabschiedete sich das Merzogspaar von 
der. Braut und dem Grafen Erich Oxenstierna i^*). 
Am folgenden Tage, dem 6. Oktober, lichtete das 
Gesch\<'ader die Anker und fuhr nach Schweden. 
Als die Schiffe glücklich durch die schwedischen 
Klippen gekommen waren, ward die Prinzessin 
im Namen des Königs von dem Reichsmarschall 
Grafen Johann Oxenstierna willkommen geheißen. 
Am nächsten Morgen kam der König selbst auf 
das Schiff, um seine Braut zu begrüßen. Nach 
kurzem Aufenthalt begab er sich wiedec an Land 
und erwartete Hedwig Eleonore am Ufer, "so 
er sie „abermahl auffs freundlichste empfangen 
und umbfangen, da dann alle Stücken, Heer- 
pauken und Trompeten sich lustig hören lassen". 
Ich gehe auf all dies näher ein, weil der Maler 
dabei gewesen ist. Olearius hat die Schilderung 
der Zeremonien und Prozessionen bei der Ein- 
holung der Prinzessin in Stockholm als für sein 
Kompendium zu weitläufig unterlassen, desgleichen 
berichtet er nichts von der Trauung, die am 
24. Oktober, und der Krönung, die am 26. statt- 
fand. Alles dies sei an einem andern Orte be- 
schrieben worden. Tatsächlich findet sich eine 
Beschreibung der Vermählungs- und Krönungs- 
feierlichkeiten in dem bekannten Quellenwerke des 
17. Jahrhunderts, Theatrum europneum oder Aus- 
führliche und Wahrhafftige Beschreibung aller . . . 
denckwürdigen Geschichten . . . Beschrieben durch 
M. Joannem Philippum .'\belinum, VII. Teil, 1663, 
S. 643 ff. Da alle Wahrscheinlichkeit dafür spricht, 
daß Ovens bei den Festlichkeiten zugegen ge- 



154) Die Wahrscheinlichkeit ist groß, daß die Miniatur- 
bildnisse, die Ovens nach der Gottorfer Rentekammer- 
rechnung 1654 für den Herzog auf Silberplatten aus- 
führte, Geschenke für die schwedischen Herren waren. 

23 



wesen ist — von der Krönung wird es aus- 
drüci\lich bezeugt — gehört die Schilderung dieser 
Festlichl<eiten in seine Lebensbeschreibung hinein. 
Ich gebe also einen Auszug aus der Beschreibung 
im Theatrum europaeum. Am Dienstag, den 
24. Oi<tober alten Stils, wurde die Braut durch 
den König in Begleitung der ganzen Ritterschaft, 
vieler vornehmer Standespersonen und aller an- 
wesenden Reichsräte, „wobey sich ein jeder mit 
d^.n Seinigen aufs prächtigste ausstaffirt", aus dem 
Schlosse Carlsberg nach Stockholm eingeholt. Als 
Eskorte dienten drei Schwadronen zu Fuß und 
zwei zu Pferde. Die ganze Bürgerschaft stand 
im Gewehr. Der Einzug dauerte „wegen des 
großen Train und Suite bey 4 gantzer Stunden", 
nämlich von 12 bis 4 Uhr. Nach eingehender 
Aufzählung der einzelnen Teile des Zuges werden 
die sich anschließende Trauung und die zwei Tage 
später stattfindende Krönung geschildert, sowie 
die mit diesen feierlichen Akten verbundenen 
Festlichkeiten : ,,Noch denselbigen Abend umb 
8 Uhr geschähe nicht allein die Vermählung (wobey 
Herr Graf Erich Ochsenstirn, den Ihre Mayest. 
kurtz zuvor als Reichs-Cantzlern herrlich in- 
stallirt, eine ansehnliche Sermon gethan, und der 
Fürstl. Holsteinische Abgesandter, Herr Claus von 
Qualen, beantwortet) auf dem Reichs-Saal, durch 
den Herrn Ertz-Bischoff von Upsal: Sondern es 
wurde auch der neuen Königin Crönung folgenden 
Donnerstag, den 26. Octobr. in der Haupt-Kirchen 
~(der St. Nicolai-Kirche) von gedachtem Ertz- 
Bischoff, nach der alda gehaltenen Predigt, mit 
gebräuchlichen Ceremonien stattlich vollbracht, 
und sowol bey diesem Actu, als unter dem, wegen 
des großen Comitats auch vieler Caretten und 
Hand-Pferde über 3 Stund lang gewährten Einzug, 
der Trauung, und hierauf gehaltenen Banqueten, 
Beyläger, verbrannten Feuerwercken auch anderm 
Pomp, neben denen von Reutern, Fußvolk und 
Bürgern gegebenen Salven, das grobe Geschütz 
zu Wasser und Land so bfft gelöset worden, der- 
gleichen in vorigen Zeiten zu Stockholm noch nie 
geschehen noch gesehen." Ich füge noch die Schil- 
derung der nach der Trauung veranstalteten Fest- 
lichkeiten hinzu; ,,Nach vollendetem Königl. Bey- 
läger wurde eine Zeitlang anders nichts gethan, als 
daß man sich mitThurnieren, Balletten, Banquetteii, 
und dergleichen andern Frölichkeiten, dem König 
und Königin zu Ehren belustiget, der Auffzüge 
hätte man unterschiedliche zu sehen gehabt, wofern 



das trüb und neblichte Wetter daran nicht wäre 
verhinderlich gewesen, gleichwol seynd deren 
etliche, mit großem Vergnügen der Zusehenden 
präsentiret worden". So fand ein Aufzug aller 
heidnischen Götter statt ,,mit 3 unterschiedlichen, 
von sich selbst, dem äußerlichen Ansehen nach, 
gehenden Wägen ; auch besonders den Tempel 
der Göttin Diana, so auch ohne äußerliche Be- 
wegung fortgangen, und vielen andern artigen 
Erfindungen, alles aufs kostbarste gekleidet und 
ausstaffirt, vorgezeiget: Darbey erstlich eine ordent- 
lichte Jagt, (indeme der Platz umb die Renn-Bahn 
herumb dickvoll mit grünen Tannenbäumen be- 
steckt war, auch eine zimliche Anzahl allerhand 
lebendiger Thiere, als Hirschen, Wölfe, Haasen und 
Füchse angeführt, deren man theils mit Hunden 
gehetzt, theils mit gezeichneten Wurff-Spießen 
durchschossen) und folgends ein Ringel-Rennen, 
in welchem deß Herrn Feld-Marschalln Graf Wran- 
geis Excell. den besten Preiß davon gebracht, ge- 
halten worden. Und dieses war einer von den 2 
Haupt-Aufzügen. Den andern Haupt- Aufzug wOlte 
der Reichs-Stallnieister Herr Graf Duglas in aller- 
hand Ritterspielen anstellen: Wann der vollendet, 
solte die gantze Festivität geschlossen, und als- 
dann zu den Reichsgeschäften wieder geschritten 
werden". 

Aller Wahrscheinlichkeit nach hat Ovens sich 
diese bunten Bilder des Festesjubels, an denen das 
Künstlerauge Gefallen gefunden haben wird, nicht 
entgehen lassen. Mit Sicherheit können wir sagen, daß 
er den Hauptfeierlichkeiten, der Trauung (Abb. 10), 
der Krönung und dem Auszuge aus der Kirche, als 
Zuschauer beigewöhnt "s) hat; denn er hat sie alle 
drei in großen Gemälden für die Nachwelt festge- 
halten. Zum Überfluß trägt der Stich des Cor- 
nelius de Visscher nach dem Övensschen Krö- 
nungsbilde die Inschrift: ,,Georgius Ovens sie ip- 
sum Coronationis actum praesens adumbravit", zu 
deutsch: Jürgen Ovens hat so die Krönungsfeier- 
lichkeit selbst, bei der er zugegen gewesen ist, 
bildlich dargestellt""). Wahrscheinlich ist ja der 
Hauptzweck seiner Reise nach Stockholm eben der 
gewesen, die drei wichtigsten Zeremonien im Bilde 
zu verewigen. Auffällig ist es freilich, daß er erst 



i55j Daß freilich Ovens sich unter den zahlreichen 
Figuren auf dem Hochzeitsbilde selbst dargestellt habe, 
wie man mehrfach liest, ist ein Irrtum. 

15G) Vgl. den Abschnitt Stiche nach Övensschen Ge- 
mälden. 



24 



fast 7 Jahre später für diese Arbeiten Bezaliiung 
erhielt. Am 15. August 1661 nämlich findet sich 
in der Gottorfer Rentei\ammerrechnungi^") unter 
„Gemeine Außgabe zu Gottorff" folgender ur- 
kundlicher Beleg: ,,Nr. 589 Jürgen Ovens Contra- 
faietern in Ambsterdam auf gleichmeßige Anzeige 
bei vorhandener Rechnung vnndt Quitung Nr. 589 
mit einer Fl. Obligation für drey Schillereyen von 
der Kön. Schwedischen Copulation, Krönung vnd 
Ausführung [aus der Kirche] vergnüeget 1500 
Reichst." "s). Ich ^x•ürde es jedoch für falsch halten, 
daraus, daß diese drei Bilder 1661 bezahlt sind, 
folgern zu wollen, daß sie auch erst damals ent- 
standen seien. Gemalt oder doch jedenfalls be- 
gonnen, sind sie, wie es doch natürlich ist, wahr- 
scheinlich noch während Ovens' Aufenthalt in 
Schweden. Die Bezahlung freilich ließ, wie denn 
die Herzöge ihren Verpflichtungen oft sehr säumig 
nachkamen, eine Reihe von Jahren auf sich warten. 
Vermutlich sind in Stockholm auch die ver- 
schollenen Bildnisse Karl Gustavs und des Königs- 
paares i^s) entstanden. Zu weiteren Bildnissen wird 
die Zeit kaum ausgereicht haben. 

Nach Olearius a.a.O. S. 316 verließen näm- 
lich die herzoglich Gottorfer Abgesandten, die 
Hedwig Eleonore nach Schweden geleitet hatten, 
beim Abschied von ihr reich beschenkt, am 

19. November Stockholm und langten am 
25. November wieder in Eckernförde an. Bald 
darauf werden sie nach Gottorf zurückgekehrt sein. 
Vermutlich hat Ovens, wie die Reise nach Stock- 
holm so auch die Rückfahrt mit ihnen gemacht. 
Ende November oder Anfang Dezember wird er 
bei den Seinigen wieder angelangt sein. Eine 
solche Annahme stimmt damit überein, daß der 
Maler, wie schon erwähnt i^°), kurz darauf, am 

20. Dezember 1654 in Gottorf gewesen ist und dort 



15") Reichsarchiv, Kopenhagen. 

158) Ebenfalls auf die hier genannten drei Gemälde 
bezieht sich der folgende urkundliche Beleg, der am 
19. August 1661 in der Gottorfer Rentekammerrechnung 
steht: „[Unter] Fernere Einnahmen an Haupt Summen: 
Auf des Herrn Hoff Cantzlers Anzeige, daß es l. Fürstl. 
Dürchl. befohlen, Jürgen Ovens Confrafaietern in Amster- 
dam wegen drey gefertigter Schildere\'en von der Kön. 
Schwedischen Copulation und Cröhnung vermöge der 
in meiner Ausgabe befindlichen Rechnung, so ihm im 
Vmbschlage ao 1662 ohne Zinßen oder folgends mit 6 pro 
centum Zinfte vermittelst Fürstl. Obligation zu bezahlen 
verschrieben 1500 Reichst." 

159) s. Katalog der Gemälde, Nr. 272 und Nr. 273. 

160) Vgl. S. 23. 



eigenhändig eine Quittung ausgestellt hat"'). 
Wahrscheinlich 1655 sind die heute in Oripsholm 
befindlichen in den Maßen übereinstimmenden 
Bildnisse der Hedwig Eleonore als junger Frau 
und acht ihrer Geschwister entstanden. Jedenfalls 
w^urden dem Maler Ende Oktober 1655 aus der 
herzoglichen Kasse ,,für verschiedene gefertigte 
Königl. und fürstl. Contrafaietenn, auch andre 
Schildereyen" 1191 Reichstaler ausgezahlt i^-). Erst 
Ende Dezember 1656 erhielt Ovens wieder „für 
verschiedene gefertigte Fürstl. Contrafaiete und 
andere von demselben erhandelte Schillereyen" 
2150 Reichstaler i°3), also eine sehr bedeutende 
Summe, aus deren Höhe mlan auf die Zahl der 
Bilder schließen kann. Im folgenden Jahre sind 
urkundlich nur zwei für den Herzog gemalte 
Bilder belegt. Unter dem 1. Oktober 1657 ver- 
zeichnet die Gottorfer Rentekammerrechnung i«*): 
,,Nr. 738. Jürgen Ovens in Tönning einhält 
beygelegten von Ihr. Fürstl. Dhl. Meinem gn. 
Fürsten und Herrn unterschriebenen Zettels und 
der quitung "5) Nr. 738 für zwo benandtlich I. I. 
F. F. Gn. Gn. Herzog Gustav Adolphen und 
Frawen Magdalenen Sibyllen zu Mecklenburg nach 
Lebensgröße gefertigte Contrafaiete bezahlt 120 
Reichst." le^). 

Daß Ovens sich nach Mecklenburg begeben 
hat, um dort die beiden Bildnisse zu malen, ist 
sehr wahrscheinlich. Denn ein Besuch der 
Fürstlichkeiten in Gottorf, während dessen die 
Sitzungen hätten stattfinden können, ist nicht über- 
liefert. Auch können die Bilder nicht in den 
Tagen von der Hochzeit bis zur Abreise der jungen 
Eheleute von Gottorf entstanden sein, da die Zeit 
zu kurz wäre. Ovens' Aufenthalt in Mecklenburg 
wird ins Jahr 1656 oder in die erste Hälfte des 
Jahres 1657 fallen. Bereits im Jahre 1656 ist er, 



i«i) Danach ist Sachs Angabe in der Allg. Deutschen 
Biographie, daß Ovens 1656 oder erst im Anfang 1657 
in seine Heimat zurückgekehrt sei, zu berichtigen. 

162) Gottorfer Rentekammerrechnung, Reichsarchiv, 
Kopenhagen. 

163) Ebendort. 
161) Ebendort. 

165) Die Quittung hat sich nicht erhalten. 

166) Ober die Werbung des Herzogs Gustav Adolf 
von Mecklenburg-Güstrow um Magdalena Sibylle (1631 
bis 1719), Tochter des Herzogs Friedrichs III. von Got- 
torf, sowie die Hochzeit, die am 28. November, und 
die Abreise, die am 9. Dezember 1657 stattfand, be- 
richtet Olearius a.a.O., S. 316 f. 

25 



worauf ich schon in meinem Aufsatz über den 
Maier im Schleswig-Holsteinischen Kunstkalender 
1913, S. 6, Anm. 1, hingewiesen habe, auch wieder, 
wenn auch nur vorübergehend, in Holland ge- 
wesen. Denn aus dem Jahre 1656 stammen das 
Bildnis der Regenten der Oudezijds-Huiszitten- 
Huis in Amsterdam i'^') und zwei Bildnisse in 
Utrecht 1"^), die eben nur in Holland entstanden 
sein können. i\lit einer längeren Abwesenheit des 
Malers im Jahre 1656 — er hat Friedrichstadt 
erst nach dem 27. April verlassen; denn an diesem 
Tage stand er dort Gevatter "s) — stimmt überein, 
daß er 1656 vom Herzog nur eine Zahlung und 
zwar Ende Dezember'"") erhalten hat. 

Sonst ist in diesen Jahren vor allem noch von 
Ovens' Tätigkeit für die Gemahlin des Herzogs 
Friedrichs III. öder besser seinen geschäftlichen 
Beziehungen zu ihr zu berichten. In der zur 
Husumer Amtsrechnung gehörenden Rechnung 
der Herzogin Maria Elisabeth kommt er zfum ersten 
Male am 3. September 1653 vor. An diesem Tage 
ist unter der Rubrik , .Tägliche Ausgaben" Nr. 160 
vermerkt, daß ein Bote der Herzogin von Jürgen 
Ovens Weintrauben und Pflaumen gebracht hat, 
wofür er Trinkgeld erhält i"'). Mehrfach ver- 
kauft Ovens der Herzogin Kupferstiche anderer 
Meister i's). So erhält er am 20. Januar 1654 
,, wegen gelieferten Kupferstücken" 78 Reichstaler 
43 Schilling i'3)^ desgleichen am 16. April 1654 
52 Reichstaler i'J). Am 6. Januar 1655 werden ihm 
für eigenhändige Bildnisse und für an die Herzogin 
verkaufte Kupferstiche anderer Meister 228 Reichs- 
taler ausbezahlt i"-'). Für „Kupferstücke" erhält er 
am 29. November 1655 wieder 94 Reichstaler i""). 

!•'') s. Nr. 264 des Katalogs der Gemälde. 

1"^) s. Nr. 343 und Nr. 344 'dies Katalogs der Gemälde. 

ißS) s. die Tauftafel, S. 52. 

i'O) Vgl. S. 25. 

i'i) Stiatsarchiv zu Schleswig, Acta A. XX, 3660. 

1^') So wird am 6. Januar 1655 ausdrücklich unter- 
schieden zwischen „vorfertigten- Conterfeiten" (eigen- 
händigen Bildnissen) und „gelieferten Kupferstiicken" 
(Kupferstichen anderer Meister, die Ovens verkaufte). 
Vgl, über seinen Kunsthandel den 11. Exkurs, S. 94 ff. 

173) Rechnung der Herzogin Maria Elisabeth, Acta 
A. XX, 3660 unter Ausgabe an Mahlere No. 94. 

"*) Ebendort Nr. 96. 

i'S) Ebendort, Acta A. XX, 3661 unter „Ausgabe an 
Mahlere", Nr. 94. \ 

1'«) Ebendort, Acta A. XX, 3662 unter „Ausgabe an 
Buchführer, Buchbinder, wie auch dei- Kupferstücken", 
No. 83. Wahrscheinlich bezieht sich der ebendort am 
23. Dezember 1655 unter „Täsfliche Außgaben" gebuchte 



1656 kommt er in der Rechnung der Herzogin über- 
haupt nichtvor, was offenbar damit zusammenhängt, 
daß er in diesem Jahre lange der Heimat fern war. 
Nachdem er spätestens Ende November oder An- 
fang Dezember heimgekommen war^''), taucht er 
gleich zu Beginn des Jahres 1657 wieder in der 
Rechnung der Herzogin auf. Am 12. Januar 1657 
erhält er , .wegen verfertigter Arbeit laut unter- 
schriebener Rechnung" 210 Reichstaler''«) und am 
17. Januar 1657 werden ihm „wegen einige Krüge, 
ßo vor Ihr. Durchlaucht in der Friederichstadt ein- 
gekauft!") laut Quitung" bezahlt 4 Reichstaler 12 
Schilling 180). 

Von Ovens' weiterer Tätigkeit in diesen Jah- 
ren vor seinem dritten Aufenthalt in Holland legen 
vier Damenbildnisse Zeugnisse ab, die aus den 
Jahren 1654, 1655, 1656 stammen. Von ihnen ist das 
Bild vion 1655 nur aus einer Radierung des Meisters 
bekannt'") (Abb. 11). Die Bildnisse vion 1654182) 
(Abb. 8) und 1655183) geben wahrscheinlich in 
Schleswig-Holstein ansässige Damen wieder. Sie 
wären also ein Beweis dafür, daß Ovens während 
seines Aufenthalts in der Heimat doch nicht, wie es 
den Anschein haben könnte, ausschließlich für den 
Hof gearbeitet hat. Ein Privatauftrag war es auch, 
von dem uns die Unterschrift luiter der Handzeich- 
nung,, Christi Beweinung" Kunde gibt 18') (Abb. 15). 
Soviel steht fest, daß sie im Auftrage der Frau Hofrat 
Gloxin, wahrscheinlich nach dem Tode ihres Gatten 
Balthasar ausgeführt ist. 

Beleg, nach dem einem Boten, der auf Befehl der Herzogin 
nach Friedrichsbdt gesandt war „wegen Abholung einer 
Schilderei, womit Ihr. Durchlaucht meinen Herren an- 
gebunden", Lohn entrichtet wurde, ebenfalls auf unsern 
Maler. Obwohl sein Name nicht genannt ist, spricht 
doch die Wahrscheinlichkeit dafür, daß das von der 
Herzogin ihrem Gemahl geschenkte Bild, das aus 
Friedrichstadt abgeholt wurde, von Ovens gemalt ist. 

1") Vgl. S. 25. 

i'S) Ebendort, Acta A. XX, 3663 unter „Außgabe an 
.Malere". 

1'') Hier handelt es sich also um eine ähnliche Be- 
sorgung wie am 3, September 1653. 

180) Acta A. XX, 3663 unter „Außgabe an Cram- 
mere". 

1^^) Vgl. Katalog der Radierungen, Nr. 8. 
'S2) Vgl. Katalog der Gemälde, Nr. 323, der Zeich- 
nungen, Nr. 92. 

183) Wie Anm, 181. 

181) Das Nähere über diese zwischen dem 1. Sep- 
tember 1654 und dem 1. Oktober 1657 entstandene 
Zeichnung und die mit ihr zusammenhängenden Fragen 
s. Urkunde Nr. 4. 



26 



Die wenigen Urkunden, die sich sonst nocii aus 
diesen Jahren erhahen haben, sind außer denen, 
die sich auf die Familienverliältnisse des Malers be- 
ziehen, von untergeordneter Bedeutung. Nach- 
dem die damals noch kinderlosen Eheleute Georg 
und Maria Ovens in Friedrichstadt ein wechsel- 
seitiges Testament errichtet hatten, das am 25. 
Februar 1 654 vom Herzog bestätigt worden war 'S'^) 
— leider ist die Reinschrift der Urkunde mit dem 
Wortlaute des Testaments verschollen — wurde dem 
jungen Paare bald darauf die Freude zu Teil, daß 
ihm sein erstes Kind geboren ward. Es war ein 
Mädchen, das in der Taufe am 14. Oktober 1655 
nach der Mutter des Mannes, die mit dem Vater 
der Frau, Jens Martens, Gevatter stand, den Namen 
Agnetha erhielt i«''). In das Jahr 1657 fällt die 
Geburt eines Sohnes, der am 22. Juli zu Tönning 
getauft ward ^*'). Für den Namen des Täuflings 
ist im Taufregister ein Raum ausgespart. Entweder 
war es Friedrich Adolf oder Jürgen, entgegen der 
Regel, nach der einer der jüngeren Söhne den 
Namen des Vaters erhielt i^^). Leider sind die 
Paten nicht angegeben. Am 21. März und 29. Juli 
1655 steht ,, Jürgen Ovens in Friedrichstadt" selbst 
Gevatter in Koldenbüttel '*'), am 2. Februar 1656 ist 
seine Frau ebendort Gevatterin i»"). Wie es scheint, 
handelt es sich nicht um Familien, mit denen sie 
Verkehr hatten, sondern um Leute, von denen sie, 
wie es häufig vorkam, \ornehmlich des Paten- 
geschenkes wegen, zu Gevattern gebeten waren. 
Eine sich auf geschäftliche Differenzen beziehende 
Urkunde ist vom 26. Januar 1656 datiert ^-'i). An 
diesem Tage reichte ein gewnsser Claus Dircksen zu 
Friedrichstadt in Gottorf eine Bittschrift ein gegen 
Jürgen Ovens und andere betreffend den Konkurs 
eines gewissen Willem Peters. Bürgermeister und 
Rat hatten in der Angelegenheit ein Urteil ge- 
sprochen, durch das sich der Mitgläubiger Claus 
Dircksen gegenüber den andern Gläubigern be- 



i«5) s. Urkunde Nr. 3. 

1*'') Lutherisches Taufregister Friedrichstadt. Vgl. die 
Tauftafel S. 52. Die Beziehungen der dritten Patin, 
Cathrin Conieiis, zur Familie 0\ens habe ich nicht auf- 
hellen können. 

18') Taufregister Tönning. Vgl. die Tauftafel S. 53. 

188) Vgl. über diese Sitte Hans Hinrichs, Namen- 
,q:ebung in Nordfriesland (Zeitschrift der Zentralstelle für 
iiiedersächsische Familiengeschichte, II. Jahrg., 1920, S. 6). 

1*5) Taufregister Koldenbüttel, s. d. Tauftafel S. 52. 

190) Ebendort. 

191) Staatsarchiv, Schleswig, unter A. XX, 3310. 



nachteiligt fühlte. Nach seiner Ansicht hatte Jürgen 
Ovens 500 Reichstaler zuviel erhalten. Der Be- 
schwerde wurde in Gottorf nachgegeben. Aus der 
letzten Zeit seines Aufenthalts in Friedrichstadt, 
vom 7. Juni 1657, stammt ein urkundlicher Be- 
Iegi92)^ nach dem Bürgermeister und Rat in Frie- 
drichstadt auf herzoglichen Befehl vom 30. Mai 
1657 den Koffer, der die Briefe des spanischen 
Kommissars Quirinus Janseniusi^s) enthielt, an 
Jürgen Ovens auslieferten. Dieser wird sie dann 
dem Herzoge übergeben haben. 

Ovens' abermalige Übersiedelung nach Holland 
ist nicht oder doch nicht in erster Linie wie seine 
beiden ersten Aufenthalte daselbst aus Gründen, 
die mit seiner Kunst zusammenhängen, zu er- 
klären, sondern beruht auf den Zuständen in 
seiner Heimat. König Friedrich III. von Däne- 
mark hatte im Juni 1657 den Schweden den Krieg 
erklärt. Karl X. Gustav, der gegen die Polen 
im Felde stand, eilte in Gewaltmärschen von West- 
preußen herbei und überwältigte in kurzer Zeit 
die Herzogtümer und Jütland. Itzehoe, da es 
sich nicht ergeben wollte, wurde am 7. und 
8. August von den Schweden in Brand ge- 
schossen. Die Kriegsfurie näherte sich also be- 
denklich dem Wohnsitze des Malers, Friedrich- 
stadt. Am 14. August gelangte der Schweden- 
könig mit seiner Armee in die Gegend von Gottorf. 
Zwar riet sein Schwiegervater, Herzog Fried- 
rich III., zum Frieden, auch versuchte er, sich 
neutral zu halten. Wer wußte aber, ob er da- 
durch die Verheerung seines Gebietes abwehren 
konnte? In jenen wilden Zeitläuften hausten 
Freund und Feind gleich schlimm in den Land- 
strichen, die das Unglück hatten, vom Kriege 
überzogen zu werden. Was Wunder also, daß 
unserm Meister bei der drohenden Über- 
schwemmung der Gottorfer Lande durch rohe 
Kriegsvölker die Zeit wenig günstig erscheinen 
mochte für die Ausübung seiner Kunst, die so 
sehr der Sonne des Friedens bedarf. In der am 
11. September 1694 beim Hofgerichte zu Gottorf 
eingegangenen Eingabe seiner Erben "*) heißt es : 
„Ao. 1657 ist darauf der Krieg eingefallen, durch 
welchen unser Vater und Schwieger-Vater ist ver- 



192) Veröffentlicht von Harry Schmidt, Die Friedrich- 
städter Polizeiprotokolle usw., II. Teil, 1919, S. 98. 

193) Weitere Nachrichten über ihn bieten die Friedrich- 
städter Polizeiprotokolle a. a. O., S. 97 f. 

194) s. Urkunde Nr. 18. 



27 



Lirsachet worden, den 25. Aug. selbigen Jahres 

sich nach Amsterdam zu begeben " Damit 

übereinstimmend berichtet die Handschrift seines 
Enkels, des Carl August Ovensi^s); ^^Ao. 1657 
d. 25. Aug. bey eingefallenen Kriegs-Troublen 
zog er nach Amsterdam . . . ." Die Übersiede- 
lung wird von Tönning aus erfolgt sein, wo Ovens 
im Sommer 1657 mit seiner Familie gewohnt zu 
haben scheint, weil er, wie schon erwähnt i^"), am 
22. Juli in Tönning einen Sohn taufen ließ. Da 
die Oottorfer Rentekammerrechnung in dem S. 25 
tnitgeteilten Belege vom 1. Oktober 1657 ihn 
„Jürgen Ovens in Tönning" nennt, wird man 
annehmen müssen, daß er zwar am 25. August 
nach Amsterdam abgereist — ob allein oder schon 
mit seiner Familie, steht dahin — aber nachher 
auf kurze Zeit nach Tönning zurückgekehrt ist, 
vielleicht, um die Seinen abzuholen. Unmittelbar 
nach dem 1. Oktober muß er Tönning wieder 
verlassen und endgültig sich nach Amsterdam 
begeben haben, denn er hat nicht am Sterbe- 
bette seiner am 17. Oktober 1657 verschiedenen 
Mutter gestanden. Das geht aus der eben er- 
wähnten Urkunde vom 11. September 1694 
deutlich hervor ^'■'~). Wie er nach dem Tode seiner 
Mutter die Vormundschaft über die Kinder seiner 
Schwester Beele nicht übernommen hat, noch hat 
übernehmen können, „weil er in Amsterdam sich 
etabliret hatte", so konnte er auch der Erbteilung 
des Nachlasses seiner Mutter nicht beiwohnen. 
Seine Vertretung übernahm sein Schwiegervater 
Jens Martens"8). 

Die Urkunde vom 11. September 1694 und 
die Handschrift des Carl August Ovens be- 
richten übereinstimmend, daß unser Maler in 
Amsterdam das Bürgerrecht geAvann. Es wurde 
ihm am 27. November 1657i'") verliehen. An 
diesem Tage ist im Bürgerbuch der Stadt 
Amsterdam -'''") eingetragen (in deutscher Über- 
setzung): ,, Jürgen Ovens von Tonningen in 



"5) s. Urkunde Nr. 21. 

"6) s. S. 27. 

"7) s. Urkunde Nr. 18. 

1^8) Ebendort. Über Jens Martens als Bevoll- 
mächtigten des Malers vgl. S. 36. 

lää) Vgl. des Verfassers Aufsatz, Jürgen Ovens im 
Schleswig-Holsteinischen Kunstkalender 1913, S. 6, Anm. 2. 

200) Poortierboek (Bürgerbuch) im .Stadtarchiv, Oe- 
meente-Archief, Amsterdam. 



Holstein, Maler, hat seinen Bürgereid '"i) ab- 
gelegt und den Herren Kämmerern das kleine 
Bürgergeld bezahlt" ^o-'). Damit gelobte unser 
Maler, „ein guter und getreuer Bürger der Stadt, 
den Bürgermeistern und Regenten Untertan zu 
sein, in allen Verpflichtungen sich gutwillig zu 
zeigen, die Stadt vor dem Übel, das er ver- 
nehmen sollte, zu warnen und zu aller Wohl- 
fahrt mit Rat und Tat, nach allen seinen Kräften, 
zu fördern und zu helfen und ferner alles zu 
tun und zu lassen, was ein guter Bürger tun 
und lassen soll." 

In Amsterdam, ,,dem prächtigen und mächtigen 
Sitz, dem weltberufenen Amsterdam, der hell- 
leuchtenden Perle des gantzen Niederlandes" ^os) 
hat Ovens, der sicherlich von seinen früheren 
Aufenthalten her im besten Andenken stand, 
eine bedeutende, eine glänzende Rolle ge- 
spielt. Von vornherein günstig für die her- 
vorragende Stellung, die unser Meister ein- 
nahm, war sein großer Reichtum. Denn, wie 
ein holländischer Schriftsteller sich' ausdrückt, das 
Niederland des 17. Jahrhunderts wurde von 
Amsterdam beherrscht, Amsterdam — vom 
Gelde^o*). In der großen Handelsstadt spielte das 
Geld die Hauptrolle, und in diesem Punkte konnte 
unser Maler es mit den regierenden Familien auf- 
nehmen. Wenn man die zahlreichen Angaben, 



201) Der Eid, den die neuen Bürger Amsterdams zu 
schwören hatten, ist mitgeteilt von Biontemantel, De 
Regeeringe van Amsterdam, Ausgabe von G. W. Kern- 
kamp II., 1897, S. 90. 

-"-) Die Eintragung lautet im Original : Jürgen Ovens 
van Tonningen in Holstijn, Schild(er), heeft zijn poortereedt 
gedaen en Heeren The(saurieren) 't kleen poortergelt bet 
(aeld) 27. 9t. 

Das große und kleine Bürgerrecht (poorterschap), 
eine Amsterdam eigentümliche Einrichtung, bestand 
zwischen 1652 und 1668. Das kleine oder halbe Bürger- 
recht, das Ovens ei-\farb, kostete 50 Gulden, das große 
Bürgerrecht 500 Gulden. Vgl. Bontemantel, a. a. O., 
S. 88 ff. Letzteres hatte man zum Nutzen des Stadt- 
säckels eingeführt. Da es aber nur verschwindend wenige 
Personen erwarben, beseitigte man es bald wieder. Zwei 
Männern wurde es, um sie zu ehren, geschenkt, dem Ad- 
miral Michael Adriaenß. de Ruyter und Philipp von Zesen. 
Vgl. darüber H. Brugmans, De Ruyters Groot-Burger- 
schap van Amsterdam (Zesde Jaarboek der vereeniging 
Amstelodamum, 1908, S. 99 ff.). 

203) Worte Philipp von Zesens in der Vorrede zu 
seinem 1664 erschienenen Buche, Beschreibung der Stadt 
Amsterdam. 

-"*) K. Busken-Huet, Rembrandt's Heimath, heraus- 
gegeben von von der Ropp, II. Band, Leipzig 188?, S. 104. 



28 



die Elias 205) über ihre finanziellen Verhältnisse 
beibringt, mit den Ergebnissen vergleicht, zu denen 
ich bei der Untersuchung der Einkünfte und des 
Besitzes unseres Künstlers gelangt bin -"s), erkennt 
man, daß Ovens es den reichen Amsterdamer Han- 
delsherren an Vermögen und Einkommen durchaus 
gleich tun konnte. Das war für einen Maler aller- 
dings etwas ganz Einzigartiges! Sein hohes An- 
sehen stand also ohne Weiteres fest. Ihm öffneten 
sich von selbst alle Türen. Ohne Zweifel ge- 
hörte Ovens zu den gesuchtesten Malern der Zeit. 
Sein Ruhm hat, für unser Empfinden seltsam 
genug, den des groikn Rembrandt überstrahlt! 
Wie man dem Holsteiner gegenüber mit Aner- 
kennung und Bewunderung nicht kargte, so spen- 
dete man ihm auch reichlichen Lohn, so daß er 
nach Houbraken -"') „door zijn pourtretschilderen 
zijn Fortuin" fand. Die hohen Honorare, die 
Ovens in Amsterdam empfing, spornten 1675 einen 
jungen Hamburger Maler Ernst Stuven an, gleich 
ihm dort ,, blinkende voordeelen" zu gewinnendes). 
Von besonderem Werte für die Beant\^'ortung 
der Frage : Wie ist Ovens \on seinen Zeitgenossen, 
von der maßgebenden Gesellschaft in Amster- 
dam beurteilt worden ? ist die Art, in der der 
Dichter und Litterat Philipp von Zesen ^os) In seinem 
Werke, Beschreibung der Stadt Amsterdam, von 
unserem Maler spricht. Der gewichtige Quart- 
band, der mit zahlreichen breiten, hineingefalteten 
Kupferstichen geschmückt ist, erschien 1664, ist 
aber nach des Verfassers eigener Angabe im April 
1663 begonnen und im August 1663 abgeschlossen 
worden. Philipp von Zesen hat also gleichzeitig 
mit Ovens in Amsterdam gelebt. Der vielge- 
wandte Mann der Feder hat die Ansichten und 
Stimmungen der vornehmen Kreise, zu denen seine 
Gönner gehörten, gut gekannt. So gibt er denn 
das Urteil wieder, wie es sich damals in Holland 
über den Maler, insbesondere in der großen 
Handelsstadt, gestaltet hat-i"). Und dieses Urteil 



20j) De Vroedschap van Amsterdam. 

206) Vgl. S. 68 ff. 

20') Vgl. über die Stelle Urk. Nr. 20. 

208) Vgl. S. 69. 

209) Über ihn vgl. die Alig. deutsche Biographie. 

210) Von Zesen kann übrigens, worauf schon Bier- 
natzki in seinem Aufsatze, J. Ovens in Amsterdam usw. 
hingewiesen hat, dem Maler persönlich nicht nahege- 
standen haben. Er nennt ihn nämlich mehrfach Johan 
Ovens. Offenbar hat er den Vornamen von Hörensagen. 
Durch den dem Johan ähnlichen Klang des holländischen 



war sehr günstig. Schon daß der Schriftsteller 
unserem Maler mehrere Seiten widmet, während 
er andere Künstler nur im Vorbeigehen streift 211), 
ist bedeutsam. Seine Ovens betreffenden Aus- 
führungen selbst aber sind voll Bewunderung und 
Anerkennung. Wir entnehmen seinem Bericht, 
daß man in dem damaligen Mittelpunkt nieder- 
deutscher Kunst den holsteinischen Maler aufs 
höchste zu schätzen wußte. Bei seiner Wande- 
rung durch das fächerartig weit ausgebreitete Ge- 
webe des Straßennetzes von Amsterdam, von Graft 
zu Graft, von Gasse zu Gasse schreitend, kommt 
unser Gewährsmann auch an die Lauriers-, d. h. 
Lorbeer-Graft ,,mit der nächst-folgenden Lauriers- 
gasse, welche vom alzeit grühnenden Lorbeer- 
baume ihren Nahmen bekommen". „Auf dieser 
graft", so fährt er fort 212), ,, . . . stehen viel schöne 
und wohlgebauete heuser; deren der hochbe- 
rühmte Ritter und Bürgermeister dieser Stadt, der 
nunmehr seelige Herr von Marseveen, Johan Hüde- 
koper, dem, seiner hohen Verdienste wegen, die 
unverwelkliche Lorbeerkrohne, billich zukommet, 
eine ziemliche anzahl Selbsten gestiftet. Auch hat 
Seiner Durchleuchtigkeit, des Hertzogs von Hol- 
stein berühmter Hof-kunstmahler, Johan Ovens, 
auf eben derselben graft, da er nunmehr, im be- 
rühmten Mahlerhause, zwei Jahr gewohnet, wie 
auch nicht weit darvon der Kunstreiche Böhmer 



Jurian hat sich von Zesen täuschen lassen. Wenn Neu- 
mann, Aus der \)7erkstatt Rembrandts, 1918, S. 46, 
Anm. 1, auf Grund der besonderen Erwähnung von 
Ovens' Amsterdamer Wohnung auf der Lauriergracht 
annimmt, daß von Zesen und Ovens näheren Ver- 
kehr gepflogen haben und daß von Zesen seine An- 
gaben über den Anteil von Flink und Ovens an dem 
Claudius Civilis-Bilde (vgl. den 7. Exkurs) von Ovens 
selbst erfahren habe, so scheint es mir nicht nötig zu 
sein, deswegen eine engere Berührung zwischen den 
beiden vorauszusetzen. Ovens' Ruhm war eben damals 
in Amsterdam so groß, daß seine Wohnung stadtbekannt 
war und daß die in mehrfacher Hinsicht merkwürdige 
Art der Entstehung seines Bildes im Rathause in der 
Öffentlichkeit \iel besprochen ward. Wenn persönliche 
Beziehungen zwischen von Zesen und Ovens nicht be- 
standen haben, so fällt auch der Verdacht fort, der viel- 
gewandte Litterat habe sich vielleicht durch persönliche 
Rücksichten in seinem so überaus günstigen Urteil über 
den Maler bestimmen lassen. Dieses Urteil war viel- 
mehr durchaus objektiv und gab unzweifelhaft die all- 
gemein herrschende Ansicht wieder. 

2") In dem Bladweiser (Register) zu von Zesens Werke 
kommen außer Ovens gar keine Maler vor! 

212) s. 209. 

29 



Elias Noski -i^), von gemeltem Baume einen Lor- 
beer-zweig des unvergänglichen preises erlanget : 
jener (Ovens) durch seine unvergleichliche Mahk-r- 
kunst, dieser . . ." (durch seine kalligraphischen 
Kunststücke). Aus diesem Bericht ergibt sich für 
das Ansehen, das Ovens genoß, daß er, der als 
,,des Hertzogs von Holstein berühmter Hof-kunst- 
mahler" bezeichnet wird, zu den hervorragendsten 
Meistern der an großen Malern so reichen Stadt 
gerechnet ward. Denn Zesen erkennt ihm ,, einen 
Lorbeer-zweig des unvergänglichen preises" -i*) zu, 
den er , .durch seine unvergleichliche Mahlerkunst" 
erlangt hat. 

Weiter erfahren wir aus von Zesens Notiz, 
wo Ovens gewohnt hat. Anfangs wohnte er 
an der Lauriersgraft, an der auch viele andere 
Maler wohnten, so gleichzeitig mit ihm 1659 Jan 
Lievens "^■'). Es war das Künstlerviertel, im west- 
lichen Teil Amsterdams belegen, und erst an- 
läßlich der Vergrößerung der Stadt im Anfang 
des 17. Jahrhunderts mit der Stadt vereinigt. Bei 
Ovens' Wohnung erinnern wir uns daran, daß 
Rembrandt damals in der traurigsten Verfassung, 
nach dem Verlust seiner reichen Sammlungen, 
von den meisten gemieden, fast völlig verarmt, 
an der Rozen-Gracht hauste. Diese liegt der 
Lauriers-Gracht ganz nahe. Sie waren und sind 
verbunden durch zwei kurze Quergassen. Ob 
der „Rembrandtschüler" Ovens, dem die Sonne 
des Glückes lächelte, wohl häufig den Weg 
zu dem von der Welt verlassenen Meister ge- 
funden hat? Spätestens von 1661, wahrscheinlich 
schon von 1660 an wohnte Ovens ,,im berühmten 
Mahlerhause", wie es bei von Zesen heißt 2"). 



213) über ihn vgl. von Zesen, a. a. O. 

*!*) Der Ausdruck wird doch wohl nicht wörtlich, 
sondern symbolisch zu verstehen sein. 

21.5) Vgl. A. Bredius, Kühstler-Inventare usw., I. Teil, 
Haag 1915, S. 199 (Quellenstudien zur holländischen 
Kunstgeschichte, herausgegeben unter der Leitung von 
Dr. C. Hofstede de Groot V.). Auch der Maler und 
Bilderhändler Lucas Luoe wohnte 1652 dort im Hause 
zum Schilder Appelles (ebendort IV. Teil, 1917, S. 1148), 
desgleichen Melchior de Hondecoeter, der bekannte Vogel- 
maler 1664 (ebendort S. 1214) und der Maler und 
Kunsthändler Gerrit Uylenburg (ebendort V. Teil, 1918, 
S. 1674). 

'1'') Hier ist, der Zeit nach, folgende Notiz, die ich 
Herrn Dr. A. Bredius, Monaco, verdanke, mitzuteilen : Am 
23. April 1661 läßt Juffrou Dingna Boelens, die Haus- 
frau von Alberto Rutiers, Sr. Jeurian Ovens durch den 
Notar mitteilen, daß sie heftig gegen sein Verfahren 



Biernatzki hat in seinem Aufsatze, J. Ovens in 
Amsterdam usw. die Vermutung ausgesprochen, 
daß unter ,, Mahlerhaus" das städtische Akademie- 
gebäude zu verstehen sei, in dem man unserm 
Maler im Zusammenhang mit seiner öffentlichen 
Tätigkeit einen Platz eingeräumt habe. Ich habe 
mich s. Z. dieser Vermutung angeschlossen -i'), 
stehe aber nicht an, zu bekennen, daß sie auf 
einem Irrtum beruht. Es gab derzeit in Amster- 
dam kein städtisches Akademiegebäude. Vielmehr 
wird, wie de Roever vermutet hat-"), das „be- 
rühmte Mahlerhaus" nichts anderes sein, als die 
Wohnung des Malers Govert Elinck, dessen präch- 
tiges Haus ebenfalls an der Lauriersgracht stand. 
Wie Ovens bei dem Tode Flincks, der am 2. Fe- 
bruar 1660 erfolgte, eins seiner angefangenen 
Werke zu Ende führte -"), so war er auch der 
Nachfolger Flincks in dessen Wohnung -o). 

Dafür daß persönliche Beziehungen zwischen 
den beiden Malern, die auch künstlerisch so nahe 
verwandt waren, bestanden haben, kann ich zwei 
Beweise anführen. Erstens kommt in Ovens' Nach- 
laß-Inventar unter den Originalien (Nr. 82) ein Ge- 
mälde des Ovens, Opferung Priapi, -i) vor, das 
auch unter den Kopien (Nr. 19), hier aber mit 
der Beifügung „nach Jean Beneditto Castiglione", 
begegnet. Ein Bild mit derselben Darstellung wird 
aufgeführt in dem Katalog der von Govert Flinck 
und seinem Sohne Nicolaes Antoni hinterlassenen 
Gemälde, die am 4. Februar 1754 in Rotterdam 
verkauft worden sind: 1. une b-euvre capitale re- 
presentant une offrande paVenne au dieu Priape, 



protestiere. Sie hatte von Ovens eine Wohnung ge- 
mietet, in dem Hause, „daarin de Schilder woont", aber 
ohne den Packkeller. Jetzt hatte Ovens diesen Keller 
vermietet „als tapkelder (Keller mit Schankwirtschaft, De- 
stille), daer men publieck gelagen set". Das feinste 
Publikum wird dort wohl kaum verkehrt haben. Ovens 
läßt antworten: „Ick versoeck copy om daer scliriftelyk 
op te antwioorden." Der weitere Fortgang ist nicht er- 
sichtlich. Notar J. v. d. Ven, Amsterdam, Stadtarchiv. 
21') Schleswig-Holsteinischer Kunstkalender 1913, S. 7. 

218) Oud-Holland, 1891, S. 301, Anm. 2. 

219) Hierüber vgl. den 7. Exkurs. 

220) Sie lag nach de Roever, a. a. O. an der Nord- 
seite der Lauriersgracht zwischen der ersten und zweiten 
Brücke. Flinck hatte sich in seinem Hause ein großes 
Atelier mit Oberlicht gebaut, das mit Abgüssen nach 
berühmten Antiken, fremdländischen Gewändern und 
Waffen sowie goldgestickten Teppichen reich geschmückt 
war. Vgl. Houbraken IL, S. 22. 

221) Katalog der Gemälde Nr. 115. 



30 



par Benedetto Castiglione 50 Gulden --). Es liegt 
auf der Hand, daß die in Ovens' Nachlaß-Inventar 
vorkommenden Darstellungen des ganz unge- 
wöhnlichen Vorwurfs auf das Gemälde Casti- 
gliones in Govert Flincks Sammlung zurückgehen. 
Ovens hat nämlich das Werk des Italieners bei 
Flinck gesehen. Die Ovens'sche Opferung Priapi, 
die als Original bezeichnet i^t, wird wahrscheinlich 
eine Entlehnung aus dem Bilde Castigliones ge- 
wesen sein, während die in seinem Besitz be- 
findliche Kopie desselben Vorwurfs entweder eine 
Kopie nach der Ovens'schen Entlehnung oder 
nach dem Original Castigliones gewesen ist. Der 
zweite Beweis für das Bestehen persönlicher Be- 
ziehungen zwischen den Malern liegt in der Tat- 
sache, daß in Ovens' Nachlaß-Inventar ,,ein sil- 
bernes Gepräg auff Flinken Leich procession" vor- 
kommt --2). Es handelt sich um die Medaille auf 
Govert Flincks Tod --*). Solche Medaillen pflegten 
denjenigen, die zum Begräbnis geladen wurden, 
als Andenken an den Verstorbenen geschenkt zu 
werden. Ovens nahm also an Govert Flincks 
Begräbnis teil und erhielt als einer von denen, 
die dem Dahingeschiedenen nahe gestanden hatten, 
die Medaille, die er als teure Erinnerung an den 
Freund sorgfältig gehütet hat. Auch den be- 
rühmten Maler Ferdinand Bol hat Ovens zum 
mindesten persönlich gekannt. Denn ,,Ferdinandus 
Bol ende J. Ovens, schilders" taxierten zusammen 
die Gemälde des Nachlasses einer gewissen Clara 
de Valaer, der Witwe des Eduart van Domselaer; 
der Nachlaß wurde am 16. Oktober 1660 durch 
den Notar P. de Bary zu Amsterdam aufge- 
nommen --'•'). Ob engere bis zur Freundschaft 
gediehene Beziehungen, wie zwischen Ovens und 



2") Vgl. Henry Havard, L' art et les arustes hollan- 
dais II. Paris 1880, S. 196 ff. 

223) Vgl. den 3. Exkurs, S. 82. 

22-1) Beschrieben und abgebildet in Tijdschrift voor 
algemeene Penningkunde II., S. 763 (1843), Abbildung 
ferner bei Havard, L'art et les artistes hollandais II. 
(1880), S. 78 und 79 sowie bei A. O. van Kerkwijk, 
Begrafenispenningen van 17 de eeuwsche Nederlandsche 
Kunstschilders in Feest-Bundel Dr. Abraham Bredius aan- 
geboden den achttienden April 1915, I., S. 130 ff. Solche 
Begräbnismünzen auf Maler sind äußerst selten. Aus 
dem 17. Jahrhundert weiß van Kerkwijk außer der auf 
Govert Flincks Tod nur vier anzuführen. Die Münze, die 
Ovens besessen hat, scheint heute nur in zwei Exemplaren 
vorzukommen, Silber, oval, 75 X 68 mm. 

22S) Der Beleg ist veröffentlicht von A. Bredius, 
Oud-Holland 1908, S. 222. 



Govert Flinck, so auch zwischen Ovens, Fer- 
dinand Bol, Jan Lievens und anderen bestanden 
haben, entzieht sich unserer Kenntnis. Wahr- 
scheinlich ist es ja, da Ovens und Bol sowie Lievens 
künstlerisch nahe verwandt waren. Genaueres 
wissen wir, wie ich unten nachweisen werde, über 
Ovens' Beziehungen zu dem großen Bildhauer 
Artus Quellinus"6) und dem Maler und Kunst- 
händler Gerrit Uylenburg, dem Maler David Uylen- 
burg sowie der Malerin ,,JuiTiffer Uylenburg" -7). 
Nach dieser Musterung der Künstler, mit 
denen unser Meister bekannt --"») oder befreundet 
gewesen ist, kehren wir zu dem Ausgang unserer 
Untersuchung zurück, zu der Tatsache des hohen 
Ansehens, das Ovens un'er seinen Zeitgenossen zu 
teil wurde. Wieder legt von Zesen Zeugnis ab 
für die Bewunderung, die der Holsteiner in Amster- 
dam genoß. Voll Anerkennung berichtet er --') 
von der Vollendung des von Flinck begonnenen 
Bildes durch Ovens ^ä"). Vor allem aber bedenkt 
er das Ovenssche Gemälde im Schöffenzimmer des 
Rathauses zu Amsterdam ^si) mit seinen Lob- 
sprüchen. Von ihm heißt es -3-): ,,Aber unter 
allen gemeiden ist dasselbe, das uns mehr gemelten 
J. Ovens künstlicher pinsel alhier hinterlaszen, das 
fürnehmste und preiswürdigste" -^'^). Für Ovens' 
Berühmtheit zeugen ferner die vier Gedichte, die 
der größte aller holländischen Dichter, Vondel, auf 
von unserem Meister gemalte Bildnisse gemacht 
hat-äi). Ihm schließen sich an Jan Voß -3^) und 
J. Blasius, jeder mit je einem Gedichte -2"^) auf 
ein Ovenssches Bildnis ^s'). Daß ein kunstlieben- 



226) Vgl. darüber den 8. Exkurs. 

227) Vgl. darüber den 10. Exkurs. 

228) Zu diesen hat sicherlich auch jener aus Friedrich- 
stadt stammende Maler Laurens Floor gehört, der am 
2. April 1664 in Amsterdam sich verheiratete (A. Bre- 
dius, Künstler-Inventare, IV. Teil, 1917, S. 1112 ff.). 

=29) a. a. O. S. 262. 

230) Vgl. darüber den 7. Exkurs. 

231) Katalog der Gemälde Nr. 139. 

232) a. a. 0.:S. 270. 

233) Die ganze das Ovenssche Gemälde betreffende 
Stelle findet sich im Katalog der Gemälde Nr. 139. 

231) s. den Abschnitt, Die Gedichte auf Bilder des 
Malers. 

235) s. C. Hofstede de Groot, Die Urkunden über 
Rembrandt, 1906, S. 291 f. 

236) Wie Anm. 234. 

237) Nach Cornel. Hofstede de Groot, Arnold Hou- 
braken und seine „Groote Schouburgh" kritisch beleuchtet, 
Haag 1893, S. 403 „war die Sitte, Werke der bildenden 
Kunst durch dichterische Ergüsse zu feiern, im 17. nnd 

31 



der Amsterdamier Arzt in sein Malerverzeichnis 
eintrug: „Ovens, uit deenmarken, 1660, inoij"-^''), 
damit also ihn als tüchtigen Bildnismaler aner- 
kennend erwähnt, sei noch hinzugefügt. 

Wichtiger aber als alle die von mir beigebrachten 
Zeugnisse für Ovens' Ruhm ist der Nachweis, daß 
seine Auftraggeber aus den angesehensten und ein- 
flußreichsten, den tonangebenden Kreisen des Lan- 
des stammten. Ovens ist während der Jahre seines 
Aufenthalts in Amsterdam ein beliebter Modemaler 
der vornehmen Welt Hollands gewesen. Die Mit- 
glieder der ersten Geschlechter ließen sich von ihm 
malen. Besondere Hochschätzung hat ihm die 
Familie Tulp bewiesen. Denn nicht weniger als 
vier Vertreter dieses Geschlechts, das in Amster- 
dam eine große Rolle spielte, haben sich durch 
seinen Pinsel verewigen lassen. Den berühmten 
Arzt und Bürgermeister -39) Dr. Nicolaes Tulp^i") 
hat Ovens zweimal porträtiert. Er war 1632 von 
Rembrandt in der Anatomie im Haag, von Frans 
Hals 1644 gemalt. Außerdem hatte der be- 
rühmteste Bildhauer seiner Zeit, Artus Quellinus, 
eine Büste in Marmor von ihm geschaffen. Es 
gibt keinen besseren Beweis für die außerordent- 
liche Wertschätzung, deren sich unser Meister er- 
freute, als die Tatsache, daß Ovens von Dr. Tulp 



18. Jahrhundert in Holland weit verbreitet. Ist der 
dichterische Wert der Mehrzahl dieser Verse gering, 
auch die Kunstgeschichte zieht keinen großen Nutzen 
aus ihnen. Selten wird ein Kunstwerk so beschrieben, 
daß man es event. wiedererkennen könnte. Auch die 
künstlerische Persönlichkeit des Malers bleibt meistens 
außer Betracht." Die Eigenschaften der dargestellten 
Personen, die durchweg schmeichlerisch gelobt wurden, 
das Streben, sich den Dank der hochgestellten und reichen 
Persönlichkeiten zu verdienen, veranlaßten meistens die 
Poeten und Poetaster, in die Saiten zu greifen. 

238) Veröffentlicht von A. Bredius, Het schildersregister 
van Jan Sysmus, stadsdoctor van Amsterdam, III., Oud- 
Holland 1890, S. 305. Wahrscheinlich hat Jan Sysmus 
1660 Ovens persönlich kennen gelernt. 

23ä) 1654, 1656, 1666, 1671. 

2*») Über Nicolaes Tulp, eigentlich Claes Pieterß., den 
Bontemantel, (Ausgabe von Kernkamp II., S. 490) wegen 
seines schlichten biederen Wesens rühmt, vgl. Elias, De 
Vroedschap van Amsterdam I. (1903), S. 348 und Rogge, 
Nicolaes Tulp, Zeitschrift Gids, 1880, 3. Teil, S. 77 ff. 
Es ist auffallend, daß es ein Ausländer war, der zuerst 
sein Leben beschrieben und die Tätigkeit des großen 
Arztes, Ratsherrn, Bürgermeisters, Staatsmannes gewürdigt 
hat. Der Titel des fast verschollenen Büchleins lautet: 
Nikiaas Tulp u. s. w. von Dr. Philipp Ludwig Wittwer, 
Nürnberg, am 21. Dezember 1785. 



für würdig befunden worden ist, sich diesen Größ- 
ten im Reiche der Kunst beiz'ugeselien. Das eine Bild- 
nis Tulps, das Ovens schuf, ist 1658 entstanden ^n), 
das andere, eine Wiederholung, stammt wahrschein- 
lich aus demselben Jahre-*-) (Abb. 17). Eben- 
falls' ins Jahr 1658 fällt das Bildnis des Sohnes, 
des Dirck Tulp, eines eleganten Herrn, der 1655 
Schöffe und 1657 „Bewindhebber" der ostindischen 
Kompagnie war 2«) (Abb. 19). Ihn zu malen, wird 
so recht eine Aufgabe für Ovens gewesen sein. Ein 
Mann von höfischen Formen, ein Kavalier, der 
zu verschiedenen Fürstlichkeiten Beziehungen 
unterhielt, der denn auch später durch Karl II. 
von England zum Ritter und Baronet erhoben 
wurde. Umgekehrt ist es wahrschein licK, daß 
Ovens' gesellschaftliche Stellung sehr mitsprach, 
als es für Dirck Tulp, galt, wem er die Aufgabe, 
ihn zu malen, anvertrauen sollte. Freilich wird 
Ovens' Kunst ihn nicht enttäuscht haben, wie 
das Bildnis auch auf uns einen angenehmen und 
überzeugend lebenswahren Eindruck macht. Was 
Wunder, daß Dirck auch seine Frau, Anna Burgh, 
bald darauf (1659) vorlf Ovens malen ließ! (Abb. 20). 
Der Schwiegersohn des Dr. Nicolaes Tulp war Jan 
Six, später ebenfalls Schöffe und Bürgermeister. Er 
ist bekannt als Dichter und vor allem als Mäzen 
auf dem Gebiete der Malerei. Selbst Besitzer 
einer wertvollen Kunstsammlung, die er mit Ge- 
schmack und Urteil zusammengebriicht hatte, be- 
wies er auch den richtigen Griff bei der Wahl der 
Maler, die ihn und seine Familie porträtierten. Ihn 
selbst hat Rembrandt, mit dem er betTeundet war, 

1654 gemalt in jenem Wunderwerke, das bis vor 
Kurzem den größten Schatz der Sammlung Six 
in Amsterdam bildete. 1656 war über Rembrandts 
Vermögen der Konkurs erklärt. Wie die übrige 
gute Gesellschaft, so zog sich auch Jan Six von 
dem bankerotten Maler, dessen Ruf auch in mo- 
ralischer Beziehung nicht der beste war, zurück. 

1655 hatte sich Six mit Margaretha Tulp, um deren 
Hand vorher der Ratspensionaris Johan de Witt 
vergebens geworben hatte, vermählt. Ihn selbst noch 
und vor Jahren seine Mutter, Anna Wijmer, hatte 
Rembrandt gemalt. Die Aufgabe aber, das Bild- 

241) Katalog der Gemälde Nr. 259. 

2*2) Ebendort Nr. 260. 

213) Über ihn vgl. Elias, De Vroedschap u. s. w., 
a.a.O., S. 348 ff. und Jhr. Prof. Dr. Jan Si.x, Dirk Tulp, 
Amsterdam 1906, S. 5 ff. Die letztere Schrift ist ein 
Privatdruck, den mir die Güte des Verfassers zugänglich 
gemacht hat. 



32 



nis seiner jungen Frau zu malen, übertrug er — 
und das ist wieder äußerst bezeichnend für das An- 
sehen, das Ovens in den maßgebenden Kreisen ge- 
noß — nicht Rembrandt, sondern unserem Meiskr 
(Abb. 18). Jan Six hat außerdem noch einOvenssches 
Bild besessen, die Grisaille von 16522"). Daß Ovens 
die Si.xsche Sammlung studiert hat, beweist die 
Zeichnung nach einem heute in der Eremitage 
in St. Petersburg befindlichen Gemälde van Dijc^, 
das damals Jan Six besaß -'«). sie trägt die eigen- 
händige Unterschrift des Malers: „A. v. D. bij 
Six" u. s. w. 216). 

Von Mitgliedern der vornehmsten und ein- 
flußreichsten Familien, die Ovens gemalt hat, nenne 
ich noch Joan Huydecoper, van den Heuvel, Jan 
Barend Schaep, Willem van Loon und Jacoba 
Bicker. Zuerst der Bürgermeister Mr. Joan Huyde- 
coper ä*-), Heer van Maarseveen en Neerdijk 
(1625—1704), den Ovens freilich erst bei einem spä- 
teren Aufenthalt in Amsterdam (1674 oder 1675)-'«) 
gemalt hat. Er war von 1673—1693 dreizehnmal 
Bürgermeister der Stadt, von seinen sonstigen 
vielen Ämtern und Würden zu schweigen-^"). 
Schon sein Vater gleichen Namens hatte die höch- 
sten Ehren erlangt und war wie Jan Six ein warmer 
Freund und tätiger Beförderer der Künste ge- 
wesen. Dichter, Maler, Bildhauer hatten bei ihm 
in hoher Achtung gestanden, mit denen freund- 
schaftlich zu verkehren der Mäzen nicht ver- 
schmähte -'so). Ist meine Vermutung richtig — 
und das Lebensalter und das Wappen des Darge- 
stellten stützen sie — so wäre der elegante Herr, 
den uns das leider seit einigen Jahrzehnten ver- 
schollene Ovenssche Bildnis ^si) zeigte, Ouillielmo 
Bartolotti van den Heuvel (1638—1674), ein reicher 
Kaufmann und Bankier, der Schwager des von Ovens 
gemalten Bürgermeisters Joan Huydecopers^^). Eben- 
falls^^ Mitglied der regierenden Kreise war Jan 
2**) Katalog der Gemälde Nr. 159. 
2«) Da es weder in dem Inventar von Jan Six (f 1700) 
noch in dem seiner Witwe von 1709 vorkommt, wird Jan 
Six- das Bild veräußert haben. 

2*«) Katalog der Zeichnungen Nr. 30. 
2*') Katalog der Gemälde Nr. 293 und Stiche nach 
Ovenschen Gemälden, Nr. 3. 
2*8) Vgl. darüber S. 49. 

2") Ober ihn vgl. Elias, De Vroedschap van Amster- 
dam, I. Nr. 191. 

250) über ihn vgl. D. C. Meyer, De Amsterdamsche 
Schutters-stukken u. s. w. in Oud-Holland VII. und Elias, 
a.a.O. I., S. 384 f., S. 390. 

251) Katalog der Gemälde Nr. 292. 



Barend (Johan Bernd od. Bernard) Schaep 253) (1033 
bis 1666) (Abb. 21), über dessen Uufbahn man die 
Nohzen bei Elias 254) nachlesen mag, sowie der 
Vorfahr einer noch heute in Amsterdam blühenden 
Familie, Willem van Loon 255) (1633—1695), der es 
in späterer Zeit noch zur Würde eines Bürger- 
meisters (1686) und eines Direktors der ostindisctien 
Kompagnie (1 688) bringen solltes^s) (Abb. 7). Schließ- 
lich sei noch Jacoba Bicker (1662) erwähnt, deren 
Bildnis 25T) von Vondel besungen ist 2^8). Sie stammte 
aus einer reichen Kaufmannsfamilie — ihr Vater 
Dr. Jan Bicker ließ 727 000 Gulden nach 1 259) _ 
und heiratete mit Pieter de Graeff einen großen 
Herrn, der die für das Patriziat üblichen Ämter be- 
kleidete. Aus einem Briefwechsel zwischen dem 
Raadspensionaris Johan de Witt und seinem 
Schwager, eben diesem Pieter de Graeff, vom April- 
Mai 1663 geht hervor, daß Ovens den Auftrag er- 
halten hatte, den Schwiegervater beider, den 1653 
verstorbenen Bürgermeister Jan Bicker, den Ovens 
persönlich gekannt hatte, und dessen ebenfalls ver- 
storbene Gattin Agniet (f 1656) aus dem Gedächt- 
nisse zu malen 260)^ daß er aber wegen seiner Ab- 
reise nach Friedrichstadt diesen Auftrag nicht aus- 
führen konnte 261). Aus den Briefen erhellt wieder, 
daß Ovens in dem Urteil maßgebender Zeitgenossen 
den berühmtesten Malern, z. B. einem Jan Lievens, 
völlig gleichgestellt wird. Zu den reichsten und 
vornehmsten Kaufherren der Stadt, die 0\ens ge- 

252) über ihn vgl. Elias, I., S. 388 f. 

253) Katalog der Gemälde Nr. 257 
25*) a.a.O. I., S. 416. 

255) Katalog der Gemälde Nr. 230. 

256) Elias, a.a.O., II., S. 624. 

257) Katalog der Gemälde Nr. 268. 

258) s. den Abschnitt, Die Gedichte auf die Bilder des 
Malers, 1. 

259) Elias, a.a.O., I., S. 174. 

' 260) Danach ist mein Irrtum im Schleswig-Holsleini- 
schen Kunstkalender 1913, S. 9 zu berichtigen. 

261) Die Ovens betreffenden Briefe Pieter de Graeffs 
an Jan de Witt vom 13. April und 2. Mai 1663 sind ver- 
öffentlicht von Leupe in De Nederiandsche Spectator 1874, 
S. 122. Die Originale liegen jetzt im Nachlaß des Jan 
de Witt im Archiv der „Staten van Holland" (Algemeen 
Rijksarchief, Haag, portefeuille 2852). Die Antwori Jan 
de Witts vom 7. Mai 1663 ist ebenfalls abgedruckt von 
Leupe, a.a.O. S. 122 f. und bis auf den Eingangssatz in 
„Brieven van Johan de Witt, tweede deel, bewerkt door 
Robert Fruin, uitgege\en door N. Japikse" (Werken uit- 
gegeven door het Historisch Genootschap te Utrecht, 
3. Serie, Nr. 25, 1909, S. 489 f.). Das Original liegt im 
Nachlaß des Jan de Witt, a. a. O., bundel 2654. 



33 



malt hat, gehörten auch Cornelis Nuyts 2"-), der 
eine Zuckerbäckerei ,,de Koning van Polen" be- 
saß -"3) und, wie die Inschrift auf seinem Bildnis 
besagt, große Reichtümer in Ost-Indien el"^x-orben 
hatte, ferner Erasmus Scharlaken, den er mit seiner 
Frauke*) porträtierte ^^s), sowie der Reeder Hendrik 
Matthias 266)^ den er samt seiner ganzen Familie 
verewigt hat -'5') (Abb. 22). Die Tochter eines an 
der Heerengracht w^ohnenden Kaufherrn und Di- 
rektors der Ostindischen Kompagnie war Mar- 
garetha Le Gouche^^*), deren Bildnis von J. Blasius 
besungen ist -'^^). 

Mitglieder des Patriziats der benachbarten 
Stadt Leiden saßen unserem Maler in Dirck van 
Leyden van Leeuwen ^^o), der 1669 Bürgermeister 
seiner Vaterstadt wurde und 1678 als außerordent- 
licher Gesandter an den Hof Karls II. von Eng- 
land ging^'i), sowie seiner Gemahlin Alida 
Paets2'2). Auch im Adel, in der Utrechter Ritter- 
schaft, hatte Ovens seine Auftraggeber. So wurde 
ihm 1660 der ehrenvolle Auftrag zuteil, einen 
der berühmtesten Diplomaten des Landes zu malen, 
Godard Adriaen van Reede -")^ Baron von Ame- 
rongen, der vorher Gesandter am dänischen Hofe 
gewesen war und nun im Begriffe stand, in der 
gleichen Eigenschaft in wichtiger Mission nach 
Spanien aufzubrechen 2"*). Gleichzeitig mit seinem 
durch Vondels Gedicht 2'"^) verherrlichten Bildnisse 
entstand unter Ovens' kunstfertiger Hand das der 
Gemahlin Godards, der Margaretha Turnor^'«). 
Selbst den berühmtesten Seehelden der hollän- 
dischen Geschichte, Michael Adriaenß. de Ruyter, 
hat Ovens bei einem späteren Aufenthalte-") ge- 
malt. Er mag durch das Bildnis des anderen großen 



261) Katalog der Gemälde Nr. 238. 

2<53) Über ihn vgl. Reese, De Sulkerhatidel van Amster- 
dam 1908, S. 117 ft. Fokkens in seiner Stadtbeschreibung 
beschreibt Nuyts' Haus. 

26*) Sie heiratete später den Maler Ferdinand Bol. 

265) Katalog der Gemälde Nr. 304 und Nr. 305. 

266) über ihn vgl. Elias, a. a. O., I., S. 314. 

267) Katalog der Gemälde Nr. 236. 

268) Ebendort Nr. 218. 

269) s. Abschnitt IX, 5. 

2'0) s. Katalog der Gemälde Nr. 229. 

271) Ober ihn vgl. Elias, a. a. O., H., S. 948. 

272) s. Katalog der Gemälde Nr. 244. 

273) Ebendort Nr. 249. 

274) Vgl. Aitzema. 

275) s. Abschnitt IX, 2. 

276) s. Katalog der Gemälde Nr. 262. 

277) vgl. S. 49. 

34 



holländischen Admirals Troinp 278)^ das er einst 
geschaffen hatte, bewiesen haben, daß sein Pinsel, 
wie eleganten Herren und schönen modischen 
Damen, so auch den martialischen Zügen eines 
Haudegen gerecht zu werden verstand. Ein vor- 
nehmer Ausländer, der schwedische Gesandte 
Johan Rosenhane27S), ließ sich 1661 von ihm 
malen, und gar ein gekröntes Haupt, Karl II. von 
England 280)^ -durfte er, 1660, im Bilde fest- 
halten 281). Freilich hatten Ovens in seiner Heimat 
schon viele Menschen fürstlichen Geblüts ge- 
sessen, aber bisher doch kaum ein so groß- 
mächtiger Potentat. Und in Amsterdam, das an 
berühmten Malern Überfluß hatte, einen König 
malen, das wollte doch etwas heißen ! Ovens muß 
eben ein Künstler von internationalem Rufe ge- 
wesen sein. Als besonders ehrenvoll muß der 
Auftrag deswegen gelten, weil das Bild, wie 
uns Vondel in der Überschrift zu seinem Lob- 
gedichte 282) überliefert hat, für den Prinzen 
Moritz von Oranien bestimmt war. In dieselben 
Jahre (1662) fällt ein weiteres Fürstenbildnis, ein 
zweites 283) Porträt des Herzogs Christian Louis I. 
von Schwerin 28*). 

Wenn sich die vornehmsten Kreise des Landes 
und der in ihm weilenden Fremden an unseren 
Maler wandten, konnten auch öffentliche Auf- 
träge nicht ausbleiben. So wurde denn auch 
Ovens, in einer Reihe mit den glänzendsten Ver- 
tretern der niederländischen Kunst, einem Rem- 
brandt, Lievens, Flinck, Bol, Jordaens, für würdig 
erachtet, den Prachtbau der Stadt Amsterdam, 
das neue stolze Rathaus, mit seinen Gemälden zu 
schmücken. Am 2. Januar 1663 verzeichnet die 

278) vgl. S. 8. 

279) s. Katalog der Gemälde Nr. 253. 

280) Ebendort Nr. 295. 

281) Der König hielt sich Ivom 25. Mai bis 2. Juni im 
Haag als Gast der Staaten von Holland auf, um von dort 
nach England zu fahren ,und die Regierung anzutreten. 
Die Staaten schenkten ihm damals u. a. eine große Zahl 
von Bildern der berühmtesten holländischen und italieni- 
schen Maler. Sie bedienten sich beim Ankauf des Bild- 
hauers Quellinus und des Kunsthändlers Gerrit Uylen- 
burg. Vgl. darüber Leupe, Ned. Spectator 1878, S. 83. 
Daß Ovenssche Gemälde darunter gewesen sind, ist, bei 
Ovens' Beziehungen zu Quellinus und Uylenburg, sehr 
wahrscheinlich. Freilich werden solche im Inventar Karls 
nicht genannt. i 

282) s. Abschnitt IX, 3. 

283) Über das erste von Ovens gemalte Bildnis dieses 
seltsamen Autokraten vgl. S. 16. 

28i) s. Katalog der Gemälde Nr. 209. 



1 



Amsterdamer Stadtrechnung (Rapiamus), S. 200 
einen Beleg 2«)^ laut dem Ovens aus der Stadtkasse 
300 Gulden ausbezahlt sind, und zwar 252 Gulden 
für das Gemälde im Zimmer der Herren 
Schöffen -"86) und 48 Gulden für die Vollendung 
einer Skizze des Govert Flinck zu einer fertigen 
Komposition 287). Auch der ehrenvolle Auftrag, 
die Vorsteher (Regenten) des Waisenhauses, einer 
der wichtigsten milden Stiftungen Amsterdams, zu 
malen, wurde ihm damals (Abb. 24), xrie er schon 
einige Jahre früher, 1656, die Regenten des Oude- 
zijds-Huiszitten Huis, von denen Philipp von 
Zesen ^»«) ausdrücklich sagt, daß „die Bürgermeister 
sie aus den reichsten und fümehmsten Bürgern er- 
wählen", im Gruppenbilde dargestellt hatte (Abb. 25) 
1657 unterzog sich Ferdinand Bei derselben Auf- 
gabe. Wir sehen also auch hier wieder, daß Ovens 
bei der Lösung einer so spezifisch holländischen 
Aufgabe, wie sie ein Regentenstück bot, einem 
der berühmtesten einheimischen Meister völlig 
gleich geachtet wurde. 

Im Kreise seiner. Auftraggeber, die so viel 
Macht, Reichtum und Glanz, soviel Selbstbewußt- 
sein und Würde verkörperten, dürfen zwei Männer 
nicht unerwähnt bleiben. Sie gehörten freilich 
einer gesellschaftlichen Schicht an, die von der 
bisher geschilderten sehr verschieden ist. Ich meine 
Johann Amos Gomenius^ss) (1592—1670) und den 
Alchemisten Josepho Francisco Borri ^m) (Abb. 27). 
Der große Pädagoge ist allbekannt. Seit August 
1656 bis zu seinem Tode hielt er sich in Amster- 
dam auf, wo er 1657 mit Unterstützung seines 
Gönners, eines reichen Kaufmanns, Lorenz van 
Geer, seine opera didactica herausgab. "Weniger 
bekannt ist der Alchemist Borri, der sich nicht nur 
wie Comenius von Ovens porträtieren ließ, sondern 
auch zwei Genrebilder von seiner Hand besaß ^w), 
seine Kunst also besonders geschätzt haben muß. 
In ihm lernen wir wohl die seltsamste Erscheinung 
unter allen Modellen kennen, die je Ovens ge- 

'«) Der Wortlaut des ersten Teils dieses Belegs findet 
sich im Katalog der Gemälde unter Nr. 139, des zweiten 
Teils auf S. 86. 

2SG) s. Katalog der Gemälde Nr. 139 und .4bb. 23. 

287) Über dies Bild vgl. den Katalog der Gemälde 
Nr. 145 und S. 84 ff. 

288) a. a. O. S. 196. 

289) s. Katalog der Gemälde Nr. 211. 

290) Ebendort Nr. 205 und Verzeichnis der Stiche 
nach Ovensschen Gemälden, 5. 

291) Katalog der Gemälde Nr. 172 und Nr. 173. 



sessen haben. Dieser Italiener nämlich war ein 
Abenteuerer, ein Charlatan oder, wenn man will, 
Schlimmeres, einer jener höchst zweifelhaften Exi- 
stenzen, wie sie das 17. und 18. Jahrhundert so 
häufig hervorgebracht haben. Wahrscheinlich 1661 
tauchte er in Amsterdam als Augenarzt auf und 
wußte seine Patienten auch in vornehmen Kreisen 
zu finden. Ein Geist, den er seinen Homunculus 
nannte, erschien auf seine Beschwörung und lehrte 
ihn, die Geheimnisse der Alchemie ergründen. 
Borri gab an, von Burrhus, dem Erzieher Neros, 
abzustammen, und ließ sich E.xzellenz titulieren. 
Er hatte einen geweihten Degen vorzuweisen, den 
ihm der Erzengel Michael überreicht hatte, hielt, 
um den Nimbus, den seine Person umgab, zu er- 
höhen, in seinen Räumen einen Tiger an der Kette 
und ließ die Kranken seine Dienste mit großen 
Honoraren bezahlen 292). Leider dauerte die Herr- 
lichkeit nicht lange; denn Ende 1666 wird er als 
bankerott erwähnt 293). Nach einigen Jahren machte 
er Hamburg unsicher und beutete die exzentrische 
Königin Christine von Schweden aus. Wahr- 
scheinlich ist Ovens auch damals wieder mit ihm 
zusammengetroffen 2!'i). in Hamburg wäre dann 
ein zweites Bildnis des merkwürdigen Mannes 
entstanden 295). 

Daß Ovens sich während seines Aufent- 
haltes in Holland nicht lediglich auf Amster- 
dam beschränkt hat, ist selbstverständlich. So 
wird er Godard Adriaen van Reede in seinem 
Schlosse Amerongen gemalt haben. Dirck van 
Leyden van Leeuwen und seine Gemahlin hat 
er wahrscheinlich in Leiden porträtiert. Das Porträt 
Karls IL ist im Haag entstanden 29e). Daß Ovens 

292) Vgl. C. Neumann, Rembrandt, 1902, S. 560 und 
die von ihm angeführte Literatur. 

293) Vgl. Katalog der Gemälde Nr. 172 und Nr. 173. 
291) Sodann verzog Borri sich nach Kopenhagen und 

trat als Alchemist in die Dienste des Königs Friedrichs III. 
von Dänemark, den er so sehr für sich einzunehmen 
wußte, daß er ihn zu mancher Torheit verleitete. So war 
nach der Vorschrift des Homunculus .ein chemischer Ofen 
gebaut, der aber durchaus nicht abgebrochen werden 
durfte. Als nun der König diesen Ofen zu seiner Be- 
quemlichkeit gern in der Nähe des Schlosses haben wollte, 
mußte das ganze Haus, worin er stand, durch Maschinen 
üt)er den Wall hereingehot)en werden. Vgl. darüber 
Schmieder, Geschichte der Alchemie 1832, S. 463 ff. 
Nach dem Tode des dänischen Königs ging der Ruhelose 
wieder auf die Wanderschaft und endete schließlich im 
Kerker der römischen Inquisition. 

295) s. Katalog der Gemälde Nr. 269. 

29«) Vgl. S. 34, Anm. 281. 



35 



3» 



in Antwerpen gewesen ist, ersehen wir aus einer 
eigenliändigen Bemerkung, nach der er bei Herrn 
Leers in Antwerpen ein van Dijcksches Bild ge- 
sehen und gezeichnet hat^s'). Leider äußert er sich 
nicht darüber, wann und wie lange er in Antwerpen 
geweilt hat. Doch werden wir in der Annahme 
nicht fehlgehen, daß er längere Zeit dort gewesen 
ist. Dieser Aufenthalt mag auch erklären, daß die 
Einflüsse der flämischen Kunst auf den Entwick- 
lungsgang des Malers von etwa 1657 an besonders 
stark hervortreten. Die von W. Burger -ä'*) aufge- 
worfene Frage, ob Ovens sich in England aufge- 
halten habe, kann ich mit Bestimmtheit entscheiden. 
Der von Burger für einen englischen Aufenthalt 
angeführte Grund, daß die berühmte Sammlung 
des Grafen von Arundel, die 1684 verkauft wurde, 
17 Gemälde seiner Hand enthielt -'äi>), ist nicht 
ausschlaggebend. Diese Ovensschen Gemälde 
brauchen nicht in England entstanden zu sein, 
vielmehr kann sie der Sammler sehr wiohl in 
Holland erworben haben. Möglich, daß Ovens 
durch Karl II. nach England gezogen worden 
■wäre. Daß er aber England besucht hat, ist 
sicher 300); denn das Bildnis des Obersten Hut- 
chinson und Familie von 1659 3"^) (Abb. 28) kann 
nur in England gemalt sein, da die Dargestellten 
1659 das Land nicht verlassen haben. 

Während der in Holland verbrachten Jahre 
hielt Ovens die Verbindung mit der Heimat auf- 
recht. Sein Schwiegervater Jens Martens war, wie 
bei der Erbteilung nach dem Tode der Mutter 
des Malers 30-), in geschäftlichen Angelegenheiten 
sein Bevollmächtigter. So verkaufte er für ihn 
am 25. November 1662 drei Fennen Land, die 
Ovens von seinem Bruder Gerrit geerbt hatte ^o^). 
Einmal erweist der Maler Bürgermeister und Rat 
der Stadt Friedrichstadt eine Gefälligkeit. Unter 
dem 18. August 1658 enthalten die Friedrichstädter 
Polizeiprotokolle einen Vermerk, nach dem „Stadts 

297) Vgl. Verzeichnis der Handzeichnimgen, Nr. 101 
und Abb. 30. 

29») Musees de ia Hollande, II., 1860, S. 186 f. 

-99) Ein Verzeichnis derselben s. unten in Ab- 
schnitt VIII. 

300) Nach Mitteilungen zweier der besten Kenner der 
englischen Gemäldesammlungen, der Herren Lionel Cust, 
Windsor, und Collins Baker, London, kommen freilich 
in den alten englischen Sammlungen keine Bilder vor, die 
darauf deuten, daß Ovens in England gearbeitet habe. 

301) Vgl. Katalog der Gemälde Nr. 223. 

302) Vgl. Urkunde Nr. 18. 

303) Vgl. S. 68, Anm. 40. 

36 



Bügel und Band zur Brennung der Biertonnen" 
nicht zu finden waren, „dahero neue von Amster- 
dam entboten". Und am 20. August 1662 heißt 
es: ,,Herr Ovens meldet, daß er die aus Holland 
entbotenen Bügels und Maßen der Bier- und andere 
Tonnen nun bekommen hat, und liefert dabei 
schriftlich Instruktion aus, wie man die gebrauchen 
muß" 3oi). Aus der Fassung der beiden Belege 
und der langen zwischen ihnen verflossenen Zeit 
geht offenbar hejvor, daß der Magistrat sich zuerst, 
im August 1658, an die Stadt Amsterdam ge- 
wandt hat. Wie es scheint, haben aber seine Be- 
mühungen, die erforderlichen Maße zu erhalten, 
keinen Erfolg gehabt. Darum hat er sich an 
Ovens gewandt, und dem Einfluß des Malers ist 
es dann endlich gelungen, zu erreichen, was die 
Stadt Friedrichstadt nicht hatte erreichen können 'os). 

Auch die Beziehungen zum heimischen Fürsten- 
hause bestanden weiter. Eine wichtige Rolle spielte 
unser Maler in den Jahren 1661 und 1662 als Be- 
auftragter des Herzogs Christian Albrecht bei der 
Entstehung und Übersendung der von Artus Quel- 
linus für das herzogliche Erbbegräbnis im Dom 
zu Schleswig geschaffenen Mannorskulpturen 306). 
1661 malte er für Christian Albrecht die Apotheose 
des jungen Fürsten 307), jm selben Jahre erhielt 
Ovens aus der herzoglichen Kasse 1500 Reichstaler 
für drei Bilder 308)_ deren Entstehung und Ab- 
lieferung freilich wohl schon lange zurückliegen 
mochte 309). Die geschäftlichen Verbindungen mit 
der Herzoginmutter rissen ebenfalls nicht ab. So 
hat sich in der Rechnung der Herzogin Maria 
Elisabeth (Husumer Amtsrechnung) 3io) folgender 
unsern Meister betreffender Beleg vom 21. Juli 1661 
erhalten : 

,, Gerrit Ouens3ii) wegen einiger Kupferstück, 
so Jürgen Ouenß überschickt, laut Beilage zahlt 
3 Reichstaler 30 Schilling". Ob es sich dabei 
um Kupferstiche gehandelt hat, die von Ovens 
geschaffen, oder ob es Arbeiten anderer 

304) Harry Schmidt, Die Friedrichstädter Polizeiproto- 
kolle u. s. w. II. Teil, S. 22. 

305) Das Stadtarchiv in Amsterdam hat auf Grund 
meiner Angaben Nachforschungen über die Angelegenheit 
unternommen, die jedoch leider keinen Erfolg hatten. 

306) Vgl, darüber S. 89 ff . 

307) s. Katalog der Gemälde Nr. 140 und Abb. 31. 

308) Ebendort Nr. 160, Nr. 161, Nr. 162. 

309) Vgl. S. 24 f. 

310) Staatsarchiv zu Schleswig, Acta A. XX. 3667 unter 
„Bezahlung derer, so Kupferstück gelieffert", Nr. 94. 

311) Der in Tönning wohnhafte Bruder des Malers. 



Meister waren, die Ovens für die Herzogin 
gekauft hatte, steht dahin. Weiter ergibt dieselbe 
Quelle, daß er für die Herzoginmutter in Holland 
„italienische Steine, Schieferdach und Glas" gekauft 
und sie zu Schiff an die Fürstin gesandt hat. Be- 
zahlung für seine Auslagen erhielt er am 15. 
Juni 1663 312). 

Doch mit der Mitteilung dieses Belegs und 
Datums bin ich den Ereignissen schon vorausgeeilt. 
Es ist die erste Enx-ähnung des Malers nach seiner 
Rückkehr in die Heimat. Er muß sie schon seit 
längerer Zeit ins Auge gefaßt haben. Das geht 
daraus hervor, daß der Meister bereits am 24. Juni 
1662 durch seinen Halbbruder Peter Jürgens einen 
Kirchenstuhl in der lutherischen Kirche zu Frie- 
drichstadt kaufen ließ sw). Den Zeitpunkt der Über- 
siedelung erfahren wir aus dem oben 3") erwähnten 
Briefe Pieter de Graeffs an seinen Schwager, den 
Raadspensionaris Johan de Witty vom 2. Mai 1663, 
in dem er schreibt, daß Ovens im Begriff steht, 
kurz nach Pfingsten mit seiner ganzen Familie 
nach Friedrichstadt zu verziehen, um dort zu 
wohnen. Am 7. Mai antwortet Johan de Witt 
auf dieses Schreiben und erwähnt ebenfalls, daß 
Ovens nun im Begriff steht, nach Friedrichstadt zu 
verziehen. Pfingstsonntag fiel im Jahre 1663 auf 
den 7. Juni. Da Ovens schon am 15. Juni in 
Gottorf Bezahlung erhielt, muß die Abreise nach 
Friedrichstadt unmittelbar nach den Feiertagen er- 
folgt sein und muß Ovens sich sofort nach seiner 
Ankunft in der Heimat nach Gottorf begeben haben, 
um sich dort zu melden. Dazu lag um so mehr 
Veranlassung vor, als der Meister, einem Wunsche 
des Herzogs Christian Albrecht folgend, Amster- 
dam verlassen und in seine Heimat zurückgekehrt 
ist. In der Eingabe seiner Erben vom 11. Sep- 
tember 1694 heißt es nämlich: „Und ob zwar auf 
Eu. Hochfürstl. Durchl. gnädigstes Erfordern unser 
Vater und Schwiegervater Ao 1663 von Amster- 



312) Staatsarchiv zu Schleswig-, Acta A. XX. 3670 unter 
„Außgabe für Baw Materialien", Nr. 330. Ovens erhielt 
248 Gulden 3 Stuiver = 103 Reichstaler 10 Schilling. 
Nach einem Beleg vom 19. Mai 1663, ebendort Nr. 327, 
waren die von Jürgen Ovens gesandten und von ihm be- 
zahlten Materialien von einem holländischen Schiffer Adrian 
Cornelies aus Holland gebracht. Er erhielt dafür an 
Fracht 14 Reichstaler. 

313) Lutherisches Kirchenrechnungsbuch : ,, Wegen Jür- 
gen Ovens Stuhlkaufs von Claus Peters Wittiben durch 
Peter Jürgens Kaufmann bezahlt 3 ^". 

3") S. 33. 



dam wieder anhero berufen worden" 3i5) 
Ähnlich lautet der betreffende Satz der Nieder- 
schrift des Enkels Kari August Ovens: „Ihro Hoch- 
fürstl. Durchl. Hertzog Christian Albrecht berief 

ihn aber als dero Hof-Schilderer 1663" 3«) 

Nicht leichten Herzens wird der Maler seine glän- 
zende Stellung in Amsterdam aufgegeben haben 
und in die im Vergleich mit der reichen hollän- 
dischen Metropole doch bescheidenen Verhält- 
nisse des meerumschlungenen Landes zurück- 
gekehrt sein. Vielleicht hat dabei die Sehnsucht 
nach der Heimat und den Verwandten mitge- 
sprochen. Die Verleihung des Privilegs, die bald 
darauf, am 10. Juli 1663, erfolgte, kann ihn nicht 
allein bestimmt haben. Zwar bot es ihm große 
Vorteile, aber sie hatte er ja auch schon früher 
durch das ihm am 1. November 1652 veriiehene 
Privilegs") genossen. Von größerem Einfluß wird 
w^ohl gewesen sein, daß der Herzog, dessen Landen 
nunmehr wieder die Sonne des Friedens lächelte, 
dem Maler große Aufträge, dauernde lohnende 
Tätigkeit in Aussicht stellte. Und daran sollte 
es denn auch für die nächsten zehn Jahre nicht 
fehlen ! 

Zunächst berichten die Urkunden von Be- 
ziehungen zu Ovens' alter Gönnerin, der Her- 
zoginmutter Maria Elisabeth. Am 31. Dezember 
1663 erhält sie von dem Maler ein Schreiben 31»). 
Bald darauf, am 15. April 1664, sendet die Fürstin 
an ihn einen Boten 'i»). Wahrscheinlich stand 
die von ihm überbrachte Mitteilung in Zusammen- 
hang mit der Zahlung für Kupferstiche, die die 
Herzogin eine Woche später, am 22. April 1664, 
an den Maler leistete 33o). ich schließe hier gleich 
an, was ich sonst über Ovens' Verhältnisse zur 
Herzogin habe feststellen können. Am 30. De- 
zember 1668 erhielt er von ihr Bezahlung für 
eine Rechnung mit einer Schuldverschreibung über 



315) Urkunde Nr. 18. 

316) Urkunde Nr. 21. 

3") Vgl. darüber S. 20 ff. 

318) Rechnung der Herzogin Alaria Elisabeth (Hu- 
sumer Amtsrechnung), Staatsarchiv, Schleswig, Acta A. XX. 
3670 unter „Tägliche Außgaben": „Nr. 599 Für Schreiben 
von Jürgen Ovens geben 2 Schilling." 

319) Ebendort Nr. 624 : „Einen Boten an Jürgen Ovens 
nach Friederichstadt gesandt 12 Schilling." 

320) Ebendort unter „Außgabe an Mahlere . . . wie 
auch für Kupferstücke", Nr. 323: „Jürgen Ovens für 
Kupferstücke, welche I. Durchlaucht von ihm selbsten er- 
handelt 34 Reichstaler." 



37 



740 Reichstaler 321), Vermutlich handelte es sich 
dabei um die Vergütung für Arbeiten, die sich 
auf mehrere Jahre verteilten. Freilich' mußte der 
Maler lange auf sein Geld warten. Denn 1671/72, 
1672/73 und 1676/77 findet sich der Vermerk, 
daß Jürgen Ovens von 740 Reichstaler Kapital 
„ein Jahrs Zinse" von 37 Reichstalern gezahlt 
sind 322). Wann die Schuld der Herzogin an den 
Maler getilgt worden ist, läßt sich nicht ausmachen, 
da die Rechnungen lückenhaft sind^-s). In- 
zwischen taucht auch' ein Vermerk auf ähnlich 
denen, die uns aus den Jahren 1653 und 1657 
bekannt geworden sind, als Ovens der Her- 
zogin Weintrauben und Pflaumen sowie Krüge 
sandte 324). So heißt es am' 15. September 1666, 
daß der Maler der Herzogin Friedrichstädter Brot 
schickte 325). Wir haben in derartigen Sendungen 
in der Hauptsache wohl kleine Aufmerksamkeiten 
zu sehen, die Ovens seiner Gönnerin erwies. Wie 
sie sich zu ihm stellte, ersieh't man klar aus fol- 
genden zwei Belegen. Am 12. Januar 1667 ist 
gebucht, daß Ovens auf Befehl der Herzogin ,,eine 
schön getriebene Kanne, so geWogen 87^^ Loth, 
ä 37 Schilling," im Werte von 67 Reichstalern 30 
Schillingen 326), verehrt ist 32'). Er erhielt damit 
ein kostbares Geschenk, dessen Wert weit den 



321) Ebendort, Acta A. XX 3674 unter „Außgaben an 
Mahlere u. s. w.", Nr. 188. 

322) Ebendort, Acta A. XX 3676 unter „Ausgaben an 
Kapital und Zinsen". 

323) Wahrscheinlich bezieht sich auch der folgende 
Beleg, der sich ebendort Acta A. XX 3674 am 1. Februar 
1669 unter „Gemeine Tägliche Außgaben" findet, auf 
Jürgen Ovens: „Nr. 318 vor eine Rulle Contrafaiete, so 
von Friederichstadt gekommen, dem Fuhrmann zum Drink- 
gelde 6 Schilling." Wenn auch Jürgen Ovens nicht aus- 
drücklich genannt ist, so ist doch mit großer Wahrschein- 
lichkeit anzunehmen, daß die Rolle Bildnisse von ihm ge- 
malt und abgesandt war. 

32*) Vgl. S. 26. 

325) Acta A. XX 3672 unter „Gemeine Tägliche Auß- 
gaben" Nr. 421. Er erhielt für das Brot 1 Reichstaler 
30 Schilling, sein Bote 12 Schilling Botenlohn. 

326) Diese von der Herzogin dem Jürgen Ovens 
geschenkte Kanne ist offenbar mit der im Nachlaß-Inventar, 
S. 12 aufgeführten identisch. Dort heißt es: Eine Silberne 
getriebene Bilder Kanne (mit Bildern, Figuren geschmückt), 
welche vergüldet wieget 88 L. 1 Quent (1 Quent = 
etwa 4 gr.) vgl. S. 81. Ich vermute, daß die Herzogin sie 
zu der am 18. 1. 1667 siittgefundenen Taufe der Tochter 
des Malers Maria geschenkt hat. 

327) Acta A. XX 3672 unter „Extra Ordinari Aus- 
gaben". 

38 



Wert der Geschenke überstieg, die die Herr- 
schaften sonst wohl Künstlern zu machen pflegten, 
ohne Zweifel ein Ausdruck der hohen Achtung und 
Schätzung, die die Fürstin dem Maler entgegen- 
brachte. Sonst erhielten Künstler oder Beamte des 
Hofes kleine Geldgeschenke, Kleider, Naturalien 
u. dgl. Unserm Maler dagegen wurde, wie Per- 
sonen vom Stande, fremden Gesandten etwa, ein 
kostbares Kunstwerk verehrt, eine Tatsache, die 
seine gesellschaftliche Stellung dem Hofe gegenüber 
in helles Licht rückt. Noch deutlicher wird diese 
aus dem zweiten Beleg. Am 2Q. Juni 1666 ist ver- 
merkt: „Wie Ihr. Durchlauchten neben dem Herrn 
Landgrafen 328) und anderen fürstlichen Personen 
Nach Friederichstadt gewesen .... In Jürgen 
Ovens' Hause haben Ihr. Hochfürstlichen Durch- 
lauchten, weiln sie gegen Abend daselbsten ge- 
speiset, Drinkgeld geben lassen 4 Reichstaler" 329). 
■ Ovens nahm also den fürstlichen Herrschaften 
gegenüber die Stellung des großen Herrn ein. 
Man kam zu ihm fast wie zu seinesgleichen. 
Fürstenbesuche waren ihm übrigens nichts Un- 
gewöhnliches. So sind außer der Herzogin-Mutter 
und dem Landgrafen von Hessen in seinem 
schönen Hause in Friedrichstadt häufig Könige 
und Fürsten mit ihren erlauchten Familien zu 
Gaste gewesen, vor allem Friedrich III., König 
von Dänemark, und sein Nachfolger König 
Christian V., außer ihnen des Malers Landes- 
herren, die Herzöge Friedrich III. und Christian 



328) Der Landgraf Ludwig VI. zu Hessen war der 
Schwiegersohn der Herzogin Maria Elisabeth. Er war seit 
1650 mit ihrer im Jahre 1665 verstorbenen Tochter Maria 
Elisabeth (geb. 1634) verheiratet. 

329) Rechnung der Herzogin Maria Elisabeth u. s. w.. 
Acta A. XX 3672 unter „Gemeine Tägliche Außgaben", . 
Nr. 412. Ein anschauliches Bild jenes fürstlichen Besuchs 
in der kleinen holländischen Gründung gewähren noch die 
unter derselben Rubrik aufgeführten Ausgaben: „Den 
Lacquaijen zu den Armen 24 ß, im Garten Drinckgeld 
2 Reichstaler, auf dem Rathause daselbst Drinckgeld 4 
Reichst., dem Springer vor seine Künste sehen lassen 
1 Reichst, unter dem Armen ausgeteilet 16 ß." Aus diesem 
Beleg geht hervor, daß man Bürgermeister und Rat einen 
Besuch abstattete. Weiter ließ man sicli den noch heute 
vorhandenen, schon auf dem Grundriß der Stadt von 1649 
angegebenen Großen Garten nicht entgehen, den Danck- 
werth in der „Newe Landesbeschreibung . . . ." von 
1652 als besondere Sehenswürdigkeit S. 137 erwähnt. Für 
die Armen hatte man nicht allzu viel übrig. Mit umso 
größerem Vergnügen sah man sich — so bescheiden . 
waren derzeit die Ansprüche ! — den Schnelläufer an. 



1 



Albrecht äso). Ovens wird sie mit derselben welt- 
männischen Sicherheit und Gewandtheit emp- 
fangen und bewirtet haben, mit der die großen 
Renaissancemaler öder etwa ein Rubens Kaisern 
und Königen gegen übertraten. Er war ja auch 
auf dem Parkett zu Hause. In Schloß Gottorf 
ging er aus und ein. Wie einst am Hofe zu 
Stockholm, so lebte er, wie wir noch sehen 
werden, auch lange Zeit, von ihr berufen, in 
der Umgebung der Königin Christine zu Hamburg. 
Bevor wir Ovens' weitere künstlerische Tätig- 
keit verfolgen, wollen wir einen Blick auf seine 
häuslichen Verhältnisse werfen. Als der Maler 
1663 von Holland z'urückkehrte, hatte er die Höhe 
seines Lebens erreicht. Der Vierzigjährige hatte 
die Süßigkeit des Ruhmes geschmeckt und war 
mit Ehren überhäuft. Allseitig anerkannt in seinen 
Leistungen stand er da. In der Fülle seiner Kraft 
gab er jetzt seiner äußeren Lage endgültig diejenige 
Gestalt, in der sie fortan, von einzelnen längeren 
und kürzeren Reisen unterbrochen, verbleiben 
sollte. Bei der Übersiedelung der Familie unseres 
Künstlers oder bald nachher zog auch Jens Mar- 
tens, der inzwischen seine Lebensgefährtin ver- 
loren hatte, dorthin 33i). Die Familie bestand da- 
mals außer aus den Eltern aus 4 Kindern : Agnetha, 
Jürgen, Friedrich Adolf und Katharina. Agnetha, 
die Erstgeborene, war am 14. Oktober 1655 in 
Friedrichstadt getauft, also sieben Jahre alt. Jürgen 
ioder Friedrich Adolf — denn einer von ihnen 
hatte am 22. Juli 1657 in Tönning die Taufe 
empfangen 332) — zählte fast 6 Jahre. Einer der 
Knaben und Katharina wird, da ihre Taufe 
weder im Friedrichstädter noch im Tönninger 
Taufprotokoll verzeichnet ist, in Holland ge- 
boren sein 333). Fünf Kinder sollten den Eltern 
nachmals noch geschenkt werden : Gerhard oder 
Gerrit, Maria, Anna Elisabeth, Friderica Amalia 



330) Urkunde Nr. 22. Möglich ist es, daß fürst- 
liche Gäste, die die Stadt besuchten, gelegentlich auch vom 
Rat in des Malers, als des vornehmsten Privatmannes, 
Hause, untergebracht worden sind. Über diese Sitte vgl. 
H. Bergner, Handbuch der bürgerlichen Kunstaltertümer, 
Leipzig 1906, S. 195. 

331) Vgl. S. 112 ff. 

332) Vgl. S. 27. 

333) Leider hat sich aus den Kirchenbüchern der 
lutherischen Gemeinde in Amsterdam, zu der Ovens ohne 
Zweifel gehört hat, nichts über den Maler und seine 
Familie feststellen lassen, da sie ersit mit dem Jahre 1663 
beginnen. 



und Johann Adolf 334). Sie sind bis auf Johann 
Adolf in Friedrichstadt getauft worden 335). Zwei 
ihrer Kinder mußten die Gatten sterben sehen: 
Die Erstgeborene, Agnetha, verschied im Alter 
von 20 Jahren am 6. Juni 1676 336), bald darauf, 
im Herbste 1677, folgte ihr die neunjährige Anna 
Elisabeth 33') im Tode. Die anderen Kinder haben 
unseren Meister überlebt und sind etwas in der 
Welt geworden. Den Mittelpunkt des großen 
Familienkreises bildete Frau Maria. Wir haben 
von ihr im Epitaph zu Tönning das mit großer 
Liebe gemalte Jugendbildnis. Ein zweites Bildnis, 
Wohl 25 Jahre später entstanden, ist im Besitze 
einer Nachkommin, der Frau Professor Schulte 
in Stettin. Auf beiden erscheint Frau Maria als 
geistig befähigt, verständig und klar, mit einem 
leisen Zuge ins Nüchterne. Ruhig und phleg- 
matisch ist ihre Wesensart, vielleicht ein Rest hol- 
ländischen Blutes. Von träumerischem phantasie- 
vollem Wesen zeigt sich keine Spur. Um den 
schmalen Mund liegt ein fester Wille. Es gibt 
Beobachter, die einen Zug von Hochmut in ihren 
Mienen finden wollen. Unzweifelhaft stand sie 
mitten im Leben, den Aufgaben, die es stellt, 
zugewandt und seinen Anforderungen gewachsen. 
Gelassen und heiter blickt dies Antlitz. Von ihrer 
Bildung legen ihr Brief 33«), der sie als kluge, 
energische Frau erscheinen läßt, und ihre für den 
Herzog ausgestellte Rechnung und Quittung 339) 
Zeugnis ab. In ihrer Tätigkeit als Mutter und 
Hausfrau selber beglückt und Mann und Kinder 
beglückend, hat Frau Maria gelebt. So war die 
Frau, die unserm Meister über 25 Jahre zur Seite 



334) Von dieser reichen Schar starben 1676 und 1677 
je ein Kind. Es blieben den Eltern also 7 Kinder. Da 
aber die Mutter in ihrem Briefe vom 31. Dezember 1678 
(Urkunde Nr. 15) von ihren 8 Kindern spricht und 
man doch schwerlich einen Schreibfehler annehmen karm, 
muß noch ein Kind dagewesen sein, dessen Namen wir 
rieht kennen. Auffällig ist es freilich, daß ith von seiner 
Existenz keine Spur gefunden habe. 

335) Vgl. über ihn S. 55 und S. 40, Anm. 347. 

336) Lutherische Kirchenrechnung. Agnetha wurde am 
10. Juni begraben: „Herrn Jürgen Ovenß Kindes wegen 3 
Stunden läuten 9 #. Das Grab in der Kirchen zu öffnen 
12 #". 

337) Ebendort, 3. Sept. 1677: „Frau Ovens wegen 
ihrer Jungfr. Tochter Anna Elisabeth Sterbfall von dero 
Kirchenstelle entrichten! lassen mit 3 ^.". 

338) Urkunde Nr. 15. 
333) Urkunde Nr. 17. 

39 



stand äio). Von einem Einfluß, wie ihn etwa Sas]\ia 
auf Rembrandt oder Helene Fourment auf 
■Rubens ausgeübt haben, die ihre Gatten zu herr- 
lichen Werlven begeisterten, wird bei Maria hin- 
sichtlich unsers Malers keine Rede sein können. 
Dazu fehlte ihr das Hinreißende, Schwungvolle. 
Aber ohne Zweifel wird sie es verstanden haben, 
das Heim des Malers traulich zu gestalten. In 
den Zeiten ihres Witwentums lag die Erziehung 
ihrer zahlreichen Kinder ihr ob. Sie hat, so weit 
wir aus dem Lebensgange der Kinder 3") schließen 
dürfen, ihre Aufgabe gut erfüllt. Denn die Söhne 
haben z. T. bedeutende Stellungen eingenommen. 
Friedrich Adolf 2*2) erscheint in den neunziger 
Jahren als Ratsherr in Tönning, angesehen und 
einflußreich. Zur gleichen Zeit stand Gerhard 
dort als Major in herzoglichen Diensten. Johann 
Adolf war zeitweilig Geheimsekretär am Hofe 
zu Stockholm und starb als Landvogt in Heide. 
Die Töchter heirateten, ihrer Herkunft ent- 
sprechend, angesehene Männer. So wurde Catha- 
rina 1680 die Gattin des Bürgermeisters Dr. Bur- 
gundin in Tönning, Friderica Amalia vermählte 
sich ebendort 1691 mit dem Kapitän Koch, einem 
Offizier in herzoglichen Diensten. Außer den 
beiden schon erwähnten jung gestorbenen 
Töchtern mußte auch Jürgen früh dahin. Er starb 
1685 in Tönning und wurde in Friedrichstadt 
im Erbbegräbnis beigesetzt ^i»). Es ist nirgends 
zu ersehen, für welchen Beruf er sich entschieden 
hatte. Die Verwaltung der vielen Güter, die ihr 
bei dem Tode ihres Gatten zufielen, lag bei Frau 
Maria in zuverlässigen Händen. In allen geschäft- 
lichen Fragen wird sie freilich anfangs an ihrem 
Vater eine starke Stütze gehabt haben. Nach 
seinem Tode zog sie, durch Mißhelligkeiten mit 
dem Magistrat veranlaßt, am 30. September 1684 
nach ihrer Vaterstadt Tönning s"). Dort starb 
sie 16Q0, wurde indessen nicht in Tönning, son- 



340) Zu der Charakteristik vgl. J. Biernatzki, Neue 
Forschungen über J. Ovens, 11. 

Sil) Vgl. die Shmmtafel III, S. 57. Ich gebe hier nur 
einige Andeutungen, da ein näheres Eingehen auf die 
Schicksale der Kinder und ihrer Nachkommen zu weit 
führen würde. Dies muß einer Fami.iengeschichte, für die 
der Stoff bereit liegt, vorbehalten bleiben. 

3*2) Über ihn vgl. S. 107 f. 

3*3) Klockenbook (Totenregister), Tönning, 14. 10. 
1685. Lutherische Kirchenrechnuiig, Friedrichstadt, 15. 
10. 1685. 

3") Vgl. S. 21, Anm. 134. 



dern in Friedrichstadt, in dem Ovensschen Erb- 
begräbnisse, Wo ihr Gatte, drei ihrer Kinder und 
ihr Vater ruhten, beigesetzt 3*^). 

In seinem reich und behaglich ausgestatteten, 
durch erlesene Kunstschätze und eine beachtens- 
werte Bibliothek geschmückten Heim 3«) lebte 
Ovens 15 Jahre lang, ohne Zweifel der ange- 
sehenste und reichste Bürger des Städtchens. 
Über den Kreis, zu dem er Beziehungen unter- 
hielt, mit dem er verkehrte, gibt das Taufregister 
der lutherischen Gemeinde Auskunft. Es ver- 
zeichnet die Personen, die bei Ovens' Kindern 
Gevatter gestanden haben. Diese waren ihm 
durchweg durch Verwandtschaft oder Freund- 
schaft verbunden. Zum Teil begegnen uns unter 
den Paten aber auch seine Auftraggeber. An- 
dererseits ersehen wir aus dem Taufregister auch, 
bei welchen Kindern Ovens selbst oder Mit- 
glieder seiner Familie die Gevatternschaft aus- 
übten. Freilich ist in vielen Fällen der Grund, 
daß man sie wählte, der geAvesen, daß unbe- 
mittelte Eltern sich als Paten für ihre Kinder 
schon mit Rücksicht auf das Patengeschenk wohl- 
habende Leute aussuchten. Dann ist also von 
näheren Beziehungen zwischen Taufeltern und Ge- 
vattern keine Rede. Wenn Eintragungen dieser 
Art denn auch ohne Bedeutung für die Kenntnis 
des Lebens unseres Malers und seines Kreises sind, 
so sind sie doch oftmals für die Chronologie seines 
Lebens von Wichtigkeit. Die Kinder, die Ovens 
nach seiner Rückkehr aus Holland in Friedrich- 
stadt taufen ließ, sind Gerhard Oder Gerrit, Maria, 
Anna Elisabeth und Friderica Amalia 3«). Bei dem 
am 19. 10. 1664 getauften Sohne Gerrit standen 
Ovens' Halbbruder Jacob Jürgens, ferner Märten 
Block, der Schwager des Malers, der Gatte seiner 
Schwester Beele, und Catharina Gerrits, die wahr- 
scheinlich eine Freundin des Ovensschen Hauses 



3«) Klockenbook, Tönning, 9. 12. 1690: „F(rau) Ofen- 
sche alle 4 Klocken, 4V2 Stunde, 50 #". 

Kirchenrechnung, Tönning: „Daß die Kirch (soll 
heißen : Leich) ein Nacht vorm Altar gestanden, darvor 
entfangen 15 ^". 

Lutherische Kirchenrechnung, Friedrichsfadt, 20. 12. 
1690: „Der Seel. Fraw Ovens wegen 2 Stunden läuten 6 ^, 
wegen Eröffnung des Grabes 12 #" u. s. w. 

3«) Vgl. darüber S. 68 ff ., S. 61 ff., S. 83 f., 
S. 80 ff., 74 ff. 

3*') Von Johann Adolf kennen wir nur den Tag und 
das Jahr der Geburt, wissen aber nicht, wo er geboren und 
getauft ist, und wer seine Paten gewesen sind. 



40 



war, Gevatter. Ähnlich war es 1667 und 1668. 
.\uch damals vereinigten sich fast nur Familien- 
mitglieder um das Taufbecken. Am 18. 1. 1667 3*') 
erhielt das Kind seinen Namen nach der Tochter 
Maria des inzwischen verstorbenen Märten Block 
und der Beele, also Ovens' Nichte. Ferner waren 
Paten die Gattin des Halbbruders Jacob Jürgens, 
der 1664 gestanden hatte, und ein Bruder des 
Meisters, Broder Ovens. Am 8. 5. 1668 finden 
wir Maria Block wieder, daneben einen Bruder 
des Meisters, Ove Broders 3*^), und Elsabe Gerritß, 
die wahrscheinlich eine Tochter der 1664 vor- 
kommenden Freundin des Hauses war. 

Die Taufe vom 10. 4. 1670 unterscheidet sich 
wesentlich von den vorgehenden. Diesmal war 
unter den Gevattern kein einziges Familienmitglied. 
Es waren vielmehr sämtlich nur Fremde und zwar 
z. T. von höchstem und hohem Rang. Das Kind 
wurde genannt nach der Gemahlin des Gottorfer 
Herzogs Christian Albrecht, der Prinzessin Friderica 
Amalia. Die zweite vornehme Patin war die Gattin 
des Amtmanns Kielmann, eines Sohnes des Kanzlers 
Johann Adolf Kielmanseck. Ihr Patengeschenk 
war wahrscheinlich jene 40 Lot wiegende „Sil- 
berne Zier Vergüldete Getriebene Flasche mit 
j^riedrich Christian Kiehle Maus Namen", die im 
Nachlaß-Inventar S. 14 aufgeführt wird. Die drei 
folgenden Paten gehören in den Kreis der hohen 
Gottorfer Beamten. Da war zunächst die Gattin 
des Geheimsekretärs Eilhard Schacht, sodann 
dessen Schwiegersohn D. Gloxiniusääo)^ der da- 
mals die im Nachlaß-Inventar S. 13 genannte ,, sil- 
berne Ziervergüldete Flasche von Gloxin", 35i/4 
Lot schwer, oder die 39 Lot schwere „Zier Ver- 
güldete Geflochtene Flasche mit Gloxinen Nahmen 
von Augsburger Silber" (ebendort S. 14) ge- 
schenkt haben wird, und schließlich der Amts- 
inspektor Joachim Schmidt. Die Taufe fand im 
Hause statt, was ausdrücklich vermerkt wird, weil es 
eine Ausnahme war. Alle Taufpaten, auch die 
Herzogin, waren, wie die Fassung des Belegs 
deutlich erkennen läßt, persönlich zugegen. Eis 
wird eine glänzende Gesellschaft gewesen sein, die 

3i8j Über das Taufgeschenk der Herzogin Maria Elisa- 
beth vgl. S. 38. 

3") Über ihn vgl. S. 106 f. 

350) Friedrich Johannes Gloxin, ein Sohn des Balthasar, 
(über ihn vgl. Urk. Nr. 4), geb. 1635, war Hofrat Christian 
Albrechts. 1661 verheiratete er sich mit Maria Elisabeth, 
der Toditer Eilhard Schachts, (.Moller, Cimbria literata I., 
S. 212.) 



sich an jenem 10. April des Jahres 1670 in dem 
prachtvoll eingerichteten Heim des Malers ver- 
einigte. Wahrscheinlich wird ja auch' der Herzog 
selbst, der Amtmann Kielmann, vielleicht auch der 
Kanzler Kielmanseck, den Ovens so oft dargestellt 
hat (Abb. 33, 34, 36, 38), und andere Würdenträger 
der Feier beigewohnt haben. Übrigens gehörten 
der Geheimsekretär Eilhard Schacht und der Amts- 
inspektor Schmidt zu den Auftraggebern des 
Meisters. Denn gerade 1670 hat er das Bild im 
Dom zu Schleswig gemalt, das die Wappen der 
Familien Schacht und Schmidt trägt ^si). Außer- 
dem hat Ovens Eilhard Schacht und dessen Gattin 
porträtiert 352). Der Amtsinspektor Schmidt scheint 
zudem ein Freund des Hauses gewesen zu sein, 
jedenfalls hat er der Witwe Ovens gelegentlich in 
geschäftlichen Dingen seinen Beistand geliehen 353)_ 
Auch D. Gloxin, Eilhard Schachts Schwiegersohn, 
gehört zu einer Familie, für die Ovens künstlerisch 
tätig gewesen ist 35*). 

Um kurz auch auf die zahlreichen Fälle einzu- 
gehen, in denen Ovens selbst Gevatter stand, so 
hebe ich nur einige hervor. Wir begegnen ihm als 
Paten bei den Kindern seiner drei Halbbrüder 
Jacob, Peter und Heinrich (oder Hinrich) Jürgens, 
ferner als Paten bei den Kindern eines gewissen 
Christoffer Gerritz und eines Jan Ott, die beide 
zu den Freunden des Ovensschen Hauses gehört 
zu haben scheinen, und schließlich als Paten bei der 
Tochter des Pastors M. Friedrich Fabricius, der die 
meisten Kinder des Malers getauft hat. 

Außer der Tatsache der Gevatternschaft des 
Ovens, die in diesem Fall doch wohl freundschaft- 
liche Beziehungen voraussetzt, sprechen auch noch 
andere Gründe dafür, daß das Haus des Pastors und 
des Malers in Freundschaft verbunden gewesen 
sind. Ovens war es ja, der dem wackeren Prediger in 
seinen Bemühungen um die Erhaltung des Kirchen- 
gebäudes stets so tatkräftig geholfen und ihm in 
allen seinen sonstigen die Gemeinde betreffenden 
Sorgen treu zur Seite gestanden hat 3^5). Ferner hat 
es eine Zeichnung gegeben, ,, angefangen von Anna 
Sperling, perfectioniert von J. Ovens" 35c). Anna 
Sperling war entweder die Schwiegermutter des 



351) s. Katalog der Gemälde Nr. 25 und Abb. 55. 

352) Ebendort Nr. 255 und Nr. 256. 

353) s. Urkunde Nr. 17. 

354) Vgl. S. 26 und Urkunde Nr. 4. 

355) Vgl. S. 97 ff. 

356) s. Katalog der Zeichnungen Nr. 40. 

41 



Pastors, die in seinem Hause wlohnte, oder seine 
Gattin, die mit ihrem Mädchennamen wie ihre 
Mutter hieß. Kann man aus der Notiz schüeßen, 
daß Ovens eine der Frauen im Zeichnen unter- 
wiesen habe? Jedenfalls auch hier wieder ein 
Fingerzeig für nähere Beziehungen zwischen Fa- 
bricius mit den Seinen und Ovens. Dem Maier 
nahe gestanden haben ferner der Hof- und Kanzlei- 
rat Hinrich Schmidt und seine Gattin, da sie von 
der Witwe Ovens in ihrem Schreiben vom 31. De- 
zember 1678^5') eingeladen werden, zu der feier- 
lichen Bestattung des Meisters zu erscheinen. Ein 
guter Bekannter oder Freund von ihm war weiter 
der Pastor der remonstrantischen Gemeinde in 
Friedrichstadt, Gosenius a Niendal, in dessen 
Stammbuch sich Ovens, indem er eine Feder- 
zeichnung beifügte 358)^ eigenhändig eingetragen hat 
mit den Worten: „Dem Friedfertighen Possessori 
zum guten andencken schrieb dises J. Ovens 1 664"3ö9) 
(Abb. 40).' In das Stammbuch haben sich aus dem 
Kreise des Malers noch eingezeichnet sein 
Schwiegervater Jens Martens^'^o) und der lutheri- 
sche Pastor. Auch von den übrigen Friedrich- 
städtern, deren Eintragungen das Stammbuch auf- 
weist, wird man annehmen dürfen, daß manche 
unserem Meister nicht nur, was selbstverständlich 
ist, wohl bekannt waren, sondern daß sie ihm auch 
näher gestanden haben, so z. B. die vornehmen 
Holländer Jan Sas Hoens^ei), Hendrik de Haen 362), 
Herman ^'^^), Joan ^si) und Jacob ^ßs) van Ruyten- 
beecq, Joachim Ploviers^e), Johan Goulart^"), 



36') s. Urkunde Nr. 15. 

358) s. Katalog der Zeichnungen Nr. 45. 

358) Das Stammbuch ist Eigentum der Kgl. Bibliothek 
zu Haag unter A. A. 216, 131, E 13. Die Eintragung steht 
auf S. 277. Wahrscheinlich fällt sie in den November des 
Jahres 1664. 

360) Vgl. den 18. Exkurs. 

361) Er gehörte dem Rat der Stadt seit 1641 bis 1670 
mit Unterbrechungen an. 

362) Ratsverwandter und Bürgermeister, Sohn des 
Johan de Haan, des Raadspensionaris von Haarlem und 
herzoglich-Oottorfer Rats. 

363) Ratsverwandter und Bürgermeister. 

364) Ratsverwandter und Bürgermeister, Sohn des 
Hermann. 

365) Ratsverwandter und Bürgermeister, Sohn des 
Hermann. 

366) Mitglied eines der angesehensten Friedrichstädter 
Geschlechter, über das zu vergleichen ist Harry Schmidt, 
Die Friedrichstädter Polizeiprotokolle, I. Teil, S. 272 f. 

36') Wahrscheinlich mit dem in den Friedrichstädter 
Pülizeiprotokollen, I. Teil, S. 356 erwähnten identisch. 



Gerard van Wilderen 36»). Ohne Zweifel werden 
wir unter ihnen auch Auftraggeber des Malers zu 
suchen haben. Denn es waren Leute, die sich ein 
Bildnis von Ovens' Hand wohl leisten konnten und, 
wie ihre Standesgenossen in Holland, sicherlich' 
Wert darauf gelegt haben, gerade von dem be- 
rühmten Maler der vornehmen Welt porträtiert 
zu werden. 

Die hauptsächlichste Tätigkeit jedoch entfaltete 
Ovens, wie vor seiner Übersiedelung nach Holland, 
so auch nach seiner Rückkehr von dort im Dienste 
seiner Fürsten, die ihn berufen hatten. Jedenfallsi 
sind wir über die Bilder, die er im Auftrage des 
Hofes geschaffen hat, auf Grund hauptsächlich der 
Belege der Gottorfer Rechnungbücher am besten 
unterrichtet. Da ich des Künstlers Tätigkeit für 
die Herz^ogin- Witwe Maria Elisabeth und seine 
Beziehungen zu ihr bereits geschildert habe, wende 
ich mich nunmehr seinen für Christian Albrecht 
und dessen Gemahlin, Friderica Amalia, geschaf- 
fenen Arbeiten zu. Der erste hierher gehörende 
Beleg ist vom 25. Novembier 1664. Nach ihm er- 
hielt ,, Jürgen Ovens in Abschlag seiner Rechnung 
100 Reichstaler" 360). Aus der von dem Maler am 
selben Tage eigenhändig ausgestellten Quitung3'o) 
geht hervor, daß es sich dabei um eine Abschlags-. 
Zahlung auf eine Forderung des Meisters für Bilder 
handelte, die er im Auftrage der Herzogin Fri- 
derica Amalia geschaffen hatte. Schon am 20. De- 
zember 1664 empfing Ovens wieder 607 Reichs- 
taler 3'i). Die nun folgenden Zahlungen betreffen, 
da sehr bedeutende Summen in Betracht kommen, 
offenbar sehr umfangreiche Arbeiten. 'Vielleicht 
steht auch die Zahlung vom 20. Dezember 1664 
schon mit ihnen im Zusammenhang. Diese Bilder 
sind zum größten Teil 1665 entstanden. Und 
zwar sind es jene großen historischen Komposi- 
tionen, die vornehmlich Ovens' Ruhm im Norden 
begründet haben. Eingeleitet waren sie schon mit 
der Apotheose Christian Albrechts vom Jahre 



368) Ratsverwandter und Bürgermeister. 

369) Gottorfer Rentekammerrechnung, Reichsarchiv, 
Kopenhagen, 1664, Nr. 211. 

3'0) Urkunde Nr. 7. 

3'i) (Unter) Gemeine Außgabe: „Jürgen Ovens Con- 
trafaietern in Friederichstatt für gelieferte Arbeith einhält 
Zettels, von J. Fl. Durchl. Selbsten unterschrieben, und der 
Quitung bezahlt 607 Reichst." 

Gottorfer Rentekammerrechnung, Reichsarchiv, Kopen- 
hagen. 



42 



1 661 3 ' 2) (Abb. 3 1 ). Außer diesem Bilde habe ich bisher 
1 1 jener großen Wandgemälde aus der Geschichte 
des Gottorfer Hauses und Schleswig-Holsteins so- 
wie der nordischen Reiche 3") feststellen können. 
Wahrscheinlich haben aber, wie man aus Skizzen 
des Meisters, die dieses Stoffgebiet behandeln, 
schließen muß, noch mehr dieser geschichtlichen 
Darstellungen existiert"*). Ihrer neun sind heute 
in Schloß Frederiksborg, je eins in Kopenhagen und 
Koldinghuus (Kolding). Zwei von ihnen tragen 
die Jahreszahl 1665, fast alle sind mit durch- 
weg versifizierten Inschriften des Adam Olearius 
von sehr zweifelhaftem dichterischem Werte 
versehen. Der erste urkundliche Beleg, der 
mit ziemlicher Sicherheit auf sie zu beziehen 
ist, stammt vom 1. Dezember 1665. Nach 
ihm 'w^urden „Jürgen Ovens Contrafaietern in 
Friederichstadt wegen einiger gefertigten und ge- 
lieferten Arbeit einhält der von I. Fürstl. Durchl. 
subscribirten und gnedigt placitirten Rechnung und 
Quitung entrichtet 824 Reichstaler 6 Schilling" 3"). 
Um weit höhere, für jene Zeit sehr beträchtliche 
Summen handelt es sich bei den folgenden Be- 
legen vom 2. und 5. April und 20. November 
1666. Aus ihnen ergibt sich, daß Ovens für did 
lange Folge jener großen Wandgemälde nicht 
weniger als 5300 Reichstaler erhalten hat. Zwar 
wurde ihm dieser gewaltige Betrag nicht in bar 
ausbezahlt. Das hätte am Ende die herzogliche 
Kasse, in der häufig Ebbe herrschte, nicht \'er- 
mocht. Man fand vielmehr eine Zahlungsart, die 
sicherlich, wie sie den Herzog der Beschaffung 
von so viel Bargeld enthob, ja ihm noch etwas 
eintrug, auch unserm Maler, der ein tüchtiger 
Geschäftsmann war und sein Geld gut anzulegen 
wünschte, zugesagt haben wird. Er erhielt also 
laut Urkunde vom 2. April 1666^^'') als Vergütung 
für seine Tätigkeit einen 83 Demat großen, im 
Sievertsfleter Koog der Landschaft Eiderstedt be- 



"-') Vgl. S. 36 und Katalog der Gemälde Nr. 140. 

2'3) Vgl. des Verfassers Aufsatz, Jürgen Ovens' Ge- 
mälde und Zeichnungen mit Vorwürfen aus der schleswig- 
holsteinischen und nordischen Geschichte in der Festschrift 
für Richard Haupt, (Paul Härtung Verlag), 1922, S. 62 ff. 
und Katalog der Gemälde Nr. 1.46 ff. sowie Abb. 41, 42. 

ä'*) Vgl. des Verfassers in der vorhergehenden Anm. 
angeführten Aufsatz, S. 64 und Abb. 32 und 43 — 50. 

^''^) Gottorfer Rentekammerrechnung, Reichsarchiv, 
Kopenhagen. 

3'6) s. Urkunde Nr. 8. Dort auch Nachrichten zur 
Geschichte des Hofes. 



legenen Marschhof. Der Wert des Landes mit 
den Gebäuden war 5934 Reichstaler 24 Schilling. 
Er überstieg also die Forderung des Malers um 
634 Reichstaler 24 Schilling. Letztere Summe be- 
zahlte er am 20. November samt den Zinsen vom 
2. April bis 20. November im Betrage von 
20 Reichstalern 12 Schillingen an die herzogliche 
Kasse"'). Aus dem Beleg vom 5. April 1666 
ergibt sich auch, wo die großen Wandgemälde 
zuerst aufgehängt worden sind. Sie kamen in 
das „Gemach" der Herzogin-Mutter, worunter wir 
wahrscheinlich einen großen Audienzsaal zu ver- 
stehen haben werden ^"8). Nachdem Ovens noch 
am 30. November 1666 ,,für Vier gefertigte Fürstl. 
Contrafaiete, welche J. Fl. Durchl. anderweits ver- 
ehret", 220 Reichstaler „vergnüeget" waren 2'^), 
ist er auch in den nächsten Jahren für den Herzog 
und seine Gemahlin tätig gewesen. Freilich er- 
hielt er für diese in den Jahren 1667 58°), 1668, 

ä^'') Die betreffenden Belege s. Urkunde Nr. 8 a. 

3"8) Nachdem der Anteil des Gottorfer Herzogs an 
Schleswig-Holstein 1721 durch den dänischen König Fried- 
rieh IV. in Besitz genommen war, wurden sie in dem 
Audienzzimmer der Königin aufbewahrt, wo sie auch 
Asmus Jacob Carstens sah (vgl. Sach, Carstens' Jugend- 
und Lehrjahre, S. 139). In dem Inventar des Schlosses 
von 1827, das Sach noch benutzt hat, das aber seitdem ver- 
schollen ist und trotz vielfacher Bemühungen nicht wieder 
hat aufgefunden werden können, werden sie erwähnt. 
Carstens' Vetter Joh. Chr. Jürgensen in seiner Ausgabe 
von Nicolaus Helduader's Chronik der Stadt Schleswig, • 
Schleswig 1822, S. 147, kannte 10 von ihnen (das 11., heute 
in Kolding befindliche, muß also anfangs des 19., wenn 
nicht schon im Laufe des 18. Jahrhunderts aus Oottorf ent- 
führt sein) und widmete ihnen eine eingehende Be- 
schreibung. Bis zum Jahre 1851 wurden die Gemälde 
im Schlosse Gottorf aufbewahrt, dann aber mit einer 
größeren Anzahl anderer Bilder nach Kopenhagen ge- 
schafft. Dort wagte man, wie Sach vermutet, aus poli- 
tischen Gründen nicht, die Darstellungen aus der schles- 
wig-holsteinischen Geschichte öffentlich zu zeigen. Selbst 
Weilbach in seinem 1878 erschienenen Dansk Konstner- 
lexicon erwähnt sie nicht. Nachdem Sach dann mehrfach, 
zuletzt a.a.O., auf sie hingewiesen -hatte, kamen sie endlich 
in den 80er Jahren wieder zum Vorschein und wurden 
öffentlich ausgestellt, bis sie der Sammlung im Schloß 
Frederiksborg überwiesen wurden. Dort sind sie heute 
noch außer einem, das in die Reichsadvokatur gelangt ist. 

ä' 3) Gottorfer Rentekammerrechnung, 1666, Reichs- 
archiv, Kopenhagen. 

380) In der Gottorfer Nagelrechnung vom 21. April 
1667 (Staatsarchiv, Schleswig, Acta A. XX 3693) findet sich 
folgende Erwähnung des Meisters: „.Monsr. offens zu 
Schildereyen 60 (Nägel), 3 zum Pfenning". Ovens war 
also damals auf Gottorf und hat wahrscheinlich selbst die 
von ihm gemalten Bilder in den Rahmen befestigt. 

43 



1669 geschaffenen Bildnisse erst 1670 und 1671 
Bezahlung. Wieder muß es sich um zahlreiche 
Arbeiten gehandelt haben. Denn Ovens empfing 
insgesamt 2635 Reichstaler, zu denen noch 830 
Reichstaler kamen für Bilder, die er für die Her- 
zogin Friderica Amalia gemalt hatte ^si). Die erste 
Abschlagszahlung wurde am 26. Januar 1670 mit 
1500 Reichstalern geleistet 3*-). Ovens war an 
diesem Tage in Schleswig anwesend und quittierte 
eigenhändig über den Empfang des Geldes ^^ä)_ 
Eine weitere Zahlung erfolgte am 22. Januar 
1571381)^ die Restsumme von 465 Reichstalern er- 
hielt er am 3. September 1671^85) Damit waren 
die Forderungen des Malers aus den Jahren 1667, 
1668, 1669 beglichen. Am selben Tage wurde 
er dann noch für seine für den Herzog 1670 



äsi) Unter Extraordinär! undt Sonderbare Außgabe 
1671: Und seyn über dieß demselben (Jürgen Ovens) 
wegen Ihre Durch!, der Princessin 830 Reichstaler bezahlt. 
Dieser Posten findet sich später unter Außgaben wegen 
Ihr. Fürstl. Durchl. Princessin Friderica Amalia, Hertzogin 
zu Schleßwig-Holstein, Meiner gnädigsten Fürstin undt 
Frawen: 22. Januar Jürgen Üvens Contrafaietern in Frie- 
derichstadt Vermöge Beyvorhandener unterschriebenen 
Rechnung und Quitung für gefertigte Contrafaite be- 
zahlt 830 Reichst. Gottorfer Rentekammerrechnung, 
Reichsarchiv, Kopenhagen. 

382) Unter Außgabe an Extraordinär und Sonder- 
bahren Qeltposten, im Umbschlage und foigents A. 1670: 

Jürgen Ovens Con'.rafaietern in Friederichstadt auf ab- 
schlag seiner" Verschiedentiich habenden fürderung einhält 
dessen Quitung Bezahlt 1500 Reichst. Ebendort. Der 
Beleg ist nicht datiert. Das Datum ergibt sich aus der 
am 26. Januar 1670 ausgestellten eigenhändigen Quitung 
des Malers. 

383) Urkunde Nr. 10. 

38*) Unter Extraordinari undt Sonderbare Außgabe: 

Jürgen Ovens, Contrafaietern in Friedrichstadt, aber- 
malle auf abrechnung seiner habenden Fürderung über 
die im nechß Verwichenen Umbschlage Ihmc daruf be- 
zahlte 1500 Reichst, einhält deßen Quitung vergnüget 
670 Reichst. 

385) Gottorfer Renlekammerrechnung, Reichsarchiv, 
Kopenhagen: Unter Bezahlung der Handtwerker: Jürgen 
Ovens Contrafaitern in Friedrichstadt für gefertigte Con- 
trafaiete de Annis 1667, 1668 und 1669 über die Ver- 
schiedentlich in Annis 1670 und 1671 dar uff bezahlt und 
unterthänigst Berechnete 2170 Reichst, 

im Reste aus den Friedrichstädtischen - Gefeilen einhält 
Zettels und Quitung bezahlt 465 Reichst. 

Unter Einnahme an Landt- undt Ambtgefellen: 

5. Januar 1671 Von dem iiewbestalten Pfenning- 
nieister Zur Friederichstadt Hinrich Jürgens auf Rechnung 
erhobenen Oefelle 

de A. 1670 500 Reichst. 

44 



gemalten Bildnisse entlohnte's). Dabei kann es 
sich freilich nur um wenige Porträts gehandelt 
haben, denn das Honorar von 185 Reichstalern 
entspricht vielleicht drei Bildnissen. Zwei Tage 
später, am 5. September 1671, erhielt er gleich- 
falls für Bildnisse Bezahlung, die er ebenfalls im 
vorhergehenden Jahre, jedoch für die Herzogin 
Friderica Amalia, geliefert hatte 38'). Diese Ar- 
beiten müssen, entsprechend dem höheren 
Honorar, viel umfangreicher^gewesen sein. Leider 
wissen wir über all die in diesen Jahren ent- 
standenen Bilder nichts Näheres. 

Besser unterrichtet sind wir über den großen 
Auftrag, den der Maler am 2. November 1670 er- 
hielt und bis in den Sommer 1671 hinein ausführte. 
Am 2. November 1670 war zwischen Ovens und 
dem Herzoge ein Vertrag geschlossen worden über 
die Arbeiten, die der Künstler für das Lusthaus 
des sog. Neuen Werks ausführen sollte. Bald 
darauf wird Ovens seine Tätigkeit begonnen haben. 
Er erhielt für sie die ansehnliche Summe von 
2000 Reichstalern, die ihm am 23. September 
1671 ausgezahlt wurde 388). Vollendet waren die 
sicherlich zahlreichen Bilder bereits im August 
1671; denn am 17. August dieses Jahres ließ der 
Herzog sie mit eigenen Pferden in Friedrich- 
stadt abholen 389). über diese leider verschollenen 
Ovensschen Gemälde im großen Lusthause des 
Neuen Werks 39o), das Christian Albrecht seiner 



380) Unter Bezahlung der Handtwerker: Vorgemeld- 
ten Jürgen Ovens gleichfals für gelieferte Contrafaiete 
de Ao 1670 einhält des von Ihr. Fürstl. Durchl. sub- 
scribirten Zettels und der Quitung vergnüget 185 Reichst. 

Ebendort. 

38') Unter Außgaben der Herzogin Friderica Amalia: 
Jürgen Ovens Contrafaietern in Friedrichsstadt für ver- 
schiedene im abgewichenen Jahre Verfertigte und unter- 
thänigst gelieferte Fürstl. Contrafaiete einhält des subscri- 
birten Zettels undt der Quitung zahlt 495 Reichst. 

Ebendort. 

388) Unter Außgabe wegen des Gottorffischen Baw- 
wesens 1671: 23. September Jürgen Ovens in Friedrich- 
stadt einhält des am 2. Novemb. verwigenen Jahres mit 
demselben aufgerichteten Fürstl. Contracts wegen ge- 
fertigter Arbeit zu des Newenwerkes großen Lusthause 
assignirt und bezahlt 2000 Reichst. 

Ebendort. 

389) Unter Gemeine Außgabe 1671: 17. August 
Hinrich Jürgens in Friedrichstadt wegen Ihr. Fürstl. 
Durchl. Pferde für Hew und Strew bey Abholung der 
Schillereien von Ovens laut Zettels erstattet 30 Schilling. 

Ebendort, 

390) eines Teils des Gottorfer Schloßgartens. 



Gemahlin Friderica Amalia zu Ehren erbaute und 
Amalienburg39i) nannte, sind wir durch die Mit- 
teilungen des begeisterten Kunstfreundes Joh. Chr. 
Jürgensen392)^ des Vetters von Asmus Jakob Car- 
stens, einigermaßen unterrichtet. Nach ihm waren 
die vier schrägen durch ein Halbdach entstandenen 
Wände des etwa 40 Fuß im Quadrat fassenden 
Saales mit allegorischen Gemälden des Ovens ge- 
schmückt, „deren Deutung schwierig ist" ^^^). Ihm 
schien dabei ,,die Darstellung eines höchst üppigen 
Lebens beabsichtigt zu seyn". Leider ward dieser 
letztere ihm Bedenken erregende Umstand der 
Grund, daß Jürgensen davon absah, die einzelnen 
Bilder genau zu beschreiben. Er begnügt sich 
damit, ,,für Künstler von Profession" eine Be- 
schreibung dieser Gemälde entworfen zu 
haben ^w). Die Dunkelheit dieser schwulstigen 
Allegorien und ihre sinnliche Üppigkeit, um nicht 
zu sagen Lascivität ^^s), war schon in den 1792 er- 
schienenen Schleswigschen Kunst-Beyträgen ^ss) 
zur Sprache gekommen. Schon damals suchten 
die Herausgeber in einer Anfrage nach jemand, 
„der die Geschichten oder Satyren und Alle- 
gorien" von Ovens in Amalienburg zu erklären 



391) Offenbar ■war das Vorbild für die Amalien- 
burg und ihre Malereien das Huis ten Bosch beim 
Haag mit seinen panegyrisch-allegorischen Gemälden der 
Rubensschule, an denen sich, wie wir oben S. 15 gesehen 
haben, Ovens wahrscheinlich beteiligt hat. Wenn der 
Oraniensaal als ein merkwürdiger holländischer Provin- 
zialismus der stolzen vlämisch-italienischen Kunst erscheint, 
so wird sich auch der entsprechende Raum in der Amalien- 
burg zu Oottorf seltsam genug ausgenommen haben. 

392) In Nicolaus Helduader's Chronik der Stadt 
Schleswig, vom Jahre 1603 bis zum Jahre 1822 fortgeführt 
und mit Anmerkungen und Ergänzungen begleitet von 
Joh. Chr. Jürgensen, Mechanikus und Dannebrogsmann 
in Schleswig, Schleswig 1822, S. 15Qff. — Über Jürgensens 
merkwürdige" Persönlichkeit vgl. Schleswig-fiolstein-Lauen- 
burgische Provinzialberichte, 13. Band, 1824, 3. Heft, 
S. 81 ff. 

393) Jürgensen gibt irrtümlich an, daß die Gemälde 
um 1672 und 1673 entstanden seien, ähnlich auch Sach in 
der Allg. Deutschen Biographie, Bd. 25 (1887): „1672 
bis 1674", derselbe in Carstens' Jugend- und Lehrjahren, 
S. 147 ff., sowie Haupt, Die Bau- und Kunstdenkmäler 
usw., II., S. 356: „wahrscheinlich 1673 — 4". 

3äi) Im Druck ist sie offenbar nicht erschienen, jeden- 
falls habe ich eine derartige Veröffentlichung nicht fest- 
stellen können. Es wird sich um eine verschollene Hand- 
schrift handeln. 

395) Von Gemälden „oft lasciver Art" spricht Sach 
in der Allg. Deutschen Biographie, a.a.O. 

396) 2. Heft, S. 96. 



wüßte. Um 1780 habe, so heißt es, einer der 
Herausgeber mit jemand gesprochen, welcher ver- 
sicherte, er wisse, was jede Figur bedeute. Es 
folgt eine sehr merkwürdige Erklärung jener phan- 
tastischen Darstellungen. Die ganze Seite nach 
Süden zu sei eine Satire auf den Fürsten, welcher 
die Gemälde habe malen lassen. Der Gewährs- 
mann habe sogar die Mädchen genannt, welche 
hier nackend dargestellt seien 's^). „Weil diese 
Geschichten der Herzogin zum Verdruß wirklich 
passirt sein Collen, so soll der Maler sie auf diese 
Art vorgestellt haben." Danach hätte sich Ovens 
einen der Scherze erlaubt, wie sie unter Malern 
und Architekten wohl vorkommen. Auch die 
Decke des Saales war mit Ovensschen Gemälden 
mythologischer Art geschmückt. Da sah man, 
wie Mars, aus der Schlacht zurückkehrend, und 
Venus mi,t dem Taubengespann sich begegneten. 
Ferner waren Minerva, Diana, Jupiter und Juno, 
Apoll und die Musen, Phöbus mit dem Sonnen- 
wagen und Ceres und Flora dargestellt ^s»). Das 
Feld in der Mitte enthielt das Bildnis der Herzogin 
Friderica Amalia. Übrigens wird der künstlerische 
Wert der „mehrmals, aber ziemlich ungeschickt" 
restaurierten Bilder auch von dem wohl etwas 
prüden Jürgensen, noch mehr aber von einem 
ungenannten Verfasser jn den Schlesv;ag-Holstein- 
Lauenburgischen Provinzialberichten von 1830 399) 
betont, nach dem Ovens' freilich nicht leicht zu 
erklärende Stücke „einen entzückenden Genuß" 
gewährten. Leider mußte schon Jürgensen"") 
darauf hinweisen, daß die Gemälde bald ver- 
faulen würden. So sehr war der bauliche Zu- 
stand des ehemals so stolzen Lusthauses vernach- 
lässigt. In den eben erwähnten Provinzialberichten 



397) Damit stimmt überein, was Johann Friedrich 
Camerer, Vermischte historisch-politische Nachrichten in 
Briefen von einigen merkwürdigen Gegenden der Herzog- 
thümer Schleßwig und Hollstein u. s. w., Flensburg und 
Leipzig 1758, S. HO in der Anmerkung andeutend he- 
richtet. Nach ihm soll „die ganze Koppel in dem Lust- 
hause des Neuen Werkes" von Ovens gemalt sein. Von 
den einem Fremden erzählten Anekdoten, die er nicht 
habe untersuchen können, erwähnt Camerer: „Zwey 
schöne Nymphen sollen noch im Jahre 1751 gelebet haben, 
welche die Zierde dieser Koppel mit ausmachen. Sind 
sie es, so sind sie werth gewesen, geliebet zu werden". 
Freilich fügt er hinzu: „Eine Sage, keine Wahrheit." 

398) Vgl. den Katalog der Gemälde unter den be- 
treffenden Nummern. 

399) S.343. 

"O) a.a.O.S. 161. 

45 



von 1830 heißt es, da& die Amaiienburg sich 
ihrer Auflösung nähere, „wenn nicht die Macht 
der Kunst es schützen wird, nämüch die Achtung 
vor Ovens' Meisterpinsel" "i). Doch trog diese 
Hoffnung. Das Gebäude verfiel vollständig und 
wurde abgebrochen. Die Gemälde, nach Sach ^^^^ 
45 an der Zahl, wurden im Schlosse, zum Teil in 
sehr üblem Zustande, aufbewahrt. Im Inventar 
Von 1827, aus dem Sach einige Angaben für sein 
Werk, Asmus Jakob Carstens' Jugend- und Lehr- 
jahre S. 148 f. entnommen hat, das aber seitdem 
verschollen ist"""^), waren sie verzeichnet. Größten- 
teils sind die Bilder aus der Amaiienburg samt 
vielen sonst noch im Schlosse befindlichen Kunst- 
schätzen am 1. November 1853 auf öffentlicher 
Auktion verkauft worden. Seitdem hat sich jede 
Spur von ihnen verloren *"*). 

Bevor ich Ovens weitere Tätigkeit für seinen 
Landesherrn schildere, scheint es angebracht zu 
sein, auf die sonstigen Arbeiten des Malers, die 
in diesen Jahren entstanden sind, einzugehen und 
gleichzeitig, soweit das nicht in den verschiedenen 
Exkursen geschieht, zu berichten, was wir von 
seinem äußeren Leben seit der Rückkehr aus Hol- 
land 1663 wissen. Das erste bis jetzt bekannt 
gevc'ordene Gemälde aus dieser Periode ist der 
sog. Kleine Altar im Dom zu Schleswig mit der 
allegorischen Darstellung des Sieges des Christen- 
tums über die Sünde "s). Das Gemälde ist 1664 
entstanden und der Kirche, laut Inschrift, im selben 
Jahre von dem Kanzler Kielmanseck geschenkt. 
Dieser einflußreichste, in mancher Hinsicht auch 
bedeutendste Mann am Hofe der Gottorfer Her- 



*"i) Im Widerspruch daiu steht, was Johannes 
V. Schröder, Geschichte und Beschreibung der Stadt 
Schleswig, 1827, S. 317 mitteilt, wo es heißt: „Hier (im 
Rittersaale des Schlosses) werden jetzt (also 1827) die 
sehr schönen, von der abgebrochenen Amaiienburg weg- 
genommenen Gemälde aufbewahrt, die der bekannte 
Jurian Ovens verfertigt hat". Der Widerspruch wird wohl 
so zu erklären sein, daß die Bezeichnung „abgebrochenen" 
ein starker Ausdruck für den weit fortgeschrittenen Ver- 
fall der Amaiienburg gewesen ist und daß nur ein Teil 
der Ovensschen Gemälde in den Rittersaal überführt waren, 
während man andere in der Amaiienburg belassen hatte. 

*02) Allg. Deutsche Biographie, a. a, O. 

403) fvjach brieflicher Mitteilung Sachs hat er dies In- 
ventar vor Jahren der Bibliothek des Gymnasiums in 
Hadersleben geschenkt. Doch haben von mir veranlaßte 
Nachforschungen es nicht herbeischaffen können. 

101) Sach, a. a. O. 

105) s. Katalog der Gemälde Nr. 138. 



zöge Friedrichs III. und Christian Albrechts War 
einer der wichtigsten Auftraggeber unseres Malers, 
der ihn und seine- Familienangehörigen mehrfach 
im Bilde festgehalten hafioe). Ovens hat das Bild- 
nis des Kanzlers radiert (zwischen 1652 — 55), ge- 
zeichnet (1656) und mehrfach gemalt, so in dem 
Jahre, in dem das Altarbild entstand. Dies Bild- 
nis von 1664, das wtir nur aus einem Stiche des 
Hans Strauß kennen *o'), ist verschollen. Erhalten 
aber haben sich zwei Bildnisse, von denen das eine 
1665 entstand 108)^ sowie das andere mit großer 
Wahrscheinlichkeit in dasselbe Jahr zu setzen 
ist 109). Dieses letztere war für den Besteller und 
den Meister von großer Wichtigkeit. Es ist ein 
rechtes Repräsentationsbildnts, da es den hohen 
Rang, das vornehme Auftreten des Kaiserlichen 
Legaten verkörpern sollte, der bei den Grün- 
dungsfeierlichkeiten der Universität Kiel als Ver- 
treter des Kaisers eine größere Rolle spielte, als 
der Landesherr selbst. Daß Ovens' Werk zur 
Zufriedenheit ausgefallen ist, dürfen wir glau- 
ben "o). Jedenfalls malte er 1669 und 1670 die 
beiden Enkel des Kanzlers"!). ^Is Beweis der 
hohen Wertschätzung, die der Staatsmann dem 
Künstler entgegenbrachte, werden wir jene sil- 
berne Denkmünze, „Kiellmanns Brustbild in 
Silber", zu betrachten haben, die in Ovens' Nach- 
laß-Inventar aufgeführt wird "=) und wahrschein- 
lich von dem Kanzler unserm Maler geschenkt 
ist. Daß ,, Herrn Amptmann Kiehlmans Liebste", 
die Gemahlin des Sohnes des Kanzlers, des 
Friedrich Christian Kielmanseck, 1670 bei einer 
Tochter des Meisters Gevatter gestanden hat und 
bei der Gelegenheit eine kostbare silberne Flasche 
geschenkt hat, ist schbn erwähnt i"). Die Tat- 
sache bildet einen weiteren Beweis für die engen 
Beziehungen zwischen der Familie Kielmanseck 



406) Vgl. Harry Schmidt, Die bildlichen Darstellungen 
des Kanzlers Johann Adolf von Kielmanseck (Zeitschrift, 
Band 48, S. 279 ff. und Abb. 33, 34, 36, 38). 

10') Vgl. a. a. O., S. 288. 

108) s. Katalog der Gemälde Nr. 226. 

109) Ebendort Nr. 227. 

110) In Ovens' Nachlaß-Inventar kommt als Nr. 31 
der Kopien auch „Kanzler Kielmann Contraf. Brustbildt", 
das mit 9 ^ bewertet ist, vor. Ich vermute, daß es eine 
eigenhändige Kopie des Meisters nach einem gleichfalls 
verschollenen Ovensschen Original war. 

111) s. Katalog der Gemälde Nr. 225 und Nr. 228. 

112) S. 18. 

113) Vgl. S. 41. 



46 



und Ovens. Wie den höchsten Beamten des Her- 
zogs so zählte Ovens auch andere MitgHeder der 
Hofgesellschaft zu seinen Auftraggebern, z. B. den 
Oberstallmeister, Jägermeister und Rittmeister der 
Leibgarde des Herzogs Christian Albrecht, Friedrich 
von Oünteroth (1671)*") (Abb. 53). Für den Adel 
seines Heimatlandes scheint Ovens sonst, abge- 
sehen von den eben angeführten Fällen, kaum ge- 
arbeitet zu haben *i5). gg wären da höchstens, 
soweit ich bisher urteilen kann, jene Bildnisse der 
Rantzaus zu nennen, von denen eins als Kopie nach 
einem Ovensschen Original im Nachlaß-Inventar 
(Nr. 43 der Kopien) vorkommt"*^). Weitere Hof- 
beamte, für die Ovens tätig gewesen ist, wie den 
Geheimsekretär der Kanzlei, Eilhard Schacht, den 
Amtsinspektor Joachim Schmidt, den D. Gloxin 
habe ich bereits erwähnt und in ihren Beziehungen 
zu Ovens geschildert"'). Alle diese Menschen 
sind längst vergessen. Ihre Namen kennt nur 
der Spezialforscher. Anders steht es mit Adam 
Olearius, dem Gottorfer Hofbibliothekar und Di- 
rektor der Kunst- und Naturalienkammer, Mathe- 
matiker, klassis^ien Philologen und Orientalisten, 
Naturforscherund gelehrten Reisenden, Geschichts- 
schreiber und Dichter. Auch ihn hat Ovens' Pinsel 
verewigt (Abb. 26), und zwar hat er ihn min- 
destens zweimal gemalt *i^). Zwischen den beiden 
Männern müssen Beziehungen bestanden haben, 
die über die des Malers zu seinem Modell hinaus- 
gingen. Olearius war mit dem Schwiegervater 
des Meisters, Jens Martens, befreundet"^). Ohne 
Zweifel haben Olearius und Ovens sich häufig ge- 
sehen, ja man kann von einer Art Zusammenarbeit 
der beiden sprechen. Olearius hat nämlich die 
in Verse gebrachten Unterschriften für die Bilder 
des Ovens geliefert, die Ereignisse aus der Ge- 
schichte des Gottorfer Herzoghauses behandeln. 



"i) s. Katalog der Gemälde Nr. 290. 

*i5) Daß Ovens Angehörige der Familie Liliencron 
gemalt habe, wie v. Hedemann-Heespen, Adel und Kultur 
in Schleswig-Holstein während des 17. Jahrhunderts (Ver- 
zeichnis der ausgestellten Kunstschätze aus schleswig- 
holsteinischem Adelsbesitz, Donner-Schloß) Altona, 1914, 
S. 25 behauptet, trifft nicht zu. Es scheint eine Verwechse- 
lung mit dem Bildnis einer unbekannten Dame vorzuliegen, 
das einige Jahre Eigentum der Baroneß Liliencron in 
Preetz gewesen ist (Katalog der Gemälde Nr. 323), das 
aber mit der Familie Liliencron nichts zu tun hat. 

*«) s. Katalog der Gemälde Nr. 245 — 248. 

*") Vgl. S. 41. 

*i8) Katalog der Gemälde Nr. 239 und Nr. 240. 

*i9) Vgl. den 18. Exkurs. 



Und sicherlich wird der genaue Kenner der schles- 
wig-holsteinischen Vergangenheit dem Maler auch 
bei der Auswahl der Vorwürfe behülflich gewesen 
sein und ihm die stofflichen Unterlagen für seine 
geschichtlichen Darstellungen geliefert habende). 
Wie hoch Olearius seine künstlerischen Fähig- 
keiten schätzte, erhellt daraus, daß er unsern 
Maler als neuen Apelles bezeichnet *-i), daß er 
also Ovens zu den größten Meistern seiner Kunst 
gerechnet hat. Auffällig dabei bleibt nur, daß 
Ovens in dem Stammbuch des Olearius sich nicht 
eingetragen hat*-^). 

Daß Ovens sich in all diesen Jahren häufig 
in Schleswig aufgehalten hat, ist bei seiner aus- 
gebreiteten Tätigkeit für die herzogliche Familie 
selbstverständlich. Auch in Husum, wo die Her- 
zogin-Mutter Maria Elisabeth residierte, für die 
der Meister, wie wir sahen, ebenfalls viel ge- 
arbeitet hat, wird er häufig genug geweilt haben. 
Außerdem sind uns zwei Reisen des Malers nach 
Hamburg bezeugt. Sie fallen in die Jahre 1667 
und 1677. Im Jahre 1667 weilte Ovens längere 
Zeit in Hamburg in der Umgebung der Königin 
Christine von Schweden, die ihn bei ihrem Be- 
suche auf Gottorf kennen gelernt und dann nach 
Hamburg kommen ließ. (Vgl. Urk. Nr. 22.) Er 
porträtierte sie während dieses Hamburger Aufent- 
halts, der in den Sommer 1667 zu setzen ist, drei- 
maH-3). Zur gleichen Zeit wird auch die sie dar- 

420) Vgl. darüber des Verfassers Aufsatz, Jürgen 
Ovens' Gemälde und Zeichnungen mit Vorwürfen aus der 
schleswig-holsteinischen und nordischen Geschichte in der 
S. 43, Anm. 373 angeführten Festschrift für Richard 
Haupt, S. 64. 

*2i) Adam Olearius, Gottorffische Kunst-Kammer 
1666, S. 57 f., 2. Aufl. 1674, S. 53. Ein Neudruck dieser 
2. Auflage erschien 1703 zu Frankfurt. Vgl. Urk. Nr. 9. 

422) Dieses bisher unveröffentlichte Stammbuch ist 
Eigentum des Herrn Stadtpfarrers Veesenmeyer in Win- 
nenden (Württemberg). Es enthält zahlreiche Eintragungen 
von Fürsten und Gelehrten der Zeit. 

423) Vgl. De Bildt, Christine de Suede et le cardinal 
Azzolino, Lettres inedites (1666—1668), Paris 1899, S. 374 
und den Katalog der Gemälde. — Nach einer brief- 
lichen Mitteilung des Herrn Baron De Bildt, schwedischen 
Gesandten in Rom, verdankt er die Nachricht über die 
drei Ovensschen Bildnisse der Königin Christine Herrn 
Dr. Olof Granberg, Stockholm. Es war mir, trotz mehr- 
facher Bemühungen, leider nicht möglich, zu erfahren, 
worauf sich Granberg stützt. Jedenfalls werden Bilder 
des Ovens in dem von Granberg herausgegebenen Werke, 
La galerie de tableaux de !a Reine Christine de Suede, 
Stockholm 1897 nicht aufgeführt. Die Ovensschen Bild- 
nisse Christinens sind bis auf eins verschollen. Im Nachlaß- 

47 



stellende Zeichnung entstanden sein *-*). Damals 
war es, daß der Marquis del Monte, der Vertraute 
des mit der exzentrischen Königin *25) eng befreun- 
deten Kardinals Azzolino, Ovens' künstlerische 
Fähigkeiten Azzolino gegenüber so enthusiastisch 
rühmte, indem er in einem Briefe sein Bedauern 
darüber aussprach, daß Rom nicht das Vater- 
land des Malers sei, und' dann fortfuhr: ,,wenn 
er dort wäre, würde er, ich fürchte nicht zu lügen, 
der hervorragendste Meister seiner Kunst sein" *26). 
Wir dürfen überzeugt sein, daß die außerordent- 
liche Wertschätzung unseres Meisters, die aus 
diesen Worten des Italieners klingt, mit der 
Meinung übereinstimmte, die die Königin und ihr 
Kreis von Ovens hegte, wie sie überhaupt dem 
Urteil der vornehmen Welt, z. B. der Gesellschaft 
in Amsterdam ^-''), entsprach. 

Auf den zweiten Aufenthalt des Malers in 
Hamburg im Jahre 1677 wird später einzugehen 
sein. Im Jahre 1674 muß Ovens längere Zeit 
in Holland geweilt haben. In diese Zeit fallen 
nämlich mehrere Bilder, die nur dort entstanden 
sein können *2ä). Wahrscheinlich hat sich dieser 
Aufenthalt in Amsterdam bis in das Jahr 1675 
hinein erstreckt. Der Maler ist während des- 
selben von seiner Familie begleitet gewesen. Denn 
der jüngste am 10. August 1675 geborene Sohn 
Johann Adolf *-^) ist weder in Friedrichstadt noch 



Invenbr, Nr. 26 der Origiii;ilien, kommt ebenfalls ein 
Bildnis Christinens von Ovens vor. 

*2*) Katalog der Zeichnungen Nr. 83 und Abb. 43. 

425) Vgl. über sie die geistreiche Charakteristik Leopold 
von Rankes in seinem Werke, Die römischen Päpste in den 
letzten vier Jahrhunderten, 3Q. Band der Gesamtausgabe, 
S. 52 ff . und die Besprechung des Buches De Bildts durch 
Emil Daniels in den Preußischen Jahrbüchern, 18Q9, Bd.fJö, 

5. 385 ff. und Bd. 97, S. 50 ff. 

42ß) De Bildt, a.a.O. Der Brief del Montes an Azzo- 
lino, der die Ovens betreffende Äußerung enthält, ist :vom 

6. Juli 1667 (irrtümlich datiert 6. Juni). De Bildt gibt 
leider nur die französische Übersetzu-ng des italienischen 
Originals: „C est dommage que Rome ne soit pas sa 
patric . . . car s'il y etait, il serait, je ne crains pas de 
mentir, le meilleur de sa profession." 

^27) Vgl. darüber S. 28 ff. 

«8) Vgl. über sie S. 49. 

^~^) Ich entnehme die Angabe dem Werke Joan. 
Henr. von Seelen, Athenarum Lubecensium Pars 11. 
(1720) p. 94. von Seelen erwähnt den Maler selbst nicht. 
Aus von Seelen hat die Angabe übernommen Johann 
Heinrich Zedier, Großes vollständiges Universal-Le.xicon 
usw., 25. Band (1740), S. 2490. 

48 



in Tönning getauft *3o)^ wird also auch nicht dort 
geboren sein. Die Abwesenheit des Meisters und 
der Seinen von Friedrichstadt läßt sich genau um- 
grenzen. Er hat bald nach dem 31. Oktober 
1674 — denn an diesem Tage stand er in Friedrich- 
stadt Gevatter — seinen Wohnort verlassen und 
wird Ende 1675 oder Anfang 1676 mit Frau und 
Kindern dorthin zurückgekehrt sein. Am; 30. Ja- 
nuar 1676 nämlich finden wir die Tochter Maria 
im Taufregister zu Friedrichstadt als Gevatterin 
verzeichnet. Auffällig bleibt freilich, daß Ovens 
im April 1675 als ,,Contrefaitern in Friede- 
rich Stadt" aus der herzoglichen Kasse eine 
Zahlung zuteil wird ^^i). Danach muß man doch an- 
nehmen, daß er im April 1675 in Friedrichstadt 
gewesen ist. Wahrscheinlich hat es sich um ein 
vorübergehendes, nur wenige Tage dauerndes 
Verweilen gehandelt. Ahnlich wird man den Auf- 
enthalt des Malers in Friedrichstadt, der für den 
22. und 27. Juli 1675 belegt ist«^), beurteilen 
müssen. Der Meister wird auf kurze Zeit vom 
Herzog in die Heimat berufen und nach Er- 
ledigung des Auf träges *^^) — die»Verbindung zu 
Wasser war ja schnell und verhältnismäßig be- 
quem — sofort wieder nach Holland ' zurück- 
gekehrt sein. Die Beziehungen zu Holland hatte 
Ovens ständig aufrecht erhalten. So wissen wir, 
daß 1672 der holländische Maler Voorhout in 
seinem Hause in Friedrichstadt gewesen ist*^'). 
Auch geschäftlich stand Ovens weiter mit Holland 
in Verbindung. Darüber,' gibt ein urkundlicher 
Beleg vom 18. März 1673 Auskunft, nach dem 
ein gewisser Thomas Teyler zu Amsterdam Sr. 
Jürgen Ovens zu Friedrichstadt ermächtigte, 1434 
Gulden für ihn in Empfang zu nehmen als Be- 
zahlung für die Seide, die Teyler geliefert hatte ^^^). 
Daß der holländische Gesandte beim dänischen 
Hofe, Godard Adriaen van Reede, der im Juli 1673 

*30) Auch seine Taufe in Schleswig konnte ich nicht 
feststellen. , Die Taufregister der Domgemeinde beginnen 
erst 1720. In der St. Michaelis- und Friedrichsberglei' 
Gemeinde ist er nicht gelauft. 

«1) s. S. 49. 

432) Oottorfer Rentekammerrechnung, Reichsarchiv, 
Kopenhagen. 

*33) Es mag sich dabei um jene „verschiedene ge- 
fertigte Contrafaiete und Schildereyen" gehandelt haben, 
für die Ovens im März 1676 aus der herzoglichen Kasse 
1180 Reichstaler erhielt. Vgl. S. 49. 

•'3-') Vgl. die Ausführungen S. 92 f. 

^•35) Notar H. Outgers, Stadtarchiv, Amsterdam (Mit- 
teilung des Herrn Dr. A. Bredius, Monaco). 



bei einem Wirte in Friedrichstadt 20 Reichstaler 20 
Schilling verzehrte "t'), bei der Gelegenheit unsem 
Maler, der einst, im Jahre 1660, ihn und seine 
Gemahlin porträtiert hatte"'), aufgesucht hat, 
können wir nicht beweisen, dürfen es aber 
der Wahrscheinlichkeit wegen annehmen. Von 
Werken, die Ovens 1674 während seines Aufent- 
halts in Holland gemalt hat, ist eins datiert, das 
Bildnis des Admirals Michael Adriaensz. de 
Ruyter"8). in die Jahre 1674 oder 1675 fällt so- 
dann das verschollene Bildnis des Bürgermeisters 
Joan Huydecoper*39)^ j^s y^j nur aus einem Stich 
bekannt ist*"). Das Alter des Dargestellten, eines 
Mannes von etw'a 50 Jahren, weist auf jene Zeit. 
Nur damals kann auch jenes verschollene Bildnis 
von der Hand des Gerrit Dou entstanden sein, 
das unsern Maler im Alter darstellte und uns 
leider nur in einem Stiche Jacobus Houbrakens*") 
erhalten ist. Da Dou 1674 und 1675 in Leiden 
weilte, ist Ovens während jenes holländischen Auf- 
enthalts außer in Amsterdam auch in Leiden ge- 
wesen, das ihm ja nicht fremd war, hatte er doch 
einst den Bürgermeister der Stadt nebst seiner 
Gattin gemalt"-). 

Dafür, daß Ovens, wie man bei der großen 
Zahl der von ihm geschaffenen Bildnisse von Mit- 
gliedern des dänischen Königshauses wohl ver- 
muten könnte, sich auch eine Zeitlang in Kopen- 
hagen aufgehalten habe, gibt es keine Beweise. 
In den Ausgabeverzeichnissen der dänischen 
Könige findet sich der Name des Malers nicht. 
So bleibt nur die Annahme, daß er ihre Bildnisse 
im Auftrage des Herzogs Christian Albrecht, dessen 
Gemahlin eine Tochter des Königs Friedrichs IIL 
von Dänemark war, gemalt und von ihm auch 
bezahlt erhalten hat, wie wir denn häufig in den 
Qottorfer Rentekammerrechnungen ,, königliche 
Contrafaite" erwähnt finden, ein Ausdruck, der 
freilich eben sowohl auf Bildnisse der schwedischen 
als der dänischen Königsfamilie gedeutet werden 
kann. Ovens wird die Mitglieder der dänischen 
Königsfamilie entweder während ihres Aufenthalts 



*ä6) Gottorfer Renlekammerrechniing 1674, Nr. 312, 
Reichsarchiv, Kopenhagen. 

"■) Vgl. S. 34 und Katalog der Gemälde Nr. 249, 262. 

"8) Vgl. S. 48 und Katalog der Gemälde Nr. 254. 

"9) Vgl. S. 33. 

**0) Vgl. den Abschnitt, Stiche nach Ovensschen Ge- 
mälden, 3. 

**i) Vgl. den Abschnitt, Ovens-Bildnisse und Abb. 94. 

**2) Vgl. S. 34 und Katalog der Gemälde Nr. 229, 244. 



in Gottorf oder bei den Besuchen, die sie ihm 
in Friedrichstadt abstatteten, gemalt haben. 

Über Ovens' Tätigkeit in den letzten Jahren 
seines Lebens sind wir ziemlich gut unterrichtet. 
Außer den 1674/75 in Holland entstandenen Wer- 
ken kennen wir, abgesehen von später zu er- 
wähnenden Bildern, eine 1673 gemalte Andro- 
meda am Felsen "s) und die 1675 entstandene 
und von dem Maler der lutherischen Kirche zu 
Friedrichstadt geschenkte Grablegung*"). Der 
Herzog war auch in dieser Zeit wohl der wichtigste 
Auftraggeber des Meisters, wenn er ihn auch, nach 
Vollendung der umfangreichen Arbeiten in der 
Amalienburg, nicht so häufig wie früher beschäf- 
tigt zu haben scheint. Immerhin waren die Sum- 
men, die Ovens in den 70er Jahren aus der 
herzoglichen Kasse erhielt, noch hoch genug. So 
wurden ihm am 3. Januar 1673 ,,für verschiedene 
Fürstl. Contrafaiete und einige Verenderung der 
Ordinancien**^) jn ihr. Durchl. der Princessin 
Gemach" 1390 Reichstaler ausbezahlt"«). Ohne 
Zweifel sind diese Arbeiten 1672 ausgeführt wor- 
den. Im April 1675 erhielt er „wegen verschiedener 
Fürstl. Contrafaiten und deren Ordinantien **'), in 
Ao 1673 gefertigt, auch hin und wieder verschicket" 
1540 Reichstaler **8). im März 1676 endlich emp- 
fing er ,,für verschiedene gefertigte Contrafaiete 
und Schildereyen" 11 SO Reichstaler "S). Zuletzt ist 
Ovens im Mai 1677 für den Herzog Christian 
Albrecht tätig gewesen. Damals lebte der durch 
seinen Schwager, den König Christian V. von 
Dänemark, aus seinem Lande vertriebene Fürst im 
Exil in Hamburg *50) und ließ den Maler dorthin 
kommen, um sich porträtieren zu lassen *'!). Es 
wird die letzte größere Reise gewesen sein, die der 



"ä) s. Katalog der Gemälde Nr. 114 und Abb. 59. 

*") Ebendort Nr. 54 und Abb. 57. 

4*5) = Kompositionen. 

**«) Gottorfer Rentekammerrechnung, Reichsardiiv, 
Kopenhagen unter „Gemeine Außgabe zu Qottorff im 
Januario". 

"') Hier wohl = Vorarbeiten, Skizzen. 

**s) Gottorfer Rentekammerrechnung, Reichsarchiv, 
Kopenhagen. 

"9) Ebendort 1676, Nr. 401. 

150) Er wohnte von 1676— 16S9, bis der Altonaer 
Vergleich ihm seine Besitzungen und Rechte zurückgab, 
in einem dem Kanzler Kicimanseck gehörigen Hause, das 
am Speersort lag. 

*5i) Das verschollene Bildnis (Katalog der Gemälde 
Nr. 276) schenkte der Herzog seiner Schwester, der Prin- 
zessin Anna Dorothea in Husum. Vgl. Urkunde Nr. 17. 

49 



Meister unternahm *''-). Da sein LandesheiT stän- 
dig, zumal damals, unter Geldknappheit litt, hat 
Ovens das Honorar für diese seine letzte Arbeit 
im Dienste des Herzogs nicht mehr selbst er- 
halten. Die- verhältnismäßig geringe Summe Wurde 
erst nach dem Tode des Malers, im Jahre 1680, 
an den Bevollmächtigten der Witwe, den Amts- 
inspektor Joachim Schmidt *ä3)^ ausgezahlt, wobei 
Frau Ovens, mit Rücksicht auf die finanziellen 
Schwierigkeiten des Herzogs, großmütig darauf 
verzichtete, die Reisekosten ihres Gatten zu be- 
anspruchen *5*). 

Der Meister, den in seinen letzten Lebens- 
jahren schwere Schicksalsschläge trafen — ihm 
wurden zwei Töchter im blühenden Alter ent- 
rissen *55) — ist tätig gewesen, bis der Beginn der 
zum Tode führenden Krankheit ihn am Schaffen 
hinderte. Das Bild, das die Gattin mit dem Söhn- 
chen Johann Adolf darstellt"''), wird, da es sich 
um ein etwa 2V2Jähriges Kind handelt, in den 
Januar 1678 zu setzen sein. Die letzte Arbeit des 
Meisters ist wahrscheinlich eine weinende Maria 
Magdalena*'^') gewesen. Sie blieb unvollendet, ver- 
mutlich, weil der Ausbruch der schweren Krank- 



*52) Doch war Ovens auch am 3. September 1677 
von Friedrichstadt abwesend. Denn an diesem Tage bucht 
die iutlierische Kirchenrechnung, Friedrichstadt, daß 
„Frau Ovens wegen ihrer Jungfr. Tochter Anna Elisabeth 
Sterbfail von dero Kirciienstelle entrichten lassen mit 
3 #." 

i-'^3) Über ihn vgl. S. 41. 

i^i) Die eigenhändige Rechnung und Quittung der 
Witwe Ovens, die über diese Zusammenhänge Auskunft 
gibt, sowie der dazu gehörende Rechnungsbeleg ist ab- 
gedruckt Urkunde Nr. 17. 

Kulturgeschiclitüch nicht ohne Interesse ist folgendes; 
In der Zeit höchster Bedrängnis und schlimmsten Geld- 
mangels, der so drückend war, daß der Herzog große 
Teile seines Silberschatzes an Juden verpfänden oder 
verkaufen mußte und trotzdem seinen Beamten die fälligen 
Gehälter nicht auszahlen ließ und, wie wir im Falle Ovens 
gesehen haben, seinen Verpflichtungen gegen die von 
ihm beschäftigten Künstler nicht oder nur spät und nicht 
ausreichend nachkam — in einer so verzweifelten Lage 
also schrak Christian Albrecht nicht davor zurück, 2200 
Reichstaler an den französischen Envoye Msr. Lettri zu 
verspielen. Der Roi Soleil hatte eben überall Schule ge- 
macht! 20 Reichstaler Reisekosten ließ der Herzog sich 
von der Witwe Ovens schenken. Aber eine Summe, die 
über 100 mal so groß war, vergeudete er in einer lustigen 
Stunde! 

«&) Vgl. S. 39. 

"6) Katalog der Gemälde Nr. 243. 

«') Ebendort Nr. 70. 



heit dem Maler den Pinsel aus der Hand nahm. 
Jürgen Ovens ist, erst 55 Jahre alt, am 9. De- 
zember 1678, nachts 12 Uhr, verschieden. Er 
starb, wie seine Witwe bezeugt, in voller geistiger 
Klarheit ,,in hertzlicher anruffung Gottes bey 
völligem Verstände ohne einige Todesangst". Daß 
dier Meister so gefaßt und ergeben in Gottes 
Willen durch das dunkle Tor des Todes hin- 
durchgeschritten ist, war die Frucht seiner tiefen 
Frömmigkeit *5*). Der Tod wird ihm als Freund, 
als Erlöser gekommen sein. Er endigte sanft eine 
,,44wöchiche mühselige", also schmerzhaft quälende 
Krankheit. Über den Charakter des Leidens können 
wir Vermutungen hegen, die ich Abschnitt VII. 
mitteile. Die Witwe, die mit acht, teils unmündigen 
Kindern zurückblieb, war gefaßt und unterwarf 
sich ,,der beschehenen väterlichen Züchtigung in 
schuldigem gehorsam". Umsichtig traf sie die An- 
ordnungen für die Leichenfeier, die auf den 21. Ja- 
nuar 1679 festgesetzt wurde. An diesem Tage, 
um 12 Uhr mittags, ward die Leiche des Malers 
aus seinem prachtvoll eingerichteten Heim in seine 
letzte Ruhestätte überführt. Ohne Zweifel wird 
die Bestattung, der Stellung und dem Reichtum 
des Verstorbenen entsprechend, mit allem Pomp 
vollzogen sein. Darauf deutet schon der von 
Frau Ovens angewandte Ausdruck ,,funeral de- 
duction", aus dem prunkvolle Feierlichkeit spricht. 
Daß die Trauerversammlung viele vornehme Leute, 
besonders Mitglieder der Hofgesellschaft, umfaßt 
hat, darf man annehmen. Vielleicht haben selbst 
Angehörige des Fürstenhauses, wie sie bei seinen 
Lebzeiten den Maler besuchten und an seinen 
Festen teilnahmen, so auch ihn zu Grabe ge- 
leitet. Von hohen Beamten hat sich ohne Zweifel 
der Hof- und Kanzleirat Hinrich Schmidt mit 
seiner Gattin, die beide Frau Ovens dazu auf- 
gefordert hatte, eingefunden. Zufällig ist uns nur 
diese einzige Einladung zur Trauerfeier erhalten 
geblieben. Auch der fürstliche Rentmeister 
Jürgen Holmer ist lerschienen^^). Mitglieder der 
Familie Eilhard Schacht werden nicht gefehlt 
haben, ebensowenig wie der Amtsinspektor Joachim 
Schmidt, die wir beide als Auftraggeber und wahr- 
scheinlich mit Ovens befreundet kennen gelernt 



«8) Vgl. darüber S. 97 ff. 

459) Die Friedrichstädter Polizeiprotokolle usw., 1. Teil 
(1918) S. 304 f.: ... soll bei Jürgen Ovens' Begräbnis 
mit dem Rentmeister darüber gesprochen werden. 



50 



haben«"). Sechs Stunden lang läuteten am Be- 
gräbnistage die Glocken der lutherischen Kirche 
zu Friedrichstadt*"), die dem Maler soviel ver- 
dankte«-'), eine Stunde lang grüßte der eherne 
Mund aller vier Glocken der Kirche zu Tönning 
den dahingeschiedenen großen Sohn des Städt*^ 
chens«3). Der Meister fand seine lelzte Ruhe- 
stätte in dem in der lutherischen Kirche zu 
Friedrichstadt liegenden Erbbegräbnisse «i), das 
ihm die Gemeinde am 24. Juli 1673 in dankbarer 
Anerkennung seiner vielfachen Verdienste um sie 
zugestanden hatte «»), 

Georg Hinrich Burchard, Diakonus am Dom 
zu Schleswig, hat eine der damals bei an- 
gesehenen Persönlichkeiten üblichen Grab- 
schriften««) verfaßt. Der lateinische Text ist 
sehr umfangreich und, nach unserem Geschmack, 
gesucht tiefsinnig. Ohne Z\Feifel entsprach es 
dem damals allgemein herrschenden Urteil, wenn 
Ovens als „seiner Kunst der Vornehmste" allen 
großen Künstlern, von Zeu.xis, Apelles und 
Parrhasius an, gleichgestellt wird. Ja, nach 
Meinung Burchards, hätte unser Meister sie sogar 
überiroffen, da er alle ihre Vorzüge in sich ver- 
einigte. So werden ihm denn „der Reichtum 
Michel Angelos, die Anmut Raphaels, die Lebens- 
frische Tizians, des hochberühmten Dürers takt- 
fest sicherer Strich, der lichtgetränkte Pinsel eines 
Rubens, wie Rembrandts Schattentiefe und sein 



«°) Vgl. S. 41. 

«') Lutherische Kirchenrechnung, Friedrichstadt, 21. 
Januar 1679: „Herr Ovens wegen 6 Stunden läuten 18 #". 
— Für das größesfe Laken und die Bahre wurden 3 # 
10 ß an die lutherische Kirchenkasse in Friedrichstadt 
entrichtet, das Grab zu öffnen kostete 12 # (Ebendorf). 
Am 28. Januar bezahlte die Witwe „wegen ihres See!. 
Mannes Kirchenstelle" die beim Tode fällige Gebühr von 
3 # (ebendort). 

«-) Vgl. über seine Verdienste um die Kirche S. 97 ff . 

«3) Klockenbook (Toten register) Tönning, 21. Januar 
1679: Jürgen Ofenß hier mit alle 4 Klocken belüdt eine 
Stunde 12 #. 

«*) Nicht in der Domkirche zu Schleswig, wie z. B. 
Sach, Geschichte der Stadt Schleswig usw. S. 197 angibt. 

«*) Vgl. darüber S. 101. 

In dem Erbbegräbnis waren schon zwei der Kinder 
des Malers beigesetzt worden, 1684 wurde dort sein 
Schwiegervater Jens Martens, 1685- sein Sohn Jürgen, 
1690 seine Gattin, 1702 wieder ein Sohn, der Major 
Gerrit Ovens, bestattet. 

Über die spätere Geschichte des Erbt>egräbnisses 
vgl. den 20. Exkurs. 

««) s. Urkunde Nr. 16. 



kühner Farbenauftrag, die Farbeneinheit eines 
Vlinck und Callots peinliche Genauigkeit und all 
der andern Meister Kunst und Kunstnachahmung" 
bewundernd nachgerühmt. Wieviel lieber wären 
uns statt dieser großen Worte die nüchternsten 
Mitteilungen über Leben und Persönlichkeit des 
Meisters gewesen! Über seine Künstlerlaufbahn 
heißt es nur andeutend, daß „selbst der krittelnde 
Tadel verstummte". Auch über den Verbleib der 
Werke des Meisters finden sich nur allgemeine 
Angaben, aus denen freilich die hohe Wert- 
schätzung, die man damals für Ovens hegte, 
hervorgeht. Mystisch allegorisierend wird dann 
in großer Breite gegen den Schluß die Tätigkeit 
des Malers in diesem Leben ins Jenseits hinauf- 
gerückt, eine Schilderung, der sich immerhin 
einige Züge zu seiner Charakteristik, besonders 
seiner Religiosität, entnehmen lassen«'). Kritik- 
los, überschwenglich, verhimmelnd muten uns die 
Lobeserhebungen der Grabschrift an. Man wird 
ja manches dem Stil der laudatio funebris, einer 
Gattung der Rhetorik, die eben nur lobte und 
bewunderte, zu Gute halten müssen, aber im 
Ganzen wird die Grabschrift dogh die Meinung 
der Zeitgenossen wiedergeben, die den Maler der 
Könige und Fürsten unter die Größten seiner 
Kunst einreihte. 

Über Ovens' Nachruhm im 18. Jahrhundert 
bietet ein wertvolles Zeugnis das Leichenprogramm 
auf die Enkelin des Meisters, Catharina Burchard, 
eine Tochter seiner Tochter Catharina. In diesem 
Leichenprogram.m von 1740«»), in dem Ovens 
in seiner Kunst hervorragend, ja geradezu un- 
vergleichlich genannt wird, hat sich eine inter- 
essante Nachricht erhalten, aus der hervorgeht, 
wie hoch Peter der Große seine Bilder geschätzt 
hat. Danach hat der Zar, als er Holstein be- 
setzte «s), an der eleganten Pinselführung des 
Meisters leicht die Werke seiner Hand von anderen 
unterschieden und ist eifrig darauf bedacht ge- 
wesen, sich von Ovensschen Gemälden, soviele 
er ihrer habhaft werden konnte, zu verschaffen. 
Die für sie üblichen hohen Preise schreckten ihn 
dabei nicht ab. 

Von Ovens' Schülern wissen wir fast nichts. 
Und doch muß er ihrer viele beschäftigt haben. 
Die zeitweise starke Produktion von zum Teil 



«') Vgl. darüber S. 103, Anm. 236. 

«8) s. Urkunde Nr. 22. 

469) Während des nordischen Krieges 1713/14. 



51 



4* 



sehr großen Wandbildern z. B., auf denen man 
Schülerhände unschwer erkennen kann, ist ohne 
sie kaum denkbar. Außerdem muß Ovens ständig 
Kräfte gebraucht haben, die damit beschäftigt 
waren, die für den Kunsthandel bestimmten Bilder 
zu kopieren. In einem Falle wissen wir, daß 
er für diesen Zweck einen Maler zu gewinnen 
suchte, Jan Voorhout""). Es hat sich nur ein 
Name eines Schülers erhalten. Der in Schleswig 
wohnhafte Leutnant v. Koch berichtet in seinen 
, .Beschäftigungen in der Einsamkeit", einer 1772 
entstandenen Handschrift *"i), daß der Maler 
Gebe*"), Asmus Jakob Carstens' erster Lehrer, 



V. Kochs „Kunsterfahrener Freund und Kenner, 
der die Kunststücke der alten Mahler sehr genau 
kennt, als Er 1730 noch in Copenhagen gewesen, 
. . . daselbst noch einen alten Scholaren von 
Ovens gekannt, mit Namen Mangnus Jürgensen, 
der in seinem hundertjährigen Alter noch ein 
klein Crucifi.\ gemacht hätte" *"). 

Das Geschlecht des Malers *'*) blüht bis auf 
den heutigen Tag im Mannesstamme, und zwar in 
den zahlreichen Nachkommen des jüngsten Sohnes 
Johann Adolf, durch die der Name Ovens durch 
die Jahrhunderte lebt, sowie in der weiblichen 
Linie, in den Nachkommen der Tochter Catharina. 



"0) Vgl. darüber S. 92 und Urkunde Nr. 20. 

■"i) Vgl. darüber Abschnitt VI, Ovens-Bildnisse. 

*'2) über ihn vgl. Biernatzkis Übersicht der Meister 
in Haupts Bau- und Kunstdenkmälern usw., III. Bd., S. 150 f. 
sowie Thieme-Beckers Küntslerlexikon. 



*") Vgl. Doris Schnittger im Reperlorium X. 1887, 

iOf. 

"4) Vgl. die Stammtafeln S. 56 ff . 



Tauftafel, 

aus der hervorgeht, welche Kinder der Maler Jürgen Ovens hat taufen lassen, und bei 
welchen er oder die zu seinem Hause Gehörigen Gevatter gestanden haben, i) 



Datum 



1652, 9. 1. 

1652, 8. 5. 

1652, 8. 6. 

1654, 23. 4. 

1655, 3. 1. 
1655, 21. 3. 
1655, 29. 7. 
1655, 14. 10. 



1656, 27. 1. 
1656, 2. 2. 
1656, 27. 4. 



Ort 



Friedrichstadt 

Friedrichstadt 

Friedrichstadt 

Friedrichstadt 

Friedrichstadt 

Koldenbüttel 

Koldenbüttel 

Friedrichstadt 



Friedrichstadt 

Koldenbüttel 

Friedrichstadt 



Name des Kindes 



Gevattern 



Cathrin Gerritz, Tochter von 
Christoffer Gerritz 

Jürgen, Sohn von Jacob 
Jürgens 



hat Jürgen Ovens eine 
Tochter taufen lassen, 
namens Agnetha 



Carsten, Sohn von Jann Ott 



Jürgen Ovens und Maria Jens Martens 

(Tochter) 
Margretha Jürgens und Jürgen Ovens 

Jürgen Ovens 

Margret, Jürgen Ovens' Magd 
Jürgen Ovens' Frau 
Jürgen Ovens 
Jü rgen Ovens 

Agnetha Ovens, die Großmutter, Jens Martens, 
der Großvater, Cathrin Cornelis 

Ankel, Ovens' Magd 
Frau Maria Ovens 

Jürgen Ovens, Carsten Otte von Lunden 
und Jenß Martens' Frau von Tonningen 



') Leider führt das Taufregister der remonstrantisch-reformierten Gemeinde in Friedrichstadt die Paten nicht an. Im Tauf- 
register des Nachbarorts Lunden kommt Ovens nicht vor. Das Taufregister des benachbarten Dorfes Schwabstedt beginnt erst 1681. 
-) Namen, die für den Maler keine Bedeutung haben, sind ausgelassen. 



52 



Datur 



Ort 



1657, 22. 2. 
1657, 22. 7. 



1663, 9. 6. 

1663, 20. 9. 

1663, 27. 9. 

1663, 20. 12. 

1664, 28. 2. 
1664, 17. 4. 
1664, 10. 5. 



1664, 25. 9. 



1664, 19. 10. 



1664, 16. 11. 

1665, 1. 1. 
1665, 3. 9. 
1665, 15. 10. 
1665, 17. 10. 
1665, 22. 10. 
1665, 29. 10. 

1665, 12. 11. 

1665, 9. 12. 

1665, 31. 12. 

1666, 14. 1. 
1666, 16. 12. 

1666, 16. 12. 

1667, 18. 1. 



1667, 27. 1. 
1667, 10. 11. 
1667, 8. 12. 



Friedrichstadt 



Tönning 



Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 



Friedrichstadt 



Friedrichstadt 



Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 

Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 



Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 



Name des Kindes 



hat Jürgen Ovens einen 
Sohn taufen lassen, [ent- 
weder Friedrich Adolf 
oder Jürgen] 



Agnet, Tochter des Halb- 
bruders von JürgenOvens, 
des Kaufmanns Peter 
Jürgens 

Christian, Sohn des Halb- 
bruders von JürgenOvens, 
des Kaufmanns Hinrich 
Jürgenß 

habenMons. Jürgen Ovenß 
Vater und Maria, deßen 
Ehefraw, einen jungen 
Sohn zur Taufe bringen 
lassen, deßen Name Ger- 
ritt 



haben Jürgen Ovenß Vater 
und Maria, deßen Ehe- 
fraw, eine junge Tochter 
zur tauffe bringen lassen, 
dehren Nähme Maria 



Gevattern 



Jürgen Ovens und Hinrich Jürgens' Frau 
(Margarethe), [die Frau seines Stief- 
bruders] 

Paten nicht angegeben 



Jenß Martenß 
Jürgen Ovens 
Jürgen Ovens 
Jürgen Ovens 
Jenß Martenß 

Johann Berendß und Jürgen Ovenß' Frau 
Maria Ovens, Margretha, Jacob Jürgenß' 
Frau, und Broder Ovenß 



H. Obrister Johann Wittmack, Jürgen 
Ovenß und Peter von der Beeiden 
(aus Koldenbüttel) Frau 

Jacob Jürgenß, Märten Block und Cathrina 
Gerrittß 



Jenß Martenß 

Jürgen Ovenß 

Jürgen Ovenß Fraw 

Jürgen Ovenß 

Jenß Martenß 

Antje, Jürgen Ovenß Magd 

Jenß Martenß und Peter Jürgenß, Kaufmann, 
(J. Ovens' Halbbruder) 

Jenß Martenß 

Jenß Martenß 

Maria Ovenß 

Eijen, Jenß Martenß Magd 

Jenß Martenß 

Jürgen Ovenß 

Margaretha, Jacob Jürgenß Eheliche Hauß- 
fraw, Jungfer Maria Blockß, Tochter von 
See!. Märten Block, und Broder Ovenß 



Jenß Martenß 
Jenß Martenß 
Maria Ovenß 



53 



Datum 



Ort 



Name des Kindes 



Gevattern 



1668, 28. 4. 



1668, 8. 5. 



1668, 26. 12. 

1669, 3. 3. 

1669, 18. 4. 

1670, 16. 1. 
1670, 30. 2. 
1670, 10. 4. 



1670, 29. 10. 

1671, 25. 3. 



1671, 30. 7. 

1671, 2. festo 
Trinitatis 

1672, 7. 1. 
1672, 16. 6. 



1672, 


9. 


9. 


Friedrichstadt 


1672, 


29. 


9. 


Friedrichstadt 


1672, 


3. 


10. 


Friedriciistadt 


1672, 


20. 


11. 


Friedrichstadt 


1673, 


19. 


5. 


Friedrichstadt 


1673, 


17. 


8. 


Friedrichstadt 


1673, 


4. 


9. 


Friedrichstadt 



1673, 18. 10. 

1673, 21. 12. 

1674, 14. 2. 

1674, 8. 3. 

1674, 26. 4. 



Friedrichstadt 



Friedrichstadt 



Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 



Friedrichstadt 
Friedrichstadt 



Friedrichstadt 
Koldenbüttel 

Friedrichstadt 
Friedrichstadt 



Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 

Friedrichstadt 

Friedrictjstadt 



Cathrina Elisabeth, Tochter 
des Pastors M. Friedericus 
Fabricius und seiner Frau 
Anna 

haben Jürgen Ovenß Vater 
und Maria, deßen Ehe- 
fraw, eine Junge Tochter 
zur tauffe bringen lassen, 
dehren Nähme Anna 
Elisabeth 



haben Mons. GeorgOvenß 
und Maria, deßen Ehe- 
liebste, eine Junge Toch- 
ter im Hause taufen 
lassen, die genennet wor- 
den Friderica Amalia 

haben Hinrich Jürgenß Vater 
und Maria, deßen Ehe- 
fraw, einen Jungen Sohn 
u. s. w. 



ließ sich „ein bißhieher Un- 
getauffterMennist" taufen 



haben Herr Hinrich Jürgenß 
Vater und Maria u. s. w. 
einen Sohn taufen lassen 
u. s. w. 



Cathrina Reinboth, die Frau des General- 
superintendenten, Gesa Uthermarck, die 
Frau des Landesinspektors von Lunden- 
berg, und Mons. Jürgen Ovenß 

Elsabe Gerritß, Maria Blocks und Ove Broderß 



Maria Blocks in Jenß Martenß Haus 

Jenß Martenß 

Jürgen Ovenß 

Maria, Jürgen Ovenß (Frau) 

Jfr. Maria Ovenß (Jürgen Ovenß' Tochter) 

Zu Gevattern sein gebeten Ihr. Hochfürstl. 
Durchl., die Princeßinn, Herrn Ampt- 
mann Kiehlmans Liebste, Eilhardt 
Schachten Liebste, D. Gloxinius und 
Herr Amtsinspector Jochen Schmidt 

Elljen, Jenß Martenß Magd 
Obrister Hanß Walter auß Tönningen, Jenß 
Martenß und Anna Fabricia 



Maria Ovenß 

J(ungfrau) Cathrin Ovens 

Jfr. Agnet Ovenß 

Herr Jürgen Ovenß, Jenß Martenß 

Peter Jürgenß 
Herr Jürgen Ovenß 
Jungfer Agnet Ovenß 
Jfr. Agnet Ovenß 

Herr Jenß Martenß und Maria Ovenß 
Agnetha, Jürgen Ovenß Tochter 
Jenß Martenß 
Peter Jürgenß, Kaufmann . . . Jfr. Maria 

Ovenß 



Jenß Martenß 

Agnet, Jürgen Ovenß Tochter 

Agnet, Jürgen Ovenß Tochter, und Jenß 

Martenß 
Jenß Martenß, Friedrich Jürgenß und Jungf. 

Agnet Ovenß 
Jungf. Agnet Ovenß und Herr Ivarus Gerritt, 

J. U. Licentiatus 



54 



Datum 



Ort 



Name des Kindes 



Gevattern 



1674, 8. 6. 

1674, 23. 6. 

1674, 26. 9. 

1674, 18. 10. 

1674, 31. 10. 

1675, 14. 3. 

1675, 10. 8. 
geboren 

1676, 30. 1. 
1676, 2. 12. 



1677, 4. 3. 

1677, 14. 10. 

1677, 27. 12. 

1678, 23. 5. 
1678, 11. 8. 
1678, 25. 8. 



Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 

Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
nicht beltannt 

Friedrichstadt 
Friedrichstadt 



Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedrichstadt 

Friedrichstadt 
Friedrichstadt 
Friedlichstadt 



Johann Adolf Ovens 



bei der Tochter, die „ein 
beschlafen Mensch auß 
Eydersted" zur Taufe 
bringen ließ 



Trinl<e Peterß, Jürgen Ovenß Küchinn 

Jfr. Agnet Ovenß 

Agnet, Jürgen Ovenß Tochter 

Jungf. Agnet Ovenß und Licentiat Ivarus 

Gerritß 
Jürgen Ovenß, Jenß Martenß 
Elljen, Jenß Martenß Magd 
Paten nicht bekannt 

Jfr. Maria Ovenß 

Jfr. Cathrina, Jürgen Ovenß Tochter 



Jenß Martenß 

Friedrich Adolphff Ovenß 

Gretje, Herrn Jürgen Ovenß Mädchen, und 

Jeß, Herrn Ovenß Knecht 
Friedrich Adolphff Ovenß 
Friedrich Adolphff Ovenß 
Friedrich Adolphff Ovenß 



55 



Nachrichten über die Familie des Malers Jürgen Ovens. 

In der Kieler Universitätsbibliothek ruht ein Manuskript: Cod. Ms. S. H. 204, 4 to, ') in dem sich die 
in den Tafeln I und II mitgeteilten Genealogien, die sich auf die Familie unseres Meisters beziehen, finden. 
Der Titel des Manuskripts lautet: 

Stamm Bäume etlicher Friesischen Eiderstettischer Geschlechte, 
anfänglich deliniiret von Petro Sax, Erbgeseszen auf Drandersum in Coldenbüttel, gewesenen Rathmann 

des Eiderstettischen Gerichts, sub dato 1655; 
hernacher in etlichen Stamm-Linien vermehret von Johanne Sieverts und aus deßen eigenhändigem Verzeichniß 
abgeschrieben von mir Gerdt von Rinteln in Friedrichstadt ex autogr. Rintel. 



') Auf die Bedeutung dieses Manuskripts, insonderheit für die Geschichte der Familie Ovens, habe ich zuerst hingewiesen 
in „Die Friedrichstädter Polizeiprotokolle", I. Teil, S. 269 f. (Band 6 [igi8] der Quellen und Forschungen der Ges. f. Schleswig- 
Holsteinische Geschichte). 



Bedeutung der Zeichen: *^ geboren, **=- getauft, §= verehelicht mit, §§ ^ verlobt mit, t = gestorben, ft = begraben. 



Tafel I. 

Geneal. Boyen Claus, dessen in folgenden tabulis gedacht wird, aut. Pet. Sax. 

I. Boyen Claus aus Dithmarschen gebürtig, hat auf Drandersum gewohnt. 

I 
2. Ove Bojens, Kirchen Elterman 1522, hat auf Drand. gewohnt. 



3. Sievert Ovens. Kirchen Eltcrniann 
in Coldenbüttel 1536 



4. Sax Ovens, Kirchen IChcrmaiin 
in Coldenbüttel 1539 



5. Boy Ovens 
I 



6. Boy Sieverts, ". Hans Sieverts, 8. Hans Sax, g. Hemm. Sax, 10. Peter Bojens. 11. Sibbe Peters, 

von diesem ist Hemm. hiervon ist Marg. von diesem ist ein von diesem sind 2 hiervon ist bös (?) 

Boy seine Tochter Boy A. u. ihre Kind. groß Volck worden. Töchter und deren • Volck. 

Mumcke und ihre Kinder. 

Tochter Anna 
§ 

Boy Schmidts. 



Tafel II. 

Geneal. Hans Bojens in Coldenbüttel und Ove Broders. 
I. Peter Broders ein Kirchenzwölf in Coldenb. A. 15S2, aus Wittbek bürtig, zu Westerbul gewohnt. 

§ Sibbe Peters von Bojen Claus Stamm. 



2. Cathar(ina) 3, Frau Mincks 4. Boy Peters zu 
Ivers in Coldenb. Westerb. in 

Coldenb., I^ensm. 

I 

7. Peter Ivers in 8 CatrinaMincks 9. Hans Bojens 
Coldenb. ausJ.S. in Coldenbütt. auf Westerbul, 



Geschlecht. 



in Coldenb., 
Kirchen 12. -) 



13. Paul Lenards 14. Boy Hans, 
in Coldenb. 



5. Broder Peters 



10. Ove Broders, 

Rathm. in Tonningen. 

I 



1 1. Broder Pet. 
in Tonn. 



6. Anna§ Hans 
Schmidt in Cold. 

I 

12. AnnaResen 

in Coldenb. 



I5.jurg. 16 Broder i;.Ove 18. Anna 19. Bele. 20, Jeronymus 

Ovens in Ovens Broders §Joh. Broders cum 

Frstdt. in Tonn, in Tonn. Gertz in sororibus. 
Tonn. 



^) Kirchenzwölftcr (Kirchenältester). 



56 



Tafel IIP) 

I. Ove Broders, Ratmann in Tönning, seit 1623 dort ansässig, Kaufma..n und Reeder, * . 

§ Agneta, des Jürgen . . . Witwe. 



t 1652 in Tönning. 



2. Jürgen Ovens. 3. Broder Ovens. 


4. Gerrit Ovens 


5. Agneta. 6. Ove Broders. 


7. Bele. 


(Der Maler) 












2. Jürgen Ovens (der Maler), * . . 


• 1623, t 9- 12- 


i6;8, tt2i. I. 1679 in Friedrichstadt, § 21. 9. 


1652 




Maria, des Jens Martens 


von Mehring Tochter, • . . . 7 21. 12. 1690 in 


Tönning. 




8. Friedrich 


9. Agnetha, 10. Johann 


II. Catharina, 


12. Gerhard 13. Maria, 


14. Anna 


15. Friderica 


Adolf, Rats- 


* 14. 10. 1655, Adolf, 


* . . . 


oder Gerrit, ** 18. i. 1667, 


Elisabeth, 


Amalia, 


verwandterund 


Friedrichstadt, * 10. 8. 1675. 


T ■ ■ ■ , 


GottorferMajor Friedrichstadt, 


** 8. 5. 1668, 


** 10. 4. 1670, 


Kunstmaler 


t 6. 6. 1676. 


§ 24. 4. 1680 


* 13. 10. 1664, § Dr. Lossow, 


Friedrichstadt, 


Friedrichstadt, 


in Tönning, 




Dr. Friedrich 


Friedrichsladt, Schleswig, 


t 3- 9- 1677- 


§ 18. 9. i6gi 


* 




Gerbrandt 


t 6. II. 1702, später 




KapitainKoch. 


t 5. II. 1699, 




Burgundien. 


Tönning, Hambui^. 






Tönning, 






§ Cathrina 






§ 3- 9- 168-, 






Jürgens 






Tönning 






(unbeerbt). 







Cäcilia Olufs, 
* I. I. 1672, 

Tönning, 
t 



16. Maria Elisabeth, 17. Jürgen Ovens, 
** 29. II. 1690. **28. 1. i694,Tönning, 
tt 26- 12- 1701, 
Tönning. (?) 

10. Johann Adolf Ovens, Zollverwalter, zuletzt Landvogt in Heide, ' . . . t 1733 '"^ Heide, 
§ Catharina Dorothea, des Pastors Mag. Gabriel "Wedderkopp in Kiel und Ursula Burchardi Tochter, * ■ . • , t 

18. Johann 19. Jürgen, 

Adolf, "30.8.1704, 

** 6. 5. 1703, tti2. II. 1701;, 

ttl4- lo. 1703, Tönning. 
Tönning. 



20. Cari 


21. Chariotta 


22. Carl 


23. Maria 


24. Dorothea Elisabeth, 


August. 


Amalia, 


Friedrich, 


Augusta, 


* 28. 9. 1711, t • • • • 




* 15. 4- 1707, 


* 27. 10. 1708. 


* 8. 4. 1710, 






t 7- 10. 1783, 




T 






Meldorf, 










§ 28. 4. 1740, 




§23. I. 1741. 


§ 1743 im Mai, § L773 . . . 




Süderhastedt, 




Kiel. 


Meldorf. 




Friedrich 




Christian Voß, 


Justizrat Linau, Hinrich Georg 




Backsen, 




Propst i. Meld., 


* 7. 8. 1682 Hudemann, 




Bürger in 




* 4- 3- 1692, 


in Brunsbüttel, Justizrat in 




Meldotf 




Meldorf, 


t 19 7. 1769 Hennstedt i.D. 




(ohne nachl. 




T 27- I- 1742, 


in Meldorf ** 30. 3. 1739, 




Kinder). 




Meldorf 
(kinderlos). 


(kinderlos). t 



Cari August Ovens, * 21. 2. 1706, j 16. I. 1753, S 27. 4. 1742 Anna Cathrina Meyn, 



T 31- 



25. Detlef Adolf Ovens, 

* 25. 8. 1743, 
** 27. 12. 1743 in der 
Nicolai- Kirche in Kiel 



26. Catharina Elisabeth Ovens, 
* 17.4- 1745. t 27.6. 1745. 



27. Amalia Friderica Ovens, 
* 4. II. 1748. 



28. Friedrich Carl Ovens. 



28. Friedrich Carl Ovens, Zollverwalter, Kammerrat in Neumünster, ♦ I. 6. 1750, t 27. 7- 1811. 
§ 28. 5. 1776 § 8. q. 1789 



Maria Cathrina Benisch, 

^ ! ^ 

29. 30. 31. 

Friedrich Maria Dorothea 
Carl, Cathrina, Margar., 
»9.1.1777, 

Zoll- 26.1. 1778 17. 2. 1780, 
beamter, § § 

Altona. 19 10. 1802 OlefRolefs 
Jacob Schiffs- 
Glasemeyer kapitän. 

Pastor, 
Hohenaspe 
(kinderlos). 



42. Eduard Jacob Rolefs, 

Kaufmann in London. 

* 1819, t 1890, 

§ Elise Paulsen, t 1896. 

(kinderlos). 



3. 3. 1758, T 25. 



Anna Lucia Wittmack, * 13. 3. 

I 



■I, T 



32. 33- 34- 35- 36- 

Carl, Ernst, August. Ferdi- Adolf, 

' 1790, * 1791, *I792. nand, * 1795, 

ffrüh. (ver- * I794-. t 1808. 

schollen.) 



gefallen im 
Kriege. 



37. Eduard, 


38. 


Kaufmann in 


Emil, 


Neumünster, 


* 1799. 


* 9- 8. 1797. 


t 1800. 


t 21. IG. 1866, 




§ 1831, 




Wilhelmine 




Dähnhard, 




*i8o8, tl864. 





39. 40. 41. 

Adelina, Rosalinde, Doris, 

••9.5.1800. * * 1807. 

26. 1.1803, 

t 
19.4.1882. 

lebten als ledige Damen in 
Neumünster. 



43- 



Wilhelm Ferdinand 
Ovens. 



Ül 



43- Wilhelm Ferdinand Ovens, Kaufmann in Eckernförde, * 13. 10. 1832, t 14. i. 1881, §8. 12. 1869, Kesdorf, 
Ernesline Dorothea Maaß, »17. g. 1837, j 22. 3. 1907. 



44. Anna Elisabeth, 
2. 7. 1871, t 19- 5- 1916 (unbeerbt). 



45. Elisabeth Wilhelmine, 

*ii. 12. 1874, §11. 10. 1906, Altona, 

August Ernst Schulte, Dipl. Ing., 

Professor in Stettin, 

* S3. II. 1861, Akenbecken (kinderlos). 



46 AVilhelm Jürgen Ovens, 

Ingenieur in Hamburg, 

*2i. 12. 1877, § 10. 10. 1914, 

Dorothea Schultze, * 16. i. 1879 

in KcUinghusen. 

I 

47. Arma Elisabeth Ovens, 

* 21. 7. 1917 in Altona. 



') Nach den Ovensschen Familien-Papieren und nach den Kirchenbüchern. Herrn Hans Hinrichs, Schleswig, bin ich für 
die Nachprüfung der Tafel und verschiedene Beiträge zu Dank verpflichtet. 



Tafel IV. 

Ein Stück aus der Ahnentafel des Herrn Berthold Betcke-Hannover. 
Vgl. Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien, herausgegeben von Bernhard Koerner, 



X 19) 


X20) 


Jacob Glasen 


Catharina 


Bourgtmdien, 


Petersen. 


Bürger und 




Kaufmann 




zu Tönning. 





12. Band, 1906, S. 43 und sonst an mehreren Stellen. 
X 22) X 23) 



X21) 

Friedrich 

Augustin, 

Kaufmann zu 

Tönning. 



Caecilie 
Gude. 



I 

IX 15) 

Gerbrand Glasen Bourgundien, 

Bürger und Kaufmann 

zu Tönning. 



IX 16) 
Catharina Augustin. 



Ove Broders, 

Ratmann zu 

Tönning. 



I 

IX 17) 

Jürgen Ovens, 

geb. zu Tönning 1623, 

t zu Friedrichstadt 

9. 12. 1678. 



X24) 
Jens Martens 
von Mehring. 



X2S) 

Gatharina 
Block. 



I 

IX 18) 

Maria Martens von Mehring, 

§ 1652, t zu Tönning 1690. 



VIII 13) Dr. jur. Friedrich Gerbrandt Bourgundien, 
Bürgermeister zu Tönning, geb. 1657, t 1695. 



I 
VIII 14) Catharina Ovens. 



Villi) Dr. med. Christoph 

Martin Burchard, 

ord. Professor der Medizin 

zu Rostock, 

geb. zu Kiel i. 4. 1680, 

t zu Rostock 14. 2. 1742. 



verm. 
IG. 2. 1721. 



I 
VII 12) Catharina Bourgundien 

verwitwete Wassenberg, 

geb. zu Tönning 29. 11. 1692, 

t zu Rostock 28. 4. 1740. 



I 

VI 9) Dr. jur. Julius Ludwig Burchard, 

Senator zu Rostock, geb. 4. 3. 1723, 

t I. 3. 177 1 zu Rostock. 



verm. April 1766. 



VI 10) Sophie Dorothea Taddel, 

verw. Petersen, geb. 3. 9. 1739, 

t nach 1789. 



V 7) Dr. jur. Johannjacob Andreas Taddel, 

Bürgermeister zu Rostock, 
geb. 27. 7. 1766, t 15. 4- 1830 zu Rostock. 



IV 5) Ernst Emil Eggerß, 

Großherzogl. Mecklbg. Hofrat zu Rostock, 

geb. zu Ludwigslust 7. 4. 1788, 

t zu Rostock 10. 3. 1854. 



I 
V 8) Wendola Sophie Dorothea Burchard, 
geb. 4. II. 1769, 
t 9. 4. 1838 zu Rostock. 

^~r ' 

IV 6) Sophie Kattarina Taddel, 
verm. geb. 15. 11. 1792, 

IG. 1814. t 9- 4- 1S62 zu Rostock. 



HI 3) Ferdinand Gustav Ernst Betcke, 

Kaufmann zu Rostock, geb. 25. 12. 1825, 

14. 3- 190G zu Rostock. 



verm. 
9. 1854. 



1 
III 4) Wendola Elise Friederike 
Marie Eggerß, geb. 28. i. 1835, 
t 19. 2. 190G zu Rostock. 



11 i) Berthold Heinrich Rudolf Carl Betcke, verm. 

Buchhändler zu Hannover, geb. zu Rostock 13. 3 1875. 3. 9. 1906. 



II 2) Sophie Doris Else Martha Kräger, 
geb. zu Göpenick, 2. 3. 1879. 



I l) Hans Jürgen, geb. II. IG. 19G7, 
Hildegard, geb. 6. 11. 191 1. 



58 



III. Exkurse zum Leben und zur Kunst des Malers. 



1. Die chronistische Literatur über Ovens. 

Wir sind in der glücklichen Lage, für Ovens' 
zweiten Aufenthalt in Amsterdam ziemlich ein- 
gehende Mitteilungen eines Zeitgenossen, des 
Philipp von Zesen (1619 — 1689), zu besitzen. 
Diese Berichte sind niedergelegt in seiner ,, Be- 
schreibung der Stadt Amsterdam und derselben 
Begäbnüsse". Von Zesens Nachrichten über 
Ovens sind deshalb von besonderem Werte, weil 
er gleichzeitig mit dem Maler in Amsterdam weilte 
lund sein Buch schrieb. Denn der gewichtige 
Quartband, der, mit zahlreichen breiten, hinein- 
gefalteten Kupferstichen geschmückt, wegen seines 
guten Drucks, dauerhaften Papiers und unver- 
wüstlichen Einbands noch manchem Jahrhunderte 
trotzen wird, ist, wenn auch 1664 erschienen, nach 
Ausweis der Vorrede doch am ersten Tage des 
Erntemonats, also im Herbst 1663 abgeschlossen 
worden. Die Nachrichten, die das Buch über 
Ovens bringt und die ich S. 29 ff. angeführt und 
besprochen habe, geben uns das sachverständige 
Urteil eines Zeitgenossen, eines weitherum- 
gekommenen, vielseitigen Schriftstellers, den man 
w^ohl als den ersten namhaften deutschen Mann 
der Feder bezeichnet hat. So wie von Zesen 
es abgibt, hat sich damals das Urteil über Ovens 
in Holland gestaltet. Zugleich fallen aufschluß- 
reiche Schlaglichter auf die Stellung des fremden 
Malers in der damaligen Metropole des Handels 
nicht nur, sondern auch der Kunst. Daß Philipp 
von Zesen freilich unserm Meister persönlich sehr 
nahe gestanden habe, muß man füglich be- 
zweifeln. Denn er nennt ihn beständig Johan 
Ovens. Er hat offenbar den Namen von Hören- 
sagen. Der dem Johan ähnliche Klang des hollän- 
dischen Jurian mag ihn getäuscht haben. Eben- 
falls von einem Zeitgenossen stammt die aller- 
dings viel kürzere und inhaltsärmere Mitteilung 
oder besser Notiz, die Joachim von Sandrart über- 
liefert hati). Auch sie ist noch zu Ovens' Leb- 



1) Owins: Ein fürtrefflicher Maliler in Historien, herr- 
lich in Nacht-Stücken^ glühende kräfftige Coleriten, samt 
reichen Ordinanzen (Kompositionen), ist bey den Hertzo- 
gen von Holstein zu Friederichstadt. Joachim von 
Sandrart, Der Teutschen Academie Zwejten Haupt- 
Theils Dritter Theil, 1679, S. 77. 



zelten geschrieben. Freilich kennt auch von 
Sandrart ebensowenig wie von Zesen die richtige 
Namenform des Malers, denn er nennt ihn Owins. 

Lange Jahre nach des Meisters Tode ist das 
Werk erschienen, dem wir die meisten Nach- 
richten über die niederländischen Maler ver- 
danken. Es ist De Groote schouburgh der neder- 
lantsche konstschilders en schilderessen von Arnold 
Houbraken, deren erster Teil 1718, also genau 
ein halbes Jahrhundert nach Ovens' Ableben, zu 
Amsterdam veröffentlichet wurde, während der 
dritte Teil nach dem Tode des Autors 1721 heraus- 
kam. Houbraken war durch seinen Lehrer Samuel 
van Hoogstraten ein Enkelschüler Rembrandts und 
hat mehrere Schüler Rembrandts persönlich ge- 
kannt. So ist seiner Mitteilung, daß Ovens ein 
Schüler Rembrandts gewesen ist, wie die beiden 
anderen Niederdeutschen Paudis und Franz Wulf- 
hagen ernste Beachtung zu schenken. Sie kann 
auf Gewährsmänner zurückgehen, die Ovens noch 
persönlich gekannt haben. Aus Sandrart,' a. a. O. 
S. 77 ist ein Satz über Ovens' Tätigkeit für den 
Herzog von Holstein entnommen 2), während er 
von Zesens Buch offenbar nicht gekannt hat. 
Jedenfalls hat er es nicht für Ovens benutzt. Die 
Nachrichten über Ovens und Johannes Voorhout 
hat Houbraken unzweifelhaft von Voorhout, den 
er persönlich kannte, erfahren, so daß sie als völlig 
authentisch aufzunehmen sind. 



Nach Sponsel, Sandrarts Teutsche Academie kri- 
tisch gesichtet, Dresden 1896, S. 38 ist diese Steile, wie 
die Seiten 68 — 86 überhaupt, nicht kompiliert, sondern 
Sandrarts Eigentum. 

Auffallend ist es, daß von Sandrart auf der folgenden 
Seite 78 Paudifz und Hochstraaten als Schüler Rem- 
brandts bezeichnet, während er dies bei Ovens unterfaßt. 

Da Sandrart Ovens noch als lebend betrachtet, war 
Sandrarts Werk noch im Druck, als des Meisters Tod 
erfolgte. 

2) Vielleicht, so nimmt Hofstede de Oroot an, hat 
Houbraken den Satz aber auch, wie andere Nachrichten 
über Ovens, aus Voorhouts persönlichem Bericht über- 
nommen. Dafür spricht, daß Houbrakens Nachrichten 
über Ovens mit dem. Jahre 1675 aufhören, also gerade 
zu dem Zeitpunkte, in dem Voorhout Hamburg verließ 
und fortan keine persönliche Berührung mit Ovens mehr 
hatte. 

59 



Die späteren holländischen Kunstschriftsteller 
schreiben Houbraken ab und bringen nichts neues 
mehr, so daß ihre Mitteilungen über Ovens keinen 
selbständigen Wert haben. Da ist z. B. zu nennen 
Jacob Campe Weyermann, der in seinem Werke 
De levens-beschrijvingen der nederlandsche konst- 
schilders en konstschilderessen, II. Teil, s'Graven- 
hage 1729, S. 43 — 44 über Ovens handelt. Seine 
sklavische Abhängigkeit von Houbraken geht so 
weit, daß Weyermann Ovens' Bildnis von Qerard 
Dou nicht, wie er angibt, auf Platte N. bringt, 
sondern auf O, und zwar nur aus dem Grunde, 
weil bei Houbraken das Bildnis des Ovens auf 
Platte O unter dem Adrian Brouwers erscheint 
und nicht, wie auch er angibt, auf Platte N. 
Ahnliches gilt von I. B. Descamps, La vie des 
peintres flamands, allemands et hollandois, der in 
dem zu Paris 1754 erschienenen 11. Teil, S. 279 
und dem ebendort 1760 erschienenen III. Teil, 
S. 208 unsern Meister behandelt. Er lehnt sich 
ebenfalls ganz eng an Houbraken an, nur ist der 
Bericht über Ovens und Voorhout ein wenig ge- 
hässiger ausgefallen, als ihn die Quelle wieder- 
gibt^). Auf Immerzeel, De levens en werken der 

hollandsche en vlaamsche kunstschilders , 

Amsterdam 1843, der Ovens im II. Teil, S. 289 
behandelt, lohnt es sich nicht, einzugehen. Er ist 
ein Plagiator Houbrakens. Von Wert dagegen ist 
immer noch, was Christiaan Kramm, De levens 
en werken der hollandsche en vlaamsche kunst- 
schilders U.S. w., Amsterdam 1860 über Ovens 
berichtet. Es sind selbständige, auf eigenen For- 
schungen beruhende Nachrichten, nicht kritiklos 
abgeschriebene Notizen. Auffällig ist es freilich, 
daß Kramm Houbrakens Werk, das Kramms Vor- 
gänger bis zum Überdruß ausschrieben, überhaupt 
nicht envähnt und benutzt. 

Doch mit Kramm sind wir schon von der 
chronistischen Literatur in die wissenschaftliche 
Forschung gelangt. Wenden wir uns also unserer 
Aufgabe wieder zu und betrachten wir die in der 
Heimat vorliegenden Nachrichten über den Künst- 
ler. Da ist zuerst die von M. G. Henr. Burchard 
für des Malers Grab verfaßte und durch den 
Druck verbreitete Inschrift zu nennen ^), die auch 
Pontoppidan, Marmora Danica, tom. iL, 1741, 
S. 340 ff. abdruckt. Sie teilt außer dem Datum 



:') Vgl. darüber S. Q2 f. 
<) Urkunde Nr. 16. 



der Beerdigung und der Angabe des Lebensalters 
des Malers zwar wenig Persönliches mit. Aber 
sie gibt sicherlich das Urteil der Zeitgenossen über 
die Bedeutung des Künstlers wieder, wenn man 
auch geneigt sein wird, dem bei den Grabschriften 
üblichen pomphaften Stil manches zu Gute zu 
halten. Viel wertvoller für die Kenntnis der Per- 
sönlichkeit des Meisters und seiner Lebensum- 
stände sind zwei Quellen, deren Nachrichten wir 
um so unbedenklicher trauen dürfen, als sie von 
Mitgliedern der Familie Ovens verfaßt sind oder auf 
ihre Angaben zurückgehen. Ich nenne zuerst die 
im Besitze der Frau Prof. Schulte in Stettin be- 
findliche Niederschrift des Enkels des Malers, Carl 
August Ovens, eines Sohnes des Johann Adolf 
Ovens. Sie mag, da der Verfasser 1706 geboren 
wurde und 1753 starb, um 1740 bis 1750 ent- 
standen sein 5). Der Enkel nennt, übereinstimmend 
mit der Angabe Burchards in der Grabschrift, als 
Geburtsjahr des berühmten Großvaters das Jahr 
1623. Auch die sonst nicht überlieferte genaue 
Angabe des Datums der durch die Kriegsunruhen 
verursachten Abreise des Malers aus Friedrich- 
stadt nach Amsterdam am 25. August 1657 ver- 
danken wir dem Carl August Ovens. Er kennt so- 
wohl die Erwähnung des Jens Martens durch 
Olearius in seiner Gottorffischen Kunstkammer ^) 
als auch die eingehenden Nachrichten des Philipp 
von Zesen über unsern Meister. Beide Bücher 
hat schon sein Vater Johann Adolf besessen — 
denn sie befanden sich in seinem Nachlaß — 
und wahrscheinlich auch der Maler selbst, der 
sie dann an Johann Adolf vererbt hätte. Von 
ungleich höherer Bedeutung aber als diese kurze 
Niederschrift des Enkels des Meisters ist das in 
der Rostocker Universitätsbibliothek aufbewahrte, 
1740 von deVn damaligen Universitätsrektor Car- 
mon verfaßte Leichenprogramm auf Catharina 
Burchard, geborene Bourgundien '). Diese Ca- 
tharina, die Gattin des Rostocker Professors Bur- 
chard, war eine Enkelin des Malers, eine Tochter 
seiner Tochter Catharina, die mit dem Tönninger 
Bürgermeister Bourgundien verheiratet war. Die 
zahlreichen Nachrichten, die das Leichenprogramm 
über ihre Vorfahren väterlicherseits und ihren be- 
rühmten Großvater von der Mutter Seite, unsern 
Maler, enthält, sind um so wertvoller, als sie auf 



s) Urkunde Nr. 21. 
ß) Vgl. Urkunde Nr. 9. 
7) Urkunde Nr. 22. 



60 



i 



Familienüberlieferung beruhen und deshalb als 
wohlbeglaubigte Tatsachen angesehen werden 
dürfen. Von besonderem Interesse sind die An- 
gaben über die Wertschätzung, die der Maler bei 
Lebzeiten durch eine Reihe von Fürstlichkeiten 
erfuhr, und die Bewunderung, die ihm nach seinem 
Tode Peter der Große entgegenbrachte. Auch 
über Ovens' Heirat und seinen Schwiegervater 
Jens Martens enthält das Leichenprogramm bedeut- 
same Nachrichten. 

Spärlich dagegen und teilweise falsch ist, was 
Erich Pontoppidan, Den Danske Atlas eller Konge- 
Riget Dannemark samlet og fortsat af Hans de 
Hofman, tom. VIL Kopenhagen 1781, S. 707 
und 824 über Ovens berichtet. Unter Friedrich- 
stadt teilt er fälschlich mit, daß Ovens von Husum 
nach dort gezogen sei. Er weiß nicht nur von 
bewunderten Arbeiten des Meisters in Gottorf, 
sondern auch von solchen im Privatbesitz in Tön- 
ning, schließt aber, nachdem er Ovens nur wenige 
Zeilen gewidmet hat, mit dem bezeichnenden 
Satze: ,,Über sein Leben hat man sonst keine 
Nachrichten." 

2. Die Gemäldesammlung des Ovensschen Hauses^). 

Ovens hat eine große und kostbare Sammlung 
von Gemälden sein Eigen genannt. Sie war von 
außergewöhnlichem Umfange. Denn an Origi- 
nalen führt das Nachlaß-Inventar nicht weniger 
als 99 auf, an Kopien 97 '), zusammen also fast 
200 Bilder 10). Auch ihr Wert war bedeutend. 
Es ^x'ar manches Stück in seiner Sammlung ver- 



*) Vgl. Johannes Biematzki, Neue Forschungen' über 
J. Ovens, III., Kieler Zeitung 1885, Nr. 11015. 

8) Ober Kopien im 17. Jahrhundert hat A. Bredius, 
Oud-Holland 29 (1911) einiges mitgeteilt. Auf Grund 
einer Taxation von 1679 führt er aus, daß es damals 
in Holland einen Überfluß an alten, sicherlich sehr 
guten Kopien gegeben hat, die während des Lebens oder 
kurz nach dem Tode der Alaler im Handel waren. Es 
sind Bilder, wie sie auch in Ovens' Inventar vorkommen, 
z. B. : Zwei Stücke nach van Dijck und Jan Lievens 
12 Gulden, zwei Skizzen von Jan Lievens 15 Gulden, 
ein Stück mit Kindern von Rubens 80 Gulden. Auch 
die Preise entsprechen etwa den des Ovensschen Nach- 
laß-Inventars. 

1") Vgl. das vom Verfasser herausgegebene Nachlaß- 
Inventar des Malers Jürgen Ovens (Band VII der Quellen- 
sammlung usw., 1913, S. 57 ff. und Oud-Holland 1914, 
S. 29 ff.) sowie Hans Hampkes Veröffentlichung in der 
Kunstchronik 1897, S. 465. 



treten, das der Stolz jeder modernen Gallerie 
sein würde. Und dabei ist das Verzeichnis, das 
auf uns gekommen ist, noch nicht einrrial voll- 
ständig! Denn eine der Töchter des Malers, 
Catharina, hatte als einen Teil ihres Brautschatzes 
etwa, ein Achtel des Gesamtbestandes an Ge- 
mälden empfangen"), so daß sich die Zahl der 
Gemälde, die ursprünglich zur Sammlung gehört 
haben, noch um 20 bis 25 erhöht. Freilich ist 
der Bestand an Bildern nicht nach dem Tode 
des Meisters, sondern nach dem über elf Jahre 
später erfolgten Ableben seiner Witwe aufge- 
nommen worden. So kann man, streng genommen, 
nicht mehr von Ovens' Samm.lung sprechen. Denn 
abgesehen von den Catharina zugefallenen Ge- 
m.älden wird die Sammlung auch sonst in den 
seit seinem Hinscheiden verflossenen Jahren 
manche Veränderung erfahren haben, und zwar 
wird man annehmen müssen, daß sie eher ver- 
kleinert als vermehrt Worden ist. Ohne Zweifel 
wird die Familie, wenn sich Liebhaber fanden, 
Gemälde verkauft haben. In noch höherem Maße 
wird das für Zeichnungen, deren nur drei auf- 
geführt werden, und für Kupferstiche sowie Ra- 
dierungen gelten müssen, die, auffallend genug, 
im Inventar überhaupt nicht vorkommen. Es liegt 
ja auf der Hand, daß der Maler, wie jeder Künstler, 
auch Zeichnungen, Kupferstiche und Radierungen 
über die von ihm selbst geschaffenen Werke dieser 
Art hinaus gesammelt hat. 

Bei der Beurteilung der Ovensschen Samm- 
lung muß man vor allem bedenken, daß der 
Eigentümer nicht nur Künstler, sondern auch 
Kunsthändler gewesen ist'-), daß Ovens die Ge- 
mälde also nicht nur aus künstlerischem Interesse, 
sondern auch zu geschäftlichen Zwecken zusammen- 
gebracht hat. Der holländische Maler Johannes 
Voorhout sah bei ihm 1672 einen großen Saal 
mit Kunstwerken der geachtetsten Meister, mit 
denen er an den Höfen Handel trieb i^). Die 
Kopien unter ihnen wird er zum großen Teil 
durch Schüler oder durch Maler, die in seinem 
Dienste standen, haben anfertigen lassen, wie wir 
von verschiedenen holländischen Künstlern wissen, 
daß sie andere Maler Bilder kopieren ließen, die 



11) Vgl. Nachlaß-Inventar, S. 78. 

12) Vgl. das Kapitel, Ovens als Kunsthändler, S. 94 ff. 

13) Arnold Houbraken, De Oroote Schouburgh usw., 
III., 1721, S. 225. 

61 



sie dann im Kunsthande! absetzten ^^). Der 
Händler muß den Wünschen seiner Kundschaft 
entgegen l<iommen. Er muß, um der Nachfrage 
genügen zu können, auch solche Werke führen, 
die seiner künstlerischen Richtung, seiner Über- 
zeugung nicht entsprechen. So wird auch in der 
Ovensschen Kunstsammlung manches Werk ge- 
wesen sein, das nicht so' sehr dem Geschmack 
unseres Künstlers, als dem der Käufer zusagen 
mochte. Umgekehrt wird mancher Meister, den 
wir vermissen, nicht deswegen fehlen, weil Ovens 
ihn nicht schätzte, sondern weil die Höfe, der 
Adel öder, wer sonst zu Ovens' Kunden zählte, 
seinen Werken keinen Geschmack abgewinnen 
konnten. Hinzu kommt, daß sehr wohl solche 
Meister, die in dem Nachlaß-Inventar spärlich ver- 
treten sind oder ganz fehlen, ursprünglich in Ovens' 
Besitz gewesen sein können, aber nach seinem 
Tode veräußert worden sind. Aus diesen Er- 
wägungen läßt sich vielleicht die doch sehr auf- 
fällige Tatsache erklären, daß, um nur zwei der 
Größten zu nennen, weder Dürer noch Rem- 
brandt im Nachlaß-Inventar vorkommen. Man 
könnte sich freilich auch denken, daß Dürers Kunst 
Ovens nach seiner ganzen Art immer fremdartig 
war und er sich auch von Rembrandt, je länger 
je mehr, so weit entfernte, daß ihm auch die 
Bilder des größten holländischen Malers, wie 
übrigens seinen Zeitgenossen auch, nicht mehr zu- 
sagten. Dem sei nun wie ihm wolle, jeden- 
falls ist das Inventar eine bedeutsame Quelle für 
die Kenntnis der Persönlichkeit und der Kunst- 
auffassung unseres Meisters. Denn die Gemälde 
sind doch w^ohl fast ausnahmslos von Jürgen 
Ovens selbst zusammengebracht w^orden. Da ist 
es von größter Wichtigkeit, zu w-issen, an welchen 
Werken der Vergangenheit er ein besonderes Ge- 
fallen gefunden und wie er sich überhaupt zu 
der Kunst früherer Zeiten gestellt hat. Wir 
kommen hier dem Innerlichsten, dem Persön- 
lichsten, der künstlerischen Überzeugung nahe. 



") Vgl. Hanns .Floerke, Studfen zur niederländischen 
Kunst- und Kulturgeschichte, 1905, S. 95 ff. 

Einen Fingerzeig für Ovens' Übung in dieser Hin- 
sicht gibt uns Houbraken, der a. a. O. berichtet, daß Ovens 
den Voorhout aufgefordert habe, für ihn zu malen, d. h. 
zu kopieren, wozu aber Voorhout nicht geneigt gewesen 
sei (en hem ock polste, of hij voor hem wilde schilderen. 
Maar wanneer hij bemerkte, dat onze Voorhout daar geen 
genegenheit toe had . . .). 



freilich immer unter Berücksichtigung der oben 
angestellten Erwägungen. Darüber hinaus ist die 
Ovenssche Gemäldesammlung als solche für die 
Kunstgeschichte von großer Bedeutung. Einmal 
für die Kenntnis des Meisters selbst. Wir lernen 
ja aus ihr eine stattliche Zahl sonst nicht be- 
zeugter Ovensscher Werke kennen i^). Dann ist 
sie auch für die allgemeine Kunstgeschichte von 
Wichtigkeit, da das Inventar zahlreiche verschollene 
Gemälde, vor allem holländischer, vlämischer und 
italienischer Künstler anführt, von denen wir sonst 
keine Kunde haben. 

Zuerst die Werke des Ovens selbst i'^). 50 
der Gemälde werden ausdrücklich als von Ovens 
gemalt bezeichnet"). Zu diesen sicheren Ori- 
ginalen kommen noch 4, die sehr wahrscheinlich 
ihm zuzusprechen sind. Unter den Kopien sind 
sicherlich 20 nach Ovensschen Originalen kopiert. 
Denn ausdrücklich ist jedesmal hinzugefügt; nach 
H. (Herrn) Ovens, nach H. O., nach J. O. Bei 
12 anderen ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß 
sie Kopien nach Originalen des Meisters dar- 
stellen. Einzelne könnten nach dem in der Tei- 
lungsakte gewählten Ausdruck (ein Original von 
H. Ovens oder Original) als eigenhändige Kopien 
oder Wiederholungen des Meisters angesehen wer- 
den. 15 der Kunstwerke sind Skizzen, Zeich- 
nungen, Entwürfe, wie sie Künstler zu sammeln 
lieben, darunter sind 10 Originalskizzen von Ovens' 
eigener Hand. 

Im ganzen trägt die Sammlung den Stempel 
einer bestimmten Richtung, die sich mit Ovens' 
Richtung, seiner künstlerischen Auffassung und 
Betätigung deckt. Was die von Ovens gewählten 
Vorwürfe betrifft, so ergibt sich, wenn wir sämt- 
liche Originale seiner Hand, dazu die ihm mit 
großer Wahrscheinlichkeit zuzuschreibenden Ori- 
ginale und die nach Ovensschen Werken sicher 

1^) Jedenfalls ist die Gemäldesammlung des Inventars 
und nicht, wie von Wurzbach, Niederländisches Künstler- 
lexikon, II., S. 294 annehmen möchte, der Katalog der 
Versteigerung der Gemälde des Grafen von Arundel von 
1684 das wichtigste Dokument inbezug auf die ver- 
schollenen Gemälde des Ovens. 

18) Vgl. dazu auch die Zusammenstellung in Ab- 
schnitt VIII. 

1') Daß ein Bild eine eigenhändige Arbeit des Ovens 
ist, wird auf mannigfache Weise ausgedrückt, z. B. : Ein 
Original vom Sehl. H. (Herrn) Ovens, von H. Ovens, 
welches H. Ovens selbst gemachet, H. O., J. Ovens, 
J. O., von H. Ovens gemacht, sehl. H. Jürgen Ovens, 
von sehl. Jürgen Ovens. 



62 



oder wahrscheinlich' kopierten Bilder, also im 
ganzen 86 Gemälde zusammennehmen, Folgendes. 
Durchaus übenxdegt, wie in des Meisters ganzem 
Werke, das Bildnis. 35 Porträts, Originale oder 
Kopien nach Ovensschen Porträts, waren vor- 
handen. An z^-eiter Stelle stehen Darstellungen 
aus dem alten und neuen Testament und sonstige 
religiöse Vorwürfe. Es sind insgesamt 25. Mytho- 
logische Stoffe kommen 12 mal vor. In großem 
Abstände folgen dann 7 Allegorien, 3 Darstellungen 
aus der alten und neuen Geschichte, während das 
Genre 2 mal und das Tierbild nur 1 mal ver- 
treten ist. Dazu kommen noch 2 Bilder, die 
nicht näher bestimmt sind. Eins von ihnen ist 
ein Nachtstück, eins wahrscheinlich ein Bildnis 
mit zwei kleinen Kindern (2 Bildergin). 

Interessant ist es, daß Friedrich Adolf, der 
Tönninger Ratsherr, der mit der Kunst des Vaters 
wohl vertraut war^s) und die Gemälde taxiert 
hatte, sie denen anderer berühmter Maler, so eines 
van Dijck ebenbürtig erachtete. Man darf an- 
nehmen, daß er darin von der öffentlichen Meinung 
nicht abwich. Nachprüfbare Beispiele seiner 
Schätzung liegen uns in den drei Ovensschen 
Originalen des Inventars vor, die wir heute noch 
nachweisen können. So hat er das Tönninger 
Epitaphbild (Original Nr. 5, unsere Nr. 27), das 
durch den Zusatz „soll in der Kirch Ver-Ehret 
werden" kenntlich gemacht ist, zu 600 # ange- 
setzt. Das heute in der Kgl. Gemäldegallerie in 
Kopenhagen (Katalog 1904, Nr. 259) aufbewahrte 
Schäferstück (Original Nr. 73, unsere Nr. 177), 
hat er mit 15 # bewertet, während er das im 
Besitze der Frau Professor Schulte, geb. Ovens 
in Stettin befindliche Bildnis der Frau Maria 
Ovens mit ihrem Söhnchen Johann Adolf (Original 
Nr. 25, unsere Nr. 243) nur auf 75 # geschätzt 
hat. Verhältnismäßig niedrig im Preis standen 
damals Porträts. „Ein Original von' A. V. Dijck 
Grau in Grau worauff ein klein Contrafeite" (Nr. 43 
der Originalien) kam auf nur 6 #, Kari IL von 
England von Ovens (Nr. 79 der Originalien, un- 
sere Nr. 296) kostete 9 #. Der einzige Rubens 
d.er Sammlung, ein sitzender Pater (Nr. 81 der 
Originalien) war auf 100 # geschätzt, während 
zwei Engel von Poussin (Nr. 33 der Originalien) 
120 # erreichten. Der teuerste van Dijck, eine 
weinende Maria Magdalena (Nr. 11 der Origi- 



18) Vgl. den 16. Exkurs. 



nahen) kostete 45 #. Dagegen brachte Roeland 
Savei-y mit einem Zigeunerstück (Nr. 36 der 
Originalien) es auf 150 # und Jacob Jordaens 
mit dem Verrat Christi erreichte gai" 240 #. Bei 
Letzterem ist freilich die Größö des Bildes und 
die große Zahl der Figuren hervorgehoben. Eine 
Zeichnung von Jacob Jordaens, die mit 30 # 
angesetzt ist, ein Opfer (Nr. 21 der Originalien), 
ist das einzige Werk, das ich bisher außer den 
genannten drei Ovensschen Bildern habe nach- 
weisen können. Die Zeichnung, Abraham und 
Isaak, ist heute im Louvre (Abbildung bei Rooses, 
Jordaens' Leben und Werke, 1906, S. 219, vgl. 
S. 221 und 265). 

Ich wende mich jetzt den im Nachlaß-Inventar 
aufgeführten anderen Malern zu. Unter ihnen 
nehmen, was die Originale betrifft, die Vlamen 
mit 12 Bildern die erste Stelle ein. Es folgen 
die Holländer mit 9. die Italiener mit 6, die Hol- 
steiner mit 3 Bildern und die Franzosen mit einem 
Bilde. Bei den Kopien ist das Verhältnis etwas 
anders. Voranstehen auch hier die Vlamen mit 
9 Bildern, dann kommen jedoch die Italiener mit 
7. Holländische und holsteinische Künstler sind 
gleich, beide mit je 5 Bildern vertreten. Die 
Franzosen fehlen ganz, während die deutschen 
Meister, von denen Originale überhaupt nicht vor- 
handen sind, immerhin mit 3 Kopien vorkommen. 

Vlamen. 

Unter den Vlamen kommt Anton van Dijck 
am häufigsten vor. Von den 21 Originalen und 
Kopien, die auf die vlämische Schule entfallen, 
beansprucht er fast die Hälfte-; lü Bilder. Neben 
3 Bildnissen entfallen 7 religiöse Darstellungen 
auf ihn, darunter verschiedene, wie sie Ovens 
mehrfach gemalt hat. Ohne Zweifel hat dies 
Hervortreten van Dijcks zwei Gründe. Einmal war 
Ovens besonders in seiner letzten Schaffenszeit 
stark v^on van Dijck abhängig. Zweitens ent- 
sprachen seine Gemälde dem herrschenden Ge- 
schmack. Sie waren leicht verkäuflich. Von 
Jacob Jordaens, der ebenfalls Ovens beeinflußt 
hat, besaß unser Meister 4 Bilder, davon eins 
im Original und in der Kopie. Rubens ist, wie 
schon enjcähnt, nur mit einem? Bilde vertreten. 
Das mag Zufall sein. Denn auch Rubens ge- 
hörte z:u den Malern, die Ovens nachahmte. Es 
ist also sehr wohl möglich, ja wahrscheinlich, daß 
Rubens früher in der Sammlung besser vertreten 



63 



gewesen ist und daß Werke seiner Hand von 
Ovens ver]<äuft sind. Von einem derselben können 
wir es urkundlich nachweisen, dem großen Stück 
von Silen, das Ovens 1654 an den Herzog 
Friedrich III. veräußert hat»»). Auch von Frans 
Snijers, dem nach van Dijck berühmtesten Mit- 
arbeiter des Rubens, war ein Bild, das einen großen 
Hund darstellte, vorhanden. Es kommt einem 
unwillkürlich der Gedanke, daß das einzige von 
Ovens gemalte Tierbild des Inventars, Hirsch im 
Wasser, vom Hund verfolgt (Nr. 48 der Origi- 
nalien, unsere Nr. 197) auf Frans Snijers, der der- 
artige Vorwürfe so oft behandelt hat, zurück- 
gehen könnte. Über das Original 45, Eine Bra- 
bandsche Dame, zu dem vielleicht die 4 Kopien 
unter Nr. 90 gehören, läßt sich nichts w^eiter sagen, 
da leider der Name des Künstlers nicht angegeben 
ist. Von den Vlamen sind, wie diese Musterung 
zeigt, nur die damals modernen, leicht verkäuf- 
lichen Meister vertreten. Die Hauptetappen vor 
Rubens dagegen, die van Eycks z. B., fehlen. 

Holländer. 

Auf die holländische Schule entfallen 14 Origi- 
nale und Kopien. Doch sind wir durch diesen 
Teil der Sammlung enttäuscht. Nicht nur, daß, 
wie schon erwähnt, Rembrandt nicht vertreten 
ist. Daß der Großmeister der holländischen Kunst 
fehlt, mag darin begründet sein, daß sein Schüler 
sich von seiner Kunst, je länger je mehr, ent- 
fernt hatte und zu einem Anhänger der Vlamen 
und Italiener geworden war. Auch mögen Rem- 
brandts Bilder schon damals nicht recht gangbar 
gewesen sein, wofür wir aus dem 18. Jahrhundert 
häufig genug Zeugnisse haben. Aber auch die 
anderen großen Vertreter der holländischen Malerei 
fehlen fast ganz. So vermissen wir Frans Hals 
und Gerrit Don, Jan Steen, Paulus Potter, Adriaen 
van Ostade, die Ruisdaels und wie sie alle heißen. 
Von ihnen ist nur der Haarlemer Philipp Wouwer- 
man (1619—68), der große Pferde- und Sitten- 
maler sowie Landschafter, dessen Kunst dem Ge- 
schmack der Höfe und der vornehmen Kreise 
so recht zusagte, mit einem Original (Nr. 38) 
und einer Kopie (Nr. 2) vertreten, die wahr- 
scheinlich nach diesem Original ausgeführt ist. 
Man wundert sich, daß Meister, deren Kunst- 
richtung Ovens nahe stand, wie Ferdinand Bol 



und Govert Flinck, mit denen ihn auch persön- 
liche Beziehungen verbanden, und vor allem 
Bartholomeus van der Helst, nicht vertreten sind. 
Bilder von ihnen würde man unbedingt er- 
warten und wird ihr Fehlen damit erklären müssen, 
daß sie eben früher in der Sammlung vorhanden 
gewesen und von Ovens verkauft sind. Jan Lie- 
vens, dessen Kunstrichtung in seiner späteren Zeit 
ähnliche Bahnen wie Ovens einschlug, kommt doch 
wenigstens in zwei Originalien vor (Nr. 14, Nr. 86). , 
Das Original von Jan van Noordt^») (Nr. 24), 
der nach Houbraken III, S. 224 um 1670 Lehrer 
des Jan Voorhout war, mag Ovens von letzterem 
erworben haben, als Voorhout ihn 1672 in 
Friedrichstadt besuchte. Vermutlich ist Jan van 
Noordt, der zu den nach Rembrandts Tode akade- 
mischer werdenden Meistern gehört, ein Schüler 
Rembrandts gewesen, von dessen Schule jedoch 
keine Spur zu entdecken ist. Er ist Eklektiker 
mit unverkennbaren vlämischen Einflüssen. In 
seinen späteren Gemälden finden sich die mannig- 
faltigsten Anklänge an andere Maler. So ist sein 
Entwicklungsgang dem des Ovens, dessen Bilder 
gelegentlich auch mit denen van Noordts ver- 
wandt sind, ähnlich gewesen. Vielleicht hat gerade 
seine wesensverwandte Art unserem Meister zu- 
gesagt, so daß sie ihn beWog, das Bild an sich 
zu bringen. Auch das Original von Jakob Backer 
(1608—51), der einst auch Rembrandts Schüler 
gewesen war, mag solchen Gründen seine Auf- 
nahme in die Ovenssche Sammlung verdanken. 
Roelant Savery (1576—1639), der längere Zeit, 
von Kaiser Rudolf IL hoch geschätzt, an seinem 
Hofe tätig war und in seinem Auftrage zwei Jahre 
lang Studien in den Tiroler Alpen machte, ist 
mit einem Original (Nr. 36) : Tarierstück (Zigeuner- 
stück) verireten. Seine Bilder haben nach dem 
Vorgange Kaiser Rudolfs an den Höfen Deutsch- 
lands Liebhaber und Abnehmer gefunden. Aus 
demselben Grunde, weil sie leicht verkäuflich 
waren, mag Ovens die beiden Kopien, Nr. 73 
und 74, Seeschlachten nach dem wenig be- 
deutenden Maler Duval envorben haben. Mit dem 
Blumenstück der Jungfer Uylenburg (Nr. 91 der 
Originalien) erhalten wir Kunde von einer Malerin, 
von" der bisher nicht einmal der Name bekannt 



19) Vgl. Urkunde Nr. 2. 



20) über ihn vgl. Hofstede de Oroot, Joan van ■ 
Noort, Oud-Holland 1802, S. 210 ff. und von Würz- - 
bach, II, S. 242 f. Dort auch weitere Literatur. 



64 



war-°i). Über die Kopie Nr. 67, die lediglich als 
holländische Landschaft bezeichnet ist, läßt sich 
wegen der Unbestimmtheit der Anführung nichts 
sagen. Die holländische Landschaft mit'' David 
und Abigail (Kopie Nr. 4), bei der ebenfalls der 
Name des Künstlers fehlt, ist möglicherweise eine 
Kopie nach der Ovensschen Originalskizze (Nr. 34) 
„worauff David und Abigail". Größtes Interesse 
erweckt endlich noch die Tatsache, daß Ovens 
ein Bild des Lucas van Leyden (1494—1533), eine 
Gasterei, im Original (Nr. 90) besessen hat. Lucas 
gehört zu den vielseitigsten und tüchtigsten Künst- 
lern seiner Zeit. Der Schwerpunkt seiner Tätig- 
keit liegt allerdings im Kupferstich. Doch hat 
er auch eine Reihe von Gemälden hinterlassen, 
die ihn als Meister der Pinselführung zeigt, so 
daß man ihn nicht mit Unrecht den holländ^chen 
Dürer genannt hat--). 

Italiener. 
Auf die Italiener entfallen 6 Originale und 
7 Kopien. Parmeggianino (1504—1540) ist mit 
zwei Originalen (Nr. 9 und 92) und einer Kopie 
(Nr. 20) nach dem Original Nr. 9 vertreten. Dieser 
unter dem Einflüsse Correggios stehende Meister, 
dessen kokette Zierlichkeit und technische Frische, 
dessen eigenartig manierierter Stil, wie ihn z. B. 
seine Madonna mit der Rose in Dresden zeigt, 
ganz nach Ovens' Geschmack gewesen sein mögen, 
genoß den ungeteilten Beifall seiner Zeitgenossen 
und wird auch dem 17. Jahrhundert zugesagt 
haben, wie denn vor allem seine mythologischen 
Bilder auch unserem Empfinden noch entsprechen. 
Es ist sicherlich kein Zufall, daß die Venetianer 
in Ovens' Sammlung italienischer Bilder den 
größten Raum einnehmen. Die der Malerei in 
Venedig und Amsterdam gemeinsamen Züge sind 
ja bekannt. Das Problem der Luft und des Lichtes 
mußte sich den Malern beider Städte, die von 
stillen, Dunst ausströmenden Gewässern durch- 
schnitten sind, immer wieder aufdrängen. Amster- 
dam und Venedig waren gewaltige Handels- 
emporien. In beiden war das Interesse an der 
Trachtenmalerei groß, und endlich, wie stark ent- 
wickelt war die Freude an den Bildnissen reicher, 
stolz einherschreitender Männer, großer Handels- 

-') über sie vgl. das Kapitel Ovens und die Mit- 
glieder der Kunsthändlerfamilie Uylenburg, S. 93 f. 

^^) Woltmann-Woermann, Geschichte der Malerei, II. 
Band (1882), S. 53 L . 



Herren und Männer im Rat, die selbstbewußt da\-on 
zeugen, daß sie Reichtum, Macht und Ansehen 
ihrer eigenen Tüchtigkeit und Weisheit verdanken ! 
So erscheint es innerlich begründet, daß Rembrandt 
die venetianische Kunst besonders gut kannte 23). 
So überrascht es auch nicht, daß Ovens, der so 
lange in Amsterdam verweilt hat, sich der Kunst 
der Venetianer mit besonderer Vorliebe zuwandte. 
Wenn es der ganzen venetianischen Malerei weniger 
um die Darstellung bewegter Handlungen als um 
die Wiedergabe schönen in sich gefestigten 
Menschentums zu tun war, wenn ihre religiösen 
Gemälde die himmlische Herrlichkeit durch das 
reinste Erdenglück verkörpern, wenn sie die weiche, 
schwärmerische, lyrisch-träumerische Stimmung 
atmen, die in Venedig im eigentlichen Sinne des 
Wortes in der Luft liegt, so ist es keinem Zweifel 
unterworfen, daß Ovens diese Kunst aufs höchste 
bewundern mußte. Außer den Gründen, die 
ich für das Überwiegen der venetianischen unter 
den italienischen Bildern der Ovensschen Samm- 
lung angeführt habe, wird man auch Folgendes 
erwägen müssen. Wer die frühen Arbeiten van 
Dijcks kennt, weiß, daß neben seinem Meister 
Rubens niemand größeren Einfluß auf seirten Stil 
gehabt hat, als Tizian. Aus van Dijcks Skizzen- 
buch von seiner italienischen Reise, das Lionel 
Cust 1902 veröffentlicht hat 21), geht hervor, daß 
er für das Haupt der venetianischen Schule eine' 
unbegrenzte Bewunderung empfunden hat. Die 
meisten Skizzen, die das Buch enthält, tragen bei- 
geschrieben den Namen Tizian. Daneben kommen 
besonders Giorgione und Paolo Veronese vor. 
Tintoretto dagegen fehlt. Die übrigen Italiener 
haben offenbar sehr viel weniger van Dijcks Inter- 
esse erregt. Lionardo erscheint nur einmal in 
seinem Skizzenbuch. Auch Raffael hat ihm kein 
besonderes Interesse abgewonnen. Wenn man be- 
rücksichtigt, wie stark Ovens von van Dijck be- 
einflußt ist, so erscheint es n,icht als Zufall, daß 
auch in Ovens' Bildersammlung ein Geschmack 
waltet, der dem van Dijcks in bezug auf die 
italienische Malerei entspricht, daß also auch Ovens 
die Venetianer besonders bevorzugte. Daß unter 
ihnen Tintoretto in van Dijcks Skizzenbuch und 
in Ovens' Sammlung übereinstimmend fehlt, wird 
daran liegen, daß seine „terribilita" beide gleich 

23) Vgl. W. R. Valentiner, Rembrandt und seine Um- 
gebung, S. 79. 

2*) Vgl. den Abschnitt X. 



65 



befremden, ja abstoßen mochte. Charakteristisch 
ist es, daß Ovens sich auch den übrigen Italienern 
gegenüber ganz ähnlich verhält wie van Dijck. 
Bezeichnend ist da vornehmlich, daß in seiner 
Sammlung Raffael überhaupt nicht vorkommt. Er 
wird den Urbinaten ebenso kühl bewertet haben, 
wie van Dijck es getan hatte. Wenn Ovens an- 
dererseits zwei Bilder nach Castiglione besaß 
(Kopien Nr. 1 und 19), so mag man daran denken, 
daß Castiglione zu van Dijck im Schülerverhältnis 
gestanden hat. 

Ovens besaß 6 Bilder venetianischer Meister. 
Seine Bewunderung der venetianischen Kunst ging 
bis zur Nachahmung. Eins der Ovensschen Origi- 
nale (Nr. 37) ist, wie die Teilungsakte berichtet, 
nach Palma (1480—1528) gemalt, dessen Stärke die 
Darstellung ruhiger Gestalten und Gruppen ist, 
die nur durch ihre schöne malerische Existenz 
wirken wollen. Das Vorbild für das uns er- 
haltene Ovenssche Original Nr. 5 (Katalog der Ge- 
mälde, 27, Abb. 60) ist ein Bild des Sebastiano del 
Piombo (1485—1547), der, ein Schüler Giorgiones, 
jedenfalls in seiner Jugendzeit zu den Venetianem 
gehörte und, ein Vertreter der Mischkunst, sich 
später an Raffael und Michelangelo anschloß. Wie 
sehr Ovens das Werk Sebastianos bewundert hat, 
geht aus den Bemerkungen hervor, die er unter 
die in Hamburg befindliche Zeichnung nach Se- 
■ bastiano gesetzt hat-^). Von Giorgione (1478 bis 
1510), dessen malerisches Helldunkel ihm be- 
sonders zugesagt haben mag, besaß Ovens ein 
Original (Nr. 17), einen Lautenspieler, der heute 
verschollen ist. Es mag ähnlich dem von L. Justi, 
Gi,orgione, 11. Bd. (1908), 64 abgebildeten und 
diesem Meister zugeschriebenen Konzert gewesen 
sein, auf dem auch ein Lautenspieler vorkommt. 
Zwei Kopien (Nr. 76 und 88) von Gemälden Tizians 
(1489—1576) nannte Ovens sein eigen. Wir wissen, 
daß die Gemälde des Meistei's, wie von den Fürsten 
und Herren seiner Zeit, so auch von den Großen 
des 17. Jahrhunderts sehr gesucht waren. Wenn 
man keine Originale erhalten konnte, so begnügte 
man sich mit Kopien. Die Reihe der Venetianer 
schließt mit jenem Paolo Caliari aus Verona (1528 
bis 1588), der unter dem Namen Veronese welt- 
berühmt geworden ist, und, als er nach Venedig 
berufen ward, von dem leuchtenden Farbengefühl 



Tizians ergriffen, den Stil seiner Vaterstadt zur Voll- 
endung erhob. Auch die Ovens gehörige Kopie 
nach dem Bilde Veroneses „Maria mit Christ- 
kind und Catharina" (Nr. 65) ist heute nicht mehr 
nachzuweisen. 

Zeitgenossen des Ovens begegnen uns in Cala- 
brese (1613—1699), von dem er eine Kopie besaß, 
und in Castiglione (1616—1670), von dem er zwei 
Kopien sein eigen nannte (Nr. 1 und 19). Fra 
Mathia Preti, den man il Calabrese nennt, ist 
durch Caravaggiös Helldunkel beeinflußt. Ob er 
stärker auf Ovens gewirkt hat, entzieht sich unserer 
Beurteilung. Dagegen sehen wir hinsichtlich Ca- 
stigliones klarer. Dieser Genueser, der vorüber- 
gehend wohl auch ein Schüler Anton van Dijcks 
gewesen ist und, in Genua, Neapel, Venedig, 
Parma, Mantua arbeitend, einer der vielseitigsten 
Maler seiner Zeit war, mag, bei aller konven- 
tionellen Wirkung seiner Gemälde oder vielleicht 
gerade auch deswegen, so recht nach dem Herzen 
des Ovens gewesen sein. Offenbar ist das von 
Ovens gemalte Original Nr. 82, Opferung Priapi, 
also ein ganz seltener Vorwurf, eine Nachahmung 
eines Gemäldes von Castiglione, das Ovens als 
Kopie besaß (Nr. 19)26). Die Vermutung liegt nahe, 
daß auch das von Ovens gemalte Original Nr. 6, 
das ein Schäferstück darstellt, sich an das Schäfer- 
stück Von Castiglione anlehnte, das in Ovens' 
Sammlung als Kopie vorkam (Nr. 1). 

Franzosen. 

Von dem größten französischen Meister seiner 
Zeit, Nicolas Poussin (1594—1665), hat Ovens ein 
Original (Nr. 33) besessen. Freilich war es nicht 
eine seiner groß gedachten und meistens von er- 
habenem, feierlichem Ernste und tiefer Melancholie 
erfüllten Landschaften, mit denen Poussin die sog. 
heroische und historische Landschaftsmalerei be- 
gründete, sondern ein religiöses Bild: 2 Englein. 
Es scheint mir nahe zu liegen, daß Ovens auch 
sonst von Poussin beeinflußt worden ist, wenn 
ich das bisher auch nicht nachweisen konnte. 
Wenn Ovens die vier Zeiten des Jahres und den 
Tanz der Israeliten um das goldene Kalb gemalt 
hat, und diese beiden Voi-würfe auch zu Poussins 
berühmtesten Bildern zählen, so drängt sich jeden- 
falls bei dem letzteren Bilde, dessen Vorwurf von 
den Holländern nicht gerade häufig dargestellt 



25) Vgl. Verzeichnis der Handzeichnungen, 16 und 
Abb. 29. 



6) Vgl. S. 30 f. und Katalog der Gemälde, Nr. 115. 



66 



ist, die Vermutung auf, daß Ovens hier Poussin 
folgen könnte. 

Deutsche. 

Von den großen deutschen Meistern besaß 
Ovens l<ein einziges Bild. Weder Dürer noch 
Holbein noch Lukas Cranach waren vertreten. Das 
mag Zufall sein. Bilder von ihnen können sehr 
wohl früher in seiner Sammlung gewesen und von 
ihm verkauft sein. Jedenfalls haben sich in Got- 
torf Bilder von Lucas Cranach und eins, das 
unter Dürers Namen ging-''), befunden. Aber für 
das Fehlen eines Albrecht Dürer z. B. können 
auch tiefere Gründe, die ich S. 62 bereits erwähnt 
habe, vorliegen. Die Art dieses im eigentlichen 
Sinne deutschen Meisters, des deutschesten der 
Deutschen, \i£-ie er wohl genannt ist, mag dem in 
Kunst und Leben kosmopolitischen Ovens fremd 
gewesen sein, so daß er ihm in seiner Sammlung 
keinen Platz gönnen mochte. Ahnliche Gründe 
mögen ihn auch gegenüber anderen deutschen 
Malern geleitet haben. Jedenfalls besaß Ovens nur 
3 Kopien nach deutschen Meistern, von denen der 
bedeutendste Rottenhammer war (1564—1623), 
dessen Bankett der Götter (Nr. 64) ein Beispiel 
der italisierenden Moderichtung der Zeit gewesen 
sein mag. Die beiden anderen deutschen Meister, 
nach deren Bildern er je eine Kopie besaß (Nr. 30 
und 47), si'nd Faick, ein Zeitgenosse des Ovens 
(von etwa 1619—1677), und von Fehrden. Ob 
das Stilleben nach Fa'lck jedoch wirklich nach 
einem Bilde des Jeremias Faick kopiert ist, wie 
ich in der Ausgabe des Nachlaß-Inventars S. 69, 
Anm. 7 als wahrscheinlich angenommen habe, ist 
mir doch sehr zweifelhaft geworden. Jeremias 
Faick ist nämlich ausschließlich Kupferstecher ge- 
wesen. Von Gemälden seiner Hand haben wir 
sonst keine Kunde. Wtnn er wirklich gemeint 
ist, hätten wir damit ein Zeichen der Wertschätzung 
von Seiten des Ovens für den einzigen Kupfer- 
stecher Norddeutschlands, der es im 17. Jahr- 
hundert zu einigem Ansehen gebracht hat. Freilich 
^■ar er an künstlerischer Bedeutung den tüchtigen 
niederländischen oder französischen Zeitgenossen 
unterlegen 28). Nach H. von Fehrden hatte 

2') Vgl. Harry Schmidt, Angaben über Gemälde 
in Qottorpischen Schloß-Inventaren (Bd. 43 der Zeit- 
schrift deri^Oes. für Schleswig-Holsteinische Geschichte). 

^«) Ober ihn ist zu vergleichen Block, Jeremias Faick 
usw., Danzig 1890 und Thieme-Becker, Allg. Lexikon 
der bild. Künstler. 



Ovens eine Kopie (Nr. 47). Er ist ein Meister 
des 16. Jahrhunderts, von dem nur ein Bild be- 
kannt ist 29). 

Holsteiner. 

Auch die Landsleute des Malers waren in 
seiner Sammlung nur schwach vertreten. Von dem 
Tönninger Lorens de Keyser freilich, über den 
ich im 17. Exkurs handle, besaß er ein Bildnis 
(Original Nr. 75). Außerdem hatte er 5 Kopien 
nach Werken dieses Malers (5/6, 57, 59, 62). Leider 
ist uns trotz der vielen urkundlichen Nachrichten, 
die ich über ihn vorlegen kann, Lorens de Keyser 
nicht viel mehr als ein Name, da seine Bilder 
sämtlich verschollen sind, so daß wir keine Vor- 
stellung von seiner künstlerischen Persönlichkeit 
gewinnen können. Etwas besser sind wir dran 
mit dem zweiten Landsmann des Ovens, Johann 
Liß, von dem Ovens 2 Originale (Nr. 95 und 96) 
besaß. Von ihm hat sich doch wenigstens eine 
Arbeit erhalten, eine Zeichnung von 1629 in der 
Kunsthalle in Hamburg, die flott hingeworfen ist 
und von guter Beobachtungsgabe zeugt 3°). Wir 
vermissen jedoch die vielen anderen Meister Schles- 
wig-Holsteins, von denen ich eine große Zahl in 
meinen_Gottorffer Künstlern, Teil I und II, be- 
handelt habe, so den Maler Märten von Achten "), 
der in Ovens' Geburtsstadt tätig war, so daß seine 
Werke unserm Meister sicherlich bekannt gewesen 
sind. Broder Matthißen von Husum und den Flens- 
burger Schilder Hinrich Jansen s-'). 

Wenn man häufig den Eindruck hat, daß Ovens' 
Sammlung nicht so sehr seinen künstlerischen Ge- 
schmack wiedergegeben hat als auf die Möglich- 
keit des Verkaufs berechnet gewesen ist, so 
sprechen andererseits die Tatsachen, daß der alte 
Lukas von Leyden, also ein damals längst aus 
der Mode gekommener Meister, vertreten war und 
daß Ovens einmal ein von ihm hochgeschätztes 

29) Ober ihn ist zu vergleichen Thieme-Becker a. a. O. 

30) Über ihn vgl. Harry Schmidt, Die Maler Johan 
Liß und Anna Liß in Gotorffer Künstler II. Teil (Quellen 
u. Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins, V. Bd., 
1Q17, S. 311 ff.). Ebendort, S. 312 die Abbildung. 

31) Ober ihn vgl. auch meinen Aufsatz, Von der 
Gottorfer Schloßkapelle, Schleswig-Holsfeinischer Kunst- 
kalender 1918/1919, S. 37 f. 

32) Auf ihn hat zuletzt hingewiesen H. de Groot, 
Beschr. u. kritisches Verzeichnis der Werke der hervor- 
ragendsten holl. Maler des 17. Jahrhunderts, 6. Bd 
(1915), S. 478. 



67 



6* 



Bild des ebenfalls veralteten Pieter Lastman sein 
eigen nannte ^3), dafür, daß Ovens diese Künstler 
historisch gut zu werten wußte und daß er sich 
doch auch durch historisch bestimmte sammle- 
rische Rücksichten leiten ließ. So' ist etwas wie 
wissenschaftlicher Geist ihm eigen gewesen. Alles 
in allem wird der Maler, der eine umfassende 
Kunstanschauung besaß und sich, wie seine so viele 
Schulen und Stilrichtungen umschließende Samm- 
lung beweist, durch einen historischen Gerechtig- 
keitssinn auszeichnete, der in seiner Weitherzig- 
keit fast an das Prinzip der modernen Galerie 
erinnert, einer der vielseitigsten Kunstkenner seiner 
Zeit gewesen sein. 

3. Die Einkünfte und der Besitz des Malers sowie 
die Einriciitung seines Hauses. 

Jürgen Ovens war ein wohlhabender, ja 
reicher Mann. Sein Vater schon war begütert 
gewesen. Ove Broders' Wohlstand hatte sich in 
Tönning zusehends gehoben. Er war als Kauf- 
mann, Reeder, Landmann einer der angesehensten 
und reichsten Bürger der Stadt gewesen 3*). In 
der Erbteilung nach seinem im Sommer 1652 er- 
folgten Tode hatte Jürgen aus der Erbschaft den 
väterlichen Hof samt den Ländereien „ufs Westen 
für Tönningen" im Werte von etwas über 10 000 # 
übernommen''^''). Es waren etwas mehr als 60 
Demat Land-"% Von seiner 1657 gestorbenen 

33) Vgl. darüber S. 96 f. 

34) Vgl. S. 8 f. 

35) Protokoll aller Verschreibimgen, Tönning, 14. /16. 
Dezember 1652. 

36) Tönninger Schatzregister vom August 1653 und 
1654. Ebendort 1655 erscheint Jürgen Ovens mit 20 
Reichstalern 8 Schilling an Abgaben, während seine Mutter 
inur 4 Reichstaler 42 Schilling 8 Pfg., sein Bruder 
Gerrit nur 3 Reichstaler 43 Schilling 3 Pfg. entrichteten. 
Der Grund ist der, daß der Maler großen Landbesitz 
hatte und die Lasten, die auf dem Lande ruhten, hoch 

waren. 

Der Maler verpachtete diesen Hof. Aus Akten im 
Staatsarchiv zu Schleswig unter A. XX Nr. 3310 ergibt 
sich, daß Ovens und sein Pächter Meinungsverschieden- 
heiten hatten. Letzterer beschwerte sich am 26. Mai 1664 
über seinen Pachtherrn. Er will die in den jüngst ab- 
gewichenen Kriegsläuften entstandenen Lieferungen an 
Heu, Stroh und Pferden sowie die Kosten der Ein- 
quartierung dem Eigentümer in Rechnung stellen, wo- 
gegen dieser sich sträubt. Er „kann mit seinem Land- 
herrn Georg Ovens nicht zur endtschafft und richtigkeit 
gelangen, ehe und Bevor in dieser Sachen gerichtlich 
liquidieret und erkandt worden". Am 14. Juni 1664 



Mutter erbte er mit seinen Brüdern Broder Ovens 
und Ove Broders (dem Jüngeren) zu gleichen Teilen 
einen Hof mit Land in Tetenbüll, wie wir aus • 
einem Tauschbriefe vom 4. Juni bezw. 11 Juli 
1662 wissen, nach dem Ove Broders der Jün- 
gere seinen Anteil an Jens Martens vertauschte 3'). 
Daraus werden wir schließen dürfen, daß aych 
Jürgen und Broder ihren Anteil Jens Martens 
übedassen haben »s). Dafür kaufte Jürgen am 
S. November 1664 in Tetenbüll wieder IOV2 Demat 
Land 39). Auch von seinem Bruder Gerrit erbte 
Jürgen 3 Fennen Land, westlich von Tönning, 
etwas über 11 Demat groß im Werte von 1606# "). 
Auch in Koldenbüttel hatte der Maler Grund- 
besitz. Aus dem Erdbuche") ersehen wir, daß 
er 1665 in Büttel eine etwa 4 Demat große Fenne 
„int middelste"*-'), außerdem 1667 2 Demat und 
1671 im Peterskoog „int beste"") 6 Demat, die 
er von Gerrit Ovens geerbt hatte, besaß. Von 
seinem weiteren Grundbesitz wird noch zu 
sprechen sein. 

Ihm, der schon von Hause aus gut gestellt 
war, xx'urde durch die Heirat mit der einzigen 
Tochter des Jens Martens im Jahre 1652 mit 
einem Schlage großer Reichtum zuteil. Die Mit- 
gift betrug nach dem Leichenprogramm auf Ovens' 
Enkelin") 60 000 Reichstaler, eine für jene Zeit 
mit ihrem so viel höheren Geldwerte gewaltige 
Summe, so daß die Mitgift a. a. O. mit Fug und 
Recht splendidissima genannt wird. Man wird 
den Superlativ begründet finden, wenn man hört, 
daß der Reichstaler 3,60 M. war, daß also die Mit- 
gift 216 000 M. der Friedenswährung betrug, eine 
Summe, die entsprechend der viel höheren Kauf- 
befahl der Herzog Christian Albrecht, einen Termin an- 
zusetzen, die Interessenten zu versammeln und den Streit- 
fall zu entscheiden. 

37) Protokoll aller Verschreibungen, Tönning. 

38) \X^ahrscheinlich handelt es sich um den Hof, der 
im Nachlaß-Inventar S. 9 unter Nr. 5 der Ländereien 
aufgeführt wird. Er umfaßte 68 Demat Land. 

^ 39) S. Urkunde Nr. 6. 

iO) Protokoll aller Verschreibungen, Tönning, 25. No- 
vember 1662. An diesem Tage verkaufte Jens Martens 
als Bevollmächtigter seines Schwiegersohnes, als der er 
auch 1657 nach dem Tode der Mutter des Malers (vgl. 
Urk. Nr. 18) und 1669, 18. März auftrat, diese 3 Fennen. 
Vgl. Buch der proklamierten Häuser in Tönning, 17. De- 
zember 1662. 

41) 1662, fol. 117. 

*2) Von mittlerer Bonität. 

*3) Von erster Bonität. 

*i) Vgl. Urkunde Nr. 22. 



G8 



kraft des Geldes in der Mitte des 17. Jahrhunderts 
zum mindesten einem Betrage von 1 500 000 Goid- 
mark gleichzusetzen ist, wenn man sie nicht noch 
höher veranschlagen muß. Und unser Maler hat 
es anders als so viele Künstler trefflich verstanden, 
den ererbten und erheirateten Besitz zu wahren 
und klug zu mehren. Freilich hatte er zeitlebens 
sehr hohe Einnahmen. In Amsterdam ist er, wie 
wir gesehen haben, von 1657 — 1663 einer der 
Modemaler der Zeit gewesen, der die vornehmsten 
Kreise zu seinen Auftraggebern zählte"). Er wird 
sich seine Bilder seinem Ansehen entsprechend 
•haben bezahlen lassen*"), und da er sehr pro- 
duktiv gewesen sein muß, ist das Geld ihm nur 
so zugeflossen. Jedenfalls waren diese Einnahmen 
für einen Maler ganz außergewöhnlich, so daß 
seine glänzende finanzielle Lage Aufsehen erregte 
und sich herumsprach. Dafür haben wir zwei 
Zeugnisse bei Houbraken, a. a. O. III. S. 225*') 
und S. 372. An der ersten Stelle heißt es, daß 
Jürgen Ovens „door zijn pourtretschilderen zijn 
Fortuin gevonden had, gelijk hij ook veel gelt 
naagelaten heeft", und S. 372 hören wir, daß durch 
die hohen Honorare, die Ovens in Amsterdam 
empfangen hatte, ein junger Hamburger Maler, 
Ernst Stuven, angespornt wurde, dort sein Glück 
zu versuchen. Er machte sich also im Jahre 
1675, 18 Jahre alt, nach Amsterdam auf, in der 
Absicht, die Porträtmalerei zu erlernen, mit der 
damals ,,veel gelt . . . . te winnen was . . . aan- 
gesport door de blinkende voordeelen, die de brave 
pourtretschilder Jan Ovens had overgegaard" (er- 
worben hatte) **). 



*5) Vgl. S. 29 ff. 

*") .^us der Amsterdamer Zeit hat sich nur ein 
Beleg über die von Ovens bezogenen Honorare erhalten. 
Die Stadt Amsterdam zahlte ihm am 2. Januar 1663 
eine Summe von 300 Gulden und zwar 252 Gulden 
für die Allegorie Vorsicht, Gerechtigkeit und Friede 
(Nr. 139 des Katalogs der Gemälde) und 48 Gulden für 
die Vollendung des von Govert Flink begonnenen Gast- 
mahls des Julius Civilis (Nr. 145 des Katalogs der Ge- 
mälde). Über den Grund, daß der letztere Betrag ver- 
hältnismäßig gering vsar, vgl, S. 87. 

1") VgL Urkunde Nr. 20. 

^^) Die Nachrichten über Ernst Stuven hat Hou- 
braken -^ie die über Jürgen Ovens, den er hier ver- 
sehentlich gleich von Zesen (vgl. S. 29) Jan (Johan) 
nennt, von dem Maier Johannes Voorhout empfangen, 
der Stuven in Hamburg kennen gelernt hatte. Vgl. Hof- 
stede de Groot, Arnold Houbraken usw. kritisch be- 
leuchtet, S. 83. 



Genaue Angaben machen kann ich über die 
Summen, die Ovens für seine Tätigkeit im Dienste 
des Gottorfer Herzoghauses empfing. Nach Aus- 
weis der Gottorfer Rentekammerrechnung i^) und 
der Rechnung der Herzogin Maria Elisabeth =") 
erhielt der Maler von 1651 bis 1676 für von ihm 
gefertigte Bilder und Kupferstiche im Ganzen rund 
30 000 Reichstaler. Dabei ist zu berücksichtigen, 
daß Ovens während seines Aufenthalts in Amster- 
dam in den Jahren 1658, 1659, 1662 und 1663 
überhaupt nichts und 1660 nur ein ganz gering- 
fügiger Betrag ausbezahlt worden ist. So bleiben 
nur 20 Jahre übrig. Er empfing also von seinen 
fürstlichen Auftraggebern Jahr für Jahr im Durch- 
schnitt 1500 Reichstaler. 1666 erreichte das ihm 
vom Herzog gezahlte Honorar den gewaltigen 
Betrag von 5300 Reichstalern, der gegen einen 
Marschhof aufgerechnet wurde, 1671 bekam er 
gar 6815 Reichstaler in barem Gelde. Und dabei 
bildete die Tätigkeit für den Hof doch nur einen 
Teil der gesamten Tätigkeit des Malers. Außer 
für den Hof hat Ovens in all den Jahren auch 
sonst noch viel gearbeitet und dafür Honorare 
bezogen, die sich unserer Kenntnis entziehen. 
Hinzu kommen noch die sicherlich nicht geringen 
Einnahmen, die er aus dem Kunsthandel bezog ^i), 
und vor allem das Einkommen, das ihm sein 
großes immer wachsendes Vermögen einbrachte. 
Man wird allein die Zinsen auf mehrere tausend 
Reichstaler jährlich zu veranschlagen haben. 

Dieser ungemein günstigen finanziellen Lage 
des Malers entspricht das Bild, das wir aus dem 
Nachlaß-Inventar gewinnen. Es spiegelt den un- 
gewöhnlichen Reichtum der Familie wieder. Sechs 
Marschhöfe werden aufgeführt im Werte von über 
82 000 #. Den einen, den Freihof im Sievers- 
flether Kooge, hat Ovens sich durch seine Kunst 
verdient. Denn er hatte ihn, der einen Wert von 
5934 Reichstalern 24 Schilling darstellte, 1666 für 
Gemälde erhalten, die er für den Herzog gemalt 
hatte ää). Der andere stammte aus der Erbschaft 
des 1684 verstorbenen Jens Martens, ist also erst 
nach dem Tode des Meisters in den Besitz seiner 
Witwe gekommen. Im Ganzen umfaßten diese 



*9) Reichsarchiv Kopenhagen. 

50) Staatsarchiv, Schleswig. 

51) Vgl. das Kapitel, Ovens als Kunsthändler, S. 04 ff. 

52) Vgl. die Urkunde Nr. 8 vom 2. April 1666. (Dort 
auch Angaben über die Geschichte des Hofes und die dazu 
gehörigen Rechnungsbelege.) 

69 



Ländereien über 500 Demat^a). Dazu kamen noch 
Schuldverschreibungen über mehr als 12 600 #. 
Jedes Kind sollte nach einer testamentarischen Be- 
stimmung des Vaters bei der Heirat 9000 # und 
als Hochzeitsgeschenk 540 # erhalten. Außer- 
dem kamen jedem einzelnen sog. Neujahrsgelder 
zu, die zwischen 119 ^ und 263 # 8 Schilling be- 
trugen. An unbeweglichem Besitz waren neben 
mehreren Kirchenstühlen mit zahlreichen Einzel- 
sitzen in Friedrichstadt*-') und Tönning, die mit 



In diesem Fall kann ich einmal sichere Angaben 
machen über den Wert des Landes 1666, 1691 und 1914. 
Als der Maler den Hof 1666 vom Herzog übernahm, 
betrug der Preis des Hofes, der Ländereien und Ge- 
bäude 5934 Reichstaler 24 Schilling, also rund 21370 
Ooldmark. Das Demat kostete rund 260 Ooldmark. Bei 
Aufstellung des Inventars 1691 wurde der Hof mit 
21 592 # (25 910 Ooldmark) angesetzt, das Demat zu 
260 # (312 Ooldmark) gerechnet. Es war also um 
rund 4500 Goldmark im Werte gestiegen. Das Demat 
stieg um etwa 50 Ooldmark. 1914, bei der Veran- 
lagung zur Wehrsteuer, wurde der Hof auf 1600 Mk. 
das Demat geschätzt. Der Verkaufswert war aber sicher- 
lich höher und mag 2000 Mk., wenn nicht mehr, be- 
tragen haben. Der Wert des Landes war also minde- 
stens etwa 7 mal so hoch wie 1666 und mindestens 6 mal 
so hoch wie 1691. 

53) Wie zur Geschichte des heute noch bestehenden 
Freihofes im Sieversflether Kooge, so vermag ich auch 
zur Geschichte der ehemals Ovens gehörigen Höfe auf 
Kleihörn im Kirchspiel Tetenbüll und im Kirchspiel 
Witzwort Beiträge zu liefern. Nach Mitteilung des Herrn 
Hans Hinrichs, Schleswig, war der Kleihörner Hof um 
1774 im Besitz eines Märten Peters, nach dessen Tode, 
um 1830, ging er in den Besitz seines Ehenachfolgers 
Andreas Martens Johannsen über. In den 70er Jahren 
des 19. Jahrhunderts mußte der Hof verkauft werden. 
Er kam in die Hände von Peter Behrens, der die Ge- 
bäude abbrechen ließ. Der Witzworter Hof lag im 
Johann Adolfs Kooge. Das Höferegister des Land- 
messers Thomas Jensen in Witzwort vom Jahre 1861 
(die Handschrift ist Eigentum des Herrn Lehnsmanns 
Härder in Witzwort) gibt die Besitzer bis zur Parzellierung 
1864 an. Aus ihm ist zu ersehen, daß Ovens' Tochter 
Catharina den Hof erbte. Er heißt nach den Besitzern 
von 1833 — 1858 heute wohl noch der Alsensche. Das 
Gebäude war ein großer weißer Haubarg. Jetzt steht dort 
ein mit Zementpfannen gedecktes Haus. 

**) Aus dem lutherischen Kirchenrechnungsbuah, 
Friedrichstadt, geht hervor, daß Jürgen Ovens 1664 mit 
Rudolf Burmeister, einem der angesehensten Einwohner, 
über den des Verfassers Friedrichstädter Polizeiproto- 
kolle, II. Teil, S. 106 (Namens- und Sachverzeichnis) 
zu vergleichen ist, „vor die Herren Stühle", 18 # an 
.Miete entrichtete. Es waren, wie auch die Höhe der 
Miete beweist, offenbar die vornehmsten Plätze, die ge- 
legentlich vom Herzoge benutzt wurden, wie sie denn 



1320 # bewertet wurden, zwei Wohnhäuser »s) in 
Friedrichstadt vorhanden. Das kleinere mag einst- 
mals Jens Martens bewohnt haben. Das andere, 
das auf 6000 # geschätzt wurde und bei Ab- 
fassung des Inventars an den Hofrat und Staller 
Samuel Rachelius vermietet war, ein großes statt- 
liches Haus, wohl das beste der Stadt, da es 
später der Herzog als Wohnung verlangte, ist 
Jürgen Ovens' Heim gewesen *''). 



im „Register von Kirchstühlen" als „Ihrer Hochfürst- 
lichen Durchlaucht und dero Bedienten Stuhl" aufgeführt 
werden. Nach der Kirchenrechnung vom 26. März 1675 
kaufte der Maler damals „ein Mannes Kirchenstelle" für 
3 #. Sie lag nach dem Register „an der Norderseiten 
•zu Osten der Thür". Wie das Register von 1671 und 
1677 ausweist, hatten Frau Maria Ovens und jede ihrer 
fünf Töchter ihren Kirchenstuhl an der Norderseite, ob- 
gleich Maria, getauft 1667, Agnetha (Anna) Elisabeth, 
getauft 1668, Friderica Amalia, getauft 1670, im Jahre 
1671 noch ganz kleine Kinder waren. Sie saßen darum 
auch im „Zwerg Stuehl". 

*5) Nach dem Kirchenmemorial, Koldenbüttel, be- 
schloß der Kirchenvorstand am 22. März 1659 der Kriegs- 
unruhen wegen, die Kopien der Kirchenrechnung sollen 
„bei Peter von der Beek in seiner Christenkasten (= 
Gotteskasten, Armenlade) in Jürgen Ovens' Hause ver- 
wahrt werden . . . ." Daraus geht hervor, daß Ovens 
1659 auch in Koldenbüttel ein Haus besaß, und zwar war 
es das heutige Pastorat, das noch die Anfangsbuchstaben 
der Namen des Peter von der Beek trägt. 

5G) Das stattliche Giebelhaus, das auf alten Stichen 
erscheint, lag am Fürstenburgwall. Hinter dem Hause 
lag nach Ausweis des um 1725 entstandenen Stadt- 
plans, den ich meinem Buche, Bilder aus der Geschichte 
der Stadt Friedrichstadt a. d. Eider, beigegeben habe, 
ein großer Garten, von dessen Früchten Ovens ge- 
legentlich der Herzogin Maria Elisabeth Proben über- 
sandte. Das Haus verbrannte während der Beschießung 
der SLadt 1850. Heute gehört das Gewese der Witwe 
des Herrn Ratmanns Kölln. Nach dem Tode des Malers 
bewohnte Frau Maria das Haus bis 1684. Am 26. Sep- 
tember vermietete sie es an den neu angekommenen Kgl. 
Zollverwalter und zog am 30. September nach Tönning 
(s. des Verfassers Friedrichstädter Polizeiprotokolle, I. 
Teil, S. 300 f.). Der Staller Rachelius bezog das Ovenssche 
Haus am 19. Juli 1689 (ebendort, S. 301). Er, der Bruder 
des bekannten Satirendichters, geb. 1628 zu Lunden, 
wurde 1680 Südler von Eiderstedt. Bei der Errichtung 
dier Kieler Universität, an der er eine Zeitlang die Pro- 
fessur des Natur- und Völkerrechts bekleidete, war er 
sehr tätig gewesen. Er starb am 13. Dezember 1691 zu 
Friedrichstadt. Nach ihm wohnte sein Sohn in dem 
Hause, mindestens bis 1692 (ebendort, S. 304). 1694 
verkauften die Ovensschen Erben das Haus mit Stall 
und Garten an den Herzoglichen Kornschreiber Johann 
Sternberg in Friedrichstadt. Am 23. März 1697 be- 
richten zwei nach Gottorf kommittierte Bürger, „daß 



70 



Die Einrichtung dieses Hauses ivennen \«nr dank 
dem Inventar bis in die I\ieinsten Einzelheiten, 
so daß wir uns eine deutliche Vorstellung davon 
machen können, ^x•ie die Räume, in denen unser 
Meister in Friedrichstadt lebte und arbeitete, aus- 
gestattet gewesen sind. Wenn auch nicht alles, 
so wird doch der größte Teil des im Nachlaß der 
Witwe vorhandenen reichhaltigen Hausrates, des 
Silberschatzes ^■), der Gemäldesammlung*«), der 
Bibliothek 59) aus den Zeiten des Zusammenlebens 
mit ihrem Manne stammen. Da entrollt sich 
denn vor unseren Augen ein wahrhaft glänzendes 
Bild. Kaum hat sich, alles in allem, auch in 
den Zeiten des Glücks und Wohlstandes vor dem 
Kriege eine Haushaltung unseres Landes mit der 
Ovensschen messen können. Freilich war es eine 
prachtliebende Zeit, die Mitte und der Ausgang 
des 17. Jahrhunderts! Und es war das Heim 
eines Künstlers, der ohne Zweifel für die Schön- 
heit seiner Umgebung und das Behagen der Seinen 
auch große Ausgaben nicht scheute, zumal da 
er sie mit Leichtigkeit aufbringen konnte. Endlich 
wird man auch bedenken müssen, daß Ovens 
in Holland, wo Reichtum, Pracht, ja Prunk und 
Üppigkeit auch des bürgerlichen Lebens sehr hoch 
gestiegen war, "lange gelebt hat und auch nach 
seinem Scheiden aus Holland mit diesem Lande 
in enger Berührung gebheben ist. 



ihnen vorgetragen, daß weilen Seine Durchlaucht hier 
eine Wohnung verlangten, die Stadt dazu das Haus, so 
ehmalcn Jürgen Ovens, itzo Stemberg gehöre, ankaufen 
möchte, so Bürgermeister und Rat akzeptieren" (ebendort, 
S. 313 f.). Am 27. April 1697 verkaufte Johann Stem- 
berg das Haus an die Stadt für 2000 Reichstaler und 
überdem pro melioratione 300 Reichstaler. Damals be- 
fanden sich oben in dem Hause, in dem Saal noch 
2 große Schildereien. Hendricus Tiedemans Witwe 
wohnte westwärts, der Stadtgraben lag ostwärts. (Nach 
Akten des Staatsarchivs zu Schleswig, A. XX.) Im 
,, Herrenhause" lag ipi Jahre 1700 der Herzog Ferdinand 
Wilhelm von Württemberg-Neustadt, der mit den dä- 
nischen Truppen die Stadt am 13. April erstürmte, im 
Quartier. (Die Friedrichstädter Polizeiprotokolle, a.a.O., 
S. 398.) — Nach einer Atitteilung des Herrn Dipl.-Ing. 
Werner Rehder, Aitona, die ich während der Korrektur 
erhalte, hat in dem Ovensschen Hause bis 1625 der 
Statthalter van JVloersbergen, also die vornehmste Per- 
sönlichkeit der neuen Stadt, gewohnt. 

=') Vgl. S. 80 ff. 

5") Vgl. S. 61 ff. 

59) Vgl. S. 74 ff. 

60) vgh S. 81. 



Nicht weniger als vier Kronleuchter aus Messing 
schmückten die Räume und durchfluteten sie mit 
ihrem Lichterglanze, ganz zu schweigen von den 
vier schweren silbernen Tischleuchtern, von denen 
z's-ei vergoldet und mit getriebener Arbeit ge- 
schmückt waren 60), sowie den 16 großen und 
kleinen Leuchtern aus Messing, den vier getriebenen 
Wandleuchtern aus demselben Metall und den 
zwei rot gestrichenen hölzernen Leuchtern "). 
Einer der Kronleuchter, im Gewicht von 82V4 Pfd., 
war ohne Zweifel die Zierde des Haupt- und Fest- 
raumes. Unter seinem Kerzenschimmer werden 
sich die Gäste um den Marmortisch mit ge- 
schnitztem und vergoldetem Fuße zusammenge- 
funden haben. Den achteckigen Tisch mit der 
Platte aus Schieferstein, den Eichentisch mit zwei 
-Auszügen und dem schwarz eingelegten Fuße, den 
großen ovalen, den achteckigen holländischen und 
die übrigen Tische mag man sich auf die zahlreichen 
übrigen Räume des weiten Hauses verteilt denken. 
Über den Marmortisch wird die rote Sammetdecke 
ausgebreitet ge-wesen sein, während die übrigen 
Decken, die grüne wollene, die blaue und gelbe 
gewirkte, die rote und eine andere nicht näher 
bezeichnete sowie die blaue aus Serche, die 
rote aus Leinen, die rote ostindische auf 
den übrigen Tischen gelegen haben mögen. 
Um den Marmortisch haben wohl die 12 mit dem 
damals noch sehr teuren roten Samt überzogenen 
Stühle gestanden, vielleicht auch die 6 spanischen 
rotledernen mit vergoldeten Löwenköpfen oder 
statt ihrer andere kostbare Stühle, an denen kein 
Mangel war. Da sind zu nennen 6 Lederstühle, 
4 spanische mit englischem Samt überzogene, 4 gelb 
bezogene und 8 mit rotem' Leder gepolsterte 62). 
Außerdem werden noch 12 schwarze gedrechselte, 
7 hölzerne, 7 braune aufgezählt. Die Menge der 
66 Stühle, von denen die 14 zuletzt genannten in 
den Wirtschafts- und Dienstbotenräumen Ver- 
wendung gefunden haben mögen, geht über den 
heute üblichen Bedarf einer reichen Einrichtung 
weit hinaus. Aus ihrer ungewöhnlich hohen Zahl 
kann man entnehmen, wie geräumig das Haus, 
wie zahlreich seine Gemächer waren, wie be- 



61) Zu erwähnen ist noch eine Lampe für die Küche 
aus Zinn ur»d eine Wasserlampe mit 2 Lichtscheeren. 

62) Die spanischen Stühle werden schon 1548 be- 
sonders gerühmt und als wichtiger Exportgegenstand 
der spanischen Industrie bezeichnet. Vgl. W. R. Valen- 
tiner, Rembrandt und seine Umgebung, S. 16, Anm. 1. 

71 



trächtlich die Menge der Qäste sein konnte, die 
man bei Festlichkeiten oder, wenn es sich um 
den Empfang vornehmer Qäste, z. B. von Fürst- 
lichkeiten, handelte, unterzubringen vermochte. 
Zwei Ruhebänke (Sofas), das eine gelb, das andere 
grün überzogen, vervollständigten diesen Teil des 
Hausrats. Der großen Menge der Sitzgelegen- 
heiten entspricht ein nicht viel geringerer Vorrat 
an Stuhlkissen, die zu behaglichem Verweilen ein- 
luden. 51 waren es. Neben 6 schönen, neuen 
gewirkten finden sich Kissen aus blauem, grünem, 
gelbem, buntem und schwarzem Samt, ferner solche 
von geflammtem Stoff und ein altes mit Rosen 
geschmücktes. Im Festsaal hat ohne Zweifel eines 
der beiden großen Büffets (Schenkschive) ge- 
standen, die aus Eichenholz geschnitzt und mit 
figürlichen Darstellungen geziert waren. Das an- 
dere muß man sich im Speisezimmer denken. In 
den Festsaal versetze ich auch eine der kunst- 
reichen Truhen (ausgeschnittener Kasten). In des 
Hausherrn Stube, die das Nachlaß-Inventar, S. 40, 
ausdrücklich erwähnt "3), mag das große mit Schild- 
patt eingelegte und mit Silber beschlagene Ka- 
binett^*), ein Kunstschrank zur Aufbewahrung von 
Schmucksachen und Raritäten'^''), gestanden haben, 
außer ihm vielleicht auch das Schaukästchen aus 
Holz und Glas, neben denen noch geschnitzte 
Kassetten von Augsburger Arbeit und ein Tresor 

•'ä) Danach könnte man annehmen, daß die Witwe 
sie pietätvoll so gelassen habe, wie sie zu Lebzeiten 
des Malers war. 

^*) Unter Kabinett ist nicht, wie ich im Nachlaß- 
Inventar S. 38, Anm. 4 erklärt habe, ein Kleiderschrank, 
sondern, wie im Te.xt gesagt, ein Kunstschrank zu ver- 
stehen. An derartigen Kunstschränken fand die deutsche 
Spätrenaissance ein besonderes Gefallen. Vgl. über sie 
Schlosser, Die Kunst- und Wunderkammern der Spät- 
renaissance, S. 95 ff. Ein solches Kabinett von hohem 
Werte war der erste Preis der einige Jahre, nach Auf- 
stellung des Nachlaß-Inventars, 1696 in Glückstadt ab- 
gehaltenen Lotterie, Vgl. des Verfassers Studie Die Frie- 
drichstädter Lotterie vom Jahre 1624/25 (Band 7 der 
Quellen und Forschungen der Ges. f. Schleswig-Hol- 
steinische Geschichte, 1919, S. 178 f.). 

^5) Man wundert sich, daß im Nachlaß Inventar keine 
Muscheln, Raritäten, Seegewächse u. dgl. vorkommen, wie 
sie auch Rembrandts Inventar aufführt. Bei Ovens hätte 
ein Besitz derartiger Dinge um so näher gelegen, als 
sein Schwiegervater Jens Martens sie eifrig sammelte. 
Ohne Zweifel wird auch Ovens Muscheln, Raritäten, See- 
gewächse u. dgl. besessen haben. Nach seinem Tode 
aber werden sie an die Kinder verteilt, vielleicht auch in 
Jens Martens' Sammlung, von deren Verbleib wir keine 
Kunde haben, aufgenommen sein. 



zu nennen wären, eine Qeldkiste also zur Aufbe- 
wahrung von barem Gelde und kostbarem 
Schmuck. Dort wird Ovens auch seine Bibliothek 
aufgestellt haben. Die umfangreiche Gemälde- 
sammlung wird zum größten Teile oben im Hause, 
in dem Saal untergebracht gewesen sein, in dem 
sich nach einer Nachricht von 1697 damals noch 
zwei große Schildereien befanden. In dem Saal wird 
Ovens sich den Raum für seine Galerie geschaffen 
haben, die er, wie wir aus gelegentlichen Zeug- 
nissen wissen, mit Stolz zu zeigen pflegte. Auch 
die übrigen Räume waren reich ausgestattet. In 
ihnen waren acht Schränke verteilt, auf denen 
als Zierrat standen ein blau und weiß gemusterter 
Topf mit Deckel, zwei Schalen und zwei Töpfe 
mit Gewürz, ebenfalls blau und weiß gemustert. 
Von den Schränken mögen der große holländische 
aus kostbarem Sukkadanholz und das eichene 
Hörnschap ^e), das mit Einlegearbeit von 
schwarzem Holze geschmückt war, die präch- 
tigsten gewesen sein. Das Hörnschap, zur üb- 
lichen Brautausstattung des 17. und 18. Jahr- 
hunderts in Niederdeutschland gehörend, wird von 
Frau Maria in die Ehe gebracht worden sein. 
Neben ihm mag sie am Hochzeitsmorgen ge- 
sessen und die Glückwünsche der Hochzeitsgäste 
entgegen genommen haben. Zwei Klaviechorde 
(Klaviere), ein größeres und ein kleineres, be- 
dürfen ferner der Erwähnung, ein Zeichen, daß 
Frau Musica dem Hause des Malers wohl ver- 
traut war, zugleich auch, weil gleich zwei der- 
selben Gattung auftreten, wieder ein Beweis für 
die große Reichhaltigkeit der Einrichtung. Nicht 
weniger als zehn Spiegel schmückten die weiten 
Räume. Die beiden größten und drei kleinere 
waren in Ebenholz gefaßt. Einer hatte einen 
Rahinen von Schildpatt, außerdem waren noch 
ein Pfeilerspiegel und zwei achteckige Spiegel vor- 
handen. 

Im Kinderzimmer war eine Rechentafel für 
den Unterricht bestimmt. Zwei Paar Schlagnetze 
und mancherlei Puppengerät •"), vielleicht auch das 
Brettspiel, haben der Kurzweil des kinderreichen 
Hauses gedient. 



•»ß) über diese eigenartige Möbelform Niederdeutsch- 
lands — es ist ein Schrank mit quadratischer Grund- 
fläche und nur zwei beschnitzten Seiten — vgl. J. Goos, 
Das Hörnschap (Schleswig-Holsteinischer Kunstkalender 
1918/19, S. 32 ff.). 

6") Vgl. darüber S. 104, 



rj: 



Auf der Festtafel, auf der das Blumenkörbchen 
' mit den Erzeugnissen des großen Ovensschen 
Gartens gestanden haben mag, prangten außer dem 
Silbergeschirres) zahlreiche blau und weiß ge- 
musterte Teller, Tassen und Schüsseln, z. T. von 
der berühmten Delfter Arbeit, auch Schüsselchen 
von braunem Porzellan, ferner gelbe und grüne, 
Salatschüsseln aus Delft mit der zu ihnen ge- 
hörigen Ölkanne gleicher Herkunft, Schalen in 
Muschelform, sechs kleine Konfektschüsseln und 
zwei mit Silber beschlagene Porzellankännchen. 
Der Lichterglanz der Kronen und der Leuchter 
funkelte in zahlreichen Gläsern, so den vier 
Römern aus Kristall, von denen zwei je eine 
halbe Flasche Wein faßten. Zur silben."ergoldeten 
Sektschale gesellten sich 17 große und kleine z. T. 
geschliffene Kelche. Auch an sonstigen Wein- 
gläsern, darunter ein Muschelglas, und Gläsern 
für Zerbster Bier fehlte es nicht. Wie der kleine 
„Branndtweins Römer" so werden auch die sechs 
kleinen geschnittenen Gläser, zu denen ein Futteral 
gehörte, für schärfere Getränke bestimmt gewesen 
sein. Wenn nur eine kleine Weinflasche aus 
Glas und eine Weinkanne mit silbernem Deckel 
erwähnt werden, so war ja die Zahl der aus 
Silber gefertigten Flaschen um so größer. Wegen 
des kulturgeschichtlichen Interesses darf es nicht 
unerwähnt bleiben, daß einem roten Theekännchen 
aus Porzellan je ein Theetopf aus Kupfer und 
Zinn und eine Theekanne mit Zubehör aus Blech 
siowie zwei Kaffeekannen zur Seite standen. 

Bei festlichen Gelegenheiten speiste man von 
silbernen Tellern und aus silbernen Schüsseln wie 
dann überhaupt die Tafel mit Silbergeschirr be- 
deckt war. Alltags aß man bescheiden von Zinn. 
Drei große zinnerne Suppenschüsseln waren vor- 
handen, daneben zwölf große englische Schüsseln, 
ferner acht mittlerer Größe und zwölf kleinere, 
außerdem zwölf Schüsseln für Zugemüse. 24 
Suppenteller und 42 andere Teller konnten auf- 
getragen werden. Eine Fischplatte, vier große 
Flaschen und eine kleine, sowie eine Kanne aus 
demselben Metall ven'oUständigten das Tafel- 
geschirr aus Zinn. 

Aus dem zahlreichen Kupfer- und Messing- 
gerät, von dem bereits die Kronleuchter und 
Leuchter erwähnt sind, heben sich zwei Tauf- 
becken hervor. Zu der silbernen Schlaguhr kommt 



eine solche aus Messing, femer eine Messing- 
uhr ohne Gewicht sowie ein großes eisernes Uhr- 
werk. Das sehr reichhaltige Kupfer- und Messing- 
geschirr fand durchweg in der Küche Verwen- 
dung. Sehr gewichtige Stücke waren darunter. 
Von den zehn Kesseln der schwerste war der 
Schinkenkessel mit Deckel, der nicht weniger als 
26i/i Pfd. \xx)g. Die große messingne Fleisch- 
kasserole war 25 Pfd. schwer. Es hieße den Leser 
ermüden, wollte ich die vielen Küchengeräte aus 
Kupfer und Messing alle aufzählen. Sie beweisen 
nur wieder, was wir schon mehrfach feststellen 
konnten, daß der Haushalt in jeder Hinsicht sehr 
vollständig eingerichtet war. Nur auf einiges sei 
noch hingewiesen. Tortenpfannen waren zvtei 
vorhanden, dazu eine Kuchenpfanne, ein Waffel- 
und ein Kucheneisen, zwei Bratöfen, zwei Wag- 
schalen. Der Mörser und die Lachspfanne fehlten 
ebensowenig in der Küche, wie im Keller das 
geräumige Weinfaß, das Oxhoft, die sieben Butter- 
tönnchen, das Pökelfaß, und auf dem Boden die 
große Apfelkiste. 

Der Größe des Hauses, der Menge der Zimmer, 
der Reichhaltigkeit des Hausrats, der' Zahl der 
Bewohner hat natürlich die Zahl der Diener- 
schaft entsprochen. Wahrscheinlich belief sich die 
Zahl der Dienstboten auf vier; denn vier für sie 
bestimmte Betten werden erwähnt ''ä). Streifen 
wenigstens muß ich vor allem noch den Leinen- 
schatz des Ovensschen Hauses. Auf ihn, der 
auch heute noch den Stolz jeder Hausfrau bildet, 



68) Vgl. S. 80 ff. 



69) Aus dem lutherischen Kirchenarchiv zu Friedrich- 
stadt ist über sie einiges zu entnehmen. Unter den Ge- 
vattern kommen aus der Ovensschen Dienerschaft vor: 
1654 Margret, 1656 Anke!, 1665 Antje, alle drei Mägde; 
1674 Trinke Peterß, Köchin, 1677, 27. 12., Oretje, Mäd- 
chen, und Jeß, Knecht (vgl. die Tauftafel, S. 52 ff.). Nach 
dem Kirchenrechnungsbuch wurde am 10. Dezember 
1679 „Jeß, Seel. Herrn Ovens' Kutschers, wegen 1 Stunde 
läuten 3 p' bezahlt. Dieser Jeß, der 1677 als Knecht, 
1679 als Kutscher bezeichnet wird, ein gewisser Jeß Peters 
nämlich, wird auch in der Kirchenrechnung 1678 als 
Herrn Ovens' Kutscher erwähnt. Im selben Jahre ent- 
richtet Wolf Braak, Herrn Ovens' Kutscher, wegen Heuer 
(xMiete) eines Kirchenstuhls von Mai 1677 bis Mai 1678 
8 Schilling. Daraus geht hervor, daß Ovens gleichzeitig 
zwei Kutscher gehabt hat, von denen der eine, Jeß, 
auch als Knecht gedient hat, vielleicht auch als Gärtner. 
An weiblichen Dienstboten waren offenbar eine Magd 
und eine Köchin vorhanden, denen bis 1667 auch die 
Amme des Malers, die in seinem Hause ihre alten Tage 
verlebte, gelegentlich geholfen haben mag. 

73 



näher einzugehen, verbietet sich wegen seines ganz 
ungewöhnlichen Umfangs, umfaßt doch diese Ru- 
bril< in der Handschrift des Inventars nicht weniger 
als 18 Seiten! Auch hier ist es wieder die Menge 
und die Güte, die uns in Erstaunen setzt. 59 '°) 
Tischtücher zählt man von z. T. gewaltigen Dimen- 
si'onen. Sie waren gefertigt von schlesischem 
Damast oder aus schlesischem und holländischem 
Drell mit Rosen- oder Sternmuster. Servietten 
waren gar 184 vorhanden, und zwar aus schle- 
sischem Damast oder schlesischem, holländischem 
und französischem Drell. Auch sie zeigen Rosen- 
oder Würfelmuster. Unter den 69 Handtüchern 'i) 
sind zwei hervorgehoben, das eine als ,,ein ganz 
langes Handtuch über einer Leiche von feinem 
Damast", 13^/4 Ellen lang, das andere „gehöret 
über dem Sarke". Auch dies war von feinem 
Damast, 8^/^ Ellen lang. Die Handtücher waren 
derselben Herkunft wie das schon erwähnte Leinen. 
Elf von ihnen waren dabeisteinen, d. h. wie ein 
Schachbrett gemustert. Die Zahl der Laken be- 
trug 55 '2), darunter war eins, das als ,,gToß Leich- 
laken von feiner holländischer Leinwand" — es 
war 13 Ellen lang und 878 Elle breit — be- 
zeichnet ist. Von den Laken waren nicht weniger 
als 17 von feiner Warendorfer Leinwand"). Für 
sie scheint Frau Ovens eine ganz besondere Vor- 
liebe gehabt zu haben. Die übrigen Laken waren 
vielfach von holländischer Leinwand. An Kissen- 
bühren (Kissenüberzügen) waren 38 vorhanden, 
darunter solche aus Kammertuch mit Zacken- 
spitzen, an Schloopen (Bettbezügen) immerhin 18. 
Unter den Betten werden ausdrücklich nam- 
haft gemacht die holländische Bettstelle aus Eichen- 
holz, die mit vier Pfeilern geschmückt war, und 
das französische Bett. Es war besonders kostbar. 
Sechs zu ihm gehörige Bettgardinen waren aus 
rotem Taft, desgleichen die große gefütterte Bett- 
decke, der Betthimmel, die Kappen mit Fransen 
usw. An Stoff waren es nicht weniger als 49 
Ellen. Über einem anderen Bette lag eine mit 



'") Darunter 4 aus Heede (Werg) „vor dem Volk", 
für die Dienerschaft also. 

'1) Darunter waren 10 lange heeden Handtücher, wohl 
zum Gebrauche der Dienerschaft. 

'-) Darunter waren 4 neue und 4 alte Laken aus 
Heede, wohl zum Gebrauche der Dienerschaft. 

'ä) Vgl. des Verfassers Aufsatz Warendorfer Lein- 
wand in dem Haushalt des Malers Jürgen Ovens (Waren- 
dorfer Blätter für Orts- und Heimatskunde, 14. Jahr- 
gang, Nr. 2, 27. April 1919). 

74 



Kattun gefütterte Atlasdecke. Ebenfalls aus Atlas 
und zwar ostindischem waren die zwei Bett- 
gardinen und eine Kappe. 13 andere Betten'^) 
hatten mit Eiderdaunen gefüllte Federdecken. Zahl- 
reiche Bettgardinen aus gelbem und rotem Taft, 
aus blauer Serche, aus grünem' und rotem Woll- 
stoff werden angeführt, ebenso Fenstergardinen 
aus grünem und rotem Wollstoff und gelbem 
Kattun. Die vorsorgliche Hausfrau hatte auch 
Bedacht darauf genommen, Vorräte anzusammeln, 
um bei plötzlich eintretendem Bedarf sogleich 
etwanige Lücken ergänzen zu können. So lagen 
49 Ellen gestreifter Bettbezug, der noch nicht 
zugeschnitten war, in Truhen und Koffern bereit, 
ebenso nicht weniger als 172 Ellen Leinwand. 

Im Verhältnis zu der großen Zahl der übrigen 
Wäschestücke ist die dem persönlichen Bedarf 
der Frau Ovens dienende Garderobe, sowohl der 
Vorrat an Leinen als auch an Kleidern, klein 
zu nennen. Der Grund ist Wohl der, daß, was 
an Juwelen, Kleidern und Leinenzeug der Mutter 
persönliches Eigentum gewesen war, die Töchter, 
dem letzten Willen der Verstorbenen gemäß, bereits 
erhalten hatten. So wurden diese Dinge im In- 
ventar nicht aufgeführt. Immerhin waren doch 
noch 8 Schürzen aus Leinen, dazu eine aus sei- 
denem Flor, 19 Schnupftücher, 13 Hauben, 8 
Nachtmäntel, 9 Kappen und 9 Hemden vorhanden 
sowie, um von anderem zu schweigen, 3 Kleider, 
ein langer schwarzer Trauermantel und, was vor- 
nehmlich zur Ausstattung einer großen Dame ge- 
hören mochte, 2 Federmützen, eine Muff und 
ein Tuch aus Zobelpelz sowie gestickte seidene 
Handschuhe. Bei solchem Zuschnitt des Haus- 
halts werden wir es nur selbstverständlich finden, 
daß man, wie der Adel, in einer Kutsche fuhr 
und auf Reisen einen eigenen Reisewagen '''") mit 
sechs Stühlen benutzte, daß man Schlitten und 
Pferde hielt. 

4. Die Bibliothek des Ovensschen Hauses'«). 

Das Verzeichnis der Bücher, die das Ovens- 
sche Haus besaß, ist von mir in „Das Nachlaß- 



'*) Darunter waren 4 für die Dienerschaft. 

'5) Daß der Hausherr und die Seinen oft reisten, 
dafür spricht auch, daß 4 Koffer vorhanden waren, 
darunter 2 Lederkoffer. „1 Schwarzer Reiß Kuffer", der 
offenbar dem persönlichen Gebrauche des Meisters ge- 
dient hatte, stand noch „in H. Ovens stube". 

'^) Vgl. Johannes Biernatzki, Neue Forschungen über 
J. Ovens, III., Kieler Zeitung 1885, Nr. 11015. 



Inventar des Malers Jürgen Ovens''')" veröffent- 
licht worden. Ebendort sind auch in jedem ein- 
zelnen Falle, soweit sie sich aus den Angaben 
des Inventars feststellen ließen, die Titel der Bücher 
samt Druckort und Jahr des Erscheinens an- 
gegeben. In den meisten Fällen konnte ich, ob- 
gleich diese Angaben oft sehr flüchtig und un- 
bestimmt sind, die Bücher genau bestimmen, sehr 
oft konnte auch die Ausgabe nachgewiesen 
werden. Es wäre sonach möglich, wenn man 
es wollte, diese Bibliothek aufs neue zu sammeln 
und zur Anschauung zu bringen. Die Ovens- 
Forschung ist dank dem Ovensschen Bücher- 
verzeichnis in besonders glücklicher Lage. Von 
Privatbibliotheken in den Herzogtümern aus der 
Zeit des 16. und 17. Jahrhunderts wissen wir 
sonst nur sehr wenig '^). Die Ovenssche Bibliothek 
wäre also schon an sich wichtig, wäre schon wegen 
der Spärlichkeit der Nachrichten über andere 
Büchersammlungen der Zeit von Bedeutung. Nun 
laber handelt es sich nicht um irgend eine be- 
liebige Büchersammlung, sondern um die eines 
Künstlers und zwar des her\'orragendsten der alten 
Maler unseres Landes. Was freilich für die Ge- 
mäldesammlung des Ovensschen Hauses gilt, 
r das trifft in noch höherem Maße für die Bücher- 
P Sammlung zu. Man muß Bedenken tragen, an- 
zunehmen, daß die Bibliothek so, wie sie im 
Nachlaß der Frau Maria Ovens stand, als Bücher- 
schatz des elf Jahre früher verschiedenen Gatten 
aufzufassen ist. Das Verzeichnis gibt eben nicht 
die Bücher an, die sich im Nachlaß des Malers 
vorfanden, sondern diejenigen, die seine 1690 ge- 
storbene Witwe hinterließ. 

Die Büchersammlung des Inventars ist, ver- 
glichen mit der von Jürgen Ovens hinterlassenen, 
einerseits vergrößert, andererseits vermindert. 
Schon die Jahreszahlen der allerdings nicht zahl- 
reichen Ausgaben, die nach 1678 gedruckt sind, 
beweisen, daß diese Werke nicht in des Malers 
Bibliothek gestanden haben. Sie stammen viel- 
mehr wahrscheinlich aus der Büchersammlung 
seines Schwiegervaters, des 1684 verstorbenen Jens 



^') Band 7 der Qiieilensammlung der Gesellschaft 
für Schleswig-Holsteinische Geschichte 1913, S. 47 ff. 

''^) Ich verveeise z. B. auf die Büchersammlung eines 
evangelischen Predigers aus dein Jahre 1542, deren Ver- 
zeichnis Ficker in den Schriften des Vereins für Schleswig- 
Holsteinische Kirchengeschichte, II. Reihe, 7. Band, I. 
^ Heft, 1918, S. 1 ff. herausgegeben hat. 



Martens, der ein reger Freund der Wissenschaften 
war. Wie die übrige Habe ihres Vaters, so erhielt 
Frau Maria Ovens, sein einziges Kind, doch sicher- 
lich auch seine hinterlassenen Bücher. Von ihm 
könnte jedenfalls sehr wohl ein Teil der Bücher 
des Nachlaß-Inventars herrühren. Die Werke, die 
den von Jens Martens mit besonderer Vorliebe 
betriebenen naturwissenschaftlichen Studien nahe- 
stehen, scheinen geradezu zu dieser Annahme auf- 
zufordern. Sie umfassen etwa Joh'. Jonstons Be- 
schrijving der natur aller dieren (Amsterdam 1660), 
Conrad Qesners Historia animalium (Frankfurt 
1603), ferner das so recht dem Geiste der Zeit 
entsprechende, 1661 zu Frankfurt a. M. heraus- 
gekommene Buch, das sich Wasser Stein der 
Weysen oder chymische Tractätlein, vormahlen 
durch Lucas Jennis ausgegeben, nannte und viel- 
leicht auch die zweibändige Ausgabe der Werke 
des Theophrastus Paracelsus, jenes seltsam 
phantastischen Naturforschers, Naturphilosophen, 
Arztes, Chemikers, Alchimisten und Theosophen 
(1493—1541)"). Doch verdanken sie vielleicht 
nicht so sehr der Eigenschaft des Autors als 
Naturforschers wie als Theosophen " ihre Auf- 
nahme in die Bibliothek. 

Das viären etwa die Bücher, von denen man 
annehmen könnte — ich will nicht sagen müßte, 
denn warum sollte schließlich unser Maler nicht 
auch derartige naturv^i-issenschaftliche Werke be- 
sessen haben? — daß sie einst dem Schwieger- 
vater des Jürgen Ovens gehört hätten und aus 
seinem Nachlaß in den Besitz der Witwe Maria 
Ovens gekommen wären. Durch sie hätte also 
die Bibliothek eine Vergrößerung erfahren. Der 
Bücherschatz des Jürgen Ovens ist aber höchst- 
wahrscheinlich auch vermindert worden. Die 
Bibliothek konnte in den Jahren, in denen die 
Söhne heranwuchsen, ihre Studien betrieben, selbst- 
ständig wurden, schwerlich unverändert bleiben. 
Friedrich Adolf Ovens, der mit der Kunst des 
Vaters auf gutem Fuße stand»"), wird manche 



'9) Er verbreitete eine freiere und tiofere Ansicht von 
dem organischen Leben, so betrachtete er die Krankheit 
als einen den Gesetzen des Organismus unterworfenen 
Vorgang. Zugleich wies er auf die Bedeutung des 
vergleichenden Experiments, auf die Wichtigkeit des 
Studiums am Krankenbett hin. Große Verdienste erwarb 
er sich um die Verbesserung der Pharmazie und die Be- 
lebung der Naturwissenschaften, vor allem der Chemie. 

80) Vgl. den 16. Exkurs. 

75 



Schriften des Malers über Malerei und verwandte 
Dinge i^ibernommen haben. Zwei solcher Werke 
standen außerdem 1733 in der Bibliothek des 
jüngsten Sohnes Johann Adolf, vereinzelt, wie 
ein von anderer Seite überkommener Rest, unter 
einer Menge juristischer und historisch-politischer 
Traktate. Entstammten sie vielleicht der Bibliothek 
des Vaters, in der eine der Schriften über Malerei, 
Dürers bekanntes Werk De symmetria humanorum 
corporum doch so recht am Platze gewesen wäre? 
Man muß wohl derartiges annehmen. Wie ließe 
es sich sonst erklären, daß gerade Werke, die 
zur Kunst des Meisters in Beziehung stehen, so 
äußerst spärlich in seiner Bibliothek vertreten 
waren? Es waren im Grunde nur folgende: Die 
Straßburger illustrierte Bibelausgabe von 1630 mit 
den schönen und kunstreichen Kupfern des 
Matthäus Merlan, die Lüneburger Bibelausgabe mit 
Kupfern von 1654, ferner zwei holländische Aus- 
gaben vieler denkwürdiger Historien des Alten 
und Neuen Testaments mit den geschnittenen Fi- 
guren von Hendrik Jansen Hiel und Vondels, 
Den gülden Winckel (der goldene Laden) der 
konstlievende Neederlanders, 1613 zu Amster- 
dam von D. Pietersz. verlegt. Das ,,Müntzbuch, 
darinnen zu besehen .... alte und neue Gelt- 
müntze — daneben auch frembder PotenUiten 
Müntz" (Hamburg 1631) hat vielleicht mehr den 
praktischen Zwecken des lange im Auslande wei- 
lenden Malers, als künstlerischen oder gelehrten 
Neigungen gedient. 

Dies vorweg genommen, möge die Bibliothek, 
die Jürgen Ovens' Witwe hinterließ, im Einzelnen 
betrachtet werden. Es ist jedoch hier ebenso wie 
bei dem Silberschatz und der Gemäldesammlung 
nicht der Ort, jedes einzelne Stück aufzuzählen. 
Wer sich genauer unterrichten will, muß das 
Nachlaß-Inventar zur Hand nehmen. Hier kann es 
sich nur darum handeln, zusammenzufassen und 
die Schlüsse zu ziehen, die sich aus dem Charakter 
der Bibliothek für die geistig-religiösen Interessen 
des Malers und seines Kreises ergeben. Wie bereits 
betont, ist die Bibliothek schon an sich, nur als 
Büchersammlung des 17. Jahrhunderts angesehen, 
von Wichtigkeit. Wie bedeutungsvoll aber ist sie 
für die Kenntnis der geistigen Eigenart des Meisters 
selbst! Das Bücherverzeichnis gibt für den Kreis, 
dem Ovens einst selbst angehört hatte, dessen 
Mittelpunkt er gewesen war, für ihn und seine 
nächste Umgebung den zuverlässigsten Maßstab, 

76 



den besten Höhenmesser geistiger Bildung, der 
zu erlangen ist. In scharfen Umrissen zeichnet 
der Katalog uns ein Bild der Interessen und An- 
schauungen, in denen sich dieser Kreis gefiel. 
Er gibt den geistigen Hintergrund für unsers 
Meisters persönliche Existenz. 

Stattlich war die Sammlung, jedenfalls für 
eine Privatbibliothek damaliger Zeit. Reichlich 100 
Werke zählte sie *i), darunter manche große, mehr- 
bändige. 27 Folioausgaben waren vorhanden, 
dazu in Quarto 35, Oktav-Ausgaben waren es 

16, den Beschluß machen 27 Bücher in Duodez. 
Eine Klasse von Schriften steht durchaus im 
Vordergrund. Es ist die der religiösen und theolo- 
gischen. Wie könnte es in einer Bibliothek' des 

17. Jahrhunderts auch anders sein! Es war ja 
die Zeit, in der das religiös-kirchliche Leben im 
Mittelpunkt aller Daseinsäußerungen stand. Um 
die Kirchenlehre kreiste das Fühlen und Denken 
der Menschheit. Jedermann war theologisch ge- 
bildet. Alle nahmen an den Streitigkeiten über 
Lehrmeinungen, an dem Gezänk der Dogmatiker 
regen, ja leidenschaftlichen Anteil. Man kann das 
17. Jahrhundert als das Jahrhundert der Ortho- 
doxie bezeichnen, wie das 16. das der Bekenntnis- 
schriften war. Allgemein betrachtet, läßt sich, von 
wenigen, die aus dem Rahmen herausfallen, ab- 
gesehen, die Klasse der religiös-theologischen 
Werke der Ovensschen Bibliothek in zwei Gruppen 
teilen. Die eine wird von den Autoren der luthe- 
rischen Orthodoxie gebildet, die andere von my- 
stischen Denkern. Das wäre an sich nicht weiter 
verwunderlich, denn die Mystik war damals 
modern, ihre Schriften wurden viel gelesen, und 
daß Ovens und sein Kreis andererseits die Bücher 
der Vertreter des orthodoxen Luthertums besaßen 
und lasen, versteht sich ebenfalls von selbst. Sie 
wären ja Kinder ihrer Zeit. Aber höchst auf- 
fällig ist es, daß in Ovens' Büchersammlung die 
Mystik verhältnismäßig so stark, die lutherische 
Orthodoxie so ungemein schwach vertreten ist. 
Daß die Bibelübersetzung Luthers in der Ovens- 
schen Bibliothek stand, ist natürlich. Sie kam in 
den schon erwähnten Straßburger und Lüne- 



*i) Dagegen kommen in Rembrandts Inventar, das 
1656 anläßlich seines Konkurses aufgenommen wurde, 
außer einer alten Bibel nur 5 genau bestimmte und 15 
nicht näher charakterisierte Bücher vor. In Reml3randts 
Nachlaß-Inventar wird gar nur ein einziges Buch ver- 
zeichnet, die Bibel. 



burger Ausgaben vor, ferner in einer mehrbän- 
digen, die von Olearius, dem am Gottorfer Hofe 
tätigen Bibiiothelvar, herausgegeben ist. Luthers 
Kirchenpostiile findet sich in drei Ausgaben, auch 
seine Tischreden werden aufgeführt. Von den aus- 
gesprochenen Vertretern der lutherischen Ortho- 
doxie ^'^), von denen nur vereinzelte Schriften vor- 
handen sind, wären nur zu nennen Johann 
Mathesius (1504—1565), einer der machtv^ollsten 
Prediger unter den Reformatoren zweiter Ord- 
nung ^3) (eine Schrift), ferner Cyriacus Spangenberg 
(1528 — 1604), einer der kenntnisreichsten und be- 
kenntniseifrigsten Vorkämpfer der lutherischen 
Orthodoxie, der mit starrer Festigkeit bei der reinen 
Lehre verharrte (zwei Schriften), und schließlich 
Leonhard Hutter (1563 — 1616), einer der heftigsten 
Verfechter der orthodox-lutherischen Dogmatik, 
der orthodoxeste aller orthodoxen Lutheraner, wie 
er wohl genannt ist (eine Schrift). Wir haben 
also das überraschende Ergebnis, daß nur drei 
Vertreter der lutherischen Orthodoxie mit ins- 
gesamt nur vier Schriften in der Ovensschen 
Bibliothek gestanden haben, und das in dem von 
der Orthodoxie beherrschten Jahrhundert! Wie 
reich ist dagegen die Gruppe der mystischen 
Denker vertreten ! Sie beginnt mit den großen 
Mystikern des Mittelalters Johann Tauler und 
Thomas a Kempis. Tauler (geb. um 1300, gest. 
1361) ist neben Meister Eckart, dessen Schüler er 
war, und Suso einer der bedeutendsten Ver- 
treter der deutschen mittelalterlichen Mystik und 
zugleich der meistgenannte. Nach ihm ist Ver- 
gottung das höchste Ziel. Seine Spekulationen sind 
nicht frei von Pantheismus. Er kleidet seine my- 
stischen Ideen häufig nur in christliches Ge- 
wand. Dabei ist seine Kirchlichkeit sehr bedingt. 
Von ihm standen in der Ovensschen Bibliothek 
vier Werke, wobei es nichts ausmacht, daß die 
moderne wissenschaftliche Kritik ihm zwei dieser 
Schriften ganz abspricht oder nur zum Teil zu- 
schreibt. Die Teutsche Theologia des Thomas 
a Kempis (1380—1471), dessen streng römischer 
und mönchischer Geist so stark ausgeprägt ist, 
daß protestantische Christen sein Hauptwerk De 



82) Ich muß auf sie wie auf die Mystiker der Ovens- 
schen Bibliothek näher eingehen, weil es für die Kenntnis 
der religiösen Stellung des Ovens und seines Kreises er- 
forderlich ist. 

S'ä) Ober ihn vgl. vornehmlich Loesche, Mathesius, 
1895. 



imitatione Christi kaum ohne Anstoß lesen können, 
ist in zwei Ausgaben vertreten. Auf die Schriften 
des Theophrastus Paraceisus hab' ich schon oben 
hingewiesen und es fraglich gelassen, ob sie ihrer 
Eigenschaft als naturwissenschaftlicher Werke oder 
ihrem theosophisch-mystischen Charakter die Auf- 
nahme in die Bibliothek verdankt haben. Häufig 
war dieser Autor mit der orthodoxen Kirchen- 
theologie in Streit. Er stand ja mit seinem warmen 
Christentum ganz auf außerkirchlichem Boden. 
Sowohl Luther als Rom lehnte er ab und er- 
innert so in seiner seelischen Haltung an Se- 
bastian Franck und seine Anhänger. Dieser Zeit- 
genosse des Theophrastus Paraceisus — er lebte 
von 1499 bis 1542 oder 43 — ist mit sechs Werken 
in der Ovensschen Bibliothek vertreten, von denen 
zwei. Die güldene Arche von allerhand theolo- 
gischen Materien, und das Buch Van het rycke 
Christi in je zwei Ausgaben vorkommen. Der 
anfangs auf streng lutherischem Boden stehende 
Sebastian Eranck ist der Prophet des religiösen 
Individualismus, dessen Recht er gegen jede Ge- 
meinschaft rücksichtslos verficht. Von seiner Vor- 
urteilslosigkeit zeugt es, daß er in jener kirchlich 
so eng gebundenen Zeit die Kühnheit hatte, aus- 
zusprechen, daß man die Wahrheit überall suchen 
müsse, unter allen Völkern, in der Natur und Ge- 
schichte nicht minder als in der Bibel. Er will 
durch jedes Vorurteil, jeden Schein hindurch- 
dringen. Keine Schranke, welche Überlieferung 
und theologische Satzung aufgerichtet hat, er- 
kennt er an, durch keine Partei will er sich den 
Blick beengen lassen. So weitherzig, so frei ist 
er, daß er, wie er in einem Liede singt, weder päpst- 
lich, noch lutherisch, noch zwinglisch sein mW. 
Er läßt sich in keine Konfession einreihen. So 
steht Sebastian Franck als einer der großen Ein- 
samen der Kirchengeschichte da. Man hat ihn in- 
sofern als modernen Menschen bezeichnet, als er 
sich vom Konfessionalismus befreit hatte und vor- 
urteilslos genug war, auch im Heidentum und bei 
Ketzern Wahrheitskeime anzuerkennen. Seine gül- 
dene Arche, ' die in der Ovensschen Bibliothek 
ja in zwei Ausgaben vorkam, machte den 
Theologen besonders viel zu schaffen, finden sich 
doch in ihr als Wahrheitszeugen neben dem 
großen Kirchenlehrer Augustinus auch Hermes 
Trismegistos und Orpheus, neben Tauler auch 
Plato. Kein Wunder, daß dieser Vertreter eines 
ausgesprochenen religiösen Individualismus von 

77 



den kirchlichen Führern seiner Zeit, vor allem 
von Luther verdammt wurde! Mit seinem Spiritu- 
alismus, der einen starken mystischen Einschlagf 
hatte, trat er ja in scharfen Gegensatz zum kirch- 
lichen Protestantismus. Dieser Spiritualismus 
setzte an die Stelle jeder äußeren Autorität und 
Ordnung die innerliche Erleuchtung durch Gottes 
Geist. Er vertritt den Standpunkt, daß man alle 
Predigt, alle äußeren Zeremonien, auch die Sakra- 
mente, aus dem Wege räumen und eine unsicht- 
bare geistige Kirche errichten müsse, die in Einig- 
keit des Geistes unter allen Völkern zu versammeln 
und ohne äußerliche Mittel durch Gottes ewiges 
unsichtbares Wort zu regieren sei. In seiner Ver- 
achtung des äußeren Worts und des Predigt- 
amtes, in seiner schroffen Wendung gegen das 
Kirchentum ist er den Wiedertäufern vePÄ-'andt. 
So ist Sebastian Franck zu einem Gegner jedes 
kirchlich gebundenen Christentums geworden. 
Und doch war er mit sechs Werken in Ovens' 
Bibliothek vertreten! Manche ihm ähnliche Züge 
trägt Valentin Weigel (1533—1588), von dem das 
Büchei-verzeichnis fünf Werke aufführt**). Nach 
dem Tode dieses viele Jahre in Zschopau tätigen 
lutherischen Predigers stellte es sich infolge des 
Drucks seiner Manuskripte heraus, daß er mit 
der Kirchenlehre völlig zerfallen war. Er ist ein 
Fortsetzer der gnostisierenden, mystisch-panthe- 
istisch gerichteten Denker. Vom geschichtlichen 
Christentum hat Weigel nur die Schale behalten. 
So sind seine Schriften von der lutherischen Ortho- 
doxie verabscheut und mit Haß verfolgt worden. 
Und doch standen ihrer fünf in der Ovensschen 
Bibliothek! Weigelianismus wurde zur Bezeich- 
nung des Inbegriffs der Ketzerei. Seine An- 
hänger vereinigten sich mit den verschiedensten 
antikirchlichen und schwärmerischen Richtungen, 
so mit den Gesinnungsgenossen Jacob Böhmes 
und den sog. Rosen kreutzern. Von ihm be- 
einflußt sind Jacob Böhme und Johann Arndt, 
der des Weigelianismus beschuldigt wurde, weil 
er Teile seines ,, Wahren Christentums" aus einer 
Schrift Weigels entlehnt hatte. Johann Arndt 
(1555 — 1621), von dem das Verzeichnis drei 
Schriften anführt, ist freilich bekenntnistreu. Dabei 
ist ihm aber doch nicht Lehre und System die 
Hauptsache, sondern das religiöse Gefühlsleben 



Und die Einwirkung auf den Willen, die sitt- 
liche Betätigung, nicht die Rechtfertigung durch 
den Glauben, sondern die Erneuerung des christ- 
lichen Lebens. Seine mit mystischen An- 
schauungen sich berührende persönliche Frömmig- 
keit trägt einen durchaus innerlichen Charakter. 
So vertritt er eine nach Innen gerichtete pietistische 
Richtung der lutherischen Orthodoxie, von der 
er wegen seiner Hinneigung zur mittelalterlichen 
Mystik scharf angegriffen wurde. Das nimmt 
nicht Wunder; denn an die Stelle der Recht- 
fertigungsidee tritt bei ihm die mystische Ver- 
einigung mit Gott im Glauben und die welt- 
flüchtige Ruhe in Gott^^). Sein Luthertum ist 
also durch mittelalterliche Muster (Tauler, Thomas 
a Kempis, die deutsche Theologie und andere) 
erheblich abgewandelt. Seine Schriften sind ein 
Protest gegen die disputierende, tote Lehrgerechtig- 
keit der damaligen Kirche, gegen den öden Lehr- 
streit, ein Aufruf zur Pflege des inneren Lebens 
und zur Belebung der sittlichen Kräfte. Nun 
zu dem Haupt der damals modernen Gruppe 
mystischer Denker, Jacob Böhme! Von ihm führt 
das Verzeichnis sieben Werke an. Freilich haben 
drei von ihnen nicht in des Malers Bibliothek 
gestanden, da sie erst in den achtziger Jahren er- 
schienen sind. Von den anderen vier, die wahr- 
scheinlich als Handschriften aufzufassen sind *s), 
läßt es sich nicht ausmachen, ob Ovens sie bereits 
besessen hat oder ob auch sie erst nach seinem 
Tode, etwa von Jens Martens, aufgenommen 
worden sind. Dem sei nun, wie ihm wolle. Die 
Tatsache bleibt, daß dieser unter dem Einfluß 
des Paracelsus stehende Theosoph und Mystiker 
mit starkem ekstatischen Einschlag dem Ovensschen 
Kreise und doch wohl auch dem Maler selbst, der 
seine zuerst in Holland gedruckten und viel ge- 
lesenen Werke dort kennen gelernt haben wird, 
bekannt gewesen und, wie die Zahl seiner in der 
Bibliothek vorkommenden Werke beweist, von den 
Mitgliedern der Familie hoch geschätzt worden 
ist. Wir dürfen wohl annehmen, daß ähnlich wie 
Böhme, den die Schultheologie mit ihrem Zank 
um Buchstaben nicht befriedigen konnte, auch 
Ovens und seine Umgebung gedacht hat. Zu 
den Hauptvertretern der Mystik, die dem ortho- 
doxen Kirchenglauben fernstanden, kommen nun 



^*) Freilich ist die Theologia Weigelii, worauf es in 
diesem Zusammenhang allerdings nicht ankommt, von der 
modernen Kritik als unecht erwiesen. 

78 



85) Vgl. Ritschi, Geschichte des Pietismus, II., S. 34 ff. 

86) s. das Nachlaß-Inventar, S. 52, Anm. 8, 9, 10, 11. 



noch eine Reihe nicht so hervorragender Autoren, 
die ebenfalls mit zahlreichen Schriften vertreten 
sind. Ich nenne nur Christian Hoburg»') mit 
seiner Mystischen Postille, seiner Theologia My- 
stica, die in zwei Ausgaben vorkommt, und seinem 
Gespräch von dem lang^xierigen verwirrten Teut- 
schen Kriege, ferner Julius Sperber ^s) mit seinem 
Mysterium magnum und den in zwei Ausgaben 
vorhandenen ,, Gründlichen Unterricht von vielen 
Artikeln", der den Mystiker Mathias Weiher zum 
Verfasser hatte. Die große Zahl von Schriften 
der oben gekennzeichneten Vertreter eines my- 
stischen Subjektivismus, der im Kampfe gegen die 
erstarrende Schultheologie der lutherischen Ortho- 
doxie stand und auf Verinnerlichung des reli- 
giösen Lebens drängte, sowie die Tatsache, daß 
Jens Martens und seine Gattin den Lehren des 
holländischen Wiedertäufers und Sektenstifters 
David Joris nahe gestanden haben ^s), und schließ- 
lich die sehr auffallende, in diesem Zusammen- 
hange ein besonderes Licht empfangende Nach- 
richt, daß Ovens' Halbbruder Peter Jürgens sich 
lange Jahre ,,von der Gemeinschaft der Gläu- 
bigen abgesondert" und sich vom Abendmahl fern- 
gehalten hat^")^ ein in jenen Zeiten höchst an- 



^') Ober ihn vgl. Möller, Cimbria literata, IL, S. 
337 ff. In der theologischen Literatur, auch in den Nach- 
schlagewerken, wird man ihn vergebens suchen, und 
doch hat er Beziehungen zu der bekannten religiösen 
Schwärmerin Antoinette Bourignon gehabt, in deren 
Hause er eine Zeit lang lebte und einige ihrer Bücher 
ins Hochdeutsche übersetzte. 

*^*) Über ihn vgl. die Ausführungen zu Benedict 
Bahnsen. 

89) Vgl. den 18. Exkurs. 

90) Der Pastor Fabricius hierichtet im Friedrich-- 
städter lutherischen Kirchenprotokoll von 1684, daß Jür- 
gens, „lange und viele Jahre gewesener Kirchen vorsteh er 
und Ältester hiesiger Kirchen," im Monat März 1679 
gestorben sei, „nachdem er in 16/18 Jahren und überdem 
sich des heiligen Abendmahls enthalten". Deswegen habe 
der Pastor die Absicht gehabt, ihm das christliche Be- 
gräbnis zu verweigern. Daß das Fernbleiben vom Abend- 
mahl kirchlicher Gleichgiltigkeit entsjKungen sein sollte, 
darf wohl als ausgeschlossen gelten. Ein kirchlich nicht 
interessierter Mann wäre nicht solange Kirchenältester 
gewesen, auch hätte er nicht 1657 und 1673 bedeutende 
Stiftungen zur Wiederherstellung des Pastorats und zum 
Kirchenbau gemacht. Vielmehr werden seine Ansprüche 
an das religiöse Leben sehr hoch gewesen sein. Da er 
sah, daß trotz aller Kirchgängerei, trotz dem häufigen 
Genuß der Sakramente die Weltmenschen roh und gottlos 
dahinlebten, wird er, gleich dem Ufrechter Prediger van 
Lodensteyn, auf den Neumann in seinem Rembrandt hin- 



stößiges Verhalten, alles dies führt zu dem Schlüsse, 
daß Ovens und sein Kreis mystisch-separatistische 
Neigungen hatte ^i). Sonst wäre es ja nicht zu 
erklären, daß Ovens und die Seinen als Lektüre 
die von der kirchlichen Orthodoxie heftig be- 
kämpften Autoren so auffallend bevorzugten. Ver- 
stärkt wird dieser Eindruck noch durch die Tat- 
sache, daß von den drei in der Bibliothek vor- 
kommenden Schriftstellern, die Ovens' Heimat ent- 
stammten 92), zwei ausgesprochene Ketzer waren. 
Der eine ist Benedict Bahnsen aus Eiderstedt, 
der von Moller, Cimbria literata L, S. 27 f. be- 
handelt und als homo illiteratus Fanaticus be- 
zeichnet wird. Nach Moller hat dieser Ver- 
fasser des Anti-Christentums vieler Fanatiker 
Schriften gesammelt und herausgegeben, so die 
Schriften Sperbers, von denen eine (Mysterium 
m.agnum usv;-.) in der Ovensschen Bibliothek stand. 
Möglicherweise ist diese Sperbersche Schrift in- 
folge des Interesses für Bahnsen in sie hinein- 
gekommen. Bahnsen lebte in Amsterdam, wo er- 
wahrscheinlich 166Q starb. So sind auch per- 
sönliche Berühriuigen des Ovens mit ihm möglich, 
um nicht zu sagen wahrscheinlich. Dasselbe gilt 
von dem zweiten ketzerischen Landsmann unseres 



weist, in den Mitgästen des Abendmahls „tote Glieder 
der Kirche" gesehen, an ihnen „den Leichengeruch der 
Sünder" gewittert haben und sich deswegen lieber frei- 
willig vom Mitgenuß des Abendmahls ausgeschlossen 
haben. Offenbar haben wir in dieser zu jenen Zeiten 
höchlich verabscheuten Absonderung des Halbbruders 
unseres Malers vom Tisch des Herrn eine bis zur Üt>er- 
spannung fortgeschrittene Entwicklung der individualisti- 
schen und separatistischen Neigungen zu sehen, in denen 
sich Ovens und sein Kreis gefielen. 

91) Erwähnt sei in diesem Zusammenhange auch die 
holländische Ausgabe der Schriften des Hermes Trisme- 
gistus in 16 Quartbänden, die ebenfalls in der Ovens- 
schen Bibliothek standen. Dieser als Hermetica be- 
zeichnete Korpus von 16 griechischen Schriften, der 
unter dem Namen des Hermes Trismegistus, des ägyp- 
tischen Gottes Thot, geht, ist im 3. und 4. Jahrhundert 
nach Christus entstanden und stellt eine Vermischung 
von theosophischem Mystizismus und platonisch-pytha- 
goräischer Philosophie dar. 

92) Der eine ist Johann Wundsch von Nsrd- 
marsch. Über ihn vgl. Moller a.a.O. I., S. 748. Nach 
Moller ist der Titel der in der Ovensschen Bibliolhek vor- 
kommenden Schrift des Wundsch: Litania Israelitico- 
Nordmarsiaca oder Israelitische Allgemeine Litaney, auß 
dem XX. Psalm, auf der Insul Nordmarsch, A. 1658, 
zur Zeit des Schwedischen Krieges in 3 Predigten er- 
kläret, Slesvigae 1660, in 4 ". Sie enthält einigen bisher 
nicht beachteten Stoff zur Landesgeschichte. 

79 



Meisters, dem Friedrich Brecling, mit seiner Schrift 
Veritas triumphans. Er war nach Möller a.a.O. 
III., S. 72 ff. ein Fanaticus aus Handewitt bei 
Flensburg (1629—1711). Von 1661 an war er 
eine Zeit lang Pastor in Zwolle in Holland und 
lebte auch in Amsterdam, dem Zufluchtsort aller 
Freigeister und Ketzer. Wegen seiner chiliastischen 
Lehren wurde er seines Predigtamts entsetzt. Ohne 
Zweifel hätte die Ovenssche Bibliothek auch 
Schriften des David Joris enthalten — Jens Martens 
und seine Gattin hatten ja ohne Zweifel solche 
besessen — , wenn nicht eine Menge David Jori- 
tischer Bücher von den der Irrlehre Beschuldigten 
abgeliefert und 1642 vom Scharfrichter auf öffent- 
lichem Markte zu Tönning verbrannt worden 
wäre ää). 

Es mag sich die Frage erheben : wie ist es 
denkbar, daß Jürgen Ovens, den wir als getreuen 
eifrigen Sohn seiner lutherischen Kirche kennen 
lernen werden, dennoch, wir müssen doch wohl 
sagen, unzweifelhaft mit seinem Kreise Ideen ge- 
huldigt hat, die den kirchlichen Lehren keines- 
wegs entsprachen, ja ihnen geradezu wider- 
sprachen? Darauf ist zu antworten: im 17. Jahr- 
hundert konnte einer, wie Weigels Beispiel lehrt, 
ein guter Lutheraner sein, ein Anhänger der ortho- 
do.xen Kirche, und doch freier gerichteten An- 
schauungen huldigen, ohne daß man den Vor- 
wurf der Heuchelei gegen ihn erheben müßte. 
Wahrscheinlich haben die Menschen der Zeit den 
Zwiespalt garnicht empfunden. 

Neben den bändereichen Gruppen religiöser 
Schriftsteller heben sich dann noch einige weit 
kleinere Gruppen von Büchern ab. Zunächst einige 
römische Klassiker, deren Inhalt damals weit mehr 
als heute Bestandteil der allgemeinen Bildung war. 
Wir finden Livius, Tacitus, Ciceros Schrift De 
öfficiis, Flavius Josephus s**), Aesopus und Ovids 
Metamorphosen. Doch kommen alle diese antiken 
Schriftsteller nicht in der Ursprache, sondern in 
deutscher oder holländischer Übersetzung vor. Die 
griechischen und lateinischen Ausgaben mögen 
die Söhne zu ihren Studien der Bibliothek ent- 
nommen haben. Jedenfalls wäre es gewagt, aus 
dem Fehlen der Textausgaben schließen zu wollen. 



33) Vgl. Reimer Hansen, a. a. O. S. 104 ff. 
ä*) Er stand auch in Renibrandts Bibliothek, der, 
begreiflich genug, der Geschichte des jüdischen Voli<es, 
mit dem er soviele Berührung hatte, besonderes Interesse 
entgegengebracht haben wird. 

SO 



daß unser Maler des Lateinischen und Griechischen 
nicht mächtig gewesen wäre. Daß Ovids Metha- 
morphosen in der Bibliothek gestanden haben, 
ist um So begreiflicher, als Ovens' Malereien zum 
guten Teil ihre Stoffe ihnen entlehnten. Auch 
Tacitus hat er ja einmal als Quelle benutzt, zu 
dem Gemälde, auf dem er die Verschwörung 
der Bataver unter Julius Civilis ^s) dargestellt hat. 
An Darstellungen der heimischen Geschichte be- 
gegnen uns Caspar Danckwerths Newe Landes- 
beschreibung der Herzogthümer Schleswig und 
Holstein, Andreas Angelus' Holsteinische Chro- 
nika und Anton Heimreichs Ernewerte Nord- 
friesische Chronik. Einige geschichtliche Werke 
allgemeiner Art stehen ihnen zur Seite. 

Alles in allem erscheinen, so weit man nach 
der Bibliothek urteilen darf, die religiös-kirch- 
lichen Anschauungen, in denen unser Meister und 
sein Kreis sich bewegte, als sich von der Kirchen- 
lehre sehr entfernend, die wissenschaftlichen Inter- 
essen erweisen sich als sehr mannigfaltig. Es 
dürfte nicht zu viel gesagt sein, daß Ovens und 
die Seinen, so weit man aus der Beschaffenheit 
der Bibliothek Schlüsse ziehen darf, auf der Höhe 
der Bildung ihrer Zeit gestanden haben. 

5. Der Silberschatz des Ovensschen Hauses ^e). 

Der Silberschatz des Ovensschen Hauses erregt 
zunächst unser Staunen ob seiner außerordent- 
lichen Reichhaltigkeit. Über sechs Druckseiten be- 
ansprucht im Nachlaß-Inventar die Rubrik ,, Silber- 
geschirr". Groß ist die Zahl der silbernen Gegen- 
stände, ungemein mannigfaltig sind die Silber- 
sachen aller Art — ein neuer Beweis für die Voll- 
ständigkeit der Einrichtung des Malers — , be- 
deutend dementsprechend auch die Summe, zu 
der schließlich alles taxiert wurde, beiläufig etwa 
3000 ^, gewaltig das Gewicht des Ganzen, etwa 
1800 Lot, also etwa 28 kg. Es kann nicht meine 
Aufgabe sein, jedes einzelne Stück aufzuzählen. 
Wer sich in die Einzelheiten vertiefen will, möge 
das Nachlaß-Inventar, S. 12 ff. nachlesen. 

Aber einige Bemerkungen zusammenfassender 
Art sind nötig. Es zeugt für den Reichtum der 
Besitzer, daß Gegenstände des dauernden täglichen 
Gebrauchs wie ein Waschbecken und die dazu 



35) Vgl. den Katalog der Gemälde Nr. 145 und S. 84 ff. 
^'') Vgl. Johannes Biernatzki, Neue Forschungen über 
J. Ovens, lii, Kieler Zeitung 1885, Nr. 11015. 



gehörige Kanne aus Silber sind. Und zwar ist 
es das gewichtigste Stücl^ der ganzen Sammlung, 
6 Pfund 15 Lot schwer. Ein anderes Wasch- 
geschirr war wenigstens mit Silber beschlagen. 
Groß ist die Zahl der silbernen Löffel, Messer ä'), 
Gabeln 98), Teller, Schüsseln, Schalen s^), Näpfe, 
Kannen, Becher, Krüge, Pokale, Fia'schen. Auch 
schx^ere silberne Salzfässer 1°°) und Leuchter, eine 
Schale mit Lichtschere, ein silberner vergoldeter 
Topf, eine vergoldete Butterschüssel, eine vergoldete 
Sektschale, Kamm und Bürste "i)^ ein Brillen- 
futteral und drei Briilenstengel, eine Schlaguhr i"-') 
werden genannt, alles aus Silber i^^). Daneben 
kommen \'or Puppengerät aus Silber i"*), ein 
großer spanischer oder japanischer Rohrstock mit 
Silber beschlagen, auf den sich der Maler wie 
andere große Herren der damaligen Zeit gestützt 
haben wird und den Kapitän Ovens erhielt, ein 
Billardstock, ein Pettschaft-Ring aus Silber und 
ein Pettschaft aus Gold, eine Schreibtafel mit 
Silber beschlagen usw. Aber es ist nicht die Zahl 
all dieser Gegenstände, obwohl sie sehr ansehnlich 
ist — verfügte doch z. B. der Hausstand über 
47 schwere silberne Eßlöffel! — , es ist nicht die 
Mannigfaltigkeit der Silbersachen, ihr hohes Ge- 



9') Auch 2 Agathmesser mit Silber vergoldet werden 
aufgeführt. 

88) Daneben wird ein Futteral mit Messer, Gabel, 
Schere und Kette aus Silber, wohl ein Reisebesteck, 
erwähnt. 

89) Darunter „I Japonisch außgehauenes Silbernes 
Schällgin". 

100) An Salzfässern kommen noch vor ein großes 
und zwei kleine „aus Perlmutter geschnitten". 

101) Auch Kamm und Bürste aus Schildpatt werden 
aufgezählt. 

102) Die Pendeluhr war 1673 von dem holländischen 
Astronomen und Phj-siker Christian Huygens erfunden 
worden. Man hatte sich also im Ovensschen Hause die 
neue Erfindung schnell zu Nutze gemacht. 

103) Und dabei ist fast alles aus feinstem Silber, 
d. h. Hlötig. Wenn einmal ein Gegenstand nicht den 
höchsten Silbergehalt hat, so ist er ausdrücklich als nur 
121ötig bezeichnet. 

104) Nach N. de Roever, Oud-Holland 1891, S. 2&4f., 
wird silbernes Kinderspielzeug in der ersten Hälfte des 
17. Jahrhunderts als „silveren poppegoed" erwähnt. Es 
scheint spezifisch holländisch gewesen zu sein und diente 
zur Ausschmückung der Puppenküchen und Puppen- 
stuben, an denen die Kinder der begüterten Klassen sich 
vergnügten. Da gab es silberne Hasenpfannen und 
Wasserkessel, Waffeleisen und Leuchter, Stühle und 
Spinnräder. Gleich oder ähnlich wird auch das „Puppen- 
gerät" der Kinder des Malers gewesen sein. 



wicht und ihr bedeutender Wert, was unser 
Interesse vornehmlich erregt, sondern der künstle- 
rische Charakter dieser Schätze. Freilich gibt das 
Inventar nur Anhaltspunkte allgemeiner Art. Zu- 
nächst ist festzustellen, daß durchweg das Silber- 
gerät ,,vergüldet" oder „ziervergüldet" war. Wenn 
etwas, wie jene 66 Lot schwere Kanne, der Ver- 
goldung entbehrt, so wird dies ausdrücklich hervor- 
gehoben. Der betreffende Gegenstand wird dann 
als ,,weiß" oder „schlecht (schlicht) silbern" be- 
zeichnet. Die reiche Vergoldung ist ein Aus- 
fluß der Sitte oder Mode der Zeit, die am schönen 
Schein ihre besondere Freude hatte. Bemerkens- 
wert ist, wie wenig gravierte Sachen vorhanden 
sind. Denn nur Einzelnes und minder Hervor- 
ragendes ist als ,, gestochen" kenntlich gemacht. 
Dagegen ist an „getriebenen" Silbersachen kein 
Mangel. Ohne Zweifel bildeten die Geräte dieser 
Art den glänzendsten Teil der Ausstattung. Der 
,, große, getriebene silberne Aufsatz ziervergüldet", 
der ,,vergüldete große getriebene Pokal mit 
kraußem Deckel", die ,, silberne getriebene Bilder- 
kanne" — sie war wie viele andere Gegenstände 
mit Bildern, d. h. mit figürlichen Darstellungen, 
geschmückt — gehören zu den Pracht- und Prunk- 
stücken des Silberschatzes. 

Einige Gegenstände dieser Art sind Geschenke, 
von den Gebern also gewählt, wie sie denn 
meistens deren Namen tragen. Da aber auch 
unbedeutende Dinge, wie sie, um die Einrichtung 
zu vervollständigen, gelegentlich angeschafft zu 
werden pflegen, figürlichen Schmuck tragen, darf 
man wohl annehmen, das diese Technik in den 
Augen der Besitzer selbst die bevorzugte war. 
Eine ,, silberne schülpweiß getriebene" Schale trägt 
Frau Marias eigenen Namen. Zu den Geschenken 
gehört eine „silberne getriebene Bilderkanne, 
welche vergüldet wieget 88 Lot 1 Quent". Sie 
war ein Geschenk der Herzogin Maria Elisabeth 
an den Maler"*). Als Geschenkgeber einer Kanne 
wird ferner genannt ein gewisser Melchior Hansen, 
eine silberne ziervergüldete und eine zier\'ergüldete 
geflochtene Flasche stammten von Gloxin. Wahr- 
scheinlich sind es Patengeschenke gewesen"«). 
Eine schlechte (schlichte) silberne Schale schenkte 
Anna Gerrit Dircks, einen alten silbernen Becher 
gab Christian Blocken, wohl der Großvater der Frau 



105) Vgl. S. 38. 

106) Vgl. S. 41. 



81 



Maria Ovens, deren Mutter eine geborene 
Blocken i"") war. Ein innen vergoldeter Becher 
trug Johann Hoyers"») Namen. Der Stifter einer 
silbernen ziervergüldeten getriebenen Flasche war 
Friedrich Christian Kielman ""), ein Sohn des; 
Kanzlers Johann Adolf Kielmanseck. 

Was nun die Heimat dieser Gold- und Silber- 
sachen angeht, so kann man sie in vielen Fällen 
aus den Angaben des Inventirs erkennen. Die 
Arbeiten waren einheimischen deutschen Ur- 
sprungs oder aber sie stammten aus Holland. 
Eine Reihe der wertvollsten Gegenstände des 
Schatzes wird als holländisch öder auch als aus 
holländischem Silber gefertigt bezeichnet. Hol- 
ländisches Silber galt ja als besonders wertvoll. 
Von Augsburger Silber war eine der von Gloxin 
geschenkten Flaschen, die ziervergüldete ge- 
flochtene, wie denn auch Augsburger Silberarbeit 
derzeit eines guten Rufes genoß. Eine zierver- 
güldete silberne getriebene Schale mit Deckel, sowie 
eine getriebene silberne Schüssel und vor allem 
das gewichtigste Stück der ganzen Sammlung, das 
Waschbecken mit Guß, sind aus Hamburger Silber. 
Als ,,Schleßwigisches Silber" mit dem den Wert 
ermäßigenden Zusätze ,,nur 12 lötig" wird eine 
,,ganz vergüldete Kanne mit Ribben" bezeichnet. 
Schleswiger Arbeit war auch eine ,, schlechte 
(schlichte) silberne Schale". Zu bedauern ist, daß 
sich trotz der erwähnten Angaben von allen diesen 
Gegenständen eine deuUichere Anschauung doch 
nicht gewinnen läßt! 

Unter der Rubrik ,,An bahrem Gelde" (es 
sind beiläufig 483 #) werden noch eine Reihe 
von Sachen aufgeführt, die zum Teil unter den 
Silberschatz fallen. Von den Medaillen hebe ich 
hervor eine güldene Medaille mit Ihre Hochfürst- 
liche Durchlaucht Bildnüß, wohl ein Geschenk 
Christian Albrechts, ein silbernes Gepräg auff 
Flinken Leichprocession ""), Kiellmans Brustbild 
in Silber i'i), wohl ein Geschenk des Kanzlers, ein 



10') Vgl, Urkunde Nr. 22. 

108) Die Familie Hojer war nicht, wie ich im 
Nachlaß-Inventar S. 15, Anm. 4 angegeben habe, mit 
der Ovensschen Familie verwandt. 

"9) Vgl. S. 41. 

i'O) Vgl. S. 31. 

m) Vgl. des Verfassers Studie, Die bildlichen Dar- 
stellungen des Kanzlers Johann Adolf von Kielmanseck, 
Zeitschrift u. s. w. Bd. 48, S. 295. 

82 



Gepräg auf die Belagerung von Coverden^i-) und 
zwei kleine Porträts des Herzogs Friedrichs III. 
und Christian Albrechts auf silbernen Platten i")^ 
die ebenfalls Geschenke der Herzöge an ihren 
Hofmaler gewesen sein werden "*). Wenn ich 
nun noch erwähne, daß es auch an Schmucksachen, 
so einem güldenen Ring und einem Diamant- 
ring mit viereckigem Stein, an Edelsteinen, wie 
Türkis, Rubin, Smaragd, einer Perle, Bernstein- 
korallen, sowie einem goldenen Medaillon nicht 
gefehlt hat — und dabei wird es w'ohl nur ein 
kleiner Rest gewesen sein, denn die meisten 
Schmucksachen werden die heranwachsenden 
Töchter schon vor Aufstellung des Inventars er- 
halten haben — , so ersteht ein Bild von Glanz 
und Geschmack vor unseren Augen, so reich und 
prächtig, daß wir nur bedauern können, nicht im- 
stande zu sein, es im einzelnen auszumalen ^^•'). 
Bisher hat sich kein Stück nachweisen lassen. Wir 
müssen annehmen, daß der Silberschatz des Ovens- 
schen Hauses nach und nach, in Zeiten von Kriegs- 
not und Teuerung, der Einschmelzung verfallen 
sein wird. 

Hinweisen muß ich noch auf die aus ge- 
triebenem Silber hergestellte Kreuzabnahme, die 
in der Teilungsakte unter die Originale der Ge- 
mälde (Nr. 97) gerechnet wird"«). Als Meister 
wird dort Paulus von Vianen genannt, jener Ut- 
rechter Goldschmied, Metalltreiber und Graveur, 
der in Prag 1613 gestorben ist. Sandrart in der 
Teutschen Akademie, II. Teil, S. 341 f. bespricht 
ihn eingehend und preist seine Kunst der Silber- 



ne) Es handelt sich zweifellos um eine der Medaillen 
auf die Belagerung von Koevorden im Jahre 1594. 
Welche der drei großen Medaillen, die van Loon, Neder- 
landsche Historiepenningen I., S, 448 abbildet, in Be- 
tracht kommt, läßt sich nicht entscheiden. 

113) Vielleicht sind dies von Ovens gemalte Minia- 
turen gewesen. Er hat jedenfalls von dem Goldschmied 
Nooth in Schleswig 1654 Silberplatten für Miniatur- 
bildnisse erhalten. Vgl. S. 83. 

11*) Auf dem Selbstbildnis im Tonninger Epitaph 
trägt Ovens an einer Kette ein Bildnis Friedrichs III. 

115) Daß sich kaum einer der kunstgewerblichen 
Gegenstände, die in Ovens' Inventar vorkommen, auf 
seinen Bildern nachweisen läßt, mag daran liegen, daß 
so viele seiner Bilder verschollen sind. Rembrandts 
Werk dagegen ist uns in viel größerer Vollständigkeit 
erhalten. Infolgedessen ist es Valentiner, Rembrandt und 
seine Umgebung, S. 113 ff. in vielen Fällen geglückt, 
kunstgewerbliche Gegenstände aus Rembrandts Inventar 
auf seinen Bildern zu belegen. 

116) Vgl. S. 67 des Nachlaß-Invenlars, Anmerk. 2. 



i 



treibarbeit hoch n")- Erxxähnt sei, daß Rembrandt 
zwei Gipsabgüsse nach Werl<en des Adam von 
Vianen"'), eines Bruders des Paulus, besaß und 
daß Adams Arbeiten, worauf Neumann n«) auf- 
merlvsam macht, sich nahe mit den Gefäßen auf 
Rembrandts Simsonhochzeit berühren. Wenn das 
Inventar uns den Paulus von Vianen, einen der 
Hauptvertreter des sogenannten Ohrmuschelstils, 
als Meister der Kreuzabnahme ausdrücklich nennt! 
so wird es gestattet sein, auch bei anderen als 
holländisch bezeichneten Arbeiten an ihn oder 
etwa seinen Bruder Adam zu denken, der nach 
Sandrart „Handbecken, Schalen, Salzfässer, Messer- 
hefte und andere Zierlichkeiten immerzu für die 
Liebhaber in Amsterdam und ganz Holland ge- 
macht und sich einen besonderen Ruhm er- 
worben hat". Auch Lutma oder Gerbrand van 
den Eeckhout könnten in Betracht kommen i"). 
Freilich scheint Ovens Gefäße des Ohrmuschel- 
stils auf seinen Bildern, soweit ich jedenfalls ur- 
teilen kann, nicht verwandt zu haben. Die dort 
vorkommenden Kannen, Schalen und Pokale tragen 
einen viel mehr barocken Charakter. 

Bei den im Invent^ir als Hamburger Arbeit be- 
zeichneten Silbersachen könnte man etwa an den 
Hamburger Goldschmied Hans Lambrecht den 
Dritten als Meister denken, der für die Gottorfer 
Herzöge in den Jahren, in denen auch unser 
Maler für sie tätig war, so viel gearbeitet hati-'o). 
Die Schleswiger Arbeit könnte am ehesten Jacob 
Noothisi) gefertigt haben, ein Schleswiger Gold- 

"•) i;ber Paulus und Adam von Vianen vgl. Carl 
Neumann, Rembrandt, I. Auflage, S. 647 f. Dort auch 
Abbildungen einer Schale, zweier Becher und eines Tafel- 
aufsatzes des Adam von Vianen. 

"«) a.a.O. S. 647. 

"9) Vgl. Neumann, a. a. O. S. 647 ff. 

120) über ihn. vgl. des Verfassers Qottorffer Künstler, 
II. Teil, S. 325 ff., und Johannes Biernatzki, Der Gottorfer 
Silberaltar (Schleswig-Holsteinischer Kunstkalender 1918/ 
1919, S. 3 f.). 

1-1) Ober ihn vgl. des Verfassers Gottorfer KünsÜer, 
11. Teil, S. 321 ff. Weitere Nachrichten über Schleswiger 
Goldschmiede des 17. Jahrhunderts außer der einen, daß 
der Herzog Friedrich III. 1635 bei Lorentz Tollitz ver- 
goldete Pokale gekauft hat, sind nicht bekannt. Posselt, 
Der Silberschatz der Kirchen, Gilden und Zünfte in der 
Stadt Schleswig kennt Schleswiger Goldschmiede des 17. 
Jahrhunderts überhaupt nicht. Vgl. neuerdings auch 
H. Philippsen, Die Schleswiger Goldschmiede im 17., 
18. und 19. Jahrhundert (Sonderdruck aus den Heimat- 
blättern „Nordmark", Beilage zu den Schleswiger Nach- 
richten 1920). 



Schmied, der zwischen 1636—1666 in Diensten 
der Gottorfer Herzöge stand. Urkundlich ist be- 
legt, daß er 1654 Silberplatten zu Miniaturbild- 
nissen an Jürgen Ovens geliefert hat. Danach 
ist es so gut wie sicher, daß die beiden Meister sich 
auch persönlich gekannt haben. 

6. Die Plastiken des Ovensschen 
Nachlaß-Inventars. 

Im Nachlaß-Inventar, S. 46, werden unter der 
Rubrik „Gibsen Bilder" 15 Nachbildungen von 
Statuen und Büsten in Gips und Stein angeführt. 
Darunter sind 8 Plastiken wahrscheinlich nach 
antiken Bildwerken. Sie gehören zum Teil in 
den Kreis, aus dem Ovens so oft seine Stoffe 
nahm, in die Mythologie. Verschiedene, so Venus 
und Adonis, Cupido, Flora hat er selbst in Bildern 
dargestellt. Auch Herkules und Bakchus stammen 
aus dem von dem Meister bevorzugten Gebiet 
der mythologischen Darstellungen. Historische 
Personen dagegen haben wir vor uns in dem 
Brustbild der Kleopatra und dem Standbild des 
Antinoos, jenes schönen vom Kaiser Hadrian ge- 
liebten Jünglings. Es werden spätrömische Por- 
trätbüsten gewesen sein, wie sie deren mehrere 
auch Rembrandt besessen hat. Ob die übrigen 
Plastiken Nachbildungen antiker .Werke oder in 
antikisierendem Geschmack gehalten waren, steht 
dahin. Genredarstellungen treten uns in den 
beiden großen Knaben entgegen, von denen der 
eine ein Schnittmesser, der andere ein Buch in 
der Hand trägt, und in der stehenden Frau, die 
in der Hand eine Kugei hält, also wohl einer For- 
tuna. Leider sind eine Statue und drei Büsten 
nicht genauer bezeichnet, so daß wir über sie 
im Unklaren sind. Die Ovensschen Plastiken 
haben vermutlich mehreren Zwecken gedient. Sie 
sollten dekorativ wirken, einen Schmuck der Räume 
und, soweit sie aus Stein waren, wohl auch des 
Gartens bilden. Es ist ja bekannt, daß man damals 
gern mit Statuen in antikisierendem Geschmack 
die Gärten zierte. Die Bilder der Zeit beweisen 
es. Auch wissen wir es aus Reisebeschreibungen. 
Wie im Gottorfer Schloßgarten werden auch in 
Ovens' großem Garten derartige Bildwerke auf- 
gestellt gewesen sein. Gipsabgüsse, wie der Amor 
und die Flora, mögen als Schmuck der Innen- 
räume gedient haben. Sie haben etwa auf einem 
Gesimse oder einem der Schränke gestanden. Wir 



83 



6* 



begreifen freilich heute nicht recht, wie das 17. . 
Jahrhundert an diesen durchweg matten und ge- 
hahlosen Nachbildungen ein so großes Gefallen 
finden konnte. Aber man muß: bedenken, daß 
sie damals noch etwas Neues waren. Und daß 
Ovens, wie Rembrandt und Rubens und andere 
Maler !"■) auch, Gipsabgüsse besessen haben, wird 
noch einen weiteren Grund gehabt haben. Die 
Künstler hielten es für nützlich und lehrreich, ihre 
Schüler nach Abgüssen arbeiten zu lassen i-^). 
Ovens wird ohne Zweifel der gleichen Ansicht 
gewesen sein. So werden seine Gipsabgüsse auch 
Unterrichtszwecken gedient haben, und er selbst 
wird diesen Besitz nicht nur im Betrachten ge- 
nössen haben. Man kann sich vielmehr wohl 
denken, daß auch er wie Rembrandt nach der 
Antike gezeichnet hat. Ob er sich wie der große 
Holländer auch künstlerisch durch seine antiki- 
sierenden Bildwerke hat beeinflussen lassen, kann 
ich nicht entscheiden. Jedenfalls habe ich ihre 
Spuren auf Gemälden des Meisters bisher nicht 
nachweisen können. 

7. Govert Flinks, Rembrandts und Ovens' 
Julius Civilis-Bilder. 

Von allen Bildern, die Ovens' Pinsel geschaffen 
hat, ist das am leisten genannte die Verschwörung 
der Bataver unter Claudius oder richtiger Ju- 
lius i^*) Civilis. Seit seiner Entstehung hängt es 
an dem Platze, für den es gemalt war, im ehe- 
maligen Rathause, dem heutigen Kgl. Palaste zu 
Amsterdam. Es hat mit dem Bilde eine eigene 
Bewandtnis. Obgleich es in fast jeder Notiz über 
Ovens als sein bekanntestes Werk figuriert, haben 
nur wenige der Lebenden es gesehen. Denn 



122) So fanden sich in dem 1660 aufgenommenen In- 
ventar des Martinus Saeghmolen 38 Gipsabgüsse, vgl. 
Oud-Holiand VI., S. 125 f. und Floerke, a.a.O. S. 209. 

123) Vgl. Valentiner, Rembrandt und seine Um- 
gebung, S. 136; Floerke, Studien zur niederländischen 
Kunst- und Kulturgeschichte u. s. w., S. 135. 

121) Carl Neumann, Aus der Werkstatt Rembrandts, 
1918, S. 24, Anm. 1, hat zuerst darauf hingewiesen, daß 
der Anführer der Bataver bei den antiken Autoren, die 
seine Geschichte behandeln, bei Tacitus und Frontin, 
Julius Civilis heißt und daß dementsprechend auch 
ein moderner Historiker, Domaszewski, Geschichte der 
römischen Kaiser II., S. 114, ihn Julius Civilis nennt, 
während die Rem brandtforscher einer dem andern Clau- 
dius Civilis nachsprechen. 



einst viel besucht und bewundert 125), ist es seit 
vielen Menschenaltern in Dunkelheit verborgen 12«). 
Seit etwa 30 Jahren, seitdem de Roever in Oud- 
Holland 1891, S. 297 ff. und 1892, S. 137 ff. seinen 
Aufsatz, Een „Rembrandt" op' t Stadhuis ver- 
öffentlichte, bis zu Carl Neumanns 1918 er- 
schienenem Buche, Aus der Werkstatt Rembrandts 
spielt es in der Rembrandtforschung eine Rolle. 
Schon im Jahre 1884 hatte de Roever eine Ur- 
kunde vom 28. August 1662 veröffentlicht 12'), 
aus der hervorging, daß Rembrandt damals ein 
Bild für das Rathaus geliefert hatte, an dem eine 
Umänderung vorgenommen werden sollte. 
Welcher Vorwurf dargestellt war, ließ sich aus der 
Urkunde nicht ersehen. 1891 entdeckte dann 
derselbe de Roever, daß in dem viel benutzten 
Buche des Melchior Fokkens, Beschrijvinge der 
wijdt vermaarde Koop-Stadt Amstelredam, das zu 
Amsterdam 1662 erschien, auf S. 162 ein bis 
dahin völlig übersehener Satz vorkam, nach dem 
das erste in der Reihe der Historienbilder des 
Rathauses, das Gastmahl des Civilis und die Eides- 
leistung der Bataver, von Rembrandt gemalt seiiä»). 
Dagegen meldet Philipp von Zesen in seiner im 
August 1663 abgeschlossenen und 1664 ver- 
öffentlichten Beschreibung der Stadt Amsterdam, 
S. 262 f., daß Ovens der Meister des Civilis-Gast- 
mahls im Rathause sei. Mit ihm stimmen alle 
späteren Schriftsteller, die das Bild erwähnen, 
überein. Keiner erwähnt ein Wort von Rem- 
brandts Beteiligung. Nach de Roevers Funden 

126) Seit von Zesens begeisterter Schilderung des 
Bildes, die im Jahre 1663 niedergeschrieben ist, wird es 
in fast Jeder der zahlreichen Beschreibungen des Rat- 
hauses erwähnt und mehr oder weniger gepriesen, so im 
Wegwijzer door Amsterdam 1713, S. 475/76, in Hou- 
braken, De üroote Schouburgh u. s. w. 1., 1718, S. 273, 
der den Wegwijzer benutzt hat, in Descamps, La vie 
des peintres u. s. w. II., 1754, S. 279 f., der wieder 
Houbraken abgeschrieben hat. Von seinem Julms Civilis- 
Bilde rührt Ovens' Ruhm als Meister von Nacht- 
stücken her. . 

12'=) Die großen Lunetten oben über der Gallene des 
Rathauses, an deren einer das Ovenssche Bild hängt, 
waren im 17. Jahrhundert sehr viel besser beleuchtet 
als heute, wo nicht nur Zwischenwände durch den 
großen Gang gezogen sind, sondern auch an den Hof- 
seiten gegenüber durch ein aufgebautes Geschoß die 
Lichtzufuhr verringert worden ist. Vgl. darüber Neu- 
mann a.a.O., S. 45. 

127) s. Hofstede de Groot, Die Urkunden über Rem- 
brandt, Nr. 253.- 

128) Vgl. Neumann a. a. O., S. 7 ff. 



84 



mußte die Frage: Rembrandt oder Ovens? ge- 
klärt werden. War nicht doch die Mögiichi<eit, 
daß trotz aller gegenteiligen späteren Aussagen 
Fokkens' Bericht zu Recht bestand und daß, von 
dem Dunkel des Ortes verdeckt, kein Ovens, son- 
dern ein wirklicher Rembrandt hoch oben in dem 
ersten Bogenfelde der großen Qallerie des Rat- 
hauses hänge? In lebhafter Spannung trat im 
März 1892 eine große Kommission von Sach- 
verständigen zusammen, um die Frage zu ent- 
scheiden. Mit Hilfe von hohen Gerüsten und 
künstlicher Beleuchtung nahm man das geheim- 
nisvolle Bild in Augenschein. Es ergab sich, daß 
Von Zesen recht hatte: man fand keinen Rem- 
brandt, sondern wirklich einen Ovens. 

Ein näheres Eingehen auf das Bild und die 
mit ihm zusammenhängenden Fragen ist nötig 
und wird nicht unwillkommen sein. In der Lite- 
ratur zuerst erwähnt und beschrieben wird Ovens' 
Julius Civilis-Bild von Philipp von Zesen, a.a.O., 
S. 262 f. Dort heißt es: 

Oben über dem eingange der Schatzkammer 
(im Rathause zu Amsterdam), unter dem Schwib- 
bogen, der von gemeltem pfeiler nach dem winkel 
zu sich herümbeuget, siehet man ein gemahltes 
stükke von den begäbnüssen der alten Batauer. 
Darinnen stehet das Gastmahl entworfen, welches 
ihr Heerführer Klaudius Ziviel im Schakerbusch, 
oder im geheiligten Walde, gehalten: alda er die 
fürnehmsten des Adels samt den besten aus der 
Gemeine zu gaste geladen, und zwar zu dem 
ende, damit er ihnen, wan sie der wein erhitzt 
und muhtig gemacht, den frefel und übermuht 
der Röhmer vorhalten, und sie wider dieselben, 
welche sie, samt ihrer freiheit, so greulich unter- 
drückten, aufmuntern, und in den hämisch bringen 
möchte. Auch siehet man in diesem gemeide, 
wie sein Vorschlag, mit frohlokken und gutheißen 
der gantzen Versammlung angenommen, und der 
eid, ihm getreulich zu folgen, geleistet, ja zum 
zeichen und zur bekräftigung desselben, ein güldner 
Bokahl, ümgetrunken wird. Selbiges stükke hatte 
zum allerersten oben gemelter Gobert Flink auf 
ein rauhes allein mit leim überzogenes leinen- 
tuch, mit holtzkohlen, und ein wenig Wasser- 
farben, zu ehren des Printzen von Oranien, dessen 
heldenmühtige Voreltern des Zivieis und Brünions 
nachfolger zu unsern zelten gewesen, bei seiner 
dazumahl instehenden einhohlung innerhalb zween 
tagen entworfen. Da nun über seinem eilfärtigen 



Entwurf gemelter Kunstmahler todes verblichen, 
und es also selbsten nicht zur volkommenheit 
bringen können; so hat Seiner Durchl. des Her- 
zogs von Holstein obengenannter Hof- und Kunst- 
mahler, Johan Ovens, auf begehren der Herren 
Bürgermeister, die endliche Hand daran ge- 
schlagen, und solchen entwurf innerhalb vier tagen 
nicht allein mehreren teils übergründet, und mit 
öhlfarben grundfest gemacht, sondern auch bei 
die zehen oder zwölf bilder (Figuren) mehr 
hineingefüget, und also das gantze stükke, wie 
es itzund alhier stehet, innerhalb vier tagen, nach 
erheischen der mahlerkunst, volkömlich ausge- 
arbeitet i^^) .... 

Aus diesem Berichte Philipp von Zesens^o)^ 
der gleichzeitig mit Ovens in Amsterdam gelebt 
hat, geht hervor, daß zunächst Govert Flink, als 
höfischer Besuch — es waren die prachtliebende 
Amalia von Solms mit ihren Gästen, darunter die 
Gemahlin des Großen Kurfürsten von Branden- 
burg, Luise Henriette, eine oranische Prinzessin, 
und Johann Moritz von Nassau "i) — angesagt 
war, das Bild der Verschwörung der Bataver unter 
Julius Civilis entworfen hatte, und zwar,- weil Eile 
Not tat, in zwei Tagen. Der Flinksche Entwurf 
— der Meister hatte übrigens noch einige Skizzen 
mehr für die bis dahin leeren Wände entworfen — 
war zunächst nur eine schnell improvisierte Skizze, 
um die kahle Fläche zu verdecken, und war auf 
leimgrundierte Leinwand mit Kohle und etwas 
Wasserfarbe gezeichnet und gemalt. Der Besuch 
der Fürstlichkeiten, für den Flink zu Repräsen- 
tationszwecken die Skizze hingeworfen hatte, war 
im August 1659 abgestattet worden. Offenbar 
hatten Flinks Skizzen gefallen. Auch war man 
ihm verpflichtet, weil er aus der Verlegenheit ge- 
holfen hatte. Also schloß die Stadt am 28. No-" 
vember 1659 mit ihm einen Vertrag, nach dem 
er 12 Bilder für das Rathaus liefern sollte, jedes 

129) Nach von Zesens weiteren Angaben sollten 7 
andere Gemälde den Fort- und Ausgang des Bataver- 
krieges schildern. Unmittelbar neben dem Ovensschen 
hing bereits ein Bild von Jan Lievens: Brünio wird zum 
Feldherrn gewählt und auf den Schild gehoben. Die 
Gemälde waren 22 .Schuh hoch, 10 Schuh breit (etwa 
6m zu S'/ä rn). 

1'") Auf ihn hat zuerst aufmerksam gemacht Johannes 
Biernatzki in einem bisher nicht weiter beachteten Auf- 
satze, J. Ovens in Amsterdam (Kieler Zeitung, 26. August 
1886). 

131) Vgl. Neumann, a. a. O., S. 45. 

85 



zum Preise von 1000 Oulden. Es war ein ge- 
waltiger Auftrag. Flink konnte ihn jedoch nicht 
ausführen. Denn er starb schon am 2.^^-) Februar 
1660. Die Arbeiten wurden also eingestellt, auch 
das Julius Civilis-Bild Flinks War nur eine Skizze 
geblieben. Doch verlangten die kahlen Flächen 
der acht leeren Bogenfelder der großen Qallerie des 
Rathauses nach dem Schmuck von Malereien. Im 
Januar 1661 wurden also bei Jordaens und Lievens 
Bilder aus der Civilis-Geschichte bestellt, die später 
auch geliefert sind "s). Auch an Rembrandt wandte 
man sich. Wann dies geschehen ist, wissen wir 
nicht. Mir will scheinen, daß die Annahme durch- 
aus in Erwägung zu ziehen ist, man habe schon 
1660 mit ihm verhandelt. Denn auch in diesem 
Jahre war wie im August 1659 Fürstenbesuch 
angesagt. Im Juni 1660 erschienen die Witwe des 
Prinzen Wilhelm II. und ihr achtjähriger Sohn 
und wurden glänzend gefeiert"*). Man mußte die 
Fürstlichkeiten von dem Fortgange der Arbeiten 
im Rathause und damit von der Blüte und dem 
Reichtum der Sbdt überzeugen. Es ist also sehr 
wohl denkbar, daß Rembrandts Julius Civilis-Bild, 
zumal da es die Reihe eröffnete, also auch wohl 
\ior den übrigen bestellt wurde, schon im Juni 
1660 an seinem Platze hing"'^). Wie dem auch 
sei, jedenfalls meldet Melchior Fokkens in seiner 
oben zitierten Stadtbeschreibung Amsterdams vom 
Jahre 1662, S. 162, daß das Gemälde im Rat- 
hause, Nächtliches Mahl der Bataver, von Rem- 
brandt war: „en dit wordt vertoond (dargestellt) 
in de eerste schilderij, geschildert door Rem- 
brandt." Neumann ^^'^) hat es wahrscheinlich ge- 
macht, daß Rembrandt das Bild, um Verände- 
rungen anzubringen, die die Behörde gewünscht 
haben wird, wieder fortgenonmien hat, und zwar, 
wie es ihm scheint, vor denr 28. August 1662. 



Danach kehrte das Werk des Meisters nicht wieder 
■ins Rathaus zurück, sondern verblieb zunächst 
in seiner Werkstatt, aus der die gewaltige Lein- 
wand, von Rembrandt selbst auf Vs ihres ur- 
sprünglichen Umfangs verkleinert und umgeändert, 
in Privatbesitz kam"'). Schließlich gelangte das 
Werk nach Stockholm, wo es heute einen der 
kostbarsten Schätze des Nationalmuseums bildet. 

Wann ist nun Ovens' Julius Civilis-Bild an 
die Stelle des Rembrandtschen Werkes getreten? 
Ich vermag die Frage ziemlich bestimmt zu be- 
antworten: Frühestens nach dem 28. August 1662 
und spätestens vor dem 2. Januar 1663 "8). Denn 
nach dem 28. August 1662, wenn nicht schon 
etwas früher, hat Rembrandt sein Bild zur Um- 
änderung zurückgenommen, und wahrscheinlich 
kurz vor dem' 2. Januar 1663 wurde das Bild 
von Ovens abgeliefert. Am 2. Januar 1663 näm- 
lich verzeichnet die Amsterdamer Stadtrechnung 
(Rapiamus) 139), S. 200 folgenden Rechnungs- 
beleg:!") 

Aen Jürgen Ovens, schilder, bet (aelt) . . . 
achtenveertigh guldens voor t opmaken van een 
schets van Govert Flinq tot een volcomene or- 
donnantie den 2. January 1663 .. . 

Danach erhielt Ovens von der Stadt Amster- 
dam 48 Gulden für die Vollendung einer Skizze 
Govert Flinks zu einer vollständigen Komposition. 
Mit dem urkundlichen Beleg stimmt von Zesens 
Bericht überein, nach dem Ovens den in zwei 
Tagen entstandenen, also naturgemäß flüchtigen 
Entwurf Flinks vollendet, in Öl ausgeführt und 



'32) Daß Flinks Todestag der 2. Februar und nicht, 
wie Houbraken II., S. 25, mitteilt, der 2. Dezember 
gewesen ist, geht aus den Angaben der Medaille hervor, 
die auf Flinks Tod geschlagen wurde. Über sie vgl. 
S. 31. Wenn de Roever den 22. Februar als Todestag 
angibt, so wird es sich wohl nur um einen Druckfehler 
handeln. 

13-i) Vgl. Rooses, Jordaens' Leben und Werke, S. 209. 

läi) Vgl. van Aitzema, Saken van Staet en Oorlogh, 
IV. (1669), S. 633 ff. 

135) Dagegen ist de Roevers Behauptung, daß man 
anläßlich des Fürstenbesuchs vom Jahre 1660 Ovens mit 
der Aufgabe betraut habe, unhaltbar. Das wird der 
weitere Gang der Untersuchung zeigen. 

13S) a.a.O., S. 9. 



137) Vgl. Neumann a.a.O. S, 11 und sonst. 

138) Es ist auf Grund des im Texte angeführten 
Rechnungsbelegs nicht nötig, wie de Roever, Oud-Holland 
1892 und Neumann, a.a.O. S. 10 es tun, erst die 
Rückkehr des Ovens in seine Heimat, die übrigens nicht 
im Mai, sondern im Juni 1663 erfolgte (Vgl. S. 37), als 
terminus ante quem anzunehmen. — Daß Ovens, wie 
Doris Schnittger, Zeitschrift 38 (1908), S. 421 behauptet, 
nach Houbrakens und Descamps' Bericht das Bild 1660 
ausgeführt habe, ist ein Irrtum. Keiner der beiden 
Schriftsteller gibt eine Jahreszahl an. 

139) Stadtarchiv (Oud archief), Amsterdam. 

1«) Nicht Quittung, wie Neumann, a. a, O. S. 46, 
Anm. 1, sagt. 

Der Beleg ist erwähnt von A. W. Kroon, Het 
Amsterdamsche Stadhuis, 1867, S. 81 und von Henry 
Havard in seinem Aufsatze über Govert Flinck (L'art et 
les artistes hollandais, II., 1880, S. 143). De Roever, Oud- 
Holland 1891, S. 302, zitiert den Beleg unvollständig 
und ungenau. 



86 



durch Einfügung von zehn bis zwölf Figuren 
erweitert hat. Wieder war höchste Eile geboten. 
In vier Tagen brachte Ovens die Arbeit zustande. 
Die eilige Arbeit des Malers wird man mit 
Neumann "i) durch einen bevorstehenden Fürsten- 
besuch im Rathause und durch Repräsentations- 
bedürfnisse, wie schon in früheren Fällen, er- 
klären, obgleich ich bei Aitzema a.a.O., der sonst 
alle derartigen Ereignisse gewissenhaft verzeichnet, 
keine Spur davon gefunden habe. Aus dem Aus- 
druck, den von Zesen braucht, daß Ovens „auf 
begehren der Herren Bürgermeister die endliche 
Hand daran geschlagen", scheint mir der Un- 
wille der regierenden Herren über die endlose 
Verzögerung widerzuklingen. Es war begreiflich, 
daß sie ungehalten waren. Flink starb über seinem 
Werke hin. Es blieb liegen. Dann führte Rem- 
brandt den Auftrag aus, aber vcieder wurde die 
Behörde enttäuscht. Umänderungen waren nötig. 
Rembrandt arbeitete langsam, er mochte, da er 
sich, eigenwillig wie er war, in seine Kunst nicht 
hineinreden ließ, auf Wünsche, die man äußerte, 
keinj; Rücksicht nehmen und stellte am Ende wahr- 
scheinlich selbst die Lieferung ein "-). Nach zwei 
langen Jahren des Wartens wandten sich die 
Herren, deren Geduld auf eine so harte Probe 
gestellt war, an Ovens, mit dem leichter zum Ziel 
zu kommen war, und er hat dann den Herren ge- 
fällig aus der Not geholfen, hat endlich das Bild 
vollendet und damit der kahlen Wandfläche den 
nötigen Schmuck gegeben. 

Nahe genug lag es, daß die Bürgermeister 
sich gerade an Ovens wandten. Zwischen Flink 
und Ovens hatten ja, wie ich Seite 30 f. nachge- 
wiesen habe, enge persönliche Beziehungen be- 
standen, wenn Ovens auch keineswegs, wie de 
Roever meint, Flinks Schüler gewesen ist. Ovens, 
der Flink auch künstlerisch sehr nahe stand, ist 
ohne Zweifel in des verstorbenen Meisters Pläne 
eingeweiht gewesen. So war unter den berühmten 
Malern der Zeit niemand eher als gerade er be- 
rufen, Flinks Werk in dem Geiste des Verewigten 
zu Ende zu führen. 

Die Annahme, daß die Ovenssche Arbeit das 
Ersatzbild für Rembrandts Werk war, was Neu- 
mann a.a.O., S. 46, Anm'. 1 in Zweifel zieht, 
scheint mir unabweisbar zu sein. Wenn Neu- 



manns Vermutung, daß Rembrandts Tätigkeit für 
sein Civilis-Bild sich noch bis 1663 hinzog, dem 
widerspricht, dann wird eben diese Vermutung 
falsch sein. In der zweiten Hälfte des Jahres 1662 
muß Rembrandt sein Bild entweder endgültig 
zurückgezogen haben oder von den Bürgermeistern 
bedankt Worden sein. Der von mir angeführte 
Rechnungsbeleg läßt eine andere Deutung schlech- 
terdings nicht zu. Es ist eine unanfechtbare Tat- 
sache, daß Ovens' Bild für das Rathaus vor dem 
2. Januar 1663 abgeliefert worden ist. Also muß 
vorher Rembrandts Bild dem Ovensschen Bilde 
buchstäblich den Platz geräumt haben. 

Schon Henry Havard in seinem Aufsatze über 
Govert Flink i") hat es auffällig gefunden, daß ein 
Maler von den Verdiensten eines Ovens sich mit 
48 Gulden Honorar begnügte, und hat, ohne daß 
er von Zesens Bericht kannte, angenommen, daß 
das Bild Flinks sehr vorgeschritten war, so daß 
für Ovens nur wenig zu tun übrig blieb. Auch 
de Roever sucht die geringe Entlohnung zu er- 
klären. Nach ihm war auch Ovens' Arbeit doch 
nur ein flüchtig hingeworfenes Dekorationsstück, 
eine in aller Eile vollendete Skizze, aber doch 
eben nur eine Skizze, die zeitweiligen Dekorations- 
zwecken dienen sollte. Für eine Arbeit, die nur 
>Ä'enige Tage in Anspruch nahm, konnte wohl 
auch ein Ovens kaum mehr erwarten. Jeden- 
falls darf man sie nicht vergleichen mit den eine 
monatelange Tätigkeit erfordernden Bildern, für 
die Flink 1000 und Jordaens 1200 Gulden er- 
halten sollte. 

Die überstürzte Fertigstellung des riesigen 
Bildes — es mißt etwa 25 Quadratmeter — wird 
man Ovens auch zu Gute halten müssen bei 
der Beurteilung seines künstlerischen Wertes. 
Wenn Six, Oud-Holland 1893 das Ovenssche 
Julius Civilis-Bild ,,een afschuwelijk broddelwerk" 
genannt hat, so kinn ich die Berechtigung dieses 
harten Urteils nicht nachprüfen "*), da ich das 



1") a. a. O. S. 9 f. 

"2) Vgl. Neumann, a. a. O. S. 9 f. 



1") a.a.O. S. 143. 

i^*) Ganz anders und zwar sehr günstig und, was 
wichtig ist, von der im 18. Jahrhundert üblichen 
schablonenhaften Art abweichend, also selbständig ur- 
teilend, äußert sich Jan van Dijk in seinem Werke, Künst- 
en historie-kundige Beschrijving van alle de schilderijen 
op het stadhuis van Amsterdam, S. 69 (1. Ausgabe 1760, 
2. Ausgabe 1790). Er rühmt dem Ovensschen Bilde eine 
Technik nach, die die moderne Forscluing an den Spät- 
werken Rembrandts beobachtet hat. Die merkwürdige 
Stelle, die, so viel ich weiß, bisher keine Beachtung g«- 

87 



so überaus ungünstig hängende Gemälde bei 
meinem Besuche des Rathauses nicht habe stu- 
dieren ivönneni«). ich muß jedoch auf Folgendes 
hinweisen: A. W. Kroon a.a.O., S. 103 ff. teilt 
mit, die Bürgermeister von Amsterdam hätten schon 
im Jahre 1697 an den Rat berichtet, daß einige 
der großen Gemälde im Gange des Rathauses 
durch die Mauerfeuchtigkeit fast zerstört seien. 
Wie weit bereits damals die Zerstörung fortge- 
schritten war, ersieht man daraus, daß man den 
Vorschlag machte, den Mauerbewurf zu erneuern 
und in Fresko neu malen zu lassen i«). Es kann 
danach keinem Zweifel unterliegen, daß das Ovens- 
sche Bild stark gelitten hat und auch deshalb 
auf die Kommission einen ungünstigen Eindruck 
machen mußte. Der Vorwurf, den Neumann i^') 
o-eeen Ovens erhebt, daß er in der Großkompo- 
sition der Civilisverschwörung ohne jede Ori- 
ginalität sei, trifft am Ende Flink eher, als Ovens, 
der Flinks Werk übernahm, also ein Gegebenes 
vorfand, an das er sich halten mußte. Zu Ände- 
rungen hätte er ja auch keine Zeit gehabt. 

Aus der erwähnten harten Verurteilung des 
Ovensschen Bildes könnte wohl auch die an sich 
schon begreifliche Enttäuschung der Mitglieder 
der Kommission sprechen, die auszogen, um einen 
Rembrandt zu suchen, aber einen Ovens fanden. 

Nachzutragen ist noch Folgendes. Den Zeit- 
punkt, an dem das Bild Rembrandts noch im Rat- 
hause hing, vermag ich nunmehr genau anzugeben. 
Melchior Fokkens hat sein oben angeführtes Werk, 
in dem er auf S. 162 Rembrandts Julius Civilis- 
Bild im Rathause erwähnt, „den 21. dagh van 
Hooymaandt 1662" den Herren Louys und Hen- 
drik Trip gewidmet"'*^ Am 21. Juli 1662 ist 
also Rembrandts Bild noch im Rathause gewesen. 
Auch die zweite Auflage, die ebenfalls 1662, und 



funden hat, lautet: Dit stuk is wonderfraai geordineert, 
vast getekent en meesterlijk gepenoeelt, ja als of het met 
vingers an duijmen en niet met het penceel behandelt was. 

1*^) Die im Besitz der Akademie zu Amsterdam be- 
findliche, bei Blitzlicht aufgenommene Pholographie gibt 
das Original außerordentlich mangelhaft wieder. Sie 
kommt für die Wertung der künstlerischen Qualitäten 
des Bildes überhaupt nicht in Betracht. Einzelheiten sind 
kaum zu erkennen. 

1«) Vgl. darüber Neumann, a.a.O. S. 8, Anm. 1. 

"') a.a.O. S. 55. 

i^'a) Nach einer freundlichen Mitteilung des Herrn 
Dr. Hendrik C. Diferee, Amsterdam. 



zwar wohl nur wenige Wochen später, erschienen 
ist, nennt es noch an dieser Stelle. Wann ist nun 
Ovens' Julius Civilis-Bild an die Stelle von Rem- 
brandts Werk getreten? Die Antwort ergibt sich 
aus Folgendem. Ich kann nunmehr dank einer 
freundlichen Mitteilung des Herrn Dr. Hendrik 
C. Diferee, Amsterdam, den bisher nur vermuteten 
Fürstenbesuch, um dessen Willen Ovens So eilig 
sein Bild fertigstellen mußte, bestimmt angeben. 
Es war der jugendliche Erzbischof und Kurfürst 
von Köln, Maximilian Heinrich, Herzog von 
Bayern. Ihm zu Ehren veranstaltete die Stadt ein 
Festmahl. Der berühmteste Dichter der Zeit, Von- 
del, erhielt den Auftrag, ein Bewillkommnungs- 
gedicht zu verfassen i*'*"'. Es ward während des 
Festmahls vorgetragen und nimmt in den Versen 
42 — 561*'"' ganz deutlich auf das Gemälde von 
Ovens bezw. auf den in ihm dargestellten Vor- 
gang Bezug. Wenn Ovens' Julius Civilis-Gemälde 
nicht den Gästen vor Augen gewesen wäre, würden 
die Vondelschen Verse, die den Schwur der Ba- 
taver, „onder standert, schilt en Z^x'aert" preisen, 
gegenstandslos gewesen sein. Der Freundlichkeit 
des Stadtarchivs (Oud-Archief), Amsterdam ver- 
danke ich das Datum jenes Festmahls. Aus der 
Amsterdamer Stadtrechnung von 1662 (Copy uit 
Rapiamus fol. 160) geht hervor, daß das Fest- 
mahl, „de defrayement (Bewirtung) van den Cheur- 
furst van Cölen", für das die Stadt Amsterdam 
1011 Gulden 17 Stuiver ausgab, am 24. September 
1662 stattfand. Spätestens an diesem Tage also 
ist das Julius Civilis-Bild von Ovens im Rathause 
aufgehängt worden. Und entstanden ist es, wenn 
wir von Zesens Bericht folgen, nach dem Ovens 
„das gantze stükke, wie es itzund alhier stehet, 
innerhalb vier tagen, nach erheischen der mahler- 
kunst, volkömlich ausgearbeitet", in den Tagen 
vom 20. bis 23. September 1662. 

8. Ovens und die von Artus Quellinus für das 

herzogliche Erbbegräbnis im Dom zu Schleswig 

geschaffenen Marmorskulpturen. 

In der Zeitschrift Oud-Holland, Bd. 32 (1914), 
S. 225 ff. hab' ich den Nachweis erbringen können, 
daß das stolze, in seinen Einzelheiten so bedeut- 



"''b) van Lennep, Vondels Werken IX., 653. 

i"o) In Ungers Ausgabe von 1660 — 1662, I., 201 
bis 204, bei van Lennep, a.a.O., IX., 650—652, bei 
Hendrik C. Diferee, Vondels Werken, II., 564 f. 



88 



same Portal der herzoglichen Gruft im Dom zu 
Schleswig Sowie die Verzierungen des Inneren 
des Gruftgewölbes, das für die Aufnahme der 
Leiche des 1659 verstorbenen Herzogs Friedrichs III. 
von Gottorf bestimmt war, von Artus Quellinus 
in den Jahren 1661 — 1663 geschaffen sind"^). 
Ich hatte damals schon die Vermutung ausge- 
sprochen, daß Ovens, der für die herzogliche Fa- 
milie in Amsterdam viele Kunstwerke gekauft hat, 
auch in diesem Falle dem Quellinus gegenüber als 
eine Art Agent des Herzogs tätig gewesen ist und 
den Auftrag vermittelt hat. 

Nunmehr kann ich diese Vermutung als Tat- 
sache erweisen. Einige seither mir bekannt ge- 
wordene Urkunden gewähren nämlich einen noch 
deutlicheren Einblick in die Rolle, die unser Maler 
gespielt hat, als das Meisterwerk des großen nieder- 
ländischen Bildhauers entstand und abgeliefert 
wurde. Der erste hierher gehörende Beleg ist 
nach meiner Ansicht das eigenhändige Schreiben 
des Jürgen Ovens an den herzoglichen Faktor 
(Agenten) Johann Dankwert in Hamburg, datiert 
Amsterdam, 26. Januar 1661. Es lautet: 

Hochgeneigter Herr Dankwert 
Verwiechenen letzt Post hab ich ein Con- 
völute gesandt, mit ufschrift an dem H(errn) 
Cantzler, solches IhFurstl Dl haben soll, und 
nolens volens 9 # daruf alß bedung setzen ""), 
Ich hoffe, das es Meinem Hern wirt zu recht 
eingbraht sein. 

Gottlich gnad bfhel. Meines Hern Dienst- 
ergbenst J. Ovens""). 

26. Jan: 1661 
Ambstd. 

Ich vermute, daß der Inhalt des in dem 
Schreiben erwähnten verschollenen Konvoluts, das 
an den Kanzler Johann Adolf Kielmanseck ge- 
richtet und für den Herzog Christian Albrecht 
bestimmt war, sich bereits auf die Arbeiten des 
Artus Quellinus bezogen hat. Wahrscheinlich hat 
es von den ersten Schritten berichtet, die Ovens 



148) Vgl. den mit geringen Abweichungen in der 
Monatsschrift „Die Heimat", Bd. 26 (1916), S. 209 ff . ver- 
öffentlichten Aufsatz. 

1*3) Darunter werden Unkosten zu verstehen sein, 
die Ovens ausgelegt hatte und die der Empfänger tragen 
mußte. 

150) Der Brief liegt im Staatsarchiv zu Schleswig unter 
A. XX 3624. 



in der Angelegenheit getan hatte, und daneben die 
Skizzen, Zeichnungen, Pläne des Bildhauers ent- 
halten, die dem Herzog vorgelegt werden sollten, 
wie denn in einem Rechnungsbeleg von ,,dem 
abriße", nach dem der Bildhauer arbeitete, die 
Rede ist. Schon am 6. Juni 1661 erhielt der 
Bruder des Artus, Hubert, der für kurze Zeit 
nach Schleswig gekommen war, um die örtlichen 
Verhältnisse im Dom durch Augenschein kennen 
zu lernen, aus der herzoglichen Kasse die von 
ihm aufgewandten Zehrungskosten i^i). In Ovens' 
Schreiben an Johann Dankwert, in dem das Kon- 
volut an den Kanzler erwähnt wird, sind die drei 
Personen, die bei der Durchführung des großen 
Auftrags auf herzoglicher Seite beteiligt waren, 
gleichsam vereint. In Amsterdam war es der 
Maler, der die herzoglichen Interessen vertrat, der 
die Verhandlungen mit dem Bildhauer führte und 
sich in jeder Weise bemühte, das große Unter- 
nehmen zu fördern. In Schleswig war es der 
Kanzler Kielmanseck, der mit Hubert Quellin ver- 
handelte und mehrfach die Zahlungen anwies, 
in Hamburg schließlich war es der herzogliche 
Faktor, der mehrfach an den Bildhauer und ein- 
mal auch an Ovens Zahlungen übermittelte. Die 
Arbeiten waren im Sommer 1662 schon so weit 
vorgeschritten, daß in Abwesenheit des Herzogs 
Christian Albrecht, der sich auf einer großen Reise 
außer Landes befand, der Statthalter Friedrich 
von Ahlefeld und der Präsident und Kanzler Kiel- 
manseck am 21. August an die Generalstaaten 
im Haag einen .Brief richteten, dessen wichtigster 
Teil im Wortlaut folgt: 

Ew. Hochmügenden können wir 

freundtnachbahriich nicht verhalten, wie wir zu 
anrichtung eines Kirchen monuments etzliche 
marmoren benöhtiget sein undt dieselbe an 
Hanndt zu schaffen Unserm angebohrenen undt 
anietzo in Ambsterdam sich auffhaltenden 
underthanen, Georg Ovens, Commission auff- 
getragen. 

Damit es nun auch wegen abführung dieser 
desiderirten marmoren keine hindernuß geben 
müge. So ersuchen Ew. Hochmügenden Wir 
hiemit freundtnachbahriich, dieselbe gedachtem 
Geore Ovenß unbeschwert dero Paß dahin er- 



151) s. Oud-Holland a. a. O., S. 226, 228; Die Heimat 
a.a.O. S. 209, 211, 

89 



theilen vcollen i=-), mehrbesagte mamioren frey 
unndt ungehindert auß^ und anhero bringen zu 

laßen «s) 

Aus diesem Schreiben, das bei den General- 
staaten nach einem am Kopfe des Briefes ange- 
brachten Vermerk erst am 27. September 1662 
einging, ist ersichtlich, daß Ovens vom Herzog 
den Auftrag erhalten hatte, die Marmorskulpturen 
für die Gruft zu besorgen i^i). Die Stellvertreter 
des Herzogs bitten, der Ausfuhr des Monuments 
keine Schwierigkeiten zu bereiten und Ovens die 
Ausfuhr zu erlauben. Doch scheint es damit ge- 
hapert zu haben. 

In den ,,Resolutien" vom 27. September 1662 
steht nämlich, daß die Generalstaaten über die 
in dem Schreiben ausgesprochene Bitte noch 
keinen Beschluß faßten i^»). Auch sind Nachfor- 
schungen des Vorstandes des Algemeen Rijksarchief 
nach einem etwa später erfolgten Beschlüsse er- 
gebnislos verlaufen. Danach könnte man fast an- 
nehmen, daß die Generalstaaten die Angelegen- 
heit hätten auf sich beruhen lassen. Aus einer 
Abschrift eines Berichts, den ein Beamter des 
Herzogs, wahrscheinlich der Kanzler Kielmans- 
eck, bald darauf, am 16. Oktober 1662, an seinen 
Herrn erstattete "6)^ geht jedoch hervor, daß die 
Generalstaaten im Haag und Bürgermeister und 
Rat in Amsterdam der freien Ausfuhr der Marmor- 
skulpturen Schwierigkeiten bereitet, wenn sie sie 
nicht sogar verhindert haben i^'), bis endlich der 

152) Aus dem geschraubten Kanzleistil der Barockzeit 
in heutiges Deutsch übertragen, würde der Satz etwa 
lauten: Sie (Ew. Hochmügenden) wollen gedachtem 
Georg Ovens ohne Schwierigkeiten Ihren Paß dahin 
erteilen usw. 

153) Y)f.f- ßrjef vj/ird iin Algemeen Rijksarchief zu 
Haag, dem ich eine Photographie desselben verdanke, 
aufbewahrt. 

"*) Daß des Malers Wahl auf Artus Quellinus fiel, 
lag nahe. Dieser war der berühmteste Bildhauer seiner 
Zeit. Außerdem haben sie beide, der Bildhauer durch 
zahlreiche Marmorskulpturen, der Maler durch zwei Oe- 
inälde, zur Ausschmückung des ehemaligen Rathauses (des 
jetzigen Königlichen Palastes) beigetragen. Wahrscheinlich 
werden also auch persönliche Beziehungen zwischen den 
Künstlern bestanden haben. 

155) Mitteilung des Algemeen Rijksarchiel^, Haag. 

15C) Die Abschrift des Berichts ist in einer Hand- 
schrift der Kieler Universitätsbibliothek, Ms. S. H. 105, 
folio S. 275 f. enthalten. Ich verdanke den Hinweis 
Herrn Mittelschullehrer Andresen, Kiel. 

157) Leider haben sich weder im Algemeen Rijks- 
archief im Haag noch im Stadtarchiv in Amsterdam 
die darauf bezüglichen Archivalien gefunden. 



herzogliche Resident de Bye von der Admiralität 
die Erlaubnis erwirkt hat. Obgleich die vor- 
geschrittene Jahreszeit, so heißt es in jenem Be- 
richte weiter, die Verschiffung so kostbarer Kunst- 
^x•erke bedenklich erscheinen lasse, sei dennoch 
Herr Ovens der Meinung, es empfehle sich, den 
Marmor, nach Abschluß einer Versicherung, die 
etwa 100 bis 125 Reichstaler betragen werde, so- 
fort zu verschiffen. Bei Neubesetzung der Amter 
seien neue Widerwärtigkeiten zu erwarten. In- 
folgedessen habe Herr Ovens den Auftrag er- 
halten, den Marmor, nachdem er versichert sei, 
nach Schleswig zu senden und ihn nach Husum 
oder Friedrichstadt zu Schiff zu verfrachten i^s). 
Dieser Auftrag ist wahrscheinlich schon Anfang 
Oktober, wenn nicht schon Anfang September"») 
Ovens zugestellt worden. Ihm entsprechend ist 
er verfahren. Er ließ Ende 1662 den für die 
herzogliche Gruft bestimmten Marmor, viele Lasten 
schwer, nach Friedrichstadt verschiffen ""). £)ie 
kostbare Ladung begleitete ein gewisser Franqois 



158) Dgr auf Ovens sich beziehende Schluß des 
Schreibens lautet: Ob nun wohl bey diesem hoch ein- 
getretenen Herbst fast gefähr- und beschwerlich scheinen 
dürffte, dergleichen kostbahre Stücke dem Neptuno zu 
committiren, so vermeinet dennoch Herr Ovens, daß es 
besser sey, mehr besagten marmor unter risiko, so sich 
etwa zu 100 od. 125 Rthlr. betragen dürffte, sofort 
herüber zu schiffen, denn bey abwechselung der ämpter 
hierüber neue Unlüsten zu erwarten, haben demnach 
Herrn Ovens zugeschrieben, offterwehnten marmor in 
Gottes nahmen unter besagter Versicherung anhero zu 
befodern und nacher Husum oder Friederichstadt ein 
Schiff zu befrachten. 

Oottorff 16. 8. br. 1652. 

159) Wahrscheinlich beziehen sich auf die Ausgaben, 
die Ovens durch den Abschluß der Versicherung und die 
Begleichung anderer mit den Marmorarbeiten zusammen- 
hängender Kosten auferlegt wurden, folgende Stellen aus 
zwei unvollendeten eigenhändigen Briefentwürfen des 
Meisters. Sie stehen als erster und dritter mit einem 
anderen ebenfalls eigenhändigen Ovensschen Konzept auf 
der Rückseite einer Ovensschen Handzeichnung in der 
Kunsthalle zu Hamburg. Vermutlich sind sie, wie das 
zweite datierte Brouillon, am 6. September 1662 nieder- 
geschrieben. Ovens bittet in dem ersten Konzept den 
ungenannten Empfänger um Zahlung an Ulenburg und 
läßt durchblicken, daß er selbst in Geldverlegenheil sei. 
In dem zweiten bittet er, sobald wie möglich den Rest 
seiner Zahlung zu übersenden, und begründet seine Bitte 
mit den Worten : den ick teegenwoordig wat veel uytte- 
leggen heb. Über diese Briefkonzepte vergleiche auch 
S. 03 und 94. 

160) Qei- Name des von Ovens angeworbenen 
Schiffers Jeke Wilads aus Amsterdam und die Bezahlung, 



90 



De Sager 1*''), den Quellinus nach Schleswig sandte. 
Für ihn schrieb Ovens eigenhändig einen an 
Bürgermeister und Rat seines ehemaligen Wohn- 
sitzes Friedrichstadt gerichteten Empfehlungsbrief. 
Dieses einzige größere, uns im Original erhaltene 
Schreiben des Jürgen Ovens (Abb. 96) ist datiert 
Amsterdam, 6. Oktober 1662162) und lautet: 

WoelEhrenveste Großachtbahre Woelgelahrte 
vnd Woelweise Herren Borgermeistere 
vnd Rath, meine in&onders großgün- 
stige hochgeEhrte Hern vnd liebwEhrte 
Freunde, 

E: E: Großa : vcoelg. woelw': kan Zu freundt- 
licher hinterpringung nicht voerbei, wie Ihr hoch- 
Furstl : Durchl : Vnser allezeits Gnädigster Fürst 
vnd Herr neben disen Mons: Fr: De Saeger 
viele Lasten mit Marmoren Zu Ihrem Gott- 
selig Herrn Vattern dem auch hochgbohrnen 
hochFurstl: Durhl : andenckenß Sepultur, wer- 
den entschiffen, vnd allererst, ob Godt will 
in Ihro Fridrichstadt Hauen, wan dan Vorzeiger 
in Ein vnd ander guten Rath vnd hülffe nötig 
haben dürffe, hat an E. E: großa: wolw: ein 
klein letter recommandation schrifft von Mir 
begehret. Nun darf ich Zwar solches in kein 
weitere wege anrüren, alß daß in Respect Ihr 
hohFurstl: Durhl: ich doch glaub, daß alles 
Zum besten des Werkes geschehen soll vnd 
wirt, biß nägere Ordre von Hove durch E. E. 
w. w. gl. wirt eingeholet sein ; maßen mir solches 
alles anvertrauwet wurde, auch die ersinlichste 



die dieser erhielt, geht aus den im Reichsarchiv zu 
Kopenhagen befindüchen Rechnungsbelegen hervot". Vgl. 
Oud-Holland, a.a.O. S. 226 f. und Die Heimat, a.a.O. 
S. 210. 

i**!) Frangois De Saeger (Sager) ist uns nur aus 
Ovens' Briefe und aus den von mir in Oud-Holland 
a. a. O. S. 227 und in Die Heimat, a. a. O. S. 210 ver- 
öffentlichten Rechnungsbelegen bekannt. Er stellte vom 
14. Januar bis zum 26. April 1663 mit zwei Gehilfen das 
Portal auf und brachte die Ausschmückung der Gruft an. 
In den Rechnungsbelegen wird er, wie Artus Quellinus 
auch, als „Steinhower" bezeichnet. Der Maler legt 
Frangois De Saeger in dem Empfehlungsschreiben das 
Prädikat Monsieur bei. Daraus geht hervor, daß Ovens 
ihn als gesellschaftlich gleichstehend betrachtet hat. Er 
ist demnach nicht ein handwerksmäßiger Steinmetz, son- 
dern gleich Meister Artus ein Künstler gewesen. 

1^2) Den Brief hab' ich im Stadtarchiv zu Friedrich- 
stadt gefunden. Ich habe ihn erwähnt in Oud-Holland, 
a.a.O. S. 228 und in Die Heimat a.a.O. S. 211 f. 



Mittel Zu Vorthelff gnädig bfholen ist, hab ich 
sorgfeltigster maeßen dises abzugeben nötig ge- 
achtet. 

Vnd ich bin Nach empfhelung Göttlicher 
Genad Zu Ihre alle Zeits erwunschende Gluk- 
selichkeit vnd Gemein. Stadts vffnehmen, Ew: 
Großa: Woelgl: vnd Woel Weise Hern Borgm : 
vnd Rath 

gar dienstbegirig Freundt 
vnd Diener 
Amsterdam Den 6. Sbris 

1662 Jürgen Ovenß mp.'"^) 

Der Maler sagt in diesem Schreiben ausdrück- 
lich, daß ihm vom Herzog die Leitung des ganzen 
Unternehmens (solches Alles) anvertraut und die 
erdenklichsten Mittel zu seiner Beförderung an- 
befohlen worden sind. Aus diesem Grunde habe 
er es auch für seine Pflicht gehalten, Franijois 
De Saeger den Empfehlungsbrief mitzugeben. 
Lange nachdem dieser seine Arbeit im Dom be- 
endigt und Schleswig ^x■ieder verlassen, lange auch, 
nachdem Ovens wieder in seine Heimat zurück- 
gekehrt war, erwähnt die Gottorfer Rentekammer- 
rechnung (Reichsarchiv, Kopenhagen) zum letzten 
Male die Schöpfung des großen Amsterdamer Bild- 
hauers und im Zusammenhange mit ihr auch 
unsern Maler. Unter Ausgabe zum Bauwesen 
steht am 10. Dezember 1663 folgender Rechnungs- 
beleg«!): 

Johan Danckwert Factorn in Hamburg einhält 
Zettels hinwieder erstattet, welche er an Jürgen 
Ouens nacher Ambsterdam wegen verlegter 
asserantz vnd anderer Vngelder wegen der da- 
selbst verfertigten Steinhawer Arbeit zu hiesiger 
Fürstl. Erb Begrebnus Vbergemacht hat 125 
Reichstaler 16 Schilling. 



163) Der Brief umfaßt 4 Folioseiten, von denen die 
erste beschrieben ist. Die letzte enthält die Adresse der 
Empfänger und das Siegel des Malers, über das der 19. Ex- 
kurs zu vergleichen ist, in rotem üick. Die eigenhändige 
Adresse lautet: 

Denen WoelEhrnveste Grosachtbare Woelgelahrte 
vnd Woelweise Herrn BurgerMcistere vnd Raett Zu 
Friderichstadt 

Meine besonderß HochgeEhrte Herrn vnd groß- 
werte liebe Freunde 

Friderichstadt. 

1«*) Er ist in Oud-Holland a.a.O. S. 227 und in Die 
Heimat a.a.O. S. 210 veröffentlicht. 

91 



Aus diesem Rechnungsbeleg geht hervor, daß 
Ovens, als er noch in Amsterdam war, seine Aus- 
lagen wegen der von- ihm vorgeschlagenen Ver- 
sicherung "^j (jg.^ Marmorskulpturen und seine 
übrigen Unkosten ersetzt erhalten hat. 

Die von mir mitgeteilten Archivalien lassen in 
ihrer Gesamtheit deutlich erkennen, daß es Jürgen 
Ovens oblag, die Bildhauerarbeiten zu besorgen, 
daß er nicht nur wahrscheinlich den Auftrag an 
Artus Quellinus vermittelt hat, sondern daß er tat- 
sächlich im weiteren Verlaufe des großen Unter- 
nehmens die treibende Kraft war, daß die Ver- 
antwortung besonders für die glückliche Ver- 
schiffung der kostbaren Bildhauerarbeiten auf ihm 
ruhte und daß er sich seiner Aufgabe, die ihm 
sicherlich viel Mühe verursachte, mit allem Ernst 
unterzog. So verdankt die Hauptkirche unseres 
Landes, der ehrwürdige Dom zu Schleswig, 
unserem Maler, wie zwei der berühmtesten Bilder 
seinem Pinsel, so auch mittelbar eine der schönsten 
Schöpfungen des Meißels, das Portal der herzog- 
lichen Gruft. 

9. Ovens und der Maler Johannes Voorhouti"«). 

Arnold Houbraken "') berichtet, daß der Maler 
Johannes Voorhout und seine Frau, die dort wohl- 
habende Freunde gehabt habe, im Jahre 1672 
nach Friedrichstadt gereist und daselbst freundlich 
aufgenommen worden seien. Nicht lange nach 
ihrer Ankunft in dem Städtchen sei es ruchbar 
geworden, daß Voorhout ein Maler sei. Da habe 
Ovens ihn aufgesucht, ihn in sein Haus gebracht. 



«6) Wenn ich es Oud-Hoiland a. a. O. S. 228 und 
Die Heimat, a.a.O. S. 212 in der Schwebe ließ, ob mit 
dem Ausdruck asserantz das holländische Wort assurantie 
(Versicherung) gemeint sei, so kann nach dem S. 00, 
Anm. 158 mitgeteilten Schreiben i<ein Zweifel sein, daß die 
kostbaren Kunstwerke tatsächlich von Ovens versichert 
worden sind. 

Der Plan, eine Versicherungskompagnie in Amster- 
dam zu gründen, tauchte zuerst 1628 auf. Vgl. Blök, 
Het plan tot oprichting eener compagnie van assurantie 
(Fruin's bijdragen 1900), derselbe, Koopmansadviezen aan- 
gaande het plan tot oprichting eener compagnie van 
Assurantie (162Q — 1635) in Bijdragen en Mededeelingen 
van het Historisch Genootschap, gevestigd te Utrecht, 
Deel XXI. und Elias, De Vroedschap van Amsterdam I., 
S. 464 f. 

i''6) Vgl. Johannes Biernatzki, Eine Anekdote aus J. 
Ovens' Leben (Kieler Zeitung, 28. Oktober 1886). 

1") De Oroote Schouburgh usw., III. Teil, 1721, 
S. 225, s, die Urkunde Nr. 20. 



ihm seine Sammlung von Gemälden der ge- 
achtetsten Meister, mit denen er an den Höfen 
Handel getrieben habe, gezeigt und ihn aufge- 
fordert, für ihn zu malen. Als Ovens aber be- 
merkt habe, daß Voorhout nicht geneigt sei, auf 
seinen Vorschlag einzugehen, habe er ihm ge- 
raten, nach Hamburg zu ziehen. Er habe ihm ver- 
sichert, daß er sich dort mit seiner Kunst, von 
der Voorhout ihm Proben gezeigt habe, gut stehen 
werde, wie es denn auch in der Folge eintrat. 

Klingt hier vielleicht nur verschämt die Unter- 
stellung durch, Ovens habe Voorhout gern los 
sein wollen, so vergröbert Descamps "*), der im 
allgemeinen sich damit begnügt, Houbraken ab- 
zuschreiben, die angeblichen Motive unseres 
Meisters beträchtlich. Er verdächtigt Ovens ganz 
'offen, aus Furcht vor Konkurrenz versucht zu 
haben, den Voorhout für sich arbeiten zu lassen. 
Als er diesen dazu nicht habe bestimmen können, 
habe Ovens es richtig dahin gebracht, den ihm 
gefährlichen Rivalen nach Hamburg abzuschieben, 
indem Ovens dem Voorhout vorgespiegelt habe, 
wieviel mehr an Ruhm und Erwerb ihm die große 
Handelsstadt verspreche. Ich bin überzeugt, daß 
Doris Schnittger "ä) recht hat, wenn sie mit bezug 
auf Descamps' Verdächtigung meint: „Uns sieht 
Freund Ovens gamicht nach intrigieren aus, wenn 
er auch, wie sein Vermögenszuwachs zeigt, gewiß 
den Erwerb zu s,chätzen wußte." Durch- 
schlagendernochals dieses gefühlsmäßige Argument, 
das freilich sicherlich seine Berechtigung hat, wird 
jedoch die Überlegung sein, daß Ovens, der alt- 
eingesessene, hochangesehene Meister, es wirklich 
nicht nötig hatte, die Konkurrenz eines unbe- 
kannten jungen Ankömmlings, wie Voorhout es 
war, zu fürchten. Damit fällt der häßliche Vor- 
wurf des Brotneides in sich zusammen. Wenn 



1^8) La vie des peintres flamands, allemands et 
hollandois IIL (1760), S. 208: Un certain Jurien Ovens 
qui, jusqu' ä l'arrivee de Voorhout (1672) avoit ete un 
Peintre passable de Portrait, craignant une pareille con- 
currence, tächa, mais sans succes, d'engager Voorhout 
ä travailler pour lui, mais, ne pouvent l'y determiner, il 
l'engagea ä preferer le sejour de Hambourg, comme celui 
d'une ville plus grande, plus commergante, et oü il 
seroit plus ä portee de se faire connoitre et de s'enrichir. 
Voorhout le crut; Ovens se vit ainsi heureusemenf defait 
d'un si dangereux rival. 

i«9) Zeitschrift, Bd. 38 (1908), S. 418. Sie gibt 
fälschlich Descamps, a. a. O. IL, S. 279, als die Stelle an, 
wo sich die hier mitgeteilten Verdächtigungen des Ovens 
finden sollen. 



92 



Ovens dem jungen Voorhout, der es in Friedrich- 
stadt doch nicht zu etwas bringen konnte, Ham- 
burg als Aufenthalt empfahl, so gab er ihm damit, 
wie es sich denn auch nach Houbrakens Schluß- 
bemerkung zeigte, einen wohlgemeinten, auf Sach- 
kunde beruhenden, also guten Rat, und es liegt 
nicht der geringste Grund vor, Ovens' lautere 
Gesinnung irgendwie anzuzweifeln. 

tO. Ovens und die Mitglieder 
der Kunsthändierfamilie Uylenburg. 

In der Gottorfer Rentekammerrechnung, dem 
Ausgabe- und Einnahmeverzeichnis der Herzöge 
Friedrichs III. und Christian Albrechts, sowie der 
Rechnung der Gemahlin des ersteren finden sich 
folgende Gerrit und David Uylenburg be- 
treffende Belege: 

Gottorfer Rentekammerrechnung i"") 
1655 13. Juni .... Gerrit Ulenborch, Contra- 
faietern, für von demselben erhandelte Schildereyen 
bezahlt 250 Reichstaler. 

Rechnung der Herzogin Maria Elisabeth i'i) 
1655 26. Juni .... einem Hollandischen Schilder, 
namens Davidt Vhlenburg, wegen abgehandelte 
Kupferstücken vnd eingeschnittenen Bildern laut 
Quitung zahlt 74 Reichstaler. 

Gottorfer Rentekammerrechnung i'") 
1665 5. Januar Noch demselben (Jürgen Ovens, 
Contrafaietern in Friederichstadt) wegen Gerrith 
Uhlenborg für 3 zur Fürstl. Bibliothec gelieferte 
rare Bücher für Jahren und Kupferstücken ver- 
möge gleichmäßig subskribirten Zettels und der 
Quittung entrichtet 71 Reichstaler i'-). 

Aus diesen Belegen geht hervor, daß der Maler 
und Kunsthändler Gerrit Uylenburg i") aus 



!'■'') Reichsarchiv, Kopenhagen. 

1"') Staatsarchiv, Schleswig. 

i''^) Die drei Belege habe ich bereits in „Oottorfter 
Künstler" usw., I. Teil, S. 281 f. mitgeteilt. Vgl. auch das 
Nachlaß-Inventar des Malers Jürgen Ovens, S. 66, Anm. 5. 

1") Nach Houbraken, a. a. O., II., S. 203 ff. wäre er 
vornehmlich Landschaftsmaler gewesen, während er in 
der Gottorfer Rentekammerrechnung als Contrafaieter 
(Bildnismaler) im, doch wohl beabsichtigten Gegensätze zu 
dem Schilder (Maler) David U\lenburg bezeichnet wird. 
Gerrit war einer der bedeutendsten Kunsthändler seiner 
Zeit, ein außerordentlich unternehmender Mann, der sich 
besonders den Import italienischer Kunstwerke angelegen 
sein ließ. Besonders bekannt geworden ist er durch 
seinen Handel mit dem Großen Kurfürsten von Branden- 
burg, dem er 1671 13 Bilder italienischer Meister anbot. 
Diese Gemälde wurden später für Fälschungen erklärt. 



Amsterdam, ein Sohn des Kunsthändlers Hendrik 
Uylenburg, bei dem, einem Vetter Saskias, Rem- 
brandt eine Zeitlang gewohnt hat, sich 1655 in 
Gottorf aufgehalten und dem Herzog Friedrich III. 
Bilder verkauft hat. Gleichzeitig mit Gerrit war 
der bisher unbekannte Maler David Uylenburg, 
von dem wir nur aus diesem einen Belege Kunde 
haben, in Gottorf und verkaufte der Herzogin 
Maria Elisabeth Kupferstiche und , .eingeschnittene 
Bilder". Daß er ein Verwandter Gerrits war, in 
dessen Begleitung er sich befand, liegt auf der 
Hand. Zehn Jahre später, 1665, trat Gerrit noch 
einmal mit dem Gottort'er Hofe in geschäftliche 
Verbindung. Damals lieferte er für die berühmte 
Gottorfer Bibliothek „3 rare Bücher für Jahren", 
unter denen man wohl Kalender oder Almanache 
zu verstehen haben wird, und Kupferstiche. Die 
Bezahlung erhielt er durch Ovens' Vermittlung. 
Vermutlich wird dieser auch den Kauf vermittelt 
haben, wie er w^ohl auch Gerrit und David 1655 
zu ihrem Besuche in Gottorf veranlaßt haben mag. 
Über Ovens' weitere Beziehungen zu Gerrit 
Uylenburg geben zwei von drei eigenhändigen 
Briefentwürfen des Meisters Auskunft,' deren Er- 
haltung wir dem Umstände verdanken, daß Ovens 
ihre unbenutzte Rückseite für eine Handzeichnung 
verwandt hafi'^). In dem ersten und dritten der 
für den Schreiber wertlos gewordenen Konzepte, 
die offenbar an denselben hochgestellten, unbe- 
kannten Empfänger gerichtet waren, wird M. 
(Monsieur) Ulenburg genannt. Ohne Zweifel sind 
sie an demselben Tage geschrieben wie das mitt- 
lere am 6. September 1662 zu Amsterdam ge- 
schriebene Billett. In dem ersten i'^) schreibt 



Die Folge war ein längerer Prozeß. Vgl. darüber Dohme, 
Jahrbuch der Kg!, preußischen Kunstsammlungen, 1883, 
S. 126 ff., und A. Bredius, Oud-Holland, 1886, S. 41 ff., 
278 ff. — Bredius hat neuerdings eingehend über ihn 
gehandelt in „Künsfler-Inventare", V. Teil, 1918, S. 1660 ff. 
1^*) Vgl. den Katalog der Handzeichnungen, Nr. 69. 
"5) Myn Heer, 

also M. Ulenburg my Contentement gedaen heeft, 
voor de Rest van uEd : obligatie, wenste Ik well Dal uEd : 
gd: Ulenb: geliefden mit de betaling te begonstigen. 
Den it my tegenwoordig niet wel anders bequuam is 
mit versoek uEd: dit Memorial my niet sinistre gelieven 
te duyden, en verwahte hirop Resolutie Den Ik ben 
naer befheling Godes, — 

Myn Heer 

uEd. 

seer Dienstwillige 
Dienaar. — 

93 



Ovens, daß Ulenburg für den Restbetrag der von 
dem Briefempfänger ausgestellten Schuldver- 
schreibung ihn befriedigt habe. Infolgedessen 
habe er, Ovens, den Wunsch, daß der Brief- 
empfänger dem Ulenburg Zahlung leisten möge, 
denn es sei ihm, Ovens, gegenwärtig nicht ^x^ohl 
anders bequem usw."'^). In dem dritten, unvoll- 
endeten Entwürfe 1") bemerkt Ovens, er habe die 
Ankunft des Adressaten von Ulenburg erfahren 
und zweifle nicht, daß ersterer den Rest des Geldes 
baldigst übersenden werde. In dem zweiten Billet, 
das von den Konzepten umrahmt ist, in denen 
Ovens Uylenburg nennt, berichtet der Maler, daß 
er gegenwärtig das schönste Bild, das je von 
Pieter Lastman im Lande gewesen sei, besitze. 
So liegt die Vermutung nahe, daß Ovens dies 
Lastmansche Bild 1662 von Uylenburg era-orben 
hat >'•"). Alle Wahrscheinlichkeit spricht dafür, daß 
sie auch sonst in geschäftlichen Beziehungen ge- 
standen haben. So könnte man sich sehr wohl 
denken, daß einzelne der zahlreichen italienischen 



Deutsch: Mein Herr, 

Da M. Ulenburg mir Genüge geleistet hat füi 
den Rest der Schuldverschreibung Kuer Gnaden, wünschte 
ich wohl, daß Euer Gnaden beliebten, gedachten Ulenburg 
mit der Bezahlung zu begünstigen. Denn es ist mir 
gegenwärtig nicht wohl anders bequem. Mit der Bitte, 
Euer Gnaden möchten belieben, dies Memorial nicht 
übel zu deuten, und erwarte hierauf Ihren Entschluß. 
Denn ich bin, nach dem ich Sie Gott befohlen. 
Mein Herr 

Euer Gnaden 

Sehr dienstwilliger 
Diener. 
i'6) über das erste und dritte Briefkonzept vgl, 
auch S. 96. 

1") Myn Heer. 

uEd: ankomptt heb uyt M. ulenburg verstien, 
maer de Eere van uEd: te syn niet ghedaen — twyffel 
niet of uEd. sal glieven d Rest mit den Ersten overtesenden, 
den ick teegenwoordig wat veel uytteleggen heb. Sal 
myn g . . . . (Hier bricht der Entwurf ab.) 
Deutsch : Mein Herr 

Euer Gnaden Ankunft hab' ich von M. Uylen- 
burg erfahren. Habe aber Euer Gnaden zu sehen nicht 
die Ehre gehabt. Zweifle nicht, daß Euer Gnaden be- 
lieben werden, den Rest sobald wie möglich (mit Erstem) 
zu übersenden, denn ich habe gegenwärtig etwas viel 
auszulegen. Ich werde mein (ich werde mich, es wird 
mich, es soll mich) . . . 

Durch einzelne Wörter, die nicht holländisch, son- 
dern deutsch sind (den, bequuam, uytteleggen), verrät 
Ovens, daß er das Holländische nicht beherrscht. 

i'S) Vgl, den Exkurs, Ovens und Pieter Lastmans 
Gemälde usw. S. 96 f. 



Bilder, die Ovens' Nachlaß-Inventar aufführt, ihm 
von Gerrit Uylenburg verkauft sind, der ja, wie 
S. 03 Anm. 173 erwähnt ist, sich besonders mit 
italienischer Kunst befaßte. 

Zu Gerrit und David tritt nun noch ein drittes 
Mitglied der Familie Uylenburg, das, wie David 
bisher unbeLinnt, im Zusammenhang mit Ovens 
zu erwähnen ist. Im Nachlaß-Inventar (Nr. 91 
der Originalien) kommt vor: ein Blumenstück von 
jumffer Uylenburg. Es ist dies die einzige Nach- 
richt, die wir über diese Malerin haben. Wie 
sie mit Gerrit und David verwandt gewesen ist, 
ob Ovens sie persönlich gekannt hat, steht dahin. 

IL Ovens als Kunsthändler. 

Im 17. Jahrhundert blühte in Holland, vcie 
die Produktion von Kunstwerken, so auch der 
Handel mit Gemälden i"). Die Kunsthändler 
hatten einer starken Nachfrage zu genügen. Denn 
in den meisten Fällen zog das Publikum es vor, 
seinen Bedarf beim Händler statt beim Künstler 
zu decken. Ohne Zweifel ist dies mit ein Grund 
dafür gewesen, daß so viele Maler den Kunst- 
handel als Nebenberuf trieben i»«). Der Schritt 
vom Maler zum Maler-Kunsthändler, d. h. zum 
Händler mit Werken auch anderer, ist ja ohnehin 
leicht getan. Es kann hier auch an Rembrandt 
erinnert werden, dessen Gefährtin, Hendrickje 
Stoffels, mit seinem Sohne Titus zusammen den 
alternden und von unbarmherzigen Gläubigem 
bedrängten Meister durch den Ertrag eines Kunst- 
handels unterhielt i'*i). 

Wenn der Kunsthandel von Malern so häufig 
betrieben wurde, so kann es auch nicht Wunder 
nehmen, daß Ovens sich mit ihm befaßte. Aber 
welch ein Unterschied zwischen Rembrandt und 
seinem Schüler! Der greise Meister besaß nichts 
mehr, konnte nichts mehr erwerben, ja sogar nichts 
mehr für eigene Rechnung malen. Alle Arbeiten 
gehörten sofort, um sie den gierigen Zugriffen 
der Gläubiger zu entziehen, der Gemeinschaft der 



i'ä) über die Eormen des Kunsthandels, das Atelier 
und die Sammler in den Niederlanden vom 15. — 18. Jahr- 
hundert vgl. Hanns Floerke, Studien zur niederländischen 
Kunst- und Kulturgeschichte, 1905. 

ISO) Vgl. Floerke, a.a.O. S. 98, 103. 

181) über das Übereinkommen der einzigen beiden 
Menschen, die Rembrandt im Alter und Unglück nahe- 
standen, vgl. Hofstede de Groot, Die Urkunden über 
Rembrandt, S. 276 ff . 



94 



r 



drei. Dafür wurde ihm dann des Leibes Nahrung 
und Notdurft, Kost, Wohnung und Pflege zu- 
gesichert. Ovens dagegen, reich, unabhängig, 
hochangesehen, ■«•ar der große Herr, dem der 
Kunsthandel nur eine der vielen reichlich fließenden 
Quellen des Gelderwerbs war. Houbraken, De 
Groote Schouburg III., 225 berichtet, daß Ovens 
den Maler Jan Voorhout, der 1672 nach Friedrich- 
stadt reiste, einen großen Saal mit Kunstwerken 
der geachtetsten Meister sehen ließ, mit denen 
er an den Höfen Handel trieb. 

Diese Nachricht Houbrakens über Ovens' 
Kunsthandel entspricht unzweifelhaft den Tat- 
sachen 1*-). Ich kann sie durch zahlreiche Belege 
stützen, die sich vorläufig allerdings nur auf 
solche Arbeiten beziehen, die er dem Gottorfer 
Hofe verkauft hat. Häufig hat unser Maler den 
Herzögen Friedrich III. und Christian Albrecht, 
sowie der Gemahlin des ersteren, Maria Elisabeth, 
Gemälde und Kupferstiche anderer Meister und 
sonstige Kunstwerke käuflich überlassen. Auch 
ist er als eine Art Mittelsmann oder Agent anderen 
Künstlern gegenüber für den Hof tätig gewesen. 
Diese Tätigkeit beginnt gleich nach Ovens' Rück- 
kehr von seinem ersten Aufenthalt in Holland. 
Schon 1652, am 16. November, erhält er 40 Reichs- 
taler ,,in Abschlag einer zu Ambsterdam zu- 
schneiden verdingten Kupferplaten" i*^), als Ab- 
schlagszahlung also für eine Kupferplatte, die 
Ovens auf Befehl des Herzogs in Amsterdam in 
Auftrag gegeben hatte. Am 5. August 1653 wird 
ihm eine Obligation auf 1100 Reichstaler ausge- 
stellt wegen ,, gelief ferter Schyllerejen und anderer 
Sachen" "*). Leider erfahren wir w eder hier noch 
an fast allen anderen Stellen, um welche Gemälde 
und Stiche und um welche Meister es sich han- 
delte. Nur einmal wird der Schleier gelüftet. 
Nach einer eigenhändigen Quittung vom 20. 12. 
1654 hat Ovens dem Herzog ein Gemälde von 
Peter Paul Rubens verkauft und zwar ,,das große 
Stück von Sileno" «=). Er erhielt dafür 200 Reichs- 



^^-) Voorhout hat die Ovenssche Kunsisammlung selber 
gesehen. Aus Ovens' eigenem Munde wird er die Nach- 
richt von seinem Handel mit Kunstwerken an den Höfen 
erfahren haben. Houbraken hat sie dann wieder von 
seinem Freunde Voorhout. Vgl. über die Stelle S. 92 
und L'rk. Nr. 20. 

183) Gottorfer Rentekammerrechnung, Reichsarchiv, 
Kopenhagen. 

181) Ebendort. 

'-■^) Urkunde Nr. 2. 



taler, nachdem ihm ein höherer Preis abge- 
schlagen war. Ferner hat Ovens dem Herzog 
ein Gemälde von Pieter Lastman verkauft i«*!). Im 
Jahre 1654, im August, empfing er für „etzliche 
.... Schillereyen und marmorne Bildtnußen", 
also Bilder und Marmorskulpturen mit figürlichen 
Darstellungen, 474 Reichstaler 20 Schilling w'). 

Über die Rolle, die Ovens dem Bildhauer Artus 
Quellinus gegenüber als eine Art Agent des' 
Herzogs Christian Albrecht gespielt hat, vgl. 
S. 88 ff. Offenbar hat der Maler den großen 
Auftrag des Portals der herzoglichen Gruft im 
Dom zu Schleswig an Quellinus vermittelt, wie 
er auch wohl 1655 den Kunsthändler Gerrit Uylen- 
burg und den Maler David Uylenburg bestimmt 
hatte, an den Gottorfer Hof zu kommen. Daß 
Ovens 1665 die Bezahlung an Gerrit übermachte, 
sagt der betreffende urkundliche Beleg ausdrück- 
lich ; wahrscheinlich hat er auch den Ankauf der 
Sachen vermittelt, für die Geirit damals Bezahlung 
erhielt 188). 

Am 5. Januar 1665 erhielt er ,,für 4 Leysten 
oder Contrafaietrahmen, aus Ambsterdam ver- 
schrieben", 130 Reichstaler 18='). Wir werden 
darunter große geschnitzte Bilderrahmen zu ver- 
stehen haben, wie sie ihrer viele der einheimische 
Bildschnitzer Hans Gude\x'erdt dem Gottorfer Hofe 
geliefert hati"»). 

Auch mit der Herzogin Maria Elisabeth ver- 
banden unsern Maler enge geschäftliche Be- 
ziehungen. Häufig lieferte er ihr Kupferstiche. So 
erhielt er für ihr verkaufte Kupferstische am 
20. Januar 1654 78 Reichstaler 43 Schilling, am 
16. April desselben Jahres 52 Reichstaler, ebenso 
empfing er am 6. Januar 1655 für verkaufte 
Kupferstiche Bezahlung i'i). 1661 wurden seinem 



186) Vgl. darüber S. 94 und S. 96 f. 

18") Gottorfer Rentekammerrechnung, Reichsarchiv, 
Kopenhagen. 

189) Goltorfer Rentekammerrechnung, Reichsarchiv, 

188) Vgl. S. 93 f. 
Kopenhagen. 

"") Vgl. meinen Aufsatz, Unbekannte Werke Hans 
Gudewerdts (Bd. 43 der Zeitschrift der Gesellschaft für 
Schleswig-Holsteinische Geschichte, S. 431 ff.). 

191) Vgl. S. 26. Der Preis für die Kupferstiche 
ist aus dem Beleg nicht ersichtlich, weil Ovens gleich- 
zeitig für Conterfeiie Bezahlung erhielt und die beiden 
Posten nicht getrennt aufgeführt sind. Dagegen scheinen 
die am 29. 11. 1655 „wegen Kupferstücken" entrichteten 
94 Reichstaler (vgl. S. 26) für eigenhändige Arbeiten 
des Meisters bezahlt zu sein. 

95 



Bruder Gerrit Ovens für einige Kupferstiche, die 
der Maler aus Amsterdam gesandt hatte, 3 Reichs- 
taler 30 Schilling ausbezahlte^-). Ob es eigen- 
händige Arbeiten oder die anderer waren, läßt 
sich nicht ausmachen. Dasselbe gilt für die Kupfer- 
stiche, die die Herzogin, laut Beleg vom 22. April 
1664 von ihm selbst erhandelt und mit 34 Reichs- 
talern bezahlt hatte i^^) Auch ,, italienische Steine, 
Schieferdach und Glas" sendet er der Herzogin aus 
Holland. Für sie empfing er am 15. Juni 1663 
103 Reichstaler 19 Schilling i«). 

Die Frage, ob Ovens' geschäftliche Unter- 
nehmungen auf dem Gebiete des Kunsthandels 
vom Glücke begünstigt gewesen seien, werden wir 
unbedenklich bejahen dürfen. Wie er es im Gegen- 
satz zu so vielen Malern seiner Zeit, die im Armen- 
hause oder in der Gosse endeten, verstanden hat, 
durch seine Kunst ,,zijn fortuin" i^ä) zu finden 
öder ,, blinkende voordeelen" "*=) zu erlangen, so 
wird der Mann, der ererbtes oder erheiratetes 
Gut mit klugem Geschäftssinne zu mehren wußte, 
unzweifelhaft auch im Kunsthandel Erfolge erzielt 
haben. Von vornherein waren ja auch die Be- 
dingungen für ihn günstig. Er stand den nieder- 
ländischen Künstlern, nach deren Werken rege 
Nachfrage war, und Gerrit Uylenburg, einem der 
bedeutendsten Kunsthändler der Zeit, durch jahre- 
langen Aufenthalt in Holland nahe. Auf der an- 
deren Seite hatte er glänzende Beziehungen zu 
den Höfen des Nordens und der tonangebenden 
Gesellschaftsschicht mit ihrem großen Bedarf an 
Kunstwerken. Und schließlich, er war in seiner 
nordischen Heimat als Maler wie als Kunsthändler 
ohne Konkurrenz! 

12. Ovens und Pieter Lastmans Gemälde 
Schlacht zwischen Konstantin und Maxentius. 

Seit etwas mehr als einem Jahrzehnt ist, zuerst 
durch W. Martin "'), dann durch Bode "s), Valen- 
tiner i^^) u. a. und vor allem durch Freise ^oo), 



"2) Vgl. S. 36 f. 
"3) Vgl. S. 37. 
"4) Vgl. S. 37. 

195) Houbraken a.a.O., III., S. 225. 
19C) Houbraken a.a.O., 111., S. 372. 
19') Bulletin van den Ned. Oudhk. Bond, Bd. VII. 
(1906), S. 187 ff. 

198) Amtliche Berichte aus den Kgl. Kunstsamm- 
lungen, 1908, S. 58. 

199) Zeitschrift für bildende Kunst, November 1907. 



festgestellt worden, daß Rembrandt durch seinen 
Lehrer Pieter Eastman, dessen Unterricht er sechs 
Monate genoß, viel stärker beeinflußt worden ist, 
als man bisher geglaubt hatte. Rembrandt hat 
nach Eastman gezeichnet, und einige von Rem- 
brandts Susanna- und Bathseba-Kompositionen 
gehen auf Vorbilder Eastmans zurück. Auch East- 
fnans zweiter großer Schüler, Jan Eievens, der 
mehrere Jahre vor Rembrandt, 1617 — 1619, bei 
Eastman gearbeitet hat, ist stark durch seinen 
Eehrer beeinflußt w'orden, was W. Martin in einem 
Aufsatze, Een Suzanna van Jan Eievens ^oi) nach- 
gewiesen hat. So wie nun Rembrandt und Eievens 
von Eastman abhängig gewesen sind, und jeden- 
falls ersterer — das beweist sein Inventar von 
1656 — seinem Eehrer noch lange nach dessen 
1633 erfolgtem Tode ein gutes Andenken bewahrt 
hat, so hat auch Ovens, den wir so oft in Ver- 
bindung mit Rembrandt -und Eievens nennen 
müssen, Pieter Eastmans Kunst hochgeschätzt. Das 
bezeugt ein vom 6. September 1662 datiertes eigen- 
händiges unvollständiges Briefkonzept des Meisters, 
das sich mit noch zwei anderen auf der Rück- 
seite einer Zeichnung in Hamburg erhalten hat 202). 
Es lautet: 

het frayste dat oyt van P. Easman int landt 
gevx'eest, heb ick tegenwoordig; so, alst fray is, 
so Capitael ist ock en . . . . 

Ambstd. 6. 7br. 1662. 

Zu Deutsch : Das Schönste, das je von P. East- 
man im Eande gewesen, hab' ich gegenwärtig; es 
ist so kapital, wie es schön ist, und . . . 

In den beiden übrigen Briefkonzepten, in deren 
Mitte das eben zitierte steht, spricht Ovens von 
dem Kunsthändler Gerrit Uylenburg 203). So liegt 
die Vermutung nahe, daß er das Bild Lastmans, 
das nach seinem berufenen Urteil das beste aller 
ihm bekannt gewordenen Lastmanschen Gemälde 
ist, 1662 von Gemt Uylenburg erworben hat. 
Bald darauf kehrte Ovens in seine schleswig-hol- 
steinische Heimat zurück. Wie so viele Bilder 
anderer Meister, hat er auch das von ihm so sehr 
gepriesene Gemälde Eastmans mit sich genommen. 
Freilich ist es nicht in seinem Besitz geblieben. 



200) Pieter Lastman. Sein Leben und seine Kunst, 
1911, S. 237 ff. 

201) Oud-Holland, Bd. 29 (1911), S. 86 ff. 

202) über diese Briefkonzepte vgl. S. 93 f. 

203) Ober Ovens' Beziehungen zu ihm vgl. S. 93 f. 



96 



sondern er hat es, wie er denn einen ausgedehnten 
Kunsthandel betrieb 201), an Herzog Christian Al- 
brecht verkauft. Denn in einem Gottorfischen 
Schloß-Inventar von 1695 ist „1 Römische Ba- 
taille von Laßman" 205) aufgeführt. Es darf als 
enx-iesen gelten, daß dieses Gemälde mit dem 
in dem Schreiben von 1662 erwähnten und so 
sehr gerühmten identisch ist. In Lastmans Werk 
kommt nur ein Bild vor, das als „Römische ba- 
taille" bezeichnet werden kann. Es ist das heute 
im Besitze der Kunsthalle zu Bremen befindliche 
Gemälde „Schlacht zwischen Konstantin und 
Maxentius", über das man bei Preise a. a. O., 
S. 82 ff. nachlesen mag, was bisher von der Ge- 
schichte des Bildes bekannt war 2»«). Die erste 
von Preise festgestellte Erwähnung des Bildes ist 
von 1710. Damals befand es sich in der Galerie 
des Schlosses Salzdahlum bei Braunschweig. Wir 
können nach dem, was ich ausgeführt habe, jetzt 
auch erklären, wie es dorthin gekommen ist. 



2W) Vgl. S. 94. 

205) Vgl. des Verfassers Angaben- über Gemälde 
in Oottorpischen Schloßinventaren in Bd. 43 (1913) der 
Zeitschrift der Ges. für Schieswig-Holsteinische Ge- 
schichte. 

206) Zu Preises verdienstvollem Buche kann ich zwei 
weitere Ergänzungen liefern. In dem Verzeichnis der 
Kunstsammlung des verstorbenen Johannes Janssen in 
Hamburg, II. Abteilung, 18. Septemt»er 1820 in Hamburg 
verkauft, kommt das folgende bezeichnete und 1610 
datierte, also zu den frühesten Arbeiten des Meisters ge- 
hörende, Preise unbekannte Gemälde Pieter Lastmans vor: 

Nr. 70, Idille, H. 22 Zoll, br. 38 Zoll. Im Vor- 
grund einer mit Gebirgen, Baumgruppen und Kräutern 
reich gezierten Landschaft krönt eine Hirtin einen Hirten, 
während andere Hirten sich mit ihren Herden beschäf- 
tigen. Die Composition ist gut wie die Zeichnung der 
fast zwei Fuß hohen Piguren im Vorgrunde. Die Farbe 
ist etwas kalt und grau, die Ausführung fleißig. Gemalt 
auf Holz. Goldener Rahmen. 

Je ein Exemplar des Katalogs bewahren die Biblio- 
thek des Vereins für Hamburgische Geschichte und das 
Staatsarchiv zu Hamburg. 

Folgende Preise ebenfalls unbekannt gebliebene Zeich- 
nung, die Pieter Lastman zuzuschreiben sein wird, kam 
in einer Sammlung vor, die bei Weigel in Leipzig am 
8. Dezember 1869 versteigert worden ist: 

Nr. 1101, Reiche Vase mit Nymphen. Tusche. Mit 
dem Zeichen P. L. fol. Wasserfleckig. 

Leider ist auch diese Zeichnung verschollen. Ihre 
Wiederauffindung wäre um so erfreulicher, als bisher 
nur 4 signierte Zeichnungen Lastmans bekannt gew^orden 
sind. 



Christian Albrechts Tochter und die Schwester 
Friedrichs IV., unter dem jenes Gottorfische 
Schloßinventar aufgestellt worden ist, Sophia 
Amalia (1670—1710), heiratete den Erbprinzen 
August Wilhelm von Braunschweig. Mit ihr oder 
durch sie ist das einst in Ovens' Besitz gewesene 
und von ihm so hoch gepriesene Lastmansche Ge- 
mälde nach Salzdahlum gelangt. 

13. Ovens' Stellung zur Kirche und Religion. 

Die Frage, ob und wieweit man bei einem 
Künstler vom künstlerischen Interesse auf den 
menschlichen Anteil schließen dürfe, ob man an- 
nehmen könne, daß religiöse Kunst ohne starkes 
persönliches Interesse nicht denkbar sei, ist von 
C. Neumann, Rembrandt 1902, S. 524 aufgeworfen. 
Dabei hat sich die überraschende Tatsache er- 
geben, daß Rembrandts Stellung zur Religion ganz 
verschieden beurteilt worden ist. Während seine 
Kunst für Weizsäker -"') der reine Ausdruck prote- 
stantischer Religiosität ist, haben andere wie Ruskin 
ihr jede religiöse Empfindung völlig abgesprochen, 
haben sie gemein und gottlos genannt. Daraus er- 
hellt, wie schwierig es ist, das Problem," wie man 
sich das Verhältnis des Menschen zum Künstler 
in religiösen Dingen grundsätzlich vorzustellen 
habe, zu lösen. Jedenfalls ist die Anschauung, 
daß religiöse Kunst hervorzubringen nur frommen 
Menschen und Künstlern möglich sei, ein Trug- 
schluß. Neumann 20») verweist mit Schnaase darauf, 
daß die frommen Bilder des Filippo Lippi und 
das Giotto von Künstlern gemalt sind, von denen 
der eine ein entschieden leichtes Leben geführt 
hat, der andere religiös gleichgültig gewesen zu 
sein scheint. Auch ist es unzweifelhaft, daß der 
religiöse Ausdruck unmöglich am Gegenstand 
allein gesucht werden kann, vielmehr auch aus 
den zarten Verhältnissen von Farbe und Form 
entsteht, aus Dingen also, für welche die eigent- 
liche Religion gar keinen Maßstab besitzt 20^). Zu 
bedenken ist mit Weizsäcker 210) doch auch, daß 
es eine unleugbare und oft beobachtete Erscheinung 



2'") Rembrandt und die religiöse Kunst der prote- 
stantischen Niederlande in dem Sammelwerk Der Prote- 
stantismus am Ende des XIX. Jahrhunderts, I., Berlin 
1902, S. 277 ff. 

208) a. a. O., S. 528. 

209) Vgl. Neumann, a. a. O., S. 529. 

210) a. a. O., S. 298. 

97 



ist, daß dem dichterischen Genius ein inneres • 
Wahrnehmungsvermögen zu Gebote steht, das ihn 
befähigt, die Welt im Ganzen zu begreifen, auch 
wenn es ihm an persönlicher Einzelerfahrung ge- 
bricht. Etwas der divinatorischen Gabe der Er- 
kenntnis, wie sie dem Dichter eignet, Ähnliches 
wird man auch beim Maler annehmen dürfen. 
Es wird ihn befähigen, religiöse Bilder zu malen. 
Und schließlich ist auch zu bedenken, daß ein 
Maler des 17. Jahrhunderts, das so stark religiös 
öder theologisch interessiert war, auch in seinen 
religiösen Bildern ein Kind seiner Zeit war. 

Nach diesen prinzipiellen Erörterungen darüber, 
wie schwierig es ist, aus den religiösen Dar- 
stellungen eines Künstlers den Anteil eines un- 
mittelbar auf den Gegenstand gerichteten persön- 
lichen Interesses festzustellen, wenden wir uns 
Ovens zu. Glücklicherweise sind wir bei der 
Klärung seiner kirchlich-religiösen Einstellung nicht 
auf seine religiösen Gemälde allein angewiesen. 
Vielmehr fehlt es uns nicht an Zeugnissen, aus 
denen wir seinen persönlich religiösen Charakter 
bzw. sein Verhältnis zur Kirche klar erkennen 
können. 

C. Neumann hat aus Rembrandts eigentüm- 
licher Farbengebung, aus seiner Behandlung des 
Lichtes den mystischen Charakter seiner Werke, 
die innerliche Verwandtschaft des großen Hol- 
länders mit der Mystik Jacob Böhmes nachge- 
wiesen. Dafür freilich, daß Rembrandt Böhmes 
Schriften gelesen habe, fehlen alle äußeren Zeug- 
nisse. Bei Ovens ist die Sachlage umgekehrt. Wie 
Rembrandt war auch er Mystiker. Freilich 
schließen \s-ir das nicht aus seinen Werken, die 
einen mystischen Charakter nicht tragen, sondern 
wir haben die Zeugnisse dafür in seiner Bibliothek, 
wie ich das S. 74 ff. nachgewiesen habe. 

Wenn Ovens und sein Kreis auch stark indi- 
vidualistische, um nicht zu sagen, separatistische 
Neigungen hatten, die wahrscheinlich auf den hoch- 
gesteigerten Anforderungen ihrer religiösen Be- 
dürfnisse beruhten -i^), so sind sie doch Mit- 
glieder der Kirche Luthers gewesen imd geblieben, 
wie denn ja die Mystik ebenso wie der Pietismus 
die typischen Fassungen des religiösen Individua- 
lismus innerhalb der Kirche darstellen. Gleich 
eingangs seien anderslautende Behauptungen, die 



gelegentlich geäußert sind, berichtigt. Unser Maler 
ist weder Remonstrant^i^) noch Mennonit-^^) ge- 
wesen, sondern, wie die lutherischen Kirchen- 
bücher zu Friedrichstadt so häufig bezeugen, 
Lutheraner. Und er war ein treuer Sohn seiner 
lutherischen Kirche -i^)! Dank seiner angesehenen 
Stellung, die ihm seine engen Beziehungen zum 
herzoglichen Hofe in Gottorf, sein Reichtum, sein 
Ruhm als Künstler verschafften, mehr noch auf 
Grund seines oft betätigten warmen Interesses für 
die kirchlichen Angelegenheiten, hat er in der 
lutherischen Gemeinde zu Friedrichstadt eine be- 
deutende Rolle gespielt. Das geht aus den zahf- 
reichen ihn betreffenden Eintragungen des luthe- 
rischen Kirchenprotokolls ~^^) klar hervor. Freilich, 
ein kirchliches Amt, wie seine Halbbrüder Hinrich 
und Peter Jürgens, die viele Jahre hindurch 
Kirchenvorsteher der lutherischen Gemeinde waren, 
hat er nie bekleidet. Wenn man aus Houbrakens 
Biographien holländischer Maler den Eindruck ge- 
winnt, daß diese Klasse von Menschen in ihrer 
häufig ungeregelten äußeren Lebensführung es mit 
Kirche und Religion nicht allzu genau genommen 
hat, und wenn Albert Cuijp als Kirchenältester 
eine seltene Ausnahme gewesen zu sein scheint, 
so nahm Ovens seine kirchlichen Pflichten durch- 
aus ernst und hätte auch als Kirchenvorsteher 
seinen Platz wohl ausgefüllt und den Pastor, wie 
er es ohnehin tat, in seinem Streben für das Wohl 
der Gemeinde unterstützt. 

Aber die als Folge eines solchen Amtes un- 
erläßliche Bindung mochte dem unabhängigen 
Künstler nicht zusagen, hätte sich wohl auch nicht 
damit vertragen, daß Ovens so häufig und lange 
abwesend war, sei es auf Schloß Gottorf, sei es 
in Amsterdam, Hamburg oder wo sonst er seine 
Kunst ausübte. Um unseres Malers große Ver- 
dienste um die lutherische Gemeinde ins rechte 



211) Vgl. darüber S. 7Q, Anm. 90. 



212) Von Rumohr und Thiele, Geschichte der Kgl. 
Kupferstichsaminlung zu Copenhagen, 1835, S. 42: „Viel- 
leicht stammte er aus einer holländischen Remonstranten- 
familie". Auf diese Vermutung verweist Nagler, Neues 
Allgemeines Künstler-Lexikon, X. (1841), S. 433. 

213) So Mensinga nach einer Notiz in der Kieler 
Zeitung vom 30. November 1878. 

21*) Vgl. zum Folgenden des Verfassers Schrift: Bilder 
aus der Geschichte der Stadt Friedrichstadt a. d. Eider, 
1921, S. 31 ff., III. Der Maler Jürgen Ovens und die 
lutherische Gemeinde in Friedrichstadt. 

215) Pastoratsarchiv, Friedrichstadt. 



98 



Licht zu stellen, muß ich ein wenig- weiter aus- 
holen. 

Als er um Pfingsten 1663 mit seiner Familie 
aus Amsterdam in die Heimat zurückkehrte und 
sich xcieder in Friedrichstadt niederließ, fand er 
in der Gemeinde wenig erfreuliche Zustände vor. 
Zwischen dem Pastor Friedrich Fabricius und den 
Kirchenvorstehern, zumal aber unter den Kirchen- 
\-orsteherji selbst, herrschten iVliß\-erständnisse und 
Uneinigkeiten; ,,alß ist man in diesen 3en Jahren 
(1664, 1665, 1666) fast wenig beyeinander ge- 
kommen", schreibt Fabricius. In den nächsten 
Jahren scheinen diese Mißhelligkeiten behoben zu 
sein. Man wird empfunden haben, ein wie treuer 
Hirte Fabricius war, der ,,wie keiner seiner Vor- 
gänger und Nachfolger im Amte mit der größten 
Umsicht, dem redlichsten Eifer und der rühm- 
lichsten Ausdauer für das äußere und das innere 
Wohl seiner Gemeinde sorgte" -i''). Seine nimmer- 
müde Sorge und Liebe zur Gemeinde bewies er 
besonders in der Frage des Kirchenbaues. Wir 
berühren damit eine wahre Leidensgeschichte, die 
ich den zerstreuten Angaben des Pastors Fa- 
bricius im Kirchenprotokoll nacherzähle. Schon 
im November 1660 hatte ein Sturm die Kirche 
weit über die Hälfte abgedeckt. Die Gemeinde 
war jedoch stark verschuldet und so arm, daß 
keine Mittel vorhanden waren, „damit man hätte 
mögen das Gebawde so weit bringen, daß man 
könne trocken zusammen kommen und den Gottes- 
dienst verrichten". Endlich gelang es dem Pastor 
durch vieles Supplizieren bei Hofe, 200 Reichs- 
taler für die notwendigste Instandsetzung des arg 
zerstörten Gebäudes zu erhalten. Aber von Jahr 
zu Jahr nahm die Baufälligkeit des Gotteshauses 
zu. 1669 war es nur noch eine Ruine. Es 
wurde ,,mit dem schwierigen und gewaltigen Riß" 
der Kirche immer ärger. Der Pastor rief den 
Herzog Christian Albrecht in einer Bittschrift um 
Hülfe an, ,, damit nicht zur höchsten Beschimpfung 
und Schaden hiesiger Lutherischen Gemeine die 
Kirche gar über einen Haufen fiele". Und am 



^1^) K. L. Biernatzki in seinem Aufsatze „Die luthe- 
rische Kirche in Friedrichstadt" (Falcks Archiv, 5. Bd., 1847 
S. 200 ff.). Diese vortreffliche Arbeit, die auf sicherer 
Kenntnis der Archivalien beruht, berührt, auffällig genug, 
Ovens' Verdienste um die Gemeinde mit keinem Worte. 
Sie hätten doch im Zusammenhange mit der eingehenden 
Darstellung des Kirchenbaues, die Biern.itzki gibt, er- 
wähnt werden müssen. 



22. März 1670 reisten Fabricius und die Juraten 
(Kirchenältesten) „im Namen Gottes" nach Schles- 
wig, um dem Landesherrn von dem gefährlichen 
Zustande mündlich Bericht zu erstatten und ihn 
zu bitten, auf Mittel und Wege zur Hülfe der 
Kirche bedacht zu sein oder „dem Pastori einen 
bequemen Ort in Friedrichstadt anzuweisen, wo- 
selbst er den Gottesdienst ohne Leib- und Lebens- 
gefahr verrichten könnte". Noch 1667 hatte der 
unter ständigem Geldmangel leidende Herzog er- 
klären lassen, er könne der Kirche nicht helfen. 
Es erscheint daher sehr zweifelhaft, daß die De- 
putation diesmal mehr erreicht hätte. Aber jetzt 
erstand ihr in Jürgen Ovens ein mächtiger Für- 
sprecher. Er war auch gen Hofe gereist und 
zwar, wie Fabricius betont, ohne daß der armen 
Gemeinde Kosten daraus erwachsen wären, wie 
er denn mehrmals in ihrem Interesse dieselbe Reise 
unternahm, ,,ihr daselbst (bei Hofe) eine gnädigste 
Vorschrift zur Kollektur, auch wirklichen Zuschub 
bei Hofe loszuwürken", und aus eigner Tasche 
bezahlte. Im Vorgemach harrten Pastor und Ju- 
raten lange auf Antwort. Drinnen aber beim 
Herzog war ihr Gemeindemitglied, der vornehme 
Schilder und Gonterfeyer, wie Fabricius ihn nennt, 
und führte ihre Sache. Et suchte Christian Al- 
brecht, bei dem er so viel galt, zu bestimmen, den 
Bitten der Friedrichstädter Gehör zu schenken. 
Seine bewegliche Schilderung des ,, bedrückten und 
armseligen Zustandes" der Kirche veranlaßte den 
Herzog und die Minister endlich dazu, etwas für 
die Gemeinde zu tun. Dank seinem Einfluß, 
seinem hülfreichen Beistande, „seinem fleißigen 
Kooperieren" konnte er endlich den draußen 
Harrenden günstigen Bescheid überbringen. Der 
Herzog, „des vielen Querulierens und Anlaufs" 
müde, gab die Erlaubnis, in den Herzogtümern eine 
allgeiueine Kollekte zu veranstalten, durch die die 
nötigen Gelder beschafft werden sollten. Die 
Spender sollten in eineiu ,,Kollektur-Buch" ein- 
getragen werden. Er selbst, ebenfalls durch Ovens 
dazu veranlaßt, sagte zu, daß er sich zu allererst 
„anderen zum löblichen Exempel der Nachfolge" 
einzeichnen werde. Aber durch eine schwere Er- 
krankung des Pastors geriet die Angelegenheit 
mehr als ein Jahr ins Stocken. Doch kaum war 
er genesen, als er bei erster Gelegenheit, im August 
1671, wieder nach Schleswig reiste, um beim 
Herzog auf eine Besichtigung durch herzogliche 
Kommissare anzutragen. Wieder lieh unser Maler 



99 



seine Unterstützung. Er gah dem Pastor ein 
Schreiben ^i') an die beiden herzogiiclien Kammer- 
räte mit, in deren Händen die Entscheidung lag. 
In ihm wies Ovens die Wege, die zum Aufbau 
der fast verfallenen Kirche einzuschlagen seien. 
Der auch in praktischen und geschäftlichen Dingen 
w'ohl bewanderte Meister, der gerade für Bau- 
sachen Verständnis und Interesse hatte -^'-), machte 
eine Reihe von Vorschlägen, die offenbar sämtlich 
angenommen worden sind. Er wies darauf hin, 
daß es nötig sei, den Hofmaurermeister und 
Zimmermann zur Besichtigung zu entsenden, um 
den Grund des Schadens festzustellen. Sobald er 
gefunden sei, müßten fürstliche Kommissare er- 
nannt werden, die den Bau beaufsichtigten. Hierzu 
schlug er den Obristen Hans Walther in 
Tönning3i9) und den Amtsinspektor von Trems- 
büttel und Steinhorst Joachim Schmidt--") vor, 
die dazu geneigt seien. Auch der, fürstliche Rent- 
meister Jürgen Holmer sei bereit. Weitere Vor- 
schläge betrafen ordnungsmäßige Verwendung der 
Gelder und Beschaffung guter Materialien. Unter 
dem 19. September 1671 befahl der Herzog den 
von Ovens vorgeschlagenen beiden Männern, den 
Zustand des Kirchengebäudes zu untersuchen 221). 
Sie übernahmen dann auch die Oberaufsicht über 
den Bau. Der Maler empfing sie am 17. Ok- 
tober als Gäste in seinem Hause. An diesem Tage 
besichtigten sie mit dem Pastor, den Juraten und 
Altesten zusammen die Kirche. Bei dieser Be- 
sichtigung hat sicherlich der erfolgreichste Förderer 
des Kirchenbaues nicht gefehlt, wenn auch Fa- 
bricius seine Anwesenheit nicht ausdrücklich' er- 
wähnt, w'ohl weil er sie, wie die Sache lag, für 
selbstverständlich halten möchte. Während der 
Bauzeit war Ovens' gastfreies Heim noch mehr- 
mals der Aufenthaltsort für die herzoglichen Kom- 
missare, wenn sie zur Bauinspektion in Friedrich- 
stadt weilten. Mit ihnen Linien ihre Leute und 
,,bei sich habende Gesellschaft", und alle hat unser 



217) Von ihm hat sich eine von Fabricius besorgte 
Abschrift erhalten, die ich in der Urkunde Nr. 11 wiedergebe. 

21^) Er war es ja gewesen, der die Verhandlungen mit 
Artus Quellinus über das herzogliche Erbbegräbnis im 
Dom zu Schleswig geführt hatte. Vgl. darüber S. 88 ff. 

2iä) Geheimer Kriegsrat und Xommandant der 
Festung. 

220) Über ihn vgl. S. 41. 

221) Die von Fabricius besorgte Abschrift dieses 
Schreibens liegt im lutherischen Pastoratsarchiv, Friedrich- 
stadt. 



Meister „honorifique traktieret", wie Fabricius ihm 
nachrühmt. Als großem Herrn war ihm ja weit- 
gehende Gastfreundschaft selbstverständlich. Er 
übte sie aber doch wohl auch, um der Kirchen- 
kasse die Kosten, für die sie sonst hätte auf- 
kommen müssen, zu ersparen, so daß wir auch 
hier wieder einen Beweis für Ovens' lebhaftes 
Interesse für die Gemeinde haben. Im Jahre 1671 
hat er noch einmal in Sachen des Kirchenbaues 
Briefe an einen der Kammerräte gerichtet, die 
ein Bote nach Schleswig brachte 222). Sie haben 
sich nicht erhalten. Vermutlich wird er seine Vor- 
schläge viom August ergänzt, vielleicht auch zur 
Eile ermahnt haben. In den Jahren 1672 und 
1673 wurde die Kollekte zum Besten des Kirchen- 
baus betrieben und 1673 dann auch endlich die 
Wiederherstellung vorgenommen. Den zwölf Ju- 
raten der Kirche gesellten sich, wie Fabricius am 
3. Juni 1673 verzeichnet, zwölf der vornehmsten 
Bürger bei, um wechselweise, jeder, an seinem 
Tage, die Aufsicht über die Bauleute zu führen und 
sie zu fleißiger Arbeit anzutreiben. Leider sind 
die Beilagen des Kirchenprotokolls, aus denen ^)^■ir 
mit den Namen der Kirchenvorsteher auch die 
der zwölf anderen sowie die Nachrichten über ihre 
Tätigkeit ersehen könnten, verloren gegangen. Wir 
dürfen aber als sicher annehmen, daß Ovens, dessen 
Fürsprache allein die Gemeinde den Wiederaufbau 
ihres Gotteshauses verdankt, und sein ebenfalls 
kirchlich interessierter Schwiegervater Jens Martens 
unter den zwölf vornehmsten Bürgern gewesen 
sind, die durch die von ihnen ausgeübte Auf- 
sicht ihr Interesse für den Bau bewiesen. Das 
begonnene Werk ward zur allgemeinen Befriedi- 
gung zu Ende gebracht. Die Einweihung konnte 
am Martinitage 1673 stattfinden. Die Feier wurde 
,,niit einer zierlichen Vokal- sowohl als Instru- 
mental-Musik" verschönt. Der Pastor berichtet 
von ,, gewaltiger Zustürzung des Volkes und Ge- 
dröhn der Trompeten, die sich vor und nach 
dem Gottesdienst zu Lob und Ehre des Namens 
Gottes vom Kirchturmb herab lustig und erfreulich 
hören lassen". Ovens ist unter der festlich ge- 
stimmten Menge gewesen und, was Fabricius so 
einfach und rührend von sich bezeugt, mag ähnlich 
auch von seinem tatkräftigen Helfer, dem letzten 
Endes die Gemeinde ihr neu erstandenes 
Gotteshaus verdankte, unserem Maler, gelten, daß 



222) Lutherische Kirchenrechnung, Friedrichstadt. 



100 



„er in seinem ganzen Leben, seines Wissens, i<einen 
lustigeren Tag gehabt als eben denjenigen, da er 
den Zweck seines vielen Betteins und Flehens, 
Rennens und Laufens erreicht und seine fast zer- 
fallene Kirche in guetem Wohlstande vor sich 
wieder sehen mögen". 

Die zum Wiederaufbau der Kirche veran- 
staltete Kollekte hatte der Herzog, wie schon er- 
wähnt, auf Ovens' Verwendung hin erlaubt. Das 
Buch, das die z. X eigenhändigen Eintragungen 
der Spender enthält, liegt noch heute im luthe- 
rischen Pastoratsarchiv. Am 23. Juli 1673 hat 
Jürgen Ovens sich ebenso wie sein Schwieger- 
vater eigenhändig eingetragen. Und zwar ver- 
ehrte er zur Reparation der Kirche eine beträcht- 
liche Summe, 50 Reichstaler -^s). Gleichzeitig ver- 
sprach unser Maler, bei Vollendung des Baues 
zum Gedächtnis einen Schmuck für das Gottes- 
haus zu schenken, öder, wie er es ausdrückt, 
,,bey Volbauwung mit Ein gedechtnus ornament 
einzukommen" --*). Er löste dieses Versprechen bald 
darauf ein, indem er der Kirche 1675 das von 
ihm gemalte Altarbild --'^) samt dem schönen ver- 
goldeten Rahmen aus schwerem Blumenwerk 
schenkte "6). Bis auf den heutigen Tag hält unsers 
Meisters Gemälde, ein dauerndes Erinnerungsmal, 
den Namen des frommen Spenders auch bei denen 
lebendig, die sonst nichts von ihm wissen. So 
ist der Wohltäter der Gemeinde, dem sie den 
Aufbau der Kirche und ihren schönsten Schmuck 
verdankt, in dem ihm so teuren Gotteshause gleich- 
sam noch gegenwärtig. 

Wie durch die beträchtliche Spende vom Jahre 
1673 hatte Ovens auch schon sechs Jahre vorher 
seine Liebe zur Gemeinde bewiesen. Damals han- 
delte es sich um den Bau des Pfarrhauses. Auch 
damals legte Fabricius ein Sammelbuch an, das 
noch vor etwa 35 Jahren im Kirchenarchiv vor- 
handen war, aber heute leider nicht aufzufinden 
ist. Unter dem 8. November 1667 trugen sich 



223) Einen so hohen Betrag gaben außer ihm nur 3 
Privatpersonen, die sämtlich in enger Beziehung zum 
Kirchenbau standen, nämlich die uns schon bekannten 
Oberst Hans Walther und der Amtsinspektor Joachim 
Schmidt, denen die Oberaufsicht oblag, sowie der fürst- 
liche Rentmeister Jürgen Holmer. 

22*) s. Urkunde Nr. 12 und Abb. 97. 

225) Nr. 54 des Kataloges der Gemälde und Abb. 57. 

226) von Wurzbach irrt sich, wenn er Niederlän- 
disches Künstlerlexikon U, S. 2Q4 angibt, Ovens habe 
das Bild der Kirche testamentarisch vermacht. 



der Maler und sein Schwiegervater ein, ersterer 
mit folgenden Worten : 

Auß Christschüldigstem gemüthe, \or die hierin 
offtberüerte Intention hat J. Ovens gegeben 

d. 8t. Qbris 1667. 20 Rdlr.22-). 

Noch eine dritte Spende des Malers zu kirch- 
lichen Zwecken, die freilich nicht die Friedrich- 
städter Gemeinde betrifft, kann ich als Beweis 
seiner warmen Anteilnahme an kirchlichen An- 
gelegenheiten anführen. Als er sich in Tönning 
aufhielt, wahrscheinlich 1651, schenkte er für die 
Erbauung der Friedrichsberger Kirche in Schles- 
wig 6 Reichstaler 228). Auch damals war Jens 
Martens mit 2 Reichstalern vertreten. Des Malers 
Vater, der 1633 als Stifter einer der trefflichen 
Messingdocken in der Kirche zu Tönning be- 
zeugt ist, gab ebenfalls 2 Reichstaler. Wir sehen 
also, daß es in der Familie des Malers Tradition 
war, für den Bau und den Schmuck von Gottes- 
häusern Spenden zu machen, eine Tradition, die 
seine Kinder fortführten, indem die Erben ins- 
gesamt 1691 das Epitaph in der Kirche zu Tönning 
setzten und Johann Adolf der Kirche zu Heide 
zwei Bilder vermachte. 

Am 23. Juli 1673 hatte Ovens sich mit seiner 
Spende zum Besten des Kirchenbaus eingetragen. 
Schon am folgenden Tage hat dann Fabricius 
im Kirchenprotokoll vermerkt, daß ,,Herr Jürgen 
Ovenß auf freundlichem seinem Ansuchen frei- 
gegeben und zugelassen w'orden" ist, für sich 
selbst und seine Erben auf eigene Unkosten ein 
Kellerbegräbnis einzurichten 229). Den Platz für 
das Ovenssche Erbbegräbnis 220) in der Kirche 
schenkte die Gemeinde ihrem Wohltäter aus Dank- 
barkeit. Als Grund für die Bereitwilligkeit des 
Kirchenvorstandes wird angegeben, daß „Ovens 
sich überaus gütig gegen hiesige Kirch bei höchst- 
nötiger ihrer Reparation erwiesen". Sodann 
werden seine großen Verdienste um die Gemeinde, 
die ich oben eingehend gewürdigt habe, im Ein- 
zelnen kurz aufgezählt. Hinzugefügt hat Fabricius 
dann noch, daß der Maler „hiesiger Kirchen und 
ihren Angehörigen, allererst wann sie dessen be- 
dürftig gewesen, mit Rat und Tat auf das Treu- 
lichste beigestanden". Aus den letzten Worten 



227) s. Urkunde Nr. 14. 

228) s. Urkunde Nr. 13. 

229) Vgl. auch die Eintragung im Register zum 
Kirchenprotokoll unter J. vom 24. Juli 1673. 

230) v'gl. darüber den 20. E.xkurs. 

101 



geht hervor, daß unser Meister nicht nur ein 
Wohltäter der Gemeinde insgesamt s^i), sondern 
auch der einzehien Mitglieder derselben gewesen 
ist. Er wird dank seinem Einflüsse und seinem 
Reichtum die Not der Armen gelindert und die 
Tränen der Bekümmerten getrocknet haben 232). 

Wohl, so könnte man sagen, zugegeben, daß 
Jürgen Ovens allen kirchlichen Angelegenheiten 
warmes Interesse entgegenbrachte ^33)^ — über des 
Malers innere Stellung zur Religion und Kirche 
wäre damit doch noch nicht viel bewiesen. War 
er ein frommer Mensch, ein gläubiger Christ? 
Auf diese Frage, die an die verborgenen Tiefen 
des Seelenlebens rührt, die, wenn eine, den per- 
sönlichsten Besitz jedes Einzelnen betrifft, eine 
sichere Antwort z'u finden, erscheint schwer, ja 
unmöglich. Aber wertvolle Fingerzeige können 
uns doch die folgenden Erwägungen geben. Be- 
zeichnend für Ovens' religiöses Empfinden ist die 
von ihm gewählte Fassung der Inschrift des 
Friedrichstädter Altarbildes. Auf dem Rahmen 
über dem Gemälde steht: Umb unserer Sünden 
Schuld. Die Inschrift unter dem Gemälde lautet; 
Honori sanctissimi meritissimique mundi suique 
redemtoris unici Jesu Christi tabulam hanc devo- 
tissime consecrat Georg Ovens anno 1675 234). 



231) Als solcher betätigte er sich auch, ah er nach 
der Kirchenrechnung 1676, 7. September „pro discretione 
vor der Herren Stuhl Bedienung" 12 # einsandte. Es 
war dies eine freiwillige Spende, die Ovens außer der 
ihm für die Benutzung des Herrenstuhls (des herzoglichen 
Gestühls) obliegenden Gebühr der Kirche zukommen lieli. 

232) Eine Tat der Barmherzigkeit a'.s" Ausfluß vor- 
urteilsloser christlicher Nächstenliebe war es z. B., daß 
der JVlaler 1676 seiner jungfräulichen Tochter Catharina 
gestattete, Gevatter zu stehen bei der Tochter, die „ein 
beschlafen Mensch . . ." zur Taufe bringen ließ. (Vgl. 
die Tauftafel S. 55). 

233) Dahin schlägt auch, daß, als sich 1672 „ein 
biß hieher Ungetauffter Mennist" taufen ließ, bezeichnend 
genug, sämtliche drei Paten zur Familie des Malers ge- 
hörten, nämlich er selbst, sein Schwiegervater und sein 
Halbbruder Peter JürgenS. (Vgl. die Tauftafe) S. 54.) 

234) Zur Ehre Jesu Christi, des hochheiligen, ver- 
dienten einigen Erlösers der Weh und seiner selbst, weiht 
dieses Gemälde in tiefster Ehrfurcht Georg Ovens im 
Jahre 1675. 

Georg ist die hochdeutsche Form für das nieder- 
deutsche Jürgen. Es ist keineswegs, wie man gelegentlich 
lesen kann, so, daß es sich um zwei verschiedene Per- 
sonen handelte, von denen der eine das Bild gemalt, 
der andere es gestiftet hätte. Vielmehr ist Georg und 
Jürgen dieselbe Person, der Maler und Stifter des Bildes. 
Vgl. über die Namensformen S. 11 f. 



Man wird mit Johannes Biernatzki 235) auf das 
devotissime kein besonderes Gewicht legen und 
kann zugeben, daß es dem Decorum, der frommen 
Sitte, der Heiligkeit des Orles entspricht. Schwer- 
wiegender aber, charakteristischer ist das meri- 
tissimi, das dem ' Gefühl eines allgemeinen Ver- 
pflichtetseins Ausdruck gibt, ferner die Zusammen- 
stellung mundi suique und schließlich das über- 
zeugungsvolle unici. Es scheint sich hier doch im 
Anschluß an die Formen, die derzeit allgemein 
üblich waren, ein Persönliches, Eigenartiges, Inner- 
liches auszusprechen. Die Verpflichtung der 
ganzen Christenheit wird als bindend für den 
Einzelnen, für den Stifter des Werkes selber an- 
erkannt. Die dem redemtoris zu Teil gewordene 
nachdrucksvolle Beifügung unici, „seines einigen 
Erlösers", gibt dem Gedanken Kraft und Tiefe 
zugleich. Diese Auslegung von Ovens' innerer 
Stellung zur Religion wird, so scheint mir, durch 
den Inhalt des Autographs von 1667 als richtig 
bestätigt. In ihm finden wir dieselbe Auffassung, 
nur ohne das Pathos der an den geweihten Ort 
gesetzten Inschrift, die noch nach Jahrhunderten 
der Gemeinde von dem Maler künden sollte. In 
dem Autograph haben wir denselben Gedanken 
wie in der Inschrift des Altarblattes, aber, mit 
feinem Stilgefühl, ganz schlicht, ganz anspruchs- 
los ausgedrückt, so wie es -dem andern Anlaß und 
dem völlig anders gearteten Ort der Nieder- 
schrift entsprach. ,,Auß Christschüldigstem ge- 
müthe", heißt es ganz einfach, „vor die hierin 
offtberüerte Intention hat J. Ovens gegeben" 
usw. Die wenigen schlichten Worte sind be- 
scheiden und überzeugt zugleich. Ich tue, das 
stallen sie sagen, ich tue nur meine Christen- 
pflicht und ich tue sie gern. Dem Charakter dieser 
Eintragung entspricht, scheint mir, ganz die Ari 
wie Ovens sich auf dem von ihm geschenkten 
Altarbilde dargestellt hat. Bescheiden im Dun- 
keln sich zurückhaltend, nur schwer erkennbar, 
erhebt er anbetend die Hände. Wie anders pflegte 
dagegen die romanische Kunst den Stifter eines 
solchen Bildes darzustellen! Er sollte gesehen 
und erkannt werden. Darum nahm er breit den 
Vordergrund ein, so daß der religiöse Vorwurf 
häufig durch das Bildnis verdrängt wird. Ich 
meine in der Art, wie Ovens sich als Stifter ge- 



236) Neue Forschungen über J. Ovens usw. (Kieler 
Zeitung, 1885, Nr. 10 763.) 



102 



malt hat, etwas eigentümlich Protestantisches zu 
sehen, das dem Bilde seiner religiösen Persönlich- 
keit, das \xir auf Grund der Urkunden gewonnen 
haben, sich trefflich einfügt. 

Wenn die aus dem Glauben stammende Heili- 
gung des Lebens, das wahrhaft sittliche Verhalten 
und Tun, das sich am schönsten in der Nächsten- 
liebe ^se) und in der Mildtätigkeit offenbart, der 
innere Reichtum, der als Freundlichkeit und Güte 
auf die Umgebung überfließt, zu einem christ- 
lichen Charakter gehören, so dürfen wir über- 
zeugt sein, daß Ovens einer war. Ihm ist die 
Religion ein individuelles Erlebnis gewesen, ein 
Verkehr mit Gott, ein Innewerden seiner All- 
macht-^"). Er hat den willigen Gehorsam, die 
völlige Unterwerfung in Gottes Willen gekannt. 
Die Religion hat in ihm die Wirkung gehabt, daß 
sie ihm Kraft verlieh, den Tod zu überwinden. 
Das hat er in seiner letzten Stunde bewiesen. Denn 
nach dem Berichte seiner Gattin ^ss) ist er „in 
hertzlicher Anruffung Gottes bey völligem Ver- 
stände ohne einige Todesangst" gestorben. Daraus 
ersehen wir, daß für ihn als einen gläubigen, 
tapferen Christen die Schrecken des Todes ihre 
Furchtbarkeit verloren hatten. Demütige Er- 
gebung in Gottes unerforschlichen Willen spricht 
auch aus dem ganzen Schreiben der Frau Ovens, 
in dem sie den Tod ihres geliebten Mannes mit- 
teilt, besonders aber aus den Worten: „Wie aber 
keinem Christen gebühret, des Allerhöchsten Ver- 
fügnis einiger Ungerechtigkeit zu beschuldigen, 
soselbsten fasse ich meine Seele in Geduld und 
unterwerfe mich der beschehenen väterlichen 
Züchtigung in schuldigem Gehorsam . . . ." Auch 
sie hat wie ihr Gatte Kraft und Trost, selbst das 
Schwerste zu tragen, aus ihrem Glauben geschöpft. 
In der modernen Kunstwissenschaft machen sich 
neuerdings, unter Geringschätzung der archiva- 
lischen Forschung, Bestrebungen geltend, die 



236) Sie als ein an dem Verstorbenen doch wohl 
besonders hervortretender Zwg wird auch in der uns 
im Druck erhaltenen Grabschrift erwähnt, die als weitere 
Züge seines religiösen Charakters die fromme Betrach- 
tung, den Glauben an Jesum, den einigen Erlöser einer 
verlorenen Menschheit, und die feste Hoffnung auf jene 
Welt hervorhebt. Vgl. S. 51 und Urkunde Nr. 16. 

23") Es ist doch wohl kein Zufall, daß wahrscheinlich 
das letzte Bild des .Meisters, an dessen Vollendung ihn 
seine letzte Krankheit hinderte, ein religiöser Vorwurf 
war. Vgl. S. 50. 

238) s. UFkunde Nr. 15. 



I- 



menschliche und künstlerische Persönlichkeit eines 
Künstlers in erster Linie, wenn nicht ausschließlich, 
aus seinen Werken herauszulesen und diese Werke 
nur noch als den Ausdruck seiner persönlichen 
Wesensart und der in ihm lebendigen Kräfte zu 
begreifen. Man will die Künstlerseele aus ihren 
Werken .herausarbeiten. Zu wie falschen Ergeb- 
nissen diese häufig doch auf höchst subjektiven 
Eindrücken beruhende Methode führen kann, dafür 
kann Ovens ein Beispiel sein. Auf dem sicheren 
Grunde, den die Erforschung der Urkunden legt, 
haben wir unsern Maler als guten Lutheraner 
kennen gelernt. Die oben gekennzeichnete Me- 
thode, die Psyche des Künstlers aus seinen Werken 
zu analysieren, würde jedoch, auf Ovens' reli- 
giöse Darstellungen angewandt, zu einem den 
Tatsachen völlig entgegengesetzten Ergebnisse ge- 
langen. Unzweifelhaft müßte man ihn, wenn man 
seine religiösen Gefühle aus Bildern wie die Ma- 
donna mit dem Kinde (Nr. 37 des Katalogs der 
Gemälde) oder aus der heiligen Familie im Dom 
zu Schleswig herauslesen w^ollte, für einen katho- 
lischen Meister erklären. Besonders das erste Bild 
atmet ganz den unprotestantischen Geist der Ma- 
rienverehrung, die bekanntlich ein Hauptthema der 
romanisch-katholischen Kunst ist. Wie unpro- 
testantisch ist auch die Darstellung von Maria 
Himmelfahrt! Auf anderen seiner religiösen 
Bilder ist der religiöse Charakter wie so häufig 
bei den katholischen Romanen zurückgedrängt 
durch die sinnlich heiteren, repräsentativen, vom 
protestantischen Standpunkte aus sfcirk weltlichen 
Züge der romanisch-katholischen Kunst. Von den 
Abgründen des religiös erregten Empfindens der ' 
protestantischen Meister bleibt höchstens ein hold 
anmutiger Ernst zurück, der in dem sinnlich- 
gefälligen Rhythmus der romanischen Kunst, auf- 
gelöst ist. Ovens' Vorbilder in der religiösen 
Kunst sind fast ausschließlich die katholischen 
Romanen, die Vlamen, wie van Dijck, die Italiener 
wie Sebastiano del Piombo, Palma, Coi'reggio, die 
Spanier wie Muriilo. Es ist z. B. bezeichnend, 
daß er den heiligen Sebastian van Dijcks so hoch 
geschätzt hat, in dem wir doch häuptsächlich nicht 
so sehr den religiösen Vorwurf, den Märtyrer, 
sehen, sondern den um des prachtvollen Aktes 
willen, den wegen seiner sinnlichen Schönheit dar- 
gestellten nackten männlichen Körper. Wir dürfen 
überzeugt sein, daß auch die zahlreichen ver- 
schollenen Ovensschen Maria Magdalena-Bilder 

103 



wie dieselben Darstellungen van Dijcks mehr den 
nervös sinnlichen „schönen" weiblichen Akten als 
der ergreifenden Wiedergabe der Zerknirschung 
und Buße der reuigen Sünderin gegolten haben. 

Im Ganzen müssen wir feststellen, daß in 
Ovens' religiösen Werken die Beeinflussung durch 
die romanische Kunst das protestantische Element 
überwunden hat, daß er in Erfindung, Aus- 
arbeitung, Beseelung der religiösen Themen durch- 
aus ein romanisch-katholischer, kein germanisch- 
protestantisch empfindender Meister gewesen ist. 

14. Ovens' Einwirkung 
auf Asmus Jal<ob Carstens -39). 

Keiner unserer alten heimischen Künstler, auch 
Brüggemann nicht, dem trotz seiner Berühmtheit 
doch im wesentlichen nur lokale Bedeutung zu- 
kommt, hat auf die Geschichte der deutschen, 
ja der europäischen Kunst so stark eingewirkt, 
wie Asmus Jakob Carstens. Und seltsam genug! 
Dieser Prophet der Antike, dieser Wegbereiter des 
Klassizismus, von dessen strengem Stil zu Ovens 
keine Brücke führt, muß in der vorliegenden Mono- 
graphie erwähnt werden wegen der gi'oßen Be- 
deutung, die der Barockmeister für seine Ent- 
wicklung gehabt hat. Denn nach Carstens' 
eigenem, von Fernow^") aufbewahrtem Berichte 
sind die Ovensschen Gemälde im Dom zu Schles- 
wig es gewesen, die zuerst den Funken der Be- 
geisterung für die Kunst, die als helle Flamme 
sein ganzes Leben lang in ihm loderte, in seinem 
jugendlichen Herzen aufglühen ließen. Die 
Malereien des alten Meisters haben in ihm den 
festen Vorsatz zur Reife gebracht, dermaleinst ein 
Maler zu werden. Bis in seine Eckernförder Zeit 
hielt er sie für das Höchste, was je ein Maler er- 
reichen könne. Sie vornemlich, so erzählt Femow 
dem Künstler nach, zogen den Sinn des damals 
11 bis 12jährigen Knaben so an, daß er ihrem 
Anblick jedes andere Vergnügen nachsetzte. 
Während seine Schulkameraden, mittags nach dem 
Unterricht auf dem Kirchhofe spielten und den 
Ball schlugen, schlich Asmus mit seinem kärg- 



239) Für das Folgende ist zu vergleichen Sach, 
Asmus Jacob Carstens' Jugend- und Lehrjahre, Halle 
1881, S. 42 ff., S. 144, dem ich mich eng anschließe. 

2*0) Leben des Künstlers Asmus Jakob Carstens usw., 
Leipzig 1806, S. 4 ff., S. 6, S. 7 f. Vgl. auch Fernow, 
Carstens' Leben und Werke, herausgegeben und ergänzt 
von Hermann Riegel, Hannover 1867, S. 44 ff. 

104 



liehen Mittagsmahle in den Dom, verzehrte es 
dort in der Stille und kletterte über Stühle und 
Bänke hinweg, um die wundersamen Gemälde 
in der Nähe zu schauen. Da vergaß er dann 
alles um sich her; ein heißer Wunsch, auch einmal 
so etwas schaffen zu können, erfüllte ihn; und 
oft steigerte sich dieses Verlangen zur Inbrunst. 
Die religiösen Gefühle, die seine Mutter früh in 
seinem Herzen gepflegt hatte, erwachten dann. 
Tränen drangen ihm ins Auge, und er betete 
mit inniger Sehnsucht, Gott möchte ihm die Gnade 
verleihen und ihn dahin gelangen lassen, daß er 
auch einst zu seiner Ehre so herrliche Bilder malen 
könnte. In der Schule zeichnete er sich weder 
durch Fähigkeit zum Lernen noch durch Fleiß 
aus. Sein Geist war gewöhnlich abw^esend, ent- 
weder im Dom bei Ovens' Gemälden oder zu 
Hause bei seinen Farbenmuscheln. Schon früh 
hatte Carstens, durch Ovens' Schöpfungen be- 
stimmt, den Entschluß gefaßt, ein Maler zu werden. 
Seine Neigung war, ohne daß. er es selbst wußte, 
auf die Geschichtsmalerei gerichtet, denn er wollte 
solche Bilder, wie die von Ovens, malen lernen. 
Die ersten mächtigen Eindrücke, die den Kunst- 
trieb in ihm erwachen ließen und ihm bessere 
Nahrung und höhere Richtung gaben, so daß 
sie seine kindlichen Bestrebungen hoch über die 
seiner Altersgenossen hinausführten und für sein 
ganzes Leben von Bedeutung wurden, empfing 
Carstens, wie gesagt, im Dom durch die Ovens- 
schen Gemälde. Diese Eindrücke seiner frühen 
Kindheit waren so nachhaltig, daß er sich ihrer 
noch nach Verlauf von mehr als dreißig Jahren 
mit allen Nebenumständen erinnerte und nur voll 
Rührung und mit Tränen in den Augen davon er- 
zählen konnte. ,,0 Dom", so heißt es in den tief 
empfundenen Versen, die der Mann an seinen 
Vetter, den Mechanikus Jürgensen in Schleswig 
richtete, 

O Dom, ich schaue dich noch, wo des Knaben 
schüchterner Geist im Gebet zu den 
Werken des Meisters emporblickte ! 

Welch ein Sehnen, welch ein Hoffen, erfüllte dort 
meinen fühlbaren Geist! 

Sach 2") wird Recht damit haben, daß schon 
die größere Zugänglich keit und bessere Beleuch- 
tung des Ovensschen Gemäldes am sog. kleinen 



1) a.a.O., S. 49. 



Altar es mit sich brachte, daß der Knabe zu- 
nächst von diesem Gemälde mehr aneezogfen 
wurde, als von der sehr hoch hängenden „Heihgen 
Familie" des Ovens. Freilich lagen die mannig- 
faltigen allegorischen Ideen des Sieges des Christen- 
tums über die Sünde seiner kindlichen Auffassung 
doch recht fern. Aber der heilige Ort, die ge- 
weihten Stufen des Altars, die lichten Engel- 
gestalten, erfaßten in der weihevollen Stille, die 
ihn rings umgab, das reine gläubige Gemüt des 
Knaben in einer Weise, daß er andachtsvoll auf 
die Knie sank und heiße Gebete seinen Lippen 
entströmten. Immer kehrte er sinnend zurück zu 
diesen weihevollen Stunden seiner Jugendzeit. Die 
Kunst war seine Religion. Sie allein rief in seinem 
Herzen die religiösen Empfindungen wach, die 
seine Jugend verklärt hatten. Möglich, daß seine 
dauernde Vorliebe für symbolische Darstellung 
ihren ersten Grund in dem einen Ovensschen Ge- 
mälde gefunden hat. Aber die christlichen Ideen, 
wie sie in Ovens' Dombildern ihm entgegentraten, 
sind ebensowenig wie der Stil des Barockmalers 
von Einfluß auf seine künstlerischen Bestrebungen 
gewesen. Daß der Brüggemannsche Altar auf ihn 
nicht im Entferntesten den tiefen Eindruck ge- 
macht hat, wie die Ovensschen Gemälde -*2)_ wird 
man mit Sach 2") durch einen äußeren Umstand 
erklären können. Die Besucher hatten damals nur 
selten Gelegenheit, das Werk des alten Bild- 
schnitzers in der Nähe zu betrachten. Es bleibt 
dabei, daß> während seiner ganzen Schulzeit es 
die Ovensschen Dombilder allein waren, die seinem 
Leben ,, Stern und Leuchte" gewesen sind. 

Indem er sich immer eifriger mit Porträt- 
studien beschäftigte, glaubte er am sichersten das 
Ziel erreichen zu können, einst im Stande zu sein, 
Bilder wie Ovens zu malen. Was den Wein- 
küferlehrling in Eckernförde als heißer Wunsch 
erfüllt hatte, große malerische Kompositionen zu 
sehen, eine Vorstellung zu gewinnen von der histo- 
rischen Malerei, die ihm als die höchste Stufe 
der Kunst erschien, sollte sich den staunenden 
Blicken des Zweiundzwanzigjährigen zuerst offen- 
baren, als er 1776 in Schleswig einzog, um im 
Hause seines kunstsinnigen Vetters Jürgensen ein 
vorläufiges Unterkommen zu suchen -^^). Wieder 
\x'aren es Werke des Künstlers, dessen Bilder ihn 



2*2) Fernow a. a. O., S. 4. 

2«) a.a.O., S. 51 f. 

2") Vgl. Sach, a.a.O., S. 138. 



einst als Knaben im Dom begeistert hatten, Ge- 
mälde des Ovens, die seinem Sehnen Erfüllung 
brachten. Es waren die großen Ovensschen Dar- 
stellungen aus der heimischen Geschichte, die, 
heute zum gi'ößten Teil in Frederiksborg be- 
findlich, damals einen Saal des Schlosses Gottorf 
schmückten. Noch oft gedachte Carstens der 
Stunde, da sein Vetter durch seine Beziehungen 
zu den Hofbeamten des Königlichen Statthalters 
ihm den Weg zu den Gemälden des alten Meisters 
bahnte. Zagend nur betrat sein Fuß die fürst- 
lichen Stufen. Wie staunte er, als der Saal mit 
den Werken des bewunderten Künstlers sich ihm 
öffnete : 

Rings von den Wänden schauten auf mich die 
Gestalten der Fürsten, 

Groß wie im Leben ; liebliche Bilder 

Der Frauen blickten herab und schienen zu grüßen. 

Wundersame Figuren, in Gruppen zerteilet, 

Wollten zum Tanze beginnen und wollten uns 
laden. 

O Christian, Dänemarks König, vor Deinem Bilde 
steh' ich noch heute, 

iWenn die Gedanken zurück in die "Vaterstadt 
schweifen, . 

Bewundernd still und gedenke der Stunde, 

Da Du mich erfülltest mit neuen Gedanken er- 
habener Kunst. 

Auch den Löwen seh' ich noch und den Helden, 

Der mit gewaltiger Faust den entsprungenen 
zähmte; 

Auch die goldene Rose, welche der Papst dem 
Könige schenkte. 

Hamburger, Dithmarschen seh' ich im Bilde sich 
neigen, 

O wie strahlten Gewand und Waffen in glänzenden 
Farben ! 

Feuchten Blickes sah ich umher und wagte zu 
denken, 

Daß auch mich der erhabene Schöpfer zu ähn- 
lichem Schaffen berufen. 

Ebensowenig wie die Dombilder haben auch 
diese historischen Gemälde auf Carstens' spätere 
Schöpfungen eingewirkt. Vorwürfe heimischer Ge- 
schichte sind niemals von ihm behandelt worden. 
Vielleicht aber kann man mit Sach 2«) annehmen, 
daß Carstens' Vorliebe für Historienmalerei im all- 
gemeinen durch diese Ovensschen Kompositionen 



215' 



•) a.a.O., S. 144. 



105 



bestärkt wurde und das, was man damals alle- 
gorische Darstellung nannte, sich seinem Gefi^ihl 
tiefer einprägte. Von viel größerer Bedeutung 
für den Augenblick aber war, worauf Sach -") 
mit Recht hinweist, der Eindruck, den die Technik 
des alten Malers auf Carstens gemacht hat. Das 
beschämende Bewußtsein, in der Ölmalerei der 
gründlichen Durchbildung völlig zu entbehren, der 
Wunsch, in dieser Kunst voranzukommen, hat 
ihn in jenen Monaten immer wieder bewegt. Er 
fühlte, daß ihm, dem Autodidakten, bei allem Talent 
doch noch so vieles mangele. Die Ovensschen 
Genrälde brachten ihm zur vollen Klarheit, daß 
er ohne Anweisung und Unterricht in der Öl- 
malerei nie sein hohes Ziel erreichen könne. So 
wirkten die Werke des alten Meisters wie schon auf 
den Knaben, so auch auf den Jüngling tief ein. 
Die Sehnsucht, seinem bewunderten Vorbilde sich 
zu nähern, veranlaßte Carstens, nach Kopenhagen 
überzusiedeln und unter der Leitung eines be- 
freundeten Künstlers die Grundlagen seiner Kunst 
zu legen und sich in ihr weiter zu bilden. Und 
noch ein drittes ist zu nennen: Durch Ovens' 
Kunst geschah es auch, daß dem jungen Carstens 
zum ersten Male die griechische Mythologie mit 
ihren Göttergestalten in malerischen Bildern ent- 
gegentrat. In der Amalienburg hatte ja Ovens 
für eine Reihe von Darstellungen, welche die 
Decke des Saales zierten, seine Stoffe dem Alter- 
tum entnommen 24'), das Carstens als ein nie zu 
erreichendes Ideal vorschwebte. Und in Ovens' 
Bildern leuchtete ihm der ganze Olymp mit allen 
Göttern und Göttinnen in glänzenden Farben. 
Stundenlang haben in jenen Monaten, da Carstens 
zuletzt in seiner Vaterstadt weilte, er und sein 
treuer Berater und Vetter hier gesessen. Sie 
mühten sich ab mit deri Rätseln der Darstellung, 
Jürgensen als Lehrer erläuternd, Carstens fragend 
und forschend. Auch diese Eindrücke der Götter- 
welt des klassischen Altertums, die Ovens ihm 
vermittelte, hat Carstens getreu bewahrt, wie alles, 
was er dem alten Meister verdankte. Davon 
künden die folgenden Verse : 

O, wie leuchtete drinnen das Auge des Kriegs- 
gotts ! 

Lenkend das Taubengespann, so zieht ihm ent- 
gegen die liebende Göttin ! 



Willkommen! scheint sie zu rufen. Willkommen! 
dem Sieger der Schlachten. 

Phöbus, von strahlendem Glänze umgeben, du 
leitest, 

Sicher den Wagen, der Freude den sterblichen 
Menschen gewähret. ■ 

Juppiter, König der Götter, und Juno, deine Ge- 
mahlin, 

Euch war das Zepter verliehen im Reiche der 
Götter! 

Apoll und die Musen, Ceres, Diana, Minerva, 

Alle umlagerten euch, bereit zu jeglichem Dienste. 

15. Jürgen Ovens' Bruder, der Maler Broder Ovens. 

Nach dem von Peter Sax 1655 begonnenen 
Stammbaum des Ove Broders -''^) war der auf 
Jürgen folgende Sohn des Ove Broders Broder 
Ovens. Er war Bürger und Kaufmann 2*9) in 
Tönning und ist am 10. Juli 1667 in Tönning 
begraben. 250) Seit dem 25. April 1657 mit Eli- 
sabeth Weber, eines deputierten -Bürgers Tochter, 
verheiratet, 251) hatte er mehrere Kinder, von denen 
das letzte, Geixit, am 3. November 1665 getauft 
wurde. 252) 1668/69 lebten diese Kinder in Hol- 
land. 2^3) Die Beziehungen, die Broder Ovens zu 
seinen Verwandten in Friedrichstadt unterhielt, 
waren eng. So stand er 1664 mit Frau Maria 
Ovens bei einer Tochter seines Halbbruders Peter 
Jürgens in Friedrichstadt Gevatter. Am 18. Ja- 
nuar 1667 hob er die Tochter Maria seines Bruders 
Jürgen in Friedrichstadt aus der Taufe. 25*) Unter 



2«) a.a.O., S. 144. 

2i7) Vgl. darüber S. 44 ff. 



2«) s. S. 56. 

2i9) Er stand 1663 in Handelsbeziehungen zu Eng- 
land. Damais hatte er drei mit Bohnen und Hafer 
beladene Schiffe nach London an die Faktoren Cort 
und Isack Berentz abgesandt, damit sie die Ladung 
gegen die gewöhnliche Provision verkauften. Doch waren 
sie ihm 435 Pfund Sterling schuldig geblieben. In- 
folgedessen richtete er 1664 eine; Bittschrift an Herzog' 
Christian Albrecht, sich für ihn bei dem Könige von 
England zu verwenden und ihm bei der Eintreibung 
seines Geldes behilflich zu sein (aus Akten im Staats- 
archiv zu Schleswig, A. XX. 3310). 

250) Tönninger Klockenbook (Toten register) : Broder 
Ovens 3 Kl(ocken) y, St. 8 #. 

251) Tönninger Kopulatioins-Protokoll. Sie heiratete 
zum zweiten Male am 23. November 1667 den Rats- 
verwandten und Kaufhändler Johann Gerritz Adrians 
(ebendort). 

252) Tönninger Taufregister. 

253) Akten des Staatsarchiv, Schleswig A. XX. 3310. 
25*) Taufregister Friedrichstadt, s. S. 53. 



106 



den Akten des Staatsarchiv zu Schleswig A. XX. 
3310 werden einige ihn betreffende Archivalien 
aufbe^x'ahrt. 

Hier interessiert uns vornehmlich, daß Broder 
Ovens sich in derselben Kunst versucht hat, durch 
die sein Bruder Jürgen sich Ruhm erworben hat. 
Wir lernen in ihm einen bisher unbekannten Maler 
kennen, wie er denn als „Ehrenachtbarer und 
Kunsterfahrner" bezeichnet wird -•'^5) xj^je sein be- 
deutenderer Bruder hat er für den Gottorfer Her- 
zog Friedrich III. und seine Gemahlin gearbeitet. 
So erhielt er „für ihme abgehandelte Schildereyen" 
im Januar 1657 auf Quittung Nr. 586 60 Reichs- 
taler -^i^). Laut Ausweis der Rechnungen der Her- 
zogin Maria Elisabeth'") wurden Bruder (so!) 
Ovens am 12. Januar 1657 ,, wegen abge- 
handelte Schildereyen" 150 Reichstaler ausbe- 
zahlt, desgleichen empfing Broder Ovens am 
29. September desselben Jahres „wegen verfertigte 
Arbeit" 100 Reichstaler. Leider haben sich die 
Quittungen nicht erhalten, so daß sich über die Art 
der Darstellungen nichts aussagen läßt. Doch kann 
man den Rechnungsbelegen soviel entnehmen, daß 
es sich nicht um Bildnisse gehandelt hat. ' Diese 
wurden ständig als Contrafaite bezeichnet. Die 
Gemälde von der Hand des Broder Ovens sind 
verschollen. 

Dagegen habe ich vorläufig 2 Zeichnungen von 
ihm feststellen können, die bisher unter seines 
Bruders Jürgen Namen gingen. Sie sind im Besitz 
des Ingenieurs I. Rump, Kopenhagen, Nr. 2582 und 
2583 der Sammlung -^s). Letztere stellt einen nach 
rechts vom Beschauer blickenden Engelskopf (Bak- 
chuskopf?) mit rebenumkränztem Lockenhaar dar. 
Es ist eine Silberstiftzeichnung mit einigen, die 
Umrisse leicht andeutenden Federstrichen. Das 
Papier hat als Marke eine Traube, H. 21 cm, Br. 
17 cm. Auf der Rückseite des Blattes, unten links 
findet sich die Signatur Broder Ovens, die mit der 
aus den Akten im Staatsarchiv zu Schleswig mir 
bekannt ge>x.'iordenen Unterschrift des Malers über- 



255) Tönninger Kopui.ntions-Protokoll 1657, 25. April. 

256) Gottorfer Rentekammerrechnung-, Reichsarchiv, 
Kopenhagen. 

25') Staatsarchiv, Schleswig. 

258) Die Zeichnungen stammen aus der Freiherrlich 
von Eelkingschen Sammlung von Handzeichnungen, die 
am 3. und 4. Juni 1902 bei I. M. Het>erle (H. Lempertz' 
Söhne) zu Köln versteigert ist. In dem Versteigerungs- 
kataloge werden sie unter Nr. 126 fälschlich Jürgen 
(Juriaen) Ovens zugeschrieben. 



einstimmt, also eigenhändig ist. Die Nr. 2582, 
offenbar ein Gegenstück zur eben beschriebenen, 
ist ebenfalls eine Silberstiftzeichnung, wie die erste 
leicht mit der Feder behandelt. Die Darstellung 
ist der auf Nr. 2583 nahe verwandt: Ein reben- 
umkränzter Bakchuskopf. Auch die Größe der 
eigentlichen Zeichnung ist fast dieselbe. Das Blatt 
ist stark und unregelmäßig beschnitten. Auf der 
linken Seite sind einige Schriftzüge, wahrscheinhch 
Reste einer Mitteilung, stehen geblieben, die von 
oben nach unten laufen. Links oben finden sich 
einige Zeichen, deren Bedeutung ich nicht fest- 
stellen konnte. Erkennbar ist folgendes: ,, Freund", 
darunter ,, Lieber", weiter unten ist nur der obere 
Teil der Buchstaben Bder, die zu Broder oder 
Bruder zu ergänzen sind, erhalten. Möglicher- 
weise handelt es sich um eine Mitteilung an Jürgen 
Ovens, dem dann Broder Ovens die Zeichnung 
übersandt hätte. Die Höhe des ganzen Blattes 
beträgt 16,8 cm, die Breite 13 cm. Beide Zeich- 
nungen machen den Eindruck der Arbeit eines 
begabten Dilettanten 25!>). 

16. Friedrich Adolf Ovens und Friedrich Jürgens, 

der Sohn und der Neffe des Jürgen Ovens, 

als Maler. 

Wie einer der Brüder unseres Meisters, Broder 
Ovens 260), so haben sich auch sein Zweitältester 
Sohn, Friedrich Adolf, und einer seiner Neffen, 
Friedrich Jürgens, der Sohn seines Halbbruders 
Peter Jürgens in Friedrichstadt, als Maler be- 
tätigt, ohne Zweifel unter dem Einfluß des Vaters 
und Oheims. Wir wissen ja auch sonst von Söhtien 



259) Der Maler Broder Ovens ist i<eineswegs identisch 
mit einem Broder Maler, der im Tönninger Creditoren- 
protokoll 1648, 21. Dezember und 1655, 28. No- 
vember er\s-ähnl wird und nach der Eintragung von 
1655 als Taxator fungiert zu haben scheint. Der Sohn 
dieses Broder Maler, dessen anläßlich der ersten Hoch- 
zeit eben dieses Sohnes im Tönninger Trauregister 1665, 
24. Juni als „deß Weild. kunsterfahrnen Broder Maler, 
gewesenen Bürgers und Einwohners allhie" gedacht wird, 
war der bisher unbekannte Maler Peter Broders. Er 
wird im Tirauregister, a. a. Q. als „Ehrachtbar und 
Kunsterfahren" und am 26. Juni 1675, bei seiner zweiten 
Heirat, als „Ehrg<eachter und Kunsterfahrener Peter Bro- 
ders, Bürger und Conterfeyer alliier" bezeichnet. Nach 
Ausweis der Rechnungen der Herzogin Maria Elisabeth 
(Staatsarchiv, Schleswig) erhielt dieser Peter Broders 1651 
und 1652 mehrfach Bezahlung für Kupferstiche, die 
er der Herzogin verkaufte. 

260) über ihn vgl. den vorhergehenden Exkurs. 

107 



bedeutender Künstler, daß sie nicht unkundig der 
Kunst gewesen sind, durcli die ihre Väter Ehre 
und Ruhm erworben haben. Ich erinnere nur an 
Titus van Rhijn, Lodewijt: van der Heist und 
Nicolaas FHnclv. So ivann man sich auch deni^en, 
daß Sohn und Neffe des Ovens die technischen 
Fertigiveiten und die künstlerische Auffassung der 
Erscheinung unserem Meister abgeguckt und sich 
so früh eine gewisse Virtuosität angeeignet 
haben -''^). Einige Notizen über Friedrich Adolf 
Ovens und Friedrich Jürgens hat Biernatzki in 
seinem Meisterverzeichnis -^^^ mitgeteilt. Ersterer 
hat als Sachverständiger der Familie die Gemälde 
des Ovensschen Nachlaß-Inventars taxiert. Daß 
sich im Nachlaß weder Pinsel noch Palette, weder 
Farben noch Staffelei, noch irgend etwas sonst 
an Malgeräten fanden, erklärt sich aus dem Um- 
stände, daß einer der Söhne in des Vaters Fuß- 
tapfen getreten war. Wir wissen nur von je einem 
Werke des Sohnes und Neffen. Nach Notizen 
aus einem Tönninger Stadtbuche, die J.v. Schröder 
veröffentlicht hat '•'2), haben 1693 ,,die beeden großen 
Schildereien, das Gericht Salomonis und die Hi- 
storie von Zeleucus (so!) HerrFriedr. Adolph Ovens 
und Herr Friedr. Jürgens, beede Rathsverwandte, 
eigenhändig verfertigt -''*) und zu ihrer Portion 
daran (für die Ausschmückung der Tönninger Rats- 
stube) verehret." 

Da die beiden Bilder, die 1838 noch vorhanden 
waren, heute verschollen sind. Und sich' auch sonst 
kein Werk von ihrer Hand erhalten hat, läßt sich 
kein Urteil darüber abgeben. Ob Friedrich Adolf 
Ovens und Friedrich Jürgens als Künstler oder 
nur als gelegentliche Dilettanten anzusprechen 
sind. Für eine häufigere und ernste, über das 
Zufällige hinausgehende Tätigkeit als Maler, jeden- 
falls was Friedrich Jürgens betrifft, spricht es 
freilich, daß dieser, der als Kaufmann und später 
Bürgermeister in Tönning lebte, in seiner am 4. 
November 1678 in Tönning vollzogenen Ehe- 
parte -"ä) ^_als kunsterfahrener Geselle" und bald 



^^1) über die Frage der Vererbung der künstle- 
rischen Begabung in der Familie Ovens vg\. S. 10. 

-''-) Bei Haupt, Die Bau- und Kunstdenkmäler usw. 
III., S. 26 und 22. 

263) Jahrbücher für die Landeskunde, IV., 1861, S. 200. 

26*) Haupt, Die Bau- und Kunstdenkmäler usw. I., 
S. 241, der auf die Stelle hinweist, nennt nur ein Ge- 
mälde, die Historie von Zaleukus. 

265) Protokoll aller Verschreibungen, Tönning. 



darauf, am 9. November 1678, im Trauregister 
wiederum als ,, kunsterfahrner" bezeichnet wird ^ß«). 

17. Der Tönninger Maler 
Lorens (Lorenz) de Keister. 

Im Nachlaß-Inventar des Jürgen Ovens kommen 
nur drei Originale von engeren Landsleuten des 
Malers vor^e'): 

Nr. 95 und 96, zwei Bildnisse des Holsteiners 

Johann Liß ^s«) und 
Nr. 75 Lorens de Keyser^e») Contrafeit, 9#. 
Unter den Kopien finden sich fünf nach Bildern 
des Lorenz de Keister, und zwar: 

Nr. 5/6 2 stücken auff Kupfer Von Lorens 

de Keyser 6 #. 
Nr. 57 die Beyden anbeters von Lorenz de 

Keyser Nebenst dem Rahme 2#. 
Nr. 59 Susanna Von Lorens de Keyser 1 # , 
Nr. 62 Abentmahl Christi von Lorens de Keyser 

mit dem Rahmen 2 #. 

Mit „Lorens de Keyser Contrafeit" ist, nach der 
im Nachlaß-Inventar üblichen Ausdrucksweise, ein 
Selbstbildnis des Meisters gemeint. Die drei übrigen 
Bilder, deren Gegenstände genannt sind, behandeln 
religiöse Vorwürfe, die auch Ovens dargestellt hat. 
Der Maler, der mit sechs Bildern in Ovens' 
Sammlung vertreten war, wird nur durch van Dyck 
mit zehn Bildern übertroffen. Ovens muß seine 
Kunst also hoch geschätzt haben. Diese Tatsache 
rechtfertigt, ja gebietet es, im Rahmen der Arbeit 
über Ovens auf den bisher nur gelegentlich er- 
wähnten Meister, der ein älterer Zeit- und Stadt- 
genosse Jürgens war, näher einzugehen. Er ist 



266) Ich füge noch einige Daten über ihn bei. Er 
wurde am 29. Juli 1680 Tönninger Bürger (Tönninger 
Bürgerbuch). 1678 hatte er Katharina, die Witwe des 
weiland Bürgers und Kaufhändlers in Tönning Jacob 
Block, geheiratet. Sie starb 1691. Am 21. Mai 1692 
heiratete er zum zweiten mal. Begraben wurde er am 
17. April 1697 (Kirchenrechnung, Tönning). 

267) über die Bilder des Nachlaß-Inventars, die von 
Landsleuten des Ovens herrühren, vgl. auch S. 67. 

26«) s. S. 67 des Nachlaß-Inventars, Anm. 2. Vgl. 
über ihn auch Gottortfer Künstler, II. Teil, S. 311 ff. 

269) So schreibt der Schreiber des Inventars ständig 
den Namen unter Auslassung des t. Mein im Nachlaß- 
Inventar S. 65, Anm.. 2 begangenes Versehen habe ich 
schon in den Gottorffer Künstlern a. a. O., S. 311 be- 
richtigt. Ich hatte mich durch die falsche Schreibung des 
Nachlaß-Inventars irreführen lassen. 



108 



zuerst genannt von Robert Schmidt -"'), freilich in- 
foige eines Lesefehlers als Lorenz de Keiste. Nach 
Robert Schmidt arbeitete er 1608 für den Oottorfer 
Hof. Haupt -") berichtet dasselbe, gibt aber die 
richtige Namensform. In Haupts IIL Bande-") 
teilte Biernatzki Näheres mit. Nach ihm war 
Lorenz de Keister 1607 — 1609 für den Oottorfer 
Herzog und die Herzogin handwerklich tätig. 
Spätestens 1617 kam er nach Tönning, w'o er 
Bürger wurde und 1621/22 für die Stadt eine 
Karte oder Abriß wegen der Gelegenheit der 
Wassermühle zeichnete ^'s). Um 1630 heiratete er 
reich und ward u. a. Besitzer mehrerer Häuser, 
deren eines er 1635 mit Zustimmung seiner Haus- 
frau Qretjen, Peter Davids Witwe, samt dem Maria 
Magdalenen-Bildnis^'*), das auf der Diele des 
Hauses hing, verkaufte. Am 10. 'Mai 1653 lebte 
er noch. Ich habe auf den Meister hingewiesen 
und den für Gottorf seit 1604 als Hofmaler tätigen 
Gonterfeier Abraham de Keister, der sicherlich ein 
Verwandter des Lorens war, behandelt in den 
Gottorffer Künstlern II. Teil, S. 211 ff. Den spär- 
lichen bisher über den Meister veröffentlichten Mit- 
teilungen kann ich noch folgende hinzufügen "s). 
Nach der Gottorfer Amtsrechnung-"«) erhielt 
,,Lorentz die Keyster Mahler zu Schleßwig" im 
Mai 1609 für handwerkliche Arbeit im Schloß 
Gottorf Bezahlung. Er war also damals in Schles- 
wig ansässig. 1611 taucht er zuerst in Tönning 
auf. Nach dem Tönninger Stadtbuch erhielt 
Laurenz Mhaler in 3iesem Jahre das Bürgerrecht. 
Ob er mit dem Laurens Glaser, der 1613 für Fenster 
im Rathause Lohin empfing, identisch' ist, steht 
dahin, ist jedoch sehr wohl möglich. 1617 zahlte 
Lauerentz Mhaler 3^^ Bürgerschatz, 1618 hatte sich 
seine Lage schon so gebessert, daß er 7 # erlegte. 



270) Schloß Gottorp, ein nordischer Fürstensitz, 1887, 
S. 79. Ebendort auch in der 2. Auflage, 1Q03. 

2'i) Die Bau- und Kunstdenkmäler usw., II., S. 354. 

2'2) Nachtrag S. 14, Meister\-erzeichnis S. 23 und 
Nachtrag dazu S. 48. 

2") Er erhielt für diese Arbeit 3 #. Ich entnehme 
diese aus dem Tönninger Stadtbuch stammende An- 
gabe Biernatzkis ungedruckter Sammlung urkundlicher 
Nachrichten zur Kunstgeschichte Schleswig-Holsteins. 

ä'-*) Auch dieses Bild wird eine Arbeit des Lorenz 
de Keister gewesen sein, so daß sich damit die Zahl seiner 
religiösen Darstellungen auf vier erhöhen würde. 

• 275) JcIj entnehme sie z. T. der in Anm. 273 genannten 
Quelle. 

276) Staatsarchiv Schleswig. 



1619 konnte er bereits ein Haus kaufen. Im 
Tönninger Schuld- und Pfandbuch begegnet er 
mehrfach. So verkauft Lafrentz Mahler 1627 ein 
Haus und Hof für 900 #. Nach dem Tönninger 
Bürgerschatz besaß er bereits 1626 zwei Häuser. 
Im Protokoll der Creditoren kommt er 1639 unter 
den Gläubigem des verstorbenen ersten Ehe- 
manns seiner Frau vor. Er hatte 711 # ß 6 4 ^u 
fordern. Häufig begegnet Lorenz de Keister, allein 
oder mit seiner Gattin Gretje, im Protokoll aller 
Verschreibungen und zwar von 1626 an. Am 
28. Dezember 1640 verkauft seine Hausfrau 
7 Demat Landes, in Poppenbüll belegen, jedes 
Demat ,,umb und für 750 U guter Keese". Die 
letzte Erwähnung des Lorentz de Kayser im Pro- 
tokoll aller Verschreibungen ist vom 16. Dezember 
1661. 

Im Totenregister zu Tönning 277) findet sich 
unter dem 23. November 1665 die Eintragung: 
Lorenz Maler, ein Kind, 2 Kl (ocken) Vi St. 1 # 278). 
Mit Lorenz Maler kann kein anderer als Lorenz 
de Keister gemeint sein, so daß der Meister Ende 
1665 noch am Leben war. Im Alter scheint er die 
Stadt verlassen zu haben. Jedenfalls ist er nicht 
in Tönning gestorben. Denn das von 1662 — 1741 
reichende älteste Totenregister verzeichnet seinen 
Tod nicht. Wo Lorenz de Keister seine letzten 
Jahre verbracht hat, habe ich nicht feststellen 
können. Möglich oder wahrscheinlich, daß er sich 
nach Holland gewandt hat. Denn unser Maler war 
holländischer Abkunft. Das geht aus der Tat- 
sache, daß er des David-Jorismus verdächtigt wor- 
den war, unwiderleglich hervor, ganz abgesehen 
von seinem Namen. 

Über den David- Joriten-Prozeß, der 1642 in 
Tönning viel Staub aufwirbelte, hat Reimer Hansen 
gehandelt 279). Wii- können die Rolle, die Lorenz 
de Keister in ihm gespielt hat, aus den Akten klar 
ersehen. Anhänger des holländischen Sektenstifters 
und Wiedertäufers David Joris waren zur Zeit des 
Herzogs Alba nach Tönning gekommen. Durch- 
weg waren sie und ihre Nachkommen tüchtige 
und wohlhabende Leute. Mit Holland und Fries- 
land hielten sie enge Beziehungen aufrecht. Die 



277) Pastoratsarchiv Tönning. 

278) Er ließ also bei der Beerdigung seines Kindes 
zwei Glocken 1/4 Stunde lang läuten, wofür er 1 ^ 
an die Kirchenkasse erregte. 

279) Schriften des Vereins für schleswig-holsteinische 
Kirchengeschichte, II. Reihe, 5. Heft (1900), S. 1 ff. 

109 



treibende Kraft in der Verfolgung der David-Joriten 
war der Tönninger Propst Moldenit. Dauernd 
beunruhigt und verdächtigt, wandten sich zahl- 
reiche des David-Jorismus Bezichtigte mit der Bitte 
um Schutz an den Herzog Friedrich III. Sie er- 
klärten, daß sie sich zur Augsburgischen Kon- 
fession hielten und ihre Unschuld beweisen wollten. 
Die Bittschrift war u. a. unterschrieben von Hin- 
rich Wever, Michael Wesenberg, Gerrit Janssen, 
Lorentz Mahler, Jenß Marfans und seiner Frau, 
Ovens' späteren Schwiegereltern ^so). Unter diesen 
hat Lorenz de Keister, der durch seine Frau mit 
mehreren der Ketzer verwandt war^si), eine be- 
sondere Rolle gespielt. Offenbar war er mehr als 
andere des David-Jorismus Beschuldigte hervor- 
getreten. Nach der von Arnold-^-) mitgeteilten 
relatio verissima war Lorentz Kayser, sonst Mahler 
genannt-*'), nicht wenig verdächtig. Er galt für 
einen ,, Schriftweisen" ^si) und zog es vor, gleich 
einem gewissen Jürgen Dutscher, der nach der 
relatio „für den vornehmsten Lehrer gehalten und 
von des Johann von Leyden, Münsterschen Königes 
oder Knipperdollings Nachkommen und Ge- 
schlechte" 285) Ax-ar, sich durch die Flucht weiteren 
Nachstellungen zu entziehen. Er scheint Tönning 
ein bis zwei Jahre gemieden zu haben. Erst am 
8. Februar 1644, als Gefahr nicht mehr zu be- 
fürchten war, taucht Lorenz de Keisters Name 
wieder in Tönninger Akten (Protokoll aller Ver- 
schreibungen) auf. Inzwischen zog sich Lorentz 
Mahlers Stiefsohn, Jacob Peter Davids, ebenfalls 
ein Künstler (Gonterfeier), den Unwillen des streit- 
baren Pröpsten Moldenit zu._ In dem von diesem 
1643 erstatteten Berichte ,, wegen der Mummerey 
und Fast-Nacht-Spiels" wird als einer der am 
meisten Beteiligten die ,,bey Abendt vermummet 
und verkappet hin und wieder in Häusern herum- 



280) über sie vgl. den folgienden Exkurs. 

281) So war Heinrich Weber ein Sohn der Stieftochter 
de Keisters, Catharina. Ihr Schwiegersohn war Gerrit 
Jansen. Catharina heiratete in zweiter Ehe den Apotlieker 
Michael Wassenberg. 1645 wurde de Keisters Frau Qretje 
Jenß Martens 160 ^ schuldig. 1646 verkaufte de Keister 
seine Wohnung im N^uen Wege. Sie lag neben Jürgen 
Dütschers, eines der hervorragendsten David-joriten, 
Hause. ' : 

2*2) Kirchen- und Ketzerhistorie, Teil IV, Frankfurt 
a. M. 1729, S. 232 ff. 

283) In der Ausgabe Arnolds von 1740, S. 1391 heißt 
er Lafrens der Kayser, sonst Mahler genannt. 

28*) Vgl. Reimer Hansen, a. a. O., S. 62. 

285) Vgl. Reimer Hansen a. a. O., S. 60. 



gelaufen" eben dieser Stiefsohn de Keisters ge- 
nannt. Ausdrücklich wird erwähnt, daß diejenigen, 
die am mutwilligsten dem Mummenschanz hul- 
digten, Söhne von. solchen waren, die des David- 
Jorismus. beschuldigt wurden 286). Auch dem durch 
die Polizeiordnung verbotenem Würfelspiel hatten 
die des David-Jorismus Bezichtigten gefrönt. So 
berichtet der Propst: In Lorentz Mahlers Be- 
hausung hat man gespiehlet um Conterfeyen. 

Daß Jürgen Ovens den Maler Lorenz de Keister, 
der zur gleichen Zeit wie er in seinem Geburtsort, 
wo alle sich kannten, lebte und ohne Zweifel enge 
Beziehungen zu Ovens' Schwiegereltern unterhielt, 
persönlich gekannt hat, ist selbstverständlich. Sie 
gehörten derselben Gesellschaftsschicht an und vor 
allem : beide waren Künstler, seltene Erscheinungen 
in der kleinen Stadt. Durch ihre Kunst müssen sie 
zusammengeführt worden sein. Ovens hat die 
Kunst des älteren Meisters hoch geschätzt. Ob er 
freilich von Lorenz de Keister beeinflußt ist, ob 
er gar den ersten Unterricht von ihm empfangen 
hat, läßt sich, da von Lorenz de Keisters Werken 
keins erhalten ist und die Nachrichten über seine 
Kunst gar zu spärlich sind, nicht entscheiden. Mög- 
lich, ja wahrscheinlich ist es immerhin, wenn man 
sich die Eingangs erwähnte auffällige Tatsache ins 
Gedächtnis zurückruft, daß Ovens nicht weniger 
als 6 Bilder des Lorenz de Keister besessen hat. 

18. Jens Martens, Ovens' Schwiegervater. 

Der Schwiegervater unseres Malers, Jens Mar- 
tens, erregt aus mehreren Gründen unsere Auf- 
merksamkeit. In der Niederschrift des Carl August 
Ovens 28") wird er Jens Martens von Mehring ge- 
nannt. Auch in dem Leichenprogramm auf Jürgen 
Ovens' Enkelin Catharina Burchard wird als sein 
Name zweimal Jens Martens von Mehring ange- 
geben, während seine noch unverheiratete Tochter 
als Maria von Mehrings288) bezeichnet wird 289). 
Wir haben in der Niederschrift und in dem Leichen- 
programm Familienüberlieferung vor uns, die dem- 
entsprechend zu werten ist. Sonst freilich heißt 
er immer nur schlicht Jens Martens, und zwar nicht 
nur in den zahlreichen urkundlichen Belegen, in 
denen von ihm die Rede ist, sondern auch in 
mehreren Autogrammen. Als Jens Martens unter- 

286) Vgl. Reimer Hansen, a. a. O., S. 109. 

287) Urkunde Nr. 21. 

288) Durch das s wird ausgedrückt, daß die Person, 
die den Namen trägt, ein Femininum ist. 

289) Urkunde Nr. 22. 



110 



zeichnete er sich selbst 1642 in einer Bittschrift 
an den Herzog, als Jens Martens 1650 zweimal als 
Zeuge. Dieselbe Nainensform gebrauchte er in 
einer eigenhändigen Unterschrift unter einer 1658 
von den sechszehn Ratmännem der Landschaft 
Eiderstedt ausgestellten Obligation, der sein Siegel 
beigefügt ist^^). Als Jens Martens trug er sich 
1664 in dem Stammbuche des Gosenius a Nie- 
d:il-^i) und 1651, 1667, 1673 in Kollektenbüchern 
ein -'2). Als Jens Martens unterzeichnete er femer 
16S0 die Eheparte zwischen seiner Enkelin Catha- 
rina und dem Bürgermeister Bourgundien. Auch 
Adam Olearius, der Bibliothekar der Oottorfer Her- 
zöge, sein „guter Freund", nennt ihn in seiner 
Gottorffischen Kunstkammer Jens Martens, Gründe 
genug also, um zu erkennen, daß die eingangs er- 
wähnte längere Namensform nicht gebräuchlich 
gewesen ist. 

Jens Martens \xird zuerst am 10. November 
1622 urkundlich erwähnt und zwar im Tönninger 
Schuld- und Pfandprotokoll, wo er, wie in anderen 
Tönninger Archivalien der folgenden Jahre, sehr 
häufig begegnet. Mehrfach wird er als Bürger 
Tönnings bezeichnet, ohne daß sein Beruf ange- 
geben wird. 1650 kaufte er in der Klingenberger- 
straße ein Haus. Ein Beweis für das Ansehen, 
dessen er sich in der Stadt und in der .Landschaft 
erfreute, ist, daß er 1642 Vorsteher der Hospitals- 
Armen war und 1652, 1656 und 1658 z:u den Lehns- 
leuten und Bevollmächtigten der Landschaft Eider- 
stedt gehörte. Seine Gattin hieß Catharina; sie 
vi-ar eine geborene Block oder Blocken -^^). Ovens' 
Tochter Catharina ist nach ihr genanntes*). Sie 
hat 1656 noch gelebt, denn in diesem Jahre, am 
27. April, kommt „Jenß Martens Frau von Ton- 
ningen" unter den Gevattern im lutherischen Tauf- 
register in Friedrichstadt vor 2-«). Jens Martens ist 
wahrscheinlich der Sohn von jenem Märten Jens 



290) Kreismuseufn Tönning. 
2") Anlage S. 114 f. 

292) Vgl. S. 101. 

293) 1633 besaß Jens ALirtens in Tönning ein Haus, das 
aus der Erbschaft Christian Blockens stammte (Tönninger 
Bürgerschatz). Im Nachlaß-Inventar von 1690, S. 15, wird 
„ein alter Silberner Becher mit Chrisiian Blocken Namen" 
aufgeführt. Wahrscheinlich war Christian Block der Vater 
Catharinas. 

294) obgi- sie vgl. S. 3Q. 

295) Tauftafel S. 52. 



gewesen, den Ovens gemalt hat (Nach laß- Inventar 
Nr. 42 der Originalien). 

Ovens' Schwiegervater war ein Nachkomme von 
Niederländern, die, ihres Glaubens wegen verfolgt, 
wahrscheinlich im 16. Jahrhundert die Heimat hat- 
ten verlassen müssen. In der Fremde suchten sie 
duldsamere Mitchristen auf, als es die katholischen 
oder kalvinistischen Eiferer daheim waren. Johann 
.A.dolf, der Vater des Herzogs Friedrichs III., nahm 
die wohlhabenden, tüchtigen Leute gern auf. So 
kamen schon früh viele wiedertäuferisch Gesinnte 
oder deren Religionsverwandte auch nach Eider- 
stedt. Ein große Zahl der Einwanderer gehörte 
zur Sekte der Davidjoriteh 296). Mit Holland und 
Friesland blieben diese Niederländer in enger Ver- 
bindung. Durchweg Kaufleute, vermittelten sie 
vielfach den Handel mit Käse, Speck usw. und 
zogen sich, gut gestellt wie sie waren, häufig den 
Neid der Einheimischen zu. Der Neid war wohl 
auch eine der Ursachen der religionsgeschichtlich 
merkwürdigen Ketzerverfolgung, deren Schauplatz 
im Jahre 1642 Tönning gewesen ist2'''). Die 
treibende Kraft in diesem Prozeß gegen die An- 
hänger des holländischen Sektierers David Joris 
war der Propst Moldenit in Tönning 2S8). Er 
brachte diejenigen, die er des David-Jorismus offen 
oder durch versteckte Andeutungen verdächtigte, 
schließlich dazu, sich an den Herzog zu wenden, 
um bei ihm Schutz gegen die ungerechtfertigten 
Angriffe zu suchen. Sie wollten der fortwährenden 
Beunruhigung und Verdächtigung entgehen und 
erklärten, daß sie sich zur Augsburgischen Kon- 
fession hielten und ihre Unschuld beweisen würden. 
Unter denen, welche die dem Herzog übersandte 
Bittschrift unterschrieben, waren Gerrit Alartens als 
erster, ferner neben anderen Lorentz Mahler -'99) 
sowie Jens Martens und dessen Frau. Die Letzt- 



296) Sie hat ihren Namen \on dem Glasmaler David 
Joris aus Delft. Als Ketzereien wurden ihm vorgeworfen, 
daß er sich als den Vollender der unzureichenden Offen- 
barung des Moses und Christus ausgebe, daß er das 
Dasein der Engel leugne, die Vielweiberei erlaube, den 
Gottesdienst und die Sakramente verwerfe. Über ihn und 
seine Anhänger in Tönning vgl. Schultz, Ausder Kirchen- 
geschichte Eiderstedts, Garding 1900, S. 11 ff. 

297) Vgl. Reimer Hansen, Der David-Joriten-Prozeß in 
Tönning 1642. (Schriften des Vereins für schleswig-hol- 
steinische Kirchengeschichte, II. Reihe, 1. Band, 5. Heft 
(1900), S. 31 ff.) 

29») Vgl. Reimer Hansen, a.a.O. S. 74, 
299) Ober ihn vgl. den 17. Exkurs. 



11] 



genannten sind niemand anderes als die späteren 
Schwiegereltern unseres Meisters. Der Fürst befahl, 
die Supplikanten sollten alle des David-Jorismus 
verdächtigen Bücher abliefern so«). Sie besaßen 
solche als Nachkommen von Holländern und da 
sie noch viel mit Holland verkehrten. Für die Ab- 
lieferung wurde die Frist auf sechs Wochen ver- 
längert. Bei der eiregten Stimmung, in der die mit 
Unrecht Verfolgten sich befanden, ist es erklärlich, 
daß einige weniger Bedächtige unter den soge- 
nannten David-Joriten die Vorsicht vergaßen und 
sich zu scharfen Aeußerungen über die Geistlich- 
keit und den ihr willfährigen Staller hinreißen 
ließen. So meldet das Brücheregister der Land- 
rechnung von 1642 301), daß „Jenß Martens Frau 
Catrina von dem Predigtambt ungebührlich ge- 
redet und des Diaconi M. Friderici Jessen Haus- 
frauen injuriiret" und deswegen 30 Taler Strafe 
bezahlt hat. Wir hören im Laufe des Prozesses 
Jens Martens' Namen nicht wieder, können aber 
sicher sein, daß er und die Seinen das dogmatische 
Gezänk und das unchristliche Eifern der lutheri- 
schen Geistlichkeit, das sie gleichsam am eigenen 
Leibe hatten verspüren müssen, gründlich zu ver- 
abscheuen gelernt habendes). Und dabei ist er, 
wie er selbst in der Bittschrift ausspricht, ein treuer 
Sohn der lutherischen Kirche gewesen. Sein Ver- 
brechen wird, wie schon oben erwähnt, in den 
Augen des niederen Volkes sein Wohlstand, nach 
Ansicht der Geistlichkeit aber seine freier gerichteten 
religiös-kirchüchen Anschauungen gewesen sein, 
die in den theologischen Spitzfindigkeiten der nach- 
lutherischen Scholastik keine Befriedigung finden 
konnten. Dafür, daß er trotz all der Bitterkeiten, 
die er durch ihre Vertreter erlitten hatte, an seiner 
Kii'che hing, spricht, daß er für ihre Bedürfnisse 
eine offene Hand hatte. So spendete er schon 
1651 für den Bau der Friedrichsberger Kirche in 
Schleswig zwei Reichstaler 303)_ 1667, am 8. No- 
vember, gab er für die Erbauung des lutherischen 
Pfarrhauses in Friedrichstadt gar 40 # Lübisch 
und zwar, wie er bemerkt, „Aus Christlichem undt 
guttwilligem gemühte" so*). Auch als es galt, die 
lutherische Kirche in Friedrichstadt zu reparieren. 



kargte er nicht, sondern trug am 23. Juli 1673 
zwanzig Reichstaler beiäos). 

Es sind das bedeutende Summen, die ebenso 
sehr für sein warmes Interesse am kirchlichen Leben 
als für seinen Wohlstand Zeugnis ablegen. Wenn 
wir der Angabe in dem Leichenpi^ogramm auf seine 
Urenkelin Catharina Burchard ^os) glauben wollen 
— und es liegt kein Grund vor, dieser sicherlich 
auf Familienüberlieferung beruhenden Nachricht zu 
mißtrauen — ist Jens Martens sogar ein sehr reicher 
Mann gewesen so'). Denn die sechzigtausend 
Reichstaler, die er seiner einzigen Tochter Maria 
als Mitgift in die Ehe gab, sind, unter Berück- 
sichtigung des so viel höheren Wertes des Geldes 
in der damaligen Zeit, eine wahrhaft fürstliche 
Gabe gewesen, so daß der Ausdruck „splendidis- 
sima dos" durchaus zu Recht besteht. Nach der- 
selben Quelle hat er unsern Meister, dessen Name 
damals in Amsterdam in aller Munde war, aus 
Neugier besucht und begrüßt und ihn für würdig 
befunden, sein Schwiegersohn zu werden. Er 
stellte jedoch die Bedingung, daß der Maler Hol- 
land verlassen und in Tönning öder in seiner Nach- 
barschaft, in Friedrichstadt, seinen Wohnsitz nehme. 
Ovens ließ sich denn auch nach der Hochzeit 1652 
in Friedrichstadt nieder. Jens Martens ist in Tön- 
ning wahrscheinlich bis in den Anfang der sech- 
ziger Jahre wohnhaft geblieben. Als sein Schwie- 
gersohn 1663 wieder aus Holland zurückkehrte 
und nach Friedrichstadt übersiedelte, wird der 
alternde Mann, dem inzwischen auch die Lebens- 
gefährtin gestorben war, seinen Kindern gefolgt 
sein. Ihn wird dabei auch der holländische Cha- 
rakter der Stadt und ihrer Einwohner siowie die dort 
herrschende Toleranz bestimmt haben. Jedenfalls 
erscheint er schon am 9. Juni 1663 im lutherischen 
Taufregister zu Friedrichstadt als Gevatter ^os), 
offenbar in Friedrichstadt wohnhaft. Am 13. No- 
vember 1664 trug er sich daselbst in das Stamm- 
buch des remonstrantischen Predigers Gosenius 
a Niedal ein^os). Zwei Seiten vorher hatte Ovens 
sich unter Hinzufügung einer Zeichnung ver- 



800) Vgl. Reimer Hansen, a.a.O. S. 56. 

301) Vgl. Reimer Hansen, a.a.O. S. 62. 

302) Vgl. meine Ausführungen S. 20 und S. 7Q. 

303) Vgl. Urkunde Nr. 13. 
301) Vgl. S. lOL 



305) s. S. 101. 

306) s. Urkunde Nr. 22. 

307) Jens Martens hatte 1676 mit 112 Demat den größ- 
ten Landbesitz aller Einwohner Tönnings (Schatzregister 
für das Kirchspiel Tönning, 1676, Eiderstedter Landschafts- 
archiv in Tönning Nr. 155). 

308) s. die Tauftafel, S. 53. 

303) Vgl. den Schluß dieses Exkurses. 



112 



e>x'igt 21''). Beide \verden also nahe, wohl freund- 
schaftliche Beziehungen zu Niedal unterhalten 
haben. Mit Bestimmtheit läßt sich von einem 
freundschaftlichen Verhältnis des Jens Martens zu 
einem der bedeutendsten Männer seiner Zeit, dem 
berühmten Reisenden und Bibliothekar der Got- 
torfer Bibliothek, Adam Olearius, sprechen. Dieser 
nennt ihn in seiner „Gottorffischen Kunstkam- 
mer" 211) ausdrücklich „mein guter Freund" ^12). 
Nach Olearius war Jens Martens „ein vornehmer 
Kauffmann in Friedrichstadt". Seiner vornehmen 
Stellung entspricht das „Herr", das Olearius, wie 
übrigens auch mehrfach die lutherische Kirchen- 
rechnung zu Friedrichstadt, dem Namen des Jens 
Martens vorsetzt. Dieses Prädikat war zu jener 
Zeit eine Bezeichnung, die nur hochstehenden Per- 
sonen zu Teil wurde. Auch in dem Leichen- 
programm auf Catharina Burchard heißt Jens Mar- 
tens Dominus, dazu wird ihm das auszeichnende 
Prädikat ,,vir nobilissimus et spectatissimus" bei- 
gelegt. 

Der erste Anlaß zu der Freundschaft des vor- 
nehmen reichen Kaufherrn mit dem gelehrten Got- 
torfer Bibliothekar, den übrigens auch Ovens zwei- 
mal gemalt hat ^is), ist vielleicht seine Vorliebe für 
naturwissenschaftliche Studien gewesen. Er hatte 
nach Olearius ,,ein wol angerichtet Cabinett von 
allerhand schönen Conchylien und andern kost- 
baren Raritäten", das man sich ähnlich der von 
Olearius 1651 eingerichteten Oottorffischen Kunst- 
kammer vorstellen muß^n). Sehr hoch stellt seine 



310) Vgl. S. 42. 
j^: 3ai) Vgl. Urkunde Nr. 9. 

312) Freilich hat sich Jens Martens nicht in dem bisher 
unbekannten Stammbuche des Olearius eingeschrieben. 
Dieses enthält allerdings]^ durchweg Eintragungen aus dem 
3. und 4. Jahrzehnt des 17. Jahrhunderts, aus einer Zeit 
also, in der Jens Martens dem Olearius noch nicht nahe 
gestanden haben wird. 

212) s. Katalog der Gemälde und Abb. 26. 

31*) Diese wird eingehend beschrieben in des Olearius' 
erwähntem Werke. Sie war mehr ein Naturalienkabinett 
als eine der eigentlichen Kunstkammem. Ober letztere vgl. 
von Schlosser, Die Kunst- und Wunderkammern der Spät- 
renaissance (Monographien des Kunstgewerbes, XI (Neue 
Folge), Leipzig 1908, S. 85). Zu berichtigen ist ein Irrtum 
von Schlossers. Weitgereist freilich war Adam Olearius, 
aber zum Holländer hätte er ihn nicht machen dürfen. 
Vielmehr stammte Öhlenschläger, wie er eigentlich hieß, 
aus Aschersleben. Üh>er ihn vgl. vor allen Eduard Grosse, 
Adam Olearius' Leben und Schriften, Jahresbericht der 
Realschule zu Aschersleben, 1867. 



geistigen Fähigkeiten und Kenntnisse das Leichen- 
programm. Es sagt von Jens Martens, er sei „justus 
rerum omnium arbitcr, harum (damit sind die 
Künste, besonders die Malerei, gemeint) vero aesti- 
mator callentissimus" gewesen. Dem sei nun wie 
ihm wolle. Jedenfalls hatte Jens Martens seine 
Freude an merkwürdigen Naturerscheinungen (re- 
rum curiosarum amantissimus) und hatte durch 
eifrige Sammeltätigkeit ein dem Geschmack der Zeit 
entsprechendes reich eingerichtetes Kunst- und 
Naturalienkabinett zusammengebracht, das auch 
über Nordeibingen hinaus sich eures bedeutenden 
Rufes erfreute 215). Wie aus den Gottorfer Rente- 
kammerrechnungen hervorgeht, hat er mit 
Schnecken und Raritäten, die er wahrscheinlich 
vornehmlich durch seine Beziehungen zu Holland 
erhalten hat, auch Handel getrieben. Offenbar hat der 
Herzog sie für seine Kunstkammer erworben und 
für dieselben an Jens Martens bedeutende Summen 
entrichtet 21«). Wie den Wissenschaften und der 
Malerei, so ist Jens Martens auch der Dichtkunst 
Freund gewesen, ja in ihr hat er sich sogar selbst 
versucht. So hat er in dem oben erwähnten 
Stammbuche des Gosenius a Niedal einige Verse 
eingeschrieben, die er aus dem Holländischen ins 
Deutsche übertragen hat2i'). Die Reime und der 
Rhythmus sind -nicht ungewandt, wenn auch an 
einer Stelle dem Reim Gewalt angetan ist. Seinen 



315) Vgl. das Leichenprogramm, Urk. Nr. 22. Jens 
Martens' Kunst- und Naturalienkabinett wird von D. Valen- 
tini in seinem Werke, Museum Museorum oder vollständige 
Schau Bühne aller Materialien und Specereyen usw., Zweyte 
Edition, Francki'urt a. M., 1714 in dem Catalogus .... 
der Kunst-Antiquitäten-Schatz- und fümehmlich Natura- 
lien-Kammern unter Friedrichstadt citiert. Freilich wird 
Jens Martens dort irrtümlich als N. Ovenii Socer be- 
zeichnet. 

216) Gottorfer Rentekammerrechnung, Reichsarchiv, 
Kopenhagen: „1646, 14. Mai (erhalten) zween Kerle, so 
etzliche von Jenß Alartens zu Tonningen erhandelte rare 
Schnecken und andere Sachen, welche die See ausge- 
worfen, anhero getragen, zu Drinckgelde 2 Reichstaler." 

„1651, 3. Januar, Jens Martens zu Tönningen für ver- 
schiedene von ihme erhandelte raritäten 500 Reichstaler." 

„1651 (unter) Ausgabe zu Gottorff im Septembri, Jens 
Jens JVlartenßen für allerhand von ihm in Ao. 1647 er- 
handelte raritäten entrichtet 500 Reichstaler und dann 
ferner auff einen anderen Fürstl. Befehl . . . gedachten 
Jenß Martenßen abermalen iür etliche raritäten gezahlt 
80 Reichstaler." Nach Grosse, a.a.O., S. 14 hätte Jens 
Martens einen Teil seiner Conchyliensammlung für die 
Gottorfer Kunstsammlung übersandt. 

3") s. die Anlage am Schluß dieses Exkurses. 

113 



Lieblingen, den von ihm mit Eifer gesammelten 
Muscheln, hat er zwei längere Gedichte gewidmet, 
die mis Olearius a. a. O. S. 57 ff. überliefert hat"«). 
Auch für sie gilt das eben gefällte Urteil. Sie ent- 
sprechen in der Form durchaus den Werken der 
zeitgenössischen Dichter, also etwa eines Rist, sind 
nicht besser, aber auch nicht schlechter als der 
größere Teil der Dichtung der Zeit. 

In Friedrichstadt, wo er ein eigenes Haus be- 
wohnte 3"), wird Jens Martens mit Freude das 
Heranwachsen seiner Enkelkinder verfolgt haben. 
Nach dem Tode des Schwiegersohnes begannen im 
Anfange des Jahres 1684 unerfreuliche Sti'eitig- 
keiten zwischen dem Rat der Stadt einerseits und 
Jens Martens sowie seiner verwitweten Tochter 
andererseits. Sie betrafen die Zahlung von Steuern 
und Abgaben 320)^ die beide verweigert zu haben 
scheinen 321). Im Juni des Jahres 1684 starb Jens 
Martens. Am 28. Juni fand die Beerdigung statt. 
Er wurde in dem Ovensschen Erbbegräbnisse in 
der lutherischen Kirche in Friedrichstadt, in dem 
sein Schwiegersohn und zwei Enkelkinder vor ihm 
ihre letzte Ruhestätte gefunden hatten, bestattet. 
Drei Stunden läuteten die Glocken 322). In Tönning 
aber, seinem früheren Wohnsitze, wurde er, als 
man ihn einsenkte, zwei Stunden lang mit allen 
Glocken beläutet 323). 

Ovens hat seinen Schwiegervater mehrfach' por- 
trätiert. Im Nachlaß-Inventar wird unter den Ori- 
ginalien aufgeführt: „Nr. 23. Ein Original von H. 
Ovens, worauff Seht. Jens Martens Contrafeit 30# ." 
Unter den Kopien: „Nr. 12 Jens Martens Bildnüß 
auf papier mit Glaß 3 #." Unter letzterem wird 
eine Zeichnung zu verstehen sein, die wahrschein- 



318) s. Urkunde Nr. 9. 

319) Er muß zahlreiche Hausgenossen gehabt haben; 
denn nach der lutherisc±i«n Kirchenrechnung, Friedrichstadt 
kaufte er 1674: 8 Plätze in Kirciienstühlen, davon 4 
Frauenstelien. 

320) In der Friedrichstädter Stadtrechnung (Staatsarchiv 
zu Schleswig, A. XX 4337) erscheint Jens Martens zuerst 
1676/77 mit 18 # im Steuerregister. 1683/84 ist zwar 
Jens Martens' Name eingetragen, aber ohne daß der Be- 
trag seiner Steuer beigefügt wäre. 

321) Vgl. S. 21, Anm. 134. 

322) Dafür wurde 9 ^ entrichtet, „vors Laken 4 # 
8 ß, Bohr (Bahre) y ß, Lichtständers (Standleuchter) 
4 ß, Eröffnung des Grabes- 12# , im Ganzen also 26 # 
4 ß {Lutherische Kirchenrechnung, Friedrichstadt, 29. 
Juni 1684.) 

323) Totenregister Tönning, 28. Juni 1684. Die Ge- 
bühr betrug 24 #. 



lieh von Ovens' Hand gewesen ist. Seine Schwieger- 
eltern gemeinsam dargestellt hat der Maler in 
Nr. 55 der Originalien : „Sehl. Jens Marfens und 
deßen Frauen BildtNüßen von H. Ovens 60 # ." 
Von diesen Bildern hat sich nur das erstere er- 
halten. Es ist wahrscheinlich mit dem im Besitze 
der Frau Professor Schulte, Stettin, befindlichen 
Bildnisse 324) identisch. Dargestellt ist ein vorneh- 
mer Herr, dessen regelmäßiges, feingeschnittenes 
Antlitz von einer auf die Schultern herabfallenden 
Lockenperrücke umrahmt ist. Die Nase ist gerade, 
der Mund-schmal, schön geschwungen die Augen- 
brauen. Aus großen braunen Augen sieht er uns 
an. In dem Antlitz liegt ein leise träumerischer, 
zurückhaltender und doch wieder fester Ausdruck. 
Man meint aus dieser Persönlichkeit etwas Unbe- 
kümmertes herauszulesen, das sich über die Sorgen 
des Alltags erhebt. Man schließt auf eine nicht 
gewöhnliche Natur mit mancherlei geistigen Inter- 
essen, die dabei doch wieder der Wirklichkeit mit 
ihren Anforderungen zugewandt ist. Im Ganzen 
stimmt der Eindruck, den das Bildnis des Jens 
Martens, der in Ovens' Umwelt eine der wichtigsten 
Persönlichkeiten gewesen ist, vOn seinem Weseri 
erweckt, mit den Ergebnissen überein, die die vor- 
liegende Untersuchung geliefert hat. 
Anlage zu S. 113 unten. 

Jens Martens' Eintragung in dem 
Stammbuche des Gosenius a Niedal. 

Die tugenthafte warheit ist billig Rühmenswerth. 
Und weil H. Nienthal das lob nicht allein in 
Worten, besondem sein Redliches, Friedliebendes 
Gemüth in der that unnd warheit gegen mennich- 
lich alhir bezeuget hat, also hab ich aus letzt- 
mahliches Discurs, als ein liebhaber Friedliches 
Gemühts, aus dem Hollandischen im teutschen 
mir Selbste zum lection diese regulen aufgesetz 
und selbige hierbei erinneren wollen. 

1 . Nichts ists, das man den Frieden preist, 
Und mit dem Mund viel recht beweist. 

2. Etwas ists, der nach Frieden tracht, 
den Streit verleßt und Friede macht. 

3. Viel ists, der alsdan Friede holt. 
Da er mit recht sich Schützen solt. 
Das Erst ist nur ein bioser Schein, 
Das Ander Steht Rühmlich und Fein, 
Das Dritte welchs das beste ist 

thut niemant dan ein wahrer Christ. 

324) s. Katalog der Gemälde, Nr. 235. 



114 



Aus guter \\-ollmeinender Affection nebenst 
Glück und Heul auf sein fürgenommene Reise, 
von Hertzen wünschend, setzet des H. Possessoris 
D. R. 325) dieses zu guter gedechtenus. 
Jens Martens 
d. 13. Qbris Ao. 1664 
zu Friedrichstatt 326). 

19. Das Siegel und Wappen des Jürgen Ovens 

sowie das Wappen seines Sohnes Gerhard und 

anderer Familienmitglieder. 

Das Siegel mit dem Wappen des Malers hat 
sich auf zwei Schreiben erhalten, auf dem eigen- 
händigen Briefe des Meisters vom 6. Oktober 
1662 327) in rotem und auf dem Briefe der Witwe 
vom 31. Dezember 1678 328) jn schwarzem Lack. 
Das schildförmige Wappen ist quer geteilt. Das 
obere Feld zerfällt wieder in zwei Teile. Leider 
ist das Wappenschild so klein 329), daß die Deutung 
des linken oberen Feldes unsicher ist. Zwei Monde 
oder ein Stundenglas können es sein, vielleicht auch 
z\<ei Rosen 33o). Das rechte obere Feld enthält das 
Wappen der Malerzunft, drei Schilde 33i), z^^ei 

325) ^- Domini Reverend!. 

326) Eigenhändige Eintragung in dem Stammbuche des 
remonsh-antischen Predigers Gosenius a Niedal S. 27Q, 
in das sich auch Jürgen Ovens zwei Seiten vorher unter 
Hinzufügung einer Federzeichnung eingetragen hat. 

A.A. 216, 131 E 13, Königliche Bibliothek, Haag 
32") Vgl. S. 91. 

328) Vgl. Urkunde Nr. 15. 

329) 5 mm hoch, 4 mm breit. 

330) Dagegen ist die Deutung auf einen liegenden Kelch, 
die in Aarsberetninger fra det kongelige Oeheimearkiv, 
VI. Bd., 1876—1882, S. 32 ff., wenn auch mit Vorbehalt, 
versucht ist, abzuweisen. Ein liegender Kelch ist be- 
stimmt nicht zu erkennen. Auch aus heraldischen Grün- 
den verbietet sich eine derartige Deutung. Einen Kelch 
stellt man hin, er liegt nicht. 

In der Geschichte der Familie von Hedemann von 
Wilhelm v. Hedemann und Paul v. Hedemann gen. 
v. Heespen, 3. Teil, 1919, S. 296 wird zu Bd. I, S. 120 
(Tafel) irrtümlich bemerkt, daß die Mutter des Jürgen 
Ovens, Agnete geb. Jürgens, 1662 mit dem oben be- 
schriebenen Wappen siegelte (das Wappen ist daneben 
abgebildet), „das — von dem bekannten Malerwappen 
in dem oberen Felde abgesehen — auffallend an das 
Wappen an der Kanzel in Westerhever erinnert." Dieses 
ist Bd. I S. 120 (Tafel) abgebildet „von Laike Steffens". 
Ob ein Zusammenhang mit dem Ovensschen Wappen be- 
steht, erscheint doch sehr fraglich. 

331) Ovens deutete also dadurch, daß er die drei 
Schilde in sein Wappen aufnahm, seinen Beruf an. Über 
das Malerwappen der drei Schilde vgl. Friedrich Warnecke, 



oben, einen unten. Im unteren Felde sieht man 
drei aus einem Stengel herauswachsende Klee- 
blätter. Auf dem Helme sind ebenfalls drei Klee- 
blätter an Stengeln. Sie sind also das Hauptwappen 
unseres Malers gewesen. Zur Seite des Helm- 
schmuckes stehen die Buchstaben: L 0.332) über 
die Farben des Wappens, dessen sich der Maler be- 
dient hat, läßt sich nichts aussagen. Die drei 
Schildlein, deren Form sich nach der des Wappen- 
schildes richtete, ^x•aren meistens weiß in rotem 
Felde. 

Besser unterrichtet als über das Wappen des 
Malers sind wir über das seines Sohnes, des Majors 
Gerhard Ovens, der 1702 im Erbbegräbnis zu 
Friedrichstadt beigesetzt wurde. Aus einem ohne 
Namen des Verfassers veröffentlichten Aufsatze 333) 
des Dithmarser und Eiderstedter Boten, 1838, 
S. 412 ff. erfahren wir, daß damals im großen 
Kirchensteige der lutherischen Kirche zu Friedrich- 
stadt „eine weiße, nach unten in zwei Spitzen aus- 
gezackte Fahne" gehangen hat, „zu welcher auch 
ein neben derselben oberhalb des Schwibbogens 
hängendes Wappenschild gehört". Die Fahne ist 
längst vergangen, den Wappenschild dagegen habe 
ich noch vor wenigen Jahren aus altem Gerumpel 
hervorgesucht und zur Aufbewahrung empfohlen, 
doch auch er ist heute verschwunden. 'Der Verlust 
ist schmerzlich, weil es sich, wie in dem eben er- 
wähnten Aufsatze bezeugt wird, um den Wappen- 
schild des Gerhard Ovens gehandelt hat. Das 
Wappen auf Fahne und Schild war dasselbe. Es 
wird folgendermaßen beschrieben : „Ein Herzschild 
mit einem Stechhelm darüber, und statt des Wap- 
penmantels von vielen hinter demselben hen'or- 
ragenden Kriegswaffen umgeben. Das Schild teilt 



Das Künstlerwappen, Berlin 1887 und Alfred Grenser, 
Zunftwappen und Handwerker-lnsignien, Frankfurt a. M. 
1889, S. 59 f f . Die Schilde sind als wichtigstes Erzeug- 
nis der Schilder- und Malerzunft zum Oewerksabzeichen 
erhoben worden. Das Wappen ist ein redendes; denn 
die Maler, die im Mittelalter als einen Hauptzweig ihrer 
Tätigkeit die Schilde der Ritter zu bemalen pflegten, 
hießen nach den Schilden Schilderer (vgl. holländisch 
Schilder = Maler, schilderen = malen, schilderij = Ge- 
mälde, Bild.) 

332) Das Nachlaß-Inventar führt je ein goldenes und 
silbernes Petschaft auf. 

333) Die Gemälde und Inschriften in der lutherisclien 
Kirche in Friedrichstadt. Der Verfasser des bisher nicht 
nutzbar gemachten Aufsatzes war nach Biernatzki (Falck's 
Archiv für Geschichte usw., 5. Jahrgang, 1847, 8. 200 ff.) 
Dr. Tadey, s. Z. Prediger der lutherischen Gemeinde. 



115 



sich in zwei neben einander liegende Felder und 
einen darunter liegenden Fußi; es enthält im roten 
Felde drei kleine schwarze Herzschilde mit 5 
goldenen Sternen in jedem, im blauen Felde zwei 
mit dem Rücken gegen einander stehende Halb- 
monde, und im gelben Fuße drei durch einen 
goldenen Knopf zusammengehaltene Kleeblätter". 
Folgende Abweichungen von dem Wappen des 
Vaters hebe ich besonders hervor. Erstens sind die 
beiden oberen Felder des Schildes vertauscht, so- 
dann enthält das obere rechte Feld des Wappens 
des Sohnes zwei Halbmonde. Diese kommen auf 
dem älteren Wappen, wie es die Siegel des Malers 
bieten, mag auch die Deutung des entsprechenden 
linken Feldes unsicher sein, bestimmt nicht vor. 

In der Siegelsammlung des Reichsarchivs zu 
Kopenhagen werden schließlich noch zwei Siegel 
der Familie Ovens verwahrt, von denen, nach dem 
Stil zu urteilen, das eine ins 18., das andere ins 
19. Jahrhundert zu setzen ist. Beide weichen, 
wie das Wappen des Gerhard Ovens, insofern 
von dem Wappen des Malers ab, als bei ihnen die 
beiden oberen Felder übereinstimmend vertauscht 
sind. Das Wappen des jüngeren Siegels stimmt 
völlig mit dem des Gerhard Ovens überein, das des 
älteren dagegen zeigt sbtt der beiden mit der 
Rundung gegeneinander stehenden Halbmonde 
drei Menschenköpfe. 

Die Änderungen, denen die Wappen der Mit- 
glieder derselben Familie unterzogen worden sind, 
fallen auf. Möglich, daß der Stecher des Siegels 
mit den Halbmonden die auch von uns nicht be- 
friedigend erklärte Figur des Siegels, dessen sich 
der Maler und seine Gattin bedienten, mißverstan- 
den hat. Mißverständnisse, die zu Änderungen 
des Wappens führten, sind in der Heraldik häufig 
genug. Bei dem Wappen des Majors, das eben- 
falls die beiden Halbmonde aufweist, müßte dann 
der Maler des Wappenschildes den IiTtum be- 
gangen haben. Völlig unerklärlich bleiben aber 
die drei Menschenköpfe, die auf dem Siegel des 
18. Jahrhunderts erscheinen. 

20. Zur Geschichte 
des Ovensschen Erbbegräbnisses. 

Im Jahre 1673 erhielt Jürgen Ovens auf sein 
Ansuchen von der lutherischen Gemeinde in Fried- 
richstadt, mit Rücksicht auf seine großen Verdienste 
um die Reparierung des Gotteshauses, die Er- 
laubnis, auf eigene Kosten in der Kirche ein Keller- 



begräbnis anzulegen. Den Platz dazu schenkte 
ihm die Gemeinde ^^i). Die genaue Lage der Gruft 
vermag ich nicht anzugeben ^^^). Vermutlich lag 
sie im Quersteige, entweder südlich der Tür oder 
im Norden 33°) derselben. In diesem Ovensschen 
Erbbegräbnisse fanden der Maler (1679) und seine 
Gattin (1690) siowie sein Schwiegervater Jens Mar- 
tens (1684) ihre letzte Ruhestätte. Kurz vor Ovens 
waren dort seine Töchter Agnetha (1676) und Anna 
Elisabeth (1677) beigesetzt worden. Auch seine 
Söhne Jürgen (1685), Gerhard (1702) und Johann 
Adolf (1733) wurden in der Familiengruft be- 
stattet. 

Aus dem Kirchenprotokoll der lutherischen Ge- 
meinde ^^t) geht hervor, daß das Ovenssche Erbbe- 
gräbnis noch 1761 im Besitz zweier Erben war. 
Am 2. Juli 1761 beschloß das Kirchenkollegium, 
daß ,, Madame Jonas" und „Frau Justitz-Räthin 
Lienau" ihre Abstammung von ,,dem alten Herrn 
G. Ovens" und damit ihr Eigentumsrecht an der 
Ovensschen Kellergruft nachweisen sollten. Bevor 
das nicht geschehen sei, solle der Madame Jonas 
nicht erlaubt werden, zur Vornahme der erforder- 
lichen ,,Reperation" den Begräbniskeller öffnen zu 
lassen. Bald darauf, am 29. Juli 1761, erkannte das 
Kirchenkollegium die genannten beiden, nachdem 
Madame Jonas sich als Tochters Tochter, Frau 
Justizrätin Lienau sich als Sohnes Tochter des 
Jürgen Ovens ausgewiesen hatte, als rechtmäßige 
Erben an. Wie das Kirchenprotokoll mitteilt, hatte 
Frau Justizrätin D. E. Lienau, eine Tochter des 
ehemaligen Justizrats und Landschreibers in Nor- 
derdithmarschen Johann Adolph Ovens, bereits 
am 1. Dezember 1760 mit Einwilligung ihres Ehe- 
herrn ihren Anteil an dem Ovensschen Erbbe- 
gräbnis der Kirche durch schriftliche Erklärung 
geschenkt. Sie hatte die Bedingung gestellt, daß 
,,die Gebeine deroselben rühmlichen Vorfahren bis 
zur völligen Verwesung in demselben ruhen 
sollen". Pastor und Kirchenvorsteher nahmen das 
Geschenk mit Dank an und verpflichteten sich 
am 6. Oktober 1761 durch Ausstellung eines 



33*) Vgl. S. 101. 

335) Man möchte des Meisters Grab ja gern nahe dem 
Albr zu Füßen der von ihm 1675 der Kirche geschenkten 
Grablegung Christi suchen. Doch haben wir für diese 
gefühlsmäßig sich anbietende Annalime i<einen Anhalt. 

336) Vgl. S. 117, Anm. 341. 

33') Pastoratsarchiv, Friedrichstadt. 



116 



Scheins, „dafür gebührende Sorge zu tragen, daß 
die noch übriggebliebene Gebeine deroselben Vor- 
fahren in dem Begräbnis bis zur vöHigen Ver- 
wesung aufbehalten werden sollten". Unmittelbar 
darauf bat ein Doctor Theder, ihm und seiner 
offenbar soeben verstorbenen Frau in der Keller- 
gruft einen Platz einzuräumen ^38). Das Kirchen- 
kollegium willigte ein. Zuvor aber wurde, „weilen 
... der Madame Jonas, als einer Descendentin 
von dem seel. Herrn Georg Owens ein unstreitiges 
Recht, nächst der Kirchen, an diesem Begräbnis" 
zustand, „man auch nicht wider ihren Willen je- 
mand hier einsetzen wollen," dieser Erbin, die 
sich des Besitzrechtes auf die Gruft noch nicht 
begeben hatte, die Sache vorgetragen. Man machte 
ihr folgenden Vorschlag. Sie möge zustimmen, daß 
sofort der Sarg der Frau Doctor Theder, später, 
nach seinem Ableben, auch der Sarg des Doctor 
Theder in dem Ovensschen Erbbegräbnis bei- 
gesetzt werde. Im Falle ihrer Einwilligung werde 
die Kirche die Kosten der von der Madame Jonas 
beabsichtigten Reparation allein tragen, ihr 10 
Reichstaler von den 50 von Doctor Theder aus- 
gezahlten abgeben und, — „wenn sie nach Gottes 
Willen mit Ende abgehen sollte, die alsdann für 
die Eröffnung des Begräbnisses an die Kirche zu 
erlegende Gebühr fallen lassen." Madame Jonas 
nahm das Anerbieten an „mit der Reservation, daß 
ihre Gebeine bis zur völligen Verwesung darin 



338) Er verpflichtete sich am 21. Oktober 1761, der 
Kirche 50 Reichstiler auszu2ahlen und die Kosten für 
die Eröffnung und Schließung des Grabes zu erlegen. 



ruhen sollen". Der Pastor richtete 1761339) ein 
Zirkularschreiben mit Nachricht „von allem, was 
in Ansehung dieser Sache vorgegangen" an die 
Kirchenvorsteher 3"). N^ch 1761 wird die Ovens- 
sche Kellergruft in den Akten nicht mehr er- 
wähnt 3"). Doch werden, wie ihre Vori'ahren, so 
auch die beiden Enkelkinder des Malers und ihre 
Ehegatten sowie, der Abmachung gemäß, nach 
seiner Gattin auch Doctor Theder in dem Erbbe- 
gräbnis beigesetzt worden sein. 

339) Für den Tag ist eine Lücke freigelassen, die nicht 
ausgefüllt worden ist. 

3*0) Dies „bey dem Archiv befindliche . . . Schreiben" 
\x-ar nicht aufzufinden. 

3") Die Kellergrüfte in der lutherischen Kirche sind 
noch bis in den Anfaiig des 19. Jahrhunderts benutzt 
worden. Wenigstens fast alle zwei Jahre wurden Tote bei- 
gesetzt. Das ergibt sich aus einer Handschrift, die sich 
im Nachlasse meines 1908 verstorbenen Oheims F. J. 
Oüntrath fand. Der Verfasser war der zu Friedrichstadt 
1782 geborene Kaufmann Jacob Oüntrath Lorenzen. Nach 
dem Manuskript, aus dem ich in der Friedrichstädter 
Zeitung (1920, Nr. 42, 10. April) den die Kellergrüfte 
betreffenden Teil veröffentlicht habe, ereignete sich am 
Gründonnerstage des Jahres 1817, dem 3. April, ein 
schauriger Unglücksfall. Die Abendmahlsgäste wollten 
die Kirche verlassen und stauten sich am Ausgange. Da 
gaben die Balken und Bohlen, die die Decke des süd- 
lichen Kellers trugen, nach und 14 Personen stürzten 
in den Totenkeller. Er maß etwa 16 Fuß ins Geviert, 
war 1 1 Fuß tief und mit 91/2 Fuß Wasser angefüllt. Daher 
gingen die in die Gruft Gestürzten sofort unter. Sie war 
„von toten Körpern, deren Aas sich vor Fäulnis aufgelöst," 
angefüllt. Der schaurige Unglücksfall, der allerdings ohne 
Verlust von Menschenleben abging, gab Veranlassung, so- 
wohl den eingestürzten Keller als die andere gegen 
Norden gelegene Gruft mit Erdreich auszufüllen. 



117 



IV. Längere auf den Maler sich beziehende Urkunden, soweit sie nicht 
in den darstellenden Abschnitten mitgeteilt sind. 



Nr. 1. 
1652, 13. September. 

Herzog Friedrich III. erlaubt dem Conterfeyer 
Georg Ovens zu Tönning, wegen des vor kurzem 
erfolgten Todes seines Vaters, des Ratsverwandten 
Ove Broders daselbst, sich am 21. September 1652 
ohne äußerliche Pracht und die sonst üblichen 
öffentlichen Kirchgangs-Ceremonien mit seiner 
Bract, der Tochter des Tönninger Bürgers Jens 
Martens, im Hause trauen zu lassen. 

Konzept unter A. XX., Nr. 3310, Staatsarchiv, 
Schleswig. 

Der Durchleuchtigster Hochgebohrner Fürst 
und Herr, Herr Friederich, Erbe zu Norwegen, 
Herzog zu Schleszwig, Holstein, Stormarn und 
der Dithmarschen, Graff zu Oldenburg und Del- 
menhorst, unser gnedigster Fürst und HeiT, Er- 
klähret sich auff dehro Conterfeyers Georg Ovens 
unterthenigstes Anhalten hiemit gliedigst, Nach- 
dem derselbe sein mit Jenß Martens, Burgers in Ihr 
Fl. Durch!. Stadt und Vestung Tonningen, Toch- 
ter angefangenes Matrimonial werck am 21t dieses 
durch Priesterliche benediction vollenziehen zu 
laßen entschloßen, Dabey aber wegen newlich er- 
folgten todtlichen Hintritts seines Vaters, Weilandt 
Ove Broders, Rahts Verwandten daselbst, äußer- 
licher Pracht, und zwar der sonst gewohnlichen 
öffentlichen Kirchgangs-Ceremonien, gern ent- 
ohnet sein mügte, daß Sie auß angezogenen Uhr- 
sachen darinnen hiemit gnedigst dispensirt haben 
wollen, Derogestaldt, daß er Georg Ovens Ihm Be- 
sagte seine Brandt zu angedeuteter Zeit, daheimben 
sondern öffentlichen Kirchganck trawen zu laßen 
Befuegt sein, und Ihr Fl. Durchl. Probst oder 
Diaoonus alda zu Tonningen i), diesem zufolge, 
. Jedoch ohne Gonsequentz sothane Copulation -) 
verrichten sollen, Uhrkundtlich Ihr Furstl. Durchl. 
untengesetzten Handtzeichens und furgetruckten 
Furstl. Cammer Secrets, geben 

Gottorff3), den 13 t^ 7bris Ao 1652. 

^) Hier ist ausgestrichen : sothane Copulation. 
-) Vor verrichten ist an den Rand geschrieben : sothane 
Copulation. 

118 



Auf der 4. Seite steht: Dispensatio pro Georg 
Ovens Gontrefeyern zu Tonningen, daß er Ihm 
inter domesticos parietes seine brautt trawen laßen 
müge. den 13 t 7br. ao. 1652. 

Nr. 2. 
1653, 10. November. 1654, 17. Januar. 1654, 

17. März. 1654, 20. August. 1654, 20. Dezember. 

Eigenhändige Rechnung und Quittung des Jür- 
gen Ovens, slowie der zugehörige Rechnungsbeleg. 
Er hat dem Herzog Friedrich III. ein Brustbild 
der Herzogin Maria Elisabeth, je ein Brustbild 
des Herzogs und der Herzogin und ein Bild ,,Das 
Pfingstfest", die er gemalt hat, verkauft, ferner ein 
großes Bild von Peter Paul Rubens, das den Silen 
darstellt. 

A. XX,, Nr. 3310, Staatsarchiv, Schleswig. 

Waß vor Dhero Zu Schleswigh Holstein re- 
girenden Hoch-Fürstl. Durchl. meinem Gnädigsten 
Fürsten und Herrn ich unterthänigst, an Schil- 
dereyen gemacht. 

Ao. 1653 d. 10. Novemb. 

Ihr Durchl. der Hertzoginnen, meiner 
gnedigsten Fürstinnen und Frauen con- 
terf. brustbilt 25 Rthl. 

Ao. 1654 d. 17. Januarii Ihr Durchl 
Ihr Durchl beyde Conterf. brustbilt 48 Rthl. 

d. 17. Martii daß Pfingstfest Ihr Hoch- 
furstl Durchl. vnterthän. vorhandelt 500 Rthl. 

d 20 Augusti daß grosse Stück von 
Sileno so P. P. Rubens gemacht: wor- 
von/: nach abkürtzung pleiben thut 200 Rthl. 

Somma 773 Rthl. 
Euwr HochFurstI Durchl 
vnterthänigst gehor- 
sanibster 

Diner 
Jürgen Ovens. 



3) Ursprünglich stand da: Fahlen. Das Wort ist aus- 
gestrichen und Gottorff davor gesetzt. 
*) Die Ziffer 3 ist aus 9 verbessert.. 



Unter diese Rechnung hat der Qottorfer 

Herzog eigenhändig seinen Namen geschrieben: 

Friedrich. Darunter steht von der Hand des 
Kassenbeamten : 

Daß von dem Fürst!. Schiewig, Hollsteinischen 
Cammermeistern, Joachim Danckwerth, Mir Endts- 
benandten in habender Vollmacht oben stehende 
Sieben Hundert, drey und Siebentzigk Reichsthaler 
heut dato bahr bezahlt worden, Solches bescheinige 
Ich mit meiner Handt Unterschrifft, wohlgemelten 
Herrn Cammermeistern oder wer es benötiget, des- 
falß für alle fernere Ansprüche gebührlich qui- 
tirend. 

Actum Gottorf am 20 Xber ao 1654. 

Jürgen Ovenßmppria^). 

Auf der letzten Seite des Bogens steht die 
Notiz : 

Einhalt dieses von I. F. Durchl. meinem gnedig- 
sten Fürsten und Herren unterschriebenen Zettels 
und der Quitung Jürgen Ovens Contrafaietem 
bezahlt 773 Rhr. 

Veröffentlicht von Georg Hille, Ein Autograph 
des Malers Jürgen Ovens (Zeitschrift der Gesell- 
schaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, 40. 
Band (1910), S. 495 ff.) 

Dazu gehört noch folgender bisher noch nicht 
veröffentlichter Rechnungsbeleg vom 20. Dezem- 
ber 1654: 

Jürgen Ovens Contrafaietem vermöge des von 
Ih. Fürstlichen Durchlaucht Meinem gnedigsten 
Fürsten und Herrn selbst subscribirten Zettels 
und Quittung No'') für verschiedene J. Fl. 
Durchl : verkauffte Schillereyen bezahlt 773 Reichs- 
taler. 

Gottorfer Rentekammeirechnung, Reichsarchiv, 
Kopenhagen. 

Über die von Ovens gemalten Bildnisse vgl. 
den Katalog der Gemälde. 

Das große Rubenssche Gemälde, das den Silen 
darstellte, (vgl. Harry Schmidt, Das Nachlaß-In- 
ventar des Malers Jürgen Ovens, S. 68, Anm. 4) 
ist xx-ahrscheinlich identisch mit dem heute in der 
alten Pinakothek zu München befindlichen Ge- 
mälde. 



^) = manu propria (mit eigener Hand, eigenhändig). 
') Die Zahl ist nicht eingetragen. 



Nr. 3. 
1654, 25. Februar. 

Fürstliche Bestätigung 
des von den damals noch kinderlosen Eheleuten 

Georg und Maria Ovens in Friedrichstadt 
aufgesetzten wechselseitigen Testaments. 

Wir Friedrich u.s.w. thun kundt und bekennen 
hiemit vor Jedermenniglich öffentlich, daß unß die 
respective Ehrsamen und tugendsahmen, unsere 
liebe getrewe und andächtige Georg und Maria 
Ovens, Eheleute in unserer Friedrichstadt wohnhafft, 
unterthänig und demütiglich zu vernehmen geben, 
was maßen auß gegen einander tragender dienst- 
licher und ehelicher liebe Sie in betrachtung 
menschlicher Hinfälligkeit und dann auff den ohn- 
verhofften Fall, da dieselbe der Tod Ehelich ohn- 
beerbet trennen würde, über ihr alsdann nach- 
lassende Erb- und wolgewonnene Gütter unter sich 
reciproce disponirt und eine donationem gemacht 
und außgerichtet hatten. Uns auch das darüber 
verfestete documentum originaliter furgezeiget, wel- 
ches folgenden wörtlichen Einhalts (inseratur tenor) 
befunden w^orden und Uns darauff unterthänigst 
und demütiglich gepeten und angerufen, damit 
hinkünfftig vieler Ohngelegenheit und allem streit 
vorgebawet werden möchte, Wir Ihnen darüber 
unsere Fl. confirmation zu entscheiden geruhet, das 
wir dennoch solches Ihrem Suchen gnädigst statt 
gethan. Thun solches auch hiemit nochmahls und 
confirmiren und bestätigen darauff obinserirte reci- 
procam donationem et dispositionem krafft dieses 
ex certa scientia et plenitudine potestatis dergestalt, 
daß es dabey nach wortlichem Einhalt sein Be- 
ruhen allerdings haben und behalten soll. 

Uhrkundlich Gotorff den 25. Febr. a. D. 1654. 

Auf der Rückseite steht: Confirmatio Dona- 
tionis et Dispositionis reciprocae Georg Ovens und 
deßen Hauß Fraw zu Friedrichstat d. 25 t. Febr. 
ao 1654. 

Konzept im Staatsarchiv zu Schleswig unter 
A.XX Nr. 3310. Die Reinschrift, in das der hier 
ausgelassene Wortlaut des wechselseitigen Testa- 
ments eingerückt war, ist verschollen. 

Nr. 4. 
Eigenhändige Bemerkungen des Jürgen Ovens 
unter der Handzeichnung ,, Christi Beweinung", 
s. Verzeichnis der Handzeichnungen, Nr. 24. Die 
Zeichnung ist wahrscheinlich zAxaschen dem 1. Sep- 
tember 1654 und dem 17. Oktober 1657 entstanden. 

119 



Dieser abriß gefeit meiner Fr(au) Mutter vnd 
unß allen sehr woll, nurten ') daß ich avec Vostre 
permission dabey zu erinnern, daß ich ohnmaßgeb- 
lich nötig erachte, des H(erra) Christi positur umb- 
zustellen, weil die eröffnung in der lincken Seiten 
geschehen. Er excusire meine Freybostichkeit *). 

So diese invention Mevrouw Hoeff Räthin 
Vrouw Gloxinsche dürffte in Wohlbeliebigkeit voer- 
kommen, so wollen Sy ohnschwer die maeße v.^) 
Ihre gönstige order senden. 

Es handelt sich um eine wohl im Auftrage der 
Frau Hofrat Gloxin angefertigte Skizze, die Ovens 
nach einer Skizze, die ihm der junge Oloxin oder 
ein Verwandter gesandt, ausgeführt hat. Ovens 
hält es für nötig/ die Stellung Christi umzuändern, 
weil der junge Gloxin oder wer sonst die erste 
Skizze besorgt hat, entgegen der biblischen Er- 
zählung, die Wunde an der rechten Seite ange- 
bracht hat. Der Betreffende möge seine in diesem 
Vorschlage liegende Kühnheit verzeihen. Wenn 
der Auftraggeberin die Erfindung gefalle, so möge 
sie die Maße, in denen die Skizze ausgeführt wer- 
den solle, und den Auftrag zur Ausführung senden. 

Falls der Auftrag wirklich ausgeführt ist, so ist 
das Bild verschollen. Das Gloxinsche Epitaph im 
Dom zu Schleswig von 1654 enthält nur zwei Bild- 
nisse. Der Stil des Schreibens zeigt Mischung mit 
holländischen Bestandteilen (Mevrouw) ; vielleicht 
hat Ovens die Form „Freybostichkeit" auch, durch 
das holländische Wort rondborstigheit (Freimütig- 
keit) beeinflußt, gewählt. Ich vermute, daß es sich 
um eine Skizze handelt für ein Bild, das Ovens für 
ein Epitaph des am 1. September 1654 gestorbenen 
Hofrats Gloxin malen sollte. Da Ovens' Mutter, 
der die Skizze wie den anderen Familienmitgliedern 
sehr wohl gefallen hat, am 17. Oktober 1657 
gestorben ist und er damals schon in Holland 
war, Ovens aber am 1. Oktober 1657 als in Tönning 
anwesend ei'wähnt wird, wäre die Zeichnung 



') Form der Kanzleisprache für nur. 

8) Nach Richey, Idioticon Hamhurgense, Hamburg 
1755, S. 66, ist freypostig = dreist, kühn, freymüthig; 
Freypostigkeit = Kühnheit, Dreistigkeit. Ihm schließt sich 
Schütze, Holsteinisches Idiotikon, I. Teil, Hamburg 1800, 
S. 333 an. Offenbar handelt es sich um eine nieder- 
deutsche JVlischform. Im Hochdeutschen lautet das Wort 
nach Orimm, Deutsches Wörterbuch, „Freibrüstigkeit". 
Orimm gibt als Bedeutung „Freimütigkeit" an. 

ä) = und (v. = u.) 

120 



zwischen dem 1. September 1654 und dem 1. 
Oktober 1657 entstanden. 

Kgl. Kupferstichkabinett, Kopenhagen. 

Nr. 5. 
1663, 10. Juli. 

Der Herzog Christian Albrecht verleiht Georg 
Ovens ein Privileg, nach dem er alle prärogativen 
Exemptionen und Immunitäten eines herzoglichen 
Beamten, wie sie ihm auch schon vom Herzog 
Friedrich am 1. November 1652 zugestanden sind, 
genießen soll. Er soll nicht der Jurisdiktion der 
Städte, in denen er sich aufhält, sondern nur dem 
Fürstlichen Hofgericht unterstehen und von allen 
bürgerlichen Amtern und Abgaben befreit sein. 

Wir von Gottes Gnaden Christian Albrecht 
U.S.W, thun kundt und bekennen hiemit gegen 
Jedermenniglich, nachdem wir unser Fürstl. ge- 
müth dahin von Jehero gerichtet seyn laßen, daß 
sichs bevorab gegen unsere angebohrne Unter- 
thanen, uff erspürete deren rühmliche verhaltnus 
und annebst tragende Unterthänigste devotion zu 
unß alß Ihrer natürlichen Landesherschaft wohl- 
erkendlich beweisen möge, Und wir solcher gestalt 
neben anderen Unß Gnädigst gefälligen geschick- 
lichkeiten, des Ehrsahmen Unsers Lieben getrewen 
Georg Ovens nicht ohnzeitig wahrgenommen, die 
Kunstmäßige schildereyen u. Sachen, mit welchen, 
so wohl Unserm in Gott ruhenden Herrn Vattem 
Christsehligsten angedenckens, alß auch Unß der- 
selbe uff Gnädigstes erfürdern allewäge an hand 
zu gehen vermag, auch Unterthänigst erbietig ist. 

Daß wir nicht allein dannenhero sondern auch 
sonstet, damit Er Georg Ovens vermittelst deßen 
in hiesigen unsern Landen zu verbleiben, und 
gerne bey handen zu seyn, geuhrsachet werden 
möchte, denselben in Unsem sionderbahren schütz 
und protection zu nehmen in Gnaden bedacht sein. 
Gestaltsahm dan nun sothan Unser selbstbewegen- 
der Gnädigster wille ist, daß vorgemelter Georg 
Ovens aller derer praerogativen exemptionen und 
Immunitäten, welche einer, so unsemthalber in 
würklichem officio begriffen, bißhero gehabt und 
genoßen. Ihm auch hiebevor bey Lebzeiten mehr 
Hochged: Unsers Herrn Vatters Hochloblichster 
memorie, krafft des Ihm deßfalls schriftlich er- 
theilten privilegii deao 1652 Novembris 
primo die, solche gegönnet und zugestanden, 
gleicher gestalt Sich auch noch femer zu erfreuen 
habe. 



Solchem nach befehlen wir allen und Jeden 
unsem itzigen und künfftigen beambten und Be- 
fehlighabern, wie auch Bürger Meistern und Raht 
in den Städten Tonningen Fridrichstadt und wo 
sonstet er Georg Ovens Seine enthaltnus nehmen 
und anwesend seyn mag hiemit Gnädigsten er- 
stes*"), daß Sie, noch irgend Jemand Sich über den- 
selben und die seinige einiger Gerichtlichen Juris- 
diction, oder sonstet icht was deßen worzu Unserer 
Landt- und Ambtschreibem, oder derglichen von 
Hoffe dependinender Dienern Keiner bißhero Ge- 
halten gewesen, oder schuldig ist (welches dan 
auch in sessionibus allerdings gemeinet) im ge- 
ringsten nicht anmaßen, sondern Ihn Georg Ovens, 
Allergestalt von Unß Er Krafft dieses nochmahlen 
in die Zahl unserer bestalten Dienern Qnädiglich 
reputiret, und dem zufolge von allen unterge- 
richten, also daß derselbe tam in realibus qvam 
personalibus, alleinig vor Unserm Fürstl. Hoff- 
gerichte zu besprechen u.s.w. wie auch von allen 
bürgerlichen Ambtern, auch denen an und ufflagen, 
die kommen ordinarie oder extraordinarie, und 
wie das einen Namen haben mag eximiret wird 
u.s.w. das alles bey Vermeidung Unsers ernsten 
einsehens, biß an Uns ohne Sperrung und eintracht 
Oentzlich mittheilhafft erfrew - und fähig sein 
Laßen sollen. Uhrkundlich unsers untengesetzten 
Handtzeichens und Vorgedruckten Fürstl. cammer- 
secrets; Geben uff Unserm Schiosze Gottorff den 
10. Julij, ao 1663 DS 

P. Christian Albrecht. 

Abschrift von 1665, früher im landschaftlichen 
Archiv von Eiderstedt zu Tönning. 

Sie lag einer Gegenvorstellung bei, welche die 
Landschaft Eiderstedt gegen das Privileg richtete. 
Die Abschrift wurde nach dem Vermerk auf der 
Rückseite am 5. Juli 1665 im Eiderstedtischen Land- 
gericht niedergelegt. Der Maler wird in der Gegen- 
vorstellung ,,Monsr. Georg Ouenß Kunstmäßiger 
Schilder" genannt und ,, einem, so in Ihr. Durchl. 
würklichem officio begriffen" gegenübergestellt. Die 
Landschaft bittet ,,die exemtion nicht auch ad realia 
zu extendiren", weil dadurch im Deichwesen 
schwere Mißstände einreißen könnten, wenn Ovens 
seinen Anteil am Deich nicht in gehörigem Stande 
halten würde. Darunter müßten die Nachbarn 
leiden. Auch könnte die Eintreibung der auf die 
Ländereien gelegten Kontributionen Schwierig- 



keiten bereiten. Es wird weiter betont, ,,daß kein 
Edelmann, dessen Ländereien mit unter Unse 
Pflüge begriffen, er sey auch gewesen, wer er ge- 
wollt, diese Realexemtion jemals im Lande erhalten 
mügen, wie sie dann auch den Landesprivilegien 
schnurstracks z:uwidere". Die Eingabe, die in der 
Bitte gipfelt, ,, Georg Ouenß Privilegium dahin zu 
declariren, daß es in personalibus allein und nicht 
in realibus statt haben und gemeinet sein solle", 
wurde abschlägig beschieden. 

Nr. 6. 
1664, 8. November. 

Herzogliches Mandat (Proclam) betreffend den 
Verkauf von IOV2 Demat Land im Adensbüler 
Koog im Kirchspiel Tetenbüll durch Jacob Jansen 
in Friedrichstadt an Jürgen Ovens in Friedrichstadt. 
Wir Christian Albrecht thuen meniglich hiemit 
zu wissen, das uns Jacob Jansen anitzo in unser 
Friedrichstadt sich aufhaltend (unß) untertänigst 
supplicando zu vernehmen geben, wilcher gestaldt 
Er umb seines besseren nutzens willen an Jürgen 
O u e n s , in besagter unser Friedrichstadt seßhaft, 
vermuge Eines auffgerichteten Kauffbriefes Zehen- 
der halb Demat lands im Kirchspei "Letenbul im 
Adenßbuller Koge belegen, worunter die ungefehr 
Ein Demat achzehen Scheffelsaet^i), wilch'e der ver- 
kauffer neulich von Adrian Bowens an sich er- 
handelt mit begriffen. Erb und eigenthumblich 
umb Eine im Kauffbrieff benandte Summen Geldes 
verkauffet und abgetretten, bei welchen getroffenen 
Erbkauff dann unter andern verabredet, das solch 
Erkauffte Zehndehalb Demat landes umb mehrer 
des Kauffers und sein Erben künfftigen Ver- 
sicherung und damit Er so wenig ratione evic- 
tionis 12) als sonstet einiger ahn- und zuspruche sich 
zu befahren haben mugte, proclamiret werden solte, 
maßen Uns dann der Verkaufter deshalben (unß) 
unterthänigst angelanget, und wir dannhero solches 
proclama heut dato gnädiglich erkandt, mandieren 
und befehlen demnach allen und jeden, wilch 
auff mehrbemelt erkauffte und im Adensbuller 
Coge des Kirchspeis Tetenbühl belegene Zehnde- 
halb demat lands einige praetension und Zuspruche, 
sie ruhen her, wo sie immer können und wollen, 
zu haben (meinen), hiemit gnedigst und jedem 
sub poena praeclusi et perpetui silentii, wollend. 



1°) Versehen des Schreibers statt Ernstes. 



1') Noch heute in Eiderstedt gebräuchliches Maß. 
12) = hinsichtlich der gericlUlichen Wiedererlangung 
des Landes durch den früheren Eigentümer. 

121 



das der oder dieselbe in Zeit Sechs wochen den 
negsten nacli pubiicirung dieses solclie iiire ver- 
meinte praetension bei unserem Hoff und Cantzley 
Rhat und Stailer in Eiderstedt, Johann Samuel 
Heistermann von Ziehlberg nicht allein angeben, 
sondern auch Ihre befugnis vermittelst producirung 
Ihrer habenden Original Uhrkunde verificiren und 
darauff weiter rechtlicher Verordnung gadelich ") 
sein, mit dieser austrucklichen Verwarnung, das, 
wehr diesem nicht also nachlebt und sein Foderung 
in dem gesetzten termino nicht angibt und beschei- 
niget, der oder dieselbe nach vershMchener Frist damit 
weiter nicht gehört, besondere Ihnen perpetuum 
silentium imponiret, dem Kauffer aber, wann zu- 
uoderst, das sich niemand angeben, bescheiniget 
worden, das dominium gerichtlich adjudiciret wer- 
den stol, wonach sich also ein jedweder zu achten. 

Geben uff datt. 8. 9b 1664. 

Konzept im Staatsarchiv zu Schleswig unter 
A.XX., Nr. 3310. 

Nr. 7. 
1664, 25. November. 

Jürgen Ovens quittiert eigenhändig über den 
Empfang von 100 Reichstalern, die er auf Befehl 

der Herzogin Friderica Amalia erhalten hat. 

Ich vntergschriebener bescheinige hiemit, daß 
Ihr Hochfurstl : Durchl: Die Regierende Fürstin 
zu Schleswig-Holstein, meine Gnädigste Furstinne 
und Frauw, mir in abkurtz meiner Rechnung von 
Ihrem wtolbestalten Cammerdienem H Johan 
Heineman hat betzajen laßen Einhundert Rthl vf 
welche hiemit gebührendt quitiren thu. 

Gottorf, 25 9br: 1664 

JurgOvenßmp. 

Auf der Rückseite steht von der Hand des 
Kassenbeamten : 

Jürgen Ovenß Quitung, vff die Ihm, in ab- 
schlag seiner Rechnung, gezahlte 

100 Rhr: 
Nr. 211. Ab 1664. 

Staatsarchiv zu Schleswig unter A. XX., Nr. 3671. 

Nr. 8. 
1666, 2. April. 

Herzog Christian Albrecht 
verkauft Jürgen Ovens 83 Demat Land mit Ge- 
bäuden im Sieversfletherkooge, Kirchspiel Tetenbüll 
belegen, für 5934 Reichstaler 24 Schilling. 



Wir von Gottes gnaden Christian Albrecht Er- 
wöhlter Bischoff des Stiffts Lübeck, Erbe zu Nor- 
wegen, Hertz^ogk zu Schleßwig Hollstein, Stormarn 
und der Dithmarschen, Graff zu Oldenburgk vnnd 
Dellmenhorst u.s.w. Thun Kundt undt Bekennen 
hiemit, für Vns vnnd Vnßere Erben, auch Nach- 
kommen an der Regierung gegen Menniglichen, 
Das Wir Vnßere in Eyderstett im Sieversfleth Koge, 
des Kirchspiels TetenbUell Belegene Ländereyen, 
groß Drey und Achtzigk Dehmath', sambt darauff 
stehenden Gebewden, Allermaßen selbe itzO be- 
findlich, Bepüttet, Bepfehlet vnnd Begraben, 
vnnd von weylandt Cornelis Janßen vnd deßen 
Sohn Johan Cornelis Bißher zur Häur Bewohnet, 
Dem Ersahmen, Vnßem lieben getrewen Jürgen 
Ovenß Cbntrafaietern in Vnßer Statt Frie- 
derichstatt vmb vnd für Fünff tausendt Neun- 
hundertt Vier vnnd Dreyszigk Reichsthaler Vier 
vnd Zwanzigk Schilling, alß Jegliches Demath zu 
Ein vnd Siebenzigk Rthlr: 24 ß gerechneten vnd 
behandelten Kauffgeldes, Erb: vnnd Eigenthumb- 
lich, sambt aller frey vnnd gerechtigkeit. So Vnß 
bisher an diesem Hoffe zugestanden, ohne einigen 
Außzugk gnedigst verkauffet vnnd übertragen 
haben, Immaßen Vnß vorberührter behandelter 
Kauffschilling Soforth völlig und z'ur gnüege be- 
zahlet, Dahero Wir ihm vnd seine Erben für alle 
fernere an: vnnd Zusprüche Fürstl: allerdings 
quitieren vnnd loßzehlen. 

Setzen demnach gemelten Jürgen Ovens vnnd 
seinen Erben hiemit vnnd crafft dießes in die ge- 
ruhige poßeßion mehrberührler 83 Demath' Landes 
sambt allen pertinentiein an Gebewden, Teichen i*). 
Wegen, Stegen auch zubehörungen, Frey vnnd Ge- 
rechtigkeiten, allermaßen selbiges Vns bisher zu- 
stendig gewesen, für sich vnnd seine Erben von 
anstehendem Meytage anzurechnen, hinfüero zu- 
gebrauchen, vnnd im übrigen damit, alß mit andern 
seinen eigenthumblichen Güethem zuschälten vnnd 
zuwalten. Dieselbe solchermaßen wieder zuver- 
kauffen zuverheuren, zuvertauschen, zuversetzen, 
vnnd eigenes gefallens damit zuverfahren, ohn 
Vnßer, Vnßer Erben, bd'er Mennigliches eintrag 
vnnd Behinderung, Gestalt Wir ihme Solche Län- 
dereyen in vnd außerhalb Gerichts, auch gegen 
aller Beyspruchs Rechten, es habe nahmen wie es 
\\olle oder in Observantz gebracht oder nicht, 
hiebey Jederzeit Fürstl. gewehren vnnd dabey 



lä) gadelik, mndd., passend, bequem, gelegen. 

122 



1*) = Deichen. 



schützen vnnd \ertreten laßen wollen, Oetrewiich 
ohne gefehrde, Vhrkündlich Vnßers vntergesetzten 
Hanndtzeichens vnnd vorgetrukten Fürst!. Cammer 
Secrets, Geben auff Vnßerm Schloße Qottorff, am 
2. Aprilis Anno Eintausendt, Sechßhundertt, Sechß 
vnnd Sechßigk. 

Christian Albrecht. 

Das Original mit anhängendem Siegel in rotem 
Wachs in einer Holzkapsel ist im Besitz des Herrn 
A. Peters in Husum. Eine Abschrift mit zahl- 
reichen Änderungen in der Schreibung ruht im 
Staatsarchiv zu Schleswig unter A. XX, Nr. 3310. 

Das Areal des Hofes war bei der Aufteilung 
des Kooges unter die 18 Participanten an Johann 
von Wouwern gekommen. Das Land war bester 
Bonität. Alsbald kaufte Herzog Friedrich III. die 
83 Demat und machte einen Freihof daraus. 

Weitere Archivalien zur Geschichte des Hofes: 

Die Gebäude (der neue Heuw'berg) waren 1648 
auf Befehl des Herzogs Friedrichs III. neu auf- 
geführt worden. Der Bau kostete, soweit die Rech- 
nung angibt, ,,bis hieher", d. h. der Rohbau, rund 
1000# . (A.XXIV., Everschopp und Utholm 1648, 
Heubergs in Sieversfleth Baukosten-Rechnung, 
Nr. 17, Staatsarchiv zu Schleswig). 

Am 18. Mai 1696 bitten die Ovensschen Erben 
um Bestätigung des von Christian Albrecht erteilten 
Kaufbriefes. Es wurde für jedes Demat V2 Reichs- 
taler Landgeld neben Abgaben für Siele, Schleusen, 
Deiche und Dämme erhoben. (Staatsarchiv, Schles- 
wig, unter A. XX., Nr. 3310). 

Am 22. März 1697 wurde der Kaufbrief durch 
den Nachfolger Christian Albrechts, Herzog Fried- 
rich IV., bestätigt. 

Im Jahre 1700 bittet der Reisesekretär Johann 
Adolf Ovens um Abgabenfreiheit für den Ovens- 
schen Hof. 

Die Vorsteher der Landschaft Eiderstedt haben, 
wie sein Heuersmann (Pächter) berichtet, die Ab- 
sicht, seinen Hof mit zur Repartition der Kosten 
heranzuziehen, die die Ländereien bei den jüngst 
verwichenen Kriegstroublen erlitten haben. Der 
Hof ist aber in der Landesmatrikel nicht befindlich. 
Es folgt eine Anführung der Gründe, die gegen 
eine Heranziehung des vom Herzog Christian 
Albrecht dem Jürgen Ovens verkauften Hofes 
sprechen. 

Am 26. 12. 1700 ergeht an die Vorsteher der 
Landschaft das Verbot, den Hof des Joh. Ad. 



Ovens zur Repartition der Landes Onera heran- 
zuziehen. 

Am 10. 12. 1704 bittet Johann Adolf Ovens 
um neue Bestätigung. Der Staller erhält am 3. 12. 
1705 den Befehl, zu berichten, wie dieses Land an 
die Herrschaft gekommen sei, ob es Freiheiten 
und Immunitäten besitze und worin dieselben be- 
ständen. 

Aus Einzelakten unter A. XX., Nr. 3310 im 
Staatsarchiv zu Schleswig. 

Die weiteren den Hof betreffenden Akten sind 
im Besitze des Herrn A. Peters, Husum. Nach 
ihnen war der Hof 1738 im Besitz von Sekretär 
Peter Steffens Witwe, 1767 folgte Volquart Peter- 
sen, 1796 Peter Petersen, 1812 Arrien Janns Peters. 
1841 wurde dessen Sohn Jacob Albert Peters Be- 
sitzer, 1870 wieder dessen Sohn Cornelius Peters. 
Sein Sohn Michael Cornelius Peters übernahm den 
Hof im Jahre 1908 und besitzt ihn noch heute. 
Er liegt an der sog. Reichen Reihe. 

. Nr. 8a. 
Rechnungsbelege über den Verkauf des Hofes im 

Sievertsfletherkooge an Jürgen Ovens. 
(Unter) Einnahme zu Gottorff im Aprili 

2. April 1666 von Jürgen Ovens Contrafaietem 
in Friederichstadt für einen Hoff Landes, in Eyder- 
stedt im Kirchspiel Tetenbüll im Sievertflehtskoge 
belegen, groß 83 Demath, Welchen I. Fl. Durchl. 
ihm cum pertinentijs zu Kauffe und in Bezahlung 
wegen gefertigter Arbeidt gnedigst abgestanden, 
an behandelten Kauffgeldes vermöge des ihme 
darüber ertheilten Fürstl. Kauffbriefes bezahlt, 
5934 Reichst. 24 Schill. 

Denselben Gegenstand betreffen die beiden fol- 
genden Belege : 
(Unter) Außgabe an außgeliehenen Hauptsummen 

2. April 1666 Jürgen Ovens Contrafaietem in 
Friederichstatt einhält deßen reversus als fürge- 
setzet, welche aus dem ihme zu Kauffe gn. abge- 
standenen im Sievertflethskoge belegenen Hoff 
Landes restieren, die er auf negstkünfftigen Martini 
cum usuris zu bezahlen verschrieben 634 Reichst. 
24 Schill. 
(Unter) Einnahme im November (1666) 

Den 20. ejusdem von Jürgen Ovens üi Frie- 
derichstadt wegen des ihme gnädigst abgestan- 
denen Hofes und Ländereyen in Tetenbüller Kirch- 
spiel den Rest des Kauffgeldes an 634 R. 24 ß Ca- 
pitahl Benebenst 20 Reichst 12 Schill, daruf ge- 

123 



rechnete Zinßen wegen extradirung seines darüber 
ausgegebenen reversus zusammen eingesandt und 
empfangen 654 Reichst. 36 Schill. 

5. April 1666. Jürgen Ovens Contrafaietern in 
Friederichstadt für einige gefertigte und in I. Fürstl. 
Dürchl. Meines gnedigsten Fürsten und Herrn 
Fraw Muttern Gemache versetzte sachen einhalts 
der Beylage vergnüegt 5300 Reichst. 

Qottorfer Rentekammerrechnung, 1666, Reichs- 
archiv, Kopenhagen. 

Nr. 9. 

1666. Adam Olearius rühmt die Schönheit und 
Seltenheit der Schalen etlicher Muscheln und 
Schnecken. Ihren Farben könne weder der alte 
noch der neue Apelles, fferr Ovens, gerecht wer- 
den. Jens Martens, ein vornehmer Kaufmann in 
Friedrichstadt, sein guter Freund, der ein wohl- 
geordnetes Konchylien- und Raritätenkabinett be- 
sitze, habe die Schönheit der Muscheln in einem 
Rätsel mit sinnreichen Versen gewürdigt, das er 
zu Ehren des Besitzers und ider Muscheln abdrucke. 

also halte ich dafür, daß die Schalen 

etlicher Muscheln und Schnecken wegen Schön- 
heit u. Raritet der gemeinen Perlen, so nunmehr 
fast in allen Städten u dörffern am Weiblichen 
Schmuck gefunden werden, wo nicht übertreffen, 
doch ihnen gleichen können, wenn man auch nur 
ihre Farben, die weder der alte noch neue A p - 
pelles, Herr Ovens, mit ihrem künstlichen 
Pinsel so hoch bringen können, betrachten will. 
Und diß ist die Ursache, warumb sie von Lieb- 
habern, wie man derer viel in Holland findet, 
theuer an sich kauffet werden. Daher Herr Jens 
Martens, ein vornehmer Kauffmann in 
Friedrichstadt, mein guter Freund, der auch 
ein wol angerichtet Cabinet von allerhand schönen 
Conchylien u andern kostbaren Raritäten hat, die 
Würdigkeit der schönen Conchylien, in einem 
Rätzel mit sinnreichen Versen beschrieben u zu 
erkennen gegeben. Welches ich nicht minder dem 
Besitzer derselben Conchylien, als den Chon- 
chylien selbst zu Ehren mit hieher setzen will. 

Ein Rätzel. 
Welcher Creaturen Geburt u Todt 
ist am wunderlichsten, die ihre natürliche 
Schönheit so wo! im Tode als im Leben be- 
ständig erhalten? 

124 



Die Schönheit wird vergleicht der Blum, so bald 

verdirbet, 
Weil diese Gab im Tod auch mit hinfällt u stirbet 
Hergegen hat GOTT uns zum Spiegel vorgestellt, 
Daß keine Creatur uns gleichet in der Welt. 
Wenn alles nackt u bloß in Mutter Leib erschaffen, 
So treten wir herauff mit Häusern, Wehr imd 

Waffen, 
Auff tausenterley Art, sehr wunderlich formirt. 
Und ohne Menschen Hand so künstlich außgezlert. 
Daß der Apelles selbst beschämet muß abweichen, 
Weils ihm unmüglich fällt mit Farben auszu- 
streichen. 
Was Flora von sich rühmt. 
Zwar sie im Garten prangt. 
Wie daß ein jeder Fürst zu schauen sie verlangt. 
Sie bleibt doch kurtze Zeit, ja offt kaum eine 

Stunde, 
Bald kommt ein rauher Wind, u wirfft sie gar 

zu Grunde. 
Wir bleiben für u für, uns erbet Kindes-Kind, 
Uns raubet keine Zeit, kein Wetter, Sturm noch 

Wind. 
So kan Natura uns durch ihre Künste zieren. 
Daß wir auch nach dem Todt unwandelbar floriren. 
Ist jemand unser Nahm u Wohnung unbekandt, 
Der rathe was da blüht, wenn Hyems zwingt 

das Land. 

Item: 
Der Indianischen See-Schnecken u Muscheln , 
Verantwortung auff ihre verächtliche 
Nahmen 

Gegen der Edelgestein u Perlen höhe 
Ehren-Titel. 

An die Liebhaber Göttlicher Wunderwerken. 
Ihr Perlen u Gestein, wie mügt ihr doch so 

prangen, 
Als wolt ihr mit Gewalt den höchsten Ruhm 

erlangen 
Was Schönheit habt ihr mehr zur Augen-Lust, 

als wir? 
Nur bloßer Glantz u Schein ist eure höchste Zier. 
Den doch den Menschen Witz an euch thut practi- 

ciren, 
Daß euer großer Ruhm soll herrlich' triumphiren. 
Für Ankunfft zwar u Stamm kommt mit uns überein. 
Weil ihr im Koth u Schlam wie wir gebohren seyn. 



Hat uns das wüste Meer ans Ufer außgegoßen ? 

Aus diesem tieffen Grab ihr ja aucli seyd ent- 
sproßen. 

Allein der Menschen Witz hat euch nur für die Welt 

Zum Hochmuth theur geschätzt, u auff den Thron 
gestellt. 

Eur Blinken, u eur Schein die Hertzen kan ver- 
blenden, 

Daß sie des Schöpfers Ehr an euch Abgötter 
wenden. 

Hingegen hat GOTT uns mit seiner Hand ge- 
schmückt. 

Und als ein Wunderwerk zu seinem Ruhm ge- 
schickt. 

Daß gleichsam er damit der Menschen Witz will 
trutzen, 

Daß sie mit ihrer Kunst mit ihrem Götzen putzen 

Beschämet müßen stehn, bey seiner Kunst u Fleiß, 

Damit er uns geziert auff Tausenterley weiß, 

Daß wir auch keinem Stein noch Perlen dürffen 
weichen. 

Kein künstlicher Pinseel kan uns perfect auß- 
streichen 

Wie hoch der Mahler Kunst auch in den Wolken 
schwebt, 

Und über die Natur ihr Schatten-Werk erhebt. 

Wir stehn das gantze Jahr als unverwelkte Blüte 

Und zeigen Gottes Werk u seine große Güte 

An unserm schlechten Stand, die wir offt seynd 
ein Spott. 

Du Moses, sagest recht; O wunderbahrer Gott! 

Was man geringe hält, das kanstu so begaben. 

Daß Menschen vom Verstand daran Ergetzung 
haben, 

Dein Schmuck macht uns, daß wir durch reiche 
Hände gehn, 

Wer weite sonst auff uns verachte Schnecken sehn ? 

Nun wir seynd aus dem Koth gleich wie ihr auff- 
genommen, 

Und auch in gleicher Ehr auff Seiden Läger 
kommen. 

Doch wo des Mammons Raht wird gegen uns gesetzt, 

So wird das Geld allein fürs edelste geschätzt usw. 
J. M. 

Aus Olearius, Gottorffische Kunst-Kammer 
1666, S. 57 ff. Das Buch wurde 1674, „zum 
andermal gedruckt". Ein Neudruck der zweiten 
Auflage erschien 1703 zu Frankfurt. In dieser 
zweiten Auflage findet sich die Stelle S. 53 ff. 



Die zwei Gedichte sind, aus Olearius über- 
nommen, abgedruckt in dem im Besitz der Staats- 
bibliothek zu Berlin befindlichen Werke „des 
Michael Bernhard Valentini, Musei Museörum oder 
der vollständigen Schau Bühne frembder Na- 
turalien zweyter Theil", Franckfurt am Mayn 1714, 
S. 189 f. Valentini spricht von dem ,, artigen 
Rätzel" des Jens Martens, „so er seinem Muschel- 
Cabinet" beygesetzet . . ." Danach könnte es 
scheinen, als ob Jens Martens eine Beschreibung 
seiner Konchylien in Druck gegeben habe"). 
Teil I. desselben Werkes war schon 1704 unter 
dem Titel : Michael Bernhard Valentini Museum 
Museörum oder vollständige Schau Bühne aller 
Materialien und Specereyen u.s.w. ebenfalls zu 
Frankfurt am Main erschienen (Staatsbibliothek, 
Berlin). Dort ist in der Abteilung, Unvorgreiff- 
liches Bedencken von Kunst- und Naturalien-Kam- 
mern insgemein ein Catalogus .... der Kunst- 
Antiquitäten-Schatz- und fürnehmlich Naturalien- 
Xammern abgedruckt. In ihm wird S. 20 unter 
Friedrichstadt als Besitzer einer solchen angeführt: 
N;i'') Ovenii Socer. Dasselbe Citat findet sich in 
der 1714 in einem Bande erschienenen" „z^i'eyten 
Edition" (Kieler Universitätsbibliothek). 

Nr. 10. 
1670, 26. Januar. 

Jürgen Ovens quittiert eigenhändig über den 
Empfang von 1500 Reichstalem, die ihm aus der 
herzoglichen Kasse bezahlt sind. 
Daß dhero zu Schleswig, Holstein u.s.w. 
Regierender HochF^uretl: Durchl: 
wolbetrauwter Renttmeister 
Herr Georg Holmer, vf AllerhögstgeEhrte 
Seiner HochFurstl: Dl. unterschriebene 
Rechnung, Heut Dato bahr, in Somma 
Eintausent vnd Fümfhundert Rthlr 
an mir z:u Endesbenanter betzalet hat, 
solches bescheinige, vnd quitire bestens 



l 



15) Freilich habe ich eine gedruckte Beschreibung der 
Sammlung des Jens Martens nicht feststellen können. 
Auch wird eine solche von Klemm, Zur Geschichte der 
Sammlungen für Wissenschaft und Kunst in Deutsch- 
land, 2. Auflage, 1838, der S. 213—229 viele derartige 
Sammlungen aus dem 17. Jahrhundert aufzahlt, nicht er- 
wähnt. ' ! i 

1«) Druckfehler statt J, vielleicht auch Verwechselung. 
mit Nicolaus Ovens, der von 1661 — 1667 Mitglied des 
Rats in Friedrichstadt war, ohne jedoch mit dem Maler 
verwandt zu sein. 

125 



hiemit, Ihm dem Hern Renttmeister, 
od : wem solches von nöthen sein wird, 
d. 26t Januarij 1670. Schleswigh. 

Jürgen Ovenß mpp. 
Auf die Rückseite hat der Kassenbeamte ge- 
schrieben : 

Jürgen Ovenß in Friederichstadt einhält dieser 
Quitung auf abrechnung seiner habenden für- 
derung bezahU 1500 Rth. 

No. Anno 1670. 
Unter A. XX, 3310, Staatsarchiv, Schleswig. 

Nr. 11. 
1671, Aug-ust. 

Schreiben des Jürgen Ovens an die beiden fürst- 
lichen Kammerräte betreffend den Wiederaufbau 

der lutherischen Kirche in Friedrich'stadt. 

Unterdienstliche undt unvorgreiffliche Vor- 
stell(ung) der fast verfallenden Kirchen zur Fried- 
richstadt auffbaw wnd wie die Gelder ohn unter- 
schleiff und sicher angewandt können werden. 

1. Wan Ihr. Hochfürstl. Durchl. nach Ihrer an- 
gebohrnen Hochfürstl. Guete den elendigen zu- 
standt der Lutherischen von Ihro Gottseeligsten 
H. Vattern gestiffteten Kirchen Sich nun aller- 
gnädigst annehmen wollen, dörffeii dazu Ihro 
Durchl. Hoff Mawer Meister und Zimmer Mann 
zur Vereinbahrung/ : ob der schade und der riß der 
Kirchen von dehm Thurmb, oder die Kirche an 
sich selbst geschehen sey:/ nöthig sein. Wan als- 
dann selbiges gefunden sey, so würden Hochfürstl. 
Comniissarien erfodert werden, so bey selbigem 
Werck mit wehren i'). Und 2. das Werck ver- 
dungen, und alsdann dehnen Kirchen Geschwoor- 
nen öder Baw Meistern sampt dem Hochfürstl. 
Pfenning Meistern daselbst anzubefehlen, daß Ihro 
der Hochfürstl. Comniissarien beschick Sie wohl 
achtung geben, daß guete und nach dehm Gon- 
tract düchtige Materialien herbey geschaffet wer- 
den, Und da der Herr Obrister Walter/: Weil 
Sie dergleichen Wercke viel unter händen ge- 
habt haben, und Wegen der Nähe:/ sich dabei 
bequehmen w'olten. So hielte selbige auffsicht gar 
nöthig: Der Herr Ampts Inspectori*) haben auch 
sampt dem H. Rent Meistern i») daß. beste zu thuen 
ehender versprochen. Meine Höchst zu ehrende 
und hochgebietende Herren, Herren Cannner 

17) = wären. 

18) Joachim Schmidt, 
lä) Hiniich Holmer. 



Räthe wollen aber höchstgeneigt Mir diese kühne 
verzeihen, und hoffe Ihro eigene miltthätige güete 
werden diese unser aindrohende Gefahr durch Ihro 
hohe Vorsichtigkeit entnehmen. Die Gnade Gottes 
wird Ihro Excellentz Excellentz Lohn sein, maßen 
das bewegliche schreiben unsers Herrn Pastoren, 
auch immer und stätiges gebeth Ihro Guete halber 
verspricht, und Ich umb der Gemeinde willen 
sterbe 

Ew. Eiw. Excellentz Excellentz 

unterdienstergebenster und allergehöhrsamb'ster 

Diehner 

J. Ovensz. 

Die durch den Pastor Friedrich Fabricius be- 
sorgte Abschrift des Ovensschen Schreibens liegt 
im Archiv der lutherischen Gemeinde zu Friedrich- 
stadt. Das verschollene Original überreichte Fa- 
bricius nach einer Notiz im Kirchenprotokoll im 
August 1671. 

Nr. 12. 
1673, 23. Juli. 

Jürgen Ovens spendet für den Wiederaufbau der 
lutherischen Kirche in Friedrichstadt 50 Reichsüiler 
und verspricht, nach Vollendung des Baus der 
Kirche einen Schmuck zum Gedächtnis zu schenken. 

Jürgen Ovenß hat zu reparir: vnd erbauwung 
der Evangelischeti Lutherischen Kirchen in Frijd- 
richstadt verEhret Fumfftzyig Reichsitaller vnd ver- 
spricht, bey Volbauwung mit Ein gedechtnus Or- 
nament einzukommen. 

50 Rhl. Frijdrichstadt d. 23t. Julij 1673. 

Eigenhändige Eintragung in dem Kollekten- 
buch der ev. lutherischen Kirche in Friedrichstadt. 

Der Quartband mit Goldschnitt, in Holzdeckel 
gebunden, enthält Eintragungen von Spenden für 
die Reparierung der Kirche und ist am 8. Mai 1672 
von Pastor Fabricius begonnen 20). 



20) Das Buch hat seine Geschichte. Die Friedrich- 
städter Kirchenrechnung, S. 89, 166Q, 22. März, berichtet: 
„Der Kirchen halber nadh Schleßwig gereißet, wegen das 
Gebäude angehalten zu reparieren, zu der Zeit zur Antwort 
bekommen, es sollte ein Buch gemachet werden, damit 
Ihr. Hochfürstl. Durdil., was sie aus Fürstl. Milde zur 
Kirchen verehren wollten, könnten hin einschreiben, sel- 
biges Buch verfertigen lassen und dafür geben 2 -^ 8 ß ." 

Ebendort: „1670, 6. April seindt der Herr Magister 
und ich (Heinrich Jürgens, der Kirdienrechnungsführer) 
nach Schleswig gereiset, vorgedachtes Buch alldar zu 
präsentieren und alldar drei Tage gelegen; haben aber zu 
der Zeit nichtes erhalten können, ist darüber ver2!ehret 
12 # 8 ß. 

Dem Fuhrmann geben 9 ß." 



126 



Die Eintragung des Jürgen Ovens steht un- 
mittelbar hinter der Einzeichnung des Pastors, 
dessen Schwiegermutter, der Witwe Anna Sperling, 
und dessen Ehefrau Anna. Sie gaben zusammen 
14 Reichstaler. 

Am selben Tag wie der Maler trug sich auch 
sein Schwiegervater Jens Martens ein. Vgl. S. 112. 

Peter Jürgens, der eine der Halbbrüder des 
Jürgen Ovens, gab ebenfalls 20 Reichstaler, wäh- 
rend der andere, Hinrich, sich mit 10 Reichstalern 
begnügte. Rudolf Burmester spendete 20 Reichs- 
taler. Der Herzog Christian Albrecht steuerte 
200 Reichstaler bei, die Herzogin Friederica Amalia 
100. 

Die Kieler Universität kontribuierte nach einer 
Eintragung des Rektors Joh. Daniel Major vom 
3. April 1673 32 Reichstaler. Der Kanzler Kiel- 
manseck und seine Söhne Friedrich Christian, 
Johann Adolf und Hans Hinrich schenkten jeder 
20 Reichstaler. Der Rat der Stadt Hamburg spen- 
dete 40 Reichstaler ^1), der von Lübeck 50 Mark 
Lübsch, die Landschaft Stapelhblm 50 Reichstaler, 
die beiden mennonitischen Gemeinden in Fried- 
richstadt 100 Reichstaler, ebensoviel die Landschaft 
Eiderstedt, das Kirchspiel Koldenbüttel 50 Reichs- 
taler. 

Nr. 13. 
1650 oder 165122). 



-1) Aus Hamburg flössen viele Gaben. Besonders tat 
sich die Familie Burmester hervor, von der ein Zweig 
nach Friedrichstadt ausgewandert war. 5 ih'rer Hamburger 
Mitglieder steuerten bei. Über diese Familie vgl.: Die 
niederländische und hamburgische Familie Amsinck, 2. 
Teil, 1. Heft, Hamburg 1891, S. LXXXII bis LXXXIX. 
Von Hamburger Spendern nenne ich noch Wichmann 
Lastrop (3 Reichstaler), über den die Friedrichstädter Po- 
lizeiprotokoHe, I. Teil, S. 370, Anm'. 1 zu vergleichen sind, 
und Michel Knust (20 Reichstaler). Letzterer wird bei 
Buek, Die hamburgischen Oberalten, Hamburg 1857, S. 174 
erwähnt. Er war 1693 Jurat der St. Katharinenkirche in 
Hamburg (Faulwasser, Die St. Katharinenkirche in 
Hamburg, 1896, S. 159) und wurde 1694 Kämmereiver- 
ordneter (Chronologisches Verzeichnis der Mitglieder des 
Rats, der Oberalten und der Verordneten der Kämmerei, 
Hamburg 1820, S. 118). Michael Knnst schenkte, wie 
das Friedrichstädter lutherische Kirchenprotokoll berichtet, 
der Kirche 1689 „eine artige Messingskrone . . . nebenst 

4 unterschiedenen Messings-Armeleuchtern " Der 

Kronleuchter und zwei der hervorragend schönen Arm- 
leuchter (Abb. bei Haupt, Die Bau- und Kunstdenkmäler 
usw. II., S. 230) sind noch heute ein Schmuck der Kirche. 



Jürgen Ovens spendet für die Erbauung der 
Friedrichsberger Kirche in Schleswig 6 Reichstaler. 
[Unter] Tönning. 

Jürgen Ovens. 6 Reichstaler ^s). 
Kirchenrechnungsbuch der Friedrichsberger 
Kirche in Schleswig (1650 ff.). 

Im Anfang des Buchs wird berichtet, daß Frau 
Elisabeth Behling^*) zur Erbauung einer Kirche 
,,im itzo, olim Cratzenberge, genannten Friede- 
richsberge" 25) Reichstaler „verehret und her- 
geschossen habe". Das Geld habe aber nicht ge- 
reicht, so daßi Sammlungen veranstaltet seien, über 
die in dem Buch Rechnung abgelegt wird. Aus 
der Ausgabe 1650 ergibt sich, daß man zwei Kol- 
lektenbücher machen ließ, in die sich die Spender 
eintrugen. Leider sind sie verloren gegangen. Ins- 
gesamt wurden 2016 Reichstaler 30 Schilling ge- 
sammelt. Der Herzlog und die Herzogin gaben je 
350 Reichstaler, der Herzjog außerdem noch für 
zwei Fensterluchten 20 Reichstaler 34 Schilling. 
Ferner finden sich u. a. folgende Eintragungen : 
Joh. Adolff Kiellman, Hoffcantzler 10 Reichst. 
M. Adamus Olearius, Mathemat. & Bibliothecarius 
[Unter] Hamburg [20 "Reichst. 

Hans Lambrecht 25 Reichstaler -'s) 
Herman Lambrecht 2 Reichslaler 
[Unter] Tönning. 

Ove Broders 2 Reichstaler 

Jens Martens 2 Reichstaler 

Nr. 14. 
1667, 8. November. 

Jürgen Ovens spendet für die Erbauung des luthe- 
rischen Pfarrhauses in Friedrichstadt 20 Reichstaler. 
Auß Christschüldigstem gemüthe vor die hierin 
offtberüerte Intention hat J. Ovens gegeben 
d. 8t. 9bris 1667 20 Rdlr. 



22) Nach A. Olearius, Kurtzer Begriff einer Holsteini- 
schen Chronic usw. 1663, S. 297 ist die Kirche am Sonn- 
tag Exaudi (21. Mai) 1651 eingeweiht worden. 

23) Nur ein einziger gab in Tönning mehr als Jürgen 
Ovens. , ' I ' I 

21) Sie stiftete 1668 auch das geschnitzte Epitaph in 
der Friedrichsberger Kirche, das sie mit Gatten und Sohn 
darstellt. ' ' ' 

25) Der Raum für die Summe ist freigelassen. 

2") Über diesen Hamburger Goldschmied, der viel für 
den Gottorfer Hof gearbeitet hat, vgl. des Verfassers Oot- 
torffer Künstler, II. Teil (Quellen und Forschungen zur 
Geschichte Schleswig-Holsteins, 5. Band 1917, S. 325 ff .) 
und Biernatzki, Der Gottorfer Silberaltar (Schleswig-Hol- 
steinischer Kunstkalender 1918/19, S. 3 ff.). 

127 



Eigenhändige Eintragung in einem heute ver- 
schollenen Sammelbuch in Duodez, Ordentliche 
Designation zum Bau des lutherischen Pfarrhauses 
in Friedrichstadt von M. Friederico Fabricio-'). 

Am gleichen Tage trug sich der Schwiegervater 
des Malers ebenfalls eigenhändig ein-'«), vgl. S. 112. 

Nr. 15. 
1678, 31. Dezember. 

Eigenhändiger Brief der Witwe des Jürgen Ovens, 
in dem sie dem fürstlichen Hof- und Kanzleirat 
Hinrich Schmidt mitteilt, daß ihr Gatte nach 44- 
wöchiger schwerer Krankheit am 9. Dezember 
verschieden ist und den Empfänger und seine 
Gattin bittet, der auf den 21. Januar 1679, mittags 
12 Uhr angesetzten Bestattungsfeier beizuwohnen. 
Hochedler, vest- und hochgelahrter herr hoff 
raht, hoch ehren-geneigter herr und großer gönner. 
Demselben muß jch mit höchst-betrübtem hertzen 
und gemüthe berichten, daß der all waltende große 
Gott nach seinen unveränderlichen rath-schluß und 
unbegreifflichen Willen meinen hertz allerliebsten 
eheherren den weyland wohl edlen und vesten 
herren Georg Ovens, hoch-fürstlichen viel-jährigen 
bedienten, mit welchem jch nunmehro über 26 
Jahren in erwünscheter vergnüglichkeit ehelich ge- 
lebet, den 9ten itzt-lauffenden Christ-monadts zu 
nachts umb 12 uhr in hertzlicher anruffung Gottes 
bey völligem verstände ohne einige todes-angst 
mü- von der seyten entfernet und demselben der 
ewigen unzerstörlichen ruhe gewürdiget. Ob nun 
woll meinem sehligen ehe-schatz durch solchen 
tödtlichen hintritt aus dieser Sterblichkeit nur das 
jenige begegnet, welches allen in der weit lebenden 
JVlenschen aus dem gesetz der angeerbeten Sterb- 
lichkeit gemein, auch er vielen, beschwerlichkeiten, 
sonderlich aber seiner 44 wöchichen mühsehiigen 
kranckheit entkommen ist, so kan mann jedoch 
leichtlich ermeßen, wie sch'mertzlich mir dieser 
kläglicher todesfall zu hertzen tritt, und in welchem 
betrübten witwen- und weysenstande jch neben 
meines theils^^) unerzfogenen 8 kindern gerathen. 
Wie aber keinem Christen gebühret des aller- 



^') Nach Biernatzkis handschriftiicher Sammlung ur- 
kundlicher Nachrichten zur Kunstgeschichte Schleswig- 
Holsteins. 

28) Auch Peter und Heinrich Jürgens, Ovens' Halb- 
bi-fider, beteiligten sich an der Spende. 

-^) Ein Schreibfehler. Es muß heißen entweder: 
meinen, thcils oder: meisten theils. 



höchsten verfügnüs einiger Ungerechtigkeit zu be- 
schuldigen, soselbsten faße jch meine seele in ge- 
dult und unterwerffe mich der beschehenen väter- 
lichen Züchtigung in schuldigem gehorsahm, er- 
kenne auch dabey Christlich, daß meines sehligen 
liebsten entsehlten Cörper nunmehro nichts dien- 
lichers denn als die fordersahmste erd-bestätigung 
wieder-fahren könne, zu dero behülff dann der 
21. Januarij des herannahhenden 1679 jahres be- 
rahmet und angesetzet ist. Und weil es nuhn in 
meiner großen hertzempfindlichen Traurigkeit zu 
einer unvergeßenen soulagement gedeyen würde, 
wen mein hochgeehrter herr sich seiner affairen 
so weit zu entledigen und neben seiner frau lieb- 
sten, die jch hierumb gleichfalls höchlich zu bitten 
habe, meines sehligen ehe-herren funeral deduction 
mit ihrer gegenwart zu beehren geruhen wtolten, 
als gelanget an demselben meine ehren-dienstlichste 
bitte allhier zeitig-gnug anzulangen, folgendlich 
auff den denominierten tag nachmittags umb 12 
uhr in meine behausung zu erscheinen und meinem 
wehrtesten sehligen liebsten die letzte ehre in be- 
gleitung bis an seiner ruhe-stete unbescher^») zu 
erweijsen. Solches werde, Gott gönne es mir 
aber in frölichem begeben helfen, nach' vermögen 
ersetzen als die jch unter getreuer empfehlung 
Gottes, ohne dem bin und verbleibe meines hoch 
ehren geneigten herrn hoffraths und wertesten 
gönners ehren-dienst bereitwilligste 

Maria Ovens wittibe. 

Friderichstadt den 31. Decembris anno 1678. 

Die Aufschrift lautet: 

Dem hochedlen vest- und hochgelahrten hern, 
hern Hinrico Schmiden dero zu Schleßwig-Hol- 
stein regierenden hochfürstlichen durchlaucht 
hochbetrauten hoff- und cantzeley-rath', meinem 
hoch ehren-geneigten herrn und großen gönner 
werde dieses dienstlich ; Sleswig. 

Das Schreiben ruht im Reichsarchiv zu Kopen- 
hagen unter Specialia, Borgerlige O, Nr. 2. 

Der Papierbogen weist Silberschnitt auf. Über 
das an ihm befindliche Siegel von schwarzem 
Lack und das Wappen des Malers vgl. S. 115 f. 

Das Schreiben ist veröffentlicht in Aarsberet- 
ninger fra det kongelige Geheimearkiv, VI. Bd., 
1876—1882, S. 32 ff. 



äO) Ein Schreibfehler statt: unbeschweret. 



128 



Nr. 16. 

Grabschrift des Jürgen Ovens. 
1679, 21. Januar. 

(Seite 1.) Nomen celebratissimum, viri in arte gra- 
phica olim praestantissimi, Dn. Georgii Ovenii, tu- 
mulo inscribendum XXI. Januarii. A. MDCLXXIX 
(Seite 2.) 

Epigr. 
Mors 31) rerum iinea est ultima. 
Scribite ita super hunc tumulum, scribite. 

Qui inferendus est, 
Vir fuit ex arte sua Nobilissimus, 

Georgius Ovenus. 
Quod in Zeuxidis coloribus mirata 

Vetustas est. Quod 
Post tabuiam suam audire Apelles gestivit. 
Quod a Parrhasii inclitum»-') fuit penicillo. 

Etiam posterior aevitas 
In amplitudinibus aestimavit Angeiiss) Bonarosae. 

In Raphaeiis Urbinatis amoenitate. 

In vivacitite Titiani Veneti. 
In accuratione Dureri & expresso ductu 

In Rubenü lucido. Remperti 
Um bris & audaci litura. 

In monochromatis^i) V!inci<ii. 

Cailotii^^) minutiis. 

In ceterorum ^s) etiam aut arte 

Aut artis imitamento 

Demirata concelebravit. 
Omne iliud noster nostro dedit seculo. 

Habet ä") ab ejus Chromate, 
Quod Belga aestiinat, Britto admiratur, 

Ad quae ringitur Itiius, 
Cimber inter domos Principales 
(Seite 3.) 

Porticiibus totis ambitiöse possidet^«). 
Dies fuit V. ante idus Decembres 
Anni vergentis MDCLXXIIX. 
Quum iinea illi suprema scripta fuit. 

Scripserat ista manus totiens. 
Quod ex coloribus pulcrum, elegans 

speciosum 

^1) Bei Pontoppidan (P.) folgt auf mors: ergo. 
^^) P. : pictum. 
33) P.: Angli. 
'*) P. : monochrommatis. 
35) P.: Collotii. 
3S) P. : caeterorum. 

3') Ich habe Habet eingesetzt für die grammatisch un- 
mögliche Lesart Habent, die der Druck und P. bieten. 
38) Die Zeile fehlt bei P. 



Ex cura eminens et elaboratum 
Et quia ab illo pollice celebre 

Erat & ostentandum. 
Et cui vel M'omus non39) defavebat. 
Sed tarnen, quod officinae huic solemne est. 

Lumen ilia umbrae sapienter immiscet. Et 
* Ex toni sui, quem vocat, nitido per harmogen 
In suffuscum transit. 
Spien dor obscuro interseiutur. 
Meditabatur ista noster &*») ecoe 
*Plin. Lib. XXXV cap. 5"). 
Coelum suspicit & coeli sine nube sidera*^) 
Et quid, inquit, mortaies, cum his 
Umbris nostris«) opus facimus?") 
Date quae sine umbris luces sunt. 
Scribam, quod non nisi**) in sereno fluat. 
Corda tabellae") erunt. colores aurei 
Et sine fuco. Amor In Deum. 
Quae heic afflictiones sunt, colores serent. 

Lachrimae aquam suffundent. 
Miscebit oleum, quae in proximum est Caritas«) 

Medita- 
(Seite 4.) 

Meditatio sancta lineas ducet primas.*')" 
Graphium. fides erit. in unum mortalltatis 
Damnatae Salvatorem J e s u m. 
Hujus erit. quam pingendam faciem 

Intuebor.*9) 
Nuila dies sine Ista fluet iinea. 
Spes futura. operae dicetur pretlum. 
F e I i c 1 1 e r ! 
Exactum ita opus est. 
Translata illl»") supra sidera officina. 

Spectare jam. in primo typo. ipsum 
Pulcrum. lubentia esse Incepit. 
Ut imltaretur") meditamenta ista. 
Emigrans sobolem commonuit. 



39) 
40) 

«) 

43) 
44) 
4,')) 
46) 
47) 
48) 

primas. 

49) 
50) 
51) 



l 



P. hat die falsche Lesart nos. 

P. : et. 

Diese Anmerkung fehlt bei P. 

Die Zeile fehlt bei P. 

Das Wort fehlt bei P. 

Das Fragezeichen fehlt bei P. 

P. : nisii. 

P.: t;ibella. 

P. : charitas. 

Bei P. lautet die Zeile: Meditatio sancta ducit 

P. hat die falsche Lesart istae. 

P.: illa. 

Ich folge P. Das gedruckte Blatt hat: imitarentur. 

129 



Et postid-hac. Pa ngere n t''-') A e tern i t a ti-''^) 
Ob. aet. LV. 

fec. 
M. O. Henr. Burchardus. 

Vier Seiten Druck in Folio in einem Sammel- 
band, Libri minores Cimbrici 13, Biographica NO 
Nr. 90 (Folio), Kieler Universitätsbibliothek. Die 
Orabschrift ist mit verschiedenen Änderungen, die 
unter P. aufgeführt werden, abgedruckt bei Pon- 
toppidan, Marmora Danica, Tom. II. 1741, S. 340 ff. 
unter den Orabschriften im Dom zu Schleswig'''). 
fe scheint sich jedoch nur um einen dichterischen 
Nachruf zu handeln. Jedenfalls ist ein Grabstein 
des Ovens nicht im Dom zu Schleswig gewesen, 
vgl. Haupt, Die Bau- und Kunstdenkmäler u.s.w. 
II., S. 307. Ovens' Grab befindet sich in der lutheri- 
schen Kirche zu Friedrichstadt '>5), nicht, wie noch 
Sach, Geschichte der Stadt Schleswig 1875, S. 197 
annahm, im Dom zu Schleswig. 

Über den Verfasser der Grabschrift vgl. Moller, 
Cimbria literata, I, S. 79 ff. Nach Moller war 
Georg Heinrich Burchard seit 165 . Diakonus am 
Dom zu Schleswig. Er bekleidete das Amt etwa 
30 Jahre, f 1701. Die von Burchard verfaßte 
Grabschrift des Malers erwähnt Moller, der eine 
Reihe der Schriften Burchards anführt, nicht. 

Übersetzung der Grabschrift d'es Jürgen Ovens. 

Die letzte Linie zog wie stets der Tod. So 
schreibt die Inschrift auf dies Grab. Schreibt: 
Der hier zu betten ist, war seiner Kunst vor- 
nehmster Meister, Jürgen Ovens. Was an des 
Zeuxis Farben einst das Altertum entzückt, was des 
Apelles Tafeln nachgerühmt, was preislich an Parr- 
hasius' Pinsel war, was eine spät're Zeit bewun- 
dernd feierte, den Reichtum Michel Angelos, die 
Anmut Raphaels, die Lebensfrische Tizians, des 
hochberühmten Dürers taktfest sichern Strich, den 
lichtgetränkten Pinsel eines Rubens wie Rembrandts 
Schattentiefe, seinen kühnen Farbenauftrag, die 
Farbeneinheit eines Vlinck und Callots peinliche 
Genauigkeit und all der andern Meister Kunst und 
Kunstnachahmung, das alles gab unser Meister 
unserm Jahrhundert. Es besitzt von seinem Pinsel, 



52) So P. Das gedruckte Blatt hat: Pingerent. 

53) Bei P. lautet die Zeile: Haec Pangerent Aeternitati. 

54) Der Pontoppidansclie Te,\t bei Sach, Geschichte der 
Stadt Schleswig, S. 188 f. 

55) Vgl. S. 51 und S. 101, 116 f. 



was der Beiger schätzt, der Britte bewundert, der 
Italiener anstaunt, in seiner Fürsten Hallen, in 
weiten Säulengängen voll Stolz der Cimber. Am 
9. Dezember war's des zur Rüste sich neigenden 
Jahres 1678, als jene letzte Linie ward gezogen. 
So oft hatte seine Hand hingeworfen, was die 
Farben Schönes, Feines, Herrliches in sich bergen, 
was sorgsamer Fleiß zu leisten fähig, was, weil von 
solcher Hand geschaffen, gepriesen ward und vieler 
Augenweide, daß selbst der krittelnde Tadel ver- 
stummte. Und doch, auch dem Licht, das seinem 
Schaffen eigentümlich war, mischt weislich er 
Schatten bei, und aus dem Glänze seiner Farbe 
spielt durch geschickte Mischung das Leuchten 
in gedämpfte Töne über, vermählt sich dem 
Dunkel. Des gedachte er wohl, unser Meister, 
und siehe, zum Himmel schaut er auf und zu des 
Himmels klaren Gestirnen, und also spricht sein 
Mund : Was schaffen wir Sterblichen Werke mit 
vergänglichem Schatten ? Zu teil mir werde Glanz 
des Lichts ohn' irdische Schatten ! Malen will ich, 
was nur im heitern Himmelslichte schimmere. 
Herzen werden die Leinwand sein, golden die 
Farben und ohne geborgten Glanz: Die Liebe zu 
Gott. Die Heimsuchungen hienieden werden die 
Farben spenden, Tränen das Wasser geben, Liebe, 
die Liebe gegen den Nächsten das Öl beimischen. 
Fromme Betrachtung soll die ersten Striche führen, 
Stift soll sein der Glaube an Jesum, den einigen 
Erlöser einer verlornen Menschheit. Sein Ange- 
sicht zu malen, will ich auf ihn schauen. Kein 
Tag soll vergehn ohne einen Zug an diesem Bilde. 
Mein Hoffen gründet sich auf jene Welt. Der 
Arbeit wird ihr Lohn werden. Glückauf! Voll- 
endet ward also das Werk, sein Schaffen über die 
Sterne hinauf getragen. Schauen zu dürfen in 
seiner Urgestalt das Schöne selbst, regte sich be- 
reits die Freude, sodaß er jene Gesichte nach- 
bildete. Heimgehend mahnt er die Nachwelt, die 
Menschen sollen hernach auch hienieden für die 
Ewigkeit schaffen. 

Er ging heim seines Alters 55 Jahr. 
Gedichtet von 
Magister G. Hinrich Burchard. 

Nr. 17. 
1680, 23. Juni. 
Eigenhändige Rechnung der Witwe Ovens über 
ein von Jürgen Ovens 1677 in Hamburg gemaltes 



130 



Bildnis des Herzogs Christian Albrecht, das die 

Prinzessin Anna Dorothea in Husum erhielt. 

Anno 1677 im Majo. 

Auff Gnädigsten Befehl Ihrer Hochfürstlichen 
Durchlaucht ist mein Sehl. Mann JürgenOvens 
nach Hamburg gereyßet, und hat daselbst Ihrer 
Durchlaucht Contrefait curieus in halber positur 
geschildert, auch selbiges auff höchstgeehrtesten 
Ihrer Durchlaucht Gnädigsten Belieben d. 28. 
Augusti am Herrn Kammerdiener Heinmann nach 
Husum gesant, umb an Ihro Durchlaucht Printzes- 
sin Anna Dorothea offeriret zu \x-erden 60 Rthlr. 

Die Reyße-Kosten, obschon selbige bey 20 
Rthlr. kommen, werden doch mit unter obige 
60 Rthl. verstanden, und davor weiter nichts de- 
sideriret. 

Christian Albrecht 

E\\-\ver Hochfürstl. Durchl. 
Unterthänigste demühtigste Dienerin 
Maria Ovens. 
Der Herzog Christian Albrecht hat die Richtig- 
keit der Rechnung durch eigenhändige Unterschrift 
bescheinigt. 

Neben der Unterschrift der Witwe Ovens steht 
die Quittung ihres Bevollmächitgten über die Aus- 
zahlung: 

Daß obige Sechszigt Rth. in habender Vollmacht 
Sehl. Jürgen Ovens Wittibe .... mir ... . richtigt 
bezahlt, Solches thue hiermit bescheinigen 

Gottorff d. 23. Juny A. 1680. 

Joachim Schmidt mrias«). 

Der Kassenführer hat den Vermerk hinzu- 
gefügt : 

Jürgen Ovens Sehl. Wittibe in Friederichstadt 
einhält dieses bezahlt 60 Rthr. 

»No. 496 Ao. 1680. 
Beilagen zur Gottorfer Rentekammerrechnung, 
1680, Nr. 496, Reichsarchiv, Kopenhagen. 

Dazu gehört folgender Rechnungsvermerk: 
1680, 23. Juni. 

Nr. 496 dem Ambts Inspectori Joachim Schmie- 
den .. . \xegen Jürgen Ovens Sehl. witwen für 
Ihro Durchl. Contrafaiet in Hamburg ao. 1677 
verfertigt und hinwieder Verschencket einhalts der 
beylage No. 496 bezahlt 60 Reichst. 

Gottorfer Rentekammerrechnung, Reichsarchiv, 
Kopenhagen. 



Nr. 18. 
1694, 11. September. 

Unterthänigste Anzeige und Bitte abseiten 
S. Jürgen Ovens weil.(and) in Friedrichstadt 
gelassener Erben wider Peter Willem Eckhard aus 
der Statt Braunschweig pro citatione e.x L. si 

contendat an B. und Rath in Tönning. 
Hochwürdigster und Durchleuchtigster Herzog, 
Gnädigster Herr. 

Eu. Hochfürstl. Durchl. geruhen gnädigst Ihr 
vortragen zu lassen, wie unsere resp. Groß-Eltern 
und Groß-Schwieger-Eltern Ove und Agneta 
Broders am 30. Jan. 1652 5?) ihren letzten Willen 
verrichtet, und in demselben unsern Vater und 
Schwieger-Vater Jürgen Ovens und ihren anderen 
Sohn Gerritt Ovens zu deren Schwester Beelen 
Kinder (zu) executores verordnet, wie denn Eu. 
Hochfürstl. Durchl. Herr Vater Christmildester Ge- 
dächtnüs sothanes Testamentum gnädigst confir- 
miret und bestetiget hat. 

Ao. 1657 ist darauf der Krieg eingefallen, durch 
v;-elchen unser Vater und Schwieger-Vater ist ver- 
ursachet worden, den 25. Aug. selbigen Jahres 
sich nach Amsterdam zu begeben, das Bürger- 
Recht alda zu gewinnen. — Wie unser Groß- 
Vater und Groß-Schwieger-Vater zuvorher schon 
mit Tode abgegangen war, also hat unsere Groß- 
Mutter und Groß-Schwieger-Mutter Agneta Ovens 
oder Broders demselben Ao 1657 den 17 October 
gefolget. So wenig nun unser Vater und 
Schwieger-Vater ab obitu avi et magni soceri der 
Beelen Kinder sich angenommen, weil er privilegio 
exemptionis, so am 1. Novembr. 1652 datiret, ver- 
sehen war, so wenig und noch viel weniger hat er 
solches post fata aviae et magnae socrus gethan 
noch thun können, weil er in Amsterdam sich 
etabliret hatte, so gar, daß er auch nicht einmal 
für seine Person der Heriscir- und Theilung seiner 
S. Mutter Nachlasses beigewohnet, sondern er hat 
seinen Schwieger-Vater Jenß Martens bittlich ver- 
mögt, für ihn anzusehen. Und ob zwar auf Eu. 
Hochfürstl. Durchl. gnädigstes Erfordern unser 
Vater und Schwiegervater Ao 1663 von Amsterdam 
wieder anhero berufen worden, so fehlet es doch 
so viel daß er seiner Schwester Beelen Kinder 
und deren Güter sich solte haben angemaßet. 



56 



) = manu prripria (eigenhändig). 



^') Das Testament (Die Disposition) wurde, wie aus 
der Eingabe Eckarts und Konsorten hervorgeht, am 3. 
Februar 1652 vom Herzog bestätigt. 

131 



9* 



daß Eu. H'ochfürstl. Durchl. selbst ihm dero Pri- 
vilegium exemptionis a muneribus personalibus am 
10 Julii selben Jahres gnädigst ertheilet haben, 
sondern es haben erst sein Bruder Gerritt Ovens 
und nach dessen Absterben Ove Broders und Peter 
Jürgens, dieser der beeden Kinder Mutter Halb- 
bruder, jener aber deren voller Bruder nebenst 
Johan Görritz als Schwägern sich pro tutoribus 
geriret. 

Anstatt nun, daß dieselben oder deren Erben 
sollten in puncto tutelae belanget werden, wenn auf 
ihre Gestion etwas zu sagen wäre, so hat sich 
doch der Beelen Sohn Peter Willem Eckhard vor 
einigen Wochen von Braunschweig in Tönning 
eingefunden und zu verstehen gegeben, wie er 
suo et sororum nomine gemeinet sei, sich an uns 
zu addressiren und uns in puncto gestae a patre 
tutelae zu belangen. 

Wann aber unser Vater sein Forum zu Tönning 
nicht gehabt, sondern immediate unter Eu. Hoch- 
fürstl. Durchl. Hoef-Gericht seit anno 52 den 
1 Novembr. bis an sein Ende belanget worden, 
dazu wir Gerhard Ovens Capitain, D. Lossau in 
väterl. Vormundschaft meines Sohnes und Casper 
Henrich Koch in Ehevogtschaft meiner Frauen 
Fridericae Amaliae Senatus Tönningensis Gerichts- 
Zwang nicht agnosciret, unser jüngster Bruder 
und Schwager aber Johan Adolf sich uberioris 
cultus et doctrinae halber außerhalb Landes aufhält, 
also ich Friedrich Adolf und meine Dris Bur- 
gundien Ehefrau allein in Tönning wohnen, so 
wird Peter Willem Eckhard, dafern er uns Spruchs 
zu erlassen nicht gemeinet, sich gefallen lassen 
müssen, uns ooram dicasterio vesbae serenitatis zu 
belangen. 

Gestalt an Eu. Hochfürstl. Durchl. unsere 
untherthänigste Bitte gereichet, Sie geruhen uns 
wieder Supplicatum citationem ex L. si condendat 
dahin gnädigst zu ertheilen, dafern er und die er 
seines Theils zu sein vorgiebt, wieder uns S. Jürgen 
Ovens Erben in puncto tutelae fundiret zu sein 
vermeinet, daß er und die sothane Action innerhalb 
6 Wochen a dato insinuationis sub poena per- 
petui silentii coram dicasterio vestrae serenitatis 
supremo anstellen sollen, mit angehängtem gnädig- 
stem Befehl an B. und Rath in Tönning, daß, da 
Supplicatus allein oder nebenst seinen Geschwistern 
einige protestation ad protoooUum bringen lassen 
wolle, Sie ihn und Sie damit anhero verweisen 
sollen. 

132 



Hierüber u.s.w. 

Eu. Hochfürstl. Durchl. unterthänigste 
und treugehorsamste S. Jürgen Ovens, 
weil, in Friedrichstatt gelassene Erben. 

Diese. Eingabe wurde am IL September 1694 
beim Hofgericht zu Gottorf producirt, welches dem 
Gesuch Folge leistete und dem P. W. Eckard 
sowie dem Tönninger Rat die beantragten JVlan- 
date zugehen ließ. Darauf ging am 12. November 
eine Eingabe beim Hofgericht ein von Seiten Peter 
Willems Eckards aus Braunschweig, Agneta seel. 
Hay Hansen Bürgern und Schiffern in Tönning 
gelassener Wittwe cum curatore und Annen cum 
curatore marito Jochim Knuht wider seel. H. 
Jürgen Ovens Erben. Hierin bitten sie, daß ihnen 
eine beglaubigte Abschrift des nach seel. Herrn 
Ove Broders und dessen Ehefrau Agnete Ovens als 
ihrer Großeltern Absterben über deren Nachlaß 
errichteten Inventarii und Teilungsrecessus ^s) sowie 
eine richtige vormundschaftliche Rechnung über 
die ihrer JVlutter zukommende Erbportion mitge- 
teilt werde. Dementsprechend ließ das Hofgericht 
am 12. November Jürgen Ovens Erben ein iVlan- 
dat zugehen, welchem die letzteren nicht willig 
nachlcamen, weshalb dasselbe am 4. März 1695 
wiederholt und eingeschärft wurde. Damit schlie- 
ßen die bezüglichen im Staatsarchiv zu Schles- 
wig befindlichen Akten. 

Nr. 19. 
1718. 
Arnold Houbrakens Nachrichten über Ovens. 
Juriaan Ovens. Deze was een braaf meester 
in Historien en Nachtlichten, en bracht groote 
kracht in dezelve. Van hem is een groot stuk 
te zien in de Gaandeiy van't Amsterdamse Raat- 
huis, verbeeidende de t'zamensweeringen der öude 
Batavieren in 't heilig öf Schaaker Bosch, daar 
Claudius Civilis de voornaamste Hoofden en 
Edelen, bp en gastmaal genoodigt, in zyn belang 
overhaalt, om't juk der Romeinen van hunne 
halzen af te werpen. Hy was 1675 noch in leven 
en schilderde voor den Hartoog van Holsteyn in 
Frederikstadt. Zyn pourtret, door G. Dou ge- 
schildert, hebben wy in de Plaat N. geplaatst 
onder Adr. Brouwer. 



68) Dieses Aktenstück war, wie aus einer am 4. März 
1695 zu Gottorf eingegangenen Eingabe Eckarts und 
Konsorten hervorgellt, am 22. Januar 1658 aufgestellt 
worden. 



Ook worden inzonderheit zyne pourtretten gre- 
prezen. 

Vondel laat zig op de Afbeelding van den 
Edelgeboren Heer Godart Baron van Amerongen, 
Heer van Ginke! enz. door J. Ovens geschildert 
dus hooren^s). 

Arnold Houbraken, De Groote Schouburgh der 
nederiantsche Konstschilders en Schilderessen, 
I. Teil, Amsterdam 1718, S. 273. 

Plaat (Tafel) N ist ein Dioickfehler. Gemeint 
ist Tafel O neben S. 326, die das Register (Naam- 
rol) der Bildnisse richtig angibt. 

Auf Platte O befindet sich das nach einem 
Porträt Gerard Dous gestochene Bildnis des 
Jürgen Ovens (.äibb. 93) unter dem Bildnisse Adrian 
Brouwers. 

Über das von Houbraken erwähnte Bildnis des 
Godard van Amerongen s. Katalog der Gemälde 
Nr. 249. 

Über das Bild, Verschwörung der Bataver unter 
Claudius (richtig Julius) Ci\alis s. S. 84 ff. und Ka- 
talog der Gemälde Nr. 145. 

Nach Hofstede de Groot, .\rnold Houbraken 
und seine ,, Groote Schouburgh" kritisch beleuchtet, 
Haag 1893, S. 297/98 stammt Houbrakens Ein- 
gangssatz aus Sandrarts Teutscher Academie '''"). 
Auch der Schlußsatz: ,,Hij was 1675 noch in leven 
in schilderde voor den Hartoog van Holsteyn 
in Frederikstadt" geht auf Sandrart zurück, \?-obei 
jedoch Hofstede de Groot darauf hinweist, daß 
der erste Band der Teutschen Academie zwar 
1675, der zweite aber, aus dem die Stelle entnom- 
men ist, erst 1679 erschienen ist. Da Sandrart 
sagt: ,,Owins ... ist bey dem Hertzogen von 
Holstein zu Friederichstadt" müßte es bei 
Houbraken folgerichtig heißen: ,, Ovens... lebte 
1679 noch." 

Urk. 15 und 16 ergeben, daß Ovens am 
9.^1) Dezember 1678 gestorben ist. 



53) Die Verse Vondels sind in Abschnitt VIII., Die 
Gedichte auf die Bilder des Malers, mitgeteilt. 

60) Vgl. S. 59. 

^1) Nicht am 7., wie Hofstede de Orcnst angibt, der 
sich auf Bredius, Catalog des Rijksmuseums, 1891, beruft. 
Auch von Wurzbach, Niederländisches Künstlerlexikon, II. 
Band 1910, hat noch das falsche Datum. 



Nr. 20. 
1721. 

Arnold Houbrakens Bericht über den Besuch des 
Malers Johannes Voorhout in Friedrichstadt. 

Zy namen dan in T Jaar 1672 de reis aan 
naar Frederikstadt (nämlich Johannes Voorhout 
und seine Frau), daar deVröuw veel brave en 
wel gegoede Vrienden woonen had, alwaar zy ge- 
lukkig aanlandden en by uitnementheit welkom 
waren. Niet lang was hy daar oft wierd rugtbaar 
dat hy een Konstschilder was. Des kwam de 
brave Konstenaar Juriaan Ovens (die in dien oort 
door zyn pourtretschilderen zvm Fortuin gevonden 
had, gelyk hy ook veel gelt naagelaten heeft) hem 
en hv den zelven te kennen, die hem gevolglyk 
in zyn huis bragt daar hy hem een groote zaal 
met konst van de geagtste Aleesters, waar mede 
hy aan de Hoven handel dreef, liet zien, en hem 
ook polste of hy voor hem wilde schilderen. Maar 
wanneer hy bemerkte dat onze Voorhout daar geen 
genegenheit toe had, ried hy hem naar Hamborg 
te trekken, met verzekering dat hy daar met zyn 
kunst, waar van hy een staal met zieh gebragt en 
aan hem vertoont had, vel zoude staan, gelyk ook 
gebeurde. Want hy -was daar welgezien, en be- 
dong vee! gelt voor zyn werk u.s.w. 

Arnold Houbraken, De Groote Schouburgh 
U.S.W., III. Teil, 1721, S. 225. 

Nach drei Jahren veriieß Voorhout Hamburg 
\<-ieder, also 1675. Mit diesem Jahre hören in 
Houbrakens Bericht über Ovens die Nachrichten 
auf. Houbraken hat sie offenbar von Voorhout, 
den er persönlich kannte. 

Vgl. auch Hofstede de Groot, Arnold Hou- 
braken und seine , .Groote Schouburgh" kritisch 
beleuchtet. Haag 1893, S. 93. Nach de Groot 
stützt sich Houbraken mehrfach auf Voorhouts 
Mitteilungen. Von ihm stammt auch die S. 69 
angeführte Notiz über den Blumenmaler Ernst 
Stuven, der durch die blinkenden Vorteile, die 
sich Jan Ovens erworben hatte, veranlaßt war, 
nach Amsterdam zu ziehen, um dort die Porträt- 
malerei zu erlernen, durch die damals viel Geld 
zu verdienen war. 

Nr. 21. 
Nach 1706, um 1730 (?). 
Biographische Notizen über Jürgen Ovens aus 



der Familienüberlieferung. 



I 



133 



Ovens (Jürgen) Ein in Holland und Hollstein 
berühmter Kunst-Mahler. Er war gebohren 1623 
in Tönning, woselbst sein Vater Ove Broders 
Rathmann war. Ao 1657 d. 25 Aug. bey ein- 
gefallenen Kriegs-Troublen zog er nach Amster- 
dam und gewann allda das Bürger Recht. Ihro 
Hochfürstl. Durchl. Hertzog Christian Albrecht 
'berief ihn aber als dero Hof-Schilderer 1663 
worauf er nach Hollstein wieder zurückkehrte u. 
sich in Friederichstadt zu wohnen begab. Er 
starb d. 9. Dez. 1678. Eine Wittwe Namens 
Maria, deren Vater Jens Martens von Mehring 
hieß, deßen v.on Olearius in seiner Gottorffischen 
Kunstkammer wegen seines artigen Gonchylien 
Cabinets p. 57 sqq. rühmlich erwähnet wird, nebst 
8 Kindern hinterlassend. Von seinen zu Amster- 
dam auf dem Rathhause verfertigten künstlichen 
Gemählden kann des Philips von Zesen Be- 
schreibung der Stadt Amsterdam p. 209, 262 und 
270 nachgelesen werden, der ihn aber anstat 
Jürgen, Johann Ovens aus Irrthum nennet. 

Niederschrift des Carl August Ovens, geb. 
1706, t 16. 1. 1753, des Sohnes von Johann Adolf 
Ovens, im Besitz der Familie zu Stettin. 

Die Zahl 57 sqq. ist mit andrer Tinte und 
wohl auch von andrer Hand spater eingefügt. 
Ursprünglich war ein leerer Raum dafür gelassen. 

Sowohl von Zesens als Olearius' Buch befand 
sich in Johann Adolf Ovens' Nachlaß. 

Nr. 22. 
1740. 

Leichenprogramm auf Ovens' Enkelin Catharina 
Burchard, geborene Bourgundin. 

Nachrichten über die Vorfahren der Tochter 
von Ovens' Tochter Catharina, väterlicher- und 
mütterlicherseits, insbesondere über Jürgen Ovens 
und seine Gattin sowie seinen Schwiegervater Jens 
Martens, in denen Herr Georg Ovens als in seiner 
Kunst hervorragend, ja geradezu unvergleichlich 
bezeichnet wird. Er fand weder zu seinen Leb- 
zeiten noch in der Folge bis auf den heutigen 
Tag (1740) so leicht einen ihm ebenbürtigen Maler, 
sicherlich jedoch keinen, der ihm überlegen ge- 
wesen wäre. Deshalb haben ihn, der in Friedrich- 
stadt lebte, Fürsten und Könige mit ihren er- 
lauchten Familien häufig ihres Besuches gewürdigt, 
vor allen der König von Dänemark, Friedrich III., 
und sein Nachfolger Christian V., desgleichen die 

134 



Herzöge von Holstein Friedrich III. und Christian 
Albrecht. Vornehmlich schätzte ihn hoch die 
Königin von Schweden, Christina, die ihn während 
ihres Aufenthalts in Hamburg zu sich berief und 
lange um sich hielt. Es haben sich hier und 
dort, teils in Amsterdam im Rathaus, teils in den 
Palästen der dänischen Könige, der Herzöge von 
Holstein und anderer Großen herrliche Beweise 
seiner Tätigkeit erhalten, die man einst mit 1000, 
ja sogar 2000 Reichstalern bezahlte. Selbst dem 
russischen Kaiser, Peter dem Großen, entgingen 
nicht die hervorragenden Leistungen des Malers. 
Als er nämlich Holstein besetzte, unterschied er 
nach der eleganten Pi;nselführung des Ovens 
leicht die von ihm gemalten Bilder von anderen 
und war eifrig darauf bedacht, sich, soviele er 
ihrer habhaft werden könnte, zu verschaffen. 

Als dieser hochberühmte Künstler sich in 
Amsterdam aufhielt, besuchte ihn aus Neugier, 
um ihn zu begrüßen, Herr Jens Martens von 
Mehring. Er, der sich in allem als feiner Kenner 
erwies, der aber die Malkunst besonders zu 
schätzen wußte, hielt Ovens für würdig, sein 
Schwiegersohn zu werden. Er gab ihm seine 
einzige Tochter, Maria von Mehring, zur Frau 
mit einer Mitgift von 60 000 Reichstalern, jedoch 
unter der Bedingung, daß er Holland verlasse und 
mit ihm (in Tönning) öder in Friedrichstadt seinen 
Wohnsitz nehme. Jens Martens war ein großer 
Liebhaber von Kuriositäten und hatte sich eine 
Kunst- und Naturalienkammer angelegt, die aufs 
reichste mit Gegenständen der Kunst und selte- 
neren Naturerzeugnissen ausgestattet war. Er wird 
als Sammler er>x3hnt von dem berühmten Valen- 
tini in seinem Museum Museörum"*). 

,,Maiores, a quibus descendit, non vnam laude 
sua illustrarunt provinciam. Namque & apud Bur- 
gundos, a .quibus vltimam suam repetunt originem, 
& apud Holsatos, ad quos deflexere deinde, audiunt 
optime ^'^). 

Patrem venerata est virum Amplissimum, 
Praenobilissimum atque Consultissimum, Dn.''-') 
FRIEDERICUM GERBRANDUM BOURGUN- 
DUM Juris Vtriusque Doctorem & Consulem 
Tönningensem Prudentissimum ; Matrem vero 



8'a) Vgl. darüber Urk. Nr. 9. 

^") Die beiden ersten Sätze fehlen bei Kohfeldt. (Über 
seine Veröffentlichung s. die Bemerkung am Schluß.) 
'^ä) Kohfeldt hat irrtümlich Dr, 



CATHARINAM OVENIAM, Matronem, quae si 
virtutes vera nobis parant Elogia, fictis celebrata 
fuit numquam. 

Auus lineae paternae fuit vir praenobilissimus, 
Dn. GERBRANDUS GLASEN BOURQUNDUS, 
Ciuis apud Tönningenses primarius atque Mer- 
cator florentissimus, cuius nomen ob feiicem, quam 
exercuit mercaturam, naues, ab eo instructae, dissi- 
tissimis nunciare oris, cui matrimonio iuncta erat 
CATHARINA AUGUSTINI, Mercatoris pariter 
Tönningensis praecipui, FRIDERICI AUGUSTINI 
atque CAECILIAE GUDEN, matronae lauda- 
tissimae, filia. Originem trahebat a beate nostrae 
defunctae proavo Dn. JACOBO GLASEN BOUR- 
GUNDO, Ciue itidem etque Mercatore Tönnin- 
gensi non ex vltimis, atque, quae ist! sociata erat 
femina iectissima, CATHARINA PETERSEN «*). 

Auus matemae lineae fuit Nobilissimus atque 
Clarissimus, Dn.es) OEORGIUS OVENIUS, vir 
in arte sua excellens, planeque incomparabiiis. 
Pictoriae enim deditus nee suo tempore nee sequen- 
tibus in hunc diem parem facile habuit, superiorem 
certe neminem : quem propterea Fridrichstadii 
degentem, & Principes & Reges cum Serenissimis 
suis Familiis frequenter inuisere dignati sunt, in- 
primis FRIDERICUS III. Rex Daniae & Regni 
Heres, GHRISTIANUS V. FRIDERICUS item & 
CHRISTIANUS ALBERTUS, Duces Holsatiae: 
prae ceteris eum magni fecit CHRISTINA, Sue- 
corum Regina, quae, Hamburgi tunc viuens, 
eundem advocauit diuque secum detinuit. Super- 
sunt hinc inde, partim Amstelodami in superba 
ipsius Curiae mole, partim in Regum Daniae ac 
ducum Holsatiae, aliorumque Magnatum palatiis 
illustria ipsius industriae documenta, magni aesti- 
mata, ac mille olim, immo duorum millium Im- 
perialium praemio remunerata. Immo nee ipsum 
Russorum Imperatorem, PETRUM MAGNUM, 
huius viri latuit virtus. Quum enim victricibus 
armis Holsatiam ingrederetur, non solum ex peni- 
cilli Oveniani elegantia tabulas, ipsius manu ela- 
boratas, facile ab aliis dignoscebat, sed etiam, 
quotquot earum potiri poterat, persoluto, quanti 
aestimabantur pretio, auidissime sibi com parabat ''''). 



Hunc celeberrimum artificem, Amstelodami olim 
degentem, cum curiositatis gratia salutatum acce- 
deret vir Nobilissimus ac spectatissimus Dn. JENS 
MARTENS von Mehring, cuius lateri, vt vitae socia, 
adhaerebat CATHARINA BLOCKEN, OVENIUM 
nostrum, quod justus rerum omnium erat arbiter, 
harum vero aestimator callentissimus, dignum 
iudicauit, quem sibi generum eligeret, collocata 
ipsi in matrimonium, cum splendidissima dote, 
sexaginta millium Imperialium, vnica filia, MARIA 
von Mehrings, ea tamen conditione, vt, Hollandia 
relicta, vitam secum aut in vicinitate, Friderich- 
stadii viueret. Erat enim praedictus JENS MAR- 
TENS von Mehring, rerum curiosarum amantissi- 
mus, sibique Gazophilacium comparauerat, cum 
arte factis, tum Naturae rarioribus productis, instruc- 
tissimum, eo nomine etiam laudatus a celeberrimo 
VALENTINI in suo MUSAEO MUSAEORUM." 

Das Leichenprogramm berichtet weiter, daß 
Catharina Bourgundien in ihrem 5. Lebensjahre 
ihren Vater verlor, der in seinem 40. Jahre starb. 
Als im Jahre 1700 Tönning \'on den Dänen be- 
lagert ward, floh ihre Mutter zu Schiff mit ihr 
und ihren Schwestern nach Emden, zog später 
nach Hamburg und kehrte nach dem Frieden 
von Travendahl nach Tönning zurück. Im 18. 
Lebensjahre vermählte sie sich mit dem Tönninger 
Apotheker und deputierten Bürger Michael Wassen- 
berg. Als nach der Schlacht bei Gadebusch die 
Schweden unter Steenbock ins Land rückten, floh 
sie mit ihrer kleinen Tochter und anderen Frauen 
und Kindern der Vornehmen für ein^Jahr nach 
Hamburg, um den Ausgang der Belagerung 
Tönnings abzuwarten. Nicht weit von Tönning 
wurden sie als Gefangene nach Friedrichstadt ge- 
führt und dort sechs Monate in leichter Haft ge- 
halten. 1718 starb ihre älteste Schwester und 
deren Gatte, Jacob Sievers, an der Pest. Nach 
fünfjähriger glücklicher Ehe, in der ihnen vier 
Töchter geschenkt wurden, starb ihr Mann An- 



^*) Dieser ganze für die Familiengeschichte wichtige 
Absatz fehlt t>ei Kohfeldt. 

65) Kohfeldt hat irrtümlich Dr. 

^'j) Im Zusammenhang mit der Nachricht, daß Peter 
der Große zahlreiche Bilder des Ovens aufgekauft hat, sei 
erwähnt, was die Schleswigschen Kunst-Beyträge, Schleswig 



1792, 2. Heft, S. 93 berichten. Nach ihnen befand sich 
zu Peters Zeit auf dem Schlosse Qottorf ein großes Ge- 
mälde von Balthasar Denner, „in welchem die ganze 
fürstliche Familie mit einigen der vornehmsten Hofbe- 
dienten in 21 Figuren abgebildet ist, und welches der 
rußische Kaiser Peter der Erste nur durch vieles Vorbitten 
zurückieiß, indem er es nach Petersburg zu senden ge- 
dachte." Durch diese Notiz wird jene ältere Nachricht 
des Leichenprogramms über zahlreiche Käufe Peters des 
Großen, die Ovenssche Bilder betrafen, gestützt. 

J35 



fang 1719. Mehrere Kinder starben um dieselbe Jacob Gabriel, geb. 24. Juli 1728; Johann Gott- 
Zeit. Nach zweijähriger Witwenschaft vermählte lieb, geb. 23. November 1732; August Christian, 
sie sich am 10. Februar 1721 mit Professor geb. 12. Dezember 1737. 

Dr. Christoph Martin Burchard, der im Jahre Das Leichenprogramm, sechs Blatt Folio, wird 

darauf mit ihr nach Rostock zog. Sie starb am in der Rostocker Universitätsbibliothek aufbewahrt. 

28. April 1740*5'). Unter ihren sechs Kindern aus Sein Verfasser ist der damalige Universitätsrektor 

zweiter Ehe sind zu 'nennen: Julius Ludwig, Jacob Carmon. 

Student der Rechtswissenschaft, geb. 4. März 1723; Die Stelle ist teilweise veröffentlicht von Koh- 

Ernst Friedrich, Student der Medizin, geb. 22. Juni feldt, Eine alte Nachricht über Jürgen Ovens, 

1724; Henrietta Christina, geb. 30. Oktober 1725; Quellen und Forschungen usw., V. Bd. 1Q17, 

S. 395 ff. Über sie vgl. des Verfassers Bemer- 

") Kohfeldt gibt fälschlich 1745 als Todesjahr an. * kungen, ebendort, S. 397 f. 



136 



V. Jürgen Ovens' Werke. 



A. Verzeichnis der Gemälde. 

1. Systematisches beschreibendes 

Verzeichnis aller Gemälde von Ovens' 

Hand. 

Vorbemerkungen. 

In diesem Verzeichnis findet man eine Be- 
schreibung aller Gemälde des Jürgen Ovens, die 
mir im Original, durch Photographien, aus lite- 
rarischen Quellen sowie durch schriftliche oder 
mündliche Mitteilungen bekannt geworden sind. 

Auf die Beschreibung eines jeden Gemäldes 
folgen Angaben über das Material und die Größe, 
durchweg in Zentimetern. Die Höhe geht der 
Breite voran. Sodann führe ich etwanige Wieder- 
gaben des Bildes an, erwähne die Stellen, an 
denen es in der Literatur vorkommt, und teile 
mit, was ich über die Geschichte eines jeden 
Bildes, deren Erforschung ich mir besonders habe 
angelegen sein lassen, habe erfahren können. Bei 
den Literaturnachweisen habe ich davon abge- 
sehen, bloße Erwähnungen von Gemälden — 
z. B. in Künstlerlexicis, wofern nicht in ihnen 
das Gemälde entweder zum ersten, Mal besprochen 
oder et\x'as \x'esentliches über dasselbe vorge- 
bracht wird — anzugeben. 

Die Anordnung ist systematisch. 

Die Bildnisse bekannter Personen stehen in 
alphabetischer Reihenfolge der Namen, die noch 
nachweisbaren Bildnisse unbekannter Personen 
sind in alphabetischer Reihenfolge der Aufbe- 
wahrungsorte geordnet. In allen übrigen Gruppen 
sind die Darstellungen möglichst in ihrer zeit- 
lichen Folge geordnet, die nachweisbaren Bilder 
stehen möglichst voran. Es folgen die nur lite- 
rarisch bekannten in der zeitlichen Folge ihrer 
Erwähnung. 

Die Bilder sind durchlaufend nummeriert. 
Bildern, die nur literarisch bekannt sind und 
wegen unzureichender Beschreibung möglicher- 



weise schon unter einer besonderen Nummer vor- 
kommen, sind Nummern beigefügt, denen kleine 
Buchstaben zugesetzt sind. 

Die Titel der Gemälde, die sich heute noch 
nachweisen lassen, sind fett gedruckt. Diejenigen 
Bilder, die ich aus eigener Anschauung oder durch 
gute Photographien kennen gelernt habe, tragen 
vor dem Titel einen Stern. 

Die Bezeichnungen rechts und links gelten, 
wenn nichts anderes ausdrücklich gesagt ist, vom 
Beschauer aus. 

Solche Gemälde, die ich mit Bestimmtheit nicht 
für Arbeiten des Jürgen Ovens halte, habe ich in 
dieses Verzeichnis nicht aufgenommen,. wohl aber 
solche, über deren Echtheit ich nicht entscheidend 
urteilen kann. Die Gemälde, die Jürgen Ovens 
mit Unrecht zugeschrieben werden, sind in einem 
besonderen Abschnitte beschrieben und be- 
sprochen. 

Systematische Übersicht der 
Gemälde. 
I. Biblische Stoffe 1—62. 

a. Altes Testament 1 — 9. 

b. Apokryphe Bücher 10 — 17. 

c. Neues Testament 18 — 5Qa. 

d. Nicht näher bestimmbare biblische Dar- 
stellungen 60 — 62. 

IL Heilige, Philosophen 63 — 85. 

III. Mythologie 86—117. 

IV. Allegorie 118—140. 

V. Profangeschichte 141 — 170. 
VI. Genre 171 — 1Q2. 

VII. Landschaften 193—195. 
VIII. Tiere und Stilleben 196—200. 
IX. Bildnisse 201—427. 

a. Bekannte Personen, heute noch nachweis- 
bar 201—265. 

b. Bekannte Personen, heute nicht nachweis- 
bar 266—312. 



137 



c. Unbekannte Personen, heute noch nach- 
weisbar 313—345. 

d. Unbekannte Personen, heute nicht nach- 
weisbar 346—427. 

X. Unbekannte Gegenstände 428 — 440. 

Altes Testament. 

1. Cains und Abels Opfer. 
Auf Leinewand in schwarzem Rahmen und 
goldenen Leisten, .h. 30 Zoll, br. 24 Zoll. 

Nr. 110 des Verzeichnisses einer außerordent- 
lich schönen conservirten Sammlung Kabinets- 
und anderer Gemälde . . . aus einer hiesigen be- 
kannten Verlassenschaft. Vom 16. — 18. Mai 1803 
in Hamburg verkauft. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Kunst- 
halle zu Hamburg (Sammlung Gaedechens). 

2. Besuch des Herrn und der zwei Engel 
bei Abraham. 

Abraham bewirtet die Engel unter dem Baume. 
Der Herr erhebt seine Hand und gelobt, daß Sarah 
in einem Jahre einen Sohn geboren haben soll. 
Abraham steht mit einer Flasche in der einen Hand 
und einem Pokal in der anderen erstaunt da. 
Sarah lauscht hinter der Tür. Die beiden anderen 
Engel hören mit Andacht und Ehrfurcht auf des 
Redenden Worte. 

Das nur skizzierte Gemälde zeichnet sich durch 
die schöne, ausdrucksvolle Schilderung und die 
reichen, glühenden Farben aus, die in ihrer Leucht- 
kraft am meisten an Rembrandt erinnern, der stark 
auf den Meister des Bildes eingewirkt hat. Doch 
machen sich auch italienische Einflüsse bemerk- 
bar, so in der Figur des Henm das Studium 
Baroccios. 

Auf Leinen, h. 0,66 m ; br. 0,75 m. 

Lehnsbaron Reedtz Thott, Schloß Gauno, Däne- 
mark. 

Das Bild ist 1785 als Jan de Gelder für 10 
Reichstaler gekauft. Beschrieben von Julius Lange, 
Baroniet Gaunos Malerisamling, 1876, Nr. 43, an 
den sich obige Beschreibung anschließt. In Julius 
Lange, Billedkunst 1884, S. 309 f. ist es als Werk 
des A. de Gelder behandelt. 

Von Karl Madsen, Baroniet Gaunos Malerisam- 
ling, Kopenhagen 1914, S. 37, Nr. 127 ist das Ge- 
mälde mit Vorbehalt Ovens zugeschrieben. 

138 



3. Die drey Engel, dem Abraham die Geburt 
eines Sohnes verkündend. 

Ein vormals gutes Bild, das durch ungeschickte 
Restauration sehr gelitten hat. Auf Leinen, ohne 
Rahmen, h. 22 Zoll, br. 28 Zoll. 

Nr. 83 des Verzeichnisses einer Sammlung Öl- 
gemälde verschiedener Meister, am 11. September 
1815 in Hamburg verkauft. 

Handschriftlich ist auf dem Titelblatt bemerkt, 
daß der Besitzer Senator Johs. Gabe war. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Kunst- 
halle zu Hamburg (Sammlung Gaedechens). 

4. * Die Auffindung des Moses. 

In der Mitte des Bildes steht Pharaos Tochter, 
über deren Schulter ein Mantel fällt. Sie hebt 
den rechten Arm, dessen Hand ein Zepter hält. 
Mit der linken rafft sie ihr Kleid. Rechts von der 
Prinzessin eine alte Frau, die auf sie einredet. Vor 
der Königstochter zwei Begleiterinnen, die knieend 
nach Moses die rechte Hand ausstrecken. Die 
eine wendet sich gleichzeitig zu ihrer Herrin 
zurück. Rechts von ihnen steht eine weitere Ge- 
spielin, die auf Moses hinblickt. Links von Pharaos 
Tochter ein kleiner Hund. Hinter ihr zwei Be- 
gleiterinnen, die ihre Schleppe tragen. Rechts von 
diesen ein junger Mann in rotem Gewände. Im 
Hintergrunde Bäume. 

Auf Leinen, h. 1,07 m, br. 1,62 m. 

Lehnsbaron Reedtz Thott, Schloß Gauno, Däne- 
mark. 

I-ange, Baroniet Gaunos Malerisamling, 1876, 
Nr. 37. 

Karl Madsen, Baroniet Gaunos Malerisamling, 
Kopenhagen 1914, Nr. 125. 

Das Bild ist 1786 für 20 Reichstaler gekauft. 

Die Zuschreibung an Ovens rührt von Dr. Hof- 
stede de Groot, Haag her, nach dessen Mitteilung 
das Bild besonders in koloristischer Beziehung 
(braungrau, braungelb und rot) sehr charakteristisch 
für den Meister ist. 

Vgl. Verzeichnis der Zeichnungen Nr. 1 und 2. 

4a. Ein Stück, da Moses von des 
Königs Tochter auffm Wasser gefunden wird, 

von Ovens. 
Gottorfer Schloß-Inventar von 1705, Reichs- 
archiv, Kopenhagen. 



4b. Auffindung des Moses. 

Nr. 582 der Versteigerung D. Jets\?aart, Amster- 
dam, 22. April 1749, Käufer Romijn, Preis 2,5 
Gulden. . 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

5. Tanz der Israeliten um das goldene Kalb. 

Grisaille (Grauwije) i). 

Nr. 73 der Versteigerung der Gemälde des 
Grafen Arundel, Amsterdam, 26. September 1684. 
Das Bild erzielte einen Preis von 2 Gulden und 
2 Stuiver. 

6. Saul sucht zu Endor Rat bei einem Weibe, 
das einen Wahrsagergeist hatte. 

Der Geist steigt von der Linken in bleicher 
Gestalt weißgekleidet herauf. Seine Klarheit allein 
beleuchtet die zur Beschwörung bestimmte finstere 
Höhle. Er wendet sich mit warnender Gebärde 
zum Könige, der vor ihm zur Rechten erschrocken 
kniet und sich beim Urteilsspruche des Propheten 
entfärbet. Die Wahrsagerin steht an der anderen 
Seite im Zauberkreise und scheint, beim Entsetzen 
des Sauls gerühret, ihm mit aufgehobener Linken 
seine Verwegenheit zu venx'eisen. 

Auf Kupfer, h. 1 Fuß 71/2 Zoll, br. 2 Fuß 1 Zoll. 

Nr. 469 des von Fr. Wilhelm Kreuchauf, Leip- 
zig 1768, veröffentlichten Verzeichnisses der Samm- 
lung des 1795 verstorbenen Gottfried Winkler, 
Leipzig. 

Hinweis von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

Das Gemälde \ii'ar vorher, wie der Katalog be- 
merkt, in der Sammlung Böttcher-) zu Leipzig. 

Auch Nr. 470 des Verzeichnisses der Samm- 
lung Gottfried Winkler war ein Ovenssches Ge- 
m.älde, vgl. unsere Nr. 18. 

Nach einer Mitteilung des verstorbenen Prof. 
Kurzwelly, Leipzig, kommen die beiden Ovens- 
schen Gemälde weder in den Katalogen der Ver- 



1) Grau in grau gemaltes Bild = Grisaille. 
-) Die Sammlung- Böttcher muß nach den Bemer- 
kungen im Vorwort des Katalogs der Sammlung Gott- 
fried Winkler eine der bedeutendsten Sammlungen Leip- 
zigs in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gewesen 
sein. Doch habe ich über sie nichts feststellen können. 
Ein Katalog derselben scheint nicht veröffentlicht zu sein, 

i jedenfalls ist er in keiner öffentlichen Bibliothek vorhanden. 

' Nach einer Mitteiing des Stadtgeschichtlichen Museums 
zu Leipzig wird die Sammlung Böttcher in den zeitge- 
nössischen Beschreibungen Leipzigs nicht erwähnt. 



Steigerung der Winklerschen Gemäldesammlung 
am 18. Oktober noch am 23. April 1834 vor. 
1819 wurden die im Winklerschen Gartenhause 
untergebrachten Gemälde verkauft. Von ihnen 
geviitinen \i.ir aus den großen Aquarellen von der 
Hand des Oeser-Schülers Christoph Wiegand im 
Stadtgeschichtlichen Museum zu Leipzig eine ge- 
naue Vorstellung. Die Ovensschen Gemälde 
müssen schon vor 1819 aus der Sammlung her- 
ausgenommen sein oder im Besitze der Nach- 
kommen Gottfried Winklers verblieben sein. Die Er- 
kundigungen, die ich bei den die Reste der Samm- 
lung besitzenden sechs Nachkommen eingezogen 
habe, führten jedoch nicht zur Ermittelung der 
Bilder. Nach einer Mitteilung des Herrn Georg 
Wilhelm Schulz, Leipzig hat einer der Söhne Gott- 
fried Winklers des Älteren, Christian, seinen An- 
teil an den Bildern nach Rußland verkauft. Die 
Wahrscheinlichkeit ist groß, daß sich die Ovens- 
schen Gemälde unter ihnen befunden haben. 

7. Ein Original Schätz 3) von H.^) Ovens, 
wOrauff David undt Abigail 15 ^. 

Im Ovensschen Nachlaßinventar von 1690, 
Nr. 34 der Originalien. Wahrscheinlich ist das 
unter den Kopien, Nr. 4 aufgeführte Bild, Eine 
holländische Landschaft mit David und Abigail, 
3 ^, eine Kopie eines Ovensschen Originals, zu 
dem dann das vorstehende Bild die Skizze dar- 
stellen würde. 

8. Salomos erstes Urteil. 

Nr. 10 der Versteigerung der Gemälde des 
Grafen Arundel, Amsterdam, 26. September 1684. 

Das Bild erzielte einen Preis von 74 Gulden. 

Im Ovensschen Nachlaßinventar finden sich 
ohne Namen des Künstlers: 

Nr. 63 der Kopien, das 'Gerichte Salomons, 
Grau in Grau, 4 ^, Nr. 85 der Kopien, Sa- 
lomons erstes Gericht, 45 ^. 

Vielleicht war eins der Bilder eine Kopie nach 
dem Ovensschen Original der Sammlung Arundel. 

9. Bathseba im Bade. 
Nr. 5 der Versteigerung der Gemälde des 
Grafen Arundel, Amsterdam, 26. September 1684. 
Das Bild erzielte einen Preis von 100 Gulden. 



ä) Niederländisch =^ Skizze. 
*) Herrn. 



139 



Im Ovensschen Nachlaßinventar finde! sich 
zweimal dieselbe Darstellung ohne Namen des 
Künstlers: Nr. 12 der Kopien, Historia von der 
Bathseba, 45 #, und Nr. 22 der Kopien, Bathseba 
8 #. Vielleicht war eines der Bilder eine Kopie 
nach dem Ovensschen Original der Sammlung 
Arundel. 

Apokryphe Bücher. 

10. * Rückkehr des jungen Tobias mit seiner 
Gattin zu seinen Eltern (Abb. 61). 

Rechts der blinde alte Vater. Er ist, mit der 
rechten Hand sich auf einen Stock stützend und 
die linke Hand, um zu tasten, vorstreckend, seinem 
Sohne entgegen geeilt. Der Greis trägt einen 
weißen ins bläuliche spielenden Turban und ist 
bekleidet mit einem braunen Gewände und einem 
langen roten Mantel, der mit Hermelin gesäumt 
ist. Neben ihm der junge Tobias mit langherab- 
wallendem Haar in dunkelgrünem Gewände. In 
der Mitte des Bildes ist die Gattin des jungen 
Tobias, Sara, mit ihrer Schwiegermutter Hanna 
im Gespräch. Die junge Frau trägt ein gelbes 
rotgefüttertes Kleid, das an den Ärmeln mit Silber- 
brokat besetzt ist, und ein grünes Untergewand. 
In den erhobenen Händen hält sie ein Tuch, ver- 
mutlich ein Geschenk für ihre Schwiegermutter. 
Hannas Haupt ist mit einem Kopftuch bedeckt, 
dessen Zipfel auf der Brust geknotet sind und 
lang herabhängen. Ihr Gewand ist violett. Sie 
stützt sich auf einen Krückstock. Neben ihr ein 
kläffendes Hündchen. Von links kommt eilenden 
Schrittes der weißgekleidete Engel auf die beiden 
Frauen zu, dem Beschauer den Rücken kehrend. 
In der Mitte des Vordergrundes sieht man einen 
halbnackten Mann, der mitten vor den Gruppen 
der beiden Männer und Frauen sich mit einem 
Ballen von Stoffen auf ein Knie niedergelassen 
hat. Rechts, mehr in der Tiefe des Bildes, tragen 
ein ähnlich dargestellter nackter Mann und drei 
Frauen goldene Prunkgefäße herbei, die sie von 
einem Pferde, auf dessen Rücken ein Mann sitzt, 
und einem Kamel abgeladen haben. Rechts im 
Hintergrunde hochragende Bauten. Von einer Brü- 
stung blickt eine Frau aufmerksam auf das Treiben 
unter ihr herab. Links zahlreiche Personen, 
mehrere sitzen am Boden, ein Reiter zu Pferde, 
ferner ein Kind. Man blickt in ein tiefes Tal, zu 
dem ein Höhenzug sacht abfällt. 



Drei Gruppen tretet! besonders hervor: Vater 
und Sohn, Schwiegermutter und Schwiegertochter 
und der Engel. Auf sie fällt helles Licht, während 
das übrige in Halbdunkel gehüllt ist. 

Auf Leinen; h. 1,70 m; br. 2,14 m. Rechts 
auf der unteren Stufe bezeichnet: J. OVENS 
f. 1651. 

Musee des Beaux-Arts, Nantes. 

Im Katalog des Museums zu Nantes von M. 
Nicolle, Paris 191Q, wird das Bild fälschlich als 
Abschied des jungen Tobias und der Sara von 
seinen Schwiegereltern bezeichnet (so auch im 
Katalog von 1903, Nr. 600 und bei von Wurz- 
bach). Daß diese Deutung falsch ist, beweist die 
überzeugende Darstellung des blinden Greises, der 
eben nur der alte Tobias sein kann. 

Das Bild stammt aus der Sammlung Cacault, 
der unter Napoleon I. französischer Botschafter 
in Rom war. 1810 scheint es zuerst nachweisbar 
zu sein. 

Für mancherlei Auskünfte über das Bild bin 
ich dem Konservator des Museums tu Nantes 
Herrn Catroux. zu Dank verpflichtet. 

10b. Ein großes Stück von der Geschichte des 
Tobias in Ebenholzrahmen. 

Besitzer war Adrian Crommelingh, f 1661 in 
Haarlem. Später kommt das Bild im Inventar 
des Joost Crommelingh, f 30. September 1681 
in Haarlem wieder vor. 

Mitteilung von Dr. A. Bredius, Monaco. 

11. Des Tobiae Bildnüs (Original von Tobias) 
von seligem Jürgen Ovens, 30 ^^ 
Im Ovensschen Nachlaßinventar, Nr. 94 der 
Originalien. 

12. Tobias nach H. Ovens, 2 /. 
Im Nachlaßinventar, Nr. 95 der Kopien. 

13. Ein Judits Tronys). 
Nr. 48 der Versteigerung der Gemälde des 
Grafen Arundel, Amsterdam 26. September 1684, 
Preis 6 Gulden. 

14. Judith Brustbild, 15 #. 
Im Ovensschen Nachlaßinventar, Nr. 74 der 
Originalien. 



^) Niederländisch Ironie = Gesicht, Antlitz. 



140 



15. Susanna, 

welche von zwei Greisen belauscht wird. 
Lebensgroß und kräftig gemalt. Auf Leinwand, 
h. 66, br. 57 duim. 

Nr. L90 der Versteigerung der Bilder des Jo- 
hannes Lodewyk Strantwyk, Regenten des Zucht- 
hauses zu Amsterdam, Amsterdam, 10. Mai 1780. 
Käufer de Wilde, Preis 50 Gulden. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Biblio- 
thek der Staatlichen Museen, Berlin. 

16. Dieselbe Komposition (Ordinantie), 
Skizze oder Studie zu dem vorhergehenden 

Gemälde, meisterhaft behandelt. 
Nr. 191 der Versteigerung der Bilder des Jo- 
hannes Loodewyk Strantwyk, Regenten des Zucht- 
hauses zu Amsterdam, Amsterdam, 10. Mai 1780. 
Käufer de Wilde, Preis 50 Gulden. Vgl. die vorher- 
gehende Nr. 

Ovens hat denselben Vorwurf auch in einer 
Zeichnung behandelt. Vgl. Verzeichnis der Zeich- 
nungen Nr. 4 'und Abb. 82. 

17. Die Königin Esther vor Ahasverus, mit vielen 

Menschen — in Lebensgröße — umgeben. 

Sehr groß. Auf Leinwand, schwarzer Rahmen. 

Vgl. Verzeichnis der Zeichnungen Nr. 3. 

Nr. 163 des Verzeichnisses einer vorzüglich 
schönen Gemäldesammlung . . ., 1810 in Ham- 
burg versteigert. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Kunst- 
halle zu Hamburg (Sammlung Gaedechens). 

Neues Testament. 

18. Der Engel des Herrn verkündiget den 
wachenden Hirten auf dem Felde die Geburt des 
Heilandes. 
Er erscheint, mit himmlischen Heerscharen um- 
geben, und verscheuchet, mit Glänze umstrahlet, 
die nächtlichen Schatten um sich her. Zur Rechten 
erhebt der erschrockene Greis, mit an die Brust 
gedrückten Händen, sein bärtiges Haupt; und 
seine Gefährten blicken schüchtern mit ihm auf 
zum göttlichen Gesandten. Vor ihm hält sein 
sitzendes Weib, zu welchem der zitternde Knabe 
flüchtet, das kleinere Kind im Arme. Die ängst- 
lichen Gebärden und das Blöcken der zahlreich 
hingestreckten Herde von Schafen, Ziegen und 
Rindern verrät ihr plötzliches Erstachen und das 



Schrecken, welches sich bey der Erscheinung über 
alle Creatur verbreitet. 

Auf Holz; h. 2 Fuß 6 Zoll; br. 3 Fuß 1 Zoll. 

Nr. 470 des von Fr. Wilh. Kreuchauf ver- 
faßten Verzeichnisses der Sammlung Gottfried 
Winkler in Leipzig 1768 s). 

Hinweis von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

Das Gemälde war vorher, wie der Katalog 
bemerkt, in der Sammlung Böttcher zu Leipzig^). 

19. Die Christnacht. 

Im Vorgrunde bei einigen Hütten die Hirten 
mit ihrer Herde, über denselben auf Wolken 
schwebend eine Schar Engel. 

Auf Leinwand; h. 4 Fuß 2 Zoll; br. 5 Fuß 
1 Zoll. Etwas beschädigt. 

Katalog mehrerer zum Teil hinterlassener 
Sammlungen von Zeichnungen und Ölgemälden 
usw., Nr. 1101. Die Versteigerung fand am 23. No- 
vember 1863 zu München in der Montmorillon- 
schen Kunsthandlung (Jos. Maillinger) statt. 

Ein Exemplar des Kataloges besitzt die Biblio- 
thek der Staatlichen Museen, Berlin. 

20. * Die Anbetung der Hirten. 

In der Mitte Maria in hellblauem mit weißen 
Spitzen verziertem, weit ausgeschnittenem Kleide 
und bräunlichem Mieder. Auf dem Haupte eine 
■ flache weiße Haube mit schwarzem Bande. Vor 
ihr liegt in der Krippe das Christkind. Sie hat eben 
mit der linken Hand die deckenden Hüllen fort- 
genommen, um es den staunenden Hirten zu 
zeigen. Mit der Rechten hält sie das Kopfkissen. 
Die Haltung der linken Hand erinnert stark an 
die gleiche Handbewegung auf dem Tönninger 
Bilde (s. Nr. 27). Der Kopf der Madonna ist in 
scharfer Wendung nach links gerichtet einem 
Hirten zu, der, in rotbräunlicher Kleidung, mit 
einem Lamm unter dem Arm in Begleitung eines 
Hundes sich nähert. Hinter dem Hirten erscheint 
eine weibliche Gestalt, die wie die entsprechende 
Frau auf dem Bilde in Friedrichstadt (Nr. 54) 
und der Zeichnung in Kopenhagen (Nr. 24) in 
der einen Hand ein brennendes Licht hält und 
es gegen Zugluft zu schützen sucht. Rechts von 
der Hauptgruppe sieht man vier Gestalten : eine 
alte betende Frau, zwei Männer und vor dem 



^) Vgl. die Bemerkung zu Nr. 6. 

') Über diese vgl. die Anmerkung zu Nr. 6. 



141 



Kinde knieend ein junges Mädchen, das mit glück- 
seligem Gesichtsausdruck das Wunder betrachtet. 
Hinter ihm, am Bildrande, wird der Kopf eines 
schwarzbunten Rindes sichtbar. Unterhalb des von 
der Krippe herabhängenden helleuchtenden gelben 
Strohs steht die Bezeichnung: I. Ovens. In vollster 
Beleuchtung liegt das Kind da. Von ihm scheint 
alles Licht auszugehen, während die Köpfe der 
Hirten und der graubraune Hintergrund in nächt- 
liches Dunkel gehüllt sind. 

Auf Leinen; h. 1,03 m; br. 1,52 m. 

Das bis dahin unter Staub und Schmutz ver- 
borgene und unbeachtet gebliebene Bild ist 1877 
auf Posselts Veranlassung von dem Maler Mag- 
nussen gereinigt und neu gefirnist worden. Bei 
der Gelegenheit wurde die Signatur gefunden. 
Bald darauf wurde es in Kiel ausgestellt. Ganz 
gerissen und brüchig, ist es heute wieder in trau- 
rigem Zustande. Wenn nichts Durchgreifendes zu 
seiner Wiederherstellung geschieht, ist es dem 
Untergange verfallen. 

Grundtsche Stiftung, Bredstedt. 

Über das Bild vgl. Posselt, Kieler Zeitung 1878, 
Nr. 6670, denselben, Die kirchliche Kunst in 
Schleswig-Holstein (Zeitschrift der Ges. für Schles- 
viig-Holstein-Lauenburgische Geschichte, 19. Bd. 
1881, S. 336), Haupt, Die Bau- und Kunstdenk- 
mäler usw. L Bd. 1887, S. 441 und einen M. M. 
unterzeichneten Aufsatz, Erinnerung an einen 
schleswig-holsteinischen Maler des 17. Jahrhun- 
derts I. (Schleswig-Holsteinisches Sonntagsblatt 
1879, 9. Februar, Nr. 7.) 

Das Bild hängt wahrscheinlich seit 1743 in der 
Grundtschen Stiftung. Damals schenkte Frau Etats- 
rat Grundt, die Witwe des 1729 verstorbenen Land- 
vogts Georg Grundt, ihr am Markt zu Bredstedt 
belegenes Haus als Wohnung für vier Witwen von 
Predigern oder Königlichen Beamten. 

21. Dieses kapitale Bild stellt dar, wie die Hirten 
zu dem Kindlein Jesus kommen, um es anzubeten. 

Zur linken Seite ist die heilige Jungfrau dar- 
gestellt, sitzend mit dem Kindlein auf dem Schoß, 
hinter ihnen steht Joseph. Vor dem Kindlein liegen 
die Hirten in ehrerbietiger Haltung gebückt. Die 
Personen sind mehr als lebensgroß. Sie sind kräftig 
und kühn gemalt. 

Auf Leinen; h. 62; br. 79 duim. 



Nr. 82 des Katalogs der Gemälde des Lucas 
Merens, Bürgermeisters der Stadt Hoorn. Die Ver- 
steigerung fand statt zu Amsterdam, 15. April 
1778. Käufer war ein Makler D. Winter, Preis 
40 Gulden. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

Ein Exemplar des französischen Katalogs be- 
sitzt die Bibliothek der staatlichen Museen, Berlin. 

21a. Der Besuch der Hirten bei Maria und Jesus 
im Stall zu Bethlehem. 

Schönes Licht. Auf Leinwand ; h. 5 Fuß 
6 duim ; br. 7 Fuß. 

Nr. 160 einer zu Hoorn am 8. Juli 1817 ab- 
gehaltenen Versteigerung. Das Bild wurde für 
2 Gulden 2 Stuiver verkauft. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

Das Bild ist wahrscheinlich mit der vorher- 
gehenden Nummer identisch, obgleich die Maße 
um einige Zentimeter abweichen. 

22. Maria überreichet dem Simeön das Kind Jesus 

(Evangelium Lucä, c. 2 v. 27 und 28). Halbe 

Figuren. 

Auf Leinewand gemalt, 3 Fuß 10 Zoll hoch 
und 3 Fuß breit. 

In diesem Bilde ist ein bewundernswürdiger 
Effect im Licht und Schatten; denn das Kind 
Jesus gibt eine glanzvolle Klarheit von sich, die 
das ganze Stück erleuchtet. Die Zeichnung ist 
auch schön. Was mir aber vorzüglich gefällt, 
ist das kräftige Golorit, das mit einer erstaunenden 
Freiheit gemahlet ist. Es ist so vortrefflich, daß 
ich glaube, es würde den Vorzug erhalten, wenn 
man es mit den Gemählden des Rembrandts, der 
des Ovens Lehrmeister gewesen, in Vergleichung 
setzte .... 

Seite 64 Nr. LX in ,,Des Herrn Daniel Stenglin 
in Hamburg Sammlung v^on . . . Gemälden". Be- 
schrieben von Matthias Öesterreich. Berlin 1763. 

Dasselbe Bild wird beschrieben in dem Ver- 
zeichnis der Gemälde-Sammlung, welche früher 
im Besitz des verstorbenen Herrn Etatsrath von 
Stenglin befindlich gewesen. Sie wurde verkauft 
von Johannes Noodt, 30. September 1822 zu 
Hamburg. Nach dem Vorwort des Versteigerungs- 
katalogs war die Sammlung fast 150 Jahre in 
Hamburg. Die Beschreibung lautet: 



142 



Seite 35 Nr. 69 Jurian (Georg) Ovens. 

Simeon und das Kind. 

Auf Leinen, hoch 42, breit 34 Zoll. 

Mit dem Ausdruck der Bescheidenheit und 
dem rehgiösen Gefühl für die kirchliche Hand- 
lung, durch die der Knabe in die Zahl der Glau- 
bensgenossen aufgenommen werden soll, reicht 
die Mutter dem Hohepriester den Knaben dar. 
Staunen ergreift den Priester, und öffnet zu frohem 
Ausruf den bisher geschlossenen Mund. Im Hinter- 
grund steht Joseph. Die lebensgroßen Figuren, 
fast bis ans Knie sichtbar, sind mit Rembrandt- 
scher Kraft der Farbe gemalt, doch viel richtiger 
gezeichnet und von edlerem Ausdruck, vorzüglich 
der Kopf der Madonna. Es ist als sehr werth- 
volles Gallerie-Gemälde zu schätzen und wohl er- 
halten. Im goldnen Rahmen (Östr. Nr. 60). 

Nach einem handschriftlichen Zusatz in einem 
in der Bibliothek des Vereins für Hamburgische 
Geschichte befindlichen Exemplar dieses Katalogs 
wurde das Bild von dem „Minister von Canikovc", 
der noch mehrere andere Bilder der Sammlung 
kaufte, für 81 # gekauft. Die Nachforschungen, 
die ich über den Käufer anstellte, haben ergeben, 
daß es sich um den Kaiserlich russischen außer- 
ordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Mi- 
nister in Kassel, Dresden, Hannover, Schwerin, 
Strelitz, Weimar, Generalleutnant von Canicoff, 
gehandelt hat, der diese Stellung von 1815 an 
bekleidete. Er wohnte in Dresden, wo er 1829 
starb. In mehreren Gerichtsakten, die im Zu- 
sammenhange mit der Veräußerung seines Nach- 
lasses entstanden sind, \\'erden Gemälde und 
Originalzeichnungen erwähnt. Es ist aber nicht 
ersichtlich, um welche Kunst\xerke es sich ge- 
handelt hat und an wen sie verkauft sind, so daß 
ich über den Verbleib des durch von Canikoff 
1822 in Hamburg gekauften Ovensschen Gemäldes 
nichts feststellen konnte. (Nach Mitteilungen des 
Staatsarchivs zu Hamburg, des Mecklenburg- 
Schwerinschen Geheimen und Hauptarchivs, 
Schwerin sowie des Sächsischen Haupt-Staats- 
archivs, Dresden.) 

23. Simeon mit dem Christkinde auf dem Arm. 

Auf Leinen, goldener Rahmen; h. 28 Zoll; 
br. 25 Zoll. 

Nr. 30 des Verzeichnisses einer ganz guten 
Gemälde- und Kupferstiche-Sammlung .... aus 



einer hiesigen Verlassenschaft, Hamburg, 26. und 
27. Juni 1809 verkauft. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Kunst- 
halle zu Hamburg (Sammlung Gaedechens). 

24. Simeon im Tempel, mit dem Christkinde 
auf dem Arm. 

Auf Leinen, schwarzer Rahmen, goldene 
Leisten; h. 54 Zoll; br. 62 Zoll. 

Nr. 189 des Verzeichnisses einer recht gut 
conser\'irten Gemälde- und Kupferstich-Sammlung, 
die zu Hamburg am 4., 5., 6. Juni 1810 verkauft 
xs-urde. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Kunst- 
halle zu Hamburg (Sammlung Gaedechens). 

25. * Heilige Familie 
mit dem kleinen Johannes (Abb. 55). 

Im Vordergrunde sitzt vor einer niedrigen 
Mauer die Jungfrau Maria in rotem Gewände und 
blauem weitfaltigem Mantel, der noch den Boden 
bedeckt. Ein Kopftuch umrahmt ihr dunkles Haar. 
Ihr Antlitz trägt einen ausgeprägt spanischen 
Typus. In seliger Mutterfreude blickt sie auf 
den blonden Christusknaben, der auf ihrem Schöße 
sitzt, nieder. Das nackte Kind, an dessen Brust 
sie ein langwallendes Tuch hält, streckt seine 
Rechte zu dem dunkelhaarigen, in ein Fell ge- 
kleideten kleinen Johannes nieder, der seinen Kopf 
an das Knie der Maria legt und ein Kreuz mit 
dem Bande des Agnus dei in der Rechten trägt. 
Rechts vom Beschauer sitzt Joseph, die Hände 
übereinander aufs Knie gelegt, und betrachtet den 
Heiland in stiller Freude. Rotglühender Abend- 
himmel. Im Hintergrunde rechts auf einem Hügel 
neben zwei Bäumen ein kastellartiger Turm, davor 
Gebüsch. Links auf Wolken schwebend Englein, 
die auf die Gruppe unter sich niederschauen. 

Auf Leinwand; h. 2,33 m; br. 1,74 m. 

Dom zu Schleswig. 

Die Inschrift an dem prachtvoll geschnitzten, 
reich mit Putten und Fruchtgirlanden geschmückten 
Rahmen lautet: Ornamento aedi huic Cathedrali 
tabula Sacra facta a JOACHIMO SCHMIDEN Prae- 
fectur. Tremsbut. et Steinhorst. Inspectore. AN 
MDCLXX. 

Nach der Inschrift an dem Rahmen ist das Bild 
also 1670 von dem Amtsinspektor Joachim Schmidt 
der Kirche geschenkt worden. Doch hat sich auch 



143 



der Kanzleisekretär Eilhard Schacht an der Schen- 
kung beteiligt. Darauf weist jedenfalls sein 
Wappen, die gekreuzten Bergmannshämmer, hin, 
die neben dem Schmidtschen Wappen am Rahmen 
angebracht sind. Vgl. dari^iber Doris Schnittger, 
Zeitschrift 1910, S. 493 f. und Franz Schacht, 
Die Familie Schacht, S. 52. 

Die sogenannte blaue Madonna ist neuerdings 
von dem Kunstmaler Hampke, Schleswig, im Mal- 
grunde durch eine mit Wachs hinterklebte Leine- 
wand neu befestigt. Die Übermalung der Luft 
des Hintergrundes, des Kopfes und der Hände 
des Joseph sind entfernt worden. Im übrigen sind 
Ausbesserungen des Gemäldes, das sehr gelitten 
hat, nicht vorgenommen. 

Eine Kopie des Bildes (ohne Joseph) wird im 
Nachlaß-Inventar, Nr. 93 der Kopien aufgeführt. 

Eine sehr unzureichende Abbildung nach einer 
Zeichnung von Doris Schnittger bietet Janitschek, 
Geschichte der deutschen Malerei, S. 563. 

Beschreibung bei Sach, Asmus Jacob Carstens' 
Jugend- und Lehrjahre, 1881, S. 48, Doris Schnitt- 
ger, Jürgen Ovens, im Repertorium usw. 1887, 
S. 144 f., dieselbe in Zeitschrift 1908, S. 424. 

26. * Madonna mit dem Christkind 
und dem Johannesknaben. 

Maria mit ganz spanischem Typus (dunkles 
Haar, mandelförmige Augen, geschweifte Brauen, 
spitzzulaufende Finger) trägt ein rotes Gewand 
und grünlichen Mantel. Sie hält ein weißes Tuch 
an die Brust des Kindes. Das Jesusknäblein mit 
blondem Lockenhaar sitzt auf ihrem Schoß und 
blickt zu dem dunkelhaarigen Johannes, nach dem 
es die Ärmchen ausstreckt, nieder. Der mit einem 
Fell bekleidete Johannes lehnt sich an das Knie 
der Maria und trägt eine Fahne mit der Auf- 
schrift Agnus dei. Über der Gruppe drei Engels- 
köpfe in Wolken. Das Bild ist stark gedunkelt, an- 
geblich ist es früher größer gewesen. Es ist eine 
verkleinerte alte Wiederholung der heiligen Fa- 
milie im Dom, nur daß der Joseph des Dom- 
bildes fehlt. 

Auf Leinen; h. 0,70 m ; br. 0,72 m. 

Geheimer Sanitätsrat Dr. Emil Suadicani, 
Schleswig. 

Von Doris Schnittger im Repertorium 1887, 
S. 148 ohne Angabe des Besitzers als alte „Copie 
des Madonnenbildes in natürlicher Größe nach der 
Hauptgruppe" kurz erwähnt. 



Das Bild war bereits im Besitze des Groß- 
vaters des jetzigen Besitzers, des Etatsrats Jessen, 
der von etwa 1810 an Polizeimeister und später 
Bürgermeister von Schleswig war. So lange sich 
der hochbetagte jetzige Besitzer erinnern kann, hat 
das Bild stets als ein Werk des Ovens gegolten. Es 
ist wahrscheinlich, daß es mit dem im Nachlaß- 
Inventar unter 93 der Kopien aufgeführten, nach 
dem Gemälde des Amtsinspektors gemalten Bilde 
identisch ist. Auch im Nachlaß-Inventar ist Joseph, 
der auf dem Bilde fehlt, bei der Bezeichnung der 
Personen nicht mit aufgeführt. 

27. * Die heilige Familie mit Elisabeth 
und dem kleinen Johannes (Abb. 60). 

Im Vordergrunde liegt lang ausgestreckt 
schlafend das völlig nackte blondlockige Christus- 
kind auf einem über ein ziegelrotes Ruhebette ge- 
breiteten weißen Pfühl und Laken. Hinter ihm 
steht die schwarzhaarige Maria in weinrotem Ge- 
wände. Über ihrem linken Ann hängt ein blaues 
Tuch. Ihr weißes Kopftuch fällt lose auf die 
Schultern herab. Sie hat gerade ein hellolivfarbenes 
Tuch, das das Kind bedeckte, entfernt. Rechts 
von ihm der barhäuptige Joseph, auf das Kind 
blickend. Links beugt sich Elisabeth in schwarz- 
grauem Gewände über den schlafenden Heiland. 
Mit der rechten Hand rückt sie das Kopfkissen 
zurecht, während die linke auf ihrer Brust liegt. 
Hinter dem Jesusknäblein, zwischen Elisabeth und 
Maria, der kleine blondlockige Johannes in gelb- 
braunem Kleide. Er schaut lächelnd zu Maria 
auf. Mit der Linken faßt er ein auf dem Kopfe 
des Heilandes liegendes Tuch, die Rechte ist in 
kindlich freudiger EiTegung gespreizt. 

Das Bild stellt eine Entlehnung nach einem 
Gemälde des Sebastiane del Piombo dar. Eine 
Zeichnung nach diesem ist in der Kunsthalle zu 
Hamburg, Nr. 16 unseres Katalogs der Zeich- 
nungen, Abb. 29. 

Hauptbild des Ovensschen Epitaphs in der 
Kirche zu Tönning, das nach der Inschrift an dem 
prachtvoll geschnitzten Rahmen 1691 zur Er- 
innerung an die Eltern Georg und Maria Ovens 
von den Erben gesetzt worden ist. Die Inschrift 
lautet: 

IN MEMORIAM Beate DEFUNCTORUM PA- 
RENTUM GEORG II & MARIAE OVENS MO- 
NUMENTUM HOC Posuere Haeredes. Anno 
1691. 



144 



Auf Leinen; h. 1,45 m; br. 1,26 m. 

Über dem Hauptbilde die ovalen Bildnisse des 
Malers und seiner Gattin (s. Nr. 241 und Nr. 242 
des Katalogs der Gemälde). 

Das Hauptbild kommt im Nachlaß-Inventar, 
Nr. 5 der Originalien vor, als: Ein Original von H. 
0\ens, worauff Maria mit dem Christkindgin mit 
einem schönen Rahmen, soll in der Kirch ver- 
ehret werden, 600 #. Freilich ist die Angabe 
,, Maria mit dem Christkindgin" nicht vollständig. 

Das Bild ist erwähnt von Haupt, Die Bau- 
und Kunstdenkmäler usw. I. S. 241, vgl. noch 
das Nachlaß-Inventar S. 58, Anm. 3. 

Nach einem Berichte des damaligen Pastors 
Boie in der handschriftlichen Chronik der Kirchen- 
gemeinde Tönning über das Ovenssche Epitaph 
- ist das Hauptbild samt den beiden über ihm an- 
gebrachten Bildnissen und dem Rahmen 1897 von 
Hans Hampke restauriert w-orden. Der Bericht 
teilt mit, daß das Epitaph bis 1896 in überaus 
beklagens^xertem Zustande war. Der jetzt so stolze 
Rahmen bestand aus elenden von Würmern zer- 
fressenen Trümmern, das Hauptbild aus not- 
dürftig zusammengeklebten und beschmierten 
f Lumpen. Die Porträts waren gänzlich übermalt, 
I " Ovens selbst hatte eine vollständig veränderte 
Kostümierung erhalten. Der Schwerpunkt der Ge- 
mälderestauration lag in der Herstellung des Haupt- 
bildes. Es handelte sich zunächst darum, die 
einzelnen Stücke, die auf eine andere Leinwand 
geklebt waren und die das Aussehen einer Relief- 
karte hatten, sämtlich loszulösen, das alte Klebe- 
material zu entfernen, desgl. die Ölfarbe, Umbra, 
die gelegentlich der Stiftung törichterweise hinter 
das ganze Epitaph gestrichen war, aus der Lein- 
wand herauszuziehen. Erst dann konnte die 
Glättung der einzelnen Teile vorgenommen und 
die aufgestandene Farbe niedergelegt werden. 
Hierauf wurden nun die neun Stücke, aus denen 
das Bild bestand, zu einem Ganzen vereint, und 
die verschiedenen Firnis- und Farbschichten auf- 
gelöst, um das Original wieder bloßzulegen. Es 
war dies eine besonders mühsame und gefähr- 
liche Arbeit, \x eil die erste Übermalung, die jeden- 
falls Anfang des 18. Jahrh. vorgenommen ist, recht 
widerstandsfähig geworden war und sich innig 
mit dem Original verbunden hatte. 

Die geradezu gexx'-altsame Zerstörung, nament- 
lich des Hauptbildes, ist nur durch die Annahme 
erklärlich, daß gelegentlich der Beschießung 



Tönnings 1700, unter der die Kirche besonders 
zu leiden hatte, das Kunstwerk von Geschossen 
getroffen und von der Wand herabgefallen sein 
muß. Erhärtet wird diese Annahme durch ein 
Geschoß, das neben dem Epitaph in die Mauer 
eingelassen ist. Bilder 'wie Rahmen sind damals 
restauriert worden, aber in wenig verständnis- 
vioUer Weise. Denn es ist bei der Gelegenheit, 
was im Interesse des Kunstwerkes ganz besonders 
zu beklagen ist, der Kopf der Maria sowie der 
Hintergrund rechts gänzlich verloren gegangen. 
Um diese Mängel zu verdecken, sind damals Haupt- 
bild wie Porträts gänzlich übermalt worden. Der 
seinerzeit ergänzte Marienkopf ist wieder verwandt, 
und es ist bei Betrachtung des Kunstwerkes zu 
berücksichtigen, daß derselbe nicht als von Ovens 
herrührend angesehen werden kann. Dieser Ma- 
rienkopf rührt zweifellos von Barthold Conrad 
her, der damals ständig für die Kirche gearbeitet 
hat, der auch die Wand hinter dem Ovensschen 
Epitaph staffiert hat. Die Reste dieser über- 
tünchten Staffierung zeigten große dekorative Ge- 
wandfalten. 

Der Zustand des Gemäldes nach der'Reinigung, 
vor der Restauration war folgender: Die Lein- 
wand war völlig zerrissen, die Übermalung war 
noch nicht entfernt, z. B. war das Christuskind 
noch mit einem Lendentuch halb verhüllt, so daß 
die Handbewegung der Maria, die das Tuch weg- 
nimmt, völlig sinnlos war. Der Kostenaufwand 
betrug 1800 Mk. 

28. Christus, Joseph und Maria. 
Nr. 29 der Versteigerung der Gemälde des 
Grafen von Arundel, 26. September 1684. Preis 
37 Gulden. 

29. Maria liegende mit dem Christkindgin undt 
mit dem Johanne (in der Teilungsakte steht nur: 

mit dem Kinde) sehl. H. Jürgen Ovens, 18 #. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 93 der Originalien. 

30. Maria mit Christuskindelein nach H. O. 15 §.. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 56 der Kopien. 

31. Ein Original von H. Ovens worauff Maria 

mit dem Christkindgin, 24 #. 
In der Teilungsakte ist hinzugefügt: Nach 
Palma. 

Im Nachlaß-Inventar, Nr. 37 der Originalien. 



I 



145 



10 



32. Ein Mariän Bildgin mit dem Christkindgin nach 

H. Ovens, 6 #. 

Im Nachlaß-Inventar, Nr. 3 der Kopien. 

33. Die heilige Familie. 
Nr. 87 der Versteigerung von George Bruyn, 
16. März 1724 in Amsterdam, Preis 40 Gulden 
(Hoet, Catalogus usw. S. 303). 

34. Maria liebkoset das auf ihrem Schöße stehende 
Kind Jesus. Johannes reichet ihm Blumen dar. 

Auf Leinewand; h. 3 Fuß 4 Zoll; br. 2 Fuß 
10 Zoll. 

Im Verzeichnis der Herzoglichen Bilder-Galerie 
zu Salzthalem, 1776 von Eberlein aufgestellt, S. 276, 
dritte Galerie, Nr. 89. 

Das Bild ^x'ar am 27. März 1811 noch in 
Salzdahlum. Offenbar ist es mit dem in der 
folgenden Beschreibung erwähnten Gemälde 
identisch : 

Jul (so!) Ovens, Maria hält das Christ-Kind 
stehend auf ihrem Schooß. Ihr liebreicher Blick 
ist bewundernswürdig, sowie das Edele an dem 
Kinde Jesus lebhaft und schön gemalt, ist. 

Auf Leinewand; h. 3 Fuß 4 Zoll; br. 2 Fuß 
10 Zoll. 

Nr. 98 des Verzeichnisses eines großen Kunst- 
und Naturalien-Cabinets von William Thompson, 
Hamburg (ohne Jahr). 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Biblio- 
thek des Vereins für Hamburgische Geschichte. 

35. In einer Landschaft sitzt an einem Berge 
die Madonna in rotem Gewände und blauem 
Mantel, das schlafende Kind auf einem Kissen 
bey ihr, und vor demselben Blumen. 

Dies schöne, noch aus dem Nachlasse des be- 
rühmten Meisters herstammende Gemälde ist ganz 
im Geschmack des Gorregio von ihm gemalt. (Das 
einzige Original des Nachlasses, das für dieses 
Bild in Betracht kommen kann, ist das dort unter 
Nr. 37 aufgeführte Gemälde, von dem es aller- 
dings heißt: „nach Palma".) 

Auf Leinen, schwarzer Rahmen, goldene 
Leisten; h. 2A^U Zoll; br. 48 Zoll. 

Nr. 241 der Gemälde- und Kupferstich-Samm- 
lung des hieselbst verstorbenen Herrn Johann 
Peter Averhoff, am 30. April 1810 und folgende 
Tage in Hamburg versteigert. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Kunst- 
halle zu Hamburg (Sammlung Gaedechens). 



35a. Eine Madonna mit dem Kinde im Geschmack 
des Gorregio. 

Auf Leinen, schwarzer Rahmen, goldene 
Leisten; h. 1 Fuß 10 Zoll; br. 2 Fuß. 

Nr. 1118 des Katalogs der Gemäldesammlung 
des Hof- und Landgerichtsadvokaten Schmidt in 
Kiel, Kiel 1817. 

Das Bild ist wahrscheinlich mit der vorigen 
Nr. identisch. , ' '• 

36. Maria mit dem Christ-Kinde, welches schläft, 

nebst Johannes und Joseph zur Rechten, auf der 

Flucht nach Egypten ; sehr stark und lebhaft 

gemalt. 

Auf Leinewand; h. 41 Zoll 2 Ein.; br. 54 Zoll 
6 Ein. 

Käufer war Arends für 14 #. 

Nr. 60 des Verzeichnisses eines beträchtlichen 
Nachlasses einer auseriesenen Sammlung von Ca- 
binet-Gemählden, welche in Zeit etlicher zwanzig 
Jahren . . . gesammlet worden 10. No- 
vember 1788 in einem wohlbekannten Sterbhause 
in der Catharinenstraße in Hamburg verkauft. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Biblio- 
thek des Vereins für Hamburgische Geschichte. 

37. * Madonna auf Wolken knieend, 

das nackte blondlockige Jesuskindlein 

vor sich haltend, 

beide den Beschauer anblickend. 

Sie trägt ein rotes Gewand mit blauem Mantel. 
Die Gruppe ist zu beiden Seiten sowie oben und 
unten von Englein umgeben, deren mehrere rechts 
ein großes Kreuz tragen. Der Heiland streckt seinen 
linken Arm nach dem Kreuze aus. Im Hinter- 
grunde bewölkter Himmel. Unten etwa in der 
Mitte des Bildes bezeichnet: I. Ovens. f. 

Auf Leinen; h. 1,46 m; br. 1,29 m. 

Freiherr von Ritter zu Gruensteyn, Kiedrich 
bei Eltville (Rheingau). Nach der Familienüber- 
lieferung stammt das Bild aus dem Besitze eines 
Vorfahren, namens de Ridder van Groenesteyn, der' 
in der Gegend von Utrecht ansässig war. 

In der Auffassung der Madonna und in der 
Farbengebung ist das Bild dem einer Madonna 
mit dem Kinde von Murillo, das sich im Maurits- 
huis, Haag befindet und von Cad Justi, Murillo, 
Leipzig 1892, S. 43 f. als das feinste von allen 
Madonnengesichtern Murillos bezeichnet ist, auf- 



146 



I 



fallend ähnlich. Der Typus der Madonna ist ganz 
südländisch, hier wie dort längliches Oval, schmaler 
gerader Nasenrücken, dunkle Augen mit schwarzen 
Wimpern unter kräftigen Bogen der Brauen. Dazu 
stimmen die fahlen Fleischtöne ihres Antlitzes. 

Die Ovenssche Radierung (Nr. 3 des Katalogs 
der Radierungen) ist ein Spiegelbild des Gemäldes 
und zeigt eine nur in kleinen Einzelheiten ab- 
\^-eichende Darstellung. 

38. Johannes mit dem Lamm. 

Auf Leinwand. Versteigerung Amsterdam, 
5. Dezember 1785, Nr. 121. Käufer war van 
der Schley, der dies Bild und unsere Nr. 39 für 
2,5 Gulden erstand. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

38a. Johannes mit einem Lamm spielend. 
Ein anmutiges Kind darstellend, kräftig und 

meisterhaft gemalt. 
Auf Leinwand; h. 28 Duim; br. 22 Duim. 
Nr. 128 der Versteigerung I. Lau^üers, Amster- 
dam, 13. Dezember 1802. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

39. Das Jesuskindlein. 

Auf Leinwand. Versteigerung Amsterdam, 
5. Dezember 1785, Nr. 121. Käufer war van der 
Schley, der dieses Bild und unsere Nr. 38 für 
2,5 Gulden erstand. Die beiden Bilder wurden 
unter derselben Katalognummer zusammen ver- 
kauft. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

39a. Der Heiland. 
L Ein anmutiges Kind darstellend, kräftig und 
f' meisterhaft gemalt. 

Auf Leinwajid; h. 28 Duim; br. 22 Duim. 
Nr. 128 der Versteigerung I. Lauwers. Amster- 
dam, 13. Dezember 1802. Dieses Bild und unsere 
Nr. 38a vcurden unter derselben Katalognummer 
zusammen verkauft. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

40. Die Taufe Johannes. 
Eine Skizze. Auf Leinwand; h. 2 Fuß 5 Zoll; 
br. 2 Fuß 11 1/2 Zoll. 

- Nr. 1134 des Gemäldekatalogs des Hof- und 
Landgerichtsadvokaten Schmidt in Kiel, Kiel 1817. 



41. Ein Original Schätz (Skizze) von H. Ovens, 
worauff die Taufe Christi, 5 ^. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 47 der Originalien. 

42. Wie Christus die Kindlein zu sich ruft. 
Nr. 19 der Versteigerung der Gemälde des 
Grafen von Arundel, Amsterdam 26. September 
1684. Preis 100 Gulden. 

Dieser Preis, den noch ein anderes Bild von 
Ovens (Nr. 5 der Versteigerung) erzielte, ist recht 
hoch. Nur noch drei andere Bilder (Giorgione 
[400], van Dyck [102] und Claude Lorrain fl55]) 
wurden höher gewertet. 

Von Wurzbach, Niederländisches Künstler- 
lexikon II, S. 294 erklärt es für wahrscheinlich, 
daß dies Bild „mit dem Gemälde identisch ist, 
welches sich gegenwärtig in der Nationalgaller>- 
in London befindet, für die es 1866 als Rem- 
brandt von dem Grafen Schönbom in Wien er- 
warben \?-urde". Er meint das Bild, das im Katalog 
von 1911 unter Nr. 757 als „School of Rem- 
brandt" aufgeführt wird. Nach einer brieflichen 
Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag, hat 
dies Bild mit Ovens nichts zu tun. In seinem 
Werke, Beschreibendes und kritisches Verzeichnis 
der Werke der hervorragendsten holländischen 
Maler des XVII. Jahrhunderts, VI. Band, 1915, 
S. 468 weist Hofstede de Groot das Bild einem 
anonymen Rembrandtschüler um die Mitte der 
fünfziger Jahre zu, der ungefähr zwischen B. Fa- 
britius, Eeckhout und Maes in der Mitte steht. 
A. Bredius dagegen, Künstler-Inventare, 1. Teil, 
Haag 1915, S. 250 schreibt es dem Leendert 
Comeliß van Beyeren zu, einem tüchtigen Rem- 
brandtschüler, der 1649 starb. 

43. Jürgen Ovens, Contrafaietem, 
für eine Schilderey von den Arbeitern im 

Weinberge 60 Reichstaler. 
Gottorfer Rentekammerrechnung, Reichsarchiv, 
Kopenhagen, 16. November 1652. 

44. * Der Zinsgroschen. 

Rechts Christus in blaugrünem Gewände mit 
gelbbraunem Mantel. Vor ihm die Pharisäer, unter 
ihnen besonders charakteristisch ein kahlköpfiger 
Alter in rotem, goldbrokatgeschmücktem Ober- 
gewande mit Hermelinkragen. 



k 



147 



10« 



Auf Leinen; h. 0,69 m; br. 0,89 m. 

Dr. Ludwig Ahlmann, Kiel. 

Das Bild ist eine Wiederholung eines Rubens 
zugeschriebenen Bildes im Besitze Von Geheim- 
rat Koppel, Berlin. 

Der Stich von Lucas Vorstermann, 1621, zeigt 
das Rubenssche Bild gegenseitig. 

Das Ovenssche Bild stammt nach der Ober- 
lieferung aus der 1807 abgebrochenen Marien- 
kirche zu Husum. Damals ward es von dem 
Urgroßvater der Mutter des jetzigen Eigentümers, 
Bürgermeister Feddersen in Husum, erworben. Der 
Tradition nach ist es ein Ovens (vgl. Nr. 49). 

45. Abendmahl Christi nach H. Ovens, 14 #. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 39 der Kopien. 

46. Ein Original von H. Ovens, worauff Christus 
im Garten geschildert mit dem Rahmen, 32 #. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 46 der Originalien. 

47. Christus, den Kelch empfangend. 

Nr. 69 der Versteigerung der Gemälde des 
Grafen von Arundel, Amsterdam 26. September 
1684, Preis 11 Gulden. 

Von Wurzbach, Niederländisches Künstlcr- 
lexikon II. S. 294 meint, daß dieses Bild mit 
dem in der Rcmbrandt-Literatur kaum wieder- 
kehrenden Vorwurf übereinzustimmen scheine mit 
einem ehedem Bol zugeschriebenen Bilde, das 
nach Paris entführt und unter dem Namen Murillos 
von Godefroy gestochen wurde (Filhol I. Nr. 50). 
„Gegenwärtig scheint es sich im Depot der Casseler 
Gallerie zu befinden." Diese Annahme ist, wie mir 
Herr Dr. Georg Gronau, Direktor der Staatlichen 
Galerie in Kassel mitteilte, falsch. 

48. * Christi Gefangennelimung. 

Halbe Figuren. In der Mitte Christus in rotem 
Gewände und blauem Mantel, den Beschauer an- 
blickend. Links vom Heiland ein Henkersknecht, 
der den an einer Hand Gefesselten mit dem Strick 
hält. In der linken Hand trägt er eine brennende 
Kerze. Rechts und links stehen noch zwei Ge- 
stalten. An Farben treten nur die des Gewandes 
und Mantels -Christi hervor. Alles andere ist im 
Dunkeln, nur die Köpfe sind durch Kerzenlicht 
beleuchtet. 

Auf Leinewand; h. 0,96 m; br. 1,36 m. 



Bamberg, Städtische Gemäldegalerie, Samm- 
lung Hemmerlein. 

Erwähnt von G. Parthey, Deutscher Bilder- 
saal, II, S. 215, 1. 

Nach einem Hinweise von Dr. Hofstede de 
Groot, Haag, erinnert das Bild an Honthorst. 

49. * Christus, dem Volke vorgestellt. 

Das Bild schließt sich eng an die Radierung 
Rembrandts, Bartsch 77, an. Die Ecken sind 
schwarz überstrichen, so daß für die Darstellung 
eine Kreuzform mit runden Armen übrig bleibt. 
Links unten, den B^eschauer anblickend, gewahrt 
man in der Gruppe von Männern den Kopf Rem- 
brandts, wie er aus dem Selbstbildnis von 1634 
bekannt ist. 

Das Bild ist auf einen graubraunen Ton ge- 
stimmt, den nur das Rot und Blau der Mäntel der 
vor Pilatus knieenden Männer unterbricht. 

Auf Holz; h. 1,15 m; br. 1,15 m. 

Kunsthalle, Kiel. 

Das Bild stammt aus dem Nachlasse Prof. 
Thaulows, dem es von Dr. Feddersen, dem Sohne 
des ehemaligen Husumer Bürgermeisters Feddersen, 
geschenkt war. Dieser hatte es, wie unsere Nr. 44, 
aus der 1807 abgebrochenen Marienkirche zu 
Husum erworben. Der Tradition nach ist es ein 
Ovens (vgl. Nr. 44). 

49a. Die Verachtung Christi. 
Das Bild war 1740 in der Kirche zu Flem- 
hude. 

Näheres darüber im Nachtrag. 

50. * Christus mit derDornenkrone (Abb. 71). 
Brustbild. Um den entblößten Oberteil der 
Brust liegt das herabgefallene braune Gewand, 
das durch einen über die linke Schulter nach der 
rechten Seite der Brust sich hinziehenden Strick 
gehalten wird. Das Haupt ist in dreiviertel Wen- 
dung und leichter Neigung nach rechts gewandt. 
Es ist von langem dunkelbraunem Haar umgeben. 
Längliches Antlitz, kurzer brauner Bart. Die 
bleichen Lippen sind leicht geöffnet, die Augen, 
deren Lider geschwiollen sind, weinen in tiefster 
Trauer. Das Blut, das die auf dem Haupte 
liegende Dornenkrone hervorgerissen hat, fließt be- 
sonders über die rechte Seite des Antlitzes bis 
zur Brust herab. Das edle Haupt ist von einem 
breiten rötlichen Lichtschein umgeben. Das Bikl 
ist auf einen rötlich-braunen Gesamtton gestimmt. 



148 



Auf Leinen; h. 0,44 m; br. 0,35 m. 

Landesmuseum, Braunschweig. 

Im Katalog von 1910, Nr. 263 ward das Bild 
als angeblich von Ovens herrührend aufgeführt. 
Es erscheint zuerst im Papeschen Katalog von 
1836, Nr. 556 als Ovens zugeschrieben. Vorher 
ist es nicht nachweisbar. Die Herkunft ist un- 
bekannt. 

Katalog von 1922, Nr. 263. 

Nach Malweise und Auffassung liegt eine Ver- 
wandtschaft mit dem von van Dyck beeinflußten 
Christuskopfe auf der Grablegung in Friedrich- 
stadt (s. unsere Nr. 54) vor. Daher verbleibe ich 
bei der überlieferten Zuschreibung. 

Erwähnt von Parthey, Deutscher Bildersaal II, 
S. 215, 2 und Riegel, Beiträge zur holländischen 
Kunstgeschichte II, S. 278/79. 

51. Christus gekrönt, nach van Dyck. 
Nr. 35 der Versteigerung der Gemälde .des 
Grafen von Arundel, Amsterdam, 26. September 
1684. 

52. Ein Crucifi.x von H. Ovens gemacht, 24 ^. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 89 der Originalien. 

53. Die Abnahme vom Kreuze mit vielen Figuren. 

H. 4 Fuß 9 Zoll; br. 5 Fuß 7 Zoll. 
Heute verschollen, einst in der Galerie zu Salz- 
dahlum, Inventar 1789 bis 1803 Nr. 90. 

54. * Grablegung Christi (Abb. 57). 
Die klagend gen Himmel blickende Schmerzens- 
mutter in braunrotem Kleide und grünblauem 
Mantel hält in ihren Armen den Oberkörper des 
Leichnams Christi, dessen Lenden mit einem 
weißen Tuche umhüllt sind. Er ruht auf einer 
mit weißen Stoffen belegten Steinbank. Zu seinen 
Füßen ist Maria Magdalena hingesunken und netzt 
sie mit ihren Tränen. Sie trägt ein weinrotesi 
Gewand und einen grünblauen Mantel. In der 
linken Hand hält sie einen blutigen Schwamm. 
Aus den durchbohrten Füßen des Heilands sickert 
Blut, das auf ihre rechte Hand träufelt. Das von 
leisem Strahlenschimmer umflossene, wie das der 
Mutter schwarzhaarige Haupt des Heilandes, das 
nach Auffassung und Malweise dem Christus- 
kopfe in Braunschweig (Nr. 50 des Katalogs der 
Gemälde) verwandt ist, ist auf die rechte Schulter 
gefallen. Christi rechten Arm stützt ein in vollstem 
Lichte gemalter Engel mit blondem Lockenhaar 



\ 



und breiten weißen Schwingen, der Licht spendend 
wie eine Verheißung auf den Ostertag in Mitten 
der Qrabesnacht dasteht. Er trägt ein blaues, reich 
mit Silber besticktes Gewand und einen weißen 
Mantel und zeigt auf die Wunden in der Seite 
Christi. Links hinter dem Engel, bescheiden im 
Dunkeln, hebt ein Mann in schwarzem Gewände 
und, bräunlichem Mantel mit halbgeöffnetem 
Munde betend die Hände empor, der Stifter des 
Gemäldes, der Künstler selbst. Im dunklen Hinter- 
grunde erblickt man noch eine alte Frau, die mit 
der Hand sie sorgsam vor Zugluft schützend eine 
brennende Kerze vor sich hält. Zur Rechten Aus- 
blick durch zwei Felsen in eine Landschaft in 
düsterem, trübrotem Schein. Rechts im Vorder- 
grunde Domenkranz und Nägel. Das Bild ist auf 
einen rötlichbraunen Gesamtton gestimmt. 

Auf Leinen; h. 2,33 m; br. 2,17 m. 

Bezeichnet rechts unten auf einem Stein : 
I. OVENS. f. Ao. Christi. 1675. 

Nach der Inschrift an dem in reichem Barock- 
stil geschnitzten und vergoldeten Rahmen (über 
die Inschrift vgl. S. 102) hat Ovens das Gemälde 
1675 zu Ehren des Erlösers geschenkt. " Es dient 
als Altarblatt. 

Lutherische Kirche, Friedrichstadt an der Eider. 

Das auf gelbbraunem Bolusgrunde gemalte Bild, 
dessen Bolusgrund die Mitteltöne stark ausgezehrt 
hatte, während die pastos aufgetragenen Lichter 
fast stehen geblieben waren, ist 1910 auf Ver- 
anlassung des damals in Kiel tätigen Universitäts- 
professors Dr. Carl Neumann (jetzt Heidelberg) 
von dem verstorbenen Professor Hauser, Berlin 
restauriert w-orden, nachdem schon 1854 von dem 
dänischen Maler >Vorsaae eine Restauration vor- 
genommen war, über die sich Nachrichten im 
Archiv der lutherischen Gemeinde finden. Die 
jüngste Restauration hat die Einflüsse der Tem- 
peratur und der Feuchtigkeit, die auf den Firnis 
gewirkt, ihn getrübt und so das ganze Werk un- 
ansehnlich gemacht hatten, auf kurze Zeit be- 
seitigt. Leider üben neuerdings die erwähnten Ein- 
flüsse schon wieder ihre verderbliche Wirkung aus. 

1867 fertigte der Photograph Brandt in Flens- 
burg auf Veranlassung des damaligen preußischen 
Gouverneurs Manteuffel eine sehr unzureichende 
Photographie an. Unsere Abbildung ist hergestellt 
nach einer nach der Restauration von dem Photo- 
graphen Schwarz, Kaiser Friedrich Museum in 
Berlin, bewirkten Aufnahme. 

149 



Das Bild ist beschrieben von Posselt, Die l<irch- 
liciie Kunst in Schleswig-Holstein, Zeitschrift Bd. 11 
(1881) S. 326 f., Doris Schnittger, Repertorium 
usw. Bd. 10 (1887), S. 146 ff., derselben, Zeit- 
schrift Bd. 38 (1908), S. 425 f. und dem Ver- 
fasser, Schleswig- Holsteinischer Kunstkalender 
1913, S. 11. Ebendort auch eine Abbildung. 

55. Maria Magdalena, Christus die Füße 

waschend. 

Nr. 64 der Versteigerung der Gemälde des 

Grafen von Arundel, Amsterdam, 26. September 

1684. Das Bild erzielte einen Preis von 7 Gulden. 

56. Christus, in der einen Hand die Weltkugel 
und die andere zum Segen erhoben. 

Brustbild, auf Holz. H. 10 Zoll; br. 8 Zoll. 
Schwarzer Rahmen, goldene Leisten. Gegenstück 
zum folgenden Bilde. 

Nr. 81 des Katalogs der Sammlung der Öl- 
gemälde des Obristlieutenants Mettlerkamp usw., 
die am 9. Mai 1825 durch E. Harzen, Hamburg 
versteigert wurde. 

57. Maria mit kreuzweis über die Brust 
zusammengelegten Händen. 

Brustbild. Auf Holz. H. 10 Zoll; br. 8 Zoll. 
Schwarzer Rahmen, goldene Leisten. Gegenstück 
zum vorigen Bilde. 

Nr. 82 des Katalogs der Sammlung der Öl- 
gemälde des Obristlieutenants Mettlerkamp usw., 
die am 9. Mai 1825 durch E. Harzen, Hamburg 
versteigert wurde. 

58. Ein Christus Trony (holländisch = Gesicht, 

Antlitz). 

Nr. 43 der Versteigerung der Gemälde des 
Grafen von Arundel, Amsterdam, 26. September 
1684. 

59. Ein großes stück von der außgießung des 
heiligen Geistes am heiligen Pfingsttage, 

von Ovens gethan. 

Gottorfer Schloßinventare von 1666 und 1695, 
Reichsarchiv, Kopenhagen. 

Wahrscheinlich ist es identisch mit dem in 
der Urkunde Nr. 2 genannten Bilde, das Ovens 
am 17. März 1654 dem Herzog Friedrich III. für 
500 Reichstaler verkauft hat. 

150 



59a. Die Ausgießung des Heiligen Geistes 
von Jurian Ovens. 

Männer und Weiber liegen auf der Erden voller 
Andacht und Entzückung. Einige stehen mit auf- 
gehobenen Häuptern und beten. Ganze Figuren. 

Auf Leinewand; h. 6 Fuß 8 Zoll; br. 6 Fuß 
2 Zoll. 

In dem Verzeichnis der Herzoglichen Bilder- 
galerie in Salzthalen, 1776 von Eberlein aufgestellt, 
S. 30, 1. Galerie, Nr. 87. 

Im übrigen vgl. die Bemerkungen zum Ver- 
zeichnis von Salzdahlum, 1 und 4 (in dem Ab- 
schnitt, Alte Inventare und Kataloge usw.). 
Wahrscheinlich ist das Bild identisch mit der 
vorigen Nr. 

Im Nachlaß-Inventar, Nr. 16 der Kopien wird 
dieselbe Darstellung ohne Namen des Künstlers 
aufgeführt: Ein großes Stück von Sendung des 
heyligen Geistes mit dem Kahmen 36 ^. Es ist 
wahrscheinlich eine Kopie nach' dem Ovensschen 
Original (vgl. Nr. 59 unseres Katalogs). 

Nicht näher bestimmbare biblische 
Darstellungen. 

60 und 61. Georg Oves (so!). 

Zwey geschichtliche Darstellungen. 

Jedes Gemälde enthält eine geschichtliche Dar- 
stellung aus der Regierung Salomos. In Rem- 
brandts Geschmack, mit raschem und starkem 
Farbenauftrage gefertigt. 

Auf Leinen ; h. 31 ; br. 49 Zoll. Schwarzer" 
Rahmen, goldene Leisten. 

Nr. 48 und 49 des Katalogs der am 3. No- 
vember 1825 in Hamburg durch Johannes Noodt 
abgehaltenen Versteigerung aus dem Nachlaß des 
Gerh. Scheller. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Stadt- 
bibliothek in Hamburg. 

62. Eine Geschichte aus dem neuen Testament. 

Sehr frey gemahlt und mit Geist vorgestellet. 

Hoch 67 Zoll; br. 82 Zoll; auf Leinwand. 

Nr. 81 der Beschreibung einer schönen Ge- 
mählde-Sammlung usw., die am 21. und 22. Fe- 
bruar 1794 zu Hamburg versteigert wurde. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Kunst- 
halle zn Hamburg (Sammlung Gaedechens). 



Heilige, Philosophen. 

63. * Betender Greis (Abb. 70). 

Halbfigur, nach rechts. Der Greis wendet sein 
ergrautes Haupt nach oben. Die leise geöffneten 
Lippen scheinen ein Gebet zu sprechen, worauf 
auch die inbrünstig gefalteten erhobenen Hände 
deuten. Die rechte Schulter und ein Teil der 
Brust sind entblößt, ebenso teilweise die Unter- 
arme. Das Gewand, unter dem links ein Stück 
des v;-eißen Hemdes sichtbar wird, ist von dunkel- 
violetter Färbung. Das Bild ist vorzüglich erhalten. 
Freilich schimmert der rote Bolusgrund durch. 

Auf Leinen; h. etwa 0,80 m ; br. 0,60 m. Be- 
zeichnet rechts in Höhe der Hände: J. OVENS. f. 

Photographie von Rompel, Hamburg. 

Aus der Richtung des Ribera, an den der starke 
Gegensatz von Hell und Dunkel erinnert. Einen 
betenden Greis, \on Ribera, der der Ovensschen 
Darstellung sehr \-er«-andt ist, besitzt die kgl. 
Malerisamling, Kopenhagen, Katalog 1904, Nr. 281, 
der dort als heiliger Onufrius aufgeführt ist. 

Das Bild war bis 1913 Eigentum des ver- 
storbenen Kunsthändlers Jacob Hecht (Rembrandt- 
Haus), Hamburg, der es, wie er mir angab, um 
1890 von einer Senatorenfamilie gekauft hatte. 

Ausgestellt war es im Kunstverein, Hamburg, 
November 1913, Katalog unter Jürgen Ovens, 2. 
Vgl. auch Hamburger Nachrichten vom 6. No- 
vember 1913: C. A. P. : Der Künstler und seine 
Heimat. 

Das Bild ist beschrieben von Doris Schnittger, 
Zeitschrift Band 38 (1908), S. 426. 

Matthias Hübsch, Kopenhagen. 

64. Mariae Himmelfahrt. 
Nr. 70 der Versteigerung der Gemälde des 
' Grafen von Arundel, Amsterdam, 26. September 
1684. Das Bild erzielte einen Preis von 3 Gulden 
10 Stuiver. 

64a. Maria (in der Teilungsakte steht: .Mariae 

Himmelfahrt) von H. Ovens, 4 #. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 70 der Originalien. 

65. Petrus (in der Teilungsakte steht: Original) 
Brustbild, 6 #. 
Nr. 33 der Kopien des Nachlaß-Inventars, ohne 
Angabe des Künstlers. Ich vermute, daß die Bei- 
fügung Original in der Teilungsakte entweder an- 



geben soll, daß es sich um eine eigenhändige Kopie 
des Meisters oder um eine Kopie nach einem 
Ovensschen Original gehandelt hat. 

66. Nach I. Ovens: Petrus. 

Halbe Figur, auf Papier, schwarzer Rahmen, 
goldene Leisten ; h. 6 Zoll ; br. 41/2 Zoll. 

Nr. 149 des Verzeichnisses ,,des in Plön ver- 
storbenen Herrn Dominicus Gottfried Waerdigh*) 
hinterlassenen vortrefflichen Gemählden-Samm- 
lung, wovon die mehresten von des gedachten 
Künstlers eigener Hand, als auch von andern be- 
rühmten- Meistern \'erfertigt worden" . . ., am 20. 
und 21. Mai 179D in Hamburg verkauft. 

Ein E.xemplar des Katalogs bewahrt die Kunst- 
halle zu Hamburg (Sammlung Gaedechens). 

Ich vermute, daß es sich um eine Hand- 
zeichnung Waerdighs nach einem Ovensschen 
Originalgemälde gehandelt hat. 

67. Paulus, (in der Teilungsakte steht: 
Original), 6 #. 
Nr. 35 der Kopien des Nachlaß-Inventars, ohne 
Angabe des Künstlers. Ich vermute, daß die Bei- 
fügung Original in der Teilungsakte entweder an- 
geben soll, daß es sich um eine eigenhändige 
Kopie des Meisters oder um eine Kopie nach 
einem Ovensschen Original gehandelt hat. 

68. Ein Pauly gesicht^) von H. Ovens, 12 #. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 58 der Originalien. 

69. Ein Original von H. Ovens, worauff Maria 
Magdalena mit einem güldenen Rahmen, 45 ^. 

Im Nachlaß-Inventar, Nr. 31 der Originalien. 

70. Ein (in der Teilungsakte steht: halbfertiges) 
Original von H. Ovens, worauff die weinende 

Maria Magdalena, 20 4. 

Im Nachlaß- Inventar, Nr. 39 der Originalien. 

Es war wahrscheinlich das letzte Gemälde des 
Meisters, dessen Vollendung durch seine letzte 
Krankheit verhindert ward. Wenn die Annahme 
richtig ist, würde es Anfang 1678 zu datieren sein. 



8) über ihn vgl. Füssii, Künstlerlexikon, II. Teil; 
Nagler, Künstlerle.xikon; Nagler, Monogrammisten, II.; 
Hamburgisches Künstleriexikon 1854; Singer, Künstler- 
lexikon; Bode, Galerie, Schwerin. 

9) Vision. 

151 



71. Maria Magdalena nach J. O. 

(in der Teiiungsakte steht: H. Ovens), 5 #. 

Im Nachlaß-Inventar, Nr. 66 der Kopien. 

72. Maria Magdalena, weinend. 

Auf Leinewand; h. 2 Fuß 1 Zoll; br. 1 Fuß 
9 Zoll. 

Im Verzeichnis der Herzoglichen Bildergalerie 
zu Salzthalen, 1776 von Eberlein aufgestellt, S. 37, 
I. Galerie, Nr. 123. Das Bild ist verschollen. 

73. Der Kopf einer betenden Magdalena. 

Auf Leinewand; h. 1 Fuß 4 Zoll; br. 1 Fuß 
4 Zoll. 

Im Verzeichnis der Herzoglichen Bildergalerie 
zu Salzthalen, 1776 von Eberlein aufgestellt, S. 24, 
I. Galerie, Nr. 60. Das Bild war am 27. März 
1811 noch in Salzdahlum. Im September 1811 
wurde es in Braunschweig verkauft. Seitdem ist 
es verschollen. 

74. Maria Magdalena unter einer Höhle. 

In einem blauen Gewände, stützet ihren rechten 
Arm auf einen Felsen, worauf ein Buch und ein 
Kreuz liegt. 

Auf Holz, schwarzer Rahmen, goldene Leisten. 
H. 18 Zoll; br. \3'/, Zoll. 

Nr. 444 der Zuverläßigen Beschreibung 
mehrerer . . . ausgesuchter Gemähide ... ge- 
sammlet von einem in diesem Fache unermüdeten 
und paßionirt gewesenen Liebhaber, Hamburg 
1787. Das Bild wurde für 9 # 8 ß verkauft. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Kunst- 
halle zu Hamburg (Sammlung Gaedechens). 

75. Maria Magdalena auf den Knien, vor ihr ein 

Buch, ein Totenkopf und ein Kreuz; hinter ihr in 

den Wolken ein Engel, womit sie zu sprechen 

scheint. 

Sehr schön gemahlt. Auf Kupfer, goldener 
Rahmen. H. IP/a Zoll; br. SV^ Zoll. 

Nr. 681 der Zuverläßigen Beschreibung 
mehrerer . . . ausgesuchter Gemähide . . . ge- 
sammlet von einem in diesem Fache unermüdeten 
und paßionirt gewesenen Liebhaber, Hamburg 
1787. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Kunst- 
halle z'u Hamburg (Sammlung Gaedechens). 

152 



76. Nach I. Ovens: Maria Magdalena. 

Halbe Figur, auf Papier, schwarzer Rahmen, 
goldene Leisten. H. 6 Zoll; br. 41/2 Zoll. 

Nr. 148 der von dem in Plön verstorbenen 
Herrn Dominicus Waerdigh i«) hinterlassenen vor- 
trefflichen Gemählden-Sammlung, wovon die 
mehresten von des gedachten Künstlers eigener 
Hand, als auch von andern berühmten Meistern 
verfertigt worden ... am 20. und 21. JVlai 1790 
in Hamburg verkauft. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Kunst- 
halle zu Hamburg (Sammlung Gaedechens). 

Ich vermute, daß es sich wie bei der 
Nummer 149 dieses Verzeichnisses (vgl. unsere 
Nr. 66) um eine Handzeichnung Waerdighs nach 
einem Ovensschen Originalgemälde gehandelt hat. 

77. Die weinende Magdalena. 

Auf Leinwand, goldener Rahmen; h. 1 Fuß 
9 Zoll; br. 1 Fuß 5 Zoll. ? 

Nr. 610 des Katalogs der Gemälde des Hof- 
und Landgerichtsadvokaten Schmidt in Kiel, Kiel 
1817. 

78. Ein Philosoph. 
Nr. 55 einer am 14. Mai 1749 zu Amsterdam 
abgehaltenen Versteigerung. 

Das Bild erzielte einen Preis von 7 Gulden. 
Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

79. Die Anfechtung des Antonius. 

Halbe Figur. Auf Leinewand; h. 3 Fuß 4 Zoll; 
br. 4 Fuß 3 Zoll. 

In dem Verzeichnis der Herzoglichen Bilder- 
Galerie zu Salzthalen, 1776 von Eberlein auf- 
gestellt, S. 256, III. Galerie, Nr. 41. 

Das Bild ist 1811 in Braunschweig versteigert 
und seitdem verschollen. 

SO, 81, 82, 83. Die vier Evangelisten mit ihren 
Attributen auf vier Gemälden, jeder etwa in ein 
Drittel Lebensgröße bis zur Brust, sehr 
charakteristisch dargestellt. 
Mit einer großen Sorgfalt in nicht unan- 
genehmem Farbentone sind die Gemälde bandet, 
und darf man vermuten, daß nach den sich öfterer 
findenden Wiederholungen derselben, in ver- 
schiedenen Größen von derselben Hand gefertigt. 



10) über ihn vgl. S. 151, Anm. 8. 



die Gegenstände und ihr Fertiger früher sehr ge- 
sucht gewesen. Mit besonderer Liebe scheinen die 
gegenwiTrtigen Gemälde gefertigt. 

Auf Holz; h. l?!/.,; br, 14 Zoll. Schwarzer 
Rahmen, goldene Leisten. 

Nr. 13 bis 16 des Verzeichnisses guter Öl- 
gemälde usw., die am 3. November 1828 und 
die folgenden Tage in Hamburg verkauft wurden. 
Im Vorwort sagt der Verfasser des Kataloges, 
der Kunsthändler und tüchtige Kunstkenner Jo- 
hannes Noodt, daß die Gemälde aus mehreren 
kleinen Sammlungen einheimischer Kunstliebhaber 
und solcher aus der Fremde vereint seien. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Kunst- 
halle zu Hamburg (Sammlung Gaedechens). 

84. Johannes, der die Offenbarung niederschreibt. 

H. 991/2; br. 85 cm. 

Nr. 120 des Verzeichnisses der Gemälde-Samm- 
lung \'on Georg Theodor Pflüg sen. zu Lübeck, 
Lübeck 1874. 

Auf der Versteigerung erzielten die etwa 170 
Bilder nur etwa 15 000 Mk. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Stadt- 
bibliothek zu Lübeck. 

85. Heiliger von Urian (so!) Ovens . .' . . 

Das Bild war auf der Ausstellung Schleswig- 
Holsteinischer Kunst des XV. bis XIX. Jahr- 
hunderts, die 1909 bei Carl R. Reiner f^ Karl 
Lewinsky, Berlin W, Lenne Straße 2 veranstaltet 
wurde. Nach dem Katalog, in dem es S. 28 
aufgeführt wird, war es aus dem Besitz des Ge- 
heimen Regierungsrats Lüders, Berlin-Grunewald. 
Doch beruht diese Angabe nach einer brieflichen 
Mitteilung des angeblichen Eigentümers auf einem 
Irrtum. Den tatsächlichen Eigentümer habe ich 
^' nicht feststellen können, da es mir an jeglichem 
Anhalt fehlte. 

Mythologie. 

86. * Die Auferziehung Juppiters, 
der durch die Geiß Amalthea genährt wird. 

Die Gruppe ist umgeben von vier im Vorder- 
grunde lagernden halbnackten Frauen, von denen 
eine das Kind hält, eine andere die Geiß füttert, 
und drei weiter hinten stehenden nackten Männern, 
von denen einer sich zur Geiß bückt, während ein 
anderer einen Becher und Trauben trägt. Ganz 
rechts zwei Kinder. Hintergrund Wald. 



Auf Leinen; h. 0,52 m'; br. 0,63 m. 

Museum, Riga. 

Im Katalog von 1899 gilt das Bild als ,, un- 
bekannt, vielleicht von Rubens". Nach einer Mit- 
teilung Dr. Hofstede de Groots, Haag erinnert 
es an das Ovenssche Gemälde in Helsingfors 
(unsere Nummer 108), freilich ist es weniger fein 
und mehr eine Skizze. Nach einer Mitteilung des 
damaligen Direktors des Museums in Riga Dr. 
W. Neumann vom Jahre 1913 sind damals Über- 
malungen, die namentlich den oberen und unteren 
Teil des sonst gut erhaltenen Bildes entstellten, ent- 
fernt. Nach der mir vorliegenden Photographie 
ist Rubensscher Einfluß unverkennbar. Für Ovens 
würde sprechen das auffallende Rotbraun der männ- 
lichen Körper, das auf mehreren seiner Bilder be- 
gegnet. 

Das Gemälde ist 1875 mit der Sammlung des 
Ratsherrn Aug. Hollander durch die Stadt Riga 
erworben. Diese Sammlung war im letzten Viertel 
des 18. Jahrhunderts als Heiratsgut durch Anna 
Maria Belotte, die Großmutter Hollanders, aus 
Amsterdam nach Riga gekommen (nach Mittei- 
lungen Dr. W. Neumanns). 

87. Gegen Osten thronte Juppiter mit wallendem 
Haare und Bart, Zepter und Donnerkeil in den 
Händen haltend, während der Mantel über seine 
linke Schulter herabwallte. Ihm zur Seite stand 
seine Gemahlin Juno, mit ernsten, strengen Zügen. 

Nach einer Beschreibung, die Sach, Asmus 
Jakob Carstens' Jugend- und Lehrjahre, S. 149 
gibt. Er hat, sie einem verschollenen Gottorfer 
Schloß-Inventar von 1827 entnommen. 

Deckengemälde in der Amalienburg, Schloß 
Gottorf, im fünften Felde gegen Osten. Nach 
Joh. Chr. Jürgensen, Nicolaus Helduaders Chronik 
der Stadt Schleswig . . . fortgeführt usw., Schles- 
wig 1822, S. 161 ist es um 1672 und 1673 ent- 
standen. Diese Angabe ist nicht ganz richtig. Das 
Bild ist vielmehr zwischen November 1670 und 
September 1671 entstanden (vgl. S. 44 ff.). 

88. Juppiter mit dem Adler und Juno, im Kreise 

rings Götter, Göttinnen und Musen. 

Das Bild soll aus Schloß Gottorf stammen. 

Besitzer war um 1897 Mühlenpfordt, Ham- 
burg, 1912 Kunsthändler Hecht, Hamburg, der 
es an einen unbekannten Kunden verkauft hat. 



153 



89. Ein Original vom seeligen H. Ovens, von 
Jupiter und Juno, gantz groß mit einem schwarzen 

schlechten") Rahmen, 250 #. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 1 der Originalien. 

89a. Eine Copia von Jupiter und Juno 
nach H. Ovens, 70 #. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 17 der Kopien. 
Das Bild ist möglicherweise eine Kopie des 
vorhergehenden gewesen. 

90. Jupiter und Juno. Jupiter bringt zur 
schlafenden Juno den neugebohrnen Hercules. 
Einige Genien und Attribute füllen den Raum, 

der auf der Tafel dieser Darstellung fast 
lebensgroßer Figuren übrig blieb. 

Auf Leinen; h. 46 Zoll; br. 59 Zoll (rheinisch), 
Schwarzer Rahmen. 

Nr. 104 der Gemäldesammlung der Witwe des 
verstorbenen Heinr. Theunes de Jager, Hamburg, 
versteigert am 22. April 1823 durch Johannes 
Noodt zu Hamburg. 

Nach dem Vorwort des Versteigerungskatalogs 
war diese Sammlung eine der letzten bedeutenderen 
älteren Sammlungen Hamburgs und größtenteils 
aus der berühmten Sammlung des Herrn von 
Sienen i^) in Hamburg gebildet. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Ham- 
burger Stadt-Bibliothek. 

91. Mars in griechischer Gewandung und 
kriegerischer Haltung, mit dem Helm auf dem 
Haupte, kehrt aus der Schlacht zurück. Die 
liebeglühende Venus mit dem Taubengespann 

kommt ihm entgegen. 



11) = schlichten. 

12) Diese Sammlung wird kurz erwähnt von Meyer, 
Über den gegenwärtigen Zustand der bildenden Künste in 
Hamburg (Hanseatisches Magazin, herausgegeben von 
Smidt, Band I, 1799, S. 91—180), von demselben, Skizzen 
zu einem Gemälde von Hamburg 1801, S. 293. Meyer 
sagt, die Sammlung erhebt sich über manche andere, der 
Besitzer habe Vorliebe und Geschmack für Italiener, nenne 
aber auch große Niederländer sein eigen. Im Hambur- 
gischen Künstlerle.vikon, Supplement zu Füßlis Künstler- 
lexikon, Hamburg 1794, S. 127 heißt es: „Herr Bürger- 
meister v. Sienen besitzt eine höchst schätzbare und zahl- 
reiche Sammlung von Gemälden aus allen Schulen, 
besonders aber italienische ..." Es werden dann eine 
Reihe Italiener, aber auch Niederländer genannt. Über 
die Schicksale der Sammlung v. Sienen ließ sich nichts 
feststellen. Ein Katalog ist mir nicht bekannt geworden. 

154 



Nach einer Beschreibung, die Sach, Asmus 
Jakob Carstens' Jugend- und Lehrjahre, S. 149 
gibt. Er hat sie einem verschollenen Gottorfer 
Schloß-Inventar von 1827 entnommen. 

Deckengemälde in der Amalienburg, Schloß 
Gottorf, im ersten Felde an der Westseite. Nach 
Joh. Chr. Jürgensen, Nicolaus Helduaders Chronik 
der Stadt Schleswig . . . fortgeführt usw., Schles- 
wig 1822, S. 161 ist es um 1672 und 1673 ent- 
standen. Diese Angabe ist nicht ganz richtig. Das 
Bild ist vielmehr zwischen November 1670 und 
September 1671 entstanden (vgl. S. 44 ff.). 

Von Haupt, die Bau- und Kunstdenkmäler usw., 
II. S. 356 erwähnt. 

92. Ein Original vom sehl. H. Ovens von Mars 

und Venus ohne Rahmen, 278 -#. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 2 der Originalien. 

93. Ein Original von H. Ovens, worauff Mars undt 
Venus mit einem güldenen Rahmen, 60 #. 

Im Nachlaß-Inventar, Nr. 16 der Originalien, 

93a. Mars und Venus, nach H. Ovens, 27 # . 

Im Nachlaß-Inventar, Nr. 41 der Kopien. 

Das Bild ist möglicherAX'eise eine Kopie des 
vorhergehenden gewesen oder einer der sonstigen 
von Ovens herrührenden Darstellungen des Vor- 
wurfs. 

94. Ein Schätz 13) von H. Ovens von Martis und 

Veneris Bildern, 6 #. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 87 der Originalien. 

95. Mars und Venus, kunstvoll gemalt, 24 Gulden. 
Nr. 63 des Katalogs der Sammlung des Schöffen 

Jonas Witsen, die am 23. März 1717 in Amster- 
dam verkauft wurde. 

Hoet, Catalogus usw. S. 208. 

96. Ein historisches Gemälde, worauf Mars, Venus 

und Cupido, in Lebensgröße. 
Das Bild ist verschollen. Nach den Aufzeich- 
nungen des Geheimarchivars Voß (1706 — 1791) 
war es früher in der Kgl. Kunstkammer zu Kopen- 
hagen . 

97. Ein kleines Gemähide, \x'orauf ein klein 

Leben (?) Venus und Cupido. 
H. 51/4 quart; br. 41/2 quart. 
13) = Skizze. 



Das Bild ist verschollen. Nach den Auf- 
zeichnungen des Geheimarchivars Voß (1706 bis 
1791) war es früher in der Kgl. Kunstkammer zu 
Kopenhagen. 

97a. Venus und Kupido. ■ 

Ganze Figuren, Vs natürliche Größe. 

Venus sitzt bei einer Ruine; in der linken Hand 
hat sie eine Perlenschnur. Mit der rechten hält 
sie sich an Cupido, der an ihrer Seite einge- 
schlummert ist, das Gewand bedeckt nur ihr linkes 
Knie. Im Hintergrund ist eine Landschaft an- 
gedeutet. Der Name des Meisters steht dabei. 
Guter, angenehmer Farbenton. 

Auf Leinen; h. 34 Zoll; br. 29 Zoll. 

Catalog over det Kongelige Billedgallerie paa 
Christiansborg von Spengler, Kopenhagen 1827, 
Nr. 809. 

Verzeichnis der Gemälde der königl. Bilder- 
galerie in Kopenhagen von Christian Ludvig le 
Maire, 1839, Nr. 809. 

Das Bild ist wahrscheinlich mit der vorigen Nr. 
identisch. 

98. Ein Schätz") von H. Ovens 3 Nackete 

Cupidines, 6 #. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 54 der Originalien. 

98a. Einige Liebesgötter (Cupidootjes). 

Versteigerung der Gemälde des Grafen \'on 
Arundel, Amsterdam, 26. September 1684, Nr. 77. 
Hoet, Catalogus usw. S. 1 ff. 

Das Bild erzielte einen Preis von 27 Gulden. 

99. Ein schlafender Cupido. 

Versteigerung der Gemälde des Grafen \on 
Arundel, Amsterdam, 26. September 16S4, Nr. 50. 
Hoet, Catalogus usw. S. 1 ff. 

Das Bild erzielte einen Preis von 10 Gulden. 

100. Venus undt Adonis, Lebensgröße von 

H. Ovens, 275 ^. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 83 der Originalien. 
Der in der holländischen Malerei selten be- 
handelte Vorwurf ist auch von Jan Lievens gemalt 
worden. 



101. Venus und Adonis. 

Venus, ihrem von Schwänen gezogenen Wagen 
entstiegen, herzt den Adonis im Vorgrunde einer 
Landschaft. Amor steht zur Seite. In bräunlichem 
Farbenton mit leichtem Auftrage sehr klarer Farben 
gut und fleißig beendetes Gemälde. 

Auf Holz; h. I6V4 Zoll; br. U^^ Zoll. 
Schwarzer Rahmen, goldene Leisten. 

Nr. 132 der Versteigerung der Gemäldesamm- 
lung des J. D. A. Langeloh, die im Februar 
1826 zu Hamburg durch Joh. Noodt verkauft 
worden ist"). 

102. Adonis, dahinter steht ,,I. Ovens". 

Nr. 99 des Fortegnelse over en Sämling Olie- 
malerier . . . der har tilhort afdode Professor 
C. A. Jensen. Die Versteigerung fand am 14. Fe- 
bruar 1871 zu Kopenhagen statt. 

Ein Exemplar des Katalogs besitzt die Kgl. 
Bibliothek zu Kopenhagen. 

103. Venus und Pan. 

Versteigerung der Gemälde des . Grafen von 
Arundel, Amsterdam, 1684, 26. September, Nr. 60. 
Hoet, Catalogus usw. S. 1 ff. 

Das Bild erzielte einen Preis von 9 Gulden. 

104. Judicium Paridis, ein Schätz") von 

H. Ovens, 6 #. 
Im Nachlaß-Inventar^ Nr. 56 der Originalien. 

105. Des Paris Urteil. 

Meisterhaftes Bild, auf Leinen, goldener 
Rahmen. H. 3 Fuß 1 Zoll; br. 4 Fuß 27, Zoll. 

Nr. 925 des Verzeichnisses der Gemälde- 
sammlung des Advokaten Schmidt in Kiel, Kiel 
1817. 

106. Diana. 
Als Jägerin, mit Bogen und Köcher ausgerüstet, 
das Haar rückwärts zusammengebunden, eilte 
Diana dahin. 
Nach einer Beschreibung, die Sach, Asmus 
Jakob Carstens' Jugend- und Lehrjahre, S. 148 
gibt. Er hat sie einem verschollenen Qottorfer 
Schloß-Inventar von 1827 entnommen. 



^) = Skizze. 



1*) In dieser Sammlung war auch noch ein Bildnis 
von Ovens' Hand, s. Nr. 369. 
15) = Skizze. 

155 



Deckengemälde in der Amalienburg, Schloß 
Gottorf, im dritten Feld gegen Norden. Nach 
Joh. Chr. Jürgensen, Nicolaus Helduaders Chronik 
der Stadt Schleswig . . . fortgeführt usw. Schles- 
wig 1822, S. 161 ist es um 1672 und 1673 ent- 
standen. Diese Angabe ist nicht ganz richtig. Das 
Bild ist vielmehr zwischen November 1670 und 
September 1671 entstanden (vgl. S. 44 ff.). 

Von Haupt, Die Bau- und Kunstdenkmäler 
usw., II. S. 356 erwähnt. 

107. Diana mit dem Hunde (in der Teilungsakte 
steht: Hunden) J. O. 6 #. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. SO der Originalien. 

108. * Diana mit Nymphen und Hunden, 
von der Jagd ausruhend (Abb. 72). 

Die Göttin hat sich, fast ganz entblöß-t, ge- 
lagert. Die langen schwarzen Locken fallen auf 
Schultern und Arme herab. Ihr Gewand ist korn- 
blumenblau und weiß, vor ihr auf de'm Boden 
ihr tiefgrüner, mit Goldbrokat besetzter Mantel. 
Um den Hals schlingen sich z\)(Ti Perlenketten. 
Neben Diana eine blondhaarige Nymphe mit hoch- 
geschürztem mattgrünem Kleide, in halb liegender, 
halb sitzender Stellung. Die beiden Leiber 
bilden die Seiten eines stumpfwinkligen Dreiecks. 
Zwischen ihnen ein großer schwarzer, weiß- 
gefleckter Jagdhund, zu Diana, die ihre rechte 
Hand auf seinem Halse ruhen läßt, aufschauend. 
Ein Hund der gleichen Rasse links neben der 
Nymphe, die ihre Rechte auf den Hals des Hundes 
legt und mit der Linken auf ihn hinzeigt. Ls 
scheint, daß Diana und ihre Gefährtin sich von 
den Leistungen ihrer Hunde auf der Jagd unter- 
halten. Hinter der Gruppe eine Nymphe, die 
eine dunkelrote Draperie aufhebt, in braunem Ge- 
wände. Ganz links der Kopf einer weiteren 
Nymphe von Rubensschem Typus. Vor der Göttin 
liegen Jagdgeräte und Jagdbeute. Hintergrund 
Wald und gelblicher Abendhimmel. 

Auf Leinen; h. 1,23 m ; br. l,öS m. Be- 
zeichnet: I. Ovens. f. 

Athenäum, Helsingfors. Deutscher Katalog von 
1912, Nr. 431, finnischer Katalog von 1920, 
Nr. 431. 

Das Bild ist 1901 mit der Sammlung des Ge- 
heimrats Carl von Haartmann, ehemaligen Kaiser- 
lich russischen Leibarztes, dem finnländischen 
Kunstverein zu Helsingfors durch letztwillige Be- 



stimmung zugefallen. Die Sammlung enthält 
30 Bilder der niederländischen und flämischen 
Schule, die von Haartmann auf seinen Reisen 
selbst erworben hatte. Über die Herkunft des 
Ovensschen Bildes ließ sich nichts feststellen. 

Zu beachten ist, daß auch Govert Flink ,,Een 
Diana ter jagt" gemalt hat, vgl. A. Bredius, Künstler- 
Inventare, III. Teil, 1917, S. 885 (in einem Nach- 
laß-Inventar). 

109. JVlinerva. Mit Helm, Ägis und Lanze bewehrt, 
mit der Eule zur Seite, stand Minerva in ruhiger 

Haltung da. 

Von Sach, Asmus Jakob Carstens' Jugend- und 
Lehrjahre, S. 148 nach einem verschollenen 
Gottorfer Schloß-Inventar von 1827 beschrieben. 

Deckengemälde in der Amalienburg, Schloß 
Gottorf, im zweiten Felde an der Westseite. Nach 
Joh. Chr. Jürgensen a. a. O,. S- 161 ist es um 
1672 und 1673 entstanden. Diese Angabe ist nicht 
ganz richtig. Das Bild ist vielmehr zwischen No- 
vember 1670 und September 1671 entstanden. 
Vgl. S. 44 ff. 

Von Haupt, die Bau- und Kunstdenkmäler usw., 
II. S. 356 erwähnt. 

110. Apoll und die Musen. Mit hochgegürtetem 
Sängergewande, das faltenreich herabfloß, angetan, 
mit der Rechten in die Phorminx greifend, war 

Apoll dargestellt, von den Musen umgeben. 

Von Sach, Asmus Jakob Carstens' Jugend- und 
Lehrjahre, S. 149 nach einem verschollenen Got- 
torfer Schloß-Inventar von 1827 beschrieben. 

Deckengemälde in der Amalienburg, Schloß 
Gottorf, im sechsten Felde gegen Osten. Nach 
Joh. Chr. Jürgenseui a. a. O. S. 161 ist es um 
1672 und 1673 entstanden. Diese Angabe ist nicht 
ganz richtig. Das Bild ist vielmehr zwischen No- 
vember 1670 und September 1671 entstanden. 
Vgl. S. 44 ff. 

Von Haupt, a.a.O. S. 356 erwähnt. 

111. Gegen Süden stieg Phöbus, sein geflügeltes 
Viergespann lenkend, zum neuen Tage empor, 
während die Sterne, als Knaben aufgefaßt, vor ihm 

flohen und nur einer, der Morgenstern, sich 

umsehend, langsam daherschritt. 
Von Sach, a. a. O. S. 149 nach einem ver- 
schollenen Gottort'er Schloß-Inventar von 1827 be- 
schrieben. 



156 



Deckengemälde in der Amalienburg, Schloß 
Gottorf, im siebenten Felde gegen Süden. Nach 
Joh. Chr. Jürgensen a. a. O. S. 161 ist es um 1672 
und 1673 entstanden. Diese Angabe ist nicht ganz 
richtig. Das Bild ist vielmehr zwischen November 
1670 und September 1671 entstanden. Vgl. S. 44 ff. 

Von Haupt, a. a. O. S. 356 erwähnt. 

112. Flora sch\s-ebte, von einem wenig verhüllenden 
Gewände umwallt, mit Blumen im Haar und in 
den Händen, strahlenden Antlitzes dahin, und mit 
sprossenden Blättern und Ähren bekränzt, auf dem 
Fruchtkorb die Erstlinge der verjüngten Natur 
tragend, kehrte Ceres mit einer Fackel aus der 
Unterwelt heim, um den Frühling zu bringen. 

Von Sach, a. a. O. S. 149 nach einem ver- 
schollenen Gottorf er Schloß-Inventar von 1827 
beschrieben. 

Deckengemälde in der Amalienburg, Schloß 
Gottorf, im achten Felde gegen Süden. Nach 
Johann Chr. Jürgensen a. a. O. S. 161 ist es um 
1672 und 1673 entstanden. Diese Angabe ist nicht 
ganz richtig. Das Bild ist vielmehr zwischen No- 
vember 1670 und September 1671 entstanden. 
Vgl. S. 44 ff. 

113. Merkur. 
Von Sach, Allgemeine deutsche Biographie, 
Band 25, 1887 unter Ovens nach einem ver- 
schollenen Gottorfer Schloß-Inventar von 1827 an- 
geführt. 

113a. Ein kleines viereckiges Bild mit Mercuri, das 
von Ovens sein soll. 

Im Gottorfer Schloß-Inventar von August 1851 
angeführt und als „defect" bezeichnet (s. des Ver- 
fassers Gottori"fer Künstler, II. Teil, 1917, S. 382). 

Wahrscheinlich ist es mit dem vorhergehenden 
Bilde identisch. 

* 114. Andromede am Felsen (Abb. 59). 

Oval, wahrscheinlich ein zu Dekorationszwecken 
dienendes Türstück. 

Sie steht, an den Arm- und Fußgelenken mit 
eisernen Ketten an einen hochragenden Felsen, 
an dessen linker Seite grünes Blatt\)/erk rankt, 
gefesselt, völlig nackt, von vorn gesehen, da. Der 
Kopf ist nach rechts gewandt, der Oberkörper 
leicht nach links gedreht, der Mund klagend ge- 
öffnet. Ihr linker Arm ist fast wagerecht nach 



links gestreckt, so daß. er den Oberkörper über- 
schneidet. Aus ihren blonden Zöpfen hängt ein 
blaues Band herab und flattert über ihren Schoß. 
Links unten das Meerungeheuer, von rechts oben 
fährt Perseus auf seinem Flügelrosse durch die 
Luft. Fahler Himmel mit gelbem Lichtschein. 

Das Bild wurde Anfang 1913 in völlig ver- 
wahrlostem Zustande von Professor Dr. Graf 
Vitzthum von Eckstädt auf dem Boden der Kieler 
Universität entdeckt. Bei der von ihm veranlaßten 
Reinigung durch den Kunstmaler Fürst, Kiel, stellte 
es sich als Werk des Ovens heraus. 

Es ist bezeichnet: J. Ovens 1673. 

Leinwand; h. 1,25 m ; br. 0,92 m. 

Kunsthalle, Kiel. 

Photographische Aufnahme des Herrn Hof- 
photographen F. Urbahns, Kiel. Das Bild war 
auf der Ausstellung in Dannstadt 1914, vgl. Georg 
Biermann, Deutsches Barock und Rokoko, Leipzig 
1914, II. Band, Namen und Sachregister, S. XL, 
wo als Aufbewahrungsort fälschlich das Museum 
für vaterländische Geschichte und Altertümer an- 
gegeben ist. 

115. Opferung Priapi (in der Teilungsakte steht: 

Original) von H. Ovens, 45 #. 

Im Nachlaß-Inventar, Nr. 82 der Originalien. 

Wahrscheinlich lehnte sich das Gemälde an das 
Bild Opferung Prupi von Jan Beneditto Casti- 
glione, das Ovens als Kopie besaß (Nr. 19 der 
Kopien), an. Das Original des Bildes von Casti- 
glione kommt in Govert Flinks Nachlaß vor. Bei 
ihm hat Ovens den ganz seltenen Vorwurf also 
gesehen und kopiert oder kopieren lassen"). 

116. Cybele und Attis") nach H. Ovens, 15 #. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 55 der Kopien. 

117. Ein Stück Europa auffm Ochsen, von Ovens. 
Das Bild befand sich im alten Lusthause, vgl. 

Inventarium aller Möbeln des Schlosses Gottorf 
vom 26. Februar 1705, Reichsarchiv, Kopenhagen. 

Allegorie. 

118. Charitas. 
Im Inventar von Henry Momber, Amsterdam, 
1679, auf sechs Gulden taxiert. In demselben 



") Vgl. darüber S. 30 f. 

1') In der Handschrift deä Nachlaß-Inventars steht 
durch ein Versehen des Schreibers: Atyx. 

157 



Inventar kam auch ein Bildnis von Ovens' Hand 
vor (s. Nr. 346). 

Die Ciiaritas kam auch im Inventar der Witwe 
von Jan Blaeu 1713 vor. Damals wurde sie auf 
22 Gulden geschätzt. 

Mitteilung von Dr. A. Bredius, Monaco. 

119. Charitas. 

In der Taxation der Bilder der Witwe des 
Bürgerm.eisters Reynst, Amsterdam, 1713, mit 
40 Gulden angesetzt. 

In derselben Taxation brachte ein Gemälde 
Von Frans Hals, Bauerngesellschaft, es nur auf 
30 Gulden. 

Mitteilung von Dr. A. Bredius, Monaco. 

120. Ein Original von Herrn Ovens (Teilungsakte: 
vom speculo poenitentiae), worauff: speculum 

pioänit., 9 #. 
Im Nach laß- Inventar, Nr. 27 der Originalien. 
Eine derartige Darstellung kommt sonst in der 
ganzen niederländischen Kunst nicht vor. Ich 
vermute, daß das Bild eine Vorlage war für 
einen Stich, der etwa für ein Beichtbüchlein be- 
stimmt gewesen sein könnte. 

121. Vanitas nach Herrn Ovens, 20 #. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 24 der Kopien. 

122. *Die Gerechtigkeit mit Schwert und 

Wagschale. 

In den lang herabwallenden Locken trägt sie 
einen Lorbeerkranz. Goldverbrämtes Gewand. 
Hinter ihr ein Tuch, das von drei Putten ge- 
halten wird. Links eine Erau mit einem kleinen 
nackten Kinde, das der Gerechtigkeit einen Kranz 
zu Füßen legt, ein Greis und zwei weitere Ge- 
stalten, darunter ein Knabe in Rot. Vor der Frau, 
mehr im Vordergrunde, dem Beschauer den 
Rücken zukehrend, ein Knabe in dunklem Ge- 
wände. Zu Füßen der Gerechtigkeit goldene 
Gefäße, darunter eine große goldene Kanne. Unter- 
halb ihrer steht die Bezeichnung; J. Ovens. f. 

Auf Leinen; h. 1,63 m; br. 1,25 m. 

Besonders der Unterkörper der Gestalt der Ge- 
rechtigkeit ist stark verkürzt. Offenbar war das 
Bild ein dekoratives Deckengemälde. Ich sah es 
1912 bei dem inz\xaschen verstorbenen Kunst- 
händler Köster in Kopenhagen. Nach seinen An- 
gaben hatte es einer Frau Dahl gehört, deren 

158 



verstorbener Gatte es 1864 auf Schloß Gottorf 
gekauft hatte. Angeblich war das Bild ursprünglich' 
größer gewesen. Die rechte Seite, die die Dar- 
stellung der Gerechten enthalten haben sollte, war 
angeblich abgeschnitten, &o daß nur das Gericht 
über die Ungerechten zurückgeblieben wäre. Das 
Bild ist später nach Schweden verkauft worden. 
Über den Käufer konnte ich nichts in Erfahrung 
bringen, da die Köstersche Firma aufgelöst ist. 

122a. 1 großes Schilderey über die Thür, so die 
Gerechtigkeit praesentieret. 

Im Inventarium aller Möbeln des Schlosses 
Gottorff vom 26. Februar 1705, S. 70 (Reichs- 
archiv Kopenhagen) ohne Namen des Malers an- 
geführt. Es hing in der ,,Cantelley, Ist dasz 
Audiensgemach". Wahrscheinlich war es ein Werk 
des Ovens. 

122b. Justitia von Ovens. 
In einem verschollenen Gottorfer SchloßinvenLv 
von 182718) eru'ähnt. Wahrscheinlich mit der 
vorigen Nr. identisch. 

123. Kleine viereckige Gerechtigkeit. 
Im Gottorfer Schloßinventar von August 1851 
aufgeführt. Angeblich von Ovens. Das Gemälde 
wurde 1851 als defekt bezeichnet. Vielleicht mit 
Nr. 122 identisch. 

124. Die Gerechtigkeit. 

Das Bild, das sich im Besitze des Govert van 
der Raeck befand, wurde am 22. November 1680 
von dem Maler Christian Dusart, einem Freunde 
Rembrandts, auf 36 Gulden taxiert. 

Ein Bildnis von Flincks Hand brachte es nur 
auf 15 Gulden. 

Mitteilung von Dr. A. Bredius, Monaco. 

125. * Ungerechte Richter. 

Etwa zwölf düstere schnauzbärtige Männer mit 
breiten Faltenkragen und großen Hüten haben sich 
im Mittelschiff einer Halle mit Tonnengewölbe 
innerhalb der ionischen Säulen wie zum Angriff 
aufgestellt. Mit den Spitzen riesiger Federkiele 
zielen sie auf ein wehrloses Weib in lose flattern- 
dem weißen Gewände. Es ersteigt die Stufen, 



18) s. Sach, Allgemeine deutsche Biographie (1887), 
Bd. 25, S. 1 ff. 



die zu dem im Hintergrunde aufragenden Tempel 
der Gerechtigi\eit führen. In dem Tempel wird 
eine Statue der Gerechtigkeit mit einem Kranze 
in der Rechten sichtbar. 

Das Bild, das in der Überlieferung Ovens zu- 
geschrieben wird, stammt aus dem Schlosse 
Gottorf, wo es nach dem Schloßinventar von 1851 
im obergerichtlichen Audienzzimmer hingi^). 

Landgericht, Flensburg. 

Erwähnt von Posselt, Jurian Ovens, Kieler 
Zeitung, 9. März 1879 und Doris Schnittger, Reper- 
torium für Kunstwissenschaft, X (1887) S. 142 f. 
und Zeitschrift 38 (1908) S. 421. 

Ersterer, der den sarkastischen Humor des 
Bildes betont, bemerkt zu der Darstellung: Eine 
treffendere und humoristischere Illustration des 
früheren gemeinrechtlichen Prozeßverfahrens läßt 
sich kaum denken. Erst durch Überwindung der 
dickleibigen und rabulistischen Advokatenschriften 
und der zahllosen formalistischen Prozeßvor- 
schriften, die wie spitzige Lanzen drohten, konnte 
es dem Rechte gelingen, zur Gerechtigkeit vor- 
zudringen. 



Auf Leinen; h. 33, br. 56 Duim. 

Nr. 245 der von Roos in Amsterdam am 
10. August 1785 abgehaltenen Versteigerung. Von 
Winter für 12 Gulden gekauft. 

Ein Exemplar des Katalogs besitzt die Bibliothek 
der Staatlichen Museen zu Berlin. 

Dasselbe Bild wird in dem Katalog der Ver- 
steigerung Mr. Joachim Rendorp, Vrijheer van 
Marquette en regeeerend Burgemeester der Stad 
Amsterdam, die Roos in Amsterdam am 16. Ok- 
tober 1793 abhielt, unter Nr. 46 folgendermaßen 
beschrieben : 

Dieses Bild stellt dar zwölf Kinder in einer 
Landschaft. Sie sind mit einigen Kennzeichen ge- 
schmückt, die auf verschiedene Tugenden und 
Untugenden anspielen. Alles ist meisterlich, kühn 
und kräftig gemalt. 

Auf Leinen; h. 34; br. 55 Duim. 

Von Ravons für 11 Gulden gekauft. 

Ein Exemplar des Katalogs besitzt die Biblio- 
thek der Staatlichen Museen zu Berlin. 



126, 127, 128, 129, Vier Oval Originalien von 

H. Ovens, worauf die vier Zeiten des Jahres 

vorgestellet mit geschnittenen -") Rahmen, 45 ^. 

Im Nachlaß-Inventar, Nr. 40 der Originalien. 

130, 131, 132. 133. 4 Stück Schildereyen, als 
die 4 Elementen von Ovens gethan. 
Im Gottorfer Schloßinventar von 1666, Reichs- 
archiv, Kopenhagen. 

134. Virtutis gloria merces, 10 #. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 57 der Originalien. 
Es war der Wahlspruch des Herzogs Frie- 
drichs III., den Olearius, Kurtzer Begriff einer 
holsteinischen Chronik 1674, S. 134 also ver- 
deutscht: 

Die Tugend lasset sich vergnügen. 
Wenn sie zu Lohn mag Ehre kriegen. 

135. Eine Gruppe von verschiedenen Kindern mit 

einer Menge sinnbildlicher Bezeichnungen, sehr 

kräftig, kühn und meisterlich ausgeführt. 



^*) s. des Verfassers Oottorffer Künstler, 
(1917), S. 383. 

^°) = geschnitzten. 



II. Teil 



136. Eine allegorische Vorstellung, meisterhaft 

gemalt. 
Auf Leinewand; h. 55 Zoll; br. 52 Zoll. 
Nr. 36 des Verzeichnisses eines Nachlasses von 
Cabinet-Gemählden usw., die am 19., 20., 21. April 
1792 in Hamburg verkauft worden sind. 
Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Kunst- 
halle zu Hamburg (Sammlung Gaedechens). 

137. Allegorie. Ein Kind klammert sich an einen 
Engel, der nach oben weist; in der Tiefe sieht 
man einen Drachen. 

Nr. 149 des ,,Fortegnelse oder en Sämling 
Malerier utforte i Olie og Gouache tilhorende 
R. C. Raßmussen". 

Ein Exemplar des 1874 zu Kopenhagen als 
Manuskript gedruckten Kataloges besitzt die Kgl. 
Bibliothek zu Kopenhagen. 

Mitteilung des Herrn mag. art. Victor Her- 
mansen, Kopenhagen. 

Nach einer Mitteilung des Herrn Gustav Falck, 
Kopenhagen, wurde die Sammlung R. C. Ras- 
mussen in verschiedenen Versteigerungen verkauft 
und zwar das Ovenssche Bild am 17. Oktober 
1904 als Nr. 304 an einen Herrn Saaby. 

159 



138. * Sieg des Christentums über die Sünde. 

Ein Engel im Trauergewande schwebt auf einer 
dunklen Wolke, die Nägel des Kreuzes in der 
rechten Hand und das Kreuz selbst im linken 
Arme haltend. In der Mitte des Kreuzes ist das 
Auge der Vorsehung abgebildet und über dem 
Kreuze flattert die rote Siegesfahne mit dem Bilde 
von der Auferstehung des Erlösers. Rechts von 
diesem Engel halten zwei in Schmerz versunkene 
andere Engel ein aufgerolltes Blatt, auf welchem 
der Sündenfall der ersten Menschen in grauer 
Farbe dargestellt ist. Links hält ein dritter Engel 
ein Bild empor, auf welchem man die Geburt 
des Heilandes sieht. Neben diesem Engel hebt 
noch ein anderer Palmen und Lorbeerzweige in 
die Höhe, während eine Schlange der Hölle voller 
Verzweiflung über den Anblick des gnadenreichen 
Bildes sich in Gluten wälzt. Aus der düster 
gähnenden Tiefe der höllischen Mächte züngeln 
grelle Flammen empor. Zwischen dem Engel, 
der das Kreuz, und dem, der die Palmen trägt, 
deutet ein nur zur Hälfte sichtbarer Engel freudig 
auf die Schlange hin und "senkt seine Augen ab- 
wärts, als ob er den niederschwebenden himm- 
lischen Gestalten und der Welt den Sieg ver- 
künden wollte. Oben in der reinen Himmels- 
luft singen himmlische Heerscharen Loblieder und 
blasen auf Pbsaunen, von der heiligen Cäcilia 
an der Orgel begleitet, die aus Gewölk und Engels- 
chören hervortaucht. 

Bezeichnet: I. Ovens 1664. 
Auf Leinen; h. 2,51 m; br. 1,63 m. 
Dom zu Schleswig. 

Früher stand der sogenannte kleine Altar, dessen 
Hauptgemälde die Darstellung ist, vor dem Kiel- 
mannseckschen Epitaph, hente bildet er den öst- 
lichen Abschluß der nördlichen Apsis des Domes. 
Nach der lateinischen Inschrift ist der Altar 
1664 vom Kanzler Johann Adolf Kielmann von 
Kielmannseck der heiligen Dreieinigkeit geweiht 
und der Kirche geschenkt. 

Die Inschrift findet sich bei von Schröder, 
Geschichte und Beschreibung der Stadt Schles- 
wig, 1827, S. Q3 und Sach, Geschichte der Stadt 
Schleswig, 1875, S. 197, sowie Sach, Asmus Jakob 
Carstens' Jugend- und Lehrjahre, 1881, S. 47, 
Anm. 1. 

Eine Beschreibung des Gemäldes findet sich im 
Neuen Staatsbürgerlichen Magazin I. (1832), S. 646. 
Ihr folgt Sach in dem zuletzt angegebenen Werke, 



S. 47, und, mit geringen Änderungen, der Ver- 
fasser. 

Vgl. auch Doris Schnittger, Zeitschrift Bd. 38, 
S. 423 und Repertorium 1887, S. 144. 

13Q. * Gerechtigkeit mit Vorsicht und Friede, 
nebeneinander sitzend, Kniestück (Abb. 28). 

Links vom Beschauer die Vorsicht iji bräun- 
lichem Untergewande und blauem Oberkleid. Sie 
neigt sinnend das Haupt. In der linken Hand 
trägt sie einen Schlangenstab, während sie mit 
der Rechten, als wollte sie es lenken, an den Griff 
des Schwertes der Gerechtigkeit faßt, das diese 
auf ihr rechtes Knie stützt. Die Gerechtigkeit sitzt, 
fast bis zu den Füßen sichtbar, erhöht in der 
Mitte vor und unter einem roten Baldachin. Gelbes 
Kleid, roter Rock. In der linken Hand hält sie die 
Wage, rechts von der Gerechtigkeit sitzt der Friede 
in weißem Gew^ande. Die linke Hand hält einen 
Ölzweig.' Mit einem Kranz aus Ölbaumlaub ist 
auch sein Haupt geschmückt. Den rechten, mit 
zwei Perlenschnüren umwundenen Ann stützt der 
Friede auf den linken Oberschenkel der Ge- 
rechtigkeit und blickt zu ihr auf. Unten rechts vom 
Frieden Früchte und Ähren. Im Hintergrunde 
links bewölkter Himmel, rechts das Rathaus von 
Amsterdam und die Nieuwe Kerk. 
Auf Leinen; h. 1,72 m; br. 2,20 m. 
Kgl. Palast, Amsterdam. 

Das Bild hängt seit seiner Entstehung — es 
war für das Schöffenzimmer gemalt — im ehe- 
maligen Rathause in Amsterdam, und zwar jetzt 
im Salon der Königinmutter, dem früheren 
städtischen Advokatenzimmer. 

Das Bild ist beschrieben von Philipp von Zesen, 
Beschreibung der Stadt Amsterdam, 1664, S. 270. 
Durch ihn ist es ausdrücklich als Werk des Ovens 
bezeugt. Er beschreibt es folgendermaßen : Aber 
unter allen gemeiden (des ,,Scheppensaals" im ehe- 
maligen Rathause) ist dasselbe, das uns mehr ge- 
melten J. Ovens künstlicher pinsel alhier hinter- 
laßen, das fürnehmste und preiswürdigste. Hier- 
innen sitzet und ruhet gleichsam der Friede, mit 
seinem Öhlzweige, in der Gerechtigkeit sch'oße, 
und schlaget die band, samt den äugen, mit einem 
fröhlichen dankbahren wesen über sich, nach ihrem 
antlitze zu; indessen daß die fürsichtigkeit mit der 
einen hand ihr Gerichts-schwert zugleich mit an- 
fasset, eben als wolle sie es lenken ; mit der andern 
aber einen schlangen-stab ihr vorhelt. Dan es 



160 



ist vor die Gerechtigkeit, iiir amt, oiine der für- 
sichtiglveit beistand, zu verrichten, in aiwege sehr 
gefährlich: und die erfahrung bezeugt es über- 
flüßig, daß sich oftermahls die Richter, wan sie 
nicht fürsichtig genug gehandelt, schändHch ver- 
griffen, und nach ihres so unvorsichtig ausge- 
sprochenen Urteils noch unvorsichtiger(er) vol- 
ziehung, mit großer schnrertz-empfindlichkeit, aber 
nunmehr viel zu spähte, beklaget. Im ver- 
schießen 21) steht das Rathhaus, samt dem mächtigen 
seehandel der Stadt Amsterdam, nicht weniger 
künstlich, als zierlich, entworfen. 

Ovens erhielt aus der Amsterdamer Stadtkasse 
für das Gemälde 252 Gulden. Am 2. Januar 
1663 verzeichnet die Amsterdamer Stadtrechnung 
(Rapiamus), S. 200 folgenden Beleg: 

Aen Jürgen Ovens, schilder, bet (aelt) drie hun- 
dert guldens, te weten twehondert tweenvijftigh 
guldens voor het stuck schilderije in de camer 
van de heeren Schepenen u.s. w.22). 

Der Beleg ist erwähnt von Kroon, Stadhuis, 
S. 81, unv^ollständig und ungenau zitiert ist er von 
de Roever Oud-HoUand IX. (1891) S. 302. 

Auch im Wegwijzer door Amsterdam 1713, 
S. 450 ist das Bild erwähnt: Scheepenskamer . . . 
Men ziet in 't midden de gerechtigheit, en ter 
zijde de Sterkheit en Voorzichtigheit, neffens andre 
sieraden en Zinnebeeiden op deeze Kaamer toe- 
passelyk. 

Jan van Dijck, K'unst- en historiekundige Be- 
schrijving van alle de schilder)'en op het stadhuis 
van Amsterdam, 1. Ausgabe 1760, 2. Ausgabe 
1790 (bei de Jongh, Amsterdam) gibt S. 137 Jan 
Lievens als Künstler an : In Schepenen Extra- 
ordinaris vinden wy voor de schoorsteen een 
schilderey von den ouden Jan Lievense, en wel 
van zyn beste, zijnde niet zo overvloedig dik 
in de Verve, het verbeeld de Gerechtigheid, die 
't Zwaard der Justitie recht op houd, rüstende op 
haar rechter knie, in haar linker hand houd zy 
een Weegschaal in haar Evengewigt (Gleich- 
gewicht), naast haar rechter zyde zit de Voor- 
zichtigheit, die met haar eene hand het gevest (Heft) 
van 't Zwaard vast houd, op de rechter Zyde zit 
de Vreede, met de Overvloeds Hoorn vol rype 
vrugten, over de uitvoering van 't recht, dat mit 
voorzichtigheid bestiert word zieh ver\\'ondert en 



21) Hintergrund. 

22) Vgl. S. 86. 



verheugt. Zynde een voortreffelyk Zinnebeeld op 
de Kamer der Heeren Scheepenen, al waar (S. 138) 
het voor de verandering .... gestaan heeft; maar 
in dit vertrek (Hinsicht) is het niet minder toe- 
passelyk. 

Jan van Dijcks falscher Angabe entsprechend 
galt das Bild bisher als Werk des Jan Lievens. 
Als solches führt es von Wurzbach, Nieder- 
ländisches Künstler-Lexikon, II. S. 46 an. Ebenso 
in Baedekers Belgien und Holland 1910, S. 398. 
Auch C. Neumann, Aus der Werkstatt Rem- 
brandts, 1918, hat das Bild noch nicht an Ovens 
gegeben. 

140. * Christian Albrecht als Beschützer der 
Künste und Wissenschaften (Abb. 31). 

Rechts steht auf einer grau-weißen Marmor- 
stufe, auf der man die Worte: MAGNI REVI- 
VISCENS GLORIA PATRIS liest, vor dem ver- 
goldeten Thronsessel mit dunkelblauem Sammet- 
kissen der Herzog Christian Albrecht, das rechte 
Bein vorgestellt, die linke Hand in die Hüfte 
stützend, mit der rechten den in die Hüfte ge- 
stemmten Herrscherstab fassend. Auf seinem asch- 
farbigen Haar liegt ein silbergrau-grüner Lorbeer- 
kranz. Der Fürst trägt ein grau-bläuliches, die 
Unterarme freilassendes Gewand, dem goldene 
Fäden eingewebt sind. Von Schulter zu Schulter 
hängt über der Brust ein goldschimmernder Schal. 
Die Strümpfe sind blau, die Stiefel braun. Der 
Herzog richtet seine Blicke auf die etwa in der 
Mitte des Bildes stehende Minerva, die ihren linken 
Arm, an den sich ein Speer lehnt, nach ihm aus- 
streckt. Sie trägt ein grau-braunes Gewand mit 
einem ziegelroten Überwurf. Die Federn ihres 
Helmbusches zeigen die entsprechende Farbe. Links 
von ihr drei Musen mit Musikinstrumenten. Eben 
hat Minerva eine schwarze weitflatternde Hülle von 
ihnen fortgezogen. Die eine, dem Beschauer den 
Rücken kehrende, kniet und neigt sich vor dem 
Herzog. Sie trägt ein weißes einen großen Teil 
des Rückens freilassendes Hemd und ein korn- 
blaues Gewand. Die beiden andren Musen sitzen, 
die eine dem Herzog, die andre dem Beschauer 
zugekehrt. Erstere trägt ein zitronengelbes, die 
andre ein ziegelrotes Gewand. Hinter diesen drei 
Musen steht, dem Beschauer zugewandt, eine 
vierte in bräunlichem Leibchen, in der erhobenen 
rechten Hand eine Erdkugel tragend. Zwischen 
dem Herzog und Minerva kniet ein Putto mit 

161 



11 



einer Löwenhaut, einem Helm und Beinschienen, 
einen rotrandigen Schild mit dem schiangenum- 
wundenen Medusenhaupte stützend. Hinter ihm 
stehen aneinander gelehnt in blauroten Gewändern 
zwei Schleswig und Holstein \erkörpernde weib- 
liche Gestalten, von denen die eine das schles- 
wigsche Wappen mit den beiden Löwen empor- 
hebt. Rechts in der Ecke, zu Füßen des I'hrones, 
erscheint zwischen zwei Gewappneten, halb nach 
rechts gewandt, den Beschauer anblickend, der 
Maler, von dem jedoch nur das Antlitz sichtbar 
ist-'). Am unteren Rande des Bildes sieht man, 
von links beginnend, Zuschauer, Kinder, einen 
alten Mann, eine junge Frau. Line von diesen 
Personen hält ein Tamburin, auf dem die Signatur 
JOvens. f. 1661 steht. Ftwa in derMitte des unteren 
RajTdes tragen Putten ein schwarzes Schild mit 
grauem Ohrmuschelornament, auf. das in grau- 
weiß folgende Verse gemalt sind: 

Die Sonne geht unter, entzieht uns den schein, 
ein ander Licht gehet gewünschet herein. 
Die Pallas reist abe das schwarze gewandt. 
Die Musen die stellen sich wieder zur handt 
Der Schlangenkopff weichet wen Hercules komt 
und seinen sitz auff dem Olivenstuhl nimt 
Der Himmel dem David das Regiment giebt 
Des frewen sich jung und alt, die er auch liebt. 

Rechts von diesen Versen ein Medaillon, auf 
dem Hirten, Vieh und eine Trinkszene dargestellt 
sind. Hinter dem Herzog rechts eine Frauen- 
gestalt, die den Thron bekränzt, dahinter noch 
Kriegsvolk und Hellebardenträger, links eine weib- 
liche Gestalt, die in der rechten Hand eine Fackel, 
in der linken zwei Flöten trägt. Über Christian 
Albrecht Putten mit einem purpurroten goldge- 
fransten Baldachin. In der Mitte des Bildes tragen 
auf Wolken ein Engel im dunkelgraublauen Ge- 
wände mit gelbenr Schal inui Putten das Bild 
des Vogels Phönix in grauer Umrahmung; mehr 
im Hintergrunde, oben in der linken Ecke, ge- 
wahrt man die Versammlung der Götter, die das 
Schauspiel zu ihren Füßen betrachten. Land- 
schaftlicher Hintergrund, Wälder und Felder in 
bläulichem Duft, weiter zurück Schloß Gottorf. 
Dunkelblauer Himmel nn't weißen und grauen 
Wolken und Abendrot. 

.^uf Leinen; h. 3,50 m; br. 3,38 m. 

-■') Vgl. den Abschnitt \'l, Ovens-Bildnisse. 



Hofjägermeister Kammerherr Cederfeld de 
Simonsen, Frholm bei Aarup, Dänemark. 

In den fünfziger Jahren des vorigen Jahr- 
himderts ist das Bild restauriert. 

Es wird von Weilbach, Nyt Dansk^Xunstner- 
lexikon, Artikel Ovens kurz erwähnt. Nach ihm 
war das Gemälde ein Geschenk des Königs Frie- 
drichs IV. Von Dänemark an Konferenzrat Si- 
monsen. Wie der Besitzer mir mitteilte, stannnt 
es aus Schloß Gottorf, von wo es nach 1721 ent- 
führt worden ist. Eine Zeichnung im Kgl. Kupfer- 
stichkabinett Kopenhagen (unsere Nr. 42) ist eine 
Skizze zu dem Bilde. 

Abbildung 5 in meinem Aufsatze, Jürgen Ovens' 
Gemälde und Zeichnungen mit Vorwürfen aus 
der schleswig-holsteinischen und nordischen Ge- 
schichte in der Festgabe für Richard Haupt. Dort, 
S. 83 ff. auch Beschreibung des Bildes. 

Profangeschichte. 

141. Semiramis nach H. Ovens, 18 #. 
Nr. 40 der Kopien des Nachlaß-Inventars. 

142. Ein Groß Original Schätz von Herrn Ovens 

die Historia vom Alexandro undt Bucephalo, 10 ^. 

Nr. 5Q der Originalien des Nachlaß-Inventars. 

143. * Die Großmut des Scipio. 

Zahlreiche Figuren in etwa dreiviertel Lebens- 
größe. 

Scipio in Feldherrntracht, mit Lorbeer be- 
kränzt, auf erhöhtem Sitze, ist im Begriff, die ge- 
fangene Fürstentochter freizugeben. Der unter ihm 
Stehenden streckt er den Feldherrnstab entgegen. 
Seine Mutter blickt ihn freundlich lächelnd an. 
Die Fürstentochter in weißseidenem, golddurch- 
wirktem Gewände, dessen Schleppe von zwei 
Knaben getragen wird, ist von einem Pagen ge- 
leitet. Neben diesem steht in rötlichgelbem Kleide 
ein Page mit einem braunen Schmuckkästchen. 
Weiter erblickt man eine Gruppe von drei Männern, 
eine Frau und zwei bewaffnete Krieger, zu denen 
ein rechts im Vordergrunde stehender dunkel- 
gefärbter Hund mit grauweißer Brust aufschaut. 
Links \om Beschauer, zu den Füßen des Thrones, 
zwei junge Krieger mit Panzer und Helm und 
ein halbnackter Sklave, der ein bräunliches Tuch 
um die Lenden trägt. Er legt goldene Gefäße 
und einen Prunkteller nieder an den Stufen des 
riirones, die ein mit goldenem und silbernem 



1G2 



» 



Blumenomament reich durchwirkter Teppich mit 
duni<elbiauer Borde bedecivt. Über dem Thron 
ein gelbiichbrauner Baldachin mit einer Säule. 
Die Architektur des Hintergrundes ist ganz dunkel 
gehalten. Man gewahrt einen Teil eines Halb- 
bogens, durch den man einen Ausblick auf grau- 
blauen Himmel mit gelb durchschimmernder 
Untermalung hat. 

Auf Leinen; h. 1,63 m; br. 2,43 m. 

Konsularagent Emil Heß, Einbrungen bei 
Düsseldorf. 

Das für Ovens sehr charakteristische Werk, 
das ich, von Dr. Hofstede de Groot, Haag auf- 
merk-sam gemacht, im Juni 1912 in Aachen studiert 
habe, wo der Besitzer damals wohnte, erinnert 
in seinen rotbraunen Partien an Jan van Noordt. 

144. Eine Cleopatra. 

Nr. 7 der Specifikation von nachfolgenden 
Mahlereyen usw., 30. November 1757 in Ham- 
burg verkauft. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Biblio- 
thek des Vereins für Hamburgische Geschichte. 

144a. Ein historisches Stück mit Cleopatra 

von I. von Ovens. 
Nr. 2 des ,,Fortegnelse paa den störe sam- 
ling, som .... Otto Greve af Thott har efter- 
ladt sig af malerier". Die Versteigerung fand am 
24. April 1787 zu Kopenhagen statt. 
Auf Leinen; h. 41 Zoll; br. 48 Zoll. 
Das Bild wurde für 5 Reichstaler verkauft. 

145. * Die Verschwörung der Bataver unter 
Julius Civilis. 

Im nächtlichen Walde, der durch die Mond- 
sichel und durch Eackellicht erleuchtet ist, sitzt 
unter einer zechenden Gesellschaft rechts Juhus 
Civilis. Er erhebt den linken Arm, die rechte 
Hand reicht er einem Krieger in Helm und 
Rüstung. Links eine sich unterhaltende Gruppe, 
in der Mitte mehrere von hellem Eackellicht be- 
schienene Männer, die dem Anführer zuhören. 
Rechts unten ein auf die Neige gehendes Eaß, 
das einer hebt, um den Rest des Weines heraus- 
fließen zu lassen. Ein anderer schöpft mit einer 
Kanne und hält in der rechten Hand einen großen 
Pokal. 



Ovens erhielt für das Bild am 2. Januar 1662 
aus der Amsterdamer Stadtkasse 48 Gulden. 

Er hatte eine Skizze von Govert Flinck voll- 
endet. Vgl. darüber S. 84 ff. Das für das Rat- 
haus in Amsterdam gemalte Bild, das an die 
Stelle von Rembrandts Gemälde gehängt wurde, 
ist noch heute im jetzigen Kgl. Palast. 

Nach von Zesen, Beschreibung der Stadt 
Amsterdam, S. 262 f. war das Bild 22 Schuh hoch, 
19 Schuh breit (etwa 61/2 m hoch, 51/2 m breit). 

Eine das Original nur mangelhaft wieder- 
gebende, bei Blitzlicht aufgenommene Photo- 
graphie, an die sich die Beschreibung anschließt, 
habe ich Anfang 1912 im Besitz der Rijks- 
Academie van Beeidende Künsten zu Amsterdam 
gesehen. 

Die für die Julius Civilis-Geschichte in Be- 
tracht kommenden Stellen sind Tacitus, Historiarum 
lib. IV, c. 13 bis 15 und c. 61. 

146. * Grabmal des Grafen Dietrich des 

Glücklichen von Oldenburg -' *) 

und Stammbaum der Gottorfer Herzöge 

mit ihren Bildnissen in Grau. 

Auf den Stufen eines Grabmals aus schwarzem 
Marmor ruht lang ausgestreckt ein Krieger, dessen 
Haupt eine bekränzte Frauengestah in ihrem Schoß 
bettet. Rechts vom Beschauer zwei junge Frauen 
mit Blumen in den Händen. Hinter der den 
Krieger bettenden Frauengestalt eine andere weib- 
liche Gestalt, die auf die von Fruchtgirlanden 
eingerahmte Inschrift hinweist. Auf dem Grab- 
mal steht ein mit einem goldenen Rahmen ein- 
gefaßtes nach rechts blickendes Brustbild des 
Königs Christians I. von Dänemark, des Sohnes 
Dietrichs des Glücklieben. Es ist an einen Stamm 
gelehnt und wird von zwei Putten gestützt, von 
denen einer einen Lorbeerkranz hält. Dem Stamme 
folgend schließen sich fünf weitere mit König 
Friedrich I. beginnende Brustbilder von Herrschern 
an, deren Namen die Inschrift angibt, alle von 
blumengeschmückten Putten getragen. Außer 
diesen sechs Bildern noch ein leerer Rahmen, der 
offenbar bestimmt war, das Bildnis des Nach- 
folgers des Christian Albrecht aufzunehmen. Die 
\on Adam Olearius verfaßte Inschrift des Grab- 
mals lautet: 



^^») Stammvater der dänischen Königsfamilie aus dem 
Oldenburger Hause, f 1440. 

163 



11* 



Dietrich war der iiohe Oraff 
Dessen Sohn das Giüci<e traff 
Das da er noch jung und zart 
Dreyer Kronen Fehig ward. 
Dieses Fürstenhauses Stam 
Aus ihm seinen uhrsprung nam 
König FRIEDRICH (koningsblut) 
ADOLPH mit dem helden muth 
Und JAN ADOLPH, FRIEDERICH 
CHRISTIAN ALBRECHT der itzt sich 
Auff der Ahnen Stul gesetzt 
Hochgelobet hochgeschetzt. 

Auf Leinen; h. 3,00 rn; br. 1,54 m. 

Schloß Frederiksborg bei Hillerod. 

O. Andrup, Katalog over de udstiliede Por- 
traiter og Oenstande paa Frederiksborg, 19IQ, 
Nr. 1075. 

Beschrieben in meinem S. 162 angeführten Auf- 
satze, S. 70 f. 

Das Gemälde ist zuerst urkundlich belegt in 
dem Gottorfer Schloßinventar von 1666, Reichs- 
archiv, Kopenhagen. Von Schloß Gottorf ist es 
nach 1850 in die Kgl. Sammlung in Kopenhagen, 
damals in Schloß Christiansborg, und von dort 
um 1880 nach Schloß Frederiksborg überführt. 

147. * Herzog Adolf VIIl. von Schauenburg 
verzichtet auf die Krone und schlägt seinen 
Neffen Christian, den ältesten Sohn seiner 
Schwester Heilwig und des Grafen Dietrich 
des Glücklichen von Oldenburg, zum Nach- 
folger Christophs von Dänemark vor, 1448. 

Dem auf dem Throne sitzenden Herzog bietet 
der in einen roten Mantel gekleidete, von mehreren 
Männern und zwei Kindern umgebene dänische 
Kanzler die Krone an. Der Herzog wehrt ab und 
zeigt auf seinen links von ihm stehenden Schwester- 
sohn, der, die Rechte in die Seite gestützt, dem 
Vorgang zuschaut. Über dem Jüngling schweben 
Engel, die ein Band tragen mit der Inschrift: 

Demselben Und nicht mir. 

Rechts im Hintergrunde eine Tür mit Bogen, in 
einer Nische eine Büste. 

Auf Leinen; h. 1,21 m; br. 2,03 m. 

Schloß Frederiksborg bei Hillerod. 

In O. Andrups Katalog von 1919, Nr. 349, 
wo infolge eines Druckfehlers als Zeit der Ent- 
stehung ca. 1650 statt ca. 1660 angegeben ist. 

164 



Beschrieben in meinem S. 162 angeführten Auf- 
satze, S. 71. 

Das Gemälde stammt aus Schloß Gottorf, von 
wo es nach 1850 in die Kgl. Sammlung in Kopen- 
hagen, damals in Schloß Christiansborg, und von 
dort um 1880 nach Schloß Frederiksborg über- 
führt worden ist. 

Es scheint mir das beste der in Frederiks- 
borg befindlichen historischen Gemälde des 
Ovens zu sein. Besonderes Lob verdienen die 
Bildnisse des Herzogs und des Kanzlers. 

Das Bild war früher im Magazin. Deshalb 
ist es in dem 1902 herausgegebenen Kataloge 
nicht aufgeführt. 

148. *Apotheose des Königs Christians I. 
von Dänemark (1460—81). 

In der Mitte sitzt auf dem Throne der mit 
Lorbeer bekränzte König in römischer Imperatoren- 
tracht vor einem roten Vorhange. In der rechten 
Hand hält er einen Feldherrnstab, den er auf 
das Knie stützt. Die Linke ruht auf der obersten 
dreier übereinander aufgestellter Kugeln, der Sinn- 
bilder der drei nordischen Reiche Dänemark, Nor- 
wegen und Schweden. 

Links vom Beschauer drei reich drapierte , 
Frauengestalten, von denen zwei miteinander 
sprechen. Die zunächst dem Throne stehende 
(das Gericht?) hält eine Posaune, die andere (der 
Kriegsruhm?) trägt auf der Hand einen Helm, 
die dritte (die Fruchtbarkeit?), die im Vorder- 
grunde knieend dem Beschauer den Rücken zu- 
wendet, umfaßt liebkosend zwei kleine blumen- 
geschmückte Kinder. Auf der anderen Seite des 
Thrones stößt Minerva, die einen Helm mit langem 
weißem Federbusch trägt, mit einer Lanze auf einen 
am Boden liegenden Dämon, der von Schlangen 
umgeben ist. Eine andere dämonische Gesüilt, 
die flehend die Hände emporhebt, flieht davon. 
Im Hintergrunde rechts eine Schlachtszene. An 
der Stufe des Thrones stehen folgende Verse: 

Der Dänen, Norwegen und Schweden ihr Reich 
herrscher der König Christianus zugleich 
So lang Zeit er lebet, er sitzet in Ruh. 
Gott gab ihm auch Glücke dazu. 

Auf Leinen; h. 1,44 m; br. 2,09 m. 
Museum Koldinghuus, Kolding. 
Das Bild ist ein Geschenk des Stifters des 
Museums, Thomas Petersen. Es war auf der Aus- 



i 



Stellung Billeder af gammel Kunst udstillede i 
Kunstforeningen, Kopenhagen 1891, Nr. 154. 

Beschrieben in meinem S. 162 angeführten Auf- 
satze, S. 71 f. 

149. * König Christian I. von Dänemark 
empfängt von dem deutschen Kaiser 

Friedrich IM. zu Rothenburg ob der Tauber 

1474 die Erhebung der Grafschaft Holstein 

zu einem Herzogtum 

und die Belehnung mit Dithmarschen. 

In der Mitte sitzen der Kaiser und rechts von 
ihm etwas niedriger der König. Ihnen werden die 
Wappen der betreffenden Länder gebracht. Rechts 
im Vordergrunde sieht man Geschenke für den 
Kaiser herbeibringen, Hermelinfelie und Stock- 
fische. Im Hintergrunde wird ein Reiter zu Pferde 
sichtbar. Rechts und links oben der doppelköpfige 
Adler. Auf einem Schilde links unten steht die 
Inschrift : 

Der König, Fürsten und Praelaten 
Nach Rom aus andacht walfart thaten 
Auff Rotenburg die reis' erst ging 
Da Keiser Friedrich ihn empfing 
Gross ehr ist ihm aldar geschehn 
Dittmarschen gab er ihm zur lehn 
.Auch hat er Holstein ihm zum rühm 
Gemacht zu einem Fürstenthum. 

Auf Leinen; h. 3,00 m; br. 3,57 m. 

Bezeichnet: J. OVENS f. A. 1665. 

Schloß Frederiksborg bei Hillerod. 

In O. Andrups Katalog von 1919, Nr. 1077. 
- Beschrieben in meinem S. 162 angeführten Auf- 
satze, S. 72 f. 

Das Bild stammt aus Schloß Gottorf, von wo 
es nach 1850 in die Kgl. Sammlung in Kopen- 
hagen, damals in Schloß Christiansborg, und von 
dort um 1880 nach Schloß Frederiksborg über- 
führt worden ist. 

150. * König Christian I. von Dänemark 
empfängt von Papst Sixtus IV. 

im Jahre 1474 die goldene Rose.-*) 

Der König beugt vor dem auf einem Throne 
sitzenden ehrwürdigen Greise die Kniee, um aus 
seiner Hand die goldene Rose entgegenzunehmen. 
Beide sind von reich gekleidetem Gefolge um- 
geben. Im Hintergrunde die Wölbungen einer 



-*) Ein Geschenk, das die Päpste fürstlichen Personen, 
Städten usw. als besondere Auszeichnung überreichen. 



Kirche. Auf einer Stufe des päpstlichen Thrones 
steht die Inschrift: 

Zu Rom dem König es wol ging, 
vom Pabst die guldne Ros' empfing 
Die Ihm Fugenius-'s) Verehrte 
Und dadurch gros geheimnis lehrte. • 

Auf Leinen; h. 3,00 m; br. 2,60 m. 

Rechts unten bezeichnet: J. OVENS fecit 
A. 1665. 

Schloß Frederiksborg bei Hillerod. 

In O. Andrups Katalog von 1919, Nr. 1076. 
Dort auch Wiedergabe der Signatur. 

Beschrieben in meinem S. 162 angeführten Auf- 
satze, S. 73. 

Das Bild stammt aus Schloß Gottorf, von wo 
es nach 1850 in die Kgl. Sammlung in Kopen- 
hagen, damals in Schloß Christiansborg, und 
\'On dort nach Schloß Frederiksborg überführt 
worden ist. 

Eine Skizze zu dem Bilde besitzt die Kgl. 
Kupferstichsammlung zu Kopenhagen, s. Katalog 
der Handzeichnungen Nr. 54. 

151. * Kopenhagen ergibt sich 1524 
dem Könige Friedrich I. 

Im Vordergrund steht im antiken Kostüm der 
König, dem die Schlüssel und die Fahne der 
Stadt übergeben werden. In seinem Gefolge ein 
Diener, der emen Sack mit Geld bringt, das zum 
Solde für die Soldaten bestimmt ist. Im Hinter- 
grunde Soldaten und weiter zurück die Türme 
der Stadt. 

Unter der gesenkten Fahne steht die Inschrift: 

Der erste Konig Friedrich kam 
Mit seinem Heer vor Coppenhagen 
Und mit accord die Stadt einnam 
Die Schlüssel sie entgegen tragen 
Auch den Soldaten in der Stadt 
Den gantzen Sold bezahlet hat. 

Auf Leinen; h. 2,95 m; br. 2,63 m. 

Bezeichnet rechts unten: J. OVENS. f. 

Schloß Frederiksborg bei Hillerod. 

In O. Andrups Katalog von 1919, Nr. 1078. 

Beschrieben in meinem S. 162 angeführten Auf- 
satze, S. 73 f. 

Das Bild stammt aus Schloß Gottorf, von wo 
es nach 1850 in die Kgl. Sammlung in Kopen- 
hagen, damals in Schloß Christiansborg, und von 



25 



') Papst von 1431—1447. 



165 



dort um 1880 nach Schloß Frederiksborg über- 
führt NX'orden ist. 

152. * Die Dithmarscher ergeben sich dem 

dänischen Könige Friedrich II. 

und Herzog Adolf von Gottorf nach der 

Schlacht bei Heide 1559 (Abb. 42). 

Hoch zu Roß halten die beiden Fürsten, vor 
denen zum Teil mit bittend erhobenen Händen 
die dithmarsischen Männer knieen. Neben den 
Fürsten rechts vom Beschauer steht ein Krieger, 
offenbar der Oberbefehlshaber Johann Rantzau, 
der auf zwei in gebückter Haltung sich ihm de- 
mütig nähernde Männer blickt, die eifrig mitein- 
ander reden. Links in der Ferne Zelte, davor Be- 
waffnete. 

Am unteren Bildrande die Inschrift: 
Hier Hertzog Adolff giebt perdon 
Ja schencket euch Dittmarsen Leuten 
Eur Leben gleich zu einer beuten 
Bekomt daher euch selbst zu Lohn 
Ervartet Vorrecht nicht zu viel. 
Herr Rantzou ist auch mit im Spiel. 
Auf Leinen; h. 2,97 m; br. 2,51 m. 
Bezeichnet: J. OVENS. f. 
Schloß Frederiksborg bei Hillerod. 
In O. Andrups Katalog von 1919, Nr. 1079, 
wo die Maße zu berichtigen sind. Dort auch 
Wiedergabe der Signatur. 

Beschrieben und abgebildet in meinem S. 102 
angeführten Aufsatze, S. 74. 

Das Bild stammt aus Schloß Oottorf, von wo 
es nach 1850 in die Kgl. Sammlung in Kopen- 
hagen, damals in Schloß Christiansborg, und von 
dort um 1880 nach Schloß Frederiksborg übei"- 
führt worden ist. 

153. Herzog Adolf von Gottorf begegnet 
am englischen Hofe einem Löwen, 1568. 

Vor einem Balkon, auf dem mehrere Herren 
stehen, trifft Herzog Adolf einen Löwen. Er legt 
ihm die Linke auf den Kopf, während er die 
Rechte beruhigend zu den Frauen und Kindern 
erhebt, die im Vordergründe vor dem Löwen 
in höchster Bestürzung fliehen. Rechts ein Mann, 
der auf einen Stab gestützt der Szene zuschaut. 
In der Mitte des Hintergrundes ein Garten mit 
einer hohen Säule, auf der eine schreitende Statue 
steht, rechts ein hochragendes Gebäude. 

Auf Leinen; h. 2,97 m; br. 1,70 m. 

im 



Auf der Stufe, auf der der Herzog steht, die 
Bezeichnung: J. OVENS. f. 

Beschrieben in meinem S. 162 angeführten Auf- 
satze, S. 75. 

Das Bild stammt aus Schloß Gottorf, von wo 
es nach 1850 in die Kgl. Sammlung in Kopen- 
hagen, damals in Schloß Christiansborg, und von 
dort um 1880 nach Schloß Frederiksborg über- 
führt worden ist. 

Aus Schloß Frederiksborg kam es vor kurzem 
an seinen jetzigen Aufbewahrungsort, die Reichs- 
advokatur, Kopenhagen. 

154. * Herzog Adolf-') von Gottorf empfängt 
1568 von der Königin Elisabeth von Eng- 
land den Hosenbandorden. 

Die Königin Elisabeth, über der der Zipfel 
eines roten Baldachins sichtbar ist, reicht dem 
vor ihr sich neigenden Herzog, der sich mit der 
Linken auf einen Stab stützt, ihre rechte Hand. 
Gleichzeitig wird dem Herzog der Orden um 
das linke Bein gelegt. Neben der Königin, links 
vom Beschauer, zwei Männer, von denen einer 
in reicher mit Hermelin geschmückter Kleidung. 
Er trägt in der rechten Hand eine Schriftrolle. ' 
Im Vordergrunde links ein Bewaffneter, mehr nach 
der Mitte ein Neger. Im Hintergrunde ein Wind- 
spiel und mehrere Gestalten und in weiter Ferne 
ein Turm und ein Gebäude. Auf der Stufe, auf 
der der Her2<og steht, liest man die Inschrift: 
Die Königin Elisabeth 
Dem Hertz:og Adolff ehre thet 
Das Sie ihm gab aus freyer hand 
Den Orden von dem Hosenbandt. 

Auf Leinen; h. 2,98 m; br. 1,59 m. 

Bezeichnet: J. OVENS. fecit. 

Schloß Frederiksborg bei Hillered. 

In O. Andrups Katalog von 1919, Nr. 1074. 

Beschrieben in meinem S. 162 angeführten Auf- 
satze, S. 75 f. 

Das Bild stammt aus Schloß Gottorf, von wo 
es nach 1850 in die Kgl. Sammlung in Kopen- 
hagen, damals in Schloß Christiansborg, und von 
dort um 1880 nach Schloß Frederiksborg über- 
führt worden ist. 

Eine Skizze zu dem Bilde besitzt die Kgl. 
Kupferstichsammlung zu Kopenhagen, s. Katalog 
der Handzeichnungen Nr. 55. 

-'') Nicht Johann Adolf, wie fälschlich in O. Andrups 
Katalog von Frederiksborg 1919 steht. 



155. * Die Vermählung der Schwester des 

dänischen Königs Christians IV., Augusta, 

mit dem Herzog Johann Adolf von Gottorf, 

1598 (Abb. 41). 

Nahezu in der Mitte des Bildes auf erhöhtem 
Sitze das junge Paar, sich an der Rechten fassend, 
zwischen ihnen Cupido. Der Herzog trägt einen 
Lorbeerkranz, seine Gemahlin eine Krone. Hinter 
ihnen Minerva mit Krone und Kurfürstenhut und 
die Göttin des Friedens, Irene, die den finsteren 
ingrimmigen Kriegsgott abwehrt. Über dem Paar, 
iinivs vom Beschauer, Enge! und Putten, die auf. 
dasselbe herabblicken. Im Vordergrunde rechts 
und links Frauengestalten und Kinder, die goldene 
Gefäße, Schmucksachen und Früchte herbeibringen, 
unter ihnen Pomona mit einem Fruchtkorb. Über 
dem Herzog und seiner Gemahlin ein großer roter 
Baldachin, dessen flatternde Zipfel rechts von 
Putten getragen werden. Aus dem Hintergrunde 
des Bildes hervor zieht ein langer Zug von Fürst- 
lichkeiten, um vor dem Paare zu defilieren. .An 
ihrer Spitze sieht man Karl X. Gustav \on 
Schweden und Hedwig Eleonore, die Enkelin des 
Paares. .Auf sie wird mit den Worten der In- 
schrift: ,,Was von Königs Blut herkam, auch ein 
König wieder nam" angespielt. Hinter dem könig- 
lichen Paare erblickt man den Kurfürsten von 
Sachsen, der mütterlicherseits der Großvater der 
Hedwig Eleonore war. Im Hintergrunde Eluß- 
und Waldlandschaft und eine Säule mit einer 
Reiterfigur. Rechts ein Schloß. .Auf einem Zettel 
an der unteren Stufe des erhöhten Sitzes steht 
folgende Inschrift: 

Hier ist liebe, hier ist freude 
Da die Fürsten-Hertzen beyde 
Sich verbunden, sich vertrauen, 
König, Cuhr und Fürsten bauen 
Eine Freundschafft, ein geblüte. 
Hier ist grossmuth, doch mit gute, 
was von Königs Blut herkam. 
Auch ein König wieder nam. 
Hier ist fruchtbarkeit und segen, 
Mars muß seine Waffen legen, 
Mars ist grimmig, mus doch schweigen 
Das man kan drey blumen zeigen. 
So \on seinem Felde kommen 
Die IREN daraus genommen, 
Dieses Hauses Seule stehe 
Fest, und niemals untergehe. 



.Auf Leinen; h. 3,00 m; br. 4,65 m. 

Schloß Frederiksborg bei Hillerod. (Nicht in 
den Katalogen von 1902 und 1919 aufgeführt.) 

Beschrieben und abgebildet in meinem S. Iö2 
angeführten Aufsatze S. 76 f. 

Das Bild stammt aus Schloß Gottorf, \on wo 
es nach 1S50 in die Kgl. Sammlung in Kopen- 
hagen, damals in Schloß Christiansborg, und von 
dort um 1880 nach Schloß Frederiksborg über- 
führt worden ist. 

156. Die Stadt Hamburg huldigt dem 

dänischen Könige Christian IV. und Herzog 

Johann Adolf von Gottorf, 1603. 

In der Mitte des Bildes, das den großen, durch 
hohe Fenster im Hintergrunde erleuchteten Rat- 
haussaal darstellt, stehen die Fürsten auf einer mit 
Purpur bekleideten und mit zwei Sitzen versehenen 
Erhöhung. Über ihnen schwebt auf Wolken eine 
allegorische Frauengestalt mit einem Füllhorn und 
unter ihr schweben zwei Engel. Der eine hält eine 
Krone über dem Haupte des Königs, der andere 
windet einen Lorbeerkranz um die Stirn Johann 
Adolfs. Der König ist in heroischem Kostüm dar- 
gestellt, mit blitzendem Harnisch, Halbstiefeln,', 
gelbem Mantel, lorbeerumkränzter Schläfe, den 
Feldherrnstab in der linken Hand. Zu seiner 
Linken steht der Herzog, in ähnlicher Weise ge- 
kleidet. Hinter der Estrade und zu beiden Seiten 
eine zahlreiche Versammlung von Vertretern Ham- 
burgs. Dej- König streckt seine Hand aus gegen 
einen der Hamburger, einen Greis mit lang- 
wallendem Bart, roter Kopfbedeckung und gelbem 
Mantel. Johann Adolf drückt die Hand eines 
anderen Hamburgers. Den Hintergrund der Halle 
füllen Hellebardiere, hinter denen eine dichtge- 
drängte Volksmenge wogt. Im Vordergrunde 
haben gleichfalls Leibtrabanten, mit Hellebarden 
bewehrt, Fuß gefaßt, die den eigentlichen Schau- 
platz der feierlichen Handlung nach vorne ab- 
grenzen. Ganz im Vordergrunde ein mit einem 
grünen Tuche bedeckter Tisch, an dem ein ehr- 
würdiger Greis steht. Dieser hält die rechte Hand 
auf der Brust, mit der linken stützt er sich auf 
einen Stab. Er spricht mit einer Persönlichkeit, 
die in beiden Händen ein mit Siegelkapseln ver- 
sehenes Dokument hält. Wahrscheinlich stellt der 
Greis den wortführenden Hamburgischen Bürger- 
meister Beckendorp da''- während die das Do- 

167 



kument haltende Person der königliche Kanzler 
Nicolaus Junge sein soll. 

Auf dem Dokument stehen die folgenden Verse : 

Hamburg, kom und sih es an 
Wie du hast den eid getan 
Als Jan Adolff zu dir kam 
Vnd von dir den handschlag nam 
Und der König Christian auch 
Das war recht nach altem Brauch. 

Auf Leinen; h. 3,01 m ; br. 1,59 m. 

Auf dem umgebogenen Ende des Inschrift- 
blattes steht die Bezeichnung: J. OVENS. 

Schloß Frederiksborg bei Hillerod. 

In O. Andrups Katalog von 1919, Nr. 1080. 

Ausführlich beschrieben von Robert Körner, 
Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Ge- 
schichte, Bd. 9, Heft 2, S. 245 ff., dem ich in 
meiner Beschreibung folge. 

Beschrieben in meinem S. 1 62 angeführten Auf- 
satze, S. 77 f. 

Das Bild stammt aus Schloß Qottorf, von wo 
es nach 1850 in die Kgl. Sammlung in Kopen- 
hagen, damals in Schloß Christiansborg, und von 
dort, um 1880, nach Schloß Frederiksborg über- 
führt worden ist. 

1 57. Die Thronentsagung der Königin Christine. 
Von Axel L. Romdahl und Johnny Roosval, 

Svensk Konsthistoria, Stockholm 1913, S. 315 als 
Werk des Meisters erwähnt. Es war mir nicht 
möglich, nähere Angaben über das Bild zu er- 
fahren. 

158. * Die Prinzessin Hedwig Eleonore von 
Gottorf nimmtvonihrerFamilieAbschied-'). 

Zur Linken sitzt auf dem Throne der Herzog 
Friedrich III. mit Lorbeer gekrönt in römischer 
Gewandung, die rechte Hand auf den Herrscher- 
stab gestützt. Rechts von dem Herzog steht seine 
Gemahlin, die Herzogin Maria Elisabeth von 
Sachsen. Sie ist mit einem dunkelblauen Ge- 



-') Die Erklärung, die ich in meinem Aufsatze über 
den Meister im Schleswig-Holsteinischen Kunstkalender 
1913, S. 6 gegeben habe, kann ich nicht aufrechierlialten. 
Das Abschiedsbild ist nicht anläßlich der Verlobung der 
Prinzessin mit dem Herzoge Christian von Mecki;nburg 
gemalt. Eine solche Verlobung hat nie bestanden. Wei- 
cher Abschied im Jahre 1652 in Frage kommt, vermag 
ich jedoch nicht anzugebe. i. Vgl. S. 16. 

168 



wände und goldgesticktem Untergewande von 
hellem Stoff bekleidet. Mit ihrer Hand zeigt sie 
auf ihre älteste Tochter Hedwig Eleonore, die von 
Minerva geführt wird. Ihre Linke legt die Prin- 
zessin auf einen fliegenden Putto. , Zwei Genien, 
der eine mit Fackel, der andere mit Kränzen, fliegen 
ihr voraus. Zur Linken des herzoglichen Paares 
stehen seine fünf Söhne, zwischen ihm und Hedwig 
Eleonore die vier Schwestern der letzteren. Im 
Vordergrunde sieht man den Genius des Friedens 
mit einem Füllhorn und den Dämon des Krieges, 
der am Boden liegt, ferner Putten mit Früchten und 
einen Putto, der die Trommel schlägt, außerdem 
Teile einer Rüstung und Waffen. In den Lüften 
Genien, die die Wappen von Holstein-Gottorf und 
Sachsen, zwei Kronen, Blumen und Fahnen tragen. 
Im Hintergrund ein Standbild der Gerechtigkeit auf 
einer Säule und ein Schloß. 

Auf Leinen; h. 3,18 m; br. 4,77 m. 

Schloß Gripsholm bei Stockholm. 

Das wahrscheinlich wie die Skizze (s. nächste 
Nr.) 1652 entstandene Bild wurde früher Ehren- 
strahl zugeschrieben, so in Statens Konstsamlingars 
Tillväxt och Förvaltning 1905, S. 47 ff. 

Dort auch eine Abbildung, S. 49. 

Beschrieben von O. Granberg, Inventaire ge- 
neral des tresors d'art en Suede, Nr. 233. ' 

Beschrieben in meinem S. 162 angeführten Auf- 
satze, S. 78 f. 

Ovens erhielt 1652 für das für den Herzog 
Friedrich III. gemalte Bild 1000 Reichstaler. Vgl. 
S. 18, wo als Nummer des Bildes fälschlich 220 
angegeben ist. 

150. * Die Prinzessin Hedwig Eleonore von 
Gottorf nimmt von ihrer Familie Abschied. 

(Abb. 9). 

Skizze zu dem vorigen Bilde, mit dem sie in 
der Darstellung völlig übereinstimmt. Grisaille. 
Wahrscheinlich hat das Bild als Vorlage für einen 
Stich gedient oder dienen sollen. 

Bezeichnet: J. OVENS. f. 1652. 

Auf Leinen; h. 0,62 m; br. 1,01 m. 

Photographische Aufnahme von Bruckmann, 
München. 

Beschrieben und abgebildet in meinem S. 162 
angeführten Aufsatze', S. 79 f. 

1854 auf einer Ausstellung in Amsterdam, 
Nr. 611. 

Besitzer Professor Dr. Jhr. Jan Six, Amsterdam, 



Das Bild ist im Inventar des Nachlasses der 
Witwe des Jan Six vom 19. August 1709 mit 
30 Gulden angesetzt. In der Teiiungsakte vom 
6. Januar 1710 i\ommt es als ,,de familie van 
den Hertog van Holsteyn" vor (Mitteilung des 
Besitzers). 

A. Bredius, Oud Holland 1912, S. 126 macht 
darauf aufmerksam, daß Jan Pietersz. Zömer, der 
berühmteste Kunsthändler der Zeit, es auf 
30 Gulden geschätzt hat, während ein \-an Goijen 
es nur auf 14, ein Govert Flinck es gai' nur 
auf 10 Gulden brachte. 

Das Bild galt bis zu meinem Aufsatze über 
den Meister 28) fälschlich als die Heirat des Grafen 
Wilhelm Friedrich von Nassau-Dietz und der 
Albertina Agnes von Oranien. So auch in der 
Unterschrift unter der Bruckmannschen Photo- 
graphie. 

Vgl. S. 18, wo als Nummer des Bildes fälschlich 
221 angegeben ist. 

160. Die Trauung der Prinzessin Hedwig 

Eleonore von Gottorf mit dem Könige 
Karl X. Gustav von Schweden am 24. Ok- 
tober 1654 im Kgl. Schlosse zu Stockholm 

(Abb. 10). 
In der Mitte eines großen Saales ist unter einem 
Thronhimmel ein mit einer langen Decke be- 
hängter Tisch aufgestellt, zu dem zwei Treppen- 
stufen heraufführen. Hinter dem Tische steht der 
König entblößten Hauptes, die rechte Hand in 
die Seite gestemmt, mit der linken den Federhut 
haltend. Langes auf die Schultern herabfallendes 
Haar, schmaler, kleiner Schnurrbart, glatter Hals- 
kragen und Mantel mit langer Schleppe. Unmittel- 
bar hinter ihm stehen vier Herren, die einen kleinen 
Himmel tragen, unter dem der König in den 
Saal getreten ist. Rechts am Tische steht seine 
Braut im Atlaskleide, die Krone auf dem Haupte, 
die rechte Hand auf die Brust gelegt. Die sehr 
lange Schleppe ihres Kleides wird von Hofdamen 
getragen. Der für sie bestimmte Traghimmel steht 
neben ihr, etwas nach rechts, mehr im Hinter- 
grunde. Vor dem Paare, vom Rücken gesehen, 
halb zum Könige gewendet, steht im langen Talare 
der Erzbischof von Upsala und liest aus einem 
Buche, wozu ihm ein Page mit einer Fackel 
leuchtet. Rechts hinter den die Schleppe der 



28 



) a. a. O, S. 5 f. 



I 



Königin tragenden Hofdamen steht das könig- 
liche Brautbett, ein Himmelbett, dessen vier Säulen 
mit Büscheln von Straußenfedern geschmückt sind. 
Rechts vor dem Brautbett Hofdamen mit Zu- 
schauern und Trabanten. Über ihnen ein Balkon 
mit Zuschauern. Rechts ganz im Vordergrunde 
ein großes Windspiel, links von ihm ein Neger, der 
einen grellroten Mantel trägt. Zuschauer und Tra- 
banten sieht man auch hinter dem königlichen 
Paare sowie an der linken Seite des Saales, an 
der sich die mit einem Wappen gekrönte Eingangs- 
tür befindet. Dort stehen im Vordergrunde 
mehrere Kavaliere, vor ihnen drei kleine Pagen, 
rechts von ihnen ein großes Windspiel. Alle An- 
wesenden mit Ausnahme der Garden haben das 
Haupt entblößt. Drei Kandelaber mit brennenden 
Kerzen strahlen gedämpftes Licht aus. Links senkt 
sich eine große Wolke nieder, aus der helles Licht 
herabflutet, das seinen Glanz auf die Gruppe in 
der Mitte des Saales und auf die Personen rechts 
wirft. Wo sich der Himmel auftut, schweben neun 
geflügelte Genien, die die Wappenschilder der 
Gatten und eine Krone tragen. Auch die Fackel 
des dem Erzbischof leuchtenden Pagen strahlt 
nach beiden Seiten Licht aus. Eine weitere Licht- 
quelle bildet inmitten der Kavaliere links eine 
Fackel, dazu noch eine Fackel ganz links im Vorder- 
grunde, die wagerecht in das Bild hineingehalten 
wird und die Gruppe der Pagen erleuchtet. In 
der Behandlung der Lichtprobleme verrät Ovens 
seine Vei-\x'andtschaft mit der Schule Rembrandts. 
In der Farbe der Gewänder überwiegt das Rot 
und Blau. Das Bild ist ein Gegenstück zu den 
beiden' folgenden Nummern. 

Auf Leinen; h. 2,12 m; br. 3,06 m. 

Bezeichnet: OVENS. f. 

National-Museum, Stockholm. 

Das Bild ist beschrieben von O. Granberg, 
Inventaire general usw., S. 52, Nr. 234. 

Beschrieben und abgebildet in meinem S. 162 
angeführten Aufsatze, S. 80 ff. 

Nr. 908 des von Georg Göthe besorgten fran- 
zösischen Katalogs von 1910, dori auch Wieder- 
gabe der Signatur. 

Bevor das Gemälde 1865 ins National-Museum 
kam, befand es sich seit Alters im Schloß Drottning- 
holm bei Stockholm. 

Abb. in meinem Aufsatze im Schleswig-Holst. 
Kunstkalender 1913, S. 3. 

169 



Das Bild ist gestochen von Corneiis Visscher-^), 
t 1662. Daß sich eine nicht ausgestellte Skizze zu 
dem Bilde in der Sammlung Six in Amsterdam 
befinde, wie Oöthe, a.a.O. behauptet, ist ein 
Irrtum. Wahrscheinlich ist ihm eine Verwechse- 
lung mit dem in der Sammlung Six befindlichen 
Bilde, Hedwig Eleonore nimmt von ihrer Familie 
Abschied (vergl. die vorige Nr.) unterlaufen. 

Ovens erhielt am 15. August 1661 für das 
Bild 500 Reichstaler. Vgl. S. 24 f., 36. 

161.* Die Krönung des Königs Karls X.Gustav 

von Schweden und der Prinzessin Hedwig 

Eleonore von Gottorf, 26. Oktober 1654. 

In der Mitte sitzt die Königin im Hermelin- 
mantel, dem Beschauer den Rücken zukehrend. 
Der Erzbischof ist im Begriffe, ihr die Krone aufs 
Haupt zu setzen. Sie ist umgeben von Hofdamen 
und Fackelträgern. Rechts von ihr Damen und 
Zuschauer, von denen auch viele auf einer Empore 
sichtbar werden. Diener tragen einen Baldachin. 
.Am Rande des Bildes hinzueilende Kinder. Links 
der König unter einem Baldachin, umgeben von 
seinem Hofstaat, links ebenfalls ein Balkon mit 
Zuschauern. Im Vordergrunde ein großes Wind- 
spiel. Drei Lichtzentren treten hervor, deren Mittel- 
punkte die Königin, der König und seine Um- 
gebung und die Zuschauer rechts sind. Außer- 
dem noch mehrere kleinere Lichtquellen, von 
Fackeln herrührend. Das Bild ist ein Gegenstück 
zur vorhergehenden und folgenden Nummer, aber 
von etwas geringerer Qualität. Auch ist es stark 
gedunkelt und bedarf dringend der Auffrischung. 
Wie seine Gegenstücke erinnert es an die Schule 
Rembrandts. 

Auf Leinen; h. 2,02 m; br. 2,96 m. 

Schloß Drottningholm bei Stockholm. 

Beschrieben in meinem S. 162 angeführten Auf- 
satze, S. 82 f. - 

Das Bild Lst von O. Granberg, Inventaire ge- 
neral usw. nicht aufgeführt. 

Nr. 206 der Sammlung,' von der ein gedruckter 
Katalog nicht existiert. Ein handschriftlicher 
Katalog befindet sich im Archiv des National- 
Museums in Stockholm. 

Es ist gestochen von Corneiis Visscher^"). 



29) Liber den Stich vj^L den Abschnitt, Stiche nach 
Ovensschen Gemälden, 7. 

3") Über den Stich vgl. den Abschnitt, Stiche nach 
Ovensschen Gemälden, 8. 

170 



Ovens erhielt am 15. August 1661 für das Bild 
500 Reichstaler. Vgl. S. 24 f., 36. 

162. * Der Auszug des Königs KarlsX.Gustav 
von Schweden und der Königin Hedwig 
Eleonore aus der Kirche, 26. Oktober 1654. 

Die Zeremonie der Krönung ist beendet. In 
dem rundbogigen Portal der Kirche steht neben 
der Königin der König. Ihnen folgen Kavaliere 
und Damen. Die Königin in ausgeschnittenem 
Seidenkleide und Hermelinmantel trägt die Krone. 
Auch hält sie das Szepter und den Reichsapfel. 
Auf der Treppe ein roter Teppich, auf dem Palmen- 
zweige liegen. 

Das Bild, ein Gegenstück zu den beiden vorher- 
gehenden Nummern, ist in braunrotem Tone ge- 
halten, die Beleuchtung erinnert an die Schule 
Rembrandts. 

Auf Leinen; h. 1,92 m; br. 2,98 m. 

Bezeichnet: J. OVENS f. 

Schloß Drothiingholm bei Stockholm. 

Beschrieben in meinem S. 162 angeführten Auf- 
satze, S. 83. 

Das Bild ist von O. Granberg, Inventaire ge- 
neral usw. nicht aufgeführt. 

Nr. 205 der Sammlung, von der ein gedruckter 
Katalog nicht existiert. Ein handschriftlicher 
Katalog befindet sich im Archiv des National-Mu- 
seums in Stockholm. 

Ovens erhielt am 15. August 1661 für das Bild 
500 Reichstaler. Vgl. S. 24 f., 36. 

163. * Die Krönung der Hedwig Eleonore 
von Schweden, als Allegorie behandelt. 

Zur Linken steht aufrecht die Königin, bekleidet 
mit einem goldbestickten Kleide und blauen Mantel. 
Sie hält eine Lilie. Minerva, auf einer Wolke 
thronend, setzt ihr die Krone aufs Haupt. Ein 
Engel küßt die Hand der Königin. Andere Engel 
schweben in den Lüften. Sie halten einen gol- 
denen Kranz, einen Heroldsstab, ein Wappenschild 
usw. Im Vordergrunde kniet Ceres, Früchte 
tragend. Sie entspricht genau der Ceres auf dem 
Hochzeitsbilde in Frederiksborg (vgl. Nr. 155). 

Auf Leinwand; h. 1,06 m; br. 0,80 m. 

Bezeichnet; I. OVENS f. 1654 Mense Au- 
gustö äi). 



^^) Bei O. üranberg, Inventaire general nsw., Nr. 235 
steht fälschlich Augusti. 



Schloß Qripsholm bei Stockholm. 

Beschrieben von O. Oranberg, Inventaire ge- 
neral usw. Nr. 235. 

Abgebildet bei Georg Nordensvan, Gripsholm 
och des Konstskatter 1902, S. 50. 

164, 165, 166. Drei Gemälde zur Verherrlichung 
des Friedens zu Münster. 
1 groß Oval, nebst 2 Länglichten Schildereyen 
auf den' General Teutsch Frieden gerichtet. Auf- 
geführt in den Gottorfer Schloß-Inventaren von 
1666, 1695 und 1705, Reichsarchiv, Kopenhagen. 

167. Ein Original Schetze^-) von Hen^n Ovens, 

worauff des Princen von Oranien Triumpf (in 

der Teilungsakte steht: Auffzug) mit einem 

schlechten ^3) Rahmen, 27 #. 
Im Nachlaß-Inventar Nr. 3 der Originalien. 
Wahrscheinlich ist der Triumpf des Prinzen 
Frederick Hendrick gemeint. Vgl. über das Bild 
S. 15. 

168. Eine Historie, Skizze. 

Das Bild ward für 6 Gulden 19 Stuiver verkauft. 

Nr. 75 der 1684 zu Amsterdam versteigerten 
Gemäldesammlung des Grafen von Arundel. Hoet, 
Catalogus usw., Bd. I. S. 1 ff. 

169. Ein historisches Gemälde. 

Nr. 131 der am 28. September 1782 in Leiden 
versteigerten Sammlung Jan Maul. 

Ein Exemplar des Katalogs besitzt die Bibliothek 
der staatlichen Museen, Berlin. 

170. Ein großes historisches Stück. 

J. C. Spengler, Kort Udsigt over den Speng- 
lerske Maleri-Samling, Kopenhagen 1809, S. 28. 

Je ein Exemplar des Katalogs bewahren die 
Kgl. Bibliothek und die Universitätsbibliothek zu 
Kopenhagen. 

Mitteilung von Herrn mag. art. Viktor Her- 
mansen, Kopenhagen. 

Genre. 

171. Ein Pastorale mit einigen Kinderchen. 
Im Nachlaß-Inventar des Oud-Gouverneur- 
Generaal von Indien Jacques Specx, 3. Sep- 
tember 1652. 



ä^) = Skizze. 
33J = schlichten. 



Mitteilung von Dr. A. Bredius, Monaco. 

Vgl. Bredius, Oud-Holland 1908, S. 221 f. 

In derselben Sammlung waren die Europa von 
Rembrandt (jetzt Berlin) und ein Schifflein Petri 
von Rembrandt, ferner zwei Evangelisten von 
Govert Flinck und ein Soldat von Gerrit Dou, 
sowie zwei Bildnisse von Ovens, die Specx und 
Gemahlin darstellten, vgl. unsere Nr. 308 und 
Nr. 283 sowie S. 16. 

172. Ein Musikstück von Ovens in einem 
geschnittenen vergoldeten Rahmen. 

Dieses Bild war am 21. Dezember 1666 im Be- 
sitze eines bankerotten Herrn Francisco Josepho 
Burry. 

Mitteilung von Dr. A. Bredius, Monaco. 

Über diesen Joseph Franqois Borri, der von 
Ovens porträtiert ist (s. unsere Nr. 205, 269 u. 
Verzeichnis der Stiche nach Ovensschen Ge- 
mälden, 5) vgl. S. 35. 

173. Noch ein Musikstück, wie das vorige. 

Dies Bild war am 21. Dezember 1666 im Be- 
sitze eines bankerotten Herrn Francisco Josepho 
Burry. 

Mitteilung von Dr. A. Bredius, Monaco. 

Über diesen Joseph Eranqois Borri, der von 
Ovens porträtiert ist (s. unsere Nr. 205, 269 u. 
Verzeichnis der Stiche nach Ovensschen Ge- 
mälden, 5) vgl. S. 35. 

174. Eine Hirtin von Ovens. 
In dem , im März 1 670 zu Amsterdam aufge- 
stellten Inventar des Dirk van der Wayen. 
Mitteilung von Dr. A. Bredius, Monaco. 

175. Ein artiges Hirtenmädchen mit Kindern. 
Nr. 38 einer am 6. März 1708 zu Amsterdam 
abgehaltenen Versteigerung. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

176. Ein Original von Herrn Ovens, 

worauff ein Schäfferstück mit einem vergüldeten 
Rahmen, 240 ^. 
Im Nachlaß-Inventar Nr. 6 der Originalien. 
Vgl. die folgende Nr. 

177. * Musizierende Kinder (Abb. 68). 

Ein Hirtenmädchen in blaugrünem Kleide mit 
Goldstickerei und gelbem, blumengeschmückten 
Strohhut, unter dem ihr braunes Haar lang herab- 

171 



wallt, singt nach einem in ihrem Schöße liegenden 
Notenblatt. Mit der Rechten schlägt es den Takt. 
Neben ihm ein barhäuptiger, braunlockiger Hirten- 
knabe in rotem Gewände, der mit dem Flöten- 
spiel innehält und seine Gefährtin aufmerksam an- 
schaut. Im Hintergrunde eine Landschaft in 
warmem Lichte. 

Auf Holz; h. 0,90 m; br. 0,70 m. 

Bezeichnet: J. OVENSf. 

Das Bild ist 1758 für 40 Reichstaler für die 
Kgl. Sammlung in Kopenhagen gekauft worden. 
In Spenglers Katalog ist 'es unter Nr. 808 auf- 
geführt. Wahrscheinlich ist es identisch mit dem 
Bilde, das im Nachlaß-Inventar unter Nr. ■ 73 
der Originale aufgeführt und mit 15 ^ taxiert ist 
(z^-el Kinder in Form eines Schäffers und Schäffer- 
innen). Vielleicht kommt aber auch das im Nach- 
laß-Inventar unter Nr. 6 der Originale angeführte 
Bild in Frage, unsere vorige Nr. 

Kgl. Malerisamling, Kopenhagen. 

Katalog 1904, Nr. 259. 

Nach einem Hinweise von Dr. Hofstede de 
Groot, Haag, gehört das Bild zu den Gemälden, 
die ungefähr mitten zwischen Santvoort und Cuyp 
stehen und häufig unter Cuyps Namen gehen. 

178. Mit Blumen bekränzte Schäfer und Schäferin, 
halbe Figuren, oval. 

Auf Kupfer; h. 9 Zoll; br. 7 Zoll. 

Nr. 235 des Verzeichnisses einer ganz guten 
Gemälde- und Kupferstiche-Sammlung .... aus 
einer hiesigen Verlassenschaft, Hamburg, 26. und 
27. Juni 1809 verkauft. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Kunst- 
halle zu Hamburg (Sammlung Gaedechens). 

179. Kinder mit einem Bock. 
Nr. 38 der am 26. September 1684 zu Amster- 
dam abgehaltenen Versteigerung der Gemälde des 
Grafen von Arundel. Das Bild ward für 16 Gulden 
verkauft. 

179a. Ein gefälliges, kunstvolles Stück, Kinder, die 
mit einem Böckchen spielen. 

Nr. 31 einer am 5. Juni 1754 zu Amsterdam 
abgehaltenen Versteigerung. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

Wahrscheinlich war dies Bild mit unserer 
vorigen Nr. identisch. 



180. Einige Kinder mit einem Hunde. 
Nr. 72 der am 26. September 1684 zu Amster- 
dam abgehaltenen Versteigerung der Gemälde des 
Grafen von Arundel. Das Bild ward für 2 Gulden 
5 Stuiver verkauft. 

181. Eine Frau mit einem Himde. 
Nr. 74 der am 26. September 1684 zu Amster- 
dam abgehaltenen Versteigerung der Gemälde des 
Grafen von Arundel. Das Bild ward für 37 Gulden 
5 Stuiver verkauft. 

182. Ein Greis, der einen Jüngling im Lesen 
unterweist. 

Lebensgröße, Kniestück. Mit Kraft behandelt, 
schöne Farbe, im Stile Murillos. 

Auf Leinwand; h. 41 Zoll; br. 34 Zoll. 

Nr. 82 der am 8. April 1816 zu Amsterdam 
abgehaltenen Versteigerung L. B. Coclers. Käufer: 
Bernard für 17 Gulden. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

183. Eine Curtisanin [Teilungsakte: Die Courtisanen 

(Singular!)] beim Brunnen nach Herrn Ovens, 24 #. 

Im Nachlaß-Inventar, Nr. 86 der Kopien. 

184. Eine Dame mit Liebhabern, von ihm ein 

•kapitales Stück. 
Nr. 8 der am 26. September 1684 zu Amster- 
dam abgehaltenen Versteigerung der Gemälde des 
Grafen von Arundel. Das Bild ward für 67 Gulden 
verkauft. 

185. Eine betende Frau mit einem Kruzifix. 

Angenehmes Bild. 

Auf Leinen; h. 2 Fuß 10 Zoll; br. 2 Fuß 
4 Zoll. 

Nr. 513 des Verzeichnisses der gegenwärtigen 
Gemäldesammlung des Hof- und Landgerichts- 
advokaten Schmidt in Kiel, Kiel 1817. Das Bild 
ist bereits in dem ersten, 1795 erschienenen Ver- 
zeichnisse dieser Gemäldesammlung aufgeführt. 

Erwähnt von Doris Schnittger, Jürgen Ovens, 
Zeitschrift Bd. 38 (1908), S. 425. 

186. Ein Hofball 

in einem prächtig ausgeschmückten Saale, wo ein 

Kavalier und eine Dame ein Menuetto beginnen, 

umgeben von einer zahlreichen und vornehmen 

Gesellschaft. Figuren von 15 Zoll Proportion. 



172 



Lein\x'and; h. 41 Zoll; br. 53 Zoll. 

Nr. 3 der Versteigerung der Sammlung des 
verstorbenen Landschaftsmalers F. Rosenberg zu 
Altena, 22. Juli 1834. Versteigert von E. Harzen, 
Hamburg. 

187. Musizierende Heilige und Engel. 

Dieses hervorragende Kunstwerk, das mit außer- 
gewöhnlicher Farbenpracht gemalt ist, stellt eine 
Heilige dar, die vor einem Klavier steht und singt. 
An ihrer Seite sieht man zwei Engel, die sie zu 
begleiten scheinen. Einer von ihnen, der mit Lor- 
beer bekränzt ist, hält in den Händen ein Noten- 
blatt. Im Hintergrunde ein stark bewölkier Himmel, 
aus dem einige Lichtstrahlen auf diese \ii-ahrhaft 
entzückende Gruppe niederfallen. 

Nr. 70 des Katalogs der am 17. Mai 1847 zu 
Middelburg verkauften Sammlung E. P. Kremer. 

Auf Leinen; h. 110; br. 94 Zoll. 

Ein Exemplar des französischen Katalogs be- 
wahrt die Bibliothek der staatlichen Museen zu 
Berlin. Der Wortlaut des holländischen Katalogs, 
dessen Kenntnis ich Herrn Dr. Hofstede de Groot, 
Haag, verdanke, weicht nur in unwesentlichen 
Kleinigkeiten ab. 

188. Interessante Lektüre. 

Lebensgroßes Brustbild eines jungen Mädchens, 
das beim Scheine einer Laterne mit Lesen be- 
schäftigt ist. Das frische Gesicht umrahmt ein 
breites weißes Tuch, und die Linke ist im Be- 
griffe, ein Blatt umzuwenden. Meisterhaft be- 
handeltes Bild von sehr gutem Ton und von vor- 
teilhaftester Beleuchtung. 

Auf Holz; h. 0,66 m; br. 0,51 m. 

Nr. 340 des Katalogs der Sammlungen 
H. Haendcke, Radebeul-Dresden und Jakob 
Hertjing aus Kalk, die vom 5. bis 7. Oktober 
18Q6 von I. M. Heberle (H. Lempertz' Söhne) 
Köln, versteigert worden sind. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Biblio- 
thek der staatlichen Museen zu Berlin. 

Da die Firma seit 1914 erioschen ist, war über 
den Verbleib des Bildes keine Auskunft zu er- 
langen. 

189. Stück mit einer halbnackten Frau. 
Sammlung N. Rothschild, Wien. 
Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 



Nach einer Mitteilung des Herrn Max Kantor, 
Wien, befindet sich ein solches Gemälde heute 
nicht mehr in den Sammlungen der Barone Roth- 
schild. Auch sind von mir veranlaßte Nach- 
forschungen in den Archiven der Barone er- 
gebnislos verlaufen. 

190. Ein Gesellschaftsstück. Figuren bis zu den 

Knien, \on I. von Ovens. 

Auf Leinen; h. 42 Zoll; br. 71 Zoll. 

Nr. 3 des Fortegnelse paa den störe Säm- 
ling, som Otto Greve af Thott har efterladt sig 
af " Malerier . . . 

Die Versteigerung fand am 24. April 1787 zu 
Kopenhagen statt. 

Mitteilung des Herrn mag. art. Victor Her- 
mansen, Kopenhagen. 

Nach einer Mitteilung der Kgl- Bibliothek zu 
Kopenhagen, die ein Exemplar des Katalogs be- 
sitzt, wurde das Bild für 14 Reichstaler verkauft. 

191. Ein junges Mädchen mit einem Strohhut 
aufm Kopf, hat lebendige Tauben vor sich aufm 

Tische, woran sie sich ergötzt. 

Auf Leinen; h. 31 Zoll; br. 27 Zoll. 

Nr. 62 des Verzeichnisses einer vortrefflichen 
und beträchtlichen Sammlung usw. Sie wurde 
am 5., 6., 7. November 1804 in Hamburg ver- 
kauft. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt das^Staats- 
archiv zu Hamburg. 

192. Eine Serenade von Jan (so!) Ovens. 

In einer von der Kunsthandlung Christie 
Mausen & Woods, London am 19. April 1912 
abgehaltenen Versteigerung. 

Käufer: Lewis & Simmons, London für I36V2 £. 

Landschaften. 

193. Eine Landtschafft, worin Venus mit z^d 

Frauwen, von I. Ovens gethan. 
In Ihr. Durchl. der Hertzogin Stübgen. 
Im Gottorfer Schloß-Inventar von 1666, Reichs- 
archiv, Kopenhagen. 

194. Eine Landschaft, in der man einige spielende 

Kinder sieht. 
Nr. 116 der am 28. April 1766 zu Amsterdam 
abgehaltenen Versteigerung A. Sydervelt. 

173 



Das Bild erzielte mit der in der Versteigerung 
folgenden Nr. 117 zusammen 1 Gulden. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

\9^. Eine bergige Landschaft, reich staffiert und 
schön gemalt. 

Auf Holz; h. 17; br. 14 Duim. 

Nr. 93 der am 17. November 1779 zu Amster- 
dam abgehaltenen Versteigerung I. Christianzen. 

Käufer: Yver für 3 Gulden. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

Tiere und Stillleben. 
196. * Stillleben. 

Zwischen einem Nautilus-Becher und einem 
goldenen Pokal mit einem neben ihm liegenden 
kleinen Weißbrot ist auf ein weißes Tischtuch 
eine blaue chinesische Schüssel mit einem ge- 
kochten Hummer hingestellt. Daneben steht ein 
silberner Teller mit einer der Hummerscheren. Zur 
Linken landschaftlicher Hintergrund. Das Bild 
wirkt dekorativ sehr stark und ist auch koloristisch 
recht gut. 

Die Zuschreibung an Ov^ns rührt von Dr. 
Hofstede de Groot, Haag, her. 

Auf Leinen; h. 1,01 m; br. 0,87 m. 

Photographische Aufnahme des Besitzers. 

Kurz erwähnt von Karl Madsen, Baroniet 
Gaunos Maleri-Samling, Kopenhagen, 1914, S. 36, 
Nr. 12"6. 

Lehnsbaron Reedtz Thott, Schloß Gauno, 
Dänemark. 

197. Ein Original von H. Ovens, worauff ein 
Hirsch im Wasser Von dem Hund verfolget wirdt, 

mit Rahmen, 20 #. 
Im Nachlaß-Inventar, Nr. 48 der Originalien. 

198, 199. Zwey Landschaften mit Thier-Gefechte, 
das eine, wie Hunde einen Hirsch zerreißen, das 

andere, wo Löwen und Tieger kämpfen. 

Nr. 27 und 28 des Catalogus einer aus- 
erlesenen Sammlung . . . Cabinet-Mahlereyen, so 
aus einer hiesigen bekannten Verlassenschaft, auch 
theils aus der Fremde entstehen . . ., Verkauf 
6. Oktober 1787, Hamburg. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Kunst- 
halle zu Hamburg (Sammlung Gaedechens). 

174 



200. Landschaft mit einem Stier und seinem 
Führer. Breit behandelt. 

Auf Leinen; h. 7 p. ; br. 6 p. 

In einer Sammlung, die zu Utrecht am 22. Sep- 
tember 1851 verkauft wiorden ist. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die 
Bibliothek der Kgl. Museen, Berlin. 

Bildnisse. 
Bekannte Personen, heute noch nachweisbar. 

In alphabetischer Reihenfolge geordnet. 

20L * Anna Dorothea (1640— 1713), Tochterdes 
Herzogs Friedrichs III. von Holstein-Gottorf. 

Kleines Mädchen, Brustbild, nach links ge- 
wandt. Braune Augen, dunkel gelockte Haare, 
mit goldenen und roten Schleifen. Sie trägt ein 
Kleid von Goldbrokat. In gemaltem Oval. 

Bezeichnet: J. Ovens. 

Leinewand; h. 0,70 m; br. 0,56 m. 

Beschrieben von O. Granberg, Inventaire ge- 
neral usw. Nr. 238. 

Schloß Gripsholm bei Stockholm. 

202. * August Friedrich (1646 1705), Sohn des 
Herzogs Friedrichs III. von Holstein-Gottorf. 

Kleiner Knabe, Halbfigur, nach rechts ge- 
wandt. Blaugraue Augen, lange braungelockte 
Haare. Jacke aus golddürchiKarktem Stoff mit 
langen Ärmeln. Er hält vor sich einen schwarzen 
Hut mit einer goldenen Schleife. In gemaltem 
Oval. 

Bezeichnet: J. Ovens. 

Leinewand; h. 0,70 m; br. 0,57 m. 

Beschrieben von O. Granberg, Inventaire ge- 
neral usw. Nr. 240. 

Schloß Gripsholm bei Stockholm. 

203. * Vermutlich Herzog August Friedrich 
(1646-1705), Sohn des Herzogs Friedrichs III. 
von Holstein-Gottorf, Bischof von Lübeck. 

Halbfigur, in vergoldetem Lehnstuhl sitzend. 
Lange Perrücke, Halstuch mit Perlenband, Ge- 
streiftes Gewand, roter Hermelinmantel, Stock mit 
Hammerhandgriff. 

Leinewand; h. 0,89 m; br. 0,85 m. 

Lehnsbaron Reedtz Thott, Schloß Gauno, Däne- 
mark. 



Abgebildet in Danmarks Riges Historie IV., 
S. 525, doch fälschlich als Bildnis des Born'*) be- 
zeichnet. 

Von O. Andrup, Baroniet Gaunos Malerisam- 
liiig, Kopenhagen 1914, S. 88, Nr. 295 mit Vor- 
behalt Ovens zugeschrieben. • 

204. * Vermutlich Herzog August Friedrich 
(1646—1705), Sohn des Herzogs Friedrichs HI • 
von Holstein-Gottorf, Bischof von Lübeck. 

Kopf nach links, langes braunes Haar, braune 
.\ugen, kleiner Schnurrbart. 

Auf Holz; h. 0,42 m ; br. 0,31 m. 

Lehnsbaron Reedtz Thott, Schloß Gauno, Däne- 
mark. 

Von O. Andrup, Baroniet Gaunos Malerisam- 
ling, Kopenhagen 1914, S. 88, Nr. 296 mit Vor- 
behalt Ovens zugeschrieben. 

204. Augusta Maria (1649— 1727), Tochter des 
Herzogs Friedrichs Hl. von Holstein-Gottorf, 
später Gemahlin des Friedrich Magnus, 

Herzogs von Baden-Durlach. 

Junges Mädchen, Brustbild nach links gewandt. 
Blaue Augen, blonde Haare mit einer Rose zur 
Linken, in einem Kleide von Goldbrokat. Sie hält 
in der rechten Hand einen Lorbeerzweig. In ge- 
maltem Oval. 

Bezeichnet: J. Ovens f. 

Leinewand; h. 0,70 m; br. 0,56 m. 

Beschrieben von O. Granberg, Inventaire ge- 
neral usw. Nr. 237. 

Schloß Gripsholm bei Stockholm. 

Das im Nachlaß-Inventar unter Nr. 32 der 
Kopien angeführte Bildnis ist wahrscheinlich eine 
Kopie nach diesem Original oder nach einem 
anderen Ovensschen Originalbildnis der Prinzessin 
von Baden-Durlach. 

205. * Francesco Guiseppe Borri, Alchimist 

und Abenteurer,"^) (1625—1695). 

Halbfigur, schwarze Perrücke, lose hängender 
roter goldverbrämter Mantel. Blauer Vorhang, ab- 
gerundete Ecken. 

Auf Leinen; h. 0,79 m; br. 0,72 m. 

Lehnsbaron Reedtz Thott, Schloß Gauno, Däne- 
mark. 



^*) s. Nr. 205, 269 und Stiche nach Ovensschen 
Gemälden, 5. 

35) über ihn vgl. S. 35. 



Von O. Andrup, Baroniet Gaunos Malerisam- 
ling, Kopenhagen 1914, S. 95, Nr. 331 mit Vor- 
behalt Ovens zugeschrieben. 

206. *Anna Burgh (1624—1672), (Abb. 20). 

Kniestück nach rechts. Die reich mit Perlen 
geschmückte junge Frau steht vor einem braunen 
Vorhange. Sie trägt ein dunkelblaues Kleid mit 
weißen Aufschlägen am Hals und an den Händen, 
sowie rote Schleifen an den Ärmeln, dazu ein 
purpurfarbenes goldverziertes Untergewand. Über 
dem Kleide eüi lose umgewort'ener gelbbrauner 
Schal. In die dunklen auf die Schultern herab- 
fallenden Locken sind einige Rosen gesteckt. In 
der rechten Hand, mit der sie sich auf eine Ballu- 
strade lehnt, auf der eine Vase mit Nelken steht, 
hält sie ein Blumensträußchen, in der linken, die 
sie an die Brust legt, eine Rose. Das rechte Hand- 
gelenk schmückt ein schwarzes Armband mit einem 
Goldknopf. Links im Hintergrunde Bäume und 
bew^ölkter Himmel. 

Auf Leinen; h. 1,09 m; br. 0,89 m. 

Bezeichnung in der Bailustrade: J. OVENS. f. 
1659. 

Die Maße stimmen genau mit denen des Bild- 
nisses des Dirk Tulp, mit dem sie sich 1650 ver- 
heiratete (unsere Nr. 258), überein. 

Erwähnt von E. W. Moes, Iconographia Batava 
1249. 

Das Bildnis kam wahrscheinlich wie das Reiter- 
porträt Dirk Tulps von Paulus Potter und Dirks 
Bildnis von Ovens durch Dirk Tulps und Anna 
Burghs älteste Tochter Esther Elisabeth, die sich 
hiit Mr. Jan van den Bembde verheiratete, an 
deren Tochter Anna Elisabeth. Diese, 1728 mit 
Mr. Jan Six vermählt, vererbte es an die Vor- 
fahren der jetzigen Eigentümer. Vgl. J. Six, Dirk 
Tulp, Privatdruck bei Enschede en Zonen, Haarlem 
1906, S. 8. 

Gemeinsame Eigentümer: Professor Dr. Jhr. 
Jan Six, Amsterdam und Jhr. J. W. Six auf Hilver- 
beek bei Hilversum. Letzterer ist z. Zt. Besitzer 
des Bildes. 

207. * Christian Albrecht, Herzog von Hol- 
stein-Gottorf (1641—1694), als Knabe. 

Brustbild, nach rechts gewandt. Graubraune 
Augen. Die braunen, gelockten Haare fallen lang 
herab. Jacke aus golddurchwirktem Stoff. In ge- 
maltem Oval. 

175 



Leinewand; h. 0,70 m; br. 0,56 m. 
Bezeichnet: J. Ovens fe. 
Beschrieben von O. Granberg, Inventaire ge- 
nerai usw. Nr. 236. 

Schloß Oripsholm bei Stockholm. 

207A. * Christian Albrecht, Herzog von Hol- 
stei n-G Otto rf (1 641 - 1 694). 

Der Herzog, der an der Seite einen Degen mit 
Ooldgriff trägt, steht vor einem großen duni^len 
Vorhange. Allongeperrücke, dünner Schnurrbart 
und Fliege. Über das Gewand aus Goldbrokat 
ist ein goldbefranster roter Umhang gelegt, der 
an der rechten Schulter durch eine Agraffe von 
drei Steinen gehalten wird. Die weiße Halskrause 
ist ebenfalls durch einen Stein geschmückt. Die 
graubehandschuhte Rechte stemmt er in die Hüfte. 
Die Linke hält einen Stab, den er auf eine niedrige 
graue Ballustrade stützt. Auf ihr steht ein Ritter- 
helm mit weißem Federbusch, daneben liegt eine 
gelbe Schärpe. Rechts Ausblick in eine waldige 
Landschaft, über ihr schwere dunkelgraue Wolken, 
durch die nur an einzelnen Stellen die Himmels- 
bläue durchscheint. 
. Leinewand; h. 2,20 m; br. 1,60 m. 

Universität, Kiel. 

Das Bild wird als von Ovens gemalt kurz er- 
wähnt in dem M. M. unterzeichneten Aufsatze, 
Erinnerung an einen schleswig-holsteinischen Maler 
des 17. Jahrhunderts, Sonntagsblatt 1879, Nr. 10. 
Posselt, Jurian Ovens (Kieler Zeitung, 1879, 
9. März), widerspricht dieser Zuschreibung, weil 
das Gemälde von dem gleichzeitig entstandenen 
ebenfalls im Besitze der Universität befindlichen 
Bildnisse des Kanzlers Kielmannseck (unsere 
Nr. 226) in Technik und Auffassung allzusehr ab- 
weiche. Der Unterschied ist freilich groß. Un- 
zweifelhaft ist die Qualität des Bildnisses des 
Herzogs viel geringer als die des Bildnisses des 
Kanzlers. Die Vergleichung mit einem einzigen 
Bildnisse darf aber nicht dazu führen, das Bildnis 
des Christian Albrecht dem Ovens abzusprechen. 
Es gibt vielmehr eine ganze Reihe von Gemälden, 
die dem Bildnis des Christian Albrecht eng ver- 
wandt und sichere Werke des Ovens sind. 

Außerdem ist das Bild urkundlich als von Jürgen 
Ovens herrührend bezeugt. Der Beleg lautet: 

cui (nämlich dem vorher envähnten Mu- 

sarum penetrale [dem Heiligtum der Musen = 
der Kieler Universitätsbibliothek]) etiam Serenissi- 



mus Princeps et Dn. Kielmannus Praeses suas 
Icones, artificiosa Georgii Ovenii manu pictas 
dedicarunt. (Dieser [der Universitätsbibliothek] 
haben auch seine Durchlaucht der Herzog und 
der Herr Präsident Kielmann ihre von Georg 
(Jürgen) Ovens' Künstlerhand gemalten Bildnisse 
geschenkt.) 

Dieser Beleg stammt aus der lateinischen 
Selbstbiographie des Kieler Professors und späteren 
Stallers von Eiderstedt Samuel Rachel. Eine 1777 
von dem Autograph Samuel Rachels durch 
Olaus Heinrich Moller genommene Abschrift ist 
im Besitz der Kieler Universitätsbibliothek unter 
Cod. Ms. S. H. 180 in 4 to. Sie muß um 1688 
abgeschlossen sein. Die Worte finden sich auf 
S. 69 der Handschrift. Aus diesen Zeugnissen 
eines Zeitgenossen, der es wissen mußte — denn 
er war bei der Gründung der Universität her\'or- 
ragend beteiligt und wußte von ihren Angelegen- 
heiten genau Bescheid — geht hei-vor, daß auch 
das nicht bezeichnete Bildnis des Herz^ogs Christian 
Albrecht, das sich wie das bezeichnete Bildnis des 
Kanzlers Kielmannseck (unsere Nr. 226) noch heute 
im Besitz der Kieler Universität befindet, von 
Ovens gemalt ist oder zum mindesten aus seiner 
Werkstatt stammt. 

Die Selbstbiographie Samuel Rachels ist über- 
setzt von Ratjen, Archiv für Staats- und Kirchen- 
geschichte der Herzogthümer Schleswig, Holstein, 
Lauenburg usw. I. (1833) S. 335 ff. und III. (1837) 
S. 99 ff. Ratjens Übersetzung des oben mitgeteilten 
Satzes, die sich a.a.O. I. S. 372 findet, ist fehler- 
haft. Kielmann war nicht Vorsteher der Bib- 
liothek, sondern Präsident (praeses) der Re- 
gierung, Kanzler. A.uch haben Herzog und 
Kanzler ihre Bildnisse nicht vermacht, sondern sie 
der Universitätsbibliothek geschenkt (dedicarunt). 
Und zwar wird diese Schenkung anläßlich der 
Einweihung der Universität (1665) erfolgt sein. In 
diesem Jahre werden auch die Bildnisse ent 
standen sein. 

208. * Christian Albrecht, Herzog von Hol- 
stein-Gottorf (1641—94) und seine Gemahlin 
Friderica Amalia (1649—1704). 

Kniestück in heroischem Kostüm. Der bai'- 
häuptige Herzog trägt ein goldbraunes Gewand 
mit roter Schärpe, seine Gemahlin ein Kleid aus 
weißer Seide, dazu einen Hut mit grauweißen und 
roten Federn. Ein Mädchen in weißem Hemd und 



176 



brauner Schürze bringt eine Schale mit Obst. Im 
Hintergrunde Abendlandschaft mit Gebirgen und 
Wäldern. 

Auf Leinen; h. 1,32 m; br. 1,72 m. 

Schloß Frederiksborg bei Hillered, Dänemark. 

Katalog von O. Andrup, 1919, Nr. 884. 

Das Bild kam nach einer Mitteilung des Herrn 
Museumsinspektors O. Andrup, Hillerod um 1890 
von Schloß Rosenborg in Kopenhagen nach 
Frederiksborg. Eine Anfrage in Schloß Rosen- 
borg ergab, daß sich aus dem dortigen Archiv 
über die Herkunft des Bildes nichts feststellen läßt. 

209. Herzog Christian (Louis) I. von Meck- 
lenburg-Schwerin.*) 

Der nach links blickende Herzog steht, seine 
linke Hand in die Hüfte stützend, die rechte auf 
eine von zwei Putten getragene Minenabüste 
legend, in ganzer Figur vor einem roten Vor- 
hänge, den links zwei Putten lüften. Er trägt 
ein blaues Untergewand mit bauschigen Ärmeln, 
darüber einen mit der Sonne geschmückten Panzer, 
dazu einen Degen. Lange bis auf die Brust herab- 
fallende Perrücke. Der eine der die Minervabüste 
tragenden Putten hält einen Schlangenstab und 
steht auf einem Löwen, der einen hinter den Herzog 
liegenden fletschenden Dämon am Boden hält. 
Der Herzog zertritt die Schlange der Zwietracht. 
Rechts vom Kopfe des Herzogs ist auf dem Vor- 
hange das mecklenburgische Wappen angebracht 
mit der Unterschrift: Christianus Dei Qratia Dux 
Megapolitanus Anno 1662. 

Auf Leinen. 

Dom zu Ratzeburg. 

Das Bildnis hängt offenbar seit seiner Ent- 
stehung im Dom, wahrscheinlich als Geschenk 
des Herzogs, der 1658 in Mecklenburg-Schwerin 
und in den Fürstentümern Schwerin und Ratze- 
burg zur Regierung gelangt war. Schon 1667 wird 
es von Kunrat von Hövelen, ohne Angabe des 
Künstlers, erMcähnt in seiner zu Lübeck er- 
schienenen Schrift, Der Lobwürdigen Hoch- 
fürstlichen Stadt und Stifts Ratseburg Glaub- und 
Besähewerte Merkwürdigkeit usw., S. 26. Es hing 
damals ,, nördlich über des Kreuzgangs Tühr". 
Kurz erwähnt es auch, ebenfalls ohne Namen 
des Künstlers, Rickmann, Die Domkirche zu Ratze- 
burg, 1881, S. 66. 



über ihn vgl. S. 16. 



Wahrscheinlich ist das Bildnis eine Wieder- 
holung des verschollenen einst in Amsterdam be- 
findlichen Gemäldes (unserer Nr. 280), das der 
Stich (vgl. Stiche nach Ovensschen Gemälden, 4) 
wiohl im Spiegelbilde w-iedergibt. Auf dem Bilde in 
Ratzeburg fehlen die am Boden spielenden Genien 
mit dem Wappen von Mecklenburg und dem 
Lorbeerkranz. 

210. * Christine, Königin von Schweden. 

Kunstmuseum, Christiania. 

Das Bildnis ist von Johnny Roosval in einem 
Aufsatze, Ett nyfunnet Kristina-porträt (Kunst og 
Kultur, 1914, S. 201 f.) Ovens zugeschrieben und 
ins Jahr 1654 gesetzt. Ebendort auch eine Ab- 
bildung. 

Leider war es nicht möglich, von der Leitung 
des Museums nähere Auskunft zu erhalten. 

211. Johann Arnos Comenius, berühmter 

Pädagog, 15Q2— 1670. 

Brustbild nach links, den Beschauer anblickend. 
Er trägt ein schwarzes Gewand mit zwei über 
Schultern und Brust laufenden roten, grün ein- 
gefaßten Streifen. Schmaler glatter weißer Hals- 
kragen, schwarzes Mützchen, grauer Schnurr- und 
Kinnbart, graues lockiges Haupthaar. 

Der grünlich-graue Hintergrund scheint über- 
malt zu sein. 

Leinwand; h. 0,64 m; br. 0,56 m. 

Rijksmuseum, Amsterdam. 

Versteigerung Fr. Muller und Co., Amster- 
dam 1905. 

Das im Katalog v^on 1912 nicht aufgeführte 
Bild wird aus stilkritischen Gründen Ovens zu- 
geschrieben. 

Katalog von 1920, Nr. 1831a. 

212. * Friderica Amalia (1649-1704), Prin- 
zessin von Dänemark,GemahIin desHerzogs 
Christian Albrecht von Holstein -Gottorf, 

mit zwei Söhnen und einer Tochter. 

Zur Linken die Mutter, sitzend, bis zu den 
Knien sichtbar, nach links gewandt. Die Haare 
sind blondgelockt. Sie trägt ein lichtblaues, mit 
Perlen und kostbaren Steinen geschmücktes Seiden- 
kleid. Ihre rechte Hand ruht auf der Tochter, 
die zwischen ihren beiden Brüdern sitzt. Sie ist 
in gelbem Gewände und trägt einen Blumenstrauß. 

177 



12 



Einer der Brüder hält einen großen scJnwai'zen 
Hund. Ein kleiner Hund wendet sich dem 
Mädchen zu. Roter Vorhang. Im Hintergrunde 
sieht man eine bergige Landschaft mit rötlicher 
Abendbeleuchtung, weiter eine Säule. 

Leinwand; h. 1,30 m; br. ],d9 m. 

Bezeichnet: J. Ovensf. 

Beschrieben von O. Granberg, Inventaire ge- 
Tieral usw., Nr. 239. 

Eine gewisse Ähnlichkeit der Kinder mit den 
Kindern auf dem Bilde in Frederiksborg (unsere 
Nr. 216) ist unverkennbar. 

Schloß Gripsholm bei Stockholm, Nr. 1268. 

213. 'Vermutlich Herzog Friedrich III. von 

Holstein-Gottorf (1597-1659). 

Brustbild nach links in ovalem gemalten 
Rahmen. Langes Haar, Schnurrbart und Fliege. 
Hemdkragen. Um die Schultern liegt ein bräun- 
lich gestreifter Überwurf, der vor der Brust durch 
einen Schmuck zusammengehalten wird. 

Auf Leinen; h. 0,69 m; br. 0,61 m. 

Photographische Aufnahme des Besitzers. 

Von Julius Lange, Baroniet Gaunos Maleri- 
samling, 1876, Nr. 48 als zur holländischen Schule 
gehörig aufgeführt. 

Von Dr. Hofstede de Groot, Haag, Ovens zu- 
geschrieben. 

O. Andrup, Baroniet Gaunos Portraetsamling, 
Kopenhagen 1914, S. 87, Nr. 291. 

Lehnsbaron Reedtz-Thott, Schloß Gauno, Däne- 
mark. 

214. Herzog Friedrich III. von Holstein-Gottorf 
(1597 — 1659) mit einem großen Hunde. 

Nach Haupt, Die Bau- und Kunstdenkmäler 
usw. IL, S. 356, wahrscheinlich von Ovens. 

Das Bild ist, vermutlich samt anderen Ovens- 
schen Bildern, mit dem 1867 in Flammen auf- 
gegangenen sog. Bjelkischen Hofe in Schleswig 
verbrannt. 

Vgl. Haupt, a.a.O., S. 356 und S. 332. 

(Das. Bild ist durch ein Versehen, das sich 
während des Druckes nicht wieder gutmachen ließ, 
in eine falsche Rubrik gelangt. Es müßte in der 
Rubrik, Bekannte Personen, heute nicht nach- 
weisbar, stehen.) 

178 



215. * Friedrich, Prinz von Holstein-Gottorf 

(1635—1654) als Knabe. 

Brustbild. Blaue Augen, lange, blondgelockte 
Haare. Das Gewand ist von golddurchwirktem 
Stoff mit geschlitzten Ärmeln und goldgestickter 
Schärpe. In gemaltem Oval. 

Leinwand; h. 0,70 m; br. 0,60 m. 

Bezeichnet: J. Ovens. 

Beschrieben von O. Granberg, Inventaire ge- 
neral usw., Nr. 243. 

Schloß Gripsholm bei Stockholm. 

216. * Kindergruppe, ganze Figuren, lebens- 
groß, wahrscheinlich die Kinderdes Herzogs 

Christian Albrecht von Holstein-Gottorf. 

Dargestellt sind vermutlich der spätere re- 
gierende Herzog Friedrich IV. (1671 — 1702), 
Herzog Christian August, der spätere Fürst- 
bischof von Lübeck (1673 — 1726), und Prinzessin 
Sophia Amalia (1670 — 1710), später mit dem Erb- 
prinzen August Wilhelm von Braunschw^eig- 
Wolfenbüttel vermählt. 

Zwei kleine Knaben, der eine in gelbem, der 
andere in rotem Gewände, und ein etwas größeres 
Mädchen in grauem Atlaskleid mit Perlenschnur im 
Haar, um den Hals und an der Brust. Der gelb- 
gekleidete kleinere Knabe sitzt in der Mitte und 
spielt mit einem Hündchen. Der größere steht 
hinter ihm. In der Rechten trägt er einen Speer, 
auf dem Rücken einen Köcher mit Pfeilen. Das 
Mädchen hält in der Rechten Blumen, mit der 
Linken schmückt es die kleineren Brüder mit Ju- 
welen. Rechts vom Beschauer noch ein Kind, 
das ein Hörn zu blasen scheint und auf einem 
wasserspeienden Delphin reitet. Im Hintergrunde 
Bäume, links vom Beschauer ein Stück des röt- 
lichen Abendhimmels. 

Das Bild ist stark gedunkelt. 

Leinwand; h. 1,08 m; br. 1,25 m. 

Bezeichnet rechts unten: J. OVENS. f. 1673. 

Schloß Fredenksborg bei Hillerod, Dänemark. 

Nr. 885 des Katalogs von O. Andrup vom 
Jahre 1919, dort auch Wiedergabe der Signatur. 

Das Bild ist nach einer Mitteilung des Herrn 
Museumsinspektors O. Andrup, Hillerod um 1875 
von Schloß Rosenborg, Kopenhagen im Handel 
gekauft und später an Schloß Frederiksborg ab- 
geliefert. Eine Anfrage in Schloß Rosenborg ergab, 
daß sich aus dem dortigen Archiv die Herkunft 
des Bildes nicht feststellen läßt. 



217. * Emanuel de Geer, Herr von Leufsta 

und Wäsby (1624-92). 

Vornehmer schwedischer Herr, halbe Figur, 
lebensgroß, nach rechts. 

Dunkelbraunes über die Schultern fallendes 
Haar. Sch-warzes Gewand, weißer Kragen. Dunkel- 
grauer Hintergrund. 

Bezeichnet: J. Ovensf. 1652. 
Auf Leinen; h. 0,72 m; br. 0,59 m. 
Major Gustav, Freiherr De Geer, Stockholm. 
Das Bild war 1877 in Stockholm ausgestellt. 
Beschrieben \on O. Granberg, Inventaire ge- 
neral usw., Nr. 245. 

218. *Margaretha Le Gouche (1636—1727). 

Lebensgroßes Kniestück nach rechts. Blonde 
Haare, blaues seidenes ausgeschnittenes Gewand, 
roter Rock. Um den Hals und den linken .^rm 
eine Perlenschnur. Die linke Hand ruht auf dem 
Becken eines Brunnens, dessen Wasser sie mit der 
rechten Hand auffängt. Links ein Baum. Rechts 
Ausblick in eine Landschaft. In der rechten Ecke 
oben ihr Wappen. 

Links unten voll bezeichnet und 1659 datiert. 

Auf Leinen. 

Jhr. Gevers auf Schloß Marquette bei Bever- 
wijk, Holland. 

Das Bildnis war auf der Ausstellung im Haag 
1890, Nr. 79 des Katalogs. 

Es ist besungen von H. Blasius, Geslachtsboom 
der Goden usw. S. 79. Das Gedicht ist abgedruckt 
in dem Abschnitt, Die Gedichte auf Bilder des 
Malers, 5. 

Das Bildnis ist erwähnt von E. W. Moes, Icono- 
graphia Batava, 2835. 

219. * Die Königin Hedwig- Eleonore von 
Schweden, Prinzessin von Holstein-Gottorf 

(1636-1715), Gemahlin Karls X. Gustav 
von Schweden. 

Junge Frau, Brustbild, nach links gewandt, in 
goldgesticktem Gewände. Braune Augen, dunkel- 
gelockte Haare, mit goldenen und gelben Schleifen. 
In gemaltem Oval. 

Bezeichnet: J. Ovens. 

Leinwand; h. 0,70 m; br. 0,57 m. 

Schloß Gripsholm bei Stockholm. 

Beschrieben von O. Granberg, Inventaire ge- 
neral usw., Nr. 232. 



2?0. * Die PrinzessinlHedwig Eleonore von 

Holstein-Gottorf nimmt von ihrer Familie 

Abschied. 

Das Bild ist unter der Rubrik Profangeschichte, 
Nr. 158 beschrieben. 

221. * Die Prinzessin Hedwig Eleonore von 
Holstein-Gottorf nimmt von ihrer Familie 

Abschied (Abb. 9). 

Das Bild ist unter der Rubrik Profangeschichte, 
Nr. 159 beschrieben. 

222. * Pieter Cornelisz. Hooft (1581-1647), 
berühmter Geschichtsschreiber und Dichter. 

Er steht als Halbfigur in schwarzem Gewände 
mit breitem weißen Spitzenhaiskragen und eben- 
solchen Ärmelaufschlägen, den Degen an der Seite, 
halb nach links gewandt an einem Tische mit roter 
Decke. Die linke behandschuhte Hand zeigt auf 
einen auf dem Tisch stehenden Globus, an den ein 
Buch gelehnt ist, die rechte Hand liegt auf dem 
Tische. Grauer Spitz- und Schnurrbart, bräun- 
liches Haupthaar. Grauer Hintergrund. 

Kopie nach Joachim von Sandrart, vgl. "Nr. 2118 
des Katalogs des Rijksmuseums, Amsterdam. 

Leinen; h. 1,09 m; br. 0,83 m. 

Rijksmuseum, Amsterdam, Nr. 1832 des 
Katalogs. 

Das etwas verschwommen gemalte Bild stammt 
aus dem Nationalmuseum im Haag. Es wurde 
früher J. von Sandrart, dann Leonard Bramer zu- 
geschrieben. 

Hofstede de Groot (Oud-Holland 22 [1904] 
S. 117) hat die Frage aufgeworfen, warum just 
Ovens der Kopist des Bildes gewesen sein soll. 
Doch ist die Leitung des Rijksmuseums, weil das 
Bild Verwandtschaft mit anderen Ovensschen Bil- 
dern aufweist, bei der Zuschreibung an Ovens 
geblieben. 

223. *Oberst Hutchinson mit Familie (Abb.28). 
Kniestück. Links sitzt in einem Lehnstuhl die 

Frau, nach rechts, den Beschauer anblickend. Sie 
trägt ein dunkelblaues Kleid. Über ihren Knien 
liegt ein rosa Schal mit goldener Stickerei. Der 
rechte Arm, dessen Handgelenk mit Perlen- 
schnüren umwunden ist, ruht auf der Lehne, mit 
der linken Hand faßt sie das rechte, eine Kirsche 
haltende Händchen eines weißgekleideten, kleinen 

179 

12' 



Kindes, das, von vorn gesehen, den Beschauer an- 
blickend, auf einem neben ihr stehenden TiscKe 
sitzt. Auf dem Kopfe ein Schmuck von Federn 
und Blumen. Rechts hinter dem Tisch steht der 
Oberst in karmbisinrotem Mantel, etwas vornüber 
geneigt, nach links zu der Gruppe hinblickend ; 
rechts im Vordergrunde, die Mutter anblickend, 
ein Knabe in lichtblauem Kleide und bunter Feder- 
mütze. Er hält ein sch\yarzweißes Hündchen an 
einer Leine. Auf dem Tisch liegt eine persische 
Decke. Darauf steht eine silberne Schale mit einem 
Pfirsich und Weintrauben. 

Bezeichnet J. OVENSf. 1659. 

Leinen; h. 1,35 m; br. 1,74 m. 

Kunsthandlung Thos. Agnew & Sons, London. 

Photographische Aufnahme, die ich der Freund- 
lichkeit der Firma verdanke. 

Das Bild wurde in der von Christie Manson 
& Woods, London am 5. Juli 1918 abgehaltenen 
Versteigerung ervsorben. Eine Anfrage bei dieser 
Firma ergab, daß sie nicht befugt sei, den Namen 
des früheren Besitzers mitzuteilen. 

Den Hinweis auf das Bild verdanke ich Herrn 
Robert C. Witt, London. 

224. Johann Georg, Prinz von Holstein- 
Gottorf (1638-1655), als Knabe. 

Brustbild, nach links gewandt, in gemaltem 
Oval. 

Braune Augen, lange braungelockte Haare. Das 
Gewand ist von golddurchwirktem Stoff. 

Leinwand; h. 0,69 m; br. 0,60 m. 

Beschrieben von O. Granberg, Inventaire ge- 
neral usw., Nr. 244. 

Schloß Gripsholm bei Stockholm. 

225. * Christian August von Kielmannseck. 

Das etwas über zwei Jahre alte Kind, geb. 
19. April 1667, f 1734 nach langem Irrsinn 
zu Muggesfelde, ein Sohn des Freiherrn Frie- 
drich Christian von Kielmannseck, ein Enkel 
des Kanzlers Johann Adolf, steht, nach rechts 
gewandt, vor einem dunkelblauen Vorhange 
mit dunkelgelben Fransen. Der Fußboden be- 
steht aus quadratischen Schieferplatten von licht- 
grauer und dunkelgrauei- Farbe. In der rechten 
Hand hält der Knabe einen Stab. Die linke, die 
einen dunkelbraunen Hut mit roter Straußenfeder 
faßt, stützt er in die Hüfte, unter der der Griff 
eines Degens sichtbar ist. Er trägt ein Kleid aus 



Goldbrokat. Die purpun-ote Taille ist mit Gold 
bestickt. Von ihr hängen Streifen von gleicher 
Farbe und Stickerei, die sich auf den ÄiTneln 
wiederholen, herab. Über Schultern und Brust- 
liegt eine Schärpe aus Goldbrokat, die auf der 
rechten Schulter von einer Agraffe gehalten wird. 
Weiße Halskrause und weiße Hemdärmel. Auf 
den lichtblonden Locken sitzt ein rotes Käppchen. 
Rechts in Schulterhöhe das Wappen mit der 
Jahreszahl 1669 und der Inschrift: Christian August 
Kielman von Kielmansegck yEtatis suae: 2 Jahr 
9 woch. Über den Dargestellten vgl. die von 
Erich Grafen von Kielmansegg herausgegebene 
Familien-Chronik der Herren, Freiherren und 
Grafen von Kielmansegg (2. Aufl., Wien 1910), 
S. 429 f. 

Auf Leinen; h. 1,17 m; br. 0,90 m. Gegen- 
stück zu Nr. 228. 

Photographische Aufnahme, die ich der Freund- 
lichkeit des Besitzers, Grafen Erich Kielmansegg, 
Exzellenz, Wien, verdanke. 

Das Bildnis stammt aus dem von dem Kanzler 
von Kielmannseck gestifteten Armenhause zu 
Schleswig, dem sog. Xenodochium Kielmannianum. 

226. Johann Adolf von Kielmannseck, 
Gottorfer Kanzler und Regierungspräsident 
(1612—1676) (Abb. 33 und 34). 
Überlebensgroß. Die linke Hand in die Hüfte 
gestemmt, den Degen an der Seite, den vor- 
gestellten Stab mit der Rechten haltend steht der 
Kanzler nach rechts schauend spreitbeinig da. Die 
scharfblickenden kleinen Augen sind braun, grau 
der spärliche Schnurr- und Spitzbart. Dunkle bis 
auf die Schultern herabfallende Perrücke. Stark 
ausgeprägte Falten ziehen sich von der Mitte der 
Nase bis zu den Mundwinkeln hin. Die im Gelenk 
sehr kräftige Hand hat lange schmale aristo- 
kratische Finger, wie man sie der wuchtigen Gestalt 
des Dargestellten kaum zutrauen möchte. Das 
schwarze Galakleid mit breiter Schärpe ist reich 
mit Gold bestickt und mit gelben Schleifen und 
goldenen Knöpfen verziert. An den Unterarmen 
tritt das weiße Untergewand bauschig hervor, weiß 
ist auch das Jabot und die Farbe der Strümpfe. 
Links steht ein Tisch mit Scharlach'decke und 
Stuhl. Hinter dem Kanzler ein roter Vorhang. 
Rechts erblickt man einen wasserspeienden Delphin, 
noch weiter im Hintergrunde einen Springbrunnen 



180 



und blaugrau gehaltenes Gebüsch. Bewölkter 
Himmel mit rötlicher Abendbeleuchtung. 

Auf Leinen; h. 2,35 m; br. 1,45 m. 

Bezeichnet unten rechts: J. Ovensf. 

Die Universität Kiel. 

Photographische Aufnahme des.- Herrn Pieper, 
Kiel. 

Abbildung nach einer photographischen Auf- 
nahme des Herrn Photographen F. Urbah'ns, Kiel 
und Beschreibung in d'cs Verfassere Studie, Die 
bildlichen Darstellungen des Kanzlers Johann Adolf 
von Kielmannseck (Band 48 der Zeitschr. der Ge- 
sellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, 
S. 283 f.). Die dort ausgesprochene Vermutung, 
daß das Bild anläßlich der Gründung der Uni- 
versität ihr vom Kanzler geschenkt, also wahr- 
scheinlich 1665 entstanden sei, wird durch den 
mir inzwischen belvanntgewordenen urkundlichen 
Beleg, den ich unter Nri 207 veröffentlicht habe, 
zur Gewißheit erhoben. In den Akten der Uni- 
versität aus älterer Zeit befinden sich keine An- 
gaben über das Bild. Abgebildet ist es noch nach 
einer nicht besonders gelungenen Kopie von der 
Hand des Kieler Malers Thomas Wolters in der 
unter Nr. 225 zitierten Familien-Chronik neben 
S. 296. 

Das Bildnis, das guten Werken van der Helsts 
nahe steht, ist eins der wirkungsvollsten, die Ovens 
geschaffen hat. 

227. *Johann Adolf von Kielmannseck, 

Gottorfer Kanzler u. Regierungspräsident 

(1612—1676). 

Halbfigur in spanischer Hoftracht, der auf dem 
vorigen Bilde sehr ähnlich, nach links blickend. 

Leinen; h. 0,98 m; br. 0,66 m. 

Photographische Aufnahme, die ich der Freund- 
lichkeit des Besitzers verdanke. 

Graf Erich Kielmansegg, E.xzellenz, Wien. 

Das Bild ist kurz erwähnt von Lund, Danske 
malede Portraeter, Bd. I, S. 108 f. 

Abbildung und Beschreibung in des Verfassers 
unter der vorigen Nr. angeführten Studie, a.a.O., 
S. 284/85. 

Wie der Eigentümer mir mitteilte, kam das 
Bild, das bis dahin in dem 1656 von dem' Kanzler 
gestifteten Armenhause, dem sog. Xenodochium 
Kielmannianum, gehangen hatte, vor etwa 40 Jahren 
in seinen Besitz. Es war in argem Zustande, ver- 
schmiert, mit dunklem Firnis überzogen und unten 



abgeschnitten, vermutlich, weil man es in einen 
zu kurzen Rahmen hatte einfügen wollen. Es 
vc-ard damals restauriert und unten wieder ver- 
längert. Damals wurden auch Wappen, Inschrift 
und Jahreszahl oben rechts angebracht. 

228. 'Johann Adolf von Kielmannseck, • 
geboren 30. Sept. 1668, f am 25. Nov. 1717 
zu London als Oberstallmeister Georgs I. 

Das fast zwei Jahr alte blondhaarige Kind, 
ein Sohn des Freiherrn Friedrich Christian von 
Kielmannseck, ein Enkel des Kanzlers Johann Adolf, 
steht, nach links gewandt, vor einem dunkel- 
blauen Vorhange mit dunkelgelben Fransen neben 
einem Tischchen mit roter Decke. Der Fußboden 
besteht aus quadratischen Schieferplatten von licht- 
grauer und dunkelgrauer Farbe. Auf dem Tische 
liegt der Hut mit weißen Straußenfedern. Die 
rechte Hand legt er auf den Hut, die linke Hand 
hält eine weiße, rosageränderte Tulpe. Das Ge- 
wand ist dunkelgelb mit weißer Seidenstickerei, 
desgleichen der von der linken Schulter herab- 
hängende Mantel ; weiße Halskrause. 

Links in Schulterhöhe das Wappen mit der 
Jahreszahl 1670 und der Inschrift: Johan Adolph 
Kielman von Kielmansegck. /Etatis suae: 11 
monath. Über den Dargestellten vgl. Familien- 
Chronik der Herren, Freiherren und Grafen von 
Kielmansegg, S. 430 ff. 

.^uf Leinen; h. 1,17 m; br. 0,90 m. Gegen- 
stück zu Nr. 225. 

Photographische Aufnahme, die ich der Freund- 
lichkeit des Besitzers, Grafen Erich Kielmansegg, 
Exzellenz, Wien, verdanke. 

Das Bildnis stammt aus dem von dem Kanzler 
Kielmannseck gestifteten Armenhause zu Schleswig, 
dem sog. Xenodochium Kielmannianum. 

Das Bild war, als der jetzige Besitzer es erhielt, 
sehr schlecht erhalten. Der untere Teil war zer- 
fetzt. Bei der Restaurierung wurden einige Über- 
malungen entfernt. 

229. * Dirck van Leyden van Leeuwen 
(1626 ")— 1682), Bürgermeister von Leiden. 

Kniestück nach rechts. Er trägt ein schwarzes 
Sammetwams, die Ärmel sind mit weißen Spitzen 
besetzt. Im Hintergrunde eine Landschaft. 



I 



3') So nach Angabe des Stadlarcliivs, Leiden. Dirck 
wurde am 11. Oktober 1626 gelauft. Moes, a. a. O. gibt 
als Jahr der Geburt irriüinlich 162* ,in 



Bezeichnet: J. OVENS 1663. 

Auf Leinen. 

Gegenstück zu Nr. 244. 

Baronin van Rhemen, Geidersche Toren bei 
Dieren, Holland. 

Erwähnt von E. W. Moes, Iconographia Batava, 
4476. 

Die Angaben über das Bild und eine Photo- 
graphie verdanke ich Frau Koopman-Pont, Utrecht. 

Leider konnte ich von der Eigentümerin keine 
nähere Auskunft erhalten. 



23L * Magdalena Sybilla (1631—1719), Prin- 
zessin von Holstein - Gottorf, Gemahlin 
Gustav Adolfs, Herzogs von Mecklenburg. 

Junges Mädchen, Brustbild, nach rechts ge- 
wandt. In gemaltem Oval. 

Bezeichnet: J. Ovens. . 

Leinwand; h. 0,70 m ; br. 0,57 m. 

Schloß Gripsholm bei Stockholm. 

Beschrieben von O. Granberg, Inventaire ge- 
neral u. s. w., Nr. 242. 



230. * Willem van Loon (1633 95), Bürger- 
meister von Amsterdam, 1688 Direktor der 
ostindischen Kompagnie^**) (Abb. 7). 

Kniestück, dreiviertel nach rechts. Er steht, 
die rechte Hand in die Seite gestemmt, mit dem 
linken Zeigefinger in sein Gewand fassend vor 
einer gelbbraunen Säule neben einem Tischchen 
mit einer persischen Decke. Er trägt einen rot- 
gefütterten Schlafrock aus dunkelbraunem Atlas 
mit Blumenmuster und Goldstickerei auf der 
rechten Schulter. Die weißen Ärmel quellen 
bauschig hei-vor; kleiner weißer Halskragen, der 
durch eine Kordel geschlossen ist. Graubraune 
Augen, blonde Perrücke. Rechts schmaler Aus- 
blick in eine Landschaft mit rötüchem Abend- 
himmel, links oben sein Wappen, zwei Mohren- 
köpfe und drei Mühleneisen. 

Bezeichnet: J. OVENS ft. 

Auf Leinen; h. 1,30 m; br. 1,00 m. 

Photographische Aufnahme s») von Bütting- 
hausen, Amsterdam. 

Erwähnt von E. W. Moes, Iconographia Batava 
4611, 3. 

Jhr. Willem Hendrik van Loon, Amsterdam. 

Ich vermute, daß nach dem Alter des Dar- 
gestellten, eines etwa 30jährigen Mannes, zu ur- 
teilen, das Bildnis ein Geschenk an seine Braut 
oder Gattin Catharina Hunthum *") war, die er 
am 13. März 1663 heiratete, daß es also Anfang' 
1663 entstanden ist. 



ä«) Vgl. über ihn Elias, De Vroedschap u. s. w. II., 
S. 624 und oben S. 33. 

3S) Ich verdanke sie der Freundlichkeit der Gemahlin 
des jetzigen Eigentümers, Frau Thora van Loon. 

") Über ihr von W. Vaillant 1667 gemaltes Bildnis 
vgl. den Abschnitt, Gemälde, die Jürgen Ovens mit Un- 
recht zugeschrieben werden, 8. 

182 



232. * Vermutlich die Herzogin Maria Elisa- 
beth von Holstein-Gottorf (1610-84), 

als Ceres. 

Kniestück nach rechts, violettes Gewand. 

Auf Leinen; h. 1,60 m; br. 1,17 m. 

Angeführt von O. Andrup, Baroniet Gaunos 
Malerisamling, Kopenhagen 1Q14, Nr. 292. 

Lehnsbaron Reedtz Thott, Schloß Gauno, Dä- 
nemark. 

233. * Maria Elisabeth (1634—1665), Prin- 
zessin von Holstein-Gottorf, 1660 Gemahlin 
des Landgrafen Ludwigs VI. von Hessen- 
Darmstadt. 

Brustbild, nach rechts gewandt. Dunkelgraue 
Augen, aschgraue, in Locken herabfallende Haare. 
Sie ist mit einem gelblich-braunen Gewände be- 
kleidet. In gemaltem Oval. 

Bezeichnet: J. Ovens. 

Lein\Nand ; h. 0,70 m ; br. 0,59 m. 

Schloß Gripsholm bei Stockholm. 

Beschrieben von O. Granberg, Inventaire ge- 
neral u.s. w., Nr. 241. 

234. * Vermutlich dieselbe. 

Achteckiges Brustbild, schwarze ausgeschnittene 
Tracht. 

Bezeichnet: J. Ovens. f. 

Auf Leinen; h. 0,68 m; br. 0,55 m. 

Angeführt von O. Andrup, Baroniet Gaunos 
Malerisamling, Kopenhagen 1914, S. 87, Nr. 293. 

Lehnsbaron Reedtz Thott, Schloß Gauno, Dä- 
nemark. 



235. *Jens Martens, der Schwiegervater 
des Malers, "j 

Brustbild, Halbfigur. Gebräuntes Antlitz mit 
gerader Nase, braune Augen, auf die Schultern 
herabfallende blonde Locken-Perrücke. Er trägt 
ein braunrotes Wams mit gelblich-weißem Seiden- 
jabot und ebensolchen Ärmelpuffen. Die linke 
Hand ist lässig in die Seite gestemmt, die rechte 
zur Hälfte in das Wams geschoben. Das Bild 
ist stark nachgedunkelt. Dunkelbrauner, nach 
rechts heller werdender Hintergrund. 

Auf Leinen; h. 1,01 m; br. 0,80 m. 

Frau Professor L. Schulte-Ovens, Stettin, eine 
Nachkommin des Sohnes des Malers Johann Adolf. 

Das Bild ist alter Familienbesitz, Es ist viel- 
leicht identisch mit dem unter Nr. 23 der Ori- 
ginalien des Nachlaß-Inventars aufgeführten Bildnis. 

Im Nachlaß-Inventar kommt unter den Kopien, 
' Nr. 12 auch eine den Jens Martens darstellende 
Zeichnung vor, die wahrscheinlich von Ovens' 
Hand gewesen ist. 

236. * Hendrik Matthias^-), Kaufmann und 
Reeder zu Amsterdam, und Frau Maria^-), 
geb. Timmerman, samt Kindern (Abb. 22). 
Ganze Figuren. Die schwarzhaarige Frau in 
rotem Kleide, mit Perlen und Steinen reich ge- 
schmückt, sitzt auf einer Steinbank vor einem 
Baume. Die erhobene Linke faßt ihr rechts hinter 
ihr stehender Gatte. Er trägt ein bräunliches Qe- 
\\-and, braunen Mantel und gelbes Halstuch. 
Braunes Lockenhaar, dünner Schnurrbart und 
Fliege. Seine linke Hand hält er vor die Brust. 
Er blickt zu den links von seiner Frau stehenden 
Kindern hinüber. Das kleinste Kind, von der Seite 
gesehen, das von einem unter ihm stehenden mit 
blauem Samt überzogenem Bänkchen aufgestanden 
ist, drängt sich an das Knie der Mutter. Es trägt 
ein blaues Kleid, das die Beinchen nackt läßt; auf 
dem Kopfe ein Blumenkranz. Um seine Brust 
liegt ein Kettchen, an dem ein großer Goldreif be- 
festigt ist, den es mit der linken Hand auf der 
Mutter Schoß legt, während seine rechte auf ihrem 
Knie liegt. Die Mutter faßt mit der Rechten die 
rechte Hand eines neben ihr stehenden Knaben. 



*i) Die Charakteristik des Jens Martens, die ich auf 
Grund dieses Bildes zu geben versucht habe, findet sich 
S. 114. 

*-) Erwähnt von Elias, De Vroedschap u. s. w. I., 

S. 314. 



Dieser, namens Christian oder Christoffel ") (geb. 
1655) trägt ein violettes Gewand. Mit dem Zeige- 
finger der erhobenen Linken weist er auf die im 
Hintergrunde schwebenden Englein hin. Links von 
ihm, vor einem Strauche, sitzt ein gelbgekleidetes 
Mädchen, namens Margaretha Magdalena, dem er 
den Rücken zuwendet. Es trägt eine Blumen- 
girlande und sieht nach rechts zur Mutter, während 
diese und die beiden Geschwister auf den Be- 
schauer blicken. Auf der Steinbank steht rechts 
ein Blumenkübel mit einer Pflanze. Daneben ein 
Putto, der aus einem hocherhobenen Delphin- 
kopf Wasser ausgießt, das von der Seitenbank 
herabfließt. Im Hintergrunde rechts eine weib- 
liche Büste, links in den Lüften drei Englein mit 
Blumenkränzen, außerdem noch zwei Engelsköpf- 
chen. 

Das Bild weist Einflüsse Govert Flinks und Fer- 
dinand Bols auf. 

Auf Leinen; h. 1,70 m; br. 2,08 m. 

Bezeichnet unten links: J. OVENS f. 1661. 

.Abgebildet und besprochen von de Vries, De 
Familie Matthias en de schilder Jurriaan Ovens 
(Eigen Haard 1910, Nr. 24, S. 376 ff."). 

Abbildung auch in meinem Aufsatze über den 
Meister im Schleswig-Holsteinischen Kunstkalender 
1913, S. 6. 

Eigentümer Dr. A. Tak van Poortvliet, Oude- 
lande, Holland. 

Das Bild, da^ 1910 — 1913 im Rijksmuseum zu 
Amsterdam ausgestellt war, ist seit 1920 als Leih- 
gabe im Museum Boymans, Rotterdam. 

Nach einer Mitteilung des Eigentümers wurde 
das Bild von Mr. Christoffel Matthias, dem ältesten 
Sohne des Hendrik, vererbt auf seinen Sohn Mr. 
J. C. Matthias, von diesem auf dessen Tochter 
Mevrouw Pous, \on ihr auf ihren Sohn Mr. B. 
Matthias Pous, von ihm auf seinen Sohn Mr. P. 
Pous, von ihm auf seine Tochter Mevrouw Tak 
van Poortvliet, von ihr auf ihren Sohn Mr. J. P. 
R. Tak van Poortx'liet, den Vater des jetzigen 
Eigentümers. Das Bild blieb in Middelburg, wo 
die Familie ansässig war, bis zur Zeit des Vaters 
des jetzigen Eigentümers, der die Stadt verließ. 

*3) Erwähnt von Elias, De Vroedschap u. s. \s-. I., 
S. 314. 

") Nach de Vries ist Hendrik .Matthias 1609 in 
„Lütenberg in Hojsiein" geboren. Ob damit Lütjenburg 
gemeint ist? Die dortigen kirchlichen Register beginnen 
erst 1701, sodaß de Vries' Angabe nicht nachgeprüft 
werden konnte. 



183 



237. * Daniel von Mithof, 

Kanzler des Herzogs Christian Louis I. 

von Mecklenburg-Schwerin, Ritter, Comes 

Palatinus, (1595-1673). 

Er steht, den Beschauer anblickend, in ganzer 
Figur neben einem Tische, auf dessen vordere Ecke 
ei sich mit der rechten Hand stützt. Dichte graue 
Locken, die unter einer schwarzen Kappe hervor- 
quellen, Schnurrbart und Spitzbart. Er trägt 
Wams, Kniehosen und Überwurf von schwarzer 
Seide, der über dem linken Arm liegt. Weißer 
Spitzenkragen, weiße Ärmelaufschläge. Weiße 
Spitzen sind auch unter dem nicht ganz geschlos- 
senen Wams sichtbar und dienen als Besatz für die 
Kniestiefel. Mehrere goldene Ketten mit einem 
Medaillon ziehen sich von seiner linken Schulter 
über die Brust nach der rechten Hüfte. Die linke 
Hand stemmt er über dem Gefäß des Degens in 
die Seite. Auf dem Tisch liegt sein mit einer 
Feder geschmückter Hut und ein Buch. Auf der 
vorderen Seite der bis zum Fußboden herabhängen- 
den roten Tischdecke erblickt man das Wappen, 
zwei sich kreuzende silberne Anker mit einem 
goldenen Stern darüber in blauem Schilde. Auf 
dem Helm eine goldene Krone, aus der ein Hirsch- 
geweih herauswächst, das einen schwebenden gol- 
denen Stern einschließt. Im grau gehaltenen Hin- 
tergrunde ist oben eine rote Draperie, die an den 
Seiten herabfällt, angebracht. 

Auf Leinen; h. 2,06 m; br. 1,19 m.. 

Landes-Museum, Braunschweig. Katalog von 
1910, Nr. 273, 1922, Nr. 273. 

Radierung von W. Unger, Zeitschrift für bil- 
dende Kunst, 4 (1869), S. 312. Photographische 
Aufnahme von Bruckmann. München. Nr. 273. 

Im Verzeichniß der Herzoglichen Bilder-Gallerie 
zu Salzthalen (Salzdahlum) \^on Eberlein 1776, 
S. 193 wird das Bild als Werk des Frans Hals be- 
zeichnet, ebenso in den Katalogen des Herzog- 
lichen Museums zu Braunschweig von 1862 und 
1868«). In einem Aufsatz in der Zeitschrift für 
bildende -Kunst a.a.O. wird ihm nachgerühmt, 
daß die koloristische Behandlung namentlich in 
der Gewandung von einer Breite und Feinheit 
ist, die zu einem Vergleich mit Velazquez auf- 



fordert. Seit 1887 wird es als die Arbeit eines 
unbekannten Meisters des 17. Jahrhunderts auf- 
geführt. W. Bode hatte es in den Studien zur 
holländischen Malerei, 1883, S. 109 als „dem Jan 
de Bray*") am nächsten stehend" bezeichnet*'). 
Nach einer Mitteilung des Museums schlug 
J. Kronig, der um 1910 das Bild besichtigte, Ovens 
als Maler vor, was der ihn begleitende Dr. A. Bre- 
dius für eine höchst glückliche Lösung erklärte. 
Aus stilkritischen Gründen, besonders auf Grund 
der Verwandtschaft .des Bildnisses mit dem des 
Kanzlers Kielmannseck in der Kieler Universität 
(Nr. 226) und des Eilhard Schacht (Nr. 255) schließe 
ich mich dieser Meinung an. Es kommt hinzu, 
daß der Dargestellte der Kanzler eines von Ovens 
mehrfach gemalten Fürsten gewesen ist (vgl. S. 16), 
so daß er in den Kreis der Auftraggeber des 
Meisters gehört. 

Das Bild ist im Sommer 1897 von Professor 
Hauser, Berlin, auf neue Leinwand gebracht und 
in Stand gesetzt. 

Der Dargestellte hieß früher ,,Herr von Reuter". 
Mit dem Admiral de Ruyter, mit dem er gar- 
keine Ähnlichkeit hat, ist er wahrscheinlich auf 
Grund des Wappens zusammengebracht. Eben dies 
Wappen führte mich zur Identifizierung des Dar- 
gestellten. Eine Anfrage bei Herrn Jhr. W. A. 
Beelaerts van Blokland, Secretaris van den Hoogen 
Raad van Adel, Haag, ergab, daß es sich nicht 
um holländischen Adel, sondern um die deutsche 
Familie v. Mithof handelt. An der Hand des 
von H. W. H. Mithoff veröffentlichten Familien- 
buches, Mittheilungen über die Familie Mithoff 
bürgerlicher und geadelter Linie, Hannover 1881, 
gelang es mir dann, als den Dargestellten den 
Obengenannten zu ermitteln. 

238. *Cornelis Nuyts, vornehmer Kaufmann 
in Amsterdam, 1574—1661. 

Ganze Figur, nach rechts. Der weißbärtige 
alte Herr, dessen weißes Haupthaar teilweise durch 
ein schwarzes Käppchen bedeckt ist, sitzt vor 
einem bräunlichen Vorhang in einem roten Lehn- 
stuhl, auf dessen Lehne er die Arme stützt. Er 



*^) Vgl. auch Burger, Les musees de la Hollande, II, 
(1860), S. 198 f., der das Bild preist als „peinture etraiige 
et grandiose, comparable aux chefs-d'oeuvre de Rem- 
brandt, de Velazquez et de^Titien", und Gazette des beaux 
arts, Bd. 24 (1868), II., S. 442. 



*") Er stand unter dem Einfluß des Frans Hals. 

*') Ihm scheint die Haltung des früher irrtümlich als 
Admiral de Ruyter bezeichneien Bildnisses viel zu un- 
sicher, die Auffassung zu kleinlich, die Behandlung und 
Färbung zu zahm und matt zu' sein, um mit Burger an 
Frans Hals zu denken. 



184 



trägt ein schwarzes Untergevc-and mit schmalem 
weißen Ärmelaufschiag und rote Schuhe. Breite 
weiße Halskrause. Über dem Untergewande ein 
talarartiger pelzverbrämter Miantel. Er sitzt an 
einem Tische mit roter Decke, auf der ein auf- 
geschlagenes Buch liegt, daneben ein Stunden- 
glas. Zur Rechten durch das offene Fenster, an 
dem sein Wappenschild hängt, sieht man auf einen 
dunklen Himmel mit Abendrot. Zu beiden Seiten 
ein Baum, der eine ist nur angedeutet. 

Nach dem Tode des Dargestellten ist ein Blatt 
Papier, das er in der Rechten hält, mit folgender 
Inschrift hinzugefi^igt worden : Cornelis Nuyts ghe- 
portraiteert in 1658 oud 84 jaaren : na het af- 
branden van sijne Suijcker-raffinaderije 't Amster- 
dam maeckt sijne Familije ghelukkig door groote 
conquesten in Oost-Indien. Obiit in den ouder- 
dom van 87 Jaaren den VII. Junij. Ao. 1661 

Auf Leinen; h. 1,63 m'; br. 1,23 m. 

Rijksmuseum, Amsterdam, Katalog Nr. 1831. 

Photographische Aufnahme des Rijksmuseums, 
Amsterdam, dem ich eine Photographie verdanke. 

Das Bild ist 1896 von E. Gaudouin in Paris 
für 1000 Gulden gekauft worden. (Mitteilung des 
Rijksmuseums, Amsterdam.) 

Über Cornelis Nuyts vgl. Reesse, De Suiker- 
handel van Amsterdam, 190S, S. 117 ff. Vor dem 
Titelblatt des Werkes ist sein Bildnis von Ovens 
wiedergegeben. 

239. * Adam Olearius, Gottorfer Hof- 
Bibliothekar u. Mathematiker, 1603—1671**) 

(Abb. 26). 

Brustbild in Lebensgröße. Alter Herr mit 
dunklen Augen und krausem grauen Haar, das 
auf die Schultern niederhängt. Schwarze Tracht, 
schwarze Mütze, weißes Halstuch. Dunkler Hinter- 
grund. 

Auf Leinen; h. 0,62 m; br. 0,50 m. 

Bezeichnet: ALt: suse 66. 
J: OVENS. 

Das Bild ist, da Olearius 1603 geboren ist, 
1669 entstanden. 

Kgl. Gemäldesammlung, Kopenhagen. Katalog 
von 1904, Nr. 258. 

Dort auch Nachbildung der Signatur. 



Das Bild stammt aus der im Anfange des 
19. Jahrhunderts erworbenen Sammlung des Leib- 
chirurgen Bodendick, in deren Katalog es unter 
Nr. 98 als Selbstporträt des Ovens *ä) aufgeführt 

ist 50). 

In Spenglers Katalog Nr. 807. 

Hoyen erkannte in dem Dargestellten zuerst 
Olearius. 

240. * Derselbe. 

Brustbild mit Mütze. Gewand aus grauer Seide, 
grauer Mantel. 

Auf Leinen; h. 0,46 m; br. 0,36 m. 

Lehnsbaron Reedtz Thott, Schloß Gauno, Däne- 
mark. 

Von O. Andrup, Baroniet Gaunos Malerisam- 
ling, Kopenhagen 1914, Nr. 484 ist das Bildnis 
mit Vorbehalt Ovens zugeschrieben: 

241. * Jürgen Ovens, Selbstbildnis (Abb. 1). 

Brustbild nach rechts neben dem seiner Gattin 
im Ovensschen Epitaph in der Kirche zu Tönning. 

Schwarzes Gewand mit geschlitzten Ärmeln. 
Am rechten Ärmel ist das weiße Untergewand 
sichtbar. Hoher .weißer gesteifter Kragen mit zwei 
weißen Troddeln. Goldene Brustkette mit daran 
hängendem Medaillon. 

Auf Leinen ; h. etwa 0,50 m ; br. etwa 0,40 m. 

Das früher stark übermalte'') Bildnis ist wahr- 
scheinlich 1652 entstanden*-). 

Photographische Aufnahme des Herrn Pieper, 
Kiel. 

Das Bildnis war auf der Schleswigschen Kunst- 
ausstellung, Flensburg 1901. 

242. * Frau Maria Ovens. 

Brustbild nach links neben dem ihres Gatten 
im Ovensschen Epitaph in der Kirche zu Tönning. 

Schwarzes Gewand, schwarze Mütze mit Feder, 
weißes unter dem Kinn gebundenes Kopftuch, das 
die Ohren bedeckt und unter der Mütze hervor- 
sieht. Weißer Halskragen mit einer Troddel. 

Auf Leinen; h. etwa 0,50 m; br. etwa 0,40 m. 

Das früher stark übermalte ") Bildnis ist wahr- 
scheinlich 1652 entstanden, gleichzeitig mit dem 
ihres Gatten ^-). 



*8) über ihn vgl. den Artikel in der Alig. deutschen 
Biographie und besonders Grosse, Programm, Aschers- 
leben 1867. 



*!») Vgl. Abschnitt VI., Ovens-Bildnisse unter C, 5. 

50) Der Katalog der SIg. Bodendick fügt der Signatur 
hinzu: A. 1666. Die Jahreszahl fehlt jedoch auf dem 
Bilde. 

M) Vgl. S. 145. 

52) Vgl. Abschnitt VII. 

185 



Abbildung in dem Aufsatze Momme Nissens, 
Zur Heimischen Malerei, Schleswig-Holsteinischer 
Kunstlcalender, 1911, S. 5. 

243. * Frau Maria Ovens mit ihrem Söhn- 
chen Johann Adolf (geb. 10. 8. 1675). 

Sie sitzt vor einem dunl^elgrauen Vorhange 
in einem Armstuhl, von dem nur das hellbraune 
Holz der Lehne sichtbar ist. Das gelbliche Seiden- 
kleid ist z. T. mit einem schwarzen Übergewand 
bedeckt. Die auf ihrem Schöße liegende linke 
Hand hält eine Orange, die rechte Hand streckt 
sie dem pausbäckigen, etwa 2V2 Jahre alten 
Söhnchen entgegen, das in orangefarbigem blau- 
verziertem Kittelchen und Federhut neben ihr 
stehend ihr eine rote Nelke in die Hand legen 
will und die Mutter aus großen braunen Augen 
anlacht. Verschiedene rote Nelken sind auch in 
der unteren linken Ecke des Bildes sichtbar. Hell- 
brauner Hintergrund. 

Auf Leinen; h. 1,10 m ; br. 0,96 m. 

Das Bildnis ist wahrscheinlich eins der letzten 
Werke des Meisters und nach dem Alter des 
Kindes zu urteilen Anfang 1678, also unmittelbar 
vor dem Ausbruch der 44wöchigen letzten Krank- 
heit des Malers, entstanden. Vgl. S. 50. 

Frau Professor L. Schulte-Ovens, Stettin, eine 
Nachkommin des Johann Adolf. 

Das Bildnis ist wie das des Jens Martens (unsere 
Nr. 235) alter Familienbesitz. Vielleicht ist es iden- 
tisch mit der Nr. 84 der Originalien des Nach- 
laß-Inventars. 

Das Bildnis war auf der Schleswigschen Kuhst- 
ausstellung, Flensburg 1901. 

Es ist, nachdem gegen den Willen der Familie 
ein aus Schleswig-Holstein stammender Land- 
schaftsmaler an ihm seine Besserungsversuche an- 
gestellt hatte, die es sehr verschlechterten, von 
Hampke restauriert worden. Leider ist der harte, 
flache Ton, eine Folge des unberechtigten Ein- 
griffs eines Unberufenen, geblieben. 

244. *AHda Paets ( —1673,) Gattin desDirck 

van Leyden van Leeuwen. 

Kniestück nach links. 

Sie trägt ein ausgeschnittenes schwarzes Sam- 
metkleid mit Spitzenärmeln. Um den Hals eine 
Perlenschnur. Im Hintergrund eine Landschaft. 

186 



Bezeichnet: J. OVENS 1663. 

Auf Leinen. 

Gegenstück zu Nr. 229. 

Baronin van Rhemen, Geldersche Toren bei 
Dieren, Holland. 

Erwähnt von E. W. Moes, Iconographia Ba- 
tava, 5689. 

Die Angaben über das Bild und eine Photo- 
graphie verdanke ich Frau Koopman-Pont, Ut- 
recht. 

Leider konnte ich von der Eigentümerin keine 
nähere Auskunft erhalten. 

245. * Christian Rantzau, 

Kgl. dänischer Statthalter und Reichsgraf 

(1614-1663). 

Ganze Figur, halb nach rechts, stehend. Schwarze 
Gewandung, über die Brust zieht sich das blaue 
Band mit dem Elefantenorden, weißes Unterge- 
wand, das in Bauschen an den geschlitzten Ärmeln 
sichtbar wird. In der rechten Hand trägt er einen 
Stab, die linke stützt er in die Hüfte. Er steht auf 
schwarz und weiß gemusterten Fliesen. Die Hal- 
tung und die Gewandung stimmt fast vollständig 
mit dem Bildnisse des Kanzlers von Kielmannseck 
(Nr. 226) überein. 

In Ovens' Nachlaß-Inventar kommt unter den 
Kopien vor: Nr. 43. G,raff Rantzowen Conti'af: 
mach H : : 20 ^. Das Original werden wir in 
unserer Nr. 245 oder 247 zu sehen haben. 

Über den Dargestellten vgl. neuerdings Wilhelm 
Ehlers, Geschichte und Volkskunde des Kreises 
Pinneberg 1922, S. 222 ff. 

Auf Leinen; h. 1,98 m; br. 0,79 m. 

Graf Rantzau, Schloß Breitenburg bei Itzehoe. 

246. 'Dorothea Rantzau, die Gemahlin 
des Vorigen, vermutlich von Ovens. 

Ganze Figur, halb nach links, stehend. Schwarzes 
Gewand mit Goldbrokat. Der linke Arm hängt 
herunter, in der rechten Hand trägt sie Blumen. 

Auf Leinen; h. 1,95 m; br. 0,88 m. 

Gegenstück zur vorigen Nr. 

Das Bild ist restauriert und stark übermalt. 

Graf Rantzau, Schloß Breitenburg bei Itzehoe. 

247. * Detlef Rantzau, 

Kgl. dänischer Statthalter und Reichsgraf 

(1644-1696). 

Halbe Figur, halb nach rechts. Er trägt einen 
Panzer, darunter ein grünes Untergewand. Über 



die Brust zieht sich das blaue Band mit dem 
Eiefantenorden. Über der lini\en Schulter ein 
roter Mantel. In der linken Hand hält er einen 
Feldherrnstab, die rechte stützt er auf einen Helm, 
der auf einem Tische liegt. Links oben eine braune 
Draperie mit seinem Wappen. Im Hintergrunde 
rechts eine brennende Stadt. 

Die Auffassung des Bildnisses ist der unserer 
Nr. 207 nahe verwandt. 

Über die im Ovensschen Nachlaß-Inventar vor- 
kommende Kopie nach einem Ovensschen Bildnisse 
des Grafen Rantzau vgl. meine Bemerkung in 
Nr. 245. 

Über den Dargestellten vgl. neuerdings Wilhelm 
Ehlers, a.a.O., S. 230 f. 

Auf Leinen; h. 1,03 m; br. 0,88 m. 

Graf Rantzau, Schloß Breitenburg bei Itzehoe. 

248. 'Catharina Hedwig Rantzau, 
die Gemahlin des Vorigen. 

Halbe Figur, halb nach links. Sie trägt ein 
Kleid aus GoldbroLat, darunter ein weißes Ge- 
wand. Über den Schultern blauer Mantel. In ihrer 
rechten Hand hält sie einen Stab, die linke liegt an 
ihrer Brust. 

Auf Leinen; h. 1,06 m; br. 0,83 m. 

Gegenstück zur \origen Nr. 

Graf Rantzau, Schloß Breitenburg bei Itzehoe. 

249. * Godard Adriaen van Reede, Baron van 
Amerongen, Heer van Ginkel usw., Maar- 
schalk van Montfort, Gesandter nach Däne- 
mark,Spanien und Brandenburg (1621— 1691). 

Ganze Figur, stehend nach rechts. Die linke 
Hand ist in die Seite gestützt, die andre ruht auf 
einem rechts von ihm stehenden Tische. Er trägt 
einen Panzer mit dem Orden und blauen Band 
des weißen Elefanten von Dänemark. Breiter 
weißer liegender Halskragen. Links ein Vorhang, 

Auf Leinen. 

Gegenstück zu Nr. 262. 

Graf Godard van Aldenburgh-Bentinck, Schloß 
Amerongen, Holland. 

Besungen von Vondel (ed. Unger 1657 — 60. 
S. 288")). 

Das Gedicht ist abgedruckt im Abschnitt IX., 2. 

Bildnis und Gedicht sind im Jahre 1660 ent- 
standen, und zwar xtahrscheinlich im Juni^*). 



*ä) von Houbraken, De groote Schouburgh li. s. w. I., 
S. 274 zitiert. 

") Vgl. S. 34 und Abschnitt IX., 2. 



Erwähnt von E. W. Moes, Iconographia Batava 
6269, 1. 

Photographische Aufnahme des Photographen 
C. J. L. Venneulen, die ich der Freundlichkeit des 
Eigentümers verdanke. 

Abbildung bei E. W. Moes und K. Sluyter- 
man, Neederlandsche Kasteelen en hun Historie I., 
S. 65. 

250. * Axel^Rosenhane (1637— 1685), Freiherr 

zu Ikalaborg usw., Gouverneur von Nyiand 

und Tavastehus (Finland). 

Junger Mann, Halbfigur, nach rechts, natürliche 
Größe. Dunkelbraune, auf die Schultern herab- 
fallende Haare, weißes Halstuch. Um die linke 
Schulter liegt ein roter Mantel mit gelbem Futter. 
Graugrüner Hintergrund. 

Leinwand; h. 0,76 m; br. 0,61 m. 

Major R. Stälhammar, Östersund, Sch\^eden. 

Photographische Aufnahme, die ich der Freund- 
lichkeit des Eigentümers verdanke. 

Der Eigentümer ist, wie er mir mitteilte, ein 
Nachkomme der Enkelin des Dargestellten und hat 
das Bildnis durch Erbfolge erhalten. 

Beschrieben von O. Granberg, Inventaire ge- 
neral u. s. w., Nr. 246. 

25L Göran Rosenhane (1649^^-1677), 
schwedischer Oberstleutnant. 

Halbfigur, nach rechts gewandt. Er stützt sich 
mit der Rechten auf eine Ballustrade. Blaue Augen, 
dunkle, auf die Schultern fallende Haare. Er trägt 
ein schwarzes Gewand, das mit goldgelben Bändern 
geschmückt ist, und einen roten Mantel, der an der 
linken Schulter befestigt ist. Schärpe mit gold- 
gelben Verzierungen. Dunkelgrauer Hintergi-und. 

Bezeichnet: J. Ovens. 

Leinwand; h. 1,06 m; br. 0,78 m. 

Photographische Aufnahme, die ich der Freund- 
lichkeit der Eigentümerin verdanke. 

Frau Lilly Jennings, Upsala, Schweden. 

Wie die Eigentümerin mir mitteilte, war das Bild 
während mehrerer Generationen auf Skänellaholm, 
dem Besitztum ihres verstorbenen. Gatten, der der 
Nachkomme einer Sophie Jennings, geb. Rosen- 
hane war und das Bildnis durch Erbfolge erhalten 
hat. 

Beschrieben von O. Granberg, Inventaire ge- 
neral u.s. w., Nr. 248. 



5ä) Bei O. Granberg, a.a.O. ein Druckfehler: 1549. 

187 



252. * Derselbe. 

Brustbild, nach links gewandt, das Gesicht nach 
rechts. Leichtgepuderte Allongeperrücke, stahl- 
grauer Harnisch, über dein ein himbeerroter Mantel 
liegt. 

Leinwand; h. 0,81 m; br. 0,66 m. 

Photographische Aufnahme von Eric Sund- 
ström, Helsingfors, die ich der Freundlichkeit des 
Herrn Prof. Tikkanen, Helsingfors, der mich auf 
das Bildnis aufmerksam gemacht hat, verdanke. 

Nach einer Mitteilung des Herrn Dr. Torsten 
Stjernschantz, Helsingfors, war das Bildnis früher 
auf dem in der vorigen Nr. genannten Gute 
Skänellaholm. 

Sammlung Sinebrychoff, Finska Konstförenin- 
gens Galleri, Helsingfors. 

Nr. 100 in Förtekning över Paul och Fanny 
Sinebrychoff's Konstsamlingar, herausgegeben von 
Torsten Stjernschantz, Helsingfors 1921. 

253. *Johann Rosenhane (1642—1710), 
schwedischer Gesandter. 

Junger Mann vton ungefähr 20 Jahren, Halb- 
figur, nach rechts. Er steht hinter einer Mauer von 
Quadersteinen. Die dunklen, krausen Haare fallen 
auf die Schultern herab. Er trägt einen gelblich- 
braunen, goldgestickten Mantel. Die Rechte stützt 
er auf einen Stab. 

Leinwand. 

Bezeichnet; J. Ovens, Amsterdam 166(1). 

Photographische Aufnahme des Hofphoto- 
graphen Jaeger, Stockholm, die ich der Freundlich- 
keit des Eigentümers verdanke. 

Beschrieben von O. Granberg, Inventaire ge- 
neral u. s. w., Nr. 247. Ebendort auch abgebildet, 
Abbildung 30. 

Granberg bemerkt dazu: Eins der besten ^Bilder 
des Meisters. Die letzte Ziffer muß eine 1 sein. 
Denn Johan Rosenhane hielt sich 1661 in Amster- 
dam auf. 

Graf Fr. Gl :son Wachtmeister, Stockholm. 

254. * Michael Adriaenß. de Ruyter 
(1607—1676), holländischer Admiral. 

Kniestück. Der mit Kette und Orden ge- 
schmückte Seeheld steht im Panzer vor einem 
braunen Vorhang. In der Rechten hält er den 
Kommandostab. Am linken Arm eine rote Binde. 
Links steht ein Globus, davor ein Helm. Im 



Hintergrunde rechts das Meer mit Schiffen, die 
eine Salve abgeben. 

Die starken Reflexe auf dem Panzer kommen 
auch sonst auf Ovensschen Bildern vor. Im 
übrigen erinnert das Bild sehr an Ferdinand Bol. 

Bezeichnet: J. Ovens 1674 s'^). 

Auf Leinen; h. 1,25 m; br. 1,03 m. 

Jhr. Ram, Utrecht. 

Angeführt von E. W. Moes, Iconographia Ba- 
tava 6661, 29. 

Nach einer Mitteilung des Eigentümers ist das 
Bildnis seit unbekannter Zeit, von Vater auf den 
Sohn vererbt, im Besitze der Familie gewesen. 

255. * Eilhard Schacht, Göttorfer Kanzlei- 
sekrctär (1606 oder 1607—1673). 

Ganze Figur, lebensgroß, halb nach rechts ge- 
wandt. Dunkles auf die Schultern herabfallendes 
Haar, Schnurrbart und Fliege.. 

In sch^x'arzer Tracht, reich' mit Spitzen besetzt, 
den Rohrstock aufstützend, den Degen an der 
Seite. Auf der Brust ein Medaillon mit dem 
Bildnis des Herzogs Friedrichs III. Die rechte 
Hand stemmt er in die Hüfte. Rechts von ihm 
ein Tisch, auf dem sein Hut liegt. 

Auf Leinen. • 

Dom zu Schleswig. 

Nach Franz Schacht, Die Familie Schacht (Ver- 
lag der Frankfurter Blätter für Familiengeschichte 
1908, S. 52) „von Oven (so!) gemalt". Er stützt 
sich dabei darauf, daß das Wappen Schachts, zwei 
gekreuzte Bergmannshämmer, neben dem Wappen 
des Amtmanns Schmidt aus Tremsbüttel auf dem 
Rahmen des Bildes der heiligen Familie von Ovens 
im Dom zu Schleswig (unsere Nr. 25) vorkommt, 
daß also Schacht zu den Auftraggebern des Malers 
gehört hat. Der auf der Verbindung des Hof- 
mannes mit dem „Hofmaler" beruhende Schluß, 
daß sich Schacht und seine Gattin auch von Ovens 
habe malen lassen, ist von Doris Schnittger, Zeit- 
schrift Bd. 40 (1910), S. 493 f. aufgenommen. Ge- 
stützt wird die Vermutung, daß Ovens der Künstler 
der beiden Bilder ist, noch durch die nahen Be- 
ziehungen zwischen den beiden Familien. Eilhard 



56) Ich habe die Signatur und Jahreszahl, obgleich ich 
das Bild in helles Licht brachte, nicht finden können, folge 
aber der Angabe von Moes, der sehr zuverlässig war. 
Es ist wohl möglich, daß im Laufe der Jahre die Nach- 
dunkelung soweit fortgeschritten ist, daß die Signatur eben 
nicht mehr zu erkennen ist. 



188 



Schachts GeniahHn und sein Schwiegersohn D. 
Gloxin standen 1670 bei der Tochter des Meisters 
Pate (vgl. S. 41). Hinzu kommen stilkritische 
Gründe. 

Richard Haupt, Der Dom St. Petri zu Schles- 
wig, Ein Führer, 3. Bearbeitung, Schleswig 1921, 
S. 30 setzt das Bildnis in das ausgehende 17. Jahr- 
hundert. Dem widerspricht die Lebenszeit des 
Dargestellten und die Tracht. Beide weisen auf 
die Mitte des 17. Jahrhunderts. Das Bildnis ist 
unserer Nr. 237 sehr nahe verwandt. 

256. * Frau Schacht, geborene Koch, die 
Gattin des Gottorfer Kanzleisekretärs 

Eilhard Schacht. 

Ganze Figur, lebensgroß, halb nach links ge- 
wandt. In schwarzer Tracht, reich mit Spitzen be- 
setzt. Auf dem Kopfe ein Häubchen. Sie trägt 
reichen Schmuck. Links Von ihr ein Tisch. 

Auf Leinen. 

Dom zu Schleswig. 

Haupt, a. a. O. setzt das Bildnis in das aus- 
gehende 17. Jahrhundert. Dem widerspricht neben 
der Lebenszeit der Dargestellten vor allem die 
Tracht. Denn der Schulterkragen, den sie trägt, 
die sog. Palatine, gehört der Mode der Mitte des 
17. Jahrhunderts an, ebenso das Häubchen, das 
auch die Abb. 3 wiedergegebene Dame trägt, deren 
Bildnis 1650 entstanden ist. 

257. *Jan Barend Schaep, 1633 1666, Schöffe 

von Amsterdam 165Q (Abb. 21). 

Vor einem roten Vorhang imd einer Ballustrade 
steht, halb nach rechts gewandt, barhäuptig der 
vornehme junge Herr in einem Atlas-Gewande von 
feinem silbergrauem Ton und weißem Unterge- 
wande. Über der linken Schulter hängt ein schwar- 
zer Mantel. Breiter schlichter Halskragen mit Trod- 
deln, dünner Schnurrbart, auf die Schultern her- 
abfallende blonde Locken. Seine rechte Hand 
stemmt er in die Seite. Rechts Blick auf Bäume 
und bewölkten Himmel. 

Die Anordnung und Farbenstimmnng erinnert 
lebhaft an A. van Dijcks letzte Zeit. 

Auf der Ballustrade bezeichnet: J. OVENS fe. 

Auf Leinen; h. 1,15 m; br. 0,86 m. 

Rijksmuseum, Amsterdam, in dessen Besitz das 
Bild durch das Legat Bicker 1881 kam. 

Katalog des Rijksmuseums von 1Q20, Nr. 1828. 
Dort auch Wiedergabe der Signatur. 



1876 war es auf der Hist. Tentoonstelling zu 
Amsterdam. 

Erwähnt von Moes, Iconographia Batava 
6825, 1. 

A. Bredius, Die Meisterwerke des Rijksmuseums 
zu Amsterdam, S. 37 würdigt es mit lobender 
Anerkennung. Dort auch Abbildung. Eine Ab- 
bildung auch in dem Werk Schleswig-Holstein 
meerumschlungen, Kiel, 1896, S. 82 und im 
Schleswig-Holsteinischen Kunstkalender 1913, S. 5. 

Photographie von Hanfstaengl, München und 
A. Braun, Dornach im Elsaß. 

Das Bild ist wahrscheinlich 1659 entstanden, 
in dem Jahre, in dem der Dargestellte das Schöffen- 
amt bekleidete. 

258. * Dirck Tulp (1624 1682), Sohn des 
Dr, Tulp und Gatte der Anna Burgh (Abb. 19). 

Kniestück, von vorn, vor einem halbgerafften 
roten Vorhang. Lange dunkelblonde Perrücke und 
kleiner Schnurrbart. Er trägt ein gelbes Leder- 
koller und reich mit Gold besticktes Gewand, 
darüber ein breites Bandelier mit einem Degen 
und eine sehr breite Schärpe von blauer Seide. 
Weißer Kragen mit Quasten, schmaler Armel- 
aufschlag. Die grauen Beinkleider sind mit gold- 
gelben Biesen verziert. Die linke Hand, an der 
ein goldumrandeter Hut mit weißer Feder hängt, 
stemmt er in die Seite, während die rechte einen 
Stab trägt. Im Hintergrunde eine hügelige Land- 
schaft mit grauem Himmel. 

In Auffassung und Ausführung erinnert das 
Bildnis stark an van der Helst. 

Links unten bezeichnet: J. OVENS f. 1658. 

Auf Leinen; h. 1,09 m; br. 0,89 m. 

Erwähnt von E. W. Moes, Iconographia Ba- 
tava 8110, 2. 

Eigentümer: Professor Dr. Jhr. Jan Si.x, Amster- 
dam 'und Jhr. J. W. Six auf Hilverbeek bei Hilver- 
sum, s' Graveland, Holland, wo das Bild sich 
befindet. 

In den Maßen stimmt es genau mit dem Bilde 
der Anna Burgh (unsere Nr. 20) überein. 

Das Bildnis kam wahrscheinlich wie das Reiter- 
porträt Dirck Tulps von Paulus Potter und das 
Porträt seiner Gattin Anna Burgh von Ovens durch 
Dircks älteste Tochter Esther Elisabeth, die sich 
mit Mr. Jan van den Bembde verheiratete, an 
deren Tochter .\nna Elisabeth. Diese, 1728 mit 
Mr. Jan Six vermählt, vererbte es an die Vor- 

189 



1658. 



fahren der jetzigen Eigentümer. Vgl. J. Six, Dirk 
Tulp (Privatdruclv bei Enschede en Zonen, Haar- 
lem, 1906, S. S). 

259. * Dr. Nicolaes Tulp (1593—1674), be- 
rühmter Arzt, Bürgermeister von Amsterdam. 

Kniestück nach rechts. Er sitzt in schwarzem 
Gewände und schwarzem leicht um die Schultern 
gehängten Mantel auf einem roten Lehnstuhi mit 
brauner Lehne, auf die er die Arme stützt. Kleines 
schwarzes Käppchen, aus dem die grauen Locken 
hervorquellen. Grauer Schnurrbart und Spitz- 
bart. Schmaler weißer Kragen, weiße Ärmel- 
aufschläge. Links sein Wappen, eine Tulpe. 
Dunkler Hintergrund. 

Bezeichnet unten am Stuhl: 
J. OVENS f. 
NICOLAUS. 
TULPIUS 

Auf Leinen; h. 1,26 m ; br. 0,99 m. 

Eigentümer: Professor Dr. Jhr. Jan Six, Amster- 
dam und Jhr. J. W. Si.\ auf Hilberbeek bei Hilver- 
sum, 's Graveland, Holland, wo das Bild sich 
befindet. 

Es ist, was bisher nicht bekannt war, gestochen 
von J. Episcopius und Lambert Visscher. Vgl. 
über diese Stiche den Abschnitt, Stiche nach 
Ovensschen Gemälden. 

Erwähnt von E. W. Moes, Iconographia Ba- 
tava, Nr. 8113, 6. 

Das Bildnis ist nach Dr. Tulps Tode ent- 
weder in den Besitz seines Sohnes oder seiner 
Tochter Margaretha gekommen. Im ersten Ealle 
kam es wahrscheinlich wie das Reiterporträt Dircks 
von Paulus Potter und Dircks und seiner Gattin 
Anna Burgh Bildnisse von Ovens durch Dircks 
älteste Tochter Esther Elisabeth, die sich mit Mr. 
Jan van den Bembde verheiratete, an deren Tochter 
Anna Elisabeth. Diese, 1728 mit Mr. Jan Six 
vermählt, vererbte es an die Vorfahren der jetzigen 
Eigentümer. Vgl. J. Six, Dirk Tulp usw. 

Im zweiten Fall kam es durch Margaretha, 
die 1655 Jan Six heiratete, unmittelbar in die 
Familie Six, in der es dann auf die heutigen 
Eigentümer fortgeerbt ist. 

260. * Derselbe (Abb. 17). 
Brustbild nach rechts, dem vorigen nahe ver- 
wandt, sozusagen ein Ausschnitt aus dem größeren 
Gemälde, im Wesentlichen eine Wiederholung des 
Kopfes der vorigen Nummer. 



Er sitzt in schwarzem Gewände. Kleines, 
schwarzes Käppchen, aus dem die grauen Locken 
hervorquellen. Grauer Schnurrbart und Spitzbart. 
Schmaler, weißer Kragen. Dunkler Hintergrund. 

Auf Leinen; h. 0,78 m; br. 0/34 m. 

Wahrscheinlich wie die vorige Nr. im Jahre 
1658 entstanden. 

Professor Dr. jhr. Jan Six, Amsterdam. 

Auf der Ausstellung in Amsterdam 1900. 

Photographische Aufnahme von Bruckmann, 
München. 

Erwähnt von E. W. Moes, Iconographia 
Batava, Nr. 8113, 7. 

Erwähnt und abgebildet von Harry Schmidt 
im Schleswig-Holsteinischen Kunstkalender 1913, 
S. 8 und 9. 

Für die Geschichte des Bildes gilt dasselbe, 
was über die Geschichte der vorigen Nummer 
gesagt ist. 

261. Margaretha Tulp, Tochter des Dr. Tulp, 

geboren 1637, heiratete 1655 den Bürgermeister Six 
(Abb. 18). 

Kniestück nach links. Sie steht in hellblauem 
Kleide mit lose übergeworfenem gelbbraunem Schal 
neben einem Postament, auf den ein Blumentopf 
mit Nelken gestellt ist. Die linke Hand hält eine 
Rose an die Brust, in der rechten trägt sie Blumen, 
die auch die bis auf die Schultern herabfallenden 
Ringellocken schmücken. Rechts hinter ihr ein 
Strauch. Grau bewölkter Himmel. In Ausführung 
und Auffassung erinnert das Bildnis stark an 
Govert Flink. 

Das Bildnis ist wahrscheinlich in demselben 
Jahre wie das ihres Vaters und Bruders, also 1658 
entstanden. 

Auf Leinen; h. 0,96 m; br. 0,78 m. 

Eigentümer: Professor Dr. Jhr. Jan Six, Amster- 
dam und Jhr. J. W. Six auf Hilverbeek bei Hilver- 
sum, s'Graveland, Holland, wo das Bild sich befindet. 

Es ist seit seiner Entstehung im Besitz der 
Familie Six gewesen. 

Auf der Ausstellung in Amsterdam, 1900. 

Photographische Aufnahme von Bruckmann, 
München. 

Erwähnt von E. W. Moes, Iconographia Ba- 
tava, Nr. 8112, 1. 

Enxähnt und abgebildet von Harr>' Schmidt im 
Schleswig-Holsteinischen Kunstkalender 1913, S. 8 
und 9. 



190 



262. * Margaretha Turnor, Gemahlin des 
Godard Adriaen van Reede usw. ( —1700). 

Ganze Figur, stehend nach Unks. 

Sie trägt ein schwarzes Sammetkieid mit weißen 
Unterärmeln, Unterkleid aus Goldbrokat und 
Spitzen über gelber Seide. Der linke Arm hängt 
herab. Mit der rechten Hand faßt sie an die Brust. 
Ein flatternder Schal liegt über Brust und Schultern. 

Auf Leinen. 

Bezeichnet unten links. 

Gegenstück zu Nr. 249. 

Graf Godard van Aldenburg-Bentinck, Schloß 
Amerongen (Holland). 

Photographische Aufnahme des Photographen 
C. J. L. Vermeulen, die ich der Freundlichkeit des 
Eigentümers des Bildnisses verdanke. 

Abbildung bei E. W. Moes und K. Sluyter- 
man a. a. O., S. 66. 

263. * Wilhelm VI., Landgraf von Hessen- 

Cassel, 1637—1663. 

Kniestück. Der junge Landgraf, der eine 
schwarze Perrücke trägt, steht, den Blick zu dem 
Beschauer gerichtet, die Rechte in die Seite ge- 
stützt, vor einem roten Vorhang. Gewand aus 
Goldbrokat und Sammet mit goldenen Stickereien, 
geschlitzte Ärmel. In der linken Hand hält er 
einen langen Stab. Auf dem Tisch liegt eine rote 
Decke, auf ihr ein schwarzer Hut mit weißer, 
roter und blauer Feder geschmückt. 

Das mehrfach restaurierte Gemälde war ur- 
sprünglich kleiner, 1SS7 ist ein Stück angesetzt. 

Auf Leinen; h. 1,38 m; br. 1,09 m. 

Rathaus, Kassel. 

Das Bildnis, dessen Künstler als unbekannt gilt, 
scheint mir nach Auffassung und Technik ein 
Werk des Jürgen Ovens zu sein. 

264. * Die Regenten des Oude Zijds Huis- 

Zittenhuis^'') (Abb. 25). 
Fünf der sämtlich schwarz gekleideten Herren 
sitzen um einen Tisch. Auf ihm liegt eine Decke 
von tief karminrotem Grundton mit Ornamenten 
in schwarz, ockergelb und grau. Alle Herren 
tragen große schwarze Schlapphüte und weiße 
glatte Halskragen mit weißen Ärmelaufschlägen bis 



°') Heim für alte Dienstboten. Vgl. über dasselbe Cas- 
parus Commelin, Beschrijvinge der Stadt Amsterdam, 1693, 
S. 518, 535. 



auf den ältesten, der ganz links vom Beschauer an 
der Schmalseite des Tisches sitzt. Er trägt eine 
breite weiße Halskrause nnd ist, offenbar der 
Schatzmeister, mit dem Zählen von Geldstücken 
beschäftigt, die er alus einem vor ihm liegenden 
Beutel genommen hat. Rechts von ihm ein Herr, 
der in der linken Hand die Geldwage hochhebt, 
auf der die von seinem Nachbarn gezählten Münzen 
ge'w'ogen werden sollen. Er blickt zu den beiden 
am rechten Ende des Tisches sitzenden Herren hin. 
In der Mitte des Bildes vor dem Tische sitzt 
der dritte der Regenten. Er dreht sich halb nach 
links und sieht wie der Herr ganz links und der 
ganz rechts auf den Beschauer. Rechts von ihm 
hinter dem Tisch ein Herr, der sich mit er- 
hobener Rechten zu seinem ganz rechts an der 
Schmalseite des Tisches sitzenden Nachbarn 
wendet. Dieser hat ein geöffnetes Buch vor sich, 
dessen Rand er mit der Linken faßt, während die 
Rechte den Federkiel hält. Im Hintergrunde steht 
der sechste der Herren. Er hält mit der Linken 
ein Buch an die Brust, während er mit der Rechten 
aus einem links oben an der Wand hängenden 
geöffneten Schranke ein Heft herausnimmt. Neben 
ihm rechts steht der barhäuptige Diener, sich zu 
ihm neigend und offenbar eine Weisung entgegen- 
nehmend. Ganz rechts Blick durch eine Tür mit 
halbbogenförmiger Öffnung. 

Die Namen der Regenten sind: Jan Gelyns, 
Maerten Kanter, Comelis Hoppesack, Pieter Ernst 
van Bässen, Jan Lantsman, Willem van der Does. 

Links an der Wand bezeichnet: J. Ovens f. An" 
1656. 

Auf Leinen; h. 1,48 m; br. 1,97 m. 

Rijksmuseum, Amsterdam. Katalog Nr. 1827, 
dort auch Wiedergabe der Signatur. 

Das Bild war auf der Kunstausstellung in 
Amsterdam 1845, Katalog Nr. 56. 

Es stammt aus dem Werkhuis und ist dem 
Museum 1885 von der Stadt überwiesen. 

Erwähnt und abgebildet von Harry Schmidt, 
Schleswig- Holsteinischer Kunstkalender 1913, 
S. 7 f. 

Wagenaar, Amsterdam in zijne opkomst u. s. \v., 
IL, S. 264 nennt als Meister Bartholomeus van 
der Helst. Vgl. J. J. de Gelder, Bartholomeus van 
der Helst, Rotterdam 1921, S. 100. 

Über die Skizze zu dem Bilde vgl. Katalog der 
Zeichnungen Nr. 111 und Abb. 74. 



191 



265. * Die Regenten des Bürgerwaisenhauses 

(Abb. 24). 

Fünf Herren in schwarzer Kleidung mit weißen 
Halsi<ragen und sciiwarzen Hüten sitzen an einem 
Tisch mit dunl<eigTÜner Decive, die bis zum Fuß- 
boden herabhängt. Auf dem Tisch Schreibgerät. 
Zwischen dem ganz rechts an der Schmalseite 
sitzenden Herrn und seinem Nachbarn steht ein 
sechster, der den hnl<en Arm, dessen Hand einen 
Bogen Papier hält, auf die Stuhllehne des ersteren 
legt. Vor der frei gebliebenen Seite des Tisches 
steht ein kleiner Knabe in hellgrauem Gewände, 
der, in der lin]<en Hand einen Hut haltend, in der 
rechten ein Buch tragend, zu den Herren auf- 
blicl<t. Aus seinem von der Tracht der Waisen 
abweichenden Anzüge geht hervor, daß er ein 
Neuling ist. Hinter dem an der linken Schmal- 
seite sitzenden Regenten steht eine Frau in violettem 
Kleide mit weißem Halskragen und schwarzem 
Kopftuch, die sich zu einem kleinen blondhaarigen, 
gelbgekleideten Knaben herabbeugt und ihm die 
Rechte aufs Haupt legt. Offenbar eben ins Waisen- 
haus gekommen, ist er barfuß. In der Rechten 
hält er eine Flöte (?), in der Linken eine Kinder- 
rassel. Hinter ihm ganz links ein Mädchen in blau- 
grünem Jäckchen und olivgrünem Rock, gleich 
dem Knaben eben erst angekommen. Zwischen 
den beiden links sitzenden Herren steht noch ein 
etvcas größerer Knabe, der bereits im Waisen hause 
zu sein scheint. Er legt seinen Arm auf den rechts 
von ihm sitzenden Herrn. Der Hintergrund, auf 
dem man links eine Tür sieht, ist grau. An den 
Seiten dunkelgrüne Vorhänge und eine Säule des 
Kamins. Am Fußboden vorn liegt ein Zettel mit 
der Bezeichnung: J. OVENS. f. a. 1663. 

Die Namen der Regenten sind, soweit sie be- 
kannt sind, nach E. W. Moes, Iconographia Batava, 
2393 Willem van Erpeoom, 4172 Willem Ysbrandsz. 
Kieft, 4441 Daniel Lestevenon (1623—66), 6480 
Floris Roeters, 8245 Hendrik Vastricks. 

Auf Leinen; h. 2,53 m'; br. 3,93 m. 

Über das Waisenhaus vgl. die Broschüre, Het 
Burger Weeshuis te Amstersam 1880 und S. Kalf, 
Het Amsterdamsche Burgerweeshuis (Eigen Haard 
1899, Nr. 5 und 6). 

Über die Kleidung der Waisen vgl. Mr. Eduard 
van Tsoe-Meiren, De Kleeding der Amsterdamsche 
Burgenx-eesen (Elsevier's Geillustreerd Maand- 
schrift VI 1893). 



Über die Studie zu dem Bilde vgl. Katalog 
der Zeichnungen Nr. 110. 

Bekannte Personen, heute nicht nachweisbar. 

266. Anna Dorothea (1640—1713), Tochter des 
Herzlogs Friedrichs III. von Holstein-Qottorf : 
,, Fräulein Anna Dorotheen ContraL von H. Ovens 

geschätzet (skizziert), 9 #". 

Das Bild, eine Skizze, wird im Nachlaß-Inventar, 
Nr. 85 der Originalien, aufgeführt. Ob es eine 
Skizze, für das heute in Gripsholm befindliche 
Bildnis (unsere Nr. 201) gewesen ist? 

267. August Friedrich, der jüngere Bruder des 
Herzogs Christian Albrecht, geb. 1646, von 
1666 — 1705 Bischof von Eutin, halb lebensgroß. 

Das Bildnis war im Nachlaß der Königin 
Sophia Amalia von Dänemark. 

Handschriftliche Aufzeichnungen des Geh'eim- 
archivars Christian Eberhard Voß (1706—91). 

Im Nachlaß-Inventar, Nr. 25 und 28 der Ko- 
pien, kommen vor: Ihro Durchlaucht der Bischoff 
\^on Eutyn 9 #, der Bischoff von Eutyn, Brustbild 
4 #. Wahrscheinlich waren es Kopien nach einem 
Ovensschen Original, das möglicherweise mit 
unserer Nr. 267 identisch gewesen ist. 

268. Jacoba Bicker (1640—1695), Gemahlin von 

Pieter de Graeff. 

Das Bildnis ist besungen von Vondel in einem 
im Abschnitt IX., Die Gedichte auf Bilder des 
Malers, 1 abgedruckten Gedichte. Das Bild ist 
1662 gemalt, vgl. S. 33. 

Angeführt von E. W. Moes, Iconographia Ba- 
tava 647, 1. 

Jacoba Bicker wurde 1674 noch von W. Vaillant 
gemalt. Dies Bildnis befindet sich im Rijksmuseum, 
Amsterdam. Katalog von 1920, Nr. 2340. 

Nachforschungen über den Verbleib des Bildes 
bei den Nachkommen des Pieter de Graeff sind 
erfolglos gewesen, was erklärlich ist, wenn man 
das von A. Bredius, Oud-Holland, Bd. 30 (1912), 
S. 198 veröffentlichte Verzeichnis der Bilder in 
Betracht zieht, die sich am 8. März 1709 im Sterbe- 
hause des Pieter de Graeff auf der Heerengracht, 
Amsterdam befanden. Es ist nämlich keins von 
Ovens unter ihnen. 



192 



269. Der Alchemist Joseph Francois Borri. 
Ovales Brustbild halb nach links. Perrücke, 
dünner Schnurrbart. Weißes Untergewand, über 
die Schultern ist ein Mantel geworfen, der vor der 
Brust mit einer Spange zusammengehalten wird. 
Das verschollene Bildnis ist beschrieben nach einem 
Stich von P. L. van Schuppen. Es ist 1675, 
wahrscheinlich in Paris, gestochen, wohin das Bild- 
nis vermutlich durch die Königin Christine kam. 
Vgl. über das Bildnis und den Dargestellten S. 35, 
über den Stich den Abschnitt, Stiche nach Ovens- 
schen Gemälden, 5. 

270. Agneta Broders, die Mutter des Malers, 40 #. 
Nachlaß-Inventar, Nr. 50 der Originalien. 

271. Ove Broders, der Vater des Malers, 40 #. 
Nachlaß-Inventar, Nr. 49 der Originalien. 

272. Karl X. Gustav, König, von Schweden, 24 #. 
Nachlaß-Inventar, Nr. 51 der Originalien. 

273. Karl X. Gustav, König von Schweden, und 

seine Gemahlin. 

In kleiner Lebensgröße bei einander im Zimmer 
sitzend. Cupido, neben ihnen, zeigt seinen Pfeil 
und zwei zusammengebundene Herzen. Ein Ge- 
nius mit Kränzen schwebt über ihnen. Rechts in 
der Ferne eine Bibliothek mit verschiedenen Per- 
sonen. 

Auf Leinen, goldener Rahmen ; h. 4 Fuß 41/2 
Zoll; br. 4 Fuß 5 Zoll. 

Bezeichnet. 

Nr. 38 des Verzeichnisses der gegenwärtigen 
Gemäldesammlung des Hof- und Landgerichts- 
advocaten Schmidt in Kiel, Kiel 1S17. 

Das Bild ist bereits in dem ersten, 1795 zu Kiel 
erschienenen Verzeichnis dieser Gemäldesammlung 
enthalten. 

Erwähnt \^on Doris Schnittger, Jürgen Ovens 
(Zeitschrift Bd. 38 (1908), S. 419). 

274a. Charlotte Amalia, Gemahlin des Königs 

Christians V. von Dänemark, (1650 — 1714). 

Dero (Christians V., den Ovens gemalt hat) Ge- 
mahlin 30 ^. 

Nachlaß-Inventar, Nr. 51 der Kopien. 

Vielleicht war das Bildnis eine Kopie nach dem 
von Voß angeführten Original, vgl. unsere Nr. 275. 



274b. Charlotte Amalia, Gemahlin des Königs 
Christüins V. von Dänemark, (1650—1714), halb 
lebensgroß. 
Das Bildnis war in dem Nachlaß der Königin 
Sophia Amalia von Dänemark. 

Aufzeichnung des Geheimarchivars Voß (1706 
bis 1791). 

275 a. König Christian V. von Dänemark, 30 #. 
Nachlaß-Inventar, Nr. 50 der Kopien. 

275 b. Derselbe, 30 #. 
Nachlaß-Inventar, Nr. 53 der Kopien. 

275 c. Derselbe, 30 #. 

Nachlaß-Inventar, Nr. 54 der Kopien. 

Ob es sich bei den Nummern a, b, c um 
Kopien nach einem Original oder nach ver- 
schiedenen Originalen handelt, ist nicht ersichtlich. 

276. Herzog Christian Albrecht, 1677 in Hamburg 
gemalt. Vgl. S. 130 f. 

Am 23. Juni 1680 an die Witwe Ovens mit 
60 Reichstalern bezahlt. 

Die Quittung über den Empfang des Geldes 
von der Hand der Witwe Ovens s. a..a. O. 

277. Herzog von Holstein-Gottorf Christian 
Albrecht oder Herzog Friedrich III?, halb 

lebensgroß. 
Das Bildnis war in dem Nachlaß der Königin 
Sophia Amalia von Dänemark. 

Aufzeichnung des Geheimarchivars Voß (1706 
bis 1791). 

278. Herzog Christian Albrecht mit Gemahlin, ein 
Kniestück, Lebensgröße, im Schäfer Gostüm. Sie 
werden von Ceres mit Früchten beschenkt, von 
J. Ovens. 
In einem von dem Maler Christian Friedrich 
Joachim Bünsow zu Kiel am 15. Oktober 1804 
aufgestellten Überschlag über die Kosten der Rei- 
nigung und Wiederherstellung der beschädigten 
Gemälde auf dem Kieler Schlosse s«). Dort wird 
es als Nr. 7 aufgeführt ''ä). 



58) Bünsow erhielt später den Auftrag, die Reinigung 
vorzunehmen. 

59) An Bildern mit Namen des Künstlers kommen sonst 
noch vor: Nr. 6 Herzog Friederich der jüngere (Friedrich IV.) 
in Lebensgröße zu Pferde, gemahit von dem berühmten 
Kiocker de Ehrenstrahl, zu reinigen und überzufirnißen . . .; 
Nr. 48, 49. Ein Papagoy und ein Stück mit todtes Geflügel 
von Oberdorf. 

193 



13 



Akten des Staatsarchivs zu Schleswig, B. V, 
2,24. 

Das Bild von Ovens wird auch im Inventarium 
des Schlosses Kiel, Anno 1705 (Akten des Staats- 
archivs zu Schleswig, A. XX., 2873 a), ohne Namen 
des Malers, erwähnt. Dort heißt es: In dem 
Schlafgemach. Eine Schilderey vf den Camin, 
von Hertzog Christian Albrecht und Friederica 
Amalia, mit der Ceres. 

279. Einer der Herzöge von Gottorf, dargestellt als 
Hirte mit einer Hirtin, natürliche Größe. 

Nr. 72 des „Fortegnelse over . . Oliemalerier, 
Haandtegninger . . . tilhorende Justitiarius Thom- 
sen" und anderen. Die Versteigerung fand am 
5. Februar 1860 zu Kopenhagen statt. 

Ein Exemplar des Katalogs besitzt die Kgl. 
Bibliothek zu Kopenhagen. 

Mitteilung von Herrn mag. art. .Victor Her- 
mansen, Kopenhagen. 

280. Herzog Christian (Louis) I. von Mecklenburg- 

Schwerin, wahrscheinlich 1653 gemalt. 

Der barhäuptige Herzog, der einen mit der 
Sonne geschmückten Panzer und das Schwert so- 
wie antike Gewandung trägt, steht in ganzer Figur 
vor einem großen Vorhange, den rechts vom Be- 
schauer zwei Putten lüften, die einen Lorbeerkranz 
auf sein Haupt setzen wollen. Er legt die linke 
Hand auf den Helm einer Minerva-Büste, die von 
zwei Putten getragen wird, während ein Putto 
einen schlangenumwundenen Stab hält. Rechts 
vom Herzog ein Löwe, der den Dämon des 
Krieges niedergeworfen hat. Dieser liegt mit flet- 
schenden Zähnen am Boden. Der Herzog zertritt 
der Schlange der Zwietracht das Haupt. Links 
von ihm vorn am Boden zwei Genien mit dem 
Wappen von Mecklenburg und einem Lorbeer- 
kranze. Im Hintergrunde links Zelte, ein Soldat, 
eine Kanone, Bäume, weiter hinten ein Berg. 

Das verschollene Bildnis ist beschrieben nach 
einem Stiche von Theodor Matham (Abb. 5). Vgl. 
über das Bildnis und den Dargestellten S. 16, über 
den Stich den Abschnitt, Stiche nach Ovensschen 
Gemälden, 4. 

Filip von Zesen, Beschreibung der Stadt Am- 
sterdam, 1664, S. 324 f. erwähnt, daß sich im 
,, Herren-Gast- oder Würts-hause ('t Heeren Loge- 
ment), in welchem man Fürsten und Herren, auch 
derselben Gesandten auf Kosten der Stadt zu be- 



würten pfleget", ein großer Saal befinde, „mit 
güldenem Leder bekleidet, auch mit schönen Ge- 
melden und bildnüssen, als unter andern Seiner 
Durchl. Hertzog Kristians von Mechlenburg ge- 
zieret". Ich vermute, daß dieses verschollene Bild- 
nis mit dem von Ovens gemalten und von Theodor 
Matham gestochenen identisch gewesen ist. Da 
sich Christian Louis von Oktober 1652 bis An- 
fang 1653 in Amsterdam aufhielt, Ovens aber im 
Herbste 1652 in seiner Heimat anwesend war, 
muß das Bildnis Anfang 1653 entstanden sein. 

2S1. Die Königin Christine von Schweden, 

11,10 Gulden. 
Nr. 78 der zu Amsterdam im September 1684 
abgehaltenen Versteigerung der Gemälde des 
Grafen von Arundel. 

282. Ein Original vom Sehl. H. Ovens, worauff 
der Königinnen Christinen Contrafeit gantz klein, 

Nachlaß-Inventar, Nr. 26 der Originalien. 

Vielleicht liegt in der Hinzufügung ,, gantz 
klein", daß das Bildnis eine Miniatur war. 

Unter den Kopien des Nachlaß-Inventars, 
Nr. 27, kommt, ohne Namen des Künstlers, vor: 
Königinnen Christinen Brustbildt 9 #. Wahr- 
scheinlich war es nach einem Original von Ovens 
gemalt. 

283. Magdalena Doublet (1595— ), Gemahlin 
des Nie. Hannemann und später des Jacques 
Specx, der von 1629 — 32 Generalgouverneur von 

Ost-Indien war, 1651 gemalt. Vgl. S. 16. 

Das Bildnis ist, wie das ihres Gatten (vgl. unsere 
Nr. 308) verzeichnet im Inventar des Jacques Specx 
und seiner Frau, Amsterdam, 3. September 1652 
(Mitteilung von Dr. A. Bredius, Monaco). 

Vgl. A. Bredius Oud-Holland 1908, S. 221 f. 
und Künstler-Inventare, V. Teil 1918, S. 1613. 

Nach einer urkundlichen Notiz vom 31. August 
1655 erbt Johannes Specx, Sohn des Generals 
Jacques Specx ,,twee conterfeytsels van den Hr. 
Generael Specx en syn huysvrouw Doublet, door 
J. Ovens, A" 1651". (Mitteilung von Dr. A. Bre- 
dius, Monaco, aus Amsterdamer Notariatsarchiven.) 

Die beiden Bilder sind angeführt von E. W. 
Moes, Iconographia Batava 2105, 2 und 7436. 
Nach Moes \xar Magdalena Doublet 1639 auch 
von G. Flinck gemalt worden. 



194 



Jacques Specx besaß außerdem noch ein Pasto- 
rale von 0\-ens (vgl. unsere Nr. 171). 

284. Friderica Aniaiia, Gemahlin des Herzogs 
Christian Albrecht, 1649—1704: Ihro Hoheyten 
die Princessinn (Teilungsakte: Ein Original von 

H. Ovens), 30 #. 

Nachlaß-Inventar, Nr. 21 der Kopien. 

Vielleicht ist mit dem Ausdruck der Teilungs- 
akte eine eigenhändige Kopie des Meisters gemeint, 
etwa nach Nr. 72 der Originalien, die doch wohl 
als Werk des Ovens aufzufassen ist. 

284a. Friderica Amalia, Gemahlin des Herzosfs 
Christian Albrecht, 1649 — 1704: Prinzessin nach 
H. O., 30 #. 
Nachlaß-Inventar, Nr. 42 der Kopien. 

2S4b. Friderica Amalia, Gemahlin des Herzogs 
Christian Albrecht, 1649 — 1704: FVincessin nach 
H. O., 30 #. 
Nachlaß-Inventar, Nr. 44 der Kopien. 

285. Friderica Amalia, Gemahlin des Herzogs 
Christian Albrecht, 1649—1704, halblebensgroß. 

Das Bildnis war in dem Nachlaß der Königin 
Sophia Amalia von Dänemark. 

Aufzeichnung des Geheimarchivars Voß, wo 
es als ,,Ihro Hoheit, die Princessin von Gottorff" 
bezeichnet wird. 

286. Friderica Amalia, Gemahlin des Herzogs 

Christian Albrecht, 1649—1704. 

Deckengemälde in der ehemaligen Amalien- 
burg. Schloß Gottorf, 4. Feld gegen Norden. Nach 
Joh; Chr. Jürgensen, Nocolaus Helduaders Chronik 
der Stadt Schleswig .... fortgeführt usw., Schles- 
wig 1822, S. 161 ist es um 1672 und 1673 ent- 
standen, was dahin berichtigt \ii"erden muß, daß 
es nach urkundlichem Ausweis zwischen November 
1670 bis September 1671 entstanden ist. (Vgl. 
darüber S. 44 ff.) 

Von Haupt, Die Bau- und Kunstdenkmäler 
usw. 11., S. 356 erwähnt. Eine Beschreibung des 
Gemäldes findet sich in der 1772 entstandenen, 
von Doris Schnittger (Repertorium, X., 1887, 
S. 150 f.) benutzten, aber mit vielen Fehlern wieder- 
gegebenen, heute im Bürgermeisteramt zu Schles- 
wig aufbewahrten Handschrift des Leutnants von 



Koch, Bieschäfftigungen in der Einsamkeit: „In 
der Höhe deßelben Zimmers siehet man die 
Königl. Dänische Printzeßin Amalia, die in der- 
selben Zeit an einen Holsteinsch regierenten Fürsten 
vermählet war, von welchen dieses Gebaute (die 
Amalienburg) den Namen bekahm ; umb derselbe 
ihr Brust Bild, siehet man einen heitren Schönen 
Himmel mit allerley Gottheiten und liebes Göttern, 
die mit vielen Ehrenbezeigungen umb sie schweben, 
Zur Linken Seite allerhand Scheußliche Furien, 
welche vor ihrm Anblick weichen und diese heitere 
Himmels Gegend verlaßen ; Aus den Obern Wolken 
der Printzeßin windet sich eine Purpur Rothe Decke 
herunter biß zur Mittelsten Etage, und umgiebet 
ein Junges Kind in Frauenzimmer Fürstlichen 
Habit gekleidet, unter der Aufsicht vielerley 
Tugenden, die das Fürstliche Kind der Ballas über- 
geben. Sie empfängt es liebreich und weißt ihr 
den Alten Künstler in der Ecke i^"), der sie durch 
seine Kunst verEwigen soll". 

287. Herzog Friedrich 111. von Holstein-Gottorf, 
Brustbild, Orisaille, mit achteckigem Rahmen, 12 ^. 

Nachlaß-Inventar, Nr. 7 der Originalien. 

288. Ein großes ... die Hochfürstliche Familie 
vorstellendes Schillerey von Ovens. 

Gottorfer Schloßinventar von Mai 1695, Reichs- 
archiv, Kopenhagen. 

288a. Ein Gemälde (et skilderie), das ein 

Familienstück des Herzoglich-Gottorffischen 
Hauses ist, gemalt von Ovens. 

Das Bild hing im Kgl." Residenzschloß Chri- 
stiansborg in Kopenhagen. 

Erwähnt von N. Jonge, Kiobenhavns Beskri- 
velse, 1783, S. 509. 

289. Ein Grau in Grau (Teilungsakte: Graw in 
Grawesstück), worauff die hochfürstl. Familie mit 

dem Rahmen, 12 ^. 

Nachlaß-Inventar, Nr. 77 der Kopien. 

Der Name des Meisters ist nicht angegeben. 
Doch spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, daß 
das Bild eine Kopie nach der unter Nr. 159 auf- 
oeführten Grisaille war. 



«») Es war ein Selbstbildnis des Ovens. Vgl. den Ab- 
schijitt VI., Ovens-Bildnisse. 

195 

13* 



290. * Friederich von Günteroth, Oberstallmeister, 

Jägermeister und Rittmeister der Leibgarde des 

Herzogs Christian Albrecht, f 31. Januar 1703"). 

(Abb. 53.) 

Kniestück halb nach rechts, den Beschauer an- 
blickend. Die rechte behandschuhte Hand ist in 
die Seite gestemmt, der linke Arm mit der eben- 
falls behandschuhten Hand hängt herab. Kleiner 
Schnurrbari, braunes auf die Schultern herab- 
wallendes Haar, braune Augen. Er trägt ein 
schwarzes Gewand mit goldenen Knöpfen und 
goldbestickten Aufschlägen. Breite bestickte gelbe 
Schärpe, weißes Jabot mit roter Schleife. 
Leinen; h. 1,07 m; br. 0,81 m. 
In der Höhe des linken Unterarmes bezeichnet: 
J. OVENS f. 1671. 

Rechts oben sein Wappen und die Inschrift: 
Friederich von Günteroth Ihro Regierend Hoch 
Fürstl: Durchl: Hertzog Christian Albrecht Ober 
Stallmeister, Jägermeister und Rittmeister von dero 
leib Guarde. 1671. 

Photographische Aufnahme von Rompel, Ham- 
burg. 

Ausgestellt im Kunstverein, Hamburg 1913, 
Nr. 4 des Katalogs der Werke Schleswig-Hol- 
' steinischer Maler: Herrenportrait, und in der Aus- 
stellung Darmstadt 1914; vgl. Georg Biermann, 
Deutsches Barock und Rokoko, Leipzig 1914, 
II. Band, im Namen- und Sachregister" S. XL, 
wo der Name des Dargestellten unrichtig wieder- 
gegeben und als Besitzer fälschlich Graf Bau- 
dissin genannt ist. 

Abbildung bei Biermann, a.a.O. I. S. 113. 
Nach einer Notiz der Hamburger Nachrichten 
vom 17. Juli 1885 befand sich das Bildnis damals 
im Besitz der Frau Dr. Tüggesen in Rendsburg. 

Mein Hinweis in der Zeitschrift, Die Nord- 
mark 1912 führte zur Feststellung der damaligen 
Eigentümerin Gräfin Rosa Baudissin, Lübeck, an 
die das Bildnis als Andenken an den verstorbenen 
Physikus Dr. Tüggesen gekommen war. 

In ihrem Auftrage ist es von Herrn Rieschkamp, 
Berlin, verkauft. Käufer waren zwei., unbekannte 
Herren, die angaben, aus Ungarn zu stammen. 



291. Herzog Gustav Adolf von Mecklenburg- 
Güstrow, Gemahl der Magdalena Sibylle, der 
Tochter Herzogs Friedrichs III. von Holstein- 
Gottorf. 

Lebensgröße,.!. Oktober 1657 mit 60 Reichs- 
talern bezahlt. 

Gottorfer Rentekammerrechnung, Reichsarchiv, 
Kopenhagen. 

Da das Bild nach einer Mitteilung des Herrn 
Prof. Josephi, Schwerin, sich nicht in mecklen- 
burgisch-fürstlichem Besitze befindet, ist wohl mit 
Sicherheit anzunehmen, daß es nicht nach Mecklen- 
burg gekommen ist. 



292. *Van den Heuveps). 

Vornehmer junger Herr mit eleganten Händen, 
halb nach rechts, das Gesicht in hellem Lichte, 
Kniestück. Er steht vor einer Mauer mit einer 
Nische. Ganz links ein Vorhang. Große Perrücke, 
deren Haare auf einen Halskragen aus Spitzen 
herabfallen. Über der linken Schulter ein Mantel. 
Unter dem bauschigen Ärmel des linken Armes 
kommt das weiße Untergewand z:um Vorschein. 
Die Ärmel sind mit Rubinen übersät. In der 
linken oberen Ecke sein Wappen. 

Das Bildnis war 1S72 in der Sammlung Maurice 
Cottier, Paris. 

Beschrieben nach den Bemerkungen in einem 
Aufsatze von Mantz über die Galerie de M. Maurice 
Cottier, Gazette des Beaux-Arts, Per. II., Tom. V., 
1872, S. 376 ff. Dort auch eine Abbildung. 

Als Perle der mit so hoher Einsicht z:usammen- 
gebrachten Sammlung Cottier gerühmt von Henry 
Perrier in der Gazette des Beaux-Arts, Per. II., Tom. 
VII., 1873, S. 363. 

Erwähnt von Moes, Iconographia Batava 3482 
und von von Wurzbach, Niederländisches Künstler- 
lexikon, der es als Hauptwerk bezeichnet. 

Nach einer Mitteilung des Herrn Gaston Capon, 
Archivars der Bibliotheque d' Art et d'Archeologie, 
Paris ist Maurice Cottier 1881 gestorben. Nach 
dem Tode seiner Frau scheint ein Verkauf der 
Sammlung nicht stattgefunden zu haben. Es gibt 
jedenfalls keinen Versteigerungskatalog. 



ei) Sein und seiner Frau Grabdenkmal befindet sich im 
Dom zu Schleswig. 

196 



82) Vgl. Über ihn S. 33. 



293. Joan Huydecoper, Heer van Maarseveen, 
Neerdijck usw. (1625—1704). 

Von 1673 — 1693 war er 13 mal Bürgermeister 
von Amsterdam ^3). über den Dargestellten vgl. 
S. 33. 

Ovales Brustbild, Schnurr- und Knebelbart, 
lang auf die Schultern herabfallende Haare, weißer 
schlichter Halskragen mit Klunkern, auf dem Kopfe 
ein Mützchen. 

Beschrieben nach einem Stiche von Jacob 
Houbraken "). Nach dem Stiche war der Dar- 
gestellte zwischen 45 — 50 Jahre alt. Das ver- 
schollene Bildnis wird also wohl, als Ovens sich 
1674/75 in Holland aufhielt, entstanden sein. 

Erwähnt von Moes, Iconographia Batava 3864, 6. 

294. Märten Jens, der Vater des Schwiegervaters 

des Malers, 30 ^. 
Nachlaß-Inventar, Nr. 42 der Originalien. 

295. Karl II. König von England, April oder Mai 
1660 für den Prinzen Moritz von Oranien gemalt. 

Das Bildnis ist von Vondel besungen. Vgl. 
den Abschnitt IX, 3. 

Über den Dargestellten vgl. S. 34. 

Wahrscheinlich ist der Stich auf dem Titel- 
blatte des Büchleins des Philipp von Zesen, Die 
verschmähete, doch wieder erhöhete Majestäht: 
das ist Karls des Zweiten Königs von Engelland, 
Schotland, uam : Wunder-geschichte, Amsterdam 
1661, eine Wiedergabe des Ovensschen Bildnisses. 
Das ovale Brustbild, das den König ohne Helm, 
doch im Harnisch zeigt, entspricht nämlich der 
Beschreibung, die Vondel von dem 0\ensschen 
Bildnisse gibt. Außerdem lag es nahe, daß Philipp 
von Zesen auf das eben vorher in Holland ent- 
standene, sicherlich sehr berühmte Ovenssche 
Bildnis des Königs zurückgriff. Hinzu kommt noch, 
daß von Zesen Ovens hoch geschätzt hat, wie 
aus seinen Äußerungen in der Beschreibung der 
Stadt Amsterdam hervorgeht (vgl. S. 29 f.). 

Der König blickt halb nach rechts, SchnuiT- 
bart, lang herabwallende Haare, Panzer mit Kette, 
an der eine Münze hängt. 



Letztere sind wahrscheinlich mit ,,dem Ritter- 
bande mit dem bildnüsse des heiligen Jürgens" 
identisch, die Karl I. vor seinem Ende an seinen 
Sohn im Haag gesandt hatte (von Zesen, 
a.a.O. S. 124). 

296. Karl II. König von England, 9 §.. 
Nachlaß-Inventar, Nr. 79 der Originalien. 

297. Johann Adolf von Kielmannseck usw. 

Brustbild in ovalem Rahmen nach links, dem 
im Besitze des Grafen Kielmansegg, Wien, unserer 
Nr. 227 aufs nächste verwandt, mit nur geringen 
Abweichungen in der Kleidung. Das Bildnis ist 
verschollen. Wir kennen es nur aus einem 1664 
entstandenen Stiche des Hans Strauß. Über den 
Stich vgl. den Abschnitt, Stiche nach Ovensschen 
Gemälden. 

298. Kanzler Kielmann Gontraf. Brustbildt, 9 #. 
Nachlaß-Inventar, Nr. 31 der Kopien. 

Vgl. meine Studie, Die bildlichen Darstellungen 
des Kanzlers Johann Adolf von Kielmannseck, 
S. 295. 

299. Magdalena Sibylle, Prinzessin von Holstein- 
Gottorf, Gemahlin des Herzogs Gustav Adolf von 

Mecklenburg. 

Lebensgröße, 1. Oktober 1657 mit 60 Reichs- 
talern bezahlt. 

Oottorfer Rentekammerrechnung, Reichsarchiv, 
Kopenhagen. 

Da das Bild nach einer Mitteilung des Herrn 
Prof. Josephi, Schwerin sich nicht in mecklen- 
burgisch-fürstlichem Besitze befindet, ist wohl mit 
Sicherheit anzunehmen, daß es nicht nach Mecklen- 
burg gekommen ist. 

A. 290 «'S). Herzogin Maria Elisabeth von Holstein- 
Gottorf, die Gemahlin des Herzogs Friedrichs III., 
Brustbild, Gegenstück zu unserer Nr. 287, 12 #. 

Grisaille (Teilungsakte: grawes). 

Nachlaß-Inventar, Nr. 8 der Originalien. 



"ä) über ihn vgl. Elias, De Vroedschap van Amsterdam, 
I., Nr. 191. 

^*) Über den Stich vgl. den Abschnitt, Stiche nach 
Ovensschen Gemälden, 3. 



65) Die nächsten 10 Nummern s'nd irrtümlich falsch 
gezählt worden. Das Versehen erklärt sich daraus, daß 
während der Korrektur noch mehrfach Nummern ein- 
geschoben werden mußten, ließ sich aber leider während 
des Drucks nicht wieder gutmachen, 

197 



A. 291 "■''). Dieselbe (die verwittibe Herzogin von 

Husum) J. O., 6 ^. 

Nachlaß-Inventar, Nr. 78 der Originalien. 

A. 292«5). Vermutlich Maria Stuart, die Tochter 
Jakobs II. und Gemahlin Wilhelms II. von Oranien. 

Lebensgröße, Kniesti^ick, der Kopf ist drei- 
viertel nach rechts gewandt, die braunen Locken 
fallen auf die Schultern. Das schwarze Kleid ist 
ausgeschnitten, die kurzen Ärmel lassen den Unter- 
ann nackt. Sie hält einen Fächer. Im Hinter- 
grunde ein großer roter Vorhang und ein Fenster 
mit einem Blick in die Landschaft. Vollbezeichnet. 

Leinwand; h. 1,29 m; br. 1 m. 

Nr. 415 des Catalogue des Tableaux anciens . . 
de M. le Baron De Beurnonville, Paris. Die 
Sammlung wurde am 9. März 1881 ebendort ver- 
kauft. 

Ein Exemplar des Katalogs besitzt die Bibliothek 
der Staatlichen Museen, Berlin. 

Das Bild wurde für 1050 fr. an den Grafen 
d'Estampes in Paris verkauft. 

Mitteilung von Herrn Gustav Capon, Archivar 
der Bibliotheque d'Art et d'Archeologie, Paris. 

Anfragen über den Verbleib des Bildes, die 
ich an die Familie d'Estampes richtete, blieben 
unbeantwortet. 

Erwähnt von Moes, Iconographia Batava 4805, 1. 

A. 293 '55). Familienbild, darstellend den Herrn und 

die Frau von Marquette^'^) mit ihren zwei Kindern, 

alle in prächtiger altholländischer Kleidung. 

Kühne entzückende Malerei. 

Auf Leinen; h. 1 Elle 50 Duim ; br. 1 Elle 
90 Duim. 

Nr. 263 der Versteigerung Dr. Jean Bleuland, 
Utrecht, 6. Mai 1839. 

Ein Exempkir des französischen Katalogs be- 
sitzt die Bibliothek der Staatlichen Museen, Berlin. 

Der Text des holländischen Katalogs, den ich 
Herrn Dr. Hofstede de Groot, Haag, verdanke, 
stimmt genau mit dem französischen überein. 



s^) Nach van der Aa, Biographisch Woordenboek 
usw. hieß die Familie de Hartaing van 'Marquette. Es 
handelt sich entweder um Hendrik Maximilian oder 
Willem. Die Herrschaft Marquette erwarb später die 
Familie Rendorp. 

198 



A. 294 "^s). Jens Martens, der Schwiegervater des 

Malers. Ein Original von H. Ovens, worauff Seht. 

Jens Martens Contrafeit, 30 #. 

Nachlaß-Inventar, Nr. 23 der Originalien. 

Vielleicht mit unserer Nr. 235 identisch. 

A. 295 6*). Jens Martens und Frau 

Catharina, geborene Block, die Schwiegereltern 

des Malers, 60 #. 

Nachlaß-Inventar, Nr. 55 der Originalien. 

A. 296 65). Dirk van Os (1591 bis etwa 1666), 
Deichgraf des Polders de Beemster in Nordholland. 

Das Bildnis ist von Vondel besungen (ed. 
Unger 1648—1651, S. 209). Vgl. Abschnitt IX., 
Die Gedichte auf Bilder des Malers, 4. 

Angeführt von Moes, Iconographia Batava 
5621, 1. 

Dirk van Os ist auch von Rembrandt gemalt (Ere- 
mitage, St. Petersburg, von Bode VII., 494 be- 
schrieben und abgebildet). Von Wurzbach, Nieder- 
ländisches Künstlerlexikon, weist dieses Bildnis als 
Hauptwerk irrtümlich Ovens zu. Doch kann es 
nicht von ihm sein, da es nach dem Alter des 
Dargestellten, eines etwa 70jährigen Mannes, um 
1662 gemalt ist, während das verschollene Ovens- 
sche Bildnis, das durch das Vondelsche Gedicht 
datiert ist, um 1650 entstanden ist. 

A. 297 65). Jürgen Ovens, Selbstbildnis, Brustbild 
in Lebensgröße in schwarzer Kleidung und Kragen. 

Auf Leinewand; h. 2 Fuß 6 Zoll; br. 2 Fuß 
2 Zoll. 

In der Beschreibung der Herzoglichen Bilder- 
Gallerie zu Salzthalen von Christian Nicolas Eber- 
lein, Braunschweig 1776, S. 4. 

Über die Schicksale des Bildes vgl. Ab- 
schnitt VIII. 

A.298Ö5). Frau Maria Ovens. 

Seiner Frauen Portrait; h. 2 Fuß 6 Zoll; 
br. 2 Fuß. 

Offenbar ein Gegenstück zur vorigen Nummer. 

Im handschriftlichen Katalog der Galerie zu 
Salzdahlum von 1744 als „verdorben" aufgeführt. 
Das Bild war schon von 1737 in der Galerie. 
Nach 1744 läßt es sich nicht mehr nachweisen. 
Vgl. Abschnitt VIII. 



A. 299 65). Frau Maria Ovens. 

1 Contrafeite von H. Ovens von Frau Ovensche, 

36 $. 

Nachlaß-Inventar, Nr. 90 der Originalien. 

300. Frau Ovens mit einem Kinde, 20 #. 
Nachlaß-Inventar, Nr. 25 der Originalien. 

301. Frau Ovens mit Johann Adolph Ovens, 75 #. 
Nachlaß-Inventar, Nr. 84 der Originalien. 
Vielleicht identisch mit unserer Nr. 243. 

302. Der Sehl. Fr. Licentiatin Contrafeit, 12 ^. 
Nachlaß-Inventar, Nr. 29 der Originalien. 

303. Jürgen Ovens, der Sohn des Malers, t 1685. 
Im Nachlaß-Inventar kommt unter den Kopien, 

Nr. 13 eine ,,Seel. Jürgen Ovens des Jüngern 
Bildnüs" wiedergebende Zeichnung vor. Das ver- 
schollene Bildnis ist wahrscheinlich von Ovens' 
Hand gemalt. 

304. Erasmus Scharla(ec)ken ^'). 

Im Inventar des Malers Ferdinand Bol vom 
20. Januar 1681 kommt vor: 

Met contrefeytsel van de Hr. Schariaecken en 
desselfs huijsvrou in anticque Klederen door 
Ovens in een gesnede vergulde lijst. 

Bredius, Bol's kunstschatten, Oud-Holland 1910, 
S. 237. 

Frau Schaerlaecken, die mit ihrem ersten Mann 
als Isaak und Rebekka von F. Bol gemalt war, 
wurde 1669 Bols z^x-eite Frau. 

305. Anna van ErckeM*). 
Zuerst mit Erasmus Schaerla(ec)ken, seit 1669 
mit Ferdinand Bol verheiratet. 
Vgl. die vorige Nummer. 

306. Sophia Amalia, Gemahlin des Königs 
Friedrichs III. von Dänemark, 1628 — 1685. 
Das Bild war im Nachlaß der Königin. 
Aufzeichnung des Geheimarchivars Voß (1706 
bis 91). 



6') Vgl. Elias, De Vroedschap van Amsterdam, I. 
S. 222. 

6S) Vgl. Elias, a. a. O. 



307. Dieselbe. Halb lebensgroß. 
Das Bild war im Nachlaß der Königin. 
Aufzeichnung des Geheimarchivars Voß (1706 
bis 91). 

308. Jacques Spex«») (1590— ), von 1629—32 
Generalgouverneur von Ostindien, 1651 gemalt. 

Das Bildnis ist, wie das seiner Gattin (vgl. 
unsere Nr. 283) verzeichnet im Inventar des Jacques 
Spec.x und seiner Frau, Amsterdam, 3. September 
1652. 

Mitteilung von Dr. A. Bredius, Monaco. 

Vgl. A. Bredius, Oud-Holland, 1908, S. 221 f. 
und Künstler-Inventare, V. Teil 1918, S. 1613. 

Nach einer urkundlichen Notiz vom 31. August 
1655 erbt Johannes Specx, Sohn des Generals 
Jaques Specx „twee conterfeytsels van den Hr. 
Generael Specx en sijn huijsvrouw Doublet, door 
J. Ovens, A" 1651" (Mitteilung von Dr. A. Bre- 
dius, Monaco, aus Amsterdamer Notariatsarchiven). 

Die beiden Bilder sind angeführt von E. W. 
Moes, Iconographia Batava 2105, 2 und 7436. 

Jacques Specx besaß außerdem noch ein Pasto- 
rale von Ovens (vgl. unsere Nr. 171). 

309. Märten Harpertsz. Tromp, Luitenant-Admiraal 
van Holland en West-Friesland 1597—1653. Er 
fiel am 10. August 1653 in einer Seeschlacht gegen 

die Engländer. 

Lebensgroßes Brustbild mit einer Hand. 

Auf Leinen; h. 4OV2 Duim; br. 32 Duim. 

Nr. 141 einer zu Amsterdam am 22. Mai 1765 
abgehaltenen Versteigerung. Das Bildnis erzielte 
mit dem folgenden, Nr. 142 (unserer Nr. 310) 
zusammen 5,5 Gulden. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

Gegenstück zur folgenden Nummer. 

310. Ein dito Bildnis, hoch und breit wie das 
vorige (Nr. 141 der Versteigerung, unsere Nr. 309). 
Die Ehefrau des Märten Harpertsz. Tromp, sehr 

schön ausgeführt. 

Auf Leinen; h. 4OV2 Duim; br. 32 Duim. 

Nr. 142 einer zu Amsterdam am 22. Mai 1765 
abgehaltenen Versteigerung. Das Bildnis erzielte 
mit der vorhergehenden Nr. 141 (unserer Nr. 309) 
zusammen 5,5 Gulden. 



8") van der Aa, Biographisch Woordenbock usw., 
nennt ihn Jacob Cornelisz Specks oder Specx. 

199 



Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

Gegenstück zur vorhergehenden Nr. 

Märten Harpertsz. Tromp ist dreimal verheiratet 
gewesen. Die erste Gattin starb 1633, die zweite 
1639. Es kann also von Ovens nur die dritte ge- 
malt sein. Sie hieß Ciornelia Teding van Berk- 
hout (1614 — 1680). Unter den vier bekannten 
Bildnissen der Oornelia, die Moes, loonographia 
Batava 552 anführt, kann das vierte, dessen 
Meister er nicht kennt, in Betracht kommen. Es 
war 1892 im Besitz des Jhr. Teding van Berk- 
hout op den Huize Hoenloe bij Deventer. Leider 
konnte ich über das Bildnis keine Auskunft er- 
halten. 

311. Elisabeth Vastricks. 

Das Bildnis ist besungen von Jan Vos, Alle 
de Gedichten u. s. w. Vgl. Abschnitt IX, 6. Es 
ist vor 1662 entstanden. 

Erwähnt von Moes, Iconographia Batava 8244. 

312. Prinzessin Wilhelmina (Wilhelmine Ernestine), 

Tochter des Königs Friedrichs III. von Dänemark 

(1650—1706). Halblebensgroß. 

Das Bildnis war im Nachlaß der Königin Sophia 
Amalia von Dänemark. 

Aufzeichnung des Geheimarchivars Voß (1706 
bis 1791). 

Unbekannte Personen, heute noch nach- 
weisbar. 

In alphabetischer Reihenfolge der 
Aufbewahrungsorte. 

313. Mutter und Kind. 

Bezeichnet: J. Ovens fec. 1649. 

Frau J. L. Alewijn van Limburg Stirum, 
Amersfort. 

Die Angaben verdanke ich Herrn Dr. A. Bre- 
dius, Monaco. Vgl. den Nachtrag. 

314. * Ehepaar mit sechs Kindern, Knie- 
stück. (Abb. 75.) 

Neben der dunkelhaarigen mit Perlenketten im 
Haar und am Halse sowie Ohrringen reich ge- 
schmückten Mutter im weinroten Kleide, die 
sitzend mit der rechten Hand ein auf ihrem Schöße 
stehendes kleines Kind in weißem Hemde mit 
gelbem Schal faßt, während sie ihren linken Arm 
um ein sich an sie drängendes weißgekleidetes 



Mädchen mit rotem Lätzchen legt, steht links vom 
Beschauer der braungelockte Vater. Er trägt ein 
braunes Gewand. Links von ihm ein dunkel- 
haariges Mädchen in braunem Kleide mit einem 
Blumenkranz, auf den sie herabblickt, und ein 
blondlockiger rotgekleideter Knabe, im Profil. Er 
blickt zu dem auf dem Schöße der Mutter 
stehenden Kinde empor. Ganz rechts stehen zwei 
Knaben mit Hunden. Der kleinere blickt den Be- 
schauer an wie die Eltern und die beiden auf 
dem Schoß und neben der Mutter stehenden 
Kinder, während der größere, der als einziger eine 
Kopfbedeckung, eine rote Mütze, trägt und einen 
erbeuteten Vogel in der linken Hand hochhält, 
auf seine Geschwister blickt. Bedeckter Himmel. 
Hintergrund und morgenländische Landschaft mit 
Pyramiden ( ?). 

Auf Leinen; h. 1,13 m; br. 1,73 m. 

In der Versteigerung van der Willigen, Haarlem 
1874, als Bildnis des Rycklof van Goens mit Fa- 
milie von J. B. Weenix. 

Rijksmuseum, Amsterdam, Katalog Nr. 1829. 

315. * Mutter mit vier Kindern vor einem 
Baumstamme sitzend, als Charitas auf- 
gefaßt. (Abb. 64.) 

Ganze Figur, nach links. Sie trägt ein gelb- 
braunes Kopftuch. Das weitausgeschnittene grau- 
violette Obergewand, aus dem das weiße Unter- 
gewand hen'orblickt, spielt in seinem unteren Teile 
ins grüne. Auf den Knien liegt eine blaue Decke. 
Auf einem weißen Tuch auf ihrem Schoß sitzt 
in Seitenansicht ein nacktes kleines Kind, das die 
Ärmchen um den Hals der Mutter schlingt, die 
ihr Antlitz, während sie es mit der Hand stützt, 
zu ihm herabneigt. Mit der Linken faßt sie ein 
vom Rücken und der Seite gesehenes, mit einem 
Hemdchen bekleidetes Kind, das, mit einer Ko- 
rallenkette geschmückt, sich an den Schoß der 
Mutter drängt und mit den Händen den linken 
Unterschenkel seines Brüderchens umfaßt. Links 
steht ein Mädchen, dessen Haar mit Blumen und 
Perlen geschmückt ist, in rotem Kleide. Um die 
Schultern liegt ein brauner Schal. Zu Mutter 
und Kind aufblickend legt es der Mutter rosa und 
gelbe . Röslein auf den Schoß. Zwischen dem 
Mädchen und dem auf dem Schöße der Mutter 
sitzenden Kinde wird ein Kinderkopf und eine 
erhobene Hand, die auf der linken Schulter des 
Mädchens liegt, sichtbar. 



200 



Rechts im Hintergrunde einige Zu-eige, grau 
bewölkter Himmel. 

Auffallend ist die fahle Farbwirkung des Ge- 
mäldes. 

Auf Leinen; h. 1,0Q m; br. 1,02 m. 

Rijksmuseum, Amsterdam, Katalog Nr. 1830. 

Geschenk des Jhr. J. S. R. van de Poll, 1885. 

Die Ovenssche Radierung (Nr. 2 des Katalogs 
der Radierungen) ist ein Spiegelbild des Gemäldes, 
von dem sie nur geringfügig abweicht. Aller- 
dings scheint die Frau auf der Radierung älter 
zu sein. 

316. *Junge Dame. 

Brustbild nach rechts, blonde Locken, blaue 
Augen. Sie trägt ein lichtgraues Kleid mit 
schwarzer Gazeeinfassung am Halse. An einem 
feinem Goldkettchen hängt ein Kreuz mit großen 
Steinen, das halb unter dem Kleide verschwindet. 
Architektonischer Hintergrund. 

Auf Leinen. 

Bowes Museum, Barnard Castle, Durham, Eng- 
land, Nr. 153 des Katalogs, in dem es Constantin 
Netscher zugeschrieben wird. 

Das Bild wurde nach einer Mitteilung des 
Direktors der Sammlung, Herrn Owen Stanley 
Scott, im Jahre 1S40 von Mr. Bowes erworben. 
Doch fehlt es an näheren Nachrichten über die 
Herkunft. 

Photographische Aufnahme von W. A. Mansell 
& Co., London W. 1. 

Den Hinweis auf das Bild verdanke ich Dr. 
Hofstede de Groot, Haag, nach dessen Ansicht 
es ein Werk des Ovens ist. 

317. * Mutter mit drei Kindern. 

Wiederholung des Bildes in Budapest, s. die 
Beschreibung unter Nr. 31 Q. 

Das Bild ist stark nachgedunkelt. 

Auf Leinen; h. 0,99 m; br. 0,85 m. 

Privatbesitz, Bremen. 

Nach Mitteilungen des früheren Besitzers hing 
das Bild ehemals im Dom zu Bremen. Mit andern 
Bildern aus dem Dom versteigert, kam es in den 
Besitz des Sammlers und Kunsthändlers Friedrich 
Precht sen., Bremen. Aus seinem Nachlaß, der 
am 7. November 1854 durch den Kunstmakler 
J. D. Dreyer versteigert wurde, erwarb es unter 
Nr. 835 als „Maria mit dem Kinde" der Kauf- 



mann C. L. Vogeler in Bremen. Nach dessen 
Tode schenkte seine Witwe es dem Vorbesitzer, 
Herrn Hermann Strohm, Bremen. 

Den Hinweis auf das Bild verdanke ich Herrn 
Dr. Hofstede de Groot, Haag, der es zuerst Ovens 
zugeschrieben hat. 

Es war auf der Ausstellung historischer Ge- 
mälde aus bremischem Privatbesitz in der Kunst- 
halle, Oktober 1904, Nr. 65 des Katalogs, in dem 
es als anonym, flandrische Schule des XVII. Jahr- 
hunderts aufgeführt und als Caritas bezeichnet 
wird. Hinzugefügt ist: ,,Die allegorische Deu- 
tung scheint zutreffender zu sein, als die bis- 
herige Bezeichnung der Darstellung als eines Ma- 
dpnnenbildes." 

318. *Junger Mann, nach rechts, ovales 
Brustbild. 

Er trägt einen scharlachroten Mantel und silber- 
weißen Spitzenkragen am Halse, darunter Gold- 
stickereien. Dunkelbrauner Hintergrund. 

Auf Leinen; h. 0,65 m; br. 0,54 m. 

Photographische Aufnahme, die ich der Freund- 
lichkeit der Eigentümerin verdanke. 

Abbildung in Svenska Slott och Herresäten, 
Uppland V., S. 144. 

Gunilla af Klercker geb. Freiin Rudbeck, Ge- 
mahlin des schwedischen Gesandten, Brüssel. 

Das Bildnis, auf dessen Rückseite die Be- 
merkung steht: ,,de la collection de Mr. v. Breda", 
war früher im Besitze des Barons Reinhold Rud- 
beck, Edsberg (Tureberg), Schweden, des Bruders 
der jetzigen Eigentümerin, dessen Adresse ich 
durch Dr. O. Granberg, Stockholm, erhalten habe. 

319. * Mutter mit drei Kindern, als Charitas 
aufgefaßt. (Abb. 63.) 

Rechts sitzt die Mutter, Kniestück nach links. 
Ihr dunkles Haar ist mit Perlenschnüren ge- 
schmückt. Am Halse wird das weiße Hemd 
sichtbar. Lila Mieder, bräunlich violetter Schal, 
dunkelblaues Gewand. Sie neigt ihren Kopf zu 
einem blonden Knaben mit frisch gerötetem Ge- 
sicht in lila Gewand, der auf einem Kissen steht, 
und drückt ihn liebkosend an sich. In der linken 
Hand hält er einen goldenen Stab. Eine goldene 
Kette zieht sich von seiner rechten Schulter über 
den Rücken und die Brust. Links hinter ihm 
ein anderes Bürschchen mit dunklem Haar und 



201 



braunem Barett, das die linke Hand auf die 
Schulter des Bruders legt und in der rechten 
eine Frucht trägt. Von unten rechts schmiegt 
sich ein kleines dunkelblondes Mädchen in hell- 
rotem Gewände mit einem Kranz im Haar und 
Blumenkränzen in den Händen, von vorn und 
vom Rücken gesehen. 

Im Hintergrunde eine höhe Laube mit Wein- 
ranken, links ein schmaler Ausblick in die Land- 
schaft und auf bewölkten Himmel. 

Rechts oben bezeichnet: J. OVENS f. 

1657. 

Nachbildung der Signatur bei von Wurzbach, 
Niederländisches Künstlerlexikon IL, S. 294. 

Auf Leinen; h. 0,89 m; br. 0,74 m. 

Budapest, Museum, Katalog 1906, Nr. 386. 

Photographische Aufnahme von Hanfstaengl, 
München. 

Abgebildet von Harry Schmidt, Schleswig-Hol- 
steinischer Kunstkalender 1913, S. 10. 

Nach Moes, Iconographia Batava V (1897) 
2659, 1 wäre die Mutter Margaretha de Geer, 
Gattin des Jacob Trip. Doch gibt Moes das Jahr 
der Entstehung mit 1639 falsch an. Margaretha 
de Geer kann unmöglich gemeint sein, da sie 
1583 (nicht 1585 wie Moes angibt) geboren ist 
(vgl. Elias, De Vroedschap usw. IL S. 548) und 
die Dargestellte eine junge Frau ist. Sie scheint 
mir übrigens mit der Dame auf dem Bilde in 
Amsterdam (unsere Nr. 315, Abb. 64) identisch 
zu sein. 

Das Bild war auf der Ausstellung in Darm- 
stadt 1914. Vgl. Georg Biermann, Deutsches 
Barock und Rokoko, Leipzig 1914, IL Band, 
Namen und Sachregister X., Abbildung ebendort, 
Band L, S. 111. 

Das gut erhaltene Bild, dessen Farben noch 
leuchten, stammt aus der Sammlung Esterhazy in 
Wien. In dem Katalog dieser Sammlung von 
1815 wird es aufgeführt als: ,,G. Ovens. Die 
heilige Jungfrau mit dem Kinde, zu beiden Seiten 
sieht man zwei Kinder (IX. Saal Nr. 15)". Das 
Bild kam nach einer Mitteilung des Museums in 
Budapest mit der ganzen Sammlung Esterhazy 
1871 in den Besitz des ungarischen Staates. Im 
Katalog von 1871 wurde es ,,Charitas" betitelt,, 
im Katalog von 1881 heißt es „Frau Trip und ihre 
Kinder", 1888 ,,eine Frau und ihre drei Kinder", 
1901 „Familienbild". 

202 



G. Parthey, Deutscher Bildersaal IL 1864, 
S. 215 führt an: Marienbild, Wien, Esterhazy. 
Offenbar ist dies Bild mit dem heute in Buda- 
pest befindlichen identisch. 

320. * Junge Dame, Brustbild, fastvon vorn. 

Sie trägt ein rotes, ausgeschnittenes, mit Pelz 
verbrämtes Kleid. Im geringelten blonden Haar 
und um den Hals Perlenketten, in der rechten ■ 
Hand, die vor der Brust liegt, hält sie einen 
Palmenzweig. 

Olivbräunlicher Hintergrund. 

Leinwand; h. 0,65 m-; br. 0,53 m. 

Sammlung Dr. Rittmann-Urech, Basel, dessen 
Witwe mir über die Herkunft des Bildes keine 
Auskunft geben konnte. 

Nr. 84 der am 30. April 1912 zu Köln a. Rh., 
von Peter Hanstein (Math. Lempertz, Buchhand- 
lung und Antiquariat) abgehaltenen Versteigerung. 

Abbildung im Katalog. 

Photographische Aufnahme, die ich der Freund- 
lichkeit des Eigentümers verdanke. 

Käufer und jetziger Eigentümer Otto Götz, 
Köln a. Rh. 

32L * Mutter mit einem Kinde. (Abb. 69.) 

Dunkelgelockte Dame in weit ausgeschnittenem 
samtartigem Kleide von sattem Blau mit weißem 
Untergewande, sitzend nach rechts, ganze Figur. 
Über ihre Kniee ist ein goldbrauner Schal gebreitet. 
Auf ihm sitzt ein kleines blondhaariges Kind in 
hellgelbem Kleidchen mit weißem Untergewand. 
Arme und Beine sind nackt. Die Mutter, die 
ihren Kopf an den des Kindes legt, umfaßt es 
mit beiden Armen. Das Kind schlingt seinen 
linken Arm um den Hals der Mutter, die rechte 
Hand legt es auf ihre Brust Beide blicken den 
Beschauer an. Im Hintergrunde rechts ragt ein 
Felsen aus bräunlichem Stein mit spärlichen 
Sträuchern auf, links Landschaft mit Bäumen, in 
der Ferne ein Hügel. Dunkelbewölkter Abend- 
himmel. 

Auf Leinen; h. 1,25 m; br. 1,00 m. 

An dem Felsen neben der Schulter der Frau 
bezeichnet: OVENS F. 

Geheimer Kommerzienrat J. Cremer, Dort- 
mund. 

Photographische Aufnahme, die ich der Freund- 
lichkeit des Eigentümers verdanke. 



Das Bild war auf der Ausstellung in Darm- 
stadt 1914. Vgl. Georg Biermann, Deutsches 
Barock und Rokoko, Leipzig 1914, II. Bd. Namen- 
und Sachregister XL., Abbildung ebendort, Bd. L, 
S. 112. 

Der jetzige Eigentümer hat das Bild auf einer 
am 1. Juni 1911 zu Brijssel von dem Experten 
Herrn Joseph Fievez abgehaltenen Versteigerung 
gekauft. (Mitteilung des Herrn Geheimrats Cremer.) 
Das Bild, das trotz der Bezeichnung dem Theodor 
van.Thulden zugeschrieben w-urde (Nr. 129 des 
Versteigerungskataloges) xi;-ar nach brieflicher Mit- 
teilung des Herrn Fievez diesem für die Ver- 
steigerung von dem 1914 gestorbenen Kunst- 
■ händler Streletskie in London zugesandt. Die 
Witwe Streletskies konnte mir leider über die Her- 
kunft des Bildes keine Auskunft geben. 

Den Hinweis auf das Bild verdanke ich Herrn 
Dr. A. Bredius, Monaco. 

322. * Mutter mit 5 Kindern. (Abb. 65.) 

Vor einer Baumgruppe sitzt eine Frau, auf 
deren Schöße ein nacktes Kind steht, dessen Händ- 
chen einen Apfel umfassen. Sie legt ihre Wange 
an die des Kindes und stützt es mit der linken 
Hand, während sie mit der rechten ein anderes 
nacktes Kind umfaßt, das, mit Blumen bekränzt, 
lächelnd zu dem Kinde auf ihrem Schoß auf- 
blickt. Auf der anderen Seite steht ein größeres 
Kind, das die rechte Hand auf das Knie der Mutter 
legt und mit der linken zwei Kirschen hält. Hinter 
dieser Gruppe, links, noch zwei spielende Kinder. 
Zu beiden Seiten als Hintergrund eine bergige 
Landschaft. Das Kopftuch der Mutter ist lich- 
gelb, ihr Mantel blau, das Kleid karminrot. 

.^uf Leinen; h. 1,30 m; br. 1,15 m. 

Seine Durchlaucht Fürst Salm, Schloß Dyck, 
Rheinland, in dessen Familie das Bild fort- 
geerbt ist. 

Photographische Aufnahme, die ich der Freund- 
lichkeit des Eigentümers verdanke. 

Den Hinweis auf das Bild verdanke ich Herrn 
Dr. A. Bredius, Monaco. 

323. * Dame, ganze Figur, nach links. 

Die schwarz gekleidete vornehme Dame nähert 
sich auf einer Terasse vor einer Baumgruppe dem 
Beschauer. Kleine schijcarze Federmütze, weißes 
Kopftuch und Schleier, weiße Annelaufschläge. Mit 



der linken Hand, die einen Fächer hält, rafft sie 
das Kleid, so daß das rote goldgesäumte Unter- 
gewand zum Vorschein kommt. Die rechte Hand 
ist bis zur Höhe der Brust erhoben. Hals und 
Armgelenke sind mit Perlen geschmückt. Links 
im Vordergrund ein mit einer Kugel gekröntes 
Postament, an dem sich Rosen emporranken. Der 
Hintergrund wird durch einen Wald gebildet, der 
sich bis an den Horizont ausdehnt. Über der 
Landschaft spannt sich ein blau-grauer Himmel 
mit rötlichen Wolken. 

Auf Holz; h. 2,22 m; br. 1,23 m. 

.''Luf dem Postament bezeichnet: J. OVENS f. 
1(j54. 

Ausgestellt im Kunstverein, Hamburg, 1913 
(Katalog unter Jürgen Ovens, Nr. 3). 

Photographische Aufnahme, die ich der Freund- 
lichkeit der Firma Wertheim, Berlin, verdanke. 

Baroneß Freya Liliencron, Preetz, die das 
Bildnis zusammengerollt und sehr verwahrlost bei 
einem Althändler in Preetz gefunden hatte. Sie 
hat es selbst restauriert und 1918/19 an einen 
Händler Michelsen in Hamburg verkauft. 

Warenhaus Wertheim, Berlin, wo ich das Bild 
im Dezember 1920 sah. 

Schloß Frederiksborg bei Hillerod, Dänemark. 

324. Unbekannte Gruppe um 1650. 

Ältere Dame, niedrige Frisur mit gekräuselten 
Locken, goldbestickter mit Tüll eingefaßter Um- 
hang. Außer ihr eine jüngere Dame mit Hut und 
blauem Umhang, als Hirtin gekleidet, und ein 
Knabe in Rot in aufgeschlitzter Tracht mit einer 
Maske. 

Auf Leinen; h. 1,26 m; br. 1,35 m. 

Lehnsbaron Reedtz Thott, Schloß Gauno, Däne- 
mark. 

Von O. Andrup, Baroniet Gaunos Malerisam- 
ling, Kopenhagen 1914, S. 217, Nr. 986 mit Vor- 
behalt Ovens zugeschrieben. 

325. Unbekannte Kindergruppe um 1660. 

Ganze Figuren, tin die Flöte spielender Knabe, 
ein Mädchen mit Früchten und Blumen in weißem 
Leibchen und goldbesticktem Rock, daneben ein 
etW'-as älteres Mädchen mit braunem Leibchen, 
blauem Umhang und Turban. Ein graugekleidetes 
kleines Kind will einen Apfel von dem Rande eines 
Springbrunnens fortnehmen. Außerdem ein Neger- 
mädchen und zwei Hunde. 

203 



Auf Leinen; h. 1,45 m; br. 1,76 m. 

Lehnsbaron Reedtz Thott, Schloß Gauno, Däne- 
inark. 

Das Bild ist 1785 für 2 Reichstaler gekauft. 

Von O. Andrup, Baroniet Gaunos Malerisam- 
ling, Kopenhagen 1914, S. 218, Nr. 993 mit Vor- 
behalt Ovens zugeschrieben. 

326. * Familiengruppe, Eltern und drei 
Kinder, ganze Figuren. 

Links sitzt der Vater, rechts die Mutter. Ersterer 
trägt ein rotes Gewand mit weißem glattem Kragen. 
Mit dem rechten Arm stützt er sich auf die Lehne 
seines Stuhls, mit der linken Hand reicht er seiner 
Gattin zwei Pfirsiche mit braunem Blattwerk und 
bläulichweißen Blumen dar, die sie mit der 
Rechten entgegennimmt. Sie ist schwarz gekleidet 
mit weißem Brusttuch und weißen Unterärmeln. 
Eine rosafarbene Schärpe ist über den linken Arm 
geworfen. Auf ihrem Schoß sitzt ein kleines Kind 
in weißem Kleid und Mützchen. Die Mutter um- 
faßt es mit ihrem linken Arm. Vor dem Vater 
ein Knabe in gelbem Kleide mit blauer Schärpe. 
Links vom Vater ein Knabe, der in der einen 
Hand einen Pfeil, in der andern einen Bogen 
hält. Er steht vor einer dunklen undeutlichen 
Masse, die einen Baum vorstellen kann. Sein 
Anzug ist kupferfarben, das Untergewand grau. 
Zwischen den Geschwistern ein Hund, der zum 
Mädchen aufschaut. Links im Vordergrunde ein 
bisterfarbener Brunnen, dessen unteres Bassin 
Wasser enthält. Auf der Einfassung liegt eine 
Perlenschnur. Das Mädchen streift mit der Linken 
den Ärmel vom rechten Unterann zurück, als ob 
es ihn ins Wasser tauchen wollte. Rechts oben 
zwei Englein mit Kranz und Palmenwedel, ge- 
storbene Kinder vorstellend. Im Hintergrunde ein 
vom Wasser umgebenes Kastell, wohl der Land- 
sitz der Familie, ferner eine Baumgruppe und 
Tulpenfelder. 

Auf Leinen; h. 1,58 m; br. 1,64 m'">). 

Museum Rath, Genf. . 

Im Katalog von 1906, Nr. 174, van der Helst 
zugeschrieben. Seit 1910 befindet sich das Bild 
im Musee d'Art et d'Histoire, Genf. 

Photographische Aufnahme, die mir das Mu- 
seum überlassen hat. 



Nach einer Mitteilung des Herrn D. Plan, Se- 
kretärs des Museums, dessen Freundlichkeit ich 
verschiedene Angaben über die Farben verdanke, 
stammt es aus der Sammlung J. L. Fezy und ist 
1882 erworben. 

Das Bild ist dem Familienbildnis in Haarlem 
von Ovens' Hand (unserer Nr. 332) nahe verwandt. 
Nach einer Mitteilung Dr. Hofstede de Groots ist 
es unzweifelhaft ein Werk des Ovens. In der An- 
merkung des Katalogs steht, daß einige auch an 
Nicolaes Maes gedacht haben. 

327. *Männliclies Bildnis. 

Brustbild nach rechts. Schwarzes Gewand, 
glatter weißer liegender Halskragen, blonde Haare, 
blonder Schnurrbart und Fliege. 

Bezeichnet: J. OVENS f. 
1651. 

Auf Leinen; h. 0,70 m; br. 0,60 m. 

Nr. 69 der am 30. Oktober 1885 von Frederik 
Muller & van Pappelendam & Schonten zu Amster- 
dam abgehaltenen Versteigerung alter Gemälde, 
die z. T. aus der Verlassenschaft des P. Verloren 
van Themaat in Utrecht stammten. Das Bild er- 
zielte nach einer Mitteilung des t E. W. Moes 
210 Gulden. 

Nr. 122 der am 21. Febi^uar 1888 von den- 
selben Firmen abgehaltenen Versteigerung der 
Sammlung S. B.- Bos (Harlingen). 

Nr. 75 der am 1. Juni 1897 von Frederik 
Muller & Co., Amsterdam abgehaltenen Versteige- 
rung der Sammlung Gijsbert de Clercq, Amster- 
dam '1). 

Es wurde nach einer Mitteilung der Firma für 
170 Gulden an Herm Fernand Scribe in Gent 
verkauft. 

Herr Scribe, mit dem ich 1911 über das Bildnis 
korrespondiert habe, hatte die Freundlichkeit, mir 
eine photographische Aufnahme zu überlassen. 

Nach einer Mitteilung des Musee Royal des 
Beaux-Arts de Belgique, Brüssel, ist Herr Scribe 
inzwischen verstorben. Seine Sammlung hat er 
dem Musee des Beaux-Arts, Gent vermacht. Dort 
ist das Bildnis heute. Leider war von dem Kon- 
servator des Museums in Gent, Herrn Louis 
Maeterlinck, weitere Auskunft nicht zu erhalten. 



'">) Im Katalog ist infolge eines Druckfehlers fälschlich 
1,04 m angegeben. 

204 



'1) Die drei zitierten Kataloge besitzt die Bibliothek 
der Staatlichen Museen, Berlin. 



Das Bildnis ist von A. Bredius, Kunstfreund I., 
18S5, S. 364 in einer Besprechung der Versteige- 
rung vom 30. Oktober 1885 lobend erwähnt. 

328. Blondlockiger Knabe, Halbfigur im 
gemalten Oval. (Abb. 58.) 

Zinnoberrotes Kleid mit weißem Untergewand, 
das am Ellbogen des rechten Armes, am linken 
Handgelenk und am Halse sichtbar ist. Der Knabe 
befindet sich hinter einem aus vierkantigen Eisen- 
stäben gebildeten Gitterkreuz und hält in der 
rechten erhobenen Hand eine Zitrone. Der bis 
dicht über den Ellbogen entblößte Arm ist etwa 
rechtwinklig um das Gitter gelegt, so daß er wie 
auch das rechte Handgelenk zum Halt am Gitter 
dient. Einige Fingerspitzen der linken Hand liegen 
auf der Frucht auf. Im Vordergi'unde liegen eine 
weitere Zitrone und ein Apfel sowie hellgelbe und 
grünliche Blattranken. Graugrünlicher Hinter- 
grund. 

Auf Holz; h. 0,33 m; br. 0,27 m. 

Unten links bezeichnet: J. OVENS 165 . Die 
letzte Ziffer ist sehr undeutlich. Sie scheint eine 
8 oder 9 zu sein. 
• Privatbesitz; Flensburg. 

Photographische Aufnahme von Herrn Pieper, 
Kiel. 

Das Bild wurde 1869 in Schleswig durch den 
damaligen Rittmeister, späteren Generalmajor 
Friedrich von Klüber, gekauft und zwar wahr- 
scheinlich von dem Maler und Zeichenlehrer 
v. Wasmer. 

Es war 1902 auf der von der Stadt Baden- 
Baden zur Feier des Regierungsjubiläums des da- 
maligen Großherzogs von Baden veranstalteten 
Ausstellung von Kunstwerken aus Privatbesitz und 
wird im Katalog als , .Portrait des Prinzen Christian 
von Holstein" bezeichnet. 

Den Hinweis auf den Katalog verdanke ich 
Herrn Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

Ausfindig gemacht habe ich das Bild mit Hilfe 
der Herren Geh. Oberregierungsrat Frhr. v. Reck 
und Amtmann Haurer in Baden-Baden. 

329. Fürstliches Kind von etwa einem Jahre. 

Mit Perlohrgehängen geschmückt, nur mit einer 
schwarzen Schärpe um die Hüften bekleidet, sitzt 
es auf einem weißen, mit Spitzen besetzten Tuch 
und rotem Seidenkissen vor einem Sammetvorhang. 
Zur Seite ein schwarzes Hündchen mit Schellen- 



halsband. Zu den Füßen des . Hundes liegt ein 
goldenes Szepter. Sorgfältig und mit schöner 
Farbengebung in natürlicher Größe ausgeführt. 

Auf Leinen; h. 29 Zoll; br. 23 Zoll. 

E. Heintze- Weißenrode und G. \V. Waagen, 
Die freiherrlich Heintze- Weißenroder Gemälde- 
Sammlung 1866, Nr. 153. 

Dr. Freiherr v. Heintze-Weißenrode, Kaiser- 
licher Gesandter a. D., Glasau bei Ahrensböck 
(Holstein). ' ' 

330. * Männliches Bildnis. 

Überlebensgroßes Kniestück. Der etwa 25 Jahre 
alte Herr mit langer Perrücke trägt ein dunkel- 
graues Gewand mit hellgrauen Ärmeln, darüber 
einen Mantel. Mit der rechten Hand legt er seinen 
Hut auf eine Ballustrade, neben ihm ein Hund. 
Links vom Beschauer architektonischer Hinter- 
grund. Zwei Bogen gewähren einen Blick in einen 
schmalen Landschaftsausschnitt. Rechts im Hinter- 
grunde ein roter Vorhang. 

Auf Holz; h. 2,05 m; br. 1,35 m. 

Douairiere Hoeufft van Velsen, Haag. 

Das Bildnis war auf der Hist. Tentoonstelling 
1876 zu Amsterdam. Es ist, wie mir die Eigen- 
tümerin mitteilte, seit 1775 im Besitz der Familie. 
In diesem Jahre fand die Vermählung des Herrn 
Henrik Hoeufft mit Fräulein Margaretha Levina 
Geelvinck, der Tochter von Nicolaas und .Viaria 
Margaretha Corver, statt. Die junge Frau brachte 
es samt dem folgenden Bildnis als Mitgift mit in 
die Ehe. In der Familie Cor\'er ist es seit seiner 
Entstehung gewesen. Der Dargestellte kann nicht, 
wie man bisher annahm ''-), Joan Cor\'er, der Sohn 
des Nicolaas und Gatte der Sara Maria Trip, sein, 
da Joan erst 1688 geboren ist (vgl.'Elias, De Vroed- 
schap u. s. w. I. S. 522). 

381. * Weibliches Bildnis. 

Überlebensgroßes Kniestück. Die etwa 20 Jahre 

alte Dame trägt ein braungelbes geblümtes Kleid 
mit Perlenschmuck an Hals, Brust und Händen. 
Sie legt die linke Hand an die Brust, mit der 
rechten rafft sie ihr Kleid. Hinter ihr ein roter 
Vorhang, der den Blick in die Landschaft frei- 
läßt. Rechts vom Beschauer Brunnen mit Wasser- 
speier. 

Auf Holz; h. 2,05 m; br. 1,35 m. 



'2) So auch de Vries in Eigen Haard, 1910, S. 378. 

205 



Douairiere Hoeufft van Velsen, Haag. 

Das Bildnis war auf der Hist. Tentoonstellung 
1876 zu Amsterdam. 

Für seine Geschichte gilt dasselbe wie für die 
vorige Nummer. 

Die Dargestellte kann nicht, wie man bisher 
annahm ^^), Sara Maria Trip sein, da diese erst 
1693 geboren ist (vgl. Elias, De Vroedschap usw. 
I. S. 522). 

332. * Familienbildnis. (Abb. 4.) 

Acht fast lebensgroße Halbfiguren. Vor einer 
Ballustrade, hinter der ein Baum steht, sitzt eine 
schwarzlockige, mit Perlen und Steinen reich ge- 
schmückte Dame in blauem Kleide mit gelb- 
braunem Untergewande. Auf ihrem Schöße sitzt 
ein kleines Kind in hellblauem Kleidchen mit einem 
Blumenkranz im Haar und einer goldenen Kette, 
das stark an das entsprechende Kind auf dem 
Bildnisse der Familie Matthias erinnert (Nr. 236, 
Abb. 22). Rechts steht ein Knabe im gelben Kleid, 
mit Federhut und rotweiBer Fahne. Hinter ihm 
ein Knabe in orangefarbenem Rot, der auf seiner 
behandschuhten Rechten an einem Riemen einen 
Falken hält, der eine Kappe über den Kopf trägt. 
Zwischen diesem Knaben und der Dame ein Hünd- 
chen. Von dem Baume pflückt ihr blondhaariger 
Gatte, der einen roten Mantel trägt, Früchte, von 
denen er ihr zwei reicht. Zwischen dem Ehe- 
paar kniet ein Mädchen in violettem Kleide mit 
einer Frucht. Links noch zwei Kinder, ein mit 
Perlen reich geschmücktes Mädchen in grauem 
Atlaskleide mit einem flatternden graubraunen Schal 
über der linken Schulter, das in der Rechten einen 
Blumenstrauß trägt, und ein Mädchen in gelbem 
Kleide und rotem Tuch mit buntem Federhut 
und einem Kranz in der zur Mutter erhobenen 
Linken. Die Schwestern reichen sich die Hände. 
Rechts Ausblick in einen Park mit Weiher. Links 
im Hintergrunde eine Vase mit Gewächsen und 
Bäumen, weiter zurück ein zweistöckiges Haus 
mit Mittelgiebel. Bedeckter grauer Himmel. 
Braungrüner Hintergrund. 

Auf Leinen; h. 1,50 m; br. 2,13 m. 

Bezeichnet: J. OVENS f. 1650. 

Frans Hals-Museum, Haarlem. Katalog von 
1912, Nr. 229. 



") So auch de Vries in Eigen Haard, 1910, S. 378. 



Das Gemälde ist 1867 von Mejuffrouw A. C. 
Broen, Amsterdam, geschenkt. 

Die Signatur ist bei von Wurzbach, Nieder- 
ländisches Künstlerlexikon H. S. 294 und im 
Katalog des Museums unrichtig wiedergegeben. 

Photographische Aufnahme des Museums. 

Die Dargestellten galten früher fälschlich als 
der Generalgouverneur von Niederländisch-Indien 
Rijklof van Goens mit Familie, so noch aufgeführt 
im Katalog von 1912 und vom Verfasser im Schles- 
wig-Holsteinischen Kunstkalender 1913, S. 5 sowie 
von E. W. Moes, Iconographia Batava 2773, 2, der 
als Jahreszahl fälschlich 1656 angibt. Die alte Be- 
nennung, die zuerst von Dr. Hofstede de Groot, 
Haag, bestritten ist, kann deshalb nicht richtig sein, 
weil Rijklof 1650 nicht in Holland war, sondern 
erst 1655 nach Holland zurückkehrte und weil er 
nach seinen eigenen Aufzeichnungen nur zwei 
Kinder hatte. 

333. "■ Großmutter und Enkelin. (Abb. 62.) 

Rechts sitzt, nach links gewandt, jedoch' gerade 
ausblickend, vor dunkler Wand die alte Dame 
auf einem Lehnstuhl mit rotem Polster, die Linke 
auf der Armlehne, mit der Rechten das links \'on 
ihr stehende Enkelkind, ein blondes lockiges 
Mädchen, am linken Arm fassend. Sie ist schwarz 
gekleidet mit breitem weißem Umlegekragen und 
schmalen weißen Ärmelaufschlägen. Auf dem 
Kopfe eine weiße Haube. Die Enkelin, in weißem 
Kleide mit blauen Schleifen und schwarz-weiß ge- 
streiftem Häubchen, ist, vom Rücken und der Seite 
gesehen, bis zum Knie sichtbar und blickt wie 
die Großmutter zum Bilde heraus. An einer gol- 
denen Kette, die auf der rechten Schulter und am 
Rücken sichtbar ist, hängt ein Pfeifchen. In der 
Rechten hält das liebliche Kind eine große Münze, 
mit der Linken greift es nach Blumen, darunter 
rote Nelken, die es der Großmutter auf den Schoß 
legen will. Hinter ihm ein Vorhang von demselben 
Rot wie das Polster des Lehnstuhls. Zwischen 
dem Vorhang und der dunklen Wand ein Aus- 
blick durchs Fenster auf ein Haus mit rotem Dach 
und einen Garten. 

Auf Leinwand; h. 1,23 m; br. 1,01 m. 

Provinzialmuseum, Hannover, Nr. 370 d« Kata- 
logs von 1891, mit dessen Wortlaut der des 
Katalogs von 1905 übereinstimmt. 

Das Bild, das früher als Werk des Govert 
Flinck galt, ist von Dr. Eisenmann, dem früheren 



206 



Direktor der Kasseler Galerie, der den die Ge- 
mälde betreffenden Abschnitt des Katalogs von 
1891, von Wilhelm Bode und Abraham Bredius 
unterstützt, herausgegeben hat, Ovens zuge- 
schrieben worden. Dr. Hofstede de Groot, Haag, 
meint, als Künstler nicht Ovens, sondern L. de 
Jongh annehmen zu müssen, an dessen Bildnis 
in Dresden er besonders erinnert wird. (Schrift- 
liche Mitteilung.) Ich möchte doch bei der Zu- 
schreibung an Ovens bleiben, für den mir die 
Technik des dicken Farbenauftrags vornehmlich 
in der Malerei der goldenen Kette und des Pfeif- 
chens charakteristisch zu sein scheint. 

Das Bild gehört zur Fidei-Kommiß-Oalerie des 
Gesamthauses Braunschweig-Lüneburg. Es stammt 
aus der Sammlung des Baurats Hausmann in Han- 
nover, die 1857 vom Könige von Hannover er- 
worben wurde. In dem Katalog seiner Samm- 
lung von 1831 führt Hausmann das Gemälde 
unter Nr. 162 als Werk des Govert Flinck an 
und bemerkt, daß es sich früher in (5er Lampe- 
schen Sammlung in Leipzig, darauf in der Campe- 
schen Sammlung daselbst befunden habe. 

Photographische Aufnahme von Bruckniann, 
München. 

Abbildung in dem Sammelwerk ,, Mutterschaft", 
herausgegeben von Adele Schreiber, München 1912 
und zwar in einem Zwiegespräch zwischen Mutter 
und Großmutter von Hedwig Dohm, S, 651. 

Ferner in einem Aufsatze von Gertrud Bäumer, 
Vom Altern der Frauen in ,,Über Land und Meer", 
1913, Nr. 43, S. 1180. 

333 A. 'Männliches Bildnis. 

Herr in Schwarz mit schlichtem weißem Hals- 
kragen und Ärmelaufschlag an der linken Han'd 
(die rechte ist nicht sichtbar). Er faßt mit der 
linken Hand, deren kleinen Finger ein Ring mit 
großem Stein ziert, nach einem an einer Schnur 
hängenden kleinen Medaillon an seiner Brust. 
Dunkle Augen, hellbraune, graumelierte Haare, die 
wellig auf die Schultern fallen, weißlicher Schnurr- 
und Kinnbart. Lebensvolles Inkarnat des Gesichts 
und der Hand. Dunkler Hintergrund. 

Auf Leinen; h. 0,66 m; br. 0,56 m. 

Bezeichnet rechts etwa in der Mitte des Bildes: 
J. OVENS 1650. 

Privatbesitz, Koblenz. 
i' Das Bild war 1891 in der Kunsthandlung 
H. Lempertz' Söhne, Köln, ausgestellt. Es kommt 



als Nr. 226 vor in dem ,, Katalog der Gemälde- 
sammlung aus dem Nachlasse des Dr. J. J. Merlo 
in Köln nebst kleineren Beiträgen aus den Ver- 
mächtnissen anderer Sammler und aus bekanntem 
Privatbesitz", bei J. M. Heberle (H. Lempertz' 
Söhne) zu Köln am 9. bis 11. Dezember 1891 ver- 
steigert. Das Bild wurde nach Mitteilung des 
Eigentümers nicht mit aufgeboten. Der Katalog 
gibt die Maße falsch an. 

Erwähnt von von Wurzbach, Niederländisches 
Künstlerlexikon, II., S. 294. 

Photographische Aufnahme, die ich der Freund- 
lichkeit des Eigentümers verdanke. 

884. *Junger Mann. (Abb. 54.) 
Brustbild nach rechts. 

Er steht barhäuptig in lichtgrauer Kleidung vor 
einem dunkelroten Vorhang, der rechts ein Blumen- 
muster zeigt. Breiter Spitzenkragen, geschlitzte 
Ärmel. Das braune Haar fällt bis auf die Brust 
herab. Das Bild ist in Auffassung und Darstellung 
dem Bildnisse des Jan Barend Schaep (unserer 
Nr. 257) sehr ähnlich. 

Auf Leinen; h. 0,71 m; br. 0,65 m.- 

The Art Collectors' Association, London. 

Photographische Aufnahme, die ich der Freund- 
lichkeit der Firma verdanke. 

Den Hinweis auf das Bild verdanke ich Herrn 
Robert C. Witt, London. 

335. * Mutter mit vier nackten Kindern. 

Etwa halbe Lebensgröße, in felsiger Landschaft 
vor Bäumen. Links rieselt ein Bach herab. Das 
Kleinste, das sie mit ihrer Rechten umfaßt, sitzt 
auf ihrem Schoß. Die linke Hand liegt auf dem 
Rücken eines rechts stehenden Kindes, das sich 
an ihr Knie drängt. Hinter diesem das dritte Kind, 
während das vierte links auf erhöhtem Sitze seine 
Ärmchen auf die rechte Schulter der Mutter legt. 
Sie trägt ein weit ausgeschnittenes, grünlich-blaues 
Gewand mit rosa Schal, der Rock ist gelblich weiß. 
Eine Perlenschnur reicht von der Mitte der Brust 
über ihre linke Schulter zum Rücken. 

Bräunlicher Hintergrund. Grauer Himmel. 

Auf Leinen; h. 0,81 m; br. 0,96 m. 

Arthur Cristadoro, New York. 

Das gut erhaltene Bild ist nach Dr. Valen- 
tiners brieflich mir mitgeteiltem Urteil eins der 
besten und am meisten charakteristischen Werke * 

207 



des Ovens, dem es Von Dr. Hofstede de Groot, 
Haag, zugeschrieben ist. 

Der Vater des jetzigen Besitzers hat es 1838 
von dem damaligen französischen Konsul in New 
York gekauft, der es wahrscheinlich während seines 
Aufenthalts in Holland erworben hatte. 

386. *'Holländische Dame, Kniestück. 

(Abb. 3.) 

Sie sitzt nach links gewandt, während die Augen 
den Beschauer anblicken. Sie trägt ein schwarzes 
Kleid mit schmalen weißen Armelaufschlägen. 
Breiter steifer weißer Halskragen, kleines weißes 
Mützchen. In der rechten Hand hält sie ein Paar 
Handschuhe, die linke ruht auf einem geschlossenen 
Buch, das auf einem neben ihr stehenden Tische 
liegt, auf dem noch eine offene Taschenuhr sich 
befindet. Rote Tischdecke, dunkler Hintergrund 
von gleichmäßig warmem Braun. 

Bezeichnet: J. Ouens fect. 1650, 10 May. 

Auf Leinen; h. 1,30 m; br. 1,00 m. 

The Metropolitan Museum of Art, New York. 
Nr. 271 des Katalogs. 

Die Behandlung erinnert nach einer Mitteilung 
des Herrn Wehle, Asst. dept. of Paintings, an 
Rembrandts Art vor 1634. 

Das Bild ist um 1838 von Mr. Brinley, Phila- 
delphia, in Holland enoc'orben worden. Seine Fa- 
milie verkaufte es 1883. 1888 kam es als Gabe 
des Mr. Henry G. Marquard ins Museum. 

Photographische Aufnahme, die ich dem Mu- 
seum verdanke. 

Abgebildet vom Verfasser im Schleswig-Hol- 
steinischen Kunstkalender 1913, S. 4. 

337. * Junger Mann. 

Brustbild, natürliche Größe, dreiviertel nach 
links gewandt. Die Augen blicken nach rechts. 
Lange, sorgfältig frisierte, blonde Haare, die auf 
die Schultern fallen. Kleiner Schnurrbart. Er 
trägt einen weiten Mantel aus rotem Samt, der am 
Kragen mit Gold bestickt ist. Die linke Hand ist 
gegen die rechte Schulter erhoben. Neutraler 
Hintergrund. 

Auf Leinen; h. 0,78 m; br. 0,63 m. 

Das Bildnis war früher in der Sammlung 

Steengracht, Haag, die am 9. Juni 1013 bei 

» G. Petit, Paris, versteigert wurde. Bisher F. Bol 

208 



zugeschrieben und dann auf Grund eines 
IVENS f gedeuteten Signaturrestes Lievens benannt. 
Im Cicerone 1913, Heft 9, S. 330 wies Lilienfeld 
darauf hin, daß auch Ovens als Künstler in Be- 
tracht komme, eine Möglichkeit, die auf Grund 
der Verwandtschaft der Kunst des Lievens und 
Ovens durchaus zu ei-wägen ist. NX^eil ich das 
Bild nicht gesehen habe, ist mir eine endgültige 
Entscheidung, ob Lievens, ob Ovens, nicht möglich. 
Da Lievens, wie mir Herr Dr. Schneider, Haag, 
mitteilt, fast nie mit vollem Namen, sondern fast 
stets I. L. signierte (außerdem schrieb Lievens seinen 
Namen stets mit ie!), so spricht die Wahrschein- 
lichkeit dafür, daß das Bildnis von Ovens ist. 

Wiedergabe des Bildes und des Signaturrestes 
im Katalog der Sammlung Steengracht, in dem 
verwiesen wird auf G. Lafenestre et E. Richten- 
berger, La Peinture en Europe etc., 153. 

Kunthandlung Gh. Sedelmeyer, Paris. 

338. Männliches Bildnis. 

Chevalier Camberlijn d'Amougies, Chäteau de 
Pepinghem, Belgien. 

Leider war es mir nicht möglich, vom Eigen- 
tümer nähere Auskunft z'u erhalten. 

Den Hinweis auf das Bildnis verdanke ich Herrn 
Dr. A. Bredius, Monaco. 

389. * Damenbildnis. 

Sie scheint die 50 überschritten zu haben. Brust- 
bild nach links. Die Gestalt ist voll beleuchtet, 
schwarzes Kleid und weißer Halskragen, der die 
Schultern bedeckt und bis auf die Brust herab- 
reicht. Sie trägt eine schwarze Haube. Langes 
Ohrgehänge mit Edelsteinen und je einer großen 
Perle. 

Auf Kupfer; h. 30; br. 23 (russisches Maß). 

Bezeichnet: J. OVENS 1656. 

Photographische Aufnahme von Proukoudine- 
Gorsky, St. Petersburg. 

Sammlung Semenow, St. Petersburg, Nr. 409 
des Katalogs von 1906. 

Heute in der Eremitage, St. Petersburg. 

Nach einer schriftlichen Mitteilung des ver- 
storbenen ehemaligen Besitzers P. v. Semenow- 
Tian-Schansky hat er das sehr gut erhaltene Bild- 
nis 1874 in Stockholm gekauft. 



340. * Ehepaar mit fünf Kindern. 

Halblebensgroß, durchweg Kniestücke. 

Rechts sitzt, halb nach lintcs gewandt, eine 
ältere schwarzgekleidete Dame in einem roten Lehn- 
stuhl. Hals, Schultern und Brust bedeckt ein weißer 
Spitzenkragen. Weißes Häubchen. Ihre Rechte, 
die einen geschlossenen Fächer hält, legt sie auf 
die linke Hand ihres Gatten, eines älteren Mannes, 
der ebenfalls ein schwarzes Gewand trägt und, 
halb nach rechts gewandt, in einem roten Lehn- 
stuhl ihr gegenüber Platz genommen hat. In der 
Linken hält sie eine Frucht. Hinter der Dame 
steht, nach links ge^-andt, ein Mädchen, in dessen 
Haaren eine Rose steckt, und spielt auf der Laute, 
links neben der Dame ein größeres, den Beschauer 
anblickendes Mädchen mit einem Hut, der mit 
roten und gelben Federn geschmückt ist. Seine 
Handgelenke sind wie die der Mutter mit Perlen- 
schnüren umwunden. Die Linke legt es gegen 
die Brust, mit der Rechten hält es einen Fächer. 
Links neben diesem jungen Mädchen steht eine 
kleinere Schwester, die eine Puppe im Arme hält 
und die Mutter anblickt. Vor dem Vater ganz links 
ein kleines Mädchen mit einem mit Wildbret ge- 
füllten Korbe, ebenfalls die Mutter anschauend, 
rechts hinter dem Vater ein junger Mann, der 
sich auf einen Speer oder ein Gewehr stützt und 
nach links blickt. Dunkelbrauner Hintergrund. 

Auf Leinen; h. 1,18 m; br. 1,60 m. 

Eremitage, St. Petersburg, Nr. 786 des Katalogs 
von 1901. 

Photographische Aufnahme, die ich dem 
früheren Direktor, Baron v. Liphart, verdanke. 

Das Bildnis ist für Alexander I. um 4501 Rubel 
als ein Werk van Dijcks gekauft worden. Später 
wurde es einem unbekannten holländischen Meister 
zugeschrieben. Wilhelm Bode, Die Gemälde- 
Galerie in der kaiserlichen Eremitage, I., 1873, 
S. 17, hat es dann 1873 an Ovens gegeben. Nach 
einer Mitteilung des ehemaligen Direktors der Ere- 
mitage, Barons Brüningk, ist das Bildnis dem der 
Sammlung Semenow- (unserer Nr. 339) nahe ver- 
wandt. Nach einer Bemerkung des Katalogs kann 
an der Zuschreibung kein Zweifel sein. Dagegen 
will Dr. Hofstede de Groot, Haag, in einer brief- 
lichen Mitteilung in dem Werke nichts finden, 
das für Ovens spricht. Daß die Typen und Ko- 
stüme flämisch sind, mag freilich, so scheint mir, 
nicht viel gegen Ovens besagen, der doch in 
seiner späteren Zeit ein halber Flame geworden ist. 



341. * Familiengruppe. 

Pfarrer Joseph Schmitt, Rannungen bei 
Kissingen. 

Nach brieflicher Mitteilung des Herrn Dr. Valen- 
tiner handelt es sich wahrscheinlich um ein Werk 
des Ovens. Leider war der Eigentümer nicht zu 
bewegen, Auskunft über das Bild zu geben. 

842. * Ältere'^Dame, Kniestück nach linlis. 

Sie steht in schwarzem Gewände mit schlichtem 
weißem Halskragen. Von den dunklen Haaren 
fällt auf die Stirn ein Kopfschmuck in dreieckiger 
Form. Das weiße Untergewand kommt an den 
Ärmeln, an welche Spitzen angesetzt sind, zum 
Vorschein. Schwarze Haube. Der rechte Arm 
hängt am Körper herab. In der rechten Hand 
hält sie einen geschlossenen innen braunen, außen 
weißen Fächer. Der linke Arm liegt unterhalb der 
Brust. Der Hintergrund des gut erhaltenen Bildes 
ist schwärzlich ; früher, als er noch nicht so stark 
gedunkelt war, ist er wahrscheinlich blau-grünlich 
gewesen. 

Auf Leinen; h. 0,39 m; br. 0,32 m. 

Polnisches Nationalmuseum, Rapperswil 
(Schweiz), Nr. 1702 des Katalogs. 

Photographische Aufnahme, die ich der Freund- 
lichkeit des Direktors Konstanty Zmigrodzki ver- 
danke. 

Nach einer Mitteilung des Direktors ist das 
Bildnis in den 1870er Jahren von dem Grafen 
Wladyslaw Broel-Plater aus Litauen, der nach 1831 
in Paris und von 1856 in Kilchberg bei Zürich 
wohnte, geschenkt. 

Den Hinweis auf das Bild verdanke ich Herrn 
Universitätsprofessor Geh. Regierungsrat Jacob, 
Kiel. 

342 A. * Unbekannter mit Page und Pferd. 

(Abb. 66.) 

Halb nach rechts, stehend, ganze Figur. 
Schwarzes krauses Haar, Schnurrbart und Fliege. 
In der rechten Hand hält er einen langen Stock, 
die linke ist in die Hüfte gestemmt. Er trägt ein 
braunes Gewand und einen roten Mantel. Die 
Beinkleider sind ockergelb, die Stiefel braun. Links 
neben ihm steht ein schw-'arzer Windhund, der 
zu seinem Herrn aufblickt, hinter ihm ein Page, 
der ein Pferd am Zügel hält, von dem nur der 
Kopf sichtbar ist. Im Hintergrunde ein Schloß, 
rechts Ausblick in einen Park. 

209 



14 



Das Bild, das stark von van Dijck beeinflußt 
ist, bildete ursprünglich mit dem folgenden eine 
Einheit. 

Auf Leinen; h. 1,90 m; br. 1,28 m. 

Das Bild war 1921/22 ausgestellt im Museum 
zu Göteborg. 

Katalog . över en samling antika mälningar 
udställd ä Valand Göteborg Juli-September 1921, 
Nr. 29 A. 

Göteborgs Morgonpost, 27. Januari 1922. 

Photographische Aufnahme, die ich Herrn 
Henry Streletskie, Stockholm, verdanke. 

Max Rothschild, Kunsthandlung, London. 

Henry Streletskie, Kunsthandlung, Stockholm. 

Slg. Osborn Kling, Stockholm. 

342 8. * Dame mit zwei Kindern. (Abb. 67.) 

Sie sitzt, halb nach links gewandt, ihren Ge- 
mahl anblickend. Dunkelbraune Locken, rotes 
Kleid, rosa Rock, brauner Schal. Ihre rechte Hand 
liegt in ihrem Schoßi, die linke faßt ein kleines 
Mädchen in weißlichem Obergewande und blauem 
Rock, das sich an die Mutter lehnt und den Be- 
schauer anblickt. Es trägt als Haarschmuck rosa- 
rote Rosen, Rosen von derselben Farbe legt es 
der Mutter in den Schoß. Links von der Dame 
ein kleiner Knabe in dunkelblauem Kleide, der 
mit ausgestreckten Ärmchen auf den Vater zueilt. 
Rechts eine Mauer mit Gebüsch. Der Himmel ist 
leicht mit nebelartigen Wolken überzogen. 

Das Bild, das stark von van Dijck beeinflußt 
ist, bildete ursprünglich mit dem vorhergehenden 
eine Einheit. 

Auf Leinen; h. 1,90 m; br. 1,28 m. 

Das Bild war 1921/22 ausgestellt im Museum 
zu Göteborg. 

Katalog över en samling antika mälningar 
udställd ä Valand Göteborg Juli-September 1921, 
Nr. 29 B. 

Göteborgs Morgonpost, 27. Januari 1922. 

Photographische Aufnahme, die ich Herrn 
Henry Streletskie, Stockholm, verdanke. 

Max Rothschild, Kunsthandlung, Londoin. 

Henry Streletskie, Kunsthandlung, Stockholm. 

Slg. Osborn Kling, Stockholm. 

343. * Männliches Bildnis. 

Kniestück nach rechts. Ein Herr in schwarzem 
Gewände mit schlichtem weißem Halskragen, leicht 
ergrautem Haupthaar, Schnurr- und kleinem Kinn- 

210 



bart sitzt auf einem mit Löwen verzierten braunen 
Stuhl. Mit seiner rechten Hand hält er ein Stück 
Papier, in der linken behandschuhten hält er den 
anderen Handschuh und den Hut. Grünlich- 
grauer Hintergrund. 

Links unten : /E Suae 55, rechts die Bezeich- 
nung: J. OVENS f. 1656. 

Auf Leinen; h. 1,05 m'; br. 0,81 m. 

Gegenstück zur folgenden Nr. 

Frau van Weede van Dijkveld, Utrecht. 

Das Bild war 1872 auf der Ausstellung des 
Vereins Arti. Es wird rühmend erwähnt und ge- 
würdigt von Henry Havard, Les chefs d'oeuvre 
de l'ecole hollandaise, exposes ä Amsterdam en 
1872, Gazette des Beaux Arts, per. IL, tom. VI., 
1872, S. 309. Freilich weist er auf das Lila im 
Inkarnat hin, das die zahlreichen guten Eigen- 
schaften des Bildes beeinträchtige. 

Den Hinweis auf das Bild verdanke ich dem 
t E. W. Moes, Amsterdam. 

344. * Weibliches Bildnis. 

Kniestück nach links. Eine Dame in grünlich- 
schwarzem Gewände mit schlichtem weißem 
breitem Halskragen und weißem Häubchen sitzt 
auf einem mit Löwen verzierten braunen Stuhl. 
An den Ärmeln schmale weiße Umschläge. In 
ihrer linken Hand hält sie ein Taschentuch. Sie 
"ist ganz ohne Schmuck. Die Auffassung ist sehr 
nüchtern und mag wohl der Wesensart der Dar- 
gestellten entsprechen. 

Auf Leinen; h. 1,05 m; br. 0,80 m. 

Gegenstück zur vorigen Nr. 

Rechts unten : J^. S. 49, links die Bezeich- 
nung: J. OVENS f. 1656. 

Frau van Weede van Dijkveld, Utrecht. 

Im übrigen gilt das zur vorigen Nr. Gesagte. 

345. * Jugendlicher Mann. (Abb. 2.) 

Brustbild, halb nach rechts, den Beschauer an- 
blickend. 

In schwarzer Gewandung, mit breitem, weißem, 
liegendem Halskragen und langem blondem Haar. 
Dunkler Grund. 

Das Bildnis weist bereits den Einfluß van 
Dijcks auf. 

Auf Eichenholz; h. 0,70 m; br. 0,59 m. 

Bezeichnet: A. 1642 JOv... (J und O ver- 
bunden). 



1889 Berliner Privatbesitz. 

Carl von HoUitscher Berlin. 

Bachstitz-Gallerie, Haag. 

Bankpräsident Camillo Castiglioni, Wien. 

Beschrieben von Wilhelm Bode und Max 
J. Friedländer, Die Gemäldesammlung des Herrn 
Carl von HoUitscher in Berlin, Berlin 1912, S. 39. 

Abbildung ebendort, Nr. 56. 

Photographische Aufnahmen, die ich der 
Freundlichkeit der Herren Carl von HoUitscher 
und Castiglioni verdanke. 

Ausgestellt 1890 auf der Ausstellung von 
Werken der niederländischen Kunst, veranstaltet 
durch die Kunstgeschichtliche Gesellschaft in 
Berlin, und 1909 auf der Ausstellung des Kaiser 
Friedrich Museums- Vereins, Berlin, Nr. 100. 

Bode, Jahrbuch der Kgl. Preußischen Kunst- 
sammlungen XI, 1890, S. 213 möchte die Be- 
zeichnung auf einen anderen Meister deuten, weil 
,,das einfache tüchtige Männerporträt ... so wenig 
zu (Ovens') barocken Bildern stimmt". Dazu ist 
zu sagen, daß die Bezeichnung J Ov . . . 
schlechterdings auf keinen andern Meister paßt 
und daß das Bildnis ja am Anfange der Entwick- 
lung des Meisters steht, der erst später so ent- 
gegengesetzte barocke Bilder schuf. Dem ent- 
sprechend hat Bode denn auch später, in dem 
Katalog von 1912 kein Bedenken getragen, das 
„schlichte, ehrliche Porträt von tüchtiger Zeich- 
nung und trefflicher Charakteristik" Ovens zu- 
zuschreiben. 

Unbekannte Personen, 
heute nicht nachweisbar'^). 

Chronologisch in der Reihenfolge der Enx^ähnung 
geordnet. 

346. 347. 348. 349. Vier fürstliche Contrafaiete. 

Mit 195 Reichstalem an Jürgen Ovens von 
Ambsterdam bezahlt. 

3. Januar 1651, Gottorfer Rentekammer- 
rechnung, Reichsarchiv, Kopenhagen. 

Die Bilder sind wahrscheinlich 1650 entstanden 
und geliefert. 

Es handelt sich um Bildnisse von Mitgliedern 
der herzoglich Gottorfer Familie. 



'*) Wenn in den Quellen nicht die Zahl der Bildnisse 
angegeben ist, habe ich jedesmal nur unter einer Nr. 
Mitteilung gemacht. 



350. Fürstliche Contrafaiete. 
Preis 521 Reichstaler. 
Ebendort, 28. April 1652. 
Es handelt sich um Bildnisse von Mitgliedern 
der herzoglich Gottorfer Familie. 

351. Der Schleswiger Goldschmied Jacob Nooth 
lieferte Silberplatten zu Miniaturbildnissen an den 
Hofmaler Johannes Müller und Jürgen Ovens. 

Gottorfer Rentekammerrechnung, 1654. 

Reichsarchiv, Kopenhagen. 

352. Bildnisse. 

Für die Herzogin Maria Elisabeth gemalt, Preis 
228 Reichstaler. 

6. Januar 1655, Rechnung der Herzogin Maria 
Elisabeth. 

Staatsarchiv, Schleswig. 

353. Verschiedene Königliche und fürstliche 
Contrafaite. 

Der Preis für sie und andere Bilder betrug 
1191 Reichstaler. 

Ende Oktober 1655, Gottorfer Rentekammer- 
rechnung. 

Reichsarchiv, Kopenhagen. 

Es handelt sich um Bildnisse von Mitgliedern 
der Königlich dänischen oder schwedischen und 
herzoglich Gottorfer Familie. Vgl. Nr. 428. 

354. Verschiedene fürstliche Contrafaite. 

Der Preis für sie und andere Bilder betrug 
2150 Reichstaler. 

Ende Dezember 1656. Ebendort. 

Es handelt sich um Bildnisse^ von Mitgliedern 
der herzoglich Gottorfer Familie. 

355. 356. 357. 358. Vier fürstliche Contrafaiete. 

Der Herzog Christian Albrecht verschenkte sie. 

Der Preis für diese Bildnisse von Mitgliedern 
der herzoglich Gottorfer Familie betrug 220 Reichs- 
taler. 

30. November 1666. Ebendort. 

359. Eine RuUe Contrafaiete. 
Aus Friedrichstadt bringt sie ein Fuhrmann 
für die Herzogin Maria Elisabeth. Wahrscheinlich 
waren diese Bildnisse von Ovens gemalt und ab- 
gesandt. 

211 



14* 



Rechnung der Herzogin Maria Elisabeth, 1. Fe- 
bruar 1669. 

Staatsarchiv, Schleswig. 

360. Contrafaiete. 

Preis 830 Reichstaier. Die Bildnisse waren 
der Gottorfer Herzogin Friderica Amalia geliefert. 

22. Januar 1671, Gottorfer Rentekammer- 
rechnung. 

Reichsarchiv, Kopenhagen. 

361. Qontrafaiete. 

1667, 1668, 1669 für den Herzog Christian 
Albrecht von Gottorf gemalt. Preis 2635 Reichs- 
taler. 

Ebendort, 3. September 1671. 

362. Contrafaiete. 

1670 für den Herzog Christian Albrecht von 
Qottorf gemalt. Preis 185 Reichstaler. 
Ebendort, 3. September 1671. 

363. Verschiedene fürstliche Contrafaiete. 
1670 für die Herzogin Friderica Amalia von 

Gottorf gemalt. Preis 495 Reichstaler. 
Ebendort, 5. September 1671. 

364. Verschiedene fürstliche Contrafaiete. 

Der Preis für diese wahrscheinlich 1672 ge- 
malten Bildnisse von Mitgliedern der herzoglich 
Gottorfer Familie betrug 1390 Reichstaler. Die 
Summe galt freilich auch für einige Veränderungen, 
die Ovens an bereits gelieferten Gemälden vor- 
nahm. 

Ebendort, 3. Januar 1673. 

365. Verschiedene fürstliche Contrafaiete. 
Der Preis für diese 1673 für den Herzog 

Christian Albrecht gemalten Bildnisse (samt deren 
Ordinantien) betrug 1540 Reichstaler. 
Ebendort, April 1675. 

366. Unbekannte Dame. 
Laut Unterschrift unter der 1675 entstandenen 
Radierung, die das verschollene Bildnis wiedergibt, 
ist es 1655 gemalt. Vgl. Verzeichnis der Radie- 
rungen, 8. 

212 



367. Verschiedene Contrafaiete. 

Der Preis für diese Bildnisse (samt ver- 
schiedenen Gemälden), die Ovens für den Herzog 
Christian Albrecht malte, betrug 1180 Reichstaler. 

März 1676, Gottorfer Rentekammerrechnung. 

Reichsarchiv, Kopenhagen. 

36S. Bildnis. 

In dem 1679 zu Amsterdam aufgenommenen 
Inventar des Henry Momber. In demselben In- 
ventar kam auch eine Charitas von Ovens vor; 
s. Nr. 118. 

Mitteilung von Dr. A. Bredius, Monaco. 

369. 4 Kinder, 
wahrscheinlich Ovens' eigene Kinder. 
. Mit 60 # angesetzt. 
Nachlaß-Inventar, Nr. 4 der Originale. 

370. Eine Skizze (Schätz) mit 2 Bildnissen 
(Bildergin). 
Mit 3 # angesetzt. 
Nachlaß-Inventar, Nr. 53 der Originale. 

371. Ein Conb'afeit. 
Mit 7 # angesetzt. 

Nachlaß-Inventar, Nr. 71 der Originale. , 

372. Ein Contrafeit. 
Mit 9 # angesetzt. 
Nachlaß-Inventar, Nr. 77 der Originale. 

373. Ein Weibsbild mit einem blauen Kleid. 
Das Bild hing im alten Lusthause. 
Aufgeführt im Gottorfer Schloßinventar von 
Mai 1695. 

Reichsaj'chiv, Kopenhagen. 

374. Familienstück in Lebensgröße. 
Nr. 345 einer zu Amsterdam am 17. April 1708 
abgehaltenen Versteigerung. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

375. Kleine Kinder. 

Nr. 23 der am 27. Februar 1721 zu Amsterdam 
abgehaltenen Versteigerung Willem van Oosterwyk. 
Preis 7 Gulden 5 Stuiver. 

Von Hoet, Catalogus u. s. w., I. S. 258 
erwähnt. 



376. Ein alter Mann, mit einem großen Bart, in 
der Manier Rembrandts. 

Nr. 254 einer am 23. Mai 1764 zu Amsterdam 
abgehaltenen Versteigerung. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

376 a. Eines alten Mannes Porträt. 

Brustbild, von vorn gesehen, mit einem großen, 
grauen Bart, kräftig von Farbe und tüchtig gemalt. 

Auf Holz; h. 2Q; br. 23 Duim. 

Nr. 158 der zu Amsterdam am 19. Juni 1776 
abgehaltenen Versteigerung Huybert Ketelaar. 
Käufer: Spaan für li/j Gulden. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

Leider läßt sich nicht ausmachen, ob diese 
Nummer mit der vorigen identisch ist, da die Maße 
der letzteren nicht angegeben sind. 

377. Ein sehr großes Stück ,'met beeiden" 
(mit Bildnissen). 
Nr. 1S5 der am 20. August 1764 zu Groningen 
abgehaltenen Versteigerung J. A. Sichtermann. 
Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

378. Ein schönes Stück mit Bildnissen. 

H. 3 Fuß 4 Duim; br. 5 Fuß 8 Duim. 

Nr. 68 der zu Haag am 28. Mai 1766 abgehal- 
tenen Versteigerung van Eversdijck. Preis 10 Gul- 
den 15 Stuiver. 

Hoet, Catalogus usw., II., S. 532, von Ter- 
westen 1770 herausgegeben. 

379. Eine sehr schöne Frau mit offener Brust 
und ihrem bei ihr stehenden Kinde. 

Auf Leinen. Von der besten Arbeit dieses 
Künstlers und äußerst angenehm. Schwarzer 
Rahmen, goldene Leisten. H. 2 Fuß 8 Zoll; 
br. 2 Fuß 4 Zoll. 

Nr. 333 des Verzeichnisses der gegenwärtigen 
Gemäldesammlung des Hof- und Landgerichts- 
advokaten Schmidt in Kiel, Kiel 1817. Das Bild 
ist bereits in dem ersten 1795 erschienenen Ver- 
zeichnis dieser Gemäldesammlung enthalten, 
ebenso in dem Katalog von 1809 unter Nr. 303. 

380. Bildnis eines alten Mannes. 
Er sitzt in einem Armstuhl, trägt einen bunten 
Rock, auf dem Haupt ein Mützchen. Kräftig und 
meisterhaft wie von Rembrandt gemalt, 



Auf Leinwand; h. 49; br. 39 Duim. 

Nr. 48 einer durch Roos am 28. November 
1808 zu Amsterdam abgehaltenen Versteigerung. 
Käufer war der Makler van der Schley für 
95,10 Gulden. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag, 
und Kunsthandlung Roos, Amsterdam. 

381. König zu Pferde. 

Auf Leinen. Braves Bild. 

Verzeichnis der Gemäldesammlung des Hof- 
und Landgerichtsadvokaten Carl Friedrich Schmidt, 
Kiel 1809, Nr. 1108. 

382. Ein schönes Porträt einer vornehmen Dame. 

Auf Leinen; h. 12Vs Zoll; br. IOV2 Zoll. 

Nr. 226 der Gemälde- und Kupferstich- 
Sammlung des hieselbst verstorbenen Herrn Johann 
Peter Averhoff, am 30. April 1810 und folgende 
Tage in Hamburg versteigert. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Kunst- 
halle zu Hamburg (Sammlung Gaedechens). 

383. Bildnis eines schwarz gekleideten Mannes 

mit zurückgeschlagenem Hut. 

Dreiviertel nach links gewandt. Die eine Hand 
ist mit einem Handschuh bekleidet. Haare, 
Schnurr- und Backenbart sind schön frisiert. Er 
trägt einen weißen Kragen mit zwei Troddeln. 
Das Bildnis erinnert an die Schule Rembrandts, 
von dem er einer der guten Schüler gewesen ist. 

Auf Holz; h. 29; br. 24 Zoll. 

Nr. 58 der am 7. August 1811 zu Amsterdam 
bei C. S. Roos abgehaltenen Versteigerung des 
Malers L. B. Coclers.. Käufer war Hotjes für 
12 Gulden. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Biblio- 
thek der Staatlichen Museen, Berlin. 

384. Bildnis einer jungen hübschen Frau in 
gefälliger, glänzender Kleidung. 

Der Fleischton, die Zeichnung der Hände und 
der Ton der Farbe im Allgemeinen beweisen, daß 
er die Werke van Dijcks und Lelies studiert 
hat. 

Auf Leinwand; h. 46; br. 37 Zoll. 

Nr. 81 der am 8. April 1816 zu Amsterdam 
abgehaltenen Versteigerung L. B. Coclers. Preis 
26 Gulden. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

213 



385. Ein Frauenportrait von seiner Familie. 

Der Kopf ist lebendig, und auf ihren Putz ist 
viel Fleiß verwandt. So schön wie van D i j c k. 
Wie unnatürlich sind die bunten französischen 
Portraits gegen diese ächten Kinder der Natur. 

H. 2 Fuß 4 Zoll; br. 1 Fuß 11 Zoll. Schwarzer 
Rahmen, goldene Leisten. 

Nr. 681 des Verzeichnisses der gegenwärtigen 
Gemäldesammlung des Hof- und Landgerichts- 
advolcaten Schmidt in Kiel, Kiel 1817. 

Das -^ild war offenbar ein Gegenstück zum 
folgenden. 

386. Ein Mannsportrait von seiner Familie. 

Der Kopf und sein Haupthaar sind ganz Natur, 
die Nase steht, so zu sagen, aus dem Gemälde. 
Das Fleisch und Colorit sind ohne alle Über- 
treibung wahr. Er sieht den Zuschauer an und 
hört ihm zu. Er lebt. 

Auf Leinen; h. 2 Fuß 4 Zoll; br. 1 Fuß 11 Zoll. 

Nr. 658 des Verzeichnisses der gegenwärtigen 
Gemäldesammlung des Hof- und Landgerichts- 
advokaten Schmidt in Kiel, Kiel 1817. 

Das Bild war offenbar ein Gegenstück zum 
vorhergehenden. 

387. Portrait. 

Bis auf halben Leib gesehenes lebensgroßes 
Bild eines vornehmen, mit goldener Gnadenkette 
beehrten und geschmückten Mannes, der in der 
rechten Hand einen Hut hält, die Linke in die 
Seite stemmt. Schön behandeltes, wohlerhaltenes 
Portrait. 

Auf Leinen; h. 371/2 Zoll; br. 25 Zoll. Gol- 
dener Rahmen. 

Nr. 332 des Katalogs der von Joh. Noodt zu 
Hamburg im Februar 1826 abgehaltenen Ver- 
steigerung der Gemäldesammlung des J. D. A. 
Langeloh. 

In derselben Sammlung war noch ein Bild 
von Ovens, unsere Nr. 101. 

388. Ein Familienstück. 
Eine Dame sitzt mit einem Kinde auf dem 
Schoß an einem Tische, der mit einer Decke be- 
deckt ist. Auf ihm steht eine silberne Schale 
mit einem Pfirsich und Trauben. Ein \ornehmer 
Herr und ein kleiner Knabe mit einem Hunde 
stehen neben der Dame mit dem Kinde. Die 



Kleidung aller Personen ist prächtig und alles sehr 
schön und meisterlich gemalt. 

Auf Leinewand; h. 1 Elle 35 Duim; br. 1 Elle 
70 Duim. 

Nr. 83 einer am 29. März 1826 zu Amsterdam 
durch C. S. Roos abgehaltenen Versteigerung. 
Käufer war Berg für 180 Gulden. 

Ein Exemplar des Katalogs besitzt die Biblio- 
thek der Staatlichen Museen, Berlin. Die Angabe 
des Käufers und des Preises verdanke ich der 
Kunsthandlung Roos, Amsterdam. 

Das Bild ist wahrscheinlich mit unserer Nr. 223 
(Abb. 28) identisch. 

389. Junger Prinz vor einem Gitter mit Weinlaub. 
In einem verschollenen Gottorfer Schloß- 
inventar von 1827 angeführt. Das Bild ging in 
Privatbesitz über. Vgl. Sach, Allgemeine deutsche 
Biographie, Bd. -25 (1887), S. 1 ff. 

390. Damenbildnis. 

Ein lebendiges, mit natürlichem Kolorit und 
vieler Rundung behandeltes Portrait einer mit 
Perlen und Edelsteinen geschmückten Dame, Venus 
darstellend, welche, mit dem rechten Arm auf einer 
Ballustrade ruhend, die schön gezeichnete rechte 
Hand an die nackte Brust hält. Cupido (wahr- 
scheinlich das Portrait ihres Sohnes) steht hinten. 

Auf Holz; h. 27V, Zoll; br. 23 Zoll. 

Nr. 11 des Verzeichnisses einer Sammlung von 
Ölgemälden, dem Herrn Konferenzrath und Geh. 
Kabinetskassirer Frederik Conrad Bugge gehörend. 
Als Manuskript für Freunde, Kopenhagen 1829. 
Gedruckt bei Andreas Seidelin, von Ole Jörgen 
Rawert beschrieben. 

Ein Exemplar, dieses seltenen Druckes besitzt 
die Kgl- Bibliothek zu Kopenhagen. 

Das „fortrinligt" (vortrefflich) ausgeführte 
Brustbild wurde nach dem ,,FortegneIse over . . . 
Olie Malerier . . .", die zum Nachlaß des ver- 
storbenen Conferenzrates Bugge und seiner Haus- 
frau gehörten, am 30. Januar 1837 zu Kopen- 
hagen als Nr. 16 versteigert. 

Ein Exemplar des Katalogs besitzt die Kgl. 
Bibliothek zu Kopenhagen. 

391. Mutter und Kind. 
Eine Mutter schließt, mit heiterem Blick, aus 
dem ruhige Zufriedenheit hervorleuchtet, ihr 
lächelndes Kind an die Brust. Halbfiguren in 



214 



Lebensgröße. Sehr anmuthige Composition. Der 
stille Ernst in den jugendlich angenehmen Zügen 
der Mutter und der kindliche Ausdruck des Säug- 
lings ist mit Gefühl und Zartheit dargestellt. Die 
Ausführung in dünnem leicht verschmolzenem 
Farbenauftrage ist vorzüglich. 

Auf Leinen; h. 21 Vs," br. 17V, Zoll (fran- 
zösisch). 

Das Bild wurde für 25 # verkauft. 

Nr. 37 des Verzeichnisses einer sehr aus- 
gezeichneten Sammlung von Ölgemälden u. s. \v., 
die am 26. Januar 1830 und folgende Tage durch 
E. Harzen, Hamburg verkauft wurde. 

Nach dem Vorwort war es ein auswärtiges, 
vor länger als 20 Jahren angelegtes Kabinett. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Biblio- 
thek des Vereins für Hamburgische Geschichte. 

392. Ein Mann und eine Frau. 

Halbfiguren, lebensgroß, in altholländischer 
Kleidung an einem Tische sitzend. Breit gemalt. 

Auf Leinewand; h. 1 Elle 2 Fuß 1 Duim; 
br. 9 Fuß 4 Duim. 

Nr. 41 der am 3. Juli 1S33 zu Amsterdam 
durch Roos abgehaltenen Versteigerung Jean 
Jacques de Faasch. Käufer war der Kunsthändler 
Chaplain aus London für 82 Gulden. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag 
und Kunsthandlung Roos, Amsterdam. 

393. Bildnis einer schwarzgekleideten Dame, 
deren braunes Lockenhaar mit Perlen durchflochten 
ist. Brustbild in Lebensgröße. Sehr anspruchslos 
und natürlich dargestellt. 

Auf Leinen; h. 24 Zoll; br. 20 Zoll. 

Nr. 77 einer von E. Harzen am 14. Januar 
1834 zu Hamburg abgehaltenen Versteigerung. 

394. Halbfigur einer jungen Dame von Stande 
mit reichem Lockenhaar, in weitfaltiges schwarz- 
seidenes Gewand gekleidet, das sie mit beiden 
Händen zusammenhält. Lebensgroß. Weiche Aus- 
führung, die Stoffe vorzüglich behandelt. 

Leinwand; h. 29 Zoll; br. 231/2 Zoll. Goldener 
Rahmen. 

Nr. 237 des Anhanges zu dem Verzeichnis der 
dem verstorbenen Landschaftsmaler F. Rosenberg 
zu Altona gehörenden Gemälde, die am 22. Juli 
1834 durch E. Harzen, Hamburg versteigert 
wurden. 



395. Brustbild einer Dame als Venus. 
Die Maße sind leider nicht angegeben. 

Verzeichnis der Gemälde der Königlichen Bilder- 
Gallerie in Kopenhagen von Christian Ludvig le 

Maire, 1839, Nr. 809 a. 

396. Bildnis dreier Kinder. 

Signiert J. Owens 1673. 

H. 48 Zoll; br., I7V2 Zoll. 

Nr. 529 des ,,Fortegnelse over . . . kunstsager 
. . .", die Oberbaudirektor Chr. Fr. Hansen ge- 
hörten. Die Versteigerung fand am 1. April 1846 
zu Kopenhagen statt. 

Ein Exemplar des Katalogs besitzt die Kgl. 
Bibliothek zu Kopenhagen. 

397. Familienbildnis. 

Zvi'ei Kinder, von denen das eine mit einem 
Hunde liegt. 

Auf Leinen; h. 49 Zoll; br. 41 Zoll 

Bezeichnet: J. Owens 1673. 

Nr. 95 des Verzeichnisses der von Ole Devegge 
. . . hinterlassenen Gemälde u. s. w. Sie wurden 
am 6. Juli 1847 in Kopenhagen verkauft. 

Je ein Exemplar des Katalogs bewahrt die 
Bibliothek der Staatlichen Museen, Bedin und die 
Kgl. Bibliothek, Kopenhagen. 

398. Weibliches Portrait in dem mittleren Alter, 
in schwarzem Kleide und anliegender schwarzer 
Sammthaube, ein großer Theil der Schultern und 
der Brust ist mit schlichtem weißem Kragen be- 
deckt; in den Ohren Perlohrringe. Das kleine 
Bild ist von großer Wirkung. 

Für 20 Mark Hamburger Courant 8 ß verkauft. 

Jurian oder Jacques (so!) Ovens. 

Auf Kupfer; h. 12 Zoll; br. 9 Zoll (Hamb. Zoll). 

Mit \ollem Namen bezeichnet. 

Nr. 35 des Verzeichnisses einer Sammlung von 
alten und modernen Ölbildern, über deren Ver- 
hältnis der Kunstmakler Herr Meyer . . . Auskunft 
ertheilen wird. Hamburg, September 1850. 

Ein Exemplar des Katalogs bewahrt die Biblio- 
thek des Vereins für Hamburgische Geschichte. 

399. Bildnis eines vornehmen Mannes, 
zart behandelt. 

Auf Leinewand; h. 0,70; br. 0,60. 

215 



Nr. 119 einer am 22. September 1851 zu 
Utrecht abgehaltenen Versteigerung. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

400. Bildnis eines vornehmen Mannes. 

Nr. 236 einer zu Amsterdam am 10. Mai 1853 
durch Roos abgehaltenen Versteigerung. Besitzer 
war der Antiquar van Houtum in der Doelenstraat. 
Das Bild wurde für 3 Gulden nicht verkauft. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag, 
und Kunsthandlung Roos, Amsterdam. 

401 a. Bildnis eines vornehmen Herrn. 

H. 0,73; br. 0,59. 

Nr. 128 einer am 21. August 1860 zu Amster- 
dam durch Roos abgehaltenen Versteigerung. Der 
Besitzer hieß Verhoesen. Das Bild wurde fijr 
5 Gulden nicht verkauft. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag, 
und Kunsthandlung Roos, Amsterdam. 

401 b. Ein vornehmes (deftig) mäimliches Portrait. 

Leinen; h. 71; br. 60 Duim. 

Nr. 91 einer am 24. Februar 1863 zu Amster- 
dam durch Roos abgehaltenen Versteigerung. 

Käufer war Roos für 7 Gulden 50 Stuiver. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag, 
und Kunsthandlung Roos, Amsterdam. 

Wahrscheinlich war das Bild, wenn die Maße 
auch nicht genau übereinstimmen, mit der vorigen 
Nummer identisch. 

401 c. Ein vornehmes (deftig) männliches Porträt. 

Auf Leinen; h. 75; br. 64 Duim. 

Nr. 43 einer am 1. März 1864 zu Amsterdam 
durch Roos abgehaltenen Versteigerung. Käufer 
war ein Kunsthändler Kaiser in Frankfurt a. M. 
für 8 Gulden 75 Stuiver. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag, 
und Kunsthandlung Roos, Amsterdam. 

Wahrscheinlich wa:' das Bild, wenn die Maße 
auch nicht genau übereinstimmen, mit den vorigen 
Nummern identisch. 

402. Vornehmer Herr, Kniestück. 
H. 1 Elle 27 Duim; br. 1 Elle 1 Duim. 
T. T. Gleichman schenkte das Bild 1852 dem 
Museum Boymans. Katalog von 1862, Nr. 263. 

216 



Das Bild ist 1864, als das Museum durch eine 
Feuei^sbrunst heimgesucht wurde, verbrannt. 
Gegenstück zur folgenden Nr. 

Es wird erwähnt von W. Burger, Musees de la 
Hollandie 1860, IL, S. 187. Vgl. oben S. 3. 

Er beklagte seinen Verlust in einem unter dem 
frischen Eindruck des Brandunglücks geschriebenen 
Artikel, Correspondance de Hollande, Rotterdam, 
Mai 1864 (Gazette des Beaux-Arts XVII, 1864, 
S. 104). 

403. Vornehme Dame, Kniestück. 
H. 1 Elle 27 Duim; br. 1 Elle 1 Duim. 

T. T. Gleichman schenkte das Bild 1852 dem 
Museum Boymans. Katalog von 1862, Nr. 264. 

Das Bild ist 1864, als das Museum durch eine 
Feuersbrunst heimgesucht wurde, verbrannt. 
Gegenstück zur vorhergehenden Nr. 

Es wird erwähnt von W. Burger, Musees de la 
Hollande 1860, IL, S. 187. Vgl. oben S. 3. 

Er beklag-te seinen Verlust in einem unter dem 
frischen Eindruck des Brandunglücks geschriebenen 
Artikel, Correspondance de Hollande, Rotterdam, 
Mai 1864 (Gazette des Beaux-Arts XVII, 1864, 
S. 104). 

404. Eine anmutige junge Dame. 

In reicher Kleidung. In der linken Hand hält 
sie einen Fächer, mit der rechten Hand rafft sie 
ihr Kleid. Meisterlich und schön behandelt. 

Auf Leinwand; h. 1 Elle 28 Duim; br. 1 Elle. 

Nr. 51 einer durch Roos zu Amsterdam am 
20. Dezember 1853 abgehaltenen Versteigerung. 
Käufer: Praetorius für 10 Gulden. 

Nr. 85 der zu Amsterdam am 5. April 1854 
abgehaltenen Versteigerung J. Q. Bertelmann u. a. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag, 
und Kunsthandlung Roos, Amsterdam. 

405. Weibliches Bildnis, natürliche Größe. 

Nr. 72 des ,,Fortegnelse over . . . Oliemalerier, 
Haandtegninger . . . tilhorende" Justitiarius Thom- 
sen und anderen. Die Versteigerung fand am 
5. Februar 1860 zu Kopenhagen statt. 

Ein Exemplar des Katalogs besitzt die Kgl. 
Bibliothek zu Kopenhagen. 

Mitteilung von Herrn mag. art. Victor 
Hermansen, Kopenhagen, 



406. 407. Z\x-ei Stücke. Bildnisse eines vornehmen 
Herrn und einer vornehmen Dame. 

Sehr glatt und eintönig von Fleisch. Oval. 

Auf Leinwand; h. 82; br. 62 Duim. 

Nr. 52 der durch Roos zu Amsterdam am 
15. Mai 1860 abgehaltenen Versteigerung Gebrüder 
van Cleef. Käufer: ein belgischer Kunsthändler 
Ten Bosch für 3,21 Gulden. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag, 
und Kunsthandlung Roos, Amsterdam. 

408. Familienbild. 

Auf Leinwand; h. 1 Elle 40 Duim; br. 1 Elle 
79 Duim. 

Nr. 96 einer durch Roos zu Amsterdam am 
8. April 1862 abgehaltenen Versteigerung. Käufer: 
Hogmann um 34 Gulden für einen Privatkunden. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag, 
und Kunsthandlung Roos, Amsterdam. 

409. Holländische Familie, beim Eingang in einen 
Park gruppiert. 

Neben ihrem Gatten, der aus einer Metall- 
Schale eine Frucht nimmt, sitzt eine junge Frau. 
Sie hält auf ihren Knieen einen Knaben von 2 — 3 
Jahren. Ihre etwas ältere Tochter zeigt mit dem 
Finger auf einen kleinen Lieblingshund. Halb- 
figuren von erstaunlicher Lebenswahrheit. 

Leinen; h. 1,48 m; br. 1,88 m. 

Nr. 32 der Sammlung des xMarquis Du Blaisel, 
die am 25. Mal 1868 zu Paris versteigert wurde. 

Offenbar wurde das Bild nicht verkauft. 

Denn in dem Katalog derselben Sammlung, 
die am 16. und 17. März 1870 noch einmal ver- 
steigert wurde, wird dasselbe Bild unter derselben 
Beschreibung als Nr. 31 aufgeführt, nur, daß dies- 
mal als Material Holz angegeben ist. Das Bild 
wurde nach einer Mitteilung des Herrn Gaston 
Capon, .A.rchivar der Bibliotheque d'Art et 
d'Archeologie, Paris für 1360 fr. verkauft. 

Zum dritten Male kam es in der Sammlung 
M. M. K . . . . vor, die am 3. März 1879 im 
Hotel Drouot, Paris versteigert wurde: 

Holländische Familie. Sie sind in einem Garten. 
Die Mutter, die rechts sitzt, hält ihr jüngeres 
Kind auf ihren Knieen. Eine kleine Tochter spielt 
um sie. Der Vater, der vor einem Tisch sitzt, 
nimmt einen Pfirsich, der in einer silbernen Schale 
liegt. 



Wichtiges Bild des Meisters, dessen Signatur 
es trägt. 

Leinen; h. 1,50 m; br. 1,89 m. 

Alle drei Kataloge sind im Besitz der Biblio- 
thek der Staatlichen Museen, Berlin. 

410. Bildnis eines jungen vornehmen Herrn, 
Halbfigur. 

Er steht aufrecht, unbedecktes Haupt mit 
reichen Haaren'. Bekleidet mit einem schwarzen, 
silberbestickten Kostüm. Die Ärmel sind geschlitzt 
und rot ausgelegt, großer weißer zurückgeschlagener 
Kragen. Auf dem linken Arm trägt er einen 
Mantel von schwarzer Seide und hält mit der 
rechten Hand seinen Federhut. Schönes Bildnis 
von gefäUiger und zugleich kräftiger Ausführung. 
Bezeichnet: L Ovens. 

Auf Leinen; h. 1,07; br. 0,87 m. 

Nr. 55 der am 1. April 1870 zu Paris ab- 
gehaltenen Versteigerung M. D. Vis Blockhuyzen 
(aus Rotterdam). Preis 3000 fr. 

Das Bild ist von W. Burger, Musees de la 
Hollande II, (1860) S. 187 erwähnt. ^Er nennt 
es ,,un des bons portraits que nous connaissons 
de lui". 

411. Halbfigur einer starken Dame mittlerer Jahre. 
Sie blickt fast en Face nach links und hält in 

der mit Perlenarmband verzierten Rechten ein 
goldenes Riechfläschchen. 

Signiert von Oven "^). 

Leinwand; h. 72 cm; br. 58 cm. 

Nr. 34 der Sammlung D. Leonhardt, Cöln, 
die am 9. Juni 1873 u. ff.' Tage bei J. M. Heberle 
(H. Lempertz' Söhne), Cöln versteigert wurde. 

412. Ein Damenbildnis aus Christians V. Zeit. 
Nr. 198 des ,,Fortegnelse over . . . Mozart 

Petersens Oljemalerier . . . .". Die Ver- 
steigerung fand am 16. April 1874 zu Kopenhagen 
statt. 

Ein E.xemplar des Katalogs besitzt die Kgl. 
Bibliothek zu Kopenhagen. 

Mitteilung von Herrn mag. art. Victor 
Hermansen, Kopenhagen. 



I 



'5) Ohne Zweifei beruht diese Angabe der Signatur 
auf einem Irrtum oder einer Nachlässigkeit, wie sie bei 
Abfassung von Katalogen so häufig vorkommt. 

217 



413. Frauenportrait. 

Auf Leinen; h. 0,80 m; br. 0,65 m. 

Nr. 98 des Katalogs der Gemälde, die am 
16. November 1874 und ff. Tage von dem Kunst- 
iiändler F. Kayser, Frankfurt a. M. versteigert 
wurden. 

Die Gemälde stammten z. T. von einem dä- 
nischen Edelmann und einer holländischen Familie. 

Ein E.xemplar des Katalogs bewahrt die Biblio- 
thek der Staatlichen Museen, Berlin. 

414. Portrait einer jungen Frau, oval. 
Auf Holz; h. 40; br. 32 Duim. 

Nr.64 der zu Amsterdam am 14. März 1882 
durch Roos abgehaltenen Versteigerung P. Met- 
horst. Käufer war der verstorbene Kunsthändler 
J. Holländer in Brüssel. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag, 
und Kunsthandlung Roos, Amsterdam. 

415. Männliches Bildnis. Bezeichnet. 

Es war 18S4 in der Sammlung von Kaufmann, 
Berlin. 

Mündliche Mitteilung des f E- W. Moes, 
Amsterdam. 

Nach einer Mitteilung des jetzigen Besitzers 
der Sammlung, des Herrn Wilhelm von Kaufmann, 
befindet sich das Bild heute nicht mehr in ihr. 
Es ist wahrscheinlich zwischen 1884 und 1908 
verkauft. 

416. Lebensgroßes Brustbild eines älteren Mannes. 

Den Kopf nach rechts gewandt und nach rechts 
blickend, mit kahlem Haupte und langem meliertem 
Bart, in einen braunen Mantel gehüllt. Grauer 
Grund. Tüchtiges Werk von lebensvoller Auf- 
fassung. 

Auf Leinen ; h. 0.64 m ; br. 0,52 m. 

Nr. 78 der durch J. M. Heberle (H. Lempertz' 
Söhne) am 27. Mai 1889 zu Köln abgehaltenen 
Versteigerung der Gemälde des Kommerzienrats 
Zschille in Dresden. Käufer: van der Burgh für 
40 Mk. 

Ein Exemplar des Katalogs besitzt die Biblio- 
thek der Staatlichen Museen, Berlin. 

417. Eine Dame in schwarzem, mit Spitzen 
gesäumtem Kleide. 
Langes dunkles Haar, Halsband von großen 
Perlen. Das Bild war katalogisiert als B. van der 

218 



Helst, aber ohne Zweifel war es ein Werk des 
Ovens. 

Leinen; h. 0,66 m; br. 0,50 m. 

Nr. 38 der am 29. März 1892 zu Amsterdam 
abgehaltenen Versteigerung Engelenberg. Käufer: 
Der Kunsthändler Roos, der das Bild für 490 
Gulden an einen unbekannten Makler weiter 
\erkaufte. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag, 
und Kunsthändler Roos, Amsterdam. 

Erwähnt im Niederländischen Spectator 1892, 
S. 115. Vgl. J. J. de Gelder, Bartholomeus van 
der Helst, 1921, Nr. 705. 

418. Dame in Rot, 
mit Spitzen und Perlen geschmückt. 

War als Maes katalogisiert, war aber wahrschein- 
lich ein Werk des Ovens. 

Auf Holz; h. 0,70 m; br. 0,60 m. 

Nr. 27 der durch Roos am 23. Februar 1893 
zu Amsterdam abgehaltenen Versteigerung Mon- 
tauban van Swyndregt. Käufer: van Hülst für 
30 Gulden. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

419. Bildnis (bis zu den Knieen) eines Knaben 
von 8 Jahren 1641. 

Leinwand; h. 0,90 m; br. 0,72 m. 

Nr. 234 des „Catalogue de la Collection de 
Tableaux anciens de Mr. A. D'Irgens-Bergh", 
Kopenhagen 1895. 

Ein Exemplar des Katalogs besitzt die Kgl. 
Bibliothek zu Kopeahagen. 

Mitteilung des Herrn mag. art. Victor 
Hermansen, Kopenhagen. 

Nach einer Mitteilung des Herrn Gustav Falck, 
Kopenhagen wurde das Bild am 23. November 
1896 zu Kopenhagen als Nr. 108 versteigert") 
und gekauft von der Kunsthandlung Winkel & 
Magnussen für 76 Kronen. Erkundigungen bei 
dieser Firma über den Verbleib des Bildes hatten 
keinen Erfolg. 

420. Bildnis einer Dame bis zu den Knieen. 
Leinwand; h. 0,94 m; br. 0,72 m. 
Nr. 236 des „Catalogue de la Collection de 
Tableaux anciens de Mr. A. DTrgens-Bergh", 
Kopenhagen 1895. 



'S) Der Versteigerungskatalog gibt 1651 als Ent- 
stehungsjahr an. 



Ein Exemplar des Katalogs besitzt die Kgl. 
Bibliothek zu Kopenhagen. 

Mitteilung des Herrn mag. art. Victor 
Hermansen, Kopenhagen. 

Das Breitenmaß stimmt völlig, das Höhenmaß 
fast mit der \r. 234 derselben Sammlung (unserer 
vorigen Nr.) überein. Da beide Kniestücke sind, 
wird es sich vermutlich um Gegenstücke gehandelt 
haben. Wenn diese Vermutung richtig ist, wäre 
das Bildnis wie das 1641 datierte Knabenbildnis 
wahrscheinlich auch von 1641. 

Nach einer Mitteilung des Herrn Gustav Falck, 
Kopenhagen wurde das Bild 1897 als Nr. 203 
zusammen mit einer Wirtshausscene für I21/2 Kro- 
nen an einen unbekannten Käufer versteigert. 



423. Frauenportrait. 

Eine junge Frau, von schönem blonden Typus, 
Brustbild. Die gelockten Haare fallen auf einen 
breiten Spitzenkragen, der sich auf ihrem schwar- 
zen Gewände sehr gut ausmacht. 

Auf Holz; h. 0,71 m; br. 0,60 m. 

Nr. 39 der von Frederik Muller am 7. und 
8. März 1899 zu Amsterdam abgehaltenen Ver- 
steigerung der Sammlungen J. C. Bysterbos aus 
Zwolle und G. W. Dijck aus Amsterdam. 

Nach einer Mitteilung der Firma Muller wurde 
das Bild von einem Kommissionär für einen Pri\at- 
kunden gekauft. 

Ein Exemplar des Katalogs besitzt die Biblio- 
thek der staatlichen Museen, Berlin. 



421. Bildnis einer Dame. 
Leinwand; h. 0,43; br. 0,35 m. 

Nr. 235 des „Catalogue de la Collection de 
Tableaux anciens de Mr. A. D'Irgens-Bergh", 
Kopenhagen 1895. 

Ein Exemplar des Katalogs besitzt die Kgl. 
Bibliothek zu Kopenhagen. 

Mitteilung des Herrn mag. art. Victor 
Hermansen, Kopenhagen. 

Nach einer Mitteilung des Herrn Gustav Falck, 
Kopenhagen kommt das Bild in keinem Ver- 
steigerungskataloge vor. 

422. * Männliches Porträt. 
Halbfigur eines Mannes in dunkler mit Gold- 
borden besetzter Kleidung. Am Handgelenk wer- 
den die Spitzenmanschetten und am Halse ein 
Spitzenjabot sichtbar; das Haupt bedeckt eine 
Allongeperrücke. Von meisterhafter Ausführung, 
das Gesicht höchst fein und charakteristisch. 

Leinewand; Oval; h. 0,86 m; br. 0,68 m. 

Nr. 46 einer bei Rudolph Lepke, Berlin am 
24. Januar 1899 und ff. Tage abgehaltenen Ver- 
steigerung. 

Reproduktion auf S. 15 des Lepkeschen Ka- 
talogs Nr. 1186. 

Nach einer Mitteilung der Firma ist das frag- 
liche Versteigerungsprotokoll bereits vernichtet, so- 
daß ich \x'eder denjenigen, der das Bild damals 
versteigern ließ, noch den Käufer habe feststellen 
können. 



424 a. * Herr in Schwarz. 

Halbe Figur, stehend vor einem Vorhange, 
den Beschauer anblickend. An einem Bandelier 
hängt ein Schwert. In der rechten Hand trägt 
er einen Stock, die linke- stützt er in die Hüfte. 
Links landschaftlicher Hintergrund. 

Das Bildnis ging unter dem Namen" des Jan 
Lievens, wies aber am meisten auf Ovens hin. 

Leinen; h. 40,5; br. 29 Zoll. 

Auf einer am 22. Juni 1901 bei Christie Manson 
&: Woods, London abgehaltenen Versteigerung. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag. 

Nach einer Mitteilung der Firma wurde das 
Bild von einem Herrn Ickenhamer für 30 Guineas 
gekauft, nach anderer Angabe von einem Herrn 
de Conning für 23 Guineas. 

424 b. Junger Mann, Kniestück, stehend, den 

Beschauer anblickend, vor einem Vorhang, links 

Ausblick in eine I^ndschaft. 

Das Bild war nach einer Mitteilung von Dr. 
Hofstede de Grot, Haag, im Jahre 1912 im Besitz 
der Kunsthandlung Leggatt Brothers, London. 
Wie mir die Firma mitteilte, war es ihr nicht mög- 
lich, den Verbleib des Bildes festzustellen. 

Vermutlich war das Bildnis mit der vorigen 
Nr. identisch. 

425. Brustbild eines jungen Mannes. 
Im Hauskleid von vorn gesehen. Leichter 
Schnurrbart, flatternde Haare. 

Auf Holz; h. 0,52 m; br. 0,45 m. 

219 



Nr. 43 der am 31. März 1903 zu Amsterdam 
durch Roos abgehaltenen Versteigerung von der 
Pyl u. a. Käufer war der Kunsthändler Goud- 
stikker, Amsterdam für 40 Gulden. 

Goudstikker hat das Bild später verkauft, konnte 
mir jedoch den Käufer nicht nachweisen. 

426. Vornehmer Herr und seine Gemahlin. 

Sie sind dargestellt vor einem architektonischen 
Hintergrunde mit Vorhang. Er sitzt in einem 
weiten goldfarbigen Obergewande und gibt seiner 
jungen Frau, die neben ihm steht und sich auf ein 
Postament stützt, die Hand. Sie trägt ein aus- 
geschnittenes weißes Seidenkleid mit grünem Über- 
wurf. Das Postament ist mit einem Perserteppich 
drapiert. Hauptwerk. 

Leinen; h. 1,73 m; br. 1,35 m. 

Nr. 86 a des Katalogs der Supplement- 
Versteigerung J. de Beyer, die am 24. April 1906 
bei Frederik Muller, Amsterdam abgehalten wurde. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Groot, Haag, 
nach dem das als Nicolaes Maes katalogisierte 
Bild, das für 6000 Gulden verkauft wurde, un- 
zweifelhaft ein Werk des Ovens war. 

Nach einer Mitteilung von Frederik Muller, 
Amsterdam war der Käufer unbekannt. 

427. Ein schönes Bildnis eines älteren Mannes, 

bezeichnet J. Ovens f. 16 . . 
Nach einer Mitteilung von Dr. A. Bredius, 
Monaco, sah er das Bild im Jahre 1912 in der 
Bondstreet in London in einem Schaufenster. 

Da er mir nähere Angaben nicht machen 
konnte, war es nicht möglich, Nachforschungen 
aufzunehmen. 

Unbekannte Darstellungen"). 

428. Ovens erhält für Schildereien (und für 
verschiedene königliche und fürstliche Bild- 
nisse), die er für den Herzog Friedrich III. 
von Gottorf gemalt, 1191 Reichstaler. Vgl. 
Nr. 353. 

Ende Oktober 1655, Gottorfer Rentekam- 
merrechnung, Reichsarchiv, Kopenhagen. 



") Wenn in den Quellen nicht die Zahl der unbe- 
kannten Darstellungen angiegeben ist, habe ich sie jedesmal 
nur unter einer Nr. mitgeteilt. 

220 



429. Ovens verfertigt ,,Arbeit" für die Herzogin 
Maria Elisabeth und erhält dafür 210 Reichs- 
taler. 

12. Januar 1657, Rechnung der Herzogin 
Maria Elisabeth, Staatsarchiv, Schleswig. 

430. Ovens erhält für gelieferte ,,Arbeit" von 
Herzog Christian Albrecht 607 Reichstaler. 

20. Dezember 1664, Gottorfer Rentekam- 
merrechnung, Reichsarchiv, Kopenhagen. 

431. Ovens erhält für ,, einige gefertigte und ge- 
lieferte Arbeit" von Herzog Christian Albrecht 
824 Reichstaler 6 Schilling. 

Ebendort, 1. Dezember 1665. 

432. Das Gemach der Herzogin Friderica Amalia 
ist mit 13 schönen, großen Stücken Schil- 
dereyen, so von Georg Ovens gethan, geziert. 

Gottorfer Schloß-Inventar von Januar 
1666, Reichsarchiv, Kopenhagen. 

433. Ovens erhält von Herzog Christian Albrecht 
,, wegen gefertigter Arbeit" einen Hof in 
Eiderstedt im Werte von 5934 Reichstalern 
24 Schilling, von denen der Malet" 634 Reichs- 
taler 24 Schilling bar bezahlen muß. Die 
übrigen 5300 Reichstaler wurden für von ihm 
gemalte Bilder verrechnet, die für das Gemach 
der Mutter des Herzogs, Maria Elisabeth, be- 
stimmt waren. 

Urkunden vom 2. April und 5. April 
1666. Vgl. S. 122 ff. 

434. Ovens erhält für verschiedene Forderungen 
von Herzog Christian Albrecht 1500 Reichs- 
taler im Abschlag. 

26. Januar 1670, Gottorfer Rentekammer- 
rechnung, Reichsarchiv, Kopenhagen. 

435. Ovens erhält für seine Forderung von Herzog 
Christian Albrecht 670 Reichstaler. 

Ebendort, 22. Januar 1671. 

436. Ovens erhält für verschiedene Schildereyen 
(und Contrafaiete), die er für den Herzog 



Christian Albrecht gemalt hatte, 1180 Reichs- 
taler. Vgl. Nr. 367. 
Ebendort, März 1676. 

437. Ein Nachtstück, oval, mit geschnitztem Rah- 
men, 15 #. 

Nachlaß-Inventar, Nr. 41 der Originale. 

43S. Ein Gemach in der Amalienburg ist mit lauter 
Schildereyen von Ovens geschmückt. 

Qottorfer Schloß-Inventar vom 26. Februar 
1705, Reichsarchiv, Kopenhagen. 



439. Ein Gemälde von Ovens. 

Es war 1712 in der Sammlung Pieter 
van der Lipp, Amsterdam. 

Mitteilung von Dr. A. Bredius, Monaco. 

440. Ein großes schönes Stück von Ovens. 

Nr. 38 der am 7. August 1765 zu Haarlem 
abgehaltenen Versteigerung Mej. J. Koerten, 
Witwe A. Blök. 

Mitteilung von Dr. Hofstede de Qroot, 
Haag. 



Verzeichnis der zur Zeit nach weisbaren Gern aide des Jürgen Ovens. 
(In alphabetischer Reihenfolge der Aufbewahrungsorte.) 



Schloß Amerongen. 

Graf van Aldenburgh-Bentinck: 

Godard Adriaen van Reede. Nr. 249. 
Margaretha Turnor. Nr. 262. 

Amersfort. 

Frau J. L. Alewijn-van Limburg- Stimm : 
Mutter und Kind. Nr. 313. 

Amsterdam. 

Bürger Waisenhaus : 

Die Regenten des Bürgerwaisenhauses. 
Nr. 265. 
Kgl. Palast: 

Gerechtigkeit mit Vorsicht und Friede. 

Nr. 139. 
Die Verschwörung der Bataver unter Julius 
Civilis. Nr. 145. 
Rijksmuseum : 

Amos Comenius. Nr. 211. 

Pieter Cornelisz. Hooft. Nr. 222. 

Cornelis Nuijts. Nr. 238. 

Jan Barend Schaep. Nr. 257. 

Die Regenten des Oude Zijds Huis-Zitten- 

huis. Nr. 264. 
Ehepaar mit sechs Kindern. Nr. 314. 
Mutter mit vier Kindei-n. Nr. 315. 
Jhr. Willem Hendrik van Loon : 

Willem van Loon. Nr. 230. 
Professor Dr. Jhr. Jan Si.x: 

Die Prinzessin Hedwig Eleonore nimmt von 
ihrer Familie Abschied, Grisaille. Nr. 159. 
Dr. Nicolaes Tulp. Nr. 259. 
Dr. Nicolaes Tulp. Nr. 260. 



Bamberg. 

Städtische Kunst- und Gemäldesammlung: 
Christi Gefangennehmung. Nr. 48. 



Barnard Castle. 
Bowes Museum : 

Junge Dame. Nr. 316. 
Braunschweig. 
Landesmuseum : 

Christus mit der Dornenkrone. 
Der Kanzler Daniel von Mithoff. 



Nr. 50. 
Nr. 237. 



Bredstedt. 

Grundtsche Stiftung: 
Anbetung der Hirten. 



Nr. 20. 



Schloß Breitenburg. 
Graf Rantzau : 

Christian Rantzau. Nr. 245. 
Dorothea Rantzau. Nr. 246. 
Detlev Rantzau. Nr. 247. 
Catharina Hedwig Rantzau. Nr. 248. 

Bremen. 

Privatbesitz : 
Mutter mit drei Kindern. Nr. 317. 

Brüssel. 

Freifrau von Klercker: 
Junger Mann. Nr. 318. 

Budapest. 

Museum : 

Mutter mit drei Kindern. Nr. 319. 



221 



Cassel. 

Rathaus : 
Wilhelm VI., Landgraf von Hessen-Cassel. 
Nr. 263. 

C h ris t ia n ia. 

Kunstmuseum : 

Königin Christine. Nr. 210. 

Co In a. Rh. 
Slg. Goetz: 

Junge Dame. Nr. 320. 



Dortmund. 

Sammlung Josef Kremer: 
Mutter mit Kind. Nr. 



321. 



Schloß Dyk. 

Seine Durchlaucht Fürst Salm : 
Mutter mit fünf Kindern. Nr. 



322. 



Schloß Drottningholm. 

Die Krönung des Königs Karls X. Gustav 
von Schweden und der .Prinzessin Hed- 
wig Eleonore von Holstein - Gottorf. 
Nr. 161. 

Auszug des Königs Karls X. Gustav von 
Schweden und der Königin Hedwig 

Eleonore aus der Kirche. Nr. 162. 

Einbrungen. 

Sammlung Emil Heß: 

Die Großmut des Scipio. Nr. 143. 

Er h ol m. 

Hofjägermeister Cederfeld de Simonsen : 
Herzog Christian Albrecht als Beschützer 
der Künste und Wissenschaften. Nr. 140. 



Neffen Christian zum Nachfolger Chri- 
stophs von Dänemark vor. Nr. 147. 

König Christian I. von Dänemark empfängt 
von dem deutschen Kaiser Friedrich 111. 
zu Rothenburg ob der Tauber 1474 die 
Erhebung der Grafschaft Holstein zu 
einem Herzogtum und die Belehnung 
mit Dithmarschen. Nr. 149. 

König Christian I. von Dänemark empfängt 
von Papst Sixtus IV. im Jahre 1474 die 
goldene Rose. Nr. 150. 

Kopenhagen ergibt sich 1524 dem Könige 
Friedrich I. Nr. 151. 

Die Dithmarscher ergeben sich dem däni- 
schen Könige Friedrich II. und Herzog 
Adolf von Gottorf nach der Schlacht bei 
Heide 1559. Nr. 152. 

Herzog Adolf von Holstein-Gottorf emp- 
fängt den Hosenbandorden von der Kö- 
nigin Elisabeth von England. Nr. 154. 

Die Vermählung der Schwester des dä- 
nischen Königs Christians IV., August.i, 
mit dem Gottorfer Herzog Johann Adolf 
1598. Nr. 155. 

Die Stadt Hamburg huldigt dem dänischen 
Könige Christian IV. und Herzog Johann 
Adolf von Holstein-Gottorf 1 603. Nr. 1 56. 

Herzog Christian Albrecht und Friderica 
Amalia. Nr. 208. 

Kindergruppe, wahrscheinlich der spätere 
Herzog Friedrich IV. von Holstein- 
Gottorf, Christian August und Sophia 
Amalia. Nr. 216. 

Unbekannte Dame. Nr. 323. 

Friedrichstadt a. d. Eider. ', 

Lutherische Kirche: 

Die Grablegung Christi. Nr. 54. 



Flensburg. 
Privatbesitz : 

Kinderbildnis. Nr. 328. 
Landgericht: 

Ungerechte Richter. Nr. 



125. 



Schloß Frederiksborg. 

Grabmal des Grafen Diefrich des Glück- 
lichen von Oldenburg. Nr. 146. 

Herzog Adolf VIII. von Schauenburg ver- 
zichtet auf die Krone und schlägt seinen 



Schloß Gauno. 

Sammlung Lehnsbaron Reedtz Thott: 
Besuch des Herrn und der zwei Engel bei 

Abraham. Nr. 2. 
Auffindung des Moses. Nr. 4. 
Stillleben. Nr. 196. 
Vermutlich Herzog August Friedrich 

Holstein-Gottorf. Nr. 203. 
Vermutlich Herzog August Friedrich 

Holstein-Gottorf. Nr. 204. 
Francesco Guiseppe Borri. Nr. 205. 



von 



von 



222 



Vermutlich Herzog Friedrich III. von Hol- 
stein-Gottorf. Nr. 213. 

Vermutlich die Herzogin Maria Elisabeth 
von Hoistein-Gottorf als Ceres. Nr. 232. 

Vermutlich die Prinzessin Maria EHsabeth, 
Prinzessin von Holstein-Gottorf. Nr. 234. 

Adam Olearius. Nr. 240. 

Unbekannte Gruppe um 1650. Nr. 324. 

Unbekannte Kindergruppe um 1660. Nr. 325. 

Gelder 's Toren bei Dieren. 
Baronin van Rhemen : 

Dirck van Leyden van Leeuwen. Nr. 229. 
Alida Paets, Gattin des Dirck van Leyden 
van Leeuwen. Nr. 244. 



Genf. 

Museum Rath : 

Eltern und drei Kinder. 



Nr. 326. 



Gent. 

Musee des Beaux-Arts: 
Männliches Bildnis. Nr. 



327. 



G lasa u. 

Dr. Freiherr v. Heintze : 

Kind von etwa einem Jahre. 



Nr. 329. 



Schloß Gripsholm. 

Die Prinzessin Hed^cdg Eleonore nimmt von 

ihrer Familie Abschied. Nr. 158. 
Die Krönung der Königin Hedwig Eleonore 

von Schweden. Nr. 163. 
Anna Dorothea (1640 — 1713), Prinzessin 

von Holstein-Gottorf. Nr. 201. 
August Friedrich (1646 — 1705), Prinz von 

Holstein-Gottorf. Nr. 202. 
Augusta Maria (1649 — 1727), Prinzessin von 

Holstein-Gottorf. Nr. 204. 
Christian Albrecht (1641—1694) als Knabe. 

Nr. 207. 
Friderica Amalia (1649 — 1704), Herzogin 

von Holstein-Gottorf, mit zwei Söhnen 

und einer Tochter. Nr. 212. 
Friedrich (1635—1654), Prinz von Holstein- 
Gottorf, als Knabe. Nr. 215. 
Die Königin Hedwig Eleonore von Sch^x•e- 

den. Nr. 219. 
Johann Georg, Prinz von Holstein-Gottorf 

als Knabe. Nr. 224. 



iVlagdalena Sibylla, Prinzessin von Holstein- 
Gottori. Nr. 231. 

Maria Elisabeth, Prinzessin von Hoistein- 
Gottorf. Nr. 233. 

Haag. 

Douairiere Hoeufft van Velsen : 
Junger Mann. Nr. 330. 
Junge Frau. Nr. 331. 

H aar lem. 

Frans Hals-Museum : 

Ehepaar mit sechs Kindern. Nr. 332. 

Hannover. 

Provinzial-Museum : 

Großmutter mit Enkelin. Nr. 333. 

Helsingfors. 
Athenäum : 

Diana mit Nymphen und Hunden, von der 

Jagd ausruhend. Nr. 108. 
Göran Rosenhane. Nr. 252. 

H i 1 V e r b e e k. 

Jhr. J. W. Six: 

Anna Burgh. Nr. 206. 
Dirck Tulp. Nr. 258. 
Margaretha Tulp. Nr. 261. 

K i e d r i c h. 

Freiherr von Ritter zu Gruensteyn : 
JVladonna auf Wolken knieend, das nackte 
blondlockige Jesuskindlein vor sich hal- 
tend. Nr. 37. 

KieL 

Kunsthalle: 

Christus, dem Volke vorgestellt. Nr. 49. 
Andromeda am Felsen. Nr. 114. 
Dr. Ludwig Ahlmann: 

Der Zinsgroschen. Nr. 44. 
Universität: 

Herzog Christian Albrecht. Nr. 207 A. 
Johann Adolf von Kielmannseck, Got- 
torfer Kanzler und Regierungspräsident. 
Nr. 226. 



Koblenz. 

Privatbesitz : 

Männliches Bildnis. 



Nr. 333 A. 



223 



K 1 d i n g. 

Museum Koldmghuus: 

Apotheose des Königs Christians I. von 
Dänemark. Nr. 148. 



St. Petersburg. 
Eremitage: 

Damenbildnis. Nr. 339. 
Ehepaar mit 5 Kindern. 



Nr. 340. 



Kopenhagen. 

Kgl. Malerisamling: 
Musizierende Kinder. Nr. 177. 
Adam Olearius, Gottorfer Hofbibliothekar 
und Mathematiker. Nr. 239. 
Reichsadvokatur: 

Herzog Adolf von Holstein-Gottorf be- 
gegnet am englischen Hofe einem Löwen. 
Nr. 153. 
Matthias Hübsch: 

Betender Greis. Nr. 63. 



London: 

Tho"- Agnew & Sons: 

Oberst Hutchinson mit Familie. 
The Art Collectors' Association : 
Junger Mann. Nr. 334. 



Nr. 223. 



Schloß Marquette bei Beverwijk. 
Jhr. Gevers: 

Margaretha Le Gouche. Nr. 218. 

Nantes. 

Musee des Beaux-Arts: 

Rückkehr des jungen Tobias mit seiner 
Gattin zu seinen Eitern. Nr. 10. 

Neu Y o r k. 

Ale.x Christadoro: 

Mutter mit vier Kindern. Nr. 335. 
Metropolitan-Museum of Art : 

Weibliches Bildnis. Nr. 336. 

ÖS t ers u n d. 

Major M. R. Stälhammar: 
Axel Rosenhane. Nr. 250. 



Paris. 

Gh. Sedelmeyer: 
Junger Mann. 



Nr. 337. 



Chat e au de Pepinghem. 

Chevalier Camberlijn d'Amougies: 
Männliches Bildnis. Nr. 338. 

224 



Rannungen. 

Pfarrer Joseph Schmitt: 
Familiengruppe. Nr. 341. 

Ratzeburg. 
Dom : 

Herzog Christian (Louis) L von Mecklen- 
burg-Schwerin. Nr. 209. 

Rappers wil. 

Polnisches Nationalmuseum: 
Damenbildnis. Nr. 342. 

Riga. 

Museum : 

Die Auferziehung Juppiters, der durch die 
Geiß Amalthea genährt wird. Nr. 86. 

Rotterdam. 

Museum Boymans (als Leihgabe des Herrn 
Dr. A. Tak van Poortvliet, Oudelande, 
Holland) : 
Hendrik Matthias und Frau Maria samt 
Kindern. Nr. 236. 

Schleswig. 
Dom : 

Heilige Familie mit dem kleinen Johannes. 

Nr. 25. 
Sieg des Christentums über die Sünde. 

Nr. 138. 
Eilhard Schacht. Nr. 255, 
Frau Schacht. Nr. 256. 
Geh. Sanitätsrat Dr. Emil Suadicani : 
Madonna mit dem Christkind und dem 
Johannesknaben. Nr. 26. 

Stettin. 

Frau Professor L. Schulte-Ovens: 
Jens Martens. Nr. 235. 
Frau Maria Ovens mit ihrem Söhnchen 
Johann Adolf. Nr. 243. 



Stockholm. 

Nationalmuseum : 

Die Trauung der Prinzessin Hedwig Eleo- 
nore von Holstein-Qottorf mit dem Kö- 
nige Karl X. Gustav von Schweden 1654. 
Nr. 160. 
Major Baron Gustav de Geer: 

Emanuel de Geer, Herr von Leufsta und 
Wäsby (1624—1692). Nr. 217. 
Graf Fr. Gl. :son Wachtmeister: 

Johan Rosen hane, schwedischer Gesandter. 
Nr. 253. 
Sammlung Osborn Kling: 

Herr mit Page, Pferd und Hund. Nr. 342 A. 
Dame mit zwei Kindern. Nr. 342 B. 

T ö n n i n g. 

Lutherische Kirche: 

Die Heilige Familie mit Elisabeth und dem 

kleinen Johannes. Nr. 27. 
Jürgen Ovens, Selbstbildnis. Nr. 241. 
Frau Maria Ovens. Nr. 242. 



U psala. 

Frau Jennings : 

Göran Rosenhane. Nr. 251. 

Utrecht. 
Jhr. Ram: 

Michael Adriaenß. de Ruyter. Nr. 254. 
Frau van Weede van Dijkveld : 

Männliches Bildnis. Nr. 343. 

Weibliches Bildnis. Nr. 344. 

Wien. 

Sammlung Castiglioni : 

Männliches Bildnis. Nr. 345. 
Sammlung Graf Erich 
Christian August 

Nr. 225. 
Johann Adolf von 
fer Kanzler und 
Nr. 227. 
Johann Adolf von Kielmannseck, Enkel des 
Kanzlers. Nr. 228. 



Kielmansegg: 
von Kielmannseck. 

Kielmannseck, Gottor- 
Regierungspräsident. 



3. Chronologisches Verzeichnis der datierten und datier baren 

B i 1 d e r d e s O V e n s. 
(Die Titel der Bilder, die sich in noch bestehenden Sammlungen nachweisen lassen, sind fett gedruckt.) 



1641. 

Bildnis (bis zu den Knieen) eines Knaben von 
8 Jahren. Nr. 419. 
War 1895 in der Sammlung A. DTrgens- 
Bergh in Kopenhagen. 

Wahrscheinlich 1641. 

Bildnis einer Dame bis zu den Knieen. Nr. 420. 
War 1895 in der Sammlung A. D'Irgens- 
Bergh in Kopenhagen. 

1642. 

Jugendlicher Mann. Nr. 345. 
Sammlung Castiglioni, Wien. 

Wahrscheinlich 1648/49. 

Drei Gemälde zur Verherrlichung des Friedens 
von Münster. Nr. 164, 165, 166. 



Um 1649/50. 

Der Triumpf des Prinzen Frederick Hendrick von 
• Oranien, Skizze. Nr. 167. 

1650. 

Ehepaar mit sechs Kindern. Nr. 332. 
Frans Hals-Museum in Haarlem. 



1650. 10. Mai. 

Weibliches Bildnis. Nr. 336. 

Metropolitan-Museum of Art, Neu York. 

1650. 

Männliches Bildnis. Nr. 333 A. 
Privatbesitz, K