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Full text of "Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht"

From the collection of the 



« n m 



o PreTinger 

v J-Jibrary 
p 



San Francisco, California 
2007 



Kriegstagebuch 

des Oberkommandos der Wehrmacht 
(Wehrmachtführungsstab) 

1940-1945 

Geführt von Helmuth Greiner t und 
Percy Ernst Schramm 



Im Auftrag des Arbeitskreises für Wehrforschung 
herausgegeben von 

PERCY ERNST SCHRAMM 

Es wurden bearbeitet von 

Hans-Adolf Jacobsen • Band I: 1940/41 

Andreas Hillgruber • Band II: 1942 

Walther Hubatsch • Band III: 1943 

Percy Ernst Schramm • Band IV: 1944/45 



Bernard & Graefe Verlag für Wehrwesen • Frankfurt am Main 



* 



Kriegstagebuch w j 

j .- . . 

des Oberkommandos der Wehrmacht • 

(Wehrmachtführungsstab) 



Band I: 
1. August 1940 - 31. Dezember 1941 



Zusammengestellt und erläutert von 
HANS-ADOLF JACOBSEN 



1965 



Bernard & Graefe Verlag für Wehrwesen • Frankfurt am Main 



LIBRARY 9 



N0V19 1971 

i 

UNIVER$ITY OF THE PACIFIC { 

241268 



Gesamtumfang: 232 E + 1285 Seiten und eine Ausschlagtafel 
(3 Ausschlagtafeln und eine Karte im Text) 

Alle Rechte vom Verleger vorbehalten 

© Bernard & Graefe Verlag für Wehrwesen • Frankfurt am Main 1965 

Satz und Druck : C. Winter, Darmstadt 

Buchbinderarbeit : C. Fikentscher, Darmstadt 

Printed in Germany 



Vorwort 



Im Vorwort zum IV. Bande ist dargelegt worden, welche technischen Gründe 
dazu geführt haben, daß die vier Bände des nunmehr abgeschlossenen Werkes 
in umgekehrter Reihenfolge (IV: 1961; III: 1963; II: 1963; I: 1965) erscheinen 
mußten. In jenem Vorwort ist daher bereits über die Grundlagen der Edition, 
über die Mitarbeiter und über sonstige Fragen, über die der Benutzer infor= 
miert werden muß, das Erforderliche mitgeteilt worden. 

Das dort Gesagte braucht deshalb hier nicht wiederholt zu werden; der Leser 
sei jedoch nicht nur auf das Vorwort zu Band IV (1. Halbband S. V— XIV), 
sondern auch auf die den 2. Halbband abschließenden „Erläuterungen zu 
Band I— IV" hingewiesen (S. 1741—1846): I. Der Wehrmachtführungsstab; 
II. Die Führung des Kriegstagebuchs im Wehrmachtführungsstab und die Ver= 
hinderung seiner Vernichtung; III. Die erhaltenen und die verlorenen Teile des 
Kriegstagebuchs des Wehrmachtführungsstabs; IV. Die bei der Herausgabe 
des Kriegstagebuches befolgten Grundsätze. 

Im Vorwort zu Band IV schrieb ich 1961: „Unsere Hoffnung ist, daß jedes 
Jahr ein Band herauskommen kann . . . Wenn unsere Erwartungen sich erfüllen, 
wird das Gesamtwerk im Jahre 1964 vollständig vorliegen." Ich gestehe jetzt, 
daß mir nicht wohl zu Mute war, als ich damals diesem Satz das Imprimatur 
gab; denn mir stand vor Augen, wie viele ungünstige Faktoren sich der Ver= 
wirklichung wissenschaftlicher Pläne entgegenzustellen pflegen. Aber diese 
Zusage konnte (20 Jahre nach Ende der Kampfhandlungen) eingelöst werden. 
Dafür habe ich nun Dank abzustatten. 

Er gilt in erster Linie den drei Mitarbeitern : Andreas Hillgruber, Walther 
Hubatsch und Hans=Adolf Jacobsen. Ich habe im Vorwort zu Bd. IV 1 
(S. IX f.) angemerkt, was sie bereits damals zu der Erhellung der Jahre nach 
1933, im besonderen zur Erforschung des IL Weltkrieges, beigetragen haben. 
Inzwischen veröffentlichten alle drei weitere, zum Teil sehr umfangreiche Ar= 
beiten zu diesem Thema; sie haben sich jedoch dadurch nicht von der Erfüllung 
der mir gemachten Zusagen abhalten lassen: die von ihnen bearbeiteten Ma=» 
nuskripte lagen jeweils rechtzeitig vor. Im Jahre 1961 wies ich darauf hin, daß 
heute viel von „team work" die Rede sei, da manche wissenschaftlichen Al» 

5 E 



beiten gar nicht mehr von einem einzelnen bewältigt werden können, daß es 
aber die Verwirklichung dieses an sich einleuchtenden Ideals einmal aus diesem, 
das andere Mal aus jenem Grunde mißlinge. „In unserem Falle", so fuhr ich 
damals fort, „dürfen wir sagen, daß wir dank der freundschaftlichen Verbin= 
düngen, die uns alle miteinander verknüpfen, dem Ideal so nahe kommen, 
wie das möglich ist". Nach Abschluß dieses Werkes, bei dem jeder Bearbeiter 
für seinen Band die Verantwortung trägt, aber sich dem Gesamtrahmen ein= 
fügte, gilt dieser Satz erst recht: bei so enger Zusammenarbeit besteht ja immer 
die Gefahr, daß man sich zerstreitet und auseinanderlebt. Bei dem „team" 
Hillgruber— Hubatsch— Jacobsen— Schramm ist das Gegenteil der Fall gewesen. 
Eine besondere Genugtuung bedeutet mir, daß nun auch A. Hillgruber und 
H.=A. Jacobsen, zunächst als Lehrbeauftragte, an die Universität hinüber wech= 
selten. Denn es ist dringend erforderlich, daß die Einsicht in die Zusammen= 
hänge der Jahre 1933—45 nicht nur durch Bücher, Vorträge und Zeitungs= 
berichte vermittelt, sondern auch durch Vorlesungen und Seminare voran= 
getrieben und dadurch das Nachrücken eines sachkundigen Nachwuchses sicher= 
gestellt wird. 

Ferner habe ich Dank abzustatten Herrn Dr. Wolfgang Metzner, dem In= 
haber des Verlages Bernard u. Graefe in Frankfurt a. M. Wir haben das Ver= 
ständnis zu rühmen, das er unseren Vorschlägen entgegenbrachte, vor allem 
seine Bereitschaft, sich auch mit einem größeren Umfange als anfangs vor= 
gesehen abzufinden. In den Dank ziehen wir alle Mitarbeiter des Verlages 
— im besonderen Herrn Oberst i. G. a. D. Otto Wien — und der Druckerei ein, 
die bei der Fertigstellung der Bände mitgeholfen haben. 

Weiterer Dank gebührt dem „Arbeitskreis für Wehrforschung", der die 
Druckfahnen auf Druckfehler und Ergänzungsmöglichkeiten hin durchgesehen 
hat. 

Im Vorwort des Jahres xo6i kündigte ich an, daß „nach unserer — zur Zeit 

nur vorläufigen — Schätzung" das Gesamtwerk etwa 4000 Druckseiten um= 

fassen werde. In dieser Hinsicht haben wir uns gründlich verrechnet: Es 

umfassen 

Band I: 232 E + 1285 Seiten 

Band II, 1-2: XII + 1465 Seiten 

Band III, 1-2: XII + 166a Seiten 

Band IV, 1-2: XXXVI + 1940 Seiten 

Zusammen 292 + 6351 Seiten, also 6643 Seiten 

Das Gesamtwerk ist also ungefähr anderthalbmal so umfangreich geworden, 
wie wir anfangs angenommen haben; es wurde deshalb erforderlich, drei der 
vier Bände in je zwei Halbbände zu zerlegen. Tatsächlich handelt es sich also 
um sieben Bände. Wir möchten annehmen, daß die Benutzer den größeren 
Umfang als einen Vorteil ansehen; denn es wird ihnen ja nicht nur mehr Ur= 
material als erwartet vorgelegt, sondern sie erhalten zugleich Ergänzungen der 

6 E 



Lücken sowie Erläuterungen und einschlägige Dokumente, die für die Erschließ 
ßung des Kriegstagebuches wertvoll sind. 

In dem KTB der Jahre 1940—43 beruht jeder Absatz auf mindestens einem 
Schriftstück, sehr oft auf mehreren. Zu Anfang des Jahres 1944 habe ich am 
Rande noch kenntlich gemacht, von wo an ich mich auf ein weiteres Schriftstück 
stützte 1 . Es wäre also möglich, bis etwa Mitte 1944 das Minimum an Doku= 
menten zu berechnen, die von H. Greiner und mir verarbeitet wurden — ich 
wage nicht einmal eine Schätzung. Erst recht ist es nicht möglich, dieser Zahl 
die Zahl der von uns ausgezogenen, aber noch im vollen Wortlaut erhaltenen 
Weisungen, Befehle, Meldungen, Berichte usw. gegenüberzustellen. Jedoch 
kann die Behauptung gewagt werden, daß viele Tausende von Dokumenten 
der Obersten Führung nur durch ihre Registrierung in dem KTB bekannt sind. 

Diese Tatsache ist von den meisten Rezensenten bisher unbeachtet ge= 
blieben, da sie ihre Tragweite nicht erkannt haben. Wie oberflächlich manche 
Urteile abgegeben werden, mögen zwei Beispiele erhellen: ein Kritiker des 
Bandes III unserer Ausgabe vermißte eine Erläuterung, hatte jedoch nicht fest= 
gestellt, daß ein 166 Seiten umfassender darstellender Teil am Ende des Dop= 
pelbandes abgedruckt worden ist. — Die in der ganzen Welt verbreitete an= 
gesehene Literaturbeilage der Londoner „Times" (The Times Literary Supple= 
ment No. 3266) brachte eine Besprechung der Bände II und III unserer Serie 
und tadelte den Bearbeiter des Bandes III wegen zwei Äußerungen über die 
amerikanische und die englische Kriegführung im Jahre 1943 als „Entgleisun= 
gen", die nicht die sonstige wissenschaftliche Höhe des Werkes hielten. Leider 
war es der Aufmerksamkeit des Rezensenten entgangen, daß die von ihm 
bemängelten Sätze gar nicht von dem Bearbeiter stammten, sondern deutlich 
genug als Zitate aus einer Denkschrift der Seekriegsleitung vom Mai 1943 
gekennzeichnet waren, mit denen sich der Bearbeiter keineswegs identifiziert 
hatte. Auch die Rezension bedarf neben der Sachkenntnis und Urteilsfähigkeit 
der wissenschaftlichen Akribie, damit nicht Fehlurteile in großer Auflage in die 
Welt gesetzt werden.* 

Bereits in Bd. IV, 2, S. 1835 f. ist darauf hingewiesen worden, daß das 
Kriegstagebuch des Wehrmachtführungsstabes Lücken aufweist, da einzelne 
Teile nicht gerettet werden konnten und Helmuth Greiner, der das KTB bis 
Ende 1942 führte, nicht dazu gekommen ist, seine Aufzeichnungen für den 
ganzen Zeitraum fertigzustellen. Die Lücken konnten jedoch z. T. geschlossen 
werden durch andere, die kriegerischen Ereignisse von Tag zu Tag festhaltende, 
bisher ungedruckte Aufzeichnungen, die vom Generalstab des Heeres ange= 



Ich konnte dann von dieser Verzahnung meines Manuskripts mit den Heftern, 
in denen die Dokumente untergebracht wurden, absehen, da sie in der Reihen= 
folge des Textes abgeheftet wurden. — Von diesen Heftern ist m. W. kein ein= 
ziger wieder aufgetaucht; sie werden alle der Vernichtung anheimgefallen sein. 
Inzwischen hat die Literaturbeilage der „Times" diesen Irrtum in der Nr. 3281 v. 
14. 1. 1965 berichtigt. 



7E 



fertigt wurden oder auf das — gut erhaltene — Archiv der Kriegsmarine zurück= 
gehen. Darüber haben die Herausgeber der Bände I— III genaue Rechenschaft 
abgelegt, so daß der Leser immer erkennen kann, auf welche Dienststelle der 
abgedruckte Text zurückgeht 2 . 

Da der Band IV sich aus „Ausarbeitungen" zusammensetzt, die den Ereig- 
nissen nicht Tag für Tag folgen und die Kriegsschauplätze gesondert behan= 
dein, wäre dieses Verfahren dort nicht angängig gewesen. In ihm handelt es 
sich jedoch glücklicherweise nur um Lücken von geringerem Umfang. Um dem 
Leser den Rundblick zu erleichtern, sind kurze Abschnitte aus „Ploetz, Auszug 
aus der Geschichte", für den ich den IL Weltkrieg bearbeitete, eingefügt, aber 
durch Kursivdruck abgesetzt worden 3 . Es sei nochmals ausdrücklich betont, daß 
der übrige Text dem Wortlaut entspricht, den ich ihm vor der Katastrophe 
gegeben habe, daß also kein Wort zugesetzt bzw. weggelassen worden ist 4 . 

Um Mißverständnissen vorzubeugen, sind noch einige weitere Bemerkungen am 
Platze: Wenn ein Rezensent gesagt hat, weder Keitel noch Jodl hätten ein Tagebuch 
führen lassen, ein Kriegstagebuch des OKW oder auch nur der im Sperrkreis I 
tätigen Spitze des Wehrmachtführungsstabes habe es also niemals gegeben, ist dem 
entgegenzuhalten, daß der General d. Art. Walter Warlimont als stellv. Chef des 
WFStabs im Auftrage des Generalobersten Alfred Jodl, des Chefs dieses Stabes, die 
Abfassung des KTB überwacht hat, und ich am 1. 1. 1944 in meiner Eigenschaft als 
dessen Verfasser Jodl direkt unterstellt worden bin (S. 1785 ff. mit Anlage S. 1826 ff.). 
Auch ist darauf hinzuweisen, daß Jodl selbst am Ende des Krieges (wieweit er von 
seinem Kontrollrecht vorher regelmäßig Gebrauch gemacht hat, ist mir unbekannt 
geblieben) noch Zeit fand, einiges vom KTB zur Kenntnis zu nehmen und in der 
Gefangenschaft bei einer Befragung mein KTB erwähnte, "which is probably the best 
thing that was written about any war" (S. 1805 Anm. 2). Der Rezensent ist also auf 
einen Irrweg geraten, obwohl diese Sachverhalte in meinen „Erläuterungen" bereits 
klargestellt waren. (Die Vorstellung, daß das Riesengebilde des OKW ein KTB 
geführt haben könnte, ist absurd, und hätte der Gen.=Feldmarschall über seine 
— ja nur administrative — Tätigkeit ein Tagebuch führen lassen, wäre dieses für 
den Gang des Krieges völlig belanglos geblieben). 

Einen falschen Eindruck erweckt derselbe Rezensent, wenn er Bemerkungen des 
Generals W. Warlimont in dessen Buch (Im Hauptquartier der deutschen Wehrmacht 
1930—1945, Frankfurt a. M. 1962) dahin zuspitzt, daß das Kriegstagebuch unzu= 
länglich und ungenau geführt worden sei. Die Abgabe der jeweils fertiggestellten 
Teile an das Heeresarchiv konnte erst erfolgen, wenn der Stellv. Chef sich mit dem 

2 Ich nehme hier und im folgenden Stellung zu den in wenig sachlicher Form 
vorgebrachten und deshalb erst recht eine sachliche Stellungnahme erheischenden 
Einwänden von Dr. Eberhard Ja ekel (Kiel), Dokumentationen zur Geschichte 
des Zweiten Weltkrieges, in: Neue Politische Literatur, 1964 Heft 8/9, Villingen 
(Schwarzwald) S. 557—95, bes. S. 562 f. 

3 Auf Grund meiner Kenntnis der Zusammenhänge war ich in der Lage, dort die 
nüchternen Daten so zu verschränken, daß sich ein Bild vom Ablauf der Ereignisse 
ergibt. Nur ein übelwollender Beurteiler kann daher einen solchen Niveauunter= 
schied feststellen, wie der Rezensent das tut. 

4 Der Rezensent hat aus meinen Erläuterungen herausgelesen, ich hätte 1948 
meinen Text rekonstruiert. Wie in Bd. IV S. 1522 ausgeführt, handelte es sich 
nur darum, die aus dem Jahre 1945 erhaltenen, getrennt überlieferten Aufzeich= 
nungen wieder in die Ordnung zu bringen, die sie ursprünglich gehabt hatten. 

8 E 



vorgelegten Text einverstanden erklärt hatte; ich habe ihm außerdem noch die nach 
seiner Beurlaubung (20. Juli 1944) fertiggestellten Teile zugeleitet, um seine Kennt= 
nis der Zusammenhänge voll und ganz auszunutzen (IV 2, S. 1805). General Warli= 
mont wußte damals gelegentlich mehr, als er mir mitteilen durfte, und weiß heute 
natürlich noch mehr; auch hatte er sich stets Zeit genommen, das KTB daraufhin zu 
prüfen, ob noch Ergänzungen erforderlich seien. Einen Zwiespalt zwischen Warli* 
monts Wissen und dem Text des KTB zu konstruieren, ist also nur bei einer Ver= 
kennung der Gegebenheiten möglich. 

Abwegig ist ferner die Bemerkung, daß das KTB nicht die „strenge Anforderung 
einer zeitgenössischen Quelle" erfülle, also nur eine „Bearbeitung" darstelle. Daß 
die Forderung, die Eintragungen Tag für Tag vorzunehmen, sich aus technischen 
Gründen immer weniger erfüllen ließ, je höher die betreffende Dienststelle war, habe 
ich in meinen Erläuterungen (IV 2, S. 1763 ff.) ausgeführt. Dem in der Bemerkung des 
Rezensenten mitschwingenden Vorwurf gegenüber ist geltend zu machen, daß der 
Abstand von einigen Wochen den Vorteil bot, daß sich bereits Wichtiges und weniger 
Wichtiges scheiden ließ. 

Schließlich ist zu betonen, daß es sich um eine Edition handelt, deren spröder 
Stoff durch Einführungen bzw. Nachworte übersichtlich gemacht und durch Abdruck 
wichtiger Dokumente abgerundet wurde. Unsere Aufgabe war es dagegen nicht, die 
inzwischen entstandene Literatur auszuschöpfen: sie ist bereits fast unübersehbar 
geworden 5 , ist auch von sehr ungleichem Wert und vielfach der Gefahr ausgesetzt, 
bald durch bessere Darstellungen ersetzt zu werden (Hinweise auf Bibliographien 
in Bd. IV 2, S. 1846). Deshalb ist — entsprechend dem Brauch, zu dem sich die Monu= 
menta Germaniae historicae nach längerem Experimentieren entschlossen hat — nur 
dort Literatur angeführt, wo sie zur Erläuterung unbedingt erforderlich ist. Jeder, 
der einmal mit Editionen zu tun gehabt hat, wird diesen Grundsatz billigen 8 . 

Solchen Urteilen flüchtiger oder mit der Materie nicht vertrauter Rezensenten 
stehen solche gegenüber, für die wir zu danken haben. Besonders willkommen 
waren uns Briefe, in denen uns sorgfältige Leser auf entstellte Ortsnamen, 
falsche Ziffern und andere Unstimmigkeiten hinwiesen; von diesen Mitteilungen 
haben wir in den Nachträgen zu Bd. II— IV (am Schluß dieses Bandes) Gebrauch 
gemacht. 

Als Dokument gehört das Kriegstagebuch des Wehrmachtführungsstabs in 
eine Reihe von anderen militärischen (z. T. auch stenographischen) Aufzeich= 

5 Vgl. jetzt die kritische Auswahlbibliographie von Jacobsen, H.=A., Zur Kon= 
zeption einer Geschichte des 2. Weltkrieges, Frankfurt 1964, die schon über 1100 
Titel (allein Buchpublikationen!) aufführt. 

6 Der angeführte Rezensent kommt abschließend zu einem absprechenden Gesamt= 
urteil. Jüngere Gelehrte haben es — zumal wenn sie die „Erläuterungen" nicht 
gründlich lesen, sondern sie mit der Bezeichnung „wortreich" abtun — leicht, über 
das von H. Greiner und mir geführte Kriegstagebuch zu Gericht zu sitzen, da 
sie sich kaum mehr in die Zustände einer glücklicherweise schon zwei Jahrzehnte 
zurückliegenden Zeit zurückzuversetzen vermögen. Ich glaube, daß das angeführte 
Urteil Alfred Jodls größeres Gewicht hat. Und die Edition? Der Rezensent, der 
wohl noch nicht vor der Aufgabe gestanden hat, nicht=vollständig erhaltene Auf= 
Zeichnungen herauszugeben und ihre Lücken so gut wie noch möglich zu schließen, 
verrät nicht, wie man — angesichts der trümmerhaften, aber gegenüber den sonst 
eingetretenen Verlusten immer noch sehr umfangreichen Überlieferung — es hätte 
anders, womöglich besser machen können. Seiner These sei die Gegenthese ent= 
gegengestellt: es konnte nur so geschehen, wie wir es durchgeführt haben. 

9 E 



nungen. Aber — in Bd. IV 2, S. 1760 ff., ist das genau ausgeführt — sie liegen 
entweder nur in Fragmenten vor (sofern sie nicht ganz der Vernichtung an= 
heimfielen) oder sie betreffen nur bestimmte Zeitphasen bzw. sie befassen 
sich lediglich mit Ausschnitten des Geschehens. Eine Ausnahme macht nur das 
sog. Tagebuch des ehemaligen Chefs des Generalstabs des Heeres, des General= 
obersten Franz Halder, das vom Kriegsbeginn bis zu seiner Entlassung (24. 9. 
1942) reicht und jetzt in einer dreibändigen, von Hans=Adolf Jacobsen bear= 
beiteten Ausgabe vollständig gedruckt vorliegt: eine wichtige Veröffentlichung, 
die einerseits unser Kriegstagebuch ergänzt und abrundet, andererseits von 
diesem abgestützt wird. 

Aus dem I. Weltkrieg liegt keine vergleichbare deutsche Aufzeichnung 
vor. Wann haben wir mit dem Erscheinen analoger Veröffentlichungen aus 
den Kriegsarchiven unserer ehemaligen Gegner zu rechnen? Mir fehlen leider 
genaue Auskünfte; aber ich habe Anlaß zu der Annahme, daß in keinem der 
entsprechenden Stäbe ein Kriegstagebuch in der Art geführt worden ist, wie 
es der Wehrmachtführungsstab getan hat, daß man sich vielmehr mit Notizen 
und Abschriften der Akten begnügt hat. Sollte ich mich täuschen und doch 
einmal ein solches Kriegstagebuch erscheinen (zunächst stünden dem wohl 
noch auf längere Zeit politische Bedenken entgegen), wäre es jedenfalls weni= 
ger umfassend als das hier abgedruckte, weil es sich ja nur mit Ausschnitten 
aus der Gesamtfront befaßt haben kann. Daß Deutschland auf dem europäi= 
sehen Kriegsschauplatz an allen Fronten zu kämpfen hatte, ist und bleibt ein 
fürchterliches Faktum — der Vielseitigkeit des Kriegstagebuches ist es zugute 
gekommen. 

Die — an sich gute — Formel „Bewältigung der Vergangenheit" ist inzwischen 
zu einem so abgenutzten Schlagwort geworden, daß man sich scheut, es zu 
benutzen. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für dieses Ziel ist, die aus 



A: P. E. Schramm, Hitler als militärischer Führer. Erkenntnisse und Er= 
fahrungen aus dem Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht, Frank= 
fürt a. M.— Bonn (Athenäum=Verlag) 1962 (207 Seiten) = Bd. IV S. 5—74 (Ein= 
leitüng), S. 1631—58 (Stenogramme der „Führerlage")/ S. 1684—1735 (Aufzeich* 
nungen über Hitler), S. 1741—1822 (Erläuterungen betr. Wehrmachtführungsstab 
und dessen Kriegstagebuch). Hinzugefügt wurden ein Vorwort und ein Namens= 
Verzeichnis. Neue Auflage im Druck; eine dänische Übersetzung 1964 erschienen, 
weitere in Vorbereitung. 

B : „dtv=Dokumente" (d. h. Deutscher Taschenbuch Verlag in München, Reihe 
Dokumente) : 

1. Von El Alamein bis Stalingrad, hg. von Andreas Hil lg ruber, Juni 1964 
(303 Seiten) = Einleitung zu Bd. II, Auszüge aus dem KTB 1942, Dokumente. 

2. Die Invasion, 1944, hg. von Percy Ernst Schramm, Juni 1963 (293 Seiten) 
= Vorwort des Verlegers, Auszüge aus Bd. IV: 1944 mit Anhängen und 
Dokumenten. 

3. Die Niederlage 1945, hg. von Percy Ernst Schramm, Okt. 1962 (477 Seiten) 
= Einleitung des Herausgebers, KTB 1. 1. 1945 bis Schluß nebst Dokumenten 
und Anhängen. 



den Jahren 1933—45 erhaltenen Dokumente — soweit sie Gewicht haben — in 
einwandfreier Weise zu publizieren; denn auf diese Weise wird erhärtet, was 
in dieser furchtbaren Phase der deutschen Geschichte geschehen ist, wird aber 
auch am besten der Gefahr neuer Legendenbildungen vorgebeugt. Es gibt im= 
mer noch Menschen, die den Erkenntnissen, die sich aus den Dokumenten er= 
geben, zu entfliehen trachten, aber ihre Zahl nimmt ständig ab. Entsprechend 
wächst die Zahl derer, die authentische Information verlangen. Wir konnten 
das ablesen an den überraschend hohen Absatzzahlen einiger Taschenbuchs 
und Paperback=Ausgaben, durch die Teile unserer Veröffentlichung einem 
breiten Publikum zugänglich gemacht worden sind 7 . 

In diesem Sinne möchten wir unsere sieben Bände nicht nur als eine wissen= 
schaftliche Publikation betrachtet wissen, die ihren Teil zu der für die wissen= 
schaftliche Forschung erforderlichen Dokumentation beiträgt, sondern auch 
mithelfen bei dem geistigen Gesundungsprozeß, der uns aus den bis 1945 über 
Deutschland lagernden Nebelschwaden falscher oder entstellter Informationen 
herausführt. 

Dieses Vorwort unterschreibe ich achtzehn Jahre nach dem Tage, an dem ich 
aus der Gefangenschaft entlassen wurde, bedrückt von schweren Sorgen um die 
Zukunft. Wer hätte damals zu hoffen gewagt, daß es uns bald vergönnt sein 
würde, wieder ungestört wissenschaftlicher Arbeit nachgehen zu können? Es 
ist gut, sich immer von neuem darauf zu besinnen. 

Göttingen, den 5. Okt. 1964 Percy Ernst Schramm 



Vorbemerkung des Bearbeiters 

Der vorliegende erste Band des Kriegstagebuches des Oberkommandos der 
Wehrmacht, der den Zeitraum vom 1. August 1940 bis zum 31. Dezember 1941 
umfaßt, setzt sich aus folgenden Beständen zusammen: 

1, Aus dem von Helmuth Greiner geführten Kriegstagebuch des WFSt vom 
1. August 1940 bis zum 24. März 1941. Dieses ist hier nach der erhalten 
gebliebenen Kopie Greiners abgedruckt worden (Nachlaß Greiner/14, Bun= 
desarchiv Koblenz. Maschinengeschrieben). (Vgl. S. 1—367.) 

2. Aus Aufzeichnungen Greiners vom 22. 8. 1939 (vgl. S. 947 ff.), vom 25. 9. 1939 
(vgl. S. 930 mit Anmerkung 1), vom 27. 9. 1939 (vgl. S. 951), vom 8. 11. 1939 
(vgl. S. 931 f.) und vom 23. 7. 1941 (vgl. S. 1034 mit Anmerkung 1). Dies 



sind Bruchstücke aus dem verloren gegangenen Kriegstagebuch. Wie Grei= 
ner festgehalten hat, sind die „letzteren insofern von Bedeutung, als es sich 
dabei hauptsächlich um die ursprünglichen Fassungen besonders wichtiger 
Tagebuchstellen handelte, die mit Rücksicht auf Hitler durch abgeschwächte 
Formulierungen ersetzt werden mußten"*. (Abgedruckt nach: Greiner 
Nachlaß Bundesarchiv.) 

3. Aus den täglichen handschriftlichen Aufzeichnungen Greiners, nach denen 
er das Kriegstagebuch diktiert hat: vom 8. August 1940 bis zum 25. Juni 1941 
(vgl. S. 15— 410 stets unter dem Vermerk: handschriftlich). (Abgedruckt nach : 
Nachlaß Greiner/18, Bundesarchiv Koblenz.) 

4. Aus dem Kriegstagebuch der Operationsabteilung des Generalstabs des 
Heeres (Chef: Gen. Heusinger) vom 27. 5. 1941 bis zum 4. 9. 1941 (vgl. 
S. 411— 489). (Abgedruckt nach: Filmrolle 305 aus der U5=Serie „T— 78". 
Vgl. Guides to German Records microfilmed at Alexandria, Va. Nr. 30. 
Records of Headquarters, German Army High Command, Part III, Wa= 
shington 1961, S. 17.) 

5. Aus Tagesmeldungen der Operationsabteilung des Genst.d.H. v. 22. 6. — 
6. 12. 1941. (Abgedruckt nach: Der Feldzug gegen Sowjet=Ruß1and I. Teil. 
Auszüge aus den Tagesmeldungen der Operationsabteilung des Gene= 
ralstabes des Heeres.) 

Hierzu teilte Herr Oberst i. G. W. Schall dem Bearbeiter folgendes mit: 
„Aufgrund meiner Tätigkeit im OKH, Op.Abt., in der Zeit vom 1. 7. 1943 
bis 1. 10. 1944 erhielt ich im Sommer 1944 wie alle anderen Angehörigen 
der damaligen Op.Abt. von Gen. Heusinger, dem Chef der Abt., den Zu= 
sammendruck ,Der Feldzug gegen Sowjetrußland'. Ich schätze, daß zwischen 
50—100 dieser Broschüren damals in der Druckerei des OKH angefertigt 
worden sind." 

General Heusinger hat über die Gründe, die ihn zur Herstellung des Zu= 
sammendruckes veranlaßten, folgendes erklärt: 

„Je länger der Krieg dauerte, umso weniger waren objektive militärische 
Meldungen an oberster Stelle erwünscht, umso mehr trat Wunschdenken an 
ihre Stelle. Das war der Grund, warum ich seinerzeit vor Beginn des 
Balkanfeldzuges die Zusammenfassung der Meldungen der Operations= 
abteilung des Generalstabes des Heeres anordnete. Sie sollten die nüchter= 
nen Tatsachen enthalten ohne politische oder persönliche Rücksichten. Diese 
Meldungen wurden täglich dem Wehrmachtführungsstab übermittelt." (Brief 
vom 15. 10. 1963.) 

6. Aus den geheimen Zusammenstellungen wichtiger militärischer Nachrichten 
des OKW, Amt Ausland/ Abwehr vom 8. 12. bis zum 31. 12. 1941 (vgl. S. 797 
mit Anm. 1—873). (Abgedruckt nach: Filmrolle „T—77", 928—931, US= 
Katalog Nr. 19, Washington i960, S. 3 vgl. Punkt 4.) 

* Vgl. Greiner, H., Die Oberste Wehrmachtführung 1939— 1943, Wiesbaden 1951, S. 19. 



Vorbemerkung des Bearbeiters 

Die Aufnahme der Teile 4, 5 und 6 in das Kriegstagebuch des OKW ist 
insofern vollauf gerechtfertigt, weil diese direkt oder indirekt als Arbeits« 
unterlagen für die Abfassung des KTB zur Verfügung gestanden haben. 
(Vgl. die Bemerkung Heusingers oben.) 

7. Der Dokumentenanhang zum KTB ist unter vier Gesichtspunkten zu= 
sammengestellt worden: 

a) Da die meisten Anlagen zum Kriegstagebuch des OKW verloren ge= 
gangen sind (vgl. die zahlreichen Hinweise von Greiner in den Seiten 8 ff. : 
„in den Akten . . ."), wurden wichtige OKW=Weisungen und Befehle, 
soweit sie bisher noch nicht an anderer Stelle publiziert worden sind, 
erstmals als eine Art von Anlagen zum KTB abgedruckt. Sie sind den 
amerikanischen Dokumentenserien (Mikrofilme) der Kataloge 17, 18 
und 19 entnommen. (Dort finden sich weitere Hinweise.) 

b) Um Organisation und Dienstanweisungen des OKW zu verdeutlichen, 
wurde die letzte Kriegsspitzengliederung vor Ausbruch des Krieges im 
vollen Wortlaut veröffentlicht (vgl. S. 877—946). 

c) Durch einige Statistiken sollen der materielle Einsatz und die Verluste 
des Heeres bis zum Ende Dezember 1941 veranschaulicht werden (vgl. 
S. 1101—1121). 

d) Die schematischen Kriegsgliederungen geben Auskunft über Aufmarsch 
und Unterstellungsverhältnisse am 8. 6. 1940, 25. 6. 1940, 21. 12. 1940, 
5. 4. 1941, 27. 6. 1941 und 3. 9. 1941 (zusätzlich wurde ein Nachtrag 
vom 30. 4. 1945 aufgenommen). 

8. Der Band schließt mit einer von A. Hillgruber und G. Hümmelchen erarbei= 
teten umfassenden Chronik der Ereignisse vom 1. 9. 1939 bis zum 31. 12. 1941, 
einer Art Kriegsgeschichte im Überblick. Sie ist als wesentliche Ergänzung 
des darstellenden und dokumentarischen Teils gedacht. Da sie viele Einzel= 
heiten wie Befehlsverhältnisse, Stärken, Luft= und Tonnagekrieg, Opera= 
tionen und die wichtigsten politischen Ereignisse enthält, konnte die Ein= 
führung zum KTB, Bd. I von dem rein Faktischen weitgehend entlastet 
werden. 

Für die Zeit vom 1. 9. 1939 bis zum 31. 7. 1940 muß das Kriegstagebuch des 
WFSt als verloren gelten; darauf ist schon in der Einführung zum Bd. IV 
und II hingewiesen worden. Diesen Abschnitt des Krieges durch Lageberichte 
oder andere Kriegstagebücher zu belegen, hätte bedeutet, den Umfang des 
vorliegenden Bandes fast zu verdoppeln. Daher wurde darauf bewußt ver= 
ziehtet, zumal auf verschiedene Quelleneditionen, Studien und Darstel= 
lungen über diese Kriegsmonate verwiesen werden kann (s. das Kapitel II: 
„Zur Literatur von Politik und Kriegführung 1939—1941"). 
In diesem Zusammenhang ist noch auf einen anderen Gesichtspunkt hinzu= 
weisen: fraglos ist die jetzige Zerstreuung der OKW= Akten mehr als will= 
kürlich bedingt durch den Zusammenbruch 1945 und seine Folgen. Es wird 
in Zukunft darauf ankommen, die ursprüngliche Registratur wieder zusam= 

13 E 



Vorbemerkung des Bearbeiters 

menzufügen, um die arbeitenden Behörden (bzw. Dienststellen) sichtbar zu 
machen. Dann erübrigt sich auch die bisherige Zitierweise nach den bunt 
durcheinandergefilmten US=Serien. 
9. Im Mittelpunkt der Einführung zum KTB, Bd. I stehen drei Kapitel : 
das erste enthält Lebensdaten und Notizen des ersten Kriegstagebuch= 
führers des WFSt, H. Greiner. Diese Hinweise zur Person sind allein schon 
deshalb gerechtfertigt, weil Greiners Aufzeichnungen den wichtigsten Teil 
der Dokumentation ausmachen. Im zweiten Kapitel wird der allgemeine 
militärpolitische Rahmen der deutschen Kriegführung in den Jahren 1939 
bis 1941 skizziert und zwar in der Weise, daß die Wechselwirkung von 
Kriegszielen und Kriegsplan Deutschlands in einem kurzen Überblick 
behandelt wird. Schließlich wird im dritten Kapitel das System der Obersten 
Deutschen Wehr macht führung, d.h. die Formen der direkten und indirekten 
Führung in ihren Grundzügen untersucht. Die beiden letzten Kapitel sollen 
vor allem die Eintragungen im KTB und die zusätzlichen Dokumente im 
großen erläutern und dem Benutzer des KTB das Verständnis für die 
Zusammenhänge von Politik und Kriegführung in diesem Zeitraum er= 
leichtern. 

Für Unterstützung und Anregungen bei der Bearbeitung des Band I möchte 
ich vor allem danken Frau Asta Greiner (Wiesbaden), die mir freundlicherweise 
Unterlagen aus dem Nachlaß ihres Gatten zugänglich gemacht hat; außerdem 
den Herren: Großadmiral a. D. Dönitz (Aumühle), Gen. Lt. a. D. G. Engel 
(Oberbolheim) und Gen.d.Geb.Tr. a. D. A. Winter, (Oberammergau) für ihre 
wertvollen Auskünfte; Prof. Dr. W. Hubatsch (Bonn), Oberarchivrat Dr. Momm= 
sen (Koblenz), Gen.Major a.D. A. Philippi (Ziegelhausen b. Heidelberg), Oberst 
W. Schall (Bonn), der mir die OKH=Lageberichte zur Verfügung gestellt hat; 
V. Admiral a. D. W. G. Wagner (Hamburg), Gen.d.Artl. a. D. W. Warlimont 
(Gmünd), Oberst a. D. Wien (Bad Godesberg) und meinen Freunden Dr. A. 
Hillgruber (Marburg), Dr. Hümmelchen und Dr. Rohwer (Stuttgart). 

Mein besonderer Dank gilt meinem verehrten Lehrer, Herrn Prof. P. E. 
Schramm, der auch die Herausgabe des Ersten Bd. mit Rat und Aufmunterung 
begleitet hat. 

Bonn, im Dezember 1964 Hans= Adolf Jacobsen 



14 



INHALT 



A. EINFÜHRUNG 

I. Zur Literatur von Politik und Kriegführung 1939—1941 23 E 

a) Quellen 23 E 

b) Memoiren 25 E 

c) Monographien und Artikel . . 25 E 

II. Der erste Führer des Kriegstagebuches des WFSt: Helmuth Greiner ... 29 E 

a) Zum Werdegang 29 E 

b) Zum Kriegstagebuch des WFSt . 31 E 

c) Aus den persönlichen Notizen Greiners im FHQu und in Rom 1942/43 33 E 

III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 — Ein Überblick 41 E 

1. Phase : Die Niederwerfung und neue Aufteilung Polens 1939 .... 42 E 

2. Phase: Die versuchte Ausschaltung der Westmächte als Machtfaktoren 

auf dem Kontinent 49 E 

3. Phase: Die „Neue Ordnung" in Europa unter deutscher Hegemonie . . 63 E 

4. Phase : Auf dem Weg zum „Großgermanischen Reich" : 

Der Feldzug gegen die Sowjetunion . . • 87 E 

5. Phase: Die Ausweitung zum Weltkrieg: 

Zur Kriegserklärung Deutschlands an die USA am 11. 12. 1941 . 103 E 

IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 — 

Ein systematischer Überblick 111 E 

A. Zur Kriegsspitzengliederung der deutschen Wehrmacht 111 E 

B. Die direkte Führung . . . 130 E 

a) Die Regel 132 E 

aa) Das „geschriebene" Gesetz 132 E 

1. Politischer Entschluß, strategische Entscheidung 

und operative Führung 132 E 

2. Der tägliche Lagevortrag als Befehlsausgabe 138 E 

3. Die Weisungen für die Kriegführung 144 E 

4. Andere schriftliche Befehlsformen 150 E 

5. Die zweiseitigen Besprechungen mit den Ob.Kdos 

der Teilstreitkräfte 153 E 

6. Die Zusammenarbeit der Ob.Kdos untereinander und mit dem OKW 169 E 
bb) Das „ungeschriebene" Gesetz 174 E 

7. Hitlers Eingriffe in die operative Kriegführung 174 E 

8. Die Schlüsselpositionen des „Inneren Kreises" 184 E 

15 E 



b) Die Ausnahme lgo g 

9. Der Ministerrat für die Reichsverteidigung i 9 o E 

10. Die Koalitionsbesprechungen 10 2 E 

11. Gipfelbesprechungen mit den drei Ob.Kdos 198 E 

12. Das Gespräch unter vier Augen 200 E 

13. Fachvorträge und Berichterstattung 203 E 

14. Die Frontreisen 207 E 

C. Die indirekte Führung (geistige Kriegführung) 210 E 

a) öffentliche Mittel 210 E 

15. Der militärpolitische Rechenschaft^ und Lagebericht im Reichstag . 210 E 

16. Der Wehrmachtbericht 212 E 

17. Proklamationen, Aufrufe, Erlasse und Tagesbefehle 

des Obersten Befehlshaber an die Wehrmacht 215 E 

18. Die Auszeichnung 217 E 

19. Frontbesuche im Zeichen der Verbundenheit von Oberster Führung 

und kämpfender Truppe 219 E 

b) Nichtöffentliche Mittel 220 E 

20. Der Appell im großen Rahmen 220 E 

21. Der „Befehlsempfang" im beschränkten Kreis 223 E 

Bemerkungen zur Einführung 223 E 



B. KRIEGSTAGEBUCH 1940-1941 

Das dritte Quartal 1940 (1. August bis 30. September) 

August 1940 3 

September 1940 56 

Das vierte Quartal 1940 

Oktober 1940 101 

November 1940 142 

Dezember 1940 194 

Das erste Quartal 1941 (1. Januar bis 31. März) 

Januar 1941 244 

Februar 1941 292 

März 1941 339 

Das zweite Quartal 1941 (1. April bis 30 Juni) 

April 1941 373 

Mai 1941 390 

Juni 1941 399 

Das dritte Quartal 1941 (1. Juli bis 4. September) 

Juli 194a 424 

August 1941 430 

September 1941 485 

Tagesmeldungen der Operations=Abteilung des Gen.St.d.H. 

vom 22. 6. bis 6. 12. 1941 490 

OKW=Lageberichte v. 7. 12. bis 30. 12. 1941 797 

16 E 



C. DOKUMENTEN-ANHANG 
ZUM KRIEGSTAGEBUCH 1939-1941 

I. Kriegsspitzengliederung des Oberkommandos der Wehrmacht 877 

Arbeitspläne 907 

IL 1939 

1. Ansprache des Führers auf dem Berghof am 22. 8. 1939 947 

2. Notiz vom 25. 9. 1939 950 

3. Aktennotiz vom 27. 9. 1939 951 

4. Aktennotiz vom 8. 11. 1939 951 

5. Vortragsnotiz vom 31. Oktober 1939 952 

1940 

6. Denkschrift über die Steigerung der Munitionsfertigung v. 19. 1. 1940 . . 955 

7. Steigerung der Werkzeugmaschinenerzeugung 957 

8. Aktennotiz vom 27. Januar 1940 959 

9. Aktenvermerk über eine Besprechung am 29. 1. 1940 958 

10. Der Stand der Rüstung und die kriegswirtschaftliche Lage am 1. 2. 1940 . 960 

11. Gesamtbestand an Kampfflugzeugen der flieg. Verbände 961 

12. Facharbeiterbedarf der Werkzeugmaschinenindustrie 961 

13. Rüstungssteigerung 1940 962 

14. Aktennotiz vom 8. 2. 1940 902 

15. Waffen und Munition v. 2. 3. 1940 963 

16. Niederschrift des L IH v. 15. 4. 1940 963 

17. Vortragsnotiz vom 30. 5. 1940 964 

18. Aktennotiz vom 31. 3. 1940 964 

19. Schreiben Marschall Petain v. 17. 7. 1940 965 

20. Vorläufige Verwaltung im Elsaß, in Lothringen und in Luxemburg . . 966 

21. Fernschreiben vom 18. 8. 1940 967 

22. Flakschutz 968 

23. Aktennotiz über die Entwicklung der Rüstungslage im Sommer 1940 . . 968 

24. Bestimmungen zur Einschränkung von Kampfhandlungen 970 

25. Fernschreiben — Marsch= und Transportbewegungen 971 

26. Unternehmen „Seelöwe". Gruppe XXI v. 27. 8. 1940 971 

27. Vorbereitung des Unternehmens „Seelöwe" 972 

28. Richtlinien für die Durchführung der Transportbewegung 

und des Nachschubes beim Unternehmen „Seelöwe" 972 

29. Unterlagen für den Nachrichtendienst 973 

30. Führerbefehl vom 8. September 1940 973 

31. Behandlung der „Nordostlinie" in Frankreich 974 

32. Besprechung bei Generalfeldmarschall Keitel am 20. September 1940 . . 975 

33. Luftangriffe im Kanalgebiet 976 

34. Luftmineneinsatz 977 

35. Aufteilung von Elsaß, Lothringen und Luxemburg 

in die Wehrkreise V und XII 977 

36. Fernschreiben Ob.d.L 977 

37. Aufzeichnung über die Unterredung mit General Huntziger v. 31. 10. 1940 979 

17 E 



38. Besprechungen Gen.Feldm. Keitel, Marschall Badoglio 980 

39. Luftlandetruppen 980 

40. Stellungnahme zur Vortragsnotiz des Wi und RüAmtes vom 30. xx. 1940 981 

41. Vortrag beim Führer am 5. Dezember 1940 981 

42. Vortragsvermerk. 2. Pariser Besprechung vom 10. 12. 1940 982 

43. Aufzeichnung vom xo. Dezember 1940 984 

44. Deutsche militärische Vorbereitungen auf dem Balkan 994 

45. Aufzeichnung vom 21. Dezember 1940 996 

1941 

46. Aufzeichnung vom 9. Januar 194X 997 

47. Anhaltspunkte für eine neue Weisung über die Kriegsführung 

gegen die englische Wirtschaft 998 

48. Besprechung über Fall Barbarossa und Sonnenblumen am 3. 2. 41 . . . xooo 

49. Vortragsnotiz vom 4. Februar 1941 xooo 

50. Protokoll zur Lage des Durchmarsches der deutschen Truppen 

durch Bulgarien xoox 

51. Aufzeichnung vom X9. Februar X94X X004 

52. Aufzeichnung vom x. März X94X X005 

53. Aufzeichnung vom 25. März X94X Belagerung Englands xooö 

54. Kampfanweisung für die Verteidigung Norwegens X007 

55. Aufzeichnung vom 3. April X94X X009 

56. Aufzeichnung vom x6. April X94X Kapitulationsangebote xoxo 

^7. Weisung an den Wehrmachtbefehlshaber Norwegen 

über seine Aufgaben im Fall „Barbarossa" xoxx 

^8. Aufzeichnung vom X7. April X94X X0X3 

59. Aufzeichnung vom X9. April X94X 10x4 

60. Besprechung Staatssekretär Milch am 26. 6. X94X xoxö 

6x. Sonderakte vom 26. Juni X94X X0X9 

62. Sonderakte vom 27. Juni 194X X0X9 

63. Erlaß des Führers über die Wirtschaft in den neubesetzten Ostgebieten 

vom 29. Juni X94X X0X9 

64. Sonderakte vom 29. Juni X94X 10x9 

65. Erwägungen des Führers am 30. Juni X94X X020 

66. Erwägungen am 3. Juli X94X X020 

67. Sonderakte vom 4. Juli X94X X020 

68. Fernmündliche Unterrichtung des Ob.d.H. durch Chef WFSt 

am 5. Juli X94X X020 

69. Sonderakte vom 8. Juli X94X (Anlage X3) X02X 

70. Sonderakte vom 8. Juli X94X (Anlage 14) X02X 

7X. Sonderakte vom 14. Juli X94X X022 

72. Vortragsnotiz vom X5. Juli X94X X022 

73. Vortragsnotiz zu Bemerkungen des Herrn Chefs des Generalstabes 
betreffend Sicherung des russischen Raumes X026 

74. Erlaß des Führers über die Verwaltung der neubesetzten Ostgebiete 

vom X7. Juli X94X X027 

75. Erlaß des Führers über die polizeiliche Sicherung 

der neubesetzten Ostgebiete vom X7. Juli X94X X028 

18 E 



j6. Führererwägung am 17. Juli 1941 1029 

77. Besuch des Führers bei Heeres=Gruppe Nord am 21. Juli 1941 .... 1029 

78. Sonderakte vom 23. Juli 1941 1030 

79. Führerweisungen am 23. Juli 1941 1031 

80. Aus dem KTB vom 23. Juli 1941 1034 

81. Besprechung des Chefs OKW mit Oberbefehlshaber 

der Heeresgruppe Mitte am 25. Juli 1941 *°35 

82. Sonderakte vom 27. Juli 1941 1036 

83. Erläuterungen zur Karte v. 27. 7. 1941 1037 

84. Operation aus Nordkaukasien über den Kaukasus 1038 

85. Sonderakte vom 28. Juli 1941 1040 

86. Erwägungen und Anordnungen des Führers am 28. Juli 1941 1040 

87. Sonderakte vom 29. Juli 1941 1041 

88. Besprechung gelegentlich Anwesenheit des Führers X041 

89. Lagebeurteilung zur Lagenkarte vom 10. 8 1043 

90. Sonderakte vom 12. August 1941 1044 

91. Aktenvermerk vom 15. August 1941 1045 

92. Aktenvermerk über die Chefbesprechung bei Gen.Feldm. Keitel . . . 1045 

93. Niederschrift Besprechung Chef OKW mit den Wehrmachtteilen 

am 16. 8. 1941 1047 

94. Beurteilung der Ostlage durch OKW/WFSt/Abt. L am 18. August 1941 . 1054 

95. Vorschlag für Fortführung der Operation der Heeresgruppe Mitte . . . 1055 

96. Neugliederung und Umrüstung des Heeres 1059 

97. Sonderakte vom 20. August 1941 1061 

98. Operative Gedanken des Führers und Weisungen am 21. August 1941 . 1061 

99. Aufzeichnung vom 21. August 1941 1062 

100. Studie vom 22. August 1941 1063 

101. Aufzeichnung vom 16. September 1941 1068 

102. Aufzeichnung vom 5. Oktober 1941 1069 

103. Fernschreiben vom 12. Oktober 1941 1070 

104. Ausbau und Verteidigung der englischen Kanalinseln 1071 

105. Besprechung bei OQu. I am 24. Oktober 1941 1072 

106. Aufzeichnung am 6. November 1941 i°74 

107. Feindlage und Kampfführung im Osten i°75 

108. Weisung für die Aufgaben des Ostheeres im Winter 1941/42 .... 1076 

109. Fernschreiben vom 16. Dezember 1941 1083 

110. Fernschreiben vom 18. 12. 1941 1084 

111. Fernschreiben vom 21. 12. 1941 1085 

112. Ermächtigung Generalfeldmarschalls von Kluge, 

den rechten Flügel nach Westen abzusetzen 1086 

113. Aufzeichnung vom 26. Dezember 1941 1086 

114. Vortrag des Generals der Infanterie Thomas 1088 

115. Weisung für die Kampfführung im Osten nach Abschluß des Winters . 1093 



19 E 



D. ANHÄNGE 

Statistik 

Munitionslage — Stand vom 21. Juni 1941 1101 

Ab= und Zugänge an gepanzerten Kraftfahrzeugen 1104 

Kraftfahrzeuge aller Art ohne Panzer 1105 

Personelle Lage — Stand vom 31. Dezember 1941 1106 

Kriegsgefangene — 1. 9. 1939 bis 20. 12. 1941 1106 

Beute im Osten an Waffen, Gerät, Munition, Kfz., Pferden, Flugzeugen, 

Bekleidung und Ausrüstung sowie sonstiges Gerät in der Zeit vom 

10. bis 20. 12. 1941 1107 

Munitionslage — 3. Monatsdrittel Dezember 194a 1110 

Verluste an Waffen im Osten ab 22. 6. 1941 bis 31. 12. 1941 1115 

Verluste an Waffen beim Deutschen Afrikakorps ab Februar 1941 

bis 31. 12. 1941 1117 

Verluste an Waffen im Westen ab 21. 6. 1941 bis 31. 12. 1941 1118 

Verluste an Fahrzeugen des Allgem. Heeresgeräts im Osten 

ab 22. 6. 1941 bis 31. 12. 1941 1119 

Personelle Verluste ab 22. 6. 1941 bis 31. 12. 1941 1120 

Schematische Kriegsgliederung 

vom 8. 6. 1940 früh 1122 

vom 25. 6. 1940 früh 1124 

vom 21. 12. 1940 1127 

vom 5. 4. 1941 1131 

vom 27. 6. 1941 früh 1133 

vom 3. 9. 1941 al 39 

vom 30. 4. 1945 "45 

Chronik 

1939 "49 

1940 115 6 

1941 1188 

Nachträge und Berichtigungen 

zum 22. 4. 1941 und 22. 5. 1941 1244 

zum KTB II (1942) 1245 

zum KTB III (1943) 1246 

zum KTB IV (1944/45) 12 47 

Verzeichnis der Abkürzungen 1255 

Register 1269 

21. 6. 1941: 

Zahlenmäßige Übersicht über die Verteilung der deutschen Divisionen und 

Heerestruppen. 



A. Einführung 



Einführung 

I. Zur Literatur von Politik und Kriegführung 1939-1941 

Politik und Kriegführung Deutschlands in den Jahren 1939 bis 1941 sind seit 
langem ein bevorzugtes Studienobjekt der wissenschaftlichen Forschung. Dafür 
sprachen einmal die relativ günstige Quellenlage, zum anderen die Tatsache, 
daß in dieser Periode des Krieges eine Reihe der wichtigsten Entscheidungen auf 
deutscher Seite fielen, die für den weiteren Verlauf des ganzen Krieges in 
Europa schicksalhafte Bedeutung und für den Forscher besonderen Reiz be= 
saßen. Zahlreiche Einzelstudien sind seit 1950 erschienen, ebenso mehrere 
beachtliche Dokumentationen, die im großen und ganzen einen guten Über= 
blick über die Ereignisse bis zur Schlacht um Moskau gewähren. Sie insgesamt 
kritisch zusammenzufassen würde den Rahmen einer Einführung zum KTB bei 
weitem sprengen. Aber wesentlicher ist noch ein anderer Gesichtspunkt: in ab= 
sehbarer Zeit werden zwei grundlegende Monographien zur deutschen Politik 
und Kriegführung der Jahre 1939—41 erscheinen, die nicht nur zahlreiche noch 
offene Fragen beantworten, sondern auch eine erste große Bestandsaufnahme 
dieses Kriegsabschnittes enthalten werden. A. Hillgruber hat in umfassender 
Weise die große Politik und Strategie vom Juni 1940 bis zum Ausbruch des 
deutsch=russischen Feldzuges 1941 vor dem Hintergrund der weltpolitischen 
Entscheidungen behandelt; eine solche Untersuchung hat die internationale 
Forschung schon seit langem vermißt. Und E. Jäckel hat das deutsch=französi= 
sehe Verhältnis in den Jahren von 1940—1945 analysiert. Beide Arbeiten werden 
bis 1966 im Druck vorliegen; damit sind dann zwei wichtige Lücken gefüllt. 

Insgesamt kann der Historiker oder der historisch Interressierte für die 
deutsche Kriegführung in den Jahren 1939—1941 als Ergänzung und zum 
weiteren Verständnis der Zusammenhänge auf folgende Quellenpublikationen, 
Memoiren und Einzeluntersuchungen bzw. Darstellungen zurückgreifen: 

a) Quellen 

1. Auswärtige Politik 

Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik 1918—1945. Aus dem Archiv des Aus= 
wärtigen Amtes. Serie D 1937—1945, Bd. VIII (September 1939 — März 1940); 
Bd. IX (März— Juni 1940); Bd. X (Juni— August 1940); Bd. XI (in Vorbereitung), 
Frankfurt 1961—1963. 

23 E 



A. Einführung 

Für die Zeit vom i. 9. 1940 bis zum 11. 12. 1941 ist vorerst noch die englisch' 

amerikanische Ausgabe heranzuziehen: 

Documents on German Foreign Policy 1918 — 1945, London— Washington 1961 ff. : 

vol. XI (September 1940— Januar 194X) ; vol. XII (Februar— Juni 1941) und vol. XIII 

(23. 6.— 11. 12. 1941). 

Vgl. aber die ungedruckten Bestände (Übersicht in: Jacobsen, H.=A., Zur Kon= 

zeption einer Geschichte des Zweiten Weltkrieges 1939 — 1945, Frankfurt 1964, 

S. 159 f.: Das politische Archiv des Auswärtigen Amtes in Bonn). 

2. Allgemein zur Politik und Kriegführung 

Domarus, M., Hitler. Reden und Proklamationen 1932—1945, Bd. II: Untergang 

(1939—1945), Würzburg 1963; 

Frank, H., Auszüge aus dem Tagebuch, in: Piotrowski, St., Hans Franks Tage= 

buch, Warschau 1963, S. 277 ff.; 

Hubatsch, W., „Weserübung". Die deutsche Besetzung von Dänemark und Nor- 

wegen, 1940, Göttingen i960 (2. Aufl.), S. 231—553; 

Jacobsen, H.=A., Der Zweite Weltkrieg. Grundzüge der Politik und Strategie in 

Dokumenten, Fischer=Bücherei 1965; 

Generaloberst Halder, Kriegstagebuch, Bd. I— III (14. 8. 1939—24. 9. 1942), bearb. 

v. H.=A. Jacobsen, Stuttgart 1962—1964; 

Seraphim, H, Das Politische Tagebuch Alfred Rosenbergs aus den Jahren 1934/35 

und 1939/40, Göttingen 1956. 

Picker, H, Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier 1941—1942 neu hrsg. 

v. P. E. Schramm in Zusammenarbeit mit A. Hillgruber und M. Vogt, Stutt= 

gart 1963. 

Außerdem sind zahlreiche wichtige Dokumentationen abgedruckt in: Viertel] ahrs= 

hefte für Zeitgeschichte, München 1954 ff. 

3. Deutsche Kriegführung 

Hubatsch, W., (Hrsg.) Hitlers Weisungen für die Kriegführung 1939—1945, 
Frankfurt 1962; 

Jacobsen, H.=A., 1939—1945. Der Zweite Weltkrieg in Chronik und Dokumenten. 
Darmstadt 1962 (6. Aufl.); 

ders., Dokumente zur Vorgeschichte des Westfeldzuges 1939 — 1940, Göttingen 
1956; 

ders., Dokumente zum Westfeldzug 1940, Göttingen i960; 

Das dienstliche Tagebuch des Chefs des Wehrmachtführungsamtes, Gen.Major 
Jodl, für die Zeit vom 13. 10. 1939 bis zum 30. 1. 1940, hrsg. v. W. Hubatsch, in: 
Die Welt als Geschichte 1952/53; 

für die Zeit vom 1. 2. bis zum 26. 5. 1940, in: IMT, Blaue Serie, Bd. XXVIII, Dok. 
PS— 1809. 

Klee, K. (Hrsg.), Dokumente zum Unternehmen „Seelöwe". Die geplante Lan- 
düng in England 1940, Göttingen 1959. 

Zum „Kommissarbefehl" vgl. jetzt: Jacobsen, H.=A., Dokumentation, in: Ana- 
tomie des SS=Staates, Bd. II, Freiburg 1965, S. 198 ff. 

In Vorbereitung befindet sich:G. Wagner und G. Hümmelchen, Die Lagebespre» 
chungen der Seekriegsleitung mit Hitler 1939—1945 (vorerst ist noch auszu- 
werten: Fuehrer Conferences on Naval Affairs, 1939—1945, in: Brassey's Naval 
Annual 1948, S. 29—496.) 

Zum ungedr. Material vgl. : Jacobsen, Zur Konzeption einer Geschichte des Zwei- 
ten Weltkrieges, a.a.O., S. 128 ff. (Bestände des Bundesarchivs Koblenz, des In- 
stituts für Zeitgeschichte, der Dokumentenzentrale im Militärgeschichtlichen For- 

24 E 



I. Zur Literatur von Politik und Kriegführung 1939—1941 

schungsamt, Freiburg und des US=Komitees für Kriegsdokumentation. In diesem 
Zusammenhang ist vor allem auf folgende Kataloge des National Archives, 
aufmerksam zu machen: Nr. 7 (OKW/Wehrwirtschafts= und Rüstungsamt), Nr. 17 
(desgl.), Nr. 18 (OKW) und Nr. 19 (OKW). Vgl. Jacobsen, a. a. O., S. 166 ff. 

b) Memoiren 

Vgl. hierzu die Bibliographie von H.=A. Jacobsen, Zur Konzeption einer Ge= 
schichte des 2. Weltkrieges, Schriften der Bibliothek für Zeitgeschichte, Stutt= 
gart 1964, S. 66—67. Die in Klammern gesetzten Ziffern beziehen sich auf die 
lfd. Nr. der Bibliographie: 

1. Politik 

Abetz (110), deutsch=französisches Verhältnis; Gisevius (117), deutsche Opposi= 
tion gegen Hitler; Hassell (121), deutsche Opposition gegen Hitler; Kordt (129), 
Außenpolitik allg.; Papen (135), deutsch=türkische Beziehungen; Rahn (137), 
Aufzeichnungen eines Diplomaten; Schellenberg (144), Abwehrdienst; Schmidt, 
P. (146), Bericht des Chefdolmetschers; Weizsäcker, Frhr. v. (149), Erinnerungen 
des Staatssekr. des Auswärtigen Amtes. 

2. Kriegführung 

Allgemein: Keitel (167); Lossberg (171) und Warlimont (191). 

Landkrieg: Choltitz (153), Polen, West= und Ostfeldzug; Dietl (154), Norwegen; 

Guderian (162), Polen=, West= und Ostfeldzug; Manstein (172), Polen=, West= 

und Ostfeldzug; Paulus (173), Sommer 1940 und Ostfeldzug; Rintelen, E. v., 

deutsch=italien. Koalitionskriegführung; Rommel (184), Nordafrika; Senger und 

Etterlin (188), West= und Ostfeldzug; Westphal (192), West= und Afrika» 

feldzug. Vgl. außerdem: Wagner, Ed., Der Generalquartiermeister, hrsg. v. 

E. Wagner, München— Wien 1963 (Polenfeldzug). 

Luftkrieg: Baumbach (151); Galland (159); Kesselring (168); Rieckhoff (182). 

Seekrieg: Doenitz (153); Raeder (175). 

c) Monographien und Artikel 

1. Niederwerfung Polens 

Neben der operativen Studie von N. v. Vormann 1 , die einen allgemeinen Über= 
blick über den Verlauf des Feldzuges gibt, ist der Aufsatz von H. Roos 2 heran= 
zuziehen; in diesem finden sich auch entsprechende Hinweise auf die polnische 
Literatur. Planung und Auslösung des „Falles Weiß" sind am besten immer noch 
zusammengefaßt bei: Greiner, H., Die Oberste Wehrmachtführung, 1939—1943, 
Wiesbaden 1951, S. 29 ff. Für die Anfänge nationalsozialistischer Besatzungs= 
politik in Polen ist aufschlußreich die Studie von M. Broszat 3 ; ein Überblick ist 
auch im Polenhandbuch 4 (mit Beiträgen von H. Roos und G. Rhode) enthalten. 

1 Vgl. Jacobsen, H.=A., Zur Konzeption einer Geschichte des 2. Weltkrieges 1939— 
1943. Disposition mit kritisch ausgewähltem Schrifttum (bearbeitet unter Mit= 
Wirkung von Joachim Röseler), Frankfurt a. M. 1964 (Schriften der Bibliothek für 
Zeitgeschichte. Weltkriegsbücherei Heft 2). 

2 Vgl. Roos, H., Der Feldzug in Polen vom September 1939, in: Wehrw v Rdsch. 1959, 
S. 491—512. Vgl. auch: Roos, H., Die militärpolitische Lage und Planung Polens 
gegenüber Deutschland vor 1939, in: Wehrw.Rdsch. 1957, S. 181—202. 

3 Bibliographie, a. a. O. (s. Anm. 1), Nr. 564. 

4 Ebd. Nr. 439. 

25 E 



A. Einführung 

2. Die Besetzung Dänemarks und die Operationen in Norwegen (1939/40) 
Aus deutscher Sicht ist grundlegend die Arbeit von W. Hubatsch; in ihr werden 
Vorbereitungen und Ablauf der militärischen Maßnahmen beider Seiten auf 
einer breiten Quellenbasis geschildert. Als Ergänzung hierzu ist nützlich der 
Abriß von E. Ziemke 5 . 

Für die Anfänge der deutschen Besatzungspolitik in beiden Ländern gewährt 
einen ersten Überblick die Studie von W. Gruchmann*. 

3. Die Auseinandersetzung im Westen (1939/1940) 

Für die militärischen Planungen und Operationen sind wesentlich die Arbeiten 
von Benoist=Mechin, Cras, Ellis, Goutard, Jacobsen, Müller, Liss und Taylor 7 . 
In manchen Teilen überholt, dennoch nützlich ist der Sammelband von Toynbee 8 . 
Zur psychologischen Seite des deutschen Angriffs vgl. den Beitrag v. W. Ritter v. 
Schramm •. 

Zur deutschen Besatzungspolitik in Frankreich ist demnächst grundlegend die 
Untersuchung von E. Jäckel; als Ergänzung immer noch wichtig: Hitlers Europe, 
hrsg. v. Toynbee 10 . 

4. Politik und Kriegführung vom Ende des Westfeldzuges bis zum Beginn des 
Rußlandfeldzuges (1940—1941) 

Neben der schon genannten, in Arbeit befindlichen umfassenden Untersuchung 
Hillgrubers behandeln Klee, Wheatley und Ansel 11 das Unternehmen „See= 
löwe", Bogatsch 12 in einem längeren Beitrag in der Beilage zur Wochenzeitung 
„Das Parlament", „politische und militärische Probleme nach dem Frankreichfeld= 
zug", Detwiler die deutsch=spanischen Beziehungen, Weinberg und Fabry das 
deutsch=russische Verhältnis und Hillgruber die deutsch=rumänische Politik. Das 
deutsch=französische Problem skizzieren Hytier und Geschke 13 . Zur Entstehung 
des Dreimächtepaktes am 27. 9. 1940 ist auf die Arbeit von Th. Sommer 14 zu 
verweisen. 

Leider fehlt bis heute immer noch eine befriedigende Darstellung der deutsch* 
italienischen Zusammenarbeit in den ersten Kriegsjahren. Bis zum Kriegseintritt 
Italiens am 10. 6. 1940 führt die vorzügliche Studie von Siebert 15 ;E.v. Rintelen 1 ' 
hat einen Aufsatz über Mussolinis Parallelkrieg 1940 verfaßt, auf die weitere 



5 Ebd. Nr. 591 und 592. 

6 Ebd. Nr. 757. 

7 Bibliographie, a. a. O. (s. Anm. 1), Nr. 595/96, 597, 598, 599, 601/02, 604 und 
606. Außerdem: Liss, U., Westfront 1939—1940, Neckargemünd 1959. 

8 Bibliographie a. a. O. (s. Anm. 1), Nr. 607. 

9 Vgl. Schramm, Wilhelm Ritter v., Hitlers psychologischer Angriff auf Frankreich, 
in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament" 
v. 1. 2. 1961. 

10 Bibliographie a. a. O. (s. Anm. 1), Nr. 644. 

11 Ebd. Nr. 619, 621, 626. 

12 Vgl. Bogatsch, R., Politische und militärische Probleme nach dem Frankreich» 
feldzug, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung „Das 
Parlament" v. 4. 4. und 11. 4. 1962. 

13 Vgl. Bibliographie a. a. O. (s. Anm. 1), Nr. 610, 583, 507, 671, 612 und 613. 

14 Ebd. Nr. 479. 

15 Ebd. Nr. 643. 

16 Vgl. Rintelen, E. v., Mussolinis Parallelkrieg im Jahre 1940, in: Wehrw.Rdsch. 
1962, S. 16—38. 

26 E 



I. Zur Literatur von Politik und Kriegführung 1939—1941 

Entwicklung geht W. Warlimont in seinem Beitrag in den „Entscheidungs= 
schlachten des Zweiten Weltkrieges" ein 17 . 

Über Politik und Kriegführung in Südosteuropa informiert am zuverlässigsten 
der Bericht von A. Hillgruber 18 . Inzwischen ist noch die Arbeit von Hory und 
Broszat über den kroatischen Ustascha=Staat von 1941—1945 erschienen 19 . L. 
Krecker hat Deutschlands Politik gegenüber der Türkei beschrieben, während S. 
Friedländer Hitlers Verhältnis zur USA von 1939—1941 untersucht hat 20 . 
Für den deutschen Seekrieg ist neben den Arbeiten von Assmann und Rüge 21 
sowie einigen Aufsätzen in der Marinerundschau vor allem auf den Beitrag J. 
Rohwers in den „Entscheidungsschlachten" über die Grundzüge des U=Boot= 
krieges zu verweisen; den ozeanischen Zufuhrkrieg behandeln Bidlingmaier und 

HÜMMELCHEN 22 . 

Nach wie vor bleiben die Operationen der deutschen Luftwaffe in vieler Hinsicht 
ungeklärt. Außer dem allgemeinen Werk von Feuchter 23 gibt es nur ein paar 
Spezialuntersuchungen zur Luftschlacht um England (Weber, Klee, McKee 24 ), 
eine Schrift v. Schellmann 25 über die „Luftwaffe und das ,Bismarck'=Unter= 
nehmen" im Mai 1941, den recht instruktiven Beitrag Herhudt von Rohdens 26 
in dem „Ehrenbuch der deutschen Wehrmacht" und einen Aufsatz aus der Feder 
v. K. Gundelach 27 über die „Führung eines Luftkrieges gegen England bei der 
Luftflotte 2 in den Jahren 1938/39". Der Bericht von C. Bekker, „Angriffshöhe 
4000. Ein Kriegstagebuch der deutschen Luftwaffe", Oldenburg 1964, ist für 
kriegswissenschaftliche Zwecke ungeeignet. 

Für die deutsche Kriegführung an allen Fronten im Jahre 1941 sind einige Auf= 
sätze und Einzeluntersuchungen wichtig: 
Balkanfeldzug: der Überblick von Röhricht 28 und (begrenzt) der Band von 

A. Buchner 29 ; 
Kreta: der Beitrag v. K. Gundelach in den „Entscheidungsschlachten" 30 ; 
Nordafrika: der Aufsatz von Gause 31 ; 
Koalitionskriegführung: die Aufsätze von Hillgruber und Klink 32 - 



17 Vgl. Bibliographie, a. a. O. (s. Anm. 1), Nr. 396. 

18 Ebd., Nr. 648. 

19 Vgl. Hory, L., und Martin Broszat, Der kroatische Ustascha=Staat 1941—1945, 
Stuttgart 1964. 

20 Vgl. Bibliographie a.a.O. (s. Anm. 1), Nr. 944 a und 636. 

21 Ebd. Nr. 831 und 410. 

22 Ebd., 620 und 688. 

23 Ebd. Nr. 397. 

24 Ebd., Nr. 623, 625 und McKee, A., Entscheidung über England, München i960. 

25 Vgl. Schellmann, H., Die Luftwaffe und das ,Bismarck'=Unternehmen im Mai 
1941, Frankfurt 1962. 

26 Vgl. Weltkrieg 1939—1945. Ehrenbuch der Deutschen Wehrmacht, Stuttgart 1954, 
S. 4—104. 

27 Vgl. Gundelach, K., Gedanken über die Führung eines Luftkrieges gegen Eng= 
land bei der Luftflotte 2 in den Jahren 1938/39, in: Wehrw. Rdsch. i960, S. 33—46. 

28 Vgl. Röhricht, E., Der Balkanfeldzug 1941, in: Wehrw. Rdsch. 1961, S. 214—226. 

29 Vgl. Bibliographie, a. a. O. (S. Anm. 1), Nr. 651. 

30 Ebd. Nr. 396. 

31 Vgl. Gause, A., Der Feldzug in Nordafrika 1941, in: Wehrw. Rdsch. 1962, S. 594— 
618. 

32 Vgl. Wehrw. Rdsch. 1958 (Heft 7), 1959 (Heft 11), i960 (Heft 12). 

27 E 



A. Einführung 

5. Der Feldzug gegen die Sowjetunion und die deutsche Herrschaft in Rußland 
Den besten Überblick über die Literatur bietet A. Hillgruber in seinem Kapitel: 
Der deutsch=sowjetische Krieg 1941—1945, in: Die sowjetische Geschichte des 
Großen Vaterländischen Krieges 1941—1945 v. B. S. Telpuchowski, Frankfurt 1961, 
S. 1 E— 12 E. 

Als operative Studie kann die Gemeinschaftsarbeit von PHiLiPFi=Heim 33 gelten; 
als Ergänzung hierzu (für die erste Phase des Ostfeldzuges) ist der Beitrag von 
H. Uhlig 34 wichtig. Den Seekrieg in den osteuropäischen Gewässern hat J. 
Meister 35 beschrieben. 

Ohne Kenntnis der deutschen Besatzungspolitik in Rußland sind Verlauf und 
Ausgang des Rußlandfeldzuges nicht zu verstehen. Hierfür sind grundlegend die 
Arbeiten von A. Dllin und G. Reitlinger 36 . Zum Partisanenkrieg liegt bisher 
nur eine gelungene Arbeit von Howell 37 (USA) vor. 

6. Sonder* und Spezialfragen 

Über die deutsche Militäropposition in den Jahren von 1939 — 1941 unterrichtet 

am besten G. Ritter 38 ; außerdem werden die Tagebücher von Groscurth 39 (in 

der Bearbeitung von H. Deutsch und H. Krausnick) manche neue Aufschlüsse 

für die Zeit 1939/40 vermitteln; G. Rhode 40 gibt einen ersten, knappen Überblick 

über das Protektorat Böhmen und Mähren. 

Für den Sektor der Wehrwirtschaft, Rüstung und Technik sind als Überblicke 

brauchbar: Ploetz, Geschichte des Zweiten Weltkrieges. 2. Teil: Die Kriegsmittel, 

die Untersuchung „Deutsche Industrie im Kriege", die Arbeit von Birkenfeld 41 

über synthetischen Treibstoff und der Aufsatz von A. v. Schell über Motori= 

sierungsprobleme 42 . 

Aspekte der psychologischen Kriegführung stehen im Mittelpunkt der Arbeiten 

von Murawski, Leverkuehn und v. Wedel 43 . 

Über Wehrgesetz und Wehrdienst (Personalwesen in der Wehrmacht) informiert 

R. Absolon 44 , während W. Baum über „Vollziehende Gewalt und Kriegsverwal= 

hing im Dritten Reich" in einem Aufsatz der Wehrw.Rsch. (Heft 9/1956, S. 475 ff.) 

unterrichtet. 

Weitere Literaturhinweise aus dem internationalen Schrifttum finden sich 
in: Jacobsen, H.=A., Zur Konzeption einer Geschichte des Zweiten Weltkrieges, 
Frankfurt 1964, S. 79—112. 

33 Vgl. Bibliographie, a. a. O. (s. Anm. 1), Nr. 684. 

34 Vgl. Uhlig, H., Das Einwirken Hitlers auf Planung und Führung des Ostfeld= 
zuges, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung „Das Par= 
lament" vom 16. 3. und 23. 3. i960. 

35 Bibliographie, a. a. O. (s. Anm. 1), Nr. 683. 

36 Ebd. Nr. 755 und 763. 

37 Ebd. Nr. 873. 38 Ebd., Nr. 847. 39 In Vorbereitung. 

40 Vgl. Rhode, G., Das Protektorat Böhmen und Mähren, in: Aus Politik und Zeit* 
geschichte, Beilage zur Wochenzeitung „Das Parlament" v. 11. 3. 64. 

41 Vgl. Bibliographie, a. a. O. (s. Anm. 1) Nr. 529 und Nr. 521; Birkenfeld, W., Der 
synthetische Treibstoff 1933—1945, Göttingen 1963. 

Vgl. auch: Leeb, E., Aus der Rüstung des Dritten Reiches, Frankfurt 1958. 

42 Vgl. Schell, A. v., Grundlagen der Motorisierung und ihre Entwicklung im Zwei« 
ten Weltkrieg, in: Wehrw. Rdsch. April 1963, S. 210 — 229. 

43 Vgl. Bibliographie, a. a. O. (s. Anm. 1), Nr. 842, 868 und Wedel, H. v., Die Pro= 
pagandatruppen der Deutschen Wehrmacht, Neckargemünd 1962. 

44 Vgl. Bibliographie, a. a. O. (S. Anm. 1), Nr. 508. 

28 E 



II. Der erste Führer des Kriegstagebuches des WFSt: Helmuth Greiner 

a) Zum Werdegang x 

Helmuth Grein er wurde am 20. April 1892 in Leipzig geboren; sein Vater 
Carl, Schauspieler am dortigen Stadttheater, war mit Anna Goldschmidt ver= 
heiratet. Nachdem er die höhere Bürgerschule und die Thomasschule in Leipzig, 
sodann das Johanneum (humanistisches Gymnasium) in Zittau (Sachsen) be= 
sucht und am 6. März 1913 sein Abitur mit „gut" bestanden hatte, trat er als 
Fahnenjunker in das 1. Unterelsässische Inf.Rgt. Nr. 132 in Straßburg (Elsaß) 
ein; in diesem wurde er am 23. Juni 1914 zum Leutnant befördert. Im Ersten 
Weltkrieg wurde er nach zweimaliger Verwundung nicht mehr frontdienstfähig 
geschrieben und daher am 1. Juni 1917 zum Dienst bei dem Militärattache der 
Deutschen Gesandtschaft in Bern (Schweiz) kommandiert. Nach dem Zusam= 
menbruch kam er zunächst zur kriegsgeschichtlichen Abteilung des General= 
Stabes in Berlin. Als im Herbst 1919 das Reichsarchiv in Potsdam neu errichtet 
wurde, übernahm Greiner dort die Stelle eines Hilfsarchivars. Am 9. April 1920 
wurde er mit dem Charakter als Hauptmann aus dem aktiven Heeresdienst 
entlassen. 

Nach vierjähriger Ausbildung und Tätigkeit als Archivar wurde Greiner in 
die Historische Abteilung des Reichsarchivs versetzt, um an der amtlichen Ge= 
schichte des Weltkrieges von 1914—1918 mitzuarbeiten. Große Teile dieses bis 
zu 12 Bänden gediehenen Werkes hat er selbst geschrieben. Neben seinem 
Dienst studierte er von 1921—1924 an der Universität zu Berlin Nationalöko= 
nomie und Geschichte. Indessen mußte er das Studium vorzeitig abbrechen, 
weil ihm die angespannte dienstliche Tätigkeit nicht hinreichend Zeit für das 
Examen ließ. Am 1. 4. 1928 wurde er zum Archivrat ernannt. 1929 heiratete er 
Asta Schmarsow aus Hirschberg in Schlesien. 

Als die historische Abteilung des Reichsarchivs 1935 in die „Kriegsgeschicht= 
liehe Forschungsanstalt des Heeres" umgewandelt wurde, wurde Greiner als 
Beamter mit der Dienstbezeichnung Regierungsrat in die Wehrmacht übernom= 
men. Am 1. Mai 1936 wurde er zum Oberregierungsrat ernannt. In diesen Zwi= 
schenkriegs jähren hat Greiner sich wiederholt publizistisch betätigt und biblio= 
thekarischen Aufgaben gewidmet. Von 1924 bis 1939 schrieb er eine Reihe klei= 
nerer Aufsätze zur Geschichte des Ersten Weltkrieges und zahlreiche Rezensio= 
nen über neu erschienene deutsche bzw. französische Bücher, vor allem für 
das Zentrumsorgan „Germania". 1927 veröffentlichte er mehrere Aufsätze über 
„Die Ursachen des deutschen Zusammenbruches 1918" (in: „Germania"). Seine 
Forschungsergebnisse faßte er noch einmal in einem Aufsatz zusammen, der in 
der Berliner Monatsschrift „Wissen und Wehr" (Verlag Mittler & Sohn) 1928 
abgedruckt wurde. 1929 erschien sein erstes Buch „Wir Kämpfer im Weltkrieg"; 

1 Nach Unterlagen aus dem Privatnachlaß von H. Greiner. 

29 E 



A. Einführung 

der zweite Band „Kämpfer an vergessenen Fronten" (1930) war wie der erste 
eine Sammlung von privaten Kriegsbriefen aus dem Ersten Weltkrieg. Greiner 
gab diese Bände zusammen mit dem Direktor am Reichsarchiv, Prof. Dr. Wolf= 
gang Foerster, heraus; er selbst verfaßte die verbindenden Texte. 1938 ver= 
öffentlichte er eine chronologische, auf französischen Quellen beruhende Dar= 
Stellung des Ablaufes über „die französische Mobilmachung" 1914 (in: „Ber= 
liner Monatshefte"). Im Juni 1935 hielt er auf dem Schlachtfeld von Fehrbellin 
vor den Mitgliedern der Wehrwissenschaftlichen Gesellschaft einen Vortrag 
über „Die Schlacht bei Fehrbellin am 18. 6. 1675" unter besonderer Berücksich= 
tigung von Heinrich von Kleists „Prinz von Homburg". 

Besondere Freude bereitete ihm die Aufstellung einer Bibliothek für den 
Reichspräsidenten von Hindenburg in Gut Neudeck und die Neuordnung der 
Bibliothek des Gen.Feldm. v. Mackensen in Falkenwalde bei Stettin. Nach mo= 
dernen Grundsätzen gestaltete er auch die bedeutende Bibliothek des Kron= 
prinzen Wilhelm von Preußen in seinem Schloß Oels (Schlesien) um. In der 
Welt des Theaters aufgewachsen, beschäftigte sich Greiner außerdem von Ju= 
gend auf sehr eingehend mit der Weltliteratur; seine besondere Vorliebe galt 
Goethe und seiner Zeit. 1938 wurde er Mitglied der Goethe=Gesellschaft in 
Weimar. 

Auf Grund seiner langjährigen kriegsgeschichtlichen Tätigkeit wurde Greiner 
am 18. August 1939 zur Abteilung Landesverteidigung des WF=Amtes im 
OKW kommandiert, um deren „Kriegstagebuch während des bevorstehenden 
Feldzuges gegen Polen zu schreiben"; am 1. 4. 1940 erfolgte seine offizielle Ver= 
setzung in das OKW und am 1. 10. 1940 seine Ernennung zum Ministerialrat. 

Als Folge einer Denunziation (vgl. S. 38 E) und seiner antinationalsozialisti= 
sehen Einstellung wurde Greiner am 22. April 1943 seiner Stellung als Füh= 
rer des Kriegstagebuches des Wehrmachtführungsstabes enthoben. Hitler 
ordnete seine sofortige Entfernung aus dem FHQu. an. Aber da Greiner zu= 
nächst noch seinen Nachfolger, Rittmeister Prof. Dr. Schramm, einarbeiten 
mußte, verzögerte sich seine Abreise bis zum 31. 5. 1943. Nach seiner Ablösung 
hatte ihm Gen. Jodl verschiedene neue Verwendungen vorgeschlagen, so zum 
Beispiel beim OB West in Frankreich, beim Wehrmachtbefehlshaber Norwegen 
in Oslo oder beim Deutschen General beim HQu. der italienischen Wehrmacht 
in Rom, Gen. v. Rintelen. Greiner entschied sich für die letztere; am 15. 6. 1943 
traf er in der italienischen Hauptstadt ein. Vom selben Tage an führte er das 
Kriegstagebuch des Deutschen Generals beim HQu. der italienischen Wehr= 
macht. In erster Linie hielt er darin die Anweisungen Hitlers und des OKW an 
Gen. v. Rintelen fest für die Verhandlungen mit der italienischen Wehrmacht; 
außerdem faßte er Verlauf und Ergebnis dieser Besprechungen zusammen. Zu 
diesem Zweck orientierte ihn Gen. v. Rintelen täglich unmittelbar nach den 
geführten Besprechungen. Eine Woche nach dem Sturz Mussolinis, am 31. 7. 
1943, berief Gen. Warlimont Greiner telefonisch in das FHQu., um diesen über 
die Vorgänge in Rom berichten zu lassen. Am 22. 8. 1943 verließ Greiner wieder 

30 E 



II. Der erste Führer des Kriegstagebuches des WFSt : Helmuth Greiner 

das FHQu und kehrte nach Potsdam zurück, da er für eine weitere Verwendung 
in Rom offenbar nicht mehr politisch zuverlässig genug erschien. Von da ab war 
er kaum noch dienstlich tätig. Er überarbeitete lediglich das KTB des Generals 
v. Rintelen, dessen Endfassung er nach Rom schickte, einen Durchschlag davon 
behielt er zurück; außerdem erledigte er kleinere Aufträge für das Heeres= 
archiv Potsdam. Als sich im Frühjahr 1945 die Kämpfe Potsdam näherten, wich 
Greiner aufgrund einer Weisung des OKW mit seiner Familie (Frau und zwei 
Töchter) nach Oberhof (Thüringen) aus. Am 4. April 194s geriet er in ameri= 
kanische Gefangenschaft, aus der er am 9. 4. 1946 entlassen wurde. In dieser 
Zeit arbeitete er im Auftrage des Military Intelligence Service Center des US= 
HQu. an einer umfangreichen Darstellung der obersten deutschen Führung im 
Zweiten Weltkrieg bis zur Katastrophe von Stalingrad, die er aber erst Anfang 
der 50er Jahre in seinem neuen Wohnsitz Wiesbaden beenden konnte. 

Neben seiner Tätigkeit im Wiesbadener Staatsarchiv widmete sich Greiner 
bald wieder wehrwissenschaftlichen Arbeiten. Unter dem Titel „Die Oberste 
Wehrmachtführung 1939—1943" veröffentlichte er 1951 im Limes Verlag seine 
für die Amerikaner verfaßte Studie, die hohe Anerkennung in militärischen 
und wissenschaftlichen Fachkreisen fand und die grundlegend für die deutsche 
Geschichtsschreibung über den Zweiten Weltkrieg wurde. 

Im Brockhaus Verlag übernahm Greiner die redaktionelle Bearbeitung der 
„Militaria" Stichworte für das große Lexikon. Er selbst schrieb den Artikel 
„Zweiter Weltkrieg". Außer einigen Rezensionen (vor allem über die Bände XIII 
und XIV des amtlichen Werkes zur Geschichte des Ersten Wetkrieges) ver= 
öffentlichte er 1933 und 1954 zwei kleinere Arbeiten im Limes Verlag, in deren 
Mittelpunkt Carl von Clause witz und die Tagebücher Henri de Catts standen 2 . 

Zu seinen Herzbeschwerden, unter denen er seit dem Ersten Weltkrieg häufig 
zu leiden hatte, kam infolge des ungesunden Aufenthaltes in dem Gefangenen= 
lager zu Bad Kreuznach (1945/46) ein Lungenleiden hinzu. Unter beiden Krank= 
heiten litt Helmuth Greiner von Jahr zu Jahr mehr; am 16. März 1958 verstarb 
er in Wiesbaden. 



b) Zum Kriegstagebuch des WFSt 

Daß Greiner einen Teil seiner Kriegsaufzeichnungen, den er in Oberhof 
(Thüringen) versteckt hatte, mit Hilfe der Amerikaner bergen konnte, hat P. E. 
Schramm bereits im Band IV, S. 1812 f berichtet. Hier sei nur noch folgendes 
nachgetragen: Bei der Reise nach Thüringen (1945) ging eine wertvolle Kiste 
verloren, in der Greiner u. a. private Dokumente seines in Rom geführten Tage= 
buches und einer vollständigen Sammlung der täglichen, von der Abteilung 



Vgl. Clausewitz, C. v., Der russische Feldzug von 1812, hrsg. v. H. Greiner, Wies= 
baden 1953; Unterhaltungen mit Friedrich dem Großen. Die Tagebücher Henri 
de Catts 1758—1760. Mit einer Einführung von H. Greiner, Wiesbaden 1954. 

31 E 



A. Einführung 

Landesverteidigung für Hitler zusammengestellten Lageberichte vom Beginn 
des Krieges bis zum Ende des Norwegenfeldzuges enthalten waren. Der Wag= 
gon, in dem sich die Kiste befand, wurde an dem Tage, an dem die Amerikaner 
von Westen her in Gotha eindrangen, von dort nach Potsdam zurückgeleitet. 
Die Kiste wurde schließlich wieder in die Wohnung Greiners zurücktranspor= 
tiert, wo sie einige Tage später in die Hände der Russen fiel. Ob von diesen 
Dokumenten noch etwas erhalten geblieben ist, ist schwer zu sagen. Vorläufig 
ist darüber keine Klarheit zu gewinnen. 

Trotz intensiver Nachforschungen in den Archiven der westlichen Alliierten 
sind bisher nur jene Teile des ehemaligen Kriegstagebuches des WFSt auf= 
gefunden worden, die in den Bänden I— IV des KTB abgedruckt worden sind. 
Über die Arbeitsmethode, d. h. über die Art und Weise, wie Greiner das 
Kriegstagebuch abzufassen bzw. zu diktieren pflegte, hat er sich 1951 selbst ge= 
äußert. Er schrieb damals: 

„Was das Kriegstagebuch angeht, so wurde es bei den höheren Stäben der Wehr= 
macht im allgemeinen von einem der Gehilfen des Ersten Generalstabsoffiziers neben 
seinen sonstigen Dienstobliegenheiten geführt. Ein solches Verfahren verbot sich 
für,die Abteilung Landesverteidigung, deren Kriegstagebuch doch tatsächlich das= 
jenige der Obersten Wehrmachtführung war und als solches hohe Bedeutung als 
Quelle für die spätere Geschichtsforschung hatte. Bei der Wichtigkeit und dem 
großen Umfang des in ihm zu verarbeitenden Stoffes konnte es nicht von einem der 
Generalstabsoffiziere der Abteilung, sozusagen nebenbei, geschrieben werden; viel= 
mehr mußte man damit jemanden betrauen, der sich einzig und allein dieser schwie= 
rigen Aufgabe widmete, für sie vorgebildet war und geschichtliches Verantwortungs= 
gefühl besaß. Daher hatte General Jodl noch als Oberst und Chef der Abteilung Lan= 
desverteidigung im Jahre 1938 veranlaßt, daß hierzu einer der höheren Wehrmacht= 
beamten der Kriegsgeschichtlichen Forschungsanstalt des Heeres herangezogen 
würde, und für das Mobilmachungsjahr 1939/40 war ich bestimmt worden, nachdem 
ich schon im vorhergegangenen Herbst während der Sudetenkrise in der Abteilung 
Landesverteidigung zu demselben Zweck Dienst getan hatte. 

Als Bearbeiter des Kriegstagebuches nun nahm ich an allen wichtigen Bespre= 
chungen innerhalb der Abteilung Landesverteidigung bzw. des Wehrmachtführungs= 
stabes teil und erhielt von allen großen Besprechungen Hitlers die zumeist vom 
Generalstabsoffizier des Generals Jodl geführten und von ihm selbst redigierten 
Protokolle. Darüber hinaus wurde ich fast täglich, meist in den Abendstunden, von 
General Warlimont noch besonders eingehend und freimütig über die Lage, die Mo= 
tive und Gedankengänge Hitlers, die Auffassungen seiner Mitarbeiter sowie der 
Oberkommandos und höheren Kommandobehörden der Wehrmachtteile und die Ar= 
beiten der übrigen Ämter und Abteilungen des Oberkommandos der Wehrmacht 
unterrichtet. Wenn diese Orientierung auch aus dritter Hand erfolgte, was zweifellos 
ein Nachteil war, aber in den nun einmal gegebenen Umständen begründet lag, so 
war sie doch dank dem vorzüglichen Gedächtnis und der Gewissenhaftigkeit des Ab= 
teilungschefs, der ausgesprochenes Verantwortungsgefühl gegenüber der Geschichte 
besaß, so gründlich, daß sie in Verbindung mit den erwähnten Protokollen, meiner 
Teilnahme an den Besprechungen und meiner Einsichtnahme in alle ein* und aus* 
gehenden, mir zugänglich gemachten Schriftstücke eine erschöpfende und wahrheits* 
gemäße Führung des Kriegstagebuches ermöglichte. Dieses wurde von mir Tag für 
Tag nach den Aufzeichnungen, die ich mir beim Lagevortrag, den Besprechungen und 
der persönlichen Unterrichtung machte, sowie auf Grund der Akten diktiert, wobei 

32 E 



II. Der erste Führer des Kriegstagebuches des WFSt: Helmuth Greiner 

der mit der Ausweitung des Krieges ständig anwachsende Stoff eine immer schärfere 
Beschränkung auf das Wesentlichste nötig machte, und abschnittsweise von General 
Warlimont, von Zeit zu Zeit auch von General Jodl, auf seine Richtigkeit geprüft. 
So entstand während der dreieinhalb Jahre, in denen ich das Kriegstagebuch führte, 
eine stattliche Reihe umfangreicher, mit Schreibmaschine geschriebener Bände, denen 
die wichtigsten Dokumente als Anlagen in besonderen Faszikeln beigegeben 
waren." 3 

Wie ernst Greiner seinen Auftrag nahm, hat nach dem Kriege sein ehemali= 
ger Mitarbeiter Dr. Dietz (vgl. KTB, Bd. IV, S. 1778) dargelegt. Hierzu ist noch 
zu bemerken,, daß Greiner seine Fassung des Kriegstagebuches nicht als Kriegs= 
geschiente betrachtet hat, sondern nur als Rohmaterial für eine später zu ver= 
fassende Geschichte des Zweiten Weltkrieges aus dem Blickwinkel der Ober= 
sten Deutschen Wehrmachtführung. 

Im großen und ganzen hat Greiner bei dem Abfassen des KTB unabhängig 
arbeiten können. Nur vereinzelt sind Beschränkungen befohlen worden. Als es 
z. B. im Zusammenhang mit der operativen Planung zur Eroberung Maltas im 
Frühjahr 1941 zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Obersten 
Wehrmachtführung kam, ließ Hitler durch seinen Chefadj., Oberst Schmundt, 
anordnen, daß derartige Differenzen in Zukunft nicht in das Kriegstagebuch 
der Abt. L aufgenommen werden dürften. Außerdem hat Gen. Warlimont mit 
einer gewissen Berechtigung darauf hingewiesen, daß infolge der zeitweiligen 
Trennung des Chefs WFSt, Gen. Jodl, von seinem Arbeitsstab, der Abt. L, 
„Unzulänglichkeiten und Ungenauigkeiten bei der Bewertung des Kriegs= 
tagebuches des WFSt zu berücksichtigen seien", soweit dessen Inhalt sich 
darauf stütze 4 . Dies kommt freilich stärker durch manche spürbare Lücke in den 
Auszeichnungen zum Ausdruck. 

Im übrigen ist es in den Jahren 1939—1941 sehr wahrscheinlich nur dreimal 
zu unmittelbaren Korrekturen des KTB gekommen, als nämlich mit Rücksicht 
auf die Mentalität Hitlers bestimmte Fassungen durch abgeschwächtere Formu= 
lierungen ersetzt werden (vgl. S. 947 ff.) mußten. 

c) Aus den persönlichen Notizen Greiners im FHQu. und in Rom 1942/43 

Leider sind die täglichen Notizen 5 Greiners in seinem Taschenkalender für 
die Jahre 1939 bis 1941 verlorengegangen; sie wären in mancher Hinsicht eine 
willkommene Ergänzung zu dem amtlichen Kriegstagebuch des WFSt gewesen, 
wenngleich es sich dabei auch nur um sehr knappe, mehr stichwortartige Hin= 



Vgl. Greiner, H., Die Oberste Wehrmachtführung X939— 1943, Wiesbaden 1951, 

S.i 7 f. 

Vgl. Warlimont, W., Im Hauptquartier der deutschen Wehrmacht 1939 — 1945/ 

Frankfurt 1962, S. 155 mit Anm. 14. 

In Taschenkalendern der betreffenden Jahre. Für die Zeit vom 1. 1. 1942 — 31. 12. 

1943 dem Bearbeiter freundlicherweise von Frau Asta Greiner, Wiesbaden, zur 

Verfügung gestellt. 

33 E 



A. Einführung 

weise auf Stimmungen und Tagesablauf gehandelt hat. Immerhin sind für die 
Zeit seiner Tätigkeit als Kriegstagebuchführer im Oberkommando der Wehr= 
macht und beim „Deutschen General bei der italienischen Wehrmacht" vom 
i. 1. 1942 bis zum 31. 12. 1943 entsprechende Vermerke, jedoch überwiegend 
persönlicher Natur, erhalten geblieben. Wenn diese auch nur vereinzelt einen 
Einblick in die Denkweise des Autors oder in die Arbeitsweise im Führer= 
hauptquartier gewähren, so lassen sie doch erkennen, mit wem Greiner 
zusammenkam, mit wem er sich ausgesprochen oder an welchen Veranstaltun= 
gen er teilgenommen hat. 

Am besten werden seine vielseitigen literarischen Interessen dokumentiert, 
da Greiner stets sorgfältig festzuhalten pflegte, welche Werke ihn in der karg 
bemessenen Freizeit besonders beeindruckt und beschäftigt haben. Manches 
Mal notierte er auch seine tieferen Eindrücke oder aber er zog bestimmte Ver= 
gleiche zu der ihn so bedrückenden Gegenwart. Von den zahlreichen Büchern 
und Autoren seien hier nur einige genannt : 

„Bismarcks Gedanken und Erinnerungen" („. . . für mich ein hoher Genuß": 
3. 1. 42), Balzac, Carlyle, Goethe, K. H. v. Stein, Dickens, die Studien des Gro= 
ßen Generalstabs über die Schlachten von Roßbach, Hochkirch und Zorndorf 
(28V29. 1. 1942), Sophokles, Zola, Stifter, Taine, Thomas Mann „Königliche 
Hoheit" (das ihm besonders gefiel). Während seines Aufenthaltes in Berlin 
notierte er am 4. März: „Abends gelesen. Schopenhauer: über den Tod. Für 
mich das Tröstlichste, was darüber gesagt (worden ist)." Hinzu kam Berves 
Augustus, Werke von Keller, Ferrero, Maugham, Frank Thiess („Reich der Dä= 
monen") und Ranke. 

Am 23. März 1942 verließ Greiner zusammen mit Prof. Dr. Nissen Berlin 
und kehrte von einem längeren Aufenthalt in der Reichshauptstadt ins Führer= 
hauptquartier zurück; am 24. 3. meldete er sich um 10.45 Uhr bei Gen. Warli= 
mont, um seine Arbeit wieder aufzunehmen. Lakonisch notierte er am Abend: 
„Lage im Osten grotesk." Am nächsten Tag wanderte er „nach Tisch" mit 
Warlimont durch den tiefen Schnee. Bei dieser Gelegenheit berichtete ihm der 
stellv. Chef des WFSt, wie so häufig in der Zeit enger Zusammenarbeit, von 
der letzten Besprechung bei Hitler, die sechs Stunden gedauert hätte und nach 
der „Art von Wallensteins Lager" verlaufen wäre; die „Ehe mit Halder", dem 
Chef des Genst.d.H., bezeichnete Warlimont dabei als „gut", dieser habe sich 
seit dem Ausscheiden des GFM v. Brauchitsch als ObdH (19. 12. 1941) etwas 
„freier" entwickelt. Jodl habe die Rolle des „Correferenten" bei den täglichen 
Lagevorträgen übernommen. Im übrigen schien sich Hitler in der Besprechung 
vom 25. 3. 1942 recht kritisch gegenüber der Kriegsmarine geäußert zu haben; 
sie sei technisch „unvollkommen" und stehe bei ihm an „letzter Stelle". Groß= 
admiral Raeder hätte schon mehrfach um seinen Abschied gebeten. Warlimont 
gab zu, daß Hitler „technisch außerordentlich versiert" sei und seit neuem eine 
„eingehende Orientierung über die Ostlage, einschl. der geographischen und 
klimatischen Gegebenheiten" verlange. 

34 E 



II. Der erste Führer des Kriegstagebuches des WFSt: Helmuth Greiner 

Am Abend des 2j. 3. war Greiner wieder mit Warlimont zusammen; dabei 
äußerte sich letzterer über die Stimmung Hitlers: der „Führer" hasse den Osten 
(vgl. die Winterkrise in Rußland 1941/42: KTB, Bd. II, S. 38 ff.); er strebe mit 
„Geist und Seele" nach dem Westen und Süden; gleichzeitig schwärme er von 
„Chemin des Dames" und der lieblichen „Vesle". Er habe Himmler verboten, 
die „alten deutschen Kaiser" wegen ihres Dranges nach Westen und Süden zu 
schmähen. Wörtlich notierte Greiner sodann: (Hitler): „Marine sollte weniger 
Denkschriften schreiben." Ausspruch Victor Hugos: „Nach Napoleon I wird 
ein größerer kommen, der Rußland endgültig aus Europa verdrängen und 
England die Seeherrschaft streitig machen wird." Vor ca. 2 Monaten in feier= 
licher Sitzung des französischen Kabinetts zitiert aus Anlaß eines von uns den 
Franzosen in Aussicht gestellten Präliminarfriedens. „Von (Botschafter) Abetz 
Warlimont erzählt." Über den britischen Handstreich gegen St. Nazaire am 
28. 3. 1942, der „zwar voll abgewehrt, aber doch gewissen Erfolg gehabt hat", 
vermerkte Greiner, daß dieser „die Einstellung des Führers gegen die Marine" 
noch verstärkt habe. 

Am 30. 3. 1942 unterhielt sich Greiner mit Oberst Scherff über „KTB und 
Kriegsgeschichte" und am 31. 3. nahm er von 20—22.30 Uhr an dem Abend= 
essen bei Hitler teil; darüber notierte er: „Sehr eindrucksvoller Abend. Siehe 
mein neues Kriegstagebuch" 6 . Am Sonnabend, dem 4.3., traf Greiner am Abend 
wieder mit Botschafter Abetz zusammen, der einige Bemerkungen Hitlers 
zitierte. Führer: „Ein gütiges Geschick hat Min. Todt auf der Höhe seiner Er= 
folge abberufen." Greiner stellte dazu etwas sarkastisch fest: „Schon bemerk= 
barer Abstieg." Führer: „(Die) Franzosen hätten im Prozeß in Riom ihre wahre 
Gesinnung gezeigt. (Es) sei keine Zusammenarbeit mit ihnen möglich." 

Über seine Gespräche mit Warlimont am y.l8. 3. hielt Greiner fest: „Führer 
hält andere Kriegbeendigung mit England nicht für ausgeschlossen. Haß der 
engl. Gesellschaft auf USA." Nach „Tisch" mit Warlimont spazierengegan= 



Vgl. KTB, Bd. I, S. 371. 

Über einzelne Eindrücke von den Abendessen mit Hitler 1941 schrieb Greiner 

an seine Frau: 

am 4. 7. 41: • 

„. . . Beim Führer war es wieder recht interessant, aber nicht so wie das letzte 

Mal. Er war sehr still und beteiligte sich kaum an der Unterhaltung. Ich saß 

ihm wieder schräg gegenüber neben Schmundt und dem Obergruppenführer 

Schaub; ersterer nahm mich völlig in Beschlag. Als ich mich vor dem Bunker 

beim Führer meldete, sagte er mit kräftigem Handschlag freundlich guten Tag. . . 

Vorher muß ich noch Fournier: Napoleon 1812 lesen, Warlimont wünscht eine 

kurze Orientierung, um darüber Rede und Antwort stehen zu können . . ." 

Und am 21. 7. 41: 

„. . . Der Führer war zunächst sehr schweigsam (20. 7. 41), grübelte vor sich hin, 

dann wurde er aber recht lebhaft und sprach allein wohl über eine Stunde über 

unsere tapferen, wagemutigen italienischen Bundesgenossen, die ihm manche 

Sorge machen. . . Seine klaren Einsichten und Urteile sind aber immer wieder 

erstaunlich. Er sah im übrigen recht wohl aus; es scheint ihm ganz gut zu gehen, 

obwohl er fast keine Nacht vor 5—6 Uhr morgens zu Bett geht . . ." 

35 E 



A. Einführung 

gen, „trägt sich mit der Absicht, um andere Verwendung zu bitten wegen sei= 
ner unbefriedigenden Stellung". Am folgenden Tage berichtete Warlimont, daß 
er Gen. Jodl gebeten habe, ihm eine andere Verwendung zu geben und daß die= 
ser ihm die „Stellung als Chef des Genst. bei OB West" angeboten hätte. Aber, 
wie Greiner am 10. 3. erfuhr, ließ „GFM Keitel Warlimont nicht los". 

Am 15. 4. 1942 hatte Greiner wieder neuen Ärger „durch Oberst Scherff"; 
zur gleichen Zeit befahl Gen. Warlimont, die KTB=Gruppe im WFSt zu ver= 
größern. Am 16. 4. 1942 hieß es: „Befehl des Chefs (des) WFSt für die Führung 
des KTB nötigt mich zur Abfassung von Bemerkungen hierzu und Entwurf 
eines Chef=Befehls an die Abt. L. Bis 24 Uhr nachts gearbeitet . . . Scherff 
schießt in ganz ekelhafter Weise quer. „Freitag den 17. 4. :„ . . . Nach Tisch 
alleine mit Warlimont spazierengegangen, der mir aufs neue sein Herz aus= 
schüttet. Abends mit Warlimont zusammen. Er wird auf Grund meiner Be= 
merkungen auf Jodls Befehl schriftlich antworten." 

Am 18. 4. 1942: „Reichsmarschall (Göring) und OB Süd, FM Kesselring, zum 
Vortrag beim Führer, der es heute bedauert, daß wir nicht im Spätsommer 1940 
nach England gegangen sind und (der) auch hierfür wieder die Marine verant= 
wortlich macht". „Aber die Dinge lagen ganz anders", ergänzte Greiner. „War= 
limont übergibt Jodl nachmittags seine Replik auf Jodl's Befehl und findet 
dabei meine Ansicht über die tiefere Ursache von Jodl's Eingreifen voll be= 
stätigt. Scherff hat längst erkannt, daß er zu erfolgreichen kriegsgeschichtlichen 
Arbeiten nicht in der Lage ist; (er) hat sich darum, um seine Wichtigkeit im 
FHQu zu beweisen, zunächst in den Wehrmachtbericht eingeschaltet; als er 
auch dabei keine Lorbeeren erntete, (hat er sich) nach neuer Betätigung umge= 
sehen, die er im KTB zu finden glaubt. Nun soll ich seinen Handlanger spielen, 
der ihm den Dreck beiseite schafft, damit er alleine glänzen kann. Wie richtig 
habe ich diesen Burschen von Anfang an erkannt. Um meinen Ärger herunter= 
zuspülen, (gehe ich) abends ins Kino" 7 . 

Am 22. 4.: „Vormittags neuer Befehl Jodl's über das KTB. Der Intrigant 
Scherff ist im besten Zuge. Daraufhin nachmittags und abends lange gearbeitet. 
In Scherff habe ich mich nie getäuscht. Aber solche Giftschlangen wimmeln 
drüben (d. h. im Sperrkreis I) herum". 

23. 4.: „Mittags neue Anforderung von Jodl, sprich Scherff. 16 Uhr KTB vom 
21. 8. — 31. 12. 41 an Jodl abgegeben". 24. 4.: „Warlimont wird nachmittags 
bei Gen. Jodl gegen die fortgesetzten Anwürfe und Anforderungen an mich 
vorstellig". 

Am Mittwoch, dem 13. Mai 1942 traf der Gefreite Dr. Hartlaub im FHQu 
ein; wie P. E. Schramm bereits im Band IV des KTB (s. S. 1778) dargelegt hat, 
hatte die „anschwellende Arbeit" die „Anstellung einer zweiten Hilfskraft" 
(als erste war seit April 1941 Dr. Dietz tätig) erforderlich gemacht. 

Am 24. 6. 1942 vermerkte Greiner nur: „1 Jahr in Wolfsschanze! O Gott!". 

7 Vgl. hierzu die Ausführungen von P. E. Schramm im Bd. IV des KTB, S. 1772 ff. 
36 E 



II. Der erste Führer des Kriegstagebuches des WFSt: Helmuth Greiner 

Am 15. 7. fuhr er zum ersten Mal in das neue FHQu „Wehrwolf" bei 
Winniza. Am 14. 8. 1942 hieß es: „3 Jahre im Wehrmachtführungsstab". 

Am 21. 8. 1942 nahm Greiner wieder an einem Abendessen „beim Führer" 
teil. Darüber notierte er nur kurz: „Von 21—22.30 (Führer): Englische Lan= 
düng. Verstärkung des Flakschutzes in Berlin, Nürnberg, München, Wien . . . 
Danach von 22.30—24.00 Uhr mit Scherff spazierengegangen". 

Am 15. 9. 1942 deutete er in seinem Notizbuch an, daß er einen „sehr freien" 
Brief über die Spannungen im FHQu an seine Frau geschrieben habe. Während 
eines Spazierganges mit Warlimont und Prof. Nissen im Wald an der Desna 
am 16. 9. führte er ein „ernstes Gespräch über die Vertrauenskrise". 

Am 18. 9. notierte er: „Warlimont teilt mir mit, daß Halder abgelöst werde, 
dafür komme Zeitzier (als Chef des Genst.d.H.), für ihn trete Blumentritt (als 
Chef Genst. OB West). Für List Manstein. Revirement noch nicht beendet. 
Jodl und Warlimont unsicher . . ." Am folgenden Tage hieß es: „Im Revirement 
noch keine endgültige Entscheidung. Niedergedrückte Stimmung hält an" 
(19. 9.) 8 . 

Es folgen die Eintragungen: 

13. 10. 1942: „ . . . Steigende Hetze der Camarilla [Adj. im Sperrkreis I] 
gegen Wilhelm den Eroberer [Keitel]." 

ij. io- 1942: „Die Hetze der Luftgrößen gegen das Heer geht weiter. Ent= 
setzliche . . . Kriecherei." 

ij. 10. 1942 : „ . . . Abends während des Spazierganges eingeregnet. Die Ein= 
tönigkeit und Ungemütlichkeit meines Daseins fällt mir einmal wieder schwer 
aufs Gemüt. So bringt man nun seine besten Jahre hin. Und der Krieg schleppt 
sich unabsehbar weiter ohne irgendwelche Entscheidungen. Was haben wir 
schon vom Leben. Arbeit, Mühen und Sorgen, wenn die letzteren auch noch zu 
ertragen sind. Und um sich sieht man immer nur Speichelleckerei und Augen= 
dienerei. Das Lesen ist noch das Beste, aber es füllt auch nicht aus." 

Am 26. 10. 1942 besuchte Greiner dienstlich Paris; über Berlin kehrte er am 
3. 11. nach Rastenburg (altes Lager) zurück. Sogleich notierte er: „[Major Dr.] 
Borner wegen verspätet abgegebener Meldung Rommels in den Mannschafts= 
stand (durch Hitler) versetzt. Warlimont seiner Ämter enthoben. W. verab= 
schiedet sich 18.30 Uhr von den Offizieren. 20.15 Uhr Abschiedsessen im Zuge 
im kleinen Kreise mit Gen. Jodl bis 3.30 Uhr." Jedoch teilte ihm der Chef= 
adjutant, Gen. Schmundt, am Vormittag des 5. 11. mit, daß „der Führer War= 
limont auf Vortrag von Schmundt wieder in sein Amt eingesetzt" habe 9 . 

Am 14. 11. traf Greiner in Salzburg ein; eine Woche später siedelte er nach 
Berchtesgaden über, wo er im „Berchtesgadener Hof" einquartiert wurde. Be= 
reits am 22. 11. erhielt er jedoch mittags den Befehl, sofort in die Wolfsschanze 

8 Vgl. Generaloberst Halder Kriegstagebuch, Bd. III, Stuttgart 1964, S. 528 (Halder 
wurde am 24. 9. 1942 abgelöst; zu seinem Nachfolger ernannte Hitler den General 
Zeitzier). 

9 Vgl. Einzelheiten hierzu im Bd. II des KTB, S. 894 ff. 

37 E 



A. Einführung 

zurückzukehren, „wegen (des) tiefen Einbruchs der Russen am Don und (der) 
Einkesselung der 6. Armee." Dort traf er am 25. 11. ein. 

Über den Abend des 8. 21. verzeichnete er: „ . . . mit Warlimont, dann im 
größeren Kreis. Kritische Entwicklung in Afrika. Durchstoß der Anglo=Ameri= 
kaner auf Gabes bevorstehend. Gesetzentwurf Görings zur Heranziehung der 
männlichen Jugend vom 15., der weiblichen vom 17. Jahr an zur Flak. Aus= 
spruch Keitels: „Soll die deutsche Jugend doch zugrunde gehen, ich gehe auch 
kaputt". Während des schon fast obligatorischen Spazierganges nach dem Essen 
am 9. 12. berichtete ihm Warlimont, daß Hitler wieder scharfe Kritik an der 
Marine geübt und auf die Nutzlosigkeit der deutschen Schlachtschiffe hinge= 
wiesen habe. „Ich (Greiner) halte teilweise dagegen." „Führer will längere Zeit 
auf den Berghof, um (den) Kopf frei zu bekommen für neue Entschlüsse." 
„Höchst notwendig", resümierte Greiner. Unter dem 11. 12. vermerkte er: 
„Abends im größeren Kreis. K(eitel) (ist) (ein) erbärmlicher Feigling, besonders 
gegenüber der SS." Am 16. 12. wurde die geplante Verlegung nach Berchtes= 
gaden „endgültig abgeblasen." 

Im Jahre 1943 werden diese Notizen im ganzen noch kursorischer; meistens 
handelte es sich nur noch um wenige Stichworte in einem kleinen Taschen= 
kalender (7,5 X 11 cm, rot eingebunden). 

Die wichtigste Eintragung für die weitere Verwendung Greiners findet sich 
am 11. 1. 1943: „Nachmittags teilt mir Warlimont mit, daß von der Kreis= 
leitung Potsdam Beschwerden über mich eingelaufen seien (offenbar hatte die 
Luftschutzwartin im Hause ihn nach einem Streit bei dem Potsdamer Orts= 
gruppenleiter der NSDAP denunziert) und daß der Führer daher meine Ent= 
fernung aus dem FHQu. wünsche." Zwar ließ sich Greiner von seiner Frau 
noch Unterlagen aus Berlin kommen, um sich gegebenenfalls rechtfertigen zu 
können, aber an dem Entschluß Hitlers war nichts mehr zu ändern. Oberst 
Momm, Kdt.Hqu.WFSt., sprach am 16. 1. 43 noch einmal mit dem Luftwaffen= 
adj. Hitlers, Oberstlt. v. Below; doch erklärte dieser, daß keine Aussicht auf eine 
Revision der Führerentscheidung bestehe. Ebenso ergebnislos verlief eine 
Unterredung zwischen Gen. Warlimont und Gen. Schmundt (am 17. 1.). 
Greiner notierte am 19. 1.: „Freudloses, unbefriedigendes Dasein . . . Starkes 
Gefühl des Überdrusses." 

Am 30. 1. 1943 wurde Greiner bei einem Appell (10.45 Uhr) das Kriegsver= 
dienstkreuz I. Klasse verliehen. 

Seit Anfang Februar 1943 mehrten sich die Hinweise in seinem Notizbuch, 
daß ein Vertreter für ihn gesucht werden müsse (erste Notiz am 2. 2. 1943). 

Am 3. 2. ging die „Anforderung von Rittmeister d. R. Schramm" an die 
Wehrmachtzentralabteilung ab. 

Am 12. 2. notierte Greiner wieder „anhaltende Herz= und Atembeschwerden." 

Am ij. 2. hielt er fest: „ . . . Der Führer fliegt morgens mit Jodl und Zeitzier 
nach Saparoshe. GFM Keitel wohnt von heute ab unserem Lagevortrag (der 
Abt. L) bei; er dauert von 11.30 — 14.30 . . ." 

38 E 



II. Der erste Führer des Kriegstagebuches des WFSt: Helmuth Greiner 

Am Morgen des 3. März 1943 traf sein „Vertreter, Rittmeister d. R. Prof. 
Dr. Schramm, Historiker an der Universität Göttingen, ein." „Mit ihm abends 
zusammen", vermerkte Greiner. 

Vom 22. 4. — 1. 5. 1943 hielt sich Greiner in Berchtesgaden auf. Hier erreichte 
ihn auch die Nachricht, daß der Deutsche General in Rom, Gen.Major v. Rin= 
telen, sich bereit erklärt habe, ihn als Führer des Kriegstagebuches „zu neh= 
men" (29. 4. 1943). In München traf Greiner wieder mit P. E. Schramm zusam= 
men; beide fuhren zusammen nach Berlin. Am Samstag, den 8. 5., besuchte 
Schramm die Familie Greiner in ihrer Wohnung; vor dem Abendessen waren 
die beiden Historiker „durch den Park" spaziert. Am 13. 5. kehrte Greiner 
wieder in die Wolfsschanze zurück, doch erreichte ihn bereits am 20. 5. der 
Befehl, nach Berchtesgaden zu reisen. Auf der Fahrt dorthin las er „Druck= 
fahnen für Schramm". Am 26. 5. notierte er nur: „Abschluß der Arbeiten. 
Vorbereitungen zur Abreise." Am Donnerstag, dem 27. Mai 1943, fand um 
20 Uhr eine Abschiedsfeier im Kasino mit einer Ansprache von Gen. War= 
limont statt, bei der ihm ein silbernes Tablett und ein Führerbild überreicht 
wurden. Nachdem er am Samstag, dem 2g. 4. 1943 um 10.30 Uhr in Berlin „zu 
Hause" eingetroffen war, vermerkte er lediglich: „Ende meiner Tätigkeit im 
Wehrmachtführungsstab." 

Das sog. „Römische Tagebuch" Greiners, ein Taschenkalender aus dem Jahre 
1943 (9,5 X 14,5 cm, blau eingebunden), setzte mit Dienstag, dem 15. 6. 1943, 
d. h. mit seinem Eintreffen in Rom ein. Es enthält freilich keine nennenswerten 
Hinweise über seine Tätigkeit im einzelnen; vielmehr finden sich darin über= 
wiegend Namen von Persönlichkeiten, mit denen Greiner tagtäglich zu tun 
hatte, die er besuchte, oder mit denen er zusammentraf. Nur ganz vereinzelt 
kommen Stimmungsbilder auf. Ausführlicher sind lediglich die Eintragungen 
vom 25. 7. 1943 und kurz danach: „ . . . Abends ... da gegen 23.45 U nr Alarm. 
Umsturz, Rücktritt Mussolinis. Der Faschismus innerhalb einer halben Stunde 
weggefegt. Proklamationen des Königs und des neuen Reg.Chefs Badoglio; bis 
4 Uhr morgens Demonstrationen mit Demolierung der Parteidienststellen auf 
(der) Piazza de Spagna und Via Listina. Von 4 — 7.30 Uhr geschossen. Vormit= 
tags (26. 7.) große Demonstrationen. (Dt.) Botschaft im Alarmzustand . . . 
Ausnahmezustand, um 21.30 Uhr muß man zu Hause sein . . ." 28. 7.; „ . . . In 
Rom umlaufendes Gerücht, H(itler) habe sich erschossen, wird von uns demen= 
tiert. Faschistische Partei aufgelöst. M(ussolini) in Haft in der Carabinieri= 
Kaserne . . ." 

Am 3. 8. 1943 notierte Greiner: „9.14 Uhr an Rastenburg. Treffe bei der 
Ankunft in Wolfsschanze gleich Warlimont und v. Rintelen. W. hat mich aus 
Sorge um mein Wohlergehen holen lassen (aus Rom) . . ." 4. 8. 19431 „ . . Vor= 
mittags ärztliche Untersuchung durch Siebert. Gewicht 140 Pfund. Mittags mit 
W. gegessen . . . 19.15 Uhr Abendessen mit Gen. Jodl, dem ich über den Um= 
stürz in Italien berichte..." Donnerstag, den 5. 8. 1943: „Vormittags bei 
Scherff, der seine Absicht, mich mit einer Forschungsarbeit zu betrauen, nun= 

39 E 



A. Einführung 

mehr verwirklichen will . . ." 8. 8. 1943: „ . . . Mit der Überarbeitung des KTB 
vom 1. — 15. 5. beauftragt, was mir Schramm gegenüber nicht angenehm 
ist . . ." 9. 8.: „ . . . Nach dem Mittagessen allein mit Warlimont spazierenge= 
gangen; von Scherffs Absicht erzählt, die er voll billigt. Er meint aber, daß ich 
zur Abwicklung nochmals nach Rom muß . . ." 18. 8.: „Abendessen mit Gen. 
Jodl und Oberst Scherff . Jodl mit meiner weiteren Verwendung einverstanden." 



40 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939-1941 1 

Ein Überblick 

Wer den Zusammenhang von Politik und Kriegführung in Deutschland von 

1939 bis 1941 verstehen will, wird zunächst von der grundlegenden Wechsel= 
Wirkung von Kriegsziel und Kriegsplan auszugehen haben. Schon C. v. Clause= 
witz hat mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß jede militärische Auseinander 
Setzung, d. h. die Fortsetzung der Politik unter Einmischung anderer Mittel, 
vor allem „nach der Wahrscheinlichkeit ihres Charakters" und ihrer „Haupt= 
umrisse" aufzufassen sei, wie sie sich aus den „politischen Größen und Ver= 
hältnissen ergeben." Es sei notwendig, stets den Gesamtüberblick über alle 
Verhältnisse zu behalten; alle Instanzen müßten daher „wohl überlegt" sein, 
um nicht „in der letzten den Prozeß zu verlieren", den man in den „früheren 
gewonnen" zu haben meinte und dann „in die Kosten verurteilt zu werden." 
Man solle daher vernünftigerweise keinen Krieg anfangen, „ohne sich zu sagen, 
was man mit und was man in demselben erreichen" wolle. Diese Erkenntnis 
zwinge zur Ausarbeitung eines umfassenden Kriegsplans, in dem einmal der 
Zweck, d. h. die politische Absicht festgelegt sei (was soll und was kann durch 
diesen Krieg erreicht werden?), zum anderen die Mittel (d. h. das Wehrpoten= 
tial eines Volkes im weitesten Sinne) sorgfältig geprüft werden und in dem es 
schließlich die Frage nach dem militärischen Operationsziel zu beantworten 
gilt 2 . 

Hat nun die deutsche Oberste Wehrmachtführung zu Beginn des Zweiten Welt= 
krieges überhaupt einen solchen Kriegsplan besessen, in dem, ausgehend von 
der politischen Zielsetzung, alle politischen, militärischen und wirtschaftlichen 
Maßnahmen zu einer einheitlichen Gesamtstrategie vereinigt wurden und auf 
den alle Bemühungen personeller und materieller Art ausgerichtet waren? Oder 
hat die deutsche Führung nur mehr oder weniger strategische Nahziele ver= 
wirklicht mit der Konsequenz, daß sie durch die Dynamik der Ereignisse und 
die Aussicht auf Verwirklichung des Endzieles mitgerissen wurde und dabei 
nolens volens in eine fast ausweglose Sitation hineingeriet? Gewiß hat Hitler 
von Beginn seiner politischen Laufbahn an zielstrebig, besessen und konse= 
quent ein großes Programm verfolgt; aber er hat dies auf dem Gebiet der 
Außenpolitik seit 1933 niemals völlig offen dargelegt. Immer haben er oder 
seine engsten Anhänger aus taktischen Gründen die Ziele Schritt um Schritt, 
je nach gegebener Lage, enthüllt. Das hat Reichsminister Dr. Goebbels im April 

1940 in einer vertraulichen Besprechung unumwunden zugegeben. 

Aber bei aller Zielstrebigkeit im großen blieb Hitler doch ebenso der kühne, 
kein Risiko scheuende Taktiker, der, so lange er die politische Initiative besaß, 

1 Vgl. hierzu die allgemeinen Bemerkungen S. 226 E ff. 

2 Vgl. Clausewitz, C. v., Vom Kriege, 16. Aufl. Bonn 1952, S. 891, S. 90, 98. 

41 E 



A. Einführung 

die Gunst des Augenblicks oder die Veränderung einer poIitisch=militärischen 
Gesamtkonstellation blitzschnell und rücksichtslos auszunutzen verstand, und 
der, wenn nötig, das Steuer seiner Politik um 180 Grad herumwarf, ohne jemals 
das Endziel seiner Politik aus den Augen zu verlieren. 

Zweifellos war es einer der vielen Fehler Hitlers, sehen wir einmal von der 
moralischen Seite seiner Handlungsweise ab, daß er eine „Risikopolitik" trieb, 
die als Folge den Krieg in sich barg. Als aber der Krieg dann 1939 ausbrach, 
besaß Deutschland keinen Kriegsplan, keine strategische Gesamtkonzeption, 
in der politischer Zweck, Mittel und militärisches Ziel sinnvoll aufeinander 
abgestimmt waren. Vielmehr hat Hitler fortlaufend Teilpläne ad hoc entworfen 
mit dem Resultat, daß er immer vermessener unbegrenzten politisch=militäri= 
sehen Zielen mit klar begrenzten Mitteln (wirtschaftlich, personell und ma= 
teriell) nachjagte, während die wachsende Zahl seiner Gegner mit ihrem schier 
unerschöpflichen Reservoir klar begrenzte Ziele verfolgte. 

Vielleicht hatte Hitler so etwas wie Nah= und Fernziele, denn zunächst kon= 
zentrierte er sich seit 1939 stets auf unmittelbar vor ihm liegende Aufgaben; 
diese bedeuteten im Sinne seines Fernzieles zwar jeweils einen logischen Schritt 
nach vorne, aber bei diesen war er sich keineswegs immer hinreichend im 
Klaren darüber, welche Konsequenzen dieser für seine Politik, langfristig 
gesehen, haben mußte. Schließlich kämpfte er bereits um sein eigentliches 
Fernziel, ohne seine Nahziele erreicht zu haben. So entwickelte sich aus dem 
Einfrontenkrieg bald der Mehrfrontenkrieg bis schließlich der Allfrontenkrieg 
die Aussichtslosigkeit des deutschen Kampfes erkennen ließ. 

In den nachfolgenden Kapiteln soll diese Entwicklung bis 1941 in ihren 
Grundzügen nachgezeichnet werden, um damit zugleich die Zusammenhänge 
jener Maßnahmen und Ereignisse zu beleuchten, die im KTB, Bd. I festgehalten 
worden sind. 

1. Phase : 
Die Niederwerfung und neue Aufteilung Polens 1939 

a) In verschiedenen Weisungen und geheimen Besprechungen hatte Hitler 
bereits vor Kriegsausbruch seine Kriegsziele gegenüber Polen angedeutet, ohne 
indessen näher auszuführen, wie er sich das weitere Schicksal des polnischen 
Staates vorstellte. Die polnische Wehrkraft sollte zerschlagen und eine den 
Bedürfnissen der Landesverteidigung angepaßte neue Lage im Osten geschaffen 
werden. Danzig, dem Deutschen Reichsgebiet einzuverleiben, war jedoch nicht 
allein das „Objekt", um das es bei diesem Kampf ging; es handelte sich „um 
die Erweiterung „des deutschen Lebensraumes" im Osten und die „Sicherstel= 
lung seiner Ernährung". Hierzu mußte auf immer neuen Wegen die lebendige 
Kraft der Polen vernichtet werden. Wie der Krieg ausgelöst werde, war gleich= 
gültig, denn es kam nicht darauf an, „das Recht" auf seiner Seite zu haben, 
sondern ausschließlich „den Sieg". Daß Hitler schon vor Kriegsausbruch die 
Absicht hatte, Rußland als Kompensation für ein Nichtangriffsabkommen den 

42 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

Ostteil Polens auszuliefern, ging aus dem geheimen Zusatzprotokoll vom 
23. 8. 1939 hervor; in diesem wurde die deutsch=russische Interessensphäre 
„ungefähr durch die Linie der Flüsse Narew, Weichsel und San" abgegrenzt. 
Jedoch über die Niederwerfung und Aufteilung Polens hinaus hatte Hitler 
vorerst keinerlei weitere konkreten Angriffspläne 4 , 

Die unerwartet raschen Anfangserfolge der Wehrmacht in Polen schienen 
Hitler zunächst friedensbereit gestimmt zu haben, denn am 7. September 193g 
äußerte er sich gegenüber Gen.Oberst von Brauchitsch (Oberbefehlshaber des 
Heeres), er sei bereit, mit den Polen zu verhandeln, falls diese sich von England 
und Frankreich trennen, Deutschland den Nordrand der Beskiden, ferner das 
oberschlesische Industriegebiet — abgesehen von der Rückgabe der ehemaligen 
„Reichsgebiete" — abtreten, zudem dem polnischen Teil der Ukraine zur Selb= 
ständigkeit verhelfen würden. Außerdem müßten sie die sowjetischen An= 
sprüche entsprechend der geheimen Vereinbarungen vom 23. 8. 1939 befrie= 
digen. Dafür würde Deutschland einen polnischen Reststaat zwischen Narew 
und Warschau, einschließlich Krakaus, garantieren 2 . 

Zur gleichen Zeit legte Hitler großen Wert auf das Eingreifen der Soiojet= 
union in Polen. Er war überzeugt, daß dies nicht nur zu einer schnelleren Be= 
endigung der Kampfhandlungen führe, sondern auch England und Frankreich 
vor die Alternative stellen werde, entweder Stalin den Krieg zu erklären oder 
aber einen Ausgleich mit Deutschland anzustreben. Marschierten die Russen, 
mußten die Westmächte auch mit ihnen brechen. Einen derart schwerwiegen= 
den Schritt würden sich London und Paris aber zweifellos reiflich überlegen, 
weil dieser sie in Indien, im Fernen Osten und am Bosporus in unübersehbare 
Schwierigkeiten verwickeln konnte. Damit entfiele aber zugleich der offizielle 
Grund, aus dem Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den 
Krieg erklärt hätten. Ein Eingreifen der UdSSR schuf also seiner Meinung nach 
die besten Voraussetzungen, den bisher noch beschränkt gebliebenen Konflikt 
sobald wie möglich zu beenden. Für Deutschland, so meinte Hitler, bestünde 
jetzt lediglich die Aufgabe, Warschau zu erobern und im Westen alles zu ver= 
meiden, was zu ernsthaften militärischen Operationen Anlaß gebe. 

Doch als die Rote Armee angesichts des ersten deutschen Blitzsieges am 
ly. September 193g in Polen einmarschierte, war zwar das Ende des polnischen 
Staates besiegelt, Rumänien hatte Regierung, Staatspräsident und Heerführung 
interniert, aber die von Hitler erhoffte Reaktion der Westmächte blieb aus. 
Indessen beunruhigte ihn dies nicht mehr. Getrieben von der ihm eigenen 
Unrast, seine „säkulare Mission" zu erfüllen und in der eitlen Hoffnung, die 
„Gunst der Stunde" ausnützen zu müssen, hatte er nämlich plötzlich völlig 
eigenmächtig den Plan gefaßt, die Alliierten in einem sofortigen Feldzug nie= 
derzuwerfen. Die Haltung der beiden westlichen Großmächte hatte ihn in dieser 

1 Vgl. Jacobsen, H.=A., Der Zweite Weltkrieg, Frankfurt 1965, S. 34 ff. 

2 Ders., Fall Gelb, Wiesbaden 1957, S. 5 f. 

43 E 



A. Einführung 

Absicht nicht nur bestärkt, sondern ihm auch die Möglichkeit geboten, sich ein 
günstiges „Alibi" vor der Nation zu verschaffen und die Verantwortung für 
die Fortsetzung des Kampfes den Gegnern aufzubürden 3 . 

Nach der fünften historischen Teilung Polens, die am 28. 9. ig^g von 
Deutschland und der Sowjetunion unterzeichnet wurde, ließ Hitler das Schick= 
sal West=Polens vorerst in der Schwebe. Als erstes trennte er durch einen 
Erlaß vom 8. 10. igsg auch rein polnische Territorien unter der offiziellen Be= 
Zeichnung „Eingegliederte Ostgebiete" von dem sog. Reststaat ab (Reichsgaue 
Westpreußen und Posen); letzteren benannte er vier Tage später in „General= 
gouvernement für die besetzten polnischen Gebiete" (unter der Führung von 
Dr. Frank) um. In diesem Gebiet, dessen rücksichtslose Ausbeutung sogleich 
im Herbst 1939 begann und das sich entmilitarisiert, an die sowjetisch=deutsche 
Interessengemeinschaft anlehnen sollte, sah er zeitweilig wahrscheinlich eine 
Art Kompensationsobjekt für mögliche Friedensverhandlungen mit Groß= 
britannien 4 . Hinzu kam die Absicht, dieses Gebiet als „vorgeschobenes Glacis" 
für einen zukünftigen deutschen Aufmarsch im Osten auszubauen; daher 
sollten Straßen, Bahnen und Nachrichtenverbindungen „in Ordnung gehalten 
und ausgenutzt" werden 5 . 

Als sich trotz des siegreichen Frankreichfeldzuges Anfang Juli 1940 der 
Widerstandswillen Großbritanniens versteifte, erklärte Hitler offiziell das nun= 
mehrige „Generalgouvernement" zum „Nebenland des Reiches". Wohl wollte 
er den Polen eine gewisse „Heimstätte" mit nationalem, wirtschaftlichem und 
kulturellem Eigenleben zugestehen, in der Praxis aber wurde die Bevölkerung 
„mindestens für die Dauer des Krieges auf die Stufe eines halbfreien, politisch 
unbewußten und lediglich technisch gebildeten Hilfsvolkes" (Roos) 6 gehalten. 
Schließlich erfolgte im Herbst 1940 die definitive Eingliederung des „G.G." in 
das Reich. 

Die später im Rahmen des „Generalplan Ost" 7 vorgesehene Aussiedlung der 
Polen und die dadurch bedingte „deutsche Wiederbesiedlung" blieben freilich 
in den Anfängen stecken. Dagegen hatte bereits im Herbst 1939 die „konse= 
quente Germanisierung" in den „Eingegliederten Ostgebieten" eingesetzt, die 
Himmler, mit der Festigung des deutschen Volkstums im Osten beauftragt, 

3 Ebd., S. 12 ff. 

4 Vgl. Broszat, M., Nationalsozialistische Polenpolitik 1939—1945, Stuttgart 1961, 
S.i 3 ff. 

5 Vgl. Nürnberger Dokument (Blaue Serie) PS=864; außerdem: Generaloberst Hal= 
der Kriegstagebuch, Bd. I, Stuttgart 1962, Eintragung vom 18. 10. 1939, in der es 
u. a. hieß: „. . . Das Reich soll den Gouverneur befähigen, dieses Teufelswerk zu 
vollenden". 

6 Vgl. Roos, H., Geschichte der Polnischen Nation 1916—1960, Stuttgart 1961, S. 182. 

7 Vgl. hierzu: Viertel] ahrshefte für Zeitgeschichte Heft 3/1958, S. 281— 325; Ma* 
dajcyk, S., Generalplan Ost, in: Polish Western affairs, vol. III, No. 2/1962, 
S. 391—442 (Rechtliche, wirtschaftliche und räumliche Grundlagen des Ostauf= 
baues vorgelegt von SS=Oberführer Prof. Dr. Konrad Meyer, Berlin=Dahlem, Juni 
1942, nach: US=Mikrofilm T=84 Rolle 73). 

44 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

durch rücksichtslose Assimilation (in Ost=, Westpreußen und in Schlesien) und 
durch allmähliche Ausrottung der Polen (im Wartheland) mit Hilfe seiner SS= 
und Polizeiverbände zu verwirklichen suchte. 

Diese Politik hatte bereits im September 1939 eingesetzt. Am 10. 9. 1939 
teilte Gen.Oberst v. Bock dem Chef des Genst.d.H. mit, daß SS=Verbände 
„Juden in einer Kirche zusammengetrieben und ermordet" hätten 8 . 

Daß Hitler diese Befehle persönlich erteilt hatte, bestätigte SS=Obergruppen= 
führer Heydrich in einem Bericht vom 2. 7. 1940, in dem es u. a. hieß 9 : 

„ . . . Bei allen bisherigen Einsätzen: Ostmark, Sudetenland, Böhmen und Mähren 
und Polen, waren gemäß Sonderbe fehl des Führers besondere polizeiliche Einsatz= 
gruppen (Sicherheitspolizei und Ordnungspolizei) mit den vorrückenden, in Polen 
mit den kämpfenden Truppen vorgegangen und hatten auf Grund der vorbereiteten 
Arbeit systematisch durch Verhaftung, Beschlagnahme und Sicherstellung wichtigsten 
politischen Materials heftige Schläge gegen die reichsfeindlichen Elemente in der 
Welt aus dem Lager von Emigranten, Freimaurerei, Judentum und politisch=kirch= 
lichem Gegnertum sowie der 2. und 3. Internationale geführt. 

Das Zusammenarbeiten mit der Truppe unterhalb der Stäbe und in vielen Fällen 
auch mit den verschiedenen Stäben des Heeres war im allgemeinen gut; lediglich 
über grundsätzliche Fragen der Staatsfeindbekämpfung bestand in vielen Fällen bei 
den höheren Befehlshabern des Heeres eine grundsätzlich andere Auffassung. Diese 
Auffassung, die zum großen Teil aus Unkenntnis der weltanschaulichen Gegner= 
läge heraus entstand, verursachte dann Reibungen und Gegenweisungen gegen die 
vom Reichsführer=SS nach den Weisungen des Führers sowie des Generalfeldmar= 
schalls [Göring] durchgeführte politische Tätigkeit. 

Während bis zum polnischen Einsatz diese Schwierigkeiten im allgemeinen durch 
persönliche Fühlungnahme und Aufklärung zu meistern waren, bestand diese Mög= 
lichkeit beim polnischen Einsatz nicht. Ursache lag jedoch hier darin, daß die Wei= 
sungen, nach denen der polizeiliche Einsatz handelte, außerordentlich radikal waren 
(z. B. Liquidierungsbefehl für zahlreiche polnische Führungskreise, der in die Tau= 
sende ging), daß den gesamten führenden Heeresbefehlsstellen und selbstverständ= 
lieh auch ihren Stabsmitgliedern dieser Befehl nicht mitgeteilt werden konnte, so daß 
nach außen hin das Handeln der Polizei und SS als willkürliche, brutale Eigenmäch= 
tigkeit in Erscheinung trat . . ." 

Wiederholte energische Proteste verschiedener Heeresdienststellen gegen diese 
Maßnahmen blieben im ganzen erfolglos, da diese, wie Heydrich bestätigt hat, 
von „allerhöchster Stelle" angeordnet waren. U. a. hatte der OB Ost, Gen.Oberst 
Blaskowitz, am 6. Februar 1940 dem Oberbefehlshaber des Heeres, Gen.Oberst 
v. Brauchitsch, gemeldet, daß „gerade die in letzter Zeit sich anhäufenden Ge= 
walttaten der polizeilichen Kräfte einen ganz unbegreiflichen Mangel mensch= 
liehen und sittlichen Empfindens" gezeigt hätten, so daß man „geradezu von 
Vertierung" sprechen müsse. Als einziger Ausweg aus diesem „unwürdigen, 
die Ehre des ganzen deutschen Volkes befleckenden Zustandes" bliebe nur, die 
gesamten Polizeiverbände, einschließlich ihrer sämtlichen höheren Führer mit 
einem Schlage ab= und aufzulösen und an „ihrer Stelle intakte und ehrliebende 

8 Vgl. Generaloberst Halder Kriegstagebuch, a. a. O. (s. Anm. 5), S. 67. 

9 Vgl. Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 1963, S. 196 ff. 

45 E 



A. Einführung 

Verbände" zu verwenden 10 . Der nach dem 20. 7. 1944 hingerichtete Oberstlt. 
i. G. Stieff schrieb von den Geschehnissen im Osten tief betroffen an seine Frau: 
„Ich schäme mich, ein Deutscher zu sein" u , während Graf Schwerin v. Schwa= 
nenfeld noch 1944 vor dem Volksgerichtshof in bewegten Worten Zeugnis von 
seiner moralischen Empörung gegen das vielfache Unrecht ablegte, das den 
Polen unter deutscher Besatzung wiederfahren war 12 . 

Aus den Aufzeichnungen des Generalgouverneurs und Reichsministers 
Dr. Frank vom 30. 5. 1940 werden, wie aus keiner zweiten Quelle, Prinzipien, 
Zielsetzung und Taktik der NS=Besatzungspolitik in Polen 1939/40 deutlich. 
Frank führte anläßlich einer „Polizei=Sitzung" u. a. folgendes aus 13 : 

„ . . . Ich möchte Ihnen sagen, daß die Sitzung heute absichtlich von mir in diesen 
Zeitpunkt gelegt wurde, in welchem wir viel freier und auch im engsten Rahmen 
über alles das sprechen können, was nun an Aufgaben polizeilicher Art auf uns liegt, 
als das vor dem 10. Mai 1940, also vor dem Zeitpunkt des Beginns der Westoffensive, 
der Fall war. Sie wissen, daß wir am Anfang hier die Meinung vertreten hörten, daß 
wir sie sogar teilweise selber mit vertreten haben: dieses Gebiet soll in kurzer Zeit 
der völligsten Ausplünderung, der Herauspressung all desjenigen dienen, was nur 
aus ihm herausgeholt werden kann; alles, was Wert hat, soll ins Reich gebracht 
werden und was derlei mehr war. Was mir damals in Berlin vorgetragen wurde, das 
schwand uns aber bald unter der Einwirkung der kritischen Ereignisse dahin. Schon 
nach kurzer Zeit entdeckten wir, daß es notwendig ist, die Möglichkeiten dieses Ge= 
bietes für das Deutsche Reich viel intensiver anzusehen, als es in dem Zeitpunkt der 
Fall war, in welchem man nur von Zerstörung sprach. 

Dann kam eine merkwürdige Wendung. Zwar hat mir der Führer noch Anfang 
Oktober [1939] gesagt, daß er dieses Gebiet als Restgebiet des polnischen Volkstums, 
als eine Art Reststaat sicherstellen wolle, den wir dann dereinst der polnischen 
Nation wieder zurückgeben würden. Aber nicht zuletzt unter dem Einfluß der Be= 
richte, die allmählich aus dem Lande über die Möglichkeiten in agrarpolitischer, in= 
dustrieller Beziehung, über die Möglichkeiten einer großen deutschen kolonisato= 
rischen Tätigkeit eingingen, weiter auch unter dem Eindruck des Umstandes, daß das 
eigentliche kleine niedere polnische Volk, nämlich die Arbeiter und Bauern, im we= 
sentlichen durchaus gewillt war, unter starker Hand zu arbeiten, unter dem Einfluß 
aller dieser Meldungen sagte mir dann der Führer — und ich weiß das noch wie heute, 
es war Anfang November: — Wir wollen das Generalgouvernement behalten, wir 
geben es nicht mehr her. Angesichts dieser Änderung der Sachlage war nun ein ganz 
neues Programm aufzustellen. Was der Führer schon wiederholt mit mir besprochen 
hatte, das wurde nun in steigendem Maße Gegenstand der Erörterung, daß nämlich 
das Gebiet des Generalgouvernements im deutschen Machtbereich bleibt, nicht in der 
Form eines Protektorats oder einer ähnlichen Form, sondern in der Form eines klar 
unter deutscher Herrschaft stehenden Machtgebildes des Deutschen Reiches, in wel= 
chem irgendwie gegenüber der polnischen arbeitenden Unterschicht die absolute 
Führung des Deutschtums gesichert ist,und in welchem nach Abschluß der Germani= 
sierung und Zurückführung der Deutschen des Warthegaues, Westpreußens, Süd= 
und Ostpreußens und Oberschlesiens auf weite Sicht die Germanisierung durch» 
gesetzt werden wird . . ." 

10 Vgl. Ausgewählte Dokumente zur Geschichte des Nationalsozialismus, hrsg. v. 
H.=A. Jacobsen und W. Jochmann, Bielefeld 1961 ff. 

11 Vgl. Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 1954, S. 298 t. 

12 Vgl. 20. Juli 1944, Bonn 196a, S. 206. 

13 Vgl. Piotrowski, St., Hans Franks Tagebuch, Warschau 1963, S. 309 ff. 

46 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

Das Befriedungsprogramm im Restpolen hatte „zum Inhalt, nunmehr mit der 
Masse der in unseren Händen befindlichen aufrührerischen Widerstandspolitiker 
und sonst politisch verdächtigen Individuen in beschleunigtem Tempo Schluß zu 
machen und zu gleicher Zeit mit der Erbschaft des früheren polnischen Verbrecher» 
tums aufzuräumen. Ich gestehe ganz offen, daß das einigen tausend Polen das Leben 
kosten wird, vor allem aus der geistigen Führerschicht Polens. Für uns alle als 
Nationalsozialisten bringt aber diese Zeit die Verpflichtung mit sich, dafür zu sorgen, 
daß aus dem polnischen Volk kein Widerstand mehr emporsteigt. Ich weiß, welche 
Verantwortung wir damit übernehmen. Aber es ist klar, daß wir das tun können, 
und zwar gerade aus der Notwendigkeit heraus, den Flankenschutz des Reiches im 
Osten zu übernehmen . . . 

Wir werden diese Maßnahme durchführen, und zwar, wie ich Ihnen vertraulich 
sagen kann, in Ausführung eines Befehls, den mir der Führer erteilt hat. Der Führer 
hat mir gesagt: Die Frage der Behandlung und Sicherstellung der deutschen Politik 
im Generalgouvernement ist eine ureigene Sache der verantwortlichen Männer des 
Generalgouvernements. Er drückte sich so aus: Was wir jetzt an Führerschicht in 
Polen festgestellt haben, das ist zu liquidieren, was wieder nachwächst, ist von uns 
sicherzustellen und in einem entsprechenden Zeitraum wieder wegzuschaffen. Daher 
brauchen wir das Deutsche Reich, um die Reichsorganisation der deutschen Polizei 
damit nicht zu belasten. Wir brauchen diese Elemente nicht erst in die Konzen= 
trationslager des Reiches abzuschleppen, denn dann hätten wir nur Scherereien und 
einen unnötigen Briefwechsel mit den Familienangehörigen, sondern wir liquidieren 
die Dinge im Lande . . . 

In den Händen der Sicherheitspolizei hätten sich zu Beginn der außerordentlichen 
Befriedungsaktion etwa 2000 Männer und einige hundert Frauen befunden, die als 
irgendwie geartete Funktionäre der polnischen Widerstandsbewegung in Haft gesetzt 
worden seien. Sie stellen wirklich eine geistige Führerschicht der polnischen Wider= 
Standsbewegung dar. Natürlich sei diese Führerschicht nicht auf die 2 000 Personen 
beschränkt. In den Akten und Karteien des Sicherheitsdienstes befänden sich weitere 
etwa 2000 Namen von Personen, die diesem Kreis zuzurechnen seien. Das seien 
Personen, die angesichts ihrer Tätigkeit und ihres Verhaltens ausnahmslos ohnehin 
unter die für das Generalgouvernement geltende Standrechtsverordnung fielen. Die 
summarische Aburteilung dieser Leute habe in dem Augenblick begonnen, in welchem 
die außerordentliche Befriedungsaktion angeordnet worden sei. Die standrechtliche 
Aburteilung der 2 000 Inhaftierten nähere sich ihrem Ende, und es seien nur noch 
wenige Personen abzuurteilen. 

Nach Durchführung dieses summarischen Standgerichtsverfahrens habe nun schon 
eine Festnahmeaktion begonnen, die den Kreis der dem Sicherheitsdienst bekannten, 
aber noch nicht inhaftierten Leute ebenfalls in die Hände der Sicherheitspolizei und 
damit zur summarischen Aburteilung bringen solle. Das Ergebnis dieser Festnahme» 
aktion stehe noch nicht fest. Er [Frank] rechne mit einem 75°/oigen Ergebnis. Ins= 
gesamt würde also die Aktion einen Kreis von etwa 3 500 Menschen umfassen. Es sei 
kein Zweifel, daß man mit diesen 3 500 Personen wirklich den politisch gefährlichsten 
Teil der Widerstandsbewegung im Generalgouvernement erfasse . . . 

Es bleibt bei der schärfsten antipolnischen Tendenz, wobei jedoch Rücksicht ge= 
nommen werden muß auf die Aufrechterhaltung der Arbeitsfähigkeit des polnischen 
Arbeiters und des polnischen Bauern. Wir müssen uns darüber klar sein, daß wir 
dieses Gebiet des Generalgouvernements nicht halten können, wenn wir einen Aus= 
rottungsfeldzug gegen die polnischen Bauern und Arbeiter beginnen würden in der 
Form, wie er von einzelnen Phantasten gedacht ist. Es kann sich nur um die Be= 
seitigung der Führerschicht handeln, aber das arbeitende Volk muß unter unserer 
verantwortlichen Befehlsgewalt nutzbringende Arbeit leisten . . ." 

47 E 



A. Einführung 

b) Betrachtet man kurz den deutschen Kriegsplan gegenüber Polen, so ist 
festzustellen: Seit April 1939 hatte die deutsche Wehrmachtführung alle Vor= 
bereitungen für eine militärische Auseinandersetzung mit dem Nachbarn im 
Osten getroffen 14 . Die strategischen Maßnahmen wurden auf dieses eine Ziel 
konzentriert, da die politische Führung annahm, den Konflikt auf Polen be= 
grenzen zu können. Die Oberkommandos der drei Wehrmachtteile hatten 
weder Offensivpläne gegenüber den Westmächten noch gegenüber den Nor= 
dischen Staaten ausgearbeitet, von einer Aufmarschanweisung gegen die 
UdSSR ganz zu schweigen. Angesichts der personellen und materiellen Unter= 
legenheit und der ungünstigeren strategischen Ausgangslage der polnischen 
Wehrmacht (vgl. Chronik S. 1149) war an einem Erfolg der deutschen Streit= 
kräfte im Sinne der politischen Zielsetzung nicht zu zweifeln. Bis zum 2. 9. 1939 
befanden sich also Kriegsziel, vorhandene Mittel und Operationsziel in einer 
„vernünftigen" Relation. Das Schwergewicht der deutschen militärischen 
Operationen lag eindeutig beim Heer. Durch konzentrisch geführte Vorstöße 
dreier Angriffsflügel sollte die polnische Wehrmacht in kürzester Zeit vernich= 
tend geschlagen werden (vgl. zur Entwicklung des Aufmarschplanes S. 148 E ff.). 
Die Luftwaffe hatte unterdessen neben der Ausschaltung der polnischen Luft= 
Streitkräfte den feindlichen Aufmarsch planmäßig zu verhindern und vor allem 
die eigene kämpfende Truppe auf dem Schlachtfeld unmittelbar taktisch zu 
unterstützen 15 . 

Im Rahmen dieser Operationen fiel der Kriegsmarine ebenfalls nur eine 
unterstützende und sichernde Rolle in der Ostsee zu 16 . Sie erhielt den Auftrag, 
die polnischen Seestreitkräfte auszuschalten, die feindlichen Seestützpunkte 
abzuriegeln, den polnischen Seehandel zu unterbinden, den Seeweg Reich — 
Ostpreußen zu sichern, und, falls erforderlich, in „unauffälliger Form gegen 
ein Eingreifen sowjetrussischer Seestreitkräfte aus dem Finnischen Meerbusen 
heraus" aufzuklären. Außerdem sollte sie Maßnahmen treffen, „die zur vor= 
sorglichen Sicherung gegen ein überraschendes Eingreifen der Westmächte in 
den Konflikt geboten schienen". Angesichts der weit unterlegenen polnischen 
Seestreitkräfte (4 Zerstörer, 1 Minenleger, 6 U=Boote und kl. Fahrzeuge) wurde 
dieser Auftrag innerhalb von wenigen Tagen durch 2 Linienschiffe, mehrere 
Kreuzer und Zerstörer, 7 U=Boote und zahlreiche Minenfahrzeuge erfüllt. Nach 
der Kriegserklärung der Westmächte am 3. 9. 1939 konnten die Kreuzer und 
Zerstörer ohne Schwierigkeiten in die Nordsee verlegt, und der weitere Kampf 
den beiden Linienschiffen und den Minenfahrzeugen überlassen werden. Die 
„Schleswig=Holstein" und die „Schlesien" beschossen zur Unterstützung der 
Erdoperationen die Westerplatte und die befestigte Halbinsel Heia, während 
die Minensuchstreitkräfte in der Ostsee Minen räumten, Transporte von und 

14 Vgl. Vormann, N. v., Der Feldzug in Polen 1939, Weißenburg 1958 (auch: Anm. 2, 
S. 25 E). 

15 Vgl. den Beitrag von H. v. Rohden, Anm. 26, S. 27 E. 

16 Vgl. Rüge, F., Der Seekrieg 1930—1945, Stuttgart 1954, S. 34 f. 

48 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

nach Ostpreußen geleiteten und Heia blockierten. Dabei verloren sie nur ein 
einziges Boot. Die polnische Marine dagegen büßte einen Zerstörer, einen 
Minenleger und mehrere Kanonenboote sowie Minensuchboote ein; jedoch 
entkamen ihre U=Boote in neutrale oder alliierte Häfen. Insgesamt betrachtet 
waren die Operationen in der Ostsee für die deutsche Kriegsmarine nicht viel 
mehr als eine „Episode". 

2. Phase : 

Die versuchte Ausschaltung der Westmächte als Machtfaktoren 

auf dem Kontinent 

a) Als der Krieg am 1. 9. 1939 ausbrach waren alle bis dahin vom OKW be= 
fohlenen militärischen Maßnahmen auf eine „Verteidigung West" ausgerichtet. 
Auch nach der Kriegserklärung der Westmächte an Deutschland, am 3. 9. 1939, 
vermied Hitler zunächst alles, was zu einem offenen Ausbruch der Kampf= 
handlungen führen konnte. Hatte er noch in der Weisung Nr. 1 vom 31. 6. 1939 
angeordnet, die Verantwortung „für die Eröffnung der Feindseligkeiten ein= 
deutig England und Frankreich zu überlassen" und „geringfügigen Grenzver= 
letzungen zunächst rein örtlich entgegenzutreten", so bestimmte er in der Wei= 
sung Nr. 2 : „Das Ziel der deutschen Kriegführung bleibt zunächst die schnelle 
siegreiche Beendigung der Operationen gegen Polen"; Kriegsmarine und Luft= 
waffe gab er im begrenzten Umfange den Kampf gegen die Westgegner frei, 
nur an der Westfront sollte nach wie vor die „Eröffnung der Feindseligkeiten 
dem Gegner überlassen" bleiben 1 . Waren diese Richtlinien für die strategische 
Verteidigung im Westen auch in erster Linie mit Rücksicht auf die Operationen 
in Polen erteilt worden, so entsprachen sie jedoch zunächst noch der vorherr= 
sehenden Auffassung Hitlers. Allein unter dem Eindruck der ersten deutschen 
Waffenerfolge eröffnete Hitler am Abend des 12. 9. 1939 seinem Chefadj., 
Oberst Schmundt, vertraulich, daß er unmittelbar im Anschluß an den Feldzug 
in Polen eine Offensive im Westen führen wolle; ein vernichtender Sieg über 
Frankreich würde Großbritannien bestimmt zum Einlenken bewegen 2 . 

Am 2j. September 1939, kaum nach Berlin zurückgekehrt, berief Hitler die 
Oberbefehlshaber der drei Wehrmachtteile und ihre Chefs der Generalstäbe 
in die Reichskanzlei, um sie auf die Fortsetzung des Krieges vorzubereiten 3 . 
Zwar könne er „kein Urteil auf lange Sicht" abgeben, führte er bei dieser 
Gelegenheit aus, doch stünde fest, daß nach weiteren sechs Monaten die Lage 
längst nicht mehr so günstig für Deutschland sei wie im Augenblick, zumal die 
bestehenden Verträge keine sichere Grundlage bildeten. Mochten die neutralen 

1 Vgl. Hitlers Weisungen für die Kriegführung, hrsg. v. W. Hubatsch, Frankfurt 
1962, S. 19 ff. 

2 Jacobsen, Fall Gelb, a. a. O. (s. Anm. 2, S. 43 E), S. 7. 

3 Vgl. Generaloberst Halder Kriegstagebuch, a. a. O. (s. Anm. 5, S. 44 E), S. Bd. I, 
S. 86 ff. 

49 E 



A. Einführung 

Staaten auch vor dem Reich zittern, sie sähen in diesem doch den „Ungesättig= 
ten". Trotz der schlechten Behandlung durch England wüßten sie, daß ihnen 
von dieser Seite keine Gefahr drohe. Ihre Bewunderung für Deutschland ent= 
spreche der Bewunderung des „Spatzens" für die „Schlange". Es dürfte klar 
sein, daß die Großmächte in Deutschland den „Träger einer europäischen 
Umwälzung" erblickten. Der bisherige Verlauf des Krieges habe ihnen daher 
Angst und Respekt, keineswegs Liebe zu Deutschland eingeflößt. Dies müsse 
nüchtern bedacht werden. Es sei äußerst zweifelhaft, ob in „acht bis zehn Mo= 
naten der Neutralitätswillen der kleineren Staaten immer noch so stark" sei, 
wie jetzt unter dem Eindruck der deutschen Siege. In jedem Fall arbeite die Zeit 
gegen Deutschland. Psychologisch erscheine es ihm jetzt am günstigten zu sein 
zu handeln, da auch der Stand der Aufrüstung in Europa zugunsten Deutsch= 
lands spreche. Überdies schütze ein entschlossen und energisch geführter An= 
griff im Westen nicht nur das äußerst gefährdete Industriegebiet, sondern 
reiße Italien in den Kampf mit. 

Als nächstes Kriegsziel müsse daher England auf die Knie gezwungen und 
die französische Wehrmacht zerschlagen werden. 

In seiner Denkschrift vom 9. Oktober 193g, die für die Oberbefehlshaber 
der Wehrmachtteile und den Chef OKW bestimmt war, unterstrich Hitler 
noch einmal mit aller Schärfe: „ . . . Das deutsche Kriegsziel (bestehe) in der 
endgültigen militärischen Erledigung des Westens . . ., d. h. in der Ver = 
nichtung der Fähigkeit der Westmächte, noch einmal der staatlichen Kon= 
solidierung und Weiterentwicklung des deutschen Volkes in Europa entgegen= 
treten" zu können 4 . Allerdings müsse diese „innere Zielsetzung" der Welt ge= 
genüber „von Fall zu Fall psychologisch bedingte propagandistische Korrek= 
turen" erfahren, ohne daß sich am Kriegsziel selbst etwas ändere; dieses sei 
und bleibe „die Vernichtung unserer westlichen Gegner". Primär käme es daher 
darauf an, die feindlichen Streitkräfte zu vernichten, erst in zweiter Linie, 
feindlichen Raum zu besetzen als Voraussetzung für eine erfolgreiche Luft= 
und Seekriegführung gegen England, auch auf längere Sicht hin. 

Dieses Ziel verkündete er auch am 23. XI. 1939, als er der Generalität 
seinen „unabänderlichen Entschluß" mitteilte, England und Frankreich zum 
„günstigsten und schnellsten Zeitpunkt" anzugreifen. Dabei spiele die Frage 
des Neutralitätsbruches gegenüber Belgien und Holland keine Rolle, denn kein 
Mensch würde danach fragen, wenn Deutschland gesiegt habe. Ohne Angriff 
sei der Krieg eben nicht siegreich zu beenden, erklärte er. Und im Hinblick auf 
seine Zuhörer (Generale aller Wehrmachtteile) erläuterte er vielsagend, daß 
es bei diesem Entscheidungskampf nicht „um ein nationalsozialistisches 
Deutschland" gehe, sondern darum, „wer künftig in Europa" dominiere*. 



4 Vgl. Dokumente zur Vorgeschichte des Westfeldzuges 1939—1940, hrsg. v. Hans» 
Adolf Jacobsen, Göttingen 1956, S. 6. 

5 Vgl. Nürnberger Dok. (Blaue Serie), VS'7&g (IMT). 

50 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

Hitlers zweites, bereits wesentlich ehrgeizigeres Kriegsziel gipfelte also in der 
Erringung der Vormachtstellung Großdeutschlands in Mitteleuropa, gleich= 
zeitig hoffte er, damit den Krieg zu seinen Gunsten beenden zu können. Von 
irgendwelchen territorialen Zielen war zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Rede. 
Zunächst mußten die Gegner geschlagen werden, dann konnte man ihnen die 
eigenen Bedingungen diktieren. — Wie diese im einzelnen aussehen würden 
(Fernziel), war vollkommen offen; sicherlich waren sie von Umfang und 
Schnelligkeit des militärischen Erfolges abhängig und davon, was man mit 
den Waffen gewinnen und erhalten zu können glaubte. 

Auch bei dem geplanten Unternehmen „Weserübung" 6 , der Besetzung 
Dänemarks und der Eroberung Norwegens 1940, verbanden sich in gewisser 
Weise Nah= und Fernziele der deutschen politischen Führung. Fraglos hat 
zunächst die indirekte Strategie gegen England den entscheidenden Anstoß 
gegeben. An und für sich war Hitler von Beginn des Krieges an bestrebt, die 
Neutralität der nordischen Staaten aufrecht zu erhalten. Aber mehr und mehr 
überzeugten ihn die Argumente seiner politischen, vor allem seiner militäri= 
sehen Ratgeber, daß Norwegen unter keinen Umständen in die Hand Englands 
fallen dürfe. Auf diese Gefahr wies ihn auch der norwegische Staatsrat Quis= 
ling Mitte Dezember 1939 in einem persönlichen Gespräch hin. Eine „kalte 
Besetzung" durch britische Freiwillige (angesichts des russisch=finnischen Kon= 
fliktes) schien untragbar. Aus seestrategischen Gründen deshalb, weil England 
dadurch den Krieg auf die Ostsee ausdehnen konnte; die Konsequenzen für die 
deutsche Ozean= und Nordseekriegführung waren dann kaum mehr abzusehen. 
Aber auch aus wehrwirtschaftlichen Gründen mußte ein Festsetzen Groß= 
britanniens im Norden Europas verhindert werden, wollte das Deutsche Reich 
nicht die wichtige Erzzufuhr aus Schweden verlieren. Hinzu kam die Möglich= 
keit, daß England auf Schweden einen starken Druck ausübte, um dessen 
Kriegseintritt an der Seite der Westmächte zu erzwingen. 

Hitler selbst hatte bereits im Oktober 1939 die Bedeutung des „Wirtschafts= 
krieges neben dem rein militärischen Krieg" voll anerkannt und befohlen, alle 
deutschen Maßnahmen darauf zu konzentrieren, England von den dänischen 
Lebensmittellieferungen und von den Rohstoffen aus Norwegen und Schweden 
abzuschnüren. Je schneller dies gelang, desto eher würde der Krieg beendet 
sein. Es verstand sich von selbst, daß bei einem überraschenden Unternehmen 
gegen Norwegen zur Flankensicherung Deutschlands auch Dänemark unter den 
„Schutz des Reiches" gestellt werden mußte. 

Jedoch haben außerdem politische Argumente Hitler in seiner Auffassung be= 
stärkt. Reichsleiter Rosenberg, der Schirmherr der „Nordischen Gesellschaft", 
wollte von sich aus eine „psychologische Vorarbeit" zur Neuordnung Europas 
leisten. Zwischen seinem Außenpolitischen Amt der NSDAP und der Nasjonal 
Sämling unter Quisling bestand schon seit längerem ein engerer Kontakt. Und 

6 Vgl. Hubatsch, W., „Weserübung". Die deutsche Besetzung von Dänemark und 
Norwegen 1940, Göttingen 1960, 2. Aufl. 

51 E 



A. Einführung 

Quisling hatte es als seine große Aufgabe betrachtet, „gestützt auf eine kleine, 
aber fest entschlossene Minderheit, Norwegens Schicksal an das Großdeutsch= 
lands, als ein Kraftzentrum einer nordisch=germanischen Lebensgemeinschaft 
zu binden". Am 15. 12. 1939 unterbreitete er Hitler ein Memorandum über die 
Notwendigkeit eines „großgermanischen Staatenbundes". Als Norwegen 
besetzt wurde, vermerkte Rosenberg mit sichtlicher Befriedigung, daß sein 
A.P.A. eine „geschichtliche Aufgabe" erfüllt habe 7 . Sicherlich hat also auch 
dieses Fernziel der Nationalsozialisten bei den Erwägungen und Entschlüssen 
des Jahres 1939/40 auf deutscher Seite — manchmal unausgesprochen — eine 
Rolle gespielt. 

b) Am 3. 9. 193g wurde der erste große, schwerwiegende Irrtum der Obersten 
Deutschen Wehrmachtführung deutlich: Hitler hatte den Krieg gegen Polen 
entfesselt unter Inkaufnahme eines Risikos, nämlich des Krieges mit den West= 
mächten, ohne darauf vorbereitet zu sein. Die Kriegserklärung Englands und 
Frankreichs stellten ihn vor ein neues Problem umfassender Art. 

Gemessen an den Kräften des Jahres 1933 (10 Divn. mit 100000 Mann, ohne 
Flak, Panzer, schwere Artl. etwa 400 Flugzeuge, kleine Flotte mit nur wenigen 
Neubauten in den Jahren 1925—1932) war das militärische Arsenal Deutsch= 
lands gewaltig gewachsen: es zählte rund 109 Div. (Kriegsstärke des Heeres 
2,75 Millionen) über 10000 leichte und schwere Geschütze, 3200 Panzer, 
120000 Lkw, mehr als 4000 Flugzeuge (davon etwa 80% einsatzbereit) und 
eine im Aufbau begriffene kleine Flotte mit 57 U=Booten, Schlachtschiffen und 
Kreuzern 8 . 

Aber bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges, der keineswegs Begeisterung, 
sondern vielfach Skepsis und z. T. Resignation im deutschen Volk hervorrief, 
war die Wehrmacht mitten im Aufbau. Sowohl die Endplanungen des Heeres 
als auch die der Kriegsmarine waren auf das Jahr 1943/44 abgestellt. Zwar 
hatte Hitler 1937 das Tempo der Aufrüstung forcieren lassen, aber der Aufbau 
war bis 1939 mehr in die Breite geführt worden; ihm fehlte noch jede rüstungs= 
mäßige und personelle Tiefe. Deutschland besaß also noch längst kein fertiges 
Kriegsinstrument, wenn auch sein Vorsprung in der Produktion moderner 
Waffen gegenüber den Westmächten zu seinen Gunsten sprach. Goebbels 
interpretierte das deutsche „Fertigsein" dann auch graduell; er bedeutete am 
5. 4. 1940, daß die Nation fertig sei, „die sich am stärksten vom Fertigsein des 
Gegners unterscheide". In diesem Sinne sei Deutschland fertig gewesen, denn 
eine stärkere Differenz zwischen der Rüstungslage Deutschlands und seiner 
Feinde würde es nicht mehr geben 9 . Das mochte für den Augenblick vom deut= 

7 Vgl. Das politische Tagebuch Alfred Rosenbergs aus den Jahren 1934/35 un ^ 
i93Q/40,hrsg. v. H.=G. Seraphim, Göttingen 1956, S. 91 ff. 

8 Vgl. Mueller=Hillebrand, B., Das Heer 1933—1945, Bd. I, Darmstadt 1954; und 
Anm. 41, S. 28 E. 

9 Vgl. Jacobsen, Der Zweite Weltkrieg, a. a. O. (s. Anm. 1, S. 43 E), S. 181. 

52 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

sehen Standpunkt aus gesehen zutreffend sein; aber was würde geschehen, 
wenn dieser deutsche Vorsprung in der Rüstung statt sich zu vergrößern, 
ständig abnahm, ohne das es gelang, die Westmächte entscheidend zu schlagen? 

Eine Untersuchung des Instituts für Wirtschaftsforschung hat die Lage der 
deutschen Industrie bei Kriegsausbruch wie folgt beschrieben 10 : „Deutschland 
ging 1939 mit ausgeweiteten und modernisierten Kapazitäten in den Kampf, 
ausgestattet mit nicht unerheblichen Vorräten in den kriegsentscheidenden 
Rohstoffen, gestützt in den Schwerpunkten durch neue Rohstoffindustrien. Die 
Ballung der Standorte in den militärisch gefährdeten Grenzgebieten war in 
wichtigen Punkten zumindest gemildert. Die Chancen für eine industrielle 
Überlegenheit waren damit gegeben — wenn nicht stärkere Gegner in den 
Kampf traten, der Krieg nicht zu lange dauerte und die Auseinandersetzung 
sich nicht auf ein ,Ausproduzieren' auf dem Gebiete der Massenproduktion 
verlagerte. Deutschland hatte nicht so stark gerüstet wie die anderen glaubten, 
aber stark und modern genug, gemessen am Rüstungsstand der anfänglichen 
Gegner, für einen kurzen Krieg. 

Für den Fall eines langen Krieges waren Vorbereitungen nicht getroffen, 
trotz gegenteiliger Behauptungen in den politischen Reden — mit der Kürze des 
Krieges stand und fiel die deutsche /Überlegenheit'." 

Die Bilanz der Ernährungs= und Rohstofflage Deutschlands im September 
1939 ließ keinen Zweifel daran, daß die Vorräte, soweit sie nicht ganz im eige= 
nen Land erzeugt wurden, höchstens für eine Kriegsdauer von 9—12 Monaten 
ausreichten (Auslandsabhängigkeit: Zink 25%; Blei 50%); Kupfer 70V0; Zinn 
90 /o; Nickel 95%; Bauxit 99%; Mineralöl 65°/o und Kautschuk 80%). Statt 
nun von Anfang an die Wirtschaft radikal auf den Krieg umzustellen und 
auf lange Sicht zu planen, zeigten vor allem Gestaltung und Rangordnung der 
verschiedenen Fertigungsprogramme, wie wenig die Oberste Führung von 
einem zielstrebigen, einheitlichen Gesamtkriegsplan ausging, in dem die wehr= 
wirtschaftlichen Maßnahmen ganz den militärischen Erfordernissen angepaßt 
waren. In der Hoffnung, den Krieg durch eine Reihe von „Blitzfeldzügen" 
rasch beenden zu können, wurden allein bis zum Sommer 1941 die Programme 
der Rüstungsfertigung und die Dringlichkeitsstufen mehr als zehnmal um= und 
abgeändert (vgl. S. 72 E ff.), so daß der Chef des Wehrwirtschaft^ undRüstungs= 
amtes im OKW schließlich um eindeutige Klärung bat, „was nun wirklich am 
wichtigsten sei". Einmal stand die Munitionsfertigung im Vordergrund, dann 
das U=Boot= und Luftwaffenprogramm, schließlich wurde der Schwerpunkt 
wieder ganz auf die Kampfwagen= und chemische Fertigung verlegt. Dieses 
nervenaufreibende Ringen um die Bevorzugung in der Programmgestaltung 11 
zwischen den Wehrmachtteilen war nicht zuletzt auch die Folge mangelnder 

10 Vgl. Die deutsche Industrie im Kriege 1939 — 1945, Berlin 1954, S. 24. 

11 Vgl. hierzu: Ausarbeitung über die Wehr= und rüstungswirtschaftlichen Maß* 
nahmen des Chefs des Wehrwirtschaftsamtes im OKW, Gen.Major Thomas, 
Nürnberger Staatsarchiv, Rep. 502, Dok. PS=2353 und 400. 

53 E 



A. Einführung 

Koordinierung zwischen OKW,OKH, OKL und OKM Hinzu kam, daß die füh= 
renden Köpfe des Reiches offenbar erst im Frühjahr 1941 die Einsicht gewan= 
nen, es sei für den Fall eines länger dauernden Krieges wichtiger, die Rohstoff= 
grundlage zu erweitern als die reine Waffen= und Munitionsfabrikation aus= 
zubauen. Die viel zu langsame Ausdehnung der deutschen Rüstungswirt= 
schaft in den Jahren 1930—1942 ist an den Indexziffern der Rüstungsendferti= 
gung zu verdeutlichen 12 . 

Indexziffern der deutschen Rüstungsendfertigung nach Gruppen 

Januar /Februar 1942 = 100 

□ = Höchststand 



Zeit 


Gesamt 




Waffen 




Kraft= 
fahr. 


Flug- 


Schiff* 












zeuge 


zeuge 


bau 




1939 Sept./Dez. 


63 


1x3 


63 


5 






11 




1940 MD 


97 


163 


79 


36 






40 


1941 MD 


98 


102 


106 


81 




97 


HO 




1942 MD 


142 


166 


137 


130 


120 


133 


142 




1943 MD 


222 


247 


234 


330 


138 


216 


182 


1944 I. Quartal 


247 


299 


286 


465 


132 


227 


154 


April 


274 


302 


320 


527 


121 


285 


127 


Mai 


285 


301 


337 


567 


126 


295 


152 


Juni 


297 




361 


580 


133 


321 


107 




1 Juli 


322 


319 


384 


589 


117 


367 


139 




August 


297 


323 


382 


55» 


116 


308 


141 




September 


301 


335 


377 


527 


84 


310 


184 


Oktober 


273 


321 


372 


516 


79 


255 


217 


November 


268 


307 


375 


57* 


78 


274 


124 


Dezember 


263 


263 


408 


598 


63 


224 


233 


1945 Januar 


227 


226 


284 


557 


60 


231 


164 



In der Frage des deutschen Aufmarschplanes im Westen zeigte sich gegen= 
über 1914 ein grundlegender Unterschied. Während vor Ausbruch des Ersten 
Weltkrieges der verhängnisvolle Mechanismus des „Schlieffen=Planes" die so 
wichtige Handlungsfreiheit der politischen Führung einengte (als Symptom für 
das einseitige Überwiegen des Denkens in militärischen Kategorien bei gleich= 
zeitigem Versagen der politischen Führung), war es 1939 die politische Füh= 
rung, die, ungeachtet ihrer zahlreichen Zusicherungen gegenüber dem neutra= 
len Ausland, unter rücksichtsloser Verletzung der Neutralität Belgiens, Hol= 
lands und Luxemburgs eine Offensive im Westen auszuführen befahl. Die 
politische Führung zwang den Generalstab 13 , seine aus den Erfahrungen des 
Ersten Weltkrieges gewonnene und von der militärischen Lage Deutschlands 

12 Die deutsche Industrie, a. a. O. (s. Anm. 10), S. 178 ff. 

13 Vgl. hierzu Einzelheiten bei: Jacobsen, Fall Gelb, a.a.O. (s. Anm. 2, S. 43 E). 



54 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

diktierte Defensivhaltung aufzugeben. Brauchitsch (ObdH.) und Halder (Chef 
Genst.d.H.) versuchten zwar, mit Hilfe militärtechnischer Argumente mäßigend 
auf die expansive Politik Hitlers einzuwirken. Doch diese mit allem Nachdruck 
gegen die Offensive vorgetragenen Argumente blieben auf die politische Lei= 
tung ohne entscheidende Wirkung. 

Als Hitler nach dem sogenannten Friedensappell vom 6. Oktober ±939, ohne 
eine Antwort der Westmächte abzuwarten, den 22. November als ersten 
Angriffstermin im Westen bezeichnete, empörte sich Generaloberst v. Leeb — 
OB einer HGr. — über diesen „Wahnsinnsangriff" unter Verletzung der 
Neutralität mit den Worten: „Die Rede des Führers im Reichstag war also 
nur ein Belügen des deutschen Volkes." 

Die führenden Köpfe des Oberkommandos des Heeres nahmen in den dra= 
matischen Monaten des Winters 1939/40 jede Gelegenheit wahr, die militäri= 
sehen Aussichten nüchtern klarzulegen und jede Friedensmöglichkeit zu propa= 
gieren. Indem sie die Ausarbeitung des Aufmarschplanes verzögerten— der erste 
improvisierte Plan datierte vom 19. 10. 1939 — , versuchten sie, Hitler mit Mit= 
teln des Fachressorts zu bremsen und der politischen Führung ausreichenden 
Spielraum für ein Übereinkommen mit den Westmächten zu verschaffen. Noch 
war der Krieg im Westen nicht offen entbrannt und die Ausweitung des Kon= 
fliktes zu einer weltweiten Auseinandersetzung war bei tieferer politischer Ein= 
sieht möglicherweise noch zu verhindern. Freilich: So ernsthaft sich auch Brau= 
chitsch darum bemühen mochte, den drohenden Weltkonflikt nicht durch einen 
militärischen Waffengang im Westen offen zum Ausbruch kommen zu lassen 
— zuletzt noch in seiner dramatischen Aussprache mit Hitler am 5. November 
1939 — / seine Bestrebungen scheiterten letzthin an dem entschlossenen, un= 
beugsamen Willen Hitlers — am Primat der Politik. Dieser hatte am 23. No= 
vember in einer Geheimrede den Generalen gedroht, jeden „Miesmacher" und 
jeden, der gegen ihn und seine Offensivpläne sei, rücksichtslos zu vernichten. 
Der Oberbefehlshaber des Heeres war sich durchaus der furchtbaren Gefahren 
eines lange dauernden Krieges bewußt, zumal ihm die Bilder und Erfahrungen 
des Ersten Weltkrieges ständig vor Augen schwebten; aber „aus dieser Einsicht 
die politischen Konsequenzen zu ziehen", hat es ihm schließlich immer wieder 
an Kraft gefehlt. Daß er sich als Soldat nicht den Argumenten Hitlers verschlie= 
ßen konnte, der angesichts der unnachgiebigen Haltung der Gegner den Krieg 
durch einen raschen Sieg beenden wollte, führte ihn vollends zu jenen ihn über= 
fordernden seelischen Zwiespalt, aus dem in erster Linie seine zögernde Ent= 
Schlußfassung zu verstehen ist 14 . 

Als Operationsziel der deutschen Offensive im Westen hatte Hitler im Okto= 
ber 1939 bestimmt: „Starke Teile des franz. Heeres und die an seiner Seite 
fechtenden Verbündeten zu schlagen und gleichzeitig möglichst viel hollän= 
disch=belgischen und nordfranzösischen Raum als Basis für eine aussichtsreiche 

14 Ebd., S. 47. 

55 E 



A. Einführung 

Luft= und Seekriegführung gegenüber England und als weites Vorfeld des 
lebenswichtigen Ruhrgebietes zu gewinnen." Daraus erhellt, daß Hitler an 
einen durchschlagenden Erfolg zu Lande, d. h. an einen militärischen Sieg über 
England und seine Verbündeten zum damaligen Zeitpunkt noch nicht glaubte. 
England, im Gegensatz zum Ersten Weltkrieg, jetzt Hauptgegner, sollte mit 
den Kräften der Luftwaffe und der Kriegsmarine endgültig niedergerungen 
werden. In welcher Form, mit welchen Mitteln und in welcher Zeit, darüber 
bestand keinerlei Klarheit; irgendwelche Pläne dazu hatten weder die SKI noch 
das OKL ausgearbeitet. Also schon bei den Vorbereitungen zu dieser Offensive 
wurde deutlich, wie wenig durchdacht die Gesamtstrategie war, wie improvi= 
siert befohlen und ausgeführt wurde; Hitler war nicht in der Lage, das Lei= 
stungsvermögen der deutschen Wehrmacht im Verhältnis zu seinen Gegnern 
vorausschauend, d. h. auf weite Sicht hin zutreffend einzuschätzen. Bemerkens= 
wert bei allen Planungen im Winter 1939/40 war auch die Tatsache daß aus 
der angegebenen strategischen Zielsetzung nicht die erforderlichen Konsequen= 
zen für die Kriegführung von Luftwaffe und Kriegsmarine gezogen wurden, 
sondern daß diese ebenfalls über die Gewinnung der Kanalküste in Belgien 
und Nordfrankreich sowie über die allgemeine Bekämpfung Großbritanniens 
zur See (vgl. S. 58 E) nicht hinausging. 

Erst nachdem die operativen Planungen zum Westfeldzug dank des stän= 
digen Verschiebens des Angriffstermins zu einem erfolgreichen Abschluß ge= 
kommen waren und die deutsche Oberste Führung die zahlreichen Lücken auf 
dem Gebiet der Ausrüstung, Ausbildung und in der Ausstattung mit Pz. und 
mot. Kraftfahrzeugen beseitigt hatte, schien Hitler von dem Gelingen der 
Offensive überzeugt zu sein. In der letzten Aufmarschanweisung vom 24. 2. 
1940 (vgl. S. 178 E) hatte das OKH befohlen : Der Angriff „Gelb" bezwecke, 
„durch rasche Besetzung Hollands das niederländische Hoheitsgebiet dem Zugriff 
Englands zu entziehen, durch Angriff über belgisches und luxemburgisches 
Gebiet möglichst starke Teile des franz. =englischen Heeres zu schlagen und 
damit die Vernichtung der militärischen Machtmittel des Feindes anzubahnen". 
Mit anderen Worten: Erst im Frühjahr 1940 rechnete die Oberste Wehrmacht= 
führung mit einem durchschlagenden Erfolg im Westen; für diesen setzte sie 
rücksichtslos alle vorhandenen Reserven ein, weil sie hoffte, durch einen zwei= 
ten Blitzfeldzug den Krieg siegreich zu ihren Gunsten entscheiden zu können. 
Aber über die Niederwerfung der Feindmächte auf dem Festland hinaus besaß 
sie keinerlei Pläne 15 . 

Vor weitaus schwierigeren Aufgaben als gegenüber Polen sah sich die deut= 
sehe Kriegsmarine 16 gestellt, nachdem England und Frankreich dem Deutschen 
Reich den Krieg erklärt hatten. Denn die britisch=französischen Seestreitkräfte 
waren den deutschen weit überlegen. Allein das Verhältnis zwischen der deut=> 

15 Ebd., S. 137 ff. 

16 Vgl. Anm. 16, S. 48 E. 

36 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

sehen und englischen Flotte betrug bei den großen und mittleren Uberwasser= 
Streitkräften 1:7,5 un< ^ bei den Zerstörern 1:9,2; nur die U=Bootwaffe wies 
Parität auf (vgl. die Übersicht S. 61 E). Diese prekäre Lage war die Konsequenz 
der deutschen Flotten= und Außenpolitik, die nicht aufeinander abgestimmt, 
vielmehr seit 1935 mehr und mehr konträr gelaufen waren. Nach dem deutsch= 
englischen Abkommen von 1935, das das Tonnage Verhältnis zwischen der 
deutschen und der britischen Kriegsmarine auf 35:100% festgesetzt hatte, 
hatte die SKI einen Krieg mit England zunächst nicht in Betracht gezogen. 
Erst Anfang 1938 äußerte Hitler gegenüber dem ObdM, die Kriegsmarine habe 
sich auch auf eine Auseinandersetzung mit Großbritannien vorzubereiten und 
darauf ihre Maßnahmen abzustellen. Nunmehr erörterte die SKI in mehreren 
Planspielen den möglichen Einsatz gegen England; dabei kam sie zu dem Er= 
gebnis, daß, solange ein deutscher Seekrieg im wesentlichen mit U=Booten 
geführt würde, der Kern der britischen Flotte nicht zu vernichten sei. Folglich 
wurde ein auf sechs Jahre (1944) befristetes Programm aufgestellt mit dem 
Ziel, die deutsche Kriegsmarine personell und materiell, vor allem die Zahl der 
schweren Schiffe, erheblich zu vergrößern (Z=Plan), um für den Eventualfall 
besser gerüstet zu sein. Hitler befahl, diesen Aufbau den beiden anderen Wehr= 
machtteilen vorzuziehen. 

Allerdings ließ die nunmehr angestrebte doppelte Zielsetzung der Seekrieg= 
führung, Bekämpfung der feindlichen Handelsschiffahrt und Zerschlagung der 
britischen Seeherrschaft, „jede politische Erfahrung und Einsicht in die kon= 
tinentale Gebundenheit Deutschlands" 17 (Hubatsch) vermissen. Wohl hatte der 
Befehlshaber der U=Boote, der spätere Admiral Dönitz, den verstärkten Aus= 
bau seiner Waffe gefordert, weil nur sie seiner Meinung nach im Ernstfalle 
— mit entsprechenden Kräften auf See — zur Entscheidung des Krieges beitra= 
gen könne. Er war aber mit seiner Ansicht nicht durchgedrungen. Schließlich 
hatte Hitler den Offizieren der U=Bootwaffe noch am 22. 7. 1939 beteuert, es 
würde auf keinen Fall zum Kriege mit England kommen, denn das würde das 
„Finis Germaniae" bedeuten 18 . Dennoch ging er in seiner Außenpolitik dann 
bewußt das große Risiko eines Krieges mit Großbritannien ein, als er den Kon= 
flikt mit Polen entfesselte. 

So wurde die deutsche Kriegsmarine durch den Ausbruch des Zweiten Welt= 
krieges überrascht. Zu diesem Zeitpunkt war sie ein Torso, da der Z=Plan ge= 
rade erst angelaufen war. Die britische Flotte, wie im Ersten Weltkrieg zu 
einer „rangierten Seeschlacht" zum Kampf zu stellen, war aus den obengenann= 
ten Gründen nicht möglich und auch taktisch nicht mehr üblich. Vielmehr mußte 
die deutsche Kriegsmarine versuchen, mit allen verfügbaren Mitteln einen Wirt= 
schafts= und Blockadekrieg gegen die Insel einzuleiten, der um so durchschla= 
gender sein konnte, je bessere Ausgangsbasen vorhanden waren. Der ObdM 

17 Vgl. Hubatsch, W., Der Admiralstab und die Obersten Marinebehörden in 
Deutschland 1848—1945, Frankfurt a. M. 1958, S. 210 ff. 

18 Vgl. Dönitz, Kl, Zehn Jahre und zwanzig Tage, Bonn 1958, S. 45. 

57 E 



A. Einführung 

befahl als erstes, alle Großbauten des Z=Planes / soweit sie noch nicht vom Sta= 
pel gelaufen waren, stillzulegen, um den U=Bootbau zu beschleunigen und 
Hilfsschiffe zum Kaperkrieg auszurüsten. An Stelle der 300 Boote, die Dönitz 
für eine erfolgreiche Seekriegführung gegen England als Minimium bezeichnet 
hatte, besaß Deutschland allerdings nur 57 Boote, von denen 46 für den Front= 
einsatz geeignet waren. Im Zuge der Schwerpunktverlagerung innerhalb der 
Marine sollten monatlich 29 Boote gebaut werden. Da aber dieses Programm 
nicht in die erste Dringlichkeitsstufe der Rüstungsvorhaben eingeordnet wurde, 
mußte die Zahl schließlich im März 1940 auf 25 — als Dauerlösung — gesenkt 
werden. Jedoch nicht einmal dieses Programm ließ sich in den ersten beiden 
Kriegsjahren auch nur annähernd verwirklichen. Im ersten Halbjahr 1940 lie= 
ferten die überforderten Werften 2, bis Dezember 1940 6 Boote, erst Ende 
1941 betrug die Ausstoßziffer 20 Boote im Monat. 

Daher konnte die Seekriegsleitung im ersten Kriegsjahr durchschnittlich nur 
12—14 U=Boote im Operationsgebiet zur Bekämpfung der feindlichen Geleit= 
züge einsetzen. Diese Kräfte reichten aber für einschneidende Erfolge nicht aus. 

Dies bestätigt Großadmiral a. D. Dönitz, wenn er schreibt, daß „die Ma= 
rine die erforderliche Anerkennung der Vordringlichkeit ihrer Aufträge an 
die Industrie und die notwendigen Rohstoffe und Arbeitskräfte von der Staats= 
führung" nicht erhalten habe. „Alle Schreiben und Vorträge des Großadmirals 
Raeder in dieser Beziehung waren erfolglos. Hitler entschied: Nachdem Gene= 
ralfeldmarschall Göring umfassende Vollmachten besitzt, hat der Führer und 
Oberste Befehlshaber der Wehrmacht davon abgesehen, darüber hinaus eine 
besondere Ermächtigung für die Dauer des U=Boot=Programms zu vollziehen. 

Die Folge dieser Entscheidung war, daß die Marine für den U=Boot=Bau die 
benötigten Zuweisungen nicht erhielt. Sie bekam z. B. noch nicht einmal 5 °/o 
der deutschen Stahlproduktion für ihre Rüstungszwecke zugewiesen, und trotz 
steigender deutscher Stahlerzeugung war die Stahlzuteilung für die Kriegs= 
marine 1942 geringer als bei Kriegsbeginn. Der U=Boot=Bau war, was seine 
Dringlichkeit im Gesamt=Rüstungsplan anbelangt, nur eine Aufgabe unter sehr 
viel anderen auch. Auf gleicher Dringlichkeitsstufe standen z. B.: Panzer= 
Kampfwagen III und IV, Panzer=Befehls wagen und Panzer=Abwehrwaffen, das 
Reichsbahnwaggon= und Lokomotiven=Bauprogramm, das Kriegsprogramm 
des Generalbevollmächtigten für das Kraftfahrwesen, das Flakprogramm ein= 
schließlich Kommandogeräte, die Sprengstoffchemie im sogenannten ,Schnell= 
Plan', das Ju=88=Programm, Flugzeuge des Musters Me 110, He 111 u. a/' 
(Marinerundschau 1964, S. 67 f). 

In dem Tonnagekrieg, der 1939 mit unzulänglichen Mitteln aufgenommen 
wurde, handelte es sich darum, jeweils mehr feindlichen oder dem Feinde 
nutzbaren neutralen Schiffsraum zu versenken, als die Alliierten neu bauen 
konnten. Da ein vermehrter Nachbau von Schiffen Zeit erfordert, mußte die 
deutsche Kriegsmarine also so schnell wie möglich versenken, bevor der ver= 
mehrte Neubau die Höhe der Versenkungen ausgleichen konnte. In der Atlantik= 

58 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

schlacht spielte deshalb das Zeitproblem eine entscheidende Rolle; daher das 
Drängen des Befehlshabers der U=Boote in den ersten Kriegs] ahren, so schnell 
wie möglich und im großen Stil U=Boote zu bauen, damit Deutschland so rasch 
wie möglich eine möglichst hohe Tonnagezahl der anglo=amerikanischen See= 
mächte versenken konnte. Nach der Konzeption des Befehlshabers der U=Boote 
sollte die feindliche Tonnage dort versenkt werden, wo dies mit größter ökono= 
mie,d.h. größten Versenkungsergebnissen in BRT pro U=Boot und pro See=Tag, 
also mit geringstem Zeitaufwand und mit den geringsten eigenen Verlusten 
erfolgen konnte. Nur unter diesen Voraussetzungen konnte die Seekriegs= 
leitung hoffen, die auf Einfuhr aus Übersee angewiesene britische Insel, vor 
allem aber auch die über See laufende Versorgung der britischen Kriegsschau= 
platze abschnüren zu können. 

Bis zum Sommer 1940 waren die Operationen von Überwasser=Schiffen im 
Atlantik angesichts der ungünstigen Ausganspositionen kaum oder nur unter 
größten Schwierigkeiten möglich. Ebenfalls war der Einsatz der wenigen 
U=Boote bei den großen Anmarschstrecken wenig rationell; er konnte daher 
keine entscheidenden Ergebnisse erzielen. 

Für die deutsche Kriegsmarine blieb von Anfang an Großbritannien mit sei= 
nem Wehrpotential der Hauptgegner. Diesen mit der eigenen Flotte an der 
verwundbarsten Stelle zu treffen, stand seit September 1939 im Mittelpunkt 
aller Planungen und Maßnahmen der SKI unter Großadmiral Raeder. Der Er= 
folge aller Operationen hing von drei Voraussetzungen ab: 

1. Von der Konzentration aller Mittel auf dieses eine große Ziel; 

2. von der Zahl der verfügbaren Schiffe und Boote unter bzw. über Wasser 
und schließlich 

3. von einem reibungslosen Zusammenarbeiten mit der Luftwaffe auf dem Ge= 
biet der Seeaufklärung und Bekämpfung der feindlichen Schiffe im Seegebiet 
um England 19 . 

Im Rahmen der Gesamtkriegführung bekämpften die deutschen Seestreit= 
kräfte einmal Großbritannien direkt, zum anderen indirekt. Die Masse 
der Über= und Unterwasserstreitkräfte setzte Raeder zu Handels= und Zufuhr= 
krieg ein (ab März 1940 auch Hilfskreuzer), um England „in seiner Wirt= 
schaftskraft" durch Kampf gegen den Tonnageraum und die ihn schützende 
Flotte „vernichtend zu treffen". Ergänzt wurden diese Operationen der ersten 
Schlacht im Atlantik durch elf kühn geführte Unternehmungen zur Verminung 
der Schiffahrtswege an der englischen Küste von der Themse bis zum Tyne. 

Mit den Weisungen Nr. 6 und 8 für die Kriegführung 20 hatte die Oberste 
Wehrmachtführung der Kriegsmarine aber noch einen weiteren Auftrag erteilt : 
Sie sollte die Operationen des Heeres und der Luftwaffe „mittelbar" oder „un= 
mittelbar" im Westen unterstützen, „Sperrmaßnahmen gegen die belgischen 

19 Vgl. Raeder, E., Mein Leben, Tübingen 1957, Bd. II, S. 170 ff. 

20 Vgl. Anm. 1, S. 144 E. 

59 E 



A. Einführung 

und holländischen Häfen und Fahrwasser" sowie Sonderunternehmen gegen 
die westfriesischen Inseln vorbereiten. Aber zu einer solchen Unterstützung 
der Heeresoperationen kam es im Mai— Juni 1940 nicht; das war vor allem auf 
die schweren Verluste zurückzuführen, die die deutsche Kriegsmarine bei dem 
Norwegen=Unternehmen im April erlitten hatte. Deutsche Seestreitkräfte wä= 
ren besonders bei der Schlacht um Dünkirchen erforderlich gewesen, als es galt, 
die britisch=französische Evakuierungsflotte auch von der Seeseite her anzu= 
greifen. 

Eine wichtige Aufgabe fiel der deutschen Kriegsmarine beim Unternehmen 
„Weserübung" zu. Sie hatte den Seetransport der Landungstruppen durch= 
zuführen, den Nachschub über See zu sichern und zusammen mit der Luftwaffe 
die Operationen des Heeres vor dem Eingreifen englischer See= und Luftstreit= 
kräf te abzuschirmen. Wie die Offensive im Westen, so stand auch dieser Feldzug 
ganz im Zeichen der Ausweitung der Ausgangsstellung im Kampf gegen Eng= 
land. Zwar hat die kleine deutsche Kriegsmarine diese Aufgabe glänzend erfüllt, 
doch erlitt sie dabei schwere Verluste, von denen sie sich eigentlich nie wieder 
richtig erholt hat, sieht man einmal von dem Unterwasserkrieg ab. 

In welchem Maß die Uberwasserstreitkräfte und U=Boote für die Norwegen= 
Unternehmung beansprucht wurden, zeigt die folgende Tabelle nach dem Stand 
vom 9. 4. 1940 21 : 



Schiffstypen 


vorhanden 


einsatz» 
bereit 


beteiligt 


in der 
Werft 


in 
od 


de 
er 


r Ausbildg. 
Erprobung 


Schlachtschiffe 


2 


2 


2 












Schwere Kreuzer 


4 


3 


3 


1 






— 


Leichte Kreuzer 


6 


4 


4 


2 






— 


Zerstörer 


20 


14 


14 


6 






— 


Torpedoboote 


17 


10 


10 


1 






6 


Große U=Boote 


9 


7 


5* 


— 






2 


Mittlere U=Boote 


13 


11 


9** 


l 






1 


Kleine U=Boote 


26 


21 


18 


1 






4 



* 2 weitere Boote liefen am 12. und 14. als Transportboote aus. 
** 2 weitere Boote liefen am 16. und 27. als Transportboote aus. 

Es waren also praktisch alle einsatzbereiten Kriegsschiffe mit Offensivkraft, 
mit Ausnahme von 3 kleinen U=Booten, für die Norwegenunternehmung ein= 
gesetzt. Ebenso waren die beiden Schnellbootflottillen zunächst in Norwegen 
eingesetzt. Sie wurden erst Mitte Mai in die deutsche Bucht zurückbeordert und 
gingen dann in den Kanal. 



21 Vgl. Jacobsen, H.=A., und Rohwer, J., Planungen und Operationen der deutschen 
Kriegsmarine im Zusammenhang mit dem Fall „Gelb", in: Marinerundschau, 
April i960, S. 75. 

60 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 



Kräftevergleidi der Seestreitkräfte 

„Achse" und Verbündete 



Deutschland 
1939 1941 



Italien 



Japan 
1939 1941 



Schlachtschiffe 
Flugzeugträger 

Fl.Mutterschiff 
Pz.Kreuzer 

Schwere Kreuzer 



2(6) 



6 — — 



10 (2) - 

6 (4) 16 

(einschl. Seefl.) 






Leichte Kreuzer 6 — 

Minenkreuzer/Leger — — 

Zerstörer 22 5 ( + 2)* 

Torpedoboote 16 7 

U=Boote 57 198 (+4) 

Schnellboote 25 30 ( + 1) 



16(2) 

126 (12) 
106 (27) 



82 — 

(Küsten- 
panzersch.) 

14 - - 

(?) - - 

62—4 
65—3 

118 5 1 



12 (2) 18 



25 
24 
113 (9) 



18 



63 (9) - 



73 6 3 - 



* Beute 



Und ihre Gegner 





England 


Frankreich 


c 

H 


•0 

c 

1 


(5 

Ol 

(A 




s 

ja 
9 


< 


IT) 




1939* 


1941 


1939 1940 


C 


U 


3 


M 


P 




Schlachtschiffe 12 


— 


7(2)** 


— 


— 


— 


— 


3 (3) 15 (8) 


25 


Flugzeugträger 8 


— 


Ml) 


— 


— 


— 


— 


6(1) 
F1.M. 2 


30 


Schwere Kreuzer 15 


— 


7 


— 


— 


1 


— 


4 (2) 18 


24 


Leichte Kreuzer 49 


— 


12 


— 


— 


1 


1 


4 (6) 19 (6) 
Min.Kr. 10 


51 
23 


Zerstörer 201 


— 


71(8) 


— 


4 


10 


2(4) 


u 




Torpedoboote — 


— 


— 


— 


2 


13 


6 


J55 (20) 222 (33) 


391 


U=Boote 38 


— 


76 (10) 


— 


5 


6 


4 


lÖO (80) 90 (l8) 


277 


Schnellboote 27 


— 


9 


— 


— 


2 


8 


120 — 


— 


Monitore 3 


— 


— 


— 


— 


— 


— 


— — 


— 



* Effektivstärke 
** im Bau 



61 E 



A. Einführung 



Alliierte und neutrale Schiffsraumverluste in der 
1. Phase der Schlacht im Atlantik 22 (September 1939 — März 1940) 



1. Durch U=Boote 

2. Überwasserschiffe 

3. TorpedcWMineneinsätze 

4. v. Zerstörern gelegte Minen 

5. Luftwaffe 



678 130 BRT 

57 051 BRT 

267 443 BRT 

226 989 BRT 

64 596 BRT 

1 294 209 BRT 



Aufteilung der deutschen U=Boote und ihre Verwendung 1939— 1941 23 : 



Zeitphase 


Einsatz» 
bereit 


Schule 
Ausrüstung 
Erprobung 


Gesamtzahl 
der Boote 


Durchschn. 
in See 


1939 








13 


1. Sept. 1939 


49 


8 


57 




Ende 


33 


24 


57 




1940 








14 


Januar 


33 


24 


57 




April 


46 


6 


52 




Juli 


28 


23 


5i 




August 


— 


— 


55 




September 


27 


— 


— 




Oktober 
1941 


27 


37 


64 










25 


Januar 


22 


67 


89 




Februar 


22 


55 


77 




April 


32 


81 


113 




Juli 


65 


93 


158 




Oktober 


80 


118 


198 





22 Vgl. Rohwer, ]., Der U=Bootkrieg und sein Zusammenbruch 1943, in: Entschei> 
dungsschlachten des zweiten Weltkrieges, Frankfurt 1960, S. 330, 333. 

23 Vgl. Ploetz, Geschichte des Zweiten Weltkrieges, 2. Teil: Die Kriegsmittel, Würz» 
bürg i960, S. 130. 



62 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

3. Phase : 
Die „Neue Ordnung" in Europa unter deutscher Hegemonie 

a) Angesichts des neuen „Blitzsieges" der deutschen Wehrmacht an derWest= 
front äußerte sich Hitler zum ersten Male konkreter über seine weiteren Ziele: 
Der zukünftige Friedensvertrag mit Frankreich solle lauten: „Alle dem deut= 
sehen Volk seit 400 Jahren geraubten Gebiete" und „sonstigen Werte" zurück= 
zugeben. Die Engländer könnten „jederzeit (einen) Sonderfrieden haben", nach= 
dem sie die deutschen Kolonien zurückgegeben hätten. Die unmittelbare Folge 
war die Einverleibung Eupen=Malmedys und Moresnet (der de facto=Anschluß 
Luxemburgs ans Reich vollzog sich am 30. 5. 1942) und die „verschleierte An= 
nexion" Elsaß=Lothringens seit den Herbstmonaten 1940 K 

Einige Wochen lang glaubte Hitler wirklich, Frieden stiften zu können, ohne 
auf seine letzten politischen und militärischen Eroberungen verzichten zu müs= 
sen. Aber insofern lag eine politische Beendigung des Krieges gar nicht mehr 
allein in seiner Willensentscheidung, da ihn seine verhängnisvolle Außenpolitik 
schon in mehrfacher Hinsicht festgelegt und er durch seine Vorkriegspolitik 
jeden Vertrauenskredit im Ausland verloren hatte. Am 23. 8. 1939 hatte er den 
Ostteil Polens der Sowjetunion überlassen; ohne — in ihrem Ergebnis zweifel= 
hafte — Verhandlungen war hier der Status quo gar nicht wiederherzustellen. 
Außerdem erschwerte die unselige deutsche Besatzungspolitik in Polen mit den 
ersten „völkischen Ausrottungsmaßnahmen" jedes Gespräch über die Restitu= 
tion dieses Staates (vgl. S. 45 Eff.). Und Italien hatte für seine Beteiligung am 
Kriege hohe territoriale Forderungen gestellt (vgl. S. 193 E). 

Hitlers „Appell an die Vernunft" vom ig. Juli ig^o 2 war im übrigen nichts 
anderes als ein erneutes Alibi vor der Weltgeschichte. Denn tatsächlich enthielt 
dieses „Angebot" keinerlei reale Vorschläge, außer dem der Kapitulation Eng= 
lands. Aber Hitler, in der Behandlung seines eigenen Volkes ein viel zu guter 
Psychologe, wußte wie wirksam es war, die moralische Schuld für das Weiter= 
kämpfen dem Gegner aufzubürden. In einer Unterrednung mit dem italieni= 
sehen Botschafter Alfieri am 1. 7. 1940 bedeutete er, daß er im Augenblick wie= 
der mitten in den Vorbereitungen für neue große Aufgaben stünde; es sei 
daher wichtig, in den Augen der Welt — und der deutschen Öffentlichkeit — 
England für den weiteren Verlauf der Entwicklung verantwortlich zu machen. 
Damit stärke er die eigene und schwäche er die Position des Feindes; schon bei 
seinem „Friedensappell" vom 6. 10. 1939 hätten ihn ähnliche Gedanken be= 
wegt 3 . 

1 Vgl. Dokumente zum Westfeldzug 1940, hrsg. v. H.=A. Jacobsen, Göttingen i960, 
S. 53 (Jodl=Tagebuch) ; Domarus, M., Hitler Reden und Proklamationen, Bd. II : 
Der Untergang (1939—1945), Würzburg 1963, S. 1513 (18.5.1940). Zur Frank= 
reichpolitik : siehe die Studie von E. Jäckel (Hinweis auf S. 23 E). 

2 Domarus, a. a. O. (s. Anm. 1), S. 1540 ff. 

3 Vgl. Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik 1918—1945, Serie D. 1937—1945, 
Bd. X, Frankfurt 1963, S. 65 f. 

63 E 



A. Einführung 

Die sich im Sommer 1940 abzeichnende deutsch=europäische Friedensordnung 
war nicht die Antwort auf bestimmte, definierte Kriegsziele der Gegner, son= 
dem Folge des vermeintlichen endgültigen Sieges über Frankreich und England. 
Sie stand zunächst noch ganz im Zeichen der Abgrenzung von Großräumen 
gegen die nichtkontinentalen westlichen Demokratien und gipfelte, geogra= 
phisch=politisch gesehen, in einer deutschen Großraumpolitik, die in mancher 
Hinsicht eine Modifizierung des alten Mitteleuropa Gedankens (Naumann, 
Jäckh) zu sein schien und bei der man mit einer europäischen Monroe=Dok= 
trin zu argumentieren gedachte. Gegenüber dem angelsächsischen Universalis= 
mus bevorzugte sie einen raumgebundenen, d. h. auf einen Kontinent be= 
schränkten Regionalismus. Die Vereinigten Staaten sollten durch den Abschluß 
des Dreimächtepaktes (vom 27. 9. 1940) zwischen Deutschland, Italien und 
Japan von einer Einmischung in die Angelegenheiten und Auseinandersetzun= 
gen des europäischen Kontinents abgeschreckt werden 4 . Hitler und Reichs= 
außenminister Ribbentrop betonten, daß bei der neuen „Weltordnung" Japan 
in Ostasien, Rußland in Asien, Deutschland und Italien in Europa und in 
Afrika zu bestimmen hätten. Im übrigen sollte die Insel Madagascar für die 
Ansiedlung der europäischen Juden von allen französischen Einwohnern ge= 
räumt werden. 

Im Mittelpunkt der vorläufigen Planungen stand der Aufbau eines im gro= 
ßen und ganzen sich selbst ernährenden europäischen Großwirtschaftsraumes 
unter deutscher Hegemonie 5 . 

Statt eines Stufenplanes von Zollpräferenzen zur Zoll= und Währungsunion 
wurde sogleich eine Wirtschaftsunion empfohlen und eine Vergrößerung des 
deutschen Einflusses bei ausländischen Unternehmen. Allerdings blieb diese 
Ordnung vorerst auf Mittel= und Nordeuropa beschränkt; Hitler klammerte 
Südeuropa bewußt als italienisches Einflußgebiet aus, auch mit der vielsagen= 
den historischen Begründung, die „Mittelmeerländer" seien immer der „Volks= 
tod der Germanen gewesen". In Südosteuropa war das Reich weniger politisch, 
dafür um so stärker wirtschaftlich interessiert. Als Folge der Befriedungspolitik 
auf dem Balkan diktierten Hitler und Mussolini am 30. 8. 1940 den zweiten 
Wiener Schiedsspruch 6 , der die Grenzfrage zwischen Rumänien, Ungarn und 
Bulgarien regelte. Auch der Slowakei — bisher „Visitenkarte" dafür, wie selb= 
ständig ein kleiner Staat unter dem „Schutz des Großdeutschen Reiches" leben 
könne — wurde zu verstehen gegeben, daß es zum deutschen Lebensraum ge= 
höre, d. h., daß es alle deutschen Wünsche zu erfüllen habe 7 . 



4 Vgl. Sommer, Th., Deutschland und Japan zwischen den Mächten 1935—1940, 
Tübingen 1962, S. 324 ff. 

5 Vgl. hierzu vor allem die Dokumente zur Auswärtigen Politik 1940 (s. S. 23 E). 

6 Ebd. 

7 Vgl. Gruchmann, L., Nationalsozialistische Großraumordnung, Stuttgart 1962, 
S. 71 ff., 104. 

64 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939 — 1941 

Als Ergänzung zu diesem Großwirtschaftsraum war die Errichtung eines zu= 
sammenhängenden großdeutschen west=ostafrikanischen Kolonialreiches vor= 
gesehen, aus dem Europas Bedarf an tropischen und subtropischen pflanz= 
liehen Stoffen gedeckt werden sollte. Gedacht war an ein Gebiet, das sich von 
Kamerun bis zur ostafrikanischen Küste unter Einschluß von Belgisch=Kongo 
und Französisch=Äquatorial= Afrika ausdehnte; außerdem sollten Südwests 
afrika und eine Reihe von Stützpunkten an der Nordwestküste von Afrika 
(Azoren, Kanaren, Dakar) — die letzteren aus strategischen Gründen — in deut= 
sehen Besitz kommen. Hitler erläuterte Mitte Oktober 1940 Mussolini, daß er 
evtl. auch mit einer kanarischen Insel an Stelle von Agadir oder anderen Stütz= 
punkten einverstanden sei; doch lehne er den Vorschlag Francos ab, die ge= 
nannten Häfen zu pachten. Er wolle eigene Häfen haben, um sie „militärisch 
ausbauen" zu können 8 . 

Bei dieser Skizze europäischer Neuordnung drängt sich unwillkürlich ein 
Vergleich mit dem bekannten September=Programm Bethmann Hollwegs aus 
dem Jahre 1914 auf 9 , wenngleich dieser nicht zu voreiligen Schlußfolgerungen 
oder gar Spekulationen über die „Kontinuität der deutschen Kriegsziele" in den 
beiden Weltkriegen verleiten sollte. Während der Reichskanzler 1914 seine Ziele 
in der Erwartung des militärischen Sieges über Frankreich formulierte, die Waf= 
fen also erst noch die Voraussetzungen für einen deutschen Siegfrieden schaffen 
mußten, beruhten die deutschen Vorschläge und Vorstellungen im Sommer 1940 
auf dem soeben errungenen militärischen Erfolg. Vielleicht wäre dieser Plan — 
kein eigentliches Programm — angesichts der internationalen Lage zeitweilig so= 
gar zu verwirklichen gewesen, vorausgesetzt, daß dies das eigentliche und letzte 
erstrebenswerte Ziel der nationalsozialistischen Führung gewesen wäre. Aber 
bereits im Sommer 1940 mehrten sich die Anzeichen dafür, daß der Krieg aus 
dem Stadium traditioneller Waffenauseinandersetzung herraustreten und Zug 
um Zug einen qualitativen Wandel, eine Radikalisierung und Ideologisierung 
im Sinne der NS=Doktrin erfahren würde. 

Was Hitler und die seinigen tatsächlich wollten, darüber herrschte allerdings 
zunächst nicht einmal in Parteikreisen völlige Klarheit. Daher darf man wohl 
mit Recht behaupten, daß es sich 1940—1943 um eine mehr oder minder isolierte 
Konzeption eines von einer historischen Mission durchdrungenen, fanatischen 
Volksführers gehandelt hat. Für diesen war es völlig sekundär, was Politiker, 
Wirtschaftsfachmänner und Militärs über die künftige Neuordnung des Konti= 
nents dachten oder vorschlugen, sofern dies nicht mit seinen Ansichten überein= 
stimmte. Er hatte seine eigenen radikalen Vorstellungen, die er aber in den Kriegs= 
jahren niemals zusammenfassend oder schriftlich fixierte. Zwar versuchten seine 
Anhänger wiederholt, dieNS=Ziele, je nach ihrer partiellen Offenlegung in Presse 

8 Vgl. Generaloberst Halder Kriegstagebuch, Bd. II (a. a. O.), S. 137. 

9 Vgl. Fischer, F., Griff nach der Weltmacht, Düsseldorf 1962, 2. Aufl., S. 107 ff. Zur 
Kritik wesentlich: Ritter, G., Staatskunst und Kriegshandwerk, Bd. III, Mün= 
chen 1964. 

65 E 



A. Einführung 

und Rundfunk, zu kommentieren, sei es, daß der Reichsminister Funk über die 
wirtschaftlichen Grundlagen der Neuordnung sprach oder der Rechtstheoretiker 
Carl Schmitt seine Thesen von der „Raumrevolution" in der Wochenzeitschrift 
„Das Reich" vertrat 10 , doch jedesmal gingen diese dabei das Risiko ein, die 
augenblicklichen Intentionen des Führers nicht hinreichend oder zu weitgehend 
interpretiert zu haben. Das lag eben an der besonderen Taktik der NS=Außen= 
politik, über die sich Goebbels am 9. 4. 1940 der Presse 11 gegenüber wie folgt 
ausgelassen hatte: Der Nationalsozialismus habe seine letzten Ziele stets ver= 
schieiert und werde dies auch weiterhin tun. Wenn heute einer frage, wie sich 
die NS=Führung denn das ,neue Europa' vorstelle, so antworte er, das wüßten 
,wir' noch nicht. Gewiß ,haben wir eine Vorstellung'. Aber wenn ,wir' sie in 
Worte kleiden, bringt uns das sofort Feinde und vermehrt die Widerstände. 
Haben wir erst die Macht, so wird man schon sehen, und auch wir werden 
schon sehen, was wir daraus machen können. Heute sagen wir ,Lebensraum', 
jeder kann sich darunter vorstellen, was er wolle, was die Nationalsozialisten 
wollten, würden sie schon zur rechten Zeit wissen. 

b) Am 22. 6. 1940 hatten Deutschland und Frankreich den Waffenstillstand in 
Compicgne unterzeichnet; in einem beispiellosen militärischen Waffengang 
mit einem fast gleich starken Gegner (vgl. Übersicht S. 97 E) waren Holland, 
Belgien und Luxemburg überrannt, Frankreich zur Kapitulation gezwungen 
und die Engländer vom Festland vertrieben worden. Seit 1935 war Hitler von 
einem politischen Erfolg zum anderen geeilt; er war nun auch in drei Feldzügen 
siegreich geblieben. Im Sommer 1940 stand er somit auf dem Höhepunkt seiner 
Macht. Nicht die warnenden Stimmen seiner militärischen Berater und ein= 
sichtsvoller Politiker hatten recht behalten, sondern seine eigenen Voraussagen 
waren eingetroffen. Man muß diese besondere psychologische Situation im 
Sommer und Herbst 1940 in Betracht ziehen, um das Spannungsverhältnis von 
Politik und Kriegführung auf deutscher Seite richtig würdigen zu können. Hit= 
ler, nach Bismarck der „größte Staatsmann", nun auch der „größte Feldherr 
aller Zeiten", meinte, in Zukunft auf das Element der Politik verzichten zu 
können. Zwar glaubte er einige Monate lang, er könne die endgültige Entschei= 
düng im Sinne seiner Konzeption durch den Aufbau einer sog. KontinentaU 
koalition gegen England beschleunigen. Aber sehr bald mußte er einsehen, daß 
die Interessengegensätze zwischen Frankreich, Italien und Spanien, ebenso zwi= 
sehen Deutschland und der UdSSR nur durch einen „grandiosen Betrug" zu 
überbrücken oder überhaupt nicht zu überwinden waren. Daher verließ er sich 
mehr und mehr auf das scharf geschliffene und erprobte Schwert seiner Wehr= 
macht; mit diesem suchte er seine weitgesteckten machtpolitischen Ziele zu ver= 
wirklichen 12 (vgl. Chronik). 

10 Vgl. die Wochenzeitung „Das Reich" vom 29. 9. 1940 (Die Raumrevolution. Durch 

den totalen Krieg zum totalen Frieden). 11 Vgl. Anm. 9, S. 52 E. 
12 Vgl. Jacobsen, H.=A., Deutsche Kriegführung 1939—1945, Hannover 1961, S. 17 ff. 

66 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

Wenngleich Hitler im engsten Kreise auch mehrfach betont hatte, England 
sei besiegt, es fehle nur noch sein Eingeständnis, so mußte er insgeheim doch 
feststellen, daß Großbritannien, seit dem 10. 5. 1940 unter der zielstrebigen 
Führung Winston Churchills, nicht daran dachte, den Kampf aufzugeben und 
sich dem deutschen Vormachtstreben zu beugen. Im Gegenteil: Fieberhaft 
rüsteten die Briten zur Abwehr einer möglichen deutschen Invasion, intensi= 
vierten sie ihre Flugzeugproduktion, vor allem die der Jäger; auch verhandelten 
sie mit den USA um materielle Hilfe. Ihr Premierminister beurteilte die Lage 
seines Landes in erster Linie als See= und Weltmacht, und so betrachtet, gab es 
keinen zwingenden Grund, die Waffen zu strecken. Churchill war davon über= 
zeugt, daß der Krieg nicht auf den traditionellen Schlachtfeldern des europäi= 
sehen Kontinents entschieden würde, sondern nur von weltweiten, ideolo= 
gischen und wirtschaftlichen Faktoren 13 . 

Für Hitler drehte sich daher seit Sommer 1940 alles um die zentrale Frage, 
mit welchen Streitkräften und an welchen Fronten die deutsche Wehrmacht 
England, den letzten Gegner, endgültig niederringen konnte. 

Da die deutschen strategischen Planungen 1939/40 über die Niederwerfung 
der Gegner auf dem Festland nicht hinausgediehen war, mußten jetzt die mili= 
tärischen Planungen auf das neue ad hoc Ziel ausgerichtet werden. Diese Ent= 
Wicklung ist im KTB des OKW von August 1940 bis zum Frühjahr 1941 in 
seinen wichtigsten Phasen im einzelnen sehr anschaulich zu verfolgen. Wir 
können uns daher in unseren Betrachtungen auf einige wichtige Aspekte be= 
schränken: 

Zunächst glaubte Hitler, durch einen verstärkten Luft= und Seekrieg, jetzt 
von weitaus günstigeren Basen in Westeuropa aus, England in die Knie zwin= 
gen zu können. Wohl hatte die deutsche Luftwaffe 1 * in den ersten Kriegs= 
monaten dank ihrer numerischen Überlegenheit, ihres fliegerischen Könnens 
und ihrer modernen Ausrüstung die Luftüberlegenheit, teilweise sogar die 
Luftherrschaft über den einzelnen Operationsgebieten erkämpft, aber bereits 
im Westfeldzug 1940 enthüllten sich die ersten Schwächen dieses Wehrmacht= 
teils. Die Luftflotten hatten zwar das Heer auf dem Schlachtfeld erfolgreich 
unterstützt, doch konnten ihre Maschinen keine konzentrischen Angriffe von 
großen Entfernungen aus fliegen oder etwa zu einer strategischen Luftkrieg= 
führung übergehen. Vor Kriegsausbruch hatte der erste Chef des Genst. d. 
Luftwaffe, Gen. Wever, im Sinne der Theorien des italienischen Generals 
Douhet Fernbomber bauen wollen, um mit diesen im Ernstfalle die feindlichen 
Kraftquellen im Hinterland zerschlagen und damit die Kapitulation des Gegners 
vorbereiten zu können. Aber nach seinem Tode setzten sich die Vertreter der 
anderen Richtung (Udet, Jeschonnek) durch, die den Bau mittlerer Bomber 

13 Vgl. Churchill, Sir Winston, Der Zweite Weltkrieg, Bd. II, Stuttgart— Hamburg 
1950, S. 196 ff. Vgl. demnächst auch die umfassende Untersuchung v. A. Hillgru= 
ber (s. S. 23 E). 

14 Vgl. Anm. 12. 

67 E 



A. Einführung 

forcierten, bei dem vor allem auf die Sturzfähigkeit und den Punktzielwurf 
Wert gelegt wurde. Mit diesen Typen trat Deutschland 1939 in den Krieg ein; 
ihr Aktionsradius ging aber über 500 km nicht hinaus. Erst 1942/43 wurden 
die inzwischen freigegebenen und fertiggestellten neuen viermot. Bomber 
(He 177) eingesetzt; viel zu spät, um noch wirkungsvoll in den schon längst 
verlorenen Kampf eingreifen zu können. 

Im Sommer 1940 setzten Hitler und Göring alle Hoffnungen auf eine 
großangelegte Luftoffensive gegen die britische Insel, mit der sie den ent= 
scheidenden Durchbruch erzielen zu können glaubten. Dem ObdL standen 
rund 2000 Flugzeuge zur Verfügung, um England „friedensbereit" zu bom= 
bardieren; die Briten verfügten anfangs nur über 600—700 Jäger. 

Am 13. 8. setzte die erste Phase der „Luftschlacht über England" 15 ein. Ihr 
Ziel war, die Luftüberlegenheit zu gewinnen. Hierzu wurden Großangriffe 
gegen die feindlichen Stützpunkte der Jägerwaffe und gegen die Flugabwehr 
geflogen. In der am 5J7. 9. beginnenden zweiten Phase sollte das britische 
Wirtschaftspotential zerschlagen und die Bevölkerung der Insel demoralisiert 
werden. Aber beides mißlang. Damit entfiel auch die wichtigste Voraussetzung 
für eine Landung in England. Hohe deutsche Verluste, die auf die starke, 
gut geleitete englische Abwehr zurückzuführen waren und das Fehlen weit= 
reichender Bomber zur strategischen Luftkriegführung ließen das Unternehmen 
scheitern; oder es mußte auch deshalb schrittweise eingestellt werden, weil der 
deutsche Aufmarsch gegen die Sowjetunion immer mehr in den Vordergrund 
drängte und die Luftflotten hierfür einsatzbereit gehalten werden sollten. (Vgl. 
die Tabelle S. 110 E). 

Eine andere Lösung des Problems, England entscheidend zu treffen, schien 
die Landung auf der Insel („Seelöwe") 16 zu sein. 

Auf Befehl des OKW arbeiteten ab Juli 1940 alle Wehrmachtteile Pläne 
dazu aus. Am 16. 7. befahl Hitler, Vorbereitungen für die Landung zu treffen 
für den Fall, daß England keine Friedensbereitschaft zeigen sollte. Als Bedin= 
gungen für ein erfolgreiches See= und Landeunternehmen betrachtete er: die 
Luftüberlegenheit im Operationsraum, ein minenfreies Gebiet für den An= und 
Abtransport, die Absperrung der Flanken im Kanal durch Minenfelder, die 
Vertreibung der englischen Seestreitkräfte von der Südküste sowie die Fesse= 
lung aller übrigen um England stationierten Einheiten durch eigene Marine= 
Streitkräfte und schließlich der Aufbau einer starken Küstenartillerie an der 
Kanalfront. 

Bei den operativen Planungen entstanden sehr bald Differenzen zwischen 
dem OKM und dem OKH. Großadmiral Raeder vertrat die Auffassung, daß 
die im Augenblick verfügbaren Kräfte der Kriegsmarine nach den Verlusten 
in Norwegen höchstens für eine Landung auf schmaler Basis ausreichten. 



15 Ebd. S. auch Literatur S. 27 E. 

16 Vgl. Klee, a. a. O. (S. 26 E). 

68 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

Demgegenüber forderten Gen.Feldm. v. Brauchitsch und Gen.Oberst Halder 
einen Ansatz auf breiter Front (300 km), damit die verschiedenen Ver= 
bände des Heeres ihre Operationen flankierend unterstützen konnten. Ende 
August entschied Hitler, die Landung auf einer Basis von rund 120 km vor= 
zubereiten. Doch im September vertagte er zunächst die für den 21. 9. vor= 
gesehene Landung. Am 12. 10. 1940 verschob er sie auf das Frühjahr 1941. 

Hitler hat das Unternehmen „Seelöwe" wahrscheinlich deshalb aufgegeben, 
weil die deutsche Luftwaffe die an sie gestellte Aufgabe nicht in dem gefor= 
derten Umfange lösen konnte. Der ObdM hatte in seinen Vorträgen bei Hitler 
mit besonderem Nachdruck betont, daß unter diesen Umständen die Landung 
1940 kaum zu verantworten sei, zumal der notwendige Transportraum für 
den Nachschub bisher nicht ganz erstellt werden konnte. Raeders Bedenken 
waren nicht ohne Wirkung auf Hitler geblieben. Dieser fühlte sich mehr als 
ein „Fachmann" des Landkrieges und stand Operationen auf See skeptisch 
gegenüber. Seinen soeben erworbenen Ruf als „größter Feldherr aller Zeiten" 
durch ein im Grunde riskantes Unternehmen aufs Spiel zu setzen, schien ihm 
zu gewagt; hier mahnte noch die Führungskrise um Narvik. Und in allem, was 
sein persönliches Prestige betraf, war Hitler überaus empfindlich. 

Hinzu kam die ungünstige Wetterlage, die die Operationen in Frage stellte. 
Doch alle vorgenannten Gründe scheinen für seinen Entschluß nicht den 
letzten Ausschlag gegeben zu haben, vielmehr die Hoffnung, England in Ruß= 
land schlagen zu können (vgl. S. 87 E). 

Mit dem Kriegseintritt Italiens (10. 6.) 17 war auch das Mittelmeer Kriegs= 
Schauplatz geworden, das Hitler zunächst ganz als Domäne seines Achsen= 
partners betrachtete. Jedoch wiesen ihn der ObdH und der ObdM eindringlich 
darauf hin, welche Bedeutung die Mittelmeerstrategie im Rahmen des Kampfes 
gegen England besitze. Raeder vertrat die Ansicht, daß hier geführte Opera= 
tionen — etwa gegen Gibraltar, gegen die Kanarischen Inseln, um das Mittel= 
meer zu schließen und Malta abzuschnüren, der Schutz von Vichy=Nordafrika 
gegen feindliche Landungen, ein Durchbruch zum Suezkanal und die Vertrei= 
bung des Gegners aus dem Nahen Osten — , eher dem Aktionsradius der deut= 
sehen militärischen Kräfte entsprechen würden. 

So wurde seit Juli 1940 auch die Eroberung von Gibraltar (Unternehmen 
„Felix") 18 unter spanischer Mithilfe erwogen. Auf Grund der freundschaft= 
liehen Beziehungen zwischen der Achse und Spanien hoffte Hitler, dieses in 
Kürze an seiner Seite in den Kampf führen zu können. Im Juli 1940 inten= 
sivierte er daher die diplomatischen Bemühungen, Spanien für seine Pläne zu 
gewinnen. Aber Franco, der nach dem deutschen Sieg an einer Beteiligung am 
Kriege nicht abgeneigt schien, schraubte seine Forderungen bewußt sehr hoch. 



17 Vgl. Zum Kriegseintritt Italiens: Siebert, F., Italiens Weg in den Zweiten Welt= 
krieg, Frankfurt 1962. 

18 Einzelheiten bei: Detwiler, a. a. O. (s. Hinweis S. 26 E). 

69 E 



A. Einführung 

Vor allem die unbeugsame Haltung Englands wird sein fortlaufendes Zögern 
verursacht haben. Solange Großbritannien nicht wirklich geschlagen war, war 
der Lebensnerv Spaniens — die Einfuhr zur See — auf schwerste bedroht. Als 
Hitler am 23. 10. dem Caudillo in Hendaye vorschlug, Anfang 1941 in den 
Krieg einzutreten, wich dieser erneut einer definitiven Antwort aus und ver= 
schanzte sich hinter hohen Material= und Waffenlieferungen. Admiral Canaris, 
der Chef der deutschen Abwehr, mußte noch einmal am 7. 12. 1940 in Madrid 
anfragen, ob Spanien zumindest deutschen Truppen den Weg über die Grenze 
zur Eroberung der Bergfeste freigeben würde. Aber jetzt lehnte Franco mit dem 
Hinweis ab, zu einem solchen Schritt sei sein Land aus wirtschaftlichen Grün= 
den nicht imstande. Zweifellos war dies nur ein äußerer Vorwand; die miß= 
glückten Unternehmen der Italiener in Griechenland und Nordafrika (vgl. 
S. 194 E), die Erfolge der Engländer bei der Luftschlacht zusammen mit derTat= 
sache, daß Deutschland bisher die Landung auf der Insel nicht riskiert hatte, 
mochten der spanischen Regierung inzwischen die ersten, deutlichen Schwächen 
der Achse offenbart haben. Hitler sah daher Mitte Dezember 1940 die politischen 
Voraussetzungen für das Unternehmen „Felix" nicht mehr als gegeben an und 
sagte es am 9. 1. 1941 ab. Für ihn war im übrigen das Mittelmeer vorerst noch 
ein italienischer Kriegsschauplatz, und die hier zu verwirklichende Strategie, 
— nämlich das Aufrollen der britischen Positionen — schien ihm keine ernst= 
hafte Alternative für seine Ostpläne zu sein. 

Im Mittelpunkt aller militärischen Maßnahmen und Vorbereitungen der 
deutschen Obersten Wehrmachtführung zwischen West= und Rußlandfeldzug 
stand die direkte und indirekte Strategie gegen Großbritannien. Diese zeigte 
mit aller Deutlichkeit die Schwierigkeiten einer Kontinentalmacht, eine See= 
und Weltmacht überall dort, wo es erforderlich schien, anzugreifen oder in 
Schach zu halten. Die Unternehmen „Seelöwe" (einschließlich der Täuschungs= 
maßnahmen), „Adler" und der Seekrieg sollten England direkt treffen; zu den 
indirekten Kampfmaßnahmen an der Peripherie zählten die Unternehmen 
„Felix" (Gibraltar), die Abwehrbereitschaft gegen britische Landungen in Por= 
tugal und Spanien („Isabella"), die Verstärkung der deutschen Nordfront zur 
Sicherung der eigenen Wirtschaftsinteressen, die Entsendung einer deutschen 
Militärmission nach Rumänien, die Befriedung des Balkans, das Eingreifen in 
Nordafrika und die Vorbereitungen zur Besetzung Restfrankreichs. Die von 
einigen deutschen Kdo. Behörden vorgeschlagene Verstärkung der französi= 
sehen Kolonialarmee zur Abwehr britischer Angriffe auf Afrika und der 
De Gaulle=Truppen scheiterte nicht zuletzt an der unnachgiebigen Haltung 
Italiens. Kennzeichnend aber für alle operativen Planungen war die unüber= 
sichtliche Lage, was wirklich zur Ausführung kommen und wo der Schwer= 
punkt der Operationen liegen sollte. 

Für das Jahr 1941 zeichneten sich folgende Alternativen ab: entweder in= 
direkter Angriff gegen England im Mittelmeer unter gleichzeitigem Verzicht 
auf den Feldzug in Rußland; oder Beschränkung auf Abwehr im Mittelmeer 

70 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

und Führung des Feldzugs gegen Rußland; aber es war auch möglich, England 
direkt (Landung) zu treffen, und dazu wieder alle Vorbereitungen zum Unter= 
nehmen „Seelöwe" aufzunehmen. 

Betrachtet man die Maßnahmen der deutschen Obersten Wehrmachtführung 
in den Monaten August bis Dezember 1940 insgesamt (vgl. KTB S. 4 ff.), so 
gewinnt man den Eindruck, daß Hitler die deutsche Wehrmacht nach den sicht= 
baren militärischen Siegen im Norden und im Westen infolge der eigenen 
offenkundigen Unsicherheit in der endgültigen Entschlußfassung zunächst als 
die „größte nichtstuende", d. h. nicht in Kriegsoperationen eingesetzte und für 
alle Eventualitäten verfügbare Militärmacht der Welt betrachtet hat 19 . Sie sollte 
„für alles bereit" sein, ohne „daß eine klare Auftragserteilung" erfolgte 20 . Erst 
die definitiven Vorbereitungen zum Feldzug gegen die Sowjetunion um die 
Jahreswende 1940/41, die auch die Zwangslage verdeutlichten, in der sich Hitler 
verstrickt hatte, drängten alle anderen bis dahin erwogenen Alternativen zur 
Verwirklichung des „Endsieges" in den Hintergrund. Das schloß jedoch nicht 
aus, daß Hitler seine Pläne ins Uferlose steigerte. Anfang 1941 erteilte er dem 
Wehrmachtführungstab den Auftrag, Studien für einen Aufmarsch in Afghani= 
stan gegen Indien (indirekter Kampf gegen England) auszuarbeiten (vgl. S. 328). 

Wie sehr Hitler überdies 1940/1941 bestrebt war, das Gesetz des Handelns 
nicht aus der Hand zu geben, erhellt aus einer Reihe von weiteren Maßnahmen, 
mit denen er direkt oder indirekt England in die Knie zwingen zu können 
hoffte, die allerdings zu einer ungewollten Ausweitung des Krieges führten. 
Im Balkanfeldzug (April igqi) 21 strebte er weniger territoriale Ziele an, viel= 
mehr die Sicherung der deutschen strategischen und wirtschaftlichen Interessen. 
Unter allen Umständen wollte er ein Festsetzen der Engländer in Griechenland 
verhindern und eine Bedrohung des für Deutschland kriegswichtigen rumäni= 
sehen ölgebietes ausschalten; ebenso glaubte er, damit Italien das Halten 
seiner Stellungen in Albanien ermöglichen zu können. Im Frühjahr 1941 hatte 
Hitler mit der Besetzung Griechenlands, Jugoslawiens und Kretas sowie mit 
dem Eingreifen deutscher Truppen in Nordafrika nicht nur die Abschirmung 
der Südostflanke vor Beginn des Unternehmens „Barbarossa" abgeschlossen 
und die Lage in Libyen wieder stabilisiert (vgl. S. 194 E), sondern damit auch 
eine wachsende Zersplitterung der eigenen Streitkräfte eingeleitet. 

Als Anfang Mai 1941 der englandfeindliche Aufstand des irakischen Min.= 
Präs. Raschid Ali El Ghailani ausbrach (vgl. Chronik), befahl Hitler, die 
„arabische Freiheitsbewegung" im Mittleren Osten zu unterstützen; doch 
wurde sein Entschluß noch im gleichen Monat durch die Ereignisse überholt. 

19 So zu dem jugoslawischen Außenminister Cincar Markovic am 28. ix. 1940 auf 
dem Berghof (zit. nach einer Photokopie aus dem Politischen Archiv des Aus= 
wärtigen Amtes Bonn). 

20 Vgl. Generaloberst Halder Kriegstagebuch, a. a. O. (s. Anm. 5, S. 44 E), Bd. II, 
Eintragungen vom September bis November 1940. 

21 Vgl. Hinweise S. 27 E. 

71 E 



A. Einführung 

Insgesamt gesehen hatte sich die Lage im Mittelmeerraum durch das Ein= 
greifen der deutschen Wehrmacht nach den zahlreichen Rückschlägen der 
Italiener (1940/41) zwar wieder zugunsten der Achsenstreitkräfte entwickelt, 
aber eine wirkliche Entscheidung war auf diesem Kriegsschauplatz noch nicht 
gefallen (vgl. Chronik 1941) 22 . 

Seit dem Frühjahr und Sommer 1940 hatte sich die seestrategische Lage für 
die deutsche Kriegsmarine wesentlich verbessert. Vom Nordkap bis zur spani= 
sehen Grenze (Biskaya) standen nunmehr für die Bekämpfung Englands weit= 
aus bessere Ausgangsbasen zur Verfügung als im Herbst 1939. In der zweiten 
und dritten Phase der Schlacht im Atlantik erzielte die deutsche U=Bootwaffe 
zwar sehr beachtliche Erfolge — allein die 12 im Operationsgebiet befindlichen 
Boote versenkten bis zum März 1941 2,31 Mill. BRT (das entsprach etwa 530% 
der englischen Schiffsneubauten) — aber die Zahl der eingesetzten U=Boote war 
aufs ganze gesehen immer noch zu gering, um allein damit die englische Wider= 
standskraft entscheidend zu erschüttern. Ebensowenig vermochten die Über= 
Wasserstreitkräfte trotz guter Einzelleistungen entscheidende Wirkung gegen 
die feindliche Tonnage zu erzielen. Im Sommer 1941 begann Deutschland bereits 
die britische Überlegenheit an Überwasserstreitkräften und die Einführung des 
Radargerätes zu spüren; die deutschen Schiffe wurden aus dem Nord= und 
Mittelatlantik vertrieben. Nur im Südatlantik, im Indischen Ozean und im 
Pazifik konnten sich noch einige Hilfskreuzer bis zum Frühjahr 1943 halten, 
während der alliierte Geleitzugsverkehr nach Murmansk durch deutsche See= 
Streitkräfte behindert wurde. Neben dieser direkten Bekämpfung Englands, 
die in verschärfter Form im Februar 1941 angelaufen war (Weisung Nr. 23), 
sollte der Kriegsmarine eine Reihe von Aufgaben übertragen werden, die zur 
Unterstützung der Erd= und Luftoperationen im Mittelmeerraum erforderlich 
erschienen (Gibraltar, „Attila"). Von diesen wurden aber nur die Unter= 
Stützung der Operationen zur Eroberung Kretas (Mai 1941) und der Aufbau 
der Küstenverteidigung in Norwegen, im Südosten und Westen ausgeführt. 

Über die schon angedeuteten Schwankungen in der Programmgestaltung der 
deutschen Rüstungsindustrie vermitteln eine Reihe von Eintragungen in dem 
KTB der Rüstungswirtschaftlichen Abteilung (WRü) 23 des Wehrwirtschaft^ 
amtes (OKW) einen interessanten Eindruck. 

Aus der Gruppenleiterbesprechung am 2g. 6. 40: 

1. Umsteuerung der Rüstung: Chef Rü macht die Gruppenleiter mit dem Entwurf 
betr. Umsteuerung der Rüstung — Rü II 1350/40 g.Kdos. — bekannt, Rü I, IV und 
V im Umlauf zugeleitet. Chef Rü erläutert die in Anpassung an die Lage erfolgte 
neue Schwerpunktordnung für Luft, Marine und schnelle Truppen. Die Rohstoff» 
frage sei bereits geklärt, die Rohstoffmenge bleibe wie bisher bei ca. 880000 t mit 
starker Drosselung bei Heer zugunsten von Luft und Marine und Vermehrung bei 
schnellen Truppen. Chef Rü verweist auf den in 6 Anlagen beigegebenen neuen 



22 Vgl. Hinweise S. 26 E f. 

23 Vgl. Mikrofilm (National Archives, Washington). 

72 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

Alliierte und neutrale Schiffsraumverluste in der 2. Phase 
der Schlacht im Atlantik 2 * 



Monat 


deutsche 
U.Boote 


italienische 
U.Boote 


Hilfskreuzer 


schwere See. 
Streitkräfte 


Fernkampf= 
flugzeuge 


Juli 40 


38/194922 


— 


11 / 67 494 


— 


— 


Aug. 40 


54/283386 


2/13593 


11 / 6l 767 


— 


2/ 8973 


Sept. 40 


52 / 265 737 


3/ 7669 


8/65 386 


— 


— 


Okt. 40 


61/344513 


4 / 15 59i 


4/30539 


— 


2/6 420 


Nov. 40 


34 / *73 995 


1/ 4866 


9/74923 


8 / 60332 


7 / 34806 


Dez. 40 


39 / 229501 


7/27 976 


5 / 25 904 


3/20 971 


l/ 4360 


Jan. 41 


17/ 98702 


7 / 41 150 


20 / 78 484 


3 / 18 783 


15 / 6l 068 


Febr. 41 


42 / 207 649 


3 / 14 705 


1/ 7031 


16/76572 


22 / 79 955 


März 41 


44 / 243 622 


2/ 7863 


4 / 28707 


17/ 7983S 


3 / 12307 


Gesamt 


381/2042027 


29/133 413 


73/440 235 
3 080 060 


47/256 496 


52/207 889 



Alliierte und neutrale Schiffsraumverluste in der 3. Phase 
der Schlacht im Atlantik 25 



Monat 




deutsche 
U=Boote 


italienische 
U-Boote 


Hilfskreuzer 


schwere See. 
Streitkräfte 


Fernkampf, 
flugzeuge 


April 


4i 


46 / 260414 


3 / 18052 


7/ 56885 


— 


IO / 35 502 


Mai 


4i 


63 / 349620 


4 1 25 918 


3 / 15002 


— 


4/25 121 


Juni 


4* 


60 / 305 734 


6/ 20376 


4/17759 


— 


4/ 7762 


Juli 


41 


17 / 61 471 


7 / 43 851 


l/ 5792 


— 


— 


Aug. 


41 


22/ 67638 


2/9 902 


3/21 378 


— 


2/7 189 


Sept. 


41 


54/ 208822 


1/ 434 


2/ 8734 


— 


— 


Okt. 


41 


33/176059 


— 


— 


— 


4/ 4103 


Nov. 


41 


18/ 85028 


— 


— 


— 


— 


Dez. 


41 


12 / 67 603 


— 


— 


— 


— 


Gesamt 


325/1582 389 


23/118 533 


20/125 55° 


- 


24/79677 








= 1 


906149 







Führerentscheid und hebt hervor: Es kommt an auf schnellste Leistungssteigerung 
bei Luft, Marine und Panzern, dazu enge Zusammenarbeit zwischen OKW, Mun.= 
Min., WT und Außenorganisationen. Mun.Min. habe sich bereits den Vorsitzenden 
der Mun.=Ausschüsse gegenüber zu „Härten" geäußert. Hemmungen der Leistungs= 
Steigerung seien zu beseitigen; auch sei zu verhindern, daß Schwerindustrie durch 
Einwirkung der Vorsitzenden der Munitionsausschüsse zu Ungunsten anderer In= 
dustriezweige bevorzugt würde. Chef Rü verlangt bis Dienstag, den 2. Juli, Vorlage 

24 Vgl. Rohwer, U=Bootkrieg, a. a. O. (s. Anm. 22, S. 27 E), S. 333. 

25 Ebd., S. 335. 



73 t 



A. Einführung 

einer Stellungnahme zu den Auswirkungen, die die Umsteuerung der Rüstung haben 
wird. Hierzu sollen unter dem Vorsitz von Obstlt. Wittekind Rü I, II, IV und V 
festlegen, was nach ihrer Überzeugung auf den Gebieten des Arbeits= und Ma= 
schineneinsatzes und der Rohstoffverteilung zu veranlassen ist, wobei durch Obstlt. 
Wittekind Einzelheiten der Rohstofflage geklärt werden sollen. Ab sofort seien in 
allen Fragen Luft, Marine und schnelle Truppen bevorzugt zu berücksichtigen. Von 
OKM sei bereits der vordringliche Bedarf an Menschen und Kapazitäten und damit 
verbundene Auswirkungen festgelegt. Ein gleiches sei von Luftwaffe und Heer zu 
erbitten. Der Entwurf betr. Umsteuerung der Rüstung wurde Chef OKW schnellstens 
zugeleitet, dann nach Besprechung mit Chef WiRüAmt mit dem Material von Rü 
dem Mun.Min. vorgelegt . . ." 

Am 30. 6. ig40 hieß es: 

„2. Neuregelung der Dringlichkeitsfolge: Chef Rü erläutert Verfügung betr. 
Dringlichkeit der Fertigungsprogramme Rü Ia — 4g8o/40 g. vom 27. 6. 40 — , in der 
4 Stufen für alle Bedarfsträger neu festgelegt sind und die allen Bedarfsträgern 
und den WT zur Stellungnahme bis zum Donnerstag, den 4. Juli, zugegangen ist. 
Zum gleichen Termin fordert Chef Rü Stellungnahme der Gruppenleiter. Wichtig 
sei die klare Umschreibung der Programme unter Vermeidung neuer Benennungen, 
wie dies durch Marine in der vorerwähnten Bedarfsfestlegung geschehen sei und 
mit OKM durch Chef Rü bereinigt wurde. Bei den zu erwartenden Forderungen 
bezüglich der ersten Stufe sei der Standpunkt Rü : Nur was für Krieg gegen England 
unmittelbar notwendig, sei vordringlich. Für dieses Vordringliche käme es auf wei= 
tere Steigerung an. Rü z.b.V. habe in diesem Sinne für engste Verbindung mit Mun.= 
Min. zu sorgen . . ." 

Bei der Tagung auf der Plassenburg am $.16. Juli 1940 wies Reichsmin. f. Be= 
waffnung und Mun., Dr. Todt, darauf hin, daß „durch den Heeresumbau für die 
gesamte Rüstungswirtschaft zunächst keine Entlastung zu erwarten sei, sondern 
nur eine Verschiebung aus dem Munitionssektor zum Bewaffnungssektor und vor 
allem zu den schnellen Truppen. Bei einzelnen Munitionsarten müsse sogar das 
8— 10 fache der bisherigen Fertigung gefordert werden. Von besonderer Wichtigkeit 
sei das Zurückhalten mit Baumaßnahmen im Munitionssektor, besonders dann, 
wenn sich die Bauten noch im Anfangsstadium befinden. Es müßten alle An= 
strengungen gemacht werden, um den Sieg über England zu erringen und die 
Autarkie Deutschlands sicherzustellen.. 
Das Ziel des Führers sei 

1. die Armee soweit auszuhauen, daß sie der Summe der Feindarmeen gewachsen 
sei und 

2. den kulturellen und sozialen Aufhau Deutschlands zu vollenden." 

Über die Besprechung zwischen Chef WRü und Staatssekretär Dr. Syrup RAM 
am 2g. 7. 40 vermerkte das KTB: „Anlaß für die Besprechung war die bedrängte 
Arbeitseinsatzlage. Chef WRü legte die Schwierigkeiten dar, mit denen die Schwer= 
punktprogramme hinsichtlich des Arbeitseinsatzes zu kämpfen haben. Er bat um 
unbedingte Erfüllung der Kräftebedarfsanforderungen für die drei Schwerpunkt* 
Programme und insbesondere aller Forderungen für das Unternehmen „Seelöwe". 
Unter Hinzuziehung von Ob.Rg.Rt. Hildebrandt kamen die Anforderungen der 
Marine für die Torpedoausstoßrohr=Fertigung zur Sprache. Letzterer legte dar, daß 
die Anforderungen sofort befriedigt worden seien und daß sich dabei heraus= 
gestellt habe, daß sie um fast 100 % gegenüber dem tatsächlichen Bedarf überhöht 
waren. In Aussicht genommen wurde, dem RAM eine Liste derjenigen für die 
Schwerpunktprogramme arbeitenden Betriebe einzureichen, welche sich in besonders 
schwieriger Arbeitseinsatzlage befinden. Diese Betriebe sollen dann bevorzugt, vom 
RAM mit den erforderlichen Arbeitskräften aufgefüllt werden. Staatssekretär Dr. 

74 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

Syrup sagte zu, Abzüge aus Rü=Betrieben — entsprechend dem Abkommen RAM — 
RWiM — nur im Einvernehmen mit den Rü J vornehmen lassen zu wollen. Das 
Ergebnis der Stillegungsaktion habe nicht annähernd den Erwartungen entsprochen. 
Es erscheint, nicht zuletzt auch im Hinblick auf die ablehnende Haltung der Wirt= 
schaft, nicht ratsam, die Stillegungsaktion wieder aufleben zu lassen. Dagegen wird 
die Auskämmaktion von RAM in vollem Umfange weitergeführt, wobei die Tätig= 
keitsdauer der Reichskommissionen zunächst bis zum 31. 8. befristet ist." 

Am 1. 8. 1940 fand eine Besprechung bei Rü In III statt über „bisherige Maß= 
nahmen zur Umsteuerung der Rüstungswirtschaft gemäß neuer Führerentscheidung 
am 31. 7. 40." Die Sitzung wurde geleitet durch den Inspekteur, Herrn Gen.Lt. Stieler 
von Heydekamp. Anwesend waren die Sachbearbeiter der Rü In III, der Vertreter des 
Wehrkreisbeauftragten, der Vorsitzende des Rüstungsausschusses, vom R.Min. f. 
Bew. u. Mun., Prof. Lehnemann, der Präsident des Landesarbeitsamtes Brandenburg, 
Dr. Gassner und vom WiRüAmt Oberstlt. Wittekind und Major Dr. Krull. Die 
Aussprache ergab folgendes : 

„1. Es fehlt die Einheitlichkeit in der Leitung des Arbeitseinsatzes. R.Min. f. Bew. 
u. Mun., WT, Rü In, Arbeitsverwaltung sind dabei beteiligt und häufig wirken sogar 
verschiedene Dienststellen der gleichen Behörden dabei mit. Die Überleitung frei= 
werdender Arbeitskräfte aus dem Munitionssektor in die Schwerpunktprogramme 
bereitet insofern besondere Schwierigkeiten als die vom R.Min. f. Bew. u. Mun. her= 
ausgegebenen Richtlinien für die Umsteuerung einen denkbar umständlichen und 
langatmigen Verfahrensweg vorschreiben. 

2. Die Beschaffungsämter der WT verteilen einen großen Teil ihrer Aufträge und 
verlegen sie auf die Betriebe, ohne vorher die Ruin befragt zu haben. So ergibt sich 
immer wieder das Bild, daß Rü=Betriebe mit Aufträgen überlastet sind, welche sie 
im Rahmen der ihnen zur Verfügung stehenden Kapazitäten und Arbeitskräfte gar 
nicht auszuführen imstande sind. Dieser Mißstand tritt gerade jetzt mit besonderer 
Deutlichkeit in Erscheinung, da andere Dienststellen bereits Arbeitskräfte im Zuge 
der Umsteuerung aus den Betrieben abziehen. 

3. Es erweist sich als notwendig, daß in Engpaßbezirke keine zusätzlichen Auf= 
träge geleitet werden, bzw. müssen sogar Aufträge aus Engpaßbezirken heraus» 
verlagert werden in solche Betriebe anderer Bezirke, welche die gleiche Fertigung 
bereits ausführen. Dieses ist ohne besondere Schwierigkeiten möglich bei weniger 
hochwertigen Geräten, die keine Spitzenanforderungen an Einrichtungen und Ar= 
beitskräfte stellen. So sollen in Posen ca. 400 000 Arbeitsstunden frei sein, welche 
für Auftragsverlagerung in Frage kommen. 

4. Die Deckung des Kräftebedarfs für die Schwerpunktprogramme kann durch 
die Umlagerung im Munitionssektor freiwerdender Arbeitskräfte allein nicht er= 
reicht werden. Es muß darüber hinaus auch der Reichsausgleich, d. h. die Um= 
Schichtung von Arbeitskräften aus einem Teile des Reiches in andere Gebiete auf 
dem Wege der Dienstverpflichtung in Anspruch genommen werden. Hiergegen sträu= 
ben sich bedauerlicherweise immer noch die Reichsstatthalter, welche im Hinblick 
auf einen bald zu erwartenden Friedensschluß bemüht sind, ihren Bezirken die 
Facharbeiter zu erhalten." 

Bei der Besprechung am ig. 8. 1940 wurde Ministerialdirektor Schulze=Fielitz 
(Reichsmin. f. Bewaffnung u. Munition) vom Amtschef in großen Zügen über die 
Absichten des Führers bezüglich Steigerung in der Aufrüstung des Heeres unter= 
richtet. General Thomas wies darauf hin, daß „der Plan besteht, in materieller Be= 
Ziehung das Kriegsheer auf 180 Divisionen und Ersatzheer und Bevorratung zu brin= 
gen. Die entsprechenden Untersuchungen sind beim Chef HRüst eingeleitet. Es 
besteht Klarheit darüber, daß noch von keiner Stelle irgendwelche Maßnahmen 
ergriffen werden, um nicht die schon herrschende Unruhe in der Wirtschaft noch 

75 E 



A. Einführung 

weiter zu verstärken. Es soll nur geprüft werden, ob und in welchem Ausmaß 
bei bestimmten Munitionsarten die bisher geplante Drosselung abzustoppen ist, weil 
unter Umständen auf Grund der neuen Lage mit einer Steigerung der Rüstung 
gerechnet werden muß. Der Amtschef weist in aller Eindringlichkeit darauf hin, 
daß nur durch rigorose Maßnahmen im Arbeitseinsatz eine Auflockerung der an= 
gespannten Lage möglich sein wird. Es wird dabei betont, daß der zivile Sektor 
mehr noch als bisher Opfer bringen muß und gegebenenfalls weitere Teile der 
zivilen Programme der Einschränkung bedürfen. Er betont, daß trotz aller Maß= 
nahmen man wohl kaum damit rechnen kann, daß arbeitseinsatzmäßig gesehen 
eine volle Befriedigung der Programme möglich ist. Min.Dir. SchuIze=Fielitz wird 
von den Absichten bezüglich Änderung in der Dringlichkeit der Programme und 
Schaffung der Dringlichkeitsstufe „Sonderklasse" in Kenntnis gesetzt." 

Über die Besprechung bei Gen.Feldmarschall Keitel am 20. 8. 1940 betr. Um= 
Steuerung der Rüstung, bedingt durch neue Forderungen des Führers (Erhöhung 
des Feldheeres) lautete die Eintragung ins KTB: Beim Vortrag in Berchtesgaden hat 
der Chef=OKW Keitel „die Gedanken des Führers über die weitere Entwicklung des 
Krieges dargelegt. Wenn der Krieg nicht in diesem Winter beendet werden könne, 
dann müsse ein Höchstlauf der Rüstung erreicht werden. Es gelte, die Friedensgerüchte 
endgültig zu begraben. Geplant sei, das Kriegsheer von 120 Infanteriedivisionen und 
insgesamt 161 Divisionen auf 180 Divisionen, davon allein 20 Panzerdivisionen, zu 
vermehren. So sei geplant, in den nächsten Monaten allein ein Ausstoß von 2 0ooPan= 
zer Nr. III und IV, alles andere hätte dem zu entsprechen. Diese Vorhaben lägen jetzt 
zur Bearbeitung dem OKH vor und würden durch das Amt zu einem neuen Führer= 
entscheid unter Aufhebung des bisherigen Führerentscheides gebracht werden. Es 
besteht kein Zweifel, daß praktisch diese Ideen nicht in vollem Umfang zu ver= 
wirklichen sind, da heute schon die Wirtschaft voll ausgelastet ist, auch sind die 
Forderungen weder rohstoffmäßig noch menschenmäßig erfüllbar. Min.Dir. Schulze= 
Fielitz sei bereits informiert. Die Wirtschaft müsse nun aufgeklärt werden. 

Es sei klar herauszustellen, daß die Grundlagen der Kriegführung sich verschoben 
haben. Mit der Schnelligkeit der Verlagerungen auf politischem Gebiete seien auch 
auf dem militärischen Gebiet blitzartig neue Entschlüsse zu fassen und deren Aus= 
führung vorzunehmen. Jetzt zeige sich, wie falsch es gewesen wäre, wenn von 
ziviler Seite bei der Umsteuerung der Rüstung statt von Verlagerung stets von 
Drosselung nicht nur bei Munition sondern auch bei Waffen und Geräte gesprochen 
worden wäre. Es sei ganz klar, daß mit den neuen Forderungen ein Aufpfropfen 
eines neuen Programmes auf die alten vorläge. 

Auch wenn die Forderungen nicht im vollem Umfang verwirklicht werden könn= 
ten, so käme es doch darauf an, die Voraussetzungen zu einem möglichst hohen 
Grad der Leistung zu schaffen. Der Führer würde dieser Tage die notwendigen 
Vollmachten erteilen. Neben dem Sonderprogramm „Seelöwe" seien gewisse Pro= 
gramme bei Heer, Marine und Luft vorgesehen, für die rücksichtslos Menschen, 
Kapazitäten und Rohstoffe beschafft werden müßten. Für die Seite des Arbeits» 
einsatzes sei die Vollmacht zum Eingreifen in alle Zivil= und Wehrmachtpro= 
gramme vorgesehen, die nicht in der Dringlichkeitsstufe I stehen, wobei zu be= 
merken ist, daß vorgesehen sind Dringlichkeitsstufen Sonderklasse, Ia, Ib, II und III. 
Man müsse sich allerdings darüber klar sein, daß bei den Programmaufstellungen 
die Einstufungen der Dringlichkeit nach nur bedingten Wert haben. Wichtiger sei 
die Auflockerung des Arbeitseinsatzes. Hierbei ergeben sich Widerstände aus der 
Tatsache, daß nunmehr die Reste der Jahrgänge 19 und 20 einberufen würden, 
man müsse mit der Einberufung von rd. 500 000 jungen Kräften rechnen, die 
hauptsächlich in der jungen Indusstrie bei Luft und Marine eingesetzt seien. Durch 
das Aufhören des Stillhalteabkommens stünden der Wehrmacht alle Jahrgänge 

76 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

von 1914 ab zur Verfügung. Damit würden nochmals 250 000 bis 300 000 Mann 
eingezogen. Diese Einberufungen, die scharfe Eingriffe in die Wirtschaft mit sich 
bringen, werden durch Beurlaubungen und FM=Verfahren für Facharbeiter der 
Sonderklasse und der Klasse Ia und Ib und durch UK= Verfahren nicht wettgemacht. 
Man müsse also mit Ausfällen rechnen, die noch fühlbarer werden dürften durch 
die Ausfälle, die auf die Steigerung der Luftangriffe zurückzuführen sind. Um nun 
einen Höchstlauf der Rüstungsindustrie zu erreichen, sei auf dem Gebiet des 
Arbeitseinsatzes notwendig: 

1. rücksichtsloser Eingriff in die zivile Wirtschaft. Erfolg hierbei möglich, wie 
schon daraus erhellt, daß Ob.Reg.Rat Dr. Loth aus der weiterverarbeitenden In= 
dustrie durch stärkere Konzentration der Erzeugungspläne 60 000 Facharbeiter frei 
machen zu können glaubt, 

2. durch Fraueneinsatz. Aus politischen Gründen sei bisher die Dienstverpflichtung 
der Frauen im großen zurückgestellt worden, jetzt aber würde es notwendig, hier 
auch rücksichtslos vorzugehen. Die politische Aufgabe, die Bevölkerung mit der 
Weiterführung des Krieges und ihren Konsequenzen vertraut zu machen, sei 
nicht Aufgabe der Wehrmacht sondern der dazu berufenen politischen Stellen. 

3. Einsatz von Gefangenen und Ausländern. Rü III fällt die Aufgabe zu, Hem= 
mungen, die von der Abwehrseite auftreten könnten, zu beseitigen. Eine gewisse 
Großzügigkeit in Bezug auf die Abwehrbehandlung ist um so wichtiger, als 
Sabotage seit Kriegsbeginn nur in einem Fall bisher — und auch in Feindesland — 
aufgetreten sei." 

Die weitere Entwicklung spiegelt die Niederschrift vom 23. 9. lg^o: 
„Neue Dringlichkeitseinstufung der W ehrmacht fertigung. Mit Schreiben vom 
3. 8. 40 an den Chef OKW machte der Ob. d.M. darauf aufmerksam, daß Zahl und 
Umfang der in der Verfügung OKW/WiRüAmt Rü Ia Nr. 5550/40 g. v. 18. 7. 40 
in Dringlichkeitsstufe I vorgesehenen Programme es an Hand der Erfahrungen 
zweifelhaft erscheinen lassen, allein im Rahmen dieser Dringlichkeit der Kriegs= 
marine die für die Durchführung des U=Boot=Programms erforderlichen Werks= 
kapazitäten, Arbeitskräfte und Rohstoffe in vollem Umfange und zeitgerecht zur 
Verfügung zu stellen. Es habe sich bereits herausgestellt, daß von den Werften die 
Fertigstellungstermine für U=Boote, M=Boote, Zerstörer und die großen Schiffe 
nicht eingehalten werden können, und daß insbesondere auch in der Fertigstellung 
der benötigten Torpedo=Ausstoßrohre eine empfindliche Lücke eintrete. Der General= 
luftzeugmeister [Udet] äußerte ebenfalls seine Befürchtungen, daß die Fertigung 
in der umfangreichen Dringlichkeitsstufe I nicht ausreiche, um die im Einsatz 
gegen England entstandenen Flugzeugverluste schnellstens zu ersetzen. Chef HRüst 
und B.d.E. machte darauf aufmerksam, daß mit Rücksicht auf die für den Kampf 
gegen England befohlene Schwerpunktverlagerung der Rüstung auf die Bedürfnisse 
der Kriegsmarine und der Luftwaffe, insbesondere die befohlene Verstärkung der 
schnellen Truppen mit bestimmten Panzertypen stark ins Hintertreffen gerate. Es 
wurde daher vom Führer und Obersten Befehlshaber die Verfügung vom 20. 8. 40 
(OKW/WiRüAmt Rü Ia Nr. 1700/40 g.K.) erwirkt, welche 

1. für die Engpaßgeräte von Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe eine „Sonderstufe" 
mit bevorrechtigter Fertigung vor der Dringlichkeitsstufe I, 

2. die Neufestlegung der Dringlichkeitsstufung der Fertigungsprogramme, ins= 
besondere der Dringlichkeitsstufe I und ihre Unterteilung nach den Stufen Ia 
und Ib 

anordnet. 

Der 1. Entwurf über die neue Festlegung der Dringlichkeit der Fertigungspro= 
gramme wurde unter OKW/WiRüAmt Rü Ia Nr. 6710/40 g v. 2. 9. 40 den Wehr= 
machtteilen und den Obersten Reichsbehörden mit der Bitte um Stellungnahme 

77 E 



A. Einführung 

zugeleitet. Nach Überarbeitung des 1. Entwurfes an Hand der Wünsche der Bedarfs= 
träger, die bezügl. der Einstufung der Programme viel zu weit gingen, ergab sich, 
daß die für die Dringlichkeitsstufe Ia und Ib vorgeschlagenen Fertigungsprogramme 
so umfagreich waren, daß ihre Befriedigung, insbesondere mit Arbeitskräften un= 
möglich erschien. Nach langwierigen Verhandlungen über die Notwendigkeit der Ein= 
stufung der Programme mit den WT und den zivilen Bedarfsträgern und nach 
mehrmaligem Vortrag von Chef WiRüAmt bzw. Chef Rü bei Chef OKW konnte 
durch Chef WiRüAmt ein 4. entgültiger Entwurf entsprechend Entscheidung von 
Chef OKW dem Reichsmarschall am 18. 9. 40 zum Vollzug vorgelegt werden. Die 
neue Verfügung über Dringlichkeit der Fertigungsprogramme der Wehrmacht, 
welche die Verfügung WiRüAmt Rü Ia Nr. 550/40 g v. 18. 7. 40 mit sofortiger Wir= 
kung außer Kraft setzt, wurde unter OKW/WiRüAmt Rü Ia Nr. 6710/40 g v. 20. o. 40 
an die Wehrmachtteile, Rü Dienststellen und zivilen Obersten Reichsbehörden her= 
ausgegeben. Die Verfügung enthält eine Dringlichkeitsstufung der Fertigungs= 
Programme nach den Stufen 

Sonderstufe 

Dringlichkeitsstufe Ia 

Dringlichkeitsstufe Ib 

Dringlichkeitsstufe II 
und beschränkt sich auf besonderen Wunsch von Generalltn. von Hannecken (RWi 
Min) auf die reinen Wehrmachtfertigungsprogramme." 

Am 4. 11. 1940 hieß es im KTB: 

„Steigerung der Rüstung: 

1. Kaum war der Befehl über die Umsteuerung der Rüstung und die dadurch not= 
wendigen Durchführungsbestimmungen seitens der Beschaffungsstellen an die Rü= 
stungsdienststellen und von hier an die Betriebe hinausgegeben worden, als Mitte 
August der Führer auf Grund veränderter politischer Lage für das Heer eine neue 
wesentliche Erhöhung forderte. Während bei der Umsteuerung der Rüstung im Juni 
eine Heeresstärke von insgesamt 146 Divisionen plus 15 Besatzungsdivisionen zu 
Grunde gelegt war, wurde nun bis 1. 5. 41 eine Heeresstärke von insgesamt 180 Feld* 
divisionen (davon 140 Infanterie=, 10 mot. Infanterie=, 20 Panzer» und 10 Gebirgs= 
divisionen) ferner rd. 20 Besatzungsdivisionen gefordert. Bis zum 1. 4. 41 sollten 
diese Gliederungen, soweit wie möglich evtl. unter Einsatz d. Beute, mit Waffen, 
Gerät und Munition voll ausgerüstet sein. Diese Forderung hatte eine völlige Än= 
derung des bisherigen in der Umsteuerung der Rüstung vorgesehenen Maßnahmen 
zur Folge. Bei Munition mußte bei vielen Kalibern nicht nur die vorgesehene Ein= 
schränkung gestoppt werden, sondern es mußte in vielen Fällen eine neuerliche Stei= 
gerung in der Fertigung Platz greifen. Sämtlichen Rü In wurde deshalb mit der Ver= 
fügung Rü II w. Nr. 16128/40 g v. 22. 8. 40 mitgeteilt, daß auf Grund einer den ver= 
änderten Verhältnissen Rechnung tragenden Weisung des Führers damit gerechnet 
werden muß, daß bei bestimmten Munitionsarten, deren Bekanntgabe in den 
nächsten Tagen durch d. HWAA erfolgt, keine weitere Drosselung, sondern sogar 
eine Steigerung über die Augustfertigung hinaus eintritt und daß diese Tatsache 
beim Abzug von weiteren Arbeitskräften aus Munitionsbetrieben in Rechnung zu 
stellen ist. Für die Industrie ergaben sich hierdurch Schwierigkeiten, weil die bei der 
Einschränkung der Munitionsfertigung frei gewordenen Arbeitskräfte z. T. bereits 
für besonders dringliche Wehrmachtfertigungen eingesetzt waren und somit nicht 
wieder für die alte Fertigung zur Verfügung standen und teilweise auch über die 
maschinellen Kapazitäten bereits anderweitig verfügt war. Da die Forderung unab= 
dingbar war, mußte dafür gesorgt werden, daß durch zusätzliche Maßnahmen 
weitere Kapazitäten für die Wehrmachtfertigung, vor allem für jede, die kriegsent» 
scheidende Bedeutung hatte, eingesetzt wurden. Hierzu standen zur Verfügung, ein= 

78 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

mal Maßnahmen der Wehrmacht auf dem Gebiet der Umstellung, des FM=Verfah= 
rens, Beurlaubungen aus dem Heer usw., auf der anderen Seite Maßnahmen auf dem 
zivilen Sektor durch schärfste Drosselung jeder nicht kriegswichtigen Fertigung. 

2. Mitte September wurden v. Chef HRüst die Forderungen angegeben, die für die 
neue Kriegsheeresstärke 1941, für die materielle Ausrüstung gefordert wurden. Die 
volle Ausstattung der Heeresstärke bis 1. 4. 41, also innerhalb der zur Verfügung 
stehenden 7 Monate, war unmöglich durchzuführen. Dies gilt vor allem für die Fer= 
tigung der mittleren und schweren Waffen, da bei ihnen die Fertigungsdauer die 
zur Verfügung stehende Gesamtzeit teilweise übersteigt. Die Stellungnahme zu den 
Forderungen des Chef HRüst ist in der Anlage (Aktennotiz v. 16. 9. 40) — Anlage 231 
z. Kriegstgb. — im einzelnen aufgeführt. 

3. OKW WiRüAmt hat die Forderungen mit den Fertigungsmöglichkeiten unter 
Beiziehung des HWaA und des Chef HRüst abgeglichen und an Hand umfangreicher 
Tabellen einen Vorschlag für die Fertigung v. 1. 9. 40 bis 1. 4. 41 ausgearbeitet und 
diesen dem Mun.Min. zugeleitet. 

Am 17. 9. wurde dieser Vorschlag des WiRüAmtes im einzelnen dem Chef OKW 
vorgetragen. 

5. Über die Besprechung beim Mun.Min. am 19. 9. mit Chef HRüst und WaA gibt 
Aktennotiz v. 20. 9. 40 Auskunft. Der Mun.Min. machte den Vorschlag des WiRüAm= 
tes zu seinem eigenen. 

6. Nach nochmaligen Besprechungen mit WaA u. Chef HRüst über die Steige= 
rungsmöglichkeiten innerhalb der zur Verfügung stehenden kurzen Frist konnten 
im großen und ganzen alle Punkte so weit geklärt werden (Aktennotiz v. 21. 9. 40 
siehe Anlage 234 z. Kriegstagebuch), daß nunmehr an die Ausarbeitung der Grund» 

. Verfügung über die Steigerung gegangen werden konnte. 

7. Die neue Verfügung „Steigerung der Rüstung" sollte die Verfügung über die 
„Umsteuerung der Rüstung" (OKW WiRüAmt Nr. 1350 g.K. v. 9. 7. 40) ersetzen. 
Es war daher notwendig, nicht nur die Änderungen für die Fertigung Heer zu be= 
handeln, sondern auch die Angaben über die Fertigung Marine und Luftwaffe auf= 
zunehmen. Alle in der Zwischenzeit von diesen beiden WT als notwendig geforder» 
ten Erhöhungen (vor allem bei Flak Waffen und Munition) wurden mit aufgenom= 
men. Es ergab sich dann ein Entwurf gemäß Anlage 235 zum Kriegstagebuch v. 
21. 9. 40. Dieser Entwurf wurde am 23. 9. Herrn Chef OKW vorgelegt, von diesem 
jedoch verworfen und gefordert, daß eine Neuaufteilung nach folgenden Gesichts= 
punkten erfolge: 

a) In der Grundverfügung sind nur die Kennzeichen der neuen Aufgabenstellung 
u. d. Rahmen der Zielsetzung, sowie die Aufzählung der für die Durchführung 
des neuen Programms notwendigen Maßnahmen anzugeben. Als Anlagen sollten 
hierzu die neuen Listen über die für die 3 WT zu fordernden Fertigungen 
kommen. 

b) In besonderen Durchführungsbestimmungen hierzu sind die Einzelheiten über 
die Durchführung der Fertigung und Maßnahmen zu ihrer Beschleunigung usw. 
anzugeben. Während die Grundverfügung vom Führer u. Obersten Befehls= 
haber erlassen wurde, da es sich um eine reine Führungsaufgabe handelte, soll= 
ten die Durchführungsbestimmungen vom Chef OKW und dem Reichsmin. f. 
Bewaffnung und Munition gemeinsam erlassen werden. 

8. Über den Inhalt der Grundverfügung, vor allem der in den Anlagen enthaltenen 
Forderungen, wurde am 27. 9. 40 dem Führer gemeinsam durch Chef OKW u. Reichs= 
min. f. Bew. u. Mun. Vortrag gehalten. Nach Aufnahme gewisser vom Führer ge= 
machten Änderungen und Ergänzungen konnte die Grundverfügg. (Nr. 1850/40 g.K.) 
am 28. 9. 40 durch Herrn Chef OKW unterzeichnet werden. Die Durchführungsbe= 
stimmg. (Verfg. Nr. 1990/40 g.K.) wurden unter Hinzuziehung d. Reichsmin. f. Bew. 

79 E 



A. Einführung 

u. Mun. (Dr. Stellwaag) aufgestellt u. am i. 10. 40 durch Chef OKW sowie Dr. Todt 
vollzogen. 

9. In der Anlage 236 (Aktennotiz v. 22. 10. 40) sind die durch die Anordnung 
„Steigerung der Rüstung" sowie Durchführungsbestimmungen hierzu erhobenen 
Forderungen, in Anlage 237 (siehe Aktennotiz v. 22. 10. 40) die vom Chef HRiist u. 
Ob.d.L. durchzuführenden Maßnahmen angegeben. Die Zahlen der Mindestferti= 
gung für Munition, deren Bevorratung bereits jetzt hinreichend ist, werden in den 
nächsten Tagen als Nachtrag zur Grundverfügung bekannt gegeben werden. Die 
Aufteilung der bis 1. 4. 41 vorgesehenen Gesamtfertigung auf die einzelnen Monate 
wird ebenfalls in den nächsten Tagen durch WaA durchgeführt sein. 

Dringlichkeit der Fertigungsprogramme der Wehrmacht. 

1. Durchführung des Erlasses „Der Vorsitzende des Reichsverteidigungsrates, 
Min.Präs. Reichsmarschall Göring, OKW/WiRüAmt Ia Nr. 6710/40 g. v. 20. 9. 40" 
durch das RWiMin. 

a) Das RWiMin hat am 1. 10. 40 eine Verfügg. an die Kontingentsträger unter „Der 
Beauftragte für den Vierjahresplan, der Generalbevollmächtigte für die Eisen= 
u. Stahlbewirtschaftung II E.M. 1 Nr. 40422/40 v. 1. 10. 40" über die Einführung 
der Dringlichkeitsstufen für die eisen= u. stahlverarbeitende Industrie erlassen, 
mit der sie die Aufgliederung d. ZX u. ZY=Kennziffern u. deren Behandlung 
durch die Kontingentsträger u. die Betriebe bekannt gibt (siehe Anlage 238 z. 
Kriegstagebuch). 

Rohstoffabteilg. (WiRüAmt) hat sich mit der Verfügg. nachträglich einverstanden 
erklärt. Die Rü In erhielten mit einem entspr. Begleitschreiben die Verfügung am 
12. 10. 40 zugestellt. 

b) Das RWiMin unterbreitet am 8. 10. 40 durch Dr. Stoffregen den Entwurf einer 
Verfügg. an sämtl. eisen= u. metallverarbeitenden Betriebe, um diese über die 
neu eingeführte Dringlichkeitsfolge, besonders bzgl. der Gleischaltung der X= u. 
Y=Aufträge des zivilen Sektors mit der Stufe I u. II der Wehrmachtfertigg., sowie 
die Kenntlichmachung der Dringlichkeit. 

2. Berichtigung des Erlasses „Der Vorsitzende des Reichsverteidigungsrates, Min. 
Präs. Reichsmarschall Göring OKW/WiRüAmt Rü Ia Nr. 67x0/40 g. v. 20. 9. 40". 
Mit dem 30. 9. ist das Sondervorhaben „Seelöwe" abgelaufen. Die hierin enthal= 
tenen restlichen Programmteile mußten nunmehr, soweit eine Fertigstellung er= 
wünscht ist, in eine Dringlichkeitsstufe eingestuft werden. Die WT werden zu entspr. 
Anträgen aufgefordert. Für die Ausrüstung von Truppen für KoZom'aZunternehmun= 
gen wird auf Weisung des Führers am 2j. 9. eine vor Sonderstufe rangierende Ein= 
gliederung unter dem Stichwort „Achse" geschaffen. Laufzeit bis 15. 11. 40 (nach= 
trägl. bis 15.12. verlängert). Wohl veranlaßt durch die Aussicht auf eine Berichtig 
gung der Verfügung 6710/40 reichen die WT mit diesen angeforderten Anträgen auch 
eine Reihe von weiteren Anträgen auf Um= oder Einstufung von Geräten und Pro= 
grammteilen ein. Im einzelnen (beschränkt auf wichtige Punkte): 

Heer: 1. Umstufung von Seelöwe nach Sonderstufe der Gummipolster und Gleis» 
ketten für Raupenfahrzeuge wird anerkannt. 

2. Umstufung der ungepanzerten Kfz. für Schnelle Truppen von Ib nach Ia. 
Dem Antrag wird in beschränktem Umfang zugestimmt. 

3. Neue Aufgliederung der Mangel=Waffen=Geräte= und Munition. Der Auf= 
trag ergibt eine wesentliche Erweiterung der Ia Fertigung, wird aber trotz* 
dem im wesentlichen anerkannt. 

Über eine Gruppenleiterbesprechung vom 3. 12. 1940 wurde notiert: „Nach kurzer 
Behandlung der Notwendigkeit, Betriebsstoff zu sparen und alle vermeidbaren 
Fahrten mit Dienstkraftwagen zu unterlassen, wurde ein ausführlicher Bericht zur 

80 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

Cesamtlage, entsprechend den Ausführungen des Chef OKW gegenüber den Amts= 
und Abteilungschefs gegeben. Wenn danach auch der Krieg grundsätzlich schon als 
gewonnen anzusehen ist und der Sieg Deutschland nicht mehr entrissen werden 
kann, so muß sich WiRüAmtRü doch in seiner Arbeit auf weitere Kriegführung bis 
über das Jahr 1941 hinaus einstellen. Wie beim Abwägen sonstiger militärischer 
Operationen muß auch für die Rüstung die ungünstigste Lage als Ausgang für alle 
Überlegungen angenommen werden. Leider ist für die Arbeit auf lange Sicht in den 
Grundfragen der Rüstung die klare Linie zu vermissen. Insbesondere ist die wün= 
sehenswerte und erfolgsprechende Steuerung der Programmgestaltung durch OKW 
nicht zu erreichen. Die Taktik des Lavierens, sowohl bei der Programmgestaltung, 
als auch bei der Dringlichkeitseinstufung kann unmöglich zu dem erstrebenswerten 
Nutzeffekt führen. Wenn trotzdem Optimismus auch in Bezug auf die weiteren 
rüstungswirtschaftlichen Arbeiten angebracht ist, so nur im Hinblick auf die bis= 
herigen Erfolge. Es wird daher auch in Zukunft trotz der sehr dehnbaren Abma= 
chungen mit dem Mun.Min., mit dessen starker politischer Resonanz beim Führer 
gerechnet werden muß, positive Arbeit geleistet werden. Es darf nicht vergessen 
werden, daß alles, was bisher erreicht ist, von uns, d. h. von der Wehrmacht geleistet 
ist. Die Anforderungen an die Arbeitskraft aller Beteiligten werden vollauf gewürdigt. 
Reibungen und Schwierigkeiten sind nicht durch die Bearbeitung im Amt oder bei 
Rü entstanden, sondern dadurch, daß die operative Führung die Programme der 
Rüstungswirtschaft aufoktroyiert hat. Bezüglich der Schwierigkeiten der Gestaltung 
der Sonderstufe ist festzustellen, daß als fraglos hineingehörig alles das anzusehen 
ist, was für den Luftkrieg gegen England und zur Fertigung auf dem Gebiet der U= 
Boote, Torpedos und Torpedorohre und der Panzerwagen gehört. Die Ausführungs= 
bestimmungen zum Göringerlaß kommen wegen Einspruch zweiter WT noch nicht in 
Anwendung. Es bleibt vorläufig bei dem früheren Göring=Erlaß und den Durch= 
führungsbestimmungen. 

Der Chef OKW zeigt seit einiger Zeit besonderes Interesse für die rüstungswirU 
schaftlichen Arbeiten. Es ist daher besonders wichtig, den Chef OKW fortlaufend zu 
unterrichten. Der Form nach ist diese Unterrichtung anders abzufassen als etwa die 
Kriegstagebuchbeiträge oder die Wochenberichte. Der Chef OKW soll Unterrichtung 
über das, was geschieht, erhalten, die Wochenberichte sollen chronologisch wieder= 
geben, was geschehen ist, die Kriegstagebuchbeiträge die Zusammenhänge dessen, 
was geschehen ist und geschieht, aufzeigen. Alle drei Arten von Berichten sind von 
Wichtigkeit, die Mehrarbeit, die durch sie entsteht, muß unbedingt getragen werden. 
Im übrigen geht aus den Denkschriften, die auf Grund früherer Berichte und Beiträge 
bereits zusammengestellt sind, hervor, daß der tragende Teil bei den Arbeiten des 
Amtes die Rüstungswirtschaftliche Abteilung ist. Dies hat eine Arbeitsbelastung zur 
Folge, die erheblich über die anderer Abteilungen hinausgeht, was sich auch durch 
unvermeidbare längere Arbeitszeit ausdrückt. 

Abschließend ist festzustellen, daß die Gesamtlage und die Erfolge der Arbeiten 
von Rü zu Optimismus das Recht geben." 

Über den „Stand der Rüstung" im Dezember 1940 unterrichtete eine Aufzeich= 
nung im KTB vom 17. 12. : 

1. „In der Besprechung beim Amtschef am 18. 11. 40 wurde RWiM dargelegt, daß 
in Verfolg der Verfügungen bezüglich „Dringlichkeit der Fertigungsprogramme" und 
vor allem „Kennzeichnung der Dringlichkeit der Aufträge" (Rü Ia Nr. 6710/40 g und 
13620/40 v. 20. 9. 40) starke Lähmungserscheinungen bei der Industrie sich bemerkbar 
machen und daher die Verfügungen grundsätzlich geändert werden müssen. 

2. Am 21. 11. 40 fand bei Chef Rü eine Aussprache mit den Referenten der WT 
Beschaffungsämter statt, wobei diese über die seitens des Munitions= und Wirt= 

81 E 



A. Einführung 

Schaftsministers geübte Kritik an der bisherigen Auftragsgebarung für Wehrmacht^ 
lieferungen unterrichtet und um Stellungnahme ersucht wurden. 

3. Dabei kam klar zum Ausdruck, daß wohl in einigen Fällen ein Mißbrauch bzw. 
eine Überschreitung der Verfügungen bei den Beschaffungsstellen stattgefunden hat, 
daß aber die Grundursache in der zu geringen Menschendecke zu suchen sei. Dies 
hatte auch das Wettrennen der Beschaffungsstellen um die höhere Dringlichkeits= 
einstufung zur Folge. Es kam klar zum Ausdruck, daß die Gesamtprogramme sowohl 
des unmittelbaren, als auch des mittelbaren Wehrmachtsektors einfach nicht neben= 
einander und zu den vorgesehenen Fristen erfüllt werden können, da sie die Lei= 
stungsfähigkeit der deutschen Industrie selbst unter Berücksichtigung der bereits 
weitgehenden Heranziehung der Kapazitäten des besetzten Gebietes bei weitem 
überschreiten. Es wurde daher von WiRüAmt im Einverständnis mit den WT vor= 
geschlagen, daß dem Führer in einem gemeinsamen Vortrage durch Chef OKW und 
die Oberbefehlshaber der WT, sowie Reichsmin. für Bewaffnung und Munition die 
derzeitige Lage geschildert werde mit der Bitte, die Gesamtprogramme auf das 
wirklich tragbare Maß zu reduzieren. 

4. Anläßlich des am 21. 11. 40 durch Generalfeldmarschall Keitel, Generaloberst 
Fromm und Minister Todt beim Führer gehaltenen Vortrages hat dieser sich auf 
Grund der schwierigen Arbeitseinsatzlage damit einverstanden erklärt, daß überall 
da, wo die Bevorratung, der geringe Verbrauch und die taktische Lage es ermöglichen, 
die gestellten Termine hinausgeschoben werden. Grundsätzlich solle aber an dem 
Umfang der Programme selbst nichts geändert werden. 

Reichsmin. Todt unterrichtete am 22. 11. 30 persönlich WiRüAmt/General Stud, 
WaJRü Mun.Oberst Henrici über den Inhalt der Führerausführungen (siehe Akten= 
notiz Rü IIa vom 22. 11. 40, Anlage 2). Am 23. xi. 40 traf dann bei WiRüAmt noch 
eine schriftliche Aktennotiz über den Inhalt der Führerbesprechung von Min. Todt 
ein, der gleichzeitig Untersuchungen und Meldungen über die Auftragsverlagerung 
in die besetzten Gebiete verlangte. 

5. Rü hat daraufhin eine Verfügung ausgearbeitet, durch die die WT angehalten 
werden sollten, eine eingehende Revision ihrer Auftragsvergabe durchzuführen mit 
dem Ziel, den Gesamtauftragsbestand in Übereinstimmung zu bringen mit den 
tatsächlich vorhandenen Kapazitäten, Rohstoffen und Arbeitskräften und gleich= 
zeitig bekannt zu geben, welche Fertigungen im Hinblick auf die schwierige Arbeits* 
einsatzlage und die Unmöglichkeit, die gesamten Programme fristgerecht fertigzu= 
stellen, herabgesetzt oder aber in der Lieferfrist hinausgeschoben werden können. 
Diese Feststellungen sollten als Unterlagen für den beabsichtigten Vortrag der Ober= 
befehlshaber der WT beim Führer dienen. Dieses Schreiben ist jedoch nicht ausge= 
laufen, da mittlerweile andere Überlegungen Platz griffen. 

6. Um dem Chef OKW das Material an die Hand zu geben für eine Aussprache 
mit den Chefs der Beschaffungsstellen wurde eine Vortragsnotiz vom 30. 11. 40 aus= 
gearbeitet, worin nicht nur die derzeitige schwierige Lage dargelegt war, sondern 
auch Vorschläge unterbreitet wurden, wie eine Steuerung der Aufträge von seiten 
der Rohstoffzuteilung zweckmäßig erfolgen sollte. In einer Verfügung an die Chefs 
der Beschaffungsstellen war dieser Vorschlag entsprechend zusammengefaßt. 

Am 2. 12. 40 fand durch Amtschef, Chef Rü und Chef Ro eine eingehende Be= 
sprechung bei Chef OKW über diese Lage und die daraus zu ziehenden Folgerungen 
und vom WiRüAmt gemachten Vorschläge statt. Chef OKW konnte sich nicht zu 
diesen Vorschlägen verstehen, so daß die Verfügung an die WT nicht ausgelaufen 
ist. Er entwickelte seinen Standpunkt dahin, daß dem Wettrennen der WT nach der 
höheren Dringlichkeit, vor allem nach der Sonderstufe, und den dadurch gezeigten 
Schwierigkeiten und Mißständen am besten begegnet würde, indem man den Um« 
fang der Sonderstufen=Fertigungen auf den im Führer=Erlaß vom 20. 8. 40 festge= 

82 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939 — 1941 

legten Rahmen zurückführe, d. h. also, daß eine Zurückstufung aller jener Aufträge 
vorgenommen werden müsse, die nicht unter die damals angegebenen Programme 
fallen und inzwischen nachträglich eingestuft wurden. Damit sollten auch alle z. Z. 
vorliegenden Anträge der WT auf Neuhereinnahme von Fertigungen in die Sonder= 
stufe ihre Erledigung gefunden haben. Chef OKW hat seine endgültige Entscheidung 
für so bald wie möglich in Aussicht gestellt. 

7. Zu der Vortragsnotiz für Chef OKW vom 30. 11. 40 wurde auch seitens WFSt/L 
Stellung genommen. In einem Aktenvermerk von General Jodl wird dargelegt, daß 
als Folgerung der vorhandenen Schwierigkeiten z. Z. nur die für die Kriegführung 
gegen England wichtigsten Programme unter allen Umständen fristgerecht ausge= 
führt werden müssen, und zwar 

a) U=Boote, Minen,leichte Seestreitkräfte, Bomber und Abwurf=Munition, 

b) alles zur Verstärkung der Luftverteidigung Notwendige: Jäger, Flak=Geschütze, 
Scheinwerfer, Kommandogerät und Flak=Munition, 

c) erst an dritter Stelle schwere Seestreitkräfte, Aufklärer pp. und schließlich alle 
vordringlichen Forderungen des Heeres. " 

Zur Frage der deutschen Wehrwirtschaft 1939—1941 teilte Gen. a. D. A. 
Winter dem Bearbeiter des KTB noch ergänzend folgendes mit 26 : 

Bei Kriegsbeginn war der Einfluß des OKW auf die Führung der Gesamt» 
Wirtschaft und auf die industrielle Planung gering. Diese Tatsache wurde noch 
unterstrichen durch die Bildung des „Ministerrats für die Reichsverteidigung", 
wodurch praktisch die Bearbeitung der Aufgaben der Reichsverteidigung vom 
RVA unter Vorsitz des Chefs OKW auf den Ministerrat für die Reichsvertei= 
digung unter Vorsitz von Göring verlagert wurde. Die Aufgaben von WStb 
(Wehrwirtschaftsamt) wurden darüberhinaus auf folgenden Gründen noch 
erheblich erschwert: 

a) In der regionalen Beschaffungsorganisation begannen die zu „Reichsver= 
teidigungskommissaren" ernannten Gauleiter, denen jeder Überblick über 
die militärischen Notwendigkeiten fehlte und deren Orientierung auf dem 
politischen Weg erfolgte, in die Führung der Rüstungsindustrie einzugreifen 
und die schon vorher nicht klare Rüstungsführung noch mehr zu kompli= 
zieren. 

b) Das Recht zur Ernennung der von WStb geschaffenen Wehrwirtschafts= 
führer ging auf Göring über. 

c) Die von WStb vorbereitete Mobilmachung der Rüstungsindustrie wurde 
nur zögernd ausgelöst und die Gesamtwirtschaft wurde auf ihre Aufgaben 
in einem totalen Krieg nicht ausreichend eingestellt oder gar umgestellt. 

d) Die Außenorganisationen des GBW (Gen.=Bevollmächtigter für die Wirt= 
schaff) war — im Gegensatz zu der voll arbeitsfähigen Organisation des 
WStb — weder personell noch ausbildungsmäßig ausreichend vorbereitet. 

Hitler lehnte die nach Ansicht der militärischen Stellen für einen Anlauf der 
Kriegsindustrie unbedingt erforderlichen Maßnahmen und eine Zielsetzung 

26 Nach einer Mitteilung von Herrn Gen.d.Geb.Tr. a.D. August Winter vom 15. 2. 
1964 an den Bearbeiter. 

83 E 



A. Einführung 

und Planung auf weite Sicht ab. Weder OKW/WStb noch der an einem 
schnellen Ablauf seiner Rüstungsindustrie besonders interessierte Ober= 
befehlshaber des Heeres konnten sich durchsetzen; sie fanden beim Chef OKW 
keine Unterstützung ihrer Forderungen. Erst Ende 1939 wurden die für den 
Kriegsfall vorgesehenen Fertigungsprogramme der Wehrmacht, die von WStb 
in ein Fertigungsprogramm für die Erzeugung des gesamten Materials des 
Heeres und für alles Material der gleichen Art für Luftwaffe und Kriegsmarine, 
in ein Luftwaffenprogramm und in ein Marineprogramm zusammengefaßt 
waren, voll in Kraft gesetzt. Die Umstellung der Gesamtwirtschaft auf den 
Krieg wurde aber auch dann noch nicht befohlen, im Gegenteil blieb infolge 
halber Maßnahmen des GBW die Masse der Wirtschaft bei ihrer Friedens= 
Produktion. Unzählige Versuche des WStb hierin eine Änderung herbeizu= 
führen, waren fruchtlos, da auch Göring und der GBW die von WStb gefor= 
derte systematische Wirtschaftsplanung auf weite Sicht ablehnten. 

Den einzigen Fortschritt, den WStb in dieser Beziehung erreichen konnte, 
war Ende November 1939 ein Erlaß Görings, in dem Richtlinien zur Zusammen= 
fassung aller Kräfte zur Steigerung der Rüstung gegeben wurden. Die For= 
derungen von WStb wurden damit wenigstens teilweise erfüllt. Unmittelbar 
darauf traf dann Göring auch noch eine grundlegende Organisationsänderung 
in der Gesamtlenkung der Wirtschaft, um die Überschneidungen der Aufgaben= 
gebiete des GBW und des Vierjahresplanes zu bereinigen. Er übernahm selbst 
die Führung der Gesamtwirtschaft und beschränkte den GBW auf die Ange= 
legenheiten des Reichswirtschaftsministeriums und der Reichsbank. Der Chef 
WStb wurde gleichzeitig in den Generalrat des Vier jahresplanes berufen, seine 
Stellung und Aufgaben änderten sich damit aber nicht. 

So hatte der Krieg auf dem Rüstungsgebiet mit Improvisationen begonnen, 
die den zu stellenden Forderungen nicht gerecht werden konnten. Die mili= 
tärischen Stellen und die Industrie haben darunter gleichermaßen gelitten. 

Neben den oben angeführten Anzeichen für die Absicht, den Einfluß der 
Wehrmacht auf die wirtschaftliche Führung einzuschränken und einer politi= 
sehen Kontrolle zu unterwerfen, war die für die Zukunft entscheidenste Folge 
des durch die NichtUmstellung der Wirtschaft bedingten langsamen Anlaufens 
der Rüstungsindustrie, daß Hitler die Schuld hierfür in einem Versagen von 
WStb (ab Ende 1939 „Wehrwirtschafts= und Rüstungsamt" — WiRü — ) suchte. 

In dieser Anfangszeit des Krieges legten die Wehrmachtteile ihren Bedarf 
an Rohmaterial an OKW/WiRü vor, das die Forderungen gegenüber dem GBW 
vertrat und mit ihm eine Übereinkunft für die der Wehrmacht aus der Gesamt= 
fertigung zufallenden Kontingente traf. Bei Nichteinigung zwischen OKW und 
GBW — was meist der Fall war — oblag Göring die Entscheidung. Die Vertei= 
lung dieser Kontingente auf die Wehrmachtteile entschied dann Chef OKW 
nach Vorschlag WiRü. 

Mit Fortschreiten des Krieges aber leiteten die Wehrmachtteile ihre Rü= 
stungsprogramme mehr und mehr selbständig und holten sich durch ihre Ober= 

84 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

befehlshaber bei Hitler, der sich immer mehr mit Einzelheiten der Rüstung 
befaßte, unmittelbar die erforderlichen Entscheidungen bzw. erhielten von ihm 
ihre Befehle ohne vorherige Rücksprache mit Chef OKW oder WiRü. Göring 
insbesondere lehnte jede Bevormundung seiner Luftwaffe durch OKW ab und 
vergab seine Fertigungen an die Industrie ohne Zusammenarbeit mit WiRü. 
Dazu kamen Änderungen der noch im Anlaufen befindlichen Rüstungs= 
Programme, die Störungen hervorriefen. Überbelegungen der Industrie und 
Unstetigkeit in der Arbeit der Fabriken waren die Folge dieser Planlosigkeit, 
gegen die WiRü und R.Wi.Min. vergebens ankämpften. Zwischen den Wehr= 
machtsteilen setzte bereits jetzt ein Kampf um Kontingente, Arbeitskräfte und 
Kapazitäten ein, der sich mehr und mehr verstärkte. Die Versuche von WiRü, 
in die Auftragserteilungen der Wehrmachtteile an die Industrie Ordnung und 
Übersicht zu bringen, schlugen fehl und WiRü konnte in dieser Zeit die Be= 
dürfnisse der Wehrmachtteile praktisch nur noch in der regionalen Ebene durch 
die Wehrwirtschafts= und Rüstungsinspektionen aufeinander und mit der 
übrigen Wirtschaft abzustimmen versuchen. 

Infolge des langsamen Anlaufens der Rüstungsindustrie hatte Hitler schon 
Anfang 1940 das Vertrauen zu den mit der Steuerung der Rüstungsindustrie 
beauftragten Stellen des OKW und des Heeres (um die Rüstung der anderen 
Wehrmachtteile bekümmerte sich Hitler zunächst wenig) verloren. Er ernannte 
deshalb, als die ersten Heeresprogramme auf weite Sicht — insbesondere auf 
dem Munitionsgebiet — durchgeführt werden sollten T o d t zum „Reichs= 
minister für Bewaffnung und Munition" mit dem besonderen Auftrag, die 
Fertigung des Heeres an Munition durch entsprechende Rationalisierungsmaß= 
nahmen zu forcieren und beträchtlich zu steigern. Todt erhielt unmittelbares 
Weisungsrecht an das Heereswaffenamt und noch im Frühjahr 1940 wurde sein 
Auftrag auf Waffen und Panzer erweitert. Das damit zum Ausdruck gebrachte 
Mißtrauen Hitlers wurde von WiRü, vom Chef OKW und OKH schwer emp= 
funden. 

Von Todt wurden die ersten grundsätzlichen Maßnahmen zur Rationalisie= 
rung der Rüstungsindustrie des Heeres eingeleitet und die Organisation der 
„Selbst Verantwortung der Industrie" geschaffen. Auf diese Weise bekam Todt 
allmählich vermehrten Einfluß auf die Wirtschaftsführung und wurde Hitlers 
Hauptberater in Rüstungsfragen, was durch die bis Mitte 1941 tatsächlich ein= 
tretende Verbesserung der Rüstungslage des Heeres noch unterstrichen wurde. 
Grundsätzliche Maßnahmen einer einheitlichen Gesamtplanung auf weite 
Sicht — auch hinsichtlich der Arbeitskräfte — führte Todt jedoch trotz mehr= 
facher Anstöße durch WiRü nicht durch. Er stand solchen Plänen zunächst ab= 
lehnend gegenüber. 

WiRü behielt auch während dieses Zeitabschnittes nominell seine bisherigen 
Aufgaben, sein Einfluß auf die Steuerung der Rüstungsindustrie ging aber be= 
ständig zurück und der Chef OKW wurde von Hitler mehr und mehr über= 
gangen. Dagegen erweiterten sich in dieser Zeit die Aufgaben von WiRü auf 

85 E 



A. Einführung 

dem wehrwirtschaftlichen Gebiet erheblich. Schon kurz nach Beendigung des 
Frankreichfeldzuges hatte WiRü seine Außenorganisation zur Entlastung der 
deutschen Kriegswirtschaft auf die neubesetzten Westgebiete ausgedehnt und 
vom Reichswirtschaftsminister die planmäßige Ausnutzung dieser Gebiete ge= 
fordert. Auch Auftragsverlagerungen der Rüstungsindustrie zur Entlastung der 
eigenen Fertigungsstätten und zur Steigerung der Rüstungsleistungen wurden 
von da ab von WiRü laufend veranlaßt. Ebenso wurden im Frühjahr 1941 die 
Wirtschaftsorganisationen von WiRü auf den Balkan ausgedehnt, wo die 
jugoslawischen Rohstoffquellen für die Versorgung der deutschen Rüstungs= 
Wirtschaft von großer Bedeutung werden konnten. Daneben führte die Ver= 
Iagerung von Rüstungsaufträgen in das verbündete und neutrale Ausland ab 
Ende 1940 zur Schaffung von wehrwirtschaftlichen Dienststellen des OKW/ 
WiRü in Rumänien, Ungarn, Bulgarien, Schweiz, Schweden, Slowakei, Finn= 
land und Italien. Diese Dienststellen waren nicht nur für Auftragsverlagerun= 
gen von großer Bedeutung, sondern wurden allmählich auch für die deutschen 
Kriegsgerätlieferungen zum Bindeglied zwischen Deutschland und den be= 
treffenden Staaten. 

Über diese Maßnahmen hinaus wurde im Frühjahr 1941 auf Grund der 
Erfahrungen in den vergangenen Feldzügen für den Rußlandfeldzug eine 
Wehrwirtschaftsorganisation im Rahmen des Vier jahresplanes vorbereitet, in 
der unter einem „Wirtschaftsstab Ost" neben der Wehrwirtschaft auch alle 
anderen Wirtschaftszweige (Landwirtschaft, Forstwirtschaft, gewerbliche Wirt= 
schaft, Handel, Arbeitseinsatz usw.) zusammengefaßt wurden. Die Vorarbeiten 
hierfür leistete WiRü. 

Beeinflußt durch die schnellen Erfolge in Polen, Frankreich und auf dem 
Balkan waren Hitler und die ausschlaggebenden Persönlichkeiten der Wehr= 
machtführung nach den ersten gewaltigen Siegen in Rußland Mitte 1941 der 
Auffassung, daß auch der russische Feldzug schnell beendet werden würde. 
Auf Grund dieser Fehlbeurteilung der Lage wurde im Spätsommer 1941 trotz 
der Proteste des Oberbefehlshabers des Heeres die Heeresrüstung zu Gunsten 
der Luftwaffe und der Kriegsmarine erheblich gedrosselt. Nach der „Führer= 
Weisung" sollte der Schwerpunkt der Rüstung auf die in großem Umfange zu 
verstärkende Luftwaffe übergehen, während die Rüstung der Kriegsmarine 
scharf auf diejenigen Maßnahmen zusammengefaßt werden sollte, die der 
Kriegführung gegen England und Amerika dienten. Beim Heer sollte im Rah= 
men einer starken Verminderung seiner Stärke eine beträchtliche Vermehrung 
der Panzerwaffe erfolge. Im Zuge der auf Grund dieser Weisung notwendigen 
Neuregelung der Auftragsverteilung an die Rüstungsindustrie ging trotz mehr= 
fachen Eingreifens von WiRü der Kampf zwischen den Wehrmachtteilen um 
Rohstoffe, Arbeiter und Kapazitäten unvermindert weiter. Eine grundsätzliche 
Besserung oder Ordnung in das Beschaffungssystem der Wehrmachtteile zu 
bringen, gelang WiRü trotz verschiedenster Maßnahmen nicht. Erst Anfang 
1942, als nach der Winterkrise im Osten der obersten Führung plötzlich wieder 

86 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 193g — 1941 

besondere Maßnahmen zur Förderung der Gesarafrüstung erforderlich erschie= 
nen, wurde auch ein grundsätzlicher Wandel in der Führung der Kriegswirt= 
schaft eingeleitet. 

Über die „Kräftebilanz Deutschlands" in den Jahren 1939—1944 gibt die 
nachfolgende Übersicht Auskunft 27 . 











(In 


Millionen) 










Zeit: 
Ende 
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1939 


24/5 


14,6 


39/i 


0/3 


1/4 - 


i/4 


40/5 


39/4 


40,8 


1940 


20,4 


14/4 


34/8 


1/2 


5/7 0,1 


5/6 


40/5 


36,0 


41/6 


1941 


19,0 


i4/i 


33/i 


3/0 


7/4 0,2 


7/2 


40/5 


36,1 


43/3 


1942 


16,9 


14/4 


3i/3 


4/2 


9/4 0,8 


8,6 


40,7 


35/5 


44/1 


1943 


T-5,5 


14/8 


30/3 


6,3 


11,2 1,7 


9/5 


41/5 


36,6 


46,1 


1944 


14,2 


14/8 


29,0 


7A 


12,4 3/3 


9/1 


4i/4 


36,1 


45,2 


1944 * 


13,5 


14/9 


284 


7/5 


13/0 3/9 


9/1 


4i/4 


35,9 


45/0 



1 30.9- 

4. Phase: 

Auf dem Weg zum „Großgermanischen Reich": 

Der Feldzug gegen die Sowjetunion 

a) Mit dem im Spätherbst 1940 anlaufenden Aufmarsch „Barbarossa" (Feld= 
zug gegen die Sowjetunion) vollzog sich der angedeutete qualitative Umschlag 
des Krieges. Von diesem Zeitpunkt ab konzentrierte Hitler die politischen, wirt= 
schaftlichen und militärischen Anstrengungen Deutschlands zunächst ganz auf 
dieses eine große Ziel, das zu erreichen ihm, — wie das Zerschlagen des gordi= 
sehen Knotens — die Lösung der noch schwebenden und der wichtigsten zu= 
künftigen Probleme seiner Zeit verheißen mochte: die indirekte Bekämpfung 
Englands, die Vernichtung des Bolschewismus, — damit zugleich die Aus= 
Schaltung des ideologischen Gegners und erpresserischen Konkurrenten — , die 
Gewinnung von „Lebensraum" im Osten mit den notwendigen Rohstoffvor= 
kommen und die Beendigung des Krieges (allgemein rechnete die deutsche 
Wehrmachtführung mit einem Feldzug von 3—5 Monaten), bevor die USA in 
den Konflikt auf dem europäischen Kontinent eingreifen konnten 1 . Die Ko= 



27 Vgl. Die deutsche Industrie im Kriege, a. a. O. (s. S. 28 E), S. 139. 
1 Vgl. Anm. 1, S. 103 E. 



87 E 



A. Einführung 

lonialpläne traten damit wieder in den Hintergrund. Ende Juni 1941 erklärte 
Hitler dem Chef des Genst. d. Heeres, Generaloberst Halder: Deutschlands 
zukünftige Aufgaben seien betont kontinental, freilich unbeschadet der An= 
sprüche auf ein Kolonialreich, das Togo und Kamerun, einschl. Belgisch=Kongo 
umfassen könne. Schließlich bestärkte der Verlauf des Ostfeldzuges Hitler 
mehr und mehr in seinen alten Vorstellungen, daß „Kolonien ein fraglicher 
Besitz" seien; hingegen könne die russische Erde Deutschland niemand streitig 
machen 2 . 

Nach allen bis heute vorliegenden Zeugnissen ist aber festzuhalten: der 
seit Juli 1940 geplante und im Juni 1941 ausgelöste deutsche Angriff gegen die 
Sowjetunion war kein Präventivkrieg; Hitlers Entschluß zur Offensive ent= 
sprang nicht der tiefen Sorge vor einem drohenden, bevorstehenden sowjeti= 
sehen Angriff, sondern war letzten Endes Ausdruck seiner Aggressionspolitik, 
wie sie seit 1938 immer deutlicher zum Ausdruck gekommen war. 

Bereits im Juli ig40 z hatte Hitler in seinen Besprechungen mit den Spitzen 
des Heeres, seine weitgesteckten Kriegsziele im Osten angedeutet: Ein gewisser 
Raumgewinn allein genüge nicht, so hatte er ausgeführt, der russische Staat 
müsse „schwer zerschlagen" und mehrere Teilreiche (wie Ukraine, Baltischer 
Staatenbund und Weißrußland) gebildet werden. Der Ostfeldzug würde seinen 
Abschluß mit dem Erreichen etwa der Wolga finden, von wo aus Raids zur Zer= 
Störung weiter entfernt liegender Rüstungsanlagen unternommen werden 
müßten. Es würden alsdann neue Pufferstaaten (Ukraine, Weißrußland, 
Litauen, Lettland) errichtet und Rumänien, das Generalgouvernement und 
Finnland vergrößert werden; etwa 60. Div. müßten im Osten verbleiben 
(5. 12. 40). 

Einige Wochen später erklärte Hitler seiner engsten militärischen Um= 
gebung: 

„Der russische Riesenraum berge unermeßliche Reichtümer. Deutschland 
müsse ihn wirtschaftlich und politisch beherrschen, jedoch nicht angliedern. 
Damit verfüge es über alle Möglichkeiten, in Zukunft auch den Kampf gegen 
Kontinente zu führen; es könne dann von niemand mehr geschlagen werden. 
Wenn diese Operation durchgeführt würde, werde Europa den Atem anhalten". 
(9. 1. 41). 

Unter dem Hinweis, daß die „Entscheidung über die europäische Hegemonie" 
im Kampfe „gegen Rußland falle" 4 , und daß dazu der günstigste Zeitpunkt aus= 
genützt werden müsse, ließ Hitler Ende 1940 alle Vorbereitungen zu einem 
Kampf mit einem Gegner treffen, dessen „Menschen" er für „minderwertig" 
hielt und dessen Schicksal nach den Ausführungen Himmlers über die Behand= 

2 Vgl. Halder=Tagebuch, a. a. O. (Anm. 5, S. 44 E), Bd. III, S. 29 v. 30. 6. 1941. 

3 Vgl. die Eintragungen des Chefs des Genst.d.H., Gen.Oberst Halder, im Juli 1940: 
Bd. II, a. a. O. (s. Anm. 5, S. 44 E). 

4 Ebd., Bd. II, S. 227. 

88 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

lung von Fremdvölkischen im Osten (1940) das eines „führerlosen Arbeits= 
Volkes" sein sollte 5 . 

Diese Absichten gab Hitler wahrscheinlich zum ersten Mal im März 1941 
vor einem größeren Kreis von Partei und Wehrmacht (vor allem OKW und 
OKH) bekannt. 

In einer fast 2V2 stündigen Ansprache vor den Generalen aller Wehrmachts= 
teile faßte Hitler am 30. März 1941 seine zukünftige ideologische Konzeption 
gegenüber Rußland scharf zusammen. Ausgehend von einem „vernichtenden 
Urteil über (den) Bolschewismus", den er als asoziales Verbrechertum kenn= 
zeichnete, bedeutete er, daß der Kommunismus eine ungeheure Gefahr für die 
Zukunft darstelle. „Wir müssen von dem Standpunkt des soldatischen Kame= 
radentums abrücken", denn der Kommunist sei „vorher kein Kamerad und 
nachher kein Kamerad". Es handele sich um einen Vernichtungskampf. Würde 
Deutschland diesen Krieg nicht so aufassen, dann würde der Feind zwar 
geschlagen, aber in 30 Jahren werde der kommunistische Feind Deutschland 
erneut gegenüberstehen. „Wir führen nicht Krieg um den Feind zu konser= 
vieren", erklärte Hitler. Dieser Kampf werde sich wesentlich von dem Kampf 
im Westen unterscheiden; im Osten sei „Härte mild für die Zukunft" 6 . — 
Ähnlich äußerte er sich noch einmal wenige Tage vor Beginn des Unternehmens 
„Barbarossa" am 14. 6. 1941. 

Aber im Grunde wollten Hitler und seine engsten politischen Berater im 
Osten keineswegs „stalinfreie Republiken" unter deutschem Mandat schaffen; 
auch dachten sie gar nicht daran, die besetzten Gebiete bis zum Ural wieder 
abzutreten. Vielmehr wollten sie diese als „Lebensraum" rücksichtslos „beherr= 
sehen, verwalten und ausbeuten". Goebbels proklamierte den „Aufbruch 
Gesamteuropas gegen den Bolschewismus" und Hitler zum „Heerführer" 
Europas 7 . 

Hitler legte die Grundzüge der nationalsozialistischen Besatzungspolitik in 
Rußland am 16. 7. 1941 wie folgt fest 8 : 

„Wesentlich sei es nun, daß wir unsere Zielsetzung nicht vor der ganzen Welt 
bekanntgäben; dies sei auch nicht notwendig, sondern die Hauptsache sei, daß wir 
selbst wüßten, was wir wollen. Keinesfalls solle durch überflüssige Erklärungen 
unser eigener Weg erschwert werden. Derartige Erklärungen seien überflüssig, denn 
soweit unsere Macht reiche, könnten wir alles tun und was außerhalb unserer 
Macht liege, könnten wir ohnehin nicht tun. 

Die Motivierung unserer Schritte vor der Welt müsse sich also nach taktischen 
Gesichtspunkten richten. Wir müßten hier genau so vorgehen, wie in den Fällen 
Norwegen, Dänemark, Holland und Belgien. Auch in diesen Fällen hätten wir nichts 
über unsere Ansichten gesagt, und wir würden dies auch weiterhin klugerweise nicht 
tun. 

5 Vgl. Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 1957, S. 194 ff. 

6 Vgl. Eintragung Halders in sein KTB vom 30. 3. 1941, Bd. II, a. a. O. 

7 Vgl. die Aufrufe, in: Jacobsen, Der Zweite Weltkrieg, a. a. O. (S. 1, Anm. 43 E), 
S. 112 ff. (Antonescu und Arrese). 

8 Vgl. Nürnberger Dok. (IMT) L=22i. 

80 E 



A. Einführung 

Wir werden also wieder betonen, daß wir gezwungen waren, ein Gebiet zu 
besetzen, zu ordnen und zu sichern; im Interesse der Landeseinwohner müßten wii 
für Ruhe, Ernährung, Verkehr usw. sorgen; deshalb unsere Regelung. Es soll also 
nicht erkennbar sein, daß sich damit eine endgültige Regelung anbahnt! Alle not= 
wendigen Maßnahmen — Erschießen, Aussiedeln etc. — tun wir trotzdem und können 
wir trotzdem tun. 

Wir wollen uns aber nicht irgendwelche Leute vorzeitig und unnötig zu Feinden 
machen. Wir tun also lediglich so, als ob wir ein Mandat ausüben wollten. Uns 
muß aber dabei klar sein, daß wir aus diesen Gebieten nie wieder herauskommen. 

Demgemäß handelt es sich darum : 

1. Nichts für die endgültige Regelung zu verbauen, sondern diese unter der Hand 
vorzubereiten; 

2. wir betonen, daß wir die Bringer der Freiheit wären. 
Im einzelnen: 

Die Krim muß von allen Fremden geräumt und deutsch besiedelt werden. 
Ebenso wird das alt=österreichische Galizien Reichsgebiet. 

Jetzt ist unser Verhältnis zu Rumänien gut, aber man weiß nicht, wie künftig zu 
jeder Zeit unser Verhältnis sein wird. Darauf haben wir uns einzustellen, und danach 
haben wir unsere Grenzen einzurichten. Man soll sich nicht vom Wohlwollen anderer 
abhängig machen; danach müssen wir unser Verhältnis zu Rumänien einrichten . . . 

Die Bildung einer militärischen Macht westlich des Urals darf nie wieder in 
Frage kommen und wenn wir hundert Jahre darüber Krieg führen müßten. Alle 
Nachfolger des Führers müssen wissen: die Sicherheit des Reiches ist nur dann 
gegeben, wenn westlich des Ural kein fremdes Militär existiert; den Schutz dieses 
Raumes vor allen eventuellen Gefahren übernimmt Deutschland . . . 

Keinesfalls dürfen wir eine Schaukelpolitik führen, wie dies vor 1918 im Elsaß 
geschah. Was den Engländer auszeichnet, ist ein immer gleichmäßiges Verfolgen 
einer Linie und eines Zieles! In dieser Hinsicht müssen wir unbedingt vom 
Engländer lernen. Wir dürfen demgemäß unsere Stellungnahme auch nie abhängig 
machen von einzelnen vorhandenen Persönlichkeiten; auch hier ist das Verhalten der 
Engländer in Indien gegenüber den indischen Fürsten usw. ein Beispiel: Immer muß 
der Soldat das Regime sicherstellen ! 

Aus den neugewonnenen Ostgebieten müssen wir einen Garten Eden machen; sie 
sind für uns lebenswichtig; Kolonien spielen dagegen eine ganz untergeordnete 
Rolle. 

Auch wenn wir einzelne Gebietsteile jetzt schon abteilen, immer müssen wir als 
Schützer des Rechts und der Bevölkerung vorgehen. Demgemäß seien die jetzt not= 
wendigen Formulierungen zu wählen; wir sprechen nicht von einem neuen Reichs» 
gebiet, sondern von einer durch den Krieg notwendigen Aufgabe . . ." 

Himmler lehnte jede Rücksichtnahme auf die Gefühle und Lebensweise 
der Russen als sentimentale Gefühlsduselei ab. Der Reichsführer SS faßte 
dies in dem Satz zusammen: 9 „ . . . Wie es Russen, Tschechen . . . geht, ist mir 
total gleichgültig, ob sie im Wohlstand leben oder vor Hunger verrecken" 
interessiert mich nur soweit, als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen, 
anders interessiert mich das nicht". Nach dem sog. „Generalplan Ost" sollten 
später fast 75°/o der slawischen Bevölkerung nach Sibirien ausgesiedelt werden; 
dem zurückbleibenden Rest der „Fremd Völker" aber war ein Helotenschicksal 

9 Vgl. Nürnberger Dok. PS=i9i9. 

90 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

im Stile extremer imperialistischer Kolonialpolitik bestimmt. Gleichzeitig sollte 
in den Ostgebieten eine großzügige „Siedlungspolitik" eingeleitet, deutsche 
Volksgruppen und als Folge einer planmäßigen Rassenpoltik „Norweger, 
Schweden, Dänen, Niederländer" angesiedelt werden. 

In einer Zirkularnote des Reichsaußenministers v. Ribbentrop vom 
26. 8. 1.941 an alle deutschen Vertretungen im Ausland (mit Ausnahme von 
Tokio) hieß es, daß der Sieg über Rußland vor allem aus dreierlei Gründen 
wichtig sei: 10 

1. Durch die Eroberimg der Ukraine sei das Ernährungsproblem Deutschlands 
„für alle Zukunft" gelöst; 

2. durch die Besetzung Südrußlands seien die wichtigsten Rohstoffgebiete der 
UdSSR in deutsche Hand gefallen. Damit habe sich die Lage der deutschen 
Wehrwirtschaft wesentlich verbessert, und 

3. indem Deutschland den Feind im Osten beseitigt und nunmehr keine Be= 
drohung mehr im Rücken zu befürchten habe, könne es sich mit seinem 
gesamten Wehrpotential dem letzten Gegner zuwenden: England. 

Ende September 1941 bemerkte Hitler gegenüber Reichsminister Rosen= 
berg 11 , daß eine unabhängige Ukraine für die nächsten Jahrzehnte nicht infrage 
käme; er denke an ein deutsches Protektorat über die Ukraine etwa für die 
nächsten 25 Jahre. Daß auch in diesem Falle, wie schon in den Jahren vorher, 
Deutschlands Ziele gegenüber Rußland nicht konkret formuliert und postuliert 
wurden, war auf die Verschleierungstaktik der nationalsozialistischen Führung 
zurückzuführen; diese sollte zudem verhindern, daß die Feindmächte aus fest 
umrissenen Kriegszielen politisches Kapital schlagen konnten. 

Zweifellos war Hitlers Entschluß, die Sowjetunion anzugreifen und in einem 
„schnellen Feldzug" niederzuwerfen, eine der verhängnisvollsten Zäsuren des 
Zweiten Weltkrieges, ja der jüngsten Geschichte überhaupt. Einmal, weil der 
Diktator nunmehr durch seine wahnwitzige politische Zielsetzung und den da= 
durch in der Folgezeit bedingten Kampf an allen Fronten die deutsche Wehr= 
macht vor unerfüllbare Aufgaben stellte und die militärische Katastrophe her= 
aufbeschwor. Zum anderen, weil er mit diesem 22. 6. 1941 die drei großen 
Welt= und Seemächte, Großbritannien, die Sowjetunion und die Vereinigten 
Staaten, über die sie trennenden Gegensätze hinweg, zu jenem unlösbaren 
militärischen Kriegsbündnis gegen Deutschland und seine Verbündeten zusam= 
menschmiedete, das den europäischen Konflikt zu einem Weltkrieg ausweitete 
und das erst zerbrach, als das Reich 1945 die bedingungslose Kapitulation 
unterschrieben und der Sowjetkommunismus seinen Herrschaftsbereich bis zur 
Elbe ausgedehnt hatte 12 . 

10 Vgl. Documents on German Foreign Policy 1918 — 1945, Series D, vol. XIII, 
Washington 1964, S. 389 ff. 

11 Ebd., S. 597. 

12 Vgl. hierzu: Feis, H., Churchill, Roosevelt, Stalin. The War they waged and the 
Peace they sought, Princeton— London 1957. 

91 E 



A. Einführung 

Seinen Bündnispartnern gegenüber deutete Hitler den Kampf im Osten 
jedoch in erster Linie noch als große Auseinandersetzung zwischen dem 
Kontinentalblock und den Seemächten um die Hegemonie in Europa. Vor den 
Mitgliedern des Dreimächtepaktes dozierte er: „Eine Niederlage der Achse 
würde das Ende Europas bedeuten. Daher seien alle Länder Kontinentaleuro= 
pas daran interessiert, daß dieses Europa durch den Sieg Deutschlands auf= 
rechterhalten bleibe 13 /' 

Dem japanischen Außenminister Matsuoka gab Hitler Ende März 1941 zu 
verstehen 14 , daß es das Ziel der deutschen Kriegführung in Europa sei, unter 
allen Umständen die „britische Hegemonie" zu brechen, den britischen Einfluß 
in Europa auszuschalten und jeden amerikanischen Versuch einer Einmischung 
in Europa zurückzuweisen. „Weiterhin würde die Neuordnung des europäi= 
sehen Kontinents als wesentlichstes Element die Beschränkung der Rechte und 
Pflichten auf diejenigen mit sich bringen, die auf dem Kontinent lebten und alle 
Länder ausschließen, die nur von außen hineinreden wollten, insbesondere 
England und Amerika." Für diesen Kampf sei es besonders günstig, so betonte 
Hitler, daß es „zwischen Japan und seinen Verbündeten keine Interessenkon= 
flikte gebe. Deutschland, das seine Kolonialansprüche in Afrika befriedigen 
würde, sei in Ostasien ebensowenig interessiert wie Japan in Europa. Dies sei 
die beste Voraussetzung für die Zusammenarbeit zwischen einem japanischen 
Ostasien und einem deutsch=italienischen Europa". 

In seiner Unterredung mit dem italienischen Außenminister, Graf Ciano, 
am 25. 10. 1941 hob Hitler als „bemerkenswert" für die Kämpfe im Osten her= 
vor 15 , „daß sich zum ersten Male ein Gefühl europäischer Solidarität entwik= 
kelt habe. Dies sei besonders für die Zukunft von großer Wichtigkeit. Eine 
spätere Generation würde sich mit dem Problem Europa— Amerika auseinan= 
derzusetzen haben. Es würde sich nicht mehr um Deutschland oder England, 
um Faschismus, Nationalsozialismus oder entgegengesetzte Systeme handeln, 
sondern um die gemeinsamen Interessen Gesamteuropas innerhalb des euro= 
päischen Wirtschaftsgebietes mit seinen afrikanischen Ergänzungen". 

Propagandistisch und zweckbestimmt, aber nicht minder auf schlußreich waren 
Hitlers Ausführungen gegenüber dem französischen Admiral Darlan am 11. 5. 
1941. U. a. resümierte er 16 : 

Er wisse, daß „man in gewissen Kreisen die Hoffnungen hege, Deutschland 
würde doch noch unterliegen. Selbst wenn dieser Fall etwa eintreten sollte, so 
würde dies keinen Gewinn für Europa bedeuten, weil man heute mit den Ge= 



13 Hitler in der Unterredung mit dem bulgarischen Min.Präsidenten Filoff am 
4. 1. 1941 auf dem Obersalzberg (Photokopie aus dem Pol.Archiv des Ausw.Am* 
tes, Bonn). 

14 Unterredung Hitler Matsuoka am 27. 3. 1941 (wie Anm. 13). 

15 Photokopie aus dem Pol.Archiv des Ausw.Amtes (25. 10. 1941 im H.Qu.). 

16 Aus der Aufzeichnung über die Unterredung zwischen dem Führer und Admiral 
Darlan auf dem Berghof am 11. 5. 1941 (Photokopie). 

92 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

samtinteressen Europas rechnen müsse und in dem vorerwähnten Falle sicher 
sein könne, daß der Besitzstand Europas in der Welt verlorenginge. Länder 
wie Holland, Belgien, Portugal mit ihren großen Überseebesitzungen, selbst= 
verständlich auch Frankreich mit seinem Kolonialreich und schließlich auch Eng= 
land selbst würden viel mehr betroffen sein. Deutschland habe seit fast 20 Jah= 
ren sein Leben kontinental ausgerichtet. Die deutsche Chemie würde sicherlich 
das nötige tun, um die für das Reich notwendigen Stoffe, wie z. B. Gummi oder 
andere Rohmaterialien, künstlich herzustellen. Außerdem habe sich Deutsch= 
land in Europa seinen Lebensraum gesichert, so daß es selbst auf jeden Fall 
durchhalten könne. Es handele sich aber nicht um das, was Deutschland verliere, 
sondern um das, was Europa verliere. Unter diesem Gesichtspunkt verstehe er 
(der Führer) nicht, daß sich irgendjemand darüber freuen könne, wenn ein 
europäischer Staat, der heute der stärkste Repräsentant der Verteidigung der 
Lebensinteressen Europas den außereuropäischen Interessen gegenüber sei, den 
Krieg verlöre. Es entstehe ein amerikanischer Imperialismus, wobei daran erin= 
nert werden müßte, daß Frankreich schon gewisse, in Amerika gelegene, Ge= 
biete in früherer Zeit an die Vereinigten Staaten verloren habe. Jetzt könne es 
geschehen, daß es auch noch afrikanische Gebiete an Amerika abgeben müsse. 
Diejenigen Kreise in Frankreich, die immer noch auf England bauten, müßten 
sich darüber klar sein, daß die Initiative nicht mehr bei Großbritannien, son= 
dem bei Amerika liege. Wenn schon das kleine England einen so großen Appe= 
tit entwickelt habe, daß es ein Viertel der Gebiete der Erde in sein Weltreich 
aufgenommen hätte, wie groß würde dann erst der Landhunger der viel grö= 
ßeren Vereinigten Staaten sein". 
Zusammenfassend erklärte er, daß 

1. „die Not in Europa nicht Deutschlands Schuld sei, sondern der Verantwor= 
tung englischer und französischer Staatsmänner zur Last gelegt werden 
müsse, die den Krieg begonnen hätten; 

2. die Fortdauer des Notstandes in Europa sei ebenfalls nicht Deutschlands 
Schuld; 

3. für die Beseitigung dieses Notstandes, d. h. für die Beendigung des Krieges 
tue Deutschland alles in seinen Kräften Stehende, indem es energisch gegen 
England kämpfe. Es erhebe sich die Frage, was die anderen zur Erreichung 
dieses Zieles täten. 

Deutschland wolle nicht etwa Europa beherrschen und tyrannisieren. Als 
Nationalist wolle er (der Führer) lediglich der deutsche Volksführer sein und 
sein eigenes Volk kulturell und vor allem sozial entwickeln. Er lege keinen 
Wert darauf, als großer Feldherr aufzutreten, so bekleide er auch in der Armee 
keinerlei Rang und trage keinerlei Abzeichen, obgleich er der Oberstkomman= 
dierende sei. Wenn der Frieden wieder hergestellt wäre, wolle er lediglich als 
innerer Kolonisator und als sozialer Reformator wirken. Er kämpfe also tat= 
sächlich um den Frieden und frage sich, was die anderen für die Erreichung 
dieses Zieles täten ..." 



93 



A. Einführung 

Auf die von Darlan wegen des französischen Kolonialreiches geäußerten Be= 
sorgnisse, erwiderte Hitler, daß „er dem Marschall Petain bereits erklärt habe, 
Deutschland hätte nicht die Absicht, das französische Kolonialreich zu zer= 
stören. Auch anläßlich der Waffenstillstandsverhandlungen hätte man dies 
deutscherseits durchblicken lassen, denn sonst hätten die Waffenstillstands= 
bedingungen ganz anders ausgesehen. Deutschland fordere lediglich die Rück= 
gäbe der deutschen Kolonien. Diese Forderung sei Frankreich bekannt und 
berühre die Interessen seines Kolonialreiches nicht. Die Forderungen der Ver= 
bündeten Deutschlands seien ebenfalls maßvoll. Laval gegenüber habe er be= 
reits erklärt, daß die koloniale Rechnung dieses Krieges von den Engländern 
bezahlt werden müsse. Deutschland jedenfalls stelle für das französische Kolo= 
nialreich keine Bedrohung dar. Es habe sich Riesengebiete im Osten des Rei= 
ches angegliedert, zu deren Entwicklung es 100 Jahre Zeit brauche ..." 

Doch ungeachtet dieser propagandistischen Redensarten zeichnete sich be= 
reits im Kriegsjahr 1941 das eigentlich große Kriegsziel Hitlers ab: Die 
völlige rassische Neugestaltung des europäischen Kontinents nach den Ord= 
nungs= und „Wert"=Prinzipien des Nationalsozialismus 17 . 

Rosenberg gegenüber hatte Hitler davon schon am 9. 4. 1940 18 gesprochen, 
als er im Hinblick auf die Besetzung Dänemarks und Norwegens bemerkte: 
„So wie aus dem Jahre 1866 das Reich Bismarcks entstand, so wird aus dem 
heutigen Tag das Großgermanische Reich entstehen." War bisher dieser Begriff 
und die mit ihm verbundene Zielsetzung vage und verschwommen, so enthüllte 
Hitler im April 1940 zum ersten Mal konkreter seine Absicht, mehrere „ger= 
manische Völker" unter Führung Deutschlands in einem „Großreich" vereini= 
gen zu wollen. Himmler führte am 28. 11. 1940 19 vor den Kreisleitern der 
NSDAP aus: „Ich glaube unter deutscher Führung an die germanische Völker= 
gemeinschaft mit eigener Sprache und Kultur dieser Völker, nicht aber daran, 
daß etwa Norwegen, Schweden (!), Dänemark, Holland und evtl. weitere Ge= 
biete wirtschaftlich, militärisch oder außenpolitisch tun und machen können, 
was sie sollen." 

Damit wurde schrittweise zugegeben, daß alle anderen angedeuteten Ziele 
mehr oder weniger nur Teilziele, Etappen auf dem langen, aber konsequent 
verfolgten Weg zum politischen Fernziel waren. Strategie und Taktik der 
nationalsozialistischen Politik ergänzten sich dabei ganz im Sinne jener Ideen, 
die Hitler schon in den zwanziger Jahren geäußert hatte. Daß die Zeit zur Ver= 
wirklichung seiner lang und heimlich gehegten Pläne schneller heranreifte als 
er ursprünglich angenommen hatte, war auf eine Reihe von Umständen im 
Innern Deutschlands und in der internationalen Politik seit 1933 zurückzufüh= 
ren, vor allem aber auf die Kette seiner anfänglichen ununterbrochenen „Blitz= 



17 Vgl. Gruchmann, a. a. O. (Anm. 6, S. 26 E), S. 113 ff. 

18 Vgl. Rosenberg— Tagebuch, a. a. O. (S. 24 E), S. 104. 

19 Vgl. Anm. 17. 

94 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

siege". Allerdings war Hitler seit Kriegsausbruch nicht mehr allein der Trei= 
bende, sondern auch der Getriebene; die militärische Erfolgsserie riß ihn und 
seine Politik Zug um Zug vorwärts; ein Zurück oder Halt gab es für ihn nicht 
mehr, denn stets lautete seine Parole: alles oder nichts. 

Daß dieser Krieg im übrigen auch ein „kompromißloser Kampf" gegen das 
Judentum bedeutete, daran ließ Hitler zu keinem Zeitpunkt einen Zweifel. 
„Auf der politischen Ebene" handele es sich um eine Auseinandersetzung zwi= 
sehen Deutschland und England, erläuterte er, auf der weltanschaulichen um 
einen „Kampf zwischen dem Nationalsozialismus und dem Judentum" 20 . 

b) Der Balkanfeldzug und die Unterstützung Italiens in Nordafrika im Früh= 
jähr 1941 waren dem Leistungsvermögen der deutschen Wehrmacht in jeder 
Hinsicht angepaßt. Das konnte man jedoch mit dem Angriff gegen die 
Sowjetunion nicht mehr behaupten, wenn man berücksichtigt, daß Eng= 
land als Gegner noch keineswegs ausgeschaltet war. Aber Hitler war überzeugt, 
daß er die Sowjetunion in einem Blitzfeldzug niederwerfen könne, um sich dann 
erneut gegen England zu wenden. Diese Überzeugung war einerseits auf die 
erstaunlichen Erfolge der deutschen Wehrmacht bis zum Sommer 1941 zurück= 
zuführen, die die Welt teils mit Bewunderung, teils mit wachsender Furcht ver= 
folgt hatte, andererseits auf die völlige Unterschätzung der sowjetischen Wider* 
stands= und Regenerationskraft nach den großen „Säuberungsaktionen" im 
Offizierskorps 1936—1938 sowie auf die schwachen Leistungen der Roten 
Armee im finnischen Winterkrieg 21 . 

Hitlers Operationsplan (OKW=Weisung vom 18. 12. 40, Aufmarschanwei= 
sung des OKH vom 31. 1. 1941 22 ) sah vor, die im westlichen Rußland auf= 
marschierten Streitkräfte des Gegners unter Vortreiben starker Pz.=Keile 
einzukesseln und zu vernichten, um schließlich eine Abwehrlinie zu erreichen, 
aus der die sowjetische Luftwaffe dem deutschen Reichsgebiet nicht mehr 
gefährlich werden konnte. Im Endergebnis sollte das asiatische vom euro= 
päischen Rußland etwa auf der allgemeinen Linie Wolga— Archangelsk abge= 
riegelt werden. Trotz der Verschiebung der Offensive um 5—6 Wochen durch 
den Balkanfeldzug hoffte Hitler, noch vor Ausbruch des Winters Moskau und 
das Donezbecken erobern zu können. Nach Schätzungen der Abteilung Fremde 
Heere Ost (OKH) umfaßte die Rote Armee damals 158 kampfstarke Ver= 
bände, denen 153 deutsche Divisionen (zusätzlich rd. 40 Divisionen der Ver= 
bündeten) gegenüberstanden. Angesichts dieses Kräfteverhältnisses glaubte 
die deutsche Wehrmacht, leichtes Spiel zu haben 23 (vgl. Chronik 1940/41: Auf= 
marsch „Barbarossa"). 

20 Hitler in der Unterredung mit dem Großmufti von Jerusalem am 28. 11. 1941 
(Photokopie aus dem Pol.Archiv des Ausw. Amtes, Bonn). 

21 Vgl. hierzu den Aufsatz v. H. Uhlig, a. a. O. (S. 28 E, Anm. 34). 

22 Hitlers Weisungen für die Kriegführung, a. a. O. (s. S. 49 E, Anm. 1), S. 84 ff. 

23 Vgl. Uhlig, a. a. O. (S. 28 E, Anm. 34). 

95 E 



A. Einführung 

Das OKH stand dem geplanten Unternehmen „Barbarossa" (Ostfeldzug) 
zunächst skeptisch gegenüber. Bereits Ende Juli 1940 waren v. Brauchitsch und 
Halder zu der Ansicht gekommen, „besser mit Rußland Freundschaft zu hal= 
ten", da auch die Gefahr eines Zweifrontenkrieges schreckte. Nachdem Hitler 
das OKH im Juli 1940 beauftragt hatte, die Vorbereitungen für einen Feldzug 
zu treffen, vergingen aber fast sechs Monate, bevor v. Brauchitsch Hitler in der 
Reichskanzlei (5. 12. 40) vortrug. Das war ein weiterer Beweis dafür, daß die 
Entscheidung über den direkten oder indirekten Kampf gegen England bis da= 
hin noch nicht gefallen war. Halder hat nach dem Kriege seine persönliche An= 
sieht dahin zusammengefaßt: Er habe den Krieg mit Rußland für vermeidbar 
gehalten. Wohl sei auch er davon überzeugt gewesen, daß es zu einem späteren 
Zeitpunkt einmal zu einer Kraftprobe zwischen der Sowjetunion und Deutsche 
land kommen könne, zumindest solange die UdSSR auf ihren ausgeprägten 
Expansionsbestrebungen nach Westen bestand. Halder vertrat jedoch die An= 
sieht, Deutschland sollte einen derartigen Waffengang nicht provozieren; schon 
gar nicht, solange es unter der schweren Belastung eines Krieges gegen Groß= 
britannien stand. Er sah die Alternative zu einem Angriff auf die Sowjetunion 
nur darin, den russischen Expansionsdrang gegen den Balkan und die Türkei 
abzulenken. Das mußte mit Sicherheit zu einer Auseinandersetzung zwischen 
Rußland und Großbritannien führen, die das deutsch=englische Verhältnis ver= 
ändern konnte. 

Fraglos hatte das OKH bei mehreren sich bietenden Gelegenheiten Hitler 
auf die Schwierigkeiten des Feldzuges aufmerksam gemacht. Halder hatte 
v. Brauchitsch noch am 28. 1. 1941 nach dem „Sinn" des Feldzuges gefragt. Er 
selbst glaubte, daß Deutschland damit weder England treffen noch seine Wirt= 
schaftsbasis verbesserte. Er warnte vor dem Risiko im Westen, das man wäh= 
rend der Operation im Osten eingehen müsse. Überdies befürchtete er den 
Zusammenbruch Italiens nach dem Verlust seiner Kolonien und damit den 
Aufbau einer „Zweiten Front" der Alliierten gegen Deutschland durch Spa= 
nien, Italien und Griechenland. Eine ähnliche Auffassung teilten auch die OB 
der HGr., die am 31. 1. 1941 in der Wohnung des Ob.d.H. zusammengetroffen 
waren 24 . 

Allein gemessen an den Bemühungen des OKH im Winter 1939/40, die 
Offensive im Westen zu verhindern, waren diese Vorstellungen gegen den 
Feldzug im Osten nur ein schwaches Aufbegehren. Überzeugt von der Über= 
legenheit der deutschen Wehrmacht ging auch das Heer schließlich im Juni 1941 
voller Optimismus in den Kampf. 



24 Hier zit. nach: Jacobsen, H.=A., Das „Halder=Tagebuch" als historische Quelle, 
in: Festschrift für P. E. Schramm, Wiesbaden 1964, S. 261. 

96 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939 — 1941 



Kräfteverteilung des deutschen Feldheeres 

die den wechselnden Schwerpunkt der Landkriegführung erkennen läßt 

(in Kästchen = Stärke der jeweiligen Gegner Deutschlands. Nur als Vergleich im 

großen gedacht.) 



Zeitpunkt 



Osten 



Norden 


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1. 


9. 1939 


54 


(6) 


— 


- 34 2 /a 


— 


- (...) • 


88 2 /s 


IO. 


9. 1939 


6l 3 /3 (7) 

|3S + I3 ßr. | 


— 


- 43 2 /3 


— 


- 4 
(OKH=Res.] 


109V3 2,76 




4. 1940 


IO 


(?) 

+ 






- 


- 




9- 


1- 

7 

2 (Dan 


1 

- 135 (?) 
•) 


156 (?) 


10. 


5. 1940 


IO 




7 


1 " 7 I 

— i35 2 /3 
(10) 


- 


- 3 
+ 1 (Dan.) 


1 3,75 | 

156 2 /» 3,3 


9- 


6. 1940 


7 




7 


— 142 2 /3 


— 


— — 


15Ö 2 /3 

u. 2 Br. 


7- 


10. 1940 


30 


(3) 


7 


— Ö7 2 /3 


- 


- 5i 


i55 2 /3 


23. 


12. 1940 


34 


(6) 


8 


- 63 2 /s 


2 


- 33* 
(10) 


140 2 /3* 



6. 4. 1941 47 (3) 



| 56 + 10 Br. [lug., Gr., Gr.Br.] 
\3+2 in Ägypten] 
— 51 28 2 52 I9O 

+ 28 it.Div. + 2 it. 
10 ung. Br. 



22. 6 



|"l3S + 40 Br~\ 
1941 153 (19) 8 

[Verbündete : 
33 + 14 Br.] 



4 38 



| Su , 4,7 | 
208V3 3,8** 



16. 6. 1942 179 (19) 12 5V2 26 (3) 5 3 (2) 3 



233 



In Klammern: Pz.Divn. 

* außerdem: i. Auf st. = 26 Div.; beurlaubt: = 18 Div. 
(davon 3,3 Mill. im Aufmarsch gegen die Sowjetunion) 



Ersatzheer 
Luftwaffe 
Kriegsmarine 
Waffen=SS 
(1940 : 50 000) 



1,2 Mill. 
1,68 Mill. 
0,404 Mill. 
0,150 Mill. 



Juni 1941 1 

Insgesamt Wehrmacht 

und Waffen=SS 

= 7 234 000 Mann 

(1943 : 10,7 Mill.) 



97 E 



A. Einführung 

Im Rahmen der deutschen Operationen gegen die Sowjetunion wurde der 
Kriegsmarine wiederum nur eine unterstützende Rolle zugewiesen. Sie sollte 
„unter Sicherung der eigenen Küste ein Ausbrechen feindlicher Seestreitkräfte 
aus der Ostsee" verhindern. Nach dem „Ausschalten der russischen Flotte" 
hatte sie den „vollen Seeverkehr in der Ostsee", dabei auch „den Nachschub für 
den nördlichen Heeresflügel über See" zu sichern. In der Weisung Nr. 33 vom 
19. 7. 1941 befahl die Oberste Wehrmachtführung, „nach Freiwerden der Streit= 
kräfte in der Ostsee" Schnell= und Minenräumboote in das Mittelmeer zu über= 
führen; außerdem sollten zur Unterstützung der deutschen Operationen in 
Finnland einige U=Boote in das Nordmeer entsandt werden. Neben dieser rein 
defensiven Aufgabe der Kriegsmarine kam es im September 1941 zu einer ein= 
zigen engeren Zusammenarbeit mit dem Heer, als die baltischen Inseln erobert 
wurden 25 . 

Vor Ausbruch der Feindseligkeiten (22. 6. 1941) hatte das OKW noch eine 
als Arbeitsgrundlage dienende strategische Weisung herausgegeben, in der es 
die- Aufgaben der Wehrmacht nach Niederwerfung der Sowjetunion umrissen 
hatte. Offenbar wollte es den vor dem Frankreichfeldzug gemachten Fehler 
vermeiden und dieses Mal auch Vorbereitungen für die Zeit nach Abschluß der 
Kampfhandlungen treffen, um desto schneller und reibungsloser später der= 
artige Pläne verwirklichen zu können. Diese Weisung Nr. 32 enthüllte nicht 
nur die kontinentale Einseitigkeit, sondern auch die überheblichen Dimensio= 
nen deutscher Strategie, die alle bisherigen Vorstellungen operativer Krieg= 
führung zu sprengen drohten und die zweifellos das Ergebnis der ununter= 
brochenen Erfolgsserie der deutschen „Blitzkriege" waren. Hitler wollte nichts 
geringeres, als im Anschluß an den Sieg im Osten im Jahre 1942 die britische 
Weltmachtstellung im Mittelmeer durch eine weitausholende dreifache Zangen= 
Operation zu Lande zum Einsturz bringen. 60 Div. hatten den „Ostwall" 
(Archangelsk— Wolga) zu halten; ein Stoßarm sollte von Libyen über Ägypten 
nach Syrien vorbrechen, ein zweiter über Bulgarien unter möglicher Einbezie= 
hung der Türkei und ein dritter über den Kaukasus durch den Iran, um im 
konzentrischen Angriff die britischen Positionen auszuschalten 26 . 

Aber die Kämpfe im Osten verliefen ganz anders, als es sich die Oberste 
deutsche Wehrmachtführung vorgestellt hatte; damit wurde jeder weitere stra= 
tegische Angriff gegen Großbritannien illusorisch. Schon im August 1941 wurde 
deutlich, in welch waghalsiges Unternehmen Deutschland sich eingelassen 
hatte und in welchem Umfang es die Schlagkraft seines sowjetischen Gegners 
unterschätzt hatte. Es ist hier nicht der Ort, auf die Probleme des Feldzuges 
im einzelnen oder auf die internen Spannungen und Kontroversen um die 
Führung der Operationen einzugehen (vgl. aber S. 181 E ff). 



25 Vgl. Einzelheiten bei: Meister, J., Der Seekrieg in den osteuropäischen Gewäs= 
sern 1941—45, München 1958. 

26 Vgl. Hitlers Weisungen für die Kriegführung, a. a. O. (S. 49 E, Anm. 1), S. 129 ff. 

98 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

Mit der Eroberung von Moskau, zu der die deutschen Divisionen Anfang 
Oktober antraten, hofften Hitler und das OKH, die Entscheidung im Osten 
doch noch im Jahre 1941 erzwingen zu können. Aber bereits am 27. 11. 1941 
mußte der Generalquartiermeister des Genst.d.H., Gen. Wagner, zugeben 27 : 
„Wir sind am Ende unserer personellen und materiellen Kräfte." Aber noch 
bestand das OKH in Übereinstimmung mit der Heeresgruppenführung Mitte 
auf Fortsetzung des Angriffs, „auch auf die Gefahr hin, daß die Truppe aus= 
brennt". Es war ein letztes verzweifeltes Sichaufbäumen, die Metropole Ruß= 
lands bis Jahresende zu erobern. Aber der sowjetische Gegenschlag vor den 
Toren Moskaus im Dezember machte alle Anstrengungen und Hoffnungen 
zunichte. Es entspann sich in der Truppe eine „Vertrauenskrise ernstester Art". 
Ende Dezember melden mehrere Kdre. Generale, daß ihre Truppe erschöpft 
und weiteren Angriffen nicht mehr gewachsen sei. Bei vielen gingen „die Ner= 
ven durch"; FM v. Kluge wußte weder ein noch aus, während Hitler in „toben= 
den Szenen" dem OKH vorwarf, die Armee „parlamentarisiert" und nicht 
straff genug geführt zu haben, die Generale hätten „keinen Mut, harte Ent= 
Scheidungen zu treffen" 28 . 

Hatte es Hitler auch bei der Besprechung am ig. 11. 1941 29 als operative Auf= 
gaben des deutschen Heeres für das Jahr 1942 bezeichnet, bis Ende April 1942 
die russische Südgrenze am Kaukasus zu erreichen und im Norden Wologda 
und Gorki bis Ende Mai (die Frage des dann zu errichtenden „Ostwalls" sollte 
später geprüft werden), so gestand er doch gegenüber seinen Gesprächspart= 
nern ein, daß „die beiden Feindgruppen sich nicht gegenseitig vernichten" 
könnten; daher werde es wohl zu „einem Verhandlungsfrieden kommen". 
Während er der Öffentlichkeit gegenüber Siegeszuversicht heuchelte, beur= 
teilte er also persönlich die Lage weitaus skeptischer, wenngleich dies wohl 
auch mehr unter dem Eindruck der momentanen Lage geschah. Welcher Art 
Verhandlungsfriede ihm dabei vorgeschwebt haben mag, geht aus anderen 
Quellen hervor, so etwa aus dem Tagebuch Goebbels. Danach betrachtete 
Hitler noch im Jahre 1943 die Abtretung des westlichen Teils Rußlands (vom 
Ural) als seine Mindestforderung 80 . 

Am 2g. 11. ig^i hatte Hitler gegenüber dem italienischen Außenminister, 
Graf Ciano, seine Gedanken über die allgemeine Lage mit Worten zusammen= 
gefaßt, die mit der Wirklichkeit nur wenig übereinstimmten und die erneut 
bewiesen, wie sehr er bilaterale Unterredungen auch zu propagandistischen 
Zwecken mißbrauchte 31 : „Im großen gesehen", so erklärte er, sei der „Krieg 



27 Vgl. Halder=Tagebuch, a. a. O. (S. 44 E, Anm. 5), Bd. III, v. 27. 11. 1941. 

28 Ebd., v. 3. 1. 1942. 

29 Ebd., v. 19. 11. 1941. 

30 Vgl. Goebbels Tagebücher, hrsg. v. L. P. Lochner, Zürich 1948, S. 443 f. v. 23. 9. 

1943). 

31 Aufzeichnung über die Unterredung zwischen dem Führer und dem ital. Außen= 
minister Graf Ciano in Berlin am 29. 11. 1941 (Photokopie). 

99 E 



A. Einführung 

bereits gewonnen." Er habe bei seinem letzten Zusammensein mit dem „Duce", 
diesem ein Bild von den beabsichtigten Operationen an der Ostfront gegeben. 
Die deutschen Ziele hätten damals darin bestanden, den Widerstand der Rus= 
sen in der Mitte und im Süden der Front zu brechen und dann einen Stoß gegen 
die Mitte zu führen. Diese Operationen seien planmäßig verlaufen. Was in 
Rußland jetzt noch an Widerstand geleistet würde, käme nicht von den Men= 
sehen, sondern von der Natur, d. h. dem Wetter und der Bodenbeschaffenheit. 
Bei sechs Wochen gutem Wetter wäre Rußland von Deutschland liquidiert 
worden. 

Jetzt solle Sewastopol eingenommen werden. Die Angriffsartillerie würde in 
den nächsten Tagen zur Stelle sein. Dann würde sofort der Angriff beginnen. 
Die Durchführung dieser nächsten Aufgabe sei in ihrem Tempo natürlich wit= 
terungsmäßig bedingt. Moskau solle umklammert werden. Es würde kein Sturm 
auf die Stadt eröffnet werden, sondern nach und nach würden ihr sämtliche 
Verbindungen mit der Außenwelt abgeschnitten. Eine weitere Aufgabe bestehe 
in der Zerstörung Leningrads. 

Die letzte Offensive gegen die Russen habe insofern durch die atmosphäri= 
sehen Bedingungen gelitten, als unmittelbar nach Vollendung des ersten großen 
Sprunges schlechtes Wetter einsetzte. 

Insgesamt stünden jedoch sämtliche Operationen unter dem Zeichen des 
Nachschubs und der Eisenbahn= und Straßenverbindungen. Deshalb sei es 
auch beabsichtigt, weiterhin nach Südosten in Richtung auf den Kaukasus vor= 
zunicken und die russische Schwarzmeerflotte zu vernichten, da dann leichtere 
Verbindungswege über das Schwarze Meer die Nachschubfrage vereinfachen 
würden. 

An einem großen Teil der Front sei nunmehr Schneefall eingetreten und es 
würden von den Truppen Winterquartiere bezogen. Das bedeute jedoch nicht, 
daß nun dort den ganzen Winter über absolute Ruhe herrschen würde. 

Die deutsche Wehrmacht würde im übrigen die Zeit zu einer Reorganisation 
ihrer Verbände und zur Schaffung neuer Panzerdivisionen benutzen. Im übri= 
gen habe man auch niemals die Vorsicht außer Acht gelassen, den Westen 
ebenfalls zu sichern, falls etwa die Engländer einen Landungsversuch machen 
sollten. So seien nicht nur im Westen, sondern auch in Norwegen Truppen in 
genügender Anzahl belassen worden, um jeden derartigen Versuch von vorn= 
herein zum Scheitern zu bringen. 

Zusammenfassend seien daher die zukünftigen Aufgaben folgende: 

1. Liquidierung des Ostens; 

2. Sicherung des Westens; 

3. Aktivierung des U=Bootkrieges und 

4. unabhängig davon die Eroberung des Kaukasus. 

Rußlands verzweifelte Lage charakterisierte der Führer mit einigen Zahlen. 
Es habe 6^—y^°/o seiner gesamten Industrie verloren, 65—70% seiner Eisen= 
vorkommen, 75 Vo seiner Kohlenvorkommen, 100 °/o seines Molybdäns, y^ %> 

100 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

seines Mangans und 75 °/o seines Aluminiums. Da sich Amerika in einigen 
dieser Bodenschätze aus Rußland versorge, werde auch dieses Land von den 
Verlusten betroffen. Weiterhin habe Rußland 3,8 Millionen Gefangene, 4 Mil= 
Honen Tote, 22 800 Panzer, 16 000 Flugzeuge und 28 000 Geschütze verloren. 
Eine Erholung von diesen Schlägen sei unmöglich. Es fehle nicht nur an Ma= 
terial, sondern auch die ausgebildete Truppe. Industrien könne man nicht ohne 
weiteres verlegen, besonders nicht im Winter, wo infolge Gefrierens des Mör= 
tels und des Betons die Errichtung von Fabrik= und Lagergebäuden unmöglich 
sei. Zudem übe die deutsche Luftwaffe ihre zerstörende Tätigkeit gerade auf 
den Industrieaufbau aus. Züge mit wertvollen Werkzeugmaschinen, die aus 
einer zu verlegenden Fabrik nach dem Osten unterwegs wären, würden ver= 
nichtet, die Fabriken selber bombardiert. 

Im Mittelmeer sei im Augenblick der schwerste Angriff in Nordafrika im 
Gange. Churchill könnte nicht länger warten. Er hätte eigentlich erst in dem 
Augenblick angreifen müssen, in dem Deutschland und Italien gegen Tobruk 
vorgingen ..." 

Sodann führte Hitler aus, daß es sich „bei den militärischen Operationen 
im Osten im wesentlichen um ein Transportproblem handele, und beschrieb in 
diesem Zusammenhang im einzelnen die zur Verfügung stehenden wenigen 
Eisenbahnlinien, den Zustand der Straßen sowie die von deutscher Seite bisher 
geleistete Arbeit bei der Wiederingangsetzung des russischen Verkehrsnetzes, 
insbesondere aber beim Bau der Brücken über den Dnjepr. Für den Zustand der 
Straßen sei es z. B. charakteristisch, daß bei schlechtem Wetter im Osten die 
Stundengeschwindigkeit motorisierter Fahrzeuge im Durchschnitt 2—3 km be= 
trage. 

Der Führer kam sodann auf die weiteren deutschen Operationspläne zu spre= 
chen und bezeichnete als eines der Ziele der deutschen Armee Kaukasien, von 
wo aus dann Iran und der Irak erobert werden sollten. Bei diesem Vormarsch, 
der durch Wüstengebiete heißen Klimas führe, könne vielleicht Italien einen 
nützlichen Beitrag leisten. Für den Kaukasus würden Alpentruppen in Frage 
kommen. An und für sich wäre natürlich die Eroberung Kaukasiens nicht 
kriegsentscheidend, aber einer Inbesitznahme Irans, des Irak, Syriens und Palä= 
stinas könne man wohl einen solchen Charakter zuschreiben. 

Im übrigen könne Italien eine nützliche Rolle spielen, wenn es alle Anstren= 
gungen mache, um Nordafrika zu halten. Es sei absolut notwendig, daß 
Deutschland und Italien von dort nicht verdrängt würden. Zwar sei in Franzö= 
sisch=Nordafrika durch den Weggang Weygands der Druck etwas leichter ge= 
worden, aber endgültig sei auch dort die Lage erst dann als gesichert zu betrach= 
ten, wenn sich Deutschland und Italien auch im übrigen Nordafrika den Fein= 
den gegenüber durchsetzen könnten. 

Alle diese Probleme würden jedoch nicht entstanden sein, wenn Spanien vor 
einem Jahr den deutschen Vorschlägen über die Inbesitznahme von Gibraltar 
zugestimmt und dabei mitgewirkt hätte. Zwei deutsche Divisionen in Spanisch= 

101 E 



A. Einführung 

Marokko würden die gesamte Situation in Französisch=Nordafrika stabilisiert 
haben . . ." 

Anschließend sprach Hitler über die günstige Lage der deutsch=italienischen 
Truppen in Nordafrika und den beträchtlichen Erfolg, den sie bei der Abwehr 
der englischen Offensive erzielt hätten. „Der Führer setzte Graf Ciano die bis= 
her bekannten einzelnen Phasen dieses Kampfes näher auseinander. 

Zum Schluß kam die Rede noch auf die innere Lage in Deutschland und Ita= 
lien. Hitler erklärte, daß sich das deutsche Volk fabelhaft hielte und daß ledig= 
lieh eine kleine, übelwollende, unbelehrbare Minderheit in Deutschland abseits 
stünde. Wo er sich heute in Deutschland zeige, erhielte er begeisterte Ovatio= 
nen wie nie zuvor. Das sei immerhin nach zwei Jahren Krieg eine bemerkens= 
werte Tatsache. 

Graf Ciano erwiderte, daß in Italien die Dinge ähnlich lägen. Bei seinen Be= 
suchen in den als besonders schwierig geltenden Orten wie Parma und Bologna 
sei der Duce begeistert empfangen worden. Jeder intelligente Italiener sähe 
heute ein, daß es um das Sein und die Zukunft seines Landes ginge. 

Im übrigen sei es auch ähnlich in Japan. Auch dort sei die große Masse der 
Bevölkerung voller Begeisterung für den fortschrittlichsten Kurs." 

In Wirklichkeit aber begannen die Krisentage vor Moskau Hitler heftig zu 
erschüttern. Erst nachdem er die „Naturgewalten" und die „Generale" für den 
Fehlschlag verantwortlich gemacht und letztere zu „Sündenböcken" gestempelt 
hatte, gewann er sein altes Selbstvertrauen wieder. Jetzt sollte seine persönliche 
Führung (19. 12. 41) erzwingen, was die Militärs durch ihr dauerndes Dazwi= 
schenreden verdorben hatten 32 . 

Aber der große Plan, die Sowjetunion in einem schnellen Feldzug nieder= 
zuwerfen, um wieder mit aller Kraft den Kampf gegen England aufzunehmen, 
war gescheitert. Das Ende der deutschen Blitzfeldzüge kündigte sich an. 1939 
hatte Hitler voller Stolz auf seine „staatsmännische Leistung" hingewiesen, 
daß Deutschland in diesem Krieg nur an einer Front zu kämpfen habe, jetzt 
war der Mehrfrontenkrieg Tatsache geworden, zu dem Goebbels später in sei= 
nem Tagebuch vermerkte, ein solcher sei „vom Reich noch nie gewonnen wor= 
den" 33 . Die Widerstandskraft der Alliierten und der Sowjetunion erhielt durch 
diese erste sichtbare Niederlage der deutschen Wehrmacht gewichtigen Auf= 
trieb; der Nimbus der deutschen „Unbesiegbarkeit" war gebrochen. England 
aber fand die so dringend notwendige Atempause, um seine Rüstung zu be= 
schleunigen und die Ausbildung seiner Verbände zu verbessern 34 . 

Doch war Hitler bereit, aus den bisherigen Erfahrungen die Konsequenzen 
zu ziehen und die militärischen Möglichkeiten Deutschlands an allen Fronten 
im Rahmen seiner politischen Zielsetzung neu zu durchdenken und abzuwä= 



32 Vgl. Goebbels=Tagebücher, hrg. v. P. Lochner, S. 126 ff. (v. 20. 3. 1942). 

33 Ebd., S. 444 (v. 23. 9. 1943). 

34 Vgl. Churchill, Der Zweite Weltkrieg, Bd. III, Stuttgart— Hamburg 1951. 

102 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939 — 1941 

gen? Vor allem in Hinblick auf Politik und Kriegführung der Vereinigten Staa= 
ten; denn am 11. 12. 1941 hatte er den USA den Krieg erklärt. Das war die 
entscheidende Frage, von dessen Beantwortung das Schicksal Deutschlands — 
ja ganz Europas abhing (vgl. S. 107 E). 



5. Phase : 

Die Ausweitung zum Weltkrieg: 

Zur Kriegserklärung Deutschlands an die USA am 11. 12. 1941 

Seit Ausbruch des Krieges hatte Hitler alles vermieden, was zu einer Zuspit= 
zung der deutsch=amerikanischen Beziehungen beitragen konnte 1 . 1940 hatte 
er durch den Abschluß des Dreimächtepaktes und den Aufbau einer europäi= 
sehen Kontinentalfront den Vereinigten Staaten demonstrieren wollen, daß 
England den Krieg verloren habe und eine Einmischung der noch keinswegs 
hinreichend gerüsteten USA in die „Neue Ordnung" aussichtslos sei. Hitler 
glaubte, mit dieser Politik auch die Kräfte des Isolationismus in den Vereinig= 
ten Staaten stärken zu können. In seiner Beurteilung der amerikanischen 
Schlagkraft hatten ihn ebenso die Berichte des deutschen Militärattaches aus 
Washington bestärkt, in denen es u. a. hieß, daß die USA erst im Laufe des 
Jahres 1941, spätestens im Sommer 1942, über ein Heer von 1,2 Millionen Mann, 
ausgezeichnet ausgerüstet und von hoher Moral, sowie eine starke Luftwaffe 
verfügen würden 2 . 

Doch ließ die Politik Washingtons in Madrid, in Vichy, auf dem Balkan und 
gegenüber England bald erkennen, daß Roosevelt keineswegs gewillt war, sich 
mit den „Realitäten" der Nationalsozialismus abzufinden. Dies bewies er in 
Europa bereits im Sommer 1940, als er England 50 Zerstörer zur Verfügung 
stellte, im besonderen im Frühjahr 1941, als der Kongreß das Leih= und Pacht= 
abkommen verabschiedete, das allen Gegnern der Achsenstreitkräfte zugute 
kommen sollte 3 . Mit Recht hatte also Botschafter Dieckhoff in einer Aufzeich= 
nung vom 2g. 7. 40 über die Haltung Amerikas gegenüber Deutschland darauf 
hingewiesen 4 : 

„Darüber ist kein Zweifel, daß der Präsident in den letzten Jahren in steigen= 
dem Maße sich in die Ansicht verrannt hat, daß nur er imstande sei, der „deut= 
sehen Gefahr" — sowohl der ideologischen wie der militärpolitischen — Paroli 
zu gebieten; die weichlichen Lenker der europäischen Demokratien mit ihrer 
unschlüssigen, schwankenden Appeasement=Politik haben ihn zu tief ent= 
täuscht, als daß er auf sie noch große Hoffnungen gesetzt hätte. Schon Ende 

1 Allgemein zum Gesamtthema: Friedländer, S., Hitler et le Etats=Unis (1939— 
1941), Genf 1963. 

2 Ebd., S. 115. 

3 Ebd., S. 147 ff. 

4 Vgl. Akten zur deutschen auswärtigen Politik, a. a. O. (S. 23 E), Bd. X, S. 296. 

103 E 



A. Einführung 

1937, während der Panay=Krise / hat er in einem Telegramm an den republi= 
kanischen Führer Alfred Landon, der ihm die loyale Unterstützung der Repu= 
blikanischen Partei in der Politik gegenüber Japan zusicherte, eine Wendung 
gebraucht, die besagte, daß die Führung („guidance") im Kampf gegen die auto= 
ritären Staaten früher oder später auf Amerika übergehen würde. Und das ist 
heute, im Kampfe gegen Deutschland, sein letztes Ziel: Die Führung der„demo= 
kratischen" Kräfte im Kampf gegen Deutschland zu übernehmen. Alles, was 
er vor Ausbruch des Krieges und seit Anfang September 1939 in dieser Hin= 
sieht tun konnte, hat er mit großer Zähigkeit und raffiniertem Geschick getan. 
Wenn es nur nach ihm gegangen wäre, würde er die Aufrüstung der Vereinig= 
ten Staaten schon früher beschleunigt, ihre Stellungnahme hinter England und 
Frankreich schon früher noch klarer zum Ausdruck gebracht und alles versucht 
haben, um die Alliierten noch stärker zu unterstützen, als dies geschehen ist. 

Daß ihm dies bisher nicht gelungen ist, liegt nur an der ablehnenden Hal= 
tung der öffentlichen Meinung seines Landes, wie sie bisher im Kongreß zum 
Ausdruck gekommen ist und wie sie voraussichtlich auch weiter zum Ausdruck 
kommen wird." 

Ende März 1941 bedeutete Hitler dem japanischen Außenminister Matsu= 
oka 5 , daß der Krieg gegen England praktisch gewonnen sei. Großbritannien 
„klammere sich an jeden Strohhalm". Es hoffe vor allem auf Rußland und auf 
die amerikanische Hilfe. Deutschland habe diese „von vornherein einkalku= 
liert." „Greifbare Formen" würde die letztere „allerdings erst im Jahre 1942 
annehmen, aber auch dann würde der Umfang dieser Hilfe in keinem Verhält= 
nis zu der gesteigerten Produktionsleistung Deutschlands stehen". 

In der zweiten Unterredung mit Matsuoka Anfang April 1941* wies Hitler 
darauf hin, daß Deutschland „einen Konflikt mit den Vereinigten Staaten für 
unerwünscht halte, ihn aber in seine Rechnung schon einkalkuliert habe. In 
Deutschland stehe man auf dem Standpunkt, daß Amerikas Leistungen von 
seinen Transportmöglichkeiten abhingen, die wiederum durch die zur Ver= 
fügung stehende Tonnage bedingt sei. Der Krieg Deutschlands gegen die 
Tonnage bedeute jedoch eine entscheidende Schwächung nicht nur Englands, 
sondern auch Amerikas. Deutschland habe seine Vorbereitungen so getroffen, 
daß in Europa kein Amerikaner landen könne. Es würde mit seinen U=Booten 
und seiner Luftwaffe einen energischen Kampf gegen Amerika führen und 
infolge seiner größeren Erfahrung, die sich ja die Vereinigten Staaten erst 
erwerben müßten, erheblich überlegen sein, ganz abgesehen davon, daß die 
deutschen Soldaten selbstverständlich hoch über den Amerikanern stünden". 

Im Hinblick auf den möglichen Angriff Japans auf Singapur betonte Hitler 
im weiteren Verlaufe des Gesprächs, daß Deutschland seinerseits sofort die 

5 Vgl. Anm. ii, S. X97 E. 

6 Aufzeichnung über die Unterredung zwischen dem Führer und dem Japanischen 
Außenminister Matsuoka in Berlin am 4. 4. 1941 (Photokopie des Pol.Archivs des 
Ausw. Amtes, Bonn). 

104 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

Konsequenzen ziehen würde, falls Japan in einen Konflikt mit den Vereinigten 
Staaten geriete. „Es sei gleichgültig, mit wem die Vereinigten Staaten zuerst in 
Konflikt gerieten, ob mit Deutschland oder Japan. Sie würden stets darauf aus 
sein, zunächst ein Land zu erledigen, nicht etwa, um sich anschließend mit dem 
anderen Land zu verständigen, sondern um dieses danach ebenfalls zu erledigen. 
Daher würde Deutschland unverzüglich in einem Konfliktsfall Japan— Amerika 
eingreifen, denn die Stärke der drei Paktmächte sei ihr gemeinsames Vorgehen. 
Ihre Schwäche würde darin liegen, wenn sie sich einzeln niederschlagen ließen". 
Hitler fügte noch hinzu, daß es immer ratsam sei, das Risiko eines doch unver= 
meidlichen Kampfes unter den günstigsten Umständen auf sich zu nehmen. 
Er persönlich würde keinen Augenblick zögern, auf jede Kriegsausweitung, sei 
es durch Rußland, sei es durch Amerika sofort zu antworten. Die Vorsehung 
liebe denjenigen, der die Gefahren nicht über sich kommen ließe, sondern ihnen 
mutig entgegensähe. 

Hitler aber hoffte, durch einen schnellen Sieg über Rußland jedes Eingreifen 
der USA auf dem Kontinent politisch und wirtschaftlich zunichte machen zu 
können. Während die deutschen Divisionen einen erbitterten Kampf in 
Rußland führten, ohne daß sich ein Ende des Feldzuges abzeichnete, vollzog 
der amerikanische Präsident Schritt um Schritt den Übergang von der Neu= 
tralität zum „unerklärten Krieg"; vor allem die Maßnahmen zur See, die er im 
September 1941 anordnete, deuteten schon auf den kommenden Bruch mit 
Deutschland hin 7 . 

Über die praktischen Möglichkeiten, die für Amerika in seinen Kampf gegen 
den Kontinent bestünden, äußerte sich Hitler am 25. 10. 1941 gegenüber 
Ciano: 8 „Die Vereinigten Staaten rüsteten sich, um möglichst viel von der 
englischen Erbschaft zu übernehmen. Diese Absicht maskierten sie durch einen 
heiligen Kreuzzug gegen Faschismus und Nationalsozialismus, ein echt angel= 
sächsisches Verfahren, da die Angelsachsen stes die Vertretung ihrer Interessen 
mit einem moralischen Anschein zu umgeben pflegen. In diesem Zusammen= 
hang sei es bezeichnend, daß eine amerikanische Zeitschrift vor einigen Tagen 
erklärt habe, England sei derartig erschöpft, daß Amerika die Führung der 
Welt und die Nachfolge der britischen internationalen Stellung übernehmen 
müsse. Als Gegenleistung für seine Kriegsmateriallieferungen schiene Amerika 
auch tatsächlich Forderungen in dieser Richtung an England gestellt zu haben, 
die anscheinend derartig schwerwiegend seien, daß die Engländer bisher noch 
nicht darauf geantwortet hätten. 

Dem Vernehmen nach handele es sich um das amerikanische Verlangen, 
überall da Stützpunkte zu besitzen, wo die Engländer ihrerseits Stützpunkte 
hätten, sowie um die Forderung, England möge den Wirtschaftsschutz des 
britischen Empire, d. h. seine Ottawa=Politik, aufgeben. 

7 Friedländer, a.a.O. (s. Anm. i), S. 227 ff. 

8 Aus der Aufzeichnung über die Unterredung zwischen dem Führer und dem 
Grafen Ciano im H.Qu, am 25.10.1941 (Photokopie). 

105 E 



A. Einführung 

Man höre oft die Meinung, daß am Ende des Krieges England zwar den 
Kampf verloren habe, daß aber Amerika an seine Stelle treten würde. Dazu sei 
zu bemerken, daß die Vereinigten Staaten die Probleme der inneren Ordnung 
und der Gestaltung der sozialen Verhältnisse, die in Deutschland und Italien 
gelöst worden wären, bisher keineswegs gemeistert haben und sich daher bei 
Kriegsende sehr großen inneren Schwierigkeiten gegenüber sehen würden. 
Wenn außerdem Europa, im Norden von Deutschland und im Süden von Italien 
geleitet und zusammengehalten, zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen 
den europäischen Nationen gelange als bisher, so würde es einen derartig über= 
legenen Faktor darstellen, daß auch Amerika nichts gegen ein solch geeintes 
Europa ausrichten könne. Es würden sich dann 500 Millionen Europäer 230 
Millionen Amerikanern gegenüber befinden, wobei noch zu berücksichtigen 
sei, daß in Amerika nur 60 Millionen Angelsachsen lebten, während der Rest 
sich aus Italienern, Deutschen und Angehörigen anderer Rassen zusammen^ 
setze. 

Mittel= und Südamerika würden unter dem Einfluß der jüdischen Propaganda 
während des Krieges Amerika zwar noch Hilfsstellung leisten. Sobald aber 
einmal der Frieden hergestellt wäre, würde ein derartiges wirtschaftliches Chaos 
dort entstehen, daß eine Neuorientierung notwendig sein würde. Da die Süd= 
amerikaner die gleichen Erzeugnisse verkaufen wollten, wie sie die Nord= 
amerikaner im Überfluß herstellten, seien zwischen den beiden Teilen der west= 
liehen Hemisphäre keine gesunden Wirtschaftsbeziehungen möglich, zumal da 
die Südamerikaner nicht in der Lage seien, die Zahlungsmittel für die aus Nord= 
amerika zu beziehenden Fertigwaren aufzubringen, und man schließlich nicht 
dauernd Waren gegen unproduktives Gold austauschen könne. 

Angesichts dieser Tatsachen des inneren und äußeren Chaos in Amerika sei 
der Krieg und seine Rüstungen für die Vereinigten Staaten lediglich eine 
Gnadenfrist, nach deren Verlauf sie einen Wirtschaftszusammenbruch erleben 
würden, dem gegenüber die Krise von 192g als ein Kinderspiel erscheinen 
würde. 

Daher gehöre die Zukunft nicht dem lächerlichen halbkultivierten Amerika, 
sondern dem neuerstandenen Europa, das sich mit seinen Menschen, seiner 
Wirtschaft und seinen geistigen und kulturellen Werten auch unbedingt durch= 
setzen würde unter der Voraussetzung, daß der Osten in den Dienst des euro= 
päischen Gedankens gestellt würde und nicht gegen Europa arbeite. Daher sei 
es auch ein Trugschluß zu glauben, daß Amerika letzten Endes der Nutznießer 
der Niederlage Englands sein würde. Die ältere Kultur und das höhere geistige 
Niveau Euopas würden schließlich doch den Sieg davon tragen ..." 

Nachdem die Japaner am 7. 12. 1941 überraschend die amerikanische Flotte 
in Pearl Harbor überfallen hatten, weitete sich der europäische Krieg zum 
globalen Weltkrieg aus 9 . Hitler aber erklärte in leichtfertiger Überschätzung 

9 Vgl. Jacobsen, Der Zweite Weltkrieg, a. a. O. (S. 43 E, Anm. x), S. 148 ff. 
106 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939—1941 

der Japaner und des gemeinsamen Bündnisses zusammen mit Italien den Ver= 
einigten Staaten am 11. 12. 1941 den Krieg, ohne einen umfassenden Kriegs= 
plan zur Lösung dieser neuen und der alten Aufgaben zu besitzen. Dieser weit= 
reichende Entschluß ging nicht allein auf die bereits im Frühjahr 1941 den 
Japanern gegebene Zusage zurück, im Falle eines japanisch=amerikanischen 
Konfliktes einzugreifen, sondern auch auf das Drängen des Ob. d.M.; dieser 
hoffte, in der U=Bootkriegführung die volle Handlungsfreiheit im Atlanti= 
sehen Ozean zurückzugewinnen 10 , nachdem die amerikanische Seekriegsfüh= 
rung offen zur Unterstützung Englands übergegangen war. Welche anderen 
Überlegungen Hitler bei diesem, auch psychologisch äußerst ungeschickten 
Schritt bestimmt haben mögen, ist nicht mit Sicherheit zu sagen. Staats= 
sekretär v. Weizsäcker hat einen Ausspruch Ribbentrops aus dieser Zeit 
überliefert 11 , der ein gewisses Licht auf die Mentalität der NS=Führung wirft 
und der lautete: „Eine Großmacht läßt sich nicht den Krieg erklären, sie erklärt 
ihn selbst". Das war aber im Grunde nur die Stimme „seines Herren", denn 
ähnlich hatte Hitler bereits gegenüber den Japanern (s. oben) argumentiert. 
Bedenkt man, daß seit Dezember 1941 den Achsenstreitkräften über 75% aller 
personellen und materiellen Reserven der Welt gegenüberstanden, so war eine 
solche Begründung für das eigene Handeln ein weiteres beredtes Zeugnis dafür, 
wie überheblich und maßlos die deutsche Kriegführung geworden war, und in 
welchem Mißverhältnis nunmehr politisches Ziel, gegebene Mittel und 
operative Absichten auf deutscher Seite standen. Denn welche Möglichkeiten 
besaß Deutschland, um langfristig gesehen den Vereinigten Staaten, Groß= 
britannien und der UdSSR ihren eigenen Willen aufzuzwingen? Und dies vor 
allem in Hinblick auf die amerikanische Wehrwirtschaft, der kriegsentschei= 
dende Bedeutung zukam. General Thomas, der Chef des deutschen Wehrwirt= 
schaftsamtes im OKW, hat später (1944) auf folgenden Tatbestand hinge= 
wiesen: 12 

„Das Studium der amerikanischen Wehrwirtschaft war schon vor dem Kriege 
seitens des WFSt mit besonderem Nachdruck betrieben worden. Zu diesem 
Zwecke war der damalige Major Warlimont vom WFAmt auf ein Jahr nach 
Amerika kommandiert worden und hatte gute Unterlagen über die Organi= 
sation der amerikanischen Wehrwirtschaft mitgebracht. Auch sonst war es 
gelungen, ein ungefähres Bild der rüstungs= und wehrwirtschaftlichen Lei= 
stungsfähigkeit der Vereinigten Staaten zu erhalten. Das Urteil des WiRü 
Amtes bei Kriegsausbruch 1939 über die Vereinigten Staaten lautete dahin, 
daß Amerika 

1. bei überraschendem Kriegsausbruch nur gerade in der Lage sei, seine Wehr= 
macht zu versorgen, 

10 Vgl. Rohwer, a.a.O. (S. 27 E, Anm. 22), S. 339. Auch: Friedländer, a.a.O. (s. 
Anm. 1), S. 260 (Anm. 160). 

11 Vgl. Weizsäcker, E. v., Erinnerungen, München— Leipzig Freiburg 1950, S. 328. 

12 Vgl. Jacobsen, S. 24 E. 

107 E 



A. Einführung 

2. zur Umstellung seiner Industrie etwa ein Jahr benötige, um große Mengen 
von Kriegsgerät, vor allem an Flugzeugen, Panzern und Kraftfahrzeugen 
zu erzeugen, 

3. nach einem 1—1 1 / 2jährigen Anlauf auf fast allen Rüstungsgebieten eine 
Leistungsfähigkeit erreichen kann, die alle anderen Staaten weit übertrifft. 

Infolgedessen wurde seitens des WiRüAmtes immer der Standpunkt ver= 
treten, daß die Politik unter allen Umständen ein Eintreten Amerikas in den 
Krieg gegen uns verhindern müsse und daß es am besten sei, Amerika als 
Großlieferant für Deutschland zu gewinnen. 

Diese Auffassung fand aber keine Würdigung, da man militärischerseits die 
Ansicht vertrat, daß der Krieg längst gewonnen sein würde, ehe sich die 
amerikanische Umstellung auf Kriegswirtschaft auswirken könne. Auch wurden 
die Angaben des WiRüAmtes über die wehr= und rüstungsmäßige Leistungs= 
fähigkeit Amerikas noch Ende des Jahres 1942 als zu pessimistisch abgelehnt. 
Die heute (Sommer 1944) bekannt gewordenen Zahlen liegen zum größten 
Teil weit über den damaligen Angaben des WiRüAmtes. Weiterhin wurde vom 
WiRüAmt immer wieder darauf hingewiesen, daß, wenn Amerika erst mal 
große Mittel für den Krieg investiert hat, es nicht eher den Krieg beenden 
wird, bis daraus nicht ein erträgliches Geschäft erwachsen ist". 

Einige Statistiken und Gegenüberstellungen mögen das Dargelegte noch 
unterstreichen 13 : 

Rüstungsproduktion der Großmächte in Mrd. $; Preise v. 1944 



Land 


1935-1939 


1939 


1940 


1941 


Steige» 
rung 
in°/o 


1943 


Steige» 
rung 
in % 


Ver. St. v. Amerika 

Großbritannien 

Sowjetunion 


1/5 
2,5 
8,0 


0,6 
I/O 

3/3 


1/5 

3/5 
5/0 


4/5 
6/5 
8/5 


200 
86 
70 


37/5 
11,1 

13/9 


733 
71 
64 


Zusammen: 




12,0 


4/9 


io,o 


19/5 


95 


62,5 


221 


Deutschland 
Japan 




12,0 


3/4 


6,o 


6,0 
2,0 



100 


13/8 
4/5 


130 

125 


Zusammen : 










8,0 




18,3 


129 


Verhältnis: 










1 :2,4 




1 =3/4 





13 Vgl. Die deutsche Industrie im Kriege, a. a. O. (S. 53 E, Anm. 10), S. 84 ft. 
108 E 



III. Kriegsziele und Kriegsplan 1939 — 1941 

Aufschlußreich ist der Vergleich mit der Rüstungsproduktion der anderen 
kriegführenden Mächte (in Einheiten; 1944 = 100) : 





1938 


1939 


1940 


1941 


1942 


1943 


1944 


Vereinigte Staaten 


2 


2 


5 


11 


47 


91 


100 


Kanada 


O 


2 


6 


27 


73 


102 


IOO 


Verein. Königreich (GB) 


4 


IO 


34 


59 


83 


100 


IOO 


UdSSR 


12 


20 


30 


53 


71 


87 


IOO 


Deutschland 


16 


20 


35 


35 


51 


80 


IOO 


Japan 


8 


IO 


16 


32 


49 


72 


IOO 



USA Produktion von Kriegsmaterial iQ^o—ig^) in MM. 





2. Hälfte 
1940 


1941 


1942 


1943 


1944 


1. Hälfte 
1945 


1. Flugzeuge 

2. Schiffe 

3. Kampf= u. mot. Fahrzeuge 

4. Geschütze usw. 

5. Munition 


342 
391 

260 


1737 
1852 
1340 


6095 
6957 

4 943 

2 OO7 
6263 


12 519 

12 489 

6524 

3 647 

10 430 


16 046 

13 431 

5 372 

3 120 
11 033 


6855 
4884 
2695 

1394 
6184 


89 
806 


396 

2 320 



US=Luftwaffe 
Anzahl der bei den Verbänden der US=Heeresluftwaffe vorhandenen Flugzeuge 



Gattung 


l.Sept. 


30. Juni 


30. Juni 


30. Juni 




1939 


1940 


1941 


1942 


Überschwere Bomber 





O 


O 


O 


Schwere Bomber 


22 


54 


120 


846 


Mittlere Bomber 


428 


438 


611 


IO47 


Leichte Bomber und 










Tiefangriff sflugzeuge 


278 


166 


292 


696 


Jäger 


489 


477 


10l8 


295O 


Aufklärer 


359 


414 


415 


468 


Transporter 


I36 


127 


144 


824 


Schulflugzeuge 


754 


1243 


4124 


12 6lO 


Verbindungsflugzeuge 


7 


7 


53 


1732 


Insgesamt 


2 473 


2 966 


6777 


2H73 



109 E 



A. Einführung 

Kampfstärke der Marine=Luftwaffe bei Kriegseintritt 1941 



Flugzeuggattung 



Zahl 
der Flugzeuge 



Jagdflieger 519 

Bomber 257 

Tiefangriffsflugzeuge 510 
Land=Aufklärungsflugzeuge 24 

Land=Tiefangriffsflugzeuge 445 

See=Aufklärungsflugzeuge 415 

Flugboote 66 

Transportflugzeuge 38 

Versch. Ubungsflugzeuge 928 



Insgesamt 3 202 



Die 


Einsatzbereitschaft der deutschen Luftwaffe im Rahmen der Operationen 










1^^8—1941 








Einsatz« 


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Verhältnis 

zum 
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Ereignisse des Krieges 


1. 


8. 1938 


2 180 


1195 


54% 


Kurz vor dem Einmarsch in das 
Sudetenland. 


2. 


9. 1939 


2785 


2 433 


87% 


Vernichtungsschlachten des Hee= 
res. Kurzkrieg gegen Polen. 


30. 


12. 1939 


3258 


2424 


74 %> 


„Sitzkrieg" im Westen. Einige 
Kampfhandlungen in der Nord= 
see. Ausbildungsperiode. 




30. 


3. 1940 


3692 


2509 


67% 


Kurz vor der Offensive: Norwe= 
gen und Frankreich. Im Westen 
erneute Vernichtungsschlachten 
des Heeres. 


28. 


12. I94O 


3050 


1956 


64% 


Versuch des „strategischen" Luft= 
krieges gegen England. Der Krieg 
im Mittelmeer wird vorbereitet. 


29. 


3. 1941 


3 583 


2490 


69% 


Der Mehrfrontenkrieg wird auch 
auf dem Balkan eröffnet. 


28. 


6. 1941 


3440 


2 220 


64% 


Beginn neuer Vernichtungsschlach= 
ten zu Lande gegen Rußland. Der 
strategische Luftkrieg ist aufge= 
geben. 


27- 


12. 1941 


3306 


1 462 


44 %> 


Verschleiß! Folgen der Landstra* 
tegie. 



110 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939-1941* 

Ein systematischer Überblick 
A. Zur Kriegsspitzengliederung der deutschen Wehrmacht 

Zum Verständnis der einzelnen Aufgabenbereiche und Kompetenzen inner= 
halb des OKW ist auf Seite 877 bis 946 die Kriegsspitzengliederung dieser 
Kdo.=Behörde vom 1. 3. 1939 im vollen Wortlaut veröffentlicht worden. Über 
die Stellenbesetzung im OKW in den Jahren 1939—1941 gibt die Übersicht 
auf S. 113 E Auskunft. Zum Vergleich zwischen den Kriegsspitzengliederungen 
von 1935 und 1939 ist die Skizze auf S. 112 E heranzuziehen. 

Das Problem der deutschen Kriegsspitzengliederung seit 1933, das wieder= 
holt zu heftigen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Wehrmachtsteilen, 
aber auch zwischen Hitler und den Oberbefehlshabern und ihren Beratern 
geführt hat, kann hier nicht behandelt werden, da es ein umfassendes Thema 
für sich wäre. B. Mueller=Hillebrand, F. Hoßbach und W.Erfurth 1 sind die 
einzigen, die sich bisher zu diesem Fragenkreis eingehender geäußert haben. 
Aber sie haben diesen noch keineswegs erschöpfend untersucht. Dies wird 
einer besonderen Studie vorbehalten bleiben müssen, die hierzu alle archi= 
vierten Dok. Bestände des Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Freiburg 
auszuwerten hat. In Ergänzung zu den drei Arbeiten sei außerdem auf die von 
W. Görlitz herausgegebenen Erinnerungen von Keitel und auf den Sammel= 
band des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes über die „Generalstäbe in 
Deutschland 1871—1945" hingewiesen 2 . 

Die Behandlung dieser Fragen ist vor allem deshalb noch immer schwierig, 
weil es bisher über das OKL nur einen einzigen Aufsatz aus der Feder von 
Maass 3 gibt, und die Quelle der deutschen Luftwaffenführung sehr dürftig 
sind. Etwas günstiger mag es wohl auf dem Gebiet der Seekriegführung aus= 
sehen, aber bisher haben die Autoren es vorgezogen, sich mehr mit den 
Operationen zur See zu beschäftigen. 

Das Verhältnis Hitler und Oberste Wehrmachtführung haben in den Jahren 
1933—1939 drei Zäsuren entscheidend bestimmt und beeinflußt: der 2. 8. 1934, 
der 21. 5. 1935 und der 4. 2. 1938. Mit der Vereinigung der Ämter des Reichs= 

* Vgl. hierzu die allgemeinen Bemerkungen S. 226 E ff. 

1 Vgl. Mueller=Hillebrand, B., Das Heer 1933—1945, Bd. I und II, Darmstadt 1954 
und 1956; Hoßbach, F., Die Entwicklung des Oberbefehls über das Heer in Bran= 
denburg, Preußen und im Deutschen Reich von 1655—1945, Würzburg 1957; 
Erfurth, W., Die Geschichte des deutschen Generalstabes von 1918 bis 1945, Göt= 
tingen i960, 2. Aufl. 

2 Vgl. Generalfeldmarschall Keitel. Verbrecher oder Offiziere, hrsg. v. W. Görlitz, 
Göttingen 1961; Die Generalstäbe in Deutschland 1871—1945. Aufgaben in der 
Armee und Stellung im Staate. Die Entwicklung der militärischen Luftfahrt in 
Deutschland 1920—1933, Stuttgart 1962. 

3 Vgl. Maaß, B., Vorgeschichte der Spitzengliederung der früheren deutschen Luft= 
waffe 1920 — 1938, in: Wehrw. Rdsch. 9/1957, S. 505— 522. 

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112 E 



Das Oberkommando 
der Wehrmacht : 1940/41 




Dreimächtepakt 
Sonderstab HWK 



Chef: Admiral Groos 



Allgem. Wehrmachtamt (AWA) 
Gen. Reinecke 



Abwehr III 



Oberstlt. 
v. Bentivegni 



Wehrwirtschafts- und Rüstungsamt (WiRü) 
Gen. Thomas Chef : Oberst Hünermann 



u.a. 
Abt. Weh rm. 

Verluste 
und Kriegs- 
gefangenen 
wesen 



Wehrwirtsch. 
Abt. (WWi) 



Oberst 
Dr. Becker 




Rüstungswi. 
Abt. (WRü) 



Oberst 
Neef 



Rohstoffabt. 
(WRo) 



Oberst 
Becht 



113 E/114 E 



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Gen.d.Fl. Löhr 

Lg.Kdo.VIII (Breslau) 
Gen.d.Fl. Dankelmann 

Lg.Kdo. XVII (Wien) 




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116 E 



Staatssekretär der Luftfahrt und 

General-Inspekteur der Luftwaffe 

Stand: 1940 



ef des Ausbildungswesen 
der Luftwaffe 




Kdo. Stellen der 

Fl. Schulen, Fl.Techn. Schulen 
Ln. Schulen 



117 E/118 E 



[f Hitler 



Deutsche Spitzengliederung 
und Aufmarsch: 22.6.1941 



7 



OKL : Reidism. Göring 



Chef d. Genst. : Gen. Jesdionnek 

Chef d. LW Führungsstabes : 

Gen. Hoffmann v. Waldau 

1942: Oberst i. G. Meister 

Gen. Qu. : Gen. Seidel 

Gen.Insp. d. d. Lw. : GFM Milch 



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OKM: Gr.Admiral Raeder 



Chef der SKL : Admiral Sdiniewind 
Chef d. Op. Abt. : KAdm. Fricke 



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ftflotte 2 : 

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Luftflotte 4: 



Gen. Oberst Löhr 



HGr. Mitte 



OB: GFM v. Bock 

GFM v. Kluge (18. 12. 41) 

Chef Genst. : Gen. v. Greiffenberg 

Ia: Oberstlt. i. G.v. Tresckow 



HGr. Süd 



OB : GFM v. Rundstedt 

GFM v. Reichenau (3. 12. 41) 
Chef Genst. : Gen. v. Sodenstern 
I a : Oberstlt. i. G. Winter 



4. Armee (v. Kluge) 
XIII. (Felber) 

VII. (Fahrmbacher) 
IX. (Geyer) 
XXXXIII. (Heinrici) 

Pz.Gr. 2 (Guderian) 

XXXXVI. (v. Vietinghoff) 

XXXXVII. (Lemelsen) 

XII. (Schroth) 

XXIV. (v. Geyr) 
9. Armee (Strauß) 

VIII. (Heitz) 
XX. (Materna) 
XXXXII. (Kuntze) 

Pz.Gr. 3 (Hoth) 
XXXIX. (Schmidt) 
VI. (Förster) 
V. (Ruoff) 
LVII. (Kuntzen) 



17. Armee (v. Stülpnagel) 
IV. (v. Schwedler) 
XXXXIX. (Kubier) 
LH. (v. Briesen) 

11. Armee (v. Schobert) 
XI. (v. Kortzfleisch) 
XXX. (v. Salmuth) 
LIV. (Hansen) 

6. Armee (v. Reichenau) 
XVII. (Kienitz) 
XXXXIV. (Koch) 
LV. (Vierow) 

Pz.Gr. x (v. Kleist) 
III. (v. Mackensen) 
XXIX. (v. Obstfelder) 
XXXXVIII. (Kempff) 



119 E/120 E 



A. Einführung 

Präsidenten und Reichskanzlers (2. 8. 1934) wurde Hitler nicht nur oberstes 
Regierungsorgan, sondern gleichzeitig übernahm er damit auch den Oberbefehl 
über die gesamte Wehrmacht. Fast noch schwerwiegender war die am gleichen 
Tage vom Reichskriegsminister, Gen.Oberst v. Blomberg, vollzogene Vereidi= 
gung der Wehrmacht auf die Person Hitlers mit der Formel, „dem Führer 
des Deutschen Reiches und Volkes, . . . unbedingten Gehorsam zu leisten". 
In dem neuen Wehrgesetz vom 2%. 5. 1935 hieß es im Abschnitt I, Paragraph 3: 
„Oberster Befehlshaber der Wehrmacht ist der Führer und Reichskanzler". 
„Unter ihm übt der Reichskriegsminister als Oberbefehlshaber der Wehrmacht 
Befehlsgewalt über die Wehrmacht aus". Wie Hoßbach mit Recht festgestellt 
hat, überließ Hitler jedoch bis 1938 „die Ausübung des Oberbefehls noch in 
weitem Umfange dem militärischen Fachmann und stützte sich, wenn er seinen 
eigenen Willen zur Geltung bringen wollte, auf dessen Rat und Mitarbeit" 4 . 

Aber mit der Blomberg=Fritsch=Krise im Januar und Februar 1938 voll= 
zog sich auch die organisatorische Gleichschaltung der Wehrmacht. Nachdem 
Gen.Feldm. v. Blomberg, selbstverschuldet, von seinem Amt zurückgetreten 
war, und der Oberbefehlshaber des Heeres, Gen.Oberst v. Fritsch, durch eine 
Intrige zum Rücktritt gezwungen worden war, veröffentlichte Hitler am 4. 2. 
1938 einen „Erlaß über die Führung der Wehrmacht", der folgendermaßen 
lautete: 

„Die Befehlsgewalt über die gesamte Wehrmacht übe ich von jetzt an per* 
sönlich aus. 

Das bisherige Wehrmachtamt im Reichskriegsministerium tritt mit seinen 
Aufgaben als Oberkommando der Wehrmacht und als mein militärischer Stab 
unmittelbar unter meinen Befehl. 

An der Spitze des Stabes des Oberkommandos der Wehrmacht steht der bis= 
herige Chef des Wehrmachtamtes als Chef des Oberkommandos der Wehr= 
macht. Er ist im Range den Reichsministern gleichgestellt. 

Das Oberkommando der Wehrmacht nimmt zugleich die Geschäfte des 
Reichskriegsministeriums wahr, der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht 
übt in meinem Auftrage die bisher dem Reichskriegsminister zustehenden Be= 
fugnisse aus. 

Dem Oberkommando der Wehrmacht obliegt im Frieden nach meinen Wei= 
sungen die einheitliche Vorbereitung der Reichsverteidigung auf allen Ge= 
bieten." 

Über die Bedeutung dieses 4. 2. 1938 sei hier das überaus abgewogene und 
zutreffende Urteil von F. Hoßbach zitiert 5 : 



4 Vgl. Hoßbach, a. a. O. (s. Anm. 1), S. 112. 

5 Ebd., S. 121 ff. Vgl. außerdem: Siegler, Fr. Frhr. v. (Hrsg.), Die höheren Dienst= 
stellen der deutschen Wehrmacht 1933—1945, München 1953; Lohmann, W., und 
H. H. Hildebrand, Die Deutsche Kriegsmarine 1939 — 1945. Gliederung Einsatz 
Stellenbesetzung, Bad Nauheim 1956 ff. (Lieferungen) ; Keilig, W., Das Deutsche 
Heer 1939—1945, Bad Nauheim 1956 ff. (Lieferungen). 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

„Mit der Zusammenfassung der politischen und militärischen Macht in der 
Person Hitlers wurde die unumschränkte Kommandogewalt auf jeglichen Ge= 
bieten des militärischen Daseins in einem Umfange wieder aufgerichtet, wie 
sie sich unter wesentlich einfacheren und kleineren Verhältnissen des Abso= 
lutismus im 18. Jahrhundert nur bewährt hatte, so lange zwei so hoch bedeu= 
tende Herrscher wie Friedrich Wilhelm I. und Friedrich der Große an der Spitze 
von Staat und Heer gestanden hatten. Der geschichtliche Ablauf seit der napo= 
leonischen Epoche hatte aber in größter Eindringlichkeit gelehrt, daß kein 
menschliches Genie ausreichte, um alle Aufgaben der Staats= und Wehrmacht= 
führung eines großen Volkes auf die Dauer und mit Erfolg in einer Hand zu 
vereinigen. Gegen diese Erkenntnis verstieß der Autodidakt Hitler, als er der 
Versuchung erlag, ohne eigene Erfahrung und echte Bildung in der Kriegskunst 
das schwere Amt eines modernen Wehrmachtführers auf sich zu nehmen; er 
begab sich damit der Möglichkeit, den notwendigen Ausgleich zwischen den 
politischen Ansprüchen und Zielen und der militärischen Leistungsfähigkeit 
von einer allen Stellen übergeordnete Warte aus zu bilden. 

Am 4. 2. 1938 war das Reichskriegsministerium, die bisherige oberste mili= 
tärische Einheitsinstanz, zu Grabe getragen worden. An seine Stelle traten vier 
selbständige Militärbehörden — das neugeschaffene Oberkommando der Wehr= 
macht (bisheriges Wehrmachtamt) und die seit 1935 bestehenden Oberkom= 
mandos des Heeres, der Kriegsmarine und der Luftwaffe. Das Oberkommando 
der Wehrmacht sollte Hitler in Zukunft als persönlicher Arbeitsstab dienen, 
und dessen Chef, der Generaloberst und spätere Generalfeldmarschall Keitel, 
„sein Vertreter und einziger Berater in den Dingen der Wehrmacht" sein, deren 
„einheitliche und geschlossene Führung ihm heilig und unverletzbar" sei. Da 
sich die Größe und die Stärke seiner Persönlichkeit in einem zu ungleichen Ver= 
hältnis befanden, wurde Keitel im Laufe der Zeit auf das seinen Fähigkeiten 
mehr entsprechende Teilgebiet der Organisation und Verwaltung der Wehr= 
macht und der personellen und materiellen Rüstung beschränkt, während sein 
Untergebener, der General Jodl (Chef des Wehrmachtführungsstabs) mehr 
und mehr zum alleinigen Berater Hitlers in den Fragen der eigentlichen Wehr= 
macht führung aufstieg. Beiden Männern stand eine eigene Befehlsgewalt 
nicht zu Gebote; den Wehrmachtteilen konnten sie infolgedessen nur als aus= 
führende Organe des Obersten Befehlshabers gegenübertreten; diese Rolle 
haben sie im Glauben an die Sendung Hitlers bis zum Ende des Krieges bei= 
behalten. 

Die Maßnahmen des 4. 2. 1938 änderten dagegen die Funktionen der Ober- 
kommandos der Wehrmachtteile nicht, wohl aber die Stellung ihrer drei Ober= 
befehlshaber. Generaloberst v. Brauchitsch (Nachfolger Fritschs), Generalad= 
miral Raeder und Generalfeldmarschall Göring nahmen von nun an ein un= 
mittelbares militärisches Unterordnungsverhältnis zu Hitler ein und wurden 
auf ihren Gebieten seine nächsten Ratgeber, was für Göring aus den bekannten 
Gründen nur eine formale Bestätigung des bestehenden Zustandes, für die 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

Oberbefehlshaber von Heer und Marine indessen eine tatsächliche Änderung 
ihres bisherigen Dienstverhältnisses bedeutete. So war von Anfang an mit der 
Übernahme der Befehlsgewalt durch Hitler eine Dezentralisation des obersten 
W ehrmacht gremiums eingeleitet, die um so nachteiliger wurde, als der Reichs= 
führer SS Himmler, der Chef der Waffen=SS, die neben der regulären Wehr= 
macht sich nun schnell zu einer starken Sonderstreitmacht entwickelte, in einem 
besonders gearteten Vertrauensverhältnis zu dem Diktator stand. 

Bis zum 4. 2. 1938 hatte ein einzelner Mann — der Reichskriegsminister — 
die Gesamtwehrmacht zentral geleitet und deren Belange beim Staatsoberhaupt 
vertreten; nun aber befehligte Hitler selbstherrlich alle Streitkräfte mit Hilfe 
von sechs Männern unmittelbar. Das Grundübel dieser Neuregelung lag nicht 
in dem Rücktritt der Person des Feldmarschalls v. Blomberg, sondern in der 
Beseitigung seiner Stellung als „Reichs=Kriegsminister und Oberbefehlshaber 
der Wehrmacht", ohne eine im Sinne der militärischen Einheit bessere Lösung 
zu wählen. Der zu Beginn der Blomberg=Fritsch=Krise seitens des Adjutanten 
der Wehrmacht Hitler gemachte Vorschlag, der durch die zentralkontinentale 
Lage Deutschlands bedingten entscheidenden Bedeutung der Armee als wich= 
tigstes Element eines Landkrieges Rechnung zu tragen und daher dem Ober= 
befehlshaber des Heeres bereits im Frieden auch die Gesamtführung (nicht die 
Verwaltung) der Wehrmacht anzuvertrauen, blieb ebenso erfolglos wie ein 
wenige Tage darauf in gleicher Richtung zielender Vorstoß des Chefs des Ge= 
neralstabes Beck bei dem Leiter des damaligen Wehrmachtamtes, Keitel." 

Innerhalb des OKW war das Wehrmachtführung samt (ab Sommer 1940: 
Wehrmachtführungsstab) der eigentliche operative Arbeitsstab; über dessen 
Aufgabenbereich ab 1941 äußerte sich Gen. a. D. A. Winter: 

„Seine Hauptaufgabe bestand auf dem Gebiet der strategischen und ope= 
rativen Führung in folgendem: 

1. Nach den Weisungen Hitlers die Strategie für die Gesamtkriegführung zu 
planen; 

2. den Obersten Befehlshaber der Wehrmacht über den Verlauf der Opera= 
tionen zu unterrichten und ihm für seine Entschlußfassung die erforderlichen 
Unterlagen bereitzustellen. 

3. Hatte Hitler seinen Entschluß gefaßt, mußte dieser die operativen Weisungen 
ausarbeiten und zur endgültigen Formulierung dem Chef OKW oder Hitler 
selbst vorlegen; 

4. die Zusammenarbeit der Wehrmachtsteile im großen zu fördern, „sobald 
mehrere Wehrmachtsteile an einer Operation beteiligt waren." 

5. Die für die operative Zusammenarbeit mit den Verbündeten notwendigen 
Unterlagen vorzubereiten. 

Um eine enge Verbindung zwischen dem Wehrmachtführungsamt und den 
Generalstäben von Heer, Luftwaffe bzw. der Seekriegsleitung zu halten, waren 
V.Offz. eingeteilt worden. 

123 E 



A. Einführung 

Der stellvertretende Chef WFSt (früher Chef Abt. L) 

Der Stellv. Chef WFSt unterstand dem Chef WFSt und war dessen ständiger 
Vertreter. Er hatte die Dienststellung und Befugnisse eines Divisionskomman= 
deurs. Unter dem Stellv. Chef WFSt waren die operativen, organisatorischen 
und Quartiermeister=Aufgaben des OKW einschließlich der Zusammenarbeit 
mit den verbündeten und befreundeten Mächten, sowie die aus dem Zusam= 
menwirken von Wehrmacht« und Staatsführung sich ergebenden grundlegen= 
den Aufgaben zusammengefaßt. 

Zu den operativen Aufgaben gehörten die Beratung des Chefs WFSt zur 
Lagebeurteilung und Entschlußfassung, die Bearbeitung der vom OKW aus= 
gehenden operativen Weisungen, sowie die Zusammenfassung von Berichten 
über die Kriegslage. 

Auf organisatorischem Gebiet waren die einheitlichen und grundlegenden 
Richtlinien für die Organisation und Rüstung der Wehrmacht, sowie die mili= 
tärischen Fragen der an der Führung des Waffenkrieges beteiligten außer= 
militärischen Organisationen zu bearbeiten. Die Wehrgesetzgebung gehörte 
zu diesem Bereich. 

Das Yfehrmadit=Quartiermeisterwesen umfaßte sämtliche Aufgaben auf 
dem Gebiet der Kriegsverwaltung für Operations« und besetzte Gebiete, sowie 
die Versorgungsaufgaben, die leitend und einheitlich für die Gesamtwehrmacht 
zu lösen waren. 

Im Zusammenwirken von Wehrmacht und Staatsführung fiel ihm die zu= 
sammenfassende Leitung der Kriegsvorbereitung und einheitliche Abstimmung 
aller die Gesamtkriegführung berührenden Maßnahmen zu, sowie die zentrale 
Mitarbeit an den die Wehrmacht berührenden Gesetzen. 

Der Stellv. Chef WFSt war verantwortlich für die Unterrichtung der übrigen 
Ämter und Abteilungen des OKW über die Kriegslage und erhielt von diesen, 
sowie von den Oberkommandos der Wehrmachtteile die für Erfüllung seiner 
Aufgaben notwendigen Unterlagen, im Bedarfsfall durch ständig abzustellende 
Verbindungsoffiziere. 

Der Stellv. Chef WFSt hatte nach jeweiliger Anweisung des Chefs WFSt 
unmittelbaren Vortrag beim Chef OKW. 

Der Stellv. Chef WFSt war gehalten, die ihm unterstellten Offiziere, soweit 
sie einem anderen Wehrmachtteil angehörten wie er selbst, zu den für ihren 
Wehrmachtteil besonders wichtigen Vorträgen beim Chef WFSt und Chef 
OKW heranzuziehen. 

Der 1. Generalstabsoffizier Heer im WFSt (Op H) 

Die Gruppe IH in der Abteilung L im Wehrmachtführungsamt hatte als 
Operationsgruppe des Heeres die Aufgabe, bei strategischen und operativen 
Studien, Entwürfen, Vorschlägen, Weisungen und Befehlen den das Heer 
betreffenden Teil zu bearbeiten und die für die Entschlußfassung der Obersten 
Führung notwendigen Unterlagen zu beschaffen und auszuwerten. 

124 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

Für die Unterrichtung Hitlers über die Entwicklung der operativen Lage 
hatte sie den als Grundlage für den Lagevortrag des Chefs WFSt dienenden 
Lagebericht anzufertigen, soweit sich dieser mit den Operationen des Heeres 
befaßte, und die auf Grund dieses Lageberichtes notwendigen Entscheidungen 
vorzubereiten, die später getroffenen Entscheidungen zu formulieren und an 
die Empfänger auszugeben. Nach Umwandlung der Gruppe IH in die Abteilung 
Op H im Verlauf des Krieges kam zu den obengenannten Aufgaben die Be= 
arbeitung der dem OKW unmittelbar unterstellten Kriegsschauplätze und 
Wehrmachtbefehlshaber auf strategischem, operativem und teilweise tak= 
tischem Gebiet hinzu. 

Darüber hinaus wurden der Abteilung mit den erwähnten Auf gabenbereichen 
verbundene Sondergebiete, wie z. B. Ausbau der Küsten und rückwärtigen 
Stellungen, Vorbereitung des Fernkampfes, Bandenbekämpfung u. a. über= 
tragen. 

Während zu Beginn der Entwicklung die Gruppe IH lediglich aus 2 General* 
Stabsoffizieren bestand, wurde der Ausweitung der Aufgaben entsprechend ein 
personeller Ausbau vorgenommen. 

Im Endziel verfügte die Abteilung über einen Ia, der in erster Linie die 
Bearbeitung der Spezialaufgaben zu übernehmen hatte, und über 4 Gruppen, 
entsprechend den vom WFSt zu bearbeitenden Kriegs=Schauplätzen Nord= 
europa, Westen, Südwesten und Südosten, die jede mit einem, zeitweise mit 
zwei Generalstabsoffizieren und je Gruppe mit ein bis zwei Ordonnanzoffi= 
zieren besetzt war. Die Bearbeitung der Wehrmachtbefehlshaber im Osten 
erfolgte durch die genannten Gruppen mit. 

Der 1. Admiralstabsoffizier im WFSt (Op M) 

Die Gruppe IM in der Abteilung L im Wehrmachtführungsamt hatte als 
Operationsgruppe der Kriegsmarine die Aufgabe, bei strategischen und opera= 
tiven Studien, Entwürfen, Vorschlägen, Weisungen und Befehlen den die 
Kriegsmarine betreffenden Teil zu bearbeiten und die für die Entschlußfassung 
der Obersten Führung auf ihrem Gebiet notwendigen Unterlagen zu beschaffen 
und auszuwerten. Diese Aufgabe wurde weitgehend dadurch erschwert, daß 
das Arbeitsgebiet der Gruppe IM — eigentlich nur eine Verbindungsgruppe 
des Ob.d.M. — sehr stark beim Ob. d.M. zentralisiert war und die Gruppe häufig 
dazu angehalten war, für die Vorlage ihrer Arbeiten vorher die Genehmigung 
des Ob.d.M. bzw. der Seekriegsleitung einzuholen. 

Für die Unterrichtung Hitlers über die Entwicklung der operativen Lage hatte 
sie in dem dem Chef des WFSt als Grundlage für seinen Lagevortrag bei Hitler 
dienenden Lagebericht die Seekriegslage zu bearbeiten. Im Rahmen dieser 
Aufgabe berichtete sie auch in besonderen Berichten über die Entwicklung 
des von der Seekriegsleitung unabhängig von der Wehrmachtführung geführ= 
ten Kreuzer= und U=Boot=Krieges. 

Die Angaben über den U=Boot=Krieg — sowohl Umfang wie auch Ziel des 

125 E 



A. Einführung 

Einsatzes — wurden besonders geheimgehalten und auch bei den internen 
Besprechungen im WFSt von der Gruppe IM nicht berührt. 

Auf Grund der Lageberichte notwendige Entscheidungen Hitlers wurden 
von der Gruppe IM meist nach Rücksprache und Genehmigung durch die 
Seekriegsleitung vorbereitet und die getroffenen Entscheidungen formuliert. 
Diese Aufgaben änderten sich nach der Umwandlung der Gruppe IM in die 
Abteilung OpM nur insoweit, als ab März 1943 der Chef Op M bei den 
täglichen Lagevorträgen bei Hitler die Seekriegslage selbst vorzutragen hatte. 
Die Zusammensetzung der Abteilung blieb bis zum Kriegsende fast unver= 
ändert. 

Die Bildung der OKW=Kriegsschauplätze wirkte sich auf die Gruppe IM bzw. 
Abteilung Op M im wesentlichen nur darin aus, daß die die Ostfront be= 
rührenden Führungs= und Einsatzfragen der Marine (Ostsee und Schwarzes 
Meer) nunmehr weitgehend vom Generalstab des Heeres über den bei ihm 
befindlichen Verbindungsoffizier der Kriegsmarine unmittelbar geregelt wurden. 

Der 1. Generalstabsoffizier der Luftwaffe im WFSt (Op L) 

Die Gruppe IL in der Abteilung L im Wehrmachtführungsamt hatte als 
Operationsgruppe der Luftwaffe die Aufgabe, bei strategischen und operativen 
Studien, Entwürfen, Vorschlägen, Weisungen und Befehlen den die Luft= 
waffe betreffenden Teil zu bearbeiten und die für die Entschlußfassung der 
Obersten Führung auf ihrem Gebiet notwendigen Unterlagen zu beschaffen 
und auszuwerten. 

Ähnlich wie bei der Kriegsmarine wurde auch die Arbeit der Gruppe IL 
wesentlich durch die scharfe Zentralisierung und straffe Führung des Luft= 
krieges durch den Ob.d.L. bzw. dem Luftwaffen=Führungsstab erschwert, was 
zur. Folge hatte, daß auch die Gruppe IL im wesentlichen nur eine Verbindungs= 
gruppe des Ob.d.L. beim Wehrmachtführungsamt darstellte und gehalten 
war, sich in ihren Bearbeitungen eng an die Richtlinien des Luftwaffen= 
Führungsstabes zu halten. Eine eigene schöpferische Tätigkeit auf dem Gebiet 
der Luftkriegführung im Wehrmachtführungsamt war hierdurch und durch 
die starke persönliche Einschaltung des Ob.d.L. bei Hitler ausgeschaltet. 

Für die Unterrichtung Hitlers über die operative Lage hatte die Gruppe IL 
die Luftlage zu bearbeiten. Diese umfaßte sowohl die Tätigkeit der Luftwaffe 
zur Unterstützung des Heeres an den Kampffronten (einschl. Luftversorgung), 
wie auch die Entwicklung des operativen Luftkrieges auf den verschiedenen 
Kriegsschauplätzen und über Deutschland. 

Hinsichtlich der Unterrichtung über Luftlande= bzw. Fallschirmjäger=Ver= 
bände erfolgte Bearbeitung und Berichterstattung — soweit es sich um Organi= 
sation und Ansatz von Luftlandungen handelte — durch die Gruppe IL, soweit 
es sich um Einsatz im Erdkampf im Rahmen der Heeresoperationen handelte, 
durch die Gruppe IH. 

126 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

Die Unterrichtung Hitlers über den Einsatz der Flak=Artillerie und Boden= 
Organisation fiel ebenfalls in den Aufgabenbereich der Gruppe IL. Hierbei 
erforderte das in die Einzelheiten gehende Interesse Hitlers für die Luft= 
Verteidigung der für den Feind wichtigen Ziele in Deutschland und in den 
besetzten Gebieten eine Bereitstellung lückenloser Unterlagen über die jeweilige 
Verteilung und Verschiebung der vorhandenen Flak=Kräfte. 

Die auf Grund der Lageberichte notwendigen Entscheidungen Hitlers wurden 
von der Gruppe IL meist nach Rücksprache und Genehmigung durch den 
Luftwaffen=Führungsstab vorbereitet, die getroffenen Entscheidungen formu= 
liert und an die Empfänger ausgegeben. 

An diesen Aufgaben änderte sich auch nach Umwandlung der Gruppe IL 
in die Abteilung Op L im Dezember 1941 fast nichts. Dementsprechend blieb 
auch die Zusammensetzung der Abteilung (3 bis 4 Offiziere) bis zum Kriegs= 
ende fast unverändert. 

Die Bildung der OKW=Kriegsschauplätze wirkte sich ähnlich wie bei der 
Abteilung Op M auch bei der Abteilung Op L nur darin aus, daß die die 
Ostfront betreffenden Führungs= und Einsatzfragen der Luftwaffe in zu= 
nehmendem Maße vom Generalstab des Heeres mit den bei ihm befindlichen 
Verbindungsoffizieren der Luftwaffe unmittelbar geregelt wurden. 



Der 2. Generalstabsoffizier im WFSt (Org) 

Die dem 2. Generalstabsoffizier im WFSt unterstellte Organisationsabteilung 
des WFSt war im Raum Berlin untergebracht, ein Verbindungsoffizier befand 
sich beim Stellv. Chef WFSt im F.H.Qu. 

Die Abteilung bearbeitete folgende Sachgebiete: 

1. Grundsätzliche Organisationsfragen 
Hierzu gehörten u. a. : 

Organisation der Kriegs= und Friedenswehrmacht, 

Kriegsspitzengliederung, 

Befehlsbefugnisse innerhalb der Wehrmacht, 

Verwendung der Truppe außerhalb der Wehrmacht (Notstände), 

Organisationsunterlagen und Vorschläge für die Führung, 

Organisatorische Einzelfragen für die Gesamtwehrmacht z. B. Luftschutz, 

Unterkunft, Urlaub usw. 

2. Führungsfragen der personellen Rüstung 
Menscheneinsatz im militärischen und zivilen Sektor, 
Wehrersatzwesen und Wehrüberwachung, 
personeller Ausgleich zwischen den Wehrmachtteilen, 
Übersicht der Menschenlage für die Führung, 
Wehrgesetz 1 soweit sie die personelle 
Mitprüfung von Reichsgesetzen J Lage betrafen. 

127 E 



A. Einführung 

3. Führungsfragen der materiellen Rüstung 

Rüstungsprogramme und Ausgleich von Kriegsgerät zwischen den Wehr= 

machtteilen, 

materielle Einzelfragen und Beute, 

Abgabe von Kriegsgerät an das Ausland, 

Übersicht der materiellen Lage für die Führung. 

4. Statistik der Führung 

Statistische Erfassung der personellen und materiellen Lage (Wehrkartei), 
Verlust= und Verbrauchsmeldungen. 

5. Allgemeine Führungsfragen 
Stellung und Ansehen der Wehrmacht, 
Wehrrecht und Völkerrecht, 
Geheimhaltung und Abwehr, 
Besondere Vorkommnisse usw. 

6. Beobachtung der außerhalb der Wehrmacht stehenden Organisationen 
hinsichtlich ihrer Gliederung und Verwendung. 

Der Quartiermeister im WFSt (Qu) 

Die Quartiermeisterabteilung im WFSt gliederte sich in: 

a) Frontstaffel mit den Gruppen Qu 1, Qu 2, Qu 3, Qu 4 und Qu=Verw. 

b) Standortstaffel mit den Gruppen Qu St, Qu Stb, Qu Stc und Qu=Verw. 1. 
Frontstaffel: 

Geographische Einteilung der Arbeitsgebiete: 
Qu 1 Italien, Spanien, Afrika (mit Qu 4), Naher Osten, England, Amerika, 

Portugal, Schweiz. 
Qu 2 Rußland, Generalgouvernement, Ostland, Weißruthenien, Ukraine, 

Slowakei, Ostasien. 
Qu 3 Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland, Balkanländer. 
Qu 4 Frankreich, Belgien, Niederlande. 

Entsprechend dieser geographischen Einteilung wurden folgende Gebiete 
bearbeitet: 

1. Allgemeine politische und wirtschaftliche Grundlagen für die Kriegführung 
und den Einsatz der Wehrmacht. 

2. Anordnungen besonderer Art zu operativen Weisungen. 

3. Anordnungen für die Verwaltung besetzter Gebiete, Abgrenzung der Be= 
fugnisse zwischen Wehrmacht und zivilen Reichsbehörden, Frage der Wehr= 
hoheit, Vorbereitung der hierfür grundlegenden Erlasse der Obersten 
Führung. 

4. Versorgungs= und Transportfragen (mit Ausnahme der Truppentransporte) 
in Operations= und besetzten Gebieten, soweit einheitliche Richtlinien für 
alle Wehrmachtteile erforderlich waren. 

5. Quartiermeisterfragen bei Einsatz deutscher Truppen in verbündeten oder 
befreundeten Ländern. 

128 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

6. Quartiermeisterfragen bei Einsatz verbündeter Truppen oder Freiwilliger 
Verbände unter deutschem Oberbefehl. 

7. Grundlegende Weisungen und Richtlinien der Wehrmachtführung auf den 
Sondergebieten des Wehrmacht=Quartiermeisterstabes. 

Ohne Rücksicht auf die geographische Einteilung wurden folgende Gebiete 
bearbeitet : 
Qu 1 Richtlinien für die Mineralöl=Bewirtschaf tung vom Standpunkt der Wehr= 

machtführung in allen im deutschen Machtbereich liegenden und ver= 

bündeten Ländern. 
Qu 4 Waffenstillstandsangelegenheiten, insbesondere im Zusammenwirken 

mit der deutschen Waffenstillstandskommission in Wiesbaden. Fran= 

zösische Legion. 
Qu Verw. Begutachtung der bei der Quartiermeisterabteilung zu bearbeitenden 

Fragen vom staats= und verwaltungspraktischen Standpunkt. 

Mitwirkung bei der Abgrenzung der Befugnisse zwischen Wehrmacht 

und zivilen Reichsbehörden. 

Mitwirkung bei der Verwaltung von besetzten Feindgebieten. Auswer= 

tung von Erfahrungsberichten der Militärverwaltung. 

Völkerrechtliche Fragen des Wehrmacht=Quartiermeisterstabes. 

Verwaltungs= und staatsrechtliche Prüfung von Gesetzen und Verord= 

nungen vom Standpunkt der Kriegführung. 



129 



A. Einführung 

B. Die direkte Führung 

Der nachfolgende Überblick über die Deutsche Oberste Wehrmachtführung 
in den Jahren von 1939 bis 1941 ist der erste Versuch einer Systematisierung. 
Dabei soll im Mittelpunkt das mannigfache personelle und institutionelle Zu= 
sammenwirken aller derjenigen Kräfte stehen, die auf Grund einer bestimmten 
ebenso vorgegebenen wie eingespielten Organisation fördernd oder hemmend, 
aufbauend oder zerstörend, richtungsweisend oder irreführend den strategisch= 
operativen Einsatz der Gesamtstreitkräfte zum Zwecke der Kriegführung be= 
einflußt oder bestimmt haben (direkte Führung). Seit Kriegsende sind zahl= 
reiche, wertvolle und wichtige Einzelstudien zu den Fragen der deutschen Wehr= 
machtführung erschienen, aber bisher sind die Autoren vor allem wegen der 
unzureichenden Quellenlage über das Aufzählen des rein Faktischen und der 
Schilderung des chronologischen Ablaufes nicht nennenswert hinausgediehen 1 . 
Inzwischen aber hat sich diese etwas gebessert; daher ist es erforderlich, durch 
einen systematischen Überblick zu einem tieferen und umfassenderen Verständ= 
nis für den Mechanismus, für die Friktionen und Probleme der deutschen Ober= 
sten Wehrmachtführung im Kriege vorzudringen. Gleichzeitig kann dadurch ein 
weiterer Beitrag zur Klärung der Frage geleistet werden, wie Hitler und seine 
engsten militärischen Mitarbeiter diesen Krieg geführt haben. 

Im Rahmen einer Einführung zum KTB kann es sich dabei freilich nur um 
eine erste Skizze handeln, die keineswegs erschöpfend ist. Hier soll nur soviel 
zusammengefaßt werden, wie es zum Verständnis des nachfolgenden Dokumen= 
tenteils (KTB) notwendig erscheint. Leider können eine Reihe zentraler Fragen 
immer noch nicht hinreichend beantwortet werden, da die Quellen erhebliche 
Lücken aufweisen. Im übrigen ist auf folgendes hinzuweisen: die deutschen 
militärischen Akten sind zwar weitgehend an das Militärgeschichtliche For= 
schungsamt in Freiburg zurückgegeben und dort archiviert worden, aber es 
wird noch längere Zeit dauern, bis die dort erfaßten und katalogisierten Be= 
stände systematisch ausgewertet werden können. 

Vor allem kam es darauf an, das Typische und Wesentliche herauszuarbei= 
ten, stets eingedenk der Tatsache, daß Stäbe, Institutionen und Dienst= 
stellen nicht allein von ihrem organisatorischen Aufbau her beurteilt werden 
dürfen; ihre Leistungen, im positiven wie im negativen, sind in erster Linie 
das Verdienst der in ihnen wirkenden Persönlichkeiten. Unter diesen gibt es 
Sympathien und Antipathien, Cliquenwirtschaft und Rivalitäten, Frontstellun= 
gen und Intrigen. Diese haben in viel höherem Maß das erfolgreiche oder 
erfolglose Zusammenwirken bestimmt. Zu bedenken bleibt ferner die Arbeits= 
weise in einem politischen System, das auf dem gegenseitigen Mißtrauen auf= 
baute und in dem die Spannungen zwischen Partei, Staat und Wehrmacht 
oft ein geradezu auswegloses Labyrinth darstellten; dieses in seinen Veräste» 

1 Vgl. KTB, Bd. I, S. 24 E ff. 

130 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

lungen und all seinen Hindernissen der geschichtlichen Wirklichkeit entspre= 
chend zu erforschen, ist ein schier unmögliches Unterfangen. 

Wie schon angedeutet kann es sich in unserem Falle nur um Fragen der 
strategisch=operativen Führung handeln. Damit ist aber das außerordentlich 
vielschichtige, z. T. schwer durchschaubare System der Gesamtführung keines= 
wegs erfaßt. Für einen solchen Überblick sind noch nicht hinreichende Vor= 
arbeiten geleistet worden. Dennoch wäre es eine dringende Aufgabe, einmal 
den Mechanismus der Gesamtkriegführung in den Jahren von 1939—1945 zu 
beleuchten und seine wesentlichen Elemente im Wechselspiel zu analysieren 2 . 
Um nur die wichtigsten anzudeuten: bis heute fehlen Untersuchungen über 
die Arbeitsweise der Wehrmach tfüforimg auf den Gebieten der Versorgung, 
des Transportwesens, des Nachrichten=Verbindungswesens, des Feind=Nach= 
richtenwesens, der Wehrmachtpropaganda (sieht man von der kleinen Schrift 
des Gen. v.Wedel ab). Außerordentlich empfindlich ist die Lücke auf dem 
Sektor der Rüstungs= und Wehrwirtschaft (personelle und materielle Pro= 
bleme). Damit im Zusammenhang stehen die Fragen um die richtige Abgren= 
zung zwischen den Aufgaben und Befugnissen der Wehrmachtführung und 
den selbstverantwortlichen Industrieführern, um die Ausbalancierung des per= 
sonellen Bedarfs von Wehrmacht und Kriegswirtschaft und die Vertretung 
der wehrwirtschaftlichen Bedürfnisse der Gesamtwehrmacht. Zu einem ständi= 
gen Streitobjekt entwickelte sich im Kriege die Programmgestaltung innerhalb 
der Gesamtwehrmacht und der damit verbundene Ausgleich unter den Wehr= 
machtsteilen sowie die Abstimmung mit den Produktionsmöglichkeiten der 
Industrie (vgl. S. 72 Eff.). 

Unlösbar mit der Gesamtführung verbunden sind zahlreiche staatsrechtliche 
Fragen wie die Auseinandersetzung um die „vollziehende Gewalt", um Gesetze 
und Verordnungen, die Zusammenarbeit mit den Reichsverteidigungskommis= 
saren. Die kriegsministeriellen Aufgaben des OKW während des Krieges sind 
von Ausnahmen abgesehen so gut wie gar nicht behandelt worden, obwohl 
in der Dezentralisierung der Gesamtrüstung eine der großen Schwächen des 
deutschen Führungsapparates gesehen werden muß. Das Zusammenspiel oder 
das Gegeneinander von Dienststellen der Partei, des Staates und der Wehr= 
macht ist bisher nur an vereinzelten Beispielen deutlich geworden. Und schließ= 
lieh sei noch auf das Kapitel der Besatzungspolitik verwiesen, auf die Tätigkeit 
der Militär= und Wehrmachtsbefehlshaber und neben ihnen die der höheren 
SS= und Polizeiführer, der Beauftragten für den Vier jahresplan, des Arbeits= 
einsatzes und anderer Organisationen. Hinzu kommen Bedeutung und Einfluß 
der Parteikanzlei unter Bormann. Bei allen diesen Fragen steht die Forschung 
jedoch erst am Anfang ihrer Bemühungen 8 . 



2 Einen ersten Überblick bietet: Ploetz, Geschichte des Zweiten Weltkrieges, 2. Teil: 
Die Kriegsmittel, Würzburg i960. 

3 Vgl. den Hinweis auf S. 190 E. 

131 E 



A. Einführung 

a) Die Regel 
aa) Das „geschriebene" Gesetz 

1. Politischer Entschluß, strategische Entscheidung und operative Führung 

Ausgangspunkt unseres Versuches, die Arbeitsweise und den Mechanismus 
der deutschen Obersten Wehrmachtführung in den Jahren 1939—1941 zu skiz= 
zieren, sind drei Fragen: wer faßte die jeweiligen politischen Entschlüsse und 
in welcher Weise? Wer traf die strategischen Entscheidungen, unter welchen 
Gesichtspunkten und wer führte die Operationen auf dem Schlachtfeld? 

Mit dem Entschluß, die Politik „unter Einmischung anderer Mittel", d. h. 
durch Krieg unter Einsatz der bewaffneten Streitkräfte, fortzusetzen, ver= 
banden sich alle Probleme, auf die schon Carl von Clausewitz in seinem Werk 
„Vom Krieg" mit Nachdruck hingewiesen hatte; der deutsche Kriegstheoretiker 
schrieb im „Achten Buche": man solle „vernünftigerweise" keinen Krieg an= 
fangen, „ohne sich zu sagen, was man mit und was man in demselben erreichen 
will"; das erste sei „der Zweck", das andere „das Ziel". Durch diese 
Hauptgedanken würden alle Richtungen gegeben, der Umfang, Mittel und das 
Maß der Energie bestimmt, und „er äußert seinen Einfluß bis in die kleinsten 
Glieder der Handlung hinab". Um aber das „Maß der Mittel" kennenzulernen, 
welches man für den Krieg aufzubringen habe, müsse man „den politischen 
Zweck desselben unsererseits und von Seiten des Feindes bedenken; wir müssen 
die Kräfte und Verhältnisse des feindlichen Staates und des unsrigen, wir 
müssen den Charakter seiner Regierung, seines Volkes, die Fähigkeiten beider, 
und das alles wieder von unserer Seite, wir müssen die politischen Verbin= 
düngen anderer Staaten und die Wirkungen, welche der Krieg darin hervor= 
bringen kann, in Betracht ziehen" *. 

Mit anderen Worten: von dem jeweiligen politischen Entschluß war der 
Umfang der unmittelbaren oder später eintretender Gegnerschaft in geogra= 
phischer, personeller, materieller und geistiger Hinsicht abhängig. Diese wie= 
derum bedingten die Art des Einsatzes der Wehrmacht, die möglichen Front= 
bildungen (Ein=, Zwei=, Allfrontkrieg) zu Lande, zu Wasser und in der Luft 
(kontinentaler oder kontinental=maritimer Krieg) und die Ausrichtung des 
eigenen verfügbaren bzw. zu mobilisierenden Wehrpotentials. 

Der politische Entschluß legte also zugleich Rahmen und Hauptrichtung der 
strategischen Entscheidungen fest. Diese konnten sehr verschieden ausfallen, je 
nachdem, in welcher Zusammensetzung der Teilstreitkräfte, mit welchen Waf= 
fengattungen und Waffen, an welchen Fronten und in welcher Zeit die Oberste 
Wehrmachtführung den strategischen Sieg, d. h. die Vernichtung der feind= 
liehen Streitkräfte, erringen zu können hoffte. Nach der strategischen Entschei= 
düng richteten sich dann der Schwerpunkt der Gesamtrüstung und ihrer 

1 Vgl. Clausewitz, C. v., Vom Kriege, 16. Aufl. Bonn 1952, S. 85p. 
132 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

Programme, die Fragen der Versorgung, des Transportes, des Nachschubes 
und der Nachrichtenverbindungen usw., die Ausweitung der Kriegsschauplätze 
und der Umfang der einzusetzenden Verbände sowie ihrer Unterstellungs= und 
Führungsverhältnisse. 

Je nach örtlicher Lage, dem vorgesehenen Einsatz der Wehrmachtsteile in 
Zusammensetzung und Stärke wurde entschieden, wer mit der Führung der 
Operationen im großen (OKH, OKW, Ob.Kdos.) oder im einzelnen beauftragt 
wurde, wie das Zusammenwirken zu regeln war und welchem Ob.Kdo. (OB) 
die Streitkräfte unterstellt wurden. 

Unbestritten ist die Tatsache, daß Hitler in seiner Eigenschaft als „Führer 
und Reichskanzler" alle politischen Entschlüsse persönlich gefaßt hat. Vom 
Soldaten erwartete er, daß dieser absolut, ohne die Voraussetzungen zu prüfen, 
gehorchte und die entsprechend gegebenen militärischen Befehle ausführte 2 . 
Bemerkenswert dabei war lediglich die Art und Weise seiner Entschlußfassung. 
Im Zuge der totalitären Gleichschaltung (1933—1939) hatte er schrittweise das 
Recht usurpiert, über Krieg und Frieden in eigener Machtvollkommenheit zu 
entscheiden. Dazu bedurfte es im Dritten Reich nicht mehr eines Reichsgesetzes 
(vgl. die Weimarer Verfassung), das vom Reichstag (der ja nur noch als Fas= 
sade existierte; 1939 gab es 884 Abgeordnete der NSDAP, die „einstimmig" 
akklamiert hätten) beraten und verabschiedet worden wäre; ebensowenig hat 
die sog. Reichsregierung unter Hitler „ihre Beschlüsse mit Stimmenmehrheit" 
gefaßt. Schon längst waren die Ressortminister, von der Person Görings einmal 
abgesehen, zu höchsten Exekutivbeamten mit beschränkten Befugnissen degra= 
diert worden. Auch der Einfluß des Reichsaußenministers war im ganzen ge= 
sehen unerheblich, während die Parteikanzlei (Bormann) die Durchführung 
einer Führerentscheidung mit allen Mitteln unterstützt hat. Durch das Reichs= 
Verteidigungsgesetz vom 21. 5. ±935 (am 4. September 1938 in etwas abge= 
ander ter Form erneuert) erhielt der „Führer und Reichskanzler" als „Träger 
der gesamten Staatsgewalt" das Recht, für das Reichsgebiet oder Teile davon 
den Verteidigungszustand zu erklären, die Mobilmachung anzuordnen und den 
Krieg zu erklären. Nachdem Hitler in dem Erlaß vom 4. 2. 1938 die „Befehls= 
gewalt" über die gesamte Wehrmacht persönlich übernommen hatte, vereinigte 
er bei Kriegsausbruch praktisch auch die ganze Exekutivgewalt in seiner Hand 3 . 

Hitler faßte die meisten politischen Entschlüsse im Krieg ohne nennenswerte 
Beratung oder intensivem Gedankenaustausch mit seinen engsten militärischen 
Ratgebern. Dieses Verhalten, das er seit dem Einmarsch in die entmilitarisierte 
Zone des Rheinlandes 1936 zu praktizieren begonnen hatte, zerstörte syste= 

2 Vgl. zum Primat der Politik: Krausnick, H., Vorgeschichte und Beginn des mili= 
tärischen Widerstandes gegen Hitler, in: Vollmacht des Gewissens, Frank= 
fürt a. M. i960. 

3 Vgl. Busch, E., Das Reichsverteidigungsgesetz vom 21. 5. 1935, in: Wehrw. Rdsch. 
1950, S. 613 ff.; Mueller=Hillebrand, B., Das Heer 1933—1945, Bd. I, Darmstadt 
1954, S. 113 ff. 

133 E 



A. Einführung 

matisch das gegenseitige Vertrauen und begünstigte naturgemäß das Miß= 
trauen 4 . 

Auf Hitlers eigene politische Zielsetzung sind zunächst zwei der drei schick= 
salsschwersten Entschlüsse zurückzuführen: Polen zu erobern und die Sowjet= 
union in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen. Der dritte, in seinen Konse= 
quenzen ebenso weitreichende Entschluß, den Vereinigten Staaten von Nord= 
amerika den Krieg zu erklären, ergab sich dagegen mehr aus der militärischen 
Konstellation des Kriegsjahres 1941 in Europa und Asien. 

Während das Oberkommando der Luftwaffe auf die Besetzung Hollands 
Wert gelegt und Hitler in dieser Hinsicht beeinflußt hatte, stellten der Ein= 
marsch in Dänemark und die Eroberung Norwegens einen gewissen Sonderfall 
dar. Den Anstoß zu diesem Entschluß haben sicherlich mehrere Überlegungen 
gegeben: kriegswirtschaftliche, strategische Gesichtspunkte der Seekriegs= 
leitung, politische Interessen des Außenpolitischen Amtes der NSDAP (Rosen= 
berg; Quisling) und die politische Lage im Norden angesichts des sowjetische 
finnischen Winterkrieges, bei der mit einem Eingreifen der Westmächte 
zugunsten Finnlands zu rechnen war und eine Gefährdung der Neutralität 
Norwegens gegeben schien. 

Von der militärischen Lage diktiert waren zweifellos die politischen Ent= 
Schlüsse, Griechenland zu besetzen, Jugoslawien auszuschalten und die arabische 
Freiheitsbewegung im Irak zu unterstützen. Hier haben die katastrophalen 
Rückschläge der Italiener an der griechisch=albanischen Front, der deutschfeind= 
liehe Umsturz in Belgrad am 27. 3. 1941 und der Aufstand des englandfeind= 
liehen irakischen Politikers El Gailani eine bestimmende Rolle gespielt 5 . 

Eine Variante zu den oben angedeuteten Formen der politischen Entschluß= 
bildung war das Einrücken deutscher Lehrtruppen und Verbände in Rumä= 
nien und Bulgarien (1940 bzw. 1941). Im ersten Fall entsprach Hitler einer 
Aufforderung Rumäniens. Angesichts der Lage auf dem Balkan hatte die 
rumänische Regierung um deutschen militärischen Schutz gebeten, der auch 
deshalb gewährt wurde, weil Deutschland im eigenen Interesse dieses Gebiet 
(öl) vor jeder feindlichen Bedrohung abschirmen wollte. Im zweiten Falle 
erfolgte der Einmarsch mit Einwilligung der bulgarischen Regierung 6 . 

Fraglos hat Hitler als Oberster Befehlshaber der Wehrmacht auch alle stra= 
tegischen Entscheidungen getroffen. Doch hat er hierbei — im Gegensatz zu 
seiner politischen Entschlußfassung — in starkem Maße seine militärischen 
Mitarbeiter aus fachlichen Gründen zur Beratung hinzugezogen und sich ihre 
Ansichten vortragen lassen, bevor er endgültige Richtlinien erteilte. Analysiert 
man die deutsche Kriegführung von 1939—1941, so sind auch hier verschiedene 
Formen strategischer Entscheidungen zu erkennen. Am Anfang stand zunächst 
eine Entscheidung, die der eigenen Initiative Hitlers entgegen der Ansicht 

4 Vgl. Anm. 2 (Krausnick). 5 Vgl. KTB=OKW, Bd. I, S. 368 ff. 
6 Ebd., S. 284 ff.; vgl. auch: Hillgruber, A., Hitler, König Carol und Marschall Anto* 
nescu, Wiesbaden 1954, S. 8g ff. (siehe auch Chronik, S. 1189 ff.). 

134 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

seiner Militärs entsprungen war: angesichts der Kriegserklärung und dem 
unbeugsamen Willen Frankreichs und Englands wollte Hitler den Krieg fort= 
setzen und noch im Herbst bzw. Winter 1939/40 eine Offensive im Westen 
auslösen. Auf Grund militärischer Empfehlungen der Kriegsmarine hat Hitler 
die Besetzung Norwegens zur Sicherung der Nordflanke befohlen. In Überein= 
Stimmung mit den strategischen Vorstellungen der Ob.Kdos. ließ er deutsche 
Truppen zur Unterstützung der Italiener in Nordafrika einsetzen und Griechen= 
land bzw. Jugoslawien angreifen. 

Jedoch verdeutlichten bereits diese drei Entscheidungen, daß die deutsche 
Kriegführung entgegen dem ursprünglichen Konzept aus einer militärischen 
Zwangslage heraus hatte handeln müssen und damit in eine gewisse Abhängig= 
keit von ihrem Bündnispartner geraten war. Die Folge war eine wachsende 
Zersplitterung der eigenen Kräfte und eine Ausweitung der Kriegsschauplätze. 

Gegen die strategische Konzeption eines Wehrmachtsteils (OKM) entschied 
sich Hitler Ende 1940, als er zur indirekten kontinentalen Strategie gegen Eng= 
land überging; mit dem Feldzug gegen die Sowjetunion hoffte er, alle ent= 
scheidenden Fragen der deutschen Kriegführung innerhalb kürzester Zeit in 
seinem Sinne zu lösen. Die zwischen dem Ende des Westfeldzuges 1940 und 
dem Beginn des Ostfeldzuges 1941 darüber hinaus getroffenen oder erwogenen 
strategischen Entscheidungen enthüllen kein unbedingt einheitliches Bild. Das 
ist darauf zurückzuführen, daß die Ansichten der drei Wehrmachtsteile über 
die wirkungsvollsten Möglichkeiten zur direkten Bekämpfung Großbritanniens 
auseinandergingen, und einige „Entscheidungen" an politische (z. B. das Unter= 
nehmen gegen Gibraltar an Spanien; die Eroberungen der Azoren und Kap= 
verdischen Inseln an das Zusammengehen mit Frankreich in Afrika), andere 
wiederum an militärische Voraussetzungen gebunden waren (z. B. die Landung 
in England, die von der Luftherrschaft abhängig war) 7 . 

Die Führung der Operationen lag im allgemeinen in den Händen der 
Ob.Kdos. der drei Wehrmachtteile. Ziemlich unbehelligt konnte z. B. das 
OKH den Feldzug gegen Polen im Sinne seiner Aufmarschanweisung und 
operativen Ideen führen. Allerdings kam es infolge erster Spannungen zwi= 
sehen Hitler und dem OKH zu einer Auseinandersetzung innerhalb des OKH 
über die Frage der Verantwortlichkeit für die Operationen. Gen. Halder schrieb 
damals einen Brief an den Ob.d.H, in dem er ausführte: nur einer könne die 
Führung der Operationen maßgebend bestimmen. Entweder Hitler, der Ob.d.H. 
oder der Chef des Genst.d.H. Beanspruche der Ob.d.H. diese für sich, so sei 
es ratsam, an die Stelle des Chefs des Genst.d.H. eine Persönlichkeit mit einer 
anderen Dienstbezeichnung zu setzen. Seit Moltke sei der Chef des Genst.d.H. 
für die Operationsführung verantwortlich gewesen. Gen. Halder bat, im letz= 
teren Falle um Enthebung von seinem Amt. Die sich an dieses Schreiben 
(1. 10. 1939) anschließende Aussprache zwischen dem Ob.d.H. und seinem Chef 

7 Vgl. Klee, K., Das Unternehmen „Seelöwe", Göttingen 1958, S. 31 ff. 

135 E 



A. Einführung 

des Genst. ergab, daß v. Brauchitsch künftig die Operationsführung „im Namen 
des Ob.d.H." ganz Gen. Haider überließ 8 . Wohl war damit die verantwortliche 
Stellung des Chefs des Genst. innerhalb des OKH geklärt, aber die Reibungen 
und Differenzen blieben bestehen, da Hitler sich mehr und mehr in den Gang 
der Kampfhandlungen auf dem Schlachtfeld und in die operativen Vorberei= 
tungen einschaltete (vgl. S. 174 Eff.). Immerhin führte Halder von diesem Zeit= 
punkt an in souveräner Beherrschung seine Aufgaben die Operationen des Hee- 
res. Das zeigte sich bei Planung und Durchführung des Westfeldzuges, bei den 
Vorbereitungen zu den Unternehmen „Attila" und „Felix", im besonderen 
während des Balkanfeldzuges 1941, der noch einmal hohe deutsche Führungs= 
kunst demonstrierte. Das deutsche Afrikakorps unterstand zwar „de jure" dem 
italienischen Comando Supremo, lag aber bis zum Sommer 1941 im Zustän= 
digkeitsbereich des OKH. Seit dem 22. 6. 1941 war es jedoch Aufgabe des 
OKH, den Feldzug in Rußland zu führen sieht man von Nordfinnland ab. 

Parallel zu dieser Entwicklung kam es zur Herausbildung sog. OKW=Kriegs= 
Schauplätze, was auch an der erweiterten Aufgabenstellung des Wehrmacht= 
führungsamtes bzw. =stabes seit dem Winter 1939/40 deutlich wurde 9 . 

War es zunächst nur dessen Aufgabe, die großen strategischen und ope= 
rativen Richtlinien für die Kriegführung zu bearbeiten und das Zusammen* 
wirken der Wehrmachtteile sicherzustellen, so befahl Hitler diesem im Winter 
1939/40, die Besetzung Dänemarks und Eroberung Norwegens („Weser= 
Übung") in allen Einzelheiten zu planen und diese „triphibischen" Opera= 
tionen zu leiten. Wie es schien, hatten ihn dazu folgende Gründe veranlaßt: 

1. „Bei den zu erwartenden Operationen aller drei Wehrmachtsteile war es 
wenig zweckmäßig, die Kräfte einem einzigen Wehrmachtsteil zu unter= 
stellen, da weder der Generalstab umfangreiche See= und Luftoperationen 
leiten konnte, noch die Stäbe der Luftwaffe und Kriegsmarine die Lande= 
Operationen." 

2. Hinzu kam, daß die Operationen „eine enge Zusammenarbeit mit dem 
Auswärtigen Amt" und seinen Vertretern in Dänemark und Norwegen 
erforderten. Diese konnte bei Führung durch das OKW „leichter sicher= 
gestellt" werden. 

3. Die Geheimhaltung des ganzen Unternehmens, so glaubte Hitler, war bei 
dem personell eng begrenzten Kreis besser zu garantieren. 

4. Im übrigen sollte das OKH, das mit den umfassenden Vorbereitungen für 
den Westfeldzug beschäftigt war, nicht weiter „mit einer zusätzlichen so 
schwierigen und ihm z. T. wesensfremden Aufgabe" belastet werden. Zu= 
dem hatte Hitler den Eindruck gewonnen, daß der ObdH das ganze Nor= 
wegenunternehmen sehr skeptisch beurteilte 10 . 

8 Vgl. Generaloberst Halder Kriegstagebuch, Bd. I, Stuttgart 1962, S. 95. 

9 Vgl. Warlimont, W., Im Hauptquartier der deutschen Wehrmacht 1939—1945, 
Frankfurt 1962, S. 82 ff. 

10 Zitiert nach: Mitteilung von Gen. a.D. A.Winter an den Verf. v. 10.10.1964. 

136 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

Wahrscheinlich sind ähnliche Gründe und Überlegungen maßgebend gewe= 
sen, als später die Bearbeitung der Operationen in Nordafrika und Nordfinn= 
land dem WFSt übertragen wurde und damit das System der sog. OKH= und 
OKW ^Kriegsschauplätze endgültig verfestigt wurde. Bei den beiden letztge= 
nannten Kriegsschauplätzen handelt es sich außerdem um die Zusammenarbeit 
mit den Verbündeten Finnland und Italien. Dabei mußten bestimmte politische 
Rücksichten genommen werden; das konnte vielleicht der Stab des OKW 
besser verwirklichen, da er „eine engere Verbindung zu den politischen Stellen 
und mehr Einblick in die politischen Verhältnisse" besaß. 

Kurz vor Beginn des Rußlandfeldzuges entschied Hitler, den Ob.d.H. und den 
Chef d. Genst.d.H. „von der Verantwortung und den Belastungen" anderer 
Kriegsschauplätze zu befreien und denjenigen, die mit der Führung in den 
besetzten Gebieten verbunden waren; beide sollten sich ganz auf den bevor= 
stehenden Kampf im Osten konzentrieren können. Holland, Belgien, Frank= 
reich und der Balkan wurden dem OKW unterstellt n . 

Eine Ausnahme bildete lediglich das Kreta=Unternehmen im Mai 1941. Ob= 
wohl dieses ebenfalls ein kombiniertes Unternehmen von Luft, See= und Land= 
Streitkräften (Fallschirmjäger) war, beauftragte Hitler Reichsmarschall Cöring 
(auf dessen Drängen hin) mit der Führung aller Operationen 12 . 

Mit Beginn des Ostfeldzuges wurde die Gesamtverantwortung des OKW 
insofern noch erweitert, als ihm alle Wehrmachtsbefehlshaber unterstellt wur= 
den, die besondere Aufgaben hinter der Front (Schutz der Straßen, Bahnen 
und militärischen Anlagen u. a.) zu erfüllen hatten. Ende 1941 hatte das OKW 
nicht nur die verschiedenen Kriegsschauplätze in Nord= und Westeuropa, im 
Mittelmeerraum und auf dem Balkan in eigener Veranwortung zu leiten und 
im Osten militärische Sicherungsaufgaben zu übernehmen, sondern auch noch 
die „zahlreichen deutschert Generale bzw. Militärmissionen bei den Verbün= 
deten zu steuern" 13 . 

Für diese umfassenden Aufgaben erwies sich der bisherige Führungsstab als 
zu klein; daher mußte er vergrößert werden. Doch konnte eine Ausweitung 
zu einer vollen Ausstattung mit allen Abteilungen, die für eine unabhängige 
Operations=Führung notwendig gewesen wäre, nicht erfolgen, denn der Um= 
fang des eigentlichen Op. Stabes (L) mußte zahlenmäßig „auf etwa 150 bis 
200 Köpfe beschränkt bleiben, da nicht mehr in dem zur Verfügung stehenden 
Arbeitszug arbeiten konnten". Diese Beschränkung war notwendig, da der 
Führungsstab ja nicht nur die Op. Leitung auf den OKW=Kriegsschauplätzen 
zu bearbeiten hatte, sondern darüber hinaus auch der Arbeitsstab Hitlers 
blieb, der so beweglich gehalten werden mußte, daß er Hitler ohne große 
Schwierigkeiten begleiten konnte 14 . 

11 Ebd. 

12 Vgl. Gundelach, K., Der Kampf um Kreta 1941, in: Entscheidungsschlachten des 
zweiten Weltkrieges, Frankfurt i960, S. 135 ff. 

13 Vgl. Anm. 10 (a.a.O.). 14 Ebd. 

137 E 



A. Einführung 

Im übrigen leitete das Oberkommando der Luftwaffe unter Göring selb= 
ständig den Luftkrieg gegen England, während es bei allen anderen Erd= und 
See=Operationen auf Zusammenarbeit mit den beiden anderen Teilstreitkräften 
angewiesen war. Und das OKM, d. h. der Chef SKL, Großadmiral Raeder, 
führte fast völlig unabhängig den Über= und Unterwasserkrieg zu See. In 
seinen laufenden Besprechungen mit dem Ob.d.W. unterrichtete Raeder diesen 
über alle beabsichtigten Maßnahmen und stimmte seine eigenen Vorstellungen 
mit denjenigen Hitlers ab 15 . 

2. Der tägliche Lagevortrag als Befehlsausgabe 

Der tägliche Lagevortrag — entweder im Befehlszug oder in den herge= 
richteten Besprechungsräumen mit Karten und Nachrichtenmaterial — zählte 
zu den regelmäßigsten Einrichtungen des Führerhauptquartiers; er war in 
erster Linie Befehlsausgabe und daher Ausgangspunkt aller wesentlichen Ent= 
Scheidungen. In gewisser Hinsicht war es das letzte „Überbleibsel" einer tradi= 
tionell=konservativen deutschen Führung, bei der der Chef des Generalstabs 
des Feldheeres dem Obersten Kriegsherrn täglich persönlich vortrug 1 . In der 
anfänglichen Form war er noch mehr ein Lagebericht. Wie Warlimont in seinen 
Erinnerungen berichtet hat, fand ein solcher das erstemal am Abend des 
i. September 1939 im Wintergarten der Alten Reichskanzlei statt. Versammelt 
war „ein bunter Kreis von Offizieren und der Wehrmacht nicht angehörigen 
, Würdenträgern"'. Dabei schien sich Hitler vor allem für die Zahl der von seinen 
Truppen zurückgelegten Kilometer in Polen interessiert zu haben, die ihm dann 
„auch von beflissenen Adjutanten schnell und laut zugerufen wurden". Mochte 
diese erste Lagebesprechung den Chef der Abt. L noch stark an das „frühere 
Bühnenbild" von Wallenstein erinnern 2 , sehr bald entwickelte sich diese Ein= 
richtung zum Mittelpunkt des Führungsmechanismus; stetig gewann diese an 
Bedeutung. Mit der Zeit bildete sich dabei ein ganz bestimmter Führungsstil 
heraus. 

Bezeichnend war, daß an dem Lagevortrag nur ein eng begrenzter Kreis von 
ständigen Mitgliedern (die sog. „Maison militaire") teilnahm : Der Chef OKW, 
GFM Keitel, der Chef des WFSt., Gen. Jodl, die vier Adjutanten und im all= 
gemeinen auch der „persönliche" V.Offz. Görings, Gen. Bodenschatz. Von Fall 
zu Fall wurden Vertreter des OKH (Ob.d.H, Chef Genst.d.H., Chef Op.Abt.), 
des KM (Raeder, Schniewind) und der Luftwaffe hinzugezogen. Zum „Haupt= 
berichterstatter" stieg sehr bald der Chef des WFSt., Gen. Jodl, auf, der für 
seine Vorträge die von der Abt. L „gesammelten Meldungen und Nachrichten" 
der drei Oberkommandos verwertete. Wie Warlimont später zusammengefaßt 
hat: „konnten diese in der Hauptsache nur die Tagesereignisse und Verände= 

15 Vgl. Literaturhinweise auf S. 27 E. 

1 Vgl. auch: Erfurth, W., Die Geschichte des deutschen Generalstabes 1918—1945, 
Göttingen 1960, 2. Aufl. 

2 Warlimont, a. a. O. (s. S. 136 E), S. 19. 

138 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939— 194z 

rungen enthalten, mußten dagegen jeden tieferen Gehalts entbehren, wie er der 
Führung aller Stufen nur aus dem lebendigen und verantwortlichen Zusammen= 
hang mit der Truppe erwachsen kann. Weder Hitler noch die ständig um ihn 
tätigen Generale des OKW ließen sich dadurch jedoch beirren, sondern ent= 
wickelten auf den unzulänglichen Grundlagen unbekümmert ihre Erörterun= 
gen und Entschlüsse, durch die sich dann der Ob.d.H. immer von neuem vor 
vorgefaßten Meinungen, wenn nicht gar, wie meistens, vor vollendete Tat= 
sachen gestellt sah" 3 . 

In den einzelnen Feldhauptquartieren gab es besondere Gebäude oder 
Baracken, in denen Besprechungsräume eingerichtet waren. Außer den regeU 
mäßigen Lagevorträgen wurden auf Grund besonderer wichtiger Einzelmel= 
düngen der Oberbefehlshaber der Wehrmachtteile in engstem Kreise Sonder= 
besprechungen einberufen. 

Im F.H.Qu. „Wolfsschanze" fand die Lagebesprechung „vor dem Führer" 
jeden Tag mittags statt. Grundlage dazu erteilte die Morgenmeldung der 
Oberkommandos der Wehrmachtteile, „die sich beim OKH auf die Abschluß= 
meidung des Tages von den HGr. stützte. Nur die OB in Finnland, Norwegen 
und Nordafrika meldeten unmittelbar an OKW, und gleichzeitig nachrichtlich 
an OKH". 

Wie Gen. v. Loßberg, der frühere Mitarbeiter Warlimonts berichtete 4 , hatte 
Hitler „seinen Tagesablauf" so geregelt, daß „ihm Jodl gegen 11 Uhr im klei= 
nen Kreise die von uns während der Nacht zusammengestellten Meldungen 
und Karten der Kriegsschauplätze vortrug. Manchmal wurde es noch später, 
denn Hitler pflegte nach getaner Tagesarbeit die Nacht bis gegen 4 Uhr früh 
bei Teegesprächen mit engen Vertrauten, vielfach auch seinen beiden Steno= 
typistinnen, zu verbringen. Es war militärisch höchst unbequem, daß er dann 
bis in den Tag hinein schlief und nicht gestört werden durfte. 

Anschließend an den OKW= Vortrag erfolgte der Vortrag von v. Brauchitsch 
und Halder. Bei diesen Gelegenheiten traf Hitler in seiner impulsiven Art oft 
Entscheidungen, — sei es in grundlegenden Fragen, sei es in Einzelheiten, die 
keineswegs in den Aufgabenbereich des Obersten Befehlshabers fielen und 
vom Hauptquartier aus auch gar nicht zutreffend beurteilt werden konnten. 
Dank des vorzüglich arbeitenden Nachrichtenapparates waren auf der Lagen= 
karte des Heeres in allen Phasen des Feldzuges der Stand jeder Division, oft 
auch die von kleinen Vorausabteilungen am Vorabend erreichten Punkte zu 
ersehen. Hitler vertiefte sich gern in solche Details, übte Kritik an Dingen, die 
von seinem Bunker in Ostpreußen aus beim besten Willen nicht zu übersehen 
waren und gab sogar über den Kopf von v. Brauchitsch hinweg in persönlichen 
Telephongesprächen und Funksprüchen oft direkte Befehle an Kommando= 
stellen der Front. 

Die militärischen Lagevorträge dehnten sich bis in die frühen Nachmittags= 

3 Ebd., S. 59. 

4 Vgl. Loßberg, B. v., Im Wehrmachtführungsstab, Hamburg 1949, S. 121 f. 

139 E 



A. Einführung 

stunden aus. Bei ihnen war stets ein Stenograph 5 zugegen, der jedes von Hitler 
gesprochene Wort festzuhalten hatte. Vom Stenogramm soll nur eine Abschrift 
angefertigt worden sein, die Hitler selbst in Verwahrung nahm. Sicherlich 
war es die Unterlage für die spätere Geschichtsschreibung. Da Hitler unendlich 
viel sprach — man kann beinahe sagen, daß er laut dachte — , wäre es ihm nicht 
schwer gefallen, später zu behaupten, daß er alles richtig beurteilt hätte. 

Der Nachmittag gehörte den Besprechungen mit Bormann und anderen Stel= 
len. Nach kurzer Abendorientierung über die Meldungen von der Front folgte 
dann um 20 Uhr oder später in einem engen schmalen Raum, ebenfalls einer 
Betonbaracke, das Abendessen, an dem ungefähr 15 Personen teilnahmen. In 
der Mitte der Tafel saß Hitler, zu seiner Rechten meist ein zufällig anwesender 
Gast — Himmler, Goebbels, Ley oder ein anderer Parteiführer — , zu seiner 
Linken Jodl. Hitler gegenüber saßen Bormann und Keitel, nach den Enden des 
Tisches zu einige Parteileute und Adjutanten. Regelmäßige Tischteilnehmer 
waren weiter der Reichspressephotograph „Professor" Hoffmann und der Leib= 
arzt Dr. Morell, fast immer auch der Pressechef Dr. Dietrich oder dessen Ver= 
treter. Ebenso wie im Westen wurde schließlich täglich ein Offizier unseres 
Stabes und ein Offizier des Führer=Begleitbataillons zur Tafel kommandiert." 

Noch etwas ausführlicher hat General d. Geb.Tr. a.D. A.Winter 6 die Art des 
Lagevortrages zusammengefaßt : 

Hitler wurde gewöhnlich zweimal am Tage über die an allen Fronten entstandene 
Lage durch Gen. Jodl, seinem Vertreter oder durch dazu bestimmte Offiziere unter* 
richtet. Im großen Teilnehmerkreis fand diese Besprechung meistens gegen 13.00 Uhr, 
die zweite kleinere zwischen 23.00 und 1.00 Uhr statt. Als Unterlagen für die Unter= 
richtung wurden bei den Op. Abteilungen des WFSt auf Grund der Meldungen der 
Wehrmachtteile und der Oberbefehlshaber auf den dem OKW unterstehenden 
Kriegsschauplätzen sowie anderen eingehenden Meldungen, insbes. der Abt. „Fremde 
Heere Ost" und „West" im Genst.d.H. und des Amtes Ausl.=Abw. nach besonderen 
Anweisungen Lageberichte angefertigt und Lagenkarten gezeichnet. Die Vorarbeiten 
für diese Unterlagen begannen etwa um 6.00 Uhr, sie waren gegen 11.00 Uhr abge= 
schlössen und wurde sodann gegen 12.00 Uhr dem Chef WFSt zur Vorbereitung 
seines Vortrages vorgelegt. Der Umfang dieser Lageberichte betrug oft bis zu 
30 Seiten. Demgegenüber wurden die Berichte für die Abendlage kürzer gehalten; sie 
brachten im übrigen nur besondere, im Laufe des Nachmittags bis 21.00 Uhr bekannt 
gewordene Ereignisse (neue Lagenkarten wurden hierfür im allgemeinen nicht ge= 
zeichnet). 

Den Lageberichten wurden Aktennotizen oder Kurzbeurteilungen hinzugefügt, in 
denen die Unterlagen für die nach der Lage notwendigen Entscheidungen oder Stel= 
lungnahmen zu Anträgen oder Absichten der unterstellten Kdo.Behörden enthalten 
waren. Mit den Lageberichten wurden ferner die ständig für Hitler auf dem laufen= 
den zu haltenden Unterlagen vorgelegt, sie enthielten u.a.: Kriegsgliederungen der 
einzelnen Kriegsschauplätze; Übersichten über die personellen und materiellen Stär= 
ken (insbes. Panzer» und Paklage), Befestigungskarten, Übersichten über die Ver= 

5 Das war erst ab September 1942 der Fall. Vgl. zu diesen Vorgängen: Hitlers 
Lagebesprechungen, hrsg. v. H. Heiber, Stuttgart 1962. 

6 Mitteilung an den Bearbeiter. 

140 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

sorgungslage Afrikas mit laufender Schifftransportlage, Übersicht über den Einsatz 
der Küstenartillerie, Stand der Neuaufstellungen usw. Diese Statistiken und Über= 
sichten mußten peinlich genau geführt werden, da Hitler ein ausgezeichnetes Ge= 
dächtnis — insbesondere für Zahlen — besaß, Fehler sehr bald merkte und dies übel 
nahm. 

Während der Lagevorträge auftauchende Fragen wurden meist aus dem Lage= 
zimmer heraus telefonisch an die Bearbeiter gegeben und mußten möglichst noch 
während des Lagevortrages, spätestens bis zum nächstfolgenden Vortrag geklärt 
werden. Durch diese weit in die Einzelheiten hineingehende von Hitler geforderte 
Unterrichtung war eine enge Zusammenarbeit mit den Wehrmachtteilen und den 
unterstellten Kdo.Behörden notwendig, deren Zeit und Arbeitskraft durch die auch 
ihrerseits notwendigen Rückfragen oft über Gebühr in Anspruch genommen werden 
mußte. 

Die Entscheidungen, die Hitler während des Lagevortrages fällte, wurden meistens 
sofort fernmündlich voraus im Auszug an die betroffenen Dienststellen gegeben und 
später, in Einzelheiten formuliert, zur Unterschrift vorgelegt. Dringende Entscheid 
düngen, die sogleich Antwort erforderten und nicht bis zur nächsten Lagebesprechung 
aufgeschoben werden konnten, wurden in Ausnahmefällen durch den Chef WFSt 
auch außerhalb der Lagevorträge von Hitler persönlich oder fernmündlich eingeholt. 
Hier ergaben sich oft Schwierigkeiten und Verzögerungen, da Hitler durch laufende 
Staatsgeschäfte in Anspruch genommen, oft längere Zeit nicht zu erreichen war. Da 
er aber trotzdem auf persönliche Entscheidung beharrte, entstanden hierdurch zeit- 
weise gewisse Nachteile für die Kampfführung. 

Durch die sehr oft ausgedehnte Abendlage, für die häufig noch Klärungen ge= 
fordert oder in der Entscheidungen gefällt wurden, mußte der Dienstbetrieb in den 
Gruppen bzw. Op.Abt., insbesondere bei der Op.Abt. (Heer) und bei der Qu.Abt. 
oft bis 2.00 oder 3.00 Uhr durchgeführt werden; dies bedeutete für die Bearbeiter, 
für die keine Ablösungsmöglichkeit bestand und die am frühen Morgen bereits mit 
der Bearbeitung des nächsten Lageberichtes beginnen mußten, eine erhebliche Be= 
lastung. Da Hitler im Verlaufe des Krieges mehr und mehr in Einzelheiten der 
operativen Führung eingriff, ging er dazu über, seine operativen Weisungen in der 
Lagebesprechung oder bei Sonderbesprechungen selbst zu umreißen, ja in den wich= 
tigsten Punkten sogar im Wortlaut festzulegen. Diese grundlegenden Arbeitsan= 
Weisungen Hitlers hat meistens der Chef OKW oder Chef WFSt mitgeschrieben 
und mit eigenen Ergänzungen versehen, dann dem WFSt zur Bearbeitung über= 
geben. 

Bei der eingehenden fachlichen Bearbeitung und den Rücksprachen mit den Be= 
teiligten oder ausführenden Dienststellen stellte es sich oft heraus, daß die ge= 
gebene Anweisung zeitlich, räumlich, kräfte= oder nachschubmäßig nicht in der be= 
f ohlenen Form durchzuführen war. Da die auf diese Rücksprachen hin ausgearbeiteten 
Abänderungs= oder Gegenvorschläge meistens eine Beschränkung der von Hitler 
befohlenen Zielsetzung enthielten, er also Abstriche von seinen mit der Operation 
verbundenen politischen, militärischen oder wirtschaftlichen Zielen machen sollte, 
führten diese Gegenvorschläge häufig zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten 
zwischen Hitler und seinen militärischen Ratgebern, zumal die auch in Einzelfällen 
von den hierzu ins FHQu. herangeholten OBs der betroffenen Fronten unterstützt 
wurden. Hitler versuchte indessen die Stichhaltigkeit der vorgebrachten Gegengründe 
oft durch eine zu optimistische und den Tatsachen nicht gerechtwerdende Beurteilung 
der Schwierigkeiten zu entkräften; häufig ließ er sich dabei von durch ihn einge= 
schaltete andere Dienststellen unterstützen. 

Nach den Erinnerungen Keitels erfolgte während der Lagevorträge allerdings 
nicht nur eine Befehlsausgabe in operativen Fragen, „sondern auf allen Gebie= 

141 E 



A. Einführung 

ten, die mit der militärischen Kriegführung irgendwie in Zusammenhang 
standen. Da Hitler bei diesen Gelegenheiten vom Hundertsten ins Tausendste 
kam und von sich aus auch zahlreiche Fragen anschnitt, die von anderen 
Seiten an ihn heran getragen wurden, dauerten die Lagebesprechungen mittags 
durchschnittlich drei Stunden und abends nie unter einer Stunde, obwohl die 
operativen und taktischen Fragen selbst in der Regel nur einen Bruchteil (der 
Zeit) beansprucht hätten. So konnte auch ich, der ich mich über Morgen= und 
Abendlage vorher selbst informieren ließ (Umdrucke WFSt. oder Anwohnung 
bei der Abend=Orientierung bei Jodl), niemals von den zeitraubenden Führer= 
vortragen fernbleiben, weil jedesmal allerhand Fragen, Anordnungen oder 
Maßnahmen von Hitler verlangt wurden, die — weitab von Strategie und 
Politik — in die Hand genommen werden mußten, und für die er sich an mich 
hielt, als seinen Chef des Militärischen Stabes, auch dann, wenn keinerlei Zu= 
ständigkeit des OKW gegeben war. 

Es lag dies in der völlig ungeordneten Denk= und Arbeitsmethode dieses 
Autokraten, der stets dann den Ressorts, gegeneinander, — schärfste Grenzen 
zog, wenn er sie gegeneinander ausspielen, oder aber sie beherrschen wollte 
nach dem Grundprinzip: Divide et impera 7 !" 

Dank der subtilen Formulierungen Greiners bei der Abfassung des KTB 8 
sind wir über die zahlreichen Unterschiede, Varianten, Alternativen und Dring= 
lichkeitsstufen in der Befehlsgebung Hitlers gut unterrichtet. Eindeutig waren 
die sog. Führerentscheidungen; es hieß in diesem Falle „Führer hat entschie= 
den . . .", oder der Führer „traf folgende Entscheidung"; das gleiche Gewicht 
besaßen die Führerbefehle: „Der Führer hat befohlen". Etwas abgeschwächter, 
aber ebenso unmißverständlich waren die Anordnungen, die Hitler traf und 
seine Aufträge, die er erteilte; bei den letzten handelte es sich vielfach um die 
Überprüfung bestimmter Voraussetzungen. In besonders dringlichen Fällen 
sprach er Verbote aus; z. B. untersagte er am 25. 3. 1941 „mit sofortiger Wir= 
kung Luftangriffe auf London" oder am 26. 6. 1941 verbot er, „amerikanische 
Kriegsschiffe auch in der Sperrzone anzugreifen". War sich Hitler noch nicht 
ganz schlüssig, ob er angesichts der militärpolitischen Lage die eine oder andere 
Absicht verwirklichen sollte oder konnte, behielt er sich die „Entscheidung 
über die Durchführung" oder den betreffenden Befehl vor (z. B. beim Unter= 
nehmen „Seelöwe", bzw. der Wegnahme der Insel Lemnos), oder die „Geneh= 
migung für alle erkennbaren Vorbereitungen zum Donauübergang" (18. 1. 
1941). Bestanden Zweifel an gelegentlichen oder einmal geäußerten Absichten 
oder Entschlüssen Hitlers, so sprachen ihn Jodl oder andere Offiziere darauf 
an oder Hitler betonte von sich aus mit Nachdruck seinen Führungswillen. Im 
KTB formulierte Greiner dann, der „Führer" brachte erneut „seine Entschlos= 
senheit zum Ausdruck" (18. 1. 1941), das Unternehmen „Barbarossa" durch= 

7 Vgl. Generalfeldmarschall Keitel, hrsg. v. W. Görlitz, Göttingen 1961, S. 269 f. 

8 Vgl. die Eintragungen im KTB=OKW, Bd. I, S. 4 ff. 

142 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

zuführen. Oder Hitler ließ in die Weisung Nr. 18 den Satz einfließen: „Ich 
halte an der Absicht fest, im ersten Halbjahr 1941 bei Eintritt einer hierfür 
günstigen Lage die Landung (in England) durchzuführen." 

War sich Hitler über den zu fassenden Entschluß noch nicht restlos im 
klaren, schien es ihm ungewiß, wie er sich in einer bestimmten Situation ver= 
halten sollte oder meinte er, auf die Mentalität seiner Bündnispartner Rücksicht 
nehmen zu müssen, so faßte er seine Ansicht häufig in dem Wunsch („Der 
Führer wünscht") als vorläufige Arbeitsgrundlage zusammen. Es kam aber 
auch vor, daß er damit lediglich gewisse Anregungen — eben wirkliche Wünsche 
— an die Wehrmachtteile übermitteln wollte, ohne die Durchführung im 
einzelnen vorzuschreiben. Einmal hieß es z. B.: „Der Führer würde es gern 
sehen" ein andermal „er lege großen Wert darauf". Damit war ein gewisser 
Entscheidungsspielraum für die Oberkdos. angedeutet. 

Auch wenn es mehr um eine studienmäßige Bearbeitung bestimmter vor= 
beugender oder auf weite Sicht geplanter Unternehmungen ging, hieß es : „Der 
Führer habe den Wunsch geäußert . . . "; am 17. 2. 1941 lautete die Eintragung 
im KTB: „Der Führer wünsche die studienmäßige Bearbeitung eines Auf= 
marsches in Afghanistan gegen Indien im Anschluß an die Operation ,Bar= 
barossa'." 

Bei den Lagevorträgen reagierte er offensichtlich unterschiedlich. Nur selten 
kam es vor, daß er die unterbreiteten Vorschläge lediglich zur Kenntnis nahm, 
ohne sich zu ihnen zu äußern. Häufig stimmte er der vorgetragenen Auffassung 
oder der Beurteilung der Lage zu, erkannte er die erhobenen Forderungen als 
„berechtigt" an und beauftragte dann die Organe des OKW, die Frage ihrer 
Realisierung zu prüfen. Entweder schloß er sich den Gedanken des Vortragen= 
den an und erklärte sich mit dem Operationsplan und den Absichten im großen 
einverstanden, oder aber er befahl eine Abänderung in dem einen oder anderen 
Punkte. War er gänzlich anderer Meinung als der Berichterstatter, so lehnte er 
diesen Vorschlag ab. Wurden ihm Alternativlösungen vorgetragen, sprach er 
sich für die eine oder andere Möglichkeit aus oder er verschob seine Entschei= 
düng, um noch weitere Gesichtspunkte zur Klärung zusammentragen zu lassen. 

Die von ihm in Auftrag gegebenen Studien, Weisungen oder Programme 
genehmigte er; falls ihm das notwendig erschien, ordnete er entsprechende 
Änderungen im Text usw. an oder nahm sie selbst vor, — bei kleineren 
Anlässen sogleich, bei größeren, indem er die Papiere und Karten zu eigener 
Durcharbeit mit sich nahm. 

Am häufigsten äußerte er sich zur Durchführung bestimmter Maßnahmen 
und Operationen. Das konnte im Ton des Zweifels geschehen, aber ebenso in 
der Weise, daß er Einzelheiten ergänzte, auf die er besonderen Wert legte. 
Dabei „gewann er" auch hin und wieder den Eindruck, daß bestimmte Befehls= 
befugnisse nicht ausreichend geregelt seien. Er forderte dann z. B., die Dienst= 
anweisungen zu überprüfen. 

Wollte Hitler gewisse Entscheidungen mehr unteren Kdo.=Behörden über= 

143 E 



A. Einführung 

lassen, so ließ er manches Mal diese „ersuchen", durch eine erneute Beurtei= 
lung der Lage zu prüfen, ob und wie ein Einsatz am zweckmäßigsten durch= 
geführt werden sollte. 

Schwankungen in seiner Entschlußbildung kamen wiederholt in vorsichtigen 
Andeutungen im KTB zum Ausdruck. Am 30. 8. 1940 hieß es: daß der Führer 
nach einer Untersuchung durch das OKH „nunmehr doch wieder der Entsen= 
düng stärkerer Kräfte ,nach Libyen' zuneige". Am 19. 11. 1940 berichtete Jodl, 
daß das „Unternehmen Seelöwe" in den Gedanken des Führers „neuerdings 
wieder eine stärkere Rolle spiele". 

Die gedanklidie Entwicklung bestimmter Planungen und Operationen deu= 
tete Greiner mit den Formulierungen an, der Führer beschäftige sich eingehend 
mit „den Möglichkeiten" z. B. Irland in Besitz zu nehmen (27. 11. 1940) oder 
die Inseln Oesel und Dago (11. 6. 1941) zu erobern. Mußte auf das Verhalten, 
auf die Empfindungen und Besonderheiten der Verbündeten oder möglicher 
Koalitionspartner Rücksicht genommen werden, so trug sich Hitler „mit dem 
Gedanken", wünschte oder ordnete er an, die betreffenden Ob.Kdos. in seinem 
Sinne zu befragen. 

Wie der ehemalige Heeresadj. Hitlers, Gen. Engel, berichtete 9 , konnte es 
in den Lagevorträgen aber auch durchaus vorkommen, daß Hitler völlig un= 
systematisch Anordnungen erteilte, Hinweise gab und Einzelheiten korrigierte, 
so daß die Generale Halder und Jodl sich häufig nach der Besprechung fragen 
mußten : Was will der Führer eigentlich? 

In manchen Fällen äußerte sich Hitler zweideutig oder unklar, wenn er 
etwa ausführte: „Ich bin doch der Meinung, daß . . ." Faßten die anwesenden 
Offiziere diese Äußerung des Obersten Befehlshabers als eine feste Absicht 
auf und handelten sie dementsprechend, hing alles davon ab, ob die getroffene 
Maßnahme gut verlief. Schlug die Sache fehl, suchte Hitler häufig einen 
„Sündenbock", was in der zweiten Hälfte des Krieges immer häufiger der 
Fall war. Häufig konnte Hitler auch vom Hundertsten ins Tausendste 
fallen oder stundenlang bei Einzelheiten verweilen, vor allem dann, wenn es 
sich um den Einsatz seiner SS handelte. 

5. Die Weisungen für die Kriegführung 

Die „Weisung für die Kriegführung" bestimmte im Zweiten Weltkrieg den 
großen Rahmen der deutschen Strategie. Gedacht war, daß in ihnen zunächst be= 
wüßt darauf verzichtet wurde, den „Führungswillen im einzelnen zu interpre= 
tieren". Sie war an die drei Oberkommandos gerichtet und für einen „mög= 
liehst langen Zeitraum" vorgesehen. Freilich sah es dann im Verlaufe der militä= 
rischen Praxis recht unterschiedlich aus. Wie W. Hubatsch in seiner Einleitung 
zu „Hitlers Weisungen für die Kriegführung 1939—1945" dargelegt hat 1 , 

9 Mündliche Mitteilung Gen. Engel an den Verf. vom 24. 1. 1965. 

1 Vgl. Hitlers Weisungen für die Kriegführung 1939—1945, hrsg. v. W. Hubatsch, 

144 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

unterschied sich die Weisung vom Befehl dadurch, „daß die Art der Durch- 
führung der gegebenen Richtlinien den untergeordneten Dienststellen und 
Kdo.=Behörden überlassen" werden sollte; dadurch sollte das Prinzip der 
Auftragstaktik zum Ausdruck gebracht werden. Ausgehend von der politischen 
Zielsetzung (die aber nur vereinzelt und partiell angedeutet wurde) sollten die 
Weisungen das Zusammenwirken der Wehrmachtsteile regeln, ebenso den 
Einsatz der „Kampfmittel zur Erreichung politischer und wirtschaftlicher Pläne" 
bestimmen. Obwohl sie begrifflich von Anfang an an das Oberkommando der 
Wehrmacht gebunden waren, betrafen sie alle Kriegsschauplätze; sie hatten 
alle Wehrmachtteile einheitlich ins Bild zu setzen 2 . 

Eine Genesis der Weisungen von 1939—1941 (Nr. 1—39) vermittelt inter= 
essante Aufschlüsse darüber, wer an der Ausarbeitung im einzelnen beteiligt 
gewesen ist und welche Formen der Weisungen zu unterscheiden sind. Viel= 
leicht kann man sieben verschiedene Typen herausstellen, die freilich nicht in 
jeder Hinsicht scharf voneinander zu trennen sind; immerhin überwiegen bei 
diesen Kategorien jeweils bestimmte Kriterien. 

Die häufigste Form war jene, in der ausgehend von dem politischen Ent= 
Schluß Hitlers die Gedankengänge des einen oder mehrerer Wehrmachtsteile 
auf Grund schriftlicher Eingaben oder mündlicher Vorträge zu Weisungen 
mit spezifischen Ergänzungen des Obersten Befehlshabers der Wehrmacht um= 
geformt wurden. Hierzu zählen z. B. die Weisungen Nr. 3, 5, 8, 13, 14, 16, 17, 
18, 19, 20, 21, 22, 23, 24 und 25. 

Aufschlußreich in diesem Zusammenhang ist die Entstehung der Weisung 
Nr. 8 vom 20. 11. 1939 zur Westoffensive 3 . Nachdem Ende Oktober 1939 der 
Gedanke wieder aufgegeben worden war, auch Holland zu besetzen, meldete 
das Ob.Kdo. der Luftwaffe ernste Bedenken an. Göring befürchtete, daß bei 

Frankfurt 1962, S. 9. 

Folgende Definitionen wurden in den Nürnberger=Prozessen gegeben: 
(Aussage Halders im OKW=Prozeß : Nürnberg, Fall XII, Prot. S. 2106) 
„Der Befehl stellt eine bindende Grundlage des Handelns für den Empfänger 
dar. Die Weisung gibt eine Richtung, in der der Empfänger bei der Ausübung 
seiner Befehlsbefugnis gehen soll, ist also erheblich weit bindender. Ich muß 
allerdings eine Einschränkung machen, und die Einschränkung ist diese: Das 
Wort „Weisung" ist vom OKW für die operativen Befehle gebraucht worden, 
während im Sprachgebrauch des Heeres, also im Bereich des OKH, das Wort 
Weisung in dem eben von mir erläuterten Sinne gebraucht wurde." 
Oder (Aussage Warlimont im OKW=Prozeß: Fall XII, Prot. S. 6225): 
„Der Vorgang war so und zwar regelmäßig, daß Hitler diese Befehle mündlich 
an die Oberbefehlshaber von Heer, Marine und Luftwaffe gab. Keitel und Jodl 
waren dabei; dann kam früher oder später der Zeitpunkt, indem nun das, was 
Hitler gesagt hatte, und was sich inzwischen zu einer bestimmten Form kristalli= 
siert hatte, auch schriftlich niedergelegt werden sollte. Dazu unterrichtete Jodl 
mich entweder mündlich, oder er schickte mir, schon weit vorgearbeitet, Zettel, 
auf denen das notwendige aufgeschrieben stand, und diese Zettel dienten dann 
dazu, im in der Form einer Redaktion also einer Übertragung in die militärische 
Befehlsform eine Weisung entstehen zu lassen." 

2 Vgl. Anm. 1, S. 144 E. 

3 Vgl. Jacobsen, H.=A., Fall Gelb, Wiesbaden 1957, S. 44 ff. 

145 E 



A. Einführung 

einem deutschen Angriff unter Verletzung der belgischen Neutralität England 
nicht davor zurückschrecken würde, in Holland Flugplätze einzurichten; dadurch 
mußte eine außerordentliche Bedrohung des Ruhrgebietes entstehen. Hitler 
konnte sich diesem Einwand nicht entziehen; in der Weisung Nr. 8 entsprach 
er den Wünschen der OKL und befahl, ganz Holland zu besetzen. Außerdem 
sollten alle Vorkehrungen getroffen werden, „um den Schwerpunkt der Ope= 
rationen" schnell von der „HGr. B zur HGr. A zu verlegen, falls dort . . . 
raschere und größere Erfolge eintreten sollten als bei der HGr. B". Der letzte 
Gesichtspunkt ging auf seine eigenen Überlegungen in der Frage der Schwer= 
punktbildung zurück. Ähnlich verhielt es sich mit der Weisung Nr. 13 vom 
24. 5. 1940, in der es um die Fortsetzung der Einkreisungsschlacht im Raum 
von Dünkirchen und um die Vorbereitungen zur 2. Phase („Rot") des West= 
f eldzuges ging. Der darin formulierte Auftrag an die Luftwaffe lautete : „Jeden 
Feindwiderstand der eingeschlossenen Teile zu brechen, das Entkommen eng= 
licher Kräfte über den Kanal zu verhindern und die Südflanke der HGr. A zu 
sichern". Zweifellos war dies das Werk Görings, der Hitler versichert hatte, 
die Liquidierung des Kessels könne seine Luftwaffe alleine übernehmen. Ins= 
geheim mochte er hoffen, daß dann der Siegeslorbeer seiner Luftwaffe und 
weniger dem Heer zufallen werde 4 . 

Die berühmte Weisung Nr. 16 vom 1.6. 7. 1940 über die Vorbereitungen 
einer Landungsoperation gegen England war das Ergebnis verschiedener Ge= 
dankengänge: einmal die des Chefs des Genst.d.H., Gen. Halder, der Hitler 
am 13. 7. auf dem Berghof eingehend über den „englischen Angriff" vorge= 
tragen hatte, zum anderen die des Chefs des WFA, Gen. Jodl, der in einer 
umfassenden Denkschrift vom 12. 7. 1940 seine Überlegungen zu einem solchen 
Unternehmen („Seelöwe") niedergelegt hatte. Außerdem hatte Hitler seine 
eigenen Vorstellungen in der Weisung, wie er das seit August 1939 immer 
getan hatte, mit einfließen lassen 5 . 

Relativ eingehend kann man die Entstehung der Weisung Nr. 18 vom 
12. 11. 1940 im KTB des OKW verfolgen (vgl. die Eintragungen von 4. 11., 
5. 11., 6. ii v 7. 11., 9. 11., und 12. 11.). Diese Weisung hat verschiedene 
Stadien durchlaufen, Abänderungswünsche durch das OKH, vor allem aber 
auch durch Hitlers (Entscheidung bezüglich des Unternehmens Seelöwe) er= 
fahren, bis sie dann unterzeichnet an die Ob.Kdos. der Wehrmachtsteile aus= 
gegeben wurde. 

Bei den Weisungen Nr. 21, 22, 23, 24 und 25 haben jeweils eingehende 
Besprechungen mit dem Heer bzw. Denkschriften der Ski. die Grundlage gebildet, 
unabhängig von der Tatsache, daß der WFSt. (L) meistens schon gleichzeitig 
Entwürfe ausgearbeitet hatte und dann nur noch abzustimmen brauchte. 

Waren die oben genannten Weisungen im eigentlichen Sinne mehr Richt= 

4 Vgl. Jacobsen, H.=A., Dünkirchen, Neckargemünd 1958, S. 88 ff. 

5 Vgl. Klee, a. a. O. (S. 26 E, Anm. 11), S. 59 ff. 

146 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

linien für die große Strategie, so gab es auch eine Reihe von Weisungen, die, 
wie es Gen. Warlimont einmal formuliert hat, eine Mischung von Auftrags= 
und Befehlstaktik waren. Sie dokumentierten den sich immer stärker ausprä= 
genden Führungswillen Hitlers, auch in die Einzelheiten operativer Maßnahmen 
einzugreifen. Dies wird z. B. in den Weisungen Nr. 11, 12, 14 und 15, in 
gewisser Weise auch in Nr. 21, sodann in den Nr. 33, 34, 35, 36, 37 und 39 
deutlich. Schon die beiden Weisungen, die Hitler während des Westfeldzuges 
herausgab (11, 12) ließen erkennen, auf welche Weise der Oberste Befehls= 
haber der Wehrmacht unter dem Eindruck der Frontereignisse, impulsiv und 
ängstlich, unmittelbar den Gang der Operationen beeinflussen wollte. Beson= 
ders prägte sich diese Form der Weisung dann im Rußlandfeldzug aus, als er 
immer stärker die Rolle des Strategen und Heerführers übernahm. 

Eine weitere Kategorie war die einseitige Führungsentscheidung, so wie sie 
etwa in den Ergänzungen zu den Weisungen Nr. 33 (23. 7. 1941), 34 und in 
der berühmten „Führerweisung" vom 21. 8. 1941 zum Ausdruck kam. In 
diesen befahl Hitler Operationen, die nicht mehr im Einklang mit den Füh= 
rungsabsichten seiner Ob.Kdos. (in diesem Fall des OKH) standen 6 . 

Zu den Weisungen, in denen überwiegend das Gedankengut der Teilstreit= 
kräfte formuliert worden war, zählten die Nr. 1 (v. 31. 8. 1939) und Nr. 2 
(v. 3. 9. 1939). 

Neben den genannten Kategorien der Weisungen gab es noch zwei weitere, 
die aber mehr die Ausnahme bildeten: die Weisungen für den Eventualfall 
waren bestimmt für die operativen, organisatorischen und Quartiermeister=Vor= 
bereitungen für mögliche eintretende militärische Fälle (z. B. Landung der Eng= 
länder in Portugal und Spanien) oder sollten die strategischen Richtlinien für 
die Zeit nach Beendigung bestimmter Kampfhandlungen im großen festlegen 
(vgl. Weisung Nr. 32, S. 98 E). Die Weisung Nr. 31 vom 9. 6. 1941, eine Art 
Dienstanweisung als Führerbefehl, regelte die komplizierten Befehls= und Kom= 
petenzverhältnisse auf dem Balkan. 

Weisungen, die in erster Linie auf die Richtlinien und Gedankengänge 
Hitlers und seiner Mitarbeiter im OKW zurückgingen, waren die Nr. 4, 6, 
„Weserübung", 26, 27, 28, 29, 30, 31, 32 und 38. In ihnen wurden tatsächlich 
im wesentlichen nur der große strategische Rahmen für die Ob.Kdos. umris= 
sen, die Zusammenarbeit mit den Verbündeten und die Befehlsverhältnisse 
auf den einzelnen Kriegsschauplätzen geregelt. Diese Weisungen sind etwa 
nach folgenden „Verfahren" entstanden 7 : 

Ausgehend von den jeweiligen politisch=strategischen Absichten, die Hitler 
seinem engsten Führungsstab gegenüber äußerte, arbeiteten die einzelnen 
Gruppen im Wehrmachtsführungsstab (vorher Amt) die erforderlichen Vor= 



Vgl. Generaloberst Halder Kriegstagebuch, a. a. O. (5. 44 E, Anm. 5), Bd. III, 
S. 96 ff. I 

Vgl. Anm. 10, S. 136 E. 



147 



A. Einführung 

lagen und Unterlagen aus. Auf ihrer Grundlage faßte der Oberste Befehlshaber 
sodann seinen politischen Entschluß. Diesen teilte er den Oberbefehlshabern 
der drei Wehrmachtsteile mündlich in einer Besprechung oder anläßlich eines 
Befehlsempfanges mit; gleichzeitig beauftragte er die drei Oberbefehlshaber, 
entsprechende Vorschläge für die Führung der Operationen in ihren Stäben 
auszuarbeiten und dem OKW einzureichen. Hatten die drei Wehrmachtsteile, 
meistens unabhängig voneinander oder nach jeweiliger Absprache unterein= 
ander, ihre Vorschläge eingereicht, entschied Hitler im mündlichen Vortrag 
über diese. Das Ergebnis dieser Entscheidung wurde sodann in den W e i = 
s u n g e n schriftlich festgelegt. Damit war der große strategische Rahmen, 
das Ziel der Operationen und der Kräfteansatz im großen für die drei Wehr= 
machtsteile bestimmt. Es war nunmehr Aufgabe der Generalstäbe, Einzelheiten 
der Operationen gemäß des ihnen erteilten Auftrags auszuarbeiten und 
mit dem OKW (über Jodl mit Hitler) abzustimmen. Das OKH gab zu diesem 
Zweck Aufmarschanweisungen heraus, die wiederum Grundlage für die Ent= 
Schlußbildung der untergeordneten Kdo.=Behörden, der Heeresgruppen usw. 
bildeten. 

Als Beispiel hierfür sei der „Fall Weiß" (Angriff gegen Polen) angeführt. Im 
Zuge seiner politischen Zielsetzung gegenüber Polen hatte Hitler am 3. April 
1939 die „Weisung für die einheitliche Kriegsvorbereitung für die Wehrmacht 
1939/40" erlassen 8 . In dieser hatte er befohlen, die Vorbereitungen für den 
„Fall Weiß" (Angriff gegen Polen) so zu treffen, daß die Offensive ab 1. 9. 1939 
jederzeit möglich sei. Er hatte das OKW beauftragt, eine genaue Zeittafel für 
dieses Unternehmen aufzustellen und „die zeitliche Übereinstimmung zwischen 
den drei Wehrmachtteilen durch Besprechungen zu klären". Die Wehrmacht= 
teile sollten dem OKW bis zum 1. 5. 1939 alle Unterlagen für ihre Absichten 
und die Zeittafel einreichen. Während im Westen lediglich eine „Grenzsiche= 
rung West" zur vorläufigen Sicherung des „Westgrenzgebietes" und die 
„Verteidigung West" (volle Abwehrbereitschaft gegen feindliche Großangriffe) 
vorgesehen waren, ließen die operativen Vorbereitungen gegenüber Polen klare 
offensive Absichten erkennen. Es war bezeichnend für den Stil des Obersten 
Befehlshabers, daß er seinen Entschluß in der sog. „Präambel" seiner Wei= 
sungen stets als eine Präventivaktion oder als eine Art „Operation im Nach= 
zuge" deklarierte, um den Anschein zu erwecken, selbst der Angegriffene zu 
sein. So hieß es bereits in der Weisung vom 11. April 1939: „Die gegenwärtige 
Haltung Polens" erfordere es, über die bisher bearbeitete „Grenzsicherung Ost" 
hinaus, Vorbereitungen zu treffen, um notfalls jede Bedrohung von dieser 
Seite auszuschließen. Das deutsche Verhältnis bleibe weiterhin von dem 
„Grundsatz" bestimmt, „Störungen zu vermeiden". Sollte Polen „seine bisher 
auf dem gleichen Grundsatz ruhende Politik gegenüber Deutschland umstellen 
und eine das Reich bedrohende Haltung einnehmen", so könne ungeachtet des 

8 Vgl. 48 E. 

148 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

geltenden Vertrages (vom 24. 1. 1934, den Hitler am 28. 4. 1939 kündigte), 
„eine endgültige Abrechnung erforderlich werden". Als Ziel der Offensive 
stellte Hitler heraus: „Die polnische Wehrkraft zu zerschlagen und eine den 
Bedürfnissen der Landesverteidigung entsprechende Lage im Osten zu schaf= 
fen." Der Freistaat Danzig werde spätestens mit Beginn des Konfliktes zum 
Deutschen Reichsgebiet erklärt. Aufgabe der politischen Führung sei es, in 
diesem Falle Polen zu isolieren, d. h. den Krieg auf Polen zu beschränken. 
Wohl wies das OKW in dieser Weisung darauf hin, daß die deutschen mili= 
tärischen Maßnahmen vornehmlich gegen den Westen gerichtet seien und daß 
der „Fall Weiß" lediglich eine vorsorgliche Ergänzung der Vorbereitungen, 
keineswegs aber als Vorbedingung einer militärischen Auseinandersetzung mit 
den Westgegnern anzusehen sei, doch nichts konnte darüber hinwegtäuschen, 
daß hier, wie seinerzeit im Falle „Grün" (Angriff gegen die CSR), offensive 
Absichten vorlagen. 

Das Operationsziel im Osten war mehr als allgemein gefaßt. Es hieß lediglich: 
das polnische Heer sei zu vernichten. Hierfür könne die HGr. Süd auch „slo= 
wakisches Gebiet" betreten, während auf dem Nordflügel „schnell die Ver= 
bindung zwischen Pommern und Ostpreußen herzustellen sei". Der Kriegs= 
marine wurden eine Reihe detaillierter Aufträge erteilt, so die Vernichtung 
polnischer Seestreitkräfte, Abschirmung und Sicherung der Landoperationen 
von der Seeseite aus, auch gegenüber möglichem Eingriff sowjetischer See= 
Streitkräfte; außerdem hatte sie die Verteidigung der Küsten und des Küsten= 
Vorfeldes der Nordsee zu übernehmen. Aber sie sollte alles vermeiden, durch 
vorbereitende Handlungen die „politische Haltung der Westmächte" zu ver= 
schärfen. 

Die Luftwaffe erhielt den Auftrag, unter Belassung von Sicherungskräften 
im Westen, die polnische Luftwaffe auszuschalten und die Operationen des 
Heeres unmittelbar zu unterstützen. 

Aus diesen Anweisungen war deutlich zu erkennen, daß das Schwergewicht 
der deutschen Kriegführung, wie von den meisten Vertretern des OKH immer 
wieder unterstrichen, nach wie vor beim Heer liegen sollte; den beiden 
anderen Wehrmachtteilen wurden unterstützende, teils sichernde Aufgaben im 
Rahmen der Gesamtoperation zugewiesen. 

Auf Grund dieser allgemeinen Richtlinien arbeitete der Genst.d. Heeres 
im OKH den ersten Entwurf einer Aufmarschanweisung aus, der am 
1. 5. 1939 vorlag 9 ; in diesem hatte der Ob.d.H. die Absichten des Heeres wie 
folgt zusammengefaßt: es komme darauf an, „einer geordneten Mobil= 
machung und Versammlung des polnischen Heeres durch überraschenden Ein= 
bruch in das polnische Hoheitsgebiet zuvorzukommen und die westlich der 
Weichsel=Narew=Linie zu erwartende Masse des polnischen Heeres durch 
konzentrische Angriffe aus Schlesien einerseits, aus Pommern, Ostpreußen 

9 US=Mikrofilm T=3ii (OKH=Genst.d.H. v. 15.6.1939). 

149 E 



A. Einführung 

andererseits zu zerschlagen". Entsprechend diesem Plan war der Schwerpunkt 
der Offensive aus Mittelschlesien heraus in allgemeiner Richtung auf War= 
schau vorgesehen, während der entsprechende Angriff aus Ostpreußen erst 
beginnen sollte, wenn der Polnische Korridor durchstoßen und so die „Ver= 
bindung mit dieser Provinz hergestellt worden war". Die Vorbereitungen zu 
dieser Offensive sollten zeitlich gestaffelt folgendermaßen ablaufen: In der 
ersten Hälfte August in Ostpreußen, ab Mitte August Verlegung der vorge= 
sehenen Stäbe und Verbände in Friedenstransporten; ab 16. 8. Aufstellung 
und anschließende Zusammenziehung der übrigen in Ostpreußen befindlichen 
bzw. aufzustellenden Stäbe und Verbände. Schließlich mußte am 6. Tag vor 
Y=Tag (Angriffstag) die „Einsatzbereitschaft" gewährleistet sein. 

Bezeichnend für die Haltung Hitlers in den Monaten Mai— August 1939 war 
es, daß er es offensichtlich ablehnte, die deutsche Wehrmachtführung auf 
den Fall einer gleichzeitigen Auseinandersetzung mit Polen und den West= 
mächten vorzubereiten. Einen von der Abt. Landesverteidigtng unterbreiteten 
Vorschlag, mit den Chefs der Generalstäbe in Kriegs= und Planspielen die 
militärische Lage im Falle eines Westkrieges zu klären, lehnte er mit dem 
Hinweis ab, daß sich der Konflikt mit Polen lokalisieren lasse. 

Entsprechend dem vom OKH aufgestellten Zeitplan wurden sodann die 
Vorbereitungen zum „Fall Weiß" auf allen Gebieten der Operation, Versor= 
gung usw. getroffen. Am 25. 8. 1939, gegen 15.00 Uhr, erteilte Hitler den 
Befehl zum Angriff; doch wenige Stunden später widerrief er diesen wieder, 
da sich die internationale Lage zugespitzt hatte. Um 22.30 Uhr blies das OKH 
das ganze Unternehmen ab. In den frühen Morgenstunden des 31. 8. 1939 
erließ Hitler jedoch den endgültigen Befehl zum Angriff. 

4. Andere schriftliche Befehlsformen 

a) Allgemein 

Wie Keitel berichtet hat, war die Folge „des inneren Widerstandes des OKH" 
(im Herbst 1939), daß die Verkehrsform von . . . mündlichen Anweisungen 
und Befehlen Hitlers zur schriftlichen Befehlsgebung immer mehr überleitete. 
„Das OKW (WF=Stab) als Stab des Führers arbeitete seine Anweisungen aus, 
sie gingen von Hitler oder mir (im Auftrag) unterschrieben an die Oberbefehls= 
haber. Der WF=Stab unter Jodl kam so in den Sattel, während bisher der Führer 
mit den Oberbefehlshabern — vielfach unter Ausschaltung des OKW — münd= 
lieh verkehrt hatte, worauf auch der Ob.d.H. bis dahin größten Wert gelegt 
hatte, während er nach dem schweren Zusammenstoß (v. 5.11.39) eigentlich 
nur noch persönlich erschien, wenn er befohlen wurde" 1 . 

Neben den „Weisungen zur Kriegführung" gab es noch andere Formen der 
schriftlichen Befehlsführung, ohne daß sich immer klar und eindeutig sagen 
läßt, worin der jeweilige Unterschied bestanden hat. Hitler oder in seinem 

1 Vgl. Keitel, a. a. O. (S. 142 E, Anm. 7), S. 227. 

150 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

Auftrag das OKW erließen Sonderweisungen z.B. an Wehrmachtsbefehlshaber 
für besondere Aufgaben und für einzelne Kriegsschauplätze, Kampf anweisun* 
gen für die Verteidigung und den Krieg im Osten, Dienstanweisungen für 
Militärbefehlshaber und Chefs der verschiedenen Wehrmachtsmissionen; sie 
erteilten Richtlinien für die Durchführung von Transporte und Nachschub= 
bewegungen, für die Rüstungs= und Wehrwirtschaft oder gaben allgemeine 
Anordnungen heraus, so zum Beispiel im Juni 1941, als „alle Angebote frem= 
der Staaten, an diesem Kreuzzug (gegen den Bolschewismus) teilzunehmen, 
mit Begeisterung" aufgenommen werden sollten. Erlasse dienten in erster 
Linie zur Regelung der politischen Verwaltung in den besetzten Gebieten, 
aber auch wehrwirtschaftlichen Maßnahmen oder der Stellung der SS. Be= 
stimmt für einen engeren Kreis war die Denkschrift mit Richtlinien für die 
Kriegführung; eine solche hat Hitler am 10.10.1939 dem Ob.d.H. und dem 
Chef des Genst.d.H. persönlich vorgelesen 2 . 

Selbstverständlich war der Befehl im allgemeinen Sinne das am häufig= 
sten angewandte Führungsmittel; er betraf sowohl operative wie taktische 
Fragen, regelte das Verhalten der Truppen und bestimmte Einzelaufgaben. 
Besondere Bedeutung und außergewöhnliche Dringlichkeit besaß der Führer= 
befehl. (Auch hin und wieder als „Führerwillen" deklariert.) Die schärfste Vor= 
schrift kam in dem „Grundsätzlichen Befehl" zum Ausdruck; ein solcher (Nr.i) 
wurde zum ersten Male am 11. 1. 1940 erlassen. Er besagte 3 : 

1. „Niemand . . . keine Dienststelle . . . darf von einer geheimzuhaltenden Sache 
mehr erfahren, als sie nicht aus dienstlichen Gründen unbedingt davon Kenntnis 
erhalten muß. 

2. Keine Dienststelle . . . darf von einer geheimzuhaltenden Sache mehr erfahren, als 
für die Durchführung ihrer Aufgabe unbedingt erforderlich ist. 

3. Keine Dienststelle . . . darf von einer geheimzuhaltenden Sache bzw. den für sie 
notwendigen Teil früher erfahren, als dies für die Durchführung ihrer Aufgabe 
unbedingt erforderlich ist. 

4. Das gedankenlose Weitergeben von Erlassen, Verfügungen und Mitteilungen, 
deren Geheimhaltung von entscheidender Bedeutung ist, insbesondere laut irgend= 
welcher allgemeiner Verteilerschlüssel, ist verboten." 

Wie der Chef des Genst.d.H., Gen.Oberst Halder, nach dem Kriege aus= 
gesagt hat, war es Zweck dieses Befehls, den höheren „militärischen Führern 
keine Möglichkeit zu selbständigem umfassenden Urteil zu geben". Im Ver= 
laufe des Krieges hat sich die starre Auslegung dieses Befehls zweifellos als 
überaus verhängnisvoll für die Oberste Wehrmachtführung erwiesen (vgl. 
z. B. S. 170 E). 

In diesem Zusammenhang sei nur auf das „Kuriosum" hingewiesen, „daß 
der höchste Stab der Wehrmacht" von Ende Juli bis Anfang Dezember 1940 an 
„den Vorarbeiten zu dem größten Feldzug des zweiten Weltkrieges (gegen 
Rußland) nur den geringsten Anteil gehabt hat" 4 . 

2 Vgl. Jacobsen, Fall Gelb, a. a. O. (S. 43 E, Anm. 2), S. 12 ff. 

3 Ebd., S. 93 ff., 290 f. 4 Vgl. Warlimont, a. a. O. (S. 136 E, Anm. 9), S. 150. 

151 E 



A. Einführung 

b) Der ideologische Befehl 

Die deutsche politische Führung hat den Krieg seit 1939 mehr und mehr im 
Geiste ihrer Weltanschauung zu führen versucht. Es konnte daher nicht aus= 
bleiben, daß sie Befehle und Richtlinien erließ, die weit über den militärisch= 
operativen Rahmen hinausgingen; durch sie wurden Truppenbefehlshaber und 
Kdre. in tiefe Gewissenskonflikte gestürzt. Mündlich erörterte Hitler diese nur 
im allerengsten Kreise, meistens nur mit Himmler oder Heydrich direkt. Im 
übrigen wurde der Verteiler für die schriftlichen Weisungen möglichst klein 
gehalten 5 . 

Hierzu zählten u. a. die Weisung Himmlers an die Soldaten der Waffen=SS 
vom 28. 10. 1939, Kinder außerhalb der Ehe zu zeugen, da jeder „Krieg ein 
Aderlaß des besten Blutes sei", die Richtlinien auf Sondergebieten zur Wei= 
sung Nr. 21 „Barbarossa" vom 13.3.1941, in denen darauf hingewiesen wurde, 
daß im Operations=Gebiet „der Reichsführer SS zur Vorbereitung der poli= 
tischen Verwaltung Sonderaufgaben im Auftrage des Führers" erhalte, die sich 
aus dem „endgültig auszutragenden Kampf zweier entgegengesetzter poli= 
tischer Systeme" ergebe; ebenso gehörten dazu der berüchtigte „Kommissar= 
befehl" Hitlers vom 6. 6. 1941, der den Verbänden vorschrieb, die Kommis= 
sare der Roten Armee nicht gefangen zu nehmen, sondern „grundsätzlich mit 
der Waffe sofort zu erledigen". Und schließlich ist die Weisung zur „kommu= 
nistischen Aufstandsbewegung in den besetzten Gebieten" vom 16. 10. 1941 zu 
nennen. Danach sollte als „Sühne" für ein deutsches Soldatenleben im all= 
gemeinen die „Todesstrafe für 50—100 Kommunisten" als „angemessen gel= 
ten". „Die Art der Vollstreckung müsse die abschreckende Wirkung noch 
erhöhen", hieß es 6 . 

Im ganzen freilich haben diese Formen der revolutionären Kriegführung, 
wie sie sich Hitler und die „Himmlers" vorstellten, keineswegs Beifall im Heer 
gefunden. Im Gegenteil : zahlreiche Quellen bezeugen zwar, daß dieser Ungeist 
langsam, wenn auch unaufhaltsam in das Heer einzutröpfeln begann — z. T. 
mit verheerenden Folgen — , die meisten Soldaten und Offiziere aber eingedenk 
echter soldatischer Überlieferungen ihre Pflicht erfüllten. Das mußte auch 
Hitler mit Erbitterung feststellen. Als er am 18. 10. 1942 den traditionswid= 
rigen „Kommandobefehl" (Liquidierung der Angehörigen alliierter Kdo.=Unter= 
nehmungen) erließ, mag er erneut gespürt haben, auf welche innere Ableh= 
nung ein solcher bei der Truppe stoßen würde. Gegenüber seinem Adjutanten 
äußerte er: er wisse ja, daß man im Heer die gegebenen Befehle, wie z. B. den 
Kommissarbefehl (Juni 1941), gar nicht oder nur zögernd befolgt habe. Schuld 
daran trage das Oberkommando des Heeres, das „aus dem Soldatenberuf mög= 



5 Vgl. hierzu: Jacobsen, H.=A., Kommissarerschießungen und Massenexekutionen 
sowjetrussischer Kriegsgefangener, in: Anatomie des SS=Staates, Freiburg 1965, 
Bd. II, S. 163 ff. 

6 Ebd. 

152 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

liehst einen Pastorenstand" machen wolle. Wenn er seine „SS nicht hätte, was 
wäre dann noch alles unterblieben . . . !" 7 . 

5. Die zweiseitigen Besprechungen mit den Ob.Kdos. der Teilstreitkräfte 

In gewissen Zeitabständen, aber ohne jede Regelmäßigkeit hielten die Ober= 
befehlshaber der einzelnen Wehrmachtteile (mit oder ohne Chefs der Stäbe) 
oder ihre Chefs — gerufen oder aufgrund eigener Initiative — Vorträge im 
FHQu., zu denen je nach Bedarf besondere Fachleute (wie der Chef der 
Op.Abt. des Genst.d.H., einzelne Waffengenerale oder Militärattaches usw.) 
hinzugezogen wurden. Der Zweck derartiger Aussprachen, die durchschnitt= 
lieh 1—2 Stunden dauerten, aber auch schon einmal den ganzen Nachmittag 
beanspruchen konnten, war ein dreifacher: einmal wollte Hitler seine eigene 
Auffassung zur Lage und seine Entscheidungen mitteilen, dazu diente häufig 
ein umfassender militärpolitischer tour d'horizont mit anschließenden Hin= 
weisen auf Einzelheiten der militärischen Operationen, bei dem es Hitler 
naturgemäß auch darum ging, sein Gegenüber von der Richtigkeit seiner eige= 
nen Entschlüsse zu überzeugen. Die OB's oder ihre Chefs der Stäbe erhielten 
die Gelegenheit bzw. nahmen sie wahr, ihre Gedanken zu äußern und Vor= 
schlage zu unterbreiten. Und schließlich benutzte Hitler diese Besprechung zur 
„Befehlsausgabe"; häufig ließ er unmittelbar anfallende Fragen telefonisch 
klären. 

Für diese bilateralen Gespräche sind unsere bisher erschlossenen Quellen 
relativ ergiebig, sieht man von der prekären Lage bei der Luftwaffe ab. Das 
persönliche Tagebuch Halders, die Ob.d.M.=Besprechungen mit Hitler und die 
erhalten gebliebenen Teile des KTB/WFSt verdeutlichen, an welchen Tagen, 
zu welchen Zeiten und in welcher Form solche Aussprachen stattgefunden 
haben 1 . Allerdings vermitteln die Quellen nicht immer etwas von jener Dra= 
matik der Dialoge und Kontroversen, wie sie im Verlaufe des Krieges mehr 
und mehr symptomatisch wurden. Das KTB verzeichnete z. B. im wesentlichen 
nur Argument und Gegenargument (vgl. aber S. 950 ff.) mit den sodann vonHit= 
ler erlassenen Befehlen oder Anordnungen. Aber das eigentliche Ringen um be= 
stimmte Führungsmaßnahmen schimmert bei ihm doch nur vereinzelt durch. 
Das erklärt sich vor allem daraus, daß die Aufzeichnungen Greiners schon in 
zweifacher Weise gefiltert waren. Da er nicht persönlich an den Besprechungen 
teilnehmen konnte, unterrichtete ihn sein Vorgesetzter, Gen. Warlimont; dieser 
erhielt seine Informationen meistens von Jodl. Greiner selbst spricht daher 
mit Recht von einer „Orientierung aus dritter Hand" 2 . Weitergehende Auf= 
Schlüsse bieten dagegen die Tagebücher Halders. Aber was in allen Quellen 
im Grunde nur sporadisch aufflackert, was aber doch entscheidend die Arbeits= 

7 Aufzeichnung Gen. Engel vom 18. 10. 1942 (Abschrift i. Bes. d. Verf.). 

1 Vgl. S. 157 E ff.; 162 E ff. 

2 Vgl. Greiner, H., Die Oberste Wehrmachtführung 1939—1943, Wiesbaden 1951, 
S. 18. 

153 E 



A. Einführung 

weise der Obersten Wehrmachtführung mitbestimmt hat, waren die per= 
sönlichen Gegensätze, die Spannungen innerhalb des Apparates und in der 
militärischen Hierarchie, ganz zu schweigen von den zahllosen Differenzen 
zwischen den Dienststellen von Partei, Staat und Wehrmacht. 

a) OKH 

Bei der Bedeutung, die das Heer (Landkrieg) für die gesamte deutsche Krieg= 
führung besaß, mußten naturgemäß die Besprechungen zwischen Hitler und 
den führenden Köpfen des OKH ein besonderes Gewicht haben. Aber von 
Anfang an war dieses Verhältnis durch die tiefen persönlichen Gegensätze, 
durch die Verschiedenartigkeit der Naturen, durch die unterschiedliche Auf= 
fassung von Sinn und Führung des Krieges, insbesondere aber durch die Art 
des hitlerischen Führungs Systems schweren Belastungen und mannigfachen 
Krisen ausgesetzt. Hinzu kam das ständige Mißtrauen Hitlers gegenüber Brau= 
chitsch und Halder und die Methoden der revolutionären Kriegführung, die die 
gemeinsame Vertrauensbasis systematisch zerstörten. Seit 1940 hat Hitler das 
Führungsinstrument des Heeres konsequent und fast zielstrebig entmachtet, 
ausgehöhlt und zur Ohnmacht verurteilt. Dieser Prozeß kann hier im einzelnen 
nicht nachgezeichnet werden; aber wer den verhängnisvollen Mechanismus der 
Obersten deutschen Wehrmachtführung richtig begreifen will, muß sich dieser 
Entwicklung stets bewußt bleiben. 

Am 14. 8. 1939 befahl Hitler den Ob.d.H., Gen.Oberst v. Brauchitsch, und 
Chef des Genst.d.H., Gen. Halder, auf den Berghof, damit sie ihm über den 
Stand der getroffenen militärischen Vorbereitungen Vortrag hielten. Durch seine 
eigenen Ausführungen wollte er den beiden Generalen klar machen, daß Eng= 
land und Frankreich angesichts der militärpolitischen Lage nicht in den Krieg 
eintreten würden, zumal kein Zwang für sie bestehe; der Konflikt werde sich 
lokalisieren lassen. In versteckter Form wies er auch auf die sich abzeichnenden 
Wandlungen des deutsch=sowjetischen Verhältnisses hin. Mit diesen Argu= 
menten glaubte Hitler beide Offiziere beruhigt zu haben, da Brauchitsch und 
Halder die Führung eines Zweifrontenkrieges für untragbar hielten 3 . 

Während des Polenfeldzuges kam es nur zu vereinzelten Begegnungen; als 
V.Offz. des OKH nahm Oberstlt. v. Vormann an den Lagebesprechungen im 
F.HQu. teil. Im Herbst, Winter 1939/40 und im Frühjahr 1940 setzte dann das 
Ringen um den deutschen Operationsplan zur Westoffensive ein. Entschlußbil= 
düng und Planungen Hitlers führten zu einer der schwersten Vertrauenskrisen 
zwischen dem Obersten Befehlshaber und dem OKH, die erst nach einer unmiß= 
verständlichen Kampfansage des „Führers" am 23.11.1939 eingedämmt wurde. 
In diesen Wochen und Monaten kam es zu achtzehn Vorträgen bei Hitler. Die 
eigentliche Reihe begann am 10. 10. 1939 4 , als dieser dem Ob.d.H. und Chef 

3 Vgl. Anm. 38/39, S. 28 E. 

4 Vgl. Jacobsen, Fall Gelb, a. a. O. (S. 43 E, Anm. 2), S. 12 ff. 

154 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

des Genst.d.H. eine selbst verfaßte Denkschrift vorlas, in der er mit allem 
Nachdruck und in betonter Schärfe seinen Entschluß begründet hatte, im „Falle 
des Zwanges" zur Fortsetzung der Feindseligkeiten rasch und hart im Westen 
zuzuschlagen. Er hoffte, auf diese Weise auch Italien an die Seite Deutschlands 
in den Kampf reißen zu können. Es war im Grunde seine erste entschiedene 
Antwort auf die spürbare Ablehnung seiner Pläne durch das OKH. Aber Brau= 
chitsch und Halder wollten nicht nur einen überstürzten unvorbereiteten Win ter= 
feldzug vermeiden, sondern durch eine Verzögerungstaktik der politischen 
Führung Spielraum für Verhandlungen verschaffen. Doch lag eine solche Ver= 
ständigung gar nicht in der Absicht Hitlers. 

Auffallend bei all diesen Besprechungen war von Anfang an die Tatsache, 
in welchem Maße Hitler ein Interesse für taktischen Einzelfragen entwickelte. 
Das bezog sich sowohl auf den Einsatz bestimmter Waffengattungen, Waffen 
und Fragen der Unterstellungsverhältnisse, wie auf das Angriffsverfahren im 
einzelnen und auf bestimmte Sonderunternehmen 5 . 

War das OKH bei den Vorbereitungen zum Unternehmen „Weserübung" 
so gut wie ausgeschaltet, was Halder zu einer bissigen Bemerkung in seinem 
Tagebuch veranlaßte, so führte es um so souveräner die Operationen im 
Westen. Während dieses „Blitzfeldzuges" trug überwiegend der Ob.d.H., ver= 
einzelt auch der Chef des Genst. vor. Dabei kam es vor allem vor und während 
der Schlacht um Dünkirchen zu erheblichen Friktionen, da sich Hitler unter 
Umgehung des OKH wiederholt in die Führung der Operationen einschaltete 
(vgl. S.i 74 Eff.). 

Nach dem Westfeldzug trug der Chef d. Genst.d.Heeres erstmals wieder am 
13. 7. 1940 auf dem Berghof vor 6 . Im Mittelpunkt dieser bedeutsamen Aus= 
spräche stand das geplante Landeunternehmen in England; Halder referierte 
über die Führungsgrundsätze. Hitler gab einige Anregungen, stellte aber so= 
gleich politische Betrachtungen an, die in der entscheidenden Frage gipfelten, 
warum England noch nicht zum Frieden geneigt sei. Um Großbritannien den 
„Fangstoß" zu geben, befahl er, die praktischen Vorbereitungen einer Lan= 
düng an der Südküste Englands voranzutreiben. Am 21. 7. äußerte sich Hitler 
erstmals ausführlicher gegenüber v. Brauchitsch über seine Angriffsabsichten im 
Osten; zehn Tage später erhielt das OKH den Auftrag, die entsprechenden 
Voraussetzungen für die Führung eines solchen Feldzuges zu prüfen und ihm 
bald darüber zu berichten. Aber es vergingen fast sechs Monate, bevor der 
Ob.d.H. und der Chef des Genst.d.H. über „Barbarossa" vortrugen (5. 12. 1940); 
dies ist ein weiterer Beweis dafür, wie unentschlossen Hitler im Sommer und 
Herbst 1940 gewesen ist, und daß von einem „endgültigen Entschluß, Ruß= 
land anzugreifen, noch keine Rede sein konnte 7 . Da das OKH von sich aus 



5 Ebd., S. 154 ff. 

6 Halder, a. a. O. (s. S. 44 E, Anm. 5), Bd. II, S. 19 ff. 

7 Vgl. hierzu jetzt die grundlegende Untersuchung Hillgrubers (in Vorbereitung). 

155 E 



A. Einführung 

keine Initiative ergreifen wollte, wartete es ab, bis Hitler zum Vortrag befahl. 
Nach dem Molotow=Besuch Mitte November 1940 schien Hitler sich aber end= 
gültig zu dem „unabänderlichen" Entschluß eines Angriffes gegen die Sowjet= 
union durchgerungen zu haben. Die Vorbereitungen zum Feldzug liefen nun= 
mehr mit erhöhtem Tempo an. Alle Besprechungen standen von jetzt ab — von 
der Krisenperiode im März=April 1941 abgesehen, in der zeitweilig Jugoslawien 
und der Balkan stärker in das Blickfeld rückten — im Zeichen des Ostfeld= 
zuges. 

Da mit Beginn des Rußlandfeldzuges die anderen Kriegsschauplätze dem 
OKW unterstellt wurden, betrafen die seit Juni 1941 gehaltenen Vorträge 
Brauchitschs und Halders bei Hitler in erster Linie die Führung der Opera= 
tionen im Osten. Im Tagebuch des Generalstabschefs ist die sich erneut ver= 
tiefende Vertrauenskrise zwischen dem Obersten Befehlshaber und dem OKH 
im einzelnen und in dramatischer Weise zu verfolgen. Hier seien nur drei 
Eintragungen angeführt: Am 3. 7. 1941 vermerkte Halder 8 : 
„Es herrscht wieder einmal ,Groß=Zustand', weil der Führer Angst hat, daß 
der nach Osten fortschreitende Keil der Heeresgruppe Süd von Norden und 
Süden durch Flankenangriff bedroht wird. Diese Besorgnis ist natürlich taktisch 
nicht unberechtigt. Aber dafür sind ja die Armeeführer und kommandierenden 
Generale da." 

Als Hitler entgegen den Ansichten des OKH den Schwerpunkt der Opera= 
tionen in der 2. Phase auf die Flügel (HGr. Nord und Süd) verlagerte und seine 
berühmte Denkschrift (vom 21. 8. 1941) gegen Brauchitsch verfaßte, schrieb 
Halder: 

„Ich halte die durch die Eingriffe des Führers entstandene Lage für OKH 
untragbar. Es kann weder für den Zickzack= in den Einzelanordnungen des 
Führers ein anderer die Verantwortung übernehmen als er persönlich, noch 
kann das bisherige OKH, das im 4. siegreichen Feldzug steht, seinen guten 
Namen mit den nunmehr getroffenen Anordnungen beflecken. Dazu ist die 
Art der Behandlung des Ob.d.H. unerhört. Ich habe daher Ob.d.H. vorgeschla= 
gen, um seine Enthebung vom Amt zu bitten und meine Enthebung gleich= 
zeitig zu beantragen. Ob.d.H. lehnt ab, weil es praktisch doch nicht zur Nieder= 
legung des Amtes käme, also nichts geändert würde." 

Und mitten in der großen Krise, der Schlacht um Moskau, notierte der Chef 
des Genst.d.H. am 7. 12. 1941: 

„Die Erfahrungen dieses Tages sind wieder niederschmetternd und beschä= 
mend . . . Der Führer verkehrt über ihn (Ob.d.H.) hinweg mit den OB der 
Heeresgruppen. Das Schrecklichste aber ist, daß die Oberste Führung den 
Zustand unserer Truppen nicht begreift und eine kleinliche Flickschusterei 
betreibt, wo nur große Entschlüsse helfen können. Ein solcher müßte im Ab= 
setzen der Heeresgruppe Mitte auf die Linie Rusa— Ostaschkow liegen." 

8 Vgl. Anm. 5, S. 44 E. 
156 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

Soweit sich aus dem Tagebuch des Chefs des Genst.d.H. 9 ermitteln läßt, 
fanden von 1939 bis 1941 folgende größere Besprechungen zwischen Hitler 
und dem OKH statt, hinzu kommen sicherlich noch mehrere unbekannte 
Lagevorträge : 



Datum 


Uhrzeit 


Teilnehmer 


Besprechungspunkte 


14. 8. 1939 


(?) 


(des OKW unbekannt) 
Brauchitsch, Halder 


Polit. Lage; Polenfeldzug 


2. 9. 1939 


(12.00) 


Halder 


Polenfeldzug 


27. 9. 1939 


(17.00) 


OBs und Chefs 


Künftige Aufgaben: West= 
feldzug 


30. 9. 1939 


(16.00) 


Halder 


Dank für Leistung im 
Polenfeldzug 


7. 10. 1939 


(15.00) 


Halder 


Westoffensive 


10. 10. 1939 


(11.00) 


Brauchitsch, Halder 


Hitlers Denkschrift zur Füh= 
rung des Westfeldzuges 


25. 10. 1939 


(12—18.00) 


Brauchitsch, Halder 
und HGr.=Armee OBs 


Angriffsführung im Westen 


28. 10. 1939 


(10.00) 


Halder 


Angriffsführung im Westen 


5. 11. 1939 


(mittags) 


Brauchitsch 


Auseinandersetzung um 
Auslösung der Westoffen= 
sive 


20. 11. 1939 


(15—19.00) 


Göring, Jeschonnek, 
Student, ObdH, Halder, 
Reichenau, Reinhardt 


Einsatz der Luftwaffe bei 
6. Armee 


23. 11. 1939 


(?) 


Brauchitsch, Halder 


„Geist von Zossen" 


10. 1. 1940 


(15-17.30) 


1940 
Halder 


Auslösung der Westoffen= 
sive 


15. 1. 1940 


(12.45—18.00) 


Halder 


Auslösung der Westoffen= 
sive; Frage der Luftlandung 


20. 1. 1940 


(15.00) 


Halder 


Neues Angriffsverfahren 
„Gelb" 


21. 1. 1940 


(18.00) 


Brauchitsch, Halder 


Angriffsführung im Westen 


18. 2. 1940 


(12.00) 


Halder 


Angriffsführung im Westen 
(„Sichelschnittplan") 



9 Ebd. 



157 E 



A. Einführung 



Datum 



Uhrzeit 



Teilnehmer 



Besprechungspunkte 



15./16. 3. 40 (nachmittags) Brauchitsch, Halder, 

OBs HGr. A und B 



27. 3. 1940 (13.30) 
14. 4. 1940 (mittags) 



Brauchitsch, Halder, 
OBs d. HGr. C 

Brauchitsch 



24. 4. 1940 (15.30) Halder 

5. 5. 1940 (?) Halder 

17. 5. 1940 (mittags) Brauchitsch 

18. 5. 1940 (18.00) Brauchitsch, Halder 

21. 5. 1940 (11.00) Halder 

22. 5. 1940 (nachmittags) Brauchitsch 



24. 5. 1940 


(abends) 


Brauchitsch 


25. 5. 1940 


(18.30) 


Halder 


26. 5. 1940 


(13-30) 


Brauchitsch 


28. 5. 1940 


(vormittags) 


Brauchitsch 


1. 6. 1940 


(18.30) 


Halder 


6. 6. 1940 


(15.00) 


Halder 


8. 6. 1940 


(14.30) 


Halder 


10. 6. 1940 


(mittags) 


Brauchitsch 


13. 6. 1940 


(mittags) 


Brauchitsch 


13. 7. 1940 
21. 7. 1940 


(12.00) 
(?) 


Halder 

Brauchitsch 



31. 7. 1940 (11.30) 



Brauchitsch, Halder 



Angriffsführung im Westen 

Angriffsführung im Westen 

Lage in Norwegen; „Fall 
Gelb" 

Lage im Südostraum 

Aussprache über Italien 

Führung der Westoffensive 

Führung der Westoffensive 

Führung der Westoffensive 

Führung der Westoffensive 
(Dünkirchen) 

Führung der Westoffensive 

Führung der Westoffensive 

Führung der Westoffensive 

Führung der Westoffensive 

Führung der Westoffensive 

Führung der Westoffensive 

Führung der Westoffensive 
(„Rot") 

Führung der Westoffensive 

Führung der Westoffensive 

Vortrag über Landung in 
England 

Polit. Lage; „Russisches 
Problem in Angriff 
nehmen" 

Englandunternehmen; 
Rußlandfeldzug 



158 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 



Datum 



Uhrzeit 



Teilnehmer 



Besprechungspunkte 



26. 8. 1940 (?) Brauchitsch 

31. 8. 1940 (nachmittags) Halder 

14. 9. 1940 (15.00) Halder 

29. 9. 1940 — Brauchitsch (im OKW) 

10. 10. 1940 (?) Brauchitsch 

2. 11. 1940 (?) Halder 



4. 11. 1940 (14.30) 

5. 12. 1940 (15.00) 

9. 12. 1940 (mittags) 

1. 2. 1941 (12.30—14.30) 
3. 2. 1941 (12.15—18.00) 

17. 3. 1941 (15—20.30) 

27. 3. 1941 (13-14.30) 

28. 3. 1941 (12.30) 

30. 3. 1941 (nachmittags) 

2. 4. 1941 (13—14.00) 
10. 4. 1941 (17.30) 
30. 4. 1941 (15.00) 



Keitel, Jodl, Deyhle, 
Schmundt, Engel, Brau* 
chitsch, Halder 

Brauchitsch, Halder 
(Gen. Brand zeitweise) 

Halder 



1941 

Brauchitsch, Funck 

Halder 

Halder, Heusinger 

Halder . . . 

Halder, Paulus, Heu= 

singer 

Halder 

Halder, Heusinger 

Brauchitsch 

Halder 



14. 5. 1941 (?) Brauchitsch 

14. 6. 1941 (vormittags) Gr. Bespr. 



„Politisches Kaleidoskop" 

Finnland; Rumänien; Lage 

Englandproblem 

Allg. Lage 

Allg. Lage 

Kriegführung gegen 
England 

Kriegführung gegen Eng= 
land (Nordafrika, Balkan) 



„Felix"; „Otto" (Opera« 
tionsplan gegen Rußland) 

Lage; Rußlandfeldzug 
(Operationsplan) 



Lage Nordafrika 
„Barbarossa" 
„Marita"; „Barbarossa" 
Einmarsch in Jugoslawien 
Operation geg. Jugoslawien 

Operation geg. Jugoslawien 

Operation geg. Jugoslawien 

Operation geg. Jugoslawien 

„Barbarossa"; Operation 
gegen Jugoslawien 

Fall Heß, Nordafrika 

Operation gegen Jugo= 
slawien; „Barbarossa" 



30. 6. 1941 (16.30) 



Brauchitsch, Halder 



Ostfeldzug 



159 E 



A. Einführung 



Datum 



Uhrzeit 



Teilnehmer 



Besprechungspunkte 



2. 7. 1941 (mittags) 

8. 7. 1941 (12.30) 

13. 7. 1941 (12.30) 

23. 7. 1941 (18.00) 

26. 7. 1941 (18 — 20.15) 

5. 8. 1941 - 

6. 8. 1941 — 

15. 8. 1941 (mittags) 

30. 8. 1941 — 

5. 9. 1941 (17.50) 

6. 9. 1941 — 
1. 10. 1941 — 



Brauchitsch 

Brauchitsch, Halder 

Brauchitsch, Halder 

Halder 

Halder 

Brauchitsch 

Paulus (i.V.) 

Paulus, Brauchitsch 

Brauchitsch 

Halder 

Halder, Heusinger 

Brauchitsch 



5. 10. 1941 (nachmittags) Brauchitsch, Halder 



10.10.-3.11. [?] 

7. 11. 1941 — 

15. 11. 1941 (13.00) 

30. 11. 1941 (13.00) 

1. 12. 1941 (15.30) 



(da Halder im Lazarett 
war, Brauchitsch bei 
Hitler?) 

Brauchitsch 

Halder 

Brauchitsch 

Brauchitsch 



6. 12. 1941 (nachmittags) Halder 



17. 12. 1941 (Mitternacht) 



19. 12. 1941 (13.00) 
(von da ab etwa täglich) 



Brauchitsch, Halder, 
Heusinger 

Halder 



Ostfeldzug 
Ostfeldzug 
Ostfeldzug 
Ostfeldzug 
Ostfeldzug 
Ostfeldzug 
Ostfeldzug 
Ostfeldzug 
Ostfeldzug 
Ostfeldzug 
Ostfeldzug 
Ostfeldzug 
Ostfeldzug 
Ostfeldzug 

Ostfeldzug 

Lage, Aufgaben für 1942 

Ostfront 

Ostfront 

Lage an der Ostfront 

Lage an der Front der HGr. 
Mitte 

Hitler übernimmt den 
Oberbefehl über das Heer 



b) OKM 

Aus den Erinnerungen Raeders wird deutlich, aus welchen Gründen und 
über welche Fragen der ObdM mit Hitler konferiert hat. Mag er auch in vielen 



160 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939— 1941 

Fällen ins F.H.Qu, bestellt worden sein, mehrmals hat er von sich aus die 
Initiative ergriffen. Als im Herbst 1939 die Frage der norwegischen Neutralität 
zur Diskussion stand, meldete er sich bei Hitler an und „erstattete ihm am 
10. 10. 1939 Bericht über den ganzen Fragenkomplex 10 . Er vertrat damals die 
Ansicht, daß die Behandlung Norwegens zwar eine politische Angelegenheit 
sei, doch müsse er auf die Gefahren einer Besetzung durch England hinweisen. 
Wie es schien, war Hitler „bis dahin mit diesen Fragen offensichtlich nicht 
befaßt worden". Er bedeutete dem Ob.d.M., daß ihm das Problem ferner liege, 
da er „mit den Verhältnissen der Seekriegführung zu wenig vertraut" sei. 
Immerhin versprach er, sich damit zu beschäftigen; zu diesem Zweck bat er 
den Ob.d.M., ihm seine „Vortragsnotizen als Grundlage für seine Überlegungen 
zu belassen". Zwei Monate später (14. 12. 1939) befahl Hitler dem OKW, die 
Frage einer militärischen Besetzung Norwegens eingehender zu prüfen („Studie 
Nord"). Unter „vier Augen" konnte Raeder am 29. 3. 1940 Hitler von seinem 
Plan abbringen, die Seestreitkräfte in ihren Ausschiffungshäfen bei Narvik als 
Rückhalt für die Truppe zu belassen. 

Die direkte Bekämpfung Englands zur See hatte seit Herbst 1939 vor allem 
die Kriegsmarine übernommen. Es war daher verständlich, daß der Ob.d.M. alles 
unternahm, um Mittel der Kriegführung und Rüstung für die Förderung des 
Zufuhrkrieges gegen die britische Insel einzusetzen. Im Dezember 1939 ließ 
Raeder in einer Planstudie prüfen, unter welchen Bedingungen eine Landung 
in England erfolgen könne. Nur dann, wenn diese sich nicht als allzu schwierig 
erweisen sollte, was, wie Raeder feststellte, „höchst unwahrscheinlich war", 
konnte von dem einmal eingeschlagenen Kurs (s. oben) abgewichen werden. 
Nachdem die deutschen Pz.Truppen am 20. 5. 1940 bis zur Kanalküste vor= 
gedrungen waren und sich im Westen damit ein außergewöhnlicher Erfolg 
abzuzeichnen begann, hielt der Ob.d.M. den Augenblick für gekommen, die 
„Frage einer Invasion bei Hitler anzuschneiden". Er befürchtete, daß „sonst 
von unverantwortlicher Seite der naheliegende Vorschlag zu einer Landung 
gemacht würde, Hitler den Gedanken aufgriff und dann die Marine plötzlich 
vor unlösbare Aufgaben gestellt wurde". Wie Raeder sich erinnerte, war es 
nach seiner „Kenntnis der Persönlichkeit Hitlers ... in solchen Fällen immer 
richtig", ihn über seine eigene Beurteilung „rechtzeitig zu unterrichten, ehe 
die Einflüsse Sachunkundiger" sich geltend machten 11 . Über diese Frage hat dann 
Raeder im Sommer 1940 mehrmals mit Hitler konferiert (s. Übersicht). 

Am 6. September 1940 hielt der Ob.d.M. im F.H.Qu, einen längeren Vortrag 
über die Gesamtkriegslage. Dabei versuchte er, Hitlers Aufmerksamkeit auf 
den Mittelmeerraum, vor allem auf die Schlüsselpositionen Gibraltar, den 

10 Vgl. zunächst noch: Fuehrer Conferences on naval affairs, 1939 — 1945, in: Bras= 
sey's Naval Annual 1948, S. 29 ff. In Vorbereitung befindet sich eine wissen= 
schaftliche Edition: Die Lagevorträge des Ob.d.M. bei Hitler 1939—1945 (be= 
arbeitet von G.Wagner und G. Hümmelchen). 

11 Vgl. Raeder, E., Mein Leben, Bd. 2, Tübingen 1957, S. 228. 

161 E 



A. Einführung 

Hafen von Dakar und Suez zu lenken. Als Raeder wenige Tage später zum 
ersten Male etwas von den Rußlandplänen der Obersten Wehrmachtführung 
hörte, hielt er es für erforderlich, seinen „Standpunkt dazu und seine Auf= 
fassung über die Kriegslage" noch einmal in nachdrücklicher Form Hitler 
darzulegen. Dies geschah in einer längeren Unterredung unter vier Augen am 
26. g. 1940. Wie Raeder berichtete, erbat er eine solche Aussprache immer 
dann, wenn er etwas „besonders Wichtiges vorzutragen hatte, und er auf 
Hitler einwirken" wollte. Denn dann schien ihm dieser „leichter zugänglich" 
zu sein; auch „hörte er sich Darlegungen und Einwände sorgfältiger an, als wenn 
noch weitere Personen zugegen waren." Freilich vermochte der Ob. d.M. Hitler 
nicht in seiner Entscheidung umzustimmen, obwohl er Ende Dezember erneut 
seine „schweren Bedenken gegen den Rußlandfeldzug vor Niederringung Eng= 
lands" zur Sprache gebracht hatte 12 . 

Im einzelnen hat Raeder über folgende Lagevorträge 1939—1941 13 bei Hitler 
Aufzeichnungen angefertigt: 



Datum Ort 



weitere Teilnehmer Besprechungspunkte 



1939 



7-9- 



23.9. 



Im Befehlszug 
Hitlers (Polen= 
feldzug) 

Zoppot 



10. 10. N. Reichs» 
kanzlei 



Keitel 



16. 10. 


N. Reichs= 
kanzlei 


Jodl 


23. 10. 


N. Reichs= 
kanzlei 


Keitel 


10. 11. 


N. Reichs= 
kanzlei 


Keitel 

v. Puttkamer 



(Absetzen Panzerschiffe; Ein= 
schränkung des U=Bootkrieges ge= 
gen Frankreich; Politische Lage). 

(Seekriegslage; Behinderung des 
U=Bootkrieges durch Einschrän= 
kungen; Einsatz der Panzerschiffe ; 
U=Bootsbauprogramm.) 

(Lage Ost= u. Nordsee; „Belage» 
rung" Englands; U=Bootsbaupro= 
gramm; kein Interesse d. Marine 
an belgischen Stützpunkten; 
Norw. Stützpunkte von Nutzen.) 

(U 47, Prien, in Scapa Flow; Ver= 
schärf ung des Seekrieges; Stütz» 
punkt Murmansk.) 

(Wirtschaftskrieg; Panzerschiff 
„Deutschland"; Flugzeugeinsatz 
im Kanal.) 

(Minenoperationen Nordsee; U* 
Bootskrieg; Polit. Lage — Italien, 
Japan, Rußland, USA; City of 
Flint"=Fall; Stützpunkte an der 
holl./belg. Küste für die Marine 
ohne Bedeutung.) 



12 Ebd. 

13 Nach einer freundlichen Mitteilung von Admiral a. D. G. Wagner v. 14. 1. 1965 
an den Bearbeiter. 



162 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 



Datum Ort 



weitere Teilnehmer Besprechungspunkte 



22. 11. N. Reichs= 
kanzlei 



8. 12. N. Reichs= 
kanzlei 



26. 1. N. Reichs= 
(nachm.) kanzlei 



23. 2. N. Reichs= 
(10.30 kanzlei 
Uhr) 



9.3. 

(12.00) 



N. Reichs= 
kanzlei 



Keitel 

v. Puttkamer 



Keitel 

v. Puttkamer 



12. 12. 


N. Reichs» 
kanzlei 


Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 


16. 12. 


N. Reichs= 
kanzlei 


Jodl, v. Puttl 


30. 12. 


N. Reichs= 
kanzlei 


Keitel 

v. Puttkamer 



1940 



Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 



Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 



Keitel 



(Lage Ostsee/Nordsee; Feindl. 
Handelssch. Verluste; Minenwarn= 
gebiet NW=Engl.; Operationen der 
Panzer= und Schlachtschiffe; Wirt= 
schaftskrieg; U=Bootsbau; Ausbau 
Seeluftstreitkräfte; U=Boote und 
Stützpunkte von Japan?) 

(Lage Ostsee/Nordsee; Absicht 
mit Schlachtschiff »Unternehmung; 
Rückkehr von Handelsschiffen; 
Wirtschaftskrieg; Fall „Gelb"; 
Keine U=Boote von Japan; U« 
Bootsbau verzögert; Rüstungslie= 
ferungen an Rußland.) 

(Empfang des Staatsrats Quisling; 
Konflikt Rußland/Finnland.) 

(„Graf Spee" in Montevideo) 



(Lage Ostsee; Bedrohung Norwe» 
gens durch England; Nördlicher 
Seeweg— Sibirien; Minen= u. Luft= 
krieg gegen England; Verschär= 
fung U=Bootskrieg; Versenkung 
„Graf Spee"; Kreuzereinsatz 
Nordsee; U=Bootsbauprogramm.) 



(Ostseelage/Schweden; Entsen» 
düng „Lützow" und 5 Hilfskreu= 
zer ab Februar; Minenlegen der 
Zerstörer; U=Bootseinsatz; Ver= 
schärf ung des Handelskrieges; 
Einspruch gegen Weisungen des 
OKW; Abgabe von Personal, evtl. 
Außerdienststellung von Kriegs» 
schiffen; Italienische Lieferungs» 
wünsche; Politische Fragen, Ruß= 
land, Frankreich; Technische 
Neuerungen.) 

(Lage Ostsee; Vorstoß der 
Schlachtschiffe in der Nordsee; 
Verlust 2 Zerstörer; Minen gegen 
England; U=Bootserfolge u. =ver= 
luste; Verschärfung des U=Boots= 
krieges; U=Bootseinsatz gegen 
Halifax und im Mittelmeer abge= 
lehnt; „Weserübung"; Rußland» 
vertrag.) 

(„Weserübung"; Luftminen Scapa 
Flow.) 



163 E 



A. Einführung 



Datum Ort 



weitere Teilnehmer Besprechungspunkte 



26. 3. N. Reichs= 
(nachm.) kanzlei 



29. 3. N. Reichs= 
(mittags) kanzlei 



10. 4. N. Reichs= 
(mittags) kanzlei 



13. 4. N. Reichs= 
(mittags) kanzlei 



Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 



Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 



unter 4 Augen 



Keitel, Jodl, v. Putt= 
kamer, Göring, 
Bodenschatz 

ohne Teilnahme von 
Vertretern des OKW 



22.4. 
(15.00 

Uhr) 


N. Reichs= 
kanzlei 


Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 


26. 4. 
(15.00 
Uhr) 


N. Reichs= 
kanzlei 


Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 


29.4. 
(15.30 
Uhr) 


N. Reichs» 
kanzlei 


Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 


7-5- 
(15.00 
Uhr) 


N. Reichs= 
kanzlei 


Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 


21.5. 
(mittags' 


„Felsennest" 

1 


Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 



unter 4 Augen 



(„Weserübung"; U=Bootsaufstel= 
lung Nordsee; Einbringung der 
„Altmark"; Luftminenkrieg; U= 
Boote Mittelmeer.) 

(Luftminenfrage; „Weserübung"; 
Ölversorgung; Gründung Schiff= 
fahrtsamt.) 

(Zurücklassung der Seestreitkräfte 
in Narvik und Drontheim bei 
„Weserübung".) 

(„Weserübung"=Lagebericht.) 



(„Weserübung" : Materialtrans= 
port mit U==Booten; Operation 
der Schlachtschiffe; Minensperren; 
U=Bootseinsatz; Nachschub von 
Oslo; Verwendung dänischer See= 
Streitkräfte; Zweifel an Erfolgs= 
meidungen der Luftwaffe.) 

(Nachschub Norwegen; Luftminen 
England; Verwendung dänischer 
Seestreitkräfte aufschieben; Tor= 
pedoversager bei U=Booten.) 

(Französischer Zerstörervorstoß in 
den Skagerrak; Minensperre Ska= 
gerrak geplant; Sicherung der 
Stützpunkte Norwegen; Minen- 
abwehr.) 

(Bau des Flugzeugträgers „Graf 
Zeppelin" einstellen; „Emden" in 
Oslo belassen; Truppentransporte 
Norwegen.) 

(Norwegentransporte; Armierung 
norwegische Küste; Luftminenge= 
fahr; Luftwaffeneinsatz für See= 
krieg; Wegnahme des brit. U=Boo= 
tes „Seal"). 

(Seeverteidigung Norwegen; 

Transporte; Rückführung der 
Handelsschiffe; Absichten der 
Schlachtschiffe und Schnellboote; 
U=Bootskrieg; Hilfskreuzer; Mi* 
nenkrieg; Küstenverteidigung in 
Holland/Belgien; Schwerpunkt d. 
Bau d. U=Boote und Ju 88 nach 
dem Westfeldzug.) 

(Landung in England) 



164 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 



Datum Ort 



weitere Teilnehmer Besprechungspunkte 



4. 6. Bruly le Pesche 
(mittags) („Wolfs= 
schlucht") 



20. 6. („Wolfs= 
schlucht") 



Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 



Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 



11. 7. Obersalzberg 



Keitel 

v. Puttkamer 



21.7. 


N. Reichs= 
kanzlei 




25.7. 

(17.00 
Uhr) 


N. Reichs= 
kanzlei 


Keitel, Jodl, v. Putt= 
kamer, Minist. Todt 
Oberst Schmundt 


31.7. 


Berghof 


Keitel, Jodl, v. Putt= 
kamer, Halder 



13. 8. 
(17.30 
Uhr) 



N. Reichs= 
kanzlei 



Keitel, Jodl, v. Pütt» 
kamer, C/Skl (Adm. 
Schniewind) 



(Schlachtschiffsoperation am 4. 6.; 
Landung im Lyngenfjord geplant; 
Flak für Norwegen; Verzögerung 
des U=Bootsprogramms; Hitlers 
Ziel nach dem Westfeldzug: Ver= 
minderung des Heeres, Schwer= 
punkt bei Luftwaffe und Marine.) 

(Waffenstillstand mit Frankreich; 
Luftangriffe auf englische Stütz= 
punkte; Vorbereitung der Lan= 
düng in England: Vorbedingung 
ist Luftherrschaft; Stützpunkte 
Norwegen; „Ikarus"; U=Boots= 
bau; Personalfragen.) 

(Norwegen; Ausbau von Dront= 
heim; U=Bootsstützpunkte in der 
Biscaya; Entblößung der Ostsee= 
küste; Belagerung Englands; Lan= 
düng in England; Teilnahme 
Frankreichs gegen England; Stütz= 
punkte Westafrika; Canaren; 
Aufbauplan Flotte: Weiterbau der 
Schlachtschiffe H und I, Schlacht= 
kreuzer O, P, Q.) 

(Hitlers Auffassung über dieVor= 
aussetzungen einer Landung in 
England.) 

(Beteiligung Italiens am U=Boots= 
krieg, Artillerie Doverstraße (Vor= 
trag Kpt. z. S. Voss); „Seelöwe": 
Stand der Vorbereitung.) 

(„Seelöwe" ab September 1940 
oder Mai 1941 Vorschlag d. Ob.d. 
M.: zwei Panzerdivisionen gegen 
Suezkanal anzusetzen; Hitler 
plant die Einnahme von Gibral= 
tar.) 

(„Seelöwe"; Befestigung Fjorde 
Nordnorwegen; Dringlichkeit der 
Torpedofabrikation für U=Boote.) 



165 E 



A. Einführung 



Datum Ort 



weitere Teilnehmer Besprechungspunkte 



6. 9. N. Reichs= 
(nachm.) kanzlei 



14. 9. N. Reichs= 
kanzlei 



Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 



„Besprechung der 
Oberbefehlshaber 
beim Führer" 



(„Seelöwe"; Norwegentransporte; 
U=Bootskrieg; Hilfskreuzer; Wei= 
tere Möglichkeiten des Krieges 
gegen England; Gibraltar, Suez- 
kanal; Problem USA; Behandlung 
der französischen Kolonien; 
„Operation S"; Verhältnis zu den 
besetzten Gebieten; Aussichten 
für den deutschen Überseever= 
kehr; Beurteilung des U=Boots= 
krieges durch den Gegner.) 

(„Seelöwe") 



26. 9. 
(17.00 
Uhr) 



N. Reichs= 
kanzlei 



unter 4 Augen 



14. 10. N. Reichs» 
(16.00 kanzlei 
Uhr) 



14. 11. 
(13.00 
Uhr) 



N. Reichs* 
kanzlei 



3. 12. N. Reichs= 
(16.30 kanzlei 
Uhr) 



27. 12. N. Reichs= 
(16.00 kanzlei 
Uhr) 



Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 



Schmundt 
v. Puttkamer 



Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 



Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 



(Auffassung des Ob.d.M. über 
den Fortgang der Kriegführung: 
Gibraltar, Suezkanal, NW=Afrika, 
Abbau von „Seelöwe"; „Hipper"= 
Unternehmung im Atlantik; Luft= 
minenkrieg; Russischer Kriegs= 
Schiffbau.) 

(Lageüberblick Seekrieg; Absich= 
ten: „Scheer", Atlantik, Zerstörer 
Biscaya, Minen gegen England; 
Organisation der Schiffahrt.) 

(Beurteilung der Lage: England; 
Minenkrieg, U=Bootskrieg; 

„Scheer" und 5 Hilfskreuzer im 
Atlantik und Indischen Ozean; 
Panamerikanische Sicherheits= 
zone; Blockadebrecher; Mittel» 
meerlage; Hitlers weitere Absich= 
ten: Atlantische Inseln, Ausein= 
andersetzung mit Rußland; Miß= 
stände in der deutschen Verwal= 
tung von Norwegen.) 

(Irlandfrage; „Hipper" zum At= 
lantik; U=Bootserfolge; Bulgarien; 
Unternehmen „Felix" und Cana= 
ren; Flugzeugtorpedos.) 

(Mittelmeerlage ungünstig; Gi= 
braltar; Singapore; Lage England/ 
Amerika; Schwerpunktbildung 
gegen England; Auflockerung 
„Seelöwe"; Forderungen an Luft= 
waffe; „Hipper"=Operation; Be= 
absichtigte Schlachtschiff=Opera= 
tionen; Norwegen=Sicherung.) 



166 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 



Datum Ort 



weitere Teilnehmer Besprechungspunkte 



8. und Berghof 
9.1. 



4. 2. N. Reichs= 
(nachm.) kanzlei 



1941 

Chef 1/Skl (K. Adm. 
Fricke, Gen.Stb.« 
Heer, Gen.Stb. Luft= 
waffe, Außen= 
minister u. a.) 

Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 



18. 3. N. Reichs= 
(16.00 kanzlei 
Uhr) 



Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 



20. 4. N. Reichs= 
kanzlei 



22. 5. Berghof 



Jodl, Kpt. z. See v. 

Puttkamer, 

R. Außenminister 



6. 6. Berghof 



unter 4 Augen 



Keitel, Schmundt, 
v. Puttkamer 



(Erörterung von Landoperationen 
auf dem Balkan und in Libyen; 
Albanien; „Marita"; Evtl. Beset= 
zung von Toulon; Gesamtlage.) 

(Hilfskreuzeroperationen ; 
Schlachtschiffunternehmung im 
Atlantik; Geringe U=BootserfoIge; 
Sperrung KW=Kanal; Blockade= 
bruch; Absicht: Treffen mit dem 
italienischen Ob.d.M.; Lage bei 
Kriegseintritt USA/Japan „Ma= 
rita", „Attila", „Barbarossa" See= 
luftstreitkräfte; Kauf von 8 däni* 
sehen Torpedobooten; Fremdar= 
beiter für Werften; Auflockerung 
„Seelöwe".) 

(Atlantik=Operationen; U=Boots- 
und Minenkrieg; Feindurteile 
über deutsche Kriegführung; Si= 
cherung der Norwegenküste; Si= 
cherung von NW=Afrika; Italien 
und Mittelmeerkrieg; Vorberei- 
tung von „Marita" und „Attila" 
Japan; Arbeiter= und Rohstoff= 
läge; Fertigstellung „Bismarck".) 

(Kreuzerkrieg; U=Bootskrieg; 

Transportsicherung Norwegens 
und des Westraums ; Schlachtschiff = 
Operation im April; Luftminenein= 
satz; Keine U=Boote ins Mittel* 
meer; Behinderung des Seekrieges 
durch panamerikanische Sicher- 
heitszone; Handelskrieg gegen 
USA=Schiffe; Japan, Rußland, 
Frankreich; Deutsch=italienische 
Zusammenarbeit in der Ägäis.) 

(U=Bootskrieg, Kreuzerkrieg; 

deutsche Überseeschiffahrt; Bin= 
nenwasserstraßen Holland; Luft- 
minenkrieg; Haltung USA; Befe- 
stigung Kanarische Inseln; Beset= 
zung Azoren für Luftkrieg?; „Bar- 
barossa=Planung; Organisation 
Südostraum; Italienische U=Boote; 
Haltung Japan; Zurückhaltung 
bei Rußlandlieferungen.) 

(Untergang der „Bismarck"; Wei= 
terführung des Atlantikkrieges 
mit Uberwasserstreitkräften.) 

(Handelskriegsfragen; Mittel- 
meerkrieg und Italien.) 



167 E 



A. Einführung 



Datum Ort 



weitere Teilnehmer Besprechungspunkte 



21. 6. N. Reichs* 
(nachm.) kanzlei 



9. 7. „Wolfs* 
(nachm.) schanze" 



25. 7. „Wolfs= 
(nachm.) schanze" 



22. 8. „Wolfs= 
(nachm.) schanze" 



17. 9. „Wolfs= 
(nachm.) schanze" 



Keitel, Jodl, v. Putt= 
kamer, Speer 
(nur für den ersten 
Punkt) 

Keitel, Jodl, v. Putt= 
kamer, Ob.d.L. Chef 
Genst. Luftw., R.= 
Außenminister 

„Ohne OKW" (Jodl 
nachher mündlich 
unterrichtet) 



Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 



Keitel, Jodl, B.d.U. 
(Dönitz), v. Pütt* 
kamer, R. Außen= 
minister, Botsch. 
Ritter 



(Werftbau in Drontheim; Unneu= 
trales Verhalten der USA: Zwi= 
schenfälle vermeiden.) 



(Besetzung Island durch die USA; 
Nordwestafrika (Dakar); Evtl. In- 
ternierung russischer Kriegsschiffe 
in Schweden.) 

(Stand der Schlacht im Atlantik; 
Seelage im Ostkrieg; Lage im 
Mittelmeer; Förderung des U= 
Bootsbaues.) 

(Beiträge für das Gespräch Hit= 
lers mit dem Duce; Verhältnis zu 
Frankreich; Bedeutung Gibraltars; 
Verteidigungsbereitschaft spani= 
scher Häfen; Panamerikanische 
Neutralitätszone; Konzentration 
der U=Boote im Atlantik; Aus= 
Schaltung Hangös; Absichten für 
britische Kanalinseln; Haltung Ja= 
pans; Norwegische Schiffe in 
Schweden.) 

(Lagebeurteilung USA (Roose= 
velt=Rede) Folgerungen für den 
Seekrieg; Lageüberblick Ostsee, 
Nordsee, Westraum, Atlantik, Pa= 
zifik, Mittelmeer; U=Bootskrieg 
(Vortrag Dönitz), Spätere Aus= 
nutzung der Insel ösel.) 



13. 11. „Wolfs= 
(nachm.) schanze" 



unter 4 Augen 



Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 



unter 4 Augen 



(Artikel über „Bismarck"; Kriegs» 
gerichtsurteil betr. Verlust von 
Minenschiffen; Behandlung einer 
Marinefrau durch die Gestapo.) 

(Nachschub, U=Bootseinsatz, Kü= 
stenverteidigung im Polarraum; 
Verlegung der „Tirpitz" nach 
Drontheim; Verlegung der 
Schlachtschiffe von Brest nach 
Norwegen; Einsatz „Scheer" im 
Atlantik; Lage der Hilfskreuzer; 
Verhalten gegen US=Kriegsschiff e ; 
Handelsschiffahrt nach Übersee; 
U=Bootskrieg; Mittelmeerlage; 
Rüstungslage, Arbeitseinsatz, öl; 
Engelmann= und Walther=U=Boot.) 



(Aussichten des 
Ordensantrag.) 



Minenkrieges; 



168 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 



Datum Ort 



weitere Teilnehmer Besprechungspunkte 



12. 12. N. Reichs= 
kanzlei 
(Berlin) 



29. 12. „Wolfs= 
schanze" 



Keitel, Jodl, 
v. Puttkamer 



unter 4 Augen 



Keitel, Vizeadm. 
Fricke (C/Skl), v. 
Puttkamer 



(Lage nach Japans Kriegseintritt; 
Stützpunkt Dakar erwünscht; U= 
Bootskrieg; Transport vonKriegs= 
schiffen ins Schwarze Meer; 
Transportraum Mittelmeer; Kriti= 
sehe öllage.) 

(Gespräch Ob. d.M. mit Admiral 
Darlan genehmigt.) 

(Britische Aktivität an der Nor= 
wegenküste; Überführung der 
„Tirpitz" nach Drontheim im Ja= 
nuar; Entsendung „Scheer" in den 
Atlantik; „Scharnhorst", „Gnei= 
senau", „Prinz Eugen" in Brest; 
Hitler wünscht Konzentration der 
Flotte in Norwegen; Torpedoflug= 
zeuge; U=Bootskrieg.) 



c) Luftwaffe 

Die zahlreichen Gespräche und Konferenzen, die Hitler mit Reichsmarschall 
Göring (oder mit dessen Chef des Genst. bzw. Verb. Offizier, Gen. Boden= 
schätz) geführt hat, lassen sich im einzelnen noch nicht feststellen. Hinweise 
in den Quellen zeigen, daß es sich dabei sowohl um den Einsatz der Luftwaffe 
als auch um allgemeine politisch=wirtschaftliche Fragen gehandelt hat, was sich 
aus dem großen Verantwortungsbereich Görings von selbst ergab. Wie sich 
Gen. Warlimont erinnerte, „schlössen sich fast regelmäßig sämtliche Türen", 
wenn Göring bei Hitler erschien, ganz abgesehen von der Tatsache, daß der 
„zweite Mann im Staate" „auch außerhalb der üblichen Vortragszeiten" beim 
„Führer" ein und aus gehen konnte 14 . In einer Reihe von kriegsgeschicht= 
liehen Studien ist an mehreren Beispielen deutlich geworden, welchen Einfluß 
Göring auf Hitler ausgeübt und wie verhängnisvoll er verschiedentlich in den 
Gang der Operationen eingegriffen hat. Daß er dabei stets und in erster Linie 
seine eigenen Interessen und die seiner Luftwaffe vertreten hat, dürfte außer 
Frage stehen (vgl. S. 184 E). 

6. Die Zusammenarbeit der OberKdos. untereinander und mit dem OKW 

Untereinander haben die Ob.Kdos. der Wehrmachtteile auf verschiedenen 
Wegen ihre Ansichten ausgetauscht, miteinander konferiert und vor allem 
sich durch die jeweiligen V.Offz. auf dem laufenden gehalten, solange nicht 
besondere Geheimhaltungsbestimmungen eine Unterrichtung der anderen 

14 Vgl. Warlimont, a. a. O. (S. 136 E, Anm. 9), S. 76. 



169 E 



A. Einführung 

Wehrmachtteile verbot (vgl. z. B. die Planungen zum Rußlandfeldzug). Natür= 
lieh haben sich dabei auch mannigfache Reibungen und vielfach die Unverein= 
barkeit der Standpunkte ergeben. Diese lagen einmal in der Natur der Sache, 
zum anderen in dem Anspruch eines Wehrmachtteiles gegenüber dem anderen; 
sie hatten aber ebenso ihre Ursache in den verschiedenen Temperamenten 
der OB's und ihrer Chefs der Genst. Insgesamt drängt sich allerdings der Ein= 
druck auf, daß die Zusammenarbeit keineswegs so nahtlos und eng gewesen 
ist— sieht man einmal ganz von den Intentionen Hitlers ab (vgl. S. 198 E)— wie 
es die Notwendigkeit einer systematischen und zielstrebigen Koordinierung 
aller Planungen im Sinne der Gesamtkriegführung diktiert hätte. In den ver= 
schiedenen „Blitzfeldzügen" hat sich wohl auf der unteren Ebene (HGr.) 
ein weithin reibungsloses Zusammenwirken auf dem Schlachtfeld eingespielt, 
aber was zu wünschen übrig ließ, waren ein planvoller, uneigennütziger Aus= 
tausch und ein Abstimmen der Ansichten in den höchsten Führungsstäben über 
die gegenwärtige Lage, über die militärischen Möglichkeiten und über die sich 
daraus ergebenden Konsequenzen und Aufgaben für die Teilstreitkräfte 1 . 

Die Zusammenarbeit des WFSt mit dem Heer war naturgemäß besonders 
eng, da dem WFSt zahlreiche „Führungselemente fehlten und er daher gezwun= 
gen war, für die ihm auf seinen Kriegsschauplätzen gestellten Führungsauf= 
gaben die Mitwirkung von Dienststellen des OKH und besonders von Abtei= 
hingen des Genst.d.H. in Anspruch zu nehmen" (z. B. Ic Dienst) 2 . Außerdem 
bestanden enge Verbindungen zu den Abteilungen Ausbildung, Organisation, 
dem Gen.Insp. der Pz.Truppen, dem General der Heeresküstenartl. im OKH, 
die entsprechend ihren Aufgabengebieten auch die auf den OKW=Kriegsschau= 
platzen eingesetzten Verbände des Heeres betreuten und deren Tätigkeit sich 
ebenso auf operative wie auf taktische Fragen auswirkte. Der für die operative 
Führung besonders wichtige „Chef des Transportwesens" und der „Inspekteur 
der Pioniere und Festungen" waren in Personalunion zugleich Dienststellen 
des OKW und hielten meist durch besondere Verbindungsoffz. Kontakt zum 
WFSt. Die Versorgung der OKW Kriegsschauplätze übernahm verantwortlich 
der Generalquartiermeister des Heeres, zu dem die Qu.Abt. des WFSt enge 
Verbindung hatte. 

Natürlich war das Verhältnis zwischen Genst.d.H. und WFSt weitgehend 
von dem Verhältnis der führenden Persönlichkeiten untereinander abhängig. 
Auf der Ebene der Abt. Chefs und Referenten war dieses „immer gut"; es 
wurde „auf beiden Seiten versucht, durch verständnisvolle Zusammenarbeit 
die in der Organisation liegenden Schwierigkeiten zu überwinden" 3 . 

Die Zusammenarbeit mit Luftwaffe und Kriegsmarine wurde sehr viel mehr 
durch den persönlichen Einfluß der beiden OB's (Göring und Raeder) be= 
stimmt. Die beiden Gruppen bzw. Abteilungen (Luftw. und Marine) waren ge= 

1 Vgl. hierzu die Literaturangaben auf S. 26 E ff. 

2 Zit. nach: S. 136 E, Anm. 10. 

3 Ebd. 

170 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

halten, „alle ihre Wehrmachtteile betreffenden Entscheidungen vor Herausgabe 
von Befehlen und Weisungen mit ihren Oberkommandos zu besprechen und 
deren Einsprüche gegebenenfalls anzumelden. Ganz allgemein betrachtet war 
die Zusammenarbeit mit der Luftwaffe leichter und befriedigender" 4 . Die See= 
kriegsleitung „führte den U=Boot= und Kreuzerkrieg selbständig. Diese Spe= 
zialgebiete waren dem Einfluß der Wehrmachtführung (WFSt) völlig entzogen 
und der WFSt wurde über sie auch nur lückenhaft und selten unterrichtet. 
Schwierig gestaltete sich auch die Zusammenarbeit in Fragen der Küstenver= 
teidigung, da die Kriegsmarine außerordentlich auf ihre Stellung bedacht war 
und sich am wenigsten zu Kompromissen entschließen konnte, die durch die 
wechselnde Lage bedingt waren." 

Ein besonderes Problem für die Gesamtkriegführung war die räumlich ge= 
trennte Befehlsführung und die Cruppen= (bzw. Front=) Bildung innerhalb des 
OKW und OKH. Schon während des Polenfeldzuges blieb der eigentliche ope= 
rative Arbeitsstab des OKW, die Abt. L, in Berlin (im Dienstsitz des OKW) 
zurück; er erhielt seine Weisungen fernmündlich und hatte sich im wesent= 
liehen auf die Zusammenstellung der Lagemeldungen der einzelnen Wehr= 
machtteile zu beschränken. Oder es wurden Sonderstäbe gebildet (wie z. B. im 
Falle Norwegen), deren Spitze Hitler ohne Beratung mit den Oberbefehls= 
habern von sich aus einsetzte. 

Diese räumliche Trennung wurde vor allem in den einzelnen Feldhauptquar= 
tieren verwirklicht; selbst innerhalb des OKW. Es gab jeweils den sog. „Sperr* 
kreis l" , in dem die engste politische und militärische Umgebung Hitlers („In= 
nerer Kreis") untergebracht war, die einen entsprechenden Einfluß auf die 
Führung ausüben konnte; diese war wesentlich besser unterrichtet als der im 
„Sperrkreis 11" arbeitende militärische Stab. 

Nach dem Westfeldzug 1940 hatte sich z. B. das „Deutsche Hauptquartier" 
(vgl. Karte S. 173 E) erneut in „einzelne Gruppen aufgelöst" 5 . Hitler kehrte in 
die Reichskanzlei zurück; dort arbeitete sein „innerer Kreis" wieder in den 
alten Räumen aus dem Winter 1939/40. Die Feldstaffel der Abt. L blieb „der 
größeren Beweglichkeit halber zunächst im Sonderzug auf einem alten Abstell= 
gleis des Bahnhofs Grunewald"; sie wurde erst Mitte November, eine Fahr= 
stunde von der Reichskanzlei entfernt, in den Kasernen der Kavallerieschule 
Krampnitz bei Potsdam untergebracht. „Dort blieb die Abt. L auch während 
der ersten Monate" des Jahres 1941, als die „Spitze des OKW Stabes (Keitel, 
Jodl) mit Hitler in Berchtesgaden weilte. Das OKH, das vom Juli bis Ende 
Oktober 1940 in Fontainebleau bei Paris sein H.Qu, bezogen hatte, hielt 
fernmündlich, über Fernschreiber, durch Kuriere und Verb.Offz. bzw. durch 
Reisen des Ob.d.H, des Chefs Genst.d.H. und anderen Abt.Chefs die Verbin= 
düng mit dem F.H.Qu, aufrecht. Es kehrte wieder in seine Baracken in Zossen 



4 Ebd. 

5 Vgl. Warlimont, a. a. O. (S. 136 E, Anm. 9), S. 132 f. 

171 E 



A. Einführung 

(33 km Südost, v. Berlin) zurück. Das OKM „behielt nach wie vor ihre Friedens= 
Unterkunft am Tirpitzufer in Berlin" bei; das OKL hatte wieder ihre Bunker= 
gruppe im Wildpark bei Potsdam bezogen 6 . 

Wie Warlimont festgestellt hat, fehlte in diesen Monaten nicht nur für die 
„Generalstabsarbeit der hohen Führungsstellen" das gleiche Schrittmaß und die 
„einheitliche Zielsetzung", sondern die „Meinungsbildung und die Ansichten" 
liefen „im großen vielfach sogar weit auseinander". Auch während des Balkan= 
feldzuges war die Verbindung zwischen dem F.H.Qu. (Feldhauptquartier) in 
dem Sonderzug und der Abt. L „nur recht lose", überbrückt lediglich „durch 
Fernschreiber und durch Flugreisen des Abt.Chefs". 

Diese ständige Trennung des Chefs des WFSt (Jodl) von seinem Arbeitsstab 
hatte viele Nachteile. „Selbst die Informationen, die aus den meist wortkargen 
Mitteilungen des Gen. Jodl oder aus der flüchtigen Niederschrift eines Adj. 
gewonnen werden konnten, erwiesen sich als unzureichend." Von einer ständi= 
gen sachgemäßen Information über die Führungsabsichten auf höchster Ebene 
konnte also nur sehr bedingt die Rede sein. Auch das mag auf die Eigenart 
der Führung Hitlers und auf die befohlenen Geheimhaltungsbestimmungen 
zurückzuführen sein. 

Im Feldhauptquartier „Wolfsschanze" (Ostpreußen) kam es erneut zur Bil= 
düng der beiden Sperrkreise, die etwa einen km voneinander entfernt lagen 
und durch entsprechende Sicherungsvorkehrungen voneinander getrennt waren. 
Im Sperrkreis I wohnten Hitler, sein „Gefolge", seine Adj., Keitel, Jodl und der 
neu hinzugetretene „Hof=Historiograph", Oberstlt.d.G. Scherff. Eine Fahrstunde 
davon entfernt lag das H.Qu, des OKH „in den Wäldern um Angerburg"; auch 
„Göring mit seinem Stab befand sich in der Nähe". Bezeichnend für die Zu= 
sammenarbeit der Führungsstäbe mit der Abt. L war die Tatsache, daß Gen. 
Warlimont (Chef L) „in mehr als drei Jahren nicht einmal am Ort des OKL 
gewesen" 7 war, während mit dem H.Qu, des OKH — „dienstlich und außer= 
dienstlich" — zu jeder Zeit eine lebhafte Verbindung bestanden hat. Das Ober= 
kommando der Kriegsmarine, das in Berlin verblieben war, stellte lediglich 
einen Admiral als ständigen Vertreter ab, der ebenfalls im Sperrkreis I unter= 
gebracht wurde. 

Wie Warlimont mit Recht kritisiert hat, mußte die Frage des Feldhaupt= 
quartiers „in solcher Lage nicht nur seinen Sinn verloren haben, sondern 
höchstwahrscheinlich von verderblichem, kriegsverlängerndem Einfluß gewe= 
sen sein. Der Mann, der alle politische und militärische Macht in Deutschland 
immer noch mehr in seinen Händen zu vereinigen trachtete und dazu große 
Teile Europas in den besetzten Gebieten oder den Ländern der Verbündeten 
beherrschte, gehörte spätestens mit dem Beginn der Winterkrise im Dezember 
1941 nach dem Muster aller anderen kriegführenden Staaten samt seinem 



6 Ebd., S. 132. 

7 Ebd., S. 188. 

172 E 



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173 E 



A. Einführung 

Hauptquartier in die Landeshauptstadt oder doch in deren nächste Nähe. Nach 
menschlichem Ermessen hätten er und seine Berater dann, solange es noch nicht 
zu spät war, vermutlich weniger die Neigung verspürt, jede einzelne Division 
an der Ostfront zu führen, um so mehr sich aber gezwungen gesehen, die 
Wirklichkeiten der Lage in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Stattdessen baute 
man die ,Wolfsschanze' im Laufe der drei Jahre zu einer ,Festung' mit immer 
tiefer gestaffelten Drahtverhauen und Minensperren aus, in der die Beton= 
klotze wie auf Land gesetzte Aufbauten alter Schlachtkreuzer herausragten, 
und ließ unter dem ,BerghoP, wohin immer wieder für kürzere oder längere 
Zeit übergesiedelt wurde, unterirdische Gänge und Räume von unbekannter 
Ausdehnung entstehen" 8 . 

Ein besonderer Wesenszug in der Zusammenarbeit zwischen OKW und 
OKH war auch, wie es Warlimont anschaulich beschrieben hat, daß Keitel und 
Jodl sich infolge der latenten Spannungen zwischen den beiden Kdo.=Behörden 
in „ihrem mündlichen Verkehr" meistens an die „dienstjüngeren Offiziere des 
OKH hielten: der Chef OKW an Halder, Jodl an den Chef der Op.Abt." Im 
Laufe der Zeit bildeten sich überdies bestimmte „Fronten", heraus, d. h. Grup= 
pen, die in ihren Ansichten dank gemeinsamer Erziehung oder Anschauung viel= 
fach übereinstimmten und daher reibungsloser miteinander auskamen. Das 
waren z. B. auf der einen Seite Hitler mit Keitel, Jodl und Göring, auf der 
anderen Brauchitsch, Halder und mit ihnen aber auch die Heeresgenst. Offz. 
der Abt. L 9 . 

bb) Das „ungeschriebene" Gesetz 

7. Hitlers Eingriffe in die operative Kriegführung 

Vor und während des Polenfeldzuges hielt Hitler sich noch sehr zurück. So 
war er z. B. mit dem Vorschlag des Heeres zur Führung der Operationen gegen 
Polen im großen und ganzen einverstanden; er bestand lediglich darauf, daß 
auch der nördliche Umfassungsflügel aus Ostpreußen sofort antreten müsse. 
Von vornherein strebte er eine größere Lösung an, um das Festsetzen der 
Polen hinter der Weichsel zu verhindern. Zur Verstärkung des nördlichen An= 
griffsflügels ließ er der HGr. Nord weitere Verbände aus dem Reich zuführen. 
Außerdem befahl er, entsprechende Tarnmaßnahmen zu ergreifen; jede Form 
der offenen Mobilmachung ließ er verbieten 1 . 

Verlauf und Schnelligkeit des Feldzuges gegen Polen haben ein Eingreifen 
Hitlers in den Gang der Operationen verhindert. Soweit uns die Quellen ein 
Urteil erlauben, haben die drei Oberkommandos im Rahmen der ihnen erteil= 
ten Aufträge relativ selbständig zusammenarbeiten und führen können; zu 

8 Ebd., S. 192. 
g Ebd., S. 77. 

1 Vgl. Dokumente zur Vorgeschichte des Westfeldzuges 1939—1940, hrsg. v. 
H.=A. Jacobsen, Göttingen 1956, S. 28 f. 

174 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

nennenswerten Friktionen ist es nicht gekommen. Vorschläge des Obersten 
Befehlshabers der Wehrmacht wurden zumeist sachlich geprüft; Wünschen des 
„Führers", die sich als berechtigt herausstellten, wurde Rechnung getragen. 
Immerhin behielt sich Hitler grundsätzliche und strategische Entscheidungen 
von Anfang an vor: so z. B. Maßnahmen, die den Handelskrieg betrafen, die 
Frage der Aufklärung der Luftwaffe über dem Westgebiet, die der Abgrenzung 
von Operationsgebieten, der Übernahme der Verwaltung durch die zivilen 
Stellen („Vollziehende Gewalt") oder etwa die Frage des Luftangriffes auf 
Warschau. Zwar machten sich bereits im Polenfeldzug erste Spannungen zwi= 
sehen der politischen Führung (bzw. OKW) und dem OHK aufgrund der Fest= 
legung der deutsch=russischen Demarkationslinie bemerkbar, aber sie wurden 
von dem Gang der Ereignisse bald überholt. Der Chef des Genst.d.H. bemän= 
gelte in seinem persönlichen Tagebuch am 10. 9. 1939 2 , daß die Heerführung 
die politische Linie „genauestens" kennen müsse, ebenso die Möglichkeiten 
ihrer Schwankungen, da andernfalls ein „planmäßiges Handeln" in eigener 
Verantwortung „unmöglich" sei. Das Heer verliere das Vertrauen, wenn es 
von der politischen Führung hin und her gerissen werde. 

Von dem Einfluß Hitlers auf das Unternehmen „Weserübung" vermittelte 
das persönliche Kriegstagebuch des Adj. des Gen. Jodl, Hptm. Deyhle, einen 
gewissen Eindruck. Seine Eintragungen von Jahre 1940 lauten u. a. 3 : 

„Mitte Januar 

Der Entschluß, den dänischen und norwegischen Raum für die deutsche Krieg» 
führung nutzbar zu machen, wird vom Führer gefaßt. 

Febr./März 

Die Norwegenoperation kann überhaupt erst durchgeführt werden, wenn das Eis 
in der westl. Ostsee aufgegangen ist: es ist zu hoffen, daß die Westmächte die 
Gunst der Lage nicht erkennen und diese Zwangslage von uns nicht zu einer Be= 
Setzung von Norwegen durch ihre Streitkräfte ausnützen. ... Für Norwegen 
entscheidet der Führer, daß die dort einzusetzenden Kräfte von vornherein so stark 
zu wählen sind, daß ein Rückschlag nicht eintreten kann. 

April 

Am ersten nach der Eislage möglichen Tag wird am 9.4. die Aktion Däne = 
mark/Norwegen durchgeführt. Wir kommen der Gegenseite um wenige Stun= 
den zuvor. Nachdem es nicht gelungen ist, die norwegische Regierung zu über= 
raschen und damit wahrscheinlich Widerstand zu vermeiden (Torpedierung eines 
Truppentransportdampfers am 8. 4. ruft in Norwegen Abwehrmaßnahmen hervor. 
Daher unerwartet starker Widerstand in Oslo, außerdem wird Luftlandung in Oslo 
durch Wetter verzögert), muß Norwegen mit Gewalt besetzt werden. 
Führer betont als besonders wichtig: 

a) Schnellste Verbindung Oslo— Drontheim auf Land, 

b) Schnellste Verbindung Oslo— Westküste auf Land, 

2 Halder, a. a. O. (S. 44 E, Anm. 5), Bd. I, S. 70. 

3 Vgl. Hubatsch, W., „Weserübung". Die deutsche Besetzung von Dänemark und 
Norwegen 1940, Göttingen i960, 2. Aufl., S. 389 f. 

175 E 



A. Einführung 

c) Gewinnung von Flughäfen, vor allem bei Drontheim und an der Westküste, 

d) Aufbau der Küstenverteidigung der wichtigsten Häfen, 

e) Verstärkung der Kräfte bei Drontheim, Verhinderung des Festsetzens der Eng= 
länder und Franzosen bei Andalsnes und Namsos, 

f) Sichere und dauernde Nachschubverbindung über See von Deutschland bzw. 
Dänemark nach Norwegen. 

Seine Befürchtung, daß Narvik nicht gehalten werden könne und daher aufge= 
geben werden müsse — die für Narvik bestimmten Dampfer mit Geschützen und 
Flak sind nicht angekommen — gibt der Führer nur ganz allmählich auf." 

Sehr viel komplizierter und vielschichtiger erwiesen sich demgegenüber die 
operativen Vorbereitungen und die Durchführung des Unternehmens „Gelb" 
(Westoffensive 1939/ 40) 4 . In mancher Hinsicht waren sie geradezu ein klas= 
sisches Beispiel dafür, wie sich der Oberste Befehlshaber der Wehrmacht mehr 
und mehr in die militärische Führung bis ins kleinste Detail hinein einzuschal= 
ten wußte, wie er seine Ideen, Wünsche und Vorstellungen konkretisierte und 
gegen den Willen und die Beurteilung der Lage durch seine Fachmänner durch= 
setzte. Damit bildete sich der eigentliche Führungsstil hitlerischer Prägung im 
Zweiten Weltkrieg heraus, ein Stil, der durch ein wachsendes Selbstvertrauen 
in die eigenen militärischen Fähigkeiten, durch ein sich steigerndes Mißtrauen 
gegenüber den engsten militärischen Beratern und durch eine unzulässige Ver= 
mischung militärischer, wirtschaftlicher und politischer Gesichtspunkte bei ope= 
rativen Entscheidungen gekennzeichnet war. Schritt für Schritt vollzog sich die 
Transformation Hitlers vom politischen Führer, Diktator und Volksführer auch 
zum absoluten militärischen Diktator und „größten Feldherrn", der schließlich 
nur noch Krieg um des Krieges willen führte und der am Ende hoffte, mit den 
Praktiken aus seiner Kampfzeit der 2oiger Jahre das Schicksal ein zweites Mal 
meistern zu können. 

Dieser Stil soll an drei bemerkenswerten Beispielen charakterisiert werden: 
an der Entschlußbildung zum Angriff im Westen, an dem Einfluß Hitlers auf 
die operativen Planungen zu „Fall Gelb" und an dem Beispiel Dünkirchen im 
Mai/Juni 1940. 

Wir sind über die Vorbereitungen zum „Fall Weiß" aufgrund der bisher 
immer noch unzureichenden Quellenlage nicht hinreichend informiert, wann 
Hitler den Entschluß zum Angriff gefaßt hat und wie seine engste militärische 
Umgebung, vor allem die Oberbefehlshaber der drei Wehrmachtteile, darauf 
im einzelnen reagiert haben. Da Hitler stets von einem lokalisierten Konflikt 
sprach und meinte, die deutsche Wehrmacht könne Polen ohne weiteres zer= 
schlagen, dürfte sich kein nennenswerter Widerspruch erhoben haben, zumal 
Hitler bis dahin mit seinen Prognosen immer recht behalten hatte. Anders 
dagegen lagen die Verhältnisse in den Herbst= und Wintermonaten 1939/40. 

Während die Oberbefehlshaber, vor allem der Ob.d.H, Gen.Oberst v. Brau= 
chitsch, eine Ausweitung des Konfliktes vermeiden wollten, drängte der rast= 

4 Vgl. Jacobsen, a. a. O. (S. 43 E, Anm. 2). 

176 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

und ruhelose Hitler weiter. Wir wissen nicht, welche Überlegungen ihn im 
einzelnen während des Septembers 1939 veranlaßt haben, im Anschluß an den 
Feldzug in Polen sogleich die Westmächte angreifen und vernichtend schlagen 
zu wollen. Vielleicht waren es die überraschenden Leistungen der deutschen 
Wehrmacht, der ihm günstig erscheinende historische Augenblick, einen waf= 
fenmäßig unterlegenen Gegner in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen, um 
damit ein für allemal die Vorherrschaft Großdeutschlands in Mitteleuropa zu 
sichern oder auch die Einsicht, daß England, einmal in den Krieg eingetreten, 
nicht eher nachgeben würde, bis es militärisch besiegt sei. Auch führte er seinen 
Generalen gegenüber immer wieder das Argument an: angesichts der Be= 
drohung des Ruhrgebietes durch die Westmächte, der Achillesferse der deut= 
sehen Wehrwirtschaft, müsse Deutschland im Westen offensiv werden, um die= 
sen Zustand zu beseitigen. Sicherlich haben derartige Überlegungen bei Hitler 
eine Rolle gespielt, als er bereits Mitte September 1939 im engsten Kreise von 
seinen Angriffsabsichten sprach. Ohne sich mit seinen Befehlshabern der drei 
Wehrmachtteile beraten zu haben, eröffnete er diesen am 27. 9. 193g diese 
weitreichende Absicht. Zugleich befahl er den Generalstäben, entsprechende 
Vorbereitungen zu treffen, um den geplanten Aufmarsch personell und mate= 
riell zu sichern. Wohl spürte Hitler in den zahlreichen Aussprachen mit den 
Generalen v. Brauchitsch, Halder, v. Reichenau, Jeschonnek, GFM Göring, 
Großadmiral Raeder und anderen, wie skeptisch seine militärische Umgebung 
einer solchen, noch im Winter auszulösenden Offensive gegenüberstand; auch 
blieb ihm sicherlich nicht verborgen, daß bei der Ablehnung einer solchen 
Offensive durch das OKH nicht nur fachlich=militärtechnische Argumente mit= 
sprachen, sondern ebenso prinzipielle Erwägungen, nämlich die Ausweitung 
des Krieges überhaupt zu verhindern. Aber ungeachtet der warnenden Stim= 
men und Ratschläge seiner militärischen Berater drängte er unablässig zum 
Angriff; Mitte Oktober 1939 war sein Entschluß so gut wie „unabänderlich", 
zumal England und Frankreich den „Friedensappell", vom 6. 10. 1939, sein 
Alibi vor der Nation, entschieden zurückgewiesen hatten. Zwar ließ Hitler nun= 
mehr alle Vorbereitungen treffen, die Offensive am 12. 11. 1939 auszulösen, 
aber die ständig ungewissen Wetteraussichten, die noch keineswegs befriedigen= 
den operativen Planungen und gewiß auch die unverhohlene Opposition seiner 
Generale veranlaßten ihn, den Termin für diese Offensive immer von neuem 
zu verschieben. Auch Brauchitschs eindringlicher, zweifellos bewußt überspitz= 
ter Appell vom 5. 11. 1939, die Truppe sei den Belastungen eines Feldzuges im 
Westen noch nicht gewachsen, im Grunde ein Spiel um Zeitgewinn, hatte 
Hitler nicht zur Aufgabe seiner Politik bewegen und ihn in seiner grundsätz= 
liehen Auffassung umstimmen können. Im Gegenteil, nun erst recht wollte 
er beweißen, daß er das Instrument der Wehrmacht besser kannte als seine 
Fachmänner. Neunundzwanzigmal aber verschob er den Termin für den 
Feldzug im Westen, ehe er am 9. 5. 1940 den endgültigen Befehl zum Angriff 
erteilte. 



177 



A. Einführung 

Wohl hatte Hitler den Entschluß zum Angriff in eigener Machtvollkommen= 
heit und ohne Beratung gefaßt, aber die militärisch=operativen Planungen 
überließ er zunächst weitgehend seinen einzelnen Stäben. In der Weisung Nr. 6 
vom g. 10. igjg, vor allem aber in der umfassenden Denkschrift vom gleichen 
Tage über die Führung des Krieges im Westen, hatte er Ziel, Grundsätze und 
Einzelheiten des deutschen Angriffes im Westen in großen Umrissen dargelegt 
(s. S. 50 E). Aufgrund dieser Richtlinien arbeiteten die drei Wehrmachtteile ihre 
eigenen Vorschläge aus, die in einer Reihe von Aufmarschanweisungen des 
OKH, Weisungen des OKL für die Kampfführung in der Abwehrschlacht und 
Weisungen des OKM für die Unterstützung der Heeresoperationen durch die 
Nordseekriegführung ihren Niederschlag fanden. 

Es läßt sich sehr gut verfolgen, wie durch den Einfluß Hitlers, durch Denk= 
schriften und Vorschläge untergeordneter Kdo. Behörden der deutsche Opera= 
tionsplan zur Westoffensive sich schrittweise gewandelt und schließlich jene 
Fassung angenommen hat, die Churchill später mit einer gewissen Berechtigung 
als den „Sichelschnitt=Plan" bezeichnete. Das OKH hatte, im ganzen wohl sehr 
improvisiert und als Zeichen einer unverkennbaren Reserve gegenüber dem 
Drängen des Obersten Befehlshabers der Wehrmacht, am ig. Oktober igjg 
einen ersten Aufmarschplan vorgelegt, der sogleich Anlaß zur heftigen Kritik 
durch das OKW und durch die HGr. Kdos. gab. Brauchitsch hatte als Zweck 
des Angriffes befohlen, „möglichst starke Teile des französischen Heeres und 
seiner Verbündeten zu schlagen und gleichzeitig möglichst viel holländischen, 
belgischen und nordfranzösischen Raum als Basis für eine ausreichende Luft= 
und Seekriegführung gegen England und als weites Vorfeld des Ruhrgebietes 
zu gewinnen". Hierzu sollte eine HGr. (B) frontal in Richtung auf die belgische 
Küste angreifen, während die zweite (A) diesen Vorstoß gegen feindliche An= 
griffe aus Süden und Südwesten decken mußte. Dieser im ganzen ideenlose 
Plan, der aber keineswegs mit dem berühmten Schlieffenplan zu vergleichen 
war, war im Grunde nur eine Umformung der Gedankengänge Hitlers vom 
9. 10. 1939 in einen militärischen Plan. 

Die massivste Kritik richtete sich vor allem gegen die gedachte Verteilung 
der mot.= und Pz. Verbände und damit gegen den vorgesehenen Schwerpunkt. 
Im Verlaufe der mehrfachen Wandlungen, die dieser Plan durchlief — im gan= 
zen kann man vier Phasen unterscheiden, die hier nicht im einzelnen dargelegt 
werden können 5 — , verschob sich der Schwerpunkt immer mehr zu der in der 
Mitte angesetzten HGr. A (Rundstedt), bis der Aufmarschplan vom 24. 2. 1940 
den Einsatz der Kräfte endgültig festlegte und den Schwerpunkt bei der HGr. A 
vorsah. Diese HGr. sollte beiderseits Sedan über die Maas auf die Kanalküste 
vorstoßen, um gemeinsam mit der im Norden (Holland— Mittelbelgien) angrei= 
fenden und zunächst den Schwerpunkt vortäuschenden HGr. B den Gegner zu 
einer Schlacht mit verkehrten Fronten zu zwingen. 

5 Ebd., S. 25 ff. 
178 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

In unserem Zusammenhang ist bemerkenswert, in welcher Weise dieser 
später aufsehenerregende Operationsplan durch die Ideen Hitlers und durch 
die Vorschläge des Gen. v. Manstein mitgestaltet worden ist. Soweit sich heute 
übersehen läßt, ist dieser Plan in der Tat so etwas wie eine Gemeinschaft^ 
arbeit, das Resultat verschiedenster, ideenreicher und kühner Erwägungen. Die 
Anteile beim Zustandekommen dieses „Sichelschnittplanes" verteilten sich auf 
Manstein, Hitler und das OKH. Im Grunde war der Winter 1939/40 gekenn= 
zeichnet durch ein ständiges Ringen zwischen OKW, OKH und vor allem der 
HGr. A um den bestmöglichen Plan. Unabhängig voneinander hatten Hitler 
und Manstein den Durchbruchsgedanken geäußert; auf der einen Seite der 
Laie, der seine Worte anfangs nicht in die militärische Form zu kleiden wußte, 
auf der anderen Seite der hochbegabte Fachmann, der in einer Reihe von Denk= 
Schriften einen großartigen Plan, freilich noch mit einer von der Endfassung 
abweichenden Kräfteverteilung entwickelte. Erst das Zusammentreffen dieser 
Ideen mit der sorgfältigen, glänzenden Organisationsarbeit des OKH führte 
schließlich zur Ausarbeitung und Durchführung des „Sichelschnittplanes". 

Für den weiteren Verlauf der deutschen Kriegführung war verhängnisvoll, 
daß Hitler selbst auf den kühnen Gedanken des Durchbruchs zur Kanalküste 
gekommen war. Nach dem militärischen Sieg im Westen fühlte er sich mehr 
und mehr als „Feldherr"; seine Intuition schien ihm recht gegeben zu haben. 
Was die Fachmänner in langjähriger, zielstrebiger und systematischer Arbeit 
erlernt hatten, das konnte er dank seiner „genialen" Begabung, seinem unver= 
kennbaren Einfallsreichtum und seiner schnellen Auffassungsgabe. 

Auch der berühmte Befehl zum Anhalten der deutschen Panzertruppen vor 
Dünkirchen, am 24. 5. 1940 6 , enthüllte etwas von dem neuen Führungsstil 
Hitlers. Nachdem es den schnellen Verbänden Rundstedts gelungen war, am 
20. 5. 1940 die Kanalküste zu erreichen, drehten sie nach Norden und Nord= 
osten ein, um den von der HGr. B in Mittelbelgien gebundenen Gegner in 
Flanke und Rücken zu stoßen. In dieser, für die deutsche Wehrmachtführung 
günstigen militärischen Lage, in der sich eine klassische Vernichtungsschlacht 
(Cannae) anbahnte, befahl Hitler nach einem Lagevortrag der Gen.Obersten 
von Rundstedt den Pz. Verbänden, in den erreichten Linien zur Verteidigung 
überzugehen. Wir haben in unserem Zusammenhang nicht die einzelnen 
Gründe zu untersuchen, warum Hitler und Rundstedt entgegen der Auffassung 
des OKH diesen Entschluß gefaßt haben. Für uns bleibt die Feststellung wich= 
tig, daß vor Dünkirchen zum ersten Mal das eigentliche Führungsinstrument 
des Heeres — das OKH — durch ein Zusammenspiel Hitlers mit dem OB der 
HGr., Gen.Oberst v. Rundstedt, auf dem Höhepunkt der Schlacht praktisch 
überspielt und ausgeschaltet wurde. Denn in diesem entscheidenden Augen= 
blick überließ Hitler einer untergeordneten Kdo.Behörde die Entscheidung dar= 
über, wann die Pz. Truppen wieder antreten sollten. Dies tat Hitler auch des= 



6 Vgl. Jacobsen, Dünkirchen, a. a. O. (S. 26 E, Anm. 7), S. 70 ff. 



179 E 



A. Einführung 

halb, weil er in die Führung Rundstedts besonderes Vertrauen setzte, dem 
OKH indes immer noch mißtrauisch gegenüberstand (vgl. S. 154 E f.). Als in der 
Nacht vom 24.725. 5. 1940 das OKH der HGr. eine Weisung zum weiteren 
Vorrücken übermittelte, beriefen sich Rundstedt und sein Stab auf die Anord= 
nungen Hitlers, daß der OB der HGr. A selbst entscheiden könne. Das OKH 
mußte also abwarten, bis Rundstedt zu einer neuen Lagebeurteilung kam; dies 
geschah erst am 26. 4. Zwei kostbare Tage waren inzwischen verstrichen, in der 
die Alliierten alles zur Evakuierung ihrer Streitkräfte auf die britische Insel 
vorbereiten konnten. Neben diesem ersten Schritt zur systematischen Aushöh= 
lung des Führungsinstrumentes des Heeres durch Hitler ist die Rolle Görings 
zu erwähnen. Dieser hatte sich zur gleichen Zeit aus Prestigegründen für die 
Vernichtung der eingeschlossenen Streitkräfte durch seine Luftwaffe eingesetzt. 
Damit bestärkte er Hitler in dem Entschluß, die Pz. Verbände auf der Stelle 
treten zu lassen. Aber unzureichende Vorbereitungen der Luftwaffenführung, 
vor allem aber das für den Gegner günstige Wetter und die geographischen Be= 
dingungen, vereitelten den „Vernichtungssieg" der Luftwaffe; über 330000 bri= 
tische und französische Soldaten konnten entkommen. 

In welchem Umfange Hitler in den Monaten August 1940 bis Juni 1941 (bzw. 
bis Ende 1941) die operativen Planungen und Maßnahmen bis zu den ver= 
schiedensten taktischen Einzelmaßnahmen hinein beeinflußt oder bestimmt 
hat, wie er Meinungsverschiedenheiten zwischen den Wehrmachtteilen „aus= 
zugleichen" pflegte, wieweit er beeinflußbar war (etwa durch Jodl u. a.), geht 
z. T. aus dem erhalten gebliebenen Teilen des KTB=OKW (vgl. S. 3—410) her= 
vor, aus den Anlagen Nr. 26, 31, 33, 39, 41, 44, 45, 48, 55, 56, 58 („der Führer 
hat entschieden"), 61—71 (1. Plan des Rußlandfeldzuges), 76—91, 97—100, 103, 
104, 110 („der Führer hat befohlen"), aber auch aus dem persönlichen Tage= 
buch des Chefs des Generalstabes des Heeres (vgl. z. B. 13. 7., 21. 7., 31. 7., 
14. 9., 17. 3. 1941, 2. 4. 1941 während des Balkanfeldzuges). Greiners Aufzeich= 
nungen vermitteln darüber hinaus einen ersten Eindruck davon, welche Ent= 
Scheidung Hitler auf dem Gebiet der Rüstungs= und Wehrwirtschaft, derKriegs= 
Verwaltung und der besetzten Gebiete getroffen hat. Allerdings geht nicht im= 
mer klar daraus hervor, aufgrund welcher Beurteilung der Lage, welcher 
Anträge und Vorträge er dies getan hat 7 . 

Im März 1941 gab es z. B. eine scharfe Auseinandersetzung zwischen OKW 
und OKH wegen eines „unmittelbaren Eingreifens in die Befehlsbefugnisse 
des Heeres" (Austausch von Divisionen). Zudem kam es vor, daß Hitler einmal 
die besondere Aufgabe einer einheitlich straffen Wehrmachtführung betonte, 
ohne jedoch die entsprechenden praktischen Konsequenzen daraus zu ziehen 8 . 
Am 6. 12. 1940 äußerte er sich dem Chef OKW, GFM Keitel, und dem Chef 
WFSt, Gen. Jodl, gegenüber folgendermaßen: 

7 Vgl. Eintragungen S. 38 u. ö. 

8 Vgl. Halder, a. a. O. (S. 44 E, Anm. 5), Bd. II, S. 309. 

180 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

„Jede derartige Meinungsverschiedenheit zwischen zwei Wehrmachtteilen wie die 
eben vorgetragene (bez. des Einsatzes der Lufttorpedos — ein Streitfall zwischen 
OKM und OKL) beweise erneut die Notwendigkeit eines starken Oberkommandos 
der Wehrmacht. Solche Streitfälle zeigten, daß in vielen Fragen eine Verschiedenheit 
der Auffassungen herrsche, die durch Besprechungen zwischen den beteiligten Wehr= 
machtteilen nicht beseitigt werden könne. Gäbe es nun keine übergeordnete Stelle, 
die eine Entscheidung fälle, so bestehe die Gefahr, daß z. B. in dem vorliegenden 
Fall das Schießen von Torpedos vom Flugzeug aus überhaupt nicht weiterentwickelt 
oder sogar eingestellt würde, weil die beiden Wehrmachtteile sich nicht darüber 
einigen könnten, wem diese Aufgabe zufalle. Ein solcher Zustand sei aber nicht zu 
verantworten. Für die Kriegsentscheidung sei es völlig gleichgültig, ob die Luftwaffe 
oder die Kriegsmarine die Lufttorpedos verwende; entscheidend sei lediglich, daß 
die Lufttorpedos von dem Wehrmachtteil eingesetzt würden, der den größten Erfolg 
damit erringe. 

Man müsse aus solchen Streitfällen weiter der Lehre ziehen, daß die Oberste 
Wehrmachtführung die Zügel straff führen müsse, um den bestmöglichen Einsatz 
der Kräfte aller drei Wehrmachtteile zu erreichen. Dies sicherzustellen sei die Auf= 
gäbe des OKW. Das gelte schon heute, wo seine — des Führers — Autorität letzten 
Endes immer eine Entscheidung ermögliche. 

Im Hinblick auf die Zukunft sei eine dauernde Stärkung der Stellung des OKW 
erst recht erforderlich. An seine — des Führers — Stelle könne einmal ein Mann 
treten, der zwar der beste Politiker sei, aber vielleicht nicht über so viel militärisches 
Wissen und Können verfüge wie er selbst. Ein solcher Mann bedürfe eines sehr 
starken OKW, sonst bestünde die große Gefahr, daß die Kräfte der drei Wehrmacht» 
teile auseinanderfielen, anstatt zu einheitlicher Wirkung zusammengefaßt zu werden. 
Dann würde die Wehrmacht aber niemals das Höchste leisten können, ein Zustand 
der im Kriege, wo es um den Bestand des Reiches ginge, nicht zu verantworten sei 9 ." 

Am stärksten prägten sich Hitlers Eingriffe in die operative Führung seit 
Beginn des Ostfeldzuges 1941 aus 10 . Die großen deutschen Anfangserfolge bei 
den Grenzschlachten in Rußland — die drei HGr. erreichten bis Mitte Juli wie 
vorgesehen die Düna=Dnjepr=Linie — schienen alle Hoffnungen auf eine rasche 
Beendigung des Feldzuges zu rechtfertigen. Hitler erklärte am 23. y., noch in 
diesem Jahr werde er bis an die Wolga und in den Kaukasus vormarschieren. 
Einige Tage zuvor hatte auch das OKH die Ansicht geäußert, daß der Ostfeld= 
zug wohl innerhalb von 14 Tagen gewonnen sei; die täglichen Gefangenen= 
Ziffern und die Anzahl der als zerschlagen gemeldeten russischen Divisionen 
verleiteten zu der Annahme, daß die Masse der bis dahin ermittelten sowjeti= 
sehen Divisionen, 200, vernichtet und daher höchstens vor Moskau noch einmal 
mit stärkerem Widerstand zu rechnen sei. Als es nun zu befehlen galt, wie die 
Operationen nach Erreichen des ersten Angriffsziels fortgesetzt werden soll= 
ten, schlugen Brauchitsch und Halder vor, den Schwerpunkt allein gegen Mos= 
kau anzusetzen, zumal die Leistungsfähigkeit der schnellen Verbände nur noch 
den Einsatz für eine entscheidende Operation erlaube und hierfür die beiden 

9 Vgl. Eintragung ins KTB=OKW, Bd. I, S. 214 f. 

10 Vgl. Halder, a. a. O. (S. 44 E, Anm. 5); außerdem: Uhlig, H., Das Einwirken Hit= 
lers auf Planung und Führung des Ostfeldzuges, in: Beilage zur Wochenzeitung 
„Das Parlament" v. 16. 3. i960 und 23. 3. i960. 

181 E 



A. Einführung 

Monate September/Oktober — vor Einbruch des Winters — auszunutzen waren. 
Das OKH hoffte, die letzte Vernichtungsschlacht vor den Toren der sowjeti= 
sehen Hauptstadt schlagen zu können, denn hier erwartete es mit Recht den 
Hauptteil der noch einsatzbereiten Kräfte des Gegners. Wie wir heute wissen, 
haben die Sowjets in der Tat über 40 % ihrer an allen Fronten verfügbaren 
Verbände zur Verteidigung von Moskau zusammengerafft. 

Doch Hitler war anderer Auffassung. Ihm ging es in erster Linie um poli= 
tisch=ideologische und wehrwirtschaftliche Ziele 11 . Im Norden wünschte er die 
Einnahme von Leningrad, um Rußlands Ostseezugang abzuriegeln und zu= 
gleich die Verbindung mit Finnland herzustellen sowie die „Brutstätte" des Bol= 
schewismus zu zerstören; im Süden hatten es ihm die reichen Kornfelder der 
Ukraine und das öl des Kaukasus angetan. Zudem versprach er sich von einem 
Vordringen in den Kaukasus ein Druckmittel gegen die neutrale Türkei, die er 
gern am Kriege auf seiner Seite beteiligt hätte. 

Fast 6 Wochen zog sich diese „schwerste Entscheidung" des Feldzuges hin, 
wie Hitler selbst zugab. Am 21.8. ig 41 fiel sie gegen den Vorschlag des OKH 
aus. Der Tenor der Weisung ließ erkennen, daß der Oberbefehlshaber der 
Wehrmacht nicht mehr auf den Rat seiner engsten militärischen Umgebung zu 
hören gewillt war, solange sich deren Ansichten nicht mit seinen eigenen deck= 
ten. „Der Vorschlag des Heeres für die Fortführung der Operationen im Osten 
vom 18. 8. stimmt mit meinen Absichten nicht überein. Ich befehle folgen= 
des . . .", begannen seine Ausführungen, in denen er Moskau als letztes An= 
griff sziel nach Leningrad, der Krim und dem Donezbecken nannte. Dieser weit= 
reichende Entschluß traf das OKH um so mehr, als es seit August mit unver= 
kennbarer Bestürzung festgestellt hatte, wie sehr es die Widerstands= und 
Leistungsfähigkeit der Sowjetunion personell, materiell und auch politisch 
unterschätzt hatte. Doch diese Einsicht kam zu spät; denn nun tat Hitler die 
berechtigten Warnungen des Generalstabes wiederholt als „Defaitismus" ab 
und maß diesen nicht mehr die notwendige Bedeutung bei, da er ganz auf sein 
eigenes Beurteilungsvermögen vertraute. So kategorisch hatte er bisher noch 
nicht in die operative Kriegführung eingegriffen. Nicht einmal vor Dünkirchen; 
damals hatte er Rundstedt, dem OB der HGr. A, dessen Ansichten mit den 
seinen übereinstimmten, die letzte Entscheidung überlassen. Hitler war von 
jetzt ab mehr denn je entschlossen, voll und ganz das Amt des „Feldherrn" 
auszuüben, nicht nur sporadisch in den Gang der Operationen einzugreifen. 

Wir wissen, daß Hitler weder militärische Erfahrungen noch eine entspre= 
chende Schulung besaß, er war Dilettant unter den führenden Köpfen der 
Wehrmacht. So äußerte er anfang des Krieges seine Pläne meist als spontane 
Einfälle und gleichsam zufällig im Gespräch. Sie waren Geistesblitze, weniger 
konkrete Vorschläge, auch nicht bis zum Ende wohlüberlegt und begründet. Da 



11 Das hatte sich bereits im Westfeldzug 1940 gezeigt, vgl. Halder a. a. O. (S. 44 E, 
Anm. 5), Bd. I, S. 334 ff. 

182 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

er nicht über die Argumentation eines Generalstabsoffiziers verfügte, ließ er 
seinen Gefühlsregungen und plötzlichen Eingebungen freien Lauf. Was er da 
von sich gab, mußten seine militärischen Berater erst in eine für sie geeignete 
Form bringen. 

Mit Recht ist mehrfach hervorgehoben worden, daß Hitler alles andere als 
ein militärischer Dummkopf war. Schnelle Auffassungsgabe, ein erstaunliches 
Gedächtnis für militärische Fakten und Zahlen (die nicht immer einer kritischen 
Überprüfung standgehalten hätten) und seine besondere Vorliebe, taktische 
Einzelheiten festzulegen und schwierige Einzel= und Sonderunternehmen bis in 
das kleinste Detail auszuarbeiten, waren die augenfälligsten Eigenschaften die= 
ses militärischen Autodidakten, der sich im übrigen unermüdlich mit den ver= 
schiedensten Problemen der Kriegführung vertraut zu machen suchte. 

Nach dem Westfeldzug, der die Überlegenheit des deutschen militärischen 
Instruments bewiesen hatte, vollzog sich ein tiefgreifender Wandel: Hitler 
wurde mehr denn je in der Vorstellung befangen, „Feldherr" zu sein, der dank 
unfehlbarer „Intuition" dasselbe zu leisten vermochte wie hochqualifizierte 
Generale und Generalstäbler. Letztere waren für ihn längst nicht mehr die 
unbestrittene fachliche Autorität, sondern steigendes Mißtrauen, ja fast Ver= 
achtung kennzeichneten seine Einstellung gegenüber den militärischen Exper= 
ten. Dies mußte umso verhängnisvollere Folgen haben, je weiter er das OKH 
als eigentliches Führungsinstrument des Heeres unterhöhlte und schließlich 
ausschaltete. 

Die wachsende Kritik an den Eingriffen Hitlers in die operative Führung des 
Rußlandfeldzuges läßt sich anhand der Eintragungen Halders in sein Tagebuch 
am besten verfolgen 12 . Der Verfasser äußerte sich dabei zwar recht vorsichtig, 
vieles deutete er nur versteckt an. Normalerweise notierte er nur „Führer" 
(Besprechung, Führerbesprechung). Aber wir finden auch andere Bezeichnun= 
gen für Hitler: „oben", „man", das „Laienauge" oder Halder nannte dessen 
Maßnahmen „Querschüsse aus der Stratosphäre". 

Gelegentlich verzeichnete er auch Wutausbrüche („tobt"), die nun allerdings 
nichts mit dem berühmten „Teppichbeißen" zu tun haben. Die sich offensicht= 
lieh steigernden Gegensätze zwischen Hitler und Halder in der Auffassung über 
die Lage und die Führung der Operationen werden an verschiedenen Stellen 
deutlich: Mit Beginn des Ostfeldzuges bemängelte Halder immer häufiger, 
daß man an „oberster Stelle" kein Vertrauen auf die ausführenden Organe — 
und zwar kraft einer gemeinsamen Ausbildung und Erziehung des Führer= 
korps — kenne (3. 7. 1941). Skeptisch äußert er sich an anderer Stelle: „Schade 
um die Zeit, die man mit einem solchen Vortrag (bei Hitler) vertut" (23. 7. 41). 
Am 12. 7. „quängelte" Hitler, und noch schärfer: „Das ewige Hineinreden des 
Führers in Dinge, deren Zusammenhänge er nicht kennt, wächst zu einer Plage 

12 Vgl. Halder, a. a. O. (S. 44 E, Anm. 5), Bd. III (S. 576: Sachregister: Eingriffe Hit= 
lers in die operative Kriegführung). 

183 E 



A. Einführung 

aus, die unerträglich wird" (24. 7. 41). Das „Reagieren auf Nadelstiche" (bei 
Staraja Russa) macht uns jeden „Führungsplan und jede Schwerpunktbildung 
zunichte". Mehr und mehr empfand Halder die Eingriffe als „untragbar" 
(22. 8. 1941). Daß der Chef des Generalstabs des Heeres dennoch wiederholt 
seinen Kopf durchzusetzen verstand, geht aus mehreren Eintragungen bis zum 
Mai und Juli 1942 hervor. 

Aber vor Moskau fiel die Entscheidung, wer nun eigentlich das Heer führte. 
In den sogenannten „Führerweisungen" hatte Hitler die Strategie meist im 
großen Rahmen festgelegt und den einzelnen Wehrmachtteilen in der Aus= 
führung doch relative Freiheiten gelassen. Jetzt riß er die gesamte Führung des 
Heeres an sich, befahl bis in alle Einzelheiten vieler Divisionen, später sogar 
in die mancher Regimenter hinein und machte die Bewegungen auf dem 
Schlachtfelde von seiner persönlichen Entscheidung abhängig. Zugleich leitete 
er allein das komplizierte und vielschichtige Räderwerk des militärischen Appa= 
rates. Hatte vor Dünkirchen die Entmachtung des OKH begonnen mit der Ab= 
lösung Brauchitschs als Ob.d.H., am ig. 12.. 1941 fand diese ihren Abschluß: 
„Ob.d.H. ist kaum mehr Briefträger", vermerkte Halder. Das war eine erschüt= 
ternde Bilanz. Hitler selbst übernahm die Führung des Heeres mit den Worten : 
das bißchen Operationsführung kann jeder machen; es komme darauf an, das 
Heer im Geiste des Nationalsozialismus zu erziehen. Diktatorisch, sprunghaft 
und meist unbelehrbar bestimmte er von nun an das Gesetz des militärischen 
Handelns ohne Rücksicht auf die Maxime operativer Führung. Der Untergang 
des Generalstabes des Heeres als Führungsorgan aber zog die Katastrophe der 
gesamten Wehrmacht nach sich 13 . 

8. Die Schlüsselpositionen des „Inneren Kreises" 

Zweifellos hat im Verlaufe der ersten Kriegsjahre der sog. „Innere Kreis" 
des Führerhauptquartiers einen bestimmenden Einfluß auf den Mechanismus 
des militärischen Führungssystems und in gewisser Weise auch auf Hitler aus= 
geübt. Wohl haben diese Offiziere Cöring, Keitel, Jodl, Schmundt, Engel, 
v. Below, v. Puttkamer, Deyhle, Bodenschatz und Christian die politischen Ent= 
Schlüsse des Obersten Befehlshaber der Wehrmacht nicht zu ändern oder zu 
verhindern vermocht, doch ist ihr Einfluß auf Denken und Handeln Hitlers 
sicherlich hoch, wenn auch unterschiedlich einzuschätzen. Wie sich die Anteile 
im einzelnen verteilen, ist schwer zu ermessen. Gewiß hat Göring auf Grund 
seiner langjährigen politischen Zusammenarbeit mit dem Führer und Reichs= 
kanzler, seiner zahlreichen Dienststellungen und seiner Designation zum zwei= 
ten Manne im Staate Hitler am nächsten gestanden; dieser hat von ihm 
manchen Ratschlag angenommen und dessen Empfehlungen entsprochen. Den 
Wünschen Görings hat Hitler oft Gehör geschenkt. Wie Warlimont berichtet 
hat, wurde der Reichsmarschall laufend über Ansichten und Gegenansichten 

13 Vgl. die weiteren KTB=Bände: II, III und IV. 

184 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

im F.H.Qu, durch seinen V.Off z., Gen. Bodenschatz, einem im ganzen wohl 
etwas farblosen Offz., auf dem laufenden gehalten. Dadurch konnte er sich 
ganz nach Belieben im F.H.Qu, fernmündlich oder persönlich einschalten. Seine 
Zusammenkünfte mit Hitler waren „meist keinem anderen Auge und Ohr" 
zugänglich l . 

Obwohl GFM Keitel als Chef OKW zum „Inneren Kreis" zählte, war sein 
Einfluß auf Hitler gering. Im Grunde war er nur ausführendes Organ, auch in 
allen unangenehmen und unbequemen Dingen („Blitzableiter"), ein vor= 
urteilsloser Gehilfe. Er hat sein hohes Amt schon deshalb bekommen und be= 
halten, weil, wie es einmal ein Adj. spöttisch überspitzt ausgedrückt hat, Hitler 
sicher gehen wollte, bei einer Besprechung mit 12 Teilnehmern zumindest einen 
dabei zu haben, der für ihn (Hitler) stimmte 2 . 

Da sich der Chef OKW von Anfang an in den Fragen der operativen Füh= 
rung bewußt zurückhielt und sich vor allem auf seine anderen Aufgaben kriegs= 
ministerieller Art konzentrierte, stieg Jodl als Chef des W.F.St. zum eigent= 
liehen, persönlichen Berater und „Gen.Stabschef" Hitlers in „allen Fragen der 
strategischen Planung und Op.Führung" auf, insbesondere bei Operationen 
verbundenen Wehrmachtteile. 

Keitel erinnerte sich später 3 : 

„Fast regelmäßig fanden in der Reichskanzlei die täglichen Lagebesprechun= 
gen bzw. mittäglichen Vortrags=Zeiten bei Hitler statt. Jodl und ich hatten je 
neben dem alten Reichskabinettssaal ein Arbeitszimmer und ein Büro für 
Adjutanten und Schreibpersonal. Ich kam stets erst gegen Mittag vom Kriegs= 
ministerium herüber und bisweilen auch abends noch einmal eine Stunde . . ., 
während Jodl in Ermangelung eines Arbeitsraumes in der Bendlerstraße beim 
W.F.St. eigentlich nur in der Reichskanzlei arbeitete, und so auch dem Führer, 
wenn er etwas wollte, stets zur Verfügung stand. So festigte sich auch sein 
Verhältnis zu Hitler und eine Anerkennung seiner Fähigkeiten, was ich nur 
begrüßt habe." 

Wie General a. D. Winter mitgeteilt hat 4 , war Jodls Stellung nur inso= 
fern eingeengt gewesen, als z. B. Göring und Raeder auf ihren Gebieten 
einen bestimmenden Einfluß auf Hitler ausübten; hinzugekommen sei das 
Mißtrauen Hitlers gegenüber den Berufsoffz. — in erster Linie Genst.Offz. — , 
das das gegenseitige Vertrauensverhältnis zu überschatten begann und er, Jodl 
selbst, zu bestimmten Einschränkungen neigte. Jodl wird als ein „Soldat mit 
Leib und Seele" beschrieben, der die Eigenschaften „bester deutscher Soldaten= 
tradition" in sich vereinigt hätte. Anspruchslos und einfach in seinen Bedürf= 
nissen, ohne persönlichen Ehrgeiz, ging er voll in der schweren Aufgabe auf, 
die ihm gestellt wurde. Klar und bestimmt in seinen Ansichten, stellte er große 

1 Vgl. Warlimont a. a. O. (S. 136 E, Anm. 9), S. 76, 106. 

2 Mündliche Mitteilung Gen. Engels a. d. Verf. v. 24. 1. 1965. 

3 Keitel, a. a. O. (S. 142 E, Anm. 7), S. 229. 

4 Vgl. S. 136 E, Anm. 10. 

185 E 



A. Einführung 

Ansprüche an seine Arbeitskraft und an die seiner Mitarbeiter. Als „Genst.Offz. 
war er sorgfältig durchgebildet", aber sein Interesse galt etwas einseitig der 
Operationsführung. Nicht „überdurchschnittlich begabt", fühlte er „seine Gren= 
zen, und diese veranlaßten ihn wohl dazu, sich den Rahmen seines Einfluß= 
strebens selbst eng zu stecken". War es auch verständlich, daß die Persönlich= 
keit Hitlers auf ihn nicht ohne Einfluß blieb, so war er doch einer der wenigen 
Männer in der nächsten Umgebung des „Führers", „der in wirklich entschei= 
denden Fragen offen seine Meinung sagte, wenn ihn auch bald die Erfahrung 
lehrte, daß nur bei diplomatischer Ausnutzung günstiger Gelegenheiten hier= 
mit ein Erfolg zu erzielen war. Zäh in der Verfolgung einer einmal gefaßten 
Überzeugung verstand er es, wenn auch oft mit zu großen Verzögerungen, die 
ihm wichtig erscheinenden Entscheidungen immer wieder an Hitler heranzu= 
tragen und damit manchen Erfolg zu erringen." 

Jodls engster Mitarbeiter, Gen. Warlimont, faßte seine Eindrücke von seinem 
Vorgesetzten folgendermaßen zusammen 5 : 

„Im Gegensatz zu aller Tradition des Generalstabs des Heeres wollte Jodl . . . 
— auch hierin Hitler folgend — in den Offizieren seines Stabes nur die Organe zur 
näheren Ausarbeitung von Befehlen, nicht aber die zu selbstverantwortlichem Den= 
ken, zu Anregung und Beratung berufenen Mitarbeiter sehen. Diese seine Neigung 
war nicht allein durch persönliche Eigenheiten bedingt, sondern entsprach ganz 
seinen Vorstellungen von einer neuen Schule des Generalstabs, wie sie Göring 
schon seit dem Frühjahr 1939 in der Luftwaffe zu verwirklichen suchte, — in beiden 
Fällen zweifellos ausgehend von dem nationalsozialistischen Grundsatz der „abso= 
luten Verantwortung nach oben und unbedingten Autorität nach unten". Der Neue= 
rung im inneren Bereich der Generalstabsarbeit entsprach in der äußeren Form das 
gleichzeitig ebenfalls von lodl übernommene System Hitlers, an die Stelle der im 
deutschen Heere bewährten „Auftragstaktik" eine Art oberster Führung zu setzen, 
die ihren Willen durch bis in letzte Einzelheiten gehende Befehle zu erzwingen 
suchte. 

Wesentlich gefördert wurden die Tendenzen des Chefs WFStab noch durch die 
Entfernung, die er — ebenfalls gegen alle Regel — zwischen sich und seinen Stab 
legte. Dabei war es gleichgültig, ob der räumliche Abstand, wie zunächst in Berlin 
vom Bendlerblock zur Reichskanzlei und während der nächsten Jahre auch in der 
Mehrzahl der Feld=Hauptquartiere vom „Sperrkreis I" — mit Hitler und seiner näch= 
sten Umgebung — zum „Sperrkreis II" — mit der Feldstaffel der Abt. L — sich nur 
auf wenige Fahrminuten oder aber auf mehrere Flugstunden belief, wie es zeitweilig 
vorkam. Sah Jodl sich doch gerade infolge dieser Trennung noch mehr, als es an 
sich schon seiner Art entsprach, dazu bewogen, den Richtlinien Hitlers gleich mit 
eigener Hand die gebotene Form zu geben und die Abt. L nur noch, soweit notwen= 
dig, zur Abstimmung seiner Entwürfe mit dem Führungsabteilungen von Heer, 
Marine und Luftwaffe, häufig aber lediglich als Schreibbüro und Registratur heran= 
zuziehen. Auch im mündlichen Verkehr mit den obersten Stäben der Wehrmachtteile 
bildete sich von diesen Ursachen her ein „Dienstweg" heraus, der an der oft nur 
dürftig und verspätet unterrichteten Abt. L vorbeilief und stattdessen Ausgang 
und Ende allein bei dem Chef des WFStabes als dem zuverlässigen Mitwisser von 
Hitlers Denken und Wollen fand. 

5 Warlimont, a. a. O. (S. 136 E, Anm. 9), S. 60 ff. 

186 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

Als weitere Folge der räumlichen Trennung ergab es sich, daß General Jodl für 
die dienstjüngeren Angehörigen seines Stabes fast genau so unsichtbar blieb wie 
Hitler selbst. Manche der älteren Offiziere mit dem Abteilungschef an der Spitze 
verkannten dem gegenüber nicht den unschätzbaren persönlichen Vorteil, dem Trei= 
ben um Hitler entrückt zu sein und die klare Luft eines rein militärischen Stabes zu 
atmen. Dienstlich gesehen aber fanden sie sich isoliert und von dem Gang der 
Geschehnisse vielfach ausgeschaltet, nicht zuletzt auch zum empfindlichen Schaden 
für die gerade von Jodl vertretene Forderung eines einheitlichen Führungsstabes an 
der Spitze der Wehrmacht. 

Tiefer greifend als alle diese Mißstände im Bereich des Stabes waren aber die 
Gegensätze, die den Chef WFStab und den als seinen nächsten Mitarbeiter be= 
rufenen Chef L im Hinblick auf Politik und Kriegführung insgesamt voneinander 
trennten. Der Glaube Jodls an Hitler, der schon in den Dithyramben seines frühen 
Tagebuchs einen militärisch ungewöhnlichen Ausdruck gefunden hatte, prägte auch 
weiterhin, wenngleich nie ein Wort darüber fiel, sein ganzes Wesen und Handeln. 
„Wir gewinnen diesen Krieg und wenn er 100 X einer Generalstabsdoktrin wider= 
spricht", schrieb er am 15. Oktober 1939 inmitten der Wirren mit dem OKH um 
die Offensive im Westen, „weil wir die bessere Truppe, die bessere Ausrüstung, 
die besseren Nerven und eine geschlossene, zielbewußte Führung haben". 

Die Einstellung Jodls erhellt auch aus einem besonderen Beispiel, das Warlimont 
festgehalten hat. Als Neuerung hatte es sich „die Gruppe Heer der Abt. L, vom 
Abteilungschef beifällig aufgenommen", angelegen sein lassen, „den Morgenmeldun= 
gen jeweils eine sogenannte „Kurzbeurteilung" der Lage nachzusenden. Diese Äu= 
ßerungen verfolgten den doppelten Zweck, die Gedanken und Absichten des OKH, 
als der für die Führung der Operationen letztlich allein berufenen Stelle dem Chet 
WFStab vor der mittäglichen Lagebesprechung mit Hitler täglich von neuem nahe= 
zubringen und außerdem vielleicht mit Jodl endlich in eine generalstabsmäßige 
Form der Zusammenarbeit im eigenen Stabe zu gelangen. Der Versuch schlug jedoch 
in beiderlei Hinsicht fehl. Schon nach wenigen Wochen erklärte er dem Chef L, er 
könne auf die Beurteilungen gern verzichten; viel wesentlicher sei es ihm, wenn 
dafür gesorgt würde, daß die Lagekarten keine Fehler enthielten. — Diese Beschei= 
düng, die schon ihrer Form nach, wie ihm auch bedeutet wurde, nicht viel weniger 
als verletzend war, enthüllte im Grunde nur erneut den unveränderten Anspruch 
der „obersten Führung", vertreten allein durch Hitler— Jodl, auch auf den weiten 
Schlachtfeldern des Ostens autoritär zu verfahren und das eigene Besserwissen 
jedweder Beratung voranzustellen 9 ." 

Die Wehrmachtadjutantur war eine Kdo.Dienststelle beim „Führer und 
Reichskanzler"; sie bestand aus vier Offizieren mit etatmäßigen Feldwebeln 
und Uifz. Während der Chefadjutant, Oberst d. G. Schmundt, ins OKW ver= 
setzt worden war, waren Hptm. Engel (Heer), Hptm. v. Below (Luftwaffe) und 
Kpt.z.S. v. Puttkamer (Marine) von den einzelnen Teilstreitkräften abkom= 
mandiert worden; sie waren also in erster Linie Verbindungsoffiziere der OB's 
der Teilstreitkräfte zum Obersten Befehlshaber der Wehrmacht. Schmundt 
hatte sämtliche militärischen Belange der Wehrmacht zu bearbeiten; die drei 
anderen Offiziere hatten neben der Vertretung der Belange ihres Wehrmacht= 
teils bestimmte Arbeitsgebiete übernommen. Das Ic=Gebiet, Attache=Berichte und 
Fragen personeller Art in Verbindung mit den „Nürnberger Gesetzen" wurden 

6 Ebd., S. 190. 

187 E 



A. Einführung 

Engel übertragen, Puttkamer war für protokollarische Fragen, Vorlagen zur 
Wehrwirtschaft und Rüstung, zur Seekriegslage und für Gnadengesuche ver= 
antwortlich; zu den Aufgaben Belows zählten alle Angaben über den Luftkrieg, 
Fragen der Dienstreisen, der Organisation und des F.H.Qu. 

Alle vier Offiziere haben ihre Aufgaben selbständig erfüllt, Hitler dabei 
häufig unter vier Augen berichtet und ihm auch die „delikaten" Angelegen= 
heiten vorgetragen, die z. B. der Chef OKW, aus welchen Gründen auch immer, 
Hitler nicht vorzulegen gewagt hatte. Hinzu kamen die zahlreichen Frontreisen 
der Adj. im Auftrage (als Sendboten) Hitlers zu den Truppenteilen oder Kdo.= 
Behörden, die von OKH und OKW zwar nicht gern gesehen wurden, aber auf 
Zustimmung bei den Truppenführern stieß; diese hofften natürlich, dadurch 
ihre Nöte und Sorgen unmittelbar an Hitler herantragen zu können (unter 
Umgehung des Dienstweges) 7 . Hptm. Engel unterrichtete z. B. den OQ IV im 
Genst.d.H., Gen. v. Tippeiskirch, fast jeden Vormittag über alle wichtigen 
militärpolitischen Fragen, die im F.H.Qu, erörtert oder zur Diskussion gestellt 
wurden. Im Halder=Tagebuch ist sehr genau zu verfolgen, welche Einzelheiten 
der Heeresadj. dem General mitgeteilt hat 8 . Natürlich wurden die Adj. durch 
diese Arbeiten, stets in engster Fühlungnahme mit Hitler, durch ihre zahl= 
reichen Verbindungen und Beziehungen bald in eine Rolle hineingedrängt, zu 
denen sie unter normalen Verhältnissen weder befugt noch berechtigt gewesen 
waren. Praktisch wurden sie mehr und mehr dazu verführt, entgegen allen 
militärischen Dienstregeln zu verfahren. Dies war ein weiterer Ausdruck für 
das so heterogene deutsche militärische Führungssystem. Zweifellos haben die 
Adj. auf diese Weise Hitler beeinflussen können, so z.B. auf dem personellen 
Gebiet, was die Zustandsberichte der Truppe und die daraus zu ziehenden 
Konsequenzen anbetraf; ebenso haben sie Hitler Informationen und Stim= 
mungsberichte zugetragen, die dieser auf dem Dienstwege nicht lückenlos 
erhielt. Auf die strategisch=operative Kriegführung haben sie, von einer Aus= 
nähme abgesehen (s. unten), indessen keinen Einfluß gehabt. 

Vor allem ist der Einfluß des Chefadj., Oberst Schmundt, im Guten wie im 
Tragischen, sehr viel größer gewesen als er sich heute aus den Akten heraus^ 
lesen läßt. Er war von allen genannten Offizieren der engste Vertraute Hitlers 
in militärisch=personellen Fragen, allerdings in klarer Trennung von den poli= 
tischen Sachgebieten. Es gab kaum ein Problem der militärischen Führung, das 
er nicht mit Hitler persönlich besprach. Diese beherrschende Stellung nahm er 
nicht nur auf Grund seiner Dienststellung ein, sondern vor allem deshalb, weil 
er sich, im Gegensatz z.B. zu Hptm. Engel, zu einem glühenden Bewunderer 
Hitlers entwickelt hatte, der fast alles bona fide kritiklos aufnahm, was der 
„Führer" sagte oder befahl. Anfänglich stand er noch zwischen den Fronten, 
wollte er die Vermittlerrolle zwischen den traditionell eingestellten Heerführern 
und Hitler übernehmen. Später gab es für ihn jedoch nur noch ein großes Ziel : 

7 Mündliche Mitteilung Gen. Engel an den Verf. v. 24. 1. 1965. 

8 Vgl. Halder, a. a. O. (S. 44 E, Anm. 5), Bd. I— II (und Register Bd. III). 

188 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

die Glut des Bekennertums auch auf das Offizierkorps des Heeres zu über= 
tragen und dieses zu bedingungslosen Gefolgsmännern des „großen Genies" 
zu machen. Dieser Prozeß ist dadurch gefördert worden, daß Schmundt in der 
ständigen Umgebung Hitlers sehr bald dessen zwingendem Bann erlegen ist. 
Freilich hat er diese Rolle wohl um der militärischen Sache willen, frei von 
persönlichem Ehrgeiz, übernommen. In seiner Stellung sah er so etwas wie 
eine Mission, Hitler für die militärische Führung der Nation alles zuzuführen, 
was notwendig war. Dabei mag er häufig innerlich zerrissen gewesen sein, 
fühlend und ahnend, daß manches in dem System falsch und verhängnisvoll 
war; aber er wollte eben an Hitler und seine Idee glauben. Für ein kamerad= 
schaftliches Gespräch war er durchaus aufgeschlossen; auch war er keineswegs 
nachtragend. Auf sein tiefes Pflichtempfinden gegenüber Hitler war es zurück= 
zuführen, wenn er allzuscharfe Kritiker des Obersten Befehlshabers der Wehr= 
macht aus ihren Stellungen zu entfernen wußte; meistens geschah dies in 
der Weise, daß er beim Vortrag bei Hitler den betreffenden Offizier als „unge= 
eignet" für diese oder jene Laufbahn abqualifizierte. Typische Fälle waren z. B. 
die Ablösung des Obersten v. Loßbergs und des Gen. Frhr. v. Funcks 9 . 

Wie verhängnisvoll sich im ganzen sein Einfluß geltend gemacht hat, mag 
aus einem bisher unbekannten Beispiel erhellen. In der berühmten Führungs= 
krise des deutschen Heeres vor Moskau, als der ObdH aus physischen wie 
psychischen Gründen entlassen wurde, war es Schmundt, der Hitler empfahl, 
den Oberbefehl über das Heer persönlich zu übernehmen. Darüber hieß es in 
einer Aufzeichnung des Heeresadj. Engel am 22. 11. 1941 10 : 

„Schmundt spielte wieder auf den bevorstehenden Wechsel im Oberbefehl 
des Heeres an; es ist zum Verzweifeln. Er ist von seiner Idee, den F[ührer] 
dazu zu bringen, den Oberbefehl über das Heer selbst zu übernehmen, nicht 
abzubringen; [er] sieht darin eine große Chance für [die] Wiederherstellung 
des Vertrauens. Meine Einwände, daß dies doch nur eine Formsache sei und 
das Heer führerlos würde, sieht er nicht ein. Unverständlich ist auch seine im= 
mer wieder hervortretende positive Auffassung über Keitel, das ändert sich 
zwar, je nach dem, wie er sich über diesen ärgert, wenigstens ist er von dem 
Gedanken [abgekommen] . . ., den er vor Jahren hatte, Himmler vorzuschla= 
gen. Den hat er wohl doch erkannt. Es ist aber eine bedrückende Situation, 
und unsere offenen Aussprachen sind manchmal recht heftig. 

Nach der Spätlage bat ich F[ührer] noch um einige Unterschriften und kam 
über den Oberbefehlshaber ins Gespräch. F[ührer] sprach sehr ruhig über 
Br[auchitsch]; hält ihn für einen total kranken Mann, der am Ende seiner 
Kräfte sei. Ich schnitt die Frage an, ob er ihn nicht durch Manstein oder Kessel= 
ring ersetzen wollte; F[ührer] schwieg und verabschiedete sich." 

Es war Schmundt, der als erster von den Angriff sabsichten Hitlers im Westen 
1939 erfuhr. Ihm war es zu verdanken, daß Hitler von dem berühmten Man= 

9 Mündliche Mitteilung Gen. Engel v. 24. 1. 1965. 

10 Aufzeichnungen Gen. Engel vom 22. 11. 1941. 

189 E 



A. Einführung 

stein=Plan Kenntnis erhielt, den das OKH nicht hatte weiterreichen wollen 11 . 
In der ersten Vertrauenskrise des Herbst 1939 verlangte Keitel von Schmundt, 
er solle dem „Führer" sagen, daß er angesichts des schweren Mißtrauens= 
votums um eine andere Verwendung bitte 12 . Viele wichtige Einzelheiten 
erfuhren die Angehörigen im F.H.Qu, nur aus dem Munde des Chefadj. Viel= 
fach mußte er vermitteln oder ausgleichen. Er führte nächtliche Gespräche mit 
den HGr. Armee=Ob.Kdos., um im Auftrag Hitlers ganz bestimmte Weisungen 
durchzugeben, meist unbekümmert um den Gesamtzusammenhang der Opera= 
tionen. 

Während der V.Offz. zu Göring, Gen. Bodenschatz, eine völlig untergeord= 
nete Rolle spielte, sind noch dieMajoreDeyJi/e und später Christian zu nennen. 
Beide haben als Adj. und Ia von Jodl nach dem Lagevortrag durch den Chef 
W.F.St. Hitler häufig die Feindlage vorgetragen und auch in operativen Fragen 
ihre Ansichten geäußert. 

Schließlich ist noch Reichsleiter Bormann in diesem Zusammenhang aufzu= 
führen; zwar pflegte sich dieser nicht in strategisch=operative Probleme einzu= 
mischen, aber auf dem personellen Gebiet gewann er insofern wachsenden 
Einfluß, als ihm über die Kanäle von SD und Partei kritische Stimmen inner= 
halb der Wehrmacht zugetragen wurden. Darüber berichtete er Hitler, falls 
ihm das erforderlich schien. Nicht selten erfolgten daraufhin Versetzungen 
oder die Ablösung des betreffenden Offiziers. Bormann hatte im übrigen schon 
im Jahre 1940 Hitler vorgeschlagen, die Wehrmachtspfarrer der Truppe abzu= 
schaffen; dies war ein weiteres Symptom für seine laufenden Angriffe gegen 
das Heer in allen kirchenpolitischen Fragen 13 . 

b) Die Ausnahme 

9. Der Ministerrat für die Reichsverteidigung 

Schon vor 1939 hatte Hitler einen sog. Reichsverteidigungsrat eingesetzt, der 
für die Vorbereitung und Durchführung eines Krieges mitverantwortlich sein 
sollte. Nominell führte Hitler in ihm den Vorsitz, Göring war seit 1938 sein 
ständiger Stellvertreter. Diesem Rat gehörten als Mitglieder an: 

Der Reichsminster der Luftfahrt und Ob.d.L., 

Der Oberbefehlshaber des Heeres, 

Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, 

Der Stellvertreter des Führers (Heß), 

Der Reichsminister und Chef der Reichskanzlei (Lammers), 

Der Präsident des Geheimen Kabinettsrates (v. Neurath), 

Der Generalbevollmächtigte für die Reichsverwaltung, 

Der Generalbevollmächtigte für die Wirtschaft, 

Der Reichsminister des Äußeren (v. Ribbentrop), 

11 Vgl. Jacobsen, Fall Gelb, a. a. O. (S. 43 E, Anm. 2). 

12 Vgl. Keitel, a. a. O. (S. 142 E, Anm. 7), S. 224. 

13 Mündliche Mitteilung Gen. Engel an den Verf. v. 24. 1. 1965. 

190 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

Der Reichsminister des Innern (Frick), 

Der Reichsminister der Finanzen (Schwerin v. Krosigk) 

Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda (Goebbels) 

Der Präsident der Reichsbank. 

Die Durchführung der Beschlüsse des Reichsverteidigungsrates hatte der sog. 
Reichsverteidigungsausschuß zu gewährleisten. Diesem gehörten an: 

Das Oberkommando der Wehrmacht, 

Bevollmächtigte Vertreter des Vierjahresplanes, 

des Generalbevollmächtigten der Reichsverwaltung, 

des Generalbevollmächtigten für die Wirtschaft, 

Facharbeiter aller in Betracht kommenden obersten Reichsbehörden z. B. der Polizei, 

des Reichsarbeitsdienstes, des Reichsverkehrsministeriums und der Reichspost (usw.). 

Mitwirkung vom 30. 8. 1939 ließ Hitler aus dem Reichsverteidigungsrat einen 
ständigen Ausschuß bilden; dies war der sog. „Ministerrat für die Reichsver= 
teidigung". Er wurde mit folgenden Mitgliedern besetzt: 

Göring, Vorsitzender (zugleich Beauftragter f. d. Vierjahresplan), 

Der Stellvertreter des Führers, 

Der Generalbevollmächtigte für die Reichsverwaltung (Frick), 

Der Generalbevollmächtigte für die Wirtschaft (Funk), 

Der Reichsminister und Chef der Reichskanzlei, 

und der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht. 

Göring konnte nach Paragraph I, 3 auch „andere Mitglieder des Reichs ver= 
teidigungsrates sowie weitere Persönlichkeiten" zur Beratung hinzuziehen. 
Nach Paragraph II konnte dieser neugebildete Ministerrat „Verordnungen mit 
Gesetzeskraft erlassen", falls Hitler nicht die Verabschiedung eines Gesetzes 
durch die Reichsregierung oder den Reichstag anordnete. 

Mit Recht hat B. Mueller=Hillebrand darauf hingewiesen, daß die Zusam= 
mensetzung dieses Ministerrates zunächst zu zeigen schien, daß das „Schwer= 
gewicht seiner Tätigkeit darin liegen sollte, die militärischen Planungen für 
die Kriegführung mit denjenigen der Verwaltung und Wirtschaft in Uberein= 
Stimmung zu halten und die volle Ausschöpfung des Kriegspotentials zu ermög= 
liehen" 1 . Aber in der Praxis der Jahre 1939—1941 konnte davon nicht die 
Rede sein. Wohl erließ der Ministerrat z.B. am 1.9.1939 die „Verordnung über 
die Bestellung von Reichskommissaren", denen die einheitliche Steuerung der 
zivilen Reichsverteidigung in den Wehrkreisen übertragen wurde, oder am 
16.11.1942 die „Verordnung über die Reichskommissare und die Vereinheit= 
lichung der Wirtschaftsverwaltung". Aber irgendeinen Einfluß auf die Krieg= 
führung hat diese neue Institution nicht gehabt; sie stand mehr oder weniger 
auf dem Papier, wenngleich sie auch die einzig integrierte Institution von poli= 
tischer, militärischer und wirtschaftlicher Führung sein mochte. Es müßte einer 

1 Vgl. Mueller=Hillebrand, a. a. O. (S. 111 E, Anm. 1), Bd. I, S. 113; Bd. II, S. 93 f.; 
vgl. auch: Hossbach, F., Die Entwicklung des Oberbefehls über das Heer in 
Brandenburg, Preußen und im Deutschen Reich von 1655—1945, Würzburg 1957, 
S. 121 f. 

191 E 



A. Einführung 

speziellen Untersuchung vorbehalten bleiben, zu prüfen, wann und mit welchen 
Ergebnissen auf dem Gebiet der Verwaltung dieser Ministerrat zusammen= 
getreten ist und in welcher Form er Hitler Empfehlungen vorgelegt hat. 

10. Die Koalitionsbesprechungen 

Es ist hier nicht der Platz und die Aufgabe, die Koalitionsbesprechungen, 
jene an der Nahtstelle von Politik und Kriegführung geführten Gespräche, auf 
höchster Ebene, auf der Ebene von OKW, OKH und der der Deutschen Gene= 
rale bei den verbündeten Ob.Kdos. im einzelnen zu analysieren. Die Gipfel= 
konferenzen werden Gegenstand einer eingehenden Untersuchung durch 
A. Hillgruber sein 1 . Wir müssen uns hier auf einige allgemeine Bemerkungen 
beschränken. 

Die vorhandenen Protokolle, Aufzeichnungen und Notizen über die zahl= 
reichen Besprechungen sind im großen und ganzen sehr kritisch zu bewerten, 
weil die meisten von ihnen (etwa die Schmidt=Protokolle) 2 nicht immer 
Schein und Wirklichkeit der Ausführungen Hitlers und Ribbentrops erkennen 
lassen. Die Monologe Hitlers waren z.T. so zweckbestimmt, daß in ihnen 
weniger die tatsächliche militärpolitische Lage Deutschlands zum Ausdruck kam, 
vielmehr das, wodurch Hitler sein Gegenüber beeindrucken wollte. In jedem Fall 
wäre zunächst sehr sorgfältig zu prüfen, wann Hitler die Wahrheit sprach, wie 
und wann er bluffte, übertrieb oder offensichtlich die Dinge auf den Kopf 
stellte; wie er mit den Zahlen und Ziffern jonglierte oder etwa glaubte, durch 
einen „grandiosen Betrug" Spanien und Italien auf Kosten Frankreichs befrie= 
digen zu können 3 . Ein überaus aufschlußreiches Beispiel dafür ist auf S. ooEff. 
dieser Einführung im Wortlaut veröffentlicht worden. Auf dem Höhepunkt 
der ersten großen Krise der Obersten deutschen Wehrmachtführung vor Mos= 
kau spiegelt es eindrucksvoll die Dialektik der hitlerischen Gesprächsführung; 
es läßt die Diskrepanz zwischen der tatsächlichen und der wünschenswerten 
Lage sehr deutlich erkennen. 

In den Jahren 1940/41 haben Hitler und sein Reichsaußenminister zahlreiche 
Besprechungen mit Politikern, Staatsmännern und Militärs neutraler und ver= 
bündeter Staaten geführt. Diese standen alle mehr oder weniger im Zeichen 
der deutschen „Blitzsiege"; die deutschen Verhandlungspartner waren dabei 
bestrebt, angesichts der unmittelbar bevorstehenden neuen „Konsolidierung" 
Europas unentschlossene Staaten auf die Seite Deutschlands zu ziehen oder 
zumindest die Interessen mit ihnen zu koordinieren. Indem sie auf die Kette 
der militärischen Erfolge, auf die unüberwindliche Stärke der deutschen Wehr= 
macht, auf die offensichtliche Niederlage Englands und zunächst mehr ver= 

1 Es ist geplant, die Konferenzprotokolle der Jahre von 1939—1945 in zwei Bänden 
(Bd. 1: 1939 — 1941 in Vorbereitung), eingeleitet und kommentiert v. A. Hillgruber, 
zu veröffentlichen. 

2 Vgl. Literaturhinweise S. 23 E. 

3 Vgl. Literaturhinweise S. 26 E. 

192 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

steckt, später um so deutlicher auf die Bedrohung Europas vor den Gefahren 
des Bolschewismus hinwiesen, glaubten und hofften sie, die kleineren Staaten 
von der Notwendigkeit überzeugen zu können, sich den Achsenmächten anzu= 
schließen, zumal diese jeden gewünschten Schutz vor feindlichen Angriffen, 
von welcher Seite auch immer, anbieten konnten. Mit den Verbündeten 
Italien, Japan, Ungarn (Beitritt zum Dreimächtepakt), Rumänien, Slowakei, 
Bulgarien ,Kroatien und Finnland wurden neben den Fragen der territo= 
rialen Neuordnung auf dem Balkan, der Abgrenzung der Interessenräume 
(mit Japan) und der Wirtschaftsbeziehungen auch die mögliche militärische 
Zusammenarbeit je nach dem Stand der deutschen Vorbereitungen erörtert 4 . 
Bei diesen Militärkonferenzen gab stets Hitler den Ton an (sehen wir einmal 
von den Verhandlungen mit Japan ab), da er sich bereits ganz als Herr 
Europas fühlte und an einem Sieg der deutschen Waffen eigentlich nur 
die wenigsten zu zweifeln schienen. 

Eine deutsch=italienische Koalitionskriegführung 5 sollte schon vor Beginn 
der Westoffensive und dem offiziellen Kriegseintritt Italiens (10.6.1940) prak= 
tiziert werden. Trotz des im Mai 1939 abgeschlossenen „Stahlpaktes" zwischen 
Deutschland und Italien hatte es jedoch keinerlei Absprachen der beiden Ver= 
bündeten über die gemeinsamen Kriegsziele gegeben. Statt die operativen 
Maßnahmen und Planungen von Anfang an sorgfältig aufeinander abzustim= 
men, teilte die politische Führung beider Seiten dem anderen Partner nur 
soviel mit, wie es die diplomatische Höflichkeit gebot. Hitler, der seit Beginn 
des Krieges durch militärische Erfolge das zögernde Italien an seine Seite in 
den Kampf ziehen wollte, hatte zunächst am 10. 3. 1940 Reichsaußenminister 
v. Ribbentrop die Haltung Italiens in Rom sondieren lassen. Mussolini bedeu= 
tete diesem, daß er vorbehaltlich einer Entscheidung über das genaue Datum in 
den Kampf einzugreifen gedenke. Seinem Schwiegersohn Ciano erklärte er: 
wenn der deutsche Feldzug im Westen beginne, müßten die italienischen Streit= 
kräfte „am linken Flügel" stehen, damit sie — „ohne zu handeln" — die gleiche 
Zahl feindlicher Streitkräfte binden könnten, „aber doch bereit, im rechten 
Moment in den Kampf einzugreifen". Unter dem Eindruck der Argumente 
Hitlers erklärte sich Mussolini am 18. 3. ig 40 damit einverstanden, in den 
Krieg einzutreten. Freilich war dieser Entschluß des italienischen Diktators mit 
sehr viel mehr Vorbehalten verbunden, als Hitler dies anzunehmen gewillt 
war, denn Mussolini wußte um die zunehmende Abneigung weiter Kreise des 
italienischen Adels, der Militärs und Politiker gegen militärische Aktionen 
ihres Landes. 

Immerhin traf das Oberkommando der Wehrmacht im März 1940 erste Vor= 

4 Vgl. den Überblick Hillgrubers: Der Einbau der verbündeten Armeen in die deut= 
sehe Ostfront 1941—1944, in: Wehrw. Rdsch., i960, S. 659 ff. 

5 Vgl. Warlimont, W., Die Entscheidung im Mittelmeer 1942, in: Entscheidungs= 
schlachten des zweiten Weltkrieges, a.a.O. (S. 62 E, Anm. 22), S. 233 ff.; Rinte= 
len, E. v., Mussolinis Parallelkrieg im Jahre 1940, in: Wehrw. Rdsch. 1962, S. 16 ff. 

193 E 



A. Einführung 

bereitungen, um mit den Italienern die Frage gemeinsamer Operationen an 
der Oberrheinfront zu besprechen. Am 5. 4. 1940 beauftragte das OKH den 
deutschen Militärattache in Rom, Gen. v. Rintelen, dem italienischen General= 
stab folgenden Vorschlag zu unterbreiten: Italien sollte 20—30 Divisionen nach 
Süddeutschland schicken, um mit diesen Verbänden hinter der 7. deutschen 
Armee den Oberrhein zu überschreiten, durch die Pforte von Beifort und über 
das Plateau von Langres rhoneabwärts zu stoßen und dadurch den italienischen 
Hauptkräften den Austritt aus den Alpen zu ermöglichen. Es zeigte sich jedoch 
sehr bald, daß die Italiener an einer solchen Offensive kein Interesse hatten; 
die in Aussicht gestellte Besprechung zwischen Gen. Oberst Keitel und Gen. 
Roatta, dem stellv. ital. Genst.Chef, kam nicht zustande. Es waren schließlich 
der Ehrgeiz und das Geltungsbedürfnis Mussolinis, die Italien trotz der ableh= 
nenden Haltung der führenden Militärs in den Krieg trieben. Der Duce lebte 
in der eitlen Hoffnung, daß der Krieg in kürzester Zeit entschieden würde, 
und es daher nur noch darauf ankomme, sich rechtzeitig an den Früchten des 
Sieges zu bereichern. Für einen ernsthaften Waffengang war die italienische 
Wehrmacht indessen nur unvollkommen vorbereitet. Erst zehn Tage nach 
Kriegseintritt begannen die italienischen Operationen an der Alpenfront, die 
sich aber schon nach wenigen Tagen festliefen 6 . 

Bezeichnend für die deutsch=italienische Koalitionskriegführung vom Juni 
1940 bis zum Januar 1941 war die Tatsache, daß sich beide Partner ohne nen= 
nenswerte Absprache im Zuge der „Politik der getrennten Räume" bestimmte 
Kriegsschauplätze überließen. Italien, das einen Parallelkrieg zu seinen eigenen 
„Gunsten" führte, behielt sich den Raum südlich der Alpen vor, während sich 
Hitler auf den mitteleuropäischen Raum beschränkte. Aber diese Waffen= 
brüderschaft zeichnete sich bald dadurch aus, daß sich beide Staatsführer trotz 
eines regen Briefwechsels und bilateraler Gespräche 1 immer wieder gegen= 
seitig mit einem „fait accompli" überraschten. Hitler hatte mit dieser Methode 
schon vor Kriegsausbruch begonnen, als er in Prag einmarschierte, den Pakt 
mit der Sowjetunion abschloß, und als er Norwegen besetzen ließ. Mussolini 
antwortete in gleicher Weise. Ohne Hitler eingehend zu informieren, überfiel 
er am 28. 10. 1940 Griechenland, weil er glaubte, das „Blitzkriegsrezept" hier 
ebenso erfolgreich wie sein Partner im Norden anwenden zu können; die Fol= 
gen waren unübersehbar, zumal auch die italienische Offensive in Nordafrika 
stecken blieb. Zwar hat es im Herbst 1940 von deutscher Seite nicht an Ange= 
boten gefehlt, die Italiener militärisch zu unterstützen, aber Mussolini wies 
zunächst seit Oktober 1940 alle Angebote aus Mißtrauen gegenüber dem 
deutschen Führungsanspruch zurück. Erst unter dem Eindruck der zahlreichen 
Rückschläge zu Lande und auf See (vgl. Chronik S. 1184 ff.) kam es zu der großen 
Besprechung vom 20. Januar 1941 auf dem Berghof, bei der Hitler und Mus= 



6 Vgl. Jacobsen, Fall Gelb, a. a. O. (S. 43 E, Anm. 2). S. 128 ff. 

7 Vgl. Literaturhinweise S. 25 E ff. 



194 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939 — 1941 

solini in Anwesenheit mehrerer höherer Offiziere der deutschen und italie= 
nischen Wehrmacht ihre militärischen Operationen zum ersten Male eingehen= 
der aufeinander abstimmten. Wohl hatten bereits der Chef OKW, GFM Keitel, 
und der Chef des ital. Wehrm.Genst., Marsch. Badoglio, in Innsbruck am 14.11. 
1940 eine Vereinbarung getroffen, enger militärisch zusammenarbeiten zu wol= 
len; aber gemeinsame Führungsstäbe wurden nicht aufgestellt. Nach wie vor 
waren der deutsche Militärattache, inzwischen „Deutscher General beim Ob. Kdo. 
der ital. Wehrmacht", Gen. v. Rintelen, und der italienische Mil. Attache in Berlin, 
Gen. Marras, die einzigen Bindeglieder zwischen den beiden Stäben. 

Bei der genannten Besprechung auf dem Berghof kündigte sich das Ende des 
italienischen Parallelkrieges an, wenn auch von einer einheitlichen Koalitions= 
kriegführung oder gar Festlegung der Operationsziele für das Jahr 1941 keine 
Rede sein konnte. Lediglich gegenüber dem Balkan kam es zu einer verbind= 
liehen Absprache. Daß Deutschland zu diesem Zeitpunkt seine militärischen 
Anstrengungen schon auf den Rußlandfeldzug konzentrierte, davon wußten 
Mussolini und seine Militärs nichts. 

Wohl hatte das Eingreifen deutscher Kräfte in Nordafrika und auf dem 
Balkan 1941 zu einer Entspannung der Lage im Mittelmeer zugunsten der 
Achsenstreitkräfte geführt, aber das Problem der einheitlichen Kdo. Führung 
blieb auf diesem Kriegsschauplatz nach wie vor ungelöst; das wurde auch an 
dem Problem der geplanten Eroberung der bedeutsamen britischen Seefestung 
Malta deutlich. 

Im Juli 1940 intensivierte Hitler auch die diplomatischen Bemühungen, 
Spanien für seine Pläne zu gewinnen. Aber Franco, nach dem deutschen Sieg 
einer Beteiligung am Kriege nicht abgeneigt, schraubte seine Forderungen 
einerseits bewußt sehr hoch. Er verlangte Kriegsmaterial aller Art, schwere 
Waffen, Munition, Treibstoff, Ausrüstung und Getreide für sein Land, das 
die Folgen der inneren Auseinandersetzungen noch nicht überwunden hatte. 
Andererseits reizte ihn der Erwerb neuer Territorien wie Gibraltar, Franz.= 
Marokko, Teile Algeriens (Oran), die Vergrößerung der Kolonie Rio de Oro 
auf Kosten Frankreichs und Gebiete am Golf von Guinea. Hätte Hitler der= 
artige Wünsche berücksichtigt, wäre er mit Vichy=Frankreich in Konflikt ge= 
raten; dies widersprach zu diesem Zeitpunkt allerdings seinen Absichten, da 
er noch mit dem Gedanken spielte, eine große Kontinental=Koalition (mit 
Spanien, Frankreich und Italien) gegen England zustande zu bringen. Außer= 
dem stand zu befürchten, daß dann weitere Teile des französischen Kolonial= 
gebietes zu de Gaulle übergingen. Hitler sah sich hier einem unverkennbaren 
Dilemma gegenüber. Aber bereits Mitte Dezember 1940 mußte er einsehen, 
daß aus politischen Gründen ein Zusammengehen mit Spanien nicht möglich 
war (vgl. S. 70 E). 

Ein weiteres, hier nicht näher auszuführendes Kapitel sind die militär=poli= 
tischen Gespräche mit den Vertretern Vichy=Frankreichs. E.Jäckel hat dem 
deutsch=französischen Verhältnis im Zweiten Weltkrieg eine eingehende 

195 E 



A. Einführung 

Studie 8 gewidmet, die über die Schwankungen, Intentionen und Möglich* 
keiten der Politik auf beiden Seiten Aufschluß gibt. Zweifellos hat die deutsche 
politische Führung bemerkenswerte Fehler gemacht, Frankreich durch ein 
unzweideutiges Verhalten auf die eigene Seite zu ziehen, gemeinsam die Ver= 
teidigung Nordwestafrikas zu organisieren und damit der labilen Lage im 
Mittelmeerraum ein stabilisierendes Moment hinzuzufügen. Aber die „Politik 
von Montoire" scheiterte nicht nur an der Unaufrichtigkeit Hitlers, mit Frank= 
reich zu einem echten „accord" zu kommen, sondern ebenso an der intransi= 
genten Haltung Italiens, das allen Annäherungsversuchen Deutschlands und 
Frankreichs mißtrauisch gegenüberstand. 

Seit Hitler sich im Sommer 1940 mehr und mehr mit dem Gedanken vertraut 
gemacht hatte, die Sowjetunion in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen, 
beschäftigte ihn auch die Frage, in welcher Form er andere Staaten an dem 
Kampf gegen den Bolschewismus 9 beteiligen konnte. Da er aber bis zuletzt 
sorgfältig darauf bedacht blieb, alle Planungen und Maßnahmen streng geheim 
zu halten, konnte er die Fragen einer Koalitionskriegführung mit den verschie= 
denen Ländern erst in einem sehr späten Stadium des Aufmarsches, d. h. un= 
mittelbar vor Auslösung der Offensive besprechen, wollte er nicht das Moment 
der Überraschung gefährden. 

Rumänien und Finnland kamen aufgrund ihrer politischen Differenzen mit 
der Sowjetunion als erste in Betracht. In der Weisung Nr. 21 v. 18.12.1940 
ging Hitler bereits von der Annahme aus, daß sich beide Länder an dem Ost= 
feldzug beteiligen würden. Aber obwohl General Antonescu schon sehr früh= 
zeitig seine Bereitschaft zu erkennen gegeben hatte, daß Rumänien an der 
Seite Deutschlands zum Kriege bereit sei, weihte ihn Hitler erst am i2.6.ig4o 
näher in die geplanten Operationen ein. 

Mit Finnland fanden erste Besprechungen auf der Ebene des OKH und dem 
finnischen Gen.Stab Ende Januar 1941 statt, nachdem die Wehrmachtführung 
seit Herbst 1940 vorsichtig sondiert hatte. „Weitere Fühler vor allem durch 
den Chef des Gen.d.AOK Norwegen, Obert i.G. Buschenhagen, schlössen sich 
an, ohne daß sich bei der nach den Erfahrungen des Winterkrieges vorsichtigen 
Haltung der Finnen etwas Greifbares ergab" 10 . 

Am 25.5.1941 unterrichtete Gen. Jodl den finnischen Genst.Chef, Gen.Hein= 
richs, über Einzelheiten der deutschen Offensive gegen Rußland; er wies darauf 
hin, daß die deutsche Oberste Wehrmachtführung mit Rücksicht auf die finni= 
sehen Verluste im Winterkrieg 1939/40 lediglich darum bitte, sowjetische Ver= 
bände im Hohen Norden zu binden, während deutsche Divisionen über Nord= 
norwegen und Nordfinnland gegen Murmansk und Salla vorgehen würden. 

8 Der vorläufige Arbeitstitel lautet: Die deutsche Frankreichpolitik im Zweiten 
Weltkrieg. Vom Waffenstillstand bis zur Totalbesetzung (Juni 1940 — November 
1942), Habil. Schrift Kiel 1961. 

9 Vgl. Hillgruber, a. a. O. (S. 27 E, Anm. 32). 

10 Ebd. 

196 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

Erst im Juni 1941 (3.-5.6.) fanden die abschließenden entscheidenden Ge= 
spräche zwischen beiden Seiten statt; einige Tage später legten die General» 
stäbe die Befehlsgliederung im Nordabschnitt fest. Finnland proklamierte am 
26. 6. ig4i den „Fortsetzungs= bzw. 2. Verteidigungskrieg", aber mit dem be= 
zeichnenden Hinweis, es sei ein „Waffenbruder", nicht aber der politische 
Verbündete Deutschlands. 

Die anderen Staaten, die sich seit Ende Juni 1941 am Feldzug gegen die 
Sowjetunion beteiligten (Italien, Slowakei, Ungarn und Kroatien) wurden erst 
nach Beginn der Offensive gebeten (Italien wurde z.B. erst in der Nacht vom 
21./22.6. 1941 von Hitlers Plänen unterrichtet), Kontingente zur Verfügung 
zu stellen. 

Obwohl Deutschland, Japan und Italien zunächst im Dreimächtepakt und 
schließlich in militärischen Vereinbarungen des Jahres 1941/42 eine Koalitions= 
kriegführung im großen Rahmen verankert hatten, blieb diese von Anfang an 
mehr eine demonstrative, propagandistische Geste. Das „weltpolitische Drei= 
eck" 11 , das sich zu keinem Zeitpunkt zu einer wirklichen Interessengemein= 
schaft entwickelte — jeder Partner führte seinen eigenen Krieg — , war von 
Anfang an eine „Allianz ohne Rückgrat". Das lag nicht alleine an der geogra= 
phischen Lage der einzelnen Kriegsschauplätze, sondern in erster Linie an den 
divergierenden Kriegszielen. Während Deutschland bestrebt war, die Japaner 
zu einem Entlastungsangriff auf Singapur (gegen die Engländer) und gegen 
die UdSSR zu bewegen, versuchten japanische Regierungsstellen, einen deutsch» 
russischen Ausgleich herbeizuführen, von dem sie sich eine Entlastung ihrer 
eigenen Kriegführung im pazifischen Raum versprachen, wenn Deutschland 
sich wieder stärker dem Kampf gegen Großbritannien und die USA zuwen= 
den würde. 

Wie der frühere deutsche Militärattache in Tokio, Gen. Kretschmer, fest= 
gehalten hat, waren der japanische Generalstab und das Kriegsministerium in 
Tokio auch nach Abschluß des Abkommens vom 27. 9. 1940 unverändert zurück» 
haltend, während sich ihre Fragen nach deutschen Kriegserfahrungen, takti= 
sehen wie technischen, besonders seit der deutschen Landung in Norwegen 
und dem Westfeldzug häuften. Zu dem gleichen Zweck traf 1941 eine etwa 
zwanzigköpfige Gruppe japanischer Offiziere unter General Yamashita in 
Deutschland ein; sie sammelte in sechs Monaten wichtige Kriegserfahrungen. 
Aber einem Meinungsaustausch über die Lage in Mitteleuropa besonders 
im Hinblick auf das deutsch=sowjetische Verhältnis wich die deutsche Wehr= 
machtführung immer wieder aus. 



11 Vgl. Sommer, Th. Deutschland und Japan zwischen den Mächten 1935—1940, Tü= 
hingen 1962, S. 324 ff. 

197 E 



A. Einführung 

11. Gipfelbesprechungen mit den drei Ob.Kdos. 

Nichts hätte im Interesse einer einheitlichen, zielstrebigen Gesamtkriegfüh= 
rung näher gelegen, als in regelmäßigen Abständen, außerdem bei besonderen 
Anlässen, gemeinsame Besprechungen der drei Ob.Kdos. von Heer, Luft= 
waffe und Kriegsmarine abzuhalten, um die jeweiligen Auffassungen aufein= 
ander abzustimmen, die notwendigen Prioritäten zu beraten, ein reibungs= 
loseres Zusammenwirken der Teilstreitkräfte zu gewährleisten und, falls bei 
einzelnen Problemen zwischen den Oberbefehlshabern (bzw. ihren Chefs) der 
Stäbe keine Einigung erzielt werden konnte, Hitlers Entscheidung zu erbitten. 
Aber einen derartigen Kriegsrat, der auch im Hinblick auf die weitgetrennten 
Kriegsschauplätze und der damit verbundenen Aufgaben aller Art erforderlich 
gewesen wäre, hat es niemals gegeben. Die Oberbefehlshaber der Wehr= 
machtteile trafen eigentlich nur dann zusammen, wenn sie ins Führerhaupt= 
quartier berufen wurden. In den wenigen gemeinsamen Besprechungen domi= 
nierte im übrigen Hitler; in seinen Monologen oder in der Befehlsausgabe 
unterrichtete er die OB's über die Lage und legte ihnen jeweils einzelne Teile 
seiner Kriegsziele offen; daran anschließend folgte eine Aussprache über die 
militärischen Aufgaben der Teilstreitkräfte. 

Dies war bezeichnend für den Stil der Obersten Wehrmachtführung, der 
in der Wesensart Hitlers begründet lag. Hitler zog es aus verschiedenen 
Gründen, nicht zuletzt denen der Geheimhaltung 1 , vor, mit jedem OB 
(oder dessen Chef) getrennt zu sprechen (meistens in Anwesenheit der Ver= 
treter des OKW). Um so weniger brauchte er zu befürchten, daß bei divergie= 
renden Auffassungen eine einheitliche Front gegen ihn zustande kam. In die= 
sem Zusammenhang drängen sich bemerkenswerte Parallelen zu seiner Taktik 
im politischen Kampf auf. Schon in den zwanziger Jahren hatte es Hitler sorg= 
fältig vermieden, mit mehreren Parteien gleichzeitig zusammenzuarbeiten oder 
zu koalieren; auch in seiner Außenpolitik zeichnete sich eine solche Tendenz 
seit 1933 immer deutlicher ab, als er zu einer Politik der zweiseitigen Bünd= 
nisse überging und das System kollektiver Sicherheit verließ 2 . 

Soweit uns die bisher erschlossenen Quellen eine Bilanz erlauben, hat Hitler 
von September 1939 bis Dezember 1941 überhaupt nur dreimal alle drei OB's 
zusammen, dreimal je zwei OB's. und einmal die Vertreter aller Führungs= 
stäbe zur Besprechung bestellt (abgesehen von den beiden bedeutsamen Kon= 
ferenzen vor Kriegsausbruch am 23. 5. und 14. 8. 1939). 

Am 27. 9. 1939 3 eröffnete Hitler den überraschten Zuhörern seinen Ent= 
Schluß, noch im Herbst 1939 zur Offensive im Westen anzutreten und den 
Krieg angriffsweise siegreich zu beenden. Über die „große Besprechung" der 

1 Vgl. Anm. 3, S. 151 E. 

2 Vgl. Bracher, K. D., Die nationalsozialistische Machtergreifung, Köln— Opladen 
1960, S. 220 ff. 

3 Vgl. Halder, a. a. O. (S. 44 E, Anm. 5), Bd. I. 

198 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

drei Oberbefehlshaber, die am Nachmittag des 5. März 1940* im Zusammen= 
hang mit dem geplanten Unternehmen „Weserübung" angesetzt worden war, 
vermerkte Gen. Jodl in seinen Aufzeichnungen: „. . . Feldmarschall (Göring) 
tobt sich aus, da (er) bisher (mit der ganzen Angelegenheit) nicht befaßt (wor= 
den ist). (Er) reißt die Aussprache an sich und will beweisen, daß alle bis= 
herigen Vorarbeiten nichts taugen." Nach dem Abschluß des Westfeldzuges 
berief Hitler seine Oberbefehlshaber dreimal in das F.H.Qu., nämlich am 21. 7., 
31.7. und 14.9.1940 5 , um mit ihnen die Probleme einer Landung in England 
zu erörtern. Besonders auf schlußreich war der 31. 7. Auf dem Berghof waren an= 
wesend: GFM Keitel, Gen. Jodl, Kpt.z.S.v. Puttkamer, derOb.d.M.,derOb.d.H. 
und Gen. Oberst Halder (Chef des Genst.d.H.); es fehlte also Göring. Es kam 
zu einem lebhaften Gedankenaustausch über die Möglichkeiten und Schwierig= 
keiten des Unternehmens „Seelöwe". Nachdem dieser Punkt der Besprechung 
abgeschlossen war, verabschiedete sich Großadmiral Raeder. Erst danach erläu= 
terte Hitler den führenden Köpfen des OKH seinen neuen, freilich noch nicht 
endgültig gefaßten Entschluß, im Frühjahr 1941 die Sowjetunion in einem 
schnellen Feldzug niederzuwerfen. Außerdem skizzierte er bereits die gedachte 
Stoßrichtung und den möglichen Ansatz der deutschen Kräfte. Wann Groß= 
admiral Raeder und Reichsmarschall Göring zum ersten Male von diesen 
Plänen unterrichtet worden sind, läßt sich bisher nicht einwandfrei klären; 
Raeder spricht von „Mitte September". Immerhin dürften sie erst später von 
diesen Absichten erfahren haben, zumal alle Vorarbeiten zunächst unter 
strengster Geheimhaltung im Oberkommando des Heeres getroffen wurden. 

Für den 8-/9. 1.1941 befahl Hitler Vertreter der einzelnen Führungsstäbe 
auf den Berghof 6 . Zum Vortrag erschienen: der Oberbefehlshaber des Heeres, 
GFM v. Brauchitsch, der OQu. I des Heeres, Gen. Paulus, der Chef der Opera= 
tionsabteilung, Gen. Heusinger, der Chef der Op. Abt. d. Seekriegsleitung, Adm. 
Fricke, und der Chef des Genst.d.Luftwaffe, Gen. Jeschonnek. In Gegenwart 
des Chefs OKW und Gen. Jodl besprach Hitler mit den genannten Offizieren 
den vorgesehenen Einsatz deutscher Verbände in Nordafrika, die Lage in Alba= 
nien, die Unternehmen „Attila" und „Felix". Im Anschluß daran gab er, nun= 
mehr „in Anwesenheit des Reichsaußenministers" v. Ribbentrop, eine Beurtei= 
lung der Gesamtlage ab, die in der Feststellung gipfelte, daß er bisher stets 
nach dem „Prinzip gehandelt" habe, „immer die wichtigsten feindlichen Posi= 
tionen zu zerschlagen, um einen Schritt weiterzukommen". Daher müsse nun= 
mehr Rußland vernichtet werden. Entweder würden die Engländer dann end= 
gültig nachgeben oder aber er könne den Krieg gegen Großbritannien unter 
weitaus günstigeren Bedingungen zu einem siegreichen Abschluß führen. Eine 
Zertrümmerung Rußlands „würde es auch Japan ermöglichen, sich mit allen 

4 Vgl. Hubatsch, a. a. O. (S. 26 E, Anm. 5), S. 361. 

5 Vgl. Halder, a. a. O. (S. 44 E, Anm. 5), Bd. II. 

6 Vgl. Jacobsen, H.=A., 1939—1945. Der Zweite Weltkrieg in Chronik und Doku= 
menten, Darmstadt 1962, 6. Aufl., S. 205 ff. 

199 E 



A. Einführung 

Kräften gegen die USA zu wenden. Das würde dann die letzteren von einem 
Kriegseintritt" gegen die Achsenmächte abhalten. 

Und schließlich berief Hitler am 2j. 3. lg^i. 1 die Oberbefehlshaber des 
Heeres und der Luftwaffe überraschend in die Reichskanzlei, um mit ihnen 
das schnelle Einrücken in Jugoslawien zu besprechen, zu dem er sich unter dem 
Eindruck des Staatsstreichs in Belgrad kurzfristig entschlossen hatte. 

12.. Das Gespräch unter vier Augen 

Wiederholt hat auch das Gespräch oder die Besprechung unter vier Augen 
eine wichtige, manchmal eine klärende, manchmal eine verhängnisvolle Rolle 
gespielt. Meistens waren es Persönlichkeiten, die das besondere Vertrauen 
Hitlers aus politischen oder militärischen Gründen besaßen oder die auf Grund 
ihrer Dienststellung mit dem Obersten Befehlshaber bestimmte Fragen ohne 
Zeugen erörtern konnten und wollten. Ist es auch angesichts der ungünstigen 
Quellenlage schwer, mehr über Form, Zweck, Verlauf und Ergebnis solcher 
Besprechungen auszusagen, so sind sie doch erwähnenswert. An einigen Bei= 
spielen läßt sich sogar verdeutlichen, wie einzelne Gespräche verlaufen 
sind. Dabei konnte es vorkommen, daß die betreffenden Persönlichkeiten 
durch ihre Beziehungen zum F.H.Qu, (wahrscheinlich in den meisten Fällen 
über die militärischen Adjutanten Hitlers) um eine Unterredung von sich aus 
gebeten und vorgetragen haben, oder aber, Hitler hatte bestimmte Angelegen= 
heiten mit einem Befehlshaber oder General (usw.) besprechen wollen. Hatte 
er doch noch vor Kriegsausbruch durch seinen Chefadj. mitteilen lassen, daß 
er gern im Sinne des alten Immediatvortrages (ab Kdr.Gen.) verfahren wolle. 

An der Spitze solcher Gesprächspartner stand naturgemäß Reichsmarschall 
Göring, der auf Grund seiner Stellung in Staat und Wehrmacht in den An= 
fangsjahren des Krieges jederzeit, nicht nur telefonisch, Hitler erreichen 
konnte, wann immer ihm das erforderlich schien. Zweifellos hat er in den 
Jahren bis 1941 zahlreiche vertrauliche, im einzelnen nicht belegte Ausspra= 
chen mit Hitler geführt, in denen er vor allem die Interessen seiner Waffen= 
gattung, der „nationalsoz. Luftwaffe", mit der ihm eigenen Art zu vertreten 
und häufig durchzusetzen verstand, zumal Hitler ihm anfänglich recht freie 
Hand in der Führung des Luftkrieges ließ. Als zweiter Mann im Staate und als 
Wirtschaftsdiktator übte er einen nicht unerheblichen Einfluß auf Hitler aus, 
auf den an anderer Stelle schon hingewiesen worden ist (vgl. S. 184 E). 

Eine beherrschende Stellung in operativen Fragen hat bekanntlich der Chef 
des W.F.St., Gen. Jodl, eingenommen, da er sich ständig in der engsten Um= 
gebung Hitlers befand und durch seine täglichen Vorträge und einzelne Denk= 
Schriften bald mehr und mehr Einfluß auf die wichtigsten Fragen der Kriegfüh= 
rung gewinnen konnte. Daß er mit Hitler vieles ohne Zeugen erörterte, dürfte 
feststehen. Das gleiche gilt für den Chefadj., Gen. Schmundt, der sich zudem 

7 Halder, a. a. O. (S. 44 E, Anm. 5), Bd. II. 

200 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

in allen Personalangelegenheiten einmischte und fraglos das „Ohr" seines 
Führers besaß. Sicherlich dürfte er die einflußreichste Stellung in der „Cama= 
rilla" besessen haben (vgl. S. 188 E f.). 

Der Chef OKW, GFM Keitel, hat in seinen Erinnerungen von mehreren 
Aussprachen mit Hitler unter vier Augen berichtet, was sich auf Grund seiner 
Funktionen fast selbstverständlich ergeben mußte. So hat er zum Beispiel nach 
der berühmten „Führungskrise" im April 1940, die im Zusammenhang mit der 
Einsetzung einer Zivilverwaltung in Norwegen im OKW entstanden war, am 
20. 4. Hitler „allein und in aller Ruhe" von der „Zweckmäßigkeit einer mili= 
tärischen Verwaltung des besetzten norwegischen Raumes zu überzeugen ver= 
sucht 1 ", ohne indessen Erfolg zu haben. Bei einer anderen Gelegenheit befahl 
Hitler den Chef OKW in die Reichskanzlei, um dessen Denkschrift zu kriti= 
sieren; in dieser hatte sich Keitel gegen die Führung eines Feldzuges in Ruß= 
land ausgesprochen. Wie der Chef OKW berichtet hat, war die „Aussprache" 
„eine sehr eindeutige Belehrung durch Hitler". Die Darlegungen Keitels hatten 
diesen in „keiner Weise" zu überzeugen vermocht. Im Gegenteil: Hitler hielt 
die strategische Beurteilung der Lage einfach für falsch. Als der Chef OKW 
durch die harte Kritik und den Ton, „in dem sie erfolgte", tief getroffen um 
seine Ablösung bat, wies Hitler dieses Ansinnen aufs schärfste zurück. „Es sei 
sein gutes Recht, mir (Keitel) zu sagen, daß meine Beurteilung seiner Meinung 
nach unrichtig sei; er müsse es sich verbitten, daß die Generale dann ihr Amt 
zur Verfügung stellten, wenn sie belehrt würden; er könne sein Amt auch nicht 
zur Verfügung stellen." 

Nach dem Beitritt Jugoslawiens zum Dreimächtepakt im März 1941 rief 
Hitler Keitel „am Spätnachmittag" allein zu sich; dabei äußerte er sich sehr 
befriedigt darüber, daß es nun auf dem Balkan keine unangenehmen Über= 
raschungen mehr geben würde. Sodann las er dem GFM einen „soeben an 
Mussolini diktierten Brief" vor und wollte von ihm wissen, „ob er Bedenken 
hätte", „daß er dem Duce so radikale Vorschläge" unterbreitete; Keitel „ver= 
neinte entschieden" 2 . 

Unter der Heeresgeneralität galt Gen.Oberst v. Reichenau als ein enger An= 
hänger der NSDAP und daher als eine Art „persona grata". Aus einer Reihe 
indirekter Zeugnisse ist überliefert, daß er Hitler im Herbst 1939 mehrfach 
persönlich aufgesucht hat 3 , um ihn zur Verschiebung der Westoffensive zu 
bewegen; jedoch ist ihm das ebenso wenig gelungen wie den anderen Befehls= 
habern, die gleiches versucht haben. Worüber er und Hitler allerdings im ein= 
zelnen gesprochen haben, ist unbekannt. Die wohl dramatischste Aussprache 
unter vier Augen spielte sich in der Neuen Reichskanzlei am 5, IX. 1939 4 ab, 
als der Oberbefehlshaber des Heeres, Gen.Oberst v.Brauchitsch, ein letztes 

1 Keitel, a. a. O. (S. 142 E, Anm. 7), S. 229 f. 

2 Ebd., S. 260. 

3 Vgl. Jacobsen, Fall Gelb, a. a. O. (S. 43 E, Anm. 2), S. 26, 45 u. ö. 

4 Ebd., S. 44 ff. 

201 E 



A. Einführung 

Mal Hitler zumindest zu einer Verschiebung der Westoffensive veranlassen 
wollte; an diesem Tage mußte der Einsatzbefehl für die angreifenden Ver= 
bände erteilt werden, denn Hitler hatte den 12.11.1939 zum Beginn der Offen* 
sive bestimmt. Brauchitsch las Hitler eine selbst verfaßte Denkschrift vor, in 
der er noch einmal alle Gründe zusammengefaßt hatte, die im Augenblick 
gegen einen derartigen „schweren Waffengang" im Westen sprachen. Dabei 
übertrieb er absichtlich, indem er u. a. darauf hinwies, daß während des Polen= 
feldzuges Disziplinlosigkeiten vorgekommen seien, die an die Bilder von 
1917/18 erinnerten; das Heer sei also noch nicht auf dem Stand der Leistungen 
der deutschen Infanterie von 1914. Bei diesen letzten Worten schien Hitler 
die Beherrschung verloren zu haben. Sehr wahrscheinlich faßte er Brauchitschs 
Worte als Kritik an seiner nationalsozialistischen Jugenderziehung auf. Wütend 
unterbrach er den Vortragenden und verlangte von ihm, er solle ihm sofort 
die entsprechenden Unterlagen für die zitierten Vorkommnisse zur Verfügung 
stellen. In scharfer Form widerlegte Hitler die Argumente Brauchitschs und 
verabschiedete sodann den Ob.d.H. in schroffster Weise. Allerdings verschob er 
den Angriffsbefehl doch mit dem Hinweis, die Wetterbedingungen ließen zu 
wünschen übrig. Höhepunkt dieser seit Oktober 1939 schwelenden Vertrauens= 
krise zwischen Hitler und den führenden Köpfen desOKH war der 23.11.1939, 
als Brauchitsch und Halder nach dem „Befehlsempfang" um 18.00 Uhr in die 
Reichskanzlei befohlen wurden. Beiden Offizieren machte Hitler noch einmal 
„unter sechs Augen" heftige Vorhaltungen wegen ihres zweifelnden und def en= 
siven Verhaltens; mit unmißverständlichen Worten wandte er sich dabei gegen 
den „Geist von Zossen". 

Es blieb schließlich Gen. Guderian vorbehalten, die Stimmung unter den 
höchsten Befehlshabern des Heeres nach der Befehlsausgabe vom 23.11.1939 
Hitler all eine vorzutragen 5 . Die Generale würden weder die gegen sie erhobe= 
nen Vorwürfe nach dem siegreichen Polenfeldzug verstehen, noch hielten sie 
das Mißtrauen des Obersten Befehlshaber der Wehrmacht gegenüber dem 
OKH für tragbar, bedeutete der Pz. Fachmann seinem Obersten Befehlshaber. 
Als Guderian vorschlug, unter diesen Umständen einen anderen Oberbefehls= 
haber des Heeres zu ernennen, lehnte Hitler ab. Die Gegensätze und Spannun= 
gen traten erst im Frühjahr 1940 wieder in den Hintergrund, als die Offensiven 
in Norwegen und im Westen alle Kräfte beanspruchten. 

Im Verlaufe der ersten Kriegs jähre haben auch noch andere Offiziere per= 
sönliche Gespräche mit Hitler unter vier Augen führen können, unter ihnen 
z.B. Gen. v.Manstein, Gen. Rommel und Major Galland 6 . Auch der Ober= 
befehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Raeder 7 , hat verschiedentlich 
bestimmte Fragen mit Hitler allein erörtert (vgl. S. 160 E ff.). Sehr wahrscheinlich 
ging dabei die Initiative meistens von ihm selbst aus. Seine Niederschriften 

5 Vgl. Guderian, H., Erinnerungen eines Soldaten, Heidelberg 1951, S. 76 f. 

6 Vgl. die Literaturhinweise S. 25 E. 

7 Vgl. Anm. 21/22, S. 27 E. 

202 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

zeigen, daß er am 29. 3. 1940, am 21. 5. 1940 (zum ersten Male wegen der 
Landung in England), am 26. 9. 1940, am 6. 6. 1941 (wegen des Unterganges 
des Schlachtschiffes „Bismarck") und am 17. 9. 1941, 13. 11. sowie am 12.12. 
1941 mit Hitler unter vier Augen gesprochen hat. 

Naturgemäß hat der Chef des Amtes Ausl./Abwehr im OKW, Admiral Ca= 
naris, überwiegend ohne Zeugen mit Hitler konferiert. Einzelheiten dieser Ge= 
spräche sind bisher nicht bekannt geworden; am 13. 5. 1941 trug Canaris z.B. 
im Zusammenhang mit dem Fall Heß vor 8 . 

Im weiteren Verlauf des Krieges hat Hitler wiederholt mit HGr.= und Armee= 
Oberbefehlshabern unter vier Augen gesprochen; sei es, daß er diese zum Vor= 
trag bestellt hatte, oder sei es, daß diese auf dem Umweg über die Adj. einen 
Termin im F.H.Qu, erhielten. Hitler verstand es dann immer meisterhaft 
durch die Art und Weise, wie er die Kriegslage interpretierte, den betreffenden 
Frontbefehlshaber von der Richtigkeit seiner Entschlüsse zu überzeugen und 
diesen von allen unmittelbaren Sorgen zu befreien, zumal sich die jeweiligen 
Argumente Hitlers der Einsicht des betreffenden Offz. entzogen. 

13. Fachvorträge und Berichterstattung 

Daneben gab es eine Reihe von Aussprachen mit den Oberbefehlshabern 
der HGr. und Armeen, mit einzelnen Waffengeneralen, militärischen Experten, 
Sonderbeauftragten und Militärattaches. Die Gründe für solche Fachvorträge, 
die in erster Linie Hitlers eigener Unterrichtung dienten und häufig auch 
unter Umgehung des Dienstweges stattfanden, waren sehr verschieden. Einmal 
war es der eigene spontane Einfall, den Hitler mit qualifizierten Offizieren auf 
seine Durchführbarkeit hin klären oder überprüfen lassen wollte; ein anderes 
Mal waren es taktische Aufgaben, für die sich der OB der Wehrmacht beson= 
ders interessierte. Hinzu kamen die Situationsberichte von Sonderbeauftragten, 
die vereinzelt seine Entschlüsse beeinflußten. Schließlich ließ er sich vor grö= 
ßeren operativen Unternehmungen bzw. Feldzügen von den Oberbefehls= 
habern über Ansatz der Kräfte und gedachte Operationsführung vortragen, 
um sich von den getroffenen Vorbereitungen einen persönlichen Eindruck zu 
verschaffen. 

Aufschlußreich für die vortragenden Generale war, in welchem Umfange 
Hitler über „Gelände, Hindernisse u. dergl. auf Grund eingehendsten Karten= 
Studiums" unterrichtet war. Von Mal zu Mal bewiesen sein „kritisches Urteil 
und seine Ratschläge aller Art", „daß er" „sich in die Ausführung der grund= 
legenden Befehle sehr vertieft hatte" und daher keineswegs mehr als „Laie" 
zu bezeichnen war. Sein „unvergleichliches Vorstellungsvermögen" überraschte 
seine Zuhörer stets von neuem; auch „ließ er nicht ab mit Fragen, Einwänden 
und Durchdringen der Materie, solange seine . . . Phantasie noch irgendeine 
Lücke sah" i . 

8 Aufzeichnungen von Gen. Engel vom 13. 5. 1941. 
1 Vgl. Keitel, a. a. O. (S. 142 E, Anm. 7), S. 232 f. 

203 E 



A. Einführung 

Am 28. September 1939 besuchte Hitler den BdU, Kpt.z.S. Dönitz, in Wil= 
helmshaven; in Gegenwart des Ob. d.M., Großadmiral Raeder, trug dieser über 
die Lage der U=Bootwaffe vor. Dabei äußerte sich Dönitz, daß England mit den 
U=Booten entscheidend getroffen werden könne, vorausgesetzt, daß genügend 
Boote einsatzbereit seien; er bezeichnete 300 Boote als das Minimum für den 
gewünschten „durchschlagenden Erfolg" seiner Waffe. Hitler nahm zu den 
Ausführungen des BdU keine Stellung 2 . 

In der Phase der militärischen Vorbereitungen zur Offensive im Westen 
konnten die OBs. der HGr. und Armeen, die mit ihren Truppen im Schwer= 
punkt der Offensive eingesetzt werden sollten, ihre Ansichten Hitler erstmals 
am 25. 10. 1939 vortragen 3 . Es war bezeichnend für den Stil dieser Aussprache, 
daß es in diesem Stadium des Krieges tatsächlich zu einem lebhaften Gedanken= 
austausch kam. Da Hitler sich noch keineswegs sicher fühlte, ohne Beratung 
operative Entscheidungen zu treffen, berücksichtigte er weitgehend die Beden= 
ken der Militärs. Zwei Tage später (27. 10. 1939) 4 bestellte er Gen. Student, 
den Kdr. der 7. Fl.Div., in die Reichskanzlei; mit diesem wollte er seinen 
kühnen Gedanken erörtern, durch Überfallkommandos auf Lastenseglern das 
stark befestigte belgische Fort Eben Emael handstreichartig zu erobern. Zu= 
nächst lehnte Student dieses Unternehmen als zu „phantastisch" ab; aber Hitler 
bat ihn, diesen Plan doch einmal in aller Ruhe von seinem Stab prüfen zu 
lassen. Am 10. 5. 1940 gelang dann dieses Unternehmen fast genauso, wie 
es sich Hitler vorgestellt hatte. Da bei der Uberquerung der Maas Schwierigkei= 
ten zu erwarten waren, besprach Hitler den taktischen Ansatz zur Wegnahme 
der Brücken von Maastricht am 20. 11. 1939 mit GFM Göring, den Generalen 
Jeschonnek, Student, v. Reichenau und Reinhardt. Vor allem wollte er die 
Luftunterstützung während des Überraschungsmomentes gesichert wissen 5 . 

Im Mittelpunkt der Diskussion um die Führung der Westoffensive stand im 
Winter 1939/40 die Schwerpunktfrage; unablässig beschäftigte sich Hitler mit ihr. 
Aus diesem Grund befahl er z. B. am 2j. 11. Gen.Oberst v. Rundstedt, Gen. 
Guderian und Gen. Busch 6 zum Vortrag. Wie Keitel festgehalten hat, hat Hitler 
mit Gen. Busch, dem OB d. 16. Armee, persönlich „alle Phasen für den Aufbau 
der Flankensicherung nach Süden zur Deckung des glatten Pz.=Durchstoßes" 
durchgesprochen und ihm die „kriegsentscheidende Bedeutung des Gelingens 
des Pz.=Angriff s ans Herz gelegt" 7 . 

Einen Empfang neu beförderter Kdr. Generale am 17. 2. 1940 benutzte Hitler 
dazu, um sich nach dem Frühstück eingehend mit Gen. v. Manstein, dem ehe= 
maligen Chef des Genst. d. HGr. A., über dessen Plan zur Westoffensive zu 



2 Vgl. Dönitz, K., Zehn Jahre und zwanzig Tage, Bonn 1958, S. 122 f. 

3 Vgl. Jacobsen, Fall Gelb, a. a. O. (S. 43 E, Anm. 2), S. 36 ff. 

4 Ebd., S. 154 f. 

5 Ebd., S. 158. 

6 Ebd., S. 66. 

7 Vgl. Keitel, a. a. O. (S. 142 E, Anm. 7), S. 232. 

204 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

unterhalten. Aller Wahrscheinlichkeit nach hat der damalige Vortrag des 
hochqualifizierten Generals Hitlers letzte Zweifel in der Schwerpunktfrage 
ausgeräumt. Wenige Tage später wurde der „Sichelschnitt=Plan" geboren, der 
einer der wichtigsten Voraussetzungen für den Sieg in Frankreich schuf 8 . 

Im Rahmen des OKW=Sonderunternehmens gegen Dänemark und Nor= 
wegen empfing Hitler mehrmals den Gen. v. Falkenhorst, den er mit dessen 
Durchführung betraut hatte; am 2. 4. 1940 bestätigte ihm dieser den „Abschluß 
der Vorbereitungen". Am 13. und 16. 3. 1940 mußten die Oberbefehlshaber 
der HGr. und Armeen des Angriffsflügels im Westen über ihre Aufträge und 
Absichten berichten mit dem Ergebnis, daß Hitler nunmehr mit den „getroffe= 
nen Vorbereitungen" zur Offensive einverstanden und „offensichtlich vom 
Erfolg" überzeugt zu sein schien. Ende März (27. 3.) frühstückte er mit dem 
OB der HGr. C, Gen.Oberst v. Leeb, und den OBs. der 1. und 7. Armee, um 
sich über die Angriffsmöglichkeiten an der Oberrheinfront gegen die Maginot= 
Linie zu unterrichten 9 . 

Da Hitlers Interesse in diesen Monaten ganz besonders den sog. Sonderunter= 
nehmen galt, bestellte er sich am 5. 3. ig40 die Generale Kesselring, Student, 
Graf Sponeck, Hptm. Koch und Oblt. Witzig in die Reichskanzlei. Er verge= 
wisserte sich dabei, ob alle Vorbereitungen für die Luftlandeunternehmen in 
Holland und an den belgischen Brücken in seinem Sinne getroffen waren. 
Und am 2. 5. ig40 trugen Göring, Kesselring, Student und Sponeck den Fall 
„Festung Holland" vor 10 . 

Es vergingen über vier Monate, bevor Hitler solche Fachvorträge wieder 
aufnahm. Am 13. 9. 1940 fand ein großer Empfang in der Reichskanzlei statt. 
Gemeinsam mit Hitler frühstückten vom Heer: GFM v. Brauchitsch, Gen.Oberst 
Halder, ferner die Generale Hoepner, Haase, Busch, Falkenhorst, Guderian, 
Weichs, Dollmann, Kleist, Küchler, Fromm, Hoth, Schobert und Strauß; von 
der Luftwaffe: Göring, Milch, Stumpft, Weise, Udet, Grauert und Keller; und 
von der Kriegsmarine Admiral Carls. Nach dem Mittagessen unterhielt sich 
Hitler zunächst mit den Panzerführern über Einzelheiten ihrer Waffe, sodann 
ließ er sich von den Oberbefehlshabern der 9. und 16. Armee über die von 
ihnen getroffenen Argriffsvorbereitungen „Seelöwe" berichten 11 . Am 7. 12. 
1940 erschienen die Generale v. Kubier und v. Richthof en in der Reichskanzlei; 
sie erläuterten in Anwesenheit des Ob.d.H., des Gen.Feldm. v. Reichenau, 
Keitels, Jodls und Gen. Warlimonts die „taktische Durchführung" des Angriffes 
gegen Gibraltar und die vorgesehene Zielwahl der Luftverbände. Hitler erklärte 
sich mit den vorgesehenen Plänen im ganzen einverstanden, ergänzte lediglich 
die Ausführungen noch mit einem Hinweis für die Sicherung des eigenen Artl.= 
Aufmarsches 12 . 

8 Vgl. Jacobsen, Fall Gelb, a. a. O. (S. 43 E, Anm. 2), S. 115. 

9 Ebd., S. 125. 10 Ebd., S. 164 ff. 

11 Vgl. Halder, a. a. O. (S. 44 E, Anm. 5), Bd. II. 

12 Vgl. die entsprechende Eintragung im KTB=OKW, Bd. I. 

205 E 



A. Einführung 

Nachdem die deutsche Wehrmachtführung im Herbst 1940 erwogen hatte, 
die Kampfhandlungen der Italiener in Nordafrika zu unterstützen, entsandte 
Hitler Sonderbeauftragte nach Libyen, um die Lage an Ort und Stelle prüfen 
zu lassen. Am 3. 11. 1940 erstattete Gen. v. Thoma über seine Frontreise 
Bericht, so daß Hitler zunächst den Entschluß faßte, „bis auf weiteres von der 
Entsendung eines Pz.Verbandes nach Libyen" abzusehen. Der als Kdr. des 
Pz. Sperrverbandes vorgesehene Gen. v. Funck unternahm im Januar 1941 eine 
Erkundungs fahrt; darüber berichtete er in der Reichskanzlei Anfang Februar 
(1. 2. 1941). Sein im ganzen recht pessimistisch lautender Lagebericht von dem 
italienischen Kriegsschauplatz veranlaßte Hitler zu einem dringenden Fern= 
schreiben an das ital. H.Qu. Er bat um präzise Angaben über die beabsichtigte 
Fortsetzung der Kampfhandlungen. Da Hitler aber unter allen Umständen ein 
debäcle der Italiener verhindern und die Front in Nordafrika stabilisieren 
wollte, gab er Anweisung, stärkere deutsche Kräfte für den Einsatz in Nord= 
afrika vorzusehen. Im gleichen Zusammenhang empfing Hitler am 6. 2. 1941 
den Deutschen Gen. bei der ital. Wehrmacht, Gen. v. Rintelen, und Gen. Rom= 
mel, den er mit der Führung des deutschen Afrikakorps beauftragt hatte. Über= 
das geplante Fallschirmunternehmen im Frühjahr 1941 ließ sich Hitler am 
21. 4. 1941 ins Bild setzen: der Chef des Genst.d.L., Gen. Jeschonnek, und Gen. 
Student trugen ihm den „Kreta=Plan" vor, der von ihm genehmigt und dann 
am 20. 5. 1941 ausgeführt wurde 13 . 

Inzwischen aber hatten sich die Vorbereitungen zum Rußlandfeldzug einem 
gewissen Abschluß genähert. Um sich über die Absichten der Befehlshaber zu 
informieren, besprach Hitler am 30. 3. 1941 nachmittags mit den OBs der HGr. 
den Ansatz der Kräfte, die geplante Stoßrichtung und die Frage des Schwer= 
punktes; das gleiche wiederholte sich noch einmal in der Abschlußphase am 
14. 6. 1941. An diesem Tage mußten auch die Gen.Obersten v. Falkenhorst und 
Stumpff über das Unternehmen „Silberfuchs" (im hohen Norden) vortragen. 

Zweifellos haben noch zahlreiche weitere Fachbesprechungen im Führer= 
hauptquartier stattgefunden, vor allem von Experten der Wehrwirtschaft, der 
Rüstung, des BdE. und anderer militärischer Dienststellen 14 . Aus den Aufzeich= 
nungen Raeders geht z. B. hervor, daß bei bestimmten Besprechungen zu ein= 
zelnen Sachpunkten weitere Offiziere bzw. Persönlichkeiten hinzugezogen 
wurden. So etwa am 2^. 7. 1940 Min. Todt, der Reichsaußenminister (8V9. 1. 
1941, 22. 5. 1941, 9. 7. 1941, 17. 9. 1941)/ am 2±. 6. Albert Speer im Zusammen* 
hang mit dem Werftbau in Drontheim und am xj. 9. 1941 der BdU und Bot= 
schafter Ritter. In einzelnen sind aber diese Fachvorträge auf Grund der 
Quellenlage nicht einwandfrei festzustellen. Im großen und ganzen dienten sie 
jedoch demselben Zweck, wie oben beschrieben worden ist. 



13 Nach einer Mitteilung des Gen. Student. 

14 Vgl. Anm. 41, S. 28 E. 

206 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

Zu erwähnen bleibt noch eine besondere Form des Fachvortrages, die insbe= 
sondere im Herbst und Winter 1939/40 eine gewichtige Rolle gespielt hat: Die 
Vorträge der Metereologen über die Wetterlage 15 . 

14. Die Frontreisen 

Von der Möglichkeit eines Frontbesuches hat Hitler in den ersten Jahren 
des Krieges wiederholt Gebrauch gemacht. Auf diese Weise konnte er sich 
von der jeweiligen Lage einzelner Frontabschnitte „an Ort und Stelle" über= 
zeugen; aber wichtiger für ihn war, daß er sich dort unmittelbar in den Gang 
der Operationen, falls er das für erforderlich hielt, einschalten konnte, so wie 
dies im Zusammenhang mit seinen Eingriffen in die operative Führung des 
Heeres schon angedeutet worden ist. 

Hitler verließ zu diesem Zweck sein H.Qu, entweder mit einem Sonderzug 
(Polenfeldzug) oder mit dem Flugzeug bzw. mit dem Kraftwagen. Meistens 
begleiteten ihn dabei ein oder mehrere Vertreter des OKW. Im Polenfeld= 
zug 1939 hielt er sich vom 3. 9. bis zum 24. 9. hinter den Linien auf. Als 
erstes suchte er das H.Qu, des OB der 4. Armee, des Gen. v. Kluge, auf, 
um sich die Lage vortragen zu lassen und dann das Schlachtfeld zu besichtigen; 
es folgte ein Besuch auf dem Gefechtsstand des IL (General Strauß) und des 
VIII. Armeekorps (Gen. Busch). Später beobachtete Hitler von der Einschlie= 
ßungsfront Warschau aus das Artilleriefeuer auf die polnische Hauptstadt. In 
diesen Tagen kam es allerdings zu keinen nennenswerten Eingriffen in die 
Operationsführung l . 

Um so stärker schaltete sich Hitler während der Operationen des Westfeld= 
zuges bei seinen Frontbesuchen in die Führung der Heeresgruppen und Armeen 
ein. Am Nachmittag des ij. 5. 1940 traf er erstmals im HQu. der HGr. A ein 
und ließ sich sogleich von Gen.Oberst v. Rundstedt einen Überblick über die 
Lage geben 2 . Nachdem der OB der HGr. vor allem auf die empfindliche Süd= 
flanke seiner HGr. hingewiesen hatte, betonte auch Hitler die Bedeutung dieses 
Frontabschnittes. Unter keinen Umständen „dürfe es in diesem Augenblick 
an irgendeiner Stelle einen Rückschlag geben, der nicht nur der militärischen, 
sondern auch der politischen Führung unseres Gegners einen verhängnisvollen 
Auftrieb geben würde", erläuterte er. Im Augenblick sei es wichtiger, eine 
unbedingt verläßliche Verteidigungsbereitschaft an die Aisne, im Raum um 
Laon und später an der Somme herzustellen. „Hierauf seien alle Maßnahmen, 
gegebenenfalls auch unter vorübergehendem Zeitverlust hinsichtlich des Vor= 
Stoßes nach Westen, abzustellen". 

Weitaus schwerwiegender sollte sich seine Frontreise am 24. 5. 1940 aus= 
wirken 3 . An diesem Tage traf er zusammen mit Gen. Jodl und seinem Chefadj., 

15 Vgl. Jacobsen, Fall Gelb, a. a. O. (S. 43 E, Anm. 2), S. 50, 92. 

1 Vgl. Keitel, a. a. O. (S. 142 E, Anm. 7), S. 217 ff. 

2 Vgl. Dokumente zum Westfeldzug 1940, hrsg. v. H.=A. Jacobsen, Göttingen i960, 
S. 42. 3 Ebd., S. 74 f. 

207 E 



A. Einführung 

Oberst Schmundt, im HQu. der HGr. A in Charleville ein. Nach dem Lagevor= 
trag Rundstedts erließ er in Übereinstimmung mit dem OB d. HGr. A den be= 
rühmten „Halt=Befehl" für die deutschen Panzertruppen bei Dünkirchen. Be= 
zeichnend für diesen Entschluß war die Tatsache, daß ihn an der Front der OB 
der HGr. in seiner eigenen Auffassung von der Lage bestärkt hatte, und er nun= 
mehr unter Umgehung des OKH unmittelbar in den Gang der Kampfhand= 
lungen eingriff (vgl. S. 174 E ff.). 

Am 1. 6. 1940 besuchte Hitler das HQu. der HGr. B in Brüssel; hier trug ihm 
Gen.Oberst v. Bock kurz die „Lage, Entwicklung und Stand der Dinge bei 
Dünkirchen" vor. Anschließend entwickelte Hitler seine Gedanken über die 
Gesamtkriegslage und über die neue Operation („Rot": Schlacht um Frank= 
reich). Am Nachmittag des nächsten Tages sprach Hitler vor den Offz. des 
Ob.Kdos. der HGr. A, um auch ihnen seine Auffassung der Lage darzulegen 4 . 
Diese vier Frontbesuche standen bereits ganz im Zeichen jenes Führungs= 
willens, auf den die erste Bekanntmachung des Oberkommandos der Wehr= 
macht am 10. 5. 1940 hingewiesen hatte: „Um die Gesamtoperationen der 
Wehrmacht zu leiten, hat sich der Führer und Oberste Befehlshaber an die 
Front begeben." GFM Keitel hat in seinen Erinnerungen bezeugt, daß er Hitler 
in einem halbstündigen Gespräch die Zustimmung zu dieser Veröffentlichung 
abgerungen habe. Zunächst habe Hitler zwar „seinen Generalen den Kriegs= 
rühm" gönnen wollen, aber er, Keitel, hätte nicht locker gelassen, „denn es 
mußte einmal ausgesprochen werden, daß er (Hitler) den Oberbefehl auch 
tatsächlich ausübte und der Feldherr des Krieges selbst war"; Hitler gab darauf= 
hin nach 5 . 

Diese Frontreisen des Obersten Befehlshabers wurden ergänzt durch zahl= 
reiche Blitzbesuche seiner engsten militärischen Umgebung, vor allem Keitels, 
Jodls, Schmundts, Engels und Deyhles. Bei deren Gesprächen mit Armee* und 
HGr.=Oberbefehlshabern oder ihren Chefs handelte es sich stets darum, die 
„Auffassung des Führers zur Sprache" zu bringen und falls erforderlich, diese 
unabhängig von den OKH=Befehlen durchzusetzen. Dabei entwickelte sich eine 
besondere Art von Befehlsgebung, die, häufig als „Wünsche des Führers" 
deklariert, besondere Vordringlichkeit besaß. Im weiteren Verlauf des Krieges 
wurde die Sprache jedoch eindeutiger, es hieß dann meistens: „Der Führer hat 
befohlen..." 6 . 

Auch im Rußlandfeldzug besuchte Hitler, meistens kurzfristig, Hauptquar= 
tiere seiner HGr. und Armeen, um einen unmittelbaren Eindruck von der 
Lage an der Front zu bekommen und beabsichtigte Entscheidungen noch einmal 
zu überprüfen. 

Am 2i. 7. 1941 besuchte er als erstes das Ob.Kdo. der HGr. Nord (Leeb); 
bei der Besprechung mit FM v. Leeb legte er vor allem Wert auf die „baldige 
Wegnahme von Leningrad und die Bereinigung der Lage am Finnischen 

4 Ebd., S. 104. 5 Keitel, a. a. O. (S. 142 E, Anm. 7), S. 231 f. 6 Vgl. S. 150 E f. 

208 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

Busen" 7 . Im übrigen gab er seiner Überzeugung Ausdruck, daß doch „wohl in 
absehbarer Zeit mit einem russischen Zusammenbruch" zu rechnen sei. Be= 
zeichnend für seine Argumentation gegenüber den Generalen war die zweite 
Besprechung am 4. August 1941 im HQu. der HGr. Mitte 8 . Als Guderian und 
Hoth auf den großen Verschleiß ihrer Panzer hinwiesen und hinzufügten, daß 
ihre Verbände z. Z. ohne Zuführung neuer Panzer nur noch für „begrenzte 
Operationen" einsatzbereit seien, erwiderte Hitler, daß er angesichts der un= 
sicheren Haltung Englands (Landung auf dem Kontinent) bewegliche Reserven 
zurückhalten müsse; er werde aber versuchen, „einmalig 400 Motoren" für die 
beiden Pz. Gruppen zur Verfügung zu stellen. Doch belief sich der Bedarf 
Guderians allein auf 300 Motoren. Hitler bedeutete, daß die Gesamtoperationen 
an der Ostfront „bisher glücklicher verlaufen" seien, als angesichts der über= 
raschenden Mengen an russischen Panzern und Flugzeugen zu erwarten ge= 
wesen wäre. Hätte man ihn aber über die materielle Stärke der Roten Armee vor 
Feldzugsbeginn hinreichend unterrichtet, „so wäre ihm der Entschluß zum 
notwendigen Angriff wesentlich erschwert worden". Zwei Tage später, am 
6. 8. 1941, traf Hitler im HQu. der HGr. Süd ein; wie schon auf dem Höhe= 
punkt der Schlacht von Dünkirchen, fand er in dem OB der HGr., Gen.Feldm. 
v. Rundstedt, eine Führerpersönlichkeit, die in ihrer Beurteilung der Lage 
weithin mit ihm übereinstimmte. Denn Rundstedt hatte voller Sorge auf den 
zurückhängenden Südflügel seiner HGr. hingewiesen und damit auf die Not= 
wendigkeit, zunächst einmal diese Lage zu bereinigen, bevor die HGr. Mitte 
weiter auf Moskau vorstoße. Damit erhielt Hitler ein gewichtiges Argument 
für seinen Kampf gegen das OKH und um die neue Hauptstoßrichtung. Er 
wollte entgegen der Auffassung Brauchitschs und Halders zuerst die Schlacht 
um Kiew schlagen 9 . 

Ein zweites Mal flog Hitler mit Mussolini am 28. 8. zur HGr. Süd (Uman), 
um sich über die Lage zu orientieren 10 . Am 24. 9. 1941 besuchte er erneut das 
HQu. der HGr. Mitte in Borrissow und am 2.1 3. 12. 194t die HGr. Süd 11 . 
Angesichts des heftigen Feinddruckes hatte im Südabschnitt die deutsche Front 
zurückgenommen werden müssen — dies veranlaßte ihn, den OB der HGr., 
v. Rundstedt, seiner Stellung zu entheben und sich persönlich von der „wirk= 
liehen" Lage zu überzeugen. Wie Keitel berichtete, flog Hitler mit Gen. 
Schmundt nach Mariupol, „zur Leibstandarte unter dem Befehl von Sepp Diet= 
rieh, um von diesem seinem Vertrauten . . . die , Wahrheit' über die Lage und 
die — vermutete — falsche Führung der Kdo. Stellen des Heeres zu erfahren". 
Doch enttäuschte ihn Sepp Dietrich, denn er teilte voll und ganz den Ent= 
Schluß Rundstedts. Daher scheint es dem SS=Führer gelungen zu sein, das 
Mißtrauen gegen die Heeresführung in diesem Fall zu zerstreuen 12 . 



7 Vgl. die Anlagen zum KTB=OKW, Bd. I, S. 1029. 

8 Ebd. 9 Ebd. 10 Ebd. 11 Vgl. S. 24 E (Domarus). 
12 Vgl. Keitel, a. a. O. (S. 142 E, Anm. 7), S. 284. 

209 E 



A. Einführung 

C. Die indirekte Führung (geistige Kriegführung) 

Jede Darstellung der deutschen militärischen Führung im Zweiten Weltkrieg, 
die nur den direkten Befehlsmechanismus untersucht, muß notgedrungen ein= 
seitig bleiben, weil sie die geistige Beeinflussung außer acht läßt. Die direkte und 
indirekte Führung aber sind Teile eines Ganzen; sie sind unlösbar miteinander 
verbunden und beide von der Person Hitlers nicht zu trennen. Im Rahmen 
unserer Skizze sind mit der indirekten Führung alle Maßnahmen der Obersten 
Kommandobehörde (in diesem Falle) gemeint, die dazu bestimmt waren, Geist 
und Moral der eigenen Truppe und ihrer Führer entsprechend dem jeweils 
erteilten militärischen Auftrag zu festigen und zu heben. Sie sollten vor 
allem die innere Geschlossenheit fördern, das Vertrauen in die oberste Führung 
stärken, das Gefühl von der Überlegenheit, des eigenen Staates, seines Volks= 
körpers und seiner Ideen erzeugen. Außerdem galt es, den Soldaten mit der 
erforderlichen Kampfentschlossenheit zu beseelen, ihnen den Sinn des Krieges 
zu deuten und die abendländische Mission des Reiches klar zu machen. Wohl 
hat es bereits in der Vergangenheit derartige Hilfsmittel in der Kriegführung 
gegeben; im ganzen gesehen haben sie aber doch mehr eine ergänzende sekun= 
däre Funktion ausgeübt. Demgegenüber hat die Führung des Dritten Reiches 
den Einzelnen nach den Leitideen der nationalsozialistischen Weltanschauung 
total zu erfassen und zu führen versucht; das wurde nach dem Prozeß totalitäre 
Gleichschaltung im Innern auch am Stil der indirekten Führung der Wehrmacht 
deutlich. 

a) öffentliche Mittel 

15. Der militärpolitische Rechenschafts= und Lagebericht im Reichstag 1 

Wie bei jeder öffentlich gehaltenen, durch Rundfunk und Presse verbreiteten 
Rede Hitlers (und seiner engsten Mitarbeiter) waren auch die Kriegsreden 
ganz auf die innen= und außenpolitische Wirkung im Geiste der NS=Zielsetzung 
abgestellt. Insofern zählen sie zu den indirekten Führungsmitteln, mit denen 
Hitler „seine" Wehrmacht (natürlich auch das ganze Volk) beeinflussen und 
überzeugen wollte. Die sog. Traditionsreden zum 30. 1. (Machtergreifung), 
8. 11. (Novemberputsch), 24. 2. (Parteigründung) und einige Reden zu anderen 
Anlässen (wie etwa in Danzig oder zur Eröffnung des Kriegswinterhilfswerkes) 
waren im wesentlichen politische Rechenschaftsberichte über das bis dahin Ge= 
leistete und Aussagen über die künftigen Aufgaben von Partei und Staat, 
manchmal auch eine Abrechnung mit seinen ausländischen Gegnern; die Reden 
anläßlich des Heldengedenktages waren eine einzige „Hymne" auf die „Stärke" 
und auf den „unbändigen Lebenswillen des deutschen Volkes", also mehr 
Ausdruck einer heroischen Weltanschauung. Demgegenüber haben die fünf 

1 Vgl. hierzu: Domarus, M., Hitler. Reden und Proklamationen 1932—1945, Bd. II: 
Untergang (1939—1945), Würzburg 1963. 

210 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

großen Reichstagsreden Hitlers am 1. 9. 193g, 6. 10. ±939, 19. 7. 1940, 4. 5. 1941 
und am 11. 12. ±941. für die deutsche Politik und Kriegführung eine besonders 
gezielte Aufgabe besessen. 

Sinn und Zweck dieser weitausholenden, umfassenden Rechenschaftsberichte 
hat Reichsleiter Ph. Bouhler in dem Vorwort der von ihm herausgegebenen 
Reden des „Führers" (3 Bände: „Der großdeutsche Freiheitskampf" 2 ) einmal 
mit den Worten zusammengefaßt: sie sollten allen Männern, „die heute mit 
der Waffe in der Hand" Hitlers „Werk" mit ihrem Leben schützten, „auf 
daß das Reich werde und sich vollende", ein „ständiger Begleiter" sein, denn 
sie seien „aufrüttelnde Wahrheit und Weg in die deutsche Zukunft". „Fan= 
faren des Kampfes und Unterpfand des Sieges im Kampf um das germanische 
Reich". Und im Mai 1942 schrieb Bouhler, daß „Front und Heimat vereint 
seien", um „unerschütterlich diesen Schicksalskampf Europas zu Ende" zu 
führen, im „felsenfesten Vertrauen auf die Zukunft und im Glauben an den 
Führer", der ihnen „Bürge des Sieges" sei. Eine solche Sprache war unmiß= 
verständlich; wieweit sie gewirkt hat, ist im einzelnen schwer zu ermessen, im 
großen jedoch auch an der Haltung des deutschen Volkes und seiner Wehrmacht 
bis 1945 abzulesen. Darüber hinaus richtete sich das Wort des „Führers" 
natürlich an Freund und Feind im Ausland, dem einen Zuversicht verheißend, 
dem anderen „Angst und Schrecken" einflößend. 

Abgesehen von der ersten Rede vom 1. 9. 1939, in der Hitler vor der öffent= 
lichkeit seinen „schweren Entschluß" zur Offensive gegen Polen mit der ihm 
eigenen Dialektik begründete, waren die anderen Reden vorwiegend Rechen= 
Schaftsberichte über Sinn, Verlauf und Ergebnis seiner nacheinander geführten 
„Blitzfeldzüge"; hier sparte er nicht mit Zahlenangaben. Zugleich waren diese 
aber auch „Triumphberichte" über die „großartigen" Leistungen von Führung 
und Truppe. Zweimal, am 6. 10. 1939 und am 19. 7. 1940, verband Hitler damit 
eine Art großmütiges „Friedensangebot" an die Westmächte, um den Gegner 
für die „Weiterführung" des Krieges verantwortlich zu machen. Inzwischen 
wissen wir aber, daß beide Angebote im letzten nur ein „Alibi" vor der Welt= 
geschichte für Hitler bedeutet haben, das er psychologisch geschickt für die 
Mentalität der Menschen im In= und Ausland berechnet hatte. War die Rede 
vom 19. 7. 1940 überdies durch einen wahren Beförderungsregen gekennzeich= 
net und mit einer kaum enden wollenden Anerkennung für die Truppe, so 
sprach Hitler im 11. 12. 1941 die schicksalsschwere Kriegserklärung Deutsche 
lands an die USA aus ; damit hatte er einen Schritt von überaus weitreichenden 
Folgen getan. 

Insgesamt aber stehen diese fünf Reden ganz im Zeichen des Bewußtseins 
von der „Gerechtigkeit" und „Richtigkeit" der „eigenen Sache", von der Uber= 
legenheit des nationalsozialistischen Systems und dem dadurch zwangsläufig 
bedingten Endsieg Großdeutschlands. 

2 Vgl. Der großdeutsche Freiheitskampf. Reden des Führers. Hrsg. v. P. Bouhler, 
München 1943, S. 10 f. 

211 E 



A. Einführung 

16. Der Wehrmachtbericht 

Zweifellos hat der deutsche Wehrmachtbericht als „tägliche Bilanz der 
militärischen Führung im Kriege" unter den Mitteln der indirekten Führung 
eine wichtige Rolle gespielt. Dank der grundlegenden Untersuchung von 
E. Murawski sind wir über die Entwicklung der amtlichen deutschen Kriegs= 
berichterstattung in den letzten hundert Jahren, über Entstehung, Inhalt, 
Zweck, Glaubwürdigkeit und über den publizistischen Einsatz des Wehr= 
machtberichtes mit seinen Auswirkungen gut unterrichtet 1 . Danach hat das 
Oberkommando der Wehrmacht diese „Waffe auf militärischem Gebiet be= 
wüßt eingesetzt und die militärische Nachrichtenausgabe in seinem eigenen 
Arbeitsbereich zentralisiert". Schon 1938 hatten sich das Reichsministerium 
für Volksaufklärung und Propaganda und das OKW darüber geeinigt, daß der 
„Propagandakrieg" als wesentliches „dem Waffenkrieg gleichgesetztes Kriegs= 
mittel anerkannt wird". Am 10. 5. 1942 schrieb Goebbels in sein Tagebuch: 
„Die Nachrichtenpolitik im Krieg ist ein Kriegsmittel. Man benutzt es, um 
Kriege zu führen, nicht um Informationen auszugeben." In diesen Worten 
drückte sich die wahre Absicht aus, die Hitler mit dem Wehrmachtbericht und 
seinen „Sondermeldungen" verband. 

Das Oberkommando der Wehrmacht sah in dem Wehrmachtbericht ein 
„Führungsmittel nach innen" und eine „Waffe in Angriff und Abwehr nach 
außen". Durch ihn sollten Truppe und Öffentlichkeit über die Vorgänge an der 
Front unterrichtet und die Wehrmacht in einer vom OKW „genehmen Rich- 
tung" geistig beeinflußt werden; als Propagandawaffe sollte er außerdem in 
den Gegner wirken 2 . Mit Recht hat Murawski darauf hingewiesen, daß die 



Murawski, E., Der deutsche Wehrmachtbericht 1939—1945. Ein Beitrag zur Unter= 

suchung der geistigen Kriegführung, Boppard 1962. 

In Ergänzung hierzu heißt es bei H. v. Wedel, Die Propagandatruppen der Deut= 

sehen Wehrmacht, Neckargemünd 1962, S. 28 f. und 35: 

„Der Propagandakrieg ist als politisches Kampfmittel in Friedenszeiten als Vor= 

läufer des Waffenkrieges anzusprechen. Er verstärkt sich mit Kriegsbeginn zu 

rücksichtslosem Einsatz. 

Propaganda wirkt durch Wort, Bild, Film und Ton unmittelbar auf die Menschen= 

massen diesseits und jenseits der politischen Grenzen. Sie kann positiv (werbend) 

oder negativ (zersetzend) angesetzt werden. 

Der militärische Erfolg oder Mißerfolg ist der beste Ausgangspunkt im positiven 

oder negativen Sinne. 

Propaganda kann die innere Haltung der Menschen beeinflussen und dadurch 

militärische Erfolge vorbereiten und etwaige Mißerfolge in ihrer Auswirkung 

abschwächen. 

Im Dienste der Wehrmacht wird die Propaganda eingesetzt: 

1. zur Erhaltung der Opferfreudigkeit und der geschlossenen Wehrwilligkeit des 
eigenen Volkes, 

2. zur Aufklärung über die das Leben des eigenen Volkes beeinflussenden mili= 
tärischen Maßnahmen, 

3. zur Überwindung von Unruhe und Erregung im Volke, die durch feindliche 
Einwirkung auf das Heimatgebiet hervorgerufen werden, 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

Möglichkeiten der geistigen Führung im Dritten Reich auf dem Gebiet der 
Berichterstattung noch dadurch erhöht wurden, „daß zum Unterschied von dem 
während des Ersten Weltkrieges gehandhabten Verfahren jede Veröffentlichung 
der gegnerischen Wehrmachtberichte sowie außerdem auch noch das Abhören 
ausländischer Sender überhaupt grundsätzlich verboten waren. Damit erhielt 
die gelenkte deutsche Kriegsberichterstattung innerhalb der Heimat und der 
besetzten Gebiete eine durchschlagende Bedeutung und zugleich eine einzig= 
artige Monopolstellung". Angesprochen wurde durch ihn vor allem die eigene 
Truppe und Bevölkerung, die verbündeten Länder, die Neutralen, und, soweit 
möglich, Volk und Führung der Gegner. 

In unserem Zusammenhang können die divergierenden Auffassungen von 
Dienststellen der Wehrmacht und der Partei über Sinn und Zweck des Wehr= 
machtberichtes nicht erörtert werden. Wichtiger ist hier die Feststellung, daß 
Hitler diese täglichen, von ihm in der Endfassung genehmigten und häufig 
sogar redigierten Berichte bewußt als ein äußerst wirksames Propagandamittel 
betrachtet hat. 

Im wesentlichen enthielt der WB „militärische Nachrichten über den Einsatz 
der gesamten Wehrmacht und ihre Kampfhandlungen an allen Fronten zu 
Lande, zur See und in der Luft". Sehr bald hat er so etwas wie einen eigenen 
Stil entwickelt, der neben einer sachlichen und nüchternen Berichterstattung, 
— meist die günstigeren Situationen im einzelnen beschreibend, die ungünsti= 
geren nur knapp streifend — , nicht darauf verzichtete, sich bei bestimmten 

4. zur Tarnung, Verschleierung und Irreführung eigener militärischer Absichten 
usw." 
Als Beispiel dafür führt H. v. Wedel u. a. folgendes an: 

„Für jeden Operationsplan, den die Operationsabteilung des Wehrmachtfüh= 
rungsstabes bearbeitete, stellte die Abt. WPr im engsten Einvernehmen mit die= 
ser einen Propagandaplan auf. Nur wenige Mitarbeiter wurden daran beteiligt. 
Die Pläne selbst bestanden aus drei Teilen: 

a) Maßnahmen und vorbereitende Arbeiten für die Zeit vor Beginn der Ope= 
rationen. Vor allem handelte es sich um die evtl. notwendig werdende Auf= 
Stellung neuer Prop.=Einheiten oder organisatorische Änderungen, um Täu= 
schungs= oder Verschleierungsmaßnahmen während der Vorbereitung und 
des Anlaufs eventueller Aufmärsche und um vorbereitende Arbeiten für den 
Einsatz einschl. der Vorbereitung eines notwendig werdenden Propaganda= 
materials, wie Flugblätter usw. 

b) Die notwendigen Propagandamaßnahmen bei Einsetzen der Operationen ein= 
schl. der Maßnahmen der mil. Nachrichtengebung und der mil. Zensur. 

c) Um Vorbereitung solcher Prop.=Maßnahmen während des weiteren Ablau= 
fens der Operationen, die mit einiger Sicherheit vorauszusehen waren, wie 
z. B. die Aufstellung von Prop. Einheiten für die besetzten Gebiet usw. 

Der so im engsten Kreise von WPr bearbeitete Propagandaplan wurde dann 
dem Chef des Wehrmachtführungsstabes zur Genehmigung vorgelegt, der seiner= 
seits die wichtigsten Punkte dem Führer vortrug oder den ganzen Plan vorlegte 
und dessen Genehmigung einholte. Damit wurde dann der Plan zur Führer= 
Weisung, die im notwendigen Augenblick dem Prop.=Minister übergeben und 
immer akzeptiert wurde, ohne daß es zu irgendwelchen nennenswerten Reibun= 
gen kam. Natürlich erhielt Dr. Goebbels nur einen Auszug über die Dinge, die 
ihn angingen." 

213 E 



A. Einführung 

Ereignissen aus militärischer Notwendigkeit eine gewisse Zurückhaltung auf= 
zuerlegen oder gewisse Vorgänge einfach ganz zu verschweigen. Die Kette der 
anfänglichen Blitzsiege führte außerdem in den Jahren von 1939—1941 zu 
einem unverkennbaren Aufbauschen der Erfolgsmeldungen im Stile der NS= 
Parteisprache, während erste Mißerfolge und Niederlagen (Luftschlacht, Schlacht 
um Moskau) systematisch verschleiert wurden. 

Eine besondere Form der Auszeichnung bestand darin, daß der WB Träger 
höchster Tapferkeitsorden erwähnte oder Einzelkämpfer sowie Einheiten 
nannte, die sich ganz besonders hervorgetan hatten. Zur Eigenart des WB 
zählte es, bei Beginn des jeweils geführten Feldzuges eine politische Begrün= 
düng abzugeben. Natürlich sprach man dann nur vom „aufgezwungenen 
Krieg" oder von der Notwendigkeit einer Präventivaktion gegen unmittelbar 
bevorstehende feindliche Angriffe, um damit stets den Gegner für den Kampf 
an der neuen Front verantwortlich machen zu können. Diese propagandistisch 
gelenkte Verdrehung der Tatsachen, die Deutschland stets und immer als den 
Angegriffenen hinstellte, hat sich zum Teil so fest manchen Gemütern einge= 
prägt, daß noch zwanzig Jahre nach Kriegsende viele der ehemaligen Kriegs= 
teilnehmer nicht zwischen Ursache und Wirkung zu unterscheiden vermögen. 

Daß der WB aber auch die ideologische Seite des Kampfes nicht außer acht 
ließ, kam bei verschiedenen Gelegenheiten zum Ausdruck. In dem sog. Schluß= 
bericht des OKW zum Westfeldzug 1940 hieß es an einer Stelle bezeichnendem 
weise: „. . . Die Gründe für die deutschen Erfolge liegen tiefer; sie sind dort 
zu suchen, wo Deutschlands Feinde unsere Schwäche zu sehen glaubten, in der 
revolutionären Dynamik des Dritten Reiches und seiner nationalsozialistischen 
Führung." 

Als Ergänzungen zu den Wehrmachtberichten kamen die sog. „Sonderbe= 
richte" heraus, für die besonders eindrucksvolle Erfolgsmeldungen von allen 
Fronten vorbehalten waren und die der deutsche Rundfunk meist außerhalb 
des eigentlichen Nachrichtendienstes „nach mehrmaliger Voransage", einge= 
rahmt durch die „Preludes" von Liszt, bekanntgab. Die „berühmten" zwölf 
Sondermeldungen vom zg. 6. 1941, die der Rundfunk nacheinander in kurzen 
Abständen über den „siegreichen" Verlauf des Ostfeldzuges durchgab, waren 
das freilich später kritisierte Werk Hitlers, der sich durch eine solche Anhäu= 
fung einen besonderen Beifallssturm der deutschen Bevölkerung erhofft hatte. 
Doch blieb der erwünschte Erfolg aus. 

Schließlich gab es noch den sog. zusammenfassenden Bericht des OKW 
nach bestimmten Abschnitten der Kriegführung. Über sie urteilt Murawski: 
„Sieht man genauer hin, so entdeckt man feine Unterschiede. Bei Abschluß 
des Polenfeldzuges gab man dem deutschen Volk und den Gegnern zu ver= 
stehen, daß man auch noch weitere Aufgaben meistern werde. Gelegentlich 
des Westfeldzuges verstieg man sich zu der Drohung gegen die Gegner. Nach 
der ersten Etappe des Ostfeldzuges hielt man es für nötig, den vielen verbor= 
genen Zweiflern im deutschen Volk eine Ermunterung zuteil werden zu lassen. 

214 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

Daraus ergibt sich, daß auch die zusammenfassenden Berichte entgegen den 
Anschauungen des Heeres und der Kriegsmarine vom FHQu. als Propaganda= 
mittel gebracht wurden." Zu erwähnen wären in diesem Zusammenhang noch 
die sog. Erläuterungen des Wehrmachtberichtes in Presse, Film und Rundfunk; 
hier haben die Generale Dittmar (Heer) und Quade (Luftwaffe) sowie Adm. 
Lützow ihr Metier zweifellos zu handhaben gewußt. 

W. Hagemann hat in seiner Analyse des WB schon 1948 festgestellt: „Die 
große Mehrheit des deutschen Volkes hat bis zuletzt an die unbedingte Zuver= 
lässigkeit des Wehrmachtberichtes geglaubt, nur wenige machten sich die 
Mühe und waren sachverständig genug, um an Hand der Karten, früherer 
Wehrmachtberichte und der feindlichen Gegenberichte Unrichtigkeiten und 
Widersprüche sowie Verschweigungen festzustellen. Dadurch wurde der 
Wehrmachtberichte für die Führung zu einem wirksamen publizistischen In= 
strument, um die Bevölkerung durch scheinbar sachliche Unterrichtung in ihrer 
Haltung und in ihrem Handeln zu beeinflussen" 3 . Das gleiche gilt mutatis 
mutandis auch für die Wirkungen des Wehrmachtberichtes auf die kämpfende 
Truppe. 

17. Proklamationen, Aufrufe, Erlasse und Tagesbefehle 
des Obersten Befehlshabers an die \M ehrmacht 

Die erste Proklamation erließ Hitler bei Kriegsausbruch am 1. 9. 193g 1 , 
in der er vom Kampf um „Ehre und die Lebensrechte des wiedererstandenen 
deutschen Volkes mit harter Entschlossenheit sprach" eingedenk der „großen 
Tradition des ewigen deutschen Soldatentums"; er forderte seine Soldaten auf, 
sich stets bewußt zu bleiben, „Repräsentanten des nationalsozialistischen Groß= 
deutschland" zu sein. 

Zwei Tage später, am 3. 9. 193g, richtete er „an die Soldaten der Ostarmee" 
einen Aufruf, in dem er mit knappen Worten seinen politischen Entschluß, 
Polen anzugreifen, begründete und die bisherigen Leistungen der Wehrmacht 
hervorhob, „auf die ganz Deutschland mit Stolz" blicke. Er selbst begebe sich 
„als alter Soldat des Weltkrieges und als Euer Oberster Befehlshaber noch 
heute an die Front zu Euch". 

Und „an die Westarmee" wandte er sich mit den ähnlichen „zündenden" 
Worten; „unerschütterlich" sollten sie wie eine Mauer „aus Stahl und Eisen" 
die Grenzen des Reiches gegen „jeden Angriff" hüten; sie hätten dazu eine 
„Festungsanlage, die hundertmal stärker ist als die nie besiegte Westfront des 
großen Krieges". 

Einen ersten Tagesbefehl gab Hitler am 22. 9. 1939 zum Tode des ehemaligen 
Ob.d.H., Gen.Oberst v. Fritsch, heraus. 

Zum Abschluß des Polenfeldzuges dankte Hitler am 5. 10. ig3g den Truppen 



3 Zitiert nach: Murawski, a. a. O. (S. 212 E, Anm. i), S. 160. 

1 Dies und das folgende zit. nach: Domarus, a.a.O. (S. 210 E, Anm. 1). 

215 E 



A. Einführung 

der Ostarmeen für die Erfüllung der gestellten Aufgaben und die „vorbildliche 
Waffenkameradschaft zwischen Heer, Luftwaffe und Kriegsmarine". Zum 
Jahreswechsel veröffentlichte er einen Erlaß an die Wehrmacht, der zum Schluß 
unter Anrufung des „Allmächtigen" in den Worten gipfelte: „ . . . Vor uns 
liegt der schwerste Kampf um Sein oder Nichtsein des deutschen Volkes. Mit 
stolzer Zuversicht blicke ich und die ganze Nation auf euch ! Denn : mit solchen 
Soldaten muß Deutschland siegen." 

Die Proklamation vom 30. 4. 1940: „ ... an die deutschen Soldaten in Nor= 
wegen" war wiederum erfüllt von „markigen" Worten des Dankes für „die 
ungeheuerliche Aufgabe", die sie gelöst hätten und wofür er „die Tapfersten" 
auszeichnen werde. 

In den frühen Morgenstunden des 10. 5. ig40 verkündete der Deutsche 
Rundfunk eine Proklamation Hitlers „an die Soldaten der Westfront", daß 
die „Stunde des entscheidendsten Kampfes" gekommen sei, der das „Schicksal 
der deutschen Nation für die nächsten tausend Jahre" entscheide. 

Am Ende der ersten Phase des Westfeldzuges und zu Beginn der zweiten 
Phase „Rot" (Schlacht um Frankreich) am 5. 6. 1940 wandte sich Hitler erneut 
an seine Soldaten mit überschwenglichen Worten des Dankes und der An= 
erkennung : die größte Schlacht der Weltgeschichte (Dünkirchen) sei beendet. . . 
„Mein Vertrauen zu euch war ein grenzenloses. Ihr habt mich nicht enttäuscht. 
Der kühnste Plan der Kriegsgeschichte wurde durch eure beispiellose Tapfer= 
keit, durch eure Kraft des Ertragens größter Strapazen, härtester Anstrengun= 
gen und Mühen verwirklicht." „Ganz Deutschland" sei in dem nun beginnen= 
den zweiten Akt des Kampfes „im Geiste bei euch". 

Weitere Tagesbefehle kamen am 13. 6. 1940 („Soldaten in Norwegen"), am 
l. 1. 1941, am 6. 4. 1941 („An die Soldaten der Südostfront") und am 22. 6. 
1941 („An die Soldaten der Ostfront") heraus. 

Bemerkenswert bei dem Tagesbefehl zu Beginn des Balkanfeldzuges war erst= 
mals die Aufforderung : „Ihr werdet dort menschlich sein, wo Euch der Gegner 
menschlich gegenübertritt. Da, wo er die ihm eigene Brutalität zeigt, werdet ihr 
ihn hart und rücksichtslos niedertreten." Damit kündigte sich schon die wach= 
sende Radikalisierung des Krieges an. 

In der Nacht vom 1. zum 2. Oktober 194J-, unmittelbar vor dem Beginn der 
die Entscheidung suchenden Offensive „Taifun", die mit der Eroberung Mos= 
kaus abgeschlossen werden sollte, erließ Hitler eine längere Proklamation an 
die „Soldaten der Ostfront", in der er zum Schluß prophezeite, daß die Wehr= 
macht in den letzten 3V2 Monaten des Krieges endlich die Voraussetzungen 
geschaffen hätte „zu dem letzten gewaltigen Hieb", der noch „vor Einbruch 
des Winters diesen Gegner zerschmettern und auch England vernichtend treffen 
werde". „Vom Deutschen Reich aber und von ganz Europa nehmen wir damit 
eine Gefahr hinweg", schrieb Hitler, „wie sie seit den Zeiten der Hunnen und 
später der Mongolenstürme entsetzlicher nicht mehr über dem Kontinent" ge= 
schwebt habe. 

216 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

Die letzte Proklamation im Jahre 1941 gab Hitler am ig. Dezember heraus, 
als er sich selbst nach dem physischen Zusammenbruch des Ob.d.H. und ange= 
sichts der steigenden Vertrauenskrise zwischen ihm und den Befehlshabern des 
Heeres auch noch zum Oberbefehlshaber des Heeres ernannte. Diese Prokla= 
mation, offenbar von seinem Chefadj., Gen. Schmundt, entworfen 2 , atmete 
nicht mehr die gleiche unbedingte Siegeszuversicht, wie das bei den anderen 
in den vorhergehenden Jahren und Monaten der Fall gewesen war. Indem er 
an seine eigenen „Schrecken fast aller großen Materialschlachten" des Ersten 
Weltkrieges als einfacher Soldat erinnerte und daran, daß er mit einem „fana= 
tischen Willen" es fertiggebracht habe, „die ganze deutsche Nation nach mehr 
als i5Jähriger Arbeit zusammenzuschließen und vor dem Todesurteil von 
Versailles zu befreien", forderte er seine Soldaten auf, ihm in Treue und 
Gehorsam zu folgen „bis zur endgültigen Rettung des Reiches". . . 

18. Die Auszeichnung 

Eine weitere Form der indirekten Führung waren bestimmte Versammlungen 
und Empfänge, bei denen Hitler Orden verlieh, den Dank für geleistete Auf= 
gaben oder Beförderungen persönlich aussprach, verdienten Heerführern zum 
Geburtstag gratulierte oder hohe Offiziere der verbündeten Staaten auszeich= 
nete. Dabei benutzte er auch oftmals die Gelegenheit, einzelne Offiziere im 
vertrauten Gespräch von der Lauterkeit seiner Absichten zu überzeugen, etwas 
von der Stimmung im „Volke" zu erfahren oder mit seiner Sachkenntnis zu 
beeindrucken. Am 30. 9. 1939 * verlieh er den Oberbefehlshabern der drei 
Wehrmachtteile und einigen anderen höheren Befehlshabern das Ritterkreuz 
zum Eisernen Kreuz; gleichzeitig sprach er diesen Offizieren und dem Chef 
des Genst.d.H. seinen Dank für die Leistungen im Polenfeldzug aus. Am 
27. 10. erhielten elf weitere Generale und drei andere Offiziere in der Reichs= 
kanzlei aus seiner Hand diese bis dahin höchste Auszeichnung. In einer kurzen 
Ansprache drückte er den „versammelten Offizieren, zugleich auch im Namen 
des ganzen deutschen Volkes" seinen Dank und seine Anerkennung aus; er 
bat die Kommandeure, „diese Anerkennung auch ihren Truppen zu über= 
mittein" 2 . 

Über seinen Empfang in der Reichskanzlei berichtete z. B. Gen. Guderian 3 , 
daß er nach der feierlichen Verleihung des Ritterkreuzes am 27. 10. 1939 wäh= 
rend des „Frühstücks" neben Hitler gesessen und dabei eine „angeregte Unter= 
haltung über die Entwicklung der Panzertruppe" und „über die Erfahrungen 
des Feldzuges" in Polen geführt habe. Plötzlich habe Hitler ihm ganz unvermittelt 
gefragt: „Ich möchte wohl wissen, wie man im Volk und im Heer den Pakt 
mit der Sowjetunion aufgenommen hat?" Als Guderian von der Erleichterung 

2 Vgl. Keitel, a. a. O. (S. 142 E, Anm. 7); mündl. Mitteilung v. Gen. Engel a. d. Verf. 

1 Vgl. Halder, a. a. O. (S. 44 E, Anm. 5), Bd. I. 

2 Vgl. Domarus, a. a. O. (S. 210 E, Anm. i), Halder, a. a. O. (S. 44 E, Anm. 5), Bd. I. 

3 Guderian, a. a. O. (S. 202 E, Anm. 5), S. 75. 

217 E 



A. Einführung 

der Rückenfreiheit sprach und darauf hinwies, daß Deutschland damit der 
Zweifrontenkrieg erspart geblieben sei, „der uns im vorigen Weltkrieg doch 
auf die Dauer zur Strecke gebracht habe", brach Hitler, wohl etwas erstaunt, 
das Gespräch ebenso abrupt wieder ab. 

Die Reihe der zahlreichen Einzelempfänge verdienter U=Bootkommandanten, 
Jagdflieger oder Heeresoffiziere, meist verbunden mit einem vorausgehenden 
Glückwunschtelegramm, setzte am 18. 10. 1939 ein, als Hitler Kptl. Prien und 
seine Besatzung empfing, die am 14. 10. in Scpapa Flow eingedrungen waren 
und das britische Schlachtschiff „Royal Oak" (29000 t) versenkt hatten. Es 
folgten Kptl. Schultze (1. 3. 40), Gen. Dietl (20. 7. 40), Major Mölders (22. 9. 
1940) — anläßlich der Verleihung des Eichenlaubes zum Ritterkreuz des Eiser= 
nen Kreuzes — Major Galland (24. 9. 1940), Major Wick (12. 10. 1940), Kptl. 
Prien (31. 10. 1940) und Kptl. Kretschmer (13. 11. 1940) 4 . 

Der Form und dem Umfang nach war die Anerkennung der deutschen Heer= 
führer durch Hitler auf der Reichstagssitzung vom ig. 7. 1940 außergewöhnlich. 
Wie nachhaltig tief der Eindruck bei vielen höheren Offizieren damals gewesen 
sein mag, verdeutlichen die Erinnerungen Keitels. Der Chef OKW schrieb 
nach Kriegsende : „Die Ehrung der Wehrmacht . . . war wohl das einzigartigste 
Erlebnis meines Lebens als Soldat. Die Bekanntgabe der Ehrungen der höchsten 
Befehlshaber — insbesondere Heer und Luftwaffe — durch Beförderungen und 
Auszeichnungen . . . überstieg alle Vorstellungen 5 ." 

Galland hat sein Gespräch mit Hitler unter vier Augen später beschrieben. 
Er gestand ein, daß er damals „von den Worten Hitlers" beeindruckt gewesen 
wäre; diesem sei es gelungen, „mir völlig den Wind aus den Segeln meiner 
Erbitterung zu nehmen". Galland hatte sich über die falschen und herablas= 
senden Kommentare im deutschen Rundfunk und in der Presse über die 
Royal Air Force beschwert, worauf Hitler ihm bestätigt zu haben scheint, daß 
auch er die „höchste Achtung" „vor der angelsächsischen Rasse" habe. Um so 
schwerer sei ihm „der Entschluß gefallen, gegen sie diesen Krieg zu führen, 
der mit der Vernichtung eines der sich jetzt im Kampfe auf Leben und Tod 
gegenüberstehenden Gegner enden müsse". „Es sei eine weltgeschichtliche 
Tragödie, daß dieser Kampf sich, trotz aller seiner ehrlichen (!) verzweifelten 
Bemühungen, darum nicht habe vermeiden lassen" 6 . 

Im Jahre 1941 begann der Reigen der öffentlichen Auszeichnungen im Füh= 
rerhauptquartier mit Oberstlt. Harlinghausen (8. 3. 1941) und Gen. Dietl; 
letztem überreichte Hitler am 19. 3. das neugestiftete Narvik=Schild. Gen. 
Rommel (20. 3. 1941), der Obergefreite Brinkforth — der erste Ritterkreuz= 
träger aus dem Mannschaftsstand — die Kptle. Schultze, Liebe und Endraß 
(30. 6. 1941) und schließlich die Generale Student, Ringl und Oberstlt. Galland 
(17./18. 7. 1941) wurden in der gleichen Weise ausgezeichnet. Seinen beson= 

4 Vgl. Domarus, a. a. O. (S. 210 E, Anm. 1). 

5 Vgl. Keitel, a. a. O. (S. 142 E, Anm. 7), S. 238. 

6 Vgl. Galland, A., Die Ersten und die Letzten, Darmstadt 1953, S. 103 f. 

218 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939— 1941 

deren Dank sprach Hitler am 11. 12. 1940 dem Reichsminister für Bewaffnung 
und Munition, Dr. Todt, und seinen Mitarbeitern aus, am ig. 6. 1941 dem 
Generalfeldm. List, der die Operationen während des Balkanfeldzuges geleitet 
hatte; am 8. 12. 1941 empfing er den bulg. Genst.=Chef, Gen. Lukesch, und den 
span. Gen. Moscarde. In noch feierlicher Form vollzog sich die Verleihung des 
Ritterkreuzes an den rumänischen Marschall Antonescu am 7. August 1941 in 
einer Schule zu Berditschew (Ukraine). Hitler hielt zunächst eine kleine An= 
spräche, darauf dankte Antonescu mit bewegten Worten. Nach der erfolgten 
Auszeichnung fand noch eine etwas längere Aussprache über den Rußland= 
f eldzug statt 7 . 

ig. Frontbesuche im Zeichen der Verbundenheit von Oberster Führung und 
kämpfender Truppe 

Hitler hatte in seiner ersten Reichstagsrede im Kriege am 1. 9. 1939 mit 
allem Pathos der Überzeugung ausgerufen, er wolle jetzt nichts anderes sein, 
„als der erste Soldat des Deutschen Volkes". Er habe damit „wieder jenen Rock 
angezogen, der ihm einst selbst der heiligste und der teuerste gewesen sei"; er 
werde ihn nur ausziehen „nach dem Sieg" oder er werde dieses „Ende nicht 
erleben" 1 . Diese hier betonte Verbundenheit des soldatischen Volksführers 
mit jedem deutschen Mann, der die Waffe trug und Opfer für das Gemeinwohl 
zu bringen bereit war, demonstrierte Hitler in den ersten Jahren des Krieges 
bei mehreren Gelegenheiten, wohlberechnet auf die Empfindungen der breiten 
Öffentlichkeit. Am eindrucksvollsten geschah dies zweifellos im Polenfeldzug 
1939 und während der Kriegsweihnachten 1939 und 1940. Schon am 4. 9. 1939 
fuhr Hitler in seinem Kraftwagen in das Korridorgebiet, um den Übergang 
„seiner Truppen" über die Weichsel (südlich von Kulm) zu besichtigen. Mitte 
September besuchte er einige Divisionsstäbe im Raum von Lodz; Kolonnen, 
die am 13. 9. den San überquerten, ließ er „grüßend" an sich vorüberziehen 2 . 
Am Vormittag des 21. 9. 1939 besichtigte er das Linienschiff „Schleswig= 
Holstein", das durch die Beschießung der Westerplatte den Krieg eröffnet hatte, 
schließlich nahm er am 5. 10. ig^g eine große Siegesparade in Warschau ab. 

In den Weihnachtstagen 1939 besuchte Hitler Verbände im Hunsrück und im 
Raum von Saarbrücken, bis auf die Kriegsmarine kam jeder Wehrmachtteil 
auf seine Rechnung: eine Aufklärungsstaffel und eine Jagdgruppe der Luft= 
waffe, das Inf.Rgt. „Großdeutschland" und das IR List, sowie eine Flakbattr. 
in der Luftverteidigungszone West. Am 23. 12. nahm er an dem „Julfest" 
seiner Leibstandarte teil; bei dieser Gelegenheit deutete er seinen SS=Männern 
in einer kurzen Ansprache den „Sinn des Kampfes". Wie der Völkische Be= 
obachter berichtete, hatte Hitler den Heiligen Abend „zwischen den Linien" 

7 Vgl. Documents on German Foreign Policy 1918—1945, Series D, Vol. XIII, 
Washington 1964, S. 296 ff. 

1 Vgl. Domarus, a. a. O. (S. 210 E, Anm. 1). 

2 Ebd. 

219 E 



A. Einführung 

verbracht. Ein Jahr später weilte der Oberste Befehlshaber der Wehrmacht 
zur Weihnachtszeit wieder bei „seinen Truppen im Westen". Dieses Mal 
feierte er im Kreise einer Fernkampfbatterie des Heeres und der Kriegsmarine 
bei Calais; dann aß er mit den Arbeitern der OT Todt zu Mittag. Seine Reise 
beschloß er mit Ansprachen an zwei Jagd= und Bombengeschwader am 25. 12. 
1940. Galland schrieb über diese halbstündige Ansprache 3 : Hier sprach ein 
anderer Hitler „als der, den ich unter vier Augen in der neuen Reichskanzlei 
kennengelernt hatte. Es sprach der Hitler, den wir aus seinen Rundfunkreden 
kannten. Er war ganz Siegesgewißheit. Der Krieg, sagte er, sei praktisch schon 
so gut wie gewonnen. Es sei ihm gelungen, einen Gegner nach dem anderen 
zu stellen und zu schlagen und einen Zweifrontenkrieg zu vermeiden. Die 
Gefahr eines sowjetischen Angriffes sei gebannt. England würde durch eine 
ungeahnte Steigerung des U=Bootkrieges und durch eine gewaltige Intensi= 
vierung der Luftrüstung endgültig niedergerungen werden. Keine Mächte= 
konstellation der Welt könnte uns mehr den Sieg entreißen". Jeder Satz 
Hitlers war geradezu zum Weitersagen bestimmt. Wie Galland feststellte: 
„Es war eine typische Zweckrede, die in der beabsichtigten Richtung ihre Wir= 
kung nicht verfehlte." Freilich: die zunehmenden Belastungen durch die Krieg= 
führung an allen Fronten ließen dem „Volksführer" allerdings in den nächsten 
Jahren keine Zeit mehr, hin und wieder engere Fühlung mit dem einfachsten 
Soldaten zu halten. Mehr und mehr schloß sich Hitler in seinem Führerhaupt= 
quartier ab. 

b) Nichtöffentliche Mittel 

20. Der Appell im großen Rahmen 

Schon vor Kriegsausbruch hatte Hitler wiederholt Gelegenheit genommen, 
Offiziersanwärter oder Offiziers]' ahrgänge (Leutnante) über die Grundlagen 
und Maxime seiner Politik durch einen längeren Vortrag zu unterrichten und 
sie gleichzeitig auf ihre Aufgaben als deutsche Offiziere hinzuweisen. So befahl 
er am 18. Januar 193g den Offiziers] ahrgang 1938 * in die Neue Reichskanzlei; 
in „Anwesenheit der drei Oberbefehlshaber der Wehrmachtteile und des Chefs 
OKW" sprach „der Führer in der Mosaikhalle ... zu seinen Leutnanten von 
Heer, Kriegsmarine und Luftwaffe". Im „Anschluß an die Ansprache" waren 
die jungen Offiziere „Gäste des Führers in der neuen Reichskanzlei". Am Abend 
des 25. Januar 193g hielt Hitler vor den höheren Befehlshabern aller drei 
Wehrmachtteile einen längeren Vortrag über die Grundlagen der nationaU 
sozialistischen Weltanschauung und die Pflichten des Offiziers. Eine ähnliche 
Ansprache richtete er am 10. 2. ig3g an „sämtliche Gruppenkommandeure (de 
facto vom Rgt.Kdr. an abwärts bis Btl.Kdr. und gleiche Dienststellungen) des 
Heeres" 2 . 

3 Galland, a. a. O. (S. 218 E, Anm. 6), S. 115 f. 

1 Vgl. Domarus a. a. O. (S. 210 E, Anm. 1). 2 Ebd. 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

Im Kriege setzte Hitler diese „Tradition" des direkten Appells fort. Zum 
erstenmal berief er am 24. Januar ig40 7000 Offiziersanwärter des Heeres 
und der Luftwaffe sowie Junker der SS=Verfügungstruppe in den Berliner 
Sportpalast 3 . 

In dem amtlichen Kommunique des Deutschen Nachrichtenbüros vom glei= 
chen Tage hieß es : „ . . . Der Führer sprach ausgehend von Sinn und Lebens= 
notwendigkeit des Kampfes unseres Lebens, von den Pflichten und Aufgaben 
des Offiziers in der nationalsozialistischen Wehrmacht. Am Gedenktage des 
großen Königs stellte der Führer Friedrich den Großen (geb. am 24. 1. 1712) 
und seine Soldaten als Vorbild bester Soldatentugenden hin. Die von den . . . 
jungen Soldaten mit Begeisterung aufgenommenen Worte des Führers ließ 
Gen. Feldmarschall Göring in einem nicht endenwollenden Sieg=Heil auf den 
ersten Soldaten des Reiches ausklingen. " Die ganze Rede Hitlers war auf den 
Tenor abgestellt, daß der „Kampf der Weltgeschichte" gegen England und 
Frankreich nicht durch „Abwarten oder durch Zusehen" entschieden würde, 
sondern nur durch den sicheren Sieg Großdeutschlands über seine Feinde und 
dieser „Sieg" werde wiederum „nur entschieden durch den Kampf". So wie 
er die obersten Spitzen der Wehrmacht am 23. 11. 1939 von der Notwendig= 
keit dieses Waffenganges im Westen überzeugen wollte, so wollte er dies auch 
bei den jüngeren Offizieren tun. 

Wenige Tage vor Beginn der Westoffensive, am 3. 5. 1940, versammelte 
Hitler 6000 Offiziersanwärter des Heeres, der Luftwaffe und der Waffen=SS 
wiederum im Sportpalast, um ihnen die Aufgaben zu umreißen, „die sie an 
der Front im Kampf um Sein oder Nichtsein unseres Volkes zu erfüllen" 
hätten. Auch bei dieser Gelegenheit wies er mit beschwörenden Worten auf 
den Enthusiasmus und auf die Opferbereitschaft der jungen soldatischen Vor= 
bilder hin; es ginge darum, für den Sieg einer weltgeschichtlichen Entscheidung 
zu kämpfen. Er beschrieb die Zeit als den „zweiten Akt des Kampfes", dessen 
erster der Weltkrieg 1914—1918 gewesen sei; in dieser sei nun einmal die 
„Erde ein Wanderpokal", der immer den Völkern genommen werde, die 
schwach werden. Dabei ließ Hitler keinen Zweifel aufkommen an dem Sieg 
der volkreichsten Staatswesen' deutscher Germanen", weil es die „bestge= 
rüsteten Soldaten der Welt" hätte. Er forderte seine Zuhörer auf, „tapfere, 
mutige und vorbildliche" Offiziere zu sein; gänzlich gleichgültig sei es, „ob der 
einzelne von uns" lebe; was leben müsse, sei unser Volk. 

Den nächsten Appell an die junge Generation richtete Hitler am 18. Dezem= 
ber ig40 an 5000 Offiziersanwärter; die Eröffnungsworte sprach Gen.Feldm. 
v. Brauchitsch. Hitler schweifte bei seinen Ausführungen wieder weit in die 
Geschichte ab, schilderte sodann die „Zwangsläufigkeit des Kampfes überhaupt" 
und verwies schließlich auf Deutschland, das nicht nur „das beste, sondern 
auch zahlenmäßig" das stärkste Volk sei. Sich dem Krieg des Jahres 1940 zu= 

3 Ebd. 



A. Einführung 

wendend, erläuterte er, daß es sich bei diesem nicht um das eine oder andere 
„System" handele, sondern darum, „ob diese 85 Millionen Menschen in ihrer 
nationalen Geschlossenheit ihren Lebensanspruch durchsetzen können oder 
nicht. Wenn ja, dann gehöre diesem Volk die Zukunft Europas. Wenn nein, 
dann werde dieses Volk vergehen, dann werde es zurücksinken, und es werde 
nicht mehr lohnend sein, in diesem Volk dann zu leben". Zwar sei das Sterben 
für jeden gleich hart, aber wenn eine „Generation dieses Opfer nicht mehr 
bringen" wolle, dann „ende mit ihr eben die Schicksalskette eines Volkes". Das 
sei zwar hart für den einzelnen, aber es sei nicht zu umgehen. „Im übrigen 
könne der Frieden nur durch das Schwert erzwungen werden". 

Das gleiche Schauspiel wiederholte sich noch einmal wenige Wochen vor 
Beginn des Rußlandfeldzuges: am 29. 4. 194.1. 9000 Offiziersanwärter von 
Heer, Kriegsmarine, Luftwaffe und Waffen=SS begrüßten Hitler in Anwesen= 
heit des Ob.d.M., des Ob.d.H., des Chefs OKW und des Reichsführers SS mit 
einem „Heil mein Führer". Nach seinem üblichen Gedankenflug über „Gott 
und die Welt" im Lichte des Nationalsozialismus ging Hitler auf den gegen= 
wärtigen Krieg ein. Heute, so führte er u. a. aus, beherrsche das Reich einen 
riesigen Wirtschaftsraum; es habe „ohne Zweifel das gewaltigste Kriegsinstru= 
ment aller Zeiten, das jemals auf der Erde war". Auf die Frage, wann dieser 
Krieg zu Ende sei, könne er nur antworten: „Wenn wir gesiegt haben." Die 
Deutschen würden weder das Wort „Kapitulation" noch die „Ergebung in den 
Willen eines anderen kennen". „Niemals, niemals", rief er aus. Genauso 
hätten sie, die jungen Offiziere, zu denken. Großadmiral Raeder versicherte 
in seinen Schlußworten, „die Offiziersanwärter würden heldenhaft sterben". 
Abschließend brachte er ein „dreifaches Sieg=Heil auf den Führer und Obersten 
Befehlshaber" der Wehrmacht aus. 

An der Inszenierung, aber ebenso aus dem Inhalt dieser einzelnen Appelle 
wird deutlich, wie Hitler, Parteiführer, Ideologe und Oberster Befehlshaber der 
Wehrmacht, bestrebt blieb, die junge Offiziersgeneration zu indoktrinieren 
und zu großen soldatischen Leistungen anzuspornen. Was er damit tat, 
war im Grunde gar nichts anderes als gewisse, erprobte Parteiprinzipien aus 
den zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre umzuformen zu einem spezi= 
fischen Programm für eine gläubige, opferbereite, junge, soldatische Gene= 
ration, die sich als Garant einer neuen Epoche fühlte. Hitler sprach vor 
allem die Gefühle seiner jungen Zuhörer an, stets in dem Wissen um „die Be= 
einflußbarkeit und Leichtgläubigkeit" der Massen 4 . Auch im soldatischen 
Bereich wandte er nunmehr jene Methoden der Suggestion und der Werbung 
für seine eigene Sache an, die ihm schon einmal, nämlich in den Jahren der 
Weimarer Republik zum Siege verholfen hatten. Diese Veranstaltungen er= 
innerten an die zahllosen Parteikundgebungen, SA= und SS=Appelle, die Hitler 
als machtvolle Demonstration des Willens seiner Bewegung bewertet hatte. 

4 Ebd. 
222 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

Zwar gab es jetzt keine Zwischen^ und HeiURufe mehr wie früher, die den 
Redner unterbrachen, aber der Zweck war der gleiche : Der Redner wollte und 
mußte seine Zuhörer von der Richtigkeit seiner Politik und von dem greifbar 
nahen Sieg seiner Weltanschauung in dem Kampf um Europa überzeugen. Die 
Offiziersanwärter aber sollten dann diesen von ihnen geforderten Geist fester 
Entschlossenheit und des fanatischen Sieges willens auf die Truppe übertragen; 
sie sollten vorleben und vorsterben. Das war eine weitere Waffe aus dem 
Arsenal des revolutionären Kampfes, die Hitler von Anfang des Krieges be= 
denkenlos einsetzte, auch dann noch, als jede reale Grundlage für die Ver= 
wirklichung seines wahnwitzigen Zieles dahingeschwunden war. 

21. Der „Befehlsempfang" im beschränkten Kreis 

Für die Spitzen der Wehrmacht hatte Hitler seit August 1939 mit sichtbarem 
Erfolg sog. „Befehlsempfänge" eingeführt, bei denen nur er selbst das Wort 
ergriff, die Generale schweigend zuzuhören hatten. Meistens begann er seine 
Ausführungen mit einer umfassenden Beurteilung der militärpolitischen Lage, 
die freilich ganz den Stempel seiner eigenwilligen, einseitigen Interpretation 
trug, d. h. sie war häufig eine Mischung seines eigenen Wunschdenkens und 
tatsächlich gegebener Faktoren der Umwelt; sodann begründete er seinen 
jeweils gefaßten Entschluß mit Argumenten, die stets auf den betreffenden 
Zuhörerkreis zugeschnitten waren. Naturgemäß eröffnete Hitler bei dieser 
Gelegenheit den Generalen der Wehrmacht nur soviel, wie er dies für die 
Durchsetzung und zum unmittelbaren Verständnis seiner Zielsetzung für not= 
wendig hielt. Somit hatte der „Befehlsempfang" überwiegend den Charakter 
einer doktrinären Belehrung, mit der sich programmatische Erklärungen und 
richtungsweisende Angaben über die vorzubereitenden oder auszuführenden 
militärischen Maßnahmen verbanden. 

Von 1939 bis 1941 gab es vier solcher „Befehlsempfänge" (oder auch 
„große Besprechung" genannt) mit einem klar begrenzten Zuhörerkreis. Am 

22. 8. 1939 1 (von der Ebene der Armeeführer aufwärts), am 23. 11. 193g 2 (die 
gesamte Generalität bis zum Kdr.Gen. einschl.), am 30. 3. 1941 3 (sog. „Gene= 
ralsversammlung") und am 14.6. 1941 (Appell an die höheren Befehlshaber und 
Chefs der Generalstäbe) 4 . Sinn und Zweck eines solchen „Empfanges" waren 
vor allem: die ranghöchsten Offiziere der Wehrmacht von der geschichtliche 
politischen Berechtigung und Notwendigkeit seiner Maßnahmen zu überzeu= 
gen, die „Kleinmütigen" und Wankelmütigen mitzureißen und keinen Zweifel 
daran zu lassen, daß gewisse Bedenken um eines höheren Zieles willen zu= 
rückgestellt werden müßten. Da Hitlers Gedankengänge bis auf die Ansprache 
vom 14. 6. 1941 überliefert sind, läßt sich sagen, daß der Oberste Befehlshaber 

1 Vgl. Halder, a. a. O. (S. 44 E, Anm. 5), Bd. I. 

2 Vgl. Jacobsen, Fall Gelb, a. a. O. (S. 43 E, Anm. 2), S. 59 ff. 

3 Vgl. Halder, a. a. O. (S. 44 E, Anm. 5), Bd. II. 

4 Vgl. Eintragungen ins KTB=OKW, Bd. I, S. 415. 

223 E 



A. Einführung 

der Wehrmacht über die Ziele und Methoden seiner Politik und Kriegführung 
— im Gegensatz zu den anderen Appellen und Reden — keinen Zweifel gelassen 
hat. Aber leider sind wir bis heute noch immer nicht hinreichend über die ver= 
schiedenartige Reaktion der Generalität auf diese Ansprachen unterrichtet. Die 
nach 1945 gemachten Aussagen sind so stark im Sinne der eigenen Recht= 
fertigung verfaßt worden, daß ihnen nur eine bedingte Glaubwürdigkeit zu= 
kommt. 

Am 22. 8. 1939 hatte Hitler im großen Saal des Berghofes die höheren Be= 
fehlshaber der Wehrmachtteile mit ihren Stabschefs und Vertreter des OKW 
versammelt, um ihnen seinen Entschluß, Polen anzugreifen, im einzelnen 
zu begründen. In diesem Zusammenhang verwies er auf das bevorstehende 
Bündnis mit der Sowjetunion; der Westen würde sich sicher defensiv ver= 
halten. Zudem belehrte er seine Generale, daß die „Mittel gleichgültig" seien, 
die diesen Krieg auslösen würden, denn der Sieger werde nie „interpelliert", 
ob die Gründe berechtigt seien oder nicht. Für Deutschland handele es sich in 
dem kommenden Kampf einzig und allein um den Sieg, nicht aber darum, 
das Recht auf seiner Seite zu haben. 

Für den 23. it. 1939 befahl Hitler seine Generale in die Reichskanzlei, um 
ihnen, wie es in der amtlichen Verlautbarung hieß, „wie im Vorjahr unter 
Auswertung der Kampferfahrungen in Polen" Richtlinien für die zukünftige 
Kriegführung zu geben. In Wirklichkeit hatte ihn aber seit Mitte Oktober 
1939 die Frage beschäftigt, wie er die zwischen ihm und einigen seiner engsten 
militärischen Ratgebern offen schwelende Vertrauenskrise beseitigen könne. 
Er wollte offenbar mit aller Entschiedenheit einen Wandel in der Auffassung 
der Generalität herbeiführen, die oppositionellen Kräfte ein für allemal aus= 
schalten und ihre immer wieder vorgebrachten Argumente gegen eine Offen= 
sive im Westen widerlegen. Die wirksamste Form bot sich ihm in einem 
„Befehlsempfang", bei dem nur er alleine sprechen konnte, die anwesenden 
Offiziere aber von der Macht seiner Rede beeindruckt würden. Nach einem 
allgemeinen tour d'horizont, bei dem er auf die beispiellose Kette seiner poli= 
tischen Erfolge gegen alle Unheilsprophezeiungen seit 1933 hinwies, ging er 
auf das mögliche Verhalten und die militärische Schlagkraft der großen und 
kleinen Mächte in Europa ein. Eingehend motivierte er Ziele, Zeitpunkt und 
Wahl der Mittel für die Offensive im Westen („Fall Gelb"); nur durch einen 
schnellen Feldzug, der dieses Mal dank seiner genialen Politik lediglich an einer 
Front zu führen sei, könne der Krieg siegreich beendet werden. Hitler wies auf 
den kühnen Angriffsgeist hin, der rücksichtslos auf die Truppe übertragen werden 
müsse. Mit aller Schärfe wandte er sich schließlich gegen jeden Miesmacher; er 
werde nicht davor zurückschrecken, jeden zu vernichten, der gegen ihn sei. Nach 
außen hin gebe es keine Kapitulation, nach innen hin keine Revolution. 

Zwar erhoben der Ob.d.H., Gen.Oberst v. Brauchitsch, der Chef des Genst. 
d.H., Gen. Halder und Gen. Guderian, später Vorstellungen gegen die scharfen 
Angriffe Hitlers gegen die Führung des Heeres, doch änderten diese nichts an 

224 E 



IV. Die deutsche Oberste Wehrmachtführung 1939—1941 

dem einmal gefaßten Entschluß Hitlers. Im Grunde hatte er erreicht, was er 
wollte: er hatte jetzt die Generalität von der Notwendigkeit seines politischen 
Entschlusses überzeugt. Diejenigen, die noch Einwände haben mochten oder 
sich innerlich dagegen aufbäumten, hatten keine Möglichkeit mehr (von der 
aktiven Opposition einmal abgesehen) gegen ihn zu argumentieren, denn 
Hitler wollte ja den Krieg im Westen durch einen Waffengang so schnell wie 
möglich beenden. 

Einen besonders dramatischen Akzent erhielt die Generalsversammlung, die 
für den Vormittag des 30. März ig 41 in die Reichskanzlei einberufen worden 
war. Hitler teilte den anwesenden Offizieren mit, daß er beabsichtige, Rußland 
anzugreifen. Aber, so führte er dabei u. a. aus, bei dem kommenden Feldzug 
würde es sich nicht um einen der üblichen Waffengänge handeln, sondern um 
einen Vernichtungskrieg. Ausgehend von der Überlegenheit der deutschen 
Wehrmacht erläuterte Hitler, warum er in der gegenwärtigen Lage diesen 
Feldzug führen müsse. Nachdem er auf die Frage der Operationen eingegangen 
war, wandte er sich dem eigentlichen Kern seiner Ausführungen zu: dem Kampf 
zweier Weltanschauungen und der damit verbundenen Vernichtung des 
Kommunismus, seiner Hoheitsträger und fanatischer Anhänger. Durch diese 
Ansprache wollte Hitler seine Generale für seine Auffassung gewinnen, daß 
man in der kommenden Kriegführung gegen Rußland Opfer bringen und be= 
stimmte Bedenken überwinden müsse. Wie GFM Keitel sich später erinnerte, 
soll Hitler die Ansprache mit den Worten beendet haben: „Ich verlange nicht, 
daß die Generale mich verstehen, aber ich fordere, daß sie meinen Befehlen 
gehorchen." Wiederum kam es nicht zu einer Diskussion über die von Hitler 
vorgetragenen Gedanken. Allerdings mögen zahlreiche Offiziere mit einem 
beklemmenden Gefühl Berlin verlassen haben und zu ihren Truppenteilen 
zurückgekehrt sein. Über die Reaktion der Generalität auf diese Ansprache 
sind wir im einzelnen nicht ausreichend informiert; zum Teil liegen sich wider= 
sprechende Aussagen vor. Aber die meisten Offiziere zogen es vor, schweigend 
zu gehorchen und nicht im Geiste traditioneller, soldatischer Überlieferung 
gegen die angekündigten Maßnahmen zu protestieren. Das geschah eigentlich 
erst in dem Augenblick — und dann auf dem militärischen Dienstweg in in= 
direkter Form — als sich die Praxis des sog. „Kommissarbefehls" — die Konse= 
quenz der Ausführungen Hitlers — im Verlaufe der ersten Phase des Rußland= 
feldzuges als gefährlicher „Bumerang" erwies. Denn die Kommissare der Roten 
Armee kämpften fanatisch um ihr Leben, weil sie statt Gefangenschaft ein 
sofortiger Tod erwartete. 

Der letzte in unserem Zeitraum anberaumte „Befehlsempfang" fand wenige 
Tage vor Auslösung der Offensive im Osten statt: am 14. Juni 1941. Sehr 
wahrscheinlich hat Hitler, wie vor dem Polenfeldzug, in einer längeren An= 
spräche noch einmal „seine Gründe zum Angriff auf die Sowjetunion" zusam= 
mengefaßt und die „Erwartung ausgesprochen, daß die Niederwerfung Ruß= 
lands auch Großbritannien zum Einlenken bewegen würde". 

225 E 



A. Einführung 

Ergänzung 

Allgemeine Bemerkungen zur Einführung zum KTB — Bd. I 



Der Bearbeiter des KTB — Bd. I hat den nachfolgenden Offizieren der ehemaligen 
Deutschen Wehrmacht (Nr. 1—5) die Einführung zur kritischen Stellungnahme über= 
sandt. Die für die Geschichtsschreibung festzuhaltenden wichtigen Bemerkungen 
werden hier im Wortlaut wiedergegeben. 



1. Von Herrn General d. Artl. a.D. W. Warlimont (27. 2.1965): 

Zur Seite 30 E: 

Greiner war seiner Mob.Bestimmung nach schon im Herbst 1938 (Sudetenkrise) 
im Wehrmachtführungsamt tätig geworden. 

Zur Seite 122 E: 

Betr. neugeschaffenes Oberkommando der Wehrmacht: 

Diese immer wiederkehrende Meinung ist falsch (vgl. : Im Hauptquartier, a. a. O., 
S. 21 ff.). Wie anders denn als „Oberkommando der Wehrmacht" hätte sich wohl 
auch die Dienststelle Blombergs bezeichnen sollen? 

Zur Seite 123 E: 

1. Die Hauptaufgabe des Chefs WFSt lag auf dem Gebiet der strategischen und 
operativen Führung, und zwar 

(1) den Obersten Befehlshaber der Wehrmacht vor oder — wie meist — erst nach 
seinen Entschließungen durch Bereitstellung von militärischem Auskunftsmaterial 
und andere Hinweise zu beraten; 

(2) nach seinen Richtlinien die Grundzüge für die „Weisungen des OKW für die 
Kriegführung" sowie die zugehörigen „Besonderen Anordnungen" niederzulegen 
und von seinem Stabe ausarbeiten zu lassen; 

(3) die Ansichten des Obersten Befehlshaber der Wehrmacht bei den Oberkom= 
mandos der Wehrmacht=Teile zu vertreten und ihre Zusammenarbeit untereinander 
nach Bedarf zu fördern; 

(4) den Obersten Befehlshaber der Wehrmacht in dem Zusammenwirken mit den 
Verbündeten zu unterstützen; 

(5) ihn über den Stand der Vorbereitungen der Operationen, ihren Ablauf und 
alle damit verbundenen Ereignisse laufend zu unterrichten. 

Weiterhin nahm sich der Chef WFAmt stets „Sonderaufgaben" verschiedenster 
Art an, die der Oberste Befehlshaber der Wehrmacht für die gesamte im Felde 
stehende Wehrmacht (Fronttruppe und besetzte Gebiete) von Fall zu Fall für nötig 
befand. 

Auf gleicher Stufe mit den eigentlichen Führungsaufgaben gehörte es außerdem 
zu seinen Obliegenheiten, die ihm unterstellten Abteilungen „Wehrmacht, Presse und 
Propaganda" sowie „Wehrmacht Nachtrichtenwesen" mit den nötigen Richtlinien 
zu versehen und in ihrer Tätigkeit zu überwachen. 

Zur Seite 124 E: 

Der Abschnitt „Stellv. Chef WFStab" ist eine wörtliche Wiedergabe der „Dienst= 
anweisung", die ich zum 1. Januar 1942 für mich mit eigener Hand aufgestellt habe, 

226 E 



Allgemeine Bemerkungen zur Einführung 

und die, wie ich aus Nürnberg weiß, erhalten geblieben ist. Infolgedessen könnte 
man unter diesem Abschnitt sagen: 

Für den „Stellv. Chef WFStab" galt die folgende „Dienstanweisung" vom 
1. Januar 1942 (Zeitpunkt, in dem die Abt. L aufhörte zu bestehen und der Chef 
dieser Abteilung die Dienstbezeichnung wie oben erhielt, ohne daß seine Aufgaben 
sich dadurch änderten). 

Zu dem Abschnitt „Der 1. Genst.Offz.Heer" : 

„Der 1. Genst.Offz.Heer im WFStabe (bis 31. Dezember 1941 ,Gruppe IH' in der 
Abt. L) war die bearbeitende Stelle für alle Führungsaufgaben des Landkrieges, die 
vom WFStab teils in Zusammenarbeit mit dem Generalstab des Heeres teils — auf 
den sog. ,OKW=KriegsschaupIätzen' — selbständig vom OKW wahrzunehmen waren. 

Zu seinen Aufgaben gehörten außerdem verwandte Gebiete wie Schutz und Be= 
festigung der Küsten, Ausbau rückwärtiger Stellungen, Richtlinien für den Banden= 
(Guerilla=) Krieg, Vorbereitung und Überwachung des ,Fernkampfs' mit V= Waffen. 

Entsprechend der vorwaltenden Bedeutung des Heeres innerhalb der Gesamt= 
Wehrmacht war die Dienststelle auch vielfach mit ausgleichenden und einheitlich 
zu leistenden Aufgaben auf dem Führungsgebiet wie beispielsweise im Verkehr 
mit den Verbündeten befaßt. 

Die Dienststelle, die ursprünglich nur aus 2—3 Genst.Offizieren bestand, wurde 
allmählich zu einer Stärke einer Abteilung mit 4 unterstellten „Gruppen" von je 
1—4 Generalstabs= und Hilfsoffizieren ausgebaut, und zwar eingeteilt nach den sog. 
,OKW=Kriegsschauplätzen' in Nordeuropa, Westen, Südwesten (Mittelmeer) und Süd= 
osten." 

Nicht erwähnt sind: 

a)Die „Gruppe L III", die bei Kriegsbeginn nach Mob=Plan neu begründet wurde 
als Nachrichtensammelstelle, ebenfalls besetzt mit 1 Generalstabsoffizier im Stabs= 
offizierrang, die ich aber im frühen Jahr 1940 wieder aufgelöst habe, da die Samm= 
lung der Nachrichten und die Zusammenstellunng für den „Lagebericht" besser bei 
den einschlägigen Stellen (I Heer usw.) aufgehoben war; 

b) der „Heimatstab Übersee", gleichfalls unter Leitung eines älteren Generalstabs= 
offiziers, begründet mit der Besetzung Dänemarks und Norwegens im Frühjahr 1940; 
seine Aufgabe, die Quartiermeistertätigkeit der 3 Wehrmachtteile, soweit sie für 
„Übersee" aus dem üblichen Rahmen fiel, rationell zusammengefaßt und vielfach 
in Verbindung mit zivilen Dienststellen gelöst werden mußte, wurde im weiteren 
Verlauf des Krieges auf alle überseeischen Kriegstheater ausgedehnt. 

Zur Seite 125 E: 

Den Abteilungen „1. Admst.Offz. und 1. Genst.Offz.Luftw. im WFStabe" (bis 
31. Dezember 1941 „Gruppe IM" bzw. „IL" in der Abt. L) fielen dieselben Aufgaben 
der Führung für den Bereich ihrer Wehrmachtteile zu, jedoch mit der Einschränkung, 

daß die Oberbefehlshaber der Kriegsmarine und Luftwaffe den dienstlichen Ver= 
kehr mit dem Obersten Befehlshaber der Wehrmacht in allen wichtigen Führungs= 
fragen grundsätzlich ohne nähere Beteiligung des WFStabes und seiner Organe in 
eigener Person wahrnahmen, 

und daß diese Regelung unterschiedslos auch für die sog. „OKW=Kriegsschau= 
platze" galt. 

Beide Abteilungen konnten daher im Grunde nur als Verbindungsorgane ihrer 
Oberkommandos tätig werden und blieben deswegen auch auf die Besetzung mit 
2—3 Offizieren beschränkt. 

227 E 



A. Einführung 

Zur Seite 137 E: 

Betr. Erweiterung des Wehrmachtführungsstabes : 

Das stimmt so auch nicht. 1. war der Stab nie so groß und 2. haben die Raum= 
Verhältnisse des Arbeitszuges dabei nie eine Rolle gespielt (wir hatten 1944 zwei 
große Züge). Der eigentliche Grund war, daß nur die Führungsaufgaben im engsten 
Sinne (Operationen) vom OKW=Wehrmachtführungsstab bearbeitet wurden und 
diese auch nur für die Heeresseite, während alle anderen Funktionen beim General= 
stab des Heeres sowie den Oberkommandos Marine und Luft verblieben. 

Zur Seite 142 E: 

Betr. subtile Formulierungen Greiners : 

So „ernst" war das wohl damals nicht gemeint, daß man diesen Formulierungen 
einen dokumentarischen Wert beimessen könnte. 

Zur Seite 148 E: 

Betr. Fall Weiss : 

Man sollte vielleicht klären, daß es sich hier um ein Teilstück aus den im Frieden 
jährlich erneuerten „Weisungen für die einheitliche Kriegsvorbereitung der Wehr= 
macht" gehandelt hat. 

Zur Seite lgi E: 

(Ministerrat für die Reichsverteidigung) : 

Er hat hauptsächlich dazu gedient, unter dem maßgeblichen Einfluß von Bormann 
die militärischen Forderungen überall zurückzudrängen und hinter die An= und 
Absichten der Partei zu stellen (Verkehr, Bauten usw.). 

Zur Seite 201 E: 

Hier muß eine Täuschung in Keitels Gedächtnis vorliegen, wahrscheinlich ver= 
mischt er verschiedene Vorgänge miteinander. Seine Denkschrift zum Ostfeldzug 
1940 hatte sogar Erfolg. 



2. Von Herrn General d. Geb. Tr. a.D. A. Winter (27. 2. 1965): 

Zur Seite 151 E, vorletzter Absatz: 

Meines Erachtens entstand dieser Befehl seinerzeit wirklich nur auf Grund des 
schockierenden (und in seiner Auswirkung zunächst überbewerteten) Vorfalls von 
Mechelen — 10. Januar 1940 — als Aufmarschunterlagen bei der Notlandung deut* 
scher Offiziere in belgische Hand gefallen waren. Erst im Verlaufe des Krieges, ins= 
besondere während des Rußlandfeldzuges, gewann dieser Befehl dann die von Ge= 
neraloberst Halder erwähnte Bedeutung, da der Befehl dann von Hitler bewußt nach 
und nach im Sinne nicht nur (berechtigter) Geheimhaltung, sondern zur „Abschir= 
mung" der höheren Führer untereinander verwendet wurde. 

Zur Seite 20g E (Mitte): 

Hitler wollte die „Schlacht um Kiew" schlagen, um in den Kaukasus weiter stoßen 
zu können — also eine exzentrische Operation. Rundstedt wollte dagegen diese 
Schlacht schlagen, um der H.Gr. Mitte (und seiner eigenen HGr. Süd) die Opera= 
tion auf Moskau (im Sinne des OKH) zu ermöglichen. Das sind also zwei verschie= 
dene Ausgangsüberlegungen. Rundstedt und sein Genst. waren der Auffassung, 
daß ein Stoß auf Moskau nicht durchgeführt werden konnte, solange eine Feind= 
gruppe von ca. 1 Millionen Mann in der rechten Flanke der Heeresgruppe Mitte 

228 E 



Allgemeine Bemerkungen zur Einführung 

stand. Deshalb verlangte er, daß diese Feindgruppe angegriffen und vernichtet wer= 
den sollte. Man mußte ja doch annehmen, daß diese Feindgruppe gegen die Süd= 
flanke der H.Gr. Mitte offensiv werden würde. 

Letzter Absatz: 

Der OB der HG. Süd wurde seiner Stellung enthoben, d. h. abberufen, weil er an 
den Ob.d.H. (Brauchitsch) gemeldet hatte, daß er den Befehl, den Südflügel bei 
Rostow nicht zurückzunehmen, nicht mehr nachkommen könne; dem Fernschreiben 
hatte er sinngemäß hinzugefügt: Falls man in seine Führung kein Vertrauen mehr 
setze, bitte er, ihn durch einen anderen Oberbefehlshaber zu ersetzen. Dem wurde 
in der Nacht auch entsprochen. Nach Hitlers Flug nach Mariupol fand dann die 
bekannte Aussprache in Poltawa zwischen Hitler und Rundstedt statt, die wieder 
zur „Versöhnung" führte. 

Zu Kapitel IV: 

Aus eigenem Erleben, das sich auf die Zeitspanne November 1944 bis April 1945 
beschränkt, möchte ich noch folgendes bemerken: In den letzten 3—4 Monaten des 
Krieges erschienen zur Nachtlage in der Reichskanzlei im allgemeinen weder Keitel 
noch Jodl. Lediglich (jüngere) Genst.Offz. des OKW (und OKH) trugen die letzten 
Meldungen vor. Stets aber waren anwesend Bormann und VO der SS. 

Wir hatten den bestimmten Eindruck, daß in diesen Nachtstunden von Hitler mit 
Bormann auch die militärischen Dinge eingehend erörtert wurden und staunten des 
öfteren über zunächst ganz unverständliche Eingriffe in die Führung während der 
frühen Morgenstunden. Zweifellos war Bormann in stets zunehmenden Maße auch 
hier der „böse Geist" (soweit ein solcher noch nötig war). Ich entsinne mich noch 
eines schweren Zusammenstoßes von Jodl mit Bormann aufgrund eines von Bor= 
mann (!) „I.A." herausgegebenen Befehls, der dann zurückgenommen werden mußte. 



3. Von Herrn Großadmiral a. D. K. Dönitz (25. 2. 1965): 

Zu Seite 43 E, letzter Absatz: 

In meiner Sorge wegen der Gefahr eines baldigen Krieges mit England hatte ich 
Juni 1939 den Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Großadmiral Raeder, gebeten, 
Hitler persönlich zu melden, daß in einem Kriege mit England die deutsche U=Boot= 
Waffe, welche die schwerste Last des Seekrieges zu tragen haben würde, bei ihrer 
zahlenmäßigen Schwäche „den Engländern nur Nadelstiche versetzen könne". Groß= 
admiral Raeder teilte dies Hitler mit. 

Am 28. 8. 39 meldete ich in einer Denschrift, FdU Chefs. Gkdos. 172, „daß mit 
der im Augenblick eingesetzten Bootzahl und den nach dem jetzigen Bauplan auf 
die Dauer erreichbaren Bootzahlen ein ins Gewicht fallender Druck auf England, 
und eine entscheidende Kriegführung gegen Englands Handel in absehbarer Zeit 
nicht zu erwarten ist, sondern nur Nadelstiche gegen den englischen Handelsverkehr 
möglich sind . . ." 

Wenn daher Hitler nach dem 17. 9. 39 glaubte, „die Alliierten" — also auch 
England — „in einem sofortigen Feldzug niederwerfen zu können", so zeigt dies 
sein völliges Unverständnis für die Lebensgrundlagen der Seemacht England, trotz 
meiner obigen Warnungen. 

Zu Seite 50 E, vorletzter Absatz: 

Da Hitler in seiner Denkschrift vom 9. Oktober 39 „eine erfolgreiche Seekrieg= 
führung gegen England auf längere Sicht hin" als sein Kriegsziel hingestellt hat, 

22g E 



A. Einführung 

hätte er sofort die fehlende Rüstung für den Kampf im Atlantik so schnell wie 
möglich in die Wege leiten, also U=Boote mit allen Mitteln der deutschen Industrie 
und des Staates bauen müssen. Dies geschah nicht. 

Ohne ein solches Handeln waren daher diese obigen Worte in seiner Denkschrift 
ohne jeden Gehalt. 

Zu Seite 55 E unten und Seite 56 E oben: 

Der holländisch=belgische und nordfranzösische Raum war für eine aussichtsreiche 
Seekriegführung gegenüber England „von nur" geringer Bedeutung. Der entschei= 
dende Kriegsschauplatz gegen England war der Atlantik. Ausgangsbasen für deut= 
sehe Seestreitkräfte an der Atlantikküste waren daher für eine „aussichtsreiche See= 
kriegführung" wertvoll. Die aus den „Operationszielen" zitierten Worte Hitlers 
haben daher keinen Gehalt. 

Zu Seite 57 E, erster Absatz: 

Da 11=60016, als einzige Ausnahme gegenüber allen anderen Kriegsschifftypen, 
nicht gegen ihresgleichen, also gegen feindliche U=Boote zu kämpfen haben, war 
die deutsche „Parität" mit der englischen U=Bootwaffe ohne jede Bedeutung. Die 
Engländer hatten in ihrer großen Marine nur wenige U=Boote, denn sie brauchten 
diese nicht, weil sie Seeverbindungen nicht anzugreifen, sondern die eigenen zu 
schützen hatten. Wir brauchten große U=Boot=Zahlen, weil wir als seestrategische 
Hauptaufgabe in einem Krieg mit England die britischen Lebenslinien anzugreifen 
hatten. » 

Zu Seite 70 E, letzter Absatz: 

Die richtige Alternative war, sich durch forcierten U=Boot=Bau mit allen Mitteln 
der deutschen Rüstungsindustrie für die Schlacht im Atlantik zu entscheiden. Diese 
Erkenntnis fehlte jedoch bei Hitler und bei unserer Wehrmachtführung. 

Zu Seite 100 E, unten: 

zu 3 „Aktivierung des U=Boot=Krieges" : 

Dies waren Ende 1941 nur leere Worte, nachdem vorher und nachher nichts für die 
Voraussetzungen für eine Aktivierung, die Forcierung des U=Boot=Baues getan wor= 
den war bzw. dann geschah. 

Zu Seite 6q E, vorletzter Absatz: 

Als das Unternehmen „Seelöwe" von Hitler aufgegeben worden war, weil die 
Invasion sich nicht durchführen ließ, bleib als einzige Alternative für eine entschei= 
dende Kriegführung gegen England nur der Tonnagekrieg, der Kampf gegen Eng= 
lands Seeverbindungen. Damit wurde England direkt getroffen. Von ihnen hing das 
Leben der englischen Nation unmittelbar ab. Auf sie war die gesamte englische 
Kriegführung unmittelbar und weitgehend angewiesen. Auf ihre ernsthafte Bedro= 
hung mußte die englische Politik unbedingt reagieren. Wir waren durch den Erfolg 
des Feldzuges gegen Frankreich, besonders durch den Besitz der Biskaya=Küste, in 
die günstige strategische Position gegen England gekommen. Was lag näher, als 
diese nun mit allen Mitteln auszunutzen, und die gesamte deutsche Kriegs= und 
Rüstungstrategie auf diesen entscheidenden Kampf gegen England im Atlantik als 
Hauptaufgabe auszurichten — auf diese „Atlantikschlacht", die Churchill als den 
dominierenden Faktor während des ganzen Krieges bezeichnet hat. Dies war die 
immer wieder vom Befehlshaber der U=Boote gestellte Forderung und diese deutsche 
Strategie war es, die der englische Gegner fürchtete. 

Aber diese Erkenntnis hatte Hitler nicht. Seine Hoffnung, England in Rußland 

230 E 



Allgemeine Bemerkungen zur Einführung 

schlagen zu können, war der entscheidende Irrtum infolge seines kontinentalen 
Denkens. 

Sicher waren diese Mittelmeer=Ziele / welche Großadmiral Raeder nannte, von 
großer strategischer Bedeutung. Sie waren jedoch — im Gegensatz zu der Schlacht 
im Atlantik — für England nicht kriegsentscheidend. Da die Hauptaufgabe der deut= 
sehen Kriegsmarine doch im Kampf gegen die englischen Seeverbindungen im Atlan= 
tik lag, barg daher dieser Rat des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine für die 
Kriegsmarine die Gefahr in sich, den Schwerpunkt ihrer U=Boot=Streitkräfte vom 
Atlantik ins Mittelmeer verlegen zu müssen. Ich war damals als Befehlshaber der 
U=Boote und bin auch heute noch der Ansicht, daß der Oberbefehlshaber der Kriegs= 
marine nach Aufgabe des Planes „Seelöwe" mit aller Kraft das strategische Ziel der 
Atlantikschlacht zu vertreten hatte. Denn die Erfüllung dieses Ziels war doch 
rüstungsmäßig noch in keiner Weise sichergestellt. Die Zahlen der U=Boote als 
Hauptkampfträger waren völlig unzureichend; der U=Boot=Bau hatte keinen 
rüstungsmäßigen Vorrang vor einer Fülle anderer Rüstungsaufgaben. Die Zunahme 
an neuen U=Boot=Streitkräften war daher gering. Auch die gesamt=strategische Be= 
deutung des Kampfes im Atlantik war bei unserer politischen Führung und bei der 
Führung des OKW doch noch in keiner Weise anerkannt. 

So kam es dann, daß dieser Mittelmeer=Rat des Oberbefehlshabers der Kriegs= 
marine für die Seekriegführung die Folge hatte, daß Ende 1941 die Schlacht im 
Atlantik durch die Entsendung des leistungsfähigsten Teiles der U=Boote ins Mittel» 
meer zum Erliegen kam, und daß in den ersten Monaten des Jahres 1942 die großen 
Versenkungsmöglichkeiten im amerikanischen Seeraum von der U=Boot=Waffe wegen 
der nur geringen dort zur Verfügung stehenden U=Boot=Zahlen bei weitem nicht 
ausgenutzt werden konnten, so daß infolgedessen und infolge anderer Abstellungen 
von U=Booten zu strategisch falschen, unfruchtbaren Zwecken, — gegen die ich kräf= 
tig protestiert hatte — etwa eine Million BRT Ende 1941 und 1942 weniger versenkt 
wurden. Dies war nach englischer Ansicht ein entscheidender Faktor in der Atlantik» 
schlacht. Für uns war es für die Niederringung Englands ein sehr schwerwiegender, 
nicht wieder gutzumachender Nachteil. 

Ich glaube, daß die Kehrseite der Mittelmeer=Strategie erwähnt werden sollte. 



4. Von Herrn Gen.Lt. a.D. Engel (4.3.65): 

Zur Seite 138 E (betr. 1. Lagebericht v. i.g.39): 

Unzutreffend. Es handelte sich damals um eine zufällig, zwanglose Unterhaltung 
ohne jeden offiziellen Anstrich, 
(betr. Jodl. Einfluß bei den Lagevorträgen). (Mitte) 

Nicht zutreffend. Jodl war in der Zeit noch zurückhaltend; der Ob.d.H. hatte weit= 
gehenden Einfluß und Spielraum. 

Zur Seite 140 E (betr. Lagevortrag): 

Niemals haben „dazu bestimmte Offiziere" (d. h. Vertreter) vorgetragen; in Aus= 
nahmef allen der Ia (Deyhle, später Christian) oder der diensttuende Adj. 

Zur Seite 143 E (betr. Hitlers Zustimmung zum Lagevortrag) : 

Hitler nahm im Gegenteil sehr häufig keine sofortige Stellungnahme. 

Zur Seite 202 E (betr. Vortrag Guderians): 

Diesen Vortrag Guderians bei Hitler war auf Wunsch des Pz.Gen. von mir (Hptm. 
Engel) organisiert worden und zwar ohne Wissen des Ob.d.H., Chef Genst.d.H. und 
Chef OKW. Dasselbe geschah mit Admiral Canaris, aber viel häufiger. 

231 E 



A. Einführung 

5. Von Herrn Oberstlt. a.D. Friedrich Greffrath (6.1.1965): 

Zur Seite 16g E (Luftwaffe) : 

Ich habe in den 20 Jahren, in denen ich mich ausschließlich mit Luftwaffenakten 
beschäftigte, auch nicht den kleinsten Anhalt dafür erhalten, daß die Besprechungen 
Görings mit Hitler in irgendeiner Weise protokolliert worden sind. In der behan= 
delnten Zeit war das Verhältnis Görings zu Hitler noch so gut, daß die notwendigen 
Entscheidungen durch mündliche Besprechungen erledigt wurden, zumal die beiden 
ja in dieser Zeit noch dauernd zusammen waren. Es finden sich selbst in dem so= 
genannten „Milch=Archiv" keine Besprechungsnotizen. Erst ab 1942 findet man No= 
tizen über solche Besprechungen, die Göring mit seinen Mitarbeitern gehalten hat. 
Diese wurden von Görings Adjutanten oder dessen Technischem Offizier nachträg= 
lieh angefertigt. Leider hat Göring im Jahre 1945 seine gesamten Unterlagen ver= 
nichten lassen. Ich hatte noch im März 1945 Gelegenheit, mit Göring zu sprechen, 
da ich den Auftrag hatte, diese Unterlagen nach Karlsbad zu bringen. Göring lehnte 
dies aber ab und zeigte mir die Verbrennungsöfen, die rings um Karinhall aufgebaut 
worden waren. Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß irgendwo derartige Proto= 
kolle anderweitig vorhanden sind, da ich die Aktenlage der Luftwaffe genau kenne. 
Sicher ist Jeschonnek bei derartigen Besprechungen hinzugezogen worden, wenn es 
sich um grundsätzliche Einsatzfragen handelte; waren technische Dinge zu bespre= 
chen, war Udet dabei. 

Man könnte fast behaupten, daß bis zum Jahre 1942 die von Göring vorgetragenen 
Fragen von Hitler angenommen wurden, da er ja von der Luftwaffe nicht allzu viel 
verstand. Erst als er merkte, daß die Luftwaffe nicht mehr ihrer Aufgabe gerecht 
wurde, hat sich Hitler sogar oft gegen die Ansicht von Göring gestellt. 



232 E 



B. Kriegstagebuch 



Das dritte Quartal 
(1. August bis 30. September 1940) 

1. August 1940 

Chef L überreicht dem Chef WFA die gewünschte Beurteilung der Gesamt= 
läge und schlägt ihm vor, die in Vorbereitung befindliche neue Weisung für 
die Gesamtkriegführung 1 auf allgemeine Direktiven zu beschränken, da für 
eine nähere Festlegung die Ergebnisse der Studien in erster Linie des Heeres 
abgewartet werden müßten. 

Chef WFA ist hiermit einverstanden. Er macht sodann Mitteilungen über 
die am 31. 7. abgehaltenen Besprechungen des Führers mit dem Ob. d.M. und 
dem Ob.d.H. 2 

Der Ob. d.M. habe gemeldet, daß die Vorbereitungen zur Bereitstellung des 
Schiffsraums für das Unternehmen „Seelöwe" bis zum 5. o. 3 , die übrigen Vor= 
bereitungen, insbesondere das Minenräumen und Minenlegen, nicht vor 13. o. 4 
beendet sein könnten, das Minenräumen und Minenlegen auch nur unter der 
Voraussetzung einer günstigen Wetterlage und eigener Luftüberlegenheit. 

Der Ob.d.M. habe hierbei nochmals eindringlich auf die Wirkung der 
beabsichtigten Maßnahmen für die deutsche Binnenschiffahrt hingewiesen, die 
eine 30 %ige Einschränkung erfahren würde. Auch wäre die Einziehung sämt= 
licher Fischdampfer erforderlich. Abschließend habe er den Herbst als die im 
allgemeinen ungünstigere Jahreszeit für ein solches Landungsunternehmen als 
das Frühjahr bezeichnet. Zu Ausführungen über die seestrategische Lage sei 
er nicht gekommen. 



1 Vgl. zu den OKW= Weisungen: Klee, Karl (Hrsg.), Dokumente zum Unternehmen 
„Seelöwe". Die geplante Landung in England 1940, Göttingen 1959, S. 335 ff.; 
Hubatsch, Walther (Hrsg.), Hitlers Weisungen für die Kriegführung 1939—1945, 
Frankfurt 1962, S. 65 ff. (Weisung Nr. 17 v. 1. 8. 1940). 

2 Klee, a. a. O. (s. Anm. 1), S. 253 ff.; Generaloberst Halder Kriegstagebuch, Bd. II, 
bearb. v. H.=A. Jacobsen, Stuttgart 1963, S. 46 ff. 

3 D. h. für die geplante Landung in England. 

4 Vgl. Anm. 2. 



B. Kriegs tagebuch 

Der Führer habe entschieden, daß die Vorbereitungen für das Landungs= 
unternehmen zunächst auf den 15. a. 5 abzustellen seien. 

Bei den weiteren Erörterungen habe der Ob. d.M. darauf hingewiesen, daß 
die Auf f assungen des Heeres und der Marine in einzelnen wesentlichen Punkten 
strittig seien. Hierzu gehörten: 1. die Organisation der Befehlsführung beim 
Übergang, 2. die Ausdehnungsbreite bei der Landung, 3. die zeitliche Auf= 
einanderfolge der 2., 3. und 4. Welle und 4. die Wahl der Tageszeit für die 
Landung der 1. Welle. 

Der Führer habe schließlich noch das U=Boot=Programm auch für das Jahr 
1942 genehmigt. 

Auf den Vortrag des Ob.d.H. über den Stand der Vorbereitungen für das 
Unternehmen „Seelöwe" habe der Führer entschieden, daß die Planungen für 
eine Landung auf breiter Front fortzusetzen seien. Etwa notwendig werdende 
Einschränkungen könnten im Laufe des Unternehmens erfolgen. 

Weitere Ausführungen des Führers gegenüber dem Ob.d.H. siehe Notizen 
des Chefs L vom 1. 8. 

Beim Vortrag des Chefs L vor dem Chef WFSt berichtet LIL (Major Frhr. v. 
Falkenstein) über seine Fühlungnahme mit der Luftwaffe am 31. 7. in Kurfürst 
bzgl. der Absichten der Luftwaffe hinsichtlich des Zeitpunktes und der Art der 
Durchführung des verschärften Luftkrieges gegen England (siehe Weisung 
Nr. 17). 6 Über die Gründe für die Verschiebung des Luftkrieges gegen England 
äußert er sich folgendermaßen: Die Luftwaffe sei an sich einsatz= und ver= 
sorgungsmäßig für den verschärften Luftkrieg seit längerem vorbereitet. Die 
voneinander abweichenden Vorschläge der Luftflottenbefehlshaber für ein 
England gegenüber anzuwendendes neues taktisches Verfahren hätten indessen 
bisher nicht in Einklang gebracht werden können, weil der Reichsmarschall 
hierüber keine Entscheidung getroffen hätte, da er auf Grund von Äußerungen 
des Führers angenommen habe, noch etwa 8 Tage Zeit bis zum Beginn des 
verschärften Luftkrieges gegen England zu haben. Nachdem nun am 31. 7. die 
Entscheidung des Reichsmarschalls dahin gefallen sei, daß zunächst ein Luft= 
großangriff gegen London vorgetäuscht werden solle, bei dem durch Einsatz 
starker Jagdkräfte die englische Jagdabwehr vernichtend getroffen werden 
solle, würden noch 5—6 Tage erforderlich sein, um in eingehenden Besprechun= 
gen bis zu den Gruppenkommandeuren hinab und in Planspielen die Be= 
Satzungen mit der neuen Taktik vertraut zu machen. 

Aus den 7 Mitteilungen des Chefs WFA ergeben sich folgende Anordnungen: 

1. Die Entscheidungen des Führers werden in einem OKW=Befehl vom 1. 8. 
zusammengefaßt. 

2. Weisung Nr. 17 für den verschärften See= und Luftkrieg gegen England. 

5 Vgl. zur Verschiebung des Unternehmens „Seelöwe" Eintragungen S. 29; Klee, 
a. a. O. (Anm. i), S. 406 u. ö. 

6 Vom 1. 8. 1940 (s. Hubatsch, a. a. O. Anm. i, S. 65 ff.). 

7 Handschr. Verbesserung („diesen"). 



2. August 1940 

3. Zusammenstellung der strittigen Punkte in den Auffassungen des Heeres 
und der Kriegsmarine über das Unternehmen „Seelöwe". 

4. Befehl der Irreführungsmaßnahmen in Verbindung mit dem Unternehmen 
„Seelöwe"; hierzu Vorschlag des OKH. 

5. Richtlinien für Propaganda in Verbindung mit dem Unternehmen „See= 
löwe". 

6. Zusammenstellung der Maßnahmen für die Kriegführung gegen England 
im Winterhalbjahr, wenn das Unternehmen „Seelöwe" in diesem Jahr nicht 
mehr zur Durchführung kommen sollte. Hierzu kommen in Frage : 

a) nach Vorschlägen der Abt. L und des Ob.d.H. die Abstellung von 
Panzerverbänden zur Unterstützung des italienischen Vorgehens gegen 
Ägypten, die Unterstützung Italiens durch die Luftwaffe bei der Weg= 
nähme von Gibraltar und bei Unternehmungen gegen Alexandria; 

b) Maßnahmen in Syrien und gegen die arabischen Länder; 

c) Inanspruchnahme japanischer Unterstützung für den Seekrieg. 
7. 8 Tarnbefehl für den Aufbau Ost 9 . 

8. 10 Sammlung von Unterlagen zu einem Befehlsentwurf für Vorbereitungen 
von längerer Dauer (betr. Vorbereitungen zu einem Feldzug gegen die 
Sowjetunion) u . 

2. August 1940 

Chef L legt dem Chef OKW die Weisung Nr. 17 und die Zusammenstellung 
der Entscheidungen des Führers auf die Vorträge des Ob. d.M. und Ob.d.H. 
vor. Erstere wird vom Führer, letztere vom Chef OKW unterzeichnet. 

Chef L legt dem Chef OKW ferner die Verfügung über Täuschungsmaß= 
nahmen in Verbindung mit dem Unternehmen „Seelöwe" und den Entwurf 
eines Befehls für den Aufbau Ost 1 vor. Letzterer wird in den Grundzügen 
gebilligt und danach weiterbearbeitet. 

Chef Ausl./Abw. berichtet dem Chef OKW und danach dem Chef L über 
die Durchführung und die Ergebnisse der Erkundung gegen Gibraltar. 

Der Chef der Abt. Wehrwirtschaft 2 (WeWi) im WiRüAmt, Oberst Becker, 
dringt bei Chef L auf Ingangsetzung der Kontrolle an den französischen 
Außengrenzen, die schon von der WStK beantragt und von der Abt. L sowie 
von der Abw.Abt. III vorbereitet worden ist, und regt zusätzlich an, die Kon= 
trolle auch auf die französischen Kolonien auszudehnen. Als Gründe hierfür 
führt er u. a. die Fortsetzung der Kriegsgeräte=Ausfuhr der Schweiz nach 

8 Handschr. Verbesserung von „6 d". 

9 Im Original durchgestrichen: „Chef L fragen". 

10 Handschr. Verbesserung von „6e"; im Original gestrichen „Chef L". 

11 Handschr. Eintragung. 

1 Vgl. hierzu: Greiner, Helmuth, Die Oberste Wehrmachtführung 1939— 1943, Wies= 
baden 1951, S. 293 fr. (Voraussetzungen für einen Ostaufmarsch). 

2 Handschr. Eintragung. 



B. Kriegstagebuch 

England, den zunehmenden französischen Schiffsverkehr zwischen dem Mutter= 
land und den französischen Kolonien und das deutsche Interesse an der Aus= 
fuhr aus den französischen Kolonien an. 

Chef L verweist auf den Stand der Vorbereitungen für die Ingangsetzung 
der Kontrolle und auf seine bevorstehende Besprechung mit dem Chef des 
Stabes der WStK. 

Weiterhin wird der Stand der Maßnahmen zur Verstärkung der Vorrats= 
Wirtschaft an wehrwirtschaftlichen Gütern besprochen; hierzu legt Oberst 
Becker eine Übersicht über die gesteigerte öleinfuhr aus Rumänien vor. 

In Verbindung hiermit hat das Amt Ausl./Abw. erweiterte Maßnahmen zum 
Schutz der deutschen ölinteressen getroffen. 

Am Nachmittag findet eine Besprechung des Chefs OKW mit dem Chef des 
WiRüAmtes in Gegenwart des Chefs L über die Vorbereitung neuer Führer= 
Entscheidungen zum Waffen= und Munitionsprogramm gemäß dem nunmehr 
vorgesehenen Umfang des Kriegsheeres und den übrigen Umstellungen (Ver= 
Stärkung der Flakfertigung, Genehmigung des U=Boot=Programms für 1942) 
statt. Die Erörterungen erstrecken sich außerdem auf die Verwertung der 
Kriegsbeute zur Befriedigung der Waffen= und Munition sf orderungen be= 
freundeter und neutraler Staaten. Als Reihenfolge wird hierbei festgelegt, daß 
zunächst die Wünsche Italiens, und zwar in erster Linie aus der hochwertigen 
französischen Beute 3 , in 2. Linie, und zwar etwa zu gleichen Teilen, die For= 
derungen Rumäniens und Bulgariens erfüllt werden sollen. Lieferungen an 
Finnland sollen vorläufig nicht stattfinden. 

Für die Vorbereitung des umfassenden Arbeitsurlaubs, der gegebenenfalls 
im Winter 1940/41 beim Heere gegeben werden soll, gibt Chef OKW als 
Richtlinie, daß mit dem Urlaub unmittelbar nach einer etwaigen negativen 
Entscheidung des Führers über das Unternehmen „Seelöwe" begonnen, alle 
Kräfte ausgenutzt und der arbeitsfreie Heimaturlaub abgekürzt werden soll. 

Chef L läßt eine von ihm aufgesetzte Verfügung über „Aufbau Ost" den 
Gruppenleitern der Gruppen IH, IK, IL, II und IV sowie dem VO des 
WiRüAmtes zur Stellungnahme und evtl. Ergänzung zugehen 4 . 

In diesem Entwurf heißt es: Der Führer habe sich entschlossen, von der 
Bildung eines selbständigen Restpolen abzusehen und die besetzten Ostgebiete 
dem Großdeutschen Reich einzugliedern. Daraus ergebe sich auch für die Wehr= 
macht die Forderung, den neugewonnenen Ostraum auf allen Gebieten zu 
festigen und auszubauen. Hinzu komme während der Kriegsdauer, daß die 

3 „Ende Juli hat mir der Führer bereits erklärt, daß die Italiener nichts aus der 
Beute bekommen könnten. v. R(intelen)" 
(Randbemerkung des Deutschen Generals beim Hauptquartier der italienischen 
Wehrmacht in Rom, Gen. von Rintelen, der das KTB im Sommer 1944 ein= 
gesehen hat.) Gr.(einer) 

4 Randbemerkung Chef L: Hierzu werde ich zeitgerecht noch eine Begründung 
hinzufügen. gez. W(arlimont) 
Hinweis auf Anlage in den Akten L IV. 



5. August 1940 

zunehmende Luftbedrohung im Westen die militärische Ausnutzung der ge= 
sicherten Ostgebiete in verstärktem Maße erfordere. 

Folgende Richtlinien seien hierfür maßgebend: Noch erforderlich werdende 
Neuaufstellungen und die Truppenausbildung sollten vorzugsweise in den 
Ostgebieten erfolgen und hierzu beschleunigt Übungsmöglichkeiten geschaffen 
werden. Aus den luftbedrohten Westgebieten müßten Wehrmachtvorräte aller 
Art gegebenenfalls dorthin überführt werden. Die Forderungen der Wehrmacht 
für den Ausbau des Eisenbahn= und Straßennetzes seien baldigst den zu= 
ständigen Reichsstellen zuzuleiten, die Nachrichtenverbindungen weiter aus= 
zubauen, dem unmittelbaren Truppenbedarf dienende rüstungswirtschaftliche 
Einrichtungen in ausreichendem Maße zu schaffen, das Kartenwesen Ost müsse 
beschleunigt dem Truppenbedarf angepaßt werden. Demgegenüber seien die 
für die Landesbefestigung nach früheren Richtlinien vorgesehenen Maßnahmen 
bis auf weiteres zurückzustellen. 

Diese Richtlinien würden gleichzeitig auch den beteiligten Obersten Reichs= 
behörden und dem Generalgouverneur der besetzten polnischen Gebiete zu= 
gestellt werden. 

5. August 1940 

Chef WFA befiehlt in Abwesenheit des Chefs L am Vormittag die Gruppen= 
leiter der Gruppe I zu sich in die Reichskanzlei und teilt ihnen folgendes mit: 

Wie bereits bekannt, habe der Ob.d.M. in der Besprechung beim Führer am 
31. 7. (vgl. 1. 8.) vorgeschlagen, die Vorbereitungen für das Unternehmen 
„Seelöwe" auf einen Übergang auf der schmalen Basis Ostende— Deal/Somme= 
Mündung— Eastbourne abzustellen. Der anwesende Ob.d.H. habe dem nicht 
widersprochen, der Führer den Vorschlag zur Kenntnis genommen, ohne sich 
dazu zu äußern. Der Ob.d.M. habe hieraus den Eindruck gewonnen, daß der 
Führer und der Ob.d.H. seiner Auffassung zustimmten, und die Seekriegs= 
leitung habe auf dieser Basis weitergearbeitet 1 . 

Tatsächlich habe indessen der Ob.d.H. nach dem Weggang des Ob.d.M. 
dem Führer gegenüber starke Bedenken gegen einen Übergang auf der 
schmalen Basis geltend gemacht, und der Führer habe daraufhin befohlen, die 
Vorbereitungen weiter auf die breite Übergangsbasis Ostende— Margate/Cher= 
bourg— Lyme Bay abzustellen, sich aber die Durchführung auf schmaler oder 
breiter Basis vorbehalten. 

Der Chef des Stabes der Seekriegsleitung habe mittlerweile in einem Schrei= 
ben an den GenStdH und den Führungsstab der Luftwaffe (B.Nr. l/Skl. I 
op 1110/40 g.K. Chefs, vom 2. 8.) nochmals festgestellt, daß die Durchführung 
des Truppentransportes, solange Häfen noch nicht zur Verfügung stünden und 
der Gegner zur See noch nicht durch Maßnahmen der Luftwaffe und Kriegs= 
marine aus dem Kanal vertrieben sei, nur in dem Raum in und beiderseits 

1 Vgl. Klee, Anm. 1 v. 1. 8. 1940; auch: Klee, K., Das Unternehmen „Seelöwe". Die 
geplante Landung in England 1940, Göttingen 1958, S. 75 ff. 



B. Kriegstagebuch 

der Straße von Dover, der begrenzt würde durch die Linien Ostende— North 
Foreland und Etaples— Beachy Head, gewährleistet werden könne. In diesem 
verengten Raum werde — im Gegensatz zu der bisher vorgesehenen Über= 
fuhrung in Form von Treffen — unter Hinzuziehung der westlich und ostwärts 
gelegenen Häfen und des durch Küstenartillerie gesicherten Weges entlang 
der Festlandküste die Überführung nunmehr in Form eines ständig fließenden 
Stroms von Transporteinheiten möglich sein. Auch erscheine eine wirksamere 
Sicherung der Flanken dieses verengten Überführungsgebietes durch Minen 
und sonstige Maßnahmen der Seekriegsleitung (U=Boote, S=Boote, artille= 
ristischen Schutz) möglich. 

Um nun die in diesem Schreiben erneut zu Tage getretenen gegensätzlichen 
Auffassungen über die Ausdehnungsbreite bei der Landung zu klären, finde 
heute Vormittag eine Aussprache zwischen dem Ob.d.H. und dem Ob. d.M. 
statt, über deren Ergebnis er, der Chef WFA, noch nicht unterrichtet sei. 

Eine fernmündliche Anfrage des Chefs OKW beim Ob. d.M. ergibt, daß 
letzterer mit dem Ob.d.H. übereingekommen ist, noch heute den Chef des 
Stabes der Seekriegsleitung mit Sachbearbeitern zum HQu. des OKH nach 
Fontainebleau zu entsenden, um eine Einigung in dieser strittigen Frage 
herbeizuführen. Der Ob.d.M. sichert dem Chef OKW zugleich zu, daß die 
Vorbereitungen für einen Übergang auf der breiten Basis einstweilen weiter= 
liefen. 

Im Anschluß an diese Mitteilungen gibt der Chef WFA in Ergänzung der 
Weisung Nr. 17 noch einige Anordnungen zur Unterstützung des bevor= 
stehenden Großeinsatzes der Luftwaffe gegen England durch das Heer und die 
Kriegsmarine. 

Das Heer solle als zusätzlichen Schutz für die Bodeneinrichtungen der 
Luftwaffe in den gefährdeten Gebieten MG. Bataillone und Fla.MG.Einheiten 
einsetzen, die Kriegsmarine den Seenotdienst im engeren Küstenvorfeld des 
Kanals während des Großeinsatzes der Luftwaffe mit allen geeigneten Fahr= 
zeugen verstärken, soweit es die Vorbereitungen für die Landung zuließen, 
und der Möglichkeit, daß der Gegner den Einsatz der Luftwaffe als Vor= 
bereitung einer Landung anspreche und infolgedessen mit stärkeren Seestreit= 
kräften im Kanalgebiet auftrete, durch Einsatz von U=Booten und anderen 
Kampf maßnahmen Rechnung tragen, soweit es die auch in dieser Zeit fort= 
zuführende „Belagerung" Englands zuließe. 

LIH regt noch an, den Großeinsatz der Luftwaffe zum Einschießen der an 
der Kanalküste stehenden und bis England reichenden Batterien (K 5 und K 12) 
auszunutzen, den Munitionseinsatz aber im Hinblick auf die Unterstützung 
eines späteren Landungsunternehmens zu begrenzen. Chef WFA ist hiermit 
einverstanden. 

Eine entsprechende Weisung ergeht noch am gleichen Tage an die Ober= 
kommandos der Wehrmachtteile (OKW/WFA/L 33199/40 g.K. Chefs, vom 
5. 8. — in den Akten LIH). 

8 



5- August 1940 

Von der Unterkommission Heer der WStK geht eine Verfügung über den 
Aufbau der Kontrollorganisation des Heeres zur Überwachung der Durch= 
führung des Waffenstillstandsvertrages im unbesetzten Gebiet Frankreichs 
vom 30. 7. ein. 

Danach ist am 1. 8. in Wiesbaden eine Heereskontrollinspektion gebildet 
worden, die der WStK unmittelbar untersteht, mit der Durchführung sämt= 
licher das französische Heer betreffenden Kontrollmaßnahmen im deutschen 
Kontrollgebiet des unbesetzten Teiles von Frankreich beauftragt ist und der 
auch die Kontrolle der personellen Demobilmachung der französischen Luft= 
waffe obliegt, während die materielle Kontrolle der französischen Luftwaffe 
durch die der WStK unmittelbar unterstellte Luftwaffenkontrollinspektion 
ausgeübt wird. 

Für die Durchführung ihrer Aufgaben sind der Heereskontrollinspektion 
unterstellt: 

1. die Heereskontrollkommissionen A, B und C zur Überwachung der voll= 
ständigen personellen und materiellen Demobilmachung und Abrüstung des 
französischen Kriegsheeres sowie zur Überprüfung des Übergangsheeres auf 
Verstöße gegen die Bestimmungen des Waffenstillstandsvertrages; 

2. die Heereskontrollkommissionen I, II und III sowie 9 Heereskontroll= 
Unterkommissionen zur laufenden Überprüfung der an den Kontrollplätzen 
gelagerten sowie der ausgelieferten Bestände an Waffen, Munition und Gerät 
auf Richtigkeit und Vollzähligkeit gemäß den französischen Angaben. Die 
Kontrollunterkommissionen sollen nach Beendigung der Lagerung und deren 
Überprüfung aufgelöst, aus ihrem freiwerdenden Personal die Kontrollkom= 
missionen I, II und III verstärkt werden, denen sodann die weitere Durch= 
führung der Kontrolle der 9 Lagerorte und der Munitionslager in Form von 
Stichproben zufällt. Bis dahin sind die Kontrollkommissionen Verbindungs= 
und Durchgangsstellen zwischen der Inspektion und den Unterkommissionen, 
die sie zu überwachen haben. 

Die Heereskontrollinspektion hat, ebenso wie die Luftwaffen= und die 
Rüstungskontrollinspektion sowie die Kontrollkommissionen A, B und C, ihren 
Sitz in Bourges, die Kontrollkommissionen I, II und III liegen vom 5. 8. an in 
Angouleme, Vierzon und Le Creusot, die nach ihren Standorten bezeichneten 
Unterkommissionen in Limoges, Perigeux, Bergerac, St. Livrade (Kontroll= 
komm. I), Issoudun, Neuvy=Pailloux (Kontrollkomm. II), Mably, Roanne und 
Macon (Kontrollkomm. III). 

Die Kontrollen sollen streng im Rahmen der Waffenstillstandsbedingungen 
durchgeführt werden, alle Weisungen für die Durchführung durch die WStK 
ergehen, der die Wehrmachtteile ihre Wünsche zu übermitteln haben. Die 
Besuche bei den französischen Dienststellen, Truppenteilen und Waffen= usw. 
Lagern sollen in der Regel vorher angesagt, für in dringenden Fällen erforderliche 
unangesagte Besuche das vorherige Einverständnis der WStK eingeholt werden. 
Zur Verbindung mit den französischen Dienststellen treten zur Kontroll= 



B. Kriegstagebuch 

inspektion sowie zu den Kommissionen und Unterkommissionen französische 
Verbindungsoffiziere. 

Die zwischen der deutschen und italienischen WStK vereinbarte Gebiets= 
abgrenzung (Straße Bellegarde— Pont d'Ain=Miribel / Ostrand Lyon, Rhone bis 
zur Mündung ins Mittelmeer) gilt für die Kontrollen des Heeres und der Luft= 
waffe, während die Kontrollen auf dem Gebiet der Rüstungswirtschaft, des 
Kriegsgefangenenwesens sowie der Zivilinternierten, Haft= und Strafgefange= 
nen sich über das gesamte unbesetzte französische Gebiet erstrecken. 

Vorstehende Verfügung wird mit einer Vortragsnotiz des L III (Maj. v. 
Tippeiskirch) und einer am 5. 8. bei der Abt. L eingegangenen, von der WStK 
eingereichten Übersicht über den bisher von den Franzosen gemeldeten Bestand 
an Waffen, Munition und Gerät im unbesetzten französischen Gebiet am 6. 8. 
dem Chef WFA vorgelegt. 

Die WStK legt einen Entwurf für eine Anweisung an die WStK 2 , betr. Be= 
handlung der Demarkationslinie und Einrichtung einer Kontrolle an den 
Außengrenzen Frankreichs, vor. Der Entwurf ist gleichzeitig dem OKH, 
Gen. Qu., zur Stellungnahme zugegangen (vgl. 21. und 27. 7.). Darin wird trotz 
der an den französischen Außengrenzen einzurichtenden Kontrolle aus mili= 
tärischen Abwehrgründen die Beibehaltung der Personenkontrolle an der 
Demarkationslinie gefordert. 

Randbemerkung Chef L.- 
Etwas dürftig! L III soll Ihnen das einmal im vollen Zusammenhang auseinander 

setzen. Beginn dieser Erwägungen liegt viel weiter zurück. 

gez. W(arlimont) 

Randbemerkung Min.Rat Greiner: 

Ist schon eingehend am 21. und 27. 7. behandelt, bleibt hier also so. 

6. August 1940 

Der Entwurf der WStK für eine Anweisung an die WStK, betr. Behandlung 
der Demarkationslinie und Einrichtung einer Kontrolle an den Außengrenzen 
Frankreichs, wird dem Chef WFA vorgelegt, der die darin enthaltene Erklärung, 
daß die Verwaltungs= und Wirtschaftseinheit Frankreichs in bestimmtem 
Umfange aufrechterhalten bleiben und der französischen Regierung auf diesen 
Gebieten ein Einfluß auch auf das besetzte Gebiet zugestanden werden solle, 
als dem Wunsche des Führers zuwiderlaufend wegstreicht (vgl. 5. 8.). 

Chef WFA übersendet ein am 4. 8. beim Chef OKW eingegangenes Schrei= 
ben des OKH 1 , in dem um Zustimmung zu der Absicht des OKH gebeten wird, 
die Verwaltung des zu besetzenden englischen Gebietes zwecks Ausnutzung 
der Hilfskräfte des Landes für die Bedürfnisse der Truppe im wesentlichen 
durch vorhandene Einrichtungen der Truppe (Kommandant des rückwärtigen 

2 Hinweis auf Anl. in den Akten L III. 

1 Hinweis auf Anl, Ob.d.H., GenStdH, Gen.Qu. 0183/40 g.Kdos. Chefs, v. 30. 7. 
in den Akten L IV. 



10 



7. August 1940 

Armeegebiets, FelcU und Ortskommandanturen) zu führen und die vollziehende 
Gewalt den AOK's zu übertragen bei einheitlicher Steuerung durch das OKH 
(GenStdH/Gen.Qu.). 

ChefOKW hat hierzu den Erlaß einer kurzen Weisung angeordnet (vgl. 8.8.). 

7. August 1940 

Chef L beauftragt den LIH, im Hinblick auf den vom Ob.d.H. gelegentlich 
seines Vortrages vor dem Führer am 31. 7. gemachten Vorschlag, die geplante 
italienische Offensive gegen Ägypten durch ein deutsches Expeditionskorps zu 
unterstützen, und in Anknüpfung an den von der Abt. L in ihrer „Beurteilung 
der Gesamtlage" vom 30. 7. gemachten Vorschlag, den Italienern für diese 
Offensive ein deutsches Panzerkorps zu überlassen, die jahreszeitlichen Be= 
dingungen für einen solchen Einsatz, den Kräftebedarf und die Transport= 
Verhältnisse in einer kurz gefaßten Studie zu untersuchen zwecks Vorlage 
vor dem Führer im Rahmen der bei Ausfall des Unternehmens „Seelöwe" 
vorzuschlagenden Maßnahmen. 

Des weiteren gibt Chef L dem LIH Auftrag, in Zusammenarbeit mit LIK und 
LIL auf der Grundlage des vom Chef Ausl./Abw. vorgelegten Ergebnisses der 
Erkundung von Gibraltar und der vom Chef L erteilten Richtlinien eine Studie 
zur Vorlage vor dem Führer anzufertigen, die sich mit den Operationsmöglich= 
keiten, der Organisation der Befehlsführung, dem Kräftebedarf, den sofort zu 
erteilenden Erkundungsaufträgen, der Bildung eines Arbeits= und Kommando= 
Stabes und den Aufträgen für diesen zu befassen habe. 

LIL, Major Frhr. v. Falkenstein, berichtet über die Durchführung des ver= 
schärften Luftkrieges gegen England. Es sei beabsichtigt, durch Vorstöße der 
Luftflotten 2 und 3 mit starken Jagdverbänden und je nach der Entwicklung der 
Lage in wachsender Stärke einzusetzenden Kampfverbänden die englische 
Luftwaffe niederzuringen. Die Angriffe sollten sich gegen die Umgebung von 
London richten, ohne London selbst zu berühren, um den Gegner zu zwingen, 
starke Jagdverbände einzusetzen. Für den ersten Tag sei ein genauer Plan 
aufgestellt, alsdann solle je nach der Lage verfahren werden. Der Zeitpunkt 
für den Beginn der Angriffe sei noch nicht festgesetzt. Maßgebend hierfür sei 
die Wetterlage, die z. Z. noch ungünstig sei. 

Die Erfolgsaussichten könnten durchaus günstig beurteilt werden. Eine ge= 
wisse Schwierigkeit bestehe nur darin, daß der Ob.d.L. sich veranlaßt sehen 
könnte, die Angriffe vorzeitig abzubrechen, wenn die eigenen Verluste während 
der ersten Tage, wie zu erwarten, nicht unerheblich sein sollten und man 
andererseits nur unzureichend über die Angriffserfolge und die feindlichen 
Verluste unterrichtet wäre. 

LIH erstattet dem Chef L Bericht über das Ergebnis der Besprechung des am 
6. 8. aus Fontainebleau zurückgekehrten Hauptmanns Fett mit dem Ia der 
Op.Abt. des GenStdH, Oberst Heusinger, am 3. 8. 

11 



B. Kriegstagebuch 

Es habe sich dabei lediglich um einen Meinungsaustausch zwischen ihm 
(Oberstleutnant v. Loßberg) und Oberst Heusinger über die bei der Besprechung 
des Führers mit dem Ob.d.H. und dem Ob.d.M. am 31. 7. zu Tage getretenen 
unterschiedlichen Auffassungen über die Durchführung des Unternehmens 
„Seelöwe" gehandelt. 

Hauptmann Fett habe Oberst Heusinger zunächst von der am 2. 8. aus= 
gegebenen Weisung Nr. 17 und der gleichzeitig vom Chef OKW erlassenen 
Verfügung, daß die operativen Vorbereitungen für das Unternehmen „See= 
löwe" auf der bisher vorgesehenen breiten Basis fortzusetzen seien unterrich= 
tet. Oberst Heusinger habe bereits das an den GenStdH und den Führungsstab 
der Lw. gerichtete Schreiben der Ski vom 2. 8. in Händen gehabt, in dem fest= 
gestellt werde, daß die Ehirchführung des Truppentransportes nur in dem 
Raum in und beiderseits der Straße von Dover gewährleistet werden könne. 

Zur Frage des Zeitpunktes der Landung habe Oberst Heusinger mitgeteilt, 
daß nach Feststellungen der Kriegsmarine auch noch in der ersten Hälfte des 
Oktobers meist gutes Wetter im Kanal herrsche. Was die Zeitdauer des Über= 
setzens anbelange, so werde eine derartig lange Übersetzzeit, wie die Kriegs= 
marine sie sich ausgerechnet habe, nämlich 14 Tage für 13 Inf.=, 6 Pz.= und 
3 mot.Div., wobei in der Überführung infolge Feindeinwirkung und schlechten 
Wetters noch eine mehrtägige Pause eintreten könne, vom OKH scharf 
abgelehnt, da das ganze Unternehmen dann undurchführbar würde. 

Über die Verwendung der Fallschirm= und Luftlandetruppen bestünden beim 
Heere und bei der Luftwaffe verschiedene Auffassungen. Die Luftwaffe wolle 
sie erst nach Bildung des Brückenkopfes als bewegliche Reserve einsetzen. Das 
Heer lehne nach Mitteilung des Obersts Heusinger dies ab, stünde vielmehr 
auf dem Standpunkt, daß die Fallschirmtruppen helfen müßten, den Brücken= 
köpf zu bilden. Wenn die Luftwaffe nicht über genügend Fallschirmjäger ver= 
füge, so sei das Heer jederzeit bereit, ihr geeignete Mannschaften zur Aus= 
bildung zu überweisen. Der Idealfall wäre, wenn man über etwa 7000 
Fallschirmjäger verfüge. Luftlandetruppen kämen bei der Bildung des Brücken= 
kopfes wegen der hohen englischen Abwehrbereitschaft nicht in Betracht. 

Größten Wert lege das OKH auf Berücksichtigung seines Wunsches, daß die 
Befehlsgebung über das Verhalten in Küstennähe den Truppenbefehlshabern 
vorbehalten bleibe. 

Die Zeittafel des OKH habe bis 3. 8. nur die 1. Staffel des 1. Treffens auf= 
marschieren lassen 1 . Für die Durchführung des Aufmarsches der 2. Staffel des 
1. Treffens und des ganzen 2. Treffens benötige man etwa 12 Tage vor der 
Landung einen Vorbefehl. Der Befehl für die Geräteverladung müsse 2 Tage 
vor der Abfahrt ergehen, die Mannschafts Verladung einen Tag vorher erfolgen. 

Hinsichtlich der Täuschungsmaßnahmen sei eine straffe Steuerung seitens 
des OKW erwünscht. 

1 Randbemerkung Chef L: „. . . mit 3. 8. bereitgestellt". 

12 



8. August 1940 

Oberst Heusinger seien schließlich noch die von Maj. v. Necker eingereichten 
Unterlagen über England und der Lehrfilm über die Gestaltung der englischen 
Südküste übergeben worden. 

Auf Grund des Entwurfs der WStK für eine Anweisung an die WStK 2 , betr. 
Behandlung der Demarkationslinie und Einrichtung einer Kontrolle an den 
Außengrenzen Frankreichs (vgl. 6. 8.), wird von L III unter Berücksichtigung 
der vom Chef WFA in dem Entwurf der WStK vorgenommenen Streichungen 
ein Befehlsentwurf aufgestellt. 

Zu der von Chef L 3 am 2. 8. aufgesetzten Verfügung über „Aufbau Ost" 
reicht L IV a (Hptm. Pollek) eine Vortragsnotiz ein, in der darauf hingewiesen 
wird, daß nach den vorliegenden Nachrichten bei den zivilen Dienststellen 
noch keine Klarheit über den neuen Führerentscheid, daß das Generalgouverne= 
ment in den großdeutschen Raum eingegliedert werden solle, bestehe. Durch 
die vorgesehene Verfügung des OKW würde demnach den zivilen Dienststellen 
eine politische Entscheidung des Führers bekanntgegeben, die für diese weit= 
gehende Folgerungen mit sich bringe. Um dies zu vermeiden, werde vor= 
geschlagen, den Führerentscheid durch den Chef der Reichskanzlei oder den 
Reichsminister des Innern als Zentralstelle für alle Ostfragen allgemein bekannt 
geben zu lassen. 

Übersicht über die kriegsbereiten deutschen Seestreitkräfte am 15. 9. 40 und 
am 15. 4. 41 vgl. Anl. 7. 8. 

8. August 1940 

Chef L berichtet dem Chef WFA am Nachmittag über das Ergebnis des durch 
Vermittlung des Hauptmanns Fett erfolgten Meinungsaustausches zwischen 
dem LIH, Obstlt. v. Loßberg, und dem Ia der Op.Abt. des GenStdH, Oberst 
Heusinger (vgl. 7. 8.). 

Chef L weist sodann gemeinsam mit dem LIL, Maj. Frhr. v. Falkenstein, 
darauf hin, daß die Luftwaffe sich auf Befehl des Reichsmarschalls noch gar 
nicht mit den Vorbereitungen für das geplante Landungsunternehmen „See= 
löwe" gemäß der Weisung Nr. 16 befasse, daß daher nunmehr eine straffe 
Führung durch das OKW einsetzen müsse, und daß die Meinungsverschieden= 
heiten des Heeres und der Kriegsmarine über die Durchführung des Unter= 
nehmens auf schmaler oder breiter Basis die Luftwaffe veranlaßt hätten, 
bereits wieder Luftangriffe gegen west= und südenglische Häfen zu richten. 
Auch müsse der Ansatz der Fallschirmtruppen bei dem Unternehmen „See= 
löwe" geklärt werden, da hierüber, wie sich aus dem Bericht des Hauptmanns 
Fett ergebe, verschiedene Auffassungen beim Heere und bei der Luftwaffe 
bestünden. 

2 Hinweis auf Anl., OKW, WFA/L III Nr. 00611/40 gldso. v. 7. 8., in den Akten 
L III. 

3 Hinweis auf Anl. vom 7. 8. 

13 



B. Kriegstagebuch 

Chef WFA erklärt, daß er sich wegen dieser Fragen unmittelbar mit dem 
Chef des GenStdLw in Verbindung setzen werde. 

Chef L legt dem Chef WFA gemäß der Anordnung des Chefs OKW ein 
Schreiben an das OKH (Gen. Qu.) vor 1 , in welchem diesem mitgeteilt wird, 
daß die vom OKH beabsichtigte Regelung der Verwaltung des zu besetzenden 
Gebiets Englands der vom Führer nach der Entscheidung über die Durch= 
führung des Unternehmens „Seelöwe" zu erwartenden Weisung entspreche 
und daß die erforderlichen Vorarbeiten des OKH auf dieser Grundlage bereits 
in Angriff genommen werden könnten (vgl. 6. 8.). 

Im Anschluß hieran hält LIL dem Chef WFA Vortrag über die geplante 
Durchführung des verschärften Luftkrieges gegen England und dessen Erfolgs= 
aussichten (vgl. 7. 8.). 

Chef L legt dem Chef WFA weiterhin den Befehlsentwurf über „Aufbau 
Ost" 2 nebst einer Vortragsnotiz des L IVa (vgl. 2. und 7. 8.) vor und bittet 
um Entscheidung der darin aufgeworfenen Frage der Bekanntgabe des Führer= 
entscheids über das Generalgouvernement. 

OKH (GenStdH Gen. Qu.) übersendet seine Stellungnahme 3 zum Entwurf 
der WStK für eine Anweisung an die WStK betr. Behandlung der Demar= 
kationslinie und Einrichtung einer Kontrolle an den Außengrenzen Frankreichs 
(vgl. 3.8.). Darin kommt die Tendenz zum Ausdruck, an der Absperrung des 
besetzten französischen Gebietes gegen das unbesetzte Gebiet soweit wie 
irgend möglich festzuhalten. 

Diese Tendenz des OKH wird in einer Neubearbeitung des Entwurfs einer 
entsprechenden Anweisung an die WStK (vgl. 7. 8.) weitgehend berücksichtigt. 

Chef L bittet den Chef Ausl. um Mitteilungen über die derzeitige russische 
Wehrkraft und um Prüfung, gegen welche Punkte des britischen Weltreiches 
abgesehen von Gibraltar und Ägypten aussichtsreiche Angriffe gerichtet wer= 
den könnten, falls das Unternehmen „Seelöwe" auf das Frühjahr verschoben 
werden sollte. 

Chef WFA teilt mit, der Führer habe entschieden, daß die französische 
Kriegsschiffbauindustrie nur zur Wiederinstandsetzung beschädigter deutscher 
Kriegsschiffe, nicht zum Weiterbau französischer Kriegsschiffe herangezogen 
werden solle. 

Die deutsche Luftwaffe verfügt z. Z. über 

949 einsetzbare Kampfflugzeuge 
336 einsetzbare Sturzkampfflugzeuge 
869 einsetzbare Jagdflugzeuge und 
268 einsetzbare Zerstörerflugzeuge 
insgesamt also über 2422 Flugzeuge. 

1 Hinweis auf Anl., OKW, WFA/L IV ,. . . 00/40 g.K. Chefs, v. 7. 8., in den Ak» 

ten LIV. 2 Vgl. Anm. 1 v. 2. 8. 1940. 
3 Hinweis auf Anlage (OKH, GenStdH, Gen.Qu. lb 17382/40 v. 7. 8.) in den 

Akten L III. 



14 



2422 Flugzeuge. 



8. August 1940 

Das Wehrmachtführungsamt (WFA) heißt von heute an Wehrmachtfüh= 
rungsstab (WFSt). 

[handschr.] : 

Standort: Arbeitszug „Atlas", abgestellt auf dem Bahnhof Berlin=Grunewald. 

LIL: 949 einsatzbereite Kampfflugzeuge 
869 einsatzbereite Jagdflugzeuge 
268 einsatzbereite Zerstörer 
336 einsatzbereite Sturzkampfflugzeuge 

IV: Führer=Erlasse über Ernennung der Gauleiter Wagner und Bürckel zu 
Chefs der Zivilverwaltung in Elsaß=Lothringen (Luxemburg). 

L III : Waffenstillstandskommission Lagebericht über französische Kolonien. 
Abrüstung nicht im erwünschten Maße, liegt ausschließlich in Händen der 
Italiener. 

L III: Führer hat entschieden, daß französische Rüstungsindustrie nur zur 
Instandsetzung von Kriegsschiffen, nicht zum Weiterbau französischer Kriegs= 
schiffe herangezogen werden soll. 

Ausland: französische Regierung wünscht 

1. Entlassung der Gefangenen, 

2. Übersiedlung der Regierung nach Paris, 

3. Versorgung mit Lebensmitteln und Rohstoffen. 

Interne Besprechung: 

Chef L hat Chef Ausland (Kpt. Bürkner) gebeten, das gesamte englische 
Weltreich nach Angriffspunkten zu überprüfen, die in Frage kommen bei 
Verschiebung von „Seelöwe". Ägypten und Gibraltar auslassen. 

Weitere Bitte an Chef Ausland um Unterrichtung über russische Wehrkraft. 

Bemerkungen des Oberbefehlshabers des Heeres zur Demarkationslinie heute 
an Chef L abgegangen. L III arbeitet Erfahrungsberichte Norwegen zur Aus= 
nutzung für „Seelöwe" durch. 

LIK: Kriegsschiff Übersicht September 1940/ April 1941 4 . Gegenüberstellung 
der deutschen und englischen Seestreitkräfte am 1. 5. 1941. Zur Zeit 9 Zerstörer 
verfügbar, 1 in der Werft. Hinzu kommen ab Oktober neue Zerstörer. Gesamt= 
verlust 26 U=Boote, 55 vorhanden, im nächsten Halbjahr 73. „UA" für Türkei 
gebaut, UB=„Seal", UC und UD (ehemals) norwegische Boote. 

LIL: Gesamte Programme nicht ablaufbar wegen Wetter; von 4 auf 3 An= 
griffe, 3. Angriff soll wegfallen, nicht 4. sehr starker. Oder 4. Angriff am 
2. Tage. Befürchtung, daß Reichsmarschall vorzeitig abbricht. Noch keine 
Entscheidung, wann und ob Durchführung beabsichtigt; am 2. Tage: Vorstoß 
durch Jäger, Angriff durch Bomber auf Luftplätze in London etc. LIL fragen. 

4 Hinweis auf Anl. Übersicht über kriegsbereite Seestreitkräfte 15. 9. 40 u. 15. 4. 
41, v. 7. 8. 

15 



B. Kriegstagebuch 

LIK: Besprechungen Chef Ski. mit Operationsabteilung (GenStdH) in Fon= 
tainebleau (ist) noch im Gange. 

LIL: Auf die Anordnung der Seekriegsleitung, eine Umsteuerung auf breite 
Basis vorläufig nicht vorzunehmen, hat Luftwaffe Verminung der englischen 
Südküste bis einschließlich Eastbourne freigegeben. 

Einsatz italienischer Luftverbände gegen England. Frage geht nichts vorwärts. 

Chef Wehrmacht=Führungsamt(stab) hat Chef L zugesagt, daß er auf 
grundsätzliche Entscheidung des Führers über Zusammenarbeit mit Italien 
dringen werde. 

Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit von Heer und Kriegsmarine gegen 
Luftwaffe bzgl. Seelöwe. 

Befehl „Aufbau=Ost" = Tarnung für Maßnahmen gegen Ruß(land). 

Luftwaffe fordert Angebot des Heeres für Aufbau Bodenorganisation. 

Zusammenfassender Bericht von Wehrmachts=Propagandaamt über Wirkung 
der Wehrmachtspropaganda in den Feind vom Juli 1940. 

Wehrmachtsführungsamt heißt vom 8. 8. ab Wehrmachts=Führungs=Stab 
(WFSt). 

9. August 1940 

Der Chef des Stabes der Seekriegsleitung, Admiral Schniewind, ist am 8. 8. 
aus Fontainebleau zurückgekehrt, ohne daß in der am 7. 8. abends zwischen 
ihm und dem Chef des GenStdH abgehaltenen Besprechung eine Einigung 
über den bei dem Unternehmen „Seelöwe" zu wählenden Ubergangsraum 
erzielt worden wäre. 

Wie aus einer Niederschrift des Chefs der Op.Abt. der Ski., Admiral Fricke, 
der der Besprechung beigewohnt hat, hervorgeht, hat der Chef des GenStdH 
festgestellt, daß er die Konzentration der Landung auf den Raum Folkestone— 
Beachy Head keinesfalls annehmen könne, da der Raum zu schmal und das 
Gelände zu ungeeignet seien, um mit entsprechenden Kräften eine „Keiltaktik 
zur Durchbrechung der stark überlegenen feindlichen Verteidigung" anwenden 
zu können. Hinzu komme noch, daß nach Feststellung der Seekriegsleitung 
mit einer taktischen Überraschung des Gegners wegen der Besonderheiten 
der Überführung der Landungstruppen nicht gerechnet werden könne 1 . 

Demgegenüber hat der Chef des Stabes der Ski. nochmals klargestellt, 
daß eine Landung auf breitem Raum aus technischen und militärischen Grün= 
den nicht möglich sei. Das gleiche gelte auch für eine gleichzeitige Landung 
bei Deal. 

Chef L stellt in einer Besprechung mit den Gruppenleitern der Gruppe I 
fest, daß es angesichts dieser gegensätzlichen Auffassungen des Heeres und 
der Kriegsmarine Aufgabe des OKW sei, eine Entscheidung des Führers 

1 Hinweis auf Anl. 1/9. 8. 

16 



g. August 1940 

vorzubereiten, und ordnet hierzu an, die abweichenden Ansichten der beiden 
Oberkommandos mit stichwortartiger Begründung gegenüberzustellen. Hierfür 
stünden Unterlagen der Kriegsmarine schon zur Verfügung, während zur 
Klarstellung der Auffassung des Heeres die Rückkehr des Obersts v. Witzleben 
aus Fontainebleau abgewartet werden müsse. Auf Grund dieser Unterlagen 
solle dann von der Abt. L ein Vorschlag für die Entscheidung des Führers 
gemacht werden, der im wesentlichen von dem auszugehen habe, was der 
Führer auf die Vorträge des Ob. d.M. und Ob.d.H. am 31. 7. befohlen habe, 
daß nämlich die Vorbereitungen für den Absprung und die Ausschiffung der 
1. Staffel des 1. Treffens auf der bisherigen breiten Basis fortzusetzen seien 
und eine etwa notwendig werdende Verkürzung der Basis erst später er= 
folgen solle. 

Die Prüfung des Vorschlages des OKH, das geplante italienische Vorgehen 
gegen Ägypten durch deutsche Panzerkräfte zu unterstützen, führt zu einer 
Vortragsnotiz für den Chef OKW und den Chef WFSt 2 , in welcher der in der 
„Beurteilung der Gesamtlage" vom 30. 7. von der Abt. L gemachte Vorschlag, 
bei Ausfall des Unternehmens „Seelöwe" den Italienern für ihren Angriff 
gegen den Suezkanal Panzerkräfte anzubieten, erneuert und begründet wird. 
Die Begründung lautet dahin, daß bis zum Frühjahr 1941 Panzerkräfte ent= 
behrlich seien, die Entsendung eines Panzerkorps sich vor allem dann lohnen 
werde, wenn gleichzeitig ein Unternehmen gegen Gibraltar vorbereitet werde, 
da dann begründete Aussicht bestehe, die englische Stellung im Mittelmeer 
in den Wintermonaten zu Fall zu bringen, daß weiterhin die klimatischen 
und Gelände= Verhältnisse in dem schmalen Küstenstreifen Libyens und Ägyp= 
tens für schnelle Verbände günstig seien, letztere aber den Italienern zur 
Ausnutzung von Anfangserfolgen fehlten, und daß die Engländer auf diesem 
Kriegsschauplatz voraussichtlich an Panzern überlegen seien. Eine baldige 
Entschlußfassung hierüber sei erwünscht, da die erforderliche Umstellung 
von Personal und Material auf afrikanische Verhältnisse, die Einrichtung einer 
Versorgungsbasis in Afrika und die Bereitstellung von Schiffsraum in Süd= 
italien zur Überführung der Panzerkräfte nach Libyen Zeit in Anspruch nehme. 

Der Vortragsnotiz wird ein Schreiben an die Oberkommandos des Heeres 
und der Kriegsmarine beigelegt 3 , in dem diese gebeten werden, sich über die 
Operationsverhältnisse im ägyptischen Küstenstreifen, die Sicherung der Be= 
vörratung und Versorgung etwa eines Panzerkorps, die Dauer der Umstellung 
der Truppe und des Geräts auf die neue Verwendung, die Dauer des An= 
transports bis zu den süditalienischen Häfen, die Überführungsmöglichkeiten 
von dort nach Libyen und darüber zu äußern, ob bei Abgabe eines Panzerkorps 
die vorgesehenen Neuaufstellungen an Panzerverbänden durchgeführt werden 
könnten. 

2 Anlage in den Akten LIH. 

3 Hinweis auf Anlage, OKW, WFSt 33217/40 g.K. Chefs., in den Akten LIH. Ab= 
gegangen am ... 8. 1940. 

17 



B. Kriegstagebuch 

Auf der Grundlage des Ergebnisses der Erkundung Gibraltars durch den 
Erkundungsstab des Admirals Canaris 4 werden von der Abt. L studienartig 
die Operationsmöglichkeiten gegen Gibraltar untersucht und dabei auch die 
politischen Voraussetzungen Spanien gegenüber geprüft. Das Ergebnis wird 
in großen Zügen in einer Vortragsnotiz für den Chef OKW und den Chef 
WFSt niedergelegt, in der für den Fall, daß das Unternehmen „Seelöwe" in 
diesem Herbst nicht mehr zur Durchführung kommen sollte, die Wegnahme 
Gibraltars, und nicht nur die Zerstörung des Hafens und Vertreibung der 
englischen Flotte, vorgeschlagen wird. Das Unternehmen wäre in vier Zeit= 
abschnitten durchzuführen : 

i. Bindende Abmachungen mit General Franco dahingehend, daß Spanien 
unter völlig getarnter deutscher Beteiligung die Abwehr eines englischen 
Vorstoßes oder einer englischen Landung in der Gibraltarzone sicherstelle; 

2. Überraschender Angriff starker deutscher Luftverbände von Bordeaux aus 
auf die englische Flotte im Hafen von Gibraltar, gleichzeitig Überführung 
von Stukas und Küstenbatterien nach Spanien; 

3. Zerstörung des Hafens und Vertreibung der englischen Flotte durch Stukas 
und Küstenbatterien; 

4. Wegnahme des Felsens durch Angriff von der Land= und möglichst auch 
Seeseite her; hierbei wäre spanischer Oberbefehl uneingeschränkt anzu= 
erkennen, durch die Persönlichkeit des deutschen Befehlshabers aber sicher= 
zustellen, daß die Führung der Operationen praktisch in deutscher Hand liege. 
Die weitere Bearbeitung der Operation gegen Gibraltar komme erst dann 

in Betracht, wenn über ihr Ziel und ihre Anlage auf Grund der Untersuchung 
der Abt. L Entscheidung getroffen sei. Die erste weitere Maßnahme müsse 
dann sein, einen verantwortlichen Führer zu bestimmen und ihn mit der 
Leitung der Vorbereitungen zu beauftragen. 

Chef WFSt sendet den Befehlsentwurf über „Aufbau Ost" und die Vor= 
tragsnotiz des L IVa (vgl. 8. 8.) mit dem Bemerken zurück, der Führer wünsche, 
daß als Begründung für die im Osten vorgesehenen Maßnahmen nur der 
Luftkrieg im Westen angeführt werde, um den Schwierigkeiten, wie sie in der 
vorgelegten Vortragsnotiz bzgl. der Bekanntgabe der politischen Entscheidung 
des Führers an die zivilen Dienststellen dargelegt worden seien, aus dem 
Wege zu gehen. 

Der Befehlsentwurf wird dementsprechend abgeändert 5 , alsdann vom Chef 
OKW unterzeichnet und an die Wehrmachtteile, die Dienststellen des OKW, 
die Obersten Reichsbehörden und den Generalgouverneur ausgegeben. 

Die WStK teilt zur Frage der Einrichtung einer deutschen Kontrolle an den 
französischen Außengrenzen mit 6 , daß das Auswärtige Amt auf Weisung des 
Reichsaußenministers bereits mit der italienischen Regierung wegen der Kon= 
trolle des Kapital= und Warenverkehrs an den französischen Außengrenzen 

4 Hinweis auf Anl., Abt. L Nr. 33216/40 g.K. Chefs, v. 9. 8. in den Akten LIH. 

18 



g. August 1940 

in Verbindung getreten sei und daß die italienische Regierung am 3. 8. sich 
zustimmend zu diesem Vorschlag geäußert habe. Sie wünsche alsbald mit der 
deutschen Regierung in einen Gedankenaustausch hierüber einzutreten und 
sei bereit, außer der Kontrolle an der französisch=italienischen Grenze auch 
die Kontrolle in den französischen Mittelmeerhäfen zu übernehmen (vgl. 8. 8.). 

Demgegenüber lege der Chef Ausl./Abw. auf die Einschaltung Deutschlands 
in die Kontrolle an der französischen Mittelmeerküste besonderen Wert, 
da hier die besten Möglichkeiten für den Personen= und Nachrichtenverkehr 
nach Nordafrika und von dort in das nichtfranzösische Ausland bestünden. 
Die WStK beabsichtige daher, die französische Mittelmeerküste unter eine 
gemischte deutsch=italienische Kontrolle zu stellen und bitte auf das Auswärtige 
Amt einzuwirken, daß es die Abgrenzung der Kontrollbereiche mit den 
Italienern im Einvernehmen mit der WStK nach deren Wünschen vornehme. 
Im übrigen sei die baldige Herausgabe der am 5. 8. von der WStK vorgelegten 
Richtlinien erwünscht, damit die Arbeit der verschiedenen Ressorts in eine 
Richtung gebracht werde. 

Chef L unterrichtet den Chef Ausl. von diesen Wünschen der WStK zwecks 
Einwirkung auf das Auswärtige Amt. 

Chef Ausl. teilt später mit, daß auch das Auswärtige Amt beabsichtige, 
bei den Verhandlungen mit den Italienern über die Abgrenzung der Kontroll= 
bereiche auf Einsetzung von gemischten deutsch=italienischen Kontrollkom= 
missionen an der Mittelmeerküste zu dringen. 

[handschr.] : 

Im Juli in England infolge der deutschen Luftangriffe 258 Tote und 321 
Schwerverletzte unter der englischen Zivilbevölkerung. 

Entscheidung des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht über Aus= 
nutzung der französischen Rüstungsindustrie für Instandsetzung und Weiter= 
bau von Beutewaffen und =gerät. 

Chef L (hat) gestern mit Chef Wehrmachts=Führungs=Amt gesprochen über 
Unterstützung durch italienische Kriegsmarine und Luftwaffe; italienische 
U=Boote Unterstellungsverhältnis so, wie Ob.d.M. es haben will. Schriftliche 
Zusammenfassung durch LIK und LIL: Panzerangebot Libyen LIH. 

General von Greiffenberg gibt fernmündlich seiner Erschütterung über 
Täuschungsmaßnahmen Ausdruck. 

Chef Wehrmachts=Führungs=Amt(stab) bittet um nähere Nachricht über 
angebliche russische Truppenzusammenziehungen an finnischer Grenze. Führer 
gestern zum Berghof, allein, bis Anlauf des Luftkrieges. Admiral Schniewind 
(ist) gestern aus Fontainebleau abgereist, ohne daß (eine) Einigung über 
Landungsbasis erreicht worden ist. 

5 Hinweis auf Anl. 

6 Hinweis auf Anl., WFSt K. Chefgruppe 23/40 g. v. 6. 8., in den Akten L III. 

19 



B. Kriegstagebuch 

10. August 1940 

Chef L erörtert mit den Gruppenleitern der Gruppe I und mit L III, Major 
v. Tippeiskirch, die Frage der Organisation des Nachschubs und der Nach= 
Schubtransporte bei Durchführung des Unternehmens „Seelöwe", insbesondere 
die Frage, ob hierfür eine besondere Organisation aufgezogen werden muß. 
Es kommen drei Lösungen in Frage: 

i. Der gesamte Nachschub und die Nachschubtransporte werden zentral von 
einer für diesen Zweck zu bildenden Wehrmacht=Transport= und Nachschub= 
Abteilung gesteuert, die über die Dringlichkeit der Nachschubgüter und die 
Reihenfolge der Nachschubtransporte zur See und auf dem Luftwege ent= 
scheidet. 

2. Der Nachschub und die Nachschubtransporte für die einzelnen Wehrmacht= 
teile werden von den Wehrmachtteilen selbständig geregelt, wobei jedem 
Wehrmachtteil die erforderlichen Transportmittel zur Verfügung gestellt 
und bestimmte Häfen zugewiesen werden müßten. 

3. Die Wehrmachtteile melden die Seetransporte bei der Kriegsmarine, die 
Lufttransporte bei der Luftwaffe an, diese entscheiden über die Reihenfolge 
der Transporte. 

Chef L entscheidet sich dafür, daß keine neue Organisation geschaffen 
werden sollte, die Wehrmachtteile vielmehr nach dem Grundsatz der Dezen= 
tralisation ihren Nachschub selbständig regeln sollten, die einheitliche Steuerung 
der Transporte aber, soweit erforderlich, durch den Wehrmachttransportchef 
zu erfolgen hätte. 

Chef L macht dem Chef WFSt bei seinem Vortrag am Nachmittag einen 
dementsprechenden Vorschlag. Chef WFSt stimmt dem Grundsatz der Dezen= 
tralisation zu, hält es aber für erforderlich, daß die bei dem Landungsunter= 
nehmen einzusetzenden Armeen mit der selbständigen Regelung ihres Nach= 
schubs und ihrer Nachschubtransporte, auch für die in ihrem Bereich eingesetzten 
Teile der Luftwaffe, betraut werden. Dementsprechend müßten die Seetrans= 
portdienststellen der Kriegsmarine mit den Armeen gekoppelt und mit Ver= 
bindungsoffizieren des Heeres und der Luftwaffe durchsetzt werden. 

L III nimmt auf dieser Grundlage am 12. 8. die Verbindung mit der Kriegs= 
marine auf und bereitet einen entsprechenden Befehl vor. 

Chef L legt dem Chef WFSt außerdem die Vortragsnotizen über die Unter= 
Stützung des geplanten italienischen Vorgehens gegen Ägypten durch ein 
deutsches Panzerkorps und über die Operationsmöglichkeiten gegen Gibraltar 
(vgl. 7. und 9. 8.), ferner den Entwurf der Richtlinien für die Behandlung 
der Demarkationslinie und deren Auflockerung im Zuge der Bewachung der 
Außengrenzen Frankreichs sowie einen von L II aufgesetzten Entwurf neuer 
Richtlinien für die Bekämpfung von Fallschirmjägern und Luftlandetruppen 
vor. Letzterer wird vom Chef OKW unterzeichnet. 



io. August 1940 

Randbemerkungen Chef L: 

Diese Dinge stellen (ausnahmsweise!) eigene Gedankenarbeit der L dar und 
müssen auch dementsprechend hier behandelt werden. Dafür können viele andere 
Begebenheiten in kürzerem Verfahren (Hinweis auf Anl.) behandelt werden. 

gez. W(arlimont) 
Bemerkungen Min.Rat Greiner: 

Am 7. und 9. 8. eingehend behandelt, worauf oben auch hingewiesen wird. 



[handschr.] : 

17. 6. — 17. 7. in England 336 Tote, 476 Verletzte unter der Zivilbevöl= 
kerung. LIL. 

Ausland: Rumänisch=Bulgarische Verhandlungen über Abtretung der Süd= 
dobrudscha werden zu Vereinbarung führen; rumänisch=ungarische Verhand= 
lungen sind noch nicht so weit. Zwischen Rußland und Finnland anscheinend 
wieder ernste Spannungen. 

WiRü: Kriegswirtschaftlicher Lagebericht für Juli 1940. Nur noch 2 Dring= 
lichkeitsstufen. Der vom Führer befohlene Anlauf der Konsumgüterindustrie 
ist noch nicht möglich. Kriegsrüstung steht noch im Vordergrund. 6o=Stunden= 
Woche wird Leistungsminderung nach sich ziehen. Transportlage im ganzen 
befriedigend, aber nicht hinsichtlich Versorgung mit Industrie =und Hausbrand= 
kohle. 

Im (Gen.) Gouvernement Polen Versorgungslage sehr schwierig, Wirtschafte 
läge erschwert durch fortgesetzte Umsiedlungen. 

Interne Besprechung: 

LIV: Elsaß=Lothringen=Frage. 

LIL: Gestern wegen Wetterlage verschoben; heutige Entscheidung noch 
nicht bekannt. 

L ///: Transport und Nachschub. Organisation „Seelöwe". 

Muß Sonderorganisation aufgezogen werden? 

Wehrmachtsteile melden Seetransporte bei Marine an, diese bestimmt 
Reihenfolge, ebenso bei Lufttransport Vorschlag Wehrmacht=Zentralstelle 
(Einteilung Lufttransportraum in takt. und Nachschub) ; Wehrmacht Transport= 
und Nachschub=Abteilung entscheidet über Reihenfolge, Dringlichkeitsliste, 
Lösung Nr. 1 Dezentralisation, Verantwortung der Oberbefehlshaber der 
Wehrmachtsteile. Lösung Nr. 2 Zentralisation. Lösung Nr. 3 laisser faire. 

Vorschlag Chef L: Keine neue Organisation. 

Betreuung des Wehrmachttransportchefs, General Gercke, mit dieser Aufgabe. 

11. 8. keine Lagebesprechung. 



21 



B. Kriegstagebuch 

12. August 1940 

Der Chef der Abw.Abt. I, Oberst Piekenbrock, sucht im Auftrage des Chefs 
des Amtes Ausl./Abw. mittags den Chef L auf und kündigt ihm die Absicht 
des Admirals Canaris an, die Erkundung gegen Gibraltar fortzusetzen 1 . Er 
bittet um Zustimmung hierzu und um Angabe besonders wichtiger Erkun= 
dungsgebiete. 

Chef L weist darauf hin, daß es hierfür nur einen leitenden Gesichtspunkt 
geben dürfe, nämlich auf keinen Fall die Aufmerksamkeit der Engländer auf 
die eigenen Angriffsvorbereitungen zu lenken, ehe genügende Sicherheit gegen 
die dann bestimmt zu erwartenden englischen Versuche, die Verteidigung 
Gibraltars nach Norden und Westen vorzuschieben, gegeben sei. Andererseits 
sei es selbstverständlich erwünscht, das Feindbild, und zwar auch hinsichtlich 
des Verhaltens des Gegners zu ergänzen und die Grundlagen für den eigenen 
Aufmarsch, soweit es in diesem Rahmen möglich sei, zu verbessern. Erktmdet 
werden müßten in erster Linie das Wegenetz, das Festpunktnetz, die Instand= 
haltung der Flugplätze und ähnliches 2 . 

Der VO des OKH bei der Ski, Oberst v. Witzleben, sucht den Chef L nach= 
mittags im Zug „Atlas" auf und überreicht ihm ein Schreiben des Ob.d.H. 
an den Chef OKW 3 , in welchem die einander entgegenstehenden Auffassungen 
des OKH und des OKM über die Durchführung des Unternehmens „Seelöwe" 
noch einmal eingehend dargelegt werden und gebeten wird, die maßgebende 
Stellungnahme der Wehrmachtführung bald ergehen zu lassen. 

Das OKH lehnt darin den Standpunkt des OKM, daß eine Landungs= 
Operation nur in dem durch die Linien Dünkirchen— Folkestone und Boulogne— 
Beachy Head begrenzten Gebiet durchführbar sei, aus folgenden Gründen ab: 
Die gelandeten Truppen würden auf stark überlegene feindliche Kräfte stoßen, 
das von zahllosen Wasseradern durchzogene Marschgelände des Küstenbereichs 
sei für die eigenen Waffen, besonders für die schnellen Verbände, außerordent= 
lieh ungünstig, für die feindliche Abwehr ideal, die die gesamte Landungsfront 
halbkreisförmig umgebenden Höhen böten dem Gegner günstige Stellungen, 
die lange Dauer des Übersetzens — 6 Tage für die 6 Landungsdivisionen des 
l. Treffens einschließlich gewisser Heerestruppen, weitere y Tage für weitere 
6 Divisionen mit Heerestruppen und Flakverbänden — gebe ihm die Mög= 
lichkeit, eine so starke Verteidigungsfront aufzubauen, daß die Aussicht, sie 
schnell zu durchbrechen, nicht mehr gegeben erscheine, womit ein wesentlicher 
Faktor für einen raschen Erfolg in England entfalle. 

Demgegenüber fordert das OKH, daß auch von Le Havre aus gleichzeitig 
eine Landung bei und westlich Brighton durchgeführt werde, wo das Gelände 

i Vgl. Einzelheiten bei: Detwiler, D.S., Hitler, Franco und Gibraltar. Die Frage 
des spanischen Eintritts in den Zweiten Weltkrieg, Wiesbaden 1962, S. 27 ff. 

2 Randbemerkung Chef L: „Nein" R. 

3 Hinweis auf Anlage. 



12. August 1940 

für den Ansatz schneller Verbände besonders geeignet sei, daß weiterhin 
frühzeitig bei Deal gelandet werde, was für die rasche Gewinnung der Höhen 
nördlich Dover notwendig sei, und daß innerhalb von 4 Tagen die ersten 
Treffen von insgesamt 10 Divisionen mit den entsprechenden Zuteilungen 
an der englischen Küste zwischen Ramsgate und westlich Brighton an Land 
gesetzt würden, da nur dann Aussicht vorhanden sei, frühzeitig das erste 
Operationsziel (Themse=Mündung— Southampton) zu erreichen, wenn auf die= 
ser breiten Front gleichzeitig genügend starke und ausreichend schnell genährte 
Kräfte angesetzt würden. 

Bei der anschließenden Erörterung betont Oberst v. Witzleben, daß in der 
Besprechung des Chefs des GenStdH mit dem Chef des Stabes der Ski. in 
Fontainebleau am 7. 8. (vgl. 9. 8.) irgendein Ansatzpunkt zur Überbrückung 
der Meinungsverschiedenheiten nicht zu Tage getreten sei. Beide Ober= 
kommandos hielten nunmehr eine Entscheidung des Führers für erforderlich. 
Zeit dürfe nicht mehr verloren gehen. 

Bei den vom Chef L mit dem LIH und dem LIK in Gegenwart des Oberst 
v. Witzleben weiterhin angestellten Erhebungen scheint sich insofern eine 
Möglichkeit für eine teilweise Befriedigung der Forderungen des Heeres zu 
ergeben, als geprüft werden müßte, ob die Landung einer hinreichend starken 
gemischten Kampfgruppe lediglich aus kleinen Motorbooten und aus der Luft 
in der Bucht von Brighton durchführbar wäre. Nach Ansicht des Obersts 
v. Witzleben müßten diese Kräfte wenigstens 4 verstärkte Regimentsgruppen 
umfassen. Für diesen Zweck seien etwa 500 Motorboote mit einem Fassungs= 
vermögen von je 6—20 Mann mit leichten Inf.=Waffen verfügbar. 

Chef L übermittelt dem Chef WFSt um 16.00 Uhr fernmündlich diesen Vor= 
schlag und kündigt entsprechende schriftliche Unterlagen an. Er weist hierbei 
besonders darauf hin, daß vor Übermittlung dieser Unterlagen ein Vortrag 
des Ob.d.M. beim Führer über die Stellungnahme der Ski. zu diesem Vorschlag 
keinen Erfolg verspreche 4 . 

Eine von der Abt. L verfertigte Gegenüberstellung 5 der gegensätzlichen Auf= 
fassungen des OKH und des OKM über die Frage der Breitenausdehnung bei 
der Landungsoperation wird dem Chef WFSt noch am gleichen Abend als 
Unterlage für die Entscheidung des Führers eingereicht (vgl. 13. 8.). 

In der Frage der Unterstützung der Kriegführung gegen England 6 durch 
italienische See= und Luftstreitkräfte (vgl. Vortrag des Ob.d.M. beim Führer am 
25. 7.) hat der Führer sein Einverständnis dazu erteilt, daß die italienische 
Wehrmacht mit U=Booten an der deutschen Seekriegführung im Atlantik und 



4 Randbemerkung: Chef L: „nein". R. 

5 Hinweis auf Anl. 12. 8. 

6 Randbemerkung: R. 



23 



B. Kriegstagebuch 

mit Verbänden der Luftwaffe am Luftkrieg gegen das englische Mutterland 
teilnimmt. 

Der Führer hat weiterhin den hierzu vorliegenden, nachstehend aufgeführten 
Absichten des Ob.d.M. und Ob.d.L. zugestimmt: 

Die einheitliche Ausrichtung des gemeinsamen U=Boot=Einsatzes im Atlantik 
soll durch einen deutschen Verbindungsstab beim Führer der italienischen 
U=Boote sichergestellt, als Stützpunkt den Italienern ein geeigneter Hafen an 
der südfranzösischen Atlantikküste überlassen werden. Dessen Versorgung 
sowie der Nachschub für die italienischen U=Boote soll Sache der Italiener, der 
Flakschutz Sache des Ob.d.L. sein. 

Die am Luftkrieg gegen das englische Mutterland teilnehmenden italienischen 
Verbände sollen in einer auch bodenmäßig möglichst selbständigen Division 
zusammengefaßt werden. 

Eine entsprechende Verfügung des Chefs OKW ergeht am 12.8. an die Ober* 
befehlshaber der Wehrmachtteile. 

Kampf= und Stuka= Verbände der Lfl. 3 und 2 griffen am 11. 8. unter starkem 
Zerstörer* und Jagdschutz die Hafenanlagen von Portland und Weymouth 
sowie mehrere Geleitzüge vor der englischen Süd= und Ostküste an. Hierbei 
kam es am Nachmittag über dem Kanal zu einer Reihe von Luftkämpfen mit 
feindlichen Jägern, in deren Verlauf dem Gegner schwere Verluste zugefügt 
wurden. In der Nacht vom 11./12. 8. wurden u. a. die Hafenanlagen von Bristol, 
Cardiff und Middlesborough angegriffen. Eingesetzt waren insgesamt 230 
Kampf= und 620 Zerstörer* und Jagdflugzeuge. Die feindlichen Verluste 
belaufen sich auf 90 Flugzeuge und 8 Sperrballone, die eigenen auf 28 Flugzeuge. 

Gegen 17.00 Uhr teilt der Führungsstab der Luftwaffe mit, daß der Ob.d.L. 
sich entschlossen habe, am 13. 8. mit dem verstärkten Luftkrieg gegen England 
zu beginnen, da die Wetteraussichten für die nächsten Tage günstig seien. 

(Der Ob.d.L. hat dem Führer am 11. 8. gemeldet, er beabsichtige mit dem 
verschärften Luftkrieg gegen England zu beginnen, sobald 3 Tage günstiges 
Wetter in Aussicht stünden. Der Führer hat sich hiermit einverstanden erklärt.) 

Nach Mitteilung des OKH hat der Reichsführer SS dem Ob.d.H. gegenüber 
geäußert, der Führer habe die Erweiterung der Leibstandarte zu einer starken 
Brigade befohlen. Eine Rückfrage ergibt, daß Oberst Schmundt diese An= 
gelegenheit beim Führer zur Sprache gebracht hat und von ihm beauftragt wor= 
den ist, seinerseits einen Vorschlag für die Erweiterung der Leibstandarte zu 
machen. Der daraufhin von Oberst Schmundt vorgelegte Befehl, der die 
Verstärkung der Leibstandarte auf 5 Batl. und 1 Artl.Rgt. (dabei 1 lei. und 
1 schw.Flakbattr.) vorsieht, ist vom Führer vollzogen worden. 

Wie aus der Reichskanzlei mitgeteilt wird, hat der Führer darauf verzichtet, 
auf der von WStK am 16. 7. der französischen Abordnung übergebenen 
Forderung auf Errichtung deutscher Flugstützpunkte in Nordafrika (vgl. 21. 7.) 
zu bestehen, um den Engländern keinen Vorwand zur Besetzung des fran= 
zösischen Kriegshafens Dakar (Französisch West=Afrika) zu liefern. Von einer 

24 



12. August 1940 

Beantwortung des Schreibens des Marschalls Petain vom 17. 7. hat der Führer 
abgesehen 7 . 

Chef OKW unterzeichnet nach Zustimmung des Führers die Richtlinien über 
die künftige Behandlung der Demarkationslinie und deren Auflockerung im 
Zuge der Überwachung der Außengrenzen Frankreichs (vgl. 10. 8.). 

[handschr.]: 

Am 11. 8. erfolgreicher Angriff der Luftflotte 3, eingesetzt 230 Kampf= und 
620 Jagd=Flugzeuge. Aus eigener Initiative des Generalfeldmarschalls Sperrle 
entstanden. Günstige Wetteraussichten, daher Befehl zum Großangriff zu 
erwarten. 

L IV: Botschafter Abetz, Auftrag etc. Oberster Vertreter des Reiches nach 
außen hin bleibt der Chef der Militärverwaltung. 

Ausländische Entwicklung der Lage in Sowjet=Rußland. Keine weiteren 
Nachrichten über Verstärkung der russischen Truppen an iranischer und 
türkischer Grenze. Türkei bemüht sich, Beziehungen zu Rußland zu (ver)= 
bessern. In Finnland Gesellschaft zur Vertiefung des Friedens und der Freund= 
schaft zu Rußland. Wird angeblich von finnischer Regierung bedrängt. Jugo= 
slawischer Gesandter (in) Moskau 8 hat gemeldet, daß Molotow finnischen 
Gesandten 9 zur Rede gestellt habe. Ganze Reihe von Botschafts=, Attache=, 
V.=Mann=Nachrichten über Verstärkung der an finnischer Grenze stehenden 
15 russischen Divisionen durch Panzer=Einheiten. Ab 15. 8. Alarm dieser Trup= 
pen zu erwarten. 

Besorgnisse der Engländer über Lage im Mittelmeer und in Afrika. Größter 
Wert gelegt auf Beherrschung des westlichen Mittelmeers. 

General von Bötticher meldet, vor Mitte 1941 keine Verwendung der 
amerikanischen Wehrmacht außerhalb Heimat möglich. In China nur noch 
amerikanische Streitkräfte, etwa 1500 Mann. Japan hat Seestreitkräfte und 
Truppen im Golf von Tonkin zusammengezogen. Petain hat Widerstand bei 
japanischer Landung befohlen. Chinesen ziehen Kräfte an indochinesischer 
Grenze zusammen. 

WiRüAmt: Im besetzten Frankreich 3 Verpflegungserfassungsstäbe ein= 
gesetzt. 

Interne Besprechung: 

LIK: Unterstützung Italien, Zusammenfassung. Führer hat Brief an Petain 
wegen Casablanca nicht fertig geschrieben, wegen Absichten der Engländer auf 
Dakar. Oberst von Witzleben heute nachmittag bei Chef. 



7 Vgl. Einführung. 

8 Milan Gavrilovic. 

9 P. J. Hynninen. 



25 



B. Kriegstagebuch 

13. August 1940 

Die Kampfverbände der Luftwaffe griffen am 12.8. und in der Nacht zum 13. 
die Hafenanlagen von Portsmouth, Ramsgate, Middlesborough, Newcastle und 
Shields, ferner Industrieanlagen, Funkstationen, Flugplätze und Seeziele erfolg= 
reich an. Es waren insgesamt 300 Kampf= und 1160 Zerstörer= und Jagd= 
flugzeuge eingesetzt. Die feindlichen Verluste belaufen sich auf 86, die eigenen 
auf 25 Flugzeuge. 

Nach Meldung des Führungsstabes der Luftwaffe hat die Lfl. 3 heute morgen 
um 7.00 Uhr in der Gegend nördlich Portsmouth angegriffen. Der gleichzeitige 
Angriff der Lfl. 2 mußte wegen der Wetterlage abgebrochen werden. Die Ent= 
Scheidung über weitere Angriffe der beiden Luftflotten hat der Reichsmarschall 
sich bis 14.00 Uhr vorbehalten. 

Der Führer kehrt gegen Mittag vom Berghof nach Berlin zurück. Um 
17.30 Uhr empfängt er den Ob. d.M. mit dem Chef des Stabes der Ski. zum 
Vortrag, dem der Chef OKW, der Chef WFSt und Freg.Kpt. v. Puttkamer bei= 
wohnen 1 . 

Der Ob. d.M. bittet hierbei um baldige Entscheidung, ob das Unternehmen 
„Seelöwe" auf breiter oder schmaler Basis durchgeführt werden solle, da die 
Vorbereitungen sonst in Verzug kämen. Zu der von Oberst v. Witzleben über= 
brachten Denkschrift des Ob.d.H. vom 10. 8. (vgl. 12. 8.) nimmt er folgendem 
maßen Stellung: 

Die Ski. erkenne die Notwendigkeit der Forderungen des OKH durchaus an, 
sehe ihrerseits aber keine Möglichkeit, ihnen zu entsprechen. Eine gleichzeitige 
Landung in der Bucht von Brighton und bei Deal sei undurchführbar, die 
Erfolgsaussichten schon bei der ersten Landung, erst recht aber bei der Nach= 
führung von Kräften seien so gering, daß eine Durchführung unverantwortlich 
wäre. Weitere Transportmittel über die am 2. 8. mitgeteilten Zahlen hinaus, 
ließen sich weder bereitstellen noch in den Absprunghäfen unterbringen. Damit 
sei die vom OKH gestellte Forderung auf Landung von insgesamt 10 Divi= 
sionen mit den entsprechenden Zuteilungen an der Küste zwischen Ramsgate 
und westlich Brighton unerfüllbar. Eine schnellere Nachführung weiterer Kräfte 
und des Nachschubs sei aus den gleichen Gründen unmöglich. Zusätzlicher 
Schiffsraum für eine Landung in der Lyme=Bucht stünde angesichts dieser 
Forderungen des Heeres noch viel weniger zur Verfügung. 

Zusammenfassend sei zu sagen, daß die Durchführung des Unternehmens 
„Seelöwe", wie vom OKM schon wiederholt betont worden sei, bei der 
Beschränktheit der zur Verfügung stehenden Seekriegs= und Transportmittel 
nur die ultima ratio sein könne, wenn England anders keinesfalls friedens= 
bereit zu machen sei. 



1 Hinweis auf Niederschrift des OKM . . ./40 g.K. Chefs, in den Akten LIK. 
26 



13. August 1940 

Der Führer stimmt dieser Auffassung durchaus zu. Ein Mißlingen des 
Landungsunternehmens würde den Engländern einen großen Prestigegewinn 
bringen. Es bleibe abzuwarten, welche Wirkung der verschärfte Luftkrieg 
haben werde. Er (der Führer) werde die Entscheidung nach Rücksprache mit 
dem Ob.d.H. am 14. 8. treffen. 

Der Führer kommt sodann auf die sich neuerdings zuspitzenden Beziehungen 
zwischen Finnland und Sowjetrußland zu sprechen. Er wünscht im Hinblick 
darauf einen stärkeren Ausbau des nordnorwegischen Raumes, insbesondere 
die stärkere Befestigung der dortigen Fjorde, hauptsächlich an den Straßen= 
überquerungen, so daß sowjetrussische Angriffe dort aussichtslos sein würden 
und eine Basis für die Besetzung von Petsamo geschaffen würde. In diesem 
Zusammenhang solle die Einsetzung eines Marinebefehlshabers in diesem 
Gebiet erwogen werden. 

Der Ob. d.M. beantragt schließlich noch die vordringliche Fertigung von 
U=Boot=Torpedos und Torpedorohren vor der übrigen Fertigung der 1. Dring= 
lichkeitsstufe, da der U=Boot=Krieg sonst vom Oktober an in Frage gestellt sei. 
Begründet sei dieser Antrag durch den starken Mehrverbrauch von Torpedos 
infolge Benutzung des französischen Kriegshafens Lorient als Stützpunkt und 
durch das Zurückbleiben der Rohrfabrikation hinter der Planung infolge Nicht= 
erfüllung der Forderungen auf Gestellung der notwendigen Arbeitskräfte trotz 
aller Bemühungen des Reichsarbeitsministeriums. 

Der Führer erkennt diese Forderung als berechtigt an und beauftragt den 
Chef OKW, diese Frage zu regeln. 

Die Abt. L reicht dem Chef WFSt abends ihren am 12. 8. um 16.00 Uhr fern= 
mündlich angekündigten Vorschlag für eine Landung bei Brighton ein. 

Darin wird, unter Anerkennung des Standpunktes der Kriegsmarine, daß 
die breite Kanalstelle bei Brighton gegen die englische Flotte nicht geschützt 
werden könne und daß die Atlantik=Dünung den Anmarsch beladener Prähme 
verhindere, vorgeschlagen, zwei Regimentsgruppen zu je 2100 Mann (3 Batl. 
V2 13. und V2 14. Kp., je 1 Nachr.=, Pi.= u. Radf.Zug) in 500 Motorbooten mit 
einem Fassungsvermögen von je 10 Mann mit 10 Lasten nach der Bucht von 
Brighton zu überführen und gleichzeitig zwei Regimentsgruppen (etwa 5000 
Mann der 7. Flieg.Div.) über den südlichen Downs abspringen zu lassen mit 
dem Auftrage, an deren nördlichen Steilabfällen gegen englische Reserven zu 
sichern und die Landung der Motorboote von der Landseite her zu unter= 
stützen. Artillerie und weitere Verstärkungen sowie der Nachschub müßten 
auf dem Luftwege nachgeführt werden, sobald ein genügend großer Brücken= 
köpf gewonnen sei. 

Aufgabe der Luftwaffe würde es sein, anfangs die Artillerie zu ersetzen und 
über die Linie Southampton— London anmarschierende englische Kräfte zu 
zerschlagen. Eine besondere Wirkung verspreche in diesem Zusammenhang ein 
rücksichtsloser Luftangriff auf London, möglichst am Vortage der Landung, da 
er sicherlich ein Herausströmen zahlloser Einwohner aus der Stadt nach allen 



27 



B. Kriegstagebuch 

Seiten, damit eine Verstopfung der Straßen und darüber hinaus eine Demo= 
ralisation der Bevölkerung zur Folge haben werde. 

Die WStK hat am 12. 8. abends gemeldet, daß die Kontrollkommissionen 
ihre Tätigkeit im unbesetzten Gebiet Frankreichs aufgenommen hätten und 
daß die Demobilmachung der französischen Truppen im Mutterland im wesent= 
liehen abgeschlossen sei; insgesamt seien 1 560000 Mann demobilisiert worden. 

Nach einem von der Abt.Ausl. am 11. 8. übermittelten Bericht des Militär= 
attaches in Rom 2 vom 7. 8. über seine am gleichen Tage abgehaltene Be= 
sprechung mit Marschall Badoglio hat letzterer erklärt, er nehme an, daß die 
Franzosen in ihren Kolonien, insbesondere in Nordafrika, sich die Möglichkeit 
des Widerstandes wahren wollten, falls der Krieg gegen England nicht schnelle 
Erfolge zeitigen sollte, und er sei überzeugt, daß die Franzosen viele Waffen 
und Flugzeuge in Nordafrika verbergen würden. Der Duce habe vor 14 Tagen 
erklärt, daß er die Wirkung der den Franzosen nach dem Zwischenfall von 
Oran für ihre Demobilmachung gewährten Erleichterungen 4 Wochen abwarten 
wolle. Falls die Lage bis dahin nicht geklärt sei, so werde der Duce die rest= 
lose Durchführung der Demobilmachung in Nordafrika verlangen. Wenn 
Deutschland auf der Einrichtung von Flugstützpunkten bei Casablanca be= 
stehen würde, so würde auch Italien für sich Flugstützpunkte bei Oran fordern, 
um von dort aus Gibraltar angreifen zu können. Auch die Lage in Syrien sei 
noch durchaus unklar, wie in allen anderen französischen Kolonien. Falls 
deutscherseits ein schärferes Vorgehen gegen Frankreich gewünscht würde, 
so wäre Italien hierzu bereit. 

Auf Anfrage des L III (Maj. v. Tippeiskirch) nimmt der Chef des Stabes der 
WStK hierzu am 13. 8. fernmündlich folgendermaßen Stellung: Die Dinge 
lägen anders als die Italiener sie darstellten. Diese hätten sich infolge des 
Zwischenfalls von Oran grundsätzlich mit dem Aussetzen der französischen 
Demobilmachung in Nordafrika einverstanden erklärt, was nach deutscher 
Ansicht zu weit gegangen wäre. Die WStK stehe auf dem Standpunkt, daß 
Nordafrika genau so behandelt werden müsse wie das Mutterland, auch 
hinsichtlich der Kontrolle, und sei daher bestrebt, die Italiener nach dem 
deutschen Vorgehen auszurichten. Für die Abrüstung der französischen Luft= 
waffe sei dies gelungen. Was die Landabrüstung anbelange, so habe die WStK 
vorgeschlagen, den Franzosen wie im Mutterland je 1 Div. für Tunis, Algier 
und Marokko zuzugestehen. Die Italiener hätten sich jedoch hierzu nicht ent= 
schließen können, vielmehr zum 20. 8. einen französischen Vorschlag für die 
Demobilmachung und Abrüstung in Nordafrika eingefordert. Die WStK habe 
ihre Beteiligung an den diesbezügl. italienisch=französischen Verhandlungen 
verlangt. Im übrigen müsse die WStK wissen, wie die französischen Einwände 
hinsichtlich der Bedrohung Marokkos durch Spanien bewertet würden und 
beantwortet werden sollten (vgl. 17. 8.). 

2 Gen. v. Rintelen. Hinweis auf: Abt. Ausl. Nr. 90/40 g.K. Chefs, v. xo. und 15. 8., 
in den Akten LIH. 

28 



ij. August 1940 

[handschr.] : 

L IV: OKH hat beantragt, Elsaß und Lothringen aus dem Operationsgebiet 
herauszunehmen. 

Die Waffenstillstandskommission hat gemeldet, daß die Kontrollkommis= 
sionen ihre Tätigkeit aufgenommen hätten. Die Franzosen hätten 1560000 
Mann demobilgemacht (L III). 

Gestern haben über 1000 deutsche Flugzeuge angegriffen. 

Ausland: Geschlossene englische Meinung, Krisis vom Ende Juni hervor= 
gerufen durch die ersten deutschen Luftangriffe, überwunden. Auch die Dün= 
kirchen=Kämpfer 3 nicht geneigt zum Frieden (V.=Mann=Meldung). 

Italienische Aspirationen, die albanische Südgrenze vorzuschieben. Grenz= 
Zwischenfall. 

In der russischen Wehrmacht sind die politischen Kommissare abgeschafft 4 . 

Nicht mehr Republique francaise, sondern Etat francais. 

Interne Besprechung: 

LIL: Wegen Wetterverschlechterung Angriff angehalten, neue Entscheidung 
des Reichsmarschalls 14.00 Uhr. Luftflotte 2 überhaupt nicht eingesetzt. Führer 
kehrt 11.20 Uhr nach Berlin zurück. Gegenüberstellung der Auffassungen 
Heer— Marine bezüglich schmaler oder breiter Basis; gestern von LIH zu= 
sammengestellt. Über Zeitpunkt keine Klarheit. Wenn Tag feststeht, bestimmt 
Marine die Stunde. 

Nächste Aufgabe: Vorschlag, wie abweichende Auffassungen in Uber= 
einstimmung gebracht werden können. 500 Motorboote verschiedenster Art 
und Geschwindigkeit. Marine bereit, auf diesen Vorschlag einzugehen: (diese 
Bewegung) heißt „grüne Bewegung". Welche Folgerung für „blaue Bewegung" 5 ? 

Fassungsvermögen 6000 Mann. Verluste 1000 Mann = 5000 Mann. 
Dementsprechend stärkere Fallschirmkräfte. 

Artl. bei Übersetzbewegung muß Luftwaffe ersetzen. Vorschlag L soll heute 
abend noch in (die) Reichskanzlei (zu Chef WFSt gebracht werden). 



14. August 1940 

Der für den 13. 8. befohlene Großangriff der Luftflotten 2 und 3 begann 
planmäßig, wurde von der Lfl. 3 um 7.00 Uhr in der Gegend nördlich Ports= 
mouth erfolgreich durchgeführt, von der Lfl. 2 aber gleich nach dem Start 
wegen ungünstigen Wetters abgebrochen. Lediglich 1 Kampfgeschwader der 

3 D. h. diejenigen, die aus dem Kessel von Dünkirchen Ende Mai— Anfang Juni 
1940 nach England entkommen waren. 

4 Vgl. hierzu: Erickson, J., The Soviet High Command. A military=political History, 
London 1962, S. 603. 

5 Vgl. Klee, Anm. 1. v. 1. 8. 1940, S. 3. 

29 



B. Kriegstagebuch 

Lfl. 2, das der Befehl zum Abbrechen des Angriffs nicht mehr erreichte, griff 
die feindliche Bodenorganisation bei Eastchurch ostwärts London an. 

Um 11. oo Uhr befahl der Reichsmarschall erneuten Angriff der beiden 
Luftflotten im Laufe des Nachmittags in der Gegend südostwärts London 
und in der Gegend von Bournemouth, er behielt sich aber die Durchführung 
wegen der Wetterlage bis 14.00 Uhr vor. Der dann um 17.00 Uhr erfolgende 
Angriff mußte von der Lfl. 2 wegen ungünstigen Wetters wieder vorzeitig 
abgebrochen werden. 

Um 19.12 Uhr erging folgender Vorbefehl des Reichsmarschalls für den 14. 8.: 

Hauptaufgabe sei die weitere Zerschlagung der feindlichen Jagdkräfte im 
südenglischen Raum. Hierzu sollten die Lfl. 2 und 3 beim ersten Angriff 
englische Jagdverbände in der Luft sowie die feindliche Bodenorganisation 
ostwärts und südlich London bzw. im Raum bei und ostwärts Southampton 
und nordostwärts Plymouth angreifen. Anzustreben sei, die Angriffe unter 
gleichzeitigem Überfliegen der englischen Küste um 9.00 Uhr durchzuführen, 
Kriegshäfen und Kriegsschiffe sollten wegen ihrer hohen Abwehrkraft im 
An= und Rückflug ausgespart werden. Wenn ein Überfliegen der Küste bis 
10.00 Uhr wegen der Wetterlage nicht möglich sei, so würde die gemeinsame 
Angriffszeit durch den Ob.d.L. erneut festgesetzt werden. 

Als 2. Angriff sei der vorbereitete Einsatz „Lichtermeer" (Angriff auf die 
Umgebung von London) vorgesehen, für den Befehl durch den Ob.d.L. bis 
spätestens 13.00 Uhr ergehen werde. 

Um 22.10 Uhr erließ der Reichsmarschall dann folgende Weisung an die 
Lfl. 2, 3 und 5: 

Der gleichzeitige Einsatz der Lfl. 2 und 3 zu einheitlichem Schlage werde 
nach wie vor angestrebt. Nur wenn ihn die Wetterlage verbiete, könnten die 
Luftflotten bei günstiger Wetterlage in ihrem Kampfraum selbständig die 
befohlenen Ziele der feindlichen Bodenorganisation angreifen, wobei stärkster 
Jagdschutz einzusetzen sei. Hauptzweck bleibe zunächst die weitgehende Schä= 
digung der feindlichen Jagdwaffe. Sollte die Wetterlage einen Einsatz starker 
Verbände unter Jagd= und Zerstörerschutz nicht zulassen, so hätten die beiden 
Luftflotten in ihren Kampfräumen durch Einsatz kleinster Einheiten oder 
einzelner Flugzeuge die Ziele der Luftfahrtindustrie und Bodenorganisation 
überraschend anzugreifen. Ein Begleitschutz komme hierbei wegen der Wetter= 
läge. nicht in Frage. 

Kriegsschiffe sollten nur dann angegriffen werden, wenn die Anwesenheit 
schwerer Streitkräfte festgestellt sei und die Wetterlage den Einsatz stärksten 
Jagdschutzes ermögliche. Dem Antrag der Lfl. 3, den Raum nördlich und nord= 
westlich Southampton beim 1. Angriff des 14. 8. von neuem angreifen zu 
dürfen, habe der Reichsmarschall zugestimmt. 

Chef WFSt übersendet dem Chef L eine von ihm verfaßte Beurteilung der 
Lage, wie sie sich aus den Auffassungen des OKH und des OKM über die 
Durchführbarkeit einer Landung in England ergebe. 

30 



14. August 1940 

Chef WFSt führt darin folgendes aus : 

Das geplante Landungsunternehmen dürfe unter keinen Umständen schei= 
tern, da ein Mißerfolg politische Folgen haben könnte, die weit über die 
militärischen hinausgingen. 

Wolle man einen Mißerfolg nach menschlichem Ermessen ausschließen, 
so halte auch er in Übereinstimmung mit dem OKH es für nötig, daß man 
gleichzeitig an der Küste von Folkestone bis zur Bucht von Brighton Fuß 
fasse, in diesem Abschnitt innerhalb von 4 Tagen 10 Divisionen an Land 
werfe und innerhalb von 4 weiteren Tagen durch die Straße von Dover 
mindestens 3 Divisionen mit voller Ausstattung auch dann folgen lasse, wenn 
der Seegang die Benutzung von Prähmen ausschließe — die weiter westlich 
übergesetzten Truppen müßten dann durch Luftlandetruppen verstärkt wer= 
den — , daß weiterhin sich an der englischen Südküste überhaupt keine eng= 
lischen Kriegsfahrzeuge mehr befänden, insbesondere nicht in Portsmouth, 
und daß die Gegenwirkung der englischen Luftwaffe so gut wie ausgeschaltet 
sei oder werden könne. 

Er glaube, daß die Luftwaffe die beiden letzteren Voraussetzungen erreichen 
werde. Sei aber die Kriegsmarine, was nunmehr genau zu klären wäre, nicht 
in der Lage, die ersten drei Forderungen zu erfüllen, so halte er die Landung 
für eine Verzweiflungstat, die in einer verzweifelten Lage gewagt werden 
müsse, die aber jetzt zu unternehmen, Deutschland keinerlei Ursache habe. 

England sei auch auf anderem Wege auf die Knie zu zwingen. Dazu sei 
aber eine sehr viel engere Zusammenarbeit der Achsenmächte notwendig als 
bisher. Das Ziel könne erreicht werden durch: 

1. die Fortführung des Luftkrieges bis zur wehrwirtschaftlichen Vernichtung 
Südenglands, wozu alle z. Z. nicht eingesetzten italienischen Luftstreitkräfte 
mit herangezogen werden müßten; 

2. die Steigerung des U=Boot=Krieges von der französischen Basis aus durch 
Heranziehung der Hälfte aller italienischen U=Boote; 

3. die Wegnahme Ägyptens, wenn erforderlich mit deutscher Hilfe, und 

4. die Wegnahme Gibraltars im Einvernehmen mit Italien und Spanien; 

5. die Vermeidung von Operationen, die für den Sieg über England nicht not= 
wendig seien, sondern nur wünschenswerte, nach dem Siege über England 
mühelos zu erreichende Kriegsziele verfolgten (Jugoslawien). 

Man solle nicht für Kriegsziele, sondern um den Sieg kämpfen. Englands 
Widerstandswille müsse bis zum Frühjahr gebrochen werden, wenn nicht durch 
eine Landung, dann mit allen anderen Mitteln. In dem jetzt beginnenden 
Entscheidungskampf gegen England müßten alle Kräfte an der entscheidenden 
Stelle zusammengefaßt werden, nämlich zum Luft= und U=Bootkrieg gegen 
das englische Mutterland. Die Italiener hätten eine gewisse Bereitschaft gezeigt, 
hierbei mitzuwirken, weil sie selbst erkannt hätten, daß sie nur einen Teil 
ihrer Kräfte auf ihrem Kriegsschauplatz zur Wirkung bringen könnten. Dieser 
richtige Gedanke müsse mit aller Energie in die Tat umgesetzt werden. Durch 

31 



B. Kriegstagebuch 

Aussprache mit dem Duce werde man dahin kommen, den Endkampf nicht 
nebeneinander, sondern miteinander zu führen. 

Beim Vortrage des Chefs L am Nachmittag teilt Chef WFSt mit, daß der 
Führer bei der am Vormittag in der Neuen Reichskanzlei erfolgten Über= 
reichung der Marschallstäbe an die am 19. 7. ernannten Generalfeldmarschälle 
dem Ob.d.H. gegenüber kurz auf die Vorbereitungen für das Unternehmen 
„Seelöwe" eingegangen sei und hierbei bestätigt habe, daß diese fortgesetzt 
und bis zu dem bisher vorgesehenen Termin zum Abschluß gebracht werden 
sollten. Die Entscheidung über die Durchführung des Unternehmens habe 
sich der Führer bis zur weiteren Klärung der Gesamtlage vorbehalten. 

Weiterhin habe der Führer befohlen, die Vorbereitungen für eine Landung 
in der Lyme Bay mangels ausreichender Sicherungsmöglichkeit einzustellen, 
den Absprung aber von dem Küstenstreifen Ostende— Le Havre vorzusehen, 
um das Zusammenballen von Schiffsraum in wenigen feindnahen Häfen zu 
vermeiden und den Schwerpunkt der Landungsoperation zu verschleiern, 
und, falls die Überführung von diesem Küstenstreifen aus in voller Breite 
von der Kriegsmarine in der bisher vorgesehenen Form nicht gesichert werden 
könne, die Voraussetzungen für eine einmalige Überführung ausreichender 
Kräfte ohne schweres Gerät mit behelfsmäßigen Mitteln der Kriegsmarine 
zu prüfen. In diesem Falle könne sich für die Luftwaffe die zusätzliche Aufgabe 
ergeben, die Landung durch Fallschirm= und Luftlandetruppen mit Schwerpunkt 
im westlichen Teil des Angriffsraumes (bei und westlich Brighton) zu unter= 
stützen. 

Diese Befehle des Führers sollten den Oberbefehlshabern der drei Wehr= 
machtteile zur Stellungnahme zugestellt werden. 

Chef L meldet zur Frage der gemeinsamen See= und Luftkriegführung 
Deutschlands und Italiens gegen England, daß die italienische Luftwaffe den 
Einsatz von je 2 Kampf= und Jagdgeschwadern mit insgesamt 80 Flugzeugen 
gegen das englische Mutterland vorgesehen habe. Was die gemeinsame See= 
kriegführung anbelange, so habe die italienische Marine als U=Boot=Basis 
Bordeaux gewählt und den Einsatz von zunächst xo U=Booten in etwa 14 Tagen 
in Aussicht gestellt. 

Chef WFSt teilt sodann mit, daß der Führer sich auf Grund der von der 
Abt. L am 10. 8. vorgelegten Studie über Operationsmöglichkeiten gegen 
Gibraltar für die große Lösung (Wegnahme Gibraltars — vgl. 9. 8. Blatt 3) 
ausgesprochen habe, da Spanien nur an dieser Lösung Interesse haben könne. 
Demgemäß solle die Abt. L nunmehr eine eingehende Operationsstudie vor= 
legen, die nach Genehmigung des Führers vor allem die Zustimmung des 
Generals Franco finden müsse. 

Chef WFSt teilt weiterhin mit, daß der Führer den Oberbefehlshaber der 
Gruppe XXI, Generaloberst von Falkenhorst, zu sich befohlen und mit ihm 
eine stärkere Sicherung Nordnorwegens besprochen habe (vgl. 13. 8. Blatt 2). 
Generaloberst v. Falkenhorst habe hierbei dem Führer den Vorschlag gemacht, 

32 



14- August 1940 

das ganze Gebirgskorps in den Raum Narvik— Kirkenes zu verlegen, womit 
der Führer sich einverstanden erklärt habe. Abt. L solle nunmehr eine ent= 
sprechende Verfügung vorlegen, in die auch die dem Ob.d.M. gegenüber am 
13. 8. geäußerten Wünsche des Führers und eine Anweisung an die Luftwaffe 
zur Vorbereitung einer Basis in Nordnorwegen, worüber der Führer bereits 
mit dem Ob.d.L. gesprochen habe, aufgenommen werden müßten. 

Chef L überreicht dem Chef WFSt schließlich noch eine Vortragsnotiz über 
„Jugoslawische Befestigungen an der deutschen Grenze" nebst den ihr zu 
Grunde liegenden Unterlagen des OKH zur Vorlage vor dem Führer. 

Diese Unterlagen sind vom OKH eingefordert worden auf die vom Militär= 
attache in Rom am 23. 7. übermittelte Bitte des Generals Roatta, ihm im 
Hinblick auf eine mögliche deutsch=italienische Operation gegen Jugoslawien 
oder einen möglichen Durchmarsch italienischer Truppen durch deutsches 
Gebiet Unterlagen über die jugoslawischen Befestigungen an der deutschen 
Grenze zu überlassen. 

Chef L schlägt vor, dieses Material 1 den Italienern zu überlassen unter 
Weglassung des Werturteils des OKH, welches dahin lautet, daß die an der 
deutschen Grenze errichteten Befestigungsanlagen für einen neuzeitlich aus= 
gerüsteten Gegner kein ernsthaftes Hindernis böten und höchstens, in Ver= 
bindung mit Straßensprengungen, eine Verzögerung des Vormarsches zur 
Folge haben würden. 

Chef L legt gleichzeitig einen Bericht des Militärattaches in Rom vom 9. 8. 
über eine am gleichen Tage abgehaltene Besprechung mit General Roatta vor. 
Danach hat letzterer mitgeteilt, daß der GenSt des italienischen Heeres von 
der politischen Führung den Auftrag bekommen habe, eine Studie über einen 
Angriff gegen Jugoslawien 2 auszuarbeiten unter der Voraussetzung des Ein= 
satzes italienischer Kräfte auch gegen die jugoslawische Nordgrenze durch 
Kärnten und Steiermark. Um die hierfür in Frage kommenden Truppen= und 
Nachschubtransporte auf deutschen Bahnen vorbereiten und Vereinbarungen 
über die von Italien gewünschte Überlassung deutscher Flugplätze, Kraft= 
Wagenkolonnen und Lazarette treffen zu können, sei eine baldige Besprechung 3 
mit Vertretern des deutschen GenStdH erwünscht. 

[handschr.] : 

L1L: Luftangriff der Luftflotten 3 und 2 am 13. 8. planmäßig angelaufen, 
bei Luftflotte 2 aber wegen ungünstigen Wetters alsbald abgebrochen; nur 
1 Kampfgruppe zum Einsatz gekommen, die wegen Mangel an Jagdschutz 
stärkere Verluste erlitten hat. Reichsmarschall gab daraufhin um 11.00 Uhr 
neuen Angriffsbefehl für 14.00 Uhr, der bei Luftflotte 2 wieder nicht voll 

1 „Die Unterlagen haben die Italiener nie bekommen, v. R(intelen)" 

2 Hinweis auf Anlage, Ausl. 91/40 Chefs. Ausl. Org. v. 12. 8. 1940, in den Akten 
LIH. 

3 „Haben nie stattgefunden, v. R(intelen)" 

33 



B. Kriegstagebuch 

zur Durchführung kam. Um 19.00 Uhr neuer Befehl des Reichsmarschalls für 
den 14. 8., der am Abend wegen des Wetters abgeändert wurde. 

LIV: Vorverlegung der Zollgrenze an die Westgrenzen Elsaß=Lothringens 
und Luxemburgs in der Nacht vom 14./15. 8. 

Ausland: Rundfunkansprache Petains. (General) Köstring Moskau meldet 
bessere Behandlung und Unterrichtung seitens der russischen Kommando= 
behörden. 

Chef L: Oberstlt. Böhme teilt mit, daß General Thomas vorstellig geworden 
sei wegen zu geringer Beteiligung an der Kontrolle der Mittelmeerhäfen. Ge= 
mischte italienisch=deutsche Kommission. 

Interne Besprechung: 

Zusammenstellung von Nachrichten über russische Absichten gegen Finn= 
land (Baumbach). 

Erweiterung Leibstandarte „Adolf Hitler" zur Brigade. Reichsführer SS zum 
Oberbefehlshaber des Heeres gesagt, Führer habe wesentliche Erweiterung 
der Leibstandarte befohlen. Anfrage Schmundts beim Führer ergibt, daß es 
nicht stimmt. Führer hat Oberst Schmundt daraufhin beauftragt, Vorschlag 
zu machen. Dieser sieht vor 5 Bataillone und 1 Artl.Regiment, dabei eine 
leichte und eine schwere Flakbatterie. 

Zu „Seelöwe" neuer Vorschlag des Chefs Wehrmacht=Führungs=Stabes. 
Tritt ebenfalls für breite Basis ein. Sollte Kriegsmarine Landung auf breiter 
Basis nicht für möglich halten, so müsse man auf Landung verzichten, die 
auf schmaler Basis Verzweiflungstat mit erheblichen militärischen und poli= 
tischen Folgen bei Mißlingen sein würde. 

England auch auf anderem Wege in die Knie zu zwingen, engeres Zusam= 
menarbeiten der Achsenmächte, Steigerung des U=Boot=Krieges, 40 Boote von 
Bordeaux, Wegnahme Ägyptens und Gibraltars. Englischer Widerstandswille 
muß bis Frühjahr gebrochen werden. 

LIH: Anfrage Roatta an Heer betr. Jugoslawien, Wünsche der italienischen 
Wehrmacht, Besprechung in Deutschland erwünscht. 

15. August 1940 

Infolge ungünstigen Wetters kam es am Vormittag nicht zu dem geplanten 
Einsatz der Lfl. 2 und 3. Um 12.00 Uhr entschied der Reichsmarschall, daß 
die Luftflotten je nach der Wetterlage ihre Verbände geschlossen unter starkem 
Jagdschutz oder im Einzelflug einsetzen sollten. Im Laufe des Nachmittags 
wurden daraufhin von der Lfl. 2 geschlossene Angriffe in etwa Gruppenstärke 
auf die Flugplätze von Dover und Manston, von der Lfl. 3 Einzelangriffe auf 
Flugplätze, Hafen=, Fabrik= und Sendeanlagen, Versorgungsbetriebe und Trup= 
penlager in ihrem Angriffsraum durchgeführt. Um 19.00 Uhr erging vom 
Ob.d.L. Weisung, am 15. 8. je nach der Wetterlage entweder mit Einzelflug= 

34 



15. August 1940 

zeugen oder mit Verbänden unter starkem Jagdschutz anzugreifen. Bei ge= 
eigneter Wetterlage werde der Reichsmarschall gleichzeitigen Einsatz der 
beiden Luftflotten befehlen. Der Lfl. 5 wurde der Einsatz am Nachmittag des 
15. 8. freigegeben. 

Insgesamt waren am 14. 8. und in der Nacht vom 14./15. 91 Kampf= und 
398 Jagd= und Zerstörer= Flugzeuge eingesetzt. Die feindlichen Verluste be= 
laufen sich auf 18 Flugzeuge und 7 Sperrballone, die eigenen auf 16 Flugzeuge. 

Die WStK übersendet eine Zusammenstellung der Nachrichten über die 
Bestrebungen des französischen Generals de Gaulle (WStK Abt. Ic 162/40 geh. 
v. 8. 8.). Daraus ergibt sich folgendes: Nach gewissen ersten Erfolgen infolge 
starker englischer Propaganda scheint die Aktion des Gen. de Gaulle stark 
an Resonanz verloren zu haben. Sein Einfluß in den französischen Kolonien 
ist z. Z. gering. Politiker von Rang haben sich ihm nicht zur Verfügung 
gestellt. Er verfügt zwar über geringe Streitkräfte zu Lande (nach Bericht der 
deutschen Botschaft in Madrid etwa 2—3000 Mann in England und geringe 
von Syrien und Palästina übergetretene Kräfte), zu Wasser (die veralteten 
Schlachtschiffe „Paris" und „Courbet" und eine nicht bekannte Zahl moderner 
leichter Einheiten) und in der Luft (die Zahl der Flugzeuge und Piloten ist 
nicht bekannt), sie sind jedoch zu schwach, als daß sie als ernsthafte Ver= 
Stärkung der englischen Kriegführung angesehen werden könnten. 

Die bisher geringen Erfolge der Bewegung de Gaulle's führt die WStK 
auf zwei Gründe zurück: Einmal auf die große Kriegsmüdigkeit und den 
Verlust des Selbstvertrauens der französischen Wehrmacht auch außerhalb 
des Mutterlandes, zum anderen auf die Autorität des Marschalls Petain und 
des Generals Weygand. Es bestehe durchaus die Möglichkeit, daß de Gaulle 
einen stärkeren Widerhall in den nationalistischen französischen Kreisen 
finden würde, wenn sich seine Bestrebungen nicht als Verrat an diesen beiden 
anerkannten französischen soldatischen Führern charakterisieren würden. 

Die WStK hat weiterhin am 14. 8. nachmittags folgendes gemeldet: 

1. Nach Mitteilung der französischen Abordnung erstrecke sich die Demobil= 
machung der französischen Flotte nicht nur auf die Entlassung sämtlicher 
Reservisten, sondern auch eines Teiles des aktiven Personals. Der Mann= 
schaftsbestand einschließlich Marineluft waffe und Küsten Verteidigung werde 
in kürzester Zeit auf 53000, die Zahl der Offiziere auf 3300 herabgesetzt 
sein, d. h. auf Vi der Kriegsstärke. 

2. Nach verschiedenen Nachrichten treffe der Generalgouverneur von Fran= 
zösisch=Indochina Vorbereitungen zur Verteidigung der Provinz Tonkin. Es 
seien Mobilmachungsanordnungen ergangen und die Zusammenziehung der 
in Ostasien befindlichen französischen Seestreitkräfte nach Indochina befohlen 
worden. Diese Maßnahmen stünden im Widerspruch zum Waffenstillstands= 
vertrag. Im Zusammenhang mit der Mitteilung des Generals Huntziger vom 
7. 8. über die Forderung der japanischen Regierung auf Truppendurchmarsch 

35 



B. Kriegstagebuch 

durch Tonkin nach Yuennan (vgl. 8. 8.) bitte die WStK um Entscheidung, 
welche Folgerungen sie gegenüber den französischen Maßnahmen ziehen solle. 

3. Die WStK habe auf Grund des Art. 10 des Waffenstillstands Vertrages 
die Absicht, an die französische Regierung die Forderung auf Rückberufung 
der im Ausland befindlichen französischen Militärmissionen zu stellen. Da 
hiervon auch Deutschland befreundete und neutrale Staaten betroffen würden, 
so bitte die WStK um grundsätzliche Zustimmung zu diesem Vorhaben. Die 
französischen Militärattaches würden hiervon nicht berührt. 

Chef WFSt übermittelt dem Chef L folgende heute getroffenen Entschei= 
düngen des Führers: 

1. Die gestern ergangenen Befehle des Führers für das Unternehmen „See= 
löwe" sollten in einem Weisungsentwurf zusammengefaßt werden (vgl. 
14. 8. Blatt 3). 

2. Was die italienischen Wünsche hinsichtlich eines Angriffs auf Jugoslawien 
anbelange (vgl. 14. 8. Blatt 5) 1 , so sei der Führer daran völlig uninteressiert. 
Er wünsche Ruhe an der deutschen Südgrenze und warne davor, den 
Engländern eine Gelegenheit zu verschaffen, sich mit ihrer Luftwaffe in 
Jugoslawien festzusetzen. Deutsch=italienische Generalstabsbesprechungen 
seien daher überflüssig. Auch sollten die vom OKH eingereichten Unter= 
lagen über die jugoslawischen Befestigungen an der deutschen Grenze nicht 
an die Italiener abgegeben werden. 

3. Der Luftkrieg gegen England dürfe nicht abgebrochen, sondern müsse unter 
Ausnutzung der jeweiligen Wetterlage fortgesetzt werden. 

4. Gegenüber den militärischen Vorbereitungen der Franzosen in Indochina 
solle die WStK ein Auge zudrücken. Auf der Rückberufung der französischen 
Militärmissionen aus allen Ländern solle sie hingegen bestehen (vgl. 15. 8V2). 

5. Die Überwachung der französischen Verbindungen nach Nordafrika solle 
weniger im Rahmen der italienischen Kontrollkommissionen als vielmehr 
auf Grund persönlicher Vereinbarung der beiderseitigen Abwehrchefs er= 
folgen. 

Von der Entscheidung des Führers bezüglich Jugoslawiens wird der Chef 
Ausl., von den Entscheidungen auf Fragen der WStK der Chef des Stabes 
der WStK unterrichtet. Der Befehl des Führers zur Fortsetzung des Luftkrieges 
wird vom LIL dem Führungsstab der Luftwaffe übermittelt. 

[handschr.] : 

Einsatz Luftflotte 2 und 3 entfiel am Vormittag des 14. 8. wegen der 
Wetterlage. Am Nachmittag Einsatz einzelner Flugzeuge, der wegen der 
Wetterlage teilweise verlustreich verlief. Verluste eigene 16, feindliche 18 + 7 
Sperrballone; letztere werden sich noch erhöhen durch eine Anzahl am Boden 
zerstörter Flugzeuge. Für heute zunächst Einzeleinsatz, bei Besserung der 
Wetterlage geschlossener Einsatz. 

1 Vgl. S. 33. 
36 



i6. August 1940 

L ///: Waffenstillstandskommission=Bericht über Tätigkeit des General 
de Gaulle in England; verfügt über etwa 2—3000 Mann Landtruppen, un= 
wesentliche Seestreitkräfte (2 alte Linienschiffe, aber stärkere modernere leich= 
tere Streitkräfte). 

Ausland: Rundfunkansprache Edens. Für England habe der Krieg kaum 
begonnen. Aus Dünkirchen ca. 200000 Mann gerettet. Feste Zuversicht auf 
den englischen Sieg. Zwischen Rumänien und Bulgarien noch keine Einigung 
über Silistria. Ungarisch=rumänische Verhandlungen laufen an. 

Anscheinend keine Absicht der Russen, am 15. 8. in Finnland einzumar= 
schieren. 

Kein Druck Deutschlands auf Frankreich wegen ihres Verhaltens in Indo= 
china gegenüber Japan. 

Chef L: Wenn man Franzosen sich in Indochina bewaffnen läßt, so wider= 
spricht das dem Bestreben des Auswärtigen Amtes, Japan für uns einzu= 
spannen — im Hinblick auf bedrohliche Haltung der USA. 

Norwegen: Zusammenziehung der Gebirgskorps (2., 3. Geb., 181. Div.) in 
Nordnorwegen. 196. Division nach Drontheim, um bei russischem Einmarsch 
in Finnland dessen Nordteil zu besetzen. 

Entsprechende Bevorratung. 



16. August 1940 

[handschr.] : 

LIL: Tagesablauf. Zunächst keine Starterlaubnis. Mittags zwei Stukagruppen 
der Luftflotte 2 angesetzt, nachmittags alle 3 Luftflotten Angriffe durchgeführt. 
55 eigene, 108 feindliche Flugzeuge abgeschossen. Ergebnis ungünstiger, da 
Jäger wegen Wetter nicht starten konnten, bzw. im Dunst Anschluß verloren, 
so daß die Kampfflieger starken Angriffen englischer Jäger ausgesetzt waren. 
England in den letzten Tagen Brandröhren abgeworfen, neuerdings Watte= 
bausche mit Schädlingen. Deutscherseits Fallschirmtaschen, um Anschein von 
Fallschirmtruppen=Landung hervorzurufen. Große Aufregung in der englischen 
Presse. Für heute Großangriff vorgesehen, Start aber nicht möglich wegen 
Wetters; um 11.00 Uhr neue Entscheidung des Ob.d.L. 

In der Nacht vom 14. /15. Mailand und Turin angegriffen von England aus. 
Entfernung von England nach Görlitz weiter, aber gute fliegerische Leistung 
im Hinblick auf Uberfliegung der Alpen. 

L IV: Elsaß=Lothringen und Luxemburg scheiden am 20. 8. aus dem Opera= 
tionsgebiet aus, militärische Belange im Elsaß durch AOK 12, in Lothringen 
durch AOK 1, in Luxemburg durch Mil.=Befehlshaber Frankreich wahr= 
genommen. 

L ///; Durchführung der französischen Demobilmachung in Nordafrika. 
Tägliche Zahlung von 20 Mill. RM, ab 21.; Nachzuzahlen 1320 Mill. RM. 
Franzosen haben keinen Einspruch erhoben, finden aber Forderung sehr hoch. 

37 



B. Kriegstagebuch 

Chef L: Führer hat entschieden, daß wir uns nicht um den japanisch= 
französischen Indochina=Konfiikt kümmern sollen. 

Ausland: Litauen— Lettland ein Militär=Bezirk. Estland zum Bezirk Leningrad. 

Starke Truppenbelegung vorgesehen. 

Militär= Attache in Kaunas 2 hat günstigen Eindruck von russischen Truppen. 
Intelligenter, aufgeschlossener als zaristische Truppen. Russisch=finnische 
Spannung anscheinend gemindert. Keine namhaften russischen Verstärkungen 
an finnischer Grenze. 

Finnische Armee 5 Korps mit 15 Divisionen. Schwache Artillerie, keine 
Flieger. 

In Griechenland Erregung über Versenkung des griechischen Kreuzers „Helli". 

Telegramm des General von Bötticher über Haltung amerikanischer Presse 
befriedigend. 

17. August 1940 

Um 9.00 Uhr findet eine Besprechung des Chefs OKW mit dem Chef des 
WiRüAmtes, dem Chef d. St. des BdE 1 und dem Gruppenleiter L II (Obstlt. 
Münch) über die Anpassung der Rüstung an das auf 180 Feld=Divisionen zu 
verstärkende Kriegsheer statt. Ergebnis siehe Vortragsnotiz L II v. 18. 8. 
Daraus ist hervorzuheben (Anlage), 

1. daß auf dem Gebiet der Munitionsfertigung der Munitionsverbrauch in der 
Zeit vom 10. 5. — 20. 6. 1940 plus 10 % Zuschlag für evtl. Produktionsaus= 
fall als monatliche Kriegskapazität und der i2fache Verbrauch plus eine 
erste Ausstattung als Bevorratung festgesetzt werden soll, 

2. daß bei der Luftwaffe die Fertigung von Flakmunition von 400000 Schuß 
auf 1000000 im Monat erhöht werden soll, 

3. daß das bisher auf den 31. 12. 1940 befristete U=Boot=Programm nunmehr 
unbefristet weiterlaufen soll, 

4. daß dem Dringlichkeitsprogramm eine eng begrenzte Sondergruppe der 
wichtigsten Fertigung vorangestellt werden soll, in welche der U=Bootbau 
und die Herstellung von Torpedoausstoßrohren, der Flugzeugbau der ver= 
lustreichsten Typen und der Bau von Panzerkampfwagen III und IV mit 
Geschützen aufgenommen werden sollen. 

Mit der Fertigung von Waffen= und Kriegsgerät, insbesondere Panzer= 
kämpf wagen — jedoch nicht von Munition — in Holland, Belgien und im 
besetzten Teil Frankreichs hat sich der Chef OKW einverstanden erklärt; 
jedoch sollen dort möglichst nur Teile gefertigt werden. 

Gemäß einer Verfügung des OKW=AHA (2763/40 g) v. 17. 8. werden vom 
1. 10. 1940 an zur Erfüllung der aktiven Dienstpflicht von 2 Jahren heran= 
gezogen 

2 Oberstlt. Just. 
i Oberst Haseloff. 

38 



ig. August 1940 

1. die Ers.Res. I der Geb.=Jahrgänge 1919 (letztes Drittel) und 1920 (rd. 90000 
+ 417000 Mann), 

2. die am 1. 10. verfügbaren Ers.Res. I der Geb.=Jahrgänge 1914—1919 (1. und 
2. Drittel), 

3. Kriegsfreiwillige und länger dienende Freiwillige der vorerst genannten und 
jüngerer Geb.= Jahrgänge. 

19. August 1940 

[handschr.] : 

(Am 17. und 18. 8. keine Lagebesprechung). 

Truppen in Norwegen unterstehen dem Oberkommando des Heeres. 

LIL: 18. 8. Luftflotte 2 nach 10.00 Uhr und nachmittags Angriff, Luftflotte 3 
nur 1 Angriff. Englische Jäger traten nicht mehr so stark in Erscheinung, gehen 
nicht mehr recht ran. In Gegend Portsmouth eine kleine Panne, Verluste der 
eigenen Stukas, da ohne Jagdschutz. Verluste: 147 eigene, 49 feindliche Flug= 
zeuge. Absichten für 19. 8. Angriffe nach Wetterbesserung. Luftflotte 5 greift 
heute Gegend Newcastle an. Engländer schießen Flakgeschosse, die nach 
Detonation Drahtseile abwerfen. Führer hat Ausdehnung Flakschutzes auf 
ganz Deutschland befohlen. Heranziehung von Beutegeschützen und der In= 
dustrie im besetzten Frankreich zur Herstellung von Bettungen. 656 + 81 
am Boden zerstörte Flugzeuge in der Zeit vom 8.— 18. 8. — 261 eigene Flugzeuge. 

L ///; 300 norwegische Arbeiter in Bardufoss haben Arbeit niedergelegt, 
da sie im Hinblick auf bedrohliche Entwicklung in Finnland ihre Familien 
schützen müßten. 

Entscheidung des Führers, daß Italien für Waffenstillstandsfragen im Mittel= 
meer maßgebend. 

Ausland: Neue Rede Duff Coopers. Rede des republikanischen Präsident^ 
Schaftskandidaten *. Hetzrede Bullitt. Bericht Botschaft Washington spricht von 
einem Umschwung in den Beziehungen USA— Japan zum Schlechteren. 2 Tele= 
gramme des Generals von Bötticher bitten um bessere Orientierung über Luft- 
krieg gegen England. 

WiRüAmt: die durch englische Bombenangriffe verursachten Mineralölver= 
luste nicht entscheidend. 

L III: Frage der französischen Mil. Attaches und Missionen. 

Feindliche Schiffsverluste (nach französischen Angaben): 
September 152 657 BRT durch U=Boote 32 769 durch Minen 
Oktober 133 958 BRT durch U=Boote 35 924 durch Minen 

November 47 071 BRT durch U=Boote 137 029 durch Minen 

Dezember 67 196 BRT durch U=Boote 95 177 durch Minen 

Januar 8^ 000 BRT durch U=Boote 



Wendell Willkie. 



39 



B. Kriegstagebuch 

Februar 142 174 BRT durch U=Boote 

März 46 573 BRT durch U=Boote 

April 25 780 BRT durch U=Boote 

1939/40 Sept. — Febr. 136 — X24 — 25 — 34 — 18 — 65 = 402 000 BRT 
1915 Juni — Nov. 83 — 96 — 157 — 124 — 72 — 167 = 699 000 BRT 

nur englisch=französische Tonnage. 

(20. 8. In Abwesenheit des Chefs L (bei Chef WFSt) hält LIH eine kurze 
Besprechung ab.) 

20. August 1940 

Chef L legt dem Chef WFSt den von der Abt. L bearbeiteten Operationsplan 
für den Angriff auf Gibraltar vor als Unterlage l.für militärische Abmachungen 
mit Spanien, 2. für den deutschen Befehlshaber, der die Gibraltar Verbände 
führen und dann eingesetzt werden soll, wenn durch vorangegangene Einigung 
mit Spanien eine klare Arbeitsgrundlage geschaffen ist (Anlage). 

Chef L weist hierbei im Sinne der beigefügten Vortragsnotiz noch besonders 
auf folgendes hin: In den bisherigen deutsch=spanischen Besprechungen sei 
spanischerseits die Neigung zu erkennen gewesen, sich von Deutschland in den 
Krieg hineintreiben zu lassen. Einen deutschen Luftangriff gegen Gibraltar 
wollten die Spanier zunächst mit einem formellen Protest beantworten, dem 
dann freilich der gemeinsame Angriff folgen sollte 1 . 

Eine solche Lösung entspreche den deutschen Interessen nicht. Deutschland 
würde den Gegnern einschließlich USA einen billigen Propagandastoff liefern, 
u.U. auch in weiten Kreisen des spanischen Volkes als Friedensbrecher dastehen. 
Von Spanien wäre daher zu fordern, daß es sich von Beginn der Operation an 
offen auf die Seite Deutschlands stelle. 

Anzustreben sei ferner, daß Spanien seine Beziehungen zu Portugal so 
vertiefe, daß die Engländer nach Verlust Gibraltars dort keinen Flotten= 
Stützpunkt fänden und Portugal nötigenfalls spanische Hilfe anrufe. 

Als sofortige deutsche Gegenleistung könnte den Spaniern Material aus der 
französischen Beute überlassen werden. 

Italien, dessen Beteiligung wegen der Bedeutung seiner Stellung im Mittel= 
meer sich nicht werde vermeiden lassen, werde schon zu den politischen Vor= 
besprechungen hinzugezogen werden müssen, besonders wenn hierbei die 
spanischen Kriegsziele in Nordafrika erörtert werden sollten. 

Zur Frage der Befehlsführung werde vorgeschlagen, die beteiligten deutschen 
Kräfte, abweichend von den sonstigen Grundsätzen der Wehrmachtführung, 
einem Befehlshaber (General des Heeres mit Generalstab aus den drei Wehr= 

1 Vgl. Anm. 1 v. 12. 8. 1940. 

40 



21. August 1940 

machtteilen) zu unterstellen, dem auch die zu dem Angriff eingesetzten 
spanischen und die etwa beteiligten italienischen Verbände unterstellt werden 
müßten. Der deutsche Befehlshaber seinerseits würde dem spanischen Staats= 
chef Franco zu unterstehen haben. 

Chef L legt dem Chef WFSt weiterhin eine Karte vor, in der die an der 
Kanalküste in Stellung gebrachten Küstenbatterien eingezeichnet sind. Er regt 
hierbei an, in den Höhepunkten des Luftkampfes gegen England auch diese 
Batterien mitwirken zu lassen und den davon zu erwartenden psychologischen 
Eindruck propagandistisch im In= und Ausland zu verwerten. Chef WFSt 
stimmt dieser Anregung zu. 

Chef L macht in diesem Zusammenhang noch darauf aufmerksam, daß die 
Propaganda gegen England in der Öffentlichkeit immer noch allzugroße Hoff= 
nungen erwecke, indem immer wieder von einer Vergeltungsschlacht die Rede 
sei, statt daß der im Gange befindliche Luftkrieg als solcher herausgestellt werde. 
Hierüber kündigt Chef L eine schriftliche Vorlage an, in der auch noch weitere 
Vorschläge für die Propaganda gemacht würden. 

Chef L übergibt dem Chef WFSt ferner eine Verfügung des AHA über die 
Einziehung des Jahrgangs 1920 im Oktober. 

Chef WFSt erörtert mit Chef L schließlich noch die von der Gruppe XXI 
gestellten Rückfragen hinsichtlich der Verlegung des Gebirgskorps nach Nord= 
norwegen. 

Diese Erörterungen finden ihren Niederschlag in einem Schreiben des Chefs L 
an den Chef des Stabes der Gruppe XXI. [Büschenhagen] 



21. August 1940 

Chef WFSt übermittelt dem Chef L Gedanken, die der Führer am 20. 8. 
geäußert hat. Sie sollen dem Ob.d.H. mitgeteilt werden, der bei seinem in den 
nächsten Tagen vorgesehenen Vortrag dazu Stellung nehmen solle. 

1. Der Führer möchte gern wieder eine Geb.Div. an Stelle der 2. Geb.Div. in 
den Raum um Drontheim verlegt haben. Ihm sei gemeldet worden, daß 
Transportraum hierfür nur beim Ausfall des Unternehmens „Seelöwe" 
zur Verfügung stünde. 

2. Der Führer halte es für erforderlich, die Überlegungen für eine deutsche 
Mithilfe bei einer italienischen Offensive gegen den Suezkanal darauf 
abzustellen, daß eine hochwertig mit allen neuzeitlichen Waffen ausge» 
stattete gemischte Panzerbrigade (nicht ein Panzerkorps) vorgesehen werde. 
Bevor an die Italiener herangetreten würde, solle der Ob.d.H. einen Vor= 
schlag für Zusammensetzung, Ausrüstung und Nachschub machen, wobei 
die Zuteilung neuartiger Angriffs= und Pz.Abw.=Waffen zu berücksichtigen 
sei, und den Zeitpunkt angeben, zu dem die etwaige Entsendung des Panzer= 
Verbandes in Frage käme (WFSt — LIH — 0652/40 g. K. an OKH). 

4i 



B. Kriegstagebuch 

3. Der Führer habe darauf hingewiesen, daß die Armierung der Ostseeküste 
mit Batterien schon jetzt dringlich sei. Die Marine solle sich über den Zeit= 
punkt und das Ausmaß äußern. 

4. Der Führer würde es gern sehen, wenn aus politischen Gründen nach Ost= 
preußen schon jetzt ein Panzerverband gelegt würde. 

Chef WFSt weist seinerseits auf die Notwendigkeit hin, die bisher geltenden 
Einschränkungen für den Luft= und Seekrieg gegen England nach der am 17. 8. 
erfolgten Erklärung der totalen Blockade der britischen Inseln aufzuheben, 
und ordnet die Vorlage einer entsprechenden Weisung an. Er teilt weiterhin 
mit, daß nach Meldung des Chefs des GenSt der Luftwaffe die WStK Schwierig= 
keit mache, von den Franzosen die Ablieferung von Scheinwerfern und 
schweren Bordwaffen zu verlangen, und befiehlt, die WStK anzuweisen, daß 
dies geschehen müsse. 

In einem von Abt. Ausl. übermittelten Bericht des Militär= Attaches Rom 1 
vom 16. 8. (Nr. 136/40 g.K.) wird als oberstes Kriegsziel Italiens die Erreichung 
der Vorherrschaft im Mittelmeer bezeichnet. Die territorialen Forderungen 
gegenüber Frankreich erstreckten sich auf Nizza, Korsika, Tunis, einen Teil 
von Algier mit den Erzlagern von Constantine und Französisch=Somaliland. 
Darüber hinaus werde die Vorherrschaft im Nahen Orient erstrebt. Weitere 
Kriegsziele Italiens beträfen den Balkan. Das Adriatische Meer solle in Zukunft 
ganz unter italienischer Herrschaft stehen, die Einflußsphäre auf dem Balkan 
weiter ausgebaut werden. Hierzu werde die Zerschlagung Jugoslawiens, die 
Bildung eines unter italienischem Einfluß stehenden selbständigen Kroatiens, 
die Vergrößerung Albaniens durch Einbeziehung der von Albanesen bewohn= 
ten Gebiete Südjugoslawiens und Griechenlands sowie die Einverleibung 
Korfus und vielleicht einiger Ionischer Inseln für notwendig gehalten. 

Die Lage an der jugoslawischen Grenze sei seit Wochen so gespannt, daß 
es jederzeit zu Grenzzwischenfällen, auch schwererer Natur kommen könne. 
Griechenland werde grundlos vorgeworfen, daß es englische Kriegs= und 
Handelsschiffe begünstige. Jetzt würden Terrorakte gegen Irredentisten kon= 
struiert, griechische Konsuln aus Italien ausgewiesen, kurz, eine Atmosphäre 
geschaffen, die binnen kurzem zur Explosion gebracht werden könne. Mili= 
tärische Vorbereitungen gegen Griechenland seien bisher nicht erkennbar. 
Hingegen habe der Duce beschleunigte militärische Vorbereitungen gegen 
Jugoslawien gefordert, um nicht wieder wie im Juni an der französischen Front 
eine günstige politische Gelegenheit vorbeigehen lassen zu müssen. 

[hanäschr.] : 

LIL: Wegen der Wetterlage am 20. 8. nur vereinzelte Angriffe der Luft= 
flotten 2 und 3 auf englische Flugplätze. Verlagerung von Stukas an der 
französischen Küste auf Anordnung des Ob.d.L. Unterschiedliche Angriffs= 

1 Gen.Major E. v. Rintelen. Hinweis auf Ausl. 719/40 g.K. v. 20. 8. 
42 



22. AugUSt 1940 

Freudigkeit der feindlichen Jäger; Einsatz zu kurz ausgebildeter Flieger, Un= 
Sicherheit der Führung infolgedessen. Wetteraussichten einstweilen schlecht. 
Vorläufig noch schwacher Einsatz eigener Kampfverbände. 

L ///: Französisch=japanische Besprechungen über Indochina. Spanische Trup= 
pentransporte nach Marokko beunruhigen die französische Regierung. Eng= 
lische Flieger werfen Flugblätter gegen die französische Regierung über Nord= 
Afrika ab (Besprechung Stülpnagel=Huntziger am 19. 8.). 

Ausland: Reden Churchills und Halifax im Unter= und Oberhaus. Russische 
Forderungen an Finnland. Griechischer Militär= Attache 2 gestern bei Ausl., 
griechischer Ministerpräsident 3 habe 19. früh fernmündlich mitgeteilt, daß 
Italien bedrohliche Truppenzusammenziehungen an albanisch=griechischer 
Grenze vornehme. Ist zutreffend, vor allem schnelle Verbände. Außenminister 
hat daraufhin Alfieri gebeten, italienische Regierung zur Ruhe zu mahnen. 
WeWi hat große Denkschrift über Wehrwirtschaft Englands herausgegeben. 

Vortrag Hauptmann Fett über Feindbild England: s. Anlage zum Lagebericht 
West (410) des OKH. 

Interne Besprechung: 

L III: Abgabe von Waffen der französischen Luftwaffe an die deutsche 
Luftwaffe. 

Gestrige Rücksprache Chef L mit Chef WFSt: 

Anregung, bei den Angriffen der Luftwaffe die Ferngeschütze mitwirken 
zu lassen. Chef L schlägt vor, Fernschreiben an OKH, Fernfeuer freizugeben. 
Norw. XXXIII. Geb.Korps und noch ein weiteres. Letzte Norwegen=Weisung. 

„Seelöwe" General Jeschonnek zu General Jodl. Will wissen, wie Heer sich 
Einsatz der Fallschirmtruppen denkt. LIH schlägt vor, Insel Wight zu besetzen 
durch Luftlandetruppen. LIL Versorgung aus der Luft im Winter ausgeschlos= 
sen. Hauptzweck: Küstenbatterien in die Hand zu bekommen. 

„Aufbau Ost" 4 : Ohne nähere Kenntnis der großen Absichten kein Aufbau 
der Bodenorganisation (Ansicht der Luftwaffe). 

LIL soll mal wieder bei Luftwaffe anfragen. 



22. August 1940 

Der Chef der Op.Abt. des GenStdH, Generalmajor v. Greiffenberg, sucht 
den Chef L vormittags im Zuge „Atlas" auf und bittet um die Entscheidung 
des OKW hinsichtlich des von der Kriegsmarine bei dem Unternehmen „See= 
löwe" für die grüne Bewegung (Landung in der Bucht von Brighton von 
Le Havre aus) zur Verfügung zu stellenden Transportraumes. 

2 Oberst Nikolaus Lengeris. 

3 Joannis Metaxas. 

4 Vgl. S. 5. 



43 



B. Kriegstagebuch 

Die Kriegsmarine habe für diesen Zweck neben den 200 Motorbooten und 
100 Küsten=Motor=Seglern / mit denen die beiden Regimentsgruppen über= 
führt werden sollten, 25 Dampfer vorgesehen, das Heer benötige aber 
70 Dampfer zur Überführung der im Räume um Le Havre stehenden vier Divi= 
sionen (8., 28., 6. Geb. und 30.). Die Kriegsmarine habe diese Forderung strikt 
abgelehnt mit der Begründung, daß eine so starke Transportbewegung nicht 
hinreichend gesichert werden könne und der Verlust der Dampfer die Gesamt= 
bewegung gefährden würde. 

Für das Heer sei es andererseits unmöglich, die Masse der im Räume um 
Le Havre stehenden Divisionen etwa in die holländischen Häfen, wie die 
Kriegsmarine vorsehe, abzutransportieren, da damit weitere umfangreiche 
Transportbewegungen verbunden wären und eine Führung dieser Divisionen 
sowohl diesseits wie jenseits des Kanals unmöglich werden würde. 

Was die Mitwirkung der Luftwaffe anbelange, so habe sich bei einer Be= 
sprechung mit dem Chef der Op.Abt. des GenStdLw ergeben, daß die Luftwaffe 
die Landungsoperation des Heeres einerseits durch Bekämpfung der englischen 
Stellungen und rückwärtigen Verbindungen aus der Luft unterstützen, also 
anfangs die Rolle der Artillerie übernehmen werde, und daß sie andererseits 
die Fallschirmtruppen der 7. Flieg.Div. einsetzen werde, und zwar mit schwä= 
cheren Teilen auf den Höhen nördlich Dover, mit der Masse in der Gegend 
von Brighton. Die Einzelheiten des Absetzens sollten erst noch erkundet wer= 
den. Aufgabe der Fallschirmtruppen würde es sein, an den genannten beiden 
Stellen die Landung der Heerestruppen zu erleichtern, wobei es sich in der 
Gegend von Dover um den Schutz der rechten Flanke der Gesamtoperation 
handle, während im Räume von Brighton ein Vorstoß nach Norden im Verein 
mit den gelandeten Heerestruppen in Frage käme. 

Im Anschluß an die Erörterungen über das Unternehmen „Seelöwe" be= 
spricht Chef L mit General v. Greiffenberg die Umgruppierung der Heeres= 
verbände in Norwegen (vgl. 21. 8.) und die vom Chef WFSt am 21. 8. über= 
mittelten Wünsche des Führers, soweit sie das Heer angehen (vgl. Schreiben 
des Chefs WFSt vom 21. 8. Ziffer 1, 2 und 4). Er teilt ihm ferner mit, daß 
der Chef OKW dem OKH das Feuer der an der Kanalküste eingebauten 
Ferngeschütze in den Höhepunkten des Luftkrieges gegen England freige= 
geben habe. 

Nach Beendigung der Besprechungen mit General v. Greiffenberg unter= 
nimmt Chef L einen neuen Vermittlungsversuch zwischen den gegensätzlichen 
Auffassungen des OKH und des OKM in der Frage des für die grüne 
Bewegung von der Kriegsmarine, zur Verfügung zu stellenden Transport= 
raumes. 

Dieser Vermittlungsversuch geht von dem grundlegenden Gedanken aus, 
daß das Unternehmen „Seelöwe" nach dem Willen des Führers nur dann 
durchgeführt werden soll, wenn eine besonders günstige Ausgangslage sichere 
Aussichten für das Gelingen bietet. Bei einer solchen Grundlage kann dann 

44 



23. August 1940 

aber auch das Risiko bei der grünen Bewegung für die Kriegsmarine als 
gemindert angesehen werden. Unter solchen Umständen sollte es der Kriegs= 
marine möglich sein, so viel Schiffsraum in und bei Le Havre bereitzustellen, 
daß die Überführung kampfkräftiger Verbände von dort in die Bucht von 
Brighton sich bewerkstelligen läßt. Hierbei wird in erster Linie an die vorderen 
Staffeln der im Raum um Le Havre stehenden vier Divisionen gedacht. Die 
rückwärtigen Staffeln dieser Divisionen und etwaige weitere Divisionen müß= 
ten dagegen entweder schon während der Vorbereitungszeit oder nach Anlauf 
der Bewegung, sobald die Lage genauer zu übersehen ist, in günstigere Ab= 
sprunghäfen überführt werden. 

Auf dieser Grundlage gelingt es durch im Laufe des Tages fortgesetzte 
Besprechungen, die Kriegsmarine zu dem Zugeständnis zu bringen, daß sie 
nunmehr 50 Dampfer in Le Havre einsetzen will, von denen 25 bei ent= 
sprechend günstiger Lage im Rahmen der Motorboot=Landung unmittelbar 
auf die englische Küste zu bewegt und die restlichen 25 Dampfer zunächst 
unter der französischen Küste nordostwärts und dann auf dem linken Flügel 
der blauen Bewegung (Übergang von Dünkirchen— Boulogne nach Folkestone— 
Beachy Head) gefahren werden sollen. 

LIK (Korv.Kpt. Junge) und der VO des OKH bei der Ski. (Oberst v. Witz= 
leben) melden übereinstimmend am Spätnachmittag des 22. 8. vorstehendes 
Ergebnis ihrer Besprechungen mit der Ski. als beiderseitige Vereinbarung 
vorbehaltlich der Zustimmung des Ob.d.M. 

Chef L unterrichtet hierauf fernmündlich den Chef WFSt über diesen Ver= 
mittlungsversuch und gleichzeitig über die zwischen dem Heere und der 
Luftwaffe getroffenen Vereinbarungen (s. 22. 8., Blatt 1). 



23. August 1940 

Vormittags bestätigt der Chef des Stabes der Ski, Konteradmiral Fricke, 
fernmündlich dem Chef L, daß die Kriegsmarine nunmehr auf der am 22. 8. 
nachmittags mit dem VO des OKH und mit dem LIK vereinbarten Grundlage, 
der auch der Ob.d.M. zugestimmt habe, die Vorbereitungen für das Unter= 
nehmen „Seelöwe" fortsetzen werde. 

Im Laufe des Tages mehrfach unternommene Versuche des Chefs L, auch 
das endgültige Einverständnis des OKH mit dieser Abmachung und die vom 
Heere dementsprechend beabsichtigten Maßnahmen zu erfahren, bleiben er= 
gebnislos, da der Chef der Op.Abt. des GenStdH, General v. Greiffenberg, 
noch nicht nach Fontainebleau zurückgekehrt ist. 

[handschr.]: 

(Am 22. 8. wegen Anwesenheit des Chefs der Op.Abt. des Generalstabes 
des Heeres keine Besprechung.) 

45 



B. Kriegstagebuch 

Der Luftkrieg leidet beiderseits unter dem schlechten Wetter. Für nächste 
Woche Wetterbesserung in Aussicht. 

LIK soll Beurteilung abgeben über Bedeutung der Abgabe von 50 USA= 
Zerstörern an England: Bedeutende Verstärkung der englischen Geleitstreit= 
kräfte, reichen zur artilleristischen Bekämpfung von U=Booten aus. 

Wo ist englische Heimatflotte? 5 Schlachtschiffe gestützt auf das Clyde= 
Gebiet stehen bereit zur Abwehr deutscher Streitkräfte. 7 Schlachtschiffe im 
Mittelmeer. „Revenge" im Geleitdienst im Nordatlantik. „Queen Elizabeth" 
im ganzen Krieg noch nicht aufgetreten, befand sich bei Kriegsbeginn in der 
Werft, bei „Resolution", die immer im Gibraltar=Bereich bleibt, nimmt man 
Beschädigung an. „Hood" und „Valiant" sind aus Gibraltar ausgelaufen zur 
Sicherung von Geleitzügen. 

L ///; Bericht Waffenstillstandskommission über Demobilmachung des fran= 
zösischen Heeres, s. Anl. 

Französisch=englische Beziehungen. 1. Kurzbericht Ausl. 

Ausland: Abwehr kommt auf Grund eigener Meldungen in Übereinstim= 
mung mit Abt. Fremde Heere auf 22 vollbereite englische Divisionen (darunter 
1— 2 Panzer=Divisionen) und 12V2 noch unfertige Divisionen im englischen 
Mutterland. 

Japan strebt ostasiatisches Commonwealth an 1 . 

WiRü: Unterteilung der Dringlichkeitsstufe. An der Spitze Vorbereitung für 
„Seelöwe". Gefährdung der Treibstoffvorräte an der belgisch=französischen 
Küste. An der belgischen und holländischen Küste Verlagerung schon durch= 
geführt. 

Interne Besprechung: 

Vorschlag Chef L: Umrüstung der 196. Division als Gebirgs=Division, im 
Antransport nach Drontheim. Kräftegliederung der Gruppe XXI: SS=Brigade, 
Teile in Kirkenes, Masse Oslo. Führer beabsichtigt, noch eine SS=T=Standarte 
nach Norwegen zu legen. Haltung der Norweger versteift sich. 

„Seelöwe". Admiral Fricke heute morgen angerufen. Grüne Bewegung. 
25 Dampfer geradeaus, 25 nach Osten. Zustimmung Ob.d.M. soll heute ein= 
geholt werden. 

Chef WFSt (Wehrmacht=Führung=Stab) Sorgen um Einschränkungsmaß= 
nahmen. Nach Ansicht des Chefs L gibt es keine. Trotz uneingeschränkten 
Luftkrieges gewisse Einschränkungen noch in Kraft. 22044/40 soll nach An= 
Ordnung des Chefs WFSt aufgehoben werden. Verfahren in der amerikanischen 
Sperrzone (300 sm Grenze) an amerikanischer Küste und sonstige noch be= 
stehende einschränkende Bestimmungen sollen in neuer OKW=Verfügung 
zusammengestellt werden. Gruppe I. 

1 Zu den japanischen Bestrebungen, eine großostasiatische „Wohlstandssphäre" 
aufzubauen: Vgl. Jones, F. C, Japan's New Order in East Asia. Its rise and fall 
1937—45, London 1954. 

46 



24. August 1940 

Besprechung Chef L. LIL, Major von Wussow. VO W Pr. England zu Beginn 
des verschärften Luftkrieges 900 Jagdflugzeuge + 200 ältere als Reserve. 
Davon 630 einsatzbereit. Man schätzt, daß England noch 450 hat (+ 200) 
wahrscheinlich 600. Deutsche Verluste tragbar. 

Chef Wehrmacht Propaganda=Abt. hat bei Chef Wehrmacht=Führungs=Stab 
Vortrag gehalten. Ist dabei über Einsatzfragen der Luftwaffe nicht unterrichtet 
gewesen. Unterrichtung über die ... [?] erfolgt durch Luftlageberichte. In Ab= 
sichten Wehrmacht=Propaganda=Abt. nicht eingeschaltet. Chef Wehrmacht= 
Propaganda bisher im großen von Chef L unterrichtet. Kurzfristige Unter= 
richtung über bevorstehende Ereignisse: 

Luftwaffe unterrichtet OKW=WPr, gleichzeitig Propaganda=Ministerium. In 
letzter Zeit Presse schneller unterrichtet als LIL und WPr, liegt an WPr. 

Mittags ruft Major Deyhle an und teilt mit, daß die Abt. L wahrscheinlich 
noch am 23. 8. abends nachgezogen würde. (Der Führer befindet sich seit dem 
17. 8. auf dem Obersalzberg. Chef OKW war am 18./19. 8. dort und hat sich 
neuerdings am 21. 8. mit Chef WFSt Major Deyhle und LIL Major Queissner 
in die Reichskanzlei nach Berchtesgaden begeben. Um 16.00 Uhr trifft der 
Befehl für den Abtransport ein. Zug „Atlas" fährt 19.55 Uhr ab und trifft 
am 24. 8., 9.45 Uhr, auf dem Hauptbahnhof Salzburg ein, wo er neben dem 
Zug „Heinrich" (R.A.M.) abgestellt wird. Chef L, LIK, LIL, L III, K und Ober= 
feldarzt Prof. Dr. Nissen werden im Hotel „österreichischer Hof" einquartiert. 

Am 24. 8. findet keine Abteilungs=Besprechung statt. 

LIH (Obstlt. von Loßberg) ist am 23. 8. früh mit Hauptmann Dr. Borner 
nach Brüssel und Fontainebleau zwecks Rücksprache mit dem OKH und den 
am Kanal eingesetzten AOKs abgeflogen. 



24. August 1940 

Auf die gestrigen vergeblichen Anrufe des Chefs L teilt der Chef der Op.Abt. 
des GenStdH am Nachmittag fernmündlich mit, daß die neuen Vorschläge des 
OKM zur Durchführung der „grünen Bewegung" des Unternehmens „Seelöwe" 
nicht das Einverständnis des Ob.d.H. gefunden hätten. Das OKH müsse viel= 
mehr an seiner Forderung festhalten, daß die Masse der um Le Havre bereit= 
gestellten vier Divisionen aus diesem Räume auch überführt werde. General 
v. Greiffenberg bittet daher von neuem um die Entscheidung des OKW und 
kündigt an, daß der Ob.d.H. sich in persönlichem Vortrag vor dem Führer am 
26. 8. Klarheit verschaffen wolle. 

Chef L weist noch einmal auf die allgemeinen Voraussetzungen für das 
Unternehmen „Seelöwe" hin (vgl. 22. 8., Blatt 2), denen auch das Heer bei 
seinen Forderungen Rechnung tragen müsse. Es bliebe jedoch in jeder auch 
noch so günstigen Lage mit dem Eingreifen der englischen Flotte zu rechnen. 
Setze man die vom Heere geforderten 70 Dampfer für die Überführung von 

47 



B. Kriegstagebuch 

Le Havre aus dieser Gefahr aus, so würden diese späterhin bei der entschei= 
denden „blauen Bewegung" und den folgenden Nachschub=Bewegungen fehlen, 
und das ganze Unternehmen würde damit in Frage gestellt werden. Auch er 
selbst sei infolgedessen der Ansicht und würde den Chef OKW dahingehend 
beraten, daß jede weitere Verstärkung des bei Le Havre bereitzustellenden 
Schiffsraums nicht verantwortet werden könne. 

LIH legt eine Studie über eine Landung auf der Insel Wight vor, die zu dem 
Ergebnis kommt, daß ein Einzelunternehmen mit diesem Ziele nicht in Be= 
tracht kommt und daß die Wegnahme der Insel als Vorstufe zu dem Unter= 
nehmen „Seelöwe" zeitlich nicht mehr durchführbar ist. 

Chef WFSt teilt mit, daß der Führer die Studie über die Wegnahme von 
Gibraltar genehmigt habe und daß General Franco in politischen Besprechun= 
gen mit dem deutschen Botschafter in Madrid, Stohrer, die Absicht kund= 
gegeben habe, in den Krieg einzutreten unter der Voraussetzung militärischer 
Unterstützung seitens Deutschlands und der Zufuhr von Treibstoffen und 
Brotgetreide aus Deutschland 1 . 

25. August 1940 

Am Vormittag teilt der Chef des Stabes der Ski. dem Chef L fernmündlich 
mit, daß auch ihm die ablehnende Stellungnahme des OKH zu den letzten 
Vorschlägen der Kriegsmarine hinsichtlich des für die „grüne Bewegung" bereit= 
zustellenden Schiffsraums zugegangen sei, und bittet dringend um die Ent= 
Scheidung des OKW. 

Chef L erwidert, daß die Kriegsmarine auf der Grundlage der am 22. 8. 
getroffenen Vereinbarung ihre Vorbereitungen fortsetzen solle und daß er= 
wartet werden könne, daß der Führer sich beim Vortrag des Ob.d.H. am 26. 8. 
in diesem Sinne entscheiden werde. Das OKM werde von der Entscheidung 
des Führers sofort benachrichtigt werden. 

[handschr.] : 

Wetterlage: Geschlossene Verbandseinsätze gegen England wahrscheinlich 
nicht möglich. 

LIK: Schlachtschiff „Bismarck" am 24. 8. in Dienst gestellt. 

L IV a: Im Generalgouvernement darf nur mit Zloty bezahlt werden. 
1 Zloty = 0,50 RM. Mitgenommen werden dürfen höchstens 600 Zloty. 

L ///: Deutsche Interessen in Marokko, Führer=Entscheidung, daß die Atlan= 
tikküste unter deutscher Kontrolle steht, Kontrolle soll aber nicht ausgeübt 
werden. Bericht Waffenstillstands=Kommission. 

LIH: Überraschende Nachrichten über russische Truppenansammlungen am 
Pruth. Einmarschdrohung. Früherer finnischer Militär=Attache in Oslo hat 

x Vgl. Anm. 1 v. 12. 8. 1940. 

48 



29. August 1940 

Generaloberst von Falkenhorst aufgesucht, um deutsche Haltung bei erneutem 
russischen Angriff zu sondieren. Schwierige Lage Finnlands. 

Interne Besprechung (IH und IK) : 

Verfügung betr. Einschränkungen „Seelöwe" : Karte mit Verteilung des Ge= 
samtschiffraumes. Schiffsraum verteilt auf die Häfen, Schiffswege, Flanken= 
sperren, Landungsräume. Bereitstellungsräume der 10 Divisionen der 16. und 
9. Armee. 

Hauptbewegung = „blaue Bewegung", Landung Brighton =* „grüne Be= 
wegung". 

LIH: Täuschungsmaßnahmen, Unterlagen von den Wehrmachtsteilen. Ver= 
band z.b.V. 800. Regiment soll entweder in England oder bei den Italienern 
eingesetzt werden. 

L ///; Schreiben an WStK Kontrolle in Nord= Afrika: Casablanca und Dakar. 
Vorschlag Jodl abgelehnt vom Führer. Wirtschaftliche Lage der französischen 
Kolonien. WStK an Ski. und Wirtschafts=Rüstungs=Amt zur Stellungnahme. 
Bemerkung Jodl auf Vortragsnotiz L IV über französische Demobilmachung. 
Fernschreiben der Luftwaffe betr. Bevorratung in Norwegen. Angeblich morgen 
Vortrag beim Reichsmarschall. L III schlägt Zwischenbescheid vor, daß vor 
14 Tagen mit Anlauf der Bevorratung nicht zu rechnen sei. 

29. August 1940 

Vormittags meldet das OKH den Anlauf der Vorbereitungen zur Besetzung 
des rumänischen ölgebiets, die Inmarschsetzung der 13. (mot.) Div. in den 
Raum um Wien und die Absicht, zunächst diese Div. und die beiden dort schon 
befindlichen Pz.Div. unter dem Generalkommando XXXX (Gen. Stumme) ein= 
zusetzen. 

Gegen Mittag kehrt der LIL von der Besprechung mit dem Führungsstab 
der Luftwaffe mit der Meldung zurück, daß auch die Luftwaffe die ersten 
Vorbereitungen zum Einsatz in Rumänien eingeleitet habe. Wesentliche Rück= 
fragen seien vom Führungsstab der Luftwaffe bei der Besprechung nicht ge= 
stellt worden. 

Mittags beginnen in Wien die Verhandlungen des Reichsaußenministers und 
des Grafen Ciano mit der ungarischen und rumänischen Delegation. 

Bei der Lagebesprechung hält LIH Vortrag über die Kräfteverteilung auf 
dem Balkan: Von den 24 ungarischen Brigaden stehen 23 an der rumänischen 
Grenze, von den 35 rumänischen Divisionen 8—10 an der ungarischen, 22—24 
an der russischen, der Rest an der bulgarischen Grenze, von den 44—45 tür= 
kischen Divisionen 18 in Thrazien, 6 an den Dardanellen, 2 am Bosporus, 
12 an der Kaukasus=Grenze und der Rest als Heeresreserve in Anatolien. In 
Jugoslawien sind nur Teilkräfte an der italienischen und albanischen Grenze 
aufmarschiert, Griechenland hat noch nicht mobilgemacht. 

49 



B. Kriegstagebuch 

Von der Luftwaffe wurden am 28. und in der Nacht zum 29. 8. insgesamt 
400 Kampf = und 576 Jagdflugzeuge gegen England eingesetzt. U. a. wurden 
über Liverpool und Birkenhead in der Nacht 722 Spreng= und 6840 Brand= 
bomben abgeworfen, die Trefferlage war jedoch infolge unsichtigen Wetters 
nicht genau festzustellen. Die eigenen Verluste belaufen sich auf 21, die feind= 
liehen auf etwa 43 Flugzeuge. In der Nacht zum 29. 8. haben englische Kampf= 
flugzeuge zum ersten Male Großberlin angegriffen. Es wurden 8 Spreng= und 
zahlreiche Brandbomben abgeworfen, hauptsächlich auf Wohnviertel am Gör= 
litzer Bahnhof, wobei 8 Zivilpersonen getötet, 21 schwer und 7 leicht verletzt 
wurden. 

Infolge des Luftangriffs auf Groß=Berlin entschließt sich der Führer zur 
sofortigen Rückkehr nach Berlin. 

Zug „Atlas" fährt um 20.45 Uhr von Salzburg ab und trifft am 30. 8. gegen 
10.00 Uhr auf dem Bhf. Grunewald ein. 

Um 23.40 Uhr meldet der O.v.D. der Standortstaffel, Kaptlt. Loewe, fern= 
mündlich, daß nach einem bei der italienischen WStK eingetroffenen, der 
deutschen WStK übermittelten Funkspruch der französischen Regierung in 
Äquatorialafrika ein Aufstand ausgebrochen sei und die dort stehenden fran= 
zösischen Kolonialtruppen sich dem General de Gaulle angeschlossen hätten. 
Über den Umfang der Aufstandsbewegung sei noch nichts bekannt. Die 
französische Regierung bitte um die Genehmigung, französische Kriegsschiffe 
aus Toulon nach Westafrika auslaufen zu lassen. Eine Entscheidung sei italieni= 
scherseits noch nicht getroffen worden. Die deutsche WStK befürworte das 
Auslaufen französischer Kriegsschiffe, da sie den Standpunkt vertrete, daß 
man der französischen Regierung die Möglichkeit geben müsse, ihren Willen 
durchzusetzen. Zudem bestehe ein politisches Interesse, die afrikanischen Be= 
Sitzungen Frankreichs nicht an de Gaulle fallen zu lassen (Anl.). 

Der Chef des Stabes der WStK, Obstlt. Böhme, teilt am 30. 8., 00.30 Uhr, 
fernmündlich hierzu noch mit, daß die französische Abordnung in Wiesbaden 
um 23.00 Uhr die WStK gebeten habe, von den in Toulon liegenden Seestreit= 
kräften 3 Kreuzer und 3 Flottillenführer nach Westafrika zur Niederwerfung 
des Aufstandes entsenden zu dürfen. Die WStK befürworte diesen Antrag. 

[handschr.] : 

(Am 28. 8. nur kurze Lagebesprechung unter Oberstlt. Priess). 

In der Nacht vom 29. über Großberlin 4 Bomben in der Gegend des Görlitzer 
Bahnhofs abgeworfen. 10 Tote, 28 Verletzte, darunter 21 schwer, mehrere 
Dachstuhlbrände. Wetterlage über England wechselnd, bereits Auftreten von 
Nebel. 

LIM: Grenzzwischenfälle an der ungarisch=rumänischen Grenze. 

LIH: Ungarn, von 24 Brig. 23 an der rumänischen Grenze. Rumänien: Von 
35 Divisionen 8—10 an Westgrenze, 22—24 an der russischen, Rest an der 
bulgarischen Grenze. Griechenland nicht mobilgemacht. Jugoslawien gewisser 

50 



30. August 1940 

Aufmarsch an der albanischen und italienischen Grenze. Türkei: 18 Divisionen 
Thrazien, 6 Dardanellen, 2 Bosporus, 12 an der Kaukasus=Grenze; insgesamt 
44—45 Divisionen. 

WiRüAmt: Tägliche Wagengestellung von 150 auf 155000 Wagen erhöht; 
die 700 Lokomotiven im besetzten Gebiet größtenteils zurückgezogen, da 
Belgien, Luxemburg, Elsaß=Lothringen wieder über eigenes Material verfügen. 
Auswirkung „Seelöwe" auf Binnenschiffahrt = 10 °/o. Herausgezogene Kähne 
können wegen Betonbodensatz später nicht mehr verwendet werden. Ab= 
transport von Treibstoff aus gefährdeten Zonen. 

Rumänisches Erdöl : 98,7 °/o ölf örderung und Raffinerien im Gebiet von 
Ploesti. 

L III: Aufzeichnung Huntziger über Waffenstillstandsverhandlungen in 
Compiegne. Auseinandersetzung zwischen Kolonial= und Kriegsministerium. 
Stülpnagel gestern abend angerufen: Abfall der französischen Tschadkolonie. 
Bessere Verbindung zwischen Mutterland und Kolonien. Zug „Atlas" verläßt 
Salzburg um 20.45 Uhr. Ankunft auf Bahnhof Grunewald am 30. 8., 10.00 Uhr. 
Befehl zur Abfahrt trifft aus der Reichskanzlei um 15.30 Uhr ein. 

Der Führer kehrt ebenfalls am 29. 8. nach Berlin zurück. 



30. August 1940 

0.30 Uhr: Der Chef des Stabes der WStK, Oberstlt. Böhme, teilt fernmünd= 
lieh mit, daß die französische Abordnung in Wiesbaden am 29. 8. um 23.00 Uhr 
die WStK gebeten habe, von den in Toulon liegenden Seestreitkräften 3 Kreu= 
zer und 3 Flottillenführer nach Westafrika zur Niederkämpfung des in der 
Tschad=Kolonie ausgebrochenen Aufstandes entsenden zu dürfen. Die WStK 
befürworte diesen Antrag. 

Im Laufe des Vormittags meldet die WStK fernmündlich, daß der italienische 
VO bei der WStK, Oberst Mancinelli, folgendes mitgeteilt habe: Die Franzosen 
hätten bei der italienischen WStK die Einstellung der Demobilmachung der 
in Afrika befindlichen französischen Streitkräfte, die bereits erwähnte Ent= 
sendung von 3 Kreuzern und 3 Flottillenführern nach Dakar und die Ent= 
sendung von 2 Gruppen von Transportflugzeugen zur Versorgung der Be= 
völkerung der Tschad=Kolonie mit Verpflegung beantragt. Auf den ersten 
Antrag sei eine Antwort nicht ergangen, da die Demobilmachung in Afrika 
noch gar nicht eingeleitet sei. Die Anträge auf Entsendung von Senegalesen 
vom Mutterland nach Afrika und von Seestreitkräften nach Dakar seien ab= 
gelehnt, der Antrag auf Entsendung von Transportflugzeugen hingegen ge= 
nehmigt worden, jedoch mit der Einschränkung, daß es sich dabei nur um in 
Nordafrika stationierte Flugzeuge handeln dürfe (Anl.). 

Obwohl die im Laufe des Vormittags aus Wien eingehenden Nachrichten 
einen günstigen Verlauf der Verhandlungen zur Beilegung des ungarisch= 

51 



B. Kriegstagebuch 

rumänischen Konflikts erwarten lassen und mittags gemeldet wird, daß eine 
Einigung erzielt sei, bleibt es bei der auf 15.00 Uhr in der Reichskanzlei an= 
beraumten Besprechung zwischen den Vertretern der Gen.St. des Heeres und 
der Luftwaffe unter dem Vorsitz des Chefs WFSt (vgl. 28. 8.). 

An ihr nehmen teil: vom OKW Chef L mit LIH (Hptm. v. Trotha für den 
erkrankten Obstlt. v. Loßberg) und LIL, Chef Ausl./Abw. mit Chef Abw Abt. II; 
vom Heere der Ia der Op.Abt. des GenStdH (Oberst Heusinger), der Chef 
des GenSt des XXXX. AK. 1 ; von der Luftwaffe der Chef der Op.Abt. des 
Führungsstabes der Lw (Gen. v. Waldau). 

Chef WFSt legt eingangs kurz die politische Lage dar. Falls eine Einigung 
durch Schiedsspruch nicht zustandekomme, müsse das deutsche Interessen= 
gebiet in Rumänien vor dem Zugriff anderer Mächte geschützt und hierzu von 
der Wehrmacht auf schnellstem Wege besetzt werden. Ungarn und Rumänien 
würden sich hiermit voraussichtlich einverstanden erklären. Wenn nach den 
neuesten Nachrichten auch anzunehmen sei, daß eine Einigung bei den Wiener 
Verhandlungen zustande komme, so müßten die Vorbereitungen zur Besetzung 
des rumänischen Erdölgebietes doch vorderhand noch fortgesetzt werden. 

Chef Ausl. Abw. berichtet über die von ihm getroffenen Maßnahmen zum 
Schutze des ölgebiets. Zur Unterbindung von Sabotageakten und Hand= 
streichen stünden zum Einsatz zur Verfügung: 

1. etwa x$o Mann mit tüchtigen Offizieren in Ruse an der Donau; etwa 
150 Mann in Bukarest und im ölgebiet um Ploesti; diese Leute hätten 
Uniformen und Waffen, auch s.MG., und könnten 15—20 Stunden nach 
Alarmierung im ölgebiet eintreffen; 

2. etwa 6 Donaukutter und 2 Motorboote mit Bewaffnung; 

3. getarnt Bewaffnete auf ölschiffen. 

Der Befehl zum Einsatz dieser Abwehrkräfte müsse möglichst 24 Stunden 
vorher gegeben werden. 

Der Chef der Op.Abt. des Führungsstabes d. Luftwaffe schlägt den Einsatz 
von 1 verst. Fallschirm=Jäg.Rgt. zu 3 Btl., 1 Pz.Jäg.= u. 1 Inf .Gesch.Komp., 1 Fall= 
schirm=Flak= u. 1 lei.Bttr. vor. Die Bereitstellung von 270 Transportmaschinen 
sei vorbereitet, weitere 230 Maschinen könnten innerhalb 72 Stunden aus den 
Schulen herausgezogen werden, die Bevorratung von Betriebsstoff im Luft= 
gau XVII sei eingeleitet. Für die Landung kämen 6 Plätze um Ploesti in 
Betracht, deren derzeitiger Zustand von der Abwehr festgestellt werden müßte. 
Die Luftabwehr könnten die Rumänen übernehmen, die hierzu über Heinkel= 
Jäger und deutsche Flak verfügten. Das Abziehen von Jagdkräften aus dem 
Westen sei unerwünscht und auch nicht notwendig. Wenn weiterer Flakschutz 
erforderlich sei, so könne noch 1 gem.mot.Flakrgt. eingesetzt werden und als 
Tiefschutz eine Flugmeldeabteilung. Die gelandeten Kräfte müßten durch 
landeskundige Führer zu den zu schützenden Objekten geführt werden. 

1 Oberstlt. i. G. v. Kurowski. Hinweis auf Anlage: Besprechungsprotokoll in den 
Akten LIH. 



52 



30. August 1940 

Der Ia der Op.Abt. des GenStdH meldet, daß vom 1. 9. an im Raum um 
Wien das XXXX. (mot.) AK unter General Stumme mit der 2. und 9. Pz.= und 
der 13. (mot.) Div. bereitstehen werde. Die beiden Pz.Div. verfügten nur über je 
eine Pz. Abt. (Chef WFSt hat dagegen keine Bedenken). Das Korps könne, wenn 
es nicht auf Widerstand stoße, nach 3 Tagen an der ungarisch=rumänischen 
Grenze, nach 5 Tagen im ölgebiet um Ploesti stehen, und zwar die Räder= 
fahrzeuge mittels Landmarsch auf 2—3 Straßen, die Kettenfahrzeuge mittels 
Bahntransport auf 2 Bahnen. Weiter könnten eingesetzt werden: das mot. 
Inf .Rgt. „Großdeutschland" und die mot. SS=Standarte „Adolf Hitler", die beide 
z. Z. in Elsaß=Lothringen stünden, nach 48 Stunden marschbereit sein und nach 
weiteren 48 Stunden an der deutsch=ungarischen Grenze eintreffen könnten. 
Außerdem seien 2 Inf.Div. zur späteren Ablösung des mot.Korps vorge= 
sehen. Wegen der Schwerfälligkeit des ungarischen Eisenbahnbetriebes müß= 
ten die durch Ungarn laufenden Bahntransporte 1—2 Tage vorher festgelegt 
werden. 

Abschließend stellt Chef WFSt fest, daß diese Unterlagen einstweilen 
genügten. Die Vorbereitungen sollten auf dieser Grundlage fortgesetzt werden. 
Der Führer beabsichtige, nach der Festsetzung neuer Grenzen zwischen Ungarn 
und Rumänien eine starke deutsche Militärmission nach Rumänien zu ent= 
senden. 

Chef L wird beauftragt, die erforderliche Weisung des OKW für die 
Auslösung des Unternehmens vorzubereiten und für den Bedarfsfall bereit= 
zuhalten. 

Im Anschluß an die Besprechung meldet Chef L dem Chef WFSt, daß nach 
den bisherigen Ermittlungen die Entscheidung des Führers über die Durch= 
führung des Unternehmens „Seelöwe" etwa 8—10 Tage vor dem Beginn fallen 
müsse. Chef WFSt befiehlt, auf dieser Grundlage eine Zeittafel aufzustellen. 
Er fügt hinzu, daß der Führer nach dem derzeitigen Stande des Luftkrieges 
gegen England die Voraussetzung für das Unternehmen „Seelöwe" (Erringung 
der Luftherrschaft) noch nicht als erfüllt ansehe und die Absicht geäußert habe, 
sich über die Durchführung erst um den 10. 9. herum zu entscheiden 2 . 

Oberst Heusinger hebt in diesem Zusammenhang nochmals die Auffassung 
des Chefs des GenStdH hervor, daß auf der nunmehr befohlenen schmalen 
Basis eine Operation des Heeres in dem ursprünglich beabsichtigten Ausmaß 
nicht durchführbar sei, es sich vielmehr nur noch darum handeln könne, 
einem durch den Luftkrieg niedergeworfenen Gegner den Fangstoß zu geben. 
Ein Mißlingen des Unternehmens müsse ausgeschlossen sein, da hiermit ein 
unerträglicher Rückschlag im Hinblick auf den bisherigen Gesamterfolg des 
Krieges verbunden sein würde. 

Chef WFSt stimmt dieser Auffassung, die er selbst stets vertreten habe, un= 
eingeschränkt zu und verweist auf die übrigen Mittel, die zu dem gleichen 

2 Vgl. Klee, a. a. O. (Anm. 1 v. 1. 8. 1940), S. 197 ff. 

53 



B. Kriegstagebuch 

Ziele, der Niederringung Englands, führen könnten. (Gemeint ist wohl die 
„Belagerung" Englands.) 

Chef WFSt teilt weiterhin mit, daß der Führer, nachdem ihm das Ergebnis 
der Untersuchungen des OKH über die Entsendung von deutschen Panzer= 
kräften nach Libyen 3 vorgetragen worden sei, nunmehr doch wieder der 
Entsendung stärkerer Kräfte, etwa zweier Pz.Div., zuneige. Diese Operation 
gegen Ägypten in Verbindung mit dem geplanten Angriff gegen Gibraltar — 
über den Stand der Vorbereitungen für dieses Unternehmen wird Oberst 
Heusinger kurz unterrichtet — sei geeignet, England seine Machtstellung im 
Mittelmeer völlig zu entreißen und darüber hinaus sehr günstige Voraus= 
Setzungen für die gemeinsame deutsch=italienische Seekriegführung gegen die 
englische Flotte zu sichern. 

Chef WFSt unterrichtet den Ia der Op.Abt. des GenStdH schließlich noch 
davon, daß der Führer die Genehmigung zu Waffenlieferungen großen Um= 
fangs an Finnland erteilt habe, und daß die Finnen ihrerseits Deutschland 
Schiffsraum für die Nachschubtransporte nach Nordnorwegen zur Verfügung 
gestellt und die Benutzung der durch Finnland nach Kirkenes führenden Straße 
zugestanden hätten. 

Nach Abschluß der Besprechungen mit Oberst Heusinger teilt Chef WFSt 
dem Chef L auf dessen Frage nach den weiteren Absichten für die Fortführung 
des Luftkrieges gegen England mit, daß der Führer nunmehr bei günstiger 
Wetterlage Vergeltungsangriffe gegen London mit zusammengefaßten Kräften 
durchführen lassen wolle. 

Nach Meldung der Abt. Ausl. 4 hat der Militär= Attache in Rom dem Chef Ausl. 
am 29. 8. folgende Mitteilung gemacht: 

1. Marschall Badoglio sei anscheinend glücklich über die Ablehnung des 
italienischen Wunsches nach deutsch=italienischen Generalstabsbesprechungen 
über einen evtl. Angriff auf Jugoslawien (vgl. 14. und 15. 8.). Die geplanten 
italienischen Unternehmungen gegen Jugoslawien und Griechenland würden 
nicht zur Durchführung kommen, wenn nicht ganz außergewöhnliche Maß= 
nahmen dieser Länder Italien zum Eingreifen zwingen würden. 

2. Die Seewege im östlichen Mittelmeer würden in zunehmendem Maße 
durch die italienische Kriegsmarine und Luftwaffe gesperrt. 

3. Die Vorbereitungen der italienischen Wehrmacht für eine Offensive gegen 
Ägypten seien im wesentlichen beendet. Der Angriff solle beginnen, sobald 
das erste deutsche Btl. seinen Fuß auf englischen Boden gestellt habe. Die 
Begeisterung für dieses Unternehmen sei bei den höheren Stäben gering, 
am geringsten bei Marschall Graziani, der ein draufgängerischer alter Troupier, 
aber nicht vorgeschult sei, große taktische Entschlüsse zu fassen, und deshalb 
der nicht ganz einfachen Lage anscheinend etwas ratlos gegenüberstehe. 

3 Vgl. 26. 8. 1940. 

4 Hinweis auf Anlage, Abt. Ausl. III Org. 101/40 g.K. Chefs, v. 30. 8., in den 
Akten LIH. 



54 



31. August 1940 

4. Die Italiener würden sich das Verhalten der Franzosen in Nordafrika noch 
etwa 4 Wochen ansehen, dann aber die vollständige Demobilisierung verlangen. 

5. Die italienische Führung, die Wehrmacht und das Volk seien der Ansicht, 
daß der Krieg unter allen Umständen in Kürze beendet sein müsse. 

[handschr.] : 

Luftangriffe durch Wetterlage beeinträchtigt. Großangriff auf Liverpool 
Birmingham. 

L ///: Aufstand in der Tschadkolonie. Franzosen an italienische und deutsche 
Waffenstillstandskommission herangetreten mit der Bitte, Seestreitkräfte dort= 
hin entsenden zu dürfen. 

Ausland: Verhandlungen in Wien. Einigung gestern erzielt. Ungarn zu= 
gestimmt. Rumänen haben erbetene Frist ohne Antwort verstreichen lassen. 
Englischer Militär=Attache in Athen wirbt Freiwillige an. England soll Absicht 
haben, griechische Inseln zu besetzen. Frage der französischen Kolonien in 
neues Stadium getreten, indem Petain eine Anzahl von Gouverneuren durch 
andere, nicht von de Gaulle abhängige Persönlichkeiten ersetzt hat; seiner= 
seits je 1 Gouverneur für Kamerun und Tschad=Kolonie ernannt. Papst hat 
Sympathie mit Italien geäußert. 

Interne Besprechung: 

Heute 15.00 Uhr Besprechung bei Chef WFSt. Teilnehmer Chef L, Major von 
Falkenstein, Hptm. v. Trotha für den erkrankten Obstlt. v. Loßberg. Thema : 
Besetzung rumänischen Erdölgebiets. Militär= Attaches sollten ursprünglich nach 
dem Berghof kommen, wurde dann abgesagt. 

31. August 1940 

[handschr.] : 

Abteilungsbesprechung wird in Abwesenheit des Chefs L (Vortrag vor den 
ausländischen Militärattaches) von Obstlt. Priess abgehalten: In der Nacht zum 
31. 8. englische Luftangriffe auf Berlin mit Schwerpunkt Siemensstadt (erheb= 
liehe Brände, teil weiser Ausfall der Produktion für etwa 14 Tage). 

L ///; Lage in Zentralafrika spitzt sich zu. Französische Regierung sieht sie 
als sehr ernst an. Anträge an die WStK (Waffenstillstandskommission). 

Führer hat entschieden, daß Italien diese Angelegenheit zu regeln habe und 
daß von uns kein Druck auf die Italiener ausgeübt werden dürfe, um den 
französischen Forderungen zu entsprechen. 

Ausland: Lage kann als entspannt angesehen werden; den Italienern ist 
bedeutet worden, und zwar anscheinend vom Führer persönlich, daß sie an 
der albanisch=griechischen Grenze Ruhe halten sollten. — Kommunistische 
Umtriebe im unbesetzten französischen Gebiet. Stellung der französischen 
Regierung nicht sehr fest. 



55 



B. Kriegstagebuch 

2. September 1940 

Vom OKH (GenStdH Op.Abt.) geht die durch Weisung des OKW vom 
27. 8. (vgl. 26. 8.) eingeforderte Meldung über die beabsichtigte Gliederung 
der beim Unternehmen „Seelöwe" zu überführenden Kräfte und über den 
voraussichtlichen zeitlichen Ablauf der Überführung ein (Anl. 1). 

Danach können, wenn nicht besonders ungünstige Umstände eintreten, bis 
zum S. + 16. Tag abds. 5 Gen.Kdos. mit 10 Divisionen einschließlich rück= 
wärtiger Dienste und Korpstruppen vollzählig gelandet sein und in 4 Wochen 
etwa 16 Divisionen überführt werden. 

Chef L hält dem Chef WFSt am Nachmittag Vortrag über die heute ein= 
gegangene Meldung des OKH (s. oben) und übergibt ihm einen Antrag des 
OKH, im Hinblick auf das Unternehmen „Seelöwe" das Operationsgebiet im 
Westen auf die holländischen Provinzen Zeeland, Zuid=Holland und Noord= 
Brabant westlich und einschließlich der Eisenbahnlinie Neerpelt— Geldermalsen 
auszudehnen (Anl. i. Akten LIH). 

Er legt ihm ferner den nunmehr abgeschlossenen Entwurf einer Weisung 
(Anl. 2) für die Besetzung des rumänischen Erdölgebietes vor, die erst unter* 
zeichnet und ausgegeben werden soll, wenn die Entwicklung der Lage in 
Rumänien die Besetzung des Erdölgebietes notwendig macht. Chef WFSt 
erklärt sich mit dem Entwurf einverstanden und teilt hierzu noch folgendes 
mit: 

Der Führer beabsichtige, wenn die gegenwärtige Spannung zwischen Ungarn 
und Rumänien abgeklungen sei, an Ungarn die Forderung zu stellen, daß es 
gegebenenfalls den Durchmarsch deutscher Truppen, die Benutzung seiner 
Eisenbahnen und das Überfliegen seines Gebietes mit Zwischenlandungen 
gestatte, und von Rumänien die Zustimmung zur Besetzung seines Erdöl= 
gebietes durch deutsche Truppen zu verlangen, um dieses gegen den Zugriff 
dritter Staaten zu sichern. Der gleiche Zweck solle vorläufig durch Entsendung 
einer aus Offizieren des Heeres und der Luftwaffe zu bildenden Militärmission 
erreicht werden, der deutsche „Lehrtruppen" für Panzerabwehr und Luftschutz 
anzugliedern seien. Von den Oberkommandos des Heeres und der Luftwaffe 
sollten hierfür Vorschläge eingefordert werden. 

Chef WFSt teilt weiterhin mit, daß der Führer sich den Gedanken, die der 
LIK in seiner Vortragsnotiz vom 26. 8. über das Kräfteverhältnis zwischen der 
deutsch=italienischen und der englischen Flotte und über die Möglichkeiten 
einer gemeinsamen deutsch=italienisdhen Seekriegführung (vgl. 26. 8.) ent= 
wickelt habe, angeschlossen habe. Voraussetzung für die Verwirklichung dieser 
Gedanken sei die Durchführung der geplanten Unternehmungen gegen Gibral= 
tar und Ägypten, die damit an Bedeutung gewönnen. Die wirtschaftlichen 
Forderungen, die Spanien als Bedingung für seinen Kriegseintritt gestellt habe, 
dürften kein Hindernis für die Durchführung des Angriffs auf Gibraltar sein; 
sie würden am ehesten durch den Sieg der Waffen Erfüllung finden. 

56 



2. September 1940 

Chef L legt dem Chef WFSt sodann eine von der WStK übersandte Karte 
mit den eingezeichneten Standorten des künftigen französischen Übergangs= 
heeres nach dem Vorschlag der französischen Abordnung bei der WStK vor 
(Anl. 3). 

Danach würde das französische Übergangsheer 8 Div. mit 24 Inf.Rgt. (dar= 
unter 4 Jäger= und 2Kolonial=Rgt.), 8 Div. (mit) Kav.Rgt., 8 Artl.Rgt. mit je einer 
mot. Battr. (darunter 1 Geb.= und 2 Kolonial=Abt.), 8 Pi.Batl., 8 Nachr.Abt. 
und 8 Kraftfahr=Komp. sowie 2 Reiter=Brig. mit 4 Reiter=Rgt. umfassen; an 
Polizeitruppen (garde mobil) sollen 12 Komp., 12 Schwad, und 24 Krad=Schwad. 
aufgestellt werden. Die WStK hat diesen Vorschlag im einzelnen noch nicht 
geprüft und behält es sich vor, u. U. Abänderungen zu fordern. 

Chef L überreicht dem Chef WFSt ferner eine Vortragsnotiz des L III 
über die Lage in den französischen Kolonien zur Vorlage an den Chef OKW. 
Darin wird dargelegt, daß die Mehrzahl der französischen Kolonien aus eigener 
Kraft nicht lebensfähig sei und Anlehnung suchen müßte, wenn sie nicht vom 
französischen Mutterland unterstützt würde, daß aber die Italiener die darauf 
abzielenden Anträge der Franzosen zumeist abgelehnt hätten und infolge= 
dessen die Gefahr bestehe, daß der Brandherd in Äquatorialafrika sich auf 
Nordafrika ausdehne, was u. U. zu einem Festsetzen der Engländer in Dakar 
und Casablanca führen könne. Es werde daher vorgeschlagen, durch das 
Auswärtige Amt auf die Italiener einzuwirken, daß sie die Konsolidierung 
der politischen Lage in Äquatorialafrika zu Gunsten der Regierung Petain 
und die Sicherstellung der wirtschaftlichen Lage der französischen Kolonien im 
Rahmen der durch den Krieg gegen England gegebenen Möglichkeiten er= 
strebten (Anl. 4). 

Chef L legt dem Chef WFSt weiterhin eine von der WStK übersandte Über= 
Setzung einer Note der französischen Abordnung vom 28. 8. vor 1 , in welcher 
mitgeteilt wird, daß der Generaldelegierte der französischen Regierung in Paris 
die Frage der Rückkehr der Flüchtlinge in die reservierten Zonen des besetzten 
französischen Gebietes beim Chef der deutschen Mil.Verw. von neuem auf= 
werfen werde, mit der Absicht, fürs erste wenigstens die Zustimmung zur 
Heimkehr der Verwaltungsbehörden dieser Zonen und gewisser Kategorien 
wirtschaftlich beschäftigter Personen zu erreichen, und in welcher der Vor= 
sitzende der WStK gebeten wird, sich bei der deutschen Regierung für eine 
rasche Zustimmung hierzu einzusetzen. 

Chef L legt dem Chef WFSt schließlich noch eine Vortragsnotiz des L III 
über die Versorgung der in Nordnorwegen eingesetzten deutschen Truppen für 
den Chef OKW vor 2 . Darin wird darauf hingewiesen, daß das Auswärtige Amt 
einen Antrag des Heimatstabes Nord, die Zustimmung der finnischen Regie= 



1 Hinweis auf Anlage, Chefgruppe Ib 42/40 g.K. v. 30. 8., in den Akten LIV. 

2 Anlage 3. 



57 



B. Kriegstagebuch 

rung für die Durchfuhr von militärischen Nachschubgütern aller Art durch 
finnisches Gebiet nach Kirkenes zu erwirken, ohne Weitergabe an die Finnen 
abgelehnt habe, während die Luftwaffe, anscheinend unter Umgehung des 
Auswärtigen Amtes, die Zustimmung der Finnen zur Durchfuhr ihres Nach= 
Schubes erhalten habe. Da die Lage ein weitgehendes Ausnutzen dieser Nach= 
Schubmöglichkeit unbedingt erfordere, sei es notwendig, daß das Auswärtige 
Amt durch einen Befehl des Führers veranlaßt werde, auch für die übrigen 
Wehrmachtteile die finnische Durchfuhrerlaubnis zu erwirken. 

Auf Hinweis von LIL, daß die Schlüsselpunkte des rumänischen Erdöl= 
gebietes sich über ganz Rumänien erstreckten, erteilt Chef L Anweisung, in 
Zusammenarbeit mit dem WiRüAmt eingehende Unterlagen zu beschaffen, 
um in einem späteren Zeitpunkt nötigenfalls über alle Unterlagen zur Siche= 
rung der deutschen Erdölinteressen zu verfügen. 

[handschr.] : 

(Am 1. 9. keine Lagebesprechung.) 

LIL: Am 1. 9. Angriffe gegen Flugplätze in London, nachts Schwerpunkt der 
Angriffe Bristol. Nacht zum 2. 9. auf Berlin und Umgebung keine Bomben. 
Gefangenen= Aussagen: Klagen über Überanstrengung, große Wirkung der 
deutschen Angriffe. Täuschungsmanöver: Spitfire mit auf den Tragflächen 
aufgemalten Me 109. Teilweise immer noch starke Jagdabwehr. Einsatz ameri= 
kanischer Flugzeuge bevorstehend. In Süd= und Mittelengland Hochdruck= 
wetter. Wird noch einige Tage bleiben. 

LIK: Im Atlantik 3 italienische U=Boote, operieren von Italien aus. 

L7L: Italienische Luftwaffe hat sich ihre Einsatzhäfen an der Kanalküste 
angesehen. Kommt in der 2. Hälfte September. Ihr Hauptquartier wird Alost. 
L III: Nachrichten über die Streitkräfte de Gaulles. Alle auf englischer Seite 
kämpfenden Franzosen müßten nach dem Waffenstillstandsvertrag als Frei= 
schärler angesehen werden. Die Frage ist aber noch nicht entschieden. 

L IV: Italiener haben französische Bitte auf Entsendung französischer Kriegs= 
schiffe nach Dakar zur Unterdrückung des Aufstandes im Tschad=Gebiet 
abgelehnt. 

Übergangsheer 24 Inf.=, 8 Artillerie=, 2 Kav.Divisions=Stäbe (davon 3 Jäger, 
2 Kol.), 3 Reiter=Regimenter. 

Lw 351 Flugzeuge + Polizei=Flugzeuge in Afrika. 

Ausland: In Rumänien Kundgebungen gegen den Schiedsspruch, kleine 
Revolten in Bukarest. In Moskau keine Kommentare. In Südafrika Antrag 
Hertzog auf Friedensschluß mit Deutschland mit 83 gegen 65 Stimmen ab= 
gelehnt. General von Bötticher meldet, daß eine amerikanische Kommission 
nach England geschickt ist, um Roosevelt über Verteidigungsmaßnahmen zu 
berichten. Hat sehr günstigen Eindruck gewonnen (Vortragsnotiz). 

WiRüAmt: Für „Seelöwe" 1000 Kähne aus der Binnenschiffahrt heraus= 
geholt. 

58 



3. September 1940 

LIH: 74 italienische Divisionen, davon 28 an der jugoslawischen Grenze, 
14 Divisionen in Libyen. Schweizer Grenzbrigade — 2 Bataillone, Finnland 
5 AK — 16 Divisionen. 140—150000 Mann, 600 Flugzeuge. Auf russischer Seite 
15—20 Divisionen. Russen bauen Eisenbahnnetz in den neugewonnenen finni= 
sehen Gebieten aus. 

Bericht des Chefs des Heeresnachrichtenwesens über 2. Teil der West= 
offensive. Englische Kräfteverteilung: Küstenverteilung 16 op.Res., 19V2, 3 un= 
bekannt; Englische Verluste in Frankreich. Geschütze 65%), Panzerfahrzeuge Va. 
In England daher neues behelfsmäßiges Panzerfahrzeug entwickelt. 

180—200 Flugzeuge monatlich aus USA. 

Französische Truppen in England in englischer Uniform mit Ärmelstreifen 
„France". 

Interne Besprechung: 

1. „Seelöwe": Heute früh die vom Heer eingeforderte Gliederung und Zeit= 
einteilung eingegangen. Zeittafel : Regie LIK. Richtlinien für Nachschub „See= 
löwe". L III: Nachmittags Besprechung bei Chef WFSt. 

2. Südosten: Vorbereitungen für Einsatz deutscher Panzerverbände sollen so= 
bald wie möglich abgeblasen werden [?], aber weg. evtl. Unruhen vorläufig 
noch nicht. 

Weisung LIH. Regie LIL. 

3. Italien: Rintelen hat am 29. 8. mitgeteilt: Badoglio über deutsche Ableh= 
nung glücklich. Teilt Chef OKW mit, daß Unternehmen gegen Jugoslawien und 
Griechenland erledigt. Wege im östlichen Mittelmeer im zunehmenden Maße 
von Italien beherrscht. Vorbereitungen gegen Ägypten abgeschlossen. Durch= 
führung, wenn erstes Bataillon auf englischem Boden. In Libyen keine Nei= 
gung. Italienische Wehrmacht und Volk drängen auf baldige Kriegsbeendigung. 

4. Finnland: Reichsmarschall hat durch persönliche Beziehungen erreicht, daß 
Finnland ^o 000 t Transportraum zur Verfügung stellt. 

5. Vortragsnotiz LIK hat in Reichskanzlei anscheinend auch beim Führer ein= 
geschlagen (betr. Einsatz deutscher und italienischer Schlachtflotte gegen Eng= 
land). Neuerdings rechnet das Oberkommando der Kriegsmarine nicht mit 19, 
sondern nur mit 15 englischen Schlachtschiffen. 



3. September 1940 

[handschr.]: 

LIH: 1. Panzer=Division nach Ostpreußen. 

LIL: Über Bristol in der Nacht 1./2. 33 t abgeworfen; insgesamt 65 t. Am 

2. 9. Wiederaufnahme der Bekämpfung der englischen Jagdabwehr. Soll am 

3. 9. fortgesetzt werden. In der Nacht zum 3. 9. feindliche Flieger im Anflug 
auf Berlin, drehen aber ab. Berlin in der Woche vom 25. 8.— 1. 9.= 8V2 Std. im 
Keller. 



59 



B. Kriegstagebuch 

Ziel der Angriffe des Monats August war Erringung der Luftüberlegenheit 
durch Bekämpfung der feindlichen Jäger. Beginn der Angriffe: 8. 8. Verluste: 
England: 1115 Jagdflugzeuge, 92 Kampfflugzeuge, 
deutsche: 252 Jagdflugzeuge, 215 Kampfflugzeuge. 

1 140 Sprengbomben, zahlreiche Brandbomben abgeworfen. 

Zerstört 18 Flugplätze, weitere 26 beschädigt. 

10% der Bodenorganisation zerstört, in der Jäger repariert werden können. 
Kampfflugzeugen noch kein wesentlicher Schaden zugefügt. 

Angegriffen 8 Flugzeug=, 3 Aluminium=, 19 Zellenwerke. 

Von den Flugzeugen, die von uns als abgeschossen gemeldet wurden, kann 
eine größere Zahl sicherlich sehr schnell wieder repariert werden. 

Nach Berechnungen der Luftwaffe verfügten die Engländer am 
1. 7. über 900 Jagd= und 250 Res. Flugzeuge 
1. 9. über 600 Jagd= und 100 aus der Industrie, davon 420 einsatzbereit. 

Englische Flakartillerie scheint neuerdings im Süden des Landes zusammen= 
gezogen zu sein. Leistungen der Flakartillerie im allgemeinen schlecht. Sperr= 
ballone 4 000 m hoch, stehen 400 m auseinander, werden überflogen und durch= 
flogen. Englische Kampf verbände : keine größere Tagaktion. Etwa 600 Flug= 
zeuge. Nachtflugzeuge 500, eingesetzt aber höchstens 100. Wenig Verluste. 
Englischer Schiffsraum nicht zu fassen. Englische Bevorratung daher gestiegen. 

Flugzeugindustrie: Juli je 300 Kampf= und Jagdflugzeuge. Amerikanische 
Produktion läuft erst Mitte Mai 1941 an. Schlußfolgerung: Englische Jagd= 
abwehr stark angeschlagen. Werden die deutschen Angriffe auf die englischen 
Jäger im Laufe September bei günstiger Wetterlage fortgesetzt, so ist an= 
zunehmen, daß die Jagdabwehr dann so geschwächt ist, daß die Luftangriffe 
auf Produktionsstätten und Hafenanlagen derart gesteigert werden können, 
daß die englische Bevorratung erheblich darunter leidet. Ob England dann noch 
weiter kämpft, ist die Frage. 

L III: Beim französischen Übergangsheer 2 Kavallerie=Brigaden, nicht Divi= 
sionen. Kolonialregimenter bestehen nur aus Weißen. Französische Streitkräfte 
im Tschad=Gebiet ganz unbedeutend. 

Ausland: Chef L antwortet auf Anfrage, daß dem Führer die Lage in 
Zentralafrika vorgetragen werden soll. 

WiRüAmt: Wehrmachtausgaben des 1. Kriegsjahres 38 Milliarden RM, 
davon etwa 20 Milliarden für Rüstung. 

Interne Besprechung: 

1. „Seelöwe": Auf Grund Vorlage Kriegsmarine kurzer Befehlsentwurf für 
Zeittafel mit Daten heute morgen an Chef WFSt. Befehl am 5.— 10. Tage muß 
Inkraftsetzung der Irreführungsmaßnahmen enthalten. „Grüne Bewegung": 
Kriegsmarine Raum E über „grün" und „blau", Auffassung beim Heer noch 
abweichend. Klärung von Oberkommando zu Oberkommando auf der Basis 
der Weisung unter Beteiligung des Oberkommandos der Wehrmacht. 

60 



4. September 1940 

Bemerkungen der Abt. L zu Operationsentwurf OKH (Aufmarschanweisung 
Heer). 

2. Rumänien: Chef WFSt: Führer beabsichtigt, wenn Spannung Rumänien- 
Ungarn beseitigt, s(ehr) [?] gestrenges Diktat (?). Rum. Anregung Militär« 
mission durch Lehrtruppen zu verstärken. Entwurf Chef L. 

Verfahren, daß Militär=Attaches nur über Botschaft melden, soll geändert 
werden. 

[KTB]: 

Nachmittags Verfügung „Seelöwe". 



4. September 1940 

General v. Stülpnagel bittet erneut um Weisung, welche Richtlinien den 
Franzosen gegenüber hinsichtlich Westafrika beobachtet werden sollen. An= 
laß hierzu gibt der für den 4. 9. abends angekündigte Besuch des Generals 
Huntziger. Seiner Ansicht nach müsse man über die bisherigen Einzel= 
genehmigungen hinaus, die sämtlich Zeit zur Verwirklichung brauchten, den 
Franzosen Gelegenheit geben, in einem bestimmten Rahmen selbständig zu 
handeln und die getroffenen Maßnahmen nachträglich zu melden. Nach Rück= 
spräche mit Chef WFSt teilt Chef L dem General v. Stülpnagel mit, daß beim 
OKW die Absicht bestünde und mit dem Auswärtigen Amt bereits besprochen 
worden sei, den Franzosen die Verpflichtung aufzuerlegen, in ihrem Kolonial= 
reich Ordnung zu schaffen. Eine Nichterfüllung dieser Forderung müsse schwer= 
wiegende Folgen auch im französischen Mutterland haben. Diese Absicht solle 
aber noch mit Italien abgeglichen werden und dürfe vor Entscheidung des 
Führers nicht zum Gegenstand der Erörterung mit General Huntziger gemacht 
werden. 

Nach erneuter Rücksprache mit dem Auswärtigen Amt teilt Chef WFSt am 
4. 9. nachmittags mit, daß die endgültige Übereinstimmung mit dem Aus= 
wärtigen Amt im vorstehenden Sinne erzielt worden sei und daß das Aus= 
wärtige Amt die erforderliche Abstimmung mit Italien betreiben werde. Offen 
geblieben sei noch die Frage der Kontrolle der französischen Maßnahmen, wozu 
Vorschläge von der Abt. L gemeinsam mit der Abt. Ausl. vorgelegt werden 
sollten. 

Chef L reicht dem Chef WFSt Vorschläge für die Unterrichtung der deut= 
sehen Militär= und Luftattaches in Washington über den Luftkrieg gegen und 
die Landung in England ein, um sie zu befähigen, der amerikanischen Propa= 
ganda entgegenzutreten. 

Chef L unterrichtet mittags den stellv. Chef des Stabes WNV, Freg.Kpt. 
Humpricht, über die Lage im Südosten, die es erfordere, nachrichtentechnische 

61 



B. Kriegstagebuch 

Vorbereitungen zu treffen, um bei einer noch immer möglichen, schnell ein= 
tretenden Notwendigkeit der Besetzung des ölgebietes über die nötigen Ver= 
bindungen zu verfügen. ChefL teilt dem stellv. Chef des StabesWNV weiterhin 
mit, daß binnen kurzem voraussichtlich eine deutsche Militärmission größeren 
Umfanges in Rumänien zum Einsatz kommen werde, zu deren Aufgaben im 
Bedarfsfalle auch die Besetzung wehrwirtschaftlich wichtiger rumänischer Ge= 
biete gehören könne. Chef L weist weiterhin auf die Dringlichkeit der nach= 
richtentechnischen Vorbereitungen für den etwaigen Einsatz deutscher Truppen 
gegen Gibraltar hin. 

L1H. Schreiben über Erkennungssignale und Leuchtzeichen. 

[handschr.] : 

LIL: Starke Luftangriffe südöstlich London zur Bekämpfung der englischen 
Jäger. Abschußverhältnis hat sich wesentlich zu unseren Gunsten geändert. 
Nacht zum 4. 9. Schwerpunkt der englischen Angriffe Umgebung von Berlin 
(10 Sprengbomben); Norden, keine Angriffe auf die Innenstadt. London vom 
Führer noch nicht freigegeben; den Italienern ist eine Gr. Stukas von uns über= 
lassen worden. 

LIK: Abgabe der 50 amerikanischen Zerstörer an England (+ Vs des bis= 
herigen [engl.] Bestandes) perfekt. 

Italienische Wehrmachtführung hat entschieden, keinen Einsatz der italieni= 
sehen Schlachtschiffe. L III: Führer hat italienisch=deutschem Vorschlag zur 
Abrüstung der französischen Luftwaffe zugestimmt. Franzosen haben zur 
Wiederherstellung der Lage in Aviso 1 U=Boot und 1 Bananendampfer von 
Dakar nach Liberville in Marsch gesetzt. Die 3 Kreuzer dürfen von Zerstörern 
nur bis Gibraltar begleitet werden. 

Ausland: Englische Abtretungen in Westindien: Neufundland, Bermudas= 
Inseln, westindische Inseln. V. O. des Reichsaußenministers: Molotow hat dem 
deutschen Botschafter 1 seine Verwunderung darüber zum Ausdruck gebracht, 
daß Deutschland Sowjet=Rußland nicht vom deutschen Schiedsspruch 2 im 
rumänisch=ungarischen Konflikt rechtzeitig unterrichtet hat. 

Interne Besprechung: 

1. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Beteiligung Spaniens am 
Kriege sind nach neuerer Anschauung nicht mehr entscheidend. Neue Waffen= 
anforderungen Spaniens. WiRüAmt soll melden, wie weit sie aus der Kriegs= 
beute erfüllt werden können. 

2. „Seelöwe". Neben Zeittafel soll Ausführungsbefehl (am 11. 9.) aus= 
gegeben werden. Führungsunterlagen für den Führer beim täglichen Ablauf: 
Verfahren, wie man täglich kartenmäßig Ablauf zusammenfaßt. Von Luftwaffe 

1 Graf von der Schulenburg. 

2 Vom 30. August 1940. 

62. 



5. September 1940 

fehlt Vorschlag für Einsatz von Fallschirmtruppen. Plätze der Führungstäbe: 
Gießen oder Felsennest? 

3. Letzte Angabe des Admirals Canaris über Rücksprache mit Vigon (LIH). 

4. Nordnorwegen. Admiral Nordküste eingesetzt. 

5. Studie Südost. IH. 

LIK: Demobilmachung der französischen Flotte: „Jean Bart" und „Richelieu" 
noch draußen; ersterer soll in Casablanca abgerüstet werden. Letzterer liegt 
beschädigt hinter der Mole von Dakar. „Bearn" [Flugzeugträger] in den An= 
tillen. Zugestandene Kolonialflotte für den Rest des Krieges. 



5. September 1940 

L III mit Ausl. wegen Westafrika verhandelt. Von der WStK Vorschläge für 
Kontrolle erbeten. Chef L macht dem Chef WFSt am 6. 9. hierzu eigene Vor= 
schlage. 

Die Entwicklung in Rumänien zeichnet sich klar als Maßnahme im Sinne der 
Achsenpolitik ab. Niederschlag im Telegramm des deutschen diplomatischen 
Vertreters in Bukarest, der von sich aus den Vorschlag zur Einsetzung einer 
Militärmission macht. An der Bereitschaft zum Einmarsch wird einstweilen noch 
festgehalten, daneben laufen die planmäßigen Vorbereitungen für die künftige 
Entsendung einer Militärmission. Ein entsprechendes Schreiben wird am 6. 9. 
dem Chef WFSt vorgelegt. 

Der Ob. d.M. unterrichtet am 6. 9. den Führer über den Stand der Vorberei= 
tung für das Unternehmen „Seelöwe" und meldet ihm deren planmäßigen 
Verlauf bei der Kriegsmarine. Der Ob. d.M. gibt hierbei erneut sein Urteil dahin 
ab, daß die Kriegsmarine unter der Voraussetzung erreichter Luftherrschaft 
aller Voraussicht nach den ihr gestellten Aufgaben gerecht werden würde. 

Chef L legt dem Chef WFSt einen Entwurf zur Zeittafel vor, der nunmehr 
zur Prüfung und Vervollständigung den Oberkommandos der Wehrmachtteile 
zugeht. Chef L weist hierbei noch besonders auf die Notwendigkeit der Zu= 
sammenfassung des Führerhauptquartiers und der Hauptquartiere der Ober= 
befehlshaber der Wehrmachtteile nach Erlaß des Vorbefehls hin. Nach Mit= 
teilung des Chefs WFSt kommen hierfür nach wie vor „Mühle" (Ziegenberg) 
und „Gisela" (Gießen) 1 in Frage. 

Chef WFSt teilt weiterhin mit, daß der Führer dem Ob.d.M. gegenüber die 
Absicht ausgesprochen habe, im Falle der Absage des Unternehmens „Seelöwe" 
während des Winters die Lage im Mittelmeer zu bereinigen, und daß er sich 
hierbei erstmalig dahin geäußert habe, daß auch die Azoren, die Kanarischen 
und die Kap Verdischen Inseln von deutsch=italienischen Kräften rechtzeitig in 
die Hand genommen werden müßten, um ein Festsetzen der Engländer und 

1 Die Angaben in Klammern sind handschriftliche Ergänzungen. 

63 



B. Kriegstagebuch 

später auch der Amerikaner auf diesen Inseln zu verhindern. Die Abt. L solle 
die nötigen Unterlagen hierfür zusammenstellen. 

Chef WFSt teilt fernerhin mit, daß der italienische Militärattache in Berlin 
ihn aufgesucht und erneut um die Überlassung von Lastkraftwagen, Panzer= 
abwehrwaffen und Zugmaschinen gebeten habe. Er, der Chef WFSt, habe ihn 
daraufhin in großen Zügen mit der Absicht des Führers, deutsche Panzer= 
verbände nach Libyen zu entsenden, bekanntgemacht, aber hierbei darauf 
hingewiesen, daß diese Entsendung längere Zeit in Anspruch nehmen würde 
und der Beginn der italienischen Offensive gegen Ägypten hiervon nicht ab= 
hängig gemacht werden dürfe. 

Chef L legt dem Chef WFSt einen neuen Entwurf für einen zusammen= 
fassenden Befehl des OKW zur Erweiterung des Kriegsheeres auf 180 Div. 
vor, der zuvor die Zustimmung des AHA gefunden hat. Er berichtet weiter über 
die Vorbereitungen zum Ausbau der großen Übungsplätze im Ostraum (L II) 
und über eine dem Amt Ausl./Abw. erteilte Anweisung über Verhalten gegen= 
über dem russischen Nachrichtendienst (LIH). 

Die vom Heer gewünschte Erweiterung des Operationsgebietes auf den 
Südwestteil der Niederlande soll in anderer Form erfolgen (L IV). 

Rekrutenzuteilungen an die Wehrmachtteile und die Waffen=SS aus den 
Jahrgängen 1919 (letztes Drittel) und 1920. 

Nach Mitteilung des Oberst v. Witzleben sind im Aufmarsch des Heeres für 
das Unternehmen „Seelöwe" größere Veränderungen beabsichtigt (LIH). 

OKH (GenStdH Op.Abt.) nimmt zur Frage der Entsendung einer gemischten 
Pz.=Brigade nach Libyen (vgl. 26. 8.) dahingehend Stellung 2 , 

1. daß die Versorgung auch in diesem Falle in deutschen Händen liegen und 
die Bevorratung vor Operationsbeginn abgeschlossen sein müsse, 

2. daß die personelle, materielle und technische Umbildung der zur Abgabe 
vorgesehenen 3. Pz.Div. 4 Wochen, ihr Antransport zu den süditalienischen 
Häfen 6 Tage und die Gewöhnung der Truppe an die klimatischen Verhältnisse 
8 Wochen in Anspruch nehmen würde, der Einsatz in Libyen mithin nicht vor 
Anfang Dezember möglich sei. 

Das OKH bittet um baldige Entscheidung, ob mit den erforderlichen Vor= 
arbeiten begonnen werden solle, und gleichzeitig um die Genehmigung zur 
Aufnahme von Besprechungen mit den Italienern (vgl. 11. 9.). 

[hanäschr.] : 

Gestern nachmittag Verhandlungen im Auswärtigen Amt zwischen Ober= 
kommando der Wehrmacht und Vertretern des Auswärtigen Amtes über 
französisches Verhalten in Nordafrika. Franzosen müssen sich selber helfen; 
es ist ihnen aufzugeben, die Ordnung in Nordafrika wieder herzustellen. Dazu 

2 Hinweis auf Anlage, OKH, GenStdH, Op.Abt. 459/40 g.K. Chefs. 2 Ang., v. 3. 9., 
in den Akten LIH. 

64 



6. September 1940 

die nötigen Truppen bewilligen. Deutsch=italienische Kontrolle. Zurückgreifen 
auf Forderung auf deutsche Stützpunkte (Ferngespräch Chef und General von 
Stülpnagel 11.00 Uhr). 

LIL: Bei gestrigen Vorstößen wenig feindliche Jagdabwehr. Englische Nacht= 
angriffe, Schwerpunkt Osnabrück, /Bomben auf Potsdam. Neuauf bau desFlak= 
Schutzes Berlin: 31 schwere, 17 leichte, i± Scheinwerf er=Batterien. Auch der 
Osten wieder geschützt. Wetterlage im gesamten Nordwesten Europas gut mit 
einzelnen Störungsgebieten. 

LIK: Vortrag über englische Gebietsabtretungen an USA. Am 4. 9. das 1. 
italienische U=Boot in Bordeaux eingetroffen. 

L IV: Führer wünscht nicht Verallgemeinerung (allgemeine Einführung) der 
deutschen Rechtsetzung in Elsaß=Lothringen und Luxemburg. 

L 7/7: Französische Waffenstillstands=Kommission hat bereits gegen Maß= 
nahmen protestiert, die Annektierung vermuten lassen. Lage in den fran= 
zösischen Kolonien. In Marokko ist man überzeugt, daß die Amerikaner bei 
Eingreifen in den Krieg sich in Marokko festsetzen werden, um von dort die 
Achsenmächte zu bekämpfen. Ungarischer Einmarsch in Rumänien vom 
5.-12. 9. 

In Rumänien lokale Unruhen. 

Interne Besprechung: 

Bisher in Bulgarien bereitgestellte Abwehr II=Kräfte (70 Mann) gehen nach 
Rumänien. Ausländische Denkschrift über sowjetrussische Armee. 

L7H: Neugliederung im Osten: Heeresgruppe B mit AOK 18, 4 und 12 = 
35 Divisionen — 24. 10. Darunter 6 Panzer=, 3 mot.Div. {17 Divisionen ein= 
schließl. 1 KD + 9). Oberst von Witzleben hat gestern gemeldet, daß Gruppe 
XXI bereits mit Irreführungsmaßnahmen begonnen habe. Schreiben an Ausl. 
Abw. General Huntziger hat gestern mitgeteilt, er würde in einigen Wochen 
Chef der französischen Heeresleitung. 

Zeittafel „Seelöwe". Von LIK zusammengestellt. Einzelne Ergänzungen 
notwendig. LIH schlägt Koppelung Großangriff London mit „Seelöwe" vor. 
Luftflotte 5 wird in den nächsten Tagen zum Großangriff auf L nach Holland 
heruntergezogen. Einsatz der italienischen Verbände in etwa 3 Wochen. Reichs= 
marschall interessiert sich nicht für „Seelöwe"= Vorbereitungen, da er nicht an 
Durchführung glaubt. 

6. September 1940 

Chef L hält dem Chef WFSt an Hand einer Vortragsnotiz des L IV d 
(Ob.Reg.Rat Frhr. v. Fritsch) Vortrag über die Frage der Behandlung der bel= 
gischen Kriegsgefangenen. 

Aus dem Tätigkeitsbericht des Mil.Befh. Belgien und Nordfrankreich vom 
4. 8. gehe hervor, daß in Belgien die auf einem Mißverständnis beruhende Mit= 

65 



B. Kriegstagebuch 

teilung von der bevorstehenden Entlassung aller belgischen Kriegsgefangenen 
große Freude erregt und die Stimmung zu Deutschlands Gunsten beeinflußt 
habe. Eine entsprechende Veröffentlichung sei durch die Brüsseler Presse 
gegangen, und der König habe Reichsminister Meißner um Übermittlung seines 
Dankes an den Führer gebeten. 

Der Mil.Befh. selbst habe dem L IV d gegenüber darauf hingewiesen, daß es 
für die künftige Entwicklung in Belgien von entscheidender Bedeutung sei, ob 
die belgischen Kriegsgefangenen entlassen würden oder nicht, da das belgische 
Volk an die Erfüllung der angeblichen Zusage glaube. Er habe weiterhin betont, 
daß, wenn man Absichten auf gewisse Teile des Landes haben sollte, man 
besonderen Anlaß hätte, durch die Entlassung der Kriegsgefangenen die Be= 
völkerung zu gewinnen. Bei der großen Zahl wehrfähiger, der Gefangenschaft 
entgangener und sich im Lande aufhaltender Männer spielten die noch zu 
entlassenen Kriegsgefangenen ohnehin keine Rolle. Als besondere Belastung 
würde die Internierung der aus dem unbesetzten Frankreich abgeschobenen, 
noch nicht gedienten Jugendlichen wallonischen und flämischen Volkstums 
empfunden. 

Chef L bittet um eine grundsätzliche Regelung dieser Frage. 

Zu der Verfügung des OKW (WFSt L IIa 2119/40 g. v. 24. 8.), nach der bei 
der Verteilung der zur Einstellung heranstehenden Rekruten der Geb.=Jahr= 
gänge 1919 (letztes Drittel) und 1920 auf die drei Wehrmachtteile und die 
Waffen=SS die Stärke der Kriegswehrmacht am 1. 5. 1941 zu Grunde gelegt 
werden soll, legt das AHA (2883/40 g. v. 3. 9.) eine Vortragsnotiz über die 
Rekruteneinstellung im Herbst 1940 zur Vorlage vor den Chef OKW vor. 

Nach dem Stande vom 1. 5. 1941 wird die Kriegswehrmacht insgesamt 
6 763 000 Mann stark sein, und zwar das Heer 4 900 000 Mann = 72,5 °/o, die 
Kriegsmarine 298 000 Mann — 4,4 °/o, die Luftwaffe 1 485 000 Mann = 22 % 
und die Waffen=SS 80 000 Mann = 1,1 °/o. 

Diese Prozentsätze ergeben zahlenmäßig folgende Rekrutenquoten für die 
Geb.=Jahrgänge 1919 (letztes Drittel) und 1920: 



1. Geburtsjahr gang 1919 (letztes i 
Musterungsergebnis 
(-) uk=Gestellte 

Heer Kriegs= 
marine 


Drittel): 

208 500 
16424 




ins= 
gesamt 


192076 

Luft= 
waffe 


Waffen- 
SS 


Quote 
Freiw. 


139255 
85300 


8451 
4000 


42257 
33000 


2113 
2000 


192076 
124300 


noch 
verfügbar 


53 955 


4 451 


9257 


113 


6yyy6 



66 



6. September 1940 



2. Geburtsjahrgang igio: 

Musterungsergebnis 
(-) uk=Gestellte 

Heer Kriegs= 
marine 


613 264 

92525 




ins= 
gesamt 


520 


739 




Luft= 
waffe 




Waffen= 
SS 


Quote 
Freiw. 


377536 
102 108 


22913 
12232 


114562 
71924 




5728 
15718 


520739 
201 982 


Ausgl. SS 


275428 
7322 


10681 

445 


42638 
2223 




— 


— 


noch 
verfügbar 


268 106 


10236 


40415 




— 


318757 



[handschr.] : 

L1L: Englische Jagdstaffeln von 12—15 au ^ 5~7 Flugzeuge abgesunken. Die 
Londoner haben in der vergangenen Nacht 7V2 Stunden im Keller gesessen. 

Etwa 80 englische Flugzeuge nachts in Deutschland eingeflogen. Absicht für 
heute: Vorstöße auf London mit Bekämpfung der englischen Jagdabwehr. 
Der Luftflotte 3 sind alle Jäger und Zerstörer zugunsten der Luftflotte 2 
abgenommen worden. Englische Luftangriffe gegen das Reichsgebiet: Juli 854, 
August 884 Stellen, wo Bomben geworfen, nicht Bombenzahl. Juni 1315. 

Nachlassen im Rheinland und Ruhrgebiet, Zunahme im übrigen Reichs= 
gebiet. Kellerkarte zeigt im August wesentliche Zunahme. Luftangriffe gegen 
Großbritannien: Juni 122, Juli 271, August 691 Angriffe. August 3085 t Bom= 
ben abgeworfen. Zahl wird sich im September erhöhen. 

L III: General Huntziger befürchtet im Winter Unruhen im unbesetzten 
Frankreich. 

Ausland: König von Rumänien hat zugunsten seines Sohnes Michael auf den 
Thron verzichtet 1 . 

WiRüAmt: Ausfälle in der Industrie=Produktion im August wegen der 
häufigen Alarmierungen. In der Rüstungsindustrie keine Stockung. Flugzeug= 
Lieferung USA an England August 236 Flugzeuge. 

Interne Besprechung: 

Oberst von Witzleben teilt fernmündlich mit, daß nach Eingabe der Heeres= 
gruppen und Armeen die Aufmarschausweitung des OKH sich noch ändert. 
Neue Unterlagen nicht vor Dienstag. Oberst von Witzleben hat eine Auf= 

1 Vgl. hierzu: Hillgruber, A., Hitler, König Carol und Marschall Antonescu. Die 
deutsch=rumänische Beziehungen 1938 — 1944, Wiesbaden 1954, S. 95 ff. 



6 7 



B. Kriegstagebuch 

Zeichnung über „Herbstreise" übergeben. Westafrika: Forderung, Ordnung 
zu schaffen. Mittel den Franzosen zu geben, deutsche Kontrolle. Vorschlag von 
den Franzosen einzuholen, da wir keine Unterlagen über Kräfteverteilung 
haben. Vorbereitungen treffen zur Besetzung von deutschen Stützpunkten. 
Es ist angeregt worden, daß die deutschen Kontrollkommissionen in Casablanca 
und Dakar eingesetzt werden sollen. Chef regt hierzu an, die Kommissionen 
vom Mutterland aus Kontrollbesuche machen zu lassen. Sollen die von uns 
genehmigten Maßnahmen daraufhin prüfen, ob sie zur Niederschlagung des 
Aufstandes verwendet werden. 

L1K: Täuschungsmaßnahmen der Kriegsmarine bei „Seelöwe" am S 2. Tage 
aus der deutschen Bucht, Skagerrak und Norwegen. „Hipper" am S 3. Tag mit 
2 Tankern in den Atlantik. 



7. September 1940 

[handschr.] : 

In der vergangenen Nacht wieder starker Luftangriff auf Berlin. In den 
beiden letzten Nächten wurden die Dockanlagen von London angegriffen. 
Heute nachmittag und in der kommenden Nacht Angriff auf Ost= und Westteil 
von London beabsichtigt. Japanischer Luft=Attache in London hat seiner 
Regierung über gute Wirkung der deutschen Luftangriffe berichtet; japanischer 
Luft=Attache Berlin hat geringe Wirkung der englischen Luftangriffe gemeldet 
(Mitteilung des Chefs WFSt). 

LIV: Denkschrift des Ministerial=Direktor Dr. Dankwerth über Rückkehr 
der französischen Regierung nach Paris; würde für alle Teile große Schwierig= 
keiten mit sich bringen. 

L 777: Italiener haben den Franzosen gestattet, außer den drei Kreuzern auch 
3 Zerstörer nach Dakar zu bringen, im übrigen volle Abrüstung in Nord= und 
Westafrika verlangt. 

Ausland: Beruhigung der Lage in Rumänien. Königin Helene kehrt nach 
Bukarest zurück, stimmungsmäßige Abkehr von König Carol. Telegramme 
Antonescus an Führer und Duce. Unruhen in Bukarest. Umbildung der fran= 
zösischen Regierung. General Huntziger Kriegsminister, Weygand Oberbefehl 
in Afrika. 

Wöchentliche Fettration in England 170 gr, davon 113 gr Butter. 

Interne Besprechung: 

Ausl. Denkschrift über russische Wehrmacht. LIH=Studie über Straßen= und 
Eisenbahnlage Südost. Weisung Rumänien ausgabefertig bei LIL. Verfügung 
über Einsetzung der Militär=Mission in Rumänien liegt bei Chef OKW zur 
Unterschrift vor. Führer hat dem Ob.d.M. gegenüber erklärt, daß Gibraltar 
und Ägypten ernster angefaßt werden sollen. Führer hat seiner engeren 

68 



9. September 1940 

Umgebung gegenüber geäußert, eine Panzer=Brigade für Ägypten sei zu 
wenig, ein Panzerkorps mit 2 Panzer=Divisionen ohne mot. Division solle 
vorgesehen werden. 

Gibraltar: Bei Chef OKW Absicht, deutschen Befehlshaber nun zu ernennen. 
Demgegenüber Vorschlag Chef L, zunächst einmal die Verhandlungen mit 
Franco zum Abschluß zu bringen. Eigener Artillerie=Einsatz. LIK soll sich mit 
der Frage der Besetzung der Azoren, Kap Verdischen Inseln etc. beschäftigen. 

LIK trägt vor eine Denkschrift der Kriegsmarine über „Seelöwe". Voraus 
Motorboote und Motorsegler, dann 1. Schlepp mit Prähme, 2. Dampfer mit 
besetzten Prähmen, 3. Dampfer mit leeren Prähmen. 



9. September 1940 

Abt. L (1628/40 g.K.) legt dem Chef WFSt eine Unterbringungsübersicht 
der Gruppe XXI nach dem Stande vom 1. 9. vor, aus der sich ergibt, daß 
die Verlegung der 2. Geb.Div. nach Nordnorwegen am 1.9. bereits große 
Fortschritte gemacht hat, während die Masse der 196. Div. noch im Räume 
von Oslo eingesetzt ist. 

[handschr.] : 

(Am 8. 9. (Sonntag) keine Lagebesprechung). 

In der vergangenen Nacht 58 Einflüge. Schwerpunkt Hamburg. Nach Berlin 
wegen schlechten Wetters nicht durchgekommen. Für gestern vorgesehene 
Angriffe gegen London wegen schlechten Wetters abgebrochen, nachts Angriffe 
durchgeführt, starke Brandwirkung. Am 7. 9. nachmittags 1 großer Angriff 
auf London. Von morgen ab mit Wetterverschlechterung über England zu 
rechnen. 

L III: Die 3 französischen Kreuzer und 3 Zerstörer laufen heute nachmittag 
16.00 Uhr aus Toulon aus. Führer hat Vorschläge der Abt. L bezüglich West= 
afrika genehmigt. L III gestern Chef Ausland gesprochen. Telegramm an 
deutschen Militär= Attache * abgegangen, soll Einverständnis der italienischen 
Waffenstillstandskommission herbeiführen. 

Ausland: Telegramm Bötticher über Ergebnis deutscher Luftangriffe bis 8. 9. 
nachmittags. Moral der Bevölkerung stark angeschlagen. Große Ermüdungs= 
erscheinungen. Optimismus verschwunden. Wirkung im Herzen Londons wie 
ein Erdbeben. Große Schäden an den Versorgungsbetrieben (Gas, Elektrizität, 
Wasser). 

König Carol von Rumänien in Lugano eingetroffen. 

Rumänisch=bulgarische Verhandlungen zum Abschluß gekommen. 



1 Gen. v. Rintelen. 

69 



B. Kriegstagebuch 

Interne Besprechung: 

Ausland Chef L: Antonescu hat dem deutschen Militär=Attache seine Wün= 
sehe übermittelt. Deutsche Offiziere als Lehrer, deutsche Lehrtruppen. General 
Hansen Besprechung zwecks intensiver Zusammenarbeit. 

General von Bötticher übermittelt befürwortend Wunsch USA=Wehrmacht, 
amerikanische Attaches Frontbesuche machen zu lassen bei deutschen Heer= 
und Luftwaffen= Wehrmachtsteilen; soll mitgeteilt werden, daß OKW Wert 
auf Erfüllung des amerikanischen Wunsches legt. 

LIL: Zusammenstellung der in Rumänien zu sichernden Objekte. „Seelöwe". 
Letzter Anhaltetermin S— 1 24 Stunden vor Anlandezeit. Auslaufen „Hipper" 
wahrscheinlich schon am S—8. 

LIL: Major von Falkenstein zum Oberbefehlshaber der Luftwaffe geflogen. 
Vortragsnotiz L II über Verlegung der Ersatztruppen WKT (141. und 151. Divi= 
sion) in das Protektorat, um Unterkünfte für Feldtruppen freizumachen. Be= 
ginn 14. 9. 

10. September 1940 

Chef WFSt teilt dem Chef L bei dessen Vortrag am Nachmittag mit, daß 
der Führer sich am Vormittag auf Vortrag des Chefs OKW entschlossen habe, 
von dem frühest möglichen Termin für die Ausgabe des Befehls zum Anlauf 
des Unternehmens „Seelöwe" (= 11.9.) keinen Gebrauch zu machen, da die 
Ergebnisse des verschärften Luftkrieges gegen England noch nicht voll zu 
übersehen seien und nicht schon der frühest mögliche Tag (21. 9.), sondern 
der günstigste Tag (24. 9.) für die Landung in Aussicht genommen werden 
solle. Eine Verschiebung des Vorbefehls habe auch nicht so schwerwiegende 
Folgen wie die des endgültigen Befehls am S— 3. Tage. Denn bei einer Ver= 
Schiebung des letzteren gewinne der Gegner Zeit zum Räumen der von der 
Kriegsmarine vom S— 10. Tage an gelegten Flankensperren in den Kanalaus= 
gangen und dem Legen neuer Minen in den Überführungsgewässern, und für 
die Luftwaffe würde sich eine Verschiebung der Ausgabe des endgültigen 
Befehls insofern sehr ungünstig auswirken, als vom S— 10. Tage an die für 
das Unternehmen vorgesehene Flakartillerie aus ihren derzeitigen Stellungen 
herausgezogen werden müsse, womit sie für andere Zwecke ausfalle. 

Chef L übergibt dem Chef WFSt die von der Abt. L im Einvernehmen mit 
den Oberkommandos der Wehrmachtteile ausgearbeitete grundlegende Wei= 
sung für das Unternehmen „Seelöwe" (Nr. 18) l , deren Ausgabe für den 
S— 10. Tag vorgesehen ist, die nun aber wegen Verschiebung des Vorbefehls 
vom Chef WFSt lediglich entgegengenommen wird. 



Hinweis auf Anlage, OKW/WFSt/L 33270/40 g.K. Chefs, v. 11. 9. 1940, in den 
Akten LIH. 



70 



io. September 1940 

Im Anschluß hieran erörtert Chef WFSt mit Chef L und dem LIL die Frage 
des Einsatzes und der Unterstellung der Luftaufklärungsverbände des Ob. d.M. 
auf Grund eines Schreibens der Seekriegsleitung, das dem Chef WFSt heute 
vom LIK vorgelegt worden ist 2 . 

Darin stellt die Ski. im Zusammenhang mit der Vorbereitung und Durch= 
führung des Unternehmens „Seelöwe" und den beabsichtigten Diversions= 
Unternehmungen „Hipper" und „Herbstreise" folgende Forderungen hinsicht= 
lieh des Einsatzes und der Unterstellung der Luftaufklärungsverbände des 
Ob.d.M. (Anl.) : 

1. die Aufklärung in der Nordsee, im Nordmeer und im Nordatlantik bis zu 
einer die Orkney=Inseln einschließenden und in einem Abstand von 60 sm 
längs der englischen Ostküste bis zum 53. Breitengrad verlaufenden Linie 
durch das Marinegruppenkommando Nord mit den Aufklärungskräften des 
F. d. Luft durchführen zu lassen und letzterem hierzu die Küstenfl. Gr. 506, 
die anläßlich der „Weserübung" auf Widerruf dem Ob.d.L. zur Verfügung 
gestellt worden sei, wieder zu unterstellen; 

2. die Aufklärung im Seegebiet südlich der Linie Cape Clear— Land's End, in 
der Biscaya und in dem Seegebiet westlich davon durch das Marinegruppen= 
kommando West durchführen zu lassen und die in Brest liegende Küstenfl. 
Gr. 606 hierzu durch die z. Z. zum Seenotdienst im Kanalbereich eingesetzte 
Fernaufklärungsstaffel 2/106 zu verstärken; 

3. die Aufklärung der Flottenstützpunkte an der Nord= und Westküste Eng= 
lands, des 60 sm Streifens an der Ostküste sowie der Seegebiete des 
St. Georgs=Kanals, der Irischen See und des Nord=Kanals durch die Auf= 
klärungskräfte des Ob.d.L. durchführen zu lassen. 

Die Ski. begründet diese Forderungen damit, daß die Aufklärung in den 
genannten Seegebieten für die Durchführung der geplanten Diversionsunter= 
nehmungen einerseits und für die Handelskriegführung mit U=Booten und 
Überwasserstreitkräften von den westfranzösischen Stützpunkten aus anderer= 
seits von besonderer Bedeutung sei und daß der Ansatz und die Steuerung 
dieser Aufklärung nur in den Händen der für die Seekriegführung in diesen 
Gebieten verantwortlichen Gruppen liegen können. 

Demgegenüber vertritt der LIL den Standpunkt des Ob.d.L., daß der ver= 
schärfte Luftkrieg gegen England dazu zwinge, alle hierfür verwendbaren 
Fliegerverbände in der Hand des Ob.d.L. zusammenzufassen, um sie einheitlich 
zur Wirkung bringen zu können, und daß insbesondere die Luftaufklärung 
über England und den umliegenden Seegebieten einheitlich vom Ob.d.L. ge= 
steuert werden müsse, um ein Überschneiden der Auf klärungs auftrage und ein 
Brachliegen wertvoller Aufklärungskräfte zu vermeiden. 

Chef L schlägt vor, an dem bisherigen System der Unterstellung von Luft= 
aufklärungsverbänden unter den Ob.d.M. im Prinzip festzuhalten, also davon 

2 Hinweis auf Anlage, Ski. 1. Abt. 13005/40 g.K. v. 9. 9., in den Akten LIK. 

71 



B. Kriegstagebuch 

abzusehen, die gesamte Luftaufklärung ein für alle Mal in die Hände des 
Ob.d.L. zu legen, die Zuteilung der Verbände aber den jeweiligen Umständen 
anzupassen. 

[handschr.] : 

HL: Schwerpunkt der deutschen Luftangriffe am 9. 9. und Nacht 9./10. 
wieder London. In der Nacht 190 Flugzeuge eingesetzt. Abs. für 10. Bei Luft= 
flotte 2 Angriff mit 1 Geschwader gegen London und den übrigen gegen Luft= 
häfen= und Industrie. 

LIK: Marine steht auf dem Standpunkt, daß Boulogne von See her be= 
schössen worden ist. 

Ausland: Admiral Canaris ist aus Bukarest zurückgekommen, hat Eindruck, 
daß Antonescu Lage beherrscht. Voraussetzung für Bestand ist deutscher Sieg. 
Baldige Hinsendung eines deutschen Generals erwünscht. Chef L Sofortbereit= 
schaft der für Rumänien bereitgestellten Truppen aufgehoben. 

Ausland: General Weygand Autounfall, fällt für 3 Wochen aus. Sollte 
nach Afrika, um Ordnung zu schaffen. 

WiRü: In Frankreich ab 15. 9. 2450 g Brot, 350 g Fleisch, 80 g Butter und 
Fett, 50 g Käse, 150 g Zucker pro Person und Woche. 

Interne Besprechung: 

Einrichtung einer gemeinsamen deutsch=italienischen Kontrollkommission für 
die Atlantikküste in Nordafrika (L III). Vorschläge des General von Rintelen 
hierzu. Deutsche Militär=Mission Rumänien soll General von Tippeiskirch 
bearbeiten; Festlegung der Aufgaben nicht ohne Abt. L. 

L7L: Luftstützpunkte in Nordafrika (Atlantikküste: Casablanca und Dakar): 
General Jeschonnek verlangt Schutz durch Erdtruppen. Frage soll zurückgestellt 
werden, bis „Seelöwe" erledigt ist. 

Gibraltar: Angriffseröffnung durch Ju 88. General Jeschonnek nicht dafür. 
Ju 88 können wenn nötig jederzeit kurzfristig eingesetzt werden. Soll nicht 
Voraussetzung für Unternehmen sein. 

Libyen: Wenn deutsches Panzer=Korps hingeht, will General Jeschonnek 
hier durch starke deutsche Luftverbände unterstützen. 

Norwegen: Eine bei Leipzig zusammengestellte Flakabteilung soll nach 
Nordnorwegen gehen, und zwar in Uniform durch Finnland auf Anordnung des 
Reichsmarschalls. Heer hat Luftwaffe um Einsatz einer Rowehl=Staffel über 
Rußland zwecks Luftbildaufnahmen gebeten. 

Neue Fassung Weisung 18 bis . . . 3 . 



Die Weisung Nr. 18 wurde am 12. 11. 1940 erlassen (vgl. Hubatsch, a. a. O. 
s. Anm. 1 v. 1. 8. 1940 — S. 6y ff.). 



72 



ii. September 1940 

11. September 1940 

Chef L legt dem Chef WFSt die Stellungnahme des GenStdH zur Frage der 
Entsendung (Anl.) 

a) eines Pz.Korps (vgl. 26. 8.), 

b) einer gemischten Pz.Brig. (vgl. 5. 9.) 

nach Libyen vor und meldet, daß die Luftwaffe, wie beim Ob.d.L. festgestellt 
worden sei, die deutschen Pz.Kräfte durch starke Fliegerverbände für Nah= 
kampfaufgaben unterstützen, den Flakschutz bei der Überführung und beim 
Einsatz sicherstellen und zeitgerecht Vorschläge für den Einsatz von Kampf= 
verbänden für Fernaufgaben machen werde. 

Für die Weiterbehandlung der Frage macht Chef L folgende Vorschläge: 

1. den Italienern solle in einer offizielleren Form, nämlich durch ein Schreiben 
des Führers an den Duce, nochmals der Einsatz deutscher Pz.Kräfte in Libyen 
angeboten, hierbei aber zum Ausdruck gebracht werden, daß der Beginn 
der italienischen Offensive gegen Ägypten keinesfalls von dem Eintreffen 
dieser Kräfte abhängig gemacht werden dürfe; 

2. den Italienern sollten ein Pz.Korps zu 2 Pz.Div. sowie Aufklärungs=, Nah= 
kampf= und Flakkräfte der Luftwaffe angeboten werden; 

3. das Heer solle, um Zeitverlust zu vermeiden, schon vor der italienischen 
Antwort beauftragt werden, wenigstens für die Pz.Brig. alle in Deutschland 
möglichen Vorbereitungen beschleunigt zu treffen. 

[handschr.] : 

LIL: Gestrige Tagangriffe litten stark unter Wetterlage; daher kein ge= 
schlossener Angriff auf London. Nachts etwa 40 Flugzeuge über London. 50 
Einflüge nach Deutschland; Angriffe auf Berlin Regierungsviertel, 10 Flugzeuge. 
2 Schwer=, 2 Leichtverletzte. London gestern 5 Alarme, heute Nacht 8 Std. 
13 Min. Alarm. In 3 Tagen und 2 Nächten bis 10. 9. früh 1 220 t Sprenge 
bomben, 1 490 Bombenschüttkästen auf London abgeworfen. Berlin von ig auf 
zg schwere Flakbatterien gesteigert, dazu 14 leichte, 11 Scheinwerferbatterien. 

L ///: Italiener haben deutschem Vorschlag zugestimmt, den Franzosen auf= 
zugeben, die in Westafrika einzusetzenden Kräfte zu melden (s. u.). 

Ausland: Oberkommando des Heeres ist aufgefordert, einen General für 
Rumänien (Militär=Mission) namhaft zu machen. Russen haben deutsche 
Garantie für Rumänien in die falsche Kehle bekommen. Auswärtiges Amt 
drängt auf schleunige Entsendung der Militär=Mission. Französisch=japanisches 
Abkommen über Indochina. 

Interne Besprechung: 

Italien gestern abend 19.00 Uhr den Franzosen in Turin Note wegen West= 
afrika überreicht, die in Wiesbaden unbekannt ist, dem Wortlaut nach sich 
aber im wesentlichen stützt auf Schreiben L an Rintelen. 



73 



B. Kriegstagebuch 

Frage Kontrollkommission Westafrika von Abt. L straff geleitet. Rumänien: 
Abt. L hat lediglich Aufgaben der Militär=Mission festzulegen, soweit sie sich 
auf die Kriegführung beziehen. Die übrigen Aufgaben (Instruktion, Unter= 
Stellungsverhältnis) müssen vom OKH, Ob.d.L. und Ausl. gestellt werden. 

Heutiger Tag wird nicht als Befehlstag ausgenutzt. Vorbefehl soll erst auf 
24. abgestellt, also erst am 14. gegeben werden. Entwurf Weisung 18 vom 
Chef WFSt nur mit Zögern entgegengenommen. Punkt 2 angenommen: Flak= 
artillerie soll dem Heer so lange unterstellt bleiben, wie Weisung 16 bestimmt. 
Soll in Weisung 18 nicht mehr berührt werden. 

Große Debatte über Seeluftstreitkräfte (LIL und LIK). Gestern abend Ver= 
legung Entscheidung „Seelöwe" durch Fernschreiben den Oberkommandos mit= 
geteilt. LIK — L III Organisation des Nachschubs. 



12. September 1940 

[handschr.] : 

Heeresgruppe B wird vom 17.— 19. 9. nach dem Osten transportiert. Gestern 
nachmittag Angriff gegen London, z. T. wegen Wetterlage nicht durchgeführt. 
1.48 Flugzeuge haben angegriffen. Rund 200 t abgeworfen. Anscheinend wieder 
erhebliche Schäden. Engländer griffen Calais, Boulogne, Ostende an. Ca. go Ein= 
flüge gegen Rez'c/isgebiet. Für heute zusammengefaßte Angriffe der Luftflotte 2 
und 3 gegen London, bei ungünstiger Wetterlage Störangriffe. Wetteraus= 
sichten nicht sehr günstig. Nach wie vor ist Heranziehung der Luftflotte 5 für 
einen Großangriff auf London beabsichtigt. Verlegung noch nicht befohlen. 

LIV: In Böhmen und Mähren sind in den ersten 7 Monaten 1940 15 000 Per= 
sonen wegen politischer Delikte abgeurteilt worden. 

Ausland: Spanischer Außenminister rechnet mit Anschluß Marokkos an 
de Gaulle in den nächsten Tagen. 

WiRüAmt: Tonnage Englands vor dem Kriege 18 (16), jetzt 25 (20) Mil= 
lionen t Differenz=Schiffsraum für Wehrmacht und in Kolonien. 

Interne Besprechung: 

Hauptmann Fett gestern aus Fontainebleau zurückgekehrt. Vortragsnotiz 
mit Karte. OKH hat Sorge, daß Täuschungsmaßnahmen Norwegen zu früh 
anlaufen. Schiffe fahren leer oder beladen? Heer hat sich damit einverstanden 
erklärt, daß Fallschirmtruppen nur bei Dover abgesetzt werden. Canaris=Bericht 
Gibraltar. Bereitschaft der Transportgruppen der Luftwaffe für Rumänien soll 
aufgehoben werden. 

Admiral Fricke gestern im Auftrag des Oberkommandos der Marine bei 
General Jodl um mitzuteilen, daß Ob.d.M. mit Abgabe der Seeluftaufklärung 
im Falle „Seelöwe" an Ob.d.L. einverstanden ist. LIK legt Protokoll zum Vor= 
trag Ob.d.M. am 6. 9. vor. 

74 



13. September 1940 
13. September 1940 

[handschr.] : 

LIL: Nacht jagddivision hat die Aufgabe, feindliche Flugplätze abzufliegen 
und landende bzw. startende feindliche Flugzeuge abzuschießen: sie hat aber 
auch Brand= und Sprengbomben (SC 50) mit, um Ausweichziele anzugreifen. 
Große Reichweite. Gestrige Angriffe litten unter dem ungünstigen Wetter. 
Gegen London gestern nachmittag 20, nachts 40 Flugzeuge eingesetzt. Fort= 
dauer der unbeständigen Wetterlage. Bei günstigem Wetter heute nachmittag 
wieder Angriffe auf London. Schwere Verluste unter der engl. Zivilbevölkerung 
in den letzten Nächten. 

LIK: Passage der französischen Kreuzer und Zerstörer am 11. 9., 8.30 Uhr 
durch Straße Gibraltar. Englische Einheiten daraufhin aus Gibraltar Kurs SW 
ausgelaufen. 

L III: In Rom Einigung zwischen deutscher und italienischer Waffenstill= 
Standskommission über Abschirmung französischer Außengrenzen bei Auf= 
lockerung der Demarkationslinie erzielt. Die gemeinsamen Forderungen sollen 
nun den Franzosen übergeben werden. Deutschland bekommt die Kontrolle 
der französischen Post nach Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Italien nach 
Jugoslawien, Griechenland, Türkei. Zusammenstellung des OKH über Lage 
in den französischen Kolonien Afrika. Lage in Marokko ungeklärt. In Mada= 
gaskar Unruhen bevorstehend. In Syrien gelungen, Aufstandsbewegung nieder= 
zuhalten. In Indochina Lage noch ungeklärt. 

Ausland: Für heute in Rumänien große Kundgebungen der eisernen Garde 
erwartet. Gesandter dringt erneut auf schleunige Absendung der Militär= 
Mission. Immer wieder fürchterlich ungeschickte deutsche Pressepolitik und 
Propaganda. 

WiRüAmt: Getreideernte um ca. 30 % unter der vorigen Ernte. 

Interne Besprechung: 

Italienische Luftkontroll=Kommission rechnet für morgen mit Angriff, 1 eng= 
lisches Schlachtschiff und leichte Einheiten auf Casablanca, 2 Kreuzer, 1 Flug= 
zeugmutterschiff, mehrere Zerstörer. Französische Kreuzer haben 12. 9., 3.00 Uhr, 
Casablanca passiert. Italienische Luftkontrollkommission hat dort beträchtliche 
französische Luftstreitkräfte für Angriff auf England freigegeben. In Casablanca 
liegt „Jean Bart", in Dakar „Richelieu". 

Chef WFSt 11.43 Uhr durch Chef L unterrichtet. 

Rede Churchills, der sich über die deutschen Absichten für „Seelöwe" be= 
merkenswert gut orientiert zeigt. (Gespräch mit General von Stülpnagel über 
englische Angriffsabsichten auf Casablanca — nach Marine=Nachrichten un= 
wahrscheinlich — oder Dakar. Nach neueren italienischen Meldungen für 15. 9. 
große Aufstandsbewegung in Syrien. General Huntziger hat bei seinem Ab= 
schiedsbesuch erneut zum Ausdruck gebracht, daß er an seiner Idee der 

75 



B. Kriegstagebuch 

Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich trotz seiner geringen 
Erfolge in Wiesbaden auch in seiner neuen Stellung als Kriegsminister fest= 
halten werde.) Militärmission für Rumänien: Betr. Dienstanweisung hat Chef 
OKW dem Vorschlag Chef L zugestimmt. Vorschlag des OKH für Zusammen= 
setzung der Militär Mission (bei LIH). 



14. September 1940 

Chef WFSt teilt Chef L bei dessen Vortrag am Nachmittag mit, daß der 
Führer bei seiner heutigen Besprechung mit den Oberbefehlshabern der 
Wehrmachtteile sich entschlossen habe, den Anlauf des Unternehmens „See= 
löwe" weiter zu verschieben. Eine neue Entscheidung werde am 17. 9. ergehen, 
die Vorbereitungen seien fortzusetzen. 

Der Führer habe weiterhin befohlen, die Bekämpfung der englischen auf die 
französische Küste schießenden Fernfeuerbatterien durch die Luftwaffe durch= 
zuführen, sobald die Vorbereitungen hierfür abgeschlossen seien, und die Luft= 
angriffe gegen London unter Erweiterung der bisherigen Angriffsräume nach 
wie vor in erster Linie gegen kriegswichtige und für die Großstadt lebens= 
wichtige Ziele einschl. der Bahnhöfe zu richten. Terrorangriffe gegen reine 
Wohnviertel sollten als letztes Druckmittel vorbehalten bleiben und daher 
jetzt noch nicht zur Anwendung kommen. 

Auf die Frage des Chefs L nach der voraussichtlichen weiteren Entwicklung 
teilt Chef WFSt mit, daß der Führer am 13. 9. bereits den Entschluß gefaßt zu 
haben schien, das Unternehmen „Seelöwe" ganz aufzugeben, daß er sich dann 
aber doch für eine Verschiebung entschieden habe. Das bedeute keinesfalls, daß 
der Führer die Durchführung des Unternehmens „Seelöwe" erzwingen wolle, 
auch ohne daß die Voraussetzung hierfür, die Erringung der Luftherrschaft, 
gegeben sei. Vielmehr käme der Übergang über den Kanal nach wie vor nur 
dann in Frage, wenn es sich darum handle, einem durch den Luftkrieg bereits 
niedergekämpften England den Fangstoß zu geben. Von dieser Möglichkeit 
abgesehen, solle aber durch Fortsetzung der Vorbereitungen für den Übergang 
der moralische Druck auf die Engländer weiter verstärkt werden, während ein 
Zurückziehen auch nur eines Teiles des in den Kanalhäfen zusammengezogenen 
Schiffsraums nicht verborgen bleiben und somit die psychologische Wirkung 
des Luftkrieges vermindern würde. 

Eine weit wesentlichere Nebenwirkung des Aufmarsches für das Unter= 
nehmen „Seelöwe" läge darin, daß die englische Luftwaffe durch ihn auf die 
Kanalhäfen gezogen und damit unter günstigen Voraussetzungen dem Angriff 
der eigenen Jäger ausgesetzt würde. Schließlich vermindere der Einsatz der 
englischen Kampfverbände gegen die Kanalhäfen zwangsläufig die nächtlichen 
Feindeinflüge nach Deutschland, was sich bei der eigenen Bevölkerung stim= 
mungsmäßig günstig auswirken werde. 

7 6 



14- September 1940 

Chef WFSt knüpft hieran vorsorglich die Bemerkung, daß demnächst etwa 
frei werdender Schiffsraum der Gruppe XXI zur Verfügung gestellt werden 
müsse, um die Bevorratung in Norwegen zu verstärken, und daß die aus den 
Kanalhäfen zurückkehrenden Schiffe weitgehend als Transportraum aus= 
genützt werden müßten. . 

Auf Vorschlag des Chefs L wird in den beim WFSt bereits aufgestellten 
Entwurf eines Befehls, durch den die neuen Entscheidungen des Führers den 
Wehrmachtteilen bekannt gegeben werden, der Hinweis eingefügt, daß die zur 
Spionageabwehr und zur Täuschung erforderlichen Maßnahmen zu verschärfen 
seien. 

Der Befehl wird noch am 14. 9. ausgegeben 1 . 

Im Anschluß hieran bespricht Chef WFSt mit Chef L die von der Abt. L am 
11. 9. gemachten Vorschläge zur Frage der Entsendung deutscher Panzerkräfte 
nach Libyen, zu denen er sich folgendermaßen äußert: 

Der italienische Militärattache in Berlin, General Marras, habe mitgeteilt, 
daß die deutsche Anregung vom italienischen Generalstab geprüft worden sei 
und daß Marschall Badoglio baldigst darauf antworten werde. Sollte diese 
Antwort negativ ausfallen, so würde die Absicht, auch auf diese Weise zur 
Bereinigung der Lage im Mittelmeer beizutragen, auf dem von der Abt. L vor= 
geschlagenen Wege, nämlich durch ein Schreiben des Führers an den Duce, 
weiter verfolgt werden. 

Den Italienern sei bereits durch den deutschen Militärattache zum Ausdruck 
gebracht worden, daß der Beginn der italienischen Offensive gegen Ägypten 
keinesfalls von dem Eintreffen der deutschen Panzerkräfte abhängig gemacht 
werden dürfe. Es habe den Anschein, als ob die Italiener in diesen Tagen 
antreten wollten. 

Ob später ein Pz.Korps oder nur eine Pz. Brigade nach Libyen zu entsenden 
sei, hänge von der Antwort des Marschalls Badoglio ab. Einstweilen sollten alle 
in Deutschland möglichen Vorbereitungen für die Absendung einer Pz. Brigade 
getroffen werden. (Eine entsprechende Anweisung ergeht am 15. 9. an die 
Op.Abt. desGenStdH) 2 . 

Chef L legt sodann dem Chef WFSt vor (Anl.) : 

1. eine Vortragsnotiz des L II über die weitere Behandlung der uk.=gestellten 
Ers.Res., in der vorgeschlagen wird, alle Ers.Res. der Jahrgänge 1914—1921, 
soweit sie nicht innerhalb der Sonder=Dringlichkeitsstufe der Wehrmacht^ 
fertigung beschäftigt seien, vom 1. 1. 1941 an der Wehrmacht zum Wehr= 
dienst zur Verfügung zu stellen, 

2. eine Vortragsnotiz des L JJ über die beabsichtigte Umorganisation der in 
Norwegen stehenden Kräfte, durch welche die Bewegungs= und Einsatz= 
fähigkeit des Gebirgskorps in Nordnorwegen gesichert werden solle. 

1 Hinweis auf Anlage, OKW/WFSt L 33287/40 g.K. Chefs, v. 14. 9., in den 
Akten LIH. 

2 Hinweis auf Anlage, OKW/WFSt L I 33288/40 g.K. Chefs, v. 15. 9., in Akten LIH. 

77 



B. Kriegstagebuch 

Der M.ilitär= Attache Rom meldet, daß nach Mitteilung des ital. Wehrmacht= 
Generalstabes die Offensive gegen Ägypten am 12. 9. begonnen habe. Der 
Angriff gehe mit gutem Erfolg vorwärts, Sollum sei genommen. Der Beginn 
der Offensive werde italienischerseits vorerst nicht bekanntgegeben. 

Chef WFSt teilt Chef L mit: 

Die Entscheidung über die Frage der Offensive in Libyen sei dahin ergangen, 
daß die Stellungnahme des Marschalls Badoglio auf die über General Marras 
an ihn gerichtete Frage abgewartet und inzwischen lediglich der Einsatz einer 
verstärkten Pz. Brigade vorbereitet werden soll. 

Chef L macht einen neuen Vorstoß zur Beschleunigung des Angriffs auf 
Gibraltar, vor allem hinsichtlich der Abgabe von Batterien und geeigneter 
Waffen zur Abwehr eines etwaigen englischen Vorgehens aus Gibraltar. 

Chef WFSt teilt mit, daß die Kräftebereitstellung gegen Rumänien auf= 
gehoben und daß gestern vom OKH ein Vorschlag für die Zusammensetzung 
der Militärmission in Rumänien eingegangen sei, der bei dem gestrigen Vortrag 
des Ob.d.H. als Grundlage für die weiteren Entschließungen des Führers ge= 
dient habe. Von der Abt. L solle diese Frage zusammenfassend erst bearbeitet 
werden, wenn die Luftwaffe, die wiederholt gedrängt worden ist, einen Vor= 
schlag hierzu gemacht habe. 

[handschr.] : 

L1L: Gestern wegen schlechten Wetters nur eine Reihe von Störangriffen. 
Absichten für heute Fortsetzung der Störangriffe. Längerer Bericht des Militär= 
attaches Washington über Wirkung unserer Luftangriffe auf die Moral der 
Bevölkerung. Die Engländer klären in verstärktem Maße über der französisch* 
belgischen Kanalküste auf, daher weniger Einflüge in das Reichsgebiet. 

Uli: Bericht der Waffenstillstandskommission über den Abschiedsbesuch 
des General Huntziger. Kämpfe der Franzosen mit den Italienern um die 
Stärke des französischen Kolonialheeres. 

Ausland: In Rumänien Demonstrationen der Eisernen Garde. Führer hat 
sich entschlossen, zunächst vorübergehend den General von Tippeiskirch nach 
Rumänien zu entsenden. Portugal bemüht sich, einwandfreie Neutralitäts= 
politik zu treiben. 

Interne Besprechung: 

Hpt.d.Res. Prof. Dr. Kipp (von der Universitätsklinik Bonn) zu L III und 
L IV. Rum.Mil. Mission: Chef L nimmt an, daß General von Tippeiskirch 
auch Chef der Militär=Mission wird. Gestern die neuen Generalobersten zum 
Essen beim Führer, der sich sehr optimistisch geäußert und erklärt hat, daß er 
in dieser Lage nicht daran denke, ein so großes Risiko einzugehen, wie es eine 
Landung darstelle. Führer hat nach Mitteilung von L III dem Generaloberst 
von Falkenhorst 3 000 t Schiffsraum versprochen. Befehl Chef WFSt für See= 
aufklärungsverbände. LIK. 

Am 15. 9. keine Lagebesprechung. 

7 8 



iy. September 1940 
16. September 1940 

[handschr.] : 

LIL: In der Nacht zum 15. 9. eine Reihe von Störangriffen. Am 15. 9. An= 
griffe der Luftflotte 2 und 3 auf London, wobei es zu größeren Luftschlachten 
über London gekommen ist, die für die deutschen Verbände wegen mangelnden 
Jagdschutzes sehr verlustreich verlaufen sind (50 eigene gegen 79 feindl. Flug= 
zeuge). Angriffe auf deutsches Gebiet haben an Intensität erheblich nach= 
gelassen. Absichten für heute: Fortsetzung des Großangriffs auf London bei 
günstigem Wetter, sonst Störangriffe. 

LIH: Bericht des deutschen Luftattaches 1 Rom über italienische Offensive 
gegen Ägypten. L III legt Karte von Indochina vor mit russischen Nachrichten 
über die japanischen Wünsche. 

Ausland: Der finnische Abwehrchef hat gebeten, die Russen über die deut= 
sehen Transporte durch Finnland nach Kirkenes zu orientieren. Rumänien: 
Antonescu hat die Eiserne Garde als einzige Partei im Staate anerkannt. 

Interne Besprechung: 

Finnen haben Straße Haparanda— Kirkenes Deutschland angeboten sowie 
Schiffsraum. Auch 1 Flak.Abt. in Uniform. Auswärtiges Amt ist davon unter= 
richtet. 

+ L: Im Zuge der Kontrolle in den französischen Außengrenzen neue 
Schwierigkeiten. Franzosen lehnen Einsatz italienischer Kontrollorgane auf 
französischem Boden ab. Gespräch Huntziger — Ges. Hemmen. Letzter macht 
Vorschläge: Gemeinsame deutsch=italienische Kontrolle in den Mittelmeer= 
häfen. Chef L erhebt Anspruch, an den diesbezüglichen deutsch=italienischen 
Verhandlungen das OKW zu beteiligen. Weiter soll angesichts dieser neuen 
Lage erneut geprüft werden, ob diese Kontrolle an den französischen Außen= 
grenzen vom Abwehr= und wirtschaftlichen Standpunkt überhaupt notwendig 
ist. 



17. September 1940 

[handschr.] : 

LIL: In der Nacht keine Einflüge im deutschen Reichsgebiet; wegen ge= 
schlossener Wolkendecke gestern nur Störangriffe gegen London, nachts neue 
Angriffe. Bericht Bötticher über gehobene Stimmung der Londoner Bevölkerung 
wegen Verstärkung der Flakabwehr, aber auch sinkende Moral wegen Wirkung 
der LZZ (Langzeitzünder). Absichten für heute: Fortsetzung der Störangriffe, 
bei Wetterverbesserung Einsatz geschlossener Verbände unter stärkstem Jagd= 

1 General Ritter von Pohl. 

79 



B. Kriegstagebuch 

schütz. London in der letzten Woche 74V4 Std. im Keller (gegen 23 Münster 
als Maximum). 

LIH: Engl. Kräfte in Ägypten 3 mot.=, 1 Panzer=Division, Italiener 9 Divi= 
sionen + 2 als Reserve. Zahlreiche italienische Panzer, aber geringer Kampf= 
wert (3t). 

Ausland: Roosevelt hat Gesetz über allgemeine Wehrpflicht (20—35. Lebens= 
jähr) unterzeichnet. 3 Kategorien: 1. sofort einzuziehende, 2. sich bereit= 
haltende, 3. frei bleibende wegen ziviler Berufe. Geplant für 1941 Heer von 
900000 Mann. 

WiRüAmt: Vortrag über Rohstofflage. Durchschnittlicher Monatsverbrauch: 
Stahl 1,7 Mill. t, Kupfer 23 000 t etc., das bedeutet erheblichen Mehrverbrauch 
und ein Angreifen der Vorrräte für das 2. Kriegsjahr. Trotzdem infolge Beset= 
zung rohstoffreicher Länder günstige Rohstofflage im 2. Kriegsjahr. Engpaß 
nur bei Kupfer. Wirtschaftliche Studienkommission unter Führung des Aus= 
wärtigen Amtes geht morgen nach Dakar. 

LIH: 2. Vortrag Hpt. Fetts über englische Heeresgliederung. Im Küstenschutz 
20 Divisionen, davon 14 voll verwendungsfähig, operative Reserve 14V2 Divi= 
sionen, davon 4 voll verwendungsfähig. 

Interne Besprechung: 

Äußerungen der Abwehr Abt. III und des Wirtschafts=Rüstungs=Amtes über 
Kontrolle an den französischen Außengrenzen. Neue Äußerungen der Waffen= 
Stillstandskommission über die Außenkontrolle. Gestern Notiz Chef L an Chef 
OKW hierüber. Chef OKW hat sich hierüber noch nicht geäußert. Oberst 
Brinckmann teilt Anfrage dtsch.Mil.Att. Stockholm über Verhalten gegenüber 
firmischem Militär=Attache mit. Betr. schwedische Hilfe für Finnland. LIL bei 
General v. Waldau. 

LIL: Große Scheinanlage bei Koe . . .*, nur in dunklen Nächten in Betrieb, ab 
heute. Spanien soll bei Eroberung Gibraltars eine der Kanarischen Inseln an 
Deutschland abtreten (Las Palmas). Niederkämpf ung der englischen Jäger 
bisher nicht gelungen. Ende des Monats italienische Luftwaffe an der Kanal= 
küste. 20.— 23. 9. über Brenner (?). 



18. September 1940 

Nach einem am 17. 9. abends von der Abt.Ausl. übermittelten Telegramm 
des nach Bukarest entsandten Generalleutnants v. Tippeiskirch hat letzterer 
bereits am 15. 9. abends eine längere Aussprache mit dem rumänischen Mini= 
sterpräsidenten Antonescu gehabt, die folgendes ergeben hat 1 : 

1 Im Original unlerserlich. 

1 Hinweis auf Anlage, OKW/Ausl. III 03462/40 g.K. v. 17. 9., in den Akten LIH. 

80 



i8. September 1940 

Rumänien fühlt sich weiter durch seine Nachbarn, besonders durch Rußland, 
stark bedroht, erstrebt nach außen erkennbare Sicherheit durch praktische 
Durchführung der deutschen Grenzgarantie, wünscht daher baldige deutsche 
Hilfe in Gestalt von Flugzeugen, Flak, mot.= und Pz.=Einheiten unter dem 
Deckmantel der nach Rumänien zu entsendenden Militärmission. Die in Frage 
kommenden Verbände sollen mit vollem Lehrpersonal entsandt werden, um 
die rumänischen Truppen in der Verwendung des Materials taktisch und 
technisch zu schulen. Das Material soll später an Rumänien übergeben werden. 

General v. Tippeiskirch will die rumänischen Wünsche im einzelnen weiter 
klären und bittet um Weisung, wie er sich gegenüber dem Wunsche auf Über= 
gäbe des Materials nach beendeter Ausbildung verhalten solle. 

Durch Anfrage bei Abt.Ausl. wird festgestellt, daß der Chef Ausl. das vor= 
stehende Telegramm am 18. 9. morgens dem Chef OKW vorgelegt und vor= 
geschlagen hat, die Frage der späteren Übergabe der Waffen an Rumänien 
zunächst offen zu lassen. 

Später teilt Major Deyhle auf Anfrage des L I hierzu noch mit, daß der Chef 
WFSt über das Telegramm bereits unterrichtet sei und daß der Chef OKW dem 
General v. Tippeiskirch unmittelbar antworten und ihn anweisen werde, die 
Frage der Übergabe der Waffen an Rumänien zunächst offen zu lassen. 

Nach Mitteilung des italienischen GenStdH an den Mil.Att. Rom ist die 49. 
und 51. Div. nach Albanien überführt worden, die 29. Div. soll bis 30. 9. folgen. 

[handschr.] : 

(Chef L mit L III tritt morgens eine Informationsreise nach Den Haag — 
Brüssel — AOK 16 und 9 Fontainebleau an). Vertr. Chef L Oberstlt. Priess. 

LIH: Gestern wieder Angriffe auf London. Absicht des Oberkommandos der 
Luftwaffe, mit starken Verbänden London anzugreifen, wegen des stürmischen 
Wetters nur teilweise durchgeführt. Weitere Absichten: Fortsetzung der Stör= 
und Verbandangriffe auf London je nach der Wetterlage. Neuaufbau des Flak= 
Schutzes im Osten. Montag (16.) in London fast 14 Stunden Luftalarm. Wegen 
des stürmischen Wetters Feindeinflüge nur im Westen des Reiches. 

LIH: Ägypten: Offensive 4 Div.=Front, 90 km östl. Grenze. Bericht Rintelen: 
Offensive nur mit beschränktem Ziel, Badoglio nicht sehr für Einsatz deutscher 
Panzer= Verbände, lieber Stukas. 

Ausland: Neue Rede Churchills 2 . Weist auf die nicht zu unterschätzenden 
Schäden hin, die dem deutschen Schiffsraum zugefügt wurden. In der 1. Sep= 
temberhälfte unter der englischen Zivilbevölkerung 2000 Tote, 8000 Ver= 
wundete. Neue Warnmethoden: Vorwarnung, Warnung durch geschulte Be= 
obachter. 

1. Bericht des Generals von Tippeiskirch aus Rumänien. 

Antwort ist vom Chef OKW unmittelbar ergangen. 

2 Churchill sprach am 17. 9. 1940 im Unterhaus über die Kriegslage. 

81 



B. Kriegstagebuch 

LIH wird morgen 15.30 Chef WFSt die bei L bearbeitete Oststudie vortragen. 
Telegramm Tippeiskirch ist durch Chef Ausl. heute morgen Chef OKW vor= 
gelegt, der Chef Ausl. aufforderte, Vorschlag für Antwort zu machen. Chef 
Ausl. hat vorgeschlagen, die Frage einer späteren Waffenabgabe an Rum. zu= 
nächst offenzuhalten. Major Deyhle teilt 12 Uhr mit auf Anfrage LIH, daß 
Chef WFSt über Fall (?) bereits orientiert und daß Antwort Chef OKW an 
Tippelsk. unmittelbar erfolgen werde dahin, daß Waffenabgabe zunächst offen= 
zulassen wäre. 

Operationsstudie Ost (33 290/40 g.K. Chefs, v. 15. 9.) an Chef WFSt ab= 
gegangen am 19. 9. 

19. September 1940 

Der Führer hat befohlen: 

1. die Aufmarschbewegung der Transportflotte, soweit sie noch nicht beendet 
ist, anzuhalten; 

2. die Schiffsansammlungen in den Absprunghäfen so aufzulockern, daß die 
Verluste an Schiffsraum durch feindliche Luftangriffe auf ein Mindestmaß 
verringert werden; dabei soll angestrebt werden, daß die Frist von S— 10 Ta= 
gen ausreichend bleibt, um den Schiffsraum bei günstiger Wetterlage wieder 
in den Absprunghäfen rechtzeitig zu versammeln; 

3. die für das Unternehmen „Herbstreise" vorgesehenen 10 Dampfer der 
Norwegenfahrt bis auf weiteres wieder ihrer normalen Verwendung zu= 
zuführen und 6 weitere für das Unternehmen „Seelöwe" vorgesehene 
Dampfer zeitlich gestaffelt und unauffällig zurückzuziehen und bis auf 
weiteres zur Beschleunigung der Versorgung der Gruppe XXI einzusetzen; 

4. den Luftschutz in den Absprunghäfen soweit irgend möglich zu verstärken. 
Die Oberkommandos der Wehrmachtteile werden hiervon durch eine Wei= 

sung des Chefs OKW in Kenntnis gesetzt 1 . 

[handschr.] : 

HL: Gestern lebhafte Jagdkämpfe in der Nähe von London, englische Jäger 
griffen schneidig an. Starke englische Angriffe auf die Kanalküste, 80 Prähme 
gesunken. 500 t Munitionszug in die Luft geflogen. Engländer fliegen zur Zeit 
mit sehr geringen Kräften nach Deutschland ein. 

LIK: Torpedoboot 2 Treffer (T 11), heute Nacht T 3 infolge Bombentreffers 
gesunken. 

Ausland: Englischer Luftminister gibt englische Flugzeugverluste auf 621 
seit Beginn des Luftkrieges an. 1 griechische Division in Dedeagatsch (Alex= 
andropolis) ausgeladen und an die bulgarische Grenze vorgeschoben. 



1 Hinweis auf Anlage, OKW/WFSt/L 33294/40 g.K. Chefs, v. 19. 9., in den Akten 
Chef L. 

82 



2i. September 1940 

20. September 1940 

Militär=Attache Rom meldet 1 unter dem 15. 9. (162/40 g.K.), er sei mit dem 
Chef der Transport=Abt. des italienischen Generalstabes in Verbindung ge= 
treten wegen der Frage des Transportes deutscher Pz.Truppen nach Libyen. 
General Roatta habe darauf hingewiesen, daß Schwierigkeiten hierbei nur die 
Ausladung bereite, da die Häfen der Cyrenaika nicht sehr leistungsfähig seien 
und bei Ausladung in Tripolis für die Überführung auf dem Landmarsch nach 
der ägyptischen Grenze viel Betriebsstoff verbraucht werden würde. Marschall 
Badoglio habe über den Einsatz deutscher Pz. Verbände in Nordafrika noch 
keine Entscheidung getroffen. 

[handschr.] : 

LIL: Gestrige Angriffe der Luftwaffe litten wieder unter dem Wetter. Zu= 
sammenfassende Beurteilung der Angriffe gegen London bis 19. 9. : 
Vom 6.I7 .— 13./14. 9. 1 927,40 t und 2 425 BSK, 

vom 14.— 19. 9. früh 3 259,80 t und 4 482 BSK, 

über London abgeworfen = 5187,20 t + 6907 BSK in 13 Nächten und 12 Tagen. 
Englische Flak schießen Fallschirmnetzraketen, haben sich anscheinend nicht 
bewährt. In 12 Tagen 131 Stunden Luftalarm in London. 1 BSK (Brandschütt= 
kästen = 36 Brandbomben zu je 1 Kilo). LIL weist darauf hin, daß beim Einsatz 
deutscher Panzer= Verbände in Libyen die Luftwaffe nicht nur diese Verbände 
unterstützen müsse, sondern auch die englische Flotte im Mittelmeer in Schach 
halten. 

Ausland: Führer hat gestern entschieden, daß eine Division nach Rumänien 
geschickt werden soll, Mannschaften und Waffen aber nicht getrennt, wie die 
Rumänen wünschen. Auswärtiges Amt tritt an Ungarn wegen Durchtransport 
heran. 

OKH hat vorgeschlagen, eine durch Panzer verstärkte motorisierte Division 
nach Rumänien zu entsenden. 

Befehlsentwurf heute an Chef WFSt. 

Chef OKW hat entschieden, daß der nach Dakar gehenden Wirtschafte 
kommission ein getarnter Marine=Offizier beigegeben wird. 

21. September 1940 

[handschr.]: 

LIL: Gestern wieder schlechtes Wetter, daher nur Einzelflüge am Tage (20 
Flugzeuge), nachts starke Einsätze. Engländer am Tage nicht eingeflogen, nachts 
wieder stärkere feindliche Angriffe auf die Kanalhäfen und Einflüge in das 
westliche Reichsgebiet. 

1 Hinweis auf Anlage Ausl. 833/40 g.K. v. 19. 9. 

83 



B. Kriegstagebuch 

LIH: In Ägypten sind die italienischen Erdoperationen zum Stillstand ge= 
kommen. 

(LIK: Bericht über die Unternehmung der 3 französischen Kreuzer nach 
Französisch=Äquatorialafrika). 

L IV: trägt vor über Rückführung der französischen Flüchtlinge in das be= 
setzte Gebiet und Frage der sogenannten Führerlinie 1 . OKH bittet um Ent= 
Scheidung. Führer hat entschieden, daß Linie aufrechterhalten bleiben soll, 
auch dann, wenn das diesseits der Führerlin. gelegene Land von uns aus 
Bauernmangel nicht besiedelt werden kann. Noch etwa 2 Millionen Flüchtlinge 
nicht in der Heimat, davon 400 000 aus Paris. 

Ausland: Hauptthema der Verhandlungen Ribbentrop— Duce die Frage des 
spanischen Kriegseintritts. Heute beginnt Besetzung der Süddobrudscha durch 
Bulgarien, bis 30. 9. beendet. 

Am 22. 9. keine Lagebesprechung. 

Chef L und L III am 21. 9. abends zurückgekehrt. Chef L erkrankt. 



23. September 1940 

Chef L legt dem Chef OKW und dem Chef WFSt einen Bericht über seine 
vom 18.— 21. 9. unternommene Reise nach den Niederlanden, Belgien und 
Nordfrankreich vor (Anl. in den Akten Chef L). 

Zweck der Reise sei es gewesen, unmittelbare Eindrücke über den Stand 
der Vorbereitungen für das Unternehmen „Seelöwe" und den Stand des Luft= 
krieges zu gewinnen. Es seien der WB Niederlande in Den Haag, das AOK 16 
in Tourcoing, die Lfl. 2 auf ihrem Gefechtsstand bei Calais sowie das AOK 9 
in Limesy nördlich Rouen besucht und die Häfen Rotterdam, Antwerpen, 
Calais, Boulogne und Le Havre besichtigt worden. 

Die Vorbereitungen für das Unternehmen „Seelöwe" seien, auch soweit sie 
vom Gegner nicht gestört werden könnten, noch nicht beendet, was die Folge 
zu spät ergangener Entscheidungen in zahlreichen offenen Fragen zwischen den 
drei Wehrmachtteilen sei. Das OKH habe sich mit den Einschränkungen, die 
gegenüber seinem ursprünglichen Plan erfolgt seien, abgefunden. Bei der 16. 
wie bei der 9. Armee herrsche angespannte Ubungstätigkeit in Vorbereitung 
des Unternehmens „Seelöwe", wobei aber teilweise noch erste Versuche ver* 
schiedener Landmanöver gemacht würden. Die Heimatstäbe seien bei beiden 
Armeen in der vorgesehenen Form gebildet worden. 

Die Schiffs= und Prahmansammlungen in den besichtigten Häfen seien sehr 
massiert, außerdem Schiffe und Prähme teilweise in Hafenteilen untergebracht, 
die für die Beobachtung der Bevölkerung und etwaige Sabotage vollkommen 
offen lägen. In benachbarten Hafenschuppen lagere vielfach Munition und 

1 Vgl. Generaloberst Halder KTB, a. a. O. (Anm. 2 v. 1. 8. 1940), Bd. II, S. 43. 

84 



23. September 1940 

anderes Wehrmachtgerät in großen Mengen, das nur teilweise für das Unter= 
nehmen „Seelöwe" bestimmt sei. Zur Vermeidung weiterer Verluste sei eine 
Auflockerung dieser Ansammlungen notwendig und in den meisten Häfen 
auch möglich. 

Falls die Operation noch in Frage komme, müßten auch die weiteren Vor= 
bereitungen für die Übernahme des Truppengeräts und der Truppe selbst 
auf diese aufgelockerten Liegeplätze abgestellt werden, da ein Wiederzusam= 
menziehen für die Verladung die gleiche Gefahr für die Schiffe wie für die 
Truppe und das Gerät mit sich bringen würde. 

Die bisher eingesetzten Zeiten für Verladung, Beginn der Bewegung und 
letzte Abrufmöglichkeit müßten überprüft werden, da z. B. in Antwerpen 
wegen der geringen Zahl der Schlepper sowie der Schleusen= und Fahrwasser= 
Verhältnisse der Beginn der Verladung schon 8 Tage, der des Auslaufens 
schon 4 Tage vor dem S=Tage angesetzt sei. Die Bevölkerung der Hafenstädte 
leide unter den durch die Schiffsansammlungen hervorgerufenen Flieger= 
angriffen, wenn auch die Flakabwehr von den Kommandostellen als aus= 
reichend bezeichnet werde. 

Bei der Lfl. 2 hätten erst am ig. 9., also 2 Tage vor dem ursprünglich ehest 
möglichen Landungstermin, grundlegende Besprechungen über den Einsatz des 
VIII. Flieg.Korps und zahlreiche andere Fragen in Verbindung mit der 16. Armee 
und 7. Flieg.Div. stattgefunden. Das VIII. Flieg.Korps könne nur die beiden 
Korps der 16. Armee in der Front unterstützen, und zwar infolge der großen 
Frontbreite von 30 km auch nur in geringem Maße. Die Neutralisierung der 
Flanken bei Dover und Dungeness sowie die Aufgaben in der Tiefe müßten 
von anderen Verbänden gelöst werden. 

In Verbindung hiermit sei von dem kommandierenden General des 
VIII. Flieg.Korps der Gedanke vorgebracht worden, möglichst zunächst nur 
ein Armeekorps zu überführen, um ihm eine um so stärkere Unterstützung 
seitens der Luftwaffe zukommen lassen zu können. Der bei der Besprechung 
anwesende Chef des GenStdLw habe sich diesem Vorschlage angeschlossen. 
Er selbst (Chef L) habe demgegenüber darauf hingewiesen, daß schon mit 
Rücksicht auf die feindliche Flotte und die nicht übersehbaren Seegangver= 
hältnisse in der 1. Welle so starke Verbände wie möglich übergesetzt werden 
müßten und daß auch die zwangsläufig bei dem Einsatz der Luftwaffe ein= 
tretenden Zwischenräume dazu zwängen, von vornherein kampfkräftige Teile 
des Heeres überzusetzen. Der Vorschlag des Generals v. Richthofen sei darauf= 
hin nicht weiter verfolgt worden. 

Weiterhin sei nach längerer Erörterung auf Nebelwirkung durch die Luft= 
waffe zugunsten der Brisanzwirkung verzichtet worden, wovon lediglich die 
Aufklärungsstaffeln H ausgenommen werden würden, die über dem Kanal 
nebeln sollten. 

Die 7. Flieg.Div. solle mit der Masse in der Dämmerung des S=Tages vor 
dem rechten Flügel der 16. Armee eingesetzt werden, um die Downs in Besitz 

85 



B. Kriegstagebuch 

zu nehmen. Für den S + 1. Tag komme der Einsatz ihrer restlichen Teile in 
der Gegend von Folkestone in Betracht. 

Die unmittelbare Unterstützung der 9. Armee würde dem I. Flieg.Korps 
zufallen. 

Was den verschärften Luftkrieg gegen England anbelange, so seien die 
Flugplätze im Küstengebiet ausgezeichnet ausgebaut und getarnt. Der Ober= 
befehlshaber der Lfl. 2 und sein Chef des Stabes hätten über das nach wie vor 
ungünstige Wetter geklagt, das immer wieder die Verschiebung des Einsatzes 
starker Verbände notwendig mache. Schwierigkeiten schiene auch jetzt noch 
die Zusammenarbeit zwischen Jagd= und Kampf= Verbänden zu machen. 

Über den bisherigen Ablauf des Luftkrieges habe der Chef des Stabes, 
Gen.Lt. Speidel, folgendes ausgeführt: Die erste Phase sei durch erfolgreiches 
Niederkämpfen der feindlichen Jäger gekennzeichnet, die immer mehr an Zahl 
und Angriffskraft verloren hätten. Als die Luftflotte daraufhin zum Groß= 
angriff auf London habe schreiten wollen, sei dieser zunächst nicht genehmigt 
und erst auf mehrfaches Drängen freigegeben worden. Dann habe aber nur 
noch 1 Tag guten Wetters zur Verfügung gestanden, so daß der Angriff nicht 
in der geplanten Form habe durchgeführt werden können. Die Atempause 
habe die Engländer in die Lage versetzt, aus sämtlichen Schulen Personal und 
Material und aus der Industrie noch nicht einmal fertig gestrichene Jagd= 
flugzeuge heranzuziehen. Infolgedessen habe sich in den folgenden Tagen die 
feindliche Jagdabwehr erneut allmählich verstärkt. Hierbei hätten die Eng= 
länder auch weniger gut ausgebildete Jagdstaffeln rücksichtslos gegen die deut= 
sehen Kampfverbände anfliegen lassen, wobei als letztes Kampfverfahren 
das Rammen mehrfach in Erscheinung getreten sei. Die deutschen Jagdflugzeuge 
würden hingegen meist nur von geübteren englischen Jägern angegriffen. 

Diese Entwicklung habe dazu geführt, daß seit einigen Tagen der Kampf 
gegen die feindlichen Jäger wieder habe aufgenommen werden müssen, so daß 
man jetzt in der 3. Phase des Luftkrieges gleichzeitig starke Kampfverbände, 
wenn auch hauptsächlich bei Nacht, und starke Jagdkräfte einsetze. Die eigenen 
Kräfte fühlten sich dem Feind nach wie vor stark überlegen, und es herrsche 
volle Zuversicht auf eine erfolgreiche weitere Durchführung des Luftkrieges. 

Die Zahl der feindlichen Jagdflugzeuge werde auf etwa 300 geschätzt, zu 
denen monatlich etwa 250 aus der englischen Neufertigung hinzukämen. 
Über die Zahl der englischen Kampfflugzeuge gingen die Meinungen stark 
auseinander; sie würde von dem früheren Luftattache in London, General 
Wenninger, auf etwa 800 geschätzt und die bisherige Zurückhaltung in ihrem 
Einsatz damit erklärt, daß die Engländer sich ihren massierten Einsatz für 
den noch erwarteten Höhepunkt des Luftkrieges bei einer deutschen Landung 
vorbehielten. Demgegenüber bezweifle der Oberbefehlshaber der Lfl. 2, daß 
noch so starke Bomberkräfte vorhanden seien. 

Die Besprechungen mit dem WB Niederlande hätten ergeben, daß die Zu= 
sammenarbeit mit dem Reichskommissar befriedigend sei und in entscheidenden 

86 



23. September 1940 

Fragen volles gegenseitiges Einverständnis herrsche. Die Unterbringung der 
in den Niederlanden liegenden Verbände sei einwandfrei, der Luftschutz für 
die Truppe und Flugplätze sichergestellt. Der niederländische Aufbaudienst 
unter Leitung eines besonderen Pi.=Stabes des Heeres sei in der Hauptsache 
zum Abbau der früheren Befestigungslinien an der Yjssel und Grebbe ein= 
gesetzt; die neue Wasserlinie bleibe vorläufig erhalten, Versuche, mit einfachen 
Mitteln Befestigungen mit verwandter Front gegen Westen zu verwenden, 
seien erfolgreich verlaufen. Auf den Kanälen herrschten geordnete Verkehrs= 
Verhältnisse, der Straßen= und Eisenbahnverkehr hingegen würde nach wie 
vor dadurch stark beeinträchtigt, daß noch bis etwa Ende November nur 
eine Nordsüd=Verbindung über die Brücke von Moerdijk bestehe. Die Be= 
völkerung füge sich allen Anforderungen und lasse keinerlei organisierte 
Opposition erkennen. 

Die Truppe sei überall durch Übungen, Wachdienst und Arbeit voll be= 
schäftigt. Im Zusammensein mit Truppenoffizieren kämen immer wieder die 
vermeintliche Bevorrechtung der Waffen=SS und die schwerwiegenden Folgen 
des uk.=Stellungsverfahrens zur Sprache. Von den Offizieren einer Div. 3. Welle 
sei es als unverständlich bezeichnet worden, daß die SS=Truppen wie ein 
„wanderndes Waffenarsenal" ausgerüstet seien, während die Div. 3. Welle 
bis zum heutigen Tage noch vieler Waffen ermangelten und großenteils mit 
alten Waffen ausgerüstet seien. Weiter sei scharf darauf verwiesen worden, 
daß SS=Führer, die niemals gedient und nicht einen Tag vor dem Feind ge= 
standen hätten, sich Dienstgradabzeichen und Dienststellenbezeichnungen der 
Wehrmacht zulegten. Die uk.=Stellungen würden also um so beunruhigender 
angesehen, je mehr junge Leute davon betroffen würden und je mehr beim 
Heere die Truppe mangels eigentlicher Kampfhandlungen nach Hause dränge. 
Hierzu könne nur der Vorschlag wiederholt werden, alle jüngeren Jahrgänge 
an die Front zu schicken bzw. zur Ausbildung heranzuziehen, den Ersatz für 
die Industrie aber grundsätzlich den älteren Jahrgängen zu entnehmen. 

[handschr.] : 

LIL: Luftwaffe hat gestern wieder gegen schlechtes Wetter zu kämpfen 
gehabt. Amerika gibt Helium=Gas an England ab für Sperrballons; brennt 
nicht, entweicht bei Beschuß, Ballons können geflickt werden. Absichten für 
heute: Angriffe auf London und Southampton. Scheinangriffe auf Portland. 
Heute Nacht waren englische Flieger über Berlin, haben nur Leuchtbomben 
abgeworfen. 

LIH: Italiener machen in Ägypten vier Wochen Pause. 

L IV: Marschall Petain beabsichtigt eine Informationsreise durch das be= 
setzte Gebiet. Führer wird hierüber noch entscheiden. 

L III berichtet über Reise (seine mit Chef L), die von Amsterdam bis 
Le Havre geführt hat. Vorbereitungen für „Seelöwe" sind noch nicht so weit 
gediehen, daß das Unternehmen am 21. 9. hätte durchgeführt werden können. 

87 



B. Kriegstagebuch 

Ausland: Warfenstillstandskommission teilt mit, daß Franzosen Wünsche 
nach enger Zusammenarbeit mit Deutschland ausgesprochen haben. Spanische 
Presse tritt für Kriegsbeteiligung ein. In Indochina sollen Japaner 2 Stunden 
vor Ablauf ihres Ultimatums bei Hanoi gelandet sein. Wilkie will Hilfe für 
England bis zur Grenze der Vorsicht, aber keinen Kriegseintritt. Sehr schlechtes 
Benehmen der Ungarn in den abgetretenen rumänischen Gebieten. 

24. September 1940 

[handschr.] : 

LIL: Angriffe in der Nacht vom 22723. 9. konzentrierten sich wieder auf 
London. Am 23. 9. nur Störangriffe, die z. T. auch abgebrochen werden mußten 
wegen ungünstiger Wetterlage (Wolken und Sonne). In der Nacht vom 
23-/24. 9. waren 250 Kampfflugzeuge über London. 150 Feindeinflüge ins 
Reich ... (?), haben 60 Bomben abgeworfen. Über Berlin ca. 45 Flugzeuge, die 
an 17 Stellen Bomben abgeworfen haben. 

L III: Gestern mittag ist ein starker englischer Verband vor Dakar erschienen, 
hat Ultimatum gestellt, de Gaulle an Bord der Engländer. Angriff wurde ab= 
geschlagen. Neuer Angriff soll im Gange sein. Französische Abordnung hat 
Waffenstillstandskommission Note überreicht mit Forderungen. Diese an 
Führer. Unter Einwirkung von Ribbentrop alle Forderungen der Franzosen ab= 
gelehnt. Neuer Vorstoß des Chefs WFSt. Dieser hat sich von L Note erbeten, 
in der den Franzosen aufgetragen wird, in Westafrika Ordnung zu schaffen. 
Madagaskar, Dahomey und Togo sind von der Bewegung de Gaulle noch nicht 
erfaßt. 

Ausland: In Indochina sind den Japanern 3 Luftstützpunkte mit 60000 Mann 
Besatzung zugestanden. General von Bötticher berichtet über Eindrücke des 
Gen. Strong in England: 

England sei entschlossen, den Krieg bis zum bitteren Ende durchzukämpfen. 

Interne Besprechung: 

Frage der Militär=Mission. Reichsmarschall will auf keinen Fall Unterstellung 
der Luftmission unter Heeresmission. (Unsere Kriegführung scheint neuerdings 
nur noch aus Rücksichtnahme auf den Reichsmarschall und die Italiener zu 
bestehen). 

25. September 1940 

Chef L bittet bei seinem nachmittags stattfindenden ersten Vortrag nach der 
Rückkehr von seiner Reise in die besetzten Westgebiete und anschließender 
Krankheit den Chef WFSt um eine allgemeine Unterrichtung über die militär= 
politische Lage besonders hinsichtlich der Lage im Mittelmeer und in Westafrika. 

Chef WFSt bezeichnet die Gesamtlage als labil. Insbesondere hätten die 

88 



25. September 1940 

zahlreichen diplomatischen Gespräche der vergangenen Woche noch nicht zu 
einem endgültigen Ergebnis geführt 1 . 

Die Besprechungen mit dem spanischen Innenminister Serrano Suner seien 
befriedigend verlaufen, hätten aber in der Hauptsache allgemeinen politischen 
Fragen gegolten, die sich aus dem Kriegseintritt Spaniens ergeben würden. 
Unmittelbare Fragen der gemeinsamen Kriegführung seien seines Wissens 
dabei vorläufig nicht berührt worden, so daß auch weiterhin die Grundlagen 
für eine enge militärische Zusammenarbeit mit Spanien und Italien im Mittel= 
meer nicht gegeben seien. 

Die Besprechungen des Reichsaußenministers in Rom hätten ausschließlich 
oder doch in der Hauptsache den bevorstehenden Abschluß des deutsch= 
italienisch=japanischen Militär= und Freundschaftsbündnisses zum Gegenstand 
gehabt. 

Im übrigen müßten die Fragen der Kriegführung im Mittelmeer nach der 
neuerdings eingetretenen Entwicklung in enger Verbindung mit den Vor= 
gangen in Westafrika (Dakar) betrachtet werden. Er (der Chef WFSt) habe 
in Übereinstimmung mit dem Chef L bisher schon jede Gelegenheit benutzt, 
um den Führer von den weitgehenden Möglichkeiten zu überzeugen, die in der 
Ausnutzung der gemeinsamen deutschen und französischen Interessen in dem 
alles beherrschenden Kampf gegen England lägen. 

Während der Führer noch bei der eben erfolgten Entscheidung über die 
Freigabe französischer Kräfte zur Abwehr englischer Angriffe auf Dakar auch 
entsprechend dem Rat des Reichsaußenministers die in Toulon liegenden 
französischen Seestreitkräfte ausgenommen und damit von neuem sein Miß= 
trauen gegen die französischen Absichten ausgedrückt habe, scheine sich 
neuerdings eine Wandlung in den Anschauungen des Führers vorzubereiten. 
Man müsse sich aber klar darüber sein, daß hiermit auch ein völliger Wandel 
in den grundlegenden Anschauungen über die Weiterführung und Zielsetzung 
des Krieges überhaupt verbunden sein würde. Besonders seien die Schwierig* 
keiten, die von Italien und Spanien als den an der Wegnahme der französischen 
Besitzungen hauptsächlich interessierten Bundesgenossen gemacht werden wür= 
den, nicht zu verkennen. 

Für die Kriegführung gegen England könne es aber keinem Zweifel unter= 
liegen, daß sich durch Einspannen Frankreichs wesentliche neue Möglichkeiten 
ergeben würden. Gleichzeitig würde man hierdurch auch am besten der Gefahr 
eines Ubergreifens des englischen Einflusses auf Nordafrika begegnen. 

Es käme ihm (dem Chef WFSt) infolgedessen darauf an, den Führer auch 
weiterhin in dieser Richtung zu bestimmen. Von einer Absicht des Führers, 
den früheren französischen Botschafter in Berlin, Francois=Poncet, zu sprechen 
und mit dem Marschall Petain zusammenzutreffen, sei bereits die Rede ge= 

1 Hitler empfing am 10. 9. 1940 den ungarischen Gesandten Graf Sztojay; am 17. 9. 
den spanischen Innenminister Serrano Suner. Reichsaußenminister v. Ribbentrop 
konferierte am 19./20. 9. 1940 mit Mussolini in Rom. 

89 






B. Kriegstagebuch 

wesen. Zweifellos würde aber einem derartigen Wandel eine Besprechung 
des Führers mit dem Duce vorausgehen. 

Chef L erklärt, daß er damit der Absicht enthoben sei, in die gleiche Richtung 
laufende Gedanken und Vorschläge vorzutragen. Angeordnet sei von ihm 
bereits, als erste Unterlage eine Übersicht über die französische Kräftever= 
teilung und über die Verbindungswege zwischen Nord= und Westafrika auf= 
zustellen. Außerdem werde die vor wenigen Tagen vorgelegte Studie des LIK 
über die atlantischen Inseln unter dem Gesichtswinkel einer Zusammenarbeit 
mit Frankreich ergänzt werden müssen. 

In diesem Zusammenhang beauftragt Chef WFSt die Abt. L am 28. 9. 
außerdem, die Formen einer derartigen Zusammenarbeit mit Frankreich vor= 
bereitend zu prüfen. 

[handschr.J : 

(Chef L wieder gesund) (Schwerpunkt Siemensstadt). 

LIL: Heute Nacht 5/j Spreng= und etwa 30 Brandbomben abgeworfen. 
Gestern wieder nur Störangriffe gegen England wegen der Wetterlage. Ab= 
sichten für heute: Angriff auf London unter Jagdschutz, bei ungünstigem 
Wetter Störangriffe. Die englische Jagdabwehr ist im Süden konzentriert. 

LIK: Die deutsche Wirtschaftskommission, die mit getarnten Seeoffizieren 
nach Dakar unterwegs ist, ist in Casablanca angekommen. Merkwürdige 
Vorgänge in der Gibraltar=Straße. Note mit Führer=Entscheidung über Dakar 
ist den Franzosen gestern 18.50 Uhr in Wiesbaden übergeben worden. Ober- 
befehlshaber der Kriegsmarine geht heute zum Führer, um ihm vorzuschlagen, 
den Franzosen weitere Kriegsschiffe für Dakar freizugeben. Petain hat den 
Gouverneur von Dakar zu seiner Haltung beim englisch=französischen Angriff 
(auf Dakar) beglückwünscht. (Italienischer Stützpunkt in Spanien: Cartagna. 
40 Flugzeuge (?)). 

L IV: Führer hat entschieden, daß der französische Antrag auf Informations= 
reise des Marschalls Petain erst beantwortet werden soll, wenn eine definitive 
Entscheidung über die Haltung gegenüber Frankreich getroffen ist. 

Ausland: In Rom spanische und japanische Frage behandelt. Serrano Suner 
anscheinend noch in Berlin. Verhandlungen mit Spanien sollen so weit sein, 
daß der Vertrag paraphiert werden soll. 

Interne Besprechung: 

Reichsaußenminister pikiert, daß er vom Einsatz italienischer U=Boote in 
Bordeaux und italienischer Luftstreitkräfte in Alost nichts gewußt hat. Unter= 
richtung über Abt. Ausland. Anfang September kommt italienische Kommis= 
sion unter Leitung d. Gen. Fouggier nach Alost und Karinhall. Italienische Luft= 
Streitkräfte werden der Luftflotte 2 unterstellt. Mit ihrem Einsatz ist Anfang 
Oktober zu rechnen. 

L ///: Fliegende deutsch=italienische Kontrollkommission. Zustimmung des 

90 



26. September 1940 

Auswärtigen Amtes noch heute erforderlich. Außenkontrolle : Franzosen lehnen 
italienische Kontrolle an der Mittelmeerküste schärfstens ab. In Unterredung 
Ges. Hemmen — General Huntziger ist vereinbart worden, italienische Kon= 
trolle an der Alpengrenze, gemischte deutsch=italienische Kontrolle unter deut= 
scher Führung an der Mittelmeerküste. 

OKH: Abänderungen zu „Seelöwe" LIH. 

Chef L: Vorschlag betr. Weisung v. xo. 9.: Auflockerung in den Hafengebie= 
ten und Einladung in den aufgelockerten Häfen. Vorbereitungen in Rotterdam 
und Antwerpen unter den Augen der Zivilbevölkerung. Massierung der Prähme 
in bestimmten Hafengebieten. Mangelnde Vorbereitung der Luftwaffe für 
„Seelöwe". Marine arbeitet auf Grund eines Gesprächs des Generals Jodl mit 
Admiral Fricke mit einer S— 15 Zeit. Heer beantragt das gleiche für sich. Marine 
ist der Ansicht, daß Heer auf Landung in der Dämmerung verzichtet hat. Dem= 
gegenüber stehen AOKs 9 und 16 nach wie vor auf dem Standpunkt, daß 
Landung überhaupt nur 20 Minuten nach Dämmerungsbeginn in Frage komme. 
Vorschläge LIH und LIL für die Dienstanweisung der Militär=Mission in Ru= 
mänien. Reichsmarschall hat sich über die Stärke der Luftmission noch nicht 
geäußert. Chef L beauftragt LIH, sich mit Chef WPr (Wehrmachtspropaganda= 
Abt.) über propagandistischen Abbau von „Seelöwe" ins Benehmen zu setzen. 

Dakar: Politische Grundlage unbekannt. Daher schwierig, militärische Ent= 
Schlüsse zu fassen. Baldigst möglichst klares Bild über militärische Feindlagen 
in Nord= und Westafrika. 

26. September 1940 

1.33 Uhr. Die WStK meldet durch Fernschreiben 1 , daß die französische Ab= 
Ordnung am 23. 9., 22.43 Uhr, folgende Mitteilungen über die Lage bei Dakar 
gemacht habe: Am 23. 9. sei der Flottillenführer „L'Audacieux" bei einer Auf= 
klärungsfahrt infolge Torpedotreffers gesunken. Am frühen Vormittag des 
24. 9. seien nach einem zweiten Ultimatum der Engländer, das zurückgewiesen 
worden sei, zwei erfolglose Luftangriffe auf das Schlachtschiff „Richelieu" er= 
folgt, wobei 3 englische Flugzeuge abgeschossen worden seien. Das englische 
Geschwader habe daraufhin das Schlachtschiff „Richelieu", den Hafen und die 
Küstenbatterien von Dakar unter Feuer genommen, aber nur ein Küsten= 
geschütz außer Gefecht gesetzt. Gegen 10.00 Uhr hätten französische Bomben= 
flugzeuge das englische Geschwader angegriffen und einen Treffer schweren 
Kalibers auf einem englischen Kreuzer erzielt. Am frühen Nachmittag sei die 
Beschießung des Hafens und der Stadt wieder aufgenommen worden und ein 
neuer Luftangriff auf das Schlachtschiff „Richelieu" erfolgt, der durch Flak ohne 
Schwierigkeiten abgewiesen worden sei. Die französischen Verluste beliefen sich 
auf ungefähr 100 tote und 100 verwundete Soldaten und 60 tote und 200 ver= 

1 Hinweis auf Anl. 

91 



B. Kriegstagebuch 

wundete Zivilisten. Im Laufe des Tages seien die französischen Seestreitkräfte 
unter dem Kommando des Vizeadmirals La Croix zum Schutz der Küste aus= 
gelaufen und hierbei erfolglos durch Torpedoflugzeuge angegriffen worden, 
von denen drei abgeschossen worden seien. Anschließend sei es zu einem 
Gefecht mit 2 englischen Schlachtschiffen (nach Gefangenenaussage „Reso= 
lution" und „Barham") und einem 10 ooo=t=Kreuzer gekommen, die mehrere 
Treffer erhalten hätten. 

Am 25. 9. habe der englische Angriff um 10.10 Uhr wieder eingesetzt. Ein 
wahrscheinlich von einem Torpedo getroffenes englisches Schlachtschiff habe 
Schlagseite bekommen und sei abgelaufen. 

Von den französischen Seestreitkräften befänden sich 

1. in Dakar: das nicht voll seefähige Schlachtschiff „Richelieu", die leichten 
Kreuzer „Georges Leygues" und „Montcalm", die Flottillenführer „Le Fantas= 
que" und „Le Malin", der Zerstörer „Le Hardi", die Minensucher „Commandant 
Riviere" und „Gazelle" sowie die Avisos (Kanonenboote) „d'Iberville", 
„d'Entrecasteaux" und „Calais"; auf dem Marsch von Casablanca nach Dakar 
seien die kleinen Unterseeboote „La Sibylle", „Amazone", „Antiope" und 
„Amphitrite", 

2. in Casablanca: die leichten Kreuzer „Gloire" und „Primauguet" (letzterer 
auf dem Marsche dorthin zusammen mit einem Convoi) sowie die großen 
Unterseeboote „Ajax" (havariert) und „Sidi Ferruch", 

3. in Libreville: das große Unterseeboot „Poncelet" und der Aviso (Kanonen= 
boot) „Bougainville". 

An englischen Seestreitkräften seien am 23. und 24. 9. vor Dakar erkannt 
worden: 2 Schlachtschiffe (wahrscheinlich „Resolution" und „Barham"), der 
Flugzeugträger „Hermes" und das Flugzeugmutterschiff „Albatros", zwei 
10 ooo=t=Kreuzer Typ „Kent", „Dorsetshire" und „Cornwall", zwei 4850=1= 
Kreuzer („Delhi" und „Dragon"), eine Anzahl von Torpedobooten und 6 Hilfs= 
kreuzer. Außerdem sei eine als 3. Geschwader bezeichnete Gruppe am 24. 9. im 
Marsch von Norden nach Dakar festgestellt worden, deren Zusammensetzung 
unbekannt sei. 

Im Südatlantik stünden zwei 10 ooo=t=Kreuzer, der veraltete Kreuzer „Haw= 
kins" (9 800 t) und 7 Hilfskreuzer. 

An französischen Landstreitkräften befänden sich 

1. in französisch Westafrika 32000 Mann, darunter 2500 Europäer, sowie 
ein am 25. 9. in Dakar eingetroffenes Senegalesen=Btl., 

2. in französisch Äquatorialafrika 10 000 Mann, darunter 1 500 Europäer; 
davon sei ein Teil zu den Aufständischen übergegangen. 

Die englischen Landstreitkräfte in West= und Äquatorialafrika beliefen sich, 
soweit bekannt, auf 1 Komp. in Gambia, 1 Btl. in Sierra Leone, 3 Btl. an der 
Goldküste sowie 5 Btl. in Nigeria; in diesen Stärken sei das Expeditionskorps 
des Ex=Generals de Gaulle nicht enthalten. 

Im Laufe des 24. 9. hätten 60 französische Bombenflugzeuge unter dem 

92 



26. September 1940 

Schutz von 36 Jagdflugzeugen Gibraltar angegriffen und 45 t Bomben ab= 
geworfen. In der Werft seien zahlreiche Feuersbrünste entstanden, 1 englisches 
Schlachtschiff sei getroffen worden und ausgelaufen. Alle französischen Flug= 
zeuge seien trotz starker englischer Luftabwehr zurückgekehrt. 

[handschr.] : 

LIL: 256 t Bomben in der Nacht auf London, tagsüber kein Angriff, nur ein 
einzelnes Flugzeug. Seit 8 Tagen keine wesentlichen Jagdkämpfe mehr. Eng= 
lische Jäger überholen anscheinend. Starke englische Angriffe auf die KanaU 
küste in der Nacht zum 25. Heute nacht 63 Einflüge ins Reichsgebiet, 4 Bomben 
auf Berlin, 5 Stunden Luftalarm; Wetterbesserungen in Aussicht. Luftgau Ber= 
lin um 3 schwere, 8 leichte Flak.Abt. verstärkt. 

Außerdem 1 Jagdnachtstaffel und 1 Schwärm (4) nach Berlin verlegt. Gesamte 
Wasserversorgung von Le Havre wegen Luftangriffs in der Nacht zum 25. 9. 
ausgefallen. 

LIK: Einsatz eigener U=Boote im Gebiet von Dakar nur nach längeren Vor= 
bereitungen möglich. 

L ///: Neue Anträge der Franzosen (Munition und Bomben). Bitte um 
moralische Unterstützung durch deutsche Erklärung, daß afrikanische Kolonien 
bei Frankreich verbleiben. 

Ausland: Aufruf Petains an französische Bevölkerung in Afrika. Lage 
in Indochina: Einigung zwischen Franzosen und Japanern bestätigt. Japan in 
Haiphong. 

Norwegen: Parteien aufgelöst. Regierung wahrgenommen durch Staatsräte 
aus der Umgebimg Quislings gegen Auffassung der Gr. XXI. 

WiRüAmt: Eisenbahnprogramm Otto. 

Interne Besprechung: 

Anweisung für Militär=Mission Rumänien: bei Uneinigkeit der beiden Mis= 
sionen soll Chef OKW entscheiden. Weisung soll vor Unterzeichnung dem 
Reichsmarschall noch mal vorgelegt werden. 

Bemühungen Chef L, gestern in Reichskanzlei etwas zu erfahren, haben zu 
einem gewissen Erfolg geführt. (Rücksprache Führer=Duce, wenn „Seelöwe" 
endgültig aufgegeben) : 

1. Besuch Serrano Sufiers. Keine Besprechung gemeinsamer Kriegführung. 

2. Ribbentrop=Besuch in Rom, 

3. Führer bis in letzte Tage den Franzosen gegenüber mißtrauisch. Erst durch 
Ereignisse von Dakar andere Einstellung; bestrebt, Frankreich weitgehend 
vor unseren Wagen zu spannen. Will Botschafter Francois Poncet kommen 
lassen und sich mit Petain treffen. 

4. „Seelöwe". Es bleibt bei S— 10. Befehl wird nicht gegeben werden ohne An= 
frage bei Wehrmachtsteilen, ob Frist ausreicht. Chef L hat auf Schwierigkeit 
des propagandistischen Abbaus „Seelöwe" aufmerksam gemacht. Soll von 

93 



B. Kriegstagebuch 

WPr weiter behandelt werden. Invasion niemals einzige Absicht, nur ein 
Mittel neben anderen. 



27. September 1940 

[handschr.] : 

LIL: London hat 4865 t Bomben und 7336 BSK abbekommen seit Beginn der 
Angriffe auf London. Gestern nur 3 Flugzeuge über London wegen ungünstigen 
Wetters. Nachts 160 Flugzeuge. 28 Einflüge ins Reichsgebiet, 23 Bomben in der 
vergangenen Nacht. Vorgestern nacht Karinhall mit Spreng= und Brand= 
bomben angegriffen. Französische Luftangriffe auf Gibraltar haben anscheinend 
erhebliche Schäden verursacht. 

LIK: Englische Seestreitkräfte haben sich von Dakar nach Süden, also offen= 
bar nach Freetown abgesetzt. 

Ausland: Heute ist Abschluß eines deutsch=japanischen Defensivbündnisses. 
Deutsch=spanische Abmachungen zum Abschluß gekommen 1 . 

WiRüAmt : Deutsche Kohleförderung pro Jahr 250 Mill. t, Ausfuhr 48 Mill. t, 
Einfuhr aus Holland 4,8 Mill. t. 
Interne Besprechung: 

LIK soll Übersicht über Stärkeverhältnisse in Westafrika aufstellen. LIL und 
WiRü: Orientierung des General von Bötticher über Öllage. 

Auftrag Chef L militärische Möglichkeiten und Verbindungswege in West= 
afrika festzustellen (LIK). 

Chef L: beauftragt den LIK mit der Aufstellung einer Übersicht über die 
Stärkeverhältnisse in Westafrika und der Untersuchung der dortigen mili= 
tärischen Möglichkeiten und Verbindungen. 



28. September 1940 

[handschr.] : 

LIH: Osten: Heeresgr. B z. Z. Berlin, ab 6.— 10. 10. Posen. AOK 12 Kra= 
kau. 4 Warschau, 18 Bromberg, später Königsberg. Insgesamt 35 Divisionen, 
davon 30 in Ostpreußen und im Gen.=Gouvernement. (25 Inf.=, 1 Kav.= 3 Pz.=, 
1 mot.Div.). Dazu XXXX. AK. (2 Pz.=, 1 mot.Div.) bei Wien. 11. Schütz.Brig. 
wird 11. Pz.Div., 60. Division wird Pz.Div. Luftflotte 1 wird von Berlin nach 
Königsberg verlegt. 

LIL: Gestrige Verluste: eigene 42, Feind 8g Flugzeuge. Absichten für heute: 
geschlossener Einsatz und Vorstoß auf London bei günstigem Wetter. Da 
Engländer gestern nicht aufgetreten, nachts 12 Einflüge ins Reichsgebiet mit 

1 Abschluß des Dreimächtepaktes zwischen Deutschland, Italien und Japan am 
27. 9. 1940. 

94 



30. September 1940 

4 Bomben. Englische Jäger treten den deutschen Verbänden neuerdings wieder 
über dem Kanal entgegen. 

L III: Franzosen haben Eindruck, daß englische Seestreitkräfte vor Dakar 
erhebliche Beschädigungen erlitten haben. Gestern Besprechungen im Aus= 
wärtigen Amt über Demarkationslinie und Außenkontrolle stattgefunden 
(Bevorratung Norwegens). 

Ausland: Englische Presse kritisiert scharf englischen Rückzug bei Dakar. 

WiRüAmt: Mitteilungen an General von Bötticher. 

Chef L: General Huntziger vorgestern beim Ob.d.H. Versicherung größter 
Loyalität; Ereignisse bei Dakar bewiesen Aufrichtigkeit der Franzosen und 
ihren Wunsch nach Einsatz an der Seite Deutschlands. Den Franzosen ist in 
diesem Fall Rolle als Hilfsvolk zugedacht. 

Interne Besprechung: 

General Jodl hat Frage aufgeworfen, welche Form man einer gemeinsamen 
Kriegführung mit einem Hilfsvolk geben müsse. Bei der bevorstehenden Be= 
sprechung Duce=Führer soll auch diese Frage behandelt werden. 

LIK: Transportraum „Seelöwe": im wesentlichen alles Hafenauflockerung: 
für Rotterdam und Antwerpen bereits befohlen, sonst nicht möglich. (Ergän= 
zung Lw. zur Denkschrift LIK über Atlantik=Inseln.) 

L ///: Aktennotiz über Besprechung im Auswärtigen Amt betr. Außen= 
kontrolle. Vortragsnotiz des Heimatstabes Nord über Bevorratung Norwegen. 

Chef L: Formen klären einer Zusammenarbeit zwischen Deutschland und 
Frankreich. Welche Form für gemeinsame Aufgabe positiver Art. 

Am 29. 9. keine Lagebesprechung. 

30. September 1940 

Durch Verfügung des Chefs des GenStdH (Att.Abt. 3706/40) v. 20. 9. ist der 
deutsche Mil.=Att. in Rom, Generalmajor v. Rintelen, unbeschadet seiner Stel= 
lung als Militär=Attache für die Dauer des Krieges zum Chef des deutschen 
Verbindungsstabes beim italienischen Heere ernannt worden. Als Vertreter des 
OKW beim Marschall Badoglio führt er hinfort die Bezeichnung „Deutscher 
General beim Hauptquartier der italienischen Wehrmacht". (Entsprechend führt 
der italienische Militär=Attache in Berlin, General Marras, die Bezeichnung 
„Italienischer General beim Hauptquartier der deutschen Wehrmacht".) 

[handschr.J : 

LIL: Nachts 87 Einflüge, 35 Spreng=, 70 Brand=Bomben bis Südrand Berlin. 
Gestern London durch geschlossene Wolkendecke angegriffen, nachts weitere 
Angriffe. Teilweise geringe Angriffsfreudigkeit der englischen Jäger. 

95 



B. Kriegstagebuch 

LIK: Englische Dakar=Streitkräfte anscheinend in Beathurst (Gambia=Mün= 
düng). Italienische Luftstreitkräfte mit Masse der Bombenkräfte am 28. 9. in 
Belgien eingetroffen. Italienische U=Boote in Bordeaux. 

Ausland: Dreimächtepakt von USA=Presse als Drohung gegen Amerika 
angesehen. Bestürzung in Regierungskreisen. Serrano Sufier in der kommenden 
Woche zu wichtigen Besprechungen nach Italien. 

WiRüAmt: Wöchentliche Butterration in England $y g, neben 170 g Fett. 

Interne Besprechung: 

Erfahrungsbericht von der 22. Luftlande=Division über ihren Einsatz in der 
Festung Holland eingegangen. OKW wird hierzu demnächst Stellungnahme 
OKH und OKL einfordern (soll beiden OKW angekündigt werden). Zweck: 
um möglichst bald zu eigener Stellungnahme zu kommen. 

Form gemeinsamer Kriegführung Deutschland=Frankreich, Studie LIK. L III 
schlägt an Stelle Waffenstillstands=Kommission Entsendung von Militär= 
Missionen vor. Frage der Kriegsgefangenen. Erschließung der Rohstoffquellen. 

Chef L: Auf welche Gebiete soll sich Zusammenarbeit erstrecken: Auf alle 
Kolonien, vor allem West= und Äquatorial=Afrika und Syrien. Erleichterungen 
personeller, wirtschaftlicher, organisatorischer Art. Gegenseitiges Vertrauens= 
Verhältnis, keine Kontrollkommissionen, sondern Verbindungsstäbe. Bestehen= 
bleiben der Waffenstillstandskommission. Muß nach Paris verlegt werden. 

LIK: Dislokation des Transportraums für „Seelöwe". 

Chef L: Man kann nicht mehr auf einen S— 10 Tag exerzieren. 

LIK: Ob.d.M. hat am 26. 9. dem Führer vorgeschlagen, bis 15. 10. zu warten, 
dann „Seelöwe" ganz abzusagen. Frage Luftminenkrieg: Vortragsnotiz LIK mit 
Befehlsentwurf für Chef WFSt. 

L III: Gedanken Chef L zu gemeinsamer deutsch=französischer Kriegführung. 
Vortragsnotiz heute nachmittag für Vortrag Chef WFSt. 

L III: Interniertenfrage Schweiz. 

Entwürfe zum KTB 6. — 30. September 1940 
Notizen betr. : Militärmission Rumänien vom 6. — 30. September 1940 1 

Anfang September 
Telegramm des deutschen Gesandten in Bukarest über die Lage in Rumänien. 
Der Gesandte schlägt von sich aus die Einsetzung einer Militärmission vor. 

6.9. 
Vortragsnotiz LIL über den Schutz der deutschen Interessen in Rumänien. 
Vom Chef L am 7. 9. LIH übergeben als Material für Militärmission und 
spätere Planungen. 

x Vgl. hierzu Anm. x v. 6. 9. X940. 

.96 



ii. September 1940 

Chef L legt dem Chef WFSt den Entwurf eines Schreibens an den Ob.d.H. 
und Ob.d.L. vor (L I 00702/40 g.K. s. Anl.). Das Schreiben geht am 7. 9. ab. 

8.9. 
Vortragsnotiz LIH über die Transportwege nach Rumänien. 

9.9. 

Vortragsnotiz Abt.Ausl. (9552/40 geh.) betr. Meldung des Militär=Attache 
Bukarest vom 8. 9. über sein Gespräch mit General Antonescu am 7. 9. nach= 
mittags: Die rumänische Armee wünscht Entsendung deutscher Offiziere als 
Lehrer für Kriegsakademie und Schulen und als technische Sachverständige 
im Generalstab, die Entsendung von ganzem Truppenkörper mech. Art sowie 
von Fliegerverbänden, die Überlassung von Material für die Luft= und Pz.= 
Abwehr und die baldige Entsendung eines deutschen Generals, um in Ver= 
handlungen über Zusammenarbeit deutscher und rumänischer Armee ein= 
zutreten. Deutsche Offiziere sollen aber nicht als Lehrer von Truppeneinheiten 
Verwendung finden. 

General Antonescu beabsichtigt Verkleinerung der Armee und Umwandlung 
in starke mot. und mech. Verbände. Die Verteidigung soll mit dem Schwerpunkt 
nach Osten gelegt, die Front gegenüber Ungarn und Bulgarien entblößt werden. 
General Antonescu will ioo°/oig mit Deutschland zusammenarbeiten. 

(Von Oberst Brinckmann bei der Lagebesprechung am 9. 9. vorgetragen). 

10. 9. 

Oberst Brinckmann teilt bei der Lagebesprechung mit, daß Admiral Canaris 
aus Budapest zurückgekommen sei. Er habe den Eindruck gewonnen, daß 
General Antonescu die Lage beherrsche. 

Die mit der Mil.Miss. in Rumänien zusammenhängenden Fragen sollen vom 
O.Qu. IV, General v. Tippeiskirch, bearbeitet werden. 

Chef L teilt mit, daß die Sofortbereitschaft der für Rumänien bereitgestellten 
Truppen aufgehoben sei. 

11. 9. 

Oberst Brinckmann teilt bei der Lagebesprechung mit, daß das OKH auf= 
gefordert worden sei, einen General für die Mil.Miss. in Rumänien namhaft zu 
machen. Das Auswärtige Amt dränge auf schleunige Entsendung der Militär= 
Mission. 

Chef L stellt fest, daß die Abt. L lediglich die Aufgaben der Militär=Mission 
festzulegen habe, die die Kriegführung beträfen. Die übrigen Aufgaben 
(Instruktion etc.) müßten vom OKH, Ob.d.L. und Abt.Ausl. festgelegt werden. 

Chef L nimmt in einer Vortragsnotiz für den Chef WFSt und den Chef 
OKW Stellung zu dem am 11. 9. von Oberst Brinckmann vorgelegten Entwurf 
einer Dienstanweisung für die Militär=Mission Rumänien, die der Gesandte v. 
Rintelen im Auftrage des Reichsaußenministers aufgestellt hat. 

97 



B. Kriegstagebuch 

12. 9. 
Die Bereitschaft der für den Einsatz in Rumänien vorgeschlagenen Luftlande= 
trappen und Transporteinheiten wird durch Verfügung des OKW/WFSt Abt. L 
00732/40 g.K. an Ob.d.L. aufgehoben. Die Einheiten stehen für andere Ver= 
wendung zur Verfügung. 

13.9. 

Oberst Brinckmann macht bei der Abt.=Besprechung Mitteilung von einem am 
13. 9. 0.30 Uhr bei Abw. II eingegangenen Funkspruch des Wehrmachtattaches 
Bukarest (Oberst Gerstenberg), wonach sich der Gegensatz zwischen General 
Antonescu und der Eisernen Garde verschärft habe, letztere für den 13. 9. an= 
läßlich des Namenstages Codreanus große Kundgebungen beabsichtige und der 
deutsche Gesandte in Bukarest erneut auf schleunige Entsendung der Mil.=Miss. 
dringe. 

Chef OKW hat sich am 12. 9. mit der Stellungnahme des Chefs L zu der vom 
Gesandten v. Rintelen entworfenen Dienstanweisung für die Militär=Missionen 
Rumänien einverstanden erklärt. 

Vorschlag des OKH für Zusammensetzung der Mil.=Miss. (bei LIH). 

14.9. 

Oberst Brinckmann teilt 17.35 Uhr mit, der Führer habe entschieden, daß, 
um Zeit zu gewinnen und die Mil.=Miss. genügend vorbereiten zu können, 
zunächst Gen. Lt. v. Tippelskirch vorübergehend nach Bukarest entsandt wer= 
den solle. Das OKH sei hiervon unterrichtet. 

Nach einem um 17.00 Uhr eingegangenen Funkspruch aus Bukarest sei die 
gestrige Demonstration in Ruhe verlaufen und eine Einigung des Generals 
Antonescu mit Sima erzielt. 

17. 9. 
Telegramm des Gen.Lt.v. Tippelskirch vom 16. 9., 19.30 Uhr, an OKW s. 
KTB 18. 9. 

19.9. 
Chef WFSt übergibt der Abt. L eine bei ihm am 19. 9. von der Att.Abt. des 
GenStdH eingegangene Aufzeichnung des Gen.Lt. v. Tippelskirch vom 18. 9. 
über seine Besprechungen in Bukarest vom 15.— 17. 9. und die dieser Aufzeich= 
nung beigefügten Vorschläge der rumänischen Regierung für die Entsendung 
einer deutschen Mil=Miss. 

20. 9. 

Abt.Ausl. teilt dem Staatssekretär im Ausw.Amt, Frhr. v. Weizsäcker, und 
nachrichtlich Abt. L über Chef WFSt mit, der Führer habe auf Vortrag des 
Chefs OKW am 19. 9. nachmittags entschieden, daß 1. entgegen den ramäni= 

98 



25. September 1940 

sehen Vorschlägen in erster Linie und zwar möglichst bald deutsche Truppen 
in Stärke etwa 1 Div. nach Rumänien verlegt werden sollten, 2. eine Abgabe 
von deutschem Kriegsgerät an Rumänien während des Krieges nicht in Frage 
komme. Die übrigen Vorschläge der Rumänen würden vom WFSt im Be= 
nehmen mit Heer und Luftwaffe geprüft werden. 

Es werde im OKW erwogen, den Mil.= und Luft=Attache Bukarest in die 
Heeres= bzw. Luftwaffenmission nebenamtlich einzubauen, um so die Verbin= 
düng zur Deutschen Gesandtschaft Bukarest sicherzustellen. 

Das Ausw.Amt wird gebeten, folgende politische Fragen vorzubereiten: 

1. Durchmarsch der deutschen Verbände durch Ungarn, 2. Unterrichtung der 
Sowjetunion über die Entsendung deutscher Truppen nach Rumänien. 

23.9. 

Von Abt.Ausl. geht bei Abt. L ein Bericht des deutschen Mil.=Att. Bukarest 
an die Att.Abt. des GenStdH vom 11. 9. ein, nach dem General Antonescu dem 
japanischen Militär=Attache über seine Pläne für die Organisation des künf= 
tigen rumänischen Heeres folgende Mitteilungen gemacht hat : 

Das zukünftige Heer solle etwa 100 000 Mann und 5 000 Offiziere stark sein 
und etwa so ausgestaltet werden wie das ehemalige deutsche iooooo=Mann= 
Heer. Es solle ferner so modern wie möglich ausgestattet, motorisiert, vor allem 
mit Pz.= und Luftabwehrwaffen versehen und von jungen Führern befehligt 
werden. Als Grundstock für die Gliederung solle die „brigade mixte" (eine 
verstärkte mot.Brig. zu 2 Rgtn. zu je 2 Btl. mit 1 Rgt. Pz=Kpf.=Wagen und i 
mot.Artl.Rgt.) dienen, die hohe Beweglichkeit und große Feuerkraft als Haupt= 
eigenschaften aufweisen solle. 

24.9. 
LIL teilt bei der Lagebesprechung mit, daß der Reichsmarschall sich auf 
keinen Fall mit der Unterstellung der Luftwaffenmission unter die Heeres= 
mission einverstanden erklären würde. 

25.9. 

LIH und LIK legen Entwürfe für die Dienstanweisung für die Wehrmacht^ 
mission in Rumänien vor. 

Abds.: OKH (GenStdH, Op.Abt.) (I 2050/40 g.K.) teilt zu OKW/WFSt=L 
33298/g.K. Chefs, mit: Die Militär=Mission für Rumänien sei 1. mit dem 
Vorkommando des Stabes des Chefs der Militär=Mission am 30. 9. in Dresden, 

2. mit dem Reststabe des Chefs der Militär=Mission einschließlich der Offiziere 
für die rumänische Kriegsakademie und die Waffenschulen am 10. 10. in 
Dresden, 3. mit den Lehrtruppen (verstärkte 13. mot.Div.) ab 10. 10. im Räume 
nördlich Wien. 



99 



B. Kriegstagebuch 

26. 9. 
Abends : 

OKW, GenStdH, Op.Abt. (I 2055/40 geh.) teilt die Namen der als Vor= 
kommando der Militär=Mission bestimmten Offiziere mit: Chef der Militär= 
Mission Gen.Lt. Hansen, Chef des Stabes Oberst i.G. Hauffe, 1. General= 
Stabsoffizier Obstlt. i.G. Schwarz, OQu. Major i.G. Merk. 

27.9. 
Chef L legt dem Chef WFSt die Meldung des Heeres über die Marsch= 
bereitschaft der Militär=Mission Rumänien vor und schlägt vor, der Bitte des 
OKH, den OQu., Major Merk, sofort zur Anmeldung des Vorkommandos zum 
Militär=Attache Bukarest entsenden zu dürfen, stattzugeben und sich mit der 
Entsendung des Vorkommandos Mitte der kommenden Woche, um den 2. 10. 
herum, unter der Voraussetzung, daß bis dahin auch das Vorkommando der 
Luftwaffe verfügbar sei, einverstanden zu erklären, und bittet um Angabe 
eines Zeitpunktes für die Meldung des Generals Hansen beim Chef OKW. 

28. 9. 
Major Deyhle teilt mit, der Führer sei mit der Inmarschsetzung des Majors 
Merk einverstanden und habe befohlen, daß General Hansen sich am 30. 9., 
13.00 Uhr, in der Reichskanzlei bei ihm melden solle. Das OKH, GenStdH 
Op.Abt., wird hiervon benachrichtigt. 

29.9. 

Die Abt. Ausland bittet das Auswärtige Amt, der rumänischen Regierung 
mitzuteilen, daß die durch General v. Tippeiskirch überbrachten rumänischen 
Vorschläge im großen und ganzen die Zustimmung der zuständigen deutschen 
Stellen gefunden hätten. Die Frage der Lieferung von Kriegsgerät müsse den 
Rumänen gegenüber weiterhin offen bleiben. 

30.9. 

OKH meldet folgende Zusammensetzung der 13. mot.Div. für Rumänien: 
1.3. mot.Div. ohne 2 Inf.Btl., verstärkt durch Pz.Rgt. 4, 1 Korps Pi.Btl. mit 
2 Brückenkolonnen B und 1 Korps Nachr.Abt. mit einem Horchzug. 

Chef WFSt wird hiervon in Kenntnis gesetzt. 

Abt. Ausland (III 00112/40 g.K.) übersendet einen Vorschlag des OQu. IV 
des GenStdH für die Dienstanweisung für die Wehrmachtmission in Rumänien. 



100 



Das vierte Quartal 
(1. Oktober bis 31. Dezember 1940) 

1. Oktober 1940 

LIK trägt dem Chef WFSt am Nachmittag im Beisein des Chefs L die ab= 
lehnende Stellungnahme der Ski. zu dem vom Führungsstab der Lw. am 
28. 9. gestellten Antrag vor, die dem F. d. Luft Wilhelmshaven unterstellte 
Staffel 1/106 (He 115) wegen ihrer größeren Reichweite, Geschwindigkeit 
und Bombentragfähigkeit gegen die der 9. Flieg.Div. unterstellte Staffel 3/406 
(Do 18) auszutauschen (Anl. 1). 

Die durch die bisherigen Abgaben an die Luftwaffe verringerten Seeluft* 
Streitkräfte würden in ihrer jetzigen Zusammensetzung voll benötigt. Ins= 
besondere sei ihre weitere Schwächung im Typ „He 115" nicht tragbar, da 
dieser vorwiegend für die wichtige Aufgabe des „engen Geleits" für aus= 
laufende Fahrzeuge bzw. bei Ansteuerung der durch U=Boote gefährdeten 
Küstengewässer eingesetzt sei, wofür sich der Typ „Do 18" nicht eigne, da 
er nur eine geringe Bombenlast und keine Wasserbomben mit sich führen 
könne. 

Chef L fügt hinzu, daß seit der am 13. 9. ergangenen Entscheidung des 
Führers (vgl. Anl. 13. 9.) keine Änderung der Lage auf diesem Gebiete ein= 
getreten sei, die einen neuen Eingriff der Luftwaffe rechtfertige. Chef WFSt 
schließt sich dieser Auffassung an. Die Entscheidung des Chefs OKW steht 
noch aus. 

LIK trägt dem Chef WFSt weiterhin die Gründe vor, aus denen die Ski. 
besonderen Wert auf den stärkst möglichen Einsatz der Luftminen legt (Anl. 2) : 

Nachdem die Engländer ein Räummittel gegen die Magnetminen ge= 
funden hätten, komme jetzt eine neue Art der Zündung zur Verwendung, 
die eine große Wirkung erwarten lasse. Es solle daher ein Masseneinsatz von 
Luftminen, erfolgen, bevor der Feind auch gegen die neue Art ein Räummittel 
finde. 

Die Ski. sehe in ständiger stärkerer Minenverseuchung die wirkungsvollste 
Ergänzung des Luftkrieges gegen die feindlichen Häfen und des U=Bootkrieges. 
Sie halte es daher für zweckmäßig, die verhältnismäßig geringe Zahl der 



B. Kriegstagebuch 

für den Minenabwurf geeigneten Flugzeuge mit ihrem Spezialpersonal (9. Flieg.= 
Div.) nur für diese Aufgabe einzusetzen und den Bombenabwurf der Masse 
der Kampfverbände zu überlassen, und mache in diesem Sinne das ihr zu= 
gestandene Mitwirkungsrecht im Luftminenkrieg geltend. 

Bei der Verwendung der Luftminen als Bombe wirke es sich sehr nachteilig 
aus, daß die Mine nur am Fallschirm abgeworfen werden könne. Dieser könne 
gerade beim Abwurf auf bebaute Gegenden leicht hängen bleiben, so daß 
die Mine nicht detoniere und dem Feinde unbeschädigt in die Hände falle, 
was bereits geschehen und durchaus unerwünscht sei. 

Chef WFSt teilt hierzu mit, daß der Führer bisher den Masseneinsatz von 
Luftminen für einen späteren Zeitpunkt in Aussicht genommen, ihn nunmehr 
aber befohlen habe, da bereits Luftminen mit dem neuen Zünder (Bezeich= 
nung: Fab) abgeworfen worden seien. Es solle noch geprüft werden, ob sie 
schon über London abgeworfen seien. Die Ski. hatte dringend gebeten, es 
zu unterlassen; die Lw. meldet auf Anfrage des LIK, daß es nicht gesche= 
hen sei. 

Chef L legt dem Chef WFSt im Zusammenhang mit der neuerdings beab= 
sichtigten Einspannung Frankreichs in die Kriegführung gegen England eine 
von LIK bearbeitete Übersicht über die gegenwärtige Verteilung der fran= 
zösischen und englischen Land=, Luft= und Seestreitkräfte in Nord= und 
Westafrika und der für den Einsatz vor der westafrikanischen Küste weiterhin 
in Frage kommenden französischen und englischen Seestreitkräfte sowie eine 
Karte, die die Wege und Verkehrsverhältnisse in Nord= und Westafrika er= 
sichtlich macht, vor. Er weist hierbei auf die schwachen Landstreitkräfte in den 
englischen Kolonien Westafrikas, auf die zahlreichen französischen Luftstütz= 
punkte und auf die noch nicht abgerüsteten starken französischen Luftstreit= 
kräfte in Afrika hin und bemerkt zu der Karte, daß nach französischer Angabe 
die Verbindungswege zwischen Nord= und Westafrika z. Z. in Stand gesetzt 
und mit Vorratslagern versehen würden. Chef L kündigt ferner eine Ergänzung 
der Studie des LIK über Stützpunkte im östlichen Nordatlantik vom 22. 9. 
(vgl. ... 9.) unter der Annahme einer Beteiligung Frankreichs am Kriege gegen 
England an (vgl. 2. 10.) (Anl. 3). 

Chef L kommt sodann auf die Unterredung zu sprechen, die am 26. 9. 
zwischen dem Ob.d.H. und dem neuen Chef der französischen Heeresleitung, 
General Huntziger, stattgefunden hat (vgl. ... 9.). Erweist hierbei insbesondere 
auf die Notwendigkeit hin, Italien im gegenwärtigen Zeitpunkt von weiteren 
Forderungen auf Abrüstung französischer Heerestruppen in Afrika abzuhalten, 
und macht für die Einschaltung der Franzosen in die deutsch=italienische 
Kriegführung gegen England folgende Vorschläge (Anl. 4) : 

Die Einschaltung der Franzosen müsse gleichzeitig den französischen Lebens= 
interessen dienen. Der Einsatz der französischen Wehrmacht könne sich nur 
auf außereuropäische Gebiete, in erster Linie Afrika und Syrien, erstrecken. 
Die hierfür auszugebende Parole „Frankreichs Kolonialreich in Gefahr" werde 



1. Oktober 1940 

es der Regierung Petain ermöglichen, die dort stehenden französischen Streit= 
kräfte zum aktiven Handeln gegen England zu veranlassen. 

Die Zusammenarbeit mit den Franzosen müsse auf nachstehender Grund= 
läge erfolgen: 

Ihre Mitwirkung beim Kampfe gegen das englische Mutterland komme nicht 
in Frage, das besetzte Gebiet würde aber weiterhin für die eigenen Zwecke 
der Kriegführung gegen England in Anspruch zu nehmen sein. Die Demar= 
kationslinie müsse bestehen bleiben, jedoch wesentlich aufgelockert werden. 
Eine Verstärkung des im unbesetzten Gebiet stehenden französischen Uber= 
gangsheeres sei nicht erforderlich, da es zu Kampfhandlungen nicht heran= 
gezogen werden würde. Hingegen seien die französische Flotte und Luftwaffe 
zum Kampf gegen England freizugeben und ebenso im Bedarfsfalle auch das 
stockierte Kriegsmaterial. 

Die französische Rüstungsindustrie müsse, soweit sie nicht für deutsche 
Zwecke benötigt werde, sowohl im besetzten wie im unbesetzten Gebiet im 
erforderlichen Umfang in Gang gebracht und die französischen Facharbeiter 
müßten aus deutscher Gefangenschaft entlassen werden. Es erscheine ferner 
als notwendig, die Höhe der Besatzungskosten und das Abziehen von Roh= 
Stoffen aller Art einer erneuten Prüfung zu unterziehen, da das deutsche 
Interesse an der Erhaltung der Lebensfähigkeit der französischen Wirtschaft 
größer wäre als bisher. 

Auch für die französischen Kolonien als voraussichtliches Kampfgebiet 
würden Erleichterungen notwendig sein. Sie würden sich in erster Linie auf 
die Aufhebung der jetzigen engen Bindungen erstrecken, was eine andere 
Art der Überwachung als bisher erforderlich machen würde. 

Was die Formen der Zusammenarbeit mit Frankreich anbelange, so würde 
als das geeignetste Instrument für die Verbindung mit der französischen 
Wehrmacht die WStK angesehen. Sie unterstehe dem OKW, setze sich aus 
Vertretern aller drei Wehrmachtteile zusammen, besitze die erforderliche Er= 
fahrung im Verkehr sowohl mit den Franzosen wie auch mit den Italienern 
und verfüge über eine besonders geeignete Führung. Sie müsse aber ihren 
Sitz nach Paris verlegen, da sie dort der französischen Gegenstelle, vor allem 
nach Übersiedlung der französischen Regierung nach Versailles, näher sei 
und auch in engerer Verbindung mit den deutschen Dienststellen des besetzten 
und unbesetzten Gebietes stehe. Sie würde ihre Bezeichnung zunächst noch 
behalten und ihre bisherigen Aufgaben von einer besonderen Unterabteilung 
weiter durchführen lassen; ihre Zusammenarbeit mit dem OKW hätte im Wege 
des Auftrages und der Berichterstattung zu erfolgen. 

Die politischen Fragen müßten vom Auswärtigen Amt wie einem freien 
Staat gegenüber unmittelbar behandelt, die wirtschaftlichen Fragen von der 
WStK losgelöst und vom Auswärtigen Amt bzw. vom Bev. f. d. Vierjahresplan 
direkt mit der französischen Regierung bearbeitet werden, Auswärtiges Amt 
und Vier jahresplan jedoch weiterhin im engsten Einvernehmen mit der Militär» 

103 



B. Kriegstagebuch 

Verwaltung Frankreich handeln. Die bisher für Afrika vorgesehenen Kontroll= 
stäbe würden als deutsch=italienische Verbindungsorgane mit der Überwachung 
der französischen Führung zu betrauen sein, wodurch eine getarnte Kontrolle 
sichergestellt wäre. 

Bei der anschließenden Erörterung dieses ganzen Fragenkomplexes deutet 
der Chef WFSt an, daß die beabsichtigte Besprechung des Führers mit dem 
Duce für einen der nächsten Tage in Aussicht genommen sei. Die Abt. L 
solle hierzu noch eine Übersicht über die sonst z. Z. noch schwebenden Fragen 
der gemeinsamen Kriegführung mit Italien vorlegen. 

Weiter erwähnt Chef WFSt in diesem Zusammenhang das unbefriedigende 
Ergebnis der Besprechungen mit dem spanischen Innenminister Serrano Suner, 
der als Preis für den Kriegseintritt Spaniens an der Seite der Achsenmächte 
ganz französisch Marokko und außerdem eine weitgehende wirtschaftliche 
und militärische Unterstützung Spaniens durch Deutschland und Italien ge= 
fordert habe. Unter diesen Umständen solle der Plan eines gemeinsamen 
deutsch=spanischen Angriffs auf Gibraltar in der bisher beabsichtigten Form 
vorläufig nicht weiter verfolgt werden. Nötigenfalls könne die Vertreibung 
der englischen Seestreitkräfte aus Gibraltar durch Unternehmungen der deut= 
sehen, italienischen und französischen Luftwaffe angestrebt werden. 

Chef L überreicht dem Chef WFSt alsdann eine Vortragsnotiz des L IVd 
(Ob.Reg.Rat Frhr. v. Fritsch) über die Frage der Rückkehr der französischen 
Regierung nach Paris, in der auf die politischen Schwierigkeiten, die sich 
aus einer Umsiedlung der französischen Regierung in das besetzte Gebiet 
ergeben würden, hingewiesen und mitgeteilt wird, daß in einer neuerlichen 
Besprechung zwischen der WStK und dem OKH Übereinstimmung dahin 
erzielt worden sei, daß die Rückkehr der französischen Regierung nach Ver= 
sailles oder Paris auf die Dauer nicht verhindert werden könne, aber keinesfalls 
vor dem 1. 11. 1940 erfolgen dürfe. Chef WFSt wird die Stellungnahme des 
Chefs OKW herbeiführen (Anl. 5). 

Chef L übergibt weiterhin eine von LIK bearbeitete Übersicht über den 
Stand der Heranführung des Transportraumes für das Unternehmen „See= 
löwe", wobei er darauf hinweist, daß die Befehlserteilung für den Anlauf des 
Unternehmens jetzt nicht mehr entsprechend der Zeittafel am S— 10. Tage 
erfolgen könne, vielmehr erst die Bereitschaft der einzelnen Wehrmachtteile 
wieder hergestellt werden müsse (Anl. 6). 

Chef L unterrichtet den Chef WFSt sodann über den Stand der Vorberei= 
tungen für die Militärmission Rumänien. Er schlägt vor, das Vorkommando 
des Stabes des Chefs der Militärmission sofort in Marsch zu setzen und den 
vom 10. 10. ab in Dresden marschbereit stehenden Reststab sowie die vom 
gleichen Zeitpunkt ab im Räume um Wien marschbereit stehenden Lehrtruppen 
in Marsch zu setzen, ohne die Marschbereitschaft der zur Mission tretenden 
Teile der Luftwaffe abzuwarten. Nach vorliegender Meldung der Luftwaffe 
würden die Vorkommandos der letzteren Ende der ersten Oktober=Woche 



104 



i. Oktober 1940 

marschbereit sein. Nach einer heute morgen eingegangenen Mitteilung der 
Abt. Ausland habe die ungarische Regierung ihre Zustimmung zum Durch= 
transport der deutschen Militärmission erteilt. Für die Lehrtruppe sei vom 
OKH folgende Zusammensetzung vorgesehen: 13. mot.Div. ohne 2 Inf.Btl., 
verstärkt durch das Pz.Rgt. 4, 1 Korps Pi.Btl. mit 2 Brücken=Kolonnen B und 

1 Korps Nachr.Abt. mit einem Horchzug. Eine namentliche Liste der als Lehrer 
an der rumänischen Kriegsakademie und an den Waffenschulen in Aussicht 
genommenen Offiziere sei vom OKH eingefordert worden (Anl. 7). 

Chef WFSt teilt hierzu noch mit, daß der Chef der Heeresmission, Gen.Lt. 
Hansen, sich am 30. 9. um 13.00 Uhr in der Reichskanzlei beim Führer ge= 
meldet habe und daß der Führer ihn auf die Notwendigkeit, die ihm zur 
Verfügung stehenden Kräfte zum Schutze der deutschen ölinteressen in Ru= 
mänien zusammenzuhalten, hingewiesen und ihn vor einem zu starken Her= 
vortreten im Hinblick auf Rußland gewarnt habe. Der Chef der Heeresmission 
werde in den nächsten Tagen abreisen und die einzelnen Teile der Mission 
je nach der Lage abrufen. 

Chef L übermittelt dem Chef WFSt die Bitte des Chefs des GenStdL, in der 
Frage der Handhabung des Luftalarms in Berlin schnellstens eine Entscheidung 
zu treffen. Auf Grund des letzten Führerbefehls werde Berlin jetzt bei An= 
näherung eines einzelnen Flugzeuges gewarnt. Es sei anzunehmen, daß der 
Feind dieses Warnsystem erkannt habe und entsprechend ausnutze. Der Chef 
des GenStdL schlage demgegenüber vor, zu der früheren Regelung zurück= 
zukehren, nach der Berlin nur dann gewarnt worden sei, wenn mehr als 

2 Flugzeuge im Anflug auf Berlin erkannt worden seien und den Warnring 
überflogen hätten oder wenn aus anderen Gründen ein großer planmäßiger 
Luftangriff zu erwarten gewesen sei. 

Der Chef des GenStdL habe weiterhin gebeten, den in Berlin kursierenden 
Gerüchten über Verschärfung des Luftkrieges seitens der Engländer, seine 
Ausweitung durch Benutzung von Kampfstoffen und die bevorstehende Ver= 
Wendung amerikanischer Großflugzeuge in schärfster Form entgegenzutreten. 

Chef L fragt seinerseits, was es für eine Bewandtnis mit der angeblich 
beabsichtigten Evakuierung der Kinder aus Berlin habe. 

Chef WFSt teilt hierzu mit, daß der Führer vorläufig an der jetzigen Art 
der Luftwarnung festhalten wolle. Er selbst halte es für zweckmäßig, dem 
Führer eine eingehende schriftliche Darlegung der Nachteile des bisherigen 
Warnverfahrens vorzulegen, wobei aber auch die Nachteile berücksichtigt 
werden müßten, die mit einer nur fallweise vorgenommenen Warnung bzw. 
einer vorzeitigen Entwarnung verbunden seien (z. B. Lichtschein weiterfahren= 
der Eisenbahnen und sonstiger Verkehrsmittel). 

Was die Evakuierung der Kinder aus Berlin anbelange, so seien die dies= 
bezüglichen Anordnungen ohne sein Zutun vom Führer selbst gegeben worden. 
Die näheren Gründe hierfür seien ihm nicht bekannt. Fest stehe, daß bei der 
NSV=Führung, anscheinend infolge Abwesenheit des Leiters, Irrtümer vor= 

105 



B. Kriegstagebuch 

gekommen seien. Die hieraus resultierende Unruhe unter der Bevölkerung und 
ebenso die in Berlin umlaufenden Gerüchte über eine Verschärfung des 
Luftkrieges seien bekannt. Seit dem 30. 9. abds. würden gemeinsam vom WPr 
und dem Propaganda=Ministerium Gegenmaßnahmen getroffen. 

(Der Luftwaffenführungsstab wird von diesen Mitteilungen des Chefs WFSt 
noch am gleichen Nachmittag (17.30 Uhr) in Kenntnis gesetzt). 

Chef L kommt weiter auf die recht folgenschweren englischen Luftangriffe 
auf die Kanalhäfen zu sprechen, deren Wirkung durch Treffer auf Munitions= 
lager und =züge, darunter auch Beutemunition, wesentlich verschärft wor= 
den sei. Der Luftschutz sei dort anscheinend völlig unzureichend. Chef WFSt 
ordnet die Vorlage eines Erlasses zum Vollzug durch den Führer an, durch den 
die Wehrmachtteile angewiesen werden sollen, sofort Maßnahmen zur Aus= 
Schließung derart' schwerwiegender Folgen der feindlichen Luftangriffe zu treffen. 

Chef L bringt sodann noch einmal die Frage der Unterrichtung der ameri= 
kanischen Wehrmachtattaches in Berlin zur Sprache. Die eben gemäß der 
Stellungnahme der Oberkommandos des Heeres und der Luftwaffe ergangene 
Entscheidung des Chefs OKW, daß diese Attaches gelegentlich durch geeignete 
Offiziere über die militärische Lage, ähnlich wie der deutsche Militärattache 
in Washington, unterrichtet, zu Besuchen an der Front aber nicht zugelassen 
werden sollten, genüge nach seiner (des Chefs L) Ansicht nicht, wenn man 
durch diese Attaches eine Gegenpropaganda gegen die von den amerikanischen 
Wehrmachtattaches in London nach Washington gesandten Berichte treiben 
wolle. Chef L schlägt daher von neuem vor, die Attaches durch entsprechende 
Maßnahmen der Luftwaffe an der Kanalküste den unmittelbaren Eindrücken 
des Luftkrieges auszusetzen. 

Chef L legt dem Chef WFSt im Zusammenhang mit dem am 28. 9. er= 
gangenen Erlaß des Führers über Abgabe von 300000 Metallarbeitern aus 
dem Bereich des Feld= und Ersatzheeres an die Rüstungsindustrie während der 
Wintermonate (vgl. Anl. 28. 9.) ein entsprechendes Schreiben an den Reichs= 
arbeitsführer mit Unterzeichnung durch den Chef OKW vor, um auch von 
Seiten des RAD alle Maßnahmen zur Behebung des Arbeitermangels zu 
treffen (Anl. 8). 

[handschr.] : 

LIL: 103 Einflüge ins Reichsgebiet, 9 Sprengbomben auf Berlin. London und 
Liverpool angegriffen. 

LIK: Die ersten 4 Zerstörer aus USA in England eingetroffen. 

L ///: Italien hat Absetzung des Hohen Kommissars in Syrien von Frankreich 
gefordert. 

L IV: Führer hat angeordnet, daß Sommerzeit bis auf weiteres verlängert 
wird. Evakuierung der Kinder aus Berlin soll nur eine freiwillige sein. 

Chef L: Übergabe amerikanischer Luftfestungen (Großbomber) an England 
scheint bevorzustehen. 

106 



2. Oktober 1940 

Ausland: Engländer sollen Ultimatum an Gouverneur von Madagaskar. . . (?) 
WiRüAmt: Täglich 2000 Waggons Kohle nach Italien. Soll von 1 Mill. t 
monatlich wird erreicht. 

Interne Besprechung: 

Ob.d.H. billigt Bericht 22. Division nicht und fordert ihn zurück. Chef L 
wird Chef WFSt darüber vortragen. 

LIK: Kräfteverteilung und Wegeverbindungen Nord= und Westafrika. 

L III: Brief Stülpnagel an General Jodl. 



2. Oktober 1940 

OKH (GenStdH, Op.Abt.) weist in einem Schreiben an OKW/L vom 30. 9. 
(Ia 562/40 g.K., Chefs.) auf die Folgen hin, die die Aufrechterhaltung des der= 
zeitigen Bereitschaftsgrades des Unternehmens „Seelöwe" für einen längeren 
Zeitraum für das Heer haben würde. 

1. Die Notwendigkeit, bei lotägiger Vorwarnung sofort nach Ausgabe des 
Stichwortes mit der Materialverladung zu beginnen, mache das Bereithalten 
erheblicher Kräfte und Bestände in unmittelbarer Nähe der Häfen erforderlich. 
Dies führe bei den ständigen englischen Luftangriffen auf die Küstengebiete 
zu dauernden personellen und materiellen Verlusten. Wenn diese sich z.Z. auch 
in erträglichem Umfange hielten, so würden sie doch bei längerem Anhalten 
dieses Zustandes die Truppe fühlbar schädigen. 

2. Die vom OKH im Laufe des Winters durchzuführenden organisatorischen 
Maßnahmen ließen sich bei Aufrechterhaltung des jetzigen Bereitschaftsgrades 
für „Seelöwe" bei den für diese Operation vorgesehenen Verbänden nicht 
durchführen. Diese müßten im Laufe des November etwa Vs ihrer Stärke für 
Neuaufstellungen abgeben und erhielten dafür Rekruten. Ihre Einsatzbereit= 
schaft würde somit in den Monaten November bis Februar beeinträchtigt sein. 
Wenn die Abgabe dieser Stämme infolge der Aufrechterhaltung des Bereit= 
schaftsgrades für „Seelöwe" nicht möglich sei, werde sich auch die Aufstellung 
der Div. 12., 13. und 14. Welle in der geplanten Weise nicht durchführen lassen. 

3. Die Ausbildung der für das Unternehmen „Seelöwe" bereitgestellten 
Truppen sei unter der ständigen kurzfristigen Bereitschaft erschwert. 

4. Unter den für „Seelöwe" bereitgestellten Verbänden befänden sich Trup= 
penteile (Pioniere pp.), die zu den nach dem Osten abbeförderten Div. gehörten 
und bei diesen dringend benötigt würden. Ihr Herauslösen aus dem vorgesehe= 
nen Einsatz bei dem Unternehmen „Seelöwe" und ihr Ersatz durch andere For= 
mationen sei jedoch bei dem jetzigen Bereitschaftsgrad nicht möglich. 

Sei es beabsichtigt, den Bereitschaftsgrad für das Unternehmen „Seelöwe" 
während des Winters so zu erhalten, daß der Angriff jederzeit nach einer Vor= 
warnfrist als Fangstoß für ein zusammenbrechendes England durchgeführt 

107 



B. Kriegstagebuch 

i 

werden könne, so beantrage das OKH, die Vorwarnfrist auf 3 Wochen zu 
verlängern, um dadurch die Möglichkeit zur Auflockerung der Truppe, zum 
Austausch von Einheiten und zur Erleichterung der Ausbildung zu gewinnen. 

Sei es beabsichtigt, die Bereitschaft für das Unternehmen „Seelöwe" während 
des Winters lediglich als militärisches und politisches Druckmittel auf England 
aufrechtzuerhalten, ohne das Unternehmen selbst durchzuführen, so würde das 
OKH durch geeignete Maßnahmen die Forderung des militärischen Druckes auf 
England sicherstellen, wobei gleichzeitig die Verbände aufgelockert und aus= 
getauscht, die Ausbildungsmöglichkeiten verbessert und die notwendigen orga= 
nisatorischen Maßnahmen in vollem Umfange durchgeführt werden könnten. 

Das OKH bittet um Entscheidung spätestens bis Mitte Oktober, um die 
erforderlichen Maßnahmen rechtzeitig veranlassen zu können. 

Chef L hält dem Chef WFSt um 17.30 Uhr Vortrag über das vorstehend im 
Auszug wiedergegebene Schreiben des OKH und schlägt vor, die bisherige 
lotägige Frist für die Vorwarnung aufzuheben und dem OKH mitzuteilen, daß 
bei ihm, falls das Unternehmen „Seelöwe" in nächster Zeit doch noch zur 
Durchführung kommen sollte, rechtzeitig angefragt werden würde, welche 
Anlaufzeit (etwa 15 Tage) erforderlich sei. 

Chef WFSt stimmt zu und stellt die Entscheidung darüber, in welchem Be= 
reitschaftsgrad die Verbände im Winter gehalten werden müßten, für Mitte 
Oktober in Aussicht. 

Das OKH (GenStdH, Op.Abt.) wird durch Fernschreiben hiervon unter= 
richtet (Anl.). 

[handschr.]: 

LIL: Angriffe auf England leiden nach wie vor unter Wetterlage: Über Süd= 
england teilweise aufgerissene Wolkendecke. Keller=Karte : Nächst Münster hat 
Berlin am längsten im Keller gesessen. Bericht über Zeit 16.— 22. 9. 516 Spreng= 
bomben auf Deutschland abgeworfen. 

L III: (Unterredung General Huntziger — Gen.Feldm. v. Brauchitsch.) Neuer 
heute morgen eingegangener Antrag der Franzosen auf Indiensthaltung von 
Kriegsschiffen in Toulon. Soll sofort an Reichskanzlei. 

UV: (Elsaß=Lothringen). 

Ausland: Spanischer Innenminister gestern iV2Stündige Unterredung mit 
Duce in Gegenwart Graf Cianos. 

Chef L: Führer hält am bisherigen Warnsystem und Verhalten der Bevölke= 
rung fest; hat diese Grundsätze selbst bestimmt. 

WiRüAmt: Russenaufträge' in Dringlichkeitsstufe Ia aufgenommen. 

Interne Besprechung: 

Besprechungspunkte Führer — Duce. Ziel der Winterkriegführung: Be= 
reinigung der Lage im Mittelmeer, im größeren Rahmen unter Beteiligung der 
Franzosen. Es sollen die politischen Voraussetzungen geprüft werden. Für 

108 



3. Oktober 1940 

französisches Mutterland Erleichterungen hinsichtlich Demarkationslinie. Au= 
ßenkontrolle. 

LIL: Notschrei Luftwaffe bzgl. Luftwarnung etc. 



3. Oktober 1940 

[handschr.] : 

LIL: Luftangriffe litten weiter unter Wetterlage. Für heute Fortsetzung der 
Angriffe auf London und Angriffe auf englische Flugzeugindustrie. Vor allem 
Spitfire. Starke bei Southampton geplant. Wetterlage schlecht. 1. 7. 40 1250 
englische Jagdflugzeuge + 900 bis 30. 9. Abgeschossen 2079, tatsächlich 1470, 
10% Bruch. 1670 Flugzeuge, also 30. 9. 500 Jagdflugzeuge 1. Klasse. 

Um London 18, südl. England 4, usw. im ganzen 32 Staffeln. Im Oktober 
kein wesentlicher Zugang. Einsetzbar täglich ca. 500 Jagdflugzeuge. Personal 
1. 7. 1 250 + 300 bis 30. 9. Flugzeug=Führer. Etwa 1 000 Piloten verloren. Zahl 
von 500 Flugzeugen und Flugzeug=Führern immer noch sehr hoch. Eine ähnliche 
Berechnung für Kampfflugzeuge liegt nicht vor. 

LIH: Bisherige Verluste der Italiener in Ägypten: 600 Tote und Verwundete. 
Hauptschwierigkeit der Italiener schlechte Wegeverhältnisse. Englische Kräfte 
ca. 7 Divisionen. Vorläufig noch keine Fortsetzung der italienischen Offensive. 

Chef L: Führer mit engerer militärischer Umgebung verläßt heute nach= 
mittag Berlin, um sich am Brenner mit dem Duce zu treffen. Rückkehr vor= 
aussichtlich am Sonnabend oder Sonntag. 

Interne Besprechung: 

Chef L: Chef Heeresmission für Rumänien, General Hansen, hat freie Hand 
für Abreise und Nachziehen der einzelnen Teile der Mission. 

Chef L: General von Bötticher hat telegrafiert, er könne der Gegen= 
Propaganda nur entgegenwirken, wenn er eingehend über Lage orientiert 
würde. Soll von L aus geschehen. 17.30 Uhr gestern Chef WFSt von Chef L 
über neue Einsprüche der Luftwaffe gegen Verbleib der Staffel 1/106 bei der 
Marine unterrichtet. 

Führer gestern in dieser Frage Verfügung im Sinne der Kriegs=Marine unter= 
zeichnet. 

Chef L: Führerreise. Besprechung geht auf ganze Einschaltung der Fran= 
zosen in Krieg gegen England. Italiener haben gestern neue Abrüstungs= 
forderungen erhoben. Franzosen gestern neue Angaben über englische Luft= 
waffe. Wegeverbindungen in Westafrika gemacht. 



109 



B. Kriegstagebuch 

4. Oktober 1940 

[handschr.] : 

LIL: Gestern wegen Wetterlage nur Einzeleinflüge. Gute Treffergebnisse 
der aus den Wolken herunterstoßenden Flugzeuge. Nachts Luftflotte 2 keine 
Angriffe. Luftflotte 3 Einsatz von 38 Flugzeugen. England gestern ersten 
Einflug ins Ruhrgebiet. 13 Flugzeuge in Gegend Bergen. Nachts kein Einflug. 
Absichten wie bisher, Wetter schlecht. In England Sperrballone in 4 — 5000 m 
Höhe, müssen weit auseinander stehen, sie reißen sich leicht los. Aus einer 
Karte der Nacht Jagdgebiete ergibt sich, daß insgesamt 1 Gruppe und 1 Staffel 
und bei Berlin 1 Schwärm von 4 Flugzeugen vorhanden. 

(L IV: Umgliederung des Gen.Qu. beim OKH). 

Ausland: An Stelle Chamberlains, der demissioniert hat, ist Henderson ge= 
treten. Die entscheidende Vorherrschaft der Konservativen Partei ist damit 
beseitigt. 

LIH: Schweden verfügt über 3 Generalkommandos mit 9 Divisionen, von 
denen 5 mobil sind und 3 an der finnischen Grenze stehen. Schweiz hat 8 Divi= 
sionen, 1 leichte Division, 3 Gebirgs=Brigaden und ein paar leichte Brigaden. 
(Bericht von Ausl.) 

Interne Besprechung: 

(LIL + WiRüAmt: Stellungnahme des WiRüAmtes.) 

Zur Frage des Luftalarmes (wird von LIL zur heutigen Besprechung mit 
Chef GenStdL mitgenommen) weist L daraufhin, daß pro einfliegendes eng= 
lisches Flugzeug nicht mehr als 1 geworfene Bombe kommt. Gestern Be= 
sprechung zwischen General Jodl und General Jeschonnek. Ersterer weist auf 
die schnelle und gute Unterrichtung der USA=Presse über englische Luftangriffe 
auf Berlin und die eigene schlechte Unterrichtung über Schäden in London hin. 
Die ausländische Presse in Berlin soll künftig weniger gut orientiert werden. 
(Angelegenheit Minenwarnsendung (?) über London geht noch weiter. Lw. be= 
gnügt sich nicht.) 

5. Oktober 1940 

Nach einem Bericht des Militär= Attaches Rom vom 24. 9. (171/40 g.K.) 1 beläuft 
sich die Stärke des italienischen Feldheeres z.Z. auf 74 Div., von denen sich im 
Mutterland 51, in Albanien 8, in Libyen 14 und im Dodekanes 1 Div. befinden. 
Von den im Mutterland befindlichen Div. stehen an der Schweizer und fran= 
zösischen Grenze 14, an der jugoslawischen Grenze 18, in der östlichen Po= 
Ebene 10, in den Südtiroler Alpen 3 und in Mittelitalien, Sardinien und Sizi= 
lien 6 Div. In Libyen stehen an der ägyptischen Front 9, an der tunesischen 
Grenze 3 Div. 

1 Hinweis auf Anlage Ausl. 00114/40 g.K. v. 5. 10. 

110 



5. Oktober 1940 

[handschr.] : 

LIL: Gestern am Tage Einzelangriffe auf London, Masse auf Ausweichziele. 
Nachtangriffe auf London. Englische Einflüge an der Küste. 4 Flugzeuge im 
Reichsgebiet, nachts keine Einflüge. Flakeinsatz in Rotterdam, Ostende, Calais, 
Dünkirchen, Boulogne, Brest, Cherbourg, Lorient ist verstärkt worden. Berlin 
45 schwere, 24 leichte, 18 Scheinwerfer=Batterien. Keine weitere Verstärkung 
von Berlin. Masse der Verstärkungen kommt aus Neu auf Stellungen. Flak= 
korps bestehen noch im Hinblick auf „Seelöwe". Amerikanische Presse meldet 
Absicht der Belieferung der Engländer mit 4 mot. fliegenden Festungen 
(1000 PS, 400 km maximal, 330 km Marschgeschwindigkeit, 3 MG. 12,7 mm, 
2 lei.MG., Steighöhe 6500—8900 m Höhe, bei 4300 km Reichweite können 
1000 kg Bomben mitgenommen werden. Englisches Flugboot: 325 km max. 
Geschw., Reichweite 6 000 km ohne Bomben, 3 600 mit 1 800 kg Bomben. Beide 
Typen können sich leicht Angriffen entziehen. Deutscher Typ Condor etwa 
gleichwertig. Neuester Typ C soll 4 starre, 6 bewegliche MG., 4 Kanonen 
haben. Wetteraussichten schlecht. 

LIII: Die 5 restlichen Senegal Battaillone noch auf dem Transport nach Dakar. 

Ausland: General Weygand soll am 5. 10. nach Dakar abreisen, um Ober= 
befehl zu übernehmen. 

Interne Besprechung: 

Ausland: las neue Dienstanweisung des Auswärtigen Amtes für deutsche 
Militär=Mission Rumänien vor. General v. Tippeiskirch hat sich bei Chef L 
beklagt, daß eine Kommission 7. Armee in Spanien Verkehrsverhältnisse unter= 
sucht. 

Stand politischer Verhandlungen: Besprechung mit Duce sehr harmonisch. 
Wiederaufnahme italienischer Offensive in Ägypten zwischen 12. und 15. 10. in 
Aussicht gestellt; er wünscht Panzer=Kampfwagen, vor allem besonders für die 
Fortsetzung der Offensive über Marsa Matruk hinaus. Führer hat 100 zugesagt, 
mit möglichst viel Kolonne (gem. Brigade). Anordnung vom 15. 9. soll Ergän= 
zung erfahren: italienisches Einverständnis Umfang Abstellung. (Besprechung 
der OKH.) Befehl soll heute noch unterschrieben werden (LIH). Frage der 
Überführung: Italiener rechnen von Neapel bis Bengasi 40—50 Tage. Kriegs= 
marine=Schiffahrtsabteilung soll damit befaßt werden. (Weiterführung Krieg 
gegen England.) Eindruck der Wünsche Serrano Suners in Rom ist noch 
schlechter als in Berlin. Fortsetzung der Verhandlungen, um spanischen Stand= 
punkt zu wandeln; wenn nicht gelingt, Zusammentreffen Führer mit Franco. 
Führer: er habe ganz phantastische Pläne, Duce: er finde sie gar nicht 60 
phantastisch. Beabsichtigter Gang: Besprechung mit Spanien. Führer mit Fran= 
cois Poncet und Petain. — Italiener für Absichten des Führers gewonnen. Ihre 
Befürchtungen wegen französischer Stärke in Afrika beschwichtigt. Führer hat 
sich für ein paar Tage nach dem Berghof begeben, um die neue politische 
Konzeption in Ruhe überdenken zu können. 

111 



B. Kriegstagebuch 

LIL: Luftwaffe meldet, daß sie weder über London, noch überhaupt über 
Land Luftminen mit dem neuen Zünder „Fab" geworfen habe, sondern nur 
ins Wasser. Reichsmarschall sehr erregt über Fassung der Anweisung betr. 
Luftminen, will heute Führer sprechen, sieht in der Fassung unberechtigten 
Vorwurf der KM gegen Lw, will auf Abwurf der Luftminen über London nicht 
verzichten, da sie am wirkungsvollsten sind. 

LIL: (Randnotiz) Ergebnis gestrigen Gesprächs mit Gen. Jeschonnek. Chef 
Luftwaffenmission Rumänien wird General Speidel. 

General Jeschonnek wünscht weitere Drosselung der Unterrichtung der 
amerikanischen Diplomaten und Presse über den Luftkrieg. 

Luftalarm: Bei der neulichen Besprechung bei Reichsmarschall ist die Frage 
wieder aufgenommen worden. Reichsmarschall will nochmals mit Führer dar= 
über sprechen. 

y6 italienische Flugzeuge sind in Belgien eingetroffen, 15 befinden sich noch 
auf der Strecke, die italienischen Jäger noch jenseits der Alpen wegen der 
Wetterlage (Einsatzbereitschaft in etwa 14 Tagen). 

(LIK: Besprechung Ob.d.M. mit Führer.) 



7. Oktober 1940 [Montag] 

[handschr.] : 

Obstlt. Böhme da. Am 6. 10. keine Besprechung. 

LIL: An den beiden letzten Tagen wegen ungünstigen Wetters London nur 
von einzelnen Flugzeugen erreicht. Keine englischen Einflüge. Wetter nicht so 
schlecht, daß sie nicht einfliegen könnten, aber Landung bei Rückkehr wegen 
Bodennebels schwierig. 

L ///: (Unter den Papieren des General Huntziger Note über Demobilisation 
gefunden. Vortragsnotiz) 

L IV: Übereinkommen zwischen Ob.d.H. und Reichschef SS über Tätigkeit 
der Sonderkommissare. 

Ausland: Vertrag zwischen finnischer Regierung und deutscher Reichs= 
regierung über Durchtransport der Truppen und Nachschubgüter über finni= 
sches Gebiet nach Kirkenes vom 23. 9. 

WiRüAmt : Besprechung des Amtschefs am 4. 10. mit Göring hauptsächlich 
über Treibstoffversorgung. Verlegung von Tanklagern in luftsichere Gebiete. 
Produktionsausfall infolge feindlicher Luftangriffe. 

Obstlt. Böhme: Franzosen versuchen nach Dakar wieder ins Gespräch zu 
kommen. Hilfe für Verteidigung des Kolonialreiches, wirtschaftliche Hilfe, 
moralische Hilfe. Schwanken in der Stimmung. Huntziger glaubt, daß Weiter= 
existenz Frankreichs als Großmacht nur durch Bindung an Deutschland er= 
reichbar ist. Große Teile des Offiziers=Korps noch an England gebunden. Auch 
Weygand für Lavieren zwischen Deutschland und England, ebenso Baudoin. 

112 



8. Oktober 1940 

Engländer rücken bewußt von de Gaulle ab. Will man die Franzosen für uns 
einspannen, so muß man ihnen Zugeständnisse machen, dafür, daß sie ihr 
Kolonialreich behalten und im Mutterland im wesentlichen nicht mehr als 
Elsaß=Lothringen verlieren. Darüber vor allem will man Klarheit haben. 
Schwierige Lage bei italienischen Forderungen, denen man auf keinen Fall ent= 
sprechen will. 

Dakar: Ereignisse bedeuten keinen Kriegszustand. 

LIH: 74 italienische Divisionen, davon 14 in Libyen, 1 Dodekanes, 8 in 
Albanien, im übrigen Schwerpunkt gegen Jugoslawien. 

Chef L: Botschafter von Mackensen bittet um deutsche Offiziere und Unter= 
Offiziere für freiwillige Verbände in Abessinien, um diese nicht in italienische 
Verbände aufgehen zu lassen. (Besprechungspunkte Führer— Duce, von General 
Jodl nochmals zusammengefaßt.) 

LIL: Meldung über Stärke der Luftwaffe an den Führer. 

LH: SS=Sache. Stellungnahme des Chef L wörtlich in Kriegstagebuch auf= 
nehmen. Weisung für Abstellung Libyen am 5. vorgelegt. Unterrichtung Gene= 
ral von Stülpnagel über Brenner=Ergebnisse durch General Jodl. 

8. Oktober 1940 

Chef L überreicht dem Chef IVFSt bei seinem Vortrag am Nachmittag eine 
von L II bearbeitete Vortragsnotiz über das Verhältnis von Wehrmacht und 
Waffen=SS. Er führt hierzu aus (Anl.) : 

Anlaß und Ausganspunkt dieser Vortragsnotiz ist das vielfach bereits ver= 
wirklichte Bestreben des Rf.SS, von sich aus militärische Rechte, die den vor= 
übergehend in die Wehrmacht eingegliederten Teilen der SS für die Dauer ihrer 
Eingliederung zugestanden sind, auf die gesamte Waffen=SS auszudehnen, also 
auch auf die nicht in die Wehrmacht eingegliederten Teile (SS=Polizei), die im 
Kriege im allgemeinen dieselben Aufgaben haben, welche im Frieden der 
gesamten Waffen=SS als „Staatstruppenpolizei" zufallen. 

Diese Teile sowie die Ämter der Waffen=SS haben sich militärische Rechte 
(z.B. militärische Dienstgradbezeichnungen und militärische Rangabzeichen) 
zugelegt und fordern in Verbindung damit die nur militärischen Vorgesetzten 
zustehenden Befugnisse und Ehrenbezeigungen. Dabei haben die Träger dieser 
Abzeichen großenteils nicht einmal gedient, können schon deswegen keine 
Soldaten sein und lehnen auch die Übernahme entsprechender Pflichten ab. 
Vor allem ist von der SS keinerlei weitere Bindung an die Wehrmacht beabsich= 
tigt. Weiterhin findet zwischen der SS im Wehrdienst und der SS im Polizei= 
dienst ein Austausch statt, weshalb den Wehrersatzdienststellen die erforder= 
liehe Übersicht über das Wehrdienstverhältnis der SS=Männer fehlt. Infolge= 
dessen finden junge Wehrpflichtige eine Kriegsverwendung in der Etappe, 
obwohl nach dem Wunsche des Führers nur ältere Freiwillige verwendet 
werden sollen. 



113 



B. Kriegstagebuch 

Dieses eigenmächtige Vorgehen, so heißt es in der Vortragsnotiz, trübe das 
Verhältnis zwischen Wehrmacht und Waffen=SS und sei geeignet, künftig 
ernste Gefahren für Volk und Staat hervorzurufen. Demgegenüber sei eine 
Klarstellung des gegenseitigen Verhältnisses erforderlich, um einen Geist 
aufrichtigen Vertrauens herzustellen, eine weitgehende Zusammenarbeit auf 
allen Gebieten zu sichern und Anlässe zu Reibungen zu vermeiden. 

Um dieses Ziel zu erreichen, habe die Abt. L eine klare Trennung, das 
AWA eine Verschmelzung der Wehrmacht und Waffen=SS unter weitgehender 
Aufgabe militärischer Rechte, Verwischung des Wehrbegriffs und aller natür= 
liehen Unterschiede sowie unter Verzicht auf militärische Oberaufsicht vor= 
geschlagen. 

Die Grundlage der von der Abt. L vorgeschlagenen Lösung bildeten die 
Richtlinien des Führers, nämlich 

1. die Erlasse über die Waffen=SS vom 17. 8. 1938 und 18. 9. 1939, in denen 
zum Ausdruck gebracht worden sei, daß die Waffen=SS eine politische Organi= 
sation der NSDAP für besondere innerpolitische Aufgaben polizeilicher Natur, 
auch im Mob.=Fall sei, während die Wehrmacht einzig und allein zum Einsatz 
gegen den äußeren Feind bestimmt sei; 

2. die im vergangenen Winter getroffene Entscheidung des Führers, daß die 
feldgraue Uniform und die militärischen Dienstgradabzeichen allein der Wehr= 
macht vorbehalten seien; 

3. die durch einen Brief des Oberst Schmundt vom 16. 8. 1940 übermittelte 
Willensmeinung des Führers, daß die Waffen=SS die Staatsautorität im Innern 
vertreten, die Wehrmacht hingegen niemals mehr gegen eigene Volksgenossen 
mit der Waffe eingesetzt werden solle, womit eine klare und endgültige 
Aufgabentrennung von neuem gegeben worden sei. 

Stehe somit schon der erklärte Führerwille der vom AWA erwogenen Rege= 
lung entgegen, so verbiete diese sich von selbst, da hierdurch eine militärische 
Organisation außerhalb der Wehrmacht ohne die Möglichkeit einer Einfluß= 
nähme des OKW geschaffen würde. Weiterhin spräche dagegen, daß von 
Gesetzes wegen nur Wehrmachtangehörige Soldaten sein könnten, die poten= 
zierten politischen Rechte der Waffen=SS das „Soldatsein" als Körperschaft 
aber ausschlössen, ein unklarer Zwischenzustand jedoch unabsehbare Folgen 
haben müßte. 

Zur Weiterbehandlung dieser Frage werde vorgeschlagen, den Rf.SS in 
einem im Entwurf beiliegenden Schreiben des Chefs OKW noch einmal auf 
die vom Führer gewünschte klare Abgrenzung der Aufgaben der Wehrmacht 
und der Waffen=SS hinzuweisen und ihn aufzufordern, die sich hieraus er= 
gebenden Folgerungen für das Ergänzungsverfahren der Waffen=SS, die Un= 
terstellungsverhältnisse der Ergänzungseinheiten der SS=Div. sowie die Fragen 
der Uniform, militärischen Abzeichen und Dienstgradbezeichnungen der nicht 
in die Wehrmacht eingegliederten Waffen=SS gemeinsam mit dem OKW 
festzulegen (Anl.). 

114 



8. Oktober 1940 

Als Gegenleistung hierfür bleibe zu erwägen, für die dem OKW unterstellte 
Waffen=SS durch die SS eine Dienststelle im OKH einrichten zu lassen, die 
die militärischen Fragen der eingegliederten Waffen=SS zu regeln, die Organi= 
sationsfragen zu bearbeiten und als Verbindungsstelle zum Rf.SS den welt= 
anschaulich und personell erforderlichen Einfluß des Rf.SS auszuüben habe. 

Chef WFSt stimmt dem Vorschlag der Abt. L zu und wird ihn dem Chef 
OKW zur Entscheidung unterbreiten. 

Chef L legt weiterhin den Entwurf eines Befehls zur Entsendung eines Pz.= 
Verbandes nach Libyen vor. 

Zu der letzteren Angelegenheit teilt Chef WFSt mit, bei einer Rückfrage 
auf dem Berghof seien die diesbezüglichen bisherigen Mitteilungen des Führers 
dahin ergänzt worden, daß nach Aussprache des Führers mit dem Duce mit 
der Entsendung einer kleinen Pz.Div. gerechnet werden könne. 

Der Befehl an das OKH wird wegen Abwesenheit des Führers noch nicht 
vollzogen, das OKH aber noch am Nachmittag vom wesentlichen Inhalt des 
Befehls unterrichtet. 

Chef WFSt teilt weiterhin mit, daß die dem Chef OKW vorliegende Dienst= 
anweisung für die nach Rumänien zu entsendenden Truppenbefehlshaber des 
Heeres und der Luftwaffe noch Gegenstand von Verhandlungen des Chefs 
OKW mit dem Auswärtigen Amt seien, da das Auswärtige Amt neuerdings, 
nachdem große Teile der Weltöffentlichkeit sich bereits mit der Entsendung 
der Militärmission beschäftigt hatten, noch vermehrt auf die hochpolitische 
Bedeutung der Mission in der gegenwärtigen Lage hingewiesen habe. Durch 
ausreichende Einschaltung des deutschen Gesandten in Bukarest solle sowohl 
eine Belastung des Prestiges der rumänischen Regierung durch Erscheinen 
deutscher Truppen in Rumänien wie auch eine etwaige Trübung der Be= 
Ziehungen zu Sowjetrußland vermieden werden. Aus diesen Gründen solle 
auch vor Durchführung der ersten Transporte jeweils das Einvernehmen mit 
dem Auswärtigen Amt hergestellt werden. 

Die Absicht, die Oberkommandos des Heeres und der Luftwaffe hiervon 
durch Fernschreiben zu unterrichten, läßt Chef L fallen, da bereits in dem am 
6. 10. nachmittags abgegangenen Fernschreiben an die Oberkommandos des 
Heeres und der Luftwaffe sowie die Abt. Ausland (OKW/WFSt=L 00826/40 
g.K.), in welchem die Inmarschsetzung aller für die Militärmission bestimmten 
Teile des Heeres und der Luftwaffe freigegeben war, befohlen war, die Abreise 
der Vorkommandos und die Transportzeiten der Lehrtruppe zur Verständigung 
der ungarischen und rumänischen Regierung bei OKW/ Ausland anzumelden. 

Im Zusammenhang mit der Besprechung des Führers mit dem Duce auf 
dem Brenner regt Chef L hinsichtlich der künftig Frankreich gegenüber ein= 
zunehmenden Haltung an: 

1. den Gesandten Hemmen über das Auswärtige Amt mit entsprechenden 
Richtlinien zu versehen, die ihm nach Angabe des Chefs des Stabes der WStK 
bisher nicht zugegangen seien; 

115 



B. Kriegstagebuch 

2. die Oberkommandos der Wehrmachtteile, insbesondere das des Heeres, 
die sich gegenwärtig über die nächsten Absichten der Kriegführung für nicht 
hinreichend unterrichtet hielten, mit den nötigen Richtlinien zu versehen. 

Chef WFSt stimmt diesen Anregungen zu und hält es für angezeigt, mit 
der Unterrichtung der Oberkommandos der Wehrmachtteile über die nächsten 
Absichten der Kriegführung auch eine Anweisung für den Abbau des Unter= 
nehmens „Seelöwe" zu verbinden, falls der Führer bei seiner Rückkehr vom 
Obersalzberg am 9. 10. einen entsprechenden Entschluß gefaßt haben sollte. 

Chef L legt dem Chef WFSt weiterhin vor: 

1. . . . [nicht ausgeführt] ; 

2. einen von der WStK übermittelten Antrag der französischen Regierung, 
zwei Jagdgruppen nach Indochina entsenden zu dürfen; der nach Angabe des 
Chefs des Stabes der WStK gleichzeitig von der französischen Abordnung 
gestellte Antrag, außerdem 2000 Mann Heerestruppen nach Indochina ent= 
senden zu dürfen, sei in dem Fernschreiben der WStK nicht erwähnt. Durch 
Rückfrage bei der WStK werde festgestellt werden, wie es sich damit verhielte; 

3. eine Vortragsnotiz des L IV d 

a) über die vom Chef der Zivilverwaltung im Elsaß, Reichsstatthalter und 
Gauleiter Robert Wagner, angeschnittene Frage der Entlassung der in der 
Schweiz internierten französischen Soldaten elsässischer Abstammung und der 
jetzt noch in der französischen Wehrmacht im unbesetzten Gebiet und in den 
französischen Kolonien befindlichen französischen Soldaten elsässischer Ab= 
stammung, die den Wunsch haben, nach dem Elsaß zurückzukehren, 

b) über den von der WStK gestellten Antrag, die Mangelberufen angehören= 
den und im besetzten Frankreich außerhalb der Führerzone beheimateten 
französischen Kriegsgefangenen zu entlassen; 

4. eine Vortragsnotiz des LIV über die vom OKH beabsichtigte Neuregelung 
der Befehlsverhältnisse im besetzten französischen Gebiet nach Verlegung des 
Hauptquartiers des OKH aus Paris. Anstelle des bisherigen „Chefs der Militär= 
Verwaltung" soll dann ein „Militärbefehlshaber in Frankreich" mit dem 
Dienstsitz in Paris eingesetzt werden, der dem Ob.d.H. unmittelbar unterstehen 
und die Militärverwaltung nach den Weisungen des OKH in Frankreich leiten 
soll. Ihm würden der OQu. Frankreich und der Wehrwirtschafts= und Rüstungs= 
stab Frankreich unterstellt werden, über die Militärverwaltung der Ober= 
befehlshaber der H.Gr. A die Aufsicht als örtlicher Vertreter des Ob.d.H. 
mit einem beschränkten unmittelbaren Weisungsrecht gegenüber dem Militär= 
befehlshaber führen; 

5. eine Vortragsnotiz des LIV über die vom Führer auf Vortrag des Reichs= 
Statthalters Greiser angeordnete Einverleibung der Kreise Petrikau und Toma= 
schow in den Reichsgau Wartheland mit dem 1. 11. 1940. Durch die neue 
Grenzziehung sei das gesamte Litzmannstädter (Lodzer) Industriegebiet wieder 
vereinigt und liege nunmehr geschlossen im Warthegau. Reine militärische 
Belange würden durch die Änderung nicht berührt, da die Verteidigungslinie, 

116 



g. Oktober 1940 

die Verwaltungs= und Zollgrenze in dieser Gegend sowieso nicht an Gelände= 
Abschnitte angelehnt seien, größere Wehrmachtplanungen in diesem Gebiet 
nicht vorlägen und das Ausbildungszentrum „Mitte" bei Radom noch ca. 30 km 
ostwärts der neuen Grenze liege. 

[handschr.] : 

LIL: In der Nacht zum 7. und am 7. Angriffe auf London wegen schlechten 
Wetters abgebrochen, Nacht z. 8. 180 Flugzeuge einges., davon 140 gegen 
London. England am 7. Einflüge ins Küstengebiet, nachts 110 Einflüge ins 
Reichsgebiet, — bisher schwerster Angriff auf Berlin — , 54 nach Berlin. 50 
Sprengbomben, 48 Br.B. in Berlin, 25 Tote, 50 Schwer= und Leichtverletzte .— 
Wetterlage veränderlich. Abgeworfene Bomben in England und Deutschland 
im September: England auf Reichsgebiet 387 t, Deutschland auf England 
7 145 t. London 5 818 t (etwa so viel wie auf Warschau) + 3 326, 76 Brand= 
bomben. 

Ausland: Gerüchte über eine Friedensaktion in Berliner diplomatischen 
Kreisen. 

WiRüAmt: Gestern Besprechung des Reichsmarschalls mit den Chefs der 
Militärverwaltungen etc. 

Interne Besprechung: 

L III: Franzosen wollen 2 Jagdgruppen und 2000 Mann nach Indochina 
bringen. Diese Angelegenheit wird wegen Japan nicht weiter behandelt. Auch 
ein Antrag auf größere Freizügigkeit der französischen Seestreitkräfte in 
Toulon nicht weiter behandelt, da Gesamtregelung bevorstehend. Stellung= 
nähme OKH (?) zur Umwandlung der Waffenstillstandskommission zum 
15. 10. gefordert. Einsatz von Luftminen in Ägypten. 

LIK und LIL: Bedenklich, Fab. (?) an Italiener zu geben. Ein Grund mehr, 
1 Staffel hinzusenden. Luftwaffe beantragt Staffel 1/106 also die strittige. 
Vortragsnotiz: LIK hierzu befohlen mit Antwortschreiben an Ski. (Seekriegs= 
leitung). Vortragsnotiz über Einsatz französischer Luftwaffe gegen Gibraltar. 
LIK. 

L IV: Neuabgrenzung im Osten, Elsaß=Lothringen=Frage. 



9. Oktober 1940 [Mittwoch] 

[handschr.] : 

(Chef L hat sich zu Besprechungen nach Brüssel begeben.) 

LIL: Wegen schlechten Wetters nur Störangriffe und Angriffe auf Aus= 

weichziele. Englische Einzeleinflüge, nachts Anflüge auf Berlin anscheinend 

wegen schlechten Wetters in England zurückgerufen. Bombenabwürfe auf 

Emden, Bremen, Hamburg. Wetterverschlechterung in Frankreich, Südengland, 

117 



B. Kriegstagebuch 

Deutschland. Kellerkarte: Münster i2 3 /4, Berlin 8V2 Stunden in der ver= 
gangenen Woche. (Gespräch Loßberg=Siewert. Transport 1 Panzer=Regiment = 
100 Panzer=Wagen 35—40 Tage. Zweck: Verband soll für 3. Teil der Offensive 
von Marsa Matruk aus zur Verfügung stehen. General Hansen morgen mit 
einem Vorkommando ab 20., Truppen ab 24. 10.). 

L ///: Führerentscheid betr. Antwort an Franzosen. 

L IV: Ersatztruppen des Wehrkreises VIII sollen nach Elsaß=Lothringen und 
Luxemburg verlegt werden. 

Ausland: Rede Churchills: 8 500 Tote, 13 000 Verwundete in London. Fran= 
zösische Kriegsschiffe seien versehentlich durch Gibraltar=Straße nach Dakar 
durchgelassen worden. 

LIL: Seit gestern schlechteres Wetter, daher nur Einzelangriffe auf London, 
auch nachts nur Einzelangriffe. Englische Angriffe nachts auf Rheinland und 
Ruhrgebiet. Verwendung von Jägern als Bomber, da leichter und wendiger 
als Kampfflugzeuge. 

LIK: Verteilung der englischen schweren Seestreitkräfte: 5 Schlachtschiffe 
in der Heimat, „Revenge" im Nordatlantik, 5 in Alexandria, „Renown" Gibral= 
tar, 2 bei Dakar beschädigt. Flugzeugträger: 1 in Aden, 2 in Alexandria, 
2 in Freetown. 

Ausland: Russen haben Luft= und Militärattache nach London geschickt. 
Russisch=j apanische Entspannung. Ribbentrop gestern nachmittag nach Berlin 
zurückgekehrt. 

LIH: Ob.d.H. und Ob.d.L. haben gestern abend Befehl bekommen, die 
Chefs der Militärmissionen in Marsch zu setzen. 

Chef L kehrt am 10. 10. nachmittags zurück. 



10. Oktober 1940 

Der Chef des deutschen Verbindungsstabes bei der italienischen Luftwaffe, 
Gen.Lt. Ritter v. Pohl, berichtet durch Fernschreiben am 9. 10. über seine Unter= 
redung mit Marschall Badoglio am gleichen Tage folgendes : 

Marschall Badoglio 1 habe die Notwendigkeit einer möglichst sofortigen Be= 
sprechung mit Gen.Feldm. Keitel zur Festlegung der Operationspläne für den 
Winter betont. Er halte eine Landung in England nach wie vor für erforderlich, 
um den Krieg schnell zu beenden, glaube aber nicht, daß sie noch in diesem 
Herbst erfolgen könne. Im Winter müsse neben der Fortführung des Luft= und 
U=Bootkrieges gegen England der Schwerpunkt des Kampfes in das Mittelmeer 
gelegt werden, um die Engländer aus Ägypten und Gibraltar zu vertreiben. 

Marschall Badoglio habe weiterhin erklärt, daß er, wenn er gefragt worden 

1 „Diese Ausführungen Marschall Badoglios hatte ich schon vorher berichtet. Sie 
sind hier nicht erwähnt, wie auch meine anderen Unterhaltungen mit Badoglio 
nicht angeführt sind. v. R(intelen)" 

118 



ii. Oktober 1940 

wäre, sich gegen die Entsendung des italienischen Fliegerkorps nach Belgien 
ausgesprochen hätte, weil dieses an die dortigen Schlechtwetterverhältnisse 
nicht gewöhnt und daher während der Wintermonate zur Untätigkeit ver= 
dämmt sei. Hingegen böten sich in dieser Jahreszeit im Mittelmeer beste Ein= 
satzmöglichkeiten. Er würde daher die Beteiligung der deutschen Luftwaffe am 
Kampf gegen Ägypten begrüßen und dann im Frühjahr die Hälfte der italieni= 
sehen Fliegertruppe für den Kampf gegen England zur Verfügung stellen. 

Marschall Badoglio rechne mit der Einnahme von Marsa Matruk in 2—3 Wo= 
chen, nachdem die Wasserleitung Sollum— Sidi Barrani 2 behelfsmäßig her= 
gestellt sei. Trotz der Verstärkung der englischen Truppen in Ägypten, die er 
auf 160000 Mann veranschlage, glaube er zuversichtlich, daß das Nil=Delta 
und der Suez=Kanal erreicht würden. Palästina und Syrien würden dann von 
selbst fallen. Eine Verhinderung der englischen Zufuhren durch das Rote Meer 
sei nicht möglich, weil die italienische Luftwaffe in Ostafrika zu schwach sei. 

Marschall Badoglio sei weiterhin auf die ungenügende Ausnützung der im 
Atlantik eingesetzten 30 italienischen U=Boote zu sprechen gekommen, die des= 
halb nicht zur Wirkung kämen, weil durch den ihnen zugewiesenen Operations= 
streifen überhaupt kein Schiffsverkehr laufe 3 . 



11. Oktober 1940 

LIK legt dem Chef L mit einem Abdruck für Chef WFSt eine Vortragsnotiz 
über den Einsatz der 9. Flieg.Div. (Luftminen bzw. Bomben) vor. Chef L sieht 
davon ab, die Vortragsnotiz in dieser Form weiterzugeben und behält sich die 
weitere Behandlung der Angelegenheit selbst vor. 

[handschr.] : 

LIL: 110 Einflüge ins Reichsgebiet, an 34 Stellen, 88 Sprengbomben ab= 
geworfen. Gestern 101 Kampfflugzeuge am Tage, 298 in der Nacht gegen 
England eingesetzt. Seit Beginn des verschärften Luftkrieges 8108,64 ' au f 
England abgeworfen, dazu über 10000 BSK (Bombenschüttkästen). 

LIK: berichtet über verdächtige Bewegungen der Engländer bei Gibraltar. 
Munition für das französische Schlachtschiff „Richelieu" freigegeben. 

Ausland: Ausländische Zeitungen und Sender sind voll von Kombinationen 
über die Entsendung deutscher Truppen nach Rumänien. Dienstanweisung für 

2 Handschriftliche Eintragung „Küstenstreifen" ist durchgestrichen. 

3 „Diese Äußerung Badoglios nahm der Großadmiral Raeder übel und schickte den 
Admiral Weichold, Chef des Verbindungsstabes der Marine, zu Badoglio. Dieser 
ärgerte sich darüber und weigerte sich daraufhin, den General v. Pohl noch ein= 
mal zu empfangen. Er ließ mich kommen und teilte mir das mit. Er wolle nur 
mit einem Verbindungsoffizier zu tun haben. Pohl hatte sich mit einem Brief des 
Reichsmarschalls den Empfang bei Badoglio ermöglicht. Auch hierüber habe ich 
eingehend an Abt. Ausland berichtet. v. R(intelen)" 

119 



B. Kriegstagebuch 

Militärmission unterschrieben. De Gaulle am 9. 10. in Dualla (Kamerun) ein= 
getroffen. Amerikanische Geschäftsträger in Berlin und Rom sind nach Wa= 
shington zurückberufen worden zur Berichterstattung. Obstlt. Steinhäuser, 
H.VO. beim RAM: Aus der Umgebung des Reichsaußenministers verlautet, 
daß Rückkehr der französischen Regierung nach Paris bevorsteht. Ges. Hem= 
men deswegen nach Berlin berufen. 

WiRüAmt: 100000 Waggons zur Bewältigung des gesteigerten Herbst= 
Transport=Verkehrs aus dem besetzten Gebiet ins Reich herangezogen. 

LIH: Amerikanisches Heer: 16. 9. neues Wehrgesetz beschlossen mit ijäh= 
riger Dienstzeit für die 21— 35jährigen. Vorgesehen 35 Divisionen: 13 akt., 
22 Reserve, 2 AOKs, 4000 Heeres= und 4000 Marineflugzeuge. Großer Rück= 
stand der Rüstungsindustrie. Erst Anfang 1942 werden stärkere Teile eines 
neuzeitlichen Heeres zur Verfügung stehen. 

Interne Besprechung: 

Luftgefahr für die ölgebiete Rumänien besteht nur von Flugzeugträgern 
evtl. von Griechenland aus. (Außenkontrolle Frankreichs (L III). Auswärtiges 
Amt hat sich den Italienern gegenüber auf Sondierung beschränkt und ist nicht 
durchgekommen. Fühlungnahme des Generals v. Pohl mit Marschall Badoglio.) 
Durchschnittlich stehen 10 deutsche U=Boote am Feind. Italiener beklagen sich 
über die geringen Chancen für ihre U=Boote von Bordeaux aus. Oberst Buschen= 
hagen war vorgestern bei Todl. Folge Befehl des Führers, daß Kriegsmarine 
über die für „Seelöwe" herangezogenen 18 Dampfer der Norwegenfahrt wieder 
verfügen kann. 

LIH: schlägt vor, Druck auf England während des Winters aufrechtzuerhal= 
ten. Befehlsentwurf bzw. Vortragsnotiz soll vorgelegt werden. 

Führerentscheid über Photographieren im Osten. 

L II: Rumänienbefehl. Deckblatt hierzu. 

Regierungstruppe im Protektorat (L IV). 

Regierungstruppe im Protektorat (L IV). 

WiRüAmt : Dienstanweisung für WeWi Stab. Rumänien, Einspruch L gegen 
Form. 

Dienstanweisung für Wehrmacht=Nachrichtenverbindung. Dienststellen in 
Rumänien vom Stab WNV. Übersicht über Dringlichkeitsstufen. Flugzeug= 
Programme für 1941/42. Streit zwischen Heer und Luftwaffe über Abgabe von 
20 000 Karabinern und Pistolen an Luftwaffe. Erfassung von Beutepistolen, die 
widerrechtlich getragen werden. 

Chef L: General Jodl hat am 8. 10. anerkannt, daß die Frage des Verhält= 
nisses der Wehrmacht zur Waffen=SS von der Abt. L in der vorgelegten Vor= 
tragsnotiz (s. 8. 10.) zum ersten Mal gründlich untersucht worden ist, hat sich 
aber nicht endgültig dem Vorschlag Chef L angeschlossen, sondern scheint 
einem Kompromiß zuzuneigen. 

(L II Vorschlag für Geheimhaltungsbefehl.) 



14. Oktober 1940 
12. Oktober 1940 

[handschr.] : 

LIL: Am Tage nur Jagdbomber gegen London, nachts 250 Kampfflugzeuge. 
Englische Flugzeuge nachts an der Nordseeküste. Absichten wie bisher. Wech= 
selnde Wetterlage. 10. 8. Soll 1 171 Jäger, 933 einsatzbereit. 1. 10. 730, Stuka 
346—375. Kampfflugzeuge 1600 — 1015—898. Zerstörer 448—357—174. Schwer= 
punkt der Fertigung Jäger Me 109, 110, Ju 88, Ju 87. Hauptquartier der Luft= 
waffe in Beauvais im Zuge. 

L ///: Ju 52 mit Luftwaffen=Kontrollkommission und 3 französischen Offi= 
zieren überfällig. 

Ausland: Nach diplomatischen Berichten aus London will britische Luftwaffe 
ihre Angriffe in konzentrierter Form auf näher gelegene Ziele in Nord= und 
Westdeutschland richten. 

Übertriebene ausländische Nachrichten über deutsche Truppentransporte nach 
Rumänien. — Finnisch=russisches Abkommen über Desarmierung der Aaland= 
inseln. 

WiRüAmt: Nächste Woche Fortsetzung der Wirtschaftsverhandlungen mit 
Rußland in Moskau (Gesandter Schnurre). 

Chef L: Japaner drängen auf Zusammentritt der im Dreimächtepakt vor= 
gesehenen technischen Kommissionen. 

Für Abbau „Seelöwe" soll ein Befehlsentwurf aufgestellt werden. 

13. 10. (Sonntag) keine Lagebesprechung. 

14. Oktober 1940 

Chef OKW beauftragt den deutschen General beim Hauptquartier der 
italienischen Wehrmacht, Gen.Maj. v. Rintelen 1 , Marschall Badoglio davon in 
Kenntnis zu setzen, daß er dessen Vorschlag, in gemeinsamer Besprechung 
möglichst bald die Operationspläne für den Winter festzulegen, voll zustimme 
und daß Zeit und Ort dieser Besprechung spätestens vorgeschlagen würden, 
wenn die eingeleiteten politischen Besprechungen die erforderlichen Voraus= 
Setzungen für die künftige Kriegführung geschaffen hätten 2 . 

[handschr.] : 

LIL: Einzelangriffe mit Jagdbombern auf London am Tage, nachts etwa 
200 Kampfflugzeuge auf London mit guter Erdsicht. In der vergangenen Nacht 
Einflüge ins Reichsgebiet mit frühzeitigem Zurückruf. Absichten wie bisher; 
nachts beide Luftflotten mit stärksten Kampfkräften auf London. 

1 Hinweis auf Anlage OKW/WFSt Abt. L 00855/40 g.K. v. 14. 10. 1940. 

2 „Badoglio war nicht sehr glücklich über diese Verschiebung, v. R(intelen)" 

121 



B. Kriegstagebuch 

LIK: Gefechtsberührung zwischen englischen und italienischen leichten See= 
Streitkräften in der Nacht vom 11./12. 10. 

L ///: Französischer Antrag auf Entsendung von Truppen und Flugzeugen 
nach Indochina abgelehnt, soll der Gesamtregelung vorbehalten bleiben. Fran= 
zösische Seestreitkräfte Toulon dürfen Übungsfahrten machen. Franzosen 
stellen immer neue Einzelanträge. 

L IV: Territoriale Einteilung der Militärverwaltung Frankreich: 5 Bezirke, 
an der Spitze Bezirkschefs. Protektorat: Größter Teil der Bevölkerung ab= 
lehnend gegenüber Deutschland. Bericht WB Prag. 250 000 Deutsche im Protek= 
torat, davon 170000 Reichsbürgerrecht, Rest Volksdeutsche. 

Ausland: Deutsche Wehrmachtsmission Rumänien planmäßig in Bukarest 
eingetroffen, begeistert empfangen. Englischer Gesandte 3 aus Bukarest ab= 
gereist. Diplomatische Beziehungen noch nicht abgebrochen. Englischer Ge= 
sandte Budapest hat Vorstellungen gegen deutschen Durchtransport erhoben. 
De Gaulle von den Engländern nicht fallen gelassen. Amerikanische Bericht= 
erstatter geben drastische Schilderungen über wachsende Zerstörungen in 
London, betonen aber gute Haltung der Bevölkerung. 

Interne Besprecliung: 

Dienstanweisung für die Militärmission in Rumänien von Chef OKW unter= 
schrieben, nachdem Führer Forderungen des OKW voll zugestimmt hat; will 
keinen Zwist zwischen diplomatischen Vertretungen und Militär=Chef z.Z. in 
Spanien. Unterredung Jodl — Amerikanischer Militär=Attache, dieser hat sich 
auf Zuhören beschränkt. Seine Kommandierung zu einem Artillerie=Regiment 
hat der Führer abgelehnt. Unternehmen „Seelöwe" : Auf Vorschlag Chef L soll 
für V2 Jahr Ruhe sein. 

(Vorstehendes sind Mitteilungen, die Chef WFSt am 12. 10. nachmittags dem 
Chef L gemacht hat.) 

15. — 22. Oktober 1940 

(Notizen des Hptms. Ogilvie bei den Lagebesprechungen während meiner 
Dienstreise durch Belgien und Frankreich). 

15. 10. ; Erfolge des B=Dienstes werden wieder besser. Entsendung Kontroll= 
kommission Casablanca angehalten. 

16. 10.: Vortrag des Majors Zinnemann über Treibstoffversorgung Groß= 
britanniens im Nahen Osten und Mittelmeergebiet. Unterlagen sind Chef L 
zugegangen. 

17. 10. : Vortrag des Majors Prinz Reuß über Einfluß von Liefersperren durch 
die USA und das Empire auf das japanische Kriegspotential. Vortrag liegt im 
Wortlaut vor. 

3 Hoare, Sir Reginald. 



23. Oktober 1940 

18. 10.: Angriff Italiens gegen Griechenland mit 10 Divisionen Ende Oktober 
(26. 10. ?) Kein Angriff auf Jugoslawien. 

ig. 10.: Nichts besonderes. 

20. 10.: Keine Lagebesprechung. 

21. 10.: Nichts besonderes. 

22. 10.: Bulgarischer Aufmarsch mit 3 Div. gegen Griechenland und 4 Div. 
gegen Türkei. Angeblich soll Italien weiterhin Angriff gegen Griechenland 
beabsichtigen. Umorganisation der Befehlsbereiche der Armeen in Frankreich. 



22. Oktober 1940 

Nach einem Fernschreiben des Luftwaffenführungsstabes vom 21. 10. 1 hat ein 
Oberstlt. des italienischen Generalstabes dem Chef des deutschen Verbindungs= 
stabes bei der italienischen Luftwaffe vertraulich als Termin für die italienische 
Offensive gegen Griechenland den 25. oder 26. 10. bezeichnet. Erstes Ziel seien 
die Inseln Korfu und Cephalonia sowie Yannina, zweites Ziel Saloniki, drittes 
Ziel Athen, das von zwei Kolonnen erreicht werden solle. Bulgarien solle 
angeblich gleichzeitig den Küstenstreifen ostwärts der Halbinsel Chalkidike 
besetzen 2 . 



23. Oktober 1940 

[handschr.] : 

LIL: Westküste England von Westfrankreich aus durch KG 30 (der 9. Fl. Div.) 
vermint. Einzelangriffe auf London. Feindeinflug ins Küstengebiet, keine ins 
Reichsgebiet, offenbar wegen Nebels in England. 

L ///: Unterredung General Doyen mit deutschem VO (Verbindungsoffizier) 
über Verlegung der französischen Regierung nach Paris, elsaß=lothringische 
Frage, Truppenentsendung nach Indochina um Kap der Guten Hoffnung. 

LIM: Erklärung Washingtoner Kongreßkreise, daß USA seine Superbomber 
England nicht zur Verfügung stellen werden. 

Ausland: Besprechung Führer — Laval. Aus Vichy bekanntgegeben, daß diese 
Woche für deutsche Beziehungen entscheidend. 

Meldung V.Mann, London vom 4. 10. über Wirkung deutscher Angriffe auf 
London und englische Industrie; im September wenig, Anfang Okt. stärker. 
Stimmung fatalistisch, aber keine Demoralisation 1 . 



1 Hinweis auf Abt. Ausl. 981/40 g.K. v. 22. 10. 1940. 

2 „Ich habe auch über die dauernden Vorbereitungen eines Feldzuges gegen Grie= 
chenland berichtet. v. R(intelen)" 

1 Hinweis auf Abw. I 5881 g.K. F. H. Ost v. 17. 10. 1940. 

123 



B. Kriegstagebuch 

Interne Besprechung: 

Chef L: General Jodl hält es für möglich, daß Führer dem Duce auf dem 
Brenner Einverständnis zum Angriff auf Griechenland gegeben hat, ohne seine 
nähere Umgebung davon zu unterrichten. Befehl für Auflockerung „Seelöwe", 
Meldungen der 3 Wehrmachtteile; lange Anlauf fristen. 

Neue Täuschungsbefehle. Maßnahmen aufrechterhalten, in der Hauptsache 
nach Norwegen verlagert. 

Führerauftrag, Frage der atlantischen Inseln noch einmal untersuchen, 
Azoren. 

Rumänien: Heeresstab eingetroffen, Jagdstaffel und Flak. Abt. unterwegs; 
sonst nichts. Reisebericht Oberstlt. Münch über Quartiermeisterfragen heute 
an Chef WFSt. Karte der Unterbringung. Interessante Nachrichten des Staats= 
Sekretärs Ankara an türkischen Botschafter London über Erklärungen des 
deutschen Militär= Attaches (über Moskau nach Berlin gelangt). Fingerzeig für 
Irreführung. 

Führerreise: soll bis Sonnabend dauern. Begegnung mit König der Belgier in 
Yvoir. Vor Rückkehr nichts zu veranlassen, auch nichts bzgl. Libyens. VIII. Flieg.= 
Korps. Erkundung eines Verb. Stabes im Gange. Vorschlag am Sonntag oder 
Montag dem Führer vom Reichsmarschall übergeben. Chef Vorbereitungen 
Heer 3. Panzer=Division soll 1. 11. marschbereit sein. 

Von Heer und Luftwaffe sollen endgültig Stärken der Verbände erfragt 
werden, um Führer nach Rückkehr Absichten zusammengefaßt vorzutragen 
und es ihm zu ermöglichen, mit den Italienern endgültige Abmachungen zu 
treffen. 

Von L Vorschläge zu machen über 1. Zusammenspiel der Transportdienst= 
stellen, 2. . . . 2 , 3. Führung. 

LIL: General von Richthofen wird Aufgabe erhalten, in erster Linie die 
Panzer=Division vorzutreiben und erst in 2. Linie die englische Flotte zu be= 
kämpfen. Vorschlag Chef L: Schaffung eines einheitlichen Verbandes, Unter= 
Stellung unter Gen. Graziani, einheitlicher Einsatz. Bildung eines Heimatstabes 
ist vorzusehen, zusammengesetzt aus den beiden Wehrmachten, arbeitet nach 
Anweisung desOKW. Aufgabe: Steuerung der Transporte bis zur Übergabe an 
Wehrmachttransportchef etc. Gen. v. Thoma (Kdr. 3. Pz.Div.), schon in 
Italien gewesen. Bestes Einvernehmen. Obstlt. Münch hat gestern vom Chef L 
eine Denkschrift des Gen. Jänicke über Schaffung eines Generalquartiermeister= 
Stabes der Wehrmacht mit ablehnender Stellungnahme des Chefs L bekommen. 
Vorschläge Chef L. 

LIH: Stimmung der Truppe ausgezeichnet, angestrengt, aber nicht über= 
anstrengt. Tendenz mit Einzelflugzeugen anzugreifen, setzt sich mehr und mehr 
durch. Jeschonnek hofft damit im Laufe des Winters Erhebliches zu erreichen. 
London laufend weiter nachts unter Druck halten, wenn Wetter es erlaubt. 

2 Nicht ausgefüllt. 

124 



24. Oktober 1940 

Ersatzlage pers. und mat. gut. Tags nur bedingt mit Kampf verbänden angreifen. 
Ansichten aber verschieden. Nur noch Jäger mit 250 kg Bomben in größten 
Höhen angesetzt auf London oder Ausweichziele. Schäden in London nach 
Ansicht General Jeschonneks ganz erheblich. Reichsmarschall hat angeordnet, 
daß Nachtflughäfen angegriffen werden sollen. Italienverbände voll einge= 
troffen, fliegen sich ein, Jäger veraltetes Material. Ebenso 60 Kampfflugzeuge. 
Zwischen Heer und Luftwaffe Einsatz Gibraltar besprochen. Luftflotte 5 hat 
1 Kampfgr. bekommen zur Unterstützung. Ausreise „Admiral Scheer". 
9. Flieg.Div.= IX. Flieg.Korps; . . . (2) 3 erledigt. 

24. Oktober 1940 

[handschr.] : 

LIL: Angriffe gegen London tagsüber zumeist wegen Wetter nicht zur 
Durchführung gekommen, nachts 60 Kampfflugzeuge über London. Nachts 
30 Spreng= und 40 Brandbomben auf Deutschland (u. a. Bahnhof Grunewald). 
Absichten wie bisher. Wetter wechselnd. Bericht General v. Bötticher über Lage 
bis 21. 10.: 

Lage zusehends schwieriger, Ziel: Leben zu erschweren und Produktion zu 
stören, sei erreicht. Rückgang der Produktion, Gefahr von Epidemien. Schwie= 
rige Verkehrslage, Nachrichten der Gesandtschaften Lissabon und Sofia lauten 
ähnlich. Eindrucksvolle Änderung im Ton der englischen Presse. 

LIK: Italienische U=Boote im Nordbereich eingesetzt, z.Z. 3 deutsche und 
4 italienische U=Boote. 

Ausland: Meldungen General v. Pohl über italienische Angriffsabsichten 
gegen Griechenland. Bericht v. Rintelen: General Roatta hat Rintelen gegen= 
über solche Absichten verneint. Bericht Rintelen vom 18. am 23. bei L ein= 
gegangen. Zusammentreffen Führer— Franco an spanischer Grenze, Laval Be= 
sprechungen in Paris, Vichy und mit dem Führer. Eindruck: 2 Strömungen 
im französischen Lager, einerseits Petain, Laval, Huntziger, andererseits Wey= 
gand. Nach Mitteilung General v. Tippeiskirch an Kpt. Bürkner sollen 13 Trans= 
portschiffe in Duala gelandet sein. 

Chef L: Fall Italien— Griechenland. Möglich, daß Italien diesbezügliche Ab= 
sichten geheimhält, weil es auch erst sehr spät über unsere Absichten hinsicht= 
lieh Rumänien unterrichtet worden ist. Große Vorteile, wenn es Italien ge= 
lingt, Griechenland in seine Hand zu bringen, aber ebenso große Nachteile, 
wenn dies wegen unzureichenden Kräfteeinsatzes nicht gelingt. LIL=Vortrags= 
notiz über Kreta. Vortrag LIL über Bedeutung Kretas als Luftstützpunkt für 
England. Englische Flugzeuge können nur zum Teil von Kreta aus gegen 
rumänisches Erdölgebiet eingesetzt werden. 1 Landflugplatz für 1 Kampf= 
gruppe. 

3 Unleserlich. 

125 



B. Kriegstagebuch 

LIH: In Albanien 8 + 1 Panzer=Division. Griechenland an albanischer und 
jugoslawischer Grenze 8 Divisionen. 

Interne Besprechung: 

Major von Necker: Arbeit über Land, Klima, Operationsmöglichkeiten der 
Engländer in Westafrika von Abt. Fr.H.West auf Befehl des Generalobersten 
Halder angefertigt. Neue Arbeit von der 9. Abt. 

L IV: Stellung des Militär=Befehlshabers in Frankreich, neuer Befehl. 

LIK: „Scheer" unter Kpt. Kramke gestern ausgelaufen. 

Luftwaffe mit Italien noch keine Verbindung bzgl. Libyens. Fabrikmäßige 
Vorbereitungen für die dorthin zu entsendenden Luftverbände. Bereitschaft 
nicht vor 28. 10. Einsatz nicht vor Januar. Marine befürchtet englische Offensive 
in Ägypten. Vortragsnotizen WPr über Drosselung der deutschen Sender. 

LIH: OKH=Studie über Gibraltar. 

L IV: Dienstanweisung OKH für Militär=Befehlshaber Frankreich. Besondere 
Befugnisse des Ob.d.H. in Südholland. Brief Chef OKW an Reichsminister 
Lammers. 

25. Oktober 1940 

General v. Rintelen teilt durch Fernschreiben vom 24. 10. mit, daß Marschall 
Badoglio gebeten habe, die Besprechung mit Gen.Feldm. Keitel in Innsbruck 
zwischen dem 10. und 15. 11. abzuhalten 1 (Ausl. 123/40 v. 25. 10.). 

Chef L legt dem Chef WFSt bei seinem Vortrag am Nachmittag eine Vor= 
tragsnotiz der Abt. L über die Entsendung deutscher Truppen nach Libyen vor, 
die die beabsichtigte Zusammensetzung des mit der 3. Pz.Div. dorthin zu über= 
führenden VIII. Flieg.Korps aufzeigt und in der zu den Fragen der Befehls= 
Verhältnisse und der Überführung nach Libyen Stellung genommen wird. Hin= 
sichtlich der Befehlsverhältnisse wird vorgeschlagen, die deutschen Truppen 
als geschlossenen gemischten Verband unter gemeinsamer Führung dem Mar= 
schall Graziani unmittelbar zu unterstellen, nachdem zuvor ihr Einsatz im 
großen durch die beiderseitigen Oberkommandos auf Grund der Erkennungs= 
ergebnisse der zu entsendenden Verbindungsstäbe und der von General 
v. Rintelen einzuholenden Vorschläge festgelegt worden sei. Hinsichtlich der 
Überführung wird darauf hingewiesen, daß das Tempo des Antransportes von 

1 „Inzwischen war die Entscheidung für den griechischen Feldzug gefallen, daher 
die weitere Verschiebung der Besprechung. Es war auf Vorschlag von Ciano vom 
Duce angeordnet, den Deutschen nichts über den bevorstehenden Angriff mit= 
zuteilen. 

Bei dieser Unterredung am 24. X. habe ich Badoglio gefragt, was an den Gerüch= 
ten über den geplanten Angriff gegen Griechenland wahr sei. Badoglio war sehr 
verlegen und antwortete, daß nur Vorbereitungen getroffen seien, in Griechen» 
land einzumarschieren, wenn die Engländer dort landen würden. 
Das steht auch in diesem Telegramm. v. R(intelen)" 

126 



25. Oktober 1940 

der Leistungsfähigkeit der Häfen, insbesondere der Landehäfen, und von dem 
zur Verfügung stehenden Schiffsraum abhinge (vgl. 1. 11.) (Anl.). 

Chef L legt dem Chef WFSt weiterhin eine Vortragsnotiz des L IVa vor, in 
der darauf hingewiesen wird, daß die sich aus dem Abschluß des Waffenstill= 
Standsvertrages ergebenden laufenden militärischen, wirtschaftlichen und poli= 
tischen Verhandlungen auf deutscher Seite z.Z. von 4 Stellen: der dem OKW 
unterstellten WStK, der WStDelegation für Wirtschaft nach den Weisungen 
des Vierjahresplans und des Auswärtigen Amts, dem dem Ob.d.H. unter= 
stellten Mil.Bef. in Frankreich und der Dienststelle des Botschafter Abetz nach 
den Weisungen des Auswärtigen Amtes und des Propaganda=Ministeriums 
geführt würden und daß demgegenüber die weitere Entwicklung des deutsch= 
französischen Verhältnisses die einheitliche Vertretung der Wehrmachtinter= 
essen gegenüber der französischen Regierung erfordern werde. Als geeignete 
Stelle hierfür wird unter Vorlage eines Befehlsentwurfs die WStK vor= 
geschlagen, deren bisherige Aufgabe der Durchführung des Waffenstillstands= 
Vertrages im großen als erledigt zu betrachten sei (Anl. i. d. Akten L IVa). 

Durch Verfügung des Ob.d.H. (GenStdH, Gen.Qu. II 684/40 v. 21. 10.) ist 
mit dem 25. 10. unter Wegfall der Stelle des bisherigen Chefs der Militär= 
Verwaltung in Frankreich der bisherige stellvertretende kommandierende Ge= 
neral im Wehrkreis XVII, Gen.d.Inf. Otto v. Stülpnagel, zum Militär=Befehls= 
haber in Frankreich ernannt worden. 

[handschr.] : 

LIL: Angriffe durch Wetter gestört. Verminung der englischen Ost= und 
Westküste. Nachts englische Einflüge ins Küstengebiet und nach Deutschland. 
Schwerpunkt Hamburg. An 4 verschiedenen Oktober=Tagen 645 Einflüge, 
davon 541 Flugzeuge mit Bomben, 986 Sprengbomben, 933 Brandbomben ab= 
geworfen. Wetter wechselnd. Absichten wie bisher. 

Ausland: Begegnungen mit Laval, Franco, Petain anscheinend günstig ver= 
laufen. Näheres noch nicht bekannt. Sehr interessant englischer amtlicher 
Bericht über Zerschlagung der deutschen Invasionsvorbereitungen. 

Interne Besprechung: 

1. mit L II, soll Quartiermeisterfragen in Rumänien behalten. (Telefongespräch 
mit General Jodl: Fernschreiben über Begegnung Führer— Franco gestern 
bei L eingegangen; im Auszug an OKH weitergegangen. Chef L X6.30 Uhr 
bei Chef WFSt.) 

2. L J7=Bericht über Rumänien. Hohe unberechtigte Geld= und Verpflegungs= 
forderungen der deutschen Stäbe auf Kosten der Rumänen. 

3. L II: Überführung des Sicherheits= und Hilfsdienstes in die Wehrmacht 
kommt nicht in Frage. Aber Loslösung des Luftwarndienstes und Anschluß 
an den Luftmeldedienst und Loslösung des SHD von der Polizei. 

4. L II : Luftwaffen=Übersichten für den Führer. 



127 



B. Kriegstagebuch 

5. Einrichtung von Wehrmachtdienststellen in Elsaß=Lothringen / keine gesetz= 
liehen Unterlagen. Chef L weist darauf hin, daß dort eine Art Gewohnheits= 
recht geschaffen wird, infolgedessen dort alles geschehen kann, als ob es 
Reichsgebiet wäre. 

6. Kriegsgliederung Norwegen. 
Besprechung mit Gruppe I und L IV: 

LIK: Vorlage betr. Schiffsbereitschaft. „Bismarck" 1.4., „Tirpitz" Sommer 41, 
„Scharnhorst", „Gneisenau" Nov. 40, „Lützow" 1. 4., „Hipper" November 
kriegsbereit. Hilfskreuzer 21, gestern in Lorient erwartet, ist nicht eingetroffen. 
Vorlage LIK über Dauer des Transports nach Libyen, hängt nicht von Zahl der 
Schiffe, sondern Entladungsmöglichkeiten ab. Anregung Halder, an freier Küste 
zu landen zwecks Zeitersparnis. Neuer Bericht Rintelens über Unterredung mit 
Badoglio, Offensive gegen Marsa Matruk erst im Dezember. 

Chef L: Gestern mit Oberst Heusinger gesprochen. General v. Thoma kehrt 
erst in diesen Tagen zurück, dann erst Klarheit mit Italien und weitere Vor= 
bereitungen. 

Vorschläge L. Entwurf der Gr. I. Einsatz des Verbandes soll im großen durch 
beiderseitige OKW festgelegt werden. Grundlage Erkundungen der Verb.= 
Stäbe. Unterstellung der deutschen Verbände unmittelbar unter Marschall 
Graziani. Reihenfolge der Überführung soll von dem deutschen Befehlshaber 
bestimmt werden, rechtzeitige Bereitstellung deutscher Luftschutzverbände. 
Verantwortlich für Seetransport, Geleit und Luftschutz dtsch. Seebefehl. 

L IV: Ob.d.H. und Ob.d.L. haben schon eine Art Heimatstab gebildet, sie 
sind zweckmäßig zu einem Heimatstab Süd zusammen zu fassen. 

Führerbesprechungen 

1. mit Laval am 22. 10., 

2. mit General Franco am 23. 10. in Hendaye, 

3. mit Marschall Petain am 24. 10. 



26. Oktober 1940 

[handschr.] : 

LIL: Nacht vom 24725. sehr starkes Minenunternehmen an der englischen 
West= und Ostküste durchgeführt. Am 23. 1.0. erster Einsatz italienischer 
Kampfflugzeuge (13) auf Harwich. In der Nacht zum 26. 10. 62 englische 
Bomben auf Nordwest= und Süddeutschland; Vs der Bomben auf S= Anlagen. 
„Verkaufsstelle 500" bisher nicht besonders angegriffen. 

L III : der Ton, in dem die Franzosen mit dem Gesandten Hemmen verkehren, 
unterscheidet sich erheblich von dem, den sie der Waffenstillstandskommission 
gegenüber gebrauchen. 

L IV: Mit dem 25. 10. ist General der Infanterie Otto von Stülpnagel zum 
Militärbefehlshaber Frankreichs ernannt worden. 

128 



28. Oktober 1940 

Ausland: Ober Führerbesprechungen nichts zu erfahren. 

Chef L: Im großen sind nach Mitteilung Chefs OKW die Besprechungen 
mit Petain ebenso befriedigend verlaufen wie die mit Franco und Laval. 

Ausland: In amtlichen griechischen Kreisen wird mit Besetzung der griechi= 
sehen Inseln durch England gerechnet. 

Interne Besprechung: 

Erklärung des Marschalls Badoglio gegenüber General v. Rintelen, daß 
Italien nur Vorbereitungen englischen Eingreifens in Griechenland treffe, er= 
schien bis gestern abend einleuchtend. 

Gestern nachmittag 6.00 Uhr Anruf Feldmarschall Keitel, daß Duce dem 
Führer Mitteilungen über offensive italienische Absichten gegen Griechenland 
gemacht habe. Feldmarschall wollte heute evtl. für 1 Tag herkommen zu Be= 
sprechungen über militärische Maßnahmen. Kriegsmarine ist dafür, daß bei 
Besetzung Griechenlands vor allem auch Kreta besetzt werden sollte, da 
besonders wichtig. General Jodl will nach Rückkehr des Führers ihm einen 
Brief an den Duce vorschlagen zur Beschleunigung der Ägypten=Offensive. 
Besprechung Chef OKW mit Marschall Badoglio in Aussicht genommen. 

Vortragsnotiz über Entsendung deutscher Truppen nach Libyen gestern 
vorgelegt, kleine Abänderung der Truppenzusammensetzung durch Erkun= 
dungsergebnis des General v. Thoma. 

(27. 10. 1940, 12.00 Uhr (Sonntag) habe ich fernmündlich und durch Fern= 
schreiben an Bürkner (Ausland) mitgeteilt, daß der Angriff gegen Griechenland 
am 28. früh beginnt. Bürkner hat diese Nachricht an Jodl weitergegeben. 

v. R(intelen)) 

(Von der beabsichtigten Übergabe des Ultimatums ist die deutsche Botschaft 
in Rom Geschäftsträger Fürst Bismarck am 27. 10., 21.00 Uhr, informiert 
worden. Die Nachricht hiervon hat der Führer am 28. 10. früh in Bologna 
erhalten. v. R(intelen)) 

28. Oktober 1940 

Lagebesprechung: 

LIL meldet, daß am 27. 10. 227 Kampf= und Aufklärungs= und 138 Jagd= 
Flugzeuge und in der Nacht zum 28. 10. 225 Kampf=Flugzeuge gegen England 
eingesetzt und über London am Tage 52,8 t, in der Nacht 126,7 t und 40 BSK 
abgeworfen worden seien. Weiterhin seien, anscheinend mit gutem Erfolg, 
die englischen Nachtflugplätze angegriffen worden. Die eigenen Verluste be= 
liefen sich am 27. 10. auf 9, die feindlichen auf 29 Flugzeuge. Das IX. Flieg.= 
Korps habe Minenunternehmen an der West= und Südküste Englands durch= 
geführt. Feindliche Einflüge seien erfolgt am 27. 10. in den Luftgau Holland = 

129 



B. Kriegstagebuch 

2, mit Angriff auf den Flugplatz Den Helder, in der Nacht zum 28. 10. in die 
Luftgaue Holland = 69, Belgien/Nordfrankreich = 12 und Westfrankreich 
= 25, mit Bombenabwurf an insgesamt 14 Stellen; in das Reichsgebiet = 85, 
mit Abwurf von 114 Sprengbomben und über 140 Brandbomben, hauptsächlich 
in den Luftgauen VI, IV und IX. 

LIH meldet, daß von der nach Rumänien entsandten Wehrmachtmission die 
Luftwaffenmission ohne 2 Aufkl. Staffeln H und 1 San.Bereitschaft, von der 
Heeresmission bisher nur der Stab und Vorkommandos eingetroffen seien 
und bis 31. 10. die Lehrstäbe, 2 Inf.Btl., 1 Pz.Abt., 1 Aufkl.Abt., 1 gemischte 
Artl.Abt. und eine Reihe von Nachschub=Einheiten nach Rumänien verlegt 
würden. Der Gesamtverband würde bis zum 12. oder 13. 11. eintreffen. 

Abt. Ausland teilt mit, daß italienische Truppen heute morgen um 6.00 Uhr 
von Albanien aus in Griechenland einmarschiert seien, nachdem der griechi= 
sehen Regierung von dem italienischen Gesandten in Athen um 3.00 Uhr eine 
Note übergeben worden sei. — Der Führer habe sich zu einer Besprechung mit 
dem Duce nach Florenz begeben 1 . — Bei der sowjetrussischen Gesandtschaft 
in Bukarest seien 4 russische Offiziere zur Beobachtung der deutschen Wehr= 
machtmission in Rumänien eingetroffen. 

Der Vorsitzende der deutschen Waffenstillstandskommission, General d. 
Inf. v. Stülpnagel, sucht den Chef L vormittags im Zug „Atlas" auf, um sich 
über den Ausgang der Besprechungen des Führers mit dem stellvertretenden 
französischen Ministerpräsidenten Laval und dem französischen Staatschef, 
Marschall Petain, hinsichtlich des künftigen Verhältnisses zu Frankreich und 
der daraus zu ziehenden Folgerungen für das Verhalten und die Organisation 
der Waffenstillstandskommission zu unterrichten. 

Zu der letzteren Frage spricht Chef L mit General v. Stülpnagel den von 
L IVa aufgestellten Entwurf eines Führererlasses über die künftige einheitliche 
Vertretung der deutschen Wehrmachtinteressen gegenüber Frankreich (vgl. 
Vortragsnotiz L IVa v. 25. 10. — Anl. 25. 10.) durch, mit dem General v. Stülp= 
nagel sich im allgemeinen einverstanden erklärt. 

Über den Ausgang der Verhandlungen des Führers mit den französischen 
Staatsmännern teilt der Chef WFSt in einer anschließenden Besprechung dem 
General v. Stülpnagel soviel mit, daß sich auf französischer Seite eine weit= 
gehende Bereitwilligkeit gezeigt habe, mit Deutschland bei der künftigen 
Neuordnung Europas unter deutscher Führung zusammenzuarbeiten, daß Mar= 
schall Petain eine endgültige Antwort aber noch nicht erteilt habe. Es bliebe 
auch durchaus offen, welche militärischen Schlußfolgerungen sich aus einer 
allgemeinen politischen Verständigung, über deren Einzelheiten nicht ge= 
sprochen worden sei, ergeben würden. An eine Kriegserklärung Frankreichs 
an England sei nicht zu denken, hingegen werde die französische Regierung 
wahrscheinlich bereit sein, nicht nur das französische Kolonialreich gegenüber 

1 „Keine mil. Vertreter auf ital. Seite zugegen. v. R(intelen)" 

130 



28. Oktober 1940 

englischen Übergriffen zu verteidigen, sondern auch gegebenenfalls in Afrika 
Stützpunkte für die deutsche Kriegführung einzuräumen. 

Für die Waffenstillstandskommission blieben hiernach fürs erste die bis= 
herigen Richtlinien maßgebend. Der Führer habe lediglich angeordnet, daß 
künftig Zugeständnisse an Frankreich jeweils mit zusätzlichen, über den 
Waffenstillstandsvertrag hinausgehenden Forderungen verbunden werden 
sollten und daß das gleiche Verfahren im umgekehrten Fall, d. h. bei deutschen 
Forderungen an Frankreich, anzuwenden sei. 

Chef WFSt ergänzt die vorstehenden Mitteilungen in einer Besprechung 
mit dem Chef L und den Gruppenleitern IH, IK, IL und /// im Zug „Atlas" 
um 15.00 Uhr noch dahin, daß mit Spanien ein Geheimabkommen abgeschlos= 
sen, mit seinem baldigen Kriegseintritt aber nicht zu rechnen sei. Das OKH 
solle darauf hingewiesen werden, daß die bereits mit Genehmigung des Führers 
angeordnete Erkundung gegen Gibraltar auf diese politische Lage Rücksicht 
zu nehmen habe, um Spanien nicht vorzeitig seiner freien Willensbestimmung 
über die weitere politische Gestaltung seiner Beziehungen zu den Achsen= 
mächten und über die weitere Durchführung seiner wirtschaftlichen Konsoli= 
dierung zu berauben. 

Auf Befragen des Chefs L fügt Chef WFSt noch hinzu, daß auch der Luft= 
waffe Erkundungsmaßnahmen in Verbindung mit dem OKH freigegeben 
werden sollten, daß aber vor Ausgabe allgemeiner operativer Richtlinien für 
den künftigen Angriff auf Gibraltar die hierüber vom GenStdH verfaßte Studie 
einzufordern sei. An den allgemeinen Absichten, wie sie in der Studie des 
OKW vom 19. 8. (vgl. Anl. 20. 8.) niedergelegt seien, solle vorläufig fest= 
gehalten werden. 

Chef WFSt verliest sodann einen Brief des Duce an den Führer, in welchem 
das italienische Vorgehen gegen Griechenland des Näheren begründet und 
zugleich die Forderung auf Wegnahme bzw. Besetzung weiterer englischer 
Stützpunkte im europäischen Räume erhoben wird. Das Verhalten Italiens 
Jugoslawien gegenüber wird hierin als das einer peinlichen Wachsamkeit 
bezeichnet. 

Bei der anschließenden Erörterung ergibt es sich, daß die vom LIK am 
26. 10. im Hinblick auf das erwartete italienische Vorgehen gegen Griechen= 
land erhobenen Vorstellungen wegen der strategischen Bedeutung Kretas 
(vgl. 26. 10.) den Chef WFSt veranlaßt haben, sich eingehend mit dieser 
Frage zu befassen. In einer noch am gleichen Tage entstandenen Aufzeichnung 
hat der Chef WFSt hierzu folgendermaßen Stellung genommen (Anl. 5) : 

Eine militärische Aktion der Italiener gegen Nordgriechenland und den 
Piräus führe mit Sicherheit zu einer Inbesitznahme der Insel Kreta durch die 
Engländer. Damit würde die Verbindung Italiens mit Libyen dauernd bedroht 
sein. Eine überraschende italienische Aktion gegen Kreta sei möglich und 
verhältnismäßig leicht zu tarnen, erfordere aber den vollen Einsatz der italieni= 
sehen Schlachtflotte. Erfolge letzterer nicht, womit nach den bisherigen Er= 

131 



B. Kriegstagebuch 

fahrung und den Mitteilungen des Generals Roatta 2 zu rechnen sei, so 
würden die gelandeten italienischen Truppen sich schwerlich halten können, 
da dann mit Sicherheit das englische Alexandria=Geschwader gegen Kreta 
eingesetzt werden würde. Sehr viel günstiger seien die Erfolgsaussichten einer 
Landung zu beurteilen, wenn nach weiteren italienischen Erfolgen in Ägypten 
(Wegnahme von Marsa Matruk) Stukas, Minen und U=Boote gegen das 
englische Geschwader eingesetzt würden und dieses hierdurch Verluste erleide. 
In diesem Falle würde es wahrscheinlich nicht mehr gegen ein italienisches 
Landungsunternehmen auf Kreta eingesetzt werden, und wenn dies doch 
geschähe, so würde es von der dann erheblich überlegenen italienischen Flotte 
mit Erfolg angegriffen werden können. Folgender Ablauf der Operationen 
scheine daher zweckmäßig: 

1. Frühestmögliche Fortführung der italienischen Offensive in Ägypten zur 
Gewinnung von Marsa Matruk, 

2. nach Besetzung von Marsa Matruk Bekämpfung des englischen Alexandria= 
Geschwaders mit allen verfügbaren Mitteln, 

3. nach genügender Schwächung des Geschwaders Beginn der Operation 
gegen Griechenland mit gleichzeitiger Besetzung Kretas. 

Diese Aufzeichnung sollte auf Weisung des Chefs OKW am 28. 10. zum 
Gegenstand einer Aussprache zwischen dem Chef WFSt und dem italienischen 
Militärattache in Berlin gemacht werden. Hierzu ist es indessen wegen der 
schon heute begonnenen italienischen Operation gegen Griechenland nicht 
mehr gekommen. 

Chef L hält, das Ausbleiben einer unmittelbaren englischen Gegenaktion 
gegen das italienische Vorgehen vorausgesetzt, diese Aussprache jedoch für 
so wichtig, daß er dem Chef WFSt die vom LIK nach dessen mündlichen Vor= 
trag am 26. 10. aufgestellte Vortragsnotiz über die Bedeutung des griechischen 
Raumes im Rahmen der Mittelmeerlage, auf die der Chef WFSt verzichtet 
hatte, nun doch vorlegt (Anl. 6). 

Chef WFSt ordnet hierzu noch an, die Unterlagen über die militärische 
Bedeutung Kretas durch das Amt Ausl./Abw. verdichten zu lassen. 

Chef WFSt teilt sodann mit, daß der Führer im Zusammenhang mit dem 
Vortrag, den ihm der BdU während der Reise in Frankreich gehalten habe, 
die Frage der Besetzung der atlantischen Inseln erneut aufgegriffen habe. Die 
hierüber von der Abt. L angestellten Untersuchungen sollten daher weiter 
vertieft werden, besonders unter dem Gesichtspunkt der Ausnutzung fran= 
zösischer Stützpunkte. Der Führer habe weiter auf den Vortrag des BdU hin 
angeordnet, daß durch die Organisation Todt in Lorient betonierte Unterstände 
für U=Boote geschaffen werden sollten (vgl. 7. 11.). 

2 „Roatta hatte%ür gegenüber in einer Aussprache erwähnt, daß ein Unternehmen 
gegen Kreta nicht in Frage käme. Tatsächlich waren auch nur Landungen auf 
Korfu und Cephalonia vorbereitet, fanden aber wegen ungünstiger Witterung 
nicht statt. v. R(intelen)" 

132 



28. Oktober 1940 

Chef WFSt weist schließlich noch darauf hin, daß in Anbetracht der er= 
höhten Aufklärungs= und Störungstätigkeit der Engländer gegen die Schiffahrt 
in den norwegischen Gewässern die Durchführung der am 22. 10. erlassenen 
Richtlinien für die Feindtäuschung (vgl. Anl. 22. 10.) zu einer Gefährdung 
der in diesen Gewässern laufenden Transporte führen könnte. 

Eine fernmündliche Anfrage des Chefs L beim Chef des Stabes des W.B. 
Norwegen ergibt, daß z. Z. noch stärkere Truppentransporte (ca. 6 000 Mann) 
nach Nordnorwegen laufen, für die Oberst Buschenhagen stärkeren Schutz 
durch die Kriegsmarine und Luftwaffe erbittet (vgl. 30. 10.). 

Am Nachmittag um 15.00 Uhr findet im OKW Berlin unter Leitung des L II 
(Obstlt. Münch) eine Besprechung mit Vertretern der Ämter und Abteilungen 
des OKW sowie des A.H.A. und des V.A. über die für den Fall einer Entsen= 
düng deutscher Truppen nach Nordafrika vom OKW zu erlassenden „Be= 
sonderen Anordnungen" statt. Hierbei wird von fast allen vertretenen Dienst= 
stellen, insbesondere vom OKH, die baldige Aufstellung eines Heimatstabes 
Süd gefordert, in dem das Heer, die Luftwaffe und die Marine vertreten 
sein sollten und der seinen Sitz in Berlin haben und bereits jetzt die For= 
derungen der Wehrmachtteile hinsichtlich der Transportreihenfolge, Bevor= 
ratung usw. in Einklang bringen müßte. Demgegenüber steht die Abt. L auf 
dem Standpunkt, daß die Aufstellung eines Heimatstabes Süd erst bei Beginn 
der Transporte zu erfolgen habe und daß zur Vorbereitung des Unternehmens 
ein Arbeitsstab des zukünftigen Befehlshabers in Nordafrika zu bilden wäre, 
der den Grundstock für den später nach Libyen gehenden Stab und für den 
in Deutschland verbleibenden Heimatstab bilden würde. Dieser Arbeitsstab 
würde in Quartiermeisterfragen, die einer Regelung durch das OKW bedürften, 
grundlegende Richtlinien von der Abt. L (IV) erhalten und hiernach die be= 
sonderen Anordnungen für die Truppe aufstellen. Über die weiterhin bei der 
Besprechung behandelten Einzelfragen siehe die Vortragsnotiz des L IV vom 
29. 10. (Anl. 9/28. 10.) (Anl. 7—9). 

[handschr.] : 

(27. 10. keine Lagebesprechung. Besprechung am 28. 10. wird von LIH ab= 
gehalten, da Chef L Besprechung mit General d. Inf. von Stülpnagel hat). 

LIL: Gestern Angriffe gegen die englischen Nachtflugplätze, nachts gegen 
London und Liverpool. Über England entwickelt sich Hochdruckwetter. 

L III : Der Führer hat angeordnet, daß alle französischen Forderungen ver= 
knüpft werden sollen mit deutschen über den Waffenstillstandsvertrag hinaus= 
gehenden Forderungen. 

LIK: Vortragsnotiz über Bedeutung des griechischen Raumes. 

L II: Herzlicher Empfang der deutschen Mission. Starke Stellung Antonescus, 
Sympathien für den König. Hohe Kosten der Mission (Ve des gesamten 
rumänischen Haushalts). 

Ausland: Italiener heute morgen 6.00 Uhr in Griechenland einmarschiert 

*33 



B. Kriegstagebuch 

auf Grund eines gemachten Zwischenfalls. Gestriges Telegramm Rintelens 
kündigt Aktion für heute an. Ziel Athen und Saloniki. 3.00 Uhr Notenüber= 
gäbe in Athen. Aufruf des Königs von Griechenland zum Kampf. Heute 
mittag Besprechung des Führers mit dem Duce in Florenz. — Russen gehen 
daran, die Donau=Delta=Inseln zu besetzen. 4 getarnte russische Offiziere 
bei russischer Gesandtschaft in Bukarest eingetroffen, zur Beobachtung der 
deutschen Truppen in Rumänien. 

DNB=Nachricht über Zusammenkunft des Marschalls Petain mit dem Führer. 
Kpt. Bürkner teilt mit, daß Besprechungen des Führers mit Franco nicht zu 
alsbaldigem Eingreifen Spaniens in den Krieg führen würden. 



29. Oktober 1940 

Lagebesprechung: 

LIH meldet, daß der Oberbefehlshaber der H.Gr. A (Generalfeldmarschall 
v. Rundstedt) unter Beibehaltung des Oberbefehls über die H.Gr. A zum 
Oberbefehlshaber West ernannt worden sei (OKH, GenStdH, Op.Abt. Ia 
37 130/40 g.K. v. 26. 10.). Dem Oberbefehlshaber West unterstünden die H.Gr. A 
mit 9. und 16. Armee und die H.Gr. D (Generalfeldmarschall v. Witzleben) 
mit 1., 6. und 7. Armee. Im Osten befinde sich die H.Gr. B (Generalfeldmarschall 
v. Bock) mit der 4., 12. und 18. Armee, in der Heimat die H.Gr. C (General* 
feldmarschall v. Leeb) mit der 2. und 11. Armee. Das Hauptquartier des OKH 
würde am 30. 10. von Fontainebleau nach Zossen (Zeppelin) verlegt werden. 

LIL meldet, daß am 28. 10. 143 Kampf= und 236 Jagd=Flugzeuge und in der 
Nacht zum 29. 10. 226 Kampf=Flugzeuge und 10 Nachtjäger gegen England 
eingesetzt worden seien. Auf London seien am Tage von 63 Kampf=Flugzeugen 
16 t, in der Nacht von 146 Kampf=Flugzeugen 176 t Sprengbomben und 
111 BSK abgeworfen worden. Die eigenen Verluste beliefen sich auf 9, die 
feindlichen auf 7 Flugzeuge. Das IX. Flieg.Korps habe Minenunternehmungen 
an der Ost= und Südküste Englands durchgeführt. Während der Nacht seien 
60 Einflüge in den Luftgau Holland mit Abwurf von 10 Sprengbomben an 
4 Stellen, 20 Einflüge in den Luftgau Belgien/Nordfrankreich mit Bomben= 
abwurf an 16 Stellen, 11 Einflüge in den Luftgau Westfrankreich mit Bomben= 
abwurf an 1 Stelle und 80 Einflüge in das Reichsgebiet mit Abwurf von 
38 Spreng= und 30 Brandbomben an 24 Stellen in Nordwestdeutschland 
erfolgt. LIL gibt sodann einen Überblick über die deutschen Luftangriffe auf 
England während des Monats September: Insgesamt sind 741 Angriffe durch= 
geführt, davon 268 auf London, und hierbei 6223,92 t Sprengbomben und 
8546 BSK auf London (Brandschüttkästen mit 36 Brandbomben), 1096,55 t 
Sprengbomben und 1723 BSK auf das übrige England abgeworfen worden. 

Abt. Ausland berichtet, daß in Griechenland die Generalmobilmachung be= 
fohlen und der Belagerungszustand erklärt worden sei. Die englische Regierung 

134 



29. Oktober 1940 

habe dem griechischen Gesandten in London mitgeteilt, daß England sich 
als Alliierten Griechenlands betrachte und ihm jede mögliche Hilfe gewähren 
werde. 

Im Anschluß an die Abteilungsbesprechung macht Chef L den Gruppen= 
leitern der Gruppen I, III und IV sowie dem Vertreter der Abt. Ausland 
(Oberst Brinckmann) noch ergänzende Mitteilungen über die Besprechungen 
des Führers mit dem spanischen und dem französischen Staatschef. 

Die Besprechung mit General Franco, der übrigens auf den Führer keinen 
besonders günstigen Eindruck gemacht habe, habe ergeben, daß die derzeitige 
wirtschaftliche Lage Spaniens dessen baldigen Kriegseintritt an der Seite der 
Achsenmächte ausschlösse, doch würde auf dieses Ziel weiter methodisch 
hingearbeitet werden. Dieser augenblicklichen Lage müßten die gegenwärtig 
im Gange befindlichen Erkundungen des Heeres angepaßt werden. Vorgesehen 
sei, den schon bestehenden Erkundungsstab des Admirals Canaris durch einige 
wenige Generalstabsoffiziere des GenStdH zu verstärken. 

Marschall Petain habe durch sein würdiges Auftreten als französischer 
Staatschef und sein klares militärisches Wesen einen ausgezeichneten Eindruck 
auf den Führer gemacht. Die Unterredungen mit ihm seien durchaus be= 
friedigend verlaufen, wenn sie auch nicht zu unmittelbaren Resultaten geführt 
hätten. Dem Marschall gegenüber habe der Führer die Stärke des deutschen 
Heeres im Frühjahr X941 mit 230 Div. angegeben, davon 186 Div. 1. Klasse, 
darunter 20 Pz.Div., 4 Pz.Brig. und 12 mot.Div. Er habe ihm weiterhin mit= 
geteilt, daß 1941 monatlich 25 neue U=Boote in Dienst gestellt werden würden. 
An diese Zahlen habe man sich bei allen Auskünften gegenüber ausländischen 
politischen und militärischen Dienststellen zu halten. Der Marschall habe dem 
Führer auf das Bestimmteste erklärt, daß die englische Luftwaffe noch keine 
amerikanischen Kriegsflugzeuge für Kampfaufgaben verwendet habe. Der 
stellvertretende Ministerpräsident Laval, der jetzt zum Außenminister ernannt 
worden sei, sei mit größter Bereitwilligkeit auf die Ideen des Führers ein= 
gegangen. 

Nach Abschluß dieser Besprechungen habe der Führer die Frage der Be= 
Setzung der atlantischen Inseln (Kanarische Inseln, Azoren, Madeira und Kap 
Verdische Inseln) wieder aufgegriffen. Für die Abt. L ergäbe sich hieraus die 
Aufgabe, unter Zugrundelegung der seinerzeit am 22. 9. und 2. 10. von LIK 
vorgelegten Studien die Möglichkeiten für eine Operation zur Besetzung 
dieser Inseln genauer zu untersuchen. Die hierüber anzustellende Studie müßte 
in einem ersten Abschnitt militärpolitische, militärgeographische und rein 
militärische Angaben über die Inseln enthalten und zu der Frage Stellung 
nehmen, ob die Versorgung der zu landenden Truppen aus dem Lande selbst 
möglich sei. In einem zweiten Abschnitt seien die Operationsmöglichkeiten 
zur See und in der Luft unter Berücksichtigung der einzuschiffenden Heeres= 
truppen zu untersuchen unter der Voraussetzung, daß Spanien sich zur still= 
schweigenden Unterstützung des Unternehmens bereit erkläre, Portugal — 

135 



B. Kriegstagebuch 

obwohl englischem Druck ausgesetzt — neutral bliebe und Frankreich deutsche 
Maßnahmen auf seinem Hoheitsgebiet dulde, sich vielleicht sogar zur mittel= 
baren Unterstützung durch Überlassung von Transportschiffen und Luft= 
Stützpunkten und zur Anlage von Vorratslagern bereitfinde. In einem dritten 
Abschnitt wären Vorschläge für die zu treffenden Vorbereitungen (Ausrüstung 
von Transportschiffen, Transport=U=Booten und Transportflugzeugen, Ab= 
Stellung von Küstenbatterien) und für die an Frankreich in diesem Zusammen= 
hang zu stellenden Forderungen zu machen. 

Verfügung des OKW (WFSt/L IV oo 930/40 g.K.) vom 29. 10. über Sperrung 
des Schiffsverkehrs aus dem Ostseeraum (vgl. Vortragsnotiz L IV vom 23. 10.). 

[handschr.J : 

Neue Gliederung des Heeres: 

LIH: Generalfeldmarschall Rundstedt (Hgr. A: 9., 16. Armee) 
Oberbefehlshaber West (Hgr. D: %., 7., 6. Armee) 
Osten (Hgr. B: 18., 4., 12. Armee) 
Heimat (Hgr. C: 2., 11. Armee) 
HQu. OKH trifft am 30. 10. in Zossen ein. 

LIL: Am 27. 10. abends 11 Nachtflugplätze in England angegriffen. Heute 
nacht 80 Einflüge in Deutschland (38 Sprengbomben abgeworfen). Lfl. 5 hält 
Kampfverbände bereit zur Unterstützung des Unternehmens Nord (Auslaufen 
des Panzerschiffes „Admiral Scheer"). 

Sept.: Münster 65, Berlin 40 Stunden im Keller. Angriffe auf England. 268 
Angriffe auf London, insgesamt 741 Angriffe auf Großbritannien. 8300 t, 
davon 6000 t auf London, ohne Brandbomben. 

LIK: Anweisung der englischen Kriegsmarine an griechische Handelsschiffe. 

Llll: Am 22.10. Luftangriff von Flugzeugen deGaulles auf Lambarene 
(Liberia) . 

LIH: Lagekarte Afrika: (Lagebericht Westkarte). Libyen 15 italienische Divi= 
sionen. Ägypten England, sehr verstärkt, in der Tiefe auseinandergezogen. 
Keine Überlegenheit der Italiener. Italien Ostafrika: Äthiopien 230000 Italie= 
ner. Karte von Rumänien: Russen am 26. morgens 3 Inseln Ismail und Kis= 
manuela (?) besetzt. 

LIV: Am 1, November Neuregelung des Schiffsverkehrs aus dem Ostsee= 
räum. Auf Vorschlag HWK. 

L7M; Meldungen über italienische Angriffe auf Griechenland. 

Ausland: Griechische Generalmobilmachung. Englische Unterstützung. Jugo= 
slawien will neutral bleiben. Frankreich : Laval Außenminister, Baudoin Staats= 
sekretär des Ministerpräsidenten. Erregte Aussprache des USA=Botschafters 
in London Kennedy mit Roosevelt. 

Interne Besprechungen: 

Führer hat sich in Unterredung mit Petain über Stärke des deutschen Heeres 
geäußert und erklärt, daß 1941 monatlich 25 U=Boote fertiggestellt würden. 

136 



30. Oktober 1940 

Petain hat erklärt, daß noch keine amerikanischen Flugzeuge in England. 
Starker Eindruck Petains. Große Würde, glänzende militärische Erscheinung. 
Laval fixer Junge. Franco hat auf den Führer keinen sonderlichen Eindruck 
gemacht. Methodische Entwicklung auf längere Sicht. Wirtschaftliche Lage 
Spaniens schließt baldigen Kriegseintritt aus. 

Erkundungsstab Canaris mit wenigen Generalstabsoffizieren Studien über 
atlantische Inseln (am 29. 10. an Oberst Brinckmann) 22. 9., 2. 10. Neue Unter= 
suchung notwendig. Operationsmöglichkeiten genauer untersuchen. 

1. Militärpolitische, militärgeographische und rein militärische Angaben über 
die Inseln. Wie ist Versorgung aus dem Lande selbst möglich. 

2. Untersuchung der Operationsmöglichkeiten zur See und zur Luft unter 
Berücksichtigung der einzuschiffenden Heerestruppen. Bereitwilligkeit Spaniens 
zur stillen Unterstützung, Portugal neutral, Druck England ausgesetzt, fran= 
zösische Duldung deutscher Maßnahmen auf französischem Hoheitsgebiet und 
mittelbare Unterstützung (Transportschiffen, Luftstützpunkten, Vorratslager). 

3. Vorschläge für Vorbereitung (Ausrüstung von Transportern, Abstellung 
von Küstenbatterien, Ausrüstung von Transport=U=Booten, Nachprüfung und 
Ausrüstung von Transportflugzeugen, Forderungen an Frankreich). 

Verfügung vom 22. 10. über neue Täuschungsmaßnahmen „Seelöwe". Er= 
höhte Aufklärungs= und Störungstätigkeit der Engländer gegen Schiffahrt 
Norwegen. Sorge Chef WFSt, daß diese Schiffahrt durch die Täuschungsmaß= 
nahmen sehr gestört werden könnte. Gestern Gespräch mit Buschenhagen. 
6 000 Mann nach Nordnorwegen. B. wünscht stärkeren Schutz durch Kriegs= 
marine und Luftwaffe. 

Abwehrmaßnahmen im Küstengebiet, Ausweisungen von Ausländern, Sperr= 
maßnahmen. 

Meldung Militär=Attache Washington über beabsichtigten englischen Angriff 
auf Casablanca soll an Waffenstillstandskommission zur Übermittlung an 
Franzosen gehen mit Anfrage über Verteidigungsmöglichkeit. 



30. Oktober 1940 [Mittwoch] 
Lagebesprechung: 

LIL meldet, daß am 29. 10. 290 Kampf= und Aufklärungs= und 285 Jagd= 
Flugzeuge und in der Nacht zum 30. 10. 323 Kampf = Flugzeuge gegen England 
eingesetzt worden seien. Auf London seien am Nachmittag von 77 lei. Kampf= 
Flugzeugen 25 t, in der Nacht von 186 Kampfflugzeugen 236 t Sprengbomben 
und 109 BSK abgeworfen worden. Weiterhin seien in den späten Nachmittags= 
stunden die zwischen London und The Wash sowie nördlich davon gelegenen 
15 Flugplätze von 123 lei. und 75 Kampf=Flugzeugen unter starkem Jagdschutz 
mit guter Wirkung angegriffen worden. Die eigenen Verluste beliefen sich 
auf 17, die feindlichen auf 47 Flugzeuge. Das IX. Flieg.Korps habe Minenunter= 
nehmungen an der Ost= und Süd=Küste Englands durchgeführt. Am Tage 

137 



B. Kriegstagebuch 

seien 5—y Einflüge in den Luftgau Westfrankreich mit Bombenabwurf an 
2 Stellen, in der Nacht 108 Einflüge in den Luftgau Holland mit Bombenabwurf 
an 9 Stellen, besonders auf Den Helder, 17 Einflüge in den Luftgau Belgien/ 
Nordfrankreich mit Bombenabwurf an 2 Stellen, 18 Einflüge in den Luftgau 
Westfrankreich mit Bombenabwurf an 1 Stelle und 121 Einflüge in das 
Reichsgebiet bis zur Linie Kopenhagen— Brandenburg— Rastatt mit Abwurf von 
•75 Spreng= und 397 Brandbomben an 34 Stellen (9 Tote und 2 Verletzte) 
erfolgt. 

LIK meldet, daß die Engländer ihren Schiffsraumverlust in der Woche vom 
20.— 27. 10. mit 198 000 BRT angeben. Es seien stets 8—10 deutsche U=Boote 
am Feind. 

LIH gibt einen Bericht des deutschen Militärattaches in Rom vom 28. 10., 
18.35 Uhr, wieder. Danach hat Marschall Badoglio General v. Rintelen am 
23. 8. mitgeteilt, daß Italien nichts gegen Griechenland unternehmen werde, 
falls nicht irgendwelche griechische oder englische Maßnahmen dazu zwingen 
würden. Die für Anfang September geplante politische Aktion gegen Griechen= 
land sei denn auch nicht durchgeführt worden, im Laufe des Monats jedoch die 
vorgesehene Verstärkung des in Albanien stehenden XXVI. AKs. durch 3 Div. 
erfolgt. Seit Mitte Oktober seien dann gesteigerte militärische Vorbereitungen 
gegen Griechenland wahrzunehmen gewesen. Während General Roatta ihm 
gegenüber am 23. 10. geleugnet habe, daß irgendwelche militärische Absichten 
gegen Griechenland bestünden, habe Marschall Badoglio am folgenden Tage 
zugegeben, daß alle Vorbereitungen zu einer Offensive getroffen seien für den 
Fall der Verletzung der griechischen Neutralität durch die Engländer. 

Am 27. io v 21.00 Uhr, habe Graf Ciano den deutschen Geschäftsträger, 
Fürst Bismarck, offiziell davon unterrichtet, daß am folgenden Morgen um 
3.00 Uhr der griechischen Regierung die ultimative Forderung der militärischen 
Besetzung strategischer Punkte übergeben werden und um 6.00 Uhr auf jeden 
Fall der Einmarsch in Nordgriechenland von Albanien aus erfolgen würde. 
Ziel der Operation sei die Besetzung von Corfu, Vorstoß über Yannina bis 
zum Golf von Patras zur Besetzung der diesem vorgelagerten jonischen Inseln 
Levkas, Cephalonia und Zante sowie Vormarsch auf Athen und Saloniki. Die 
Führung liege in der Hand des Kommandierenden Generals des XXVI. AKs., 
Visconti Prasca. Da von den in Albanien stehenden 9 Div. 2 zum Grenzschutz 
gegen Jugoslawien benötigt würden, dürfte die italienische Überlegenheit nicht 
so groß sein, daß bei einem ernsthaften Widerstand der Griechen mit einem 
schnellen Erfolg gerechnet werden könne. 

LIH berichtet weiterhin, daß nach Meldung des Militär=Attaches in Rom vom 
29. 10., 13.45 Uhr, der italienische Vormarsch am 28. 10. bei schwachem Wider= 
stand der griechischen Grenztruppen und sehr geringen eigenen Verlusten plan= 
mäßig durchgeführt worden sei, aber starke Marschverzögerungen infolge des 
ungünstigen Wetters eingetreten seien. Der Einsatz von Kampf= Verbänden der 
italienischen Luftwaffe von Albanien aus sei wegen der Witterung unmöglich 

138 



3°- Oktober 1940 

gewesen, von Italien aus hätten 60 Kampf=Flugzeuge den Flugplatz Tatoi bei 
Athen, den Kanal von Corinth sowie die Häfen von Patras und Preveza 
angegriffen (Akte WStK, Anlage 2). 

L /// meldet, daß nach Mitteilung der WStK vom 29. 10. die Franzosen um 
die Genehmigung gebeten hätten, 7 U=Boote aus dem Mittelmeer nach Casa= 
blanca und Dakar entsenden zu dürfen, um ihre dortige U=Bootflotte wieder 
auf den Stand von Anfang September (18 Boote) zu bringen. Der augen= 
blickliche Bestand von 11 Booten erscheine angesichts der ständigen Bedrohung 
ihrer west= und äquatorialafrikanischen Besitzungen als zu schwach. Die WStK 
befürworte diesen Antrag. 

Auf die vom Chef WFSt am 28. 10. geäußerten Besorgnisse und das am 
gleichen Tage mit dem Chef des Stabes des W.B. Norwegen geführte Fern= 
gespräch hin wird Ausl./Abw. III angewiesen, die z.Z. noch nach Nordnorwegen 
laufenden Truppentransporte zunächst nicht für Täuschungszwecke gemäß den 
am 22. 10. ausgegebenen neuen Richtlinien auszunutzen, um sie nicht zu ge= 
fährden, und erst nach Abschluß der Transporte dem gegnerischen Nachrichten= 
dienst Nachrichten über Verstärkung der in Norwegen stehenden Kräfte 
zuzuspielen, um eine Bedrohung der englischen Insel aus dem norwegischen 
Raum glaubhaft erscheinen zu lassen und zugleich die offensiven Operationen 
der Kriegsmarine im Atlantik zu entlasten (Anl. 6). 

Verfügung des OKW (WFSt/L II/IV 0660/40 geh.) v. 30. 10. über Befehls= 
befugnisse im Generalgouvernement. Danach geht die durch den Führererlaß 
v. 19. 10. 39 dem Oberbefehlshaber Ost übertragene militärische Führung im 
Generalgouvernement nebst den damit verbundenen besonderen Rechten und 
Befugnissen im Zuge der Neugliederung im Osten auf die jeweils oberste 
Kommandobehörde des Heeres (z. Z. H.Gr. B) über (Anl. 7). 

[handschr.] : 

LIL: 121 Einflüge in deutsches Reichsgebiet, 30 Sprengbomben. Am Tage 25 t 
auf London, nachts starker Einsatz. 

LIK: Engländer geben Schiffsraumverlust der letzten Woche auf 198000 t an 
(der Dünkirchen= Woche — 10000 t). Es sind stets 8—10 U=Boote am Feind, 
einschließlich Italiener. 

LIH: Meldungen des General von Rintelen über Kräfteansatz in Griechen= 
land. Ziele südlicher Gruppe bis Golf von Patras, andere Gruppen Larissa und 
Saloniki. Wetter außerordentlich schlecht. L III Verhandlungen deutsch=italieni= 
scher Wirtschaftskommission mit französischen Mineralölindustriellen. 

Frz. Antrag, 7 U=Boote nach Casablanca zu überführen. 

Abtransport von 7 000 französischen Seeleuten aus England nach Frankreich. 

LIM: Keine Bestätigung der Nachricht von der Landung englischer Truppen 
in Kreta. 

Ausland: In Athen Englandtaumel. Italienische Flieger mußten wegen schlech= 
ten Wetters von Italien aus starten. 



139 



B. Kriegstagebuch 

LIH: Gliederung Norwegen: XXXVI. (69, 214), XXXIII. Geb.Korps, etc. 

Interne Besprechung: 

Urlauberverkehr durch Finnland (L III). 

L 77: Generalquartiermeisterfragen in einer Quartiermeistergruppe bei L 
zusammenzufassen. 

L II: Neue grüne Hefte (Monatsübersichten). Frage der Landesaufnahme. 
Übernahme der Wehrmacht=Transporte Heer nach Libyen von Neapel aus 
ab 1. 12. Dauer 3 Monate. Frage Heimatstab Süd bleibt noch in der Schwebe. 
Eingliederung Elsaß=Lothringen. Ausübung der militärischen Hoheitsrechte, 
Durchführungsbestimmungen. Neue Geheimhaltungsverfügung. 

(20 Panzer=Divisionen / 4 Panzer=Brigaden / 12 mot. Divisionen und (unter ?) 
18 Divisionen 1. Klasse.) 



31. Oktober 1940 

Lagebesprediung: 

LIL meldet, daß am 30. 10. 67 Kampf= und 302 Jagdflugzeuge, in der Nacht 
zum 31. 10. 175 Kampf=Flugzeuge gegen England eingesetzt worden seien. Auf 
London seien am Tage von 52 lei. Kampf=Flugzeugen 13 t, in der Nacht von 
125 Kampf=Flugzeugen 178 t Sprengbomben und 92 BSK abgeworfen worden. 
Am Tage sei es beim Anflug und Angriff auf London sowie beim Rückflug zu 
einer Reihe von Luftkämpfen mit zahlreichen englischen Jagdflugzeugen ge= 
kommen, von denen 12 abgeschossen worden seien. Nachträglich sei noch 
gemeldet worden, daß Kampf=Flugzeuge des italienischen Fliegerkorps am 
29. 10. nachmittags die Hafenanlagen von Ramsgate mit 92 Bomben = 11 t 
beworfen hätten. Das IX. Flieg.Korps habe in der Nacht zum 31. 10. Minen= 
Unternehmungen an der Ostküste Englands durchgeführt. In der gleichen 
Nacht seien in den Luftgau Holland 63 Feindeinflüge mit Bombenabwurf auf 
Vlissingen, in den Luftgau Belgien/Nordfrankreich 41 Einflüge mit Bomben= 
abwurf an 4 Stellen und ins Reichsgebiet 24 Einflüge mit Abwurf von 
13 Sprengbomben an 5 Stellen in Nordwestdeutschland erfolgt. Die eigenen 
Verluste beliefen sich auf 5, die feindlichen auf 13 Flugzeuge. 

Nach Mitteilung des WiRüAmtes sollen die USA im ersten Kriegsjahr 
743 Flugzeuge an England geliefert haben, davon etwa 250 im August und über 
100 im Juli. 

1777 meldet über die Lage in Griechenland am 29. 10. abends : Im Süd= 
abschnitt verhindere eine Straßenunterbrechung bei Delvinakion den Vor= 
marsch der 131. (Pz.)Div. Die 3. Alp.Div. habe die Gebirgspässe ostwärts 
Konitza erreicht. Vom Nordabschnitt werde nur Spähtrupptätigkeit und Art.= 
Störungsfeuer gemeldet. 

L III berichtet, nach Mitteilung der WStK vom 30. 10. abends habe die 
französische Abordnung an diesem Tage die Aufhebung der reservierten Zone, 

140 



31. Oktober 1940 

die verwaltungsmäßige Rückgliederung der Departements Pas de Calais und 
Nord sowie die Verstärkung der Land= und Luftstreitkräfte in Afrika und der 
Landstreitkräfte in Indochina beantragt. Ihr sei erwidert worden, daß die 
Entscheidung auf diese Wünsche vom Verlauf der z. Z. mit der französischen 
Regierung geführten politischen Verhandlungen abhänge. Die französische 
Abordnung habe weiterhin die Bitte um Freigabe der Rückführung der in der 
Schweiz internierten französischen Soldaten (rd. 1 000 Offiziere und 30 000 
Mann) erneuert, worauf ihr geantwortet worden sei, daß ein rechtlicher An= 
spruch nicht bestünde, eine günstige Lösung dieser Frage aber denkbar sei, 
wenn die französische Regierung die deutsche Forderung auf Entlassung aller 
Elsässer und Lothringer aus dem französischen Wehrdienst und den Arbeits= 
lagern vorbehaltlos erfülle. Auf Anfrage habe die französische Abordnung 
mitgeteilt, daß die Kolonie Gabone nach wie vor zur Regierung Petain halte, 
bei Angriffen der de Gaulle=Truppen aus Äquatorialafrika aber stark gefährdet 
sei, da die dort stehenden Kräfte schwach seien und ihre Verstärkung z.Z. nicht 
möglich sei. Die Engländer ließen französische Schiffe nicht über Conakry (etwa 
100 km nördl. Freetown) hinausfahren (Akte WStK, Anl. 1 + 2). 

[handschr.] : 

LIL: Geringe englische Einflüge, Vereisung. Eigene Kampfhandlungen gegen 
England litten unter der Wetterlage. 32 Londoner Kirchen zerstört oder nicht 
benutzbar. 

LIH: Stand italienischer Offensive gegen Griechenland am 29. 10. abends: 
auf dem rechten Flügel i. allg. 10—12 km über die Grenze. General v. Rintelen 
meldet geringe Ziele, kein Stoß auf Saloniki, Vorangekommen fast nur die 
Alpendivision. 

L III: De Gaulle hat Verteidigungsrat der französischen Kolonien gebildet. 
Franzosen beantragen u. a. Aufhebung der reservierten Zone. Heute Laval und 
Huntziger, 13.30 Uhr, bei Botschafter Abetz in Paris, der Obstlt. Speidel zu= 
ziehen will. Antwort der Franzosen soll morgen im Auswärtigen Amt beraten 
werden. Oberst Böhme fliegt wahrscheinlich heute vormittag nach Paris, um an 
der Zusammenkunft mit den Franzosen teilzunehmen. 

Ausland: Griechischer Kronprinz, der als russen=freundlich gilt, soll in 
Sicherheit gebracht werden. Türkei scheint nur eingreifen zu wollen, wenn 
Bulgarien sich feindlich gegen Griechenland einstellt. Rundfunkansprache Pe= 
tains über seine Zusammenkunft mit dem Führer. 

Bei englisch=amerikanischen Besprechungen in Washington soll die Uber= 
lassung von Langstreckenbombern und weiteren Zerstörern an England be= 
handelt worden sein. 

WiRüAmt: Im ersten Kriegs jähr soll USA 743 Flugzeuge an England 
geliefert haben, davon 250 im August und über 100 im Juli, im Juni annähernd 
100. 



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B. Kriegstagebuch 

1. November 1940 

Die WStK meldet durch Fernschreiben vom 31. 10., 21.35 Uhr, daß an dem 
Frühstück beim Botschafter Abetz in Paris am 31. 10. an führenden Persönlich= 
keiten von französischer Seite der Außenminister Laval und der Kriegsminister 
General Huntziger, von deutscher Seite der Militär=Befehlshaber in Frankreich, 
General Otto v. Stülpnagel, der Gen.Qu. Heer, General Wagner, und der 
Marinegruppenbefehlshaber West, Generaladmiral Saalwächter, teilgenommen 
hätten. Nach dem Frühstück habe der französische Außenminister in längeren 
programmatischen Erklärungen betont, daß Frankreich zur Zusammenarbeit 
mit Deutschland bereit sei und die Einzelheiten der Durchführung zu regeln 
wünsche. Er habe hierbei insbesondere die Erfüllung der deutschen militä= 
rischen Wünsche in Afrika in Aussicht gestellt und als Kompensation ver= 
waltungsmäßige und wirtschaftliche Erleichterungen im Mutterland (Lockerung 
der Demarkationslinie, Rückgliederung der Departements Nord und Calais, 
Herabsetzung der Besatzungskosten, Festsetzung eines neuen Umrechnungs= 
kurses) erbeten. Grundsätzliche territoriale Fragen habe er nicht berührt. 
Anschließend habe General Huntziger dem Chef des Stabes des Militär= 
Befehlshabers in Frankreich, Oberstleutnant Speidel, eine Aufzeichnung über 
die militärischen Verhandlungspunkte übergeben, die am 1. 11. nachmittags an 
die WStK gelangen werde und sogleich an das OKW weitergeleitet werden 
würde. Botschafter Abetz und Oberstleutnant Speidel hätten sich rezeptiv 
verhalten und betont, daß weitere Verhandlungen Aufgabe der WStK bzw. der 
WSt=Delegation für Wirtschaftsfragen seien (Akte WStK, Anl. 1). 

General Huntziger sei auch auf die Frage der Entlassung der elsässischen 
und lothringischen Soldaten zu sprechen gekommen und habe um Zeit gebeten, 
um einen geeigneten Weg zur Erfüllung der deutschen Wünsche zu finden. 

Botschafter Abetz habe der WStK ferner mitgeteilt, er sei vom Gauleiter 
Bürckel aufgefordert worden, der französischen Regierung mitzuteilen, daß von 
der nächsten Woche an 100 000 Lothringer mit täglich zwei Zügen in das 
unbesetzte Frankreich abgeschoben werden sollten. Er habe demgegenüber 
Bedenken geäußert, ob diese Maßnahme z.Z. politisch zweckmäßig sei, und 
eingewandt, daß die französische Regierung erst Vorbereitungen zur Auf= 
nähme treffen müsse. Außerdem sei die Mitteilung dieser beabsichtigten Maß= 
nähme an die französische Regierung Aufgabe der WStK. Er halte mindestens 
eine Verschiebung für zweckmäßig. Die WStK habe diese Angelegenheit dem 
Auswärtigen Amt zur Entscheidung unterbreitet. 

Lagebesprechung: 

LIL meldet, daß am 31. 10. 64 Kampf= und Aufklärungs=Flugzeuge und in 
der Nacht zum 1. 11. statt der vorgesehenen 200 Kampf=Flugzeuge wegen un= 
günstiger Witterung nur 69 Kampf=Flugzeuge gegen England eingesetzt wor= 
den seien. Über London seien am Tage 7 t, in der Nacht 48 t Sprengbomben 

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l. November 1940 

und 83 BSK abgeworfen worden. Das IX. Flieg.Korps habe ein Minenunter= 
nehmen an der Südwestküste Englands durchgeführt. Feindliche Einflüge mit 
Bombenabwurf seien nur am 31. 10. in holländisches Gebiet erfolgt. 

LIK meldet, daß als erster der zum Handelskrieg eingesetzten Hilfskreuzer 
Schiff 21 heimgekehrt und am 31. 10. in Brest eingelaufen sei. Die Erkundung 
der libyschen Häfen durch Kpt.z.S. Montigny habe ergeben, daß der Hafen 
von Benghasi für die Ausladung der nach Libyen zu entsendenden deutschen 
Truppen nicht in Betracht komme und daß in Tripolis täglich nur 2 Dampfer 
entladen werden könnten. Er stellt zur Erwägung, das deutsche Expeditions= 
korps in Tunis zu landen und von dort auf dem Landwege nach Ägypten vor* 
zuführen. 

LIH berichtet über eine Unterredung des Militär=Attaches in Rom mit 
Marschall Badoglio am 30. 10. nachmittags. General v. Rintelen habe dem Mar= 
schall das Einverständnis des Chefs OKW mit dem für die Besprechung in 
Innsbruck vorgesehenen Termin zwischen dem 10. und 15. 11. übermittelt und 
ihm weiterhin mitgeteilt, daß die Vorbereitungen für den Transport der Pz.Div. 
nach Libyen soweit gefördert seien, daß die Vorkommandos am 5. 11. abreisen 
könnten. Marschall Badoglio habe um Festsetzung des Tages für die Be= 
sprechung gebeten und hinsichtlich des Einsatzes der Pz.Div. darauf hin= 
gewiesen, daß der Duce mit dem Führer in Florenz übereingekommen sei, 
diese Frage bis zur Innsbrucker Besprechung aufzuschieben. Marschall Badoglio 
habe bei dieser Gelegenheit seiner Genugtuung über die großen Erfolge der 
U=Boote in den letzten Tagen Ausdruck