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Full text of "Kommentar zum Neuen Testament aus Talmud und Midrasch"

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DAS EVANGELIUM 
NACH MATTHÄUS 

ERLÄUTERT 

AUS TALMUD UND MIDRASCH 

VON 

HERMANN L. »TRACK 

UND 

PAUL BILLERBECK 



MÜNCHEN 1922 

C. H. BECK'SCHE VERLAGSBUCHHANDLUNG 

OSKAR BECK 









•'opyriiflit \*2> by C. H. Beck'uch« VuilaKubiiclihaiKlIuiiK. Oskar Beck. Miln.lien 



VORWORT 

Der Herr hat nach seiner leiblichen Herkunft dem jüdischen Volke an- 
gehört und zwar als ein Nachkomme Davids Rom 1,3; Hebr7,14; 
vgl. Mt 15,22; 20,33.1 Auch Markus und Matthäus, Johannes, Paulus 
und Petrus und die andren Verfasser der neutestamentlichen Schriften 
(außer Lukas) sind Juden gewesen. Zum rechten Verständnis ihrer 
Äußerungen muß man also das Judentum jener Zeit nach Leben und 
Denken kennen. Man hat daher schon vielfach versucht, die altjüdische 
Literatur zur Erläuterung des Neuen Testamentsheranzuziehen. Manches, 
aber nicht Ausreichendes bieten Apokryphen und Pseudepigraphen. 
Aus den Talmuden und Midraschen haben namentlich John Lightfoot, 
t 1699, J. G. Meuschen, Chr. Schöttgen, f 1751, Job. Jak. V\^ettstein, 
t 1754, in neuerer Zeit Franz Delitzsch, f 1890, August Wünsche mit 
Eifer Stoff gesammelt; aber ihre Arbeiten sind, zumal in ihrer Gesamt- 
heit, nur wenigen zugänglich; außerdem sind sie unvollständig und 
vieles in ihnen ermangelt der Kritik, ist auch sonst fehlerhaft. 

Den gesamten der Erläuterung des Neuen Testaments dienlichen 
Stoff aus der altjüdischen Literatur zu sammeln, zu sichten und in 
zuverlässiger Übersetzung bequem zugänglich zu machen, war seit 
Jahrzehnten der Wunsch des ersten der beiden Unterzeichneten. Aber 
für solch ein Werk reicht eines einzelnen Zeit und Kraft nicht aus. So 
verband er sich im Juni 1906 mit Pastor Paul Billerbeck, dessen Kennt- 
nisse und Fleiß schon seit 1899 in der Zeitschrift „Nathanael" sich 
bewährt hatten. Auf Grund des vorgelegten Planes und des schon vor- 
handenen Stoffes hat dann P. B. das Ganze im Zusammenhange be- 
arbeitet; H. Str. hat es danach einer genauen Durchsicht für den Druck 
unterzogen. So entstand in 16 jährigem Bemühen ein weit über den 
eigentlich beabsichtigten Umfang hinausgehendes vierbändiges Werk 
(I: Mt; H: Mk, Lk, Job, Apg; HI: Briefe und Offb; IV: Abhandlungen 
zur neutestamentlichen Theologie und Archäologie), dessen ersten, 
umfangreichsten Band wir jetzt vorlegen. Mit Dank gegen Gott, der 
unsre Hände stärkte; mit Dank auch gegen die Freunde, welche zur 
Deckung der während des großen Krieges und noch mehr nach ihm ins 
Ungeheuerliche gestiegenen Herstellungskosten beitrugen — Freunde 

* Theod. Fritsch (Beweismaterial gegen Jahwe, 3. Aufl., Leipzig 1913), Paul Haupt- 
Baltimore (Orientalistische Literaturzeitung, Mai 1908), Friedrich Delitzsch (Die große 
Täuschung, Berlin 1920), Friedrich DöUinger (Baidur und Bibel, Nürnberg 1920) und, 
ihnen folgend, viele andre wollen zwar glauben machen, Jesus sei ein Arier gewesen; 
ihre Behauptungen sind aber völlig haltlos. 



VI Vorwort. 

besonders in den neutral gebliebenen Ländern und in USAmerika,, zwei 
auch in England — ein erfreuliches Zeichen dafür, daß doch hier und 
da die Erkenntnis sich Bahn bricht, daß die so fui'chtbar zerspaltene 
Christenheit zu Ehren der Kirche und der Wissenschaft wieder zu- 
sammenzuhalten anfangen müsse. 

Nicht eine eigentliche Auslegung des Neuen Testaments, sondern 
das zu seinem Verständnis aus Talmud und Midrasch zu gewinnende 
Material wollten wir darbieten; den Glauben, die Anschauungen und 
das Leben der Juden in der Zeit Jesu und der ältesten Christenheit 
wollten wir objektiv darlegen. Zu diesem Zwecke wurde, soweit 
irgend möglich, jedem Ausspruche und Zitate der Name des Autors 
mit Zeitangabe beigefügt. Nachdrücklich verwahren wir uns dagegen, 
daß aus dem hier (zB zur Bergpredigt) Gesammelten auf die gegen- 
wärtig wirklich oder angeblich innerhalb des Judentums geltenden 
Anschauungen ein Schluß gezogen werde.^ 

Die hebräischen, bezw. aramäischen Texte sind nach Möglichkeit 
treu übersetzt; doch haben wir die wichtigsten Ausdrücke nach dem 
Wortlaute des Originals beigefügt. Parallele Stellen, die nicht wörtlich 
übereinstimmen, sind meist nach beiden *(bezw. auch nach mehr) Über- 
lieferungen mitgeteilt, damit jeder derjenigen folgen kann, die er für 
die älteste oder sonst beste hält. — Manche Wiederholungen ließen 
sich nicht gut vermeiden. Andrerseits wird ein Register dafür sorgen, 
daß der Leser das, was an andrer als der zunächst nachgeschlagenen 
Stelle des Werkes steht, leicht auffinden kann. 

Wenn unsre Arbeit dazu dient, das Verständnis des Neuen Testa- 
ments zu fördern, und gleichzeitig einen Beweis gibt für die trotz 
vielem noch vorhandene Lebenskraft der deutschen Wissenschaft, 
werden wir uns für die viele Jahre hindurch aufgewendete Mühe reich 
belohnt fühlen. 

Der zweite Band ist bereits in der Druckerei. 

Berlin und .Frankfurt-Oder, 26. Juli2 1922 

H. L. Strack P. Billerbeck 



* Für die Juden der Gegenwart, insonderheit die Deutschlands, sind bindend die 
„lö Grundsätze der jüdischen Sittenlehre" vom Dezember 1885 und die unter feierlicher 
Anrufung des Namens Gottes im Januar 1893 gegebene Erklärung von 220 Rabbinern. 
Beide Dokumente sind abgedruckt in H. Strack, Jüdische Geheimgesetze?, 7. Aufl., 
Berlin 1921, CA. Schwetschke & Sohn, S. 15—18. 

"^ An demselben Tage, an welchem H. Str. vor 45 Jahren, 1877, Professor der 
Theologie in Berlin geworden ist. 



Abkürzungen und benützte Ausgaben. 

A. Traktate in Mischna, Talmud, Tosephta. 

BB: Baba Batina Men(achoth) 

BM: Biiba M ?i?a Mafaö(roth) 

BQ: Baba Qamnia MS: Mafaäer Scheni 

B kh(oroth) Miqv(aoth) 

Bik(kunni) N'g(afim) 

B'iakh(oth I N'-dCaiim,) 

Git(tin) SophCrim) 

Hor(ajoth) Sanh{edrin) 

Z'b(achiiii) ?AZ: ?Aboda Zara 

Chag(igaj- -Edujljoth) 

Chul(lin) 'Er(ubin) 

T<'h(arotlij . ?Ar(akhini 

J*^b(aniotli) ' P'^s(acliiiu) 

Jad(ajim) Qid(duschin) 

Kil(iajimi RH: Rosch Ha-schana 

K'th(ubboth) Sch«^bu(foth) 

M'g(il]a) • Schab(bath) 

Mid(dothj Sch'^q(alim) 

MQ: Mofed Qatan T^mlura) 

Mak{koth) Ta?an(ith) 

, Makhsch(iiini T rum(oth) 

pT: palästin. Talmud: Krakau 1609. || bT: babylon. Talmud: Amsterdam 1644 ff. 
(so nur in Fällen des Zweifels). || Tosfephta): M. S. Zuckermandel, Pasewalk 1880; un- 
mittelbar vor dem Namen eines Traktats: T, zB: TM'^g. 

Die Mischna ist nach Kapitel und Paragraph zitiert, zB: Schab 3,4; der bT nach 
Blatt und Seite, zB: Schab .30'- ; der pT nach Kapitel, Blatt, Spalte und Zeile. Die 
Kapitelzahlen des pT und der Tos in fetter Schrift. 

B. Midraschim (s. Einl. S. 202 ff.). 

R: Rabba. GnR, ExR, LvR, NuR, DtR: Venedig 1545. 

Midrasch zu den M' gilloth (HL: Hoheslied, KL: Klagliederj: Lemberg 1861. 

M'kh(iltha): Wien 1865 (Weiß). 

S(iphra) Lv: Bukarest 1860 (Malbim). 

S(iphre) Nu, Dt: Wilna 1864 (Friedmann). 

Midr Sm: Krakau 1893 (Buber). 

Midr Ps: Wilna 1891 (Buber). 

Midr Spr: Wilna 1893 (Buber). 

Tanch(uma): Wien 1863. 

TanchB: Wilna 1885 (Buber). 

P<siq(tha): Lyck 1868 (Buber). 

P''siq(tha) R(abbathi): Wien 1880 (Friedmannj. 

Pirqe R(abbi) El(ifezer): Prag 1784. 



V'III Abkürzungen und benutzte Ausgaben. 

Seder Elij(jaba) Rabba und Zuta: Wien 1902 (Friedinann). 
Aggadath B'^reschith: Warschau 1876. 
Aboth (d*") R^abbi) N^athan). 
Jalqut Schimfoni: VVilna 1898. 
Leqach Tob: Wilna 1884 (Buber). 



Levy: J. Levy, Neuhebräisches und Chaldäisches Wörterbuch, 4 Bände, Leipzij; 
1876—1889. 
Baraitha). 
zuk. W.: zukünftit'e Welt. 



Zur Ergänzung des vorstehenden Werkes dienen folgende Schriften von H. L. Strack 
(die Einl. im Verlage der C. H. Beck'schen Buchhandlung in München, alles andre bei 
der J. C. Hinrichs'schen Buchhandlung in Leipzig: 

1. Einleitung in Talmud und Midras. 5., ganz neubearbeitete Auflage 1921 
(244 S. Lex.-8»), geb. 

2. Ausgewählte Misnatraktate (nach Handschriften und alteuDrucken heraus- 
gegeben, Text vokalisiert, Vokabular und mit Berücksichtigung des Neuen Testaments 
erläutert): 

Aboth „Sprüche der Väter^ 4. Aufl. 1915 (84 S.). 

fAboda Zara „Götzendienst", 2. AuÜ. 1909 (51 S.). 

Sanhedrin-Makkoth .Gerichtshof, Geißelstrafe', 1910 (116 S.). 

P'sahim ^Passahfest" (mit Berücksichtigung auch der jetzigen Passahfeier der 

Juden), 1911 (88 S.). 
B'rakhoth „Lobsagungen", 1915 (56 S.). 
Jonia „Versöhnungstag", 3. Aufl. 1912 (zur Zeit vergriffen). 
Sabbath „Sabbat% 189(i (zur Zeit vergriffen). 
In Vorbereitung: N'^'ziqin: drei Baboth „Beschädigungen". || Prof. H.Laible N^'darim 

„Gelübde". 

3. Jesus, die Häretiker und die Christen nach den ältesten jüdischen An- 
gaben. Texte, Übersetzung und Erläuterung. 1910 (128 S.). 



Evangelium nach Matthäus. 

1,151: Buch von der Herkunft Jesu Christi. 

1, BißXog ysvsGsüig, falls Überschrift des ganzen Ev, = Buch der 
Geschichte Jesu Christi, ninbin nso; falls, was das WahrscheinHchere, 
Üb. nur der nachfolgenden Genealogie = i^örai nsö oder '•• nkp (Be- 
lege s. zu Nr. 4), vgl. Neh 7, 5 -irn^^n ^bd, aram. o^irT^ "iso. 

2. Die Prüfung und Feststellung der Herkunft der einzelnen jüdi- 
schen Familien wird als ein Werk Esras gerühmt. Dieser soll nur 
solche Familien in Babylonien zurückgelassen haben, deren legitime 
Abstammung nicht anzuzweifeln war.a Man meinte, die eheliche Ver- 
bindung zwischen legitimen u. illegitimen Familien im Lande Israel 
sicherer überwachen zu können als in Babylonien. So zogen, wie schon 
Hillel, "iirjfj der Alte (um 30 v. Chr.), behauptet hat, zehnerlei genea- 
logisch zu unterscheidende FamiMenklassen unter Esra nach Palästina 
hinauf, über deren eheliche Verbindung untereinander die Mischna die 
näheren Bestimmungen fixiert hat.b 

a. Qid 69'': R. El?azar (um 270 n. Chr.) hat gesagt: Esra zog nicht eher aus 
Babel herauf, als bis er B. gleichsam zu reinem Feinmehl gemacht hatte (Feinmehl =^ 
frei von Vermischung mit illegitimen Familien. i| Qid 69*^ u. 71=*: Rab J^'huda (f 299) 
hat gesagt: Sch'^muel (in N4iarde?a, f 254) habe gesagt: Alle Länder sind Teig dem 
Lande Israel gegenüber, u. das Land Isr. ist Teig Babel gegenüber (welches allein 
Feinmehl ist, d. h. in bezug auf Reinheit der Abstammung steht die Judenschaft Baby- 
loniens am höchsten). || Qid 71^: In den Tagen Rabbis (Einl. 133) suchte man Babel 
zum Teig dem Lande Isr. gegenüber zu machen. Da sagte er zu ihnen: „Dornen werft 
ihr mir in meine Augen [R. stammte nämlich von dem aus Bab. eingewanderten Hillel 
dem Alten, Einl. 118, ab]. R. Chanina b. Chama [R.s Schüler] möge sich mit euch 
befassen." Dieser sprach zu ihnen: ,So habe ich es von Jischmaf'el ben Jose emp- 
fangen, der im Namen seines Vaters [b. Chalaphta] gesagt hat: Alle Länder sind Teig 
dem Lande Isr. gegenüber, u. das Land Isr. ist Teig B. gegenüber." In den Tagen 
des R. Pin'^chas (b. Chama, um 360) suchte man B. zum Teig dem Lande Isr. gegen- 
über zu machen. Er sagte zu seinen Dienern: Wenn ich zwei Aussprüche im Lehr- 
hause getan haben werde, dann tragt mich eilends auf dem Ruhelager fort. Im Lehr- 
hause sagte er dann: ,Das rituelle Schlachten des Geflügels stammt nicht aus der 
Tora." Und während sie darüber nachsannen, sagte er: „Alle Länder sind Teig dem 
Lande Isr. gegenüber, und das Land Isr. ist Teig B. gegenüber." Da trugen sie ihn 
eilends auf dem Ruhelager fort. Man lief ihm nach, erreichte ihn aber nicht. Sie 
säßen u. prüften (die genealogischen Tabellen), bis sie in Gefahr kamen (die Illegi- 
timität einiger Familien an den Tag zu bringen); da trennten sie sich. 

b. Qid 75 a: Rab J^huda (t 299) hat gesagt: Hillel hat gelehrt: Zehnerlei Familien- 
klassen sind aus Babel heraufgezogen, und alle (die nicht in die Gemeinde Israel ein- 
treten dürfen) durften einander ehelichen. — Dazu vgl. Qid 4, 1 — 3: Zehnerlei Familien- 
klassen zogen aus Babel herauf: Priester, Leviten, Israeliten, Profane (Chalalim, Priester- 
kinder von einer gesetzlich verbotenen Mutter), Proselyten, Freigelassene, Bastarde 
(Nachkommen von Eltern, auf deren fleischliche Vermischung die Strafe der Ausrottung 
durch die Hand des Himmels stand; so nach der rezipierten Ansicht des Schimfon 
aus Teman um 110 n. Chr., J'^b 4, 1.3), N^thinim (Nachkommen der Gibeoniter, die Josua 

Strack u.Billerbeck, NT I. 1 



2 Matth 1, 1 (31 2. 3) 

zu Holzspaltern u. Wasserschöpfern am Heiligtum machte, Jos 9, 3 ff.), Scli**thuqim u. 
Findlinge. Priester, Leviten u. Israeliten dürfen einander ehelichen; Leviten, Israeliten, 
Profane, Proselyten u. Freigelassene dürfen einander ehelichen ; Proselyten, Freigelassene, 
Bastarde, N'^thinim, Sch'thuqim u. Findlinge, sie alle dürfen einander ehelichen. ^Dies 
sind Sch^thuqim: jeder, der seine Mutter kennt u. seinen Vater nicht kennt (dessen 
Vater p-r-v = verschwiegen bleibt), u. Findlinge: jeder, der von der Straße aufgelesen 
ist u. weder Vater noch Mutter kennt. ^AUe, die nicht in die Gemeinde (Israel) ein- 
treten dürfen, dürfen einander ehelichen. 

3. Die Aufstellung u. Fortführung genealogischer Register wurde 
dadurch notwendig, daß zum Dienst am Heiligtum u. zu den damit 
verbundenen Gerechtsamen, wie auch zu öffentlichen Ehrenämtern, 
nur Männer sicherer u. makelloser Abstammung zugelassen werden 
durften (vgl. schon Esra 2, 61—63; Neh 7, 63— 65).a Welche Voraus- 
setzungen zB erfüllt sein mußten, wenn die Abstammung eines 
Priesters als legitim anerkannt werden sollte, kann man den Bestim- 
mungen entnehmen, die für den Priester bei Eingehung einer Ehe 
maßgebend waren. b Wo diese Bestimmungen außer acht gelassen 
wurden, galt die Nachkommenschaft als mit einem Makel behaftet. 
Die Prüfung der Legitimität der Herkunft lag dem Synedriumc nach 
fest bestimmten Regeln c ob. Selbst die im Auslande wohnenden Priester 
versäumten es nicht, vor ihrer Verehelichung die zur Prüfung ihres 
eigenen Stammbaumes, sowie desjenigen ihrer Verlobten erforderlichen 
Urkunden nach Jerusalem einzusenden. d 

a. Qid 4, 4 f. : Wenn ein Priester eine Frau priesterlichen Geschlechts heiratet, 
so muß man rückwärts die vier Mütter (mütterliche Vorfahren der Braut während der 
letzten vier Generationen), deren Zahl acht beträgt, prüfen; nämlich ihre Mutter u. die 
Mutter ihrer Mutter, die Mutter des Vaters ihrer Mutter u. deren Mutter; die Mutter 
ihres Vaters u. deren Mutter, die Mutter des Vaters ihres Vaters u. deren Mutter. 
Wenn er die Tochter eines Leviten oder eines Israeliten heiratet, so fügt man zu 
diesen (vier Generationen) noch eine Generation hinzu. ^Dagegen bedarf es keiner 
Prüfung vom Altar an aufwärts, vom Dukhan an aufwärts u. vom Synedrium an auf- 
wärts. Desgleichen dürfen alle, von denen feststeht, daß ihre Vorfahren zu den öffent- 
lichen Beamten oder zu den Almosenpflegern gehört haben, ihre Töchter, ohne daß es 
nötig ist, eine Prüfung aufwärts anzustellen, an die Priesterschaft verheiraten. [Denn 
wenn ein Priester am Altar gedient hat u. ein Levit auf dem Dukhan, einer östlich 
vom Altar befindlichen Estrade, als Sänger mitgewirkt hat, oder wenn jemand Mitglied 
einer Gerichts- oder einer sonstigen öffentlichen Behörde war, so war dessen legitime 
Herkunft ja schon geprüft; mithin war eine erneute Prüfung der Ahnen seiner Tochter 
nicht nötig, falls diese an einen Priester verheiratet werden sollte.] 

b. Ein Priester sollte nur die Tochter eines Priesters oder eines Leviten oder eines 
vollbürtigen Israeliten heiraten; also nicht die Tochter eines profanierten Priesters 
(Gbäläl), eine Proselytin usw.; s. Qid 4, 1 Cohen S. 1). il Josephus c. Apion. 1, 7: Wer 
teilhat am Priestertum, soll mit einem Weibe, die seinem Volke angehört, Kinder er- 
zeugen u. nicht auf Reichtum u. andere Ehren blicken, sondern die Familie prüfen, 
von den Ahnen die Geschlechtsfolge herleitend u. viele Zeugen beibringend. | Antiq. 
3, 12,2: -Die Heiligkeit der Priester machte Mose doppelt groß; denn auch diese hielt 
er wie alle übrigen (Israeliten) von dergleichen Dingen (Unzucht) zurück, u. außerdem 
verwehrte er ihnen Buhlerinnen, eine Sklavin oder eine Kriegsgefangene zu heiraten, 
desgleichen solche Frauen, die aus dem Betriebe einer Schenkwirtschaft oder einer 
öffentlichen Herberge ihren Lebensunterhalt erwarben oder von ihren früheren Männern 



Matth 1, 1 (5t 3) 3 

aus irgendwelchem Grunde gescliieden waren. Dem Hohenpriester aber erlaubte er 
auch nicht, das Weib eines verstorbenen Mannes zu heiraten, während er dies den 
übrigen Priestern zugestand. Nur eine .Jungfrau gestattete er ihm. Vgl. J'^b 6, 4 f. : 
Ein Hoherpriester soll keine Witwe heiraten, sie sei eine Witwe aus der Verlobungszeit 
her oder eine Witwe aus der Ehe. Auch soll er keine völlig Mannbare, bogereth, 
heiraten (sondern nur eine naf'''rä, eine, die 12 — 12V-2 Jahre alt). ... Er soll keine 
heiraten, die ihre Jungfrauschaft durch einen Unfall verloren hat (wörtlich: eine durch 
Holz Verletzte). 'Ein gewöhnlicher Priester soll keine Unfruchtbare, ailonith, heiraten, 
es sei denn, daß er schon Frau u. Kinder hat. R. J%uda (b. Elfai um 150) sagte: Auch 
wenn er Frau u. Kinder hat, soll er keine Unfruchtbare heiraten; denn diese ist unter 
^Hure" zu verstehen, von der in der Tora (Lv 21, 7) geredet wird. Aber die Gelehrten 
sagten: Unter „Hure" ist nur eine Proselytin oder eine Freigelassene oder eine durch 
hurerische Beiwohnung Geschwächte zu verstehen. || Siphra zu Lv21,7 (379*): Eine 
Hure oder eine Entweihte sollen sie (die Priester) nicht ehelichen; u. ein von ihrem 
Manne verstofsenes Weib sollen sie nicht ehelichen. ,Eine Hure": R. J^huda sagte: 
Damit ist eine Unfruchtbare gemeint. Aber die Gelehrten sagten: Damit ist nur eine 
Proselytin oder eine Freigelassene oder eine durch hurerische Beiwohnung Geschwächte 
gemeint. R. Elsazar (b. Schammua? um 150) sagte: Damit ist eine Ledige gemeint, der 
ein Lediger beiwohnt ohne die Absicht, dadurch die Ehe zu schließen. ,Oder eine 
Entweihte", ch^lälä. Welche ist eine Entweihte? Diejenige, die von einem abstammt, 
der zu all den für das Priestertum untauglichen Priestern gehört (über chäläl s. Qid 
4, 1 oben S. 1 y). „Ein verstoßenes Weib." Daraus entnehme ich nur, daß er ein solches 
nicht ehelichen soll; woher läßt sich aber beweisen, daß er auch eine nzinVr: (eine 
Witwe, die an ihrem Schwager die Zeremonie des Schuhausziehens vollzogen hat. Dt 
25,9) nicht ehelichen darf? Das beruht auf der Schlußfolgerung: wenn eine Ver- 
stoßene, die dem, der sie verstoßen hat, wieder (zur Ehe) erlaubt ist, untauglich für 
die Priesterschaft ist, so ist es folgerichtig, daß eine Chalucja, die zu dem, der sie 
entlassen hat, nicht wieder zurückkehren darf, untauglich für die Priesterschaft ist. . . . 
Oder wenn du lieber willst: es heißt „und. ein (verstoßenes) Weib", um (durch dieses 
„und") die Ghalu9a miteinzuschließen. (Anm.: Diese Benutzung des „und" auch Qid 78'''', 
jyjj 24"^ mit dem Zusatz, daß das die Chalu9a betreffende Verbot von den Rabbinen 
herstamme u, die Schriftstelle nur zur Anlehnung diene). || Targ. Jerusch. I Lv 21,7: 
Ein Weib, welches buhlt in Hurerei, oder das erzeugt ist von solchen, die für den 
Priesterstand untauglich sind, sollen sie nicht heiraten; u. ein Weib, welches, sei es 
von ihrem Manne, sei es von ihrem (zur Leviratsehe verpflichteten) Schwager, ent- 
lassen ist, sollen sie nicht heiraten. || Qid 4, 6 f.: Die Tochter eines chälfü ist untauglich 
für die Priesterschaft auf ewig (iV-y? nach Qid 77* = auf drei Geschlechter). Wenn 
ein Israelit eine Entweihte geheiratet hat, so ist seine Tochter tauglich für die Priester- 
schaft; wenn ein Entweihter die Tochter eines Israeliten geheiratet hat, so ist seine 
Tochter untauglich für die Priesterschaft. R. J^huda (b. Elf ai) sagte: Mit der Tochter 
eines Proselyten verhält es sich wie mit der Tochter eines Entweihten. R. Elifezer b. 
Jasaqob (um 150) sagte: Wenn ein Israelit eine Proselytin heiratet, so ist seine Tochter 
tauglich für die Priesterschaft, u. wenn ein Proselyt die Tochter eines Israeliten 
heiratet, so ist seine Tochter tauglich für die Priesterschaft. Aber wenn ein Proselyt 
eine Proselytin geheiratet hat, so ist seine Tochter für die Priesterschaft untauglich; 
das gilt sowohl für den Proselyten als auch für freigelassene Sklaven, selbst bis ins 
zehnte Geschlecht, bis die Mutter aus Israel (= eine Israelitin) ist. R. Jose (b. Gha- 
laphta, um 150) sagte: Auch wenn ein Proselyt eine Proselytin heiratet, ist seine 
Tochter tauglich für die Priesterschaft. Ähnlich Bikkurim 1, 5. 

c. Mid 5,4: Dort (in der Quaderhalle, vgl. Schürer 2, 211 f.) pflegte das große 
Synedrium Israels seine Sitzungen zu halten u. die Priesterschaft (nach ihrer Taug- 
lichkeit zum Priesteramt) zu beurteilen, ij Tos Sanh 7, 1 (425), Chag 2, 9 (235): Dort (in 
der Quaderhalle) saßen sie u. prüften die Abstammung der Priesterschaft u. die der 
Levitenschaft. Ähnlich Qid 76 '\ Über die Prüfungsnormen s. Qid 4, 4 f. (S. 2). 

1* 



4 Matthl,! (513. 4) 

d. Josephus c. Apion. 1, 7: Die Prüfung der Vorfahren beobachten wir nicht nur 
im jüdischen Lande selbst, sondern wo nur immer ein Teil unsres Geschlechts sich 
befindet, da erhält sich auch die den Priestern geltende genaue Bestimmung betreffs 
ihrer Verehelichung; ich meine die Priester in Ägypten u. in Babylonien, u. wo sonst 
in der Welt etliche aus dem Priestergeschlecht zerstreut leben; denn sie senden nach 
Jerusalem Verzeichnisse, die väterlicherseits den Namen der Eltern u. der früheren 
Ahnen enthalten, auch welche Leute die Zeugen (für die einzelnen Angaben) sind. 

4. Das Vorhandensein glaubwürdiger genealogischer Tabellen in 
der neutest. Zeit kann hiernach nicht in Zweifel gezogen werden. 
Ausdrücklich werden solche mehrfach in der älteren jüdischen Literatur 
erwähnt, zum Teil auch inhaltlich skizziert. 

Josephus gibt, Vita 1, seinen Stammbaum väterlicherseits auf Grund öflFentlicher 
Eintragungen für einen Zeitraum von rund 200 Jahren an, u. zwar so genau, daß er 
selbst das Geburtsjahr der einzelnen Vorfahren namhaft machen kann. Derselbe be- 
richtet (c. Apion. 1, 7), daß nach größeren Kriegen, wie zB zur Zeit des Antiochus 
Epiphanes, des Pompejus, des Quintilius Varus, die überlebenden Priester aus den alten 
genealogischen Aufzeichnungen neue Register aufgestellt haben. || J*^b 4, 13: R. Schim?on 
ben ?Azzai (um 110) hat gesagt: Ich habe eine genealogische Rolle, m^^gillath juchasin, 
in- Jerusalem gefunden, in der geschrieben stand: Der und der Mann ist ein Mamzer 
(Bastard) von einer verheirateten Frau. Dasselbe als Bar J'b 49 ^\ 1! pTafan 4, 2 (68*, 45): 
R. Levi (um 300) hat gesagt: Eine genealogische Rolle hat man in Jerusalem gefunden, 
in der geschrieben stand: Hillel (30 v. Chr.) stammte von den Nachkommen Davids; 
Ben Je9eph von den Nachkommen Asaphs; Ben (j'i9ith Hakkassath [der Name nach 
Levy 2,371*; vgl. Gittin 56^ 19] von den Nachkommen Abners; Ben Qobisin [in der 
Parallele GnR 98 (62^) Kobschin; Levy 4, 239'' Qaposai] von den Nachkommen Ahabs; 
Ben Kalba Schabua? (um 70 n. Chr.) von den Nachkommen Kalebs; R. Jannai (um 225) 
von den Nachkommen Elis. [Hier im Text eine Lücke] von J®hud von Sepphoris [die 
Parallele GnR 98 (62=^) liest: die Familie Jehus (stammt) aus Sepphoris]; R. Chijja der 
Ältere (um 200) von den Söhnen des Sch^'phatja, des Sohnes der Abital (2 Sm 3,4); 
R. Jose b. Chalaphta (um 150) von den Söhnen Jonadabs ben Rekhab (2 Kg 10, 15); 
R. Nechemja (um 150) von Nechemja, dem Statthalter (Neh 8,9; 10,2). Die Parallele 
GnR 98 hat mehrere Abweichungen. 

pKil 9, 32 '^ u. pK'^th 12, 35 ^ 36: Rabbi war sehr bescheiden. Er pflegte zu sagen: 
Alles, was mir ein Mensch sagt, würde ich tun, nur nicht was die Vorfahren der 
Familie Bathyra meinem Vorfahren (Hillel, dem Alten) getan haben, die sich selbst 
von der Patriarchenwürde zurückzogen u. Hillel (an ihrer Statt zum Patriarchen) er- 
nannten. Wenn der (babylon.) Exilarch Rah Huna (um 200) hierher käme, würde ich 
ihn über mich setzen; denn er stammt von (unsrem Stammvater) Juda u. ich von 
Benjamin ab, er väterlicherseits u. ich mütterlicherseits. GnR 33 (20*^) lautet der 
Schlußsatz: ,Er väterlicherseits von Juda u. ich mütterlicherseits." — Hiernach hat 
Rabbi seinen väterlichen Stammbaum auf Benjamin, seinen mütterlichen auf Juda 
zurückgeführt. Deshalb ist er bereit, dem Exilarchen Rab Huna einen gewissen Vorzug 
einzuräumen. — Was hier von dessen Abstammung gesagt ist, stimmt überein mit 
pKil 9, 32% 58: Als der Exilarch Rab Huna gestorben war, brachte man ihn nach 
Palästina. Man sagte: Wo wollen wir ihn bestatten? Man sagte: Man lege ihn neben 
R. Chijja den Älteren (um 200), denn er (der Exilarch) ist von dessen Familie. — 
Hierzu vgl. oben pTafan 4,2 (68*, 45), wo es heißt, daß Chijja der Ältere von den 
Söhnen des Sch'^phatja abstammte, der nach 2 Sm 3, 4 ein Sohn Davids von der Abital 
war. II Von Rabbis Abstammung handeln noch folgende Stellen: a. Schab 56* sagt Rab 
(t 247), daß Rabbi von David herkomme -i-'s ts. Das müßte nach dem, was Rabbi 
von sich selbst sagt, von seiner Abstammung mütterlicherseits verstanden werden. 
Daraus würde folgen, daß Hillel der Alte, den Rabbi seinen Vorfahren nennt und von 



Matth 1, 1 (51 4) 5 

dem es pTa?an heißt, dafs er von den Nachkommen Davids stammte, ebenfalls nur 
mütterlicherseits ein Abkömmling Davids gewesen ist. ß. Sanh 5" Bar: „Nicht wird 
das Zepter von Jehuda weichen" (Gn 49, 10), damit sind die Exilarchen in Babel ge- 
meint, die Israel mit autonomer Herrschergewalt beherrschen; „noch der Führerstab 
von seinen Füßen", damit sind die Nachkommen Hilleis (die palästinischen Patriarchen) 
gemeint, die die Tora öffentlich lehren (nur Lehrgewalt besitzen). — Die Belegstelle 
Gn 49, 10 macht es wahrscheinlich, daß diese Ausführung auch genealogisch dahin ver- 
standen sein will, daß sowohl die babylonischen Exilarchen als auch die palästinischen 
Patriarchen ihre Abstammung auf den Stammvater Juda zurückführen könnten; die 
geringere Macht des paiäst. Patriarchenhauses würde dann ihren Grund eben darin 
haben, daß dieses nur mütterlicherseits von Juda abstammte, die babyl. Exilarchen 
väterlicherseits. Parallelstelle: Hör 11^^ vgl. auch Sanh 38*. ;'. Völlig im Widerspruch 
mit diesen Angaben über Rabbis Ab.stammung steht K'th 62'': Rabbi befaßte sich mit 
der Verheiratung seines Sohnes mit einer Tochter des R. Chijja (des Alteren). Als er 
die Hochzeitsverschreibung aufsetzen wollte, verschied das Mädchen. Rabbi sprach: 
Sollte etwa, was Gott verhüte! ein Makel vorliegen (um dessentwillen der Tod die 
Heirat hinderte)'? Sie saßen u. prüften die Familien: Rabbi kam her von Sch'-'phatja, 
dem Sohn der Abital (der nach 2 Sm 3,4 ein Sohn Davids war), u. R. Chijja kam her 
von Schimfa, dem Bruder Davids (2 Sm 13,3). — Hiernach wäre Rabbi väterlicherseits 
ein Davidide gewesen, u. zwar durch gerade denjenigen Sohn Davids, der oben pKil 
als Ahn Chijjas des Älteren genannt ist.^ Jedenfalls zeigen diese Stellen, daß Rabbi 
genealogische Aufzeichnungen über seine Herkunft von David, bezw. von Juda be- 
sessen hat. 

Ta?an 4, 5 bringt nähere Angaben über die freiwilligen Holzlieferungen an das 
Heiligtum (vgl. Neh 10, 35). Dabei heißt es: „Am 15. Ab brachten (ihre Holzlieferung) 
dar die Söhne Zattu ben J'^huda (s. Esra 2, 8) u. zusammen mit ihnen Priester u. Leviten, 
ferner jeder, der sich über seinen Stamm in Irrtum (in Ungewißheit) befand." Danach 
scheint es, daß verhältnismäßig nur wenige über ihre Stammes- u. Familienzngehörigkeit 
Zweifel hegten. Die Mehrzahl der grundbesitzenden Holzlieferanten war sich über ihre 
Abstammung völlig klar. Sie sorgten auch dafür, daß diese Kenntnis ihren Nach- 
kommen erhalten blieb. Lehrreich ist 'in dieser Hinsicht Tafan 12^ {— fErub 41*). 
Hier sagt R. Elfazar b. Qadoq (I. um 100) mit Bezug auf die Angabe Tasan 4, 5, daß 
für die Söhne Snasa b. Binjamin (Esra 2, 35) der 10. Ab der Holzablieferungstermin 
gewesen sei, folgendes: „Ich gehöre zu den Söhnen 3s:c (so!) b. Binjamin; einmal fiel 
der 9. Ab (Tag der Zerstörung Jerusalems) auf einen Sabbat, u. so verschob man ihn 
(den 9. Ab, da man ihn an einem Sabbat nicht als Fast- u. Trauertag begehn durfte) 
auf den Tag nach dem Sabbat (also auf den 10. Ab, den Holzablieferungstag der Söhne 
S^naiäa), u. wir fasteten an ihm (dem 10. Ab), aber nicht den ganzen Tag hindurch, 
weil er (als unser Holzlieferungstag) für uns ein Festtag war." — R. Elfazar b. (^adoq 
ist priesterlichen Geschlechts gewesen (s. ßüchler, Die Priester u. der Kultus, S. 126), 
er kann also den Söhnen S'^naia b. Binjamin nur durch mütterliche Abstammung an- 
gehört haben. Gleichwohl kennt er ganz genau die genealogischen Beziehungen, die 
ihn mit jenen Nichtahroniden verbinden. Das war aber doch nur dann möglich, wenn 
die verwandtschaftlichen Zus.hänge sei es durch schriftliche, sei es durch mündliche 
Familientraditionen vor einem Vergessenwerden geschützt wurden. ]] J^'b 105'"^: R. Sch*^'- 
muel b. Ammi (um 325) hat gesagt, R. Jonathan (um 220) habe gesagt: Woher, daß 
ein (göttlicher) Gerichtsbeschluß, mit dem ein Schwur verbunden ist, nicht zerrissen 
wird? Weil es heißt (1 Sm 3, 14): „Darum habe ich dem Hause fElis geschworen: 
nicht soll die Sünde des Hauses fElis gesühnt werden durch Schlachtung u. Opfergabe 



1 Damit, daß man die Angaben über Rabbis u. R. Chijjas Abstammung einfach 
vertauscht, wird der Widerspruch nicht gehoben; denn als Sproß des Schimsa, des 
Bruders Davids, würde Rabbi männlicherseits ein Nachkomme Isais u. Judas gewesen 
sein, was ja Rabbi sonst in Abrede stellt. 



6 Matthl.l (514. SBl) 

in Ewigkeit." Rabbah (f 330, s. Einl. 143y) hat gesagt: Durch Schlachtung u. Opfer- 
gabe wird sie nicht gesühnt werden, aber durch die Worte der Tora (d. h. durch die 
Beschäftigung mit ihnen) wird sie gesühnt werden. Abaje (f 338/39) hat gesagt: Durch 
Schlachtung u. Opfergabe wird sie nicht gesühnt werden, aber durch Liebeserweisungen 
wird sie gesühnt werden. Rabbah u. Abaje stammten vom Hause sElis ab: Rabbah, 
der sich (nur) mit der Tora beschäftigte, wurde 40 Jahre alt; Abaje, der sich mit der 
Tora u. mit Lieb'eserweisungen beschäftigte, wurde 60 Jahre alt. — Dasselbe RH 18'^ 
mit veränderter Autorenangabe u. unter Nennung Rabas zu Anfang statt Rabbah. Über 
die chronologischen Schwierigkeiten, die der Schlufssatz bietet, u. deren Beseitigung s. 
Bacher, Babyl. Amor. 148 ff. — |l pRH 2, 58^ 7: R. Chijja b. Ba (um 280) stand u. betete. 
Es kam R. Kahana u. stellte sich hinter ihm zum Beten hin. Als R. Chijja b. Ba mit 
seinem Gebet fertig war, setzte er sich, um nicht vor jenem vorüberzugehn. R. Kahana 
aber machte es lang mit seinem Beten. Als er fertig war, sprach R. Chijja zu ihm: 
So mögt ihr es bei euch (in Babylonien) gewöhnt sein, eure Großen (Lehrer) zu martern! 
Dieser antwortete: Rabbi, ich bin vom Hause fElis, u. über dies steht geschrieben 
(1 Sm 3, 14): ,Es soll nicht gesühnt werden die Schuld des Hauses ?Elis durch Schlach- 
tung u. Opfergabe in Ewigkeit!" Durch Schlachtung u. Opfergabe wird ihm nicht 
Sühnung verschafft, wohl aber durch das Gebet. Da betete R. Chijja für ihn, u. dieser 
wurde gewürdigt, so alt zu werden, bis seine Nägel rot wurden wie bei einem jungen 
Kinde. — Dasselbe pSanh 1, 18*=, 39; Midr Sm 10 § 1 (38''). — Auch die in den beiden 
letzten Zitaten genannten jüdischen Gelehrten werden genealogische Aufzeichnungen 
zur Hand gehabt haben, aus denen sie ihre Abstammung von ?Eli glaubten beweisen 
zu können. 

Mit dem P'^s 62 '^ zweimal erwähnten „Buch der Genealogieen* i^oni"^ ■^ed sind die 
kanonischen Bücher der Chronica gemeint; die Stellen sind für den vorliegenden Zus.- 
hang bedeutungslos. 

1,1^: Christus. 

1. XQiatöc artikellos gebraucht (in Mt noch 1, 16. 18; 27, 17. 22) 
hat den Charakter eines Eigennamens, während o XQiarog appellative 
Bedeutung („der Gesalbte") festhält u. so zur Amtsbezeichnung oder 
zum Titel des im AT verheißenen u. in Jesu erschienenen Königs der 
Heilszeit wird. Daher übersetze Vr^crofc Ägiarog: Jesus Christus,'/, o Xq.: 
Jesus der Messias (Gesalbte), oder: der Messias Jesus. 

XQiavog ist hebräisch rj^-q-o, rj^-a^rj; aramäisch fj-^^p; determiniert 
xri-'dp; aus der aramäischen Form ist das gräzisierte Msaaiaq. (Joh. 1, 41; 
4, 25) geflossen, das häufiger bezeugt ist als das zunächst zu erwartende 
Msmag. — In der rabbinischen Literatur ist M. durchgängig Titel des 
endgeschichtlichen Heilskönigs, Dabei läßt sich beobachten, daß bT 
meist das artikellose n-^ir^, bezw, das nichtdeterminierte n^rp gebraucht, 
doch findet sich auch n^ui^n u. xn^ir^. Regelmäßig wird rTii!;:2n gesagt 
in der Verbindung n^-ian nio-? „die Tage des Messias" = Messiaszeit. — 
In den palästin. Schriftwerken überwiegt n^ir^on, bezw. das determinierte 
xn^'ro. Artikelloses n^d^ liest man zB Siphre Dt 1, 1 § 1 (65*); P^siq 149^ 
(2mal); Midr Ps 43 § 1 (134--*); 29 § 2 (116»); Nu R 13 (170% 3mal); 14 
(172'^); Tanch n^p 120^ Midr Spr 19 § 21 (44 a); Aggad B^resch 63 (44 b, 
2mal); Tanch m-ibin 35-^ Midr Ps 18 § 5 (69-); Seder Elij R 18 (98). || 
Eine vollere Amtsbezeichnung des Messias ist das ungemein häufige 
n-i'^an -^_-q, aram. xriiä^ ^■zrq „der König, der Messias" = der messia- 



Matth 1,1 (331.2) 7 

nische König, nicht: „der König Messias". — Belege bei Dalman, 
Worte Jesu 1, 239 ff. 

2. Die Bezeichnung „der Gesalbte", „der Messias" stammt aus 
messianisch gedeuteten Stellen wie Ps 2, 2; 18, 51; 20, 7; 89, 52; 132, 17; 
1 Sm 2, 10; 2 Sm 22, 51. Wenn die altjüdische Gemeinde hier von dem 
„Gesalbten Jahves" las, gegen den die Völker sich zus. rotten werden, 
u. dessen Hilfe Gott sein wird — an wen sollte sie dabei denken, 
wenn nicht an den König der heilsgeschichtlichen Endzeit? So wurde 
der Ausdruck Maschiach wie von selbst zur kürzesten Bezeichnung 
des erwarteten Erlöserkönigs. 

Ps 2, 2. TanchB hd § 24 (27 ••^): R. Aibo (um 320) hat im Namen des 
R. Eli^ezer b. Jose des Galiläers (um 150) gesagt: An drei Stellen (der 
Schrift) bilden die, welche in die Welt kommen, eine Partei gegen 
Gott. Einmal in den Tagen Josuas, Jos 9, 2: „Da taten sich zusammen 
(alle Könige) allzumal, um mit Josua u. Israel einmütig zu kämpfen." 
Was heißt „allzumal"? Daß sie gegen Gott eine Partei bildeten. Dann 
in den Tagen Gogs u. Magogs (also in der messianischen Zeit), Ps 2, 2: 
„Die Könige der Erde stellen sich auf u. die Fürsten sitzen zusammen 
wider Jahve u. wider seinen Messias." Endlich hier, Gnll,l: „Es 
hatte aber die ganze Erdbevölkerung Eine Sprache u. einerlei Worte." || 
B'^rakh 7'^: R. Jochanan (f 279) hat im Namen des R. Schim^on b. Jochai 
(um 150) gesagt : Schlimmer ist schlechte Zucht im Hause eines Menschen, 
als der Krieg Gogs u. Magogs (in der messianischen Zeit). Denn es 
heißt, Ps 3, 1; „Ein Lied von David, da er vor seinem Sohn Absalom 
floh", u. hinterher steht geschrieben (Vers 3): „Wie viel sind meiner 
Dränger! Viele stehen auf wider mich." Und siehe, beim Kriege Gogs 
u. Magogs heißt es, Ps2, If.: „Warum toben die Heiden" usw.? (David 
mußte fliehen, die Worte der Heiden bleiben nur Worte.) || ^AZ 3'': 
Wenn sie (die Proselyten der messian. Zeit) den Krieg Gogs u. Magogs 
sehn werden, werden sie zu diesen sagen: Warum seid ihr gekommen? 
Sie werden antworten: Gegen Jahve u. seinen Messias (sind .wir ge- 
kommen), s. Ps 2, If.: „Warum toben die Heiden" usw.? || P^siq 79'': 
R. Levi (um 300) hat gesagt: Auch Gog u. Magog werden dereinst (in 
der messian. Zeit) also sagen: Töricht sind die Früheren gewesen, daß 
sie sich mit schlimmen Plänen gegen Israel erhoben haben, ohne zu 
bedenken, daß diese einen Schutzherrn im Himmel haben. Ich werde 
nicht so tun, sondern zuerst werde ich mich an ihren Schutzherrn u. 
hinterher an sie selbst machen; das meint Ps2,2: „Die Könige der 
Erde stellen sich auf u. die Fürsten sitzen zusammen wider Jahve u. 
seinen Messias." — Dasselbe Lv R 27 (126''); TanchB ni^x § 18 (48*); 
Midr Ps 2 § 4 (13"); Midr Esth 3, 12 (97 b). 

Psl8, 51. pB^rakh 2, 5^, 10: Die Rabbinen sagten: Dieser König, 
der Messias, xn-^^r^a x^b^ ^rzn. wird, ob er von den Lebenden oder von 
den Entschlafenen sein wird, David heißen. R. Tanchuma (um 380) 



8 Matthl.l (33 2) 

sagte: Ich will den Schriftgrund sagen: „Der Gnade erzeigt seinem 
Messias, David" Ps 18,51. Dasselbe Midr KL 1, 16 (59-''); als Autor des 
Eingangssatzes ist hier R. Sch^muel b. JiQchaq (um 300) genannt. 

Ps 20, 7. Midr HL 4, 8 (114 b): R. J^^^hoschua^ b. Levi (um 250) hat 
gesagt: Wenn (der König) Hiskia ein Lied über den Sturz Sanheribs 
gesungen hätte, so wäre er zum König, dem Messias, niir^n -\h-a ge- 
worden, u. Sanherib zu Gog u. Magog. Aber er tat nicht also, sondern 
sagte, Ps 20, 7: „Nun weiß ich, daß Jahve seinem Messias hilft" usw. 
Was steht hinterher geschrieben? „Jahve, hilf dem Könige (hier heißt 
es also nicht mehr: „dem Messias", die Würde war verscherzt); er 
erhöre uns an dem Tage, da wir rufen" (das. Vers 10). 

Ps89,52. Midr Ps 18 §5 (68 b): „Der (d.i. David) Jahven die Worte 
dieses Liedes redete", Ps 18, 1. R. Judan (um 350) hat gesagt: Das 
meint die Schrift Ps 7 1 , 7 möpheth : „ Wie ein Vorzeichen (so der Midrasch) 
bin ich vielen geworden." David sprach: Wie ich kein Lied gesungen 
habe, bis ich geschmäht wurde u, bis vier Helden in meine Hand fielen 
u. bis der Fingerreiche in meine Hand fiel: so werden auch die Israe- 
liten vor dir kein Lied singen, bis sie geschmäht worden sind u. bis 
vier in ihre Hand gefallen sind u. bis die mit den Zehen Gemeinten 
in ihre Hand gefallen sind. Wie denn? Er wurde geschmäht von 
Goliath, der Isr. schmähte u. David fluchte, u. er fiel in seine (Davids) 
Hand; desgleichen der Fingerreiche, wie es heißt 2 Sm 21, 20: „Und 
es war da ein streitsüchtiger Mann u. die Finger seiner Hände u. die 
Zehen seiner Füße waren je sechs, vierundzwanzig an der Zahl"; u. es 
fielen vor ihm vier, wie es heißt, das. Vers 22: „Diese vier waren Ab- 
kömmlinge der Rephaiten in Gath u. fielen in die Hand Davids u. die 
Hand seiner Knechte." Und unmittelbar darauf heißt es, 2 Sm 22, 1: 
Da redete David zu Jahve die Worte dieses Liedes, So werden auch 
die Israeliten, wenn der Messias (Maschiach ohne Artikel) bald in 
unseren Tagen kommen wird, kein Lied singen, bis der Messias (Ha- 
maschiach) geschmäht wird, wie es heißt Ps 89, 52: „Die da schmähen 
die Fußtapfen deines Messias", bis vor ihm die mit den Zehen Ge- 
meinten gefallen sind, das ist das frevlerische (römische) Reich, wie 
es heißt Dn 2, 42: „Die Zehen waren teils eisern, teils tönern", u. bis 
die vier (Welt-)Reiche vor ihm gefallen sind, wie es heißt Sach 14, 2: 
„Ich will alle Heidenvölker wider Jerusalem versammeln"; sofort heißt 
es, das. Vers 3: „Und ausziehen wird Jahve u. streiten mit diesen 
Völkern." In jener Stunde werden die Israeliten ein Lied singen, wie es 
heißt Ps 98, 1 : Singet Jahven ein neues Lied, denn er hat Wunder getan. 

Ps 132, 17. J'^lamm'^denu (Jalqut Schim. 1 § 47 Ende): R. Schim?on 
b. Laqisch (um 250) hat vorgetragen: Sieben Einweihungsfeiern (gab 
es in der Schöpfungswoche). Die erste: am Anfang schuf Gott u. sprach: 
„Es werde Licht", Gnl,3, siehe, das war die erste Leuchte. Am 
zweiten Tage: es entstehe ein Firmament inmitten der Wasser usw. 



Matth 1, 1 (SB 2) 9 

Gleich einem Architekten, der ein Fundament legen wollte, u. er nahm 
eine JL/euchte u. erleuchtete (den Ort), so erleuchtete die Tora (die 
Fundamentierung der Welt), s. Spr6,23: „Denn eine Leuchte ist das 
Gebot und die Tora ein Licht." Am dritten Tage wurden die Bäume 
geschaffen und das Öl des Ölbaumes, das Licht spendet, s. Ex 27, 20: 
„Sie sollen dir Olivenöl für den Leuchter bringen." Am vierten Tage 
wurden die Himmelslichter geschaffen u. der Thron Davids, s. Ps 89, 37: 
„Und sein Thron wie die Sonne vor mir", u. ferner steht geschrieben 
Ps 132, 17: „Ich will dem David ein Hörn sprossen lassen, habe eine 
Leuchte aufgestellt für meinen Messias." Am fünften Tage wurden 
die Blitze geschaffen, s. Ps 77, 19: „Die Stimme deines Donners im 
Wirbel, Blitze erhellten den Erdkreis." Am sechsten Tage wurden 
Adam u. Eva geschaffen, s. Spr 20, 27: „Eine Leuchte Jahves ist des 
Menschen Seele." Am siebenten Tage findest du keine Leuchte. R.Schim^on 
b. Laqisch hat gesagt: Gleich einem Könige, der seine Tochter ver- 
heiratete u. mitten im Hochzeitsgemach dastand; muß man (noch) 
fragen, ob es ganz Licht war? Und woher sagst du, daß alle (jene) 
sieben Tage Licht war? Weil es heißt Jes 30, 26: „Es wird das Licht 
des Mondes sein gleich dem Sonnenlicht, u. das Licht der Sonne wird 
siebenfältig sein wie das Licht der sieben (Schöpfungs-)Tage. j|.LvR31 
Ende: R. Chanin (um 300) hat gesagt: Um des Verdienstes willen, daß 
ihr die ständige Leuchte aufsetzt, werdet ihr gewürdigt werden, die 
Leuchte des Königs, des Messias rr^ffiian -^-o zu begrüßen. Was ist der 
Schriftgrund? „Dort will ich dem David ein Hörn sprossen lassen, 
habe eine Leuchte aufgestellt für meinen Messias" Ps 132, 17. !| TanchB 
fi^inr § 6 (46=0: ,Und dies ist die Hebe . . . Gold, Silber u. Erz" Ex 25, 3. 
„Gold", entsprechend dem Reiche Babel, s. Dn 2, 32; „Silber", das ist 
das Reich Medien, s. Esth 3, 9; „Erz", das ist das Reich Griechenland, 
das das minderwertigste von allen war. „Und rotgefärbte Widderfelle" 
Ex 25, 5, das ist das Reich Edom (= römisches Reich), s. Gn 25, 25: 
„Es kam der erste rötlich heraus." Gott sprach: Wenn ihr auch diese 
vier Reiche sich über euch erheben seht, bei eurem Leben! ich lasse 
euch Hilfe sprossen mitten aus der Knechtschaft heraus! Was steht 
hinterher geschrieben? „Öl für den Leuchter" Ex 25, 6. Was bedeutet 
der Leuchter? Das ist der König, der Messias n">r-2n -■;-, s. Ps 132, 17: 
„Dort will ich dem David ein Hörn sprossen lassen, habe eine Leuchte 
aufgestellt für meinen Messias." — Vgl. Midr Ps 75 § 5 (170^) im fol- 
genden Absatz. 

1 Sm 2, 10. Midr KL 2, 3 (65^): Zehn Hörner gibt es (in der Schrift): 
das Hörn Abrahams, s. Jes 5, 1 (wo der Herzensfreund Abraham ist) ; 
das Hörn Isaaks, s. Gn 22, 13; das Hörn Josephs, s. Dt 33, 17; das Hörn 
Moses, s. Ex 34,29; das Hörn der Tora, s. Hab 3,4; das Hörn des 
Priestertums, s. Psll2, 9; das Hörn des Levitentums, s. lChr25, 5; 
das Hörn der Prophetie, s. 1 Sm 2, 1; das Hörn des Heiligtums, s. Ps 



10 Matthl,! (93 2. 3) 

22,22; das Hörn Israels, s. Ps 148,14; und einige sagen: das Hörn 
des Messias n^u;^ hTä inp, s. 1 Sm 2,10: „Er gibt Macht seinem Könige 
und erhöht das Hörn seines Messias." — Die Parallelstelle Midr Ps 75 
§5 (170'') liest zum Schluß: Das Hörn des Königs, des Messias, ib-o 
rsiü^n in der Königsherrschaft, s. 1 Sm 2, 10: „Er erhöht das Hörn 
seines Messias"; das Hörn Davids in dem Licht des kommenden Tages 
(der zukünftigen Welt), s. Ps 132, 17: „Dort will ich dem David ein 
Hörn sprossen lassen, habe eine Leuchte aufgestellt für meinen Ge- 
salbten," — Diese Stelle läßt auf die Königsherrschaft des Messias in 
der messianischen Zeit noch folgen das Regiment Davids in der zu- 
künftigen Welt; sie deutet daher Ps 132, 17 nicht auf den Messias; 
vgl. zu Job 1, 1 st' ccQxfi '^' ^ ^oyoq B, b, y. — Midr Sm 4 § 3 (28") wird 
das Hörn des Messias überhaupt nicht erwähnt, wohl aber das. 5 § 17 
(32^): Wann wird Gott (die Hörngr) an ihre Stelle zurückbringen? 
Wann er erhöhen wird das Hörn des Königs, des Messias rr^'^rnn -ibn, 
s. lSm2, 10: „Er wird Macht seinem König geben u. wird erhöhen 
das Hörn seines Messias." || Targ 1 Sm 2, 10: Jahve wird Rache nehmen 
an Magog (in der messian. Zeit) u. an den Scharen der räuberischen 
Völker, die mit ihm kommen von den Enden der Erde, u. er wird 
Stärke .seinem König verleihen u. groß machen die Königsherrschaft 
seines Messias. || Vgl. im Achtzehn-Gebet Nr. 15 der babyl. Rezension: 
Den Sproß Davids (= den Messias) laß eilends aufsprossen, u. sein 
Hörn werde hoch durch deine Hilfe. Gepriesen seist du, Jahve, der das 
Hörn der Hilfe (des Heils) sprossen läßt! || Im Gebet Abinu Malkenu^ 
finden sich die Worte: „Unser Vater, unser König, laß uns Hilfe sprossen 
in naher Zeit! Unser Vater, unser König, erhöhe das Hörn deines Volkes 
Israel! Unser Vater, unser König, erhöhe das Hörn deines Messias!" 

2 Sm 22, 51. Midr Ps 18 Ende: (R. Judan, um 350, sagte:) Was be- 
deutet bi-is'^ (2 Sm 22, 51 nach dem Q^re)? Daß ihnen der König, der 
Messias n^ir-an -^-o, wie ein Turm b'i?p sein wird, u. ebenso heißt es 
Spr 18, 10: Ein fester Turm ist der Name Jahves; dahinein eilt, der 
Gerechte u. ist aufgehoben. 

3. Die ältesten Stellen, in denen der erwartete Heilskönig als 
„Messias" bezeichnet wird, begegnen in den vorchristl. Pseudepigraphen. 
Doch nur in Verbindung mit dem Gottesnamen (als Kgiaroc Kvgiov = 
r\-r>'^ rp-q-o)^ oder in Verbindung mit einem auf Gott bezüglichen Per- 
sonalsuffix (als mein, dein, sein Messias) ;b das absolute „der Messias" 
erst in 4. Esra u. der syrischen Baruchapokalypse,c zwei Schriften, die 
gegen 100 n. Chr. entstanden sind. Dieser absolute Gebrauch des Aus- 
drucks hängt wohl mit dem Bestreben zus., den Gottesnamen möglichst 
wenig anzuwenden (Dalman 1, 232 f.). In der rabbin. Literatur findet 



' Einige Sätze aus ihm hat bereits R. ?Aqiba (f um 135) in einem Fastengebet 
zitiert, s. Ta?an 25''. 



Matthl,! (SB 3. 6 1) H 

sich von Anfang an allgemein das kurze n-^iu^n oder xn^a'^; die vollere 
Form ^-^i sn-^nri fast nur in den Targumen, soweit der alttest. Text 
dazu Veranlassung gab ; d gleichfalls selten ist die Verbindung des Wortes 
niü-a mit einem auf Gott bezüglichen Personalsuffix. e 

a. Ps Sal 17, 32: (Der verheilsene Davidide herrscht als) gerechter König, von Gott 
unterwiesen, über sie, u. in seinen Tagen geschieht kein Unrecht unter ihnen, weil sie 
alle heilig sind, u. ihr König der Messias (Gesalbte) des Herrn ist, xal ßctat'/.svs ccvrißv 
XQiarog Kvqlov (so ist zu lesen statt Kgiardg Kvgiog). || Das. 18, 6 f.: Selig, wer in jenen 
Tagen leben wird u. schauen darf das Heil des Herrn, das er deui kommenden Ge- 
schlechte schafft unter der Zuchtrute des Messias des Heri'n XQiazov Kvqlov in der 
Furcht seines Gottes. 

b. Ps Sal 18,5: Gott, reinige Israel auf den Tag der heilsamen Gnade, auf den 
Tag der Auswahl elg ■fjfxsQai' ix'koyrjg, wenn sein Messias Xqigtov athov zur Herrschaft 
kommt. II — Henoch 43, 10: Niemand wird da sein, der sie (die Könige u. Mächtigen der 
Erde) in seine Hände nähme u. aufrichtete, weil sie den Herrn der Geister u. seinen 
Messias (Gesalbten) verleugnet haben. || Das. 52, 4: Der Engel sprach zu mir (Henoch): 
Alles dies, was du gesehen hast, dient der Herrschaft seines Messias (Gesalbten), 
■damit er mächtig u. stark auf Erden sei. — Einige Beispiele aus späterer Zeit s Anm. c. 

C. 4 Esra 7, 28 f. : Mein Sohn, der Messias (filius meus Messias, so Syr u. Arab 1 ; 
das lat. 'Jesus' ist christl. Korrektur), wird sich offenbaren samt allen bei ihm (wie 
Henoch, Mose, Esra, Elias) u. wird den Übergebliebenen Freude geben, 400 Jahre lang. 
Nach diesen Jahren wird mein Sohn, der Messias (filius meus Christus), sterben u. alle, 
die Meuschenodem haben. || Das. 12, 32: (Der Löwe . . .,) das ist der Messias (Unctus), 
den .der Höchste bewahrt für das Ende der Tage, der aus dem Samen Davids erstehn 
u. auftreten wird. \] Apoc Bar 29, 3: Nachdem das, was sich in jenen Abschnitten er- 
eignen wird, vollendet ist, wird der Messias (Messias) anfangen, sich zu offenbaren. 
Das. 30, 1 : Danach, wenn die Zeit der Ankunft des Messias (tempus adventus Messiaej 
sich vollendet, wird er in Herrlichkeit (in den Himmel) zurückkehren. — |[ In Verbindung 
mit einem Personalsuffix liest man Messias Apoc Bar 39, 7 : Und wenn die Zeit seines 
(des 4. Weltreichs) Endes herbeigekommen ist, daß es zu Falle kommen wird, alsdann 
wird sich die Herrschaft meines Messias (Messiae mei) offenbaren. | Das. 40, 1 : Sie 
werden ihn (den letzten Regenten des 4. Weltreichs) auf den Berg Zion hinaufschaffen, 
u. mein Messias (Messias meus) wird ihn zur Rede stellen wegen aller seiner Frevel- 
taten. ... I Das. 72, 2: Nachdem die Wunderzeichen, von denen früher zu dir (Baruch) 
geredet worden ist, gekommen sein werden — wenn die Völker in Verwirrung versetzt 
werden u. die Zeit meines Messias (Messiae mei) kommen wird — , da wird er alle 
Völker berufen, u. einige wird er am Leben erhalten u. einige töten. 

d. zB. Targzu Jes28, 5; 4,2. 

e. Gebet Habinenu: Es mögen die Gerechten sich freuen . . . über das Sprossen 
des Horns für David, deinen Knecht, u. über die Herrichtung einer Leuchte für den 
Sohn Isais, deinen Messias ■-"o"':. Ähnlich im Musaphgebet für den Neujahrstag pa- 
-"s in (bei Dalman 1, 306). '.Dein Messias" auch Targ 2 Sm 22, 32; Ps 18, 32; 89, 52; 
Hab 3, 13. 18. ji Im Qaddisch des Gottesdienstes (Dalman 1, 305) heißt es: Es möge 
sprossen seine (Gottes) Erlösung u. sein Messias n-'n-r-a nahen u. sein Volk erlösen. — 
Im Qaddisch der Rabbanan: Er möge den Termin des Reiches seines Messias be- 
schleunigen u. .sein Volk erlösen. — ,Sein Messias* auch Targ 1 Sm 2, 10; 2 Sm 22, 51 ; 
Ps 2, 2; 18, 51; Sach 4, 7; 10, 4. — Von , ihrem", d. h. Israels Messias wird gesprochen 
Targ Jes 53, 10; Jer 30, 21 ; Hos 14, 8. 

l,lß: Des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams. 
1. Diese Worte sollen im voraus feststellen, daß Jesus der für den 
Messias Israels geltenden Bedingung, ein Nachkomme Davids u. Abra- 



12 Matthl,l(61) 

hams zu sein, entsprochen habe. Zwar wird man nicht sagen können, 
daß für das jüdische Empfinden zu allen Zeiten u. unter allen Um- 
ständen die davidische Herkunft eines Mannes die unerläßliche Vor- 
aussetzung seiner Anerkennung als Messias gebildet habe. So würde 
der Verfasser der Hirtenvision im Buche Henoch, der Hen 90, 9 ff. ver- 
mutlich den Johannes Hyrkanus (135 — 105 v. Chr.; vgl. Schürer 3 3, 200) 
als den Zerbrecher des Joches der Weltmächte feiert, kaum etwas 
Befremdliches darin gefunden haben, wenn der Messias, den er un- 
mittelbar nach der Befreiung Israels geboren werden läßt (Hen 90, 37), 
ein Sproß jenes makkabäischen Priesterfürsten gewesen wäre.a — Auch 
das 5. Buch der Sibyllinischen Orakel, das seiner Hauptmasse nach 
noch im 1. nachchristl. Jahrb. entstanden sein dürfte (s. Schürer ^ 3, 443), 
erwartet Vers 256 — 259 Josua oder Mose vom Himmel her als Messias.b 
Und von R. ? Aqiba wird berichtet, daß er ausdrücklich den Bar-Kokhba 
zum Messias Israels ausgerufen habe — und doch hat niemand etwas 
von der davidischen Abkunft dieses Revolutionshelden gewußt.c Aber 
die allgemein jüdische Überzeugung hatte sich jedenfalls in Jesu Tagen 
schon längst dahin verdichtet, daß kein andrer als ein Davidide das 
messianische Zepter führen werde. Das älteste ausdrückliche Zeugnis 
hierfür bietet Ps Sal ^ 17,21: „Sieh darein, o Herr, u. laß ihnen erstehn 
ihren König, den Sohn Davids, tov ßaaiXsa avTwr, vtov Javi'S, zu' der 
Zeit, die du erkoren, Gott, daß er über deinen Knecht Israel regiere." — 
Seitdem ist vlog JavfS „Sohn Davids, Ti'i -,3, aram. ti^ na, zu einer oft 
gebrauchten Messiasbezeichnung geworden; s. zu 9, 27. 

a. Henoch sieht in einem Traumgesicht, wie Gott im Endgericht die widergöttlichen 
Engelfürsten der Völker u. die abtrünnigen Israeliten beseitigt Hen 90,20—27, wie er 
ein neues Jerusalem an Stelle des alten herbeibringt 90, 28 f. u. das fromme Israel aus 
Grab u. Zerstreuung sammelt 90,33. — Das sind die Hoffnungen, die der Apokalyptiker 
an die Zeit des Johannes Hyrkanus knüpft. Dann berichtet Henoch weiter: „Ich sah, 
daß ein weißer Farre mit großen Hörnern geboren wurde. Alle Tiere des Feldes u. 
alle Vögel des Himmels (d. h. die Heidenvölker) fürchteten ihn u. flehten ihn an alle 
Zeit. Ich sah. bis daß alle ihre Geschlechter verwandelt u. alle weiße Farren wurden; 
der erste unter ihnen wurde ein Büffel . . . u. bekam auf seinem Kopfe große u. schwarze 
Hörner. Der Herr der Schafe (d.i. Gott) freute sich über sie u. über alle Farren" 90, 
37 f. — Der weiße Farre, der mit großen Hörnern geboren wird, ist der Messias. Daß 
er als „weißer Farre" bezeichnet wird, stellt ihn auf gleiche Linie mit den frommen 
Stammvätern, die in der Bildersprache der Hirtenvision gleichfalls weiße Farren heißen 
35^ 3—89, 12. Hinterher wird dann der Farre — der erste unter ihnen — zu einem 
Büffel, d. h. der Messias steigt zu einer Höhe empor, auf der er selbst die Erzväter 
weit hinter sich zurückläßt. Die Annahme liegt nahe, daß dieser Messias für den 
Apokalyptiker ein Sproß des makkabäischen Priestergeschlechts gewesen ist; jedenfalls 
fehlt jede Andeutung, daß er dabei an einen Davididen gedacht habe. 

b. Orac. Sib. V, 256 — 259: „Einer aber wird wiederum sein vom Himmel her, ein 
hervorragender Mann (Vers 256), dessen Hände ausbreitete auf dem fruchtreichen Holze 
(Vers 257) der Beste der Hebräer, der die Sonne einstmals stillstehn machte (Vers 258), 
red,end mit schönem Wort u. mit reinen Lippen" (Vers 259). — Schürer 3, 443 hat die 



^ Die Psalmen Salomos stammen aus der Zeit 63 — 48 v. Chr. 



Matth 1, 1 (6 1. 2) 13 

ganze Stelle für eine christliche Interpolation erklärt. Allein wenn man nach Zahns 
Vorgang (Apokalyptische Studien, Zeitschrift f. kirchl. Wissensch. u. kirchl. Leben 1886, 
43 f.) den einen Vers 257 als christlichen Zusatz streicht, so gewinnt die Stelle einen 
guten einheitlichen Charakter. Sie handelt dann von Josua u. bezeichnet diesen unter 
Hinzunahme von Vers 414 ff., wo der Messias ebenfalls ein seliger Mann heißt, der 
vom Himmelsgewölbe kommt, als den zukünftigen Messias. Es darf jedoch nicht über- 
sehen werden, daß die Baraitha fAZ 25», Tafan 20-% ferner Dt R 11 (207'') u. P''siqR 4 
(IS**) zu berichten wissen, daß auch Mose die Sonne zum Stillstehn gebracht habe. 
Hiernach könnte in obigen Versen auch Mose vom Himmel her als Messias erwartet 
sein. Jedenfalls aber zeigt die Stelle, daß ein nichtdavidischer Messias für den Sibyllisten 
kein unvollziehbarer Gedanke gewesen ist. 

C. pTafan 4 (68'\44): R. Schim?on b. Jochai (um 150) hat gelehrt: fAqiba, mein 
Lehrer, hat öffentlich vorgetragen: „Hervorgetreten ist ein Stern (kokhab) aus Jakob" 
(Nu 24, 17), hervorgetreten ist Kozeba aus Jakob. Als mein Lehrer sAqiba den Bar 
Kozeba erblickt hatte, sagte er: „Dieser ist der König, der Messias", a^h^ s^rt ]'- 
s-"i)ii! R. Jochanan b. Tortha erwiderte ihm: f Aqiba, Gras wird auf deinen Kinnbacken 
(aus dem Grabe) wachsen, u. noch immer nicht wird der Sohn Davids (der Messias) 
gekommen sein! — Die Lehnstelle Midr KL 2,2 (62'') weicht im ersten Satze auffallend 
ab: „R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Rabbi hat öffentlich vorgetragen: 'Hervorgetreten 
ist ein Stern aus Jakob'; lies nicht kokhab (Stern), sondern kozeb (Lügner)." Aus dem 
richtigen Text pTafan ist der andre so entstanden, daß zunächst R. Schimfon b. Jochai 
umgeändert wurde in R. Jochanan; in dessen Munde konnte dann „Rabbi" nicht mehr 
„mein Lehrer" heißen; man setzte es deshalb unter Weglassung von „fAqiba" um in 
den Eigennamen „Rabbi" = J**huda I.^ Noch in andrer Hinsicht ist Midr KL 2, 2 (6o») 
bemerkenswert. Mit Bezug auf die Worte R. ?Aqibas über Bar-Kozeba: „Dieser ist der 
König, der Messias" wird hinzugefügt: So aber sagte R. ?Aqiba „wegen dieser Sache". 
Damit ist die zuvor mitgeteilte Tatsache gemeint, daß Bar Kozeba vernichtende Wurf- 
steine mit seinen Knieen auf die Feinde zu schleudern vermochte. Diese außerordent- 
liche Kraft u. Geschicklichkeit war also für R. fAqiba maßgebend, ihn zum Messias 
Israels auszurufen; seine davidische Herkunft spielte dabei keine Rolle. 

2. Abraham u. David werden als Ziel- u. Höhepunkte der genea- 
logischen Entwickelung gefeiert GnR 39 (24^): R. B^rekhja (um 340) 
hat im Namen des R. N^'chemja (um 150) gesagt: Gleich einem Könige, 
der von Ort zu Ort zog, u. dem eine Perle von seinem Haupte fiel. 
Der König machte halt u. ließ sein Gefolge dort auch haltmachen. Er 
ließ den Erdstaub in Haufen zus. bringen u. Siebe herbeischaffen. Dann 
siebte man den ersten Haufen, fand sie aber nicht; auch im zweiten 
fand man sie nicht. Endlich im dritten fand man sie. Da riefen sie: 
Der König hat seine Perle gefunden! So sprach Gott: Was hatte ich 
nötig, den Namen eines Arpakhschad, Schelach, ?Eber, Peleg, Re^u, 



^ In der alten Synagoge ist übrigens die Verunglimpfung des Bar Kozeba als 
«Lügensohn" ganz vereinzelt geblieben. Auch der Name Bar-Kokhba wird ihm nirgends 
in der altjüd. Literatur beigelegt; diesen hat er durch die altkirchl. Schriftsteller er- 
halten, u. zwar auf Grund der Deutung, die R. ?Aqiba Nu 24, 27 zu seinen Gunsten 
gegeben hatte, s. Schürer' 1, 682. In den rabbinischen Schriftwerken heißt der Mann 
regelmäßig Ben-Kozeba oder Bar-Kozeba („Sohn des Kozeba" oder „der aus Kozeba", 
ohne verächtliche Bedeutung). Sein eigentlicher Name ist „Schim?on" gewesen. Das 
beweisen die während seiner Herrschaft herausgekommenen Münzen u. Midr KL 2, 2 
(63^): Zwei Brüder waren in Kephar Gharokha, die keinen Römer vorüberziehn ließen, 
ohne ihn zu töten. Sie sagten: Wir wollen die Krone Hadrians nehmen u. sie auf das 
Haupt Schimfons (des Ben-Kozeba) setzen. — Anders pTafan 4, 69-'', 33. 



14 Matthl.l (6 2). 2 

Serug, Nachor u. Therach in der Genealogie (Gn 11) aufzuführen? Aber 
um deinetwillen (Abraham) ist es geschehen: „Du hast sein Herz treu 
vor dir erfunden" (Neh 9, 8). Ebenso hat Gott auch zu David gesagt: 
Was hatte ich nötig, einen Pere^, Chevron, Ram, ^Amminadab, Nach- 
schon, Salmon, Bo'az, ^Obed u. Ischai in der Genealogie (Ruth 4) auf- 
zuführen? David, ist es nicht um deinetwillen geschehen? „Ich habe 
David gefunden, meinen Knecht, mit meinem heiligen Öl ihn gesalbt" 
Ps 89, 21. — In Midr Ruth Ende werden als Autoren genannt R. B«- 
rekhja u. R. Simon (um 280); in Jalqut Neh 9, 8 § 1071 R. B-^rekhja u. 
R.Simon im Namen des R. N^'chemja; einzelnes daraus anonym auch 
Tanch s^-n 42'', — In einer allegorischen Auslegung der Opferdar- 
bringungen Nachsehens (Nu 7, 15 ff.) wird Abraham als cn^n -ip-^jr, d. h. 
als Wurzel oder Hauptsache der Genealogie Israels bezeichnet, s. NuR 
13 (170«). 

1,2: Jakob aber erzeugte Juda u. seine Brüder. 

1. Juda wird mit Namen aufgeführt, weil er zu den Ahnherren 
des Messias gehört. 

TanchB ad § 11 (91 ^>): Juda ging hinab (Gn 38, 1), um den letzten Erlöser zu 
stellen, das ist der König, det Messias; denn aus ihm sollte der König, der Messias, 
hervorgehn. || TanchB ic;-n § 3 (103^): Auch in der Zukunft wird der Kriegsgesalbte 
(damit ist der Messias b. Ephraim oder b. Joseph gemeint, s. bei Lk 24, 26) von Joseph 
erstehn; aber der Gesalbte, der voe J*^huda ersteht (d. i. der Messias), wird stärker sein 
als jener; denn es heifst Sach 10, 6: Ich mache zu Helden das Haus J^huda, aber dem 
Hause Joseph helfe ich. |i TanchB -n-i § 12 (110^): Warum heißt es Gn 49, 8: J^huda, 
dich werden deine Brüder preisen? Weil alle Israeliten nach deinem Namen werden 
Juden genannt werden, u. nicht nur dies, sondern auch weil der Messias aus dir hervor- 
gehn wird, der Israel helfen wird, s. Jes 11,1: Eine Rute wird aufgehn aus dem Stumpf 
Isais. II Vgl noch die Zitate zu 1, 3. 

2. Neben Juda werden seine Brüder genannt, wohl um ihre Gleich- 
wertigkeit mit ihm auszudrücken u. sie dadurch zu ehren. ; 

TanchB -nv § 17 (111^): Es heißt Gn 49,28: „Er (Jakob) segnete sie; jeden mit 
dem, was seinem Segen gemäfs war, segnete er sie." Er segnete „ihn" steht nicht 
geschrieben, sondern er segnete „sie". Warum dies? Weil er dem J^uda beigelegt 
hatte die Stärke des Löwen u. dem Joseph die Stärke des Ochsen u. dem Naphtali 
die Schnelligkeit des Hirsches u. dem Dan den Biß der Schlange, so könnte man 
meinen, daß der eine größer sei als der andre; deshalb faßt er sie alle zum Schlüsse 
zusammen: einen jeden in Gemäßheit seines Segens segnete er sie. Parallelen: Tanch 
•r.-'. Ende (58''); GnR 99 (63-^). Ähnlich R. Elfazar (um 27U) in NuR 13 (169 = ) u. R. B^- 
rekhja (um 340) in Midr HL zu 4, 7 (113b). y js^^R 18 {169'^): „Ganz schön bist du, meine 
Freundin, und kein Fehl ist an dir" HL 4, 7. Die Stelle redet von den Stammes- 
fürsten. Als sie zur Einweihung des Altars ihre Opfer darbrachten (Nu 7), brachten 
sie nicht alle an Einem Tage dar, sondern jeder einzelne an seinem bestimmten Tage, 
s. Nu 7, 11: „Je ein Fürst täglich." War da nun etwa der zuerst darbrachte ganz be- 
sonders geelirt (wörtl. geliebt) u. sollte J^'huda, der zuerst darbrachte, geehrter sein 
als alle? Deshalb hat R. Chelbo (um 800) gesagt: Bei allen Stämmen steht „sein 
Opfer" (zB Nu 7, 19.25.81 usw.), aber bei dem Fürsten von J'huda steht „und sein 
Opfer" (Nu 7, 13). Brachte dieser nicht zuerst dar? und doch heißt es „und" sein 
Opfer! Es hätte nicht so heißen sollen; vielmehr bei dem ersten hätte es heißen 
sollen „sein Opfer" u. bei den folgenden „und sein Opfer". Warum so? R. B'Yekhja, 



Matth 1, 2. 3 (51. SB 1. 2) I5, 

der Priester u. Rabbisohn (um 340), hat gesagt: Damit, wenn J'^huda, der zuerst dar- 
brachte, sich stolz über seine Brüder erheben u. sagen sollte: „Ich bin der Geehrteste 
unter euch, denn ich habe zuerst dargebracht", diese ihm antworten können: „Du bist 
es, der zuletzt dargebracht hat, denn so steht geschrieben: „Und sein Opfer" (Vers 13); 
damit hat er dich zum Anhängsel (Nebensache) deinen Brüdern gegenüber gemacht. 
Das wollen die Worte besagen: Ganz schön bist du, meine Freundin. |i NuR 18 (IßO'^^): 
Nu 7, 12: „Nachschon, Sohn des ?Amminadab vom Stamme J'^huda." Die Schrift genea- 
logisiert ihn nach dem Namen seines Stammes: das ist eine Ehre (Lob) für ihn, eine 
Ehre für seinen Vater, eine Ehre für seinen Stamm. 

1,3: Juda zeugte Perez u, Serah. 
2t (PccQt'g = i'-s, Zagä := n^^-, s, Gn 38, 29. — Von beiden handelt 
J«b 76'', s. bei 1,5! 

1,3 0: Von der Thamar, sx zf^g Qäfiaq. 

1. Namen von Frauen sind in jüdischen Geschlechtsregistern selten. 
Der Grundsatz, daß in Erbschaftsfragen nach Nu 27, 11 nur die väter- 
liche, aber nicht die mütterliche Familie gelte (BB 109'^), wird auch 
bei der Aufstellung von Stammbäumen befolgt sein. Ausnahmen im 
AT: wo eine Unregelmäßigkeit in der Deszendenz oder sonst etwas 
Bemerkenswertes sich an den Namen einer Frau knüpft, zB 1 Chr 
2, 21. 24. 34. 48 f.; 7, 24. Dazu kam, daß der späteren Zeit eine nicht 
allseitig genealogisch belegte Herkunft gleichbedeutend war mit ruhm- 
loser Herkunft, eine Anschauung, die zB Rab (f 247) veranlaßte, dem 
Gerede der Sektirer (Minim) gegenüber auch für die Mutter Abrahams, 
Davids u. Simsons gewisse Namen zu erfinden, BB 91^. — In dem Ge- 
schlechtsregister Jesu hat der Evangelist vier Frauen namhaft ge- 
macht: Thamar 1,3, Rahab u. Ruth 1, 5, Bathseba, die Gattin des Uria 
1,6. Er hat wohl auf das souveräne Walten der göttlichen Gnade hin- 
weisen wollen, der alles, auch menschliche Eigenmächtigkeit u. Sünde, 
dienen mußte, um der Welt den Erlöser zu schenken. 

2. Diese verborgene Gotteshand hat die Synagoge in Thamars 
Leben nicht verkannt, aber die Wahrheit alsbald in ihr Gegenteil ver- 
zerrt, indem sie Judas u. Thamars Sünde ausdrücklich auf Gottes 
Initiative zurückführt, um die Stammeltern von menschlicher Schuld 
zu entlasten. 

GnR 85 (54'^): R. Sch^iuel b. Nachman (um 260)^ eröffnete seinen Vortrag mit Jer 
29,11: „Ich weiß meine Gedanken, die ich über euch hege, ist Jahves Spruch, Ge- 
danken des Friedens" usw. Die Stammväter waren mit dem Verkauf Josephs be- 
schäftigt, Joseph war mit Trauern u. Fasten beschäftigt, ebenso Rüben u. Jakob, u. 
J'^huda war damit beschäftigt, sich ein Weib zu nehmen. Und Gott war beschäftigt 

^ R. Sch^'muel b. Nachman vertritt die Lehre von der Präexistenz der Seelen zB 
Tanch cas: (26*). Er will sagen: Als mit der Beiwohnung der Thamar durch Juda 
der Grund zu dem Geschlecht gelegt wurde, dem der Messias entspriefsen sollte, be- 
faßte sich Gott mit der Bildung der Messiasseele. Der Ausspruch geht über die ideelle 
Präexistenz des Messias hinaus, ohne aber diesem etwas Außerordentliches vor den 
übrigen Menschen beizulegen, da ja die Seelen aller Menschen als präexistierend gedacht 
werden. Zur Lehre von der Pr. der Seelen s. bei Job 1, 1 (am Anfang war das Wort C). 



16 Matthl,3 (35 2) 

als Schöpfer des Lichtes (= Leben, Seele) des Königs, des Messias, „und es geschah 
in jener Zeit, daß Juda hinabging" (Gn 38, 1): „Ehe sie noch kreißte, hat sie geboren" 
(Jes 6li, 7), ehe noch der erste Unterdrücker (^= Pharao) geboren war (existierte), war 
schon der letzte Erlöser (= Messias). geboren. 

Aggad B'^reschith 63 § 3: „Dort sah Juda die Tochter eines kana?anäischen Mannes" 
Gn 38, 2. Als er sie geheiratet hatte, sprach Gott: Der Messias soll aus Juda erstehn, 
u. dieser geht hin u. heiratet ein kanafanäisches Weib! Aber was soll ich machenJ Er 
macht Umwege (schmiedet Ränke) u. verheiratet seinen Sohn mit der Thamar. Und 
Thamar war die Tochter Sems, des Alten (vgl. unten). Gott sprach: Die Kana?anäerin 
soll sterben, wie es heißt (Gn 38, 12): „Und nach geraumer Zeit starb . . . das Weib 
Judas": u. ihre Söhne sollen sterben, wie es heißt: „Er tötete den ?Er und Onan" (vgl. 
Gn 38, 7. 10), damit sich Juda an die Thamar hänge, denn sie ist priesterlichen Ge- 
schlechts, eine Tochter Sems b. Noach.^ 

TanchB zv^-\ § 13 (92 ^j: ,Dort sah J^mda" (Gn 38, 2). Der eine hat gebuhlt u. 
ward belohnt, u. ein andrer hat gebuhlt u. erlitt Schaden . . ., ein solcher war Zimri, 
Ein Buhler, der belohnt wurde, w.ar Juda; denn von ihm erstanden Pere9 u. Chevron, 
die David u. den König, den Messias, stellen sollten, der Israel erlösen wird. Sieh, 
wieviel Umwege Gott machen (= wieviel Listen er anwenden) mußte, bevor er den 
König, den Messias, aus Juda erstehn lassen konnte, den, von dem geschrieben steht 
Jes 11,2: Auf ihm wird ruhen der Geist Jahves. 

pSota 1,4 (16 '^, 56): R. Ghizqijja (um 350) hat im Namen des R. Acha (um 320) 
gesagt: R. Chijja (der Altere, um 200) hat drei Schriftstellen öffentlich zum Lobe vor- 
getragen. Gn 3^, 14: „Thamar setzte sich an den Eingang von fEnajim." Ist das mög- 
lich? Selbst eine Buhlerin in ihrer Buhlerei tut nicht dergleichen. Vielmehr bedeuten 
diese Worte, daß sie ihre Augen aufhob zu der Pforte, nach der alle Augen (a-s'-y = 
„Augen" soll den Namen fEnajim deuten) blicken. (Damit ist die Himmelstür gemeint, 
durch welche nach rabbin. Anschauung die Gebete vor Gott gelangen.) Sie sprach vor 
ihm: Herr aller Welten, nicht möge ich leer von diesem Hause weggehn. Parallelen: 
pK^thlS, 1 (35V 52), wo der Name Chijjas ausgefallen ist; Midr Sm 7 §4 (34'"'), hier 
Tradenten R. Juda b. Simon im Namen des Ghizqijja (eines Sohnes Chijjas des Alteren); 
GnR 85 (54*^) wird R. Ammi (um 300) als Autor genannt; einen ähnlichen, aber kürzeren 
Ausspruch des R. J^hoschua? b. Levi (um 250) bringt TanchB zr-i § 17 {9B^). 

Sota 10^: „Thamar setzte sich an den Eingang von fEnajim" Gn 38, 14. R, Ale- 
xandrai (um 280) hat gesagt: Die Worte wollen lehren, daß sie hinging u. sich an die 
Tür unsres Vaters Abraham setzte, an den Ort, auf den alle Augen =-ry blickten, ihn 
zu sehn. R. Chanin (um 300) hat gesagt: Rabbi hat gesagt: Es war ein Ort, der ?Enajim 
hieß, vgl. Jos 15, 34: Tappuach u. fEna(jiim. R. Sch^muel b. Nachmani (um 260) hat 
gesagt: Die Worte wollen besagen, daß sie in ihre Worte augenscheinliche Gründe 
(wörtl.: Augen) hineinlegte. Als er nämlich sein Ansinnen an sie stellte, sagte er zu 
ihr: Bist du etwa eine Heidin? Sie antwortete ihm: Ich bin eine Proselytin. Vielleicht 
bist du eine verheiratete Frau? Sie antwortete: Ich bin ledig. Vielleicht hat dein Vater 
dich zur Ehe zugesagt? Sie antwortete: Ich bin eine Waise. Vielleicht bist du unrein? 
Sie antwortete: Ich bin rein. (Alle ihre Worte begründen mithin ihr Erlaubtsein für 
Juda.) — Sch<^muels Deutung anonym, aber nur teilweise auch pK'^th 13, 1 (35", 55); 
pSotal,4(16'i, 59). 

GnR 80(54*^): „Und Juda sah sie" Gn 38, 15. Aber er beachtete sie nicht, weil 
sie ihr Angesicht bedeckt hatte ; er meinte, wenn sie eine Buhlerin wäre, würde sie 
dann wohl ihr Angesicht bedeckt haben? (Der Midrasch dreht den Sinn von Gn 38, 15 
um.) Denn R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Er wollte vorübergehn, aber Gott entbot 
?;u ihm den Engel, der über den Geschlechtstrieb gesetzt ist. Der sprach zu ihm: Juda, 



^ Sem wird in der rabb. Literatur meist mit Melchisedek, dem Priester des El 
fEljon (Gn 14, 18), identifiziert u. soll nach Seder fOlam R 1 g. E. erst gestorben sein, 
als Jakob 50 Jahre alt war. 



Matth 1, 3 (SB 2. 3) 17 

wo willst du hin? Woher sollen Könige, woher sollen Große erstehn? ^Und er bog 
zu ihr ab, zu dem Wege hin" (Vers 16), nämlich gezwungen, nicht aus freien Stücken. 
Er sprach (Vers 18): Was ist das Pfand, da:3 ich dir geben soll? R. Huna (um 350) 
hat gesagt: Es blitzte der heilige Geist (= Geist der Prophetie) in ihr auf. Sie sprach: 
,Dein Siegelring"; damit ist das Königtum angedeutet, vgl. HL 8,6: Lege mich wie 
einen Siegelring an dein Herz; Jer22, 24: Wenn Chonjahu, der Sohn J'-'hojaqims, der 
König von Juda, ein Siegelring wäre an meiner rechten Hand. , Deine Schnur" ; damit 
sind die Mitglieder des Synedriums angedeutet, die mit Schnüren (am Ehrenmantel, 
Tallith) ausgezeichnet sind, vgl. Nu 15, 38: Eine Schnur von blauem Purpur. ,Und dein 
Stab"; damit ist der König, der Messias, angedeutet, vgl. Jes 11, 1 : Es wird eine Rute 
aufgehn aus dem Stumpf Isais; Ps 110,2: Das Zepter deiner Macht wird Jahve aus- 
strecken von Zion. ... Gn 38, 24: , Führet sie hinaus, daß sie verbrannt werde." Ephraim, 
der Disputiersüchtige, der Schüler des R. Me'ir, hat im Namen des R. Meir (um 150) 
gesagt: Tharaar war die Tochter des Sem; denn es heißt (Lv 21, 9): „Falls die Tochter 
eines Priesters sich entweiht zu huren . . ., mit Feuer soll sie verbrannt werden"; 
deshalb , führet sie hinaus, daß sie verbrannt werde". — Parallele: TanchB zv^i § 17 
{9i^]. Zum letzten Satz vgl. Targ Jerusch 1 zu Gn 38, 24. 

Sota 10'': ,Sie fand" Gn 38, 25; es sollte heißen: „Sie wurde hinausgeführt." (Der 
Midrasch deutet rs::-« als Partiz. Qal von x-^'s finden.) R. El?azar (um 270) hat gesagt: 
Nachdem ihre Unterpfänder (die sie von Juda erhalten) gefunden waren, kam Sammael 
(Name des Teufels) u. entfernte sie (damit Thamars Unschuld nicht an den Tag käme); 
es kam Gabriel u. brachte sie wieder herbei. Darauf bezieht sich Ps56, 1: „Dem 
Musikvorsteher über die Taube (= Thamar!, die verstummte wegen der fernen (Unter- 
pfänder; so der Midrasch). R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Als ihre Unterpfänder weg- 
genommen waren, wurde sie wie eine stumme Taube in bezug auf David, den Mikhtam 
(Ps 56, 1); denn von ihr sollte David hervorgehn, der demütig ■^^ u. vollkommen sr; ^ 
in jeder Hinsicht war. (In der 1. Deutung sind für Thamar die „Fernen" die entfernten, 
weggenommenen Pfänder, in der 2. Deutung die in ferner Zukunft von ihr Abstammenden.) 
. . . „Und sie sandte zu ihrem Schwiegervater und ließ ihm sagen: Sieh doch genau 
zu" Gn 38, 25. — „Doch" (sd) ist ein Ausdruck der Bitte. Sie sprach zu ihm: Ich bitte 
dich, erkenne das Angesicht deines Schöpfers an u. verbirg deine Augen nicht vor mir. — 
Parallelen: GnR 85 (54 ^j; zum Teil TanchB 32)-i § 17 (94^); Targ Jerusch 1 u. II z. St. 

Mak23'': R. El?azar (um 270) hat gesagt: An drei Orten leuchtete der heilige 
Geist hervor (um festzustellen, was über menschliches Wissen hinausging): im Gerichts- 
hof des Sem, des Samuel aus Rama u. des Salomo. Im Gerichtshof des Sem, s. Gn 
38, 26 : Und Juda sah genau hin u. sprach: „Sie ist gerecht, von mir" (geht sie schwanger). 
Woher wußte er das? Es war doch möglich, daß, so gut wie er ihr beigewohnt hatte, 
noch ein andrer Mann ihr beigewohnt hatte! Aber es ging eine Himmelsstimme aus, 
die sprach: Von mir (Gott) sind ausgegangen Heimlichkeiten (d. h. der geheime Gottes- 
beschluß, daß von der Thamar der Messias erstehn soll).'^ Parallelen: Midr Ps 72 § 2 
(163 a); GnR 85 (54 d), hier Autor R. Sch'^muel b. Ji^chaq (um 300), Tradent R. Jirm^ja 
(um 325); Midr Qoh 10, 16 (49^), Autor R. Sch'^^muel b. Nachman (um 260); Targ Jerusch 1 
zu Gn 38,26. In Targ Jerusch II spricht die Himmelsstimme: Ihr beide seid unschuldig, 
von mir (Jahve) ist die Sache ausgegangen. 

3. Sogar von göttlichem Lohne für Judas u. Thamars Tat wird 
geredet. 

TanchB 2'i)-) § 13 (92^, 14) s. oben S. 16. || Sota lO'': „Juda sah genau hin u. 
sagte: Sie ist mir gegenüber im Rechte" Gn 38, 26. Das meinte Rab Chanin bar Bizna 
(um 260, ein Babylonier), der gesagt hat: R. Schimfon der Fromme (ein Tannait) hat 
gesagt: Joseph, der den Namen des Himmels (^ Gottes) im geheimen geheiligt hat 

1 Zerlegung von ars^ in zwei Wörter, s. Einl. 107, Nr. 30. 

2 Die ganze Stelle s. bei Mt 3, 17 Anm. h, 27. 

Strack u.Billerbeck, NT I. 2 



18 Mattlil,3 (85 3. 6. 25) 

(dem Weibe Potiphars gegenüber), ward gewürdigt, daß man ihm Einen Buchstaben 
aus dem Namen Gottes hinzufügte; s. Ps 81, 6: Zum Zeugnis hat er es (das -) gesetzt 
in nc-n- (sonst wird der Name c|D'- geschrieben). J'^huda, der den Namen des Himmels 
öffentlich geheiligt hat (als er die Worte Gn 38, 26 sprach), ward gewürdigt, daß er 
ganz nach dem Namen Gottes genannt wurde (der Name min^ enthält die sämtlichen 
Buchstaben des Gottesnamens mn-). — Nachdem er bekannt u. gesagt hatte: „Sie ist 
gerecht, von mir ist es", ging eine Himmelsstimme aus, welche sprach: Du hast die 
Thamar u. ihre beiden Söhne aus dem reuer(tode) errettet, bei deinem Leben, ich 
(Gott) werde durch dein Verdienst drei von deinen Nachkommen aus dem Feuer er- 
retten. Wer sind diese? Ghananja, Mischael u. sAzarja (s. Dn 1,6. 3, 12 ff.; die Ge- 
schichte ihrer Errettung s. P^s 118"). — Der letzte Absatz gleichfalls anonym GnR 99 
(63'0; TanchB ar- § 17 (94^); Aggad B^resch 82 §2 (55'^); nach Midr Sm9§6 (38-0 
gehört der Ausspruch dem R. Levi (um 300) an; Tradent: R. J^oschuaf von Sikhnin 
(um 330) genannt. |1 Hör 10 '^ u. Nazir 23'': ?Ulla (b. Jischma?el, um 280) hat gesagt: 
Thamar hat gebuhlt, Zimri hat gebuhlt; Thamar hat gebuhlt, u. es gingen aus ihr 
Könige u. Propheten hervor; Zimri hat gebuhlt, u. es fielen seinetwegen wer weiß wie 
viele Myriaden aus Israel. |! M^'g lO'': R. Sch^muel b. Nachmani (um 260) hat gesagt: 
R. Jonathan (b. Elfazar, um 220) hat gesagt: Jede Braut, die züchtig verhüllt im Hause 
ihres Schwiegervaters lebt, ist würdig, daß aus ihr Könige u. Propheten hervorgehn. 
Woher können wir das beweisen? Von der Thamar; s. Gn 38, 15: „Und Juda sah sie 
u. hielt sie für eine Buhlerin, denn sie hatte ihr Angesicht bedeckt." Darum daß sie 
ihr Angesicht bedeckte, hätte er sie für eine Buhlerin gehalten? Nein; weil sie ihr 
Angesicht im Hause ihres Schwiegervaters verhüllt hatte, erkannte dieser sie nicht 
(am Eingang von fEnajim). Deshalb wurde sie gewürdigt, daß aus ihr Könige u. Pro- 
pheten hervorgingen. Könige: von David her, s. Ruth 4, 18 ff.; Propheten: R. Levi (um 
300) hat gesagt: Eine' Überlieferung besitzen wir von unsren Vätern her, daß Amo9 u. 
AmaQJa Brüder gewesen sind, u. es steht geschrieben Jes 1,1: Gesicht, welches Jesaja, 
der Sohn des Amo9, gesehen hat. (Wenn Amo9, der Vater des Jes., ein Bruder des 
Königs Ama^ja (2 Kg 12, 22) war, dann stammte auch Jes. von David ab, u. dann ist 
der Beweis erbracht, daß aus Thamar Propheten hervorgegangen sind.) — Sota 10** 
wird der Anfang von R. Jonathans Ausführung dem R. Ehazar (b. P'^'dath, um. 270) bei- 
gelegt, li — Ein Tadel über Judas Tat wird Tos B®rakh 4, 18 (10) ausgesprochen mit 
der Frage: Gibt mau (Gott) denn einen Lohn für die Sünde? 

1, 3 (J: Perez u. Serah. 
Aggad B*^resch 63 § 3 (44''): „Es geschah, als Thamar gebar, streckte einer die Hand 
hervor" Gn 38, 28. Zeracb wollte zuerst herauskommen; da sprach Gott: Der Messias 
soll von Pere^ erstehn, u. Zerach sollte zuerst herauskommen? Nein, er soll wieder in 
seiner Mutter Leib gehen, u. Pere^ soll zuerst herauskommen, von dem der Messias 
hervorgehn wird . . .; Pere9, das ist der Messias; s. Micha 2, 13: „Heraufziehn wird der 
Durchbrecher, yii£~, vor ihnen her." |i GnR 85 (55^): „Und es geschah, als er seine 
Hand zurückzog, siehe da kam sein Bruder heraus" Gn 38, 28. Das geht auf den, der 
groß (mächtig) ist wider (über) alle Frechen, von dir wird er erstehn, S.Micha 2, 13: 
„Heraufziehn wird der Durchbrecher yitT: vor ihnen her." Rabbi hat im Namen der 
Rabbinen gesagt: Alle Durchbrecher werden von dir erstehn, s. Micha 2, 13: Herauf- 
ziehn wird der Durchbrecher vor ihnen her, sie werden durchbrechen. (Diese Deutung 
nimmt y-^^r kollektiv u. unterscheidet von den durchbrechenden Helden ihren im fol- 
genden genannten -b's = Messias.) |i Targ Jerusch I zu Gn 38, 29: Als das Kind seine 
Hand zurückzog, da kam sein Bruder heraus, u. sie (die Geburtshelferin) sprach: Eine 
wie mächtige Gewalt hast du angewandt, u. dir liegt es ob, mächtig zu werden, denn 
du wirst die Königsherrschaft in Besitz nehmen. 

^ Perez erzeugte Hezron, 'Eoqw^i. 

Der Messias wird Ben Pere9 genannt. 



Matthl,3(2)). 4 19 

GnR 12: „Dies ist die Geschichte m^-ir des Himmels u. der Erde." R. Sch*^muel 
b. Nachman (um 260) hat gesagt: ToPdoth in der Tora (im AT) wird defektive ge- 
schrieben; ausgenommen Rutil 4, 18: „Das sind die Generationen msir des PereQ* u. 
Gn 2,4. Weshalb? R. Judan (um 350) hat im Namen des R. Rauben (um 300; so ist 
statt R. Abin zu lesen mit Bacher, pÄmor 3, 81) gesagt: Entsprechend den sechs Dingen, 
die dem ersten Menschen (infolge seiner Sünde) entzogen worden sind, nämlich Glanz, 
Leben, Größe der Gestalt, Fruchtbarkeit (wörtl. die Frucht) der Erde, Fruchtbarkeit 
der Bäume u. die Helligkeit der Himmelslichter. Sein Glanz, s. Hiob 14,20: „Er ver- 
änderte sein Aussehn u. du triebst ihn fort." Sein Leben, s. Gn3, 19: „Erde bist du, 
u. zu Erde sollst du wieder werden." Die Größe seiner Gestalt, s. Gn3, 8: „Es ver- 
steckte sich der Mensch u. sein Weib zwischen den Bäumen des Gartens" (Adam hatte 
also jetzt unter den Bäumen Platz, während er vor dem Sündenfall eine Länge von 
mindestens 200 Ellen hatte). Die Fruchtbarkeit der Bäume u. der Erde, s. Gn3, 17: 
„VerÜucht sei der Erdboden um deinetwillen." Die Helligkeit der Himmelslichter 
(Schriftbeleg fehlt) . . . R. B'^^rekhja (um 340) hat im Namen des R. Sch^muel (b. Nach- 
man, um 260) gesagt: Obwohl alle Dinge in ihrer Fülle (vollen Gestalt u. Herrlichkeit) 
geschaffen worden waren, so wurden sie, nachdem der erste Mensch gesündigt hatte, 
verschlechtert, u. sie werden auch nicht eher zu ihrer (ursprünglichen) Verfassung 
zurückkehren, als bis der Ben Pere(; (^ Messias) kommen wird; s. Ruth 4, 18: Dies 
sind die Generationen des PereQ. Hier ist r-\ih'.r plene (mit zwei i) geschrieben, wegen 
der sechs Dinge, die (wenn Ben Pere^ = Messias kommt, dem Menschen) wiederkehren 
werden, nämlich Glanz, Leben, hohe Gestalt, Fruchtbarkeit der Erde, Fruchtbarkeit 
der Bäume u. die Helligkeit der Himmelslichter. Sein Glanz, s. Ri 5,31: „Seine Freunde 
sind wie die aufgehende Sonne." Sein Leben, s. Jes 65, 22: „Wie das Alter der Bäume 
wird das Alter meines Volkes sein." Die Größe seiner Gestalt; denn es heißt (Lv 26, 13): 
„Tch werde (so deutet der Midrasch) euch in hoher Gestalt einhergehn lassen." (Hier 
folgen Aussagen, die dem Menschen zukünftig eine Größe bis zu 900 Ellen beilegen.) 
Die Fruchtbarkeit der Erde u. der Bäume; s. Sach 8, 12: „Der Same des P'riedens, der 
Weinstock wird seine Frucht geben u. die Erde ihren Ertrag." (Der Midrasch deutet 
vermutlich: Der Same wird vollkommen sein, n^";::;, u. der Weinstock wird seine, die 
ihm nur immer mögliche Frucht geben usw.) Die Helligkeit der Himmelslichter; s. 
Jes 30,26: „Es wird das Licht des Mondes gleich dem Sonnenlicht sein, u. das Licht 
der Sonne wird siebenfältig sein." — Tanch r-^a^z (4^) u. TanchB rr^rs^a §18 (6^) 
enthalten mancherlei wichtige Abweichungen im einzelnen: zB R J^'huda b. Schallum, 
um 380, begründet die Sechszahl der dem Adam genommenen Dinge mit dem Zahlen- 
wert des dem Worte n-isin genommenen " = 6; statt „Fruchtbarkeit der Bäume" ist 
„der Garten sEdens" eingesetzt; Ben Pere^ bleibt unerwähnt; vielmehr bringt Gott im 
fOlam ha-ba, dem zukünftigen Aon, die sechs verlorenen Dinge wieder. — Die Parallele 
aus NuR 13 (170'"'), s. unten S. 20. — || Einen mehr selbständigen Charakter hat die 
Tradition ExR 30 (89^): Man findet, daß alle p-,i^ir in der Schrift defektive geschrieben 
sind mit Ausnahme von Gn 2, 4 u. Ruth 4, 18; Gn 2, 4 wird m'sir plene geschrieben; 
denn als Gott seine Welt schuf, gab es noch keinen Todesengel in der Welt, u. deshalb 
schrieb er das Wort plene; als aber Adam gesündigt hatte, schrieb Gott alle Wörter 
miVin defektive. Und als Perec erstand, da wurde sein ri-sVin plene geschrieben, weil 
der Messias von ihm erstehn soll, in dessen Tagen Gott den Tod verschlingen wird, 
s. Jes 25, 8: Verschlingen wird er den Tod für immer. 

1,4: Nahesson zeugte Salma, Naaaßcov, ^aXpcoav. 

1. Nachschon. NuR 13 (169"^): Weshalb wurde sein Name Nachschon genannt? 
Weil er zuerst hinabsprang in den Strudel des (Roten) Meeres, '■sii^rrj, Strudel, Wort- 
spiel mit pcn:; s. den ausführl. Bericht M^khiltha zu Ex 14, 22 (37^ f.); Sota U^. 87 ^ 
Pirqe R. El. 42 (24»). 

2. Nachschon wird mehrfach unter den Ahnherren des Messias nam- 
haft gemacht,a so daß dieser kurzweg Ben Nachschon genannt wird.b 

2* 



20 Matthl,4.5 («1.2) 

a. NuR 13 (170^): Warum wird das Wort D^iiry (Böcke, Nu 7, 17) plene ge- 
schrieben (mit i)? Das Waw (dessen Zahlenwert = 6) entspricht den sechs Nach- 
kommen, die, von Nachschon stammend, Inhaber von sechs Segnungen sind: David, 
Messias (n-ico ohne Artikel, s. S. 6;^), Daniel. Chananja, Mischael u. fAzarja. David; 
s. 1 Sm 16, 18. Messias; s. Jes 11, 2: Es ruht auf ihm der Geist Jahves: der Geist der 
Weisheit u. des Verstandes, siehe das sind zwei; der Geist des Rates u. der Stärke, 
siehe das sind (zusammen) vier; der Geist der Erkenntnis u. der Furcht Jahves, siehe 
das sind sechs. — Daniel, Chananja, Mischael u. f Azarja s. Dn 6, 4. Diese Ausführung 
ruht auf einem Ausspruch des Bar Qappara (um 210), s. Sanh 93^. 93"^ bei 1, 5. || NuR 13 
(170'^): Die Schüssel u. das Becken (Nu 7, 13) brachte Nachschon dar mit Bezug auf 
die Könige aus dem Hause Davids, die von ihm erstehn sollten u. herrschen unter dem 
Himmelsgewölbe (ns^ra nach Raschi zu M^gll^ = :''p"in rs-'S Vs rnr) über Meer u. 
Land, wie Salomo u. der König, der Messias. Salomo s. 1 Kg 5, 4; 10, 24f. ; Ps 89, 26. 
Der König, der Messias, s. Ps 72, 8. 11 ; ferner Dn 7, 13f.: Siehe mit den Wolken des 
Himmels kam einer, einem Menschensohne gleich . . . und ihm wurde Macht u. Ansehn 
u. Herrschaft gegeben u. alle Völker u. Nationen u. Sprachen fürchteten ihn. Ferner Dn 
2, 35: Der Stein, der das Bild traf, wurde zu einem großen Fels u. füllte die ganze Erde. 

b. NuR 18 (170''^): , Und sein Opfer", ua-pi (Nu 7, 13). Weshalb das überflüssige 
Waw (zu Anfang des Wortes, das Vers 19. 25 usw. fehlt)? R. Bebai (um 320) hat im 
Namen des R. Rauben (um 300) gesagt: Das Waw (sechs) entspricht den sechs Dingen, 
die dem ersten Menschen genommen wurden u. die wiederkehren werden durch den 
Ben Nachschon, das ist der Messias; vgl. oben S. 19f. 

1,5 5t: Salma zeugte Boas von der Rahab. 

1. Rahabs lasterhaftes Vorleben. 

M^g 15*, Bar (i"r, s. Einl. ly. 2): Vier schöne Frauen hat es in der Welt gegeben: 
Sara, Abigail, Rahab u. Esther; wer aber sagt, daß Esther von zu gelblicher Farbe 
gewesen sei, der scheidet E. aus u. fügt Vaschthi ein . . .: Rahab hat durch ihren 
Namen (= weit, offen) zur Buhlerei gereizt, Jafel durch ihre Stimme, Abigail durch 
die Erinnerung an sie, Mikhal, die Tochter Sauls, durch ihren Anblick. — R. Jigchaq 
(um 300) hat gesagt: Jeder, der „Rahab, Rahab" sagte, bekam sofort Samenfluß. Rab 
Nachman (b. Ja?aqob) erwiderte ihm: Ich kann Rahab, Rahab sagen u. es ficht mich 
nicht an. Da sagte jener: Ich meine es auch nur von dem, der sie kannte u. erblickte. 
Parallele zu dem Ausspruch des R. Jicjchaq Ta?an 5''. H Z*^b 116*^: Ein Autor hat gesagt: 
Es gab keinen Fürsten u. Führer, der nicht der Buhlerin Rahab beigewohnt hätte. || 
M%h Ex 18, 1 (641^) u. Z«b 116b:__Man hat gesagt: Die Buhlerin Rahab ist 10 Jahre alt 
gewesen, als die Israeliten aus Ägypten zogen, u. die ganzen 40 Jahre hindurch, die 
die Israeliten in der Wüste zubrachten, hat sie gebuhlt; am Ende der 50 Jahre ist sie 
Proselytin geworden. 

2. Rahabs Hinneigung zu Israel wird im AT begründet mit ihrer 
Kunde von Gottes Großtaten inmitten seines Volkes Jos 2, 9 ff. Das 
NT hebt ihren Glauben hervor Hebr 11, 31, der sie zu der sie selbst 
rettenden Tat an den Kundschaftern führte Jak 2, 25. — Der Midrasch 
hat mehrfach den Übertritt R.s zum Judentum verherrlicht: nachdem 
sie unter dem Bekenntnis ihrer Sünde Proselytin geworden,» wird sie 
als ein Beweis für die Wahrheit angeführt, daß Gott den sich nahen 
lasse, der sich ihm nahen will;b oder als Beleg für die Regel, daß 
Gott dann, wenn Israel seinen Willen tue, Gerechte aus der Heiden- 
welt seinem Volke zuführe.c Selbst als ein Werkzeug des göttl. Geistes 
der Prophetie wird sie gefeiert,d u. noch der König Hiskia erinnert 



Matthl,5 (212) 21 

sich ihrer in seiner Todesangst, um nach ihrem Vorbild durch Geltend- 
machung des Verdienstes guter Werke Rettung zu erlangen.e 

a. Wk\\ Ex 18, 1 (64^): Nach 50 Jahren wurde sie Proselytin, u. sie sprach: Herr 
der Welt, mit drei Dingen habe ich gesündigt u. wegen dreier Dinge vergib mir, wegen 
des Seiles u. des Fensters u. der'Mauer, s. Jos 2, 15. (Mit diesen drei Dingen hatte sie 
auch gesündigt, weil sie durch sie ihren Buhlen Zutritt zu ihr ermöglicht hatte; vgl. 
Raschi zu Zublieb). 

b. Siphre zu Nu 10, 29 § 78 (20'^): Bei R. gilt der Schluß vom Kleineren auf das 
Größere: wenn Gott die, die von einem Volke stammte, von dem es Dt 20, 16 heißt: 
, Keine einzige Seele sollst du am Leben lassen", weil sie sich selbst nahte, so sich 
nahen ließ — um wieviel mehr wird es dann von Israel gelten, die die Tora halten! || 
NuR 3 (139''): „Wohl dem. den du erwählst und herzukommen lassest" Ps 65, 5. Wohl 
dem, den Gott erwählt, auch wenn er ihn nicht nähert; u. wohl dem, den er nahen 
läßt, auch wenn er ihn nicht erwählt hat. (Beispiele für den ersten Satz: Abraham, 
Jakob, Mose, die Gott sich erwählte, aber nicht an sich zu ziehen brauchte, weil sie 
sich von selbst zu ihm hielten.) Komm und sieh: Jethro ließ Gott nahen, aber er hatte 
ihn nicht erwählt; die Buhlerin R. ließ er nahen, aber er hatte sie nicht erwählt. Heil 
denen, die er nahen läßt, auch wenn er sie nicht erwählt hatte. || P*^'siqR 9 (167 •'j: 
R. Alexandrai (um 270) hat gesagt: Gott richtet die Völker durch ihre eigenen Recht- 
schaffenen, durch Rahab, durch Jethro, durch Ruth. Wie denn? Er sagt zu den An- 
gehörigen der Völker der Welt: Warum hast du dich mir nicht genähert? Wenn dieser 
dann sagen wird: Weil ich so völlig gottlos gewesen bin u. mich geschämt habe, wird 
er ihm antworten: Wie, bist du es denn mehr gewesen als R., deren Haus an der Wand 
der Mauer war, u. die die Räuber aufnahm u. drinnen hurte? Und als sie sich zu mir 
nahte, habe ich sie nicht aufgenommen u. von ihr Propheten u. Gerechte erstehn lassen? 
Jethro ist ein Götzenpriester gewesen; als er sich mir aber nahte, habe ich ihn nicht 
aufgenommen u. von ihm Propheten u. Gerechte erstehn lassen? Als Ruth, die Moabiterin, 
sich mir nahte, habe ich sie nicht aufgenommen u. von ihr Könige erstehn lassen? 

C. Midr HL 6,2 (122^): R. Sch^muel bar Nachman (um 260) hat gesagt: Gleich 
einem Könige, der einen Garten hatte, in den er Reihen von Nuß-, von Apfel- u. von 
Granatapfel-bäumen pflanzte, u. den er seinem Sohne übergab. Wenn sein Sohn seinen 
Willen tat, hielt der König ringsum Umschau, ob wo ein schöner Setzling in der Welt 
sich fände, den hob er dann aus u. brachte ihn u. pflanzte ihn in jenen Garten. Wenn 
aber sein Sohn nicht seinen Willen tat. dann sah der König zu, welcher Stamm im 
Garten schön war, u. riß ihn aus. So hält auch Gott, wenn die Israeliten seinen Willen 
tun, Umschau, ob ein Gerechter wie Jethro u. R. unter den Völkern der Welt sei, u. 
bringt sie herbei u. hängt sie an Israel; wenn aber die Israeliten nicht seinen Willen 
tun, dann sieht Gott zu, wer ein Gerechter u. Redlicher u. Frommer u. Gottesfürchtiger 
unter ihnen ist, u. nimmt ihn (durch den Tod] aus ihrer Mitte. — Dasselbe anonym 
pB^rakh 2, 8 (5 c). 

d. Midr Ruth 2 (126*): „Sie sprach zu ihnen: Gehet bergwärts . . . u. haltet euch 
dort drei Tage verborgen, bis die Verfolger zurück sind" Jos 2, 16. Einige haben gesagt, 
daß auf ihr (R.) der heilige Geist (Geist der Prophetie) geruht habe, noch bevor die Israe- 
liten in das Land kamen. Denn woher wußte sie, daß (die Verfolger) nach drei Tagen zu- 
rückkehren würden? Aus diesen Worten erkennt man, daß der heilige Geist auf ihr ruhte. 

e. pB<^rakh 4, 1 (8^, 38): „Da wandte (Hiskia) sein Angesicht zur Wand" 2 Kg 20, 2. 
Zu welcher Wand erhob er seine Augen? R. J^oschua? b. Levi (um 250) hat gesagt: 
Zu der Wand der Rahab (an welcher diese die Kundschafter hinabgelassen hatte) erhob 
er seine Augen; denn ihr Haus war an der Wand der Mauer. Er sprach zu ihm: Herr 
der Welt, Rahab, die Buhlerin, hat dir zwei Seelen (die der Kundschafter) errettet, 
siehe, wieviel Seelen hast du ihr gerettet . . .! um wieviel mehr (wirst du mich jetzt 
erretten), wo meine Väter alle diese Proselyten zu dir gebracht haben! Dasselbe Midr 
Qoh5,6(25b). 



22 Matth 1, 5 (31 3) 

3. Rahabs Lohn war ein doppelter: sie rettete ihre ganze Familie 
aus dem Untergang Jerichos a u. wurde mit einer Nachkommenschaft 
gesegnet, aus der Propheten u. Priester hervorgingen. b 

a. pBf'rakh 4, 1 (8^, 41): R. Schimfon b. Jochai (um 150) hat gelehrt: Auch wenn 
in ihrer Familie 200 Männer gewesen u. diese hingegangen wären u. sich an 200 Fa- 
milien (durch Verschwägerung) gehängt hätten — sie alle wären durch ihr (Rahabs) 
Verdienst errettet worden. — In Midr Qoh zu 5, 6 (26»); Midr Ruth 2 (125'') wird als 
Schriftgrund hinzugefügt: Es heißt nicht: „Ihre ganze Familie", sondern „alle ihre 
Familien", Jos 6, 23. 

b. Siphre Nu 10, 29, § 78 (20''): Acht Priester, die zugleich acht Propheten waren, 
sind von der Buhlerin R. erstanden, nämlich Jeremia, Ghilqijjahu, Seraja,' Machseja, 
Barukh, Nerijja, Chanamsel u. Schallum. R. J^'huda (b. EUai, um 150) sagte: Auch die 
Prophetin Hulda war von den Nachkommen der Buhlerin R.; s. 2 Kg 22, 14: „Hulda, 
die Prophetin, das Weib Schallums ben Tiqva", u. es heißt Jos 2, 18: Siehe, kommen 
wir in das Land, so sollst du das Seil (Tiqva) hier aus Karmesinfäden an das Fenster 
binden. (Beweis durch Analogieschluß, G'zera schava, Einl. 97: Tiqva Jos 2, 18 steht 
in Beziehung zu Rahab, folglich verweist dasselbe Wort 2 Kg 22, 14 den Schallum unter 
R.s Nachkommenschaft; unverständlich bleibt, inwiefern aus diesen Stellen Huldas 
Herkunft von R. folgen soll.) — Die Parallelstelle M^g 14'' s. unter Nr. 4. — In 
einer weiteren Parallelstelle Midr Ruth 2 (126") heißt es: Zehn priesterliche Propheten 
sind aus der Buhlerin R. erstanden (nämlich noch Ezechiel u. Buzi). Die Tradition über 
R.s Nachkommenschaft ist an beiden Stellen mit einer allegorischen Auslegung (nach 
Art der alten Dor'^sche Reschumoth) von 1 Chr 4, 21 ff. verknüpft, die in Midr Ruth 2 
Anfang auf Rabbi oder (Bacher, pAmor 1, 180) auf Rab (f 247) zurückgeht; vgl. Jalqut 
zu Chron § 1077. Da an der Einzelauslegung die Tanna'iten R. Schimfon b. Jochai, 
R. Elsazar (b. Schammua??), R. J^huda (b. Elfai) u. R. N'='chemja, sämtlich um 150, be- 
teiligt sind, so wird auch die Notiz über R.s priesterlich-prophetische Nachkommen- 
schaft dem 2. nachchristl. Jahrh. entstammen. 

Speziell werden dann noch die Propheten Ezechiel u. Jeremia als R.s Nachkommen 
namhaft gemacht. P'^siq 115^: R. Sch'^muel b. Nachman (um 260) hat gesagt: Vier gibt 
es, die aus der Familie einer Minderwertigen stammen; diese sind Pin^'chas, Urijja, 
Ezechiel u. Jeremia. Pin'^chas s. Ex 6, 25; Urijja s. Jer 26, 20 u. Jos 9, 17 (aus diesen 
Stellen wird gefolgert, daß U. zu den Gibesonitern gehörte). Hinter Ezechiel redeten 
die Israeliten geringschätzig her u. sagten: Gehört der nicht zu den Kindeskindern 
der Buhlerin R.? und es mußte die Schrift seine Abstammung angeben: „Es geschah 
das Wort Jahves zu Ez., dem Sohne Buzis, des Priesters" Ez 1, 3. Hinter Jeremia 
redeten die Israeliten geringschätzig her u. sagten: Gehört der nicht zu den Kindes- 
kindern der Buhlerin R. ? Und es mußte die Schrift seine Abstammung angeben: „Die 
Worte des Jer., des Sohnes Hilkias, aus den Priestern zu Anathoth im Lande Ben- 
jamin" Jer 1, 1. II P'^siq 111'': R. Abba bar Kahana (um 310) hat gesagt: „Du (Gemeinde 
Israel) bist nicht gewesen wie die Buhlerin (R.), daß du eines Lohnes gespottet hättest" 
(Ez 16, 31), so komme der Sohn der Verderbten, die ihr Tun gut einrichtete (d. h. Jere- 
mia, der Sohn der R.) u. strafe die Nachkommenschaft der Trefflichen, die ihr Tun 
verderbte (d. h. die Gemeinde Israel) a^zh nsri ■'nnaiy ssprtti arhphptzn s^a t^i 
^n'tizity rV-p-" a^ipr-on. || Midr Sm 9 § 6 (38»): R. J^hoschuaf von Sikhnin (um 330) hat 
im Namen des R. Levi (um 300) gesagt: Gott sprach zur Rahab: Du hast gesagt: 
„Jahve, euer Gott, ist ein Gott im Himmel oben u. auf der Erde unten" Jos 2, 11. Das 
ist richtig in bezug auf die Erde, aber (1. a-ov?} in bezug auf den Himmel oben, da 
hast du etwas gesagt, was deine Augen nicht gesehen haben; bei deinem Leben, dein 
Nachkomme (= Ezechiel) wird dastehn u. sehen, was (alle übrigen) Propheten nicht 
gesehen haben, s. Ez 1, 1: „Es öffneten sich die Himmel, u. ich sah Gesichte Gottes." — 
R. Abbahu (um 300) hat gesagt: In der Stunde, da fEbed Melekh, der Kuschite, den 
Jeremia aus der Grube heraufziehn wollte, was sagte er da zu ihm? „Lege doch die 



Matth 1, 5 {% 3. 4. JB. 6 1) 23 

zerfetzten u. zerriebenen Lappen unter deine Achseln" Jer 38, 12. Jer. erwiderte: Wenn 
ich doch eine Leiter hätte! Da sprach Gott zu ihm: Eine Leiter willst du haben? 
Habe ich nicht von deiner Ahnfrau (R.) her ein Seil; steht nicht also geschrieben 
Jos 2, 15: „Da ließ sie sie am Seil durch das Fenster hinab"? Und auch bei dir soll es 
so geschehn — und sie zogen den Jer. an Seilen herauf (Jer 38, 18). — Vgl. noch Nr. 4. 

4. Vorstehende Traditionen lassen erkennen, daß man R. nicht zu 
den Ahnfrauen des davidischen Hauses gezählt hat; wenn Mt 1,5 dies 
gleichwohl geschieht (Rahab Gemahlin des Salma), so muß eine anders- 
artige ältere Überlieferung vorgelegen haben. In der jüdischen Litera- 
tur gilt Josua, der Sohn Nuns, als R.s Gatte. 

M'^g lA^: Rab Nacbman (b. Ja?aqob, f 320) hat gesagt: Hulda hat zu den Nach- 
kommen Josuas gehört; s. 2 Kg 22, 14: Hulda, die Prophetin, das Weib Schallums, des 
Sohnes Tiqvas, des Sohnes Charchas', u. Jos 24,30: Man begrub Josua im Gebiet seines 
Erbteils zu Timnath-Gheres (so der Talmud; im bibl. Text: Timnath-Serach. Beweis 
durch Analogieschluß Einl. 97: wie Timnath-Cheres zu Josua gehört, so auch Gharchas 
durch Abstammung; nur wird für Hulda damit nichts erwiesen!). Rab fEna der Alte 
hielt dem Rab Nachman entgegen: Acht Propheten, die zugleich Priester waren, sind 
aus der ßuhlerin R. hervorgegangen, nämlich Nerijja, Barukh, Seraja, Machseja, Jeremia, 
Chilqijjahu, Ghanamiel u. Schallum. R. J'^^huda (b. EUai, um 1.50) sagte: Auch Hulda, 
die Prophetin, war von den Nachkommen der Buhlerin R.; s. 2 Kg 22, 14: Ben Tiqva, 
u. Jos 2, 18: „Das Seil (Tiqva) von Karmesinfäden " (vgl. oben S. 22). Es sagte sEna der 
Alte, nach andern sagte es ein schwarzer Topf (bildl. Bezeichnung eines „Gelehrten, 
der infolge fleißiger Studien auf die Reinheit seiner Kleider nicht achtet", Levy 4, 
1-58^): Von mir u. von dir aus kann auf die Tradition geschlossen werden, daß R. 
Proselytin geworden sei u. den Josua geheiratet habe. Aber wie, hatte dieser denn 
Nachkommenschaft? Es h5ißt doch (lChr7, 27): Sein Sohn Nun, sein Sohn Josua! 
(Aus dem Fehlen einer Angabe daselbst über Josuas Nachkommen wird auf das Fehlen 
der Nachkommenschaft selbst geschlossen.) Antwort: Söhne hatte er nicht, aber Töchter 
hatte er. |I — In Übereinstimmung hiermit wird denn auch nur von Töchtern der R. 
geredet in NuR 8 (150"^): Weil Rahab die Kundschafter in ihr Haus nahm u. rettete, 
rechnete es ihr Gott so an, als hätte sie es ihm getan, u. gab ihr ihren Lohn. Vgl. 
Jos 2,4: Das Weib nahm die beiden Männer u. — verbarg „sie" steht hier nicht ge- 
schrieben, sondern: u. verbarg „ihn". Und welchen Lohn nahm sie hin? Daß von ihren 
Töchtern sich (einige) an die Priesterschaft verheirateten u. Söhne gebaren, die da- 
standen u. auf dem Altar dienten, u. sie gingen in das Heiligtum u. segneten Israel 
mit dem Jahvenamen (Schem ha-m' phorasch); u. diese waren Barukh b. Nerijja, Seraja 
b. Machseja, Jeremia b. Chilqijjahu u. Chananiäel b. Schallum. 1| Midr Qoh S, 10 (40^*): 
R.'Abin (I. um 325; 11. um 370) hat gesagt: Gerechte sind dorthin (zu Proselytinnen) 
gegangen u. gekommen, zB Joseph zur As'^nath, Josua zur Rahab, Boas zur Ruth, Mose 
zu (dem Proselyten) Chobab. 

1, 5 SB: Boas, Boe'g. 
Der Targum zu 1 Chr 4, 22 nennt Bo?az den „Meister der Gelehrten 
an der Akademie zu Bethlehem". — Siphre Dt 6, 6 § 33 (74'*) wird er 
unter denen aufgezählt, die ihren bösen Trieb durch Beschwörung 
niederzwangen (s. die Stelle im Exkurs: „Der gute u. der böse Trieb" 
Nr. 6 Anm. g; ferner s. ebenda LvR 23). 

6 Ruth, 'Pov^. 

1. Ruth: Name,a Herkunft,b Übertritt zum Judentum, c Lohn,d 
Lebensdauer. e 



24 Matth 1, 5 (6 1) 

a. B^rakliT^: Was heißt ^Ruth"? R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Daß sie ge- 
würdigt worden ist, daß David aus ihr hervorging, der Gott mit Liedern u. Lobgesängen 
labte, nr;," — Ruth also = Labende. 

b. Hör 10'^: Rab J^huda (f 299) hat gesagt, Rab (f 247) habe gesagt: Immer be- 
schäftige sich der Mensch mit der Tora u. den Pflichtgeboten, auch wenn es nicht um 
ihretwillen (sondern aus selbstischen Nebenzwecken) geschieht; denn aus dem Nicht- 
um-ihretwillen kommt das Um-ihretwillen. Denn um der 42 Opfer willen, die Balaq, 
der Frevler, geopfert hat (Nu 23, 1. 14. 29 f.). ward er gewürdigt, daß Ruth aus ihm 
hervorging; denn R. Jose b. Chanina (um 270) hat gesagt: Ruth war die Enkelin 
fEglons, des Enkels von Balaq, dem König Moabs. — Dasselbe etwas ausführlicher 
Sota 47^. II TanchB ^r,". § 14 (110''): ,Ehud machte sich ein Schwert . . . und gürtete 
es an seine rechte Hüfte" Ri B, 16; ,da trat er zu fEglon ein . . .; er sprach zu ihm: 
Ein Gotteswort habe ich für dich! Und er erhob sich vom Thron", das. Vers 20. Gott 
sprach: Du hast mir Ehre erwiesen u. hast dich um meiner Ebre willen von deinem 
Thron erhoben; bei deinem Leben! ich werde von dir eine Tochter erstehn lassen, aus 
der ein Sohn erstehen wird, den ich auf meinen Thron setzen werde. Damit ist Ruth 
gemeint, die Moabiterin, aus der Salomo erstand, von dem geschrieben steht 1 Ohr 
29,23: Und S. setzte sich auf den Thron Jahves. 

Diese Herkunft Ruths sollen die Gegner Davids benützt haben, ihm illegitime 
Abstammung zum Vorwurf zu machen. Midr Ruth 8 Anf. (137*): R. Abba bar Kahana 
(um 310) eröffnete seinen Vortrag mit Ps4, 5: , Zürnet, aber sündigt nicht." David 
sprach vor Gott: Wie lange werden meine Feinde sich wider mich erregen u. sagen: 
Hängt nicht ein Familienmakel an ihm? Stammt er nicht von Ruth, der Moabiterin? 
, Sprechet in eurem Herzen auf eurem Lager." (David sprach:) Stammt denn nicht 
auch ihr von zwei Schwestern ab (Lea u. Rahel, die Jakob gegen das Gesetz Lv 18, 18 
zu gleicher Zeit als Frauen hatte)? Sehet, was eure Wurzel ist ,u. schweiget. Sela." 
Auch Thamar, die euer Ahn Juda geehelicht hat, gehörte sie nicht zu denen, an denen 
ein Familienmakel haftet? Was wollt ihr also, habt ihr einen edlen Stammbaum? 
(Dem letzten Satz geht die später eingeschobene, Thamars Abstammung in Schutz 
nehmende Bemerkung vorauf: , Vielmehr war Th. die Tochter Sems, des Sohnes 
Noahs.") — Der Anfang dieser Ausführung anonym Midr Ps 4 § 9 (23*>). 1] J^b 76**: So 
hat Saul (seine Frage an Abner 1 Sm 17, 55) gemeint: Ob David von PereQ oder ob er 
von Zerach (s. Gn 88, 29 f.) herkomme. Wenn er von Pere9 herkommt (meinte Saul), 
wird er König werden, denn der König bricht durch "i"t, den Weg zu bahnen, u. man 
wird es ihm nicht wehren können. Wenn er aber von Zerach herkommt, wird er nur 
ein angesehener Mann werden. ... Da sagte der Edomiter Doeg: Statt daß du über 
ihn fragst, ob er passend für die Königsherrschaft ist oder nicht, frage über ihn, ob 
er geeignet ist, in die Gemeinde Israel einzutreten oder nicht, weil er von der Ruth, 
der Moabiterin, herkommt. Abner antwortete ihm: Ich habe gelernt: Ein Ammoniter, 
aber nicht eine Ammoniterin; ein Moabiter, aber nicht eine Moabiterin (ist vom Eintritt 
in die israelitische Volksgemeinschaft ausgeschlossen).^ — Diese Ausführung auch in 
Midr Sm22 § 1 (55^). !| xMidr Qoh 10, 1 (46-'): , Giftige Fliegen machen stinkend, gärend 
das Öl des Salbenhändlers" Qoh 10, 1. Die Stelle redet von Doeg u. Achithophel. 
Gestern brachten sie stinkende Worte gegen David vor u. sagten: Er ist untauglich 
hinsichtlich der Familie; stammt er nicht von Ruth, der Moabiterin? Und heute reden 
sie u. sind beschämt, p Joma 22'^: Rab J^'huda (f 299) hat gesagt, Sch'^'muel (f 254) 
habe gesagt: Warum hat sich die Königsherrschaft des Hauses Saul nicht in die Länge 
hingezogen? Weil daran kein Familienmakel gehaftet hat. Denn R. Jochanan (f 279) 
hat im Namen des R. fechim?on b. J^ho^adaq (um 225) gesagt: Man setzt keinen Vor- 



1 Die Mischna bestimmt J'^b 8,3: Ammoniter u. Moabiter sind verboten (dürfen 
in die Gemeinde Isr. nicht eintreten), u. ihr Verbot ist ein ewiges Verbot ;__aber ihre 
Weiblichen sind sofort erlaubt (dürfen jederzeit in die G. Isr. eintreten). Die Ägypter u. 
Edomiter sind nur für drei Generationen verboten, sowohl männliche als auch weibliche. 



Matth 1, 5 (6 1) 25 

Steher über eine Gemeinde, es sei denn, daß eine Butte voller Kriechtiere ihm auf 
seinem Rücken herabhängt (seine Familienreinheit anfechtbar ist), damit man, wenn 
er hochmütig werden will, zu ihm sagen könne: Wende dich nach rückwärts. — Hierin 
liegt der Gedanke, daß Davids Dynastie von längerer Dauer gewesen sei, weil ihr 
Familienmakel mancherlei Art angehaftet habe. |! J"^b 77 » : Raba (f 352) hat vorgetragen : 
Was bedeutet Psll6, 16: ,Du hast meine Bande gelöst"? David sprach vor Gott: 
Herr der Welt, zwei Bande, die auf mir lagen, hast du gelöst: Ruth, die Moabiterin, 
u. Na?ama, die Ammoniterin (die Gemahlin Salomosii. die Mutter Rehabeams, 1 Kg 14, 21). 
(Die Lösung der zwiefachen Bande bestand in der Bestimmung, daß Moabiterinnen u. 
Ammoniterinnen ohne Wartezeit sofort in die Israel. Volksgemeinde eintreten dürfen, 
s. J*'b 8, 3.) Raba hat (ferner) vorgetragen: Was bedeutet Ps 40, 6: „Zahlreich hast du, 
Jahve mein Gott, deine Wunder getan u. deine Gedanken über uns", über „mich" ist 
nicht gesagt, sondern über ,uns"; das lehrt, daß Rehabeam im Schöße Davids saß u. 
dieser zu ihm sagte: In bezug auf mich u. auf dich sind diese beiden Verse gesagt 
worden (die wir von nicht makelloser Abstammung sind). 

C Midr Ruth 1, 16 f. (128"): „Ruth sprach: Dringe nicht in mich, dich zu verlassen, 
indem ich von dir weg heimkehre", Ruth 1, 16. Was heißt: „Dringe nicht in mich"? 
Sie sagte zu Naemi: Sündige nicht meinetwegen, bringe dich nicht in Gefahr von 
Strafen um meinetwillen, indem ich dich verlasse u. hinter deinem Rücken mich be- 
kehre (^vom Heidentum zum Judentum). Überall ist mein Denken darauf gerichtet, daß 
ich eine Proselytin werde; aber es ist besser, daß ich es durch dich als durch eine 
andere werde. Als Naemi solches hörte, begann sie ihr die Vorschriften betreffs der 
Proselyten vorzutragen: Meine Tochter, es ist nicht die Weise der Töchter Israels, in 
die Theater u. Zirkusse der Heiden zu gehn. Ruth erwiderte 1,16: „Wohin du gehn 
wirst, da werde ich hingehn." Jene sprach: Meine Tochter, es ist nicht die Weise 
Israels, in einem Hause ohne M'^'zuza (Türpfostenkapsel) zu wohnen. Sie antwortete 
(das.): „Wo du wohnen wirst, werde ich wohnen." — „Dein Volk, mein Volk", das 
bezieht sich auf die Strafen u. die Verwarnungen; „dein Gott, mein Gott" auf die 
übrigen Pflichtgebote. [Eine andre Erklärung. „Wohin du gehn wirst, da werde ich 
hingehn", das bezieht sich auf die Stiftshütte in Gilgal, Schilo, Nob, Gibea u. auf den 
Tempel; „wo du wirst weilen, werde ich weilen" in bezug auf meine Opferdarbringungen ; 
„dein Volk, mein Volk", um meine Götzen zu beseitigen; „dein Gott, mein Gott", um 
mir den Lohn für meine Werke zu geben.] „Wo du sterben wirst, werde ich sterben" 
(1,17), das geht auf die vier Todesstrafen, die der Gerichtshof verhängt: Steinigung, 
Verbrennung, Enthauptung u. Erdrosselung. „Und da werde ich begraben werden" 
(das.), das geht auf die zwei Gräber, die dem Gerichtshof bereitstehn, das eine für die 
Gesteinigten u. die Verbrannten, u. das andre für die Enthaupteten u. die Erdrosselten 
(s. Sanh 6, 5). „Dies tue mir Jahve u. das noch dazu." Naemi sprach zu ihr: Meine 
Tochter, alles, was du an Pflichterfüllungen u. an Wohltätigkeitsübungen erwerben 
kannst, erwirb in dieser Welt, aber in der Zukunft gilt: „Der Tod wird uns voneinander 
scheiden." — Nach J^b 47 ^, wo sich diese Ausführung ähnlich, aber kürzer findet, ist 
R. Ehazar (b. Pedath, um 270) Autor. 

d. Siphre Nu 10, 29 § 78 (20'^): So findet man es auch bei Ruth, der Moabiterin 
(nämlich daß Gott die nähert, die ihm sich nähern). Was sagte sie zu ihrer Schwieger- 
mutter? „Dein Volk, mein Volk; dein Gott, mein Gott . . .; wo du sterben wirst, werde 
ich sterben" (Ruth 1, 16 f.). Gott sprach: Du hast durchaus nichts verloren; siehe, die 
Königsherrschaft ist dein in dieser u. in der zukünftigen Welt. || Targ 1 Chr 4, 23 wird 
Ruth „Mutter von Königreichen, srip^^-i S'ss, genannt. || Targ Ruth 2, 12: In diesem 
Verdienst (des Übertritts zum Judentum) wirst du (Ruth) befreit werden aus dem Ge- 
richt des Gehinnoms, damit dein Teil sei bei Sara, Rebekka, Rahel u Lea. 

e. Siphre Nu 10, 29 § 78 (20''): ,Die Bewohner von Netafim", 1 Chr 4, 23, damit ist 
der König Salomo gemeint, der einer Pflanzung nyuj in seinem Königreiche glich. . . . 
„Bei dem König, in seinem Werke, wohnten sie daselbst" 1 Chr 4, 28. Hieraus darf 
man folgern, daß Ruth, die Moabiterin, nicht gestorben ist, bis sie ihren Enkel Salomo 



26 Matthl,5 (61. 2) 

sitzen u. richten sah die Rechtssache der (beiden) Buhlerinnen (1 Kg 3, 16 ff.); denn es 
heißt , zusammen mit dem König" in seinem Werke saßen sie daselbst. ll BB 91^: „Mit 
dem König, in seinem Werk, saßen sie daselbst" 1 Chr 4, 23; damit ist Ruth, die Moa- 
biterin, gemeint, die die Regierung ihres Enkels S. erblickte; denn es heißt 1 Kg 2, 19: 
,Er stellte einen Sessel hin für die Mutter des Königs." R. Elfazar (um 270) hat ge- 
sagt: Für die Ahnfrai> des königlichen Hauses (= für Ruth). 

2. Ruth Ahnfrau des Messias. — Der Midrasch berührt nicht bloß 
gelegentlich, sondern hebt geflissentlich das providentielle göttliche 
Walten hervor, wie es sich gerade in der Eingliederung Ruths in die 
Ahnenreihe des Messias gezeigt hat.a In grauer Vorzeit hat Gott die 
Ruth in Sodom gefunden b u. dann zur Stammmutter des Messias be- 
stimmt, der „von einem andern Ort" kommen soll;C ihren Mutterschoß 
hat erst Gottes Hand zur Empfängnis bereitet^ u. ihrer Begegnung 
dann mit Boas eine Episode eingeflochten, die für das Geschick ihres 
Sprößlings, des Messias, dereinst typisch sein wird.e 

a. J'^beS'"': R. Elfazar (um 270) hat gesagt: Was heißt Gn 12, 3: Jn dir werden 
gesegnet werden -2^33 alle Geschlechter des Erdbodens"? Gott sprach zu Abraham: 
Zwei schöne Reiser ns"'-^ habe ich, die ich in dich einpfropfen will, nämlich Ruth, die 
Moabiterin, u. Nasama, die Ammoniterin. || BQ 38'': (sUlla, um 280, hat gesagt:) Jahve 
sprach zu Mose: Zwei schöne Täubchen habe ich von ihnen (Moabitern u. Ammonitern) 
ausgehn zu lassen, nämlich Ruth, die Moabiterin, u. Nasama, die Ammoniterin. || Sanh 
98=i- 1*: R. Tanchum (b. Chanilai, um 280, Einl. 139) hat gesagt: Bar Qappara (um 210) 
hat in Sepphoris öffentlich vorgetragen: Was heißt, was geschrieben steht Ruth 3, 17: 
„Diese sechs a^-i-'-b hat er mir gegeben"? Was sind diese sechs z-iw? Waren es 
etwa sechs wirkliche Gerstenkörner? Aber wie, sollte es die Weise des Boas gewesen 
sein, sechs Gerstenkörner zum Geschenk zu machen? Vielmehr werden es sechs Sea 
(1 Sea = 12 Liter) Gerste gewesen sein. Aber wie, ist es denn die Weise eines Weibes, 
sechs Sea zu tragen? Vielmehr hat er ihr damit einen Wink gegeben, daß einst sechs 
Nachkommen aus ihr hervorgehn werden, die je mit sechs Segnungen werden gesegnet 
sein. Diese sind: David, der Messias, Daniel, Chananja, Mischael u. sAzarja. — Der 
Schriftbeweis wird dann genau so geführt wie in NuR 13 (170''), s. oben S. 20. — In 
der Parallele Midr Ruth 8, 15 (135'^) ist Bar Qappara nur für die einleitenden Fragen 
als Autor genannt (Tradent R. Simon, um 280), während die weitere Erklärung von 
R. J'^^huda b. Simon (um 320) gegeben wird, u. zwar so, daß als die sechs gesegneten 
Nachkommen Ruths genannt werden: David nach 1 Sm 16, 18; Hiskia nach Jes 9, 6 u. 5; 
Josia nach Jer 17, 8; Chananja, Mischael u. f Azarja nach Dn 1,4; Daniel nach Dn 5, 12 
u. der König, der Messias, nach Jes 11, 2. 

b. GnR 50 (32^): „Deine beiden Töchter, die Gefundenen" (so deutet der Midrasch 
Gn 19, 15). R. Tobijja b. Ji^chaq (1. R. Tobijja im Namen des R. Jigchaq; s. Bacher, 
Paläst. Amor. 3, 776) hat gesagt: Damit sind die beiden Funde gemeint, Ruth, die 
Moabiterin, u. Na?ama, die Ammoniterin. R. Ji^chaq (um 300) hat gesagt: „Ich habe 
meinen Knecht David gefunden" Ps89, 21. Wo habe ich ihn gefunden? In Sodom 
(nämlich in der ältesten Tochter Lots, von der Ruth stammte). — Etwas andre Fassung 
GnR 41 (25'^). 

C. GnR 23 (15*^): ,Eva nannte seinen Namen Seth; denn gesetzt hat mir Gott 
einen andren Samen", Gn 4, 25. R. Tanchuma (b. Abba, um 380) hat im Namen des 
R. Sch'^muel (um 260) gesagt: Sie schaute jenen Samen, der von einem andren Ort 
kommen soll; u. wer ist das? Das ist der König, der Messias. — Midr Ruth 8 (137'') 
nennt R. Huna (um 350) als Autor. |! GnR 51 (32^): R. Tanchuma (b. Abba) hat im 
Namen des R. Sch'-muel gesagt: Es heißt (Gn 19, 34) nicht: Daß wir von unserm Vater 
-einen Sohn" ins Leben rufen, sondern: Daß wir von unserm Vater „Samen" ins Leben 



Matth 1, 5 (6 2) 27 

rufen, nämlich jenen Samen, der von einem andren Ort kommen soll; u. wer ist das? 
Das ist der König, der Messias. — Ebenso Midr Ruth zu 4, 14 (l.SV^). — Der Ausdruck 
ir;s n-pa'3 „von einem andren Ort" findet sich in vierfacher Bedeutung: «. In obszönem 
Sinn von widernatürlicher Unzucht, zB GnR 60 (37*^): Resch Laqisch (um 250) hat ge- 
sagt: Während die Töchter der Heiden sich rücksichtlich des Ortes ihrer Scham selbst 
in acht nehmen, aber rücksichtlich einer andren Stelle ^ns ^'p-oi2 sich selbst preis- 
geben, war dagegen Rebekka eine Jungfrau am Ort der Jungfräulichkeit, u. kein Mann 
hatte sie erkannt ins aip^sis. — ß. Zur Bezeichnung des außerehelichen Geschlechts- 
verkehrs, zB GnR 53 (33 '^): „Sara wurde schwanger u. gebar von Abraham (so deutet 
der Midrasch an^asV) einen Sohn", Gn 21, 2; das zeigt, daß sie den Samen nicht a'p'sö 
■ins von einem andren Ort, von einem andren Mann gestohlen hatte. — y. Zur Be- 
zeichnung einer fremden Familie oder eines fremden Landes, zB pJomaS, 41^, 38: 
Wenn einer von der Familie Abtinas (die das Räucherwerk für den Tempeldienst zu- 
bereitete) eine Frau ins a'p^s« = aus einer andren Familie heiratete, so machte er mit 
ihr ab, daß sie sich nicht parfümierte. — pB^'rakh 9, 13'', 38: Wer einen Ort sieht, au 
dem der Götzendienst ausgetilgt ist, spricht: Gepriesen sei, der den Götzendienst aus 
unserm Lande ausgetilgt hat! Bar: Wenn er von irgendeinem Ort des Landes Israel 
ausgetilgt ist (sagt man diesen Lobspruch); aber wenn er ms nip>3»3 von einem andren 
(außerhalb Palästinas gelegenen) Ort ausgetilgt ist, sagt man: Gepriesen sei, der den 
Götzendienst von diesem Orte ausgetilgt hat. — d. Zur Hervorhebung der göttlichen 
Urheberschaft, zB Esth 4, 14. — Für den Ausspruch des R. Sch'^muel oben können nur 
die Bedeutungen y n. (f in Betracht kommen. Die jüdischen Ausleger, bes. der Kom- 
mentar Matth^noth K%unna, verstehen den Ausdruck nach y: mit ms o'^p's« werde 
angedeutet, daß der Messias aus der Ruth, die einem fremden Volke angehöre, erstehn 
solle. Diese Erklärung liegt wohl am nächsten. Für die Deutung nach (f spricht Ruth 
4, 12: Dein Haus werde wie das Haus des Pere^, welchen Thamar dem Juda gebar, 
von dem Samen, den Jahve dir geben möge von diesem jungen Weibe! Ferner vgl. die 
Erklärung, die die Worte ms n'p«i3 Esth 4, 14 in Midr Ps 22 § 5 (91 ^) gefunden haben: 
„Von einem andren Ort", d.h. von dem, von dem geschrieben steht Jes 45,17: Israel 
wird errettet werden von Jahve mit einer ewigen Rettung. — Jedenfalls will R. Sch'muel 
zu Gn 4, 25 u. 19, 34 das providentielle göttliche Walten hervorheben, daß der Messias 
gerade aus Ruth hervorgehn soll; vgl. den ähnlichen Gedanken dieses Gelehrten 
in GnR 85 (54'') oben S. 15/. — Die Meinung Webers, Jüd. Theologie 358, daß in 
ins mptt^j sich ausspreche, was Joh 7, 27 mit den Worten gesagt sei, daß niemand 
wisse, woher der Messias sei, wird weder den Worten noch der Absicht R. Sch'^'muels 
gerecht. 

d. Midr Ruth zu 4, 12 (137 a): R. Schim?on b. Laqisch (um 250) hat gesagt: Ruth 
hatte keine Gebärmutter, aber Gott höhlte ihr die Gebärmutter aus. — Hiermit wird 
Ruth auf gleiche Linie mit Sara u. Rebekka gestellt, über die sich dieselbe Aussage 
GnR 47 (29 c); 53 (33 d); 63 (39«=) findet. 

e. Midr Ruth zu 2, 14 (132=*- ^): „Da sagte Boas zu ihr: Zur Essenszeit tritt hierher 
u. iß von dem Brote u. tauche deinen Bissen in den Essig! Und sie setzte sich seit- 
wärts von den Schnittern, u. er reichte ihr geröstete Ähren hin." R. Jochanan (f 279, 
so ist mit Jalqut z. St. § 603 zu lesen statt R. Jonathan) hat die Stelle auf eine sechs- 
fache Weise ausgelegt. . . . Die Stelle redet vom König, dem Messias. „Tritt hierher", 
d. h. tritt herzu zur Königsherrschaft; „iß von dem Brote", das ist das Brot des König- 
tums; „tauche deinen Bissen in den Essig", damit sind die Leiden (Züchtigungen des 
Messias) gemeint, wie es heißt Jes 53, 5: Er ist um unsrer Missetat willen verwundet 
(über den leidenden Messias s. bei Lk 24, 26). „Und sie setzte sich seitwärts ns^s von 
den Schnittern", weil seine (des Messias) Herrschaft eine Zeitlang von ihm weichen 
wird la"!^, s. Sachl4, 2: Ich will versammeln alle Heidenvölker wider Jerusalem zum 
Streite, u. erobert wird die Stadt. „Und er reichte ihr geröstete Ähren hin", denn sie 
(die Herrschaft) wird zu ihm zurückkehren, s. Jes 11,4: Er schlägt die Erde mit dem 
Stab seines Mundes. 



28 Matth 1, 6 («. SB 1) 

1,6 51: Jesse (Isai), leoaai, zeugte den König David. 

Isai ist im AT durch Jes 11, 1. 10 in unmittelbare Beziehung zum 
Messias gebracht; ebenso im Midrasch. 

Targ Jes 11,1: Es wird der König hervorgehn aus den Söhnen 
Isais, u. der Messias aus seinen Kindeskindern wird groß werden. || 
Midr Ps 21 § 1 (89=^): „Jahve, ob deiner Stärke freut sich der König" 
Ps 21, 2; das meint die Schrift Jes 11, 10: „Und es wird geschehn an 
jenem Tage, der Wurzelsproß Isais, welcher dasteht zum Panier der 
Völker — ihn werden die Heiden aufsuchen", das ist der Messias ben 
David, der bis zur Zeit des Endes verborgen ist. || Midr Ps 72 § 3 (163^): 
„Deine Gerichte gib dem Könige" Ps 72, 1, das bezieht sich auf den 
König, den Messias, s. Jes 11, 1.4: „Ein Reis wird aufgehn aus dem 
Stumpf Isais . . . und er schafft Recht in Gerechtigkeit den Dürftigen." || 
Im Habinenugebet (dem abgekürzten Achtzehn-Gebet Sch«muels, f 254) 
heißt es nach der babylon. Rezension: Es werden sich freuen die Ge- 
rechten über den Bau deiner Stadt u. über die Herstellung deines 
Tempels u. über das Sprossen des Horns für deinen Knecht David u. 
über die Aufstellung der Leuchte für den Sohn Isais, deinen Messias, [j 
Musaphgebet -ms -(n -z:^ für den Neujahrstag: Gib . . . Freude deinem 
Land, Jubel deiner Stadt, Sprossen des Horns für David, deinen Knecht, 
u. Aufstellung der Leuchte für den Sohn Isais, deinen Messias, eilends 
in unsren Tagen! 1| Ferner s. GnR 85 (54*^) oben S. 16 f. 

1,6 33: David zeugte den Salomo von dem Weib des Uria. 

1, Davids Versündigung" gegen Urijja wird mit der Tendenz, sie zu 
beschönigen u. zu verkleinern, an folgenden Stellen besprochen. 

Schab 56''': R. Sch'^muel b. Nachman (um 260) hat gesagt: R. Jonathan (b. Elfazar, 
um 220) hat gesagt: Jeder, welcher sagt, David hat gesündigt, irrt einfach; denn es 
heißt (1 Sm 18, 14): „Und David war verständig auf allen seinen Wegen, u. Jahve war 
mit ihm." Ist es möglich, daß, wenn eine Sünde auf ihn gekommen wäre, die Sch'^khina 
(die Gottesgegenwart) mit ihm gewesen wäre? Aber wie halte ich dann 2 Sm 12,9 
aufrecht: „Warum hast du das Wort Jahves verachtet, um zu tun, was böse ist in 
seinen Augen"? „Um zu tun", d.h. er suchte es zu tun, aber er tat es nicht. — Rab 
(f 247) hat gesagt: Rabbi, der von David abstammte, hat die Stelle verdrehend zu 
Davids Gunsten ausgelegt: „Warum hast du das Wort Jahves verachtet, um zu tun, 
was böse ist in seinen Augen?" Rabbi sagte: Das „Böse" hier ist verschieden von 
allem sonstigen „Bösen" in der Tora; denn bei allem sonstigen „Bösen" in der Tora 
steht: „und er tat" (nämlich was böse war in Gottes Augen), u. hier steht: „um zu 
tun"; er suchte es nämlich zu tun, ohne es wirklich zu tun. „Den Hethiter Urijja 
hast du mit dem Schwert geschlagen", 2 Sm 12, 9; denn du hättest ihn im Synedrium 
(als einen Empörer, s. hernach) können richten lassen, hast es aber nicht getan. „Und 
sein Weib hast du dir zum Weibe genommen" (das.), d. h. die Verheiratung mit ihr ist 
gültig. Denn R. Sch^muel b. Nachman hat gesagt: R. Jonathan hat gesagt: Jeder, der 
zu einem Kriege des Hauses David auszog, schrieb seinem Weibe einen Scheidebrief 
(also durfte David des Urijja durch Seh. freie Frau heiraten). . . . „Und ihn hast du 
umgebracht mit dem Schwert der Kinder Amnion", d.h. wie du wegen des Schwertes 
der K. A. (vgl 2 Sm 12, 26 ff.) nicht bestraft worden bist, so wirst du auch wegen des 
Hethiters Urijja nicht bestraft werden (Schw. der A. also = Schwert, das straflos aus- 



Matth 1, 6 (93 l. 2) 29 

geht). Weshalb? Er (ürijja) hatte sich gegen die Regierung empört; denn er sprach 
zu David (2 Sm 11, 11): „Mein Herr Joab u. die Knechte meines Herrn lagern auf der 
Erde" usw. (ürijja nennt den Joab seinen Herrn, worin liegen soll, daß er D. nicht 
als solchen anerkannte, folglich war er ein Empörer). — Rab (t 247) hat gesagt: Wenn 
man genau David betrachtet, so findet man nichts (Tadelnswertes) an ihm, ausgenommen 
die Sache mit ürijja, s. 1 Kg 15, 5: „Ausgenommen die Sache mit dem Hethiter ürijja." 
(Dasselbe zum Teil in Qid 43 '\) 

Gegenteilige Stimmen. | «. Schammai der Alte (um 30 v. Chr.) zieht aus 2 Sm 12, 9 
eine kriminalrechtliche Folgerung. Qid 43^ Bar: Wenn jemand zu seinem Beauftragten 
sagt: „Geh u. töte jene Seele", so ist dieser schuldig u. sein Auftraggeber frei. Schammai 
der Alte hat im Namen des Propheten Haggai (d. h. als uralte Tradition) gesagt: Sein 
Auftraggeber ist schuldig, denn es heißt (2 Sm 12,9): Ihn hast du mit dem Schwerte 
der Kinder Ammon getötet. || ß. Midr Sm 25 §2 (61'^): „Rette mich, Gott, von Blut- 
schuld" D'tt-"? Ps51, 16. R. J'^hoschuaf b. Levi (um 250) hat gesagt: (Es heißt 2 Sm 
23, 89:) „ürijja, der Hethiter, alle Siebenunddreißig." (Ürijja wog alle 37 Vorher- 
genannten auf; daher der Plural n-'a- Ps 51, 16.) . . . R. Chanina b. Papa (um 300) 
brachte im Namen des R. Chanina, des Schullehrers (um 225), den Beweis (für Davids 
Blutschuld) von 2 Sm 12, 9: „Warum hast du verachtet . . . und ihn selbst hast du mit 
dem Schwert der Kinder Ammon getötet." Die Rabbinen sagten: Die Worte „u. ihn 
hast du getötet" zeigen, daß er viele Gerechte, die jenem glichen, getötet hat. (Die 
Beweisführung ist unklar; vermutlich ist das •< „und" vor ins „ihn" in einschließendem 
Sinn gefaßt; dies i ist im Midraschtext aber ausgefallen. \\ y. Midr Ps 4 § 2 (20'^): 
R. Jochanan (t .279) hat gesagt: Wegen dreier Dinge hat sich David bekümmert u. 
Gott hat sein Gemüt darüber beruhigt. . . . Eins betraf die Tat mit der Bathseba, weil 
die Israeliten über ihn murrten u. sprachen: unmöglich kann ihm, der das Lamm an 
sich gerissen u. den Hirten getötet u. Israeliten mit dem Schwerte niedergeschlagen 
hat, Heil für immer sein, und Gott beruhigte ihn 2 Sm 12, 13: Auch hat Jahve deine 
Sünde beseitigt, du wirst nicht sterben. || d. pTafan 2, 10 (65«^): R. Abbahu (um 300, 
ein Schüler des eben genannten R. Jochanan) hat gesagt: Es steht geschrieben Ps 4, 2: 
„Wenn ich rufe, gib mir Antwort, mein gerechter Gott, der du in Drangsal mir Raum 
geschafft hast." David sprach vor Gott: Herr der Welten, in aller Not, in die ich ge- 
raten bin, hast du mir Weite (Beruhigung) verschafft; ich bin in die Not wegen der 
Bathseba geraten, u. du hast mir den Salomo geschenkt. 

2. Die Genealogie Mt 1, 5 f. macht vier Stammmütter Jesu namhaft. 
Vier Stammmütter Israels erwähnt rühmend auch die rabbin. Literatur. 
Targ Jerusch II Gn 49, 26: Die Segnungen deines Vaters mögen hinzu- 
gefügt werden zu den Segnungen, mit denen dich Abraham u. Isaak 
gesegnet haben, die mit den hohen Bergen verglichen werden, u. von 
dem Segen der vier Stammmütter, die den Hügeln gleichen, von Sara, 
Rebekka, Rahel u. Lea mögen alle diese Segnungen kommen. . . . || 
Das. Nu 23,9: Ich sehe das Volk jener geleitet durch das Verdienst 
der gerechten Väter Abraham, Isaak u. Jakob, die den hohen Bergen 
gleichen, u. durch das Verdienst der Mütter Sara, Rebekka, Rahel u. 

Lea, die den Hügeln gleichen || Das. Dt 83, 15 : Gute Früchte bringend 

durch das Verdienst der drei Väter Abraham, Isaak u. Jakob, die den 
hohen Bergen gleichen, u. durch das Verdienst der vier Mütter Sara, 
Rebekka, Rahel u. Lea, die den Hügeln gleichen. i| Siphre Dt 33, 15 
§353(146'^): „Und mit dem KöstHchsten uralter Hügel"; das lehrt, 
daß die Väter u. Mütter Berge u. Hügel heißen, wie es heißt HL 4, 6: 
Geh hin zum Myrrhenberge u. zu dem Weihrauchhügel. || RH 11^ deutet 



30 ' Matthl,6 (SB2). 8 

R. Eli?ezer (um 90) HL 2, 8 in folgender Weise: „Springend über die 
Berge" im Verdienst der Väter, „hüpfend über die Hügel* im Ver- 
dienst der Mütter. — Die Präposition h'j wird hierbei = „wegen", „im 
Verdienst" n:T2 gefaßt. Die Deutung der „Berge" u. „Hügel" auf die 
Stammväter u. Stammmütter ist hiernach alt. || Nazir 23'': Wer sind 
„die Frauen im Zelte" Rieht 5, 24? Sara, Rebekka, Rahel u. Lea. |[ 
GnR 72 (46'^): R. Chanina b. Pazzi (gegen 300) hat gesagt: Die (vier) 
Stammmütter sind Prophetinnen gewesen, u. Rahel gehörte zu den 
Stammmüttern. „Möge Jahve mir andre Söhne (Plural) hinzufügen, 
steht hier (Gn 30, 24) nicht geschrieben, sondern „einen andren Sohn". 
Sie sprach (als Prophetin) : Noch einen andren wird er (Gott) erstehn 
lassen; o, daß er von mir wärel || Abweichend wird Eva zu den Stamm- 
müttern gerechnet GnR 58 (36 '^): Qirjath Arba hieß die Stadt (Gn 23, 2), 
weil darin vier Stammmütter beerdigt waren : Eva, Sara, Rebekka u. Lea. 

1,8: Asa(ph), 'Aaäcp, zeugte Josaphat. 

1. Der König Josaphat wird nach einer Tradition nicht als Vorfahr 
des Messias angesehen, sondern als Messias selbst aus dem Jenseits 
erwartet. 

pSota 9, 16 (24 S 26): R. Ja?aqob b. Idi {so lies statt R. Bar Jasaqol) Idi; um 280) 
hat im Namen des R. J'hoschua? b. Levi (um 250) gesagt: Als Rabban Jochanan b. Zakkai 
entschlief (um 80 n.Chr.), ordnete er an: Räumet den Hof aus wegen der Unreinheit 
(die seine Leiche verursacht) u. stellet einen Thronsessel bereit für Hiskia, den König 
Judas! — Als sein Schüler R. Elifezer (b. Hyrkanus, um 90) entschlief, ordnete er an: 
Räumet den Hof aus 'Ägen der Unreinheit u. stellet einen Thronsesse] bereit für 
Rabban Jochanan b. Zakkai! Andre dagegen sagten: Was sein Lehrer geschaut hat 
(visionär in der Sterbestunde), das hat auch er geschaut (also den König Hiskia). 
Einen aus der Familie Pazzi hätte man gern mit der Familie des Patriarchen s^ic: 
verschwägert; aber jener lehnte es ab: „Damit sie sich nicht zu schämen brauchen." 
Als dieser nun entschlief, ordnete er an: „Räumet den Hof aus wegen der Unreinheit 
u. stellet einen Thronsessel bereit für Josaphat, den König Judas! Da sagte man: 
Sollte der, welcher der Ehre nachlief (= Josaphat, der nach 2 Chr 18, 1 seine Familie 
mit dem Hause Ahabs verschwägerte), dem folgen, der die Ehre floh? — Fast gleich- 
lautend pf AZ 3, 1 (41 *=, 38). — Die Schlußfrage zeigt, daß man die Worte des Sterbenden 
dahin verstanden hat, daß der König Josaphat aus dem Jenseits kommen werde, um 
dem Verstorbenen unsichtbar das letzte Geleit zu geben.' Diese Deutung ist jedoch 
falsch: wie in den ersten Sätzen der König Hiskia aus dem Jenseits als Messias 
zurückerwartet wird, so nach dem letzten Satz der König Josaphat. Nach Joel 4, 2. 12 
soll ein „Tal Josaphat" die Stätte des messianischen Gerichtes sein. Da nun das AT 
ein Tal dieses Namens sonst nicht kennt, wird unser Autor aus der Familie Pazzi sich 
den Namen so erklärt haben, daß dort der wiederkehrende Josaphat als Messias das 
Völkergericht vollziehen werde, zumal vordem bei seinen Lebzeiten ein ähnliches Ge- 
richt vor seinen Augen über feindliche Weltvölker durch Gottes Eingreifen gehalten 
war, 2 Chr 20. — Teilweise parallel B^^rakh 28 ^ s. S.dly. 

2. Joram zeugte Usia. Zur Auslassung der 3 Glieder (Ahazjahu, 
Jehoasch u. Ama9Ja) zwischen Joram u. Usia vgl. den analogen Fall 

' Ähnlich haben nach Pirqe R. Elifezer 29 Ende die Gelehrten angeordnet, daß 
bei einem Beschneidungsakt ein Ehrensessel für Elias hingestellt werde, damit dieser 
unsichtbar Zeuge der ßeschneidung sei. 



Matthl,8. 10 31 

Esra 7, 3, wo 6 Glieder ausgelassen sind (vgl. 1 Chr 5, 32 ff.)- ^uch denke 
man an den Grundsatz Qid4a u. J^b 70 ^r Die Söhne der Söhne gelten 
als Söhne. 

1, 10: Hiskia zeugte Manasse. 

1. Der König Hiskia war bestimmt, nicht ein Ahnherr des Messias, 
sondern der Messias selbst zu sein. 

Sanh 99«: R. Hillel (vielleicht Sohn des R. Sch^'muel b. Nachman; dann gegen 300; 
vgl. Bacher, pAmor 3, 703) sagte: Keinen Messias gibt es mehr für Israel, denn sie 
haben ihn bereits genossen in den Tagen des Hiskia. Rab Joseph (b. Chijja, f 333) 
hat gesagt: Es wolle dem R. Hillel sein Herr (== Gott) verzeihen! Wann hat Hiskia 
gelebt? Doch zur Zeit des ersten Tempels! und siehe, Sacharja hat zur Zeit des 
zweiten Tempels geweissagt u. gesprochen Sach 9, 9: Frohlocke gar sehr, Tochter Zion! 
Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir, gerecht u. heilvoll ist 
er, niedrig, u. reitet auf einem Esel u. auf einem Füllen, dem Jungen der Eselinnen. \\ 
Sanh 94'': „Zur Mehrung der Herrschaft u. zu Frieden ohne Ende^ Jes 9, 6. R. Tan- 
chum (b. Chanilai, um 280) hat gesagt: Bar Qappara (um 210) hat in Sepphoris öffentlich 
vorgetragen: Warum ist überall der Buchstabe Mem in der Mitte eines Wortes offen, 
>:, geschrieben, dieses geschlossen, na^o'':? Gott wollte den Hiskia zum Messias u, 
Sanherib zu Gog u. Magog (Ez 38. .39) machen. Aber die Eigenschaft der göttl. Ge- 
rechtigkeit sprach vor Gott: Herr der Welt, wie, den David, den König von Israel, 
der wer weifs wie viele Lieder u. Lobgesänge vor dir gesungen hast, den hast du nicht 
zum Messias gemacht, u. den Hiskia, dem du alle diese Wunder getan hast u. der 
kein Lied vor dir gesungen hat, den willst du zum Messias machen? Deshalb wurde 
es (das Mem) geschlossen. Alsbald hob die Erde an: Herr der Welt, ich will vor dir 
ein Lied singen an Stelle dieses Gerechten, nur mache ihn zum Messias. Da hob sie 
an u. sang, s. Jes 24,16: „Vom Saume der Erde hören wir Gesänge: Willfahre dem 
Gerechten!" (so deutet der Midrasch). Es sprach der Fürst der Welt (d. i. der Engel, 
der über die Gesamtheit der Weltelemente gesetzt ist) vor ihm: Herr der Welt, tu 
diesem Gerechten seinen Willen ! Da ging eine Himmelsstimme aus: „Mein Geheimnis 
für mich, mein Geheimnis für mich!" (so deutet der Midrasch Jes 24, 16: "'V "ti). Es 
sprach der Prophet: „Wehe mir, wehe mir, wie lange noch!"* s. Jes 24, 16. Da ging 
eine Himmelsstimme aus: Solange die Treulosen treulos sind, ja die Treulosen treulos! 
Raba (f 352) oder, wie auch gesagt wird, R. Ji9chaq (um 300) hat gesagt: „Bis die 
Plünderer kommen u. die Plünderer der Plünderer", s. Jes 24, 16. || Midr HL 4, 8 Ende 
(114"^): R. J'^hoschuaf b. Levi (um 250, ein Schüler des oben genannten Bar Qappara) 
hat gesagt: Wenn Hiskia ein Lied gesungen hätte über den Sturz Sanheribs, so würde 
er zum König, dem Messias, geworden sein u. Sanherib zu Gog u. Magog; aber er tat 
nicht also; vielmehr hat er gesagt Ps 20, 7: Jetzt habe ich erkannt, dafs Jahve seinem 
Messias (so der Midrasch) geholfen hat. Und was folgt darauf? Vers 10: Jahve, hilf 
dem König — er erhöre uns an dem Tage, da wir rufen. — R. J'^hoschua? b. Levi 
folgert aus dem Wechsel von „Messias" u. „König", dafs Hiskia die Messiaswürde ver- 
loren u. nur die Königs würde behalten hat. — Die ersten Ansätze zu obigen Traditionen 
begegnen bereits im 1. nachchristl. Jahrb. bald nach der Zerstörung Jerusalems. Sanh 
94^ wird folgende Bar. im Namen des R. Papjas (der nach ?Eduj 7, 6 zur Zeit des 
Tempelbestandes schon erwachsen) mitgeteilt: Eine Schande war es für Hiskia u. seine 
Genossen, daf3 sie kein Lied gesungen haben, bis die Erde anhob u. ein Lied sang, 
s. Jes 24,16: Vom Saume der Erde vernehmen wir Gesänge! 

2. Hiskia wird als der Messias Israels aus dem Jenseits wiederkehren. 

B^'rakh28b: Rabban Jochanan b. Zakkai sagte in der Stunde seines Abscheidens 
(um 80) zu seinen Schülern: Räumet die Geräte fort wegen der Unreinheit u. haltet einen 
Thronsessel bereit für Hiskia, den König Judas, wenn er kommt. In Aboth RN 25 (7 ) 
fehlen die Schiufaworte: „wenn er kommt." — Die Parallele pSota 9, 24 S 26 s. oben S. 30, 



32 Matthl,ll. 12 

1,11: Josia zeugte Jekhonja u. seine Brüder, 

1. Josia wurde vielleicht, ähnlich wie Josaphat u. Hiskia, als Messias 
aus dem Jenseits zurückerwartet, Apok Bar 66, 6 f.: Er aber (Josia) 
wird ewig dauernden Gewinn empfangen, u. er wird geehrt werden 
beim Allmächtigen mehr als viele (andre) in der letzten Zeit. Denn 
um seinetwillen u. um derer willen, die ihm ähnlich sind, sind die 
gepriesenen Herrlichkeiten geschaffen u. bereitet worden, von denen 
früher zu dir geredet worden ist. 

2. Zwischen Josia u. Jekhonja ist Jehojakim ausgelassen, 1 Chr 3, 15 f. 

3. Brüder des Jekhonja werden im AT nicht erwähnt; aösXtfoi also 
wohl wie Qinüt im weitern Sinne = Verwandte. Die Regierung der 
Oheime des Jekhonja 1 Chr 3, 15 wurde durch diesen ja so unterbrochen, 
als ob er ihrer Generation angehörte, 2 Kg 23 f. ; wird doch schon 2 Chr 
36, 10 ^edekia, der Oheim Jekhonjas, als dessen Bruder nx bezeichnet. 

Betreffs dieser älteren Generation bringt der Talmud folgende Notiz. Nachdem 
ausgeführt ist, daß man einen König, der der Sohn eines Königs war, nur in dem 
Falle mit dem heiligen Salböle gesalbt habe, wenn Streitigkeiten wegen der Thron- 
folge zu befürchten waren, wird zum Beweis hierfür auch auf J^'hoachaz hingewiesen, 
der gesalbt worden sei (2 Kg 23, 30), weil sein Bruder J'^hojaqim (s. Vers 36. 31) älter 
als er war. Dann wird fortgefahren pSota 8, 3 (22", 39): R. Jochanan (f 279) hat gesagt: 
Jochanan 2 Chr 3, 15 u. J4ioachaz 2 Kg 23, 30 sind identisch. Aber es heißt doch 2 Chr 
3, 15: Der Erstgeborene Jochanan! (Wäre er identisch mit J'^hoachaz, so könnte er 
doch nicht der Erstgeborene heißen, da ja dieser nach 2 Kg 23, 31. 36 noch zwei Jahre 
jünger als der Zweitgeborene J'^'hojakim war.) Es will sagen: der Erstgeborene be- 
züglich der Regierung (nicht hinsichtlich der Geburt). R. Jochanan hat gesagt: Schallum 
u. Qedekia (1 Chr 3, 15) sind identisch. Aber es steht doch geschrieben (1 Chr 3,15): 
Der Dritte ^edekia, der Vierte Schallum! Das will sagen: Er war der dritte der Geburt 
nach u. der vierte bezüglich der Regierung (zuerst regierte J'^hoachaz 2 Kg 23, 30, dann 
Jehojakim Vers 36, als dritter Jekhonja = Jojakhin (2 Kg 24, 6), als vierter Qedekia '^= 
Matthanja, Jekhonjas Oheim Vers 17 f.). ^edekia hieß er, weil er die göttliche Strafe, 
die ihn traf, als gerecht anerkannte (vgl. Ez 17, 13 ff.; 2 Chr 3G, 13). Schallum hieß er, 
weil sich in seinen Tagen die Herrschaft des Hauses David vollendete (^ zu Ende 
ging -^hx, Wortspiel zu ai'iic). Aber weder Schallum noch Qedekia war sein eigentlicher 
Name, sondern Matthanja (2 Kg 24, 17). Parallelen: pSch^'qalim 6, 1 (49^, 5); bHor U^; 
K'^r 77"^ (andre Ausgaben 5*^). Im bT wird der letzte Satz, der im pT noch zu R. Jo- 
chanans Ausführung gehört, als Bar. erweitert so gegeben: Schallum u. Qedekia sind 
identisch. Weshalb heißt er Schallum? Weil er vollkommen in seinen Werken war. 
Eine andre Erklärung: Schallum, weil die Herrschaft des Hauses David sich vollendete 
seit seinen Tagen. Und welches war sein Name? Matthanja war sein Name, 2 Kg 24, 17: 
„Und er machte den Matthanja, seinen Oheim, zum König an seiner Statt u. wandelte 
seinen Namen um in ^edekia" ; denn er sprach zu ihm: Jahve wird ein gerechtes Ge- 
richt über dich bringen, wenn du dich wider mich empörst, s. 2 Kg 25, 7; 2 Chr 36, 13. 

1,12: Nach der babylon. Gefangenschaft zeugte Jekhonja 
den S'^althiel, 2aka^irjl. 

1, Deportation des Königs J^'khonja, 

LvR 19 (119'*): Nachdem Nebukadnezar den J'^hojakim hatte töten lassen, machte 
er dessen Sohn J' khonja zum König u. zog wieder hinab gen Babel. Alle Einwohner 
Babels zogen aus, ihn zu preisen. Sie sprachen zu ihm: Was hast du vollbracht? Er 
antwortete: J'^^hojaqim hatte sich wider mich empört, u. ich habe ihn getötet u. seinen 



Matthl,12(Nr.l.2) 33 

Sohn J^'khonja an seiner Statt als König eingesetzt. Sie sagten zu- ihm: Das Sprich- 
wort sagt: Das gute Junge von einem bösen Hunde zieh nicht auf, um wieviel wenigei 
das böse Junge von einem bösen Hunde! Sofort hörte er auf sie u. zog hinauf (nach 
Palästina) u. ließ sich nieder in Daphne bei Antiochia. || pSch^qalim 6, 3 (50'', 45): Du 
findest, als Nebukadne^ar hierher heraufzog, ließ er sich nieder in Daphne bei Antiochia. 
Das große Synedrium zog aus, ihm entgegen. Sie sagten zu ihm: Ist die Zeit dieses 
Hauses (= Tempels) gekommen, daß es zerstört werde? Er antwortete: Den, welchen 
ich über euch zum König gemacht habe, sollt ihr mir ausliefern, so werde ich ab- 
ziehen. — Sie gingen u. sagten zu J'^hojakhin: Nebukadne9ar verlangt dich! Da nahm 
er die Schlüssel des Heiligtums, stieg auf das Dach des Tempels u. sprach vor Gott: 
Herr der Welt, vordem sind wir dir verläßlich gewesen, u. deine Schlüssel wurden 
uns übergeben; jetzt, weil wir dir nicht mehr verläßlich sind, siehe, deine Schlüssel 
sind dir übergeben! — Zwei Amoräer (sind hierüber verschiedener Ansicht). Dereine 
sagte: Er warf die Schlüssel empor, u. sie fielen nicht wieder nieder; der andre sagte: 
Er sah etwas wie eine Hand (aus dem Himmel), die nahm sie fort aus seiner Hand. 
Als alle Jünglinge (lies mit LvR ""nna statt ^in-) Judas solches sahen, stiegen sie auf 
die Spitze ihrer Dächer, stürzten sich herab u. starben; das meint Jes 22, 1 f.: , Orakel 
über das Tal der Schau. Was hast du nur, daß du insgesamt auf die Dächer gestiegen, 
du getümmelvolle, lärmende Stadt?" (Parallelbericht LvR 19.) || LvR 19 (119''^): Was tat 
Nebukadnecar? Er nahm Jojakhiu u. warf ihn in das Gefängnis, u. keiner von denen, 
die in seinen Tagen gefangen gesetzt wurden, kam jemals wieder von dort heraus, 
s. Jes 14,17: „Seine Gefangenen entließ er nicht nach Hause." Jojakhin zog in die 
Verbannung u. mit ihm das große Synedrium; das meint Jer 22, 28: Ist denn ein ver- 
ächtliches, zerschlagenes Geschirr dieser Mann Ghonjahu (= Jojakhin), oder ein Gefäß, 
an dem man kein Gefallen hat? 

2. J^khonjas Buße u. die Leiden des Exils machen den Gottes- 
beschluß Jer 22, 30 unwirksam. 

Ein exegetischer Kanon pSchab 7, 2 (9^ 65) u. pSanh 7; 5 (24'", 26): R. Judan (um 
350) hat gesagt: Alle, von denen geschrieben steht: , Kinderlos sollen sie sein", Lv 
20, 21, die bleiben ohne Kinder; u. von denen geschrieben steht: „Kinderlos sollen sie 
sterben", Lv 20, 20, die begraben ihre Kinder. Nach dieser Regel hätte auf Grund von 
Jer 22, 30 J'^khonja kinderlos bleiben müssen. 

LvR 10 (111 1». 112='): R. J'^huda (b. Chijja des Älteren, um 240) u. R. J^hoschuaf b. 
Levi (um 250). R. J%uda hat gesagt: Die Buße bewirkt die Hälfte u. das Gebet das 
Ganze (d. h. die Buße hebt einen Gottesbeschluß, ein göttliches Verhängnis, zur Hälfte 
u. das Gebet hebt ihn ganz auf). R. J'^hoschuaf b. Levi sagte: Die Buße bewirkt das 
Ganze, das Gebet die Hälfte. . . . Nach der Meinung des R. J'^hoschua? b. Levi bewirkt 
die Buße das Ganze; von wem kann man das lernen? . . . Lerne es von J'khonja, Jer 
22,28: Ist denn ein verächtliches, zerschlagenes Geschirr dieser -Mann Ghonjahu? 
(Hierauf folgt dem nächsten Zitat Entsprechendes.) \l P®siq 162'': Die Buße des J^khonja 
habe ich (Gott) angenommen, u. eure (Israels) Buße sollte ich nicht annehmen? Denn 
es war über ihn ein schweres Verhängnis verhängt, s. Jer 22,28: „Ist denn ein ver- 
ächtliches, zerschlagenes Geschirr dieser Mann Ghonjahu, oder ein Gefäß, an dem man 
kein Gefallen hat?" R. Abba bar Kahana (um 310) hat gesagt: Wie dieser Hirnknochen; ' 
wenn du ihn ausgeschüttet hast {'sizr: entspricht dem yr: bei Jer), so ist er zu nichts 
mehr nütze. R. Chelbo (um 300) hat gesagt: Wie dieser Dattelkorb ;^ wenn du ihn 
ausgeleert hast, ist er zu nichts mehr nütze. „Ein Gefäß, an dem man kein Gefallen 
hat." R. Chama b. Chanina (um 260; so zu lesen mit LvR 10 statt R. Chijja b. Chanina) 



1 ziiv , Knochen" soll nach der exeget. Regel, daß =, "!, n, 2 miteinander vertauscht 
werden können, das z-^'j bei Jer deuten. 

^ Dattelkorb nach Ra.schi zu Schab 146* ein Korb aus Palmzweigen, in den man 
die schlechten Datteln zum Ausreifen legt. 

strack u. Billerbeck, NT I. 3 



34 Mattlil,12 (Nr. 2. 3) 

hat gesagt; Wie ein Nachtgeschirr; R. Sch"muel (b. Nachman, um 260) hat gesagt: 
Wie ein Becken der Aderlasser. R. Me'ir (um 150; so lies mit Midr HL zu 8,6 statt 
des bloßen Rabbi) hat gesagt: Es schwur Gott: Ich will von J^'khonja, dem Sohne 
.T^hojakims, des Königs von Juda, keinen König erstehn lassen, s. Jer22, 24: ,Wenn 
Chonjahu, der Sohn J^hojakims, der König von Juda, ein Siegelring wäre an meiner 
rechten Hand, so würde ich dich doch von da wegreißen." R, Chanina b. Ji9chaq (um 
325) hat gesagt: Von dort reiße ich hinweg die Königsherrschaft des Hauses David. 
Eine andre Erklärung: Es steht hier nicht geschrieben: „Ich werde dich wegreißen" 
(-ipr:s von p^'), sondern: „Ich werde dich festmachen" (-jprs, was auch von -j-r ab- 
geleitet werden kann), ich werde dich festmachen (wiederherstellen) durch Buße, von 
dem Orte seines Losreißens wird au.sgehn seine Befestigung. — R. Z''?ira (der Ältere, 
um 300) hat gesagt: Ich habe ein Wort von R. Sch^'muel b. Ji<jchaq (um 300) gehört, 
er saß u. trug ein Wort vor, aber ich weiß nicht, welches es war. R. Acha der Lange 
(um 300, so lies mit LvR 10 u. Midr HL zu 8, 6 statt R. Abba der Lange) erwiderte: 
Vielleicht war es dies: „So spricht Jahve: Schreibet diesen Mann (J^khonja) auf als 
kinderlos, einen Mann, dem's nicht glückt in seinem Leben; denn nicht wird aus 
seinem Samen Einer Glück haben, sitzend auf Davids Thron u. herrschend fürderhin 
in Juda", Jer 22, 30. R. Z*^?ira sagte: Ja (= dies Woi-t war es), in seinen Tagen soll's 
ihm nicht glücken, aber in den Tagen seines Sohnes wird es glücken. R. Acha b. Abin 
b. Benjamin (um 360) hat im Namen des R. Abba b. Pappai (um 330) gesagt: Groß ist 
die Kraft der Buße, denn sie hat einen Schwur u. ein Verhängnis aufgehoben. Einen 
Schwur, woher läßt sich das beweisen? Von Jer 22, 24: „So wahr ich lebe, ist Jahves 
Spruch, wenn Chonjahu, der Sohn J^^hojakims, wäre ein Siegelring" usw. Und es steht 
geschrieben (Haggai 2,23): „An jenem Tage, ist der Spruch Jahves der Heerscharen, 
will ich dich nehmen, Serubabel, Sohn Schalthiels, meinen Knecht, ist Jahves Spruch, 
u. dich setzen gleich einem Siegelring" (also ist trotz Jer 22, 24 Serubabel, ein Nach- 
komme J'^khonjas, das wieder geworden, was sein Ahn aufgehört hatte zu sein, ein 
Siegelring an Gottes Hand). Ein Verhängnis, woher läßt sich das beweisen? Aus Jer 
22, 30: „So spricht Jahve: Schreibet diesen Mann auf als kinderlos" usw. Und es steht 
geschrieben (lChr3, 17): „Die Söhne J'^khonjas" usw. (also hatte J^khonja trotz Jer 
22, 30 Kinder; Beweis, daß seine Buße das göttliche Verhängnis zunichte gemacht hat). 
Parallelen: LvR 10 (112»); Midr HL 8,6 (131=^). 11 Sanh 37b: R. Jochanan (f 279) hat 
gesagt: Das Exil sühnt alles; denn es heißt Jer 22,30: So spricht Jahve: Schreibet 
diesen Mann (J*'khonja) auf als kinderlos usw., u. nachdem er ins Exil gegangen war, 
steht geschrieben 1 Chr 3, 17: Die Söhne J'^khonjas usw. 

3. Die während des Exils erzeugten Söhne J^khonjas u. Deutung 
ihrer Namen. 

LvR 19 (119^): In jener Stunde beruhigten sich die Mitglieder des großen Syne- 
driums in ihrem Gemüt u. sprachen: In unsern Tagen sollte aufhören die Herrschaft 
des Hauses David, dessen, von dem geschrieben steht Ps 89, 37: „Und sein Thron wie 
die Sonne vor mir" ? [Der Satz ist als Frage gefalH.] Was sollen wir tun? Wir wollen 
gehn u. bei der Pflegerin ein gutes Wort für J'^'khonja einlegen, u. die Pflegerin mag 
dasselbe tun bei der Königin u. die Königin bei dem König. Sie taten also. Und welches 
war der Name der Gemahlin des Nebukadnezar? R. Huna (um 350) hat gesagt: Sch^mira 
[so lies mit Levy 4, 580^, u. Bacher, pAmor 3, 424 statt Sch'^'miram]. R. Abin (der Jüngere, 
um 370) hat gesagt: Semiramis war ihr Name (pi»3"':-J als männlicher Personenname 
1 Chr 15, 18. 20; 16, 5; 2 Chr 17, 8), u. die Rabbinen sagten: Sch^'mirafam war ihr Name, 
weil sie unter Donner geboren worden ist (cv--':^ also = Ruf des Donners). Als Ne- 
bukadnezar ihr (seiner Gattin) beiwohnen wollte, sprach sie: Du bist ein König; ist 
J'khonja kein König? Du verlangst nach deiner Begattung; verlangt er nicht nach 
seiner Begattung? Sofort bestimmte N., daß man dem J^khonja seine (bisher von ihm 
getrennte) Gattin übergebe. Auf welche Weise ließ man sie zu ihm hinab (in sein 
Verließ)? R. Schabb^thai (um 260) hat gesagt: Durch ein Gitterfenster ließ man sie 



Matth 1, 12 (Nr. 3). 13. 16 (Nr. 1) 35 

zu ihm hinab: u. die Rabbinen sagten: Man riß den Deckenbelag (über seinem Ge- 
fängnis) auf u. dann liefs man sie zu ihm hinab. Als er ihr beiwohnen wollte, sprach 
sie zu ihm: Wie eine rote Lilie (euphemistisch für Menstruationsblut) habe ich gesehen! 
Da sonderte er sich von ihr ab. Sofort entfernte sie sich, zählte (nämlich sieben Tage), 
bis sie rein wurde, u. nahm ein Tauchbad. — Gott sprach zu ihm: In Jerusalem habt 
ihr die Gebote betreffs des Blutflusses nicht gehalten u. jetzt haltet ihr sie; s. Sach 
9, 11: ,Auch will ich, was dich anlangt, kraft des Blutes deines Bundes deine Ge- 
fangenen aus der Grube loslassen"; es ist euch jenes Blutes am Sinai (Ex 24,8) ge- 
thicht worden, deshalb lasse ich deine Gefangenen los. R. Schabb'^^thai hat gesagt: 
Nicht wich er (J'^khonja) von da, bis ihm Gott alle seine Sünden vergeben hatte. In 
bezug auf jene Stunde heißt es (HL 4, 7): „Ganz schön bist du, meine Freundin, u. 
kein Fehl ist an dir." Da ging eine Himmelsstimme aus, die ihnen zurief (Jer3, 22): 
Kehret wieder, ihr abtrünnigen Söhne, ich will eure Abirrungen heilen. || Sanh 37 '': 
R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Es steht geschrieben 1 Chr3, 17: ,Und die Söhne des 
J'khonja waren Assir,* sein Sohn, Schalthiel, sein Sohn." ,Assir" (= der Gefangene) 
hieß er, weil ihn seine Mutter im Gefängnis empfing; „Schalthiel" hieß er, weil Gott 
ihn pflanzte (= erzeugt werden ließ, ■5S iVf^'u Wortspieldeutung), nicht nach Art der 
übrigen Gepflanzten. Es ist nämlich traditionell, daß kein Weib von einem (beim Koitus) 
Stehenden schwanger wird; sie aber ist von einem Stehenden schwanger geworden 
(nach Raschi nötigte die Enge des Gefängnisses zum Stehen). Eine andre Erklärung: 
Schalthiel hieß er, weil Gott um Lösung seines Eides nachsuchte ('ss "ss-i'j Wortspiel- 
deutung). 1! P^siq 163 '': R. Tanchum b. Jirm'^'ja (um 310) hat gesagt: Assir hieß er, weil 
er gebunden war im Gefängnis; Sch^althiel hieß er, weil von ihm das Königtum des 
Hauses David fortgepflanzt ist (im Hebr. ein Wortspiel). R. Tanchuma (b. Abba, um 
380) hat gesagt: Assir, das weist auf Gott hin; denn Gott band sich selbst durch 
einen Schwur (s. Jer 22, 24. 30); Scli*^althiel hieß er, weil er (Gott) bei dem oberen Ge- 
richtshof (der Engel) um Lösung nachsuchte, u. sie lösten ihm den Schwur. — Die 
abweichenden Autorenangaben LvR 10 (112^) u. Midr HL 8, 6 (131^) sind wohl irrig. 

1,13: Serubabel zeugte Abiud. 

Sanh 37^. 38^: R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Serubabel -ri?! hieß er, weil er 
in Babel gezeugt war. 

1,16: Jakob zeugte Joseph, den Mann Marias, 
von welcher geboren ist Jesus. 

1. Diese Worte zeigen a, daß das hier beigebrachte Geschlechts- 
register die davidische Herkunft nicht der Maria, sondern Josephs 
dartun soll, u, b, daß nach der Meinung des Evangelisten durch die 
Verheiratung Josephs mit der Maria Jesus als rechtmäßiger Sohn 
Josephs anerkannt u. damit die These: „Jesus Christus ein Sohn 
Davids" 1, 1 erwiesen ist. Diese Meinung entspricht den eherechtlichen 
Anschauungen des jüdischen Volks zur Zeit des NT.s. BB 8, 6 : Wenn 
jemand sagt: „Dieser ist mein Sohn", so ist er beglaubigt, d. h. seine 
Aussage ist ohne weiteres gültig u. der als „Sohn" Bezeichnete tritt 
in alle Erbrechte eines Sohnes ein. Nur für den Fall werden besondere 
Kautelen aufgestellt, daß ein Kind im Auslande geboren ist. 

Qid 4, 10 f.: Wenn jemand mit seiner Frau in ein überseeisches Land geht u. dann 
mit ihr u. seinen Kindern zurückkehrt u. sagt: Die Frau, die mit mir in das überseeische 

^ Die älteren rabbinischen Exegeten scheinen allgemein -?s 1 Chr 3, 17 als Eigen- 
namen zu fassen; deshalb schieben sie sogar, wie auch in vorliegender Stelle, hinter 
~"os ein ^iz ein; abweichend vom Schrifttext ist auch Vs-rrj geschrieben. 

3* 



36 Matth 1, 16 (Nr. 1—3) 

Land gegangen ist, siehe, diese hier ist es, u. dies sind iiire Kinder, so braucht er 
dafür weder betreffs der Frau noch auch betreffs der Kinder einen Beweis beizubringen. 
Sagt er aber: Die Frau ist gestorben, u. dies sind ihre Kinder, so muß er betreffs der 
Kinder einen Beweis beibringen, aber nicht betreffs der Frau. — Sagt er: Ich habe 
eine Frau in einem überseeischen Lande geheiratet, siehe, diese hier ist es, u. dies 
sind ihre Kinder, so muß er betreffs der Frau einen Beweis beibringen, aber nicht 
betreffs der Kinder. Sagt er: Sie ist gestorben, u. dies sind ihre Kinder, so muß er 
einen Beweis beibringen sowohl betreffs der Frau als auch betreffs der Kinder. 

2. Neben Magia hat das NT (zB 1, 20; Apg 1, 14) auch Magiäin = 
c:;""2; die LXX kennen nur Maoiäf^i. Durch die von A. Berliner ans 
Licht gezogene Masora zum Targum des Onkelos (Berlin 1875) zu Ex 
15, 20 wissen wir jetzt, daß c^'n^ (mit Pathach der ersten Silbe) die 
Targumform dieses Frauennamens ist (Franz Delitzsch, Zeitschr. f, luth. 
Theol. u. Kirche, 1877, S. 2). 

3. In der rabbinischen Literatur^ wird Jesus genealogisch einigemal 
bezeichnet als Jeschua? ben Pantera (Pantere) oder Jeschu b. Pan- 
dera oder Jeschu Pandera oder Ben (Bar) Pandera. Die wichtigsten 
Stellen sind: Tos Chullin 2, 22 f. (503): Es geschah, daß den R. El?azar 
b. Dama (um 130, Neffe des R. Jischma^el b. Elischa?) eine Schlange 
biß. Es kam Ja^aqob aus Kephar-Sama, um ihn im Namen des Jeschua-' 
b. Pantera Nn-j:s p yvir^ zu heilen; aber R. Jischma^el (sein Oheim, f um 
135) ließ ihn nicht. Man sagte zu ihm: Das darfst du nicht, Ben Dama. 
Er antwortete dem R. Jischma^el: Ich will dir den Beweis erbringen, 
daß er mich heilen darf. Er hatte aber den Beweis noch nicht erbracht, 
als er schon starb. R. Jischma^el sprach: Heil dir, Ben Dama, daß du 
in Frieden dahingegangen bist, ohne die Verordnung der Gelehrten zu 
durchbrechen; denn wer den Zaun der Gelehrten durchbricht, über den 
kommt schließlich Strafe, s. Qoh 10, 8: Wer Gemäuer einreißt, den beißt 
eine Schlange. ^ || Das. 2, 24 (503): Es geschah, daß R. Eli^ezer (um 90) 
wegen Häresie gefangen gesetzt wurde. Man brachte ihn vor das 
(römische) Tribunal, um ihn zu richten. Der Statthalter sprach zu ihm: 
Ein Ältester ("|pi, angesehener Lehrer) wie du beschäftigt sich mit 
solchen Dingen? Er antwortete: Ein zuverlässiger Richter ist über 
mir. Der Statthalter meinte, daß er das nur in bezug auf ihn gesagt 
hätte, während er nur an seinen Vater im Himmel gedacht hatte, u. 
sprach zu ihm : Weil du zu mir Vertrauen gehabt hast, so denke auch 
ich über dich ebenso; vielleicht haben sich jene Irrenden durch jene 
Worte (die du zu ihnen gesprochen hast) zur Umkehr bewegen lassen. 
Dimissus (ci^c-^n), siehe, du bist freigesprochen! Als R. E. vom Richter- 
stuhl fortgegangen war, schmerzte es ihn, daß er wegen Häresie fest- 

^ Zum Folgenden vgl. H. L. Strack, Jesus, die Häretiker u. die Christen nach den 
ältesten jüd. Angaben, Leipzig 1910. 

2 In der Parallelstelle pSchab 14, 14'^', 49 heißt der Name Jeschu Pandera; in 
pf AZ 2, 40 '^ 61 Jeschu ben Pandera; b?AZ 27'' nennt den Namen überhaupt nicht, Midr 
Qoh 1, 8 (8'') deutet ihn nur an: ,Es kam Ja?aqob aus Kephar-Sikhnin, um ihn zu 
heilen im Namen eines gewissen Jemand." 



Matthl,16 (Nr. 3) 37 

genommen worden war. Seine Schüler kamen zu ihm, um ihn zu 
trösten; aber er nahm es nicht an. R. i=Aqiba (f um 135) kam zu ihm 
u. sagte: Rabbi, ich möchte etwas vor dir sagen, vielleicht wirst du 
nicht verdrießlich sein. Er sprach zu ihm: Sage an! Er sprach zu 
ihm: Vielleicht hat einer von den Häretikern dir ein Wort der Häresie 
gesagt, u. es hat dir gefallen. Er antwortete: Beim Himmel (ci^-irn 
= bei Gott), da rufst du eine Erinnerung bei mir wach! Einmal ging 
ich auf einer Straße von Sepphoris, da traf ich Ja^aqob aus Kephar- 
Sikhnin (er ist wohl identisch mit Ja^aqob aus Kephar-Sama), der sagte 
ein Wort der Häresie im Namen des Jeschua? ben Pantere (oder Pantiri 
— "i-jrs), u. es gefiel mir, u. ich wurde wegen Häresie festgenommen, 
weil ich die Worte der Tora übertreten hatte (Spr5, 8; 7,26): „Halt 
von ihr fern deinen Weg u. nahe nicht zur Tür ihres Hauses. Denn 
viel sind der Erschlagenen, die sie hingestreckt hat" usw. Denn 
R. Eli^ezer pflegte zu sagen: Immer fliehe der Mensch vor dem Häß- 
lichen u. vor dem, was dem Häßlichen ähnlich ist. — Die Parallelstelle 
^AZ 16'J nennt Jesum i-^irn '■ari „ Jeschu aus Nazareth"; die Schlußsätze 
lauten hier: R. Eli^ezer sagte: Einmal ging ich auf dem oberen Markt 
von Sepphoris u. ich traf einen von den Schülern des Jeschu von 
Nazareth, namens Ja^aqob von Kephar-Sekhanja. Er sagte zu mir: 
In eurer Tora ist geschrieben (Dt 23, 19): „Du sollst nicht Buhlerinnen- 
geld (in das Haus Jahves) bringen." Wie ist es? Darf man daraus 
einen Abort für den Hohenpriester machen? Ich erwiderte ihm nichts. 
Er sprach zu mir: So hat mich Jeschu von Nazareth gelehrt: „Von 
Buhlerinnengeld ist es gesammelt, zu Buhlerinnengeld soll es wieder 
werden" (Micha 1,7); vom Ort" des Schmutzes kam es u. zum Ort des 
Schmutzes soll es gehn. Das Wort gefiel mir; deshalb bin ich wegen 
Häresie festgenommen worden. Ich habe übertreten, was in der Tora 
geschrieben ist (Spr 5, 8): „Halt von ihr fern deinen Weg", das ist die 
Häresie, „und nahe dich nicht zur Tür ihres Hauses", das ist die 
Obrigkeit. Manche sagen: „Halt fern von ihr deinen Weg", das ist die 
Häresie u. die Obrigkeit, „u. nahe dich nicht zur Tür ihres Hauses", 
das ist eine Buhlerin. — Midr Qoh 1, 8 (8'') setzt für Jesus „ein ge- 
wisser Jemand", -i-ibe, ein. Die Schlußsätze lauten: Einmal ging ich 
eine Straße von Sepphoris hinauf, u. es kam ein Mann zu mir, dessen 
Name war Ja?aqob aus Kephar-Sikhnin (oder Sekhanja). Er sagte zu 
mir ein Wort im Namen eines gewissen Jemand, ■'sibE, u. das Wort 
gefiel mir. Und jenes Wort war: In eurer Tora ist geschrieben Dt 
23,19: „Du sollst nicht Buhlerinnengeld u. Hundelohn (in das Haus 
Jahves) bringen." Wie ist es damit? Ich sagte zu ihm: Verboten! Er 
sprach zu mir: Sie als Opfer darzubringen ist verboten, aber sie zu 
vernichten ist erlaubt. Ich sprach zu ihm : Wenn dem so ist, was soll 
man damit machen? Er antwortete mir: Man mache dafür öffentliche 
Badehäuser u. Aborte. Ich antwortete ihm: Du hast schön gesprochen. 



38 Matthl,16 (Nr.3. 4) 

Es war mir aber die Halakha augenblicklich verborgen. Als er sah, 
daß.ich seinen Worten zustimmte, sprach er zu mir: So hat ein ge- 
wisser Jemand i;'52 gesagt: Von Unflat ist es gekommen u. zu Unflat 
soll es werden, s. Micha 1,7: „Denn von Buhlerinnengeld ist es ge- 
sammelt u. zu Buhlerinnengeld soll es wieder werden"; man mache 
öfifentliche Aborte daraus. Das gefiel mir, u. um deswillen bin ich 
wegen Häresie festgenommen worden; u. nicht nur deshalb, sondern 
auch, weil ich übertreten habe, was geschrieben ist Spr5, 8: „Halt 
fern von ihr deinen Weg" usw. — Ältere Ausgaben (s. Strack, Jesus 
S. 5 f.) haben statt des ersten irbs den vollen Namen N-n:s -p luji, statt 
des zweiten die kürzere Form wX-i:s ■=. |1 p^AZ 2, 40 f\ 85: Sein (des R. 3"^- 
hoschuaf b. Levi, um 250) Enkel hatte etwas verschluckt. Es kam einer 
u. flüsterte ihm etwas im Namen des Jeschu Pandera zu, u. er wurde 
geheilt. Als er (der Christ) hinausging, fragte er (R. J'^hoschua? b. L.) 
ihn: Was hast du über ihm gesprochen? Er antwortete: Ein Wort 
eines gewissen Jemand. Da sagte er zu ihm: Es wäre ihm besser, 
wenn er tot wäre u. dieses Wort nicht gehört hätte! Und es geschah 
ihm so, „wie bei einem Fehlgriff, der vom Herrscher ausgeht" (Qoh 
10,5, u. deshalb nicht ungeschehen gemacht werden kann). — Das- 
selbe pSchab 14, 14«^, 35. In Midr Qoh 10, 5 (47 a) heißt es im Anfang: 
„Er ging u. holte einen von denen des Bar Pandera, damit er das 
Verschluckte heraushole"; im folgenden wird Jesus nicht mehr er- 
wähnt. II Zwei weitere Stellen mit dem Namen „Ben Pandera" aus 
Schab 104'^ u. Sanh 67^ s. unter Nr. 4. 

Die ältesten Stellen (Tos Chullin 2, 22—24) haben die Form Ben 
Pantera oder Ben Pantere; diese Form entspricht am meisten dem 
zugrunde liegenden griechischen Eigennamen Uär^riQ oder Uär^rjQcc 
(= Panther). Da nun nach altkirchlichen Schriftstellern (s. die Zitate 
bei Strack, Jesus S. 10* ff.) Jakob, der Vater Josephs (Mt 1, 16), den 
Beinamen Jlar^rjQ geführt hat, ist es durchaus wahrscheinlich, daß 
auch der Name Ben Pantera (Pandera) für Jesus diese genealogische 
Tradition zur Grundlage hat. Jedenfalls tritt in der älteren Zeit nirgends 
das Bestreben deutlich hervor, in den Namen Ben Pantera etwas Be- 
schimpfendes für Jesum hineinzulegen. Das geschieht erst im bT (s. 
Schab 104'' u. Sanh 67» in Nr. 4), wo man nach dem Vorgang des Celsus 
(s. Origenes bei Strack S. 9*f.) den Pandera zum Buhlen der Mutter 
Jesu gestempelt hat. 

4. Ein weiterer Name Jesu ist Ben Stada xn-jo -z. Die ältesten 
in Betracht kommenden Stellen sind Tos Schab 11, 15 (126): Wer (am 
Sabbat Buchstaben) in sein Fleisch einritzt, den erklärte R. Eli^ezer 
(um 90) für schuldig (nämhch der Übertretung des sabbathchen Schreibe- 
verbotes); die Gelehrten aber sprachen ihn frei. Da sagte R. El. zu 
ihnen: Hat denn nicht Ben Stada (das Zaubern) nur durch dies gelernt? 
Sie antworteten: Wegen Eines Narren sollen wir alle Vernünftigen 



Matthl,16(Nr.4) 39 

zugrunde richten? — In der Parallelstelle pSchab 12, 13^', 21 heißt es: 
Hat denn nicht Ben Stada nur durch dies Zaubereien aus Ägypten 
gebracht? — Schab 104'' s. unten S. 39 y. || Tos Sanh 10, 11 (431): Gegen 
alle Todesschuldigen, welche in der Tora vorkommen, legt man keinen 
Hinterhalt (lies ■id-'od^ statt 'ir.i^a-a), außer bei dem, welcher (zum 
Götzendienst) verführt. Wie denn? Man gibt ihm zwei Gelehrtenschüler 
(als heimliche Aufpasser u. Zeugen) bei im inneren Haus, während er 
im äußeren Hause sitzt, u. man zündet ihm ein Licht an, damit sie 
ihn sehen u. seine Stimme hören können (wenn er jemanden bei sich 
hat, den er verführen will). Ebenso hat man dem Ben Stada in Lydda 
getan: man bestimmte ihm zwei Gelehrtenschüler (als heimliche Zeugen) 
u. steinigte ihn. — Dasselbe ausführlicher pSanh 7, 25% 62 (= pJ^b 16, 
15 ^\ 53) u. bSanh 67=*; im pT lautet der Name Ben Sot^da m-jio -p, im 
bT lautet der ganze Schlußsatz: „Und so hat man dem Ben Stada in 
Lydda getan u. man hat ihn am Rüsttag des Passah gehängt. 

In den Tosephtazitaten weist nichts darauf hin, daß mit Ben Stada 
Jesus gemeint sein könnte; wohl aber spricht gegen diese Beziehung 
auf das bestimmteste die Bezeichnung des Ben Stada als n-jv:: (Narr 
= Wahnsinniger), ferner die Ortsangabe „in Lydda" u. endlich die 
Todesart der Steinigung. Aber schon die oben genannten Parallelstellen 
zeigen, wie man allmählich angefangen hat, unter Ben Stada Jesum 
zu.verstehn. Dahin gehört die Bemerkung, daß Ben Stada Zaubereien 
aus Ägypten mitgebracht habe; mit Äg. hat der Talmud auch Jesum 
in Verbindung gebracht, s. bei Mt 2, 14. Ferner erinnert die Umformung 
des Namens Stada in Sot®da (pSanh 7) stark an xn-n::iD, wodurch Jesu 
Mutter als die bekannte Ehebruchsverdächtige hingestellt wäre. Endlich 
läßt der Schlußsatz von Sanh 67% daß man den Ben Stada am Rüsttag 
des Passah gehängt habe, keinen Zweifel an dessen späterer Identi- 
fizierung mit Jesu. Diese Identifizierung liegt vor auch Schab 104'' 
Bar: R. Eli?ezer (um 90) sagte zu den Gelehrten: Hat denn nicht Ben 
Stada durch Einritzen in sein Fleisch Zaubereien aus Ägypten gebracht? 
Sie antworteten: Er ist ein Narr gewesen u. von Narren her erbringt 
man keinen Beweis. Sohn Stadas (wäre er gewesen)? Ein Sohn des 
Pandera war er! Rab Chisda (f 309) hat gesagt: Ehemann war Stada, 
Buhle war Pandera. 1 Ehemann war (ja) Pappos b. J4iuda (s. Nr. 5), 
seine Mutter (war) Stada. ^ Seine Mutter war (ja) Mirjam, die Frauen- 
haarflechterin (s. Nr. 7)! Sage (d. h. verstehe es, oder denke es dir), wie 
man in Pum B^ditha (Hochschulort in Babylonien) sagt: 5<t r-jp „diese 
ist abtrünnig geworden" ihrem Ehemann (d. h. Mirjam ist ihr eigentlicher 
Name gewesen, Stada aber war ihr Beiname, weil sie eine Ehebruchs- 
verdächtige gewesen, vgl. oben zum Namen Sot^'da). — Dasselbe von den 
Worten an: „Ein Sohn Stadas (wäre er gewesen)?" auch in Sanh 67 '\ 

^ Das ist der erste klare Beleg für das Beschimpfende des Namens Ben Pandera. 
^ Hier ist also Stada ein Frauenname. 



40 



Matthl,16(Nr. 5.6) 



5. Pappos b. J'^huda wurde oben Schab 104^ u, Sanh 67'* als Ehe- 
mann der Mirjam, der Frauenhaarflechterin (d. h. der Mutter Jesu) be- 
zeichnet. Über ihn hören wir Tos Sota 5,9 (302): R. Meir (um 150) 
pflegte zu sagen: Wie es (verschiedene) Denkweisen über das Essen 
gibt, so auch über die Frauen. Es gibt manchen, über dessen Becher 
^ine Fliege hinfährt (so wird mit dem Wiener Kodex zu lesen sein) 
u. er läßt ihn stehn u. kostet nicht (mehr) davon. Das ist ein schlimmes 
Los für die Frauen, denn er hat seine Augen darauf gerichtet, sie zu 
verstoßen. Und es gibt manchen, auf dessen Becher sich eine FHege 
setzt u. er gießt ihn aus ohne davon zu kosten, wie zB Pappos b. 
J^huda, der die Tür hinter seiner Frau zuschloß. Es gibt manchen, 
in dessen Becher eine Fliege hineinfällt, er wirft sie hinaus u. trinkt 
davon. Das ist die Art jedes Menschen, der seine Frau mit ihren 
Brüdern (Verwandten) u. ihren Nachbarn reden läßt. Und es gibt 
manchen, in dessen Schüssel eine Fliege hineinfällt, er nimmt sie u. 
saugt sie aus u. ißt, was in ihr (der Schüssel) ist. Das ist ein gott- 
loser Mensch, der sieht, wie sein Weib ausgeht in bloßem Kopf (mit 
aufgelöstem Haar, s. bei 1 Kor 11, 5) u. ausgelassen ist mit ihren Sklaven 
u. ihren Nachbarn u. auf der Straße spinnt u. mit allen Leuten badet 
(ohne es ihr zu untersagen). Eine solche zu verstoßen ist ein Gebot, 
s. Dt 24, 1. - Parallelstellen: pSota 1, 17% 32; Gittin 90«; NuR 9 (152''). 
Rafechi zu Gittin: Pappos b. J^huda war der Ehemann der Frauenhaar- 
flechterin. Wenn er aus seinem Hause auf die Straße ging, schloß er 
die Tür hinter ihr zu, damit sie mit niemand spreche. Das ist eine 
unziemliche Art; denn dadurch kommt Feindschaft, u. sie entzieht sich 
ihm buhlend. — Pappos b. J'^huda ist ein Zeitgenosse des R. ^Aqiba 
(t um 135) gewesen. Das hat jedoch die Späteren (s. Schab 104^; Sanh 
67 '^ u. Raschi) nicht zurückgehalten, ihn zum Ehemann der Mirjam, 
der Frauenhaarflechterin, zu machen. Über Mirjam s. Nr. 7. 

6. Eine Ahnentafel Hamans, auf der vielleicht auch Jesu Name 
verzeichnet ist, findet sich im Traktat Soph^rim 13 § 6 (= Tabelle I), 
ferner 1 Targ Esth zu 5, 1 (= Tab. H) u. endlich in 2 Targ Esth zu 3, 1 
(= Tab. HI). Unter IV folgen einige Deutungen. 



I 


II 


III 


IV 


Haman, Sohn des 


Haman, Sohn des 


Haman, Sohn des 




Hamdatha 


Hamdatha 


Hamdatha 




— 


fAda 


Sedach (Serach) 




Kuza 


Biznai 


Buzah 




Aphlitos 


Aphlitos 


Iplotam (Iplotas) 


Pilatus 


Jos z-— ' T 




Joseph 


Joseph (Pflegevater 
Jesu)? 


Josot "-C--- -2 


JoSOS Z-Z-rr. -; 


Josim (Joses) 


Jesus? 


Faros 


Faros 


Fadom 


Cuspius Fadus? 
Varus? 


Nidan 


Hamdan 


Ma?dan 




Ba?lqan 


Thaljon 


Bla?qan 


Fomponius Flaccus 



Matthl,16 (Nr. 6. 7) 



41 



I 


II 


III 




IV 


Antimaros 


Athnisomos 


Antiraarom 




Antipater 


Hares (Haris) 


Charum (Plattnasiger) 








Hadoros 


Charsom 


Haridom 




Herodes 


Scheger 


Scheger 






Vitellius 


Naggar 


Negar 








Parniaschta (Esth 9, 9) 


Parniaschta 








Vajzatha (Esth 9, 9) 


Vajzatha 
Agag 


Agag 








Sumqar 


Sumaqi 




Tinejus Rufus 


fAmaleq, Sohn des 


fAmaleq 








Kebsweibes des 










Eliphaz, d.Erstgeb. des 


Eliphaz, S. d. 








Esau 


Esau, des Frevlers 








Levy, Wörtb. 


Über die Targumim 1, 330*' 


bemerkt hierzu: 



,Die 
Ahnen Hamans mochte man sich als Prototyp der christl. Verfolgungs- 
zeit vorgestellt haben; aber nicht bloß die Verfolgung der Juden, son- 
dern auch die Kreuzigung bietet Berührungspunkte für Jesus u. Haman. " 
Betreffs der Umwandlung des Namens „Jesus" in Josos, Josim (Joses) 
verweist Levy. auf die Formel in Sanh 7,5: „Jose schlage den Jose", 
mit der die Zeugen von Gotteslästerungen diese vor dem Gerichtshof 
wiederholen mußten, damit der Gottesname dabei nicht in den Mund 
genommen würde. „Man fragte die Zeugen: Sagte etwa der Gottes- 
lästerer, daß ^D'.i (Jesus) mächtiger sei als -oii (Joseph, sein Vater)? 
Die Richter aber haben ebenso wie die Zeugen unter dem zweiten 
-c-.-^ den „Vater", d. h, den Gott Israels verstanden", Neuhebr. Wörtb. 
2, 351*. — Strack, Jesus 46* urteilt über obige Ahnenliste: „Es ist 
wahrscheinlich, daß die Liste der angeblichen Ahnen Hamans aus den 
Namen bekannter Judenfeinde, bezw. solcher Männer, die später für 
Judenfeinde galten, zus. gestellt ist. Über Pilatus, Antipater, Herodes 
kann kein Zweifel sein ; auch Bla^qan = Pomponius Flaccus, Scheger 
=F= L. Vitellius (beide Statthalter in Syrien, jener um 32 — 35 n. Chr., 
dieser 35—39) dürfen als sicher bezeichnet werden. (Mit Bezug auf 
Vitellius hat Strack zuvor darauf verwiesen, daß „Scheger" alsAppella- 
tivum „Wurf des Viehs" bedeutet.) Bei Padom denkt man dann am 
besten an den Prokurator Cuspius Fadus (44 ff. n. Chr.). Sumaqi, der 
Rote, ist dann wohl Übersetzung von Rufus: Tinejus Rufus (bei den 
Juden Turnus Rufus), der bei dem großen Aufstande im J. 132 n. Chr. 
Statthalter in Judäa war." — Naggar bedeutet 1. „Zimmermann", 
könnte dann Deckname für Joseph, den Pflegevater Jesu, sein ; 2. „ (Auer-) 
Hahn", könnte also auch auf Cestius Gallus gemünzt sein, der beim 
Ausbruch des Krieges im J. 66 n. Chr. Statthalter von Syrien war. So 
Paulus Cassel, Aus Literatur u. Geschichte, Anhang S. 40 f. 

7. Jesu Mutter ist mit einer Frauenhaarflechterin namens Mirjam 
identifiziert worden, s. Schab 104^ (oben S. 39), Chag 4^ (bei Mt 4, 1). 
— Die pChagiga 2, 77 ^^^ 50 erwähnte Mirjam, die Tochter des ?Eli 



42 Matth 1, 16 (Nr. 7) 

Bo9lim (BeQalim), hat mit Jesu Mutter nichts zu schaffen; s. bei Eli 
Lk 3, 23. — II Zu den Beschimpfungen der Maria durch die alte Syn- 
agoge s. Schab 104'^ (oben S. 39) u. B'khoroth 8'^ (bei Mt 5, 13). Ferner 
Kalla 18'': Der Freche, sagte R. Eli^ezer (ben Hyrkanos, um 90), ist 
ein Bastard; R. J^'hoschuaf (um 90) sagte: Der Sohn einer Men- 
struierenden; R. ?Aqiba (f um 135) sagte: Ein Bastard u. Sohn einer 
Menstruierenden. Einmal saßen die Ältesten im Tor u. es gingen zwei 
Kinder an ihnen vorüber: eins hatte seinen Kopf bedeckt, das andre 
hatte seinen Kopf entblößt. Von dem, welches seinen Kopf entblößt 
hatte, sagte R. Eli^ezer: Ein Bastard. R. J'^hoschua? sagte: Sohn einer 
Menstruierenden. R. ?Aqiba sagte: Ein Bastard u. Sohn einer Men- 
struierenden. Man sagte zu R. ^Aqiba: Wie hat dir dein Herz Mut ge- 
macht, die Worte deiner Genossen zu übertreten? Er antwortete: Das 
werde ich feststellen. Er ging zu der Mutter des Kindes u. sah, daß 
sie dasaß u. Hülsenfrüchte auf dem Markte verkaufte. Er sprach zu 
ihr: Meine Tochter, wenn du mir etwas sagst, wonach ich dich frage, 
so bringe ich dich in das Leben der zukünftigen Welt. Sie antwortete: 
Schwöre mir! R. ^Aqiba schwur mit seinen Lippen u. machte es in 
seinem Herzen ungültig. Er sprach zu ihr: Dieser dein Sohn, wie ver- 
hält es sich mit dem? Sie antwortete: Als ich ins Brautgemach ging, 
war ich eine Menstruierende u. mein Eheherr sonderte sich von mir 
ab, aber mein Brautführer kam über mich, u. so ward mir dieser Sohn. 
So wurde das Kind als Bastard u. Sohn einer Menstruierenden erfunden. 
Da sagte man: Groß ist R. ^Aqiba, da er seine Lehrer (R. Eli?ezer u. 
R. J'^hoschua?) beschämt hat. In jener Stunde sagte man: Gepriesen 
sei Jahve, der Gott Israels, der sein Geheimnis dem R. ^^Aqiba b. Joseph 
kundgetan hat! — Da diese drei Lehrer mehr als ein halbes Jahr- 
hundert jünger waren als Jesus, kann mit dem Knaben, der hier als 
Muster der Frechheit dient, Jesus nicht gemeint gewesen sein. Trotz- 
dem hat die spätere Zeit die Geschichte auf ihn u. seine Mutter Maria 
bezogen, s. Strack, Jesus S. 28*. — ÄlinHch verhält es sich mit J'b 
4, 13 : (Wer ist ein Bastard ?) R. J'^hoschua? (um 90) sagte : Jeder, dessent- 
wegen sie (die Eltern) der gerichtlichen Todesstrafe schuldig werden. 
R. Schimfon b. fAzzai (s. oben S.4) hat gesagt: Ich habe ein Geschlechts- 
register ■ponT' rp372 in Jerusalem gefunden, in dem geschrieben war: 
Der u. der ist ein Bastard von einer verheirateten Frau. Um die Worte 
des R. J^hoschua? zu bestätigen. — Obwohl mit nichts angedeutet ist, 
daß unter dem N N Jesus zu verstehn sei, hat man die Stelle doch 
immer wieder auf ihn gedeutet, zB Jos. Derenbourg bei Strack, Jesus 
S. 27*. — Ohne Zweifel aber bezieht sich auf Jesum u. seine Mutter 
P<^siqR 21 (100''. 101=^): R. Chijja b. Abba (um 280) hat gesagt: Wenn 
der Sohn der Hure zu dir sagt: Es gibt zwei Götter, so antworte ihm: Ich 
bin derselbe vom Meer (Schilfmeer), ich bin derselbe vom Sinai. (So oft 
sich Gott offenbart hat, so ist er doch nur Ein Gott.) . . . R. Chijja b. Abba 



Matth 1, 16 (Nr. 7). 1, 17 (Nr. 1. 2) 43 

sagte: Wenn der Sohn der Hure zu dir sagt: Es gibt zwei Götter, so 
antworte ihm: „Von Angesicht zu Angesicht redeten Götter" steht hier 
(Dt 5, 4) nicht geschrieben, sondern: „redete Gott mit euch." [! Sanh 106^: 
„Und den Bil^am, den Sohn B^^^^ors, den Wahrsager" (erschlugen die 
Israeliten Jos 13, 22). Wahrsager? Er war doch ein Prophet I R. Jochanan 
(f 279) hat gesagt: Anfangs ein Prophet, schließlich ein Wahrsager. Rab 
Papa (t 376) hat gesagt: Das ist es, was die Leute zu sagen pflegen: Von 
Fürsten u. Herrschern stammte sie ab (u.) hurte mit Zimmerleuten. — 
Biham wie öfters = Jesus; s. Sanh 106^-^ (2mal); Aboth 5, 19; dann die 
Schlußworte auf Jesu Mutter zu beziehen. 

1,17: Alle Glieder von Abraham bis auf David sind vierzehn. 

1. Daß die Wendepunkte innerhalb der Israel. Geschichte durch 
eine gleiche Anzahl der dazwischenliegenden Generationen markiert 
werden, erscheint dem Evangelisten als etwas Bedeutsames. Auf 
14 genealogischen Stufen steigt Abrahams Nachkommenschaft empor, 
bis sie in David den Höhepunkt ihrer Macht erreicht; auf abermals 

14 Stufen sinkt Israels Macht bis zur Ohnmacht des Exils hinab; aus 
der Tiefe der Exilserniedrigung führt endlich wiederum auf 14 Stufen 
eine Linie aufwärts, die in Jesu kulminiert. In diesem Geschichts- 
verlaufe sollen die Leser nicht das Spiel des Zufalls, sondern das 
Walten einer höheren Hand erkennen zur Festigung der Überzeugung, 
daß Jesus der Antitypus Davids, der Messias ist. Vgl. Exkurs: „Vor- 
zeichen der messian. Zeit" usw. II Nr. 4. Dabei sieht der Verf. über die 
Tatsache hinweg, daß seine Zählung der Generationen eine Nach- 
prüfung im einzelnen nicht verträgt. 

2. Die Dreiteilung der Ahnenreihe Jesu in je 14 Glieder hat mit 
den sogenannten Zahlensprüchen, wie sie sich in früherer Zeit in Spr 
6, 16 u. Kap. 30 ; Sir 23, 16; 25, 1. 2. 7 ; 26, 5. 19 ; 50, 25 u. in späterer Zeit 
zB Aboth 5; Ta^an 4, 6; P'^s 112^ HS''; Gittin 70%- Aboth RN31— 41 
finden, nichts gemeinsam: letztere sollen vornehmlich mnemonischen 
Zwecken dienen; die Generationenzählung hier ist auf die Stärkung 
des Glaubens an Jesu Messianität berechnet. Dagegen liegen analoge 
auf die Anzahl der Generationen sich stützende Betrachtungen vor aus 
der vorchristl. Zeit in der Zehnwochen-Apokalypse des Buches Henoch 
u. aus der nachchristl. Zeit ExR zu 12, 2. 

ExR 15 (78'^): „Dieser Monat (Nisan) sei euch erster Monat, erster sei er euch 
der Monate des Jahres" Ex 12, 2. Das meint, was geschrieben steht Ps 72, 7: ,Es wird 
sprossen in seinen Tagen der Gerechte u. Freude in Fülle, bis der Mond nicht mehr." 
Bevor Gott Israel aus Aegypten führte, tat er ihnen andeutungsweise kund, daß ihnen 
die Herrschaft nur für 30 Generationen zufallen werde, denn es heißt: , Dieser Monat 
sei euch der erste der Monate": ein Monat umfaßt 30 Tage u. eure Herrschaft 30 Ge- 
schlechter. Der Mond fängt am 1. Nisan an zu leuchten u. leuchtet immer weiter 

15 Tage lang; dann ist seine Scheibe voll geworden; vom 15. bis zum 30. Tage nimmt 
sein Licht ab, bis es am 30. nicht mehr gesehen wird. So umfaßt auch Israel 30 Ge- 
schlechter. In der Zeit von Abraham bis Salomo begann Abraham zu leuchten, s. Jes 



44 Matthl,17 (Nr. 2) 

41,2: „Wer ließ leuchten {—jr. gedeutet = n-sr) vom Osten her den, dem Heil be- 
gegnet auf Schritt und Tritt (= Abraham)?" Dann kam Isaak, der gleichfalls leuchtete, 
s. Ps 97, 11 : , Licht (Heil) ward gesät von dem Gerechten" (= von Isaak), s. Gn 26, 12: 
„Und Isaak säte in diesem Lande u. erntete in diesem Jahre hundertfältig, denn Jahve 
segnete ihn" (so der Kommentar M. K.). Es kam Jakob, u. er mehrte das Licht, s. 
Jes 10, 17: „Es wird das Licht Israels (= Jakobs) zum Feuer." Darauf kamen J'^huda, 
Pere^. Chevron, Kam, f Amminadab, Nachschon, Salmon, Bo?az, fObed, Isai u. David. 
Als Salomo kam, wurde die Mondscheibe voll, s. 1 Chr 29, 23: „Salomo setzte sich auf 
den Thron Jahves als König." Aber kann sich denn ein Mensch auf den Thron Gottes 
setzen, von dem es heißt Dn 7,9: „Sein Thron sind Feuerflammen"? Vielmehr (will 
1 Chr 29, 23 sagen), wie Gott herrscht von dem einen Ende der Welt bis zum andren 
u. über alle Könige, vgl. Ps 138, 4: „Preisen werden dich, Jahve, alle Könige der Erde", 
so herrschte auch Salomo von dem einen Ende der Welt bis zum andren, s. 2 Chr 9, 
28 f.: „Alle Könige der Erde suchten das Angesicht Salomos . . . u. sie brachten ein 
jeder sein Geschenk dar." Deshalb wird gesagt: „Es setzte sich Salomo auf den Thron 
Jahves als König. ..." Siehe, da war die Mondscheibe voll geworden. Von da an 
fingen die Könige an abzunehmen: der Sohn Salomos Rehabeam u. der Sohn Rehabeams 
Abia u. sein Sohn Asa, Jehosaphat, Jehoram, Achazjahu, Jehoasch, Amapja, füzzijja, 
Jotham, Achaz, Hiskia, Manasse, Amon, Josia, Jehojakim. Als (jJedekia kam, von dem 
geschrieben steht Jer39, 7: „Die Augen (j!edekias blendete Nebukadnecjar", da hörte 
das Licht des Mondes auf. Alle jene Jahre haben die Väter, obwohl Israel gesündigt 
hatte, für sie gebeten u. Frieden gemacht zwischen Israel u. Gott. . . . Und wie lange 
haben die Väter für sie gebeten? Bis ^!edekia seine x\ugen verlor, wie es heißt Ps 
72, 7: „Friede in Fülle, bis der Mond nicht mehr", u. bis das Heiligtum zerstört wurde 
nach den 30 Geschlechtern, während deren Zeit Israel etwas von der Herrschaft inne 
hatte. Wer aber schafft von da an bis jetzt Israel Frieden? Jahve, s. Nu 6, 26: „Jahve 
wende sein Angesicht dir zu u. schaffe dir Frieden." — Man beachte, wie der Autor' 
dieser Auslegung in ihrer zweiten Hälfte 16 Generationen aufgezählt hat, obwohl nur 
15 zu seiner Theorie paßten; dergleichen Unebenheiten scheinen sonder Belang gewesen 
zu sein. || Henoch 93, 1 — 10; 91, 12 — 17. Die Zehnwochen-Apokalypse, vermutlich aus 
der Zeit der frühesten. Makkabäerkämpfe stammend, läßt die Geschichte der Welt sich 
vollziehen in 10 Wochen oder Siebenheiten, d. h. in 10 mal 7 Generationen. Leider liegt 
ihr ursprünglicher Text nicht mehr vor. Als nämlich nach der Periode des Schwertes 
(=: 9. Woche des ursprüngl. Textes) die messian. Zeit nicht eintrat, kam ein Späterer 
u. riß, um für die gescliichtl. Entwicklung in seinen Tagen Raum zu gewinnen, die 
10. Woche des Originals (= Messiaszeit) in 2 Wochen, die 9. u. die 10. des gegenwärtigen 
Textes, auseinander. (Daher rührt das Unbestimmte in der Beschreibung der 9. Woche 
u. die inhaltliche Entleerung der ersten sechs Teile der 10. Woche des uns vorliegenden 
Textes.) Dadurch sah sich dieser Spätere genötigt, um die Zehnzahl der Wochen nicht 
zu überschreiten, 2 frühere Wochen in Eine zus.zuziehen; er wählte hierzu die 6. u. die 
7. Woche des Originals, welche im gegenwärtigen Texte die 6. Woche bilden, so daß 
die ganze Zeit vom Tempelbau Salomos bis zum Exil, die ursprünglich 2 Siebenheiten 
= 14 Generationen umfaßte, auf 1 Siebenheit = 7 Generationen eingeschränkt wurde. 
Legt man das Original zugrunde, so gehören nach der Zehnwochen- Apokalypse die ersten 
3 Weltwochen, an deren Ende Abraham (= 20. Generation) erscheint, der vorisraelit. 
Welt u. die letzten 7 Wochen der Geschichte Israels an. Von den 7 Wochen Israels 
entfallen die beiden ersten (= 4. u. 5. Weltwoche) auf die Zeit von Isaak bis Salomos 
Tempelbau; die 3. u. 4. Woche Israels (= 6. u. 7. Weltwoche) auf die Zeit vom Tempel- 
bau bis zum Exil; die 5. u. 6. Woche Israels (= 8. u. 9. Weltwoche) auf die Wieder- 
herstellung Israels nach dem Exil u. auf die Periode des Schwertes, an deren Ende, 
nachdem das Schwert der Frommen an den ungerechten u. abtrünnigen Israeliten das 
Gericht vollzogen hat, der (messianische) Tempel in Herrlichkeit erbaut wird. Die 

' Nach P-siq 53=* u. P'siqR 15 (76'') ist R. B^'reklija, um 340, als Autor anzunehmen. 



Matth 1,17 (Nr. 2). 1, 18 (?l. SB) 45 

T.Woche Israels (= 10. Weltwoche) umfaßt die messian. Zeit, in der das Gericht über 
die Weltvölker gehalten wird u. alle Ungerechtigkeit von der Erde verschwindet, bis 
endlich in ihrem Schlußteil das Gericht über die Engel u. die Erneuerung des Himmels 
erfolgt. „Danach werden viele zahllose Wochen bis in Ewigkeit in Güte u. Gerechtigkeit 
sein, u. die Sünde wird von da an bis in Ewigkeit nicht mehr erwähnt werden." — 
Man sieht, das Schema der Zehnwochen-Apokalypse deckt sich ziemlich genau mit den 
Aufstellungen in Mt: nachdem je 14 Generationen von Isaak bis Salomo u. von Salomo 
bis zum Exil vergangen sind, wird nach Verlauf von noch einmal 14 Generationen der 
Anbruch der messian. Endvollendung erwartet. Es ist möglich, daß diese rechnerischen 
Spekulationen weiteren Kreisen u. auch dem Evangelisten bekannt geworden sind; 
dann wird der letztere sie benützt haben, um seine Volksgenossen darauf hinzuweisen, 
daß das, was ihre früheren Weisen über die Ankunftszeit des Messias gelehrt haben, 
in Jesu erfüllt sei. 

10 Generationen rechnet Dosa b. Archinos (um 90 n. Chr.) von Esra bis Elfazar 
b. f Azarja (um 100) pj^b 1, 3 b, 1 ; pTaf an 4, 67 '', 28 ; bB'^rakh 27 "^ unten. 

1,1891: Als Maria, seine Mutter, dem Joseph vertrauet war. 
fxvTjffTav&siarjg, über Verlobung u. Vermählung s. bei Joh 2, 1. 

33 Ehe er sie heimholte {ttq}}' t] aweX^slv avtovg). 

Wünsche, zum Teil auch Lightfoot haben die Worte: „bevor sie 
zus. gekommen waren" nach den Bestimmungen über das Alleinsein der 
Brautleute in der Zeit zwischen Verlobung u. Vermählung zu erklären 
versucht, zumal die Peschita GvveXd^eTv mit -ismnir:, das dem rabbin. 
n^rr: entspreche, wiedergegeben habe. Aber -pamp'.:;; bedeutet nicht „sie 
waren allein", sondern „sie verbanden, vereinigten sich", nämlich zur 
Ehe. Ferner ist das „Alleinsein" der Verlobten in Galiläa, der Heimat 
Josephs u. Marias, gar nicht üblich gewesen, s. die folgenden Zitate. 
Wie hätte also Mt dazu kommen sollen, seine Ausdrucksweise von 
einem in Galiläa nicht geübten Brauch bestimmen zu lassen! Die Worte 
bezeichnen vielmehr die nöirri, die Aufnahme der Maria in Josephs 
Haus (vgl. nagalaßslv Vers 20. 24), u. besagen, daß, bevor noch das 
häusliche u. eheliche Zus. leben begonnen hatte, Maria als schwanger 
befunden wurde. 

K'^th 1, 5: Wer in Judäa bei seinem Schwiegervater ohne Zeugen 
(das Verlobungsmahl, s. bei Joh 2, 1) genossen hat, kann keine Klage 
wegen mangelnder Jungfräulichkeit erheben, weil er mit ihr allein 
gewesen ist. — Aus dieser Mischna werden die beiden nächsten Sätze 
gefolgert: K'^th Q'': Rab Joseph (f 333) hat gesagt: ... In Judäa gilt 
dies, daß er keine Klage erheben kann; aber in Galiläa kann er eine 
erheben (weil dort die Brautleute nicht allein sind). — K«^th 12 a: Abaje 
(t 338/39) hat gesagt: Daraus (aus K'^th 1, 5) kann man entnehmen, 
daß es auch in Judäa viele Orte gibt (in denen Klage erhoben werden 
darf, nämlich in allen denen, wo die Brautleute nicht allein zu sein 
pflegen).! Hierfür wird dann geltend gemacht die Bar Tos K'^th 1,4 

^ K'^th 7'\24 stellt es Abaje als Regel hin, daß in Judäa die Brautpaare allein 
zus. seien, ns;? -n-'-rtt. 



46 Matthl,18(SB) 

(261): R. J*^huda (um 150) hat gesagt: In Judäa ließ man früher den 
Bräutigam u. die Braut eine Stunde (vor ihrem Eintritt in das Braut- 
gemach, K'^'th 12") allein, damit er zutraulicher zu ihr werde (wörtlich: 
damit sein Herz dreist gegen sie werde) ; ^ aber in Galiläa hatte man 
diesen Brauch nicht. In Judäa untersuchte man Bräutigam u. Braut 
eine Stunde vor Eintritt in das Hochzeitsgemach (ob sie Blutspuren 
an sich haben), aber in Galiläa hatte man diesen Brauch nicht. In 
Judäa stellte man zwei Brautführer auf (s. bei Mt 9, 15), einen von 
Seiten der Familie des Bräutigams u. einen von selten der Familie der 
Braut; jedoch stellte man sie nur für die Vermählung auf; aber in 
Galiläa hatte man diesen Brauch nicht. In Judäa schliefen die beiden 
Brautführer an dem Orte, wo Bräutigam u. Braut schliefen; aber in 
Galiläa hatte man diesen Brauch nicht. Wer diesen Brauch nicht be- 
obachtete, konnte keine Klage wegen mangelnder Jungfräulichkeit 
führen. (Diese Bar mit geringen Abweichungen auch pK'^thl,25% 
36—43; bKethl2^) 

In K^th 12 a schließt sich folgende Diskussion an: Worauf (beziehen 
sich die Schlußworte: „Wer diesen Brauch nicht beobachtete")? Wenn 
man sagen wollte: Auf den Anfang (auf die Worte: In Judäa ließ man 
die Brautleute eine Stunde allein), so müßten die Schlußworte lauten: 
„Wer diesen Brauch beobachtet" (aber nicht: Wer diesen Brauch nicht 
beobachtet). Sollen sich aber die Schlußworte auf das Ende (die Tätig- 
keit der Brautführer in Judäa) beziehen, dann müßten sie lauten: Wer 
sich nicht untersuchen ließ, konnte keine Klage führen. Abaje (f 338/39) 
sagte: Immer wollen sich die Schlußworte auf den Anfang beziehen, 
so daß gelehrt wird: Wer den Brauch beobachtet (mit seiner Braut 
vor Beginn der Ehegemeinschaft allein zu sein, kann keine Klage er- 
heben). Raba (f 352) erwiderte ihm: Aber es heißt doch: Wer diesen 
Brauch nicht beobachtet. Vielmehr, sagte Raba, ist die Stelle so zu 
verstehn: Wer nicht den Brauch Galiläas in Galiläa, sondern den Brauch 
Judäas in Galiläa beobachtet, kann keine Klage wegen mangelnder 
Jungfräulichkeit erheben. Rab Aschi (f 427) sagte: Immer beziehen 
sich die Schlußworte auf das Ende, so daß gelehrt wird: Wer sich 
nicht untersuchen läßt (kann keine Klage führen). 

Die Auffassung des Rab Aschi dürfte die richtige sein. R. J^huda 
will in der Bar sagen, daß trotz des freieren Verkehrs der Brautleute 
miteinander, der im allgemeinen die Klage wegen mangelnder Jung- 
fräulichkeit ausschloß, doch auch in Judäa die Möglichkeit dazu in 
dem Falle gegeben war, daß der Bräutigam von der geschilderten 
Tätigkeit der Brautführer Gebrauch machte. In Galiläa dagegen be- 
durfte es der Mitwirkung der Brautführer nicht, weil das Alleinsein der 
.Brautleute dort überhaupt nicht üblich war, mithin dem Bräutigam stets 
der Klageweg wegen Fehlens der jungfräulichen Zeichen offen stand. 

1 Vgl. R. J'hudas Ausspruch in J'^^b 4. 10 (unten S. 47 f.). 



Matth 1,18 (5B. 6 1) 47 

Wie es in Judäa zu dem freieren Verkehr der Verlobten miteinander 
gekommen ist, schildert pK«th !, 25'', 20: „Vordem hatten sie (die 
römischen Machthaber) eine Verfolgung über die Juden verhängt; denn 
sie hatten diese Überlieferung von ihren Vätern her, daß J'huda (der 
Sohn Jakobs) den Esau (der als Ahnherr der Römer galt) getötet habe, 
s. Gn49, 8: „Deine (J^hudas) Hand sei am Rücken deiner Feinde." 
Und sie kamen u. unterjochten sie (die Juden) u. notzüchtigten ihre 
Töchter u. bestimmten, daß der Befehlshaber ihnen zuerst beiwohne. 
Da ordneten sie (die jüdischen Gelehrten) an, daß der (verlobte) Ehe- 
mann ihr (seiner Braut) beiwohnen sollte, solange sie noch im Hause 
ihres Vaters sei; denn darum, daß sie wisse, daß die Furcht ihres 
Gatten auf ihr sei, fühle sie sich auch zu ihm hingezogen. Aber wohnte 
ihr nicht doch in jedem Falle schließlich der Oberbefehlshaber bei (was 
hatte also die Verordnung der Gelehrten für einen Zweck)? Sie wurde 
so eine Genotzüchtigte u. eine solche ist (ihrem Mann hinterher) zum 
Beischlaf erlaubt. Was taten aber die Priesterfrauen (die auch als 
Genotzüchtigte ihren Männern zur Fortsetzung des ehelichen Verkehrs 
nicht erlaubt waren)? Sie verbargen sich. Da verbargen sich auch die 
Töchter Israels. Das Gerücht davon verbreitete sich, so daß auch die 
(feindliche) Regierung Kunde bekam. Da gerieten diese (die Töchter 
Israels) u. jene (die Priesterbräute) in Bestürzung. Was für ein Merk- 
mal hatten denn jene (die Feinde)? Die Stimme der Mühle in einer 
Stadt zeigte ihnen an, daß dort Hochzeiten stattfänden, u. das Kerzen- 
licht in Beror-Chajil (Wohnsitz des Rabban Jochanan b. Zakkai, f um 80) 
zeigte an, daß Beschneidungsfeiern gehalten würden. Obgleich die Ver- 
folgung aufhörte, so hörte doch jener Brauch (der freiere Verkehr 
zwischen den Verlobten) nicht auf. Vgl. auch K'^thS''; Sanh32''. 

1,186: Fand sich's, daß sie schwanger war 
von dem heiligen Geist. 

1. Die Erkennbarkeit der Schwangerschaft tritt nach allgemeiner 
Annahme der Rabbinen 3 Monate nach der Empfängnis ein ; deshalb 
wurde festgesetzt, daß die Wiederverheiratung von Witwen, Geschie- 
denen usw. nicht vor Ablauf von 3 Monaten nach der Trennung von 
ihrem früheren Manne erfolgen sollte. 

pJ*'b4, 11 f6*, 17): Wann tritt die Erkennbarkeit der Schwangerschaft (wörtl. des 
Fötus) ein? Symmachos (b. Joseph, um 180) hat im Namen des R. Meir (um 150) gesagt: 
Nach 3 Monaten. Wenn es auch keinen Beweis dafür (nämlich aus der Schrift) gibt, 
so doch eine Andeutung, s. Gn.S8, 24: „Nach ungefähr 3 Monaten wurde dem J'^huda 
berichtet: Deine Schwiegertochter Thamar hat gehurt" usw. — In andrer Fassung Tos 
Nidda 1, 7 (642). II J'^b 4, 10: Die zur Leviratsehe verpflichtete Schwägerin soll nicht 
eher zur Zeremonie des Schuhausziehens u. zur Leviratsehe schreiten, bis ihr 3 Monate 
(nach dem Ableben ihres Mannes) vergangen sind. Ebenso sollen auch alle andren 
Frauen sich nicht wieder verloben oder wieder verheiraten, bis ihnen 8 Monate ver- 
gangen sind, es seien Jungfrauen oder vom Mann Erkannte, es seien Geschiedene oder 
Witwen, es seien verheiratet Gewesene oder verlobt Gewesene. B. J'^huda (b. El'ai, um 



48 Matthl,18(6l.2) 

150) sagte: Die bereits verheiratet Gewesenen dürfen sich (sofort) verloben u. die 
bereits verlobt Gewesenen können sich (sofort) verheiraten, mit Ausnahme der ver- 
lobten Bräute in Judäa, weil dort der Bräutigam in vertrauterer Weise mit seiner Braut 
verkehrt (wörtl.: weil sein Herz dreist gegen sie ist). R. Jose (b. Chalaphta, um 150) 
sagte: Alle Frauen dürfen sich (sofort) wieder verloben mit Ausnahme einer Witwe der 
Trauer wegen. |i J'^b 42^: Weshalb (sollen) auch alle übi'igen Frauen (3 Monate warten)? 
Rab Nachman (b. Jakob, ein Babylonier, f 320) hat gesagt: Sch^muel (ein Babylonier, 
t 254) hat gesagt: Weil es heißt Gn 17, 7: ,Daß ich dir als Gott eigen sein will u. 
deinem Samen nach dir", um nämlich prüfend zu unterscheiden zwischen dem Samen 
des ersten u. des zweiten Mannes. 

2. Tirsvaa ayioi\ dipn nn, bezeichnet Mt 1, 18 die Leben wirkende 
Schöpferkraft Gottes; in dieser Bedeutung scheint sich 'npn nin in der 
älteren rabbin. Literatur nicht zu finden ;i erst in dem ziemlich späten 
Psalmentargum begegnet ein diesbezüglicher Beleg, indem Ps 104, 30 
wiedergegeben wird: Du sendest deinen heiligen Geist, so werden sie 
geschaffen, u, du erneuerst die Oberfläche der Erde. — Der rabbinische 
Sprachgebrauch verstand unter 'c-i-pn, n— i den Geist der Prophetie u. 
Inspiration, der in den Führern u. Propheten Israels u. in den Ver- 
fassern der heiligön Schriften wirksam war, — Belege s. zu Mt 22, 43 u. 
2 Petr 1,21 Anm. 16. — Bezeichnend für das Fehlen der ersten Bedeutung 
in der älteren rabbin. Literatur ist die Deutung der Worte: Der Geist 
Gottes schwebte über den Wassern Gn 1, 2. Nirgends tritt der Versuch 
hervor, in diesem göttlichen Geiste die schöpferische Lebenskraft Gottes 
zu sehn, vielmehr versteht man unter nii entweder den über die ge- 
waltigen Urwasser hinwehenden Wind,a oder man deutet mn auf den 
Geist Adams, wohl auch allegorisch auf den Geist des Messias (s. zu 
Job 1, 1 SV ccQxij rjv Xoyog D). Dem richtigen Verständnis nähern sich 
der Targum Jerusch I u. II; nur lassen sie an Stelle des schöpferischen 
Gottesgeistes denbarmherzigen Gottesgeist b über den Wassern schweben, 
wohl geleitet von dem alten haggadischen Satze, daß Gott seine Welt 
geschaffen habe u. noch erhalte nicht nach dem Prinzip des strengen 
Rechts, sondern nach den Normen der Billigkeit u. des Erbarmens. 

a. Targ Onk Gn 1, 2 : Und der Wind von vor Jahve wehte über das Wasser. || GnR 
1 (2**): Ein Philosoph fragte den Rabban Gamliel IL (um 90): Ein großer Bildner ist 
euer Gott, aber er fand auch schöne Farben (Urstoffe) vor, die ihm halfen: Tohu, Bohu, 
Finsternis, Wiud, Wasser u. T'^hom (die Tiefe), Gn 1, 2. Er erwiderte ihm: Möchte ver- 
hauchen dieses Mannes (— dein) Geist! Von diesen Dingen allen wird in der Schrift 
ja eine Erschaffung ausgesagt; vom Tohu Vabohu heißt es Jes 45, 7: Der Frieden (Ord- 
nung zwischen den Elementen) macht u. Übles (= Tohu Vabohu) schafft. Vom Licht 
Jes 45, 7: Der das Licht gebildet u. die Finsternis geschaffen. Vom Wasser Ps 148, 4 f.: 
Preiset ihn, ihr Himmel der Himmel, u. ihr Wasser über den Himmeln . . ., denn er 
gebot u. sie wurden geschaffen. Vom Winde Arnos 4, 13: Denn siehe, der Bildner der 
Berge u. der Schöpfer des Windes (so der Midrasch). Von der Tiefe Spr 8, 24: Da noch 
keine Tiefe war, bin ich geboren. || Chag 12*: Rab J«huda (b. J'^'chezqJel, ein Babylonier, 



^ Wohl aber kommt (Gottes) Geist in' diesem Sinn einigemal in den Apokryphen 
u. Pseudepigraphen vor. Judith 16, 14: Du sandtest deinen Geist nvsv/j.K aus u. er baute 
(half mit beim Schopfungswerk). II Apoc Bar 21,4: Der du dem Firmament durch das 
Wort seinen Platz angewiesen u. die Höhe des Himmels durch den Geist befestigt hast. 



Matthl,18 (6 2.3) 49 

t 299) hat gesagt: Rab (f 247) hat gesagt: Zehn Dinge wurden am 1 . Schöpf ungstage 
geschaffen : Himmel, Erde, Tohu, Bohu, Licht, Finsternis. Wind, Wasser, das Maß des 
Tages u. das Maß der Nacht. Beweis: Gnl,l — 5. 

GnR 2 (3^): R. Chaggai (um 330) hat im Namen des R. P^dath (um 300) in bezug 
auf die Worte: , Der Wind schwebte über den Wassern" (Gnl,2) gesagt: Ein Vertrag 
wurde mit dem Wasser abgeschlossen (d. h. es wurde zum Naturgesetz), daß auch zur 
Zeit der Gluthitze der Wind wehen soll. 

GnR 2 (3''): R. J'^huda b. Simon (um 320) hat Gn 1, 2 ff. auf die Generationen aus- 
gelegt: ,Die Erde war Tohu", das zielt auf den ersten Menschen, der zu Nichts u. 
Nichtigkeit wurde. „Bohu" zielt auf Kain, der die Welt ins Tohu Vabohu zurück- 
zuführen suchte. „Finsternis" auf das Geschlecht des Enosch, weil ihre Werke in 
Finsternis geschahen, daß sie sagten: Wer sieht uns? (Jes 29, 15). Die Worte „über 
der Tiefe" zielen auf das Geschlecht der Flut, s. Gn7, 11: An diesem Tage öffneten 
sich alle Quellen der Tiefe. Und die Worte „der AVind Gottes schwebte über den 
Wassern" sind gesagt, weil Gott Wind über die Erde wehen ließ Gn8, 1. Da sprach 
Gott: Wie lange soll die Welt in Finsternis geleitet werden? Es komme das Licht! 
Und Gott sprach: „Es werde Licht", das zielt auf Abraham, s. Jes 41, 2: „Wer machte 
zum Licht (so der Midrasch) vom Osten her den, dem Heil begegnet?" Lies nicht 
„wer erweckte" "i'"~, sondern „wer machte zum Lichte" "^"s". „Und Gott nannte das 
Licht Tag" zielt auf Jakob, „u. die Finsternis nannte er Nacht" auf Esau. „Und es 
ward Abend" zielt auf Esau, ,u. es ward Morgen" auf Jakob. Es ward Abend, das 
ist der Abend Esaus; u. es ward Morgen, das ist der Morgen Jakobs; „Ein Tag" vgl. 
Sachl4, 7: Und es wird ein bestimmter Tag sein, der ist Jahven bekannt, weder Tag 
noch Nacht usw. - TanchB n: 18 b; „Wind" GnS, 1 = „Wind" Gn 1, !?. 

b. Targ Jerusch I u. II zu Gn 1, 2*^: Der Geist der Barmherzigkeit von vor Jahve 
wehte über die Oberfläche des Wassers. 

3. Auf Grund von Gnl7,17; 18, 11 — U; 21, 1—7; 25, 21 galt es der 
alten Synagoge für ausgemacht, daß Isaaks u. Jakobs Empfängnis wie 
Geburt auf das unmittelbare schöpferische Eingreifen Gottes zurück- 
zuführen sei.a Dagegen klingt die Vorstellung, daß ein Mensch ohne 
Zutun eines Mannes allein durch göttliche Wirkung von einem Mutter- 
schoß empfangen u. geboren werden könne, nirgends in der älteren 
jüdischen Literatur auch nur leise an. Darum hat das alte Judentum 
auch niemals erwartet, daß etwa der verheißene Messias auf dem Wege 
übernatürlicher Zeugung das Licht der Welt erblicken werde; auch 
ihm gegenüber galt der Kanon: Mensch von Menschen geboren. b So 
bedeutet Mt 1, 18 dem jüdischen Denken gegenüber ein absolut Neues.« 
• a. GnR 47 (29") u. 53 (33*1): R. Judan (um 350) hat im Namen des Resch Laqisch 
(um 250) gesagt: Sara hatte keine Gebärmutter, aber Gott höhlte ihr die Gebärmutter 
aus. — Wörtlich die gleiche Aussage über Rebekka u. Ruth GnR 63 (39 <=) ; Midr Ruth 
4, 12(137a)s. obenS. 27r. 

b. Ju.stin. Martyr Dial. c. Tryph. 49: ndpreg ijjueig die Juden toV X^tarof av&Qio- 
noy iS cci^flQuJncop nQoatfoxtßfxsy ysptjaeff&ai. \\ Philosophumena 9, 30 (ed. Miller S. 308): 
Fepeaiy fjisv ydg avrov (sc. tov Xqigtov) iaousprjv Xsyovait' sx ysrovg Jaßld, «ÄA' ovx 
ix TiccQ&ivov XKL (tylov Upsv/ucdog, aXi.' ix yvyaixdg xcd dr&Qog (6g näaiv OQog yevväa&ab 
ix ansQuccrog. 

c. Nork, Rabbinische Quellen 1, 12 f. bringt zum Beweise, „daß die wunderbare 
Zeugung des Messias eine ursprünglich jüdische Glaubenssache war", folgende Stelle 
aus einem Midrasch KL 69*^ bei. Es heißt KL 5, 3: Wir sind Waisen geworden, vaterlos. 
R. B'^rekhja hat gesagt: Gott sprach zu Israel: Ihr sagt zu mir: „Waisen sind wir ge- 
worden u. ohne Vater" ; auch der Erlöser, den ich von euch werde erstehn lassen, wird 

Strack u. Billerbeck, NT I. 4 



50 Matthl,18(6 3). l,19(Nr.l) 

keinen Vater haben, wie es heifst SacliG, 12: ^ Siehe ein Mann, dessen Name , Sproß", 
11. von unten auf wird er sprossen"; u. ebenso sagtJesöS, 2: „Er wuchs auf wie ein 
Schößling vor ihm"; u. über ihn hat David gesagt: ,Aus dem Schöße der Morgenröte 
kommt dir der Tau deiner Jugend" PsllO, 3. — Dieses Zitat findet sich auch beiMosche 
ha-Darschan (1. Hälfte des 11. Jahrh.s) zu Gn 37, 22. ^ Mit der übernatürlichen Geburt 
des Erlösers aber hat diese Stelle nichts zu schaffen: der vaterlose Erlöser ist gleich- 
bedeutend mit einem namenlosen Erlöser. Das zeigt Midr KL zu 5, 3 (TS''): Wir sind 
Waisen geworden u. ohne Vater. R. B<^rekhja (um 340) hat im Namen des R. Levi (um 
800) gesagt: Gott sprach zu Israel: Ihr weint u. sagt zu mir: Waisen sind wir ge- 
worden u. ohne Vater; bei eurem Leben, auch der Erlöser, den ich von euch dereinst 
in Medien werde erstehn lassen, wird keinen Vater u. keine Mutter haben, vgl. Esth 
2,7: jMardokhai hatte die Hadassa aufgezogen, das ist Esther, die Tochter seines 
Oheims; denn sie hatte weder Vater noch Mutter." — Ebenso Midr Esth zu 2, 7 (93*^). — 
Selbstverständlich soll Esther durch die Worte, daß sie keinen Vater u. keine Mutter 
habe, nicht als ein Erlöser hingestellt werden, der sein menschliches Dasein einer 
besonderen Wundertat Gottes verdanke, sondern die Worte sollen ausdrücken, daß 
Esther zur Retterin ihres Volkes bestimmt sei, obwohl ihr von Haus aus kein großer 
Name eignete: ohne Vater u. ohne Mutter, ungekannt u. ungenannt, soll sie das gött- 
liche Werkzeug zur Befreiung Israels werden. Genau so ist es gemeint, wenn vom 
Messias gesagt wird, daß er keinen Vater haben werde. 

Eine andre Parallele für die übernatürliche Geburt Jesu ix npsi'/ucaog dyiov hat 
Siegfried, Analecta rabbinica, Leipzig 1875, S. 4 in Tanch s^"i 26 '^ finden wollen: „?i""3 
wurde Sara heimgesucht u. nach sieben Monaten wurde Isaak in der Passahnacht ge- 
boren, s. GnlS, 14: ,Zu dieser Frist werde ich wieder zu dir kommen um diese Zeit.' 
Vier Unfruchtbare wurden r:"-2 heimgesucht: Sara, Rebekka, Rahel u. Lea." — Aber 
die Abbreviatur n"i3 ist nicht v-^y-' ~i~= „durch den heiligen Geist" aufzulösen, son- 
dern r.:-Dn üN^a „am Neujahrstage"!! Vgl. RHU''. 

1,19: Joseph aber, ihr Mann, der gerecht war u. sie (doch) 
nicht in Schande bringen wollte, gedachte sie heimlich zu 

entlassen. 

1. Als dixaioc, p-in-^, im strengen Sinn des Wortes galt nach rabbin, 
Anschauung derjenige, der das Gesetz in seinem ganzen Umfange ge- 
halten hatte; im weitern Sinn wurde aber auch derjenige ein Gerechter 
genannt, dessen Verdienste vor Gott durch Gesetzeserfüllung u. gute 
Werke die infolge von Gesetzesübertretungen auf ihm liegende Schuld 
aufwogen.» In diesem gewissermaßen technischen Sinn ist dtxaiog hier 
nicht gemeint; vielmehr wird Joseph so als ein Mann charakterisiert, 
der das Gesetz zur Norm seines Handelns gemacht hatte; u. eben weil 
J. sich in seinem Gewissen an das Gesetz gebunden fühlte, will er aus 
der Schwangerschaft seiner Verlobten die gesetzlichen Folgen für sein 
weiteres Verhalten ihr gegenüber ziehn. 

a. RH 16"^ Bar: Die Schule Schammais sagte: Drei Abteilungen wird es am Tage 
des (jüngsten) Gerichts geben: die der vollkommenen Gerechten, die der vollkommenen 
Gottlosen, die der Mittelmäßigen. Die vollkommenen Gerechten werden aufgeschrieben 
u. sofort versiegelt für das ewige Leben, die vollkommenen Gottlosen werden auf- 
geschrieben u. sofort versiegelt für den Gehinnom, s. Dn 12, 2: Und die Masse derer, 
die da im Erdenstaub schlafen, werden erwachen, die einen zum ewigen Leben, die 
andren zur Schmach u. ewigen Verdammnis. Die Mittelmäßigen (bei denen Verdienst 

^ Sieh Raimundus Martin, Pugio fidei, ed. J. de Voisin, Paris 1651, 594. 



Matthl,19(Nr. 1.2) ' 5^ 

u. Schuld sich die Wage halten) fahren hinab in den Gehinnom, drängen sich u. steigen 
wieder empor, s. SachlS, 9: ,Ich will die dritte Abteilung (so deutet der Midrasch) 
ins Feuer (des Gehinnom) bringen u. sie schmelzen, wie man Silber schmelzt, u. sie 
läutern, wie man das Gold läutert. Sie wird meinen Namen anrufen u. ich will ihr 
antworten." In bezug auf diese hat Haima gesagt 1 Sm 2,6: „Jahve ist es, der tötet 
u. lebendig macht, der in die Unterwelt stürzt u. wieder emporführt. " — Die Schule 
Hillels sagte: Der da grofs ist an Gnade (Ex 84, 6), neigt die Wagschale nach der Seite 
der Gnade (d. h. die Abteilung der Mittelmäßigen wird ohne vorhergehende Läuterung 
im Gehinnomfeuer sofort zum ewigen Leben zugelassen). In bezug auf sie hat David 
gesagt Psllt), 1: „Liebe bewegt mich, denn Jahve wird meine Stimme hören", u. in 
bezug auf sie hat David den ganzen Abschnitt gesagt Ps 116, 6 ff.: ,Ich war schwach 
geworden u. er schaffte mir Heil." Dasselbe kürzer Tos Sanh 13, 3 (434). ij Schab 55": 
R. Acha b. Chanina (iim 300) zu Ez 9, 4: Gott sprach zu Gabriel: Geh u. mache auf die 
Stirn der Gerechten ein Tav (Zeichen in Kreuzform) von Tinte, damit die Engel des 
Verderbens über sie keine Gewalt gewinnen, u. auf die Stirn der Gottlosen ein Tav 
von Blut, damit die Engel des Verderbens über sie Gewalt gewinnen. Da sprach die 
Eigenschaft der göttl. Gerechtigkeit vor Gott: Herr der Welt, inwiefern sind denn diese 
von jenen verschieden? Er antwortete: Jene sind vollkommene Gerechte u. diese sind 
vollkommene Gottlose. . . . Und was bedeutet das Tav? . . . R. Sch'^muel b. Nachman 
(um 260) hat gesagt: Das sind die Menschenkinder, die die ganze Tora vom Aleph bis 
zum Tav (letzten Buchstaben) gehalten haben. 

2. Zwei Wege standen Joseph zur Regelung seines Verhältnisses 
zu Maria offen: entweder er beantragte bei dem Gerichtshofe ihre Be- 
strafung nach dem Gesetz oder er entließ sie durch einen Scheidebrief. 
Im erstem Falle kam nach Lage der Sache nicht Dt 22, 13 — 21, son- 
dern ausschließlich' Dt 22, 23 f. in Betracht; denn erstere Bestimmung 
konnte ihrem Wortlaut nach nur da zur Anwendung kommen, wo die 
Brautleute bereits die Ehe geschlossen u. die eheliche Gemeinschaft 
tatsächlich begonnen hatten, was bei Joseph u. Maria nicht zutraf. 
Vers 23 f. bestimmte für das Vergehen einer buhlerischen Braut für 
sie selbst u. ihren Buhlen die Strafe der Steinigung. Die schulmäßige 
Auslegung, die diese Stelle schon in der mischnischen Periode erfahren 
hatte, ließ sich von einer zwiefachen Tendenz leiten. Einmal war man 
bemüht, die harte Todesstrafe der Steinigung möglichst durch die für 
milder gehaltene Strafe der Erdrosselung zu ersetzen; zu diesem Zwecke 
betonte man das Wort najara im Gesetze u. erklärte, daß nur eine 
solche, d. h. nach rabbin. Festsetzung ein Mädchen im Alter von 12 J. 
u. 1 Tag bis zu 12 J. u. 6 Monaten, gesteinigt werden dürfe, a während 
ein jüngeres Mädchen, weil noch minorenn, überhaupt straflos bleiben, b 
aber ein älteres, nach rabbin. Terminologie eine bogereth (Mannbare), 
erdrosselt werden sollte. Diese Strafe hatte man festgesetzt auf Grund 
des exegetischen Kanons, daß überall da, wo die Schrift eine bestimmte 
Todesstrafe nicht ausdrücklich ausspreche, die Erdrosselung gemeint 
sei.c Über den Vollzug dieser Strafe gibt Sanh 7, 3 das Nähere an.d — 
Sodann belastete man Dt 22, 23 f. mit mehreren einschränkenden Be- 
stimmungen derart, daß es für die Praxis mehr oder weniger illusorisch 
wurde: Zeugen mußten das todeswürdige Verbrechen des buhlerischen 
Paares mit ihrer Aussage erhärten können, u. diese Zeugen hatten 

4* 



52 Matthl,19 (Nr.2) 

den Nachweis zu erbringen, daß sie das Paar vor der Tat unter Hin- 
weis auf deren Folgen verwarnt hätten. Erst wenn das Paar trotz 
der Verwarnung in ihrer Sünde verharrte, sollte die Verurteilung er- 
folgen. e — Hätte also Joseph so gegen seine Verlobte vorgehn wollen, 
würde er deren Bestrafung kaum erlangt haben; höchstens hätte er 
ihre öffentliche Beschämung erzielt; da ihm an dieser nichts gelegen 
war, wollte er den andern Weg einschlagen, nämlich durch Aus- 
händigung eines Scheidebriefes sich unter der Hand von Maria trennen.* 

a. Sanli 7,9 (zu Dt 22, 23 f.): Wer einem verlobten Mädchen beiwohnt, macht sich 
(der Steinigung) nur dann schuldig, wenn sie eine na'ara, eine Jungfrau, eine Verlobte 
ist u. im Hause ihres Vaters weilt. — Dazu die Gemara Sanh 66'': Die Rabbanan 
haben gelehrt: „nacara", nicht eine bogereth; „eine Jungfrau", nicht eine Deflorierte; 
, eine Verlobte", nicht eine Verheiratete; „im Hause ihres Vaters", ausgenommen also, 
wenn der Vater sie bereits den Abgesandten des Mannes übergeben hat (nämlich zur 
Heimführung in des Bräutigams Haus). 

b. Sanh 66'': R. JaEaqob b. Adda (um 250) fragte Rab (f 247): Wie verhält es sich 
nach R. Mei'r (um 150), wenn jemand einer verlobten Minderjährigen (unter 12 Jahren) 
beiwohnt; schließt er diesen völlig (von jeder Strafe) aus oder nur von der Strafe der 
Steinigung? Er antwortete: Es leuchtet ein, daf3 er ihn nur von der Steinigung (also 
nicht von der Erdrosselung) ausschließt. Es heißt doch aber Dt 22, 22: „Sie sollen 
beide sterben", nämlich bis sich beide gleich sind (d.h. da sie als Minorenne straflos 
bleibt, so muß doch auch der Verführer .straflos ausgehn, auch wenn er majorenn ist, 
da sie sich sonst bei der Bestrafung nicht gleich wären)! Da schwieg Rab (weil er 
keine Widerlegung wußte). || K'^th 44*^: Rab Adda bar Abba (ein Babylonier, um 325): 
. . . Eine Minderjährige ist nicht strafbar. 

c. K'-th 44''. 45^: Schela (Schulhaupt in Neharde'a, um 210) hat als Bar gelehrt: 
. . . Hat sie (eine verlobte na'ara) sich vergangen u. war sie (als die Sache zur gerichtl. 
Entscheidung kam) eine bogereth geworden, so wird sie zur Erdrosselung verurteilt. 
Dasselbe Sanh 71'^'. || Siphre Dt 22, 22 § 241 (118»): „Sie sollen sterben"; mit der Todes- 
strafe, von der in der Tora ohne nähere Angabe geredet wird, ist die Erdrosselung 
gemeint. |i Sanh 52'': Die Rabbanan haben gelehrt: Er (der Ehebrecher) soll getötet 
werden (Lv20, 10), nämlich durch Erdrosselung. Du sagst „durch Erdrosselung", oder 
nicht vielmehr durch eine von all den Todesarten, die in der Tora genannt werden? 
Sage: Überall, wo in der Tora von der Todesstrafe ohne nähere Bezeichnung geredet 
wird, sollst du sie nicht zu erschweren, sondern zu erleichtern suchen. Das sind die 
Worte Joschijjas (um 140, Schüler Jischmacels). R. Jonathan (gleichfalls Schüler Jisch- 
macels, um 140): Nicht weil die Erdrosselung eine leichte Todesstrafe ist; sondern jede 
Todesstrafe, die in der Tora ohne nähere Bestimmung genannt wird, ist nur die Er- 
drosselung. Rabbi sagte: In der Schrift wird eine Todesstrafe durch Gottes Hand u. 
eine solche durch Menschenhand erwähnt; wie nun der Tod durch Gottes Hand ein 
Tod ist, der keine äußere Spur (am Leichnam) zurückläßt, so muß auch (der in der 
Schrift nicht näher bezeichnete) Tod durch Menschenhand ein Tod sein, der keine 
Spur zurückläßt (u. das ist eben der Tod durch Erdrosselung). 

d. Sanh 7, 3'': Vorschrift betreffs der zu Erdrosselnden: Man senkte ihn (den Ver- 
urteilten) in Dung bis an seine Kniee; dann legte man ein hartes Tuch in ein weiches 
u. wickelte es um seinen Hals; der eine (der beiden Zeugen) zog es nach seiner Seite 
u. der andre zog es nach seiner Seite, bis seine Seele ausging. 

e. Sanh 57'': Wenn er (ein Heide) mit einer Israelitin Unzucht getrieben hat, so 
wird er nach Israelit. Recht verurteilt. In welcher Hinsicht? Rab Nachman (b. Ja'aqob, 
ein Babylonier, f 320) hat gesagt: Rabbah bar Abuha (Exilarch, Schwiegervater des 
Vorigen, um 280) hat gesagt: Es bedarf dann des Gerichtskollegiums, der Zeugen u. 
der (vorangegangenen) Warnung (wie bei einem Juden). || Sanh 41'': Wenn sie (die 



Matthl,19(Nr. 2). 1,20 53 

Zeugen) das verlobte Mädchen nicht gewarnt haben, wie kann sie getötet werden? || 
Siphre Dt 22, 23 f. §242 (118''): ,Wenn ein jungfräuliches Mädchen verlobt ist\ das 
lehrt, daß er (der Verführer) sich nur dann {der Steinigung) schuldig macht, wenn sie 
eine na'ara, eine Jungfrau u. einem Manne verlobt ist. — «Und es findet sie ein Mann 
in der Stadt"; wenn sie nicht umhergelaufen wäre in der Stadt, so würde er nicht 
über sie hergefallen sein. ,In der Stadt", das lehrt, daß ein offenstehender Riß den 
Dieb herbeiruft (= Gelegenheit macht Diebe). „Und liegt ihr bei", in jeder Art von 
Beiwohnung (also mit Einschluß auch der wideruatürlichen Unzucht). — ,So führt sie 
beide zum Tor jener Stadt hinaus", das ist, wie wir gesagt haben, das Tor der Stadt, 
darin sie sich befand (wohnte), u. nicht das Tor (der Stadt), darin sie verurteilt wurde. 
,Und steinigt sie mit Steinen", etwa mit vielen Steinen? Die Schrift sagt lehrend: 
bakbanim ,mit Steinen" (ohne Näherbestimmung). Etwa nur mit Einem Stein? Die 
Schrift sagt lehrend: , mit Steinen." Daraus kannst du entnehmen: wurden sie nicht 
durch den ersten Stein getötet, so werden sie durch den zweiten getötet werden. — 
,Das Mädchen wegen des Wortes (so der Midrasch), daß sie nicht geschrieen hat"; 
wenn es heißt „wegen des Wortes", so ist damit gemeint , trotz der Verwarnung", um 
die miteinzuschließen, die mutwillig sündigte trotz der Verwarnung seitens der Zeugen. 
„Und den Mann wegen des Wortes, daß er das Weib seines Nächsten geschwächt hat"; 
wenn es heißt „wegen des Wortes", so ist damit gemeint „trotz der Verwarnung". !| 
Sanh 41^: In der Schule Rabbis wurde gelehrt: „Wegen des Wortes, daß er das Weib 
seines Nächsten geschwächt hat" Dt 22, 24 bedeutet: „wegen des Ausspruchs" (der ihn 
verwarnenden Zeugen). 

/. Zum Scheidebrief der Verlobten vgl. bei Joh 2, 1. Ferner Gittin 8, 9: Wenn jemand 
seine Frau (durch Scheidebrief) entlassen hat u. dann übernachtet sie mit ihm in einer 
Herberge, so bedarf sie nach der Schule Schammais keines zweiten Scheidebriefes von 
ihm; nach der Schule Hillels dagegen bedarf sie eines solchen (durch die vielleicht 
wieder aufgenommene eheliche Gemeinschaft wäre die Ehe wieder geschlossen). In 
welchem Falle? Wenn sie nach der Hochzeit geschieden wurde. Aber (beide Schulen) 
stimmen überein, daß, wenn sie nach der Verlobung geschieden wurde, sie eines zweiten 
Scheidebriefes von ihm nicht bedürfe, weil er noch nicht vei'traulich mit ihr verkehrte. 

1,20: Ein Engel des Herrn erschien ihm im Traume. 
Die Träume haben in der alten Synagoge eine nicht unbedeutende 
Rolle gespielt. Doch urteilte man über ihren Wert verschieden. R. Me'ir 
(um 150) erklärte: „Träume erhöhen nicht u. erniedrigen nicht", d. h. 
sie sind ohne Belang u. haben auf das Ergehen eines Menschen keinen 
Einfluß. a R. Jonathan b. El^azar (um 220) hielt sie für Nachklänge der 
Tagesgedanken eines Menschen. Ähnlich hat über sie Sch^muel (f 254), 
u. früher auch wohl schon R. J'^hoschua? b. Chananja (um 90) geurteilt.b 
Von Sch'^muel erzählte man sich nach B'^rakh 55^ auch folgendes: Wenn 
er einen bösen Traum sah, sagte er Sach 10, 2: „Träume reden Eiteles"; 
u. wenn er einen guten Traum sah, sagte er (auf Grund desselben 
Prophetenworts): „Sollten Träume Eiteles reden?" Damit wollte er 
wohl in scherzhafter Weise die Bedeutungslosigkeit der Träume zum 
Ausdruck bringen. — Diesen skeptisch urteilenden Gelehrten stehen 
andre gegenüber, die die Träume auf Gott zurückführten c u. in ihnen 
ein göttliches Offenbarungsmittel sahen. In diesen Gedankenkreis ge- 
hört B^'rakh 57'': „Der Traum ist ein Sechzigstel von einer Prophetie", 
oder wie R. Chanina b. Jigchaq (um 325) sagte: „Der Traum ist ein Ab- 
fall (schwaches Gegenstück) der Prophetie", GnR 17 (12-'^); 44 (27''). 



54 Matthl,20 

Auch B^Takh 55^ wird hierher zu ziehen sein: „Rab Chisda (f 309) 
hat gesagt: Jeder Traum ist ein Traum (ist, weil von Gott, bedeutungs- 
voll), nur nicht der durch Fasten entstandene" (denn das Fasten macht 
einen bösen Traum sofort unwirksam, s. S. 55). — R, J^huda u. R. Jose 
(beide um 150) rechneten zu den unwirksamen Träumen auch die der 
Sabbatnächte. Joma 83 '^ sagen sie zu einem betrügerischen Wirt, der 
sich auf einen solchen Traum beruft: „An einem Traum nach Eintritt 
des Sabbats ist nichts Wesenhaftes.' Raschi bemerkt hierzu: „Weil 
sich der Mensch (am Freitag abend) in Ruhe befindet, so denkt er nach 
u. sieht (infolgedessen) Träume." Hier liegt also die bereits oben er- 
wähnte Anschauung vor, daß die Träume speziell in den Sabbatnächten 
lediglich ein Fortspinnen der Tagesgedanken u. deshalb bedeutungslos 
seien. — Als Offenbarungsmittel kommen die Träume sowohl in den 
Pseudepigraphen als auch in der rabbin. Literatur in großer Anzahl vor.d 
Mit der landläufigen Annahme, daß der eine Traum sich erfülle, 
während ein andrer unerfüllt bleibe, suchte man sich so abzufinden, 
daß man die „wahren" Träume von Engeln u. die nichtigen Träume 
von bösen Geistern eingegeben sein ließ.e Mit dieser Meinung hängt 
vermutlich zus. die etwas dunkle Größe des hier u. da erwähnten isch 
ha-chalöm oder ba'al ha-chal6m. Letzterer Ausdruck stammt aus Gn 
37, 19, wo Joseph von seinen Brüdern als „Träumer" m:3bnn h'jz be- 
zeichnet wird. Im Rabbinischen wird man nach Raschi zu Sanh 30^ 
den Engelfürsten, der über die Träume gesetzt ist, darunter zu ver- 
stehn haben.^ Bacher, pal. Amor. 3, 451 sieht in dem ba^al ha-chalöm 
die „Personifizierung des Traumes". — Von gewissen Träumen nahm 
R. Jochanan (f 279) an, daß sie unbedingt in Erfüllung gingen; zu 
ihnen rechnete er den Traum, den ein Mensch gegen Morgen träumt; 
ferner den Traum, den man über einen andren träumt; endlich den 
Traum, dessen Deutung zugleich mitgeträumt wird. Andre meinten, daß 
kein Traum restlos in Erfüllung gehe. Wie das Korn, sagt R. Schimjon 
b. Jochai (um 150), nicht ohne Stroh ist, so ist auch ein Traum nicht 
ohne Eiteles.g Auch auf die sofortige Erfüllung der Träume sei nicht 
zu rechnen; nach R. Levi (um 300) können sogar 22 Jahre vergehn, 
bis ein guter Traum zur Wirklichkeit wird.h Auffallend ist der Satz, 
daß die Erfüllung eines Traumes sich nach seiner Deutung richte. 
Damit wollte man nicht sagen, daß Träume je nach Belieben ver- 
schieden ausgelegt werden könnten; vielmehr meinte man allen Ernstes, 
daß erst die Deutung dem Traume Realisierbarkeit verleihe u. auf die 
Erfüllung selbst maßgebenden Einfluß ausübe. Man sagte: Ein Traum, 
den man nicht deutet, ist wie ein Brief, den man nicht liest. Darin 
liegt, daß ein ungedeuteter Traum ebensowenig Folgen habe wie ein 
ungelesener Brief.i Dementsprechend wird erzählt, daß es in Jerusalem 
24 Traiimdeuter gegeben habe, die sämtlich einen Traum verschieden 
ausgelegt hätten, u. jede ihrer Deutungen sei in Erfüllung gegangen. 



Matthl,20 55 

Eine ähnliche Erfahrung durften Abaje (f 338/39) u. Raba (f 352) mit 
einem Traumdeuter namens Bar Chadja machen. Dieser legte dem 
ersteren, der Chadjas Kunst gehörig honorierte, die Träume stets zum 
Guten u. dem letztern, der nichts gab, immer zum Schlimmen aus, u. 
Avie er deutete, so traf es ein. Endlich entschloß sich auch Raba zur 
Zahlung eines Honorars, u. siehe, die jetzt zum Guten ausgelegten 
Träume erfüllten sich ganz zu Rabas Zufriedenheit.^ Kein Wunder, 
daß bei solcher Kraft der Traumdeutung sich auch die angesehensten 
Lehrer der alten Synagoge, wie R. Elisezer b. Hyrkanos (um 90) u. 
R. jAqiba (f um 135), mit dieser Kunst befaßten. 1 — Die unheilvollen 
Wirkungen der bösen Träume mußten natürlich dazu auffordern, Mittel 
u. Wege ausfindig zu machen, jene schlimmen Folgen abzuschwächen 
u. wo möglich ganz aufzuheben. Als bestes Mittel dazu empfahl Rab 
(t 247) das Fasten: Fasten ist für den Traum, was das Feuer für Werg 
ist. Spätere ergänzten Rabs Wort dahin, daß das Fasten sofort an dem 
Tage nach dem Traum geschehen müsse, selbst w^enn dieser ein Sabbat 
wäre. (An einem Sabbat sollte nicht gefastet werden.) Andre empfahlen, 
böse Träume durch Gebete u. durch Rezitieren gewisser Bibelverse 
unwirksam zu machen, m 

Neben den zunftgemäßen Traumdeutungen der Traumdeuter liefen 
populäre Deutungen einher, die meist in rabbinischenn Kreisen auf- 
gekommen waren u. allmählich im Volke stereotyp wurden. Ein Brunnen, 
im Traum gesehen, sollte Frieden bedeuten. Die gleiche Bedeutung 
haben Flüsse, Vögel u. Töpfe (ohne Fleisch). Wer einen Esel im Traum 
sieht, darf auf das messian, Heil hoffen. Ein weißes Roß kündet Gutes 
an, ebenso ein rotes in Ruhe; dagegen bedeutet ein rotes im Trabe 
Unheil. Ein Kamel verbürgt Rettung aus dem Tode, ein (gesattelter) 
Elefant das Erleben von Wundern. Wer das Sch'^mac' im Traume re- 
zitiert, ist würdig, daß die Sch«^khina (göttliche Gegenwart) auf ihm 
ruht; wer die T^phillin (Gebetsriemen) anlegt, darf auf Größe rechnen. 
Beten im Traum ist ein gutes Zeichen. Weizen bedeutet Frieden, Gerste 
Vergebung der Sünden, ein Feigenbaum Bewahrung der Torakenntnis 
im Innern, ein Granatapfelbaum Erweiterung des Geschäfts. W^er einen 
Feststrauß (Lulab) im Traume sieht, dessen Herz ist auf Gott gerichtet; 
wer eine Gans sieht, wird Weisheit erlangen; wer einen Hahn, dem 
wird ein Knäblein geboren; wer eine Henne, hat Aussicht auf eine 
schöne u. große Lehrhalle. Eier besagen, daß die Erhörung eines Ge- 
betes fraglich ist; zerbrochene Eier, daß ein Gebet Erhörung gefunden 
hat. Die gleiche Bedeutung haben Nüsse, Gurken, Glasgerät u. alles 
Zerbrechbare. Alle Tiergattungen sind von guter Vorbedeutung, aus- 
genommen der (ungesattelte) Elefant, der Affe u. der Igel; ebenso alle 
Fruchtarten, ausgenommen die unreifen Datteln ; desgleichen alle Farben, 
ausgenommen die purpurblaue. Diese u. ungezählte andre Deutungen 
sind B'^rakh 56'^— 57'' zu einem förmlichen Traumbuch zus. gestellt. 



56 Matthl,20 

Eine derartige Behandlung des Traumwesens mußte für das religiös- 
sittliche Leben des Volkes natürlich unfruchtbar bleiben. So versuchten 
denn einzelne Kreise die Träume moralisch nutzbar zu machen, indem 
sie die Ansicht vertraten, daß die Träume nach Gottes Willen ein 
Erziehungsmittel zur Buße sein sollten. In diesen Zus.hang geliören 
etwa folgende Aussprüche. B^'rakh 55": „Gott hat es veranstaltet, daß 
man sich vor ihm fürchte" Qoh 3, 14. Rabbah bar bar Ghana (um '280) 
hat gesagt, R. Jochanan (f 279) habe gesagt: Damit ist der böse Traum 
gemeint. 1| B^rakh 55 »: Rab Chisda (f 309) hat gesagt: Ein böser Traum 
ist besser als ein guter Traum (denn er führt den Menschen zur Buße, 
Raschi), Ferner hat Rab (f 247) gesagt: Bei einem bösen Traum ist 
die durch ihn entstehende Betrübnis die genügende schlimme Folge 
(so daß es, wenn der Mensch sich bessert, weiterer schlimmer Folgen 
nicht bedarf), u. bei einem guten Traum ist die durch ihn entstehende 
Freude die genügende glückliche Folge (so daß es, damit er sich er- 
fülle, weiterer glücklicher Folgen nicht bedarf). Rab Joseph (der blind 
war, t 333) hat gesagt: Selbst bei mir hebt der durch einen guten 
Traum entstehende Frohsinn den Traum auf (so daß ich weiteres 
Glück als Folge nicht erwarte). Rab Chisda hat gesagt: Ein böser 
Traum ist härter als die Geißelung, vgl. Qoh 3, 14: „Gott hat es ver- 
anstaltet, daß man sich vor ihm fürchte." (Der böse Traum verursacht 
dem Menschen Furcht vor Gottes Strafen, deshalb ist er schlimmer 
als eine einmalige körperliche Züchtigung.) || B'^rakh 55'': Rab Huna 
(t 297) hat gesagt: Einen guten Menschen läßt man (Gott) keinen 
guten Traum u. einen bösen Menschen keinen bösen T. sehn. (Raschi: 
Einen guten Menschen läßt man einen bösen T. sehn, damit er sich 
fürchte u. nicht sündige u. damit seine Betrübnis ihm Sühnung ver- 
schaffe. Den bösen Menschen läßt man einen guten T. sehn, um ihn 
zu erfreuen, damit er seine Welt genieße.) || B-^rakh 55"^: R. Z«ära (um 
300) hat gesagt: Wer sieben Tage ohne Traum übernachtet, wird ein 
Gottloser genannt, s.Spr 19,23: „Wer sieben Tage übernachtet, ohne 
daß er (mit einem Traum) bedacht wird, der ist ein Gottloser" (so der 
Midrasch); lies nicht -ar „gesättigt", sondern i^-na „sieben". 

a. Gittin 52'*:^In der Nachbarschaft des R. Meir lebte ein Vormund, der Ländereien 
(seiner Mündel) verkaufte, um Sklaven dafür zu kaufen (was nicht erlaubt war). R.Meir 
ließ es aber nicht zu. Da lieis man (Gott) diesen im Traume sehn (er sollte sagen): 
,Ich bin zum Einreißen u. du bist zum Bauen da!" Er achtete aber nicht darauf, er 
sagte: Worte der Träume erhöhen nicht u. erniedrigen nicht. — i| Hör 13'^: (Als R. Me'ir 
u. R. Nathan sich mit dem Patriarchen R. Schimcon b. Gamliel überworfen hatten,) ließ 
man (Gott) sie in ihren Träumen sehn: Geht u. besänftigt ihn! R. Nathan ging; R. Me'ir 
ging nicht, er sagte: Worte der Träume erhöhen nicht u. erniedrigen nicht. — Im 
Munde einer Mehrzahl von Gelehrten findet sich das Wort pMSch 4, 55'', 38: Es grämte 
sich jemand wegen des (zum zweiten Zehnt gehörenden) Geldes seines (verstorbenen) 
Vaters. Es wurde ihm im Traume gezeigt: So und so viel ist es u. an dem u. dem Ort 
befindet es sich. Die Sache kam vor die Gelehrten; sie erklärten: Worte der Träume 
erheben nicht u. erniedrigen nicht. — Die Parallelstellen Tos MSch 5, 9 (95) u. Sanh 



Matth 1, 20 57 

30^ s. Anm.f. — Die Redensart findet sich übrigens auch im Test. Napht der hebr. 
Chronik Jerachm^'els 4 Anf. ; ferner Midr KL 1, 1 (48^) in R. Abbahus (um 300) Mund. 

b. B^rakh 55'^: R. Sch'^muel b. Nachman (um 260) hat gesagt, R. Jonathan (um 
220) habe gesagt: Man (Gott) läßt den Menschen (im Traume) nur die Gedanken 
(Grübeleien) seines Herzens sehn (d. h. die Gedanken, die bei Tage ihn beschäftigt 
hatten), s. Dn2, 29: „Du, o König, deine Gedanken stiegen auf dein Lager", u. wenn 
du willst, sage: Von hier aus (läßt sich der Schriftbeweis führen): ,Daß du die Ge- 
danken deines Herzens erfahrest" Dn 2, 30. Raba (f 852) hat gesagt: Du kannst es 
auch daraus erkennen, daß man (Gott) weder einen goldenen Palmbaum (im Traume) 
sehn läßt noch einen Elefanten, der in ein Nadelöhr geht (weil der Mensch an der- 
gleichen bei Tage nicht denkt, darum träumt er nicht davon). Der Kaiser (Hadrian) 
sagte zu R. J'^hoschua'e b. Chananja (um 90): Ihr sagt, daß ihr sehr weise seid; so sage 
mir: Was werde ich in meinem Traume sehn? Er antwortete: Du wirst sehn, daß 
dich die Perser zum Frondienste einziehen u. dich berauben u. durch dich Greueltiere 
werden weiden lassen mit einer goldenen Rute. Er dachte den ganzen Tag daran, u. 
in der Nacht sah er es. — Der König Schabor sagte zu Sch'^muel (f 254): Ihr sagt, 
daß ihr sehr weise seid; so sage mir, was werde ich in meinem Traume sehn? Er 
antwortete: Du wirst sehn, daß die Römer kommen u. dich gefangen nehmen u. durch 
dich Kerne werden mahlen lassen auf einer goldenen Mühle. Er dachte den ganzen 
Tag daran, u. in der Nacht sah er es. 

C. B®rakh 55^: Rab J*^huda (f 299) hat gesagt, Rab habe gesagt: Drei bedürfen 
des Erbarmens: ein guter König, ein gutes Jahr, ein guter Traum. (Raschi: Man muß 
um Erbarmen flehen, daß sie kommen, weil sie in Gottes Hand sind u. ohne seine 
Erlaubnis keine Macht haben zu kommen.) Ein guter König, vgl. Spr 21,1: Gleich 
Wasserbächen ist eines Königs Herz in der Hand Jahves. Ein gutes Jahr, vgl. Dt 
11, 12: Die Augen Jahves, deines Gottes, sind stets (auf dein Land) gerichtet vom 
Anfang des Jahres bis zum Ende des Jahres. Ein guter Traum, vgl. Jes 38, 16: O Herr 
. . ., laß mich Träume sehn u. leben! (so der Midr). Ferner s. Gittin 52* u. Hör 13'' in 
Anm. a; B*^rakh 55 '^ in Anm. b, wo es immer Gott ist, der den Traum sehn läßt; ebenso 
verhält es sich mit B'^rakh 28-^; Tafan 24 '^ in Anm. d. 

d. In bezug auf die Pseudepigraphen sei verwiesen auf Henoch 13, 8ff.; 83, 3flf.; 
85,1-90,42; 4Esrall,l — 12, 3; 13,1—13; Apoc. Bar36, 1— 37; 53,1 — 12; Test. Levi 
2—5; Test. Napht 5—7; Test. Jos 19; Apoc. Mos 2 = Vita Adam 22. 

Belege aus der rabb. Literatur. B^'rakh 28^: (Als nach der Absetzung Gam- 
liels IL die Schülerzahl sich ungemein hob,) wurde G. (um 90) schwacli in seinem Ge- 
müt; er sprach: Sollte ich, was Gott verhüten wolle! die Toi-a von Israel ferngehalten 
haben? Da ließ man (= Gott) ihn im Traume sehn: Weiße Krüge sind es voll Asche 
(d.h. Schüler ohne Wert). || TaEan 24^: Raba (f 352) kam nach Hagronja u. ordnete ein 
Fasten an, aber es kam kein Regen. Er sprach zu ihnen: Bleibt über Nacht alle in 
eurem Fasten. Am nächsten Morgen sprach er: Ist einer da, der einen Traum gesehen 
bat, so sage er ihn an! Da sagte R. El'azar aus Hagronja: Mich hat man (Gott) in 
meinem Traume lesen lassen: , Guter Friede dem guten Meister von dem guten Herrn, 
der von seinem Guten Gutes seinem Volk erweist!" Raba sprach: Daraus entnehme 
ich, daß es eine wohlgefällige Zeit ist um Erbarmen zu bitten. Er bat um Erbarmen, 
u. es kam Regen. || Ta'an 24*^: (Als auf das Gebet Rabas, f 352, Regen in Überfluß 
fiel,) kam sein (verstorbener) Vater u. erschien ihm im Traum u. sprach: Wer ist es, 
der den Himmel (= Gott) mit diesem allem so bemüht? Ferner sagte er zu ihm: 
Verändere deinen Ort (wechsle deine Lagerstätte)! Er veränderte seinen Ort. Am 
nächsten Morgen fand er, daß sein Bett mit Messern gezeichnet war (man hatte ihn 
töten wollen; sein Traum war also seine Rettung gewesen). |i BB 10": Von seinen 
Schwestersöhnen sah Rabban Jochanan b. Zakkai (f um 80) in einem Traum, daß ihnen 
(im Lauf des Jahres) 700 Denare in Verlust geraten würden. Er nötigte sie u. nahm 
(die 700 Denare) von ihnen zu Almosen. Es blieben ihnen 17 Denare übrig. Als der 
Vorabend des Versöhnungstages herangekommen war, schickten die Kaiserlichen u. 



58 Matth 1, 20 

nahmen sie ihnen ab. Da sagte Rabban Jochanan b. Zakkai: Fürchtet nicht (daß sie 
euch noch mehr abnehmen werden); 17 Denare befanden sich bei euch, die haben sie 
euch abgenommen. Sie sprachen zu ihm : Woher weißt du das? Er antwortete ihnen: 
Einen Traum habe ich zu eurem Besten gesehen. Sie sprachen: Warum hast du es 
uns nicht gesagt"? Er antwortete: Ich dachte, damit ihr das gute Werk um seinet- 
willen tun möchtet (was nicht der Fall gewesen wäre, wenn euch mein Traum dazu 
bewogen hätte). || B'^'rakh 57'': R. Z^Jira (um 300) hat gesagt: Ich bin nicht eher aus 
Babel nach dem Lande Israel hinaufgezogen, als bis ich Gerste im Traum gesehen 
hatte. (Gerste, im Traum gesehen, bedeutet Erlangung der Sündenvergebung.) || Midr 
Qoh 5, 2 (25 ä): R. J^huda b. Simon (um 320) hat gesagt: Die ganze Nacht (s. Esth 6, 1) 
hatte Achaschverosch (im Traum) gesehen, wie Haman bei ihm stand mit einem ge- 
zückten Schwert in seiner Hand, u. wie er den Purpurmantel von ihm nahm u. die 
Krone von seinem Haupt, u. wie er ihn zu töten suchte. Und er erwachte u. sprach: 
Ob dies ein Traum ist? Es ist wohl nur ein (bedeutungsloses) Gesicht! Wie lange 
(dachte er so)? Bis der Morgen kam. Da sprach der König: Wer ist im Vorhof? Man 
antwortete ihm (Esth 6, 5): „Siehe, Haman steht im Vorhof. " Da sagte der König: Es 
ist ein (bedeutungsvoller) Traum (durch den mir Hamans Mordanschlag kundgetan 
werden sollte). — Midr Esth 6, 1(99*) lautet der Schlußsatz ausführlicher so: Der 
König sprach: Wahrheit ist das Wort, das ich in meinem Traum gesehen habe. Nicht 
kommt dieser in dieser Stunde, wenn nicht, um mich zu töten. |! GnR 83 (53'*): „Der 
Häuptling Magdiel, der Häuptling clram" (Gn 36,43). An dem Tage, da Diokletian ^ 
König wurde, wurde dem R. Ammi (um 300) im Traume gezeigt: Heute ist Magdiel 
König geworden! Da sagte er: Nur noch Ein (1. ths statt ins) König ist für Edom 
zu erwarten. (Unter den Häuptlingen von Esau Gn 36, 40 ff. ist Magdiel an vorletzter 
Stelle genannt, daher die P'olgerung: Nur noch Ein K. ist für Edom = Rom zu er- 
warten.) II Joma 87'': (R. Chanina b. Chama, um 225, u. Rab, f 247, lebten 13 Jahre in 
Feindschaft miteinander, ohne daß einer von ihnen den Versuch machte, den andren 
zu versöhnen. R. Chaninas Verhalten wird dann so erklärt:) R. Chanina sah im Traum, 
daß man Rab an einer Dattelpalme aufhängte; u. als Tradition ist gelehrt worden, 
daß jeder, den man (in einem Traum) an einer Dattelpalme aufhängt, Schulhaupt 
wird. Da sagte R. Chanina: Aus meinem Traum entnehme ich, daß er ein Oberhaupt 
werden soll; darum versöhnte er ihn nicht, damit er (aus Palästina) fortginge u. in 
Babel die Tora lehrte, jj Ferner s. die Zitate Anm. a u. f, sowie LvR 3 (107^*) bei Apg 12, 
21 ff. Nr. 3. 

e. B^'rakh 55'^: Raba (f 352) stellte einander gegenüber Nu 12, 6: „Ich rede im 
Traume mit ihm* u. Sach 10,2: „Träume reden Eiteles." Das ist kein Widerspruch: 
in dem einen Fall handelt es sich (um Träume) durch einen Engel, in dem andern 
um solche durch einen Dämon -«i . 

/. Tos MSch o, 9 (95): Einer grämte sich darüber, wo der zweite Zehnt seines 
(verstorbenen) Vaters sich befinde. Da kam der „Mann des Traumes" isch ha-chal6m 
(= Engel der Träume) u. sprach zu ihm: So und soviel beträgt er u. an dem u. dem 
Ort befindet er sich. So war es. Sie gingen u. fanden dort das Geld u. kamen u. 
fragten die Gelehrten (betreffs der Verwendung des Geldes), u. diese erklärten: Siehe, 
es ist profanes Geld, denn die Worte der Träume erhöhen nicht u. erniedrigen nicht. — 
Die Parallelstelle Sanh 30'"^ liest bacal ha-chal6m, während pMSch 4, 55^, 38 (s. oben 
Anm. a) einfach sagt: „Es wurde ihm im Traume gezeigt." || B'^'rakh 10'': R. Chanan 
(um 300) hat gesagt: Selbst wenn der Engel der Träume bacal ha-chalomoth zu einem 
Menschen sagte, daß er morgen sterben werde, soll er sich dadurch nicht vom Gebet 
um Erbarmen zurückhalten lassen, vgl. Qoh 5,6: „Bei vielen Träumen gibt es auch 
Eitelkeiten . . .; vielmehr Gott fürchte!" || Aboth R. Nathan 17 (6''): Es geschah, daß 



* Der Text hat ci:-:;-jnt. Levy 2, 482'' deutet den Namen auf Lucinius (1. Licinius), 
andre denken an Valentinianus; vermutlich ist es verstümmelt aus c-ru'pp-rt; so Bacher, 
pAmor 2, 149, u. Krauß, Lehnwörter 2, 310". 



Matth 1, 20 59 

ein (jüdisches) Mädchen gefangen genommen wurde, u. ein Grieche nahm sie an sich. 
Sie wurde erzogen u. kam in sein Haus. Da kam zu ihm der Engel des Traumes 
baJal ha-chalom (ed. Amsterd. 1044: ,man kam zu ihm im Traum") u. sprach zu ihm: 
„Entlaß dieses Mädchen aus deinem Hause." Da sagte sein Weib zu ihm: Entlaß sie 
nicht! Da kam der Engel des Traumes (ed. Amsterd. wie oben) abermals zu ihm u. 
sprach: ,Wenn du sie nicht entlassest, siehe, so töte ich dich samt ihr. Da entließ 
er sie. Er ging ihr nach u. sprach: Ich will gehn u. sehn, was (lies ni2 statt nz) 
schließlich aus diesem Mädchen wird. Als sie auf dem Wege dahinging, bekam sie 
Durst u. ging hinab (an ein Gewässer), um Wasser zu trinken. Als sie ihre Hand auf 
das (das Wasser umschließende) Gemäuer legte, kam eine Schlange hervor u. biß sie, 
so daß sie starb, u. sie schwamm auf dem Wasser. Da ging er (der frühere Herr) 
hinab u. nahm sie, schaffte sie herauf u. begrub sie. Er kam u. sagte zu seinem 
Weibe: Über dieses Volk zürnt, wie du siehst, nur ihr Vater im Himmel. — || Apoc. 
Bar 55, 3 heißt der Engel, „der den wahren (Traum-)Gesichten vorsteht", Ramael. 

g. B'=^rakh 55 '', 39 : R. Jochanan (t 279) hat gesagt: Drei Träume gehen in Er- 
füllung: ein Trajjm am Morgen u. ein Traum, den jemandem ein andrer träumt, u. ein 
Traum, der im Traum gedeutet wird. Einige sagen: Auch ein Traum, der sich wieder- 
holt; s. Gn41,o2: „Und was dies betrifft, daß der Traum sich wiederholte . . ., so 
geschah dies, weil die Sache seitens Gottes feststeht. ..." — In bezug auf sich wieder- 
hol-ende Träume heißt es in der hebr. Chronik Jerachm'^els zu Test. Napht 7 : (Jakob 
sprach zu Naphtali:) „Mein Sohn, weil du das (Traum-)Gesicht noch einmal gehabt 
hast, darum wurde ich bestürzt" (denn jetzt weiß ich, daß es in Erfüllung gehn wird). — 
Zum Traum über einen andren u. zum Träumen der Traumdeutung s. GnR88(56^): 
„Da träumten sie beide einen Traum, jeder seinen Traum . . ., jeder gemäß der Deutung 
seines Traumes" Gn 40, 5. R. Chijja b. Abba (ein Schüler des R. Jochanan, um 280) sagte : 
Es träumte jeder einen Traum u. die Deutung des Traumes des andren. Der Ausspruch 
des R. Chijja ist B'^rakh 55^ dem R. EKazar (um 270) beigelegt. 1| B^'rakh'55a: R. Jo- 
chanan (t 279) hat im Namen des R. SchimEon b. Jochai (um 150) gesagt: Wie Korn 
nicht ohne Stroh sein kann, so kann ein Traum nicht ohne eitle Worte sein. R. B*^rekhja 
(um 340) hat gesagt: Wenn auch ein Traum zum Teil in Erfüllung geht, so geht er 
doch nicht ganz in Erfüllung. Woher wissen wir das? Von Joseph; s. Gn 37, 9: »Und 
siehe, die Sonne u. der Mond (= Josephs Mutter) u. elf Steine verneigten sich vor 
mir", u. zu dieser Zeit lebte seine Mutter nicht mehr (also konnte der sie betreffende 
Teil des Traumes sich nicht erfüllen). 1| B^rakh 55«: Rab Chisda (f 309) hat gesagt: 
Weder ein guter noch ein böser Traum geht ganz in Erfüllung. 

h. B^^rakh 55^: R. Levi (um 300) hat gesagt: Immer hoffe der Mensch auf die 
Erfüllung eines guten Traumes bis zu 22 Jahren hin. Woher wissen wir das? Von 
Joseph; denn es steht geschrieben Gn 37, 2: „Dies ist die Familiengeschichte Jakobs. 
Joseph als 17jähriger" usw. Ferner heißt es Gn41,46: „Joseph war 30 Jahre alt, als 
er vor Pharao stand" usw. Wieviel ist von 17 bis 30? Sage: 13; dazu 7 (Jahre) des 
Überflusses u. 2 der Hungersnot, siehe das sind 22 (bis Josephs Traum sich erfüllte). 

i. pMSch 4, 55^ 14: Eine Frau kam zu R. Eli'ezer (um 90). Sie sprach zu ihm: 
Ich habe in meinem Traum ein Zimmer des Hauses geborsten gesehen. Er sprach zu 
ihr: „Du wirst einen Sohn gebären." Und sie gebar einen Sohn. Nach einiger Zeit 
ging sie, um ihn (wiederum) zu fragen. Seine Schüler sagten zu ihr: Er ist nicht hier. 
Was willst du von ihm? Sie antwortete: Diese Frau (d.h. ich) hat im Traume ein 
Zimmer des Hauses geborsten gesehen. Sie sagten: Du wirst einen Sohn gebären u. 
der Herr dieses Hauses (dein Mann) wird sterben. Als R. Elicezer kam, erzählten sie 
ihm die Geschichte. Er sprach zu ihnen: Ihr habt einen Menschen getötet, denn der 
Traum richtet sich nur nach seiner Deutung 'r.-.^rt ^-a, s. Gn41, 13: „Wie er uns ge- 
deutet hat, also ist es geschehen." R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Alle Träume richten 
sich nach ihrer Deutung, ausgenommen wo es sich um Wein handelt. Mancher trinkt 
Wein (im Traum) u. es ist für ihn von guter Bedeutung; mancher trinkt Wein u. es 
ist für ihn von schlimmer Bedeutung. Ein Gelehrtenschüler trinkt u. es ist von guter 



60 Mattlil,20 

Bedeutung für ihn; ein cAm ha-are9 (Gesetzesunkundiger, s. bei Joh 7, 49) trinkt u. es 
ist von schlimmer Bedeutung für ihn. — Midr KL 1, 1 (48^) ist statt „Zimmer des 
Hauses" gesagt: , Gebälk des Hauses." Ebenso GnR 89 (56^). Beide Parallelstellen 
lassen den R. Elicezer sich auf die Ausführung des R. Jochanan berufen; sie haben 
also unter R. E. nicht den Tannaiten verstanden, sondern den Amoräer R. El'azar b. 
P'^dath, um 270. — Der Ausspruch des R. Jochanan für sich allein B'^'rakh 57^; aus 
dieser Stelle geht hervor, dafs die Ausführung des R. Jochanan auf einer Bar ruht. || 
B'Yakh Ö5'': Beruht denn das Wort: „Alle Träume richten sich nach dem Munde" 
(= nach der Deutung) auf einer Schriftstelle? Ja; u. zwar nach der Meinung des 
R. Elcazar (um 270). Denn dieser hat gesagt: Woher, daß sich alle Träume nach dem 
Munde richten? Es heißt Gn 41, 13: „Wie er uns gedeutet hat, also ist es geschehen." 
Raba (f 352) hat gesagt: Das gilt nur, wenn man ihm den Traum deutet gemäß dem 
Hauptinhalt seines Traumes; s. Gn 41, 12: „Gemäß seinem Traume hat er jedem ge- 
deutet." — Ferner s. B-^rakh 5b^ in Anm. k. !| B^rakh 55" u. 55'^: Rab Chisda (f 809) 
hat gesagt: Ein Traum, den man nicht deutet, ist wie ein Brief, den man nicht liest. 

k. B^'rakh 55*^: R. Bizna b. Zabda hat gesagt, R. f Aqiba (f um 135) habe gesagt, 
R. Panda habe gesagt, R. Nachum habe gesagt, R. Birjam habe im Namen eines Alten 
gesagt — und wer war das? R. Banna>a — : Vierundzwanzig Traumdeuter hat es in 
Jerusalem gegeben. Einmal hatte ich einen Traum geträumt u. ging zu ihnen allen. 
Was mir der eine deutete, deutete mir nicht der andre; aber alles ging bei mir in 
Erfüllung, um zu bestätigen, was gesagt worden ist: „Alle Träume richten sich nach 
dem Munde." — Die Stelle ergibt, daß die Schlußsentenz eine uralte tannaitische 
Tradition ist. !| B'^^rakh 56'': Bar Chadja war ein Traumdeuter. Wer ihm Bezahlung 
gab, dem deutete er zum Vorteil; wer ihm keine Bezahlung gab, dem deutete er zum 
Nachteil. Abaje (f 338/39) u. Raba (f 352) sahen einen Traum. Abaje gab ihm einen 
Zuz (etwa 65 Pf.), Raba gab ihm nichts. Sie sprachen zu ihm: Man (Gott) hat uns in 
Träumen lesen lassen Dt 28, 81 : „Dein Stier wird vor deinen Augen geschlachtet" usw. 
Zu Raba sagte er: Dein Geschäft wird Schaden leiden u. du wirst nicht Lust haben, 
vor Betrübnis deines Herzens etwas zu essen. Zu Abaje sagte er: Dein Geschäft vnrd 
sich ausdehnen u. du wirst nicht Lust haben, vor Freude deines Herzens etwas zu 
essen. Sie sagten zu ihm: Man (Gott) hat uns lesen lassen Dt 28, 41 : „Söhne u. Töchter 
wirst du zeugen; aber sie werden nicht dein sein; denn sie werden in die Gefangen- 
schaft gehn." Zu Raba sagte er gemäß der schlimmen Bedeutung des Verses --rri;';;2. 
Zu Abaje sagte er: Deine Söhne u. Töchter werden zahlreich sein, u. deine Töchter 
werden sich in alle Welt verheiraten u. dir so scheinen, als ob sie in die Gefangen- 
schaft gingen. (Es folgen zehn weitere ähnliche Deutungen.) . . . Schließlich ging Raba 
allein zu ihm u. sagte: Ich habe (im Traum) gesehen, daß die äußere Tür umfiel. Er 
antwortete: Deine Frau wird sterben. Er sprach zu ihm: Ich habe gesehen, daß die 
Backzähne u. die übrigen Zähne ausfielen. Er antwortete: Deine Söhne u. Töchter 
werden sterben. (Es folgen zwei weitere Deutungen.) . . . Schließlich ging Raba, gab 
ihm Bezahlung u. sprach: Ich habe gesehen, daß die Mauer umfiel. Er antwortete: 
Du wirst Vermögen ohne Grenzen (grenzenloses Vermögen) erwerben. R. sprach: Ich 
sah, daß der Palast Abajes ein§el, u. es bedeckte mich "Z^X sein Staub. Er antwortete: 
Abaje wird sterben u. sein Gelehrtensitz wird an dich kommen. R. sprach: Ich sah, 
daß mein Palast einfiel u. alle Welt kam u. nahm sich Ziegel über ZiegeL Er ant- 
wortete: Deine Lehren werden sich in der Welt verbreiten. R. sprach: Ich sah, daß 
mein Kopf gespalten wurde u. mein Gehirn herausfiel. Er antwortete: Die Wollflocken 
des Kopfkissens werden herausfallen. R. sprach: Man (= Gott) hat mich das ägyptische 
Hallel (d.h. Psll3) im Traum lesen lassen. Er antwortete: Es werden dir Wunder 
geschehen. Es geschah (nach einiger Zeit), daß Bar Chadja mit Raba auf ein Schiff 
kam. Jener sprach: AVarum sollte ich mit einem Mann zusammen sein, dem ein Wunder 
geschehen wird? (Vielleicht besteht das Wunder darin, daß er bei einem etwaigen 
Schiffbruch allein gerettet werden soll.) Als er auf das Schiff ging, entfiel ihm ein 
Buch. Raba fand es u. sah, daß darin geschrieben stand: Die Träume richten sich 



Matthl,20 61 

nach dem Munde. Da sprach Raba zu ihm: Du Frevler, bei dir stand es, u. du hast 
mir alle diese Betrübnis bereitet (die deine Traumdeutungen über mich gebracht haben)! 
Dieses alles will ich dir vergeben, abgesehen von der Tochter des Rab Chisda (der 
Gattin Rabas, die ihm infolge einer Traumdeutung durch den Tod entrissen worden 
war). Möge es (Gottes) Wille sein, daü dieser Mann (d. h. du) in die Gewalt einer 
Regierung gegeben werde, die sich seiner nicht erbarmt! (Es wird dann erzählt, wie 
dieser Fluch Rabas an Bar Chadja sich erfüllt hat.) 

/. Zu R. Eli^ezer s. pMSch 4, 55 ", 14 in Anm. i. — Zu R. ^Aqiba s. pMSch 4, 55c, 22: 
Ein Mensch kam zu R. cAqiba u. sprach zu ihm: Ich habe in meinem Traum meinen 
Fuß abgemagert (wörtlich: klein) gesehen. Er antwortete ihm: Das Fest wird kommen 
u. es wird kein Fleisch zum Essen da sein. ("-:■: „Fuß" bedeutet auch „Fest".) Ein 
andrer kam zu ihm u. sprach: Ich habe in meinem Traum meinen Fuß beleibt gesehen. 
Er antwortete ihm: Das Fest wird kommen u. du wirst viel Fleisch haben. — Ein 
Schüler von R. cAqiba saß da u. seine Gesichtszüge waren verändert. Er sprach zu 
ihm: Warum so? Er antwortete: Ich habe in meinem Traum drei harte Worte gesehen: 
Im Adar wirst du sterben u. den Nisan wirst du nicht sehn, u. was du säst, wirst du 
nicht sammeln. R. cA. antwortete ihm: Die Drei bedeuten Gutes: Durch die Herrlichkeit 
s^nn (Deutung von Adar) der Tora wirst du erhoben werden; Versuchungen ••z-: (Deutung 
von Nisan) wirst du nicht sehn; was du säst, wirst du nicht sammeln: was du erzeugst, 
wirst du nicht begraben. — Von den älteren Lehrern haben sich in ähnlicher Weise 
mit Traumdeutungen befaßt R. Jischma'el (f um 135): B*'rakh 56"^: Der Schwester- 
sohn des R. Jischma'el fragte den R. J.: Ich habe (im Traum) gesehen, daß meine 
beiden Kinnbacken zerbrochen wurden. Er antwortete: Zwei römische Große (^5nj 
zu lesen statt -nn;) haben einen schlimmen Rat gegen dich gefaßt, aber sie sind 
gestorben. — R. Jose b. Chalaphta (um 150), s. Midr KL 1, 1 (48=*) bei Apg2,9 Kan- 
nadoxiny. — R. Jischmacel b. Jose (um 180), s. pMSch 4, 55'', 50 ff. — Rabbi: B^rakh 
56'': Bar Qappara sagte zu Rabbi: Ich habe (im Traum) gesehen, daß meine Nase 
abfiel. Er antwortete: Die Glut des Zorns ist von dir gewichen (r:s bedeutet „Nase" 
u. „Zorn"). Er sprach zu ihm: Ich habe gesehen, daß meine beiden Hände abgeschnitten 
wurden. Rabbi antwortete: Du wirst der Arbeit deiner Hände nicht mehr benötigt sein 
(wirst reich werden). Er sprach zu ihm: Ich habe gesehen, daß meine beiden Füße 
abgehauen wurden. Rabbi antwortete: Du wirst auf einem Roß reiten. Ich habe ge- 
sehen, daß man zu mir sagte: Im Adar wirst du sterben u. den Nisan wirst du nicht 
sehn. Rabbi antwortete: In Ehren sni-i-s (Deutung von Adar) wirst du sterben u. du 
wirst nicht in Versuchung -ji-c: (Deutung von Nisan) geraten. 

m. Schab ll'^: Rabba b. M'^chasja (um 300) hat gesagt, Rab Chama b. Gorja (um 
270) habe gesagt, Rab (f 247) habe gesagt: Schön ist Fasten für einen Traum wie 
Feuer für Werg. Rab Chisda (1309) hat gesagt: Und zwar an demselben Tage. Rab 
Joseph (t 333) hat gesagt: Selbst an einem Sabbat. — Dasselbe Schab U-'' u. Midr Qoh 
5,6 (25''). — Man nannte ein solches Fasten kurzweg „ Traumfasten " m^n n-syp, zB 
Schab U^.\\ B^^rakh 55'': Rab Huna b. Ammi hat gesagt, R. pt'dath (um 310) habe gesagt, 
R. Jochanan (f 279) habe gesagt: Wenn jemand einen Traum sieht u. seine Seele wird 
darüber bekümmert, so gehe er hin u. deute ihn vor drei Personen. Er soll ihn deuten? 
Aber Rab Chisda (f 309) hat doch gesagt: Ein Traum, den man nicht deutet, ist wie 
ein Brief, den man nicht liest! (Also ist es am besten, einen Traum ungedeutet zu 
lassen; denn ein solcher geht ja nicht in Erfüllung!) Vielmehr sage: Er lege ihn vor 
drei Personen zum Guten aus. Er lasse drei Personen kommen u. sage zu ihnen: 
Einen guten Traum habe ich gesehen. Dann sollen jene zu ihm sagen : Er ist gut, u. 
gut wird er werden, u. der Barmherzige wird ihn zum Guten wenden. Siebenmal möge 
man über dich vom Himmel beschließen, daß er gut werde, u. er wird gut werden. 
Ferner sollen sie drei Schriftstellen SÄgen mit dem Wort , wenden" u. drei mit dem 
Wort „erlösen" u. drei mit dem Wort „Frieden". Drei mit „wenden": Ps30, 12; Jer 
31,12;Dt23,G. Drei mit „erlösen": Ps55, 19; Jes 35, 10; ISml4,45. Drei mit „Frieden": 
Jes57,19; lChrl2,18; lSm25,6. |1 B^rakh55'': Amemar (um 400), Mar Zutra (IL gegen' 



62 Matthl,20 

400) u. Rab Aschi (t 427) saßen beieinander. Sie sagten: Jeder einzelne von uns soll 
etwas sagen, was der andre (noch) nicht gehört hat. Der eine von ihnen begann: Wer 
einen Traum gesehen hat u. nicht weiß, was er gesehen hat, der stelle sich vor die 
Priester zu der Zeit, da sie ihre Hände (zum Priestersegen) ausbreiten, u. spreche (bei 
sich selbst) also: Herr der Welt, ich bin dein u. meine Träume sind dein; ich habe 
einen Traum geträumt u. weiß nicht (mehr), was- es war; ob ich von mir selbst ge- 
träumt habe, oder ob andre von mir geträumt haben, oder ob ich von andren geträumt 
habe: wenn sie gut sind, bekräftige sie u. festige sie wie die Träume Josephs, u. wenn 
sie der Heilung bedürfen, so heile sie wie die Wasser von Mara durch die Hände Moses 
(s. Ex 15, 23 ff.) u. wie Mirjam von ihrem Aussatz u. wie Hiskia von seiner Krankheit 
u. wie die Wasser Jerichos durch Elisa (s. 2 Kg 2, 19 ff.), u. wie du den Fluch Bilcams, 
des Frevlers, zum Segen gewendet hast, so wende alle Träume für mich zum Guten! 
Er soll aber (sein Gebet) beendigen zus. mit den Priestern, wenn die Gemeinde (auf 
den Priestersegen) mit Amen! antwortet. Wenn aber nicht, so spreche er also: Herr- 
licher in der Höhe, der da thront in Allmacht, du bist Friede, u. dein Name ist Friede! 
Es sei wohlgefällig vor dir, daß du auf uns Frieden legest! || pSanh 10, 28", 6: (Als 
Jesaja dem Hiskia sein Ende angekündigt u. ihm gesagt hatte, daß er sich eine Tochter 
des Propheten hätte zum Weibe nehmen sollen, antwortete ihm der König:) Ich höre 
nicht auf dich, ich werde nur herzuspringen zu dem, was mir mein Ahn (nämlich 
Salomo in Qoh 5, 6) gesagt hat; denn er hat mir gesagt: Wenn du schlimme Träume 
u. schlimme Gesichte gesehen hast, dann springe herzu zu drei Dingen u. du wirst 
gerettet werden. Diese sind: Gebet, Almosen u. Buße. Und diese drei sind in Einem 
Vers enthalten 2Chr7, 14: „Und wenn sich dann mein Volk beugt, über welchem 
mein Name genannt ist, u. wenn sie beten", das ist das Gebet; „u. wenn sie mein 
Angesicht suchen", das geht auf Almosen, s. Psl7, 15: „Ich werde durch Almosen (so 
der Midrasch) dein Angesicht schauen; ich werde mich sättigen beim Erwachen an 
deiner Gestalt." „Und wenn sie umkehren von ihren bösen Wegen", das geht auf die 
Buße. Wenn sie also tun, was steht dort (weiter) geschrieben? „Dann will ich vom 
Himmel her hören u. ihre Sünde verzeihen u. ihr Land heilen." Sofort wandte sich 
Hiskia ab, s. Jes38, 2: Da wandte Hiskia sein Angesicht zur Wand u. betete zu Jahve. — 
Im Midr Qoh 5, 6 (25 b) wird Rabbi als Autor genannt. || B^rakh b6^': R. J^hoschuac b. 
Levi (um 250) hat gesagt: Wer einen Strom im Traume sieht, der sage (beim Erwachen) 
eilends Jes 66,12: „Siehe, ich wende ihr Frieden zu wie einen Strom", ehe ihm der 
andre Vers (mit unheilvoller Bedeutung in seinen Gedanken) zuvorkommt Jes 59, 19: 
„Denn kommen wird er wie ein eingeengter Strom, auf den der Sturm Jahves los- 
peitscht." Wer einen Vogel im Traum sieht, der sage eilends Jes 31, 5: „Wie flatternde 
Vögelein, so wird Jahve 9'^baoth Jerusalem umschirmen", ehe ihm zuvorkommt der 
andre Vers Spr27, 8: Wie ein Vögelchen, das flüchtig geworden ist aus seinem Nest 
usw. — Ebenso werden dann weiter als Verse mit guter, bezw. mit schlimmer Vor- 
bedeutung genannt beim Sehen eines Topfes im Traum Jes 26, 12 u. Ez 24, 3; bei Wein- 
trauben Hos 9, 10 u. Dt 32, 32; bei einem Berg Jes 52, 7 u. Jer 9, 9; bei einer Posaune 
Jes 27, 13 u. Hos 5, 8; bei einem Hund Ex 11, 7 u. Jes 56, 11; bei einem Löwen Am 3, 8 
u. Jer 4,10; beim Haarscheren Gn 41, 14 u. Rieht 16, 17; bei einem Brunnen Gn 26,19 
u. Jer 6, 7; bei einem Rohr Jes 42, 3 u. 36, 6. || pB^rakh 5, 19», 13: R. Jona (um 350) hat 
im Namen des R. Tanchum b. Chijja (um 300) gesagt: Wer einen harten (schlimmen) 
Traum gesehen hat, muß sprechen: Es sei wohlgefällig vor dir, Jahve, mein Gott u. 
Gott meiner Väter, daß alle meine Träume, die ich geträumt habe, sei es in dieser 
Nacht oder in den übrigen Nächten, sei es, daß ich sie geträumt habe oder andre von 
mir geträumt haben, wenn sie gut sind, für mich in Erfüllung gehen mögen zum Jubel 
u. zur Freude, zum Segen u. zum Leben; u. wenn sie zu etwas andrem (nicht zum 
Guten) sind, so mögest du, wie du das Wasser von Mara u. das Wasser von Jericho 
durch Elisa zur Süßigkeit u. den Fluch des Ben B^cor in Segen verwandelt hast, alle 
harten Träume u. was andre von mir geträumt haben, umwandeln zum Guten, zum 
Segen u. zur Heilung u. zum Leben, zur Freude u. zum Jubel u. zum Frieden. — Dann 



Matthl,20. 21 (5(. 33 1) 63 

folgen die bereits oben angegebenen drei Verse, in denen das Wort , wenden" oder 
, umwandeln" vorkommt (Ps30, 12f.; Dt 23, 6; Jer31,12). 

n. Zu dergleichen Deutungen haben Beiträge geliefert zB B'^rakh 56*^: R. Chanina 
(um 225), R. Nathan (um 160) u. R. Chanan (Chanin, um 300); R. Z'^^cira (um 300); 
R. Chama b. Chanina (um 260) u. Rab Nachman b. Ji^chaq (t 356); B^rakh 57'"': 
R. Elicezer der Ältere (um 90); R. Chijja b. Abba (um 280); Rab Joseph (f 333); R. 'Ulla 
(um 280); Abaje (f 338/39) u. Raba (t 352); BQ 55": R. J'hoschuaE (b. Levi, um 250); 
Sanh 93 •'^: Rab Papa (f 376). 

1,20: Maria zu dir zu nehmen. 
naQulaßsTv entspricht der nöjrrj, der Aufnahme der Verlobten in 
des Bräutigams Haus, s. S. 45. Zur Namensform Magiäa s. oben S. 36. 

1,2151: Des Namen sollst du Jesus heißen. 
M«kh Ex 13, 2 (23'») u. GnR 45 (28 d): Drei gibt es, die ihren Namen 
aus dem Munde Gottes erhalten haben: Isaak, Gn 17, 19, Salomo, 1 Chr 
22, 9 u. Josia, 1 Kg 13, 2. Einige fügen noch Isma^el unter den Völkern 
hinzu, s. Gn 16, 11. II pB^^rakh 1, 4% 8: Vier sind mit Namen genannt 
worden, ehe sie geboren waren: Isaak, Isma'.el, Josia u. Salomo. (Beleg- 
stellen wie oben.) || Pirqe R. Eli?ez. 32 Anf. : Sechs wurden bei ihrem 
Namen genannt, ehe sie geboren waren: Isaak, Gn 17, 19; Isma^el, Gn 
16,11; Mose (Beweis aus c:':;^ Gn 6,3, das seinem Zahlenwert nach 
= ti-o^ = 345 ist); 1 Salomo, 1 Chr 22, 9; Josia, 1 Kg 13, 2, u. der Name 
des Messias, s. Ps 72, 17: „Vor der Sonne war Jinnon sein Name" (so 
der Midrasch). Und warum ist sein Name „Jinnon" genannt worden? 
Weil er aufblühen lassen (= auferwecken) wird -irb ~i^rv die im Staube 
Schlafenden. — Daß der Namengebung eine besondere Bedeutung bei- 
gelegt wurde, zeigt GnR. 37 (22"^): Dem ^Eber wurden zwei Söhne ge- 
boren. Der Name des einen war Peleg; denn in seinen Tagen ist die 
Erdbevölkerung geteilt worden (Gn 10, 25). R. Jose (um 150) u. R. Schim^on 
b. Gamliel (um 140). R. Jose sagte: Die Früheren haben, weil sie ihre 
Abstammung kannten (u. diese durch Namengebung nicht festzustellen 
brauchten), ihre Namen mit Rücksicht auf irgendein Ereignis gegeben; 
aber wir geben sie, weil wir unsre Abstammung nicht kennen, mit 
Rücksicht auf unsre Väter. Rabban SchimJon b. Gamliel sagte: Die 
Früheren haben, weil ihnen der heilige Geist (der Geist der Prophetie 
oder Inspiration) zur Verfügung stand, die Namen nach irgendeinem 
Ereignis gegeben ; aber wir geben sie, weil uns der heilige Geist nicht 
zur Verfügung steht, nach unsren Vätern. 1| Seder fOlam R. 1 : R. Jose 
(um 150) hat gesagt: ^Eber ist ein großer Prophet gewesen, daß er 
seinen Sohn im heiligen Geist „Peleg" nannte; denn es heißt Gn 10, 25: 
„In seinen Tagen ist die Erdbevölkerung geteilt worden" (niph^ga, 
Wortspiel). ~ Ähnlich GnR 37 (22 d). 

1,21 33: Jesus. 
1. 'lr](Tovg entspricht dem hebr. rrd-, das aus sp-in" verkürzt ist; vgl. 
1 Siehe Eml. 107, Nr. 29. 



64 Matthl,21 (SB1.2) 

Esra 3, 2 mit Neh 8, 17. Im Rabbinischen wird der Name meist mit ^d-^ 
wiedergegeben, s. zB pSchab U, 14^,49; p^AZ 2, 40^ 61; eAZ 16^; piAZ 
2,40^35 zu Mtl,16 Nr. 3. Die vollere Form ^^d: findet sich Tos 
Chullin 2, 22 f. (503) u. 2, 24 (503), s. zu Mt 1, 16 Nr. 3. Da sich die Ver- 
kürzung des riiDi zu rc^ nur bei Jesu Namen findet, hat man darin 
eine beabsichtigte Verstümmelung gesehen. „Nicht aber sind die drei 
Konsonanten j, s, v beabsichtigte Abbreviatur der Verwünschungsformel 
jimmah s'^mö v^zikhrö (ausgelöscht werde sein Name u. sein Gedächtnis) " ; 
Strack, Jesus S. 18*. — Der Name „Jesus" bedeutet: Jahve ist Heil 
(nämlich in ihm oder durch ihn). Die Mt 1, 21 beigefügten Worte: „Denn 
er wird sein Volk von ihren Sünden erlösen", bieten mithin nur eine 
sachliche Deutung des Namens. — || Im Midrasch wird der zugrunde 
liegende Name rdi-T in folgenden Stellen gedeutet. Sota 34'': Raba 
(t 352) hat gesagt: . . . Für Josua hatte bereits Mose um Erbarmen 
gebeten, s. Nu 13, 16: „Mose nannte den HoscheaJ "c-in, Sohn des Nun 
J^'hoschua^", d. h. „Jahve helfe dir" aus dem Rat der Kundschafter. || NuR 
16 (181^): Was hatte Mose für einen Grund, zu dem Namen Josuas ein Jod 
(Nu 13, 16) hinzuzufügen? . . . Als Mose sah, daß die Kundschafter gott- 
los waren, sprach er zu Josua: „Jahve helfe dir" aus diesem Geschlecht! 

2. Den Namen, den der Messias einst führen werde, hat die Syn- 
agoge seit alters zu ergründen versucht. Die Spekulationen darüber 
beginnen schon in der vorchristl. Zeit. Zunächst ließ man sich an dem 
Satze genügen, daß der Name des Messias vor der Welt erschaffen 
oder genannt worden sei. Man wollte damit die ideelle Präexistenz 
des Messias in der Gedankenwelt Gottes hervorheben, um auszudrücken, 
daß die Idee des Messias oder der messianischen Erlösung Israels einen 
uranfänglichen u. deshalb sicher zur Ausführung gelangenden Teil des 
göttl. Schöpfungs- u. Weltplanes bilde. Siehe zu Johl, 1 h' äqxfi tjv <j 
Xöyoc A, a u. B, a. 

Später ging man dazu über, den Namen des Messias selbst fest- 
zustellen. Wir geben diese Versuche nachfolgend in der geschichtlichen 
Reihenfolge ihres Auftretens wieder. Die Messiasbezeichnungen, 
wie Menschensohn, Sohn Davids, Sohn Gottes usw., bleiben jedoch in 
diesem Zus.hang außer Ansatz. 

Der Messias wird heißen: 

a. Schalom (Friede). Derekh Ere^ Zuta 11 (21'^): R. Jose, der Galiläer (um 110), 
sagte: Auch der Name des Messias heilst Friede; s. Jes9, 5: Ewig -Vater, Friedefürsfc 
(die ganze Stelle s. bei Eph 2, 14). — Eine weitere Belegstelle Anm. t aus Macase Thora. 

b. Chadrakh. Siphre Dt § 1 (65^): R. J'^^huda (b. ElEai, um 150) hat öffentlich vor- 
getragen: Orakel, Wort Jahves über das Land Chadrakhs (so deutet der Midr Sach 9, 1). 
Das ist der Messias, welcher scharf (nn) ist gegen die Völker der Welt u. mild (-") 
gegen Israel.' — Parallelstellen: P^siq 143^; in Midr HL zu 7, 5 (127'^) ist statt R. W- 
chemja zu lesen R. J'^huda. Dann folgt anonym eine zweite Erklärung: Chadrakh, das ist 
der König, der Messias, der alle, die in die Welt kommen, zur Buße leiten wird vor Gott. 

^ Deutung durch Wortzerlegung, s. Einl. 107, Nr. 30. 



MHtthI,21 («8 2) 65 

C. Rischon (der Erste). P^s 5^ Bar aus der Schule des R. Jischma?el (um 150): 
Zum Lohn für die drei , ersten" (Feiertage Lv 23, 7. 35.40) wurden die Israeliten dreier 
„Erster" gewürdigt, nämlich der Ausrottung des Samens Esaus (= Roms), des Baues 
des Heiligtums u. des Namens des Messias. Ausrottung des Samens Esaus, s. Gn 25,25: 
Es kam der „erste" (= Esau) heraus rötlich. Bau des Heiligtums, s. Jerl7, 12: Der 
Thron der Herrlichkeit in der Höhe, von „Anfang" an die Stätte unsres Heiligtums. 
Name des Messias, s. Jes 41, 27: Der „Erste" für Zion (so der Midrasch), siehe, siehe, 
da ist es nun! 

In späterer Zeit ist diese Bar in modifizierter Form wieder aufgenommen worden 
von drei Amoräeru: GnR 63 {39'^): R. Chaggai (um 340) hat im Namen des R. Ji9chaq 
(um 300) gesagt: Im Verdienste des: „Ihr sollt euch nehmen am , ersten' Tage" (Lv23,40) 
will ich mich als „Ersten" (= Gott) euch offenbaren, s. Jes 44, 6: Ich bin der Erste 
u. der Letzte, u. ich will für euch Rache nehmen an dem „Ersten", das ist Esau; s. 
Gn25, 25: Es kam der „erste" rot heraus; u. ich will euch das „Erste" bauen, das 
ist das Heiligtum (Jer 17, 12), u. ich will euch den „Ersten" bringen, das ist der König, 
der Messias (Jes 41, 27). Fast gleichlautend in LvR 30 (128''j u. P^siq 185". In der 
ersteren Stelle ist Autor R. Levi (um 300), Tradent R. B'rekhja (um 340); in der zweiten 
Autor R. Abba bar Kahana (um 310), Tradent gleichfalls R. B'^rekhja. 

d. David. An vielen Stellen läßt sich nicht entscheiden, ob mit „David" der 
Messias dieses Namens oder der aus dem Jenseits zurückerwartete König David ge- 
meint ist; s. hierzu bei Joh 1, 1 zu fV ('Q/tj yjy 6 löyog. 

ChagH'': Einmal heißt es Dn7, 9: „Sein Thron (Sing.) waren Feuerflammen", 
das andre Mal heißt es: „Bis daß Throne (Plur.) hingestellt wurden, u. der Alte der 
Tage saß nieder." Das ist kein Widerspruch: der eine für ihn (Gott) u. der andre für 
David, wie es in einer Bar heißt: der eine für ihn u. der andre für David, das sind 
Worte des R. ^Aqiba (f um 135). Parallelstelle Sanh 38 b. || M^g \1^ (2 mal) Bar . . .: 
Wenn Jerusalem erbaut ist, kommt David (= Messias), s. Hos 3, 5: „Nachher werden 
wiederkehren die Kinder Israel u. suchen nach Jahve, ihrem Gott, u. nach David, 
ihrem König." — pB'^rakh 2, 4 (5*, 9) folgen auf diese Ausführung die Worte: Die 
Rabbanan haben gesagt: Wenn dieser König, der Messias, aus der Zahl der Lebenden 
kommt, so wird sein Name David sein, u. wenn er aus der Zahl der P]ntschlafenen 
kommt, so wird sein Name (gleichfalls) David sein. R. Tanchuma (b. Abba, um 380) 
hat gesagt: Ich gebe als Grund an Ps 18, 51: Der Gnade erzeigt seinem Messias (so der 
Midrasch), dem David '(vgl- das nächste Zitat). || Midr KL zu 1, 16 (Ende, 59^): R. J^'huda 
b. Simon (um 320) hat im Namen des R. Sch^muel b. Ji9chaq (um 300) gesagt: Wenn 
dieser König, der Messias, von den Lebenden kommt, so wird David sein Name sein; 
wenn er von den Verstorbenen kommt, so wird sein Name (gleichfalls) David sein. 
R. Tanchuma (b. Abba, um 380) hat gesagt: Ich will als Grund angeben Ps 18, 51; es 
heißt hier nicht: Der Gnade erweist seinem Messias und dem David, sondern: seinem 
Messias, dem David. 

e. Schilo. Sanh 98'': Die Schule des R. Schela (ein Babylonier, um 220) sagte: 
Schilo wird sein (des Messias) Name sein; s. Gn 49, 10: „Bis daß Schilo kommt." 
Ebenso Midr KL zu 1, 16 (59'"^) mit dem Zusatz: t^'-^v ist geschrieben (nicht ^^h^^). Zu 
Ehren des R. Schela sprachen seine Schüler das Wort „Schela". 

/. J innen. Sanh 98'': Die Schule des R. Jannai (um 225) sagte: Jinnon wird sein 
(dvjs Messias) Name sein; s. Ps 72, 17: „Sein Name sei in Ewigkeit, ehe die Sonne war, 
war Jinnon sein Name." Ebenso Midr KL zu 1, 16 (59"). ]| Midr Ps 93, 2 (in den älteren 
Ausgaben): Weshalb wird sein (des Messias) Name Jinnon genannt? Weil er die im 
Staube Schlafenden wird aufsprossen (auferstehn) lassen. (Die Worte fehlen in der 
Buberschen Ausgabe; sie sind entlehnt aus Pirqe R. Elicezer 32, einem dem 8. Jahrh. 
angehörenden Midraschwerke.) 

g. Chanina. Sanh 98 1': Die Schule des R. Chanina (b. Chama, um 225) sagte: 
Chanina wird sein Name sein; s. Jer 16, 13: „Weil ich euch nicht Chanina (so der 
Midrasch) geben werde." Ebenso Midr KL zu 1, 16 (59"). 

strack u.Billerbeck, NT I. 5 



66 Matthl,21 (SB 2) 

h. M'^nachem ben Chizqijja. Sanli 98^: Einige (wohl Zeitgenossen der in 
Anm. <? — 5^ genannten Schulen) sagen: M'^nachem ben Chizqijja wird sein Name sein; 
s. KL 1,16; ,Fern von mir ist M*^nachem (Tröster = Messias), der meine Seele er- 
quicke." — Den Namen M'^nachem ben Chizqijja trägt der Messias auch pB^rakh 2,4 
(5«, 15); Midr KL 1,16 (58 b) s. zu Mt 2, 5. 

i. Chiwwara d^bg Rabbi (= der Weiße, d.h. der Aussätzige vom Hause Rabbis). 
Sanh 98'': Die Rabbanan (wohl Zeitgenossen der in Anm. e—g genannten Schulen) 
sagten: Der „Aussätzige aus dem Hause Rabbis" wird sein Name sein, denn es heißt 
Jes 53, 4: Fürwahr er trug unsre Krankheit u. lud auf sich unsre Schmerzen. — Rabbi 
(J^huda I.), der Ordner der Mischna, der seinem Volk zugut 13 jährige Leiden auf sich 
nahm, gilt seinen Schülern als der Typus des' Messias; daraus erklärt sich der von 
ihnen konstruierte Messiasname (s. bei Lk 24, 26 I, 4 Anm. /). 

k. Jahve. BB Ib^x R. Sch'^'muel b. Nachman (um 260) hat gesagt: R. Jonathan 
(um 220; so zu lesen statt R. Jochanan) habe gesagt: Drei werden nach dem Namen 
Gottes genannt, nämlich die Gerechten (Jes 48, 7), der Messias u. Jerusalem (Ez 48, 35). 
. . . Der Messias, s. Jer 23, 6: Und dies sein Name, womit man ihn nennen wird: , Jahve 
ist unsre Gerechtigkeit." || Midr KL zu 1, 16 (58^): Welches ist der Name des Königs, des 
Messias? R. Abba bar Kahana (um 310) hat gesagt: Jahve ist sein Name, s. Jer 23, 6: 
, Jahve ist unsre Gerechtigkeit." Denn R. Levi (um 300) hat gesagt: Heil der Stadt, deren 
Name wie der Name ihres Königs u. der Name ihres Königs wie der Name ihres Gottes 
ist. Heil der Stadt, deren Name wie der Name ihres Königs ist, s.- Ez 48, 35: „Und der 
Name der Stadt ist selbigen Tages: Jahve ihr Name" (so der Midrasch); u. der Name 
ihres Königs wie der Name ihres Gottes, s. Jer 23, 6 (Jahve ist unsre Gerechtigkeit). — 
Mehrfach verändert u. mit der Belegstelle Micha 5, 3 statt Jer 23, 6 in Midr Ps 2 1 § 2 (89 ''). 
— In P'siq 148* nur R. Levis Ausspruch, aber erweitert mit dem einleitenden Satz, daß 
Gott zukünftig sechs Dinge, darunter auch den Namen des Messias, erneuern werde. 

l. gemach (Sproß). pB^'rakh 2, 4 (5^, 12): R. J^ioschuac b. Levi (um 250) hat ge- 
sagt: (^lemach ist sein (des Messias) Name. — Midr KL 1, 16 (58'^') fügt als Beweisstelle 
hinzu Sach 6, 12: Siehe, ein Mann, dessen Name (gemach. Vgl. auch bei Lk 1., 78. 

m. Natrona oder N'^tirutha (der Wächter, der Wartende). In einer allegorischen 
Auslegung von Ex 12, 2 — 9 auf die 4 Weltreiche, die R. Ji^chaqs (um 300) Namen trägt 
(Tradent R. B*^rekhja, um 340), heißt es: Wer wird euch rächen an Edom (= Rom)? 
Antwort: Netirutha, s. Ex 12, 6: Es (das Lamm) soll euch zur Verwahrung sein, d.h. 
es (das 4. Weltreich) soll euch aufgespart bleiben, bis die Stunde der Erlösung kommt. 
(Weil der Messias hierauf wartet u. hierüber wacht, heißt er Netirutha P'^siq 56* oder 
Natrona P^siqR 15 [79-''].) 

n. M«nachem (Tröster), vgl. Anm. //. pB'^rakh 2, 4 (5*, 12): R. Judan (um 350) hat 
im Namen des R. Aibo (um 320) gesagt: M^'nachem wird sein (des Messias) Name sein. 
R. Chanina b. Abbahu (um 340) hat gesagt: Es liegt keine Meinungsverschiedenheit 
vor (nämlich wenn bald gemach, bald M'^nachem als Messiasname angegeben wird); 
denn der Zahlen wert (s. Einl. 107, Nr. 29) des einen Wortes ist dem des andren gleich: 
gemach = M'^'nachem = 138. — Midr KL zu 1, 16 (58^) fügt KL 1, 16 als Beweisstelle 
für den Messiasnamen M'^'nachem bei: P'ern von mir ist M'^nachem. — Derselbe Messias- 
name: Midr Esth zu 1, 1 (83*); NuR 13 (169'=). 

O. Bar-Naphlg (Sohn der Verfallenen). Sanh 96'': Rah Nachman (b. Jafaqob, 
t 320, ein Babylonier) sprach zu R. JiQchaq (um 300): Hast du vielleicht gehört, wann 
Bar-Naphle kommen wird? Dieser antwortete: Wer ist Bar-Naphle? Jener sagte: Der 
Messias. Den Messias nennst du Bar-Naplile? Ja; s. Am 9, 11: „An jenem Tage will 
ich aufrichten die Hütte Davids, die verfallene" (nopheleth, Wortspiel). — Der Messias 
soll mit diesem Namen als ein Angehöriger, ein Sproß des heruntergekommenen Israels 
bezeichnet werden, wohl nach Analogie von Jes 11, 1. Immerhin hat der Name etwas 
Auffallendes; deshalb hat die mehrfach ausgesprochene Vermutung, daß das Bar-Naphle 
aus Bar-Niphli = vifi^ vecpeXaly (Wolkensohn) umgeändert sei, manches für sich. Dann 
hätte Rab Nachman den griech. Ausdruck nach Am 9. 11 gedeutet. 



Matth 1,21 (SB 2. 6) 67 

p. N'^'liora (Licht). GnR 1 (2°): R. Abba aus S^rungin (im 4. Jahrli.?) hat gesagt 
^N^'hora wohnt bei ihm" (Gott, Dn2, 22), das ist der König, der Messias; s. Jes 60, 1 
Steh auf, werde Licht; denn dein Licht (= Messias) kommt. — Midr KL 1, 16 (59^) 
R. Biba (lies Abba) aus S'^'rungin hat gesagt: N'^hira (der Erleuchtete) wird sein (des 
Messias) Name sein; s. Dn2. 22: N'^'hira wohnt bei ihm; N'^hira steht geschrieben 
(N^hora Q'^re). 

q. cAnani (der mit den Wolken Kommende). Targ IChrS, 24: ^cAnani", das ist 
der König, der Messias, der sich offenbaren wird. || TanchB n-"-5ip § 20 (70^): Wer ist 
lAnani (1 Chr 8, 24)? Das ist der König, der Messias, s. Dn 7, 13: „Ich war im Schauen 
meiner Nachtgesichte, u. siehe, mit den Wolken des Himmels, einem Menschen ähnlich, 
kam einer." — Ebenso Tanch n-iVv- Ende (35=*); Aggad B''resch 44 fehlen die Worte. 

r. Ephraim, nur in spätem Schriften, zB in P'^'siqR 34—87 (10. Jahrh.'?), in Pirqe 
Maschiach (Beth ha-Midrasch 3, 73). Der Name, vermutlich aus Jer 31,9. 20 hergeleitet 
u. gewissermafsen als Kosename gemeint, hat nichts zu schaffen mit Messias ben Joseph 
oder ben Ephraim, s. bei Lk 24, 26 I, 4 Anm. q, u. Job 1,1 C, 6. 

S. M'^nachem ben 'Ammiel, ebenfalls nachtalmudisch, zB im Sepher Zerubbabel 
(Beth ha-Midrasch 2, 55 f.). — In PirqeR EliJezer 19 (10'^) u. Midr Ps zu \i2, 9 (ältere Aus- 
gaben): „M^nachem b. 'Ammiel b. Joseph", so daß der Schein entsteht, als sollte der 
Messias ben Joseph damit bezeichnet werden. Da jedoch Buber Midr Ps 92 § 10 (205*) 
die einfache Messiasbezeichnung ,Ben David" hat, wird „Ben Joseph" als Zusatz in 
jenen beiden Stellen zu tilgen sein. 

t. Midr Spr 19 § 21 (44=*) sagt zus. fassend: Rab Huna (vermutlich Pseudonym u. 
deshalb wertlos) hat gesagt: Mit sieben Namen wird der Messias genannt: Jinnon s. 
Ps 72, 17; (Jahve) unsre Gerechtigkeit s. Jer 23, 6; (gemach s. Sach 6, 12; M'nachem s. 
Jes 31, 3: Denn trösten will Jahve Zion ; David s. Psl8, 51; Schilo s. Gn 49, 10; Elias 
s. Mal 3,23: Siehe ich will euch senden den Elias. || Eine andre Aufzählung Midr Ma<ase 
Thora (Beth ha-Midrasch 2, 100): Acht Namen hat der Messias: Jinnon, (gemach, Ma- 
schiach, Pele', JoEeg, El-Gibbor, Abi-EAd u. Öar-Schalom. 

1, 21(^: Denn erwi r d sein Volk er retten,(Tw(r£<, von ihren Sünden. 

Im AT erscheint durchgängig Gott als der Erlöser seines Volks. 
Gerade in der Stelle, in der der Jesusname gleichsam präformiert 
liegt, Hos 1, 7, sagt Gott: „Des Hauses Juda will ich mich erbarmen, 
u. ich will ihnen Heil schaffen cirs^rini durch Jahve, ihren Gott." 
Wenn nun Mt 1,21 die Erlösung Israels an Jesum geknüpft wird, so 
werden beide Gedankenreihen so zu vereinigen sein, daß der Messias 
als das Organ Gottes bei der Heilsbeschaffung anzusehn ist, — Dieser 
Gedanke war schon der vorchristl. Synagoge nicht fremd. So wird 
bereits Ps Sal 17. 18 (aus der Zeit 63 — 48 v. Chr.) der Messias als der 
Erlöser Israels gefeiert: von Gott mit Kraft gegürtet, zerschmettert der 
.Messias Jahves (17,32; 18,7) die ungerechten Herrscher; Jerusalem 
reinigt er von Heiden u. mit dem Wort seines Mundes vernichtet er 
die gottlosen Völker (17, 22. 24); die Heidenvölker hält er unter seinem 
Joch, daß sie ihm dienen, u. den Herrn verherrlicht er vor der ganzen 
Welt. Jerusalem macht er rein u. heilig, wie es zu Anfang war, so 
daß alle Völker kommen, seine Herrlichkeit zu schauen, als Geschenk 
darbringend Israels ermattete Söhne (17, 30 f.); die Erde zerschlägt er 
mit dem Wort seines Mundes für immer, aber das Volk des Herrn 
segnet er mit Weisheit in Frieden (17.35). So aktiv hier die Erlöser- 



68 Matth 1, 21 (6) 

tätigkeit des Messias geschildert ist — im Hintergrunde steht doch 
als eigentlicher Urheber alles Heiles Gott: Der Herr selbst ist unser 
König immer u. ewig! Selig, wer in jenen Tagen leben wird u. schauen 
darf das Heil Israels in der Vereinigung der Stämme, wie es Gott 
bewirkt (17, 46. 44; 18, 6). — In den Testamenten der 12 Patriarchen 
(wohl noch aus vorchristl. Zeit) wird der Messias ausdrücklich als der 
bezeichnet, „der Israel erlösen soll" (TestLevi 2), u. Test Jud 24 fügt 
hinzu, daß er richten u. retten werde alle, die den Herrn anrufen. — 
Besonders verherrlichen die Bilderreden des Buches Henoch (gleichfalls 
aus vorchristl. Zeit) die rettende u. richtende Tätigkeit des Messias. 
Er macht die Könige von ihren Lagern u. die Starken von ihren 
Thronen sich erheben (46, 4; 48, 5. 10; 62,9); alles gottlose Wesen in 
der unteren u. oberen Welt wird vor seinen Richterstuhl gestellt (41, 9; 
45, 3; 51, 2; 62, 3 ff.; 69, 27; 55, 4; 61, 8 f.), die Gerechten aber werden 
in seinem Namen gerettet (48, 7). — Ja die Bilderreden übertragen 
sogar solche alttestamentl. Stellen, die ausdrücklich von Gottes end- 
geschichtlichem Einschreiten handeln, ohne Bedenken auf den Messias 
— man vgl. 53, 1 mit Joel 4, 2 ff. u. 52, 6 mit Micha 1, 4 — , eine Er- 
scheinung, die eben darin ihre Erklärung findet, daß man in dem 
Messias das geschöpfliche Werkzeug gesehen hat, dessen sich Gott 
einst zur Erlösung seines Volks bedienen wird. So kann auf den 
Messias gedeutet werden, was sich ursprünglich auf Gott bezog. 

In der nachchristl. Zeit herrscht die gleiche Anschauung. Einerseits 
soll der Messias die heidnischen Weltmächte vernichten u. Israel aus 
der Knechtschaft befreien (er heißt deshalb kurzweg der Erlöser, bx-is, 
auch wohl der letzte oder der große Erlöser zur Unterscheidung von 
früheren menschlichen Rettern Israels, wie Mose, Esther u. andere) ;a 
andrerseits, u. zwar in der Mehrzahl der Stellen, wird die Erlösung 
von Gott selbst erwartet, u. diese Erwartung wird einigemal so ge- 
flissentlich betont, daß der Eindruck entsteht, als sollte damit gegen 
eine andre Meinung polemisiert werden, b 

a. 4 Esra 12, 31 — 34: Der Löwe, . . . das ist der Christus, den der Höchste bewahrt 
für das Ende der Tage, der aus dem Samen Davids erstehn u. auftreten wird, um zu 
ihnen zu reden; er wird ihnen (den feindlichen Weltmächten) die Gottlosigkeiten vor- 
halten, die Ungerechtigkeiten strafen, die Frevel vor Augen führen. Denn er wird sie 
zunächst lebendig vor Gericht stellen; dann aber, nachdem er sie überwiesen, wird er 
sie vernichten. Den Rest meines Volkes aber, die in meinem Lande übriggeblieben 
sind, wird er gnädig erlösen u. ihnen Freude verleihen, bis das Ende, der Tag des 
Gerichtes, kommt. || 13, 87 f.: Er aber, mein Sohn (= Messias), wird den Völkern, die 
wider ihn gezogen sind, ihre Sünden strafen — ... dann wird er sie mühelos vernichten 
durch sein Geheiß. — || Apok Bar 39, 7: Wenn die Zeit seines (des römischen Reiches) 
Endes herbeigekommen ist, daß es zu Falle kommen wird, alsdann wird sich die Herr- 
schaft meines Messias offenbaren . . ., u. wenn sie erschienen ist, so wird sie seine 
(Roms) ganze große Schar ausrotten. || 72, 2 — 6: Wenn ... die Zeit meines Messias 
kommen wird, da wird er alle Völker berufen; u. einige wird er am Leben erhalten, 
einige töten. . . . Jedes Volk, das Israel nicht kennt u. nicht das Geschlecht Jakobs 
niedergetreten hat, dieses soll leben bleiben. . . . Alle die aber, die sich der Herrschaft 



Matthl,21(6) 69 

über euch bemächtigt oder die euch gekannt haben, alle diese sollen dem Schwert 
überliefert werden. — || Orak. Sibyl^. 5,414 — 419: Es kam vom Himmelsgewölbe ein 
seliger Mann (gemeint ist der Messias), das Zepter in den Händen tragend, welches 
Gott ihm verliehen, u. brachte alles schön in seine Gewalt u. gab zurück allen Guten 
den Reichtum, den die früheren Männer genommen hatten. Alle Städte nahm er von 
Grund aus ein mit vielem Feuer u. verbrannte die Volksgemeinden der vorher Böses 
beginnenden Sterblichen. || Targ Jes 10,27: In dieser Zeit wird hinschwinden seine 
(Assurs = der Weltmacht) Herrschaft von dir u. sein Joch von deinem Halse, u. es 
werden die Völker vor dem Messias zerschmettert werden. ||42, 6f. : Ich mache dich 
(= Messias) zum Bund des Volkes, zum Licht der Völker, zu öffnen die Augen des 
Hauses Israel, die wie Blinde sind gegenüber der Lehre, herauszuführen ihre Verbannten 
aus den Völkern, die den Gefangenen gleichen, u. um sie zu erlösen aus der Knecht- 
schaft der Reiche, die eingekerkert sind wie die in der Finsternis Gefangenen. || 52, 13 ff.: 
Siehe es wird gelingen meinem Knecht, dem Messias; er wird erhaben sein u. groß u. 
mächtig werden gar sehr. Wie das Haus Israel auf ihn gehofft hat viele Tage hin- 
durch, da ihr Aussehen u. ihr Glanz dürftig war vor den Menschenkindern: so wird 
er viele Völker zerstreuen; seinetwegen werden Könige verstummen, ihre Hände auf 
ihren Mund legen; denn was ihnen nicht erzählt worden, sehen sie, u. was sie nicht 
gehört haben, schauen sie. — Er wird ein Ende machen der Herrlichkeit aller Reiche, 
sie werden schwach sein u. trauern. — Die Mächtigsten der Völker wird er wie ein 
Lamm zur Schlachtung hingeben u. wie ein Schaf, das vor seinem Scherer verstummt, 
u. niemand ist ihm gegenüber da, der seinen Mund öffnete, ein Wort zu sagen. — Aus 
der Knechtschaft der Völker wird er ihr Leben erlösen, sie werden die Strafe ihrer 
Hasser sehen, sich sättigen an der Beute ihrer Könige. |I TanchB r.^^^^r § 6 (46'^): (Dn 
2,34): „Du warst im Schauen, bis daß ein Stein losgerissen wurde." Resch Laqisch 
(um 250) hat gesagt: Das ist der König, der Messias. „Der traf das Bild an seine 
Füße", das geht auf alle Reiche, die sich am Bilde befanden. . . . Denn er wird die 
ganze Welt vernichten, s. Jes 11, 4: Er schlägt die Erde mit dem Stab seines Mundes. 
Dasselbe Tanchn»3i-r (101^). || TanchB ---i § 12 (110-'): Aus dir (Juda) wird der Messias 
hervorgehn, der Israel erretten wird yv^v, s. Jes 11,1: „Ein Reis wird aufgehn aus dem 
Strunk Isais" usw. (TanchB 2-i>v § 13 (92^), s. oben S. 16«. Ii Midr Ps 29 §2 (116^): Wenn 
der Messias gekommen u. an den Gottlosen der Weltvölker Rache genommen haben 
wird, wird sofort das Heiligtum erbaut werden. — |] Achtzehn-Gebet 1 (bab. Rezens.): 
Gelobt seist du Jahve, unser Gott . . ., der gute Gnaden spendet u. alles schafft, der 
gedenkt der Gnaden der Väter u. sich erbarmt über ihre Kinder u. ihren Kindeskindern 
einen Erlöser bringt um seines Namens willen aus Liebe. — || GnR 70 (45 '^) : R. Jochanan 
(t 279) hat gesagt: Es steht geschrieben Hos 12, 13: „Geflohen ist Jakob nach der Trift 
Arams u. gedient hat Israel um ein Weib." Gott sprach zu ihnen: Euer Schicksal 
gleicht dem des Jakob, eures Vaters; wie euer Vater J. geknechtet wurde, bevor er ein 
Weib nahm, u. geknechtet wurde, nachdem er ein Weib genommen hatte, so werdet 
auch ihr geknechtet sein, bevor der Erlöser geboren ist, u. geknechtet sein, nachdem 
der Erlöser geboren ist. || P^siq49'': R. B'^rekhja (um 340) hat im Namen des R. Levi 
(um 300) gesagt: Wie der erste Erlöser (Mose), so der letzte Erlöser (Messias). Wie 
der erste Erlöser sich ihnen (Israel) offenbarte u. dann wieder sich vor ihnen verbarg, 
so wird auch der letzte Erlöser ihnen sich offenbaren u. dann wieder vor ihnen ver- 
bergen. Dasselbe Midr Ruth 2, 14 (132 b); P^siqR 15 (72 b); NuR 11 (162 b); anonym Midr 
HL 2, 9 (100*). — 11 Midr Qoh 1, 9 (9^) : R. B'^rekhja (um 340) hat im Namen des R. Ji9chaq 
(um 300) gesagt: Wie der erste Erlöser, so der letzte Erlöser. Wie es vom ersten Er- 
löser heißt Ex 4, 20: „Mose nahm sein Weib u. seine Söhne, ließ sie auf einem Esel 
reiten", so auch der letzte Erlöser, s. Sach 9,9: „Niedrig u. reitend auf einem Esel" 
Wie der erste Erlöser das Manna herabfallen ließ, s. Ex 16, 4: „Siehe, ich will auf 
euch Brot vom Himmel regnen lassen", so wird auch der letzte Erlöser das Manna 
herabfallen lassen, s. Ps 72, 16: „Weizenbrot wird auf der Erde liegen" (so der Midrasch). 
Wie der erste Erlöser den Brunnen aufsteigen ließ, so wird auch der letzte Erlöser 



70 Matth 1,21 (6.2 A) 

das Wasser aufsteigen lassen, s. Nu 20, 11 u. Joel 4, 18. — Der Anfang mit R. Levi (um 
300) als Autor auch Midr Sm 14 § 9 (45^). |I NuR 14 (172'>): ,Mein ist Gilead, mein 
Manasse" Ps 60, 9. Während es viele Meinungsverschiedenheiten über die Messiasse 
gibt — die einen sagen, es gebe sieben, s. Micha 5, 4: „Wir werden wider ihn (Assur 
— Weltmacht) sieben Hirten aufbringen"; u. die andren sagen, es gebe acht, s. Micha 
5, 4: „Ja acht Menschenfürsten " — , so sind doch nur vier klar u. deutlich angegeben, 
s. Sach2, 3f.: „Jahve ließ mich vier Schmiede sehen. Da sprach ich: Was kommen 
diese zu tun? Er sprach: Das sind die Hörner, welche Juda verstreut haben . . ., so 
sind nun diese gekommen, um jene zu schrecken, um die Hörner der Heiden nieder- 
zuwerfen." Und das sind die vier Schmiede, wie sie David erklärt hat: „Mein ist 
Gilead", das ist Elias, der zu den Bewohnern Gileads gehörte; „mein ist Manasse", 
das ist der Messias, der von den Söhnen Manasses erstehn wird, s. Ps 80, 3: Vor Ephraim 
u. Benjamin u. Manasse her erwecke deine Heldenkraft; „Ephraim der Schutz meines 
Hauptes", das ist der Kriegsgesalbte (= sonst Messias b. Joseph oder b. Ephraim), der 
von Ephraim kommen wird, s. Dt 33, 17: „Sein erstgeborner Stier (= Ephraim u. dessen 
Nachkommen). . . . Damit stößt er Völker nieder"; „Juda mein Herrscherstab", das ist 
der große Erlöser, der aus den Nachkommen Davids erstehn soll. (Außer dem Stamm 
Juda wird den drei Ps 80, 3 genannten Stämmen je ein messianischer Retter zugewiesen: 
Benjamin gehört Elias an, Ephraim der Messias b. Joseph, Manasse der Messias b. Ma- 
nasse, der in der Parallelstelle Sukka 52'' „Kohen-^edeq", u. P'^'siq ö 1 '"* ; Midr HL zu 
2, 13 (100'') u. P^siqR 15 (75^) „Malki-^edeq" genannt wird. Mit ihm ist der Hohe- 
priester der'Messiaszeit gemeint, der kein andrer sein dürfte als Pin'^'chas, der Eiferer; 
von diesem wird BB 109'' gesagt, daß er mütterlicherseits von Joseph abstamme; 
daher kann er an unsrer Stelle auch als ein Nachkomme Manasses bezeichnet werden. 
Das Nähere s. im Exkurs: „Elias". 

b. Midr Ps 36 § 6 (125''): R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Israel wurde in Ägypten 
geknechtet, u. Mose stand auf u. erlöste sie; dann wurden sie in Babel geknechtet, 
u. Daniel. Chananja, Mischael u. cAzarja standen auf u. erlösten sie; dann wurden sie 
geknechtet in cElam, Medien u. Persien, u. Mardokhai u. Esther standen auf u. erlösten 
sie; dann wurden sie von Griechenland geknechtet, u. der Hasmonäer (= Matthathias) 
u. seine Söhne standen auf u. erlösten sie; wieder wurden sie geknechtet von dem 
frevlerischen Edom (-- Rom). Da sprachen die Israeliten: Siehe, wir sind des müde, 
daß wir geknechtet u. erlöst u. immer wieder geknechtet werden; jetzt wünschen wir 
keine Erlösung mehr durch Fleisch u. Blut, sondern unser Erlöser ist Jahve Q'^baoth, 
dessen Name der Heilige Israels! || Midr Ps 107 § 1 (231^): R. B<^rekhja (um 340) hat 
im Namen des R. Chelbo (um 300) im Namen des R. Sch*^muel (b. Nachman, um 260) 
gesagt: Wer ist gemeint Psl07, 2: „Sagen werden die Erlösten Jahves"? Antwort: 
Die Israeliten. Ebenso hat es Jesaja erklärt 35, 10: „Die Losgekauften Jahves werden 
zurückkehren." Nicht die von Elias Losgekauften, auch nicht die vom König, dem 
Messias, Losgekauften, sondern die von Jahve Losgekauften, s. Ps 107,2: „Die Erlösten 
Jahves." Anonyme Aussprüche verwandten Inhalts finden sich oft; zB P^'siq 110''; 
TanchB --r- §17 (40''); -rs § 18 (36«); Midr Ps 31 § 2 (119-''); 50 §3 (140''). 

1,21^: Von ihren Sünden. 
A. Die vor.christl. Pseudepigraphen lassen mit dem Auftreten des 
Messias die Zeit der seligen Endvollendung beginnen, a Da man an- 
nahm, daß die Höhenlage der letzteren derjenigen des paradiesischen 
Urstandes entsprechen werde, b so galt die Sündenreinheit der messian. 
Heilsgemeinde als ein selbstverständliches Postulat. Der sündenfreie 
Zustand wird nach mehrfachen Zeugnissen herbeigeführt werden: 
a. negativ: durch das Gericht über die Gottlosen, c das die Sünder aus 
Israel wesschafft u. nur die Gerechten als den auserwählten Rest in der 



Matth 1, 21 (2) A) 71 

Gemeinde übrigläßt; ferner durch die Vernichtung der dämonischen 
Verführungsmächte ;d ß- positiv: durch eine neue Geistesmitteilung, e 
die die Heilsgenossen zu gerechtem Wandel tüchtig macht, u. durch 
das gerechte, das Volk vor Sünde bewahrende messian. Regiment, g — 
Der Messias hat an der Herstellung dieses Zukunftsideales nur insofern 
teil, als er jene Funktionen des Richtens* u. Leitensg ausübt. Keines- 
wegs aber wird die Erlösung von der Sünde notwendig oder organisch 
mit seinem Beruf verknüpft: das erhellt namentlich daraus, daß die 
Entfernung des gottwidrigen Wesens aus Israel nach einigen Stellen 
durch den Engel Michael h oder, zum Teil wenigstens, durch den 
Hohenpriester« der Endzeit erfolgt. Die Tilgung der Sünde wird überall 
als die Folge einer Machtwirkung gedacht; eine Überwindung der- 
selben durch das sühnende Eingehn des Messias unter ihre Folgen 
kennt das vorchristl. Judentum nicht. 

a. Belege s. im Exkurs: , Diese Welt, die Tage des Messias u. die zukünftige Welt." 

b. Henoch25,4: Diesen wohlriechenden Baum (Lebensbaum des Paradieses) hat 
kein Fleisch die Macht anzurühren, bi^ zu dem großen Gericht (in der messian. End- 
zeit), in welchem Gott an allen Rache nimmt, u. die Vollendung für immer stattfindet; 
dann wird er den Gerechten u. Demütigen übergeben werden. Seine Frucht wird den 
Auserwählten zum Leben dienen, u. er wird zur Speise an den heiligen Ort bei dem 
Hause Gottes (Tempel Jerusalems), des Königs der Ewigkeit, verpflanzt werden, li Test 
Levi 18: Er selbst (der Hohepriester der messian. Zeit) wird die Türen des Paradieses 
öffnen, u. er wird wegstellen das gegen Adam drohende Schwert u. wird den Heiligen 
zu essen geben von dem Holz ( = Baum) des Lebens, u. der Geist der Heiligkeit wird 
auf ihnen sein. Weiteres s. bei Mt 11, 5. 

C. Henoch 91, 7 f.: Der heilige Herr wird mit Zorn u. Strafe hervortreten, um Ge- 
richt auf Erden zu halten. In jenen Tagen wird die Gewalttätigkeit von ihren Wurzeln 
abgeschnitten werden, ebenso die Wurzeln der Ungerechtigkeit zugleich mit dem Be- 
trug, u. sie werden unterhalb des Himmels vernichtet werden. |l 91, 14: Danach wird 
in der neunten Woche (— Messiaszeit) das Gericht der Gerechtigkeit der ganzen Welt 
offenbart werden, u. alle Werke der Gottlosen werden von der ganzen Erde verschwinden ; 
die Welt wird für den Untergang aufgeschrieben werden, u. alle Menschen werden 
nach dem Wege der Rechtschaffenheit schauen. || 92,5: Die Sünde wird in Finsternis 
für ewig vernichtet werden u. nun nicht mehr von jenem Tag an bis in Ewigkeit er- 
scheinen. ll 100, 4 f.: Der Höchste wird sich an jenem Tage des Gerichts aufmachen, 
um das große Gericht unter den Sündern zu halten . . ., bis er aller Schlechtigkeit u. 
aller Sünde ein Ende gemacht hat. \\ 108, 2 f.: Ihr, die ihr Gutes getan habt, wartet 
auf diese Tage, bis denen, die Böses tun, ein Ende gemacht ist, u. die Macht der 
Frevler ein Ende hat. Wartet nur, bis die Sünde vergangen ist; denn ihre Namen 
werden aus den Büchern der Heiligen ausgelöscht u. ihre Nachkommen für immer 
'vertilgt werden. — |1 Jubil 50, 5: Die Jubiläen werden vergehn, bis Israel rein ist von 
aller Sünde der Hurerei u. der Unreinigkeit u. der Befleckung u. der Schuld u. der 
Verirrung u. im ganzen Lande wohnt, sicher u. ohne daß es irgendeinen Widersacher 
u. ohne daß es irgendeinen Bösen hat. Und das Land wird rein sein von da an bis 
in alle Zeiten. 

d. Jubil 23,29: Alle ihre Tage (in der messian. Zeit) werden sie in Frieden u. in 
Freude vollenden u. leben, indem es keinen Satan u. keinen Bösen gibt, der sie ver- 
dirbt, sondern alle ihre Tage werden Tage des Segens u. des Heils sein. — || Test Dan 5: 
Es wird euch aufgehn aus dem Stamm Judas u. Levis das Heil des Herrn; u. er selbst 
wird gegen den Beliar Krieg führen u. die Rache des Siegs wird er unsren Grenzen 



72 Matthl,21 (2) A) 

geben. — || Test Jud 25: Es wird kein Geist des Irrtums des Beliar mehr sein; denn 
er wird in das Feuer geworfen werden bis in Ewigkeit. (Der Armenier liest: Es be- 
finde sich in euch nicht der Geist des Irrtums; denn die unreinen Geister werden in 
das ewige Gericht geworfen werden.) Ferner s. Test Levi 18 gegen Ende. 

e. Test Jud 24: Er selbst (Gott) wird ausgießen den Geist der Gnade über euch 
(^nämlich wenn der Stern aus Jakob [= Messias] aufgeht), u. ihr werdet seine Söhne 
in Wahrheit sein u. werdet wandeln in seinen Geboten, den ersten u. letzten. (Der 
Armenier: „Geist der Wahrheit" statt , Geist der Gnade".) — |1 Jubill,2;3: Danach 
werden sie (Israel) in aller Aufrichtigkeit, mit ganzem Herzen u. mit ganzer Seele zu 
mir umkehren, u. ich werde die Vorhaut ihres Herzens u. die Vorhaut des Herzens 
ihrer Nachkommen beschneiden u. werde ihnen einen heiligen Geist schaffen u. sie rein 
machen, so daß sie sich nicht mehr von mir wenden von diesem Tag an bis in Ewig- 
keit. — Ferner s. Henoch 5, 8 f. bei Mt 11, 5. 

/. Henoch 62,2: Der Geist der Gerechtigkeit war über ihn (den Messias) aus- 
gegossen; die Rede seines Mundes tötete alle Sünder, u. alle Ungerechten wurden vor 
seinem Angesicht vernichtet. || 69, 27 ff. : Die Summe des Gerichts wurde ihm, dem 
Menschensohn (= Messias), übergeben, u. er läßt die Sünder u. die, welche die Welt 
verführt haben (gefallene Engel, Dämonen), von der Oberfläche der Erde verschwinden 
u. vertilgt werden; . . . alle ihre Werke verschwinden von der Erdoberfläche. Von jetzt 
an wird nichts Verderbliches mehr da sein. Denn jener Mannessohn ist erschienen u. 
hat sich auf den Thron seiner Herrlichkeit gesetzt, u. alles Böse wird vor seinem An- 
gesicht verschwinden u. vergehn. i| 55,4: Ihr Könige u. Mächtigen, die ihr auf dem Fest- 
lande wohnen werdet, ihr sollt meinen Auserwählten sehn, wenn er auf dem Throne 
meiner Herrlichkeit sitzen u. den Asasel (einen der Führer der gefallenen Engel, Henoch 
6 ff.), seine ganze Genossenschaft u. alle seine Scharen im Namen des Herrn der Geister 
richten wird. — || Ps Sal 17, 22ff. : Gürte ihn (den Messias) mit Kraft, daß er ungerechte 
Herrscher zerschmettere, Jerusalem reinige von den Heiden, die es kläglich zertreten ! 
Weise u. gerecht treibe er die Sünder weg vom Erbe, zerschlage des Sünders Übermut 
wie Töpfergefäße. 

g. Ps Sal 17, 26 ff.: Dann wird er (der Messias) ein heiliges Volk zusammenbringen, 
das er mit Gerechtigkeit regiert, u. wird richten die Stämme des vom Herrn, seinem 
Gotte, geheiligten Volks. Er läßt nicht zu, daß ferner Unrecht in ihrer Mitte weile, 
u. niemand darf bei ihnen wohnen, der um Böses weiß. Vers 29: Er richtet die Völker 
u. Stämme nach seiner gerechten Weisheit. Vers 32: Er herrscht als gerechter König, 
von Gott unterwiesen, über sie, u. in seinen Tagen geschieht kein Unrecht unter ihnen, 
weil sie alle heilig sind. u. ihr König der Gesalbte des Herrn ist. Vers 35 f.: Er segnet 
das Volk des Herrn mit Weisheit in Freuden. Und er ist rein von Sünde, daß er herrschen 
kann über ein großes Volk, in Zucht halten die Obersten u. wegschaffen die Sünder 
mit mächtigem Wort. Vers 40 f.: Mächtig von Tat u. stark in der Furcht Gottes hütet 
er des Herrn Herde treu u. recht u. läßt nicht zu, daß eines von ihnen auf ihrer Weide 
strauchle. Gerade leitet er sie alle, u. unter ihnen ist kein Übermut, daß Gewalttat 
unter ihnen verübt würde. || 18, 6 ff. : Selig, wer in jenen Tagen (in der messian. Zeit) 
leben wird u. schauen darf das Heil des Herrn, das er dem kommenden Geschlechte 
schafft unter der Zuchtrute des Gesalbten des Herrn in der Furcht seines Gottes, in . 
geistgewirkter Weisheit, Gerechtigkeit u. Stärke, daß er leite einen jeglichen in Werken 
der Gerechtigkeit durch Gottesfurcht, sie allesamt darstelle vor dem Antlitze des Herrn: 
ein gut Geschlecht voll Gottesfurcht in den Tagen der Gnade. 

h. Henoch 10, 11. 20 — 22: Zu Michael sprach der Herr: . . . Und du reinige die 
Erde von aller Gewalttat, Ungerechtigkeit, Sünde, Gottlosigkeit u. Unreinigkeit, die 
auf der Erde verübt wird; vertilge sie von der Erde. Alle Menschenkinder sollen gerecht 
sein, alle Völker sollen mich verehren. . . . Die Erde wird rein sein von aller Verderbnis, 
Sünde, Plage u. Qual. — || Test Dan 6: Fürchtet den Herrn, meine Kinder, u. hütet euch 
vor dem Satan u. seinen Geistern. Nahet euch Gott u. dem Engel, der für euch bittet 
(= Michael); denn dieser ist der Mittler zwischen Gott u. den Menschen zum Frieden 



Matthl,21 (2)A. B) 73 

Israels. Gegen das Reich des Feindes wird er sich stellen; deshalb bemüht sich der 
Feind, alle, die den Herrn anrufen, zu Falle zu bringen. Denn er weiß, daß an dem 
Tag, an welchem Israel glaubt, das Reich des Feindes ein Ende haben wird. 

i. TestLevi 18: Zur Zeit seines (des Hohenpriesters der messian. Zeit) Priestertums 
wird jede Sünde vergehn, u. die Gottlosen werden aufhören Böses zu tun. Und er 
selbst wird die Türen des Paradieses öffnen u. wird wegstellen das gegen Adam drohende 
Schwert u. wird den Heiligen zu essen geben von dem Holze (= Baum) des Lebens, 
u. der Geist der Heiligkeit wird auf ihnen sein. Und Beliar wird von ihm gebunden 
werden, u. er wird seinen Kindern Gewalt geben, auf die bösen Geister zu treten. 

B. In der nachchristl. jüdischen Literatur werden die Tage des. 
Messias (n"ia:-an 's^^•o'^) meist von der zukünftigen Welt (5<::n obir) unter- 
schieden: jene sollen den Anfang, diese die Vollendung des Heilsstandes 
bringen. Damit war eine verschiedenartige Einschätzung des Charakters 
der messian. Zeit von selbst gegeben: Idealisierung der Tage des 
Messias, so daß sie dem fOlam ha-ba fast gleichkamen, oder Herab- 
drückung, so daß ihr Niveau sich nicht wesentlich über das der gegen- 
wärtigen Weltzeit erhob. Je nachdem nun das Gesamturteil über die 
Messiastage ausfiel, mußte die Frage nach der Sündenreinheit der 
messian. Gemeinde bald bejaht, bald verneint werden. Doch sind die 
diesbezüglichen ausdrücklichen Zeugnisse äußerst gering an Zahl. 

Die Sündenfreiheit wird ausgesprochen 4Esra6, 26ff. : Dann (zu 
Beginn der messian. Periode) wird das Herz der Erdenbewohner ver- 
ändert u. zu neuem Geiste verwandelt (s. Ez36, 26f.). Dann ist das 
Böse vertilgt u. der Trug vernichtet: der Glaube in Blüte, das Ver- 
derbnis überwunden, u. die Wahrheit wird offenbar, die so lange Zeit 
ohne Frucht geblieben ist. i| Apok Bar 73, 4 f. : Prozesse u. Anklagen,. 
Streitigkeiten, Rachetaten, Blutschuld, Begierden, Neid, Haß u. alles 
dem Ähnliche wird (nach Aufrichtung des messian. Regiments) der 
Verdammung anheimfallen, indem es ausgerottet werden soll; denn 
diese sind es, die diese Welt mit den Übeln erfüllten, u. um ihretwillen 
geriet das Leben der Menschen in arge Verwirrung. || Midr Qoh (53'*) 
zu 12, 1: „Die bösen Tage . . ., von denen du sagst: Sie gefallen mir 
nicht." R. Chijja b. N'^chemja (im 4. Jahrh.) hat gesagt: Das sind die 
Tage des Messias, in denen es weder ein Verdienst noch eine Schuld 
gibt. (In den Tagen des Messias wird nach Beseitigung des bösen 
Triebes, des Je^er ha-ra'<, jedes sündliche Begehren ausgerottet sein; 
deshalb fällt jede Gesetzesübertretung [Schuld] fort, aber auch jedes 
durch Bekämpfung dieses Triebes zu erwerbende Verdienst.) — Der- 
selbe Ausspruch anonym Schab 151*>; LvR 18 (117<^). Ü Midr Ps 96 § 2 
(211 a): „Der Erdkreis . . . wanket nicht" Ps 96, 10, denn es finden sich 
(in der messian. Zeit) keine Gottlosen in der Welt. 

Die Sündhaftigkeit des messian. Zeitalters wird vorausgesetzt Siphre 
Dt 32, 15 § 318 (136^): Ebenso findest du es in den Tagen des Messias, 
daß sie (Israeliten) sich nur empören werden infolge des Überflusses 
an Speise u. Trank u. Wohlleben, vgl. Dt 32, 15: Da ward Jeschurun 



74 Matth 1, 21 (35 B). 1, 22 («. 58) 

fett u. schlug aus. || B^akh 34'^: Schemuel (f 254) hat gesagt: Den 
einzigen Unterschied zwischen dieser Welt u. den Tagen des Messias 
bildet die (in den letzteren beseitigte) Knechtschaft unter den Welt- 
reichen. — Parallel: Schab 63 ^ 151'^; F's 68=^; Sanh91'\ 99=». || Über die 
Heidenvölker heifst es Midr Ps 2 § 3 (13=^) u. 21 § 3 (90"): Wenn man in 
der Zukunft dem König, dem Messias, sagen wird: Die u. die Stadt 
hat sich gegen dich empört, so wird er sagen: Es komme die Heu- 
schrecke u. verheere sie, s. Jes 11,4: „Er schlägt die Erde mit dem 
Stab seines Mundes"; wenn man ihm sagen wird: Die u. die Provinz 
hat sich gegen dich empört, so wird er sagen: Es komme der Todes- 
engel u. verheere u. verderbe sie, s. Jes 11, 4: „Und durch den Geist 
seiner Lippen tötet er den Gottlosen." 

Im allgemeinen wird man sagen können, daß diejenigen jüdischen 
Gelehrten, die die Ausrottung des bösen Triebes, die Vernichtung des 
Todes, das Aufhören der Opfer u. die Wiederkehr des paradiesischen 
Urzustandes in der messian. Zeit erwarteten, auch die Sündlosigkeit 
der messian. Gemeinde werden angenommen haben. Vgl. den Exkurs: 
„Diese Welt, die Tage des Messias u. die zukünftige Welt. " — Über die 
die Sünde seines Volkes sühnenden Leiden des Messias s. bei Lk24, 26. 

1,22 31: Auf daß erfüllt werde, was gesagt ist. 
Dem entspricht die Formel -2i<:c-n^ t:''?li?^. B'^rakh 57'': Wenn Mar 
b. Rabina (gegen 400) nach (der Stätte von) Babel kam, nahm er Erd- 
staub (davon) in sein Tuch u. warf ihn (dann) draußen fort, um zu 
erfüllen, was gesagt ist Jes 14,23: „Ich kehre es hinweg mit dem 
Kehrbesen der Vertilgung." || B'^rakh b9^: Abaje (f 338/39) hat gesagt: 
Wir haben gelernt, daß ein Sturm nicht zwei Stunden lang anhält, 
damit erfüllt werde, was gesagt ist Nah 1,9: „Nicht wird sich zwei 
Stunden hindurch (so der Midrasch) erheben die Not." !| Siphre Dt 33, 24 
§355 (148 "): Als er (ein Ölbauer in Gusch Chalab vom Felde) in sein 
Haus kam, rief er seine Magd u. sprach zu ihr«: Komm u. wasche unsre 
Füße. Sie füllte Öl in eine Schüssel u. wusch ihnen die Füße, um zu er- 
füllen, was gesagt ist Dt 33, 24: „Er taucht in Öl seinen Fuß." — Wei- 
tere Beispiele Siphre Dt 33, 24 §355 (148'-^); GnR 20 (13^); NuR 10 (158«^). 

50 Das, was vom Herrn durch den Propheten gesagt ist. 
Im Rabbinischen: 'e ■'Ii hv v^^pn mnn n^wXjc iriT, „das ist es, was 
vom heiligen Geist durch NN gesagt ist", zB P'^siqR 33 (150^): R. Tan- 
chuma, der Rabbinensohn (um 380), eröffnete seinen Vortrag also: Das 
ist es, was vom heiligen Geist durch David, den König Israels, gesagt 
worden ist: „Du liebst Gerechtigkeit" Ps45, 8. || Das. 34 (158"): Das 
ist es, was vom heiligen Geist durch Jesaja gesagt worden ist: „Be- 
kannt unter den Nationen wird ihr Same sein" Jes 61, 9, — , Weitere 
Beispiele das. 35 (160-); 36 (161=^); 37 (162'^; 10 (34^). — Aktivisch: 
in^ hs üTipn mn nn^xu; xin ht, „das ist es, was der heilige Geist durch 



Matth 1, 22 (S). 1,23.25 75 

NN gesagt hat", zB P^siqR 6 (23=*): Das ist es, was der heilige Geist 
durch Salomo gesagt hat: , Schauest du einen Mann" Spr22,29. Andre 
Beispiele P^siqR 11 (42='); 20(94'^); 33 (149'0; NuR 10 (157 d); im NT vgl. 
Apg 1, 16. II Auch die Formel findet sich: „Das ist es, was die Schrift 
im heiligen Geist durch NN gesagt hat, zB P'^siqR 7 {26^). 

1,23: Immanuel, das ist verdolmetscht: Gott mit uns, 

Jes 7, 14 wird auf Hrskia bezogen ExR 18 (SO'^): Die Israeliten u. Hiskia saßen u. 
sprachen das Hallel, denn es war die Passahnacht; u. sie fürchteten sich, indem sie 
meinten, Jerusalem würde jetzt von ihm (Sanherib) überwältigt werden. Als sie sich 
aber früh morgens aufmachten, um das Sch'^ma?, Dt 6, 4, zu sprechen u. zu beten, 
fanden sie ihre Feinde tot als Leichen. Deshalb hatte Gott zu Jesaja gesagt Jes 8, 3: 
Nenne seinen Namen: , Eilebeute, Baldraub", d. i. er wird eilends ihre Beute rauben; 
u. den andren nenne mit Namen Ummanuel Jes 7, 14, d. h. „ich werde mit ihm sein", 
s. 2Chr82, 8: „Mit ihm (Sanherib) ist Fleischesarm, aber mit uns ist Jahve, unser 
Gott." il NuR 14 (173='): Abraham war einer von den Menschen, die von sich selbst aus 
Gott erkannt haben. Hiob hat Gott von sich selbst aus erkannt. Woher? So sagt er 
Hi 23, 12: „Aus meinem Busen heraus habe ich die Worte seines Mundes beobachtet." 
(Der Midrasch scheint ■p~'2 = '"""?. zu deuten.) Auch Hiskia. der KiJnig von Juda, hat 
von sich selbst aus Gott erkannt. WoherV So steht von ihm geschrieben Jes 7, 1-5: 
„Dickmilch u. Honig wird er essen, indem er weiß das Böse zu verwerfen u. das Gute 
zu erwählen." Ferner hat der König, der Messias, von sich selbst aus Gott erkannt 
(Belegstelle fehlt) u. ebenso Abraham. 

1, 25: Und er erkannte sie nicht, bis . . . 

Yivüiaxstv in geschlechtlichem Sinn wie hebr, i^zn, r^^ (schon Gn 4, 1) 
u. das aram. crn. — pj'^b 4, 6^, 32: (Wenn jemand beim Tode seiner 
Frau kleine Kinder hat, so darf er sich sofort wieder verheiraten.) 
Als die Gattin des R. Tarphon (um 110) gestorben war, sagte dieser, 
als er noch an der Begräbnisstätte weilte, zu deren Schwester: Tritt 
ein (nämlich unter den Traubaldachin, eine Verlöbnisformel = sei mein 
Weib) u. erziehe deiner Schwester Kinder! Obwohl er sie geheiratet 
hatte, erkannte er sie m-zirn nicht, bis die dreißig Tage (der kleinen 
Trauer) vergangen waren. — Auch von der Frau wird n-^on gesagt. 
Midr HL zu 7, 14 (130=*): „Die Liebesäpfel geben Duft", damit sind die 
Jünglinge Israels gemeint, die die Sünde (der Unkeuschheit) nicht ge- 
schmeckt haben; „u. an unsren Türen sind allerlei köstliche Früchte* 
(das.), damit sind die Töchter Israels gemeint, die an ihren Männern 
hangen u. keinen andren erkennen ri-.^s-?. — In der Parallelstelle ^Erub 
21*', wo Raba (f 352) als x^utor genannt wird, ist der Ausdruck ver- 
mieden. II J«b 57=': (Der Priester läßt seine Verlobte Hebe) essen, ob- 
wohl er sie noch nicht erkannt hat rrjj-. nh^. \\ pMSch 4, 55\ 50: Ein 
Mensch kam zu R. Jischma^el b. Jose (um 180) u. sprach zu ihm: Ich 
habe in meinem Traum gesehen, wie ich einen Olivenbaum mit Öl 
tränkte (begoß). Er sprach zu ihm: Möge dieses Mannes (d.h. dein) 
Lebensodem hinschwinden! seine Mutter hat er erkannt crn. Ein andrer 
Mensch kam zu ihm u. sprach: Ich habe in meinem Traum gesehen, 



76 Matth 2, 1 (51-6). 2 (21 1) 

wie meine Augen einander küßten. Er sprach zu ihm: Möge der Geist 
dieses Mannes hinschwinden! seine Schwester hat er erkannt c=r. 

2, 1 3(: Bethlehem in Judäa. 

Das judäische Bethlehem wird, abgesehen von den Zitaten aus dem AT, in der 
rabbin. Literatur nur sehr selten erwähnt; s. bei 2, 5. 

2, 123: Weise. 

/udyo?. Die alttestamentl. Form i*: Jer 39, 3. 13' ist vom Targ Jonath beibehalten; 
die rabbin. Literatur hat das Wort fxäyog in den Formen '^iJ»?, s«j«'^, sffi:i5»?s u. -Bi^rss 
übernommen. Die Wortbedeutung hat sich im rabbin. Sprachgebrauch dahin fixiert, daß 
unter •ai;'3 ein Zauberer verstanden wird, während man für die in dem griech. fiäyog 
mitenthaltene Bedeutung , Astrologe" das Lehnwort c-;i';-— 40 s oder c-;iV:T^^s aufnahm. 
Targ Jerusch I Ex 7, 15: Geh zu Pharao in der Morgenfrühe, der wird zur Beobachtung 
der Wahrsagezeichen an das Wasser hinausgehn, als wäre er ein Mager. — Ebenso 8, 16. ; 
Schab 75*: Rab (ein Babylonier, t 247) hat gesagt: Wer ein einziges Wort von einem 
Mager lernt, der ist des Todes schuldig. Betreffs eines Magers hat Sch^muel (ein Baby- 
lonier, t 254) gesagt: Er sei ein Zauberer; Rab: Er sei ein Gotteslästerer. || Sanh39'*: 
Ein Mager sagte zu Amemar (um 400): Deine obere (Körper-)Hälfte gehört dem Ormuzd, 
deine untere Hälfte dem Ahriman. Er antwortete: Wenn dem so wäre, wie würde 
Ahriman dem Ormuzd gestatten, das Wasser (die Exkremente) durch seinen unteren 
Teil abzuführen! 1| Midr HL 7,9 (129"^): Dn3,27: s^ie^r-iris ... R.Acha (um 320) sagte: 
Das sind die Archonten, die verdächtig sind, das Recht nach jeder Seite hin zu drehen 
u. zu wenden (Notarikondeutung = z'^.t -■•:;:-.:, s. Einl. 107, Nr. 30); die Rabbanan sagten: 
Sie ehrten Personen u. verdrehten das Recht (Notarikondeutung = =-:e i'-i-ns); n^sjc, 
das sind die Lehrer; sp;-3, das sind die Schatzmeister, u. ifshy. ■''::^v^> ^^^ sind die 
Ältesten u. Astrologen. — Mehrfach wird auch '^s-V:, Chaldäer, in der Bedeutung 
, Mager" (= Zauberer, Wahrsager, Sterndeuter) gebraucht, zB B®rakh64='; Schab 119^ 
156^; Sanh 95«. 

2, 1 (i: Vom Morgenlande, ciiid uvatoliöv. 
Gittiu 1,2: R. J^huda (b. Ehai, um 150) hat gesagt: (Die Gegend) von Reqem ost- 
wärts u. Reqem selbst gelten als Osten -■;j"3, von Asqalon südwärts u. Asqalon selbst 
als Süden, von EAkko nordwärts u. (Akko selbst als Norden. 

2,2 31: Seinen Stern. 

1. Der Stern aus Jakob Nu 24, 17. 

pTa'an 4, 5 (68^^, 44): R. Schim.on b. Jochai (um 150) hat gelehrt: Mein Lehrer EAqiba 
(t um 135) hat vorgetragen: Hervorgetreten ist ein Stern aus Jakob (Nu 24, 17); hervor- 
getreten ist Kozeba aus Jakob. Als R. cAqiba den Bar Kozeba erblickt hatte, rief er 
aus: Das ist der König, der Messias. — Ohne Bezugnahme auf Nu 24, 17 Midr KL zu 
2, 2(62^'); doch geht vorauf : R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Rabbi hat vorgetragen: 
Hervorgetreten ist ein Stern aus Jakob (Nu 24, 17), lies nicht ein , Stern", sondern ein 
, Lügner" ; s. oben S. IBcT. || TanchB Dt 3*: Dt 2, 5: ,Laßt euch nicht in Streit mit ihnen 
(den Söhnen Esaus in Secir) ein; denn ich werde euch nichts von ihrem Lande geben, 
keinen Fußtritt breit; denn zum Besitz für Esau habe ich das Gebirge Se'ir gemacht." 
R. Meir (um 150) hat gesagt: Bis seine Füße stehen werden an selbigem Tage auf dem 
Ölberge (Sach 14, 4); R. Sch'^muel (b. Nachman, um 200) hat gesagt: Bis der kommen 
wird, von dem es heißt Nu 24, 17: , Hervorgetreten ist ein Stern aus Jakob" ; das ist 
der König, der Messias. Gott sprach zu Israel: In dieser Welt hast du keine Gewalt 
über dieses Gebirge, aber in der zukünftigen Welt (hier im weitern Sinn die Tage des 
Messias miteinschließend) werdet ihr erlöst werden u. es niedertreten u. in Besitz 
nehmen, s. Obadial9: .Und einnehmen werden die von Mittag das Gebirge Esau"; 



Matth 2, 2 (31 1. 2) 77' 

u. ferner steht geschrieben (Vers 21): , Heraufziehen werden Befreier auf den Berg 
Zion, zu richten das Gebirge Esaus, u. es wird die Königsherrschaft Jahve zufallen. || 
DtR 1(196'=): „Bis ich zu meinem Herrn nach SeUr komme" Gn 33, 14. R. Sch'^muel 
b. Nachman (260) hat gesagt: Wir sind die ganze Schrift durchgegangen u. haben nicht 
gefunden, daß Jakob bei Esau in Se'ir geweilt hat; was bedeutet also ,nach Setir"? 
Jakob sagte zu Esau: Noch habe ich Richter u. Befreier erstehn zu lassen, um Rache 
zu nehmen an jenem Mann (= Esau = Rom). Vgl. Obadja 21: Heraufziehen werden 
Befreier usw. — Die Israeliten sprachen vor Gott: Herr der Welt, wie lange sollen 
wir unter seiner Hand geknechtet sein? Er antwortete ihnen: Bis jener Tag kommen 
wird, von dem geschrieben steht Nu 24, 17: „Hervorgetreten ist ein Stern aus Jakob 
u. es erhebt sich ein Zepter aus Israel." Wenn der Stern aus Jakob hervorgeht, wird 
er die Stoppel Esaus (= Roms) verbrennen, s. Obadja 18: Es wird das Haus Jakob zum 
Feuer u. das Haus Joseph zur Flamme werden u. das Haus Esau zur Stoppel, u. jene 
werden sie anbrennen u. sie verzehren, daß Esau kein Rest übrig bleiben wird. In 
jener Stunde, sprach Gott, werde ich mein Königtum hervorstrahlen lassen u. über 
euch König sein, s. Obadja 21: Heraufziehen werden Befreier ... u. es wird die Königs- 
herrschaft Jahve zufallen. — j| Leqach tob zu Nu 24,17 {'2, 129^. 130^). In der unter 
R. Levis (um 300) Namen gebrachten zus.hangenden Darstellung der Ereignisse der 
messian. Zeit heißt es am Schluß: Und die zehnte Stimme wird rufen, Ps24, 9: „Er- 
höhet, ihr Tore, eure Häupter . . ., daß der König der Ehren einziehe." Dann werden 
die Toten wieder lebendig werden: „Leben werden deine Toten, meine Leichen werden 
auferstehn" Jes 26, 19. Und dann werden die Verbannten gesammelt werden, s. Jes 
27,13: „An diesem Tage wird man in die große Posaune stoßen, u. herankommen 
werden die Verlorenen im Lande Assur u. die Versprengten im Land Ägypten." Und 
dann wird sich erfüllen Nu 24, 17: Hervorgetreten ist ein Stern aus Jakob. — || pN^'d 
4, 12 (38 ^ 59): R. Gerschom (nach 350) hat im Namen des R. Acha (um 320) gesagt: 
„Hervortritt ein Stern aus Jakob", Nu 24, 17. Aus wem tritt der Stern hervor u. wird 
er einst erstehn? Aus Jakob (u. nicht — wie als Gegensatz hinzuzudenken ist — aus 
Esau, d. h. hier aus dem christlichen Rom). || Targ Onk zu Nu 24, 17: Ich sehe ihn (den 
Stern), doch nicht jetzt; ich schaue ihn, doch ist er nicht nahe'. Wann sich erheben 
wird der König aus Jakob u. mächtig werden der Messias aus Israel, wird er töten 
die Großen Moabs u. herrschen über alle Menschenkinder. || Targ Jerusch I zu Nu 24, 17 : 
Ich sehe ihn, doch ist er nicht jetzt; ich schaue ihn, doch ist er nicht nahe: wann ein 
mächtiger König herrschen wird aus dem Hause Jakob u. groß wird der Messias u. 
mächtig das Zepter aus Israel — dann wird er töten die Großen Moabs u. beseitigen 
alle Söhne Seths, die Scharen Gogs, die sich zum Kampfe ordnen werden wider Israel, 
u. es werden ihre Leiber alle fallen vcfr mir (sollte heißen „vor ihm"). — Targ Jerusch II 
läßt die Beziehung der Stelle auf den Messias zweifelhaft, wenngleich sie durch die 
Deutung von Vers 19 auf Rom nahegelegt wird. 

2«. Der Stern Abrahams. 

Mafase Abraham (bei Horowitz, Sammlung kleiner Midraschim 1, 43): Als unser 
Vater Abraham geboren wurde, kam man vor den König Nimrod, u. seine Sterndeuter 
sagten zu ihm: Dem Therach ist ein Sohn geboren worden; erwirb diesen von ihm u. 
gib ihm alles, was er wünscht. Nimrod fragte: Weshalb sagt ihr also? Sie erwiderten: 
Wir haben gesehen, daß sich an jenem Tage, da er geboren wurde, Ein Stern erhob 
u. vier Sterne am Himmel verschlang; u. es will uns scheinen, daß jener zwei Welten 
in Besitz nehmen wird. — Ähnlich Jellinek, Beth-ha-Midr 2, 118. || Sepher-ha-Jaschar -:, 
Wilna 1870, Bl. IH: Es geschah in der Nacht, da Abraham geboren wurde, daß alle 
Diener Therachs u. alle Weisen Nimrods u. alle seine Schriftgelehrten kamen, um im 
Hause Therachs zu essen u. zu trinken u. sich mit ihm in jener Nacht zu freuen. Als 
sie sein Haus verließen, erhoben sie in jener Nacht ihre Augen himmelwärts zu den 
Gestirnen; u. sie sahen u. siehe, ein sehr großer Stern kam vom Aufgang der Sonne 
u. lief am Himmel hin u. verschlang vier Sterne an den vier Seiten des Himmels. 



78 ^latth 2, 2 (31 2. S. 23). 2, 4 (Nr. 1 ) 

Und sie wunderten sich ob dieser Erscheinung u. prüften mit Einsicht den Vorfall, um 
seine Bedeutung zu erkennen. Da sprachen sie einer zum andren: Das bedeutet nichts 
anders als das Kind, welches in dieser Nacht dem Therach geboren worden ist, u. 
welches groß werden u. sich ausbreiten wird gar sehr u. die ganze Erde in Besitz 
nehmen wird, es selbst u. seine Nachkommen bis in Ewigkeit; es selbst u. sein Same 
wird große Könige tüten u. ihr Land in Besitz nehmen. 

3. Außerordentliche Lichterscheinungen bei Isaaks u. Moses Geburt. 

GnR 53 (33*^): ,.Ein Lachen über mich hat Elohim bereitet" Gn 21, 6. R. Levi (um 
300) hat gesagt: Das bezieht sich auf die Hinzufügung (von Lichtglanz) zu den Himmels- 
lichtern; es steht hier das Verbum ~-e-j (machen, schaffen, bereiten) u. es steht dort 
Gn 1,16: Es machte, -iji-"!, Elohim die zwei großen Lichtkörper. — In P'^siq 146=^ ist 
Tradent R. B^refchja (um 340); in TanchB s— ; §37 (54 «) wird R. B'^rekhja als Autor 
genannt. || P*^siqR 42 (177^): R. Chanina b. Levi (ein Amoräer ungewisser Zeit) hat ge- 
sagt: An dem Tage, an welchem Isaak geboren wurde, vermehrte Gott das Licht der 
Sonnenkugel achtundvierzigmal im Vergleich mit ihrem gewöhnlichen Licht. || Sota 12^; 
Die Weisen (um 150) sagten: In der Stunde, da Mose geboren wurde, erfüllte sich das 
ganze Haus mit Licht; es steht hier Ex 2, 2: „Sie sah, daß es (das Kind) schön war", 
u. es steht dort Gnl,18: ,Er sah, daß es (das Licht) schön war. (Der gleiche Aus- 
druck 3TJ ": in beiden Stellen berechtigt Ex 2, 2 nach Gn 1, 18 zu deuten; s. Einl. 97, 
Nr. 2.) — Ebenso ExR 1 (66^). || bSota 12^: (Ex 15, 20: Mirjam) . . . ,die Schwester 
Ahrons", u. nicht die Schwester Moses. Rab fAmram (um 2H0) hat gesagt: Rab (f 247) 
habe gesagt — nach andern hat Rab Nachman (b. Ja'aqob, t 320) gesagt, Rab habe 
gesagt: Das lehrt, daß sie geweissagt hat, als sie (nur) Ahrons Schwester war (also 
bevor Mose geboren war). Sie sagte: Einst wird meine Mutter einen Sohn gebären, 
der Israel erlösen wird. Als nun Mose geboren war, erfüllte sich das ganze Haus mit 
Licht. Da stand ihr Vater auf u. küßte sie auf ihr Haupt; er sprach zu ihr: Meine 
Tochter, erfüllt ist deine Weissagung! Als sie ihn (Mose) aber in den Fluß geworfen 
hatten, stand ihr Vater auf u. schlug sie auf ihr Haupt; er sprach zu ihr: Meine Tochter, 
wo ist nun deine Weissagung? — M'^'g 14 '^ nur Rab Nachman (b. Jafaqob), ExR 1 (66*^) 
nur Rab ^Amram Tradent; Midr Spr 14 § 1 (37'') Autor Rab Huna (Schüler Rabs, f 297). 
Vgl. die anonyme Ausführung ohne Erwähnung der Lichterscheinung M*^kh Ex 15,20 (5 1 ''). 

2,2 33: Ihm zu huldigen, nQoaxvvr^acci avzoK 
Die LXX geben mit TTQoaxvrtTv das alttestamentl. njnrdn wieder. 
Die Rabbinen kennen verschiedene Arten von Niederwerfungen. Sch'bu 
16'': Eine Niederwerfung nx-nn-cir;, mit 'der kein Verweilen verbunden 
ist, ist ein einfaches Niederknieen rtri-^; die, mit der ein Verweilen 
verbunden ist, erfolgt unter Ausbreitung der Hände u. Füfae. . . . Bar: 
Das nn^p genannte Sich-Hinstrecken geschieht auf das Gesicht, s. 1 Kg 
1,31: „Da verneigte sich •^•pr'i Bath-Scheba< mit dem Angesicht zur 
Erde." Das Niederknieen nr-^ns geschieht auf die Kniee, s. 1 Kg 8, 54: 
Er erhob sich vom Niederknieen auf seine Kniee; das nx^nrü-n genannte 
Sich-Hinstrecken geschieht mit Ausbreiten der Hände u. Füße, s. Gn 
37, 10: Sollen wir etwa, ich u. deine Mutter u. deine Brüder kommen, 
uns vor dir auf die Erde niederzuwerfen? — Parallelstellen: M®g22''; 
B«rakh 34''; Hör i\ Ferner s. bei Mt 9, 18. 

2,4: Alle Hohenpriester u. Schriftgelehrten des Volkes. 
1. ctQxi^Qsic, Plural; denn „Hohepriester" pflegten genannt zu werden 
«, diejenigen, die das hohepriesterliche Amt einmal bekleidet, aber 



Matth2, 4 (Nr. 1.2) 79 

aus irgendeinem Grunde wieder verloren hatten ;a ß^ diejenigen, die 
den bevorzugten Familien angehörten, denen die Hohenpriester meist 
entnommen wurden;b s. Schürer^ 2,267 — 277. 

a. Apg 4, 6 wird Hannas c(g;(i6getg genannt, obgleich er seit dem Jahre 15 n. Chr. 
nicht mehr amtierte. || Hör 8,4: Zwischen einem amtierenden u. einem zurückgetretenen 
Hohenpriester besteht abgesehen von dem Farren am Versöhnungstage u. dem Zehntel 
Epha kein Unterschied. Beide sind einander gleich in bezug auf den Dienst am Ver- 
söhnungstage. Beiden gilt das Gebot, eine Jungfrau, u. das Verbot, eine Witwe zu 
heiraten; sie dürfen sich nicht an (verstorbenen) Blutsverwandten verunreinigen, nicht 
das Haupthaar wild wachsen lassen u. nicht die Kleider zerreißen (als Trauerzeichen); 
beide veranlassen (durch ihr Ableben) die Rückkehr des Totschlägers (aus der Asyl- 
stadt). — Die Stelle handelt zwar zunächst nur von dem Substituten des H.s am Ver- 
söhnungstage, zeigt aber deutlich den character indelebilis, den das Amt auch dem 
vorübergehenden Amtsträger verlieh. 

b. Apg 4, 6: Kal'jyi'ag 6 uQ^tsQSi'g xnl Kniucpag r.cä 7(0«'»'»'»;? xcd 'j^s'Srcrdoog' xal 
naoi. TJaay ex ye'vovg dQ^iegaTixoi'. || K'^th 13, 1: Zwei Polizeirichter gab es in Jerusalem 
namens Admon u. Chanan ben Abischalom. Chanan tat zwei Aussprüche, Admon sieben. 
Wenn jemand in eine ferne Gegend verreist u. sein (zurückgelassenes) Weib Unterhalt 
fordert, so soll diese, wie Chanan sagte, erst am Ende (nämlich wenn sie nach Ein- 
treffen der Nachricht vom Tode ihres Mannes die Auszahlung ihrer Hochzeitsverschreibung 
fordert) u. nicht zu Anfang (wenn sie die Alimentenforderung erhebt) schwüren (nämlich 
daß ihr Mann sie ohne Unterhalt gelassen hat). Es waren aber die Söhne der Hohen- 
priester (= Glieder der hohenpriesterlichen Familien) andrer Meinung: sie erklärten, 
sie müsse zu Anfang u. am Ende schworen. || Ohaloth 17, 5: R. J'^'huda (b. Eltai, um 150) 
hat gesagt: Einmal kamen Briefe aus einer fernen Gegend an die Söhne der Hohen- 
priester, es befanden sich daran ein bis zwei Sea Siegel(erde), u. die Gelehrten fanden 
nichts Bedenkliches darin in bezug auf Unreinheit (Erde vom Auslande, auch Siegelerde, 
galt als unrein). |! Tos W^n lli, 21 s. bei Job 18, 13 Anm. c. \\ Joma IS'»: R. Asi (um 300) 
hat gesagt: Drei Qab Denare brachte Martha, die Tochter des Boethos, dem König 
Jannai, damit er den J'^hoschua' b. Gamla (ihren Verlobten) unter die Hohenpriester 
erhöbe. [Die geschichtl. Einkleidung dieser Stelle ist unrichtig: J*^hoschuai b. Gamla, 
der Gemahl der Martha bath Boethos J^b 6, 4, ist Hoherpriester gewesen um 63 — 65 
n. Chr.; der angegangene König muß also Agrippa II. (50 — 100) gewesen sein.] — Wie 
das NT, so spricht auch Josephus von den (tQ^isosTg im Plural, zB Bell. J. 2, 12,6; 
17, 2; 4, 3, 7 ; 5, lo, 1 ; 6, 2, 2 (hier „Sühne von Hohenpriestern"). 

2, YQui^ifiaTeTg hebr. ci-iEic. Mit nsic ist «) ein Schreiber, zB ein 
Gerichtsschreiber Sanh4, 3; 5,5: ein Schreiber privatrechtlicher Ur- 
kunden BM 5,11; ein Schreiber von Scheidebriefen Gittin 7,2; 8,8; 
9, 8; von Torarollen, Tephillin u. Mezuzoth, s. Traktat Soph^rim); ß) ein 
Gelehrter gemeint; u. da das Interesse der jüdischen Gelehrsamkeit 
sich fast ausschließlich um die Schrift u. das Gesetz drehte, so hießen 
nun Soph^rim insonderheit die Schriftgelehrten yQccixßaTsic^ die Rechts- 
kundigen vopLixoi =; Juristen, die Gesetzeslehrer voiiodiddaxaXoi. Doch 
wird nach rabbin. Sprachgebrauch der Ausdruck s-^sio meist nur zur 
Bezeichnung der älteren (vorchristl.) Generationen der Schriftgelehrten 
verwandt, s. die Zitate nach Anm. d, während die späteren (nachchristl.) 
Schriftgelehrten fast allgemein c^^rrj genannt werden. Nur selten wird 
'c auf die späteren Gelehrten angewandt,» u. wo er sich im nachchristl. 
jüdischen Schrifttum schdnbar in dieser Bedeutung findet, bezeichnet 



80 Matth 2, 4 (Nr. 2) 

er in der Regel den Jugendlehrer, speziell den Bibellehrer im Gegen- 
satz zum Mischnalehrer,b oder auch den des Tischgebetes Kundigen 
im Gegensatz zu einem rohen Menschen, der dieses Ritus unkundig 
jst.c — Die von den Talmuden gegebene Erklärung des Namens n-meio 
hat nur haggadischen Wert.d 

a. Sota 9, 15 wird unter den die messian. Zeit ankündenden Zeichen aufgeführt: 
Die Weisheit der Schriftgelehrten a'-^sio n-;:- wird stinkend werden. || Achtzehn-Gebet, 
Nr. 13: Über die Gerechten u. über die Frommen u. über die Ältesten deines Volks, 
des Hauses Israel, u. über den Rest ihrer Schriftgelehrten ■2Tf^t-zi rz-hs u. über die 
Proselyten der Gerechtigkeit u. über uns möge sich regen deine Barmherzigkeit, Jahve 
unser Gott. — So der gebräuchliche Text in den jüdischen Gebetbüchern. In dem hand- 
schriftlichen Siddur der Univ.-Bibl. Leipzig lauten die uns interessierenden Worte: . . . 
,u. über die Ältesten deines Volks, des Hauses Israel, u. über =n'-^rio r^z ri^^hs den 
Rest ihrer Schulhäuser" . . . (Dalman, Die Worte Jesu 1, 303). — M®g Tacan 12 heißt es: 
Am 17. Adar erhoben sich die Völker (Heiden) gegen den Rest der Schriftgelehrten 
s"'£5 rtä"':: (lies s^-^sc) in den Gegenden von rip^'^z und Beth-Zabdai, u. es kam dem 
Hause Israel Erlösung. — Ähnlich pTa^an 2, 13 (66^, 26): Am 7. des Monats Adar er- 
hoben sich die Völker wider den Rest der Schriftgelehrten s'^£0 ru^Vs in der Gegend 
von o-p"-i3 u. Beth-Zabdin, u. es wurde ihnen Errettung. — Gemeint sind die Städte 
Chalkis u. Zabeda in Cölesyrien. Da nach M'^g Tacan diese Verfolgung in die Regierungs- 
zeit des Alexander Jannäus (104 — 78 v. Chr.) fällt, sind unter dem „Rest der Soph^'rim" 
auch hier vorchristliche Schriftgelehrte zu verstehn. Wie es scheint, ist der aus früherer 
Zeit stammende Ausdruck s'-^sc r-j^Vs gewissermaßen als terminus technicus in das 
Achtzehn-Gebet übernommen worden. \\ Mehrfach liest man a— sio als Anrede an zeit- 
genössische Schriftgelehrte im Munde einiger Tannaiten. So sagt Rabban Gamliel II. 
(um 90) Sota 15^ zu den Gelehrten: Gestattet mir, ihr Schriftgelehrten a—iic, daß ich 
es deute! — Dasselbe NuR 9 (155''*). — Die gleiche Wendung im Munde des R. Schimcon 
b. Gamliel (um 140) SNu 5, 15 § 8 (4*). || Auch samaritanische Schriftgelehrte der nach- 
christl. Zeit werden a-^is^o genannt. pSota 7,21*^,29: R. Elfazar b. Schinicon (um 180) 
hat gesagt: Ich sagte zu den Schriftgelehrten der Samaritaner n'^ri: ^-tioV: Ihr habt 
eure Tora gefälscht u. habt euch nichts damit genützt. 

b. Sota 9, 15 : R. Elicezer, der Ältere (um 90), hat gesagt: Seit dem Tage, an welchem 
das Heiligtum zerstört wurde, begannen die Gelehrten s-'s^sr: zu werden wie Jugend- 
lehrer n---:d u. die Jugendlehrer wie ein Lehrergehilfe ^ u. der Lehrergehilfe wie das 
unwissende Volk, u. das unwissende Volk wird immer elender u. niemand fragt danach. 
Auf wen sollen wir uns stützen? Auf unsren Vater im Himmel. || pChag 1, 76"^, 28: 
Der Nasi R. Judan- sandte den R. Chijja (b. Abba, um 280) u. den R. Ammi u. R. Asi 
(beide um 300) rings umher in die Städte des Landes Israel, um ihnen Bibellehrer 
•j^-so u. Mischnalehrer ■i-2":r'3 einzusetzen. Sie kamen an einen Ort, an welchem sie 
weder einen Bibellehrer noch einen Mischnalehrer vorfanden. Sie sagten (zu den Orts- 
bewohnern) : Bringt uns die Hüter der Stadt! Sie brachten ihnen die Ratsherren (Senatoren 
"'i-.'jja). Da sagten sie zu ihnen: Das sind die Hüter "^i-t:: der Stadt? Das sind nur 
die Zerstörer der Stadt! Man antwortete: Und wer sind denn die Hüter der Stadt? 
Sie sprachen: Die Bibel- u. die Miscnnalehrer; s. Ps 127, 1 : Wenn Jahve nicht das Haus 
baut, so mühen sich umsonst daran ab, die es bauen; wenn Jahve nicht die Stadt be- 
hütet, so wacht der Hüter umsonst. — Dasselbe mit Abweichungen im einzelnen P'^siq 
120''; Midr KL Einl. 2 (29''). || BB 21*: Komm u. höre: wenn einer in einem Hof, der 
mehreren gemeinschaftlich gehört, ein Haus besitzt, so darf er es weder an einen Arzt 
noch an einen Aderlasser noch an einen Weber noch an einen jüdischen noch an 
an einen nichtjüdischen (wörtlich: aramäischen) Kinderlehrer "sio vermieten (weil bei 

1 So Bacher, Tann.M, 105. 

^ Fraglich, ob Jehuda II. oder Jehuda III. gemeint ist. 



Matth2, 4(2) gl 

diesen viele Menschen ein- und ausgehen, wodurch die übrigen Eigentümer des Hofes 
belästigt werden). II BB 21 ^: Rab Dimi von N'^harde'a (Schulhaupt von Pum B'ditha 
385 — 38!-! n. Chr.) hat gesagt: . . . Der Neid der Schullehrer =*-eis (widereinander) mehrt 
die Weisheit (indem jeder mehr leisten will als sein Kollege). || NuR 12 (1H5''): R. Jo- 
chanan (f 279) befahl den Bibellehrern rr-^tc u. den Mischnalehrern, daß sie in jenen 
Tagen (nämlich vom 17. Tamrauz bis zum 9. Ab, an denen der Dämon M'^riri sein Un- 
wesen treibt) keinen Zuchtriemen über die Kinder bringen sollten (da jener Dämon die 
Schläge tödlich machen könnte). R. Sch^'muel b. Jicchaq (um 300) befahl den Bibel- 
lehrern ri—^tü u. den Mischnalehrern, daß sie an jenen Tagen die Schulkinder in der 
4. Stunde (vor 10 Uhr vorm.) entlassen sollten (weil jener Dämon erst von 10 Uhr an 
sein Schädigungswerk beginne). || Midr Esth 2, 5 (93"): „Wohl denen, die das Recht 
beobachten, dem, der zu jeder Zeit Barmherzigkeit übt" (so faßt der Midr Ps lOti, 3). 
Man verhandelte darüber im Söller des R. Tarphon (um 100) u. sagte: Wer ist das, der 
zu jeder Zeit Barmherzigkeit übt (ein gutes Werk tut)? Wenn man sagen wollte: 
Das sind die Bibel- u. Mischnalehrer c-:x"i' d-^iic — , essen u. trinken u. sclilafen die 
etwa nicht? Vielmehr (wird zu sagen sein): Das sind die Schreiber von Gebetsriemen 
u. Türpf'ostenkapseln. Aber essen u. trinken u. schlafen die nicht? Wer ist also der, 
der zu jeder Zeit Barmherzigkeit übt (ein gutes Werk tut)? Sage: Das ist der, der eine 
Waise in seinem Hause erzieht. 

C. B''rakh45'' Bar u. ChuUin 106'"^: Wenn zwei Personen zusammen speisen, so ist 
es Vorschrift, daß sie sich teilen (d.h. daß jeder das Tischgebet für sich betei. Für 
welchen Fall gelten diese Worte? Wenn beide (des Tischgebetes i Kundige :— i-c sind: 
wenn aber der eine ein Kundiger -i^c u. der andre ein Unwissender ist, so spricht der 
Kundige ■>:•" den Lobspruch u. der Unwissende genügt damit seiner Pflicht (braucht 
nicht mehr für sich zu beten). 

d. pSch^q '), 48*^, 51 : R. Abbahu (um 300) hat gesagt: Es steht geschrieben 1 Chr 
2, 55: „Die Geschlechter der Gelehrten =-'^i'D, die Jacbe^ bewohnen." Weshalb hießen 
sie Soph^^rim? Weil sie die Tora zu lauter Zahlen(gruppen) r'-isc machten ("rc = 
„zählen" gefaßt): „Fünf dürfen nicht die Hebe absondern", s. T'^rum 1,1; „fünf Ge- 
treidearten unterliegen der Teighebepflicht", s. Challa 1, 1; „fünfzehn (Kategorieen von) 
Frauen befreien (zugleich mit sich selbst) ihre Nebenfrauen" (von der Leviratsehepflicht), 
s. J^b 1,1; „sechsunddreißig Fälle gibt es in der Tora für die Ausrottungsstrafe", s. 
K®r 1, 1; , dreizehn Dinge gelten von dem nicht rituell geschlachteten reinen Geflügel", 
s. T'^haroth 1, 1 ; „vier Hauptschäden gibt es", s. BQ 1,1; „Hauptarbeiten (die am Sabbat 
verboten sind) gibt es vierzig weniger eins", s. Schab 7, 2). |i Qid 30'': Deshalb wurden 
die Früheren Soph^'rim genannt, weil sie alle Buchstaben in der Tora zählten "--s 
z"t'Z. Sie sagten: Das Vav i in ]i-.i Lv 11,42 bildet die Hälfte der Buchstaben des 
Torabuchs; die Wörter •i*-'- •::''- Lv 10, 16 bilden die Hälfte der Wörter u. der Vers 
-Vjr:^- Lv 13, 33 die Hälfte der Verse des Pentateuchs. (Nach der Masora gilt Lv 8, 8 
als die Hälfte der Verse.) Das y in 'y-o Ps 80, 14 bildet die Hälfte der Buchstaben 
der Psalmen; der Vers =•'-■' sini Ps 78, 38 die Hälfte der Verse. (Nach der Masora 
bildet Ps 78, 30 diese Hälfte.) — Auf diese haggadische Etymologie von Soph^'rim 
scheint R. Jicchaq (um 300) in Sanh 106'^ anzuspielen. 

Den Mischnalehrern galten die Soph^rim als anerkannte Autoritäten, 
deren Worte den Worten der Tora gleichzustellen seien. Von den in 
der Mischna erwähnten^ Worten der Soph^rim seien hier zwei hervor- 
gehoben. J*^b2,4: Als gesetzlich (zur Ehe) verboten gelten die durch 
die Worte der S. festgesetzten zweiten Verwandtschaftsgrade. — Hier- 
nach haben die S. die Bestimmungen Lv 18, 6 ff. durch Hinzufügung 



> ^Orla3, 9; J'^^b 2, 4; 9, 2; Sota 9, 15; Sanh 11, 3; Kelim 13, 7; Para 11, 5. C; T^bul 
jom 4, 6; T^haroth 4, 7. 11 ; Jad 3, 2. 

Strack u. Billerbeck, NT I. 6 



82 Matth 2, 4 (2j. 2, 5 

Eines Verwandtschaftsgrades in auf- und in absteigender Linie ver- 
schärft. Lvl8, 7zBwird erweitert zu „Blöße der Mutter der Mutter 
u. Blöße der Mutter des Vaters"; 18,8 zu „Weib des Großvaters väter- 
licher- u. mütterlicherseits"; 18,15 zu „Schwiegertochter des Sohnes 
u. der Tochter" usw.; s. dazu J«b 21«. — || Sanh 11,3 (= 10,3 im bTj: 
Strenger ist es bei den Worten der S. als bei den Worten der Tora. 
Wenn jemand sagt: „Um die Gebetsriemen (T'^phillin) ist es nichts", 
um die Worte der Tora zu übertreten, so ist er straffrei: (sagt er aber:) 
„Fünf Fächer (müssen sie haben)", um zu den Worten der S. hinzu- 
zufügen, so macht er sich schuldig. — Die Worte wollen besagen: Die 
T'^phillinsatzungen Ex 13, 9. 16; Dt 6, 8; 11,18 sind so allgemein ge- 
halten, daß sich jeder dabei denken kann, was er will; deshalb kann 
niemand wegen ihrer Übertretung strafbar gemacht werden. Ihren 
konkreten Gehalt empfangen jene Satzungen erst durch die Ausführungs- 
bestimmungen, die die S. über die Herstellung der T^'phillin (Hand- 
T^philla Kapsel mit 1 Fach, Kopf-T'^philla Kapsel mit 4 Fächern), über 
ihre Anlegung usw. erlassen haben. Erst die Auflehnung gegen diese 
Bestimmungen bedeutet eine Auflehnung gegen die Tora u. macht 
daher straffällig. || Siphra Lv 19,34 (362=^): Einen Proselyten, der alle 
Worte der Tora auf sich nimmt mit Ausnahme eines, den nimmt man 
nicht (als Proselyten) an. R. Jose b. J'^huda (um 180) sagte: Auch wenn 
er das geringste Wort von den Einzelbestimmungen (Subtilitäten) der S. 
nicht auf sich nimmt (nimmt man ihn nicht an), — Dasselbe als Bar 
B'^khor 30 b. 1| Tos Ta^an 2, 6 (217): An den Sabbaten u. Feiertagen ist 
es erlaubt, vorher u. hinterher (d. h. tags zuvor u. tags darauf) zu 
fasten. Warum ist das bei jenen (den in der M'^g Ta<<anith, der Fasten- 
rolle, aufgeführten Freudentagen) verboten u. bei diesen erlaubt? Diese 
sind Worte der Tora (von der Tora angeordnet), u. die Worte der Tora 
bedürfen keiner Festigung (Sicherung); jene aber gehören zu den 
Worten der S., u. diese bedürfen der Festigung (darum sind die sie be- 
treffenden Bestimmungen strenger, um sie vor Übertretung zu sichern). \\ 
Tos [Eduj 1, 1 (454): Als die Gelehrten in dem Weinberg von Jahne z.us.- 
gekommen waren, sagten sie: Es wird eine Zeit kommen, da man nach 
einem Wort von den Worten der Tora suchen wird, u. man wird es 
nicht finden; (nach einem Wort) von den Worten der S., u. man wird 
es nicht finden, s. Am8, llf. || Sanh 87^ Baraitha: Ein widerspenstiger 
Gelehrter macht sich nur strafbar . . ., wie R. J'^huda (um 150) sagte, 
wegen eines Wortes, das seinen Ursprung (seine Wurzel) in den Worten 
der Tora u. seine Erklärung in den Worten der S. hat (wie zB das 
oben Sanh 11,3 erwähnte T'^phillingebot). R. SchimJon (um 150) sagte: 
Auch wenn es sich um eine Subtilität von den Subtilitäten der S. 
handelt. — Ferner s. bei Mt 15, 2. 

2,5: Zu Bethlehem im jüdischen Lande. 
Bethlehem als Geburtsort des Messias. 



Matth 2, 5. 9. 1 1 33 

Targ Micha 5, 1 : Du Bethlehem Ephratha — wie eine geringe bist du gewesen, 
um zu den Tausendschaften des Hauses J®huda gezählt zu werden — , aus dir soll 
vor mir hervorgehn der Messias, um die Herrschaft über Israel zu führen, dessen 
Name genannt ist seit Anfang, seit den Tagen der Welt. || Pirqe Elifezer 8 (2''): Der 
Name des Messias. Woher (läßt sich beweisen, daß er vor der Welt erschaffen worden 
ist)? Ps72, 17: „Vor der Sonne sproßte sein Name (oder: war Jinnon sein Name)." 
Und eine andre Schriftstelle heißt: „Und du Bethlehem Ephratha, klein um zu sein 
unter den Tausendschaften J'^hudas . . ., u. seine Ausgänge sind von ehedem, d. h. ehe 
noch die Welt geschaffen war. || pB'^'rakh '_*, 4 (5^. 12): R. Judan (M5U) hat im Namen (so 
zu lesen) des R. Aibo (um 320) gesagt: M'nachem wird sein (des Messias) Name sein. 
Folgendes ist eine Stütze dafür: Einst geschah es bei einem Juden, welcher dastand 
u. pflügte, daß seine Kuh brüllte. Ein Araber ging vorüber u. hörte ihre Stimme. 
Dieser rief ihm zu: .lüde. Jude, binde deinen Ochsen ab u. binde deine Pflugschar ab; 
denn siehe, das Heiligtum ist zerstört. Da brüllte sie zum andren Male. Jener rief: 
Jude. Jude, schirre deine Ochsen an u. schirre deine Pflugscharen an; denn siehe, 
geboren ward der König, der Messias! Der Jude sprach zu ihm: Welches ist sein 
Name? M'^nacheni. Und welches ist der Name seines Vaters? Chizqijja. Der Jude: 
Von wo ist er? Er antwortete: Aus dem Königspalaste in Bethlehem Judäas. Der 
Jude ging hin, verkaufte seine Ochsen u. seine Pflugscharen u. wurde ein Verkäufer 
von Leinenzeug für Kinder. Er ging Stadt ein, Stadt aus, bis er in jene Stadt (Beth- 
lehem) kam. Alle Weiber kauften, aber die Mutter des M'^nachem kaufte nichts. Er 
hörte die Stimme der Frauen, wie sie sagten: Mutter M*^nachems, Mutter M'='nachems, 
komm u. kaufe für deinen Sohn! Sie antwortete: Ich möchte ihn erwürgen, den Feind 
Israels; denn an dem Tage, da er geboren wurde, ist das Heiligtum zerstört worden. 
Er (der Verkäufer) sprach zu ihr: Wir sind des festen Vertrauens, daß es seinetwegen 
zerstört ist, aber auch seinetwegen erbaut werden wird. Sie antwortete: Ich habe kein 
Geld. Er sprach zu ihr: Was sorgst du dich darum? Komm, kaufe für ihn; wenn du 
heute nichts hast, so komme ich nach einigen Tagen u. nehme es in Empfang. Nach 
einigen Tagen kam er in jene Stadt u. sprach zu ihr: Was macht (wie befindet sich) 
das Kind? Sie antwortete: Nachdem du mich gesehen hattest, kamen Winde u. Stürme 
u. entrissen es meinen Händen. — R. Bun (= Abin 1!., um 3TÖ) hat gesagt: Wozu 
sollen wir von diesem Araber lernen (nämlich, daß der Messias zur Zeit der Tempel- 
zerstörung geboren ist)? Sagt das nicht deutlich Jes 10, .34: Und der Libanon (— Tempel, 
wie öfters) fällt durch einen Herrlichen? Was folgt darauf ? Jes 11,1: Aber ein Reis 
wird aufgehn aus dem Strunk Isais. (Das Aufeinanderfolgen dieser beiden Stellen in 
der Schrift lehrt das Aufeinanderfolgen ihres Inhalts in der Wirklichkeit der Ge- 
schichte.) — Dasselbe mit vielen Abweichungen in Midr KL zu 1, 16 (58 '^). — Die Er- 
zählung ist ein Beleg für die sich öfters findende Anschauung, daß der Messias bereits 
geboren ist, aber in der Gegenwart wegen der Sünden Israels irgendwo (im Paradies, 
in Rom, im Norden I im Verborgenen weilen muß, bis die Stunde seiner Offenbarung 
in Machtherrlichkeit anbricht; vgl. bei Job 1, 1 51. 

2,9: Der Stern stand oben über, wo das Kindlein war. 

Vergleichen läßt sich GnR 56 (35 <^^): „Am dritten Tage . . . sah 
(Abraham) den Ort von ferne" Gn 22, 4. Was sah er? Er sah eine 
Wolke an den Berg gebunden. Er sprach: Es scheint, als ob jener 
Ort es sei, von dem mir Gott gesagt hat, daß ich dort meinen Sohn 
darbringen soll. 

2,11: Brachten ihm Geschenke. 
Daß die Heiden dem Messias Geschenke darbringen werden, ist 
eine alte jüdische Erwartung. 



84 Matth2, 11. 14 

P'^siq 118'': R. Jischma<el b. Jose (b. Chalaphta, um 180) . . . ließ Rabbi sagen: So 
hat mein Vater gesagt . . .: Einst wird Ägypten dem Messias ein Geschenk bringen; 
wenn dieser (nach dem Satzgefüge könnte auch Ägypten Subjekt sein) meinen sollte, 
daß er es von ihnen nicht annehmen dürfe, wird Gott zu dem Messias sagen: Nimm 
es von ihnen an, sie haben Gastfreundschaft meinen Kindern in Ägypten erwiesen; 
sofort , werden sich herzumachen die Machthaber aus Ägypten" Ps 68, H2. Kusch zieht 
einen Schluß vom Schwereren auf das Leichtere in bezug auf sich selbst: Wenn jene 
(Ägypten), die Israel unterjocht haben, so (gnädig aufgenommen werden), um wieviel 
mehr wird es bei mir zutreffen, der ich sie nicht unterjocht habe! Gott spricht zu ihm 
(dem Messias): Nimm an von ihnen! Sofort „wird Kusch (Mohrenland) seine Hände 
eilig zu Gott ausstrecken" Ps 68, :-)2. Das frevlerische Reich (= Rom) zieht einen Schluß 
vom Schwereren auf das Leichtere in bezug auf sich selbst: Wenn jene, die nicht ihre 
Brüder sind, so, um wieviel mehr wir, die wir ihre Brüder sind! (Rom = Edom =^ 
Esau Jakobs Bruder.) Da spricht Gott zum Messias (so zu lesen statt „Gabriel" nach 
Diqduqe Soph.): „Fahre an das Tier (Rom) u. erwirb (gründe) dir eine Gemeinde!" (So 
faßt der Midrasch die vier ersten Worte von PsH8, ."51.) — Dasselbe ExR 85 (95 1) 
anonym mit dem einleitenden Satz: Und so findest du es in der Zukunft, daß einst 
alle Völker dem König, dem Messias, werden Geschenke bringen; Ägypten bringt zuerst 
usw. II GnR 78 (50*^): Ein cAm ha-are9 (gesetzesunkundiger Mensch) sagte zu R. Ho- 
scha'ja (dem Älteren, um 'I2b): Wenn ich dir ein schönes Wort sage, wirst du es in 
der Gemeinde in meinem Namen sagen? Er antwortete ihm: Wie lautet es? Jener 
sagte: All jene Geschenke, die unser Vater Jakob dem Esau gegeben hat (vgl. Gn 32, 
14ff. ; S^-!, 8 ff.), werden die Völker der Welt dereinst dem König, dem Messias, in der 
Zukunft wiederbringen. Weshalb? „Die Könige von Tarsis und die Inseln werden 
Gaben wiederbringen" Ps 72, 10 — es heißt nicht: „sie werden bringen", sondern „sie 
werden wiederbringen". Er antwortete ihm: Bei deinem Leben, ein schönes Wort hast 
du gesagt u. in deinem Namen will ich es sagen. |i Midr Esth zu 1, 1 (831»): Ps 68,30: 
„Von deinem Tempel nach Jerusalem werden dir Könige Geschenke bringen" (so der 
Midrasch). Vom Tempel bis Jerusalem, ist das nicht etwas Geringes? Vielmehr, die 
Worte wollen besagen: wie die Opfer sich fanden vom Tempel bis Jerusalem, so 
werden sich dereinst einander ablösende Gesandtschaften mit Geschenken beim König, 
dem Messias, einfinden; s. Ps 72, 1 1: Und huldigen werden ihm alle Könige. — Hierher 
gehören auch: Tanch c-je-ü- gegen Ende (19^ ; Midr Ps «7 § H (189b), Autor R. J'^huda 
b. Simon (32U); in einigen Stellen werden als Geschenke der Heidenvölker an den 
Messias bezeichnet die von ihnen aus der Zerstreuung nach Jerusalem zurückgeleiteten 
Israeliten, zB Ps Salom 17, 80 f.; Midr Ps 87 S 6 ( I89b. I9U=^), Autor R. J<^huda b. Simon 
(32U); Midr HL 4, 8 (114"), Autor ebenfalls R. J^huda (b. Simon). 

'i, 14: Entwich nach Ägypten. 

Eine Erinnerung an Jesu ägyptischen Aufenthalt klingt vielleicht 
in folgenden Stellen an. 

Sanh 10Tb Bar: Immer stoße die Linke zurück, während die Rechte heranziehe: 
nicht wie Elisa, der den Gechazi mit beiden Händen zurückgestoßen hat, u. nicht wie 
J'^hoschuac b. P'^rachja, der Jesum mit beiden Händen zurückgestoßen hat. . . . Wie ver- 
hält es sich mit R. J'-'hoschua! b. P.? Als der König Jannäus die Gelehrten töten ließ, 
zog R. J^hoschuac b. P. u. Jesus nach Alexandria in Ägypten. Als Friede war, sandte 
ihm Schimcon b. Schatach (folgende Botschaft): „Von mir, Jerusalem, der heiligen Stadt, 
an dich, Alexandria in Ägypten. Meine Schwester, mein Gemahl (= J'^hoschua' b. P.) 
weilt in deiner Mitte, u. ich sitze verlassen da." Er machte sich auf u. traf unterwegs 
auf eine Herberge, in welcher man ihm viel Ehre erwies. Er sagte: Wie schön ist 
diese Herberge! Er (Jesus) sprach zu ihm: Rabbi, ihre Augen sind zwinkernd.' Er 

* N-3t':s bedeutet „Gasthaus" u. „Gastwirtin"; der Rabbi gebraucht es im erstem 
Sinne, Jesus versteht es im letztern. 



Matth 2, 14. 15 85 

(J%oschual b. P.) sprach zu ihm: „Frevler, mit dergleichen beschäftigst du dich?" Er 
ließ vierhundeit Posaunen(töne) ausgehn u. tat ihn in den Bann. Er (Jesus) kam sehr 
oft vor ihn u. bat, daß er ihn annehme; aber er bekümmerte sich nicht um ihn. Eines 
Tages las er (J. b. F.) das Sch'-'ma' (Dt 6, 4), da kam er (Jesus) vor ihn; er wollte ihn 
annehmen u. winkte ihm mit der Hand. Dieser aber meinte, er stoße ihn wieder zurück, 
ging hin, richtete einen Ziegelstein auf u. verehrte ihn. Darauf sprach er (J. b. P.) zu 
ihm: Bekehre dich! Er antwortete ihm: So habe ich von dir empfangen: Wer sündigt 
u. viele zur Sünde verleitet, dem gibt man nicht mehr die Möglichkeit, Buße zu tun. 
Der Autor sagte nämlich, Jesus habe Zauberei getrieben u. Israel verlockt u. verführt. — 
Ähnlich Sota 47*, hier statt -v- gesagt: „Der Nazarener'* ""^r:-;-. — In pChag "J, 2 (77 '\ 
oO) kürzer u. ohne Erwähnung Jesu, ferner J'^huda b. Tabai statt J'^hoschuac b. P'^rachja; 
pSanh G, 9 (23'', 23) hat nur die Anfangsworte wie in pChag. 

Form u. Inhalt dieser Geschichte sind unhistorisch, da J*^hoschuac 
b. P^rachja, dessen Jünger Jesus gewesen sein soll, unter Alexander 
Jannäus (104 — 78 v. Chr.) gelebt hat. Die geschichtliche Situation 
würde auch dann unhistorisch bleiben, falls, wie es nach Josephus 
Antiq. 14, 9, 3 — 5 scheint, eine Verwechselung des Königs Jannäus mit 
Herodes I. vorläge. Immerhin würde man Jesum mit einem vorüber- 
gehend in Ägypten gewesenen jüdischen Gelehrten nicht in Verbindung 
gebracht haben, wenn nicht bestimmte Traditionen über einen ägypt, 
Aufenthalt Jesu in Umlauf gewesen wären. 

Schab 104 b Bar: R. Elifezer (b. Hyrkanos, um 90) sagte zu den Gelehrten: Hat 
nicht Ben Stada die Zauberkünste aus Ägypten mitgebracht durch Einritzungen in 
seinen Körper? Man antwortete ihm: Der ist ein Narr gewesen, u. von Narren bringt 
man keine Beweisgründe bei. — Die ältere Zeit hat Jesum in keine Verbindung mit Ben 
Stada gebracht; erst die Späteren haben beide miteinander identifiziert, s. bei Mt 1, 16 
S. 3y f. Aber daß man zu dieser Identifizierung gerade auf Ägypten Bezug genommen 
hat, zeigt wiederum, daß der Aufenthalt Jesu in Ägypten eine innerhalb der Synagoge 
verbreitete Überlieferung gewesen ist. 

2,15: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen. 

Der Heranziehung von Hos 11,1 liegt der Gedanke zugrunde, daß 
die Erlösung Israels aus Ägypten ein Typus der messian. Erlösung sei, 
ein Gedanke, der (vom AT angeregt J^s 11,11; 48,21; Hos 2, 16; 12, 10; 
Micha 7, 15) wie kein anderer neben ihm die Ausgestaltung des Lehr- 
stücks von der Enderlösung schon frühzeitig in umfassendster Weise 
bestimmt hat. Einige Beispiele mögen dies illustrieren. 

M^kh Ex 12, 42 (20=*): Eine Nacht der Bewahrung (oder Beobachtung) ist es für 
Jahve mit Rücksicht auf die Ausführung aus Ägypten; diese selbe Nacht (die Passah- 
nacht) ist eine zu beobachtende für Jahve in bezug auf alle Kinder Israel für ihre 
Geschlechter. In dieser Nacht sind sie erlöst worden (aus Ägypten), u. in ihr werden 
sie dereinst (in der messian. Zeit) erlöst werden. Das sind Worte des R. J'^^hoschua' 
(b. Chananja, um 90 n. Chr.). Dasselbe RH Ha. b; Tauch n= (76^); vgl. auch Targ Je- 
rusch I zu Ex 12, 42. || Midr Ps 90 § 17 (197 »): , Erfreue uns nach der Länge der Zeit, 
da du uns gebeugt hast" Ps 90, 15, in den Tagen (1. r-rn-s statt nia':) des Messias. 
Wie lange währen die Tage des Messias? . . . R. fAqiba (f um 135) sagte: Vierzig Jähre, 
wie die Tage, da du uns gebeugt hast in den vierzig Jahren, die Israel in der Wüste • 
zugebracht hat, s. Dt 8, 3: Er beugte dich u. ließ dich hungern. — Die Parallele P<^siqR 
1 (4*) lautet: Wie lange währen die Tage des Messias? R. <Aqiba sagt: Vierzig Jahre, 



86 Matth 2, 15 

s. Dt8, 3: ,Er beugte dich u. ließ dich hungern" ; u. Ps90, 15: „Erfreue uns nach der 
Länge der Tage, da du uns gebeugt hast." Wie das Beugen dort vierzig Jahre währte, 
so auch das Beugen, von dem hier geredet wird, vierzig Jahre. R. Abin (I. um 325 
oder der II. um 37Ü) hat gesagt: Was war der Grund des R. 'Aqiba? Antwort (Micha 
7, 15): ,Wie in den Tagen, da du auszogst aus Ägyptenland, will ich es Wunder sehn 
lassen." (Über die Dauer der messian. Zeit s. zu Offb 20,4.) || Midr HL zu 1, 8 (89 1>): 
Geh nur hinaus bis ans Ende der Schafe (so der Midrasch). R. Elicezer (b. Hyrkanos, 
um 90), R. (Aqiba (f um 135) u. die Rabbanan (aus derselben Zeit). R. Elicezer sagte: 
Von dem Kuchen, den die Israeliten mit sich aus Ägypten nahmen, haben sie 31 Tage 
lang gegessen. Daraus erkennst du (nach der Lesart in Matt. K*^hunna), was ich ihnen 
ganz am Ende (= in der messian. Zeit) tun werde; das meint Ps72, 16: „Weizenbrot 
wird im Lande sein." R. «Aqiba sagte: Daraus, daß ich sie mit den Wolken der Herr- 
lichkeit umgab (Exl3, 21f.i, erkennst du, was ich ihnen ganz am Ende tun werde; 
vgl. Jes4, ö: „Ein Schirmdach zum Schatten am Tag vor Hitze." Und die Rabbanan 
sagten: Aus dem, womit ich sie in der Wüste gespeist habe, was süßer war als Honig 
u. Milch, erkennst du, was ich ihnen ganz am Ende tun werde, vgl. Joel4, 18: ,An 
jenem Tage werden die Berge von Most triefen." |i P'^siq 67>b: R. Levi (um 300) hat im 
Namen des R. Chama b. Chanina (um 260) gesagt: Der, welcher Rache genommen hat 
an den Ersten (= Ägypten), der wird auch Rache nehmen an den Letzten (^ Rom 
in der messian. Zeit). Wie er an Ägypten Rache genommen hat durch Blut, so wird 
er es auch tun an Edom (= Rom), s. Joel 3,3: „Ich will Wunderzeichen geben am 
Himmel u. auf der Erde: Blut u. Feuer u. Rauchsäulen." Wie an Ägypten durch Frösche, 
so auch an Edom, s. Jes66, 6: Stimme des Lärms (nämlich des Froschlärms) aus der 
Stadt (= Rom). Wie an Ägypten durch Stechmücken, so auch an Edom, s. Jes34, 9: 
Da wandeln sich ihre Bäche zu Pech u. ihr Staub zu Schwefel (u. Staub bedeutet hier 
nichts andres als Stechmücken — so nach Lesart in Jalqut 1 § 182 — ). s. Ex 8,12: 
Schlage den Staub der Erde. u. er soll zu Stechmücken werden. Wie an Ägypten durch 
allerlei Getier, so auch an Edom, s. Jes 34, 1 1 : Besitz nehmen davon Pelikan u. Igel, 
u. Ohreule u. Rabe werden darin hausen. Wie an Ägypten durch Pest, so auch an 
Edom, s. Ez38, 22: Ich will ihn richten durch Pest u. Blut. Wie an Ägypten durch 
Aussatz, so auch an Edom, s. Sach 14, 12: Dies wird die Plage sein . . .: verfaulen läßt 
er sein Fleisch. Wie an Ägypten durch Hagel, so auch an Edom, s. Ez38, 22: (Ich 
will ihn richten . . .) durch schwemmenden Gußregen u. Hagelsteine. Wie an Ägypten 
durch Heuschrecken (Geflügeltes), so auch an Edom, s. Ez 39, 17 — 19: Du Menschen- 
kind, so spricht Jahve Elohim: Sage zu den Vögeln, zu allem Geflügelten (also auch 
zu den Heuschrecken) usw. Wie an Ägypten durch Finsternis, so auch an Edom, s. 
Jes 34, II: Spannet darüber die Meßschnur des Tohu u. das Senkblei des Bohu (= 
chaotische Finsternis). Und wie Ägypten den Ältesten (Erstgebornen) unter ihnen 
hergab u. er tötete sie, so auch Edom, s. Jes 34, 7: Hinunter müssen Büffel (s-'as-i) mit 
ihnen. R. Meir (um 160) hat gesagt: Hinunter müssen die Römer {z-o^~} mit ihnen. — 
Dasselbe P^siqR 17 (90=*); ferner anonym TanchB s: § 6 (22=') mit der Einleitung: Alle 
Plagen, die Gott über Ägypten gebracht hat, die wird er dereinst (in messian. Zeit) 
über Edom bringen. I] P'^siq 56 1«: „Und also sollt ihr es essen . . ., ihr sollt es in ängst- 
licher Hast essen" (Ex 12, 11). R. Sch^muel b. Nachman (um 260) hat gesagt: Während 
es in dieser Welt heißt: „Ihr sollt es in ängstlicher Hast essen", wie heißt es dagegen 
für die Zukunft (von der messian. Erlösung)'? „Nicht in eiliger Hast sollt ihr ausziehn, 
noch in Flucht weglaufen; denn es zieht vor euch her Jahve, u. &aern Zug beschließt 
der Gott Israels" Jes52, 12. — Dasselbe P'siqR 15 (79l>); anonym u. durch ein Gleichnis 
erweitert ExR 19 (81*'). — Die Grundlagen von Sch^muels Ausführung bereits anonym 
in M%h Ex 12, 11 (9b). || Midr Ruth 2, 14 {l^-i^): R. B^reklija (340) hat im Namen des 
R. Levi (um 300) gesagt: Wie der erste Erlöser (= Mose), so der letzte Erlöser ( = 
Messias). Wie der erste Erlöser sich offenbarte u. sich dann wieder vor ihnen verbarg 
(wie lange verbarg er sich vor ihnen? Drei Monate. Vgl. Ex •'>, 20: Und sie trafen Mose 
u. Aaron), so wird der letzte Erlöser sich ihnen offenbaren u. wieder vor ihnen ver- 



Matth 2, 15 87 

bergen. Und wie lange wird er sich verbergen? R. Tauchuma (b. Abba, um 380) hat 
im Namen der Rabhinen gesagt: 45 Tage; vgl. Dn 12, 11: ,Von der Zeit, da das Tamid- 
opfer hinweggeschatft wird . . ., dauert es 1290 Tage", mit Dn 12, 12: ,Wohl dem, der 
wartet u. erreicht 1335 Tage." Wie verhält es sich mit jenen überzähligen (45 Tagen)? 
R. Ji9chaq b. Q^'^arta hat im Namen des R. Jona (um 350) gesagt: Das sind die 45 Tage, 
da Israel Salzkraut pflückt u. ißt, s. Hiob 30, 4 : „Sie, die Salzkraut pflücken am Ge- 
sträuch" (Targ zu Hiob 30,4: Die Dorngestrüpp pflücken statt geniefsbarer Kräuter). 
Wohin wird er (der Messias) sie (Israel) führen? Aus dem Lande in die Wüste Juda; 
s. Hos 2, lö: „Deswegen siehe, ich will sie locken u. will sie in die Wüste führen." 
Wer sagt: In die Wüste Sihons u. <Ogs, (kann hinweisen auf Hos 12, 10:) Wiederum 
werde ich dich in Zelten wohnen lassen, wie in den Tagen der Vorzeit (so nach Targ 
Jon zu Hos 12, 10). Und jeder, der ihm (dem Messias) glaubt, der bleibt am Leben; 
n. wer ihm nicht glaubt, der geht zu den Völkern der Welt, u. diese töten ihn. R. Ji(j- 
chaq b. Marjon ium 2^0) hat gesagt: Am Ende offenbart sich Gott über ihnen u. läßt 
ihnen Manna herabkommen; denn nichts Neues gibt es unter der Sonne. — Dasselbe 
mit Abweichungen P^'siq 49'': als Autoren der Berechnung der 45 Tage werden ge- 
nannt Chama b. Chanina (um 260) u. (Chama b.) Hoscha'ja (um 260); ferner P*^siqR 15 
{72b); NuR U il62b); Midr HL zu 2, 9f. (100*). || Midr Qoh zu l,9(9b): R. B^rekhja (um 
340 1 hat im Namen des R. Ji9chaq (um 300) gesagt: Wie der erste Erlöser, so der letzte 
Erlöser. Wie es vom ersten Erlöser heißt Ex 4, 20: „Mose nahm sein Weib u. seine 
Söhne, ließ sie auf einem Esel reiten", so auch der letzte Erlöser, s. Sach 9, 9: Niedrig 
u. reitend auf einem Esel. Wie der erste Erlöser das Manna herabfallen ließ, s. Ex 
16,4: „Siehe, ich will auf euch Brot vom Himmel regnen lassen", so wird auch der 
letzte Erlöser das Manna herabfallen lassen, s. Ps 72, 6: Weizenbrot wird auf der Erde 
liegen (so der Midrasch). Wie der erste Erlöser den Brunnen aufsteigen ließ (Nu 20, 11), 
so wird auch der letzte Erlöser das Wasser aufsteigen lassen, s. Joel 4, 1^: „Ein Quell 
wird vom Hause Jahves ausgehn, um das Akaziental zu tränken." — Der Anfang mit 
R. Levi als Autor (um 300) Midr Sm 14§9(45'>). !l ExR3(»J9b): , Dies sei dir das Zeichen, 
daß ich dich gesandt habe" Ex 3, 12. Was bedeuten diese Worte? Unsre Lehrer ge- 
segneten Andenkens haben gesagt: Ein Zeichen für die erste Erlösung war es; denn 
mit „ich" (-r:s) sind die Israeliten nach Ägypten hinabgezogen, s. Gn 46,4: „Ich" werde 
mit dir nach Ägypten hinabziehen, u. mit „ich" werde ich dich gewiß auch herauf- 
bringen. Und ein Zeichen für die letzte Erlösung ist es; denn durch „ich" werden sie 
geheilt u. werden sie dereinst {in der niessian. Zeit) erlöst werden, s. Mal 3, 23: Siehe, 
„ich" will euch den Propheten Elia senden. |i ExR 1 {67b): Die Tochter des Pharao zog 
den groß, der dereinst an ihrem Vater Rache nehmen sollte; u. auch der König, der 
Me.ssias, der dereinst an Edom {= Rom) Rache nehmen wird, wohnt bei ihnen in der 
Stadt (Rom), s. Jes 27. 10: Dort (in der festen Stadt = Rom) wird das Kalb weiden u. 
dort wird es lagern. (Vermutlich hat das Verbum yz-' Gn 49, 9, welche Stelle allgemein 
messian. gedeutet wird, veranlaßt, daß man das v^"^' Jes 27, 10 gleichfalls auf den 
Messias bezogen hat.) — Dasselbe Tauch n-a-a (61b). || Midr Ps 43 § 1 (134''): Jenem 
Geschlecht (in Ägypten) hast du Erlösung gesandt nur durch zwei Erlöser, s. Ps 105, 26: 
„Er sandte Mose, seinen Knecht, Aaron, den er erwählt hatte." Und auch diesem Ge- 
schlecht (in der messian. Zeit) sendet er zwei, die jenen (zwei) entsprechen: „sende 
dein Licht u. deine Wahrheit" Ps43, 3; „dein Licht", das ist der Prophet Elias aus 
dem Hause Ahron,* von dem geschrieben steht Nu 8,2: „Nach der Vorderseite des 
Leuchters sollen die sieben Lampen ihr Licht werfen"; u. „deine Wahrheit", das ist 
der Messias b. David, s. Ps 132, 1 1 : „Geschworen hat Jahve dem David Wahrheit, davon 
wird er sich nicht wenden." Und ebenso heißt es Mal 3, 23: „Siehe, ich sende euch 
den Propheten Elias"; siehe, das ist der eine; u. der andre: „Siehe, mein Knecht, den 
ich aufrecht halte" Jes 42, 1. |! ':z, meinen Sohn, Hos 11, 1 geben die LXX wieder mit 



* Elias wird hier mit Pin'^chas identifiziert, der als Kohen Qedeq, als Hoherpriester 
der Messiaszeit zurückerwartet wird, das „Licht" gilt dabei als Symbol des Priestertums. 



88 Matth 2, 16(1.2) 

T« TExva avTov (sc. ^laQccrjX); auch Targ Hos 11,1 übersetzt den Singular durch den 
Plural: „Aus Ägypten habe ich ihnen Kinder gerufen." 

2,16: Und ließ alle Knaben töten. 

1. Wie Herodes gegen sein Volk wütet, um den Messias zu töten, 
so auch der Pharao, um den Erlöser Israels aus Ägypten zu vernichten. 

Sota 12^: „Da befahl der Pharao seinem ganzen Volke" Ex 1,22. R. Jose b. Cha- 
nina (um 270) hat gesagt: Auch in bezug auf sein Volk befahl er es. Und R.Jose b. 
Chanina hat gesagt: Drei Befehle gab er: „Wenn es ein Sohn ist, so tötet ihn" Ex 1, 16; 
u.: , Jeden neugeborenen Sohn sollt ihr in den Nil werfen" 1,22; u. schließlich befahl 
er es auch in bezug auf sein Volk. || ExR 1 (66*^): „Da befahl der Pharao seinem 
ganzen Volke" (Ex 1, 22). R. Jose b. Chanina hat gesagt: Auch in bezug auf sein Volk 
befahl er es. Und weshalb tat er also? Weil die Astrologen zu ihm sagten: Mit dem 
Erlöser Israels geht seine Mutter schwanger; aber wir wissen nicht, ob er ein Israelit 
oder ein Ägypter ist. In jener Stunde versammelte der Pharao alle Ägypter u. sprach 
zu ihnen: Gebet (wörtl.: leihet) eure Kinder, die während der n'ächsten neun Monate 
geboren werden, her, damit ich sie in den Nil werfen lasse, s. Ex 1, 22: „Jeden neu- 
geborenen Sohn sollt ihr in den Nil werfen." „Jeden Sohn der Israeliten" steht hier 
nicht geschrieben, sondern „jeden Sohn", sowohl den eines Juden, als auch den eines 
Ägypters. Aber sie wollten das von ihm nicht annehmen; denn sie sagten: Der Sohn 
eines Ägypters wird sie nun u. nimmer erlösen, sondern nur einer von den Hebräern. 

2. Die Grausamkeit des Herodes u. seine Kunstfertigkeit in der 
Spionage. 

BB 3*^: Herodes, der Knecht des Hauses der Hasmonäer, hatte sein Auge auf 
jenes Mädchen (Mariamme) geworfen. Eines Tages hörte dieser Mann eine Himmels- 
stimme, welche rief: Der Knecht, der sich jetzt empört, hat Glück! Er erhob sich u. 
tötete seine ganze Herrschaft (= Familie der Hasmonäer), aber jenes Kind ließ er 
übrig. Als dieses Kind sah, daß er sie ehelichen wollte, stieg sie auf ein Dach u. 
erhob ihre Stimme, rufend: Jeder, der kommt u. sagt: ,Vom Hause der Hasmonäer 
stamme ich ab', der ist ein Knecht; denn von ihnen bin ich (wörtl.: dieses Kind) 
allein übriggeblieben. Darauf stürzte sich dieses Kind vom Dach auf die Erde.' Er 
(Herodes) verbarg sie sieben Jahre (wohl eine ungenaue Erinnerung an die achtjährige 
Ehe der Mariamme mit H.) in Honig. Einige sagen, er habe ihr beigewohnt; andre 
sagen, er habe ihr nicht beigewohnt. Jene meinen, daß er sie verbarg, um seine Lust 
zu stillen; u. diese meinen, daß er sie verbarg, damit man sagen sollte, er hätte eine 
Königstochter geheiratet. (Dieser Versuch, die Ehe des Herodes mit der Mariamme aus 
der Geschichte zu tilgen, ist wohl ein Ausdruck des Hasses der Pharisäer gegen den 
König.) — Herodes sagte: Wer deutet die Worte Dt 17, 15: „Mitten aus deinen Brüdern 
sollst du einen König über dich setzen" '? Die Rabbinen (taten es). Da erhob er sich 
u. ließ alle Rabbinen töten; den Baba b. Buta ließ er übrig, um von ihm sich Rat zu 
holen. Er ließ ihm einen Kranz aus Igelhaut aufsetzen, der stach ihm seine Augen 
aus. Eines Tages kam H., setzte sich vor ihn (der nach Verlust seiner Augen den 
König nicht erkannte) u. sprach: Sieh, Herr, was dieser böse Knecht (Herodes) treibt I 
Er antwortete: Was soll ich ihm tun? H. sagte: Es möge ihn der Herr (= du) ver- 
fluchen! Er antwortete ihm: „Auch in deinen Gedanken fluche dem König nicht" Qoh 
10,20. H. sprach zu ihm: Der ist kein König! Er antwortete: Und mag er nur ein 
gewöhnlicher Reicher sein, so steht geschrieben: „In deinen Schlafgemächern fluche 
nicht dem Reichen" Qoh 10, 20, u. wäre er ein Fürst, so steht geschrieben: „Einem 
Fürsten in deinem Volk sollst du nicht fluchen!" Ex 22, 27. H. sprach: Das gilt von 
einem, der das Werk deines Volkes treibt, aber der treibt das Werk deines Volkes 

^ Aus Qid 70b geht hervor, daß diese Tradition bereits dem Babylonier Sch*^muel 
(t 254) bekannt gewesen ist. 



Matth 2, 16 (2). 18 89 

nicht! Er antwortete : Ich fürchte mich vor ihm. H. sprach: Es ist niemand hier, der 
hingehn könnte u. es ihm sagen; nur ich u. du sitzen hier. Er antwortete: Es steht 
geschrieben: Denn ein Vogel des Himmels möchte die Stimme weiter tragen u. ein 
Geflügelter das Wort verraten Qoh 10, '20. Da sagte jener zu ihm: Ich bin es (Herodes); 
wenn ich gewußt hätte, daß die Rabbinen so vorsichtig sind, dann hätte ich sie nicht 
getötet, li Josephus erzählt Bell Jud 1, 33, 6.S; Antiq 17, 6, 5; 8, 2, daß Herodes kurz vor 
seinem Tode einen Mordbefehl gegen die Vornehmsten unter den Juden erlassen habe, 
damit ganz Judäa u. die einzelnen Häuser Tränen über sein Ableben fänden. Dieselbe 
Erzählung in der alten „ Fastenrolle " über den König Alexander Jaunäus (104 — 78 
V. Chr.). Da es nicht unmöglich ist, daß die rabbin. Tradition hier, wie auch sonst, 
die beiden bestgehaßten Könige miteinander verwechselt hat, so möge M'^g Tacan 11 
hier ihren Platz finden: Man hat gesagt, als der König Jannäus krank daniederlag, 
ließ er 70 Älteste von den Ältesten Israels festnehmen u. ins Gefängnis werfen. Er 
befahl dem Obersten des Gefängnisses: „Wenn ich tot bin, so töte jene Ältesten"; 
u. auch (befahl er dies), damit die über ihn (bei seinem Tode) sich freuenden Israeliten 
über ihre Lehrer Trauer hätten. Man hat gesagt, daß der König Jannäus ein treffliches 
Weib gehabt habe namens Schalminin: ^ als er nun gestorben war, zog sie seinen Ring 
von seiner Hand, sandte in das Haus de^ Gefangenaufsehers u. ließ ihm sagen: ,Dein 
Herr hat jene Ältesten im Traum freigelassen"! Da ließ er sie frei, u. sie begaben 
sich in ihre Häuser. Hinterher aber teilte man mit, daß der König Jannäus gestorben 
sei; u. diesen Tag, an welchem der König Jannäus starb, machte man zu einem Feiertag 
(an welchem nicht gefastet werden sollte). 

'^,18: Rahel, die ihre Kinder beweint. 
Jer 31, 15 im Midrasch. 

GnR 82 (52''): Was sah linser Vater Jakob, daß er die Rahel auf dem Wege nach 
Ephrath begrub, vgl. Gn 35, 19? Er schaute, daß die Verbannten dereinst dort vorüber- 
ziehn würden; deshalb begrub er R. dort, damit sie dort für sie um Erbarmen bäte. 
Dasmeint Jer31, 15: Eine Stimme wird vernommen zu Rama. !| Midr KL Einl. 24 (oSa-b); 
R. Sch'^'muel b. Nachman (um 260) hat gesagt: (Nach einer Klage der Väter Israels 
über Jerusalems Untergang folgt 38 b:) In jener Stunde sprang unsre Mutter R. hin 
vor Gott u. sprach: Herr der Welten, offenbar ist dir, daß Jakob, dein Knecht, mich 
geliebt hat mit gar großer Liebe, u. um meinetwillen hat er meinem Vater sieben 
Jahre gedient; u. als jene sieben Jahre vollendet waren u. die Zeit meiner Vermählung 
nahte, faßte mein Vater den Plan, mich meinem Eheherrn für meine Schwester zu 
vertauschen. Das lastete überaus schwer auf mir, denn der Plan war mir bekannt 
geworden; u. ich teilte ihn meinem Eheherrn mit u. gab ihm Zeichen zur Unterscheidung 
zwischen mir u. meiner Schwester, damit er mich nicht verwechseln könnte. Aber 
hinterher tröstete ich mich bei mir selber u. ertrug mein Verlangen u. erbarmte mich 
über meine Schwester, daß sie nicht mit Schimpf davonginge. Und am Abend ver- 
tauschten sie meine Schwester gegen mich, u. ich überlieferte meiner Schwester alle 
die Zeichen, die ich meinem Eheherrn überliefert hatte, damit er meinen sollte, sie sei 
Rahel. Ja noch mehr, ich schlich mich unter das Lager, auf dem er mit meiner Schwester 
ruhte; u. wenn er mit ihr redete, so schwieg sie, ich aber antwortete auf jedes seiner 
Worte, damit er die Stimme meiner Schwester nicht erkennen möchte. So habe ich 
Gnade an ihr geübt u. bin nicht eifersüchtig auf sie geworden, noch habe ich sie in 
Schimpf davongehn lassen. Und wenn ich, die ich Fleisch u. Blut, Staub u. Asche war, 
wider meine Nebenbuhlerin nicht geeifert noch sie in Schimpf u. Schande habe davon- 
gehn lassen — du, der du der ewig lebende barmherzige König bist, warum hast du 
dich ereifert gegen die Götzen, an denen nichts Wesenhaftes ist, u. hast meine Kinder 
lassen in die Gefangenschaft ziehn, daß sie durchs Schwert getötet wurden u. die Feinde 



* Im Bericht des Josephus spielt Salome, die Schwester des Herodes, diese Rolle. 



90 Matth 2, 18. 19. 20 

an ihnen handelten nach ihrem Gelüst! — Sofort regte sich das Erbarmen Gottes, u. 
er sprach: Um deinetwillen. Rahel, bringe ich Israel zurück an ihren Ort. Das meint 
Jer3I,15 — 17: „So spricht Jahve: Eine Stimme wird zu Rama vernommen . . . Rahel 
weint über ihre Kinder ... So spricht Jahve: Wehre deiner Stimme das Weinen . . .; 
es gibt noch einen Lohn für dein Tun" usw. Vgl. hierzu gleich Raschi zu Jer31, 15. || 
P^siql41^: R. Schim?on b. Jochai (um 150) hat gelehrt: Weil alles von Rahel abhing 
(d. h. weil die ganze Lebensgeschichte Jakobs sich um sie drehte), wurden ihre Nach- 
kommen nach ihrem Namen genannt: „R. weinte über ihre Kinder" (Jer 31, 15); u. nicht 
bloß nach ihrem Namen, sondern auch nach dem Namen ihres Sohnes: „Vielleicht 
wird Jahve, der Gott der Heerscharen, den Überrest Josephs begnadigen" (Am 5, 15); 
u. nicht bloß nach dem Namen ihres Sohnes, sondern auch nach dem Namen ihres 
Enkels: „Ein Lieblingssohn ist mir Ephraim" (Jer 31, 20). — Dasselbe GnR 71 (46^); 
Midr Ruth 4, 11 (137^). |! Midr KL 1, 2 (50'''): R. Schimcon b. Jochai (um 150) hat gesagt: 
Gott sprach zu Israel: Ihr weint ein eitles Weinen, aber schließlich werdet ihr ein 
wirkliches Weinen weinen. Wo hat Israel ein eitles Weinen geweint? Antwort: Nu 
11.10: Mose hörte, wie das Volk nach seinen Geschlechtern weinte, u. Nu 14,1: Da 
erhob die ganze Gemeinde laut ihre Stimme, u. das Volk weinte in derselben Nacht. 
Und wo hat Israel ein wirkliches (= berechfigtes) Weinen geweint? R. Aibo (um 320) 
u. R. J^huda b. Simon (um 320). R. Aibo hat gesagt: Eins in Rama u. eins in Babel. In 
Rama, s. Jer 31, 15: Eine Stimme wird zu Rama vernommen. In Babel, s. Psl37, 1: 
An den Strömen Babels, da saßen wir u. weinten. R. J'^huda b. Simon hat gesagt: Eins 
im Lande Juda u. eins in Babel. Im Lande Juda, KL 1,2: Sie weint u. weint in der 
Nacht. In Babel, s.Ps 137,1. R. Aibo hat gesagt: Gott sprach zu Israel: Zum Lohn 
für jenes Weinen sammle ich deine Verbannten; s. Jer 31, 16 f.: So spricht Jahve: Wehre 
deiner Stimme das Weinen . . . u. eine Hoffnung gibt es für deine Zukunft, ist Jahves 
Spruch. II Raschi zu Jer 31, 15 erwähnt folgende Legende: Die Erzväter u. die Erzmütter 
gingen, um Gott zu besänftigen, weil Manasse ein Götzenbild im Tempel aufgestellt 
hatte. Aber er ließ sich nicht besänftigen. Da ging Rahel hinein u. sprach vor ihm: 
Herr der Welt, wessen Liebe (Erbarmen) ist größer, deine Liebe oder die Liebe von 
Fleisch u. Blut? Es ist doch wohl deine Liebe größer! Und habe ich nicht meine 
Nebenbuhlerin in mein Haus hineingelassen? Denn alles, was an Dienst Jakob meinem 
Vater gedient hat, hat er nur meinetwegen gedient, u. als ich im Begriff war, in das 
Brautgemach einzutreten, da führte man meine Schwester hinein. Nicht genug, daß 
ich schwieg; ich übergab ihr auch mein Zeichen. Auch du, wenn deine Kinder deinen 
Nebenbuhler in dein Haus gebracht haben, schweige gegen sie! Er sprach zu ihr: 
Schön hast du die Verteidigung geführt; es gibt einen Lohn für dein Tun u. deine 
Gerechtigkeit, daE? du dein Zeichen deiner Schwester übergeben hast. . 

2,19: Da aber Herodes gestorben war. 

M^g Talan 9: Am 7. Kislev ist Festtag. Das ist der Tag, an welchem 
Herodes, der Hasser der Gelehrten, starb; denn es ist Freude vor 
Gott, wenn die Gottlosen von der Welt scheiden; . . . Und an demselben 
Tage, an welchem Herodes starb, machten sie ihn zu einem" Festtag 
(an welchem nicht gefastet werden darf). — Zur üngeschichtlichkeit 
dieser Notiz vgl. Schürer s 1, 415 ff.; in Wirklichkeit ist Herodes kurz 
vor dem Passah des Jahres 4 v. Chr. gestorben. 

2,20: In das Land Israel. 

Im Rabbin. ist „Land Israel" fast ausschließliche Bezeichnung 
Palästinas. Challa4, 8: Rabban Gamliel (um 90) sagte: Drei Länder 
gibt es (sind zu unterscheiden) in bezug auf die Challa (Teighebe): 



Matth 2, 20 91 

vom Lande Israel ^N;ii5i ■j^'^n bis K^zib (^ Ekdippa, zwischen Ptolemais 
u. Tyrus) ist Eine Teighebe; von K''zib bis an den Euphrat u. den 
Amana sind zwei Teigheben; . . . vom Strom u. vom Amana einwärts 
sind zwei Teigheben. ... — Dieselben drei Ländergebiete werden 
Sch^'biath 6, 1 in bezug auf das Brachjahrgesetz unterschieden. || Tos 
Chalia 2, 11 (99): Was ist Land (Israel) u. was ist Ausland? Alles, was 
vom Taurus (Amanusgebirge) abwärts liegt u. weiterhin, ist Land 
Israel; vom Taurus-Amanus u. darüber hinaus ist Ausland. Was die 
Inseln im Meer betrifft, so sieht man sie so an, als ob ein Faden über 
sie ausgespannt wäre vom Taurus-Amanus bis zum Bach Ägyptens: 
vom Faden einwärts ist Land Israel, vom Faden auswärts ist Ausland. 

Der Name ■p'^'Jp^Q (= TlaXaiaTirr) begegnet äußerst selten. GnR 
90 (57»): „Es war eine Hungersnot in allen Ländern" (Gn41,54), in 
drei Ländern: in Phönizien u. in Arabien u. in Palästina. || LvR 5 (108'') 
u. NuR 10 (158''): „Ziehet hinüber nach Kalneh u. sehet" Am 6, 2, damit 
ist Ktesiphon gemeint; „u. gehet von dort nach Chamath, der großen", 
das ist das Chamath von Antiochien; „u. geht hinab nach Gath der 
Philister", das bezieht sich auf die Hügel Palästinas (richtiger wohl: 
auf die Hügel Philistäas, des Philisterlandes). || Midr KL 1, 5 (51''): 
„Ihre Dränger sind zum Haupt geworden" (KL 1, 5), das geht auf 
Vespasian; „ihre Feinde sind im Glück" (das.), das geht auf Titus. 
Drei u. ein halbes Jahr belagerte Vespasian Jerusalem, u. es befanden 
sich bei ihm vier Heerführer: von Arabien, von Afrika (Phrygien?), 
von Alexandria u. von Palästina. 

Noch seltener begegnet der Name „Land Kana^an" '{vxz y'ns im 
Rabbinischen (im NT y^; Xavaav Apg 13, 19, das blofae Xaraav Apg 
7, 11). Dabei ist zu beachten, daß nur das westjordanische Palästina 
Land K. genannt wird. Mak 2, 4: Wohin flüchten sie (die Totschläger)? 
In die Zufluchtsstädte: in die drei jenseits des Jordans u. in die drei 
im Lande K. (also diesseits des Jordans); denn es heißt Nu 35, 14: 
„Drei Städte sollt ihr jenseits des Jordans geben u. drei sollt ihr im 
Lande Kana^an geben" usw. Ehe die drei im Lande Israel (hier im 
engern Sinn = Land K.) ausgewählt waren, nahmen die drei jenseits 
des Jordans (Totschläger) nicht auf ; denn es heißt Nu 85, 13: „Sechs 
Freistädte sollen sein", d. h. bis die sechs zugleich aufnehmen können. || 
Tos Mak 3, 2 (440): Drei (Asyl-)Städte sonderte Josua im Land K. aus, 
u. sie wurden hergerichtet gegenüber den dreien jenseits des Jordans 
wie zwei Reihen (Weinstöcke) in einem Weinberg: Hebron in Judäa 
gegenüber BcQer in der Wüste, Sikhem auf dem Gebirge Ephraim 
gegenüber Ramoth in Gih'ad, Qedesch in Galiläa gegenüber Golan in 
Basan. ... — Dasselbe Mak 9'^' als Bar. I| --j^-d |'-n auch B«'khor 55 ^ 

Bezeichnungen wie „heiliges Land" cii?r! n^ix Sach 2, 16 = rj ayia 
yi'l 2 Makk 1, 7 oder „gelobtes Land", yr; rf^g e/iuyysh'ag Hebr 11,9 haben 
wir in den rabbin. Schriften überhaupt nicht gelesen. 



92 Matth2, 23 (31. 93 1.2) 

2,23 51: Nazareth, Na^age^. 
Nazareth (von -:i: hüten, bewahren, etwa = Wacht oder Wächterin) 
wird im Talmud u. Midrasch nicht erwähnt. Daher ist bemerkenswert, 
daß Eljazar b. Qalir (um 800?) in seiner Elegie auf den 9. Ab »n^^'x 
-,T-u;n rb:j:in nr»"^' Nazareth als Stationsort einer der 24 Priesterabteilungen 
nennt, s. Sam. Klein, Zur Geographie u. Geschichte Galiläas, Leipzig 
1909, S. 74ff. ; ferner Zunz, Literaturgeschichte der synagogalen Poesie, 
Berlin 1865, S. 31. 603 ; Ad. Neubauer, Geographie du Talmud S. 117. 190. 

2,23 23: Auf daß erfüllt werde, was gesagt ist durch die 
Propheten: Er soll ein Nazarener, Na^w^aToc, heißen. 

1. Daß mehrere Propheten einunddenselben Gedanken, wenn auch 
mit verschiedenen Worten aussprechen können, wird Sanh89^ bezeugt: 
R. JiQchaq (um 300) hat gesagt: Einunddasselbe Wort kann (seinem 
Inhalt nach) in vielen Propheten aufsteigen, aber nicht können zwei 
Propheten mit denselben Worten weissagen. Obadja hat gesagt Vers 3: 
„Der Hochmut deines Herzens hat dich berückt"; Jeremia hat gesagt 
Jer 49, 16: „Schauder über dich! Berückt hat dich der Hochmut deines 
Herzens." — Also nur die sprachliche Einkleidung einer Prophetie ist 
Eigentum des betreffenden Propheten. 

2. Eine Stelle, die den als Zitat eingeführten Worten ^Na^cogaiog 
xh]i^i']aeTai'' entspricht, gibt es im AT nicht. Ganz analog heißt es 
Esra 9, 10 ff. (= 3 Esra 8,81 ff.) : Und nun, was sollen wir nach solchem 
sagen, unser Gott? daß wir deine Gebote verlassen haben, welche du 
geboten hast durch deine Knechte, die Propheten, die da sprachen: 
Das Land, welches ihr kommt in Besitz zu nehmen, ist ein beflecktes 
Land, durch die Befleckung der Völker der Länder, durch ihre Greuel, 
womit sie es anfüllten von einem Ende zum andren in ihrer Un- 
reinigkeit usw. — Auch hier wird ein alttestamentl. Zitat gebracht, 
das sich im AT nicht findet, u. das genau so wie das Mt 2, 23 einer 
Mehrzahl von Propheten in den Mund gelegt wird ohne die geringste 
Andeutung, welche Propheten gemeint seien. Dergleichen Freiheiten 
im Zitieren alttestamentl. Worte begegnen auch in der rabbin. Lite- 
ratur. SDt21, 8 §210 (112^): „Sühne dein Volk Israel, das du erkauft 
hast" Dt21, 8. . . . Unter dieser Bedingung hast du uns erkauft, daß du, 
wenn wir sündigen, für uns Sühnung schaffen wirst. Und der heilige 
Geist spricht (damit werden die folgenden Worte als ein Zitat gekenn- 
zeichnet): „Solange ihr also tun werdet, wird euch das Blut gesühnt 
werden." — Hiervon findet sich der Vordersatz überhaupt nicht im 
AT, u. der Nachsatz ist umgemodelt aus mn onb ^s:: Dt 21, 8. || K^th 
111»: R. El'cazar (um 270) hat gesagt: Die Toten (Israels) im Auslande 
werden nicht wieder aufleben (auferstehn), denn es heißt Ez 26, 20: 
„Ich lege Wohlgefallen auf das Land der Lebendigen", d. h. das Land, 
auf dem mein Wohlgefallen ruht (= Palästina), dessen Tote werden 



Matth 2, 23 (23 2) 93 

wieder aufleben; auf dem aber mein Wohlgefallen nicht ruht (^ Aus- 
land), dessen Tote werden nicht wieder aufleben. R. Abba b. Memel 
(gegen 300) wandte ein: „Leben werden deine Toten, meine Leichen 
werden auferstehn" Jes26,19; heißt das nicht: „Deine Toten werden 
leben", nämlich die im Lande Israel? „Meine Leichen werden auf- 
erstehn", nämlich die Toten im Ausland? Und was bedeutet Ez 26, 20: 
„Ich bringe (lege) "^r::: in das Land der Lebendigen"? Damit ist Ne- 
bukadne^ar gemeint; denn es steht geschrieben, daß der Allbarmherzige 
gesagt hat: „Ich will über sie einen König bringen, der schnell ist 
wie eine Gazelle." — 13:^ „Zierde" wird also in der Bedeutung „Ga- 
zelle" genommen, so daß die Stelle zu übersetzen ist: „Ich bringe eine 
Gazelle (= Nebuk.) in das Land der Lebendigen"; das diese Deutung 
begründende Schriftzitat aber: „Ich will über sie einen König bringen, 
der schnell ist wie eine Gazelle" existiert nicht. — Aus diesen Bei- 
spielen erkennt man, daß es durchaus nichts Unerhörtes gewesen ist, 
einen Gedanken, den man im AT irgendwo angedeutet gefunden hatte, 
einfach als einen alttestamentl. Ausspruch zu zitieren. Ebenso wird es 
sich mit dem Zitat Na^oioaTog xlriy^r^afTai verhalten. Es fragt sich nur, 
welcher Gedanke im AT es gewesen ist, der zur Formulierung dieses 
Zitats Veranlassung gegeben hat. 

Nach dem Zus. hang von 2, 23 mußte sich Joseph auf Gottes Geheiß 
in Nazareth ansiedeln, damit Jesus als Sohn Nazareths den von den 
Propheten geweissagten Beinamen -i-^r^b (= Na^cDgaTog, Nazarener) er- 
hielt. Da der Evangelist diesen Namen durch eine Mehrzahl von Pro- 
pheten, Sid TiZv TTQocfrjtwr^ zuvorverkündigt sein läßt, müssen ihm 
mehrere Stellen des AT.s als Beweisstellen vorgeschwebt haben. Am 
nächsten liegt es, an die Ne^er- Weissagung Jes 11, 1 zu denken. Diese 
konnte bei mehreren Propheten wiedergefunden werden, insofern die 
^emach-Weissagung (Jer23, 5; 33,15; Sach3, 8; 6,12) Jes 11,1 zur 
Grundlage hatte. Die Weissagung Jes 11, 1, die samt den Cemach- 
Weissagungen von der alten Synagoge stets messianisch gedeutet 
worden ist,a läßt den Messias als einen Schößling —4: aus der Wurzel 
Isais hervorwachsen, um damit auszudrücken, daß der Messias dereinst 
aus dürftigen u. unscheinbaren Verhältnissen hervorgehn werde. Diesen 
Gedanken dürfte der Evangelist geschichtlich verwirklicht gesehen 
haben in der Tatsache, daß Jesus in dem unbekannten, wohl gar ver- 
achteten Nazareth aufwachsen mußte, um von hier aus ohne Prunk u. 
Pracht in aller Unscheinbarkeit seinen Messiasberuf anzutreten, Stand 
aber dem Evangelisten fest, daß die Ne9er -Weissagung in dem Wohnen 
Jesu in Nazareth zur Erfüllung gekommen sei, dann war es nach den 
in der alten Synagoge geltenden hermeneutischen Grundsätzen nicht 
schwer, in dem Ausdruck n^D Jes 11,1 eine direkte Weissagung auf 
den Namen ^-:ib Nazarener zu finden. Eine ungezählte Male angewandte 
hermeneutische Regel lautete: ^npn bx (= „lies nicht" oder „sprich 



94 Matth 2, 23 (S 2. 3) 

nicht") das u. das Wort des alttestamentl. Textes so, sondern so.^ — 
In der Regel beschränkte sich die Veränderung in der Aussprache eines 
Worts auf einen leichten Wechsel der Vokale oder auf eine Umstellung 
oder Vertauschung einzelner Konsonanten. Immer aber wurde der so 
erzielte Beweis, wenigstens für die Haggada, als vollgültig anerkannt. 
Diese Beweisführung dürfte auch der Evangelist, ohne es ausdrücklich 
auszusprechen, befolgt haben: „Lies Jes 11, 1 nicht -^-s:, sondern •i"i:ib.'' 
So entstand der Satz: „Joseph ließ sich in Nazareth nieder, damit 
erfüllt würde, was von den Propheten (durch die Worte Ne9er u. 
Qemach) gesagt ist: Er soll -^ysi Nazarener heißen. 

a. Targ Jes 11,1: Der König wird aus den Söhnen Isais hervorgehn u. der Messias 
aus seinen Enkelkindern wird groß werden. |j Targ Jer 23, 5: Siehe, die Tage werden 
kommen, spricht Jahve, da will ich dem David den Messias der Gerechten (Textworte: 
-,'-■4 ni;^) erstehn lassen. ] Das. 33, 15: In jenen Tagen u. zu dieser Zeit werde ich dem 
David erstehn lassen den Messias der Gerechtigkeit (Text: "",■;:» "'?-)• II Targ Sach 3,8: 
Denn siehe, ich werde kommen lassen meinen Knecht, den Messias, u. er wird sich 
offenbaren (Text: --^-j, -r;:>- = meinen Knecht Sproi:i1. | Das. 6, 12: Siehe, ein Mann, 
dessen Name Messias (Text: '.^v -"c-^), wird sich offenbaren u. groß werden u. den 
Tempel Jahves bauen. || GnR 85 (54*^): R. Huna (um 350) hat gesagt: .,Dein Stab" Gn 
38, 18 das ist der König, der Messias, wie es heißt Jes 11,1: „Ein Reis wird aufgehn 
aus dem Strunk Isais" usw. || Midr Ps 72 § 3 (163'*): „Deine Gerichte dem Könige gib" 
Ps72, 1; das ist der König, der Messias, s. Jes 11, 1.4: Ein Reis wird aufgehn aus dem 
Strunk Isais . . ., u. er schafft Recht in Gerechtigkeit den Dürftigen. || P'^siqR 33 (1521)): 
Du findest, daß von Anfang der Weltschöpfung an der König, der Messias, geboren 
war. (Gemeint ist ideelle Präexistenz des Messias in den Gedanken Gottes.) Denn er 
stieg in (Gottes) Gedanken auf, ehe die Welt geschaffen war. Ebenso sagt die Schrift 
Jes 11, 1 : „Und aufgegangen ist ein Reis aus dem Strunk Isais"; es heißt hier nicht: 
Und es wird aufgehn s:^.", sondern: Und es ist aufgegangen s:?'"- 1' pB®rakh 2, ö'^, 12: 
R. J'^hoschuac b.Levi (um 250) hat gesagt: gemach (Sproß) ist sein (des Messias) Name. — 
Midr KL 1, 16 (58b) wird als Beweisstelle hinzugefügt Sach 6, 12: Siehe, ein Mann, dessen 
Name (gemach. — Ferner s. bei Lk 1, 78 Anm. a. 

3. Der Name Na^ooQuTog, mit dem Na^aQrjvög wechselt Mk 1, 24; 
10,47; 14,67; 16,6; Lk 4, 34; 24, 19, wird Jesu von Fremden beigelegt: 
Mkl,24; 10,47; Lk4, 34; 18,37; Mt26, 71 (=- Mk 14,67); Joh 18,5; 
19,19; vonseinenJüngernLk24, 19; Apg2,22; 3,6; 4, 10; 26,9. Ein- 
mal nennt sich Jesus selbst o Na^ooQaiug Apg 22, 8. — Na^a^tpög ist 
von der Namensform Na^aQÜ gebildet, die zB Tischendorf aufgenommen 
hat Mt4, 13 u. Lk4, 16; während Na^cogaiog entweder eine (nicht nach- 
weisbare) Namensform Na^wQa voraussetzt oder, was wahrscheinlicher, 
von mundartlichem -in:i'i: beeinflußt ist. 

In der älteren rabbin. Literatur liest man "'i:-:- (der Nazarener) als Beinamen 
Jesu zB cAZ 17^: (R. Elicezer, um 90, sprach:) Einmal ging ich auf dem oberen Markt 
von Sepphoris einher, da traf ich einen von den Schülern Jesu des Nazareners, -v": 
^-::i3n, namens Jaiaqob von Kephar S'^khanja. Der sagte zu mir: In eurer Tora steht 
geschrieben (Dt 23, 19): „Du sollst keinen Hurenlohu ... in das Haus Jahves deines 



' Als Beispiele für die ?A1-Tiqri-Deutung s. Schab 89=* bei Mt 4, 1 ; P'^siqR 34 1 159^) 
bei Mt 5, 4; TanchB s=r § 4 bei Mt 5, 10; cArakhin 15 b bei Mt 5, 11 ; A. Rosenzweig, Die 
Al-Tikri-Deutungen, Breslau 1911 (54 S.). 



Matth 2, 23 (58 3. 4. 5) 95 

Gottes bringen auf irgendein Gelübde hin." Wie ist es? Darf man davon einen Abort 
für den Hohenpriester (im Tempelbezirk) anlegen? Ich erwiderte ihm darauf nichts. 
Da fuhr er fort: So hat mich Jesus, der Nazarener, --ijijn vü- gelehrt: Vom Hurenlohn 
hat sie es gesammelt, u. zu Hurenlohn soll es wieder werden (Micha 1,7); vom Schmutzort 
ist es gekommen, zum Schmutzort soll es wandern. ... — Die nicht gekürzte Parallel- 
stelle Tos Chullin •*, 24 (50:^) s. S. 3t) f.; hier steht statt ''-::-:n ---: „Jeschuac ben Pan- 
tere". — Die weitere Parallele Midr «joh 1, 8 ed. Pesaro 1519 liest s--3E p ::ü-, bezw. 
bloß X--32 1= „Jesus, der Sohn des Pandera". Über diesen Namen s. S. 38. — H Sanh 
43=': Am Rüsttag auf das Passahfest hat man Jesus, den Nazarener, gehängt Tt-sin 
— ui:n "i-V. — So Codex M.; die ed. Amsterd. 1644 hat nur ^v. \\ B'^rakh 17=*: Als sich 
die Rabbinen aus dem Hause des Rab Chisda (f 309; andre: R. Sch'^muel b. Nachman, 
um 26U) verabschiedeten, sagten sie zu ihm also: „Unsre Häupter sind belastet" (so 
wird Psl44, 14 gefaßt). Rab (f 247) u. Sch'^muel (f 254); nach andren: R. Jochanan 
(t 279) u. R. Elcazar (um 270). Der eine sagte: ,Unsre Häupter", nämlich in der Tora; 
u. „sind belastet" geht auf die Gebote. Der andre sagte: „Unsre Häupter", nämlich 
in der Tora u. in den Geboten; u. „sind belastet" geht auf die Züchtigungen (Leiden). 
,Da ist keine Bresche" Ps 144,14: unsre Gesellschaft sei nicht wie die Gesellschaft 
Sauls, von dem Doeg, der Edomiter, ausgegangen ist; „u. kein Ausziehendes" (das.): 
unsre Gesellschaft sei nicht wie die Gesellschaft Davids, von dem Achithophel aus- 
gezogen ist; „u. kein Klageschrei" (das.): unsre Gesellschaft sei nicht wie die Gesell- 
schaft Elisas, von welchem Gechazi ausgegangen ist; „auf unsren Straßen" (das.): 
nicht möge uns ein Sohn oder Schüler sein, der seine Speise öffentlich anbrennen läßt 
[= Verwerfliches lehrt), wie Jesus, der Nazarener, '—s•:T^ vj- (so Codex M.; ed. Ven. 
1520 bloß: „wie der Nazarener" "::-:-i 1-^=; ed. Amsterd. 1644 ff. ohne jede Exempli- 
fizierung auf Jesum. — |! Sanh 103 'i: „Nicht darf dir ein Unglück begegnen" Ps 91, 10; 
nicht mögen dich böse Träume u. böse Gedanken ängstigen; „eine Plage nicht zu nahe 
kommen deinem Zelte", nicht möge dir ein Sohn oder Schüler sein, der seine Speise 
öffentlich anbrennen läßt, wie Jesus, der Nazarener, "S":~ "i--. H Die Verbindung ■'-•: 
•:5:p":r! := „der verwünschte Nazarener" ist uns in der älteren Literatur nicht begegnet. 

4. Sanh 43'* wird in einer Bar unter den Jüngern Jesu ein n^: 
genannt. Sollte sich darin in der alten Synagoge die Erinnerung er- 
halten haben, daß man in christl. Kreisen Jesu Beinamen „der Naza- 
rener" mit dem -s: Jes 11, 1 in Verbindung gebracht hat? Die Stelle 
lautet: Fünf Schüler hatte Jesus -r-^: Mattai, Naqqai, NeQer -:i:, Buni 
u. Todar. . . . Man brachte NeQer herbei (vor die Richter). Er sagte: 
NeQer sollte getötet werden? Es steht doch geschrieben Jes 11,1: 
„Ne9er (ein Schößling) wird aus seinen Wurzeln Frucht bringen." Sie 
antworteten: Gewiß, Ne9er wird getötet werden; denn es steht ge- 
schrieben Jes 14, 19: Du wirst hingeworfen fern von deinem Grabe wie 
ein verworfener Ne9er (Schößling) Die ganze Stelle s. bei Joh 3, 1 Nr. 2. 

5. Das rabbin. Schrifttum erwähnt einigemal einen Ben Ne9er; 
unter ihm wollen Buxtorf, Lexicon 1383, Lightfoot '2, 578 f. u. andre, 
zum Teil nach rabbin. Vorgängern, Jesum verstanden wissen. Besonders 
hat zu dieser Auffassung Veranlassung gegeben GnR 76 (49*^): „Errette 
mich doch aus der Hand meines Bruders, aus der Hand Esaus" (Gn 
32, 12); errette meine Kinder in der zukünftigen Zeit (hier nicht speziell 
= in der messian. Zeit) aus der Hand seiner Nachkommen, wenn diese 
in der Kraft Esaus über sie kommen. Das meint Dn 7, 8: „Ich merkte 
auf die Hörner, u. siehe, ein andres kleines Hörn stieg zwischen ihnen 



96 . Matth 2,28 (5B 5j. 3, 1.2. 3 

empor", das bezieht sich auf Ben Neger. ^Und drei von den früheren 
Hörnern (Dn7,7) wurden vor ihm entwurzelt", das bezieht sich auf 
die, denen man ihre Herrschaft gab, auf ''•ip^ u. c^^p u. ■'cnimp; „u. 
siehe, Augen wie Menschenaugen waren an dem Hörn u. ein Maul, das 
Großes redete", das bezieht sich auf das frevlerische Reich {= Rom), 
welches Steuern ausschreibt auf alle Völker der Welt. — Hierzu zitiert 
Buxtörf folgende Deutung des Isaak (b. J^huda) Abravanel (f 1508 in 
Venedig): „Beachte, wie man jenes andre kleine Hörn ausgelegt hat 
auf Ben Neger, welcher Jeschua^, der Nazarener, ist; u. mit ihm hat 
man nach dem Kontext das frevlerische Reich verbunden, d. h. das 
römische, weil dieses (nach seiner Christianisierung) seine (Jesu) Nation 
ist." — Diese Deutung ist falsch. Grätz, Geschichte der Juden 2 4, 295 ff. 
489 f. hat überzeugend dargetan, daß unter Ben Neger Odenathus, der 
Fürst von Palmyra, zu verstehn ist, der um 260 n. Chr. N'^harde^a 
zerstört hat; ferner hat J. Fürst in seinen Verbesserungen zu Wunsches 
Übersetzung von GnRS. 540 die drei Namen iitp^, ciip u. onin-ip völlig 
zufriedenstellend auf Makrianus, dessen Sohn Quietus u. auf Kyriades 
gedeutet. Makrianus u. Quietus wurden als Kaiser ausgerufen, der 
erstere dann durch Aureolus, der letztere durch Odenathus getötet; 
ebenso büßte Kyriades nach der Besiegung Sapors durch Odenathus 
sein Leben ein. — Auch die übrigen Stellen, in denen Ben Neger er- 
wähnt ist, nämlich pT'-rum N (46'\54); bK'^th 51^35 u. Seder '<01am 
Zuta zu Rab u. Sch'^muel, lassen sich restlos auf Odenathus deuten. 

3,1: In der Wüste des jüdischen Landes. 

Über die Beziehungen der Wüste Juda n-T* -s-'s zur messian. Zeit s. Midr. Ruth 
2,14 (132^) oben S. 87«. 

3, 2:TutBuße, denn dasHimmelre ich istnah ehe rbeigekommen. 
Sieh bei 4, 17. 

3,3: Stimme eines Predigers in der Wüste. 

Jes 40, 3 im Midrasch. 

Leqach tob zu Nu 24, 17 (•_>, 129 b. 180 •'): R. Huna fum 350) hat im Namen des R. Levi 
(um HO") gesagt: (Folgt eine zus. fassende Beschreibung aller Ereigni'jse in der messian. 
Zeit: Der Messias b. Joseph hat die Israeliten von Obergaliläa nach Jerusalem geführt 
u. ist nach 40jähriger Regierung im Kampf gegen Gog u. Magog gefallen. Gott führt 
Israels Sache zum Siege: eine Himmelsstimme weist Israel nach Babel Micha 4, 10, 
eine zweite gen Rom Ez 25, 14, eine dritte befiehlt Israel Rom zu tun, was Josua 
Jericho getan; darauf fällt Rom in Israels Hand; dann fährt der Bericht fort:) Darauf 
sammeln sie alle Beute, u. die Israeliten suchen ihren Gott u. David, ihren König. 
Sofort offenbart sich ihnen der König, der Messias (in Rom), u. spricht zu ihnen: Ich 
bin der König, der Messias, auf den ihr gehofft habt; dann spricht er zu ihnen: Nehmet 
das Silber u. das Gold! Und sie laden es auf u. ziehen hinauf (nach Jerusalem), vgl. 
Jes6U, tJ: „Die Masse der Kamele wird dich bedecken." Eine vierte Himmelsstimme 
geht aus u. ruft Jes 40,8: „Stimme eines Rufers in der Wüste." Eine fünfte Jes 35, 9: 
„Keinen Löwen wird's dort geben." Eine sechste Jes4I,iy: „Ich will in der Wüste 
hinstellen Zeder, Akazie u. Myrte." Eine siebente Jes 40, 1: „Tröstet, tröstet mein 



i 

J 



Matth 3, 3. 4 (9t) 97 

Volk*; u. Elias bringt Israel die gute Botschaft Jes52, 7: , König ward dein Gott." 
Eine achte ruft Jes 4U, 2: „Redet Jerusalem zu Herzen." Eine neunte Jes 26, 2: „Machet 
auf die Tore, daß ein gerechtes Volk einziehe!" Eine zehnte Ps24, 7: „Erhebet, ihr 
Tore, eure Häupter!" Die Toten werden lebendig werden, Jes 26, 19; dann sammeln 
sich die Verbannten Jes27, lo, u. dann wird sich erfüllen Nu 24, 17: „Hervortritt ein 
Stern aus Jakob." — || Midr KL I, 2 (49-'»): R. J^huda b. Simon (um 320) u. R. Aibo (um 
320) u. die Rabbinen sagten: Weil sie (Israel) von Aleph bis Tav (s. oben S. 51) ge- 
sündigt haben, werden sie von Aleph bis Tav getröstet. Und so findest du, daß all den 
harten Weissagungen, die Jeremia über Israel geweissagt hat, Jesaja zuvorgekommen 
ist, um sie zu heilen. Jer. hat gesagt KL 1,1: „Wie sitzt sie so einsam"; Jesaja hat 
gesagt 49, 21: „Du wirst in deinem Herzen sprechen: Wer hat mir diese geboren, da 
ich doch verwaist war?" — Jer. hat gesagt KL 1, 2: „Sie weint u. weint in der Nacht"; 
Jesaja hat gesagt 30, 19: „Weinen sollst du nicht immerfort, Gnade erweisen wird er 
dir gewißlich." — Jer. hat gesagt KL l, 3: „Fortgewandert ist Juda vor Elend" ; Jesaja 
hat gesagt 11, 12: „Die Zersprengten Judas wird er zusammenbringen." — Jer. hat 
gesagt KL 1,4: „Die Wege Zions trauern"; Jesaja hat gesagt 40, 3: „Stimme eines 
Rufers in der Wüste: Säubert den Weg Jahves!" Es werden dann weiter einander 
gegenübergestellt KL 1, 5 u. Jes 60, 14; 1, 6 u. Jes 59, 20; 1, 7 u. Jes 65, 17; l,8u. Jes 
44,22; 1,9 u. Jes 4, 4; 1, 10 u. Jes 11,11; 1,11 u. Jes 49, 10; 1,12 u. Jes 32, 15; 1, 13 u. 
Jes 57, 15; 1, 14 u. Jes 52, 2; 1, 15 u. Jes 62, 10; 1, 16 u. Jes 52, 8; 1, 17 u. Jes 51, 12; 1,18 
u. Jes 60, 21; 1, 19 u. Jes 60, 18; 1,20 u. Jes 66, 14; 1,21 u. Jes 40, 1 ; 1,22 u. Jes 56, 7. — 
Parallelstelle: P''siqR 29/30 (139 *>) anonym mit Abweichungen. — Weitere Stellen s. bei 
Lk 3, 4. 

3,451: Sein Gewand von Kamelshaaren, 
Für Adam u. Eva machte Gott Röcke aus Fell -^rJ mara Gn3, 21; 
Esaus Haarbildung war bei seiner Geburt so stark entwickelt, daß er 
aussah ganz wie ein Haarmantel -ira r^nss Gn25, 25; eiu behaarter 
Mantel -i-'a n-is, wohl eine Art Pelz, wird Sach 13,4 zur Ausstattung 
eines Propheten gerechnet. Nicht in diese Reihe gehört 2 Kg 1, 8: mit 
dem Ausdruck ns-o bs-n wird Elias nicht als Besitzer eines Propheten- 
mantels aus Pelzwerk, sondern als ein Mann von starkem Haarwuchs 
oder mit langem Haar bezeichnet. Das Gewand des Täufers war aus 
Kamelshaaren gewirkt, nicht aus Kamelfell gefertigt. Ein solches Kleid 
hatte Gott nach einer Tradition dem ersten Menschen gemacht. 

GnR20(14^): Jahve Elohim machte für Adam u. sein Weib Röcke aus Fell u. 
bekleidete sie damit Gn 3, 21. In dem Toraexemplar des R. Meir (um 150) fand man 
(wohl am Rande) geschrieben: „Röcke von Licht" (~"s r-.rs statt -^ly ':), weil jene 
Kleider des ersten Menschen einer Laterne (lies mit Pariser Kodex ozt — cpai'ög, Fackel, 
statt =;-E = nrjyuvov, Rautenpüanze, Lk 11,42) glichen, unten weit u. oben eng. R. Ab- 
bahu (um 300) hat im Namen des R. JiQchaq (um 300) gesagt (so ist mit TanchB zu 
lesen): Sie waren glatt wie ein (Finger-)Nagel u. schön wie Perlen. R. Jochanan (f 279, 
so zu lesen mit TanchB) hat gesagt: Wie feine Leinengewänder, die aus Beth-Sch®an 
kommen; -^v r-:r:, Hautröcke, hießen sie, weil sie sich der Haut (des Menschen) dicht 
anschlössen. R. EUazar (b. P'^dath, um 270) hat gesagt: Sie waren aus Ziegenfellen; 
R. Aibo (um 320) hat gesagt: Aus Lammfellen; R. J'^'hoschuac b. Levi (um 250) hat 
gesagt: Aus Hasenfellen; R. Jose b. Chanina (um 270) hat gesagt: Aus zottigen (nicht 
geschorenen) Fellen (1. t:-o^d = aiavQiviov); R. Schimcon b. Laqisch (um 250) hat ge- 
sagt: Aus milchweißer Wolle (1. ■jii-up'sj = yaXKxnyöi'), u. in ihnen haben die Erst- 
geborenen den Priesterdienst verrichtet (nämlich bevor der Stamm Levi mit dem 
Priesterdienst betraut war). R. Sch'^muel b. Nachman (um 260) hat gesagt: Sie waren 
aus Kamelshaaren u. Hasenhaaren; —-j n-jr: „Hautröcke" hießen sie, weil sie von der 
Strack u.Billerbeck, NT I. 7 



98 Matth 3, 4 («. 5B. 6) 

Haut (der Tiere) kamen. — Parallele mit Abweichungen, auch in der Autorenangabe, 
findet sich TanchB r-ss-a § 24 (9'"^). — Die gegensätzliche Auffassung, die in vor- 
stehendem sich an die Namen des R. Jochanan u. des R. Sch^'muel b. N. knüpft, ob 
nämlich -i-j r'-.rz ein Kleid für die Haut (des Menschen) oder ein Kleid von der Haut 
(des Tieres) bedeute, wird Sota 14^ von Rab (f 247) u. Sch'^muel (t 254) vertreten: 
, Haut-Kleid": der eine sagte, das ist etwas, was von der Haut kommt, u. der andre 
sagte, das ist etwas, wovon die Haut etwas hat. — Die letztere Deutung auch Targ 
Onk Gn 3, 2 1 . |! N^'gaUm 11,2: Kleider, die aus einer Verbindung (Mischung) von Kamels- 
haaren u. Schafwolle angefertigt sind, werden, wenn das meiste von Kamelen ist, durch 
Aussatz nicht unrein; wenn aber das meiste von Schafen ist, werden sie durch Aus- 
satz unrein; wenn halb zu halb, so werden sie durch Aussatz unrein. || Siphra zu Lv 
13,47 (262^): , Falls an einem Kleide ein Aussatzschaden entsteht." Etwa auch an 
einem aus feiner oder faseriger oder grober Seide oder aus Baumwolle oder aus Kamels- 
haaren oder aus Hasenhaaten oder aus Ziegenhaaren? Die Schrift sagt lehrend Lv 
13, 47: ,An einem Kleide aus Wolle oder an einem Kleide aus Flachs." 'Vgl. Men 39b. — 
Ein Hemd ganz aus Kamelshaaren n-"-':; •^■cs •.■:i2-:? -.t'-r. wird erwähnt Tos Kil ö, 12 (80). || 
Nach Kil 9, 1 durfte Kamelshaar u. Flachs zus. verarbeitet werden, ohne daß das Gewebe 
dadurch Mischstoff (Lv 19, 19) wurde. 

3,4^: Einen ledernen Gürtel um seine Lende. 

Genau so heißt es 2 Kg 1, 8 von Elias: ■■:p'3: ^it.s ^ly i^tn, was Targ Jon wieder- 
gibt: n-ii^ns -."CS s-s-i-i-; .^t-t „ein Ledergurt, gegürtet um seine Lenden". — Wettsteins. 
Bemerkung (1, 258*), daß die Juden vom Gürtel eines Menschen auf seinen Reichtum, 
bezw. auf seine Armut geschlossen hätten, ist in dieser Allgemeinheit nicht richtig. 
Die beigebrachten Stellen MQ 14^ u. Chullin 108 '^ besagen etwas andres. 

3,46: Seine Speise aber war Heuschrecken, 
In Mischna u. Talmud begegnen als Gattungsname für die Heu- * 
schrecke sjn u. n^i's (''Nsis); doch wurden diese Bezeichnungen auch als 
Speziesnamen gebraucht. Auf Grund von Lv 11, 20— 23 unterschied 
man zwischen reinen u. unreinen, d. h. zum Genuß freigegebenen, bezw. 
verbotenen Heuschrecken. Von letzteren zählte man, wie eine Bar 
behauptet, 800 Sorten.» Die Merkmale der eßbaren Arten s. Chullin 
3, 7.b — Das Fleisch der Heuschrecken wurde nicht als eigentliches 
Fleisch angesehen; deshalb war ihre Zubereitung mit Milch gestattet 
(vgl. Ex 23, 19; 34,26; Dt 14, 21). c Für gewöhnlich wurden sie mit 
Salz eingelegt, d um als Zukost gegessen zu werden; letzteres wird 
man aus dem bei ihrem Genuß zu sprechenden Lobspruch schließen 
dürfen, der sie auf eine Linie stellte mit Essig, Fallobst, Milch, Käse 
u. Eiern, e Auch als Handelsartikel geschieht der eingelegten Heu- 
schrecken Erwähnung; man pflegte sie mit Wein zu bespritzen, um 
ihnen ein schönes Aussehen zu geben.* — Daß H. auch als Heilmittel 
verarbeitet oder Kindern als Spielzeug in die Hand gelegt wurden, 
möge nebenher bemerkt werden, g 

a. Chullin 63b: Abimi b. Abbahu (um 850) hat als Bar vorgetragen: 700 Arten 
Fische u. 800 Arten Heuschrecken u. Vögel ohne Zahl gibt es (die zum Genuß ver- 
boten oder unrein sind). 

b. Chullin 3, 7: Von den Heuschrecken (sind rein) alle, die vier Füße u. vier Flügel 
u. zwei Springfüße haben u. deren Flügel den größten Teil ihres Leibes bedecken. 
R. Jose (b. Chalaphta, um 150) sagte: Und deren Name „Chagab" ist. |1 Pirqe R. Eli'cez. 5 



Matth 3, 4 (6) 99 

Anfang: Am 5. Schöpfungstage . . . ließ Gott aus dem Wasser hervorwimmeln alle Arten 
Heuschrecken, männliche u. weibliche, unreine u. reine. Durch zwei Zeichen sind diese 
rein: Durch lange Springfiiße, mit denen sie auf der Erde hüpfen, u. durch Flügel, die 
den ganzen Körper bedecken. Und diejenigen (Tiere), die aus dem Wasser hervor- 
wimmelten, die Fische u. die Heuschrecken, dürfen ohne rituelle Schlachtung gegessen 
werden; aber Geflügel darf nur bei ritueller Schlachtung gegessea werden. || Targ 
J^rusch I Dt 14, 20: Alle reinen Heuschrecken dürft ihr essen. (Dt 14, 11 redet von den 
reinen Vögeln -liU u. 14, 20 von dem reinen Geflügel ri-^-; da das Dt die Heuschrecken 
somit nicht ausdrücklich erwähnt, bezieht der Targum die letzte Stelle auf diese.) ]| Zu 
den Versuchen der Mischna- u. Talmud-lehrer, die im AT genannten Heuschreckenarten 
des nähern festzustellen, vgl. Targ Onk u. Targ J*^rusch I Lv 11, 22; Chullin 65^—66-'; 
pTaEan 3, 6 i66'i); Siphra Lv 1 1, 22 (207 »). 

C. Chullin 8, 1 : Alles Fleisch ist verboten in Milch zu kochen, ausgenommen das 
Fleisch der Fische u. der Heuschrecken; auch ist verboten. Fleisch zus. mit Käse auf 
den Ti'^ch zu bringen, ausgenommen das Fleisch der Fische u. der H. Wer durch ein 
Gelübde dem Fleisch entsagt, darf das Fleisch der Fische u. der H. genießen. (Der 
letzte Satz wird pN'^'darim 1 Anfang in der Diskussion als verneinende Frage verwertet; 
dies hat Lightfoot übersehen, so daß seine Übersetzung unrichtigen Sinn ergibt.) 

d. T'^'rumlO, 9: Unreine Heuschrecken, die zus. mit reinen H. eingemacht sind, 
machen ihre Brühe (Lake) nicht unerlaubt. R. (^adoq (wohl der Altere, um 70 n. Chr.) 
hat betrefi"s der Brühe der unreinen H. bezeugt, daß sie rein sei. 

e. B*^'rakh 6, 3: Über etwas, was sein Wachstum nicht (unmittelbar) von der Erde 
her hat, spricht man den Lobspruch: , Alles." Über Essig, Fallobst u. Heuschrecken 
spricht man den Lobspruch: , Alles." Über Milch, Käse u. Eier spricht man den Lob- 
spruch: , Alles." (Der von der Mischna als bekannt vorausgesetzte u. deshalb mit dem 
Stichwort benannte Lobspruch lautet: „Gepriesen seist du Jahve, unser Gott, König 
der Welt, durch dessen Wort alles geworden ist.") 

/. cAZ 2, 7 Ende: Die Heuschrecken (die ein Heide eingelegt hat u. verkauft) sind, 
wenn sie aus dem Körbchen kommen (in welchem der Händler sie feilbietet), verboten, 
wenn sie aber aus dem Lagerraum kommen, erlaubt (nämlich zum Genuß in der 
jüdischen Familie). — Der Grund dieser Entscheidung ist, daß die aus dem Korb ver- 
kaufte Ware mit Wein angefeuchtet sein könnte, der als Fabrikat eines Heiden wegen 
seiner Verwendung zu götzendienerischen Opferlibationen unter allen Umständen ver- 
boten ist; eine Befürchtung, die der unmittelbar aus dem Lagerraum entnommenen 
Ware gegenüber nicht obwaltet. || Tos 5AZ 4, 12 (467 1: Heuschrecken u. Kapern aus dem 
Lagerraum, der Vorratskammer u. vom Schiff sind (zum Genußi erlaubt (auch wenn der 
Verkäufer ein Nicht- Jude ist). Wenn sie aber aus einem Körbchen vor dem Krämer 
verkauft wurden, so sind sie verboten, weil man Wein auf sie zu sprengen pflegt, damit 
sie schön von Ansehen seien (u. dieser Wein könnte von Libationswein herstammen). 

g. Schab 9,7: Wer (am Sabbat) eine lebende reine Heuschrecke hinausträgt, so 
klein sie auch sei, von einer toten soviel wie eine getrocknete Feige, von dem „Vogel 
der Weinberge" (Name einer Heuschreckenart), ob dieser lebt oder tot ist, soviel es 
auch sei, weil man ihn zur Heilung (als Heilmittel) aufzubewahren pflegt (: der ist 
schuldig, ein Sündopfer zu bringen). R. J^'huda (um 150) sagte: Auch wer eine lebende 
unreine H. hinausträgt, so klein sie auch sei, weil man sie für ein Kind zum Spielen 
aufzubewahren pflegt. — bSchab 90l> fügt hinzu: Was ist der „Vogel der Weinberge"? 
Rab (t 247) hat gesagt: Das ist der Durchsucher der Baumgärten; Abaje (f 338/39) 
hat gesagt: Er wird auf der Palme, die Eine Rinde hat (= auf den jungen Palmen) 
gefunden; u. man verwendet ihn, um weise zu werden. Man ißt nämlich seine rechte 
Hälfte, u. seine linke Hälfte legt man in eine kupferne Röhre u. versiegelt sie mit 
60 Siegelringen u. hängt sie an den linken Arm. Als Merkmal diene dir QohlO, 2: 
„Das Herz des Weisen ist zu seiner Rechten u. das Herz des Toren zu seiner Linken." 
Und er wird weise, soviel er will, u. er lernt, soviel er will, u. dann ißt er die andre 
Hälfte; denn wenn er es nicht tut, so wird sein Erlerntes wieder ausgerottet. — pSchab 

7* 



1 00 Matth 3, 4 (2)) 

9 Ende (12l>, 16) kennt eine andre Verwendung: R. Acha (um 320) hat gesagt: Eine Frau 
mit aufgesprungener Haut (oder die am Fluß leidet, Levy 3, 501 ^) salbt sich damit (mit 
dem Fett des „Vogels der Weinberge"), so wird sie geheilt werden. 

3,4^: Wilder Honig. 

Unter wildem Honig wird hier, wie Mk 1, 6, kaum vegetabilischer, 
sondern animalischer Honig zu verstehn sein. Mischna u. Talmud lassen 
mit ihren eingehenden Bemerkungen über das Leben u. die Gewohn- 
heiten der Bienen, über den Bau u. die Einrichtung der Bienenstöcke, 
über die Gewinnung u. Verwertung des Honigs usw. deutlich erkennen, 
daß die Bienenzucht im neutestamentl. Zeitalter im jüd. Volk in Blüte 
gestanden hat. Vgl. BB 5, 3; Kelim 16, 7; 22, 10; Ohaloth 8, 1; ^Uq9in 3, 
10. 11; bSchab 43«'^; 154^ BB 18^—19''; 80^ Dagegen scheinen die 
wilden Bienen, bezw. der wilde Honig im altern rabbin. Schrifttum 
nirgends erwähnt zu werden: wo das AT allenfalls dazu Veranlassung 
bietet, behalten die Targumisten den allgemeinen Ausdruck „Bienen", 
bezw. „Honig" einfach bei; so Rieht 14, 8; 1 Sm 14, 25; Ps 81, 17; Spr 
25, 16. Aber Dt 32, 13 deutet Targ Onk bildlich auf die Beute, die die 
Israeliten den Stadtkönigen abnehmen, während Targ Jerusch I die 
betreffenden Worte vom Bonig der Baumfrüchte versteht. — Jedenfalls 
galt aber nach dem, was die Mischna über den Honig der Hornissen 
festgesetzt hat, auch der Honig der wilden Bienen als eine reine Speise. 

Makhsch 6, 4: Der Honig der Hornissen ist rein u. als Speise erlaubt. — B kh 1, 2 
wird der allgemeine Grundsatz aufgestellt, daß das, was von einem unreinen Tier her- 
stammt, unrein, u. was von einem reinen Tier herstammt, rein sei. Da nun die Biene 
zu den unreinen Tieren gerechnet wurde, so entstand die Frage, inwiefern trotzdem 
ihr Honig erlaubt sein könne. Die G^mara 7b bemerkt hierzu: Weshalb hat man 
gesagt: Der Honig der Bienen ist erlaubt? Weil sie ihn in ihren Körper aufnehmen, 
aber nicht aus ihrem Körper aussondern. — Die Meinung geht also dahin, daß die 
Biene den Honig nicht durch Funktionen ihres Organismus produziere, sondern den 
aus den Blüten fix u. fertig aufgenommenen Honig nur reproduziere. 

Über den Wert u. Nutzen des Honigs lassen sich folgende Stellen aus. 

B^'rakh 44^ Bar: Sechs Dinge heilen den Kranken von seiner Krankheit, u. ihre 
Heilung ist eine Heilung: Kohl, Mangold, der Saft des Sison, Honig, der Magen u. die 
Gebärmutter (der Tiere) u. der überflüssige Lappen" an der Leber. | B'^rakh 57 b; Fünf 
Dinge betragen ein Sechzigstel: Feuer, Honig, Sabbat, Schlaf u. Traum. Das Feuer 
beträgt ein Sechzigstel vom Geiiinnom (d. h. von dessen Glut), der Honig vom Manna, 
der Sabbat von der zukünftigen Welt, der Schlaf vom Tode, der Traum von der Pro- 
phetie. || Joma83b Bar: Den, welchen der Heißhunger packt, läßt man Honig u. allerlei 
Süßes essen; denn der Honig u. allerlei Süßes erleuchten das Augenlicht des Menschen; 
u. wenn es auch nicht eine Beweisstelle ist, so ist 1 Sm 14, 29 doch immerhin ein Merk- 
mal: , Sehet doch, wie meine Augen sich aufgehellt haben, weil ich ein wenig von 
diesem Honig gekostet habe." — jl Joma 75b: (Das Manna) wird in der Schrift bald 
Brot, bald Öl (Fett), bald Honig genannt (vgl. Ez 16, 19; Ex 16,4.31; Nu 11,8). R.Jose 
b. Chanina (um 270) hat gesagt: Für die Jünglinge war es Brot, für die Alten Fett u. 
für die Kinder Honig. — Anders pointiert pesiq 1 lO**; TanchB r-n-c § 22 7b; r-.hvz § 22 
34^ ExR5 (71«). 

Vegetabilischer Honig wird erwähnt B'Takh 38«: Mar bar Rab Aschi 
(um 450) hat gesagt: Über Honig der Dattelpalme spricht man den Lob- 



Matth 3, 4 (2)). 5 (1.2) 101 

Spruch: „Durch dessen Wort alles geworden ist." H K^th IIP: Rammi 
b: J'^chezq'^el kam nach B<^ne Baraq; er sah Ziegen, die unter einem 
Feigenbaum frafsen, während Honig aus den Feigen u. Milch aus ihnen 
selbst tröpfelte, u. beides vermischte sich miteinander. Da sagte er: 
Das ist es „überfließend von Milch u. Honig" (zB Ex 3, 8). R. JaJaqob 
b. Dos^thai hat gesagt: Von Lydda bis Ono sind drei Mil; einmal machte 
ich mich früh in der Dämmerung auf u. ging bis an die Knöchel im 
Honig der Feigen. Resch Laqisch (um 250) hat gesagt: Ich selbst habe 
es gesehen „fließend von Milch u. Honig" bei Sepphoris. . . . 

3,5: Die Umgegend des Jordans. 

1. nsQi'xcoQog {== Umgebung, Nachbarschaft, Gebiet) ist als -i^ni^i-Q 
oder ■i'i'iDwsnEs ins Rabbin. übergegangen. 

pSchebiath 9, 2 (38 d, 57): Von Beth-Choron bis an das Meer gilt (in bezug auf die 
Wegschaffung der Früchte des Sabbatjahres aus den Häusern) als Ein Land, als ein 
(zus.gehöriges) Gebiet t-isst. |i DtR 11 (20tJ'^): Jakob sprach zu Mose: Ich bin größer 
als du, denn ich stieß mit dem Engel zusammen u. besiegte ihn. Mose erwiderte: Du 
bist mit dem Engel in deinem Gebiet ■j-'-iis-'-e (= Erde) zus.gestoßen, aber ich bin zu 
ihnen emporgestiegen in ihr Gebiet "i'-'is^is (= Himmel), u. sie fürchteten sich vor 
mir; s. Ps68, 18: Die Könige der Heerscharen (= Engelfürsten) flohen, ja flohen. 

2. Jordan, 'IoQ(Sdvrjg, •'^'■r_; aram. xp"-, Targ Jerusch I Dt 1, 5 n:'^"!!-^. 
B^kh 55* Bar: Der Jordan kommt heraus aus der Grotte Pamjas (eis Unveag) u. 

fließt in das Meer von Sibke "s^-c ^ u. in das Meer von Tiberias u. in das Meer von 
Sodom u. fällt weiter (unterirdisch?) in das große Meer (Weltmeer); aber der Jordan 
ist er erst von im^ r'= au u. weiter abwärts. — Tos B'-'kh 7,4 (542) lautet diese Bar 
so: Es gibt einen Fluß, der aus der Grotte Pamjas herauskommt u. durch das Meer 
von -3S-C 1 u. durch das Meer von Tiberias fließt; obwohl er Jordan "•:: heißt, so wird 
er doch nicht zum Jordan gerechnet. Welches ist der (eigentliche) Jordan? Von r'a 
in"'-'-' an u. weiter abwärts. — Mit ini-> n-3, bezw. irfi' 'z ist natürlich nicht Jericho 
gemeint, sondern ein Ort, der viel weiter nördlich liegen muß. Neubauer, Geographie 
S. 31, denkt an Beth-Jerah am See Tiberias. Auch Josephus, Bell. Jud. 4, 1, 1 unter- 
scheidet zwischen einem Großen Jordan ^loQSdprjg jueyag u. einem Kleinen Jordan 
'looönvrjg fxixQog, von denen der letztere im Sumpfgelände des Semechonitis-Sees in 
den ersteren fließe. Einen weiteren Quellfluß namens Jdvog erwähnt Josephus Antiq. 
1, 10, 1. II B^kh 55»: R. Chijja b. Abba (um 280) hat gesagt, R. Jonathan (1. R. Jochanan, 
t 279) habe gesagt: Warum wird sein Name ■j-s-^"' genannt? Weil er herabkommt von 
Dan i-iis -T-T. R. Abba sagte zu Rab Aschi (f 427): Ihr lehrt es von dort, wir lehren 
es von Jos 19, 47: „Sie nannten Leschem Dan nach dem Namen ihres Vaters Dan." 
R. Ji9chaq (um 300) hat gesagt: Leschem, das ist Pamjas, u. eine Bar lautet: Der 
Jordan kommt aus der Grotte von Pamjas hervor. Rab Kahana (I. um 250; II. um 300) 
hat gesagt: Die Quelle des J. kommt aus der Grotte von Pamjas. |l GnR 4 (4l>): R. Jona 
(um 350) hat gesagt: Dieser J. sn-'' fließt durch das Meer von Tiberias u. vermischt 
sich nicht mit ihm. Ein Wunderwerk liegt darin: ein Mensch siebt Weizen u. Spreu 
in einem Siebe; bevor er (der Weizen) noch zwei oder drei Finger tief hineingesunken 
ist, sind sie schon miteinander vermengt; u. die Wasser des J. fließen schon viele, viele 
Jahre u. vermischen sich nicht. || Para 8, 10: Das Wasser des J. u. das Wasser des 
Jarmukh sind untauglich (als Entsündigungswasser in Verbindung mit der Asche der 
roten Kuh), weil es Mischwasser ist. 

1 In der Parallelstelle BB 74b lautet der Name gleichfalls 'sa'c, in pBB 5, L'"v'i,32 
«»?D oder is'cc, in Tos BQ 8, 18 (363) u. Tos B^'kh 7, 4 (542) ^:s^c; gemeint ist überall 
damit der Hule- oder Semechonitis-See. 



102 Matth 3, 6 (51 1. 2) 

3,6 31: Sie ließen sich im Jordan taufen. 

1. ßanri^^iv, hebr. b^-j = untertauchen, baden; ßaTTriafiog, n^''a-j, 
Untertauchen, Tauchbad. — Das Baden des ganzen Körpers war vom 
Gesetz vorgeschrieben, falls ein Israelit unrein geworden war, zB durch 
Aussatz Lv 14, 1 ff., durch geschlechtliche Ausflüsse Lv 15, 1 ff., durch 
Leichen Nu 19, 1 1 ff. Ferner hatte die traditionelle Auslegung der Rein- 
heitsgesetze ein Tauchbad auch denjenigen zur Pflicht gemacht, denen 
im Gesetz (vgl. Lv 11, 25. 28. 40; 13, 6. 34; Nu 8, 7. 21; 19, 10. 21 u. ö.) 
das Waschen der Kleider aufgegeben war.a Durch das Tauchbad sollte 
in allen diesen Fällen diejenige levitische Reinheit wiedergewonnen 
werden, ohne welche eine Teilnahme an den kultischen Einrichtungen 
ausgeschlossen war. Das Tauchbad gehörte mithin zu denjenigen re- 
ligiösen Pflichten, denen zu genügen der gesetzestreue Israelit un- 
zählige Male in seinem Leben Veranlassung hatte. 

a. Mekh Ex 19, 10 (71h): „Sie sollen ihre Gewänder waschen" Ex 19, 10. Woher 
läßt sich beweisen, daß ihnen auch ein Tauchbad auferlegt war? Siehe, ich ziehe die 
Folgerung: wenn da, wo ihnen kein Waschen der Gewänder auferlegt wird, ihnen doch 
ein Tauchbad auferlegt wird (vgl. zB Lv 15, 16), sollte es da nicht hier, wo das Waschen 
der Gewänder auferlegt war, recht gewesen sein, daß ein Tauchbad auferlegt wurde? 
Es gibt kein Waschen der Gewänder in der Tora, das nicht zum Tauchbad verpflichtete. 

2. Alter u. Bedeutung der Proselytentaufe. 

Wesentlich auf gleicher Linie mit den unter Nr. 1 erwähnten Tauch- 
bädern lag das Tauchbad, dem sich ein zum Judentum übertretender 
Heide zu unterziehen hatte, die sogenannte Proselytentaufe c^-ir. r^"'3-j. 
Wenn auch ein Heide, weil er dem Gesetz nicht unterstand, nicht im 
Sinne des Gesetzes levitisch unrein werden konnte (vgl. Anm. c. d), so 
galt er doch eben als Heide für unrein (vgl. Joh 18,28; Apg 10, 28). 
Für das jüdische Empfinden war es deshalb selbstverständlich, daß ein 
Konvertit, der an den theokratischen Segnungen Israels teilzuhaben 
begehrte, zuvor die Lustration durch ein Tauchbad an sich vollzog. 
Aber es ist nicht zu verkennen, daß im Laufe des 1. nachchristl. Jahr- 
hunderts ein gewisser Wandel in der Wertschätzung der Proselytentaufe 
erfolgt ist. Während anfänglich die Beschneidung der entscheidende 
Akt war, durch den der Übertritt perfekt wurde, gewann das erste 
Tauchbad des Proselyten allmählich mehr u. mehr selbständigen Cha- 
rakter neben der Beschneidung, so daß es schließlich ziemlich allgemein 
als das entscheidende Merkmal der erfolgten Konversion gewertet 
wurde. (Näheres S. 105 ff.) 

Die früheste geschichtliche Bezeugung der Proselytentaufe liegt vor 
in einer Kontroverse zwischen der Schule Schammais u. der Hilleis. 

a. P^s 8, 8 u. lEduj 5, 2: Ein Leidtragender nimmt ein Tauchbad; dann darf er sein 
Passah am Abend (des 14. Nisan) essen . aber nicht Heiliges (zB Fleisch von Fried- 
mahlsopfern). Wer eine Todesnachricht über einen Angehörigen empfängt oder wer 
Totengebeine aufsammelt, der nimm*- '^in Tauchbad u. darf Heiliges essen. Wenn ein 
Proselyt am Vorabend des Passah (d h. am 14. Nisan) zum Judentum übergetreten ist, 



Matth 3, 6 (51 2. 3) 103 

so sagt die Schule Schammais: Er nimmt (nach der Beschneidung) ein Tauchbad, u. 
dann darf er am Abend sein Passah essen. Aber die Schule Hilleis sagte: Wer sich 
von der Vorhaut scheidet, ist wie einer, der vom Grabe scheidet (d.h.: wie der durch 
eine Leiche oder ein Grab Verunreinigte 7 Tage bis zu seiner völligen Reinigung zu 
warten hat Nu 19, 11 ff., so darf das Proselytentauchbad erst 7 Tage nach der Be- 
schneidung erfolgen). 

b. Tos P'^s 7, 13 (167): R. Jose b. J^huda (um 180) hat gesagt: Die Schulen Scham- 
mais u. Hillels waren nicht verschiedener Meinung in bezug auf einen unbeschnittenen 
nichtpriesterlichen- Israeliten,' daß dieser nämlich die Besprengung (im Falle der Ver- 
unreinigung) auf sich zu nehmen habe u. dann (sein Passah) essen dürfe. Worüber 
waren sie verschiedener Meinung? Über einen unbeschnittenen Heiden. Denn die Schule 
Schammais sagte: Er nimmt (nach seiner Beschneidung) ein Tauchbad u. dann darf er 
sein Passah am Abend essen. Und die Schule Hillels sagte: Wer sich von der Vorhaut 
scheidet, der ist wie einer, der vom Grabe scheidet, gleichviel ob es ein Nicht-Israelit 
ist, der sich hat beschneiden lassen, oder eine (heidnische) Sklavin, die das Tauchbad 
genommen hat (u. dadurch eine Jüdin geworden ist). Es gab in Jerusalem Militärposten 
u. Torwächter, die (am 14. Nisan) ein Tauchbad nahmen (um von einer etwaigen Un- 
reinheit rein zu werden) u. dann ihr Passah am Abend aßen. 

C. pP®s S, 36b, 31 : Was war der Grund der Schule Schammais (für ihre Entscheidung 
in der obigen Mischnastelle)? (Nu 31, 19:) Jhr u. eure Gefangenen." Wie ihr (Israeliten) 
euch nicht (levitisch) verunreinigt habt, bevor ihr in den (Sinai-)Bund eingetreten wäret, 
so macheu sich auch eure Gefangenen nicht (levitisch) unrein, bis sie in den Bund 
eingetreten sind. (Sie können also sofort nach der Beschneidung das Tauchbad nehmen, 
ohne 7 Tage warten zu müssen.) Was war der Grund der Schule Hillels? Antwort: 
„Ihr u. eure Gefangenen." Wie euch die Besprengung auferlegt wurde am 3. u. am 
7. Tage (Nu 31, 19), so ist auch euren Gefangenen die Besprengung am 3. u. 7. Tage 
auferlegt. (Sie müssen also nach der Beschneidung 7 Tage bis zum Tauchbad warten.) 

d. P-^s 92 »: Rabbah b. b. Ghana (um 280) hat gesagt: R. Jöchanan (t 279) hat 
gesagt: Die Meinungsverschiedenheit (der beiden Schulen in obiger Mischnastelle) 
bezog sich auf einen uubeschnittenen Heiden. Denn die Schule Hillels meinte es im 
Sinne eines vorbeugenden Verbotes: vielleicht möchte er (der Proselyt) sich im nächsten 
Jahre verunreinigen u. sagen: „Habe icli nicht im vorigen Jahre ein Tauchbad ge- 
nommen u. dann (mein Passah) gegessen? So will ich auch jetzt ein Tauchbad nehmen 
u. essen." Aber er bedenkt dabei nicht, daß er im vorigen Jahr ein Heide war u. keine 
Unreinheit annahm; jetzt aber ist er ein Israelit u. nimmt Unreinheit an. Und die 
Schule Schammais meinte: Wir erlassen kein vorbeugendes Verbot. — Aber betreffs 
eines unbeschnittenen Israeliten gingen die Worte aller dahin: Er nimmt ein Tauchbad 
u. ißt sein Passah am Abend; u. wir erlassen kein vorbeugendes Verbot betreffs eines 
unbeschnittenen Israeliten mit Rücksicht auf einen unbeschnittenen Heiden. — Die Bar 
lautet ebenso: R. SchimJon b. El'azar (um 190) hat gesagt: Die Schulen Schammais u. 
Hillels waren nicht verschiedener Meinung über einen unbeschnittenen Israeliten, daß 
dieser ein Tauchbad nehme u. dann sein Passah am Abend essen dürfe. Worüber 
waren sie verschiedener Meinung? Über einen unbeschnittenen Heiden; denn die Schule 
Schammais sagte: Er nimmt ein Tauchbad u. ißt sein Passah am Abend. Und die Schule 
Hillels sagte: Wer sich von der Vorhaut scheidet, ist wie einer, der vom Grabe scheidet. 

3. Die vorstehenden Stellen zeigen, daß für die Schulen Schammais 
u. Hillels (im l.nachchristl. Jahrh.) die Proselytentaufe bereits zu einer 
feststehenden, von keiner Seite angefochtenen Institution geworden 
war; man darf deshalb deren Anfänge mit Sicherheit in die vor- 
christliche Zeit verlegen. — Sie beweisen ferner durch die ganze 

1 Jüdische Eltern durften Knaben unbeschnitten lassen, wenn sie vorher bereits 
mehrere Kinder infolge Beschneidung durch den Tod verloren hatten. 



104 Matth 3, 6 (51 3) 

Art und Weise, in der sie das Tauchbad der Proselyten neben den 
Tauchbädern unrein gewordener Israeliten erwähnen, daß beide Schulen 
die Proselytentaufe wesentlich für das Reinigungsbad gehalten haben, 
durch welches dem übertretenden Heiden die Teilnahme an allen 
Rechten eines Israeliten ermöglicht wurde. — Die Kontroverse der 
Schulen dreht sich scheinbar um eine mehr nebensächliche Frage, ob 
nämlich ein Proselyt sofort nach der Beschneidung zum Tauchbad 
zugelassen werden dürfe, oder ob er auf letzteres noch 7 Tage zu 
warten habe. Die Berichte aber über die Diskussion lassen zum Teil 
erkennen, daß den eigentlichen prinzipiellen Differenzpunkt das ver- 
schiedene Urteil der beiden Schulen über den Grad der Unreinheit des 
heidnischen Konvertiten gebildet hat. Die Schammaiten hielten diese 
Unreinheit für eine leichte u. gestatteten deshalb den sofortigen Emp- 
fang der Taufe; die Hilleliten hielten sie für eine schwere u. forderten 
deshalb nach Analogie der Bestimmungen über Verunreinigung durch 
einen Toten (Nu 19, 11 ff.) den Aufschub der Taufe um 7 Tage. 

Es mag hier dahingestellt bleiben, ob die Schule Hilleis wirklich 
strenger als die Schammaiten über die Unreinheit der Heiden geurteilt 
hat; der entscheidende Grund ist das kaum dafür gewesen, daß die 
Hilleliten eine siebentägige Frist zwischen Beschneidung u. Tauchbad 
forderten; das eigentliche Motiv scheint uns anderswo zu liegen. — 
Wenn die Schule Schammais, die unentwegte Vertreterin der über- 
kommenen Traditionen, erlaubte, daß das Tauchbad des Proselyten sich 
unmittelbar an die Beschneidung anschloß, so darf daraus gefolgert 
werden, daß die ältere Anschauung den Übertritt des Proselyten mit 
der Beschneidung für vollendet ansah; was darauf noch folgte, Tauch- 
bad u. Opferdarbringung, war ein Akzidenz, die Hauptsache blieb die 
Beschneidung. — Die Schule Hillels hielt die alten Traditionen nicht 
minder hoch, nahm aber auch Rücksicht auf die praktischen Bedürf- 
nisse des Lebens, u. das dürfte auch der letzte Grund gewesen sein, 
der ihnen die Verschiebung der Proselytentaufe um 7 Tage wünschens- 
wert erscheinen ließ. 

Aus einer Bar,a die den Standpunkt der Schule Hillels vertritt, 
erfahren wir, daß in der Praxis ein Proselyt zum Tauchbad erst nach 
der Heilung der Beschneidungswunde zugelassen wurde, u, zwar weil 
ein früheres Bad die Wunde heftig schmerzen lasse. 

Einer andren Barb entnehmen wir, daß die Schule Schammais die 
innerhalb der nichtjüdischen Welt sich findende Beschneidung ^ nicht 
als gesetzlich gültig anerkannt hat; sie forderte als Zeichen des Über- 
tritts eines bereits beschnittenen Heiden zum Judentum gewissermaßen 
eine Wiederholung der Beschnei dung durch Einritzen der Beschneidungs- 
stelle, damit „das Blat des Bundes von ihm tröpfle". Die Schule Hillels 

' J^b 71 ^; <AZ 27^ weiden beschnittene Araber u. Hochländer -rs:; erwähnt, u. in 
nächster Nähe Israels wohnten die Samaritaner, die gleichfalls die Beschneidung hatten. 



Matth 3, 6 (?l 3. 4) 105 

dagegen verwarf diese Forderung als unberechtigt; offenbar wiederum 
von dem Wunsch geleitet, den Proselyten unnötige Schmerzen zu er- 
sparen. Indem die Hilleliten aber auf jene Forderung verzichteten, 
hatten sie bei denjenigen Proselyten, die als Beschnittene übertraten, 
zunächst überhaupt kein äußeres sichtbares Zeichen für deren erfolgte 
Konversion. Daher sahen sie sich dazu gedrängt, nunmehr das Tauch- 
bad zu demjenigen Akt zu machen, in dem u. mit dem der Übertritt 
zum Judentum sich vollziehe. Dazu kam, daß bei den Proselyten aus 
der Frauenwelt ja von Anfang an das Tauchbad allgemein als der 
eigentliche Konversionsakt gegolten hatte; wenn dies aber bei Einer 
Kategorie von Proselyten anerkannt wurde, weshalb sollte es nicht für 
alle gelten! Dieses Streben, für alle Proselyten einunddasselbe Zeichen 
des Übertritts zu gewinnen, in das zum Teil sich noch der Wunsch 
mischte, den Heiden den Übergang zum Judentum möglichst zu er- 
leichtern, das ist der letzte Grund gewesen für die Entscheidung der 
Hilleliten, daß zwischen Beschneidung u. Tauchbad ein Zwischenraum 
von sieben Tagen liegen müsse. Denn sollte das Tauchbad als ein 
selbständiger Akt, als der Hauptakt bei der Konversion gekennzeichnet 
werden, dann mußte es aus seiner bisherigen Verbindung mit der Be- 
schneidung gelöst, d. h. vor allem zeitlich von dieser getrennt werden. 
Freilich die Neuerung bedurfte der biblischen Begründung; doch die 
beweisende Formel fand sich bald. Diese Formel allein ist in der 
Mischna bewahrt; sie lautete: „Wer von der Vorhaut herkommt, ist 
wie einer, der vom Grabe herkommt." Der selbständige Charakter der 
Proselytentaufe war damit anerkannt, sie galt von jetzt an, wenigstens 
im Kreis der Hilleliten, als das Symbol der Aufnahme in die Synagoge. 

a. J®b 47^ u. 47b Bar: Ist der Proselyt geheilt (von der Beschneidungswunde), so 
läßt man ihn sofort das Tauchbad nehmen . . . Wenn er geheilt ist, ja; wenn er aber 
nicht geheilt ist, nicht. Weshalb ? Weil das Wasser die Wunde heftig schmerzen läßt. 

b. pJ^b 8, 9^ 6 u. bSchab 135^ Bar: R. Schimfon b. El'azar (um 190) hat gelehrt: 
Die Schulen Schammais u. Hillels sind nicht verschiedener Meinung darüber gewesen, 
daß von einem beschnitten (ohne Vorhaut) geborenen Kinde das Blut des Bundes träufeln 
müsse, weil die Vorhaut (nur) niedergedrückt sei. Worüber waren sie verschiedener 
Meinung? Betreffs eines Proselyten, der beschnitten übertritt; denn die Schule Scham- 
mais sagte, es müsse von ihm das Blut des Bundes träufeln; u. die Schule Hillels 
sagte, es brauche von ihm nicht das Blut des Bundes zu träufeln. 

4. Daß es sich bei der oben besprochenen Kontroverse der beiden 
Schulen in der Tat um die Frage gehandelt hat, was das Wichtigere 
beim Übertritt eines Proselyten sei, die Beschneidung oder das Tauch- 
bad, zeigt deutlich eine spätere Diskussion a zwischen R. Eli'cozer b. 
Hyrkanos (um 90 n. Chr.) u. seinem dialektischen Gegner R. J'hoschua^ 
b. Chananja. Der erstere vertritt die Richtung der Schammaiten u. er- 
klärt, daß derjenige, der beschnitten sei, als Proselyt gelte, auch wenn 
er nicht das Tauchbad genommen habe; der letztere verficht den Stand- 
punkt der Hilleliten u. will den noch nicht Beschnittenen als voll- 



106 Matth 3, 6 (51 4) 

berechtigten Proselyten anerkannt wissen, sobald er sich dem Tauchbad 
unterzogen hat. Ja ein in derselben Diskussion sich findender Satza 
behauptet sogar, daß alle Welt darin einig sei, daß ein Getaufter, aber 
nicht Beschnittener als Proselyt zu gelten habe.^ Allerdings haben die 
zeitgenössischen Gelehrten sich weder der Meinung des R. Elijezer, noch 
der des R. J^hoschuaj angeschlossen, sondern beides, Beschneidung u. 
Tauchbad, als die unerläßlichen Bedingungen bei der Aufnahme eines 
Proselyten angesehen, a Das ist dann die Norm auch für die Folgezeit 
geblieben. b Allenfalls hat man, solange der Tempel bestand, hier u. 
da neben der Beschneidung u. dem Tauchbad auch wohl noch das 
erste Proselytenopfer als Aufnahmebedingung gefordert. c 

a. J*'b46'* Bar: Von einem Proselyten, der beschnitten ist u. nicht das Tauchbad 
genommen hat, sagte R. Eli^ezer b. Hyrkanos: Siehe, dieser ist ein Proselyt; denn so 
finden wir es bei unsren Vätern (den aus Ägypten gezogenen Israeliten), daß sie be- 
schnitten waren, aber kein Tauchbad nahmen (vor dem Eintritt in den Sinaibund). — 
Wenn er das Tauchbad genommen hat u. nicht beschnitten worden ist, so sagte 
R. J-hoschuac b. Chananja: Siehe, er ist ein Proselyt; denn so finden wir es bei den 
Müttern (den aus Ägypten gezogenen Israelit. Frauen), daß sie ein Tauchbad nahmen 
u. nicht beschnitten wurden (bei ihrem Eintritt in den Sinaibund). Die Gelehrten aber 
(d.h. die Zeitgenossen des R. Elicezer u. R. J'^hoschuac) sagten: Wenn er das T. ge- 
nommen hat, aber nicht beschnitten worden ist, oder wenn er beschnitten worden ist, 
aber das T. nicht genommen hat, so ist er kein Proselyt, bis er beschnitten ist u. das 
T. genommen hat. Und R. J'hoschua' hätte auch lernen sollen von den Vätern, u. 
R. Elicezer hätte auch lernen sollen von den Müttern. Wenn du aber sagen solltest, 
, man ziehe in bezug auf Mögliches keine Folgerung aus Unmöglichem (mithin dem 
R. Eli'ezer nicht zuzumuten sei, seine Meinung durch das Beispiel der Mütter bestimmen 
zu lassen, weil diese ja nicht beschnitten werden konnten): ist denn nicht in einer 
Bar gelehrt worden: R. Eli'ezer b. Hyrkanos sagte: Woher läßt sich der Beweis er- 
bringen, daß das Passah der (nach dem Auszug aus Ägypten lebenden) Geschlechter 
nur aus Profanem (nicht aus zweitem Zehnt oder sonstwie Geheiligtem) genommen 
wird? Antwort: Es heißt „Passah" in Ägypten u. es heißt „Passah" bei den Ge- 
schlechtern; wie das P., von dem in Ägypten geredet wird, nur aus Profanem ge- 
nommen wurde (da man ja vor der Gesetzgebung nichts von zweitem Zehnt wußte), 
so wird auch das P., von dem bei den Geschlechtern geredet wird, nur von Profanem 
genommen. Da sagte R. cAqiba zu R. EliJezer: Wie, zieht man denn in bezug auf Mög- 
liches eine Folgei'ung aus Unmöglichem (aus dem P. in Ägypten, für welches Ge- 
heiligtes noch nicht in Betracht kommen konnte, eine Folgerung bezüglich des späteren 
P., wo dies möglich ist)? R. Elicezer antwortete: Wenn es auch etwas Unmögliches 
war, so ist es doch ein starkes Beweismittel u. wir können daraus lernen. (Wenn also 
R. Eli<ezer im letztern Fall eine Folgerung aus Unmöglichem anerkennt, so hätte er sie 
auch im erstem Falle bezüglich der Mütter anerkennen sollen.) — Vielmehr ist betreffs 
desjenigen, der das Tauchbad genommen hat, aber nicht beschnitten ist, alle Welt 
einig, daß er etwas davon hat (d. h. als Proselyt gelte). Aber verschiedener Meinung 
ist man über den, der beschnitten worden ist u. nicht das Tauchbad genommen hat: 
R. EliJezer lehrte nämlich (dessen Proselytsein) auf Grund (des Vorbildes) der Väter, 
während R. J^'hoschua' sagte, daß auch bei den Vätern das Tauchbad stattfand. Woher 

^ Vgl. Orak. Sibyl. 4, 161 ff., wo den Heiden die Bekehrung zu Gott unter Über- 
nahme der Proselytentaufe — „Badet den ganzen Leib in immerfließenden Flüssen" 
ey noTa[xoi<; Xovaaai^E ökot^ ds'uccg devüoiao — angeraten wird, ohne daß der Beschneidung 
Erwähnung geschieht; die Stelle dürfte etwa aus der Zeit des J'^hoschua. b. Chananja 
stammen, s. Schürer* 3, 579 f. u. Joseph. Antiq. 20, 2, 4. 



Matth 3, 6 (?l 4) 107 

weiß er das? Soll ich sagen: Aus Ex 19, 10: ,Geh zum Volk u. laß sie sich heilig 
halten heute u. morgen und sie sollen ihre Kleider waschen"? Denn wenn da, wo 
kein Waschen (der Gewänder) auferlegt wird, doch das Tauchbad auferlegt wird (zB 
Lv 15, 16), sollte es dann nicht da, wo das Waschen (der Gewänder) auferlegt wurde 
(s. Ex 19, 10), recht gewesen sein, daß das Tauchbad auferlegt wurde? (Also hat 
R. J'^hoschuac recht, wenn er bei den "Vätern am Sinai das Tauchbad voraussetzt.) Aber 
vielleicht handelte es sich (Ex 19, 10) um eine gewöhnliche (nicht aus Gründen levi- 
tischer Reinheit geforderte) Reinigung! Dann ist der Beweis (für die Meinung des 
R. J^hoschuac) vielmehr von Ex 24, 8 aus zu erbringen: „Mose nahm das Blut u. sprengte 
es über das Volk" ; u. es ist traditionelle Lehre, daß es keine Besprengung ohne (voran- 
gegangenes) Tauchbad gibt. Und wenn R. J'^hoschuac gesagt hat, daß das Tauchbad 
auch bei den Müttern (am Sinai) stattgefunden hat, woher läßt sich das beweisen? 
Das beruht auf einem Vernunftgrund (d. h. es ist weder traditionelle Lehre noch aus 
einer Schriftstelle herzuleiten, sondern Ergebnis verstandesmäßiger Erwägung); denn 
wie hätten sie sonst (wenn sie nicht durch das Tauchbad levitisch rein gewesen wären) 
unter die Flügel der Sch'^khina (in den Bund mit Gott) können eingehn? pQid :',64'^, 20 
u.bJ'^bTl* ist die Kontroverse auf eine kurze u. deutliche Formel gebracht. 

b. jeb 46'' u. f AZ 59^: R. Chijja b. Abba (um 280) kam nach Gabla; er sah Israe- 
litinnen, die schwanger waren von Froselyten, die beschnitten waren, aber kein Tauch- 
bad genommen hatten. ... Er sagte zu ihnen auch nicht das geringste, kam aber zu 
R. Jochanan (f 279) u. sprach zu ihm: Geh hinaus u. laß über ihre Kinder verkündigen, 
daß diese Bastarde sind . . .; denn R. Chijja b. Abba hat gesagt: R. Jochanan hat ge- 
sagt: In Ewigkeit ist niemand ein Proselyt, bis er beschnitten ist u. das Tauchbad 
genommen hat, u. wenn er das Tauchbad nicht genommen hat, so ist er ein Fremder. — 
Die kurze Regel: ,Man ist kein Proselyt, bis man beschnitten ist u. das Tauchbad 
genommen hat," findet sich zB J'^b 46^ (2mal). II fAZ 57^: Rab Schimi b. Chijja ent- 
gegnete Rab (t 247): Von Sklaven, die man von Heiden kauft u. die beschnitten worden 
sind, aber nicht das Tauchbad genommen haben, u. ebenso von Sklavinnensöhnen, die 
beschnitten worden sind, aber nicht das T. genommen haben, gilt, daß ihr Speichel u. 
ihre Fußspur auf der Straße verunreinigt. — Ebenso sagt Raba, f 352 (so wird zu 
lesen sein statt Rabbah, f 330), zu seinem Lehrer Rab Nachman (b. Ja?aqob, f 820). 
Zur Erklärung zitieren die Tosaphisten die obige Regel: ,Man ist kein Proselyt, bis 
man beschnitten ist u. das T. genommen hat." 

C. K^r 2. 1: R. Eli?ezer b. Ja?aqob (wohl der Ältere, um 70 n. Chr.) sagte: Ein Pro- 
selyt ist ein der Sühne Ermangelnder, bis Blut für ihn gesprengt ist (bei seiner ersten 
Opferdarbringung). || K^r 81^: Rabbi sagt: ,Wie ihr" Nu 15,14, d. h. wie eure Väter. 
Wie eure Väter (am Sinai) in den Bund eingetreten sind nur durch Beschneidung,. 
Tauchbad u. gnädige Blutannahme (Opferdarbringung), so sollen auch diese (die Fro- 
selyten) in den Bund nur durch Beschneidung, Tauchbad u. gnädige Blutannahme ein- 
treten. . . . Zugunsten der Beschn. ist, daß geschrieben steht Jos 5, 5: „Denn alles (aus 
Ägypten) ausgezogene Volk war beschnitten." Oder auch auf Grund von Ez 16, 6: „Ich 
ging an dir vorüber u. sah dich zertreten in deinem (Beschneidungs-)Blut u. sprach zu 
dir: Durch dein Blut sollst du leben!" — Die gnädige Blutannahme ist erwiesen aus: 
„Mose beauftragte Jünglinge der Kinder Israel u. sie brachten Brandopfer dar" Ex 
24, 5. — Aber aus welcher Stelle läßt sich das Tauchbad erweisen? Weil geschrieben 
ste.ht Ex 24, 8: „Mose nahm die Hälfte des Blutes u. schwenkte es auf das Volk", u. 
es gibt keine Sprengung ohne (vorangegangenes) Tauchbad. Aber wie verhält es sich 
nun jetzt, wo es kein Opfer mehr gibt? nehmen wir da auch keine Froselyten mehr 
auf? Rab Acha bar Ja?aqob (ein Babylonier, um 330) hat gesagt: „Und wenn ein Pro- 
selyt bei euch weilt . . . wie ihr tut, so soll er tun" (Nu 15, 14).' Bar: Ein Proselyt 

' Bei Zitierungen wird meist nur der Anfang des Schriftverses gebracht, auch 
wenn die eigentlichen Beweisworte an seinem Ende stehen; so auch hier: wie ihr 
tut, immer wie ihr tut, so auch sie; ihr ohne Opfer, auch sie ohne Opfer. 



108 Matth 3, 6 (31 4. 5) 

in der jetzigen Zeit muß einen Viertel (Denar) für sein Taubenpaar [das vordem als 
Mindestopfer darzubringen war, Siphre Nu 5, 14 § 108 (30^)] aussondern. R. Schimcon 
(b. Jochai, um 150) hat gesagt: Dazu wurde einst Rabban Jochanan b. Zakkai (f um 80) 
autorisiert, aber er hat es wieder abgeschafft wegen der damit verbundenen Versuchung 
(das Geld, als etwas Geheiligtes, könnte vom Proselyten für profane Zwecke verbraucht 
werden). — Parallelstelle: Siphre a. a. 0. 

5. Die Beschaffenheit des Tauchbades. 

Über das zum Tauchbad geeignete Wasser hat der Traktat Miqvaoth 
genaue Bestimmungen. Danach hatte man sämtliche Wasseransamm- 
lungen nach dem Grad ihrer Verwendbarkeit für die Zwecke levitischer 
Reinigung in sechs Klassen eingeteilt. 

I. Den geringsten Wert hat das Wasser in Zisternen, Gruben, Gräben 
u. Erdhöhlungen, ferner nicht mehr abfließendes (stehengebliebenes) 
Regenwasser, u. endlich eine Wasseransammlung, deren Inhalt weniger 
als 40 Sea beträgt. Dergleichen Wasser darf nur zur Bereitung der 
Teighebe (Challa) u. zum rituellen Begießen der Hände gebraucht 
werden, Miqv 1, 1. 4 f. 

II. Das von Hügeln u. Bergen noch abfließende Regenwasser ist 
geeignet zur Herstellung von Hebe (T'^ruma) u. zum Begießen der 
Hände, Miqv 1, 6. 

III. Die schlechthin „Miqva" genannte Wasseransammlung, die wohl 
für gewöhnlich als Tauchbad u. zur Reinigung unrein gewordener Ge- 
räte durch Untertauchen benützt worden ist. Sie sollte mindestens 
40 Sea Wasser enthalten (Miqv 1, 7. || 1 Sea etwa = 13,13 Liter, mithin 
40 Sea = 525,20 Liter) a u. 1 Quadratelle weit u. 3 Ellen tief sein.b Das 
Wasser durfte nicht mit Schöpfgefäßen in das Sammelbecken hinein- 
geschöpft,, sondern mußte mit Röhren aus Quellen, Flüssen, Regen- 
wasserreservoirs u. dergl. hineingeleitet werden. Drei Log (1 Log = 
^24 Sea) hineingeschöpftes Wasser machten die Miqva als Tauchbad 
untauglich. c — Auf gleicher Linie standen angesammeltes Regenwasser d 
u. das offene Meer;e auch darin durften Tauchbäder genommen werden, 
doch war den Frauen (aus Gründen des Anstands?) das Tauchbad in 
einem Hafen verboten, f 

a. Miqv 5,6: Wenn sich eine Welle, die 40 Sea enthält, losreißt u. auf einen 
Menschen oder auf Geräte fällt, so sind diese dadurch rein. Überall, wo 40 Sea Wasser 
vorhanden sind, darf man ein Tauchbad nehmen u. (Geräte) untertauchen. 

b. cErub 4l>: „Er bade seinen ganzen Leib im Wasser" Lv 15, 16, daß nichts 
Trennendes zwischen seinem Leibe u. dem Wasser ist; ,im Wasser", d. h. im Wasser 
des Tauchbades (Beweis aus dem bestimmten Artikel d^'s;; = in dem bekannten Wasser, 
d. h. dem W. der Miqva); „seinen ganzen Leib", d. h. in so viel Wasser, daß der ganze 
Leib hineinkommt (Raschi: zu gleicher Zeit, auf Einmal). Und wieviel Wasser ist das? 
Eine Elle ins Geviert, drei Ellen hoch; u. die Gelehrten haben das Maß des Tauchbad- 
wassers auf 40 Sea berechnet. Ähnlich Chag 11^; P'^s 109^; Joma31^; kürzer Siphra 
Lvl5, 16(297ab). Zudem I.Satz: , daß nichts Trennendes ist" vgl Miqv 9, 1 ; Sukka 6«; 
Nidda66b. 

C. Miqv 2, 4: R. ElUezer (b. Hyrkanos, um 90) sagte: Ein Viertel Log zu Anfang 
hineingeschöpftes Wasser machen die Miqva untauglich, u. drei Log (geschppftes Wasser), 



Matth 3, 6 (31 5) 109 

die man (hinterher) zu dem Wasser hinzutut. Die Gelehrten aber sagten: Ob zu Anfang 
oder zum Schluß, sein Maß (d.h. das Maß des die ganze Miqva untauglich machenden 
geschöpften Wassers) beträgt drei Log. 

d. Miqvö, 5: Fließendes Wasser gilt wie Quellwasser, aber triefendes Wasser 
(= Regenwasser) gilt wie eine Wasseransammlung. 

e. Miqvö, 4: Alle Meere gelten wie eine Wasseransammlung, denn es heißt Gn 
1, 10: , Die Wasseransammlung nannte er Meer." Das sind Worte des R. Meir (um 150). 
R. J%uda (b. Elcai, um 150) sagte: Das große (Welt-)Meer gilt wie eine Wasseransamm- 
lung; es heißt „Meer" (im Hebr. steht der Plural =-i:-) nur, weil vielerlei Meere darin 
sind. R. Jose (b. Chalaphta, um 150) sagte: Alle Meere reinigen, insofern sie fließen, 
aber sie sind untauglich (zum Tauchbad) für Samenflüssige u. Aussätzige u. um mit 
ihnen das Entsündigungswasser zu heiligen. Ebenso Para 8, 8. 

/. Nidda 66 b; Sch^muel b. Ji9chaq (um 300) hat gesagt: Eine Frau soll kein Tauch- 
bad in einem Hafen nehmen. 

IV. Quellwasser. 

Miqv 1,7: Höher als jene (nämlich eine Miqva) steht eine Quelle, die nur wenig 
(eigenes) Wasser enthält, während das hinzugeschöpfte Wasser die Mehrheit bildet: 
sie gleicht der Miqva darin, daß sie in einer Vertiefung (= Sammelbecken) reinigt (als 
Tauchbad), u. sie gleicht dem reinen Quell wasser darin, daß man in ihr Wasser, so 
viel oder so wenig es auch sei, Geräte untertauchen darf (zwecks levitischer Reinigung). 

V. An zweithöchster Stelle steht sogenanntes „geschlagenes Wasser" 
■pari cs-^a; dieses reinigt im Fliefaen, Miqv 1, 8.a 

a. Para 8, 9: Geschlagenes Wasser ist ungeeignet (zum Tauchbad des Samen- 
flüssigen u. Aussätzigen u. zur Heiligung des Entsündigungswassers). Dies ist ge- 
schlagenes Wasser: salzhaltiges u. warmes Wasser. 

VI. Den ersten Rang nimmt „lebendiges" (= fließendes) Wasser 
ein, d. h. reines Quellwasser. Dies ist als Tauchbad vorgeschrieben für 
Samenflüssige u. Aussätzige u. dient zur Herstellung des Entsündigungs- 
wassers» (Nu 8, 7; 19,9). Gleichen Wert hat das Flußwasser;b doch 
wird ausdrücklich hervorgehoben, daß das Wasser der vier Flüsse 
Qirm^jon, Piga, Jordan u. Jarniukh^ für jene Zwecke nicht brauchbar 
sei.c Damit sollte natürlich nicht gesagt sein, daß in den genannten 
Flüssen überhaupt kein rituelles Tauchbad genommen werden dürfe, 
sondern nur, daß ihr Wasser sich nicht zum Tauchbad des Samen- 
flüssigen u. Aussätzigen usw. eigne. 

a. Miqv 1,8. b. Miqv 5, 5. C. Para 8, 10. 

Vorstehende Stellen zeigen, daß nur für Verunreinigung durch 
Samenfluß u. Aussatz reines Quell- u. Flußwasser als Reinigungsmittel 
vorgesehen war, daß dagegen bei Verunreinigungen, wie solche Lv 11 
(nach rabbin. Auslegung) u. Lv 15 aufgezählt werden, jede der oben 
unter Nr. III — VI genannten Wasseransammlungen als zum Tauchbad 
geeignet angesehen wurde. Letzteres gilt nun auch in bezug auf die 
Tauchbäder der Proselyten; denn in einer Bar J^b 47=* u. '^ wird aus- 
drücklich die Regel ausgesprochen, daß da, wo eine Frau nach der 
Menstruation das T. nimmt, auch der Proselyt u. der freigelassene 
Sklave das T. nehmen dürfe. 

^ R. Jochanan (f 279) sagt BB 74 b von diesen vier Flüssen, daß sie das Land 
Israel umgeben; vgl. Neutauer, La Geographie du Talmud, S. 29—32. 



110 Matth 3, 6 (51 6) 

6. Der Vollzug der Proselytentaufe. 

Über die Art u. Weise, in der die Proselytentaufe vorgenommen 
wurde, liegen eingehende Notizen vor.a Der zum Übertritt sich Mel- 
dende wird auf den Ernst seines Schrittes aufmerksam gemacht; bleibt 
er seinem Vorsatz treu, so wird er beschnitten. Nach Heilung der 
Beschneidungswunde wird er bei Tage, nicht in der Nacht, b zum 
Tauchbad geleitet: zwei, nach späterer Tradition dreic Gelehrtenschüler 
(Gelehrte, die noch nicht für ein selbständiges Lehramt ordiniert waren) 
stehen ihm als Zeugen zur Seite u. legen ihm einige leichte u. schwere 
Pflichtgebote aus, während das Wasser schon die untere Hälfte seines 
Körpers bedeckt, d Ist er auch jetzt noch in seinem Entschluß fest, so 
läßt man ihn untertauchen, so daß das Wasser über seinen ganzen 
Körper auf Einmal hinweggeht. Mit dem Augenblick, da er dem Tauch- 
bad entsteigt, gilt er in jeder Hinsicht als ein Israelit. e — Wenn der 
Täufling eine Frau war, so wurde sie von Frauen ins Tauchbad ge- 
führt, während die beiden Gelehrtenschüler draußen verweilten, um 
von dort aus ihre Belehrungen zu erteilen.* — Kinder wurden zugleich 
mit ihren übertretenden Eltern getauft, bezw. beschnitten; doch be- 
hielten sie das Recht, nach erlangter Mündigkeit selbständig über ihre 
Zugehörigkeit zur Synagoge zu befinden. [Beschloß später ein in seiner 
Kindheit getaufter Proselytensproß, dem Judentum wieder den Rücken 
zu kehren, so sollte er nicht wie ein abtrünniger Jude behandelt, 
sondern angesehen werden wie einer, der zeitlebens ein Nicht-Israelit 
gewesen.] Die Vollziehung der Proselytentaufe an Kindern galt jeden- 
falls nicht als etwas Ungewöhnliches, sondern als selbstverständliche 
Regel, g — Betreffs derjenigen Kinder, die einem Elternpaar nach dem 
Übertritt zum Judentum geboren wurden, befolgte man den Grundsatz, 
daß sie vermöge ihrer Geburt Juden seien; sie wurden deshalb nicht 
getauft. An diesem Grundsatz hielt man selbst in dem Falle fest, daß 
die Mutter noch als Heidin, also vor ihrer Aufnahme ins Judentum 
schwanger geworden war.h 

a. J^b 47^ Bar (i":"): Wenn ein Proselyt in dieser Zeit zum Judentum übertreten 
will, so sagt man zu ihm: Was für einen Grund hast du, daß du P. werden willst? 
Weißt du nicht, daß die Israeliten in dieser Zeit bekümmert, bedrängt, gestoßen u. 
zerschlagen sind, u. daß Leiden über sie kommen? Wenn er dann sagt: Ich weiß es 
u. ich bin nicht wert (nämlich: „meinen Hals unter das Joch Des zu begeben, der da 
sprach u. die Welt ward", so Traktat Gerim 1 ; oder: „teilzuhaben an ihren Leiden", 
so Raschi), so nimmt man ihn sofort an. Dann macht man ihn mit einem Teil der 
leichten Gebote u. mit einem Teil der schweren Gebote bekannt; man macht ihn 
weiter bekannt mit der Versündigung wegen Nachlese Lvl9, 9, wegen der auf dem 
Felde vergessenen Garbe Dt 24, 19, wegen der nicht abzuerntenden Feldecke Lv 19, 9 
u. wegen des Armenzehnts Dt 26, 12 ff., ferner mit den Strafen wegen Übertretung der 
Gebote. Man spricht zu ihm: Wisse, bevor du unter dieses Maß (mit welchem Gott 
Israel mißt) tratest, da hast du Fettstücke gegessen, ohne der Strafe der Ausrottung 
zu verfallen, da hast du den Sabbat entweiht, ohne der Strafe der Steinigung zu ver- 
fallen; aber jetzt, wenn du Fettstücke issest, wirst du mit Ausrottung, u. wenn du 
den Sabbat entweihst, mit Steinigung bestraft. Wie man ihn mit den Strafen wegen 



Matth 3, G Ca 6) Hl 

Übertretung der Gebote bekannt macht, ebenso macht man ihn mit ihrem Lohn be- 
kannt. Man spricht zu ihm: Wisse, daß die zukünftige Welt (Zeit der Endvollendung) 
nur für die Gerechten geschaffen ist, u. dafs Israel in dieser Zeit weder die Fülle des 
Guten noch die Fülle der Strafen empfangen kann. Mehr aber .sagt man ihm nicht, 
legt es ihm auch nicht eingehend dar. Nimmt er es auf sich, so beschneidet man ihn 
sofort. Sind Fleischfasern an ihm sitzen geblieben, die die Beschneidung aufhalten 
(unwirksam machen), so beschneidet man ihn zum zweitenmal. Ist er geheilt, so läßt 
man ihn sofort das Tauchbad nehmen. Zwei Gelehrtenschüler stehen bei ihm u. machen 
ihn mit einem Teil der leichten u. mit einem Teil der schweren Gebote bekannt. Hat 
er das Tauchbad genommen u. ist er herausgestiegen, siehe, so ist er in jeder Hinsicht 
wie ein Israelit. — Eine Frau bringen Frauen bis an den Hals ins Wasser, u. die 
beiden Gelehrtenschüler stehen für sie draußen u. machen sie mit einem Teil der 
leichten u. mit einem Teil der schweren Gebote bekannt (vgl. bei Mt 23, 15 Anm. 7c). 

b. J'^b46b: Einst kam zu R. Chijja (um 200) ^ ein Proselyt, der beschnitten war, 
aber kein Tauchbad genommen hatte. Er (Chijja) sagte zu ihm: Warte hier bis morgen, 
so wollen wir dich taufen. Daraus lernt man dreierlei: erstens, daß ein P. dreier 
(Zeugen beim T.) bedarf; zweitens, daß er erst dann ein P. ist, wenn er beschnitten 
ist u.. das T. genommen hat; drittens, daß man einen P. das T. nicht in der Nacht 
nehmen läßt. |l pJ'^b S, 8«^, 16: R. Ji^chaq b. Nachman (um 280) hat erzählt: R. J^hoschua^ 
b. Levi (um 250) befand sich in Laodicea u. es war dort der Patriarch R. Judan IL 
Jener wollte früh aufbrechen, aber dieser sprach zu ihm: Warte, wir wollen morgen 
eine Proselytin taufen. R. Z^?ira (um :i00) fragte den R. Ji9chaq b. Nachman: Warum 
(sollte er warten)? Wegen der Ehre des Alten, oder weil man eine Proselytin nicht 
in der Nacht tauft? Er antwortete: Weil man eine Proselytin nicht in der Nacht tauft. 
Es kam die Sache vor R.Jose (= R. Asi? um 800), wie es sich mit dem Taufen der 
Proselyten in der Nacht verhalte. Und man stimmte nicht bei (erlaubte es nicht). — 
Allgemein wird das nächtliche Tauchbad verboten Meg2, 4: „Man darf die Estherrolle 
(am Purimfeste) nicht lesen, nicht beschneiden, nicht ein Tauchbad nehmen . . ., bevor 
die Sonne aufgegangen ist." i| pM^g 2, 73^, .59 wird zu den Worten der Mischna: „Man 
darf kein T. nehmen, bevor die Sonne aufgegangen ist," bemerkt: Denn es heißt Nu 
19,19: „Er spritze u. er nehme einT."; wie das Spritzen -jn bei Tage, so auch das- 
T. am Tage. Woher läßt sich beweisen, daß das Spritzen bei Tage geschieht? Aus 
Nu 19, 19: „Es spritze der Reine auf den Unreinen am dritten Tage." Alle, die ein T. 
zu nehmen haben, nehmen es nach ihrer Art bei Tage, mit Ausnahme der Men- 
struierenden u. der Wöchnerin, die das T. nur des Nachts nehmen. Vgl. auch M'^g 20'''. 

C. Vgl. noch J^b 4(ib: R. Chijja b. Abba (um 280) hat gesagt: R. Jochanan (f 279) 
hat gesagt: Ein Proselyt bedarf dreier (Zeugen oder Assistenten); s. Nu 15, 16: Ein 
Recht (Gericht) soll für euch u. den Fremdling (= Proselyt) sein. — Sinn: Wie ein 
Gericht nicht weniger als drei Richter umfaßt, so soll auch die Zahl der gewisser- 
maßen als Richter fungierenden Taufzeugen nicht unter drei betragen. 

d. Traktat Gerim 1 (ed. Kirchheim S. 38): Man läßt ihn in das Tauchbad hinab- 
steigen, u. während das Wasser ihn bis an die Stelle der Scham bedeckt, sagt man 
ihm einen Teil der Auslegung der Gebote. 

e. Sieh fErub 4b (oben S. 108); Jeb47'i in Anm. a; Jeb47b bei Mt23, 15 Anm.^'. 
/. Traktat Gerim 1 (38): Wie man dem Manne (im Tauchbad Gebote) sagt, so auch 

der Frau, daß sie sorgfältig sein solle in bezug auf ihre (monatliche) Reinigung u. 
betreffs der Absonderung der Teighebe (Challa) u. des Anzündens der Sabbatlampe. 
(Das sind die 3 (^ebote, die namentlich der Frau gegeben sind.) 

g. K'th 11»: Wenn mit einem Proselyten dessen Söhne u. Töchter zum Judentum 
mitübertreten, so haben sie Genuß von dem, was ihr Vater getan hat (d. h. sie bedürfen 
zu ihrem Übertritt nicht der Genehmigung der jüdischen Obrigkeit, vgl. das folgende 
Zitat, sondern der Schritt ihres Vaters kommt ihnen zugute, so daß sie ohne weiteres- 



1 Nach andrer Tradition zu R. HoschaEja, um 225, oder zu R. Chijja b. HoschaSja. 



112 Matth 3, 6 (21 6. 7) 

beschnitten u. getauft werden). Rab Joseph (ein Babylonier, f 333) hat gesagt: Wenn 
sie großjährig geworden sind, können sie es ungeschehen machen (u. ins Heidentum 
zurückkehren, ohne daß sie vom Gericht bestraft werden, Raschi). jl K'^th 1 1 *: Rab 
Huna (ein Babylonier, f 297) hat gesagt: Einen minorennen Proselyten (dessen Vater 
tot ist u. dessen Mutter seinen Übertritt wünscht, Raschi) läßt man das Tauchbad 
nehmen nach dem Urteil des Gerichtshofes. Was berechtigt uns dazu? Weil es ihm 
zum Vorteil ist, u. Vorteil darf man einem Menschen auch ohne sein Wissen (wörtlich: 
in seiner Abwesenheit) zuwenden. ^ 

h. J'b 78'': Raba (ein Babylonier, t 352) hat gesagt: Wenn eine Nicht-Israelitin 
während ihrer Schwangerschaft Proselytin wird, so bedarf ihr Kind nicht des Tauchbades. 

Weiteres Material über Proselyten s. bei Mt 5,43; 23, 15; Apg 13, 16. 

7. Die Johannestaufe. 

Da die Proselytentaufe bereits in der vorchristl, Zeit in Übung ge- 
standen hat, so darf man unbedenklich annehmen, daß sie wenigstens 
hinsichtlich der äußeren Form ihrer Vollziehung Johannes dem Täufer 
als Vorbild gedient hat. Dagegen haben inhaltlich die beiden Riten 
nichts miteinander gemein. Das Proselytentauchbad wollte lediglich 
die levitische Reinheit des Täuflings bewirken; die Taufe des Johannes 
aber war ein Sinnbild der inneren sittl. Reinheit, das den Getauften 
zu bußfertiger Umkehr u. zu einem neuen Wandel verpflichtete. Die 
P.-taufe war das äußere Zeichen des Eintritts des heidnischen Fremd- 
lings in die israelit. Volksgemeinde; dagegen wollte die Taufe des 
Johannes nicht in eine neue religiöse Gemeinschaft einweihen oder 
einweisen, sondern durch die sittlichen Forderungen, die sie symboli- 
sierte, in Israel den Boden bereiten, auf dem das messian. Gottesreich 
sich aufbauen sollte. Inhaltlich hat der Täufer, der nach all seinen 
Worten im AT lebte u. webte, seine Taufe sicherlich an alttestamentl. 
Weissagungen angelehnt, wie etwa: „Ich will über euch reines Wasser 
sprengen, daß ihr rein werdet von all euren Befleckungen" Ez 36, 25. 
Daß diese Zeit des messian. Heils nahe sei, das soll Israel aus seiner 
Predigt entnehmen, u. daß diese Zeit Isr. nicht unvorbereitet treffe, 
das will seine Taufe „zur Buße" (s. zu Vers 11) bewirken; deshalb 
fordert er von den zu Taufenden das Bekenntnis ihrer Sünde, ein Be- 
kenntnis, von welchem bei der Proselytentaufe nirgends etwas ver- 
lautet. ^ — An Aussprüchen, die auf Grund von Ez 36, 25 eine sittliche 
Reinigung des israelit. Volks in der messian. Zeit durch Gottes Hand 
erwarten, fehlt es auch in der rabbin. Literatur nicht. Wir lassen 
einige hier folgen. 

P®siq41^: In einer anonymen Auslegung von Nu 19, 2 ff. wird die Parasche von 
der roten Kuh allegorisch auf Israel gedeutet. Der Schlußsatz 41'': „Es diene der 
Gemeinde der Kinder Isr. zur Aufbewahrung" Nu 19,9, weil in dieser Welt Israel unrein 
u. rein wird nach dem Ausspruch des Priesters; aber in der Zukunft (= messian. Zeit) 
wird es nicht so sein; sondern Gott wird sie reinigen, s. Ez36, 25: Ich will reines 
Wasser auf euch sprengen (so zu lesen statt „auf sie") usw. Dieselbe Ausführung 
P'^'siqR14(66''); TanchB rp-: §28 (60b). |! TanchB >—::': §9 (24b): Gott spricht zu Israel: 

* Aug. Wünsche, Neue Beiträge S. 19, nimmt zwar die Ablegung eines Sünden- 
bekenntnisses seitens des Proselyten an, bringt aber dafür keine Belegstelle bei. 



Matth 3,6(517. 8. 33) 113 

In dieser Welt werdet ihr der Sünden wegen gezüchtigt u. gereinigt u. wieder ge- 
züchtigt; aber in der Zukunft bin ich es, der euch reinigen wird aus der oberen Welt, 
s. Ez o6, 25: Ich will reines Wasser auf euch sprengen usw. |i TanchB "^v.i<; § 18 (27*): 
Gott sprach zu Israel: In dieser Welt werdet ihr rein u. immer wieder unrein; aber 
in der Zukunft reinige ich euch, daß ihr nie mehr unrein werden sollt, s. Ez '66, 2.5. — 
Vgl. auch TanchB das. 27 •\ 16 u. Targ zu Ez :16, 2.5. 

Speziell auf die Legitimierung der Bastarde in der messian. Zeit wird Ez 36, 25 
bezogen Tos Qid 5,4 (342): Die .Tempelsklaven u. Bastarde werden rein sein in der 
Zukunft (so daß sie in die Gemeinde aufgenommen werden dürfen u. die Ehe mit 
ihnen erlaubt wird); das sind die Worte des R.Jose (b. Chalaphta, um 150). R. Meir 
{um 150) sagte: Sie werden nicht rein sein. R. Jose erwiderte ihm: Siehe, es heißt 
Ez36, 25: ,Ich will reines Wasser auf euch sprengen, daß ihr rein werdet" usw. 
R. Meir sagte zu ihm: (Daß ihr rein werdet) von all euren Unreinheiten u. von all 
euren Mistgötzen (d. h. von den euch selbst anhaftenden Unreinheiten, also nicht von 
den N'^thinim u. Mamzerim). R.Jose erwiderte: Die Worte: ,lch will euch reinigen" 
wollen nur besagen: Auch von der Klasse der Tempelsklaven u. der Bastarde. Parallel- 
stellen: pQid 3, 13 (64 d); bQid 72 b. 

8. Ohne Beziehung auf die messian. Zeit werden Ez 36, 25 u. Jer 17, 13 
auf Entsündigung Israels gedeutet: 

Joma 8, 9: R. f Aqiba hat gesagt: Heil, euch Israeliten! vor wem reinigt ihr euch; 
wer ist es, der euch reinigt? Euer Vater im Himmel! s. Ez36, 25: Ich will reines W. 
auf euch sprengen usw. u. ferner Jer 17, 13: Das Tauchbad (so der Midrasch) Israels 
ist Jahve: wie das Tauchbad die Unreinen reinigt, so reinigt auch der Heilige, gepriesen 
sei er! Israel, ü P'^siq 157 1> Bar im Namen des R. Eli?ezer ib. Hyrkanos, um 90): „Das 
Tauchbad Israels ist Jahve' Jer 17, 13: wie dieses T. die Unreinen reinigt, so reinigt 
anch der Heilige, gepriesen sei er! Israel; deshalb mahnt Hoseal4, 2 Israel: Kehre 
am, Israel, zu Jahve, deinem Gott. || pJoma S Ende, 45*^, 42: Es heißt Jer 17, 13: ,Das 
Tauchbad Israels ist Jahve" : wie das T. die Unreinen reinigt, so reinigt auch der 
Heilige, gepriesen sei er! Israel; u. ebenso heißt es Ez 36, 25: Ich sprenge auf euch 
reines Wasser usw. 

3, 6 23: Indem sie ihre Sünden bekannten. 

Einige Beispiele für Form u. Inhalt aUjüdischer Sündenbekenntnisse. 

a. Joma 3, 8: (Der Hohepriester am Versöhnungstage) stemmte seine beiden Hände 
auf ihn (den Opferfarren) u. legte das Sündenbekenntnis ab, u. zwar sprach er also: 
Ach Gott, ich habe gefehlt, gefrevelt u. gesündigt vor dir, ich u. mein Haus; ach 
Gott, vergib doch die Verfehlungen u. Frevel u. Sünden, die ich gefehlt, gefrevelt u. 
gesündigt habe vor dir, ich u. mein Haus, wie geschrieben steht in der Tora Moses, 
deines Knechtes, Lv 16, 30: „Denn an diesem Tage wird man für euch Sühnung schaffen.* 
(Ahnlich das Sündenbekenntnis des Hohenpriesters für die gesamte Priesterschaft u. das 
ganze Volk, s. Joma 4, 2; 6, 2.) 

b. pJoma S, 9 (45'', 34): Welches Sündenbekenntnis legte man (der einzelne Israelit 
für sich selbst am Versöhnungstage) ab? R. B'^rekhja (um 340) hat im Namen des 
R. Ba bar Bina (= Abba b. Abina, um 250) gesagt: „Mein Herr, ich habe gesündigt u. 
Übles getan, in schlechter Gesinnung bin ich verharrt u. auf fernem Wege gewandelt; 
u. wie ich getan habe, will ich niclit mehr tun. Es sei wohlgefällig vor dir, Jahve, 
mein Gott, daß du mir alle meine Frevel sühnest u. alle meine Verfehlungen mir ver- 
gebest u. alle meine Sünden mir verzeihest." — Bar: Man muß die (sündigen) Taten 
einzeln aufführen, so sagte R. J'^'huda b. Bathyra (um 1 10). R. ? Aqiba if um 135) sagte: 
Man braucht seine Taten nicht einzeln aufzuführen. Was war der Grund des R. J'^huda? 
„Ach, bitte! dies Volk hat eine große Sünde begangen u. sie machten sich einen Gott 
aus Gold" Ex 32, '6\ (hier wird die sündige Tat ausdrücklich namhaft gemacht). R. f Aqiba 
deutete die Stelle so: Wer hat sie (zu ihrer Sünde) veranlaßt? Ich, der ich ihnen viel 

Strack u.Billerbeck, NT I. 8 



114 Matth 3,6 (53). 7 (31) 

Silber u. Gold gegeben habe; wesbalb? weil der Esel nur infolge des Korbes mit 
Jobanuisbrot schreit. (Sinn: Die Worte: ,Sie machten sich einen Gott aus Gold" ge- 
hören nicht zum Sündenbekenntnis, sondern geben die Veranlassung zur Sünde an; wie 
der Esel nur schreit, weil er nach dem J.brot Verlangen hat, so hat Israel gesündigt 
infolge des Gold- u. Silberreichtums in seiner Hand.) 

C. Joma87b: Rab Hamnuna (ein Babylonier, um 30(1) sprach (als Süudenbekenntnis- 
am Versöhnungstage): Mein Gott, ehe ich geschaffen war, war ich nichts wert; jetzt, 
da ich geschaffen bin, bin ich, als wäre ich nicht geschaffen: Staub bin ich in meinem 
Leben, wie viel mehr in meinem Tode. Siehe, ich bin vor dir wie ein Gefäß voller 
Schande u. Schmach; es sei wohlgefällig vor dir, daß ich nicht sündigen möge; u. was 
ich gesündigt habe, das tilge durch deine Barmherzigkeit, aber nicht durch Züchtigungen. 
(= Leiden). 

d. LvR 3 (106*^): R. Bebai b. Abaje (im 4. Jahrh.) hat gesagt: Welches Sünden- 
Itekenntnis soll man am Vorabend des Vers.tages ablegen? Man sage: Ich bekenne, 
daß ich bei all dem Bösen, das ich vor dir getan habe, auf bösem Wege gestanden 
habe; aber alles, was ich getan habe, will ich nicht mehr tun in gleicherweise. Möge 
es wohlgefällig vor dir sein, .lahve, mein Gott, daß du mir alle meine Schuld vergibst 
u. alle meine Verfehlungen verzeihst u. für alle meine Sünde Sühnung schaffst, wie 
es heißt Jes 55, 7: Verlassen soll der Böse seinen Weg usw. 

e. Das Sündenbekenntnis des Sterbenden hat der Schulchan fArukh, Jore Defa 
§ 338 in folgender Fassung festgesetzt: Ich bekenne vor dir, Jahve, mein Gott u. Gott 
meiner Väter, daß meine Genesung u. mein Tod in deiner Hand liegen; es möge wohl- 
gefällig sein vor dir, daß du mich genesen lassest zur vollen Genesung, u. wenn ich 
sterbe, so möge mein Tod eine Sühne sein für alle Sünden u. Missetaten u. Frevel, 
die ich gesündigt, gefehlt u. gefrevelt habe vor dir. Gib mir mein Teil im Gan ?Eden 
(Paradies) u. laß mich die zukünftige Welt erlangen, die den Gerechten aufbewahrt ist. 

f. Sanh 6,2: War (der Hinzurichtende) vom Steinigungsorte 10 Ellen entfernt, so 
sagte man zu ihm: Bekenne (deine Sünden); denn also ist es üblich, daß alle, die 
hingerichtet werden sollen, bekennen; denn, jeder, der bekennt, hat Anteil an der 
zukünftigen Welt. . . . Wenn er nicht zu bekennen wußte, sagte man zu ihm: Sprich: 
,Mein Tod sei eine Sühnung für alle meine Sünden!" R. J^huda (b. Elfai, um 150) 
sagte: Wenn er weiß, daß gegen ihn falsches Zeugnis abgelegt ist, darf er sagen: 
,Mein Tod sei eine Sühnung für alle meine Sünden, außer dieser Sünde!" Da sagten 
(die Gelehrten) zu ihm: Wenn so (gesagt werden dürfte), würden alle Menschen so 
sagen, um sich selbst als unschuldig hinzustellen. (Die Halakha ist nicht nach der 
Meinung des R. J'^huda festgesetzt worden, s. Bertinoro.) 

3,7 51: Otterngezücht, yavvrjfAaza ix^drwr. 
Aboth 2, 10: R. Elifezer (b. Hyrkanos, um 90) sagte: . . . Erwärme dich an dem 
Feuer der Gelehrten; aber hüte dich vor ihren Kohlen, daß du dich nicht verbrennst; 
denn ihr Biß ist der Biß eines Fuchses u. ihr Stich der Stich eines Skorpions u. ihr 
Zischeln das Zischeln einer Giftschlange, u. alle ihre Worte sind wie Feuerkohlen. — 
Dasselbe von den Gerechten ausgesagt NuR 3 (139 b). i| P'^s 57*: Abba SchaJul b. Batnith 
(um 70 n. Chr.) hat im Namen des Abba Joseph b. Chanini gesagt: . . . Wehe mir ob 
der Familie des Chanin (hohepriesterl. Familie des Ananias b. Nedebaios), wehe mir ob 
ihres Gezischeis! (s. Tos M^'n 18,21 bei Job 18, 13 Anm.c)- — Zum tertium comparationis 
vgl. ExR 9 (73 c): Wir haben gelernt (in B^'rakh 5, 1): Wer steht u. betet, soll, selbst 
wenn der König ihn grüßt, den Gruß nicht erwidern; u. selbst wenn eine Schlange 
sich um seine Ferse windet, soll er das Gebet nicht unterbrechen. Aus welchem Grunde 
haben die Gelehrten das Sichwinden der Schlange neben die Regierung gestellt (mit 
der Regierung verglichen)? R. Schimfon b. Pazzi (um 280) hat gesagt: Weil es Jer 



' Vermutlich sind die beiden Namen umzustellen, so daß Abba Schaiul b. B. als 
Autor erscheint; vgl. Bacher, Tann.'^ 1,46. 



Matth 3,7 (^. SB) 115 

46,22 heifst: Sie raschelt wie die Schlange. Wie die Schlange zischelt u. tötet, so 
zischelt auch die Regierung u. tötet; denn wenn jemand ins Gefängnis geworfen ist, 
so zischelt sie wider ihn, um ihn zu töten. Oder aus welchem Grund hat Gott die 
Regierung mit einer Schlange verglichen? (Gemeint ist das Nebeneinander des Pharaos 
u. der Schlange Ex 7, 9.) Wie die Schlange sich krümmt, so krümmt auch die Regierung 
ihre Wege. — Dasselbe Tauch s-m 68*. i| Siphre Dt zu 32, 32 § 323 (138b): „Denn von 
Sodoms Weinstock ist ihr Weinstock. " R. J'huda (um 150) hat es auf die Israeliten u. 
R. N°chemja (um 150) auf die Völker ausgelegt. R. J%uda sagte: Seid ihr denn vom 
Weinstock Sodoms oder von der Pflanzung Gomorras? Seid ihr nicht aus heiliger 
Pflanzung, s. Jer 2, 21 : „Ich hatte dich als Edelrebe gepflanzt aus lauter echtem Samen" V 
, Ihre Trauben sind Gifttrauben" Dt 32, 32: Sühne des ersten Menschen seid ihr, der 
den Tod über euch gebracht hat u. über alle seine Nachkommen, die nach ihm kommen 
werden bis ans Ende aller Geschlechter. „Bittere Traubenkämme haben sie" Dt 32, 32: 
In den Großen unter euch ist ihr Gift verbreitet schlangenartig, u. unter „Trauben- 
karam" ist der Große zu verstehen, s. Micha 7, 1. „Drachengift ist ihr Wein" Dt 32, 33: 
Der Eifer der Frommen u. Rechtschafl^enen unter euch ist wie der der Drachen. „Und 
grausige Otterngalle" Dt 32, 33: Das sind die Häupter unter euch, die der grausamen 
Otter gleichen. — Eine andre Ei-kläruug: „Drachengift ist ihr Wein", das sind die 
Gelassenen, die dis Sünde scheuen, in eurer Mitte — ihr Eifer ist wie der der 
Drachen; „u. grausige Ottern galle", das sind die Häupter unter euch, die der 
Otter gleichen. — R. N'^chemja hat es auf die Völker ausgelegt: Sicherlich seid ihr 
vom Weinstock Sodoms u. von der Pflanzung Gomorras; Jünger der alten Schlange 
seid ihr, die Adam u. Eva verführt hat. „Bittere (giftige) Traubenkämme haben sie": 
In den Großen unter ihnen ist ihr Gift verbreitet schlangenartig, u. unter „Trauben- 
kamm" ist der Große zu verstehn, s. Micha 7, 1. |1 Drache, "i^s-, -"i-, zur Bezeichnung 
eines lieblosen, grausamen Vaters K'th 49 b; Als vor Rab J'^huda (f 299) jemand kam 
(der seine Kinder nicht ernähren wollte), sprach Rab J.: Der Drache erzeugt Junge, 
u. dann wirft er sie auf die Bewohner der Stadt (läßt sie diesen zur Last fallen). — 
Sanh 59 b wird ein Gelehrter, der aus allzu großer Bedenklichkeit einen neuen Einwand 
erhebt, ein klagender oder rasender Drache, s^s: "'^is^, genannt: Als R. Schim?on 
b. Chalaphta (um 190) sieh einmal unterwegs befand, begegneten ihm Löwen, die ihn 
anbrüllten. Er sprach: „Die jungen Löwen brüllen nach Raub" Ps 104, 21. Da fielen 
ihm zwei Fleischstücke (vom Himmel) herab; das eine fraßen sie, das andre ließen 
sie liegen. Er nahm es u. brachte es ins Lehrhaus. Man fragte: Ist das etwas Un- 
reines oder etwas Reines? Man antwortete ihm: Nichts Unreines kommt vom Himmel 
herab! R. Z'^fira (um 300) fragte den R. Abbahu (um 300): Wenn ihm nun etwas in 
der Gestalt eines Esels (der ein unreines Tier ist) herabgefallen wäre, wie würde es 
sich dann verhalten? Er antwortete ihm: Rasender Drache, man hat ihm ja gesagt: 
Nichts Unreines kommt vom Himmel herab! 

3, 7 33: Vor dem zukünftigen Zorn, 

Der zukünftige Zorn bedeutet das Gehinnoragericht (s. Exkurs: 
Sch«ol, Gehinnom usw. II, 3). 

BB 10*: R. Chijja b. Abba (um 280) hat gesagt, R. Jochanan (1279) habe gegen- 
übergestellt Spr 11,4: „Keinen Nutzen bringt Habe am Tage des Zorns, aber Almosen 
(so der Midrasch) rettet vom Tode"; u. Spr 10, 2: „Keinen Nutzen bringen durch Frevel 
erworbene Schätze, aber Almosen (so der Midrasch) rettet vom Tode." Warum diese 
zweimalige Erwähnung der Almosen? Das eine ist dasjenige, welches vor einem vin- 
gewöhnlichen (= unnatürlichen) Tode bewahrt; das andre ist dasjenige, das vor dem 
Gehinnomgericht bewahrt. Welches A. bewahrt vor dem G.? Dasjenige, bei welchem 
das Wort „Zorn" geschrieben steht (also das Spr 11, 4 erwähnte); denn es heißt Zeph 
1, 15: „Ein Tag des Zorns ist selbiger Tag." Und welches bewahrt vor einem un- 
gewöhnlichen Tode? Welches man gibt, ohne zu wissen, wem man es gibt, u. welches 



116 Mattli3,8.9(?tl.2) 

man empfängt, ohne zu wissen, von weni man es empfängt. |i ?AZ 181^: R. Schimfon 
b. Laqisch (um 250) hat gesagt: Wer Spott treibt, stürzt in den Gehinnom, s. Spr 21, 24: 
,Ein aufgeblasener Frecher wird Spötter genannt, einer der im Aufwallen der Frech- 
heit handelt." Dieses Aufwallen bedeutet aber nichts andres als den Gehinnom, wie 
es heißt Zeph 1, 15: ,Ein Tag des (Zornes-) Aufwallens ist selbiger Tag." 

3,8: Rechtschaffene Frucht der Buße, 
Eine Buße, der es an den rechten Früchten fehlt, heißt eine 
„trügerische Buße" r^ian Vr nnsi^i-rn. 

GnPi, 9 (7^): R. Jonathan (b. Ehazar, um 220) sagte: In diesem Falle hätte Gott 
den Tod nur über die Gottlosen u. nicht über die Gerechten verhängen sollen. Vielmehr 
(ist der Tod über beide Kategorieen verhängt worden), damit die Gottlosen nicht eine 
trügerische Buße tun u. sprechen: Die Gerechten bleiben nur am Leben, weil sie 
Gebotserfüllungen u. gute Werke ansammeln; so wollen auch wir Gebotserfüllungen 
u. gute Werke ansammeln. Auf diese Weise würde ihr Tun als ein nicht lauteres 
erfunden werden. |l pTafan '2, 6öi>, 27: R. Schim?on b. Laqisch (um 2ö0j hat gesagt: Eine 
trügerische Buße haben die Leute von Ninive getan. 
Über „Buße" s. bei Mt4, 17. 

3, 9 51: Wir haben Abraham zum Vater. 

1. Abraham führt den Ehrentitel ^rnx, unser Vater; zB GnR 39 
(23'3) im Munde des R. JiQchaq, um 300; das. 39 (23'^) R. B^rekhja, 
um 340; 39 (23 f') R. fAzarja, um 380; 39 (23 d) R. Ji^chaq; 39 (24») 
R. N'^chemja, um 150; 39 (24^) El?azar b. Schammua?, um 150; 40 (24^) 
R. Hoschafja des Älteren, um 225; 41 (25'') R. J'^huda b. Simon, um ,520; 
41 (25'') R. J'huda, um 150; 41 (25'") R. N'-chemja um 150; P'^siq 154» 
im Munde des R. Nach man, gegen 400; BpQa 32 '^ im Munde Rabs 
(t 247); Tos Chag 2, 1 (234); Chag 14^ im Munde des Rabban Jochanan 
b. Zakkai (f um 80). 

Aus Pirqe Aboth sei verwiesen auf 5, 2: Zehn Geschlechter sind von Noah bis auf 
Abraham, um zu zeigen, wieviel Langmut vor ihm (Gott) ist; denn alle Geschlechter 
ärgerten (erzürnten) ihn, bis unser Vater Abraham -ns c— 3s kam u. den Lohn für 
sie alle empfing. | 5, '■'■>: Mit zehn Versuchungen ist unser Vater Abraham versucht 
worden, u. er hat in ihnen allen bestanden, um zu zeigen, wie groß die Liebe unsres 
Vaters A. (zu Gott) gewesen ist. 

2. Israels Stolz ist es, zu Abraham als zu ihrem leiblichen Stamm- 
vater aufblicken zu dürfen. 

BM 7, 1 : Einmal sagte R. Jochanan b. Mattja (ein Tannait) zu seinem Sohne: Geh 
u. miete uns Arbeiter! Er ging u. vereinbarte mit ihnen Beköstigung. Als er zu seinem 
Vater kam, sprach dieser zu ihm: Mein Sohn, selbst wenn du ihnen ein Mahl bereiten 
würdest wie das Salomos zu seiner Zeit, so würdest du deiner Pflicht ihnen gegenüber 
nicht genügen; denn sie sind Kinder Abraiiams. Isaaks u. Jakobs. Aber geh hin, bevor 
sie die Arbeit beginnen, u. sage zu ihnen: (Ich dinge euchi unter der Bedingung, daß 
ihr von mir lediglich Brot u. Hülsenfrüchte zu beanspruchen habt. || M'^kh Ex 1 •''>, 2 (44 b) ; 
„Meines Vaters Gott, den will ich erheben" Ex 15,2. (Die Gemeinde Israel spricht:) 
Ich bin eine Königin, die Tochter von Königen; eine Geliebte, die Tochter von Ge- 
liebten; eine Heilige, die Tochter von Heiligen; eine Reine, die Tochter von Reinen. 
Gleich einem Menschen, welcher ging, um sich mit einem Weibe zu verloben; bald 
schämte er sich dieser, bald ihrer Familie, bald ihrer Verwandten; aber bei mir ist es 
nicht also, sondern ich bin eine Königin, die Tochter von Königen. || BQ8, 0: (Sühne- 



MatthS, 9 (512.3) 117 

gelder für angetanen Schimpf richten sich nach der Stellung u. dem Ansehen des Be- 
leidigten). R. f Aqiba (um 135) hat gesagt: Auch die Armen in Israel sieht man so au, 
als wären sie Kinder Edelgeborener, die in ihrem Vermögen heruntergekommen sind; 
denn sie sind Söhne Abrahams, Isaaks u. Jakobs. — BQ ^6''' ist dieser Ausspruch dem 
R. Meir, einem Schüler des R. fA., in den Mund gelegt. — In der Bar Schab 128'^ 
heißt es: R. Schim?on b. Gamliel (um 140) u. R. Schimfon (welcher?) u. R. Jischma?el 
if um 135) u. R. ? Aqiba haben sämtlich die Meinung gehabt, daß alle Israeliten Söhne 
von Königen seien (nämlich als Nachkommen Abrahams, Isaaks u. Jakobs). 

3. Abrahams Verdienst steht Israel bei. 

GnR44 (27'^): „Raubvögel kamen herab auf die toten Tiere u. Abram verscheuchte 
sie" Gn 15,11. . . . R. fAzarja (um 380) hat gesagt: (Gott sprach zu Abraham:) Wenn 
deine Kinder Leichname würden ohne Sehnen u. Knochen (d.h. aller Verdienste bar), 
dein Verdienst wird ihnen beistehn. — Vgl. den allgemeinen Grundsatz LvR 36 (133b). 
Wie der Weinstock auf trockne Hölzer sich stützt, während er selbst frisch (saftig) ist, 
so stützen sich die Israeliten auf das Verdienst ihrer Väter, obgleich diese schlafen. — 
In ExR 44 Anfang wird dieser Grundsatz dem R. Tanchuma b. Abba, um 380, zu- 
geschrieben u. durch eine Reihe von Beispielen erläutert. So findest du, heißt es, daß 
Elias viele Gebete auf dem Berge Karmel betete, daß Feuer herabkäme, s. 1 Kg 18,37; 
aber er wurde nicht eher erhört, als bis er die Toten erwähnte u. sprach: „Jahve, du 
Gott Abrahams, Isaaks u. Israels" Vers 36. Da wurde er sofort erhört, s. Vers 38. Ebenso 
stand Mose, als die Israeliten jene Tat (mit dem goldenen Kalb) begangen hatten, u. 
sprach 40 Tage u. Nächte lang zu ihren Gunsten ; aber er wurde nicht eher erhört, als 
bis er die Toten erwähnte; da wurde er sofort erhört, s. Ex 32, 13 f. Da sieht man: 
wie der Weinstock lebt u. auf abgestorbene Hölzer sich stützt, so lebt Israel u. stützt 
sich auf die Väter, obgleich diese verstorben sind. . . . „Gedenke Abrahams" usw. Ex 
32, 13. Das meint: „Wer Hand zu Hand (seinen Lohn fordert), der wird nicht rein; 
ein Böser ist er" (Spr 11, 21, so der Midrasch). R. Pin^chas, der Priester, b. Chama (um 
360) hat gesagt: Wenn du ein Gebot erfüllt hast, so fordere deinen Lohn nicht von 
Hand zu Hand (sofort). Weshalb? Denn „ein solcher wird nicht rein sein"; denn du 
wirst nicht rein gesprochen werden von deinen Sünden, sondern bei deinem Leben! 
ein Gottloser wirst du genannt werden, weil du nichts auf deine Kinder vererben 
wolltest. Denn wenn Abraham, Isaak u. Jakob den Lohn für die Gebote, die sie erfüllt 
haben, gefordert hätten, wie wäre dann der Same der Gerechten errettet worden? wie 
hätte (Mose) sie erwähnen können: „Gedenke Abrahams" usw.? Und sofort heißt es 
Ex 32, 14: „Und Jahve ließ es sich leid sein." . . . „Gedenke Abrahams" usw. Ex 32, 13. 
R. Abin (IL, um 370) hat im Namen des R. Acha (um ^20) gesagt: Gleich einem König, 
bei welchem sein Freund zehn Perlen deponierte. Der Freund starb u. hinterließ eine 
Tochter. Da machte sich der König auf, nahm sie zum Weibe u. erhob sie zur Matrone. 
Er schenkte ihr eine Kette von zehn Perlen u. legte sie um ihren Hals. Nach einiger 
Zeit verlor sie die Kette. Da wollte der König sie entlassen; er sprach: Ich stoße sie 
aus meinem Hause, ich entferne sie aus meiner Nähe! Es ging ihr Brautführer zum 
König, um ihn zu begütigen; aber der König hörte nicht auf ihn, sondern sprach: Ich 
verstoße sie aus meiner Nähe! Da sprach jener: Warum denn, mein Herr König? 
Dieser antwortete: Weil ich ihr zehn Perlen gegeben habe u. sie diese verloren hat. 
Jener sprach: So wahr mein Herr König lebt, gleichwohl solltest du dich begütigen 
lassen u. ihr verzeihen. 'Aber der König hörte nicht auf ihn. Als der Brautführer sah, 
daß er sich nicht versöhnen ließ, sondern hartnäckig blieb u. sprach: Ich vertreibe 
sie!, da sprach er zu ihm: Wegen der zehn Perlen, die sie verloren hat, willst du sie 
verstoßen? Weißt du nicht, daß ich weiß, daß ihr Vater bei dir zehn Perlen deponiert 
hat? Zehn gehen auf in zehn! So war Gott, als die Israeliten jene Tat (mit dem 
goldenen Kalb) begangen hatten, erzürnt auf sie u. fing an zu sagen: „Laij ab von 
mir, daß ich sie vertilge" Dt 9, 14. Mose sprach: Herr der Welt, warum zürnst du auf 
Israel? Gott spracli : Weil sie die zehn Gebote zunichte gemacht haben. Mose er- 



118 Matth8, 9 (51 3) 

widerte: Sie haben, woraus es gutgemacht werden kann. Gott spracli: Woraus denn? 
Er sprach: Gedenke, daE^ du Abraham in zehn Versuchungen versucht hast. Da gehen 
zehn auf gegen zehn. (Diesem Gleichnis des R. Acha liegt ein früheres des R. Simlai. 
um 250, zugrunde, s. Tanch xrr -: 117''.) . . . Warum erwähnt Mose hier Ex 82, 13 die 
drei Väter? Die Rabbanan haben gesagt: Mose spracli: Wenn sie (die Israeliten) des 
Verbrennungstodes schuldig sind, so gedenke an Abraham, der sein Leben in den 
Feuerofen (Nimrods) hingegeben hat, um deines Namens wegen verbrannt zu werden, 
u. es möge seine Verbrennung die seiner Kinder aufheben. Wenn sie der Enthauptung 
(mittelst des Schwertes) schuldig sind, so gedenke an ihren Vater Isaak, der seinen 
Hals auf dem Altar ausstreckte, um deines Namens wegen geschlachtet zu werden, 
u. es möge seine Enthauptung die seiner Kinder aufheben. Und wenn sie der Ver- 
bannung sich schuldig gemacht haben, so gedenke an ihren Vater Jakob, der aus dem 
Hause seines Vaters nach Charran in die Verbannung ging; so mögen diese durch jene 
frei ausgehen! . . . „Gedenke an Abraham.'' R. Z'^bida (um 3:^0) hat gesagt, R. J^hoschuaf 
b. Levi (um 250) habe gesagt: Mose sprach: Herr der Welt, waren die Väter der Welt 
(d. h. die Erzväter) Gerechte oder Gottlose? Mache einen Unterschied zwischen diesen 
u. jenen: waren sie Gottlose, so hast du recht also an ihren Kindern gehandelt, weil 
ihre Väter bei dir keine (verdienstlichen) Werke hatten; waren sie aber Gerechte, so 
lege diesen das Werk ihrer Väter bei (rechne es ihnen zugute). — Dasselbe zum Teil 
auch pSanh 10, 27«', 34; LvR 3(3 (133 b). 

Midr HL zu 1, 5 (87b): Die Gemeinde Israel spricht: Schwarz bin ich durch meine 
Werke; aber anmutig durch das Werk meiner Väter. — Dasselbe ExR 23 (85b). || pcgjq 
153b u. LvR 29 (127b): R. Levi (um 300) hat im Namen des R. Chama b. Ghanina (um 
260) gesagt: Gleich dem Sohn eines Königs, der eine Rechtssache vor seinem Vater 
hatte. Sein Vater sprach zu ihm : Wenn du vor mir im Gericht freigesprochen werden 
willst, so wähle dir den u. den als Anwalt, so wirst du im Gericht freigesprochen 
werden. Ebenso hat Gott zu Israel gesagt: Meine Kinder, wenn ihr vor mir im Gericht 
(am Neujahrstage) freigesprochen werden wollt, so erwähnt vor mir das Verdienst eurer 
Väter, so werdet ihr vor mir im Gericht freigesprochen werden. — P'^siq 154^ u. LvR 
29 (127b): R. Nachman (gegen 400) hat gesagt: Alle Schlechtigkeiten u. Lügen, die die 
Israeliten in dieser Welt verüben, ist unser Vater Abraham imstande sämtlich zu 
sühnen. || TanchB s^-- § 43 (55 b): Als Daniel u. seine Genossen in die Verbannung 
zogen, verordnete Gott über sie, daß sie unreines Brot essen sollten, s. Ez4, 13. Da 
trat Nebukadne9ar auf u. machte das Wort wahr. Er hob an u. sprach: Ich verordne, 
daß sie von meiner Speise essen, s. Dn 1, 5. Daniel aber nahm das nicht auf sich, 
sondern sprach: Wenn Gott auch über uns verhängt hat, daß wir unreines Brot essen 
sollen, so will er uns nur versuchen. Vielmehr wollen wir das ünsre tun, so wird 
Gott das Seine tun. Da hob er an, zu dem Oberkämmerer (1. c-o-^sn --o») zu sagen: 
Ich bitte dich, versuche es doch mit deinen Knechten zehn Tage, daß man uns etwas 
Gemüse zum Essen u. Wasser zu trinken gebe. Danach möge von dir unser Aussehen 
u. das Aussehen der von königlichen Leckerbissen genährten Knaben gemustert werden. 
Wie du dann sehn wirst, so handle mit deinen Knechten Dn 1, 12. Er antwortete ihnen: 
Könnt ihr denn zehn Tage lang den Versuch mit euch machen, kein Brot zu essen u. 
keinen Wein zu trinken? Sie sprachen: Ja! Denn wir sind Kindeskinder des Mannes, 
der von Gott in zehn Versuchungen versucht worden ist; sein Verdienst steht uns 
bei. . . . Hast du uns nicht schon den Schriftgelehrten zehnmal überlegen erfunden (vgl. 
Dn 1, 20)? in wessen Verdienst? Im Verdienste Abrahams, der in zehn Versuchungen 
versucht worden ist. || B^'rakh 7b: Rab (f 247) hat gesagt: Auch Daniel ist nur um 
Abrahams willen erhört worden, s. Dn9, 17: ,Und nun höre, unser Gott, auf deines 
Knechtes Flehen u. sein Bittgebet u. laß leuchten dein Angesicht über dein verödetes 
Heiligtum um meines Herrn willen" (so der Midrasch). ,Um deinetwillen' hätte es 
heißen sollen. Vielmehr so ist es gemeint: Um Abrahams (= -:-s) willen, der dich 
(zuerst unter allen Menschen) „Herr" (r-s) genannt hat (nämlich Gn 15, 2. 8j. 

GnR 33 (20"): R. Tanchuraa (um 380 i ordnete ein Fasten an. Es verging der erste. 



Matth 3, 9 (?l 3. 4) 119 

der zweite, der dritte Tag; aber kein Regen fiel hernieder. Da ging er u. trug öffentlich 
vor u. sprach: Meine Kinder, lasset euch mit Erbarmen gegeneinander erfüllen, so 
wird Gott gegen euch des Erbarmens voll sein! Während sie nun Almosen an die 
Armen verteilten, sahen sie einen Menschen, der seinem geschiedenen Weibe Geld gab. 
Sie kamen vor R. Tanchuma u. sprachen: Rabbi, was sitzen wir hier, während dort 
Sünde geschieht! Er sprach zu ihnen: Was habt ihr gesehen? Sie antworteten: W^ir 
haben gesehen, wie der u. der seinem geschiedenen Weibe Geld gegeben hat. Er 
schickte nach ihnen u. ließ sie vor die Gemeinde bringen. Er sprach zu ihm: Was 
hat diese mit dir zu schaffen? Er antwortete: Sie ist mein geschiedenes Weib. Da 
fragte jener ihn weiter: Warum hast du ihr Geld gegeben? Er antwortete: Rabbi, ich 
sah sie in großer Not u. wurde von Erbarmen über sie erfüllt. In jener Stunde erhob 
R. Tanchuma sein Angesicht nach droben u. sprach: Herr aller Welten, wenn dieser, 
dem die Ernährung dieser Frau nicht oblag, sie in Not sah u. von Erbarmen gegen 
sie erfüllt wurde, um wieviel mehr mußt du, von dem geschrieben steht: , Gnädig u. 
barmherzig ist Jahve", über uns mit Erbarmen erfüllt werden, die wir die Kinder 
deiner Geliebten, die Kinder Abrahams, Isaaks u. Jakobs sind! Sofort fiel der Regen 
hernieder, u. die Welt ward getränkt. — In breiterer Fassung aramäisch LvR 'M (132^). ij 
GnR 48 (30*): R. Levi (um 3u0) hat gesagt: Dereinst wird Abraham am Eingang des 
Gehinnoms sitzen u. keinen Beschnittenen aus Israel dort hinabfahren lassen. Was 
wird er aber mit denen machen, die übermäßig gesündigt haben? Er wird die Vorhaut 
von Kindern nehmen, die vor der Beschneidung gestorben sind, u. sie bei jenen anbringen 
u. sie dann in den Gehinnom hinabstürzen. — Hierzu ist der allgemeine Grundsatz zu 
beachten ExR 19 (81*^): Beschnittene fahren nicht hinab in den Gehinnom. |i ?Erub 19*: 
„Die im Tränental wandern" Ps 84, 7, das sind die, welche in dieser Stunde im Ge- 
hinnom gerichtet werden ; dann kommt unser Vater Abraham u. Väht sie emporsteigen 
H. nimmt sie auf; vgl. hierzu Exkurs: „Scli'^ol" usw. II, 5 u. II. 7 Anm. b u. c. 

4. Die Teilnahme an Abrahams Verdienst ist bedingt durch die 
leibliche Abstammung von ihm ; darum müssen die Proselyten auf jene 
verzichten, weil sie der letzteren ermangeln. 

Bikl, 4: Folgende bringen (die Erstlingsfrüchte) dar, ohne (das Bekenntnis Dt 
26, 3 ff.) zu sprechen: der Proselyt bringt dar, ohne es zu sprechen, weil er nicht sagen 
kann: Das du geschworeft hast ,unsren Vätern" zu geben. Wenn aber seine Mutter 
eine Israelitin ist, so bringt er dar u. spricht es. Wenn er für sich allein betet, so 
sagt er: , Der Gott der Väter Israels"; wenn in der Synagoge, so sagt er: »Der Gott 
eurer Väter." Wenn aber seine Mutter eine Israelitin ist, so sagt er: „Der Gott unsrer 
Väter." ll NuR8(150b): „Wohl dem, der Jahve fürchtet, der auf dessen Wegen wandelt" 
Ps 128, 1. Es heißt nicht: Wohl den Israeliten, wohl den Priestern, wohl den Leviten, 
sondern: „Wohl dem, der Jahve fürchtet." Damit sind die Proselyten gemeint, denen, 
wenn sie Jahve fürchten, das Wort: „Wohl!" gilt. Wie es von Israel heißt Dt 33, 29: 
„Wohl dir, Israel; wer ist dir gleich?" so heißt es auch von ihnen: „Wohl dem, der 
Jahve fürchtet." Und von welchem Proselyten wird gesagt: „Wohl"? Von dem, der 
«in rechter Proselyt {-''4. "?) ist; nicht wie die Kuthäer (= Samaritaner), von denen 
geschrieben steht 2 Kg i7, 33: „Den Jahve fürchteten sie u. ihren Göttern dienten sie*; 
sondern von dem Proselyten (wird es gesagt), der Gott fürchtet u. auf Gottes Wegen 
wandelt; das meinen die Worte: „Der in seinen Wegen wandelt." „Von der Mühe 
deiner Hände wirst du dich nähren" Ps 128, 2; damit ist der Proselyt gemeint, der das 
Verdienst der Väter nicht für sich hat; u. damit er nicht sage: Wehe mir! weil ich 
das Verdienst der Väter nicht für mich habe, habe ich für alle guten Werke, die ich 
aufgesammelt, nur in dieser Welt Lohn — deshalb bringt die Schrift dem Proselyt-en 
die frohe Botschaft, daß er durch sein eignes Verdienst sich nähren werde in dieser 
Welt u. in der zukünftigen Welt. Das meinen die Worte: „Von der Mühe deiner Hände 
wirst du dich nähren." Das geht auf die guten Werke, mit denen er sich in dieser 
Welt abgemüht hat, vgl. Hi 3,17: „Dort ruhen, welchen ermattet ist die Kraft", a. 



120 Matth 8, 9 (31 4. 5) 

Qoh9, 10: „Alles, was deine Hand erreicht, zu tun mit deiner Kraft, das tu!" Was 
ist sein Lohn? Ps 128, 2: „Wohl dir, du hast es gut!" „Wohl dir", nämlich in dieser 
Welt; „du hast es gut", in der zukünftigen Welt. 

Justinus Martyr, Dial. c. Trj^ph. 140: Eure Lehrer meinen, daß denen, die aus dem 
Samen Abrahams nach dem Fleische sind, auch wenn sie Sünder sind u. ungläubig u. 
gegen Gott ungehorsam, das ewige Reich werde gegeben werden. 

5. Der eben zitierte Ausspruch des Justinus Martyr (um 150) gibt, 
wie obige Stellen zeigen, die populären Vorstellungen vom Verdienste 
Abrahams kurz u. treffend wieder. Das schließt nicht aus, dafs in 
einzelnen Fällen auch andersartige Anschauungen sich geltend gemacht 
haben. Die bedeutsamsten Zeugnisse in dieser Hinsicht sind: 

Schab 89^: Raba (f 352) hat öffentlich vorgetragen: Was heißt: „Geht doch, wir 
wollen zusammen rechten, wird Jahve sprechen" Jes 1, 18 (so der Midrasch, der zugleich 
das Textwort -•-- durch üvn = der Name — Gott ersetzt)? „Geht doch!" Es sollte 
heißen: „Kommt doch!" „Jahve wird sprechen", es sollte heißen: „Jahve sprach." 
(Die Worte sind so zu verstehn:) In der Zukunft wird Gott zu den Israeliten sagen: 
Geht doch zu euren Vätern, daß sie euch zurechtweisen (richten u. rechtfertigen) I 
Dann werden sie vor ihm sagen: Herr der Welt! zu wem sollen wir gehn? Zu Abra- 
ham, zu dem du gesagt hast Gn 15, 1:-!: „Wissen, ja wissen sollst du, daß dein Same 
als Fremdling weilen wird in einem Lande, das ihnen nicht gehört"? — y. er hat nicht 
um Erbarmen für uns gebeten! Oder zu Isaak, der den Esau gesegnet hat: „Wenn 
du dich anstrengst, wirst du sein (Jakobs) Joch, das auf deinem Halse, zerbrechen" 
Gn27, 4Ü? — u. er hat nicht um Erbarmen für uns gebeten! Oder zu Jakob, zu dem 
du gesagt hast Gn46, 4: „Ich werde mit dir nach Ägypten hinabziehen"? — u. er hat 
nicht um Erbarmen für uns gebeten! Zu wem sollen wir jetzt gehn? Möge es Jahve 
sagen! Dann wird er zu ihnen sagen: Weil ihr euch selbst an mich gehängt (ge- 
klammert) habt (so wisset): „Wenn eure Sünden wie Scharlach wären, wie Schnee 
sollen sie weiß werden" Jes 1,18! 

Schab 89 b: R. Sch^muel b. Nachnian (um 260) hat gesagt, R. Jonathan (b. Ehazar, 
um 220) habe gesagt: Was heißt Jes 63, 16: „Du bist unser Vater; denn Abraham weiß 
nichts von uns u. Israel kennet uns nicht; du, Jahve, bist unser Vater; ,unser Erlöser' 
ist von jeher dein Name"? In der Zukunft wird Gott zu Abraham sagen: Deine Kinder 
haben gegen mich gesündigt. Dann wird dieser antworten: Herr der Welt, so mögen 
sie um der Heiligung deines Namens willen vertilgt werden! Weiter wird Abraham 
sagen: So möge es dem Jakob gesagt werden, der Not gehabt hat mit dem Aufziehen, 
von Kindern; vielleicht bittet er um Erbarmen für sie. Dann wird Gott zu diesem 
sagen: Deine Kinder haben gesündigt. Jakob wird antworten: Herr der Welt, so mögen 
sie um der Heiligung deines Namens willen vertilgt werden! Gott wird sagen: Bei 
Alten ist keine Einsicht u. bei Jungen kein Rat! Dann wird er zu Isaak sagen: Deine 
Kinder haben gegen mich gesündigt. Dieser wird antworten: „Meme" Kinder? Nicht 
auch „deine" Kinder? Als sie vor dir vorangehn ließen die Worte: „Wir wollen tun" 
den Worten: „Wir wollen hören" (s. Ex 24, 7), da hast du sie „meinen [Gottes] erst- 
gebornen Sohn" (s. Ex 4, 22) genannt, u. nun sollen sie „meine" Kinder u. nicht „deine" 
Kinder sein? Ferner wieviel haben sie denn gesündigt? Wieviel sind der Jahre des 
Menschen? Siebzig Jahre. Ziehe davon (die ersten) zwanzig Lebensjahre ab, derent- 
wegen du nicht bestrafst (die Strafmündigkeit der Israeliten vor Gott beginnt erst, 
wenn sie 20 Jahre alt sind; gefolgert aus Nu 14,29), so bleiben noch fünfzig; ziehe 
weiter fünfundzwanzig ab, die auf die Nächte entfallen (wo der Mensch schläft u. nicht 
sündigt), so bleiben noch fünfundzwanzig; ziehe weiter zwölf u. ein halbes Jahr ab, 
die auf das Gebet, das Essen u. den Abort entfallen, so bleiben noch zwölf u. ein 
halbes übrig. Willst du die alle tragen, so ist es gut; wenn aber nicht, so falle die 
eine Hälfte mir zur Last u. die andre dir; wenn du aber sagen solltest, daß ich das 



Matth 3, 9 (SB). 10. 11 (?l. SB) 121 

Ganze auf mich nehmen soll, siehe, so habe ich mein Leben vor dir als Opfer dar- 
gebracht (Gn 22). Da heben die Israeliten an u. sprechen: Du bist unser Vater! Isaak 
spricht zu ihnen: Statt daß ihr mich rühmt, rühmt den Heiligen, gepriesen sei er! Da 
zeigt ihnen Isaak Gott vor ihren Augen. Sofort erheben sie ihre Augen gen Himmel 
u. sprechen: Du, Jahve, bist unser Vater; „unser Erlöser" ist von jeher dein Name. 

3,9 33: Dem Abraham Kinder erwecken. 
Die Unterscheidung zwischen rechten und nicht rechten Kindern 
Abrahams liegt zum Teil den Stellen zugrunde, die bei Gal 3, 7 zitiert sind. 

3,10: Die Axt ist den Bäumen an die Wurzel gelegt. 

JeslO, 33f., welche Stelle möglicherweise dem Täufer bei obigem 
Ausspruch vorgeschwebt hat, hat etliche rabbinische Auslegungen ver- 
anlaßt, die hier ihren Platz finden mögen. 

Midr KL 1, 5 (.52='): Rabban Jochanan b. Zakkai (f um 80) begab sich in das Lager 
des Vespasian u. sprach: Wo ist der König? Man meldete dem Vespasian: Ein Jude 
wünscht dich zu begrüfsen. Er erwiderte: Er mag kommen. Als er kam, sprach er: 
Es lebe mein Herr, der Imperator! Vespasian sprach: Mit dem Gruß an einen König 
hast du mich begrüßt; ich bin aber kein König, u. wenn der König es hört, läßt er 
diesen Mann (^= mich oder auch dich) töten. Rabban Jochanan antwortete: Wenn du 
nicht König bist, so wirst du es schliel'lich werden; denn dieses Haus (d. h. der Tempel 
zu Jerusalem) wird nur durch einen König zerstört werden; s. Jes 10, ^-54: Der Libanon 
wird durch einen Herrlichen fallen. [L. ist häufig vorkommende Bezeichnung für den 
Tempel; zB SDt 1,5 § 6 (66b): Mit L. ist nichts andres als das Heiligtum gemeint, s. 
Jer 22, 6; Jes 10, 34. Oder: Warum nennt man das Heiligtum L."? Weil es die Sünden 
Israels weiß macht •^'^'■c — Wortspiel zu Libanon — s. Jes l, 18.] Parallelstellen: Gittin 
.56'»; Aboth R. Nathan 4 (3-''). || Sota 5^»: R. EI?azar (b. P^dath, um 270) hat gesagt: Jeder 
Mensch, in dem Hochmut wohnt, verdient wie eine Aschera umgehauen zu werden. 
Es heißt hier (JeslO, 33): ,Die stattlichen Wuchses sind, werden umgehauen" u. es 
heißt dort (Dt 7, 5): ,Ihre Ascheren sollt ihr umhauen." || Aus der Aufeinanderfolge 
von Jes 10.34 u. 11, 1 folgert R. Abin, daß der Messias unmittelbar nach der Zerstörung 
des Tempels geboren sei, pB*^rakh 2, 4 bei Mt 2, 5 f. (S. 8o). 

3,1151: Dem die Schub,© zu tragen ich nicht gut genug bin. 

Das Nachtragen der Sandalen, bezw. ihre Ablösung vom Fuß eines 
andren (so Mk 1, 7; Job 1, 27: Apg 13, 25) gehört zu den Diensten eines 
Sklaven. 

Qid],3 u. BB 53t>: Ein kananäischer (= nichtjüdischer) Sklave wird erworben 
durch Geld, Kaufbrief u. (tatsächliche) Besitzergreifung. — Dazu bQid 22 b Bar: Wie 
geschieht es durch Besitzergreifung? Wenn der Sklave seinem Herrn den Schuh los- 
macht oder ihm die Wäsche ins Badehaus nachträgt, wenn er ihn entkleidet, badet, 
salbt, kämmt, ankleidet, ihm die Schuhe anzieht oder ihn hochhebt, so hat der Herr den 
Sklaven dadurch erworben. |l Aus M'kh Ex 21, 2 (82*) erfahren wir, daß der hebräische 
Sklave zu diesen Diensten nicht verpflichtet war; s. Exkurs: „Altjüdisches Sklaven- 
wesen". K'^thye^: R. J«^hoschua? b. Levi (um 250) hat gesagt: Alle Arbeiten, die ein 
Sklave seinem Herrn verrichtet, soll ein Schüler seinem Lehrer tun, ausgenommen das 
Lösen des Schuhwerks. Vgl. aber P'"siq 84 b. 

Über vTTodr^ixa == Sandale s. bei Mt 10, 10 C 

3, lliB: Mit Feuer taufen. 
Sanh '69^: Ein Sektierer sagte zu R. Abbahu (um 300j: Euer Gott ist ein Priester; 
denn es heißt Ex 25, 2: „Ihr sollt eine Hebe für mich erheben." Als er nun den Mose 



122 Matth 3, 11 (SB). 12 («tt. 33). 14 

feegrub (u. durch die Berührung des Toten unrein ward), worin hat er das reinigende 
Tauchbad genommen? Wenn du sagen wolltest: ,In Wasser", so steht doch Jes 40, 12: 
Wer hat in seiner Hohlhand die Wasser gemessen? (Also genügt alles Wasser für ein 
Vollbad Gottes nicht.) R. Abbahu antwortete: In Feuer hat er sich getaucht; s. Jes 
^6, 15: Siehe, Jahve geht in Feuer einher. — Wie! sprach der Sektierer, gibt es denn 
«ein Tauchbad in Feuer? Gewiß, erwiderte R. Abbahu, hauptsäclilicli geschieht das 
Untertauchen (u. die dadurch zu bewirkende Reinigung) in Feuer; s. Nu Hl, 23: , Alles, 
was ins Feuer kommen kann, sollt ihr durchs Feuer gehn lassen u. es wird rein sein. . . . 
Aber alles, was nicht ins Feuer kommen kann, sollt ihr durch Wasser gehn lassen. "^ 

3,12 51: Er wird seine Tenne fegen. 

Nidda 31'^: Bar aus der Schule des R. Jischmafel (f um 135): Gleich einem Menschen, 
•der auf den Tennen worfelt: er nimmt das Efsbare u. läßt das Untaugliche liegen. |j 
TSch®bi?ith ö, 19 (68): Wenn man einen Ofen mit Stroh u. Spreu vom Brachjahr geheizt 
hat, so muß er ausgekühlt werden (das Heizen damit ist verboten). || Ta?an 6*>: Bis 
zu welchem Zeitpunkt darf man Nießbrauch haben u. verbrennen von Stroh u. Spreu 
•des Brachjahres? Bis der zweite Frühregen fällt (d. h. nach den drei verschiedenen 
Ansichten in TTa?an 1, 3 u. bTa?an 6-' am 7. oder 17. oder 23. Marcheschvan, etwa No- 
vember). |! Sch^bi?ith S, 11 : In einem Bade, das mit Stroh u. Spreu vom Brachjahr geheizt 
ist, darf man baden; ein geachteter Mann aber (der vorbildlich sein soll) wird es nicht 
tun. II Midr HL 7,3 (127'"^) bringt ein Gleichnis des R. Abin, in welchem die Nicht- 
«sraeliten dem Stroh, der Spreu u. den Stoppeln, die Israeliten dem Weizen auf der 
Tenne verglichen werden; s. Exkurs: „Diese Welt" usw. II, 2 Anm. ii. 

3,12 33: In seine Scheune. 

dnod^r'jxjj ist ins Rabbinische übergegangen. 

fAZ2, 7: Eingelegte Heuschrecken (die ein Nichtisnäelit feilhält) sind, wenn sie 
aus dem Korb (im Laden) genommen werden, zum Genuß verboten (es könnte Libations- 
■wein auf sie gesprengt sein); kommen sie aber aus dem Lagerraum (Vorratskammer. 
pr-iS), so sind sie erlaubt). — Dazu b?AZ iO^ Bar: Heuschrecken, Kapern u. Porree, 
die aus dem Speicher (■'ii-s), aus dem Lager, pr>.~., oder aus dem Schiff kommen, sind 
zum Genuß erlaubt; werden sie aber im Basar von dem Krämer (olfen dastehend) ver- 
kauft, so sind sie verboten, weil er Wein darüber sprengt. Ebenso ist Apfelwein von 
Heiden, der aus dem Speicher, aus dem Lager, prE^, oder aus dem Schiff (lies mit 
■Cod. M. nrrcr! statt ri'^iVcr: ^= Korb) kommt, erlaubt; wird er aber im Basar verkauft, 
so ist er verboten, weil man ihm Wein beimischt. || Targ Jerusch I Gn 24, 2: Abraham 
sprach zu Eli?ezer, seinem Sklaven, dem Ältesten seines Hauses, der über alle seine 
Speicher, -p'rirs, schaltete: Lege doch deine Hand usw. |l Targ Jerusch I Dt 32, 34; 
Sind nicht die Werke, die jene im Verborgenen tun, vor mir alle offenbar, versiegelt 
<ii. bereit gelegt in meinen Vorratskammern "pTirs:? 

3,14: Der aber wehrte ihm u. sprach: Ich bedarf wohl, 
daß ich von dir getauft werde. 

Die Weigerung des Johannes, Jesum zu taufen, hat selbstverständ- 
lich nichts mit jener Art konventioneller Zurückhaltung zu schaffen, 
von der wir zB lesen: 

B'^rakh 34^: Wer vor die Lade tritt (als Vorbeter), muß sich (wenn die Aufforderung 
dazu an ihn ergeht) weigern, u. wenn er sich nicht weigert, so gleicht er einer Speise, 
in der kein Salz ist; wenn er sich aber über Gebühr weigert, so gleicht er einer Speise, 
die das Salz anbrennen ließ. Wie soll er es machen? Das erste Mal (da man ihn 
auffordert] weigere er sich, das zweite Mal willige er zum Teil ein. u. das dritte Mal 
strecke er seine Füße aus u. trete vor die Lade. Vgl. B^Yakh 5,3: Wenn jemand vor 



Matth 3, 16 123 

die Lade tritt u. (beim Vorbeten) einen Fehler macht, so soll ein andrer für ihn hin- 
treten n. sich in einem solchen Augenblick nichf weigern. 

3,16: Wie eine Taube. 

Die Taube ist in der rabbin. Literatur mehrfach Sinnbild der Ge- 
meinde Israel ;a daß sie auch als Symbol des Geistes Gottes gegolten 
habe, läßt sich nur in sehr beschränktem Maße wahrscheinlich machen. b 

a. Midr HL 1, 15 (9:313): , Deine Augen sind Tauben." Wie eine Taube ohne Fehl 
ist, so sind auch die Israeliten schön bei ihrem Gehen, so oft sie hinaufziehen zu den 
Festen. "Wie eine T. gekennzeichnet ist (durch ihre Federn), so sind die Israeliten 
gekennzeichnet durch den Haarschnitt, die Beschneidung u. die Schaufädea. Wie die T. 
sittsam ist, so sind auch die Israeliten sittsam. Wie die T. ihren Hals zur Schlachtung 
hinstreckt (ohne zu zucken), so auch die Israeliten, s.Ps 44,23: ,Denn um deinet- 
willen werden wir immerfort getötet." Wie eine T. (als Opfer) die Sünden sühnt, so 
schaffen die Israeliten den Völkern Sühnung; denn jene 70 Farren, die die Isr. am 
Laubhüttenfest darbringen, entsprechen den 70 Völkern, damit die Welt um ihretwillen 
nicht zerstört werde, 9. Ps 109, 4: ,Für meine Liebe hassen sie mich, u. ich bete (wört- 
lich: u. ich bin Gebet)." Wie die T. von der Stunde an, da sie ihren Genossen (den 
Täuber) kennen gelernt hat, diesen nicht mehr gegen einen andren vertauscht, so 
haben auch die Isr. Gott, nachdem sie ihn kennen gelernt, nicht gegen einen andren 
vertauscht. Wie eine T. in ihr Nest geht u. ihr Nest u. ihren Schlag u. ihre Jungen u. 
ihre Brut u. ihre Fluglöcher kennt, so kennt von den drei Reihen der Gelehrtenschüler, 
wenn sie vor ihnen (dem Synedrium) sitzen, jeder einzelne seinen Platz. Wie eine T., 
wenn man ihre Jungen unter ihr fortnimmt, den Schlag nicht verläßt, so haben auch 
die Isr., obwohl das Heiligtum zerstört ist, die drei Feste im Jahre nicht aufgegeben. 
Wie eine T. Monat für Monat aufs neue Junge bringt, so erneuern die Isr. monatlich 
das Torastudium u. gute Werke. Wie eine T. eilends viele Fufstritte macht u. dann in 
ihren Schlag zurückkehrt, so auch die Isr., s. Hos 11, 11: Sie werden herzuflattern wie 
Vögel aus Ägypten u. wie Tauben vom Lande Assur. . . . , Deine Augen sind Tauben" 
d.h. wie Tauben; dein Bild gleicht der T.: wie eine T. der Welt Licht gebracht hat, 
so bringst auch du (Israel) der Welt Licht, s. Jes 60, 3: , Wallen werden Nationen nach 
deinem Licht." Und wann hat die T. der Welt Licht gebracht? In den Tagen Noahs, 
s. Gn 8, 11: „Die T. kam zur Abendzeit zu ihm, u. siehe, ein frisch gepflücktes Ölbaum- 
blatt war in ihrem Schnabel." . . . Von wo hatte sie das Blatt geholt? . . . R Bebai 
(um 320; so zu lesen nach der Mehrzahl der Parallelstellen) hat gesagt: Die Tore des 
Gan fEden wurden ihr geöffnet u. von dort hat sie es geholt. R. Aibo (um 320) er- 
widerte: Wenn sie es aus dem Gan fEden gebracht hat, hätte sie da nicht etwas 
Vorzüglicheres, zBZimt oder Balsam bringen können? Allein sie gab Noah damit eine 
Andeutung: Mein Herr Noah, lieber Bittereres noch als dieses aus Gottes Hand, als 
Süßes aus deiner Hand. — Dasselbe Midr HL zu 4, 1 [lOd'"-); kürzer Tanch -i::p 1041) 
u. TanchB m::r § 1 (48b); hier R. Ji^chaq, um 300, als Autor des letzten Vergleichs 
(Taube u. Lsr. Bringer des Lichts). — Die Frage, woher die Taube das Ölblatt geholt, 
wird ferner verhandelt GnR 33 (20''); LvR 31 (129«); vgl. auch den Ausspruch des 
R. Jirm^ja b. Ehazar, um 270: Die Taube sprach zu Gott: Herr der Welt, es möge 
meine Speise bitter sein wie die Olive, wenn sie nur ruht in deiner Hand; u. nicht 
möge sie süß sein wie Honig u. abhangen von der Hand eines Menschen! ?Erub 18 b; 
Sanh 108b (hier vor Elfazar zu ergänzen „Jirmeja b."). || Midr HL 2, 14 (101»): , Meine 
Taube in den Felsenritzen" HL 2, 14. Was heißt das? R. Jochanan (f 279) hat gesagt: 
Gott spricht: Ich nenne Israel eine Taube, s. Hos 7, 11: ,Es ward Ephraim einer ein- 
fältigen T. gleich, die unverständig." Bei mir sind sie wie eine T., aber den Völkern 
der Welt gegenüber sind sie den wilden Tieren gleich, s. Gn49, 9: ,Ein Löwenjunges 
istJ^huda"; Vers 21: ,Naphtali ist eine frei schweifende Hinde" ; Vers 17: ,Es werde 
Dan eine Schlange am Wege" ; Vers 27: „Benjamin ist ein Wolf, der zerreißt.* Und 



124 Matth 3, 16 

alle zwölf Stämme werden mit wilden Tieren verglichen. Weil die Völker der Welt 
wider Israel kämpfen u. zu ihnen sagen: Wozu hangt ihr am Sabbat u. an der Be- 
schneidung? Darum macht Gott Israel stark, daß sie vor den Völkern wie wilde Tiere 
werden, um jene vor Gott u. vor Israel zu beugen. Aber Gott gegenüber sind sie wie 
eine T. ohne Fehl u. hören auf ihn, s. Ex 4, 31: „Und das Volk glaubte." — In etwas 
breiterer Ausführung ExR 21 (8:^"=). II Sanh 95^: Es kam eine Taube, die vor Abischai 
b. 9®ruja niederfiel. Er sprach : Die Gemeinde Isr. wird der T. verglichen, vgl. Ps 68, 14: 
,Die Fittige der T., mit Silber überzogen." Daraus entnehme ich, daß sich David, der 
König Israels, in Not befindet. || B'^rakh 53 b; Warum wird die Gemeinde Israel mit der 
T. verglichen (Ps 68, 14)? Wie die T. sich nur mit ihren Flügeln rettet, so wird Isr. 
nur durch Gebotserfüllungen gerettet. |1 Schab 49^^ u. 130*: Warum heißt Elisa .der 
Geflügelte z-t:^ hyz"? Einmal hatte die Regierung das Edikt gegen die Israeliten er- 
lassen, daß man jedem, der die Gebetsriemen anlege, das Gehirn ausstechen solle. 
Elisa legte sie an u. ging auf die Straße hinaus. Als ihn ein Strafrichter sah, floh er 
vor ihm; dieser setzte iiim nach. Als er ihn eingeholt hatte, nahm er sie von seinem 
Kopf u. hielt sie in seiner Hand. Er sprach zu ihm: Was ist das in deiner Hand? 
Er sprach zu ihm: Taubenflügel. Er streckte seine Hand aus, u. es befanden sich 
darin Taubenflügel. Deshalb nannte man ihn , Elisa der Geflügelte". Was ist denn 
für ein Unterschied zwischen den Flügeln der T. u. denen der übrigen Vögel? Es 
wird die Gemeinde Israel mit der T. verglichen Ps 68, 14. Wie ihre Flügel die Taube 
schützen, so schützen aucli die Gebote Israel. 

b. Die als Beleg hierfür beigebrachte Stelle TChag 2, 5 (234); pChag 2, 77-\ 61 ; 
bChag 15*; GnR 2 {'■i'^) ist nicht beweiskräftig. In der Tosephta heißt es (die in Be- 
tracht kommenden Abweichungen der Parallelen in Klammer) : Einmal ging R. J^'hoschua? 
(b. Chananja, um 90) auf einer Straße, wobei ihm Ben Zoma begegnete. Als dieser an 
ihn herangekommen war u. ihn nicht grüßte, sprach R. J^'hoschua? zu ihm : Woher u. 
wohin, Ben Zoma? Dieser antwortete: Ich habe Betrachtungen über das Scböpfungs- 
werk angestellt u. (fand, daß) zwischen den obern u. den untern Wassern (vgl. Gn 1,7) 
auch noch nicht einmal eine Handbreite Zwischenraum sich befand; denn es heißt Gn 
1,2: „Der Geist Gottes schwebte, rt~->3, über den Wassern", u. Dt 32, 11 heißt es: 
,Wie ein Adler, der sein Nest erregt, schwebend :nn-' über seiner Brut." [Dies Zitat 
fehlt im Babli u. in GnR.] Wie ein Adler über seinem Neste schwebt, es berührend 
u. es doch nicht berührend, so ist auch zwischen den oberen u. den unteren Wassern 
nicht einmal eine Handbreite Zwischenraum. [pOhag: Wie das Schweben hier ein Be- 
rühren u. ein Nichtberühreu, so auch dort; Babli: Wie eine T., die über ihren Jungen 
schwebt, ohne sie zu berühren; GnR: Wie ein Vogel, der mit seinen Flügeln flattert, 
wobei seine Flügel (das Nest) berühren u. nicht berühren.] Da sprach R. J^hoschuaf 
zu seinen Schülern: Ben Zoma ist schon draußen (nicht mehr bei sich, von Sinnen); 
nur wenige Tage vergingen, da war Ben Zoma verschieden. — Nur der Babli redet 
von der T., während die beiden ersten Zeugen auf Grund von Dt 32, 11 auf den Adler 
u. GnR allgemein auf einen Vogel exemplifizieren. Alle Stellen haben gemeinsam, daß 
sie das Schweben des Gottesgeistes durch das Schweben eines Vogels über seinen 
Jungen veranschaulichen. Dagegen tritt der Gedanke, daß der Adler oder die T. oder 
sonst ein Vogel das Symbol des göttlichen Geistes sei, nirgends hervor. |! In B'^rakh 3* 
wird der Ton einer göttl. Himmelsstimme mit dem Girren der Taube verglichen: (Elias, 
der dem R. Jose b. Chalaphta, um 150, an einer der Ruinen Jerusalems erschien, sprach 
zu ihm:) Mein Sohn, was für eine Stimme hast du in dieser Ruine vernommen? Ich 
antwortete ihm: Ich habe eine Himmelsstimme (Bath-Qöl) vernommen, die wie eine T. 
girrte u. rief: Wehe, daß ich mein Haus zerstört u. meinen Tempel verbrannt u. meine 
Kinder unter die Völker verbannt habe! Er sprach zu mir: Bei deinem Leben u. dem 
Leben deines Hauptes! nicht bloß in diesem Augenblick sprach sie (die Bath-Qöl) also, 
sondern Tag für Tag spricht sie also dreimal; u. nicht dies allein, sondern zu der Zeit, 
da die Israeliten in die Synagogen u. Lehrhäuser gehen u. (dem Vorbeter) antworten: 
„Amen! es sei sein großer Name gepriesen!" schüttelt Gott sein Haupt u. spricht: 



Matth 3, 16. 17 {%) 125 

Heil dem König, den man so in seinem Hause preist. Was hat der Vater davon, daß 
er seine Kinder verbannte? u. wehe den Kindern, die vom Tisch ihres Vaters verbannt 
worden. — Die Bath-Qol gilt als schwacher Ersatz der Prophetie, kann also als Stimme 
des prophet. Geistes oder des heiligen Geistes angesehen werden. Wird ihr Klang nun 
mit dem Girren der T. verglichen, so liegt die Annahme nahe, daß man vom heiligen 
Geist unter dem Bilde einer Taube gesprochen hat. Dafür spricht besonders die alle- 
gorische Auslegung von HL 2, 12 auf die Erlösung Israels aus Ägyptenland in dem 
allerdings späten Targum zur Stelle: „Mose u. Ahron, die den Palmzweigen gleichen, 
sind erschienen, um Wunder im Lande der Ägypter zu tun, u. die Zeit der Wegraffung 
der (ägyptischen) Erstgeborenen ist gekommen (Ausdeutung der Textworte ^'izTr. n-), 
u. die Stimme des heiligen Geistes (Textwort -irr. '-nip Stimme der Turteltaube) von 
der Erlösung, von der ich zu eurem Vater Abraham geredet habe, habt ihr schon ver- 
nommen. Was habe ich zu ihm gesagt? ,Auch das Volk, dem sie dienen werden, werde 
ich richten, u. danach werden sie mit großer Habe ausziehen' Gn 15, 14; u. jetzt will 
icli tun, was ich mit ihm durch mein Wort vereinbart habe." — In Midr HL 2, 12 (100'') 
u. P'^siqR 15 (73b), wo sich diese Allegorie auch findet, wird die „Stimme der Turtel- 
taube" aber nicht auf den heiligen Geist, sondern auf Mose gedeutet. — Jedenfalls 
gibt es in der älteren Literatur keine Stelle, in der die Taube klar u. deutlich ein 
Symbol des heiligen Geistes wäre. 

3,17 51: Eine Stimme vom Himmel her sprach. 
?-ip rz, aram. a\'^ r-n? oder b\: r-n? = „Tochter der Stimme", wird 
von den Tosaphisten zu Sanh 11* also erklärt: Man hörte nicht die 
Stimme, die vom Himmel ausging, sondern aus dieser Stimme ging 
eine andre Stimme hervor; wie wenn ein Mensch mit Gewalt einen 
Schlag ausführt u. man hört einen zweiten Ton, der in der Ferne aus 
ihm (dem Schlag) hervorging. Eine solche Stimme hörte man; deshalb 
nannte man sie „Tochter der Stimme". — Hiernach ist die Bath-Qol 
gedacht als der Widerhall (Echo),a der von einer Gottesstimme im 
Himmel ausgeht u. auf der Erde gehört wird. — Nachdem die prophet. 
Begabung mit den letzten Propheten in Israel aufgehört hat, ist man 
auf die Bath-Qol angewiesen. b Dieser Ersatz der Prophetie ist aber 
kein vollwertiger; denn während das prophet. Wort unmittelbar vom 
heil. Geist (= Geist der Prophetie) ausging, redet Gott durch die Bath- 
Qol nur mittelbare zu Israel; sie ist eben nur Widerhall der Gottes- 
stimme. Damit hängt die geringe Wertschätzung zus., die man zum 
Teil der Bath-Qol entgegengebracht hat. So wird ihr jede autoritative 
Bedeutung für die Entscheidung in halakhischen Fragen abgesprochen. d 
— Joma9'' lesen wir: Resch Laqisch (um 250) badete im Jordan; es 
kam Rabba bar bar Ghana (ein Babylonier) u. gab ihm die Hand. Bei 
Gott, sprach Resch Laqisch, ich hasse euch (Babylonier); denn es heißt 
HL 8,9: „Ist sie (im Sinn des Midrasch: die Gemeinde Israel) eine 
Mauer, so bauen wir ein Schloß von Silber auf sie; ist sie aber eine 
Tür, so verschließen wir sie mit einem Zederbrett." Wenn ihr (Baby- 
lonier) euch selbst zu einer Mauer gemacht hättet ü. allesamt in den 
Tagen Esras heraufgezogen wäret (nach dem Lande Isr.), so wäret 
ihr dem Silber gleich, über das keine Fäulnis Gewalt hat (ohne Bild: 
so würde die göttliche Gegenwart, die Sch^'khina, in Israel wohnen, 



126 Matth o, 17 (31) 

wie vordem zur Zeit des Tempels Salomos); jetzt aber, da ihr wie 
Türen (d. h, vereinzelt) heraufgezogen seid, gleicht ihr einer Zeder, 
in der Fäulnis herrscht (der Geist der Prophetie ist gewichen, nur die 
Bath-Qol ist geblieben). Welche Zeder ist hier gemeint? ?Ulla (um 280) 
sagte: Die wurmstichige. Was ist damit gemeint? R. Abba (um 290) 
sagte: Die Bath-Qol (d. h. wie an der wurmstichigen Zeder nur wenig 
brauchbares Holz sich findet, so ist Israel die Bath-Qol verblieben als 
dürftiger Überrest des entschwundenen Geistes der Prophetie): wie 
es in der Bar heißt: Als die letzten Propheten Haggai, Sacharja u. 
Maleachi gestorben waren, entschwand der heil. Geist (Geist der Pro- 
phetie) aus Israel, so daß sie sich jetzt der Bath-Qol bedienen (zu 
dieser Bar vgl. die Zitate in Anmerk. Z*). — R. I^uben, gegen 300, ver- 
anschaulichte den Wert der Bath-Qol Midr HL zu 8, 9 f. (132 ") durch 
dieses Gleichnis: Wenn der König in einer Stadt weilt, so ruft man 
bittend zu ihm, u. er tut (um was man gebeten hat); wenn der König 
aber nicht in der Stadt weilt, so ist sein Standbild wohl da, allein 
dies kann nicht tun, was der König tut (so ist die Bath-Qol an die 
Stelle der Prophetie getreten, aber jene kann nicht wirken, was diese 
wirkte Matt. K^'hunna). — Günstiger, aber doch die Armseligkeit der 
Bath-Qol hervorhebend, lautet das Urteil des R. Aibo, um 320, Midr 
HL zu 8, 9 f. (132'^): Gott hat gesagt: Ich werde den Israeliten einen 
Fürsprecher unter den Völkern der Welt schaffen. Wer ist das? Die 
Bath-Qol, vgl. Jesl,9: „Wenn nicht Jahve Q'^baoth uns einen Rest 
hätte übrig bleiben lassen spärlich genug, wie Sodom wären wir ge- 
worden, wären Gomorra gleich!" — Auch hier liegt die Anschauung 
vor, daß die Bath-Qol ein dürftiger Überrest des Geistes der Prophetie 
sei; vgl. hierzu bei Joh 14, 16 Anm. h. — Die Bath-Qol geht aus von 
den Stätten, an denen Gott weilt, bezw. geweilt hat: vom Himmel,« 
vom Heiligtum, f vom Horeb.g Ungewöhnlich heißt es im Targ Jerusch II 
zu Nu 21, 6: „Eine Bath-Qol ging aus von der Erde u. die Stimme 
ward in den Höhen (= Himmel) gehört." Diese Ausdrucksweise wird 
mit dem Streben zusammenhangen, das böse Verhängnis von Nu 21, 6 
nicht auf Gott zurückzuführen; vgl. das Zitat Anm. c. Der Targ Jerusch I 
zur St. lautet: „Eine Bath-Qol fiel vom hohen Himmel u. sprach also" 
etc. — Die Aufgabe der Bath-Qol wird Sota 33 '^ dahin bestimmt, daß 
sie eine Botschaft übermitteln soll: v^-riv- -^^-i^oaxb, zum Verkündigen ist 
sie da. Deshalb darf sie auch in aramäischer Sprache ergehn, obgleich 
diese Sprache sonst bei den Himmlischen nicht beliebt ist Sota 33»; 
auch Midr HL zu 8, 9 f. (132"^) wird einmal ausdrücklich auf das aram. 
Idiom einer Bath-Qol hingewiesen. — Ihrer Aufgabe entsprechend ist 
die Bath-Qol mefst kurz gehalten; doch fehlt es auch nicht an Aus- 
nahmen. Die umfangreichste dürfte sich Apoc Bar 13, 1 ff. finden. — 
Der Inhalt der einzelnen Himmelsstimmen ist gar mannigfach, wie die 
unten folgenden Beispiele h zeigen: sie trösten, warnen, mahnen, strafen, 



Matth 3, 17 (%} 127 

entscheiden usw.: bes. beliebt ist die Bath-Qol da, wo es gilt, einem 
Menschen die Anteilnahme an der Seligkeit des Himmels oder aii der 
zukünftigen Welt zu besiegeln.» 

Noch sei darauf hingewiesen, daß der Ausdruck b-p rr an einigen, 
Stellen seine ursprüngliche Bedeutung „Himmelsstimme" verloren hat 
u. etwa soviel wie „Omen" ist.k Aber daß ein Sprichwort Bath-Qot 
genannt werde (Weber 2 195), läßt sich nicht beweisen. 1 

a. ExR 29 (89"): „Diese Worte redete Jahve zu eurer ganzen Versammlung . . .^ 
mit lauter Stimme, die nicht noch einmal war* Dt 5, 19 (sich nicht wiederholte; so» 
der Midrasch). R. Schim?on b. Laqisch (um 250) hat gesagt: Was heißt: ,die nicht, 
noch einmal war" V Wenn ein Mensch einem andren etwas zuruft, so hat seine Stimme 
eine Bath-Qol (Echo); aber die Stimme, die aus Gottes Mund hervorging, hatte keine^ 
Bath-Qol. II Midr HL 1,3 (85*): Wie das Öl keine Bath-Qol hat (wenn man es in ein. 
Gefäß gießt), so hat auch Israel (in seinen Klagen) keine Bath-Qol in dieser Welt;, 
aber von der zukünftigen Welt heißt es Jes29, 4: ,Tief unten vom Boden wirst du. 
sprechen u. gedämpft wird aus dem Staube deine Rede tönen" usw. — Diese Stellen, 
zeigen, daß Bath-Qol nichts andres als Widerhall oder Echo bedeutet. 

b. TSota 13, 2 (318): Als Haggai, Sacharja u. Maleachi, die letzten Propheten, ge- 
storben waren, schwand der heilige Geist (Geist der Prophetie) aus Israel; gleichwohl, 
ließ man (= Gott) sie die Bath-Qol hören. Parallelstellen: pSota !», 13 (24b, 21 ); als. 
Bar Sota 48''; Sanhll»; Joma9b; Midr HL zu 8, 9 f. (132b). — Das Fehlen des prophet. 
Geistes in Israel wird etlichemal (s. Anm. // 8) auf die Unwürdigkeit des jeweiligen; 
(jleschlechts zurückgeführt. Andrerseits hat man die Gabe der Prophetie, das Schauen 
im heiligen Geist, ausdrücklich dem Rabban Gamlißl IL, um 90, nachgerühmt TP^'s. 
1.27(157); fErub64b; LvR 37 (I33<3); pfAZ l,40^44; ebenso dem R. ?Aqiba, f um 135, 
LvR 21 (120"); dem R. Meiir, um 150, pSota 1. lö»^, 42 u. dem R. Schim?on b. Jochai, 
um 150, P"siq 90»; s. die Stellen bei Lk 2, 25. 

C. Targ KL 3, 38 : Aus dem Munde Gottes geht Schlimmes (Unglück) nicht hervor,, 
sondern durch eine Bath-Qol wird es angedeutet wegen der Gewalttaten, von denen 
die Erde voll ist; wenn er aber Gutes über die Welt beschließen will, so geht es aus- 
seinem heiligen Mund hervor. 

d. B^rakh 52 » u. Chullin 44»: R. J^hoschua? (b. Ghananja, um 90) hat gesagt: Man. 
nimmt auf eine Bath-Qol keine Rücksicht (nämlich bei der Entscheidung über Fragen 
halakhischer Art). — \\ BM 59b Bar: An jenem Tage (als über den ,Ofen des fAkhnai 
"S3:>'" Kelim 5, 10 debattiert wurde) machte R. Eli?ezer (b. Hyrkanos, um 90) alle mög- 
lichen Einwendungen, aber man nahm sie nicht an. Da sprach er zu ihnen: Wenn die- 
Halakha (die gesetzl. Bestimmung) so ist, wie ich sage, so möge dieser Johannisbrot- 
banm Beweis sein. Da wurde der J. 100 Ellen weit von seinem Standort ausgerissen;. ' 
einige sagen 400 Ellen weit. Man antwortete ihm: Man bringt keinen Beweis voa 
einem J. — Wiederum sprach er zu ihnen: Wenn die Halakha so ist, wie ich sage,. 
so möge ein Wasserlauf Beweis sein. Da floß der W. rückwärts. Man antwortete ihm: 
.Man bringt keinen Beweis von einem W. — Wiederum sprach er zu ihnen: Wenn die- 
Halakha so ist, wie ich sage, so mögen die Wände des Lehrhauses Beweis sein. Da 
neigten sich die Wände des L. zum Einfallen. Aber R. J'^hoschuaf (b. Chananja, um 90). 
fuhr sie an u. sprach: Wenn die Gelehrtenschüler miteinander kämpfen in der Halakha, 
was geht das euch an! Da fielen sie nicht ein wegen der Ehre des R. J'^hoschua?, aber 
sie richteten sich auch nicht auf wegen der Ehre des R. Elifezer. Und noch immer 
stehen sie geneigt. — Wiedetum sprach er zu ihnen: Wenn die Halakha so ist, wie^ 
ich sage, so mag vom Himmel aus der Beweis kommen! Da ging eine Bath-Qol aus,, 
welche sprach: Was habt ihr mit R. Eli?ezer zu schaffen"? Die Halakha richtet sich 
überall nach seiner Meinung! Aber R. J'^hoschua? stellte sich auf seine Füße u. sprach i 
, Nicht im Himmel ist sie" (im Sinn des Midrasch: die Tora) Dt 30, 12. — Was heißt 



128 * Matth 3, 17 (31) 

das: , Nicht iin Himmel ist sie"? R. Jirra^^ja (um 320) hat gesagt: Die Tora ist längst 
vom Berge Sinai gegeben worden. — Wir nehmen auf eine Bath-Qol keine Rücksicht; 
denn längst hast du (Gott) vom Berge Sinai her in der Tora geschrieben Ex 28,2: 
Nach der Mehrzahl (Majorität) sollst du dich richten (so der Midrasch). R. Nathan lum 
160) traf den (Propheten) Elias u. sprach zu ihm: Was machte Gott in jener Stunde? Er 
antwortete ihm: Er lachte u. sprach: Meine Kinder haben mich besiegt, meine Kinder 
haben mich besiegt! — Man hat gesagt: An jenem Tage brachte man alles Reine, was 
R. Elifezer für rein erklärt hatte, u. verbrannte es mit Feuer. Dann stimmte man über 
ihn ab u. verfluchte ihn (verhängte den Bann über ihn; s. den Exkurs „Synagogenbann"). 

e. Vgl. Anm. A Nr. 8. /. Vgl. Anm. Ä Nr. 1. g". Vgl. Änm. /t Nr^ie u. 22. 

h. Aus der unendlichen Fülle von Beispielen seien folgende hervorgehoben: 

1. pSota ^), 13 r24b, 22): Einmal hörte Schimfon der Gerechte (IL, um -^00 v. Chr.), 
wie eine Bath-Qol aus dem Allerheiligsten hervorging, welche sprach: „Getötet ward 
cp^'-i; c--; ' u. beseitigt sind seine Edikte!" — Einmal war eine junge Mannschaft nach 
Antiochia in den Krieg gezogen; da hörte der Hohepriester Jochanan (=; Johannes 
Hyrkanus, 135 — 104 v.Chr.) eine Bath-Qol, die aus dem Allerheiligsten hervorging, u. 
sprach : „Die Jünglinge haben gesiegt, die in Antiochia Krieg geführt haben." — Parallel- 
stellen: Sota '^2>°- als Bar; T>ota 13, 5 f. (319). In der letztern heißt es statt Bath-Qol: 
„er hörte aus dem Allerheiligsten", bezw.: „er hörte"; in der erstem: „er hörte aus 
dem Allerheiligsten", bezw.: „er hörte eine Stimme aus dem Allerheiligsten": beide 
Stellen weisen auf den aram. Wortlaut des Gehörten hin. 

2. M^g 3^: R. Jirm'^ja (um 320), nach andern R. Chijja b. Abba (um 280) hat ge- 
sagt: Den Targum zur Tora hat der Proselyt Onkelos gesagt nach den Worten des 
R. Elifezer (um 90 n.Chr.) u. des R. J^hoschuaf (um 90). Den Targum zu den Pro- 
pheten hat Jonathan b. fUzziel Zeitgenosse Jesu) gesagt nach den Worten des Haggai, 
Sacharja u. Maleachi. Da erbebte das Land Israel 4ü0 Parasangen weit im Geviert u. 
eine Bath-Qol gmg aus, welche sprach: „Wer ist der, der meine Geheimnisse den 
Menschenkindern offenbart hat?" Da trat Jonathan b. ?üzziel auf seine Füße u. sprach: 
Ich bin es, der deine Geheimnisse den Menschenkindern offenbart hat. Offenbar u. kund 
ist es vor dir, daß ich es nicht zu meiner Ehre getan habe, auch nicht zur Ehre meines 
Vaters, sondern zu deiner Ehre habe ich es getan, damit sich nicht die Parteiungen 
in Israel mehren. Auch wollte er den Targum zu den Hagiographen veröffentlichen; 
aber eine Bath-Qol ging aus, welche zu ihm sprach: „Es sei genug." Aus welchem 
Grunde? Weil darin (speziell wohl das Buch Daniel gemeint) der Termin (der Ankunft) 
des Messias enthalten ist. 

3. fErub 13 b; R. Abba (um 290) hat gesagt, Schemuel (f 254) habe gesagt: Drei 
Jahre stritten die Schulen Schammais u. Hilleis (1. Jarh. n. Chr.); jene sprachen: Die 
Halakha entspiicht unsrer Meinung; u. diese sprachen: Die Halakha entspricht unsrer 
Meinung! Da ging eine Bath-Qol aus, welche sprach: „Diese Worte sowohl wie jene 
sind Worte des lebendigen Gottes; aber die Halakha richtet sich nach der Schule 
Hillels!" — Dasselbe kürzer als Bar pB^rakh 1, o^, H9; hier der Zusatz, daß nach 
R. Jochanan if 279) die Bath-Qol in Jahne (dem ersten Sammelpunkt der Hilleliten 
nach der Zerstörung Jerusalems) ergangen sei. — Auf diese Bath-Qol wird mehrfach 
Bezug genommen, zB B'^rakh 51''; Chuilin 44^; pB'rakh 1,3^, H5. 

4. Gittin 5ii'': (Als Titus nach der Zerstörung des Heiligtums bei seiner Rückkehr 
nach Rom eine stürmische Meerfahrt liatte, lästerte er Gott:) Es will mir scheinen, 
als ob der Gott dieser (Juden) nur im Wasser seine Kraft besitzt: es kam der Pharao, er 
versenkte ihn ins Wasser. Desgleichen Sissera: Auch wider mich erhebt er sich, mich 



^ Dieser Name wird meist = Gaius Caligula gedeutet, was des argen Anachronis- 
mus wegen abzulehnen ist. In Seder fOlaniR 30 wird c^t-c; als letzter griechischer 
(syrischer) Herrscher nach Antiochus aufgezählt; vielleicht ist an den syrischen Feld- 
herrn Gorgias zu denken; dann wäre der Name zu deuten: „Der Räuber (c"?) Gor- 
gias" ; ein Anachronismus bliebe freilich auch so bestehn. 



MatthS, 17(5t Anm.h) 129 

im Wasser untergehen zu lassen. Wenn er ein Held ist, so komme er aufs trockne 
Land u. führe mit mir Krieg! Da ging eine Bath-Qol aus, welche sprach: ,Du Frevler, 
Sohn eines Frevlers, Nachkomme des frevlerischen Esau, ein kleines Geschöpf habe 
ich in meiner Welt, Mücke ist sein Name . . ., komm aufs trockne Land u. führe mit 
ihr Krieg!" Er stieg ans Land; eine Mücke kam u. drang in seine Nase u. durchbohrte 
sieben Jahre lang sein Gehirn (bis er daran starb). — In den Parallelstellen GnR 10 
(7d); LvR 1-1 (12P); NuR 18 (185''); Midr Qoh 5, 8 (Sß'') wird die Bath-Qol nicht er- 
wähnt; es heißt einfach: „Gott sprach." 

5. SDt 34, 5 § 357 (149'^): R. Eli?ezer (b. Hyrkanos, um 90) hat gesagt: Eine Bath- 
Qol ging (in der Sterbestunde Moses) aus durch das Lager Israels zwölf Mil im Geviert, 
welche verkündete: „Mose ist gestorben!" — Als Bar Sota 13'': Gestorben ist Mose, 
der große Lehrer Isl'aels, "'ss— :;-n na-^ n-eo. 

6. Ta?an 25b: Einmal trat R. Eli?ezer (um 90) vor die Lade u. sprach 24 Bene- 
diktionen (damit Regen niederfalle); aber er ward nicht erhört. Da trat nach ihm 
R. ?Aqiba (f um 135) vor u. sprach: „Unser Vater, unser König, wir haben keinen König 
außer dir; unser Vater, unser König, um deinetwillen erbarme dich über uns!" Da fiel 
Regen hernieder. Als die Rabbinen murrten, ging eine Bath-Qol aus, welche sprach: 
„Nicht weil dieser größer ist ajs jener, sondern weil dieser nachgiebig ist (wörtlich: 
an seinen Eigenschaften, Grundsätzen vorübergeht) u. jener nicht." — Anders u. ohne 
Erwähnung der Bath-Qol pTa?an 3, 66"', 64. 

7. pTa?an 4, 68 '^, 65; Midr KL zu 2, 2 (63^): Sofort (nachdem Bar Kokh'^ba seinen 
Oheim, den R. El?azar aus Modifim, durch einen Fußtritt, etwa 135 n. Chr., getötet 
hatte) ging eine Bath-Qol aus, welche sprach: „Wehe, du nichtsnutziger Hirt, der die 
Herde im Stich läßt! Schwert über seinen Arm u. sein rechtes Auge! Sein Arm müsse 
gar verdorren u. sein rechtes Auge gar erblinden! (Sach II, 17). Du hast den R. Elfazar 
aus Modi?im getötet, den Arm von ganz Israel u. ihr rechtes Auge; deshalb soll der 
Arm dieses Mannes (d. h. dein Arm) gar verdorren u. sein rechtes Auge gar erblinden." 
Alsbald wurde Beth ther (der Schauplatz der Tätigkeit des Bar Kokh*^ba) eingenommen 
u. Ben Kozeba (= Bar Kokh^ba, s. S. 13. 76) getötet. 

8. TSota 13, 3 f. (318): Einmal waren die Gelehrten in dem Hause des Gurja "-i; 
(s"i;, n---; liest der Babli; die pal. Gemara u. Midr HL lesen s--;) in Jericho zu- 
sammengetreten. Da hörten sie eine Bath-Qol, welche sprach: „Hier ist ein Mensch, 
der des heiligen Geistes (d.h. des Geistes der Prophetie) würdig ist; allein sein Ge- 
schlecht (Zeitalter) verdient es nicht." Man richtete die Augen. auf Hillel, den Alten 
(um 20 V. Chr.). . . . Ein andermal saßen sie in Jahne u. hörten eine Bath-Qol, welche 
sprach: „Hier ist ein Mensch, der des heiligen Geistes würdig ist; allein sein Ge- 
schlecht verdient es nicht." Man richtete die Augen auf Sch'^muel den Kleinen (um 
lOü n. Chr.). Parallelstellen : pSota S>, 24 ^ 27 ; bSota 48 '' ; Sanh 1 1 » (in den beiden letzten 
Stellen: „Es ließ sich eine Bath-Qol ,vom Himmel her' über ihnen vernehmen"); Midr 
HL 8, 9 f. (132 b). — Der Bericht des R. J^hoschuaf b. Levi über obige Ereignisse, der 
sich pSota !>, 24'-", 33; p$AZ 3, 42 S 28; pHor 3, 48 ^ 35 findet, macht in anachronistischer 
Weise Sch'^^muel den Kleinen zu einem Zeitgenossen Hillels u. verherrlicht den R. Eli?ezer 
b. Hyrkanos, um 90 n. Chr., als dritten, der des heiligen Geistes würdig gewesen. 

9. B''rakh3a Bar: (Der Prophet Elias fragt den R.Jose b. Chalaphta, um 150, 
nachdem dieser in einer der Ruinen Jerusalems sein Gebet verrichtet hat:) Mein Sohn, 
welche Stimme hast du in dieser Ruine gehört? Ich antwortete ihm: Eine Bath-Qol 
habe ich gehört, die wie eine Taube girrte (r^irtj»:: brummte, summte): „Wehe, daß 
ich mein Haus zerstört u. meinen Tempel, •is-r! , verbrannt u. meine Kinder unter die 
Nationen vei bannt habe!" (s. die ungekürzte Stelle S. 124). 

10- BM 85": Als R. Jose b. Elfazar (b. Schimfon b. Jochai, um 180) verstorben war, 
wollte man ihn in der Grabhöhle seines Vaters beisetzen. Es lag aber eine Schlange 
zusammengerollt vor der Höhle; man sprach zu ihr: Schlange, Schlange, öffne deinen 
Mund (Raschi zu BM 84b: Entferne deinen Schwanz aus deinem Munde, um Raum zum 
Eintritt zu schaffen), damit der Sohn zu seinem Vater komme. Aber sie öffnete ihn 
Strack u.Billerbeck, NT I. 9 



130 MatthS, 17 (3t Anm. h) 

nicht. Das Volk meinte, weil jener (dei- Vater) größer sei als dieser (der Sohn). Da 
ging eine Bath-Qol aus, welche sprach: Nicht weil jener größer ist als dieser, sondern 
weil jener in der Not der Höhle sich befunden hat u. dieser nicht (R. Elfazar soll in 
einer Verfolgungszeit 13 Jahre mit seinem Vater Schim?on in einer Höhle zugebracht 
haben Schab ö3b). 

11. Sanh 94^: R. Tanchum (wohl b. Chanilai, um 280) hat gesagt: Bar Qappara 
(um 220) hat in Sepphoris öffentlich vorgetragen : Warum ist jeder in der Mitte eines 
Wortes sich findende Mem-Buchstabe offen geschrieben u. das Mem in ~3-cJ: Jes 9, 6 
geschlossen (wie das Mem finale)? Es wollte Gott den Hiskia zum Messias u. Sanherib 
zu Gog u. Magog machen; aber die göttliche Gerechtigkeit sprach vor Gott: Herr der 
Welt, den David, den König Israels, der viele Lieder u. Lobgesänge vor dir gesprochen 
hat, hast du nicht zum Messias gemacht, u. den Hiskia, dem du alle diese Wunder 
getan hast u. der kein Lied vor dir gesagt hat, willst du zum Messias machen? Des- 
halb wurde das Mem sofort geschlossen. Da öffnete die Erde ihren Mund u. sprach 
vor ihm: Herr der Welt, ich will vor dir ein Lied sagen an Stelle dieses Gerechten, 
nur mache ihn zum Messias. Sie hob an u. sprach ein Lied vor ihm, s. Jes 24, 16: 
,Vom Saume der Erde hören wir Gesänge: ,Willfahre dem Gerechten'!" (so der Midr). 
Es spiach der Fürst der Welt (ein Engelfürst, der dehi Gesamt-Naturleben vorsteht) 
vor ihm: Herr der Welt, tue diesem Gerechten seinen Willen! Da ging eine Bath-Qol 
aus, welche sprach: Mein Geheimnis für mich! Mein Geheimnis für mich! (Jes 24, 16 
nach Auffassung des Midrasch). Der Prophet sprach : Wehe mir, wehe mir, wie lange 
noch? Da ging eine Bath-Qol aus, welche sprach: Solange die Treulosen treulos sind, 
ja die Treulosen treulos sind! (das.) 

12. M^'g 29=^: Bar Qappara (um 220) hat öffentlich vorgetragen: Was heißt Ps 68, 17: 
jWozu wollt ihr rechten, ihr buckligen Berge?" (so der Midrasch). Es ging eine Bath- 
Qol aus, die zu ihnen sprach: , Warum wollt ihr rechten (i'-n-r wird gedeutet = is-.i 
•--) mit dem Sinai? Ihr alle seid mit Fehlern behaftet gegenüber dem Sinai." Es heißt 
hier: , Bucklige Berge"; u. es heißt dort Lv 21,20: „Kein Buckliger" (soll Gotte nahen). 

13. BQ 58'*: R. BannaJa (um 220) kennzeichnete (Grab-)Höhlen (durch Kalkanstrich; 
dies geschah, damit die Priester die Grabstätten erkennen u. meiden möchten. Bei 
dieser Gelegenheit war er auch Abrahams in dessen Grabhöhle ansichtig geworden). 
Als er an die Grabhöhle des ersten Menschen kam, ging eine Bath-Qol aus, welche 
sprach: „Das Bild meines (Gottes) Ebenbildes (d. h. Abraham, den Nachkommen Adams) 
hast du geschaut, mein (Gottes) Ebenbild selbst (d. h. Adam) kannst du nicht schauen!" 

14. Midr Qoh zu 7, 16 (36'^): R. Huna (um 350) u. R. Bannaja (= R. Banna^a in 
Nr. 13) haben gesagt: Saul fing an mit seinem Schöpfer zu rechten u. sprach: So hat 
Gott gesagt: „Geh u. schlage fAmaleq" usw (1 Sm 15, 3). Wenn die Männer gesündigt 
haben, was haben die Frauen u. die Kinder u. die Ochsen u. Esel gesündigt? Da ging 
eine Bath-Qol aus, welche sprach: „Sei nicht allzu gerecht (Qoh 7, 16), mehr als deia 
Schöpfer!" — Die Rabbanan sagten: Er fing an zu rechten wegen des Kalbes, dem 
das Genick gebrochen werden soll. Er sprach: Es heißt Dt 21, 4: „Sie sollen dort dem 
Kalb im Tale das Genick brechen." Jener hat getötet u. diesem soll das Genick ge- 
brochen werden? Wenn der Mensch gesündigt hat, was hat das Tier gesündigt? Da 
ging eine Bath-Qol aus, welche sprach: ,.Sei nicht allzu gerecht!" — Beide Auslegungen 
hat R. Mani (IL, um 870) nach Joma22^ miteinander verbunden n. dann mit folgenden 
Worten geschlossen: Als Saul zu Doeg sprach 1 Sm 22, 18: „Wende dich herzu u. mache 
dich an die Priester!" ging eine Bath-Qol aus, welche zu ihm sprach: „Sei nicht allzu 
gottlos!" Qoh 7, 17. 

15. Sanh 10415: Rah J<^huda (t 299) hat gesagt, Rab (f 247) habe gesagt: Sie (die 
Gelehrten) wollten noch einen dazuzählen (zu den von der zukünftigen Welt aus- 
geschlossenen Königen Israels, nämlich den Salomo); da kam das Bild seines (des 
Salomo) Vaters u. streckte sich (bittend) vor ihnen nieder; aber sie nahmen keine 
Rücksicht darauf. Es kam Feuer vom Himmel, u. das Feuer leckte an ihren Bänken 
(im Lehrhaus); aber sie nahmen keine Rücksicht darauf. P]s ging eine Bath-Qol aus,. 



Matth 3, 17 (31 Anm. h) 131 

die zu ihnen sprach: „Siehst du einen Mann, der hurtig ist in seinem Geschäft: vor 
Königen kann der sich stellen, nicht wird er sich vor ünberühmten (wörtlich : Dunklen) 
stellen" Spr 22, 29. „Der, welcher mein Haus dem seinigen ließ voraufgehn, u. nicht 
bloß dies, der mein Haus in sieben Jahren u. das seinige in dreizehn Jahren erbaut 
hat, der kann sich vor Königen stellen, aber nicht wird er sich vor Unberühmten 
stellen!" Aber sie nahmen keine Rücksicht darauf. Da ging eine Bath-Qol aus, welche 
sprach Hi 34, 33: ,Wird er etwa nach deinem Sinn Vergeltung üben, daß du verwirfst, 
daß du erwählst, u. nicht ich?" — Dasselbe NuR 14 (172'^) mit dem Schlußsatz: Sofort 
standen sie davon ab, den Salomo mit ihnen zu verbinden (den von der zukünftigen 
Welt Ausgeschlossenen zuzuzählen). — Ähnlich, aber kürzer mit Ps 105, 15 (Tastet 
meine Gesalbten nicht an!) als Inhalt der Bath-Qol u. dem R. J^'hoschua? b. Levi. 
um 250, als Autor Midr HL Eiul., 78*^; in andrer Fassung u. ohne Einführung einer 
Bath-Qol findet sich dieser Ausspruch des R. J'^hoschua? b. L. P^'siqR 6 (23'*). — In 
pSanh 10, 29t>, 34 haben Rabs Ausführung R. Chanina, um 225, u. R. J'^hoschua? b. Levi. 

16. B^rakh 17^: Rab J'huda (f 299) hat gesagt, Rah (f 247) habe gesagt: Tag für 
Tag geht eine Bath-Qol aus vom Berge Horeb, welche spricht: „Die ganze Welt wird 
ernährt wegen meines Sohnes Ghanina (b. Dosa, eines Asketen um 70 n. Chr.), u. mein 
Sohn Chanina läßt sich genügen an einem Qab Johannisbrot von einem Sabbatvorabend 
bis zum andern. — Dasselbe Ta?an 24 b; Chullin Stv''. 

17. Sota2a: Rab J^huda (f 299) hat gesagt, Rab (f 247) habe gesagt: Vierzig Tage 
vor der Bildung des Kindes (im Mutterleib) geht eine Bath-Qol aus, welche spricht: 
„Die Tochter von dem u. dem ist bestimmt für den u. den, u. das Haus, das Feld von 
dem u. dem für den u. den." 

18. Schab 56 b: „Der Sohn Jonathans war Merib-Ba?al" 1 Chr 8, 34. Hieß er denn 
Merib Bafal? Hieß er nicht Mephiboscheth? (Vgl. 2 Sm 4, 4.) Vielmehr weil er Streit 
mit seinen Herren anfing (rVya zv r-.z—o r,vjs), ging eine Bath-Qol aus, welche zu 
ihm sprach: „Zänker, Nachkomme des Zänkers" (d.h. des Saul nach 1 Sm 15,5 '■^-22 21^:, 
wobei 3-' von a— hergeleitet ist). . . . Rab J®huda (f 299) hat gesagt, Rab (f 247) habe 
gesagt: Als David zu Mephiboscheth sprach: Du u. (,!iba sollt den Acker teilen (2 Sm 
19, 30), ging eine Bath-Qol aus, welche sprach: „Rehabfam u. Jarob?am sollen das 
Reich teilen." 

19. Schab 149^: Rab J^huda (f 299) hat gesagt, Rab (f 247) habe gesagt: Als jener 
Frevler (Nebukadne^ar) zum Gehinnom hinabfuhr, erbebten alle, die in den G. hinab- 
gefahren waren, u. fragten, ob er käme, über sie zu herrschen, oder ob er käme, 
schattenhaft zu sein, wie sie, s. Jes 14, 10. Da ging eine Bath Qol aus, welche sprach: 
„Warst du nicht anmutiger als irgendwer? Fahre hinab u. laß dich betten neben den 
Unbeschnittenen" Ez 32, 19. 

20. RH 21b: (Rab, f 247, hat gesagt:) Qoheleth {■= Salomo) wollte dem Mose 
gleich sein. Es ging aber eine Bath-Qol aus, welche sprach: „Worte der Wahrheit sind 
es: Kein Prophet stand in Israel mehr auf wie Mose" Dt 34, 10. . . . (Sch*=^muSl, f 254, 
hat gesagt:) Qoheleth wollte Recht sprechen nach dem Herzen ohne Zeugen u. ohne Ver- 
warnung. Es ging aber eine Bath-Qol aus, welche sprach: „Worte der Wahrheit sind es: 
Auf Aussage zweier Zeugen oder dreier Zeugen bekommt eine Sache Geltung" Dt 19,15. 

21. Midr KL Einl. Nr. 25 (39*): R. Jonathan (b. E[?azar, um 220i hat gesagt: Drei 
und ein halbes Jahr hat die Sch^'khina (vor der Zerstörung des I.Tempels) auf dem 
Olberg geweilt, hoffend, daß die Israeliten Buße tun würden, aber sie taten keine 
Buße; u. eine Bath-Qol pflegte zu verkündigen u. zu sagen: „Kehret um, ihr abtrünnigen 
Kinder (vgl. Jer3, 14), kehret zurück zu mir, so will ich mich zu euch zurückwenden." 
Als sie aber nicht Buße taten, sprach die Stimme: Ich will gehn u. an meinen Ort 
(= Himmel) zurückkehren,, bis daß sie es büßen (Hos 5, 15). — In der abweichenden 
Fassung P*^siqR 31 ( 143 b) ist die Bath-Qol ersetzt durch „die Stimme Jahves" Micha 6, 9. 

22. Aboth 6, 2: R. J'^hoschua? b. Levi (um 2ä0) hat gesagt: Tag für Tag geht eine 
Bath-Qol aus vom Berge Horeb, welche verkündet: „Wehe den Menschen ob der Vernach- 
lässigung der Tora!" — Dasselbe Midr KL Ein). Nr. 2 (SO»); P-^sici 121«; ExR41 (97«'). 

9* 



132 MatthS, 17 (5t Anm.h) 

23. BM 85 b: Rescli Laqisch (ura 2501 hatte die Grabeshöhlen der Rabbiaen ge- 
kennzeichnet (s. oben Nr. 13); als er an die Grabhöhle des R. Chijja (des Altern, um 
200) kam, wurde sie vor ihm verborgen (er fand sie nicht). Er wurde darüber schwach 
(traurig) in seinem Gemüt u. sprach: Herr der Welt, habe ich nicht die Tora eingehend 
studiert gleichwie wiener (R. Cliijja? Eine Bath-Qol ging aus, welche sprach: „Du hast 
die Tora eingehend studiert wie er. aber du hast die Tora nicht verbreitet wie er." — In 
andrer Einkleidung u. ohne Erwähnung der Bath-Qol pKil ".»,32^04; pK^h l'.', 35^,60. 

24. TanchB sar § 2 (23^): Resch Laqisch (um 250) hat gesagt: (Wenn ein Mensch 
das Bekenntnis über den Armenzehnt abgelegt hat Dt 26, I2ff. i, geht eine Bath-Qol 
aus, welche spricht: „Mögest du es im nächsten Jahre wiederholen können wie am 
heutigen Tage"; wie man zu einem Menschen, der einem andren eine neue Frucht 
schenkt, sagt: Möge es dir gefallen, mich im nächsten Jahr wieder zu beschenken! 

25. Midr KL Einl. Nr. 24 (Hob): (In der Trauerklage des R. Sch'^muel b Nachman, um 
260, über Jerusalems Zerstörung heißt es : ) Sofort ging Mose u. Jeremia, bis sie an die Ströme 
Babels kamen; als die Exulanten Mose erblickten, sprachen sie untereinander: Der Ben 
?Amram ist aus seinem Grabe gekommen, uns zu erlösen aus der Hand unsrer Dränger. 
Da ging eine Bath-Qol aus, welche sprach : „Ein unabänderlicher Beschluß ist dies vor mir!" 

26. Schab 88": R Elfazar ib. P^dath, um 270) hat gesagt: Als die Israeliten das 
„Tun" dem „Hören" voraufuehn ließen (Ex 24, 7), ging eine Bath-Qol aus, die zu ihnen 
sprach: „Wer hat meinen Kindern dieses Geheimnis kumlgetan, das bei den Engeln 
des Dienstes im Gebrauch ist?", vgl. Ps 103, 20: „Preiset Jahven, ihr seine Engel, ihr 
starken Helden, die ihr sein Wort tut, um zu hören auf die Stimme seines Wortes." 
Zuerst „die ihr tut", u. dann „um zu hören". 

27. Mak 23b: R Elfazar (b. P'dath, um 270) hat gesagt: An drei Orten leuchtete 
der heilige Geist (Geist der Prophetie) hervor: im Gerichtshof des Sem, im Gerichtshof 
Samuels aus Rama u. im Gerichtshof Salomos. Im Gerichtshof des Sem, s. Gn38, 2H: 
^J«'huda sah genau hin u. sprach: Sie ist gerecht; von mir!" (so der Midrasch). Woher 
wußte er denn das (daß sie von ihm schwanger gehe, daß er sagt: Von mir!)? Es 
war doch möglich, daß, so gut wie er ihr beigewohnt hatte, auch noch ein anderer 
Mann ihr beigewohnt hatte. Es ging eine Bath-Qol aus, welche sprach: „Von mir 
(Gott) sind ausgegangen die Heimlichkeiten" (die geheimen Beschlüsse, die auf das 
Hervorgehen Davids u. des Messias aus der Thamar abzielen! — Indem J'^huda sagt: 
„Von mir", leuchtet der Geist der Prophetie in ihm auf; die Deutung der prophet. 
Eingebung aber gibt die Bath-Qol dahin, daß die Worte „von mir" sich auf Gott be- 
ziehen). I Im Gerichtshof Samuels, s. 1 Sm 12,3: Siehe, hier bin ich, sagt gegen mich 
aus vor Jahve u. vor seinem Gesalbten: Wessen Ochsen habe ich genommen usw.? 
Vers 4: Sie sprachen: Du hast uns nicht gedrückt usw. Vers 5: Er sprach zu ihnen: 
So sei denn Zeuge gegen euch Jahve u Zeuge sein Gesalbter usw. Vers 6: Und er 
sprach: Zeuge! — Es heißt (Vers ti): „Er sprach"; „sie sprachen", sollte es heißen. 
Es ging eine Bath-Qol aus. welche sprach: ich Gott) bin Zeuge in dieser Sache! (Auch 
hier liegt das Aufblitzen des heil. Geistes in dem auffälligen „er sprach" vor; die 
Bath-Qol dient dann als bestätigende Dolmetscherin.) | Im Gerichtshof Salomos, s. 1 Kg 
3, 27: „Da hob der König an u. sprach: Gebt ihr das Kind . . ., wie ist seine Mutter." — 
Woher wußte er das? Sie konnte doch vielleicht hinterlistig gehandelt haben. Es ging 
eine Bath-Qol aus, welche sprach: „Sie ist seine Mutter." — Parallelstellen: Midr Ps 
72 § 2 (lti3a); GnR 85 (54*"), hier R. Seh muel b. JiQchaq, um 30", als Autor; zum Teil 
auch Targ Jerusch 1 u. II zu Gu Sx, 26; in Midr Qoh zu 10, 16 49«), wo R. Schmuel b. 
Nachman, um 260, als Autor genannt ist, geschieht der Bath-Qol keine Erwähnung. — 
Der erste auf J'huda u. Thamar sich beziehende Satz auch Sota li'b; hier gehen die 
Worte vorauf: Als J'huda bekannte u. sprach: Sie ist gerecht usw., ging eine Bath-Qol 
aus, welche sprach: Du hast die Thamar u. ihre zwei Söhne vom Feuer errettet; bei 
deinem Leben, ich will durch dein Verdienst drei von deinen Nachkommen aus dem 
Feuer erretten. Wer waren diese? Chananja, Mischael u. f Azarja (-= Schadrakh, Me- 
schakh u. ?Abed-Nego Dn 3, 12 ff., vgl. Dn 1,7). 



Matth 3, 17 {% Auni. h. i) "133 

28. Weitere Beispiele von Hiramelsstimmen finden sich: Midi- Qoli 9, 7 (41 a-^- 42^*); 
Midr KL Einl. Nr.-J3 (85 b) nebst Parallelen: Midr Qoh 12,7 (58"^); Midr Ps 79 §2 (180»); 
Midr HL2, 13 (lOüb); pegiqR 15 (74b); ferner Sanh39b; M<=n 5:-;b; Sanh 102»; pPeal, 
15^,34 nebst Parallele p?AZ :^, 4 2«, 17; sowie MQ 16b; P^siq 137^ K^tli77b; Sanh 96b, 
hier statt Bath-Qol nur ,eine Stimme". 

29. Daß gegebenenfalls selbst die Halakha auf eine Bath-Qol Rücksicht genommen 
hat, zeigt J*^b 16, 6: Man läßt eine Frau sich wieder verheiraten auf die Aussage einer 
Bath-Qol hin (obwohl der Tod des Mannes nicht anderweitig bezeugt ist). Es geschah, 
daß einer auf der Spitze eines Berges stand u. rief: Der u. der, Sohn des u. des ist 
da u. da gestorben. Mau ging u. fand dort niemand; da ließ man dessen Frau sich 
wieder verheiraten. Wiederum trug es sich in ^almon zu, daß jemand rief: Ich, der 
u. der, Sohn des u. des, bin von einer Schlange gebissen u. sterbe. Man ging hin, u. 
obwohl man ihn nicht wiedererkannte, ließ man seine Frau sich wieder verheiraten. — 
Die gehörten Stimmen wurden also als beglaubigte Himmelsstimmen angesehen. 

i. pChag 2, 77», 57: R. Jose, der Priester (um 100 n. Chr.), u. R. Schim?on b. N'^than^el 
hoben gleichfalls an, über den güttl. Thronwagen (nis-^ar: ■r^v'jp_ ist nach Ez 1 Bezeich- 
nung für theosophische Lehren) Vortrag zu halten; man sagt, es sei an einem Tage zur 
Zeit der Sommersonnenwende gewesen. Da erbebte die Erde u. der ( Regen-)Bogen erschien 
in den Wolken u. eine Bath-Qol ging aus, die zu ihnen sprach: Die Stätte ist für euch 
frei, der Saal ist für euch bereitet (nämlich im Himmel i, ihr u. eure Schüler seid be- 
stimmt für die dritte Abteilung (der Seligen). '— In der Parallelstelle Chag 14b hört 
Rabban Jochanan b Zakkai, der Lehrer der beiden oben Genannten, diese Bath-Qol in 
einem Traum. || B'^rakh 61b: (Als R. ?Aqiba den Märtyrertod um 135 erlitt, sprach er:) 
Mein lebelang bin ich besorgt gewesen um diesen Vers Dt 6, 5: ,So liebe denn Jahve 
. . . mit deiner ganzen Seele", auch wenn er die Seele nimmt. Ich habe gedacht: Wann 
wird mir die Gelegenheit werden, dies Wort zu erfüllen? Und jetzt, wo mir die Ge- 
legenheit dazu geworden ist, sollte ich es nicht erfüllen? Da zog er das Wort „Einer" 
(-ns im Sch*^raa?-Bekenntnis Dt 6, 4) so lang (beim Aussprechen), bis seine Seele bei 
diesem Wort von ihm ausging. Da ging eine Bath-Qol aus, welche sprach: Heil dir, 
R. f Aqiba, daß deine Seele ausgegangen ist bei dem Wort „Einer". Da sprachen die 
Dienstengel vor Gott: Ist das die Tora, ist das ihr Lohn? Zu den durch dich (eines 
natürlichen Todes) Sterbenden sollten sie gehören u. nun (gehören sie) zu den von der 
Welt Getöteten? (so deutet der Midr Ps 17, 14). Gott sprach zu ihnen: ,lhr Teil ist 
im Leben" Psl7, 14. Da ging eine Bath-Qol aus, welclie sprach: Heil dir, R. fAqiba! 
denn du bist bestimmt für das Leben der zukünftigen Welt. Ii pKil 9,32b, ]7: (Nach 
der Totenklage um Rabbi) ging eine Bath-Qol aus, welche sprach: Wer nicht lässig 
gewesen ist in der Trauer um Rabbi, der darf sich versichert halten des Lebens der 
zukünftigen Welt mit Ausnahme jenes Walkers (der darin lässig gewesen war). Als 
dieser solches vernahm, stieg er auf das Dach u. stürzte sich hinab, daß er starb. Da 
ging eine Bath-Qol aus, welche sprach : Auch der Walker (hat teil am Leben der zu- 
künftigen Welt) ! — Dasselbe pK-^th 12, 35-', 26; Midr Qoh 7, 11 (36«); etwas verändert 
bK«thl03b. II fAZn«: Eine Bath-Qol ging aus, welche sprach: R. Ehazar b. Durdaja 
(ein Tannait. der der Wollust ergeben gewesen war) ist bestimmt für das Leben der 
zukünftigen Welt || MQ 9 « : R. Jochanan (f 279) hat gesagt: In jenem Jahre (von welchem 
1 Kg 8, 65 handelt) hatten die Israeliten den Versühnungstag nicht gehalten; sie waren 
darum besorgt u. sprachen : Vielleicht haben sich die Feinde Israels ^ der Vernichtung 
schuldig gemacht. Da ging eine Bath-Qol aus, die zu ihnen sprach: Ihr alle seid be- 
stimmt für das Leben der zukünftigen Welt. — Dasselbe mit R. Levi, um 300, als 
Autor GnR 35 (21 -i). 11 Gittin 57b (^mal): Rah J^huda (f 299) hat gesagt: ... Sie (die 
Mutter der sieben Märtyrersöhne, vgl. 2 Makk 7) stieg (nach dem Tode des jüngsten 



^ Euphemismus für „die gottlosen Israeliten" ; man vermied eine schlimme Aus- 
sage mit Israel in Verbindung zu bringen u. sagte dann „die Feinde Israels" ; vgl. schon 
lSm25, 22 „Feinde Davids" für „David". 



134 Matth 3, 17 (5t Anm. i— 1. SB) 

Sohnes) auf das Dach u. fiel hinab u. starb; da ging eine Bath-Qol aus, welche sprach: 
Die Mutter der Söhne hat Freude (so deutet der Midr Ps 113, 9). I! Tafan 29=»: (Rabban 
Gamliöl, um 90, schwürt einem vornehmen Römer, der ihn vom Tode retten will, daß 
er ihn in die zukünftige Welt bringen wolle. Der Römer stürzt sich vom Dach u. 
stirbt.) Da ging eine Bath-Qol aus, welche sprach: Dieser Herr ist bestimmt für das 
Leben der zukünftigen Welt. 

k. M'^'g 32''»: R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Woher läßt es sich beweisen, daß 
man von einer Bath-Qol Gebrauch machen darf? Weil es Jes 30, 21 heißt: „Deine 
Ohren werden das Wort hören hinter dir her, das da spricht." Das gilt aber nur dann, 
wenn man die Stimme eines Mannes in der Stadt u. die Stimme einer Frau auf freiem 
Felde hört, u. zwar muß die Stimme sagen: Ja, ja oder nein, nein. — Raschi bemerkt 
dazu: Wenn man vorhat etwas zu beginnen u. hört d:ann eine Stimme, ohne daß jemand 
da ist, von dem die Stimme ausgeht, u. die Stimme sagt ein doppeltes Ja oder Nein, 
so kann man sich nach dieser Stimme richten (d. h. nach ihr als einem Omen seine 
Entscheidung treffen). — |i Ähnliche Anschauungen liegen folgenden Erzählungen zu- 
grunde. pSchab (5, S'', 56: Bar Qappara (um 220) war nach einem Ort gegangen; als 
er hineinging, stieß er sich seinen Finger; er ging weiter u. hörte die Stimme eines 
Kindes, welches Ex 21, 3 las: ^Wenn er mit seinem Leibe kommt, soll er mit seinem 
Leibe ausgehn." Da sprach er: Es scheint, als ob nur dieser Stoß mich treffen soll. 
Und so geschah es auch. R. Jochanan if 279) u. R. Schimfon b. Laqisch ^um 250) trugen 
Verlangen, den (Babylonier) Sch^muel (f 254) von Angesicht zu schauen (ihn in Baby- 
lonien zu besuchen). Sie sprachen: Wir wollen uns nach dem Hören einer Bath-Qol 
richten. Sie gingen an einer Schule vorüber u. hörten die Stimme eines Kindes, welches 
sprach (1 Sm 28,3): „Samuel war gestorben." Sie sahen darin ein Zeichen, u. es war 
auch so (Sch''muel war bereits tot). R.Jona u. R.Jose (beide um 350) gingen hinauf, 
um den R. Acha (um 320), der krank war, zu besuchen. Sie sagten: Wir wollen uns 
nach dem Hören einer Bath-Qol richten. Da hörten sie die Stimme eines Weibes, das 
einer andren Frau zurief: Soll ich das Licht auslöschen? Diese antwortete ihr: Es 
werde nicht ausgelöscht! — Und das Licht Israels (d. h. Acha) erlosch nicht. — Nur 
zum Teil in Chullin 95 '\ 

/. Weber verweist auf GnR 67 (43^) in Verbindung mit Sanh52^. In jener Stelle 
sagt R. N^chemja (um 150) mit Bezug auf die Worte Esaus Gn27,41: „Die Tage der 
Trauer um meinen Vater kommen näher; dann werde ich meinen Bruder Jakob tot- 
schlagen": Eine Bath-Qol sprach: Viele Eselsfüllen starben u. ihre Felle kamen (als 
Decke) auf ihre Mütter (d. h. wir wollen abwarten, wer zuerst sterben wird). — In der 
zweiten Stelle heißt es (mit Bezug auf das Gott über Nadab u. Abihu in den Mund 
gelegte Wort: Wir wollen sehen, wer wen begräbt): Rab Papa (t 376) hat gesagt: Das 
ist es, was die Leute zu sagen pflegen: „Viele alte Kamele gibt es, die die Felle von 
jungen tragen." — Die Vergleichung beider Stellen zeigt, daß ein Sprichwort wohl 
zum Inhalt einer Bath-Qol gewählt wird, aber damit ist nicht gesagt, daß der Aus- 
druck „Bath-Qol" soviel wie „Sprichwort" bedeutet. 

3,17: Mein Sohn. Hierzu s. bei Rom 1, 3. 

3, 17 SB: An welchem ich Wohlgefallen habe. 

Midr Qoh 9,7 (411>): R. J%uda b. Simon (um 320) hat gesagt: Abraham machte 
sich Gedanken in seinem Herzen u. sprach: Vielleicht ist etwas Untaugliches an meinem 
Sohne gewesen (nämlich bei seiner Opferung), so daß er nicht angenommen worden 
ist. Da ging eine Bath-Qol aus, die zu ihm sprach: Abraham, Abraham, „geh hin u. 
iß dein Brot mit Freuden; denn längst hat Gott Wohlgefallen an deinem Werk" (so 
zitiert der Midr Qoh 9, 7), Gott hat Wohlgefallen an deinem Opfer. — Eine ähnliche 
Bath-Qol wurde dem Abba Tachna, dem Frommen, zuteil nach Midr Qoh 9, 7 (41 ij): 
Abba Tachna, der Fromme (wann?), kam an einem Rüsttag auf den Sabbat beim 
Eintritt des Dunkelwerdens nach seiner Stadt, u. sein Bündel lag auf seiner Schulter. 



Matth 3, 17 (SB). 4, 1 (51) 135 

Er fand einen Aussätzigen, der an einem Scheideweg lag. Dieser sprach zu ihm: 
Rabbi (mein Herr), tu ein gutes Werk an mir u. schaffe mich nach der Stadt. Er 
sprach (bei sich): Wenn ich mein Bündel liegen lasse (das ich nach Eintritt der 
Dunkelheit aus Gründen der Sabbatheiligung nicht mehr holen u. tragen darf), woher 
soll ich dann u. mein Haus (morgen am Sabbat) den Lebensunterhalt nehmen? Und 
wenn ich den Aussätzigen liegen lasse, so verschulde ich mich an meiner Seele ! Was 
tat er? Er machte den guten Trieb zum Herrscher über den bösen Trieb u schaffte 
den Aussätzigen nach der Stadt. Dann kam er u. nahm sein Bündel u. traf in der 
Abenddämmerung (in seiner Stadt) ein. Und es verwunderten sich alle u. sprachen: 
Ist das Abba Tachna, der Fromme (u. das seine Sabbatheiligung)? Auch er sann in 
seinem Herzen nach u. sprach: Vielleicht habe ich den Sabbat entweiht? In jener 
Stunde ließ Gott die Sonne (noch einmal) aufleuchten (zum Beweise, data es noch Tag 
sei), vgl. Mal H, 20: ^Aufleuchtep wird euch, die ihr meinen Namen fürchtet, die Sonne 
der Gerechtigkeit" usw. Da sann er in seine'm Herzen nach u. sprach: Sollte etwa 
mein (mir in der zukünftigen Welt zustehender) Lohn nicht in Empfang genommen 
werden (weil ich meinen Lohn in dem mir zuteil gewordenen Wunder bereits emp- 
fangen habe)? Es ging eine Himmelsstimme aus, welche zu ihm sprach: ,Geh hin 
u. iß dein Brot mit Freuden; denn längst hat Gott Wohlgefallen an deinen Werken" 
{Qoh 9, 7), dein Lohn wird in Empfang genommen werden! 

4,131: Versucht werden. 

Der Zweck der Versuchungen ist nach rabbin. Anschauung die Er- 
höhung des in der Versuchung Bewährten u. die Verherrlichung der 
göttl. Gerechtigkeit. 

GnR 55 (84''): ,Nflch jenen Begebenheiten versuchte Gott den Abraham" Gn 22, 1. 
Es heißt Ps60, 6: ,Du gibst c;/ denen, die dich fürchten, daß sie erhoben werden 
um der Zuverlässigkeit (Bewährung) willen", d. h. eine Versuchung nach der andren u. 
*ine Erhöhung nach der andren, um sie (die Gottesfürchtigen) in der Welt zu ver- 
suchen u. um sie in der Welt zu erhöhen wie eine Scbiffsflagge (op = Panier). Und 
<las alles warum? Um der Zuverlässigkeit willen, d. h. um die göttl. Gerechtigkeit in 
der Welt zu festigen (zu verherrlichen i; denn wenn jemand zu dir sagt: Gott macht 
reich u. arm u. zum König, wen er will; den Abraham hat er zum König gemacht, 
da er es wollte, u. er hat ihn reich gemacht, da er es wollte: so kannst du ihm ant- 
worten u. sagen: Kannst du tun, was unser Vater Abraham konnte? Und wenn er dir 
«rwidert: Was hat denn dieser getan? so sprich zu ihm: Abraham war hundert Jahre 
alt, als ihm ein Kind geboren wurde, u. nach all dieser Not wurde zu ihm gesagt: 
Nimm deinen Sohn, deinen einzigen (Gn 22, 2), u. er weigerte sich nicht. Das meinen 
die Worte: Du gibst Versuchung (cp) denen, die dich fürchten, auf daß sie erhöhet 
werden; Jahve prüft den Gerechten, aber den Gottlosen u. den Freund von Gewalttat 
haßt seine Seele (Ps 11, 5). R. Jonathan (um 220) hat gesagt: Wenn ein Flachshändler 
seinen Flachs klopft, so schlägt er nicht allzusehr darauf, weil er sich in seine Fasern 
auflösen könnte; wenn aber sein Flachs gut ist, dann schlägt er sehr darauf, weil er 
dadurch immer schöner wird. So versucht auch Gott die Gottlosen nicht, weil sie dabei 
nicht bestehn können, s. Jes 57, 20: „Die Gottlosen sind wie das umgetriebene Meer"; 
aber wen prüft er? Die Gerechten, s. Ps 11,5. — R Jonathan hat gesagt: Wenn ein 
Töpfer seinen. Ofen (d.h. das darin gebrannte Geschirr) prüft, so prüft er nicht die 
schadhaften Gefäße; denn wenn er kaum einmal an ein solches klopft, so zerbricht 
er es; aber was prüft er? Die auserlesenen Krüge; denn wenn er gegen einen solchen 
auch noch so oft klopft, so zerbricht er ihn doch nicht. So versucht auch Gott nicht 
die Gottlosen, sondern die Gerechten, s. Ps 11, 5. R. Elfazar (um 270) hat gesagt: Gleich 
■einem Hausherrn, der zwei Kühe hat; die eine ist schön an Kraft u. die andre ist 

• Wird vom Midrasch gedeutet a. = Versuchung, b. — Erhöhung. 



136 Matth4, 1 (91. JB1.2) 

schwach; auf welche wird er das Joch legen? nicht auf die, welche schön ist an Kraft? 
So versucht auch Gott nur die Gerechten, s. Ps 11, 5. — Die Aussprüche des R. Jonathan 
u. R. Elfazar auch GnR 34 (20^) u. Midr HL 2, 16 (103^). j| Tanch a-jsts': 94 1^: Gott prüft 
die Reichen: wenn sie eine offene Hand für die Armen haben, so genießen sie ihre 
Güter (in dieser Welt), u. die Almosen, die sie gegeben haben, bleiben ihnen als Kapital 
stehen für die zukünftige Welt, s. Jes58, 8: Vor dir hergehn wird dein Almosen (so 
der Midrasch) u. Ps41,2: Wohl dem, der gegen den Armen milde handelt; am bösen 
Tage wird ihn Jahve erretten. Und Gott prüft die Armen: wenn sie nicht entarten in 
dieser Welt, so empfangen sie ihren Lohn in der Zukunft; s.Ps 18,28: Dem armen, 
Volk hilfst du. || NuR 15 (179»): „Jahve prüft den Gerechten" usw. Ps 11,5. Gott er- 
hebt keinen Menschen zur Herrschaft, es sei denn, daß er ihn zuvor geprüft u. erprobt 
hat; u wenn er in seiner Versuchung besteht, dann erhebt er ihn zur Herrschaft. — 
Beispiele: die drei Erzväter, Joseph u. der Stamm Levi. 

4,] S8: Satan (Teufel), didßoloc. 

1. "iato, aram. xs-jb, ',^0, xj-lP'^ö = Widersacher, Feind; speziell Gegner 
vor Gericht = Ankläger. Das Wort wird im Rabbin. wie im AT zu- 
nächst in bezug auf Menschena gebraucht. Sodann bezeichnet es den 
Feind der Menschen xar' £^oxr]v, den Satan. Aber während das AT 
das Wort in diesem Sinn regelmäßig (außer 1 Chr 21, 1) mit dem Artikel 
als Appellativum verwendet, ist es im Talmudischen, nach dem Vorgang 
von 1 Chr, meist ohne Artikel gebraucht u. so zu einem nomen pro- 
prium geworden. Doch findet sich auch die Form "j'^an, mit dem Ar- 
tikel, b Dagegen schließen sich die Targume durch die Verwendung 
des Status emphat. n;;^d wieder eng an den alttestamentl. Sprach- 
gebrauch an (über die Vokalisierung in den Targumim s, Levy, Chald. 
Wörtb. 2, 155'^). Das Bewußtsein um die ursprüngliche Appellativ- 
bedeutung hat sich im Rabbin. auch darin erhalten, daß man als 
eigentlichen Eigennamen Satans Sammael, bxriö, ansah. c 

a. GnR 73 (47*) u. 75 (48"'): Als Joseph geboren wurde, wurde (in ihm) der Feind 
(y^v) Esaus (Roms) geboren. — R. Pin^'chas (um 360) hat im Namen des R. Sch'^muel 
b. Nachman (um 260) gesagt: Es ist Überlieferung, daß Esau (Rom) nur durch Raheis 
Nachkommen fällt (gemeint ist der Messias b. Joseph). || pj'^b 1, 3*, 53: R. Dosa b. Ar- 
chinos (um 90) sprach zu den Gelehrten: Mein Bruder Jonathan ist (als Opponent) der 
erstgeborene Gegner, i'jc, u. gehört zu den Schülern der Schule Schammais. — Auch 
in der Parallelstelle bJ''bl6'^ sin y^v -t^s. 

b. y^-::r, zB Schab 104»; P^s 112''; Joma 20^; Ql^; RH 16'^; BB 16^ Sanh 26'>: 
pSchab 2, 5 '', 9 ; häufiger ist lacn in palästin. Midraschwerken. 

C. DtR 11 (207*'j: Der Engel Sammael, der Bösewicht, ist das Haupt aller Satane. 

2. Sammael ist nach der jüd. Dämonologie einer der vornehmsten 
Engelfürsten im Himmel gewesen. a Neid,b Wollüste u. Herrschsucht ^ 
(Ehrsucht) erscheinen als die Motive, aus denen er die Verführung 
des ersten Menschenpaares unternimmt. Als Werkzeug dient ihm die 
Schlange, die zum Teil unter dem Namen „alte Schlange" e so völlig 
mit Sammael (Satan) identifiziert wird, daß von ihr ausgesagt wird., 
was im letzten Grund von jenem gilt.* Zur Strafe wird S. aus dem 
Himmel entfernt. g Die Engel, die an seinem Werk sich beteiligt haben, 
sind nun die „Engel Satans", h während S. selbst als das „Haupt aller 
Satane" bezeichnet wird.» 



Matth 4, 1 (93 2) 137 

a. PirqeREl 13 Anf.: Neid, Wollust u. Ehrsucht bringen den Menschen aus der 
Welt (ums Leben). Die Dienstengel sprachen vor Gott: Herr aller Welten, was ist der 
Mensch, daß du seiner willst wahrnehmen, der Mensch, der dem Hauche gleicht! Gott 
antwortete: Wie ihr mich bei den Oberen preist, so wird er mich als den Einzigen 
bekennen bei den Unteren. Und nicht bloß dies: könnt ihr hintreten u. allen Ge- 
schöpfen ihren Namen geben? Sie traten hin u. vermochten es nicht. Sofort trat Adam 
hin u. gab allen Geschöpfen ihren Namen, s. Gn 2, 20. Als die Engel des Dienstes das 
sahen, sprachen sie (untereinander): Wenn wir nicht mit dem Plan über Adam kommen, 
daß er vor seinem Schöpfer sündigt, so werden wir ihn nicht übermögen! — Es war 
aber SammaeP 'ein gar großer Engelfürst im Himmel; wahrend die Chajjoth (vgl. Ex 
1,5 ff.) u. die Seraphim sechs Flügel hatten, hatte S. deren zwölf. Der nahm seine 
(Engel-)Schar u. sie fuhren hernieder (zur Erde). Er betrachtete alle Geschöpfe, die- 
Gott geschaffen hatte, u. fand keins so klug zum Bösen wie die Schlange, s. Gn 3, 1. 
Ihr Aussehn aber war nach Art des Kamels, u. er bestieg sie u. ritt auf ihr. Da schrie 
die Tora 'u. sprach: Sammael, jetzt ist die Welt erschaffen, u. die Zeit ist da zur 
Empörung wider Gott! (Vielleicht sind die letzten Worte aber als Frage zu fassen:. 
Ist das die Zeit zur Emp. ?) „Wenn er aber jetzt in die Höhe sich peitscht", Herr der 
Welten, ,so verlache das Roß u. seinen Reiter!" (So faßt der Midrasch Hi39, 18.) — 
Womit läßt sich das vergleichen? Mit einem Menschen, in welchem ein böser Geist 
ist; alle Werke, die er tut, tut er nach dessen Eingeben, u. alle Worte, die er spricht,, 
spricht er nach dessen Eingeben, u. nichts tut er ohne das Eingeben des bösen Geistes, 
der über ihm ist. So hat auch die Schlange alle ihre Werke, die sie getan, u. alle 
ihre Worte, die sie. geredet hat, nur geredet u. getan aus dem Eingeben Sammaels 
heraus; in bezug auf sie hat die Schrift gesagt Spr 14,32: „Von seinem Bösen (^= bösen 
Geist) wird der Frevler getrieben" (so der Midrasch). Gleich einem König, der ein 
Weib nahm u. sie zur Herrin machte über alles, was er besaß, über seine Edelsteine 
u. Perlen. Er sprach zu ihr: Alles, was mein ist, sei in deiner Hand, ausgenommen 
dieses Faß, das voll von Skorpionen ist. Da trat zu ihr ein Alter ein, um sich Essig voa 
ihr zu erbitten. Er sprach zu ihr: Wie benimmt sich der König gegen dich? Sie ant- 
wortete: Alles, was er besitzt, hat er mir gegeben u. in meine Hand gelegt, aus- 
genommen dieses Faß, das voll von Skorpionen ist. Er sprach: Sollten sich nicht viel- 
mehr Schmucksachen des Königs in diesem Faß befinden? (So nach der Lesart im, 
Jalqut 1 § 25.) Und jenes hat er dir nur gesagt, weil er ein andres Weib zu nehmen 
wünscht, der er diese (Schmucksachen) schenken will. — Dieser König ist Adam, das 
Weib ist Eva, der Alte, der um Essig bat, ist die Schlange; von ihnen heißt es (Ps 
36, 13): „Siehe da fallen die Übeltäter." — Die Schlange überlegte bei sich selbst: 
Wenn ich mit Adam rede, so weiß ich, daß er auf mich nicht hört; denn es ist immer 
schwer, den Mann von seinen Gedanken abzubringen; siehe, so will ich mit dem Weibe 

^ Obig,er Stelle liegt die Annahme zugrunde, daß Sammael eine vorweltliche Größe- 
ist; diese Anschauung dürfte die allgemein herrschende gewesen sein. Daneben finden 
sich zwei andre Aussprüche, die aber nur scheinbar widersprechen. Tanch z-v^-^ 44'^:. 
R. J'^hoschua? b. Qarcha (um 150) hat gesagt: . . . Als Gott die Welt schuf, erschuf er 
am 1. Tage den Todesengel. Woher läßt sich das beweisen? R. B'^rekhja (um 340) hat 
gesagt: Aus Gn 1,2: Finsternis war über den Urwassern. Damit ist der Todesengel 
gemeint, der das Angesicht der Menschen finster macht. — Da man Satan (Sammael) 
mit dem Todesengel u. dem JeQer ha-ra? (dem bösen Triebe) identifiziert hat (s. unter 
Nr. 3A), so scheint hier allerdings die Erschaffung Sammaels am 1. Schöpfungstage 
angenommen zu sein. In Wirklichkeit besagen die Worte aber nur, daß S. seit dem 
1. Schöpfungstage zum Todesengel gemacht sei. — Ähnlich verhält es sich mit GnR 
17 {l'l^): R. Chanina b. Idi (IL, gegen 30u) hat gesagt: . . . Als sie (Eva) geschaffen 
wurde, wurde der Satan mit ihr erschaffen. — Hier liegt der Satz zugrunde: Satan ^^ 
Je^er ha-ra?. Da mit der Erschaffung Evas der Geschlechtstrieb (= Je^er ha-ra?) zur 
Wirklichkeit wurde u. in die Erscheinung trat, kann es heißen: Mit Eva ist der Je^er 
ha-ra? oder der Satan erschaffen; Sammael war wohl schon früher vorhanden, aber 
seitdem wirkt er als Satan durch Erregung des Jecer ha-ra? im Menschen. 



138 Matth 4, 1 (5B 2) 

reden, das leichtsinnig in ihren Gedanken ist; denn ich weiß, sie wird auf mich hören; 
<lenn die Frauen geben allen Geschöpfen Gehör, sie, die eitel Einfältigkeit u. ohne 
irgendwelche Erkenntnis sind (s. Spr 9, 13). Die Schlange ging u. sprach zum Weibe: 
Habt ihr wirklich auch über die Früchte dieses Baumes einen Befehl empfangen? Sie 
antwortete: Ja, s. Gn3, 3: Von den Früchten des Baumes inmitten des Gartens, hat 
Gott gesagt, von denen sollt ihr nicht essen u. sollt auch nicht daran rühren! — In 
ihren Worten fand sie eine Tür, durch die sie eintreten konnte. Sie sprach zum Weibe: 
Dieser Befehl ist nichts andres als ein Ausdruck des Neides; denn sobald ihr von 
jenem Baume essen werdet, werdet ihr sein wie Gott; wie er Welten erschafft u. zer- 
stört, so werdet auch ihr Welten zu erschaffen u. zu zerstören vermögen ; wie er tötet 
u. lebendig macht, so werdet auch ihr töten u. lebendig machen können, s. Gn 3, ö. 
Darauf ging die Schlange hin u. berührte den Baum; dieser aber schrie: Frevler, rühre 
mich nicht an, denn es heißt (Ps 36, 12 f.): „Nicht komme der Fuß des Hochmuts zu 
mir, u. der Gottlosen Hand vertreibe mich nicht; dort fallen die Übeltäter." — Da 
ging die Schlange u. sprach zum Weibe: Siehe, ich habe den Baum berührt, ohne zu 
«terben; berühre auch du ihn, du wirst nicht sterben. Das Weib ging u. berührte den 
Baum. Da erblickte sie den Todesengel, wie er auf sie loskam. Sie sprach: Vielleicht 
muß ich nun sterben; dann wird Gott ihm ein andres Weib erschaffen u. es dem Adam 
geben; siehe, so will ich diesen veranlassen, daß er mit mir ißt; wenn wir dann 
sterben, so werden wir beide sterben, u. wenn wir am Leben bleiben, so werden wir 
beide leben! Dann nahm sie u. aß von den Früchten des Baumes u. gab von seinen 
Früchten auch ihrem Gatten, daß er mit ihr äße, s. Gn 3, H. Als Adam von den Früchten 
-des Baumes gegessen hatte, sah er sich nackt, u. seine Augen wurden aufgetan u. 
«eine Zähne wurden stumpf (bildlicher Ausdruck für: „seine StraTe hinnehmen"). Da 
sprach er zu ihr: Was ist das, wovon du mich hast essen lassen, daß meine Augen 
sind aufgetan u. meine Zähne stumpf geworden? Ich weiß, wie meine Zähne stumpf 
-geworden sind, so werden auch die Zähne aller folgenden Geschlechter stumpf werden. 

ft. Weish2, 24: cpSäyM dt diaßöXov {hiyctTog si<jfjMsi' sig rö;' xöafAov, nsigäCovai 
■di «iiroV Ol xfjg ixshov fisgi&og oyreg. \\ Sanh 59 '^: R. J^huda b. Tema (wohl einer der 
letzten Tanna'iten, also um 200) hat gesagt: Der erste Mensch lag im Gan ?Eden zu 
Tische u. die Dienstengel brieten ihm Fleisch u. seihten für ihn Wein durch. Da er- 
blickte ihn die Schlange u. sah seine Ehre u. wurde neidisch auf ihn. Vgl. auch das 
Zitats. 137 bei 2 f.-. 

C. GnR 18 (12«) u. 85 (54^): (Auf Gn 2, 25 sollte folgen 3, 21; weshalb folgt auf 
2,25 der Abschnitt 3, lff.?l R. J^hoschua? b. Qarcha (um 150) hat gesagt: Um dich 
wissen zu lassen, aus welcher Sünde heraus jener Bösewicht (der Satan in der Schlange) 
über sie (Adam u. Eva) herfiel. Weil er sie sah, wie sie mit dem Beischlaf beschäftigt 
waren, bekam er Verlangen nach Eva. |i Sota 9'' Bar: Die alte Schlange ••.•i-o-t-,r( x-r: 
sprach: . . . Ich will Adam töten u. Eva heiraten; u. nun heißt es Gn 3, 15: Feindschaft 
will ich setzen zwischen dir u. dem Weibe usw. — Dasselbe im Namen des R. Acha 
(um 320) GnR 20 (13*=). || J<^b 103b: R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Als die Sehlange 
<ler Eva beiwohnte, warf sie Unreinigkeit, = s'i-^t, in sie: bei den Israeliten, die am 
Berge Sinai gestanden haben, hörte ihre Unr. auf; bei den Heiden, die nicht am Berge 
Sinai gestanden haben, hörte ihre Unr. nicht auf. — Dasselbe Schab 145''; fAZ 22'». 
An die Erbsünde ist bei der s'3-^-.t nicht zu denken; wie der Zus. hang in fAZ zeigt, 
ist darunter der Hang zu blutschänderischer u. unnatürlicher Unzucht zu verstehn; so 
richtig Weber 2 S. 219. 

d. NuR 8 (149''): Die Schlange sprach: Ich weiß, daß Gott zu ihnen gesagt hat, 
On 2, 17: „An dem T.ige, da du von ihm issest, wirst du gewißlich sterben." Siehe, 
darum will ich gehn u. sie betrügen, daß sie davon essen u. bestraft werden; dann 
nehme ich die Erde für mich selbst in Besitz. 

e. SDt 32, 32 §323 (138''): R.Nchemja (um 150) legte Dt 32, 32 auf die Völker 
aus: Ihr seid die Schüler der alten Schlange, -Ji's-i-r; v-.:, die Adam u. Eva verführt 
hat. !1 DtR 5 (202''): R. J-^hoschua? von Sikhnin (um 330) hat im Namen des R. Levi 



Matth 4, 1 (SB 2. 3j 139 

(um 300) gesagt: Die alte Schlange (--"rs^n »rrin, -wöitlich: die erste Schlange) konnte 
reden, wie die Menschen. Als Adam u. Eva von jenem Baum nicht essen wollten, fing 
sie mit Verleumdungen gegen ihren Schöpfer an. — Es liegt hier der gleiche Wechsel 
zwischen -]i'a-;pn vr^z u. v^os-n ': vor wie zwischen ■r's-jpn ais u. -j^as-n 's. || GnR 22 
(15''): R. Levi (um 300) hat gesagt: Die alte Schlange, 'pr^ ':, kam, um Abels Recht zu 
fordern. Da sprach Gott zu ihr: Darum sage ich: Wer den Kain tötet, der soll getötet 
werden. || Ferner s. das Zitat Sota 9'' unter Nr. 2 Anm. c u. Tanch y-nu-i bei Offb 12, 9. 

f. Vgl. die vorstehenden Zitate. 

ff. PirqeREl 27 Anf. : „Es kam ein Entronnener und meldete es dem Hebräer 
Abram" (Gn 14, 13). Mikhael, der Engelfürst der Welt (eine ganz singulare Bezeichnung 
Mikhaels!) meldete es; denn es heißt Qoh 10, 20: „Der Geflügelte meldet das Wort" 
(auch hier versteht der Midr unter dem „Meldenden" den Mikhael). Warum wird er 
,der Entronnene" genannt? Als Gott den Sammael u. seine (Engel-) Abteilung aus der 
Stätte ihrer Heiligkeit liinabstürzte, hielt dieser sich an einem Flügel Mikhaels fest, 
um ihn hinabzuziehen u. hinabzustürzen. Da ließ Gott den Mikhael aus dessen Hand 
entrinnen; deshalb ward er „der Entronnene" genannt. 

h. ExR 20 (82<l): R. B^reklija (um 340) hat gesagt: ... Du findest, daß Nebukad- 
ne^ar gesagt hat Dn 3, 25: Des Vierten Aussehen gleicht dem eines Gottessohnes. Was 
tat ihm Gott (zur Strafe für diesen Ausspruch)? Er übergab ihn einem Engel Satans, 
der ihn zu schlagen anfing. || TSchab 17, 2 f. (136): R. Elif ezer b. Jose ha-G^lili (um 150) 
hat gesagt: Wenn du einen Gerechten eine Reise antreten siehst u. du willst dieselbe 
Straße ziehen, so tritt um dessentwillen deine Reise drei Tage früher an oder schiebe 
sie um dessentwillen drei Tage auf, damit du in seiner Gemeinschaft reisen kannst; 
denn die Engel des Dienstes geleiten ihn, s. Ps9I, II. Wenn du aber einen Gottlosen 
eine Reise antreten siehst u. du willst dieselbe Straße ziehen, so tritt um dessentwillen 
deine Reise drei Tage früher an oder schiebe sie um dessentwillen drei Tage auf, da- 
mit du nicht in seiner Gemeinschaft zu reisen brauchst; denn die Engel Satans ge- 
leiten ihn, s. Fs 109, 6: „Bestelle über ihn den Bösewicht, daß der Satan steht zu seiner 
Rechten" (so der Midrasch). Dasselbe Tos f AZ 1 17 f. (461). — Ein weiteres Beispiel aus 
Test Asser 6 s. Exkurs über Dämonologie Nr. 6 Anm.^f. — Die PirqeREl reden Gn 13 
u. 27 (s. die Zitate oben Anm. a u.(/) von einer Engelabteilung, die mit Sammael = Satan 
zur Erde hinabfuhr u. mit ihm zugleich aus dem Himmel gewiesen wurde. Die Annahme 
liegt nahe, daß mau die zugleich mit Sammael gefallene Engelschar ursprünglich unter 
den „Engeln Satans" verstanden hat. Diese Annahme wird unterstützt durch Henoch 
54. 5 f. Das Nähere s. bei 25, 41. 

i. Sieh das Zitat DtR 11 S. 136. — Über Aschmedai als König der Dämonen s. Ex- 
kurs „Dämonologie" Nr. 3, h. — Ferner s. bei Mt 12, 24. 

3. Drei verderbliche Tätigkeiten sind es, die dem Satan beigelegt 
werden: A. er reizt u, verführt die Menschen zur Sünde; B. er ver- 
leumdet u. verklagt sie bei Gott; C. er bringt die Strafe für die Sünde 
über sie, den Tod. Vgl. die Bar BB 16^: Der Satan steigt herab u. 
verführt, er steigt hinauf u. reizt zum Zorn, er holt Erlaubnis ein u. 
holt die Seele. 

A. Die Verführung zur Sünde erfolgt durch die Erregung des Jeger 
ha-ra? , des bösen Triebes im Menschen ; deshalb wird der Satan ge- 
radezu mit dem Je^er ha-ra? identifiziert. So sagt Resch Laqisch (um 
250): Der Satan, der böse Trieb u. der Todesengel sind identisch BB 
16^, u. NuR2{) (190<i) kann gesagt werden: „Es entbrannte der Satan 
in ihm" statt: „Es entbrannte der böse Trieb in ihm." Über den Je^er 
ha-ra^ s. den Exkurs: Der gute u. der böse Trieb. 



140 Matth 4, 1 (SB 3 A) 

Aber auch in eigener Person unter Annahme der menschlichen 
oder einer andren Gestalt erscheint der Satan, um seine Verführungs- 
künste auszuüben. 

Qid 81 *: P'^limo (um 200) pflegte an jedem Tage zu sagen: Ein Pfeil in die Augen 
Satans! (d. h. ich kann den Kampf mit ihm aufnehmen). Einmal erschien ihm dieser am 
Rüsttage des Versöhnungstages in der Gestalt eines Armen. Er kam u. rief an der Tür; 
man reichte ihm Brot hinaus. Er aber sprach: An einem Tage, wie der heutige ist, 
weilen alle Menschen drinnen, u. ich soll draußen stehn? Man ließ ihn ein u. brachte 
ihm Brot. Er sprach: An einem Tage, wie der heutige ist, sitzt alle Welt' an einem 
Tische, u. ich soll allein sein? Man ließ ihn kommen u. sich an den Tisch setzen. Er saß 
da u. sein Leib war ganz bedeckt mit Grinden u. Blattern, u. er trieb ekelhafte Dinge 
damit. Pelimo sprach zu ihm : Sitze anständig! Er antwortete: Gebt mir einen Becher'. 
Er gab ihm einen Becher. Da warf er seinen Speichel hinein, indem er hustete. Mau 
fuhr ihn an; da fiel er um, als wäre er tot. Da hörte man, wie man (draußen) rief r 
Pelimo hat einen Mann getötet, P. hat einen Mann getötet! P. floTi u. versteckte sich 
auf einem Abort. Der Satan ging ihm nach u. fiel vor ihm nieder. Als er sah, daß 
jener sich grämte, offenbarte er sich ihm u. sprach: Warum hast du also gesagt? 
.Jener antwortete: Wie sollte ich denn sagen? Er sprach: Der Herr hätte sagen sollen: 
Der Allbarmherzige schelte den Satan! I| GnR 56 (35 "^j: (Als Abraham seines Weges zog 
zur Opferung Isaaks), kam Sammael zu unsrem Vater Abraham (u. zwar in der Gestalt 
eines alten Mannes, s. Sepher ha-jaschar s^-i, ed. Wilna 1870 29*') u. sprach: Alter, Alter, 
hast du deinen Verstand verloren? Einen Sohn, der dir als Hundertjährigem geschenkt 
ward, willst du schlachten? Er antwortete: Trotzdem! Jener sprach: und wenn er dich 
noch hierüber hinaus versuchte, würdest du bestehen können? „Wirst du, versucht 
man ein Wort an dich, verdrießlich werden?" Hi 4, 2. Er antwortete: Auch noch hierüber 
hinaus. Jener sprach: Morgen wird er zu dir sagen: Blutvergießer, du bist schuldig, du 
hast das Blut deines Sohnes vergossen! Er antwortete: Trotzdem! — Als der Satan 
sah, daß er bei ihm nichts erreichte, ging er zu Isaak u. sprach: Sohn einer unglück- 
lichen Mutter, dieser will dich schlachten! Er antwortete ihm : Trotzdem! Jener sprach: 
In diesem Falle würden ja alle jene Prachtgewänder, die deine Mutter angefertigt hat,, 
dem Isma?el, dem Feinde des Hauses, zum Besitze werden; u. du wolltest dir das nicht 
zu Herzen nehmen? — Wenn er auch nicht das Ganze erreichte, einen Teil erreichte er; 
denn es heißt Gn 22, 7: „Isaak sprach zu seinem Vater Abraham: „Mein Vater" usw. 
Warum zweimal „Vater" ? Damit Abraham von Mitleid mit ihm erfüllt würde. Ähnliche 
Versuchungen Abrahams durch den Satan werden erzählt Sanh 89''; TanchB s-i-^i §46- 
(57''); Tanchs^v 27 ^ 

In der Gestalt einer Buhlerin erscheint der Satan dem K. f Aqiba 
u. dem R. Mei'r; s. Qid 81* bei Rom 2,22 jioixsvsig. 

Schabb Sd-": R. J^hoschua? b. Levi (um 250) hat gesagt: Was heißt Ex 32, 1 : „Ea 
sah das Volk, daß Mose •^•vz'^'? Lies nicht wi3, sondern "iJ-i; isa (die 6. Stunde war 
gekommen). Als Mose nämlich zur Höhe emporstieg, sprach er zu den Israeliten: Nach 
40 Tagen mit Beginn der 6. Stunde komme ich wieder. Am Ende der 40 Tage kam der 
Satan u. verwirrte die Welt. Er sprach zu ihnen: Wo ist Mose, euer Lehrer? Sie 
sprachen: Er ist zur Höhe emporgestiegen! Jener erwiderte: Die 6. Stunde ist ge- 
kommen. Aber sie achteten nicht auf ihn. Jener sprach: Er ist gestorben! Und sie 
achteten nicht auf ihn. Da zeigte ihnen der Satan das Bild einer Totenbahre (in der 
Luft). Das ist es, was sie zu Ahron sagten Ex 32, 1 : „Das ist Mose da, . . . wir wissen 
nicht, was ihm zugestoßen ist." — In ExR41 (98^) teils anonym, teils als Meinung „der 
Rabbinen". |1 Sanh 95" : Rab J'-huda (f 299) hat gesagt, Rab (f 247) habe gesagt: . . . Eines 
Tages ging David auf die Falkenjagd (s. hierzu Levy 4, 556"). Da kam Satan u. glich 
einem Hirsch. Er schoß einen Pfeil auf ihn, traf ihn aber nicht. So lockte er ihn weiter, 
bis er ihn ins Philisterland gebracht hatte usw. || Sanh 107*: Rab J^'huda (t 299) hat ge- 



Matth 4, 1 (SB 3 A. B) 141 

sagt, Rab habe gesagt: Nimmer bringe der Mensch sich selbst in eine Versuchung; denn 
siehe, David, der König von Israel, hat sich selbst in eine Versuchung gebracht u. kam 
darin zu Falle. Er sprach vor Gott: Herr der Welt, warum sagt man: Der Gott Abra- 
hams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs u. nicht: der Gott Davids? Gott antwortete: 
Jene sind von mir erprobt worden, u. du bist nicht von mir erprobt worden. David sprach 
Ps 2ti, 2: Prüfe mich, Jahve, u. versuche mich. Gott antwortete: Ich werde dich ver- 
suchen u. will bei dir noch etwas Besonderes tun: jenen (den Erzvätern) tat ich es (näm- 
lich womit sie versucht werden sollten) nicht kund, dir aber will ich es kundtun; ich 
werde dich nämlich in einer ünzuchtssünde versuchen. Sofort heißt es 2 Sm 11,2: ... „er 
erblickte ein Weib, wie sie sich badete" , . . Bathseba reinigte nämlich ihr Haupt unter 
«inem Bienenkorb. Da kam Satan, einem Vogel gleichend. Er schoß einen Pfeil ab, 
<ler aber den Bienenkorb traf, infolgedessen wurde sie (Bathseba) sichtbar u. er er- 
blickte sie. Sofort sandte David hin usw. 2 Sm U, 3 ff. 

B. Als Verleumder u, Anklägera heißt der Satan "ii:'^-j;^ oder ST-rl^^ 
(transp. aus -irjp-c) = xarrjo^Qoc. Bes. ist es das Volk Israel, als dessen 
Ankläger Sammael erscheint, während umgekehrt als Verteidiger Israels 
(-,i;n:t5 = GvvrjoQog) der Erzengel Mikhael fungiert, b Als Widersacher 
des Volkes Gottes ist der Satan gewissermaßen das himmlische Gegen- 
stück des Weltreiches, des irdischen Widersachers Israels; daher wird 
Sammael auch geradezu als der Engelfürst Roms bezeichnete ^- Als 
günstige Gelegenheit, die Sünden eines Menschen vor Gott in Er- 
innerung zu bringen, benützt der Ankläger gern den Augenblick, in 
welchem ein Mensch sich selbst bezichtigt oder sich in irgendeine 
Gefahr begibt. Es wird deshalb der Rat erteilt, daß man durch Selbst- 
anklagen dem Satan keine Gelegenheit gebe, seinen Mund zum An- 
klagen aufzutun (man soll den Teufel nicht an die Wand malen), u. 
daß man in Stunden der Gefahr auf Buße u. gute Werke bedacht sein 
möge, damit diese als gute Verteidiger das Verdienst des Menschen 
vor Gott geltend machen, d Aber auch Zeiten sorglosen Wohllebens 
nimmt der Satan als Anlaß, Anklagen gegen die Menschen zu er- 
heben, e Nur an Einem Tage im Lauf des Jahres muß der Ankläger 
schweigen, d. i. am großen Versöhnungstage.* 

a. Sanh 89'': ,Nach diesen Worten (so der Midrasch) versuchte Gott den Abra- 
ham" Gn 22, 1. — Nach welchen Worten? R. Jochanan (f 279) hat im Namen des 
R. Jose b Zimra (um 220) gesagt: Nach den Worten Satans. Denn es heißt (Gn 21, 8): 
Das Kind wuchs heran u. wurde entwöhnt; da veranstaltete Abraham ein großes Mahl. — 
Der Satan sprach vor Gott: Herr der Welt, dieser Alte, dem du als einem Hundert- 
jährigen Leibesfrucht geschenkt hast, hat von dem ganzen Mahle, das er veranstaltet 
bat, nicht einen einzigen Stier u. nicht eine einzige Taube übrig gehabt, um sie vor 
dir als Opfer darzubringen! Gott antwortete: Er hat es ja überhaupt nur seines Sohnes 
wegen veranstaltet; wenn ich aber zu ihm sagen würde: ,Opfre deinen Sohn vor mir", 
so würde er ihn sofort opfern. Sofort heißt es,Gn22, 1: Gott versuchte den Abra- 
ham usw. — . II ExR 43 (99^*): Unser Lehrer (Rabbi) hat gesagt: Womit ist das zu ver- 
gleichen? Gleich einem Könige von Fleisch u. Blut, der über seinen Sohn zu Gericht 
saß, während der Ankläger ^ij-cpr! dastand u. anklagte j-upai. Was tat der Erzieher 
^es Sohnes? Als er sah, daß jener für schuldig erklärt werden würde, verdrängte er 
den Ankläger u. schaffte ihn hinaus; dann trat er an dessen Stelle auf u. führte die 
Verteidigung für den Sohn. Ebenso stand in der Stunde, da die Israeliten das Kalb 
verfertigt hatten, der Satan da u. erhob drinnen (im himmlischen Gerichtshof) Anklage 



142 Mattb 4, 1 (SB 3 B) 

;— jp'i wider sie, während Mose draußen stand. Was tat Mose? Er trat hin u. ver- 
drängte den Satan u. schaffte ihn hinaus; dann trat er an dessen Stelle auf, wie es 
heißt Ps 106, 28: „Mose trat an die Stelle des Einreißers" (des Zerstörers; so der 
Midrasch). || ExR 21 (f^4 ): R. Chama b. Chanina (um 260) hat gesagt: Als die Israeliten 
aus Ägypten ziehen sollten, trat der Engel Sanimael auf, um sie zu verklagen. R. Chama 
b. Chanina hat dies im Namen seines Vaters (R. Chanina b. Chama, um 225) in folgen- 
der Weise erläutert: Gleich einem Hirten, der seine Schafherde über einen Fluß setzte. 
Da wollte ein Wolf über die Schafe herfallen. Der Hirt, der Erfahrung hatte, was tat 
er? Er nahm einen großen Bock u. überließ diesen dem Wolf. Er dachte: Mag er mit 
diesem ringen, bis wir über den Fluß sind; hinterher hole ich ihn. So trat, als die 
Israeliten aus Ägypten ziehen sollten, der Engel Sammael auf, um diese anzuklagen. 
Er sprach vor Gott: Herr der Welt, bis jetzt waren diese Götzendiener, u. du willst 
ihnen das Meer spalten? Was tat Gott? Er übergab ihm den Hiob, der zu den Rats- 
herren des Pharao gehört hatte, s. Hi 1, 1. Er sprach zu ihm: Siehe, dieser sei in deine 
Hand gegeben. Gott dachte: Während er sich mit Hiob abgibt, sind die Israeliten in 
das Meer hinab- u. wieder heraufgezogen, u. hinterher errette ich den Hiob, Hi 16, 12. 

b. ExR 18 (80=): R. Jose (um 850) hat gesagt: Wem gleichen Mikhael u. Sammael? 
Dem Verteidiger u. dem Ankläger, die vor Gericht stehn: Dieser spricht u. jener spricht, 
dieser endigt seine Rede u. jener endigt seine Rede. Merkt der Verteidiger, daß er 
siegt, so beginnt er den Richter zu loben, damit er das Urteil fälle. Sucht dann der 
Ankläger noch etwas hinzuzufügen, so spricht der Verteidiger zu ihm: Schweige, daß 
wir den Richter hören! So stehn Mikhael u. Sammael vor der Sch^khina (Gottheit): 
der Satan verklagt u. Mikhael macht das Verdienst Israels geltend. Will dann der 
Satan etwas sagen, so heißt Mikhael ihn schweigen, s. Ps 85, 9: Ich will hören, was 
Gott, Jahve redet; denn er wird Frieden reden zu seinem Volk! 

C. Tanch rS-n'- (40'^): (Gn 32, 25:) Jakob blieb allein zurück. Da rang ein Mann 
mit ihm. Das war Sammael, der Engelfürst Esaus (= Roms), der ihn töten wollte. 
Nach GnR 77 (49-^*), 78 (50''); MidrHL 8, 6 (105'') gehört dieser Satz dem R. Chama b. 
Chanina, um 260, an. 

d. B'rakh 60'* Bar: Wer in ein Bad geht, spricht: Es sei wohlgefällig vor dir,. 
Jahve, mein Gott, daß du mich behütest darin u. in seinesgleichen, u. daß mir kein 
Verderben u. keine Sünde begegne; u. wenn mir ein Verderben u. eine Sünde begegnen 
sollte, so möge mein Tod eine Sühne für alle meine Sünden sein! Abaje (f 338/89) 
hat gesagt: Man sage nicht also, um nicht dem Satan seinen Mund (zur Anklage wider 
den sich selbst Beschuldigenden) zu öffnen: denn Resch Laqisch (um 250) hat gesagt 
(ebenso hat man im Namen des R.Jose b. Chalaphta, um 150, gelehrt): Niemals öffne 
ein Mensch seinen Mund im Interesse Satans. — Das Bar-Gebet findet sich TB'^rakh 7, 
17 (16). Der Ausspruch des Abaje mit Bezug auf ein Trauergebet auch B'^rakh 19'' 
u. Keth 8'\ ;i In pSchab 2, 5'', 9 ff. wird mehrfach das Wort wiederholt: Der Satan ver- 
klagt nur in der Stunde der Gefahr. — In GnR 91 (58'') spricht diesen Satz bereits 
R. Eli?ezer b. Jafaqob (um 150) aus. || Midr Qoh 3, 2 (16»): Der Todesengel (= Satan) 
wird zum Ankläger der Gebärerin (in der Stunde ihrer Not). R. Sch^'muel b. Nachman 
(um 260) hat gesagt: Wegen dreier Übertretungen (ehelicher Verkehr zur Zeit des 
Menstruum, Unterlassung der Absonderung der Teighebe, Vernachlässigung der Sabbat- 
lampe) sterben die Frauen in der Stunde des Gebarens; u. wegen dreier Dinge sterben 
die Männer: wenn jemand in einem baufälligen Hause verweilt oder allein eine Reise 
unternimmt oder zu einer Seereise sich einschifft, so wird der Satan sein Ankläger. 
Denn R. Levi (um 300) hat gesagt: Bei drei Gelegenheiten stellt sich der Satan zur 
Anklage ein: wenn jemand in einem baufälligen Hause verweilt oder allein eine Reise 
unternimmt oder zu einer Seereise sich einschifft. || Tanch ii-;-; 50*^: „Benjamin . . . 
schickte Jakob nicht mit seinen Brüdern; er dachte, es könne ihn ein Schaden treffen" 
Gn 42, 4. Hieraus lernt man, daß der Satan den verklagt, der eine Reise unternimmt. 
R. Jose b. Chanina (um 270) hat geßagt: Wie wir in der Mischna gelernt haben; wegen 
dreier Übertretungen sterben die Frauen in der Stunde des Gebarens (Schab 2, 6). 



Matth 4, 1 (SB 3 B) 14^ 

Warum in der Stunde des Gebarens? Weil der Satan in der Stunde der Gefahr an- 
klagt. II Schab 32'': Wann prüft man die Männer (um unter Vergleichung ihres Schuld- 
registers u. ihrer Verdienste ihr Geschick festzusetzen)? Resch Laqisch (um 250) hat 
gesagt: In der Stunde, da sie aber eine Brücke gehen. Bloß wenn sie über eine Brücke 
gehen? Sage: Was einer Brücke gleicht! Rab (f 247) ließ sich nicht in einer Fähre 
übersetzen, in der ein Heide (Goi, NichtJude) saß; er meinte: Vielleicht wird an diesem 
ein Gericht vollstreckt, u. ich möchte mit ihm davon erfaßt werden. Sch'muel (f 254) 
ließ sich nur in einer Fähre übersetzen, in der sich ein Heide befand; er meinte: Der 
Satan hat über zwei (verschiedene) Nationen (zu gleicher Zeit) keine Gewalt. || Schab- 
32" Bar: Wenn jemand erkrankt u. dem Tode nahe ist, sagt man zu ihm: Bekenne 
deine Sünden; denn so bekennen alle ihre Sünden, die zum Tode verurteilt werden. 
Wer auf die Straße hinausgeht, der gleiche in seinen Augen einem, der dem Kriegs- 
obersten übergeben wird. Wer Kopfschmerzen hat, der gleiche in seinen Augen einem,, 
den man in das Halseisen legt. Wer auf sein Lager steigt u. fällt, der gleiche in 
seinen Augen einem, den man auf den Richtplatz führt, damit er gerichtet werde. 
Wenn einer, der zur Aburteilung auf den Richtplatz geführt wird, große Fürsprecher 
(Parakleten) hat, so wird er gerettet; andrenfalls wird er nicht gerettet. Und das sind 
die Fürsprecher des Menschen: Buße u. gute Werke. Mögen auch 999 (Engel) seine 
Schuld wider ihn geltend machen u. Einer macht sein Verdienst geltend, so wird er 
gerettet, s. Hi 33, 23 f.: Wenn für ihn ist ein Engel, ein Dolmetsch, einer unter tausend, 
um für den Menschen seine Rechtbeschaffenheit kundzutun, so erbarmt Gott sich 
seiner u. spricht: Erlöse ihn vom Hinabsinken in die Grube, ich habe Sühnung ge- 
funden (so der Midrasch). R. Elifezer b. Jose des Galiläers (um 150) hat gesagt: Selbst 
wenn 999 Teile von jenem Engel sich für die Schuld aussprechen u. nur Einer für die 
Unschuld (das Verdienst), so wird er gerettet; denn es heißt: „Eins von tausend." 
Obige Auslegung der Hiobstelle auch pQid \,i)l'\ 34. 39; P'^siqR 10 (38'^). 

e. GnR 38 (23''): „Daselbst ließen sie sich nieder" (^zz") Gen 11, 2: R. Ji9cha(i 
(um 300) hat gesagt: Überall, wo du das Wort „sitzen" (in der Schrift) findest, sprang 
der Satan herzu u. richtete Unheil an. R. Chelbo (uni 300) hat gesagt: Überall, wa 
du Sorglosigkeit findest, klagte der Satan an. R. Levi (um 300) hat gesagt: Überall, yv(y 
du „essen" u. „trinken" findest, klagte der Satan an. |1 GnR 84 (oS*^): R. Acha( um 320) hat 
gesagt: Wenn die Gerechten im Glücke sitzen oder wünschen im Glücke zu sitzen in 
dieser Welt, dann kommt der Satan u. klagt an u. spricht: Nicht genug was ihnen 
in der zukünftigen Welt bereitet ist, sie wollen auch in dieser Welt im Glücke sitzen! 

/. LvR21 (120'-): DieRabbinen (nach demZus.hang die Zeitgenossen desR Sch'muel 
b. Nachman u. des R. J'^hoschuaf b. Levi, also um 250) legten Ps 27, 1 ff. auf den Neu- 
jahrs- u. den Versöhnungstag aus. „Mein Licht", nämlich am Neujahrstage, „und meine 
Hilfe" am Versöhnungstage. '„Vor wem sollte ich mich fürchten?" Meine Stärke u> 
Sang ist Jahve Ex 15, 2. „Wenn auf mich anstürmen Bösewichter," das sind die Engel- 
fürsten der Völker, „um mein Fleisch zu essen", weil die Engelfürsten der Völker 
kommen u. die Israeliten vor Gott anklagen u. sagen: Herr der Welt, diese sind Götzen- 
diener u. jene auch, diese treiben Unzucht u. jene auch, diese vergießen Blut u. jene 
auch; warum fahren jene in den Gehinnom hinab u. diese nicht? „Meine Dränger u. 
meine Feinde", an allen Tagen des Sonnenjahrs, das 365 Tage umfaßt; denn alle Tage 
des Jahres klagt der Satan an, aber am Versöhnungstage darf er nicht anklagen. E& 
sprechen die Israeliten vor Gott: „Wenn sich ein Heerlager wider mich lagert," das 
Lager Sammaels (so lies mit den Parallelen statt „Israels"), „so fürchtet sich mein 
Herz nicht"; denn du hast uns zugesagt Lv 1(5, 3: „Mit diesem soll Ahron in das Heilig- 
tum kommen." — In den Parallelstellen P^'siq 175'' u. Midr Ps 27 § 4 (ITi"^) wird 
das Freibleiben des Versöhnungstages von der Anklage Satans aus dem Zahlenwert 
des Wortes i'J^n = 364 (Midr Ps irrtümlich: 365) erwiesen: nur 364 Tage von den 365 
Tagen des Sonnenjahres dürfe Satan verklagen; der eine freie Tag sei der Versöhnungs- 
tag. — In Joma 20 '"^ erklärt der Prophet Elias dem Rab J'^huda, dem Bruder des Rab- 
Salla, des Frommen, um 320, daß Satan am Versöhnungstag keine Vollmacht zur An- 



144 Matth 4, 1 (SB 3 C) 

klage habe, während Rammi bar Gbama, um 320, den Beweis dafür aus dem Zahlenwert 
des Wortes '^v^n führt. 

C. Als Vollstrecker des Strafurteils Gottes über die Sünde wird 
Satan (Sammael) als Todesengel, r'i-o "n^^, gedacht. Der Satan, der 
böse Trieb u. der Todesengel sind identisch, sagt Resch Laqisch, um 
250, BB 16-''. — Über Erscheinung u. Wirksamkeit des Todesengels vgl. 
folgende Stellen. 

?AZ 20*^: Vom Todesengel bat man gesagt, daß er ganz u. gar voller Augen ist. 
In der Stunde des Abscbeidens eines Kranken steht er zu dessen Raupten, ein ge- 
bücktes Schwert ist in seiner Hand u. ein Tropfen Gift ("■•^)^ hängt daran. Wenn 
•der Kranke ihn erblickt, erschrickt er u. öffnet seinen Mund u. der Todesengel läßt 
<len Tropfen in seinen Mund fallen; davon stirbt er, davon geht er in Verwesung über, 
•davon wird sein Angesicht gelb. . . . Der Vater Scb^'niuels (um 2Ü0) bat gesagt: Mir 
hat der Todesengel gesagt: Wenn ich nicht auf die Ehre der Menschen Rücksicht 
aähme, würde ich die Schnittstelle auseinanderreißen wie beim Stück Vieh. Vielleicht 
ist es jener Tropfen, der die Halsgefäße durchschneidet. — „Davon gebt er in Ver- 
wesung über" ; das ist eine Stütze für R. Chanina b. Kahana (gegen 8U0?); denn R. Ch. 
b. K. hat gesagt, daß man in der Schule Rabs (f 247) gelehrt habe: Wer wünscht, daß 
«ein Toter nicht in Verwesung übergehe, der wende ihn um auf sein Angesicht (damit 
•das Gift aus dem Munde wieder abfließt). || BQ 60"^ Bar: Herrscht die Pest in einer 
ätadt, so gehe der Mensch nicht in der Mitte der Straße; denn der Todesengel geht 
in der Mitte der Straßen einher. Weil ihm Vollmacht gegeben ist, so schreitet er frei 
«öffentlich dahin. Herrscht Wohlbefinden in einer Stadt, so gehe man nicht an den 
Seiten der Straßen; denn weil ihm keine Vollmacht gegeben ist, so geht er ganz ver- 
steckt (seitwärts sich drückend) einher. — Bar: Herrscht die Pest in einer Stadt, so 
gehe der Mensch nicht allein in die Synagoge; denn der Todesengel legt seine Gerät- 
schaften dort nieder. Dies gilt aber nur da, wo die Kinder nicht darin lesen und zehn 
Personen darin nicht beten. — Bar: Wenn die Hunde weinend (klagend) heulen, kommt 
■der Todesengel in die Stadt; wenn die Hunde lachend bellen, kommt Elias in die Stadt. 
Dies gilt aber nur dann, wenn keine Hündin sich unter ihnen befindet. |l B^'rakhöl^: 
R. J hoschua? b. Levi (um 250) hat gesagt: Drei Worte hat mir der Todesengel gesagt: 
Nimm dein Hemd des Morgens nicht aus der Hand des Dieners, um es anzuziehen. 
Laß deine Hände nicht durch Begießen abspülen von einem, der die seinigen nicht 
•abgespült hat. Stehe nicht vor Frauen, wenn diese von einem Toten (= einem Leichen- 
begängnis) zurückkehren; denn tanzend gehe ich vor ihnen einher u. mein Schwert 
ist in meiner Hand u. ich habe Vollmacht zu verderben. — Wenn man ihnen aber 
begegnet, welche Aushilfe gibt es da? Man biege von seiner Stelle vier Ellen weit 
aus; wenn ein Fluß da ist, so lasse man sich übersetzen; wenn ein andrer Weg da 
ist, so gehe man den; ist eine Mauer iZaun u. dergl.) da, so stelle man sich dahinter; 
wenn aber nicht, so wende man sein Angesicht ab u. spreche Sach 8, 2: „Jahve sprach 
zum Satan: Es beschelte Jahve dich, Satan" usw., bis sie idie Weiber) vorübergegangen 
sind. II P'^s 112'^: Viererlei hat unser heiliger Lehrer (Rabbi) seinen Söhnen befohlen: 
. . . Stell dich nicht vor einen Ochsen hin, wenn er von der Wiese kommt, weil der 
iSatan (hier wohl als Todesengel gedacht) zwischen seinen Hörnern hü|.ft. R. Sch'muel 
(t 254) hat gesagt: Das gilt nur von einem schwarzen Ochsen u. zwar in den Tagen 
•des Nisan (etwa = April). |! Midr Qoh 7, 26 (3>i*): R. J'^huda (b. Elfai, um 150) hat ge- 
sagt: Vierzehn Dinge gibt es, von denen das eine immer gewaltiger (härter) ist als 
<3as andre, u. alle erheben sich das eine über das andre. Die ürtiefe ist gewaltig, aber 
■die Erde ist erhaben über sie; denn jene wird niedergehalten (niedergedrückt) von 
dieser. Die Erde ist gewaltig, aber die gewaltigen Berge sind erhaben über sie. Der 

* Da das Gift auch dc heißt, ist es nicht unwahrscheinlich, daß der Satan auf 
•Grund obiger Voi Stellung den Namen Sammael, iss co = Gottesgift, erhalten hat. 



Matth 4, 1 (58 3 C) 145 

Berg ist gewaltig, aber das Eisen ist erhaben über ihn u. spaltet ihn. Das Eisen ist 
gewaltig, aber das Feuer vernichtet es. Das Feuer ist gewaltig, aber das Wasser zeigt 
sich erhaben u, löscht es aus. Das Wasser ist gewaltig, aber die Wolken tragen es. 
Die Wolken sind gewaltig, aber der Wind zerstreut sie. Der Wind ist gewaltig, aber 
die Wand zeigt sich erhaben u. widersteht ihm. Die W^and ist gewaltig, aber der Mensch 
zeigt sich erhaben u. zerstört sie. Der Mensch ist gewaltig, aber die Not reibt ihn auf. 
Die Not ist gewaltig, aber der Wein zeigt sich erhaben u. bringt sie in Vergessenheit. 
Der Wein ist gewaltig, aber der Schlaf vertreibt ihn. Der Schlaf ist gewaltig, aber 
die Krankheit zeigt sich erhaben u. nimmt ihn fort. Die Krankheit ist gewaltig, aber 
der Todesengel zeigt sich erhaben u. nimmt die Seele hin. Ein böses Weib aber ist 
schlimmer als sie alle, vgl. Qoh 7, 26. In der Farallelstelle BB 10^ besteht die Reihe 
nur aus zehn Gliedern; statt des Todesengels wird der Tod genannt, u. den Schluß 
bildet der Satz: Das Almosen errettet vom Tode. -- Anonym u. auf die Elemente be- 
schränkt mit dem Schlußsatz: ,Gott ist erhaben über alles" ExR 28 (85''). j! Midr Qoh 8, 8 
(:-!9'^): ,Kein Mensch ist des Geistes mächtig" (so der Midrasch) Qoh 8,8. Die Rabbanan 
(Zeitgenossen des R. N'^chemja, um 150) haben gesagt: Kein Mensch ist des Geistes 
des Todesengels mächtig, sich ihm zu entziehen. Woher, daß die Engel „Geister" ge- 
nannt werden? Es heißt Ps 104,4: Er macht seine Engel zu Geistern (so der Midrasch). 
,ünd keiner ist gebietend über den Todestag" (Qoh das.). Kein Mensch kann zum 
Todesengel sagen: Warte auf mich, bis ich meine Rechnung abgeschlossen habe, dann 
will ich kommen! || GnR 9 (7"): R. Sch'^muel b. Jigchaq (um 800) hat gesagt: , Siehe, 
«s war sehr gut" Gnl,31, damit ist der Engel des Lebens gemeint; „und" siehe, es 
war sehr gut, damit ist der Engel des Todes gemeint. Ist denn aber der Todesengel 
sehr gut? Gleich einem Könige, der ein Mahl veranstaltete u. die Gäste dazu einlud. 
Er setzte ihnen eine Schüssel vor voll von allem Guten. Er sprach: Wer davon ißt u. 
den König segnet (preist), der möge essen u. dem möge es wuhlbekommen; wer aber 
davon ißt, ohne den König zu segnen, dessen Haupt werde mit dem Schwerte ab- 
gehauen. So ist für jeden, der einen Schatz von Gebotserfüllungen u. guten Werken 
erwirbt, der Engel des Lebens da; wer aber keinen Schatz von Gebotserfüllungen u. 
guten Werken erwirbt, siehe, für den ist der Engel des Todes da. || NuR 5 (145^): 
R. Pin'^chas, der Priester, b. Chama (um 360) hat gesagt: . . . Als Qorach wider Mose 
Partei ergriff, wollte der Todesengel gegen Israel ausziehen u. sie vernichten ; u. wenn 
■er ausgezogen wäre, so hätte er ganz Israel getötet. Mose aber weilte in der Nähe 
des Stiftszeltes, weil er zu den Kindern Q'^^haths gehörte, u. bemerkte ihn, wie er gegen 
Israel ausziehn wollte. Sofort sprach er zu Ahron (Nu 17, II): Nimm die Räucherpfanne 
u. tu Feuer vom Altar darauf usw. Schaffe Sühnung für sie eilends, mit Springen 
(;n9-3), treibe dich selbst an; was stehst du staunend da? Geh eilends zur Ge- 
meinde! Ahron sprach zu ihm: Mein Herr, was siehst du? Er antwortete ihm: Ich 
sehe den Todesengel, wie er auszieht, die Feinde' Israels zuschlagen; „denn Q^^eph 
(Name eines Zornengels) ist von Jahve ausgegangen". Hieraus kannst du lernen, daß 
die Leviten die Strafe abgewandt haben u. unter ihnen (vornehmlich) die Kinder 
(J'^haths, zu denen Mose u. Ahron gehörten. — Vgl. die Dichtung des R. J'^'hoschuaf 
b. Levi, um 250, wie Mose im Himmel durch die Auslegung der zehn Gebote den 
Engeln beweist, daß die Tora nur für die untere Welt bestimmt sein könne; darob 
wurden alle Himmlischen Moses Freunde, u. jeder von ihnen gab ihm Belehrung zum 
Geschenk (Ps68, 19), Auch der Todesengel blieb nicht zurück u. gab ihm Nu 17, 11 ff. 
als Mittel kund, Sühnung für Israel zu schaffen Schab 88''. 1| P'siq li<8'': R. Abin (wohl 
der Jüngere, um 370) hat gesagt: Zeit seines Lebens wollte Mose Israel segnen; aber 
der Todesengel ließ es nicht zu, daß er sie segnete (nämlich noch unmittelbar vor 
seinem Ableben). Was tat Mose? Er nahm ihn u. band ihn zu seinen Füßen, u. dann 



' Euphemistisch für: „Die gottlosen Israeliten" s. S. 13:' Anm., nach dem Grund- 
satz, daß man nicht durch Aussprechen von etwas Ungünstigem dem Satan seineu 
Mund zur Anklage öffnen soll, vgl. oben S. 141. 

strack u.Billerbeck, NT I. 10 



146 Matth 4, l (S 3 C) 

segnete er sie in seiner Gegenwart, s. Dt 33, 1 : „Dies ist der Segen, mit welchem 
Mose, der Mann Gottes, die Kinder Israel segnete in Gegenwart seines Todes "(engels; 
so der Midiasch). In wessen Gegenwart? In Gegenwart dessen, der unter seice Füße 
hingestreckt war. — Ähnlich anonym P^siii 199''; Tanch rii-- rsn 31-''; DtR 11 ('207-'). l! 
DtR II (207"): R. Meir (um 150) hat gesagt: Der Todesengel ging zu Mose u. sprach 
zu ihm: Gott hat mich zu dir gesandt, denn du wirst heute verscheiden. Mose sprach 
zu ihm: Geh weg von hier, denn ich will Gott preisen, s. Ps 118, 17. Er antwortete: 
Mose, was brüstest du dich? Er hat einen, der ihn preist; Himmel u. Erde preisen, 
ihn zu jeder Stunde, s. Ps 19,2. Mose sprach: Und ich heiße sie schweigen u. werde 
ihn preisen, s. Dt 32, 1. — Darauf kam der Todeseugel abermals zu ihm. Was tat Mose? 
Er sprach wider ihn den vollen Gottesnameu („Jahve") aus; da floh der Todesengel,, 
s. Dt 33, 3: „Den Namen Jahves rufe ich aus." - Als er zum drittenmal zu ihm kam. 
dachte Mose: Weil er von Gott kommt, muß ich das Gericht als gerecht bei mir an- 
erkennen, s. Dt 33, 4: Der Fels, vollkommen i.st sein Tun. — R. JiQchaq (um 300) hat 
gesagt: Die Seele Moses machte Schwierigkeiten, aus ihm zu scheiden. Mose redete 
mit seiner Seele u. sprach: Meine Seele, vielleicht wird der Todesengel über dich 
Gewalt gewinnen! Sie sprach: Gott wird nicht also tun, s. Ps 116,8: „Du errettest 
meine Seele vom Tode." Mose: Vielleicht siehst du sie (Israel) weinen u. du weinst 
mit ihnen! Sie sprach (ebendas.): „Und mein Auge von den Tränen." Mose: Vielleicht 
will man dich in den Oehinnom hinabstürzen!' Sie sprach (das.): „Und meinen Fuß 
vom Sturze." Mose: Wohin wirst du gehn? Sie sprach (das. Vers 9): „Ich werde vor 
Jahve wandeln in den Landen der Lebendigen." Als Mose solches hörte, gab er ihr 
die Erlaubnis u. sprach (das. Vers 7): „Kehre zurück, meine Seele, in deine Ruhe" 
usw. - Dasselbe Tanch -z^^n pst-, 31". || DtR 11 (207'=): Der Engel Sammael hatte 
stündlich auf Moses Tod gerechnet usw., s. die Stelle bei Brief Judas 9. Nachdem dann 
erzählt ist, wie Gabriel u. Mikhael sich außerstande erklären, Moses Seele zu holen 
(s. die Stelle bei Lk 16, 22), fährt der Bericht fort 207*^: Gott sprach zu Sammael, dem 
Bösewicht: Geh u. hole Moses Seele! Sofort kleidete sich dieser in Zorn u. gürtete 
sein Schwert um u. hüllte sich in Grausamkeit u. ging Mose entgegen. Als er diesen 
sah, wie er saß u. den vollen Jahvenamen schrieb u. der Glanz seines Aussehens der 
Sonne glich u. Mose selbst dem Engel Jahves Q^baoth, fürchtete er sich vor ihm u. 
sprach: Wahrlich, kein Engel vermag die Seele Moses in Empfang zu nehmen. Bevor 
aber Sammael sich dem Mose gezeigt hatte, wußte dieser, daß S. gekommen war. Als 
dieser den Mose erblickte, erfaßte ihn Furcht u. Zittern, wie eine Gebärerin, u. er fand 
kein Öffnen des Mundes (keine Gelegenheit), mit Mose zu reden, bis dieser zu ihm 
sagte: „Keinen Frieden, spricht Jahve, gibt's für die Gottlosen" Jes57, 21. Was willst 
du hier? Er antwortete: Deine Seele in Empfang zu nehmen bin ich gekommen. Mose: 
Wer hat dich gesandt? S. sprach: Der, der alle Menschen erschatten hat. Mose: Du 
wirst meine Seele nicht empfangen. S : Die Seelen aller, die in die Welt kommen, 
sind in meine Hand gelegt! Mose: Ich habe mehr Kraft, als alle, die in die Welt ge- 
kommen sind. S. : Was ist deine Kraft? Mose: Ich bin der Sohn ?Amrams, der ich 
beschnitten aus meiner Mutter Leib gegangen bin, u. nicht hatte ich nötig, daß man 
mich beschnitt. An dem Tage, da ich geboren ward, vermochte ich meinen Mund zu 
öffnen (zum Sprechen) u. ging auf meinen Füßen u. redete mit meinen Eltern, u. selbst 
Milch habe ich nicht gesogen. Als ich drei Monate alt war, weissagte ich, daß ich 
einst die Tora aus Feuerflammen empfangen würde. Als ich dann in die Welt hinaus- 
trat, ging ich in den Palast des Königs u. nahm die Krone von seinem Haupt. Als 
ich 80 Jahre alt war, habe ich in Ägypten Zeichen u. Wunder getan u. 60 Myriaden 
vor den Augen aller Ägypter herausgeführt; ich habe das Meer in 12 Spaltungen geteilt 
u. das Wasser der Bitterkeit in süßes verwandelt; ich bin emporgestiegen u. einher- 
gegangen auf dem Wege des Himmels; ich habe zum Kampf mit den Engeln (1. r-rs^': 
statt B-rV«:) gegriffen u. habe die Tora von Feuer empfangen. Meine Wohnung ist unter 
dem Fenerthron u. meine Hütte unter der Feuersäule gewesen; ich habe mit ihm von 
Angesicht zu Angesicht geredet u. habe obgesiegt in der Familie der oberen Welt 



Matth 4, 1 (33 3 C) 147 

(unter den Engeln); ich habe ihre Geheimnisse den Menschen kuudgetan u. liabe die 
Tora aus der Rechten Gottes empfangen u. sie Israel gelehrt. Ich habe Krieg geführt 
mit Sichon u. mit fOg, den beiden Helden aus den Völkern der Welt, an deren Kni3chel 
zur Zeit der Flut die Wasser uiclit heranreichten wegen ihrer Größe; ich ließ die Sonne 
n. den Mond in der Höhe der Welt stillstehn u. schlug sie (Sichon u. fOg) mit dem 
Stab in meiner Hand u. tötete sie. Wer ist unter denen, die in die Welt gekommen 
sind, der solches tun kr>nnte? Geh weg von hier, Frevler, du hast nicht also zu 
sprechen; geh, fliehe vor mir, ich gebe dir meine Seele nicht! — Sofort kehrte SammaSl 
um u. brachte das Wort vor den Allmächtigen. Gott .sprach zu S. : Geh u. hole Moses 
Seele! — Sofort zog er sein Schwert aus der Scheide u. trat vor Mose hin. Alsbald 
ward Mose zornig auf ihn, nahm den Stab in seine Hand, auf dem der volle Jahve- 
name eingraviert war, u. schlug damit auf S. aus voller Kraft ein, bis dieser vor ihm 
floh; Mose aber verfolgte ihn mit dem vollen Jahvenamen u. nahm einen Strahl von 
seinem Glänze zwischen seinen Augen u. blendete damit S.s Auge. — Jetzt war für 
Mose das Ende des (letzten) Augenblicks angebrochen. Da ging eine Bath-Qol (Himmels- 
stimme, s. bei Mt 3, 17) aus, welche sprach: Es ist das Ende deines Todes da! Mose 
sprach vor Gott: Herr der Welt, gedenke jenes Tages, da du dich mir im Dornbusch 
offenbartest u. sprachst Ex;-!, 10: Geh, daß ich dich zum Pharao sende, u. führe mein 
Volk, die Kinder Israel, aus Ägypten hinaus. Gedenke jenes Tages, da ich auf dem 
Berge Sinai 40 Tage u. 40 Nächte stand! Ich bitte dich, gib mich nicht in die Hand 
des Todesengels hin! Da ging eine Bath-Qol aus, die zu ihm sprach: Fürchte dich 
nicht, ich selbst werde mich mit dir befassen u. mit deinem Begräbnis. — Ahnlich 
kürzer SDt 31, 14 § 305 (129''). 

Sukkaöo'"*: Der Todesengel darfeinen Menschen nur an dem Orte töten, der ihm von 
Gott bezeichnet ist; s. die Stelle im Exkurs: Zur altjüd. Dämonologie Nr. 7 Anm.h; vgl. aber 
das folgende Zitat. i| Chag4'': Rab Joseph (f 333) pflegte zu weinen, wenn er an die Schrift- 
stelle kam: , Mancher wird ohne Recht hin weggerafft" (so der Midrasch Spr. 13,23). Er 
sprach: Gibt es denn wirklich einen, der dahingeht, ohne daß seine Zeit da ist? Ja, wie die, 
von der Rab ßebai b. Abaje (un\ 370 ?) erzählt hat. Bei diesem befand sich nämlich der 
Todesengel, der seinem Boten befahl: Geh, bringe mir die Mirjam, die Frauenhaar- 
flechterin. Er ging u. brachte ihm Mirjam, die Kindererzieherin. Er sprach zu ihm: 
ich habe dir doch gesagt: Die Mirjam, die Frauenhaarflechterin. Er erwiderte: In diesem 
Fall will ich sie wieder zurückschaffen. Jener sprach: Weil du sie gebracht hast, so 
mag sie zur Zahl (der Toten) gehören! Aber wie konnte denn das mit ihr geschehen? 
Sie hatte ein Schürholz genommen, heizte u. fachte das Feuer an; dann nahm sie es 
(das brennende Schürholz) und legte es auf ihren Fuß, daß dieser verbrannte, u. ihr 
Geschick wandte sich zu ihrem Unheil. Da sagte Rab Bebai b. Abaje zum Todesengel: 
Habt ihr denn Erlaubnis, also zu handeln? Er antwortete: Steht denn nicht geschrieben: 
„Mancher wird hinweggerafft ohne Recht"? Der Rabbi sprach: Es steht doch aber ge- 
schrieben Qoh 1, 4: „Ein Geschlecht geht u. ein andres kommt" (nämlich zur fest- 
gesetzten Zeit)! Er antwortete: Ich führe sie so lange mit mir, bis ihre Lebensdauer 
vollendet ist, dann überliefere ich sie dem Duma (Engel, der über das Totenreich ge- 
setzt ist). — Zur Deutung der Frauenhaarflechterin Mirjam auf Jesu Mutter Maria s. 
Strack, Jesus, die Häretiker und die Christen 19 10 S. 36, u. das bei Mt 27, 56 Bemerkte, jj 
K^th 77'': Als R. J^hoschuaf b. Levi (um 250) starb, sprach Gott zum Todesengel: Geh, 
erfülle ihm seinen Wunsch! Er ging u. erschien ihm. Der Rabbi sprach zu ihm: Zeige 
mir meinen Ort (im Paradiese)! Er antwortete: Nun wohlan! Er sprach zu ihm: Gib 
mir dein Messer, du könntest mich damit unterwegs erschrecken. Er gab es ihm. Als 
er dort angekommen war, hob er ihn in die Höhe u. ließ ihn (seinen Platz) sehen. Der 
Rabbi aber sprang in die Höhe u. fiel auf der andren Seite (also innerhalb der Para- 
diesesmauer) nieder. Da ergriff ihn der Todesengel an der Spitze seines Mantels. Der 
Rabbi sprach: Ich schwöre, daß ich nicht (zurück)komme. Gott sprach : Wenn er sich 
(früher einmal) einen Schwur hat lösen lassen, dann muß er zurück (aus dem Para- 
diese); wenn aber nicht, so braucht er nicht zurück! Da sprach der Todesengel zu 

10* 



148 Matth 4, 1 (SB 3 C) 

ihm: Gib mir mein Messer! Aber er gab es ihm nicht. Es ging eine Bath-Qol (Himmels- 
stimme) aus, welche sprach: Gib es ihm, es wird für die Menschen notwendig gebraucht. 
Da rief Elias laut vor R. J'^^hoschua? b. Levi (im Gan ?Eden) aus: Macht Platz dem 
Sohne Levis, macht Platz dem Sohne Levis! ... — R. Chanina b. Papa (um 300) war 
ein vertrauter Freund (wörtlich: Hochzeitskamerad) des Todesengels. Als seine Seele 
zur Ruhe eingehn sollte, sprach man (unbestimmte Ausdrucksweise für „Gott") zum 
Todesengel: Geh, erfülle ihm seinen Wunsch. Er ging zu ihm u. erschien ihm. Der 
Rabbi sprach zu ihm: Laß mir noch dreißig Tage Frist, bis ich mein Gelerntes w^pder- 
holt habe; denn man hat gesagt: Wohl dem, der hierher (in das .Jenseits) kommt u. 
sein Gelerntes in seiner Hand (als festen Besitz bei sichi hat! Da verließ er ihn. 
Nach dreißig Tagen kam er u. erschien ihm. Der Rabbi sprach: Zeige mir meinen 
Platz. Jener erwiderte: Nun wohlan ! Er sprach: Gib mir dein Messer, vielleicht möchtest 
du mich damit unterwegs erschrecken! Jener antwortete: Du willst es wohl so, wie 
dein Kollege (R. J'^hoschuaf b. Levi) mit mir machen! Er sprach zu dem Todesengel: 
Hole ein Torabuch u. zeige mir, ob irgend etwas darin geschrieben steht, was ich nicht 
gehalten hätte! Jener antwortete: Hast du dich auch verhüllt bei Leuten, die mit 
Schleimfluß behaftet waren, u. dich (bei ihnen) mit der Tora beschäftigt? (So hatte 
es R. J'^hoschua? b. Levi getan im Vertrauen darauf, daß die Tora ihn vor Ansteckung 
bewahren werde.) 

DtR 9 (200'^): Unsre Lehrer haben erzählt: Einmal geschah es zur Zeit des 
R. Schim?on b. Chalaphta lum 190), daß dieser zu einem Beschneidungsfest ging. Der 
Vater des Kindes hatte ein Mahl veranstaltet u. setzte ihnen Wein vor, der sieben 
Jahre alt war. Er sprach zu den Gästen: Von diesem Wein lasse ich (einen Teil) alt 
werden bis zur Hochzeitsfeier meines Sohnes. Man tafelte bis zur Mitternachtsstunde. 
R. Schimfon b. Chalaphta, der auf seine Kraft vertraute, brach zur Mitternacht auf, 
um nach seiner Stadt (f En-T^ena bei Sepphoris) zu gehn. Er traf dabei unterwegs den 
Todesengel u. sah ihn verändert (in seinem Gesichtsausdruck). Er sprach zu ihm: Wer 
bist du? Jener antwortete: Der Abgesandte Gottes. Er sprach zu ihm: Warum siehst 
du verändert aus? Er antwortete: Wegen des Geredes (1. irrr-b's statt ir'T'Dv;) der 
Leute, die sagen: So u. so wollen wir tun, ohne daß man weiß, wann man vom Tode 
betroffen wird. So hat jener Mann, bei dem du gespeist hast, zu euch gesagt: Von 
diesem Wein will ich alt werden lassen für das Hochzeitsfest meines Sohnes, u siehe, 
seine (des Sohnes) Zeit abzuscheiden ist nach dreißig Tagen gekommen. Er sprach 
zu ihm: Zeige mir meine Zeit! Er erwiderte ihm: Über dich u. deinesgleichen habe 
ich keine Gewalt. So oft Gott an euren guten Werken Wohlgefallen hat, legt er euch 
Leben zu, wie es heißt Spr 10, 27: „Die Furcht Jahves vermehrt des Lebens Tage." — 
In Midr Qoh 3, 2 (l^i'^) dasselbe aramäisch mit den Schlußworten: Man bat Gott um 
Erbarmen, u. er ließ das Kind am Leben. || MQ 28^: Rab a"i>T (sprich: S'^foram), der 
Bruder des Raba, saß vor Raba (f 352) an dessen Krankenbett. Er sah, daß er ent- 
schlummerte (daß es mit ihnx zu Ende ging). Raba sprach zu ihm: Sage es doch der 
Herr (= du) dem Todesengel, daß er uns nicht quäle. Er antwortete ihm: Ist denn 
der Herr (= du) nicht sein vertrauter Freund? Er sprach: Nachdem mein Geschick 
in seine Hand gelegt ist, nimmt er keine Rücksiebt mehr auf mich. Jener sprach: 
Möge mir der Herr (= du) erscheinen (nämlich nach dem Tode aus dem Jenseits)! Er 
erschien ihm. Rab 'v sprach zu ihm: Hatte der Herr (in der Sterbestunde) Schmerzen? 
Er antwortete: Gleich dem Stich der Lanzette beim Aderlaß. — Raba saß vor Rab 
Nachman (b. Jafaqob, f >{20). Er sah, daß er entschlummerte (starb). Da sprach (der 
Sterbende) zu ihm: Sage doch der Herr dem Todesengel, daß er uns nicht quäle. Er 
antwortete ihm: Ist denn nicht der Herr ein angesehener Mann? (Also sage es ihm 
selbst). Jeuer sprach: Wer ist angesehen, wer ist geachtet, wer ist bekannt (in der 
Sterbestunde)! Er sprach zu ihm: Möge mir der Herr erscheinen! Er erschien ihm. 
Raba sprach zu ihm: Hatte der Herr Schmerzen? Er antwortete: Wie wenn ein Haar 
aus der Milch gezogen wird (so schmerzlos schied meine Seele aus meinem Leibe). 
Aber wenn Gott zu mir spräche: "Geh zurück in die Welt, in der du warst", so möchte 



Matth 4, 1 (SB 3 C. 4) 149 

ich es doch nicht; denn die Angst vor ihm (dem Todesengel) war groß. — R. Elfazar 
(b. P*^'dath, um 270, der nach dieser Stelle priesterlichen Geschlechts war) aß Hebe. 
Es erschien ihm der Todesengel. Er sprach zu ihm: Hebe habe ich gegessen, u. wird 
sie nicht „Heiliges" genannt? Da ging die Stunde (des Sterbens) an ihm vorüber. — 
Dem Rab Schescheth (um 2fi0) erschien der Todesengel auf der Straße. Er sprach zu 
ihm: Auf der Straße, wie beim Stück Vieh? Komm zu ihm ins Haus! — Dem Rab 
Aschi (t 427) erschien der Todesengel auf der Straße. Er sprach zu ihm: Warte auf 
mich dreißig Tage, daß ich mein Gelerntes wiederhole; denn ihr (Himmlischen) habt 
gesagt: Wohl dem, der hierher kommt u. sein Gelerntes ist in seiner Hand! Am 
dreißigsten Tage kam er wieder. Er sprach zu ihm: Ist das die ganze Zeit? (nach 
30 Tagen, nicht während des 30. Tages sollte der Todesengel wiederkehren). Es drängte 
der Fuß (seines Nachfolgers) des Bar Nathan; u. keine Regierung(szeit) berührt sich 
mit der andren auch nur um Haarbreite. — Dem Rab Chisda (f 309) konnte der Todes- 
engel nicht beikommen, weil sein Mund nicht schwieg vom Studium. Da stieg er empor 
u. setzte sich auf eine Zeder beim Schulhause. Die Zeder krachte, Rab Chisda 
schwieg, u. er kam ihm bei. Dem R. Chijja (um 200) vermochte sich der Todesengel 
nicht zu nähern. — Eines Tages erschien er ihm in der Gestalt eines Armen; er 
kam, klopfte an die Tür u. sprach: Gib mir ein Stückchen Brot! Er reichte es ihm 
hinaus. Jener sprach zu ihm: Hat sich nicht der Herr (= du) des Annen erbarmt? 
Warum erbarmt sich nicht der Herr (= du) auch dieses Mannes (d. h. meiner)? Darauf 
offenbarte er sich ihm u. zeigte ihm eine feurige Rute. Da konnte er seiner Seele bei- 
kommen. — Eine Parallele zu dem Bericht über Rab Chisda findet sich Mak 1 •*. Ziemlich 
dasselbe, was über Chisdas Ableben erzählt wird, wird überDavidsTod berichtet Schab30''. 

4. Wie der Todesengel vorübergehend bei der Gesetzgebung seine Ge- 
walt über Israel verlor, a so wird er sie dauernd verlieren in der Zukunft, b 

a. TanchB svr -= § 12 (bö^): „Die Tafeln waren Werk Elohims u. die Schrift 
war Schrift Elohims, Freiheit war auf den Tafeln" (Ex 32, 1(J, der Midr liest rn-r: -— Frei- 
heit statt r:i-r: = eingraviert). Was heißt r^^n? R. J^'huda (um 150) sagte: Freiheit 
von den Reichen (der Welt); R. N'^chemja (um 150) sagte: Freiheit vom Todesengel, 
ünsre Lehrer (um 150) sagten: Freiheit von Leiden. — Parallelstellen: Tanch nh-:} 
214='; TanchB s-s- §9 (13'*); NuR 16 (182-'*); ExR 32 (93^), 41 (97''), 51 (103''); unter 
Umstellung der Autorennamen LvR 18 (1 18='); Midr HL 8, 6 (131=')- !l LvR 18 (118='): 
R. Jochanan (f 279) hat im Namen des R. Elifezer b. Jose ha-G°lili (um 150) gesagt: 
Als die Israeliten am Berge Sinai standen u. sprachen Ex 24, 7: „Alles, was Jahve 
geredet hat, wollen wir tun u. hören", rief Gott den Todesengel u. sprach zu ihm: 
Obwohl ich dich zum Weltherrscher (xoafj.oxg(<T(o()) über die Menschen gemacht habe, 
so sollst du doch nichts mit dieser Nation (Israel) zu schaffen haben; denn es sind 
meine Kinder, s. Dt 14, 1: „Ihr seid Söhne Jahves eures Gottes." Ferner heißt es 
Dt 5, 20: „Als ihr die Stimme aus dem Finstern hörtet." Gibt es denn Finsternis oben? 
Es heißt doch Dn 2, 22: „Licht wohnt bei ihm!" Vielmehr ist damit der Todesengel 
gemeint, der Finsternis heißt. (Vgl. hierzu R. B^'rekhja Tanch zv^ 44 '^ S. 137 Anm.) — 
Dasselbe Midr HL 8, 6 (131*); kürzer ExR 41 (98»); 51 (103''); TanchB s^si § 9 (13='), 
NuR16(181<J). — Ähnliches anonym ExR 32 (93^- 'l). || ExR51(lÜ3'M: Als die Israeliten 
die Tora empfingen, bekleidete Gott sie mit dem Glanz seiner Herrlichkeit. Worin 
bestand die Bekleidung? . . . R. Schiin?on b. Jochai (um 150) hat gesagt: Waffen gab 
er ihnen, auf denen der große Name („Jahve") eingraviert stand, u. solange der in 
ihrer Hand war, konnte der Todesengel über sie nicht herrschen. — Parallele: TanchB 
-rhv, Zusatz § 1 (3Sb). II gAZ 5" Bar: R. Jose (b. Chalaphta, um 150) sagte: Die Israeliten 
haben die Tora nur empfangen, damit der Todesengel nicht über sie herrschen sollte, 
s. Ps82, 6: „Ich selber habe gesprochen: Götter seid ihr u. Söhne des Höchsten ihr 
alle." Aber da ihr eure Werke verderbt habt, „fürwahr, wie Menschen (der Midrasch 
wohl: wie Adam) sollt ihr sterben" (das. Vers 7). 

b. Über die Vernichtung des Todesengels in der Zukunft s. bei 1 Kor 15, 54. 



150 Matth 4, 2. 4, 5 (31. Sj 

4,2: Und fastete vierzig Tage. 

ExR 47 (102»): „Mose war dort bei Jahve vierzig Tage u. vierzig Nächte, ohne 
Brot zu essen" usw. Ex 34, 2S. Ist es einem Menschen denn möglich, vierzig Tage 
ohne Speise u. Trank zu sein? R. Tanchuma (nach BM 86"^ dürfte der Ben Chanilai, 
um 280, gemeint sein) hat im Namen des R. Elfazar (b. P'^dath? um 270) u. R. Abin 
(so zu lesen nach GnR 48; Abin I. um 325, II. um H70) hat im Namen des R. Meii 
(um 150) gesagt: Das Sprichwort sagt: , Kommst du in eine Stadt, so richte dich nach 
deren Sitten!" Mose stieg nach oben empor, wo es kein Essen ii. Trinken gibt, u, 
ward ihnen (den Oberen) gleich; die Engel des Dienstes stiegen nach unten hinab, 
wo es Essen u. Trinken gibt, u. alsen u. tranken, s. Gn 18, 8. — Parallel GnR 48 (30^^). 

4,4: Auf Grund jeglichen Wortes. 
Dt 8, 3 wird kein dem Qr^ijaTi entsprechendes Wort gelesen ; dagegen 
führen die Targumim, wohl zur Vermeidung des anthropomorphistischen 
„Mund" Gottes, das Memra ein. Targ Onk Dt 8, 3: Durch alles vom 
Memra Jahves Hervorgebrachte besteht der Mensch. Targ Jerusch I: 
Durch alles, was vom Memra Jahves geschaffen wurde, lebt das 
Menschenkind. || Vgl. auch Aboth 6, 7: Groß ist die Tora; denn sie gibt 
Leben denen, die sie tun, in dieser u. in der zukünftigen Welt, s, Spr 
4,22: Leben sind sie (nach dem Midrasch: die Worte der Tora) für 
jeden, der sie erlangt, u. seinem ganzen Leibe Heilung; ferner Spr 
3,18: Ein Lebensbaum ist sie (die Weisheit =^ Tora) denen, die sie 
ergreifen, u wer sie festhält, ist glückselig. 

4, 5 5(: In die heilige Stadt. 
Dn 9, 24: -^ip i":* hv; 2 Makk 3, 1: t/~c dyi'ag toivvv nöXsutg xatoi- 
xovfisvTig fisTce ndffrjc HQrjvrjC; ferner 9,14; 15,14. — Sir 36, 18: p'ip 
T^-riiT; der Grieche: nöXiv ccYiüaf^iaröc aov; 49, 6: '»rip r-i-ip, der Grieche: 
nohv dyic<(jf.iciTog. Der Ausdruck findet sich aber auch schon Jes 48,2; 
52, 1 ; Neh 11, 1. — Jüdische Scheqelmünzen tragen die Aufschrift n^ia-n-' 
mnp oder nirnpn c'^mi-^i. BQ 97" Bar: Welcherart war die Münze 
Jerusalems? David u. Salomo auf der einen Seite; Jerusalem 'r'\'':i:r-[ nis-, 
die heilige Stadt, auf der andren Seite. || Nach Sanh 107 ^ sandte Schim^on 
b. Schatach (um 90 v. Chr.) dem J<^hoschua' b. P«^rachja nach Alexandria 
in Ägypten eine Botschaft, die mit den Worten begann: „Von mir, 
Jerusalem 'ci-\pn -i^r, an dich, Alexandria in Ägypten"; s. S. 84y, || Jo- 
sephus Antiq. 20, 6,1: Die Galiläer hatten die Gewohnheit, wenn sie 
in den Festen nach der heiligen Stadt eig rrjv isgav nöXiv zogen, ihren 
Weg durch das Land der Samaritaner zu nehmen. — c, Apion. 1,31: 
Erst wenn der Aussätzige mancherlei Opfer vollbracht hatte, ließ ihn 
(der Gesetzgeber) in die heilige Stadt de rtp' hQuv nöhr kommen. 

4, 5 SB: Er stellte ihn auf die Zinne {nxsQvyiov) des Tempels. 
To tsQ6%- = uj'npar] rr^z bezeichnet den gesamten zum Heiligtum ge- 
hörenden. Gebäudekomplex auf dem Tempelberg; o vaog = ba-^ri ist das 
eigentliche Tempelhaus, umfassend die Vorhalle, t^s«, das Heilige u. 



Matth 4, 5 (S). 4, 6 151 

das Allerheiligste, ■^•^n'^. Bei der Unbestimmtheit des Ausdrucks x6 
i€q6v kann über die Örtlichkeit des Vorfalls Näheres nicht ausgemacht 
werden. Vielfach hat man an die Basilikenhalle auf der Südseite des 
äußern Vorhofs gedacht (vgl. bei Apg3, 11), über die es Joseph. Antiq. 
15, 11, 5 heißt: 

MsyciXov yaQ ovzog xov xijq cpdgayyog ai'ctXtj/Liuccrog y.al ovd' uvsxtov xatiSsly, eXrig 
«viadsv eis xov ßv&oi' eiaxvnioi., nctfi^eyed^og ixpog tv ccvtm to r/J? aroag uveatrjxsr. 
<J? £% tig ün' üxoov roxi xnvit]g xs'yovg «^qpw avfxt^elg icl ßäft)] (fionxsvoi, axoxoSifidv. 
ovx khxovfihPtjg xrjg oxpscog eig cc/uexgr]xoi' xöf ßv^öv. \\ Tafan 29^ Bar: Als das Haus 
<= Heiligtum) zum erstenmal zerstört wurde, versammelten sich die einzelnen Ab- 
teilungen der jungen Priesterschaft (damit sind die dienstfähigen Priester im Unter- 
schied von den alt u. untauglich gewordenen gemeint) mit den Schlüsseln des Tempels 
in ihren Händen. Sie stiegen auf das Dach des Tempelgebäudes, -3"^, u. sprachen vor 
Gott: Herr der Welt, weil wir es nicht (erlangt haben), treue Verwalter zu sein, so 
seien die Schlüssel dir übergeben! Darauf warfen sie sie in die Höhe, u. eine Art Hand 
kam hervor (vom Himmel aus) ii. nahm sie von ihnen in Empfang. Sie aber sprangen 
hinab u. stürzten sich in das Feuer (des brennenden Tempels). In bezug auf sie hat 
Jesaja das Klagelied angestimmt Jes '2;?, If.: , Orakel über das Tal der Schau. Was 
hast du nur, daß du insgesamt auf die Dächer gestiegen, du getümmelvolle, lärmende 
Stadt, du ausgelassene Feste? Deine Erschlagenen sind nicht vom Schwerte durch- 
bohrt noch im Kampfe gefallen." Und auch von Gott wird gesagt, Vers 5: Er unter- 
gräbt die Grundmauer, daß es Wehgeschrei gibt zum Gebirge. — Parallelen; pSch^qalim 
(), 50^ 48; LvR 19; vgl. Apoc Bar 10, 18 u. Aboth RN 4. || P'^siqR 3H (16'2''): Unsre Lehrer 
haben gelehrt: Wenn sich der König, der Messias, offenbart, dann kommt er u. steht 
auf dem Dach des Heiligtums •v~-.^2- p-3. Dann wird er den Israeliten verkünden u. 
sagen: Ihr Armen, die Zeit eurer Erlösung ist da; u. wenn ihr es nicht glaubt, sehet 
mein Licht, das über euch aufgeht, s Jes 60, 1: „Stehe auf, werde licht; denn dein 
Licht kommt, u. die Herrlichkeit Jahves strahlt auf über dir!" Nur über euch strahlt 
sie auf, aber nicht über den Völkern der Welt, s. Jes 60, 2: „Dunkel bedeckt die Erde 
u. Finsternis die Völker" usw. In jener Stunde läßt Gott das Liclit des Königs, des 
Messias, u. Israels aufleuchten, u. alle Völker der Welt sind in Finsternis u. Dunkel. 
Dann werden .sie alle zum Licht des Me.ssias u. Israels kommen, s. Jes 60, 3; u. sie 
kommen u. lecken den Staub unter den Füßen des Königs, des Messias, s. Jes 49, 23. 

4, 6: Er wird seinen Engeln Befehl tun. 

In dem Zitat aus Ps 91, 11 läßt der Versucher die V^^orte aus: „Daß 
sie dich behüten auf allen deinen Wegen." Dazu vgl. Tanch N:ir ^d 19'': 
Einmal stieg jemand auf die Spitze eines Baumes, um das Gebot be- 
treffs des Vogelnestes Dt 22, 6 f. zu erfüllen; dabei fiel er herab u. 
starb: denn es heißt (das.): Wenn du ein Vogelnest antriffst „auf dem 
Wege". Nicht aber sollst du, wenn du ein solches auf der Spitze eines 
Baumes erblickst, nach ihm hochsteigen. (Diese Auslegung ist freilich 
wenig stichhaltig, da die Dt-stelle auch von einem Vogelnest auf dem 
Baum redet.) 

In der rabbin. Literatur ist Ps 91, 1 1 f. nur selten verwendet worden. 

Tafan 11 '■*: In der Schule Schßla's (Schela um 220) sagte man: Zwei Dienstengel be- 
gleiten den Menschen; diese legen (über sein Tun u. Lassen) wider ihn Zeugnis ab; s. Ps 
91, 11: Seine Engel wird er dir entbieten usw. Il GnR7f<(50"): R. Meir (um 150) hat gesagt: 
Wer ist größer, der Behütende oder der Behütete? Daraus, daß es heifit Ps9l, 11: 
,Er wird seinen Engeln befehlen dich zu behüten", folgt, daß der Behütete größer 



152 Matth4, 6. 7 

ist als der Behütende. R. J*^huda (um 150) sagte: Wer ist größer, der Tragende oder 
der Getragene? Daraus daß es heißt Ps 91, 12: ,Auf den Händen werden sie dich 
tragen", folgt, daß der Getragene größer ist als der Tragende. — Mit Änderungen in 
MidrPs91 §6 (lOgb). || Midr Ps91 §6 (200^): R. Ghanina (wohl b. Abbahu, um ;S40) hat 
gesagt, R. Abbahu (um HOO) habe im Namen des R. Jochanan (f 279) gesagt: Wo war 
denn Jakob in jeuer Stunde (zur Zeit von Gn 28, 13 if.)? Die Engel trugen ihn; denn 
es heißt Ps 91, 12: „Auf den Händen werden sie dich tragen." || Eine Parallele zu dem 
mit Schriftworten vorgehenden Versucher pPea S, 21 ■'', 23: R. Chanina b. Papa (um :-iOO) 
pflegte Almosen des Nachts zu verteilen. Einmal begegnete ihm der Fürst der bösen 
Geister u. sprach zu ihm: Hat uns nicht der Rabbi also gelehrt Dt 19, 14: Du sollst 
die Grenze deines Nächsten nicht verrücken (die Nacht, die den bösen Geistern ge- 
hört, nicht zur Wirkungszeit der Menschen machen)? Er antwortete ihm : Steht denn 
aber auch nicht also geschrieben Spr2l, 14: „Eine Gabe im Verborgeneu bezwingt den 
Zorn"? Da stürzte er (lies -trn^ statt •tr^vi) fort von ihm u. floh vor ihm. — Viel- 
leicht will aber das -irr»: auf das he:- Spr 21,14 anspielen; dann wäre zu übersetzen: 
,Und er wurde von ihm bezwungen, so daß er vor ihm floh." Ferner s. bei 18, 10 SB. 

4,7: Du sollst den Herrn deinen Gott nicht versuchen. 

Tafan 9^: R. Jochanan (f 279) traf ein Kind des Resch Laqisch (um 250; letzterer 
hatte eine Schwester des R. Jochanan zur Frau; dieser war also der Oheim des Kindes); 
er sprach zu ihm: Sage mir deinen Vers (den du heute in der Schule gelernt hast). 
Es antwortete: Verzehntend sollst du verzehnten ^^iTi -ib>: Dt 14, 22. Das Kind fragte : 
Was heißt das: Verzehntend sollst du verzehnten? Er antwortete: Verzehnte, damit 
du reich wirst (Wortspiel: ^-vyrrv ^-2S3 -c-y). Das Kind sprach: Woher weißt du 
das? Er antwortete: Geh, versuche es! Es sprach zu ihm: Ist es denn erlaubt, Gott 
zu versuchen? Es heißt doch Dt 6, 16: „Ihr sollt Jahve euren Gott nicht versuchen!" 
Er sprach: So hat R. Hoschafja (der Altere, um 225) gesagt: (Ihr sollt Jahve nicht 
versuchen) mit Ausnahme dieses Falles: „Bringet den ganzen Zehnten zum Schatz- 
haus, daß es zum Unterhalt sei in meinem Hause, und prüfet (versuchet) mich doch 
daran, spricht Jahve (^'baoth, ob ich euch nicht auftun werde die Fenster des Himmels 
u. euch herabschütte Segen bis zum Übermaß" Mal:-!, 10. II TanchB r:«-' Zusatz § 1 (lA^); 
R. Abba b. Kahana (um 810) hat gesagt: Es ist etwas Wichtiges um die Zehnten; in 
der ganzen Tora steht geschrieben: „Ihr sollt Jahve euren Gott nicht versuchen" Dt6- 
16, u. bei den Zehnten steht: „Bringet den ganzen Zehnten . . . u. prüfet mich dock 
daran" Mal 3, 10. || pJoma 1, 4 (39'', 38) Bar: Man ließ den Hohenpriester (am Vor- 
abend des Versöhnungstages) nicht genießen Fett, Eier, Käse, fettes Fleisch, alten Wein. 
Würzwein, Bohnengraupen, Linsen. Sch^muel (f 254) hat gesagt: Auch keine Orangen 
u. überhaupt nichts, was Samenfluß herbeizuführen pflegt (damit der Hohepriester 
dadurch nicht verunreinigt u. au der Ausübung seiner Funktionen am Versöhnungs- 
tag verhindert würde). Gleichwohl (d. h. trotz diesen Vorsichtsmaßregeln) las man ihm 
den Vers vor Ps 127, 1 : Wenn Jahve nicht das Haus baut usw. Aber gehört denn das 
(das Freibleiben des Hohenpriesters von nächtlicher Pollution vor dem Versöhnungs- 
tage) nicht zu den Wundern, die im Heiligtum geschehen sind? R. Abun (I.? um ü25, 
IL? um 370) hat gesagt: Jene Vorsichtsmaßregeln wurden getroffen wegen Dt 6, 16: 
„Ihr sollt nicht versuchen." R. Jose b. Bun (um 350) hat gesagt: In dem einen Fall 
(bezüglich der Wunder) handelt es sich um das erste Heiligtum u. in dem andren 
(bezüglich der Vorsichtsmaßregeln) um das zweite Heiligtum. il Midr Qoh 8, 4 (39'*): 
„Das Wort des Königs ist mächtig u. wer kann zu ihm sagen: Was tust du?" R. Bun 
(= Abin, wohl der Jüngere, um 370) hat gesagt: Es heißt Dt 6, 16: „Ihr sollt nicht 
versuchen", u. es heißt Gn 22, 1: „Gott versuchte den Abraham." - In GnR 55 (35*) 
ist der Ausspruch durch ein Gleichnis, das nach Midr Qoh. a. a. 0. dem R. Levi, um 
300, angehört, auseinandergerissen. || Schab 32''': R. Jannai (um 225) hat gesagt: Nie 
stelle sich der Mensch an einen Ort der Gefahr, meinend, daß man (Gott) ihm ein 
Wunder tun werde. Vielleicht tut man ihm kein Wunder; u. wenn man ihm ein solchem 



Matth4,8. 9. 12(1) 15g 

tut, so zieht man es ihm von seinen Verdiensten ab (weil er teilweise seinen Loliß 
damit dahin hat). Dasselbe Tafan 20''. Vgl. Sir 3, 24: o ctyanwv xiföwov iv «iho") 
ä-nokehat || Sanh 107-'': Rab hat gesagt: Nimmer bringe der Mensch sich selbst in eine- 
Versuchung usw., s. die Stelle S. 140 f. 

4,8: Auf einen sehr hohen Berg. 

Apoc Bar 76, 3: So steige (Barukh) nuu auf den Gipfel dieses Berges, u. alle Länder 
dieser Erde sollen vor dir vorüberziehn u. die Gestalt des Erdkreises u. die Gipfel der 
Berge u. die Tiefen der Täler u. die Tiefen des Meeres u. die Zahl der Flüsse, damit 
du siehst, was du zurücklassest u. wohin du gehst. 

4, 9 3t: Dies alles will ich dir geben. 

Der Satan wird als xoafioxqätwQ bezeichnet, s. LvR 18 (118^) obei> 
S. 149. — Ferner ist daran zu erinnern, daß alle Völker nach jüdischer 
Anschauung unter der Leitung von mehr oder weniger gottfeindlichen 
Engelfürsten stehen,» insonderheit die damalige römische Weltmacht 
unter der Leitung Sammaels (= Satans) selbst. b 

a. Die Beweisstellen s. bei Rom 1, 23. b. Siehe Tanch nir'i 40'', oben S. 14?. 

4, 9 23: Wenn du niederfällst u. mir huldigst. 

Schab 105'^ Bar: ... So ist es der Kunstgriff des bösen Triebes (= Satan): heute- 
sagt er zu einem Menschen: Tue das! u. morgen sagt er: Tue das! bis er ihm sagt: 
Diene den Götzen! u. der Mensch geht hin u. tut es. — Die ganze Stelle nebst ParaU 
lelen s. im Exkurs: Der gute u. der böse Trieb Nr. 5. 

4,12: Galiläa. 

1. Name. '-^l:r,n, einmal im AT nb^br-n (2 Kg 15, 29) = Kreis, Be- 
zirk, ursprünglich Bezeichnung der nördlichsten, meist von Heiden 
bewohnten Distrikte Palästinas; daher auch der genauere Name „Um- 
kreis der Heiden" t-isn b^b: Jes 8, 23, FaXikaia dXXo(fvXwv 1 Makk 5, 15. 
raXdaia rwi' e^rwr Mt 4, 15. Im 1. Makk (vgl. Schürer* 2, 9), im NT 
u. bei Josephus erscheint dann „Galiläa" im weiteren Sinn als Name 
der Nordprovinz Palästinas überhaupt. — Auch die Mischna bezeichnet 
da, wo sie das vorwiegend von Juden bewohnte „Land Israel", •j^nx 
bx-ir-', landschaftlich gliedert, die nördliche Landschaft regelmäßig mit 
dem Namen b^bj, Galiläa. 

K'th 13, 10: Drei Landschaften unterscheidet man hinsichtlich des Eherechtes: 
Judäa, Transjordanland (Peräa) u. Galiläa. Man darf keine Frau zwingen (mit ihrem 
Manne) überzusiedeln aus einer Landstadt (der einen Provinz) in eine gleichartige 
Stadt (in einer andren Provinz), aus einer großen Stadt (der einen Provinz) in eine 
gleichartige Stadt (in einer andren Provinz). Wohl aber darf man sie zwingen in der- 
selben Provinz mit überzusiedeln aus einer Landstadt in eine andre Landstadt u. au& 
einer großen Stadt in eine andre große Stadt, nicht aber aus einer Landstadt in eine 
große Stadt oder umgekehrt. Parallelstelle: TK^th 13, 2 (275). — BB 3, 2: Hinsichtlich 
des Ersitzungsrechtes (das auf Grund dreijähriger ungehinderter Nutznießung dem Nutz- 
nießer das Eigentum an den genützten Gütern zusprach) hat man drei Landschaften 
unterschieden: Judäa, Transjordanland u. Galiläa. Ist der Besitzer in Judäa, während 
ein andrer dessen Eigentum in Galiläa ersitzt, oder umgekehrt, so findet eine Ersitzung 
nicht statt; beide müssen in derselben Provinz sein. — Sch'^bifith 9, 2 s. unter Nr. 2. — 
Ferner TSanh 2, 3 (416): Wegen dreier Länder macht man ein Jahr zum Schaltjahr r 
wegen Judäas, wegen des Transjordanlandes u. wegen Galiläas. 



154 Matth 4, 12 (2) 

2. Grenzen, Einteilung, Landesprodukte usw. 

Josephus, Bell. J. 3, H, 1 : Man unterscheidet zwei „Galiläa", das obere u. das untere 
"Galiläa; beide werden von Phöaizien u. Syrien eingeschlossen. Nach Westen hin be- 
grenzt sie Ptolemais lAkko) mit seinem Gebiet u. der Karmel, ehemals ein galiläisches. 
jetzt ein tyrisches Gebirge. Diesem ist benachbart Gaba, die Reiterstadt, so genannt, 
weil sich in ihr die vom König Herodes entlassenen berittenen Mannschaften an- 
gesiedelt haben. Nach Süden hin bilden die Grenze Samarien u. Skythopolis (B6th- 
Sch*'an) bis an den Jordanfluß; nach Osten hin die Gebiete von Hippos u. Gadara, 
Gaulanitis u. das Königreich des Agrippa. Im Norden wird es von Tyrus u. seinem 
Gebiet begrenzt. Untergaliläa erstreckt sich seiner Länge nach von Tiberias bis nach 
Zabulon (hier wohl die Ortschaft dieses Namens), dem am Meer Ptolemais benachbart 
ist; seiner Breite nach von dem in der großen Ebene (Jesreel) gelegenen Dorf Xaloth 
(dem heutigen Iksal, südöstlich von Nazareth) bis nach Bersabe. Hier beginnt auch 
Obergaliläa nach seiner Breite hin sich zu erstrecken bis nach dem Dorfe Baka, das 
seinerseits an das Gebiet von Tyrus grenzt. In seiner Länge aber reicht Obergaliläa 
vom Dorfe Thella in der Nähe des Jordans bis nach Meroth. — Die Namen Ober- u. 
Uuter-galiläa bei Josephus nebeneinander noch Bell. J. 2, 20. 6 u. Vita 37. |i Sch^bi?ith 
D, 2: Man unterscheidet drei Landschaften hinsichtlich der Fortschaffung der Brachjahr- 
früchte aus den Häusern: Judäa, Transjoidanland u. Galiläa; jede Landschaft wird 
-wieder in drei Landschaften geteilt. Obergaliläa, üntergaliläa u. das Tiefland. Von 
K'^phar-Chananja (südwestlich von Saphed, etwa in gleicher Höhe mit Ptolemais) an 
jiufwärts, soweit keine Sykomoren wachsen, ist Obergaliläa; von K'^phar-Chananja an 
^ibwärts, soweit Sykomoren wachsen, ist Üntergaliläa. Das Gebiet von Tiberias ist 
<las Tiefland. . . . || Ober- u. ünter-galiläa werden weiter nebeneinander genannt TSanh 
2, 6 (41H): Einmal saßen Rabban Gamliel (um 90) u. die Altesten auf den Stufen des 
Tempelberges, u, Jochanan, der Schreiber, ging (nach der Lesart -':n) vor ihnen. Rabban 
Gamliel sprach zu ihm: Schreibe: „An unsre Brüder, die Bewohner von Obergaliläa 
■u. die Bewohner von Untergaliläa, euer Friede sei großl Wir tun euch kund, daß die 
Zeit der Wegräumung herannaht, fortzuschaffen die Zehnten aus den Olivenbehältern.* — 
Als Bar von R. Judan (um 150) tradiert pSanh I, 18'^; pMSch 5, 56 ^ 8; bSanh 11 ^ — 
Aus Obergaliläa stammende Schüler des R. Eli?ezer (b. Hyrkanos, um 90) werden er- 
wähnt TKel. bab. m. 2, L 2 (579). 

Josephus, Bell. J. 3, 3, 2: Ganz Galiläa ist fruchtbar u. herdenreich, auch mit allerlei 
Bäumen besetzt, so daß es durch seine Ergiebigkeit auch wohl den anlockt, der die 
Landarbeit weniger liebt. Es ist daher ganz von seinen Bewohnern angebaut u. kein 
'Teil davon liegt brach. — *J, 10, 8: Am See Genezareth zieht sich ein Landstrich hin, 
<ler den gleichen Namen {reyi'7]ac(Q) trägt u. ebenso Bewunderung verdient wegen seiner 
natürlichen Beschaffenheit, wie wegen seiner Schönheit. Keinen Bnum lehnt der Boden 
wegen seiner Fruchtbarkeit ab, u. alle Arten haben die Bewohner kultiviert; die Luft 
ist so vorzüglich gemäßigt, daß sie auch den verschiedensten Arten zusagt. Nüsse, 
<lie unter den Bäumen am meisten Kälte verlangen, wachsen in großen Mengen ; ebenso 
gibt es dort Palmen, die in der Wärme gedeihen, u. neben ihnen Feigen u. Ölbäume, 
für die eine mildere Luft angezeigt erscheint. Man möchte sagen, daß die Natur ge- 
wissermaßen ihren Ehrgeiz darein setze, sich selbst zu nötigen. Widerstrebendes zur 
Einheit zu führen, u. daß es ein edler Wettstreit unter den Jahreszeiten sei, wenn 
eine jede den Landstrich gleichsam für sich mit Beschlag belegt. Denn das Land 
bringt nicht bloß wider Erwarten die verschiedenartigsten Früchte, sondern erhält sie 
auch eine lange Zeit hindurch: die königliche Frucht vor allen, die Traube, u. die Feige 
bietet es unablässig dar zehn Monate lang, während die übrigen Früchte das ganze 
Jahr hindurch rings um jene her reifen. Zu den vorzüglichen Temperaturverhältnissen 
kommt, daß das Land von einer äußerst ergiebigen Quelle getränkt wird, die die Be- 
wohner Kapharnaum nennen. Einige hielten sie für eine Ader des Nils, weil sie Fische 
hervorbringt, die dem im See von Alexandria sich findenden Koracinusfisch ähnlich 
sind. Die Länge des Landstriches zieht sich am Gestade des gleichnamigen Sees 



Matth 4, 12 (2) I55 

30 Stadien weit hin, während seine Breite 20 Stadien beträgt. — 2, 21, 2: Galiläa er- 
zeugte viel Öl; ganz bes. war es aber damals (zu Josephus' Zeit) reich daran. 

GnR98 (H2''): ,Issakhar ist ein knochiger Esel" (in 49, 14, d. h. die Früchte des 
Landes Issakhar waren sehr groß, u. der Stamm Issakhar nahm von ihnen u. ver- 
sandte sie übers Meer. Als die Völker der Welt sie sahen u. sich über sie verwunderten, 
sprachen die Israeliten {hs~-^-h ist zu streichen) zu ihnen: Über die Früchte verwundert 
ihr euch? Wenn ihr ihre Besitzer sehn würdet, wie sie sich mit der Tora beschäftigen, 
würdet ihr euch über sie verwundern! Da kamen viele Proselyten, die zum Judentum 
übertraten. — Ebendas. 62'^: „Ascher, Fettes ist seine Speise" Gn49, 2Ü; denn sein 
Land ist fett, sein Brot ist fett, er stellt die acht Gewänder.^ ,Er liefert Königs- 
ieckerbissen", d. h. n-'is: (cephalones? = Palmpflanzen, Datteln, oder nach Krauß, 
Lehnwörter, 2, 294 korrumpiert aus i"CE""rp ^= xoXnu^ädsc, Oliven) u. •i'j-pi:s (= om- 
phacinum, Olivenöl). — „Naphtali ist eine frei schweifende (-r:i'';x) Hinde" Gn49, 21. 
Die Worte liandeln von Naphtalis Land, das ganz u. gar künstlich berieselt wurde 
{ynhv^> ^'2), wie es heißt Dt 8, 17: „Von Kinnereth bis zum Meer der Ebene:' . . . 
Warum heißt das Land -cn:; (Genezarethi? Die Rabbanan erklärten es mit „Fürsten- 
gärten" (s-i-i: -:.", d. h. das Land wurde G. genannt, weil es fürstlichen Gärten glich). |1 
GnR 99 (63 f): „Naphtali ist eine frei schweifende Hinde." Gn 49, 21. Damit ist das Tal 
Genezareth gemeint, das schnell wie eine Hinde seine Früchte brachte. „Er, der schöne 
Reden hervorbringt" (ebendas.), weil sein Land gesegnet war, s. Dt 3:-!, 28: „Naphtali 
satt von Wohlgefallen u. von Jahves Segen voll." Sie brachten frühe von ihren Früchten 
den Königen dar (oder nach der Lesart y-zz^-a in Tanch statt "^22':: sie ehrten mit 
ihren Früchten Könige) u. machten dabei schöne Worte, u. wenn die Könige etwas 
wider sie in ihrem Herzen hatten, wurden sie dadurch ausgesöhnt. — Parallele mit 
Abweichungen Tanch -:t-i .58^. |i SDt?!3, 24 §855 (147^; 148^): „(Ascher) sei der Günst- 
ling ("1-^) seiner Brüder" Dt 33, 24; denn er zahlte (n::-r'3) seinen Brüdern mit Olivenöl 
u. Datteln (zu r:s';rpi -j-p-ris vgl. oben GnR62'^') u. sie zahlten ihm mit Getreide. . . . 
„Und tauchend in Öl seinen Fuß" (ebendas.); denn in Aschers Land floß das Öl wie 
eine Quelle. Einmal hatten die Einwohner von Laodicea Öl nötig; sie erwählten sich 
einen Sachwalter (1. c-J!''-:^t = ejiius'Atjtijg statt C"-"';-';"-:) u. sprachen zu ihm: Geh u. 
kaufe uns Öl für 100 Myriaden (1 Million Denare?). Er ging nach Tyrus u. sprach: 
Ich habe Öl für 100 Myriaden nötig! Man erwiderte ihm: Geh nach Gusch-Chalab 
(Ort, der nach dieser Stelle im Staramgebiet Aschers gelegen hat). Er ging nach Gusch- 
Chalab u. sprach: Ich habe Öl für 100 Myriaden nötig! Man antwortete ihm: Geh zu 
dem u. dem. Er ging in dessen Haus, traf ihn aber nicht an. Man sagte ihm: Siehe, 
er ist auf dem Felde. Er ging u. traf ihn, wie er unter einem Olivenbaum Furchen 
zog. Er sprach zu ihm: Ich habe Öl für 100 Myriaden nötig! Jener antwortete: Warte, 
bis ich mit dem Olivenbaum fertig bin. Als er damit fertig war, nahm er seine Ge- 
räte u. machte sich allmählich auf den Weg. Der Sachwalter dachte: Sollte dieser 
wirklich für 100 Myriaden Öl haben? Es scheint, als ob die Juden mich (1. '2 statt "3) 
zum besten haben! Als jener nach Hause kam, rief er seine Sklavin u. sprach zu ihr: 
Komm u. wasche unsre Füße! Sie füllte ein Becken mit Öl u. wusch ihnen ihre Füße, 
um zu erfüllen, was gesagt ist Dt 88, 24: „Er taucht in Öl seinen Fuß"! Darauf setzte 
er ihm Speise vor, u. er aß u. trank. Nach dem Essen stand er auf u. maß ihm Öl 
ab für 100 Myriaden; dann sagte er zu ihm: Willst du noch mehr? Jener erwiderte; 
Ich habe kein Geld! Er sprach zu ihm (statt sV ist jedenfalls ■''': zu lesen): Nimm 
nur, ich komme mit dir u. hole mir mein Geld. Da stand er auf u. maß ihm Öl zu 
für 1800 Myriaden. Mau erzählte, daß jener Laodiceer keinen Esel u. kein Kamel im 
Laude Israel zurückließ, die er nicht (zum Tragen der Ölladung)'mit .sich nahm. Als 
die Leute von Laodicea Kunde erhielten, gingen sie ihm drei Mil weit entgegen u. 

' Der Midr deutet nz>3v fett == r'.z-^v acht; gemeint sind die acht Gewänder des 
Hohenpriesters; Ascher stellt die Hohenpriester, insofern nach R. Levi, um -iOO, die 
schönen Töchter Aschers sich an die Hohenpriester zu verheiraten ptlegten, GnR 71 Ende. 



156 Matth 4, 12 (2. 3) 

priesen ihn in einem großen Loblied. Er aber sprach: Preiset mit diesem Loblied nicht 
mich, sondern diesen Mann hier; denn alles rührt von ihm her u. nicht bloß dies, 
sondern ich bin ihm noch 1800 Myriaden schuldig geblieben, damit erfüllt würde, wa& 
gesagt ist Spr i:^. 7: Mancher stellt sich reich u. hat gar nichts; mancher stellt sich 
arm u. besitzt große Habe. — Dasselbe als Baraitha M^nach 85^. 

SDtH2, 13 §316 (135^): „Er säugte ihn mit Honig aus dem Felsen" Dt 32, 13, 
wie zB in Sikhnin (in Galiläal nebst Umgebung. Einmal sagte R. J^'huda (b. Elfai, 
um 150) zu seinem Sohne in Sikhnin: Geh u. hole mir Feigen aus dem Faß! Dieser 
antwortete: Mein Vater, das ist zu Honig geworden! Jener sprach: Greife nur tief mit 
deiner Hand hinein, u. du wirst daraus Feigen hervorholen. „Und mit Ol aus dem 
harten Kiesel" (das.); das geht auf die Oliven von Gusch-Chalab. Einmal sagte R. Jose 
(b. Chalaphta, um 150) zu seinem Sohn in Sepphoris (in Galiläa): Steige empor u. hole 
uns Oliven vom Söller. Er ging u. fand den Söller, wie er in Ol schwamm. |i K''th 111'': 
Resch Laqisch (um 250) hat gesagt: Ich habe es selbst gesehen, wie Sepphoris in einer 
Länge und Breite von Hj Mil von Milch u. Honig floß. — Dasselbe M^'g 6^ |! TM''n 
9,5(526): T^'qoaf (in Judäa) steht an erster Stelle (wörtlich: ist das Alpha) in bezug 
auf das Öl; Abba Schaiul (um löO) sagte: An zweiter Stelle steht Ragab im Trans - 
Jordanland; R. Eli?ezer b. Ja?aqob (um 150) sagte: An dritter Stelle stand Gusch-Chalab 
in Galiläa. — Die Mischna M'^n 8, 3 erwähnt nur die beiden ersten Aussagen. i| GnR 
20 (13''): R. El?azar b. Schim?on (um 180) hat gesagt: Es ist leichter eine ganze Legion 
in Galiläa zu erhalten vom Ertrage der Oliven, als ein einziges Kind großzuziehen im 
(übrigen) Lande Israel. || P'^s 8'^: R. Abin b. Ad(d a (um 350) hat gesagt, R. Jicjchaq 
(um 300) habe gesagt: Warum wachsen die Früchte von Genezareth nicht in Jerusalem"? 
Damit die Festpilger nicht sagen: Wenn wir nur hinaufgezogen wären, um die Früchte 
von Genezareth in Jerusalem zu essen, so hätten wir genug gehabt! So würde da» 
Hinaufziehen erfunden werden als ein solches, das nicht in lauterer Absicht erfolgte. |j 
M®g 5'*. 6 ': R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Kinnereth, das ist Genezareth; u. warum 
wird es K. genannt? Weil seine Früchte so süß sind wie der Laut der Zither (^i:-:). |j 
Nazir 31'': In Galiläa ist der Wein wertvoller als das Öl. 

Ob die Fabrikation der galiläischen Krüge oder Flaschen, D-ocrr 
D'^^';l=.^rT, über deren Verunreinigungsfähigkeit im zerbrochenen Zustande 
Kelim 2, 2; TKel baba q. 2, 2 (570) handeln, mit der Aufbewahrung des 
Ohvenöls in Zus. hang steht, wie Neubauer, Geographie S. 180, an- 
nimmt, muß dahingestellt bleiben. 

3. Bevölkerung (Dichtigkeit, Charakter, Sprache, religionsgesetz- 
liche Stellung; Verhältnis zu den Judäern). 

Josephus, Vita 45 Ende: In Galiläa gibt es 204 Städte u. Dörfer. — Bell. J. 3, 3, 2: 
Da die beiden Galiläa eine so bedeutende Größe hatten u. von so vielen fremdländischen 
Völkern eingeschlossen waren, zeigten sie sich stets jeder Kriegsgefahr gewachsen; 
denn die Galiläer waren von Kindheit an kampflustig u. überall zahlreich vorhanden: 
weder beherrschte Feigheit die Männer noch Mangel an Männern das Land. . . . Viele 
Städte gab es, u. die Menge der Dörfer war überall stark bevölkert wegen der Blüte 
des Landes, so daß die kleinste Ortschaft wohl über 15000 Einwohner zählte. (Die 
Zahl dürfte übertrieben sein.) — Vita 17 wird speziell von den Bewohnern der Stadt 
Tiberias gesagt, daß sie immer neuerungssüchtig gewesen seien, von Natur zu Um- 
wälzungen geneigt u. an Aufständen sich ergötzend. || N^d 48''^ Bar: R. J^huda (um 150) 
sagte: Die Bewohnei- von G. waren streitsüchtig. i| pK®th 4, 29'', 30: Die Leute von G. 
hielten mehr auf ihre Ehre als auf ihr Geld; u. die Leute von Judäa hielten mehr 
auf ihr Geld als auf ihre Ehre. — Dieser Satz wird Z. 34 von R. Chanina (Chananja, 
um 380) dem R. Mani II. gegenüber für eine halakhische Entscheidung verwertet. 

M'^g 24'' Bar: Man läßt (als Vorbeter) nicht vor die Lade treten die Leute von 
Beth-Sch''an (= Skythopolis im südöstlichen G.), von Beth-Chaipha (von Neubauer 



Matth 4, 12 (3) I57 

S. 197 ideotifiziert mit Gaba am Karmel, s. oben S. 154« das Zitat aus Joseplius. Bell. J. 
3, 3, 1) von Tib?on (nach Neubauer S. 196 westlich von Sepphorisl, weil sie Aleph wie 
?Ajin u. fAjin wie Aleph aussprechen. | Vgl. hiermit B'-rakh :32'': R. EUazar (um 270) 
hat gesagt: Mose hat nach oben Worte ausgestoßen (hat Gott Vorwürfe gemacht); denn 
•es heißt (Nu 11, 2): „Mose betete gegen .lahve"; lies nicht -rs (— zu), sondern -sr 
(= gegen); denn so sprachen die von der Schule des R. Eli?ezer b. Jafaqob (um 150) 
■das Aleph wie ?Ajin u. das ?Ajin wie Aleph. — ?Erub 5^^: Die Bewohner von G. 
nahmen es mit der Aussprache nicht genau. Wie verhält es sich damit? Baraitha: 
Wie jener Galiläer, der zu ihnen (den Judäern) sagte: Wer hat ein -'ss, wer hat ein 
-Tzti'? Sie antworteten ihm: Du närrischer Galiläer, meinst du einen Esel, -"irr, zum 
Reiten, oder Wein, ^'^~, zum Trinken oder Wolle, "'sv, '.^um Kleiden odtr ein Lamm, •^'ss, 
zum Schlachten? — Eine Frau wollte sagen: Meine Freundin, komm, daß ich dir Milch 
zu essen gebe (saVn -^"■ssixt -np -r^i-s.); sie sprach es aber aus wie: -•"•:3t 'r:s-hv 
S2V, d.h.: Meine Verworfene, es fresse dich die Löwin. — Eine andre Frau kam vor 
«inen Richter, um zu sagen: Mein Herr (xv(J'6\ ich hatte eine Tafel (s'si-w), die mau 
mir gestohlen hat (-ra mij;i), u. die von der Größe war (•;-:*), daß, wenn man sie dir 
angehängt hätte {-^'h^y nV i-nr), ihr Fuß {~"'~) nicht bis zur Erde gereicht haben 
würde, s. Raschi u. Levy 2, 324=*. Sie sprach es aber so aus: Mein Herr Knecht ixelgie), 
ich hatte einen Balken (s-sr), u. man hat dich fortgestohlen (ti -iia:;^!; der (Balken) 
war so, daß, wenn man dich darauf geworfen hätte (-i-j-y 1^ ^"v ~-~), dein Fuß (--j-^:) 
nicht bis zur Erde gereicht haben würde. — Diese Stellen beweisen, daß die Galiläer 
nicht bloß nachlässig in der Aussprache der Kehllaute waren, sondern es auch mit der 
Vokalisation nicht bes. genau nahmen; auch daß sie Wörter zusammensprachen u. so 
ganze Silben verschluckten. || GnR 26 (17 ): (Die Riesen Gn 6, 4 haben sieben Namen, 
•deren einer a-n>- ist, vgl. Dt 2, 23, u. zwar weil sie die Welt zerstörten, vgl. n;.!-, Zer- 
störung, Ez 21, 32.) R. Elfazar b. Schimfon (um IHO) hat gesagt: Sie heißen a-iy, weil 
sie sich auf die Erdarten verstanden, wie die Schlangen; in Galiläa nennt man die 
Schlange (j«^"!-) s^is. — Auch hier die Nachlässigkeit in der Aussprache der Kehl- 
laute, il fErub53'» Rab J^huda (f 299) hat gesagt, Rab (f 247) habe gesagt: Weil die 
Judäer auf ihre Sprache achthatten, behielt ihre Lehre Bestand unter ihren Händen; 
weil die Galiläer auf ihre Sprache nicht achthatten, behielt ihre Lehre nicht Bestand 
nnter ihren Händen. Aber hängt die Sache denn von solchem Achthaben ab? Viel- 
mehr weil die Judäer es mit dem Wort genau nahmen u. sich Zeichen (voces memoriales) 
machten, behielt ihre Lehre Bestand unter ihren Händen; weil die Galiläer mit dem 
Wort es nicht genau nahmen u. sich keine Zeichen machten, behielt ihre Lehre nicht 
Bestand unter ihren Händen. Die Judäer lernten von Einem Lehrer, deshalb behielt 
ihre Lehre Bestand unter ihren Händen; weil die Galiläer nicht von Einem Lehrer 
lernten, behielt ihre Lehre nicht Bestand unter ihren Händen. Rabina (I., f um 420) 
hat gesagt: Weil die Judäer ihre Lehrsätze andren mitteilten (oder auch: einen Traktat 
durch eingehende Diskussion klarlegten), behielt ihre Lehre Bestand unter ihren Händen; 
weil die Galiläer ihre Lehrsätze nicht mitteilten (oder: nicht klarlegten ), behielt ihre 
Lehre nicht Bestand unter ihren Händen. 

pSchab 16, 15^, 50: R. fUlla (um 280) hat gesagt: 18 Jahre lang hat (Rabban 
Jochanan b. Zakkai, f um >^0 n. Chr.) in ?Arab (in Oaliläa) gewohnt u. nur zwei Vor- 
fälle hat man vor ihn (zur Entscheidung) gebracht. Da sprach Rabban Jochanan b. Z. : 
Galiläa, Galiläa, du hassest die Lehre; du wirst schließlich zu den Räubern gehören! tj 
Über die von einander abweichenden Bestimmungen, die in Judäa u. Galiläa über den 
Verkehr der Verlobten untereinander bestanden, s. S. 45 f. || K^th 4, 12: ,Du sollst in 
meinem Hause wohnen u. aus meinem Vermögen unterhalten werden, solange dein 
Witwenstand in meinem Hause dauert" ; (auch wenn der Mann dies nicht ausdrücklich 
seiner Frau verschrieben hat,) so gilt doch diese Bestimmung, weil sie gerichtl. Be- 
dingung ist. In dieser Form faßten die Männer Jerusalems die Verschreibung ab; u. 
die Galiläer faßten sie wie die Männer Jerusalems ab. Aber die Judäer schrieben: 
,Bis die Erben es vorziehen, dir deine Hochzeitsverschreibung auszuhändigen." Wenn 



158 Matth 4, 12 (3) 

deshalb die Erben wollten, konnten sie ihr ihre Hochzeitsverschreibung aushändigen 
H. sie entlassen. — pK*^th 4, 29 '\ 80 (s. oben S. lo6y) gibt den Grund dieser eherecht- 
lichen Differenz an. il P'^s 4, 5: Die Gelehrten haben gesagt: In Judäa pflegte man am 
Vortage des Passahfestes (also am 14. Nisan) bis Mittag zu arbeiten; aber in Galiläa 
pflegte man überhaupt nicht zu arbeiten. Für die Nacht zuvor verbot die Schule 
Schammais die Arbeit; die Schule Hillels erlaubte sie bis zum Sonnenaufgang. |i ChuUin 
5,3: Zu vier Zeiten im Jahre muß der, welcher einem andren Vieh verkauft, diesem 
mitteilen: ,lch habe die Mutter dieses Tieres oder das Junge dieses Tieres zum 
Schlachten verkauft" (wegen des Gesetzes Lv '<^2, 28), nämlich am Tage vor dem letzten 
Laubhüttenfesttag, am Tage vor dem ersten Passahfesttag, am Tage vor Wochenfest 
u. am Tage vor dem Neujahrfest. Nach R. Jose, dem Galiläer (um HO), auch am Tage 
vor dem Versöhnuugstage in Galiläa. Dasselbe TChullin 5, 9 (507) mit dem Zusatz: 
Weil der V. ein Festtag ist. ll N^d 2, 4: R. J'^huda (um 150) sagte: Der Ausdruck „Hebe" 
schlechthin (ohne nähere Bezeichnung bei Gelübden gebraucht) macht in Judäa die 
Sache (auf die sich das Gelübde bezog) unerlaubt (zum Gebrauch); in G. aber bleibt 
die Sache erlaubt, weil die Galiläer die Hebe für den Tempelschatz nicht kennen (sie 
wissen nur von der Priesterhebe; u. weil diese nicht zum Gegenstand eines Gelübdes 
gemacht werden kann, so macht der Ausdruck „Hebe" im Munde eines Galiläers das 
Gelübde ungültig; anders beim Judäer, der die Hebe für den Tempelschatz kennt). 
Der Ausdruck „Bannung" schlechthin läßt (die als Bann oder Gebanntes bezeichnete 
Sache) in Judäa erlaubt; in G. aber macht er sie unerlaubt, weil die Galiläer „für 
den Priester Gebanntes" nicht kennen (sie haben bei dem Ausdruck „Gebanntes" nur 
„Gott Gebanntes" im Sinn, was für den profanen Gebrauch nicht erlaubt ist; um- 
gekehrt denken die Judäer bei „Gebanntem" an etwas, was für den Priester gebannt 
ist, u. da letzteres nicht zum Gegenstand eines Gelübdes gemacht werden kann, so 
ist das Gelübde ungültig, d. h. der Gegenstand, dem das Gelübde galt, zum weitern 
Gebrauch gestattet). || TBQ 8, 14 (3H2 : R. Jischmafel (f um 135) hat gesagt: Zu den 
Besitzern in G. hat mein Vaterhaus gehört. Weshalb ist es zerstört worden? Weil sie 
Geldprozesse durch Einen entscheiden ließen, u. weil sie Kleinvieh zogen (beides war 
in Judäa nicht erlaubt). — In der Parallelstelle pSota ;►, 10 (24-', 33) ist R. Schimfon 
aus Schizor statt R. Jischmafel genannt. || K'^th 5, 9: Fünf Sela? an Gewicht in Judäa 
sind zehn Sela? in G.; zehn Selaf an Gewicht in Judäa sind zwanzig Selaf in G. — 
Dasselbe Gewichtsverhältnis wird angegeben ChuUin 11, 2; TChullin 10, 5 (51 1). || BB 
122»: R. J'^huda (um 150) hat gesagt: Ein Sea in Judäa ist gleich fünf Sea in G. || 
Schab 153'': Die Galiläer sagten: Tu, was man vor deiner Bahre (bei der Totenklage 
um dich) sagen kann. Die Judäer sagten: Tu, was man hinter deiner Bahre sagen 
kann (in G. fand die Totenklage vor, in Judäa hinter der Bahre statt). || MQ 23^: Die 
Judäer u. die Galiläer: Die einen sagten: Die Trauerbräuche werden am Sabbat be- 
obachtet; die andren sagten: sie werden am Sabbat nicht beobachtet. || RH 4, 5: Die 
Ordnung der Segens- (oder Lob-)Sprüche (im Musaph-Gebet des Neujahrstages) ist 
folgende: man spricht >Aboth<, >G'buroth< u. >Q"dussath ha-schem< (d. h. die drei 
ersten Benediktionen des Achtzehn-Gebets); damit verbindet man >Malkhijjoth< (zehn 
Schriftverse, die Gottes Königtum erwähnen), ohne zu blasen; (dann spricht man) 
>Q'dussath hajom< („Du hast uns erwählt aus allen Völkern" usw.) u. bläst; dann 
Zikhronoth< (Äehn Schriftverse, in denen vom Gedenken Gottes die Rede ist) u. bläst; 
dann >Schopharoth< (zehn Schriftverse, die den Posaunenschall erwähnen) u. bläst; 
dann >fAboda<, >Hodaja< u. >Birkath kohanim< (d. h. die drei letzten Benediktionen 
des Achtzehn-Gebets). Das sind die Worte des R. Jochanan b. Nuri (um HO). R. ?Aqiba 
(t um 135) erwiderte: Wenn man nach >Malkhijjoth< nicht bliese, warum sollte man 
diese dann erwähnen? Vielmehr man sagt >Aboth<, >G''buroth< und >Q®dussath ha- 
schem<, dann verbindet man >Malkliijjuth< mit >Q*'dussath ha-;jom< u. bläst, dann 
Zikhronoth< u. bläst, dann >Schopharoth< u. bläst, u. dann spricht man >?Aboda<, 
Hoda3a< u. >Birkath kohanim<. — Die Meinungsverschiedenheit dreht sich um die 
Frage, ob die von der Gottesherrschaft r-i-'z handelnden Stellen mit der vorher- 



Matth 4, 13 159 

gehenden oder mit der nachfolgenden Benediktion zus.zufasseu seien ii. was damit 
zus. hängt, üb bei ihnen zu blasen sei (R. f Aqiba) oder nicht (R. Jochanan b. Nuri). 
pRH 4, 59 ^ 7 bemerkt dazu: In Judäa befolgt man den Brauch, der der Meinung des- 
R. fAqiba entspricht, u. in G. denjenigen, der der Meinung *des R. Jochanan b. N. ent- 
spricht. (R. Jochanan b. N. war ein galiläischer Gelehrter.) 

4,13: Kapernaum, das am See liegt. 

KacfaQvaovfi, = Qiin: iE3 „Nachumsdorf; die Übersetzung „Trost- 
dorf würde die Form nw: -ies voraussetzen. Man nimmt jetzt nüeist 
an, daß K. am Nordwestrande des galiläischen Meeres gelegen habe 
da, wo sich heute die Ruinen von Tell-Chum finden. — Das AT er- 
Avähnt K. nicht. 

Josephus erzählt Vita 72 von sich: Mein Pferd, von dem aus ich kämpfte, war An 
einer schlammigen Stelle eingesunken u. hatte mich zu Boden geworfen. Infolge eines 
Gliederbruchs am Handgelenk wurde ich nach einem Dorf namens KecpaQyiöfit] ge- 
schafft. . . . Dort blieb ich jenen Tag, da ich Fieber hatte; in der Nacht aber wurde- 
ich auf Grund ärztlichen Gutachtens nach 'larichea (am Südende des Sees) gebracht. — 
Die näheren Angaben des Josephus über die Stätte seines Unfalls (nicht weit von. 
Julias am Einflulä des Jordans in das galiläische Meer) machen es so gut wie sicher, 
daß dieses KsffagiuJu?] identisch ist mit dem K«(f«Qpaovu Mt 4, 13. — Eine Quelle 
namens „Kapharnaum" im Landstrich Genezareth erwähnt Josephus Bell Jud 8, lU, 'd;. 
s. die Stelle S. 154 y. 

In der rabbin. Literatur kommt K. nur an zwei Stellen vor. 

Midr Qoh 1, 8 (9*j: Chanina (lies: Chananja\ der Brudersohn des R. J'hoschuaf (um 
110), begab sich nach K-^phar Nachum, u. die Häretiker (Minim, hier = Judenchristen) 
taten ihm etwas an (nach Matt. K^hunna durch ihre Zauberkünste!; dann brachten sie- 
ihn hinein (nach der Stadt), indem er an einem Sabbat auf einem Esel ritt. (Diese 
Sabbatschändung war das äußere Zeichen, daß er mit dem Judentum gebrochen hatte.) 
Darauf begab er sich zu seinem Oheim J'hoschua? (dem bekannten R. J*^hoschuaf b. 
Chananja, um 90). Dieser brachte Öl auf ihn u. er genas (vgl. Jak 5, 14). Der Oheim 
sprach zu ihm: Da hierbei -; (andre Lesart -3 = in dir, an dir) rege geworden ist 
"ivri-s (wörtlich: wach geworden ist) s-in jenes Gottlosen, so kannst du nicht im 
Lande Israel verweilen. Er ging von dort hinab nach Babel u. entschlief dort in. 
seinem Frieden (nicht sofort, sondern erst später, nachdem er in Babylonien ein an- 
gesehener Gesetzeslehrer geworden war, gegen dessen Eigenmächtigkeiten man vom 
Mutterlande aus einzuschreiten sich genötigt sah). — Diesen Bericht wird man dahin 
verstehn dürfen, daß R. Chananja in K. zum Christentum übergetreten ist. Dann weisen 
die Worte: ,Die Häretiker taten ihm etwas an" = sie machten etwas an ihm, auf 
seine Taufe hin. Das allen erkennbare Zeichen seines Übertritts zum Christentum ist 
die Abkehr vom jüdischen Sabbatgesetz. Mehrdeutig aber sind die Worte, mit denen 
bald darauf sein Oheim R. J*^hoschua? die Notwendigkeit seines Weggangs aus Palästina 
begründet. Was bedeutet vor allem ^s-^';- jenes Gottlosen"? Daß mit dem „Gott- 
losen" Jesus gemeint ist, wird als sicher gelten können. Dagegen kann s-^:- ver- 
schieden ausgesprochen werden. Man kann es lesen als s":'?" = Esel; so der Kom- 
mentar M.K. Der „Esel" wäre in diesem Fall nach Sach 9, 9 gleichsam als Symbol 
Jesu oder des Christentums aufgefaßt worden, so daß die Worte: „Da der Esel jenes- 
Gottlosen an dir erwacht oder rege geworden ist", soviel besagen würden, wie: da 
das Christentum auf dich Einfluß gewonnen hat. — Man kann s-^r: aber auch lesen 
als s^'jrT — Wein, so Schlatter, Die Kirche Jerusalems S. 10 f. Dann wäre „der Wein" 
ein Hinweis auf die Teilnahme des R. Chananja an der Feier des heiligen Abendmahls; 
der ganze Satz aber: „Da der Wein jenes Gottlosen an dir rege geworden ist", würde 
den Sinn haben: da du durch deine Beteiligung an der Abendmahlsfeier als Christ 



160 ' Matth 4, 13. 15 

erwiesen worden bist, so kann deines V^erweilens nicht mehr länger in der Heimat 
sein. — R. Chananja wurde durch die Olsalbung von seinem Irrtum geheilt, er kehrte 
zur Synagoge zurück u. wanderte aus. |l Midr Qoh 7, 26 (38^) nimmt kurz auf vorstehende 
Geschichte Bezug; dabei wird K, zum zweitenmal erwähnt: R. Isi (= Jose) aus Cäsarea 
^im 4. Jahrh.) hat Qoh 7, 26: „Wer gut vor Jahve, entrinnt ihr; aber der Sünder wird 
<lurch sie verstrickt" auf die Ketzerei (Häresie) ausgelegt. . . . Der „Gute" ist Chananja, 
■der Brudersolin des R. J'^hoschua?, u. der , Sünder" bezieht sich auf die Leute von 
K'phar Nachum. . . . 

4, 15. Jes 8, 23 in der rabbin. Literatur. 

Midr HL Einl. Nr. 5 (W^): Wie sind die Israeliten ins Exil gezogen? R. EUazar 
(b. P'^dath, um 270 1 sagte: Der Stamm Rüben u. der Stamm Gad zogen zuerst ins Exil. 
R. Sch*^muel b. Nachman (um 260) sagte: Der Stamm Sebulon u. der Stamm Naphtali 
zogen zuerst ins Exil, s. Jes 8, 28: „Zur ersten Zeit hat er gering gemacht das Land S. 
u. das Land N." Wie hält denn nun R. Elfazar diese Schriftstelle des R. Sch'muel 
"b. Nachman aufrecht? Er deutet: In der Zeit, da Rüben u. Gad ins Exil zogen, zogen 
auch S. u. N. ins Exil. — Tasn ■j-i-nsm (das.i: R. Abba b. Kahana (um 310) hat gesagt: 
Er hat sie ausgekehrt (der Midrasch deutet "i"';:~ nach -zt = ausfegen) wie mit einem 
Besen, s. Jes 14, 23: „Ich kehre es hinweg mit dem Kehrbesen." — Nach dieser Stelle 
wird man Seder fOlamR 23 Anf. zu verstehn haben: „Es geschah im H.Jahre des 
Königs Hiskia, da zog Sanherib herauf" Jes 36, 1. Acht Jahre lagen zwischen der 
■ersten u. der zweiten Wegführung, ebenso acht .Tahre zwischen der zweiten u. der 
■dritten; dann wartete er noch acht Jahre u. zog gegen Juda, um zu erfüllen, was 
gesagt ist Jes 8, 23: Wie in der ersten Zeit (da Rüben u. (»ad ins Exil zogen), machte 
er gering das Land S. u. das Land N. (deren Bewohner den zweiten Zug in die Ver- 
ibanuung bildeten); u. zuletzt (als der Rest der 10 Stämme hinweggeführt wurde) hat 
-er es ausgekehrt. — Ähnlich Tanch -j-D's 248'»; TanchB -yci § 10 (84'' i; NuR 23 (194^). 
In Midr Qoh zu 9, 18 (46^), wo R. Levi, um 300, als Autor genannt wird, ist der Text 
verstümmelt. 

Sanh 94^: Jes 8, 23: n'-j pu"o "»«"'s nyi^s xh -2. R. Elfazar b. B'^rekhja (Zeit ungewitj) 
liat gesagt: Nicht wird das Volk, das sich abmüht (aii-s) mit der Tora, in die Hand 
desjenigen gegeben werden, der es bedrängt {''si^ = p'-'i). Was bedeuten die folgenden 
Worte i-irs-n rya usw.? Nicht wie die Früheren (d.h. das Nordreich), die sich das 
Joch der Tora leicht machten; sondern die Späteren (gemeint ist die Generation des 
Hiskia) haben sich die Last der Tora schwer gemacht. Deshalb sind diese es wert, 
■daß ihnen ein Wunder geschieht, wie denen, die durch das Meer gingen (Deutung von 
n-n -;--) u. wie denen, die den Jordan überschritten (Deutung von i-f'n ->3i"); wenn er 
^Sanherib) umkehrt, so ist es gut; wenn aber nicht, so will ich ihn zum „^"'-j unter 
•den Völkern" machen, d.h. entweder: ich will seine Schande sich unter den Völkern 
verbreiten lassen, oder: ich will ihn zum Auskehricht, Exkrement, h:h>, unter den 
Völkern machen, s. Raschi z. St. i| Targ Jes 8, 23 : Denn keiner wird ermatten, der kommt, 
«m sie zu bedrängen, wie sie in der früheren Zeit das Volk des Landes Sebulon u. 
Naphtali in das Exil führten; u. ihren Überrest wird ein gewaltiger König fortführen, 
Jarum daß sie nicht gedacht haben der Machttat am Meer (beim Auszug aus Ägypten), 
(noch der Wunder am Jordan, noch des Kampfes um die festen Städte der (kanaanitischen) 
Völker. II Sanh 104'': R. Jochanan (f 279i hat gesagt: Jeder, der Israel bedrängt, wird 
zum Haupte, wie es heißt Jes 8, 23: „Denn kein Ermüdeter" usw. Raba (t 352) hat 
gesagt, R. Jochanan habe gesagt: Wer Israel bedrängt (p".:t: Jes 8,23 = ?"^"?.), der 
•ermüdet nicht. 

Zu ra).iXaicc roh' s^vcöv s. auch oben S. 153. — Der Messias wird in 
•der älteren Literatur ausdrücklich nirgends mit Galiläa in Verbindung 
gebracht. Nach Einer Stelle weilt er vor seinem Auftreten im Norden. 
Vielleicht hat man dabei an G. zu denken. LvR 9 (111=*): , Wache auf, 



Matth4, 15. 16 161 

« 

Nordwind, u. komm, Südwind" HL 4, 16; wenn Gog, der im Norden 
wohnt, sich regen wird, dann wird er kommen u. im Süden fallen, s. 
Ez 39. 2. Der König, der Messias, der sich im Norden befindet, wird 
kommen u. das Heiligtum bauen, das sich im Süden befindet, s. Jes 
41,25: „Ich habe erweckt von Norden her, der herbeikommen sollte." — 
Parallelstellen: NuR 13 (IGS»^): Midr HL 4, 16 (117^). — Die Stellen, die 
ausdrücklich das Auftreten des Messias nach Galiläa verlegen, gehören 
sämtlich dem Zohar (13. Jahrh.) u. damit einer späteren Zeit an. Da- 
gegen wird sich nach einer älteren Tradition in Leqach tob Nu 24, 17 
(2, 129'') der Vorläufer des Messias, der Messias ben Joseph, den 
Israeliten in G. offenbaren. Nachdem hier zunächst ausgeführt ist, daß 
die Israeliten von Gott den Befehl erhalten werden, sich vor dem Anti- 
christen nach dem oberen G. zu flüchten, heißt es dann weiter: R. Huna 
(um 350) hat im Namen des R. Levi (um 300) gesagt: Das lehrt, daß 
sich die Israeliten in Obergaliläa sammeln werden, u. daß sich ihnen 
dort aus G. der Messias ben Joseph offenbaren wird. Von dort werden 
sie u. ganz Israel mit ihm nach Jerusalem hinaufziehen. 

4,16: Licht. 

Vom „Licht" des Messias u. der messianischen Heilszeit ist oft- 
mals die Rede. Vgl. den Messiasnamen „N'hora" oder „N^'hira" = 
„Licht" unter Mt 1, 2 1 S. 67 « ; ferner s. P'-siqR 36 (1 62'«) bei Mt 4, 5 Ende. 

P*^^siqR :^6 (161=*): Was heißt Ps 36, 10: „In deinem Licht sehen wir das Licht"? 
Welches ist das Licht, das die Gemeinde Israel erblicken wird? Das ist das Licht 
des Messias, s. Gn 1,4: „Gott sah das Licht, daß es gut war." Das lehrt, daß Gott 
auf den Messias u. dessen Taten geblickt hat, ehe die Welt erschaffen ward. Dann 
verbarg er das Licht (gemeint ist das Urlicht, das um der Sünde willen der Welt ent- 
zogen wurde) für den Messias u. dessen Generation unterhalb des Thrones seiner 
Herrlichkeit. Da sprach der Satan vor Gott: Herr der Welt, für wen ist das Licht, 
das unterhalb des Thrones deiner Herrlichkeit verborgen ist? Er antwortete ihm: Für 
den, der dich beseitigen u. dich beschämen wird mit Schimpf des Angesichts. Jener 
sprach: Herr der Welt, zeige ihn mir. Er antwortete: Komm u. sieh ihn! (Des Messias 
Seele ist hier präexistent gedacht, wie die Seelen aller übrigen Menschen.) Als er ihn 
sah, erschrak er u. fiel auf sein Angesicht u. sprach: Wahrhaftig, das ist der Messias, 
der mich u. alle Engelfürsten der Völker der Welt in den Gehinnom stürzen wird, s. 
Jes 25, 8: Verschlingen wird er den Tod (= Todesecgel = Satan) für immer. || P®siq 
149^: Das Gewand, in welches Gott den Mes-^ias kleiden wird, wird weiter u. immer 
weiter leuchten von dem einen Ende der Welt bis zum andren, s. Jes 61, 10; u. Israel 
wird sich seines Lichtes bedienen u. sagen: Selig die Stunde, da der Messias erschaffen 
wurde; selig der Leib, aus dem er hervorging; selig das Geschlecht, das ihn schaut; 
selig das Auge, das gewürdigt ist, ihn zu schauen. Denn das Öffnen seiner Lippen ist 
Segen u. Frieden u. sein Sprechen ist Erquickung. Majestät ruht auf seinem Gewände 
u. Sicherheit u. Glück in seinem Wort; seine Rede ist Vergebung u. Gnade, sein Gebet 
ein wohlgefälliger Duft u. sein Flehen Heiligkeit u. Reinheit. Heil den Israeliten wegen 
des ihnen Aufbewahrten, s. Ps81,20: Wie groß ist dein Gutes, das du verwahrst 
denen, die dich fürchten! — Dasselbe pegiqR :^7 (164»). || LvR 31 (129«): R. Chanin 
(um 300) bat gesagt: Wegen des Aufsetzens der beständigen Lampe sollt ihr gewürdigt 
sein, die Leuchte des Königs, des Messias, zu begrüßen, s. Ps 132, 17: Daselbst will 
ich dem David ein Hörn sprossen lassen, habe ich meinem Messias (so der Midrasch) 

strack u.Billerbeck, NTI. 11 



162 Matth4, 16. 17 (511) 

eine Leuchte aufgestellt. |I Midr HL 1, 8 (^5*'): R. B-rekbja (um 340) hat gesagt: Die 
Israeliten sprachen vor Gott: Herr der Welt, dadurch dafs du der Welt Licht bringst, 
wird dein Name groß in der Welt. Was ist das Licht? Die (messian.) Erlösung; denn 
wenn du uns Licht bringst, dann kommen viele Proselyten, um zum Judentum über- 
zutreten, u. werden zu uns hinzugetan,, wie .lethro u. Rahab. |1 Tanchuma ~: ^^: Die 
mündliche Tora (d. h. die traditionelle Lehre) ist schwer zu erlernen, u. es gibt bei ihr 
große Not, denn sie gleicht der Finsternis, vgl. Jes 9, 1 : , Das Volk, das einhergeht in 
Finsternis, sah ein großes Licht" ; denn Gott erleuchtet ihre Augen beim Verbotenen 
u. Erlaubten, beim Unreinen u. Reinen. Aber in der Zukunft (in der messian. Zeit) 
«sind, die ihn lieben, wie der Aufgang der Sonne in ihrer Macht" Rieht 5, 31. — Diese 
Ausführung wenige Zeilen weiter unten noch einmal. — || Midr Ps 3H § 8 ({'iö**): „Denn 
bei dir ist die Quelle des Lebens u. in deinem Licht sehen wir Licht" Ps 3*>, 10. R. Jo- 
chanan (f '279) hat gesagt: Es geschah einmal, daß jemand eine Leuchte anzündete, 
u. sie erlosch; er zündete an, u. sie erlosch. Er sprach: Wie lange soll ich mich mit 
dieser Leuchte abmühen? Ich werde bis zum Licht der Sonne warten u. bei (Tages-) 
Licht wandern. So wurden die Israeliten in Ägypten geknechtet, u. es stand Mose 
auf u. erlöste sie; sie wurden wieder geknechtet in Babel, u. es standen Daniel, 
Cbanarja, Mischael u. fAzarja auf u. erlösten sie. Sie wurden wiederum geknechtet 
in fElam, Medien u. Persien, es standen Mardokhai u. Esther auf u. erlösten sie. Sie 
wurden wiederum geknechtet von Griechenland u. es standen Chaschmonai u. seine 
Söhne (die Makkabäer) auf u. erlösten sie. Sie wurden wiederum von dem frevlerischen 
Edom (Rom) geknechtet; da sprachen die Israeliten: Siehe, wir sind dessen müde, 
geknechtet u. erlöst u. wiederum geknechtet zu werden, jetzt verlangen wir nicht nach 
einer Erlösung durch Fleisch u. Blut, sondern unser Erlöser ist Jahve ^^baoth, dessen 
Name ist ,der Heilige Israels", u. wir verlangen nicht danach, daß uns fortan Fleisch 
u. Blut leuchte, sondern daß uns Gott leuchte, wie es heißt PsHH, 10: „Denn bei dir 
ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht sehen wir Licht" ; ferner steht geschrieben 
PslI8, 27: „Gott ist Jahve, er wird uns leuchten." R. Schim?on b. Laqisch (um iJöU) 
hat gesagt: So sprach Gott zu Israel: Wollt ihr mit den Völkern der Welt in dieser 
Welt essen? Sie spra,chen vor ihm: Herr der Welt, „neige mein Herz nicht zu einer 
bösen Sache" (Ps 141, 4); denn sie handeln böse, wie es heißt (das.l: „Bubenstücke in 
Frevel zu verüben mit Männern, die Übeltäter sind"; auch nach ihren lieblichen Kuchen 
r^-si; haben wir kein Verlangen, wie es heißt (das.): „Und nicht möge ich an ihren 
Leckeibissen Geschmack haben." Und woran haben wir Gefallen? An deinen Geboten 
rv-c, vgl. Ps 36, 10: „Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Licht sehen 
wir Licht"; ferner steht geschrieben Jes60, 3: „Und wallen werden Völker nach deinem 
Licht." R. Sch'^muel b. Nachman (um 260) hat gesagt: In dieser Welt bedienen sich 
die Israeliten des Lichts der Sonne bei Tage u. des Lichts des Mondes in der Nacht, 
da sie das Licht nötig haben; aber in der zukünftigen Welt bedürfen sie ihrer nicht, 
vgl. Jes 60, 19: „Nicht wird dir noch die Sonne zum Lichte dienen am Tag, u. zur Er- 
hellung wird der Mond dir nicht leuchten"; u. wer wird ihnen leuchten? Gott, denn 
es heißt (das.): Jahve wird dir zum ewigen Lichte sein! — Parallele mit vielen Ab- 
weichungen P'siq 144 ^ 

4,1731: Tut Buße [fisvarosiTe). 

1. Die Buße, nsiiirn, wörtlich , Umkehr", als Bedingung der mes- 
sianischen Erlösung. 

pTafan 1,1 (63 '^): R. Elifezer (b. Hyrkanos, um 90) hat gesagt: Wenn die Israeliten 
nicht Buße tun, so werden sie in Ewigkeit nicht erlöst werden, s. Jes 30, 15: „Durch 
Buße u. Ruhigbleiben wird euch Rettung werden." Es erwiderte ihm R. J°hoschuaf 
(b. Chananja, um 90): Wie, wenn sich nun die Israeliten hinstellen u. nicht Buße tun, 
-werden sie dann nie erlöst? R. Elifezer sprach: Gott wird über sie einen König setzen, 
so grausam, wie Haraan war; dann werden sie sofort Buße tun u. erlöst werden, s. 



Matth 4, 17 (511) 163 

Jer 30. 7: „Eine Drangsalszeit wird für Jakob sein u. daraus wird er errettet werden." 
R. J^hosciiua? sprach: Aber es heißt doch Jesö2, 3: „unentgeltlich seid ihr veritauft 
worden, u. nicht durch Erblassen (in Reue u. Bufse; nc- >SilberS gedeutet nach dem 
Verbum nc: =^ blaß werden l werdet ihr erlöst werden." Was fängt nun R. Elifezer 
mit dieser Stelle an? Er findet darin die Buße nach Spr7, 20: ,üas Bündel Silber 
hat er durch seine Hand weggenommen."' R. J'^'hoschuaf erwiderte: Es heißt doch 
aber Jes 60, "22: Ich, Jahve, will es zu seiner Zeit -ry~ besch.ieunigen (also hängt die 
Erlösung ab von dem dafür festgesetzten Zeitpunkt u. nicht von der Buße!). Was 
fängt nun R. Elifezer mit dieser Stelle an? Er findet darin die Buße nach Dt IG, 12: 
„Und nun, --ry, Israel, was fordert Jahve dein Gott von dir, außer daß du Jahve 
deinen Gott fürchtest usw.!" (Beweisführung: Dt 1", 12 ff. handelt von der Umkehr 
Israels zu Gott, also von der Buße, u. wird eingeleitet durch das Wort "'?>•", das ver- 
möge eben dieser seiner Stellung „Buße" andeutet. Nach diesem n-;- ist nun auch 
nria Jes 60, 22 zu verstehn; es ist nicht "^rvz, sondern ^r;?^ zu lesen, so daß .les 
60,22 nach R Eli?ezer bedeutet: Ich Jahve will's Jurch ~pi', d h. durch die damit 
angedeutete Buße, beschleunigen.) — R. A'>;ha |um 820l hat im Namen des R. J'hoschua? 
b. Levi (um 25U) gesagt: Wenn ihr Verdienste habt, so will ich es beschleunigen; wenn 
aber nicht, dann kommt die Erlösung zu ihrer (bestimmten) Zeit — Als ihm (dem 
R. Elifezer) dann aber R. J'^hoschuaf sagte: Er hob seine Rechte u. Linke zum Himmel 
u. schwur beim ewig Lebenden: Für« eine Zeit u. für zwei Zeiten u. für eine halbe 
Zeit, u. wenn die Zerstreuung eines Teils des heiligen Volkes ein Ende hat, soll sich 
alles das vollenden Dn 12,7 — da entfernte sich R. Elifezer. (R. El. geht von der 
Annahme aus, daß der für die Erlösung Israels von Gott festgesetzte Zeitpunkt bereits 
vergangen sei, daß mithin in Israels Verhalten, speziell in dessen ünbußtertigkeit der 
Gl und für das Ausbleiben der messian. Heilszeit liege; vgl. weiter unten die Meinung 
Rabs. R. J hoschuaf meint, daß der Erlösungstermin noch nicht der Vergangenheit, 
sondern noch der Zukunft angehöre; er hält deshalb an der alten Anschauung fest, 
daß die messian. Erlösung, ganz unabhängig von Israels Verhalten, zu der ein für allemal 
bestimmten Zeit erfolgen werde. Erst als dem R. El. aus dem Buch Daniel, nach 
welchem er den Beginn der Messiaszeit zugleich mit der Zerstörung des Tempels durch 
Titus wird erwartet haben, nacl;^gewieseu wird, daß die Zeit der Endbedrängnis, die 
3'/ü Zeiten umfasse, offenbar noch, weni,ü;stens zum Teil, der Zukunft angehöre, schweigt 
er.) — Obiger Bericht ist bSanh h7'^ auseinandergerissen, so daß er dort in einer zwie- 
fachen Bar vorliegt. «. R. Elifezer sagte: Wenn die Israeliten Buße tun, so werden 
sie erlöst; wenn aber nicht, so werden sie nicht erlöst. R J'^'hoschuaf antwortete: 
Wenn sie nicht Buße tun. so werden sie also nicht erlöst? Vielmehr, entgegnete R. El. 
(dieser Zwischensatz ist zu ergänzen), wird Gott ihnen einen König setzen, dessen 
Edikte so grausam wie die Hamans sind; dann werden sie Buße tun u. sich dem 
Guten zuwenden, ß, R. Elifezer sagte: Wenn die Israeliten Buße tun, werden sie erlöst 
werden, s. Jer3, 2i: Kehret um (in Buße), ihr abtrünnigen Söhne, ich will eure Ab- 
irrungen heilen. R. J'^hoschuaf : Ist nicht längst gesagt, Jes 52, 3: Unentgeltlich seid 
ihr verkauft u. ohne Silber werdet ihr erlöst werden? Unentgeltlich seid ihr verkauft 
worden, nämlich wegen des Götzendienstes; u. nicht mit Silber werdet ihr erlöst 



» In Sanh 96'» gibt fUlla, um 280, folgende Erklärung von Spr 7, 20: Die Ammo- 
niter u. Moabiter fordern den Nebukadne^ar zum Zug gegen Jerusalem auf. Nebnk.: 
Ich fürchte mich, sie könnten mir tun, wie sie denen vor mir getan haben. Die Am- 
moniter: Der Mann ist nicht in seinem Hause, er ist auf eine weite Reise gegangen 
Spr 7, 20 (d.h. Gott hat sein Volk verlassen i. Nebuk.: Vielleicht haben sie Gerechte, 
die um Eibarmen bitten u. ihn herbeiholen. Die Ammoniter: Das Bündel Silber hat 
er durch seine Hand weggenommen. Mit „Silber" ist nichts andres als die Gerechten 
gemeint. - Ahnlich wird R Elifezer die Stelle verstanden haben: durch das Verdienst 
der Gerechten (^'~ ) wird Israel nicht erlöst: denn die Gerechten hat Gott durch den 
Tod hinweggenommen; so ruht die Erlösung auf dem Verhalten des einzelnen, d.h. 
auf dem Verdienst der Buße. 

11* 



164 Matth 4, 17 (« 1) 

werden, nicht durch Bufse u. gute Werke. — R. Eli fezer: Ist nicht längst gesagt (Mal 
3.7): Kehret um zu mir, so will ich zu euch wiederkehren? R. J*^hoschuaf : Ist nicht 
längst gesagt (Jer3, 14): Ich will euer Eheherr sein u. euch nehmen, einen aus einer 
Stadt u. zwei aus einem Stamm u. euch nach Zion bringen? (Die Stelle betont Gottes 
Tun, nicht Israels Verhalten.) — R. Elifezer: Ist nicht längst gesagt (Jes :^0, 15): 
Durch Bufse u. Ruhigbleiben wird euch Rettung werden? R. J^^hoschuaf : Ist nicht längst 
gesagt (Jes 49, 7): So spricht Jahve, der Erlöser Israels . . . um Jahves willen, weil er 
unwandelbar, um des Heiligen Israels willen, daß er dich erkoren bat? (Gottes Wille 
also ist maßgebend für die Eilösung Israels.) — R. Eli?ezer: Ist nicht längst gesagt 
{Jer4, 1): Wenn du umkehrst (in Buße), Israel, ist Jahves Spruch, so sollst du zu mir 
heimkehren? R. J^hoschnaf : Ist nicht längst gesagt (Dn 12, 7): Er erhob seine Rechte 
usw.? Da schwieg R. Eli?ezer. - || Ein weiterer Bericht findet sich TanchB -r-nz § 5 
(56"). I' Sanh Ul^: Rab (f 247) hat gesagt: Alle Termine (die man für die messian. 
Erlösung berechnet hat) sind vorüber (ohne daß die Erlösung gekommen ist); nun hängt 
die Sache lediglich an der Buße u. an den guten Werken (wie R. Eli?ezer oben). 

pTafan i, 1 (64'"'): Die Israeliten sprachen zu Jesaja: Unser Lehrer Jes ija, wieviel 
ist uns von dieser Nacht (des Exils) vergangen? Er antwortete: Wartet auf mich, bis 
ich angefragt habe. Als er gefrat^t hatte,, kehrte er zu ihnen zurück. Sie sprachen: 
Was hat der Wächter gesagt, was hat der Wächter der Welt gesagt? (So deutet der 
Midr Jes 21, 1 1 : Wächter, wie weit ist's in der Nacht?) Er antwortete: Der Wächter 
hat gesagt: Es kommt der Morgen u. auch die Nacht, Jes 21, 12. Sie sprachen zu ihm: 
Und auch die Nacht? (Auf das gegenwärtige Exil soll noch ein neues folgen?) Er 
antwortete: Nicht so, wie ihr meint; vielmehr der Morgen kommt für die Gerechten 
u. die Nacht für die Gottlosen, der Morgen für Israel u. die Nacht für die Völker der 
Welt. Sie sprachen: Wann (kommt der Morgen = die Erlösung)? Er antwortete: Wann 
ihr wollt; er (Gott) will, s. Jes 21, 12. Sie sprachen: Wer verhindert es denn? (Wer 
hält die Erlösung auf? vgl. t6 xccif/oy u. 6 y.aT6;((oy 2 Thess 2, tif.) Er antwortete: Die 
Buße, s. Jes 21, 12: Kehret um (in Buße!, kommt! — R. Acha (um H20) hat im Namen 
des R Tanchura b. Chijja (um H'K)) gesagt: Wenn die Israeliten Einen Tag Buße täten, 
sofort würde der Ben David (.Messias) kommen, s. Ps 95, 7: Heute, wenn ihr auf seine 
Stimme hören werdet. R. Levi (um 30U) hat gesagt:»Wenn die Israeliten Einen Sabbat 
halten würden, wie es sich gehört, sofort würde der Ben David kommen, s. Ex 16, 25: 
Mose sprach: „Eßt es heute; denn Ruhetag für Jahve ist heute " Das ist, der eine 
Tag (von dem Ps 95, 7 redet). Ferner heißt es Jes 30, 15: Durch Buße u. Ruhigbleiben 
wird euch Rettung werden, d. h. durch Buße u. (Sabbat-)Ruhe werdet ihr erlöst werden. — 
Der erste Teil in andrer Einkleidung u. unter Jochanans if 279) Namen Sanh 94*. — 
In P'^siq 163'' u. Midr HL 5, 2 (118") lautet Levis Ausspruch: Wenn die Israeliten Einen 
Tag Buße tun würden, so würden sie erlöst werden (u. sofort käme der Ben David), 
s. Ps95, 7. II Joma 86'': R. Jonathan (um 225) hat gesagt: Groß ist die Buße, denn sie 
bringt die Erlösung herbei, s. Jes 59, 20: „Er kommt für Zion als Erlöser u. für die 
von Sünde sich Bekehrenden in Jakob." Warum kommt er für Zion als Erlö-er? Weil 
der Sünder in Jakob sich bekehrt (in Buße). || Midr Esther I, 2 (85*): R. Aibo (um 320) 
hat gesagt: Es heißt Ps22, 29: , Jahve gehört das Königtum u. er herrscht über die 
Völker", u. du saast: „Achaschverosch saß auf dem Thron seines Königtums" Esth 1,2? 
In der Vergangenheit war die Herrschaft bei Israel; als sie sündigten, ward die Herr- 
schaft von ihnen genommen u. den Völkern der Welt gegeben, s. Ez 3ii, 12. — Morgen, 
wenn die Israeliten Buße tun, nimmt Gott die Herrschaft von den Völkern der Welt 
u. gibt sie an Israel zurück, s. Obadja Vers 21. || GnR 2 {S^): R. Schimfon b. Laqisch, 
um 250, fragt in seiner allegorischen Auslegung von Gn 1, 1 ff. (die Stelle s. bei Joh I, 1 
itf nQxfi rji' 6 Xnyog): In welchem Verdienst kommt der Messias? Die Antwort lautet: 
Im Verdienst der Buße. II P'^siqR 33 (153'"*!: So meint es der Prophet Hosea 6, 1 : Solange 
ihr eure Gedanken von der messian. Endzeit ablenkt (besser nach der Lesart im Jalqut: 
„von Gott" ablenkt), ist der Trost fern von euch. Tuet Buße, so wird euch Gott aus 
der Knechtschaft der Weltreiche erlösen ; denn er war es, welcher schlug, u. er ist 



Matth 4, 17 (?l 1. 2) 165 

es, welcher heilt. Wohlan, so lasset uns umkehren (in Buße) zu Jahve; denn er hat 
zerrissen, so wird er uns auch heilen; er schlug, so wird er uns auch vei binden. H NuR 7 
(HS"): Wenn die Israeliten am Ende der Tage Buße tun, so werden sie erlöst werden, 
s. Jes:^0, 15: Durch Buße u. Ruhigbleiben wird euch Rettung werden. Und wie ein 
Aussätziger oder wie ein Schleimflüssiger oder ein durch eine Leiche Verunreinigter 
erst reis wird, wenn er in reines Wasser kommt, so wird Gott über die Israeliten 
reines Wasser sprengen, um sie zu reinigen, s. Ez 3'i, '25, || Midr Abba Gorion, ed. Buber, 
2. Version 41 »: Ein Befehlshaber sagte zu R. Meir (um 150;: Ihr seid ein verächtliches 
Volk, wie auch Hanian gesagt hat. Warum denn? fragte R. Meir. Jener sprach: Ich 
hatte einen Knecht, den ich mit großem Schimpf beschämte; ich entließ ihn aus meinem 
Hause u. sagte ihm: ich mag dich nicht. Da ging dieser Knecht hin u. erwarb sich 
einen andren Herrn. Ebenso hat euer Gott euch verstoßen u. euch unter uns verbannt 
dank unsren Taten. Werdet ihr euch bemühen, daraus zu lernen, oder nicht? R. Meir 
sprach: Ich hatte einen Sohn, den ich gar sehr liebte; aber infolge des Wohllebens 
wandelte er auf bösen Wegen u. ich verstieß ihn u. wies ihn aus meinem Hause. Ich 
setzte ihm aber auch eine Zeit fest u. sprach zu ihm: Wenn du in Buße umkehrst, 
lasse ich dich zu jeder Zeit in mein Haus zurückkehren. Alle jene Jahre nun, die ich 
ihm als Frist gesetzt habe, sitzt er u. weint u. schreit, bis ich seiner schonen u. ihm 
sagen werde: Wandle auf den früheren Wegen u. kehrfe in Buße um. Auch wir sind 
Kinder Gottes; aber wegen des Hochmuts, der in uns war, erzürnten wir ihn u. wurden 
widerspenstig. Da hat er uns unter euch verstoßen, aber sich auch uns eidlich ver- 
bunden bis zur Zeit des Endes Werden wir jetzt Buße tun, so wird er sich unser 
erbarmen u. in unser Land zurückkehren lassen; wenn wir aber auf bösen Wegen 
wandeln, so wird er uns nicht in unser Land zurückkehren lassen. . . . |! Midr HL 7,5: 
Chadrakh (s. oben S. t)4>') das ist der König, der Messias, welcher alle Weltbewohner 
durch Buße vor Gott führen wird (t"!""- Wortspiel). 

2. Die Kraft der Buße. 

Aboth 2, 10: R. Elifezer (b. Hyrkanos, um 90) sagte: Es sei dir die Ehre deines 
Genossen so lieb, wie deine eigne. Sei nicht geneigt zu zürnen. Tu Buße einen Tag 
vor deinem Tode. — Dazu bSchab 15:{-': R. Elifezer sagte: Tu Buße einen Tag vor 
deinem Tode. Seine Schüler fragten ihn: Weiß denn der Mensch, an welchem Tage 
er steiben wird? Er antwortete: Um so mehr soll er heute Buße tun, da er morgen 
vielleicht stirbt; u. so wird er sein lebelang in Buße erfunden. Auch Salomo hat in 
seiner Weisheit gesagt Qoh 9, 8: ,Zu aller Zeit seien deine Kleider weiß, u. deinem 
Haupte mangle nie das Öl." — Ohne den letzten Satz auch Aboth R.Nathan 15. || 
SiNu 27, 12 55 136 (51"): R. J^huda b. Baba (f um 185) sagte: An drei Stellen kamen 
die Israeliten in eine schwere Sünde, u. Gott sprach zu ihnen: Tuet Buße, so nehme 
ich euch an; s. Ex 17, 7 u. 15, 26; Dt 9, 22 u. lU, 12; Dt 8, 29 u. 4, 1. || SNu 27, 12 
§ lo4 (5U''): R. J^huda b. Baba [f um 135) sagte: Gleich einem Menschen, der im (An- 
klage-)Protokoll der Regierung steht: mag er auch noch soviel i^eld geben, so wird 
er doch unmöglich daraus beseitigt. Aber du iGott) sagst: Tuet Buße, so nehme ich 
euch an, s. Jes 44, 22: Ich habe wie eine Wolke weggefegt deine Sünden u. wie Ge- 
wölk deine Übertretungen. 

Joma 86^: R. Chama b. Chanina (um 260) hat gesagt: Groß ist die Buße; denn sie 
bringt Heilung in die Welt. s. Hos 14, 5: Ich will heilen wegen ihrer Umkehr in Buße 
(so vermutlich der Midrasch; oder man muß die Verse 2 ff. zur Beweisführung mit 
heranziehen). — R Levi (um 3UU) hat gesagt: Groß ist die Buße; denn sie reicht bis 
an den Thron der Herrlichkeit, s. Hos 14, 2: Kehre um (in Buße), Israel, bis hin zu 
Jahve deinem Gott. || Joma 86'': R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Groß ist die Buße; 
denn sie verdrängt ein Verbot in der Tora. Es heißt Jer 8, 1: ,Wenn ein Manu sein 
Weib entläßt u. sie von ihm weggeht u. eines andren Mannes wird, darf er wieder 
zu ihr zurückkehren? Würde nicht schändlich entweiht dieses Land? Und du hast 
gehurt mit vielen Buhlen", u. (trotzdem, unter Zurücksetzung jenes Verbotes, vgl. 



166 Matth 4, 17 (U 2) 

Dt 24, 1 ff.) spricht .Tahve fzu Israel); Kehre zurück (in Buße) zu mir. (DerMidrasch 
faßt :'-•• Jer o, 1, wohl veranlaßt durch Vers 7, als Imperativ; ebenso auch der Targuni.) 
[Hier folgt der oben unter Nr. l gebrachte Ausspruch des R Jonathan; dann folgt]: 
Resch Laqisch (um '2501 hat gesagt: Groß ist die Buße; denn (um ihretwillen) werden 
vorsätzliche Sünden dem Menschen angerechnet als Irrtumssüuden, s. Hos 14, ".': , Kehre 
zurück (in Buße), Isiael, zu Jahve deinem Gott; denn du warst (versehentlichj ge- 
strauchelt in deiner Sünde." Siehe, es war eine vorsätzliche Sünde gewesen, u. doch 
nennt er es ein (versehentliches) Straucheln! Aber hat nicht Resch Laqisch gesagt: 
Groß ist die Buße; denn alisichtliche Sünden werden dem Menschen (um ihretwillen) 
gewissermaßen zu Verdiensten ? s. Ez 88, 19: Wenn der Gottlose sich bekehrt von 
seinem gottlosen Wesen u. Recht u. (ierechtigkeit übt, so wird er deshalb leben (um 
aller seiner Werke willen, auch wegen der Übertretungen, Raschi. In pPea i, IG'', 17 
u. Midr HL 5, Iti ( I2l ") vertritt R. Jochanan. f '^79, diesen Gedanken mit Berufung auf 
Ps 4-i, 9.) Zwischen diesen Aussprüchen (des Resch Laqisch) liegt kein Widerspruch 
vor: bei dem letzteren handelt es sich um eine Buße, die aus Liebe (zu Gott), bei dem 
ersteren um eiue solche, die aus Furcht hervorgegangen ist. - R. Sch'muel b. Nach- 
man (um 2(>0) hat gesagt, R. Jonathan (um 21^) habe gesagt: Groß ist die Buße: denn 
sie verlängert die Lebensjahre eines Menschen, s. Ex 88, 19-: ,Wenn sich der Gott- 
lose bekehrt . . ., so soll er afn Leben bleiben." — R. Ji^chaq (um :iOü) hat gesagt: 
Im Abendlande (d. h. Palästina) hat man im Namen des Rabbah b. Mari (um 82(i; der 
Text liest >;•' statt ^z-j gesagt: Komm u. sieh, daß nicht wie Gottes Art der Menschen 
Art ist: wenn ein Mensch einen andren mit Worten gekränkt hat, so ist es zweifel- 
haft, ob dieser sich von jenem versöhnen läßt oder nicht; u. wenn er sich von ihm 
versöhnen läßt, so ist es zweifelhaft, ob er sich durch Worte versöhnen läßt oder nicht. 
Aber Gott läßt sich von einem Menschen, der eine Übertretung begangen hat, im ge- 
heimen mit Worten versöhnen, s. Hos 14, 3: „Nehmet Worte mit euch u. kehrt (in 
Buße) zurück zu Jahve eurem Gott"; u. nicht bloß dies, er weiß ihm auch noch Dank, 
denn es heißt (das.': „Nimm Gutes hin"; u. nicht bloß dies, die Schrift rechnet es 
ihm 80 an, als brächte er Farren dar, s. ebenda: „Wir wollen als Farren entrichten 
unsre Lippen". Und wenn du meinen wolltest, daß damit Schuldopferfarren gemeint 
seien, so heißt es (das. Versn): Ich will sie lieb haben als eine freiwillige Gabe (so 
der Midr). Bar: R. Meir (um löO) hat gesagt: Groß ist die Buße; denn wegen eines 
einzigen, der Buße tut, verzeiht man id. h. Gott) der ganzen Welt, s. Hos 14, 5: Ich 
will heilen ihren Abfall, will sie lieb haben aus freien Stücken; denn mein Zorn hat 
sich von „ihm" gewandt. Es heißt nicht von „ihnen", sondern von „ihm" (daraus 
wird gefolgert, daß, obwohl nur ein einziger Buße getan hat, Gott doch alle heilt u. 
alle lieb hat). II TQid 1, 14 f. (:-i87): R. Schimfon (b. Jochai, um 15o) sagte: Wenn ein 
Mensch sein lebelang ein vollendeter Gerechter gewesen ist u. zuletzt fällt er ab, so 
verliert er alles (sein ganzes früheres Verdienst), s. Ez 88, 12: ,Die Gerechtigkeit des 
Gerechten wird ihn nicht erretten am Tage seiner Sünde." Wenn ein Mensch sein 
lebelang ein vollendeter Bösewicht gewesen ist u. zuletzt tut er Buße, so nimmt ihn 
Gott an, s. das.: „Die LFngerechtigkeit des Ungerechten, nicht wird er dadurch zu Fall 
kommen am Tage, da er sich bekehrt von seiner Ungerechtigkeit." — Dasselbe pPea 
(lö", 18) als Bar; bQid 40'^; verstümmelt in Midr HL zu 5, 16(121«). 

Aboth 4, 11: R. Elifezer b. Jafaqob (II., um 150) sagte: Wer Ein Gebot erfüllt, 
erwirbt sich Einen Fürsprecher, nnudx'Arjioc, u. wer Eine Übertretung begeht, erwirbt 
sich Einen Ankläger, x((t7iyiigng). Buße u. gute Werke sind wie ein Schild vor (Gottes) 
Strafen. — Buße u. gute Werke als Parakleten auch in der Bar Schab 82='. || Aboth 
4, 17: R. Jafaqob (um 170) pflegte zu sagen: Besser ist Eine Stunde in Buße u. guten 
Werken in dieser Welt, als das ganze Leben der zukünftigen Welt; u. besser ist Eine 
Stunde der Eiquickung in der zukünftigen Welt, als das ganze Leben dieser Welt. || 
Midr Qoh 1,8(9'): R. Schimfon b. Chalaphta (um 19U) hat gesagt: Alle Güter, Seg- 
nungen u. Tröstungnn, die die Propheten in dieser Welt geschaut haben, haben sie 
für die Bußfertigen geschaut (d. h. die Bußfertigen erlangen diese Güter usw.). Wer 



Matth4, 17 (^2) 167 

aber sein lebelang keine Sünde geschmeckt bat, von dem gilt Jes 64, 3: ,Kein Auge 
(auch kein Prophetenauge) hat's gesehen außer dir, o Gott, was Gott dem bereiten 
wird, der harrt (so der Midrasch); vgl. das nächste Zitat. II B'rakh 34'': R. Chijja b. 
Abba (um 280) hat gesagt, R. Jochanan (f 279) habe gesagt: Sämtliche Propheten 
haben nur für die Bußfertigen geweissagt; aber von den vollkommenen Gerechten 
gilt Jes 64, 3: Kein Auge hat's gesehen usw. Das weicht ab von der Meinung des 
R. Abbahu (um 30<M; denn dieser hat gesagt: An dem Ort, wo die Bußfertigen einst 
stehn werden (in der zukünftigen Welt), können selbst die vollkommenen Gerechten 
nicht stehn, s. Jes 57, 19: , Frieden, Frieden den Fernen u. den Nahen, spricht Jahve.* 
Erst „den Fernen", u. dann „den .Nahen." (Die „Fernen" d. h. die, die Gott erst fern 
waren u. dann in Buße sich ihm zuwandten: die „Nahen" d. h. die, die als vollkom- 
mene Gerechte Gotte immer nahe waren). Dagegen sagte R. Jochanan: Wer ist der 
, Ferne"? Derjenige, der sich von Anfang an von der Übertretung ferngehalten hat. 
Und wer ist der „Nahe"? Der erst der Übertretung nahe war (in Sünden lebte) u. 
nun sich von ihr entfernt hat (in Buße). — Nach R. Jochanan werden also die Buß- 
fertigen in der zukünftigen Welt nicht die erste Stelle einnehmen, sondern die voll- 
kommenen Gerechten; umgekehrt urteilt R. Abbahu. — Eine Parallelstelle Sanh 99". || 
LvR 10 (111 <^): R. J'huda ib. Chijja, um 240) hat gesagt: Die Buße bewirkt die Hälfte 
u. das Gebet bewirkt das Ganze (d. h. die Buße hebt ein Verhängnis halb, das Gebet 
aber ganz auf). R. J^hoschua? b. Levi (um 25U) hat gesagt: Die Buße bewirkt das Ganze, 
das Gebet bewirkt die Hälfte. Nach der Meinung des R. J'^huda bewirkt die Buße die 
Hälfte; von wem kann man das lernen? Von Kain, über den ein Beschluß gefaßt 
war; als er aber Buße tat, wurde die Hälfte des Beschlusses von ihm genommen. 
Woher, daß er Buße getan hat? s. Gn 4, !•■!: „Kain sprach zu Jahve: Meine Schuld 
ist zu schwer, als daß ich sie tragen könnte." Und woher, daß die Hälfte des Be- 
schlusses von ihm genommen ward? s. Gn 4, 16: ,Kain ging vom Angesicht Jahves 
hinweg u. wohnte flüchtig (so der Midr) im Lande an der Vorderseite Edens." „Un- 
stät u. flüchtig" heißt es hier nicht (wie ursprünglich Vers 14 das Urteil lautete), sondern 
bloß „flüchtig" (also war die andre Hälfte, das „Unstät", infolge der Buße aufgehoben 
worden). Als er von dannen ging, begegnete ihm der erste Mensch (Adam): dieser 
sprach zu ihm: W-as ist aus deiner Rechtssache geworden? Er antwortete ihm: Ich 
habe Buße getan u. mich entfernt (t-b'-z; nach der Lesart t-si: „habe die Sache 
im Wege des Vergleichs erledigt"). Als der erste Mensch das hörte, fing er an sich 
vor den Kopf zu schlagen u. sprach: Das alles vermag die Kraft der Buße, u. ich 
habe es nicht gewußt! . . . Nach der Meinung des R. J'huda bewirkt das Gebet das 
Ganze; von wem kann man das lernen? Von Hiskia. Sein Königtum sollte eigentlich 
nur 14 Jahre dauern, s. Jes -Mi, 1 ; als er aber gebetet hatte, wurden ihm noch 15 Jahre 
zugelegt, s. Jes 38, 5. Nach der Meinung des R. J'hoschuaf b Levi bewirkt die Buße 
das Ganze; von wem kann man das lernen? Von den Männern von Anathoth, s Jer 
11, 22 f.: „Also spricht Jahve: . . . Die Jünglinge sollen durchs Schwert sterben, 
. . . kein Überrest wird ihnen bleiben!" Und nachdem sie Buße getan, erlangten sie 
es, im Geschlechtsregister aufgeführt zu werden, s. Neh 7, 27: Die Männer von Anathoth: 
128. Und wenn du es nicht lernen kannst von den Männern von Anathoth, so lerne 
es von Jekhonja. . . . R. Acha u. R. Abin b. Binjamin haben im Namen des R. Abba* 
gesagt: Groß ist die Kraft der Buße; denn diese hebt einen Beschluß u. einen Schwur 
auf. Einen Schwur, s. Jer 22, 24: „So wahr ich lebe, ist Jahves Spruch: Wenn Chon- 
jahu ( — Jekhonjal . . . ein Siegelring wäre an meiner rechten Hand, so würde ich dich 
doch von da wegreißen." Einen Beschluß, s. das. Vers 30: „So spricht Jahve: Schreibet 
diesen Mann (Jekhonja) als kinderlos auf." Und 1 Chr 3, 17 heißt es: „Und die Söhne 
des Jekhonja: Assir, sein Sohn (so liest der Text abweichend vom AT), Schealthiel, 
sein Sohn" (also ist der Beschluß von Jer 22, 30 aufgehoben worden). . . . Nach der 



* Nach der Parallelstelle P''siq 163^ ist zu lesen: R. Acha b Abin b. Binjamin 
(in der 2. Hälfte des 4. Jahrh.s) hat im Namen des R. Abba b. Pappai (um 350) gesagt. 



168 Matth 4, 17 (1 2) 

Meinung des R. J^'hoschua? b. Levi bewirkt das Gebet die Hälfte; von wem kann man 
das lernen? Von Ahron, über den anfänglich ein schlimmes Verhängnis beschlossen 
war, s. Dt 9, 2U: , Auf Ahron war Jahve sehr erzürnt, ihn zu vertilgen"; ... als aber 
Mose für ihn gebetet hatte, wurde die Hälfte des Beschlusses von ihm abgewandt: 
es starben zwei Söhne (Nadab u. Abihu, vgl. Lv 10, 1 ff.) u. zwei blieben übrig. — 
Dasselbe P^siqR 47 (18«'^). 

P'^siqR Zubatz 3 (löst"): R. Sch^'muel b. Nacliman (um 260) hat gesagt, R. Jonathan 
(um 225) habe gesagt: Qoh 9. 4 heißt es: ,Ein lebendiger Hund ist bes.ser als ein toter 
Löwe." Aber weiß denn das nicht jedermann (weshalb sagt es denn die Schrift)? Aber 
so ist es gemeint: Besser daran ist ein Gottloser, der in dieser Welt lebt u. Buße tut, 
als ein Gerechter, der in seiner Sünde verstorben ist. || P'^siq 161'': „Zerreißet eure 
Herzen, nicht eure Kleider, u. kehret um zu Jahve eurem Gott" Joel 2, 13. R. J hoschua? 
b. Levi (um 25U) hat gesagt: Wenn ihr eure Herzen in Buße zerreißt, so braucht ihr 
eure Kleider nicht um eure Söhne u. um eure Töchter zu zerreißen. Weshalb? s. das.: 
„Denn gnädig u. barmherzig ist er" usw. || Rosch ha-scbana 17'*: R. Jochanan (t279) hat 
gesagt: Groß ist die Buße; denn sie zerreißt einen Gerichtsbeschluß über den Menschen; 
s. Jes H, 10: „Mache das Herz dieses Volkes stumpf . . ., daß es nicht umkehre (in 
Buße) u. ihm Heilung werde" (nämlich von dem beschlossenen Verhängnis). || pRH l 
(57-', 49): R. Jochanan (f 279) hat gesagt: (Am Neujahrsta^e werden die Gerechten 
zum Leben, die Gottlosen zum Tode aufgeschrieben.) Den Mittelmäßigen werden zehn 
Tage der Buße geschenkt zwischen Neujahr u. Veisühnungstag. Wenn sie Buße tun, 
werden sie mit den Gerechten aufgezeichnet; wenn aber nicht, mit den Gottlosen. — 
Die Parallelstelie bRH 16'' erwähnt die Buße nicht; P^siq 157'' schließt sich an die 
pal. G''mara an. || LvR 3 (106"^): „Der Gottlose soll umkehren (in Buße) zu Jahve, .so 
wird er sich sein erbarmen (Jes 55, 7 imrr-M; dies Wort erklärt der Midrasch unter 
Vertauschung von - u. '5 = ^t-.i-;'-:-'. = er wird ihn an sich anschließen). R. Ji^chaq 
(um ;-lu0, hat gesagt: Wie ein Mensch, der zwei Bretter zusammenfügt u. untereinander 
verbindet (so eng schließt Gott den Bußfertigen an sich an). Und R. Jose b. Chanina 
(um 270) hat gesagt: Wie ein Mensch, der zwei Füße einer Bettstelle zusammenfügt 
u. untereinander verbindet (der Anschluß des Bußfertigen an Gott ist minder eng; 
denn die Bettfüße sind durch das Brett voneinander getrennt). || P'siq 1()3'': R. Judan 
(um 350) hat im Namen des R. Sch^'muel b. Nachman (um "^60) ^ gesagt: Wie weit fliegt 
für gewöhnlich ein Pfeil, den ein Mensch abschießt? Die Wegstrecke eines Feldes, 
das ein Kor oder zwei Kor bringt. Groß ist die Kraft der Buße; denn sie reicht bis 
an den Thron der Herrlichkeit, s. Hos 14,2 (vgl. R. ievi Joma86'' oben S. 1607). R.Jose 
(um 350) hat gesagt: Es heißt HL 5, 2: „Tu mir aul, meine Schwester." Gott sprach: 
Offne mir einen Eingang so groß, wie das Loch einer Nadel, so will ich euch einen 
Eingang öffnen, in den Redouten u. Kastelle hineinkönnen. R. Tanchum (b. Abba, 
um 38U) hat im Namen des R. Huna (um 350), R. Aibo (um 320/ im Namen des Resch 
Laqisch (um 250) gesagt: Tuet Buße in einem Augenblick (yy n--:), s. Ps 46, 11: 
„Lasset ab ("S"'-) u. erkennet, daß ich Gott bin " Lasset ab von euren bösen Werken, 
so werdet ihr erkennen, daß ich Gott bin. . • . R. Elfazar lum 270) hat gesagt: Wenn 
im gewöhnlichen Leben einer einen andren öffentlich verachtet hat u. nach einiger 
Zeit jener diesen zu versöhnen wünscht, so sagt der Beleidigte wohl: Du hast mich 
öffentlich verachtet u. willst mich versöhnen unter vier Augen? Geh u. hole jene Leute, 
vor denen du mich verachtet hast, so will ich mich mit dir aussöhnen. Aber Gott 
nicht also: wenn ein Mensch sich hinstellt u. ihn auf dem Markt verhöhnt u. ver- 
lästert, so sagt Gott zu ihm: Tue Buße unter vier Augen u. ich nehme dich an! — 
Zum Teil auch in Midr HL 5, 2 (IIB"). || pTa?an ± 65^ 3: R. Elfazar (um 270j hat ge- 
sagt: Drei Dinge heben ein schlimmes Verhängnis auf, nämlich Gebet, Almosen u. 
Buße, u. diese drei finden sich in Einem Schriftvers, s. 2 Ghr 7, 14: „Wenn sich dann 



^ So nach Bacher, pal. Amor. 1, 534, 3; die verschiedenen Lesarten betreffs der 
Autoren u. Tradenten s. bei Buber z. St. 



MHtth4, 17 (312) 169 

mein Volk beugt, über welchem mein Name genannt ist. u. wenn sie beten" — da- 
mit ist das Gebet gemeint. „Und wenn sie mein Angesicht suchen* — damit sind 
die Almosen gemeint, wie es hcilat Fs 17, \n: ,Ich werde durch Almosen (so der 
Midrasch) dein Angesicht schauen." ,Und wenn sie von ihren bösen Wegen um- 
kehren" — damit ist die Buße gemeint. Wenn sie also. tun, wie heißt es dort dann 
weiter? „So will ich vom Himmel her hören u. ihre Sünde verzeihen u. ihr Lnnd 
heilen." - Dieser Ausspruch ziemlich oft, zB GnR44(27<^); TanchB rrj § 1-1(19"); 
MidrQoh 5, 6 (25''). 7, 14(36''); anonym auch pSanh M, 2 (28^ 7). , P'-siqR 40 ( 1(19«): 
R: Ji9chaq (um HOO) hat gesagt: Warum heißt es Nu 29, 2: Ihr sollt ein Brandopfer 
für Jahve „herrichten" {zr-x:- ; nicht, wie sonst, „darbringen" zrz-'-')'^ Gott spiach 
zu Israel: Tuet Buße in jenen zehn Tagen zwisiheu Neujahr u. dem Versöhnungstage, 
80 erkläre ich euch am V. für gerecht u. schaffe euch zu einer neuen Kreatur, wie 
es heißt Gn 1,7: Gott machte, x-j--% das Firmament (wie r-sy Gn 1, 7 = schaffen, so 
deutet auch Nu 29, 2 zr'sy an, daß ein Neues zwischen Gott u. Isr. geschaffen ist). || 
GnR 1 (2''J: Sechs Dinge gingen der Weltschöpfung vorauf. . . . R. Ahaba b. Z'^dra 
(gegen 8ö0) hat gesagt: Auch die Buße; denn es heißt Ps 9U, 2: „Ehe die Berge ge- 
boren wurden" etc.; seit jener Stunde iheißt es das. Vers 3:) „lassest du den Menschen 
umkehren (in Buße), bis zur Zerknirschung" (so der Midr). — In andrer Fassung Midr 
PsyU § 12 (19ti"): R Abbahu (1. Ahaba) b. Z'^sira hat gesagt: Groß ist die Buße; denn 
sie ging der Weltschöpfung vorauf (insofern sie von Anfang an im göttl. Heilsplan 
vorgesehen wari. Aber gab es denn damals die Buße? Eine BathQol (Himmelsstimme) 
ging aus, welche ausrief u. sprach: „Kehret um (in Buße), o Menschenkinder" (so 
Ps90, H nach dem Midr). i| Joma ><, 8: Sündopfer u Schuldopfer für gewiß begangene 
Vergehungen schaffen Sühnung (betreffs der Vergehung, für die sie dargebracht werden). 
Der Tod u der Versöhnungstag schaffen Sühne in Verbindung mit der Buße. Die Buße 
sühnt leichte Übertretungen, sowohl eines Gebotes als auch eines Verbotes; schwere 
Übertretungen aber hält die Bulse in der Schwebe, bis der Versöhuungstag kommt u. 
(volle) Sühnung schafft. || T.Toma ö, 6 ff. il90): R. Jischmafel (f um l:-i5) sagte: Eine 
vierfache Sühnung gibt es. Wenn jemand Gebote übertreten hat u. Buße tut, so weicht 
er nicht von dort (von der Stätte seines Bußgebetes), ohne daß man (Gott) ihm ver- 
geben hätte, wie es heißt Jer 3, 22: Kehret (in Buße) um, ihr abtrünnigen Söhne, so 
will ich eure Abirrungen heilen. Wenn jemand Verbote übertreten hat u. Bufee tut, 
so hält diese (den Strafvollzug) in der Schwebe, u. der V.-tag schafft Sühnung, wie es 
heißt Lv 16, 30: „Denn an diesem Tage wird man für euch Sühnung schaffen" (die 
Sühnkraft des V.-tages überragt die der Buße). Wenn einer Sünden begangen hat, auf 
die die Ausrottung (durch Gottes Hand) oder die gerichtliche Todesstrafe gesetzt ist, 
u. Buße tut, so hält diese u. der V.-tag (den Strafvollzug) in der Schwebe u. (hinzu- 
kommende) Leiden schüffen Sühnung, wie es heißt Ps^9, 33: „Ich will heimsuchen 
mit dem Stecken ihren Frevel u. mit iAussatz-)Plagen ihre Missetat." Aber wenn jemand, 
durch den der Name Gottes c-:» ur entheiligt worden war, Buße getan hat, so hat 
weder die Buße Kraft (den Strafvollzug) in der Schwebe zu halten, noch der V.-tag 
Sühnung zu schaffen, sondern Buße u. V.-tag sühnen ein Drittel u. Leiden an den 
übiigen Tagen des Jahres sühnen ein Drittel u. der Todestag sühnt völlig, s. Jes22, 14: 
„Nimmer gesühnt werden soll euch dieser Frevel, bis daß ihr sterbet"; das lehrt, daß 
der Todestag völlig sühnt. — Sündopfer, Schuldopfer, Tod u. V.-tag, sie alle sühnen 
nur in Verbindung mit der Buße, denn es heißt Lv23, 27: „.Jedoch" (-s hat ein- 
schränkende Bedeutung): wenn er umkehrt (in Buße), wird ihm Sühnung zuteil; wenn 
aber nicht, wird ihm nicht Sühnung zuteil. (Diese Auslegung des Ts auch .SLv 23, 27 
(41i!=>). R. El?azar (b. Schammua?, um l/>0) sagte: Es heitU Ex 34, 7: „Und er läßt un- 
gestraft"; er läßt ungestraft, die Buße tun; aber er läßt nicht ungestraft, die nicht 
Buße tun. R. J'^huda (um löU) sagte: Tod u. V.-tag sühnen in Verbindung mit der Buße; 
Buße sühnt in Verbindung mit dem Tode u. der Todestag durch Buße. (Hier ist der 
Text kaum in Ordnung; eine Variante zu den Schlußworten lautet: Der Todestag, 
siehe der gleicht (an Sühnkrait) der Buße;; vgl. pJomaS, 45'', 58; pSch'^busoth 1, 3ü'', 50; 



170 Matth 4, 17(513) 

Aboth R.Nathan 39. — Parallelen zum Ausspruch des R. Jischrnafel: M^'kh Ex 20,7 
(7ti"); pJonia N, 45^ 60; pSanh 10, 27^, 47; pSch bufoth 1, 33'\ 52; bJoma 86'*; zum 
Ausspruch des R. Elfazar b. Schammuaf : M^^kh Ex 20, 7 (76'»); Joma b6^ 

3. Das Wesen der Buße. 

Die notwendigen Stücke der Buße sind A, Bekenntnis der Sünde 
u. Abbitte mit Reue u. Schmerz,» B. das Ablassen von der Sünde. b 
Wo eins von diesen fehlt, ist die Buße keine vollkommene, c sondern 
eine trügerische^ Buße, die, wenn der Mensch an ihr festhält, endlich 
die Möglichkeit einer rechten Buße aufhebt. e 

a. Schab S2^ Bar: Wenn jemand zum Tode erkrankt, sagt man zu ihm: Lege ein 
Bekenntnis deiner Sünden ab; denn ein solches legen alle ab, die zum Tode verurteilt 
sind. |i JomabB'' Bar: Die Übertietungen, die man am Versöhnungstag bekannt hat, 
soll man am nächsten V. -tag nicht wiedei bekennen; nur wenn man die Übertretungen 
(im Laufe des Jahres) wiederholt hatte, muß man sie am nächsten V.-tage wieder- 
bekennen. Wer sie aber nicht wiederholt hatte u. trotzdem abermals bekennt, von 
dem sagt die Schrift Spr 26, 11 : „Wie ein Hund, der zu seinem Gespei zurückkehrt, 
ist ein Tor, der sein Vergehen zum zweitenmal hersagt" (so der Midr). R. Elifezer 
b. Ja?aqob (IL, um 150) sagte: Vielmehr verdient ein solcher Lob, s. Ps51,5: „Ich 
erkenne meine Übertretungen, u. meine Sünde ist immer vor mir." Aber wie halte 
ich dann die Woite Spr 26, 1 1 aufrecht? Nach der Auslegung seitens des Rab Huna 
(t 297); denn Rab Huna hat gesagt: Wenn ein Mensch eine Übertretung begangen hat 
u. sie dann abermals begeht, so wird sie ihm zu etwas Erlaubtem. Meinst du wirklich: 
„zu etwas Erlaubtem"? Vielmehr sage: Sie wird ihm, als ob sie ihm erlaubt wäre. — 
Auch muß man die Sünden einzeln nennen, vgl. Ex 32, 31: „Mose sprach: Ach, bitte! 
dies Volk hat eine gmße Sünde begangen, u. sie machten sich einen Gott aus Gold*. 
Das sind die Worte des R. J'huda b. Baba (f um 135). R. fAqiba (f um 135) sagte: 
„Wohl dem, dem die Übertretung vergeben, dem die Sünde bedeckt ist" Ps 32, 1. — 
Der erste Teil der Bar findet sich TJoma 5, 15 (191). In der Parallelstelle Midr Ps 32 
§2(121''), in der dem R. Eli? ezer b. Jaf aqob die entgegengesetzte Meinung der Rabbinen 
beigelegt ist, folgen die Worte: R. Pin^chas, der Priester (um 36li), hat im Namen des 
R. Abba b. Pappai lum 350 1 gesagt: Darum daß du frühere Sünde nicht aufs neue be- 
gangen (u. sie dennoch am nächsten Versöhnungstag aufs neue bekennst), verachtest 
du das Wort deines Schöpfers Ps :■!!, 19: Möchten verstummen die trügerischen Lippen, 
die dem Gerechten (= Gotti gegenüber Fortgeschafftes (bereits vergebene Sünden) be- 
ketmen in Hochmut u. Verachtung (so der Midr). Denn damit erhebst du dich hoch- 
mütig, als hättest du keine Sünden aus dem gegenwärtigen Jahr. — Dieser Ausspruch 
anonym u. breiter auch ExR 52 (104*). || P'^siq 159'': „Wer seine Vergehungen bedeckt, 
wird kein Gedeihen haben; wer sie aber bekennt u. läßt, wird Barmherzigkeit er- 
langen " Spr 28, 13. R. Simon (um 2^0, so ist zu lesen) u. R. J'^hoschua? b. Levi (um 250) 
haben im Namen des R Schimfon b. Chalaphta (um 190 1 gesagt: . . . Gleich einem 
Räuber, der vordem Untersuchungsrichter gerichtet wird; solange erstreitet, wird er 
geschlagen; legt er ein Geständnis ab, empfängt er die Verurteilung (i'i-p-t, nach 
Levy i, \^8^ = Tiooxhjaic:, Schuldverkündigung; nach Krauß 2, 4Ul^ f. korrumpiert aus 
n'-:---tz = specula, Todesstrafe). Aber Gott nicht also; sondern solange der Mensch 
seine Sünde nicht bekennt, empfängt er seine Verurteilung; sobald er sie aber bekennt, 
empfängt er den Freispruch. |i ExR 30 (90 ''i: So hat Ben Zoma (um 1 10) vorgetragen: 
Hast du dich geschämt (beim Bekenntnis deiner Sünde) in dieser Welt, so wirst du 
nicht von Gott beschämt werden in der zukünftigen Welt. |i Midr Ps 32 § 2 (121''): 
R.Jose b. J'huda lum 1^0) hat gesagt: Wenn ein Mensch vollkommene Buße r-a-x-n 
ni-'tr tut, also daß sein Herz in ihm entwurzelt ist, dann vergibt ihm Gott. || LvR 3 
(lOö'^): R. Bebai b. Abaje (im 4. Jahrh ) hat gesagt: Welches Sündenbekenntnis soll 
man am Vorabend des Versöhnungstages ablegen? Man sage: Ich bekenne, daß ich 



Matth4, 17 (213) i'ji 

bei all dem Bösen, das ich vor dir getan habe, auf bösem Wege gestanden habe; aber 
alles, was ich getan habe, will ich nicht mehr tun in gleicher Weise. Möge es wohl- 
gefällig vor dir sein, Jahve mein Gott, daß du mir alle meine Schuld vergibst u. alle 
meine Verfehlungen verzeihst u. für alle meine Sünde Sühnung schaffst. Das meint 
Jes •'i5, 7: Verlassen soll der Böse seinen Weg usw. — Andre Sündenbekenntnisse s. bei 
Mt3,6S. 113f. 

b. Vgl. den Ausspruch des Resch Laqisch FHiq 16:^'' S. 168;', ferner pTafan '2, 65^ 
S. 168 y. II P'^siq lö9^: R. JiQchaq (um WO) hat gesa^it: Wer seine Sünde bekennt unter 
der Bedingung, daß er sie läßt, der erlangt Barmherzigkeit. II Joma ^6'': Wer ist ein 
(rechter) Bußfertiger? Rab J'^huda f 299) hat gesagt: Wer zB die Möglichkeit zu einer 
Übertretung hatte Einmal u. zweimal u. sich davor bewahrte. (Die wahre Buße doku- 
mentiert sich also im Überwinden der Versuchung, im Ablassen von der Sünde.) Rab 
J'^huda sagte dies aber nur von dem Fall, daß jene Gelegenheit zweimal sich darbot 
bei demselben Weibe, in derselben Zeit u. an demselben Ort. |i T'l'afan 1,8 (■21'>, 23): 
Wenn ein Mensch ein (verunreinigendes) Kriechtier in seiner Hand hält, so kann er 
selbst in den Wassern des Schiloah u. in allen Wassern der Schöpfung ein Tauchbad 
nehmen, u. er wird doch in Ewigkeit nicht rein. Wirft er aber das Kriechtier fort aus 
seiner Hand, so hilft ihm ein Tauchbad in 4(J Sea; denn es heißt Spr 28, 18: Wer be- 
kennt u. ^läßt", wird Barmherzigkeit erlangen. — In Tafan It)" Rab Ad(d)a b. Ahaba 
(um 2.=.0), in pTafan 2, 6ö-\ n6 u. Midr KL 3, 4Ü (72 b) R. Abba b. Zabda (um 270, so 
die richtige Lesart) als Autor genannt. 

C. Vollkommene Buße, r^i2''tv -rzixr; s. hierzu Midr Ps 32 § 2 in Anm. a. Ferner 
pB^rakh 4,7'' |49): R. Chijja b. Abba (-■ i -z, um 280) betete: Möge es wohlgefällig 
sein vor dir, Jahve unser Gott u. Gott unsrer Väter, daß du uns in unser Herz gebest, 
eine vollkommene Buße vor dir zu tun, damit wir uns vor unsern Vätern nicht zu 
schämen brauchen in der zukünftigen Welt. || Daß sich die vollkommene Buße auch in 
einzelnen besonderen Werken (in der Versöhnung des Beleidigten, in der Wiedergut- 
machung angerichteten Schadens, in der Beseitigung des corpus delicti) zu beweisen 
u. zu bewähren hatte, s. unter Lk 19, 8. 

d. Eine trügerische, geheuchelte Buße, r^r^'^hvnz'vr, zB pTafan 2, ßö^: Resch 
Laqisch (um 250) hat gesagt: Eine trügerische Buße haben die Männer von Ninive 
getan. Ebenso P'-'siq IHl». || GnR 9 (7^): (R. Jonathan, um 225, hat gesagt: Der Tod ist 
über Fromme u. Göttlose verhängt worden,) damit die Gottlosen nicht eine trügerische 
Buße tun möchten (wenn sie die Frommen ewig lebend sähen) u. sagten: Die Gerechten 
bleiben nur am Leben, weil sie Gebotserfüllungen u. gute Werke aufhäufen; so lasset 
auch uns Gebotserfüllungen u. gute Werke aufhäufen! So würde ihr Tun als ein 
solches erfunden werden, das nicht aus reiner Absicht erfolgte. 

e. Joma 8, 9: Wer sagt: Ich will sündigen u dann Buße tun, ich will sündigen 
u. dann Buße tun, dem gibt man (Gott) nicht die Möglichkeit, Buße zu tun. jl Aboth 
R.Nathan 39 Anf.: Fünf erlangen keine Vergebung: Wer viel Buße tut (weil er die Sünde 
nicht läßt); wer viel sündigt; wer in einem reinen Zeitalter sündigt; wer sündigt, um 
hinterher Buße zu tun, u. auf wem die Schuld der Entheiligung des göttlichen Namens 
liegt. — Nach Bacher, Tann.^ I, 279 Anm. gehört der Ausspruch wahrscheinlich dem 
R. fAqiba, f um 135, an. J| Aboth 5, 18: Wer viele zur Gerechtigkeit anleitet, durch den 
kommt keine Sünde; u. wer viele zur Sünde verführt, dem gibt man iGott) keine 
Möglichkeit, Buße zu tun. — Auf diesen Satz nimmt R Jochanan if 279) Bezug in Sota 
47"; Sanh 107''; vgl. auch Aboth R. Nathan 40. I' Aboth R Nathan 40: R. Elfazar 
b. Jose (um 180) sagte: Wer sündigt u. dann Buße tut u. dann in seiner Unschuld 
wandelt, der geht nicht von dannen. ohne daß man (Gott) ihm vergeben hat. Wer 
aber sagt: Ich will sündigen, um hinterher Buße zu tun, dem vergibt man dreimal u. 
rjicht öfter. || Joma 8ü'' Bar: R.Jose b. J*'huda (um IxQ) sugte: Wenn ein Mensch eine 
Übertretung Einmal begeht, so vergibt man sie ihm, auch das zweite u. dritte Mal; 
aber wenn er sie zum vierten Mal begeht, so wird ihm nicht vergeben, s. Arnos 2, 6: 
Wegen dreier Verfehlungen Israels (würde ich es abwenden), aber wegen vierer wende 



172 Matth4, 17 (313. 93 A. B 1) 

ich es nicht ab (so der Midr). — Die Bar findet sichTJonia 5, 18 (191). H ExR II (74«): 
R. Pin^'chas, der Priester, b. Cliama (um H60) hat gesagt: Es heißt Hi 3ii, 13: „Die 
heuchlerischen Herzens sind, bringen Zorn über sich" (so der Midr). Nachdem Gott 
auf die Gottlosen gewartet hat, daß sie Buße tun möchten, u. sie taten es nicht, 
nimmt er ihnen zuletzt, auch wenn sie möchten, ihr Herz (ihre ruhige Überlegung), 
auf daß sie nicht Buße tun. Wer sind die heuchlerischen Herzens? Die sind es, die 
kommen u. zuerst (Bußfertigkeit) in ihrem Herzen heucheln; die bringen zuletzt Zorn 
über sich. Und was heißt (das.l: ,Sie flehen nicht, denn er verhindert sie"? (so der 
Midr). Auch wenn sie sich zu Gott bekehren wollen (in Buße) u. sich anschicken, 
sich mit dem Gebet zu befassen, so vermögen sie es nicht, weil er sie verhindert; 
denn er hat vor ihnen (die Pforte der Buße u. des Gebetes) zugeschlossen. — Weiteres 
bei Hebr 6, 4. 6. 

4, 17 $B: Das Himmelreich (Gottesreich). ^ 

A. Der Ausdruck ßaaiXeia twv ovqccvü'v bei Mt verhält sich zu 
ßaoiXei'a rov ^eov bei Mk u. Lk wie im Rabbin. c'^':^" r^izh^ (aram. 
a.1^t~i nr^zb^) zu mn-^ ~^="~'?, d. h. beide Ausdrücke besagen sachlich 
dasselbe. Wie in den Wendungen ni^a na Name Gottes, a-^s':: x-nia 
oder ü^^^ rx-ii Gottesfurcht, ü^y:: i-jisn Angelegenheiten Gottes, rzab'a 
Qi-a-i) Beschäftigung mit götti. Dingen, ci^a 1113 durch Gott, n-^::!:: 11^3 
Ehre Gottes, n^-2'c rii-?: Gaben Gottes, x-i-arn 'o'^-c göttliche Dinge^ — 
das Wort „Himmel" metonymisch für „Gott" steht: so ist auch in der 
Verbindung c^-a'j ri^b^ „Himmel" ein Ersatz des Gottesnamens. 

B. Der Begriff n-i^sc r^z'-^-o in der rabbin. Literatur. 

1. Der Idee nach ist Gott als der Schöpfer der Welt zugleich ihr 
König. a In Wirklichkeit hat die Menschheit die Königsherrschaft r^zh^ 
Gottes von sich geworfen. Das geschah in den Tagen der Sündflut, 
als die Bosheit der Menschen groß ward auf Erden. b So mufste sich 
die Herrschaft Gottes auf den Himmel beschränken. c Ein Wandel zum 
Besseren hob mit Abraham an: indem der Patriarch den Namen des 
Einen Gottes seinen Zeitgenossen verkündigte, fand die Gottesherrschaft 
wieder Anerkennung unter den Menschen, c Fest gegründet aber wurde 
sie auf der Erde, als Israel am Roten Meer u. am Berge Sinai durch 
das Bekenntnis zu dem wahren Gott u. durch Übernahme seiner Tora 
sich dem „.Joch der Herrschaft Gottes" unterstellte. d In jener Zeit 
wurde Gott der König Israels. e Die Gottesherrschaft trat dann auch 
äufaeilich sichtbar in die Erscheinung in der Weltherrschaft Israels; 
Salomo saß auf Gottes Thron. ^ Erst als die Israeliten sündigten, wurde 
die Herrschaft von ihnen genommen u. den Völkern'der Welt gegeben. g 
Seitdem stehen die Gottesherrschaft u. die Herrschaft der Weltvölker 
als unversöhnliche Gegensätze einander gegenüber. h — Auf Grund 
vorstehender Gedankenreihe wiid man den rabbin. Begriff der r^zhu 
t2iric zu definieren haben als die Herrschergewalt, die Gott durch die 
Offenbarung seines Namens u. seines Willens über seine Bekenner aus- 
übt. — Daß es sich bei der n^^a n3^ in der Tat zunächst um Bindung 

1 Vgl. Dalman, Die Worte Jesu, 1, 75 ff. ^ Belege s. bei Mt 21, 25. 



Matth 4, 17 (SB B 1) X73 

der Gewissen im Gehorsam gegen Gott handelt,» mit andren Worten, 
daß die oi^ir n=b?3 zu allererst ihre Stätte in den Herzen der Menschen 
hat, zeigen auch folgende Sätze. Der Mensch kann das Joch der Gottes- 
herrschaft auf sich nehmen, er kann es aber auch von sich werfen. k 
Man nimmt es auf sich, indem man sich zum Monotheismus u. zur 
Tora bekennt. 1 Da diese beiden Stücke, das Bekenntnis zu dem Einen 
Gott u. der Gehorsam gegen die Tora, den Inhalt des Sch'^ma? (Dt 
6, 4 — 9; 11, 13 — 21; Nu 15,37 — 41) bilden, so kann gesagt werden, daß 
der Israelit die Gottesherrschaft auf sich nimmt, so oft er das Schema? 
betet. m Dieser Satz war in das allgemeine Bewußtsein so sehr über- 
gegangen, daß die Wendung „die Gottesherrschnft auf sich nehmen" 
geradezu als andrer Ausdruck für das Rezitieren des Schema? gebraucht 
wurde." Die Gottesherrschaft realisiert sich eben überall da, wo sich- 
ein Mensch bewußterweise dem Willen Gottes im Gehorsam unterstellt. 

a. zB Henoch 9, 4 f : Du bist der Herr der Herren, der Gott der Gütter u. der 
König der Könige; der Tliron deiner Herrlichkeit besteht durch alle Gesclilechter der 
Welt; dein Name ist heilig u. in aller Welt gepriesen. Denn du hast alles gemacht 
u. die Herrschaft über alles ist bei dir. — 84, 2 f.: Gepriesen bist du, o Herr, König, 
groß u mächtig in deiner Größe, Herr der ganzen Schöpfung des Himmels, König der 
Könige u. Gott der ganzen Welt! Deine Macht, Königslierrschaft u. (ilröße bleibt in 
alle Ewigkeit, u. deine Herrschaft durch alle Geschlechter; alle Himmel sind dein 
Tliron in Ewigkeit u. die ganze Erde der Schemel deiner Füße immerdar. Denn du 
hast alles geschaffen u. regierst es; nichts ist dir zu schwer. — Ein oft verwandter 
Lob-!pruch in den Gebetsformeln lautet: Gepriesen seist du Jahve unser Gott, König 
der Welt! — Im f Alenugebet des Rab (f 247), das dem Musaphgebet des Neujahrs- 
taiies eingegliedert ist, heißt es: Wir beugen uns vor dem König aller Könige, dem 
Heiligen, gepriesen sei er! Denn er ist es, der den Himmel ausgespannt u. die Erde 
gegründet hat. 

b. slav. Henoch 84^, 1 : ,Sie (das Flutgeschlecht) haben abgeworfen meine Gebote 
u. mein Joch, u. haben erweckt laufgestellt) unnützen Samen, Gott nicht fürchtend, 
u. mich nicht anbetend; sondern haben angefangen, eitle Götter anzubeten u. haben 
verlassen meine Einzigkeit. 

C. SDt :^|l,10 §318 (184^): Bevor unser Vater Abraham in die Welt kam, war 
Gott gewissermaßen nur über den Himmel König, wie es heißt Gn24,7: „Jahve, der 
Gott des Himmels, welcher mich aus dem Hause meines Vaters u. dem Lande meiner 
Verwandtschaft weggenommen hat" (also zur Zeit von Gnl2, 1 Gott nur Gott des 
Himmels). Aber nachdem unser Vater Abraham in die Welt gekommen war, machte 
er ihn zum König über Himmel u. Erde, s. Gn24, 8: ,Ich beschwöre dich bei Jahve, 
dem Gott des Himmels u. der Erde" (zur Zeit von Gn 24 Gott auch Gott der Erde). 

d. ExR 28 (84 •'i: „Damals sang Mose" Ex 15,1. Das meint auch Ps 9 '-,2: Fest- 
gegründet ist dein Thron seit dem „damals" (Ex 15,1, so der Midrasch). R. B'^'rekhja 
(um 340) hat im Namen des R. Abbahu (um 80o) gesagt: Obwohl du von Ewigkeit her 
warst, so stand doch dein Thron nicht fest; u. du bist in deiner Welt nicht eher be- 
kannt geworden, als bis deine Kinder ein Lied sangen. Deshalb heißt es: Festgegründet 
ist dein Thron seit dem „damals" (d.h. seit dem Lied am Meer Ex 15, 1 ff.). Gleich 
einem König, der einen siegreichen Krieg geführt hatte u. den (deshalb seine Legionen) 
zum Augustus machten. Man sprach zu ihm: Bevor du den Krieg geführt hattest, 
warst du König; nun aber haben wir dich zum Augustus gemacht. Was für ein Unter- 
schied an Ehre (Würde) ist zwischen dem König u. dem Augustus? Der König steht 
auf einem Gemälde (-15 wörtlich: „Tafel", „Brett"), während der Augustus sitzt. So 



174 Matth 4, 17 (SB B 1) 

sprachen die Israeliten: Wahrlich, ehe du deine Welt schufst, warst du, u. nachdem 
du sie geschaffen, warst du derselbe; aber du standest gleichsam, vgl. Hab:-!, 6: Er 
stand u. machte schwanken die Erde. Aber nachdem du am (Roten) Meer gestanden 
u. wir ein Lied vor dir gesungen haben mit „damals", ist deine Herrschaft gefestigt 
u. dein Thron begründet. Das wollen die Worte besagen: Festgegründet ist dein Thron 
seit dem „damals". 1| SLv 18. 6 {S'^l"): ,Rede zu den Kindern Israel u. sage ihnen: Ich 
bin Jahve, euer Gott. Nach dem Tun des Landes Äirypten . . . sollt ihr nicht tun" Lv 
18, -2 f. R Schimson b. Jochai (um 1-^0) hat tresagt: Dort, Ex 20, i!, heißt es: Jch bin 
Jahve, dein Gott." Ich bin Jahve, u. ihr habt meine Herrschaft auf euch genommen 
in Ägypten. (Gemeint sind die Worte im Meerlied Ex Li, 2. 18: „Dieser ist mein Gott", 
„Jahve ist König für immer u. ewig!") 8ie sprachen zu ihm: Ja, ja! (Gott sprach:) 
Habt ihr meine Herrschaft auf euch genommen, so nehmt auch meine Befehle an: 
, Nicht sollst du einen andren Gott außer mir haben" Ex 'J(t, 3. Hier, Lv 18. '2, heißt es: 
,lch bin Jahve euer Gott." Ich bin es, dessen Herrschaft ihr am Sinai angenommen 
habt. Sie sprachen zu ihm: Ja, ja! (Gott sprach:! Habt ihr meine Herrschaft an- 
genommen, so nehmt auch meine Befehle an: „Nach dem Tun des Landes Ägypten 
. . . sollt ihr nicht tun." — Ähnlich M^kh Ex 20, 2 (74 ''i. Hier geht folgendes Gleichnis 
vorauf: Gleich einem König von Fleisch u. Blut, der in eine Provinz loder: Stadt) kam. 
Seine Diener sprachen zu ihm: Erlaß Befehle (Edikte) ülier sie! Er antwortete: Wenn 
sie meine Herrschaft angenommen (anerkannt) haben, werde ich ihnen Befehle geben; 
denn wenn sie meine Herrschaft nicht annehmen, so werden sie auch meine Befehle 
nicht annehmen. So sprach Gott zu Israel: „Ich bin Jahve dein Gott"; denn ihr habt 
meine Herrschaft in Ägypten angenommen. Sie sprachen zu ihm: So ist es! Und wie 
ihr meine Herrschaft angenommen habt, so nehmt meine Gebote an: „Nicht sollst du 
einen andern Gott außer mir haben" Ex 20, :-!. || M*^kb Kx 20. 2 (T.S'J): Weshalb sind die 
zeiin Gebote nicht am Anfang der Tora gesagt worden? Man hat ein Gleichnis gesagt. 
Womit läßt sich dies vergleichen? Mit jemandem, der in eine Stadt (Provinz) kam u. 
zu den Leuten sagte: Ich will über euch als König herrschen. Sie antworteten: Hast 
du irgend etwas für uns getan, daß du als König über uns herrschen willst? Was tat 
er? Er baute ihnen eine Mauer, leitete ihnen W;,sser in die Stadt u. führte für sie 
Kriege. Er sprach zu ihnen: Ich will über euch als König herrschen! Sie antworteten 
ihm: .la. ja! So hat Gott die Israeliten aus Ägypten geführt, spaltete ihnen das Meer, 
ließ ihnen Manna herabkommen u. den Brunnen emporsteigen, brachte ihnen Wachteln 
(vom Meer) herüber u. führte für sie den Krieg mit ?Amaleq. Dann sprach er zu ihnen: 
Ich will über euch als König herrschen. Sie antworteten ihm: Ja, ja! Rabbi (?| sagte: 
Es will den Ruhm Israels verkündigen: denn als sie alle am Berg Sinai standen, um 
die Tora zu empfangen, waren sie alle wie Ein Herz, die Gotte.sherrsch0't mit Freuden 
anzunehmen. || Midr Ps 20 S -^ (■'^7''): „Ich will reden von der Wohltat" Jes ti3, 1 (so der 
Midrasch). Von welcher Wohltat? R. Pin'chas (um 86ül u. R. Elfazar (um 270) u. 
R Jochanan (f 279). Der eine hat ge.sagt: . . . Der andre hat gesagt: Von der Wohltat, 
die ihr mir (Gott) erwiesen habt damit, daß ihr die Tora angenommen habt; denn 
wenn ihr sie nicht angenommen hättet, wo wäre meine Herrschaft! ... In der Parallele 
Midr Ruth I, 1 (122"^) fehlt dieser Satz. || P^siq 16 b: R. Abin (I. um 325, II. um .S70) hat 
gesagt: Gleich einem König, der ein Purpurgewand hatte u. seinem Diener befahl: 
, Schüttle es aus, falte es zusammen u. gib acht darauf." Er sprach zu ihm: Mein 
Herr König, von allen Purpurgewändern, die dein sind, hast du mir nur in bezug auf 
dieses einen Befehl erteilt! Der König antwortete: Weil ich mit diesem bekleidet war 
in der Stunde, da ich zuerst König wurde. So hat auch Mose zu Gott gesagt: Herr 
der Welt, von den siebzig mächtigen Völkern, die du in der VVelt hast, hast du mir 
nur in bezug auf Israel Befehle gegeben: „Sage zu den Kindern Israel" usw. Er ant- 
wortete ihm: Weil ich über sie am Meer König geworden bin, als sie sprachen Ex 
15. I!-!: „Jahve ist König für immer u. ewig." — Dasselbe LvR 2 (lOH'^j; hier die 
Schlußworte: Weil sie mich zuerst am Meer zum König gemacht haben. — Ebenso 
TanchB star ■: § 4 (54 »j. Vgl. auch ExR 29 (bS^): R. Tobijja b. Ji9chaq (ein Amoräer 



Matth 4, 17 (5B B 1) 175 

unbestimmter Zeit) hat gesagt: (Gott sprach:) Ich bin Jahve dein Gott; denn unter 
der Bedingung habe ich dich aus Ägyptenland herausgeführt, da& du meine Gottheit 
auf dich nimmst. 

e. Gott als König Israels oft in Gebeten. Achtzehn-Gebet Nr. 11 palästin. Rezension: 
Sei König über uns, du aliein. — Im Gebet fAlenu um 240): Er ist unser Gott, u. 
es gibt keinen andren mehr; fürwahr er ist unser König, u. keiner aufser ihm. — Das 
Gebet Abinu malkenu hebt in seinen einzelnen Sätzen 44 mal mit den Worten an: 
Unser Vater, unser König. — Ebenso sagt R. fAqiba, f um 13'), in einem Gebet um 
Regen: Unser Vater, unser König, wir haben keinen König außer dir; unser Vater, 
unser König, um deinetwillen erbarme dich über uns. Da fiel Regen nieder, Tafan ih^. 

f. Midr Esther 1, 1 (8'.''): ,Hundertsiebenundz wanzig Landschaften" Esthl,l. 
R. Elfazar (um 270 1 hat im Namen des R. Chanina um 22-.) gesagt: Waren nicht zwei- 
hundertzweiundfünfzig Eparchieen in der Welt? Und über diese alle hat David ge- 
herrscht, s. l Ohr 14, 17: ,Der Name Davids ging aus in alle Lande u. Jahve legte 
Furcht vor ihm auf alle Völker." Salomo hat über sie alle geherrscht, s. 1 Kg -0,1: 
,Salomo herrschte über alle Königreiche" usw. Ahab herrschte über sie alle, s 1 Kg 
18, 10: ,So wahr Jahve dein Gott lebt, es gibt kein Volk u. Königtum, wohin nicht 
mein Herr geschickt hat, dich zu suchen; u. wenn sie dann sauten: ,Hier ist er nicht", 
so ließ er das Königtum u. das Volk schwören, daß er dich nicht finden würde." Kann 
man auch an einem Ort schwören lassen, wenn man dort nicht herrscht? . . . i TanchB 
s->i §7 (11''): ,Wer ist der König der Ehren?" Ps 24, 10. Wer ist der König, der 
Ehre zuerteilt denen, die ihn fürchten? „Jahve Q'^'baoth, er ist der Köni^ der Ehren." 
Inwiefern? Auf dem Thron eines Königs von Fleisch u Blut darf man nicht sitzen, 
aber Gott setzte Salomo auf seinen Thron, s, 1 Chr 2;», i'.^. (Gleicherweise ritt Elias auf 
Gottes Roß Nah 1,8; Mose benützte Gottes Zepter Ex 4, 20; der Messias empfängt 
Gottes Krone Ps21,4; die Israeliten legen Gottes Gewand an Jes •'i 1 , 9 u. Ps .^Q, 1 1 ; 
Mose wurde mit Gottes Namen genannt Ex 7, 1.) Parallelstellen: Midr Ps2l §2 («H») 
mit R. Simon, um 280, als Autor; ExR 8 (73^); NuR 14 ( 7:^«). hier Autor R. Abin 
(I. um 325; II. um 370); TanchB si-: § 34 (22''i, R. Abin Autor. Vgl. Sanh 2, 5. n Midr 
HL 1, 1 (80^): (1 Chr 29, 23:) „Salomo saß auf dem Thron Jahves." R. JiQchaq lum 300) 
hat gesagt: Kann denn ein Mensch auf dem Tliron Jahves sitzen, von dem es heißt 
Dt 4, 24: „Jahve dein Gott ist ein verzehrendes Feuer" u. Dn 7, 9 f.: „Sein Thron waren 
Feuerflammen. . . . Ein Feuerstrom flutete vor ihm hin"? Und du sagst: Salomo saß 
auf dem Thron Jahves? Es ist so gemeint: Wie der Thron Gottes von einem Ende 
der Welt bis zum andren herrscht, so herrschte auch der Thron Salomos von dem 
einen Ende der Welt bis zum andren; wie der Thron Gottes ohne Zeugen u. ohne 
Verwarnung das Urteil fällt, so fällte auch der Thron Salomos das Urteil ohne Zeugen 
u. ohne Verwarnung. 

g. Midr Esth 1,2 («5^): R. Aibo (um 320) hat gesagt: Es heißt Ps 22, 29: „Jahve 
gehört das Königtum u. er herrscht über die Völker." Und du sagst: Achaschverosch 
saß auf dem Thron seines Königtums (Esth l,2j? iDer Midr bezieht das Suffix von 
T'-i'-r: auf Gott.) Es ist so gemeint: In der vergangenen Zeit war die Herrschaft bei 
Israel; als diese aber sündigten, wurde die Herrschaft von ihnen genommen u den 
Völkern der Weit gegeben, s. Ez 30, 12: „Ich verkaufe das Land in die Hand böser 
Leute. . . .* Morgen, wenn die Israeliten Buße tun, nimmt er sie von den Völkern der 
Welt u. gibt sie an Israel zurück. Wann? „Es ziehen Befreier herauf auf den Berg 
Zion, zu richten das Gebirge Esaus (im Sinne des Midr = Rom), u. es fällt die Herr- 
schaft Jahve zu" (Obadja 21). 

h. u'-^v riz'i'i u. V"^ ns'-j's werden einander gegenübergestellt GnR 9 (7 ): 
R. SchimSon b. Laqisch (um 2.')0) hat gesagt: „Siehe, es war sehr gut" (Gn 1,31 i; damit ist 
die Gottesherrschaft gemeint. „Und" siehe, es war sehr gut Gn !,;<!), damit ist r-r-'s 
7-s:^ die irdische Regierung (Herrschaft) gemeint. Ist denn aber die irdische Regierung 
sehr gut? Allerdings, denn sie bringt das Recht, ro 6Lxcani>, der Menschen zur Geltung, 
8. Jes45, 12. — Ferner z^-ov n=-^ u. ny<a-:n p-::;";, die gottlose (d. h. römische) Re- 



176 Matth 4, 17 (JB B 1) 

gierung P'^siqol"' (s. die Stelle Nr. 2). — Aramäisch auch ss"--- sri:^'^ u. sriniVi? 
N--S-: — Herrschaft des Firmaments (Himmels) u. Herrschaft der Erde. B'^rakh 58*: 
Rab Schescheth (um 260) war blind. Alle Welt machte sich auf, das Angesicht des 
Königs zu begrüßen. Rab Schescheth stand auf u. ging mit ihnen. Da traf ihn ein 
Sektierer, der zu ihm sprach: Krüge schafft man an den Fluß; was sollen da aber 
Scherben! (Was will ein Blinder da, wo es etwas zu sehn gibt!) Er antwortete ihm: 
Komm u. sieh, daß ich besser verstehe, als du. Der erste Trupp (der königl. Leib- 
wache) zog vorüber; als Lärm entstand, sagte jener Sektierer zu ihm: Der König 
kommt! Rab Schescheth erwiderte: Er kommt nicht! Der zweite Trupp zog vorüber; 
als Lärm entstand, sagte jener Sektierer zu ihm: Jetzt kommt der König! Er er- 
widerte: Der König kommt nicht! Der dritte Trupp zog vorüber; als Stille entstand, 
sprach Rab Schescheth zu dem Sektierer: Wahrlich, jetzt kommt der König. Jener 
Sektierer antwortete: Woher weißt du das? Er sprach zu ihm: Weil die irdische Re- 
gierung der himmlischen Regierung gleicht, s. 1 Kg 19, 11 f. (nicht im Sturm u. Erd- 
beben u. Feuer kam Jahve, sondern im stillen Säuseln des Windes). — Ähnlich Rab 
Schela, um 220, ß'^rakh 58": Gepriesen sei der Barmherzige, der eine Regierung auf 
Erden gegeben hat, die der Regierung des Himmels gleicht, --y: sy-sa sr'::"':'3 an--; 
Kv-^-^ srir'5'5. — Allgemeiner ist der Gegensatz im Munde des Rabban Jochanan 
b. Zakkai, f um 80, geformt. Er sagt von dem hebräischen Knecht, der dauernd Sklave 
bleiben will, pQid 1,59*^,29: Er wirft das Joch der Gottesherrschaft von sich ab u. 
nimmt auf sich das Joch von Fleisch u. Blut. In der ältesten Quelle TBQ 7, 5 steht 
dafür: Er wirft das Joch des Himmels (= Gottes) von sich u. macht zum Herrscher 
über sich das Joch von Fleisch u. Blut. bQid 22'": Mir (Gott) sollen die Israeliten 
Knechte sein, aber nicht. Knechte für Knechte; u. dieser geht hin u. erwirbt sich selbst 
einen Herrn. - In der M'^kh zu Ex 21, 6(8B''] fehlt eine solche Gegenüberstellung ganz. 

i. SLv 20, 2(i (i74^i: R. Elfazar b. fAzarja (um lOO) sagte: Woher (ist es bewiesen), 
daß man nicht sagen soll: „Ich mag kein Schweinefleisch essen, ich mag keiner ver- 
botenen Fi-au beiwohnen", sondern: ,Ich möchte es wohl; aber was soll ich tun, da 
es mein Vater im Himmel also über mich festüesetzt hat"? Weil es heißt (Lv20, 26): 
„Und ich sonderte euch von den übrigen Völkern aus, daß ihr mir gehörtet." So wird 
man erfunden als einer, der sich von der Sünde trennt u. das Joch der Gottesherrschaft 
auf sich nimmt. 

k. c'^iy nr-rr: V:- == die Gottesherrschaft auf sich nehmen; '•:) '■o p-s oder 'v '■o Vtaa 
= die Gottesherrschaft von sich werfen oder abtun. Beispiele s. in den vorstehenden 
u. nachfolgenden Zitaten. 

/. TanchB -i"' -- § 6 (32'*): Resch Laqisch (um 250) hat gesagt: Der Proselyt, der 
zum Judentum übertritt, ist beliebter (bei Gott), als die Israeliten, die am Berge Sinai 
standen; denn wenn diese nicht die Stimmen u. die Blitze u. die bebenden Berge u. 
den Ton der Posaunen wahrgenommen hätten, so würden sie die Tora nicht angenommen 
haben. Und dieser (der Proselyt» kommt, ohne irgend etwas davon wahrgenommen zu 
haben, u. gibt sich selbst an Gott hin u. nimmt die Gottesherrschaft auf sich. Gibt 
es einen, der beliebter wäre als dieser? — Die Gotteslierrschaft auf sich nehmen ist 
hier soviel, wie die Tora annehmen; die Parallelstelle Tanch -'■; -'•: 17* liest deshalb 
auch im ersten Satze: „sie würden die Gottesherrschaft nicht auf sich genommen 
haben." — Während der Proselyt die „Gottesherrschaft auf sich nimmt", indem er sich 
dem wahren Gott ergibt u. dessen Tora annimmt, werden die „heillosen Leute" einer 
götzendienerischen Ortschaft (Dt 18, 14), die also Gott u. Gottes Gesetz verlassen, Sanh 
111 '' geschildert als Leute, „die das Joch des Himmels (3-"3-i) hiy = „Joch Gottes" = 
„Joch der Gottesherrschaft") von ihrem Halse abgeworfen haben". |l SDt 3;?, 29 § 323 
(138'>): Wenn die Israeliten auf die AVorte der Tora, die ihnen gegeben ist, achten, 
kann keine Nation u. keine Regierung (r:r'-r:, Herrschaft) über sie Gewalt gewinnen. 
Und was sagt ihnen die Tora? Nehmt auf euch das Joch der Gottesherrschaft (statt 
''■ov r-:':'3 •;'>• „Joch der Herrschaft meines Namens" wird zu lesen sein z'-zv '■c 'v, 
da das Suffixum der 1. Person in "cv in den Mund der redend eingeführten Tora nicht 



Matth 4, 17 (SB B 1) 177 

recht paßt) u. beugt einander nieder in Gottesfurcht u. geht miteinander um in Er- 
weisung von Werken der Liebe. 

m. B®rakh 2, 2: R. J'^hoschuaf b. Qarcha (um 150) hat gesagt: Warum geht (im 
Sch'maf-Gebeti der Abschnitt ,Höre Israel", Dt (i, 4 — 9. dem Abschnitt: ,Wenn ihr 
hören werdet", Dt 11, \^ — 21, vorauf? Damit man zuerst das Joch der Gottesherr- 
schaft auf sich nehme u. hinterhf-r das Joch der Gebote. — Hier wird unter der 
Gottesherrschaft in erster Linie das Bekenntnis zu dem Einen Gott verstanden, wie 
es Dt 6, 4 zum Ausdruck kommt. — Das. 2, 5 wird von Rabban Gamliel (II., um 90) 
erzählt, daß er in der ersten Nacht nach seiner Verheiratung das Schema? gelesen 
habe. ,Da sprachen seine Schüler zu ihm: Hast du uns nicht gelehrt, unser Lehrer, 
daß ein Bräutigam in der ersten Nacht befreit ist vom Lesen des Schema?? Er ant- 
wortete: Ich pflichte euch nicht bei, daß ich das Joch der Gottesherrschaft auch nur 
eine Stunde von mir abtun sollte." II pB^rakh 2, 4'', 70: R. Chijja (b. Abba, um 280) 
hat im Namen des R. Jochanan (f 279) gesagt: Aus welchem Grunde hat man gesagt, 
daß der Mensch die Gebetsriemen anlegen u. dann das Sch*^maf rezitieren u. beten 
(das Achtzehn-Gebet) soll? Damit er zuerst (bevor er betet) die Gottesherrschaft völlig 
auf sich nehme. — In der bab. Gemara B^'rakh 14*^ lautet diese Tradition so: R. Jochanan 
hat gesagt: Wer die völlige Gottesherrschaft auf sich nehmen will, der verrichte seine 
Notdurft, wasche seine Hände u. lege die Gebetsriemen an; darauf rezitiere er das 
Schema? u. bete (das Achtzehn-Gebet); das ist die völlige Gottesherrschaft. Vgl. auch 
pBrakh 1, 1 (4=*, 63): R. Jirm<^ja (um 320) zog (das --s im I.Verse des Sch^'maf Dt 
6, 4 in der Aussprache) sehr lang. Da sagte R. Z^fira (um 300) zu ihm: Du brauchst 
das nur so lange, wie nötig ist, um (in Gedanken) Gott als König anzuerkennen im 
Himmel u. auf Erden u. in den vier Weltrichtungen. |1 Midr Ps ö § 6 (27^): R. J^huda 
(b. Simon, um 320) hat Ps 5, 2 f. auf die vier Weltreiche gedeutet: , Meine Worte höre" 
auf Babel, „beachte mein Sinnen" auf Medien, „achte auf die Stimme meines Geschreis" 
auf Griechenland; „denn zu dir will ich beten" auf Edom (= Rom). Und warum sagte 
er „mein König und mein Gott" bei Edom? Es sprachen die Israeliten vor Gott: Wie 
viele Religionsverfolgungen u. harte Edikte haben sie (Rom) über uns verhängt, um 
dein Regiment -r-i'i's u. deine Herrschaft -rr-j^s von uns zu beseitigen, u. wir haben 
sie nicht beseitigt; sondern täglich gehen wir in die Synagogen u. Lehrhäuser u. er- 
kennen den Namen deiner Gottheit zweimal täglich als König an, indem wir sprechen: 
Höre, Israel, Jahve unser Gott ist Ein Jahve Dt 6, 4! 

n. B'^rakh Hl"^: Als man den R. f Aqiba (f um 135) zum Tode hinausführte, kam 
die Zeit des Sch'^maf-Rezitierens. Man kämmte sein Fleisch (d. h. man riß es ihm vom 
Leibe) mit eisernen Kämmen; er aber nahm die Gottesherrschaft auf sich (== sagte 
das Sch'^maf). Da sprachen seine Schüler zu ihm: Unser Lehrer, es ist genug! Er 
aber sprach: Mein lebelang habe ich mich wegen dieses Verses gesorgt „Liebe Jahve . . . 
von deiner ganzen Seele", Dt 6, 5, d. h. auch wenn er die Seele (das Leben) nimmt. 
Ich dachte: Wann werde ich Gelegenheit haben, diesen Vers zu erfüllen? Und jetzt, 
da mir die Gelegenheit kommt, sollte ich ihn nicht erfüllen? Dann sprach er das 
--!< „Einer" lang gedehnt aus, bis seine Seele bei dem Wort t-s ausging. Da ging eine 
Bath-'.^ol aus, welche sprach: Heil dir, R. ?Aqiba, daß deine Seele bei dem Wort -ns 
ausgegangen ist! Die Dienstengel sprachen vor Gott: Ist das die Tora u. das ihr Lohn? 
Zu den von deiner Hand Getöteten, Jahve, hätte er gehören sollen, aber nicht zu den 
von der Welt Getöteten! (So deutet der Midr Ps 17, 14.) Gott antwortete: „Ihr Teil 
ist im (ewigen) Leben!" Da ging eine Bath-Qol aus, welche sprach: Heil dir, R. fAqiba; 
denn du bist für das Leben der zukünftigen Welt bestimmt! |! pB'rakh '1, 1 (4^*, 59): 
R. Huna (um 350), R. Idi (um 325, so zu lesen statt R. — n), Rab Joseph (f 333l, Rab 
J^'huda (f 299) haben im Namen Sch^muels (f 254) gesagt: Man muß im Stehen das 
Joch der Gottesherrschaft auf sich nehmen (— das Sch'^maf rezitieren). — Parallel- 
stellen mit mannigfachen Abweichungen in der Angabe der Tradenten Tanch "i' "i? 
n^; TanchBT'5 -t § 1 (29»). InDtR2 (199"^) sagt Rab Jhuda im Namen Rabs (1247): 
Wenn man das Seh maf zu lesen hat, während man gerade geht, so muß man die 
Strack u.Billerbeck, NTI. 12 



178 Matth 4, 17 (83 B 2) 

Gottesherrschaffc stehend auf sich nehmen. H pB^rakh 2, 1 (4^*, 64): Rab (f 247) fragte 
R. Chijja den Älteren (um 200): Ich habe von Rabbi nicht gesehen, daü er das Joch 
der Gottesherrschaft auf sich genommen (= das Sch*^mat gelesen) hat. — Dasselbe 
B-^rakh 16^. — Weitere Beispiele finden sich pB^rakh 4, 7^ 17. 

2. Mit der oben gegebenen Erklärung ist der Begriff der üit3\ü riabn 
jedoch nicht erschöpft. In dem gegenwärtigen Äon wendet sich die 
Gottesherrschaft allerdings zuerst an Herz u. Gewissen der Menschen, 
so daß ihr Wirken ein verborgenes ist; aber auf diesen Äon folgt noch 
ein andrer: in der zukünftigen Welt wird die Gottesherrschaft auch 
äußerlich sichtbar in die Erscheinung treten. Israel empfindet es als 
eine Anomalie, daß gerade das Volk, welches allein Gottes Herrschaft 
auf sich genommen hat, von den die Gottesherrschaft ablehnenden 
Völkern der Welt geknechtet ist, u. daß der Gott, der allein der König 
der ganzen Welt ist, von den Weltmächten verachtet wird. Israels 
Glaube hält aber auch daran fest, daß diese Anomalie schwinden wird: 
es kommt die Zeit — u. daß sie bald komme, ist der immer wieder- 
kehrende Gebetswnnsch der jüdischen Gemeinde^ — , in der die Knecht- 
schaft Israels aufhört u. Gott als der einzige Herrscher auch von den 
Heidenvölkern anerkannt wird. Dann ist Gott ganz König geworden 
u. die Gottesherrschaft tritt in Herrlichkeit hervor, b — So eignet, auf 
die Zukunft gesehen, dem Begriff der '^n '^ durchaus ein eschatologisches 
Moment. In diesem Sinn bedeutet dann die Gottesherrschaft das durch 
die Anerkennung seitens aller Welt zur vollen Verwirklichung ge- 
kommene Königtum Gottes über die gesamte Menschheit. c 

a. Achtzehn-Gebet 11 (pal. Rez.): Führe zurück unsre Richter wie vordem u. unsre 
Bei'ater wie im Anfang; sei König über uns, du allein. Gepriesen seist du, Jahve, der 
du das Recht liebst. — In der babyl. Rezension: Führe zurück unsre Richter wie vor- 
dem u. unsre Berater wie im Anfang; laß weichen von uns Kummer u. Klage u. sei 
König über uns eilends, du allein, in Erbarmen u. Gnade u. Recht. Gepriesen seist 
du Jahve, König, der Gnade u. Recht liebt. || Das. 12: Die frevlerische Regierung (Rom) 
rotte aus u. zerbrich eilends in unsren Tagen! il Der Anfang des Qaddisch des Gottes- 
dienstes lautet: Es werde verherrlicht u. geheiligt sein großer Name in der Welt, die 
er nach seinem Wohlgefallen geschaffen hat; er richte auf seine Königsherrschaft u. 
lasse sprossen seine Erlösung u. bringe herbei seinen Messias u. erlöse sein Volk während 
eures Lebens u. in euren Tagen u. während des Lebens des ganzen Hauses Israel in 
Eile u. in naher Zeit; u. ihr sollt sagen: Amen! i| Im Neujahrs-Musaphgebet (Dalman, 
Worte Jesu 1, 806) heißt es: Darum lege Scheu vor dir, Jahve unser Gott, auf alle 
deine Werke u. deine Furcht auf alles, was du geschaffen hast. Es mögen dich fürchten 
alle Werke u. sich vor dir beugen alle Geschöpfe; u. alle mögen alle Ein Bund werden, 
deinen Willen mit ganzem Herzen zu tun, gleichwie wir, Jahve unser Gott, wissen, 
daß die Herrschaft vor dir ist, die Macht in deiner Hand u. die Stärke in deiner 
Rechten u. dein furchtbarer Name über allem, was du geschaffen hast. . . . Die über- 
mütige Herrschaft (Rom) rotte aus u. zerbrich, u. herrsche als König, du Jahve unser 
Gott, eilends über alle deine Werke in Jerusalem, deiner Stadt, u. auf dem Berge Zion, 
der Wohnung deiner Herrlichkeit. — Das ?Al6nu-Gebet (angeblich von Rab, f 241) 
schließt mit dem Wort der Hoffnung: (Alle Bewohner des Erdkreises) werden das Joch 
deiner Herrschaft auf sich nehmen, u. du wirst als König über sie herrschen immer 
u. ewiglich; denn die Herrschaft ist deiji u. ewiglich wirst du als König herrschen in 
Herrlichkeit. 



Matth 4, 17 (SB B 2) I79 

b. Wkh Ex 17, 14 (64=^): R. Eli?ezer (b. Hyrkanos, um 90; s. Bacher, Tann.« 1, 142) 
hat gesagt: Wann wird der Name dieser (gemeint ist ?Amaleq — Rom) vertilgt werden? 
Wann der Götzendienst ausgerottet wird samt seinen Verehrern, u. wann Gott einzig 
ist in der Welt u seine Herrschaft für alle Ewigkeiten, in jener Stunde wird Jahve 
ausziehen u. kämpfen mit diesen Heiden. . . . Dann wird Jahve König sein über die 
ganze Erde; an selbigem Tage wird Jahve Einer sein u. sein Name ein einziger, Sach 
14, 3. 9. — Dasselbe Midr KL 3, 66 (73''). || M^kh Ex 15, 18 (51 ''): Jahve ist König 
(--':;':- Fut.) für immer u. ewig" Ex 15, 18. R. Jose der Galiläer (um 110) sagte: Wenn 
die Israeliten am Meer gesagt hätten: , Jahve ist König geworden (T'-i) für immer 
u. ewig", so würde keine Nation u. Zunge jemals über sie Gewalt bekommen haben; 
aber sie sprachen: „Jahve wird König sein für immer u. ewig", nämlich in der Zu- 
kunft {= Messiaszeit). |! Midr Ps 9y § 1 (212"): „Jahve hat sein Königtum angetreten, 
es erbeben die Völker" Ps 99, 1. R. J'huda (b. Simon, um :-520) hat im Namen des 
R. Sch'^'mael (b. Nachman, um 260) gesagt: Solange die Israeliten im Exil sind, be- 
findet sich die Gottesherrschaft nicht in Vollkommenheit u. die Völker der Welt sitzen 
in Wohlbehagen. Aber wenn Israel erlost wird, ist die Gottesherrschaft vollkommen 
u. die Völker der Welt erbeben. || TanchB ksp S 18 (23»): R. Levi (um 300) hat im 
Namen des R. Chama b. Chanina (um 260) gesagt: Solange der Same ?Amaleqs (Rom) 
in der Welt ist, ist weder der Name noch der Thron Gottes vollständig Is. Ex 17, 16 
n' statt ^,-r.' u. C3 statt- ss5 Thron). Wenn aber der Same fAmaleqs aus der Welt 
vertilgt ist, dann ist der Thron u. der Name Gottes vollständig, s. Ps 9, 7: „Die Feinde, 
sie sind zu Ende gegangen, Trümmer für immer, u. ihre Städte hast du zerstört, zu- 
grunde ging das Gedächtnis von ihnen." Was folgt darauf? (Vers 8:) „Jahve«(der 
volle Name -•r-r) thront in Ewigkeit, er hält seinen Thron (-sc: die volle Form mit s) 
zum Gericht bereit." — Parallelstellen: P siq 29^*, mit verstümmeltem Text u. unrichtiger 
Autorangabe; Tanch s::r -3 (23»), gleichfalls mit falscher Autorangabe; P'^siqR 12 (51"). 

C. Ps Sal 5, ItSf.: Die den Herrn fürchten, dürfen sich des Segens freuen, u. deine 
Güte komme über Israel eV r^ ßaaiXelu aov\ Gepriesen sei des Herrn Majestät, denn 
er ist unser König! — 17, 3: Wir hoffen auf Gott, unsren Heiland; denn die Macht 
unsres Gottes währt ewig mit Erbarmen, u. rj ßctai'Äsirc lov f^sov rjfxwv besteht ewig 
über die Völker durch Gericht. || Orac.Sib. ü, 46 ff.: Aber wenn Rom auch über Ägypten 
herrschen wird, zu Einem Ziel lenkend (?), dann wird sich das größte Königtum des 
unsterblichen Königs den Menschen zeigen, ßaaiksUt ^eylair] äf^cifdrov ßc.ai'Afjog in' 
((f&Qojnoiat (fttvEitfti. — 3, 767:- Dann wird er eine Königsherrschaft errichten für alle 
Zeiten über alle Menschen, y.cd töte cT' sSeytfJsr ßuai'/.tjl'oi' sig ««V5»'«? nüvTug in' «V.9ptJ- 
7T0JI?, er, der das heilige Gesetz einst den Frommen gab. i| Assumptio Mosis 10, 1 : Dann 
wird sein Regiment über all seine Kreatur erscheinen; dann wird der Teufel ein Ende 
haben u. die Traurigkeit mit ihm hin weggenommen werden. — Auch Weish 10, 10: 
Gott zeigte dem Jakob die Gottesherrschaft ideiisi' mhiö ßnaileiav Usov dürfte hierher 
gehören. || Targ Jes40, 9: Saget den Städten des Hauses Juda: Offenbar geworden (er- 
schienen) ist die Königsherrschaft xnrr-; eures Gottes. | 52, 7: Der da spricht zur Ge- 
meinde Zion: Offenbar geworden ist die Königsherrschaft deines Gottes. | Targ Micha 
4, 7: Offenbaren wird sich das Königtum Jahves über ihnen auf dem Berge Zion von 
nun an bis in Ewigkeit. | Targ Obadja 21: Es werden Befreier hinaufziehen auf den 
Berg Zion, um die große Stadt Esaus (d. h. Rom) zu richten, u. offenbaren wird sich 
die Königsherrschaft Jahves über allen Bewohnern der Erde, u. die Königsherrschaft 
Jahves wird sein in alle Ewigkeiten. | Targ Sach 14, 9: Offenbaren wird sich die Königs- 
herrschaft Jahves über allen Bewohnern der Erde; in jener Zeit wird man Jahve dienen 
Schulter an Schulter, weil sein Name fest (anerkannt) ist in der Welt u. kein Gott 
ist außer ihm. — Ähnlich lauten zwei Gebetswünsche im Traktat Soph^^rim, 14 § 12: 
Es möge sich offenbaren u. erscheinen sein Königtum über uns in Eile u. in naher 
Zeit; 19 §7: Offenbare die Herrlichkeit deiner Königsherrschaft über uns. 

Aus den Midraschim gehören hierher P''siq 51 »: ., Es hebt an mein Lieber u. spricht 
zu mir" HL 2, 10. R. f Azarja (um 380) hat gesagt: Dieses Anheben u. Sprechen ge- 

12* 



180 Matth4, 17 (S B2. C1.2) 

schiebt nur durch Elias (den Vorläufer des Messias) u. durch den König, den Messias. 
Was spricht er zu mir? ,Mach dich auf, meine Freundin. . . . Denn sieh, der Winter 
ist vergangen* iHL 2, 10 f.); damit ist die frevlerische Regierung (Rom) gemeint, die 
die Menschen verführt ("-ra „Winter" gedeutet nach r-cn ^verführen"), s. Dt 18, 7: 
„Wenn dich dein Bruder, deiner Mutter Sohn, verführt. . .: Wir wollen hingehen u. 
andre Götter verehren" usw. (der Bruder — Esau bedeutet hier das christliche Rom). 
„Der Regen ist vorbei, ist vorüber" HL 2, 11, damit ist die Knechtschaft (Israels) ge- 
meint. „Die Blumen sind erschienen auf dem Lande" 2, 12, R. Elfazar (um 270) hat 
gesagt: Das sind die vier Schmiede (vgl. Sach 2, 8), nämlich Elias, der König der 
Messias, Melchisedek (der Hohepriester der messian. Zeit) u. der Kriegsgesalbte (= Mes- 
sias b. Joseph, der kriegerische Vorläufer des Messias b. David). „Die Zeit i-riTn ist 
herangekommen" 2, 12, d.h. gekommen ist die Zeit der Vorhaut, daß sie beschnitten 
werde {'mrv); gekommen ist die Zeit der Gottlosen, daß sie zerbrochen werden, s. 
Jes 14, 5: „Zerbrochen hat Jahve den Stecken der Gottlosen, den Stab der Herrscher." 
Gekommen ist die Zeit der frevlerischen Regierung (Roms), daß sie vertilgt werde aus 
der Welt; gekommen ist die Zeit der Gottesherrschaft, daß sie sich offenbare, wie 
es heißt Sach 14, 9: „Es wird Jahve König sein über die ganze Erde." — Parallel- 
stellen: Midr HL zu 2, 18 (100^'); P^siqR 15 (74*'). || P'^siqR 84 (159^i: Gott wird allen 
Gerechten aus den einzelnen Generationen (nach der Auferstehung) verkünden: Ihr 
Gerechten der Welt, obgleich Worte des Dankes mir euch gegenüber obliegen, daß ihr 
auf meine Tora geharrt habt u. nicht auf mein Königtum, so besteht doch der Schwur 
vor mir, daß ich es jedem, der auf mein Königtum geharrt hat, zum Gixfen bezeugen 
wei^e, s. Zeph 3, 8: Darum so harret meiner, ist Jahves Spruch, auf den Tag, da ich 
aufstehe als Zeuge (der Midr vokalisiert i""^ statt ni-"i). 

C. Der synoptische Begriff der ßaaiXeiu rwv ovQavMv, bezw. tov 
^soi', verglichen mit dem rabbin. Begriff der n-i^aiü r^zb^. 

1. In der Predigt des Täufers Mt3, 2: iiszaioehs- r^yyixsv ydg rj 
ßaaiXeia rcöv ovQarwv schließt sich der Begriff der „Gottesherrschaft* 
eng an die eschatologische Fassung der '^ n^sbo im Rabbin. an. Das 
Charakteristische bei Joh. liegt in der energischen Betonung, daß der 
Anbruch der vollkommenen Gottesherrschaft nicht bloß für die Völker- 
welt, sondern auch für Israel ein Tag des Zornes sein werde Mt 3, 7. — 
Ebensowenig unterscheidet sich in der Frage der Pharisäer Lk 17, 20: 
Wann kommt die Gottesherrschaft? die ßaaiktia rov ^eov von der 
eschatologisch gewerteten 'u: pidV^ bei den Rabbinen. — Anders ver- 
hält es sich mit der Eulogie eines der Tischgenossen Jesu Lk 14, 15. 
Hier trägt der Ausdruck „Gottesherrschaft" so völlig das Gepräge, 
das er durch Jesus empfangen hat, daß er dem Redenden wohl von 
dem Evangelisten in den Mund gelegt sein dürfte; in Wirklichkeit 
wird sich jener einer andren Wendung bedient haben; s. unter 2, a. 

2. Daß Jesus den Ausdruck „Gottesherrschaft" nicht selbst gebildet, 
sondern in der religiösen Sprache seines Volkes vorgefunden hat, be- 
darf angesichts der unter B gebrachten rabbin. Zitate u. der neutestl. 
Stellen in Nr. 1 keines weiteren Beweises. Aber ebenso gewiß ist es, 
daß Jesus den Begriff der „Gottesherrschaft" vertieft, erweitert u. mit 
neuem Inhalt erfüllt hat. 

a. In Jesu Worten tritt die „Gottesherrschaft" in erster Linie 
gebend, nicht fordernd an den Menschen heran. Nicht darauf liegt der 



Matth4, 17 (SBC2) 181 

Nachdruck, daß die G. für Gott etwas suche, sondern daß sie die Be- 
seligung des Menschen bezwecke. Die ßamXaia twi- üvoavMv erscheint 
deshalb in Jesu Mund vor allem als eine Gabe Gottes an den Menschen, 
als ein messian. Heilsgut, ja als das Heilsgut schlechthin. — Im Vorder- 
grunde des rabbin. Begriffs der 'a tt^z^-o steht der Gedanke an das, 
was der Mensch der „Gottesherrschaft" schuldig ist, nämlich An- 
erkennung, Unterwerfung, Gehorsam. Und wenn mit der vollen Ent- 
faltung der G. im eschatologischen Sinn auch die Heilszeit mit all 
ihren Gütern u. Segnungen anhebt, so liegt doch dies beseligende 
Moment nicht in dem Begriff der 'a ri=b^ selbst. Das Heil ist die 
Folge der Gottesherrschaft, aber nicht die G. selbst. Es ist daher nur 
folgerichtig, daß der Ausdruck „G." im Rabbin. nirgends als zus.- 
fassende Bezeichnung der endgeschichtl. Heilsgüter verwendet wird. 
Wo man eine solche Bezeichnung nötig hatte, bediente man sich andrer 
Wendungen, bes. des Ausdrucks xzn obi-n = zukünftige Welt, aram. 
"inx"! ^i^^- Dieser Ausdruck wird auch im Munde des Tischgenossen 
Jesu Lk 14, 15 vorauszusetzen sein (Dalman 1, 92). — Die n^üi-iu r'^sbo 
im jüd. Sprachgebrauch u. die ßaaihi'a tow ov., bezw. zov ^nw in Jesu 
Mund verhalten sich zueinander wie Gesetz u. Evangelium. 

b. Die „Gottesherrsehaft", als die Summe aller messian. Heilsgüter, 
ist in Jesu Reden ausschließlich ein eschatologischer Begriff. Das will 
nicht sagen, daß die G. nur der Zukunft angehört u. erst von der 
Zukunft zu erwarten ist; vielmehr kann u. soll das Heilsgut der ßaailti'a 
Tcov ov., da die endgeschichtl. Heilszeit mit Jesu Kommen bereits an- 
gebrochen ist, schon in der Gegenwart von jedermann in Empfang 
genommen werden. Das schließt jedoch wiederum nicht aus, daß die 
G. auch noch ihre Zukunft hat: der Anfang der endgeschichtl. Heils- 
zeit ist nicht ihr Ende; zwischen Anfang u. Ende liegt für die G. die 
Zeit ihrer geschichtl. Entwicklung. Auf dem Wege dieser geschichtl. 
Entwicklung wird die G. durch innerliche Überwindung aller wider- 
göttlichen Mächte des gegenwärtigen Weltbestandes auf Grund einer 
abschließenden Gottestat, der Wiederkunft Christi, das Ziel ihrer Zu- 
kunft erreichen, nämlich ihre Offenbarung in Herrlichkeit. So ist mit der 
Idee der von Jesu gebrachten u. verkündigten „Gottesherrschaft" un- 
auflöslich der Weltmissionsgedanke verknüpft. — Der rabbin. Begriff der 
aiTsir riDPo ist gleichfalls, aber nicht ausschließlich ein eschatologischer 
Begriff. Neben dem endgeschichtl. Moment liegt in ihm ein zeitgeschichtl. 
Moment; letzteres kommt bei der gegenwärtigen Gottesherrschaft in 
Israel in Betracht; ersteres tritt in die Erscheinung bei der Herauf- 
führung der messian. Heilszeit u. der damit anhebenden vollkommenen 
Gottesherrschaft über die ganze Welt. Beide, die gegenwärtige u. die 
zukünftige G., unterscheiden sich ihrem eigentlichen Wesen nach in 
nichts voneinander. Die G. selbst ist unwandelbar; sie fordert auch 
immer, sowohl in diesem wie in jenem Äon, von den Menschen das 



182 Matth4, 17(53C2. 3.4) 

Gleiche, nämlich Anerkennung u. Unterwerfung. Nur der Kreis derer, 
die dieser Forderung genügen, verändert sich: jetzt leistet lediglich 
Israel Gehorsam, dereinst die gesamte Menschheit. Fragt man, wie 
sich die Synagoge den Übergang der gegenwärtigen Gottesherrschaft 
in die zukünftige G. gedacht hat, so hat es in dem hellenistischen 
Diaspora-Judentum an Stimmen nicht gefehlt, die dahin gingen, daß 
die Vortrefflichkeit des jüdischen Gesetzes die Völker allmählich, wie 
von selbst, zum monotheistischen Gottesglauben Israels hinüberziehen 
werde, so daß dann alle Welt den Einen Gott werde suchen u. anbeten, 
s. zB Philo, Vita Mosis 2, 7 (Mang. 2,141); Orac. Sib. 3,710 ff. Hier liegt 
der Gedanke an eine geschichtl. Entwicklung als Verbindungslinie 
zwischen Gegenwart u. Zukunft vor. Das hellenistische Judentum 
glaubte noch an seine Weltmission. Dagegen tritt in der rabbin. Lite- 
ratur des Mutterlandes nirgends der Gedanke hervor, daß die im gegen- 
wärtigen Äon innerhalb des Volkes Israel zur Anerkennung gelangte 
'a n^:^^ dereinst die Völker innerlich so überwinden werde, daß die 
'c nrb^ im eschatologischen Sinn als das selbstverständliche Ergebnis 
der geschichtl. Entwicklung zu erwarten sei. Im Gegenteil, dieser Ge- 
danke liegt dem Eabbinismus so fern, daß allgemein die Ansicht herrscht, 
daß der endgeschichtl. Gottesherrschaft nur dur'ch die Vernichtung der 
Weltreiche freie Bahn gemacht werden könne. Das palästinische Juden- 
tum der nachchristl. Zeit hatte den Glauben an seine Weltmission ver- 
loren. Für eine Vergleichung der Gottesherrschaft mit dem Sauerteig, 
wie sie sich Mt 13, 33 bei Jesus findet, ließen die rabbin. Vorstellungen 
von der 'a '^ keinen Raum. 

3. Jesus weist der Gottesherrschaft als Stätte ihres Wirkens das 
menschliche Herz an, Lk 17, 20 f. In diesem Punkt begegnet sich seine 
Anschauung mit der der Rabbinen; vgl. oben B, 1. Weit auseinander 
aber gehen die beiderseitigen Meinungen, ob mit dieser nach innen 
gerichteten G. sich die römische Fremdherrschaft über Israel ver- 
einbaren lasse. Jesus sieht in der politischen Fremdherrschaft kein 
Hindernis für die G. (Mt22, 15 ff. u. Parall.). An die innere Freiheit, 
die die G. bringt, reicht keine äußere Tyrannei heran. Dagegen gilt 
es der rabbin. Anschauung für ausgemacht, daß die 'ir '^ unvollkommen 
sei, solange Israel von der Weltmacht geknechtet werde; erst wenn 
Israel von äußerem Druck frei geworden, sei die vollkommene G. 
möglich; vgl. Midr Ps 99 § 1 u. TanchB n^jp § 18 oben S. 179. Die 'a 'a 
im Sinn des Rabbinismus bleibt ein national-jüdisches Gebilde. Ein von 
der rabbin. Gedankenwelt beherrschter Messias würde nie das Wort 
gesprochen haben: Mein Reich ist nicht von dieser Welt Joh 18, 36. 

4. Die „Gottesherrschaft" erscheint in den Aussprüchen Jesu nicht 
bloß als ein Gut u. eine Gabe, sondern auch als eine Organisation, u. 
zwar als eine Organisation, die die Welt umspannt Mt 13, 38, in die 
die Menschen eintreten Mt 5, 20, in der die Menschen für Gott wirken 



Matth4, 17 (S8C4. 5) 183 

Mt20, Iff., in der es unter den Menschen Rangstufen gibt Mt5, 19; 
18, l usw. So gewinnt der Ausdruck ßaaiXeia tciov ov. oder rov i^sot 
die Bedeutung „Himmelreich" oder „Gottesreich". Im Rahbin. findet 
sich keine Stelle, in der 'o '-o oder nini '-o mit , Reich {= Herrschafts- 
gebiet) Gottes" übersetzt werden müßte. Die Übersetzung „Gottes- 
herrschaft" oder „Königtum" Gottes trifft überall, wie die oben bei- 
gebrachten Zitate zeigen, den richtigen Sinn, Wir haben hier ein Bei- 
spiel, wie der neue Wein sich selbst die neuen Schläuche schafft; der 
Inhalt der Worte Jesu prägt vorgefundene Begriffe um. 

5, Die „Gottesherrschaft", bezw. das „Gottesreich" hat zentrale 
Bedeutung für Jesu Predigt. Daher kommt es, daß Jesus hin u. wieder 
das absolute ßaatlhfa gebraucht, wo man ßnaiXsta tmv orgarow oder 
Tov ifioi) erwartet, s, Mt8, 12; 13, 19 38: 24, 14; 25,34; Lk 12,32. Die 
„Herrschaft" oder das „Reich" schlechthin ist ihm eben Gottes Herr- 
schaft oder Reich. — In der rabbin. Gedankenwelt nimmt die 'c '-a bei 
weitem nicht eine solche zentrale Stellung ein: gegenüber dem un- 
gemein häufigen Gebrauch bei Jesu findet sich der Ausdruck „Gottes- 
herrschaft" in der weitschichtigen rabbin. Literatur verhältnismäßig 
nur selten. Damit wird es zus. hangen, daß im Rabbin. nir^-a fast nie 
absolut gesagt wird für d-^ou: mzh-a oder nirr^ '-o. Das absolute ni=b72 
bedeutet im rabbin. Sprachgebrauch durchaus die irdische (heidnische) 
Obrigkeit, die weltliche Regierung. Sota 9, 17 wird zu den Vorzeichen 
des Messias gerechnet: „Die Regierung wendet sich der Ketzerei (dem 
Christentum) zu" nr^ab -^2nn T^.zh^-or^.' \ Aboth 3, 2 sagt R. Chananja, der 
Priestervorsteher, um 70: Bete für das Wohl der Regierung, bbar^ iin 
ri=bn h-c n^ibirr. j Das. 3. 5 redet R. N'^chonja b. Ha-qana, um 70, von 
dem Joch der Obrigkeit (Fremdherrschaft) mrs-a biy. | BB 4" sagt He- 
rodes I.: Ich fürchte mich vor der Regierung, Nnibb^rs, d. h. vor Rom. | — 
Z'b 102": nrb-o ^■a^^5 = Furcht vor der Regierung (R. Jannai, um 225). — 
Die auf Befehl Roms Hingerichteten, die Märtyrer, werden mib'o ''Vnr: 
genannt P^'s 50* u, ö. — Gittin 14'' werden Leute erwähnt, die der Re- 
gierung nahe stehen, d. h. zu den römischen Machthabern Beziehungen 
unterhalten, ",nri3biQb 'pm-p iV^n mx im; ebenso wird BQ83=* von der 
Familie des Rabban Gamliel IL, um 90, gesagt, daß sie der (römischen) 
Regierung nahe gestanden habe; die gleiche Bemerkung findet sich 
Sanh 43» über Jesum: nin pirb^ab mip. — BQ 113*: Die Rechtsordnung 
(das Gesetz) der (heidnischen) Obrigkeit gilt als Rechtsordnung ndii 
Krn Nn:b^n, Schemuel, f 254. — pB^rakh 3, 6^ 64 u. pNazir 7, 56% 39 
bedeutet msbia ■'^"-is „die Großen der Regierung"; pB^'rakh 1^ 13% 45 
msbo pcsn „die Unterbrechung der Regierung". Weitere Beispiele s. 
pT^rumS, 46%44; bB^rakh48''; Schab 30 ^ BB 3b; Sanh 102''; GnR 32 
(19''). — Die Nr^=bi3 -ipa Targ Qoh 5, 8 sind daher „Untertanen der Re- 
gierung", aber nicht, wie die vio\ rr^g ßaaiXeiaq Mt 8, 12; 13, 38 in Jesu 
Mund, „Kinder des Gottesreiches". — Allenfalls könnte man ein Beispiel 



184 Matth 4, 17 (SB C 5). 4, 18 (51 1) 

für das absolut gebrauchte r'^^h-o im Sinne von „Gottesherrschaft" in 
B®rakh 12=» finden: Rab (f 247) hat gesagt: Ein Lobspruch, in welchem 
sich nicht die Erwähnung des göttl. Namens findet, ist kein Lobspruch. 
. . . R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Ein Lobspruch, in welchem sich 
nicht riDS^ findet, ist kein Lobspruch, — Aber hier ist mit riD^a 
weniger die Gottesherrschaft, als viehnehr der Ausdruck r\?,-q König 
gemeint. Wie Rab keinen Lobspruch als vollgültig anerkennt, in dem 
sich nicht der Gottesname findet, so R. Jociianan keinen, in welchem 
Gott nicht als „König" bezeichnet wird. Die offizielle Form des Lob- 
spruchs war daher: „Gepriesen seist du Jahve unser Gott, König der 
Welt" o^'iiTj T(V^ ^2''r!'i< ''"'' ^^i< T(^^?- — Ähnlich verhält es sich mit 
dem absolut gebrauchten r-**3>-g (Plur. von n-^:b^), zB RH 4, 5, s. die 
Stelle bei Mt4, 12 S. 158 y. Man bezeichnete damit Schriftverse, in denen 
die Königsherrschaft Gottes erwähnt wird. Nachdem der Ausdruck so 
zum terminus technicus geworden war, der ein Mißverständnis oder 
eine Verwechslung mit den heidnischen Regierungen ausschloß, konnte 
er gegebenenfalls auch absolut gebraucht werden. Aber diese Aus- 
nahmefälle heben doch die allgemeine Regel nicht auf, daß mit msb^a 
schlechthin die weltliche (heidnische) Obrigkeit gemeint ist., 

4,18 31: Das galiläische Meer. 
1. Namen. 

a. Im AT: „Das Meer Kinnereth" n-!?3-D; Nu 34, 11; Jos 13,27, auch 
„das Meer Kinroth" ri-i33 c; Jos 12, 3; vermutlich nach der an der 
Westküste gelegenen Stadt Kinnereth oder Kinroth Dt 3, 17; Jos 19, 35; 
11,2. I Jes 8, 23 heißt dieser See schlechthin „das Meer", c^n. 

b. „See Genezareth". So zuerst 1 Makk 11, 67: ro vdo)Q rsvvrjaaQ; 
im NT 7] XifArr] revvrjaaQsv Lk 5, 1; bei Josephus, Antiql3, 5, 7: auö 
Twr vöuTow TOH' rsvvrjadgoiv X^yo^usion'; 18,2, 1: Xi^rij rj rtvrrjaaQitic; 
Vita 65: i] rsvvr^aaQitig Xf/xirj; Bell. J. 3, 10, 7: r) Xi'fivrj rewr^actQ-, 2, 20, 6: 
rsvvrjGccQ rj Xff.ivrj. — In den Targumim: -ics:, c^ Onk Nu 34, 11; n»: 
lO'^D^I Jerusch I; ^o'is'^a n;: Jos 12, 3; 13,27. — flaggadische Deutungen: 

M'^'g 5 1" : R. Jochanan (t'279) hat gesagt: Kinnereth ist Genezareth. Warum wurde 
sein Name „K." genannt? Weil seine Früchte so lieblich sind, wie der Laut der Zither 
(s-:-t). — Nach andrer Lesart im ?Arukh: Weil seine Früchte so süß sind wie die 
Artischocke (s-5-r). — Der Satz: ,K. ist Genezareth" auch in einem Ausspruch Rabas, 
t o52. M-'g 6"; anonym pM^g 70^ 35. 1| GnR 98 (62«): Warum wird Kinnereth „Gene- 
zareth" (■^0"::) genannt? Die Rabbanan sagten: Weil dieses , Fürstengärten" bedeutet 
(= E-^-b -:;). R. J<^^huda b. Simon (um :^)"^0) hat gesagt: Deshalb heißt es I Chr 12, 84: 
Von Naphtali (in dessen Gebiet K. lag) tausend Fürsten. || Wo K. = Genezareth ge- 
legen hat, wissen bereits die rabbin. Autoritäten des H. Jahrh. nicht mehr. GnR 98 (62'^) : 
R. Elfazar (b. P'^dath, um 270) hat gesagt: K. ist Jerach; R. Sch'^'muel b. Nachman 
(um 26U) hat gesagt: Es ist Beth-Jerach; R. J^huda b. Simon hat gesagt: Es ist Sennabris 
(nach Josephus, Bell. J. 3, 9, 9 etwa 30 Stadien = ^/4 Meilen von Tiberias entfernt) u. 
Beth- Jerach. R. Levi (um3U0) hat gesagt: in diesem Gebiet lag Beth-Sch^'an (= Skytho- 
polis), dessen Name „Kinnereth" war. R. B^'rekhja (um 340) hat gesagt: Das ganze 



Matth 4, 18 (?l 1. 2) 185 

Ufer des Sees von Tiberias hieß Kinneieth. ... — Ferner s. Josephus, Bell. J. 3, 10, 8; 
GnR 98 (62<=) oben S. 154 f. Zu Jerach vgl. TB^kh 7, 4 oben S. lOl. 

c. Meer oder See von Tiberias. So im NT Joh 21,1: i] i^äXaaaa 
TTjg TißtQiccöoc. Bei Josephus, Bell. J. 3, 3, 5: t/;c TißiQiccöog Xiixvrj. Oft 
in der rabbin. Literatur (vgl. auch die Zitate in Nr, 2): 

pSch'^qalim (», 2, 50^: Er sprach zu mir: „Diese Wasser strömen hinaus nach dem 
Ost^au* Ez47, 8. Damit ist das Meer von Samko (= Semechonitis See) gemeint; ,u. 
sie fließen nach der Niederung hinab\ damit ist das Meer von Tiberias (s:-:^"'^ -^ =:") 
gemeint; u. münden in das Meer", d. i. das Salzmeer (= Totes Meer); „in das Meer 
der Austritte" (so der Midrasch), d. i. das Weltmeer (der Ozean soll zweimal, u. zwar 
in der Generation des Enosch u. der der Zerstreuung, über seine Ufer getreten sein, 
die Menschheit zu strafen). || pKil », '62': Sieben Meere umschließen das Land Israel: 
Das große Meer (= Mittelländisches Meer), das Meer von Tiberias (s— a-jn a^-), das 
Meer von Samko (Semechonitis-See\ das Salzmeer, das Meer von Chultha (nach Neu- 
bauer Geogr. S. 27 u. Dalman = Hule-See; Lightf.: Sirbonis), das Meer von Schiljath 
(nach Neub. wahrscheinlich der Phiala-See, östlich von Cäsarea Philippi) u. das Meer 
von Apamea (am Oiontes, südöstlich von Antiochiaj. — Parallelstellen: pK*^^th 12, 35''; 
bBB 74''; Midr Ps 24 5? 6 (103''). 

d. Das galiläische Meer. Wie es scheint nur im NT, s. 4,18; 15,29; 
Mk7,31. 

e. Ganz einzelnstehend ist der Name: ,Das galiläische Meer von 
Tiberias", rj ^aXccaaa xTg FahXaiag rrjg Tiße^jiadug Joh 6, 1. 

2. Lage u. Größe des Sees. Sonstige Nachrichten über ihn. 

Josephus, Bell. Jud. 3, 10, 7: Der See G. hat seinen Namen von dem anliegenden 
Landstrich (vgl. die Lesart r) yij rsfi'tjaaQST Mt 14, 34; Mk 6, 53); er hat eine Breite 
von 40 Stadien (= 1 deutsche Meile) u. eine Länge von noch 100 Stadien mehr (also 
von 140 Stadien = 3^2 Meilen. Die Breite beträgt in Wirklichkeit 12 Kilometer 
=^ 64 Stadien). Sein Wasser ist süß u. durchaus trinkbar; auch ist es klar, da er 
überall an sandigen Ufern aufhört; außerdem hat es eine Temperatur, die es zum 
Schöpfen geeignet macht. Wenn auch weicher als Fluß- oder Quellwasser, ist es doch 
stets kühler, als man bei der weiten Ausdehnung des Sees erwarten sollte. Die in 
ihm lebenden Fischarten sind nach Geschmack u. Aussehen von den anderswo lebenden 
verschieden. In seiner Mitte wird er vom .Jordan geschnitten. — Die Beschreibung des 
Josephus, B. Jud. 3, 10, 8 von der Landschaft G. am Westufer des Sees s. bei 4, 12, S. 154. 

Fischereige rechtsame auf dem See G. BQ80'' Bar: Zehn Vereinbarungen hat 
Josua (bei der Verteilung Kanaans mit Gesamtisrael) getroffen: Man darf in (fremden) 
Waldungen weiden lassen (ohne daß der Besitzer es verbieten kann); man darf Holz 
auflesen auf ihren (der Israeliten) Feldern; man darf überall Gras sammeln, aus- 
genommen Fönnkraut (T^'ir, foenum graecum); man darf überall Schößlinge abschneiden, 
ausgenommen Olivenreiser; eine neu entstehende Quelle dürfen (allei Einwohner der 
Ortschaft benützen; man darf im Meer von Tiberias (s"=-. ~» ""s") angeln (■|-:r;';), aber 
man darf kein Wurfnetz, >••;-, ausspannen u. kein Schiff hinstellen ("J'^.y -!-":y-, s. das 
Folgende); man darf (überall) hinter einer Umzäunung seine Notdurft verrichten, selbst 
auf einem Felde, das voller Safran (Krokus) ist; man darf auf Fußsteigen, die durch 
einen Privatbesitz führen, bis zum zweiten Frühregen (der um den 17. Marcheschvan 
= November einsetzt) gehn; man darf wegen der (die Wasserpfützeu einschließenden) 
Erdstreifen zur Seite der Wege ausweichen (u. Privatbesitz betreten); wer sich zwischen 
den Weinbergen verirrt hat, darf Triebe i Ranken) abhauen, um nach oben oder nach 
unten zu gelangen; u. endlich ein Pflichttoter (der keine Angehörigen hat u. dessen 
Bestattung deshalb jedermanns Pflicht ist) erwirbt seinen Ort lan welchem er gefunden 
wird) als sein Eigentum (um dort bestattet zu werden). — Einzelne dieser Sätze auch 



186 Mattli4, 18i?{2. S) 

pB«rakh2, 5**. 3; pBB 5, 15", 7. — In der Tos lautet die Bestimmung über den Fisch- 
fang im See G. BQ 8, 17 (o62i: Im Anfang, als die 10 Stämme sich in ihrer ursprüngl. 
Verfassung befanden, sagten sie: Niemand darf sein Schleppnetz (=~~) ausspannen u. 
sein Schilf hinstellen innerhalb des Bereichs eines andren; wohl aber darf man fangen 
mit Angeln ("=~) u. mit Fischergarnen (r'-j--^-; = Schlingen? Reusen?i an jeder Stelle, 
ohne daß man daran gehindert werden darf, nur daß man kein VVurfnetz, y'-:-^, aus- 
spannt u. kein Schiff hinstellt. — Diese Bar auch BQ 81^: Man darf im Meer von 
Tib. angeln, nur darf man kein Wurfnetz, vhr., ausspannen u. kein Schiff hinstellen; 
wohl aber darf man mit Netzen, r-rxi-, u. mit Fischergarnen (n'^^:^) fangen. Unsre 
Lehrer habe« gelehrt: Im Anfang haben die Stämme untereinander vereinbart, daß 
man kein Wurfnetz (1. >"-p statt ~y"-p) ausspannen u. kein Schiff hinstellen dürfe; wohl 
aber dürfe man mit Netzen, r-r-c^, u. mit Fischergarnen, r--'';r»:, fangen. — Hiernach 
galt der See G. als Gemeinbesitz aller Stämme; das drückte sich darin aus. daß jeder 
Israelit an jeder beliebigen Stelle dem Fischfang obliegen durfte, aber nur mit Angel 
u. Fischergarn. Was unter Fischergarn, r',~^izi2, zu verstehn ist, ist ungewiß; aus 
pMQ "i, 8l *' Ende (s. die Stelle S. li'57) geht aber unzweideutig hervor, daß damit ein 
Fanggerät gemeint ist, dessen Handhabung ebensowenig Arbeit u. Aufsehen machte 
"wie das Angeln; deshalb wurde den Fischern von Tib. erlaubt, damit an den Zwischen- 
feiertagen elienso wie anit der Angel ihr Handwerk auszuüben. Am nächsten liegt, an 
Schlingen oder Reusen zu denken. Die Großfischerei aber, die vom Lande oder vom 
Schiff aus mit Wurf- u. Schleppnetzen betrieben wurde, sollte auf dem See G. das 
Vorrecht der Anwohner, insonderheit das Stammes Naphtali sein; nur war der einzelne 
Fischer verpflichtet, seinem Handwerksgenossen nicht in das Gehege zu kommen: er 
sollte also seine Netze nicht so auswerfen u. sein Schiff nicht so stellen, daß ein andrer 
dadurch gehindert wurde. — Hiernach ist wohl TBQ 8, 18 (868) zu erklären. Da heißt 
es nämlich: Die (übrigen) Stämme dürfen keine Fische aus dem Meer von Tib. fangen, 
weil dieses der Anteil Naphtalis ist, u. nicht nur dies, sondern es wurde ihm (dem 
Stamm N.) auch noch die volle Länge einer Netzleine ' südlich vom Meer gegeben, 
vgl. Dt 88, 23: ^Das Meer u. den Süden nimm in Besitz." Das sind Worte des R. Jose, 
des Galiläers (um 1 10). R. f Aqiba (f um 13ö) sagte: Mit „Meer" (dies Wort ist im Text 
zu ergänzen) ist das Meer von Samko (so ist zu lesen statt -2£io) gemeint (der Seme- 
chonitis-See), mit „Süden" das Meer von Tib. u. mit „nimm in Besitz" das große Meer 
(Weltmeer). Parallelstellen: pBB ö, 15^ 81 u. bBQ 81 '^. — Diese Bestimmung, die ihrem 
Wortlaute nach jedem Nicht-Naphtaliten das Fangen von Fischen aus dem See G. ver- 
bietet, wird nach den vorhergehenden Stellen so zu verstehn sein, daß sie die Netz- 
fischerei im Auge bat, während sie das Fangen mit der Angel u. dem Fischergarn als 
etwas Nebensächliches unberücksichtigt läßt. 

Der Mirjambrunnen u. der See Genezareth. pKil 0, 32=, 38: Es heißt Nu 21, 20:. 
„Er (der Vers 17 f. erwähnte Brunnen) wird erblickt von oberhalb der Wüste" (so der 
Midrasch). R. Chijja b. Abba lum 280) hat gesagt: Wenn jemand auf einen Berg in der 
Wüste steigt u. im Meer von Tib. eine Art Sieb eiblickt, so ist dies der Brunnen der 
Mirjam (der Israel durch die Wüste geleitete u. im Meer von Tib. endete). Dasselbe 
mit Abweichungen pK^th 12, 35^ 41; LvR 22 (121''); Midr Ps 24 §6 (1U3'0: MidrQoh 
5, 8 (27"); TanchB rp- § 50 (64^); NuR 19 (187 •^^); Schab 35". (Diese letzte Stelle s. bei 
iKor 10,4.) 

Noch sei pf AZ 2, 42% 27 angeführt: Das Meer von Tib. gilt als fließendes Wasser. 

4, 18: Netz. a^KfißlrjüTQOV. yV^.^ Wurfnetz; vgl. BQ 80 ''nebst Parallelen S. 185 f. 

4, 18 SB: Fischer. 
Vielleicht ist R. Jose n-ninn (um 160) M*^n 37" als Fischer anzusehn, 

1 Tos: Va-T sV^ = eine volle Leinenlänge; ebenso SDt 33, 23 §355(147^); ge- 
nauer die Parallelstelle BQ 81'' D-n Van ^n'-sn (danach die obige Übersetzung). 



Matth4, 18(93). 4, 19(51) 187 

falls nämlich das Beiwort nicht einen bezeichnet, der Fischernetze 
anfertigt, sondern einen, der die Netze zum Fischfang auslegt. 
Ein weiterer Vertreter des Fischerhandwerks unter den Rabbinen ist 
uns in der rabbin. Literatur nicht begegnet. 

Speziell über die Fischer von Tibeiias vgl. MQ 2,5: Die Fischer 
'i^T;^ u. die Verfertiger von Graupen u. Grieß dürfen (während der 
Zwischenfeiertage des Passah- u. des Laubhüttenfestes) im stillen 
arbeiten, um die FestbedQrfnisse herzurichten. R Jose (b. Chalaphta, 
um 150) hat gesagt: Sie haben über sich selbst in erschwerendem Sinn 
entschieden (nämlich an den Zwischenfeiertagen überhaupt nicht zu 
arbeiten). — Dazu bemerkt die pal. Gemara 2, SP Ende u. pP«s 4, SC, 
18: Die Fischer ^i-r; in Tiberias, die Gräupner in ^Akko u. die Grieß- 
macher in Sepphoris haben es auf sich genommen, an den Zwischen- 
feiertagen keine Arbeit zu tun. Das mag zutreffen bei den Grieß- 
machern von Sepphoris u. den Gräupnern von ^Akko: aber verringern 
die Fischer von Tib. nicht die Festesfreude (insofern sie infolge ihres 
Feierns von der Arbeit nicht in der Lage sind, den Einwohnern von 
Tib. die wünschenswerten Festfische zu liefern)? (Entgegnung:) Sie 
können ja (ohne besondere Mühe) mit der Angel oder dem Fischer- 
garn r-n?2:^ fangen! Verringern sie aber auch nicht so die Festes- 
freude (insofern auf diese Weise der volle Bedarf an Fischen nicht 
gedeckt werden kann)? R. Ammi (um 300) entschied für sie in er- 
leichterndem Sinn (erlaubte ihnen die Arbeit), weil sie sonst die Fest- 
freude verringerten. 

Ein allgemeines Urteil über den Stand der Fischer, sei es lobender 
oder tadelnder Art, scheint sich in der älteren Literatur nicht zu 
finden. Vielleicht darf man aber auf die Fischer mitbeziehen, was 
einmal über den Schifferstand gesagt wird. Qid 4, 13: Abba Goijan 
(Gorjon) aus Sidon (um 180?) hat im Namen des Abba Schall (um 150; 
so ist zu lesen nach Bacher, Tann. 2, 368) gesagt: Der Mensch lasse 
seinen Sohn nicht ausbilden zum Eseltreiber, Kameltreiber, Barbier, 
Schiffer isc, Hirten u. Krämer; denn deren Handwerk ist ein Hand- 
werk der Räuber. — R. J huda (um 150) hat in des Abba Schasul 
Namen gesagt: Die meisten Eseltreiber sind gottlos, die meisten Kamel- 
treiber sind brav, die meisten Schiffer sind fromm; der Beste unter 
den Är/.ten ist für den Gehinnom u. der Bravste unter den Fleischern 
ist ein Genosse fAmaleqs. — Als Bar mit Abweichungen pQid 4, 6(5 ^ 26. 

4,19 51: Folget mir nach, 6svt£ oniaco fiov. 

Das Schülerverhältnis forderte persönlichen Anschluß an den Lehrer; 
denn der Schüler lernte nicht bloß aus den Worten seines Lehrers, 
sondern viel mehr noch aus dessen praktischer Gesetzesübung. Darum 
bedeutet die Redensart „hinter jemandem hergehn" soviel wie „sein 
Schüler sein". 



188 Matth 4, 19 (21. 33). 4, 21. 24 

?Erub 30" sagt Rabbah bar bar Ghana, um 2i^0: ,,Als ich hinter R. Jochanan her- 
ging", d.h. sein Schüler war. H Aboth R.Nathan 4: Einmal war Rabban Jochanan b. 
Zakkai aus Jerusalem hinausgegangen u. R. J'^hoschuaf ging hinter ihm (als sein Schüler). 
Die ganze Stelle bei Mt 9, 13. K'^th H(j'' Bar: Es geschah einmal, daß Rabban Jochanan 
b. Zakkai (f um 80) auf einem Esel ritt u. aus Jerusalem auszog; seine Schüler aber 
gingen hinter ihm; das. 72'': Rabbah bar bar Ghana (um 280) hat gesagt: Einmal ging 
ich hinter Rab füqba lals dessen Schüler) einher. . . . || Weitere Beispiele: LvR 37 (133'); 
psAZ 1,4U^ 47; M^kh Ex HI, 12 (109^); SDt 31, 14 § 3U5 (129^'); pChag -», 77% 43 
bJomaSS"; ferner bei Mt 10, 1. 

4, 19 SB: Werde euch zu Menschenfischern machen. 

Im Rabbin. (wie auch im Deutschen) hat der bikiliche Ausdruck 
, Menschen fangen" einen unedlen Sinn, weil das Moment der über- 
listenden Schlauheit im Vordergrund steht. 

GnRH? (22'): „Ein Irrsals-Lied von David, welches er Jahven sang wegen der 
Worte des Kusch" Ps 7, 1. — R. J^'hoschua? b. N'^chemja (um 3ö0) hat im Namen des 
R. Ghanina b. Ji^haq (um 32-''>) gesagt: Das hat David in bezug auf das Gerichtsverfahren 
des Frevlers (= Rom) gesprochen. Aber ist denn Esau (- Rom) ein Kuschite? Er 
heißt so, weil er nach dem Verfahren Nimrods (des Sohnes des Kusch Gn 10, 8) handelt. 
Es heißt (,Gn 10, 9) nicht: „Deshalb sagt man: Nimrod ein gewaltiger Jäger vor Jahve", 
sondern: Wie N. ein gewaltiger Jäger vor Jahve". Wie dieser die Menschen in ihren 
Worten fing -u, so fängt -- auch jener (Esau = Rom) die Menschen in ihren Worten. 
Er fragt nicht: Hast du gestohlen? sondern: Wer hat mit dir gestohlen? Nicht: Hast 
du getötet? sondern: Wer hat mit dir getötet? — Ähnlich GnR 03 (40^*): „Esau ward 
ein jaijdkundiger Mann"* Gn 2'"), 27. Er fing ->:; die Menschen in ihren Worten. Nicht: 
Hast du gestohlen? sondern: Wer hat mit dir gestohlen? usw. 

Der Ausdruck: „Ich will euch zu Menschenfischern machen" läßt 
sich in der altjüdiychen Literatur sonst nicht nachweisen; er hat hier 
selbstverständlich keine häßliche Bedeutung. 

4,21: Jakobus, Sohn des Zebedäus. 

Den gleichen Namen trägt ein Rabbi, der um 330 gelebt hat. Von 
ihm rührt folgendes Gleichnis her zu Ps 19, 2 (die Himmel erzählen 
die Ehre Gottes): R. Jj^?aqob b. Zabdai hat gesagt: Gleich einem starken 
Mann, der in eine Stadt kam u. dessen Stärke man nicht kannte. Da 
sprach ein Schlaukopf zu den Leuten: An dem Steine, mit dem er 
ringt, werdet ihr die Kraft seiner Stärke erkennen! So lernen wir vom 
Himmel die Kraft Gottes, Midr Ps 19 § 6 (83''). — Dasselbe Gleichnis 
im Munde des R. Judan, um 350, P'^iq 166 ^ — Häufiger wird ein 
Zabdai b. Levi (um 240) erwähnt, s. Bacher, pAmor 3, 640. 

Der Name "i^ni, Abkürzung von n^-in:, bedeutet „Geschenk Jahves". 
Eine Nebenform ist -^^z\ oder n'^-^:?'!. Diesen Namen führte ein um 330 
lebender Amoräer, s. Bacher, pAmor '\, 753. — Die Form inar, zurück- 
gehend auf n^T,5T, findet sich Jos 7, 1; 1 Chr 8, 19; 27, 27; Neh 11, 17. 
Die LXX geben "^-^zi (1 Chr 8. 27) mit Zaßdf wieder; ein Beweis, daß 
Zsßidaiog nicht aus i^nT, sondern aus i^nr gebildet ist. 

4,24: Besessene, 6ai(j,ovi^6f4,€voi. 
Sieh den Exkurs „Zur altjüd. Dämonologie". 
Mondsüchtige, oB'Arjyial^o^uefot, s. bei 17, 15. 



Matth 4, 25. 5, 2. 3 (Nr. 1) 189 

4,25: Es folgte ihm nach viel Volks. 

Vgl. die über die messian. Zeit ausgesprochene Erwartung GnR 25 
(IG**): Zwölf Hungersnöte kommen über die Welt (folgt deren Auf- 
zählung nach der Schrift); u. eine wird in der Zukunft (d.h. in den 
Tagen des Messias) kommen, s. Arnos 8, 11: Siehe, Tage kommen, ist 
Jahves Spruch, da entsende ich einen Hunger über das Land, nicht 
einen Hunger nach Brot, noch einen Durst nach Wasser, sondern zu 
hören Worte Jahves. 

5, 2: Er lehrte sie. 

Nicht bloß die Synagogen u. Lehrhäuser waren Stätten des Pre- 
digens u. Lehrens, sondern auch Straßen u. freie Plätze, s. bei Lk 5, 1. 

5,3: Selig sind, die da geistlich arm sind. 

1. Sprachliches. A. i^iaxäqioi entspricht dem alttestl. ^-CvX Heil! Das 
Rabbin. hat den alttestl. Ausdruck beibehalten. TChag 2, 1 (234) sagt 
Rabban Jochanan b. Zakkai (f um 80): Heil dir -j-^ncN, unser Vater 
Abraham, daß El^azar b. f Arakh (einer der Schüler des R. Jochanan 
b. Z.) aus deinen Lenden hervorgegangen ist! — Dasselbe pChag '«i, 
77% 56; bChag U''. || Chag 14'^ ruft derselbe Rabban Jochanan b. Z. 
zweien seiner Schüler zu: Heil euch u. Heil euren Gebärerinnen! Heil 
meinen Augen, daß sie solches gesehen haben! i^irx rrrnbni n-.^jK'i wiest 
nx"i -D^u "^ry! 1| Joma 87=*: Heil den Gerechten! Nicht genug, daß sie 
(für sich selbst) Verdienst haben, sondern sie erwerben Verdienste auch 
für ihre Kinder u. Kindeskinder bis ans Ende aller Generationen. [[ 
Joma 8, 9: R. ? Aqiba (f um 135) hat gesagt: Heil euch, Israeliten Q="ncx 
^N-ia^! vor wem reinigt ihr euch u. wer ist es, der euch rein macht? 
Euer Vater, der im Himmel ist! — Das Gegenteil ist lix wehe! zB 
Joma 87=»: Wehe den Gottlosen nvirib cnb "^in! Nicht genug, daß sie 
sich selbst verschulden, sie verursachen Schuld auch ihren Kindern u. 
'Kindeskindern bis ans Ende aller Generationen. Vgl. auch bei 18, 7 51. 

B. Es findet sich ra-; n?? Jes 66, 2 geschlagen in bezug auf den 
Geist = niedergeschlagenen Geistes. i| ffir^ ^ns^ Ps 34, 19 zermalmt in 
bezug auf den Geist = verzagten Geistes. || xrai rp s'? Targ Jes 66, 2 
gebeugt in bezug auf den Geist = gebeugten Geistes; Plur. Nmn •'T'^-q 
Targ Ps 34, 19 ; Targ Jes 57,15. || nn bsd niedrig in bezug auf den Geist 
= demütigen Geistes Jes 57, 15; Sprl6,19; 29,23; Aboth4,4. 10; Targ 
Spr 16, 19. II m-i D5 hoch in bezug auf den Geist = hochmütigen Geistes 
Aboth 4, 7; Plur. n>n ^sr> pP*^s 5, 32% 65; mnn -^os LvR 17(117»). — Da- 
gegen haben wir die Verbindung rn ^:" „arm in bezug auf den Geist, 
arm am Geist" nicht gelesen. In derartigen Wendungen wird i:s regel- 
mäßig mit 2 konstruiert. Man sagt daher nrr-n:: i;? arm an Wissen N'^d 
41»; 010333 "ijy arm an Vermögen (Gegensatz: c^odj^ iiay reich an Gütern) 
K«th 68»; T-j-ii i;3J arm an gutem Willen (Gegensatz: rzmo -iicr) K*^th 
68*. — Doch wird das Substantivum nsi'::? «Armut" wieder ohne 3 



190 MatthS, 3 (Nr. 1.2) 

konstruiert. „Armut an Torakenntnis" heißt n^iir ni-'-r' Sanh 24* oder 
n-iinT nisr Qid49'>, während „Armut an guten Werken" wiedergegeben 
wird mit c-^-rj n'^cr-a-s r-,^:r Midr Esth 1, 1 (80''). Hier liegt der Gedanke 
vor, daß die Armut ein „Leersein" von irgend etwas in sich schließt, 
daher die Konstruktion mit -jp. 

2. Der Seligpreisung: /.laxägioi ol titmxoI Th, Ttrav^xari usw. dürfte 
Jes 61,1 zugrunde liegen: „Der Geist des Allherrn Jahve ruht auf mir, 
weil Jahve mich gesalbt hat, den Demütigen frohe Botschaft zu bringen" 
B--5? -i'irrb. Die LXX haben die letzten Worte übersetzt: svayy^XiGaGiJai 
mwxoTg = „Armen frohe Botschaft zu bringen". Diese Übersetzung 
hat Lk 4, 18 beibehalten in seinem Bericht über die erste Predigt Jesu 
in der Synagoge von Nazareth; ihr folgt auch Mt 11,5 bei der Wieder- 
gabe der Antwort Jesu an Johannes den T. : mwxol svayyeXi^uvrai. 
Wenn nun Jesus in den Worten Jes 61,1: „den Armen frohe Botschaft 
zu bringen" den bezeichnenden Ausdruck für seine Anfangstätigkeit 
gefunden hat, so mochte es ihm wohl naheliegen, die erste Seligpreisung 
gerade den „Armen" gelten zu lassen. So lautet ja auch Lk 6, 20: 
„Selig sind die Armen." Wir nehmen an, daß Jesus mit den „Armen" 
jene breite Schicht der geringen u. verachteten Leute in seinem Volk 
gemeint hat, die in der rabbin. Literatur y:.ii^ ''^v (Sing, y^xn ■dv) 
heißen ^ u. Joh 7, 49 von den wissensstolzen u. selbstgerechten Pharisäern 
bezeichnet werden als „dieser Haufe, der das Gesetz nicht kennt; ver- 
flucht sind sie!" Wenn diese Verwünschung die Stimmung deutet, die 
die geistlichen Führer des Volkes gegen die ? Amme ha-'arep beseelte, 
wie mußte dann Jesu Ruf die Herzen dieser Verachteten treffen: „Selig 
sind die Armen; denn euer ist das Reich Gottes" (Lk 6, 20)! Sachlich 
macht es keinen Unterschied, wenn die „Armen" bei Mt 5, 3 durch 
den Zusatz reo nvevf^iaji als „Arme am Geist" charakterisiert werden. 
Es sind ja dieselben Leute, die Lk u. Mt im Auge haben; nur daß sie. 
jener mehr nach ihrer äußeren Lage benennt, dieser treffender nach 
ihrer inneren Verfassung. Die ?Amme ha-'are9 waren durchaus nicht 
immer Leute, denen es an irdischen Gütern gebrach; zu ihnen haben 
auch Reiche gehört; aber was sie alle kennzeichnete, war eine gewisse 
Armut geistiger Art. Sie kannten weder in genügendem Maße die 
Auslegung, die die pharisäischen Schriftgelehrten dem Gesetz zuteil 
werden ließen, noch trauten sie sich die Kraft u. die Freudigkeit zu, 
ihr religiöses Leben nach den Satzungen der Rabbinen erfolgreich zu 
ordnen u. zu regeln. Dabei erfuhren sie täglich aufs neue, wie sie 
von den Gesetzesstrengen verachtet u. gemieden wurden; was Wunder 
also, wenn sie schließlich eine Beute des Pessimismus wurden u. sich 
selber als eine massa perditionis vorkamen! 



^ Auch Lichtenstein, Kommentar zum Mt S. 26 versteht unter den nrMxoi der 
1. Seligpreisung die ?Amrae ha-iarep. Genaueres über diese Volksklasse s. bei Joh 7, 49. 



Matth 5, 3 (Nr. 2) 191 

An diese geistig Armen u. Heruntergekommenen wendet sich Jesu 
Predigt in der Voraussetzung, daß Menschen, die die eigene religiös- 
sittliche Unzulänglichkeit kennen, ihr Herz willig dem Evangelium 
öffnen werden, das ihnen nicht, wie die Satzungen der Schriftgelehrten 
gebietend u. fordernd, sondern gebend u. tröstend entgegentritt: „Selig 
sind die Armen am Geist; denn ihrer ist das Himmelreich." Ein solcher 
Makarismus wäre im Munde der pharisäisch gerichteten Schriftgelehrten 
geradezu ein Unding. Sie haben in der Armut am Geist nie eine Quelle 
des Segens, wohl aber die Wurzel alles Übels gesehen. 

Reia theoretisch lautet die Ausführung N''d 40 '': R. Ammi (um 300) hat gesagt, 
Rab (t 217) habe gesagt; Was bedeutet: „Du nun, o Menschenkind, mache dir Aus- 
wanderungsgeräte " Ez 12, 3? Damit ist eine Leuchte u. eine Schüssel (zum Essen) u. 
eine Decke (Unterlage zum Liegen) gemeint. , Aus Mangel an allem" Dt 28, 57. R.Ammi 
hat gesagt, Rab habe gesagt: Ohne eine Leuchte u. ohne einen Tisch. Rab Chisda 
(t ;>0y) hat gesagt: Ohne Weib. Rab Schescheth (um 260) hat gesagt: Ohne einen Diener 
(Rab Seh. war blind, bedurfte also eines Dieners). Rab Nachnian (f 820) hat gesagt: 
Ohne Wissen riy'r. In einer Bar ist gelehrt worden: Ohne Salz und ohne Fett. Abaje 
(t 338/39) hat gesagt: Wir haben durch Tradition überkommen: Es gibt keinen Armen 
-:y außer dem (der arm ist) an Wissen ri-j'rz. Im Abendland (Palästina) sagt man: 
Hat er dieses (Wissen), so hat er alles; hat er dieses nicht, was hat er? Hat er dieses 
erworben, was mangelt (ihm); hat er dieses nicht erworben, was hat er erworben? || 
Ähnlich LvR 1 (105''): R. Tanchuma (um 380) eröffnete seinen Vortrag mit Spr 20, 15: 
,Es gibt Gold u. viele Perlen; aber ein kostbares Gerät sind Lippen der Erkenntnis." 
Nach dem gewöhnl. Lauf der Welt kann ein Mensch Gold u. Silber, Edelsteine u, Perlen 
u. jede Kostbarkeit in der Welt u. jedes Gut besitzen; hat er aber keine Ein.sicht (Er- 
henntnis. Wissen), welchen Besitz hat er? Ein Sprichwort: Besitzest du Wissen, was 
mangelt dir? Mangelt Wissen, was besitzest du? — Dieses Sprichwort auch Midr Qoh 
7, 23 (37^»]; NuR 19 (185 ''l; P'^siq33b: TanchB r-n § 10 (55-'); s. auch TanchB s-pi 
§ 2 (2*). — So einseitig diese Sätze sind, so häßlich sind die Folgerungen, die manche 
daraus gezogen haben. Sanh 92": R. EUazar (um 270) hat gesagt: Es ist verboten, sich 
eines Menschen zu erbarmen, der kein Wissen besitzt; s. Jes 27, 1 1 : ,Denn kein Volk 
von Einsichten ist es; deshalb wird sich sein Schöpfer seiner nicht erbarmen u. sein 
Bildner keine Gnade an ihm üben." Derselbe hat gesagt: Wer sein Brot dem gibt, 
der kein Wissen hat, über den kommen Leiden; vgl. Obadja7: „Dein Brot machen 
sie zu einer Schlinge, -it-», unter dir, Einsicht ist nicht in ihm", u. Schlinge --t: be- 
deutet nichts andres als Leiden, s. Hos 5, 13: „Es sah Ephraim seinen Schaden u. Juda 
seine Wunde" i-tt. Ferner hat er gesagt: Jeder Mensch, der kein Wissen hat, zieht 
schließlich in die Verbannung; s. Jes 5, 13: „Deshalb muß mein Volk auswandern wegen 
Mangels an Wissen" (so der Midrasch). — Bei all diesen Sätzen muß man sich gegen- 
wärtig halten, daß mit dem Unwissenden immer der f Am ha-sare9 gemeint ist. Das 
beweisen Stellen ähnlichen Inhalts, die den ?Am ha-:äare9 ausdrücklich nennen. Aboth 
2, 5 sagt Hillel (um 20 v. Chr.): Ein Ungebildeter ^•'- ist nicht sündensclieu u. ein 
fAm ha-jarcQ ist nicht fromm. || P'^3 49b: R. Sch'^muel b. Nachman (um 2tiÖ) hat ge- 
sagt, R. Jonathan (um 220; so lies statt R. Jochanan) habe gesagt: Einen fAm ha-jare(j 
darf man zerreißen wie einen Fisch. |i P'^s 4Hb^ R. Elfazar (um 270) hat gesagt: Einen 
?Am ha ^are^ darf man (selbst) an einem Versöhnungstag, der auf einen Sabbat fällt, 
durchbohren. Seine Schüler sagten zu ihm: Rabbi, sage: „Man darf ihn abschlachten." 
Da sagte er zu ihnen: Dies (das Abschlachten, irni) bedarf eines Lobspruches (den 
der f Am ha-5areQ nicht wert ist), aber jenes (das Durchbohren) bedarf keines Lob- 
spruchs, jl BB 8^ sagt Rabbi zur Zeit einer Hungersnot: Wehe mir, daß ich mein 
Brot einem fAm ha-jare? gegeben habe (vgl. oben Sanh 92»)! . . . Strafe kommt nur 
wegen der f Amme ha-Jarec in die Welt. (Das Volk, das das Gesetz nicht kennt, die 



192 Matth 5, 3 {Nr. 2. 3) 

Unwissenden, eine Quelle alles Unheils.) II Sanh 90'd: (R. Sch^^muSl b. Nachman sagte:) 
Man darf keinem Priester Hebe geben, der ein ?Am ha-sare^ ist. — Diese Regel wird 
oftmals ausgesprochen, zB TD«mai 2, 2 (47); SNu 18,28 §121 (41^); Sanh 90b. || 
Schab 38^ Bar: Vier Anzeichen gibt es (die, wenn sie sich bei einem Menschen be- 
merkbar machen, ein sicherer Beweis sind, daß der Betreffende einer bestimmten 
Sünde ergeben ist): ein Anzeichen von (geschlechtlicher) Sünde ist Wassersucht; ein 
Anzeichen von grundlosem Haß ist die Gelbsucht; ein Anzeichen von Hochmut ist die 
Armut; ein Anzeichen von Verleumdung ist die Halsbräune. — Hierzu heißt es Sanh 
24* = Qid 49^: Ein Autor hat gesagt: ,Ein Anzeichen von Hochmut ist die Armut." . . . 
Welche A. ist gemeint: Die A. an Torakenntnis. — Die geistige A. oder die A. an 
Torakenntnis ist also ein sicheres Merkmal, daß in dem Betreffenden Hochmut wohnt. 
Von hier aus fällt Licht auf die Charakteristik der Jüngerschaft Abrahams u. Jesu in 
Aboth 5, 19: Wer folgende drei Stücke (Eigenschaften) hat, ist ein Schüler Abrahams, 
u. wer drei (andre, entgegengesetzte) Stücke hat, ist ein Schüler Bilfams (= Jesu, 
s. Strack. Jesus, §5. 12). Ein wohlwollendes Auge, ein bescheidener Sinn u. ein de- 
mütiger Geist nr-'a: r-r,i (das ist) ein Schüler Abrahams. Ein mißgünstiges Auge, ein 
gieriger Sinn u. ein hochmütiger Geist -rjiaJ. rrn-i (das ist) ein Schüler Bilfams. 

Diese hochmütigen, aufgeblasenen Geister, das sind jene »Armen", 
die von der Tora nichts wissen, um so lauter aber den Anspruch er- 
heben, daß sie das rechte Israel seien, u. daß ihnen das Himmelreich 
gehöre — eine schlimme Frucht aus der bösen Wurzel, welche heißt 
„Armut am Geist"! Wie hätte bei solchen Anschauungen von der 
Synagoge ein Wort geprägt werden sollen, das dem Ausspruch Jesu 
ähnlich wäre: Selig sind die Armen am Geist; denn ihrer ist das 
Himmelreich? Gleichwohl hat man jüdischerseits^ auch zu diesem 
Makarismus Parallelen beigebracht. Man entnimmt ihm, daß Jesus 
seinen Jüngern die Demut habe empfehlen wollen, u, zitiert daraufhin 
alle möglichen Stellen, die die Demut verherrlichen u. den Hochmut 
bekämpfen, ohne zu bedanken, daß die Demut in den verschiedenen 
Lagen u. Verhältnissen des menschlichen Lebens in gar verschiedener 
Weise sich äußern kann u. deshalb nicht überall identisch zu sein 
braucht mit jener Mt 5, 3 vorausgesetzten Demut, die im Bewußt- 
sein der menschl. Untüchtigkeit, Gott zu gefallen, die Seligkeit des 
Himmelreiches ausschließlich von der Gnade Gottes erhofft u. er- 
bittet. Wir lassen jene Stellen im nächsten Absatz folgen unter der 
Überschrift: 

3. Ein Lob der Demut. 

Aboth fi, 5: Die Tora wird durch 48 Dinge erworben, nämlich durch Studium, durch 
Hören des Ohrs, durch Zurüsten der Lippen, durch Einsicht des Herzens, durch Ver- 
stand des Herzens, durch Schrecken u. Furcht, durch Demut ^i:v . . . — Als Kom- 
mentar zu „durch Demut" sind folgende Stellen anzusehn. Aboth 6, 4: Das ist die Art 
der Tora (der Weg zu ihrer Erwerbung): iß Brot mit Salz „und trink Wasser mit Maß' 
Ez 4, II, schlafe auf der Erde u. lebe ein Leben der Entbehrung u. mühe dich mit der 
Tora. II sErub -H« u. N^d -^5": (Rab Joseph, f HAS, sprach zu Raba, f 352:) Du darfst dich 
nicht eher auf deine Schenkel setzen, als bis du mir diese Schriftstelle gedeutet hast. 
Was bedeutet Nu 21, 18 f.: „Von der Wüste nach Matthana u. von Matthana nach Nacha- 



' Die fleißigste Sammlung von Parallelen zur Bergpredigt Jesu bringt T. Tal, Een 
Blick in Talmoed en Evangelie, Amsterdam 1881. 



Matth 5, 3 (Nr. 3) I93 

liel u. von Nachaliöl nach Bamoth u. von Bamoth nach dem Tal s-jn"? Er antwortete: 
Wenn ein Mensch sich selbst zu einer Wüste macht, auf die alle treten, so wird ihm 
Torakenntnis als Geschenk nir^sa gegeben ; u. wenn sie ihm als Geschenk gegeben 
ist, dann ist Gott sein Teil Vs iVn: (= Nachalieli; u. wesn Gott sein Teil ist, dann 
steigt er empor zur Größe, wie es heißt: „Von Nachaliel nach Bamoth" (= Höhen). 
Wenn er aber sein Herz stolz erhebt (wegen seiner Torakenntnis), so erniedrigt ihn 
Gott, wie es heißt: „Von Bamoth in das Tal"; u. wenn er sich bekehrt, so erhöht ihn 
Gott, s. Jes 40, 4: „Jedes Tal wird erhöht." — In Midr Ps 5 § l (25'') eine ähnliche Aus- 
führung im Munde des R. Jannai, um 225. — Die Demut, durch welche Torakenntnis 
erworben wird, besteht hiernach darin, daß sich der Mensch durch keine Entbehrung 
u. Zurücksetzung vom Torastudium abbringen läßt. Dieselbe Demut, durch welche der 
Mensch Torakenntnis erwirbt, ist es, durch die er seine Torakenntnis bewahrt. Aboth 
RN 11 : (Ben fAzzai, um 110, antwortete dem R. $Aqiba: Erkläre nach dem Inhalt:)* 
Wenn sich ein Mensch wegen der Worte der Tora erniedrigt (verächtlich macht V::':, 
Deutung von rhzz Spr 80, 82) u. Datteln u. Johannisbrot (lies c"ii^- statt =-;i^»:) ißt 
u. sich kleidet mit schmutzigen Gewändern u. sitzt u. wacht an der Tür der Gelehrten, 
so.sagen die Vorübergehenden: „Das ist wohl ein Narr!" Schließlich aber findest du 
die ganze Tora bei ihm (in seinem Besitz). Vgl. den Ausspruch des R. Sch^muel b. 
Nachman (um 260) B'rakh 6S^. || fErub54^: Rab Matth^-na (um 270) hat gesagt: Was 
bedeutet Nu 21, 18: „Von der Wüste nach Matthana"? Wenn sich ein Mensch (demuts- 
voll) selbst zu einer Wüste (Trift) macht, auf die alle treten, so behält sein Erlerntes 
Bestand bei ihm; wenn aber nicht, so behält es nicht Bestand bei ihm. || Sota 21b: 
R. Jose b. Chanina (um 270) hat gesagt: Die Worte der Tora behalten Bestand nur bei 
dem, der sich um ihretwillen nackt macht; vgl. Spr 8, 12: „Ich, Weisheit, sitze nackt 
da* (so der Midrasch). R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Die Worte der Tora erhalten 
sich nur bei dem, der sich selbst ansieht, als wäre er nichts; vgl. Hi 28, 12: „Die 
Weisheit wird von einem Nichts gefunden" (so der Midrasch). || fErub 55'': Raba (t 352) 
hat gesagt: „Nicht im Himmel ist sie" (die Tora, Dt 80, 12), sie wird nicht bei dem 
gefunden, der sich stolz in seinem Innern erhebt, so hoch wie der Himmel ist; „u. sie 
ist nicht jenseits des Meeres" Dt 30, 13, auch nicht bei dem wird sie gefunden, der 
in seinem Innern sich ehrgeizig breitmacht, so weit wie das Meer ist. R. Jochanan 
(t 279) hat gesagt: „Nicht im Himmel ist sie", sie wird nicht bei den Hochmütigen 
gefunden; „u. sie ist nicht jenseits des Meeres", sie wird nicht bei den Hausierern u. 
Krämern gefunden. || Tanch sar -3 24^: Wie sich das Wasser nicht in silbernen u. 
goldenen Gefäßen hält, sondern in irdenen, so erhält sich die Tora nicht bei den Hoch- 
mütigen, sondern bei dem, dessen Sinn demütig r^Di":: ist. R. Acha (um 320) hat ge- 
sagt: „Von wo (vs":) wird die Weisheit gefunden" (erlangt, Hi 2S, 12)? Was bedeutet 
"si? Bei denen wird sie gefunden, die sich selbst für nichts "s: halten. — Der I.Satz 
gehört nach Tafan 7^ dem R. Hoscha?ja, um 225, an. || Tafan 7*: R. Chanina b. Idi (IL, 
gegen 300) hat gesagt: Warum werden die Worte der Tora mit dem Wasser verglichen 
(Jes 55, 1): „Ach, ihr Dürstenden alle, kommt zum Wasser"? Um dir zu sagen: Wie 
das Wasser einen hohen Ort verläßt, um nach einem tiefen Ort zu fließen, so halten 
sich die Worte der Tora nur bei dem, dessen Sinn demütig ist. il Andre Stellen empfehlen 
die Demut, die sich herabhält zu den Niedrigen. Sofa 5'^: „Bei dem Zerschlagenen u. 
dem. der demütigen Geistes ist" m^ '^,fs (will ich wohnen) Jes 57, 15. Rab Huna (f 297) 
u. Rab Chisda (f 309). Der eine sagte: Bei mir (spricht Gott) soll der Zerschlagene 
wohnen. Der andre sagte: Ich will bei dem Zerschlagenen wohnen. Ein einleuchtender 
Grund spricht für den, der gesagt hat: „Ich will (spricht Gott) bei dem Zerschlagenen 
wohnen" ; denn siehe, Gott hat alle Berge u. Höhen dahintengelassen u. seine Sch^khina 
(göttliche Gnadengegenwart) auf dem Berge Sinai ruhn lassen, u. nicht ragt der Berg 
Sinai hoch empor. Rab Joseph (f 333) hat gesagt: Immer soll der Mensch von der 



* Die eingeklammerten Worte fehlen in Handschriften u. alten Drucken, s. Schechters 
Ausgabe S. 46. 

strack u.Billerbeck, NT I. 13 



194 Matth 5, 3 (Nr. 3) 

Sinnesart seines Schöpfers lernen. Denn sielie, Gott hat alle Berge u. Höhen dahinten- 
gelassen u. seine Sch'^khina auf dem Berge Sinai ruhn lassen, u. alle edlen Bäume 
hat er dahintengelassen u. seine Sch'^khina im Dornbusch wohnen lassen. (So soll sich 
auch der Mensch herabhalten zu den Niedrigen.) || Sota 5 '^ Rab f Avira (im 4. Jahrb.), 
nach andren R. Elfazar (um 270), hat öffentlich vorgetragen: Komm u. sieh, daß wie 
Gottes Art nicht die Art von Fleisch u. Blut ist. Die Art von Fleisch u. Blut ist: der 
Hohe sieht auf den Hohen, aber nicht sieht der Hohe auf den Niedrigen. Dagegen ist 
Gottes Art nicht also: er ist hoch u. sieht auf die Niedrigen, s. Ps 138, t!: „Denn er- 
haben ist Jahve u. auf den Niedrigen sieht er." 

Im allgemeinen Sinn handeln von der Demut Stellen wie: Aboth 4, 10: R. Meir 
(um 150) pflegte zu sagen: Beschränke dich im Geschäft, beschäftige dich aber mit 
der Tora. Sei demütig gegen alle Menschen. || Aboth 4, 4: R. Levitas aus Jahne (wahr- 
scheinlich der vorhadrianischen Zeit angehörend, Bacher, Tann.^ 1, 444) pflegte zu sagen: 
Sei sehr demütig; denn was der Mensch zu erwarten hat, sind Maden. 1| Sanh 88^: 
Man brachte von dort (aus Palästina) den Ausspruch mit: Wer ist ein Sohn der zu- 
künftigen Welt? Wer demütig ist u. bescheiden auftritt, wer sich bückt beim Kommen 
u. beim Gehn, wer immerfort in der Tora studiert u. sich nichts darauf zugute hält. 
Da lenkten unsre Lehrer ihre Augen auf Rab fUlla b. Abba (um 2öÜ? als einen, der 
diesen Anfordungen genügte). || Sota 9, 15: R. Pin'^chas b. Jair (um 200) hat gesagt: Die 
Hurtigkeit (in der Erfüllung der Gebote) führt zur (leiblichen) Reinheit, diese führt 
zur (levitischen) Reinheit, diese zur Enthaltsamkeit, diese zur Heiligkeit, diese zur 
Demut, diese zur Sündenscheu, diese zur Frömmigkeit (mystisch-kontemplativer Art), 
diese zum heiligen Geist (zu prophetischer Begabung), dieser zur Auferstehung der 
Toten, u. diese kommt durch den Propheten Elias, gesegneten Angedenkens, Amen! — 
In den Parallelstellen pSchab 1, 3'', 7. 20; pSch^q 8, 47", 49; Midr HL 1, 1 (79b) lautet 
der Schlußsatz nicht: Die Auferstehung der Toten „kommt durch Elias", sondern „führt 
zu Elias"; als Belegstelle dient Mal 3, "23. Die Vorstellung geht dann dahin, daß sich 
an die Auferstehung der Toten unmittelbar das Kommen des Elias u. der Tag Jahves 
anschließe. In Midr Spr 15, 32 (41'') sind beide Lesarten miteinander kombiniert: im 
Ausspruch des Pin'^chas heilst es: Die Auferstehung der Toten „führt zu Elias", da- 
gegen im nachfolgenden Schriftbeweis: Die Auferstehung der Toten „kommt durch 
Elias". Die Bar fAZ 20 b hat den Satz über Elias überhaupt nicht. — fAZ 20b fügt hinzu; 
Die Frömmigkeit aber ist die größte von allen, s. Ps 89, 20: „Damals redetest du durch 
Gesicht zu deinen Frommen." Das weicht von der Meinung des R. J*^hoschuaf b. Levi 
(um 250) ab; denn dieser hat gesagt: Die Demut ist die größte von ihnen allen; s. 
JesHl, 1: „Der Geist des Allherrn Jahve ruht auf mir, weil Jahve mich gesalbt hat, 
frohe Botschaft zu bringen den Demütigen." Den „Frommen" heißt es nicht, sondern 
den „Demütigen" ; da lernst du, daß die Demut die größte von ihnen allen ist. || Sota 5b: 
R. J'^hoscliuaf b. Levi (um 250) hat gesagt: Komm u. sieh, wie groß vor Gott die sind, 
die gebeugten Geistes sind! Wenn zu der Zeit, da das Heiligtum bestand, ein Mensch 
ein Ganzopfer darbrachte, so war der Lohn eines Ganzopfers in seiner Hand; wenn 
ein Speisopfer, so war der Lohn eines Speisopfers in seiner Hand. Aber dem, dessen 
Sinn demütig ist, rechnet es die Schrift so an, als ob er alle Opfer allzumal dar- 
bringt; s. Psöi, 19: „Die Schlachtopfer Gottes sind ein gebrochener Geist", u. nicht 
bloß dies, sondern auch sein Gebet wird nicht verworfen, wie es heißt (das.): »Ein 
gebrochenes u. zerschlagenes Herz wirst du, Gott, nicht verachten." W Einen sinnigen 
Ausspruch über die Demut besitzen wir von R. Ji^chaq b. Elfazar (IL, um 340). pSchab 
1, 3'', 15: Er habe gesagt: Was die Weisheit zur Krone* für ihr Haupt gemacht hat 
(nämlich die Gottesfurcht), das hat die Demut zum Endteil (Ferse =-•.) ihrer Sandale 
gemacht; denn es heißt Ps 111, 10: „Das Haupt (so der Midrasch) der Weisheit ist 
die Furcht Jahves" u. Spr 22, 4 heißt es: „Die Ferse (:->• „Lohn" gedeutet = a;;.;; 
„Ferse") der Demut ist die Furcht Jahves. — Parallelstellen: TanchB -rVyna § 16 
(26b); Midr HL 1, 1 (80-'), hier R. Matthena, um 270, als Autor; in stark abweichender 
Fassung auch Tanch r'-vntz 1 b. 



Matth 5, 4 X95 

5,4: Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen 
getröstet werden. 

Wie die erste Seligpreisung vermutlich auf Jes61,l zurückgeht, 
so die zweite auf Jes 61,2: („Er hat mich gesandt) alle Trauernden zu 
trösten" D^ibas-bs cn:?, LXX: naQaxaXsaai ndiraq rovg nevd^ovvvaq. 
Unter den „Trauernden" Mt 5, 4 hat man nach dem Zus.hang die 
geistig Armen zu verstehn, die ihre Unzulänglichkeit vor Gott erkannt 
haben u. über diese, nachdem die Nähe des Himmelreichs verkündigt 
ist, Bußtrauer empfinden. — Der Gedanke, daß das Kommen der 
messian. Heilszeit Bußschmerz auf selten Israels voraussetze, war auch 
der alten Synagoge geläufig; s. die Belege bei 4, 17 S. 162 ff.; ebenso 
geläufig war die andre Vorstellung (wohl auf Grund des zweiten Teils 
des Jesaja), daß gegenüber der Not u. Trauer der Gegenwart das 
messian. Heil als Israels Tröstung anzusehn sei; s. bei Lk 2, 25. Man 
wird annehmen dürfen, daß auch der Name M^'nachem = Tröster, den 
der Messias nach einigen Gelehrten führen wird (s. S. 66. 83), mit dieser 
Gedankenreihe in Verbindung steht. Neue Anregung erhielt das Trauern 
über Israels elende Gegenwart — vgl. schon die -ii'^j "^b^x Jes 61,3 — 
durch die Ereignisse des Jahres 70 n. Chr. Kleinere Kreise schlössen 
sich zusammen, ihrer Trauer über Jerusalems Fall auch äußerlich in 
gewissen asketischen Bußübungen Ausdruck zu geben. R. J'^hoschua? 
b, Chananja (um 90) u. R. Jischmafel (f um 135) waren es, die diese Be- 
strebungen auf ein annehmbares Maß zurückzuführen versuchten.» Vor 
allem aber kam die offizielle Synagoge diesen Kreisen damit entgegen, 
daß sie den 2. u. den 5. Wochentag, die bereits vor dem Jahre 70 Fast- 
tage gewesen waren, b jetzt zu Fasttagen wegen der Tempelzerstörung 
bestimmte u. den 9. Ab, den Tag der Tempelzerstörung selbst, als 
nationalen Trauertag einführte, c Vereinzelt hören wir auch noch später 
von solchen, die um Zion trauerten. d Die in P'^siqR 34 (158»•^ 159"*) 
mehrmals erwähnten "ir:: i^axe gehören jedoch erst dem 9. Jahrh. an, 
s. Dalman, Der leidende u. sterbende Messias, S. 53. 55. Selbstverständ- 
lich haben diese um Zion Trauernden u. auf den Trost Israels War- 
tenden nichts mit den Trauernden gemein, um die es sich Mt 5, 4 
handelt; immerhin sehen wir an ihnen, wie eng in der alten Synagoge 
der Trostgedanke mit der messian. Heilszeit verbunden gewesen ist. 

a. TSota 1.'), 11 ff. (322): Als das Heiligtum zerstört war, mehrten sich die Ent- 
haltsamen in Israel u. aßen kein Fleisch u. tranken keinen Wein. Es befaßte sich 
R. J'^hoschuaf (b. Chananja) mit ihnen ii. sprach: Meine Kinder, warum esset ihr kein 
Fleisch? Sie sprachen: Sollten wir Fleisch essen, da das Tamidopfer täglich auf dem 
Altar dargebracht wurde, u. jetzt hat es aufgehört (ist es abgeschafft)? Er sprach: 
Warum trinkt ihr keinen Wein? Sie sprachen: Sollten wir Wein trinken, von dem 
auf dem Altar gespendet wurde, u. jetzt hat es aufgehört? Er antwortete ihnen: Auch 
t'eigen u. Weintrauben sollten wir nicht essen, denn von ihnen brachte man Erstlinge 
dar am Wochenfest. Brot sollten wir nicht essen, denn davon brachte man die beiden 
Brote, Lv 23, 17, u. die Schaubrote dar. Wasser sollten wir nicht trinken, denn davon 
brachte man eine Spende dar am Laubhüttenfest. Da schwiegen sie. Er sprach zu 

•13* 



196 Matth5,4 

ihnen: Überhaupt nicht zu trauern ist nicht möglich, da ja das Verhängnis (über uns) 
bereits beschlossen ist; aber auch über die Maßen zu trauern ist nicht möglich; viel- 
mehr haben die Gelehrten so gesagt: Man tüncht sein Haus mit Kalk u. läßt ein kleines 
Stück (ungetüncht) zurück zur Erinnerung an Jerusalem. Man bereitet alles, was zu 
einem Mahl gehört, u. läßt ein weniges (etwa ein Fischgericht BB60l>) zurück zur 
Erinnerung an Jerusalem. Eine Frau führt alles, was zu ihrem Schmuck dient (wie 
Schminken usw.), aus u. läßt ein weniges (etwa das Schminken der Schläfe BB 60^) 
zurück zur Erinnerung an Jerusalem, vgl. Ps 187, 5f. : „Wenn ich dein vergesse, 
Jerusalem, so vergesse meine Rechte (sich); meine Zunge klebe an meinem Gaumen, 
wenn ich deiner nicht gedenke, wenn ich nicht Jerusalem zum Gipfel meiner Freude 
erhebe." Wer über Jer. trauert, der ist würdig, ihre Freude zu schauen, vgl. Jes t>6, 10: 
„Freuet euch mit Jerusalem u. frohlocket über sie, alle, die ihr sie liebhabt! Jubelt 
mit ihr in Wonne, alle, die ihr um sie getrauert habt!" — Dasselbe als Bar mit Ab- 
weichungen BB 60b; Midr Ps 137 § 6 (262b). || BB 60b Bar: R. Jischmafel b. Elischaf 
hat gesagt: Seit dem Tage, da das Heiligtum zerstört wurde, wäre es recht, daß wir 
über uns selbst verhängten, kein Fleisch zu essen u. keinen Wein zu trinken; aber 
man verhängt über die Gesamtheit einen Beschluß nur dann, wenn die Mehrzahl der 
Gesamtheit dabei bestehn kann. Seit dem Tage, da die frevlerische (d. i. die römische) 
Herrschaft sich über Israel ausgedehnt hat u. harte Edikte über uns erläßt u. uns das 
Torastudium u. die Ausübung der Gebote vernichtet (unmöglich macht) u. uns nicht 
zusammenkommen läßt zur Beschneidung eines Sohnes — oder, wie andre sagen, zur 
Auslösung eines (erstgeborenen) Sohnes — wäre es recht, daß wir über uns selbst 
verhängten, kein Weib mehr zu nehmen u. keine Kinder zu erzeugen, so daß infolge- 
dessen die Nachkommenschaft Abrahams von selbst einginge. Aber laß nur die Israe- 
liten; es ist besser, daß sie irrtümlich, als vermessen sündigen! — TSota 15, 10 (322) 
ist diese Ausführung dem Rabban Schim?on b. Gamliel (um 140) beigelegt. 

b. Die Fasttage beim Gemeindefasten waren nach Tafan 1, 6; 2, 9 regelmäßig der 
Montag u. der Donnerstag, s. Exkurs über das Fasten. Vgl. auch „Lehre der zwölf 
Apostel" 8, 1 (ed. Harnack): Eure Fasten sollen nicht mit den Heuchlern (= Juden) 
sein; denn sie fasten am 2. u. am 5. Wochentag. Ihr aber sollt am 4. Tage (= Mitt- 
woch) u. am Rüsttag (= Freitag) fasten. 

C. M g Ta?an 13: Auch haben unsre Lehrer bestimmt, daß man am 2. u. am 
6. Wochentage wegen dreier Dinge fasten solle: wegen der Zerstörung des Tempels 
u. wegen der Tora, die verbrannt wurde, u. wegen der Entheiligung des göttlichen 
Namens. — Sachlich ist dazu 201 stellen Ta?an 4, 6: Am 17. Tammuz (etwa Juli) . . . 
verbrannte Apostomos die Tora u. stellte man ein Götzenbild im Heiligtum auf ( = „Ent- 
heiligung des göttlichen Namens" in der Fastenrolle?). Schlatter, Die Tage Trajans 
u. Hadrians S. 24. 29 will statt „Apostomos" lesen „Apostatis" u. versteht unter dem 
„Apostaten" den R. Elischaf b. Abuja (um 120); die Aufstellung des Götzenbildes 
scheint Schlatter auf die Gründung des Zeustempels in Jerusalem zu beziehen. — Zum 
9. Ab s. zB Pes 4, 5: An einem Ort, wo man am 9. Ab zu arbeiten pflegt, arbeitet man; 
wo man nicht zu arbeiten pflegt, arbeitet man nicht; überall aber feiern die Gelehrten. 
Rabban Schimfon b. Gamliel (um 140) sagte: Alle Menschen sollen sich (in diesem 
Stück) wie zu Gelehrtenschülern machen. — Dazu Ta?an 3Ub: R. Schimfon b. Gamliel 
sagte: Immer soll sich ein Mensch wie zu einem Gelehrtenschüler machen, damit er 
(am 9. Ab) faste. Eine andre Bar: Rabban Schimfon b. Gamliel hat gesagt: Wer am 
9. Ab ißt u. trinkt, ist wie einer, der am Versöhnungstage ißt u. trinkt. R. f Aqiba 
(t um 135) sagte: Wer am 9. Ab eine Arbeit verrichtet, sieht nie ein Zeichen von 
Segen. Die Gelehrten aber sagten: Wer am 9. Ab eine Arbeit verrichtet u. nicht über 
Jerusalem trauert, der sieht (auch) ihre Freude nicht; vgl. Jes 66, 10: „Freuet euch 
mit Jerusalem u. frohlocket über sie, alle, die ihr sie liebhabt! Jubelt mit ihr in Wonne, 
alle, die ihr um sie getrauert habt!" Von hier aus hat man gesagt: Wer über Jer. 
trauert, der ist würdig, ihre Freude zu schauen; wer aber nicht über Jer. trauert, der 
schaut ihre Freude nicht. Eine Bar lautet ebenso: Wer am 9. Ab Fleisch ißt u. Wein 



Matth 5, 4. 5 (Nr. 1) 197 

trinkt, über den sagt die Schrift Ez 32, 27: „Ihre Verschuldung kommt wegen ihrer 
Knochen" (= wegen ihres Fleischgenusses, so der Midrasch). 

d. Gittin 57 »: Abaje (f 338/391 sagte zu Rab Joseph (f 333): Da diese alle (die 
Bewohner des Königsgebirges) Gerechte waren, warum sind sie denn (im hadrianischen 
Kriege) bestraft worden? Er antwortete ihm: Weil man nicht über Jerusalem ge- 
trauert hatte; denn es steht geschrieben Jes 66, 10: Freuet euch mit Jer. usw. || BQ 59-^: 
Elifezer der Jüngere (gemeint ist R. El?azar b. P'^dath, um 270) hatte schwarze Schuhe 
(als Trauerabzeichen) angelegt u. stand auf dem Markt von N^hardefa. Es trafen ihn 
Leute des Exilarchen u. sprachen zu ihm: Was ist es andres um diese Schuhe (welche 
Bewandtnis hat es mit ihnen)? Er sprach zu ihnen: Ich traure um Jerusalem! Sie 
sprachen zu ihm: Bist du denn so angesehen, daß du um Jer. trauern darfst? . . . 

e. P*'siqR 34 (158^)) werden die um ^ion Trauernden geschildert als Leute, die 
nach der Erlösung (in ihren Gebeten) Verlangen tragen abends, morgens u. mittags. — 
Das. 159^ sagt Gott von ihnen: Weil sie sich mit mir grämen wegen meines Hauses, 
das zerstört ist, u. wegen meines Tempels, der verwüstet ist, werde ich jetzt für sie 
Zeuge sein, vgl. Jes 57, 15: ,Bei dem Zerknirschten u. Demütigen" ; lies nicht rs „bei" 
dem Zerknirschten, sondern -rs „mit mir" soll der Zerknirschte sein. Das sind die 
um ^ion Trauernden, die ihren Geist erniedrigen isich selbst demütigen) u. ihre Be- 
schimpfung hören u. schweigen u. sich selbst darauf nichts zugute tun. 

5,5: Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden 
das Land besitzen. 

Die dritte Seligpreisung schließt sich eng an Ps37, 11 an: „Die 
Sanftmütigen werden das Land besitzen" (ererben) •jnx fid-ii-;! tiia?. 
Wörtlich ebenso der Targum: n>-in i^nn"; '|i3r"i;r; LXX: ot 6^ nqasTq 
xhjQorofirjüovGi yrv. 

1. Das Lob der Sanftmut ertönt nicht selten in der rabbin. Lite- 
ratur; doch hat man zu beachten, daß n;;;;?, riiiri:^' nicht nur „Sanft- 
mut", sondern zugleich auch „Demut" u. „Bescheidenheit" bedeutet, 
Gegensatz zu "ri??, ';>, x:'j;;j ist daher nicht bloß der ^-i^id (i^sip), 
der „Aufbrausende", sondern auch der nn os, der „Hochmütige", 
„Stolze". 

N'^d38'^: R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Gott läßt seine Sch%hina (Gnaden- 
gegenwart) nur auf einem Starken, einem Reichen, einem Weisen u. einem Sanft- 
mütigen t:>' ruhn, u. das alles (lernt man) von Mose. Er war stark, s. Ex 40, 19; 
Dt 9, 17; er war reich, s. Ex 34, 1 (die aus Saphir gehauenen u. zerbrochenen Gesetzes- 
tafeln fieleo ihm zu, daher sein Reichtum); er war weise, s. Ps 8, 6; er war sanft- 
mütig, s. Nu 12, 3: „Der Mann Mose war sehr sanftmütig "3:-, mehr als alle andren 
Menschen." || Aboth RNathan 7 : Lehre deine Hausgenossen Sanftmut n-jv: wenn ein 
Mensch sanftmütig ',r-^zy ist u. seine Hausgenossen sanftmütig sind, u. es kommt ein 
Armer u. steht an der Tür des Hausherrn u. spricht zu ihnen: Ist euer Vater hier? 
u. man antwortet ihm: Ja! komm u. tritt ein, — dann ist der Tisch zugerüstet, noch ehe 
er eintritt, u. er tritt ein u ißt u. trinkt u. preist den göttlichen Namen. Das gereicht 
dem Hausherrn zu großer Befriedigung. Wenn aber ein Mensch nicht' sanftmütig ist 
u. seine Hausgenossen aufbrausend "i~tp sind, u. es kommt ein Armer u. steht an 
seiner Tür u. spricht zu ihnen: Ist euer Vater hier? dann antwortet man ihm: Nein! 
u. fährt ihn an u. wirft ihfi hinaus mit Anschreien. Eine andre Erklärung. Lehre deine 
Hausgenossen Sanftmut. Wie denn? Wenn ein Mensch sanftmütig ist u. seine Haus- 
genossen sanftmütig sind, u. er verreist in eine ferne Gegend u. sagt (sagen kann): 

* So -nicht" richtig Schechter. 



198 Matth 5, 5 (Nr. 1) 

,Ich danke dir, Jahve mein Gott, daß mein Weib keinen Streit mit den andren an- 
fängt", dann ist sein Herz ohne Furcht in ihm u. sein Gemüt beruhigt bis zu der 
Stunde, da er zurückkehrt. Wenn aber ein Mensch nicht sanftmütig ist u. seine Haus- 
genossen aufbrausend sind u. er reist in eine ferne Gegend u. sagt (sagen muß): Es 
sei wohlgefällig vor dir, Jahve mein Gott, daß mein Weib keinen Streit mit den andren 
anfängt u. daß meine (Text: seine) Kinder keinen Streit anfangen, — dann ist sein 
Herz voller Furcht in ihm u. sein Gemüt hat keine Ruhe, bis er zurückkehrt. |l Derekh 
Ere^Ö: Drei Dinge sind einander gleichwertig: Weisheit, (Gottes-)Furcht u. Sanftmut 
ni:j". II Derekh Ere^Zutaö: Liehe die Sanftmut ^-ji-, damit sie deine Hände fülle.; 
B^'rakh IT'*: Ein Gewohnheitsspruch im Munde des Abaje (f 33S/;>y): Immer sei der 
Mensch klug in (Gottes-)Furcht. ,Eine sanfte (linde ~^) Antwort stillt den Groll" 
Spr 15, 1, u. er mehrt (dadurch) den Frieden mit seinen Brüdern u. mit seinen Ver- 
wandten u. mit jedermann, selbst mit den Fremden (Nichtisraeliten) auf der Straße, 
damit er beliebt sei oben (bei Gott) u. angenehm unten (bei den Menschen) u. wohl- 
gelitten bei den Menschen. Man hat von Rabban Jochanan b. Zakkai (f um 80) ge- 
sagt, daß ihm kein Mensch jemals mit dem Friedensgruß zuvorgekommen sei, selbst 
nicht ein Fremder auf der Straße. 

Besonders war es Hillel der Alte (um 20 v. Chr.), dessen Sanftmut in mancherlei 
Erzählungen gefeiert wurde. Schab 30*^ Bar: Immer sei der Mensch sanftmütig "ii:y. 
wie Hillel, u. nicht sei er aufbrausend "tp wie Schammai (um 30 v. Chr.). Einmal 
hatten zwei Männer miteinander gewettet u. gesagt: Wer hingeht u. Hillel ärgerlich 
macht, der erhält 400 Zuz. Da sagte einer von ihnen: Ich will ihn ärgerlich machen. 
Jener Tag war gerade der Rüsttag auf Sabbat, u. Hillel war mit dem Waschen seines 
Kopfes beschäftigt. Jener Mann ging u. stellte sich an die Tür von Hillels Haus u. 
rief: Ist Hillel hier? Ist Hillel hier? Dieser hüllte sich ein u. ging hinaus ihm ent- 
gegen. Er sprach zu ihm: Mein Sohn, was begehrst du? Er antwortete: Ich habe dir 
eine Frage vorzulegen. Frage, mein Sohn, sprach H. Jener fragte: Woher kommt es, 
daß die Köpfe der Babylonier rund sind? H. antwortete: Mein Sohn, du hast eine 
große Frage getan: weil sie keine geschickten Hebeammen haben. Der Mann ent- 
fernte sich. Als er eine Stunde gewartet hatte, ging er abermals hin u. rief: Ist Hillel 
hier? Ist Hillel hier? H. hüllte sich ein u. ging hinaus ihm entgegen. Er sprach zu 
ihm: Mein Sohn, was begehrst du? Er antwortete: Ich habe dir eine Frage vorzulegen. 
Frage, mein Sohn, sprach H. Jener fragte: Woher kommt es, daß die Augen der 
Tadmorenser (Einwohner von Falmyra) zwinkernd sind? H. antwortete: Mein Sohn, 
eine große Frage hast du getan: weil sie in sandigen Gegenden wohnen (u. so mit 
dem Zwinkern die Augen gegen den Sandstaub in der Luft schützen). Der Mann ent- 
fernte sich usw., wie oben, bis die dritte Frage vorgelegt wird: Woher kommt es, daß 
die Füße der Afrikaner breit sind? H. antwortete: Mein Sohn, eine große Frage hast 
du getan: weil sie in Sumpfgegenden wohnen (u. so durch die breiten Füße gegen 
das Einsinken be.sser geschützt sind). Da sprach der Mann zu ihm: Noch viele Fragen 
habe ich dir vorzulegen; aber ich fürchte, du möchtest böse werden. H. hüllte sich 
ein u. setzte sich vor ihm nieder. Alle Fragen, die du noch zu tun hast, tu getrost! 
Der Mann sprach: Bist du Hillel, den man den Nasi (Fürsten) von Israel nennt? H. 
sprach zu ihm: Ja! Darauf jener: Wenn du der bist, so möge es nicht viele deines- 
gleichen in Israel geben. Warum, mein Sohn? fragte H. Weil ich deinetwegen 400 Zuz 
verloren habe. H. sprach zu ihm: Sei vorsichtig in deinem Sinn; Hillel bekommt es 
fertig, daß du noch einmal 400 Zuz verlierst, ohne daß sich Hillel ärgerlich machen 
läßt. II Derekh Eret; 5 (in andren Ausgaben (i): Nicht sei der Mensch aufbrausend '-zp 
während seines Mahles. Es geschah, daß Hillel der Alte einem Menschen ein Mahl 
bereitete. Es kam ein Armer, stand an seiner Tür u. sprach: Ich muß heute ein Weib 
heimführen u. habe keinen Lebensunterhalt. Da nahm Hilleis Gattin das ganze Mahl 
u. gab es ihm. Darauf knetete sie andren Teig u. kochte ein Pfannengericht. Dann 
kam sie u. setzte es ihnen vor. Hillel sprach zu ihr: Meine Tochter, warum hast du 
uns nicht (so ist zu lesen) sofort gebracht? Sie erzählte ihm alles Vorgefallene. Er 



Matth 5, 5 (Nr. 1 . 2) I99 

sprach zu ihr: Meine Tochter, auch ich beurteile dich nicht nach der Wagschale der 
Schuld, sondern nach der Wagschale des Verdienstes; denn alles, was du getan hast, 
hast du nur um Gottes willen getan! || Schab 31'' berichtet eine Bar von drei Heiden, 
deren Begehren Proselyten zu werden Scbammai wegen der daran geknüpften Be- 
dingungen schroff abweist; sie kommen dann zu Hillel, der sie von der Verkehrtheit 
ihrer Bedingungen überzeugt u. für das Judentum gewinnt. Zum Schluß heißt es: Da 
kam der dritte vor Hillel u. sprach: Du sanftmütiger in-r-y Hillel, mögen Segnungen 
auf deinem Haupte ruhen! denn du hast mich unter die Flügel der Sch^khina (Gott- 
heit) gebracht. Nach einiger Zeit d-'o-'; trafen sich die drei an einem Ort. Sie sprachen : 
Das Aufbrausen ri:-TEp Schammais wollte uns aus der Welt stoßen, die Sanftmut 
nsrvjy Hilleis hat uns unter die Flügel der Sch^khina gebracht. || Sota48fe: Als Hillel 
der Alte starb, erhob man um ihn die Trauerklage: Wehe, ob des Frommen, wehe, 
ob des Sanftmütigen i":v, des Schülers Esras! — Seitdem wurde es üblich, die Sanft- 
mütigen unter den Gelehrten als Schüler Hillels zu bezeichnen. Sota 48b: Als Sch^'muel 
der Kleine (um 100) gestorben war, erhob man um ihn die Totenklage: Wehe, ob des 
Sanftmütigen tjv, wehe, ob des Frommen, des Schülers Hilleis! . . . Auch um R. J^'huda 
b. Baba (getötet um 1)^5) wollte man sagen: Wehe, ob des Frommen, wehe, ob des 
Sanftmütigen vjy, aber die Stunde (Zeit) war verwirrt (durch die Wirren der hadria- 
nischen Verfolgung); denn man erhebt keine Totenklage wegen der von der Regierung 
Getöteten. Dasselbe Sanh II ^. — Als Sanftmütige (Demütige, Bescheidene) werden 
gefeiert auch: Rabban Schim?on b. Gamliel (um 140) BM 84l>; 85^; Sanh 11'* ver- 
glichen mit llt> Anfang; Rabbi Sota 9, 15; Sota 49b; Horaj li''; R. Ghanina (um 225) 
Nidda 20b; R. Abbahu (um 0OO) Sota 40»; Rabbah b. Huna (t 322) MQ 28'''; Rah Joseph 
<t :333) Sota 49 b. 

2. Ps37, 11 wird in der rabbin. Literatur selten zitiert: uns sind 
drei Stellen begegnet, 

SNu 6, 26 § 42 (IS"): Groß ist der Friede; denn er ist den Sanftmütigen gegeben, 
s. Ps 37, 1 1 ,Die Sanftmütigen werden das Land besitzen u. ihre Lust haben an Friedens- 
fülle. * II Derekh Ere9 Zuta(Pereq ha-schalom 21 bj: Wer den Frieden liebt u. dem Frieden 
nachjagt u. mit dem Friedensgruß zuvorkommt u. den Friedensgruß erwidert, den läßt 
Gott das Leben dieser u. der zukünftigen Welt (nach der Auferstehung der Toten) er- 
erben, s, Ps37, 11: „Und die Sanftmütigen werden das Land besitzen u. ihre Lust haben 
an Friedensfülle. " || Sukka29b Rah (t247) hat gesagt: Wegen vier Dinge gehen die 
Güter der Besitzenden (wörtlich: der Hausbesitzer, Hausherren) an den Staatsschatz 
über (nämlich durch Konfiskation): wegen solcher, die den Lohn des Tagelöhners 
zurückhalten (nicht am Tagesschluß auszahlen): wegen solcher, die den Tagelöhner 
um seinen Lohn bringen; wegen solcher, die ein Joch (eine Last) von ihrem Halse 
abwerfen u. es auf ihre Genossen (^ auf andre) legen, u. wegen Hochmuts ms; 
m-n, u. der Hochmut wiegt sie alle auf. Aber von den Sanftmütigen steht geschrieben 
Ps 37, 11: „Und die Sanftmütigen werden das Land besitzen u. ihre Lust haben an 
Friedensfülle. " 

Von diesen Stellen ist die zweite sicher eschatologisch gemeint; 
die beiden andren ebenso aufzufassen empfiehlt sich schon aus dem 
Orunde, weil auch in sonstigen Stellen, in denen vom Besitz des Landes 
oder der Welt die Rede ist, diese Besitznahme regelmäßig in den 
Tagen des Messias oder in der zukünftigen Welt (nach der Auferstehung 
der Toten) erwartet wird. 

Henoch 5, 7: Den Auserwählten wird Licht, Freude u. Friede zuteil werden, u. sie 
werden das Land erben (in Besitz nehmen, zur Zeit der Heilsvollendung). || Jubil 32, 18 f. 
wird Gn 28, IHf. in folgender Weise umschrieben: Ich bin der Gott, der Himmel u. 
Erde geschaffen hat; ich werde dich gar sehr groß u. zahlreich machen, u. Könige 



200 Matth 5, 5 (Nr. 2) 

werden aus dir hervorgehen, u. sie werden herrschen überall, wohin der Fuß der 
Menschenkinder getreten ist. Und ich werde deinem Samen die ganze Erde, die unter 
dem Himmel ist, geben, u. sie werden über alle Völker herrschen, wie sie wollen, u. 
darnach werden sie die ganze Erde besitzen u. sie erben in Ewigkeit. — Die Er- 
füllungszeit ist die Zeit der Heilsvollendung. Zu dieser Stelle vgl. GnR 1 1 (8'): R. Jochanan 
(t 279) hat im Namen des R. Jose b. Chalaphta (um löO) gesagt: Abraham, von dem 
keine Beobachtung des Sabbats geschrieben steht, hat die Welt D'-:iyn nach einem be- 
stimmten Maß als Besitztum erhalten; s. Gn l:^, 17: „Auf, zieh im Lande umher nach 
seiner Länge u. Breite (hierin liegt die Maßbestimmung); denn ich will es dir geben." 
Aber Jakob, von dem die Beobachtung des Sabbats geschrieben steht, s. Gn 33, 18: 
,Er lagerte vor der Stadt" — mit der Abenddämmerung (eines Freitags) zog er ein 
u. setzte die Sabbatgrenzen fest, während es noch Tag war — hat die Welt ohne Maß 
als Besitztum erhalten; s. Gn 28, 14: ,Du wirst dich ausbreiten nach Westen u. Osten 
u. Norden u. Süden." — Dasselbe P^siqR 2:5 (120b), nur daß hier statt „Weit" ns 
= Erde gesagt ist; in andrer Fassung Schab 118-''. — Die Erfüllung der Jakob ge- 
gebenen Verheißung erwartete man natürlich erst in den Tagen des Messias. || Sanh 
10, 1: Ganz Israel hat Anteil an der zukünftigen Welt (die mit der Auferstehung der 
Toten beginnt); s. Jes 60, 21: „Und dein Volk, die sind allesamt Gerechte; für immer 
werden sie das Land (die Erde) besitzen." — Hier ist der Besitz des Landes oder der 
Erde an den Eintritt der zukünftigen Welt geknüpft. |l Qid 1, 10: Wer Ein Gebot er- 
füllt (über die Zahl seiner Übertretungen hinaus, so daß seine Verdienste in der Mehr- 
zahl sind gegenüber seinen Verschuldungen), dem tut man (= Gott) wohl u. dem ver- 
längert man seine Lebenstage (in dieser Welt, Raschi), u. er nimmt das Land (die Erde) 
in Besitz (in der zukünftigen Welt nach der Auferstehung der Toten); wer aber nicht 
Ein Gebot erfüllt, dem tut man nicht wohl u. dem verlängert man seine Lebenstage 
nicht u. der nimmt das Land nicht in Besitz. — Maimonides bemerkt zu „Land": 
San c'ivn h"-> a-'rtn 7-s „das Land der Lebenden, d. h. die zukünftige Welt". ,Das 
Land der Lebenden" ist das Land der Wiederbelebten oder der Auferstandenen; dieses 
nennt er, da die Auferstehung den Beginn der zukünftigen Welt bedeutet, dann kurz- 
weg san DbiiT!. — Raschi sagt zu den Worten: „Er nimmt das Land in Besitz" : "rr 
san dVm-h , das Leben der zukünftigen Welt". Das kann erstens bedeuten: Das selige 
Leben der jenseitigen, himmlischen Welt (während des Zwischenzustandes); zweitens: 
Das Leben, das bei Anbruch der endgeschichtlichen zukünftigen *Velt durch die Auf- 
erstehung erlangt wird u. dessen Schauplatz die Erde ist. Da es sich um die Erklärung 
des Ausdrucks v"'^ handelt, wird Raschi seine Worte im letzteren Sinn gemeint haben. 
Die Annahme, „das Land in Besitz nehmen" sei soviel wie „die himmlische Seligkeit 
erlangen", läßt sich aus der älteren rabbin. Literatur jedenfalls nicht begründen. — 
Ausführlicher als Qid 1, 10 ist die Parallelstelle TQid 1, 13 (836). || LvR 36 (133»): Wie 
der Weinstock der niedrigste ist unter allen Fruchtbäumen u. doch alle Bäume (durch 
Überrankung) in seine Gewalt bringt, so erscheint Israel wie niedrig in dieser Welt, 
aber in der Zukunft ( = in den Tagen des Messias) werden sie die Welt in Besitz 
nehmen von einem Ende bis zum andren. || Tanch -'v ^-n 31*^: Gott sprach: In dieser 
Welt erzeugen die Gerechten Gute u. Böse; aber in der zukünftigen AVeit „werden sie 
allesamt Gerechte sein, für immer werden sie das Land (die Erde) besitzen, ein Sproß 
meiner Pflanzungen" (Jes 60, 21), u. weiter heißt es (das. Vers 22): „Der Kleinste wird 
zu Tausenden werden u. der Winzigste zum starken Volk. Ich Jahve will's zu seiner 
Zeit beschleunigen." Und so sei es (Gottes) Wille, Amen! 

Es liegt kein Grund vor, die Worte der 3. Seligpreisung: „Sie 
werden das Land (die Erde) besitzen" anders als wörtlich zu verstehn, 
nur daß diese Besitzergreifung dem Wesen des Himmelreichs ent- 
sprechend sich schon in diesem Äon allmählich vollzieht in der Über- 
windung der Welt durch das Evangelium. 



Matth 5, 6 201 

5,6: Selig sind, die da hungert u. dürstet nach 
der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. 
Die vierte Seligpreisung handelt von solchen, welche wissen, daß 
sie aus eigner Kraft keine Gerechtigkeit aufzubringen vermögen, die 
vor Gott gilt, u. doch nach dieser G. Verlangen tragen, Ihnen wird 
Befriedigung ihres Verlangens zugesagt. — Die alte Synagoge weiß 
nichts von der Unfähigkeit des Menschen, sich aus eigner Kraft eine 
vollgültige G. vor Gott zu erwerben. Im Gegenteil, ihr soteriologisches 
System ruht ganz auf der Anschauung, daß der Mensch durch keine 
Gemeinsünde u. keine Gemeinschuld infolge Adams Fall erblich be- 
lastet sei, vielmehr die volle sittliche Freiheit besitze, sich für das 
Gute zu entscheiden u. den göttlichen Geboten nachzuleben u. So die 
Gerechtigkeit zu erlangen, die vor Gottes Richterstuhl besteht. Bei so 
grundverschiedenen Anschauungen des Christentums u. des Judentums 
über die sittliche Anlage des Menschen ist es ein vergebliches Be- 
mühen, innerhalb der rabbin. Literatur nach Parallelen zur vierten 
Seligpreisung zu suchen. Tal S. 36 meint zwar, daß eine Fülle solcher 
Stellen zur Verfügung stehe; aber die er beibringt, ^ handeln sämtlich 
von Gerechten, die sich ihre Gerechtigkeit durch Erfüllung der Gebote 
■ selbst erworben haben u. bemüht sind, ihre G. vor Gott zu mehren, 
um desto größeren Lohn zu empfangen. Diese Gerechten haben mit 
den nach der Gerechtigkeit Hungernden Mt 5, 6 nichts gemein. — 
Andre (s. Menschen S. 49) finden eine Parallele zu Mt 5, 6 in Sanh 100*: 
R. Tanchum b. Chanilai (um 280) hat gesagt: Wer sich um der Worte 
der Tora willen Hunger auferlegt in dieser Welt, den wird Gott sättigen 
in der zukünftigen Welt, s. Ps36, 9: „Sie laben sich an dem reichen 
Mahle deines Hauses, u. mit dem Strome deiner Wonnen tränkst du 
sie." — Allein hier ist nicht von einem geistlichen Hungern nach der 
Tora die Rede, sondern von einem leiblichen Hunger, den man willig 
auf sich nimmt, um dem Torastudium sich widmen zu können. Die 
Stelle gehört in die Reihe der bei Mt 5, 3 Nr. 3 S. 192 f. beigebrachten. 

Sachliche Ähnlichkeit mit Mt 5, 6 hat Spr21,21: „Wer der Ge- 
rechtigkeit (gegen Menschen) u. der Liebe nachjagt, wird Leben, Ge- 
rechtigkeit (als Habitus) u. Ehre erlangen." Aber hier handelt es sich 
um gerechtes Verhalten gegen die Menschen. Die rabbin. Gelehrten 
haben unter der Gerechtigkeit Spr 21, 21 der späteren Bedeutung von 
npi:: entsprechend meist die Wohltätigkeit verstanden. 

BB 9^: R. Ji^chaq (um 300) hat gesagt: Was bedeutet Spr 21, 21: , Wer der Ge- 
rechtigkeit nachjagt, wird . . . G. erlangen"? Darum, daß er der Wohltätigkeit nachjagt, 
soll er Wohltätigkeit erfahren (selbst der Wohltätigkeit anheimfallen)? Vielmehr will 
es dir sagen: Wer der Wohltätigkeit nachjagt, den läßt Gott die Gelder erlangen, daß 
er mit ihnen Wohltätigkeit üben kann. Rab Nachman b. Ji^chaq (f 350) hat gesagt: 

1 Tal zitiert Hör 10^, 8-15; Qid 39^ 3-6; 40», 16f. 20—24. 27-29; Schab 152'', 
11— 23; 153^17— 25. 



202 Matth 5, 6 

Gott läßt ihn Menschen finden, die würdig sind, daß er an ihnen Wohltätigkeit übe, 
damit er ihretwegen seinen Lohn empfange. Vgl. auch das. den Ausspruch des R. J®- 
hoschuaf b. Levi, um 2ö0. h GnR 58 {'•^'i^}: „Wer der Gerechtigkeit nachjagt u. der Liebe, 
der wird Leben, Gerechtigkeit u. Ehre erlangen" Spr2I,2L „Wer der G. nachjagt", 
das bezieht sich auf Abraham s. Gn 18, 19: „Sie werden den Weg (die Art) Jahves 
beobachten, Wohltätigkeit zu üben" (so der Midr); „u. der Liebe", denn er hat Sara 
Liebe erwiesen; „der wird Leben erlangen" s. Gn^-"), 7: „Die Lebensjahre Abrahams 
waren 175 Jahre"; „Gerechtigkeit u. Ehre": R. Sch^muel b. Ji^chaq (um 300) hat gesagt: 
Gott sprach zu Abraham: Ich bin, was mein Handwerk betrifft, einer der Liebestaten 
erweist; du hast mein Handwerk ergriffen, komm u. kleide dich in mein Gewand, s. 
Gn 24, 1 : „Abraham war alt, kam in die Tage" (Anspielung auf Dn 7, 9j. 

Erst wenn man Mt 5, 6 den allgemeinen Gedanken entnimmt, daß 
Gott dem entgegenkomme, der um die Erfüllung seiner Gebote sich 
müht, bietet die rabbin. Literatur Parallelen dazu. 

M-^khExlö, 26 (5:^.b): „Hörend wirst du hören" (Ex 15, 26). Auf Grund dieser 
Stelle hat man gesagt: Hört ein Mensch Ein Gebot, so läßt man (Gott) ihn viele Ge- 
bote hören, wie es heißt: „Hörend wirst du hören." Vergißt der Mensch Ein Gebot, 
so läßt man ihn viele Gebote vergessen, s. Dt s, 19: „Vergessend wirst du vergessen." 
. . . Das sind Worte des R. J'^hoschuaf (um 90). — Schim?on b. pAzzai (um 1 10) sagte: 
Es heißt Ex 15, 26: „Hörend", was will die Schrift sagen mit: „wirst du hören"? Will 
ein Mensch hören, so läßt man ihn hinterher (weiter) hören; will er vergessen, so läßt 
man ihn hinterher vergessen. Und was will die Schrift sagen mit: „hörend wirst du 
hören, vergessend wirst du vergessen"? Wie das? Will er sofort hören, läßt man ihn 
sofort hören; will er vergessen, so läßt man ihn sofort vergessen. Derselbe pflegte zu 
sagen: Wollte ein Mensch aus freien Stücken hören, so läßt man ihn (auch) wider 
seinen Willen hören; wollte er aus freien Stücken vergessen, so läßt man ihn (auch) 
wider seinen Willen vergessen. Die Freiheit ist gegeben: wie Gott der Spötter spottet, 
so gibt er den Demütigen Gnade Spr.S, 34. Parallelstellen: M''kh Ex 19,5 (70b); SDt 
11,22 §48 (-4^); 12,28 §79 (91*); TanchB n'--i-2 § 19 (33«); B^'rakh 40=^; Sukka 461). 
Vgl. auch Aboth 4, 2: Ben gAzzai sagte: Eile, ein leichtes Gebot zu erfüllen, u. fliehe 
vor einer Übertretung; denn eine Gebotserfüllung zieht eine andre nach sich, u. eine 
Übertretung zieht eine andre nach sich; denn der Lohn einer Gebotserfüllung ist eine 
Gebotserfüllung u. der Lohn einer Übertretung ist eine Übeiiretung. || Schab 104*^: Rescli 
Laqisch (um 250) hat gesagt: Was heißt Spr3, 34: „Wie Gott der Spötter spottet, so 
gibt er den Demütigen Gnade"? Wer sich verunreinigen will, dem tut man (Gott) die 
Türen auf (gibt ihm Gelegenheit dazu); wer sich reinigen will, dem steht man bei. 
Dasselbe Joma 38b; gAZ55"; M^'n 29b. || Mak lOb; Rabbah bar Rab Huna (f 322) hat 
gesagt, Rab Huna (f 297) habe gesagt — nach andren hat R. Huna gesagt, R. El?azar (um 
270) habe gesagt: Aus der Tora, den Propheten u. den Hagiographen läßt sich beweisen, 
daß man (Gott) einen Menschen auf den Weg leitet, den er gehn will,' s. Nu 22, 12. 20; 
Jes48, 17; Spr3, 34. Außerdem s. die breite, die gleichen Gedanken vertretende Aus- 
führung des R Levi (um 3ü0) in GnR 67 (42«^); Tanch r^-h^r 34»; TanchB n-'^-r § 21 (70b). 

Zu dem bildlichen Ausdruck „nach etwas hungern u. dürsten" vgl. Amos 8, 11. — 
Schab 138b Bar: Als unsre Lehrer im Weinberg von Jahne (Bezeichnung der dortigen 
Akademie) versammelt waren, sagten sie: Dereinst wird die Tora von Israel vergessen 
werden, s. Amos S, 11 f.: „Siehe, Tage kommen, ist des Allherrn Jahve Spruch, da ent- 
sende ich einen Hunger über das Land, nicht einen Hunger nach Brot noch einen 
Durst nach Wasser, sondern zu hören Worte Jahves. Und sie werden wanken von 
Meer zu Meer u. von Mitternacht zum Sonnenaufgang, umherschweifen, um das Wort 
Jahves zu suchen, u. werden es nicht finden." „Das Wort Jahves" bedeutet die Halakha, 
„das Wort Jahves" bedeutet den Endtermin (Anbruch der Erlösungszeit), „das Wort 
Jahves" bedeutet die Prophetie. . . . Bar: R. Schimfon b. Jochai (um 150) sagte: Das sei 
ferne, daß die Tora von Israel vergessen würde, s. Dt 31, 21: „Denn es wird aus dem 



Matth5, 6. 7 (Nr.l— 3) 203 

Mnnde seines Samens nicht vergessen werden." Aber wie Lalte ich dann aufrecht (wie 
versteheich): Sie werden umherschweifen, um das Wort Jahves zu suchen, u. werden 
es nicht finden? Es bedeutet, daß sie keine klare (deutliche) Halakha u. keine klare 
Tradition (Mischna) an Einem Orte finden werden. — Raschi bemerkt zu den Worten, 
daß , das Wort Jahves" den Endtermin bedeute, daß er keine Belegstelle dafür kenne; 
die Tosaphisten verweisen auf Esra 1,1. — Die erste Bar findet sich TfEduj 1, 1 (454). |j 
GnR 25 (16b) g. bei Mt 4, 25 S. 189«. 

5, 7: Selig sind die Barmherzigenj denn sie werden 
Barmherzigkeit erlangen. 

1. Lob der Barmherzigkeit. 

Über Almosen u. Liebeswerke als Erweise der Barmherzigkeit s. bei 6, 2. Ferner 
s. TBQ {>, 30 (36H): R. J^huda (um 150) Jiat im Namen des Rabban Gamliel (II. um 90) 
gesagt: Siehe, es heißt Dt 13, 18: ,Jahve wird dir Erbarmen schenken (gegen andre, 
so der Midr) u. sich dein erbarmen." Das sei ein Zeichen in deiner Hand: solange du 
barmherzig bist, erbarmt sich der Barmherzige (d. h. Gott) über dich. || SDt 13, 18 § 96 
(93b): Solange du dich über die Menschen erbarmst, erbarmt man sich deiner vom 
Himmel her. || pBQ 8, 6*^. 19: Das sei ein Zeichen in deiner Hand: solange du barmherzig 
bist, erbarmt sich Gott {z^-.^n = der Ort = Gott) über dich; wenn du dich nicht er- 
barmst, erbarmt sich Gott nicht deiner. || Schab 151b: Wer sich über die Menschen er- 
barmt, über den erbarmt man sich vom Himmel; wer sich nicht über die Menschen 
erbarmt, über den erbarmt man sich nicht vom Himmel. — In TanchB s-^-i § 30 (52*) 
u. P^siqR 88 (165») R.Jose, der Sohn der Damaszenerin, um 130, als Autor. \\ Sukka49b: 
R. Elfazar (um 270) hat gesagt: Almosen finden ihre Vergeltung nur nach dem Maß 
der Liebe (der barmherzigen Gesinnung), die in ihnen enthalten ist. 

2. Rechte Barmherzigkeit, weil sie mit dem Elenden leidet, 
ist schwer. 

BB 145b: R. Jochanan (f 279) hat gesagt: „Alle Tage des Leidenden sind böse" 
Sprl5, 15; damit ist der barmherzige Mensch gemeint; „wer aber wohlgemut ist, hat 
immerdar ein Freudenmahl" (das.); damit ist eine härtere (minder mitfühlende) Natur 
gemeint. — Der gleiche Gedanke P'^sUobBar: Unsre Lehrer haben gelehrt: Dreier 
Leben ist kein Leben: das der Barmherzigen u. der Auf brausenden u. derjenigen, die 
sich leicht ekeln. 

3. Die Barmherzigkeit eine dem Menschengeschlecht an- 
erschaffene Tugend. 

Das scheint der Grundgedanke folgender Legende zu sein. GnR 8 (6''): R.Simon 
(um 280) hat gesagt: Als Gott sich anschickte, den ersten Menschen zu schafi'en, 
schieden sich die Dienstengel in Parteien u. Gruppen. Die einen von ihnen erklärten: 
Er soll nicht erschlaffen werden! Andere erklärten: Er soll erschaffen werden! s. Ps 
85, 11: „Liebe u. Wahrheit stießen zusammen, Barmherzigkeit u. Friede gerieten an- 
einander" (so der Midr). Die Liebe sprach: Er werde erschaffen; denn er wird Liebe 
üben. Die Wahrheit sprach : Er werde nicht erschaffen; denn er wird durch u. durch 
Lüge sein. Die Barmherzigkeit sprach: Er werde erschaffen; denn er wird Werke der 
Barmherzigkeit vollbringen. Der Friede sprach: Er werde nicht erschaffen; denn er 
wird durch u. durch Zwietracht sein. Was tat Gott? Er nahm die Wahrheit u. warf sie 
auf die Erde, s. Dn 8, 12: „Die Wahrheit ward auf die Erde geworfen." Da sprachen die 
Dienstengel vor Gott: Herr der Welten, was verachtest du deine Palasttruppen? ' Laß die 
Wahrheit von der Erde aufsteigen! s. Ps85, 12: „Die Wahrheit sproßte von der Erde auf." 



^ n—o^-u'-ss, nach Krauß, Lehnwörter 2, 53 = nvlora^ia = Hofgardekorps; das- 
vorhergehende Wort o'osr = rü^ii; eine erklärende Glosse, die in den Text geraten 
ist u. im f Arukh fehlt. 



204 Matth 5, 7 (Nr. 4. 5) 

4. Die Barmherzigkeit ein Charakteristikum Israels. 

Be^a 32'^: (Rab, f 247, hat gesagt:) Wer sich der Menschen erbarmt, der gehört 
sicherlich zur Nachkommenschaft unsres Vaters Abraham, u. wer sich nicht der Menschen 
erbarmt, der gehört sicherlich nicht zur Nachkommenschaft unsres Vaters Abraham. 
Vgl. Aboth 5, 19 bei Mt 5, .3 S. 192. |l pQid 4, 65 b, 44: David sprach: Drei schöne Gaben 
hat Gott Israel verliehen; sie sind barmherzig, schamhaft u. Liebeswerke übend. Barm- 
herzig, s. Dt 13, 18: Jahve . . . wird dir Erbarmen schenken (um es an andren zu üben; 
vgl. obenTBQD); schamhaft, s. Ex 20,20: Damit seine Furcht auf eurem Angesicht 
sei (sich zeigend in Schamröte^ so der Midr); Liebeswerke übend, s. Dt 7, 12: Jahve 
wird dir . . . die Liebe (Menschenfreundlichkeit) erhalten (so der Midr). — Ähnlich J®b 
79»; Midr Ps 1 § 10 (5b); NuR 8 (I49b); Midr Sm 28 § 7 (t)7b); nach DtR 3 (200b) ist 
R. Chijja (b. Abba, um 280) der Autor. 

5. Ein absprechendes Urteil über die Barmherzigkeit der 
nichtisraelitisch-en Welt. 

BB 10b : Rabban Jochanan b. Zakkai (f um 80) sprach zu seinen Schülern: Meine 
Kinder, was bedeutet: „n;:-::» erhöht ein Volk u. -cn für die Nationen ist Sünde" Spr 
14,31? R. Elifezer (um 90; so zu lesen satt Elfazar) antwortete: Almosen erhöht ein 
„Volk" (-;), das geht auf Israel, s. 2Sm7, 23: Welches andre Volk, -ij, gibt es noch 
auf der Erde, wie deine Gemeinde Israel . . .? „Aber die Menschenfreundlichkeit (Barm- 
herzigkeit) auf Seiten der Nationen ist Sünde" : alle Wohltaten u. Liebeswerke, die die 
Völker der Welt vollbringen, gereichen ihnen zur Sünde, weil sie sie nur vollbringen, 
um dadurch groß zu werden, s. Esra6, 10: , Damit sie (Israeliten) Wohlgefälliges dem 
Himmelsgott darbringen u. für das Leben des Königs u. seiner Söhne beten"; u. wer 
so tut, dessen Wohltätigkeit ist keine vollkommene. Aber in einer Bar (vgl. P**s 8* u. 
RH 4») ist doch gelehrt worden: Wer sagt: Dieser Sela? sei für Almosen, damit meine 
Kinder am Leben bleiben u. damit ich die zukünftige Welt erlange!, das ist ein voll- 
kommener Gerechter. Das ist kein Widerspruch: hier handelt es sich um einen Israe- 
liten u. dort um einen Götzendiener. — R. J'^hoschuaf (um 90) antwortete: , Almosen 
erhöht ein Volk", das geht auf Israel, s. 2 Sm 7, 23 (wie oben); „aber die Menschen- 
freundlichkeit auf Seiten der Nationen ist Sünde", d. h. alle Wohltaten u. Liebeswerke, 
die Götzendiener vollbringen, gereichen diesen zur Sünde, weil sie sie nur vollbringen, 
damit sich ihre Herrschaft lang hinziehe, s. Dn 4, 24: „Darum möge dir, o König, mein 
Rat Wohlgefallen: mache unschädlich deine Sünden durch Almosen (so der Midr) u. 
deine Vergehungen durch Huld gegen die Unterdrückten; siehe, dann wird deine Sicher- 
heit von langer Dauer sein." — Rabban Gamliel (IL, um 90) antwortete: „Almosen 
erhöht ein Volk", das geht auf Israel, s. 2Sm7, 23; „aber die Menschenfreundlichkeit 
auf Seiten der Nationen ist Sünde": alle Wohltaten u. Liebeswerke der Götzendiener 
gereichen diesen zur Sünde, weil sie sie nur vollbringen, um sich stolz damit zu brüsten, 
u. wer sich stolz brüstet, der stürzt in den Gehinnom, s. Spr 21, 24: „Der stolz sich 
brüstende Freche wird Spötter genannt, der im Überwallen (n-ay) der Frechheit handelt", 
u. dieses „Überwallen" bedeutet nichts andres als „Gehinnom", s. Zeph 1,15: Ein Tag 
des (Zornes-)Überwallens (das zum Gehinnom verdammt) ist jener Tag. — Da sprach 
Rabban Gamliel: Noch immer haben wir den Modifiten nötig! R. Elfazar (aus Modifim, 
t um 135) sprach: „Almosen erhöht ein Volk", das geht auf Israel, s. 2 Sm 7, 23; „aber 
die Menschenfreundlichkeit auf seiten der Nationen ist Sünde" : alle Wohltaten u. Liebes- 
werke der Götzendiener gereichen diesen zur Sünde, weil sie sie nur vollbringen, um 
uns zu schmähen, s. Jer 40, 3: „Da ließ es Jahve kommen u. vollführte es, wie er ge- 
redet, weil ihr gesündigt habt an Jahve u. habt nicht auf seine Stimme gehört, u. so 
ist dieses Wort über euch gekommen." — R. N^chonja b. Ha-qana (um 70) antwortete: 
„Almosen erhöht ein Volk u. Menschenfreundlichkeit", das geht auf Israel; „aber auf 
Seiten der Nationen ist die Sünde." Da sprach Rabban Jochanan b. Zakkai zu seinen 
Schülern: Die Worte des R. N^'chonja b. Ha-qana scheinen mir den Vorzug vor meinen 
u. vor euren Worten zu verdienen ; denn er legt Almosen u. Menschenfreundlichkeit den 



Matth 5, 7 (Nr. 6). 5, 8 (51) 205 

Israeliten bei u. den Nationen Sünde. Denn auch Rabban Jochanan selbst hatte Spr 
14, 34 gedeutet; in einer Bar nämlich heißt es: Rabban Jochanan b. Z. sprach zu ihnen: 
Wie das Sündopfer Israel Sühnung schafft, so schafft das Almosen (Barmherzigkeit) 
den Völkern der Welt Sühnung. — Parallelstellen mit Abweichungen: P'^siq 12 b; Tanch 
»vr-2 111'*; Midr Spr 14 § 34 (38b). 

6. Dem Unwissenden, ^Am ha-^'areQ, soll man keine Barm- 
herzigkeit erweisen. 

Sanh92'*: R. Elfazar (um 270) hat gesagt: Es ist verboten, einem Menschen, der 
kein Wissen besitzt, Barmherzigkeit zu erweisen, s. Jes 27, 11: ,Ein unverständiges 
Volk ist es; darum erbarmt sich seiner sein Schöpfer nicht u. sein Bildner übt keine 
Gnade an ihm.'' Er hat ferner gesagt: Wer sein Brot einem Menschen gibt, der kein 
Wissen besitzt, über den kommen Leiden, s. Obadja 7: „Dein Brot macht man zu einer 
Schlinge für dich; denn es ist keine Einsicht in ihm" (dem du dein Brot reichst, so 
der Midr). Mit Schlinge -it's ist Leiden gemeint, s. Hos 5, 13: , Es sah Ephraim seinen 
Schaden u. Juda seine Wunde" i^t':. — Der erste Ausspruch dem R. Ammi (um 300) 
beigelegt B^rakh 33^; den „Rabbinen" Midr Sm 5 § 9 (31'»). — Zum Gedanken vgl. auch 
Tob 4, 17: ex)(sov rovg uqtov<; aov fVit lof rücpou xaöv Sixctiwi' xcci fit] diös loTi; äuaq- 
TioXoTg. II Zum Schluß noch einige Stellen, die gleichfalls dem Gedanken von Mt 5, 7 
mehr oder weniger Ausdruck geben: BM 85=»; GnR 33 (20'''); TM'^^g 4, 16 (226) mit 
Parallelen, zB TK^th 7, 6 (269); pK^th 7, 31b, 4,5; bK^th 72"; N^d 83b; MQ 28b; Midr 
Qoh 7,2 (3üb). 

5,8 91: Selig sind, die reines Herzens sind. 
xaihaQoi Ttj xagSfa. Das alttestl. sa^ na wird vom Targum wieder- 
gegeben Ps 24, 4 mit xiiirn n^ia = rein in Gedanken; Ps 73, 1 mit -»-^na 
s<ab = rein im Herzen; ähnlich erscheint nina ab als Wiedergabe von 
iin-j ab Ps 51, 12. — Genauer wird das „reine Herz" LvR 17 (116*^) so 
definiert: Es heißt (Ps73, 1): „Fürwahr gut erweist sich Gott gegen 
Israel." Etwa gegen alle? Es heißt (das.): „Gegen die, so reinen 
Herzens sind"; damit sind die gemeint, deren Herz fest (stark) ist 
(•^^a) in (durch) Gebotserfüllungen. — Nach R. J'^hoschua? b. Levi, um 
250, ist ein reines Herz dasjenige Herz, in welchem der gute Trieb 
herrscht. Sukka 52'': Sieben Namen hat der böse Trieb. . . . David 
nennt ihn den „Unreinen", s. Ps 51, 12: „Ein reines Herz schaff in mir, 
Gott!" Das schließt in sich, daß der böse Trieb unrein ist (also auch, 
daß der gute Trieb gleichbedeutend mit dem reinen Herzen ist). — 
Nicht wesentlich verschieden ist die „reine Seele" oder der „reine 
Geist", von denen hier u. da geredet wird. LvR 18 (117*^): R. Sch'^muel 
b. Nachman^ (um 260) hat im Namen des R. Abdimi aus Chaipha (um 
280) gelehrt: Gleich einem Chaber-Priester (der sich zu einer Lebens- 
haltung nach pharisäischer Observanz verpflichtet hat), der einem 
andren Priester, der ein ?Am ha-äare9 war (nicht nach den phari- 
säischen Reinheitsgesetzen lebte), ein Brot von der Priesterhebe über- 
gab u. zu ihm sprach: Sieh, ich bin rein, mein Haus ist rein u. das 



1 So ist zu lesen statt Jischma?el b. N. nach Midr Qoh 12, 7; vermutlich jedoch 
hieß es ursprünglich R. Jigchaq b. N., daraus entstand R. Jischmafel b. N., das weiter 
in R. Sch'^muei b. N. verderbt wurde. 



206 Matth 5, 8 eil. SB 1) 

Brot ist rein, das ich dir gegeben habe; wenn du es mir so wieder- 
gibst, wie ich es dir gegeben habe, so ist es gut; wenn aber nicht, 
siehe, so werfe ich es vor deinen Augen fort. So spricht auch Gott 
zum Menschen: Sieh, ich bin rein, meine Wohnung ist rein, meine 
Diener sind rein, u. die Seele, die ich dir gegeben habe, ist rein. 
Wenn du sie mir so wiedergibst, wie ich sie dir gegeben habe, so ist 
es gut; wenn aber nicht, siehe, so schleudre ich sie vor deinen Augen 
fort (r,n-j in diesem Zus.hang ist Deutung des nzy'bp-' 1 Sm 25, 29). — 
Dasselbe Midr Qoh 12, 7 (53''). || Schab 152 ^ Bar: „Der Geist kehrt zu 
Gott zurück, der ihn gegeben hat" Qoh 12, 7. Wie er ihn dir in Rein- 
heit gegeben hat, so gib auch du ihn in Reinheit ihm wieder. Vgl. 
BM 107 ä: (R. Jochanan, f 279, hat gesagt:) Gesegnet bist du in deinem 
Eingang, u. gesegnet bist du in deinem Ausgang Dt 28, 6, d. h. möge 
dein Gehn aus der Welt sein wie dein Kommen in die Welt: wie dein 
Kommen in die Welt ohne Sünde war, so sei auch dein Ausgang aus 
der Welt ohne Sünde. || Targ Spr 22, 11: Gott liebt den, der reinen 
Herzens ist, xdIs '^21, u. durch die Anmut seiner Lippen gesellt er sich 
(hat er Zutritt) zum König. 

Kasuistisches: M%h Ex 22, 8 (97b): Die Schule Schammais sagte: Man erklärt 
für schuldig wegen der Absicht des Herzens, die Hand an etwas zu legen; denn es 
heißt Ex 22, 8: ,In betreff jedes Redens (= Beabsichtigung) von einem Vergehen." 
Die Schule Hilleis sagte: Man erklärt für schuldig nur von dem Augenblick an, da 
er die Hand daran gelegt hat; deshalb heißt es Ex 22, 7: ,0b er nicht seine Hand 
an die Habe seines Nächsten gelegt hat." — Parallelstellen: BM 44*; Qid 42b. || pPea 
1, 16", 5: Eine gute Absicht rechnet Gott als Tat, eine böse Absicht rechnet Gott nicht 
als Tat. . . . Was du da sagst, gilt von den Israeliten; aber von den Nichtisraeliten 
gilt das Umgekehrte: die gute Absicht rechnet Gott nicht, aber die böse Absicht 
rechnet er. — Im bT wird teils R. Asi (um 3U0), teils Rab Aschi (f 427) als Autor 
genannt, s. Qid 40*^ u. B'^rakh 6^ Dagegen NuR 8 (149*^): Von dem Augenblick an, da 
ein Mensch beabsichtigt zu sündigen, ist er wie einer, der eine Veruntreuung gegen 
Gott begangen hat. 

5,8 50: Denn sie werden Gott schauen. 

zov ^eov otpoizat,. „Gott schauen" wird im Rabbin. wiedergegeben 
mit nr=i:: ->:■: mxn „das Angesicht der Sch*'khina sehen"; meist jedoch 
mit na-^r-j "^rs b-i^pn „das Angesicht der Seh. begrüßen". Gleichbedeutende 
Wendungen sind nr:-c:n p i^r- rx -it „die Augen an der Seh. weiden", 
oder nr=irn i^t-o riDnn „sich erquicken am Glanz der Seh.". Man redet 
vom Schauen Gottes in übertragenem u. in wörtlichem Sinn. 

1. Im übertragenen Sinn bedeutet „Gott schauen" ungefähr soviel 
wie das alttestl. „vor Gott erscheinen", „vor Gott stehn". So begrüßt 
man die Sch'^^khina. wenn man da erscheint, wo Gott mit seiner Gnaden- 
gegenwart weilt, im Tempel, in der Synagoge, im Lehrhaus. a Aber 
auch von dem, welcher betet oder studiert, kann gesagt werden, daß 
er Gottes Angesicht begrüßt, b insofern Gott dem Betenden u. Stu- 
dierenden nahe ist. 



Matth 5, 8 (SB 1. 2) 207 

a. pChag 1, 76 % 35: R. J^hoschuaf b. Levi (um 250) hat gesagt: Woher läßt sich 
beweisen, daß jeder, der die Gebote betreffs des Erscheinens zu den Festen in Jerusalem 
beobachtet, ist wie einer, der das Angesicht der Seh. begrüßt? Aus Ex 28, 17: ,Drei- 
pial im Jahre soll all dein Männliches vor dem Herrn Jahve erscheinen." || P^siqR 
1 (1 b); (R. Tanchuma b. Abba, um o8ü, hat gesagt . . .:) „Wann werde ich dahin kommen 
u. vor Gottes Angesicht erscheinen?" Ps 42, :-?. Die Israeliten sprachen: Herr der Welt, 
wann wirst du uns zurückbringen die Herrlichkeit (= deine Gnadengegenwart), daß 
wir dreimal zu den Festen hinaufziehen u. das Angesicht der Seh. sehn? || Der Targum 
übersetzt Ps 42, 3: Wann werde ich kommen u. den Glanz der Sch'^khina Jahves er- 
blicken? II DtR 7 (2(i4'*): Was heißt: Heil dem Mann, der . . . die Pfosten meiner Tore 
behütet Spr 8, 34? R. J^huda b. Simon (um 320) hat gesagt: Gibt es denn Türpfosten- 
kapseln (so wird das Textwort riiiTo gedeutet) in den Synagogen? Vielmehr wie die 
Türpfostenkapsel sich nicht von der Tür entfernt, so weiche du nicht aus den Syna- 
gogen u. Lehrhäusern. Gott spricht: Wenn du so tust, so wisse, daß du das Angesicht 
der Sch%liina begrüßest. Was steht im folgenden Vers (-lö) geschrieben? „Denn wer 
mich erreicht, hat Leben erreicht." Gott spricht: Wer ist, der in die Synagoge käme 
u. dort nicht meine Herrlichkeit anträfe? R. Aibo (um 32U) hat gesagt: Und nicht bloß 
dies, sondern wenn du in der Synagoge stehst, so steht Gott bei dir, s. Ps 82, 1 : „Gott 
steht in der Gemeinde Gottes da." Gott spricht: Nicht genug, daß du das Angesicht 
der 8ch. in der Synagoge begrüßest, sondern du gehst auch von dort fort voll Seg- 
nungen; denn wer mich erreicht, hat Leben erreicht u. erlangt Wohlgefallen von Jahve 
Spr 8, 35. II Ein alter u. häufig wiederholter Satz lautet: „Wer das Angesicht der Ge- 
lehrten begrüßt, ist wie einer, der das Angesicht der Seh. begrüßt." M'^kh Ex 18, 12 
(67") erbringt den Beweis aus den Worten „vor Eiohim" Ex 18, 12. 

b. BB 10^: R. Elfazar (um 270) gab einem Armen eine P'^ruta (etwa V^ Pfennig) 
u. dann betete er. Er sagte: Weil geschrieben steht Ps 17, 15: Mit einem Almosen 
(soderMidr) will ich dein Angesicht schauen. || Sanh 42'': Rah Achab. Chanina (nach :100) 
hat gesagt, R. Asi (um 30U) habe gesagt, R. Jochanan (t"<i79) habe gesagt: Jeder, der 
den Lobspruch über den Neumond zu seiner Zeit spricht, ist wie einer, der das An- 
gesicht der Sch%hina begrüßt. Es heißt hier Ex 12, '^: „Dieser (-t) Monat sei euch" 
usw., u. es heißt dort Ex 15,2: „Dieser (nrj ist mein Gott" (wie das letztere -i be- 
weist, daß Israel in der Stunde von Ex 15,2 Gott von Angesicht gesehen hat, so 
deutet das erste ht an, düß der die Neumonds-B'rakha Sprechende Gottes Angesicht 
begrüßt). In der Schule des R. Jischmafel (f um 185) ist gelehrt worden: Wenn die 
Israeliten nur gewürdigt worden wären, das Angesicht ihres Vaters im Himmel jeden 
Monat zu begrüßen (wenn ihnen kein andres Gebot gegeben wäre), so wäre es genug 
für sie. — M^'kh Ex 12, 2 (obj lautet der letzte Satz: Wäre es nicht genug für Israel, 
wenn sie Einmal in 30 Tagen (nämlich am Neumondstage) ihre Augen (betend) zu 
ihrem Vater im Himmel erhöben? II Midr Ps 105 ij 1 (•^24t'i : R. Jose b. Chalaphta (um 150) 
hat zu seinem Sohn R. Jischmafel gesagt: Willst du das Angesicht der Sch'khina in 
dieser Welt sehn, so beschäftige dich mit der Tora im Lande Israel; denn es heißt 
Ps 105, 4: „Fraget nach Jahve ü. seiner Stärke (== Tora, im Sinn des Midrasch), suchet 
sein Angesicht immerdar." 

2. Das Schauen Gottes im eigentlichen Sinn des Wortes, d. h. von 
Angesicht zu Angesicht, steht allen Menschen, auch den Gottlosen, in ' 
der Sterbestunde bevor, a Im Gan ^Eden, in der himmlischen Welt der 
Seelen, bleibt das Schauen Gottes, der Inbegriff aller Seligkeit, ein 
Vorrecht der Gerechten. b Auch nach der Auferstehung der Toten 
werden die Seligen im irdischen Gan ^Eden Gott von Angesicht zu 
Angesicht schauen. Die ältere Zeit nahm an, daß diese Erwartung in 
der zukünftigen Welt (nach den Tagen des Messias) in Erfüllung gehn 
werde ;c die spätere Zeit (vom 3. Jahrh. an), die die Tage des Messias 



208 Matth 5, 8 (» 2) 

je länger, desto mehr idealisierte, hat jedoch das Schauen Gottes zum 
Teil schon zu den Segnungen der Messiaszeit gerechnet, d 

a. 4 Esra 7, 78 if.: Wenn der entscheidende Spruch von dem Höchsten ergeht, da6 
der Mensch sterben soll, wo sich der Geist vom Körper trennt u. zu Dem zurückkehrt, 
der ihn gegeben hat (vgl. Qoh 12, 7), um zunächst vor der Herrlichkeit des Höchsten 
anzubeten: hat ernun zu den Verächtern gehört, die die Wege des Höchsten nicht bewahrt, 
die sein Gesetz verschmäht u. die Gottesfürchtigen gehaßt haben, solche Seelen gehen 
nicht in die Ruhekammern ein, sondern müssen sogleich qualvoll umherschweifen, 
unter ständigem Seufzen u. Trauern, in siebenfältiger Pein. Die I.Pein ist, daß sie des 
Höchsten Gesetz verachtet haben; die 2., daß sie die wahre Buße zum Leben nicht mehr 
tun können; die 3., daß sie den Lohn sehen, der denen aufbewahrt ist, die des Höchsten 
Zeugnissen geglaubt haben; die 4., daß sie die Pein schauen, die ihnen selbst für die 
letzte Zeit bevorsteht; die 5., daß sie sehen, wie Engel die Wohnungen der andren 
Seelen (der Frommen) in tiefem Frieden bewachen; die 6., dafi sie sehen, daß sie schon 
jetzt in die Pein hinüber müssen; die 7., schlimmer als alle genannten Martern, 
daß sie vor Scham vergehen, vor Angst sich verzehren u. vor Furcht erschlaffen, daß 
sie die Herrlichkeit des Höchsten schauen müssen, vor dem sie im Leben gesündigt, 
u. von dem sie am jüngsten Tage gerichtet werden sollen! Denen aber, die des Höchsten 
Wege bewahrt haben, gilt diese Ordnung, wenn sie sich trennen dürfen von diesem 
sterblichen Gefäß (des Leibes). Damals, als sie noch darinnen lebten, haben sie dem 
Höchsten unter Mühsalen gedient u. stündlich Gefahren erduldet, um das Gesetz dessen, 
der es gegeben, vollkommen zu halten. Deshalb gilt ihnen diese Verheißung: Zuerst 
schauen sie mit lautem Frohlocken die Herrlichkeit dessen, der sie zu sich nimmt; 
dann gehen sie in die Ruhe ein zu siebenfacher Freude. Die 1. Freude ist, daß sie in 
schwerem Streite gekämpft haben, den ihnen anerschaffenen bösen Sinn zu besiegen, 
daß er sie nicht vom Leben zum Tode verführe; die 2., daß sie die wirren Wege 
schauen, auf denen die Seelen der Gottlosen umherirren müssen, u. die Strafe, die 
jener harrt. Die 3., daß sie das Zeugnis sehen, das ihr Schöpfer ihnen bezeugt hat, 
daß sie im Leben das Gesetz, das ihnen anvertraut war, gehütet haben; die 4., daß 
sie die Ruhe kennen, die sie schon jetzt, in ihren Kammern versammelt, unter dem 
Schutze von Engeln in tiefem Frieden genießen dürfen, u. die Herrlichkeit, die ihrer 
zuletzt noch wartet. Die 5., daß sie frohlocken, jetzt der Vergänglichkeit entflohen zu 
sein u. die Zukunft zu ererben; ferner, daß sie auf die Enge u. die vielen Mühsale 
hinblicken, wovon sie erlöst sind, u. auf die Weite, die sie ererben sollen in seliger 
Unsterblichkeit. Die 6., daß ihnen gezeigt wird, wie ihr Antlitz einst wie die Sonne 
leuchten soll, u. wie sie dem Sternenlichte gleichen sollen, von nun an (wie diese) 
nicht mehr vergänglich. Die 7. Freude, höher als alle genannten, ist die, daß sie zu- 
versichtlich frohlocken, sicher vertrauen u. furchtlos sich freuen; denn sie eilen herzu, 
das Antlitz dessen zu schauen, dem sie im Leben gedient, u. von dem sie Lob u. Lohn 
empfangen sollen. Das sind die Freuden der Seelen der Gerechten, die ihnen schon 
für jetzt verheißen sind; die Martern aber, von denen ich (ein Engel) sprach, sind es, 
denen die Sünder schon jetzt verfallen. — Ich (Esra) antwortete: Es wird also den 
Seelen, nachdem sie sich von ihren Leibern getrennt haben, eine Frist verstattel, das 
zu schauen, was du mir geschildert hast? Er sprach zu mir: Sieben Tage haben sie 
Freiheit, um sich in diesen Tagen das, wovon ich gesprochen, zu betrachten; darnach 
werden sie in ihre Kammern versammelt. |i Aboth RNathan 25: In der Stunde seines 
Abscheidens erhob Rabban Jochanan b. Zakkai (f um 80) seine Stimme u. weinte. Seine 
Schüler sprachen zu ihm : Rabbi, hohe Säule, Licht der Welt, starker (fester) Hammer, 
warum weinst du? Er antwortete: Wenn ich ginge das Angesicht eines Königs von 
Fleisch u. Blut zu begrüßen, so wäre, wenn er mir zürnte, sein Zorn nur für diese 
Welt, u. wenn er mich in Bande legte, so wären die Bande nur für diese Welt, u, 
wenn er mich tötete, so erfolgte mein Tod nur für diese Welt; auch könnte ich ihn 
vielleicht besänftigen mit Worten u. mit Geld bestechen. Aber nun gehe ich, das An- 



Matth 5, 8 (93 2) 209 

gesicht des Königs aller Könige zu begrüßen, des Heiligen, gepriesen sei er! Wenn 
der mir zürnt, so gilt sein Zorn für diese u. für die zukünftige Welt. Auch kann ich 
ihn nicht mit Worten besänftigen noch mit Geld bestechen. Auch liegen zwei Wege 
vor mir, der eine nach dem Gan ?Eden, der andre zum Gehinnom, u. ich weiß nicht, 
ob er mich wird in den Gehinnom hinabsinken oder in den Gan fEden eintreten lassen. 
In bezug hierauf heißt es Ps 22, 30: Vor ihm (vor Gott in der Sterbestunde) beugen 
sich alle, die in den Staub sinken. — Ähnlich B^rakh 28b. || SLv 1, 1 (7bi: R. Dosa 
(wohl b. Archinos, um 90) hat gesagt: Siehe, es heißt Ex 83, 20: , Nicht wird ein Mensch 
mich sehn u. leben bleiben." Während ihres Lebens können sie ihn nicht sehn, wohl 
aber werden sie ihn sehn in ihrer Sterbestunde, s. Ps 22, 30 (wie im vorigen Zitat). — 
Ebenso NuR 14 (178b). — In SNu 12, 8 i? 103 (27b) ist R. El?azar b. Jose''(um 170) als 
Autor genannt. || Midr Ps 103 §3 (216b): R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Das fünfmalige 
,Lobe den Herrn, meine Seele" (in Ps 103 f.) entspricht den fünf Welten, die David 
gesehen hat: eine im Mutterleib, s. Ps 103, 1 ; die zweite, als er geboren wurde, s. Vers2; 
die dritte, als er hinaustrat in die weite Welt u. hierhin u. dorthin zog, s. Vers 22; 
die vierte, als er aus der Welt schied u. die Sch'^khina erblickte, s. 104, 1 : Lobe den 
Herrn, meine Seele! Herr, mein Gott, du bist sehr groß, in Majestät u. Herrlichkeit 
hast du dich gekleidet. Und die fünfte Welt ist die Zukunft (d. h. die messian. Zeit); 
s. 104, 35: Vertilgt werden mögen die Sünder von der Erde u. Frevler nicht mehr sein! 
Lobe den Herrn, meine Seele! Hallelujah! — Nach B'^rakh 10^ ist R. Schimfon b. Jochai 
(um 150) Autor des Ausspruchs u. R. Jochanan derTradent; LvR 4 (107*^) ist durch Um- 
stellung der Namen R. J^hoschuaf b-Levi als Autor angegeben. || Midr Ps 22 §32 (99^): 
R. Jochanan (t 279) hat gesagt: Es heißt Ps 22, 31 : , Alles was Mensch heißt (so wird 
y"T gefaßt) muß ihm dienen" ; sowohl Gerechte, als auch Gottlose müssen das An- 
gesicht der Sch'=^khina (in der Sterbestunde) begrüßen; s. Ps22, 30: „Vor ihm beugen 
sich alle, die in den Staub sinken." Warum begrüßen die Gottlosen das Angesicht 
der Seh.? Die Gottlosen, die sich gegen Gott aufgelehnt haben, läßt man in ihrer 
Sterbestunde das Angesicht der Seh. schauen u. spricht zu ihnen: Kommt u. seht das 
Angesicht des Königs, gegen den ihr euch aufgelehnt habt; dieser wird von euch die 
Strafe beitreiben. Und auch die Gerechten läßt man in ihrer Sterbestunde das An- 
gesicht der Seh. schauen u. sagt zu ihnen: Kommt u. seht das Angesicht des Königs, 
dem ihr gedient habt; denn dieser wird euch euern Lohn geben. R. Elfazar b. Schammua? 
(um 150; der Name ist auffallend an dieser Stelle; ob „Ben Schammuaf" zu streichen?) 
hat gesagt: Auch die Kinder begrüßen das Angesicht der Seh.; s. Ps 22, 31 : „Der Same 
( = Rinder) wird ihm dienen." |j Weiteres im Exkurs: „Sch®ol,Gehinnomu.GanfEden"lI,3. 
b. SDt 1, 10 § 10 (iil'^): „Siehe, heute seid ihr an Menge den Sternen des Himmels 
gleich" (Dt 1, 10). Siehe, ihr habt Bestand wie die Sonne (vgl. Raschi zu Dt). Von hier 
aus hat man gesagt: Sieben Abteilungen von Gerechten gibt es im (himmlischen) Gan 
fEden, die eine immer höher als die andre. Die 1. Abteilung s. Ps 140, 14: „Gewiß die 
Gerechten werden deinen Namen preisen, die Rechtschaffenen werden vor deinem An- 
gesicht sitzen." Die 2. Abt. s. Ps 65, 5: „Wohl dem, den du erwählst u. herzukommen 
lassest, daß er wohne in deinen Vorhöfen", u. Ps 84, 1 1 : „Ich will lieber auf der Schwelle 
liegen in meines Gottes Hause, als drinnen wohnen in den Zelten der Gottlosigkeit." 
Die S.Abt, s. Ps84, 5: „Wohl denen, die in deinem Hause wohnen." Die 4. Abt. s. 
Ps 15, 1 : „Wer darf gasten in deinem Zelte?" Die 5. Abt. s. Ps 15, 1 : „Wer darf wohnen 
auf deinem heiligen Berge?" Die G.Abt, s. Ps24, 3: „Wer darf emporsteigen zum 
Berge Jahves?" Die 7. Abt. s. Ps 24, 3: „Wer darf an seinem heiligen Orte stehn?" — 
Die vom irdischen Heiligtum handelnden Stellen sind hier auf das himmlische Heiligtum 
übertragen. Vertauscht man die Belegstellen zur 2. u. zur 3. Abt., so ergibt das Ganze 
sieben konzentrische Kreise, in deren innerstem Gott am nächsten die 1 . Abt. wohnt, 
die vor Gottes Angesicht sitzt. Die Deutung der Stelle auf die Welt der Seelen er- 
hellt aus MidrPs U §<i (51^), wo sie in die Beschreibung der sieben Wohnungen der 
Gerechten im Gan ?Eden hineingearbeitet ist. Hier heißt es zum Schluß (52'''): Wenn 
der Sterbende ein Gerechter ist, so ruft man vor ihm aus: Machet Platz für den u. 

Strack u.Billerbeck, NTI. 14 



210 Matth 5, 8 (93 2) 

den Gerechten! Dann geht er von Wohnung; zu Wohnung, bis er das Angesicht der 
Seh^'khina schaut; deshalb heißt es Psll,7: ,Die Rechtschaffenen werden sein An- 
gesicht schauen." i| SDt 11,21 §47 (83**): R. Schimfon b. Jochai (um 150) sagte: Zu 
siebenfacher Freude^ werden die Angesichter der Gerechten das Angesicht der Seh. 
in der zukünftigen Welt (= himmlische Welt der Seelen) begrüßen. Diese sind: ^Die 
ihn lieben, sind wie der Aufgang der Sonne in ihrer Macht" Rieht 5, 31. „Schön wie 
der Mond u. wie die Sonne" HL 6, 10. „Die Verständigen werden glänzen wie der 
Glanz des Firmaments" Dn 12, 3. „Die viele zur Gerechtigkeit gebracht (werden sein) 
wie die Sterne ewiglich" Dn 12, 3. „Wie Blitze fahren sie daher" Nah 2, 5. Dem Musik- 
vorsteher nach „Lilien", von den Kindern Qorachs Ps45, 1. „Wie ein Ölbaum wird 
seine Herrlichkeit sein" Hos 14, 7. — Der Sinn ist: Die sieben Abteilungen der Ge- 
rechten werden leuchten u. glänzen wie die Sonne, der Mond, das J'irmament, die 
Sterne, die Blitze, die Lilien u. die Ölbäume. — Parallelstellen: SDt 1, 10 § 10 (67»); 
P^siq 179 b; LvR30 (127''); Midr Ps 11 §6 (51^). — Daß andre Kreise das sonnenhafte 
Glänzen u. Leuchten der Gerechten erst in der zukünftigen Welt nach der Auferstehung 
der Toten erwartet haben, zeigt 4 Esra 7, 78ff. S. 208. il B'-rakh 17»: Ein Gewohnheits- 
spruch N';:":': im Munde Rabs (f 247): In der zukünftigen Welt (= himmlische Welt 
der Seelen)^ gibt es nicht Essen u. Trinken, nicht Zeugung u. Fortpflanzung, nicht 
Handel, noch Wandel, nicht Neid, noch Feindschaft, noch Streit; sondern die Gerechten 
sitzen da mit ihren Kronen auf ihren Häuptern u. laben sich an dem Glanz der Sch'^khina, 
vgl. Ex 24, 11 : „Sie schauten Gott, u. (so) aßen u. tranken sie." I| Midr Ps 11 §6 (51 ^i: 
R. J'^huda b. Simon (um 3'20) hat gesagt: Jeder Handwerker haßt seine Handwerks- 
genossen (aus Brotneid), aber Gott nicht also; denn „er ist gerecht, Gerechtigkeit 
liebend" Ps 11,7. Was bedeutet: „Wer rechtschaffen •^lü-, wird sein Angesicht schauen" 
Ps 11, 7? Sieben Abteilungen sind es, die vor Gott in der Zukunft (in der himmlischen 
Welt der Seelen) stehen werden; u. welche A'bteilung ist die höchste unter ihnen, 
weil sie das Angesicht der Sch'^khina begrüßen (schauen) wird? Das ist die Abteilung 
der Rechtschaffenen c—'ffi-; denn es heißt: „Wer rechtschaffen •!»■, wird sein Angesicht 
schauen." Vgl. die 1. Abteilung der Gerechten in SDt 1, 10 § 10 oben S.209. i| P^siq 
17yb^ 17; „Lieblichkeiten r-»'y: zu deiner Rechten ewiglich" Ps 16, 11. David sprach 



' r-n^i-i; yaai „sieben Freuden" ist Ausdeutung von rir^ar vzv „Freudensät- 
tigung" Ps 16, li; s. P'siq 179b; LvR 30 (127^); Midr Ps 16 §12 (62b). 

^ Für die Beziehung der Worte Rabs auf den Zwischenzustand sprechen dessen 
anderweitige Ausführungen über die himmlische Welt der Seelen. T®mura Uö'' (16^ 
in andren Ausgaben): Rab hat gesagt: Als unser Lehrer Mose zum Gan ?Eden ent- 
schlief, sprach er zu Josua usw. || P'siqR 34 (159b): R. Jannai (um 225) hat gesagt, Rab 
habe gesagt: Wer auf das (messianische)' Heil ausschaut, den läßt Gott sich lagern 
im Gan ?Eden, s. Ez 34, 15. H BMSS": Rab J'^'huda (f 299) hat gesagt, R«b habe ge- 
sagt: Wer den Sohn eines andren Tora lehrt, der ist würdig in der himmlischen 
Akademie (im Kreise Gottes u. der Engel) zu sitzen, s. Jer 15, 19. 1| BB 98''': Rab J'huda 
hat gesagt, Rab habe gesagt: Wer sich im Gelehrtenmantel brüstet, ohne ein Gelehrten- 
schüler zu sein, den läßt man nicht in die M'^'chi^a (Wohnung, Abteil) Gottes ein- 
treten, s. Hab 2, 5 verglichen mit Ex 15, 13. || Midr Ps 65 §3 (157='): Rab Sch'-muel b. 
Schela (um 270) hat im Namen Rabs gesagt: David hat gesagt: Herr der Welt, wohl 
dem, den du herzutreten läßt zum Vorhof. Mit „Vorhof" ist nicht andres gemeint als 
die Himmelshöhe, s. Ps36, 8f.: Wie köstlich ist deine Gnade, o Gott, u. Menschen- 
kinder dürfen sich im Schatten deiner Flügel bergen; sie laben sich an dem reichen 
Mahle deines Hauses u. mit dem Strom deiner Wonnen tränkst du sie. Ferner s. 
Ps84, 11 ; 65, 5. — Gegen die Beziehung der Stelle auf die zukünftige Welt nach der 
Auferstehung spricht die ganz andersartige Schilderung, die Rab von dieser gegeben 
hat nach B^rakhti4": Rab Chijja b. Aschi (um 270) hat gesagt, Rab habe gesagt: Die 
Gelehrtenschüler haben kerne Ruhe, weder in dieser Welt noch in der zukünftigen Welt 
(nach der Auferstehung), vgl. Ps84, 8: Sie wandeln von Schar zu Schar (so der Midr, 
= von einem Lehrhaus zum andren u. von einer Synagoge zur andren), erscheinen vor 
Gott in Zion. — Dasselbe MQ 29»; vgl. auch den ähnlichen Ausspruch des Rab Chijja 
b. Aschi selbst in pSch-^bisith 4, 35 ^28. Ferner s. bei Mt22, 30. 



Matth 5, 8 (93 2) 211 

vor Gott: Herr der Welt, wer tut mir kund, welche Abteilung (von den sieben Ab- 
teilungen der Gerechten in der jenseitigen Welt) die geliebteste u. lieblichste nii^yj 
ist? Zwei Amoräer (Schriftgelehrte der nachmischnischen Periode). Der eine sagte: 
Das ist diejenige, die in der Kraft der Torakenntnis u. der guten Werke kommt (vgl. 
Dt 33, 2: „Zu seiner Rechten das Feuer des Gesetzes"; dieser Belegvers ist nach den 
Parallelen zu ergänzen, er wird gedeutet: zu Gottes Rechten^ erhalten ihren Platz die, 
die in der Kraft der Tora kommen, die dem Feuer gleicht). Der andre sagte: Das 
sind die Schrift- u. Mischnalehrer, die die Kinder wahrheitsgemäß (treulich) unter- 
richten; denn sie werden einst zur Rechten Gottes sitzen. Das meinen die Worte: 
Lieblichkeiten (die Lieblichsten) zu deiner Rechten ewiglich. — Parallelstellen: LvR 
30 (127 ^^); Midr Ps 16 § 12 (62b). || Midr Ps 141 § 1 (265b): „Die Rechtschaffenen werden 
vor deinem Angesicht sitzen" Ps 140, 14. David sprach zu Gott: Ich bitte von dir, daß ich 
zu jenen gehören möge, die dein Angesicht, Jahve, schauen (nämlich in der himmlischen 
Welt der Seelen). 1| M'^n 48b; R. Schimfon b. Jochai (um* löC) hat gesagt: Wer pünktlich 
(hurtig) ist in der Erfüllung dieses ( Schaufäden- iGebotes, der ist würdig, das Angesicht 
der Sch^'khina (in der jenseitigen Welt) zu begrüßen. Es heißt hier iNu 15, 39): Wenn 
ihr „ihn" (den Schaufädenschmuck) seht, u. es heißt dort (Dt 6, 13): Jahve deinen 
Gott sollst du fürchten u. „ihn" verehren. (Das in beiden Stellen vorkommende 
„ihn" setzt diese inhaltlich in Beziehung zueinander; in welcher Weise, das zeigt 
der Ausspruch R. Schim?ons.) ll Sota42'': Rab Jirm'ja b. Abba (um «250) hat gesagt: 
Vier Abteilungen (Klassen) werden das Angesicht der Sch^khina (in der jenseitigen 
Welt der Seelen) nicht begrüßen; nämlich die der Spötter, s. Hos 7, 5: Er zieht seine 
Hand ab von den Spöttern (d. h. wehrt sie ab, so der Midr); die der Schmeichler, 
s. Hi 13, 16; die der Lügner, s. Ps 101, 7, u. die der Verleumder, s. Ps 5, 5. — Dasselbe 
mit Rab Chisda (t 309) als Tradenten Sanh 103'*; anonym u. zum Teil mit andren Beleg- 
versen Midr Ps 101 §3 (214b). \\ LvR 23 (122^: R. Meascha (so lies statt r:^z:^), der 
Enkel des R. J'^hoschua? b. Levi (um 300) hat gesagt: Wir finden, daß der, welcher 
etwas Schändliches sieht u. seine Augen nicht daran weidet, würdig ist, das Angesicht 
der Sch'^khina (im Jenseits) zu begrüßen; denn es heißt Jes 33, 15: „Wer seine Augen 
verschließt, daß er nichts Böse sehe", was steht hinterher geschrieben? „Den König 
in seiner Schöne (Gott in seiner Herrlichkeit) sollen deine Augen schauen, sehen 
werden sie Land der Fernen" (das. Vers 17). — Parallelstellen: P''siqR24(125b); Derekh 
Erecj 1 Ende. || Sanh 97b: Abaje (f 338/39) hat gesagt: Die Welt hat in keiner Genera- 
tion weniger als 36 Gerechte, die das Angesicht der Sch'khina begrüßen können; 
denn es heißt Jes 30, 18: „Wohl allen, die seiner •- harren." Und iV beträgt seinem 
Zahlenwert ^ nach 36. (Dies Wort beschränkt das Schauen Gottes auf die vollkom- 
menen Gerechten.) Aber Raba (f 352) hat doch gesagt: Die Reihe, die vor Gott (in 
der himmlischen Welt der Seelen) steht (u. ihn schauen darf) beträgt 18000 Para- 
sangen, vgl. Ez 48, 35: „Ringsum 18000!" Das ist kein Widerspruch: in dem ersten 
Fall handelt es sich um solche, die durch ein reines (ungetrübtes) Glas^ sehen, u. im 
letztern Fall um solche, die durch nicht reines Glas sehen. (Die Zahl derer, die Gott 
nicht deutlich sehen, ist unendlich viel größer als die Zahl derer, die ihn deutlich 
sehn dürfen.) Aber sind es denn so viele (wie Raba annimmt)? Es hat doch Chizqijja 
(um 350) gesagt, R. Jirm'ja (um 320) habe im Namen des R. Schim?on b. Jochai (um 150) 
gesagt: Ich habe die Söhne des Söllers (d. h. die, welche den höchsten Platz im Himmel 
einnehmen) gesehen, u. es waren wenige; wenn es UiOO sind, so gehöre ich u. mein 
Sohn (R. Elfazar b. Schim?on) zu ihnen; wenn es 100 sind, so gehöre ich u. mein Sohn 
zu ihnen; sind es zwei, so sind ich u. mein Sohn diese. Das ist kein Widerspruch: 



1 VgL Midr Ps 16 §12 (62b): Welches ist die höchste u. beliebteste (Abteilung)? 
Das ist die, welche zur Rechten Gottes steht, wie es heißt Sach 4, 3: „Einer zur Rechten 
des Behälters." 

2 Siehe Einl. 107. Nr. 29. 

3 Hierzu s. bei 1 Kor 18, 12. 

14* 



212 Matth 5, 8 (95 2) 

in jenem Fall (in welchem von einer größeren Anzahl die Rede ist) handelt es sich 
um solche, die nur mit hesonderer Genehmigung (in Gottes Kreis, M'^'chi9a) eintreten 
dürfen, in diesem Fall (von welchem R. Schimfon spricht) handelt es sich um solche, 
die ohne Genehmigung eintreten dürfen. — Dasselbe mit andrer Reihenfolge der einzelnen 
Aussprüche Sukka 451^. Der Ausspruch des R. Schimfon b. Jochai auch pB^'rakh 9, 
18"^, 57 u. zwar in der Form: Ich habe die Söhne der zukünftigen Welt (d. h. der Welt 
der Seelen) gesehen u. ihrer waren wenige usw. 

C. BB 10''': R. Dos'^thai b. Jannai (um 180) hat öffentlich vorgetragen: Komm u. 
sieh, daß nicht wie Gottes Art die Art der Menschen ist. Ein Mensch bringt einem 
König ein großes Geschenk dar: es ist zweifelhaft, ob mau es von ihm annimmt oder 
nicht; es ist auch zweifelhaft, ob er das Angesicht des Königs schauen wird oder 
nicht. Aber Gott nicht also: es gibt ein Mensch einem Armen eine P'^ruta (kleinstes 
Geldstück), so wird er gewürdigt, das Angesicht der Sch'^khina zu begrüßen, s. Ps 17, 15: 
, Durch Almosen (so der Midrascii) werde ich dein Antlitz schauen, mich sättigen, 
wenn ich wach werde (aus dem Todesschlaf bei der Auferstehung der Toten) an deiner 
Gestalt." i! SLv 26, 12 (451"): ,lch wandle in eurer Mitte" Lv2t), 12. Man hat ein 
Gleichnis gesagt. Womit läßt sich das vergleichen? Mit einem König, der ausging, 
um sich mit seinem Pächter im Baumgarten ~~!^t_ [naQÜ^siaog] zu ergehn; aber jener 
Pächter hatte sich vor ihm versteckt. Der König sprach zu ihm: Was hast du, daß 
du dich vor mir versteckst? Siehe, ich bin wie du! Ebenso wird sich Gott dereinst 
mit den Gerechten (nach der Auferstehung) im Garten sEdens in der Zukunft ergehn, 
u. die Gerechten werden ihn sehn u. vor ihm erbeben. Und er wird zu ihnen sagen: 
Siehe, ich bin wie ihr! Soll etwa die Ehrfurcht vor mir nicht mehr auf euch sein? 
Die Schrift sagt lehrend Lv 26, 12: Und ich bin euer Gott u. ihr sollt mein Volk sein. || 
Tafan:-}!»: fUlla aus Biri (um 280) hat gesagt, R. Elfazar (um 270) habe gesagt: Der- 
einst wird Gott den Gerechten einen Reigentanz veranstalten, u. er selbst wird unter 
ihnen sitzen im Gau fEden, u. jeder wird mit seinem Finger hinweisen, wie es heißt 
Jes 25,9: „Sagen wird man an jenem Tage: Siehe, unser Gott ist dies, auf den wir 
harrten, daß er uns befreie; Jahve ist dies, auf den wir harrten; lasset uns frohlocken 
u. uns freuen über sein Heil!" — In den paläst. Quellen pMQ 3,83^, 50; pM'g2, 
73^ 31; Midr Qoh 1, 11 (10^'); Midr HL 7, 1 (126«); LvR 11 (113'') wird R. Chanina 
(um 225 als Autor u. R. EUazar als Tradent genannt; in diesen Stellen wird Gott als 
:^;^n •i.-s-', d. h. als „Reigenführer" bezeichnet unter Hinweis auf Ps 48, 14, wo man 
ri-n in ■nh^r. deutete u. so den Satz gewann: „Richtet euren Sinn auf den Reigen- 
tanz hin." In ,noch andren palästinischen Quellen erscheinen als Autoren R. B^'rekhja 
(nm 340) u. R. Chelbo (um 30(i); so in Midr HL 1, 3 (85'3), ferner R. Jose b. Chanina 
tum 270) in Midr Ps 48 §5 (139»); hier wird von Gott gesagt: „Und Gott tanzt mit 
ihnen." — Das Hinweisen auf Gott mit dem Finger kommt auch sonst vor, s. zB 
weiter unten Tanch -ii^sa 190b; ferner ExR 23 (85^); Tanch =py 6^. || Tanch p'^a 236'^: 
„Zu der Zeit wird man zu Jakob u. zu Israel sagen: Was hat Gott getan?" (so faßt 
der Midrasch Nu 28, 23). Sein (Bilfams) Auge sah, wie die Israeliten in der Zukunft 
vor Gott sitzen werden wie ein Schüler vor seinem Lehrer, u. wie sie ihn betreffs 
jedes Abschnitts fragen: Warum ist er geschrieben worden? Ebenso heißt es Jes 23, 18: 
„Denn denen, die vor Jahve (als seine Schüler) sitzen, wird ihr Handelserwerb ge- 
hören zur Sättigung u. zu stattlicher Kleidung." Ferner heißt es Jes 30,20: „Und 
nicht mehr verbergen wird sich dein Lehrer (— Gott), u. deine Augen werden deinen 
Lehrer sehn." Und die Engel des Dienstes werden die Israeliten fragen: Was hat euch 
Gott gelehrt? Denn sie können in deren M'^chica (Abteil) nicht eintreten, wie es 
heißt (Nu 23,2^^): Zu der Zeit wird man (= die Engelj zu Jakob u. zu Israel sagen: 
Was hat Gott getan? (Israel wohnt der M'^chi9a Gottes näher als die Engel, sie wissen 
deshalb um Gottes Tun u. Lassen besser Bescheid als diese; daher die Frage der Engel 
an Israel: Was hat Gott getan?) — In Dt R 1 (196=*) wird Abba (um 290), in pSchab 
6, 8'^, 21 R. Abba b. Kahana (um 310) als Autor genannt. || Aggad B'^resch 09 (47 b): 
R. Aschjan (um 300) hat im Namen des R. Chilqijja (um 320) gesagt: In dieser Welt 



Matth 5, 8 (SB 2) 213 

verursachten es die Sünden, daß die Israeliten taub wurden gegen die Tora u. blind, 
die Sch^khina (Gottheit) zu sehn, wie es heißt Jer fi, 10: „Siehe, eine Vorhaut hat ihr 
Ohr, so daß sie nicht aufmerken können." Deshalb waren sie taub, die Tora zu lernon. 
u. ihre Augen verschlossen, die Seh. zu sehn. Ebenso hat Jesaja 42, 18 gesagt: Ihr 
Tauben, höret usw. Und sie antworteten ihm: Wir sehen nicht, vgl. Jes •>9, 10: „Tasten 
müssen wir wie die Blinden an der Wand"; u. wir hören nicht, vgl. Ps o8, 14: „Und 
ich bin wie ein Tauber, ich höre nicht" usw. Und was wird Gott in der Zukunft tun? 
Er wird sie zuerst auferwecken, u. darauf wird er ihre Augen u. Ohren öffnen, s. 
Jes 3-5, 5: „Dann werden aufgetan werden die Augen der Blinden" usw.; u. sie werden 
die Worte Gottes hören, s. Jes 30, 21: „Und deine Ohren werden das Wort hören", u. 
sie werden ihn sehen, wie er sie lehrt, s. Jes 30, 20: „Nicht mehr verbergen wird bich 
dein Lehrer" usw. In jener Stunde wird sich der Vers erfüllen Spr20, 12: „Das hörende 
Ohr u. das sehende Auge" — weder ein Engel noch ein Seraph hat solches voll- 
bracht — „die hat Jahve alle beide geschaffen." |1 Midr Ps 149 §1 (270''}: Sooft die 
Israeliten Gott geschaut haben, sind sie fromm geworden. Sie sahen ihn am (Roten) 
Meer u. wurden fromm u. sangen ein Lied, s. Ex 15, 1 ; sie sahen ihn am Sinai u. 
wurden redlich (unsträflich), s. Spr 2, 7: „Er hat für die Redlichen Weisheit {— Tora) ' 
in Verwahrung", u. HL 1, 2 heißt es: „Er (Gott) küßte mich (Israel) mit seines Mundes 
Küssen" (bei der Gesetzgebung, folglich müssen die Israeliten Gott am Sinai gesehen 
haben). Sie sahen ihn in der Stiftsbütte u. wurden gerecht, s. Lv 9, 2of. u. Ps 33, 1. 
Und wenn sie ihn in der zukünftigen Welt sehn werden, dann werden sie fromm 
werden, vgl. Ps 149,1: „Singet dem Herrn ein neues Lied, seinen Ruhm in der Ge- 
meinde der Frommen." Und warum das alles? Weil sie iim sehen werden u. sich 
freuen, u. er freut sich mit ihnen. — Eine weniger gut durchgeführte Parallele in 
Midr Ps 69 § 1 (160^). || Tanch apy Tb; Auf die Tage des Messias folgt die zukünftige 
Welt, u. Gott wird in seiner Herrlichkeit hervorstrahlen u. seinen Arm offenbaren, 
vgl. Jes 52, 10: „Entblößt hat Jahve seinen heiligen Arm vor den Augen aller Heiden, 
n. geschaut haben alle Enden der Erde das Heil unsres Gottes." In jener Stunde 
werden die Israeliten Gott schauen* in seiner Herrlichkeit, s. Jes 52, 8: „Denn Auge 
in Auge sehen sie, wenn Jahve nach Ziou wiederkehrt." 

d. TanchB ^ha ij 2 (I "): „Lustig sein werden Steppe u. Wüste" Jes 35, 1 ff. Weshalb 
heißt es so? Um dich zu lehren, daß Gott, wenn er seine Sch'^khina über Israel offen- 
bart, all sein Heil nicht auf Einmal offenbart, weil sie darin nicht würden bestehn 
können; denn wenn er ihnen sein Heil auf Einmal offenbarte, so würden sie alle 
sterben. 2 Sieh, was geschrieben steht Jes 64, 3: „Seit Ewigkeit hat man es nicht ver- 
nommen, nicht gehört" usw. Geh u. lerne von Joseph: als dieser sich seinen Brüdern 
nach einer Reihe von Jahren offenbarte, sprach er zu ihnen: „Ich bin Joseph"; seine 
Brüder aber vermochten ihm nicht zu antworten, denn sie waren ihm gegenüber be- 
stürzt" (Gn45, 3). Wieviel mehr würde das Gotte gegenüber gelten! Was wird also 
Gott tun? Er offenbart sich ihnen ganz allmählich. Zuerst macht er fröhlich die Berge, 
s. Jes 35, 1; dann frohlockt die Steppe (das.), dann blüht sie blühend auf (das. Vers 21; 
dann wird ihr die Herrlichkeit des Libanon verliehen (das.l; dann werden sie die 
Herrlichkeit Jahves schauen, die Pracht unsres Gottes (das.). Deshalb hat David ge- 
sagt Ps 102, 17: Wenn Jahve Zion baut, wird er in seiner Herrlichkeit gesehen. Ferner 
heißt es Jes 52, 8: Auge in Auge sehen sie, wenn Jahve nach Zion wiederkehrt; ferner 
Jes 25, 9: „Sagen wird man an jenem Tage: Siehe, unser Gott ist dies, auf den wir 
harrten, daß er uns helfe" usw. — Dasselbe Tanch nha l^. ii Tanch i=i)i2 190'': Gott 
spricht: In dieser Welt sind die Söhne Levis, weil sie meine Herrlichkeit sahen, dahin- 

1 Zu der Gleichung Weisheit = Tora s. zB Midr Spr 2 § 7 (25»): Von der Stunde an, 
da ein Mensch in seiner Mutter Leib gebildet wird, wird jene Tora, die er einst lernen 
soll, für ihn aufbewahrt; vgl. Spr 2, 7: „Er verwahrt den Unsträflichen die Weisheit." 

2 Diesen Gedanken vertritt R. Chijja (um 200) pB^rakh I, 2c, 38: pJoma 3, 40b, .35; 
Midr EsthS, 15 (100b); Midr HL 6, 10 (124«); R. Chijja u. R. Schimfon b. Chalaphta (um 
190) Midr Ps 22 § 13 {9i^); R. Judan (um 350) Midr Ps 18 § 30 (81b). 



214 Matth 5, 8 (SB 2) 

geschwunden, vgl. Ex 33, 20: , Nicht wird ein Mensch mich sehn u. leben bleiben." 
Aber in der Zukunft (in den Tagen des Messias), wenn ich meine Sch'^khina nach Zion 
zurückkehren lasse, werde ich mich über ganz Israel offenbaren, u. sie werden mich 
sehn u. ewiglich leben, vgl. Jes 52, 8: „Auge in Auge sehen sie" usw. Und nicht bloß 
dies, sie werden auch mit dem Finger auf ihn weisen, s. Ps 4"!, 15: „Dies ist Gott, unser 
Gott, immer u. ewig!" Ferner s. Jes 25, 9 (wie oben). — Dasselbe TanchB -^aitj: § 20 (9b). 

Nicht näher bestimmbar ist die Zeit des Schauens Gottes P'^siqR 1 (2^): „Alles 
Fleisch ^vz wird kommen, um anzubeten vor meinem Angesicht" Jes H6, 23. Es heißt 
nicht alle „Israeliten" werden kommen, sondern alles „Fleisch". R. Pin'^chas (um 360) 
hat gesagt: Was heißt „alles Fleisch"? Jeder, dessen böser Trieb „Fleisch" ^ wird in 
dieser Welt, ist würdig, das Angesicht der Sch^'khina zu schauen, vgl. Jes 33, 15: „Wer 
seine Augen verschließt, daß er nichts Böses sehe." Was folgt darauf? „Den König n 
seiner Schöne (Gott in seiner Herrlichkeit) sollen seine Augen schauen" (das. Vers 17). — 
Da die Ausgangsstelle Jes 66, 28 in der Regel auf die Zeit nach der Auferstehung u. 
dem Endgericht gedeutet wird, liegt es nahe, den Ausspruch des R. Pin*^chas auf die 
eschatologische zukünftige Welt zu beziehen. || B^rakh 64*: R. Levi b. Cha3J''tha (gegen 
350) hat gesagt: Wer aus der Synagoge ins Lehrhaus geht u. mit der Tora sich be- 
schäftigt, der ist würdig, das Angesicht der Sch'^khina zu begrüßen, vgl. Ps84, 8: Sie 
gehen von Schar zu Schar, erscheinen vor Gott auf Zion. — Man wird an die Tage 
des Messias oder an die eschatologische zukünftige Welt zu denken haben. — Das- 
selbe MQ 29"; hier ist hinter R. Levi zu ergänzen „b. Chajj'tha" ; in Midr Ps 84 § 4 
(186'") sind „unsre Lehrer" als Autoren genannt. i| NuR 8 (US''): Du findest vier Ab- 
teilungen (Klassen), die vor Gott stehn werden, wie es heißt (Jes 44, 5): „Der wird 
sagen: Jahve gehöre ich" usw. „Der wird sagen: Jahve gehöre ich", siehe, der gehört 
ganz Gott an, keine Sünde haftet ihm an. „Und der wird sich mit Jakobs Namen 
benennen" (das.), das sind die Ganzproselyten pis -i;; „u. der wird sich eigenhändig 
Jahve verschreiben", das sind die Bußfertigen; „u. mit dem Namen Israels sich be- 
nennen", das sind die Gottesfürchtigen (die im NT cf^oßot\uEyot oder asßö/ueyoi roy ^^söv 
genannten Proselyten). — Der Inhalt der Stelle w6ist auf die Tage des Messias hin. 

Nach den vorstehenden Stellen ist es der alten Synagoge ein durch- 
aus geläufiger Gedanke gewesen, daß einst eine Zeit kommen werde, 
in der Israel Gott von Angesicht zu Angesicht werde sehn dürfen, 
insonderheit daß in diesem Schauen Gottes die höchste Seligkeit der 
Gerechten in der himmlischen Welt der Seelen bestehn werde. Hierin 
herrscht also Übereinstimmung mit der Seligpreisung. Dagegen findet 
«ich in der rabbin. Literatur keine Stelle, in der das Schauen Gottes 
von der Reinheit des Herzens abhängig gemacht würde. Des Schauens 
Gottes dürfen sich versichert halten die Rechtschaffenen n^-uji (Midr Ps 
1 1 § 6, S. 2 10), die, welche daherkommen in der Kraft ihrer Torakenntnis 
u. ihrer guten Werke, die Schrift- u. Mischnalehrer, die die Kinder 
treulich unterrichten (P'^siq 179 '', S. 210 f.), ferner wer fleißig Synagoge 
u. Lehrhaus besucht (B'^rakh 64^, S. 214), wer den Armen Almosen 
spendet (BB 10^ S. 212), auch wer bedacht ist auf die Beobachtung 
des Schaufädengebotes (M«n43^ S. 211). Es zeigt sich auch hier, wie 
Jesu Blick nicht an einer einzelnen Tugend, an einer einzelnen Leistung 
des Menschen hangen bleibt, sondern immer auf das Zentrum, auf das 



^ Gemeint ist der, dessen steinernes Herz nach Ez 11, 19 zu einem fleischernen 
Herzen wird. So spricht R. Chizqijja (um 350) Sota 5^ von dem, der sein Herz zu 
Fleisch i-aa: macht. 



Matth 5, 8 (SB 2). 5, 9 (Nr. 1) 215 

Herz des Menschen schaut; darum die reinen Herzens sind, die 
werden Gott schauen, — Jesu Wort am nächsten kommt der Ausspruch 
des R. Meascha (um 300), der das Schauen der Sch'^khina dem in Aus- 
sicht stellt, der seine Augen nicht an Schändlichem weidet; denn das 
Verschließen der Augen vor allem Garstigen setzt am ehesten das 
reine Herz voraus; s. LvR 23 (122'') S. 211. Ferner der Ausspruch des 
R. Pin«'chas (um 360), der den für würdig erklärt, das Angesicht der 
Sch'^khina zu schauen, dessen böser Trieb (steinernes Herz) sich hat 
umwandeln lassen in das neue fleischerne Herz, s. P'^'siqR 1 (2«) S. 214. 

5,9: Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes 
Kinder heißen. siQrjvoTioiög = ni^u: najis' oder '^ b-^-j^a oder '^ diöd. 

1. Lob u. Lohn des Friedens u. des Friedenstifters. 

M^kh Ex 20, 25 (81 »): R. Jochanan b. Zakkai (f um 80) hat gesagt: Siehe, es heißt 
Dt 27, 6: „Aus unversehrten (msV-c) Steinen sollst du den Altar bauen", das sind 
Steine, die Frieden, ai's», stiften. Siehe, da gilt der Schluß vom Leichteren auf das 
Schwerere: wenn Gott in bezug auf die Steine des Altars, die weder sehen noch hören 
noch reden, darum weil sie Frieden zwischen Israel u. ihrem Vater im Himmel stiften, 
gesagt hat: „Du sollst kein Eisen über sie schwingen" — um wieviel mehr gilt dann 
von dem, der Frieden zwischen zwei Männern oder zwischen einem Mann u. seinem 
Weibe oder zwischen zwei Städten oder zwei Nationen oder zwei Regierungen oder 
zwei Familien stiftet, daß über ihn keine Strafe kommen wird! — Dasselbe Tanch 
•-ir- (901^) mit der Lohnverheißung an den Friedenstifter, daß man ihm seine Lebens- 
jahre verlängere. — In TBQ 7, 7. 8 ist der Ausspruch stark abweichend. |I SNu 6, 26 § 42 
(12''): Groß ist der Friede; denn um seinetwillen hat Gott den Vorfall mit der Sara 
in der Schrift verändert, s. Gnl8, 13: Sollte ich wirklich gebären, da ich doch alt 
geworden bin? (so gibt Gott vor Abraham die Worte Saras wieder, die nach Vers 12 
lauteten: Da doch mein Herr [Abraham] alt ist. Gott änderte, damit Abraham nicht 
durch Saras Worte erzürnt würde, also um des ehelichen Friedens willen). — Groß ist 
der Friede; denn der Engel hat um des Friedens willen Änderungen vorgenommen 
(s. Ri IS, 3. 13). — Groß ist der Friede; denn um seinetwillen wird der in Heiligkeit 
geschriebene Jahvename in (statt hy ist mit Nu 5, 23 '^s zu lesen) das Wasser aus- 
gewischt, um Frieden zwischen einem Mann u. seinem Weibe zu stiften. — R. Elfazar 
(b. Scbammua?, um 150) hat gesagt: Groß ist der Friede; denn die Propheten haben 
in den Mund aller Menschen nur den Frieden gelegt (ob Friedensgruß gemeint?). — 
R. Schimf on b. Chalaphta (um 190) sagte: Groß ist der Friede; denn kein andres Gefäß 
faßt den Segen (Gottes für Israel) als nur der Friede, s. Ps 29, 11: Jahve wird Stärke 
seinem Volk verleihen; segnen wird Jahve sein Volk mit dem Frieden. (Dieser Aus- 
spruch bildet den Schluß der Mischna.) — R. Elfazar Ha-qappar (um 180) hat gesagt: 
Groß ist der Friede; denn Gott hat alle Segenssprüche mit dem Frieden geschlossen, 
s. Nu 6, 26: Jahve erhebe sein Angesicht auf dich u. gebe dir Frieden! — R. El?azar 
b. Ehazar Ha-qappar (um 210) hat gesagt: Groß ist der Friede; denn selbst die Götzen- 
diener, solange Frieden unter ihnen ist, darf der Satan nicht anrühren, s. Hos 4, 17: 
„Mit Götzen verbunden ist Ephraim — laß es in Ruh!" Als sie sich aber in Parteien 
teilten, heißt es: „Geteilt ist ihr Herz; nun sollen sie es büßen" (Hos 10, 2). Siehe, groß 
ist der Friede u. verhaßt die Zwietracht. ^ — Groß ist der Friede; denn selbst in der 
Stunde des Kampfes sind wir auf den Frieden verwiesen, s. Dt 20, 10: Wenn du dich 
einer Stadt nahst, um gegen sie zu kämpfen, so rufe sie zum Frieden auf. . . . Groß 
ist der Friede; denn selbst die Toten bedürfen des Friedens, s. Gn 15,15: Du wirst in 



Nach GnR 38 (23^) gehört dieser Ausspruch Rabbi an. 



216 Matth 5, 9 (Nr. 1 ) 

Frieden zu deinen Vätern eingehn; feiner s. Jer 34, 5: Im Frieden wirst du sterben. — 
Groß ist der Friede; denn er wird denen gegeben, die Buße tun, s. Jes 57, 19: ,Der 
da scliafft Frucht der Lippen, Frieden, Frieden den Fernen (die in Buße zurückgekehrt 
sind) u. den Nahen." — Groß ist der E'riede, denn er ist zum Anteil der Gerechten 
bestimmt, s. Jes 57, 2: „Er geht ein zum Frieden, ruhen werden sie auf ihren Lagern." — 
Groß ist der Friede; denn er ist nicht zum Anteil der Gottlosen bestimmt, s. Jes 48, 22: 
, Keinen Frieden, spricht Jahve, gibt es für die Gottlosen." — Groß ist der Friede; 
denn er wird denen gegeben, die die Tora liebhaben, s. Ps 119, 165: „Großen Frieden 
haben, die deine Tora lieben." — Groß ist der Friede; denn er wird den Sanftmütigen 
gegeben, s. Ps 37, 1 1 : „Die Sanftmütigen werden das Land in Besitz nehmen u. ihre 
Lust haben an Friedensfülle." — Groß ist der Friede; denn er wird denen gegeben, 
die die Tora lernen, s. Jes 54, 13: „Alle deine Kinder werden Jünger Jahves sein u. 
groß der Friede deiner Kinder." — Groß ist der Friede; denn er wird denen gegeben, 
die Wohltat üben, s. Jes 32, 17: „Es wird das Werk des Wohltuns (so der Midr) Friede 
sein," — Groß ist der Friede; denn der Name Gottes heißt „Friede", s. Ri6, 24: „Er 
nannte ihn: Jahve Friede I" — R. Chananja, der Vorsteher der Priester (um 70), hat 
gesagt: Groß ist der Friede; denn er wird dem ganzen Schöpfungswerk gleichgestellt, 
wie es heißt: „Denn siehe, der Bildner der Berge u. Schöpfer des Geistes, der Frieden 
schafft u. Unheil hervorbringt." ' — Groß ist der Friede; denn siehe, die Oberen 
(= Engel) bedürfen seiner, s. Hi25, 2: Herrschaft u. Schrecken ist bei ihm, er schafft 
Frieden in seinen Höhen. ^ — Die hauptsächlichsten Parallelstellen sind LvR 9 (111^), 
meist mit Angabe der Autoren für die in Siphre anonym überlieferten Aussprüche; 
NuR 1 1 (164 b); J«b 65b; DtR 5(202 c-d); vgl. auch mVrn p^r. || pSota 1, 16d, 37: R. Z«- 
kharja (so lies statt Z'^badja), der Schwiegersohn des R. Levi (um 300), hat folgende 
Geschichte erzählt. R. Me'ir (um 150) pflegte alle Sabbatvorabende in der Synagoge 
von Chamtha (Vorstadt von Tiberias) einen öffentlichen Vortrag zu halten. Dort befand 
sich eine Frau, die ihn zu hören pflegte. Eines Tages dehnte der Vortragende seinen 
Vortrag etwas lang aus. Sie entfernte sich, um nach Hause zu gehn, u. fand die 
Lampe ausgelöscht. Ihr Mann sprach zu ihr: Wo bist du gewesen? Sie antwortete: 
Zum Anhören des Vortrags des Vortragenden. Er sprach zu ihr: Mir soll das u. das 
geschehen, wenn du hier in das Haus kommst, bevor du nicht hingehst u. dem Vor- 
tragenden in sein Angesicht speist! R. Meir schaute solches im heiligen Geist (kraft 
prophetischer Begabung) u. stellte sich, als litte er an seinen Augen. Er sprach: Jede 
Frau, die einen Spruch gegen Augenschmerzen zu flüstern weiß, komme u. flüstere 
ihn. Da sprachen ihre Nachbarinnen zu ihr: Siehe, deine Zeit ist gekommen, daß du 
wieder in dein Haus gehn kannst. Stelle dich, als ob du ihm einen Spruch zuflüstern 
wolltest, u. speie ihm dabei in seine Augen. Sie ging zu ihm. Er sprach zu ihr: Ver- 
stehst du die Augen zu besprechen? Aus Furcht vor ihm antwortete sie: Nein! Da 



^ Das Zitat ist eine Verbindung von Amos 4, 13 mit Jes 45, 7 u. beweist nicht, 
was es beweisen soll. In SLv 2ti, 6 (449") lesen wir: Wenn ihr sagen wolltet: „Siehe, 
da ist Speise, siehe, da ist Trank", wenn kein Friede da ist, so ist nichts da. Deshalb 
sagt die Schrift lehrend Lv26, 6: „Ich gebe Frieden im Lande"; das zeigt, daß der 
Frieden alles aufwiegt. Und ebenso lehrt Jes 45, 7: „Der Frieden bereitet u. das All 
schafft", daß der Frieden alles aufwiegt. — Auch dieses Zitat entspricht nicht dem 
masorethischen Text, wohl aber der Regel B'rakh Hb; „Es steht geschrieben Jes 45, 7 
?- Unheil, aber wir lesen bsrr alles." So wird auch oben in der Siphrestelle zu lesen 
sein: „Der Frieden bereitet u. das All schafft." Dann steht der „Frieden" dem „All" 
gegenüber, so daß in haggadischer Weise gesagt werden kann: Der Friede wiegt das 
All auf. — Auch in dem 1. Lobspruch vor dem Morgen- Schema? wird Jes 45, 7 mit 
den Worten zitiert: „Der das Licht gebildet u. die Finsternis geschaffen, der den 
Frieden bereitet u. das All schafft. ..." 

2 R. Ja?aqob aus K'phar Chanin, um 280, sagt: hx^n „Herrschaft", das ist Mikhael, 
der aus Schnee besteht, u. inr „Schrecken", das ist Gabriel, der aus Feuer besteht, 
Pesiq3"; Midr HL zu 3, 11 (lOSbj; nach NuR 12 (166b) ist R. Jochanan, f 279, der Autor. 



Matth5,9 (Nr. 1) 217 

sprach er zu ihr: So speie siebenmal hinein, das wird ihnen heilsam sein! Nachdem 
sie hineingespieen, sprach er zu ihr: Geh, sage deinem Mann: Einmal hattest du es 
mir befohlen, u. siebenmal habe ich gespieen! Da sprachen seine Schüler zu ihm: 
Rabbi, macht man denn so die Tora verächtlich? Wenn du es uns gesagt hättest, 
würden wir ihn dann nicht haben kommen u. mit Ruten (lies n^psc statt n-Vcsc) 
züchtigen la&sen, bis er sich mit seiner Frau aussöhnte? Er antwortete: Soll es denn 
mit Me'irs Ehre nicht gehalten werden, wie mit der Ehre seines Schöpfers? Wenn der 
heilige Name (Jahve), der in Heiligkeit geschrieben ward, nach dem Wort der Schrift 
in das Wasser hinein (lies nach Nu 5, 23 ü"o Vs statt '^ hy) ausgelöscht werden soll, 
um Frieden zwischen einem Mann u. seinem Weibe zu stiften — sollte das nicht um 
soviel mehr von der Ehre Meirs gelten? — Dasselbe LvR 9 (111 b); NuR 9 (1531^); DtR 5 
(202*^). I! Gittin 52*: Es waren einmal zwei Menschen, gegen die der Satan losgelassen 
war. In jeder Abendstunde (nach Raschi: vor Sabbatanbruch) zankten sie miteinander. 
R. Me'ir begab sich dorthin u. verweilte drei Abende bei ihnen, bis er Frieden zwischen 
ihnen gestiftet hatte. Da hörte er, wie der Satan ausrief: Wehe, R. Meir hat mich aus 
meinem Hause getrieben. |j Aboth 1,12: Hillel sagte: Sei von den Schülern Ahrons, der 
den Frieden liebte u. dem Frieden nachjagte (vgl. Ps 34, 15), der die Menschen liebte u. 
sie der Tora näherte. || Sanh 6^: Ahron liebte den Frieden u. jagte dem Frieden nach 
u. stiftete Frieden zwischen den Leuten (wörtlich: zwischen einem Menschen u. dessen 
Genossen), s. Mal 2, 6: , Wahrhaftige Rechtsprechung war in seinem Mund u. Schlech- 
tigkeit ward nicht auf seinen Lippen gefunden. In Frieden u. Geradheit wandelte er 
mit mir u. viele brachte er zurück von Verschuldung. " Nach TSanh 1,2 (415) ist 
R. Eli?ezer b. Jose Ha-g'*lili, um 150, der Autor. || Aboth R. Nathan 12: R. Meir (um 
150) hat gesagt: Was heißt Mal 2, 6: , Viele brachte er von Verschuldung zurück"? 
Wenn Ahron sich unterwegs befand u. einem bösen Menschen begegnete, so entbot er 
ihm den Friedensgruß. Wenn jener Mensch am nächsten Tage eine Übertretung be- 
gehn wollte, sprach er: Wehe mir, wie könnte ich mein Auge aufschlagen u. Ahron 
anblicken! Ich muß mich vor ihm schämen, da er mich gegrüßt hat. So fand es sich, 
daß jener Mensch selbst von der Übertretung sich zurückhielt. Ebenso wenn zwei 
Menschen Streit untereinander anfingen, ging Ahron hin, setzte sich zu einem von 
ihnen u. sprach: Mein Sohn, sieh, was dein Nächster sagt; er zermartert sein Herz u. 
zerreißt seine Gewänder u. spricht: Wehe mir, wie soll ich mein Auge aufschlagen u. 
meinen Nächsten anblicken! Ich muß mich vor ihm schämen; denn ich bin es, der 
gegen ihn gesündigt hat. So saß er bei ihm, bis er die Feindschaft aus seinem Herzen 
beseitigt hatte. Dann ging Ahron, setzte sich zu dem andren u. sprach: Mein Sohn, 
sieh, was dein Nächster sagt; er zermartert sein Herz u. zerreißt seine Gewänder u. 
spricht: Wehe mir, wie soll ich mein Auge aufschlagen u. meinen Nächsten anblicken! 
Ich muß mich vor ihm schämen; denn ich bin es, der gegen ihn gesündigt hat. So 
saß er bei ihm, bis er die Feindschaft aus seinem Herzen entfernt hatte. Und wenn 
sich dann beide begegneten, so umarmten u. küßten sie sich. Deshalb heißt es Nu 
20,29: Das ganze Haus Israel beweinte Ahron dreißig Tage lang. || Aboth R. Nathan 12: 
Jage dem Frieden nach. Wie denn? Es lehrt, daß man in Israel dem Frieden zwischen 
den einzelnen nachjagen soll, wie Ahron dem Frieden in Israel zwischen den einzelnen 
nachgejagt hat, s. Ps 34, 15: , Suche Frieden u. jage ihm nach." R. Schim?on b. Elfazar 
(um 190) hat gesagt: Wenn ein Mensch an seinem Wohnort stillsitzt u. schweigt, wie 
kann der dem Frieden in Israel zwischen den einzelnen nachjagen, wie es heißt Ps 
34,5: Jage ihm nach! Wie mag solches geschehn? „Suche ihn", nämlich an deinem 
Ort, „u. jage ihm nach", nämlich an einem andren Ort. i| LvR 9 (110*^): R. Jannai (um 
225) hat gesagt: Es heißt Ps 50,23: -^n ov.; das will sagen: Wer seinen Weg (= Hand- 
lungsweise) abschätzt (das Textwort üb wird = cirj gedeutet), ist viel wert. Einmal 
befand sich R. Jannai unterwegs u. sah einen Menschen, der vornehm gekleidet war. 
Er sprach zu ihm: Würde wohl der Rabbi (für einen solchen hielt also Jannai den 
Fremden) meine Bitte berücksichtigen, bei uns als Gast einzukehren? Jener antwortete: 
Ja! R. Jannai führte ihn in sein Haus u. setzte ihm Speise u. Trank vor. Darauf forschte 



218 . MatthS, 9 (Nr. 1) 

«r ihn etwas nach seiner Schriftkenntnis aus, fand aber nichts. Desgleicheb in bezog 
auf die mündliclie Tradition u. die Haggada u. die halakhische Schriftauslegung; aber 
er fand nichts. Da sprach er zu ihm: Nimm den Becher u. sprich den Lobspruch (das 
Tischgebet I. Jener antwortete: Möge Jannai in seinem Hause den Lobspruch sprechen! 
R. Jannai fragte ihn: Vermagst du nachzusprechen, was ich dir sage? Er antwortete: 
Ja. So sprich, entgegnete R. Jannai: Ein Hund hat sein Brot gegessen! Da erhob sich 
jener, packte ihn an u. sprach: Wie, mein Erbteil bei dir willst du mir vorenthalten? 
R. Jannai erwiderte: Dein Erbteil ist bei mir? Jener sprach: Einmal ging ich an einem 
Schulhaus vorüber u. hörte, wie die Stimmen der Kinder sagten: Die Lehre trug uns 
Mose auf als Erbteil der Gemeinde Jakobs Dt 83, 4. Als Erbteil für „Jakob" heißt es 
hier nicht, sondern als Erbteil der , Gemeinde Jakobs" (u. dazu gehöre ich auch, wie 
darfst du mir also die Lehre vorenthalten, indem du mich einen Hund nennst?). R. Jannai 
sprach zu ihm: Weshalb bist du gewürdigt worden, an meinem Tisch zu speisen? Er 
antwortete ihm: Mein lebelang habe ich kein böses Wort gehört u. habe es seinem 
Urheber zurückgegeben, u. nie habe ich zwei Menschen miteinander streiten sehn, ohne 
zwischen ihnen Frieden zu stiften. R. Jannai sprach zu ihm: Soviel gute Sitte findet 
sich bei dir, u. ich habe dich einen Hund genannt! Da wandte er auf ihn das Wort 
an: „Wer den Weg abschätzt, den will ich mit Lust sehn lassen das Heil Gottes" (so 
Ps 50,23 nach dem Midr). !1 Pea I, 1: Von folgenden Dingen genießt der Mensch die 
Früchte (Zinsen) in dieser Welt, während das Kapital (der volle Lohn) ihm stehn bleibt 
für die zukünftige Welt: diese sind: das Ehren der Eltern, die Ausübung von Liebes- 
werken, das Friedenstiften zwischen den Menschen u. das Studium der Tora, das jenen 
allen gleichkommt. — Der Satz wird zitiert zB Schab ]2T^- Qid 40*. |! J'^b 109^: Bar 
Qappara (um 220) hat gelehrt: Immer befasse sich der Mensch mit drei Dingen u. halte 
sich fern von drei Dingen. Er befasse sich mit der Chali^a (Zeremonie des Schuh- 
ausziehens zur Vermeidung der Leviratsehe), mit dem Friedenstiften u. mit der Auf- 
lösung von Gelübden. Er halte sich fern von der Nichtigerklärung einer mit einer 
Minorennen eingegangenen Ehe, von der Annahme von Depositen u. von Bürgschafts- 
leistungen. — in pj4 l:^, 13^34 anonym; in GnR 93 (58"^) R. Chanina (um 225) als 
Autor. II Tafan 22*: Inzwischen kamen zwei Männer einher, von denen der Prophet 
Elias zu R. B^roqa von Chozai (wann?) sagte: Auch diese sind Kinder der zukünftigen 
Welt. R. B^roqa ging zu ihnen u. sprach: Was ist euer Tun? Sie antworteten: Wir 
sind Spaßmacher, die die Mißmutigen erheitern; auch wenn wir zwei Menschen sehen, 
zwischen denen Streit ist, bemühen wir uns, ihnen Frieden zu schaffen. || B'^rakh 17*: 
Ein häufiger Ausspruch im Munde des Abaje (f 338/39) war: Immer sei der Mensch 
klug in Gottesfurcht u. mild in der Antwort; er stille den Zorn u. mehre den Frieden 
mit seinen Brüdern u. seinen Verwandten u. allen Menschen, selbst mit den NichtJuden 
auf dem Markte, damit er geliebt sei oben (im Himmel) u. viel begehrt unten u. wohl- 
gelitten bei den Menschen. |i Aboth 1, 18: Rabban Schim?on b. Gamliel (um 140) pflegte 
zu sagen: Auf drei Dingen steht die Welt: auf dem Recht, auf der Wahrheit u. auf 
dem Frieden. — Hierzu bemerkt Pereq ha-schalom 21'"*: R. Mona (= Mani IL, um 370) 
hat gesagt: Und die drei sind einunddasselbe: wird das Recht geübt, dann kommt die 
Wahrheit auf, dann entsteht der Friede; u. die drei werden in Einem Vers erwähnt, 
Sach 8, 16: , Wahrheit u. Recht des Friedens richtet in euren Toren." Überall, wo Recht 
ist, ist Friede, u. überall, wo Friede ist, ist Recht. 

Mehrfach (auch von Tal S. 45) wird zu Mt 5, 9 zitiert Sanh 7*: Sieben 
Gruben dem a^i^^, (u. er fällt doch nicht hinein); aber eine (genügt) 
für den, der Böses tut. Sch'^muel (f 254) sagte zu Rab J'^huda (f 299): 
Es steht geschrieben, Spr24, 16: „Denn siebenmal fällt der Gerechte 
u. steht wieder auf, aber der Frevler fällt in eine. — Schon Raschi 
hat X5ia!:iü durch di^uj uj'ix = „Friedliebenden" erklärt; in Wirklichkeit 
bedeutet es den „Vollkommenen". 



Matth 5, 9 (Nr. 2) 219 

2. vtol &eov. Der Ausdruck „Söhne" oder „Kinder Gottes" zur Be- 
zeichnung der Israeliten, speziell der Frommen, begegnet: 

Weisli 2, 13: (Der Gerechte) rühmt sich, Gotteserkenntnis zu haben, u. nennt sich 
ein Kind des Herrn nmda xvqIov. | 2, 18: Ist der Gerechte ein Sohn Gottes vl6g &eov, 
so wird der sich seiner annehmen u. ihn erretten aus seiner Widersacher Hand. | 9, 4: 
Verleihe mir (Salomo) Weisheit, deines Throns Beisitzerin, u. schließe mich nicht aus 
von deinen Kindern ex nccldioi' aov. i 9, 7: Du hast mich (Salomo) auserwählt zum König 
deines Volkes u. zum Richter deiner Söhne u. Töchter viüjy aov xai dvyi^xiQixiv, \ 12, 1 9 ff.: 
Du hast frohe Hoffnung gewährt deinen Kindern xovc, vloig aov (= den Israeliten), 
weil du Buße gewährtest bei Sünden. Denn wenn du Feinde deiner Kinder ncäStüy 
aov mit solcher Nachsicht bestraftest, mit welcher Achtsamkeit hast du da deine Söhne 
rovg viovg aov gerichtet! ] 18, 13: Sie (die Ägypter) bekannten beim Sterben der Erst- 
geburt, daß das Volk (Israel) Gottes Sohn r'^sov vlöv sei. — || Auch 2 Makk 7, 34 darf 
mau rovg ovQariovg ncaSag nicht durch „himmlische Knechte" wiedergeben; vielmehr 
ist ovQÜPioi TiaTdsg soviel wie , Kinder des Himmels" = Kinder Gottes. || So heißt es 
in bezug auf die Gerechten Henoch 101, 1: All ihr Kinder des Himmels (= Gottes), 
betrachtet den Himmel u. jedes Werk des Höchsten; fürchtet euch vor ihm u. tut 
nichts Böses vor ihm. | Henoch 62, 11: Die Strafengel werden sie (die Könige u. Mäch- 
tigen der Erde) in Empfang nehmen, um an ihnen Rache dafür zu nehmen, daß sie 
seine (Gottes) Kinder u. Auserwählten mißhandelt haben. — |1 Jubil 1, 24 f.: Ihre (der 
Israeliten) Seele wird mir (Gott) folgen u. meinem ganzen Gebote (nämlich in der 
Endzeit), u. sie werden nach meinem Gebote tun, u. ich werde ihnen Vater sein u. sie 
werden mir Kinder sein. Und sie alle sollen Kinder des lebendigen Gottes heißen, u. 
alle Engel u. alle Geister werden wissen u. werden sie kennen, daß sie meine Kinder 
sind, u. ich ihr Vater bin in Festigkeit u. Gerechtigkeit, u. daß ich sie liebe. — || Ps 
Sal 17,27: Er (der Messias) läßt nicht zu, daß ferner Unrecht in ihrer (der Israeliten) 
Mitte weile . , .; denn er kennt sie, daß sie alle Söhne (Kinder) ihres Gottes sind ort 
nävreg viol &6ov kvtwi' siai. || Midr Esth Einl. (82^): Abba Gorjon aus Sidon (um 180?) 
hat fünf Worte im Namen des Rabban Gamliel (II., um 90) gesagt: . . . Seitdem die 
geliebten Kinder s-'a-an s":2 mit ihren Taten ihren Vater im Himmel erzürnten, ließ er 
ihnen einen ruchlosen König erstehn u. bestrafte sie. Und wer war das? Achaschverosch. 
Parallelstelle: Midr Abba Gorjon Anf., ohne Gamliels Namen. || Aboth 3, 14: R. f Aqiba 
pflegte zu sagen: Geliebt sind die Israeliten; denn sie sind Söhne Gottes oipa^ d'js 
genannt worden. Als eine besondere Liebe wurde ihnen kundgetan, daß sie Söhne 
Gottes genannt worden sind, s. Dt 14, 1 : Söhne seid ihr Jahve, eurem Gotte. . . . || BB 10": 
R. ? Aqiba sprach zu dem Statthalter Ruf us: Ich will dir ein Gleichnis sagen. Womit 
läßt sich das vergleichen? Mit einem König von Fleisch -u. Blut, der über seinen Sohn 
zürnte u. ihn ins Gefängnis werfen ließ u. befahl, daß man ihm weder Speise noch 
Trank reiche. Da ging ein Mensch hin u. reichte ihm Trank. Als das der König hörte, 
wird er ihm nicht ein Geschenk übersandt haben? Auch wir heißen Kinder (Gottes), 
s. Dtl4, 1: „Söhne seid ihr Jahve, eurem Gotte." Jener antwortete: Ihr heißt Kinder 
u. ihr heißt Knechte: wenn ihr den Willen Gottes tut, heißt ihr Kinder, u. wenn 
ihr nicht den Willen Gottes tut, heißt ihr Knechte; u. jetzt tut ihr nicht den Willen 
Gottes. ... II Midr Panim acherim, Rez. II, ed. Buber 41'*: (R. Me'ir, um 150, sagte zu 
einem Befehlshaber:) Auch wir sind Kinder Gottes s^p-c ^tti vjs; aber wegen des Hoch- 
muts, der in uns war, erzürnten wir ihn u. wurden gegen ihn widerspenstig. . . . |1 P 'siqR 
5(l4t): R. J%uda b. Schalem (um 370) hat gesagt: Mose wünschte, daß die Mischna 
(traditionelle Lehre) schriftlich gegeben würde; Gott aber sah, daß die Völker dereinst 
die Tora übersetzen u. griechisch lesen würden u. sagen, daß jene (die Israeliten) nicht 
(das wahre) Israel seien. Gott sprach zu ihm: Siehe, Mose, die Völker werden einst 
sagen: Wir sind (das wahre) Israel, wir sind die Kinder Gottes aip« hv 1-33. Und die 
Israeliten werden sagen: Wir sind die Kinder Gottes! Und noch halten sich die Wag- 
schalen das Gleichgewicht. Dann wird Gott zu den Völkern sagen: Wie sagt ihr denn, 



220 ^atth 5, 9 ^Nr. 2). 5, 10 (Nr. 1) 

daß ihr meine Kinder ^^iz seid? Ich weiß nur, daß der, der mein Geheimnis in seinem 
Besitz hat, mein Sohn '3= ist! Sie antworten ihm: Was ist denn dein Geheimnis? Er 
spricht zu ihnen: Das ist die Mischna (die traditionelle Gesetzesauslegung, die sog. 
mündliche Tora). — Mit den „Völkern" ist hier der Zeit des R. J'^huda b. Schalom ent- 
sprechend das christianisierte römische Reich gemeint. — Parallelstellen: Tanch si^i 
2-2b; TanchB s"^-^ § 6 (44b); Tanch svr^ '= 120b. || DtR 7 (204«): R. J'^huda b. Schalom 
(um 370) hat gesagt: Gott sprach zu Israel: Wann heißet ihr meine Kinder -:=? Wenn 
ihr meine Reden annehmt, vgl. Spr2, 1. Womit läßt sich das vergleichen? Mit einem 
König, zu dem sein Sohn sagte: Kennzeichne mich (gib mir ein Abzeichen) im Lande, 
daß ich dein Sohn bin. Sein Vater sprach zu ihm: Du hast den Wunsch, daß alle 
wissen möchten, daß du mein Sohn bist? Lege meinen Purpurmantel an u. setze meine 
Krone auf dein Haupt, so werden alle wissen, daß du mein Sohn bist. Ebenso sprach 
Gott zu den Israeliten: Ihr habt den Wunsch, gekennzeichnet zu werden, daß ihr meine 
Kinder -:a seid? Beschäftigt euch mit der Tora u. den Gebotserfüllungen, so werden 
alle sehn, daß ihr meine Kinder seid. — Oder: wann seid ihr meine Kinder ":;? Wenn 
ihr meine Reden annehmt, vgl. Spr 2, 1. — Wesentlich das gleiche besagt der Satz pQid 
1, 61 '=, 86: Wenn die Israeliten Gottes Willen tun, heißen sie Söhne (Kinder) wiz, wenn 
sie aber nicht Gottes Willen tun, heißen sie nicht Söhne. — Qid 26^ Bar: Kinder seid 
ihr Jahve, eurem Gotte (Dt 14, l): Wenn ihr euch nach Art der Kinder führt, heißt ihr 
Kinder; wenn nicht, heißt ihr nicht Kinder. Das sind Worte des R. J'^huda (um 150). 
R. Meir sagte: Ob so oder so, ihr heißt (immer) Kinder; s. Jer4, 22: „Einfältige Kinder 
sind sie"; ferner Dt32,20: „Kinder, auf die kein Verlaß ist"; ferner Jesl,4: „Saat 
von Missetätern, heillose Söhne"; ferner Hos 2, 1 : „Es wird geschehn, anstatt daß man 
zu ihnen sagte: , Nicht mein Volk seid ihr', wird man sie heißen , Söhne des lebendigen, 
Gottes'." Was ist mit „ferner" gemeint? Wenn du sagen wolltest: „Einfältige", ja 
dann werden sie Kinder genannt; wenn aber in ihnen keine Treue ist, dann werden 
sie nicht Kinder genannt — so komm u. höre: es heißt auch: „Kinder, auf die kein 
Verlaß ist." Und wenn du sagen wolltest: Wenn in ihnen kein Verlaß ist, ja dann 
werden sie Kinder genannt; wenn sie aber Götzendiener sind, dann werden sie nicht 
Kinder genannt — so komm u. höre: es heißt auch: „Saat von Missetätern, heillose 
Söhne." Und wenn du sagen wolltest: „Heillose Söhne", ja dann werden sie Kinder 
genannt, aber gute (fromme) Kinder werden sie nicht genannt — so komm u. höre: 
es heißt auch: „Es wird geschehn, anstatt daß man zu ihnen sagte: , Nicht mein Volk 
seid ihr', wird man sie heißen , Söhne des lebendigen Gottes'" (Raschi: der Buße wegen). || 
GnR'20 (13b) bei Mt 5, 11 5B, Nr. 4. 

Häufig wird Gott die Anrede: „meine Kinder" •'ii, •'^::i an Israel in 
den Mund gelegt, zB DtR 7 (204«). 

Eine Stelle, in der die Friedfertigen oder die Friedenstifter durch 
die Bezeichnung „Gottes Kinder" belohnt würden, ist uns in der 
rabbin. Literatur nicht bekannt geworden. 

5, 10: Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden. 
1. Gott hält es mit den Verfolgten. 

BQ 933 : R. Abbahu (um 800) hat gesagt: Immer gehöre der Mensch zu den Ver- 
folgten u. nicht zu den Verfolgern; denn unter den Vögeln hast du keinen, der mehr 
verfolgt würde als die Turteltaube u. die junge Taube; u. sie (allein) hat die Schrift 
als tauglich für den Altar erklärt. II LvR 27 (123'): „Gott sucht den Verfolgten" (d.h. 
Gott nimmt sich seiner an, so wird Qoh 3, 15 vom Midr gedeutet). R. Huna (um 850) 
hat im Namen des Rab Joseph (f 338) gesagt: Immer sucht Gott den Verfolgten. Du 
findest, wenn ein Gerechter einen Gerechten verfolgt, so sucht Gott den Verfolgten; 
wenn ein Gottloser einen Gottlosen verfolgt, so sucht Gott den Verfolgten; selbst 
wenn ein Gerechter einen Gottlosen verfolgt, sucht Gott den Verfolgten. Überall sucht 



Matth5, 10(Nr.l.2) 221 

Gott den Verfolgten. R. J^huda b. Simon (um 320) hat im Namen des R Jose b. N'^horai 
(um 2ö0) gesagt: Immer fordert Gott das Blut der Verfolgten von den Verfolgern. Daß 
es sich also verhält, kannst du an folgendem erkennen: Abel wurde von Qain ver- 
folgt, u. Gott erwählte Abel, s. Gn 4, 4. Noah wurde von seiner Generation verfolgt, 
u. Gott erwählte nur Noah, s. Gn 7, 1. Abraham wurde von Nimrod verfolgt, u. Gott 
erwählte Abraham, s. Neh 9, 7. Isaak wurde von den Philistern verfolgt, u. Gott er- 
wählte Isaak, s. Gn 26, 28. Jakob wurde von Esau verfolgt, u. Gott erwählte Jakob, 
s. Ps 135, 4. Joseph wurde von seinen Brüdern verfolgt, u. Gott erwählte Joseph, s. 
Ps 81, 6. Mose wurde vom Pharao verfolgt, u. Gott erwählte Mose, s. Ps 106, 23. David 
wurde von Saul verfolgt, u. Gott erwählte David, s. Ps 78, 70. Saul wurde von den 
Philistern verfolgt, u. Gott erwählte Saul, s. 1 Sm 10, 24. Israel wird von den Völkern 
verfolgt, u. Gott hat Israel erwählt, s. Dt 14, 2. — R. El?azar (um 270) hat im Niimen 
des R. Jose b. Zimra (um 2'2.0) gesagt: Auch bei den Opfern ist es so. Gott hat ge- 
sagt: Der Ochse wird vom Löwen verfolgt, die Ziege wird vom Panther verfolgt, das 
Lamm wird vom Wolf verfolgt: bringet vor mir von den Verfolgten, aber nicht von 
■den Verfolgern (als Opfer) dar, s. Lev 22, 27. — Parallelstellen: Midr Qoh 3, 15 (20b); 
P«siq 76 a; TanchB ni^s § 12 (46-'^). 

2. Die Stellung der offiziellen Synagoge zum Martyrium. 

Die hadrianischen Verfolgungsedikte, die die Beschäftigung mit der 
Tora u. die Ausübung der religionsgesetzlichen Bestimmungen verboten, 
s. BB 40'^; M'kh Ex 20, 6 (75'^), stellten die Führer des Volkes vor die 
Frage, ob sie von diesem die Treue gegen das väterliche Gesetz allen 
kaiserl. Verordnungen zum Trotz fordern, d. h. ihm das Martyrium zu- 
muten sollten, oder ob Nachsicht u. Straflosigkeit allen denen zu- 
zubilligen sei, die aus Leidensscheu jenen Edikten sich fügen würden. 
Zur Entscheidung der Frage trat in Lydda eine Versammlung von Ge- 
lehrten zusammen, s. Sanh 74*: R. Jochanan (f 279) hat im Namen des 
R. Schim^on b. J'^ho^adaq (um 225) gesagt: Man stimmte ab u. beschloß 
im Söller des Nithza zu Lydda: „Von allen Übertretungen in der Tora 
gilt, daß, wenn man zu einem Menschen sagt: ,Übertritt, damit du 
nicht getötet werdest', er sie übertreten darf, um nicht getötet zu 
werden, ausgenommen Götzendienst, Blutschande (Unzucht) u.Mord." — 
Parallelstellen: pSch''bi?ith 4, 35% 42; pSanh 3, 2P, 10. — R. Jischma^el 
(t um 135) wollte noch weitere Rücksicht auf die Schwachen genommen 
wissen. Sanh 74 '^ Bar: R. Jischma^el sagte: Woher läßt sich beweisen, 
daß, wenn man zu einem Menschen sagt: , Diene dem Götzen, damit 
du nicht getötet werdest', er die Übertretung begehn darf, um nicht 
getötet zu werden? Die Schrift sagt lehrend Lv 18,5: „daß er durch 
sie (die Gebote u. ihre Erfüllung) lebe", aber nicht: „daß er durch 
sie sterbe." Darf er die Übertretung etwa auch öffentlich begehn? Die 
Schrift sagt lehrend (Lv 22,32): „Entweihet nicht meinen heiligen 
Namen, damit ich geheiligt werde" (u. öffentlich begangener Götzen- 
dienst würde eine Entheiligung des göttl. Namens bedeuten). — Diese 
Bar auch SLv 18, 5 (338''). — Während also die Mehrzahl der Gelehrten 
allen Übertretungen gegenüber mit Ausnahme des Götzendienstes, der 
Blutschande u. des Mordes Nachsicht will walten lassen, ist R. Jisch- 
ma'el bereit, auch erzwungenen Götzendienst, falls er nur nicht öffent- 



222 Matth 5, 1-0 (Nr. 2) 

lieh ausgeübt wird, straffrei zu lassen. Doch drang R. Jischma?el mit 
seiner Meinung nicht durch. Es blieb daher dabei, daß alle Über- 
tretungen, zu denen ein Israelit in der Verfolgungszeit gezwungen 
wurde, ihm nachgesehen werden sollten; nur wenn er zu einer der 
genannten drei Hauptsünden genötigt würde, habe er das Martyrium 
auf sich zu nehmen. 

Graetz, Gesch. der Juden ^ 4, 463 f. hat die Vermutung ausgesprochen, 
daß mit diesem Beschluß von Lydda die Qid 40*^ berichtete Verhand- 
lung in Verbindung gestanden habe: Einmal saßen R. Tarphon u. die 
Ältesten im Söller des Hauses des Nithza in Lydda. Vor ihnen wurde 
die Frage aufgeworfen: Ist das Studium (der Tora) größer (wichtiger) 
oder die Ausübung (der einzelnen religionsgesetzl. Satzungen)? R. Tar- 
phon antwortete u. sprach: Die Ausübung ist größer. R. ^Aqiba sprach: 
Das Studium ist größer. Alle antworteten: Das Studium ist größer, 
denn das Studium führt zur Ausübung. — Nachdem man der Laien- 
welt die Einstellung der praktischen Religionsausübung bei drohender 
Gefahr gestattet hatte, mußte sich die Frage aufdrängen, wie es in 
dieser Hinsicht mit der Lehrtätigkeit der Rabbinen u. dem Torastudium 
ihrer Schüler zu halten sei: darf die Beschäftigung mit der Tora an- 
gesichts der kaiserl. Edikte aufgegeben werden, oder ist sie trotz den 
mit ihr verbundenen Gefahren beizubehalten? R. Tarphon vertrat die 
Ansicht: nachdem man für die Einstellung der nach seinßr Meinung 
wichtigeren religiösen Praxis Nachsicht bewilligt habe, könne man 
diese auch denen nicht vorenthalten, die die minder wichtige Be- 
schäftigung mit der Tora aufgäben. Allein die übrigen Gelehrten, 
namentlich R. fAqiba, erklärten mit Erfolg, daß das Studium der Tora 
wichtiger sei als ihre praktische Ausübung. Darin lag, daß die Ge- 
lehrten in keinem Fall ihre Lehrtätigkeit einzustellen, sondern um 
ihretwillen unbedingt dem Martyrium sich zu unterziehn hätten. Es 
kann sein, daß mit dieser Auslegung des zweiten Beschlusses von 
Lydda sein eigentlicher Sinn getroffen ist; nur darf man darauf kein 
besonderes Gewicht legen, daß dieser Beschluß an derselben Stätte 
gefaßt sei, wie der zuerst genannte, der die Laienwelt betraf; denn 
sämtliche Parallelstellen SDt 11, 13 § 41 (79»^); pChag 1, 76«, 42. 45 u. 
Midr HL 2, 14 (lOP) nennen andre Örtlichkeiten, an denen über die 
Frage, ob das Studium oder die Praxis wichtiger sei, verhandelt worden 
ist. — Es ist bekannt, daß in der hadrianischen Verfolgungszeit mehrere 
angesehene Rabbinen die Ausübung ihrer Lehrtätigkeit mit dem Tode 
gebüßt haben; unter ihnen auch R. ^Aqiba (s. S. 224). 

Um die Mitte des 3. Jahrh. scheint man noch einmal über die 
Pflicht der Gesetzestreue in Zeiten der Verfolgung debattiert zu haben. 
Dabei hat die Autorität eines R. Jochanan (f 279) den Beschluß von 
Lydda nicht unwesentlich verschärft. Sanh 74^: Als Rab Dimi (um 320) 
kam (nämlich von Palästina nach Babylonien), sagte er, R. Jochanan 



Matth 5, 10 (Nr. 2) 22S 

habe gesagt: Das (was im Söller des Nithza zu Lydda festgesetzt 
worden ist) hat man nur gelehrt für eine Zeit, in der keine Religions- 
verfolgung stattfindet; aber zur Zeit einer Religionsverfolgung solle 
man sich auch wegen des geringsten Gebotes töten lassen u. es nicht 
übertreten (denn in solchen Zeiten bedeutet ein Nachgeben stets eine 
Entheiligung des göttl. Namens). Als Rab Dimi kam, sagte er, R. Jo- 
chanan habe gesagt: Auch für eine Zeit, in der keine Religions- 
verfolgung stattfindet, hat man es nur für den Fall, daß es im Ver- 
borgenen geschieht, gesagt (daß man ein Gebot übertreten dürfe); 
wenn es aber öffentlich geschehn soll, soll man sich auch wegen eines 
geringen Gebotes töten lassen u. es nicht übertreten. Was ist ein ge- 
ringes Gebot? Raba b. Ji9chaq hat gesagt, Rab (f 247) habe gesagt: 
Selbst am Schuhriemen eine Veränderung vorzunehmen (indem man 
ihn abweichend von der jüdischen Sitte nach Art der NichtJuden knotet). 
Wie viele gehören zur Öffentlichkeit? R. Ja?aqob (b. Idi, um 280) hat 
gesagt, R. Jochanan habe gesagt: Zur Öffentlichkeit gehören nicht 
weniger als zehn Personen; natürlich Israeliten. 

Geschichtliche Belege. GnR82 (.52'=): Zwei Schüler von denen des R. J^hoschuaf 
(um 90) veränderten zur Zeit der (hadrianischen) Religionsverfolgung ihre Überwürfe 
(um nicht als Juden zu erscheinen). Ein Soldat begegnete ihnen u. sagte: Wenn ihr 
Söhne der Tora seid, so gebt euer Leben für sie hin; wenn ihr aber nicht ihre Söhne 
seid, warum laßt ihr euch für sie töten? Sie antworteten: Wir sind ihre Söhne u. wir 
lassen uns für sie töten; aber es ist nicht des Menschen Art, sich selbst wissentlich 
(u. willentlich) zu vernichten. . . . || ?AZ 18^: Man fand den R. Chanina b. T'^radjon (in 
der hadrian. Verfolgungszeit), wie er saß u. sich mit der Tora beschäftigte u. öffent- 
liche Versammlungen abhielt, während die Torarolle auf seinem Schöße lag. Man nahm 
ihn, wickelte ihn in die Rolle ein, umgab ihn mit Bündeln von Weinreben u. zündete 
damit das Feuer (seines Scheiterhaufens) an. Dann brachte man wollene Lappen, tauchte 
sie in Wasser u. legte sie auf sein Herz, damit sein Leben nicht schnell entfliehen 
möchte. Da sagte seine Tochter zu ihm: Mein Vater, muß ich dich so sehn! Er ant- 
wortete: Wenn ich allein verbrannt würde, wäre die Sache hart für mich; jetzt, da 
ich verbrannt werde u. die Torarolle mit mir, wird der, der den Schimpf der Tora- 
rolle ahnden wird, auch meinen Schimpf ahnden. Seine Schüler sprachen zu ihm: 
Rabbi, was siehst du (als Sterbevision)'? Er sprach: Die Pergamentrolle verbrennt, 
aber die Buchstaben fliegen davon! (Sie sprachen:) Öffne auch du deinen Mund, daß 
das Feuer eindringe (u. deine Qualen verkürze i! Er antwortete: Es ist besser, daß 
der mein Leben nimmt, der es gegeben hat, als daß man sich selbst verderbe. Der 
Henker sprach zu ihm: Rabbi, wenn ich die Flammen vergrößere u. die wollenen 
Lappen von deinem Herzen nehme, wirst du mich dann in das Leben der zukünftigen 
Welt bringen? Er antwortete: Ja! Schwöre es mir! Er schwur es ihm. Sofort ver- 
größerte er die Flammen u. nahm die wollenen Lappen von seinem Herzen. Da ging 
eilends seine Seele aus. Auch jener sprang in das Feuer. Da ging eine Himmelsstimme 
(Bath Qol) aus, welche sprach: R. Chanina b. T®radjon u. der Henker sind bestimmt 
für das Leben der zukünftigen Welt. Beim Erzählen dieser Geschichte weinte Rabbi u. 
sprach: Mancher (wie der Henker) erwirbt seine Welt in Einer Stunde, mancher in vielen 
Jahren.— Parallelstellen: SDt32, 4§307 (1:33-*); S'machoth 8(16«); KallalS'^. — Auf- 
zählung der „zehn Märtyrer": MidrKL2. 2 (62b); Midr Ps 9 §13 (44 bj; Midr n-sTs hVn 
(Beth ha-Midr 2, 66) ; Geschichte von den zehn Märtyrern (Beth ha-Midr 4, 20). jj pSch^^^bisith 
4, 35^ 62 : R. Abba b. Z^'mina (um 380) arbeitete als Schneider bei einem Heiden in Rom. 
Der brachte ihm Fleisch von nicht rituell geschlachteten Tieren u. sprach: Iß. Er ant- 



224 Matth 5, 10 (Nr. 2. 3) 

wortete: Ich werde es nicht essen. Jener: Iß, sonst töte ich dich! Er artwortete: 
Wenn du töten willst, töte; denn ich esse kein Fleisch von einem nicht rituell ge- 
schlachteten Tier. Jener: Von hier ab sollst du wissen: wenn du gegessen hättest, 
hätte ich dich getötet; wenn Jude, dann Jude; wenn Heide, dann Heide! — Dasselbe 
pSanhS, 21 b, 25. — In beiden Stellen schliefst Mana (IL, um 370) die Bemerkung an : 
Wenn R. Abba b. Z*^mina die Worte der Rabbinen gehört hätte, so würde er gegessen 
haben. (.Mit den , Worten der Rabbinen" ist der Beschluß von Lydda gemeint.) || 
Sanh74^: Vor Rabbah (f 330) kam ein Mann, der zu ihm sagte: Der Vorsitzende 
meines Gerichts hat zu mir gesagt: Geh, töte den u. den; sonst töte ich dich! Er 
sprach zu ihm: So mögen sie dich töten, aber du darfst nicht töten. Wer sagt denn, 
daß dein Blut röter ist? Vielleicht ist sein Blut röter! (ist jener wertvoller als du.) — 
Dasselbe Joma 82 b; pes25b. _ Zu R. ?Aqibas Märtyrertod s. Nr. 3. 

3. Wertschätzung des Martyriums u. sein Lohn, 
B*^rakh 61b: Als man R. ?Aqiba zur Hinrichtung hinausführte (in Cäsarea), war 
die Zeit der Sch^maf-Rezitation. Man kämmte ihm sein Fleisch mit eisernen Kämmen 
ab, u. er nahm das Joch der Herrschaft Gottes auf sich (d. h. er sprach das Sch'^ma? 
Dt 6, 4). Da sagten seine Schüler zu ihm: Unser Lehrer, bis hierhin! (d. h. sprich nicht 
weiter, laß es genug sein!) Er antwortete:, Mein lebelang habe ich mich betrübt wegen 
dieses Verses „von deiner ganzen Seele", (d. h.) auch wenn er deine Seele nimmt. Ich 
sprach: Wann wird mir Gelegenheit werden, daß ich es erfülle? Und jetzt sollte ich 
es nicht erfüllen? Er zog das Wort echäd („Einer") lang hin,^ bis seine Seele mit 
diesem Wort dahinging. Da ging eine Himmelsstimme aus: Heil dir i^^sn, R. gAqiba, 
daß deine Seele mit. dem Wort „Einer" dahingegangen ist! Die Dienstengel sprachen 
vor Gott: Das ist die Tora u. das ihr Lohn?! „Zu den von deiner Hand Getöteten, 
zu den (infolge von Entbehrungen) an Hautausschlag Verstorbenen sollte er gehören"?! 
(Ps 17, 14). 2 Gott antwortete: „Sie haben Teil am Leben" (Ps 17, 14). Da ging eine 
Himmelsstimme aus: Heil dir -;'-'ics, R. fAqiba! Denn du bist bestimmt für das Leben 
der zukünftigen Welt! — Die Parallelstellen pB'^^rakh J), I4b, 50 u. pSota 5, 20^ 43 er- 
wähnen weder die beiden Himmelsstimmen noch die Einsprache der Engel. — In der 
Legende, die Rab (f 247) M^n 29b über die Vision gedichtet hat, in der Gott Mose den 
R. ?Aqiba schauen läßt, heißt es zum Schluß: Mose sprach: Herr der Welt, du hast 
mich fAqibas Tora sehn lassen; laß mich auch seinen Lohn sehn! Er antwortete ihm: 
Wende dich rückwärts. Er wandte sich rückwärts u. sah, wie man sein Fleisch wie 
im Fleischladen abwog (wie man ihm sein Fleisch in einzelnen Stücken vom Leibe riß). 
Da sprach Mose: Herr der Welt, das ist die Tora u. das ihr Lohn?! Gott antwortete: 
Schweige, so ist es aufgestiegen in meinen Gedanken vor mir. il P'^'s50": R. Joseph, 
der Sohn des R. J'^hoschuaf b. Levi (um 250) war erkrankt u. wurde (in seinen Fieber- 
phantasien) entrückt. Als er wieder zu sich kam, sagte sein Vater zu ihm : Was hast 
du gesehen? . . . Auch hörte ich, wie man sagte: In der Abteilung der von der (heid- 
nischen) Obrigkeit Getöteten (d. h. der Märtyrer) kann kein (andrer) Mensch bestehn 
(sie bilden also die I. Klasse der Seligen in der himmlischen Welt). Und wer sind 
diese (Märtyrer)? Vielleicht R. ?Aqiba u. seine Genossen. Mit Rücksicht darauf, daß 
man gesagt hat „von der Obrigkeit Getötete" u. weiter nichts, können damit nur die 
Erschlagenen von Lydda gemeint sein (denn von R. fAqiba würde man mehr zu sagen 
gewußt haben). — Unter den Erschlagenen von Lydda sind Julianus u. Pappus zu 



^ So verlangte es die Halakha. pB'rakh 2, 4'S 61 Bar: Man muß das Wort echad 
Dt 6,4 langgezogen aussprechen. Rab Nachman b. Ja?qob (f 320) hat gesagt: Nur das d. 
R. Jirm^'ja u. R. Z'?ira . . ., s. oben S. 177. In der Parallele B'^rakh 13b bemerkt Rab 
Aschi (t 427 1, daß man, um das d langzuziehen, das ch nicht zu schnell aussprechen 
dürfe. — Über den Lohn für das Langziehen des d s. daselbst. 

^ So wird Ps 17, 14 auf das Geschlecht der hadrianischen Verfolgungszeit gedeutet 
Midr Esth 1, 9 (89^') u. Midr Ps 17 § 13 (67b); g. aber auch die Auslegung von Ps 17, 14 
in TanchB sar § 4, S. 225. 



Matth 5, 10 (Nr. 3) 225 

verstehn, die angeblicli unter Trajan an einem 12. Adar getötet wurden, s. IVPg Tafan 12 
u. das nächste Zitat. ParallelsteÜen: BB 10b u. Midr Ruth 1, 17 (128-1); Jq ^^^ letztern 
Stelle hat R. Meascha, ein Enkel des R. J'^hoschuaf b. Levi, die Vision. !| Midr Qoh 
9, 10 (42b): R. Acha (um 320) hatte sich danach gesehnt, das Angesicht des (ver- 
storbenen) R. Alexandrai (um 270) zu salin. Er erschien ihm im Traum u. ließ ihn 
zweierlei sehn: nach innen zu von der M'^'chi^a (Abteil) der Erschlagenen von Lydda 
ist nichts (d. h. sie liegt dem Tlironsitz Gottes am nächsten). Gepriesen sei er, daß 
er den Schimpf von Lulianus (-= Julianus) u. Pappus hinweggenommen hat. Und ferner: 
Heil dem. der hierher (in die himmlische Welt der Seelen) kommt u. sein Erlerntes 
in seiner Hand (allezeit bereit) hat! il Midr Qoh 4, 1 (22"): R. Chanina (um 22.5) hat die 
Stelle (Qoh 4, 1) auf die von der (heidnischen) Regierung Getöteten (d. h. auf die 
Märtyrer) ausgelegt, daß diese nämlich in das Leben der zukünftigen Welt kommen, 
auch wenn sie (vor ihrem Tode) kein Sündenbekenntnis abgelegt haben. — Das Sünden- 
bekenntnis, bezw. der, welcher dasselbe dem Sterbenden abnimmt, scheint unter dem 
„Tröster" Qoh 4, 1 verstanden zu sein. || TanchB s:r §4 (24''): In bezug auf sie (die 
Märtyrer, wie R. ?Aqiba u. Pappos b. J^'huda) hat David gesagt Ps 17, 14: 'n -^-.^ üt'ciz. 
R. Chanina b. Paps (um 300) hat gesagt: Lies nicht z-r^^ rVon den Männern", sondern 
a-r-'s'i „die Tötenden", d. h. die sich selbst dem Tode preisgeben der Tora wegen, 
die dazu gegeben wurde. Wenn die Leute sie sehen, sagen sie zueinander: „Sünden 
sind in ihrer Hand, deshalb werden sie getötet" ; aber sie wissen nicht, daß ihr Teil 
ist im Leben der zukünftigen Welt; u. alles Gute ist für sie aufbewahrt, wie es heißt 
Ps 17, 14: „Mit deinem Aufbewahrten füllst du ihren Bauch." . . . Dasselbe mit Ab- 
weichungen Tanch s=r ':24'', 18. || TanchB n-'::ir § 19((i9bj: Jesajasagt: „Leben werden 
deine Toten, meine Leichen -rtaa werden auferstehn" 26, 19. R. Aristo (um 370) hat 
im Namen des R. B'rckhja (um 340) gesagt: Jesaja rief vor Gott aus: Mögen deine 
Toten leben! (Und Gott sprach:) Jene, die geschändet worden sind ■;-"';3:r'3; dereine 
wurde gekreuzigt, weil er seinen Sohn beschnitten hatte; ein andrer wurde verbrannt, 
weil er den Sabbat beobachtete; ein andrer wurde getötet, weil er in der Tora las — 
über jene sagt er: Meine Geschändeteten -r'jaj werden auferstehn. — Parallelstelle 
Aggad B^^esch 43 (32b). \\ GnR34 (21«): „Und Jahve roch den wohlgefälligen Geruch" 
Gn8, 21, nämlich den des Geschlechts der (hadrian.) Religionsverfolgung. R. Schalom 
hat im Namen des R. M''nachem b. Z^'fira (wann?! gesagt: Gleich einem König, der 
sich einen Palast am Meer bauen wollte, aber nicht wußte, wo er ihn bauen sollte. 
Da fand er eine Flasche mit Balsam u. roch ihn, u. darüber baute er seinen Palast. 
Das meint Ps24, 2: „Über den Meeren hat er sie (die Erde) gegründet u. über den 
Strömen sie sichergestellt." In welchem Verdienst? Im Verdienst des „Geschlechtes 
derer, die nach ihm fragen, die dein Antlitz suchen, das ist Jakob. Sela" (Ps24, 6). — 
Mit den nach Gott Fragenden sind die Märtyrer der hadrianischen Verfolgung ge- 
meint; in ihrem Verdienst ist die Erde nach der Sündflut neu gegründet worden, ü 
Aggad B^resch 56 (40**): R. B^reklija (um 340) hat gesagt: Hart (schlimm) ist der Engel- 
fürst Edoms (Roms); denn so hat ihn Sacharja gesehen, s. Sachl,8: „Ich habe des 
Nachts geschaut, u. siehe, ein Mann, reitend auf einem roten Roß" usw., der sich 
denen gleichstellen wollte, die „Sterne" genannt werden, vgl. Gn 15, -5: , Blicke gen 
Himmel" usw., den Israeliten, die in die Tiefe dahingegeben sind (vgl. die Myrten- 
bäume im Tiefgrund Sach 1,8). Ebenso heißt es Obadja Vers 4: „Wenn du hochsteigen 
wolltest wie ein Adler, u. wenn zwischen Sternen dein Nest säße"; denn Edom (Rom) 
wollte sich denen gleichstellen, die „Sterne" genannt werden (s. Gn 15. 5). „Und hinter 
ihm rote, fuchsfarbige z-p.^-^v u. weiße Rosse" Sach 1,8; das sind die Könige, die von 
ihm (Esau) erstanden (d. h. die römischen Kaiser), die das (rote) Gold liebten (Deutung 
der roten Rosse); c-p'-i-: denn sie kämmten die Leiber der Israeliten ab a-p-'C'; (in 
der hadrianischen Verfolgung, s. oben R. ?Aqibas Hinrichtung) u. nahmen ihr Vermögen 
fort; „weiße", um die Sünden Israels weiß zu machen. — Märtyrerblut hat also Sünden 
sühnende Kraft. || Midr Spr 1 § 13 (23=^): R. J'^^hoschua? b. Levi (um 250) hat gesagt: Die 
zehn von der Regierung Getöteten (d.h. die 10 Märtyrer der hadrian. Verfolgungszeit) 
Strack n. Billerbeck. NTI. 15 



226 Matth 5, 10 (Nr. 3). 5. 11 (51. SB 1) 

sind nur wegen der Sünde des Verkaufs Josephs hingegeben worden (I. mit Jalqufc 
'.'zii statt •3X''3:) — Sinn: Die 10 Märtyrer sollten Josephs Verkauf sühnen. || RH 23*: 
R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Wehe den götzendienerischen Völkern, denn für sie 
gibt es keine Wiederherstellung (Heilung); s. Jes 60, 17: , Statt des Erzes bringe ich 
(als Ersatz) Gold u. statt des Eisens bringe ich Silber u. statt des Holzes Erz u. statt 
der Steine Eisen", was aber werden sie statt des R. f Aqiba u. seiner Genossen (im 
Märtyrertod) darbringen? Und in bezug auf sie heißt es Joel4, 21: ,Und wenn ich 
ungerächt lasse — ihr Blut lasse ich nicht ungerächt" (so der Midr). || Midr Ps 9 § 13 
(44**. 45*): flDenn er ist ein Rächer von Blutschulden; er gedenkt ihrer" (der Er- 
mordeten) Ps 9, 13; wenn Gott das Unglück der Gerechten vergelten u. das Blut des 
R. f Aqiba ahnden wird, wird er (auch) das Blut des Ben s-^ip ahnden. (Dieser soll 
ein Nichtisraelit gewesen sein, der den R. J^huda, den Bäcker, vom Märtyrertode er- 
retten wollte u. dafür selbst hingerichtet wurde, s. Midr Ps 9 § 13.) Was heißt: „Er 
vergißt nicht das Geschrei der Elenden" Ps 9, 13? Er vergißt nicht das Blut Israels 
von der Hand der Völker der Welt; u. nicht bloß das Blut der Gerechten, sondern 
auch eines jeden, der in den Tagen der (hadrianischen) Religionsverfolgung getötet 
wurde. . . . R. Abbahu (um 300) hat im Namen des R. Elfazar (um 270) gesagt: Jeden 
einzelnen Gerechten, den die Völker der Welt töten, schreibt Gott auf seinen Purpur- 
mantel (Herrschermantel), vgl. Ps 110, 6: ,Er wird Gericht halten unter den Völkern, 
voll von Leichen" (bedeckt mit den Namen der Märtyrer). Dann wird Gott zu den 
Völkern der Welt sagen: Warum habt ihr meine Gerechten getötet, wie den R. Chanina 
b. T'^radjon (getötet um 135), u. alle, die um der Heiligung meines Namens willen ge- 
tötet worden sind? Und sie werden leugnen u. sagen: „Wir haben sie nicht getötet." 
Sofort bringt Gott seinen Purpurmantel u. richtet sie u. spricht ihnen das Urteil. So 
deute: „Und er vergißt nicht das Geschrei der Elenden." 

5, 11 5t: Selig seid ihr, wenn euch die Menschen schmähen. 
Von dem, der Schmähungen schweigend hinnimmt, sagt die Bar 
Schab 88'*: Die bedrückt (gedemütigt) werden u. nicht (wieder-)be- 
drücken, die ihre Schmähung anhören u. sie nicht erwidern, die aus 
Liebe (zu Gott) handeln u. sich über Leiden freuen: über die heißt es 
Ri 5, 31: „Die ihn lieben, sind wie der Aufgang der Sonne in ihrer 
Macht." — Dasselbe Gittin 36 '\ — Ferner s. Sanh 7*, llidr Ps 16 § 11 
(62*) u. 86 §1(186") S. 230 f. 

5,1125: Und reden allerlei Übles wider euch. 
1. Wesen u. Art der Verleumdung; vgl. Ps Sal 12, 
fArakliin lo**: Was ist eine Verleumdung (wörtlich: böse Zunge)? Rabbah (f 330) 
hat gesagt: Wenn einer zB sagt: Bei dem u. dem ist Feuer (auf dem Herd). Abaje 
(t 338/39) erwiderte: Was hat denn ein solcher getan? Das ist doch lediglich eine 
Bekanntmachung, wie sie gang u. gäbe ist! Vielmehr muß er es in verleumderischer 
Absicht aussprechen; wenn er also sagt: Wo gibt's denn Feuer? Natürlich nur bei 
dem u. dem (denn da hört das Backen, u. Braten nicht auf — das ist Verleumdung). — 
Raba (t 352) hat gesagt: Alles was in Gegenwart dessen, den es betrifft, gesagt wird, 
hat nichts mit Verleumdung zu schaffen. Er (wohl Abaje) erwiderte: Erst recht; das 
ist Frechheit u. Verleumdung. Raba entgegnete: Ich halte es mit der Meinung des 
R. Jose (b. Chalaphta, um 150); denn dieser hat gesagt: Mein lebelang habe ich nichts 
gesagt, wobei ich mich umgewandt hätte (um zu sehn, ob der Beurteilte auch nicht 
hinter mir stehe; d. h. ich sage jedem mit Freimut ins Angesicht, was ich ihm zu 
sagen habe. Die Erklärung bei Raschi: „Ich habe nichts gesagt, was ich später habe 
zurücknehmen müssen", entspricht zu wenig dem Zus.hang). — Rabbah b. Rah Huna 
(t 322) hat gesagt: Alles, was in Gegenwart von drei Personen gesagt wird, hat mit 



Matth 5, 11 (S81— 3) 227 

Verleumdung nichts zu schaffen (nämlich wenn man es weitererzählt). Weshalb? 
Dein Freund hat einen andren Freund u. der Freund deines Freundes hat wiederum 
einen Freund (die Sache bliebe also doch nicht verborgen). — Der letzte Ausspruch 
auch BB 39'^. || Sota 35^: ^Das Land fließt über von Milch u. Honig . . ., nur daß das 
Volk . . . stark ist' Nu 13, 27 f. R. Jochanan (f -^TQ) hat im Namen des R. Meir (um 
150) gesagt: Jede Verleumdung, die nicht mit etwas Wahrem anhebt, haftet nicht mit 
ihrem Schluß (daher erst das Lob des Landes Israel in Nu 13,27). Ü GnR56(35'=): 
Wenn auch nicht die ganze verleumderische Rede Eingang findet, ein Teil findet Ein- 
Eingang (Semper aliquid haeret). Den gleichen Sinn hat wohl das Sprichwort f AZ 22 '^: 
Der Gritfei (Meißel) sprengt den Marmor, der Verleumder kennt seinen Genossen. — 
Doch paßt die Lesart s;;t der „Falsche" statt s^;^ „Verleumder" besser in den Zus.hang. 

2. Die Schwere der Verleumdungssünde. 

jArakhin 15'': In der Schule des R. Jischma?el (f um 135) ist gelehrt worden: 
Wer Verleumdungen redet, begeht Sünden, die so schwer wiegen, wie die drei Sünden 
des Götzendienstes, der Unzucht u. des Blutvergießens. (Beweis durch Analogieschluß; 
aus dem Wort '^n; „groß" in Ps 12, 4 verglichen mit Ex 32, 31 (Götzendienst); Gn 39, 9 
(Unzucht) u. Gn 4, 13 (Blutvergießen). — Ähnlich Midr Ps 12 §2 (53'''), wo Bar Qappara 
(um 220) den Ausspruch im Namen des R. Nathan (= R. Jonathan, um 140), eines Mit- 
glieds der Schule Jischma?els, tradiert. |; pPea 1, lö^V^-i: Vier Dinge gibt es. derent- 
wegen der Mensch in dieser Welt bestraft wird, während ihm das Kapital (die volle 
Strafe) für die zukünftige Welt anstehen bleibt. Diese sind: der Götzendienst, die Un- 
zucht (Blutschande), das Blutvergießen u. die Verleumdung, die so schwer wiegt, wie 
jene alle. || ?Arakhin 1M>: R. Jochanan (t 279) hat im Namen des R.Jose b. Zimra 
(um 220) gesagt: Was heißt: „Was soll er dir geben u. was dir hinzufügen, du Zunge 
des Trugs" Ps 120, 3? Gott sprach zur Zunge: Alle Glieder des Menschen stehen auf- 
recht, u. du liegst hingestreckt; alle Glieder des Menschen befinden sich auswendig 
u. du inwendig; u. nicht bloß dies, ich habe dich mit zwei Mauern umgeben, die eine 
ist von Knochen u. die andre von Fleisch; was soll man dir noch geben u. was dir 
noch hinzufügen, du Zunge des Trugs! R. Jochanan hat im Namen des R. Jose b. 
Zimra gesagt: Wer Verleumdung redet, ist wie einer, der die Gottheit leugnet, s. 
Psl2, 5: „Die da sprechen: Unsern Zungen wollen wir Kraft geben, unsere Lippen 
sind mit uns; wer ist für uns ein Herr (Gott)'?" — Den gleichen Gedanken leiten 
aus Ps 12. 5 her R. Jochanan u. R. Ji^chaq (um 300) in pPea 1, 16-', 7, Midr Qoh 9, 12 
(44b) u. R. Levi (um 300) in Tanch r-i;s-3 5^. |j Ferner s. Midr Ps 52 § 6 (143b) bei 
Jak 3, 6. II Midr Qoh 9, 12 (44b): R. sAzarja (um 380) u. R. Jonathan b. Chaggai (um 380) 
haben im Namen des R. Jigchaq b. Marion (um 280 1 im Namen des R. Chanina (um 225) 
gesagt: Es gibt Leute, die an der Erde {= gegen Menschen) sündigen, ohne am Himmel 
(gegen Gott) zu sündigen; u. es gibt andre, die am Himmel sündigen, ohne an der 
Erde zu sündigen; aber wer Verleumdungen redet, der sündigt am Himmel u. an der 
Erde, s. Ps 73, 9: Sie setzen an den Himmel ihren Mund u. ihre Zunge geht dahin auf 
Erden. — In pPea 1, IB'', 9 anonym an einen Ausspruch des R. Jochanan angeschlossen. 
Vgl. ?Arakh \b^: Resch Laqisch (um 250) hat gesagt: Wer Verleumdungen redet, macht 
seine Sünden groß bis an den Himmel, s. Ps 73, 9. I| pB'^rakh 1, 3"*, 15: R. Schimfon b. 
Jochai (um 150) hat gesagt: Wenn ich am Berge Sinai gestanden hätte, als Israel die 
Tora gegeben wurde, würde ich vom Allbarmherzigen erbeten haben, daß dem Menschen 
zwei Munde erschaffen würden, einer, um sich mit der Tora zu mühen, u. der andre, 
am ihm (dem Menschen) allen seinen (sonstigen) Bedarf zu beschaffen. Dann sagte 
er aber: Wenn, da es einer (Ein Mund) ist, seinetwegen die Welt nicht bestehen kann 
infolge seiner Denunziationen, um wieviel weniger, wenn es zwei wären! 

3. Unheilvolle Wirkungen der Verleumdung. 

f Arakhin 3, 5: Wir finden, daß der Gerichtsbeschluß über unsre Väter in der Wüste- 
nur wegen der Verleumdung (die die Kundschafter über das Land Israel ausbrachten) 
untersiegelt worden ist, s. Nu 14, 22 f. || ExR 1 (67«'): R. J'^huda b. Schalem (um 37u) hat 

15* 



228 MatthS, 11 (SB3. 4) 

im Namen des R. Cbaniua, des Älteren (um 225), u. unsie Lehrer haben im Namen 
des R. Alexandra! (um 270) gesagt: Mose sann in seinem Herzen nach u. sprach: 
Was haben die Israeliten gesündigt, daß sie von allen Völkern geknechtet werden? 
Als er aber dessen Worte hörte (der Ex 2, 14 sagte: Du denkst mich wohl tot- 
zuschlagen?!, sprach er: Verleumdung herrscht in ihrer Mitte, wie können sie da der 
Erlösung würdig sein! Deshalb sagte er: „Fürwahr, die Sache ist bekannt" Ex 2, 14, 
d. h. nun weifs ich, weshalb diese geknechtet werden (nämlich der Verleumdungen 
wegen), il fArakhin 15-' Bar: R. EUazar b. Parta (um 110) hat gesagt: Komm u. sieh. 
wie groß die Kraft der Verleumdung ist. Woher? Von den Kundschaftern: wenn es 
dem, der einen bösen Ruf über Holz u. Steine ausbrachte, also erging, wieviel mehr 
wird es dann dem so ergehn, der einen bösen Ruf über seinen Nächsten ausbringt! — 
Etwas breiter T?Arakhin '2, 11 (545). || ?Arakhin 15'^: ,1m Abendland (Palästina) sagt 
man: Die Verleumdung (wörtlich: „Die dritte Zunge", weil der Verleumder als Dritter 
zwei andre gegeneinander aufbringt) tötet drei. Sie tötet den, über den sie ausgebracht 
wird; den, der sie annimmt, u. den, der sie ausbringt. R. Chama b. Chanina (um 2(iÜ) 
hat gesagt: Was heißt Spr 18, 21 : „Tod wie Leben ist in der Hand der Zunge"? Hat 
denn die Zunge eine Hand? Es will dir sagen: Wie die Hand tötet, so tötet auch die 
Zunge. Wenn du aber sagen wolltest: Wie die Hand nur das in ihrer Nähe Befind- 
liche tötet, so tötet auch die Zunge nur das in ihrer Nähe Befindliche, so heißt es 
Jer9, 7: Ein tödlicher Pfeil ist ihre Zunge. Oder wenn du sagen wolltest: Wie der 
Pfeil nur 40 bis 50 Ellen weit reicht, so reicht auch die Zunge nur 40 bis 50 Ellen 
weit, so heißt es Ps 73, 9: „Sie heben an den Himmel ihren Mund u. ihre Zunge geht 
auf Erden dahin." Nachdem nun aber geschi'ieben ist: „An den Himmel erheben sie 
ihren Mund", was soll da noch: „Ein tödlicher Pfeil ist ihre Zunge"? Es soll lehren, 
daß sie wie ein Pfeil tötet. Und nachdem geschrieben ist: „Ein tödlicher Pfeil ist 
ihre Zunge", was soll da noch: „Tod wie Leben ist in der Hand der Zunge"? Es 
verhält sich damit, wie Raba (f H52) gesagt hat: Wer das Leben will, in seiner Zunge 
hat er es; wer den Tod will, in seiner Zunge hat er ihn. — Der erste Ausspruch 
über die „dritte Zunge" gehört nach DtR 5 c^O'^t») dem R. Sch^'muel b. Nachman 
(um 260), nach Midr Ps 12 §2 (58b) dem R. Schim?on b. Jochai (um 150) an. Die Autor- 
schaft des R. Sch'muel b. N. wird das Richtige sein, s. Bacher, pal. Amor 1, 485 u. Buber 
zu Midr Ps. — Anonym findet sich der Ausspruch pPea 1, 16", 46; P'^siq 32*; LvR 
26 (124 a); NuR 19 (185 ^); TanchB rp- §8 (54^). || P'^^siq 32»: R. Sch'-muel b. Nachman 
(um 260) hat gesagt: Man hat zur Schlange gesagt: Warum wirst du zwischen den 
Zäunen (oder Mauern) gefunden? Sie antwortete: Weil ich den Zaun der Welt durch- 
brochen (d. h. Sünde u. Tod in die Welt gebracht) habe. — Warum bewegst du dich 
fort u. deine Zunge läßt dabei Geifer fließen? Sie antwortete: Weil diese (die Zunge) 
es mir verursacht hat. — Warum beißen die Haustiere u. das Wild, ohne dadurch zu 
töten, während du beißt u. dadurch tötest? Sie antwortete: Ob die Schlange beißt 
ohne Einflüsterung? (so Qoh 10, 1 1 im Sinne des Midr). Ist es möglich, daß ich etwas 
tue, ohne daß es mir von oben her gesagt ist? — Warum beißt du in Ein Glied u. 
•alle Glieder fühlen es? Sie antwortete: Mich fragt ihr? Fragt den Verleumder: er ist 
hier u. tötet in Rom. — Parallelen: pPeal,16^59; LvR 26 ( 1 24 -'') ; NuR 19(185«); 
DtR 5 (202'^); TanchB rpn §8 (54=*); MidrQohlO, 11 (48''*). — Zur Frage, warum die 
böse Zunge -a-Va „dritte" genannt werde, s. P'^siq 32 '"^ nebst Parallelen bei Jak S, 6. 

4. Strafe für Verleumdung. 

Meist gilt der Aussatz als göttliche Antwort auf menschliche Ver- 
leumdung. 

Aboth R.Nathan 9 (4"^): R. Schimfon b. Elfazar (um 190) hat gesagt: Auch über 
die, die Verleumdungen reden, kommen Aussatzplagen. Beweis: Gehazi 2 Kg 5, 27. |1 
?Arakhin \b^: Resch Laqisch (um 250) hat gesagt: Was heißt: „Das ist das Gesetz 
für den Aussätzigen" y^is'sn Lvl4, 2? Das ist das Gesetz für den, „der einen bösen 
Ruf ausbringt". — y-w^-on als Notarikon = v cv s-'ui»:, s. Einl. 107, Nr. 30. |1 Schab 97^: 



Matth .")", 11 (5B 4. 5j 229 

Eesch Laqiscli (um 250) hat gesagt: Wer fromme Leute verdächtigt, wird an seinem 
Leibe (mit Aussatz) geschlagen. Beweis: Mose, der verdächtigt u. mit Aussatz ge- 
schlagen wird Ex 4, 1. 6. — Joma 19'' R. J^hoschua? b. Levi, um 250, als Autor; 
ExR3 (TO'') R. Levi, um 300. || LvR 16 (116*^^): R. Jochanan (f 279) hat gesagt: Mit 
dem Munde hatte Mirjam gesündigt (als sie Mose verleumdete) u. alle ihre Glieder 
wurden (mit Aussatz) geschlagen, s. Nu 12, 10. — Ferner sehen den Aussatz als Strafe 
für Verleumdung an R. Chanina (b. Chama\ um 225, u. R. Jonathan (b. Ehazar, so lies 
statt R. Jochanan) um 220, f Arakhin 16='- b; R.Hoscha?ja, um 225, LvR 18 (118"); R.Jose 
b. Zimra, um 220, fArakhin 15''; R. J'^hoschua? b. Levi (so lies statt R. J'^huda b. L.), 
um 250, f Arakhin lö^; R. P^dath, um 310, TanchB j-sn § 1 (22'); R. J'huda b. Simon, 
um 320, LvR 16 (116''). 

Anderweitige Strafen werden in folgenden Stellen erwähnt. 

Tafan 7'^: R. Schim?on b. Pazzi (um 280) hat ge'sagt: Die Regengüsse werden nur 
um der Verleumder willen zurückgehalten, s. Spr25, 23*^: Verdrießliche Gesichter (eben 
weil der Regen ausbleibt, s. Vers 23") macht die heimliche Zunge. il ?Arakhin 15'': Rab 
Chisda (f 309) hat gesagt, Mar fUqba (um 220) habe gesagt: Wer Verleumdungen 
redet, verdient gesteinigt zu werden; vgl. Ps 101, 5: „Wer im verborgenen seinen 
Nächsten verleumdet, den vertilge ich" r-2:is, u. KL:153: „Sie vernichteten ir'::: in 
der Grube mein Leben u. warfen Steine auf mich" (wie hier die Vernichtung durch 
Steine erfolgt, so auch dort). — Rab (Jhisda hat gesagt. Mar füqba habe gesagt: Wer 
Verleumdungen redet, von dem sagt Gott: Ich u. er, wir können nicht (zusammen) 
in der Welt wohnen, s. Ps 101,5: „Wer im verborgenen seinen Nächsten verleumdet, 
den vertilge ich; wer hoher Augen u. geblähten Herzens, ^3is s'j ins." Lies nicht 
's '•> 'ir-s = den ertrage ich nicht, sondern 's '•: irs, d. h; mit dem zusammen kann 
ich nicht sein. Es gibt aber einige, die dies von den Hochmütigen lehren. — Rab 
Chisda hat gesagt. Mar ?Uqba habe gesagt: Wenn jemand Verleumdungen redet, sagt 
Gott zum Gehinnom: Ich von oben u. du von unten wollen über ihn zu Gericht sitzen, 
s. Ps 120, 3 f.: „Was wird er dir geben u. was dir hinzufügen, du Zunge des Trugs? 
Pfeile des Helden, geschärfte, zugleich mit Ginsterkohlen. " Mit „Pfeil" ist die Zunge 
gemeint, s. Jer 9, 7; mit „Held" ist Gott gemeint, s. Je3 42, 13, u. „Ginsterkohlen" be- 
zeichnen den Gehinnom (weil er mit solchen geheizt wird). !| GnR 20 (I3''j: „Der Mann 
der Zunge wird nicht Halt auf Erden gewinnen" Ps 140, 12. R. Levi (um 3(j0i hat ge- 
sagt: In der Zukunft wird Gott die Völker der Welt nehmen u. sie in den Gehinnom 
stürzen. Er wird zu ihnen sagen: Warum habt ihr meine Kinder (= Israel) gepeinigt? 
Dann werden sie ihm sagen: Aus ihrer Mitte u. in ihrer Mitte waren solche ge- 
kommen, die sich untereinander verleumdeten. Dann wird Gott diese wie jene nehmen 
u. in den Gehinnom hinabstürzen. II Derekh Erec Rabba, Schlußkapitel (20'^): R. Jose 
(b. Chalaphta, um 150) hat gesagt: Wer die Gelehrten u. ihre Schüler haßt, ferner der 
falsche Prophet u. wer Verleumdungen redet, hat keinen Anteil an der zukünftigen 
Welt. II Sota 42*: Rab Jirm^^ja b. Abba (um 250) hat gesagt: Vier Klassen werden das 
Angesicht der Sch'khina nicht begrüßen (d. h. werden Gott nicht schauen) : Die Spötter, 
die Schmeichler, die Lügner u. die Verleumder, s. Ps 5,, 5: Du bist nicht ein Gott, der 
am Gottlosen Gefallen hat, der Böse (= Verleumder) darf nicht bei dir wohnen. Ge- 
recht bist du, Jahve, nicht darf in deiner Wohnung der Böse weilen. — Die ganze 
Stelle nebst Parallelen s. bei Mtö, 8 S.211. 

5. Sühnung der Verleumdung. 
• Joma 44'"' u. Z'^b 88'^: In der Schule des R. Jischmafel (f um 135) ist gelehrt 
worden: Wofür schafft das Räucherwerk Sühnung? Für die Verleumdung: es komme 
das, was im verborgenen dargebracht wird, u. sühnadas im verborgenen Geschehene. — || 
Z^bSS'' u. ?Arakhin 16»; R. Jt'hoschua? b. Levi (um 250) hat gesagt: Für zwei Dinge 
finden wir keine Sühnung durch Opfer, wohl aber von wo anders her. Diese sind: Blut- 
vergießen u. Verleumdung; Blutvergießen durch das Kalb, dem das Genick gebrochen 
wird, H. Verleumdung durch das Räucherwerk. — '| pJoma 7, 44'', 53: R. Simon (um 2«0) 



230 Matth5, 11 (8 5— 7) 

hat gesagt: Wie die Opfer sühnen, so sühnen auch die (hohenpriesterl.) Gewänder: 
der Leibrock, die Beinkleider, der Turban u. der Gürtel usw. . . . Das Obergewand: 
R. Simon hat im Namen des R. Jonathan von Beth-Gubrin (um 270) gesagt: Für zwei 
gab es keine Sühnung, aber die Tora bestimmte ihnen eine solche. Diese sind der 
Verleumder u. der Totschläger. Für den Verleumder gab es keine Sühnung (durch 
Opfer), u. die Tora bestimmte für ihn als Sühnung die Schelle am Obergewand, s. 
Ex28, 3ö: ,Ahron soll es anhaben zum Zwecke des Dienens u. seine Stimme (Schall) 
soll gehört werden." Es komme die Stimme u. schaffe Sühnung für die Stimme (des 
, Verleumders). . . . Parallelstelle LvR 10 (112"). — In Z^b 88b erscheint R. fAnani 
b. Sason, um 300, als Autor, während der Schlußsatz: Es komme die Stimme usw. 
dem R. Chanina, um 22ö, zugeschrieben wird. Ebenso jArakhin 16", doch mit anonym 
gebrachtem Schlußsatz. Hieran schließt sich noch die Bemerkung: Wenn der Ver- 
leumder von seinem Tun Vorteil gehabt hat, kommen Aussatzplagen über ihn; wenn 
er keinen Vorteil davon gehabt bat, schafft das Obergewand für ihn Sühnung. 

6. Heilmittel gegen Verleumdungssucht. 

eArakhin lö^^: R. Chama b. Chanina (um 260) hat gesagt: Welche Hilfe gibt es für 
die Verleumder? Wenn er ein Gelehrtenschüler ist, so beschäftige er sich mit der 
Tora, s. Sprl5, 4: „Heilung für die Zunge ist der Lebensbaum" (so der Midr). Mit 
, Zunge" ist die böse Zunge gemeint, s. Jer9, 7: Ein tödlicher Pfeil ist ihre Zunge. 
Der , Lebensbaum" ist die Tora, s. Spr 3, 18: Ein Lebensbaum ist sie (Weisheit = Tora) 
denen, die sie ergreifen. Wenn er aber ein f Am ha-5are9 (ungebildeter Mensch) ist, so 
demütige er sich in seinem Innern, wie es heißt: , Verkehrtheit an ihr (der Zunge 
heiltl ein zerschlagener Geist" (so Spr 15, 4^ nach dem Midr). R. Acha b. Chanina 
(um 300) sagte: Für den Verleumder gibt es keine Rettung; denn längst hat ihn David 
im heiligen Geist (kraft prophetischer Begabung) zur Ausrottung verurteilt, s. Ps 12, 4: 
,Jahve rotte all die glatten Lippen aus, die Zunge, die so groß prahlt" usw. Aber 
welches Heilmittel gibt es, daß man nicht in die Sünde der Verleumdung gerate? 
Wenn es ein Gelehrtenschüler ist, so beschäftige er sich mit der Tora, u. wenn es 
ein fAm ha-iare^ ist, so demütige er sich in seinem Innern, s. Spr 15,4 (wie oben). — 
Vgl. Derekh Erec Zuta 1 : Verleumde nicht deinen Nächsten; denn wer seinen Nächsten 
verleumdet, für den gibt es keine Heilung. 

7. Verhalten gegen Verleumdung. 

Nidda61''': Raba (t 352) hat gesagt: Obgleich man eine Verleumdung nicht an- 
nehmen (glauben) soll, so soll man sie doch immerhin beachten. Einst kamen Leute 
aus Galiläa, über die sich das Gerücht verbreitet hatte, daß sie einen Mord begangen 
hätten, zu R. Tarphon (um 100) u. sprachen: Es möge uns der Herr verbergen! Er 
antwortete: Was soll ich tun? Wenn ich euch nicht verberge, so wird man euch sehn; 
wenn ich euch aber verberge, so gilt doch das Wort der Rabbanan: Obgleich man eine 
Verleumdung nicht annehmen soll, so soll man sie doch immerhin beachten. Geht u. 
verbergt euch selbst! — Vgl. jedoch pPea 1, 16*, 27: Man fragte vor R. Jochanan: Wer 
ist ein Verleumder? Der, welcher die Verleumdung ausspricht, u. der, welcher sie zur 
Kenntnis nimmt. (Bacher, pal. Amor 1, 227.) II Schab 88 b ßar über Anhören von Schmä- 
hungen, ohne sie zu erwidern, s. bei Mt 5, HS. 226. || Derekh Erec Zuta 1 : Reden andre 
•Schlechtes über dich (lies -•■=>' statt t^ hy), so antworte ihnen nicht; der Große sei 
in deinen Augen wie der Kleine. Hast du aber über andre Schlechtes geredet, so sei 
der Kleine in deinen Augen wie der Große, bis du hingehst u. ihn besänftigst (ver- 
söhnst). II Sanh 7'': Jemand pflegte zu sagen: Wohl dem, der hört (seine Schmähungen) 
n. schweigt; hundert Übel gehn an ihm vorüber. Sch^muel (j 254) hat zu Rab J^huda 
(t 299) gesagt: Spr 17, 14 steht: Wer das Wasser losläßt (den Streit beginnt), der macht 
den Anfang von ••~^, d. h. von ■;— ' -si, hundert Prozessen (■i-'s wird als Notarikon 
gedeutet). || Midr Ps 16 § 11 (62 ): R. Huna (um 3Ö0) hat im Namen des R. Alexandrai 
(um 270) gesagt: Wer seine Verfluchung hört u. dazu schweigt, der wird ein Frommer 
genannt. David bat seine Verfluchung gehört u. dazu geschwiegen; aus diesem Grund 



MatthS, 11 (33 7). 5, 12 231 

wird er ein Frommer genannt, s. Ps Ib', 10. — In etwas andrer Fassung Midr Ps 86 
§ 1 (ISe*»): R. Abba (um 29U) hat im Namen des R. Alexandra! gesagt: Wer seine Ver- 
fluchung hört u. dazu schweigt, obwohl er es verhindern könnte, der wird ein Ver- 
bündeter Gottes; denn ebenso hört dieser, wie die Völker der Welt ihn lästern, u. 
schweigt. Auch David hat seine Verfluchung schweigend angehört; deshalb sagt er 
Ps 86, 2: Bewahre meine Seele; denn ich bin fromm. i| Eine ausdrückliche Seligpreisung 
des unschuldig Verleumdeten ist uns in der rabbin. Literatur nicht begegnet. 

5,12: Euer Lohn wird reichlich sein im Himmel. 

Aboth 2, 14 — 16: R. Elfazar (b. fArakh, um 90) hat gesagt: Wache darüber, daß 
du Tora lernst, u. wisse, was du den Freidenkern antworten mögest, u. wisse, vor wem 
du dich mühst u. wer dein Arbeitsherr ist, der dir den Lohn deiner Arbeit auszahlen 
wird. — R. Tarphon (um 100) sagte: Der Tag ist kurz, der Arbeit ist viel, die Arbeiter 
sind träge, der Lohn ist groß u. der Hausherr (Gott) drängt. — Dieser pflegte auch zu 
sagen: Nicht liegt es dir ob, die Arbeit zu vollenden; aber du bist auch nicht freier 
Herr darüber, von ihr zu feiern. Hast du viel Tora gelernt, so gibt man (=- Gott) dir 
viel Lohn; u. treu ist der Herr deiner Arbeit, der dir den Lohn deiner Arbeit auszahlen 
wird; wisse aber, daß die Lohnauszahlung an die Gerechten in der Zukunft (hier = 
in der zukünftigen Welt) erfolgt. || Sanh 100": Als Rab Dimi (um 320) kam (nämlich 
aus Palästina nach Babylonien), sprach er: Gott wird jedem Gerechten die Fülle seiner 
Hand geben (d.h. soviel wie eine Gotteshand in sich faßt), vgl. Ps*J8, 20: , Gepriesen 
sei Jahve! Tag für Tag wird er uns eine Hand voll geben, der Gott unserer Hilfe* 
(so der Midr). Abaje (f 338/39) antwortete ihm: Wie kann man nur so etwas sagen! 
Heißt es denn nicht längst: ,Wer hat mit seiner Hohlhand die Wasser gemessen u. 
die Himmel mit der Spanne abgesteckt?" Jes 40, 12? Jener .sprach: Warum bist du 
nicht in der Haggada heimisch? Denn im Abendlande (= Palästina) sagt man im 
Namen des Rabbah bar Mari (um 320): Dereinst wird Gott jedem Gerechten olO Welten 
(als Lohn) geben, s. Spr8, 21: ,Um die, welche mich lieben, erlangen zu lassen o-", 
d. h. nach dem Zahlenwert von -v 310 Welten.' — Bar: R. Meir (um 150) hat gesagt: 
Mit dem Maß, mit welchem ein Mensch mißt, mißt man (= Gott) ihm; s. Jes 27, 8: 
,Du hast es gestraft mit Maß für Maß" (so nscsca nach dem Midr). Da antwortete 
R. J^'huda (b. Elfai, um 150; so lies statt R. J'^hoschua?): Wie kann mau nur so etwas 
sagen! Es gibt ein Mensch einem Armen eine Hand voll in dieser Welt, u. dann soll 
ihm Gott dafür eine Hand voll (die Fülle einer Gotteshand) in der zukünftigen Welt 
geben! Es heißt doch Jes 40, 12: ,Wer hat die Himmel mit der Handweite abgesteckt" 
(wenn Gottes Hand die Welt umspannt, wie kann der Mensch die Fülle dieser Hand 
als Lohn empfangen)! Aber, entgegnete R. Meir, sagst du denn nicht auch: Welches 
Maß (bei Gott) ist größer, das Maß des Guten (des Segens) oder das Maß der Strafe? 
Doch wohl ist das Maß des Guten größer als das Maß der Strafe! Denn beim Maß 
des Guten heißt es Ps78, 23f. : „Er gebot den Wolkenhöhen droben u. tat die Türen 
cles Himmels auf u. ließ Manna auf sie herabregnen zum Essen" ; dagegen heißt es 
beim Maß der Strafe Gn 7, 11: ,Die Fenster des Himmels (die kleiner sind als die 
Türen des Himmels) taten sich auf." Nun heißt es beim "Maß der Strafe Jes 66, 24: 
,Sie werden hinausgehn, anzusehn die Leichname der Leute, die an mir gefrevelt 
haben ; denn ihr Wurm stirbt nicht u. ihre Flamme erlischt nicht, u. sie werden zur 
Abschreckung sein für alles Fleisch." Nicht wahr? wenn ein Mensch in dieser Welt 
seinen Finger ins Feuer steckt, so ist er sofort verbrannt (aber in der zukünftigen 
Welt verbrennt er nie). Wie also Gott (in der zukünftigen Welt) in die Gottlosen die 
Kraft gibt, ihre Strafen zu empfangen (u. zu tragen), so wird Gott auch in die Ge- 
rechten die Kraft geben, ihr Gutes hinzunehmen (auch wenn ihr Lohn die Fülle einer 



^ Diese Auslegung von Spr 8, 21 gehört nach sUqcin 3, 12 dem J^hoschuaf b. Levi, 
«m 250, an, dessen Aussprüche mehrfach von Rab Dimi tradiert werden; die Aus- 
legung findet sich auch noch Midr Ps 31 §6 (120»); 5 §2 (26^). 



232 Matth 5, 12. 13 (51 1) 

Gotteshand beträgt). II SNu 27, 12 §135 (51 a): „Genug davon" i^ ai Dt 3, 26. Gott 
sprach zu Mose: Viel ist für dich aufbewahrt, viel für dich verborgen; s. Ps 31,20: 
„Wie zahlreich ist dein Gutes {^= Lohn), das du verwahrst denen, die dich fürchten." 
Ferner heilst es Jes 64, 3: „Kein Auge hat es gesehen, o Gott, außer dir, was bereitet 
ist denen, die harren" (so der Mixlr). — Ähnlich wird SDt 3, 26 § 29 (71 '') das -'•> a-^ 
erklärt: Gott sprach zu Mose: Vieles ist für dich in meiner Hand in der zukünftigen 
Welt. — Dasselbe TanchB i:r:psi „Zusätze" § 1 (7^). n Aboth 4, 10: R. Meir (um 150) 
sagte: Wenn du dich mit der Tora mühst, so hat er (Gott) viel Lohn, um ihn dir zu 
geben. 1| SLv 5, 17 (120-'*): R. Jose (b. Chalaphta, um 150) hat gesagt: Wenn du den 
Lohn der Gerechten in der Zukunft kennen lernen willst, so geh u. lerne ihn von dem 
ersten Menschen, dem nur Ein Verbot gegeben war. Als er es aber übertreten hatte, 
sieh, wie oft der Tod als Strafe verhängt worden ist über ihn u. seine Geschlechter u. 
über die Geschlechter seiner Geschlechter bis an das Ende seiner Geschlechter. Welches 
Maß ist nun größer, das Maß des Guten oder das Maß der Strafe? Doch wohl das 
Maß des Guten. || Zur altsynagogalen Lohnlehre s. Exkurs: Das Gleichnis von den 
Arbeitern im Weinberge. 

5, 1.3 9(: Ihr seid das Salz der Erde. 
1. Verschiedene Arten des Salzes. 

a. Sodomitisches Salz n-ipinp nbp, herrührend aus der ver- 
dunstenden Sole des Toten Meeres, galt als besonders scharf u. wurde 
zum Salzen der Opfer verwandt. ^ 

Josephus erwähnt es ganz beiläufig Antiq. 13, 4, 9. Hier zählt der König Demetrius II. 
die '/.i/uyai nöf ahoy, d.h. die Salzlachen des Toten Meeres, unter denjenigen Einnahme- 
quellen auf, auf deren Erträge er zugunsten des Hohenpriesters Jonathan (161 — 143 
v. Chr.) verzichtete; ebenso 1 Makk 11, 35. || fErub 17'^: Abaje (f o38/:'.9) hat gesagt: (Die 
Bestimmung fErub 1, 10, daß diö im Felde stehenden Truppen vom Händewaschen 
anläßlich der Mahlzeit frei seien) hat man nur betreffs des ersten Wassers (d. h. betreffs 
des Händewaschens vor dem Essen) gelehrt; dagegen ist das zweite Wasser (das 
Waschen nach Tisch) Pflicht. Rab Chijja bar Aschi (um 270) hat gesagt: Warum hat 
man gesagt: Das zweite Wasser ist Pflicht"? Wegen des sodom. Salzes, welches (wenn 
es von den Speisen an die Hände u. von diesen in die Augen kommtl die Augen er- 
blinden läßt. — In ChuUin 105'' ist die Frage des Rab Chijja b. Aschi dem Rab J<^huda 
b. Chijja, um 240, in den Mund gelegt. || SLv 2, 13 (54^): „Du sollst all dein Speisopfer 
mit Salz salzen" Lv 2, 13. „Mit Salz"; da könnte man meinen, daß man nur etwas 
Salzgeschmack hineinbringen solle (wozu nur wenig Salz nötig wäre); deshalb heißt es 
noch: „sollst du salzen" (die Verbindung '-;';':n nV'ss will lehren, daß das Opfer stark 
zu salzen ist). Wenn es nur hieße: „du sollst salzen" (ohne Beifügung von: „mit Salz"), 
da könnte man meinen, es solle mit Salzwasser geschehen; deshalb heißt es: „mit 
Salz". „Nicht sollst du fehlen lassen, r-ax-r, Salz" Lv 2, 13, d.h. nimm Salz, welches 
nicht feiert (rrs'-i). Was ist das für Salz? Das ist sodom. Salz (denn das Tote Meer 
beobachtet den Sabbat nicht", es läßt das Salz tagtäglich durch Verdunstung entstehn). — 
Als Bar M^n 21 »; kürzer TM'n 1», 15 (526). 

b. Salz von Qstracena, 'OavQaxivrj,^ Stadt an der palästinisch- 
ägyptischen Grenze, r"i:pi-rcx nb^. 

SLv 2, 13 (Forts, vom Zitat in Anm. «): Woher, wenn man kein sodom. Salz hat, 
daß man ostracenisches nehmen darf? Weil es heißt Lv 2, 13 fin.: „Du sollst Salz 
darbringen", Salz im weitesten Sinn des Wortes. — Dasselbe TM'n !>, 15 u. b.VPn 21 =*. — 
Auch sonst steht das ostracenische Salz dem sodomit. gegenüber: BB 20*^: Rab (f 247) 

^ Krauß, Archäol. 1, 119 versteht unter dem sodom. Salz das „aus den Salzbergen 
nahe dem Toten Meere gebrochene Salz". 

* So Krauß, Lehnw. 2, 99 u. Archäol. 1, 500. Dalman: Istrisches (?) Salz. 



Matth 5, 13 (31 1. 2) 283 

hat gesagt: Man darf aus allem eine Scheidewand machen, nur nicht aus Salz u. dem 
Bodensatz von fettigen Substanzen. Sch^'muel (f 254) sagte: Auch aus Salz. Rab Papa 
(f 37(5) hat gesagt: Das schließt keine Meinungsverschiedenheit in sich: das eine gilt 
von dem sodomitischen, u. das andre vom ostracenischen Salz. — Dazu bemerkt Raschi: 
Das sodom. Salz war fest u. hart wie ein Stein. — Mit demselben Satz wird für eine 
andre Meinungsverschiedenheit der Ausgleich hergestellt BeQa 39^. 

C. Würzsalz ni-jsip^b nV?, wohl ^ sal conditum. Andre Schreib- 
weisen u. Erklärungen s. bei Levy 3, 538 » u. Krauß, Lehnw, 2, 396. 

?AZ2, 6: Diese Gegenstände der Heiden sind verboten, aber ihr Verbot ist kein 
Verbot der Nutznießung (sondern nur des Genusses): Milch, welche ein Heide gemolken 
hat, ohne dafs ein Israelit es sah; ihr Brot u. ihr Öl u. das Gekochte [Rabbi (J'^huda H. 
N®siä) u. sein Gerichtshof haben es in bezug auf das Öl erlaubt] u. Eingelegtes, bei 
dem es Brauch ist, Wein u. Essig hineinzugeben; kleingehackter Thunfisch u. Fisch- 
lake, in der kein Fisch ist, u. Fischsauce u. ein Stück Asa foetida u. Würzsalz. Siehe 
diese sind verboten, aber ihr Verbot ist nicht ein Verbot der Nutznießung. — Die Er- 
klärung s. bei Strack, ?Aboda Zara, 1909, S. 8 f. |i TfAZ 4, 12 (467): Das schwarze Würz- 
salz ist erlaubt, das weiße ist verboten, sagte R. Me'ir (um 150). R. J'^'huda (um 150) 
sagte: Das schwarze ist verboten, das weiße ist erlaubt. R. J'huda b. Gamliel (um 250) 
hat im Namen des R. Ghananja (Chanina) b. Gamliel (um 120) gesagt: Beides ist ver- 
boten. — Als Bar ?AZ 39*^; hier schließt R. Jochanan (f 279) die Bemerkung an: Nach 
den Worten desjenigen, der sagte, das weiße Gewürzsalz sei verboten, weil die Nicht- 
juden die Eingeweide weißer unreiner Fische daranmengen; nach den Worten des- 
jenigen, der sagte, das schwarze sei verboten, weil sie die Eingeweide schwarzer un- 
reiner Fische daranmengen, u. nach den Worten desjenigen, der sagte, beide Sorten 
seien verboten, weil sie beiderlei Fischsorten daranmengen. — Ebenfalls als Bar, aber 
mit anonymer Begründung p?AZ 2, 42-\ || fAZ 39'': Was ist Würzsalz, r-i-jipVo '•:? 
Rab J'huda (f 299) hat gesagt, Sch'^'muel (f 254) habe gesagt: Es ist Salz, welches alle 
-•-i-jip'bo Roms essen. — ■ Raschi erklärt das Fremdwort mit i'^a-rrj = Bäcker, Kon- 
ditoren; er denkt also an sal conditum. Levj^ 3, 538 emendiert das Wort in •r^.^^z: 
Salz, mit welchem man alle gekochten Speisen in Rom genießt. Fleischer bei Levy 
3, 724'' hält das Wort für ein Derivat von aa'Aäxcoy u. übersetzt: Eine Art Salz, welches 
alle Großtuer Roms genießen, — wohl deshalb, weil es seltner u. teurer als anderes ist. 

d. Steinsalz (?) xr'^sbbj, xnb-ip = klumpen förmiges Salz. 

Chullin HS": Rab Dimi (um 320) salzte das Fleisch mit Steinsalz u. schüttelte es dann ab. 

2. Verwendungszwecke. 

Ben Sirach zählt 39, 26 das Salz unter den notwendigsten Lebens- 
bedürfnissen auf: „Wasser u. Feuer u. Eisen u, Salz, fetter Weizen, 
Milch u. Honig, Traubenblut, Öl u. Kleidung." Sieht man von dieser 
Verwertung des Salzes bei der Zubereitung der menschl. Nahrung ab, 
so erwähnt die rabbin. Literatur etwa noch folgende Verwendungen: 

a. Sämtliche Opfer wurden gesalzen, s. bei Mk 9, 49. 

b. Das Einsalzen der Tierhäute bezeugt Mid 5, 3: Sechs Hallen (Kammern) waren 
im Vorhof, drei auf der Nordseite u. drei auf der Südseite. Auf der Nordseite: die 
Salzhalle, die Parvahalle {r.'.'t angeblich Name des Erbauers) u. die Halle der l^das 
Opferfleisch) Abspülenden. In der Salzhalle tat man das Salz auf das Opfer; in der 
Parvahalle salzte man die Häute der Opfertiere (diese gehörten den Priestern). ... — 
Abweichend die Bar M'n 21'': An drei Stellen befand sich das Salz: in der Salzhalle, 
auf der Rampe (an der Südseite des Brandopferaltars, 32 Ellen lang, 16 Ellen breit,. 
Mid 3, 3) u. oben auf dem Altar. In der Salzhalle salzte man die Häute der Opfertiere; 
auf der Rampe salzte man das Opferfleisch; auf dem Altar salzte man die Handvoll 
(Abhub von der Mincha), den Weihrauch, das Räucherwerk, das Speisopfer der Priester, 



234 Matth 5, 13 (« 2. 3) 

das Speisopfer des gesalbten Priesters, das Speisopfer der Trankopfer, das Yogelbrand- 
opfer. — Welche Mengen von Salz für den Tempelbedarf nötig waren, zeigt das Schreiben 
des Königs Antiochus bei Josephus, Antiq 12, 3, 3, das die Lieferung von 375 Scheffel 
Salz an den Tempel anordnet. 

C. ?Erub 10, 14: Man darf (am Sabbat) Salz auf die Rampe (des Brandopferaltars) 
streuen, damit die Priester nicht ausgleiten. 

d. Schab H, .5: Eine Frau darf am Sabbat (ohne sich der Sabbatschändung schuldig 
zu machen) ausgehn . . . mit einem Pfefferkorn u. mit einem Körnchen Salz (im Munde, 
gegen etwaige Zahnschmerzen). 

e. Sota 9, 14: Im Kriege mitVespasian verbot man die Kronen der Bräutigame u. 
die Handtrommeln. — Dazu die bab. G'^mara49'^: Rab (f 247) hat gesagt: Das gilt nm 
von den Kronen aus Salz u. Schwefel, aber die aus Myrte u. Rosen sind erlaubt. 
Sch^'muel (f 254) sagte: Auch die aus Myrte u. Rosen sind verboten, dagegen die aus 
Rohr u. Schilf sind erlaubt. Levi (gemeint ist der Ben Sisi, um 200) hat gesagt: Auch 
die aus Rohr u. Schilf sind verboten. Und so hat Levi in seiner Mischnasammlung 
gelehrt: Auch die aus Rohr u. Schilf sind verboten. — Raschi zur Stelle: Aus Salz- 
stein, weil dieser so klar wie ein Edelstein . . .; aus Schwefel, wie aus Gold u. Silber. 
Wagenseil bringt folgende Tradition: Ratio, quare sponsorum coronae e sulphure et 
sale confectae fuerint, in eo consistit, ut in memoriam iis revocaretur peccatum Sodo- 
maeorum et Gomorrhaeorum, qui adulteriis et masculae Yeneri se totos praepostere 
mancipabant, et ideo eam poenam tulere, ut terra ipsorum in sal et sulphur conver- 
teretur. Ergo corona illa salis et sulphuris monebat sponsum, suae adhaereret uxori 
et a peccatis Sodomaeorum sibi caveret. 

/. Sukka 48'> Bar: Einmal goß ein Sadduzäer (die W^asserlibation am Laubhüttenfest 
statt in das silberne Becken auf dem Altar) auf seine Füße hin, u. alles Volk bewarf 
ihn mit dem Ethrog (vermutlich Orange, Bestandteil des Laubhüttenfeststraußes, Lulab). 
An jenem Tage wurde (infolge des Tumultes) eine Ecke (oder ein Hörn) des Altars 
beschädigt. Man brachte einen Salzkloß u. verstopfte damit die beschädigte Stelle; 
nicht damit der Altar so für den Kultus brauchbar wäre, sondern damit er nicht ver- 
stümmelt aussehe; denn jeder Altar, der nicht eine Rampe, eine Ecke (scharfe Kante 
oder Hörn), eine Grundlage u. eine viereckige Form hat. ist für den Kultus unbrauchbar. 
R. Jose b. J<^huda (um 180) sagte: Auch eine Einfassung (aa-o entspricht dem as-^a Ex 
27, 5) muß er haben. — Dasselbe Zb 62": der Anfang stammt aus Sukka 4, 9. 

g. Schab H7t) Bar: Man legt ein KlümpchenSalz in die Lampe, damit sie heller brenne. 

Ä. Die Ez 16,4 vorausgesetzte Sitte, neugeborne Kinder mit Salz abzureiben, ist 
halakhisch verwertet Schab 129'^: Rab Nachman (f 320) hat gesagt, Rabbah bar Abuha 
(um 270) habe gesagt: Alles, was in dem Strafabschnitt Ez 16 gesagt ist, darf man 
einer Wöchnerin am Sabbat tun. (Ezl6, 4:) , Deine Geburt am Tage, da du geboren 
wurdest" — auf Grund dieser Worte darf man bei der Geburt eines Kindes Hilfe 
leisten am S ; „deine Nabelschnur wurde nicht abgeschnitten", von hier aus ergibt 
sich, daß man am S. die Nabelschnur abschneiden darf; „mit Wasser wurdest du nicht 
gewaschen", von hier aus, daß man das Kind am S. waschen darf; ,mit Salz wurdest 
du nicht abgerieben", von hier aus, daß man das Kind am S. mit Salz abreiben darf; 
,in Windeln wurdest du nicht eingewickelt", von hier aus, daß man das Kind am S. 
wickeln darf. 

3. Das Salz als Bild völliger Verödung u. Vernichtung nach 
.Dt 29, 22; Ki9,25; Jerl7,6; Zeph2,9; Hi 39, 6. 

MidrKLEinl. 9(:Ub): R. Ji^chaq (um 300) eröffnete seinen Vortrag mit Jer 51,51. — 
Du findest, als die Feinde in Jerusalem eindrangen, drangen mit ihnen die Ammoniter 
u. Moabiter ein, s. KL 1, 10: , Heiden . . ., die nicht in die Gemeinde kommen sollten 
(= Ammoniter ü. Moabiter Dt 23, 4) kamen in das Heiligtum." Hier fanden sie die 
beiden Kerubim; sie nahmen diese, legten sie in einen Korb, u. führten sie durch die 
Straßen Jerusalems u. riefen: Habt ihr nicht gesagt, daß diese Nation keine Götzen 



Matth 5, 13 (5t 3—5) 285 

anbete? Nun seht, was wir bei ihnen gefunden haben u. was sie angebetet haben! 
Da sind sich alle Menschen gleich! s. Ez25, 8: ,Weil Moab sagt u. Sefir: Siehe, 
gleich allen andren Nationen ist das Haus Juda" usw. In jener Stunde schwur Gott, 
daß er sie bis auf die Wurzel aus der Welt ausrotten wolle, s. Zeph2, 9: ,Moab soll 
Sodom gleich werden, u. die Ammoniter wie Gomorrha . . . eine Salzgrube u. Einöde 
auf immerdar." || pQid 4, 65'', 18: „Das sind die, welche heraufzogen aus Tel-Melach, 
Tel-Charscha . . . u. vermochten nicht ihr Vaterhaus zu bezeichnen u. ihren Samen, 
ob sie von Israel seien" Esra 2, 59. R. Levi (um 30U) hat im Namen des R. Schirafon 
b. Laqisch (um 250) gesagt: Sie hätten es verdient, zu einem Salzhügel (Tel-Melach) 
zu werden; allein die göttl. Gerechtigkeit, der Hügel des Schweigens (Tel-Charscha), 
schwieg zu ihren Gunsten, il Joma 54": R. Jose (um 150) sagte: Sieben Jahre lang erfüllte 
sich , Schwefel u. Salz" Dt 29, 22 am Lande Israel. Vgl. P*^siq 114'^ nebst Parallelen. 

4. Das Salz als reinigende, würzende u. erhaltende Kraft; 
vgl. Hi 6, 6. 

B^rakh 5** (nach dem ungekürzten Texte aus Diqduqe Soph^'rim bei Bacher, pal. 
Amor 1, 355): R. Schimfon b. Laqisch (um 250) hat gesagt: Das Wort ^Bund" steht bei 
-„Salz" u. bei „Züchtigungen"; s. Lv 2, 13: „Nicht sollst du fehlen lassen das Salz des 
Bundes bei deinem Speisopfer", u. Dt 28, 69 (die Stelle paßt nicht; Bacher verweist 
mit Diqd. Soph. auf Ez 20, 37: „Ich will euch in die Zucht des Bundes bringen"). Wie 
bei dem Bunde, der vom Salz gesagt wird, das Salz das Opfer tauglich macht (zur 
Darbringung), so machen bei dem Bunde, der von den Züchtigungen gesagt wird, die 
Züchtigungen die Sünde tauglich (zur Vergebung); wie das Salz das Fleisch läutert, 
30 läutern die Züchtigungen den ganzen Körper des Menschen. || NiddaSl''' Bar: Wenn 
die Zeit da ist, daß ein Mensch aus der Welt scheiden soll, dann nimmt Gott seinen 
Teil (die Seele) u. der Teil seiner Eltern (der Leib) bleibt vor ihnen liegen. Rab Papa 
(t 376) hat gesagt: Das ist so, wie die Leute zu sagen pflegen: Schüttle das Salz ab 
u. wirf das Fleisch vor die Hunde. |! Tract. Soph^'rim 15, 8: Die Tora gleicht dem Salz, 
die Mischna dem Pfeffer, die G'^mara den Gewürzen. Die Welt kann nicht ohne Salz, 
auch nicht ohne Pfeffer, auch nicht ohne Gewürze bestehn, u. der reiche Mann er- 
freut sich aller drei in seinem Unterhalt. So kann die Welt auch nicht ohne die Schrift 
u. die Mischna u. die G'^mara bestehn. || Philo, de Victimis § 6 (Mang. 2, 255) : HIsjk zavid 
(ft]aiv „'Eni nayrog ^uJqov ngogoiGSTE ((?Mg" Lv 2, 13. //t' ov. xaddneQ xal riQÖxtQoy 
slnov, xrjv eis änav Sictfxovrjv alvitTETca. ^v'kctxTrjQiov yccg oi u),eg awfxarwv, rstifir]- 
fiSfoh xpr/ijs dsvTSQSiois. '£lg yitQ «Itlcc rov fit] &u((fS^6tQsa&ai rd aitiucci« ^'v%t] xa'i 
ol dXsg inl nXeTaroy «?''r« avi'S/oyrss xal rgönof rivd aßccfaTii^ofisg. || Schab 31*: 
Raba (f 352) hat gesagt: Wenn man den Menschen vor das (göttl.) Gericht bringt, 
sagt man zu ihm: Hast du gekauft u. verkauft in Redlichkeit V Hast du Zeiten be- 
stimmt für das Torastudium? Hast du dich mit der Fortpflanzung befaßt? Hast du 
ausgeschaut auf das (messian.) Heil? Hast du scharfsinnige halakhische Erörterungen 
angestellt? Hast du ein Wort aus dem andren gedeutet? Und selbst wenn dem so 
ist — wenn „die Furcht Jahves sein Schatz ist" (Jes 33, 6) — dann ja, wenn aber 
nicht, dann nicht. Gleich einem Menschen, der zu seinem Boten sagte: Schaffe mir 
ein Kor Weizen auf den Söller! Er ging u. schaffte ihn hinauf. Er sprach zu ihm: Hast 
du mir ein Qab Salzsand -i'-j-i-r: (zur Konservierung des Getreides) hineingemengt? Er 
sprach: Nein! Er antwortete ihm: Dann wäre es besser gewesen, du hättest ihn nicht 
hinaufgeschafft! 

5. Jesu Wort steht formell am nächsten ein jerusalemisches Sprich- 
wort (bK'^th 66**; Aboth R. Nathan 17, das bereits aus der Zeit Jesu 
stammt u. in zwiefacher Fassung überliefert worden ist. «, „Das Salz 
des Geldes .ist der Mangel", ^on ]',-ü-o nb^. Das Sprichwort könnte be- 
sagen: Nur wer den Mangel kennen gelernt hat, weiß das Geld zu 
schätzen. Doch paßt dieser Sinn nicht in den Zus. hang. Das Sprich- 



236 Matth 5, 13 (91 5. SB). 5, 14 (91; 

wort ist die Antwort auf die Frage, die Rabban Jochanan b. Zakkai. 
t um 80, an die Tochter des Naqdimon b. Gorjon richtet: Wo ist dein 
väterliches Vermögen hingekommen? Es muß also eine Aussage über 
die Verwendung des Geldes enthalten. So wird wohl ßaschi das Richtige 
getroffen haben: „Wer sein Geld salzen will, d. h. wer bewirken will^ 
daß sein Vermögen Bestand behält, der lasse es immerfort zu Almosen 
in Verlust geraten; sein Verlust ist sein Bestand." Trifft diese Deutung 
den eigentl. Sinn des Sprichworts, dann erscheint die zweite Fassung 
nur als erleichternde Lesart: ß, „Das Salz des Geldes ist die Wohl- 
tätigkeit", -icn '^■o•o nb-: die mit dem Reichtum geübte Barmherzigkeit 
verleiht ihm Wert u. Dauer. — So sollen Jesu Jünger das Salz der 
Erde sein, der Menschheit Ewigkeitswerte vermitteln u. sie so der 
Ewigkeit wert machen. — Neu u., soweit wir sehn können, ohne 
Analogen in der altjüdischen Literatur ist die persönliche Wendung, 
die Jesus dem Bild gegeben hat: Menschen sollen ein Salz sein. 

5, 13^8: Wenn aber das Salz dumm wird, womit soll man 
es salzen? {sv xivi aXiad^ratrai;) 

B'^khS'': (R. J'^hoschua? b. Chananja, um 90, wird von den Weisen 
des Athenäums in Rom aufgefordert:) Sage uns etwas Erdichtetes 
(Fabelhaftes) I Er sprach: Es war einmal eine Mauleselin, die ein 
Junges warf; diesem hängte man einen Zettel um u. schrieb darauf, 
daß es von der väterlichen Familie 100000 Zuz zu erheben habe. Man 
antwortete ihm: Kann denn eine Mauleselin gebären? Er sprach: Das 
sind eben Fabeln. (Darauf fragte man ihn:) Wenn das Salz dumm 
wird, womit soll man es salzen nb '^r\h-o "^xisn xi-o 13 Nnb-^-c? Er ant- 
wortete: Mit der Nachgeburt einer Mauleselin. (Man sprach zu ihm:) 
Hat denn die (unfruchtbare) Mauleselin eine Nachgeburt? (Er ant- 
wortete:) Kann denn Salz dumm werden? — Die Bezugnahme auf 
Mt5, 13 tritt so deutlich hervor, daß man in der ganzen Stelle eine 
zynische Verhöhnung Marias u. Jesu wird sehn müssen. Tendenz: Das 
nie dumm werdende Salz Israels bedarf der Auffrischung nicht, am 
allerwenigsten von selten eines Mannes wie Jesus I 

5,13: Es sei denn, daß man es hinausschütte. 
Vgl. das Sprichwort NiddaSl^» (oben S.235). 

5,14 51: Ihr seid das Licht der Welt. 

, Licht der Welt" heißt im Rabbin. sowohl ^Y'^ ^^ ^"'r-i ^^^ auch 
c^is h-ä 'inis. Der ursprüngl, unterschied zwischen -1; u. -•'n, daß jenes 
den Lichtträger, die Lampe, u. dieses das scheinende, leuchtende Licht 
selbst, die Lichtflamme, bezeichnet, ^ ist in obiger Verbindung nicht fest- 
gehalten worden, s. schon 2 Sm 21, 17, wo David bx-iu:"» n: genannt wird. 

* Midr Ps 22 §3 (91 **): Nach allgemeinem Brauch zündet ein Mensch die Lampe 
":r; in seinem Palast an. Kann er etwa sagen: Der u. der, welcher mein Freund ist. 



MatthS, 14Cit) 237 

Als „Licht" oder „Leuchte der Welt" werden bezeichnet: 

a. Gott. Tancli iri'-syna 204'': (Nu 8, 2:) „Wenn du die Lampen aufsetzest." Das 
meint auch Psl>^, 29: „Du machst meine Leuchte hell." Die Israeliten sprachen vor 
öott: Herr der Welt, du sagst, daß wir vor dir hell machen (erleuchten i sollen; du 
bist doch die Leuchte der Welt c^iy hv i-:, u. das Licht wohnt bei dir, s. Dn 2, 22, 
u. du sagst: „Wenn du die Lampen aufsetzest, so sollen die sieben Lampen nach der 
Vorderseite des Leuchters zu Licht werfen" (Nu 8, 2)! Gott sprach zu ihnen: Nicht 
als ob ich euer bedarf; vielmehr ihr sollt mir leuchten, wie ich euch geleuchtet habe 
(mit der Wolkensäule während der Wüstenwanderung). Weshalb? Um euch zu er- 
höhen (herrlich zu machen) vor allen Nationen, damit diese sagen: Sieh, wie Israel 
Dem leuchtet, der allen leuchtet! — In den Parallelen: TanchB -r'iyna § 5 (24^) u. 
NuR 15 (178*^) heißt Gott nicht o^iy hv i-':, sondern 'y ■s» i-ns „Licht der Welt". In 
ExR36(95'^) fehlt eine entsprechende Bezeichnung Gottes. 

b. Einzelne Menschen. pSchab 2, 5 '^ 4(J : Der erste Mensch war die Leuchte 
■der Welt ^-'v 'v i-n, s. Spr20, 27: „Eine Leuchte von Jahve war die Seele Adams" 
(so wohl der Midr). Weil Eva ihm den Tod verursacht hat, deshalb wurde der Frau 
«das Gebot betreffs der (Sabbat-)Lampe ~:n rr^'o übertragen. — In GnR 17 (12'') fehlt 
die Bezeichnung Adams als „Leuchte der Welt". || Aboth R.Nathan 25: In der Stunde 
des Verscheidens des Rabban Jochanan b. Zakkai (f um 8ü) erhob dieser seine Stimme 
u. weinte. Seine Schüler sprachen zu ihm: Rabbi, hohe Säule, Leuchte der Welt -: 
a'iy, fester Hammer! warum weinst du? — Die Parallelstelle B®rakh28'* hat statt 
cViy 13 nach 2Sm2],17 irsi»- -i:. 

C. Israel. Midr HL 1,3(85^): Wie das Öl der Welt Licht bringt, so ist Israel 
das Licht für die Welt a'-iyV ms, s. Jes HO, 8: „Wallen werden Nationen nach deinem 
Licht." Vgl. ExR .S6 (95*^): Israel wird ein grünender Ölbaum genannt (s. Jer 11,. 16), 
weil sie allen leuchten. — Midr HL 1, 15 (94''): Wie die Taube der Welt Licht gebracht 
hat (s. Gn 8, 11), so sollst auch du (Israel) der Welt Licht bringen, s. Jes 60, 3. Nach der 
Parallelstelle TanchB r.'.zr J} 1 (48'') ist R. Ji^chaq, um oOO, Autor dieser Ausführung. 

d. Die Tora u. der Tempel. BB4*': (Als HeroJes I. die Rabbinen hatte töten 
lassen, fragte er den Baba b. Buta:) Welche Hilfe gibt es für mich? Jener antwortete: 
Du hast das Licht der Welt Z!~'y h-v i--.s ausgelöscht; denn eine Leuchte ist das Gebot 
u. die Tora ein Licht (Spr 6. 23); so geh nun hin u. befasse dich mit dem Licht der Welt 
3';:? '"SV ".-'IS (= Tempel), von dem es heißt Jes 2, 2: Zu ihm werden alle Nationen wallen. 

e. Jerusalem. GnR 59 (37'*): Jerusalem ist das Licht der Welt ü'-:^y i» n-s, 
s. Jes 60, 3; u. wer ist das Licht Jerusalems? Gott; s. Jes 60, 20: Jahve wird dir zum 
Lichte sein. 

Wie von der Leuchte oder dem Licht der Welt geredet wird, so auch von der 
Leuchte oder dem Lichte Israels. fArakhin 10^: Rabbi sprach zu seinem Sohn Schim?on: 
Leuchte Israels '•:a^x^ i;, so hat es sich verhalten! — Ferner s. B rakh 28 b oben 
Anm. ft. II Midr Ps22 §3 (91"): Wie der Duft der Myrte schön, aber ihr Geschmack 
bitter ist, so waren Mardokhai u. Esther ein Licht für Israel Vs^ü-': -ns, aber Finsternis 
für die Völker der Welt. II Für -3 u. ■'is kann auch das gleichbedeutende s:-:i-3 ein- 
treten. pSchab <), S'', 61: R.Jona (um 350) u. R. Jose (um 350) gingen hinauf, um R. Acha 
(um 320) zu besuchen, der erkrankt war. Sie sprachen: Wir wollen uns nach dem 
Hören einer Bath-Qol (hier = Omen) richten. Da hörten sie die Stimme eines Weibes, 
die einer andren zurief: Ist das Licht n:-::ia erloschen? Sie antwortete: Es wird nicht 
erlöschen! — u. die Leuchte Israels Vs^^ü"! i-n-ru'; (= R Acha) war nicht erloschen. |1 
GnR 85 (54'): Dort sah J'^huda die Tochter eines kana?anäischen Mannes; dessen Name 
war Schua?" Gn 38, 2; die Tochter (1. nach Targ Onk rz statt ^a) eines Kaufmannes, 
der die Leuchte des Ortes sips- s3-si3 war. 



darf sich des Lichtes der Lampe ^3^ msi erfreuen (bedienen); aber mein Feind darf 
sich des Lichtes der Lampe nicht erfreuen? Vielmehr alle erfreuen sich desselben zu 
gleicher Zeit. 



238 Matth 5, 14 (3t. SB). 5, 15 

Allgemein heißt es von den Gerechten P''s S-"*: Wem gleichen die Gerechten gegen- 
über der Sch'^khina (Gottheit)? Einer Leuchte -13 gegenüber einer Fackel np:ias. — 
Nicht hierher gehört der mehrfach angezogene Ausdruck „Sonne eines Gerechten" 
P"T:i hv li-'ir, zB GnR 58 (^H"^): Abba b. Kahana (um 310) hat gesagt: Bevor Gott die- 
Sonne eines Gerechten untergehn läßt, läßt er die Sonne eines andren Gerechten auf- 
gehn. An dem Tage, da R. f Aqiba starb (f um 135), wurde Rabbi geboren. . . . 

5, 14^: Eine Stadt, die auf einem Berge liegt, 
kann nicht verborgen sein. 
Eine Stadt, „die auf der Spitze eines Berges liegt"' ^r^r^ ■jx'nn nsr.i-i^ 
bildet M^g 3'' den Gegensatz zu einer andren, die „im Tal liegt" r:3'i3iiuy 
hn:::. Die Stelle lautet: R. J^oschua? b. Levi (um 250) hat gesagt: Eine- 
(befestigte) Stadt t^'^s u. alles, was dicht bei ihr liegt, .u. alles, was 
zugleich mit ihr gesehen wird, wird als (befestigte) Stadt behandelt 
(die Vororte werden zur Stadt gerechnet). In einer Bar ist gelehrt 
worden: Was dicht dabei liegt, auch wenn es nicht gesehen wird; was 
gesehen wird, auch wenn es nicht dicht dabei liegt (wird als Stadt 
behandelt). Zugegeben „was gesehen wird, auch wenn es nicht dicht 
dabei liegt"; das trifft zu, zB wenn (die Stadt) auf der Spitze eines 
Berges liegt. Aber „was dicht dabei liegt, auch wenn es nicht gesehen 
wird", wie trifft das zu? R. Jirm'^ja (um 320) hat gesagt: Wenn (die 
Stadt) in einem Tal liegt. — Eine Stadt, die auf dem Berge lag, war 
zB Sepphoris. M^g 6*: Z'^firi (um 250) hat gesagt: Qitron, Ri 1,30, ist 
Sepphoris; u. warum wurde der Name der Stadt „Sepphoris" genannt? 
Weil sie oben auf einem Berge liegt einem Vogel gleich u.\s"a raaT^» 
nis-'i^jD ^nn. — P^siqR 8 (29=*): „Ich durchsuche Jerusalem mit Laternen" 
Zeph 1, 12. Es sprachen die Israeliten: Herr der Welt, wann wirst du 
also tun? Er antwortete: Wenn ich getan haben werde, was vorher 
geschrieben steht: „Da wird sein an jenem Tag, ist Jahves Spruch,^ 
lautes Geschrei vom Fischtor" usw. (das. Vers 10 f.). „Lautes Geschrei 
vom Fischtor", das geht auf ^Akko, das im Schöße der Fische liegt; 
„Geheul von der zweiten Stadt" (= Neustadt), das geht auf Lydda, 
das eine zweite für Jerusalem war; „großer Zerstörungslärm von den 
Hügeln", das geht auf Sepphoris, das auf Hügeln liegt niysja niirsir; 
„jammert, Bewohner des Mörsers", das geht auf Tiberias, das tief wie 
ein Mörser ist. Gott sprach: Wenn ich das Gericht an diesen vier 
Orten vollzogen habe für das, was die Götzendiener darin getan haben^ 
in jener Stunde werde ich Jerusalem mit Laternen durchsuchen. — Auch 
Raschi zu Zeph 1,10 f. kennt diese Auslegung; Graetz, Gesch. d. J.^ 4-, 
490 f. bezieht sie auf die Zerstörung der genannten Städte durch Gallus. 

5,15: Und man setzt es (nicht) unter den Scheffel. 

Vom Bedecken einer Lampe mit einer Schüssel ist Schab 16, 7 die 

Rede: Man darf (am Sabbat) eine Schüssel rrnrp über eine Lampe 

decken, damit sie (d. h. ihre Flamme) nicht das Gebälk ergreife. — In 

diesem Falle macht man sich keiner Sabbatschändung schuldig; wohl 



Matthö, 16(Nr. 1. 2) 239 

aber würde eine solche vorliegen, sobald das Bedecken der Lampe 
erfolgte, um die Flamme zum Erlöschen zu bringen. 

5,16: So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit 
sie eure guten Werke sehen u. euren Vater preisen. 

1, Licht ^= Werke der Gerechten. 

GnR2 (3''): R. Abbahu (um 300) hat gesagt: Vom Anfang der Weltschöpfung an 
hat Gott die Werke der Gerechten u. die Werke der Gottlosen geschaut, s. Ps 1,6: 
,Jahve kennt den Weg der Gerechten." „Die Erde war eine Wüste u. Leere" (Gn 1, 2), 
das geht auf die Werke der Gottlosen. ,Und Gott sprach: Es werde Licht!" (Gn 1, 3), 
das geht auf die Werke der Gerechten. Aber nun weifs ich nicht, an welchen von 
ihnen Gott Wohlgefallen hat, ob an den Werken dieser oder jener. Da es jedoch heißt: 
,Gott sah das Licht, daß es gut war" (Vers 4), so sehe ich, daß er an den Werken 
der Gerechten Wohlgefallen hat u. nicht an den Werken der Gottlosen. 

2. Zum ganzen Gedanken von Mt5, 16 vgl.: 

JomaSß'*: Abaje (f 888/39) hat gesagt: Es ist so, wie gelehrt worden ist: ,Du 
sollst J ah ve deinen Gott lieben" Dt 6, 5, nämlich damit der Name Gottes deinetwegen 
geliebt werde. Wenn jemand die Schrift u. die Mischna lernt u. mit den Gelehrten- 
schülern dienend umgeht, wenn sein Verkehr mit den Leuten in Gelassenheit (Sanft- 
mut) geschieht, was sagen dann die Leute von ihm? Heil seinem Vater, der ihn Tora 
lernen ließ! Heil seinem Lehrer, der ihn Tora lehrte! Wehe den Menschen, die nicht 
Tora lernen! Seht den u. den, der Tora gelernt hat, wie schön sind seine Wege, wie 
wohlgeordnet seine Werke! Über einen solchen sagt die Schrift (Jes 49, 8): „Er sprach 
zu mir: Mein Knecht bist du, Israel; durch dich werde ich verherrlicht." Aber wenn 
einer Schrift u. Mischna lernt u. mit den Gelehrtenschülern dienend umgeht u. sein 
Verkehr mit den Leuten geschieht nicht in Redlichkeit u. sein Reden mit ihnen nicht 
in Gelassenheit, was sagen dann die Leute von ihm? Wehe dem u. dem, der Tora 
gelernt hat; wehe seinem Vater, der ihn Tora lernen ließ; wehe seinem Lehrer, der 
ihn Tora lehrte! Seht den u. den, der Tora gelernt hat, wie entartet sind seine Werke u. 
wie häßlich seine Wege! Über einen solchen sagt die Schrift Ez 36, 20: Sie entweihten 
meinen heiligen Namen, indem man von ihnen sagte: Das Volk Jahves sind diese, u. 
aus seinem Lande sind sie fortgezogen. || M'^kh Ex 15,2(44^): „Dieser ist mein Gott, 
den will ich verherrlichen" (Ex 15. 2). R. Jischmasel (f um 135) sagte: Kann man denn 
seinen Schöpfer herrlich machen? Vielmehr, es ist so gemeint: Ich will vor ihm durch 
Gebotserfüllungen schön erscheinen; ich will einen schönen Feststrauß (Lulab), eine 
schöne Festhütte, schöne Troddeln u. schöne Gebetsriemen anfertigen. — Abba Scha^ul 
(um 150) sagte: Gleiche ihm! Wie er barmherzig .u. gnädig ist, so sei auch du barm- 
herzig u. gnädig. — Dasselbe als Bar Schab 138b; Nazir 2b. — pPea 1, 15b, 31 schließt 
sich eng an M'^'kh an. — Nur die Anfangsworte Sukka 11 b. || M^'kh Ex 15,2 (44b): 
„Den Gott meines Vaters, ihn will ich erheben" Ex 15, 2. R. Schim?on b. El?azar 
(um 190) sagte: Wenn die Israeliten den Willen Gottes tun, dann wird sein Name in 
der Welt verherrlicht, s. Jos 5, 1 u. 2, 10. Wenn sie aber nicht seinen Willen tun, dann 
wird sein Name gewissermaßen in der Welt entheiligt, s. Ez 3H, 20 ff. || Aboth R. Na- 
than 1 : R. Schim?on b. El?azar (um 190) sagte: Ich will dir ein Gleichnis sagen. Womit 
ist Adams Sündenfall zu vergleichen? Der erste Mensch glich einem Mann, der eine 
Proselytin heiratete. Er gab ihr Vorschriften: Meine Tochter, iß kein Brot, wenn deine 
Hände unrein sind; iß keine Früchte, die nicht verzehntet sind; entweihe nicht die 
Sabbate; sei nicht leichtsinnig bei deinen Gelübden u. laß dich nicht mit einem andren 
Mann ein; denn wenn du eins von diesen Geboten übertrittst, so mußt du sterben. 
Was tat der Mann? Er aß Brot vor ihren Augen, wenn seine Hände unrein waren; 
er aß Früchte, die nicht verzehntet waren, er entheiligte die Sabbate, er war leicht- 
sinnig bei seinen Gelübden. Was dachte da diese Proselytin in ihrem Herzen? Alle 



240 Matth 5, 16 (Nr. 2). 5. 17 (51) 

^Vorte, die inif mein Mann anfänglich geboten bat, sind Lüge. Sofort machte sie sich 
auf u. übertrat sie alle. |! pBM 2, 8^ 18: Scbim^on b. Schatach (90—70 v. Chr.) war mit 
der Bereitung von Flachs beschäftigt. Seine Schüler sagten zu ihm: Rabbi, laß ab 
davon; "wir wollen dir einen Esel kaufen, dann brauchst du dich nicht so sehr zu be- 
mühen. Sie gingen u. kauften ihm von einem Sarazenen -spi-o einen Esel; an dem 
hing eine Perle (von der der Verkäufer nichts wußte). Sie kamen zu ihm u. sprachen: 
Von nun an brauchst du dich nicht fernerhin abzumühen! Er sprach: Weshalb? Sie 
antworteten: Wir<haben dir einen Esel gekauft; an dem hängt eine Perle. Er sprach: 
Weiß sein Herr darum? Sie antworteten: Nein! Da sprach er: Geht u. gebt sie zu- 
rück! . . . Schini?on b. Schatach wollte die Äußerung (seitens eines Heiden): , Gepriesen 
sei der Gott der Juden!" (wegen der Ehrlichkeit seiner jüdischen Bekenner) lieber als 
den Gewinn dieser ganzen Welt. Und welcher Vorfall war es denn (bei dem jene 
Äußerung der Heiden laut wurde)? R. Chanina (um '225) hat diesen Vorfall erzählt: 
Die alten Rabbinen kauften einen Haufen Weizen von Soldaten u. fanden darin einen 
Beutel Denare u. gaben ihn an jene zurück. Da sagten sie: , Gepriesen sei der Gott 
der Juden!" (Es folgen dann noch zwei ähnliche Geschichten.) 

Zu den Worten: „Euer Vater im Himmel" s. bei Mt 6, 4. — Eine An- 
spielung auf Mt 5, 16 liegt vermutlich Schab 116» vor; s. bei 5, 17 93 Nr. 3. 

5,17 5t: Das Gesetz oder die Propheten. 

„Gesetz" n-^-in u. „Propheten" c^x^;i: sind die beiden großen Teile, 
die zus. die „Schrift" 3>ir3!-T, dnpri -i^ps, x'^i?'?, n-}^ bilden. Die Zweiteilung 
des alttestl. Kanons herrscht im NT vor- s. noih Mt 7, 12; 11, 13; 22,40; 
Lk 16, 16; Joh 1,45; Rom 3, 21; in der altjüd. Literatur findet sie sich 
nur selten. 4 Makk 1,8, 10: Euer Vater lehrte euch, als er noch bei 
euch war, das Gesetz u. die Propheten. || TBM 11,23 (396): Die Ein- 
wohner einer Stadt dürfen sich gegenseitig zwingen, eine Synagoge 
zu erbauen u. das Buch der Tora u. der Propheten (d. h. die heilige 
Schrift zu gottesdienstlichem Gebrauch) zu kaufen. || Midr Ps 90 § 4 s. 
nächstes Zitat. — Zur Dreiteilung Tora, N^^bi^im u. K'^thubim (a^i^r?, 
dyioyQucfa), die im NT nur Lk 24, 44 (mit ipul{.ioi für den 3. Teil) sich 
findet, dagegen in der rabbin. Literatur gang u. gäbe ist, s. bei Lk 24, 44. 

Die prinzipielle V^erschiedenheit der Tora von allen übrigen kano- 
nischen Schriften wird Midr Ps 90 §4 (194*') so ausgedrückt: R. Levi 
(um 300) hat im Namen des ß. Chanina * (um 225) gesagt: Die elf 
Psalmlieder,^ die Mose gesagt (verfaßt) hat, hat er in der Ordnung 
{o-^Ds-jn = SV rä'^H) der Propheten gesagt (der Abteilung der Nebi^im 
eingeordnet). Und warum sind sie nicht in der Tora (dem 1. Teil der 
Schrift) aufgeschrieben worden? Weil diese (die Tora) Worte der Tora 
u. jene (die 11 Psalmen) Worte der Prophetie sind. — Die Worte der 
Tora hat Mose unmittelbar aus Gottes Mund oder aus Gottes Hand 
empfangen: das stellt sie hoch über alle übrigen Schriften des AT.s, 
die eine Gabe des Geistes der Prophetie sind. Daher die Erwähnung 
zweier Teile des Kanons. 



^ Der Autorname ist verschieden überliefert; s. Buber z. St. 
* Gemeint sind Ps 90—100; die Tradition, daß diese Psalmen von iVTose herrühren, 
kennt auch R. J'^hoschuaf b. Levi (um 250); s. P^siq 198^' u. Midr Ps 90 § 3 (194"\ 



Matth 5, 17 (SB 1—3) 241 

5, 17 JB: Das Gesetz oder die Propheten aufzulösen. Ich bin 
nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen, 

1. xaralveiv auflösen == aufheben, für ungültig erklären, würde 
hebräisch wohl mitb-j3, aramäisch mit ^-ja wiederzugeben sein; s. pM<^g 1, 
70^ 51 u. P'^siq 79=^ bei 5, 18 S. 246. — MQ 16'^: Was bedeutet 2 Sm 23, 3? 
K. Abbahu (um 300) hat gesagt: So ist es gemeint: Gesagt hat zu mir der 
Gott Israels, gesprochen der Fels Israels: Ich herrsche über den Menschen, 
wer herrscht über mich ? Der Gerechte ; denn ich setze einen Beschluß fest 
u. er (der Gerechte) hebt ihn auf nVjn^, \\ pTa^an 3, 67=^, 13: Hebt nicht 
Gott seinen Beschluß auf b-jn-o wegen des Beschlusses eines Gerechten? 
(Rabban Gamliel, um 90) antwortete: Ja, Gott hebt seinen Beschluß auf 
wegen des Beschlusses eines Gerechten ; aber nicht hebt Gott den Beschluß 
eines Gerechten auf wegen des Beschlusses eines andren Gerechten. 

2. nXrjQovv erfüllen = zur Erfüllung bringen; vgl. die bei Mt so 
häufige Wendung: Iva nlrigoyd^fj damit erfüllet würde, was geschrieben 
steht oder was gesagt ist. Nur daß es sich Mt5, 17 um ein Erfüllen 
in absoluter Weise handelt, um ein Erfüllen, das, wie die folgende 
Auslegung einzelner Gebote zeigt, nicht in der buchstäbl. Ausführung 
des Gesetzes aufgeht, sondern das Gesetz nach der ganzen Tiefe seines 
ethischen Gehalts zur Verwirklichung bringt. Ein solches Erfüllen hat 
die Erkenntnis der ethischen Bedeutung u. Tragweite der einzelnen 
Gebote zur Voraussetzung. Sie zu vermitteln ist der Zweck der mit 
Vers 21 anhebenden Gesetzesauslegung. — .Jesus wird statt nXrjgovv 
c^j? gesagt haben, dessen Gegensatz das oben für xaraXveiv vermutete 
Vjn zB Aboth 4, 9 bildet: R. Jonathan (um 140) pflegte zu sagen: Wer 
die Tora in Armut erfüllt n^pp, wird sie schließlich in Reichtum erfüllen 
n^*pb; wer sie aber in Reichtum vernachlässigt 5:;ap (hinschwinden 
macht, beseitigt), wird sie schließlich in Armut vernachlässigen -Vjn; . 

3. Mt 5, 17 u. Schabbath 116^ 

Mt 5, 17 gehört zu den wenigen neutestl. Stellen, auf die in der 
rabbin. Literatur ausdrücklich Bezug genommen wird. Schab 116^: 
Imma Schalom war die Frau des R. Eli^ezer (um 90), die Schwester 
des Rabban Gamliel IL In seiner Nachbarschaft war ein (christlicher) 
Philosoph, der in dem Rufe stand, keine Bestechung anzunehmen. Sie 
wollten ihn lächerlich machen. Imma Schalom brachte ihm einen 
goldenen Leuchter. Sie traten vor ihn hin; sie sprach zu ihm: Ich 
wünsche, daß mir von dem Vermögen meines elterlichen Hauses mein 
Anteil werde. Er antwortete ihnen: Teilet. R. Gamliel sagte: Für uns 
steht geschrieben: An Stelle des Sohnes (d. h. da, wo ein Sohn ist) 
soll die Tochter nicht erben (vgl. Nu 27, 8). Der Philosoph erwiderte: 
Seit dem Tage, da ihr aus eurem Lande in die Verbannung getrieben 
«eid, ist die Tora Moses aufgehoben u. das Evangelium ^ gegeben, u. 

^ Der Text liest nur den Anfang des Wortes, nämlich ■;is = Unheil; das ganze 
Wort heißt i^'W. -jis = Unheilsperganient, ein Kakophemismus für evayyshoy. 
Strack u. Billerbeck, NT I. 16 



242 Matth 5, 17 (SB 3). 5, 18 (51 1) 

in ihm steht geschrieben: „Sohn u. Tochter sollen gemeinsam erben." 
(Eine solche Stelle gibt es im NT nicht; vgl. Lk 12, 14.) Am folgenden 
Tage brachte Rabban G. ihm einen libyschen ^ Esel. Da antwortete 
er: Ich habe weiter unten im Evangelium nachgesehen, u. da steht 
geschrieben: Ich, Evangelium [dies Wort wohl eine alte Glosse], bin 
nicht gekommen, um von der Tora Moses wegzunehmen, sondern um 
ihr hinzuzufügen,- bin ich gekommen. Und es ist in ihm (dem Ev.) 
geschrieben: „An Stelle des Sohnes soll die Tochter nicht erben" (dabei 
muß es also bleiben ; denn die Tora ist durch das Evangelium nicht 
gekürzt worden). Da sprach Imma Schalom zu ihm: Möge dein Licht 
leuchten 3 wie der Leuchter I Rabban Gamliel aber sagte: Der Esel ist 
gekommen u. hat den Leuchter niedergetreten. — Das Wort vom Esel, 
der den Leuchter niedertritt, hat später sprichwörtlichen Charakter, s. 
pJoma l,38'-,46;SNu25,12§131(48b);P«siql23^177^LvR21(120f). 

5, 18 31: Wahrlich, ich sage euch. 

1. Vax, ocfirjv bedeutet eigentlich „Festes, Beständiges, Gültiges". 
Das Wort wurde ausnahmslos als bestätigende oder bekräftigende Ant- 
wort auf die Rede eines andren gebraucht. Wenn zB jemand auf das 
Gebet oder den Lobspruch eines andren Amen! sagte, erklärte er damit, 
daß das Gehörte auch sein Gebet oder sein Lobspruch sei. So erschien 
der Amen! Sprechende wie einer, der das Gebet u. den Lobspruch 
selbst gesprochen hatte. Oder beantwortete jemand eine Beschwörung, 
die er aus dem Munde eines andren hörte, mit Amen!, so erkannte er 
damit jene als für ihn verbindlich an. War also die Beschwörung zB 
dahin gegangen, daß ihr Hörer in einem bestimmten Rechtsfall Zeugnis 
ablegen sollte, so verpflichtete ihn sein Amen! nun auch wirkhch als 
Zeuge vor dem Gerichtshof zu erscheinen. Oder ließ jemand auf das 
Fluchwort eines andren sein Amen! folgen, so stellte er sich damit 
entweder selbst unter diesen Fluch (s. zB Nu 5, 22; Dt 27, 15 ff.), oder 
er sprach damit seine Zustimmung zu der Verwünschung aus.a — Nur 
haggadischen Wert hat die Deutung des Wortes )^a. als. Notarikon 
(Einl. 107, Nr. 30) Schab 119^: Was bedeutet i^x? R. Chanina (um 225) 
hat gesagt: Gott bx ist ein König -\hi:, ein zuverlässiger -(^xi. 

a. pSota 2, 18'^: R. Elfazar (um 270) hat im Namen des R. Jose b. Zimra (um 220) 
gesagt: Amen dient zur Übernahme (gehörter Worte), Amen dient zum Schwur, u. Amen 
bedeutet: mögen die Worte in Erfüllung gehn! Amen dient zur Übernahme, das lernt 
man von der des Ehebruchs verdächtigen' Ehefrau. (Gemeint ist damit das zweimalige 
Amen Nu 5, 22, s. unten.) Amen dient zum Schwur, s. Jer 11,5: Auf dais ich zustande 
bringe den Schwur, den ich euren Vätern geschworen, ihnen zu geben ein Land, fließend 
von Milch u. Honig, wie es heute der Fall. Und ich antwortete u. sprach: Ja, Amen, 
o Herr! Amen bedeutet: mögen die Worte in Erfüllung gehn! s. 1 Kg 1, 36: Da ant- 

^ Krauß, Lehnw. 2, 306 ff. u. Archäol. 2, 1 17 f. will statt „libysch" lesen .lykaonisch". 
2 -5din""5. So wird Mt 5, 17 wiedergegeben; dabei ist nhjQovy gefaßt = , erfüllen" 
im Sinne von „ergänzen" (vollmachen). 

* Vermutlich Anspielung auf Mt5, 16: Möge euer Licht vor den Menschen leuchten. 



Matth 5, 18 (51 1. 2) 243 

■wertete B®naja dem Könige: Amen! so sage Jahve, der Gott meines Herrn, des Königs. — 
In Sch^'buJoth 36 '^ lautet die Tradition folgendermaßen: R. Jose b. Chanina (um 270) 
hat gesagt: Amen, darin liegt ein Schwur, darin liegt eine Übernahme von Worten 
u. darin liegt eine Bekräftigung von Worten. Ein Schwur; s. Nu 5, 22: ,Und das Weib 
sage: Amen, Amen!" ^ Eine Übernahme von Worten, s. Dt 27, 26: „Verflucht ist, wer 
nicht die Worte dieses Gesetzes erfüllt, sie übend! u. alles Volk spreche: Amen!" Eine 
Bekräftigung von Worten; s. Jer 28, 6: „Es sprach Jeremia, der Prophet: Amen, so soll 
Jahve tun!" - Weitere Parallelen: DtR 7 (203'^) mit R. J^huda b. Simon, um o20, als 
Autor; iMidr Ps 89 § 4 (191»); 106 S 9 (229^); NuR 9 (155'^^). II B^rakh 5.4: Wer vor 
die Lade tritt (als Vorbeter usw.), soll wegen der Zerstreuung (damit er nicht verwirrt 
werde) nicht nach den Priestern (die beim Synagogendienst den Priestersegen Nu 
6, 24 — 26 in drei Absätzen zu sprechen hatten) „Amen" antworten (wie es die übrige 
Gemeinde tat). || Das. 8, 8: Man antwortet „Amen" nach dem Israeliten, der einen 
Lobspruch spricht; aber man antwortet nicht „Amen" nach dem Samaritaner, der 
einen Lobspruch spricht, bis man den ganzen Lobspruch gehört hat (denn es ist zu be- 
sorgen, daß dieser des Berges Garizim gedenkt). || Tob 8, 7 schließt Tobias sein Gebet: 
Laß mich Gnade finden u. mit ihr alt werden! Darauf folgt Vers 8: Und Sara sprach 
mit ihm: Amen! (Dadurch machte sie sein Gebet zu dem ihrigen.) — Aus „mit ihm** 
wird man schließen dürfen, daß auch Tobias sein Gebet mit Amen geschlossen hat. 
Dieses Schlußamen nach Gebetswor^, das den Wunsch ausdrückt: Es möge also» 
geschehn! findet sich, allerdings nur selten, auch sonst in der altjüdischen Literatur. 
Ta?an 4, 8: Möge das Heiligtum eilends erbaut werden in unsren Tagen, Amen! — 
Derekh Ere^ 10 (20 b): Es möge Gottes Wille sein, mich sehn zu lassen die Freude 
Jerusalems u. ihre Tröstungen, Amen! — Tanch z-v 8^: „Nicht mehr werden sie 
lehren ein jeder seinen Bruder u. ein jeder seinen Nächsten (so wird Jer 31, 33 zitiert), 
sagend: Erkennet Jahve! Denn sie alle werden mich erkennen vom Kleinsten unter 
ihnen bis zum Größten." Und so sei es Gottes Wille u. wir sagen Amen! — Tanch 
-ycs 248*^ heißt es ebenfalls im Anschluß an ein Schriftwort: So sei es Gottes Wille, 
Amen und (nochmals) Amen! — Weitere Beispiele Tanch -'-z Ende, —•^■pi, Ende, --rr 
r:^':; Ende. !| Sch*^bu?oth 4, 3: (Wenn einer sagt:) Ich beschwöre euch! u. sie antworteten 
Amen! so sind sie (zur gerichtlichen Aussage) verpflichtet. || P*^siqR 26 (132''*): In der 
Zukunft (spricht Gott) werde ich dich bauen, s. Ps 147,2: „Jahve bauet Jerusalem, 
die Verstoßenen Israels sammelt er." Amen! Möge Gott in Bälde in unsren Tagen 
den Schriftvers (Jes 35, 10) erfüllen: Die Losgekauften Jahves werden wiederkehren 
u. nach Zion kommen mit Jauchzen. || ?AZ 65": Bar Scheschakh (Name eines persischen 
Großen) sprach zu Raba (f 352): Das Auge, das euer Unglück zu sehn wünscht, möge 
herausfallen! Da antwortete Raba: Amen! || Weiteres bei 1 Kor 14, 16 (auch über die 
Aussprache, über Nichtgebi'auch im Tempel). 

2. Jesus hat von dem Wort „Amen" einen völlig neuen Gebrauch 
gemacht, indem er es zur Bekräftigung seiner eignen Worte ver- 
wendet. In diesem Sinne wird "i-sx, soweit wir sehn können, in der 
rabbin. Literatur nirgends gebraucht. Durch diesen Bedeutungswechsel 
hat Jesus ein Zwiefaches erreicht: er war nicht genötigt, zur Be- 

^ Vgl. Sota 2,5: In bezug worauf spricht sie das zweimalige Amen Nu 5,22? 
Das eine Amen mit Bezug auf den Fluch 5, 21, das andre mit Bezug auf den Schwur 
5, 19. 21. Das eine Amen in betreff dieses Mannes, das andre in betreff eines andren 
Mannes. Das eine Amen: daß ich nicht untreu gehandelt habe als Verlobte u. als Ver- 
heiratete u. als auf die Schwagerehe Wartende u. als in Schwagerehe Geheiratete; u. 
das andre: daß ich nicht verunreinigt bin; sonst möge das alles über mich kommen. 
R. Meir (um 150) sagte: Das eine Amen: daß ich nicht verunreinigt bin, u. das andre: 
daß ich mich nicht verunreinigen werde. — R. Meirs Meinung folgt Targ Jerusch II. — 
Targ Jerusch 1: Amen, wenn ich mich verunreinigt habe als Verlobte; Amen, wenn 
ich mich verunreinigt habe als Verheiratete. 

16* 



244 Matth 5, 18 (31 2. SS 1) 

kräftigung seiner Worte zu den üblichen u. von ihm selbst abgelehnten 
Schwur- u. Versicherungsformeln (s. bei Mt 5, 34) seine Zuflucht zu 
nehmen, u. zweitens gab er durch dies Amen seiner Bekräftigung eine 
Stärke, die sie über ein gewöhnliches „Fürwahr" weit hinaushob. Auch 
unser , wahrlich" wird dem -j^x Jesu nicht gerecht: letzteres will die 
Gewissen der Hörer binden. Das gilt von unserm „wahrlich" nicht. — 
Vgl. noch Dalman, Worte Jesu 1, 185 ff. 

5, 18: Bis daß der Himmel u. die Erde vergehn wird. 
Zum Untergang des Himmels u. der Erde s. bei Offb 21, 1 u. bei Mt 24, 35. 

5, 18 25: Wird auch nicht ein Jota oder ein Strichelchen 
vom Gesetz vergehn. 

Diese Worte sind ein bildlicher Ausdruck zur Bezeichnung des 
ewigen, unvergänglichen Wertes der Tora. Jod ^ ist der kleinste Buch- 
stabe in der sog. Quadratschrift; Strichelchen oder Häkchen ist der 
geringfügigste Schriftbestandteil. 

1. Der unendliche Wert der Tora wird wie in Mt 5, 18 an der 
Unvergänglichkeit eines Jod oder eines Wortes von ihr veranschaulicht. 

pSanh 2, 20"=: Wer hat den Salomo angeklagt (wegen Übertretung von Dt 17, 16 f.)? 
R. J^oschua? b. Levi (um 250) hat gesagt: Das Jod in rr;-'-'. R. Schim?onb. Jochai(um 150) 
hat gelehrt: Das Buch Dt rtn-r ri;^;-: stieg zur Höhe empor, warf sich vor Gott nieder 
u. sprach: Herr der Welt, du hast in deiner Tora geschrieben: Jedes Testament, von 
dem ein Teil ungültig geworden ist, ist ganz ungültig! Und siehe, Salomo sucht ein 
Jod von mir zu vernichten. (Während es nämlich Dt 17, 16 f. vom König heißt: s^ 
"3-^-, er halte sich nicht viele Weiber usw., sagt Salomo ns-s ■^h, ich werde mir viele 
halten.) Da antwortete Gott: Salomo u. tausend seinesgleichen werden vergehn, aber 
ein Wort von dir wird nicht vergehn. — Parallelstellen: LvR 19 (118'^); Midr HL 5, 11 
{119^); Aggad B^resch 75 § 2 (51^): Ein Jod von dir wird in Ewigkeit nicht vergehn. 
Tanch nisi 68''; TanchB sisi § 2 (9''): Ein Buchstabe von dir wird m Ewigkeit nicht 
vergehn. ExR 6 (72''): Ein Strichelchen von dir (Häkchen am Jod) wird Salomo nicht 
beseitigen. i| Midr HL 5,11 (119''): R. Alexandrai b. i"'-n (?, ed. Soncino 1517 i-ian ^a ; 
LvR 19 "N;n -z) u. R. Alexandrai, der Vorbeter (wann?) hat gesagt: Auch wenn alle, 
die in die Welt kommen, sich zusammentäten, um einen Flügel vom Raben weiß zu 
machen, so würden sie dazu nicht imstande sein. Ebenso wenn alle, die in die Welt 
kommen, sich zusammentäten, um ein Jod, das der kleinste unter den Buchstaben 
•der Tora ist, auszureißen, so würden sie dazu nicht imstande sein. (Es folgt dann 
die Klage über Salomo wie in pSanh.) — Die Parallelstelle LvR 19 (118'') spricht 
nicht speziell vom Buchstaben Jod, sondern allgemein von einem „Wort", das nicht 
aus der Tora gerissen werden kann. 

Andre Stellen für den -unvergleichlichen Wert der Tora. 

pPea 1, 15"^, 40: R. Refeklija (um 340) u. R. Chijja aus K'phar Techumini (im 
3. Jahrb.). Der eine hat gesagt: Selbst die ganze Welt kommt an Wert nicht gleich 
auch nur einem einzigen Wort aus der Tora. Der andre hat gesagt: Alle Gebots- 
erfüllungen, die es in der Tora gibt, kommen an Wert nicht einem einzigen Wort 
aus der Tora gleich. R. Tanchuma (um 380) u. R. Jose b. Zimra ' (um 220). Der eine 
hat gesagt wie der eine von ihnen (den zuvorgenannten Lehrern), u. der andre hat 

^ Das Verhältnis der beiden Autoren zueinander ist wohl so zu denken, daß der 
erstere als der Tx'adent des letzteren seinen eigenen Ausspruch dem des andren 
gegenüberstellen will. 



Matth 5, 18 (SB 1) 245 

gesagt wie der andre von ihnen. R. Abba, der Vater des R. Äbba Mari (um 350; 
streiche „bar" vor Mari) hat im Namen des R. Acha (um 320) gesagt: Eine Schrift- 
stelle lautet, Spr 8, 11: „Alle Kleindde kommen ihr (der Weisheit = Tora) nicht 
gleich"; eine andre lautet, Spr 3, 15: „AU deine Kleinode kommen ihr nicht gleich." 
„Kleinode", das sind Edelsteine u. Perlen. „Deine Kleinode", das sind die Worte der 
Tora (die du gelernt hast), vgl. Jer 9, 23: „Denn an diesen habe ich Wohlgefallen, 
ist Jahves Spruch." (Der König) Artaban schickte unsrem heiligen Lehrer^ eine 
kostbare Perle von unschätzbarem Werte u. ließ ihm sagen: Schicke mir etwas Kost- 
bares, was jener gleichkommt. Er sandte ihm eine Türpfostenkapsel (M'zuza). Der 
König sagte: Was ich dir gesandt habe, ist etwas, wofür es keinen Preis gibt (was 
unbezahlbar ist); und du hast mir etwas gesandt, was einen PuUar (^cpo'AlaQioy, eine 
kleine Münze) kostet. Er antwortete ihm: Deine Kleinode u. meine Kleinode gleichen 
nicht einander; u. nicht bloß dies, sondern auch was du mir gesandt hast, ist etwas, 
was ich hüten muß; aber ich habe dir etwas gesandt, was, wenn du schläfst, dich 
hütet, vgl. Spr 6, 22: „Bei deinem Gehen wird sie (die Tora) dich leiten, bei deinem 
Liegen über dich Wache halten" usw. 1| Midr HL 8, 7 (131 b): Es heißt: „Wenn ein 
Mann den ganzen Reichtum seines Hauses für die Liebe hingäbe"; wenn alle Völker 
der Welt alle ihre Schätze auftun würden, um ihr Geld hinzugeben für Ein Wort 
aus der Tora, sie würden dadurch in Ewigkeit keine Sühnung«erlangen. I! ExR 3 (69*^): 
Was bedeutet: „alles Begehren deiner Augen" 1 Kg 20, 6? Damit ist etwas gemeint, 
was das Kleinod unter den Kleinoden ist, das ist die Tora, vgl. Ps 19,11: Sie ist 
begehrenswerter als Gold' u. viel feines Gold. 

Die ewige Dauer u. Gültigkeit der Tora betonen schon die 
Apokryphen. 

Bar 4, 1: Dies'ist das Buch der Gebote Gottes und das Gesetz, das in Ewigkeit 
bleibt o röjxog (niir) o vncio/Mi' sig rof eci'ujya. — Weish 18,4: Durch welche (näm- 
lich die Israeliten) das unvergängliche Licht des Gesetzes ro uq^i^uQxoi' rö/uov cpwg 
der Welt gegeben werden sollte. |i Pseudepigraphen: Apoc Bar 48, 47: Dein Gesetz, das 
sie übertreten haben, straft sie an deinem Tage. (Noch am jüngsten Tage beim End- 
gericht gilt das Gesetz.) 77, 15: Wenn wir (die Führer u. Lehrer Israels) auch fort- 
gehen (sterben), so bleibt doch das Gesetz bestehen. 4 Esra 9, 37 : Das Gesetz geht 
nicht unter non periit, sondern bleibt in seiner Herrlichkeit permansit in suo lionore. 

Das rabbin. Schrifttum setzt die ewige Gültigkeit der Tora als 
selbstverständlich überall voraus; deshalb wird nur gelegentlich davon 
gesprochen, s. zB pSanh 2, 20% 39 nebst Parallelen (oben S. 244). 

ExR 33 (94"): Es heißt Dt 33, 4: „Tora hat uns Mose befohlen, ein Besitztum 
der Gemeinde Jakobs"; lies nicht (deute nicht): nr-r: „Besitztum", sondern "•in^'^ 
„Erbbesitz"; ein Erbbesitz ist sie (die Tora) für Israel in Ewigkeit (u. Erbbesitz kehrt 
immer wieder zur Familie zurück, während ein gewöhnliches Besitztum dauernd ver- 
loren gehn kann). — Wie oben in Apoc Bar 48, 47, so gilt auch für die rabbin. Ge- 
lehrten die Tora als einziger Maßstab, den Gott im jüngsten Gericht seinem Urteil 
zugrunde legen wird. Mindestens also bis zum jüngsten Tage wird die Tora Gültig- 
keit haben. ?AZ 2^ sagt R. Chanina b. Papa (um 800), nach andren R. Simlai (um 250): 
Dereinst wird Gott das Torabuch in seinem Busen herbeibringen u. sagen: Wer sich 
mit der Tora beschäftigt hat, der komme u. empfange seinen Lohn. — Dieser Satz 
auch TanchB -3-atj § 14 (16"^); vgl. Midr Qoh 1, 9 (9''). ü Joma 35 "^ Bar: Der Arme u. 
der Reiche u. der Gottlose kommen ins Gericht (des jüngsten Tages). Zum Armen 
wird man sagen: Warum hast du dich nicht mit der Tora beschäftigt? — Dieselbe 
Frage wird dann auch an die Reichen u. Gottlosen gerichtet; s. die ganze Stelle im 
Exkurs: Gerichtsgemälde aus der altjüd. Literatur. — Aber auch mit dem jüngsten 

1 Damit wäre J^'huda der Fürst (Einl. 133) gemeint. Mit Graetz, Gesch. d. Juden* 
4, 281 wird „Rab" (f 247) zu lesen sein. 



246 Matth 5, 18 (33 1) 

Gericht bat die Herrschaft der Tora kein Ende: sie wird den Lebensinhalt der Seligen 
noch in der Zeit der Endvollendung im Gan fEden bilden. Die Gerechten eilen dann 
von einer Studienhalle in die andre, u. Gott selbst weilt als Lehrer der Tora in ihrer 
Mitte, s. Exkurs: ,Sch*'ol, Gehinnom u. Gan fEden" III, 4, 1. m. — Im letzten Grunde 
ist die ewige Dauer der Tora nur die Folge ihrer himmlischen Präexistenz ; s. bei 
Job 1, 1—4 Nr. 1. 

Zu beachten ist, daß man eine ewige Dauer u. Gültigkeit nur der 
eigentlichen Tora, d. h. dem Pentateuch, aber nicht den übrigen Be- 
standteilen der im weiteren Sinn „Tora" genannten Schrift beigelegt hat. 

pM'^g 1, 70 *J, 51 : R. Jochanan (f 279) u. R. Schim?on b. Laqisch (um 250). R. Jochanan 
hat gesagt: Die Propheten u. Hagiographen (nebiiim u. k'-'thubim) werden dereinst (in 
der messian. Endvollendung) aufhören (ihre Gültigkeit verlieren); aber die fünf Bücher 
der Tora werden nicht aufhören. Was ist der Schriftgrund"? Vgl. Dt 5, 19: Diese Worte 
redete Jahve . . . mit lauter Stimme, u. sie hört nicht auf (so der Midr). R. Schim?on 
b. Laqisch hat gesagt: Auch die Estherrolle u. die Halakhoth (die einzelnen Sätze <ies 
geltenden Rechts) werden nicht aufhören. Es heißt hier, Dt 5, 19: , Mit lauter Stimme, 
u. sie hört nicht auf r|0-" sV-!, u. es heißt dort, Esth 9, 28: „Und ihr Gedächtnis soll 
nicht aufhören mc"' ah aus ihrer Nachkommenschaft." Und betreffs der Halakhoth 
heißt es Hab 3, 6: , Ewige Halakhoth hat er" (so der Midr). — Genaueres zu den 
letzten Worten s. M*^g 28'^ Bar aus der Schule des Elias (des Propheten): . . . „Ewige 
r\-:hr. hat er", Hab 8, 6; lies nicht mr-'rn (Gänge, Wege), sondern n^^n (Halakhoth). — 
Vielleicht liegt diesen Aussprüchen ein ähnlicher Gedanke zugrunde, wie der N'^d 22'^ 
R. Ad(d)a b. Chanina (Chonja, im 4. Jahrh.) hat gesagt: Wenn die Israeliten nicht ge- 
sündigt hätten, so wären ihnen nur die fünf Teile der Tora u. das Buch Josua gegeben 
worden, weil dieses die Schätzung (Verteilung) des Landes Israel (an die Stämme) 
enthält. Was ist der Schriftgrund? Qoh 1, 18: „In der Fülle der Weisheit ist Fülle 
des Zorns." — Die Parallelstelle Midr Qoh 1, 13(10'') stark abweichend. — Wenn 
hiernach die prophetischen Schriften u. die Hagiographen nur um der Sünde Is?^els 
willen zur Tora hinzugekommen sind, so liegt für ihre weitere Geltung in der messian. 
Vollendungszeit kein Grund mehr vor, da in den Tagen des Messias die Sünde ganz 
beseitigt oder doch zur Ohnmacht verurteilt sein wird. Dieser Gedanke an das Hin- 
schwinden der Sünde ist ohne Zweifel auch die Veranlassung zu der weitergehenden 
Meinung gewesen, daß in der messian. Periode selbst große Teile der eigentlichen 
Tora aufhören würden. P'^siq79a: R. Pin^cbas (um 360) u.R. Levi (um 300) u.R. Jochanan 
(t 279) haben im Namen des R. M*^nachem aus Gallaja' (eines Tannaiten ungewisser 
Zeit) gesagt: In der Zukunft (= in den Tagen des Messias) werden alle Opfer auf- 
hören, aber das Opfer des Dankes wird in Ewigkeit nicht aufhören; u. ebenso werden 
alle Bekenntnisse aufhören, aber das Bekenntnis des Dankes wird in Ewigkeit nicht 
aufhören. Das meint Jer 83, 11: („Wiederum wird man hören) den Schall des Jubels 
u. den der Freude, den Schall des Bräutigams u. den der Braut, den Ruf derer, die 
da sagen: Danket Jahve ^'A'baoth, denn freundlich ist Jahve, denn auf ewig währt 
seine Gnade, derer, die ein Dankopfer in das Haus Jahves bringen." „Danket Jahve", 
damit sind die Bekenntnisse des Dankes (Danklieder) gemeint; „die ein Dankopfer 
bringen", das bezieht sich auf das (eigentliche) Dankopfer. Ebenso hat David gesagt 
Ps 56, 13: „Mir liegen ob, o Gott, deine (d. h. die dir gelobten) Gelübde, bezahlen 
will ich dir Dankespfiichten"; es heißt nicht --ir (eine Dankespflicht, Sing.), sondern 
mir (Plur.); damit ist gemeint das Dankbekenntnis u. das (eigentliche) Dankopfer. — 
Parallelstellen: LvR 9 (111^): 27 (126 1'); Tanch ^i^is 176»; Tanch B ^i«s § 19 (48 b); 
Midr Ps 56 § 4 (148^); 100 § 4 (213'^); vgl. das. 50 § 3 (140b), wo ausgeführt wird, 
daß das Dankopfer das einzige Opfer ist, das nicht durch die Sünde veranlaßt wird. || 
P''s50^: „Es wird geschehen an jenem Tage, nicht wird es hell sein, -jisr'p^ nip-" 



Über die palästinische Ortschaft s^V; vgl. Winer, Bibl. Realwörtb. 1, 388 „Gallim" 



Matth 5, 18 (SB 1. 2) 247 

(Sacli 14,6, so das K^thib). Was bedeutet -iiss'p^ riip-? R, Jochanan (f 279) hat ge- 
sagt: Damit sind die Traktate über , Aussatzschäden " u. „Bezeltungen" (Verunreinigung 
durch Leichen) gemeint, die wichtig i'ip" sind in dieser Welt u. wertlos """isp (wört- 
lich , obenauf schwimmend") in der zukünftigen Welt (= in den Tagen des Messias, 
da es dann weder Aussatz noch Leichen geben wird). |1 NiddaÖlb; Aus einem Ge- 
wand mit Mischgewebe darf man Sterbekleider für einen Toten machen. Rab Joseph 
(t 383) hat gesagt: Das besagt, daß die Gebote (betr. Mischgewebe) in der Zukunft 
(= Messiaszeit) aufhören werden. — Die Meinung des Rab Joseph ruht auf dem Satz, 
daß Gott die Toten in denselben Gewändern auferwecken werde, in denen sie einst 
begraben wurden. Wenn also die obige Bar Sterbekleider mit Mischgewebe für 
erlaubt erklärt, so folgt daraus, daß ihre Vertreter das Tragen von Gewändern 
aus Mischg. nach der Auferstehung unmöglich für verboten gehalten haben; positiv 
ausgedrückt: in der Zukunft müssen die Vorschriften über die Mischgewebestoffe auf- 
gehoben sein. II Vgl. auch Midr Qoh 12, 1 (53^): R. Chijja b. N^'chemja (im 4. Jahrh.) 
sagte: {,Die Jahre, davon du sagst: Ich habe kein Begehr in ihnen," so deutet der 
Midr), das sind die Tage des Messias, in denen es weder ein Verdienst noch eine 
Schuld gibt. — In den Tagen des Messias ist der böse Trieb u. die Sünde beseitigt; 
es wird also dann keine Übertretung u. keine Schuld mehr geben. Tatsächlich werden 
so die Verbote der Tora praktisch gegenstandslos sein; sie bieten aber damit auch 
dem Israeliten keine Gelegenheit mehr, sich durch ihre gewissenhafte Beobachtung 
vor Gott ein Verdienst zu erwerben. — Diese Stellen zeigen, wie man sich in be- 
stimmten Kreisen mit dem Gedanken vertraut gemacht hat, daß in der messian. Voll- 
endungszeit große Teile der Tora tatsächlich ohne praktische Bedeutung sein würden. 
Aber das alles berührt doch die eigentliche Geltung der Tora nicht. Diese bleibt die 
alte, auch wenn die veränderten Zeitverhältnisse es mit sich bringen werden, daß 
einzelne Teile der Tora keine Anwendung finden können. 

2. Das Jod ■i als kleinster Buchstabe der (Quadrat-)Schrift. 

Midr HL 5, 1 1 (1 19b) s. oben S. 244/. — GnR 47 (29 ^■) : R. Schimf on b. Jochai (um 150) 
hat gesagt: Das Jod, Avelches Gott aus dem Namen Sarai nahm (vgl. Gn 17, 15), flog 
eilends vor den Thron Gottes u. sprach: Herr der Welten, weil ich der kleinste unter • 
den Buchstaben bin, hast du mich weggenommen von der gerechten Sara! Gott ant- 
wortete: Vordem bist du in dem Namen einer Frau gewesen, u. zwar am Ende der 
Buchstaben, "^r; jetzt werde ich dich in den Namen eines Mannes setzen, u. zwar 
als ersten der Buchstaben, vgl. Nu 13, 16: „Mose nannte den Hoschea?, Sohn des 
Nun: J-^hoschuaf." — In den Parallelstellen LvR 19 (118<=); Midr HL 5, 11 (119b) u. 
pSanh 2, 20*^, 45 fehlt die Bemerkung über die Kleinheit des Jod; ferner nennen die 
beiden ersten Stellen den R. J%oschua? b. Qarcha (um 150) u. die letzte den R. Hoscha?ja 
als Autor. Bezug genommen wird auf vorstehende Legende von R. Dos*^thai aus Biri, 
im 4. Jahrh. Sanh 107». || M^n 29b: (Jes 26, 4: Jn Jah, Jahve ist ein Fels der Ewig- 
keiten" ü'nhty -'•lu '■'"' s^s wird vom Midr gedeutet: Durch die Buchstaben Jod-He 
ist Jahve der Bildner der Welten.) R. J'liuda b. El?ai (um 150) hat gesagt: n'3 be- 
zieht sich auf die beiden Welten, die Gott geschaffen hat, die eine durch He u. die 
andre durch Jod. Ich weiß aber nicht, ob er die zukünftige Welt (hier = himmlische 
Welt der Seelen, Äon zwischen Tod u. Auferstehung) durch Jod u. diese Welt durch 
He, oder ob er diese Welt durch Jod u. die zukünftige Welt durch He geschaffen hat. 
Da die Schrift nun aber sagt Gn 2, 4: „Dies ist die Geschichte des Himmels u. der 
Erde =si3Tia", so -lies nicht os-^sn^ (= da sie geschaffen wurden), sondern' as'^a t:^ 
= durch He schuf er sie (also ist diese Welt [Himmel u. Erde] durch He erschaffen 
worden). Und warum ist diese Welt durch He erschaffen worden? Weil sie einer 
Vorhalle gleicht (in der sich der Mensch für die zukünftige Welt vorbereiten soll); 
denn wer hinausgehn will, der kann hinausgehn. Und warum schwebt sein Schenkel 
(warum reicht der linke Schenkel des r. nicht wie sein rechter bis oben an das Dach ;;)? 
Weil, wenn der Mensch in Buße umkehrt, man ihn (durch die Öffnung oberhalb des 



248 Matth 5, 18 (SB 2. 3) 

schwebenden linken Schenkels) wiedereintreten läßt. Man könnte ihn ja durch die 
Öffnung unten eintreten lassen! Das würde nichts helfen (denn zur wirklichen Be- 
kehrung bedarf er eines Beistandes von oben; daher die Öffnung oberhalb des 
linken Schenkels). Es ist so wie Resch Laqisch (um 250) gesagt hat; denn dieser 
hat gesagt: Was bedeutet: „Wie Gott der Spötter spottet, so gibt er den Demütigen 
Gnade" Spr 3, 34? Will einer sich reinigen, so leistet man (= Gott) ihm Beistand; 
will einer sich verunreinigen, so öffnet man ihm (gibt ihm dazu Gelegenheit). Und 
warum hat das n ein Krönchen s:sr; (ein Häkchen links an seinem Dach)? Gott sägt: 
Wenn einer in Buße umkehrt, knüpfe ich ihm eine Krone (1. ^rs statt "lap). Und 
warum wurde die zukünftige Welt durch das (winzige) Jod erschaffen?- Weil der Ge- 
rechten darin wenige sind. Und warum ist der Kopf des ' gekrümmt (zusammen- 
gezogen, gebeugt)? Weil die Köpfe der Gerechten darin gebeugt sind wegen ihrer 
Werke, denn- sie gleichen nicht einer dem andren. (Die Herrlichkeit der Gerechten 
in der zukünftigen Welt ist verschieden; darum gehen die minder Ausgezeichneten 
vor Scham mit gebeugtem Kopf einher; e. hierzu Exkurs: Sch*^ol, Gehinnom- u. Gan 
fEden III, 3, u.) ■— Ähnliches pChag 2, 77^45 von R. Jochanan (t 279); nur kennt 
dieser keine himmlische Welt der Seelen, er versteht also unter der „zukünftigen 
Welt" die eschatologische zukünftige Welt, die mit der Auferstehung der Toten be- 
ginnt (s. Exkurs: Sch'ol usw. I, 4). Nachdem R. Jochanan .genau wie R. J'^huda zu- 
nächst aus Gn 2, 4 erwiesen hat, daß diese Welt durch He, die zukünftige Welt durch 
Jod erschaffen sei, heißt es dann weiter: Wie das n unten geöffnet ist, so deutet es 
damit allen, die in die Welt kommen, an, daß sie in die Sch^ol hinabfahren werden. 
(Die Seh. ist nach R. Jochanan der Aufenthaltsort aller Toten während des Zwischen- 
zustandes.) Wie das n oben einen Punkt nn:ip: hat (gemeint ist das Häkchen oder 
Krönchen am linken Ende des Daches), so deutet es damit an: nachdem sie hinab- 
gefahren, werden sie (zur Zeit der Auferstehung) wieder emporsteigen. Wie das n 
auf allen Seiten geöffnet ist, so ist allen Bußfertigen die Tür aufgetan. Wie das - 
gebeugt ist, so werden alle, die in die Welt kommen, gebeugt sein (nach der Auf- 
erstehung am Tage des Weltgerichts) u. „alle Angesichter werden sich zur Blässe 
wandeln" Jer 30,-6. — Parallelstellen: P'\siqR 21 (109»); R. El?azar (um 270) als Autor: 
•GnR 12 (9'^) u. Midr Ps 114 § 3 (236 »). Deutlich ist überall mit der zukünftigen Welt 
der mit der Auferstehung anhebende Aon gemeint. 

3. xegaia bezeichnet ein Häkchen, Krönchen, Strichelchen, das 
einzelne Buchstaben des hebräischen Alphabets als Zierat haben. Das 
Rabbinische hat dafür die Bezeichnungen nriip oder y-.p = Dorn, N:n 
oder nrs = Krone; auch ri'i^p: = Punkt, 

M«n 29'*: Raba (sa^ f 352) hat gesagt: Sieben Buchstaben bedürfen des Setzens 
von drei Krönchen (T'Jn^T): ]'"itix:yv. || M'n 29'': Rab J^huda (f 299) hat gesagt, Rab 
(t 247) habe gesagt: Als Mose (bei der Gesetzgebung) zur Höhe emporstieg, traf er 
Gott, wie er dasaß u. Krönchen n^-rs an den Buchstaben (der Tora) anbrachte. Er 
sprach zu ihm: Herr der Welt, wer kann dich denn hindern (die Tora auch ohne jene 
Buchstabenverzierungen zu geben)? Gott antwortete: Es wird einen Menschen ^geben, 
der nach vielen Geschlechtern leben wird, ?Aqiba b. Joseph wird sein Name sein; der 
wird über jedes einzelne Häkchen ynpi y-p 5= ^" ganze Haufen von Halakhoth (Ge- 
setzesbestimmungen) auf Grund seiner Forschungen vortragen. || M*''n29'': Weshalb hat 
das n (links am Dach) ein Krönchen s;sp? Gott hat gesagt: Wenn der Mensch in 
Buße umkehrt, knüpfe ich ihm eine Krone (s. die ganze Stelle S. 247f.). 1| Schab 104'': 
(Im hebr. Alphabet folgt der Buchstabe -^ auf p ; sie stehen also so nebeneinander i"p.) 
Qoph p, das ist der Heilige wnp (= Gott); Resch --, das ist der Frevler ?tD^. Warum 
wendet sich das Gesicht des p (der Dachbogen rechts) vom ^ ab? Gott spricht: Ich 
kann den Frevler nicht ansehn. Und warum wendet sich das Krönchen sjr des p dem 
^ zu? Gott spricht: Wenn er in sich geht, knüpfe ich ihm eine Krone ir2, die der 
meinigen gleicht. H M^^n 3, 7 : Die beiden Abschnitte in der M'zuza (Türpfostenkapsel) 



Matth 5, 18 (SB 3). 5, 19 (31. 33) 249 

hemmen einander, ja selbst Ein Buchstabe hemmt sie (d. h. wenn ein Abschnitt oder 
auch nur Ein Buchstabe fehlt oder falsch geschrieben ist, so wird dadurch die ganze 
M. für den Gebrauch untauglich). Dazu iVPn 29^: Das ist selbstverständlich. Rab J^'huda 
(t 299) hat gesagt, Rab (f 247) habe gesagt: Dazu bedurfte es nur des (fehlenden) 
Strichelchens am Jod -t' hv luip. || ExR 6 (72''): Gott sprach zum Jod (das sich über 
Salomo beschwerte, s. S. 244): Salomo u. tausend seinesgleichen werden vergehn, aber 
ein Strichelchen von dir -aa n::ip wird nicht vergehn. || Als Beleg zu n-ip; = Punkt 
s. pChag2, 77S45 S. 248. 

Die das n vom -i, das n vom n, das :z vom = unterscheidenden Merk- 
male gehören, obgleich man es öfters lesen kann (auch bei Schöttgen 
zu 5,18) nicht zu den xagaiai. 

5,19 5t: Eins dieser geringsten Gebote. 

Zur Unterscheidung -zwischen geringen u. wichtigen Geboten s. bei 
Mt 22, 36. Hier folgen etliche Stellen, die zur Achtsamkeit den geringen 
Geboten gegenüber mahnen. 

Aboth 2, 1: Rabbi sagte: Sei vorsichtig beim geringen Gebot, wie bei einem wich- 
tigen; denn du kennst den Lobn für die Gebote nicht. || 4, 2: Ben ?Azzai (um 110) 
sagte: Sei schnell, ein geringes Gebot zu erfüllen, u. fliehe vor der Übertretung. Denn 
eine Gebotserfüllung zieht eine andre nach sich, u. eine Übertretung zieht eine andre 
nach sich; denn der Lohn einer Gebotserfüllung ist eine (weitere) G., u. der Lohn einer 
Übertretung ist eine (weitere) ü. || Aboth R. Nathan 2 : Die Gelehrten haben gesagt: Laufe 
nach einem geringen Gebot, damit es dich zu einem wichtigen (großen) Gebot führe. j| 
pQid 1, 61 '', 58: R. Abba b. Kahana (um 310) hat gesagt: Die Schrift hat das geringste 
unter den Geboten r-^'i-,zv nVp ni::« dem schwersten (wichtigsten) Gebot n--)3n m-.;»: 
n-nisnn p gleichgestellt. Das geringste Gebot ist das betreffs des Loslassens der Vogel- 
mutter, Dt 22, 6 f., u. das schwerste ist das betreffs der Ehrerbietung gegen die Eltern Ex 
20, 12; u. bei beiden steht (der gleiche Lohn) geschrieben: „Damit du lange lebest." 

5, 19: Wer sie aber tut u. lehrt. 
Über Theorie u. Praxis, Torastudium u. Toraübung s. bei Rom 2, 13. 

5, 19$B: Der wird ein Geringster im Himmelreich genannt 
werden; . . . wird ein Großer heißen. 
Über Rangstufen unter den Seligen s. den Exkurs: Sch'^ol usw. HI. 
3, m — u; ferner bei Mt 18, 4. 

P'^siqR Anhang 8 (198'^): (R. Sch^'muel b. Nachman, um 260, hat im Namen des 
R.Jonathan, um 220, gesagt:) Es heißt Hi 3, 19: „Kleine u. Große sind dort." Weiß 
denn das nicht jedermann, daß dort Kleine u. Große sind? Es will dich lehren, daß 
in dieser Welt nicht erkannt wird, wer klein u. wer groß ist (aber in der zukünftigen 
Welt wird es erkannt). — Midr Ruth zu 1, 17 (128^) mit R. Simon, um 280, als Autor 
lautet die Ausführung: In dieser Welt kann, wer klein ist, groß werden, u. wer groß 
ist, kann klein werden; aber in der Zukunft (= in der zukünftigen Welt) kann, wer 
klein ist, nicht groß werden, u. wer groß ist, kann nicht klein werden. || GnR 81 (51 '^) : 
Ben f Azzai (um 110) sagte: Wenn du dich wegen der Worte der Tora selbst zum Toren 
machst, wirst du schließlich durch sie erhöht werden. — Ausführlicher, aber mit 
andrer Tendenz Aboth R.Nathan 11; hier ist zu ergänzen: „Ben ? Azzai sprach zu 
R. ?Aqiba usw." — Nach ßerakh 63 "^ ist R. Sch*"muel b. Nachman, um 260, Autor. || 
BM85t>: R. Jirm^ja (um 320) hat zu R. Z'^fira (um 800) gesagt: Was heißt: Kleine u. 
Große sind dort, u. der Sklave ist frei von seinem Herrn Hi8, 19? Wissen wir denn 
nicht, daß Kleine u. Große dort sind? Allein die Worte sind so gemeint: Wer sich 
selbst wegen der Worte der Tora in dieser Welt klein macht, wird in der zukünftigen 



250 Matth 5, 19 (SB). 5, 20 (2t) 

Welt groß sein; u. wer sich wegen der Worte der Tora in dieser Welt gleichsam zu einem 
Sklaven macht, wird frei sein in der zuk.Welt. ~ Nach Bacher, pal. Amor. 3, 31 ist 
diese Deutung von R. Z^fira. || P^s 50=': Was heißt Sach 14, 6 -iss-p- r:->p-? R. J'^hoschuaf 
b. Levi (um 2-i)0) hat gesagt: Das sind die Menschenkinder, die geehrt sind in dieser 
Welt, aber gering geachtet in der zukünftigen. Dem entspricht, was sein Sohn R. Joseph 
gesehen hat, als er krank in Fieberträumen dalag. Als er wieder zu sich kam, sprach 
sein Vater: Was hast du gesehen? Er antwortete: Eine umgekehrte Welt habe ich 
gesehen, die Oberen zu unterst u. die Unteren zu oberst. Er sprach zu ihm: Mein Kind, 
eine wahre Welt hast du gesehen. Und wie werden wir dort sein? (Er antwortete:) 
Wie wir hier sind, so werden wir auch dort sein. Ferner habe ich gehört, wie man 
sagte: Wohl dem, der hierher kommt u. sein Erlerntes in der Hand (jederzeit zur Ver- 
fügung) hat. Ferner habe ich gehört, wie man sagte: In dem Abteil der Märtyrer 
(wörtlich: der von der heidnischen Regierung Getöteten) kann kein Mensch stehn 
(d. h. die Märtyrer nehmen die höchste Rangstufe im Jenseits ein, in ihren Kreis darf 
kein andrer eintreten). — Die Vision des R. Joseph auch BB 10*^; in Midr Ruth zu 
1, 17(128'^) ist der Visionär R. Meascha, ein Enkel des R. J'^hoschua? b. Levi. 

5, 20 31: Wenn eure Gerechtigkeit nicht erheblich mehr 
wird als die der Schriftgelehrten u. Pharisäer. 

ygafii^LaTsTQ^ Schriftgelehrte = n-i-.^io, s. bei 2,4. 1| ^agioaioi = ai^^ii?, 
Sing, dne, s. den Exkurs „Pharisäer u. Sadduzäer". 

Zu den Schriftgelehrten gehörten nicht nur Pharisäer, sondern auch 
Sadduzäer; erst als mit dem Untergang des jüd. Staatswesens i. J. 70 
n. Chr. die Partei der Sadduzäer aus der inneren Geschichte des Juden- 
tums verschwand, nahm auch die sadduzäische Schriftgelehrsamkeit 
ein Ende. — Die Partei der Ph. umfaßte nicht bloß Schriftgelehrte, 
sondern in noch weit höherem Maße auch Laien, nämlich alle, die 
bereit waren, ihr Leben nach den religionsgesetzl. Anschauungen u. 
Anordnungen der pharis. Schriftgelehrten zu führen. — Wenn hier die 
Schriftgelehrten u. Ph. nebeneinander genannt werden, so haben wir 
bei jenen in erster Linie an die Männer der Theorie zu denken, die die 
pharis. Lehrmeinungen schulmäßig ausbildeten u. begründeten. Unter 
den Ph. aber werden wir besonders die Vertreter der Praxis zu ver- 
stehn haben, die das tägliche Leben in Handel u. Wandel nach den 
Satzungen der Schriftgelehrten zu gestalten u. zu regeln sich bemühten. 

vii(X)v ri dixaioGvvrj nXsTov xm' ygafißaracov xccl (P., abgekürzte Ver- 
gleichung mit Auslassung von ^;. — Die Gerechtigkeit der Schrift- 
gelehrten u. Ph. wird von Paulus, also demjenigen Apostel, der ver- 
möge seines Bildungsganges einen genauen Einblick in die pharis. 
Schulmeinungen gewonnen hatte, charakterisiert als eine Sixawffvvt] ix 
Tov vöfxov oder als eine d\ s^ egycov röjjiov, d. h. als eine Gerechtigkeit, 
die aus dem Gesetz u. seinen Werken erwächst, s. Rom 10, 5; Gal 3, 21; 
Phil 3, 9; Rom 3, 20; Gal 2, 16. Diese Charakterisierung finden wir auch 
außerhalb des NTs. Test Dan 6 : Stehet ab von jeder Ungerechtigkeit 
u. hangt der Gerechtigkeit des Gesetzes Gottes an xoXlvj&rjTs zf^ dixaio- 
Gvvrj TOV v6f.iov TOV ^€ov. — Apoc Bar 67,6: Der balsamische Weih- 
rauchduft der Gerechtigkeit aus dem Gesetz iustitiae ex lege ist aus 



Matth 5, 20 (31) 251 

Zion getilgt. — Auch hier bezeichnet die Sixaioaiivt] tov vo/xov, bezw. 
«die iustitia ex lege die Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt. Aber 
aus allem dem erfahren wir nichts Näheres darüber, wie denn nun 
■eigenthch nach der Meinung der alten Synagoge des Israeliten Ge- 
rechtigkeit aus dem Gesetz u. seinen Werken hervorgeht. Darüber 
belehrt uns erst die rabbin. Literatur. Die Sache verhält sich so. Jede 
'Gebotserfüllung iriiäp ^ schließt als ein Akt des Gehorsams gegen den 
/göttlichen Gesetzgeber ein Verdienst r^isj (Plur. ri'^zT) des Israeliten vor 
•Gott in sich, ebenso wie jede Gesetzesübertretung n-i^s eine Schuld 
nnin vor Gott nach sich zieht. Von den Gebotserfüllungen abgesehen 
werden Verdienste vor Gott weiter erworben durch Almosen, Fasten 
lu. besondere Liebeswerke, nicht zuletzt durch das Torastudium. Das 
Verhältnis, in welchem die Verdienste des Menschen nach Zahl u. 
innerm Wert zu seinen Übertretungsschulden stehen, stellt den je- 
weiligen rechtl. Stand des Menschen vor Gott dar: überwiegen die 
Verdienste, so wird der Mensch von Gott als ein Gerechter p-'nrs an- 
gesehen; überwiegen seine Übertretungsschulden, so gilt er als ein 
Frevler rd'n. — Hierbei ist die wichtige Frage noch nicht berührt, von 
•deren Beantwortung die ganze Verdiensttheorie abhängt, die Frage: 
was ist als Gebotserfüllung u. was ist als Gebotsübertretung anzusehn? 
Eine Gesetzesübertretung läßt sich nur an der Hand des Wortlautes 
■des Gesetzes feststellen; eine Handlung, auf die der Wortlaut eines 
'Gesetzes nicht zutrifft, kann nicht als Übertretung dieses Gesetzes hin- 
gestellt werden. Demgemäß haben auch die rabbin. Gelehrten für eine 
Gesetzesübertretung nur diejenige Handlung angesehen, die entweder 
dem Buchstaben einer Gesetzesbestimmung nicht voll entsprach oder 
ihm geradezu widersprach. Liegt aber darin nicht zugleich die An- 
erkennung beschlossen, daß nun auch umgekehrt jede buchstäbliche 
Erfüllung eines Gebotes als eine volle, dem Gesetz Genüge tuende an- 
zusehn sei? Die alte S3'^nagoge hat diese Frage bejaht. Gewiß können 
auch nach ihrer Meinung subjektive Momente den Wert einer Gebots- 
erfüllung erhöhen. Hat jemand zB ein Verbot beobachtet unter schwerem 
innerem Kampf gegen den eignen bösen Trieb; oder hat ein andrer 
keine Kosten gescheut, um die Ausführung eines Gebotes so schön zu 
gestalten, wie es nur in seinen Kräften stand; oder hat ein dritter 
einer Gesetzesbestimmung nicht aus Furcht vor Gott, sondern aus 
Liebe zu Gott genügt: so sind das alles Gründe, die der Gebotserfüllung 
•einen besonderen Wert verleihen; aber es sind doch immer nur Ak- 
zidenzien; fehlten sie, so würde auch ohne sie eine vollgültige Gebots- 
•erfüilung vorliegen, falls nur dem Buchstaben des Gebotes genügt war. 
Erst die Anerkennung dieses Grundsatzes, daß die buchstäbliche Er- 
füllung eines Gebotes als eine vollgültige u. verdienstliche Gebots- 



: bedeutet im Rabbinischen nicht bloß „Gebot", sondern auch „GebotserfüUung". 



252 Matth 5, 20 (31. SB) 

erfüllung anzusehen sei, hat die Verdienstlehre der alten Synagoge 
möglich gemacht, 1 

Hiernach kommt die Gerechtigkeit aus dem Gesetz zustande da- 
durch, daß der Israelit durch pünktliche, wäre es auch nur äußerliche 
Erfüllung der einzelnen Gesetzesbestimmungen eine solche Menge von 
Gebotserfüllungen u. einen solchen Schatz von Verdiensten erwirbt, daß 
die Gebotsübertretungen u. die daraus sich ergebenden Übertretungs- 
schulden nach Zahl u. Gewicht überragt werden. Ist diese Bedingung 
erfüllt, dann hat er Gottes Urteil für sich, d. h. Gott sieht ihn als 
einen Gerechten an. 

Diese Art von Gerechtigkeit hat Jesus nicht anerkannt: „Wenn 
eure Gerechtigkeit nicht erheblich mehr wird als die der Schriftgelehrten 
u. Pharisäer (d. h. wenn eure Gerechtigkeit die der Schriftgelehrten 
nicht bei weitem übertrifft), so werdet ihr nicht in das Himmelreich 
eingehn." Aber dabei bleibt Jesus nicht stehn: er tritt auch in den 
Kampf gegen die Gesetzesgerechtigkeit der Ph. ein. Das tut er, indem 
er das Fundament zerstört, auf dem die Verdienstlehre der Schrift- 
gelehrten mit der ganzen Gesetzesgerechtigkeit ruhte. Dieses Fundament 
war der Satz, daß die buchstäbliche Erfüllung des Gesetzes eine volle, 
den göttl. Ansprüchen genügende Gesetzeserfüllung sei. Gegen diesen 
Satz erhebt die ganze Bergpredigt Jesu Protest: nicht dem Buchstaben 
nach gilt es das Gesetz zu erfüllen; Gott will eine bessere Erfüllung 
seiner Gebote, eine Erfüllung im Geist u. in der Wahrheit. Was das 
heißt, macht Jesus dann klar durch die Auslegung, die er einzelnen 
Geboten zuteil werden läßt. Dabei stellt er überall der buchstäblichen 
Ausdeutung der Gebote, wie sie von den Schriftgelehrten beliebt wurde, 
seine Auslegung entgegen, die den vollen religiös-ethischen Gehalt 
aufdeckt, den Gott in seine Gebote hineingelegt hat. In solcher Tiefe 
sollen seine Jünger die Gebote erfassen u. erfüllen; dann werden sie 
bald erkennen, daß es um die Gesetzeserfüllung der Ph. nichts sei, u. 
daß die Verdienstlehre der Schriftgelehrten samt der darauf aufgebauten 
Gesetzesgerechtigkeit vor dem Richterstuhl des menschl. Gewissens- 
haltlos in sich selbst zusammenbricht. 

5,20 23: In das Himmelreich hineinkommen. 
Entsprechende rabbin. Wendungen sind: 

1. Ksn ah'.yh sia = in die zukünftige Welt kommen. TSanh 13, 1 (434): Die kleinen 
Kinder, die Kinder der Gottlosen des Landes (Israel) haben keinen Anteil an der zu- 
künftigen Welt. ... So Rabban Gamliel (um 90); R. J^hoschua? sagte: Sie kommen in 
die zukünftige Welt san nVi:!^ ]r; •j-S2. || Sanh 104*': Die Allegoriker haben gesagt: All© 
(auch die Sanh 10,2 Ausgeschlossenen) kommen in die zukünftige Welt. |i Sanh 110^: 
R. Elifezer (um 90) sagte: Sie (die Leute des Wüstengeschlechts) kommen in die zu- 
künftige Welt. Weitere Beispiele: Sanh HO'' (6mal); SotaSS»; Midr Qoh 4, 1 (221^). 

2. aramäisch -rs- s^hvh xr;»?. = in die zukünftige Welt kommen. Sanh 98* fragt 
R. J^hoschuaf b. Levi (um 250) den ihm begegnenden Propheten Elia: Werde ich in 

^ Das Nähere hierüber s. im Exkurs: Vorwort zur Bergpredigt. 



Matth 5, 20 (SB). 5, 21 (31) 253 

•die zuk. Welt kommen? 'rs-i s>35S5 sms. || SanhlOl'': Woher entnehmen wir, daß 
<3er König .Terobeam nicht in die zuk. Welt gekommen ist? — Die gleiche Frage in 
bezug auf die Könige Ahab u. Manasse das. 102''. Weitere Beispiele: Sanh 105 '; 106 1>; 
€hag 15 b (Smal). 

3. N2n Dsi:? "i^rtV s'^3 = in das Leben der zukünftigen Welt kommen. Gittin 57 b; 
Wenn wir im Meer untergehen, kommen wir (dann) in das Leben der zuk. Welt? — 
Ähnlich Midr KL 1, 16 (56b). ,| Midr Qoh 4, 1 (22^); R. Chanina (um 225) hat Qoh 4, 1 
auf die von der (heidnischen) Regierung Getöteten (d. h. auf die Märtyrer) ausgelegt, 
daß diese nämlich in das Leben der zuk. Welt kommen, auch wenn sie (vor ihrem 
Tode) kein Bekenntnis (ihrer Sünde) abgelegt haben (wie es sonst bei Sterbenden üblich 
ist), i! GnR9 ("»): R. Huna^ (um 350) hat gesagt: , Siehe, es war sehr gut" Gn 1,31, 
damit ist das Maß des Guten {^= Glück, Wohlstand) gemeint; ,und siehe, es war sehr 
gut" (das.), damit ist das Maß der Leiden gemeint. Aber ist denn das Maß der Leiden 
sehr gut? Allerdings, denn durch dieses kommen die Menschen in das Leben der 
zuk. Welt. 

4. san nh'y '^n-: cisr: ^= eingehn zum Leben der zukünftigen Welt. Derekh EreQ 2: 
E,. El?azar b. 5Azarja (um 100) sprach: Wenn ihr steht u. betet, so wisset, vor wem ihr 
steht u. betet; denn um deswillen werdet ihr eingehen nc::r:> zum Leben der zuk. Welt. |! 
Aramäisch: k'3~? "'"< r^'V? = ich bin zum ewigen Leben eingegangen Targ Ps 40, 8. 

5,2151: Ihr habt gehört, daß den Alten gesagt wurde. 

rjxovaare „ihr habt gehört" = „ihr habt als Tradition empfangen". 

Sanh 11, 2: Wenn sie (die Glieder des Gerichtshofes) darüber (eine Tradition) ge- 
liört haben iy?3r, so sagen sie sie ihnen. || pT*^rum 10, 47 b, 51 : (Schim?on b. Abba, um 280) 
sagte: Ich sage, was ich gehört (als Tradition empfangen) habe; jene sagen, was sie 
gehört haben. || fEdujjoth 5, 7: In seiner Sterbestunde sprach fAqabja b. Mahalahel 
(vor 90) zu seinem Sohn: Laß ab von den vier Sätzen, die ich gelehrt habe (s. 5, 6). 
Dieser antwortete: Warum bist du nicht von ihnen zurückgetreten? Er sprach zu ihm: 
Ich habe sie aus dem Munde mehrerer gehört, u. meine Gegner haben ihre Worte aus 
dem Munde mehrerer gehört; ich bin bei dem von mir Gehörten geblieben, jene 
bei ihrer Tradition. Aber du hast es aus dem Munde eines einzelnen gehört, jene 
wiederum aus dem Munde mehrerer; da ist es besser, die Worte des einzelnen zu lassen 
u. sich an die Worte mehrerer zu halten. 

€QQsd^r] „es ist gesagt worden" -i-sriN = „es ist als Tradition gelehrt 
worden". 

fErub 15b u. Sukka 15^-: p]s ist gesagt worden "r^rs: Wenn das Eingerissene so 
viel ist, wie das Stehengebliebene. |l Tafan 18^: Es ist gesagt worden: R. Chijja b. Aschi 
(um 270) hat gesagt, Rab (f 247) habe gesagt: Die Halakha richtet sich nach R.Jose. — 
Weitere Beispiele: Ta?an20b; Qid43a; BQ 56''; Mak6=i; Sukka46^ 

ToTg uQxaioig. Die „Alten" sind die „früheren Generationen" min 
r:^:rj;N-n. Der Begriff ist ein sehr weiter, wie folgende Stellen zeigen. 

Midr HL 7, 14 (130b): ,An unsren Türen allerlei köstliche Früchte" HL 7, 14. Die 
Rabbanan (hier Zeitgenossen des Rab Schela, um 220) sagten: Gleich einem König, der 
einen Garten hatte, welchen er einem Pächter übergab. Was tat der Pächter? Er 
füllte die Körbe mit Feigen von den Früchten des Gartens u. setzte sie an die Tür 
des Gartens. Als nun der König vorüberging u. all diese Pracht sah, sprach er: So 
viel Pracht an der Tür des Gartens, wie viel mehr im ganzen Garten ! So waren unter 
den Geschlechtern der Früheren (der Alten) die Männer der Großen Sj^nagoge (nach 
Esra), Hillel u. Schammai u. Rabban Gamliel der Alte (der Lehrer des Apostels Paulus); 

1 Bacher, Agada der babyl. Amor. 55, vermutet, daß Rab Huna, der Babylonier 
(f 297), gemeint ist. 



254 Matth 5, 21 (3t. SB 1) 

u. vollends unter den Geschlechtern der Späteren R. Jochanan b. Zakkai (f um 80), 
R. Elifezer (um 90), R. J^oschua? (um 90), R. Meir (um 150) u. R. ?Aqiba (f um Ub]> 
samt seinen Schülern. Auf sie heißt es HL 7, 14: „Neue u. Alte, mein Freund, habe- 
ich dir aufbewahrt." — Hiermit vgl. LvR 2 (134^): „Neue u. Alte, mein Freund, habe- 
ich dir aufgehoben" (HL 7, 14). Abraham, Isaak u. Jakob, das sind die Alten; fAmrami 
b. Q^hath u. alle Frommen in Ägypten, das sind die Neuen. — Die Genossen Moses,. 
Josuas, Davids u. Hiskias, das sind die Alten; die Genossen Esras, Hilleis, des Rabbani 
Jochanan b. Zakkai u. des R. Meir, das sind die Neuen. || Joma 9b : R. Jochanan (f 279)- 
u. R. EUazar (um 270) haben beide gesagt: Den Früheren (zur Zeit der Zerstörung des. 
I.Tempels), deren Schuld offenbart wurde, wurde das Ende (ihres Exils) offenbart; deni 
Späteren (Zerstörung des 2. Tempels), deren Schuld nicht offenbart wurde, ist das Ende 
(ihres Exils) nicht offenbart worden. R. Jochanan hat gesagt: Besser der Nagel der- 
Früheren, als der Bauch der Späteren. Resch Laqisch (um 250) sagte: Im Gegenteil,, 
die Späteren sind besser; obgleich sie unter der Knechtschaft der Weltreiche sind, so« 
beschäftigen sie sich doch mit der Tora. Er erwiderte: Der Tempel beweist es; denn, 
den Früheren ist er wiedererstanden, aber den Späteren ist er nicht wiedererstanden. — 
Man fragte den R. Eli?ezer (um 90): Sind die Früheren größer oder die Späteren? Er- 
antwortete: Richtet euer Auge auf den Tempel! Nach andren sprach er: Euer Zeuge- 
ist der Tempel! — Parallelstellen: pJomal,38«,56; MidrPs 137 § 10 (263b). || pDemail,. 
21 d, 57 : R. Abba b. Z^bina (um 330) hat im Namen des R. Z«'?ira (um 300) gesagt: Wen», 
die Früheren, 'S':";' (damit dürften die Tannaiten gemeint sein), Engel waren, dann, 
sind wir Menschen; u. wenn jene Menschen waren, dann sind wir Esel. 

€QQs^^] ToTc aQxf^ioig = „zu den Alten wurde gesagt". Manche deuten :: 
„von den A. wurde gesagt". Dann vgl. Schab 64'': Die früheren Ältesten 
n-^siüxin n^:pT haben gesagt, daß sich (die Menstruierende) nicht schminkeni 
soll an den Augen u. auf den Backen u. sich nicht putzen soll mit bunten 
Kleidern, bis R. ^Aqiba (f um 135) kam u. lehrte: In diesem Falle machst 
du sie ja ihrem Mann verächtlich. | Auch bei Josephus, Antiq. 13, 10, 5: 
axovofisv Tiaqcc xööv TiQsaßvxtQon' „wir hören von den Alten" erscheinen 
die Alten nicht als Empfänger, sondern als Lehrer oder Überlieferer 
von Satzungen u. Nachrichten. 

5, 21 SB: Du sollst nicht töten; wer aber tötet, 
soll dem Gericht verfallen sein. 

1. Der Schwere der Sünde a entsprach die Größe der Sühne: auf 
Mord stand Todesstrafe. So schon Gn 9, 6. Doch hat das jüdische Recht 
nicht an dieser Stelle sich entwickelt, sondern vielmehr im Gegensatz. 
dazu, indem man Gn 9, 6 lediglich die Grundsätze für die Rechtsprechung 
der Noachiden, d. h. der außerjüdischen Welt, ausgesprochen fand.b' 
Das jüdische Strafrecht gegen Mörder ist ausgebildet worden auf Grund 
von Ex 21, 12; Lv 24, 17. 21; Nu35, IGff.c 

a. Sanh 4, 5: Deshalb ist ein einziger Mensch in der Welt geschaffen worden, um 
zu lehren, daß jedem, der Eine Seele (Person)^ vernichtet, man es anrechnet, wie wenn 
er eine ganze Welt vernichtet hätte, u. jedem, der Eine Seele erhält, man es anrechnet, 
wie wenn er eine ganze Welt erhalten hätte. !| GnR 34 (21 '): R. ?Aqiba (f um 135) hat 
öffentlich vorgetragen: Wer Blut vergießt, dem rechnet man (= Gott) es so an, al& 
hätte er das Bild Gottes verringert, s. Gn 9,. 6: „Wer Menschenblut vergießt, des Blut 
soll durch Menschen vergossen werden." Weshalb? „Denn in seinem Bilde hat Gott den 

^ Der Zusatz „von Israel" '-Nic-a ist schlecht bezeugt. 



Matth 5. 21 (95 1) 255 

Menschen gemacht." — Dasselbe TJ^b 8, 4 (250). Vgl. auch M^kh Ex 20, 16 (78=^): Wie 
sind die 10 Gebote gegeben worden? 5 auf der einen, 5 auf der andren Tafel. Es 
heißt: „Ich bin Jahve dein Gott" (als Anfang der ersten Tafel), u. dem entsprach (als 
Anfang der zweiten Tafel): „Du sollst nicht töten." Damit will die Schrift anzeigen, 
daß, wer Menschenblut vergießt, von der Schrift so angesehen wird, als hätte er das 
Bild des Königs verringert. Gleich einem König von Fleisch u. Blut, der in eine Stadt 
kam; er ließ sich Standbilder setzen u. andre Bilder anfertigen, u. man prägte ihm 
Münzen (mit seinem Bildnis). Nach einiger Zeit stürzte man ihm die Standbilder um, 
zerbrach die Bildnisse u. beseitigte seine Münzen u. verringerte so das Bild des Königs. 
Ebenso rechnet es die Schrift dem, der Menschenblut vergießt, so an, als ob er das 
Bild des Königs verringerte, s. Gn 9, 6. || Mord wird neben Blutschande u. Götzendienst 
regelmäßig zu den schwersten Übertretungen gerechnet, zB Sanh 74^: R. Jochanan 
(t 279) hat im Namen des R. Schim?on b. J^hoQadaq (um 225) gesagt: Im Söller des 
Hauses des Nithza zu Lydda hat man abgestimmt u. beschlossen (um 132 — 135 n.Chr.): 
Alle Übertretungen, die in der Tora erwähnt werden, mag ein Mensch, zu dem man 
(die heidnische Obrigkeit) sagt: „Begehe .sie, damit du nicht getötet werdest", begehn, 
um nicht getötet zu werden, ausgenommen Götzendienst, Inzest u. Mord (wörtlich: 
Blutvergießen). ... Es kam jemand vor Rabbah (f 330) u. sprach zu ihm: Der Vor- 
steher meines Wohnortes hat zu mir gesagt: „Geh u. töte den u. den; wenn du es nicht 
tust, so töte ich dich!" Er antwortete: Mag man dich töten, doch töte du nicht! Wer 
sagt dir, daß dein Blut röter (wertvoller) ist? Vielleicht ist des andren Blut röter. — 
Der erste Teil auch pSch^'bifith 4*, 35 % 41. 51 ; pSanh 3, 21 b, 9. ij TPea 1, 2 (18): Wegen 
folgender Dinge straft man den Menschen in dieser Welt, während ihm das Kapital 
(die Hauptstrafe) anstehn bleibt in der zukünftigen Welt: Götzendienst, Unzucht, Blut- 
vergießen (Mord) u. Verleumdung, die sie alle aufwiegt. — Diese 3 Kardinalsünden 
werden nebeneinander genannt auch Lv 18, 4 (338^); pPea 1, 15*^, 54; fArakh 15^; 
MidrQoh 1, 13 (10b). 

b. GnR34(21b): Wer Menschenblut vergießt, des Blut soll durch Menschen ver- 
gossen werden" Gn 9, 6. R. Chanina (um 225) hat gesagt: Das alles bezieht sich auf 
die Rechtsnormen der Noachiden, auf den einen Zeugen, auf den einen Richter, auf 
das Fehlen von Zeugen, auf das Fehlen der Verwarnung, auf das Töten durch einen 
Beauftragten (gedungenen Mörder) u. auf Abtreiben der Leibesfrucht. Betreifs des Einen 
Zeugen oder des Einen Richters heißt es: „Wer Menschenblut vergießt, des Blut soll 
vergossen werden n-sa", also durch Einen Menschen (sei es Ein Zeuge oder Ein 
Richter). Betreffs des Fehlens von Zeugen u. des Fehlens der Verwarnung heißt es: 
„Wer Menschenblut vergießt, des Blut soll vergossen werden" (hier verlautet also 
nichts von Zeugen der Tat u. von Verwarnung des Täters durch die Zeugen). Betreffs 
des gedungenen Mörders heißt es: „Wer Menschenblut vergießt n-sa", durch einen 
(andren) Menschen (der Midr zieht e-N2 in diesem Fall zum Vordersatz). Betreffs des 
Embryo heißt es: „Wer Menschenblut n-Si", in einem (andren) Menschen (in der 
Mutter) „vergießt" usw. — Man beachte, was hier alles die buchstäbliche Auslegung 
von Gn 9, 6 zu beweisen vermag. || Sanh 57 b: R. .Jafaqob b. Acha (um 350) fand in einem 
Haggadabuch des Lehrhauses geschrieben: Ein Noachide (== Nichtisraelit) wird (wegen 
Mordes) hingerichtet durch Einen Richter, durch Einen Zeugen, ohne vorherige Ver- 
warnung, auf die Aussage eines Mannes hin, aber nicht auf die einer Frau, selbst 
wenn jener Mann ein naher Verwandter ist. Im Namen des R. Jischma?el (f um 135) 
hat man gesagt: Auch wegen eines Embryo wird er getötet. Woher läßt sich das be- 
weisen? Rah J'^huda (f 299) hat gesagt: Die Schrift sagt Gn9, 5: „Doch euer Blut, 
das eurer Seelen, will ich fordern", selbst durch Einen Richter (das is = „doch" hat 
einschränkende Bedeutung); „von der Hand eines jeden Wesens", auch ohne Verwarnung 
will ich es fordern (Folgerung aus dem absolut gefaßten Vr); „u. von der Hand des 
Menschen", auch durch Einen Zeugen; „von der Hand eines Mannes", u. nicht von 
der Hand einer Frau; „seines Bruders", auch eines nahen Verwandten. Im Namen des 
R. Jischma?el hat man gesagt: Auch wegen eines Embryo wird er getötet. Was ist der 



256 Matth 5, 21 (83 1) 

Grund des R. JischmaJel? „Wer Menschenblut in einem Menschen vergießt, dessen 
Blut soll vergossen werden" Gn 9, 6. Welcher Mensch ist denn in einem Menschen? 
Sage: Das ist der Embryo im Leibe seiner Mutter. Der erste Tannait ist der aus der 
Schule des M^'nasse, der gesagt hat: So oft bei den Noachiden von der Todesstrafe 
geredet wird, ist die Erdrosselung gemeint; er zieht das Wort c-:s3 zum Schluß des 
Verses u. erklärt: „Wer Menschenblut vergießt, des Blut soll in dem Menschen (= in 
ihm, dem Mörder) vergossen werden." Was ist das für ein Blutvergießen bei einem 
Menschen, das im Körper des Menschen erfolgt? Sage: Das ist die Erdrosselung. — 
Zwei hierher gehörende Auslegungen finden sich noch GnR34(2l'^): „Ich will euer 
Blut fordern von jeglichem Tier" (Gn 9, 5), damit ist der gemeint, der einen andren 
einem Tier zur Tötung vorwirft; „von der Hand des Mannes seines Bruders" (so der 
Midr), damit ist der gemeint, der andre dingt, seinen Nächsten zu töten. (Mann des 
Bruders = Mann, der einem andren gleichsam gehört, verfallen ist, weil er sich von 
ihm hat dingen lassen.) 

C. M'^khEx 21, 12 (85^): „Wer einen Mann schlägt, daß er stirbt, der soll ge- 
tötet werden" Ex 21, 12. Weshalb wird das gesagt? Weil es Lv 24, 17 heißt: „Falls 
ein Mann irgendeinen Menschen schlägt (so der Midr), soll er getötet werden" ; daraus 
könnte ich entnehmen: auch wenn er ihm einen Backenstreicli gibt. Darum heißt es 
Ex 21, 12: „Wer einen Menschen schlägt, daß er stirbt." Das zeigt, daß der Täter 
erst strafbar ist, wenn des Geschlagenen Leben ganz ausgegangen ist. — „Wer einen 
Mann schlägt"; da höre ich nur, wenn er einen „Mann" schlägt. Woher aber auch, 
wenn er eine Frau oder einen Minorennen schlägt? Weil es heißt Lv 24, 17: Falls ein 
Mann „irgendeinen Menschen" schlägt, um den mit einzuschließen, der eine Frau oder 
einen Minorennen schlägt. Da (aus Ex 2], 12 u. Lv 24, 17) höre ich nur von einem Mann 
oder einer Frau, die einen Mann getötet haben, u. von einem Mann, der eine Frau oder 
einen Minderjährigen getötet hat; woher aber auch, wenn eine Frau einen Minder- 
jährigen oder ihre Genossin getötet hat? Die Schrift sagt Nu 35, 16 — 18: „So ist er 
ein Mörder" ; das will zur Belehrung dienen (wer auch immer einen andren tötet, ist 
ein Mörder u. als solcher dem Tode verfallen). — Wer einen „Mann" schlägt; daraus 
könnte ich entnehmen, daß ausgeschlossen sei, wer einen Minderjährigen tötet; des- 
halb heißt es Lv 24, 17: Falls ein Mann „irgendeinen Menschen" schlägt, um den 
Minderjährigen mit einzuschließen. Daraus könnte ich entnehmen, daß auch ein Acht- 
monatskind (solche hielt man nicht für lebensfähig) mitgemeint sei. Deshalb heißt es: 
wer einen „Mann" schlägt. Das zeigt, daß nur der straffällig ist, der ein lebensfähiges 
Kind tötet. — „Wer" einen Mann schlägt; darin liegt auch „ein Minderjähriger" (der 
tötet, ist straffällig). Dagegen heißt esLv24, 17: Falls ein „Mann" irgendeinen Menschen 

schlägt, um den Minderjährigen (aus der Zahl der Mördern. Straffälligen) auszuschließen 

„der soll getötet werden" „Ex 21, 12, d. h. auf Grund der Verwarnung durch die Zeugen 
(s. unten Nr. 3 B 1, S.261 — 263). Du sagst: Auf Grund der Verwarnung durch die Zeugen; 
oder nicht vielmehr ohne Verw. durch die Z.? Es heißt Dt 17, 6: „Auf das Wort zweier 
oder dreier Zeugen werde der Delinquent getötet." Siehe, was will die Schrift lehrend 
»sagen mit: „Der soll getötet werden"? Auf Grund der Verwarnung durch die Zeugen. — 
„Der soll getötet werden", d. h. durch einen Gerichtshof. Du sagst: Durch einen Ge- 
richtshof; oder nicht vielmehr ohne einen Gerichtshof? Es heißt Nu 35, 16 — 18: „Der 
Mörder soll getötet werden." Siehe, was heißt also: Er soll getötet werden? Durch 
einen Gerichtshof. [Die Beweisstelle Nu 35, 16 besagt in diesem Falle nichts; es wird 
vor rtijTin ri3i^ ein s's ausgefallen sein; dann ist als Belegvers gemeint Nu 35, 12, u. 
diese Stelle ist allerdings beweiskiäftig : Der Mörder soll nicht getötet werden, ehe 
er vor der Gemeinde zum Gericht gestanden hat.] — „Der soll getötet werden", näm- 
lich mit dem Schwert. Du sagst: Mit dem Schwert; nicht vielmehr durch Erdrosselung? 
Siehe du folgerst: Es heißt hier, Ex 21, 12 n'in-^ r-,?5, soll des Todes sterben, u. ebenso 
heißt es dort vom Ehebrecher Lv 20, 10: rar mis: ^ wie Lv 20, 10 durch Erdrosselung, 

* Schluß aus gleichem Ausdruck an zwei verschiedenen Stellen, s. Einl. 97, Nr. 2. 



Matth 5, 21 (SB 1. 2) 257 

so auch hier Ex 21, 12 durch Erdrosselung. Du ziehst den Ehebrecher zum Vergleich 
heran, ich ziehe den Gotteslästerer zum Vergleich heran. Es heißt hier Ex 21, 12: Er 
soll des Todes sterben, u. es heißt beim Gotteslästerer Lv 24, 16: Er soll des Todes sterben: 
wie dort (Lv 24) durch Steinigung, so auch hier (Ex 21) durch Steinigung. Du