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San Francisco, California 
2008 



DIE HERAUSGEBER 

Percy Ernst Schramm ist 1894 in 
Hamburg geboren, seit 1929 ordent= 
licher Professor der Geschichte an der 
Universitat Gottingen, Mitglied der 
Akademien von Gottingen, Wien, 
Stockholm und der Mediaeval Aca= 
demy of America, Kanzler des Or= 
dens „Pour le Merite" der Wissen= 
schaften und Kiinste, fiihrte 1943/45 
das Kriegstagebuch des OKW. 

Andreas Hillgruber ist 1925 gebo= 
ren. Dr. phil., Oberstudiendirektor, 
Lehrbeauftragter an der Universitat 
Marburg/Lahn. 

Walther Hubatsch ist 1915 geboren. 
Dr. phil., ordentlicher Professor fur 
mittlere und neuere Geschichte an der 
Universitat Bonn. Ordentliches Mit= 
glied des J. G. Herder=Forschungsrates 
in Marburg, der Kgl. Schwedischen 
Monumenta=Kommission, korresp. 
Mitglied des Baltischen Forschungs= 
instituts, Bonn, 1943/44 ini WFStab 
tatig. 

Hans=Adolf Jacobsen ist 1925 ge= 
boren. Dr. phil., Direktor des For^ 
schungsinstituts der Deutschen Ge= 
sellschaft f iir Auswartige Politik e. V., 
Bonn; Wissenschaftlicher Mitarbeiter 
an mehreren Instituten. 

Alle drei Mitarbeiter sind Schiiler 
von Prof. Dr. P. E. Schramm. 



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Kriegstagebuch 

des Oberkommandos der Wehrmacht 
(Wehrmachtfiihrungsstab) 



1940-1945 

Gefiihrt von Helmuth Greiner t und 
Percy Ernst Schramm 



Im Auftrag des Arbeitskreises fiir Wehrforschung 
herausgegeben von 

PERCY ERNST SCHRAMM 

Es wurden bearbeitet von 

Hans-Adolf Jacobsen • Band I: 1940/41 

Andreas Hillgruber • Band II : 1942 

Walther Hubatsch • Band III: 1943 

Percy Ernst Schramm • Band IV: 1944/45 



Bernard & Graefe Verlag fiir Wehrwesen • Frankfurt am Main 



Kriegstagebuch 

des Oberkommandos der Wehrmacht 
(Wehrmachtfiihrungsstab) 



7 .J . 



Band II; ^,Pf eg Wl\ j 
1. Januar 1942 - 31. Dezember 1942 



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Zusammengestellt und erlautert von 
ANDREAS HILLGRUBER 



Erster Halbband 



1963 



Bernard & Graefe Verlag fiir Wehrwesen • Frankfurt am Main 



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Gesamtumfang: XII + IV+ 1465 Seiten und 2 Ausschlagkarten 

1. Halbband: XII + 780 Seiten; 2. Halbband : IV + 685 Seiten 

Alle Rechte vom Verleger vorbehalten 

(c) Bernard & Graefe Verlag fiir Wehrwesen • Frankfurt am Main 1963 

Satz und Druck : C. Winter, Darmstadt 

Buchbinderarbeit : C. Fikentscher, Darmstadt 

Printed in Germany 



Vorwort 

Das Original des von Helmuth Greiner gefUhrten Kriegstagebuches des 
Wehrmachtfiihrungsstabes 1942 mu6 als verloren betrachtet werden. Trotz in= 
tensiver Nachforschungen in Archiven der Bundesrepublik Deutschland und der 
USA haben sich keine Teile davon ausfindig machen lassen. 

Das Bestreben, der kriegsgeschichtlichen Forschung auch fiir das Jahr 1942 
aufschlufireiches Quellenmaterial aus dem Bereidi der deutschen Obersten 
Wehrmachtfiihrung vorzulegen und zwischen den erhaltenen Teilen des Kriegs= 
tagebuches aus den Jahren 1940/41 und 1943—45 eine Briicke zu schlagen, 
fiihrte dazu, eine Rekonstruktion des Kriegstagebuches des Wehrmachtfiih= 
rungsstabes 1942 aus den geretteten Unterlagen zu versuchen. Die sachliche 
Notwendigkeit hierzu ergab sich aus der Tatsache, dafi das Jahr 1942 die 
deutsche Wehrmachtfiihrung auf alien Kriegsschauplatzen (Ostfront, Mittel= 
meerraum— Nordafrika, Seekrieg im Atlantik und im nordlichen Eismeer, Luft= 
krieg) vor bedeutende Entscheidungen stellte, die — dies gilt insbesondere fiir 
die zweite Jahreshalfte — grundlegend fiir den weiteren Verlauf und den Aus= 
gang des Krieges in Europa wurden. 

Fur die Zeit vom 12. August bis 31. Dezember 1942 sind die taglichen hand= 
schriftlichen Aufzeichnungen Helmuth Greiners, nach denen er das Kriegstage= 
buch diktierte, liickenlos erhalten geblieben (heute im Nachlafi Greiner im 
Bundesarchiv=Militararchiv Koblenz, Nachlafi Nr. 20) ^ Zusammen mit nadi= 
traglichen Erlauterungen des damaligen Stellv. Chefs des Wehrmachtfiihrungs= 
stabes. General d. Artl. a. D. Walter Warlimont, bilden sie einen sicheren 
Grundstock fiir diesen Zeitabschnitt. Da auch die taglich zusammengestellten 
Lageberichte des OKH (Generalstab des Heeres/Operationsabteilung) fiir die 
Zeit vom 1. Mai bis 31. Dezember 1942 und die taglichen Meldungen des Luft= 
waffenfiihrungsstabes an die Seekriegsleitung fur die Zeit vom 1. Juli bis 
31, Dezember 1942 (abgesehen von wenigen Tagen) in den z. Z. im Archiv der 
britischen Admiralitat in London befindlichen Akten der deutschen Seekriegs= 
leitung voUstandig erhalten sind und durch die wochentlichen Sonderorientie= 
rungen des Wehrmachtfiihrungsstabes (26. Juni 1942 bis 6. Januar 1943) hin= 

1 Einen Teil seiner Aufzeichnungen veroffentlichte Helmuth Greiner in iiberar= 
beiteter Form im Anhang seines Werkes „Die Oberste Wehrmachtfiihrung 1939 
bis 1943", Limes Verlag Wiesbaden 1951, S. 395—432. 



sichtlich des See= und Luftkrieges sowie ab i. November 1942 bis zum Jahres= 
ende durch Beitrage der Organisationsabteilung des Generalstabes des Heeres 
erganzt werden konnten, diirfte fiir die zweite Jahreshalfte 1942 das Ziel der 
Rekonstruktion des Kriegstagebuches des Wehrmachtfiihrungsstabes so weit 
wie irgend moglich erreicht worden sein. 

Fiir die Zeit vom 1. April bis 30. Juni 1942 fand sich in den fiir den Niirn= 
berger Hauptprozefi 1945/46 bereitgestellten Dokumentenmaterialien der be= 
treffende Abschnitt des Kriegstagebuches der von dem damaligen Obersten 
d. G. Scherjf geleiteten Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW^. Da dieser 
Teil vom Chef des Wehrmachtfiihrungsstabes, General Jodl, durchgesehen 
wurde und in ihm wiederholt auf das Kriegstagebuch des Wehrmachtfiihrungs= 
stabes Bezug genommen wird, konnte er als willkommener Ersatz fiir das 
zweite Quartal in den Band aufgenommen werden. 

Am ungiinstigsten liegen die Quellenverhaltnisse fiir das erste Quartal. Die 
Lageberichte des OKH (Generalstab des Heeres/Operationsabteilung) sind nur 
fiir die Zeit vom 1. Januar bis 6. Februar 1942 vorhanden. Um die Liicke vom 
7. Februar bis 31. Marz notdiirftig zu iiberbriicken, wurden aus dem person= 
lichen Tagebuch des Chefs des Generalstabes des Heeres, Generaloberst Haider, 
die Lagenotizen mit aufgenommen^. Sie ermoglichen wenigstens einen Einblick 
in die taglichen Veranderungen an der Ostfront in diesen Wochen als Voraus= 
setzung fiir die im Kriegstagebuch der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des 
OKW ab 1. April 1942 verzeichneten Erorterungen und Entscheidungen der 
Obersten Wehrmachtfiihrung. 

Alle in diesem Band veroffentlichten Quellenmaterialien sind ohne spatere 
Zusatze oder Streichungen wiedergegeben. Einzelne— wenige — Liicken ergaben 
sich aus der Beschaffenheit der Vorlagen. Erlauterungen und Zusatze des 
Bearbeiters sind diu-ch eckige Klammern oder in Kursivdruck als FuJSnoten deut= 
lich gekennzeichnet. Die Transskription slawischer oder arabischer Ortsnamen 
entspricht der jeweiligen Vorlage; nur offenkundige Fehler wurden beseitigt. 

Um dem Benutzer des Bandes den Zugang zu erleichtern und die — aus den 
tageweise zusammengestellten, Wesentliches und Unwichtiges nebeneinander 
registrierenden Notizen nicht immer klar erkennbaren — Zusammenhange des 
Geschehens deutlich zu machen, wurde dem rekonstruierten Kriegstagebuch 
(Teil B des Bandes) eine umfangreichere Einfiihrung „Das Kriegsjahr 1942, ein 
militarpolitisch=operativer Uberblick aus dem Blickwinkel der deutschen Ober= 
sten Fiihrung" (Teil A des Bandes) vorausgeschickt, zu der liber das in diesem 
Band veroffentlichte dokumentarische Material hinaus zahlreiche unveroffent= 



Als NiirnbergsDok. Nr. PS=i8o7. Fotokopien des 128 Blatt umfassenden Doku= 

ments verdanke ich dem Institut fiir Zeitgeschichte Miinchen. 

Die vollstandige kommentierte Veroffentlichung des Tagebuches befindet sidi in 

Vorbereitung: Generaloberst Haider, Kriegstagebuch, Bd. Ill (22. 6, 1941 — 24. 9. 

1942). Bearbeitet von Hans=Adolf Jacobsen. W. Kohlhammer Verlag Stuttgart 

1964. 



VI 



lichte Quellen aus den Akten des OKW, OKH (besonders fiir den Ostfeldzug), 
der Seekriegsleihing und des Auswartigen Amtes herangezogen wurden, zumal 
in den „Dokumenten=Anhang'' (Teil C dieses Bandes) nur eine verhaltnismafiig 
knappe Auswahl von wichtigen bisher ungedruckten Quellen zur deutschen 
Kriegfiihrung 1942 im Wortlaut aufgenommen werden konnte. Diese Einfiih= 
rung ist keine kriegsgeschichtliche Darstellung des Jahres 1942, sondern gibt 
einen Uberblick iiber den Kriegsverlauf in diesem Jahr vom Standort der deut= 
schen Obersten Fiihrung. Zusammen mit der „Chronik 1942'', die eine Zu= 
sammenstellung der wichtigsten Ereignisse auf alien Kriegsschauplatzen auf 
Grund des neuesten Standes der Forschung — auch auf dem im rekonstruierten 
Kriegstagebuch und in der Einfiihrung nur ungeniigend beriicksichtigten Schau= 
platz im Pazifik und in Ostasien — , also Kriegsgeschichte in knappster Form, 
bietet, steckt sie den grofien Rahmen ab, in dem die Einzelheiten der taglichen 
Aufzeichnungen ihren Platz finden. Kriegsgliederungen des deutschen Heeres 
und der Verbiindeten, eine Ubersicht iiber die Dienststellenbesetzung der wich= 
tigsten deutschen und verbiindeten Kommandobehorden sowie ein Verzeichnis 
der 1942 verwandten Decknamen fiir Operationen und Hauptquartiere (Teil D 
des Bandes) dienen gleichfalls der Erleichterung bei der Benutzung. 

Die Zusammenstellung des Bandes ware ohne die grofiziigige Hilfsbereit= 
schaft verschiedener Institute und einer Reihe von Einzelpersonlichkeiten, die 
erganzendes Quellenmaterial beisteuerten oder die Verbindung zu auslandischen 
Archiven und Instituten kniipften und von dort wertvoUes Material vermittel= 
ten, nicht moglich gewesen. Mein aufrichtiger Dank gilt dem Bundesarchiv= 
Militararchiv Koblenz, besonders den Herren Oberst i. G. a. D. Teske, Dr. 
Tessin und Bertram, und dem Institut fiir Zeitgeschichte Miinchen, besonders 
Herm Dr. Krausnick. Fiir Auskiinfte gebiihrt auch dem Militargeschichtlichen 
Forschungsamt Freiburg i. Br. (Herm Oberst i. G. Dr. Hans Meier=Welcker) 
und dem Staatlichen Archivlager Gottingen Abt. Zeitgeschichte (Herrn Dr. 
Hans=Giinther Seraphim) Dank. 

Besonderen Dank fiir ihre tatkraftige Unterstiitzung bei der Beschaffung des 
Dokumenten=Materials sowie weiterer fiir die Einfiihrung verwerteter Unter= 
lagen schulde ich Herrn Professor Dr. Charles Bur dick (USA), Herrn Gro6ad= 
miral a. D. Karl Donitz, Herm General d. Inf. a. D. Dr. Waldemar Erfurth, 
Herrn Generaloberst a. D. Franz Haider, Herrn Professor Dr. Walther Hm= 
batsch, Herrn Generalmajor a. D. Alfred Philippi und Herrn General d. Artl. 
a. D. Walter Warlimont sowie meinen Freunden Dr. Gerhard Hummelchen, Dr. 
Hans=Adolf Jacobsen und Dr. Jiirgen Rohwer. Frau Evi Rohwer und Dr. G. 
Hiimmelchen danke ich herzlich fiir die Mithilfe beim Korrekturlesen. 

Dankbar verbunden bin ich dem Herausgeber, Herm Professor Dr. Percy 
Ernst Schramm, der das miihevoUe Zusammenfiigen der einzelnen Telle dieses 
Bandes mit vielfaltigem Rat und steter Forderung begleitete. 

Marburg a. d. Lahn, 1. August 1963 Andreas Hillgruber 

VII 



INHALT 



A. EINFUHRUNG 

Das Kriegsjahr 1942, ein militarpolitisch=operativer Oberblick aus dem Blick= 
winkel der deutschen Obersten Fuhrxmg 

I. Die strategischen Grundlagen fiir 1942 3 

II. Die deutsdie Oberste Fiihrung 1942 8 

III. Deutsdiland und seine Verbiindeten 13 

1. Japan 13 

2. Italien 20 

3. Rumanien, Ungarn, Bulgarien, Slowakei, Kroatien 27 

4. Finnland 36 

IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 38 

1. Die Situation im Winter 1941/42 38 

2. Planung und Vorkampfe zur Offensive 1942 46 

3. Der Sommerfeldzug nadi Stalingrad und zum Kaukasus 50 

4. Die Kampfe im mittleren und nordlidien Absdinitt der Ostfront 

(April bis November 1942) 72 

Aushlick: Grundsatzliche Festlegungen von August bis Ende 1942 ... 68 

5. Die Lage an der finnischen Front 79 

6. Die Abwehr der sowjetisdien Offensive ab 19. 11. 1942 82 

7. Die Situation um die Jahreswende 1942/43 90 

V. Der Kampf im Mittelmeerraum 95 

1. Die Situation an der Jahreswende 1941/42 und die 

deutsch=italienische Offensive ab 21. 1. 1942 95 

2. Die Plane zur Kriegfiihrung im Sommer 1942 100 

3. Die deutsdi=italienische Offensive von El Gazala bis El Alamein 

(Mai bis Juli 1942) 104 

4. Die Abwehr der britisdien Offensive in Agypten ab 23. 10. 1942 . . . 109 

5. Die Gegenmafinahmen gegen die alliierte Landung in Marokko 

und Algerien 114 

6. Die Lage im Mittelmeerraum an der Jahreswende 1942/43 121 

IX 



VI. Verteidigungsmafinahmen im Norden und Westen Europas 122 

1. Norwegen — Danemark 122 

2. Niederlande — Belgien — Frankreich 126 

VII. Der Kampf gegen die Aufstandsbewegungen in Siidosteuropa .... 136 

1. Die Tschetniks des Generals Draza Mihajlovic 136 

2. Der Kampf gegen die kommunistischen Partisanen Titos 139 

3. Die Widerstandsgruppen in Griechenland 140 

VIII. Der Seekrieg 143 

1. Die „SchIacht im Atlantik" (U=Boot=Kriegfuhrung) 143 

2. Der Einsatz deutscher Oberwasserstreitkrafte 155 

IX. Der Luftkrieg 162 

1. Die Abwehr der alliierten Luftoffensive gegen das Reich und die 

besetzten Westgebiete 163 

2. Der offensive Einsatz der deutschen Luftwaffe 166 

X. Riistung und Wehrwirtschaft Deutschlands im Jahre 1942 169 

XI. Die Bilanz des Jahres 1942 174 



B. KRIEGSTAGEBUCH 1942 

Das erste Quartal (1. Januar bis 31. Marz 1942) 

Januar 1942 181 

Februar 1942 276 

Marz 1942 302 

Das zweite Quartal (1. April bis 30. Juni 1942) 

April 1942 313 

Mai 1942 331 

Juni 1942 

Das dritte Quartal (1. Juli bis 30. September 1942) 

Juli 1942 465 

August 1942 542 

September 1942 66^ 

Das vierte Quartal (1. Oktober bis 31. Dezember 1942) 

Oktober 1942 781 

November 1942 885 

Dezember 1942 1060 

Anhang: Ausziige aus den Sonderorientierungen des OKW/WFStabes 

vom 25. 6. 1942 bis 6. 1. 1943, den See= und Luftkrieg betreffend . . 1212 

X 



CDOKUMENTEN-ANHANG 
ZUM KRIEGSTAGEBUCH 1942 

Vorhemerkung 1261 

1. OKW=Weisung vom 14. Dezember 1941 betr. Kiistenverteidigung . . . 1262 

2. Fiihrerbefehl vom 8. Januar 1942 betr. Verteidigung aller Stellungen 
(Auszug) 1264 

3. Fiihrerbefehl vom 10. Januar 1942 betr. Riistung 1942 1265 

4. Auszug aus dem KTB des B.d.U. vom 11. Januar 1942 1267 

5. Fiihrerbefehl an die H.Gr. Mitte vom 15. Januar 1942 zum Riickzug 

auf die „Winterstellung" 126S 

6. Fiihrerbefehl vom 1. April 1942 betr. weitere Kampf f iihrung der H.Gr. Mitte 1270 

7. OKW=Verfiigung vom 15. April 1942 betr. Befehlsbefugnisse an den Kiisten 1271 

8. Auszug aus dem KTB des B.d.U. vom 15. April 1942 1272 

9. Beurteilung der Gesamtfeindlage an der Ostfront durch die Abt. Fremde 
Heere Ost des Gen.St.d.H. vom 1. Mai 1942 1275 

10. Befehl des Oberkommandos der H.Gr. Mitte fiir die Tauschung „Kremr' 

vom 29. Mai 1942 1276 

11. Auszug aus dem KTB des B.d.U. vom 21. Juni 1942 1277 

12. Mitteilung des OKW/WFStabes an den OB West vom 4. Juli 1942 betr. 
Voraussetzungen fiir einen deutschen Einmarsch in Spanien 1280 

13. Fiihrerbefehl vom 9. Juli 1942 betr. Verlegung von Waffen=SS=Verbanden 

in den Bereich des OB West 1280 

14. Fiihrerbefehl vom 13. Juil 1942 betr. Fortsetzung der Operationen 

der H.Gr.n A und B 1282 

15. Kurze Beurteilung der Feindlage an der Ostfront vom 15. Juli 1942 . . . 1283 

16. Richtlinien des Fiihrers vom 17. Juli 1942 fiir die Fortfiihrung der 
Operationen der H.Gr.n A und B 1284 

17. Fernschreiben des OKH/Gen.St.d.H. an die H.Gr.n A und B vom 31. Juli 1942 
betr. Fortfiihrung der Operationen 1285 

18. Weisung des OB der H.Gr. Mitte vom 8. August 1942 fur das Unternehmen 
„Wirbelwind" 1286 

19. Aufzeichnung des Botschaftsrats Hilger vom 8. August 1942 iiber Verneh= 
mungen von kriegsgefangenen sowjetischen Offizieren, u. a. 

General Wlassow 1287 

20. Briefwechsel zwischen dem Chef der Op.Abt. des Gen.St.d.H., Gen.Major 
Heusinger, und dem Chef des Gen.St. der 11. Armee, Gen.Major Schulz, 

vom 2.77. September 1942 iiber das Unternehmen „Nordlicht" 1290 

21. Fiihrerbefehl vom 8. September 1942 iiber „Grundsatzliche Aufgaben der 
Verteidigung" 1292 

22. Fiihrerbefehl an die H.Gr. A vom 10. September 1942 iiber die Fortsetzung 

der Operationen 1297 

23. Fiihrerbefehl vom 13. September 1942 betr. Fortfiihrung der Operationen 

der H.Gr. B im Gro6raum Stalingrad 1298 

24. Fiihrerbefehl vom 13. September 1942 betr. Ablosung abgekampfter Divi= 
sionen aus dem Osten 1298 

25. Auszug aus dem KTB des B.d.U. vom 2. Oktober 1942 1300 

26. Operationsbefehl Nr. 1 vom 14. Oktober 1942 betr. weitere Kampffiihrung 

im Osten 1301 

27. Beurteilung der Feindlage vor der H.Gr. Mitte vom 6. November 1942 

durch die Abt. Fremde Heere Ost des Gen.St.d.H 1305 

XI 



28. Kurze Beurteilung der Feindlage vom 12. November 1942 durch 

Abt. Fremde Heere Ost des Gen.St.d.H 1306 

29. Fiihrerbefehl vom 17. November 1942 betr. Fortfiihrung der Eroberung 
Stalingrads durch die 6. Armee 1307 

30. Beurteilung der U=Boot=Lage durch den B.d.U. vom 18. November 1942 . . 1307 

31. Aufzeichnung des Reichsministers Speer liber die Fiihrerbesprechung 

vom 22. November 1942 1310 

32. Lagebeurteilung des B.d.U. vom 19. Dezember 1942 1313 

33. OKW=Weisung an das Geb.AOK 20 vom 29. November 1942 betr. 
Verstarkung des finnischen Kampfraumes 1315 

34. Fiihrerbefehl vom 27. Dezember 1942 fiir die weitere Kampf fuhrung 

auf dem Siidfliigel der Ostfront 1316 

35. Operationsbefehl Nr. 2^ vom 28. Dezember 1942 betr. weitere Kampffiihrung 

auf dem Siidfliigel der Ostfront 1318 

36. Erganzung zum Operationsbefehl Nr. 2 vom 31. Dezember 1942 .... 1319 

37. Ubersicht iiber den Frontflugzeugbestand vom 3. Januar 1942 1320 

38. Luftwaffeneinsatz wahrend der Sommeroffensive 1942 1321 

39. Deutsche Flugzeugverluste 1942 1322 

D. ANHANGE 

1. Auflosung militarischer und anderer Abkiirzungen 1325 

2. Militarische Decknamen fiir Operationsplane und Hauptquartiere . . . 1339 

3. Dienststellenbesetzung der wichtigsten deutschen und verbiindeten 
Kommandobehorden 1942 ^344 

4. Die Gliederung des deutschen Heeres 1942 1353 

5. Chronik vom 1. 1.— 31. 12. 1942, zusammengestellt von Andreas Hillgruber 
und Gerhard Hiimmelchen 1401 

6. Register (Personennamen) 1448 

7. Karten 
Kriegsschauplatz „Osten" 
Kriegsschauplatz „Mittelmeerraum" 
Kriegsschauplatz „Westen" s. Karte 1 in Bd. IV/2 
Kriegsschauplatz „Norden" s. Karte 5 in Bd. IV/2 
Kriegsschauplatz „Siidosten" s. Karte 3 in Bd. IV/2 

Beriditigungen 

Nachstehende Unstimmigkeiten sind zu berichtigen: 

Seite 4 Zeile 18 von oben lies: konnten (statt konnte). 

Seite 42 Zeile 13 von u^ten lies: Brockdorff=Ahlefeldt (statt =Ahlefeld). 

Seite 81 Anm. 3 Zeile 2 von unten lies: sul (statt rul). 

Seite 88 Anm. 6 lies: Aufz. zum KTB des WFStabes, 21.12.1942 (statt Tgb. Engel, 

21. 12. 1942). 

Seite 134 Zeile 4 von oben lies: sollte (statt soil ten). 

Seite 136 Zeile 9 von unten lies: fiihrten (statt fiihrte). 

Seite 153 Anm. 6 Zeile 2 lies: Novemberergebnis (statt Norwegenergebnis). 

Seite 161 Zeile 18 von oben lies: ... lag (trotz. . . [statt: . . . (lag trotz. . .]. 

Seite 1336 Zeile 15 von oben lies: SS=FHA = SS=Fiihrungshauptamt (statt: =mann). 

XII 



A. Einfiihrung 



gouirfijL....- . 



Einfiihrung 

Das Kriegsjahr 1942, ein militarpolitisch=operativer Oberblick 
aus dem Blickwinkel der deutschen Obersten Fiihrung 



I. Die strategischen Grundlagen fiir 1942 

Die Lage um die Jahreswende 1941/42 war durdi drei Ereignisse gekenn= 
zeichnet, die den bisher im wesentlichen noch europaischen Krieg zum Welt= 
krieg ausweiteten und ihm damit gerade auch von der Warte der deutschen 
Obersten Fiihrung vollig neue Dimensionen gaben: 

1. das Scheitern der deutschen Offensive an der Ostfront, sichtbar geworden 
durch die Krise vor Moskau im Dezember 1941. Sie bedeutete mehr als einen 
operativen Riickschlag, der durch eine Wiederaufnahme der Offensivhand= 
lungen 1942 hatte tiberwunden werden konnen. Das Scheitern des „Bhtz= 
krieges'' gegen die Sowjetunion stellte vielmehr den Zusammenbruch des deut= 
schen Kriegsplanes selbst dar, wie er sich im Herbst 1940 teils aus der realen 
Situation des Reiches im Kriege, teils aus freien Entscheidungen Hitlers ergeben 
hatte. Das strategische Ziel, Sowjetrufiland noch vor der Ausschaltung Grofi= 
britanniens in einem schnellen Feldzug niederzuwerfen, ehe der fiir 1942, 
spatestens 1943 erwartete Kriegseintritt der USA Wirkhchkeit wurde und da= 
mit der Zweifrontenkrieg „in seiner schwersten Form^'' eintrat, war nicht 
erreicht worden. 

2. der fiir die deutsche Fiihrung iiberraschende Kriegseintritt Japans mit dem 
anschliefienden Siegeszug in Siidostasien und im Westpazifik. Er eroffnete 
Moglichkeiten einer Koalitionskriegftihrung. Auch iiberschattete er die Winter* 
krise an der Ostfront. 

Beides zusammen erf orderte eine Neukonzeption des deutschen Kriegsplanes. 
Sie wurde vollends unumganglich durdi das dritte mit dem zweiten verbundene 
Ereignis : 

3. die Kriegserklarung Hitlers an die USA am 11. 12. 1941. Sie mufite zu= 
nachst fiir die Seekriegfuhrung, dann aber fur die deutsche strategische Ge= 

1 Walter Warlimont, Im Hauptquartier der deutschen Wehrmacht 1939—1945. 
Grundlagen— Formen—Gestalten. Frankfurt a. M. (Bernard & Graefe Verlag fur 
Wehrwesen) 1962, S. 217. 



A. Einfiihrung 

samtplanung iiberhaupt von entscheidender Bedeutung werden; denn schon 
bei Jahresbeginn 1942 war deutlich zu erkennen, dafi die amerikanische Fuh= 
rung trotz aller Niederlagen im Pazifik und in Siidostasien entschlossen war, 
ihr strategisches Schwergewicht nach Europa/Afrika zu verlegen („Germany 

first"). 

Zu einer somit unumganglichen Neukonzeption des deutschen Kriegsplanes 
hat sich Hitler indessen nicht aufgerafft. Es drangt sich dabei dem historischen 
Betrachter der Eindruck auf, als habe er sich vor einer Aufgabe gesehen, die 
fiir ihn zu den „Problemen der Zukunft'' gehorte, die er „nicht zu Ende'' zu 
denken wagte^; hatte ihn doch ein „Zu=Ende=Denken'' zum Eingestandnis der 
Aussichtslosigkeit der deutschen Situation gegeniiber der nun geschlossenen 
Koalition der Weltmachte in West und Ost fiihren miissen. 

Wenn man die spateren Aufierungen des Chefs des Wehrmachtfuhrungs= 
stabes, Generaloberst Jodl, fiir zuverlassig ansieht, so scheinen sowohl Hitler 
als auch sein erster operativer Berater aus ihrer Kenntnis der Gesamtlage 
damals durchaus die Hoffnungslosigkeit gesehen zu haben. So erklarte Jodl 
am 13. 5. 1945 riickblickend : „Seit Frlihjahr 42 wufite ich, dafi wir den Krieg 
nicht gewinnen konnte^/' Zwei Tage spater fafite der Kriegstagebuchfiihrer 
die Ausfiihrungen Jodls noch deutlicher zusammen: „Im besonderen wurde 
dem Fiihrer und auch dem Generalobersten klar, als die Katastrophe des VVin= 
ters 41/42 hereinbrach . . ., dafi von diesem Kulminationspunkt des beginnen= 
den Jahres 1942 an kein Sieg mehr errungen werden konnte^/' Vor den Konse= 
quenzen dieser klaren Erkenntnis wichen jedoch Hitler und Jodl aus. 

So stand das Jahr 1942 „im Zeichen des Trotzes^'', kam es zu einer Kette 
von „improvisierteijL Entschliissen®'", die allesamt nicht der voUig veranderten 
strategischen Gesamtsituation Rechnung trugen. Zu ihnen gehort von Hitler 
aus betrachtet auch die in diesem Jahr noch verstarkte Konzentration der Be= 
f ehlsorganisation der Wehrmacht auf seine Person sowie die Ubersteigerung der 
nationalsozialistischen Gewaltherrschaft im deutschbeherrschten Europa ins= 
gesamt, die 1942 eintrat. 

Auf strategischem Gebiet blieb Hitler auch unter den veranderten Verhalt= 
nissen bei seinem Entschlufi, zunachst die Sowjetunion als militarischen Faktor 
auszuschalten. „Zuversicht und Wille, die Initiative im Osten, spatestens bei 
Wintersende, wiederzugewinnen'', zeigte Hitler — nach aufien — den ganzen 

i In Ankniipfung an die zur Deutung Hitlers und seiner Handlungsweise wesent= 
lidie Aufierung Hitlers gegeniiber Grofiadmiral Raeder am 23. 5. 1939. Vgl. 
hierzu IMT, Bd. XIV, S. 341 und Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehr= 
macht (Wehrmachtfiihrungsstab), Bd. IV, S. ^^ mit der Interpretation durch 
Percy Ernst Schramm. 

3 Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht (Wehrmachtfiihrungsstab), 
Bd. IV, S. 1501. 

4 Ebda., S. 1503. 

5 Bodo Scheurig, Vor zwanzig Jahren: Einkesselung bei Stalingrad, in: Frank= 
furter Allgemeine Zeitung 1962, Nr. 286 (8.12.1962). 

6 Warlimont, a. a. O., S. 217. , 



I. Die strategischen Grundlagen fiir 1942 

Winter iiber. In seiner Rede zum Heldengedenktag in Berlin am 15. 3. 1942 
verkiindete er, dafi „die bolschewistischen Horden, die den deutschen und ver= 
biindeten Soldaten in diesem Winter nicht zu besiegen vermochten, . . . von 
uns in dem kommenden Sommer bis zur Vernichtung geschlagen sein (wer= 
den)^''. AUerdings — so erklarte er bereits am 3.1.1942 dem japanischen 
Botschafter Oshima — „beabsichtige (er) vorlaufig in der Mitte der Front keine 
Angriffsoperationen mehr zu fiihren. Sein Ziel sei die Offensive an der Sud= 
front.'' Er sei „entschlossen . . ., die Offensive in Richtung des Kaukasus wieder 
aufzunehmen, sobald das Wetter glinstig wiirde. Diese Stofirichtung sei die 
wichtigste; man miisse an das 01 und an Iran und den Irak herankommen. 
Wenn man erst einmal dort stiinde, so hoffe er, dafi man auch der Freiheits= 
bewegung der arabischen Welt zum Durchbruch verhelfen konne. Natiirlich 
wiirde er aufierdem alles daran setzen, Moskau und Leningrad zu vernichten^''. 
Damit waren wesentliche Leitmotive fur das ganze Jahr 1942 angeschlagen. 

Andere strategische Moglichkeiten, als im Osten wieder offensiv zu werden, 
wurden von Hitler nicht in Erwagung gezogen und auch nicht vom Wehr= 
machtfiihrungsstab — nicht einmal in Studien — untersucht. Demgegeniiber 
entwickelte die deutsche Seekriegsleitung in einer umfangreichen „Betrachtung 
zur Lage'' vom 20. 2. 1942 ^ sowie in wiederholten Vorstofien des Oberbef ehls= 
habers der Kriegsmarine, Grofiadmiral Raeder, in seinen Vortragen vor Hitler 
— ankniipfend an die Gedanken der Seekriegsleitung zur Kriegfiihrung in den 
Jahren 1940/41, aber entsprechend der neuen Situation abgewandelt — eine 
eigene strategische Gesamtkonzeption, die, im Ziele Hitlers Gedanken durch= 
aus nahe kommend, auch auf den Nahen und Mittleren Osten gerichtet war, 
jedoch einen anderen Weg hierfiir vorschlug, namlich im Mittelmeerraum ihren 
Hauptansatzpunkt hatte, dabei einen Vorstofi in den Kaukasus von Norden 
allenfalls als Nebenoperation gelten lassen wollte imd — entscheidend — den 
Zusammenhang zwischen der deutschen und japanischen Kriegfiihrung mit 
dem Ziel einer Koalitionskriegfiihrung der „Dreierpaktmachte" als Chance des 
Jahres 1942 erfafite. 

Am 13. 2. 1942 erklarte Raeder vor Hitler: „Suez= und Basrah=Position sind 
die Westpfeiler der britischen Herrschaft im indischen Raum. Gelingt es, diese 
Positionen durch gemeinsamen Druck (der) Achsenmachte zum Einsturz zu 
bringen, so mussen die strategischen Folgen fiir das britische Reich vernichtend 
sein. (Ein) baldiger deutsch=italienischer Stofi gegen (die) britische Schliissel= 

7 Wortlaut der Rede Hitlers am 15.3.1942 in: Archiv der Gegenwart XII (1942), 
S. 5430. 

8 Auszug aus der Aufzeichnung iiber die Unterredung Hitler— Oshima vom 3. 1. 
1942, abgedruckt bei Hans=Adolf Jacobsen, 1939/1945. Der Zweite Weltkrieg 
in Chronik und Dokumenten, 5. Auflage, Darmstadt (Wehr und Wissen Verlags= 
gesellschaft) 1961, S. 288 ff. 

9 Lagebetrachtung der Seekriegsleitung vom 20. 2. 1942 (Anlage zu B Nr. 1. Ski. lb 
507/42 g.Kdos. Chefs.), Fotokopie aus dem Bundesarchiv=Militararchiv Koblenz, 
Kio. 



A. Einfiihrung 

stellung Suez ware strategisch gesehen daher von allergrofiter Bedeutung [vol= 
lige Bereinigung Mittelmeerlage, Mossulolquellen (!!), Riickwirkung auf (die) 
Haltung der Tiirkei, Naher Orient, arabische und indische Bewegung, Ruck= 
wirkung auf Ostfront, Kaukasus]. (Die) Englander selbst sehen nach (den) 
vorliegenden Nachrichten (die) gegenwartige Bedrohung im agyptischen Raum 
als aufierst stark an und befiirchten (die) Herstellung (einer) strategischen Ver= 
bindung der deutsch=italienischen mit (der) japanischen Kampffiihrung. (Die) 
Japaner streben in Erkenntnis entscheidender Bedeutung aufrichtig (die) Her= 
stellung (der) Verbindung auf (dem) See= und Luftweg mit Deutschland an^." 
In der Betrachtung der Lage vom 20. 2. wurde die Alternative klar ausge= 
sprochen^*: „ Von den beiden strategischen VormarschstraiSen gegen die britische 
Stellung im Vorderen Orient fiihrt die eine durch SiidruEland liber den Kau= 
kasus nach Iran, die zweite iiber das Mittelmeer durch Nordafrika nach Agyp= 
ten/Suez. Beide Wege unterliegen grofien Nachschub= und Gelandeschwierig= 
keiten. Bei der gegenwartigen Schwache der englischen Stellung am Suezkanal 
besteht kaum ein Zweifel, dafi das strategische Ziel ,Suez' schneller erkampft 
werden konnte als der Weg iiber den Kaukasus . . . Auf Grund dieser Fest= 
stellungen kommt die Seekriegsleitung bei ihren Oberlegungen zu dem Er= 
gebnis, dajS der Stofi gegen Suez/Agypten iiber kurz oder lang gefiihrt werden 
mujl^, um das Ziel der Sicherung des europaischen Lebensraumes zu erreichen. 
Strategisch am giinstigsten ware eine sofort^, moglichst aber noch vor^ der 
Regenperiode dieses Jahres durchzufiihrende Offensive in Richtung Suez unter 
Ausnutzung der augenblicklich giinstigen Feindlage und unter vollem Einsatz 
der italienischen Flotte. Der Einsatz nur weniger Divisionen wiirde jetzt und in 
naher Zukunft zur Durchfiihrung des Stofies gegen Suez geniigen, ihr Fehlen 
an anderer Stelle wiirde im Wechselspiel der strategischen Auswirkungen durch 
den erreichten Erfolg dieser Operation vielfach ausgeglichen . . . Stellt sich die 
Durchfiihrung der Suez=Operation noch im Friihjahr 1942 krafte= und tonnage= 
mafiig als unmoglich heraus, so ergibt sich dennoch die strategische Forderung, 
schon jetzt mit alien Kraften den Stofi gegen Agypten vorzubereiten und, so= 
bald wie moglich, noch in diesem Jahr zur Durchfiihrung zu bringen. Die Zu= 
riickstellung aller anderen Operationsziele im Osten bis auf die Kaukasus= 
operation und die Wegnahme von Murmansk ist durch das strategische Ziel 

1 Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine und Chef der Seekriegsleitung Nr. 1. 
Ski. lb 383/42 g.Kdos. Chefs. (Fotokopie). Vgl.: Lagevortrage des Oberbefehls= 
habers der Kriegsmarine vor Hitler 1939—1945. Erlautert von Friedrich Ruge, 
Jiirgen Rohwer und Gerhard Hiimmelchen (in Vorbereitung), im folgenden zit.: 
Lagevortrage des Ob.d.M. 

la Lagebetrachtung der Ski. vom 20. 2. 1942 „Welche strategischen Forderungen er= 
geben sidi aus der gegenwartigen Lage fiir die weitere Kriegfiihrung der Dreier= 
paktmachte?" (Anlage zu B. Nr. 1 Ski. lb 507/42 g.Kdos. Chefs. — Fotokopie 
aus dem Bundesarchiv=Militararchiv Koblenz). 

2 Im Original unterstridien. 

3 Im Original unterstrichen. 

4 Im Original unterstridien. ■'-■> ■-<■ 



I. Die strategischen Grundlagen fiir 1942 

Suez gerechtfertigt . . ." Es ergebe sich „die geschichtliche Gelegenheit'', „mit 
verhaltnismafiig geringen Kraften in absehbarer Zeit im Zusammenwirken 
mit Japan den Einsturz der gesamten britischen SchlUsselstellung im Vorderen 
Orient herbeizufiihren''. 

Das „Schlul3wort'' lautete: „Die wichtigste strategische Forderung ist die 
Olgewinnung. Die fiir die weitere Kriegsentwicklung bedeutsamste strategische 
Schliisselstellung ist Suez. Die Seekriegsleitung ist davon iiberzeugt, dafi eine 
baldige erfolgreiche Offensive gegen die britische Hauptschlagader, den Suez= 
kanal, und die spatere Herstellung einer Seeverbindung mit Japan eine ver= 
nichtende Auswirkung fiir die angelsachsische Kriegf iihrimg hat und damit von 
kriegsentscheidender Bedeutung ist/' 

Drangte so die Seekriegsleitung auf eine deutsch=japanische Operation gegen 
den Nahen und Mittleren Osten sowie in den Indischen Ozean, so ware der 
Chef des Generalstabes des Heeres, Generaloberst Haider, der — die Sorgen 
und Note des Ostheeres vor Augen — den Gedanken der Seekriegsleitung mit 
aufierster Skepsis gegeniiberstand, am liebsten 1942 im Osten endgiiltig zur 
Defensive iibergegangen^. Aber abgesehen davon, dafi Hitler eine solche 
Losung nicht akzeptiert hatte, schien sie Haider auch vom rein militarischen 
Standpunkt problematisch : „Lassen wir den Russen zu Atem kommen und 
nimmt die Bedrohung durch Amerika zu, dann geben wir die Initiative an die 
Feinde ab und werden sie nie wieder gewinnen. So bleibt uns nichts anderes 
iibrig, als noch einmal den Versuch zu wagen, trotz aller Bedenken®/' Es blieb, 
wenn auch aus unterschiedlichen Motiven, in Ubereinstimmung mit Hitler 
sowohl fiir den Chef des Generalstabes des Heeres wie fiir den Chef des 
Wehrmachtfiihrungsstabes „das Ziel des Kriegsplanes fiir das Jahr 1942 nach 
alter strategischer Regel . . ., mit dem einen Gegner in irgendeiner Form fertig 
zu werden, ehe der andere seine ganze Kraft entfalten konnte^/' 

Entsprechend der Zielsetzung, die Entscheidung im Osten, d. h. mit dem Heer 
zu Lande, zu suchen, wurden mit dem Befehl Hitlers vom 10. 1. 1942 neue 
Richtlinien fiir die Riistung herausgegeben. Darin hiefi es grundlegend: „Die 
Zielsetzung auf weite Sicht bleibt unverandert der Ausbau der Luftwaffe und 
Kriegsmarine zum Kampf gegen die angelsachsischen Machte . . . Die Krieg= 
fiihrung im Jahre 1942 verbietet jedoch bis auf weiteres ein Absinken der 
Riistung des Heeres zugunsten dieser Zielsetzung. Das Heer ist vielmehr fiir 
die im Jahre 1942 gestellten Kriegsaufgaben erneut zu verstarken und zu 
bevorraten. Die Mittel der Riistung sind daher zunachst bevorzugt den ge= 
steigerten Bedurfnissen des Heeres dienstbar zu machen®/' 

5 Warlimont, a. a. O., S. 239. 

6 Adolf Heusinger, Befehl im Widerstreit. Schicksalsstunden der deutschen Armee 
1923—1945, Tiibingen und Stuttgart (Rainer Wunderlich Verlag Hermann Leins) 
1950, S. 186. Zitiert auch bei Warlimont, a. a. O. S. 239. 

7 Warlimont, a. a. O., 5. 239. 

8 Der Fuhrer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht Nr. 1/42 g.K. OKW/WFSt/ 
Org. — WiRii Amt, 10.1.1942 (Dokumenten=Anhang Nr. 3). 



A. Einfiihrung 

Obwohl mit der Entscheidung Hitlers der strategische Schwerpunkt fiir 1942 
eindeutig auf den Osten gelegt war, blieb die Seekriegsleitung bei ihrer Lage= 
beurteilung. Sie sah zudem mit Recht, insbesondere in der U=Boot=Kriegfiih= 
rung, im Kampf gegen die angelsachsischen Machte, vor allem die noch kriegs= 
unerfahrenen USA, gerade fiir 1942 grofie Chancen. Zu einer sinnvollen Zu= 
sammenfiigung der strategischen Gedanken der Seekriegsleitung mit den 
Vorstellungen und Absichten Hitlers und des Wehrmachtfiihrungsstabes ist es 
nie gekommen. Das Nebeneinander von See= und Landkrieg blieb vielmehr fiir 
das ganze Jahr 1942 bezeichnend. Nur so ist die „ausdriickliche Zustimmung'' 
Hitlers zu der Interpretation der Kriegslage durch Groliadmiral Raeder am 
26. 8. 1942, die in einer einfachen Kombination der beiden Ziele bestand, zu 
verstehen. Er sah sie „nach wie vor bestimmt: a) durch vordringliche akute 
Bekampfung Rufilands zur Schaffung eines moglichst blockadefesten, nach 
aulien sicher zu verteidigenden Lebensraums, von dem aus der Krieg noch 
Jahre weitergefiihrt werden kann; b) durch fiir Ausgang und Dauer des 
Krieges bestimmenden Kampf gegen die angelsachsischen Seemachte, der Eng= 
land und USA friedensbereit zu machen imstande ist®/' Auch nach den die 
aufiere Wende des Krieges markierenden Ereignissen des November 1942 
(Ruckzug der Armee Rommels aus Agypten, alliierte Landung in Franzosisch= 
Nordwestafrika und Einschliefiung der 6. deutschen Armee in Stalingrad) blieb 
Hitler bei seiner trotzigen Grundhaltung, die seine Strategie das ganze Jahr 
uber bestimmt hatte: „Das Ziel des Ostfeldzuges sei nach wie vor'" — so er= 
klarte er am 18. 12. dem italienischen Aufienminister Graf Ciano, der im 
Auftrage Mussolinis politische Moglichkeiten zur Beendigung des Krieges 
sondieren soUte — „a. den bolschewistischen K0I06 zu schlagen und ihn zu 
hindern, gegen Europa vorzugehen, und 2. im Osten Lebensraum zu gewinnen, 
um auf die Dauer die Emahrungs= imd Rohstoffbasen (Kohle, Eisen, Mangan, 
Petroleum), die Europa notig habe, sicherzustellen^" 

II. Die deutsche Oberste Fiihrung 1942 

Um die Jahreswende 1941/42 traten im Zusammenhang mit der grolien Krise 
an der Ostf ront wesentliche Veranderungen in der deutschen Obersten Fiihrung 
ein. Die wichtigste war die Obernahme des Oberbefehls iiber das Heer durch 
Hitler personlich. Seit dem 19. 12. 1941, dem Tage der Verabschiedung des 
Generalfeldmarschalls v. Brauchitsch, war er nicht mehr nur Oberbefehlshaber 
der Wehrmacht (Ob.d.W.), sondern zugleich Oberbefehlshaber des Heeres 
(Ob.d.H.). Die Fiihrungsstabe des OKW und des OKH waren nunmehr beide 

9 Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine B. Nr. 1. Ski. lb 1663/42 g.Kdos. Chefs. 

vom 29.8.1942 (Fotokopie). Vgl. Lagevortrage des Ob.d.M., a. a. O. 
1 Aufzeichnung des Gesandten Schmidt iiber die Unterredung Hitler— Ciano vom 

18. 12. 1942, Politisches Archiv des Auswartigen Amtes Bonn, Aufz. Fiih. 45 

(RAM=Film 20/580—626, 7/243—235). 



II. Die deutsche Oberste Fiihrung 1942 

unmittelbar von Hitler abhangig, ohne dafi es zu einer angesichts der Aus= 
weitung des europaischen Krieges zum Weltkrieg notwendigen sinnvollen 
Verschmelzung der Stabe zu einer strategisch=militarpoIitischen Zentralinstanz 
kam^. Vielmehr wurde der Generalstab des Heeres (Chef des Generalstabes 
des Heeres weiterhin Generaloberst Haider) ausschliefilich auf die Fuhrungs= 
aufgaben im Osten (ohne Finnland) mit den drei (ab 7. 7. 1942 vier, ab 27. 11. 
1942 ftinf) Heeresgruppen beschrankt, wahrend das OKW/WFStab zunachst 
weiterhin fiir die Gesamtfiihrung verantwortlich blieb, zugleich aber die im 
Laufe des Jahres 1941 nacheinander eingetretene unmittelbare Unterstellung 
der iibrigen Kriegsschauplatze unter seine Leitung (Nordfinnland, Norwegen 
[bereits seit der Planung und Durchfiihrung des Unternehmens „Weserubung'' 
1940], Westen [Niederlande, Belgien, Nord= und Westfrankreich], Mittel= 
meerraum/Nordafrika [de iure unter der Oberleitung des Comando Supremo] 
und Siidosten [Griechenland/Kreta, Jugoslawien]) endgiiltig wurde. Der Chef 
des WFStabes, General d. Artl. Jodl, blieb also weiterhin der erste operative 
Berater Hitlers fiir die Gesamtkriegfiihrung^. 

Allerdings ist es dem WFStab niemals — auch nicht unter den Notwendig= 
keiten der voUig veranderten Kriegslage seit der Jahreswende 1941/42 — ge= 
lungen, eine im Sinne einer einheitlichen strategischen Planung unumgangliche 
Ein= und Unterordnung der Oberkommandos bzw. Fiihrungsstabe von Kriegs= 
marine und Luftwaffe zu erreichen. Der Ob.d.M., Grofiadmiral Raeder, und der 
Ob.d.L., Reichsmarschall Goring, letzterer infolge seiner Sonderstellung in 
Staat und Partei ohnehin nicht gewillt, sich anderen militarischen Instanzen 
unterzuordnen, beharrten auf ihrer Eigenstellung und trugen Hitler in unter= 
schiedlichen Abstanden ihre Lagebeurteilung nicht nur iiber ihren Wehrmacht= 
teil, sondem auch zur strategischen Gesamtsituation vor und erhielten von ihm 
ihre Weisungen^. 

Marine und Luftwaffe behielten also neben dem WFStab ihre unmittelbare 
Abhangigkeit von Hitler bei. Praktisch bedeutete dies, da Hitler viel weniger 
in die Belange dieser beiden Wehrmachtteile als in die des Heeres eingriff, eine 
weitgehende Selbstandigkeit im Planen und Handeln, die bei der Marine bis 
zum Entwurf eigener strategischer Gesamtkonzeptionen in Denkschriften und 
Lagebetrachtungen ging*. 

Die Arbeitsweise der deutschen Obersten Wehrmachtfiihrung und ihr Wan= 

1 Hierzu: Warlimont, a. a. O., S. 227 ff.; Generalfeldmarschall Keitel Verbrecher 
oder Offizier? Erinnerungen, Briefe, Dokumente des Chefs OKW, hrsg. von Wal= 

' ' ter Gorlitz, Gottingen (Musterschmidt=Verlag) 1961,8. 317 ff. (kiinftig zit.: Keitel). 

2 Den anders lautenden Aussagen Jodls im IMT=Proze6 (IMT, Bd. XV, S. 407) tritt 
Warlimont mit Recht entgegen (a. a. O., S. 232). 

3 Aus den Aufzeichnungen zum KTB WFStab, die nur sporadisch Mitteilungen 
iiber die Luftwaffe und Kriegsmarine enthalten, lafit sich diese Feststellung von 
der negativen Seite her gut belegen. 

4 Vgl. die grofien Denkschriften und Lagebetrachtungen der Seekriegsleitung. Fiir 
die Luftwaffe lafit sich diese Feststellung weniger gut untermauern, da umfang= 
reicheres Quellenmaterial fehlt. 



A. Einfiihrung 

del im Jahre 1942 lassen sich am besten aus dem Ablauf der taglichen Lage= 
besprechungen im Fiihrerhauptquartier vor Hitler ablesen. Mit der Ubernahme 
des Oberbefehls iiber das Heer traten gegeniiber dem bisherigen Verfahren 
erste Anderungen ein. Wie bisher iibermittelte der Generalstab des Heeres in 
den friihen Morgenstunden die Lagemeldungen von der Ostfront an den WF= 
Stab. Sie wurden dort mit den Meldungen von den iibrigen Kriegsschauplatzen 
und der beiden anderen Wehrmachtteile zusammengestellt, in einer Lagebe= 
sprechung im WFStab unter Leitung des Stellv. Chefs des WFStabes, General= 
leutnant Warlimont, gegen 11 Uhr erortert und vom Chef WFStab als Unter= 
lage flir seinen Lagevortrag vor Hitler (Mittagslage) mitgenommen^. Jodl be= 
schrankte sich dabei hinsichtlich der Ostfront auf eine Darstellung in groben 
Ziigen (auf einer Karte 1 : 1 Million). Nach Abschlufi dieses ersten Teils der 
„Lage'' trug dann seit der Entlassung des Gen.Feldmarschalls v. Brauchitsch 
(19. 12. 1941) der Chef des Generalstabes des Heeres, Generaloberst Haider, 
der immer erst nach Beendigung des Vortrags Jodls hinzugezogen wurde, iiber 
die Lage im Osten im einzelnen vor (an Hand grofier Karten im Mafistab 
1 : 3ooooo).Diese taglichen Mittagslagebesprechungen zogen sich iiber mehrere 
Stunden hin. Die im allgemeinen weniger bedeutsamen Abendlagebespre= 
chungen f anden — im Gegensatz zu dem relativ umf angreichen Teilnehmerkreis 
an den Mittagslagen^ — nur im kleinen Rahmen statt. 

Wahrend iiber die laufenden Ereignisse des See= und Luftkrieges im Rahmen 
der Mittagslagebesprechimgen von den Leitern der Abteilungen Op/M bzw. 
Op/L des WFStabes vorgetragen wurde, kamen die wesentlichen Probleme 
dieser beiden Wehrmachtteile in den besonderen Besprechungen des Oberbe= 
fehlshabers der Kriegsmarine und des Oberbefehlshabers der Luftwaffe mit 
Hitler zur Sprache^, wenn nicht Goring selbst bei den Mittagslagebesprechun= 
gen zugegen war, was in unterschiedlicher Haufigkeit der Fall war. 

Das „ Fiihrerhauptquartier'' — unter dieser Sammelbezeichnung wurden die 
engere Umgebung Hitlers und der, auch raumlich von ihr getrennte, weitere 
Kreis, zu dem vor allem der WFStab sowie das Fiihrerbegleitbataillon gehorten, 
zusammengefafit — befand sich seit dem 24. 6. 1941 im Lager „Wolfsschanze'' 
im Forst Gorlitz ostwarts Rastenburg (Ostpreufien). OKH und Luftwaffen= 
flihrung hatten ihre Feldquartiere ebenfalls in OstpreuiSen (Nahe Angerburg 
bzw. Rominten), wahrend das OKM in Berlin blieb. In der Zeit vom 16. 7. 
bis 1. 11. 1942 war das „Fuhrerhauptquartier'' als ganzes in das Lager „Wer= 
wolf, 15 km nordostwarts Winniza, verlegt. Hitler selbst, z. T. mit seinem 
engeren Stab, hielt sich im Jahre 1942 — abgesehen von kiirzeren Besuchen in 

5 Warlimont, a. a. O., S. 231 ff . 

6 Uber den Teilnehmerkreis im einzelnen: Helmut Heiber, Hitlers Lagebesprechun= 
gen. Die Protokollfragmente seiner militarischen Konferenzen 1942—1945, Stutt= 
gart (Deutsche Verlags=Anstalt) 1962 (Quellen und Darstellungen zur Zeitge= 
schichte, Bd. 10), S. 13. 

7 Vgl. die vollstandig erhaltenen Niederschriften iiber die Besprechungen des Ober= 
befehlshabers der Kriegsmarine vor Hitler (Lagevortrage des Ob.d.M., a. a. O.). 

10 



II. Die deutsche Oberste Fiihrung 1942 

Berlin und in Miinchen sowie werdgen Besuchen in den Hauptquartieren der 
Heeresgruppen im Osten® — im Friihjahr mehrere Wochen lang sowie noch 
einmal etwa 10 Tage im November auf dem Berghof bei Berchtesgaden auf, 
wobei die Trennung von seinen Arbeitsstaben jedesmal besondere Probleme 
aufwarf. 

Teilweise im Zusammenhang mit der Ubernahme des Oberbefehls iiber das 
Heer durch Hitler, teilweise auch unabhangig davon traten im OKW und 
WFStab um die Jahreswende 1941/42 in organisatorischer und personeller 
Hinsicht Veranderungen ein, von denen hier nur die wichtigsten erwahnt 
werden konnen. Zwecks Koordinierung der Belange des Heeres mit denen der 
anderen Wehrmachtteile und zur Wahrnehmung der Riistungsinteressen des 
Heeres wurde am 15. 1. 1942 die Stelle eines „Chefs des Heeresstabes beim 
Chef OKW geschaffen und mit General d. Inf. Buhle besetzt, der es verstand, 
„an Keitel vorbei schnell ein unmittelbares Verhaltnis zu Hitler zu gewinnen®''. 
Alle Aufgaben des Oberbefehlshabers des Heeres aufier denen der operativen 
Fiihrung und der Personalfragen, an denen Hitler allein interessiert war, als 
er sich am 19. 12. 1941 selbst an die Stelle v. Brauchitschs setzte, iibertrug er 
dem Chef OKW, Gen.Feldmarschall Keitel, ohne dafi seine Kompetenzen je= 
mals klar abgegrenzt worden waren^ 

Nach dem Tode des Reichsministers fiir Bewaffnung und Munition Fritz 
Todt am 8. 2. 1942 iibernahm Albert Speer dieses Amt, das 1942 eine zentrale 
Bedeutung gewann. Unter ihm begann angesichts der veranderten Kriegslage 
die grolie Anstrengung der deutschen Riistungsindustrie, die Kriegsproduktion 
auf ein Hochstmafi zu steigern und in einen — in Anbetracht der industriellen 
Kapazitaten der Gegner allerdings aussichtslosen — Riistungswettlauf einzu= 
treten („Ara Speer'') ^. Organisatorisch fiihrte dies im Zuge der Konzentration 
aller Riistungsdienststellen im Ministerium Speer am 11. 5. 1942 zur Eingliede= 
rung der Riistungsinspektionen des Wirtschafts= und Riistungsamtes im OKW 
(General d. Inf. Thomas) in das Reichsministerium fiir Bewaffnung und Muni= 
tion, wahrend das verkleinerte „Wehrwirtschaftsamt'' im OKW verblieb. 

Mit Wirkung vom 1. 1. 1942 trat auch eine Neuordnung im WFStab selbst 
in Kraft, ohne dafi sich an dessen Stellung und Arbeitsweise etwas anderte. 
Der Chef der bisherigen, jetzt aufgelosten „Abteilung Landesverteidigung'', 
Generalleutnant Warlimont, erhielt die Dienstbezeichnung „Stellv. Chef WF= 
Stab''. Die ihm unterstellten drei Arbeitsgruppen fiir Operationen sowie die fiir 
organisatorische und Quartiermeisteraufgaben wurden zu „Abteilungen" er= 

8 Die Aufenthaltsorte Hitlers sind in den Tagesnotizen des KTB jeweils angegeben, 
sofern es sich nidit um „Wolfssdianze" bzw. „Werwolf" handelt. 

9 Warlimont, a. a. O., S. 245. 

1 Warlimont, a. a. O., S. 228; Keitel, a. a. O., 5. 287 f. Hier auch iiber die daraus 
resultierenden Spannungen des Chef OKW mit dem Chef des Generalstabes des 
Heeres und dem Chef HRiist und BdE. 

2 Die deutsche Industrie im Kriege 1939—1945, hrsg. vom Deutschen Institut fiir 
Wirtschaftsforschung Berlin=Dahlem, Berlin (Duncker & Humblot) 1954, S. 39 ff. 

II 



A. Einfiihrung 

hoben^. Personell am bedeutendsten war die von Hitler veranlaEte Ablosung 
des Obersten d.G. v. LoJSberg und seine Ersetzung durch Oberst i.G. Frhr. v. 
Buttlar=Brandenfels als Leiter der Abt. Op/H Mitte Januar 1942 4. Die Warli= 
mont unmittelbar unterstehenden fiinf Abteilungen des WFStabes wurden als 
„engerer WFStab" oder vom Chef WFStab selbst als „Arbeitsstab Jodr' be= 
zeichnet. Umfangmafiig blieb er nach wie vor sehr begrenzt. Die Gesamtzahl 
von hochstens 20 Offizieren macht dies im Vergleich zu den grofien Zentral= 
staben der drei Wehrmachtteile deutlich. / 

In der seit dem 19. 12. 1941 bestehenden Abgrenzung der Aufgabenbereiche 
zwischen dem WFStab und dem Generalstab des Heeres, wie es insbesondere 
im Ablauf der Lagebesprechungen vor Hitler zum Ausdruck kam, trat im 
Oktober 1942 eine einschneidende Veranderung ein^. Zu der sich seit Juli/ 
August abzeichnenden Krise in der Zusammenarbeit zwischen Hitler und 
Haider, die schliefilich am 24. 9. 1942 zu dessen Entlassung fiihrte, kam eine 
abrupt ausbrechende ernste Vertrauenskrise zwischen Hitler und dem Chef 
WFStab, General d. Artl. Jodl, hinzu, die sich aus der Entsendung Jodls zur 
H.Gr. A in den Kaukasus und der Stellungnahme des Chefs WFStab zu= 
gunsten des Oberbefehlshabers der H.Gr., Gen.Feldmarschall List, und damit 
gegen Hitlers Auffassung der Lage am 8. 9. 1942 entwickelte. Hitler entUefi 
daraufhin nicht nur am 9. 9. List und iibernahm selbst die Fiihrung der H.Gr. 
A (von „Werwolf'' aus mit dem Stab der H.Gr. in Stalino, ab 18. 9. in 
Woroschilowsk als „Meldekopf und Befehlsiibermittlungsstelle''^), sondern 
gab auch seine Absicht zu erkennen, den Chef OKW, Gen.Feldmarschall Keitel, 
und den Chef WFStab, General Jodl, zu denen er auch die „gesellschaftlichen 
Beziehungen'' (gemeinsames Mittagessen) abbrach, durch Gen.Feldmarschall 
Kesselring bzw. General d. Pz.Tr. Paulus zu ersetzen. Er verwirklichte diese 
Absicht zwar nicht, da die als Voraussetzung hierfiir betrachtete Einnahme 
von Stalingrad und die damit mogUche Ablosimg von Paulus als OB der 
6. Armee nicht eintrat, doch war Jodl von da ab bis Ende Januar 1943 „persona 
minus grata'' und konnte auch in den folgenden Jahren nie mehr das unein= 
geschrankte Vertrauen Hitlers — soweit man davon bei ihm iiberhaupt sprechen 
kann — zuriickgewinnen. 

Die Entlassung Haiders imd seine Ersetzung durch General d. Inf. Zeitzler, 
den bisherigen Chef des Generalstabes des OB West, also einen mit den Fiih= 

3 Vgl. Organisationsskizze des WFStabes bei Fritz Frhr. v. Siegler, Die hoheren 
Dienststellen der deutschen Wehrmacht 1933—1943, Miinchen (Institut fur Zeit= 
geschichte) 1933, S. 150 und Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht 
(Wehrmachtfiihrungsstab), Bd. IV, S. 1759; Warlimont, a. a. O., S. 229 ff. 

4 Warlimont, a. a. O., S. 231; Bernhard v. Loliberg, Im Wehrmachtfiihrungsstab. 
Hamburg 1949. 

5 Hierfiir und fiir das Folgende Warlimont, a. a. O., S. 267 ff.; Generaloberst Hal= 
der, Kriegstagebuch, Bd. Ill (in Vorbereitung) ; Keitel, a. a. O., S. 303 ff.; Heiber, 
a. a. O., S. 11 ff.; Notizen zum KTB WFStab vom 8.9.1942. 

6 Notizen zum KTB WFStab, 9. 9. 1942 (Helmuth Greiner, Die Oberste Wehrmacht= 
fiihrung 1959—1943, Wiesbaden [Limes Verlag] 1951, S. 410). 

12 



III. Deutschland und seine Verbiindeten 

rungsproblemen auf dem Ostkriegsschauplatz bisher nicht vertrauten General, 
fiihrte im Zusammenhang mit der Vertrauenskrise zwischen Hitler und dem 
Chef WFStab dann zu einer grundlegenden Neuregelung hinsichtlich seiner 
Stellung und des Aufgabenbereichs seines Stabes. Aus dem zunachst von 
Hitler und seiner engeren Umgebung bezeugten allgemeinen WohlwoUen 
gegeniiber Zeitzler und der geschwachten Position Jodls ergab sich fiir den 
neuen Chef des Generalstabes des Heeres die Moglichkeit, die „Doppelgleisig= 
keit der Fiihrung im Osten'' zu beenden. Diese erfolgreichen Bemiihungen 
Zeitzlers, die alleinige Verantwortung fiir die Ostfront zu iibernehmen und den 
WFStab auszuschalten, f anden in der ab Oktober 1942 giiltigen neuen Reihen= 
folge der Vortrage bei der Mittagslage ihre Auswirkung^. Von nun an eroffnete 
der Chef des Generalstabes des Heeres die Reihe der Vortrage mit seinem 
Bericht iiber die Ostfront. Danach erst behandelte Jodl die iibrigen Kriegs= 
schauplatze, fiir die der WFStab ausschliefilich verantwortlich blieb („OKW= 
Kriegsschauplatze)''^. Die Vortrage Jodls iiber die Ostfront, die die Gesamt= 
verantwortung des WFStabes sichtbar zum Ausdruck gebracht hatten, waren 
weggefallen. Von alien Entschliissen, alien Planungen und Voriiberlegungen 
hinsichtlich des ostlichen Kriegsschauplatzes, auch solchen, die fiir andere 
Kriegsschauplatze und die Gesamtkriegfiihrung von grofiter Bedeutung waren, 
sah sich der WFStab von nun an ausgeschaltet. Der Chef WFStab, General 
Jodl, fand sich trotz aller Vorstellungen seines Stellvertreters, Generalleutnant 
Warlimont, mit dieser Entwicklung — angesichts seiner erschiitterten Stellung 
bei Hitler mehr oder minder zwangslaufig — ab. Damit zerfiel die deutsche 
Oberste Wehrmachtfiihrung auf dem Gebiet der Landkriegfiihrung endgiiltig 
in zwei nebeneinander arbeitende Stabe. Nur Hitler selbst reprasentierte noch 
die Einheit der deutschen Kriegfiihrung. Es ist daher kein Zuf all, da& die letzte 
vom WFStab noch verfafite Gesamtbeurteilung der Lage, die die Ostfront mit 
einschlofi, von Oktober 1942 stammt. Von Ende 1942 ist eine solche oder gar 
ein deutscher Kriegsplan iiber geringe Ansatze hinaus nicht mehr zustande 
gekommen^. 

III. Deutschland und seine Verbiindeten 
1. Japan 

Mit dem fiir die deutsche Oberste Fiihrung hinsichtlich des Zeitpunktes, der 
StojSrichtung und der strategischen Planung unbekannten und unerwarteten 
Kriegseintritt Japans am y./3, 12. 1941 ergab sich die Notwendigkeit zur 
Koalitionskriegf iihrung, zur Koordinierung der Kriegfiihrung der beiden Machte, 
und damit zum ersten Male seit 1939 zugleich Problematik und Chance einer 
Strategie und Kriegfiihrung im „globalen'" Rahmen. AUerdings waren die 

7 Warlimont, a. a. O., S. 272. 

8 Vgl. die Notizen zum KTB WFStab vom 10.— 13. 10. 1942. 

9 Warlimont, a. a. O., S. 289. 



15 



A. Einfiihrung 

Voraussetzungen hierfiir trotz aller Biindnisverpflichtungen im Dreimachtepakt 
vom 27. 9. 1940 mit dem improvisierten „Deutsch=italienisch=japanischen Ab= 
kommen iiber die gemeinsame Kriegfiihrung'' vom 11. 12. 1941 noch keines= 
wegs gelegt. Wie schon der vorausgehende „Antikominternpakt'' vom 25. 11. 
1936 blieb der „Dreimachtepakt'' mit dem spateren Zusatzabkommen im 
Propagandistisch=Deklamatorischen stecken. 

Wohl erklarte Hitler am 3. 1. 1942 dem japanischen Botschafter Oshima: 
„Wir alle und auch Japan stiinden in einem gemeinsamen Kampf auf Leben 
und Tod, und es sei daher von grofiter Wichtigkeit, dafi wir unsere milita= 
rischen Erfahrungen gegenseitig austauschten/' Auch hob er dabei besonders 
hervor, „daJS es wohl zum ersten Mai in der Geschichte sei, dafi zwei so ge= 
waltige Militarmachte, die voneinander weit entfernt lagen, gemeinsam im 
Kampfe stiinden. Diese Position gabe die Moglichkeit, bei genauer Abstim= 
mung der militarischen Operationen eine Hebelwirkung in der KriegfUhrung 
zu erzeugen, die gewaltige Riickwirkungen auf den Feind haben miisse, da 
dieser gezwungen wiirde, seine Schwerpunkte immer wieder zu verlagern und 
auf diese Weise seine Krafte hoffnungslos zu verzetteln. Er glaube nicht, dafi 
die Vereinigten Staaten noch Mut hatten, Angriffsoperationen im ostasiatischen 
Raum zu fiihren/' Wortlich fuhr er fort: „Wenn England Indien verliert, stlirzt 
eine Welt ein. Indien ist der Kern des englischen Empire/' Zusammenfassend 
meinte Hitler: „Es sei notwendig, dafi Deutschland und Japan iiber die gemein= 
samen Plane fiir 1942/43 berieten. Die beiden Verbiindeten diirften unter 
keinen Umstanden auf halbem Wege aufhoren/' Er sei der Auffassung, „daJS 
man England vernichten kann. Wie man die USA besiege, wisse er noch 
nicht ^/' ihii'iiift<hn.'i'shnr>\ 

Verglichen mit dem klar erkannten Ziel wirkten die am 18. 1. 1942 in Berlin 
vom Chef OKW und den BevoUmachtigten der italienischen und japanischen 
Stabschefs unterzeichneten „Militarischen Vereinbarungen zwischen Deutsch= 
land, Italien und Japan^'' jedoch alles andere als iiberzeugend. Sie waren ohne 
Mitwirkung des WFStabes ausgearbeitet worden, der demnach hier zu einer 
der bedeutsamsten Aufgaben seines Arbeitsbereichs liberhaupt nicht heran= 
gezogen wurde. In den von der Militarkommission der Dreierpaktmachte aus= 
gearbeiteten Vereinbarungen wurden als wichtigstes Operationszonen fiir die 
beiderseitigen Streitkrafte festgelegt. Dies schien mehr auf eine Trennung als 
auf eine Zusammenarbeit in der Kriegfiihrung hinzudeuten. Auf japanischen 
Vorschlag sollte der yo. Grad ostlicher Lange im Indischen Ozean die Opera= 
tionsgrenze bilden. 



Auszug aus der Aufzeichnung iiber die Unterredung Hitler=Oshima vom 3. 1. 
1942, abgedruckt bei Hans=Adolf Jacobsen, 1959/1945, a. a. O., S. 288 ff. 
Militarische Vereinbarungen zwischen Deutschland, Italien und Japan vom 18. 1. 
1942, abgedruckt bei Jacobsen, a. a. O., S. 291—93. Das Abkommen wurde japa= 
nischerseits von Admiral Naokuni Nomura, italienischerseits von General Marras 
unterzeichnet. 



M 



III. Deutschland und seine Verbiindeten 

Hinsichtlich des „allgemeinen Operationsplans'' war fiir Japan u. a. vorge= 
sehen, dafi es „die Vernichtung der nordamerikanischen iind englischen Land=, 
See= und Luftstreitkrafte im Pazifik und im Indischen Ozean anstreben (sollte), 
um sich die Seeherrschaft im westlichen Pazifik zu sichern. Wenn die nord= 
amerikanische und die englische Kriegsflotte sich grofitenteils im Atlantik kon» 
zentrieren, wird Japan im ganzen Gebiet des Fazifiks und des Indischen Ozeans 
seinen Handelskrieg verstarken und aufierdem einen Teil seiner Marinestreit= 
krafte nach dem Atlantik entsenden und dort mit der deutschen und italie= 
nischen Kriegsmarine unmittelbar zusammenarbeiten/' 

Deutschland und Italien erklarten, dafi sie „wichtige Stiitzpunkte Englands 
und der Vereinigten Staaten im Nahen Osten und im Mittleren Osten, im 
Mittelmeer und im Atlantik vernichten, deren dortige Gebiete angreifen und 
besetzen (wollten). Sie werden die Vernichtung der englischen und nord= 
amerikanischen Land=, See= und Luftstreitkrafte im Atlantik und im Mittel= 
meer und die Zerstorung des feindlichen Handels anstreben. Wenn die eng= 
lische und nordamerikanische Kriegsflotte sich grofitenteils im Pazifik konzen= 
trieren, werden Deutschland und Italien einen Teil ihrer Marinestreitkrafte 
nach dem Pazifik entsenden und dort mit der japanischen Marine unmittelbar 
zusammenarbeiten.'' 

Ein Zusammenwirken im Rahmen des Handelskrieges, hinsichtlich des Aus= 
tausches von Informationen und der militarischen Nachrichteniibermittlung 
sowie die Herstellung einer — nie erreichten — Luftverbindung zwischen den 
Verbiindeten waren ebenfalls vorgesehen. Abgesehen von der Abgrenzung der 
Operationsraume war das ganze Abkommen in so allgemeinen Wendungen 
gehalten, dafi schon vom Wortlaut her nicht viel zu erwarten war. Ein fiir alle 
vorgesehenen Aufgaben gebildeter gemischter Ausschufi ist praktisch niemals 
zur Auswirkung gelangt, „weil es viele Geheimnisse und nur wenige gemein= 
same Probleme fiir Japan, Deutschland und Italien gab^''. 

Lediglich auf Grund direkter Kontakte einzelner Mitglieder des Ausschusses 
gelang es dort, wo es beide Seiten anstrebten, im Gesprach zu bleiben. Dies gait 
vor allem fiir den Marinebereich, in dem es der deutschen Seekriegsleitung auf 
Grund ihrer strategischen Konzeption sehr auf die Zusammenarbeit mit Japan 
ankam. Bei den wenigen Begegnungen zwischen japanischen Offizieren und 
Vertretern des WFStabes kam es hingegen nur zu sehr allgemeinen Aus= 
sprachen mit General Jodl, wahrend „den Sperrkreis II, die eigentliche mili= 
tarische Arbeitsstelle des Hauptquartiers, . . . kein japanischer Offizier je be= 
treten hat^''. Von Jodl erfuhren General Banzai und Admiral Nomura, die 
japanischen Vertreter im gemischten Ausschufi, am 23. 2. 1942, da6 die allge= 

3 AufzeidKnungen des Admirals N. Nomura, 1942/43 Leiter der japanisdien Dele= 
gation der Militarkommission des Dreimachtepaktes in Berlin (Masch.=Ms. im 
Besitz von Dr. Jiirgen Rohwer, dem Verfasser freundlichst zu Verfiigung gestellt, 
kiinftig zit.: Nomura), S. 3. 

4 Warlimont, a. a. O., S. 224. 

15 



A. Einfiihrung 

meine Lage Deutschland dazu zwinge, das Schwergewicht zunachst auf den 
Kampf gegen die Sowjetunion zu legen. Hinsichtlich eines Vormarsches in den 
Nahen und Mittleren Osten werde eine Operation geplant, die iiber den 
Kaukasus nach Iran fiihre. Operationen aus dem Mittelmeer heraus wiirden 
fiir schwierig erachtet^. 

Im Gegensatz zum Chef WFStab, der in Obereinstimmung mit Hitler den 
Schwerpunkt fiir das Jahr 1942 eindeutig im Osten sah und lediglich im Zu= 
sammenhang damit eine Offensive iiber den Kaukasus hinweg nach Iran in 
Erwagung zog, stellte der Chef des Stabes der Seekriegsleitung, Vizeadmiral 
Fricke, entsprechend der eigenen strategischen Konzeption der Ski. und in 
Obereinstimmung mit den — wenn audi sehr allgemein gehaltenen — Grund= 
gedanken des deutsch=italienisch=japanischen Abkommens vom 18.1.1942, ein 
konzentrisches deutsch=japanisches Vorgehen aus dem Mittelmeerraum und 
aus dem Indischen Ozean in den Nahen und Mittleren Osten, die Schliissel= 
position des britischen „Empire'', in den Gesprachen mit Nomura immer 
wieder in den Mittelpunkt. Die Dreierpaktmachte, so erklarte Fricke am 27. 3. 
1942 Nomura, sollten Agypten, das Suez=Gebiet und den Nahen und Mittleren 
Osten erobern, ehe die feindliche Abwehrkraft zu stark werde. Voraussetzung 
fiir das Gelingen einer solchen konzentrischen Operation sei, dafi der alliierte 
Nachschub im Indischen Ozean unterbrochen werde. Fricke machte in diesem 
Zusammenhang den fiir die ganze weitere Entwicklung des deutsch=japanischen 
Verhaltnisses bedeutsamen Vorschlag, die japanische Kriegsmarine soUte in 
Verbindung mit dem deutschen und italienischen Vormarsch in Nordafrika 
in Richtung Suez=Kanal eine Operation an der Ostkiiste Afrikas zur Unter= 
bindung des dort entlanglaufenden britischen Nachschubs unternehmen, also 
iiber den jo. Grad hinaus nach Westen vorstofien^. 

Die japanische Reaktion auf diesen Vorschlag war zuriickhaltend. Am 3. 4. 
traf die Nachricht aus Tokio ein, dali Japan beabsichtige, zwei Hilfskreuzer 
und einige U=Kreuzer von Mitte Mai bis Mitte Juli im Arabischen Meer und 
vor der Ostkiiste Afrikas operieren zu lassen. Dieses nur geringe Entgegen= 
kommen gegeniiber den deutschen Wiinschen wurde damit begriindet, dafi 
der Schwerpunkt des Einsatzes der japanischen Marine im Pazifik gegen die 
USA liegen miisse. 

Als dann nach dem Fall von Tobruk (20./21. 6.) der stiirmische deutsch= 
italienische Vormarsch nach Agypten hinein begann, drangte Fricke am 22. 6. 
erneut auf eine grofiere japanische Operation im Indischen Ozean. Die aus= 
weichende Antwort aus Tokio vom 27. 6. lautete, dali Japan die Operations= 
zeit der in das Arabische Meer und an die afrikanische Ostkiiste entsandten 
Hilfskreuzer und U=Boote bis Ende 1942 verlangem werde. Immerhin liefien 

5 Nomura, a. a. O., S. 9. Jodl hielt — wie Hitler — eine Operation zur Eroberung 
von Malta fiir schwierig. Am 6. 3. 1943 erfuhr Nomura in Rom, dafi italienisdie 
Vorbereitungen zur Eroberung von Malta im Gange seien (s. unten S. 100 f.). 

6 Nomura, a. a. O., S. 12/13. >. .^ .« ... 

16 



III. Deutschland und seine Verbundeten 

weitere japanische Mitteilungen vom 4., 10. und 25. 7. auf deutscher Seite 
wieder die Hoffnung auf groEere japanische Untemehmen aufleben. Dann 
aber blieben die Kontakte zwischen den Marinestellen in Berlin und Tokio 
zwei Monate lang vollig unterbrochen. 

Wahrenddessen konnte der britisch=amerikanische Nachschub ungestort 
nach Agypten gelangen. Die deutsche Offensive in Nordafrika war bereits 
am 30. 6. vor El Alamein zum Stehen gekommen, und der ununterbrochene 
Antransport von alliierten Kraften nach Agypten schuf schliefilich jenes er= 
driickende Ubergewicht, dem die deutsch=italienische Panzerarmee in der 
Schlacht bei El Alamein (ab 23. 10.) erlag. Schon am 7. 9. hatte daher eine 
neue Unterredimg zwischen Fricke und Nomura mit wechselseitigen Vorwiirfen 
geendet. Erst ein Telegramm aus Tokio vom 5. 10. brachte eine Teilerklarung 
fiir das japanische Verhalten. Daraus ging hervor, dali die japanische Marine 
ein grofieres Unternehmen im Indischen Ozean vorbereitet hatte, ihren Plan 
aber nach der amerikanischen Landung auf der Salomonen=Insel Guadalcanal 
(7. 8. 1942) und den sich daran anschlieiienden krafteverzehrenden Opera= 
tionen in diesem Raum^ hatte aufgeben miissen. Uber die schwere, fiir den 
weiteren Verlauf des Pazifik=Krieges entscheidende Niederlage in der Schlacht 
bei der Midway=Insel (4. 6. 1942) und ihre Riickwirkung auf die japanische 
Strategie erfuhren die japanischen Vertreter in Berlin und die deutsche Fiih= 
rung nichts^. 

Letztlich war es der Zwang zum Ubergang in die allgemeine strategische 
Defensive, der die japanische Marine von grofieren Operationen im Indischen 
Ozean Abstand nehmen lieli. Damit verstarkte sich zugleich die ohnehin vor= 
handene Tendenz der japanischen Fiihrung, den deutschen Bundesgenossen 
iiber die eigenen Operationsplanungen und Verluste im unklaren zu lassen. 
So erklart sich die heftige Reaktion Hitlers gegeniiber den Japanern in der 
Lagebesprechung am 5. 3. 1943® lucht zuletzt aus den Erfahrungen des Jahres 
1942. 

Wie ernst die Alliierten die Situation im Friihjahr 1942 im Indischen Ozean 
betrachteten, geht deutlich aus der Lagebeurteilung des amerikanischen Ge= 
neralstabschefs. General Marshall, hervor, in der er darauf hinwies, dafi „eine 
Ausdehnung der japanischen Seeherrschaft in den westlichen Indischen Ozean 
katastrophale Folgen fiir die alliierte Position im Mittleren Osten hatte: 

7 Die wichtigsten Zahlen und Daten in der Chronik, Teil D 5. 

8 Soweit nach Nomura, a. a. O., S. 14 ff. Das Ausmafi der japanischen Niederlage 
bei Midway wurde von der japanischen Marine auch der eigenen Armee, ja selbst 
dem Premierminister Tojo gegeniiber geheim gehalten (Mamoru Shigemitsu, Die 
Schicksalsjahre Japans. Vom Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1920 
bis 1945. Denkwurdigkeiten des letzten japanischen Aufienministers im Zweiten 
Weltkrieg, Frankfurt a. M. [Alfred Metzner Verlag] 1959, S. 282). 

9 Heiber, a. a. O., S. 169: „Man darf nichts darauf geben, was die Japaner sagen. 
Ich glaube kein Wort davon . . . Sie liigen einem die Hudce voll, und ihre ganzen 
Darstellungen sind auch alle auf etwas berechnet, was sich hinterher als Tau= 
schung erweist." 



17 



A. Einfiihrung 

1. wiirden die Alliierten nicht mehr in der Lage sein, ihre Streitkrafte im 
Mittleren Osten zu versorgen, und die Deutschen wiirden den Zugang 
zum Ol und zu den anderen Hilfsquellen dieses Raumes und einen Weg 
nach dem Fernen Osten gewinnen; 

2. wiirde der Verlust des Ols von Abadan nicht wieder wettzumachen sein; 

3. wiirde die wichtigste, siidliche Nachschubroute zur Sowjetunion unter= 
brochen; und 

4. wiirde die Tiirkei eine leichte Beute der Deutschen werden und diese 
damit einen Zugang fiir ihre Streitkrafte ins Schwarze Meer gewinnen 
und damit die sowjetische Stellung am Kaukasus zum Einsturz bringen^/' 

Blieb so die deutsch=japanische Zusammenarbeit auf militarischem Gebiet 
in den Anfangen stecken, so kam es auch auf politischem und wirtschaftUchem 
Gebiet zu keiner Koordination der Interessen. Die Tatsache, dafi Japan gegen= 
liber der Sowjetunion am NeutraUtatsvertrag vom 13. 4. 1941 festhielt, wurde 
von Hitler zwar in seiner Unterredung mit Botschafter Oshima am 3. 1. 1942 
akzeptiert: „Das Wichtigste sei, daf? Japan den angelsachsischen Machten nicht 
unterUege. Es diirfe unter keinen Umstanden seine Krafte friihzeitig zer= 
splittern. Auch fiir uns sei England der Hauptfeind. Den Russen wiirden wir 
sicher nicht unterliegen^/' Aber Ribbentrop, der sich — eigenen entsprechenden 
„Anregungen'' von 1941 folgend — schon in dieses Gesprach mit der Bemer= 
kung eingeschaltet hatte, „da6 Japan vielleicht im Mai in der Lage sein wiirde, 
Rutland anzugreifen", wiederholte im Juli seinen Vorschlag, Japan soUe mili= 
tarische Operationen gegen die Sowjetunion eroffnen^. Er wurde ebenso ab= 
gelehnt wie der „Hinweis'' des deutschen Botschafters in Tokio gegeniiber 
dem japanischen Aufienminister Togo vom 29. 4. 1942, „bei der schwierigen 
Lage der Sowjetunion hflbe ein Vorstofi gegen Wladiwostok und den Baikal= 
See entscheidende Bedeutung, da er zur voUigen Liquidierung der Sowjetunion 
flihren konne^''. 

Hitler selbst hielt indessen an seinem Standpunkt fest. Am 29. 4. erklarte 
er in der Unterredung mit Mussolini, dafi „ein Konflikt zwischen Japan und 
Rutland"' nicht im Interesse der Achse liege. Sowohl er als auch Mussolini 
„stellten sich auf den Standpunkt, dafi zum mindesten im Augenblick die 
energische Bekampfung der Angelsachsen durch Japan dessen vordringliche 
Aufgabe sei, von deren Durchfiihrung es sich nicht durch ein Unternehmen 
gegen Sowjetrufiland ablenken lassen diirfe. . . Man diirfe nicht zu viel von 
(Japan) verlangen und durch Schaffung einer weiteren russischen Front seine 
Krafte iiberspannen. Aufierdem wiirde durch einen japanisch=russischen Kon= 

1 Zitiert nach: Jiirgen Rohwer, Die See=Luftschlacht bei Midway 1942, in: Entschei= 
dungsschlachten des Zweiten Weltkrieges, hrsg. von H.=A. Jacobsen und J. Roh= 
wer, Frankfurt a. M. (Bernard & Graefe Verlag fiir Wehrwesen) i960, S. 194. 

2 Auszug aus der Aufzeichnung iiber die Unterredung Hitler— Oshima vom 3. 1. 
1942, abgedruckt bei Jacobsen, a. a. O., S. 290. 

3 Ebda., S. 290. 

4 KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW, 29. 4. 1942. 

18 



III. Deutschland und seine Verbiindeten 

flikt auch keine unmittelbare Entlastung an der deutsch=russischen Front ein= 
treten. Die Divisionen, die Rufiland in Sibirien zur Deckung gegen Japan 
stationiert hatte, wiirden auch bei Nichtausbruch eines Konflikts dort ver= 
bleiben, da die Verbindung zur europaischen Front viel zu lang sei. Ebenso 
wiirde bei Ausbruch eines japanisch=russischen Konflikts aus demselben 
Grunde kein Abzug von Truppen von der europaischen Front erfolgen*"*/' 

Auch nach Beginn der sowjetischen Grofioffensive am 19. 11. 1942 und der 
EinschUefiung der 6. Armee in Stalingrad bheb Hitler bei dieser Haltung. Am 
4. 12. erklarte Jodl General Banzai, dafi die japanische Neutralitat gegeniiber 
der Sowjetunion die deutsche Zustimmung finde. Nur wenn sich eine gemein= 
same amerikanisch=britisch=sowjetische Aktion gegen Japan abzeichne, soUe 
Japan praventiv gegen die Sowjetunion handeln^. 

Auf der japanischen Seite unterblieb ein im Anschlufi an den abgelehnten 
Ribbentrop=Vorschlag vom Juli erwogener diplomatischer Schritt des Au6en= 
ministers Togo, einen Sonderfrieden zwischen Deutschland imd der Sowjet= 
union auf dem Wege iiber Mussolini anzuregen, nachdem Togo am 1. 9. 1942 
aus anderen Griinden zuriickgetreten und durch Tani abgelost worden war. 
Inoffizielle Fiihler des japanischen Generalstabes in der gleichen Richtung im 
Marz und Juni, die bis zu einem Gesprach zwischen Ribbentrop und Bot= 
schafter Oshima am 2. 9. iiber dieses Thema fiihrten, wurden angesichts der 
schroffen Ablehnung durch den Reichsaufienminister nicht weiterverfolgt. Am 
6. 9. zog der japanische Generalstab seine Anregung wieder zuriick^. 

Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Japan — sie 
kann hier nur knapp angedeutet werden — war durch die Trennung der Macht= 
spharen an sich schon aufierordentlich begrenzt. Hinzu kamen noch Span= 
nungen mancherlei Art. So konnte den japanischen Forderungen nach Waffen= 
lieferungen sowie Ausriistungen fiir die Kriegsindustrie angesichts der eigenen 
Zwangslage und den Wiinschen der europaischen Verbiindeten nur in ge= 
ringem Umfang entsprochen werden, so dafi nicht einmal alle aus der See= 
kriegslage sich ergebenden Moglichkeiten ausgenutzt werden konnten. An= 
dererseits war die japanische Wirtschaftspolitik in den eroberten siidostasia= 
tischen Gebieten in sehr eng gefaiitem Sinne ausschliefilich auf das eigene 
Interesse ausgerichtet. Das fuhrte soweit, dali die Kautschukexportpreise ver= 
doppelt und iiberhaupt die Lieferung wertvoller Rohstoffe aus Siidostasien 
auch an verbundete Staaten gedrosselt wurden. Gerade an Naturkautschuk war 
aber Deutschland fiir seine Buna=Erzeugung besonders interessiert. Da in= 
dessen die Verbindungsmoglichkeiten auf dem Seewege immer schlechter wur= 



5 Aufzeichnung des Gesandten Schmidt iiber die Unterredung Hitler— Mussolini 
vom 29. 4. 1942 (Politisches Archiv des Ausw. Amies Bonn, Aufz. Fiih. 15, RAM= 
Film 1/65—95, 18/314—344). 

6 Nomura, a. a. O., S. 24. 

7 Erneute japanische Initiative in dieser Richtung im April/Mai 1943 durch den 
neuen Aufienminister Shigemitsu. 

19 



A. Einfiihrung 

den, konnten — unter normaleren Verhaltnissen unvermeidliche — grofiere 
Auseinandersetzungen vermieden werden. 

In der Zeit vom 21. 8. 1941 bis 7. 2. 1943 liefen insgesamt 27 Schiffe mit 
Lieferungen von Ostasien in den deutschen Machtbereich in Europa aus. Von 
diesen erreichten 13 ihre Zielhafen, 10 wurden vom Gegner versenkt, 4 kehr= 
ten um. Von den deutsch=besetzten Gebieten Europas liefen von September 
1941 bis April 1943 insgesamt 26 Schiffe nach Ostasien aus. Von diesen trafen 
17 in japanischen Hafen ein, 4 wurden versenkt, 5 kehrten um^. Danach 
konnten die kleinen Mengen der allernotwendigsten Rohstoffe nur noch durch 
U=Boote aus Ostasien nach Westfrankreich transportiert werden. 



2.1talien 

Die urspriinglich sehr hohe Meinung Hitlers von der Bundesgenossenschaft 
des faschistischen Italien war zu Beginn des Jahres 1942 nach der Enthiillung 
der militarischen Schwachen seit den Niederlagen in Griechenland und Nord= 
afrika (1940) und dem Verlust Ostafrikas (1941) langst einer unUberwind= 
lichen Skepsis hinsichtlich der Leistungen der italienischen Wehrmacht ge= 
wichen. Seit dem italienischen Hilferuf vom Dezember 1940 imd den Verein= 
barungen zwischen Hitler und Mussolini vom 18.— 20. 1. 1941® war an die 
Stelle des urspriinglichen „Parallelkrieges'' Italiens im Mittelmeer und in den 
Kolonien in Afrika eine immer starkere Abhangigkeit Italiens von seinem 
militarisch starkeren Partner getreten, ohne dalB dies in der Befehlsorganisation 
im Mittelmeerraum nach aufien hin in Erscheinung getreten ware. Nominell 
und in mancher Hinsicht auch faktisch behielten Mussolini und das Comando 
Supremo bis zum Sturz des Duce (25. 7. 1943) den Oberbefehl. Dennoch 
war der EinflujS der deutschen Kriegfiihrung im Mittelmeerraum seit der Er= 
nennung des Gen.Feldmarschalls Kesselring zum OB Slid (25. 11. 1941) im= 
mer starker geworden. Indessen bewirkte gerade dies das Fortleben des 
„Parallelkriegsgedankens'' bei der italienischen Fiihrung (zum besonderen 
Problem Malta s. unten S. 100). 

Unter diesen Voraussetzungen bezeichnete Hitler im Gesprach mit Goebbels 
am 20. 3. 1942 Mussolini als „den einzigen Garanten fiir das deutsch=italieni= 
sche Zusammengehen. . . Wenn es hier und da im deutsch=italienischen Zu= 
sammengehen noch hapert, so liegt das nicht an Mussolini, sondern an dem 
Mangel militarischer Eigenschaften beim italienischen Volk selbst^"'. Einen 
Monat vorher hatte er geaulEert: „Der wirkliche Faschismus ist deutschfreund= 
lich. Aber voUkommen feindlich steht der germanischen Welt der italienische 
Hofkliingel gegeniiber. In Florenz hat mir der Duce gesagt: Meine Soldaten 

8 Theo Michaux, Rohstoffe aus Ostasien, in: Wehrwissensdiaftlidie Rundschau 5 
(1935), S. 485 ff. Dort nahere Einzelheiten. 

9 Greiner, a. a. O., S. 200 ff.; KTB OKW (WFStab), Bd. I. 

a Louis P. Lochner, Goebbels Tagebiicher 1942/43, Ziirich 1948, S. 131. 

20 



III. Deutschland und seine Verbiindeten 

sind anstandige, brave Leute, meinen Offizieren kann idi nidit vertrauen! . . . 
Eine positive Auslese wird so lange nicht stattfinden, als diese Mafia der Ober= 
welt nicht beseitigt wird. . . Es wird in Italien nicht besser werden, solange 
sie nicht einen sauberen Fiihrerstaat hinkriegen^/' 

Obwohl die wachsenden Schwierigkeiten einen moglichst haufigen Kontakt 
der beiden Staatsfiihrer und „Feldherren'' erfordert hatten, kam es im Jahre 
1942 nur zu einer einzigen Begegnung zwischen Hitler und Mussolini, und 
zwar am 29./30. 4. in SchlolB Klefiheim bei Salzburg. Dieses Treffen diente 
neben der Absprache iiber die geplanten Operationen im Mittelmeerraum 
einer allgemeinen Aussprache, in der die Abstimmung der deutschen imd 
italienischen Politik gegeniiber der Tiirkei und den arabischen Landern, die 
bei Gelingen der Offensive von grofier Bedeutung war, den breitesten Raum 
einnahm. „Die Tiirkei'' — so fiihrte Hitler am 29. 4. aus^ — „bewege sich lang= 
sam, aber sicher auf die Achse zu. Dabei sei der Russenhafi der Tlirken dieser 
Entwicklung besonders forderlich. . . Besonders beunruhigt seien die Tiirken 
. . . wegen der russischen Aspirationen auf die Dardanellen. . . Auf eine Frage 
des Duce nach den Forderungen der Tiirkei erwiderte der Fiihrer, dafi er auf 
inoffiziellem Wege Kenntnis von den tiirkischen Wiinschen erhalten hatte, 
die sich im wesentlichen nach den Eisenbahnen ausrichteten, d. h. Gebiets= 
korrekturen bei Adrianopel und langs der Bagdadbahn. AulBerdem mochten 
die Tiirken Rutland moglichst weit von ihrem eigenen Gebiet entf emt haben. . . 
Der Duce bemerkte dazu, dafi Italien keine Forderungen an die Tiirkei hatte, 
dafi es im Gegenteil beabsichtige, eine innerhalb der tiirkischen Hoheits= 
gewasser liegende Insel Castel Rosso als Zeichen seiner Freundschaft zur 
Tiirkei abzugeben.'' 

Zur Frage nach einer gemeinsamen „Indien= und Arabien=Erklarung'' der 
Dreierpaktmachte erklarte Hitler, „dafi seine Stellungnahme dazu durch die 
Erinnerung an den Weltkrieg bestimmt sei. . . Wenn jetzt eine Indien= und 
Arabien=Erklarung von den Dreierpaktmachten abgegeben wiirde, so konne 
dies leicht dazu fUhren, dafi der Widerstandswille Englands durch die aus 
einer derartigen Erklarung abzuleitende Bedrohung des gesamten englischen 
Weltreichs erheblich gestarkt wiirde. . . Andererseits konnte eine Indien= und 
Arabien=Erklarung allerdings auch geeignet sein, England den letzten Stofi 
zu versetzen und zum Nachgeben zu veranlassen." Dies sei die Auffassung 
Ribbentrops. 

Nach Hitlers Ansicht hing die Frage, ob und wann es sinnvoU sei, eine 
Indien= und Arabien=Erklarung abzugeben, von der weiteren militarischen 
Entwicklung ab. Eine solche Erklarung „konnte militarisch wirksam erst unter= 
stiitzt werden, wenn die Truppen der Achsenmachte siidlich des Kaukasus 

2 Ebda. 

3 Aufzeichnung des Gesandten Schmidt iiber die Unterredung Hitler— Mussolini 
vom 29. 4. 1942 (Politisches Archiv des Auswartigen Amts Bonn, Aufz. Fuh. 15, 
RAM=Film 1/65—95, 18/314—344). 

21 



A. Einfiihrung 

stiinden. Ein auf Grund dieser Erklarung in den arabischen Gebieten aus= 
brechender Aufstand konnte dann militarisch niitzlich sein und militarisch 
unterstiitzt werden. Wenn hingegen die Erklarung Arabien gegeniiber jetzt 
gleich abgegeben wiirde, so bestiinden zwei Moglichkeiten : Entweder nahmen 
die Araber keine Kenntnis von ihr. Dann sei eine solche Erklarung fUr die 
Achse wertlos . . . Die andere MoglicKkeit sei, dafi die Araber von dieser Er= 
klarung Kenntnis nahmen und einen Aufstand begonnen, der unter den 
jetzigen Umstanden von den Englandern niedergeschlagen wiirde, wobei sich 
diese der aktivsten Exponenten der achsenfreundlichen Araberpolitik bemach= 
tigen und dadurch den Achseninteressen in Arabien erheblichen Schaden zu= 
fiigen wiirden/' 

Deutlich kam ein latenter Interessengegensatz zu Japan im indischen Raum 
zum Ausdruck. Hitler meinte, dafi „Japan wohl vor Indien eine gewisse Scheu 
habe, da die Eroberung Indiens ein gewaltiges Unternehmen sei und die Ge= 
fahr bestehe, dajS sich auch Sowjetrufiland gegen Indien wenden wiirde''. 
Ribbentrop wies darauf hin, „da6 Japan schon vor langerer Zeit den Vorschlag 
einer gemeinsamen Erklarung gemacht habe und vielleicht argwohnisch werden 
konnte, wenn mit der Antwort der Achsenmachte gezogert werde. Denn nach 
wie vor bestehe Japans einzige Befiirchtung darin, dafi die Achse sich mit 
England doch noch irgendwie einigen konne/' Hitler entschied mit Zustim= 
mung Mussolinis, die Beantwortung dilatorisch zu halten, „schlie61ich hatten 
die Japaner auch die Achsenmachte des ofteren langere Zeit warten lassen", 
doch erhielt Ribbentrop die Genehmigung zur miindlichen Besprechung mit 
Oshima. 

Zu einer deutschen und italienischen Indien= und Arabien=Erklarung kam 
es angesichts der weiteren militarischen Entwicklung nicht. Nur eine Agypten= 
Erklarung wurde am 3. 7. 1942 abgegeben (s. unten S. 107). Jedoch wurde der 
kurz vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion (22. 6. 1941) aus Indien 
via Moskau nach Deutschland gelangte indische Nationalistenfiihrer Subhas 
Chandra Bose, der seit Februar 1942 eine propagandistische Tatigkeit iiber 
deutsche Rundfunkstationen nach Indien hinein entfaltete, am 29. 5. 1942 von 
Hitler in Berlin empfangen. Bose erklarte dabei^, „es sei jetzt der Zeitpunkt 
gekommen, die militarische Zusammenarbeit mit der japanischen Wehrmacht 
aufzunehmen. Indien lege jedoch grofien Wert darauf, mit Deutschland und 
Italien die engsten Verbindungen herzustellen und sich die Sympathie und 
Hilfe dieser Lander zu sichern, da es nicht allein auf Japan angewiesen sein 
mochte/' Hitler erwiderte, „er kenne Japans Ziel nicht. Er wisse nicht, ob es 
den Japanern wichtiger erschiene, zunachst ihre Flanke vor der Bedrohung 
durch Tschiang Kai=shek zu befreien und mit diesem eine Zusammenarbeit 
aufzunehmen oder ob sie sich zuerst nach Australien oder nach Indien wenden 

4 Aufzeichnung des Gesandten Schmidt iiber die Unterredung Hitler— Bose vom 
27. (tatsachlidi: 29.) 5. 1942 (Politisches Archiv des Auswartigen Amts Bonn, 
Aufz. Fiih. 24, RAM=Film 20/568—577). 

22 



III. Deutschland und seine Verbiindeten 

woUten. Die Vernichtung der Herrschaft in Ostasien wiirde moglicherweise 
zu einem Zusammenbruch des britischen Weltreiches fiihren. Dieser Zusam= 
menbruch wiirde natiirlich fiir Deutschland eine grofie Entlastung bedeuten 
und ihm Blut ersparen/' 

„Unter den augenblicklich herrschenden Umstanden . . . konne er Bose nur 
raten, sich zu den Japanern zu begeben, um von den Grenzen Indiens aus den 
revolutionaren Kampf in das Land selbst hineinzutragen. Als alter Revo= 
lutionar konne er Bose nur den Rat geben, die Chance einer inneren Revo= 
lution in Indien in einem Augenblick auszunutzen, wo der Feinddruck von 
aulien einsetze. . . Ob die Japaner diesen Druck tatsachlich ausiiben wollten, 
wisse er nicht. Positiv hatten sie Deutschland dariiber nichts gesagt/' Ab= 
schlieEend bat Bose „erneut um die moralische und diplomatische Unter= 
stiitzung Indiens durch Deutschland, damit es nicht allein auf Japan angewie= 
sen sei''. Die Abreise Boses aus dem deutschen Machtbereich zogerte sich 
jedoch noch bis zum Friihjahr 1943 hinaus. 

Zu einer griindlichen Erorterung der deutsch=italienischen Biindnisproble= 
matik kam es bei dem Treffen Hitler— Mussolini am 29./30. 4. sowenig wie 
bei friiheren Begegnungen. Auch die Vereinbarungen, die schlielilich iiber die 
Reihenfolge der Operationen im Mittelmeerraum getroffen wurden, stellten 
nur eine oberflachliche Einigung dar (s. unten S. 102). 

Kann dennoch die Zusammenarbeit zwischen den beiden Achsenpartnern 
im Mittelmeerraum fiir das Jahr 1942 trotz mancherlei Vorbehalte noch als 
befriedigend angesehen werden, da die latenten Spannungen nicht offen aus= 
brachen, so gilt dies keinesfalls mehr fiir den siidosteuropaischen Besatzungs= 
bereich. Hier entwickelten sich 1942 offene Konflikte zwischen deutschen und 
italienischen Kommandobehorden im jugoslawischen Raum, die weit iiber 
lokale militarische Streitfalle hinausgingen, vielmehr ins Grundsatzliche ziel= 
ten und bereits das Auseinanderbrechen des Bundnisses, wie es im Sommer 
1943 auf „hochster Ebene'' eintrat, praludierten. Es ging dabei vor allem um 
die Haltung, die das Oberkommando der italienischen 2. Armee, das in Dal= 
matien und im italienisch besetzten Teil Kroatiens befehlsfiihrend war, gegen= 
iiber den nationalistischen Aufstandischen, den Tschetniks des Generals Mihaj= 
lovic, einnahm. Insbesondere der Oberbefehlshaber der Armee, General 
Roatta, war Hitler im hochsten Grade suspekt. Bereits im Februar 1942, 
kurz nach der Befehlsiibemahme durch den General, nannte er ihn einen 
„Spitzel"5. 

Entscheidend wurde der Entschlufi Roattas Mitte 1942, Teile der Tschetniks 
in der Herzegowina und in Montenegro sowie in Westdalmatien und in West= 
bosnien in italienische Hilfsdienste zu nehmen, war doch die Vernichtung der 
Tschetniks noch im April 1942 das Ziel einer im Marz in Abazzia durch die 
Oberkommandos vereinbarten deutsch=kroatisch=italienischen Operation ge= 

5 Nach Heiber, a. a. O., S. 223, Anm. 4. 

25 



A. Einfiihrung 

wesen, die bereits im wesentlichen infolge der „Zuruckhaltung'' der 2. italieni= 
schen Armee fehlgeschlagen war (s. unten S. 139). Die vordergriindige Absicht 
bei dieser die beiden Bundesgenossen, besonders audi die Kroaten, erbittern= 
den Mafinahme war, dafi Roatta fiir seine Armee einen sicheren Schutz gegen= 
iiber den Partisanen Titos gewinnen wollte, den ihm die Tschetniks, seit No= 
vember 1941 die Biirgerkriegsgegner der kommunistischen Partisanenbewe= 
gung, zu bieten schienen, obwohl die italienische 2. Armee, die iiber 7 Divi= 
sionen sowie 1 Alpini= und 1 Bersaglieri=Regiment verfiigte (insgesamt ca. 
60 000 Mann) — verglichen mit den schwachen deutschen Kraften in Kroatien 
im Friihjahr 1942 (lediglich ca. 10 000 Mann)® also relativ stark — , die Siche= 
rimg ihres Besatzungsraumes nach deutscher Auffassung bei entsprechendem 
Willen auch allein hatte gewahrleisten konnen. Hintergriindig verfolgte Roatta 
dabei wohl weitergehende Plane, die auf einen Frontwechsel Italiens hinzielten. 

Im November 1942 zog das italienische Oberkommando seine Truppen ein= 
schliefilich der unterstellten Tschetniks aus den umkampften Gebieten in den 
Bergen ganz zuriick und beschrankte sich auf die Kontrolle der Kiiste und 
der grofien Stadte. Die — nach Versuchen diplomatischer Ausdrucksweise — 
deutliche Sprache Hitlers gegeniiber dem italienischen Aufienminister Graf 
Ciano am 18. 12. 1942, „es bleibe . . . nichts iibrig, als alle Cetnici restlos aus= 
zurotten und gegen die Banden mit brutalsten Mitteln vorzugehen'', anderte 
an der italienischen Haltung nichts. Die damit und durch die allgemeine Ver= 
starkung der Tito=Partisanen notwendig gewordene Verlegung starkerer deut= 
scher Krafte nach Kroatien, die Ende 1942 eingeleitet wurde, um dieser Gefahr 
in einem Grofiunternehmen Herr zu werden, fiihrte dann zu verscharften 
Konflikten mit der italienischen Wehrmachtfiihrung im Friihjahr 1943^. 

Besondere Probleme warf auch die italienische Beteiligung am Ostfeldzug 
auf. Nachdem Mussolini bereits im Juli 1941 das italienische Expeditionskorps 
(XXXV. A.K.) entsandt hatte (4 Divisionen), bot er im Oktober 1941 als Kom= 
pensation fiir die geplante Verlegung der Luftflotte 2 (Gen.Feldmarschall Kes= 
selring) nach Sizilien die Uberfiihrung weiterer 20 Divisionen an die Ostfront 
fiir den Feldzug 1942 an. Tatsachlich trafen im Mai/Juni 1942 immerhin wei= 
tere 8 Divisionen, darunter das Alpini=Korps (mit 3 Elite=Divisionen), an der 
siidlichen Ostfront ein. Sie wurden zusammen mit dem „Expeditionskorps'' zur 
8. italienischen Armee (OB Gen.Oberst Gariboldi) zusammengefafit, die am 
13. 8. einen Frontabschnitt am Don zwischen der 6. deutschen und der 2. unga= 
rischen Armee iibemahm. Sie erlitt bereits in der Zeit vom 15.— 25. 8. einen 
ersten schweren Riickschlag, als es den Sowjets gelang, einen tiefen Briicken= 
kopf siidlich des Flusses imRaume von Serafimowitsch zu bilden,der nicht mehr 
bereinigt werden konnte und spater den Ausgangspunkt fiir die sowjetische 

6 Vgl. hierzu: F. Dragojlov, Der Krieg 1941—1945 auf dem Gebiete des Unab= 
hangigen Staates Kroatien, in: Allgem. Schweiz. Militar=Zeitsdirift 122 (1956), 
S.352ff. 

7 Vgl. KTB OKW (WFStab), Bd. Ill, 5. 122 ff. 

24 



III. Deutschland und seine Verbiindeten 

Offensive am 19. 11. bildete (s. unten S. 82 ff.). Die italienische 8. Armee erlitt 
bei der zweiten sowjetischen Offensive am Don (16. 12.) eine vernichtende 
Niederlage (s. unten S. 8y). Ihre Trummer muliten Anfang 1943 aus der Front 
gezogen werden. 

Die militarische Schwache Italiens sowie die militarpolitischen Absichten der 
italienischen Wehrmachtfiihrung im Herbst 1942 — noch vor dem Umschwung 
im Mittelmeerraum Anfang November — lassen sich gut aus einer Meldung des 
Deutschen Generals im Hauptquartier der italienischen Wehrmacht, General 
d. Inf. V. Rintelen, an den WFStab vom 5.9. ablesen^: Rintelen berichtete 
darin uber eine Unterredung mit dem Chef des Comando Supremo, Marschall 
Graf Cavallero, vom Vortage, in der dieser erklart hatte, „dafi er es fiir zweck= 
maliig halte, dafi das OKW eine allgemeine Weisung fiir die Absichten fiir 
das Jahr 1943 herausgebe, damit die italienische Wehrmacht sich auf die ihr 
vom OKW zugedachten Aufgaben vorbereiten konne. Diese Vorbereitung 
wiirde in erster Linie in der Verbesserung der Ausstattung und Ausriistung 
der Divisionen bestehen. Z. Zt. verfiige Italien iiber 20 Divisionen, die feld= 
mafiig ausgeriistet seien, davon 9 in Rufiland und 11 in Afrika. . . Aber auch 
bei diesen genannten Divisionen konne man nicht von einer wirklich modernen 
Ausriistung sprechen. Der Duce habe die Forderung aufgestellt, daiS bis zum 
nachsten Friihjahr 33 Divisionen modern ausgestattet wiirden. Er, Marschall 
Cavallero, hoffe, wenigstens 30 Divisionen so ausstatten zu konnen. Hierfur 
kamen in erster Linie die an der Westalpengrenze stehenden Divisionen in 
Frage, denn diese miifiten fiir den Fall eines Einsatzes gegen Frankreich mog= 
lichst gut ausgestattet sein, da aus psychologischen Griinden zu erwarten sei, 
dafi die Franzosen bei einer Besetzung Restfrankreichs sich ganz besonders 
stark gegen die Italiener verteidigen wiirden. Sollte ein derartiger Einsatz nicht 
notwendig werden, so stehen diese Divisionen fiir andere Aufgaben zur Ver= 
fiigung."' Vergegenwartigt man sich, dafi am Ende des Jahres die einzigen 
einigermafien kampffahigen italienischen Divisionen in Nordafrika und an 
der Ostfront zerschlagen waren, so wird deutlich, dafi die italienische Wehr= 
machtfiihrung in das neue Jahr mit den allergroliten Sorgen ging. 

Mussolini versuchte auf seine Weise, die Konsequenzen aus der seit No= 
vember 1942 veranderten Kriegslage zu Ziehen. Am 1. 12. aufierte er gegen= 
iiber Goring bei dessen Besuch in Rom, „dali auf eine oder die andere Weise 
das Kapitel des Krieges gegen RulBland, der keinen Zweck mehr hat, abge= 
schlossen werden miisse'', um Krafte fiir den Kampf gegen die Anglo=Ameri= 
kaner im Westen und im Mittelmeerraum zu gewinnen®. Diesen Gedanken 

8 Fernsdireiben des Deutsdien Generals im Hauptquartier der italien. Wehrmadit 
an OKW/WFStab vom 5. 9. 1942 (Fotokopie von US=Mikrofilm, von Hans=Adolf 
Jacobsen dem Verf. freundlichst zur Verfiigung gestellt). 

9 Zitiert nach Walter Warlimont, Die Entscheidung im Mittelmeer 1942, in: Ent= 
scheidungsschladiten des Zweiten Weltkrieges, hrsg. von Hans=Adolf Jacobsen 
und Jiirgen Rohwer, Frankfurt a. M. (Bernard & Graefe Verlag fiir Wehrwesen) 
i960, S. 268 (kiinftig zit.: Warlimont II). 

25 



A. Einfiihrung 

versuchte Aufienminister Graf Ciano, der am 18./19. 12. im FHQu „Wolfs= 
schanze'' weilte. Hitler in einer auf dessen Mentalitat zugeschnittenen Weise 
nahe zu bringen: „Der Duce stehe auf dem Standpunkt, dafi die Englander 
und Amerikaner im Jahre 1943 Unternehmungen grofien Stils in Nordafrika, 
in Siidost=Europa und in Westeuropa durchfiihren wiirden. Unter diesen Um= 
standen frage sich der Duce, ob es zur Vermeidung eines Zweifrontenkrieges 
nicht moglich sei, mit Rutland eine politische Regelung zu finden, Als Ideal= 
losung erscheine ihm ein neuer ,Brest=Litowsk=Friede', wenn er sich auch 
dariiber klar sei, dafi es aufierordentlich schwer sein diirfte, mit Rufiland zu 
einer solchen Einigung zu gelangen. SoUte sich eine derartige Regelimg als zu 
schwierig erweisen, ware es nach Ansicht des Duce angebracht, eine Stellung 
in Rutland zu beziehen, die es der Achse gestatte, baldmoglichst grofiere 
Truppenmengen vom Osten nach dem Westen zu verlegen. Ciano betonte, 
dali es sich bei diesen Erwagungen des Duce um Hypothesen handele, die 
noch in keiner Weise eine konkrete Gestalt angenommen hatten. Der Duce 
glaube, dafi man sich moglicherweise Japans bedienen konne, um die Mog= 
lichkeit einer politischen Losung mit RuJSland zu priifen. Hierbei miifite die 
russische Dynamik in eine andere Richtung — nach Zentralasien — gelenkt 
werden^/' 

Hitler antwortete, „dafi er die vom Duce aufgeworfene grundsatzliche Frage 
einst genau so angesehen habe wie dieser. Im Winter 1940/41 habe er daher 
auch versucht, die russischen Aspirationen auf einen anderen Weg zu lenken, 
wie iiberhaupt seinerzeit die Zusammenarbeit mit Rutland keine Liebesehe, 
sondern eine Vernunftsregelung sein sollte, um der russischen Dynamik eine 
andere Richtung zu geben. Auch der Besuch Molotows in Berlin ^ habe dem 
gleichen Zweck gedient . . . Der Fiihrer erklarte fortfahrend, dalB die Russen 
deutscherseits auf Indien hingewiesen worden seien, aber auch hierauf nicht 
reagiert hatten, weil sie wohl glaubten, dafi, wenn Europa erst einmal von 
ihnen iiberrannt worden sei, ihnen Indien als reife Frucht zufallen wiirde. 
Damals jedenfalls seien alle Bemiihungen Deutschlands voUig negativ ver= 
laufen. Solle man diese Bemiihungen jetzt wieder aufnehmen? Vor einiger 
Zeit sei auch von Japan die Frage aufgeworfen worden^, ob nicht mit den 
Russen eine Einigung auf tragbarer Basis moglich sei. Er habe sofort ge= 
zweifelt, ob die Russen selbst ernsthaft hinter derartigen Erwagungen 
stUnden. . . 

Heute sei die Lage so, daj8, wenn die Russen etwa durch einen Waffenstill= 
stand ein halbes Jahr zur Reorganisation ihrer Krafte erhielten, an der Ost= 
front eine neue russischen Macht erstehen wiirde, gegen die dann Deutschland 

1 Aufzeichnung des Gesandten Schmidt iiber die Unterredung Hitler— Ciano am 
18. 12. 1942 (Politisdies Archiv des Auswartigen Amts Bonn, Aufz. Fiih. 45, RAM= 
Film 20/580—626, 7/243—235). 

2 12./13. 11. 1940. 

3 S. oben S. 19. 

26 



III. Deutschland und seine Verbiindeten 

wieder vorgehen miifite. Aufierdem gebe es keine Linie, auf die sich Deutsch= 
land und Rufiland mit Riicksicht auf die Erfordernisse ihrer Ernahrungs= und 
Rohstoffversorgung einigen konnten/' 

Mussolinis Erwagungen wurden also ohne nahere Priifung von Hitler ver= 
worfen. Nur die allgemeine — teils physisch und psychisch, teils in der Er= 
kenntnis der eigenen Isolierung begriindete — Resignation Mussolinis ver= 
hinderte, dafi er aus dieser offenen Diskrepanz des Kriegsziels der Verbun= 
deten an der Jahreswende 1942/43 Konsequenzen zog. 



3. Rumanien, Ungarn, Bulgarien, Slowakei, Kroatien 

Rumdnien, das unter der Staatsfiihrung Marschall Antonescus vom ersten 
Tage (22. 6. 1941) am Ostfeldzug mit starken Kraften teilgenommen, sich 
jedoch nach den verlustreichen Kampfen um Odessa am weiteren Vormarsch, 
vor allem auf der Krim, nur noch mit wenigen Verbanden beteiligt hatte (bis 
Ende 1941 40 000 Tote und 100 000 Verwundete) ^, wurde nach ersten Zusagen 
Antonescus bereits im Oktober 1941 bei einem Besuch des Chefs OKW, 
Gen.Feldmarschall Keitel, in Bukarest im Januar 1942 dazu aufgerufen, sich 
am Feldzug 1942 wieder mit voUen Kraften zu beteiligen^. Der rumanische 
Staatsfiihrer sagte unter der Bedingung zu, dafi auch Ungarn, das sich 1941 
nur mit wenigen Divisionen beteiligt und sich seit Ende des Jahres praktisch 
ganz von der Ostfront zuriickgezogen hatte ^ zu entsprechenden Anstrengun= 
gen aufgefordert wiirde. Ende Januar 1942 unterzeichnete Keitel in Budapest 
und Bukarest dann Abkommen hieriiber^. Rumanien sagte darin zu, seinen 
Einsatz wieder auf die Hohe des Sommers 1941 zu steigern (d. h. bis zu 26 Di= 
visionen) und die neuen Verbande in drei Etappen wahrend des Sommers 
1942 an die Front zu entsenden. Deutschland verpflichtete sich, die Ausriistung 
der Divisionen auf der Basis von Kriegskrediten durchzufiihren und Ver= 
sorgung und Nachschub wahrend des Fronteinsatzes zu iibernehmen. In dem 
Abkommen mit dem Chef des ungarischen Generalstabes, Generaloberst 
V. Szombathelyi, wurde iiber die Erweiterung der ungarischen Besatzungs= 
gruppe im riickwartigen Gebiet hinaus die Entsendung einer geschlossenen 
ungarischen Armee mit 9 leichten Divisionen und einem mot, Korps in Starke 

4 Einzelheiten bei: Andreas Hillgruber, Hitler, Konig Carol und Marschall Anto= 
nescu. Die deutsch=rumanischen Beziehungen 1938—1944, Wiesbaden (Franz 
Steiner Verlag GmbH) 1954, S. 134 ff. 

5 Dies und das Folgende in Anlehnung an: Andreas Hillgruber, Der Einbau der 
verbiindeten Armeen in die Ostfront 1941—1944, in: Wehrwissensdiaftlidie Rund= 
schau 10 (i960), S, 659 ff. 

6 Einzelheiten hierzu bei : C. A. Macartney, October Fifteenth. A History of Mo= 
dern Hungary, Second Edition, Edinburgh 1961, vol. II; Andreas Hillgruber, 
Deutschland und Ungarn 1933—1944. Ein Oberblick iiber die politischen und mili= 
tarischen Beziehungen im Rahmen der europaischen Politik, in: Wehrwissen= 
schaftliche Rundschau 9 (1959), S. 663 ff. 

7 Keitel, a. a. O., S. 299 f . 

27 



A. Einfiihrung 

von 200 000 Mann vereinbart. Auch diese Verbande sollten an der Front von 
deutscher Seite mit Wajtfen und Ausriistung versehen werden. 

Mochte die rumanische Zusage auf Grund der Uberzeugung Antonescus 
von den deutschen Siegesaussichten verstandlich sein, obwohl der Einsatz der 
rumanischen Armeen am Don und im Kaukasus spater zu einem Hauptansatz= 
punkt der inner=rumanischen Kritik am Staatsfiihrer werden soUte, so wirkt 
die ungarische Zusage auf den historischen Betrachter noch iiberraschender. 
Sie wird nur annahernd erklarlich durch das gerade im Winter 1941/42 be= 
sonders angespannte rumanisch=ungarische Verhaltnis, das bei beiden Lan= 
dern stets den Zentralpunkt der gesamten Aufienpolitik bildete. Die ungarische 
Staatsfiihrung fiirchtete, dafi ein Abseitsstehen Ungarns beim Feldzug 1942 
zu einer voUen Unterstiitzung Rumaniens durch Deutschland im Streit um 
Siebenbiirgen fiihren wiirde. Andererseits glaubte Reichsverweser v. Horthy, 
der seit September 1941 hinsichtlich eines deutschen Sieges iiber die Sowjet= 
union skeptisch geworden war, es sich in Anbetracht der Gesamtsituation noch 
nicht leisten zu konnen, durch eine Absage schon jetzt die deutsche Fiihrung 
offen herauszufordern, zumal er gerade mit der Berufung seines Vertrauten 
Nikolaus v. Kallay zum Ministerprasidenten (10. 3. 1942) anstelle des auf den 
deutschen Kurs festgelegten v. Bardossy eine erste Voraussetzung dafiir schuf, 
vorsichtige Kontakte mit den Westalliierten aufzunehmen. 

Die Spannungen zwischen Ungarn und Rumanien kamen auch beim Besuch 
Marschall Antonescus im FHQu „Wolfsschanze'' am 11. 2. 1942 — dem ein= 
zigen Treffen mit Hitler im Jahre 1942 — zum Ausdruck. „Die Kundgebungen, 
die im Januar in Budapest stattgefunden batten'' ^ so erklarte er gegeniiber 
Hitler mit Anspielung auf Aulierungen Ribbentrops wahrend dessen Besuch 
in der ungarischen Hauptstadt vom 6.— 10. 1. 1942, „waren in Bukarest wie 
eine Bombe eingeschlagen, besonders der Hinweis auf die Erklarung (v. Rib= 
bentrops), wonach alle Krafte der Achse, d. h. einschliefilich der Rumanen, 
gegen England und Amerika und fiir die Revision der Vertrage und der Gren= 
zen kampften. Aufierdem habe man in Budapest erklart, Deutschland sei 
gliicklich, daJS Ungarn Gerechtigkeit widerfahren sei, und habe erneut auf die 
Miinchener Erklarung hingewiesen. Diese Erklarungen, so fuhr Antonescu 
in ziemlicher Erregung fort, hatten eine Explosion bei der Opposition in Ru= 
manien hervorgerufen, die dem Volk gegeniiber erklart habe, dafi Marschall 
Antonescu ein Verrater an Rumanien sei, wenn er fiir die Revision der Gren= 
zen im Sinne der Achse eintrete. Unter dieser Parole hatten sich die Liberalen, 
die Maniu=Leute und die Kommunisten zusammengefunden. 

„Antonescu betonte, dafi er im Gegensatz zu den Ungarn nie von den Er= 
klarungen offentlich Gebrauch gemacht hatte, die ihm gegeniiber bei seinen 
offiziellen Besuchen vom Fiihrer und Reichsaufienminister abgegeben worden 

8 Aufzeidinung des Gesandten Sdimidt iiber die Unterredung Hitler— Antonescu 
vom 11. 2. 1942 (Politisdies Archiv des Auswartigen Amtes Bonn, Aufz. Fiih. 4 
RAM=FiIm 4/363—387, 2/155—164). 

28 



III. Deutschland und seine Verbiindeten 

seien. So habe er niemals offentlich davon gesprochen, dafi der Fiihrer ihm 
in Wien® gesagt habe, die letzte Seite der Geschichte Rumaniens sei noch nicht 
geschrieben. Ebensowenig habe er sich des Trinkspruchs des Reichsaulien= 
ministers auf „la grande Roumanie''^ fiir politische Zwecke bedient, weil er 
wisse, dafi durch Indiskretionen dieser Art Verwicklungen entstehen konnten, 
die der gemeinsamen Kriegsanstrengung und der harmonischen Zusammen= 
arbeit abtraglich sein wiirden. Das rumanische Volk wisse also nicht, was man 
ihm in Rom und Berlin iiber die zukiinftige Stellung Rumaniens gesagt habe, 
und sei daher umso empfindlicher gegeniiber den bekannten ungarischen 
Aufierungen/' Hitler stimmte insoweit zu, als er erklarte, „es diirfe nicht an= 
gehen, dafi sich ein Land schone und nur die anderen die Opfer brachten. Es 
sei sein Ziel, Ungarn zu zwingen, auch seinerseits Opfer zu bringen und nicht 
faul im Kampf abseits zu stehen." 

Ztrai Feldzug 1942 gegen die Sowjetunion fiihrte Hitler aus^, dafi „die 
Operationen gegen die Russen . . . mit dem Ziel der endgiiltigen Zerschlagung 
der russischen Macht gefiihrt werden'' soUten. „Es wiirde sich nicht nur darum 
handeln, Gebiete zu besetzen, sondem vor alien Dingen darauf ankommen, 
die letzten russischen Verbande zu zertriimmern und zu entwaffnen/' „Auf 
den Einwurf Antonescus, er hoffe doch, dafi man bis zum nachsten Winter 
gesiegt haben wiirde'', erwiderte Hitler, „dafi er sich jedenfalls auf alle Mog= 
lichkeiten, auch die eines neuen Winterfeldzugs, vorbereite'' ^. 

Hitlers Mifitrauen gegen die eigenen Verbiindeten war inzwischen trotz 
seiner Bemiihungen um ihren verstarkten Einsatz so weit gewachsen, dafi er 
am 1. 4. 1942 befahl, in den Vorbesprechungen mit den Verbiindeten aufierste 
Vorsicht walten zu lassen und die Ziele der Operationen nicht zu nennen"*. 
Zugleich betonte er allerdings die Notwendigkeit, die verbiindeten Lander in 
der Ofifentlichkeit auf das schonendste zu behandeln. Um das Prestige seiner 
Bundesgenossen zu starken, fallte er daher am 15. 4.^ eine sich spater ver= 
hangnisvoll auswirkende Entscheidung : die Truppen der Verbiindeten soUten 
moglichst im Armeerahmen oder in geschlossenen Korps eingesetzt werden. 
Eine Vermischung mit deutschen Truppen und die Unterstellung einzelner 
Divisionen unter deutsche Fiihrung habe zu unterbleiben. Schon in der Wei= 

9 Es handelt sich um das erste Treffen Hitler— Antonescu am 22. 11. 1940 in Berlin. 
Vgl. Documents on German Foreign Policy, London 1961, Vol. XI, S. 662—70. 

1 In der Aufzeichnung Schmidts ist an dieser Stelle folgende Fufinote angefiigt: 
„Dieser Ausdruck kann Grofirumanien oder nur grofies Rumanien bedeuten. In 
Anlehnung an den damaligen Trinkspruch des RAM habe ich ihn dem Fiihrer in der 
zweiten Fassung iibersetzt, der Antonescu darauf sofort erwiderte, dafi ein grofies 
Rumanien (d. h. mit Einschlufi Transnistriens im Osten. D. Verf.) ja tatsachlich 
im Entstehen sei." 

2 Aufzeichnung des Gesandten Schmidt iiber die Unterredung Hitler— Antonescu 
(s. Anm. 8, S. 28). 

3 Ebda. 

4 KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW, 1. 4. 1942. 

5 KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW, 15. 4. 1942. 

29 



A. Einfuhrung 

sung Nr. 41 vom 5. 4. 1942® hatte er festgelegt, dafi im Hinblick auf die Un= 
moglichkeit, Ungarn und Rumanen nebeneinander zu verwenden, am weitesten 
nordlich die Ungarn, „demnachst die Italiener und am weitesten siidostwarts 
die Rumanen eingesetzt werden''. 

Da die verbiindeten Verbande nicht zeitgerecht eintreffen konnten (aufier 
der ungarischen 2. Armee) und ihr Kampfwert wahrend der Offensive pro= 
blematisch schien (obwohl grundsatzlich bekannt war, dafi Italiener und Ru= 
manen eher noch im Angriff als in der Verteidigung im Osten zu verwenden 
waren), nahmen an der am 28. 6. beginnenden grofien Sommeroffensive nur 
wenige ungarische und rumaiusche Divisionen teil. Auf der Krim waren zuvor 
rumanische Verbande in den monatelangen Kampfen um Sewastopol, im 
Partisaneneinsatz im Jaila=Gebirge, bei der Wiedereroberung der Halbinsel 
Kertsch (ab 10. 5. 1942) und der schliefilichen Erstiirmung der Festung Se= 
wastopol (7. 6.-4. 7. 1942) an mehr oder minder bedeutsamen Abschnitten 
an den Kampfen beteiligt. Rumanische Truppen nahmen auch am Vor= 
marsch in den Kaukasus (3. rumanische Armee) und beim Ubersetzen iiber 
die Strafie von Kertsch (Unternehmen „Blucher IF') teil. Inzwischen hatten die 
vollstandig versammelten 2. ungarische Armee und 8. italienische Armee am 
Don Verteidigungsabschnitte zwischen der 2. deutschen Armee im Raum von 
Woronesch und der 6. deutschen Armee im Raum von Stalingrad ubernommen. 

Schon am 1. 6. hatte Hitler wahrend seines Besuchs im HQu. der H.Gr. Slid 
in Poltawa geaufiert, dafi nach Abschlufi des Vormarsches zum Don und zur 
Wolga bei Stalingrad beiderseits dieser Stadt eine im wesentlichen aus ruma= 
nischen Kraften bestehende H.Gr. unter Marschall Antonescu gebildet werden 
soUte. Dieser Gedanke wurde Anfang Juli dem rumanischen Staatsfiihrer nahe 
gebracht und f and seine Zustimmung, obwohl er damit sein Prestige mit einer 
militarischen Aufgabe verband, deren Erfolg oder Mifierfolg noch nicht zu 
iibersehen war. Indessen gelangte der Plan iiberhaupt nicht voll zur Geltung, 
wenn auch bereits am 5. 10. der Chef der deutschen Heeresmission in Ru= 
manien, Generalmajor Hauffe, der als stellv. Chef des Generalstabes neben 
dem rumanischen Chef des Generalstabes General Steflea bei der H.Gr. Anto= 
nescu vorgesehen war, dem Marschall iiber seinen zukiinftigen Frontabschnitt 
und seine Probleme Vortrag gehalten hatte. Antonescu lehnte die Befehls= 
iibernahme ab, solange die von der Kaukasusfront an den Donabschnitt zwi= 
schen der italienischen 8. Armee und der deutschen 6. Armee verlegte 3. ru= 
manische Armee und die auf dem Seeweg nach Rostow geschaffte und sich im 
Raum siidlich Stalingrad versammelnde 4. rumanische Armee noch nicht ge= 
schlossen in ihren Abschnitten standen. Da zwar am 10. 10. die 3. rumanische 
Armee an der gefahrdetsten Stelle vor den sowjetischen Donbriickenkopfen 



6 Walther Hubatsdi, Hitlers Weisungen fiir die Kriegfiihrung 1939—1945. Doku= 
mente des Oberkommandos der Wehrmacht, Frankfurt a. M. (Bernard & Graefe 
Verlag fiir Wehrwesen) 1962, S. 183 ff. (kiinftig zit,: Hubatsch). 

30 



III. Deutschland und seine Verbiindeten 

ihren Abschnitt iibernahm, sich jedoch die Befehlsiibernahme der 4. ruma= 
nischen Armee bis zum 22. 11. hinauszogerte, wurde schlieiilich der ganze 
Plan einer H.Gr. Antonescu hinfallig, da sich Hitler zu diesem Zeitpunkt 
bereits angesichts des sowjetischen Durchbruchs durch beide rumanischen 
Frontabschnitte zum Einsatz des H.Gr.Kdo.s Don unter Gen.Feldmarschall 
V. Manstein an dieser entscheidenden Front entschlossen hatte (s. unten S. 86 f.). 
Vor Beginn der sowjetischen Offensive am 19. 11. 1942 hatten an der Don= 
front die rumanische 3. Armee mit ihren 8 rumanischen Divisionen einen 
Abschnitt von 150 km inne, pro Division also 19 km, die italienische 8. Armee 
mit ihren 8 italienischen und 1 deutschen Division 230 km, pro Division also 
25 km, die 2. ungarische Armee mit ihren 9 ungarischen und 1 deutschen Di= 
vision 160 km, pro Division also 16 km^. Das schienen, verglichen mit den 
Abschnittsbreiten, die die deutschen Divisionen damals vielfach schon hatten, 
nicht iibermafiig breite Streifen. Auch war die deutsche Fiihrung bestrebt, 
moglichst alien Verbiindeten gleich grofie oder ahnliche Abschnitte zuzuwei= 
sen, um die ohnehin vorhandenen Eifersiichteleien untereinander und gegen= 
liber den deutschen Nachbararmeen nicht noch zu verstarken. Dennoch waren 
die Abschnitte fiir die Verbiindeten zu grofi, zumal wenn ihre mangelhafte, 
z. T. katastrophale Ausstattung beriicksichtigt wird, ganz abgesehen von den 
anderen Fiihrungsgrundsatzen imd der anderen Verteidigungsmentalitat der 
Verbiindeten. Um einen gewissen deutschen EinfluS auf die Fiihrung der Ver= 
biindeten geltend zu machen — die verbiindeten Armeeoberkommandos waren 
innerhalb der Weisungen der H.Gr. an sich frei in ihren Entschliissen — , 
wurden die „Deutschen Verbindungskommandos'' (DVK) verstarkt. Von den 
Verbiindeten wurden die DVKs mit wachsendem Mifitrauen beobachtet, vor 
allem die Tatsache, daJ8 sie iiber eigene Nachrichtenverbindungen verfiigten. 
Um ihren Einflufi zu verstarken, wurden die Verbindungsstellen bei den AOKs 
von hoheren deutschen Dienstgraden besetzt, die DVKs beim italienischen 
AOK 8 und beim ungarischen AOK 2 in „Deutscher General beim italienischen 
AOK 8 bzw. ungarischen AOK 2'' umbenannt und mit deutschen Generalen 
besetzt, die durch ihre Auslandserfahrungen besonders fiir diese Aufgaben ge= 
eignet waren. Besondere Befiirchtungen wurden von deutscher Seite hinsichtlich 
der Nahtstellen zwischen den verbiindeten Armeen gehegt. Daher wurden 
deutsche Eingreifreserven moglichst hinter die Nahte geschoben. Jedoch griffen 
die Sowjets am 19. 11. (3. rumanische Armee), 20. 11. (4. rumanische Armee 
bzw. VI. rum. A.K.) und 16. 12. (8. italienische Armee), ebenso am 14. 1. 1943 
bei der 2. ungarischen Armee jeweils das Zentrum der verbiindeten Fronten an, 
well sie sich angesichts der Schwache der verbiindeten Armeen offensichtlidi 
hier den grofiten Erfolg versprachen. 



Joadiim Sdiwatio Gesterding, Probleme der Naht. Eine Studie iiber die Koordi= 
nierung benadibarter Verbande, Frankfurt a. M. (Verlag E. S. Mittler & Sohn) 
1959 (Beiheft 10 der Wehrwissenschaftlichen Rundschau), S. 63. 

31 



A. Einfiihrung 

Die Griinde fiir den raschen Zusammenbruch aller vier verbiindeten Armeen, 
der fiir den gesamten Siidflugel der Ostfront in Verbindung mit der Einschlie= 
fiung der 6. deutschen Armee in Stalingrad katastrophale Auswirkungen hatte 
(s. unten S. 91 ff .), lagen ortlich in Munitionsmangel, Fehlen von Pak und Pan= 
zem, Ausstattung der Verbiindeten (besonders der Rum^nen) mit Beutewaffen 
und =ausriistung, fehlendem Stellungsbau, unglticklicher Aufstellung der Ver= 
bande und der Eingreifreserven, ungeniigender Ausbildung der Verbiindeten 
fiir die Verteidigung an der Ostfront, lagen im grofien aber an der verfehlten 
exzentrischen Gesamtkonzeption des Feldzuges 1942 und an der Unmoglichkeit 
fiir die deutsche Riistungsindustrie, neben dem standig steigenden Bedarf aller 
deutschen Wehrmachtteile auch noch die Verbiindeten mit hochwertigen Waf= 
fen und guter Ausrtistung zu versorgen. 

Bulgarien nahm innerhalb des Kreises der mit Deutschland verbiindeten 
Staaten eine Sonderstellung ein. Wohl hatte es — wie Ungarn und Rumanien 
— am 12. 12. 1941 unter deutsch=italienischem Druck unter Hinweis auf die 
Verpflichtungen aus dem Dreimachtepakt den USA den Krieg erklart, zugleich 
auch an Grofibritannien, das seinerseits auf sowjetisches Drangen Ungarn, Ru= 
manien sovvie Finnland am 6. 12. 1941 den Krieg erklart hatte. 

Jedoch hatte sich Hitler mit der Nichtbeteiligung Bulgariens am Kampf gegen 
die Sowjetunion, auf der Konig Boris III. im Hinblick auf die pro=russischen 
Traditionen Bulgariens bestand, abgefunden und der bulgarischen Armee die 
Aufgabe zugewiesen, die Sicherung der Flanke im Siidosten gegeniiber der 
Tiirkei aufrechtzuerhalten. Aufierdem hatte Bulgarien iiber die annektierten 
Gebiete im Nordosten Griechenlands und in Siidjugoslawien hinaus Besat= 
zungstruppen nach Serbien entsandt, die damit die deutschen Besatzungskrafte 
entlasteten. Hitler wies daher das Drangen des rumanischen Staatsfiihrers Mar= 
schall Antonescu bei seinem Besuch am 11. 2. 1942 ab, auf Bulgarien einen 
Druck auszuiiben, damit es sich ebenfalls durch Entsendung von Divisionen 
am Ostfeldzug beteilige. 

Der Anteil der Slowakei im Osten war 1942, aufierlich betrachtet, der gleiche 
wie im Vorjahr. Neben schwachen Fliegerverbanden standen zwei Divisionen, 
1 mot. („schnelle") und 1 Sich.=Division, im sudlichen Teil der Ostfront im Ein= 
satz. Doch wirkte sich der propagandistische Einflufi des grofien slawischen 
„Brudervolkes'' immer starker aus, so dafi die Divisionen 1943 aus der Front 
gezogen werden mufiten^. )..'.i. .e. 

Der am starksten mit inneren Problemen belastete Verbiindete war und 
blieb Kroatien, nominell Konigreich, f aktisch unter der Herrschaft des Ustascha= 
Fiihrers, des „Poglavnik'', Ante Pavelic. Der „Unabhangige Staat Kroatien'', 
der wahrend des jugoslawischen Zusammenbruchs am 10. 4. 1941 gebildet wor= 

8 Vgl. Kriegstagebuch des Oberkommandos der Wehrmacht (Wehrmaditfiihrungs= 
stab), Bd. Ill, S. 1059 ff. (6. Sept. 1943). 



III. Deutschland und seine Verbiindeten 

den war, lag nicht nur im Spannungsfeld zwischen den „Achsen"=Partnern 
Deutschland und Italien, das im Sinne seiner „mare=nostro"=Politik Kroatien 
fast ganz von der Adria abgedrangt und sich damit die Kroaten zum Feind 
gemacht hatte — das Land war zudem in eine nordliche deutsche und eine sud= 
liche italienische Besatzungszone geteilt — , sondem Kroatien selbst hatte sich 
im Rausche der „Bef reiung'' durch die Annexion Bosniens imd der Herzegowina 
(Grenze an der Drina) mit nationalen und religiosen Problemen (Pravoslawen) 
belastet, die die Ustascha=Fiihrung unter Pavelic mit Terror losen zu konnen 
vermeinte, dabei jedoch nur der serbisch=nationalistischen Aufstandsbewegung 
des Generals Mihajlovic und der kommunistischen Partisanenorganisation 
Titos immer neuen Auftrieb gab. 

Der seit Juni 1941 in Gang befindliche, auf zwei Jahre veranschlagte Aufbau 
der kroatischen Wehrmacht („Domobranen'"=Armee) von 5 aktiven Divisionen 
lief mit der Aufstellung einer Waffen=SS=ahnlichen Parteimiliz, der Ustascha, 
parallel, die Ende 1941 eine Starke von rd. 10 000 Mann erreicht hatte. Der an= 
gesichts der inneren und aufieren Spannungen mehrfach abgeanderte Aufbau 
der Armee fiihrte schliefilich zu 5 Gebirgsbrigaden, die 1942 fiir einen begrenz= 
ten Einsatz im Lande zur Verfiigung standen. Das 369. verst. kroat. Lehr=Rgt. 
sowie 1 Jagd= und 1 Bomberstaffel nahmen am Feldzug 1942 im Osten teil. 
Das Rgt. teilte das Schicksal der 6. deutschen Armee im Kessel von Stalingrad. 
Eine weitere Entsendung kroatischer Einheiten an die Ostfront unterblieb, weil 
die Bekampfung der immer mehr um sich greifenden Aufstandsbewegung in 
Kroatien (s. unten S. 139) eine Konzentration der Krafte im Lande erforderte. 
Dem verstarkten Kampf gegen die Partisanen sollte auch die ab September 
1942 auf dem Truppeniibungsplatz Dollersheim aufgestellte, Ende Dezember 
1942 zum Einsatz nach Kroatien gelangende erste deutsch=kroatische „Legions= 
division", die 369. (kroat.) Inf.Div., dienen, die sich aus deutschen Offizieren, 
Unteroffizieren und Spezialisten sowie aus Kroatien stammenden Rekruten 
zusammensetzte ^. 

In dem durch innere Krisen noch zusatzlich erschiitterten Staatsgebilde — am 
6. 10. 1942 wurde der bisher engste Mitarbeiter des „Poglavnik", der Ober= 
befehlshaber der kroatischen Wehrmacht, Marschall Kvaternik, von Pavelic 
entlassen — gelang es der Staatsfiihrung nicht (von deren Methoden sich im 
iibrigen der „Deutsche General in Agram'', General Glaise von Horstenau ein= 
deutig distanzierte: er machte das FHQu standig auf die Problematik einer 
Unter stiitzung dieses Regimes aufmerksam), die Aufstandsbewegimg allein 
unter KontroUe zu bringen, so dal3 ab Herbst 1942 zunehmend deutsche Krafte 
nach Kroatien entsandt werden mufiten. 

In der Unterredung zwischen Hitler und Pavelic am 23. 9. 1942 im FHQu 
„Werwolf'' kamen die Probleme Kroatiens offen zur Sprache. Zugleich kam 

9 Franz Schraml, Kriegsschauplatz Kroatien. Die deutsch=kroatischen Legionsdivi= 
sionen — 369., 373., 392. Inf.Div. (kroat.) — ihre Ausbildungs= und Ersatzforma= 
tionen. Neckargemiind (Kurt Vowinckel Verlag) 1962, S. 29 ff. 

33 



A. Einfiihrung 

die verworrene Situation des Landes zwischen Deutschland und Italien deutlich 
zum Ausdruck^ Hitler begann „mit einem Hinweis auf das deutsche Interesse 
an der Herstellung der Ruhe und Ordnung in Kroatien. Das Reich sei nicht 
politisch, wohl aber zur Zeit verkehrsmafiig interessiert. Es wolle den Abtrans= 
port des Bauxits sowie der Erzeugnisse der Olgebiete gesichert sehen und 
dariiberhinaus seine entscheidenden Transitinteressen gewahrt wissen. Hier 
handele es sich hauptsachlich um die Front in Nordafrika, die auf den Wegen 
liber Athen und Saloniki und weiter iiber die Suda=Bucht auf Kreta ihren 
Nachschub erhielte. Wenn der Verkehr auf den kroatischen Eisenbahnen, die 
ein wesentliches Glied dieser Nachschublinien seien, ausfiele, sei es infolge 
permanenter kleinerer Storungen, sei es durch Zerstorung von grofien Ob= 
jekten wie Briicken und dergleichen, so wiirde dadurch die gemeinsame Krieg= 
fiihrung Deutschlands und seiner Verbiindeten auf das schwerste bedroht 
werden. Dies sei den Englandern bekannt, und daher taten sie aucVi auf dem 
Balkan alles, um von dort aus der Versorgung Nordafrikas Schwierigkeiten 
zu bereiten. Fiir den Fall einer Storung der kroatischen Eisenbahn kamen die 
ungarischen Bahnen nicht als Ersatz in Frage, da sie fiir Petroleum=Transporte 
weitgehend gebraucht wiirden, wahrend Italien auch kroatische Bahnen fiir 
seine Olversorgung benotige. 

„Aufier dem rein verkehrsmafiigen Interesse habe Deutschland jedoch auch 
noch ein allgemeines Interesse an der Festigung des Regimes in Kroatien. 
Wenn dieses Regime standig labil bliebe und nicht konsolidiert wiirde, so be= 
stande die Gefahr, dafi eines Tages doch wieder jugoslawische Zielsetzungen 
entstehen konnten und von jugendlichen serbischen Fanatikern vorwarts ge= 
trieben wiirden/' 

Auf die Frage Hitlers, wie Pavelic sich die Niederschlagung der Aufstan= 
dischen vorstelle, erwiderte der „Poglavnik'', „da6 Kroatien die Aufstellung 
von Brigaden vorbereite und im iibrigen auf italienische Mitwirkung bei der 
Niederwerfung def Aufstandischen rechne.Die Italienerwiesenjedochdarauf hin, 
dali sie nicht sehr stark seien ^. Auf eine Zwischenfrage des Fiihrers erklarte der 
Poglavnik, dafi die Italiener etwa loo Bataillone zur Verfiigung hatten. 

„Als General Glaise v. Horstenau dazu erklarte, dafi zu den italienischen 
Formationen noch gewisse Cetnici=Truppen, die von den Italienern bewaffnet 
worden seien, hinzugerechnet werden miifiten, bemerkte der Fiihrer, dafi ihm 
die Forderung der Cetnici gefahrlich erscheine, da diese serbischen Patrioten 
letzten Endes den grofi=serbischen Gedanken vertraten. Man zoge sich damit 
eine Schlange grofi, die, wenn sie auch jetzt noch klein sei, eines Tages doch 
gefahrlich werden konne/' 

1 Aufzeichnung des Gesandten Schmidt iiber die Unterredung Hitler— Pavelic vom 
23. 9. 1942 (Politisches Archiv des Auswartigen Amtes Bonn, Aufz. Fiih. 36, RAM= 
Film 2/226—246). 

2 Die 2. italienische Armee umfafite 7 Divisionen sowie Sonderverbande in Starke 
von ca. 60000 Mann. 

34 



III. Deutschland und seine Verbundeten 

„DaQ Deutschland die militarische Fiihrung in Kroatien bei der Niederschla= 
gung der Aufstandischen innehaben soUe, sei ihm (dem Fiihrer) fast etwas un= 
angenehm, denn dadurch gelange Deutschland in Zonen, die es nichts an= 
gingen^. Aufierdem wUrde es bestimmt auf die Dauer weniger Truppen in 
Kroatien unterhalten als der Poglavnik, d. h. nicht mehr als vier Divisionen 
zuziiglich der SS=Verbande. Demgegeniiber besitze Kroatien 24 Bataillone und 
konne daher fragen, warum es nicht selbst die Fiihrung erhielte. Italien unter= 
halte 100 Bataillone und konne auch seinerseits diese Frage stellen. Er (der 
Fiihrer) erwidere darauf, dafi Deutschland sich keineswegs zur militarischen 
Fiihrung drange, es wiirde sich am liebsten schon militarisch ganz aus Kroatien 
zuruckziehen und lediglich noch Bahnpersonal zur Sicherung seiner Durch= 
transporte im Lande belassen. 

„Der Poglavnik erwiderte, dafi bis jetzt alle Aktionen unter deutscher Fiih= 
rung gestanden hatten. Es bestehe dariiber auch fiir die Zukunft keinerlei Zwei= 
fel. Kroatien selbst konne nicht daran denken, diese Fiihrung zu ubernehmen, 
da es nur eine improvisierte Armee besitze. Vor allem fehle ihm ein Offizier= 
korps. Die Offiziere der k.u.k. Armee seien zu alt. Die Offiziere der serbischen 
Armee seien zu schlecht ausgebildet und hatten keine Disziplin. Im Kampf 
gegen Partisanen sei aber gerade Disziplin in besonders hohem Mafie er= 
forderlich.'' 

Der anwesende deutsche Gesandte in Agram Kasche machte darauf aufmerk= 
sam, daS die Aufstandsbewegung die Bauxit=Transporte zu dem an der Adria= 
kiiste gelegenen Einschiffungshafen gefahrde. Pavelic erklarte dazu, „er habe 
zur Niederschlagung dieses Aufstandes Ustaschas nach Siiden schicken wollen, 
habe jedoch erst bei Italien deswegen anfragen lassen.'' Zu dem Verlauf dieser 
Verhandlungen erganzte Kasche, dali die ItaUener „zunachst alles zugesagt 
hatten, dafi es jedoch nicht zur Durchfiihrung des Zugesagten gekommen sei''. 
Ribbentrop erklarte schliefilich, „die ganze Angelegenheit miisse an den Duce 
herangetragen werden. Es miisse verlangt werden, dafi der kroatische Raum 
gegen die Cetniki geschiitzt werde.'' Abschliefiend meinte Hitler, es lage „auch 
im italienischen Interesse, wenn der kroatische Raum befriedet und der Poglav= 
nik gestarkt wiirde. Denn wenn das Chaos in Kroatien ausbrache, wiirde es 
nicht vor den italienischen Stacheldrahten Halt machen. Das kroatische Element 
konne man sich insgesamt zum Freund oder zum Feind machen. Er zoge es vor, 
die Kroaten zu Freunden zu haben, da andernfalls die gesamte Lage auf dem 
Balkan bis nach Griechenland wieder ins Rutschen kame.'' Da das von Hitler 
hier noch angenommene italienische Interesse nicht vorhanden war bzw. sich 
bereits anders orientierte, trat das von Hitler zum Schlufi Festgestellte ein: die 
gesamte Lage auf dem Balkan kam um die Jahreswende 1942/43 wieder „ins 
Rutschen''; Siidosteuropa wurde ein Kriegsschauplatz, der standig mehr deut= 
sche Krafte band. 

3 Vgl. hierzu oben S. 23 f., auf der die italienische Politik dargestellt wird. 

35 



A. Einfuhrung 

4. Finnland 

Das Steckenbleiben der deutschen Offensive im Bereich der H.Gr. Nord vor 
Leningrad und der Riickzug von Tichwin iiber den Wolchow (Dezember 1941), 
vor allem aber der Gesamteindruck der veranderten strategischen Lage um die 
Jahreswende 1941/42 lieJSen die finnische Staatsfiihrung und den Oberbefehls= 
haber, Marschall Mannerheim, zu einer sehr niichternen Beurteilung der finni= 
schen Moglichkeiten zuriickkehren. Finnland war am 26. 6. 1941 als „Waffen= 
bruder'' an der Seite Deutschlands in den Kampf gegen die Sowjetunion ein= 
getreten, um den ungiinstigen Ausgang des finnisch=sowjetischen Winter= 
krieges 1939/40 zu korrigieren. Es hatte sich daher auch im Juni 1941 bereit 
gefunden, den Norden seines Staatsgebiets den deutschen Kraften des AOK 
Norwegen, die auf Murmansk und die Murman=Bahn vorstofien sollten, zur 
Verfiigung zu stellen. Finnland hatte jedoch ein Biindnis mit Deutschland ab= 
gelehnt, da es bestrebt war, seine traditionell guten Beziehungen zu den West= 
machten aufrechtzuerhalten. Obwohl das finnische Oberkommando im Sep= 
tember 1941 den Vormarsch an der Karelischen Landenge in der Nahe der 
Grenze von 1939 angehalten, d. h. aus politischen Erwagungen eine Beteiligung 
an der Einschlieliung Leningrads zusammen mit der deutschen H.Gr. Nord ab= 
gelehnt hatte, und die finnische Armee auch an den iibrigen Fronten Anfang 
November iiberall zur Verteidigung iibergegangen war, konnte die finnische 
Regierung durch dieses Verhalten die aiif sowjetisches Drangen abgegebene 
britische Kriegserklarung am 6. 12. 1941 nicht verhindern. Jedoch blieben die 
diplomatischen Beziehungen zu den USA auch nach dem amerikanischen 
Kriegseintritt bestehen. Das Bestreben der finnischen Regierung, diesen Kon= 
takt unter keinen Umstanden zu gefahrden, bestimmte neben der Entwicklung 
der militarischen Lage an der Ostfront, insbesondere im Bereich der H.Gr. 
Nord, die finnische Stellungnahme zu deutschen militarischen Planen im Hohen 
Norden im Jahre 1942. „Nur ein auJSergewohnlicher deutscher Erfolg hatte zum 
Jahresende 1941 vermocht, die finnische Regierung und den Marschall zu be= 
wegen, mehr einzusetzen, als fiir die reine Verteidigung des Landes not= 
wendig war^.'^ 

Das Jahr 1942 begann mit der Ablehnung der urspriinglich zugesagten finni= 
schen Beteiligung an dem fiir Marz geplanten gemeinsamen Vorstofi auf die 
Murman=Bahn. Sie wurde nun — und das blieb Leitmotiv fiir alle folgenden 
ahnlichen deutschen Anregungen — vom vorherigen Fall Leningrads abhangig 
gemacht, der allein mit deutschen Kraften erreicht werden mufite. Das Be= 
streben Mannerheims, eine klare Trennung der finnischen und der deutschen 
Verantwortung an der langgestreckten Front vom Swir bis zur Eismeerkiiste 
zu erreichen, hatte nach langen Bemiihungen um einen Austausch der deutschen 
und finnischen Verbande, die dem „Waffenbruder'' unterstellt worden waren, 

4 Ernst Klink, Deutsch=finnische Waffenbriiderschaft 1941—1944, in: Wehrwissen= 
sdiaftliche Rundschau 8 (1958), S. 389 ff. 

36 



III. Deutschland und seine Verbiindeten 

am 3. 7. 1942 Erfolg. Von da an gab es eine klare, ausschliefilich deutsche Ver= 
antwortung fiir den „Hohen Norden'' an der Fischer=Halbinsel, an der Liza= 
Front, in den Abschnitten westlich Kandalakscha bis nordlich Uhtua (Gebirgs= 
AOK 20 unter Generaloberst Dietl), bereits seit Beginn des Ostfeldzuges 
„OKW=Kriegsschauplatz'' (s. unten S. 79), iind der rein finnischen Front an der 
Karelischen Landenge, am Swir und in Ostkarelien imter der Befehlsfuhrung 
des finnischen Oberkommandos (Marschall Mannerheim). 

Die „Einfrierung'' der Fronten konnte weder durch den harmonisch ver= 
laufenen Besuch Hitlers im finnischen Hauptquartier anlalilich des j^. Geburts= 
tages von Mannerheim am 4. 6. noch durch dessen Gegenbesuch im FHQu 
„Wolfsschanze'' am 27. 6. aufgelockert werden. Dies schien auch zunachst von 
deutscher Seite gar nicht angestrebt zu werden; denn auf die Frage General 
Erfurths, des Kommandeurs des „Verbindimgsstabes Nord'' im finnischen HQu 
in Mikkeli, an Jodl am 27. 6., was das OKW von den Finnen 1942 erwarte, 
lautete dessen Antwort: „Nichts Besonderes^''. Erst als das Geb.=AOK 20 den 
Plan einer Aufnahme der Offensive gegen die Murman=Bahn fiir den Herbst 
1942 wieder aufgriff und dieser dem Chef WFStab unterbreitete Vorschlag in 
der „Fiihrer=Weisung'' Nr. 44 vom 21. 7. 1942 seinen Niederschlag fand®, 
wurde eine Beteiligung der Finnen an dieser Offensiv=Operation durch einen 
Vorstoli auf Belomorsk (Sorokka) fiir „wiinschenswert'' angesehen, obwohl 
Erfurth friihzeitig auf die finnische Haltung (zunachst als Vorbedingung Er= 
oberung von Leningrad durch die H.Gr. Nord) aufmerksam gemacht hatte. Die 
diplomatisch verhiillte, sogar mit neuen militarischen Vorbehalten (deutscher 
Vorstofi iiber den Wolchow) verkniipfte finnische Antwort auf die deutsche 
Anfrage lief praktisch auf eine deutliche Ablehnung hinaus (der deutschen 
Seite endgiiltig durch die Mission der Generale Talvela und Heinrichs im 
FHQu vom 24.-26. 8. mitgeteilt). Daraufhin wurde die geplante Operation 
gegen die Murman=Bahn von den Deutschen am 30. 8. verschoben, Finnland 
allerdings gleichzeitig um eine Unterstiitzung der fiir den 14. 9. in Aussicht ge= 
nommenen Operation „Nordlicht'' (d. h. der engen Einschliefiung Leningrads 
durch die 11. deutsche Armee) gebeten. Dies stand zu der grundsatzlichen fin= 
nischen Haltung in so krassem Widerspruch, dal3 mit einer Zustimmung ernst= 
haft kaum gerechnet werden konnte. Da das Unternehmen ohnehin auf gegeben 
werden muiite (s. unten S. 78), blieb der deutsch=finnischen „Waffenbriider= 
schaft'' eine moglicherweise ernste Belastung erspart. 

Das Jahr 1942 endete im Bereich Finnland mit dem endgiiltigen Ubergang 
zur Defensive, auch hinsichtlich der deutschen strategischen Planungen. Die 
hierfiir grundlegende OKW=Weisung vom 29.11.1942^ schlofi mit den fiir 

5 Tagebuch des Generals d. Inf. Erfurth, 27. 6. 1942; dem Verfasser freundlidist zur 
Verfiigung gestellt. 

6 Hubatsch, a. a. O., S. 194 ff. 

7 OKW/WFStab/Op.Nr. 551940/42 g.Kdos. Chefs, vom 29. 11. 1942 (Tgb. Erfurth, 
5.12.1942). 

57 



A. Einfiihrung 

eine militarische Weisung ungewohnlichen Satzen : „Deutschland, Finnland und 
Rumanien sind auf Tod und Gedeihen im Kampf gegen Rutland verschworen. 
Sie werden zusammen siegen oder untergehen. Fiir sie gibt es keine politischen 
Schleichwege. Wir haben die Blutlast dieses Jahres getragen und werden sie 
weiter tragen und damit beitragen, dafi Finnland seine beschrankte Kraft 
schonen und erhalten kann/' 

Dennoch zog die finnische Staatsfiihrung aus dem katastrophalen Ausgang 
des deutschen Feldzuges 1942 politische Konsequenzen, als sie sich am 3. 2. 
1943 in einer Aussprache zwischen Staatsprasident, Regierungschef, Aul2en= 
minister und Marschall dariiber klar wurde, „da6 der Krieg einen definitiven 
Wendepunkt erhalten habe und dafi es fiir Finnland gait, bei der ersten mog= 
lichen Gelegenheit einen Weg aus dem Krieg zu finden/' Gleichzeitig wurde 
allerdings festgestellt, „da6 die Macht Deutschlands (Finnland) vorlaufig noch 
hinderte, diesen Beschluli in die Tat umzusetzen®". 

IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

1. Die Situation im Winter 1941/42 

Die Jahreswende 1941/42 sah das deutsche Ostheer in der grofiten Krise 
seit Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion (22. 6. 1941), brachte die 
deutsche Oberste FUhrung in die schwerste Krise seit Beginn des Krieges 1939 
iiberhaupt. Am 1. 1. 1942 standen sich 12 deutsche Armeen (in drei H.Gr.n) mit 
135 Divisionen sowie 6 Divisionen und 5 Brigaden der Verbiindeten und 328 
sowjetische Divisionen^ in einem erbitterten Ringen bei anhaltender Winter= 
kalte an der weitverzweigten Front von der Krim bis in den Raum um Lenin= 
grad mit Schwerpunkt im Bereich der H.Gr. Mitte gegeniiber^. In einer Reihe 
von Befehlen forderte Hitler, seit 19. 12. 1941 nun auch Ob. d. H., das deutsche 
Ostheer zum „fanatischen Widerstand" in den einmal erreichten Stellungen 
auf 3. Am 28. 12. liefi er durch den Chef OKW einen weiteren Befehl heraus= 
geben^: . ^mmu 

8 Zitiert nach Klink, a. a. O., S. 405 (auf Grund der Erinnerungen Mannerheims). 

1 Alfred Philippi und Ferdinand Heim, Der Feldzug gegen Sowjetrufiland 1941 bis 
1945. Ein operativer Oberblick, Stuttgart (W. Kohlhammer Verlag) 1962, S. 109. 
Die deutsche Luftwaffe besa6 zu diesem Zeitpunkt an der Ostfront rd. 1500 ein= 
satzbereite Flugzeuge. Die Zahl der sowjetischen Flugzeuge wurde mit 1200 an= 
genommen. — Fiir das gesamte Kapitel iiber den ostlichen Kriegsschauplatz 1942 
vgl. auch die auf deutschem Quellenmaterial basierende Studie von George 
E. Blau, The German Campaign in Russia — Planning and Operations (1940—1942), 
Washington 1955, S. 101 ff. 

2 Bei der Errechnung der sowjetischen Starke werden jeweils zwei Brigaden als eine 
Division gezahlt. 

3 Vor allem: Der Fiihrer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht Nr. 442182 g. 
Kdos. Chefs. WFStab/Abt. L (I/Op) vom 16.12.1941; OKH/Gen.St.d.H./Op.Abt. 
Nr. 1736/41 g. Kdos. Chefs, vom 18. 12. 1941. 

4 OKW/WFStab/Op (H) Nr. 442277/41 g. Kdos. Chefs, vom 28. 12. 1941, gez. Keitel. 

38 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

„Der Fiihrer hat zur Kampffiihrung im Osten befohlen: 

1. In der Verteidigung ist um jeden Fufibreit Boden mit letztem Einsatz zu kamp= 
fen. Nur so werden dem Feind schwere, blutige Verluste beigebracht, seine Moral 
geschwacht und die ungebrochene Uberlegenheit des deutschen Soldaten zur Geltung 
gebracht. 

Kampfloses Preisgeben auch nur behelfsmafiig ausgebauter Stellungen fiihrt bei 
der gegenwartigen Wetterlage zu unersetzlichen Verlusten an Material und Mu= 
nition, setzt somit die eigene Kampfkraft zunehmend herab und gibt dem Feinde 
erhohte Handlungsfreiheit. 

Die Abwehrkraft mufi insbesondere durch stiitzpunktartigen Ausbau aller Ort= 
schaften und Gehofte und grofitmogliche Tiefengliederung auf ein Hochstmafi ge= 
steigert werden. Jede Truppe, gleichgiiltig welcher Waffengattung, einschlieClich 
Versorgungstruppen, ist verpflichtet, die so ausgebauten Unterkiinfte mit alien Mit= 
teln bis zum letzten zu halten. Dem Feind wird hierdurch der Zutritt zu den Ort= 
schaften verweigert. Er wird gezwungen, sich im Freien der Kalte voU auszusetzen, 
wird von den Strafien und damit der Versorgung abgeschnitten und somit am 
ehesten zum Erliegen kommen. 

Neben dem Gegenangriff aus Stellungen und Stutzpunkten kommt dem flankie= 
renden Einsatz von Eingreiftruppen entscheidende Bedeutung zu . . . 

2. Fiir die Luftwaffe kommt es bei erkannten feindlichen Aufmarschbewegungen 
darauf an, neben der laufenden Eisenbahnbekampfung durch starke Kampfflieger= 
verbande weit hinter der russischen Front Bahnhofe und ihre Anlagen, Unterkiinfte 
und Versorgungslager unter zusammengefafitem Einsatz nachhaltig zu zerstoren und 
damit unter den winterlichen Verhaltnissen den Aufmarsch ganz oder teilweise zu 
zerschlagen. 

3. Im mittleren Teil der Ostfront ist der Aufbau einer riickwartigen Stellung (der 
sog. „Winterstellung". D. Verf.) einzuleiten. Der Frontverlauf ist durch den Chef des 
Generalstabes des Heeres derart vorzusehen, dafi er mit einer wesentlichen Front= 
verkiirzung unter Ausnutzung kraftesparender Abschnitte der Schutz aller fiir die 
weitere Kampffiihrung und Versorgung wichtigen Anlagen gesichert ist . . ." 

Neben seinen sich im Laufe der folgenden Wochen steigernden Eingriffen 
in die operative Fiihrung an einzelnen Frontabschnitten versuchte Hitler, durch 
Personalveranderungen in den entscheidenden Kommandostellen der Krise 
Herr zu werden. Die wichtigsten Veranderungen traten dabei im Bereich der 
H.Gr. Mitte (HQu. in Smolensk) ein, die im Zentrum der sowjetischen Gegen= 
offensive lag. Ihren Oberbefehl iibernahm anstelle des Gen.Feldmarschalls v. 
Bock am 20. 12. 1941 Gen.Feldmarschall v. Kluge. Gen.Oberst Guderian, der 
OB der 2. Panzerarmee, wurde am 25. 12. nach Konflikt mit diesem abgelost 
und durch General d. Pz.=Tr. Schmidt ersetzt. Abgelost wurden auch der Kdr. 
General des VI. A.K. (im Bereich der 9. Armee) im Raume von Stariza, General 
d. Pi. Forster, und schliefilich am 8. 1. 1942 Gen.Oberst Hoepner, der OB der 
4. Panzerarmee, den Hitler aus der Wehrmacht ausstiefi, well er aus eigener 
Verantwortung seiner bedrangten Armee den Befehl zum Riickzug auf die 
„Winterstellung'' gegeben hatte^^. An seine Stelle trat General Ruoff. 

4a Vgl, hierzu: Walter Chales de Beaulieu, Sturm bis vor Moskaus Toren. Der 
Einsatz der Panzergruppe 4. In: Wehrwissenschaftliche Rundschau 6 (1956), 
S. 349 ff. und S. 423 ff. 

39 



A. Einfiihrung 

Uber zwei Monate lang wehrte sich die H.Gr. „verzweifelt gegen die Zer= 
triimmerimg ihrer iiber looo km gespannten Front und die fortschreitende 
Einkreisung, die der Gegner unter frontalem Druck und doppelseitiger Um= 
fassung zu erzwingen versuchte. Von Siiden her iiber den Einbruchsraum von 
Suchinitschi, in der Mitte im geraden Stofi nach Westen und von Norden an 
Rshew vorbei in den Riicken der Heeresgruppe erstrebte er deren Zusammen= 
drangung im Gebiet um Wjasma. 20 russische Armeen mit mehr als 190 Ver= 
banden (gleich 165 Divisionen) standen Anfang Januar im Angriff gegen die 
abgekampften 68 Divisionen der deutschen Mitte. Die Krise trieb bis Mitte 
Februar dem Hohepunkt zu^/' 

An drei Stellen kam es vor allem zu tiefen Einbriichen in die stiitzpunkt= 
artige Front der H.Gr.^: zwischen der 2. Panzerarmee und der 4. Armee, zwi= 
schen der 4. Armee und der 4. Panzerarmee und — seit Beginn der sowjetischen 
GrojSoffensive aus dem Raum Ostaschkow im Waldai=Gebiet am 9. 1. — an der 
Naht zur H.Gr. Nord. Hier drangen die sowjetischen Angriff sspitzen iiber 
Toropez bis nach Cholm (seit 22. 1. eingeschlossen), Welikije Luki, Welish und 
Demidoff weit in den Riicken der im Raum um Rshew haltenden 9. Armee vor, 
deren OB, Gen.Oberst Straufi, am 16. 1. von Hitler durch General d. Pz.Tr. 
Model ersetzt wurde. „Die inneren Fliigel der H.Gr.n Mitte und Nord hingen 
in der Luft^" 

Erst am 15. 1. genehmigte Hitler nach langen Auseinandersetzungen mit dem 
Oberkommando der H.Gr. Mitte den Riickzug auf die „Winterstellung''. Noch 
am 8. 1. hatte er befohlen^: 

„Das Ziel der russischen Kampfftihrung ist es, durch Einzelangriffe die deutsche 
Front als solche ins Wanken zu bringen. Der Gegner rechnet dabei auf eine operative 
Empfindlichkeit unserer Kriegfiihrung, an der er, wie die Erfahrung es bewiesen hat, 
selbst nicht leidet . . . Damit wird dieser Kampf in erster Linie durch die Nerven= 
Starke, vor allem der Fiihrung, entschieden. Der Russe hat diese Nervenkraft unter 
Beweis gestellt. Es ist unsere Pflicht, ihm auch auf diesem Gebiet unter keinen Um= 
standen unterlegen zu sein. Jeder Gedanke, die russische Angriffskraft durch einen 
freiwilligen Riickzug auch auf nur kurze Zeit ausschalten zu konnen, beruht auf 
einem Trugschlufi . . . 

Die theoretische Verkiirzung der Front, die durch eine solche Zuriicknahme erzielt 
werden kann, wird . . . meist vollstandig aufgehoben durch die Schwachung der damit 
verbundenen Kampfkraft der aus ihrer Stellung herausgerissenen Verbande. Es ist 
daher leichter, mit geringsten Kraften eine irgendwie ausgebaute langere Stellung 



5 Philippi— Heim, a. a. O., S. 109. 

6 Einzelheiten bei Rudolf Hofmann, Die Schlacht von Moskau 1941, in: Entschei= 
dungsschlachten des Zweiten Weltkrieges, hrsg. von Hans=AdoIf Jacobsen und 
Jiirgen Rohwer, Frankfurt a. M. (Bernard & Graefe Verlag fiir Wehrwesen) i960, 
S. 1.39 ff.; Philippi— Heim, a, a. O., S. 107 ff. 

7 Philippi— Heim, a. a. O., S. 111; K. Leppa, Generalfeldmarschall Walter Model. 
Von Genthin bis vor Moskaus Tore, Niirnberg o. J. (1962). 

8 Der Fiihrer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht Nr. 420013/42 Gen.St.d.H./ 
Op.Abt. g. Kdos. Chefs, vom 8. 1. 1942, gez. Adolf Hitler. 

40 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

zu halten als in einer verkiirzten, aber nicht ausgebauten Linie mit starkeren Kraf ten 
Widerstand zu leisten. Frostschaden und blutige Verluste werden in diesem Fall 
grofier sein als bei der Verteidigung einer — wenn auch langeren — dafiir aber 
wenigstens primitiv ausgebauten Stellung." 

Am 15. 1. gab Hitler dann endlich nadi®: 

„Nadidem es nicht gelungen ist, die nordlich Medyn und westlich Rshew entstan= 
denen Liicken in der Front zu schliefien, erteile ich dem Oberbefehlshaber der Heeres= 
gruppe Mitte auf Grund seines Antrages die Ermachtigung, die Front der 4. Armee, 
4. Panzerarmee und 3. Panzerarmee in die Linie ostwarts Juchnow — ostwarts 
Gshatsk — ostwarts Subzoff — nordlich Rshew zuriickzunehmen. Bestimmend fiir die 
Festlegung im einzelnen ist die Forderung, daS die Strafie Juchnow— Gshatsk— Sub= 
zoff— Rshew als Querverbindung hinter der Front der feindlichen Einwirkung ent= 
zogen bleibt. 

In der vorgenannten Linie ist das Vorgehen des Feindes endgiiltig zum Stehen 
zu bringen. Sie ist zu halten . . ." 

Abschlie6end stellte Hitler fest: „Es ist das erste Mai, dafi in diesem Krieg von 
mir der Befehl zum Zuriicknehmen eines grofieren Frontabschnitts gegeben wird. 
Ich erwarte, da6 dieses Zuriickgehen sich in einer Form vollzieht, die des deutschen 
Heeres wiirdig ist. Das Uberlegenheitsgefiihl der Truppe iiber den Gegner und der 
fanatische Wille, ihm den grofitmoglichen Schaden zuzufiigen, mu6 auch die Riick= 
wartsbewegung beherrschen.'' 

Bine wesentliche Erleichterung der Lage an der Front der H.Gr. Mitte trat 
erst ein, als es am 3. 2. gelang, die 4. Armee und die 4. Panzerarmee wieder zu 
vereinigen (an der Strafie Juchnow— Gshatsk), und als es der 9. Armee unter 
der tatkraftigen Fiihrung Models gliickte, 7 sowjetische Divisionen westlich 
Rshew einzuschliefien und im Laufe der nachsten 14 Tage aufzureiben. Das am 
1. 2. aus der verkiirzten Front gezogene Pz=AOK 3 hatte inzwischen die Siche= 
rung an den Randern des sowjetischen Einbruchsraums um Toropez uber= 
nommen. 

Trotzdem blieben die riickwartigen Verbindungen der H.Gr. Mitte von 
den durchgebrochenen sowjetischen Verbande, die noch durch Fallschirmver= 
bande verstarkt wurden, monatelang bedroht, bis die wichtigsten Gefahren= 
herde im Friihsommer durch eine Reihe von Unternehmen ausgeschaltet wer= 
den konnten (s. unten S. 74). Auch an der Front kam es noch wiederholt zu 
gespannten Situationen. Nachdem die sowjetische Winteroffensive im Bereich 
der H.Gr. Mitte Ende Februar/Anfang Marz im grofien unter deutsche Kon= 
trolle gekommen war, genehmigte Hitler den Antrag des H.Gr.Kdos., die 
Front von Juchnow bis zur Bahn Wjasma— Kaluga hinter die Ugra zuriickzu= 
nehmen, um Reserven zu gewinnen. Hitler erklarte dabei dem OB der 
4. Armee, General Heinrici, „da6 er bewulit starrkopfig auf dem Halten jedes 
Fufibreits Boden bestanden habe, um ein Riickwartsgleiten des Ostheeres zu 

9 Der Fiihrer und Oberbefehlshaber des Heeres Gen.St.d.H./Op.Abt. (I) Nr. 
420021/42 g, Kdos. Chefs, vom 15. 1. 1942, gez. Adolf Hitler. 

41 



A. Einfiihrung 

verhindern. Jetzt komme es auf lo km vorwarts oder riickwarts nicht mehr 
an^"' 

Im ganzen behauptete sich die H.Gr. Mitte zu Beginn der Fruhjahrsschlamm= 
periode auf der durch die „Winterstellung'' vorgezeichneten Linie. Aber zu den 
800 km dieser Linie waren 600 km weiterer Front zum Schutz der Flanken 
und des Riickens hinzugekommen, abgesehen von den Partisanengebieten, die 
noch zusatzliche Krafte banden. Den ganzen Marz iiber entwickelten sich bei= 
spielsweise Kampfe um den Strafienknotenpunkt Jelnja, den Hitler aus „au6en= 
politischen Griinden'' unbedingt zu halten befahP. 

Gegeniiber den iiber das Schicksal der gesamten Ostfront entscheidenden 
Vorgangen im Bereich der Hr.Gr. Mitte traten die Geschehnisse an den Fronten 
der beiden anderen H.Gr.n an Bedeutung zuriick, obwohl es auch hier zu Ent= 
scheidungen kam, die z. T. bis weit iiber den Winter 1941/42 gewichtig blieben. 

An der rd. 600 km langen Front der H.Gr. Nord (Gen.Feldmarschall Ritter 
V. Leeb, HQu. in Pleskau) standen an der Jahreswende 1941/42 31 meist ab= 
gekampfte deutsche Divisionen (einschlieiilich der spanischen „Blauen Di= 
vision'') 86 sowjetischen Verbanden {=75 Divisionen) gegeniiber. Am 25. 12. 
1941 war der Riickzug der 16. Armee von dem mifigliickten Unternehmen Tich= 
win iiber den Wolchow abgeschlossen. Die Krise begann hier mit der sowjeti= 
schen Doppeloffensive gegen den schwachen Siidfliigel der 16. Armee im Raum 
unmittelbar siidlich des Ilmensees und aus dem Raum Ostaschkow, als deren 
Ziel sich die Einkreisung des II. A.K. (General Graf Brockdorff=Ahlefeld) im 
Raum westlich des Waldai=Gebiets abzeichnete. Den Antrag des OB der H.Gr. 
vom 12. 1., die Front von hier auf den Lowat zuriickzunehmen, lehnte Hitler 
ab. Stattdessen befahl er die Verteidigung des Raumes um Demjansk, selbst 
wenn die Verbindung zum X. A.K. bei Staraja Russa abreifien sollte. Da 
V. Leeb daraufhin seine Entlassung erbat, berief Hitler am 17. 1. an seine Stelle 
Gen.Oberst v. Kiichler, dessen 18. Armee General Lindemann iibernahm. 

Am 8. 2. schlofi sich der Ring um das II. A.K. westlich Demjansk endgiiltig. 
Es begann die Luftversorgung der „Festung Demjansk'', in der sich rd. 95 000 
Mann und 20000 Pferde der 6 Divisionen des verstarkten Korps befanden. 
Die Luftversorgung (taglicher Bedarf 300 t) gelang tatsachlich, wenn auch unter 
erheblichen Verlusten an Transportmaschinen (s. unten S. 167) ^. Drei Monate 
lang waren die deutschen Krafte um Demjansk auf die Luftversorgung ange= 

1 KTB des AOK 4, 2. 3. 1942. 

2 Hitler kniipfte dabei gedanklich an die voriibergehende Aufgabe des Jelnja= 
Bogens im August 1941 an, die von sowjetischer Seite propagandistisdi ausge= 
spielt worden war. Der Name Jelnja war daher auch in den westlichen Landern 
ein Begriff. 

3 Einzelheiten iiber die Vorgange um Demjansk bei Werner Haupt, Demjansk 1942. 
Ein Bollwerk im Osten, Bad Nauheim (Podzun=Verlag) 1961, und Edgar Rohricht, 
Probleme der Kesselschlacht, dargestellt an Einkreisungs=Operationen im Zweiten 
Weltkrieg, Karlsruhe (Condor=Verlag) 1958, S. i3iff. j .^o^.. 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

wiesen. „Obwohl taglich 100 bis 150 Flugzeuge, im zwei= und dreimaligen 
Einflug, zum Einsatz kamen, entstanden zeitweise ernste Versorgungsschwie= 
rigkeiten, so dafi bei der stark beanspruchten Truppe Zeichen von Unterernah= 
rung auftraten. Auch der Verschufi, insbesondere an Artilleriemunition, mufite 
gedrosselt werden, n\it der Folge erhohter Verluste. Selbst nachdem die Her= 
stellung der Landverbindung (28. 4. 1942) gegliickt war, mufite einige Monate 
lang noch immer ein wesentlicher Teil des Nachschubs auf dem Luftwege er= 
folgen. Die zu iiberwindenden Entfernungen von yoo bis 900 km beanspruch= 
ten die Lufttransportverbande erheblich. Auch entstanden zahlreiche Ausfalle, 
da ausreichender Jagdschutz selten zu Verfiigung stand*/' Dennoch wurde 
das Halten von Demjansk mit Hilfe der Luftversorgung von Hitler ausschlie6= 
lich als positive Erfahrung gewertet: die Erinnerung an den vermeintlichen 
Erfolg trug bei ihm am 24.725. 11. wesentlich zu dem verhangnisvoUen Ent= 
sdilufi bei, die 6. Armee im Raum von Stalingrad auch nach ihrer Einschliefiung 
stehen (s. unten S. 86) und durch die Luft versorgen zu lassen. 

Am 13. 1. begann an der Naht zwischen 16. und 18. Armee am Wolchow 
eine weitere sowjetische Offensive, die das Ziel hatte, iiber den zugefrorenen 
Wolchow hinweg von Siidosten her die von den Landverbindungen abge= 
schnittene und nur iiber den Ladoga=See versorgte Stadt Leningrad zu ent= 
setzen. Es gelang den Sowjets, Ende Januar bis zur Bahnlinie Nowgorod— 
Leningrad vorzustofien, doch konnte der Durchbruchskeil von den deutschen 
Kraften schliefilich abgeriegelt werden. Um ihren Verbanden den weiteren 
Weg zu bahnen, stielien andere sowjetische Krafte aus dem Raum von Po= 
gostje ab 28. 1. nach Siiden vor und erzielten einen tiefen Einbruch, jedoch 
konnten die Verbande der 18. Armee eine Verbindung zwischen diesen beiden 
sowjetischen Keilen verhindern, obwohl die Anstrengungen der Sowjets, doch 
noch zum Ziele zu kommen, wahrend des ganzen Februar wiederholt wurden. 

Unter Konzentration aller verfiigbaren Krafte der Luftflotte 1 (250 Kampf= 
flugzeuge) begann dann am 15. 3. entlang des Wolchow eine deutsche Ope= 
ration (Unternehmen „Raubtier'') mit dem Ziel, die riickwartigen Verbin= 
dimgen des sowjetischen Wolchow=Keils abzuschneiden. Dies gelang am 19. 3. 
voriibergehend; doch wurde der schmale deutsche Riegel am 27. 3. wieder von 
den Sowjets gesprengt, nachdem auf Befehl Hitlers sogleich nach dem Ge= 
lingen von „Raubtier" alle Luftwaffenkrafte in den Raum von Staraja Russa 
verlegt worden waren, aus dem am 21. 3. der Angriff der Gruppe v. Seydlitz 
(3 Divisionen) in Richtung auf den 30 km entfernten Kessel von Demjansk 
begonnen hatte (Unternehmen „Briickenschlag''). Nachdem dieses Ziel unter 
grofiten Schwierigkeiten am 28. 4. erreicht war und mit einem schmalen 
Schlauch die Verbindung zum IL A.K. geoffnet war, beantragte Gen.Oberst 
V. Kiichler am 4. 5. vergeblich, diese Krafte nunmehr auf den Lowat zuriick= 
zunehmen, um Krafte zu gewinnen. Das seit dem 22. 1. eingeschlossene Cholm 

4 Rohricht, a. a. O., S . 140/41. 

43 



A. Einfiihrung 

(rd. 3500 Mann), das ebenfalls durch die Luft versorgt worden war, konnte 
am ^. ^. entsetzt werden. Dadurch dafi Hitler die vorgeschobenen Frontbogen 
stehen liefi, so dafi alle Verbande an der langgestreckten Front gebunden 
blieben, beschrankte sich der Erfolg dieser Unternehmen auf eine giinstige 
Auswirkung auf die Kampfmoral. Der operativen Beweglichkeit der schwa= 
chen H.Gr. Nord kamen sie nicht zugute. 

Die Winterkampfe im Bereich der H.Gr. Nord fanden ihren Abschluii mit 
der Besetzung der Inseln Suursaari (Hogland) und Tytarsaari am 27. 3. bzw. 
1. 4. durch die Finnen. Letztere wurde auf deren Wunsch am 4. 4. von der 
18. Armee iibernommen, am 14. 4. der Kriegsmarine iiberlassen. Schliefilich 
fiihrte die Luftflotte 1 vom 4. 4. bis 30. 4. mehrere schwere Schlage gegen die 
sowjetische Ostseeflotte in Kronstadt und Leningrad (Unternehmen „Eisstoii" 
und „Gotz V. Berlichingen'"). Das Ziel, die schweren Einheiten der sowjetischen 
Ostseeflotte zu vernichten, wurde dabei nicht erreicht, jedoch waren sie vorerst 
nicht mehr einsatzfahig. 1942 sind auiier einzelnen sowjetischen U=Booten 
keine sowjetischen Kriegsschiffe aus der ostHchen Ecke des Finnischen Meer= 
busens in die freie Ostsee gelangt^. Dadurch dal3 dieser Raum einschhelilich 
einiger Inseln in sowjetischer Hand verblieb, wurden aber deutsche und fin= 
nische Krafte gebunden, blieb ein Gefahrenherd bestehen. 

Die H.Gr. Siid, die abgesehen von der Verteidigung der Krim den Front= 
abschnitt von Taganrog am Asowschen Meer bis in den Raum ostwarts Kursk 
zu halten hatte, verfiigte an der Jahreswende 1941/42 iiber 37 deutsche Di= 
visionen sowie 5 Divisionen und 5 Brigaden der Verbiindeten (Italiener, Ru= 
manen, Slowaken, Ungarn). Ihnen standen 12 sowjetische Armeen mit rd. 
95 Verbanden {= Sy Divisionen) gegeniiber^. Seit dem 1. 12. 1941 befehligte 
Gen.Feldmarschall v. Reichenau (HQu. in Poltawa) die H.Gr., zunachst in 
Personalunion mit dem Oberbefehl iiber die 6. Armee, die er am 5. 1. 1942 
dem bisherigen Oberquartiermeister I im Generalstab des Heeres, General 
d. Pz.Tr. Paulus, iibergab. v. Reichenau verstarb plotzlich am 17. 1. 1942. Am 
folgenden Tage ernannte Hitler Gen.Feldmarschall v. Bock zum OB der H.Gr. 

Die Situation der H.Gr. Siid war im Vergleich zur H.Gr. Nord hinsichtlich 
ihrer Seeflanke voUig anders. Wahrend die Ostsee mit Ausnahme der Ost= 

5 Zu den Angriffen auf die sowjetische Ostseeflotte: Gerhard Hiimmelchen, Unter= 
nehmen „Eissto6", der Angriff der Luftflotte 1 gegen die russische Eismeerflotte 
im April 1942, in: Marine=Rundschau 56 (1959), S. 226 — 32; zu den sowjetisdien 
U=Booten: Jiirgen Rohwer, Die sowjetische U=Bootwaffe in der Ostsee 1939 bis 
1945, in: Wehrwissenschaftliche Rundschau 6 (1956), S. 556—60. 1942 versenkten 
sowjetische U=Boote in der Ostsee 25 Schiffe mit ^0670 BRT und beschadigten 
7 weitere mit 30831 BRT. 10 sowjetische U=Boote wurden von der deutsch=fin= 
nischen Abwehr versenkt, mindestens 7 beschadigt. Neueste Veroffentlichung : 
V. F. Tribuc, Die U=Bootoffensive der Baltischen Rotbannerflotte in der Ostsee 
1942 (mit Anmerkungen von Jiirgen Rohwer), in: Marine=Rundschau 60 (1963), 
S. 81—107. 

6 Philippi— Heim, a. a. O., S. 114. Die Luftflotte 4, die die H.Gr. Siid unterstiitzte, 
verfiigte noch iiber 310 einsatzbereite Flugzeuge (ca. 450 sowjetische Flugzeuge 
wurden fiir die Gegenseite angenommen). 

44 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

ecke des Finnischen Meerbusens um Kronstadt/Leningrad von der deutschen 
Kriegsmarine beherrscht wurde, konnte der sowjetischen Schwarzmeerflotte 
mit den wenigen kleineren Einheiten der rumanischen Kriegsmarine nichts 
Ernsthaftes zur See entgegengestellt werden. Nach der gelungenen Raumung 
von Odessa (16. 10. 1941) stiitzte sich die sowjetische Schwarzmeerflotte auf 
den Kriegshafen von Sewastopol und die Hafen an der Ostkiiste des Schwar= 
zen Meeres am Kaukasus. Zusammen mit den Kraften der sowjetischen Kau= 
kasus=Armee stellte die Schwarzmeerflotte demnach eine dauernde latente 
Bedrohung der deutsch=rumanischen Krafte der H.Gr. Slid in den von ihr 
besetzten Kiisten dar. Der Versuch, noch vor Jahreswechsel wenigstens die von 
Sewastopol ausgehenden Gefahren durch eine Eroberxmg der Festung zu ban= 
nen, scheiterte. Der auf Grund der „Fuhrer=Weisung'' Nr. 39 vom 8. 12. 1941^ 
am 17. 12. begonnene Angriff der 11. Armee (Gen.Oberst v. Manstein) auf 
Sewastopol mulite am 31. 12. eingestellt werden, nachdem starke sowjetische 
Krafte am 26. 12. bei Kertsch und am 29. 12. in Feodosia gelandet waren, die 
den Riicken der auf Sewastopol konzentrierten 11. deutschen Armee auf der 
Krim bedrohten. Wohl gelang es, im Gegenschlag am 18. 1. 1942 Feodosia 
wieder einzunehmen und eine Front an der schmalsten Stelle des Zugangs 
zur Halbinsel Kertsch aufzubauen, doch waren damit auf der Krim zwei Fron= 
ten entstanden, deren Halten gegeniiber den wiederholten Offensiv=Versuchen 
der Sowjets (Februar bis April) nur unter grofiten Anstrengimgen gelang^. 
Erst eine Zufuhr neuer Krafte machte im Laufe des Friihsommers eine Bereini= 
gung der Lage durch die Eroberung der ganzen Krim moglich. 

Eine voriibergehende Einschliefiung von Obojan zwischen Kursk und Char= 
kow Anfang Januar blieb Episode. Doch dann begann am 18. 1. eine groli= 
angelegte sowjetische Offensive iiber den Donez beiderseits Isjum, die in 
wenigen Tagen die Front der 17. Armee (Gen.Oberst Hoth) eindriickte und 
am 23. 1. mit der Einnahme des Hauptversorgungslagers dieser Armee, Bar= 
wenkowa, eine schwere Krise heraufbeschwor. Um sie zu meistern und Krafte 
von der relativ ruhigen Mius=Front schneller heranzuholen, wurden die 17. Ar= 
mee und die 1. Panzer=Armee am 28. 1. zur „Armeegruppe v. Kleist'' zu= 
sammengefafit. Sie erhielt den Auftrag, die sowjetische Offensive im Gegen= 
stoii aufzufangen. Es gelang zwar in der ersten Halfte des Februar, den bis 
zu 120 km tiefen Einbruchsraum zu umranden, doch war eine offensive Be= 
reinigung des grofien Frontvorsprungs nach Siidwesten vor Einsetzen der 
Schlammperiode nicht mehr moglich, zumal am 7. 3. eine neue sowjetische 
Offensive gegen die 6. Armee ostwarts Charkow losbrach, die erst Ende Marz 
vor den Toren der Stadt aufgef angen werden konnte. Als zu diesem Zeitpunkt 
die Schlammperiode begann, trat an der von den Sowjets erreichten — mehr= 
fach, besonders aber siidlich Charkow, stark ausgebuchteten — Linie eine 

7 Hubatsch, a. a. O., S. 171 ff. 

8 Einzelheiten bei Erich v. Manstein, Verlorene Siege, Bonn (Athenaum=Verlag) 
1955, S. 24off.; fiir das Folgende: Philippi— Heim, a. a. O., S. ii4ff. 

45 



A. Einfiihrung ) vjU Ml 

Kampfpause ein. Diese wurde von den Sowjets zur Konzentration starker 
Krafte benutzt, die nach Eintreten der Trockenperiode aus dem Einbrudisraum 
siidlich Charkow weiter nach Westen vorstoJSen sollten. 

Am 30. 3., nach Abschluli der Winterkampfe, befand sich das deutsche 
Ostheer in einem abgekampften Zustand. Von 162 Inf.Divisionen waren nur 
8 vol! einsatzbereit, d. h. auch zu Angriffsoperationen befahigt, 3 voll einsatz= 
bereit nach Gewahrung einer Ruhepause; 47 waren fiir begrenzte Angriffs= 
unternehmen geeignet. 73 waren voll fiir Verteidigungsaufgaben, 29 nur be= 
grenzt hierfiir bereit; 2 Divisionen waren iiberhaupt nicht einsatzfahig. Die 
16 Panzer=Divisionen besafien insgesamt noch 140 einsatzfahige Panzer, d. h. 
weniger als die normale Ausstattung einer Panzer=Division, Die deutschen 
Gesamtverluste im Ostfeldzug erreichten bis zum 30. 4. eine Hohe von 
1 167 835 Mann (d. h. etwa ein Drittel des am 22. 6. 1941 angetretenen Ost= 
heeres). Die durch die Schlammperiode erzwungene mehrwochige Kampfpause 
war fiir das deutsche Ostheer nach den verhehrenden Ausfallen der Winter= 
schlachten unbedingt erforderlich. Die notwendige Auffrischung und die Zu= 
fiihrung von Reserven sowie die Konzentration frischer Verbande fiir die 
neuen Operationen konnten erst jetzt vorgenommen werden. So war an eine 
Wiederaufnahme der deutschen Offensive, von allem anderen abgesehen, allein 
schon aus diesen Griinden vor Mitte Juni nicht zu denken. 



2. Planung und Vorkampfe zur Offensive 1942 

Nachdem Mitte Februar die groJSte Krise iiberwunden war, stellte der 
Generalstab des Heeres erste Uberlegungen hinsichtlich der Kampffiihrung 
nach Abschlufi des Winters an. Am 12. 2. 1942 erliefi die Op.Abt. des Gen.St. 
d.H. hierzu eine Weisung^ in der die H.Gr. Siid aufgefordert wurde, Angriffs= 
vorbereitungen fiir die Gewinnung der Halbinsel Kertsch, zur Eroberung der 
Festung Sewastopol und zur Abschniirung des Frontbogens siidwestlich Isjum 
im Raum von Charkow zu treffen. Die H.Gr. Mitte sollte einen Vorstofi aus 
dem Raum von Rshew in Richtung Ostaschkow zur Wiederherstellung der 
Verbindung mit der H.Gr. Nord in der Gegend von Demjansk vorbereiten, 
im iibrigen eine Verkiirzung ihrer iiberdehnten Front anstreben, wahrend 
die H.Gr. Nord ihre Stellungen halten und die Bereinigung des Briickenkopfs 
Oranienbaum vorbereiten sollte. Ersatz in einer Gesamtstarke von rd. 500 000 
Mann wurde angekiindigt. 

Die von Hitler geforderte Sommeroffensive 1942 war zum ersten Mai am 
28. 3. Gegenstand einer Besprechung im FHQu^ bei der der Chef des General= 

9 Die Weisung ist im Wortlaut nicht greifbar. Nur Zusammenfassungen befinden 

sidi in den verschiedenen Studien. 
1 Generaloberst Haider, Kriegstagebuch, a. a. O., Bd. Ill, 28. 3. 1942: „Besprechung 

beim Fiihrer iiber GroSe Lage. Vortrag Aufmarsdi ,Siegfried'. Einverstanden!" 

Warlimont, a. a. O., S. 241/42. 

46 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

stabes des Heeres, Generaloberst Haider, Hitler die Aufmarschabsichten des 
Heeres darlegte, so wie sie sich in den Grundziigen aus den ihm miindlich 
erteilten Anweisungen ergeben hatten, Sie wurden von Hitler gebilligt. Der 
Chef des WFStabes, General Jodl, beauftragte daraufhin seinen Stab, „die 
Absichten des Heeres . . . nach iiblicher Art in einer OKW=Weisung zusam= 
menzufassen''^. Bei der Vorlage des Entwurfs durch Jodl am 4.4. erklarte 
Hitler, er werde „die Weisung selbst durcharbeiten". Im KTB der Kriegsge= 
schichtlichen Abteilung des OKW (Oberst d.G. Scherff) heifit es dann am 5. 4.: 
„Der Fiihrer hat den Entwurf zur Weisung 41 stark durchkorrigiert und mit 
wesentlichen von ihm selbst verfafiten Teilen versehen. . . Hauptsachlich der 
Teil, der die Hauptoperation betrifft, ist vom Fiihrer neu gefajSt worden^/' 
Die fiir die Sommeroffensive grundlegende Weisung Nr. 41* kann demnach 
als im wesentlichen von Hitler selbst stammend bezeichnet werden. 
Uber die bei der Offensive verfolgten Absichten heifit es: 

„Das Ziel ist, die den Sowjets nodi verbliebene lebendige Kraft endgiiltig zu 
verniditen und ihnen die kriegswirtschaftlichen Kraftquellen so weit als moglidi zu 
entziehen. Hierzu werden alle verfiigbaren Krafte der deutschen Wehrmacht und 
die der Verbiindeten herangezogen. Dabei mu6 aber gewahrleistet sein, dafi die 
besetzten Gebiete im Westen und Norden Europas, insbesondere die Kiisten, unter 
alien Umstanden gesichert bleiben. . . 

Unter Festhalten an den urspriinglichen Grundziigen des Ostfeldzuges kommt 
es darauf an, bei Verhalten der Heeresmitte, im Norden Leningrad zu Fall zu 
bringen und die Landverbindung mit den Finnen herzustellen, auf dem Siidfliigel 
der Heeresfront aber den Durdibruch in den Kaukasusraum zu erzwingen. 

Dieses Ziel ist in Anbetradit der Absdilufilage nadi der Winterschlacht, der 
verfiigbaren Krafte und Mittel und der Transportverhaltnisse nur abschnittweise 
zu erreidien. 

Daher sind zunachst alle greif baren Krafte zu der Hauptoperation im Siidabsdinitt 
zu vereinigen mit dem Ziel, den Feind vorwarts des Don zu vernichten, um sodann 
die Dlgebiete im kaukasischen Raum und den Ubergang iiber den Kaukasus selbst 
zu gewinnen. 

Die endgiiltige AbschnUrung von Leningrad und die Wegnahme des Ingerman= 
landes bleibt vorbehalten, sobald die Entwicklung der Lage im Einschliefiungsraum 
oder das Freiwerden sonstiger Krafte es ermoglichen." Als vorbereitende Opera= 
tionen werden aufgefiihrt, „auf der Krim die Halbinsel Kertsch zu saubern und 
Sewastopol zuFall zu bringen". „ImSiidraum ist der beiderseits Isjum eingebrodie 
Feind im Zuge des Donez abzuschneiden und zu vernichten." 

Fiir die Hauptoperation, deren Deckname ^Siegfried" in „Blau" abgeandert wurde, 
legte Hitler im einzelnen fest: „Ihr Ziel ist es . . . zur Einnahme der Kaukasusfront 
die russischen Krafte, die sich im Raume von Woronesch nach Siiden, westlich bzw. 
nordlich des Dons befinden, entscheidend zu schlagen und zu vernichten. Aus Griin= 
den des Eintreffens der hierzu verfiigbaren Verbande kann diese Operation nur in 
einer Reihe von nacheinander folgenden, aber untereinander im Zusammenhang 

2 Warlimont, a. a. O., S. 243. 

3 KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW, 5. 4. 1942. 

4 Hubatsch, a. a. O., S. 183 ff . 



47 



A. Einfiihrung 

stehenden bzw. sich erganzenden Angriffen durchgefiihrt werden. Sie sind daher 
von Norden nach Siiden zeitlich so aufeinander abzustimmen, da6 aufierdem in 
jedem einzelnen dieser Angriffe ein Hochstmafi der Konzentration sowohl von 
Heeres= als auch besonders von Luftstreitkraften an den entscheidenden Stellen 
sichergestellt werden kann. Bei der zur Geniige erwiesenen Unempfindlichkeit des 
Russen gegeniiber operativen Einschliefiungen ist entscheidender Wert — ahnlich 
wie in der Doppelschlacht von Wjasma=Briansk — darauf zu legen, die einzelnen 
Durchbriiche in die Gestalt enger Umklammerungen zu bringen. . ." 

„Die Einleitung der Gesamtoperation hat mit einem umfassenden Angriff bzw. 
Durchbruch aus dem Raum siidlich Orel in Richtung auf Woronesch zu beginnen. 
Von den beiden zur Umklammerung angesetzten Panzer= und mot.Verbanden hat 
der nordliche starker zu sein als der siidliche. Das Ziel dieses Durchbruchs ist die 
Besetzung von Woronesch selbst. Wahrend es nun die Aufgabe eines Teiles der 
Infanterie=Divisionen ist, zwischen dem Ausgangspunkt des Angriffs von Orel in 
Richtung auf Woronesch sofort eine starke Verteidigungsfront aufzubauen, haben 
die Panzer= und mot.Verbande den Auftrag, von Woronesch aus mit ihrer linken 
Flanke, angelehnt an den Don, nach Siiden den Angriff fortzusetzen zur Unter= 
stiitzung eines zweiten Durchbruchs, der etwa aus dem allgemeinen Raum von 
Charkow nach Osten hin gefiihrt werden soil. Auch hier ist es primar das Ziel, nicht 
die russische Front als solche einzudriicken, sondern im Zusammenwirken mit den 
den Don abwarts vorstofienden mot.Verbanden die russischen Krafte zu vernichten. 
Der dritte Angriff dieser Operationen ist so zu fiihren, dafi die den Don abwarts 
vorsto6enden Verbande sich im Raum um Stalingrad mit jenen Kraften vereinigen, 
die aus dem Raum Taganrog— Artemowsk zwischen dem Unterlauf des Don und 
Woroschilowgrad iiber den Donez nach Osten vorstofien. Diese sollen abschliefiend 
die Verbindung mit der gegen Stalingrad vorriickenden Panzer=Armee finden. 

SoUten sich im Zuge dieser Operationen, besonders durch die Inbesitznahme 
unversehrter Briicken, die Aussichten bieten, Briickenkopfe ostwarts bzw. siidlich 
des Don zu bilden, so sind solche Moglichkeiten wahrzunehmen. Auf jeden Fall 
mufi versucht werden, Stalingrad selbst zu erreichen oder es zumindest so unter 
die Wirkung unserer schweren Waffen zu bringen, dafi es als weiteres Rustungs= 
und Verkehrszentrum ausfallt. Besonders erwiinscht ware es, wenn es gelange, 
entweder unversehrte Briicken sei es in Rostow selbst oder sonst gesicherte Briicken= 
kopfe siidlich des Dons zu gewinnen fiir die weitere Fortfiihrung der fiir spater 
beabsichtigten Operationen. 

Um zu verhindern, dali wesentliche Telle der nordlich des Dons befindlichen 
russischen Krafte iiber den Strom nach Siiden entweichen, ist es wichtig, da6 die 
aus dem Raum Taganrog nach Osten vorgehende Kraftegruppe eine Verstarkung 
ihres rechten Fliigels durch die Zufiihrung von Panzer= und schnellen Truppen 
erhalt, die — wenn notwendig — auch durch improvisierte Verbande zu bilden sind. 

Entsprechend dem Fortschreiten dieser Angriffe mufi nicht nur auf starke Siche= 
rung der Nordostflanke der Angriffsoperationen Bedacht genommen, sondern auch 
der Ausbau der Stellungen in Anlehnung an den Don sofort begonnen werden. 
Dabei ist auf starkste Panzerabwehr entscheidender Wert zu legen. Die Stellungen 
sind von vornherein auch im Hinblick auf ihre etwaige Ausnutzung im Winter 
festzulegen und dafiir mit alien Mitteln vorzubereiten. 

Zur Besetzung der sich im Laufe dieser Operation mehr und mehr verlangernden 
Donfront werden in erster Linie Verbande der Verbiindeten mit der Mafigabe 
herangezogen, dafi deutsche Truppen als starke Stiitze zwischen Orel und dem 
Don sowie an der Stalingrader Landenge einzusetzen sind, im iibrigen aber ein= 
zelne deutsche Divisionen hinter der Donfront als Eingreifreserven verfiigbar 
bleiben. . ." 

48 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

Diese „Fuhrer=Weisung'' wird hier deshalb so ausfiihrlich zitiert, well sie 
einmal die komplizierte, stark in den Einzelheiten festgelegte Planung Hitlers 
deutlich macht (abgesehen von seinem umstandlichen Stil, der die „nichtmili= 
tarische'' Herkunft der wichtigsten Passagen erkennen lafit), vor allem aber, 
weil der tatsachliche Verlauf der Operationen, der wesentliche Abweichungen 
brachte, immer mit Blick auf die Weisung gesehen werden mufi. 

Der Verlegung des Schwerpunktes auf den Siiden der Front war wesentlich 
durch wehrwirtschaftliche (Gewinnung des Kaukasusols) sowie politische Ober= 
legungen (Abschniirung der Sowjetunion von ihren Verbiindeten) bestimmt^^. 
Dafi die so angelegte Operation nicht nur viele Risiken in sich selbst barg, 
sondern auch fiir die stehenbleibende mittlere und nordliche Ostfront Ge= 
fahren enthielt, wurde von Jodl durchaus erkannt. Besonders fiir die H.Gr. 
Mitte schien ihm ein groJSes Risiko zu bestehen, „falls der Russe einen ent= 
schlossenen Vorstofi auf Smolensk unternehmen'' wiirde, worauf er am 10. 5. 
hinwies: „Es erschien ihm jedoch fraglich, ob der Russe hierfiir geniigend 
Krafte und Wagemut besitze. Der Fiihrer sei mit ihm der Ansicht, dafi infolge 
der deutschen Siidoperation die russischen Krafte ebenfalls automatisch (!) 
nach dem Siiden abgezogen werden wiirden^." Abgesehen von dieser Au6e= 
rung Jodls sind aus der Obersten Wehrmachtf lihrung keine zeitgenossischen kri- 
tischen Bemerkungen zu der Planung fiir die Sommeroffensive 1942 iiberliefert, 
wenn man von Haiders Grundauffassung absieht, die schon dargelegt wurde. 

Fiir das Unternehmen „Blau'' wurden im Mai/Juni insgesamt zusatzlich 
41 Divisionen in den Bereich der H.Gr. Slid verlegt, darunter 21 verbiindete 
Divisionen. Sie trafen in drei Staffeln ein. Insgesamt soUten 6^—6j Divisionen 
an der Hauptoperation beteiligt werden. Die Zahl der verbiindeten Divisionen 
stieg iibrigens im Verlauf des Sommers und Herbstes nach Zufiihrung wei= 
terer, vor allem rumanischer, Verbande schliefilich auf insgesamt 52. 

Inzwischen waren die vorausgehenden Teiloperationen vorbereitet worden. 
Auf Antrag des OB der 11. Armee, Gen.Oberst v. Manstein, wurde der Termin 
fiir den Angriff auf die Halbinsel Kertsch von Hitler zunachst auf den 5., 
schliefilich auf den 2>.i^. festgelegt. Die hierfiir auf der Krim konzentrierten 
Luftwaffenverbande sollten unmittelbar nach Beendigung dieses Unternehmens 
(„Trappenjagd'') zu der fur den 17. 5. geplanten Operation der Armeegruppe 
V. Kleist und der 6. Armee zur Abschniirung des Frontvorsprungs siidwestlich 
Isjum (Unternehmen „Fridericus'' I) nach Norden verlegt werden. 

Die planmafiig verlauf ende Offensive der 11. Armee an der Kertschfront 
endete am 'L'^.'^. mit der Einnahme von Stadt und Hafen Kertsch (170 000 
sowjetische Gefangene, 1100 Geschiitze, 250 Panzer, 323 Flugzeuge zerstort 
oder erbeutet; eigene Verluste 7588 Mann). Drei Tage zuvor waren jedoch 

4a Bei Hitler schwang zweifellos audi noch der Gedanke einer grofien Zangen= 
operation (vom Kaukasusraum und Mittelmeer— Nordafrika in Richtung Naher 
Osten) mit. Vgl. hierzu S. 98. 

5 KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW, 10. 5. 1942. 

49 



A. Einfiihrung 

die Sowjets, dem Unternehmen „Fridericus'' I zuvorkommend, am 12. 5. zu 
einer Grofioffensive aus dem Frontvorsprung von Isjum in Richtung Charkow 
sowie nach Westen und Siidwesten angetreten. „In dieser kritischen Situation 
zauderte der Feldmarschall v. Bock, an dem vorbereiteten Unternehmen auf 
Isjum festzuhalten, zumal infolge der Bildung der 6. Armee der nordliche 
Zangenarm ausfiel. Doch setzten sein Generalstab und das OKH durch, sich 
nicht in die Abhangigkeit vom feindlichen Willen zu begeben, sondern die 
Gunst des Augenblicks zu niitzen, in dem der in die Tiefe strebende Feind am 
Donez die groEte Blofie bot^/' So trat die Armeegruppe v. Kleist am 17. 5. 
planmafiig an, iiberrannte den vollig iiberraschten Gegner und stellte am 22. 5. 
die Verbindung zur 6. Armee her. Am 28. 5. war der Kessel zerschlagen 
(239 000 sowjetische Gefangene, 1240 Panzer, 2000 Geschiitze zerstort oder 
erbeutet; eigene Verluste rd. 20 000 Mann). 

Bereits am 24. 5. hatte Hitler den 7. 6. als Beginn des Angriffs auf die 
Festung Sewastopol festgesetzt (Unternehmen „Storfang''). Bei einem Besuch 
im HQu. der H.Gr. Siid in Poltawa am 1. 6. legte er als weitere Termine fiir 
Voroperationen den Angriff auf Woltschansk (Unternehmen „Wilhelm'') 
ebenfalls auf den 7. 6. und den Vorstofi auf Kupjansk (Unternehmen „Fri= 
dericus'' II) auf den 12. 6. fest. Die Hauptoperation soUte am 20. 6. folgen. 

Wahrend der Angriff auf die Festung Sewastopol am 7. 6. planmafiig be= 
ginnen konnte und nach wochenlangen schweren Kampfen mit der Einnahme 
von Stadt und Hafen am 1. 7. und der Kapitulation der Reste der sowjetischen 
Sewastopol=Armee auf der Halbinsel Chersones am 4. 7. endete (95 000 so= 
wjetische Gefangene, 467 Geschiitze zerstort oder erbeutet; eigene Verluste 
24 000 Mann) ^, verzogerten sich die iibrigen Operationen. Der VorstoS auf 
Woltschansk konnte erst in der Zeit vom 10.— 15. 6., die Kupjansk=Operation 
erst vom 22.-26. 6. durchgefiihrt werden. Wegen der Verzogerung in der Kon= 
zentration der notwendigen starken Luftwaffenverbande, aber auch wegen 
tagelanger wolkenbruchartiger Regenfalle mufite die Hauptoperation schlieii= 
lich bis zum 28. 6. hinausgeschoben werden. Sie begann also noch 6 Tage 
spater als die Offensive des Jahres 1941. 



3. Der Sommerfeldzug nach Stalingrad und zum Kaukasus 

Bevor der Ablauf des Sommerfeldzuges 1942 vom Standpunkt der deutschen 
Obersten Fiihrung in grofien Ziigen skizziert wird, gilt es, den Blick auf zwei 
grundlegende Lagebeurteilungen zu werfen, die — neben der „Fuhrer=Wei= 
sung'' Nr. 41 — bei der Betrachtung der folgenden Einzelheiten stets gegen= 
wartig bleiben sollten. Es handelt sich einmal um die mit dem Datum des 
6. 6. 1942 versehene Zusammenstellung des WFStabes iiber die „Wehrkraft 

6 Philippi— Heim, a. a. O., S. 123. 

7 Zu den Einzelheiten: Manstein, a. a. O., S. 261 ff. 

50 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

ig42''^, zum anderen um die „Gedanken iiber die vermutliche Kampfkraft 
der sowjetrussischen Armee bei Winterbeginn ig42"^ der Abteilung „Fremde 
Heere Ost" des Generalstabes des Heeres vom 28. 6. 1942, also dem Tag des 
Beginns der grofien Sommeroffensive. 

In der vom Stellv. Chef des WFStabes, Generalleutnant Warlimont, unter= 
zeichneten Zusammenstellung heifit es einleitend: 

^Organisation und Sdilagkraft der Wehrmacht fiir die Aufgaben des Sommers 
1942 werden durch die im Juli 1941 eingeleitete Verlagerung des Riistungssdiwer= 
punktes auf Luftwaffe und Marine in ihrer Zielsetzung zugunsten der Kriegfiihrung 
gegen die angelsachsischen Machte bestimmt. 

Die Entwicklung der Lage im Osten bis zum Spatherbst 1941 liefi jedodi klar 
erkennen, dali die Voraussetzungen fiir die Zusammenfassung der Krafte gegen 
den englisdi=amerikanisdien Gegner erst durch einen 1942 erneut gegen die UdSSR 
zu fiihrenden Entscheidungsschlag zu schaffen seien. Hierfiir wurde eine erneute 
Umstellung der Riistung fiir die Auffrischung und Verstarkung insbesondere des 
Heeres notig. Diese im Dezember^ eingeleitete Umstellung der Riistung kann sidi 
nicht mehr voU vor Beginn der Operationen des Jahres 1942 fiir das Heer aus= 
wirken. Aufierdem wurde die Durchfiihrung der personellen und materiellen Ver= 
starkung entscheidend beeinflufit durch: 

die Dauer des Krafte und Material verzehrenden Winterkrieges im Osten, die 
Harte des Winters mit ihrer Auswirkung auf Produktion und Verkehr, die zu= 
nehmende Anspannung der Grundstoff= und Rohstofflage und den — sich gegen= 
seitig wieder beeinflussenden — Menschenmangel in der Kriegswirtschaft und im 
Ersatzwesen." 

Die Gesamtkopf Starke der Wehrmacht betrug am 4. 4. 1942 8,672 Millionen 
Mann. „Obwohl dem Ostheer in der Zeit vom 22. 6. 1941 bis 1. 5. 1942 
1 Million Mann als Ersatz zugefiihrt wurden . . . , wird das Ostheer am 1. 5. 
1942 voraussichtlich 625 000 Fehlstellen gehabt haben; sie entf alien im we= 
sentlichen auf die fechtende Truppe. Es verfiigen die Verbande der H.Gr. Siid 
iiber etwa ^o Vo, der H.Gr.n. Mitte und Nord iiber etwa 35 "/o ihrer urspriing= 
lichen infanteristischen Kampfkraft. Bis Operationsbeginn ist mit Auffiillung 
der Divisionen der H.Gr. Siid auf voile Starke, bis August 1942 mit Aufful= 
lung der Divisionen der H.Gr.n Mitte und Nord (je Div. nur 6 Btl.e) auf 55V0 
ihrer urspriinglichen infanteristischen Kampfstarke zu rechnen.'' Stichwort= 
artig zusammengefalit stellte sich die Lage im weiteren so dar^: „Panzer= 
divisionen der H.Gr.n Mitte und Nord werden nur iiber je 1 Pz.Abt. (d. h. 
rd. 40—50 Panzer) verfiigen; im August 1942 mui2 mit Spannungen auf dem 

8 OKW/WFStab „Wehrkraft der Wehrmacht im Friihjahr 1942'' vom 6. 6. 1942, gez. 
Warlimont. Abgedruckt bei Jacobsen, a. a. O., S. 309—553. 

9 Abt. Fremde Heere Ost (la) Nr. 5289/42 g.Kdos. Chefs, vom 28. 6. 1942 „Ge= 
danken iiber die vermutliche Kampfkraft der sowjetrussischen Armee bei Winter= 
beginn 1942". 

1 Tatsachlich erst mit Befehl „Der Fiihrer und Oberste Befehlshaber der Wehr= 
macht Nr. 1/1942 g.K. OKW/WFStab/Org.=WiRuAmt", 10. 1. 1942 (Dokumenten= 
Anhang Nr. 5). 

2 Nach Warlimont, a. a. O., S. 251. 

51 



A. Einf iihrung 

Munitionsgebiet gerechnet werden, die sich auf die Fiihrung auswirken kon= 
nen; Aushilfen aus Bestanden des OB West; Bewegungsfahigkeit durch die 
hohen Ausfalle an Kfz. und Pferden, die nicht gedeckt werden konnen, we= 
sentlich beeintrachtigt; EntmotorisierungsmajSnahmen nicht zu umgehen; in 
der Heimat z. Z. keine Reserven mehr. Luftwaffe : Zahlen der einsatzbereiten 
Flugzeuge im Durchschnitt auf ^0—60 ^/o des Standes vom 1. Mai 1941 ab= 
gesunken. Bei der Flakartillerie stark erhohte Bestande, aber Mangel an Per= 
sonal. Ersatzlage: Die Einstellung des Geburtsjahrganges 1925 in die Wehr= 
macht im April 1942 bedeutet einen zeitlichen Vorgriff von 1V2 Jahren/' Die 
Zusammenstellung kam zu dem Schluli, „da6 die Wehrkraft der Wehrmacht, 
bedingt durch die Unmoglichkeit einer vollen personellen und materiellen 
Auffrischung im ganzen gesehen geringer ist als im Friihjahr 1941''. 

Die Krafteverteilung des deutschen Feldheeres, das am 1. 7. 1942 eine Ge= 
samtstarke von 3,950 Millionen Mann hatte, sah zu dieser Zeit wie folgt aus^: 
Ostfront 2,635 Millionen Mann, besetzte Ostgebiete 212000 Mann, Finnland 
150 000 Mann, Norwegen 166 000 Mann, Frankreich 520 000 Mann, Italien 
und Afrika ^^ 000 Mann, Balkan 80 000 Mann, sonstige besetzte Gebiete und 
Reichsgebiet 130 000 Mann. 

In den „Gedanken'' der Abt. Fremde Heere Ost vom 28. 6. 1942 wird als 
Grundlage der Uberlegungen vorausgeschickt, „a) dafi das operative Ziel des 
Sommerfeldzuges zwar im grofien erreicht wird, jedoch nicht zur voUigen 
Vernichtung des Gegners vor der H.Gr. Slid fiihrt; b) dafi die H.Gr.n Mitte 
und Nord weitreichende Operationen durchzufiihren nicht in der Lage sind...; 
c) dafi in der Sowjetunion eine kriegsentscheidende politische oder wirtschaft= 
liche Wendung im laufenden Sommer 1942 nicht eintritt/' Von der angenom= 
menen Gesamtstarke der Roten Armee von 375 Schiitzen=Verbanden, 26 Kav.= 
Divisionen und 68 Panzerverbanden werden als vor der H.Gr. Slid befindlich 
rd. 160 Verbande betrachtet. Durch Zufiihrung von Reserven konne sich diese 
Zahl bis zu 200 erhohen. 

„Wenn der Gegner nicht den an sich moglichen und fiir uns aufierst ungiinstigen, 
jedoch nach den vorliegenden Anzeichen bisher nicht sehr wahrscheinlichen Ent* 
schlu6 fafit, sich unter hinhaltender Kampffiihrung mit der Masse seiner Krafte 
hinter die Wolga abzusetzen, so miissen die in letzter Zeit erkennbaren Auflocke^ 
rungen dahin gedeutet werden, dafi der Gegner sich in Erwartung eines deutschen 
Angriffs mehr und mehr nach der Tiefe gliedert . . . Wenn man ein derartiges Feind' 
verhalten in Rechnung stellt, welches im Hinblick auf die auf der Feindseite ein= 
getretene Abkehr von derTaktik eines unwirtschaftlichen, riicksichtslosen Menschen= 
und Materialeinsatzes nicht unwahrscheinlich ist, dann erscheint es nicht vollig 
sicher, dafi die deutschen Teiloperationen zur Vernichtung der feindlichen Gesamt= 
krafte von H.Gr. Siid in einem Ausma6 fiihren werden, wie es in den Kessel= 
schlachten des vergangenen Jahres der Fall gewesen ist. Es erscheint nicht ausge* 
schlossen, daj8 es dem Gegner gelingt, sich mit einem betrachtlichen Teil seiner 
Krafte der Vernichtung zu entziehen." 

3 Gen.St.d.H./Organisationsabteilung (I) Nr. 908/42 g.Kdos. Chefs vom 8. 8. 1942. 
52 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

Im folgenden wird eine Vernichtimg von schatzungsweise rd. 100 Feindver= 
banden in Rechnung gestellt (d. h. ca. 700 000 bis 800 000 Mann) — eine 
tatsachlich wahrend des Feldzuges nicht erreichte Zahl. Fiir den Winter 1942/43 
werden Neuaufstellungen von etwa 40 Verbanden fiir moglich gehalten. 

„Der Russe diirfte demnach bei Winterbeginn an der Gesamtfront noch 
iiber eine zahlenmafiige Kampfkraft von etwa 350 Schiitzendivisionen und 
einer entsprechenden Zahl sonstiger Verbande verfiigen. Die personelle 
Kampfkraft der Roten Armee wird deninach im Jahre 1942 vermutlich nicht 
so entscheidend geschwdcht, dap ein militarischer Zusammenbruch wahrschein= 
lich ist*." 

Dementsprechend heifit es in der Zusammenfassung, „ dafi auch bei erfolg= 
reicher Durchfiihrung der Operation ,Blau' mit der Moglichkeit gerechnet 
werden mufi, dafi der russische Widerstandswille noch ungebrochen bleibt. 
Die personelle und materielle Schwachung wird voraussichtlich nicht so stark 
sein, dali mit einem rein passiven Verhalten wahrend des kommenden Winters 
zu rechnen ist. . . Da ferner die voraussichtlich eintretenden Gebietsverluste 
sich in der Ernahrungswirtschaft und Industrie erst im nachsten Jahr fiihlbar 
auswirken werden, muli damit gerechnet werden, dafi die russische Fiihrung 
ahnlich wie im vorigen Jahr, jedoch in erheblich eingeschranktem Umfang 
versuchen wird, das deutsche Heer durch geeignete Winter op erationen per= 
sonell und materiell so zu schwachen, dajl eine dritte groj^e Sommer offensive 
nicht mehr moglich ist^. Es ergibt sich daher die Notwendigkeit, auch unserer= 
seits mit allem Nachdruck den Winterfeldzug vorzubereiten/' Dazu wird u. a. 
vorgeschlagen : „Vorbereitung und Ausbau einer ,Winterstellung', ,zeitge= 
rechte Einstellung grofierer Operationen vor Eintritt des Frostes', ,erforder= 
lichenfalls Zuriicknahme weit vorgeprellter Stofigruppen in fiir Verteidigung 
gUnstiges Gelande vor Eintritt des Winters. . ." 

Damit war die ganze kommende Problematik bereits bei Beginn des Feld= 
zuges klar erkannt, ohne dafi diese Beurteilung durch die Abt. Fremde Heere 
Ost des Generalstabes des Heeres Hitlers Einschatzung der Lage auch nur in 
Teilen bestimmt hatte. Lediglich die Annahme, dafi das Jahr 1942 trotz seiner 
offentlichen Voraussage am 15. 3. 1942 wohl doch noch nicht den voUstandigen 
Zusammenbruch des sowjetischen Heeres bringen werde, teilte auch Hitler, 
wie seine Weisung Nr. 41 erkennen lafit. 

Grundlage fiir den Ablauf der Operation sollte die auf der Basis der„FUhrer= 
Weisung'" Nr. 41 erstellte „Weisung Nr. 1'' des Oberkommandos der HGr. 
Slid vom 30. 4. 1942® sein. Sie wurde noch vor und kurz nach Beginn des von 
Hitler urspriinglich fiir den 15. 6. vorgesehenen, dann auf den 20. festgelegten 
und schlielilich auf den 28. 6. verschobenen Angriffs mehrfach abgeandert. 
Die wichtigste Abanderung betraf die 11. Armee. Da die Festung Sewastopol 

4 Im Original unterstridien. 

5 Im Original unterstrichen. 

6 Philippi— Heim, a. a. O., S. 131 ff. 

53 



A. Einfiihrung 

bei Offensivbeginn noch nicht eingenommen war, stand diese Armee, die un= 
mittelbar nordlich des Asowschen Meeres am Siidfliigel der H.Gr. eingeschoben 
und in der 3. Operationsphase beim Vorstofi in Richtung Stalingrad eingesetzt 
werden soUte, nicht zur Verfiigung. Hitler entschied daher am 3. 7., wahrend 
schon die 1. Operationsphase lief, dafi die Armee auf der Krim zu belassen 
und spater iiber die Strafie von Kertsch in den Kaukasus vorzuziehen sei^. 
Die 11. Arme fehlte also als Kraftezuschufi fiir die 3. Operationsphase in 
Richtung Stalingrad, die zu diesem Zeitpunkt immer noch in der ursprung= 
lichen Form vorgesehen war. 

Schliefilich wurde als weitere Abanderung der Auf marschraum der i. Panzer= 
armee Anfang Juli aus der Gegend nordwestlich Isjum in den Raum Artem= 
owsk— Slawjansk siidlich des Donez verlegt. 

Die deutschen Krafte, die der H.Gr. Siid fiir die Operation zur Verfiigung 
gestellt wurden, erreichten nur etwa yo Vo ( = 60 Divisionen) dessen, was das 
Oberkommando der H.Gr. in seiner eigenen Denkschrift vom 19. 2. 1942 als 
notwendig erachtet hatte. Die gewiinschte Gesamtzahl wurde zwar erzielt, 
aber 30 Vo davon waren verbiindete Verbande (25 Divisionen und Brigaden). 
Die Gesamthohe der fiir die Offensive eingesetzten Krafte war nicht starker 
als die von 70 deutschen Divisionen einzuschatzen. 

Von den die H.Gr. sehr belastenden Transport= und Versorgungsproblemen^^ 
sei hier nur die Tatsache verzeichnet, dajS lediglich drei einigermalBen leistungs= 
fahige Eisenbahnlinien vorhanden waren (Dnjepropetrowsk— Donezbecken, 
Kiew— Charkow, Brjansk— Orel). Fiir den Offensivaufmarsch war man daher 
stark auf mot.Transportmittel angewiesen. Der Generalquartiermeister stellte 
der „Befehlsstelle Siid/GenQu'' 10 000 t Grofitransportraum zur Verfiigung. 

Die deutsche Sommeroffensive 1942 begann am 28. 6., 2.15 Uhr, mit dem 
Angriff der Armeegruppe v. Weichs (2. Armee, 4. Panzerarmee, 2. ungarische 
Armee) mit Unterstiitzung des VIII. FUeger=Korps der Luftflotte 4 (Gen.Oberst 
Frhr. v. Richthofen) aus dem Raum ostwarts Kursk in Richtung Don. Am 30. 6. 
folgte die 6. Armee (Gen. d. Pz.Tr. Paulus), unterstiitzt durch das IV. Fheger= 
Korps der Luftflotte 4, aus dem Raum ostwarts Charkow mit Stofi nach Nord= 
ost. Die Armeegruppe v. Weichs erreichte am 3. 7. den Don bei Woronesch. 
Am gleichen Tage schlofi sich der Ring der beiden StolBkeile um die westlich 
des Oskol zusammengedrangte sowjetische Gruppe. 

Am Abend des 2. 7. hatte der Chef des Generalstabes des Heeres, General= 
oberst Haider, Gen.Feldmarschall v. Bock fernmiindlich mitgeteilt, dafi Hitler 



7 Am 11. 7. 1942 in der „Fiihrer=Weisung" Nr. 43 im einzelnen festgelegt (Hu= 
batsch, a. a. O., S. 192 ff.). 

7a Grundlegend fiir die Versorgung der Angriff soperation „Blau'' die Anordnungen 
des OKH vom 22. 4. 1942, (OKH/Gen.St.d.H./Gen.Qu./Abt. H/Vers./Qu. 1 Nr. 1/ 
01744/42 g.Kdos., gez. Haider), abgedruckt in: W. Keilig, Das Deutsche Heer 
1939—1945 (Verlag Hans Henning Podzun Bad Nauheim), 1963, 205/1942, Bl. 3 ff. 

54 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

auf die Wegnahme der Stadt Woronesch ostwarts des Don keinen entschei= 
denden Wert mehr lege. Am 3. 7. erschien Hitler personlich im H.Qu. der 
H.Gr. in Poltawa und stellte es v. Bock nochmals frei, von diesem Ziel ab= 
zuweichen. Einen bindenden Befehl gab er jedoch nicht. v. Bock glaubte daher, 
sich die Chance, „Woronesch schnell und leicht in die Hand zu nehmen und 
solange zu halten, bis die befohlenen Zerstorungen durchgefiihrt waren''^ 
nicht entgehen lassen zu diirfen. Nachdem sich der sowjetische Widerstand 
versteift hatte, verbot Hitler am ^.j. ausdriicklich den Angriff auf die Stadt 
und befahl, die 24. Pz.Div. und die Div. „Grofideutschland'' beschleunigt 
herauszuziehen. v. Bock liefi jedoch am 7. 7. den von den Sowjets geraumten 
Hauptteil der Stadt Woronesch besetzen. Wahrend die Masse der 4. Panzer= 
armee auf diese Weise relativ lange im Raum Woronesch gebunden blieb, 
setzten die mot.Verbande der 6. Armee (d. h. ihr einziges Panzerkorps, das 
XXXX. Pz.Korps) am 6. und 7. 7. zur Verfolgung donabwarts an. 

Der 1. Operationsabschnitt konnte am 8. 7. als beendet betrachtet werden. 
Die Armeegruppe v. Weichs meldete rd. 28 000 Gefangene, die 6. Armee rd. 
^^ 000. Die in der Weisung Nr. 41 befohlenen engen Einschliefiungen hatten 
kein iiberzeugendes Ergebnis gebracht. Die Masse der sowjetischen Verbande 
war entkommen. 

Fiir die Fortfiihrung der Operationen gab das OKH am 6. 7. eine Weisung^, 
deren wichtigste Abschnitte folgendermafien lauten: 

„Das entscheidende Ziel fiir die nadisten Operationen ist, die westlidi der Linie 
Lissitsdiansk und der Kalitwa=Miindung stehenden Feindkrafte am Entweichen 
nach Osten zu verhindern und zu verniditen. Die Erfiillung dieser Aufgabe sdiafft 
die Voraussetzung fiir das weitere rasche Vorstofien in Richtung unterer Don. Ihr 
sind daher alle anderen nicht diesem Ziel dienenden Aufgaben unterzuordnen. 
Jeder Tag, zu dem dieses Ziel friiher erreidit wird, ist mit Riicksicht auf die Weite 
der diesjahrigen Operationsziele von unersetzbarem Wert. Fiir die Durchfiihrung 
gilt folgendes: a) Die Masse der schnellen Verbande und moglichst viele Infan= 
terie=Divisionen der 6. Armee sowie die unverziiglich herauszuziehenden Verbande 
der 4. Panzerarmee sind so rasch wie irgend moglich von der Tichaja Sosna unter 
sdiarfem Vortreiben des linken Fliigels iiber die Kalitwa auf das Hohengelande 
siidlidi Midiailowka vorzutreiben. b) Die 1. Panzerarmee greift, sobald die Bereit= 
stellung der Krafte es irgend erlaubt, beiderseits Lissitschansk in Richtung Wys= 
sotschinoff an, um siidlich der Hohen von Michailowka ein Entweichen des Gegners 
iiber den Aidar zu verhindern. . ." 

Bereits am 5. 7. hatte Hitler durch das OKW die Befehlsiibergabe des siid= 
lichen Teils der Heeresgruppenfront von der H.Gr. Slid an das neue H.Gr.= 
Kdo A (Gen.Feldmarschall List) f estgelegt. Sie sollte ab 7. 7., 0.00 Uhr, den Be= 
fehl iiber die 11. Armee, die 17. Armee, das italienische AOK 8 und, ab= 



8 Tgb. Bock, 3.7.1942 (Bundesarchiv/Militararchiv Koblenz, Nachlafi v. Bock). 

9 Fernspruch OKH/Gen.St.d.H./Op.Abt. (IS) Nr. 420470/42 g.Kdos. Chefs, vom 
6. 7. 1942, gez. Haider. 

55 



A. Einf iihrung 

weichend von der bisherigen Planung, audi iiber die i. Panzerarmee uber= 
nehmen. Gleichzeitig sollte die H.Gr. Slid die neue Bezeichnung H.Gr. B er= 
halten. Ein weiterer Befehl verfiigte den Aufmarsch der i. Panzerarmee im 
Raum Artemowsk, so dafi sie ab ii. 7. iiber den Donez angreifen konnte. Da= 
bei hatte sie „entweder mit Schwerpunkt iiber Starobelsk in Richtung auf das 
beherrschende Hohengelande von Wyssotschinoff die Vereinigung mit der 
4. Panzerarmee zu suchen oder nach Erzwingung des Aidar=Uberganges unter 
Sicherung der siidlichen Flanke am Donez in ostwartiger Richtung vorzusto= 
fien''. Hitler wollte sich offenbar dadurch, dafi er die 1. Panzerarmee schon jetzt 
der H.Gr. A. unterstellte und damit die Operationsfiihrung auf beide H.Gr.= 
Kdo.s libertrug, seinen Einflufi auf die von der H.Gr. Siid (B) einheitlich ein= 
geleitete Einschliefiungsoperation wahren, deren siidlichen Zangenarm nun die 
1. Panzerarmee bildete. Der OB der H.Gr. Siid (B), Gen.Feldmarschall v. Bock, 
der fiir den 2. Operationsabschnitt eine einheitliche Fiihrung der drei beteilig= 
ten Armeen durch sein H.Gr.Kdo. fiir richtig hielt, drang mit seinen Gegenvor= 
stellungen nicht durch. 

Am 7. 7. forderte ein neuer Befehl des OKH bereits das Antreten der 1. Pan= 
zerarmee am 9. 7. friih. Die Tage zwischen dem 9. und 13. 7. standen 
daher im Zeichen allgemeiner Verfolgung zwischen Donez und Don. Das 
OKH befahl, das XXXX. Pz.=Korps mit Schwerpunkt nach Siiden auf Mille= 
rowo— Kamensk (Donez) anzusetzen. Die zur „Armeegruppe Ruoff" erweiterte 
17. Armee stiefi wahrenddessen im Norden des Donezbeckens dem langsam 
nach Osten weichenden Gegner nach. Nur der Siidfliigel der Mius=Front ver= 
harrte noch in der alten Stellung. 

In diesem Augenblick erfolgreicher, aber immerhin doch gerade erst einge= 
leiteter Operationen im Osten befiirchtete Hitler eine mogliche Reaktion der 
Westalliierten auf Grund sowjetischen Drucks an der Kanalkiiste, nachdem er 
schon seit Ende Juni Besorgnisse gezeigt hatte. In einem Befehl vom 9. 7.^ 
fiihrte er daher aus : „Die schnellen und grol?en Erf olge im Osten konnen Eng= 
land vor die Alternative stellen, entweder sof ort eine Grolilandung zur Bildung 
einer zweiten Front zu unternehmen oder Sowjet=Ru61and als politischen und 
militarischen Faktor zu verlieren. Es ist daher mit hoher Wahrscheinlichkeit 
damit zu rechnen, dal? feindliche Landungen im Bereich des OB West in Klirze 
stattfinden . . . Als besonders gefahrdet sind anzusehen: in erster Linie die 
Kanalkiiste, der Bereich Dieppe— Le Havre und die Normandie, da diese Ab= 
schnitte von der feindlichen Luftwaffe mit Jagdschutz erreicht werden konnen 
und innerhalb der Reichweiten eines grofien Teiles der Ubersetzmittel liegen . . . 

„Ich befehle hiernach die sofortige Durchf iihrung folgender Mafinahmen: 

... 1. SS=Div.=Reidi ist mit den fertiggewordenen Teilen, ohne jeweils die Beendi= 
gung der Auf stellung verstarkter Regimenter und die Erreidiung voller Beweglichkeit 
abzuwarten, dem OB West zuzufiihren ... 2. Die SS=Leibstandarte ,Adolf Hitler' ist 

1 OKW/WFStab Nr. 551213/42 g.Kdos. Chefs, vom 9. 7. 1942, gez. Adolf Hitler. 
56 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

sofort nach dem Westen abzutransportieren. 3. SS=Gen.Kdo. (mot) ist nach beschleu= 
nigtem Abschlufi der Aufstellung dem OB West zuzufiihren. Zusammenfassen aller 
im Westen befindlidien SS=Verbande, moglichst auch der Brigade ,Goring' unter 
diesem Gen.Kdo. ist vorzusehen. 4. Die befohlene Verlegung eines Regiments der 
23. I.D. nach Danemark wird zunachst zuriidkgestellt ... 3 ,Walkiire=ir=Verbande 
sind sofort aufzustellen und nach kurzem Zusammentreten der Truppenteile auf den 
vorgesehenen Ubungsplatzen des Heimatkriegsgebietes beschleunigt dem OB West 
zuzufiihren . . . Ich werde mich im Falle einer feindlichen Landung selbst nach dem 
Westen begeben und von dort aus die Fiihrung wahrnehmen." 

Am 23. 7. befahl Hitler gegen den Widerstand Jodls und Haiders auch noch, 
die Division „GroJSdeutschland'' im Angriff anzuhalten und fiir den Abtrans= 
port nach dem Westen vorzubereiten^. 

In den Ablauf der Operationen auf dem Siidfliigel der Ostfront griff indessen 
Hitler in immer schnellerer Folge ein. Nach einer Weisung des OKH vom 11. 7. 
abends sollte der zusammenwirkende Ansatz der inneren Fliigel der H.Gr.n 
A und B auf Kamensk zur Vernichtung des Gegners nordlich des Donez fiihren. 
Die H.Gr. B hatte auf ihrem rechten Fliigel die 4. Panzerarmee in Richtung 
Donez=Miindung vorzufiihren mit Schwerpunkt auf Kamensk. Hier sollte ihr 
die 1. Panzerarmee die Hand reichen. Siidlich des Donez, vy^o der Nordfliigel 
der Armeegruppe Ruoff frontal nach Osten angriff, hatte sich die „Gruppe 
Kirchner" (LVII. Pz.=Korps und XXXXIX. Geb.=Korps) bereitzuhalten, auf Be= 
fehl des OKH zu dem geplanten Stofi auf Rostow anzutreten. Die 6. Armee 
hatte die ganze Operation im Bereich des mittleren Don laufend nach Norden 
und Osten abzudecken und die Voraussetzungen fiir das spatere Vorgehen 
in Richtung Stalingrad zu schaffen. 

Die Hoffnung, starkere Telle des Gegners im Raum Millerowo und siidlich 
zu fassen, schwand jedoch am 13. 7. immer mehr. Die H.Gr. B meldete am 
Vormittag dieses Tages, „dafi sich der Feind vor der 4. Panzerarmee und vor 
dem Nordfliigel der H.Gr. A weiterhin mit Teilen nach Osten und Siidosten 
durchschlage und sich neuerdings sogar mit starken Teilen nach Siiden absetze. 
Der OB der H.Gr. B, Gen.Feldmarschall v. Bock, vertrat die Auffassung, „da6 
die Vernichtung wesentlicher Feindkrafte nicht mehr in einer Operation er= 
reicht werden konnte, die in der Mitte stark und auf den Flugeln schwach sei 
sowie mit der Hauptstofirichtung iiber Millerowo mitten in den Feind hinein= 
fiihrte''. Der Schwerpunkt der 4. Panzerarmee musse daher unter Sicherung des 
Ruckens und der Ostflanke iiber den Raum von Morozowski auf den Don 
oberhalb der Donezmiindung gefiihrt werden. 

Diese Meldung des Gen.Feldmarschalls v. Bock, die eine deutliche Kritik an 
den Mafinahmen der Obersten Fuhrung enthielt, stand in der Lagebespre= 
chung im FHQu am 13. 7. zur Erorterung. Hitler aufierte hochsten Un= 
willen iiber die Verzogerung beim Nachfiihren der schnellen Verbande der 

2 „Fiihrer= Weisung" Nr. 45 vom 23. 7. 1942 (Hubatsch, a. a. O., S. 196 ff.). 

57 



A. Einfiihrung 

4. Panzerarmee aus dem Raum Woronesch. Dies wurde der Anlafi fiir seinen 
Entschlufi, Gen.Feldmarschall v. Bock als OB der H.Gr. B durch Gen.Oberst 
Frhr. v. Weichs zu ersetzen und als Ob. d. H. die Haupt=Operationen nunmehr 
ganz in die eigene Hand zu nehmen, Dementsprechend befahl er in seiner Wei= 
sung vom 13. 7.^ es komme darauf an, „den Riickzug des Feindes nach Osten 
und sein Ausweichen iiber den Don nach Siiden zu verhindern. 

„Dazu ist notwendig, zunachst mit schnellen Verbanden, ansdiliefiend mit Infan= 
terie so rasch wie moglich von Norden her bis zur Donezmiindung durchzustofien 
und die Don=Ubergange bei Konstantinowskaja und Zymljanskaja — dieser beson= 
ders wichtig — in die Hand zu nehmen, um hierdurdi und im ansd\lie6enden weite= 
ren Sto6 Richtung Rostow moglichst beiderseits des Don ein Abfliefien des Feindes 
in den Bereidi des unteren Don zu verhindern sowie die Bahnlinie Salsk— Stalingrad 
zu unterbredien. 

Oberkommando der Heeresgruppe A iibernimmt die einheitlidie Fiihrung dieser 
Operation nach meinen Weisungen^, Oberkommando der Heeresgruppe B deckt 
diese Operation im Bereich des mittleren Don und zwischen Woronesdi und der 
Grenze zur H.Gr. Mitte. 

Dem Oberkommando der H.Gr. A wird mit sofortiger Wirkung unterstellt und 
durch Oberkommando der H.Gr. B mit aller moglichen Beschleunigung zugefiihrt: 
4. Panzerarmee mit samtlidien schnellen Verbanden . . .■" 

Das Oberkommando der H.Gr. A wehrte sich vergeblich gegen den Zwang, 
mit dem Eindrehen von zwei Panzerarmeen nach Siidwesten in Richtung 
Rostow von der grofien Linie des Operationsplans abzuweichen. Hitler blieb 
bei seinem EntschlulB, der vor allem aus dem Bestreben, doch noch moglichst 
Starke Telle des Gegners zu fassen, zu erklaren ist. 

Die Gefangenenzahlen des Kessels von Millerowo enttauschten jedoch: das 
XXXX. Pz.Korps meldete rd. 14000 Gefangene^. Die Gesamtzahl der seit Ope= 
rationsbeginn angef allenen Gef angenen erhohte sich damit auf rd. 100 000. Mit 
der Einnahme von Millerowo am 15. 7. konnte die 2. Phase der Operationen 
als abgeschlossen gelten. 

Am 17. 7. trafen Vorausabteilungen der 4. Panzerarmee am Don bei Zyml= 
janskaja ein, wahrend die allein im Don=Bogen nach Osten vorgehende 6. Ar= 
mee den oberen Tschir erreichte. Verlafiliche Agentenmeldungen wiesen seit 
dem 15. 7. auf energische Mafinahmen der sowjetischen Fiihrung zum Schutze 
von Stalingrad hin. Luftaufklarung ergab die Zufiihrung von Kraften aus dem 
Raume von Stalingrad in den grofien Don=Bogen ostwarts des Tschir. Diese 
Bewegungen wurden als vorsorgliche Sicherung des westlichen Vorfeldes von 
Stalingrad gewertet. 

In der Lagebesprechung am 17. 7. — der ersten im FHQu „WerwolP, in das 
Hitler mit seiner Begleitung und dem WFStab am 16. 7. iibergesiedelt war, 

3 Fernschreiben OKH/Gen.St.d.H./Op.Abt. (I) Nr. 420558/42 g.Kdos. ChefS. vom 
13. 7. 1942, 23.30 Uhr, gez. Adolf Hitler. 

4 Vom Verf. hervorgehoben. 

5 Weitere Einzelangaben liegen nicht vor. 

58 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

wahrend das OKH in Winniza Quartier nahm — kam es zu einer lebhaften 
Auseinandersetzung zwischen Hitler und dem Chef des Generalstabes des Hee= 
res, Generaloberst Haider, iiber die Fortfiihrung der Operationen. Die Ent= 
scheidungen Hitlers fanden in einer Weisimg des OKW/WFStabes vom 18. 7.® 
eine Zusammenfassung: 

„Erstes und wichtigstes Ziel ist es, die vor der H.Gr. A zusammengedrangten 
Krafte der Armeen Timoschenkos im Raum zwisdien Don und Donez zu vernidriten. 
Um das Entweidien iiber den Don nadi Siiden zu verhindern, haben, wie sdion be= 
fohlen, Starke schnelle Verbande des Ostfliigels moglichst zahlreiche Briickenkopfe 
iiber den Donez zu gewinnen und in Richtung auf Rostow vorzustofien. Zu dem 
gleichen Zweck ist aus der Front nordlich Taganrog eine Stofigruppe von Westen 
ebenfalls auf Rostow anzusetzen, um damit den Ring um die im Donezbogen stehen= 
den feindlichen Armeen zu schliefien. 

Zum Einbruch in den Kaukasus mu6 der Don an mehreren Stellen iiberwunden 
werden; das wird — wenn der Feind erst eine Donverteidigung aufgebaut hat — 
schwieriger sein als jetzt. Durch das XXXXVIII. Pz.=Korps mu6 daher der Versuch 
unternommen werden, wenigstens Briickenkopfe iiber den Don zu gewinnen und zu 
behaupten. Jede Moglichkeit, durdi vorgeworfene Teilkrafte Briicken der Bahnlinie 
Salsk— Stalingrad zu sprengen, ist auszuntitzen . . . 

Zur Abdeckung dieser Hauptoperation nadi Osten ist es erforderlidi, die Sidie= 
rungen am Don durdi zilgige Seitwartsverschiebung der hierfiir eingesetzten Krafte 
zu verlangern und moglidist bald die Landbriicke zwischen Don und Wolga zu ge= 
winnen und Stalingrad zu nehmen. Gelingt das in einem iiberraschenden Vorsto6 
nicht, so bleibt es das wichtigste Ziel, siidlich Stalingrad die Wolga zu gewinnen 
und derart zu beherrschen, dafi jeder Schiffsverkehr auf der Wolga vom und zum 
Kaspischen Meer unterbunden wird . . . 

Der schnelle Ablauf der Operationen nordlich des Don wird dazu fiihren, da6 von 
dem Unternehmen ,Bliicher'' in dem bisher geplanten Ausma6 abgesehen werden 
kann. Die Vorbereitungen sind nunmehr lediglich darauf abzustellen, dafi etwa eine 
deutsche Jager=Division und zwei rumanische Gebirgs=Divisionen iibersetzen, sobald 
die iiber den Don nach Siiden vorgehenden eigenen Krafte den Obergang geoffnet 
haben. 

Sobald der Ubergang iiber den Don und der Einbruch in das Kaukasusgebiet von 
Norden her erzwungen ist, sind die durch den Verzicht auf das Unternehmen ,Bliicher' 
freiwerdenden Krafte der 11. Armee der H.Gr. Nord zuzufiihren, um Leningrad zu 
nehmen, dadurch die finnischen Divisionen auf der Karelischen Landenge freizu= 
machen und die Landverbindung mit Finnland herzustellen . . .■" 

Mit diesen Richtlinien war der in der „Fiihrer=Weisung'' Nr. 41 niedergelegte 
Plan des etappenweisen Ablaufs der Operationsphasen der Sommeroffensive, 
der schon vorher mehrfach abgeandert worden war, voUig beiseite geschoben. 
Vor allem aber war das Nacheinander von Offensive im Siiden und Eroberung 
Leningrads im Norden zugunsten eines Nebeneinander aufgegeben. Aus der 

6 OKW/WFStab/Op. Nr. 551/61/42 g.Kdos. Chefs, vom 18. 7. 1942 an OKH/Gen.St. 
d.H./Op.Abt., gez. Adolf Hitler. 

7 Uberfiihrung der 11. Armee iiber die Strafie von Kertsch nach Taman, vorge= 
sehen in der „Fiihrer=Weisung" Nr. 43 vom 11. 7. 1942 (Hubatsch, a. a. O., 

S. i92ff.). 

59 



A. Einfiihrung 

vorgefaliten Meinung, die Rote Armee sei bereits entscheidend getroffen, und 
einem inneren Zwang zur Eile f olgend, wollte Hitler nunmehr alle Operations= 
ziele auf einmal erreichen. Dies kam in der „Fuhrer=Weisung'' Nr. 45 dann 
voUends zum Ausdruck (s. unten S. 60/61). 

Dabei lag zu dieser Zeit bereits eine Abwehrmeldung vor, die die sowjeti= 
schen Absichten klar widerspiegelte : „Militarrat in Moskau, unter anderen an= 
wesend Molotow, Woroschilow und der englische, amerikanische und chine= 
sische Attache, in der Nacht zum 13. 7. beendet. Schaposchnikow erklarte Riick= 
zug bis zur Wolga, so dafi die Deutschen den Winter an der Wolga verbringen 
miissen. Beim Riickzug soil alles vernichtet und samtliche Industrie nach dem 
Ural und Sibirien evakuiert werden. An zwei Stellen sollen Angriffe versucht 
werden, einmal nordlich Orel, zum anderen nordlich Woronesch . . . Stalingrad, 
Noworossijsk und der Kaukasus sollen gehalten werden^^/' 

Am 23. 7. fiel Rostow am Don nach hartem Kampf, am folgenden Tage wur= 
den Briickenkopfe am Siidufer des Flusses gebildet. Bedeutende Gefangenen= 
zahlen gab es nicht. Vielmehr hatte der Ansatz der Armeegruppe Ruoff, der 
1. Panzerarmee und von Teilen der 4. Panzerarmee auf das Punktziel Rostow 
nur dazu gefiihrt, dafi eine unausbleibliche Zusammenballung von Kraften 
eintrat, deren Entwirrung Tage in Anspruch nahm. 

Am 25. 7. erreichten Angriffsspitzen der 6. Armee den Don nordwestlich 
Kalatsch. Damit war der Don von Woronesch bis zur Miindung von deutschen 
Kraften erreicht. Nur noch in der Schleife von Kremskaja und im Raum um 
Kalatsch hielten sich noch sowjetische Verbande am westlichen Don=Ufer. Zu 
dieser Zeit gait bereits die „ViXhrer=V\I eisung" Nr. 45^ fur die Fortsetzung der 
Operation „Braunschweig" (Deckname fiir „Blau'' seit 30. 6.). Sie hatte Hitler 
am 23. 7. gegen die Auffassung des Chefs des Generalstabes des Heeres er= 
lassen. In ihr hieli es einleitend: 

„h\ einem Feldzug von wenig mehr als drei Wodien sind die von mir dem Siid= 
fliigel der Ostfront gesteckten weiten Ziele im wesentlichen erreicht worden. Nur 
schwacheren feindlichen Kraften der Armeen Timosdienkos ist es gelungen, sich der 
Umfassung zu entziehen und das siidliche Donufer zu erreichen. Mit ihrer Ver= 
starkung aus dem Kaukasus ist zu rechnen. Die Versammlung einer weiteren feind= 
lichen Kraftegruppe im Raum um Stalingrad, das der Gegner voraussichtlich zah 
verteidigen wird, ist im Gauge . . . 

Die nachste Aufgabe der H.Gr. A ist es, nunmehr die iiber den Don entkommenen 
feindlichen Krafte im Raum siidlich und siidostwarts Rostow einzuschliefien und zu 
vernichten. Hierzu sind starke schnelle Verbande aus den Briickenkopfen, die im 
Raum Konstantinowskaja— Zymljanskaja zu bilden sind, in allgemein siidwestlicher 
Richtung . . . anzusetzen . . . Daneben bleibt der Auftrag bestehen, die Bahnlinie 
Tichorezk— Stalingrad mit vorgeworfenen Teilen zu unterbrechen . . . 

Nach Vernichtung der feindlichen Kraftegruppe siidlich des Don ist es die wich= 
tigste Aufgabe der H.Gr. A, die gesamte Ostkiiste des Schwarzen Meeres in Besitz 

7a Vgl. Dokumenten=Anhang Nr. 15. 

8 „Fiihrer=Weisung" Nr. 45 vom 23. 7. 1942 (Hubatsch, a. a. O., S. 196 ff.). 

60 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

zu nehmen und damit die Schwarzmeerhafen und die feindlidhie Sdiwarzmeerflotte 
auszuschalten . . . 

Zugleich ist mit einer im wesentlichen aus schnellen Verbanden zu bildenden 
Kraftegruppe unter Aufbau eines Flankenschutzes nach Osten der Raum um Grosnij 
zu gewinnen und mit Teilkraften die Ossetische und Grusinische Heerstrafie mog= 
lichst auf den Pafihohen zu sperren. Anschliefiend ist im Vorstofi entlang des Kas= 
pischen Meeres der Raum um Baku in Besitz zu nehmen . . . 

Der H.Gr. B fallt — wie bereits befohlen — die Aufgabe zu, neben dem Aufbau 
der Donverteidigung im VorstoE gegen Stalingrad die dort im Aufbau befindliche 
feindliche Kraftegruppe zu zerschlagen, die Stadt selbst zu besetzen und die Land= 
briicke zwischen Don und VVolga sowie den Strom selbst zu sperren. Im Anschlufi 
hieran sind schnelle Verbande entlang der Wolga anzusetzen mit dem Auftrag, bis 
nach Astrachan vorzustofien und dort gleichfalis den Hauptarm der Wolga zu sper= 
ren . . . 

Die H.Gr. Nord bereitet die Wegnahme von Leningrad bis Anfang September 
vor . . . Hierzu sind ihr 5 Divisionen der 11. Armee neben der schweren und schwer= 
sten Artillerie sowie die notigen sonstigen Heerestruppen zuzufiihren. 2 deutsche 
und 2 rumanische Divisionen sind vorlaufig auf der Krim zu belassen . . ." 

Damit wurden der 3. und der 4. Operationsabschnitt des Unternehmens 
„Blau''— ^Braunschweig'" von Hitler endgiiltig zusammengezogen und der Vor= 
stoli nach Stalingrad und der Vormarsch zum Kaukasus, statt wie vorgesehen 
hintereinander in zwei Ziigen, parallel in exzentrischer Operation eingeleitet. 
Waren nunmehr 3 der insgesamt 4 deutschen Armeen (namlich 17. Armee, 
1. und 4. Panzerarmee) fiir das Kaukasus=Unternehmen angesetzt und nur eine 
(die 6. Armee) fiir die Stalingrad=Operation, so anderte die Weisung Hitlers 
vom 31. 7. dies nochmals. In der Lagebesprechung in „Werwolf'' am 30. 7. 
aufierte Jodl, dali „das Schicksal des Kaukasus bei Stalingrad entschieden"" 
werde. Daher sei eine „Abgabe von Kraften der H.Gr. A zu B . . . notwendig, 
und zwar siidlich des Don®''. In der Weisung vom 31.7.®^ wurde dementspre= 
chend mit Wirkung vom 1. 8. der Ubertritt der 4. Panzerarmee zur H.Gr. B 
angeordnet. Hinsichtlich der Operationsfiihrung hieJS es: 

„Mit Durchsdineiden der Bahnverbindung zwischen dem Kaukasus und Stalin= 
grad ist die Front des Gegners siidlich des Don zerrissen. Vor H.Gr. A wird er unser 
Vordringen gegen und iiber den Kaukasus zu verhindern suchen; nennenswerte 
Verstarkungen aus dem Inneren Ru61ands werden ihm hierfiir nicht zur Verfiigung 
stehen. Vor H.Gr. B ist damit zu rechnen, dafi der Feind alle irgendwie verfiigbaren 
Krafte auf Stalingrad heranfiihrt, um sich die Lebensader Wolga zu erhalten. 

Nachste und wichtigste Aufgabe der H.Gr. A ist die schnelle Inbesitznahme der 
Schwarzmeer=Kiiste, um damit die feindliche Flotte auszuschalten und die Ver= 
sorgung der eigenen Krafte iiber See fiir die weiteren Operationen sicherzustellen . . . 
Aufgabe der H.Gr. B bleibt unverandert . . ." 

Damit zerflatterte die deutsche Offensive 1942 in zwei grofie Stolirichtungen : 
Stalingrad und Kaukasus, auf die jeweils 2 Armeen angesetzt waren, deren 



9 Generaloberst Haider, Kriegstagebuch, a. a. O., Bd. Ill, 30. 7. 1942. 
9a Wortlaut im Dokumenten=Anhang Nr. 17. 



61 



A. Einfiihrung 

Operationen sich immer mehr voneinander entfernten. In der Kalmiickensteppe 
entstand eine Liicke, die nur durch die beweglichen Krafte der 16. Inf.Div. 
(mot.) notdiirftig gesichert wurde. Die H.Gr. A naherte sich bei ihrem Vor= 
marsch dem westlichen Kaukasus. Am 5. 8. wies das H.Gr.=Kdo das — noch 
bis zum 24. 8. auf der Krim befehlsfiihrende — AOK 11 an, die Vorbereitungen 
eines Ubergangs schwacherer Krafte (Unternehmen „Bliicher IF') iiber die 
Strafie von Kertsch nach Taman abzuschliefien. Am 10. 8. fiel Krasnodar in die 
Hand der Armeegruppe Ruoff, am 9. 8. Maikop mit seinem kleinen Olgebiet 
und — im Vorstofi nach Siidosten — Pjatigorsk in die der 1. Panzerarmee. In 
einer Weisung vom 9. 8. regelte das H.Gr.Kdo A den weiteren Ansatz seiner 
Krafte. Es gedachte, als nachsten Schritt mit der Armeegruppe Ruoff in einem 
neuen Ansatz seiner Krafte die Gewinnung der Schwarzmeerkiiste bis Batum 
anzustreben und sie mit Teilen zum Stofi siidlich des Kaukasus in Richtung 
auf Tiflis vorzufiihren, die zusammengefafite 1. Panzerarmee nordlich des Ge= 
birges nach Siidosten operieren zu lassen. 

Im einzelnen sollte die 3. rumanische Armee unter der Armeegruppe Ruoff 
die Taman=HalbinseI von riickwarts offnen. Das LVII. Pz.=Korps und XXXXIV. 
A.K. hatten, iiber das Gebirge vorstofiend, die Kiistenstrafie bei Tuapse und 
Adier zu gewinnen, um dann auf Batum vorzustofien. Das V. A.K. sollte ihnen 
spater nach der Einnahme von Noworossijsk und Anapa iiber Tuapse nach= 
gefiihrt werden. Das XXXXIX. Gebirgs=Korps sollte mit einer deutschen und 
einer rumanischen Geb.Div. westlich des Elbrus iiber den Kaukasus vorstofien 
und gegebenenfalls auf Tiflis vorgehen. Die 1. Panzerarmee erhielt den Auf= 
trag, das XXXX. Pz.Korps (3. und 23. Pz.Div.) iiber Grosnij— Machatsch Kala 
auf Baku vorzutreiben und mit einer deutschen Geb.Div. die Passe im Zuge 
der Ossetischen und Grusinischen Heerstrafie zu gewinnen, um die Division 
dann weiter auf Tiflis vorzufiihren. Das LII. A.K. hatte zunachst weiterhin die 
Nordflanke der H.Gr. zu sichern und war spater zur Sicherung am Kaspischen 
Meer bei Machatsch Kala vorgesehen. 

Diese weitreichenden Zielsetzungen fiigten sich in den Rahmen der „Fiih= 
rer= Weisung'' Nr. 45 ein, entsprachen jedoch keinesfalls den vorhandenen 
Kraften bei der gewaltigen Ausdehnung des vor der H.Gr. A liegenden Rau= 
mes. Schon Mitte August gerieten die Operationen voriibergehend, Ende 
August endgiiltig ins Stocken. 

Eingriffe Hitlers kamen hinzu. Entgegen dem von der H.Gr. A geplanten 
Ansatz befahl er bereits am 12. 8., die beiden deutschen Geb.Div.en (1. und 
4. Geb.Div.) unter dem XXXXIX. Geb.Korps (General d. Geb.Tr. Konrad) 
westlich des Elbrus zusammenzufassen und nur die 2. rum. Geb.Div. ostlich 
des Elbrus iiber die Ossetische und Grusinische Heerstrafie vorzuschieben. 

Vom 15.— 17. 8. erreichten Vorausabteilungen der 1. Geb.Div. die Siidwest= 
auslaufer des Elbrus mit dem Kluchor=Pafi. Dann verhielten die z. T. bis weit 
uber die Kammpasse vorgestofienen Spitzen des Geb.Korps, die 4. Geb.Div. 
vor Suchum nur etwa 30 km. Um die schwierige Frage einer Fortfiihrung der 

62 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

weiteren Kampffiihrung zu erortern, begab sich der OB der H.Gr. A, Gen.= 
Feldmarschall List, am 31. 8. ins FHQu. In einer Unterredung mit Hitler unter 
vier Augen aufierte dieser, riickblickend ware ihm der Einsatz des Geb.Korps 
an der Strafie nach Tuapse lieber gewesen. In der anschliefienden Lagebespre= 
chung stellte man fest, dafi eine Umgruppierung des Geb.Korps jetzt zu zeit= 
raubend sei, aufierdem sah man die Lage bei der 4. Geb.Div. vor Suchum fiir 
einen Durchstofi zur Kiiste als giinstig an. So erklarte sich Hitler damit ein= 
verstanden, dafi der allgemeine Angriff der H.Gr. unter Zusammenfassung der 
Krafte an drei Stellen: bei Noworossijsk, an der Strafie nach Tuapse und bei 
der 4. Geb.Div. in Richtung Suchum fortzusetzen sei. 

Das Oberkommando der H.Gr. A meldete daraufhin am 5. 9. dem OKH 
seinen neuen Angriff splan : nach der Wegnahme von Noworossijsk soUe un= 
verziiglich zum Angriff auf Tuapse umgruppiert werden. Am 6. 9. verstandigte 
das Oberkommando der H.Gr. jedoch die Operationsabteilung des General= 
stabes des Heeres fernmiindlich, dali Gen.Feldmarschall List und der Kdr. Ge= 
neral des Geb.Korps, General d. Geb.Tr. Konrad, den weiteren Angriff der 
4. Geb.Div. in Richtung Suchum auf Gudauti nicht verantworten konnten. Zu 
diesem Zeitpunkt mufiten namlich gerade die bis zum Bsyb=Tal vorgedrunge= 
nen Telle der 4. Geb.Div. an den Adsapsh=Pali zuriickgenommen werden, 
um sie bei dem zunehmenden Druck des Gegners einer Umgehung zu ent= 
Ziehen. 

Um seine Bedenken gegen den befohlenen Ansatz des Geb.Korps der ober= 
sten Fiihrung nochmals iiberzeugend nahe zu bringen, lud Gen.Feldmarschall 
List den Chef WFStab, General Jodl, zu einer Aussprache ins HQu. der H.Gr. 
in Stalino ein. Die Besprechung fand am 7. 9. in Anwesenheit von General 
Konrad statt. Jodl schlofi sich dabei der Auffassung Lists und Konrads an, 
dafi der Vorstofi auf Gudauti nicht mehr zu verantworten sei. Die Griinde hier= 
fiir waren: die groJSen Gelandeschwierigkeiten fiir den Angriff, der nur iiber 
einen Gebirgspfad gefiihrt werden konnte, die Versorgungsschwierigkeiten 
iiber eine Luftlinie von 60—70 km mit Tragtieren, die fiir einen Versorgungs= 
weg jeweils etwa 6 Tage benotigten — aufierdem fehlten 1900 Tragtiere — , die 
Gefahr, da6 bei Hochwasser zahlreiche Briicken zerstort wurden, die Unsicher= 
heit, ob der Angriff auf Tuapse rechtzeitig gelingen wiirde und ob darauf der 
weitere Stoli entlang der Kiiste zur Vereinigung mit den Kraften des Geb.Korps 
noch vor Einbruch des Winters wiirde gefiihrt werden konnen, schliefilich die 
Moglichkeit einer hilflosen Isolierung der bis an die Kiiste durchgebrochenen 
Krafte gegeniiber einem iiberlegenen Feind, der giinstige Versorgungsgrund= 
lagen hatte und in der Luff und von See her unterstiitzt wurde. Jodl soUte 
daher Hitler vorschlagen, auf diesen Angriff zu verzichten, die Krafte des 
Geb.Korps auf die Passe des Hauptkammes zuriickzunehmen und eine der 
beiden Geb.Div.en fiir den Stofi auf Tuapse frei zu machen. 

Der Vortrag Jodls vor Hitler am 8. 9. fiihrte dann zu jener den Anlafi bald 
weit hinter sich lassenden Vertrauenskrise zwischen diesem und dem Chef 

63 



A. Einfiihrung 

WFStab, deren Bedeutung fiir die Geschichte der deutschen Obersten Wehr= 
machtfiihrung bereits dargelegt wurde (s. oben S. 12 f .) ^ 

Hitler entschied am 9. 9., anstelle des Gen.Feldmarschalls List selbst die 
Fuhrung der H.Gr. A zu ubernehmen. Der Chef des Generalstabes der H.Gr., 
Generalleutnant v. Greiffenberg, sollte mit dem Stab als „Meldekop£ und Be= 
fehlsiibermittlungsstelle'' in Stalino bleiben. In der Sache entschied Hitler ge= 
nau so, wie Jodl es vorgeschlagen hatte: Der Vorstofi der 4. Geb.Div. an die 
Kiiste sollte entfallen, starke Krafte des Geb.Korps soUten dafiir der Tuapser 
Angriffsgruppe zugefiihrt werden. 

Nachdem am 1./2. 9. das Ubersetzen fiber die Strafie von Kertsch gelungen, 
die Tamanhalbinsel besetzt, Noworossijsk am 6. 9. erobert und die 1. Panzer= 
armee bei ihrem Vorstofi nach Siidosten am Terek=Bogen und im Raum Mosdok 
zum Stehen gekommen war, trat iiberall eine Operationspause ein. Die nach 
der Umgruppierung gebildete Angriffsgruppe Tuapse konnte erst am 23. 9. 
mit ihrem Angriff an der PajSstraEe in schwierigstem Gelande beginnen. Jedoch 
die Kraft der zahlenmafiig bereits schwachen Truppen verbrauchte sich rasch. 
Schwere Waffen und Artillerie konnten nicht geniigend zur Wirkung gebracht 
werden. Die Versorgung mulite mit Tragem und Tragtierkolonnen iiber immer 
langere Strecken nach vorn gebracht werden. Futter fiir Pferde und Tragtiere 
fehlte, Gewitter von tropischer Gewalt mit wolkenbruchartigen Regengiissen 
fiillten sonst trockene Taler in kiirzester Zeit mit Wasser, das ebenso schnell 
wieder abflofi. Auf den Bergen aber herrschte Wassermangel. 

Am 12. 10. meldete die Armeegruppe Ruoff, dafi fur die Fortfiihrung des 
Angriff s neue Krafte erforderlich seien, die Ausfalle betriigen rund ^oooo 
Mann. Schliefilich konnte am 16. 10. der ostwarts der Strafie nach Siiden vor= 
getriebene Stolikeil des XXXXIV. A.K. und der Geb.Div. Lanz Schaumjan 
nehmen. Auch dieser Angriff vermochte indessen nicht, den Durchbruch zu er= 
zwingen. Nur noch 20 km vor dem Ziel Tuapse erstarrte Ende Oktober die 
Front. 

Hitler hatte unmittelbar nach der Befehlsiibernahme iiber die H.Gr. A 
am 10. 9.2 den schwachen Kraften der H.Gr. fiir den Rest des Jahres 1942 
weite, unerreichbare Ziele gesteckt: ,,17. Armee hat nach Gewinnen von 
Shaumjan unverzuglich auf Tuapse weiterzustofien, um Schwarzmeer=Kiiste zu 
gewinnen, um dadurch Voraussetzung fiir Freikampfen des Gebietes zwischen 
Noworossijsk und Tuapse zu schaffen und fur weiteren Stofi entlang Kiiste auf 
Suchum. Es ist beabsichtigt, 1. Panzerarmee je nach Entwicklung der Lage bei 
Stalingrad gegen Monatsende 1—2 schnelle Verbande der H.Gr. B zuzufiihren, 
um damit die Moglichkeit zu schaffen, unter Sperrung der Heerstrafien das 
Gebiet um Grosnij zu nehmen und weiter in Richtung Machatsch Kala 
vorzustofien.'' 



1 Aufzeidinungen zum KTB WFStabes vom 8. und 9. 9. 1942. 

2 KTB der H.Gr. A, 10. 9. 1942. 



H 



IV. Der ostliche Kriegssdiauplatz 1942 

Ohne dafi die beiden Voraussetzungen erfiillt waren und wohl audi selbst 
ohne grofie Hoffnung — hatte Hitler die Dlraffinerien von Grosnij doch am 
10. und 12. 10. von der Luftwaffe angreifen lassen und damit zu erkennen 
gegeben, dafi dieses Gebiet 1942 nicht mehr erreicht wiirde — , liefi er 
schlieJSlich am 25. 10. den Angriff der 1. Panzer armee in Riditung Heerstrafien 
und Ordshonikidse beginnen. Die Oberraschung gelang: Naltschik wurde am 
26. 10. genommen, eine Gruppe von 4 sowjetisdien Divisionen eingeschlossen 
(7000 Gefangene). Am 1. 11. erreichten die beiden vorstofienden Panzer= 
divisionen in breiter Front den Ardon und den Eingang zur Ossetischen Heer= 
strafie bei Alagir. Am 5. 11. gelangte die 13. Pz.Div. bis 5 km an Ordshonikidse 
heran. Dann aber setzten sowjetische Gegenangriffe ein. Die Division wurde 
abgeschnitten. Schliefilich befahl die 1. Panzerarmee gegen den Widerstand 
Hitlers den Ausbruch, der in der Nacht vom 11./12. 11. gelang. Damit war der 
letzte Versuch, im Kaukasus noch eine Entscheidung zu deutschen Gunsten 
zu erzwingen, gescheitert. Zu dieser Zeit standen an der langgestreckten Front 
der H.Gr. 15 deutschen, 1 slowakischen und 6 rumanisdien Divisionen 72 
sowjetisdhie Verbande und Teile von 8 weiteren gegeniiber. 

Verglichen mit den standigen Eingriffen in die Operationsfiihrung der 
H.Gr. A, als deren OB er fungierte, hat sich Hitler lange Zeit in die Fiihrung 
der H.Gr. B, die in Richtung Stalingrad operierte, relativ wenig eingeschaltet. 
Es geniigt daher, hier einige wenige aufiere Daten festzuhalten. Unter dem 
Drangen des OKH auf einen moglichst friihen Termin trat die 6. Armee am 

7. 8. zum Angriff auf die sowjetische Front westlich Kalatsch an und zerschlug 
in einer bis zum 11. 8. dauernden Kesselschlacht wesentliche Teile der 1. so= 
wjetischen Panzerarmee und der 62. Armee {^y 000 Gefangene; 1000 Panzer, 
750 Geschiitze zerstort oder erbeutet). Bis zum 15. 8. wurde auch die noch von 
denSowjets gehaltene Flufischleife vonSirotinskaja besetzt (13 000 Gefangene), 
wahrend ein Briickenkopf siidlich Kremenskaja von den Sowjets gehalten wer= 
den konnte. Am 22. 8. mufite vor sowjetischem Druck die Front auch bei 
Sirotinskaja wieder auf eine Sehnenstellung Sirotinskaja=Kletskaja zuriick= 
genommen werden (iiber die Bildung des sowjetischen Briickenkopf es bei der 

8. italienischen Armee im Raum von Serafimowitsch s. oben S. 24). 

Am 23. 8. stiefi der Nordfliigel der 6. Armee (XIV. Pz.Korps) aus dem Don= 
bruckenkopf Wertjachi bis an die Wolga nordostwarts Orlowka durch, Stalin= 
grad war damit von Norden abgeriegelt. Es dauerte indessen noch bis zum 
4. 9., ehe die sich von Siidwesten herankampfende 4. Panzerarmee in die siid= 
westlichen Auslaufer der Stadt vordringen konnte. Am 13. 9. begann der 
systematische Angriff auf Stalingrad^, seit 16. 9. imter alleiniger Fiihrung des 
Armeeoberkommandos 6. Als es am 20. 9. melden mufite, dafi, wenn nicht 
weitere Krafte zugefiihrt wiirden, „der Angriff versande'', waren die wesent= 

3 OKH/Gen.St.d.H./Op.Abt. (IS/B) Nr. 420710/42 g.Kdos. Chefs, vom 13.9.1942, 
gez. Adolf Hitler. 

65 



A. Einfiihrung 

lichsten Telle der Stadt in ihrer Hand, doch klammerte slch die 62. sowjetische 
Armee an die ihr verbllebenen Bezirke. 

Bereits am 12. 9. hatten der OB der H.Gr. B, Gen.Oberst Frhr. v. Weichs, 
und der OB der 6. Armee, Gen. d. Pz.Tr. Paulus, Hitler Im FHQu „Werwolf '" 
auf dieBedrohungderFlanken der in Stalingrad kampfenden 6. Armee aufmerk= 
sam gemacht, jedoch im ganzen ein positives Bild der Lage gezeichnet. Auf 
Grund ihrer Vortrage befahl Hitler am 13. 9.: „Von H.Gr. B ist die ,mittlere 
Losung' fiir den Frontverlauf nordlich Stalingrad vorzubereiten^. . . Gleich= 
zeitig ist der beabsichtlgte Vorstofi auf Astrachan im Sinne der bisher gegebe= 
nen Weisung vorzubereiten. . . Die offensive Bereinlgung der Lage an der 
Trennungslinle zwischen 6. Armee und itallenlscher 8. Armee ^ kann dem= 
gegeniiber zuriicktreten^. . . 

Die Schwere der Kampfe in Stalingrad lafit sich am deutlichsten an den 
blutigen Verlusten ablesen: allein vom 21. 8. bis 16. 10. betrugen sle bei der 
6. Armee 1068 Offiziere und 38 943 Mann. 

Das Oberkommando der H.Gr. B hielt, solange es irgend vertretbar war, 
daran fest, dafi Stalingrad und das dortige Wolga=Ufer in Besltz genommen 
werden miifiten. Das ausgedehnte Gebiet der Stadt bot immerhin auch im zer= 
storten Zustande der Truppe im Winter mehr Schutz als die karglich besiedelte 
Steppenlandschaft zwischen Wolga und Don, in der kein Material fiir den 
Stellungsbau aufzutreiben war. Doch wurde bereits Ende September deutlich, 
dafi die vollstandige Einnahme der Stadt mit den vorhandenen Kraften nicht 
zu erreichen sein wiirde. Das Oberkommando der H.Gr. warnte daher Anfang 
Oktober, den krafteverzehrenden Angrlff in Stalingrad fortzusetzen. Es schlug 
vor, den auf Stalingrad vorspringenden Frontbogen aufzugeben und auf die 
kiirzeste Llnie zwischen dem Wolga=Knie bei Beketowka und dem Don etwa 
in Gegend Kachalinskaja zuriickzunehmen. Nur dadurch sei ein Minimum an 
Reserven zu gewinnen. Obwohl der neue Chef des Generalstabes des Heeres, 

4 D. h. Vorschieben der Front zwisdien Don und Wolga nadi Norden. 

5 Bildung eines sowjetischen Briickenkopfes siidlich des Don im Raum Kletskaja— 
Serafimowitsch unter Zuriickdrangen der 8. italienisdien Armee vom 21.— 25. 8. 
1942, s. oben S. 24. 

6 Dementsprechend gab die H.Gr. B am 15. 9. 1942 eine Weisung fiir die Kampf= 
f iihrung : 

„i. Nach Inbesitznahme von Stalingrad hat 6. Armee so friihzeitig wie moglich 
und mit moglichst starken Kraften zwisdien Wolga und Don nach Norden an= 
zugreifen mit dem Ziel, die vor XIV. Pz.Korps und VIII. A.K. stehenden Feind= 
krafte zu schlagen, moglidist zu verniditen und eine Winterstellung in allge= 
meiner Linie Jersowka— Panyshino zu gewinnen (,Herbstzeitlose'). 

2. Die befohlene offensive Bereinlgung der Lage an der Naht 6./italienische 
8. Armee ist demgegeniiber zurlickzustellen. Die hierfiir vorgesehenen 22. Pz.Div. 
und 115. Inf.Div. stehen zunachst fiir die . . . Aufgabe zwischen Wolga und Don 
zur Verfiigung (,Wintermarchen') . 

3. Es kann in Frage kommen, da6 vor ,Herbstzeitlose' das XXXXVIII. Pz.Korps 
und IV. A.K. die Vernichtung der im Raum Krasnoarmeisk— Beketowka stehen= 
den Feindgruppe durchzufiihren haben. Hierzu wiirde XXXXVIII. Pz.Korps wie= 
der vorubergehend der 4. Pz.Armee unterstellt werden (,Herbstlaub').'' 

66 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

General d. Inf. Zeitzler, zustimmte, wurde der Antrag von Hitler abgelehnt. 
Er bestand auf der vollstandigen Einnahme der Stadt, auf die er sich in seiner 
Rede am 30. 9. propagandistisch festgelegt hatte. Das Oberkommando der 
H.Gr. gab daher weisungsgemafi am 6. 10. den Bef ehl heraus : „Die Lage vor 
Stalingrad, dessen voUige Inbesitznahme der Fiihrer erneut als wichtigste Auf= 
gabe der H.Gr. bezeichnet, erfordert die Zusammenfassung aller verfiigbaren 
Krafte. Vor dieser Notwendigkeit miissen alle anderen Belange zuriicktreten.'' 

Die sich standig versteifende Haltung Hitlers lafit sich aus den Aufzeich= 
nungen des „Adjutanten des Heeres beim Fiihrer'', Major i. G. Gerhard EngeF, 
gut ersehen. Uber die Lagebesprechung am 2. 10. notierte er: „Zeitzler und 
auch Jodl regen an, Einnahme der Stadt in zweiter Linie zu erwagen, um Krafte 
frei zu bekommen; Hinweis auf verlustreiche Hauserkampfe. Fiihrer lehnt 
schroff ab und betont das erste Mai, dajS Einnahme von Stalingrad nicht nur 
aus operativen Griinden, sondern auch aus psychologischen Griinden dringend 
notwendig sei, fiir Weltoffentlichkeit und Stimmung der Verbiindeten.'' Am 
folgenden Tag liejS sich Hitler auf die erneut von Zeitzler aufgeworfene Frage, 
ob der Angriff auf die Stadt nicht eingestellt werden solle, um Krafte fiir die 
H.Gr. A freizubekommen, zu der Bemerkung hinreifien, „das seien die typi= 
schen Halbheiten, die er vom Heer kenne''. Stalingrad miisse „herausgebro= 
chen'' werden, so erklarte er am 10. 10., „damit der Kommunismus seines 
Heiligtums beraubt'' werde. 

Um die 6. Armee noch starker auf Stalingrad zu konzentrieren, wurde am 
gleichen Tage die rumanische 3. Armee in die Front am Don zwischen der 
6. deutschen und der 8. italienischen Armee eingeschoben. Sie iibernahm damit 
den bisher von den Itahenern verteidigten Abschnitt vor dem sowjetischen 
Briickenkopf von Serafimowitsch, den Hitler im Gegensatz zu dem weiter 
westlich anschliefienden Abschnitt, den die italienische 8. Armee behielt, fiir 
weniger gefahrdet hielt, obwohl Antonescu, der anfangs iiberhaupt nicht den 
Abschnitt iibernehmen wollte, bevor die Front am Don selbst verlief, es nicht 
versaumt hatte. Hitler auf die bedrohliche Lage seiner Truppen hinzuweisen, 
und im Einvernehmen mit der H.Gr. B Abhilfe gefordert hatte. Hitler nahm 
seit dem 16. 8. an, dafi die Sowjets in Wiederholung des bolschewistischen An= 
griffs von 1920 iiber den mittleren Don in Richtung Rostow angreifen wiirden. 
Daher legte er die starksten der vorhandenen deutschen Eingreifreserven hin= 
ter die italienische Front. Lediglich das schwache XXXXVIII. Pz.Korps (Gen.Lt. 
Heim) mit einer deutschen und einer rumanischen Pz.Div. wurde als Eingreif= 
verband hinter die 3. rumanische Armee geschoben. 

An eine sowjetische Grofioffensive glaubte er nicht. Am 7. 11. widersprach 
er in der Lagebesprechung Zeitzler, als dieser auf ihre Moglichkeit hinwies : es 



Personliches Tagebuch des Gen.Lt. a. D. Engel, 1942 ^Adjutant des Heeres beim 
Fiihrer", dem Verf. in Ausziigen von Dr. Hans=Adolf Jacobsen freundlichst zur 
Verfiigung gestellt (kiinftig zit.: Tagebuch Engel). 

67 



A. Einfiihrung 

sei damit zu rechnen, dafi die ^Russen im grofien Donbogen und ostwarts 
Rostow Truppen zusammenzogen; dies deute auf Offensivabsichten hin''. Hit= 
ler entgegnete, „daran glaube er vorlaufig nicht, es sei seine alte Erfahrung, 
dafi der Generalstab den Gegner grundsatzlich iiberschatze. Polen und Frank= 
reidi seien in diesem Zusammenhang eine einzige Blamage gewesen^. . ." 

Am 17. 11 schliefilich, zwei Tage vor Beginn der entscheidenden sowjetischen 
Offensive am Don, gab Hitler der 6. Armee folgenden Befehl: „Die Schwierig= 
keiten des Kampfes um Stalingrad und die gesunkenen Gefechtsstarken sind 
mir bekannt. Die Schwierigkeiten fiir den Russen sind jetzt aber bei dem Eis= 
gang auf der Wolga noch grofier. Wenn wir diese Zeitspanne ausniitzen, 
sparen wir uns spater viel Blut. Ich erwarte deshalb, dafi die Fiihrung nochmals 
mit aller wiederholt erwiesenen Energie und die Truppe nochmals mit dem 
oft gezeigten Schneid alles einsetzen, um wenigstens bei der Geschiitzfabrik 
und beim Metallurgischen Werk bis zur Wolga durchzustofien und diese Stadt= 
telle zu nehmen. Luftwaffe und Artillerie miissen alles tun, was in ihren Kraf= 
ten steht, diesen Angriff vorzubereiten und zu unterstiitzen/' — Als einzige 
Verstarkungen fiir die H.Gr. B wurden fiir die Zeit bis Anfang Dezember die 
Uberfiihrung der 6. Pz.Div. und von 2 Inf.Divisionen aus Frankreich ange= 
kiindigt. 

Ausblidc: Grandsatzlidie Festlegungen von August bis Ende 1942 

Welche Absichten hatte nun Hitler allgemein fiir den kommenden Winter 
1942/43 entwickelt, nachdem, spatestens im September, offenkundig war — 
die grofie Fiihrungskrise in diesem Monat deutet darauf hin, dafi es Hitler 
selbst zu Bewufitsein kam — , dalE die fiir die Offensive 1942 gesteckten Opera= 
tionsziele nicht erreicht wurden? Schon am 9. 8. hatte der Chef des General= 
stabes des Heeres, Generaloberst Haider, in einer Weisung vorsorglich, jedoch 
hinsichtlich der Linienfiihrung im Rahmen der „Fuhrerweisung'' Nr. 45 blei= 
bend, fiir den „Ausbau der VJinterstellungen" angeordnet^: 

„Auf versdiiedene an OKH gelangte Anfragen iiber den beabsiditigten Verlauf 
und den Ausbau der Winterstellungen vvird zur Beseitigung etwa bei einzelnen 
Dienststellen nodi bestehender Unklarheiten angeordnet: Es sind als Winterstel= 
lungen vorzusehen und auszubauen: 

1. Im Bereich der Heeresgruppe A die nach Abschlufi der Operation ,Edelwei6'"a 
erreidite Linie. 

2. Im Bereich der Heeresgruppe B die nach Abschlufi der Operation ,Fischreiher' *b 
erreichte Linie und im Anschlufi daran die Don=Linie im Bereich der 6. Armee, 

8 Tagebuch Engel, 7. 11. 1942. 

9 OKH/Gen.St.d.H./Opt.Abt. (la) Nr. 420 587/42 g.Kdos. Chefs, vom 9. 8. 1942 
gez. Haider. 

9a D. h. nach Gewinnung des Raumes von Baku und Besetzung der nordlich an= 

schliefienden Kiiste des Kaspischen Meeres, 
9b D. h. nach Gewinnung Astrachans und Besetzung der Wolga=Linie zwischen 

Astrachan und Stalingrad. 

68 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

italienischen 8. Armee und ungarischen 2. Armee sowie die derzeitige Front der 
2. Armee. 

3. Im Bereich der Heeresgruppe Mitte die Front der 2. Panzeramee bis siidlidi 
Bjelew, im Anschlufi daran die nach Abschlufi von ,Wirbelwind' neu gewonnene 
Linie bis in das Gebiet von Juchnow, sodann die derzeitige nach Norden an= 
schliefiende Front der 4. Armee, der 3. Panzerarmee^ und die Front der 9. Armee 
bis in das Gebiet nordlich Rshew in ihrem bisherigen Verlauf nach Bereinigung des 
Feindeinbruchs auf der Ostfront und im Gebiet um Rshew. Die Winterstellung am 
Westfliigel der 9. Armee und im Bereich der LIX. A.K.^ wird erst nach Durchfiihrung 
des Angriffs auf Ostaschkow festgelegt werden konnen. 

4. Im Bereich der H.Gr. Nord siidlich des Ilmensees im Verlauf der nach Abschlufi 
des Unternehmens auf Ostaschkow und von ,Schlingpflanze' neugewonnenen Front; 
nordlich des Ilmensees die Wolchow=Front bis zum Briickenkopf Kirishi und im 
Anschlufi daran zunachst die derzeitige Front zwischen dem Wolchow= und Ladoga= 
See. Die Fiihrung der Winterstellung im Bereich von Leningrad und im Gebiet von 
Oranienbaum wird von dem Ergebnis der Kampfe um Leningrad abhangig bleiben. 

5. Der friihzeitige und laufehde Ausbau der derzeitigen Frontlinie iiberall dort, 
wo sie z. Z. als bereits feststehend angenommen werden kann, ist unter Einsatz 
aller verfiigbaren Krafte und Mittel weiterzutreiben und in der erforderlichen Tiefe 
sicherzustellen. Neben diesem Ausbau kommt in zweiter Linie der Schaffung 6rt= 
licher Riegelstellungen in besonders gefahrdeten Abschnitten und zum Schutz der 
wichtigsten Bahnlinien erhohte Bedeutung zu. In den Frontabschnitten, die erst im 
Laufe des Herbstes durch Angriffshandlungen neu gewonnen werden sollen, sind 
zeitgerecht die fiir einen raschen Ausbau erforderlichen Krafte und ausreichendes 
Stellungsbaumaterial bereitzustellen, damit nach Erreichen der neuen Frontlinie der 
Ausbau in der kurzen, noch bis zum Winter verfiigbaren Zeit beschleunigt durch= 
gefiihrt werden kann. . ." 

Auf dem Hohepunkt der Fiihrungskrise am 8. 9. unterzeichnete Hitler dann 
einen langen Befehl^ in dem er sich eingehend liber „grundsatzliche Aufgahen 
der V erteidigung" aufierte, die fiir „die weiteren Abwehrkampfe mafigebend'' 
sein sollten: 

„Der Sinn der Verteidigung einer Stellung ist nicht, den Angriff des Gegners 
in einer mehr oder minder grofien Einbuchtung zum Stehen zu bringen, sondern 
seine Angriffskraft durch Zusammenfassung aller geeigneten Waffen, wenn moglich 
schon vor dem Antreten, auf alle Falle aber im Verlauf des Abwehrkampfes so zu 
zerschlagen, daS bei Schlul? des Kampf es die urspriingliche HKL im eigenen Besitz ist. 
Es gibt keinen Zweifel, dafi von diesem obersten Grundsatz der Verteidigung an 
verschiedenen Stellen abgegangen und Gelande ohne unbedingt zwingende Not= 
wendigkeit preisgegeben worden ist. Ob dabei der Gedanke ma6gebend war, die 
Truppe einer augenblicklich schweren Belastung zu entziehen, dali es bei der Weite 
des russischen Raumes auf einige Kilometer nicht ankomme, oder dafi man glaubte, 
weiter riickwarts bessere Bedingungen des Kampfes finden zu konnen, mag dahin= 

1 Die 3. Pz. Armee hatte am 1. 5. 1942 den Abschnitt der 4. Pz.Armee, die nach dem 
siidlichen Abschnitt der Ostfront zur Vorbereitung der Sommeroffensive verlegt 
wurde, iibernommen. 

2 Das LIX. A.K. hatte am 1. 5. 1942 den Abschnitt der 3. Pz.Armee im Raume 
Welikije Luki— Welish— Demidoff iibernommen. 

3 Der Fiihrer/OKH/Gen.St.d.H./Op.Abt. (I) Nr. 11154/42 g.Kdos. vom 8.9.1942, 
gez. Adolf Hitler. 

69 



A. Einf iihrung 

gestellt bleiben. Alle diese Gedanken sind aber fast stets grundsatzlich falsch. . . 
Es entsteht . . . die Gefahr, dafi durch die Preisgabe zunachst kleiner Gelandeteile 
sehr bald auch Nachbarabschnitte in Mitleidenschaft gezogen werden, dafi dadurch 
aus einem zunachst kleinen Einbruch des Gegners oft sehr schwerwiegende Folgen 
fiir ganze Frontabschnitte eintreten, ja sie konnen am Ende die Stellung ganzer 
Armeen oder sogar Heeresgruppen zum Wanken bringen oder zumindest schwer 
belasten. Vor allem aber mu6 ein solches Verfahren auf die Dauer den Willen der 
Truppe zum aufiersten Widerstand immer mehr untergraben und mithin die solda= 
tische Moral erschiittern. . . Die HKL ist die Linie, die unter alien Umstanden zu 
halten ist. Sie muf^ daher nach Abschluji jeden Kampfes wieder im eigenen Besitz 
sein. Line Truppe, die diese Forderung nicht erfiillt, muf^ dies als eine Schande 
betrachten^. . . 

Die Entwicklung der Lage an der Ostfront zwingt mich immer ofter, im einzelnen 
einzugreifen, um rechtzeitig erfolgreiche Mafinahmen durch die Oberste Fiihrung 
sicherzustellen. Diese Entwicklung in der Fiihrung ist die gleiche, wie sie im Welt= 
krieg von 1916 an notwendig wurde und damals allein das Halten der Front im 
Westen ermoglichte. Ich mu6 daher verlangen, dafi bei grofieren Angriffshandlungen 
des Gegners an festen Fronten mir sofort mit dem nachsten Kurierflugzeug iiber 
den Generalstab des Heeres eine Karte von 1 : 100 000 oder 1 : 80, 50 oder 25 000 
mit genauen Einzeichnungen iiber Frontverlauf, Gliederung der Truppe, insbeson= 
dere auch iiber Artillerie, und zwar bewegliche und unbewegliche, iiber alle ein= 
gesetzten Beutewaffen und die Munitionierung iibersandt werden. . . 

Sogenannte operative Ausweichbewegungen, wenn sie nicht in eine lange vor= 
bereitete bessere riickwartige Stellung fiihren, andern an der Gesamtlage nicht nur 
nichts, sondern sie verschlechtern sie nur, denn die Krafte des Feindes werden da= 
durch nicht vermindert, die eigenen nicht vermehrt, aber der zu haltende Front= 
abschnitt durch die Ausbuchtung zwangslaufig vergrofiert. . . 

Grundsatzlich . . . hat kein Heeresgruppenfiihrer oder gar Armeefiihrer Uberhaupt 
das Recht, von sich aus eine sogenannte taktische Ausweichbewegung vorzunehmen 
ohne meine ausdruckliche Genehmigung^. . . 

Es sind leider in diesem Krieg im Osten, ohne dafi sich die Lage der eigenen 
Verbande verbesserte, ja im Gegenteil nur zwangslaufig verschlechtern mufite, Ge= 
biete preisgegeben worden, die oft ein Mehrfaches von dem umfassen, was im Welt= 
krieg der Gegner nur nach drei Monaten Grofikampf erobern konnte. Ich mufi 
dabei hier einfiigen, dafi trotz aller Erwahnungen von weltkriegahnlichen Hand= 
lungen an der Ostfront bisher noch an keiner Stelle weder von uns noch von den 
Russen ein Munitionsaufwand erfolgt ist, der auch nur annahernd dem entspricht, 
was den grol3en Abwehrschlachten des Weltkrieges den einmaligen Charakter in der 
Kriegsgeschichte gibt. Damit heiCt die Parole fiir die Verteidigungsfront: Graben 
und immer wieder graben, und zwar besonders, solange der Boden noch weich ist. 
Dann werden sich die Krisen des letzten Winters nicht mehr wiederholen. . ." 

Im „Operationshefehl Nr. 1'' vom 14.10.1942® hiefi es schliefilich: 

„Der diesjahrige Sommer= und Herbstfeldzug ist, mit Ausnahme der im Flu6 
befindlichen Operationen und einzelner noch beabsichtigter ortlicher Angriffshand= 
lungen, zum Abschlufi gebracht. . . Vor uns steht der Winterfeldzug. In ihm hat die 
Ostfront die Aufgabe . . ., die erreichten Linien gegen jeden Durchbruchsversuch 

4 Im Original unterstrichen. 

5 Im Original unterstrichen. 

6 Der Fuhrer/OKH/Gen.St.d.H./Op.Abt. (I) Nr. 420817/42 g.Kdos. Chefs, vom 
14. 10. 1942, gez. Adolf Hitler. 

70 



IV. Der ostlidie Kriegssdiauplatz 1942 

des Feindes unbedingt zu halten und dadurch die Fortsetzung unserer Offensive ig43 
zur endgiiltigen Vernichtung unseres gefahrlichsten Gegners"^ zu ermoglichen. . . 

Der Russe selbst ist durch die letzten Kampfe sehr geschwacht und wird im 
Winter 1942/43 nicht mehr die Krafte wie im vorhergehenden aufbringen^. Strenger 
und schwerer kann dieser Winter jedenfalls nicht warden. . . Als grundlegende For= 
derungen gelten: 

1. Die Winterstellung ist auf jeden Fall zu halten. 

2. Es wird iiberall eine aktive Verteidigung gefiihrt, die den Feind nidit zur Ruhe 
kommen lafit und ihn iiber unsere eigenen Absichten tauscht. 

3. Bei feindlichen Angriffen gibt es kein Ausweichen oder keine operativen 
Riickwartsbewegungen. 

4. Drtliche Einbriiche sind sofort durch Gegenstofi oder Gegenangriff zu be= 
reinigen. 

Grolie Einbriiche sind zu lokalisieren, die stehengebliebenen Telle der eigenen 
Front aber sind als Eckpfeiler unbedingt zu halten, um die Gegenmafinahmen zu 
erleichtern. 

6. Abgeschnittene oder eingeschlossene Telle haben sich so lange zu verteidigen, 
bis sie entsetzt werden. 

Fiir die bedingungslose Durchfiihrung dieser Forderungen haften mir die Kom= 
mandeure. 

Im einzelnen befehle ich: ... 

Die endgiiltige Winterstellung verlauft in der Linie: 

a) H.Gr. B : Jaschkul — entlang der Hohenstuf e nach Norden bis an die Wolga — 
Stalingrad — derzeitige Front der 6. Armee — 8. italienische — 2. ungarische und 
2. Armee. 

b) H.Gr. Mitte: Derzeitige Front der 2. Pz.=, 4., 3. Pz.= und 9. Armee sowie des 
LIX. A.K. 

c) H.Gr. Nord und AOK 11 : Derzeitige Front (einschliefilich des durch ,Winkelried' 
und die Bereinigung bei Pustynja noch zu gewinnenden Gelandes) bis zum 
Ladoga=See — derzeitige Leningrad=Front, unbeschadet der weiteren Absicht 
,Nordlicht'. 

An Stellen, an denen noch ortliche Stellungsverbesserungen nach vorwarts geplant 
sind, ist trotzdem die derzeitige Stellung auszubauen. Sie dient hier dann spater 
als willkommene Riickhaltstellung. 

H.Gr. A erhalt Sonderbefehl. . ." 

In einer „i. Erganzung zum Operationsbefehl Nr. 1" vom 23. 10. fugte 
Zeitzler im Namen Hitlers noch hinzu: „Der Russe ist z. Z. wohl kaum in der 
Lage, eine grofie Offensive mit weitraumigem Ziel zu beginnen. 

Dagegen hat er verschiedene Verbande wieder aufgefrischt, seine letzten 
Materials und Menschenreserven bis einschl. Jahrgang 25 hineingetan, sie kurz 
ausgebildet und an einigen Stellen der Front zu Angriff sabsichten bereitgestellt 
bzw. ist er in der Bereitstellung begriffen. 

Mit diesen Verbanden wird er, sobald es die Wetterlage erlaubt — unter 
Umstanden auch bei ungiinstiger Wetterlage — an Stellen, wo wir selbst nicht 
im Angriff sind, angreifen. Er nimmt an, dafi wir diese Defensivfronten ge= 
schwacht und dort wenig oder gar keine Reserven haben. 

7 Vom Verf. hervorgehoben. 

8 Im Original unterstrichen. 

71 



A. Einfiihrung 

Es ist anzunehmen, dalB er scharf zusammengefafit, tief gegliedert angreift 
und hierbei planmafiig seinen Feuerschutz von Abschnitt zu Abschnitt auf= 
baut. Er wird sicher viel Stalinorgeln und auch Panzer schwerpunktmafiig ein= 
setzen. Auch liegt die Moglichkeit nahe, dafi er — wenn er sonst nichts erreicht 
— audi Gas einsetzt. 

Das einzige Mittel gegen dieseVeindtaktik ist hartnackigsteVerteidigung der 
in Stellung befindlichen Truppe bis zur letzten Munition und sofortiger Gegen= 
stop der nahe aufzustellenden ortlichen Reserven^ . . ." 

Eine ,,2. Erganzung zum Operationsbefehl Nr. -l" vom 25. 11.^ zog dann 
bereits aus der sowjetischen Offensive beiderseits Stalingrad und der Ein= 
schliefiung der 6. Armee erste Konsequenzen; doch vermeinte der „im Auf= 
trage des Fiihrers'' unterzeichnende Chef des Generalstabes, in den „ersten 
Erfahrungen bei Feindangriffen'' eine „eindringliche Bestatigung" der im 
Operationsbefehl selbst und in der „i. Erganzung"' gegebenen Richtlinien fest= 
stellen zu konnen. 



4. Die Kampfe im mittleren und nordlidien Abschnitt der Ostfront 
(April bis November 1942) 

Anfang April 1942 behauptete sich die H.Gr. Mitte (Gen.Feldmarschall 
V. Kluge), H.Qu. in Smolensk, in einem weitgespannten Bogen von rd. 900 km 
Lange auf der Linie siidostwarts Orel — westlich Kirow — ostwarts Gshatsk — 
Bogen um Rshew — Demidoff — Welish — Welikije Luki. Die Gesamtfront der 
Armee betrug jedoch 1500 km, da die 5 Armeen der H.Gr. gezwungen waren, 
in ihrem Riicken Partisanengruppen und aus den Herbst= und Winterkampfen 
zuriickgebliebene versprengte sowjetische Verbande in den undurchdringlichen 
Waldgebieten abzuriegeln. Im Riicken der 2. Panzerarmee lag in der grofien 
Waldzone um Brjansk die Hochburg der Partisanen; hinter der Front der 
4. Armee und der 4. Pz.Armee hielt sich unter General Below eine starke 
Gruppe, die auf die Rollbahn Smolensk— Wjasma driickte. Im Riicken der 
9. Armee kampfte die sowjetische 33. Armee und das XI. Kav.Korps im Raum 
ostwarts Bjeloj. Schliefilich gab es auch hinter der sehr locker gefiigten Front 
der 3. Pz.Armee Partisanengebiete. 

Mitte April erhielt die H.Gr. Mitte eine OKH=Weisung, in der ihr als Auf= 
gabe zugewiesen wurde, mit den ihr noch verbleibenden Kraften die gegen= 
wartige Front zu halten, das riickwartige Gebiet vom Feind zu saubern, die 
stark vermischten Verbande neu zu ordnen, sie in oder riickwarts der Front 



9 Im Original unterstrichen. 

1 „i. Erganzung zum Operationsbefehl Nr. 1" vom 23. 10. 1942 OKH/Chef des 
Generalstabes des Heeres/Op.Abt. (I) Nr. 42 858/42 g.Kdos. Chefs, vom 23. 10. 
1942; „2. Erganzung zum Operationsbefehl Nr. 1" vom 25. 11. 1942 OKH/ 
Gen.St.d.H./ Op.Abt. (I) Nr. 420 966/42 g.Kdos. Chefs, vom 25. 11. 1942. 

72 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

aufzufrischen und endlich wieder Reserven zu bilden. Da das Pz.AOK 4 am 
1. 5. 1942 aus der Front gezogen wurde (s. oben S. 54), iibernahm seinen Ab= 
schnitt das Pz.AOK 3, wahrend dessen Abschnitt zwischen Demidoff und der 
Naht zur H.Gr. Nord das der H.Gr. direkt unterstellte LIX. A.K. erhielt. 

Am 31. 3. hatte Hitler auf Vorschlag des OB der H.Gr. den seit der OKH= 
Weisung vom 12. 2. 1942 (s. oben S. 46) im Vordergrund der Uberlegungen 
stehenden Plan eines Angriffes der 9. Armee aus dem Raum von Rshew auf 
Ostaschkow (Untemehmen „Derfflinger'0 vorerst zuriickgestellt. Doch kam 
er auf diesen Plan im Laufe der nachsten Monate immer wieder zuriick, wobei 
er ihm zur Begriindung dafiir diente, den vom OB der H.Gr. Mitte vorge= 
schlagenen Riickzug aus dem Bogen von Rshew und die vom OB der H.Gr. 
Nord beantragte Raumung des Raumes von Demjansk abzulehnen. 

Als vordringliche Aufgabe erhielt die H.Gr. Mitte am 31. 3. von Hitler den 
Auftrag, durch einen Vorstofi des westlichen Fliigels der 9. Armee aus dem 
Raum Rshew auf Nelidowo den bedrohten Eckpfeiler Bjeloj zu entlasten (Un= 
ternehmen „Nordpor'); doch mufite der fiir den 18.4. vorgesehene Angriff 
immer wieder hinausgeschoben und schliefilich auch von Hitler in der beab= 
sichtigten Form fallen gelassen werden (19. 5.). 

Inzwischen waren die Planungen fiir die deutsche Sommeroffensive im 
Siiden weit fortgeschritten (s. oben S. 47 ff.). Da Hitler iiberzeugt war, damit die 
ganze sowjetische Front ins Wanken zu bringen, forderte er Vorbereitungen, 
um auch einem vor der H.Gr. Mitte weichenden Gegner rasch nachstolien zu 
konnen. Der Generalstab des Heeres, der die Erfolgsmoglichkeiten der kom= 
menden Offensive wesentlich niichtemer beurteilte, machte die Hitler vor= 
schwebende Idee zur Grundlage einer grofiangelegten Tauschung, um die 
Aufmerksamkeit des Gegners vom Siidabschnitt abzulenken. Es erging daher 
schon Mitte Mai an die H.Gr. Mitte ein Befehl, bei alien Armeen angriffsfahige 
schnelle Kampfgruppen zu bilden, die sprungbereit sein soUten, dem weichen= 
den Gegner unverziiglich nachzustolien. Aufierdem erhielt die H.Gr. eine Wei= 
sung, die fiir die Tauschung erforderliche operative Grundlage in Form der 
Vorbereitung einer angeblich beabsichtigten Operation zur Einschliefiung Mos= 
kaus zu schaffen. Die Tauschung sollte wenige Tage vor dem Beginn der 
Operation „Blau'' anlaufen. Dazu entwarf die H.Gr. am 29. 5. einen Opera= 
tionsplan unter dem unmiliverstandlichen Decknamen „KTemV'^, der eine 
Offensive der erheblich verstarkten drei siidlichen Armeen vorsah. Die bis ins 
Einzelne gehenden MaiSnahmen wurden in ihrem zeitlichen Ablauf auf den 
schliefilich fiir den 28. 6. festgelegten Beginn der Operation „Blau'' abgestimmt. 

Der erste Wehrmachtbericht (1. 7.), der den Beginn der deutschen Sommer= 
offensive verkiindete, sprach daher ausdriicklich davon, dali die deutschen 
Truppen „im siidlichen und mittleren Abschnitt der Ostfront zum Angriff 

2 Heeresgruppenkommando Mitte la Nr. 4350/42 g.Kdos. Chefs, vom 29.5.1942: 
„Befehl fiir den Angriff auf Moskau" („Kremr'), vgl. Dokumenten=Anhang 

Nr. 10. 



73 



A. Einfiihrung 

angetreten'' seien. Welche Wirkung die Tauschung effektiv gehabt hat, ist 
nicht mit Sicherheit festzustellen. Immerhin glaubte man auf deutscher Seite 
aus der am 30. 7. beginnenden sowjetischen GrojSoffensive bei Rshew den 
Schlufi Ziehen zu konnen, die Tauschung habe wenigstens dazu gefiihrt, dafi 
Starke sowjetische Krafte vor der H.Gr. Mitte verbheben seien, die zur Ab= 
wehr der deutschen Sommeroifensive im Siiden fehlten. 

Als dringendste Aufgabe sah die H.Gr. selbst die Sicherung ihrer riickwar= 
tigen Verbindungen an. Zu diesem Zweck begann Ende Mai eine Reihe von 
Unternehmen mit dem Ziel, die starksten sowjetischen Gruppen hinter der 
Front einzuschliejSen und aufzureiben. Vom 24.-27. 5. wurde ein Kessel hinter 
der Front der 4. Armee siidlich Wjasma gebildet (Unternehmen „Hannover V), 
dem sich ein Stofi an den oberen Dnjepr anschlofi (3.— 11. 6., Unternehmen 
„Hannover IF'), da erhebliche Teile der Gruppe Below bei „Hannover V nicht 
gefaiSt worden waren. Doch auch bei „Hannover IV gelang es wiederum einer 
mehrere tausend Mann umfassenden sowjetischen Gruppe, am 9. 6. in die 
Walder siidlich Jelnja durchzubrechen. Erst am 21. 6. konnte „Hannover IV 
als im ganzen erfolgreich abgeschlossen gelten. Der Riicken der 4. Armee war 
weitgehend freigekampft (10 000 Gefangene, 250 Geschiitze erbeutet oder zer= 
stort), wenn sich auch immer wieder neue Partisanengruppen bildeten. Eine 
Reihe von Unternehmen der 2. Panzerarmee richtete sich gegen die ausgedehn= 
ten Partisanengebiete im Raum Brjansk (Unternehmen „Vogelsang'' 5.-9. 7., 
anschUefiend „Griinspecht'' ,Mitte Juli' und „Klette"). 

Von operativer Bedeutung war schlieiilich das auf Hitlers Drangen auf den 
2. 7. festgelegte Unternehmen „Seydlitz'' der 9. Armee, das zur Einschliefiung 
und Vernichtung starker sowjetischer Krafte im Raum zwischen Rshew und 
Bjeloj fiihrte (Abschlufi: 12. 7., 50000 Gefangene, ^00 Geschiitze erbeutet oder 
zerstort). Durch die damit erreichte Frontbegradigung wurde die Gesamtfront 
der H.Gr. um 200 km kiirzer. 

Im Zusammenhang mit der deutschen Offensive im Siidabschnitt der Ost= 
front stand eine iiberraschende 5=Tage=Offensive der Sowjets gegen die Nord= 
front der 2. Panzerarmee, die am 5. 7. gegen die Stellungen bei Bolchow und 
Shisdra begann, jedoch nach vergeblichen Durchbruchsversuchen wieder ab= 
gebrochen wurde. Dieser sowjetische Offensivversuch kreuzte sich mit Uber= 
legungen Hitlers und der H.Gr.=Fiihrung, eine Operation (Unternehmen „Or= 
kan'') durchzufiihren, deren Ziel es sein sollte, mit den drei siidlichen Armeen 
der H.Gr. die seit Januar 1942 bestehende tiefe Einbuchtung der deutschen 
Front im Dreieck Bjelew— Kirow— Juchnow zu beseitigen und eine Dauerstellung 
auf der kurzen Oka=Shanja=Linie zu gewinnen. Aus Kraftemangel entschied 
sich jedoch Hitler am 9. 7. fiir eine kleinere Variante, das Unternehmen „Wir= 
belwind'', bei dem das Ziel kiirzer gesteckt war und nur die 4. Armee und die 
2. Panzerarmee beteiligt sein soUten. Als Angriffstermin fiir letztere wurde 
der 7. 8., fiir die 4. Armee der 9. 8. bestimmt. Nachdem durch „Wirbelwind'' 
eine erhebliche Frontverkiirzung im Raum Suchinitschi erreicht war, sollten 

74 



IV. Der ostliche Kriegssdiauplatz 1942 

dann die freiwerdenden Krafte mit dazu dienen, den Angriffsstofi der 9. Armee 
auf Ostaschkow („Derfflinger") doch nodi zu fuhren. 

Ehe es jedoch zum Beginn von „Wirbelwind'' kam, hatten die Sowjets am 
30. 7. mit ihrer Grofioffensive an der Nordfront, am 4. 8. an der Ostfront des 
von der 9. Armee gehaltenen Rshew=Bogens begonnen. Sie war der Beginn 
einer Kette von sowjetischen Angriffsschlagen, die das Geschehen an der Front 
der H.Gr. Mitte bis in den September hinein bestimmten. Da sich die H.Gr. 
genotigt sah, die fiir „Wirbelwind'' hinter der 4. Armee versammelten Re= 
serven in die Schlacht bei der 9. Armee zu werfen, mufite sich Hitler dazu ent= 
schlielien, auf „Wirbelwind'' in der geplanten Form zu verzichten. Doch be= 
stand er in einer Besprechung mit Gen.Feldmarschall v. Kluge in „WerwolP 
am 7. 8. auf dem baldigen Angriff der 2. Panzerarmee mit dem Ziel, den Suchi= 
nitschi=Bogen abzuschneiden, wobei die 4. Armee durch einen kurzen Vorstofi 
auf Mosalsk ihre Aufgabe erleichtern soUte. Die 9. und 3. Panzerarmee sollten 
ihre Fronten mit eigenen Kraften halten, die 9. Armee sogar die Vorberei= 
tungen fiir „Derff linger'' weiter betreiben. Gen.Feldmarschall v. Kluge gab 
diese Entscheidung Hitlers den Armeen mit einer Weisung vom 8. 8. bekannt, 
die die Oberspanntheit der Zielsetzung der Obersten Fiihrung deutlich ers 
kennen liefi^^. 

Die kleine Operation „Wirbelwind" begann schliefilich am 11. 8., blieb je= 
doch schon nach wenigen Tagen (14. 8.) endgiiltig stecken, obwohl fiir diesen 
Angriff iiber 400 deutsche Panzer vereinigt worden waren. Am Tage davor 
(13. 8.) waren die Sowjets nun auch an der Front der 3. Panzerarmee zum An= 
griff angetreten und hatten im ersten Ansturm einen tiefen Einbruch in die 
deutsche Front erzielt. Wahrenddessen entstand bei der 9. Armee im Rshew= 
Bogen seit dem 12. 8. eine schwere Krise. Als Hitler auch in dieser Situation 
nicht bereit war, „Wirbelwind" einzustellen, meldete Gen.Feldmarschall 
V. Kluge am Abend des 14. 8. ^ die Stellungen der 3. Panzerarmee und der 
9. Armee seien mit den ihm zur Verfiigung stehenden Mitteln nicht mehr zu 
halten. Die dramatisch geschilderte Situation veranlafite Hitler, der Rshew aus 
Prestigegriinden imbedingt halten wollte, die Div. „Gro6deutschland", die nach 
dem Westen abtransportiert werden soUte (s. oben S. ^y), und die 72. Inf.Div. 
der 11. Armee, die sich auf dem Transport an die Front vor Leningrad befand, 
in den Bereich der H.Gr. Mitte abzudrehen. Aufierdem stellte er eine Verstar= 
kung der Luftwaffenverbande in Aussicht. Erst am 22. 8. entschlofi er sich 
endlich, das festgef ahrene Unternehmen „Wirbelwind" aufzugeben (14 000 
Gefangene, 350 Geschiitze, 480 Panzer erbeutet oder abgeschossen). 

Da sich die Lage im Rshew=Bogen weiter zuspitzte, beantragte v. Kluge bei 
einem erneuten Besuch in „Werwolf" am 1. 9., die Front der 3. Panzerarmee 
und der 9. Armee auf eine Sehnenstellung zuriickzunehmen. Dies lehnte Hit= 



2a Vgl. Dokumenten=Anhang Nr. 18. 
3 Aufz. zum KTB WFStab, 14. 8. 1942. 



75 



A. Einfiihrung 

ler strikt ab; doch gab er am 9. 9. endlich die Div. „Gro6deutschland'' zum 
Einsatz fiir einen Gegenstofi siidostwarts Rshew frei. Erst Ende September 
klangen die sovvjetischen Angriffe ab, ohne dafi ein grofierer Riickzug not= 
wendig geworden ware; die Krise war, wenn auch unter schweren Verlusten, 
iiberstanden. 

Bei der seit Oktober in der Abt. Fremde Heere Ost im Generalstab des 
Heeres erorterten Frage nach den sowjetischen Absichten fiir den kommenden 
Winter schwankte man auf Grund der vermuteten Krafteverteilung des Geg= 
ners, ob sich der Schwerpunkt gegen die H.Gr. Mitte oder — was erst in zwei= 
ter Linie erwartet wurde — gegen die deutsche Front im Raum von Stalingrad 
richten werde. Fiir die erstere Annahme schien auch die im Generalstab des 
Heeres angestellte Beurteilung der strategischen Moglichkeiten zu sprechen, 
dali ein entscheidender Erfolg gegen die H.Gr. Mitte dem Gegner den Weg 
in die nahe gelegenen Baltischen Lander und damit die riickwartigen Land= 
verbindungen der H.Gr. Nord offnen wiirde. Dadurch wiirde sich ihm die 
Aussidit auf eine raschere und viel tiefer greifende operative Wirkung an= 
bahnen als bei einem Angriff gegen den weit nach Osten vorgestaffelten 
Siidfliigel der deutschen Ostfront. Das feindliche Kraftebild vor der H.Gr. 
Mitte Anfang November schien diese Auffassung zu bestatigen. Auf Grund 
dieser Krafteverteilung vermutete der Generalstab des Heeres daher eine 
Fortsetzung der sowjetischen Anstrengungen des Winters 1941/42, durch eine 
Doppelumfassung aus dem Raum von Suchinitschi und von Toropez mit dem 
gemeinsamen Ziel Smolensk den Block der H.Gr. Mitte zum Einsturz zu 
bringen. Wiederum war mit einer grofien sowjetischen Uberlegenheit zu 
rechnen. 114 sowjetische Verbande waren in Front festgestellt, ebenso viele 
wurden in Reserve vermutet. Demgegeniiber verfiigte die H.Gr. Mitte in ihrer 
weitgespannten Front bei Beginn der fiir Mitte November erwarteten sowje= 
tischen Offensive insgesamt nur iiber "jo Divisionen (davon 10 als Reserve). 

Wahrend sich die H.Gr. Mitte durch Bildung von Reserven auf die sowje= 
tische Winteroffensive einstellte, wollte Hitler einen Angriffsschlag aus dem 
Raum von Welikije Luki in Richtung Toropez vorbereiten, um dem Gegner 
zuvorzukommen. Zu diesem Zweck wurde das dem OKH direkt unterstehende 
AOK 11 am 30. 10. aus dem Raum um Leningrad nach Witebsk verlegt. An 
dem geplanten Unternehmen („Taubenschlag'') soUte sich neben den der 
11. Armee unterstellten Kraften im Raum Welikije Luki auch die 9. Armee 
(Stoli auf Nelidowo) beteiligen. Doch kam es hierzu nicht mehr, da das 
AOK 11 (Gen.Feldmarschall v. Manstein) nach dem sowjetischen Durchbruch 
durch die rumanischen Armeen beiderseits Stalingrad am 21. 11. als H.Gr.= 
Kdo. Don in den Siidabschnitt verlegt wurde. Gleichzeitig wurden zwei Pan= 
zerdivisionen (11. und 19. Pz.Div.) aus dem Bereich der H.Gr. Mitte in den 
Siiden abtransportiert. Statt der geplanten Offensive auf Toropez fand eine 
grofiangelegte Funk= und Marschtauschung statt. Die H.Gr. Mitte erhielt den 
Befehl zur Verteidigung aller ihrer Stellungen angesichts der bevorstehenden 

76 



IV. Der ostliche Kriegssdiauplatz 1942 

sowjetischen Winteroffensive, auf die sie — besser als die H.Gr. B — vorbereitet 
war, zumal ihr relativ starke Reserven zur Verfiigung standen. 

Bei der H.Gr. Nord (Gen.Oberst v. Kiichler) hatte sich nach Herstellung 
der Verbindung mit der „Festung Demjansk'' (28. 4., s. oben S. 43) der 
Schwerpunkt der Anstrengungen auf deutscher Seite auf den sowjetischen 
Einbruchsraum westlich des Wolchow verlagert, wo es darauf ankam, den 
seit 27. 3. wieder geoffneten Kessel erneut zu schliefien und aufzureiben. 
Nachdem am 21. 5. erstmals Ramungsbewegungen der Sowjets aus dem Kessel 
nach Osten festgestellt worden waren, trat die 18. Armee am folgenden Tage 
zur Verengung des Einbruchraumes von alien Seiten an. In der Nacht vom 
30./31. 5. wurde westlich des Wolchow die Verbindung der sowjetischen Trup= 
pen nach Osten erneut abgeschnitten, die von diesen nur noch einmal am 
21. 6. fiir wenige Stunden gesprengt werden konnte. Nach letzten vergeblichen 
Ausbruchsversuchen war die Schlacht am 28. 6. erfolgreich abgeschlossen 
(32 000 Gefangene, 649 Geschutze und 171 Panzer erbeutet oder zerstort). 
Der OB der 20. sowjetischen Stofiarmee, Generalleutnant Wlassow^, der sich 
noch einige Zeit versteckt hielt, fiel am 12. 7. in deutsche Hand. 

Am 21. 6. befahl die 18. Armee die Vorbereitung des Angriffs auf den 
sowjetischen Briickenkopf Oranienbaum (Unternehmen „Bettelstab'')/ der 
schon in der OKH=Weisung vom 12. 2. 1942 als vordringlich betrachtet wor= 
den war (s. oben S. 46). Als friihest moglichen Angriffstermin sah die Armee 
den 6. 9. an. AUe Vorbereitungen hierfiir wurden jedoch eingestellt, als der 
H.Gr. Nord am 19. 7. vom Generalstab des Heeres mitgeteilt wurde ^, dafi 
„z. Z. Erwagungen . . . schwebten, statt des Angriffs gegen die Kronstadter= 
Bucht=Front einen Angriff gegen Leningrad zu fuhren mit dem Ziel, die 
Stadt zu nehmen, die Verbindimg mit den Finnen nordlich Leningrad her= 
zustellen und dadurch die russische Ostseeflotte auszuschalten''. (Auch das 
von der H.Gr. geplante Unternehmen „Moorbrand'', die Beseitigung des Ein= 
bruchsraumes von Pogostje, wurde von Hitler am 8.8. zugunsten der Konzen= 
tration auf den Angriff gegen Leningrad zuriickgestellt.) Schon am 18. 7. war 
von Hitler mit dem Verzicht auf das Unternehmen „Bliicher'', den Ubergang 
der 11. Armee iiber die Stralie von Kertsch, der Gedanke verkniipft worden, 
diese Armee zur H.Gr. Nord zu iiberfiihren, um „Leningrad zu nehmen, da= 
durch die finnischen Divisionen auf der KareHschen Landenge freizumachen 
und die Landverbindung mit Finnland herzustellen"' ®. Bereits am 26. 5. hatte 
er der H.Gr. Nord befohlen, „die Evakuierung Leningrads mit alien Mitteln, 

4 Uber Wlassows Rolle 1942 vgl. Alexander Dallin, Deutsche Herrschaft in Ru6= 
land 1941—1945. Eine Studie iiber Besatzungspolitik, Diisseldorf (Droste Verlag) 
1958, S. 567 ff . — Vgl. auch die Aufzeichnung des Botschaftsrats Hilger vom 
8. 8. 1942 iiber die Vernehmung Wlassows im Dokumenten=Anhang Nr. 19. 

5 OKH/Gen.St.d.H./Op.Abt. (IN) Nr. 420510/42 g.Kdos. Chefs, vom 19.7.1942, 
gez. Haider. 

6 OKW/WFStab/Op. Nr. 551/61/42 g.Kdos. Chefs, vom 18. 7. 1942, gez. Adolf 
Hitler. 

77 



A. Einf iihrung 

insbesondere durch die Luftwaffe, zu bekampfen'', nachdem auf Grund eines 
mitgehorten Funkspruchs angenommen wurde, dafi die Raumung der Stadt 
von Zivilisten in Transporten iiber den Ladoga=See bevorstehe^. 

Nachdem Hitler Planung und Vorbereitung des Unternehmens „Nordlicht'' 
zunachst in die Hand der H.Gr. Nord (Gen.Feldmarschall v. Kiichler) und der 
18. Armee (Generaloberst Lindemann) gelegt hatte, entschied er am 21. 8. 
plotzlich, das AOK 11 (Gen.Feldmarschall v. Manstein) mit der eigentlichen 
Fiihrung zu beauftragen. Am 23. 8. erhielt v. Manstein in „Werwolf'' von 
ihm die entsprechenden Richtlinien: „Der Fiihrer stellt voran, dafi das Unter= 
nehmen ,Nordlicht' nur Mittel zu dem Zweck sei, die Ostsee freizumachen 
und die Karelische Landenge zu besetzen. . . Der Angriffsplan der H.Gr. Nord 
wird Gen.Feldmarschall v. Manstein nur in grolien Ziigen mitgeteilt, ihm im 
iibrigen voile Freiheit gelassen. Der Auftrag lautet: Tempo 1: Leningrad ab= 
schliefien und Verbindung mit den Finnen suchen. Tempo 2: Leningrad be= 
setzen und dem Erdboden gleichmachen^."" Als vorlaufiger Termin wurde der 
14. 9. vorgesehen. 

Noch ehe die Verbande der 11. Armee vor Leningrad vollstandig versam= 
melt waren, begann am 27. 8. ein sowjetischer Angriff gegen die Ostfront des 
„Flaschenhalses'', des diinnen deutsch=besetzten Schlauches siidlich Schliissel= 
burg, der die H.Gr. Nord zwang, alle verfiigbaren Krafte in den Einbruchs= 
raum zu verlegen. Da nach Auffassung Hitlers „die ergriffenen Mafinahmen 
ein Bild willenloser Fiihrung zeigten^"', entschied er am 4. 9., dafi „Gen.Feld= 
marschall v. Manstein mit den ihm zur Verfugung stehenden Kraften ein= 
schliefilich der Heerestruppen sofort unter Ausschaltung der H.Gr. Nord den 
Nordabschnitt der 18. Armee iibernehmen'" solle. Schon am 1. 9. hatte sich 
Hitler dazu entschlielBen miissen, „Nordlicht'' erst nach Bereinigung des Ein= 
bruchs siidlich des Ladoga=Sees zu beginnen. Wegen der Fortdauer der Schlacht 
— sie konnte erst nach Einleitung des deutschen Gegenangriffs am 21. 9. unter 
Verbrauch der fiir den Angriff auf Leningrad vorgesehenen Krafte der 11. Ar= 
mee, einschlielElich der schweren Artillerie, am 2. 10. erfolgreich abgeschlossen 
werden — mulBte der Termin fur „Nordlicht'' immer weiter hinausgeschoben 
werden. Am 1. 10. erwog Hitler selbst, „Nordlicht'' vorerst zuruckzustellen 
und zuerst die Lage bei Pogostje („Moorbrand'') zu bereinigen, um Krafte 
zu gewinnen. SchliefiHch erging am 20. 10. ein OKH=Befehl, anstelle von 
„NordHcht'' „die HKL durch starke Stoiitruppunternehmen weiter an Lenin= 
grad heranzuschieben''. Als Hitler am 30. 10. das AOK 11 nach Witebsk 
verlegte (s. S. ^6), war das Unternehmen „Nordlicht'' praktisch aufgegeben. 

Auch die H.Gr. Nord sah sich — wie die H.Gr. Mitte — einer trotz standig 
wiederholter eigener Angriffsunternehmen wachsenden Partisanengefahr in 
ihrem Riicken ausgesetzt. Hitler glaubte sich daher genotigt, das Problem grund= 

7 KTB der Kriegsgeschichtlichen Abt. des OKW, 26. 5. 1942. 

8 Aufz. zum KTB WFStab, 23. 8. 1942. 

9 Aufz. KTB WFStab, 4. 9. 1942. 

7^ 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

satzlich anzupacken. Am 18. 8. 1942 erlieJS er mit der „Weisung Nr. 46" ^ 
„Richtlinien fiir die verstarkte Bekampfung des Bandenunwesens im Osten'', 
die mit der bezeichnenden Einleitung begann: „Das Bandenunwesen im Osten 
hat in den letzten Monaten einen nicht mehr ertraglichen Umfang angenom= 
men und droht zu einer ernsten Gefahr fiir die Versorgung der Front und die 
wirtschaftliche Ausniitzung des Landes zu werden. Bis zum Beginn des Win= 
ters miissen diese Banden im wesentlichen ausgerottet und damit der Osten 
hinter der Front befriedet werden, um entscheidende Nachteile fiir die Kampf= 
fiihrung der Wehrmacht im Winter zu vermeiden/' Hierbei wurde festgelegt, 
dali in Zukunft der Reichsfiihrer=S5 „allein verantwortlich fiir die Banden= 
bekampfung in den Reichskommissariaten'' (Ostland und Ukraine) sein sollte, 
wahrend der Chef des Generalstabes des Heeres weiterhin im Operations= 
gebiet die Verantwortung hierfiir tragen sollte. Eine umfangreiche 111 Punkte 
umfassende „Kampfanweisung fiir die Bandenbekampfung im Osten'' vom 
11. 11. 1942 trat am 1. 12. in Kraft 2. Die Erfolge bUeben auch danach begrenzt. 
Mitte 1943 wurde die Zahl der hinter den H.Gr.n Nord und Mitte operierenden 
Partisanen bereits auf 600 000 Mann geschatzt^. 



5. Die Lage an der finnisdien Front 

Nordfinnland war, wie schon erwahnt (s. oben S. 37), seit 1941 „OKW= 
Kriegsschauplatz''. Wahrend des Feldzuges von 1941 hatte Generaloberst 
V. Falkenhorst (AOK Norwegen) von seiner „Befehlsstelle Finnland" in Ro= 
vaniemi aus die Operationen an der Eismeerfront und im Abschnitt Salla 
geleitet^^. Da er am 28. 12. 1941 auf Befehl Hitlers (der auf Grund allgemeiner 
Uberlegungen und unter dem Eindruck britischer „Kommando"=Untemehmen 
auf norwegischen Inseln mit einer akuten Bedrohung Norwegens durch eine 
britische Invasion rechnete, s. unten S. 123 f .), in sein H.Qu. in Oslo zuriick= 
kehren mufite, wurde am 14. 1. 1942 das neue AOK Lappland gebildet, dessen 
Fiihrung der bisherige Kdr.General des am Eismeer und an der Liza=Front 
stehenden Geb.Korps Norwegen, General d. Geb.Tr. Dietl, iibernahm. Zu 
seinem Befehlsbereich gehorte bis zum 3. 7. 1942 auch der Abschnitt des fin= 
nischen III. A.K. in Mittelfinnland, wahrend die nach Siiden anschliefiende 
Front in Ostkarelien, am Swir und an der Karelischen Landenge unter der 

1 Hubatsch, a. a. O., S. 201 ff. 

2 Ausziige daraus bei Hanns v. Krannhals, Der Warsdiauer Aufstand 1944, Frank= 
furt a. M. (Bernard & Graefe Verlag fiir Wehrwesen) 1962, S. 340—44. Uber die 
Diskussion innerhalb der Obersten Wehrmachtfiihrung iiber die „Kainpfanwei= 
sung" s. Fragment der Lagebesprechung bei Hitler am 1. 12. 1942: Heiber, a.a. O., 
S. 6^ £f. mit den Fufinoten S. 68/69. 

3 Vgl. die Ubersichtskarte (Stand 1. 7. 1943) in: E. M, Howell, The Soviet Partisan 
Movement 1941—1944, Washington 1956, S. 161. 

3a Fiir das Folgende vgl. auch die auf Grund deutschen Quellenmaterials erstellte 
detaillierte Darstellung von Earl F. Ziemke, The German Northern Theater of 
Operations 1940—1945, Washington 1959, S. 211 ff. 

79 



A. Einfiihrung 

Leitung des finnischen Generalstabes und des Oberbefehlshabers, Marschall 
Mannerheim, H.Qu. in Mikkeli, stand. 

Die sowjetische Friihjahrsoffensive gegen die Front des AOK Lappland 
(24. 4.-23. 5. im Abschnitt des finnischen III. A.K. ostwarts Kestenga— Louhi; 
27. 4.— 14. 5. an der Liza= Front) ^ endete mit klaren deutsch=finnischen Ab= 
wehrerfolgen. Am 16. 5. erlieii der WFStab eine „Weisung fiir die weitere 
Kampffiihrung des AOK Lappland^'', in der die Eroberung der Fischer=Halb= 
insel (Untemehmen „Wiesengrund'') fiir den Spatsommer 1942 oder den 
Winter 1942/43 vorgesehen wurde. In der Aussprache zwischen Hitler und 
Dietl am 4. 6. anlafilich des Besuches Hitlers bei Marschall Mannerheim machte 
Dietl darauf aufmerksam, dali die deutschen Krafte fiir ein solches Unter= 
nehmen nicht ausreichten. Stattdessen regte er im Gesprach mit Jodl am 13. 7. 
eine Wiederaufnahme des schon seit Herbst 1941 geplanten doppelten An= 
griffs gegen die Murman=Bahn an (deutscher Vorstofi nach Kandalakscha, 
finnischer Stofi auf Belomorsk/Soroka). In der ,Juhrer=W eisung" Nr. 44 vom 
21. 7. 1942® wurde dieser Gedanke aufgenommen: 



„Es kommt nunmehr darauf an, audi die nordliche Versorgungslinie abzusdinei= 
den, die Sowjetrufiland mit den angelsachsisdien Maditen verbindet. Dies ist in 
erster Linie die Murman=Bahn, auf der die Materiallieferungen aus Amerika und 
England in der iiberwiegenden Menge in den Wintermonaten zugefiihrt worden 
sind. Die Bedeutung dieser Versorgungslinie wird sich erneut steigern, wenn Jahres= 
zeit und Witterung einen erfolgreichen Einsatz gegen die Geleitziige im Norden 
aussdiliefien. 

Hierzu bereitet Geb.=AOK 20', entsprediend seinem Vorsdilag, im Einvernehmen 
mit Luftflotte 5 fiir den Herbst dieses Jahres einen Angriff zur Gewinnung der 
Murman=Bahn bei Kandalakscha vor. 

Dabei kann damit gerechnet werden, dafi 

a) spatestens im September Leningrad genommen wird und hierdurch finnisdie 
Krafte freigemacht werden, 

b) bis Ende September die 5. Geb.Div.^ nach Finnland zugefiihrt sein wird. . . 

Es ist wiinschenswert, mit dem Angriff des Geb.=AOK 20 ein Vorgehen der Finnen 
gegen Belomorsk zu verbinden. . . 

Die wichtigste Aufgabe des Geb.=AOK 20 bleibt (indessen) der unbedingte Schutz 
der finnischen Nickelerzeugung. Es mu6 erneut und mit allem Ernst darauf hin= 
gewiesen werden, dafi der Ausfall der Nickellieferungen Finnlands an Deutschland 
dieses jeder Moglichkeit berauben wiirde, hochwertige Stable, in erster Linie fiir 
die Flugzeug= und U=Boot=Motorenfertigung, herzustellen. Das kann zu entschei= 
denden Folgen fiir den Ausgang des Krieges fiihren. Geb.=AOK 20 mu6 demnach 
jederzeit in der Lage sein, dem Geb.=Korps Norwegen die fiir die Erfiillung seiner 
Aufgaben notwendigen Reserven zuzufiihren. . . 

4 Deutsch=finnische Gesamtverluste im Bereich des finnischen III. A.K. 2500 Mann, 
an der Liza=Front 3200 Mann. 

5 OKW/WFStab/Op. Nr. 55798/42g.Kdos. Chefs, vom 16. 5. 1942. 

6 Hubatsch, a. a. O., S. 194 ff. 

7 Am 22. 6. 1942 wurde das AOK Lappland in Geb.=AOK 20 umbenannt. 

8 Die 5. Geb.Div. befand sich im Bereich der H.Gr. Nord und verblieb schliefilich 
auch dort. 

So 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

Das Unternehmen ,Wiesengrund' unterbleibt in diesem Jahre. Die Vorberei= 
tungen sind jedoch so weiter zu treffen und zu verstarken, dafi im Friihjahr 1943 
die Durchfiihrung mit beschrankter Anlaufzeit (8 Wochen) moglich ist. Besonderer 
Wert ist auf Ausbau und Verstarkung der Luft= und Versorgungsbasis zu legen, 
da diese die Grundlage sowohl fiir die Durchfuhrung von ,Wiesengrund' wie auch 
fiir die Abvvehr eines feindlichen Grofiangriffs im Nordraum ist." 

Da die finnische Unterstiitzung fiir das Unternehmen gegen die Murman= 
Bahn („Lachsfang'') an unerfiillbare Vorbedingungen gekniipft wurde (s. oben 
S. 37), muiite es am 5. 9. fiir 1942, am 30. 10. schliefilich auch fiir den Winter 
1942/43 und damit endgiiltig abgesagt werden. Die Umstellung auf die stra= 
tegische Defensive im Nordraum^ fiihrte im Dezember 1942 zu dem Befehl 
Hitlers, die 20. Gebirgsarmee auf insgesamt 172 200 Mann zu verstarken (am 
1. 7. 150 000 Mann). 

Neben diesen nicht zur Auswirkung gelangten Offensivplanungen spielte 
der vom Geb.=AOK 20 gehaltene Raum als Basis der Luftflotte 5 (Gen.Oberst 
Stumpff) im Jahre 1942 eine bedeutende RoUe. Am 14. 3. 1942 hatte Hitler 
der Kriegsmarine und Luftwaffe eine intensive Bekampfung der alliierten Ge= 
leitziige nach Murmansk und Archangelsk zwischen der Baren=Insel und der 
Murman=Kiiste befohlen. Den Vorschlag der Luftflotte 5, zur Erleichterung 
dieser Aufgabe die Insel Spitzbergen zu besetzen, lehnte er schliefilich aus 
Kraftemangel am 22. 3. 1942 ab^ Am 16. 5. 1942 kam er selbst noch einmal 
auf diese Ervvagung zuriick und beauftragte Goring mit der Durchfiihrung 
entsprechender Erkundigungen, die dann jedoch negativ ausliefen. 

Die Starke der Luftflotte 5, die im Februar 1942 90 Kampfflugzeuge, 30 
Stuka und 15 Torpedoflugzeuge umfalit hatte, wurde im Sommer erheblich 
erhoht. Ihr Einsatz trug wesentlich zu den schweren Verlusten der alliierten 
Konvois PQ 13/QP 9 vom 27.— 31. 3., PQ 15/QP 11 vom 26. 4.-7. 5., PQ 16/ 
QP 12 vom 25.— 30. 5. und vor allem PQ 17 vom 4.— 10. 7., schhejglich noch 
PQ 18 vom 13.— 18. 9. 1942 bei^. 

An der finnischen Front (Karelische Landenge, Swir, Ostkarelien) kam es 
seit Abklingen der sowjetischen Friihjahrsoffensive (11.— 21. 4.) am Swir — wie 
an den Landfronten im Bereich des Gebirgs=AOK 20 — das ganze weitere 
Jahr iiber nur zu ortlichen Kampfen^. 

9 Vgl. hierzu OKW/WFStab/Op. Nr. 551 940/42 g.Kdos. Chefs, vom 29. 11. 1942 
(Tgb. Erfurth, 5. 12. 1942). 

1 OFW/WFStab/Op. Nr. ^3 518/42, Vortragsnotiz vom 13. 3. 1942; OKW/WFStab/ 
Op. (M) Nr. ^^ 537/42 betr. Spitzbergen vom 22. 3. 1942. 

2 Zusammenstellung der Erfolge in der Chronik, Teil D 5. 

3 Um den sowjetischen Nachschub nach Leningrad zu unterbinden, wurde der 
Einsatz deutscher und italienischer Schnellboote sowie deutscher Siebel=Fahren 
auf dem Ladoga=See vorbereitet, ab 1. 7. bzw. 1. 8. bis 6. 11. 1942 mit begrenzten 
Erfolgen auch durchgefiihrt. Vgl. hierzu Waldemar Erfurth, Der finnische Krieg 
1941—1944, Wiesbaden (Limes Verlag) 1950, S. 108 f . und S. 128 f ., und L. F. Lu= 
pinacci, Attivita della Marina in Mar Nero e rul Lago Ladoga (La Marina 
Italiana nella seconda guerra mondiale, Bd. 11), Rom 1962. 

81 



A. Einfiihrung 

6. Die Abwehr der sowjetisdien Offensive ab 19. 11. 1942 

An den Entscheidungen, die die deutsche Oberste Fiihrung seit November 
1942 treffen muiSte, war der WFStab nur nach der einen Seite hin beteiligt. 
Er konzentrierte sich entsprechend seines seit Oktober 1942 eingeschrankten 
Aufgabenbereichs auf die Vorgange auf den „OKW=Kriegsschauplatzen'', von 
denen der Mittelmeerraum seit Beginn der Offensive der 8. britisdien Armee 
in Agypten (23. 10.) und der Landung der Alliierten in Franzosisch=Nordwest= 
afrika (8. 11.) seine ganze Aufmerksamkeit beanspruchte. An den Entschei= 
dungen, die nach Beginn der sowjetisdien Grofioffensive beiderseits Stalingrad 
(19./20. 11.) auf dem ostlichen Kriegsschauplatz notwendig wurden, war er 
nicht beteiligt. Lediglich der Chef WFStab, General Jodl, selbst aufierte in 
den Lagebesprechungen seine Auffassung zu den erorterten Problemen, ohne 
dafi diese seine Aulierungen in Anbetracht seiner geminderten Stellung bei 
Hitler besonderes Gewicht besafien^. Der folgende Abrifi^ beschrankt sich auch 
aus diesem Grunde bewufit auf die zwei Zeitraume, in der es in der Obersten 
Fiihrung um die Grundentscheidungen ging: vom 19.— 25. 11., als die Frage, 
ob der 6. Armee der Riickzug aus Stalingrad freigegeben oder ob die Armee 
auf die Verteidigung an der Wolga festgelegt werden soUte, zur Diskussion 
stand, und vom 19.— 25. 12., als die letzte Moglichkeit, der Armee den Aus= 
bruch nach Siidwesten zur 4. Panzerarmee zu befehlen, ungenutzt blieb. 

Als die sowjetische Offensive am 19. 11. die Front der 3. rumanischen Armee 
am Don und am folgenden Tage die des VI. rumanischen A.K. siidlich Stalin= 
grad aufrifi, befand sich Hitler mit seiner engeren militarischen Begleitung, 
zu der auch der fiir den ostlichen Kriegsschauplatz verantwortliche Chef des 
Generalstabes, General d. Inf. Zeitzler, gehorte, noch auf dem Berghof bei 
Berchtesgaden. Dieser stand also mit der Op.Abt. des Generalstabes des Hee= 
res, bei der die Meldungen von der Ostfront eingingen und die im H.Qu. OKH 
in Ostpreufien geblieben war, nur in fernmiindlicher Verbindung. Erst am 
23. 11., als die sowjetischen Offensivzangen sich bereits bei Kalatsch hinter 
der 6. Armee geschlossen hatten, traf Hitler mit seiner Begleitung wieder in 
der ,,Wolfsschanze'' ein. 



4 Vgl. hierzu audi Warlimont, a. a. O., S. 294 f. 

5 Eine kriegsgeschichtliche Darstellung der Schlacht um Stalingrad, selbst in grofien 
Ziigen, ist im Rahmen dieses Uberblicks nicht moglich. Es kommt hier lediglich 
darauf an, die Haltung der Obersten Fiihrung zu beleuchten. Neben den Dar= 
stellungen von Doerr und Gorlitz (in: Entscheidungsschlachten des Zweiten 
Weltkrieges, a. a. O., S. 273 ff.), den Memoiren Mansteins und dem Nachlafi 
Paulus' sind vor allem die Studien von Ferdinand Helm „StaIingrad", in: Philippi 
— Heim, a. a. O., S. 177—200, und Hans=Adolf Jacobsen „Zur Schlacht von Stalin= 
grad — - 20 Jahre danach", in: Allgemeine Schweizerische Militarzeitschrift 2/1963 
grundlegend und vom Verf. herangezogen worden. Vgl. auch die eigene knappe 
Darstellung aus dem Blickwinkel der Obersten Wehrmachtf iihrung : Andreas 
Hillgruber, So opferte Hitler die 6. deutsche Armee in Stalingrad, in: Miinchner 
Merkur, 25. 1. 1963, S. 10, 

82 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

Die wichtigsten der in den Lagebesprechungen vorgebrachten Argumente 
und die Atmosphare, aus der heraus die schwerwiegenden Entscheidungen 
getroffen wurden, spiegeln sich in den personlichen Notizen des „Adjutanten 
des Heeres beim Fiihrer'', Major i. G. Engel^ so gut wider, dafi sie — zumal 
offizielle Aufzeichnungen weitgehend fehlen — hier in den wichtigsten Aus= 
ziigen wiedergegeben werden. Ober die Lagebesprechung am 19. 11. notierte 
Engel: „Schlechte Abendlage, offensichtlich bei Rumanen Katastrophe, noch 
kein klares Bild. Generaloberst v. Weichs spricht selbst mit Fiihrer und fordert 
Freiheit fiir General Heim (XXXXVIII. Pz.Korps) ; diese wird auch zunachst 
erteilt, (dann) aber widerrufen. . . Abends kommen laufend widersprechende 
Nachrichten. . . Zeitzler sieht nicht klar und schlagt Fiihrer vor. General Heim 
vor allem zusammenzuhalten und erst dann freizugeben, wenn Lage klar; 
daher Anhalten des Pz.Korps. Ich selbst trage Fiihrer noch vor, dafi Rumanen 
nur mit tschechischen, franzosischen und ganz wenigen Panzern III und IV 
alter Bauart bewaffnet seien. v. Weichs meldet noch in der Nacht, dafi General 
Heim hinter den Kurtlak=Abschnitt zur Verfugung der Heeresgruppe zuriick= 
geht.'' 

20.11.: „Eine typische Lagebesprechung. Restloses Durcheinander wegen 
der Rumanen, alles klammert sich an Heim. Fiihrer ist selbst iiber das, was 
zu tun, vollig unsicher. Auffassungen gehen auseinander, aber auch OKH 
macht keine prazisen Vorschlage. Vorschlag Jodls, v. Weichs die Entscheidung 
zu iiberlassen, wird abgelehnt. XXXXVIII. Pz.Korps soil alles machen, 6. Ar= 
mee helfen und dann wieder nach Nordwesten, Lage nach links festigen und 
bereinigen. Schlimm ist, dafi man gar nicht weifi, wo im Augenblick Heim 
ist. . ." Dennoch liefi Hitler das XXXXVIII. Pz.Korps an diesem Tage erneut 
nach Norden antreten, da er die Lage im Nordraum mit dem Gegenangriff 
des linken Fliigels der 6. Armee moglichst wieder bereinigen wollte. 

21.11.: „Immer neue Hiobsbotschaften; nun auch siidlich Stalingrad eben= 
falls Krise bei den Rumanen. Jodl schlagt vor, Wolgafront bei AOK 6 vollig 
zu entblofien, da nunmehr dort kaum noch Angriffsgefahr und Stiitzung des 
Siidabschnitts, anderenfalls Einschlieliung von Stalingrad nur noch Frage von 
Stunden. Fiihrer sagt nein, mit den bekannten Argumenten; damit andere 
man die Lage nicht, und dem Russen bliebe das nicht verborgen. Als Meister 
im Hauserkampf ginge dann auch das Gelande in Stalingrad wieder verloren. 
Immer wieder Fiihrer: ,Ganz gleich, was kame, das miissen wir auf alle Falle 
halten.' " 

In der Nacht vpm z-l.Izz. 11. befahl Hitler in einem Funkspruch an die 
6. Armee Gegenangriffe gegen die Sowjets an ihrem linken FliigeF: 

6 Tagebudiaufzeichnungen des Generalleutnants a. D. Gerhard Engel, 1942 „Ad= 
jutant des Heeres beim Fiihrer'', dem Verf. von Hans=Adolf Jacobsen freund= 
lichst zur Verfiigung gestellt. 

7 Funksprudi H.Gr. B an AOK 6, 22. 11. 1942, 0.30 Uhr, eingetroffen um 7.50 Uhr 
(„Der Fiihrer hat befohlen"). 

83 



A. Einfiihrung 

„Die auf dem Westufer des Don bei Golubinka und westlich Kalatsch be= 
findlichen und eintreffenden Telle der 6. Armee haben durch Angrijff in nord= 
westlicher Richtung zunachst die Linie Werchnaja— Businowka— Dobrinskaja 
zu gewinnen und damit die Verbindung zwischen den bei Werchnjaja Bu= 
sinowka stehenden Teilen und dem rechten Fliigel der Sicherungslinie des 
Koriick herzustellen. Das XI. A.K. hat seine Stellungen in der jetzigen Linie 
zwischen Logowskij bis siidHch Orechowskij auf jeden Fall zu halten. . ." 

Uber die folgenden Tage einschlielilich der entscheidenden Nacht vom 23./ 
24. 11., in der es um die Frage ging, ob der seit 22. 11. eingeschlossenen 
6. Armee der Befehl zum Durchbruch nach Siidwesten und zum Anschlufi an 
die 4. Panzerarmee erteilt werden soUte, sind fiir den Bereich der Obersten 
Wehrmachtfiihrung aufier wenigen Befehlen keine Quellen vorhanden. In 
der Nacht vom 22.723. 11. erging der bekannte Funkspruch Hitlers an den 
OB der 6. Armee®: „Die 6. Armee ist voriibergehend eingeschlossen. Ich kenne 
die 6. Armee und ihren Oberbefehlshaber und weifi, dafi sie sich in dieser 
Lage tapfer halten werden. Die 6. Armee muli wissen, dafi ich alles tue, ihr 
zu helfen und sie zu entsetzen. Ich werde ihr rechtzeitig meine Befehle geben.'" 

Nachdem die Lagebeurteilungen des Chefs der Luftflotte 4, Gen.Oberst 
V. Richthofen, und des Kdr.Generals des VIII. Flieger=Korps, Generalleutnant 
Fiebig, „die dem AOK 6 wie auch ihren Luftwaffenvorgesetzten gegeniiber 
einhellig die Meinung vertraten, dafi die Luftversorgung einer ganzen Armee 
im Winter unmoglich sei^'', im FHQu eingetroffen waren, sandte Paulus in 
der Nacht vom 23-/24. 11. den — gleichfalls bekannten — Appell an Hitler^, 
dessen Kernsatze lauteten: „Die Schliefiung des Kessels im Siidwesten und 
Westen ist nicht gegliickt. Bevorstehende Feinddurchbriiche zeichnen sich hier 
ab. Munition und Betriebsstoff gehen zu Ende. Zahlreiche Batterien und Pan= 
zerabwehrwaffen haben sich verschossen. Eine rechtzeitige, ausreichende Ver= 
sorgung ist ausgeschlossen. Die Armee geht in kiirzester Zeit der Vernichtung 
entgegen, wenn nicht unter Zusammenfassung aller Krafte der von Siiden 
und Westen angreifende Feind vernichtend geschlagen wird. Hierzu ist die 
Herausnahme aller Divisionen aus Stalingrad und starker Krafte aus der 
Nordfront erforderlich. Unabwendbare Folge mul3 dann Durchbruch nach Siid= 
westen sein, da Ost= und Nordfront bei derartiger Schwachung nicht mehr zu 
halten." 

Vorausgegangen war am 21. 11. mittags ein „Fiihrerentsdieid" : „6. Armee halt 

trotz Gefahr voriibergehender Einsdiliefiung. Befehlsiibernahme iiber IV. A.K. 

und Reste ruman. VI. A.K. vorbereiten. Bahnlinie moglichst lange offen halten. 

Uber Luftversorgung folgt Befehl." (Funkspruch der H.Gr. B an AOK 6, 21. 11. 

1942, 15.25 Uhr). 
S Fiihrer=Funkspruch Nr. 1368 an AOK 6, 22. 11. 1942, 22.00 Uhr (OKH/Gen.St.d.H./ 

Op.Abt. Nr. 420951/42 g.Kdos. Chefs.). 
9 Philippi— Heim, a. a. O., 5. 182, 
1 Funkspruch AOK 6 an OKH, 23. 11., abgegangen 21.30 Uhr, Durchgabe an OKH 

23.45 Uhr; mufi demnach in den ersten Stunden des 24. 11. Hitler vorgelegen 

haben. 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

Dieser Appell vermochte Hitlers Entscheidung, die 6. Armee an der Wolga 
stehen zu lassen, ebenso wenig zu beeinflussen, wie es die Unterstiitzung 
durch den OB der H.Gr. B, Generaloberst v. Weichs, und die Vorstellungen 
des Chefs des Generalstabes des Heeres trotz voriibergehenden eigenen, bei 
ihm typischen Schwankens es vermochten. Die einzelnen Vorgange im FHQu 
in der Nacht vom 23.724. 11. sind mangels zeitgenossischer Quellen nicht mehr 
zu rekonstruieren. Ohne Zweifel hat aber der Ob.d.L., Goring, durch seine 
Versicherung, die auf 400 000 Mann geschatzte 6. Armee 2, wie im vergangenen 
Winter die „Festung Demjansk'', auf dem Luftwege zu versorgen. Hitlers Hal= 
tung erhartet. Der „Fiihrerentscheid'' vom 24. 11. (abgegangen 5.40 Uhr, bei 
AOK 6 8.38 Uhr auf genommen) ^ legte die Armee dementsprechend fest. Die 
Grundentscheidung war gefallen. 

Die Aufzeichnungen Engels liber die Mittagslagebesprechung vom 24. 11., 
die erste wieder in „Wolfschanze'', — also nach Absendung des „Fiihrer= 
entscheides vom 24. 11. friih — zeigen, dafi die Auseinandersetzungen dessen 
ungeachtet weitergingen: „Gro6e Diskussion iiber Funkspruch General Pau= 
lus: Antrag, gesamte Nordfront zuriickzunehmen, da inzwischen Lage unhalt= 
bar. Paulus schreibt, dafi er Aufbau Siidfront und Halten Nordfront nicht 
konne. Fiihrer lehnt Vorschlag kraf^ ab^, obwohl Zeitzler ihn befiirwortet. 
Begriindung ist, dafi dann alles in Bewegung komme, man wisse ja, wie das 
aussahe. Zeitzler betont aber eindeutig, dafi nunmehr die, wenn auch hoffent= 
lich voriibergehende, Einschliefiung der 6. Armee Tatsache werde. Fiihrer sagt 
Priifung zu, weitere Verbande aus dem Westen heranzuholen, und betont 
immer wieder, dafi Stalingrad auf keinen Fall aufgegeben werden diirfe, setzt 
grofie Hoffnung auf Hoth^, dem er zutraut, im Donbogen die Lage zu 
meistern. . . 

„Lagevortrag wird immer unruhiger. Schuld ist voUig ungeklart^. . . Immer 
wieder gehen Befehle vom Fiihrer unmittelbar und iiber OKH iiber Ver= 
wendung XXXXVIII. Pz.Korps heraus, von dem man immer noch nicht weifi, 
was es macht und wo es ist. Letzte Meldung Heim war, dafi er durchbrechen 
mufi, und zwar nach Siiden, da Igel unhaltbar^. . /' Der fernmiindliche Vor= 
schlag des Chefs des Generalstabes der H.Gr. B, Generalieutnant v. Sodenstern, 
„Heim Handlungsfreiheit zu geben, nur er allein konne noch eigene Kampf= 
kraft und die der Rumanen beurteilen", „wird von Fiihrer krajS abgelehnt. 
Harte Worte iiber Heim; nach Auffassung Fiihrers voUig ungeeignet fiir 
Korpsfiihrung. Es ist eine grauenhafte Stimmung. . .'' 

2 Aufz. zum KTB des WFStabes, 28. 11. 1942. 

3 Funkspruch OKH an AOK 6, 24. 11. 1942, abgegangen 5.40 Uhr (taktische Uhr= 
zeit), angekommen 8.38 Uhr, 

4 Vom Verfasser hervorgehoben. 

5 OB der 4. Panzerarmee. 

6 Gemeint ist die Frage, wer fiir den Durchbruch der Sowjets am 19. 11. und den 
verfehlten Einsatz des XXXXVIII. Pz.Korps verantwortlich sei. 

7 Hierzu Philippi— Heim, a. a. O., S. 183. 

S5 



A. Einf iihrung f 

Schlielilich schaltete sich am 26. 11. der mit dem Oberbefehl iiber die H.Gr. 
Don beauftragte Gen.Feldmarschall v. Manstein noch vor der Befehlsuber= 
nahme in die Auseinandersetzung ein: „Lange Diskussion iiber Beurteilung 
(der Lage) durch v. Manstein. Vorschlag Zuriicknahme 6. Armee; Erwagungen, 
ob weiter siidlich Stalingrad stehende Krafte^ weit zuriickzunehmen seien, 
vielleicht sogar bis zum Dnjepr, um Reserven zu horten, um dann erneut 
Flankenoperation von Norden nach Siiden zum Meer anzusetzen, wird be= 
sprochen, von Zeitzler sachlich, aber ohne Stellungnahme vorgetragen. Fiihrer 
ist und bleibt ruhig, lehnt aber alles ab. Griinde: alles wiirde als Schwache 
ausgelegt, lebenswichtige Gebiete erneut verloren, unmogliche Auswirkungen 
auf Verbiindete, Zeitverlust, da man nicht wisse, was im Westen, Afrika oder 
wo anders passiere. v. Manstein habe gute operative Gedanken, sie seien aber 
angesichts der Gesamtlage graue Theorie. Sowie die anderen OB's merkten, 
dafi man Krafte sammle, schreie jeder nach altem Rezept. Zeitzler bittet zum 
Schlufi, 6. Armee notigenfalls Handlungsfreiheit zu geben, was Fiihrer krafi 
ablehnt. Nur Entsatz kame in Frage, dazu sei Masse 4. Panzerarmee vor= 
handen/' 

Zur Frage der Luftversorgung finden sich bei Engel unter dem 25. 11. erst= 
mals Notizen^: „Gro6e Besprechung iiber Luftversorgung Stalingrad. Goring 
verpflichtet sich fiir Versorgung der Armee; man konne 500 t im Durchschnitt 
einfliegen, alles wurde zusammengezogen, sogar die Ju 90 aus dem Luftver= 
kehr. Zeitzler hat Bedenken, glaubt, dafi 500 t nicht ausreichen, macht auf 
Wetterlage, Verluste aufmerksam, aber Reichsmarschall macht sich ungeheuer 
stark, es wurde bei jeder Wetterlage geflogen. Demjansk und andere Falle 
hatten bewiesen, dafi man so etwas konne. Wir sind entsetzt iiber so viel 
Optimismus, den auch Generalstabsoffiziere der Luftwaffe nicht teilen. Fiihrer 
begeistert iiber Reichsmarschall; der schaffe das wie in friiheren Zeiten, dort 
sei nicht der Kleinmut wie bei vielen Stellen des Heeres.'' 

Am 26. 11. unternahm der 1. Generalstabsoffizier der Luftwaffe beim Chef 
WFStab, Oberstlt. d.G. Christian, beim Lagevortrag den letzten Versuch, die 
Unmoglichkeit einer Luftversorgung der 6. Armee Hitler vor Augen zu fiihren 
und damit seine Entscheidung umzustofien: „Grolie Stunde von Christian. 
Dieser tragt in Gegenwart von Jodl erneut Bedenken gegen Zusage von 
Reichsmarschall vor; die versprochene Versorgung sei in der Form unmoglich, 
seiner Auffassung nach konne man bei gunstiger Wetterlage im Hochstfalle 
mit 100—150 t je Tag im Durchschnitt rechnen. Fiihrer widerspricht, nachdem 
er sich Christian in Ruhe angehort hat. Alles sei nur eine Frage der Zeit, das 
werde ein besonders befahigter Organisator machen mit riicksichtslosen Voll= 
machten, wenn es sein mufi, auch gegen Generale, die der Luftversorgung 
Schwierigkeiten machten (v. Manstein, v. Richthofen)."" 

8 Gemeint ist offensichtlich die H.Gr. A im Kaukasus. v. Manstein erwahnt diesen 
Vorsdilag in seinen Memoiren nidit. 

9 Tgb. Engel, 25. 11. 1942. 

86 



IV. Der ostlidie Kriegsschauplatz 1942 

Am 27. 11. ubernahm Gen.Feldmarschall v. Manstein den Oberbefehl iiber 
die H.Gr. Don, zu der neben der 6. Armee die 4. Panzerarmee und die Reste 
der 3. und 4. rumanischen Armee gehorten, mit dem Auftrag, „die feindlichen 
Angriffe zum Stehen zu bringen und die vor Beginn des Angriff s innegehabten 
Stellungen wiederzugewinnen^''. Auf den befohlenen „Befreiungsangri£f" der 
Armeegruppe Hoth (4. Panzerarmee, 4. rumanische Armee) konzentrierte sich 
die Hoffnung der deutschen Obersten Fiihrung. Der urspriinglich fiir den 3. 12. 
vorgesehene Angriffsbeginn (aus dem Raum Kotelnikowo in Richtung Nord= 
ost auf Stalingrad) mulite wegen der Verzogerung im Antransport der Panzer= 
divisionen (6. und 23. Pz.Div. unter dem LVII. Pz.Korps) zunachst auf den 
8., schlieJSlich auf den 12. 12. verschoben werden. Der mit 232 Panzern begon= 
nene Angriff, an dem an der Flanke audi rumanische Divisionen teilnahmen, 
gelangte dann bis zum 18. 12. in den Raum zwischen Aksai und Mischkowa, 
rd. 60 km siidwestlich Stalingrad. Obwohl noch eine dritte Panzerdivision (die 
17. Pz.Div.) zum Einsatz gelangte, wurde an diesem Tage deutlich, dafi ein 
weiteres Vordringen der schwachen Krafte angesichts des verstarkten sowjeti= 
schen Widerstandes nicht mehr moglich war. Noch verhangnisvoller war, dafi 
der neuen sowjetischen Offensive am Don gegen die Front der 8. italienischen 
Armee (ab 16. 12.) inzwischen ein voUer Durchbruch gelungen war. Hitler 
befahl daher an diesem Tage „die Zuriicknahme der Front an beiden (Durch= 
bruchs=)Stellen in eine Sehnenstellung, weil sein Grundsatz, die vorderste 
Linie unbedingt zu halten, hier angesichts des Zuriickstromens der Italiener 
nicht anwendbar sei-''. 

Uber die Lagebesprechung dieses Tages notierte Engel: „Neue grofie Un= 
ruhe bei der Lage. LVII. Pz.Korps kommt nicht vorwarts. Russe wirft ihm 
neue Krafte entgegen, alles sieht nach Abwehr aus. Da andere Krafte nicht 
zur Verfiigung stehen, bedeutet das, dafi Entsatzversuch ^0—60 km vor der 
Front der 6. Armee zum Stehen kommt. Noch schlechter bei H.Gr. B. Italiener 
sind offensichtlich durchstofien, auch Rumanen bei Armeeabteilung Hollidt^. 
Abends : v. Manstein beantragt erneut Ausbruch 6. Armee, nur so sei noch 
Verbindung nach Stalingrad und somit Masse der Armee zu retten. Stimmung 
ist gedriickt. Fiihrer hat erneut Ausbruch abgelehnt, obwohl es Zeitzler sehr 
dringlich gemacht hat. Wiitender Anruf von Busse^ und auch v. Mansteins, 
da alle im Anrollen befindlichen Krafte Heeresgruppe B zugefiihrt werden, um 
in das Loch der Italiener geworfen zu werden.'' 

19. 12.: „Erregte Aussprache, da v. Manstein wieder Ausbruch von Armee 
beantragt. Fiihrer ist unerbittlich immer mit den gleichen Argumenten, glaubt 

1 So der Wortlaut des Auftrages vom 21. 11. 1942, als der voile Ernst der Lage 
noch nicht ganz zu iiberschauen war. 

2 Aufz. zum KTB des WFStabes, 18. 12. 1942. 

3 Die 3. rumanische Armee wurde am 27. 12. 1942 in Armeeabt. HoUidt um= 
benannt; davor handelte es sich um das verst. XVII. A.K. unter dem nur noch 
formellen Oberbefehl der 3. rumanischen Armee. 

4 la des H.Cr.Kdo.s Don. 

87 



A. Einfuhrung 

nicht an Rettung der Armee. Hat durch Schmundt auf irgendeinem Wege er= 
fahren, dali auch AOK 6 Ausbruch in augenblicklicher Lage fiir unmoglich 
halte. V. Manstein meldet, dali ohne Zutun der 6. Armee mit eigenen Kraften 
der Entsatz unmoglich sei/' 

Dennoch scheint Hitler voriibergehend geschwankt zu haben, ob er der 
6. Armee nicht doch den Befehl zum Durchbruch geben solle; denn in den 
Auf zeichnungen zum KTB des WFStabes heifit es am 20. 12. ^ : „Der Fiihrer 
hat den Gedanken, Stalingrad aufzugeben, fallen lassen; die 6. Armee kann 
in Anbetracht ihres gegenwartigen Zustandes bei einem Durchbruch hochstens 
30 km vorwartskommen, daher darf sie nicht vorzeitig antreten. Der Fiihrer 
halt andererseits daran fest, dali die Verbindung mit der 6. Armee hergestellt 
und solange aufrechterhalten wird, dafi deren vollstandiger Abbau erfolgen 
kann." 

Am 21. 12. kommt es beim Lagevortrag „auf Grund einer Meldung des 
Gen.Feldmarschalls v. Manstein, dali die 4, Armee iiber den erreichten Ab= 
schnitt (Aksai) nicht mehr hinauskommen und die 6. Armee nicht mehr als 
hochstens 30 km vordringen konne, zu einer langen Aussprache zwischen dem 
Fiihrer und den Chefs der Generalstabe des Heeres und der Luftwaffe iiber 
die Lage im Sliden der Ostfront. Wie bisher werden keine ganzen Entschliisse 
gefalite." 

VoUends erschiitternd liest sich dann der Eintrag Engels iiber den 22. 12. : 
„Tiefste Depression bei uns. Fast alle'' hatten gehofft, dali Paulus bei allem 
Risiko nunmehr selbstandig ausbrechen wiirde. Mit Masse ware er durch= 
gekommen, wenn auch unter grofien materiellen Verlusten. Heute abend 
sprach Jodl sehr ernst, und man merkte, dali auch er mit diesem selbstandigen 
Entschlufi fest gerechnet hatte, desgl. auch bestimmt Chef des Generalstabes 
(des Heeres) und die Heeresgruppe. Niemand weili, wie es mit Stalingrad 
weitergehen soil. Fiihrer ist sehr schweigsam und aulier der Lage und den 
Vortragen fast nie zu sehen. Am meisten bekiimmert uns, dali offensichtlich 
im Kessel selbst Uneinigkeit herrscht und der OB (Paulus) nicht weifi, was 
er machen soil. Hinzu kommt, dali Luftversorgung immer schlechter wird.'' 

Schon am 23. 12. naherten sich die vom Don durch die Front der italie= 
nischen 8. Armee vorstolienden sowjetischen Panzerspitzen den fiir die Ver= 
sorgung Stalingrads entscheidenden Flughafen Morozowski und Tanzinskaja. 
Am 25. 12. fiel letzterer in ihre Hand. Gleichzeitig wurde die 4. rumanische 
Armee in der rechten Flanke der 4. Panzerarmee durchbrochen. In dieser kri= 
tischen Situation forderte Manstein, ihm Divisionen von der Kaukasus=Front 
zur Verfiigung zu stellen, „da die 6. Armee, die z. Z. feindliche Krafte in ho= 
hem Malie bindet, unter keinen Umstanden im Stich gelassen werden darf. 



5 Aufz. zum KTB des WFStabes, 20. 12. 1942. 

6 Tgb. Engel, 21. 12. 1942. 

7 Im Original unterstrichen. 



88 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

Diesen Vorschlag lehnte Hitler am 27.12. ab®: „Der Gedanke, die noch bei 
der 1. Panzerarmee (im Kaukasus=Raum) befindlichen beiden Panzer=Divi= 
sionen, die zusammen nur iiber ^S Panzer verfiigen, zur 4. Panzerarmee heran= 
zufiihren, ist undurchfiihrbar. Ohne diese beiden schnellen Verbande kann 
die 1. Panzerarmee weder ihre Stellungen halten noch sich vom Gegner ab= 
setzen, der sie dann mit seinen schnellen Verbanden iiberholt oder durch= 
stofit. . ." 

In der unmittelbar folgenden „Weisung fiir die weitere Kampffiihrung 
auf dem Siidfliigel der Ostfront"' vom 27. 12. fiihrte Hitler im einzelnen aus®: 

„Aussdilaggebend fiir alle Mafinahmen und grundlegend fiir die Kampffiihrung 
der nadisten Zeit mu6 die Befreiung der 6. Armee bleiben. Die H.Gr. Don mu6 sich 
deshalb fiir den Ansatz der hierfiir bestimmten Teile und fiir die laufende Versor= 
gung der 6. Armee die bestmoglichen Voraussetzungen erhalten. Die H.Gr. B mu6 
deshalb verhindern, dal? die Nordflanke der H.Gr. Don noch langer wird und der 
Riicken der H.Gr. Don gefahrdet wird. Die H.Gr. A^ mu6 die durch Rostow gehende 
Bahnlinie von ihrem Nachschub zugunsten der H.Gr. Don entlasten und diesen auf 
den Umschlag iiber die Kertsch=Enge verlegen. 

Die H.Gr. A hat in den jetzigen Stellungen alle Angriffe des Gegners abzu= 
weisen. . . 

H.Gr. Don hat das Gebiet um Kotelnikowo auf jeden Fall als Ausgangsbasis 
fiir das Antreten zur Befreiung der 6. Armee zu halten. . . 

Nordlich des Don kommt es darauf an, sich die Flugplatze Morozowski und 
Tazinskaja zu erhalten bzw. wiederzugewinnen. . . 

Die H.Gr. B hat die allgemeine Linie Kalitwa nordwestl. Tazinskaja— Millerowo— 
Katemirowka— Don zu halten bzw. wiederzugewinnen. . . 

Zur Stiitzung der ungarischen 2. Armee sind alle irgendwie erdenklichen MaC= 
nahmen zu treffen, um zu verhindern, dafi der Feind seinen Einbruch nach Norden 
erweitert und in den Besitz der Bahn Rossosch— Swoboda kommt. . ." 

Jedoch gab Hitler am Tage darauf dem Drangen des Chefs des General= 
stabes des Heeres, General Zeitzler, endlich nach und lieli sich die Zuriick= 
nahme der H.Gr. A aus dem Kaukasus abringen. Im „Operationsbefehl Nr. 2" 
vom 28. 12."^ hiefi es daher: 

„Mein Bestreben bleibt nach wie vor, die 6. Armee in ihrer Festung zu erhalten 
und die Voraussetzung fiir ihre Befreiung zu schaffen. Trotzdem mu6 vermieden 
werden, dafi durch Zuriickgehen verbiindeter Truppen oder durch Eindriicken schwa= 
cher eigener Teile oder durch ortlich gebildete starke Feindiiberlegenheit neue Kessel 
entstehen. Au6erdem soil durch bewegliche Kampffiihrung dem Russen an einzelnen 

8 Fernschreiben OKH an H.Gr. Don vom 27. 12. 1942, 5.00 Uhr (OKH/Gen.St.d.H./ 
Op.Abt. (I S/B) Nr. 421 033/42 g.Kdos. Chefs.). 

9 Fernschreiben OKH an H.Gr. Don vom 27. 12. 1942, 3.00 Uhr (OKH/Gen.St.d.H./ 
Op.Abt. (I S/B) Nr. 42 103/42 g.Kdos. Chefs.), gez. Adolf Hitler. 

1 Hitler hatte am 22. 11. 1942 die Fiihrung der H.Gr. A wieder abgegeben und 
Generaloberst v. Kleist, bisher OB der 1. Panzerarmee, zum OB der H.Gr. A 
ernannt. 

2 Fernspruch OKH/Gen.St.d.H./Op.Abt. Nr. 4 210 442/42 g.Kdos. Chefs, vom 28. 12. 
1942 „Operationsbefehl Nr. 2", gez. Adolf Hitler. 

89 



A. Einf iihrung 

Stellen die Initiative entrissen werden und die Uberlegenheit der deutschen Fiih= 
rung wieder zur Geltung kommen. 
Ich befehle deshalb : 

1. Die H.Gr. A wird unter Beibehalt und besonderer Verstarkung ihrer Kusten= 
und Gebirgsfront schrittweise Zug um Zug in mehreren Abschnitten in eine ver= 
ktirzte Stellung Mostowoje— Armawir — ostwarts Salsk zuriickgenommen. Erster 
Abschnitt ist die Solka=Kuma=Stellung. Beim Zuriicknehmen sind die beweglichen 
Krafte (15. und 3. Pz.Div.) auf den Nordfliigel zu verschieben, um Umfassungen 
zuvorzukommen und unsererseits den Feind beweglich anzupacken. 

2. Die HGr. Don hat nach wie vor die Pflicht, alles zu tun, um die Voraus= 
setzungen fiir die Befreiung der 6. Armee zu erhalten. Sie darf deshalb ihre Ver= 
bande nur dann nach Westen zuriicknehmen, wenn es unbedingt notwendig ist 
und auch dann nur in standigem Kampf, um dem Feind moglichst grofie Verluste 
beizubringen und um Raum und Zeit fiir den Aufmarsch der anrollenden Verstar= 
kungen zu erhalten bzw. zu schaffen. . ." 

In einer Erganzung zu diesem Operationsbefehl vom 31. 12.^ wurde noch 
im einzelnen die Uberfiihrung von Kraften (aus dem Westen Leibstandarte 
SS=„ Adolf Hitler", „SS=Reich", „SS=Totenkopf=Division", von der H.Gr. Mitte 
Div. „Gro6deutschland'') befohlen: „Um die Befreiung der 6. Armee durch= 
fiihren zu konnen, wird eine starke Kraftegruppe Mitte Februar im Gebiet 
siidostwarts Charkow versammelt werden. . . (Es) ist beabsichtigt, ab Mitte 
Februar je nach Wetterlage mit der Panzergruppe und weiteren aus der 
H.Gr. A und Don zu gewinnenden schnellen Verbanden voraussichtlich nord= 
lich des Don in Richtung Stalingrad zur Befreiung der 6. Armee anzutreten. . ." 

Ob Hitler tatsachlich zu diesem Zeitpunkt noch an die Moglichkeit eines Ent= 
satzes der 6. Armee ernsthaft „glaubte'', wird sich mit Sicherheit — zumal bei 
der Psyche Hitlers — nie klaren lassen. Noch am 28. 12. hatte er in der Lage= 
besprechung gegeniiber dem Vortrag Christians, dafi v. Manstein die Luftver= 
sorgung nicht fiir ausreichend und damit fiir undurchfiihrbar halte, entgegnet, 
„daJS dies nur eine Frage der Rationalisierung sei . . . Man soil Exportkaufleute 
dahin setzen und keine schimmerlosen Biiro= oder Generalstabsoffiziere. Kon= 
zentrate mufiten hinein. Die gabe es, und er wiirde sich jetzt personlich darum 
kummern*/' 

7. Die Situation um die Jahreswende 1942/43 

Das Bild der katastrophalen Entwicklung am Siidabschnitt der Ostfront, wie 
es sich nicht nur aus der Einschlieliung der 6. Armee, sondern auch aus der 
hochsten Gefahrdung der H.Gr. A im Kaukasus und dem Ausfall der drei ver= 
bundeten Armeen, der ein riesiges, nur notdiirftig abgesichertes Loch zwischen 
der 4. Panzerarmee und dem noch haltenden Alpini=Korps am Nordfliigel der 
8. italienischen Armee am mittleren Don hatte entstehen lassen, bis zum Jah= 

3 Fernspruch OKH an H.Gr. Don „Erganzung zum Operationsbefehl Nr. 2." vom 
31. 12. 1942 (OKH/Gen.St.d.H./Op.Abt. (I S/B) Nr. 421 052/42), aufgenommen 
1. 1. 1943, 4.10 Uhr. 

4 Tgb. Engel, 28. 12. 1942. 

90 



IV. Der ostlidie Kriegsschauplatz 1942 

resende ergeben hatte, bedarf einer Erganziing durch eine kurze Sdiilderung 
der Situation an den Fronten der H.Gr.n Mitte und Nord. Wie schon erwahnt 
(s. oben S. j6), hatte die Oberste Fiihrung auf Grund der Nachrichten iiber den 
sowjetischen Aufmarsch und die Krafteverteilung der Roten Armee Anfang 
November den Eindruck gewonnen, dafi die Hauptgefahr der H.Gr. Mitte, 
genauer bezeichnet: der 9. Armee, im Bogen um Rshew drohe. Auf eine Ab= 
wehr der sowjetischen Winteroffensive in diesem Abschnitt hatten sich daher 
Fiihrung und Truppe eingestellt. Wenn auch der geplante eigene Praventivangriff 
auf Toropez nicht mehr zustande kam (s. oben S. 'j^), gelang es, die am 24. 11. 
mit voller Wucht in doppelter Zielrichtung (Herausbrechen des „Blocks" der 
9. Armee und Vorstofi an der Naht zur H.Gr. Nord nach Westen) einsetzende 
sowjetische Winteroffensive abzuschlagen, obwohl die Sowjets in diese Offen= 
sive mehr Krafte warfen als in die Schlacht um Stalingrad. Mitte Dezember 
konnte die angestrebte doppelseitige Umfassung der 9. Armee als gescheitert 
betrachtet werden. Lediglich der an der Naht zur H.Gr. Nord nach Westen 
zielende Stofi hatte erst nach der Einschliefiung Welikije Lukis westhch davon 
zum Stehen gebracht werden konnen, Der von Hitler aus Prestigegriinden zum 
„Festen Platz'' erklarte Ort, seit 25. 11. von alien Landverbindungen abge= 
schnitten, sollte von aulien entsetzt werden. Doch ehe sich der deutsche An= 
griffskeil unter schwierigsten Bedingungen bis zur Stadt durchgekampft hatte, 
war die Besatzung (anfangs fast 7000 Mann) am 15. 1. 1943 der sowjetischen 
Obermacht erlegen^. 

An der Front der H.Gr. Nord konnten die sowjetischen Angriffe gegen die 
Landbriicke zum Demjansk=Vor sprung ebenfalls abgeschlagen werden. Diese 
erfolgreiche Abwehr der sowjetischen Winteroffensive an einem ihrer Schwer= 
pimkte gehort mit zum Verstandnis der Situation an der Ostfront um die 
Jahreswende 1942/43. Sie erklart die im Ostheer und seiner Fiihrung ver= 
breitete Zuversicht, dafi es gelingen werde, auch die Lage am siidlichen Ab= 
schnitt wieder zu stabilisieren. 

Abgesehen von den militarischen Auswirkungen hatte das Geschehen an der 
Ostfront seit dem 19. 11. auch schwerwiegende politische Folgen fiir das Ver= 
haltnis zu den Verbiindeten, zunachst (bis Ende 1942) zu Rumanien und 
Italien. Insbesondere das deutsch=rumanische Verhaltnis erfuhr eine schwere 
Belastungsprobe. Das erschiitterte Vertrauen der Rimianen zur deutschen Fiih= 
rung kam am scharf sten in dem leidenschafthchen Brief Marschall Antonescus 
an Gen.Feldmarschall v. Manstein vom 9. 12. zum Ausdruck*^. Nadi der Auf= 
zahlung einer langen Reihe von Vorwiirfen, zielten die folgenden Abschnitte 
ins Grundsatzliche: Die Ehre konne nicht „mit Fiifien getreten werden, beson= 
ders gegeniiber einem Soldaten, der sich, ohne so bewaffnet, ausgebildet und 



5 Vgl. KTB OKW (WFStab), Bd. Ill, S. 47. 

6 Brief Marschall Antonescus an Gen.Feldmarschall v. Manstein vom 9.12.1942 
(10 Schreibmasch.=Seiten, Fotokopie). 

91 



A. Einfiihrung 

organisiert zu sein, wie es Ihre Soldaten sind, bis jetzt geschlagen hat, wie er 
sich eben geschlagen hat, und der sich mit unverganglichem Ruhm bedeckt 
hat . . . 

„Wenn im selben Kampf rumanische Verbande deutsdien Einheiten Luftstreit= 
krafte und das modernste Artilleriematerial zur Verfiigung stellen, obwohl ihre 
Ausstattung sdiwacher als die deutsdie ist und obwohl sie in der gleidien Kampf= 
handlung gleich wichtige Aufgaben haben; 

wenn rumanische Verbande durdi ihren Einsatz bei Feodosia unter sdivversten Ver= 
lusten das Absetzen der 46. Inf.Div. bei Kertsch ermoglichen'; 

wenn andere 4 rumanische Verbande bei 30 Grad Kalte 300 km zu Fu6 zuriicklegen, 
was Erfrierungen von 30^/0 der Leute und Sterben von 40% der Artl.=Zugpferde 
zur Folge hatte, um die Liicke am Donez auszuf iillen ^, die deutschen Linien iiber= 
schreiten und ohne Geschiitze 30 km tief in den Feind dringen; 

wenn es anderen rumanischen Verbanden, die ihrem Bestimmungsort zueilten, auf 
ihrem Weg aufgehalten und in den Kampf geworfen worden sind, gelingt, den 
Feind, der die deutsche Front durchbrochen hatte, aufzuhalten und die Liicke zu 
schlie6en (19. Inf.Div. ostlich von Noworossijsk)^; 

wenn andere 4 rumanische Verbande zugleich mit der 4. und 1. deutschen Panzer= 
armee den Donez und Don iiberschreiten und in ununterbrochenen Kampfen und 
Tag= und Nachtmarschen von 800 km gleichzeitig mit den deutschen Panzerarmeen 
in der Verfolgung des Feindes die Wolga erreichen; 

wenn die Akten aller Einheiten und Verbande einer Armee unzahlige offizielle 
Schreiben und Tagesbefehle enthalten, in denen die Haltung der rumanischen Sol= 
daten, Offiziere und Stabe gelobt und ihre Tapferkeit hervorgehoben wird; 
wenn dieselbe Armee iiber loomal in den Berichten aus dem FHQu genannt ist; 
wenn eine Armee in einer einzigen Schlacht von 160000 Kampfern 80000 verliert 
(von denen die Russen nur 37 000 Gef angene angeben) *, dann konnen diese Kampf er 
nicht alle als fahnenfliichtig bezeichnet werden; wie auch die deutschen Verbande 
nicht als fahnenfliichtig bezeichnet wurden, die vorigen Winter am Donez ihr ganzes 
motorisiertes Material im Stich gelassen haben, als sie gezwungen waren, 100 km 
auszuweichen^; 

wenn in demselben Kampf 3 Generale einer Armee sich nicht ergeben, sondern 
fallen, Seite an Seite mit ihren letzten Kampfern, die weder iiber Munition noch iiber 
Nahrung mehr verfiigten, und wenn ein vierter General im selben Kampf zugleich 
mit dem letzten Mann der Nachhut fallt, von einem aus einem Panzerwagen abge= 
feuerten Geschofi mitten in die Brust getroffen; 

wenn in der 3. Armee Divisionen waren, die im Nahkampf 2 von 3 Regiments= 
kommandeuren, 5 von 7 Bataillonskommandeuren, 2 von 6 Artl=Abt.=Komman= 
deuren und samtliche Komp.= und Battr.Fuhrer verloren haben; 
wenn der Artl.=Kommandeur einer Brigade sich zu der Batterie begibt, in der sein 
Sohn kampft, zusammen mit ihm die letzten Geschosse abfeuert und sich dann, 
zugleich mit ihm, selbst das Leben nimmt, wenn der Kommandeur eines schweren 
Artl.Regiments im Bajonettkampf fallt; 

7 Ende Dez. 1941 nach der sowjetischen Landung in Feodosia (29. 12). 

8 Nach dem sowjetischen Einbruch bei der 17. Armee ab 18. 1. 1942. 

9 September 1942. 

1 Gemeint ist die 3. rumanische Armee, gegen die sich die sowjetische Offensive 
ab 19. 11. 1942 richtete. 

2 Der tiefe sowjetische Einbruch im Raum Isjum ab 18. 1. 1942 bei der 17. Armee. 

92 



IV. Der ostliche Kriegsschauplatz 1942 

wenn ein Bataillonskommandeur nach 5 Tagen ununterbrochener Kampfe ohne Ver= 
pflegung und Munition, ohne sich eine Sekunde zu bedenken, mit seinen erschopften 
Mannern das Flugzeugmaterial und die deutschen Flieger von Oblinskaja vor Ver= 
nichtung bewahrt; 

wenn bei der 2. Geb.Div. die durch schwere Kampfe erschopften Leute in einen 
solchen Zustand von Ermiidung gerieten, dafi sie nicht einmal das Gewehr ab= 
driicken konnten; 

v^enn der Fiihrer die rumanische Armee durch Verleihung der hochsten Auszeich= 
nungen ehrte und wenn unter Ihren Verbiindeten wir den ersten Eichenlaubtrager^ 
und den ersten mit dem Ritterkreuz ausgezeichneten Stabsoffizier haben; 
dann kann diese Armee nicht als eine Armee von Fliichtlingen behandelt werden, 
konnen ihre Soldaten nicht als nichtsnutzige Menschen ohne Urteil und Verant= 
wortung von jedem deutschen Offizier oder Soldat erschossen werden . . ." „Uber 
unsere tapferen Truppen kann nicht jeder nach seinem Gutdiinken verfiigen, wie er 
auch nicht iiber Ihre verfiigen kann. Die Konstitution meines Landes verbietet dies, 
so wie es auch Ihre Verfassung und die Ehre Ihres Reiches verbieten. Ich fiihie mich 
verpflichtet, Sie im voraus darauf aufmerksam zu machen, dafi, wenn diese Haltung 
und diese Vorkommnisse nicht aufhoren, ich die Lage unserer Truppen im Rahmen 
Ihrer Front zu iiberpriifen haben werde . . ." 

Das hiernach auf s auJSerste gespannte deutsch=rumanische Verhaltnis konnte 
erst in einer auf Veranlassung Hitlers erfolgenden griindlichen Unterrichtung 
Antonescus iiber alle Einzelheiten durch den Chef der deutschen Heeresmis= 
sion in Bukarest, Generalmajor Hauffe, am 28. 12. einigermafien vorder= 
grundig bereinigt werden. Antonescu erklarte schliefilich — seiner Grunduber= 
zeugung entsprechend — , „dafi er trotz des Rtickschlages den Kampf nicht 
aufgebe und eine neue Armee aufstellen werde, wofiir ihm allerdings das er= 
forderliche Material gegeben werden miisse. Er werde das Schiff Europa nicht 
verlassen. In Rumanien seien sich fast alle iiber die Notwendigkeit des Kamp= 
fes gegen Sowjet=Ru61and klar^.'' Was er Hitler nicht mitteilte, war seine aus 
der Katastrophe bei Stalingrad gewonnene Erkenntnis, dafi die Kraft Deutsch= 
lands nicht ausreichte, um die Sowjetunion militarisch niederzuringen, und dafi 
er daher den Versuch unternehmen miisse, mit den westlichen Alliierten Kon= 
takt aufzunehmen, um von dieser Seite einen Schutz Rumaniens gegentiber der 
vordringenden Sowjetunion zu finden. Rumanien betrat also um die Jahres= 
wende 1942/43 den gleichen Weg, den der ungarische Reichsverweser v. 
Horthy bereits im vorausgegangenen Winter fiir unumganglich erachtet hatte 
und auf dem er iiber den neuen Ministerprasidenten v. Kallay^ bereits die 
ersten Schritte getan hatte. Nur dadurch, dafi fiir diese Zielsetzung bei der 

3 General Lascar, von dem man annahm, er sei gefallen, der jedoch in sowjetische 
Gefangenschaft geriet, erhielt am 29. 11. 1942 das „Eichenlaub". 

4 Fernschreiben des Chefs der Deutschen Heeresmission in Bukarest, Generalmajor 
Hauffe, an OKH/Gen.St.d.H./Op.Abt. und OKW/Abt. Ausl. (Admiral Burkner) 
vom 28. 12. 1942. 

5 V. Kallay besuchte Hitler am 7. 6. 1942 in „Wolfsschanze", wobei er ihn der 
„vollen Loyalitat Ungarns" auf alien Gebieten versicherte. Von den Kontakten 
Kallays zu den Westmachten erfuhr Hitler im Winter 1942/43. 

93 



A. Einfiihrung 

scheinbar fest gefiigten „grofien Koalition'' der Alliierten in Ost und West die 
Voraussetzungen f ehlten, anderte sich — au6erlich betrachtet — an der weiteren 
Zugehorigkeit Rumaniens und Ungarns zum Lager der „Achsenmachte'' nichts. 
Zu ahnlichen Spannungen wie im deutsch=rumanischen Verhaltnis kam es 
im Dezember 1942 — allerdings nur auf militarischer Ebene — zwischen den 
deutschen und italienischen Kommandostellen an der Ostfront, nachdem ab 
16. 12. die italienische 8. Armee vor der sowjetischen „Dampfwalze'' auseinan= 
derbrach. Am 19. 12. meldete der „Deutsche General beim Oberkommando 
der italienischen 8. Armee'', Generalleutnant v. Tippelskirch, an das OKH, er 
habe dem OB der Armee, Generaloberst Gariboldi, gegeniiber folgende Aus= 
fiihrungen gemacht®: 

„Die H.Gr. hat aus den verschiedenen Luft= und Erdbeobachtungen den Eindrudc, 
dafi die italienische Armee, vor allem auch riickwartige Teile in bedrohten Orten, 
die sie verteidigen sollen, sich in voller Flucht befinden. Ich bin beauftragt, Eure Ex= 
zellenz noch einmal mit aufierster Dringlichkeit darauf hinzuweisen, dafi eine all= 
gemeine Flucht der ital. Armee mit den scharfsten Mitteln zu verhindern ist . . . Ich 
stande nach den bisherigen Eindriicken vor der Frage, dem Fiihrer zu melden, dafi 
die ital. Armee nicht mehr kampfe, sondern wegginge, eine Meldung, die ich der 
Ehre der Armee ersparen wolle. 

Gen.Oberst Gariboldi versicherte noch einmal, dafi er alles in seiner Madit Ste= 
hende tun wiirde und getan habe . . . Meine Drohung mit der Meldung an den 
Fiihrer nahm er ohne Entgegnung entgegen." 

Uber den Zusammenbruch der italienischen 8. Armee kam es am 5. 1. 1943 
zu einer Aussprache zwischen v. Tippelskirch und dem „Italienischen General 
im FHQu'', General Marras^. Dieser fiihrte die Katastrophe der Armee auf 
„zu breite Frontabschnitte, mangelnde moderne Bewaffnung, zu geringe Re= 
serven'' zuriick. „Im iibrigen hatten die ital. Truppen 6 Tage tapfer gekampft, 
bis ihre Kraft erschopft gewesen sei. Dies sei nicht geniigend gewUrdigt 
worden. 

„Tippelskirdi liefi General Marras keinen Zweifel dariiber, da6 die Mifierfolge 
nach seiner Auffassung auf schwere Mangel in der Ausbildung, der taktischen Ver= 
wendung der schweren Waffen und der Artillerie, die geringe taktische Schulung des 
Offizierkorps und auch das teilweise vollige Fehlen oder sehr friihe Einstellen jeden 
Widerstandes zuriickzufiihren seien. Die ital. Armee kampfe zu teuer. Sie habe 
nahezu alle Reserven in den ersten Tagen der kleinen russischen Angriffe durch 
meist mit Bravour, aber unter hohen Verlusten gefiihrte Gegenstofie verbraucht . . . 
General Marras sprach dann iiber die Verwendungsmoglichkeiten der sich sammeln= 
den Reste der zerschlagenen Divisionen. Er, wie auch die Armee, traut diesen Ver= 
banden nicht mehr viel zu. Er glaubt nicht, daii sie aus Italien brauchbar ausge= 
stattet werden konnen. Er hielt es auch fiir ausgeschlossen, dafi sie mit einer schlech= 
teren als der deutschen Bewaffnung iiberhaupt noch einmal an den Feind zu bringen 



6 Deutscher General beim ital. AOK 8 an OKH (Nr. 464/42 g.Kdos.), 19. 12. 1942. 

7 Deutscher General beim ital. AOK 8 an OKH (Nr. 6/45 g.Kdos.), 5. 1. 1943. 

94 



V. Der Kampf im Mittelmeerraum 

seien. Auf Tippelskirchs Andeutung, doch zunachst wenigstens verstarkte Regi= 
menter aufzustellen und sie vielleicht im Rahmen deutscher Divisionen zu verwen= 
den, ging er kaum ein. 

Man konne es dem italienischen Volk nicht zumuten, nachdem es jetzt je 6 Divi= 
sionen in Nordafrika und hier verloren habe^ weitere Soldaten ohne eine erst= 
klassige Bewaffnung einzusetzen . . ." 

Der Ausfall der Verbiindeten — der Zusammenbruch der 2. ungarischen 
Armee folgte ab 13.1.1943^ — in einer Starke von weit iiber einer halben 
Million Mann bedeutete fiir das ohnehin vollig iiberanstrengte und durch die 
gescheiterte Offensive 1942 in seiner Substanz erheblich geschwachte deutsche 
Ostheer^ dafi es im Jahre 1943 allein dem sowjetischen Ansturm gegeniiber= 
stand. Das voile Ausmafi der katastrophalen Wendung des Krieges ab No= 
vember 1942 wird jedoch erst richtig erfafit, wenn die Vorgange im Mittel= 
meerraum, die Niederlage der deutsch=italienischen Panzerarmee bei El Ala= 
mein und die Landung der AUiierten in Franzosisch=Nordwestafrika, sowie die 
Entwicklung der „Schlacht im Atlantik'' einbezogen werden. In Jodls Worten 
aus der Riickschau vom Mai 1945 ausgedriickt heilit dies^: „Der Kulmina= 
tionspunkt war iiber schritten/' „Der erneute, anfangs erfolgreiche Versuch des 
Sommers 42, das Schicksal zu wenden", war gescheitert. 



V. Der Kampf im Mittelmeerraimi 

1. Die Situation an der Jahreswende 1941/42 
und die deutsdi-italienisdie Offensive ab 21. 1. 1942 

Auf dem Mittelmeerkriegsschauplatz lag die Fiihrung der „Achsen''=Streit= 
krafte seit Kriegsbeginn (10. 6. 1940) bei Italien, das auch nach den ersten 
grolien Riickschlagen im Winter 1940/41 und der Uberfiihrung deutscher Hee= 
res= und Luftwaffenverbande, d. h. der offiziellen Aufgabe des „Parallelkrie= 
ges'' (18—20. 1. 1941)/ weiterhin den Oberbefehl behielt. Konig Viktor Ema= 
nuel III. hatte Mussolini beim Kriegseintritt Italiens mit der politischen und 
militarischen Fiihrung des Krieges beauftragt. Der Duce war also der vom 
Konig eingesetzte Oberbefehlshaber der italienischen Wehrmacht. Sein Fiih= 
rungsinstrument, das Comando Supremo, unterstand dem Chef des italie= 
nischen Wehrmachtgeneralstabes, seit dem Riicktritt Marschall Badoglios am 

8 S. oben die Ubersicht Cavalleros iiber die italienischen Divisionen S. 25. 

9 Vgl. KTB OKW/WFStab, Bd. Ill, S. 37 ff . 

1 Nach der statistischen Obersicht des OKH/Gen.St.d.H./Org.Abt. erlitt das deut= 
sche Ostheer f olgende monatlichen Gesamtverluste (Tote, Vermilite, abbef orderte 
Verwundete und Kranke): Januar 1942: 214900, Februar 1942: 173100, Marz 
1942: 167900, April 1942: 108450, Mai 1942: 134230, Juni 1942: 126050, Juli 
1942: 156600, August 1942: 256100, September 1942: 185000, Oktober 1942: 
130100, November 1942: 128000, Dezember 1942: 147590. 

2 KTB OKW/WFStab, Bd. IV, S. 1503, Ausfuhrungen Jodls am 15. 5. 1945. 

95 



A. Einfiihrung 

6. 12. 1940 Generaloberst (ab 22. 6. 1942 Marschall von Italien) Graf Cavallero. 
Den Oberbefehl in Nordafrika hatte der Generalgouverneur von Libyen, Gene= 
raloberst Bastico (ab 22. 6. 1942 Marschall von Italien), inne. Ihm unterstand 
auch die deutsch=italienische Panzer=Gruppe Afrika unter Generaloberst Rom= 
mel, die am 22. 1. 1942 in „Panzer=Armee Afrika'' umbenannt wurde. 

Diese an sich klaren Unterstellungsverhaltnisse wurden jedoch einmal durch 
die Personlichkeit Rommels kompliziert, die sich nur schwer mit der Unter= 
stellung unter Bastico abfinden konnte, zum anderen durch das mit jedem 
militarischen Riickschlag im Mittelmeerraum wachsende Bestreben Hitlers, 
sich liber das OKW/WFStab und den „Deutschen General im HQu. der italie= 
nischen Wehrmacht'', General v. Rintelen, durch Beeinflussung Mussolinis in 
die operative Fiihrung einzuschalten. 

Die mit der erfolgreichen britischen Offensive in der Cyrenaika ab 18. 11. 
1941 und der — von den auf Malta stationierten britischen See= und Luftstreit= 
kraften wesentlich mit bewirkten — Drosselung des Nachschubweges von 
Italien nach Tripolis eingetretene Krise veranlafite Hitler, die seit der OKW= 
Weisung vom 29. 10. 1941 vorbereitete Verstarkung der deutschen Krafte im 
Mittelmeerraum zu verwirklichen. Schon in dieser Weisung hatte er gefordert, 
„als Grundlage fiir den weiteren Ausbau der eigenen Mittelmeerstellung ein 
Kraftzentrum der Achsenmachte im mittleren Mittelmeer zu schaffen''. In der 
„Fuhrer= Weisung'' Nr. 38 vom 2. 12. 1941^ befahl er — nach der am 13. 9. 1941 
eingeleiteten UberfUhrung von 6, spater weiteren 15 deutschen U=Booten ins 
Mittelmeer — „nach Einvernehmen mit dem Duce, dafi Telle der im Osten frei 
gewordenen Verbande der deutschen Luftwaffe in Starke etwa eines Flieger= 
korps und der erforderlichen Luftverteidigungskrafte in den siiditalienischen 
und nordafrikanischen Raum zu iiberfiihren" seien. 

„Neben der unmittelbaren Auswirkung auf die Kriegfiihrung im Mittelmeer und 
Nordafrika soil dadurch eine wesentliche Einflu6nahme auf die gesamte weitere 
Entwicklung im Mittelmeerraum angestrebt werden. 

Mit der Fiihrung der fiir diese Aufgabe einzusetzenden Gesamtkrafte beauftrage 
ich den Gen.Feldmarschall Kesselring unter gleichzeitiger Ernennung zum Ober= 
befehlshaber Sud (OB Sud). 

Seine Aufgaben sind: 

Erzwingen der Luft= und Seeherrschaft im Raum zwischen Siiditalien und Nord= 
afrika zur Herstellung gesicherter Verbindungswege nadi Libyen und der Cyrenaika, 
hierzu insbesondere Niederhaltung Maltas^, 

Zusammenwirken mit den in Nordafrika eingesetzten deutschen und verbiindeten 
Kraften, 

Unterbindung des feindlichen Verkehrs durch das Mittelmeer sowie der englischen 
Versorgung von Tobruk und Malta in enger Zusammenarbeit mit den dafiir ver= 
fiigbaren deutschen und italienischen Seestreitkraften. 



1 Hubatsch, a. a. O., S. 169 ff. 

2 Vom Verf. hervorgehoben. 

96 



V. Der Kampf im Mittelmeerraum 

Der OB Siid untersteht dem Duce und erhalt iiber das Comando Supremo 
dessen Richtlinien fiir die Aufgaben im grofien. In alien luftwaffeneigenen Ange= 
legenheiten verkehrt der Ob. d. L. mit dem OB Siid unmittelbar, in wesentlichen 
Fragen unter gleichzeitiger Unterrichtung des Oberkommandos der Wehrmacht. 

Dem OB sind unterstellt: samtliche im Mittelmeerraum und Nordafrika 
eingesetzten Krafte der deutschen Luftwaffe, die seitens der italienischen WehrmadKt 
zur Durchfiihrung seiner Aufgaben zur Verfiigung gestellten Flieger= und Flak= 
verbande. 

Die im mittleren Mittelmeergebiet eingesetzten deutschen Seestreitkrafte bleiben 
dem Ob. d. M. unterstellt . . ." 

Die hiermit vorgesehene Unterstellung gewisser italienischer Streitkrafte 
unter den Befehl Kesselrings unterblieb jedoch auf Grund einer Vereinbarung 
zwischen ihm und Graf Cavallero, der zusicherte, dafi „kein Befehl des Co= 
mando Supremo iiber Malinahmen auf dem Kriegsschauplatz Italien— Afrika 
ohne (Kesselrings) Mitwirkung oder Gegenzeichnung ergehen wiirde'"^. 

Die Uberfiihrung starker deutscher Luftstreitkrafte und U=Boote, ihre uber= 
raschenden Erfolge gegen Malta ^ und die britische Mittelmeerflotte zusammen 
mit dem Einsatz italienischer Kleinkampfmittel gegen zwei britische Schlacht= 
schiffe im Hafen von Alexandria und — entscheidend — die nach dem Kriegs= 
eintritt Japans und dem Beginn seines Siegeszuges in Siidostasien ent= 
standene Notwendigkeit, britische Krafte auf diesen neuen Kriegsschauplatz 
zu verlegen, fiihrten binnen weniger Wochen zu einem voUigen Wandel in der 
Lage im Mittelmeerraum. 

Um die Jahreswende 1941/42 waren fiir einige Zeit samtliche schweren 
Einheiten der britischen Flotte im Mittelmeer ausgefallen (entweder abge= 
zogen oder ausgeschaltet). Die unmittelbare Folge davon war eine erhebliche 
Entlastung des Nachschubverkehrs Italien— Nordafrika. Waren im November 
1941 von 46 aus italienischen Hafen ausgelaufenen Transportern 12 durch bri= 
tische See= und Luftstreitkrafte vernichtet worden (54990 BRT von 164876 
BRT), so waren es im Dezember 1941 von 30 noch 8, im Januar 1942 von 35 
nur noch 2, im Februar 1942 von 33 3 und im Marz 1942 von 37 2. Im Rah= 
men dieser Gesamtsituation verloren der bis 13. 1. 1942 noch fortgesetzte bri= 
tische Vormarsch in der Cyrenaika, vor dem sich die Pz.=Gruppe Afrika auf die 
Marada— Marsa=el=Brega— Linie (Siidostrand der Grofien Syrte) zuriickzog, sowie 
das Erloschen des deutsch=italienischen Widerstandes im Raume Sollum= 
Halfaya=Pa6 am 17. 1. an strategischer Bedeutung. Wahrend der Kampfe in 
Nordafrika seit dem 18. 11. hatten die deutschen Verbande der Pz.=Gruppe 
etwa 33''/o, die italienischen etwa 40V0 ihres Mannschaftsbestandes verloren. 
Nun gelang es, die Liicken bald wieder zu schliefien, und auch die Betriebs= 

3 Albert Kesselring, Soldat bis zum letzten Tage, Bonn (Athenaum=Verlag) 1953, 
S. 140. 

4 Die Luftflotte 2 (Gen.Feldmarsdiall Kesselring) (am 10. 1. 1942 iiber 500 deutsdie 
Flugzeuge, dazu etwa 200 italienische Flugzeuge), die auch das X. Flieger=Korps 
aus Griechenland/Kreta mit Masse nach Sizilien zuriickverlegt hatte, fiihrte ab 
22. 12. 1941 verstarkte Angriffe gegen Malta. 

97 



A. Einfiihrung 

stofflage, stets das entscheidende Problem in Nordafrika, erlaubte wieder 
weitraumigere eigene Operationen. 

So entschlofi sich Rommel am 21. 1. zu einem Vorstofi aus der eben erst er= 
reichten Stellung am Siidostrand der Syrte, aus dem sich in wenigen Tagen — 
ahnlich wie Anfang April 1941 — ein stiirmischer Vormarsch entwickelte. Mit 
dem Angriff wurden sowohl das OKW als auch das Comando Supremo vor 
vollendete Tatsachen gestellt. Sie waren nicht einmal von Rommels neuem 
Aufbruch unterrichtet worden. 

Die deutsche Oberste Flihrung war in dieser Zeit ganz auf die Uberwindung 
der schweren Krise an der Ostfront konzentriert. Wohl hatte Hitler in seinem 
Brief vom 29. 12. 1941 an Mussolini^ noch die Hoffnung ausgesprochen, dafi 
der japanische Kriegseintritt dazu beitragen werde, auch auf dem Schauplatz 
im Mittelmeer „das Schicksal zu bezwingen und die Lage wiederherzustellen''. 
Jedoch wollte er die nachsten Aufgaben nur noch darin sehen, mit Hilfe der 
deutschen U=Boote und Luftstreitkrafte „dieses Meer endgiiltig fiir die Eng= 
lander zu sperren'' und dabei Malta auszuschalten. Erst abschliefiend war er 
andeutungsweise auf die friiheren grofien Plane (Entwurf der „Fiihrer=Wei= 
sung'' Nr. 32 vom 11. 6. 1941, in der eine Zangenbewegung gegen den Suez= 
kanal und die britische Stellung im Nahen Osten erwogen worden war) zu= 
riickgekommen, wenn er schrieb, dafi „wir in erstaunlich kurzer Zeit einen 
Szenenwechsel haben konnen'', wenn noch Verstarkungen an Panzern und 
mot. Waffen fiir die Truppen in Nordafrika hinzukamen. 

Demgegeniiber stellte Mussolini in seinem Neujahrsbrief an Hitler die nach= 
driickliche Forderung, dafi die Achsenmachte, um die Nachschublage dauerhaft 
zu bessern und ebenso den unertraglich hohen Olverbrauch der fiir die Ge= 
leite eingesetzten grolien Zahl von Kriegsschiffen einzuschranken, sich endlich 
durch Abkommen mit Vichy oder Gewalt den Zugang zu den tunesischen 
Hafen erzwingen miifiten. Wahrend sich ohne den Weg iiber Tunis „nunmehr 
die Nahrung des einfachen Widerstandes in Tripolitanien'' verbiete, wiirde 
durch „die vollige Benutzung der tunesischen Stiitzpunkte ... die strategische 
Lage der Achse'' eine Umkehrung erfahren. Der feindliche Verkehr konnte 
„buchstablich gedrosselt'' werden. „Die Folgen davon waren unermefilich; 
ebenso unermefilich waren die Folgen des Verlustes von Tripolitanien . . . 
Ober die tunesischen Stiitzpunkte konnen wir alle notwendigen Krafte nach 
Afrika bringen, um den Marsch nach Agypten wieder aufzunehmen.'' 

Auf den deutschen Hinweis, dafi ein solcher Griff nach Tunis „nur die Tren= 
nung des franzosischen Kolonialreiches von Vichy beschleunigen wiirde''®, 
liefi Mussolini diese Forderung wieder fallen. Wenn er das notwendige Heizol 
fiir die Geleite erhalte, so sei er bereit, wie er wahrend des Besuches von Go= 

5 Diese und die f olgenden Zitate aus Briefen Hitlers oder Mussolinis sowie sonstigen 
Dokumenten des Mittelmeerkapitels aus Quellenmaterial im Privatbesitz von 
General d. Artl. a. D. Warlimont, dem Verf. freundlichst zur Verfiigung gestellt. 

6 Galeazzo Ciano, Tagebuch 1939—1943, deutsche Ausgabe, Bern 1947, S. 378. 

98 



V. Der Kampf im Mittelmeerraum 

ring in Rom vom 28. 1.— 2. 2. erklarte, „auf die Hilfe Frankreichs zu ver= 
zichten''. Gleichzeitig vertrat er die Auffassung, die inzwischen verbesserte 
Nachschublage sei noch „nicht ausreichend, wenn eine grofie Aktion gegen 
England unternommen werden soUe^'. Dazu miisse, gerade wenn man auf den 
Seeweg iiber Tunis verzichte, zunachst „Malta entweder neutralisiert oder 
erobert werden'': Moglichkeiten, die „schon in Italien studiert worden" seien. 

In den Erwagungen, Richtlinien und Einwanden, mit denen Mussolini und 
das Comando Supremo den Vorstofi Rommels ab 21. 1. begleiteten, kam eine 
noch erheblich grofiere Vorsicht zum Ausdruck. Hatte Mussolini noch am 20. 
1., einen Tag vor Angriffsbeginn, sogar Cavallero gedrangt, die Front bis in 
die Gegend von Homs zuriickzunehmen und damit die ganze Breite der Syrte= 
Wiiste zwischen die deutsch=italienischen und die britischen Krafte zu legen^, 
so woUte er in den am 23. 1. erlassenen Richtlinien Rommel nur eine sehr be= 
schrankte Bewegungsfreiheit zugestehen. Es konne sich nur darum handeln, 
dem Gegner durch begrenzte Vorstofie in das Vorfeld der Verteidigungszone 
moglichst hohe Verluste zuzufiigen. Die Masse der Krafte miisse bis auf 
weiteres in der Marada— Marsa=el=Brega— Linie verbleiben. 

Wahrend Mussolini jedoch dann bald geneigt schien, Rommel eine grofiere 
taktische Freiheit zuzugestehen, wurde in dem Meinungsaustausch mit dem 
Comando Supremo und mit Bastico immer mehr der Gedanke in den Vorder= 
grund geriickt, dafi die Verteidigung von Tripolis das Hauptziel des Kampfes 
in Nordafrika sei und bleiben miisse. 

Diese Aufgabe stand auch an der Spitze der neuen Richtlinien des Comando 
Supremo vom 11. 2., nachdem sich Rommel gegeniiber alien Widerstanden 
durchgesetzt, aber sein Vorgehen am 5. 2. westlich Ain el Gazala eingestellt 
hatte, da ihm die allein verfiigbaren Krafte — 2 italienische Korps durften iiber 
Agedabia hinaus nicht folgen — fiir einen Angriff gegen die befestigten briti= 
schen Stellungen in dem Raum westlich Tobruk nicht mehr ausreichend schie= 
nen. Erst an zweiter Stelle der Richtlinien nahm das Comando Supremo, ob= 
wohl immer noch unter starken Vorbehalten, den Gedanken auf, die erreichten 
Linien zugleich als Ausgangsstellung fiir einen spateren Angriff auf Tobruk 
auszubauen. 

Unter dem Einflufi Rommels, der nunmehr auch in starkerem Mafie um die 
Unterstiitzung seiner Absichten durch den WFStab bemiiht war, wuchsen die 
Offensivplane in den nachsten Wochen allmahlich wieder in den grofieren Rah= 
men hinein. Als ihr Ziel wurde schon am 18. 3. iiber Tobruk hinaus die Linie 
Bardia=Sollum in Aussicht genommen. Im Zuge dieser Vorbereitungen gelang 
es Rommel Anfang April, nachdem die beiden italienischen Korps ihm wieder 
unterstellt worden waren, die Stellungen seiner Panzer=Armee noch ein Stiidc 
weiter nach Osten zu verschieben. 

Sie befanden sich nunmehr unmittelbar westlich Ain el Gazala. 

7 Ciano, a. a. O., 5. 396. 

99 



A. Einfiihrung 

2. Die Plane zur Kriegfiihrung im Sommer 1942 

Die „Niederhaltung'' oder „Neutralisierung'' Maltas war das wesentliche 
Ziel bei der Entsendung der Luftflotte 2 in das Mittelmeer gewesen (s. oben 
S. 96). Wahrend Hitler auch in den folgenden Monaten an dieser relativ be= 
grenzten Zielsetzung festhielt, wurde auf italienischer Seite dariiberhinaus die 
Eroberung der Insel, zunachst in Operationsstudien (Januar 1942), ins Auge 
gefalBt. Von deutscher Seite ging man auf diese Absichten vorerst nicht ein. 
Hitler diirfte auf Grund seiner allgemeinen Einschatzung der Italiener (s. oben 
S. 20) der Uberzeugung gewesen sein, dafi sie, selbst bei einer Luftwaffen= 
unterstiitzung durch die Luftflotte 2, zu einer Eroberung der britischen Festung 
nicht fahig seien. Eine Abstellung weiterer deutscher Krafte fiir den Mittel= 
meerraum, der fiir ihn Nebenkriegsschauplatz blieb (s. oben S. 4ff.),lag fiir ihn 
aufierhalb seiner Oberlegungen. Da eine klare deutsche Stellungnahme aus= 
blieb — moglicherweise soUte die italienische Empfindlichkeit geschont wer= 
den — , lief der offiziell im Januar 1941 beendete „Parallelkrieg" zumindest hin= 
sichtlich der Planungen noch im Jahre 1942 weiter. 

Bei den Besprechungen zwischen dem Comando Supremo und dem OB Siid 
in Rom vom 8. 2. bis 11. 4.^ schalten sich als wesentlichste Ergebnisse heraus, 
dafi Cavallero entschlossen war, den italienischen Charakter des geplanten Un= 
ternehmens zu wahren, und die Vorbereitungen bis Ende Juli oder August 
beenden zu konnen glaubte. Neben der Luft= und Seeherrschaft sah er als Vor= 
bedingung an, dafi der geplante Angriff der Armee Rommel in der Cyrenaika 
gleichzeitig gefiihrt werde. An Kraften fiir die Inbesitznahme von Malta wur= 
den von den Italienern 23 Bataillone, darunter 1 Fallschirmjager=Div., vorge= 
sehen. Kesselrings wiederholte Hinweise, die Insel unter Ausnutzung der Wir= 
kungen des Luftbombardements im Handstreich zu nehmen, lehnte Cavallero 
hauptsachlich mit der Begriindung ab, dafi die im Kampf noch nicht erprobten 
italienischen Fallschirmjager dieser Aufgabe nicht gewachsen seien. Aufierdem 
fehlten bis auf weiteres die Seetransportmittel, um die Insel nach ihrer In= 
besitznahme auch zu halten. Am 12. 4. wurde fiir die weitere Vorbereitung 
der geplanten Landung ein besonderer Stab gebildet, dessen Leitung General 
Gandin vom Comando Supremo iibernahm^. 

Am 2. 4. begann nach mehr als dreimonatigen vorausgegangenen Angriffen 
zum Niederhalten der Insel die deutsch=italienische Luftoffensive gegen Malta 
unter dem Oberbefehl des Luftflottenkommandos 2^ Ihre Ziele lagen ganz im 
Bereich des Luft= und Seekriegs: Zerschlagen der britischen Luftstreitkrafte und 



8 Ugo Cavallero, Diario, Rom 1948, Notizen vom 8., 22., 24. 2., 16., 17., 21., 23. 3. 
und 11. 4. 1942. 

9 Cavallero, a. a. O., Notizen vom 12. 4. 1942. 

1 Die Luftflotte 2 erreichte etwa Mitte April ihre grofite Starke. Ab Mitte Mai 
mufite sie mit Abgaben fiir die Ostfront rechnen. 

100 



V. Der Kampf im Mittelmeerraum 

ihrer Einrichtungen, in zweiter Linie Aufiergefechtsetzen der Hafenanlagen 
tind der dort liegenden Einheiten der britischen Flotte. 

Nachdem sich binnen kurzem grofie Erfolge abzeichneten und die Einwir= 
kung Maltas auf den Seeverkehr zwischen Italien und Tripolis auf ein Min= 
destmafi absank, fanden die Absichten des Comando Supremo zur Wegnahme 
der Insel am 13. 4. auch Hitlers grimdsatzliche Zustimmung^. In Anwesenheit 
Kesselrings faiSte er am 18. 4. den Entschlufi, fiir den Angriff auf Malta „deut= 
sche Fallschirmjager und deutsches Gerat zur Verfiigung"" zu stellen^. Ein= 
schrankend betonte er jedoch ausdriicklich „die Abhangigkeit aller Entschlie= 
fiungen von etwaigen Angriffsunternehmungen der Englander gegen Nor= 
wegen und das besetzte Frankreich, da in diesem Falle Telle der Luftflotte 2 
dort eingesetzt werden miifiten''^. 

Mit der Abstellung von zwei deutschen Generalstabsoffizieren in den italie= 
nischen Sonderstab zur Vorbereitung der Eroberung Maltas wurde anschlie= 
fiend zum ersten Mai im Verlauf des fast zweijahrigen Koalitionskrieges der 
„Achsenmachte'' ein gemeinsamer Operationsstab gebildet. 

Am 21. 4. folgten auch die ersten Befehle Hitlers fiir eine Unterstiitzung des 
Landungsangriffs durch deutsche Truppen^. 

Die zukiinftige Kriegfiihrung im Mittelmeerraum war auch das Hauptthema 
des Treffens zwischen Hitler und Mussolini in Schlofi Klefiheim bei Salzburg 
am 29730.4.1942^. In der Besprechung am 30.4.'^ in Anwesenheit Keitels, 
Kesselrings, Jodls, v. Rintelens und des Chefs des Comando Supremo, Gene= 
raloberst Cavallero, betonte Hitler, „daE ein derartiges Unternehmen (wie die 
Eroberung Maltas) aufierordentlich sorgfaltig vorbereitet werden miisse, da es 
bei Fehlschlagen nicht wiederholt werden konne. Er sagte auf eine Anfrage 
Cavalleros eine grojSziigige deutsche Beteiligung durch Bereitstellung von Fall= 
schirmbataillonen, einer Lufttransportflotte sowie unter anderem auch von 
Prahmen fiir die Landung von Tanks und die weitere Beteiligimg der dort 
stationierten Luftstreitkrafte zu. Diese Zusage gelte jedoch nicht fiir den Fall 
einer grofien Angriffshandlung der Englander im Westen, da samtliche deut= 
schen Streitkrafte dann dort eingesetzt werden miifiten . . . Als Vorbereitungs= 
zeit wurden sechs Wochen angesetzt, so dali der Angriff auf die Insel in der 
zweiten Neumondsperiode nach der Salzburger Zusammenkunft stattfinden 

2 KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW, 13. und 15. 4. 1942. 

3 Ebda., 18. 4. 1942. 

4 Diese Einschrankung ist bei Cavallero, a, a. O., Notizen vom 21. 4. 1942 und 
Ciano, a. a. O., Notizen vom 22. 4. 1942, in denen sidi die Mitteilungen KesseU 
rings widerspiegeln, nidit enthalten. 

5 KTB der Kriegsgesdiichtlichen Abteilung des OKW, 21. 4. 1942; Cavallero, No= 
tizen vom 21. 4. 1942. 

6 Zum politischen Themenkreis, besonders hinsiditlidi der Arabien= und Indien= 
politik, s. oben S. 21 f . 

7 Aufzeichnung des Gesandten Schmidt iiber die Unterredung Hitler— Mussolini 
vom 30. 4. 1942 (Politisches Archiv des Auswartigen Amts Bonn, Aufz. Fiih 17 
RAM=Film 1/101—103, 18/306—308). 



A. Einfiihrung 

wiirde . . . Konkrete Plane iiber ein Vorgehen gegen Agypten wurden . . . nicht 
erortert. Es wurde lediglich das Vorstofien bis zum Suezkanal als erstrebens= 
wertes Zukunjftsziel hingestellt/' 

Man einigte sich schliefilich dahingehend, „da6 zunachst die Panzerarmee 
Afrika Ende Mai angreifen und moglichst Tobruk nehmen solle, dann aber 
an der agyptischen Grenze Halt machen miisse, damit spatestens mit dem Juli= 
vollmond das Unternehmen ,Herkules' — die Wegnahme Maltas — durchge= 
fiihrt werden konne"'^. 

Doch verdeckte diese Formel nur notdiirftig die unterschiedliche Zielsetzung 
und Erwartung, die beide Seiten an diese Planung kniipf ten. Blieb namlich Hit= 
lers Augenmerk doch auf Agypten gerichtet, das er am 21. 4. fiir „revolutions= 
reif' erklart hatte^ so waren die Italiener vorlaufig nur auf die naheren Ziele 
bedacht und woUten iiber die Linie Solium— Half aya=Pa6 selbst bei giinstigstem 
Ablauf keinesfalls hinausgehen. Bei den Verhandlungen mufite man davon 
ausgehen, dajS die beiden Vorhaben (Eroberung Maltas und begrenzte Offen= 
sive in Nordafrika) nur nacheinander, nicht nebeneinander stattfinden konn= 
ten, da die Luftstreitkrafte der „Achsenmachte'' fiir die gleichzeitige Durch= 
fiihrung nicht ausreichten. Auf dieser Grundlage hatte sich Cavallero zunachst 
dafiir eingesetzt, „daJS die Eroberung von Malta als das wichtigste Erfordernis 
fiir die weitere Kriegfiihrung in Afrika zeitlich an erster Stelle stehen miisse''. 
Kesselring, der Rommels Standpunkt mit vertrat, wiinschte auch, Malta solle 
moglichst vor Beginn des Angriffs in der Cyrenaika genommen werden. Falls 
dies jedoch bis zum 1. 6. nicht durchfiihrbar sei, miisse der Angriff der deutsch= 
italienischen Panzerarmee vorangehen. Anderenfalls wiirden die Briten ihre 
Offensivvorbereitungen abschliefien und aller Voraussicht nach ihrerseits ge= 
gen die deutsch=italienische Armee in Nordafrika vorgehen, sobald eine Ent= 
lastung von Malta ihnen das fiir geboten erscheinen liefie. Damit aber wiirden 
die eigenen Angriffsvorbereitungen zunichte gemacht und ein Vorgehen gegen 
Tobruk und Agypten auf unabsehbare Zeit hinausgeschoben. Diese Argu= 
mentation gab den Ausschlag fiir die erwahnte Vereinbarung. 

Dementsprechend bestimmte die OKW=Weisung vom 4. 5. 1942 s dafi „die 
Offensive in Nordafrika Ende Mai, spatestens Anfang Juni durchzufiihren'' 
sei (Unternehmen „Theseus"). „Operation ,Herkules' wird auf Mitte Juli, 
spatestens auf Mitte August verschoben. . ." „In Erweiterung friiherer Plane 
hat der Fiihrer bestimmt, erheblich starkere Krafte fiir die Operation ,Her= 
kules' einzusetzen. . /' Danach waren nunmehr „in Siiditalien . . . zu einem 
vom OB Siid zu bestimmenden Zeitpunkt bereitzustellen : alle einsatzbereiten 
Teile der 7. Flieger=Division2, Pionierkrafte in Starke etwa eines Bataillons, 

8 Enno v. Rintelen, Mussolini als Bundesgenosse, Tiibingen 1951, S. 166. 

9 Kriegstagebuch der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW, 21. 4. 1942. 
a OKW/WFStab/Op. Nr. 5579/42 g.Kdos. Chefs, vom 4. 5. 1942, gez. Keitel. 

2 Die Luftwaffe hatte im Juni 1942 folgende Mafinahmen und Starke der zur Er= 
oberung Maltas bestimmten Krafte vorgesehen: Vorbereitung und Fiihrung: 

102 



V. Der Kampf im Mittelmeerraum 

12 verst. Panzer IV . . ., alle verfugbaren schweren russischen Beutepanzer 
(mindestens lo Stiick)/' Der benotigte Lufttransportraum und ein moglichst 
hoher Bestand an Marine=Fahrprahmen soUten spater hinzutreten. Die Luft* 
streitkrafte miiliten „im Mittelmeerraum in einem Umfang erhalten bleiben, 
der zusammen mit der italienischen Luftwaffe die Luftiiberlegenheit bei der 
Durchfiihrung der Operation sicherstellt''. 

Waren nach dieser Weisung die zusatzlichen deutschen Leistungen fiir die 
bevorstehenden Aufgaben an sich schon aulierst gering — dem historischen 
Betrachter mu6 standig vor Augen bleiben, dafi die Gesamtstarke der deut= 
schen Krafte im ganzen Mittelmeergebiet auf dem Hohepunkt des Sommer= 
feldzuges 1942 am 1. 7. nur 55 000 Mann betrug — , so mufite nach der letzten 
Anordnung fiir die Luftwaffe sogar mit einer Herabsetzung der Starke zu= 
gunsten der Ostoffensive gerechnet werden. Dabei stellte es das OKW — nach 
der iiblichen, zuriickhaltenden Art der Befehlserteilung an den Ob.d.L. (s. 
oben S. 9) — noch in dessen Belieben, wieviele Verbande er gegebenenfalls 
abziehen woUe. 

Einen Tag nach dem OKW und ganz unabhangig von ihm erliefi auch das 
Comando Supremo am 5. 5. seine Weisung fiir die Panzerarmee Afrika. Darin 
wurden in vorsichtiger, stufenweiser Steigerung als Ziele des Angriffs be= 
zeichnet, den Gegner westlich Tobruk zu schlagen, sodann unter giinstigen 
Verhaltnissen Tobruk im abgekiirzten Verfahren zu nehmen und nur bei 
Erfiillung dieser „kategorischen'' Voraussetzung bis zur Linie Solium— Halfaya 
vorzustofien. Diese Grenze diirfe keinesfalls iiberschritten werden. Sollte die 
Einnahme von Tobruk nicht gelingen, so sei die Front nicht iiber Ain el Gazala 
hinaus zu verschieben. Der Beginn des Angriffs wurde auf Ende Mai fest= 
gelegt in der Erwartimg, dafi die notwendigen Erganzungen und Verstar= 
kungen bis dahin eingetroffen sein wUrden. Ausdriicklich wurde auch be= 
stimmt, daii die Operationen nicht langer als bis zum 20. 6. dauern sollten, 
da dann die Luft= und Seestreitkrafte fiir andere Zwecke, d. h. die Eroberung 
Maltas, benotigt wiirden. 

Im Mai gelang es, die Transporte iiber See zur Auffiillung der Angriffs= 
verbande der Panzerarmee und zu ihrer Versorgung ohne wesentliche Be= 
hinderung durchzufiihren. Es wurden damit allerdings nur ein dem Gegner 
einigermafien ebenbiirtiges Krafteverhaltnis und eine fiir ein schnelles Durch= 
schlagen des Angriffs ausreichende Versorgung erreicht. Zur Anlage grofierer 

Gen.Kdo. XI. Flieger=Korps (General d. Fl. Student); deutsche Fallschirmtruppen : 
5 Jager Rgt.er, 1 Artl.Rgt., 1 Fla.Rgt., 1 Pz.=Gruppe, 1 MG=Btl., 1 Pi=Btl., 
1—2 Minenwerfer=Battr.n; 2—3 Transport=Gruppen He 111, 7—8 Transports 
gruppen Ju 52; italienische Truppen: 1 Fallsch.Jg.Brig., (?) Transportgruppen 
(Savoias); Versammlungsraum: Neapel— Kalabrien (Italiener), Sizilien— Ost= und 
Siiditalien (Deutsdie); Dauer der Versammlung: 32—35 Tage (wegen Transports 
sdiwierigkeiten im Raum siidl. Neapel und iiber die StraJSe von Messina); Flug* 
platze bei Neapel (gut und ausreidiend), in Kalabrien (nur 2, davon 1 unbraudi= 
bar), auf Sizilien (gro6e Zahl, aber schon stark belegt). 

103 



A. Einfiihrung 

Nachschublager, wie sie das Comando Supremo seit langem geplant hatte, 
kam es nicht. ;r;j.?£»'}?ioij:; 

Wahrend Hitler dem Angriff in der Cyrenaika mit grofien Erwartungen 
entgegen sah, aufierte er sich am 20. 5. „erneut sehr skeptisch'' zu dem Ge= 
lingen der Eroberung Maltas^. Wenn ausreichende deutsche Krafte zur Ver= 
fiigimg stiinden, „wiirde er die Lage anders beurteilen"'. Ahnlich wie schon 
Cavallero betonte er, dafi es sich nicht nur darum handle, die Inselfestung 
zu erobern, sondern sie auch zu halten. Dazu aber seien die Italiener „nach 
alien geschichtlichen Erfahrungen . . . nicht in der Lage''. In der Lagebespre= 
chung vom 21. 5. erklarte Hitler schliefilich, falls die Wegnahme von Tobruk 
gelinge, konne man auf die Eroberung Maltas verzichten, da dann die Ver= 
bindung iiber Kreta nach Tobruk geleitet werden konne. Das Unternehmen 
„Herkules'' sei daher bis auf weiteres „nur noch geistig vorzubereiten^''. 

Diesen Standpunkt, der von den Vereinbarungen mit Mussolini vom 30. 4. 
klar abwich, bekraftigte er in den folgenden Wochen wiederholt. So erklarte 
er etwa in der Besprechung mit dem Ob.d.M., Grofiadmiral Raeder, am 15. 6., 
dafi er die Wichtigkeit der Wegnahme von Malta zwar anerkenne, „wahrend 
der Ostoffensive jedoch die Durchfiihrung, zumal durch Italien, nicht fiir 
moglich" halte^. Die „Luftwaffe kann dann keinerlei Transportflugzeuge stel= 
len''. „Ist Malta einmal durch die dauernden Luftangriffe und vollige Ab= 
schniirung ganz ausgeblutet, so konnte der Angriff in Frage kommen.'' 

Auf italienischer Seite gingen wahrenddessen die Vorbereitungen mit dem 
Ziel, die voile Bereitschaft zur Landimgsoperation so schnell wie moglich her= 
zustellen, den ganzen Mai liber unverandert weiter. 

Die am 2. 4. begonnene Luftoffensive gegen Malta lief am 10. 5. aus. Wenn 
auch weitere Luftangriffe in geringerer Starke folgten, so gewann die britische 
Inselfestung doch eine Atempause, die zum intensiven weiteren Ausbau der 
Verteidigungsanlagen bzw. der Wiederherrichtung der zerstorten militarischen 
Einrichtungen genutzt wurde. 



3. Die deutsdi-italienisdie Off^sive von El Gazala bis El Alamein 
(Mai bis Juli 1942) 

Die am 2.6J2.J. 5. beginnende Offensive der deutsch=italienischen Panzer= 
armee Af rika unter Rommels Fiihrung, die der beabsichtigten britischen Off en= 
sive nur imi wenige Tage zuvorkam, schien sich nach einem gegliickten Anlauf 
vor dem zah verteidigten Stiitzpunkt Bir Hacheim festzulaufen. Am 7. 6. mel= 
dete der italienische OB, Generaloberst Bastico, der im Gegensatz zu Rommel 

3 KTB der Kriegsgesdiiditlidien Abteilung des OKW, 20. 5. 1942. 

4 Ebda., 21. 5. 1942. 

5 Niedersdirift iiber den Vortrag des Ob.d.M. vor Hitler vom 15. 6. 1942 (Der 
Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Nr. 1. Ski. lb 1162/42 g.Kdos. Chefs, vom 
17.6.1942, in: Lagevortrage des Ob.d.M., a. a. O.). 

104 



V. Der Kampf im Mittelmeerraum 

an eine baldige Einnahme des Stiitzpunktes nicht mehr glauben wollte, die 
Offensive soUe nach der Einnahme der britischen Ain=el=Gazala=Verteidi= 
gungslinie eingestellt werden. Zugleich beantragte er jedoch, den in der Wei= 
sung vom ^. ^. gesetzten Schlufitermin vom 20. 6. um einige Tage hinauszu= 
schieben. Der Chef des Comando Supremo, Generaloberst Cavallero, ge= 
nehmigte dies fiir die Dauer von 4—5 Tagen. Gegeniiber Kesselring aufierte 
er allerdings am 10. 6., dafi somit der geplante Angriff gegen Malta eine Ver= 
schiebung um drei Wochen erfahre, wenn der Plan nicht iiberhaupt mit dem 
Auftreten britischer Verstarkungen auf der Insel und einer noch langeren 
Dauer der Kampf e in der Cyrenaika hinfallig werde^. 

Am folgenden Tage fiel jedoch Bir Hacheim (11. 6.), und nach erneuten 
schweren Kampfen um den Stiitzpunkt Knightbridge stiefien die Verbande 
der Panzerarmee ziigig nach Osten vor, schlossen Tobruk ein und nahmen die 
Festung am 20. 6. im Handstreich. Mit dem Einverstandnis Basticos vom 21. 6., 
den Vormarsch bis zur Linie Solium— Halfaya fortzusetzen, und mit der Wei= 
sung, dafi die deutsch=italienische Panzerarmee sich dort zur Verteidigung ein= 
richten solle, schien die Offensive ihren planmafiigen Abschluli zu finden, wenn 
man die Weisungen des Comando Supremo zur Grundlage der Beurteilung 
nimmt. 

In einem von Cavallero am 20. 6. entworfenen Brief Mussolinis an Hitler 
vom 21. 6. wurde daher der Angriff auf Malta als nachstes Ziel klar heraus= 
gestellt. Nach dem Siege in der Luft, zur See und zu Lande gehe es nun darum, 
die Erfolge zu festigen. Der Kernpunkt sei dabei die Eroberung Maltas. Schon 
wiirde die Verbindung nach Libyen erneut gefahrdet durdi die zahlreichen 
britischen Jager, die inzwischen von Flugzeugtragern aus wieder auf die Insel 
gelangen konnten. Ohne alsbaldige Besetzung werde Malta daher auch des= 
wegen in Kiirze wieder aufleben, well die italienische Flotte, nachdem sie in 
der soeben erfolgreich beendeten Seeschlacht im Mittelmeer zwei grofie Geleit= 
ziige am Durchbruch nach der Insel gehindert habe^ iiber keine Olvorrate 
mehr verfiige, um ein weiteres Mai auszulaufen. Nur U=Boote und Flugzeuge 
konnten neuen britischen Versuchen zur Versorgung der Insel noch entgegen= 
gestellt werden, reichten jedoch fiir diese Aufgabe nicht aus. Im iibrigen seien 
grofiere Lieferungen von Heizol auch zu der Eroberung von Malta notwendig, 
und zwar 40 000 t fiir das Unternehmen selbst und weitere 30 000 t als Re= 
serve. Nach Wegnahme der Insel werde der Olbedarf der Flotte stark nach= 
lassen, wie auch die Luftwaffe dann ihre voile Operationsfreiheit wiederge= 
winnen werde. Der beste, aber auch der letzte Zeitpunkt fiir die Landungs= 
operation, deren Vorbereitungen Mussolini als weit fortgeschritten bezeichnete, 
sei der August. Anderenfalls miisse man bis zum nachsten Friihjahr warten. 

6 Cavallero, a. a. O., Notizen vom 10. 6. 1942. 

7 Gemeint ist die britische Doppel=Konvoi=Operation („Harpoon'' und ^Vigorous") 
vom 12.— 16. 6. von Gibraltar und Alexandria zur Versorgung Maltas. Von den 
17 Transportem erreichten nur 2 Malta. , 

105 



A. Einfiihrung 

Am gleichen 21. 6. ersuchte Rommel den „Deutschen General beim Ober= 
kommando der italienischen Wehrmacht'', General v. Rintelen, im Einver= 
nehmen mit dem OKW und dem Comando Supremo die Zustimmung Musso= 
linis einzuholen, um die Verfolgung des geschlagenen Gegners nach Agypten 
hinein ohne Verzug fortzusetzen. Auch Generaloberst Bastico mufi spatestens 
zu diesem Zeitpunkt von Rommel iiber seine Absicht unterrichtet worden sein, 
war jedoch nicht gewillt, die geltenden Weisungen zu andern. 

Das Bestreben Rommels, den Erfolg auszunutzen und — ohne auf die ur= 
spriinglichen Plane Riicksicht zu nehmen — die geschlagene britische 8. Armee 
nach Agypten hinein zu verfolgen, traf sich mit entsprechenden Gedanken 
Hitlers. In seiner am 22. 6. durch Fernschreiben iibermittelten Antwort an 
Mussolini forderte er diesen auf, sich seinem Standpunkt anzuschliefien. „Ein 
geschichtlicher Wendepunkt sei erreicht, der von entscheidender Bedeutung 
fiir den Ausgang des Krieges sein'' konne. Die britische 8. Armee sei „prak= 
tisch vernichtet''. Die „schnellste und vollstandigste Ausnutzung'' dieser 
Lage, die „sich auf keinen Fall ein zweites Mai auf dem gleichen Kriegsschau= 
platz ergeben'' werde, verlange „die pausenlose Verfolgung ... bis zur voll= 
standigen Vernichtung der britischen Truppen'', ehe durch Herankommen 
neuer Reserven „eine Anderung . . . zu unseren Ungimsten'' eintrete. „Dies= 
mar' konne „Agypten . . . England entrissen werden", wahrend die Eroberung 
von Sewastopol gleichzeitig den Weg frei mache, um auch iiber den Kaukasus 
hinweg „zum Fall der gesamten ostlichen Konstruktion des englischen Em= 
pires" vorzustofien. „Die Gottin des Schlachtenglucks nahert sich den Fiihrern 
nur einmal. Wer sie in einem solchen Augenblick nicht festhalt, wird sie sehr 
oft nicht wieder erreichen konnen®." 

Ohne eine Weisung des Comando Supremo abzuwarten, gab Rommel 
wahrenddessen bereits am 22. 6. friih den Befehl, die Verfolgung der britischen 
8. Armee auf Sidi Barani (90 km ostlich der libysch=agyptischen Grenze) 
fortzusetzen*. 

Unter dem Eindruck von Hitlers Schreiben und der offensichtlich so giin= 
stigen Situation auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz anderte das 
Comando Supremo am 23. 6. seine Haltung und gab dem weiteren Vorgehen 
der deutsch=italienischen Panzerarmee seine Zustimmung. Mit dem schnellen 
Fortschreiten der Offensive steigerte sich die Zielsetzung. Am 26. 6. befahl 
das Comando Supremo, als vorlaufiges Ziel und als Basis fiir weitere Opera= 
tionen die Linie Arabischer Golf— Kattara=Senke zu erreichen (also etwa die 
El=Alameiri=Linie). Am 27. 6. folgte eine Weisung, in der iiber die Einnahme 
von Kairo und die vorlaufige Abschliefiung von Alexandria hinaus der Suez= 
Kanal als Endziel festgelegt war. Zugleich wurde die Landung auf Malta auf 



8 Warlimont II, a. a. O., 5. 243. 

9 Rommel wurde am 21. 6. zum Gen.Feldmarsdiall befordert. Am 22. 6. warden 
daher auch Cavallero und Bastico zu Marschallen von Italien befordert. 

106 



V. Der Kampf im Mittelmeerraum 

September versdioben. AUein der OB Siid, Gen.Feldmarschall Kesselring, 
brachte am 25. 6. in einer Aussprache mit Cavallero und Bastico nach wie vor 
Bedenken gegen einen Vormarsch nach Agypten vor. Er zeigte vor allem 
grofite Besorgnis hinsichtlich der Nachschublage. Auch konnten den 600 bri= 
tisdien Flugzeugen im Delta=Gebiet nur 60—70 deutsche und italienische Jager 
entgegengestellt werden. 

Am 30. 6. kam der stiirmische Vormarsch der deutsch=italienischen Panzer= 
armee vor El Alamein zum Stehen. Die erschopfte Armee besafi nur noch 
^^ Panzer, 15 Panzerspahwagen, jy Geschiitze, 6^ Pak. Bei den drei deutschen 
Divisionen, die die Angriffspitze bildeten, betrug die Kampfstarke nur noch 
etwas iiber 2000 Mann Infanterie. Nach vergeblichen Versuchen, die britische 
Stellung zwischen der Kuste und der Kattara=Senke zu durchbrechen, sah sich 
Rommel am 3. 7. gezwungen, den Kampf abzubrechen. 

An diesem Tage gaben die Reichsregierung und die italienische Regierung 
eine offentliche Erklarung ab, in der sie „feierlich ihre feste Absicht (bekraf= 
tigten), die Unabhangigkeit Agyptens und die Souveranitat Agyptens zu ach= 
ten und sicherzustellen. Die Streitkrafte der Achse betreten Agypten nicht als 
Feindesland, sondern mit dem Ziel, die Englander aus dem agyptischen Terri= 
toriimi zu vertreiben und die militarischen Operationen gegen England fort= 
zusetzen, die den Nahen Osten von der britischen Herrschaft befreien sollen/' 
Um dieses politisch=propagandistische Ziel zu unterstreichen, hatte der deut= 
sche Wehrmachtbericht am 2. 7. entgegen den Tatsachen gemeldet, daii „deut= 
sche und italienische Divisionen, unterstiitzt durch starke Sturzkampf verbande, 
nach erbittertem Kampf die El=Alamein=Stellung durchbrochen (hatten). Sie 
verfolgen die geschlagenen britischen Krafte, die sich auf das Nil=Delta zu= 
riickziehen^'' 

Rommel, der angesichts der veranderten Lage die Absicht geaufiert hatte, 
auf die agyptisch=libysche Grenze zuriickzugehen, fand sich schliefilich am 
23. 7. nach erneuten Zusicherungen auf anlaufende Verstarkungen damit ab, 
in der Stellung westlich El Alamein zu verbleiben. Diese Verstarkungen konn= 
ten wegen fehlender anderer Moglichkeiten nur von den fiir das Unternehmen 
„Herkules'' vorgesehenen und hierfiir bereitgestellten Verbanden entnommen 
werden. Comando Supremo und OKW gaben hierzu Mitte Juli entsprechende 
Befehle. Cavallero hatte sogar schon am 7. 7. den Operationsstab Malta an= 
gewiesen, anstelle der gegen die Inselfestung gerichteten Plane einen Uber= 
gang nach Tunis vorzubereiten. Dagegen erhob General v. Rintelen im Auf= 
trage des OKW am 20. 7. Bedenken. Ein italienisches Vorgehen gegen Tu= 



OKW=Bericht, 2. 7. 1942. Am 15. 7. empfing Hitler in „Wolfsschanze" den nach 
Deutschland gefluditeten ehemaligen irakischen Ministerprasidenten Ali el Gai= 
lani, der im Mai 1941 den gescheiterten Aufstand gegen die britischen Streit= 
krafte im Irak geleitet hatte. Er wirkte — ebenso wie der Mufti von Jerusalem, 
Husseini — von Deutschland aus iiber Rundfunkstationen propagandistisch in 
den Nahen Osten hinein. 



107 



A. Einfiihrung 

nesien miisse den Abfall von ganz Franzosisch=Nordafrika zu de Gaulle zur 
Folge haben. 

Nachdem am 27. 7. britische Gegenangriffe an der El=Alamein=Front an der 
erfolgreichen deutsch=italienischen Abwehr gescheitert waren, wurde die Si= 
tuation in Nordafrika wieder giinstiger beurteilt. Das Comando Supremo, 
das sich am 12. 8. die deutsch=italienische Panzerarmee unmittelbar unterstellte 
(also Bastico auf den Oberbefehl in Libyen beschrankte), und der OB Slid 
forderten nunmehr in Sorge vor dem standigen Anwachsen der britischen 
Krafte, die ununterbrochen Nachschub auf der Route um das Kap der Guten 
Holfnung erhielten (s. oben S. 17), eine schnelle Wiederaufnahme der Offen= 
sive. Die Weisung des Comando Supremo vom 17. 8. sah dementsprechend 
als nachstes Operationsziel vor, die britischen Krafte westlich des Deltas zu 
schlagen, Alexandria zu gewinnen und, gestiitzt auf diesen Hafen, weiter auf 
Kairo und den Suez=Kanal vorzugehen. Hitler indessen verzichtete darauf, 
Rommel zu drangen und in seine Entscheidungen einzugreifen. 

Gegen seine eigene bessere Uberzeugung befahl Rommel schlieiBlich fiir den 
30. 8. abends den neuen Angriff, ohne iiber die von ihm selbst als unerlafilich 
angesehenen Mittel zu verfiigen. Die Offensive scheiterte daher bereits am 
1. 9. an der heftigen britischen Gegenwehr, vor allem in der Luft. Am 3. 9. 
nahm Rommel die Armee in ihre Ausgangsstellungen zuriick. An eine Wieder= 
aufnahme des Angriffs war fiir absehbare Zeit nicht zu denken. Der Ernst 
der Situation ergab sich aus der Feststellung Cavalleros vom 6. 9., dafi jetzt 
die „Neutralisierung'' Maltas „das Problem auf Leben oder Tod"" sei. „Wenn 
Malta nicht neutralisiert wird, verlieren wir alles/' „Um zum Nil zu gelangen, 
mlissen wir vorgehen; um vorzugehen, brauchen wir Transporte; und um 
Transporte zu haben, mufi Malta neutralisiert werden^/' 

Nachdem die Moglichkeit, Malta zu erobern, mit der Abgabe der hierfiir 
bereitgestellten Krafte nach Nordafrika endgiiltig dahingeschwunden war — ob 
dies unter den gegebenen Voraussetzungen bei beiden Seiten (deutschen wie 
italienischen) „greifbare'' Moglichkeit war, bleibe hier unerortert — , versuchte 
der OB Slid, durch eine letzte starkere Luftoffensive gegen die Insel ab 10. 10. 
wenigstens eine wirksame „Neutralisierung'' zu erreichen. Doch mufiten die 
Angriffe nach wenigen Tagen infolge der schweren eigenen Verluste auf 
Drangen Gorings und Befehl Hitlers wieder eingestellt werden. Am 20. 11. 
erklarte schlielilich Hitler in der Lagebesprechung^, dafi seiner Ansicht nach 
die Wegnahme solcher befestigter Inseln iiberhaupt „unmoglich'' sei: in sei= 
nem Munde ein seltenes Eingestiindnis. 

Schon seit September war die Insel Kreta starker in den Brennpunkt seiner 
Sorgen geriickt. Urspriinglich war sie im Zusammenhang mit den Planungen 
im Mittelmerraum als vorgeschobenes Sprungbrett der Luftwaffe gegen Agyp= 

2 Cavallero, a. a. O., Notizen vom 6. und 8. 9. 1942. 

3 Aufz. zum KTB WFStab, 20. 11. 1942. 

108 



V. Der Kampf im Mittelmeerraum 

ten vorgesehen. Doch wechselte sie schon im Spatsommer in eine strategische 
DefensivroUe hiniiber. Weder als Stiitzpunkt der Luftwaffe noch als Riickhalt 
fiir die Seeverbindungen nach Nordafrika brachte der Besitz der Insel im 
iibrigen einen wesentlich anderen Vorteil als den, dafi ihre Nutzung dem Geg= 
ner versagt blieb. Hitler hielt indessen trotz aller Erfahrungen an seiner An= 
sicht von der „beherrschenden Bedeutung . . . der Insel fiir das ostliche Mittel= 
meer und fiir den Kampf in Agypten"' fest. Schon in der „Fiihrer=Weisung'' 
Nr. 45 vom 23. 7. 1942"* hatte er die Verlegung einer der besten deutschen 
Divisionen (22. Inf.Div.) nach Kreta verfiigt. Ihren Weitertransport zur Ver= 
starkung der Panzerarmee Rommels nach Afrika zog er nur voriibergehend 
in Erwagung. In einer Weisung vom 14. 9. 1942^ stellte er Kreta geradezu 
in das Zentrum seiner Besorgnisse hinsichtlich des Mittelmeerkriegsschau= 
platzes, Auch Mussolini hatte er schon am 4. 8. in einem Brief aufgefordert, 
„fiir alle Falle eine Verstarkung nach Kreta (zu) schicken''. Der Ob.d.M. 
vertrat am 26. 8. Hitler gegeniiber sogar die Meinung, dafi Kreta seiner Be= 
deutung wegen „in Krieg und Frieden'' in deutscher Hand bleiben miisse®. 
Schliefilich unterstellte Hitler mit Weisung vom 13. 10. 1942^ ebenso wie alle 
von deutschen Truppen besetzten Kiisten im Mittelmeer und in der Agais der 
einheitlichen Befehlsgewalt des OB Siid zwecks „Vorbereitung und Durch= 
fiihrung der Verteidigung''. Die Befugnisse des W.B. Siidost (s. unten S. 142) 
wurden auf diese Weise eingeschrankt. Doch wurde diese komplizierte Lo= 
sung, die sich nicht bewahrte, mit der „Fiihrer= Weisung'' Nr. 47 vom 28. 12. 
1942^ wieder aufgehoben (s. unten S. 142 f.). 



4. Die Abwehr der britisdien Offensive in Xgypten ab 23. 10. 1942 

Die Sorgen der deutschen Obersten Fiihrung um die Entwicklung der all= 
gemeinen Lage im Mittelmeerraum — trotz der Zuversicht Rommels, die in= 
zwischen stark ausgebaute und verminte El=Alamein=Stellung zu halten — 
spiegeln sich in einigen Notizen im KTB des WFStabes deutlich wieder. Sie 
bezogen sich weniger auf die Front in Agypten, kreisten vielmehr um die 
angesichts des gespannten italienisch=franzosischen Verhaltnisses und der 
zwielichtigen RoUe Vichys in Nordwestafrika politisch und militarpolitisch 
labilen Verhaltnisse im westlichen Mittelmeerraum. Beim Lagevortrag am 
15. 10. kamen „die sich mehrenden Nachrichten iiber beabsichtigte und be= 

4 Hubatsdi, a. a. O., S. 199. 

5 Der Fiihrer OKW/WFStab/Op. Nr. 003142/42 g.Kdos. Chefs, vom 14. 9. 1942, 
gez. Adolf Hitler. 

6 Niederschrift iiber den Vortrag des Ob.d.M. vor Hitler vom 26. 8. 1942 (Der 
Oberbefehlshaber der Kriegsmarine B Nr. 1. Ski. lb Nr. 1663/42 g.Kdos. Chefs, 
vom 29.8.42, in: Lagevortrage des Ob.d.M., a. a. O.). 

7 Der Fiihrer OK W/WFS tab/Op. Nr. 551 743/42 g.Kdos. Chefs, vom 13. 10. 1942, 
gez. Adolf Hitler. 

8 Hubatsch, a. a. O., S. 209ff. 

109 



A. Einfiihrung 

vorstehende angelsachsische Truppenlandungen in Westafrika zur Sprache. 
Den Vorschlag des Chefs WFStabes, der franzosischen Regierung zu gestatten, 
ihre Krafte in Nordafrika aus dem Mutterland zu verstarken, um sie zur 
Abwehr etwaiger angelsachsischer Landungsversuche zu befahigen, lehnt der 
Fiihrer mit Riicksicht auf die Italiener ab, die jeder Verstarkung der franzosi= 
schen Truppen in Nordafrika mit aufierstem Mifitrauen gegeniiberstehen®/' 

General v. Rintelen legte am 21. 10. auf Weisung des OKW dem Comando Su= 
premo noch einmal nahe, nidit praventiv nadi Tunis hiniiberzugehen, sondern mit 
Riicksicht auf Vichy erst nach einer etwaigen Landung der AHiierten, die weniger 
in Algerien und Tunesien als vielmehr in Dakar oder in Marokko vermutet wurde. 
In seinem Brief an Mussolini vom gleichen Tage zog Hitler sogar nur eine alliierte 
Landung in Norwegen oder in Westeuropa in Betracht. Andererseits kam der 
WFStab bei seiner in den letzten Oktobertagen aufgestellten „Ubersicht iiber die 
Gesamtlage im Herbst 1942^ nach Abwagung allgemeiner militarpolitischer und 
strategischer Uberlegungen zu dem Ergebnis, dafi Franzosisch=Nordafrika den gun= 
stigsten Ansatzpunkt fiir ein Vorgehen der AHiierten gegen die „Achsenmachte" 
bieten miisse. Allerdings wurde als Zeitpunkt hierfiir das Frtihjahr 1943 angesehen. 

Auch nach Beginn der Offensive der britischen 8. Armee gegen die El=Alamein=Front 
der deutsch=italienischen Panzerarmee am 23. 10. 1942 sah Hitler am 25. 10. „die gro6te 
Gefahr im westlichen Mittelmeerraum". Dabei liefi er sich „eingehend iiber die 
Verteidigungsmoglichkeiten von Korsika berichten" und erwog sogar „eine Be= 
setzung der Insel durch italienische Streitkrafte". Den vollen Ernst der Lage an 
der agyptischen Front scheint auch das Comando Supremo erst durch den Bericht 
Gen.Feldmarschall Rommels vom 30. 10. erkannt zu haben. Nachdem die Nach= 
richten bis dahin einen Abwehrerfolg hatten erwarten lassen, gipfelte Rommels 
Meldung an diesem Tage darin, dafi bei weiterem Anhalten des iiberwaltigenden 
britischen Materialeinsatzes, auch nur noch zwei bis drei Tage lang, der Widerstand 
der Panzerarmee zum Erliegen kommen miisse. Da keine Reserven zur Verfiigung 
stiinden, sei der Weg nach Westen fiir den Gegner dann frei. Da es aber unmoglich 
schien, die in erster Linie dringend benotigte Munition zu iiberfiihren, um den 
Kampf fortzusetzen, auch nicht geniigend Treibstoff vorhanden war, um die Schlacht 
abzubrechen und kampfkraftig den Riickzug anzutreten, sah Cavallero nur die 
Losung, die Front bei El Alamein auf Biegen oder Brechen zu halten. 

Am 2. 11. erneuerte er den Befehl an Rommel, die Stellung bei El Alamein, 
„koste es, was es wolle'', zu halten. Auch in einem von Jodl abgefafiten Tele= 
gramm Hitlers vom gleichen Tage wurde der Feldmarschall zum bedingungs= 
losen Ausharren auf gef ordert : „Ihrer Truppe konnen Sie keinen anderen Weg 
zeigen als zu siegen oder zu sterben^/' 

Wahrscheinlich ohne Kenntnis dieses Befehls, aber aus eigener Verantwor= 
tung iiber die Weisungen des Comando Supremo und des ihm ohnehin be= 
kannten Willens Hitlers hinweggehend, ordnete Rommel am Abend des 2. 11. 
den Ruckzug seiner Panzerarmee an. In seiner Meldung an das OKW/WFStab 
teilte er seine Absicht mit, „die italienischen Infanterie=Divisionen in der kom= 

9 Aufz. zum KTB des WFStabes, 15. 10. 1942. 

1 Zu dieser Obersicht Warlimont, a. a. O., S. 279/80. 

2 Erwin Rommel, Krieg ohne Ha6, Heidenheim 1950, S. 268 (zuverlassig rekon* 
struierter Wortlaut des Telegramms). 

lid 



V. Der Kampf im Mittelmeerraum 

menden Nacht vom Gegner zu losen und in die Fuka=Stellung zuriickzufiihren. 
Die schnellen Verbande wiirden diesen Riickzug decken und dann ebenfalls 
in die Fuka=Stellung ausweichen/' Diese Meldung wurde Hitler am spaten 
Abend des 2. 11. noch vorgelegt. Er nahm mit Sicherheit an, dafi Rommel auf 
Grund seines inzwischen eingetroffenen Appells diese Absicht nicht ausfiihren 
wiirde. Die am 3. 11. kurz nach 3 Uhr beim WFStab eingehende „Tages= 
abschlufimeldung'" bestatigte jedoch, dafi die geplanten Bewegungen am 2. 11. 
abends eingeleitet worden waren. Die Tatsache, dafi der diensttuende Offizier 
im WFStab es unterliefi, seine Vorgesetzten und auch Hitler noch in der Nacht 
vom Beginn des Rlickzuges zu benachrichtigen — er glaubte gegeniiber der vor= 
angegangenen Abendmeldung der Panzerarmee keine wesentliche Verande= 
rung f estzustellen — , fiihrte zu drakonischen Mafinahmen Hitlers an den seiner 
Ansicht nach „schuldigen'' Offizieren des WFStabes. Unter scharfen Vor= 
wiirfen gegen den Chef OKW verfiigte er, den Offizier vom Dienst, einen 
Major d. Res., den er zunachst in dem Argwohn, es lage ein abgekartetes 
Spiel vor, mit sofortiger Erschiefiung bedroht hatte, in den Mannschaftsstand 
und in ein Bewahrungsbataillon zu versetzen — eine Mafinahme, die spater 
durch Fiirsprache Schmundts gemildert wurde — und den Stellv. Chef WFStab, 
Generalleutnant Warlimont, seiner Dienststelle zu entheben. In der Sache fand 
sich Hitler jedoch mit dem EntschlulB Rommels ab in der Annahme, dafi nun= 
mehr die Fuka=Stellung gehalten werde. 

Rommel seinerseits meldete nach Eingang des Appells Hitlers am 3. 11. 
gegen 10 Uhr den bis gegen 8 Uhr erreichten Stand der nunmehr angehaltenen 
Bewegungen. Hier verharrte er, bis er sich am 4. 11., 15.30 Uhr, angesichts der 
hereinbrechenden Katastrophe doch zum weiteren Riickzug aus eigener Ver= 
antwortung entschlo6. Der ins FHQu entsandte Oberleutnant d. Res. Berndt, 
im Zivilberuf Ministerialdirektor im Reichspropagandaministerium, setzte 
Hitler auseinander, „da6 infolge des iiberwaltigenden Materialeinsatzes der 
britischen 8. Armee die Fuka=Stellung und auch die Marsa=Matruk=Stellung 
wohl nicht zu halten seien, dafi . . . Rommel aber hoffe, wenigstens die Stel= 
lung an der libysch=agyptischen Grenze halten zu konnen''. 

Auch mit dieser Stellungnahme fand sich Hitler ab, ja er billigte riick= 
blickend sogar Rommels Entschlufi zum Riickzug. Er verband damit die Hoff= 
nung, dafi der Riickzug, wie es auch das Comando Supremo inzwischen be= 
fohlen hatte, tatsachlich in der Sollum=Halfaya=Linie enden werde. Nach der 
alliierten Landung in Algerien und Marokko (s. imten S. 116 ff.), von der Rom= 
mel in seinem Gef echtswagen in der Nahe von Solium erf uhr, f anden sich Hitler 
und Mussolini dann mit einem — ohnehin unvermeidlichen — weiteren Riick= 
zug bis zur Marada— Marsa=el=Brega— Linie ab, die die Panzerarmee am 20. 11. 
erreichte und in der sie gemafi den Befehlen des Comando Supremo endgiiltig 
zum Stehen kommen sollte^. Da die grundlegenden Kampf verhaltnisse sich 

3 Cavallero, a. a. O., Notizen vom 20. 11. 1942. 

Ill 



A. Einfiihrung 

aber nicht anderten, forderte Rommel bereits am 23. ii. mit Zustimmimg 
Basticos, dem er in Libyen wieder unterstellt war, auch die Grofie Syrte zwi= 
schen sich und die Verfolger zu legen und auf Buerat zuriickzugehen. Selbst 
ein solcher weiterer Riickzug konne indessen nur dazu dienen, „die Schlacht 
fiir 14 Tage hinauszuschieben'" und „das Leben zu verlangern"'. Erst bei die= 
sem Anlafi und nur gegeniiber Bastico sprach Rommel schliefilich offen aus, 
dafi auch Tripolis und damit die ganze italienische Kolonie nicht mehr zu 
halten seien, das heifie, dafi die Achsenmachte sich darauf einrichten miifiten, 
ganz Afrika endgiiltig aufzugeben^. 

Demgegeniiber hatte Hitler in seinem Brief an Mussolini vom 20. 11. seine 
Grundauffassung in die Worte zusammengefafit, dafi er „zu den Mannern 
gehore, die, wenn sie Schlage erhalten, . . . immer entschlossener werden'', 
und dafi er nur den „einen Gedanken kenne, . . . zu kampfen''. Auf seine 
militarische Fiihrung iibertragen bedeutete dies: das Verlorene moglichst 
wiederzugewinnen und an keiner Stelle freiwillig etwas aufzugeben. In dieser 
Trotzhaltung versuchte er, die sich ihm aufdrangende Einsicht, endgiiltig in 
die strategische Defensive gedrangt zu sein, beiseite zu schieben. 

Am 29. 11. entwickelte Jodl Leitsatze an seinen Stab fiir eine neue Beur= 
teilung der deutschen Gesamtlage. An ihre Spitze stellte er die Forderung: 
„Nordafrika mufi als Vorfeld von Europa unbedingt gehalten werden/' Geht 
es „doch verloren'' (in Hinsicht auf die ungesicherte Transportlage), „so ist 
ein angelsachsischer Angriff gegen den Siidosten Europas iiber den Dode= 
kanes, Kreta und den Peloponnes zu erwarten. Daher mufi der Balkan be= 
friedet imd gesichert werden/' Im Westen und Norden sei in naher Zukunft 
mit grofieren Unternehmungen kaum zu rechnen; dagegen miifiten „im Osten 
endlich feste Fronten geschaffen werden, um im nachsten Friihjahr wenigstens 
an einer Stelle zur Offensive iibergehen zu konnen^/' 

Das Festhalten der nordafrikanischen Position, insbesondere von Tunesien 
als der entscheidenden Schliisselstellung im Mittelmeerraum und gleichzeitig 
als Schutzschild fiir Italien, war auch die Grundforderung in der Lagebeurtei= 
lung des Ob.d.M. vom 19. 11. Wollte Jodl in seinen Richtlinien als „Voraus= 
setzung dazu . . . das rasche Ingangbringen der Seetransporte"' ansehen, so 
erklarte die Ski., dafi dies in Anbetracht der kurzen Versorgungslinien iiber 
See „eine leichte Aufgabe'' sein werde. Auch Goring meinte am 1. 12. in Rom, 
„nach Tunis ist es ein Panthersprung^''. 

Angesichts dieser illusionaren Lagebeurteilung der deutschen Obersten Fiih= 
rung konnte Rommel bei seinem iiberraschend angekiindigten Besuch im 
FHQu am 28. 11. nicht mit seinem Grundgedanken, Nordafrika aufzugeben, 
zu Worte kommen. Hitler, der wie meistens das Gesprach sofort an sich zog, 
erklarte, dafi der Nachschub fiir die Panzerarmee iiber Tunis in Kiirze alien 

4 Cavallero, a. a. O., Notizen vom 23. 11. 1942. 

5 Warlimont, a. a. O., 5. 293. 

6 Cavallero, a. a. O., Notizen vom 1. 12. 1942. 

3.12 



V. Der Kampf im Mittelmeerraum 

Forderungen gerecht werden wiirde. Jedem Gedanken an eine Aufgabe Nord= 
afrikas setzte er den — seiner Auffassung nach mit Rucksicht auf Italien auch 
politisch unbedingt notwendigen — Willen entgegen, den Kern des italienischen 
Kolonialreiches um Tripolis unter alien Umstanden zu halten. Um das seit 
dem Riickzug von El Alamein und den schweren italienischen Verlusten (die 
noch durch Rommels Riickzugtaktik vergrofiert worden waren) angespannte 
Verhaltnis zwischen den Biindnispartnern zu entscharfen, wurde Goring als 
Begleitung Rommels mit nach Rom zu Mussolini entsandt. Zu Gorings Uber= 
raschung glaubte Mussolini, in einer politischen Losung (Separatfrieden mit 
Rufiland) einen Ausweg aus der Krise zu sehen, in der sich die „Achsen= 
machte'' seit Anfang November befanden (s. oben S. 25). Demgegeniiber 
besafi Goring nur einen militarischen und propagandistischen Auftrag. Seine 
Feststellung, dafi es in Nordafrika nicht zwei, sondern nur einen Kriegsschau= 
platz gebe, blieb praktisch ohne Konsequenzen. Insbesondere wurde ein ein= 
heitlicher Operationsauftrag seitens des befehlsfiihrenden Comando Supremo 
vorerst nicht erteilt, obwohl Hitler selbst am 18. 12. gegeniiber Cavallero noch 
einmal ausdriicklich bestatigte: „dieser Kriegsschauplatz ist italienisch^". Nach 
wie vor galten vielmehr nur die groben Richtlinien, dal? die Panzerarmee 
Rommels moglichst weit ostwarts in Tripolitanien endgiiltig zum Stehen kom= 
men soUte, wahrend die im Aufbau befindliche Tunis=Armee^^ sich im Zuge 
ihrer weiteren Verstarkung erst durch Ausdehnung nach Westen und Siiden 
den notwendigsten Bewegungsraum zu erkampfen hatte. 

Die Frage, ob sich die Panzerarmee in der Marada— Marsa=el=Brega— Stellung 
oder erst in der Buerat=Linie zur Verteidigung setzen soUe, fiihrte Anfang 
Dezember zu einer merkwiirdigen Frontenbildung, in der Mussolini sich auf 
die Seite Rommels stellte und auf rechtzeitiges weiteres Absetzen drangte, 
wahrend Hitler und Cavallero — aus unterschiedlichen Griinden — es als 
„schweren Fehler"' ansehen woUten, wenn die Stellung am Siidostrand der 
Grofien Syrte „ohne Not'' aufgegeben werde®. 

Mit Beginn des Angriffs der britischen 8. Armee gegen die Marsa=el=Brega= 
Stellung am 11. 12. loste sich die Frage ohne weiteres Eingreifen der obersten 
Fiihrungsstellen auf, indem Rommel im Rahmen seiner VoUmachten selb= 
standig die Bewegungen zum Absetzen in die Buerat=Stellung im richtigen 
Augenblick einleitete. Am gleichen 11. 12. erliefi das Comando Supremo aber 
auch schon eine Weisung an Marschall Bastico, er soUe, um auf die „aufiersten 
Moglichkeiten'' vorbereitet zu sein, die alte franzosische Verteidigimgszone 
in Siidtunesien im Raum Gabes— Mareth mit Front nach Osten zur Verteidi= 
gung einrichten. 

7 Cavallero, a. a. O., Notizen vom 18. 12. 1942. 

8 Cavallero, a. a. O., Notizen vom 11. 12. 1942; Fragment der Lagebesprediung 
vom 12.11.1942: Heiber, a. a. O., S. 103 ff. Hitler hielt Rommel zugute, da6 er 
durch den vielen Umgang mit Italienern „die Nerven verloren" habe. 

7a Vgl. S.ii8ff. 

113 



A. Einfiihrung 

In den letzten Tagen des Jahres schob sich die britische 8. Armee, ohne 
durch die Schwierigkeiten der Grofien Syrte wesentlich aufgehalten zu wer= 
den, bereits an die Buerat=Stellung heran. Erneut liefi Rommel vorsorglich 
erkennen, dafi er sich mit den ihm verfiigbaren Kraften bei dem unzulang= 
lichen Nachschub und der Gefahr sudlicher Umgehung zu einer nachhaltigen 
Verteidigung auch dieser Stellung viel zu schwach fiihle. Gleichzeitig fiigte er 
hinzu, dafi ein rechtzeitiger weiterer Riickzug ihn in die Lage versetzen werde, 
sich alsbald mit den deutsch=italienischen Truppen in Tunesien zu vereinigen, 
wo es noch operative Moglichkeiten gebe. 

Wahrend sich Cavallero aus Griinden von Zeitgewinn und Raumerhaltung 
noch immer widersetzte, mogen Rommels Vorschlage bei Mussolini den ent= 
scheidenden Anstofi gegeben haben,um in den Tagen der Jahreswende 1942/43 
mit der bisherigen Fiihrungsart von Stellung zu Stellung zu brechen und 
Rommel bis zur Siidgrenze von Tunesien freie Hand zu geben. Einschrankend 
war mit der neuen Weisung, der auch das OKW zustimmte, die Auflage ver= 
bunden, den Riickzug nur unter Einhaltung gewisser Fristen fortzusetzen; 
andererseits hiei? es ausdriicklich, dafi jede Gefahr einer Vernichtung der 
Armee ausgeschlossen sein miisse. 

Mit dieser Entscheidung hatte Rommel praktisch seine Uberzeugung durch= 
gesetzt, dafi die Panzerarmee nur noch im Verein mit den in Tunesien befind= 
lichen deutsch=italienischen Kraften ihre Operationsfreiheit wiedergewinnen 
konne. 



5. Die GegenmaSnahmen gegen die alliierte Landung in Marokko und Algerien 

Die Lagebeurteilung der deutschen Obersten Fiihrung hinsichtlich des west= 
lichen Mittelmeerraumes in den letzten Tagen vor der alliierten Landung in 
Marokko und Algerien in der Nacht vom 'j.l^. 11. 1942 lafit sich wie folgt 
zusammenfassen^: Am 31.10. wurde das Einlaufen von 21 Frachtern und 
Transportern in den Hafen von Gibraltar von der geheimen deutschen Beob= 
achtungsstelle in Algeciras gemeldet. „Nahm man zunachst bei beiden ober= 
sten Fiihrungsstellen der Achse den Anlauf eines neuen Geleitzug=Unterneh= 
mens zur Versorgung von Malta an, so anderte sich diese Meinung im deut= 
schen Hauptquartier auch nicht, als in den nachsten, durch die Vorgange bei 
El Alamein hochst bewegten Tagen einwandfreie Nachrichten folgten, dafi 
erhebliche Seestreitkrafte bei Gibraltar sammelten, und kurz darauf, dafi 
Starke gemischte Schiffsverbande in das Mittelmeer ausgelaufen seien. Wahr= 
scheinlich unter dem Einflufi von Hitlers Eingreifen kam aber auch an ma6= 
geblicher Stelle in Rom erst am 4. 11. der Gedanke auf, dafi sich schon hier 
und jetzt eine unmittelbar bevorstehende Landeoperation gegen Franzosisch= 
Nordafrika ankiindigte. Nach weiteren Beobachtungen bis zum 6. 11. bekannte 

9 Warlimont II, a. a. O., S. 261/62. 

114 



V. Der Kampf im Mittelmeerraum 

sich auch Mussolini zu dieser Ansicht, mufite aber erfahren, dafi Hitler ihm 
immer noch nicht folgen woUte. Korsika oder Sardinien, so liefi der deutsche 
Oberbefehlshaber seine Ansichten durch Goring iiber Fernsprecher am 6. ii. 
an Kesselring iibermitteln, vielleicht auch Derna und Tripolis — also Kusten= 
platze weit jenseits der StralEe von Sizilien — wiirden, wenn iiberhaupt eine 
Landeoperation in Betracht komme, ihre wahrscheinlichen Ziele sein. Dagegen 
scheide Franzosisch=Nordafrika, das Kesselring iibereinstimmend mit den 
Italienern an erster Stelle nannte, aus. Ganz ahnlicher Meinung war auch die 
deutsche Seekriegsleitung, die in erster Linie auf Landeabsichten in Tripoli= 
tanien, in zweiter in Italien oder auf den italienischen Inseln und erst an letz= 
ter Stelle in Franz6sisch=Nordafrika schlie6en wollte. Daneben blieb die Ver= 
mutung eines Geleitzugunternehmens nach Malta trotz inzwischen gezahlter 
190 Schiffseinheiten noch weiter im Spiel. Bis zum 7. 11. mittags war dann 
Hitler, wenn auch ohne erkennbare Griinde, zu der Annahme gelangt, dafi 
,ein grofies Landungsunternehmen von etwa 4—5 Divisionen bei Tripolis oder 
Bengasi beabsichtigt' sei. General v. Rintelen mufite sich darauf dem Auftrag 
unterziehen, das Comando Supremo aufzufordern, in diesen beiden Orten 
,alles . . . zur ortlichen Verteidigung einzurichten einschliefilich Barrikaden'! 

„Inzwischen liefen auch erste Gegenmafinahmen auf See an. Waren die gro= 
fien Geleitziige auf ihrem Wege durch den Atlantik aus Mangel an weit= 
reichender Luftaufklarung und wegen Inanspruchnahme der in ihrem Gebiet 
stehenden U=Boote mit der Bekampfung eines Sierra=Leone=Konvois nicht 
gesichtet worden, so blieben jetzt nur in aller Eile die wenigen deutschen und 
italienischen U=Boote (im westlichen Mittelmeer) gegen die feindliche Armada 
anzusetzen. Die italienische Flotte konnte wegen der anhaltenden Bindung 
ihrer leichten Seestreitkrafte im Geleitdienst nach Nordafrika, aber auch wie= 
derum wegen der unzulanglichen Versorgung mit Heizol und aus Mangel an 
begleitenden Luftstreitkraften nicht auslaufen. Sie ,in diesem historischen 
Augenblick' durch einen Tagesbefehl Mussolinis, wie Hitler bei dem erwahn= 
ten Ferngesprach Goring des weiteren sagen liefi, zu hochster Leistung an= 
zuspornen, . . . mufite ins Leere fallen. Aber auch die deutsche Luftflotte 2 
war mit starken Kraften in der ostlichen Wiiste zur Unterstiitzung Rommels 
gebunden. Gegeniiber Goring und dessen geradezu beschworendem Verlangen, 
den Verbanden das Letzte abzufordem, um die alliierten Geleitziige, in erster 
Linie Flugzeugtrager, ,ununterbrochen bei Tag und Nacht anzugreifen und zu 
vernichten', liefi Kesselrings Antwort aber auch keinen Zweifel, dalE seine 
Flieger erst im Umkreis der Strafie von Sizilien wirksam eingreifen konnten. 
Verstarkungen blieben ihm auch in dieser Stunde versagt.'' 

Trotz seiner Ansicht, da& Franzosisch=Nordafrika nicht gefahrdet sei, hatte 
das OKW am 7. 11. vorsorglich eine erhohte Bereitschaft fiir die seit langem 
vorbereiteten Mafinahmen angeordnet (s. unten S. 132 f .), die Riickwirkungen 
eines feindlichen Einbruchs in den Mittelmeerraum auf das franzosische Mut= 
terland unterbinden soUten: namlich einen Einmarsch in den unbesetzten Teil 



1:13 



A. Einf iihrung 

Frankreichs und eine Besetzung Korsikas. Sie soUten vor allem dazu dienen, 
einen Obergang von Teilen der franzosischen Flotte nach Afrika zu verhin= 
dern. Vollig ungeschiitzt, ja geradezu unbeachtet blieb dagegen Franzosisch= 
Nordafrika selbst. Nicht einmal Fiihlung auf diplomatischem Wege zur Vichy= 
Regiening wurde gesucht. Vorbereitungen zu gemeinsamer Abwehr waren seit 
Jahresfrist unterblieben. Wahrend man sich auf deutscher Seite entgegen alien 
friiheren Ansichten (1940/41) nunmehr plotzlich auf den Abwehrwillen der 
franzosischen Kolonialarmee verlassen zu konnen glaubte, bewahrten die 
Italiener ihr gewohntes Mifitrauen, wollten aber die ihnen zufallende Be= 
setzung Korsikas immerhin noch von dem franzosischen Verhalten gegeniiber 
einer etwaigen Landung der Alliierten in Nordafrika abhangig machen^. 

Die Nachricht von der alliierten Landung in Marokko und Algerien erreichte 
Hitler wahrend eines Aufenthaltes auf einem Bahnhof in Thiiringen in der 
Nacht vom /./S. 11. Er befand sich gerade mit seiner engsten Begleitung auf 
der Fahrt vom FHQu „Wolfsschanze'' nach Miinchen, wo er am Abend des 
8. 11. seine traditionelle Rede vor den „Alten Kampfern'' seiner Partei hielt. 
In einer kurzen Besprechung mit seinen militarischen Beratern wurden Uber= 
legungen, ob man Afrika unter diesen neuen Bedingungen nicht aufgeben 
soUe^, beiseite geschoben. Denn: „ Afrika aufzugeben bedeutete nicht nur den 
ganzlichen Verlust der deutsch=italienischen Panzerarmee, sondern aufierdem, 
dafi die Alliierten dort kampflos eine zusammenhangende zweite Front er= 
richten wiirden, verbunden mit einem Prestigeverlust imsererseits, der nicht 
zu unterschatzen war. Die strategischen Vorteile einer voUigen Beherrschung 
des Mittelmeerkriegsschauplatzes wiirden damit um die Wende des Jahres 
1942/43 an die Alliierten iibergegangen sein; die moralische Widerstandskraft 
des italienischen Volkes ware bis ins Mark erschiittert und den Alliierten alle 
Freiheit zur weiteren strategischen Initiative iiberlassen worden^/' 

Indessen waren die politischen Hoffnungen Hitlers und seiner Umgebung, 
an die sie sich unter dem Eindruck der ersten Uberraschung klammerten, sehr 
fragwiirdig. Hitler traute den franzosischen Kraften in Nordafrika nicht nur 
die Fahigkeit, sondern auch den Willen zum Widerstand gegen die Alliierten 
zu. Im Gegensatz zu der Gleichgiiltigkeit, die die deutsche Seite den letzten 
Vorschlagen Marschall Retains hinsichtlich einer Verstarkung der Abwehr= 
bereitschaft Franzosisch=Nordafrikas in den vorausgegangenen Wochen ent= 
gegengebracht hatte, vertraute man in dieser Stunde der Gefahr auf die weit 
zuriickliegenden Zusicherungen der Vichy=Regierung, die Kolonien gegen je= 
den Angreifer zu verteidigen. Im Namen Hitlers erging sogar eine Anfrage 
nach Vichy, ob Frankreich bereit sei, „mit Deutschland gegen die Englander 

1 Cavallero, a. a. O., 7. 11. 1942. 

2 Zusammenfassung der Besprechung durch den Adjutanten Jodls aus dem Jahre 
1945, dem Verf. durch General d. Artl. a. D. Warlimont zuganglich gemacht. 

3 Fiir eine Aufgabe Afrikas trat innerhalb des WFStabes vor allem der Leiter der 
Abt. Op/H, Oberst d. G. Frhr. v. Buttlar=Brandenfels, ein. 

116 



V. Der Kampf im Mittelmeerraum 

und Amerikaner zu kampfen''. Wenn die franzosische Regierung diesen bei= 
den Machten den Krieg erklaren wiirde, sei Deutschland bereit, „mit ihr durch 
dick und diinn zu gehen^'' (S. unten S. 133). 

Uber die Vorgange in Marokko und Algerien in den Tagen vom 8.— 11. 11. 
war die Oberste Fiihrung nur sehr ungenau informiert, wie die Notizen zum 
KTB des WFStabes erkennen lassen. Die italienische Regierung (Aulienmini= 
ster Graf Ciano) wurde am Morgen des 8. 11. von Ribbentrop iiber die neue 
Situation unterrichtet. Auf die Frage nach den italienischen Absiditen war 
Ciano nicht in der Lage, „eine erschopfende Antwort zu geben^". Cavallero 
verzeichnete in seinem Tagebuch, dafi der von Ribbentrop ausgesprochene 
Vorschlag, in Tunis zu landen, aus Mangel an Schiffen und Fahrzeugen un= 
durchfiihrbar sei. Erst nach einer Aussprache mit Kesselring driickte er die 
Erkenntnis aus: „Unser Eingreifen in Tunis ist das einzige Mittel, um Tri= 
politanien noch zu retten^/' 

Aus der gleichen Erkenntnis forderte das OKW — Hitler hatte, um die Ar= 
beitsfahigkeit des WFStabes zu erhohen, den am 3. 11. abgelosten Stellv. 
Chef, Gen.Lt. Warlimont, wieder in sein Amt eingesetzt — in der folgenden 
Nacht (8.79. 11.) ultimativ die Zustimmung der franzosischen Regierung zur 
Uberfiihrung deutscher Truppen nach Tunesien. Die zur Besetzung Rest= 
Frankreichs und Korsikas bereitgestellten Verbande sollten fiir alle Falle — so 
wurde durch OKW und Comando Supremo befohlen — bis in ihre Absprung= 
raume vorgefiihrt werden. 

Noch aber bestand bei der deutschen und italienischen Obersten Fiihrung 
eine begrenzte Hoffnung, dafi es trotz der zweijahrigen deutschen „Sieger= 
politik'' gegeniiber Frankreich (s. unten S. 131 f.) gelingen konne, zu einem 
Biindnis oder einer Zusammenarbeit mit der Vichy=Regierung zu kommen, zu 
der sich auch Mussolini bereit erklarte. Cavallero driickte dies so aus: „Die 
franzosische Flotte in Toulon kann in einer Stunde auslaufen. Ich kann es 
nicht erhoffen — aber wenn diese mit uns geht, ist der Krieg gewonnen*^/' 

Wahrend sich der franzosische Ministerprasident Laval auf Einladung Hit= 
lers am Abend des 9. 11. zu Besprechungen mit ihm und Graf Ciano nach 
Miinchen begab, landeten am gleichen Tage (9. 11.) die ersten deutschen Trup= 
pen auf dem Flugplatz El Aouina bei Tunis. (Am 10. 11. folgte die Inbesitz= 
nahme des Flugplatzes von Sidi Ahmed bei Bizerta; zwei Tage spater trafen 
die ersten Seetransporte in Tunis ein.) 

Hitlers Haltung war indessen wahrend des 9. 11. umgeschlagen. Bereits in 
den Gesprachen mit Graf Ciano am Abend des 9. 11. zeigte er die Entschlos= 
senheit, „au6erste Entscheidungen zu treffen, ehe es zu spat'' sei. Neuere 

4 Otto Abetz, Das Offene Problem. Ein Riickblick auf zwei Jahrzehnte deutscher 
Frankreichpolitik, Koln (Greven Verlag) 1951, S. 246. 

5 Ciano, a. a. O., Notizen vom 8. 11. 1942. 

6 Cavallero, a. a. O., Notizen vom 8. 11. 1942. 

7 Ebda. 

117 



A. Einfiihrung 

Nachrichten iiber das Verhalten eines Teils der franzosischen Streitkrafte in 
Algerien sowie die zwielichtige Haltung des Admirals Darlan, des zufallig 
am Landungstermin in Algier anwesenden Stellvertreters Petains und Ober= 
befehlshabers der franzosischen Wehrmacht — er hatte bereits am Nachmittag 
des 8. 11. in Algier=Stadt den Widerstand gegen die Amerikaner einstellen 
lassen — , und das Bekanntwerden des Eintreffens des aus Siidfrankreich mit 
einem US=U=Boot entkommenen Generals Giraud (s. unten S. 132) nach Nord= 
afrika hatten diesen schnellen Wandel in der Haltung Hitlers herbeigefiihrt. 
Er war zwar noch bereit, den erst in der Nacht eintreffenden Laval anzuhoren; 
„aber was dieser auch sagen mag^''. Hitlers Entscheidungen lagen fest: vollige 
Besetzung Frankreichs, Landung in Korsika, Aufbau eines Briickenkopfes in 
Tunesien. Unter diesen Voraussetzungen blieb die Unterredung zwischen Hit= 
ler und Laval ergebnislos. Von Hitlers Entscheidung vom 10. 11. abends, am 
friihen Morgen des nachsten Tages mit dem deutschen und italienischen Ein= 
marsch in die unbesetzte Zone Frankreichs zu beginnen, erfuhr Laval erst 
kurz vor seiner Riickreise am 11. 11. friih. Schon am Mittag des 10. 11. hatte 
Admiral Darlan — auf Grund eines Geheimtelegramms von Petain — einen 
allgemeinen Waffenstillstand mit dem Oberbefehlshaber der alliierten In= 
vasionstruppen. General Eisenhower, abgeschlossen, dem sich alle nochWider= 
stand leistenden franzosischen Befehlshaber (zuletzt am 23. 11. auch das ab= 
seits liegende Franzosisch=Westafrika) anschlossen. Ganz Franzosisch=Afrika 
mit Ausnahme von Tunesien war damit in der Hand der Alliierten. 

Der OB Siid, Gen.Feldmarschall Kesselring, erhielt vom OKW am Abend 
des 10. 11. die Weisung, in Tunesien „im Wettlauf mit den Amerikanern den 
Briickenkopf zu bilden'". Alle Transportmittel, insbesondere auch die in den 
franzosischen Hafen zu gewinnenden (iiber 600 000 BRT), soUten genutzt 
werden, um die beiden nordafrikanischen Fronten in hochstmoglichem Mafie 
mit Truppen und Nachschub auszustatten. Das Comando Supremo fand sich 
stillschweigend damit ab, daJS Tunesien vorerst als vorwiegend deutscher 
Kriegsschauplatz betrachtet wurde, und war damit einverstanden, dafi der 
dort befehlsfiihrende OB Siid als Beauftragter des OKW, allerdings in enger 
Verbindung mit der italienischen Wehrmachtfiihrung, vorging. Dazu trug die 
Einsicht in den Ernst der Lage wesentlich bei. Cavallero notierte am 15. 11. in 
sein Tagebuch: „Die wichtigste Aufgabe ist Tunis. Wenn wir Libyen verlieren, 
konnen wir noch handeln; verlieren wir Tunis, dann sind wir am Ende^.'' 

Der Einmarsch in Siidfrankreich und die Besetzung von Korsika am 11. und 
12. 11. vollzogen sich planmafiig ohne franzosischen Widerstand, wenn auch 
unter Protest von Marschall Petain, der sich gegen diesen Bruch des deutsch= 
franzosischen Waffenstillstandes vom 22. 6. 1940 und des italienisch=franzo= 
sischen Waffenstillstandes vom 24. 6. 1940 verwahrte. Ausgenommen von der 

8 Ciano, a. a. O., Notizen vom 9. 11. 1942. 

9 Cavallero, a. a. O., Notizen vom 15. 11. 1942, 

118 



V. Der Kampf im Mittelmeerraum 

Besetzung blieben aufier dem provisorischen Regierungssitz Vichy Stadt und 
Kriegshafen von Toulon, in dem sich das Gros der franzosischen Mittelmeer= 
flotte befand. Jedoch schon am 16. 11. fiihrte Hitlers „starkstes Miiitrauen'' 
gegen das Ehrenwort des franzosischen Admirals in Toulon dazu, dafi Vor= 
bereitungen zu einem iiberraschenden Zugriff gegen die franzosische Flotte 
getroffen wurden. In den folgenden Tagen verdichteten sich die Nachrichten 
iiber eine angeblich zunehmende Unsicherheit in der Haltung der franzo= 
sischen Marine so weit, dafi Hitler darin eine „akute Gefahr'' erkennen wollte 
und den willkommenen Anlafi gegeben sah, um endgiiltig den Zugriff auf die 
franzosische Flotte und gleichzeitig die Entwaffnung der franzosischen Heeres= 
und Luftwaffenstreitkrafte, die sog. „ Waff enstillstandsarmee'' (100 000 Mann), 
anzuordnen. Wahrend sich die Kriegsschiffe in Toulon zum grofiten Teil noch 
selbst versenken konnten, als die iiberfallartige Besetzung am 27. 11. erfolgte, 
verliefen die sonstigen Mafinahmen ohne grofiere Zwischenfalle. Das „Ziel 
der Operation . . ., die Widerstandskrafte des unbesetzten Frankreich zu bre= 
chen'', war damit vorerst erreicht, die weitere Absicht, „durch Abriegelung 
der Flottenstiitzpunkte — insbesondere Toulon — . . . das Ubergehen der fran= 
zosischen Heimatflotte . . . zum Feind zu verhindern'', noch erheblich iiber= 
schritten. Gleichzeitig zerbrach aber auch die letzte Aussicht, die Frankreich 
bis dahin noch verbliebene militarische Macht im weiteren Verlauf des Krieges 
den „Achsenmachten'' nutzbar zu machen. 

Ztun einstweiligen Abschlufi der Besetzung Rest=Frankreichs erlieli das 
OKW am 4. 12. 1942 die „Vorlaufigen Richtlinien fiir die Vorbereitung der 
Verteidigung der Mittelmeerkiiste des franzosischen Mutterlandes''. Darin 
wurde im Einverstandnis mit dem Comando Supremo die italienische 4. Armee 
unter General Vercellino dem OB West „einsatzma6ig unterstellt'' und ihr Ab= 
schnitt bis an das Ostufer der Rhone unter Ausschlufi des Miindungsgebiets 
ausgedehnt. Nur drei deutsche Divisionen ( Armeegruppe Felber) sollten, unter= 
stiitzt durch Kiistenartillerie, die Sicherung des anschliefienden Abschnitts 
westlich der Rhone bis zu den Pyrenaen iibernehmen. 

In Tunesien, wo die auf dem Luft= und Seewege iiberfiihrten deutschen und 
italienischen Krafte am 15. 11. unter dem Befehl des Kdr. Generals des XC. 
AK., General d. Pz.Tr. Nehring, zusammengefafit wurden, kam es am 17. ii- 
zur ersten Gefechtsberiihrung mit den seit der Landung in Bone und Bougie 
am 11. und 12. 11. nach Osten vordringenden alliierten Angriffsspitzen etwa 
60 km westlich Bizerta. Der Versuch vorgeprellter britischer Panzergruppen, 
die am 27. 11. den Flugplatz Djedeida zwischen Bizerta und Tunis besetzten, 
im Handstreich bis zur tunesischen Ostkiiste vorzustofien, ehe sich eine deutsch= 
italienische Bruckenkopf=Front gebildet hatte, scheiterte. Sie wurden am 4. 12. 
in einer Panzerschlacht bei Tebourba geschlagen und mufiten sich zuriickziehen. 
Die Situation festigte sich, nachdem die franzosische Besatzung von Bizerta 
und der Kiistenbefestigungen (rd. 12 000 Mann) am 7. 12. kapitulierte. Bis 
Ende Dezember 1942 waren etwa 66000 Mann deutscher und italienischer 

119 



A. Einfiihrung 

Truppen in Tunesien eingetroffen, 330 Panzer und 360 Geschiitze dorthin 
iiberfiihrt. 

Am 3. 12. hatte Hitler Gen.Oberst v. Arnim zum OB der in Bildung begrif= 
fenen 5. Panzerarmee in Tunesien ernannt. Dabei erorterte er mit ihm den 
Gedanken, im Anschlufi an eine Festigung der Lage nach Westen offensiv zu 
werden. Als Ziel gab er an, die gelandeten alliierten Truppen in Algerien 
und danach dann auch in Marokko von einem Hafen zum anderen zuriick= 
zudrangen und schliefilich ins Meer zu werfen. Diese Vision entwickelte Hitler 
auch gegeniiber dem italienischen Aulienminister Graf Ciano bei dessen Be= 
such im FHQu „Wolfsschanze'' am 18./19. 12. 1942. Als einzigen Grund fiir 
die Krise im Mittelmeerraum bezeichnete er die Transportschwierigkeiten. Kei= 
nesfalls wiirde das Fehlen von Truppen oder Material dabei eine Rolle spielen. 
Vier deutsche Divisionen stiinden bereit und wiirden entsandt, sobald die 
Transportwege gesichert seien. „Zusammen mit den schon in Tunesien und 
Libyen vorhandenen deutschen und italienischen Kraften'' wiirde damit eine 
Gesamtzahl von 400000 Mann erreicht, deren Unterhalt allerdings „Trans= 
porte von riesigen Ausmafien"' erfordere. „Die Losung dieses Problems ist von 
hochster Bedeutung fiir die Ziele des Krieges selbst, und man darf nicht vor 
der Moglichkeit zuriickschrecken, Schiffseinheiten zu verheren; denn entweder 
wird der Krieg gewonnen und die Schiffe leicht ersetzt; oder der Krieg wird 
verloren, und dann braucht man sich keine Illusionen iiber das zu machen, was 
das Los der Marine ware, auch wenn sie wahrend der Kampfhandlungen vor= 
sichtig geschont worden ware*/' 

Demgegeniiber wies Cavallero auf die Luftiiberlegenheit der Alliierten als 
entscheidendes Problem hin. Zugleich erganzte er Mussolinis Instruktionen, 
nach denen „ohne stabile LuJFtiiberlegenheit ... die Lage in Nordafrika unsicher 
und am Ende unhaltbar werden'' miisse, noch durch die eigene Bemerkung, dali 
die Versammlung starker eigener Luftstreitkrafte in dem Dreieck Tunis— Si= 
zilien— Sardinien ein „Frage auf Leben und Tod" sei^. Hitler appellierte also an 
die italienische Flotte, Cavallero hoffte auf die deutsche Luftwaffe. 

Diese Unterredung zwischen Hitler, Graf Ciano und Graf Cavallero zeigt 
deutlich, bis zu welchem Grade wechselseitige Illusionen auch noch Ende 1942 
die Vorstellungen der beiden Biindnispartner voneinander auf dem Mittel= 
meerkriegsschauplatz bestimmten. Beide Seiten verharrten — nach voriiberge= 
hender klarerer Einsicht in die fiir die eigene Sache katastrophale Wende An= 
fang November — in erschreckender Realitatsblindheit in triigerischen Vor= 
stellungen iiber die eigene Situation und die noch in ihr enthaltenen Moglich= 
keiten. 



1 Cavallero, a. a. O., Notizen vom 19. 12. 1942. 

2 Ebda. 



120 



V. Der Kampf im Mittelmeerraum 
6. Die Lage im Mittelmeerraum an der Jahreswende 1942/43 

Wohl auf keinem Kriegsschauplatz in Europa unterschied sich die Situation 
Ende 1942 so grundlegend von der zu Jahresanfang wie im Mittelmeerraum. 
An die Stelle verlockender Moglichkeiten, die sich infolge des Ausfalls der 
britischen Mittelmeerflotte und der Konzentration der britischen Krafte auf 
die Abwehr der japanischen Sturmflut in Siidostasien fiir die Kriegfiihrung 
der „Achsenmachte" im Mittelmeerraum um die Jahreswende 1941/42 ergeben 
hatten, war nach einer Kette wechselvoller Geschehnisse mit der alliierten 
Grofilandung in Franzosisch=Nordafrika und dem erzwungenen Riickzug der 
Armee Rommels aus Agypten ein radikaler Umschwimg eingetreten. Wohl 
war es den „Achsenmachten'' gelungen, durch die Besetzung Rest=Frankreichs 
und vor allem die Bildung des Briickenkopfes in Tunesien zunachst eine Aus= 
weitung der Gefahren auf den Kernraum, den engeren Umkreis Italiens im 
zentralen Mittelmeer, zu verhindern. Aber das Ende in Nordafrika und damit 
das unaufhaltsame Heranrlicken dieser Gefahr waren bei realistischer Ein= 
schatzung der alliierten See= und Luftiiberlegenheit vorauszusehen. 

Zwei Ereignisse markieren den Wandel am deutlichsten : Am 19.12.1941 
drangen drei italienische Torpedoreiter=Teams in den Ankerplatz der britischen 
Mittelmeerflotte im Kriegshafen von Alexandria ein und setzten die Schlacht= 
schiffe „Valiant'' und „Queen Elizabeth"' fiir Monate aufier Gefecht. Am 4. 12. 
1942 richtete sich ein erster schwerer amerikanischer Luftangriff auf den ita= 
lienischen Kriegshafen von Neapel, und die italienische Flotte, trotz Schwierig= 
keiten in der Heizolversorgung bisher als „fleet in being'' immer noch von ab= 
stofiender Wirkung fiir alle alliierten Planungen, sah sich nun gezwungen, sich 
mit ihren Schlachtschiffen nach La Spezia, mit ihren Schweren Kreuzern nach 
Maddalena auf Sardinien zuriickzuziehen und damit dem Gegner sichtbar die 
Herrschaft im mittleren Mittelmeer abzutreten. 

Am 28. 12. sah sich Hitler genotigt, in seiner Weisung Nr. 47^ aus der ver= 
anderten Situation und ihrer Ausstrahlung in den Siidostraum Folgerungen zu 
Ziehen : „Die Lage im Mittelmeerraum" — so f iihrte er einleitend aus — „macht 
in absehbarer Zeit einen Angriff auf Kreta, die deutschen und italienischen 
Stiitzpunkte in der Agais und die Balkanhalbinsel moglich . . . Die verstarkte 
Einflufinahme der angelsachsischen Machte auf die Haltung der Tiirkei fordert 
auch in dieser Richtung erhohte Aufmerksamkeit." 

Riickblickend auf die Situation im Winter 1942/43 erklarte Hitler Anfang 
Juli 1943 unmittelbar vor Beginn des Untemehmens „Zitadelle", des letzten 
deutschen Offensivversuchs an der Ostfront, in einer Ansprache vor den fUh= 
renden Generalen: „Durch die Besetzung Tunesiens ist es gelungen, die Inva= 
sion von Europa iiber ein halbes Jahr hinauszuschieben. Noch wichtiger aber ist 
der Umstand, dafi dadurch Italien bei der ,Achse' geblieben ist. 

3 Hubatsch, a. a. O., S. 209/10. 

121 



A. Einfiihrung 

„ Anderenf alls ware Italien mit Sicherheit von der , Achse' abgef alien. Die Alli= 
ierten hatten ohne jeden Widerstand zu einem Zeitpunkt in Italien landen und 
iiber den Brenner vorstoJSen konnen, wo infolge des russischen Durchbruchs 
bei Stalingrad Deutschland auch nicht einen Mann verfiigbar gehabt hatte, um 
ihnen entgegenzutreten. Das hatte zwangslaufig zum schnellen Verlust des 
Krieges gefiihrt^/' 

Diese Erklarung Hitlers iibergeht — abgesehen von der Zweckbestimmtheit 
bei seinen Aufierungen iiberhaupt, die man in Rechnung stellen mufi — einen 
wesentlichen Faktor fiir die Verzogerung im Ablauf des Kriegsgeschehens : die 
vorsichtig begrenzten Absichten des Gegners, sein methodisches Vorgehen, 
durch das er es versaumte, in kiihnen Spriingen das zu erreichen, was moglich 
war: den Zusammenbruch Italiens schon im Winter 1942/43. 



VI. Die Verteidigungsmafinahmen im Norden und Westen Europas 

1. Nonvegen — Danemark 

Bereits in der OKW=Weisung vom 14. 12. 1941 iiber den „Ausbau der Kii= 
stenverteidigung'' ^ hatte Hitler der Sicherung Norwegens, das wegen seiner 
Lage und seiner wehrwirtschaftlichen Bedeutung (Narvik als Ausfuhrhafen des 
fiir Deutschland lebenswichtigen Schwedenerzes) eine strategische Schliissel= 
stellung innehatte, besondere Aufmerksamkeit geschenkt: „Unabhangig von 
den bereits friiher getroffenen Anordnungen'' — so hiefi es — „steht Norwegen 
in der ersten Dringlichkeit, da hier die geographischen und klimatischen Ge= 
gebenheiten sowie die Verkehrsverhaltnisse den Einsatz beweglicher Reserven 
und die Zufiihrung von Verstarkungen erschweren und auch den Einsatz star= 
ker Luftstreitkrafte zur Bekampfung des Feindes an und vor der Kiiste nur be= 
schrankt zulassen. Zudem bieten die weit ins Land reichenden Fjorde, die be= 
sonders im Norden wichtige Verkehrsverbindungen schneiden, sowie die ab= 
seits gelegenen, aber wichtigen kiistennahen Objekte standigen Anreiz zu Un= 
ternehmungen. 

„Neben dieses verstarkte Bediirf nis einer unbedingt sidieren Landungsabwehr tritt 
das Erfordernis, den Kiistenverkehr durdi Abschirmung der Sdiaren=Fahrwasser 
nach See zu und durch immer engere Verdichtung der schiitzenden Zufluchtshafen 
standig besser zu sichern. Eine langere, durch den zur See iiberlegenen Feind er= 
zwungene Unterbrechung des Seeverkehrs an der Kiiste wiirde in Norwegen z. Z. 
die schwersten Folgen haben. Aus diesen Griinden ist neben dem reinen Verteidi= 
gungsausbau in Norwegen die Verbesserung der Landverbindungen in gleicher 
Dringlichkeit zu fordern." 

4 Nach unveroffentlichten Aufzeichnungen eines Teilnehmers, abgedruckt bei War= 
limont, a. a. O., S. 320, und Alfred Cause, Der Feldzug in Nordafrika 1943, in: 
Wehrwissenschaftliche Rundschau 12 (1962), S. 728. 

1 OKW/WFStab/Abt. L (I Op) Nr. 003 022/42 g.Kdos. vom 14. 12. 1941, gez. Keitel 
(„Der Fiihrer hat befohlen"). 

122 



VI, Die Verteidigungsmalinahmen im Norden und Westen Europas 

Das Ganze soUte unter folgendem Leitziel geschehen: „Die von uns be= 
herrschten Eismeer=, Nordsee= und Atlantik=Kustenbereiche sind im Endziel zu 
einem ,neuen Westwall' auszubauen, um dann bei moglichst geringem Einsatz 
standig festgelegter Feldtruppen mit Sicherheit jedes feindliche Landungs= 
unternehmen auch starkster Krafte abwehren zu konnen/' 

Landungen britischer „Kommandos'' auf West Vagoy (Lofoten) und Maloy 
(siidlich Drontheim) am 27. 12. 1941 verstarkten Hitlers Befiirchtungen, dafi 
Norwegen das Ziel einer britischen Invasion sein konnte, die zugleich als Ent= 
lastung der Sowjets dem Aufbau einer „Zweiten Front'' dienen wiirde. Er be= 
fahl daher am 28. 12. die Riickkehr des OB des AOK Norwegen, Generaloberst 
V. Falkenhorst, von Rovaniemi nach Oslo, damit sich dieser ganz auf die Ab= 
wehraufgaben in Norwegen konzentrieren konne (s. oben S. 79). Ihm wurde 
zu diesem Zweck eine Verstarkung von 12000 Mann Ersatz, 20 Festungs=Ba= 
taillonen (18000 Mann) und die Zufiihrung der 3. Geb.Div. fiir das Friihjahr 
zugesagt. Gleichzeitig wurde die Aufstellung einer Panzer=Einheit als operative 
Reserve (= die spatere 25. Pz.Div.) befohlen^. 

In der Besprechung mit dem Ob. d. M., Groliadmiral Raeder, am 12. 1. 1942 
forderte Hitler dann, eine starke deutsche Kampfgruppe schwerer Seestreit= 
krafte im norwegischen Raum zu versammlen, da er „auf Grund vorliegender 
Nachrichten und auf Grund zunehmender Verschlechterung der schwedischen 
Haltung eine britisch^=russische Grofiaktion im norwegischen Raum" be= 
fiirchtete. „Er ist der Auffassung, dafi an der norwegischen Kliste eine starke 
Kampfgruppe aus Schlachtschiffen und Kreuzern, praktisch die ganze deutsche 
Flotte, in Zusammenarbeit mit der deutschen Luftwaffe entscheidend zur Si= 
cherung des norwegischen Raumes beitragen kann. Daher wiinscht er unter 
alien Umstanden die Verlegung des Schwergewichts der deutschen Seestreit= 
krafte in diesem Raum'*/' 

In der Besprechung mit dem Chef des Stabes der Seekriegsleitung, Vizead= 
miral Fricke, am 22. 1. zeigte sich Hitler noch starker von Befiirchtungen hin= 
sichtlich Norwegens bestimmt^: „Fiir Fiihrer besteht auf Grund neuester Nach= 
richten vollige Sicherheit" — so meldete Fricke Grofiadmiral Raeder — , „dafi 
England=USA mit alien Mitteln Kriegsablauf durch Angriff in Nordnorwegen 
entscheidend beeinflussen wollen. 

„Wahrscheinlidi in Kiirze Besetzung grofierer Zahl von Platzen an der Kiiste von 
Drontheim bis Kirkenes, im Friihjahr angriffsweises Vorgehen mit Unterstiitzung 

2 OKW/WFStab/Op. Nr. 00 226/42 „Kampfanweisung fiir die Verteidigung Nor= 
wegens" vom 27. 1. 1942. 

3 Im Original irrtiimlich „norwegisch". 

4 Niederschrift iiber den Vortrag des Ob.d.M. bei Hitler am 12. 1. 1942 (Ober= 
kommando der Kriegsmarine — Seekriegsleitung 1. Ski. lb 145/42 g.Kdos. Chefs., 
in: Lagevortrage des Ob.d.M., a. a. O.). 

5 Vorlaufige Meldung des Chefs des Stabes der Ski., Vizeadmiral Fricke, iiber die 
Besprechung bei Hitler am 22.1.1942 (g.Kdos.), in: Lagevortrage des Ob.d.M., 
a. a. O. 



123 



A. Einfiihrung 

Schwedens, dem hierfiir Narvik und Erzvorkommen bei Petsamo zugesichert wur= 
den. An Finnland Garantie fiir Selbstandigkeit in friiheren Grenzen. 

Fiir Schwedens Bereitwilligkeit liegen dem Fiihrer Beweise vor, daher Absicht: 

a) Vorhaben Englands/USA und Schwedens Haltung in der Weltpresse heraus= 
zustellen, 

b) Generalfeldmarschall Kesselring als Oberbefehlshaber Norwegen einzusetzen. 
Die Beherrschung schwedischen Raumes durch angelsachsische Streitkrafte wird 

allmahlich jede Bewegungsfreiheit in der Ostsee ausschliefien. Kame es zu diesem 
Zustand und befanden sich dann noch irgendwelche Teile der Marine in der Ost= 
see, wiirden sie riicksichtslos desarmiert, wobei die Schlachtschiffe die einzige ins Ge= 
wicht fallende Nickelquelle darstellen. 

Fiihrer ist sich klar, dafi Norwegen ,Schicksalszone' dieses Krieges ist, verlangt 
daher unbedingtes Eingehen auf seine Befehle und Wiinsche fiir die Sicherung 
dieses Raumes . . . 

Fiihrer will, dafi auch Marine auj^erste^ Anstrengungen macht, um englische An= 
griffsabsichten noch im Keim zu ersticken, bei Anlaufen der Operationen, zumal bei 
Nichtflugwetter; eine ausreichende Aufklarung und Sicherung auf den Anmarsch= 
wegen nach Norwegen zu iibernehmen und in der Abwehr des gelandeten Gegners 
mit alien zur Verfiigung stehenden Streitkraften unter volliger Aufgabe jeglicher 
sonstiger Kriegfiihrung — aufier dem, was im Mittelmeer ist — sich einzusetzen." 



In Ausfiihrung dieser Befehle traf das neue deutsche Schlachtschiff „Tirpitz" 
am 16. 1. in Drontheim ein. Die Schweren Kreuzer „Prinz Eugen^' (eben erst 
im Zuge des Unternehmens „Cerberus'' (s. unten S. 155 f.) aus Brest in der Elb= 
miindung eingetroffen) und „AdmiraI Scheer'' folgten am 23. 2., doch mufite 
„Prinz Eugen'^ der durch einen Torpedotreff er eines britischen U=Bootes schwer 
beschadigt worden war, gleich wieder zur Reparatur nach Deutschland zuruck= 
kehren. Im Marz und April trafen die Schweren Kreuzer „Admiral Hipper"' 
und „Lutzow'' in norwegischen Gewassern ein, so dafi im Mai eine starke 
Kampfgruppe (1 Schlachtschiff, 3 Schwere Kreuzer, 8 Zerstorer, 4 Torpedo= 
boote uund 20 U=Boote) an der norwegischen Kiiste im Raum zwischen Dront= 
heim und Kirkenes zusammengezogen war. 

Anfang Februar hatte Hitler Gen.Feldmarschall List beauftragt, die Ver= 
teidigung Finnlands und Norwegens zu inspizieren mit der Vollmacht, die ihm 
notwendig erscheinenden Mafinahmen bei Heer, Marine, Luftwaffe und den 
deutschen Zivilbehorden in Norwegen zu befehlen. List ordnete in Ausfuh= 
rung seines Auftrages u. a. an: den Aufbau zusatzlicher Verteidigungsstellun= 
gen an der Kiiste und im Innern des Landes, die Verstarkung der Kusten= 
artillerie, die Verbesserung der Strafienverhaltnisse und die Schaffung von 
Divisionskommandos zur einheitlichen Fiihrung der Raume von Alta, Tromso 
und Stavanger^. Die Befehlsbefugnisse an den Kiisten wurden einheitlich in 
der „Fiihrer=Weisung'' Nr. 40 vom 23. 3. 1942® geregelt. 

6 Im Original unterstrichen. 

7 Bericht des Gen.Feldmarschalls List vom 5. 4. 1942 (OKH/Gen.St.d.H./Org.Abt. 
Nr. 1584/42 g.Kdos.). 

8 Hubatsch, a. a. O., S. 176 ff , 

124 



VI. Die Verteidigungsmafinahmen im Norden und Westen Europas 

An Heereskraften befanden sich Ende April in Norwegen: 5 Inf.Divisionen, 
2 Sich.Divisionen und die im Laufe des April eingetroffene 3. Geb.Div. Die 
Verstarkungen, 20 Fest.Bataillone, waren in die Divisionen eingegliedert, die 
25. Pz.DiVo im Aufbau begriffen, die Luftwaffenkrafte in drei Fliegerdivisionen 
zusammengefalit. »V' mob brm jrjgawiol 

Im Juni befahl Hitler dem Reichsminister Speer den Ausbau der Mittel= mit 
Nordnorvvegen bis zur finnischen Grenze bei Kirkenes verbindenden Reichs= 
strafie ^o in eine „Allwetter''=Stra6e sowie den Bau einer Bahn Mo— Fauske— 
Narvik— Kirkenes. 

Im Bereich des AOK Norwegen herrschte das ganze Jahr iiber wiederholt 
Alarmzustand, da bei jedem nach Murmansk/ Archangelsk laufenden alliierten 
Geleitzug befiirchtet wurde, er sei die gegen Norwegen gerichtete Invasions= 
Armada. 

Im deutsch=norwegischen Verhaltnis unter dem seit April 1940 herrschenden 
Besatzungsregime traten 1942 wesentliche Veranderungen ein. Am 1. 2. 1942 
wurde Vidkun Quisling, der bisher aus der norwegischen Verwaltung ausge= 
schaltet geblieben war, als norwegischer Ministerprasident eingesetzt, doch be= 
hielt der Reichskommissar Terboven die oberste Exekutivgewalt in Handen. 
Am 5. 10. 1942 erklarte Terboven, ohne Quisling zu befragen, auf Grund von 
Sabotageakten im Bereich von Drontheim den Ausnahmezustand und liefi Ver= 
haftungen und Exekutionen durchfiihren. Diese Terrormafinahme liefi nicht 
nur die ohnehin geringen Kollaborationschancen weiter dahinschwinden, son= 
dern erhohten die allgemeine Ablehnung der Norweger gegeniiber Quisling und 
das Mifitrauen und die Erbitterung gegen Terboven und den Wehrmachtbe= 
fehlshaber. Zugleich kamen die Spannungen zwischen Terboven und dem 
Kommandierenden Admiral Norwegen, Generaladmiral Boehm, der Quisling 
gegen Terboven unterstiitzte und dabei von Grofiadmiral Raeder gedeckt 
wurde, offen zum Ausbruch. Raeder drangte Hitler zu einem deutsch=norwegi= 
schen Friedensvertrag, von dem er sich grofiere Ruhe und Sicherheit im Lande 
und fiir die Kiistenverteidigung versprach, und beantragte, Terboven zu ent= 
lassen und Boehm zum Wehrmachtbefehlshaber Norwegen zu ernennen. Hitler 
entschied jedoch Ende Oktober gegen Raeder. Fiir die Dauer des Krieges lehnte 
er hier wie iiberall jede Sonderfriedensregelung ab, um freie Hand fiir die Zu= 
kunft zu behalten. 

Wahrend somit die innere Lage Norwegens weiterhin durch das gespannte 
Verhaltnis zwischen Bevolkerung und Besatzungsmacht und der verschiedenen 
deutschen Dienststellen untereinander gekennzeichnet blieb, gait Danemark 
aus der Sicht der deutschen Obersten Fiihrung das ganze Jahr 1942 sowohl hin= 
sichtlich seiner inneren Verhaltnisse (abgesehen von den Ende 1942 erst be= 
ginnenden Spannungen zum ReichsbevoUmachtigten im Zuge der deutschen 
Bemiihungen, auch Danemark in die „Endlosung" der Judenfrage einzube= 
Ziehen) als auch hinsichtlich einer Bedrohimg von aufien — abgesehen von 

125 



A. Einfiihrung 

gewissen Befiirchtungen wegen einer alliierten Aktion gegen Nordjiitland 
im Mai/Juni — als weitgehend gesichert. In der OKW=Weisung vom 14. 12. 
1941 iiber den Aufbau der Kiistenverteidigung^ waren die west= und nord= 
jiitische Kiiste, „die einer Landung wenig giinstig sind"', auch erst an dritter 
Stelle nach Norwegen und dem Westen aufgefiihrt. 

Die mehrfach umgebildete danische Regierung (nach dem Tode Staunings 
am 3. 5. 1942 zunachst unter Buhl, ab 10. 11. unter dem bisherigen Au6en= 
minister Scavenius) amtierte unter der deutschen Besatzung in weitgehender 
innenpoHtischer Selbstandigkeit, auch nachdem am 6. 11. der bisherige Bevoll= 
machtigte des Reiches, der Beruf sdiplomat v. Renthe=Fink, durch den SS=Grup= 
penfiihrer Dr. Best abgelost wurde. Eine deutsche Zivilverwaltung im Lande 
gab es nicht. 

2. Niederlande — Belgien — Frankreidi 

Der „OKW=Kriegsschauplatz'' „Westen'', d. h. an der Jahreswende 1941/42 
der belgische und der nord= und westfranzosische Kiistenraum, noch nicht die 
Niederlande, war mit der OKW=Weisung vom 14. 12. 1941^ hinter Norwegen 
in die zweite Dringlichkeitsstufe hinsichtlich des Aufbaus der Kiistenverteidi= 
gung geriickt. Dies bezog sich auf die „franzosisch=belgische Kiiste einschlie6= 
lich der vorgelagerten Inseln, besonders die Telle am mittleren Kanal von der 
Schelde bis westlich der Seine=Miindung und am Atlantik siidlich Brest und 
von Quiberon bis zur Gironde, wo die geographischen Verhaltnisse einer Lan= 
dung giinstig sind. 

„Nachstwichtig (sei) die Schaffung von Verteidigungsanlagen in den vorsprin= 
genden Teilen der Normandie und Bretagne, die zwar seemannisch schwierig 
sind, jedoch landoperativ und wegen der dort liegenden wichtigen und grofien 
Hafen zu Briickenkopfbildungen anreizen. Bereits befohlene Mafinahmen fiir 
die britischen Kanalinseln werden durch diesen Befehl nicht beriihrt . . ." Die 
hollandische Kiiste wurde erst in der dritten Dringlichkeitsstufe gefiihrt. 

Verantwortlich fiir die Verteidigung dieses Raumes (seit der „Fiihrer=Wei= 
sung"' Nr. 40 vom 23. 3. 1942 ^ einschliefilich der Niederlande) war der „Ober= 
befehlshaber West'' (OB West), zugleich OB der H.Gr. D, bis 15. 3. 1942 Gen.= 
Feldmarschall v. Witzleben, danach Gen.Feldmarschall v. Rundstedt, der die 
Verteidigungsbereitschaft in seinem Befehlsbereich durch „Zusatze des OB 
West 3'' zur „Fiihrer=Weisung'' Nr. 40 regelte. 

Starker in den Vordergrimd der Befiirchtungen hinsichtlich — zunachst be= 
grenzter — alliierter Unternehmen riickte der Westen erst nach dem Abzug 
der schweren deutschen Seestreitkrafte aus Brest am 12. /13. 2. 1942 (Unter= 

9 Vgl. Anm. 1. 

1 OKW/WFStab/Abt. L (I Op) Nr. 00 3055/42 g.Kdos. vom 14. 12. 1941, gez. Keitel 
(„Der Fiihrer hat befohlen"). 

2 Hubatsch, a. a. O., S. 176 ff. 

3 Friedrich Ruge, Rommel und die Invasion, Stuttgart (K. F. Koehler Verlag) 1959, 
S. 254ff. i- :;j_„-, :. . ,^. -..;.. -,..._.: 



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tl6 



VI. Die Verteidigungsma6nahmen im Norden und Westen Europas 

nehmen „Cerberus'', s. unten S. 156) und dem britischen „Kommando"=Unter= 
nehmen gegen St. Nazaire am 28. 3. 1942, das die Zerstoning des Schleusen= 
tors des fiir das Schlachtschiff „Tirpitz'' geeigneten grofien Docks und daruber= 
hinaus die Zerstdrung aller erreichbaren kleineren Schleusen zum Ziel hatte^^. 
Nach Ausfiihrungen des Ob.d.M. vor Hitler am 13. 4. mufiten die zunehmende 
Angriffsstarke des Gegners, die Schwachung des Heeres und der Luftwaffe 
im Westen infolge der Ostlage und der Abzug fast aller Seestreitkrafte nach 
Norwegen die Briten geradezu zu Unternehmen herausfordern, da auf deut= 
scher Seite „keinerlei abstoSende Wirkung'' mehr vorhanden war. 

Nach Beginn der deutschen Sommeroffensive im Osten (28. 6.) steigerten 
sich die Besorgnisse Hitlers, dal? der Gegner im Westen eine Landung ver= 
suchen werde, zumal von britischer und amerikanischer Seite im Zusammen= 
hang mit den Besuchen Molotows in London und Washington (Mai/Juni 1942) 
Andeutungen iiber die baldige Errichtung einer „Zweiten Front'' zur Ent= 
lastung der Sowjets gemacht wurden. Einen Hohepunkt fanden solche Be= 
furchtungen Hitlers in seinem Befehl vom 9. 7. (s. oben S. ^6 f.), in dem er die 
sofortige Oberfiihrung der „Leibstandarte SS Adolf Hitler'' nach dem Westen 
anordnete und die Verlegung weiterer SS=Verbande in den Bereich des OB 
West ankiindigte. In der „Fuhrer=Weisung" Nr. 45 vom 23.7.1942'' wurde 
noch zusatzlich das Herausziehen der Div. „GrojSdeutschland" aus der Front 
und die Vorbereitung ihres Abtransports nach dem Westen verfiigt. 

Erst die erfolgreiche Abwehr des britisch=kanadischen Landungsversuchs 
bei Dieppe am 19. 8., bei dem es gelang, mit den ortlichen Kraften den ge= 
landeten Gegner unter hohen Verlusten zum raschen Riickzug zu veranlassen 
(britisch=kanadische Verluste: 1179 Tote, 2190 Gefangene; deutsche Verluste: 
311 Tote und Vermifite), fiihrte bei Hitler zu einer ruhigeren Beurteilung der 
Situation. Uber dieses Unternehmen aufierte er sich in der Lagebesprechung 
am 21. 8. folgendermafien^: „Stalin habe offenbar bei seinen kiirzlichen Be= 
sprechungen mit Churchill in Moskau (12.— 15. 8. 1942) einen ganz starken 
Druck auf letzteren hinsichtlich der sofortigen Errichtung einer ,Zweiten Front' 
ausgeiibt. Daher habe Churchill unmittelbar nach seiner Riickkehr nach Eng= 
land das sehr unvorbereitete Unternehmen durchfiihren lassen. Das britische 
Ziel sei anscheinend gewesen, Dieppe zu nehmen, um dann entweder nach 
Norden gegen den Riicken der deutschen Kanalbefestigungen oder nach Sud= 
westen gegen Le Havre vorzugehen." Er mafi damit dem von vornherein be= 
grenzten Test=Untemehmen eine viel zu grofie Bedeutung bei^^. 

Kraftemafiig war der Kriegsschauplatz „Westen" damals relativ gut aus= 

3a Einzelheiten iiber das Unternehmen gegen St. Nazaire in: C. E. L. Phillips, Im 
Schatten der „Tirpitz", Preetz/Holst. 1962 (376 S.). 

4 Hubatsch, a. a. O., S. 197. 

5 Aufz. zum KTB WFStab, 21. 8. 1942. 

5a Uber Verlauf und Absichten beim brit.=kanad. Landungsversudi vgl. die audi 
das verfiigbare deutsche Quellenmaterial auswertende Darstellung von Jacques 
Mordal, Les Canadiens a Dieppe. Paris 1962. 

127 



A. Einf iihrung ' •' 

gestattet. Es standen zu dieser Zeit im Bereich des OB West 22 Inf.=Divisionen 
an der Kiistenfront am Kanal und am Atlantik, ein Grofiteil davon „ostver= 
vvendungsfahige'' Divisionen. 7 Panzer= und mot. Divisionen „bester Klasse'' 
bildeten die Eingreifreserve. Insgesamt befanden sich schon am 1. 7., also noch 
vor der Verlegung der SS=Verbande, 520000 Mann im Westen. 

Das Untemehmen Dieppe war fiir Hitler der Anlafi, am 25. 8. den „Aufbau= 
Befehr' iiber die Errichtung des „Atlantik=Walls'' herauszugeben, auf dessen 
Bedeutung er am 29. 9. die Befehlshaber im Bereich des OB West in einer 
Rede eindringlich hinwies. Dennoch gelang es infolge von Personal= und 
Materialmangel 1942 nicht, die Forderung nach „westwallartigem'' Aufbau 
zu erfiillen^. Vor allem belastete der grolBe Betonbedarf fiir den Bau der 
U=Boot=Bunker in den Stiitzpunkten am Atlantik das Voranschreiten des all= 
gemeinen Aufbaus. So kam der OB West bei einer Lagebeurteilung am 25. 10. 
1943, auf 1942 riickblickend, zu dem Ergebnis: „Der westwallartige Ausbau 
der artilleristischen Verteidigungsfront (der Marine) ist . . . nicht in dem vom 
FUhrer geplanten und beabsichtigten Sinne vorangeschritten und liegt hinter 
dem gegenwartigen Stand des Verteidigungsausbaues des Heeres zuriick'^/' 

Die Schlagkraft des Westheeres, die 1942 als relativ hoch angesehen werden 
konnte, schrtimpfte seit dem Winter 1942/43, als auf Grund der Weisung 
Hitlers vom 13.9.1942® „zur Wiederherstellung der Kampfkraft des Ost= 
heeres . . . eine Ablosung der am meisten abgekampften Verbande erforder= 
lich" wurde. „Aus dem Osten sind'' -- so hiefi es darin — „insgesamt 15 In= 
fanteriedivisionen und 6 Personaleinheiten fiir schnelle Verbande nach dem 
Westen zu verlegen und dort aufzufrischen, davon bis Ende 1942 mindestens 
8 Infanteriedivisionen, die am meisten gelitten haben, und die 6 Personal= 
einheiten fiir schnelle Verbande.'' Dafiir waren ab Januar 1943 8 schnelle 
Verbande „aus dem Westen nach dem Osten — tropenfahig an die Kaukasus= 
front — zu iiberfiihren. Gleichzeitig beginnend, sind die restlichen abgekampf= 
ten Infanteriedivisionen aus dem Osten in den Westen zu verlegen und dort 
aufzufrischen.'' Weiter hiefi es sogar: „Im AnschlulB an die schnellen Verbande 
... ist vorgesehen, dafi dann noch 15 voU einsatzfahige Infanteriedivisionen 
. . . aus dem Westen im Hochstleitungsf ahrplan zum Offensiv=Aufmarsch in 
den Osten verlegt werden." i h^S. 

Dennoch sollte — theoretisch — „wahrend des oben bef ohlenen Abtransports 
nach dem Osten ... die Starke der dem OB West unterstehenden Verbande 
erhalten bleiben. Es ist daher durch alle geeigneten Mafinahmen — rechtzeitige 
vorherige Bereitstellung des fiir die Auffrischung der Ostdivisionen erforder= 
lichen Personals und Materials usw. — sicherzustellen, dafi durch den Ab= 

6 Aus der Beurteilung der Lage OB West vom 25. 10. 1943 (Der OB West I a 
Nr. 550/43 g.Kdos. Chefs.), in: Jacobsen, a. a. O., S. 424. 

7 Ebda. 

8 Der Fiihrer OKW/WFStab/Nr. 515 591/42 g.Kdos. Chefs, vom 13. 9. 1942, gez. 
Adolf Hitler. 

128 



VI. Die Verteidigungsmafinahmen im Norden und Westen Europas 

transport von 8 schnellen und 15 Infanteriedivisionen ab Januar 1943 keine 
Schwachung der Kampfkraft im Westen eintritt/' Tatsachlich verlor das West= 
heer seine operativen Reserven und seine schlagkraftigsten Infanterie=Divi= 
sionen. 

Vorgange im Zusammenhang mit dem Unternehmen Dieppe sowie bei bri= 
tischen „Kommando''=Unternehmen auf Inseln vor der franzosischen Kiiste 
waren fiir Hitler der Anlafi zu dem beriichtigten „Kommando=Befehr' vom 
18. 10. 1942^, zu dessen Begriindung Hitler — selbst den Wortlaut bestimmend 
— einleitend erklarte: 

„Schon seit langerer Zeit bedienen sidi unsere Gegner in ihrer Kriegfuhrung 
Methoden, die aufierhalb der internationalen Abmachungen von Genf stehen. 
Besonders brutal und hinterhaltig benehmen sich die Angehorigen der sog. Kom= 
mandos, die sidi selbst, wie feststeht, teilweise sogar aus Kreisen von in Feind= 
landern freigelassenen kriminellen Verbrechern rekrutieren, Aus erbeuteten Be= 
fehlen geht hervor, dafi sie beauftragt sind, nicht nur Gefangene zu fesseln, son= 
dern auch wehrlose Gefangene zu toten im Moment, in dem sie glauben, dafi diese 
bei der weiteren Verfolgung ihrer Zvvecke als Gefangene einen Ballast darstellen 
oder sonst ein Hindernis sein konnten. Es sind endlich Befehle gefunden worden, 
in denen grundsatzlich die Totung der Gefangenen verlangt worden ist. 

Aus diesem Anlafi wurde in einem Zusatz zum Wehrmachtbericht vom 7. 10. 
1942 bereits angekiindigt, dafi in Zukunft Deutschland gegeniiber diesen Sabotages 
trupps der Briten und ihrer Helfershelfer zum gleichen Verfahren greifen wird, 
das heifit: dafi sie durch die deutschen Truppen, wo immer sie auch auftreten, 
riidcsidhtlos im Kampf niedergemadit werden. Ich befehle daher: 

Von jetzt ab sind alle bei sogenannten Kommandounternehmungen in Europa 
oder in Afrika von deutschen Truppen gestellte Gegner, auch wenn es sich au6er= 
lich um Soldaten in Uniform oder Zerstorertrupps mit und ohne Waffen handelt, 
im Kampf oder auf der Flucht bis auf den letzten Mann niederzumachen. . . Ge= 
langen einzelne Angehorige derartiger Kommandos als Agenten, Saboteure usw. 
auf einem anderen Wege — z. B. durch die Polizei in den von uns besetzten Lan= 
dern — der Wehrmacht in die Hande, so sind sie unverziiglich dem SD zu iiber= 
geben. . ." 

In einer Erlauterung hierzu fiihrte Hitler noch aus : „Im gesamten Ostgebiet 
ist . . . der Krieg gegen die Partisanen ein Kampf der restlosen Ausrottung des 
einen oder anderen Teils. 

„Sowie diese Erkenntnis Gemeingut einer Truppe geworden ist, wird sie regel= 
mafiig mit diesen Erscheinungen in kurzer Zeit fertig, im anderen Falle ist ihrem 
Einsatz kein durchschlagender Erfolg beschieden, Er wird damit zwecklos. 

Wenn auch unter anderen Bezeichnungen haben England und Amerika sich zu 
einer gleichen Kriegfuhrung entschlossen. Wenn der Russe auf dem Landwege 
versucht, Partisanentrupps hinter unsere Front zu bringen, und nur ausnahmsweise 
den Lufttransport zum Absetzen von Mannschaften und fiir den Abwurf von Ver= 
pflegung verwendet, dann wird in England und Amerika diese Kriegfiihrung in 
erster Linie durch das Anlandsetzen von Sabotagetrupps von U=Booten aus oder 

9 Hubatsch, a. a. O., S. 206 ff. 

129 



A. Einfiihrung ^m/ififiSi:, 

mittels Schlauchbooten oder durch Fallschirmagenten gefiihrt. Im Wesen aber unter= 
sdieidet sich diese Kriegfuhrung in nichts von der russischen Partisanen=Tatig= 



Wahrend die Aufgaben des OB West operativer Art waren, der Ver= 
teidigung der besetzten Westgebiete nach aufien dienten, waren deutsche 
Militarbefehlshaber in den besetzten Westgebieten die Inhaber der vollziehen= 
den Gewalt, in Belgien und Nordfrankreich (d. h. den Departements Nord und 
Pas de Calais) General d. Inf. v. Falkenhausen, im iibrigen besetzten franzo= 
sischen Gebiet der Militarbefehlshaber Frankreich, bis 13. 2. 1942 General d. 
Inf. Otto V. Stiilpnagel, danach sein Vetter General d. Inf. Karl=Heinrich v. 
Stiilpnagel. In den Niederlanden hatte eine deutsche Zivilverwaltung unter 
dem Reichskommissar Seyj3=lnquart die Exekutivgewalt inne, wahrend der 
„Wehrmachtbefehlshaber'', General d. Flieger Christiansen, nur fiir die terri= 
torialen militarischen deutschen Belange zustandig war. Mit dem Befehl iiber 
die Einsetzung eines „Hoheren SS= und Polizeifiihrers im Bereich des Militar= 
befehlshabers Frankreich (HSSPF)'' vom 9. 3. 1942 ^ trat Mitte 1942 eine we= 
sentliche Veranderung ein, die ganz Frankreich betraf . Das Amt iibernahm SS= 
Brigadefiihrer Oberg. Mit Schreiben vom 28. 5. 1942 unterrichtete der Militar= 
befehlshaber die franzosische Regierung in Vichy dariiber, „dal3 fiir das be= 
setzte franzosische Gebiet ein Hoherer SS= und Polizeifiihrer eingesetzt wor= 
den ist, der vom 1. 6. 1942 ab fiir alle polizeilichen Aufgabenbereiche alle 
Rechte der besetzenden Macht ausUben wird". Damit ging die Exekutivgewalt 
von der Wehrmacht auf den SS=Bereich iiber. Diese Veranderung hing sowohl 
mit der standigen Erweiterung der Machtbefugnisse des Reichsfiihrers SS im 
gesamten deutschbeherrschten Europa als auch mit der Entwicklung der Lage 
im besetzten Frankreich zusammen. 

Die seit Oktober 1941 einsetzende Serie von Attentaten auf Wehrmachtan= 
gehorige und von Sabotageakten hatte ein immer grofieres Ausmafi angenom= 
men. Obwohl von einem geschlossenen militarahnlichen Auftreten von \Mider= 
standsgruppen — trotz der ab 17. 4. 1942 regelmafiig erscheinenden „milita= 
rischen'' Communiques der illegal publizierten kommunistischen Zeitung „Hu= 
manite'' — fiir 1942 noch nicht gesprochen werden kann^, lag doch eine ernst= 
hafte Bedrohung der Sicherheit der deutschen Wehrmacht im besetzten Gebiet 
vor. Im Januar 1942 war die Zahl der Falle von Eisenbahnsabotage und Ober= 



Hubatsch, a. a. O., S. 208. u > 

OKW/WFStab/Qu.=Verw. Nr. 383/42 g.Kdos. Chefs. „Befehl iiber die Einsetzung 
eines ,Hoheren SS= und Polizeifiihrers' im Bereich des Militarbefehlshabers 
Frankreich" (HSSPF), gez. Adolf Hitler. Hierfiir und fiir das Folgende: Hans 
Luther, Der franzosische Widerstand gegen die deutsche Besatzungsmacht und 
seine Bekampfung. Tiibingen (Institut fiir Besatzungsfragen) 1957. 
Erst im Sommer 1943 traten erste truppenahnlich organisierte Widerstands^ 
verbande auf. .:lu^_ .J.. ,.U .:. .- .rL ,.-. 



130 



VI. Die Verteidigungsmafinahmen im Norden und Westen Europas 

fallen auf einzelne Soldaten auf 79 gestiegen^. Bis Herbst 1942 gelang es nun, 
etwa 90^/0 aller Falle aufzuklaren und durch drakonische Mafinahmen (Geisel= 
erschiefiungen, Bekanntmachung Himmlers an die franzosische Bevolkerung 
vom 12. 7. 1942, die die ErschielEung der mannlichen Angehorigen der Atten= 
tater und Saboteure androhte) voriibergehend Scheinruhe und =sicherheit im 
besetzten franzosischen Gebiet herzustellen. Die ab Oktober 1942 beginnende 
Zwangseinziehung franzosischer Arbeitskrafte zur Dienstleistung in der deut= 
schen Riistungsindustrie (s. unten S. 133) fiihrte dann zu einer Verstarkung der 
sich jetzt sammelnden und vereinigenden franzosischen Widerstandsbewegung, 
die sich ab November 1942 in den neu besetzten Teilen Frankreichs unter 
giinstigeren Voraussetzungen militarahnlich formieren konnte, da mangels 
Kraften grofie Telle (vor allem im Central=Massiv und den Alpen) praktisch 
von deutschen Truppen unbelegt blieben. 

Das deutsche Verhaltnis zur franzosischen Regierung in Vichy und damit 
zu den unbesetzten Teilen Frankreichs sowie den Kolonialgebieten wurde zu 
Beginn des Jahres 1942 formell immer noch durch den deutsch=franzosischen 
Waffenstillstand vom 22. 6. 1940 und den italienisch=franzosischen Waifen= 
stillstand vom 24. 6. 1940 bestimmt. In Franzosisch=Afrika sahen sich die 
„Achsenmachte" trotz der dort nach dem Waffenstillstand eingesetzten Kon= 
trollkommissionen einem mehr oder minder verschlossenen Gebiet gegeniiber. 
Anzeichen iiber das zunehmende Eindringen des Einflusses der Westalliierten, 
insbesondere der Amerikaner, durch ihre zahlreichen dorthin und auch nach 
Tanger entsandten konsularischen Beamten — den Englandern waren diese 
offiziellen Moglichkeiten seit dem Abbrudi der diplomatischen Beziehungen 
zwischen Vidiy und Grofibritannien am 4. 7. 1940 verschlossen — , wurden bei 
der deutschen Obersten Fiihrung vermerkt, ohne dafi man dieser Tatigkeit 
wirksam entgegenzuarbeiten vermochte. 

Der WFStab, die Deutsche Waffenstillstandskommission, die Seekriegs= 
leitung und der deutsche Botschafter in Paris Otto Abetz strebten aus ver= 
schiedenen Motiven eine deutsch=franzosische militarische Zusammenarbeit 
an; von ihr konnte 1942 im wesentlichen nur noch hinsichtlich der beider= 
seitigen Marinestellen an Land die Rede sein. Die Hauptursache fur die 
seit Ende 1940 immer negativer verlaufene Entwicklung lag in der Grundein* 
stellung Hitlers zu Frankreich und seiner harten „Siegerpolitik'', die jeden An« 
satz zu einer den Namen verdienenden „Kollaboration" zerstorte. Hitler lehnte 
jegliche Zugestandnisse an Frankreich ab, obwohl er von der Seekriegsleitung, 
dem WFStab und Botschafter Abetz immer wieder dazu gedrangt wurde. 
Treffend interpretierte Goring im August 1942 die Einstellung der Obersten 
Fiihrung zur Frankreich dahingehend, dafi es als erobertes Gebiet zu behan= 
deln sei und dafi die KoUaboration allein darin zu bestehen habe, dafi die 



Ab Februar 1942 fehlen die entsprechenden Unterlagen des Militarbefehlshabers 
Frankreich. 



131 



A. Einfiihrung 

Franzosen an Deutschland zu liefern hatten, „bis sie selbst nicht mehr 
konnten'". 

Auch die Wiederberufung Pierre Lavals, des Exponenten der „Politik von 
Montoire'' vom Oktober 1940, durch den Staatschef Marschall Petain am 18. 4. 
und seine Ernennung zum Regierungschef mit weitreichenden Vollmachten 
fiihrten zu keiner Anderung der Einstellung Hitlers zu Frankreich. Eine diesem 
zur Kenntnis gelangte Denkschrift des Staatsministers Benoist=Mechin schien 
ihm die Bestatigung fiir die Richtigkeit seines Militrauens zu sein. In der Un= 
terredung mit Mussolini am 29.4.1942^ erklarte er, dafi darin „klipp und 
klar zum Ausdruck gebracht worden sei, dafi, wenn Frankreich wieder zur 
Macht kommen wolle, es Waffen haben miisse und dafi der einzige Weg dazu 
iiber Laval und die ,collaboration' fiihre''. 

Hitlers Mifitrauen wurde erneut verstarkt durch die Flucht des im Mai 1940 
in deutsche Kriegsgefangenschaft geratenen Generals Giraud, dem es am 17. 4. 
gelang, von der Festung Konigstein in Sachsen zu entfliehen und die unbe= 
setzte Zone Frankreichs zu erreichen, Versuche des Botschafters Abetz, Giraud 
zur freiwilligen Riickkehr nach Deutschland zu veranlassen und damit Hitlers 
Einstellung zu beeinflussen, scheiterten. 

Unter diesen Voraussetzungen war auch das Ziel der neuen Regierung Laval, 
mit Hitler zu einer Zusammenarbeit auf politischem, wirtschaftlichem und — in 
begrenztem Mafie — auch militarischem Gebiet zu kommen, illusorisch. Ent= 
sprechende Bemiihungen fiihrten nur dazu, dafi die Beziehungen zwischen der 
Vichy=Regierung und den USA sich verschlechterten (Abberufung des Bot= 
schafters Leahy aus Vichy) und die amerikanische Regierung das Festsetzen 
britischer Streitkrafte im Hafen von Diego Suarez auf Madagaskar {3—7. 5. 
1942) gut hiefi. 

Am 29. 5. unterzeichnete Hitler die Weisung Nr. 42^, die Richtlinien fiir 
eine Besetzung Restfrankreichs enthielt: 

„Die Entwicklung der Lage im unbesetzten Frankreich oder in den Besitzungen 
in Nordafrika kann es auch in Zukunft' erforderlich machen, das gesamte franzo= 
sische Gebiet zu besetzen . . . Ziel der Operation ist es, die Widerstandskraft des un= 
besetzten Frankreich zu brechen und das Land zu besetzen. Dabei kommt es fur die 
deutschen Krafte darauf an, unter Aufrechterhaltung des Kiistenschutzes mit schnell 
zu bildenden, moglichst beweglichen Kraftegruppen die fiir die Verteidigung wich= 
tigen Objekte iiberraschend in Besitz zu nehmen und hierdurch die franzosischen 
Widerstandsmoglichkeiten auszuschalten. Raschem Zugriff auf die franzosischen 
grofieren Standorte, Eisenbahnknotenpunkte, Stockierungslager, Munitions= und 



5 Aufzeichnung des Gesandten Schmidt iiber die Unterredung Hitler— Mussolini 
am 29. 4. 1942 (Politisches Archiv des Auswartigen Amtes Bonn, Aufz. Fiih. 15 
RAM=Film 1/65—95 u. 18/314—344). 

6 Hubatsch, a. a. O., S. 189 ff. 

7 Bezugnehmend auf die Weisungen betr. „Attila" und „Isabella" von 1940/41, 
die erst jetzt aufier Kraft gesetzt wurden. 

132 



VI. Die Verteidigungsmafinahmen im Norden und Westen Europas 

Waffenlager, Flugplatze und den Regierungssitz Vichy kommt hierbei besondere 
Bedeutung zu. 

Aufgabe der Italiener wird es sein, — neben Korsika — die franzosische Mittel= 
meerkiiste zu besetzen und durch Abriegelung der FlottenstUtzpunkte — insbeson= 
dere Toulon — von See her ein Obergehen der franzosischen Heimatflotte und der 
in den Mittelmeerhafen Hegenden Handelsschiffe zum Feind zu verhindern. Sie sind 
dabei durch die im Mittelmeer befindlichen deutschen See= und Luftstreitkrafte zu 
unterstiitzen. Ferner werden die Italiener, falls es die Lage erfordert, sich gegen 
Tunesien zu wenden haben. Die Bildung einer Kampfgruppe fiir diesen Zweck ist 
im Gange . . ." 

Wenn auch die Weisung in dieser Form nicht verwirklicht wurde, so spiegelt 
sie doch genau Hitlers Einstellung zu Frankreich wieder. 

Der deutsche Druck, der standig auf der Vichy=Regierung lastete, machte die 
ohnehin problematische Souveranitat Frankreichs im uiibesetzten Gebiet in den 
folgenden Monaten in dreifacher Hinsicht illusorisch: in der erzwungenen Zu= 
sammenarbeit der franzosischen Polizei der unbesetzten Zone mit dem SD 
im besetzten Gebiet bei der Bekampfung der gegen die Wehrmacht gerichteten 
Terror= und Sabotagetatigkeit der Widerstandsbewegung, in den Zugestand= 
nissen hinsichtlich der Judenpolitik (Auslieferung von rd. loooo nichtfranzo= 
sischen, darunter zahlreichen deutschen Juden an den SD) und in der Zwangs= 
iiberfiihrung franzosischer Arbeiter ins Reich. 

Der von Hitler am 28. 3. 1942 zum GeneralbevoUmachtigten fiir den Arbeits= 
einsatz (GBA) ernannte Gauleiter Sauckel forderte im Mai 1942 die franzo= 
sische Regierung ultimativ auf, in kurzer Frist 350000 Arbeiter nach Deutsch= 
land zu stellen. Laval erzielte in harten Verhandlungen mit Sauckel schliefilich 
einen Kompromifi, die Einfiihrung der sog. „Releve", wonach fiir je drei frei= 
willig nach Deutschland verpflichtete Facharbeiter als „Ablosung'' je ein 
Kriegsgefangener nach Frankreich entlassen werden sollte. Es stellte sich aller= 
dings bald heraus, dafi die franzosische Regierung auch mit diesem Mittel nidit 
die geforderte Zahl von Freiwilligen erreichen konnte. Schlielilich folgte Ende 
August ein neues Ultimatum Sauckels. Laval sah nun keine andere Moglichkeit 
mehr, die Zwangsaushebung von Arbeitern im besetzten Gebiet durch die 
Besatzungsbehorden zu verhindern, als den Erlafi eines Arbeitsdienstpflicht= 
gesetzes durch die franzosische Regierung (4. 9.), die damit die Durchfiihrung 
selbst in der Hand zu behalten hoffte. 

So befanden sich die deutsch=franzosischen Beziehungen — trotz emeuter 
Anfragen Retains und Lavals mit dem Ziel, nach der am 10. 9. eingeleiteten 
Besetzung ganz Madagaskars durch die Briten zu einer begrenzten deutsch= 
franzosischen Zusammenarbeit in der Verteidigung des noch verbliebenen afri= 
kanischen Kolonialreiches zu kommen, die ohne Antwort blieben — bereits in 
einer Sackgasse, als die alliierte Grofilandung in Marokko und Algerien am 
8. 11. begann. Sie loste das improvisierte „gro6zugige" Biindnisangebot Hitlers 
an die Vichy=Regierung aus (s. oben S. 117). Die Zuriickhaltung der franzo= 
sischen Regierung und die Nachrichten liber das Verhalten des Admirals Dar= 

133 



A. Einfuhrung / 

Ian in Algier geniigten indessen, um Hitler zwei Tage spater sogleich wieder in 
die alte Linie seiner Frankreich=Politik einschwenken zu lassen. 

Der Einmarsch der deutschen Truppen in die unbesetzte Zone Frankreichs 
am 11. 11. sollten formell nicht die Waffenstillstandsvertrage von Com= 
piegne und Rom beriihren: Die „Souveranitat'' der franzosisdien Re= 
gierxmg, die Flotte und die „Waffenstillstandsarmee'' sollten unangetastet 
bleiben; die Territorialgewalt des Militarbefehlshabers Frankreich wurde nicht 
auf die bisher unbesetzte Zone ausgedehnt, sondern die Dienststelle eines 
„Kommandanten des Heeresgebiets Siidfrankreich" (KHS) eingerichtet, der 
dem OB West unterstand, der seinerseits wieder bei der Vichy=Regierung 
durch den „Deutschen General des OB West in Vichy'', Generalleutnant Frhr. 
von Neubronn, vertreten wurde. Doch waren faktisch die Waffenstillstands= 
vertrage in allem Wesentlichen aufgehoben. 

Das gait in erhohtem Mafie fiir die Zeit nach dem 27. 11., als Toulon besetzt 
und die „Walfenstillstandsarmee'' von deutschen und italienischen Kraften 
entwaffnet worden waren. Versuche, mit den franzosischen Heeres= und Ma= 
rineverbanden in Tunesien zusammenzuarbeiten, scheiterten ebenfalls am 
wechselseitigen Mifitrauen und endeten mit dem Ubertritt der franzosischen 
Division in Tunesien auf die Seite der AUiierten (16. 11.) und mit der Kapitu= 
lation der franzosischen Besatzung von Bizerta (7. 12.). Jedoch wurde auch 
nach diesen Ereignissen keine deutsche Militarverwaltung in Siidf rankreich ein= 
gerichtet, sondern die franzosische Zivilverwaltung und die franzosische Polizei 
fungierten unter deutscher Oberaufsicht weiter. Auch die Waffenstillstands= 
kommissionen setzten auf ausdriicklichen Befehl Hitlers ihre Tatigkeit fort. 

Die von Retain mit neuen Vollmachten ausgestattete Regierung Laval sah 
jedoch nunmehr ihre Auf gabe nur noch darin, durch geschicktes Taktieren mog= 
lichst viele Vorteile aus der an sich verzweif elten Situation ihres Landes heraus= 
zuholen und eine reine deutsche Besatzungsherrschaft zu verhindern. Diese 
neue Tendenz, die Hitler sogleich erkannte, verstarkte sein MilBtrauen jetzt 
auch gegen diesen Exponenten der KoUaboration so, dafi er ihn nie mehr 
ohne die Anwesenheit des italienischen Aufienministers Graf Ciano empf angen 
woUte, um jede Moglichkeit eines Ausspielens des deutschen und des italie= 
nischen Achsen=Partners gegeneinander durch Laval auszuschliefien. Unter 
diesen Voraussetzungen blieb das Gesprach zwischen Hitler und Laval in An= 
wesenheit Cianos am 19. 12. ohne jedes Resultat. 

Ganz Frankreich war seit Ende November 1942 faktisch ein von Deutsch= 
land beherrschtes Land^^. Seit demAbbruch der diplomatischen Beziehungen zu 
den USA am 8. 11. blieben nur noch die diplomatischen Vertreter der mit 
Deutschland verbiindeten Lander sowie des Vatikans und der Schweiz in Vichy 
zuriick. 

7a Zum Gesamtkomplex der deutsdi=franz6sischen Beziehungen 1942 grundlegend: 
Eberhard Jad<el, Die deutsch=franzosischen Beziehungen 1940—1942. Habili= 
tationsschrift Kiel 1961. :,,..- „ . ._ . .^ 



VI. Die Verteidigungsmafinahmen im Norden und Westen Europas 

Mit der alliierten Landung in Franzosisch=Nordafrika war auch die Iberische 
Halbinsel wieder stark in den Blickpunkt der deutschen Obersten Fiihrung ge= 
riickt. Bereits Ende April 1942 hatten Befiirchhingen Hitlers iiber „englisch= 
amerikanische Landungsmoglichkeiten in Franzosisch=Marokko, Spanisch=Ma= 
rokko und auf der Iberischen Halbinsel"^ Uberlegungen ausgelost, die in den 
am 29. 5. — unter Aufierkraftsetzung der 1940 bzw. 1941 erlassenen Weisungen 
fiir „Attila" (Besetzung Restfrankreichs) und „Isabella'' (Vorbereitungen zur 
Sicherungder spanischen und portugiesischenWestkiiste)— neugefa6ten„Richt= 
linien fiir die Operationen gegen Restfrankreich bzw. die Iberische Halbinsel'' 
(„Fuhrer=Weisung'' Nr. 42®) ihren Niederschlag fanden. Als erstes Ziel von 
Gegenmalinahmen gegen einen „feindlichen Zugriff auf die Iberische Halb= 
inser' (Deckname „Ilona'') sollten „durch Inbesitznahme der Siidausgange der 
Pyrenaen die Voraussetzungen fiir spatere Operationen geschaffen werden. Einer 
Bedrohung der strategisch wichtigen franzosischen Atlantikkiiste von Spanien'' 
— so hiefi es — „ist durch Sicherung der an der spanischen Nordkiiste gelegenen 
Hafen zuvorzukommen. Verhandlungen und Vorbesprechungen mit den Spa= 
niern und anderen aufierdeutschen Stellen iiber diese Absichten sind verboten." 

Der letzte Passus deutete darauf hin, dajS das deutsche Verhaltnis zu Spanien 
sich seit dem entscheidenden Gesprach zwischen Hitler und Franco am 23. 10. 
i94onicht verbessert hatte^^. Wohl blieb die in das deutsche Heer eingegliederte 
spanische „Blaue Division'' (250. Inf.Div.) das ganze Jahr 1942 iiber im Ein= 
satz an der Ostfront (H.Gr. Nord), auch erklarte der spanische Aufienminister 
Serrano Suner noch am 22. 4. 1942, dafi Spanien nicht „neutral", sondern 
„nichtkriegfiihrend" sei, doch machte die Ablosung des als deutschfreundlich 
geltenden Aufienministers Suner und seine Ersetzung durch General Jordana 
am 3. 9. 1942 deutlich, dafi Franco auf den Kurs einer korrekten Neutralitats= 
politik zuriicklenkte. Nach der alliierten Grofilandung in Marokko und Alge= 
rien war vollends klar, dali Franco strikte Neutralitat wahren mufite (18. 11. 
Teilmobilmachung „zur Sicherung unserer Integritat"), wollte er sein Land 
nicht schwersten Risiken aussetzen. Dafi unter den gegebenen Umstanden eine 
spanische Neutralitat auch dem deutschen Interesse noch am ehesten entsprach, 
wurde von Hitler am 20. 11. zugegeben. 

Da sich jedoch seine Befiirchtungen, dafi die nachste Operation der Alliierten 
moglicherweise gegen die Iberische Halbinsel gerichtet sei, in den folgenden 
Wochen verstarkten, wurden die Vorbereitungen fiir das seit 7. 10. in „Gi= 
sela" umbenannte Unternehmen zur Sicherung der Pyrenaenausgange und der 

8 KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung im OKW, 25. 4. 1942. Fiir das Folgende 
vgl. die detaillierte Studie von Charles Burdick, Planungen fiir das Einriicken 
deutscher Krafte in Spanien in den Jahren 1942 — 1943. Die Unternehmen „Ilona" 
und „Gisela", in: Wehrwissenschaftliche Rundschau 13 (1963), S. 164— 178. 

9 Hubatsch, a. a. O., S. 189 ff . 

9a Ober Bemiihungen des Geheimdienstes des SD 1942, Franco zu stiirzen und 
durch einen auf den deutschen Kurs festgelegten Vertreter der Falange zu er= 
setzen, vgl. „Der Spiegel", Nr. 18/1963, S. 71 ff. 

135 



A. Einf iihrung r mkfnft^ 

nordspanischen Hafen weiter vorangetrieben^. Ihr Wert wurde von Hitler 
indessen gegeniiber der Situation von Ende Mai 1942 jetzt nur noch darin ge= 
sehen, die Spanier selbst auf diese Weise dahin zu bringen, „energisch Wider= 
stand zu leisten''^. Mit besonderer Eile wurden die fiir diese Aufgabe vorge= 
sehenen Krafte nach Abschlufi der Besetzung Restfrankreichs wieder in ihren 
friiheren Versammlungsraumen bereitgestellt. Da sie aber weder nach der Zahl 
noch nach der Art fiir eine so weittragende Operation ausreichten und Teile als= 
bald nach dem Osten iiberfiihrt wurden (s. oben S. 128 f .), im iibrigen auch das 
Verhalten der Spanier gegeniiber einem deutschen Einmarsch weiterhin unge=» 
klart blieb, waren die Aussichten fiir ein Gelingen des Unternehmens hochst 
fragwiirdig. Dennoch lief en die Planungen bis in das Friihjahr 1943 weiter. 
Voraussetzung fiir die Aktion sollte allerdings sein, dafi die Spanier deutsche 
Hilfe anforderten. Die Vorbereitungen fiir „Gisela'' traten schlielilich in den 
Hintergrund, als deutlich wurde, dafi die Alliierten ihren Vorstofi in das 
mittlere Mittelmeer (Tunesien— Sizilien) fortzusetzen gedachten. 



VII. Der Kampf gegen die Aufstandsbewegungen in Siidosteuropa 

1. Die Tsdbetniks des Generals Draza Mihajlovic 

Die Spannungen, verursacht durch die zwischen Deutschland, Italien, Ungarn 
und Bulgarien ausgehandelte Aufteilung Jugoslawiens und Griechenlands in 
Besatzungszonen, die politische Zerschlagung Jugoslawiens und durch die un= 
terschiedliche Besatzungspolitik sowie durch die Bildung des einerseits (an der 
dalmatinischen Kiiste) beschnittenen, andererseits (Bosnien und Herzegowina) 
ungebuhrlich ausgeweiteten „Unabhangigen Staates Kroatien'', — verbunden mit 
der zwangslaufig nur sehr lockeren Besetzung dieser Raume durch deutsche 
Truppen nach Abschlufi des Balkanfeldzuges im April/Mai 1941 hatten viel= 
fache Folgen. Bei dem Freiheitswillen der verschiedenen Nationalitaten und 
den vorhandenen Traditionen der Dorfwehren als Selbstschutzorganisation 
angesichts der jahrhundertelangen Rechtsunsicherheit unter der tiirkischen 
Herrschaft fiihrte sie unter so gxinstigen psychologischen, sozialen und natio= 
nalen Bedingungen geradezu zu Widerstands= und Aufstandsbewegungen 
gegen die Besatzungsmachte sowie gegen die neu eingesetzten Regierungen 
(Kroatien, Montenegro). Nachdem zunachst seit Mai 1941 die serbisch=nationa= 
listische Widerstandsorganisation des jugoslawischen Obersten i.G. Draza 
Mihajlovic in Serbien hervorgetreten war, hatte sich seit Juli 1941 daneben 
eine kommunistische Partisanenorganisation unter Josip Broz=Tito — beide zu= 
nachst mit Schwerpunkt im siidserbischen Raum — gebildet. Die deutsche Be= 
satzungsmacht versuchte ihrer durch drakonische Mafinahmen (OKW=Befehl 



1 Aufz. zum KTB WFStab, 29. 11. 1942. 

2 Vgl. KTB OKW/WFStab, Bd. Ill, S. 111. 



t36 



VII. Der Kampf gegen die Aufstandsbewegungen in Siidosteuropa 

vom 16. 9. 1941) Herr zu werden. Dennoch gelang es den Partisanen und 
Tschetniks, sich im siidserbischen Raum um die Stadt Uzice in einem relativ 
grofien Gebiet festzusetzen, aus dem sie erst Ende November 1941 durch eine 
deutsche militarische Operation^ vertrieben werden konnten. 

Fiir den ganzen weiteren militarischen Verlauf und den politischen Ausgang 
des Krieges im jugoslawischen Raum wurde bedeutsam, dafi — nach anf anglicher 
Zusammenarbeit und nach vergeblichen Versuchen, zu einer Verschmelzung 
beider Widerstandsorganisationen unter einheitlicher Fiihrung zu gelangen — 
am 2. 11. 1941 die Spannungen zwischen Tschetniks und Tito=Partisanen in 
einen offenen Konflikt iibergingen, der zu einem jahrelangen blutigen Ringen 
der beiden Widerstandsbewegungen untereinander fiihrte. Dadurch hatte sich 
fiir die schwachen deutschen Besatzungskrafte eine Moglichkeit ergeben kon= 
nen, mit der einen Seite zu mehr oder minder dauerhaften Stillhalteabkom^ 
men, u. U. sogar zu weitreichenderen Vereinbarungen zu kommen; denn 
Mihajlovic hatte bereits am 15. 11. 1941 einem deutschen Abwehroffizier er= 
klart, dafi er nicht so sehr ein „englischer Mann'' sei, wie die Deutschen an= 
nahmen, dafi es vielmehr sein Hauptziel sei, „die Substanz des (serbischen) 
Volkes vor der Vernichtung zu retten''^. Wenn die sich hier bietende Chance 
auf deutscher Seite 1942 nicht erfafit wurde, so deshalb, weil Hitler entgegen 
dem Rat des Deutschen Generals in Agram, General Glaise v. Horstenau, den 
Ustaschen des „Poglavnik'' weiterhin freie Hand zum Vernichtungskampf ge= 
gen die Pravoslawen in Bosnien und in der Herzegowina gewahrte. 

Dabei hatte eine Weisung des Chefs OKW vom 15. 12. 1941^ die Aufgabe, 
im Siidostraum schnellstens Ruhe und Ordnung wiederherzustellen, um alle 
deutschen Krafte im Osten konzentrieren zu konnen, deutlich ausgesprochen, 
allerdings die psychologisch und politisch verfehlte Schlufifolgerung daraus 
gezogen, statt deutschen italienische und bulgarische Besatzungskrafte in 
weitere, bisher deutschbesetzte Gebiete heranzuf iihren : 

„Die Lage im Osten erfordert es, alle verfiigbaren deutschen Krafte diesem 
Kriegsschauplatz in absehbarer Zeit wieder zuzufiihren. Um trotzdem die im Rah= 
men der Gesamtlage dringend erforderliche Ruhe auf dem Balkan sidierzustellen, 
sind in erheblich vermehrtem Umfange Truppen verbiindeter Staaten zur restlosen 
Beseitigung der Unruhen heranzuziehen. In erster Linie kommen hierfiir bulgarische 
Krafte fiir Serbien und die 2. italienische Armee fiir Kroatien in Betracht. 

Ausgenommen von der Besetzung durch fremde Truppen sollen die Industrie= 
gebiete bleiben, die von kriegswichtiger Bedeutung fiir die deutsche Versorgung 
sind. 

Im Endziel sollen nicht mehr als 2 deutsche Sich.Divisionen zur Sicherung der fiir 
uns bedeutsamen Gebiete verbleiben . . . 



Nach der offiziellen jugoslawisch=kommunistischen Zahlung, die insgesamt bis 
zum Sommer 1944 7 deutsche Offensiven auffiihrt, war dies die 1. Offensive. 
Josef Matl, in: Das Dritte Reich und Europa. Bericht iiber die Tagung des 
Instituts fiir Zeitgeschichte in Tutzing Mai 1956. Miinchen 1957, S. 158. 
Hubatsch, a. a. O., S. 175. 

137 



A. Einfuhrung 

Die Fiihrung (der Operationen) wird in Kroatien der 2. italienischen Armee 
zufallen. 

Es kann nicht mehr verantwortet werden, dafi 6 deutsche Divisionen im serbisch= 
kroatischen Raum gebunden bleiben, obwohl bulgarische und italienische Krafte 
in reichem Ma6e zur Verfiigung stehen. 

Wenn nicht in kurzester Zeit die Aufstandsgebiete in Kroatien ausgebrannt wer= 
den, wird es im Friihjahr notwendig sein, einen Feldzug zu fiihren." 

Letzteres sollte, wenn auch noch einstweilen in relativ begrenztem Mafie, 
der Fall werden. Zu einer einheitlichen Operationsfiihrung kam es dagegen nie. 

Die Hauptkrafte der — bis Mitte 1942 gegeniiber den Partisanen Titos 
zahlenmafiig starkeren — Tschetniks des Generals Mihajlovic (die allerdings, 
da nicht so straff organisiert wie die kommunistischen Partisanen, nie unbe= 
dingt seinen Befehlen gehorchten und daher nicht so geschlossen operierten) 
hatten sich nach der Raumung von Foca durch die Italiener am 4.75. 12. 1941 in 
diesem Gebiet festgesetzt und ihren Einflufibereich gleichzeitig auch auf einige 
bosnische Bezirke zwischen Drina und Bosna ausgedehnt. 

Sie betrachteten diesen Raum als „befreites" jugoslawisches Territorium. Am 
13. 1. 1942 wurde Mihajlovic als Kriegsminister in die in London residierende 
koniglich=jugoslawische Exilregierung aufgenommen und damit offiziell als bri= 
tischer Bundesgenosse anerkannt. Wahrenddessen konzentrierte Tito seine Krafte 
in Nordmontenegro (Gebiet um den Berg Durmitor) und proklamierte am 8. 2. 1942 
den Anschlufi seines „Staates" als „Bundesrepublik'' an die UdSSR. 

jb f;i brij.f jf; 

An verfUgbaren deutschen Kraften standen zu diesem Zeitpunkt in der 
deutschen Zone Kroatiens nur eine Division (118. Inf.Div.) in Serajewo und 
Banja Luka zur Verfiigung, ferner 6, spater 9 Landwehrbataillone zur Siche= 
rung der Bahnen Agram— Belgrad und Brod— Serajewo (insgesamt rd. 10000 
Mann), wahrend sich in der italienischen Zone des Landes die 2. italienische 
Armee mit 7 Divisionen sowie Sonderverbanden in Starke von rd. 60 000 
Mann befand. Kroatischerseits waren rd. 44000 Mann (34000 Mann Domo= 
branen und 10000 Ustaschen, s. oben S. 33) verfiigbar. Um die aus Serbien 
entwichenen Tschetniks und Partisanen moglichst rasch zu fassen, unternah= 
men die Truppen des auch in der deutschen Zone Kroatiens befehlsfiihrenden 
„Bevollm. Kdr. Generals in Serbien'', General d. Artl. Bader, Anfang Januar 
mit einer Division von Serajewo und einer Division von Zvornik aus einen 
Vorstoli nach Ostbosnien. Dabei wurden sie von der „Schwarzen Legion'' der 
Ustascha unterstiitzt. Nachdem die vorgetriebenen Spitzen beider deutschen 
Divisionen sich halbwegs zwischen den Stadten die Hand gereicht hatten, 
wurde das Unternehmen in der zweiten Januarhalfte abgebrochen^. Wahrend 
es Tito gelungen war, mit seinen Kraften nach Siiden auszuweichen, versuchte 
man deutscherseits, mit den Tschetniks durch Verhandlungen zu einer Losung 
zu gelangen. Auf eine kroatische Intervention bei General Bader wurden die 

4 Die sog. 2. Offensive in jugoslawisch=kommunistischer ZMhlung. ' 

138 



VII. Der Kampf gegen die Aufstandsbewegungen in Sudosteuropa 

Gesprache jedoch am 2. 2. wieder eingestellt. Damit war der Faden zu Mi= 
hajlovic vorerst (fiir 1942) abgerissen. Im Laufe der folgenden Monate ver= 
loren die Tschetniks immer mehr an Anhang, die Organisation selbst an Zu= 
sammenhalt. Die westlichen Teile traten unter den Schutz der 2. italienischen 
Armee und wurden von dieser ab Mitte 1942 als Hilfskrafte gegen die Par* 
tisanen Titos verwandt (s. oben S. 23 f.). 

2. Der Kampf gegen die kommunistisdien Partisanen Titos 

Die deutsche Hauptsorge im jugoslawischen Raum wurde seit Friihjahr 1942 
die Partis anenbewegung Titos. Man hoffte, sie durch eine Kette von Einzel= 
unternehmen und eine grofie konzentrisch gefiihrte Operation gegen das Zen= 
trum in Nordmontenegro niederzuschlagen. Nachdem die Petrova Gora sud= 
lich Karlovac — im wesentlichen durch kroatische Krafte — „gesaubert'' war 
(Marz 1942), verabredeten die in Kroatien befehlsfiihrenden deutschen, ita= 
lienischen und kroatischen Kommandostellen in Abazzia fiir Anfang April 
eine Offensive gegen Titos Hauptkrafte im Raum um Foca. Wahrend die 
deutschen und kroatischen Krafte unter dem „Kdr. General und Befehlshaber 
Serbien"', Gen. d. Artl. Bader, nach Bereitstellung im Raum nordlich Foca Mitte 
April, wenn auch mit Verspatung, ihren Vorstofi begannen, riickten die Ita= 
liener von Westen nur zogernd vor und erreichten nicht einmal die eigentliche 
Ausgangsposition. Tito konnte seine Partisanen nach Siiden und Siidwesten 
zuriickziehen. Ende April wurde die deutsch=kroatische Operation^ resultatlos 
abgebrochen. Foca selbst blieb nur kurze Zeit besetzt, dann zogen sich die 
deutsch=kroatischen Krafte Mitte Mai wieder auf ihre Ausgangspositionen 
zuriick. Tito konnte im Mai und Juni die Aufstellung seiner 5 „Proletarier''= 
Brigaden ungestort beenden und gewann damit 12—13 ^^^ Mann operativer 
Truppen. Sie sicherten ihm zugleich die Uberlegenheit gegeniiber den weniger 
beweglichen Tschetniks. Mit diesen Verbanden begann Tito am 24. 6. eine 
Offensive, die ihn iiber 120 km bis nach Westbosnien fiihrte. Am 8. 7. fiel 
Konjic, am 24. 8. Mrkonjic Grad, am 25. 9. Jajce imd am 5. 11. Bihac in seine 
Hand. Er gewann damit einen gro6en Raum, in dem er Ende 1942 nach jugo= 
slawisch=kommunistischen Quellen 9 Divisionen, 36 selbstandige Brigaden 
und weitere Einheiten in einer Gesamtstarke von 150 000 Kampf ern auf gestellt 
hatte. Mag diese Zahl auch iibertrieben sein, so waren die Partisanen Titos 
doch Ende 1942 zu einem operativen Problem fiir die deutsche Oberste Wehr= 
machtflihrung geworden®, das sie in einer neuen Offensive mit starkeren 
Kraften (Unternehmen „Weili'') losen woUte. Gleichzeitig meldete Tito mit 
dem am 26. 11. 1942 in Bihac geschaffenen „Antifaschistischen Rat der Na= 

5 Die sog. 3. Offensive in jugoslawisdi=kommunistischer Zahlung. 

6 Vgl. Bd.III des KTB/OKW (WFStab), S.63ff. betr. das seit 22.12.1942 vor= 
bereitete, ab 15. 1. 1943 durdigefiihrte deutsch=italienische Unternehmen „Wei6" 
(= sog. 4. Offensive in jugoslawisch=kommunistischer Zahlung). 

139 



A. Einfiihrung 

tionalen Befreiung Jugoslawiens"' (AVNOJ) einen politischen Fuhrungsan= 
spruch in Jugoslawien an. 

Neben den Versuchen, die Hauptmacht der Partisanen im April zu zerschla= 
gen, stand wahrend des Sommers und Herbstes eine ganze Reihe kleinerer 
Untemehmen gegen Partisanengruppen auf kroatischem Boden. Serbien blieb 
hingegen 1942 ruhig. Aus den Unternehmen heben sich heraus: die Einnahme 
von Prijedor am 10. 6. 1942 durch die 714. Inf.Div. (in dieser Stadt batten die 
Partisanen seit dem 16. 5. ein Scbreckensregiment gefiihrt); das erste grofiere 
gemeinsame deutscb=kroatische Unternehmen gegen Kozara Ende Juni/An= 
fang Juli, an dem die 714. Inf.Div. sowie 3 kroatische Geb.Brigaden, 1 Usta= 
scha=Btl. sowie Teile der aus Serbien herangeholten 720. Inf.Div. beteiligt 
waren; Kampfe zunachst gegen Tschetniks, dann Partisanen im Becken von 
Gospic und im Lika=Gebirge sowie siidlich der Sawe im Raum von Karlovac 
(ab Ende Juni). 

Auf Antrag Pavelics bei Hitler wahrend seines Besuches im FHQu am 23. 9. 
1942 (s. oben S. 33 ff.) wurde ein besonderer, vom „Kdr. General und Befehls= 
haber Serbien" unabhangiger „Befehlshaber der deutschen Truppen in Kroa= 
tien" (Generalleutnant Liiters) eingesetzt, dem auEer den deutschen Kraften 
in Kroatien auch samtliche kroatischen Domobranen= und Ustascha=Einheiten in 
der deutschen Besatzungszone unterstellt wurden, nachdem bereits seit Januar 
1942 die kroatischen Verbande in operativer Hinsicht von Fall zu Fall bei den 
verschiedenen Unternehmungen den befehlsfiihrenden deutschen Komman= 
deuren zugewiesen worden waren. Seit dieser Neuregelung^^ unterstanden nun= 
mehr sowohl der „Befehlshaber der deutschen Truppen in Kroatien"' als auch 
der „Kdr. General und Befehlshaber in Serbien'' gleichberechtigt dem „Wehr= 
machtbefehlshaber Siidost" (W.B. Siidost) (H.Qu. in Saloniki), bis 31. 7. 1942 
General d. Pi. Kuntze, ab 1. 8. 1942 Generaloberst Lohr, dessen Dienststelle 
am 1. 1. 1943 in OB Siidost (H.Gr. E) umbenannt wurde. 

3. Die Wlderstandsgruppen in Griedienland 

Im Gegensatz zu Jugoslawien war Griechenland nach der Niederlage und 
Besetzung vom April/Mai 1941 als einheithcher Staat mit eigener, von den 
Besatzungsmachten eingesetzter Regierung erhalten geblieben; doch war das 
Land — abgesehen von den von Bulgarien besetzten und annektierten Teilen 
Thraziens — in einen grolien italienischen und einen auf bestimmte strategisch 
bedeutsame Platze beschrankten deutschen Besatzungsraum geteilt. Unter dem 
sowohl fiir die deutschbesetzten Teile Jugoslawiens als auch Griechenlands 
operativ verantwortHchen, dem OKW unterstellten W.B. Siidost waren der 
„Befehlshaber Saloniki=Agais" (General v. Krenzki) fiir die nordlichen 
deutschbesetzten Landesteile, der „Befehlshaber Siidgriechenland" (General d. FI. 

6a Befehlsiibernahme am 15. 11. 1942. : -'j;^ . 

140 



VII. Der Kampf gegen die Aufstandsbewegungen in Sudosteuropa 

Felmy, ab September 1942 Generalleutnant Wilhelm Speidel) fiir Athen= 
Piraus und die deutschbesetzten Inseln in der Agais eingesetzt. Eine Sonder= 
stellung nahm Kreta ein, das — in territorialer Hinsicht gegeniiber dem W.B. 
Siidost selbstandig — einem eigenen „Kommandanten der Festung Kreta" 
(General Andrae, ab August General Brauer) unterstand. 

Griechische Widerstandsbewegungen spielten erst ab Spatsommer eine — 
militarisch zunachst kaum in Erscheinung tretende — RoUe^. Die verschiedenen 
politischen Gruppen wurden erst durch britische Offiziere ab Oktober 1942 als 
GueriIla=Truppen fiir den Kampf gegen die Besatzungsmachte formiert. Ihre 
erste bedeutende Aktion stand im Zusammenhang mit der Offensive der 
8. britischen Armee an der El=Alamein= Front ab 23. 10. 1942. Sie sollte mit 
der Zerstorung der Gorgopotamos=Eisenbahnbrucke (25. 11.) auf der wich= 
tigen Nord=Sud=Strecke Saloniki— Athen den deutschen Nachschub nach Nord= 
afrika treffen, von dem die Briten irrtiimlich annahmen, dafi er damals noch 
zu 80^/0 iiber Griechenland lief. (Dabei war zu diesem Zeitpunkt die Armee 
Rommel schon bis zur Marada— Marsa=el=Brega— Linie zuriickgewichen.) Dies 
blieb die einzige Aktion, bei der die sich in den folgenden Jahren erbittert 
bekampfenden EDES= und ELAS=Verbande unter dem Kommando des Ge= 
nerals Zervas zusammen operierten. 

Die Gefahr, die von den griechischen Widerstandsgruppen 1942 ausging, 
lag also weniger in einer unmittelbaren militarischen Auswirkung als in der 
latenten Bedrohung, die diese Krafte in den einer Finanz=, Wirtschafts= und 
Hungerkatastrophe mit uniibersehbaren Folgen zutreibenden Verhaltnissen im 
ganzen Lande darstellten. Erst die Entsendung des Gesandten Neubacher als 
„Sonderbeauftragter des Reiches fiir wirtschaftliche und finanzielle Fragen in 
Griechenland'' am 16. 10. 1942 ^ der zusammen mit dem italienischen Bank= 
fachmann d'Argostino eine Reihe von Sanierungsmafinahmen ergriff, fiihrte 
zusammen mit einer Hilfsaktion des„InternationalenRotenKreuzes''®^ zu einer 
Besserung der Lage und bewahrte das Land vor einem Absinken ins Chaos. 
Auch die Neubildung der griechischen Regierung unter Professor Logotheto= 
poulis nach dem Rucktritt des Ministerprasidenten General Tsolakoglu, der 
seit der Kapitulation Griechenlands amtiert hatte, wirkte sich giinstig aus. 
Die Befugnisse der Regierung blieben jedoch neben denen des Bevollmachtigten 
des Reiches fur Griechenland, des Gesandten Altenburg, und des italienischen 
Bevollmachtigten gering. 

Lag bis zum November 1942 eine Bedrohung fiir die Herrschaft der „ Achsen= 
machte'' iiber den Siidosten Europas ausschliefilich in den Gefahren aus dem 

7 Vgl, hierzu C. M. Woodhouse, Zur Geschichte der Resistance in Griechenland, 
in: Vierteljahrshefte fiir Zeitgeschichte 6 (1958), S. i44ff. 

8 Einzelheiten bei Hermann Neubacher, Sonderauftrag Siidost 1940—1945. Bericht 
eines fliegenden Diplomaten. Gottingen (Musterschmidt=Verlag) 1956, S. 72 ff. 

8a Vgl. hierzu Conrad Roediger, Die intemationale Hilfsaktion fiir die Bevolkerung 
Griechenlands im Zweiten Weltkrieg, in: Vierteljahrshefte fiir Zeitgeschichte 11 

(1963), s. 49-71. 



141 



A. Einfiihrung 

Innern der Lander Jugoslawien und — in begrenzterem Mafie — Griechenland, 
so riickte seit dem endgiiltigen Umschwung der militarischen Situation im 
Mittelmeerraum im Herbst 1942 die Bedrohung von aufien, die Moglichkeit 
einer alliierten Invasion, in den Vordergrund der Sorgen auf deutscher Seite. 
Nachdem Hitler bereits in den OKW=Weisungen vom 14. 9. und 13. 10. 1942 
(s. oben S. 109) Verstarkungen fiir Kreta und eine Vereinheitlichung der Be= 
fehlsfiihrung hinsichtlich der Verteidigung der Kiisten (einschliefilich der Agais 
und Kretas) unter dem OB Siid angeordnet hatte, gab er mit der „Fiihrer= 
Weisung" Nr. 47 vom 28. 11. 1942^ eine Neufassung der Befehlsbefugnisse 
zwecks Erweiterung und Vereinheitlichung der Verteidigungsvorbereitungen 
fiir den gesamten Siidostraum, nun unter dem W.B. Siidost (OB Siidost), her= 
aus, „da die Lage im Mittelmeerraum ... in absehbarer Zeit einen Angriff 
auf Kreta, die deutschen und italienischen Stiitzpunkte in der Agais und die 
Balkanhalbinsel moglich'' mache. Dabei miisse „damit gerechnet werden, dafi 
dieser Angriff durch Aufstandsbewegungen in den westlichen Balkanlandern 
unterstiitzt wird'': 

„Auf Grund dieser Lage und der Entwicklung in Nordafrika iibertrage ich die 
Verteidigung des Siidostraums einschliefilich der ihm vorgelagerten Inseln dem 
Wehrmachtbefehlshaber Siidost, der mir als ,OB Siidost' (H.Gr. E) unmittelbar 
unterstellt ist. . . 

Die Heereskrafte der Verbiindeten werden, soweit erforderlidi, erst im Falle 
eines feindlichen Angriffs dem OB Siidost taktisdi unmittelbar unterstellt werden. . . 

Fiir die Vorbereitung eines solchen Abwehrkampfes fallen dem OB Siidost fol= 
gende Aufgaben zu: 

1. Vorbereitung der Verteidigung an den Kiisten mit Sdiwerpunkten im Dode= 
kanes, Kreta und Peloponnes, die festungsmafiig auszubauen sind (Ausnahme My= 
tilene und Chios). 

2. Endgiiltige Befriedung des Hinterlandes und Vernichtung der Aufstandischen 
und Banden aller Art in Verbindung mit der italienischen 2. Armee^. 

3. Vorbereitungen aller Mafinahmen, die im Falle eines feindlichen Angriffs mit 
Hilfe oder Billigung der Turkei gegen den Balkan erforderlich werden, im Einver= 
nehmen mit dem bulgarisdien Oberkommando. . ." 

Mit dieser Weisung war eine einheitliche Fiihrung der Verteidigung des 
Siidostens, soweit es sich um deutsche Krafte handelte, sichergestellt. Offen 
blieb die Frage, ob die geforderte Zusammenarbeit mit den Verbiindeten noch 
zu erreichen war. Schon die Eingliederung der drei italienischen Armeen (2., 
9. und 11. Armee) liefi grofite Schwierigkeiten erwarten. Ob eine Verstandi= 
gung mit Bulgarien angesichts der inneren Schwache des Landes imd der 
wendigen Politik des Zaren Boris IIL im Emstfalle moglich war, mufite die 
Zukunft zeigen. Entscheidend schien jedoch die Frage, ob es moglich sein 
wiirde, die verschiedenen Aufstandsbewegungen im jugoslawischen Raum 



9 Hubatsdi, a. a. O., S. 209ff. mi ,s'*i 

1 Vom Verf. hervorgehoben. 



142 



VIII. Der Seekrieg 

niederzuwerfen, ehe die Bedrohung Siidosteuropas von aufien akut wurde. 
Dabei mufite sich zugleich zeigen, ob es nach den Erfahrungen von 1942 noch 
moglich war, mit den Italienern auf diesem Kriegsschauplatz zu einer gemein= 
samen Operationsfiihrung zu kommen. Die Notwendigkeit einer neuen ent= 
scheidungsuchenden Unternehmung gegen die beiden Aufstandsbewegungen 
in Jugoslawien zwang die italienische FUhrung zu einem militarischen und 
politischen „Offenbarungseid''. 



VIII. Der Seekrieg 

1. Die „SdiIadit im Atlantik" (U-Boot-Kriegfuhning) 

So entscheidend sich der Kriegseintritt der USA (7./11. 12. 1941) im grofien 
strategischen Rahmen — vor allem auf die Dauer gesehen — zuungunsten 
Deutschlands und seiner Verbiindeten auswirken mufite, von der deutschen 
Seekriegsleitung und vom Befehlshaber der U=Boote (B.d.U.) wurde er zu= 
nachst in operativer Hinsicht geradezu als Erleichterung fiir die eigene Krieg= 
fiihrung, vor allem den U=Boot=Krieg, angesehen. Denn Hitler hatte audi dann 
noch, zuletzt in der Besprechung mit dem Ob.d.M. am 17. 9. 1941, an seinem 
Befehl festgehalten, dali jeder zum offenen Krieg fuhrende Zwischenfall mit 
den USA unbedingt vermieden werden miisse, als mit Roosevelts „Schiefi= 
befehl" (11. 9. 1941) die amerikanische Neutralitat endgUltig hinfallig wurde. 
Bei einer Fortfiihrung des U=Boot=Krieges gegen die britischen Zufahrtswege 
im Atlantik waren solche Zwischenfalle unvermeidlich. Daher bedeutete der 
einschrankende Befehl Hitlers praktisch, dafi der U=Boot=Krieg im Atlantik 
seit Oktober 1941 zum Erliegen kam (Versenkungen im gesamten Atlantik 
im Oktober 1941 4, im November 2, im Dezember 1 Schiff). 

Da Hitler durch den japanischen Angriff gegen Pearl Harbor selbst iiber= 
rascht war^ unterblieben auch vorbereitende Mafinahmen fiir den Fall eines 
doch eintretenden offenen Krieges mit den USA, so dafi iiberraschende Schlage 
— im Stile von Hitlers sonstigen Kriegseroffnungen — in diesem Falle aus= 
blieben. Erst am 9. 12. hob Hitler alle Einschrankungen fiir den U=Boot=Krieg 
auf. So dauerte es Wochen, bis die verfiigbaren U=Boote in ihre neuen Ein= 
satzraume an der amerikanischen Ostkiiste gelangen konnten. :rA 

Am 1. 1. 1942 betrug die Gesamtzahl der deutschen Front=U=Boote — gegen= 
iiber den vom B.d.U., Admiral Donitz, fiir einen durchschlagenden Erfolg fiir 
notwendig gehaltenen 300 Booten — nur 91. Von diesen waren 23 („der lei= 
stungsfahigste Teil der U=Bootwaffe") im Mittelmeer, 3 weitere soUten ihnen 
auf Befehl der Ski. noch folgen; 6 waren westlich Gibraltar und 4 Boote in 
norwegischen Gewassern aufgestellt. Von den fiir den Tonnagekrieg verblei= 
benden ^^ Booten befanden sich 60 ®/o in den Hafen zur Reparatur. Ledighch 
22 Boote waren im Atlantik in See, davon etwa die Halfte auf Hin= und Riick= 
marsch. „Nur 10 bis 12 U=Boote gleichzeitig oder rund 12 Vo der vorhandenen 

143 



A. Einfiihrung 

Front=U=Boote standen also zu Beginn des Jahres 1942, nach 2V4 Jahren Krieg, 
fiir . . . den Tonnagekrieg zur Verfiigung^/' 

Fiir den ersten Einsatz an der amerikanischen Ostkiiste (Unternehmen 
„Paukenschlag") waren zunachst nur 5 U=Boote verfiigbar, die ab 13. 1. 1942 
den noch unter Friedensbedingungen laufenden Schiffsverkehr an der ameri= 
kanischen Kiiste angreifen und grofie Versenkungserfolge erzielen konnten. 
Die Gesamtversenkungsziffern der U=Boote stiegen daher von 102 000 BRT 
im Dezember 1941 ruckartig auf 276 000 BRT im Januar, auf 412 000 BRT im 
Februar und 446 000 BRT im Marz 1942 an. 

Entgegen dem Bestreben des B.d.U., moglichst alle verfiigbaren Front=Boote 
im Tonnagekrieg im Westatlantik einzusetzen, verfiigte Hitler im Zusammen= 
hang mit seinen Befiirchtungen hinsichtlich einer britischen Landung in Nor= 
wegen im Januar/Februar (s. oben S. 123 f .) die Verlegung von insgesamt 20 
Booten in die norwegischen Gewasser. Zusammen mit den im Mittelmeer 
operierenden U=Booten waren Ende Marz von den vorhandenen 115 Front= 
booten 39 (d. h. etwa ein Drittel) dem Tonnagekrieg im Atlantik entzogen. 
Nach Abklingen der grofiten Befiirchtungen Hitlers hinsichtlich Norwegens 
wurde die Aufgabe der im norwegischen Raum bereitgestellten U=Boote am 
12. 3. 1942 von „Sicherung Norwegens'' in „Unterbindung der feindlichen 
Zufuhren nach Murmansk und Archangelsk" abgeandert. 

Neu an die Front kamen in den Monaten Januar bis Marz 1942 monatlich 
durchschnittlich 13, von April bis Juni durchschnittlich 10 Boote (statt der vom 
B.d.U. erwarteten 20). Von diesen 69 Booten wurden 26 in den norwegischen 
Raum abgestellt, 2 ins Mittelmeer entsandt. Im Atlantik waren im gleichen 
Zeitraum 12 U=Boote verloren gegangen. Die absolute Zunahme fiir den 
Hauptkriegsschauplatz der U=Boote im Atlantik betrug demnach 29 Boote. 

Die Erfolgschancen fiir den deutschen U=Boot=Krieg an der amerikanischen 
Ostkiiste hielten unerwartet lange an, da die amerikanische Abwehr langer 
als vermutet brauchte, bis sie sich auf die Kriegsverhaltnisse einstellte. Erst 
Ende April gingen die Amerikaner dazu iiber, den Schiffsverkehr an der Kiiste 
in Konvois zusammenzufassen. Daher mufite sich der B.d.U. am 23. 5. 1942 
entschliefien, die U=Boote aus dem immittelbaren Kiistenvorfeld zuriick= 
zunehmen. Das Absinken der Versenkungszahlen an der amerikanischen Ost= 
kiiste im Mai und Juni wurde aber durch besonders groiie Erfolge in der Kari= 
bischen See, im Golf von Mexiko und im Gebiet der Antillen ausgeglichen. 
Erst im Juli wurde das Konvoi=System auch in diese Raume ausgedehnt. 
Damit hatte die — gemessen an den absoluten Versenkungsziffern erfolgreich= 

1 Hierfiir und fiir den ganzen Abschnitt grundlegend: Jiirgen Rohwer, Der U=Boot= 
krieg und sein Zusammenbruch 1943, in: Entscheidungsschlachten des Zweiten 
Weltkrieges, a. a. O., 5. 327ff.; Karl Donitz, 10 Jahre und zwanzig Tage, Bonn 
(Athenaum=Verlag) 1958, S. igaff.; die Versenkungsangaben nach dem neuesten 
Stand der Forschung in: Jiirgen Rohwer, U=Boote. Eine Chronik in Bildern, 
Oldenburg/Hamburg (Gerhard Stalling Verlag) 1962, S. 93 ff. Zitat aus Donitz, 
a. a. O., S. 197. ..J. - .. -„..„ -._- 

144 



VIII. Der Seekrieg 

ste — Zeit des U=Boot=Krieges (4. Phase der „Schlacht im Atlantik'') ein Ende 
gefunden. Die im ersten Halbjahri942 eingetretenen Schiff sraumverluste waren 
riesig: neben den deutschen U=Boot=Erfolgen im Westatlantik (iiber 2 Mil= 
lionen BRT) miissen die Ausfalle bei der Besetzung Siidostasiens durch Japan 
(445 000 BRT), durch japanische Handelskriegsunternehmen (519 000 BRT), 
durch deutsche Handelsstorer (139 000 BRT), durch den Seekrieg im Mittel= 
meer (115000 BRT), durch deutsche See= und Luftangriffe auf die aUiierten 
Murmansk/ Archangelsk=Geleitzuge (307 000 BRT) und durch den Minenkrieg 
in den englischen Kiistengewassern (185 000 BRT) hinzugerechnet werden. Die 
Verluste liefien fiir die AUiierten die Schiff sraumf rage zum „ Problem Nr. 1'' 
werden, das ihren strategischen Zielsetzungen im Jahre 1942 trotz aller sonst 
bestehenden Moghchkeiten deutliche Grenzen setzte. 

Am 14. 5. 1942 hielt der B.d.U. in Gegenwart des Ob.d.M. Hitler Vortrag 
liber den U=Boot=Krieg. Hierbei fiihrte Admiral Donitz aus^: 

„U=Boot=Krieg ist Kampf gegen die feindliche Handelstonnage. Amerikanisdie 
und englisdie Tonnage wird einheitlich gesteuert, ist also als ein Ganzes anzusehen. 
Es ist also richtig, dort zu versenken, wo moglichst viel und billig, d. h. mit ge= 
ringen Verlusten, versenkt werden kann. Nicht etwa das Bestreben haben, in einem 
bestimmten Seegebiet zu versenken bei Inkaufnahme von geringerer Versenkungs= 
hohe. Dieser Satz gilt, falls nicht gleichzeitig hierbei andere militarische Ziele eine 
Rolle spielen, wie z. B. Entlastung des Heeres bei Bekampfung der Murmansk= 
Geleitziige. Bei der Entscheidung eines entsprechenden U=Boot=Einsatzes darf jedoch 
die Frage des okonomischen Einsatzes der Boote ebenfalls nicht aus dem Auge 
gelassen werden. . . 

Ich halte das Wettrennen zwischen dem feindlichen Schiffsneubau und den 
U=Bootsversenkungen in keinerWeise fur hojfnungslos^. Das amerikanische Schiff s= 
neubauprogramm fiir die Zeit von Herbst 1939 bis Ende 1943 umfa6t 2239 Schiffe 
mit 16,8 Mill. BRT. Davon sind bis zum 31.12.1941 fertiggestellt: 191 Schiffe mit 
etwa 1,5 Mill. BRT. Hiernach mufi der Amerikaner zur Erfiillung seines Baupro= 
gramms in den Jahren 1942/43 noch fertigstellen: 2098 Schiffe mit etwa 13,3 Mill. 
BRT. Rechnet man, dafi er hiervon 1942 6,5 Mill. BRT und 1943 S,j Mill. BRT 
bauen kann, und zahlt man hierzu das Bauvermogen Englands und des Imperiums, 
das jahrlidi 1,6 Mill. BRT betragt, hinzu, so kommt man fiir das Jahr 1942 auf 
etwa 8,2 Mill. BRT, im Jahre 1943 auf etwa 10,4 Mill. BRT, die die Feindmachte 
bauen konnten. Das wiirde heifien, dafi wir im Jahre 1942 monatlich etwa 700 000 
BRT versenken miissen, um den Neubau auszugleichen, und alles, was dariiber isl, 
erst Abnahme der Feindtonnage bedeutet. Diese 700 000 Tonnen versenken wir 
aber bereits jetzt, wir, d. h. Deutschland, Italien und Japan, U=Boote, Luftwaffe, 
Uberseeschiffe, Minen. Es findet also unter alien Umstanden bereits jetzt eine ab= 
solute Abnahme der feindlichen Tonnage statt. Diese genannten Bauzahlen sind 
aufierdem die Hochstzahlen, die von der feindlichen Propaganda als Ziel ihrer 
Bauabsicht je genannt worden sind. Unsere Fachleute zweifeln, ob sie erreicht wer» 
den konnen, und rechnen fiir das Jahr 1942 nur mit der Baumoglidikeit der Feind= 
machte mit etwa 5 Mill. BRT; dann ist lediglich die Versenkung von 4—500 000 Ton= 

2 Befehlshaber der Unterseeboote Nr. 289/42 Adj. g.Kdos. Chefs. Vortrag des B.d.U. 
vor Hitler am 14.5.1942 (in: Lagevortrage des Ob.d.M., a. a. O.). 

3 Vom Verf. hervorgehoben. 

145 



A. Einfuhrung 

nen im Monat erforderlich, um auf Null zu kommen. Alles andere zehrt bereits 
von der Tonnage. 

Der B.d.U. selbst rechnet sicherheitshalber mit der hochsten Zahl der feindlichen 
Baukapazitat und kann daher nur immer wieder betonen, dafi es darauf ankommt, 
moglichst bald zu versenken, moglichst bald mit moglichst vielen U=Booten, die 
sich tatsachlich in See, in der Operation befinden, den Gegner zu schadigen. Was 
heute versenkt wird, ist wirkungsvoller, als was erst etwa im Jahre 1943 versenkt 
wird. . /' 

Wahrend Donitz fiir 1942 einen alliierten Gesamtschiffsneubau von 8,09 
Mill. BRT fiir moglich gehalten hatte, schatzte die Ski. diese Hohe auf 7 Mill. 
BRT. (Tatsachlich erreicht wurden von den Alliierten 7,09 Mill. BRT.) Die 
tatsachlichen alliierten Gesamtverluste 1942 betrugen 7, 'jo6 Mill. BRT, davon 
durch U=Boote 6,25 Mill. BRT. Das von Donitz gesteckte Ziel konnte also fiir 
1942 als erreicht angesehen werden, doch war sein Hinweis auf 1943 in dem 
Vortrag vor Hitler bereits ein Zeichen dafiir, dafi ihm die Erreichung des glei= 
chen Ziels im folgenden Jahr bei dem erhohten Schiffsneubau der Alliierten 
(von ihm fiir moglich gehalten: 10,3 Mill. BRT, tatsachlich erreicht 14,39 Mill. 
BRT) nicht mehr so sicher erschien. 

Indessen gab das Ansteigen der U=Boot=Erfolge in der im August 1942 
beginnenden 5. Phase der „Schlacht im Atlantik'*'' vorerst zu noch grofieren 
Hoffnungen und Erwartungen Anlafi, zumal die Zahl der an die Front gehen= 
den U=Boote von Juli bis September monathch 30 Boote betrug. „Dieser Zu= 
wachs erlaubte es der U=Bootfuhrung, mit zwei U=Bootgruppen den Geleit= 
zugkampf gegen die Amerika=England=Geleitziige aufzunehmen und gleich= 
zeitig andere U=Boote je nach Lage und in iiberraschendem Wechsel in loh= 
nende entferntere Operationsgebiete zu entsenden^.'' Am 19. 7. hatte Donitz 
den Schwerpunkt der U=Bootkriegfiihrung wieder auf die nordatlantischen 
Geleitzugrouten verlegt. 

Im August 1942 erreichten die Versenkungen die Gesamthohe von 518 000 
BRT. Im September wurden von deutschen U=Booten 473 000 BRT versenkt, 
im Oktober ^2>^ 000 BRT und im November — die monatliche Hochstzahl des 
ganzen Krieges — 743 000 BRT. Die Masse der Erfolge wurde dabei in den 
grofien Geleitzugsschlachten im Atlantik erzielt. 

In dieser Atmosphare der grolien Hoffnungen und Erwartungen kam es 
zu der — trotz realistischen Einschlagen — im ganzen zu optimistischen Lage= 
betrachtung der Ski. vom 20. 10. iiber den „Stand und die Aussichten des 
U=Boot=Krieges^'' als Anhang einer umfangreichen allgemeinen strategischen 
Lagebetrachtung der Ski. Zur Feindlage hieli es dabei: 

„Der Feind ist z. Z. damit beschaftigt, seinen Seeverkehr, auf dessen Aufrecht= 
erhaltung er zur Fortsetzung des Krieges angewiesen und der die Voraussetzung 

4 Hieriiber besonders Rohwer, a. a. O., S. 346 ff. 

5 Donitz, a. a. O., S. 255. 

6 Gedruckt bei Jacobsen, a. a. O., S. 341—50. 

146 



VIII. Der Seekrieg 

fiir jedes offensive Vorgehen gegen die Dreierpaktmachte ist, nach den inzwischen 
gewonnenen Erfahrungen zu sichem. . . 

Es entspricht englischem traditionellen, in Fragen der Seekriegsfiihrung geschul= 
ten und erprobten Denken und Verfahren, neben . . . defensiven Mafinahmen die 
Gefahr fur die Seeverbindungen auch offensiv an der Wurzel (,in the crigon') zu 
bekampfen (Kopenhagen ', Tarent^ Mers el Kebir*, Dakar ^ . . .)." Nach Aufzahlung 
verschiedener britischer Mafinahmen wird darauf hingewiesen, dafi „damit gerech= 
net werden (musse), dafi versucht wird, die U=Boot=Stutzpunkte am Atlantik durch 
eine Invasion im Rahmen der Errichtung einer Zweiten Front in Westeuropa oder 
einer Teilaktion auszuschalten". 

„Der dem Feind verfiigbare Schiffsraum hat sich bisher laufend verringert. Trotz 
vermehrter Schiffsneubauten besitzen die Gegnermachte am i. g. 1942 nur noch rd. 
30 Mill. BRT an Schiffen iiber 1000 BRT. . ." Nach Abzug der fiir den Kiistenverkehr 
und rein militarische Zwecke benotigten Schiffe ergebe sich, dafi „den Feindmachten 
fiir die wirtschaftlichen und militarischen Transportaufgaben im englischen Welt= 
reich und den amerikanischen Landern einschliefilich Mittel= und Siidamerika am 
1. 9. 1942 noch insgesamt 22 Millionen BRT zur Verfiigung" stiinden. 

1943 miisse „mit einer monatlichen Neubaufertigung von rd. 900 000 BRT ge= 
rechnet werden, Diese Zahlen bilden das Ergebnis einer gewissenhaften Priifung 
der dem Gegner theoretisch verfiigbaren Baukapazitat. Ob sie praktisch erreicht 
werden, ist ungewii3. . . Trotzdem sollte vorausgesetzt werden, dafi der Feind die 
Schwierigkeiten iiberwinden und seine Planung im wesentlichen ausfiihren kann, 
solange sich das Gegenteil nicht stichhaltig beweisen lafit." Fiir die eigene Lage 
ergebe sich daraus und aus den Erfahrungen des bisherigen Kriegsverlaufs die 
Folgerung, „dafi kein Zweifel dariiber bestiinde, dafi das Anpacken der verwund= 
barsten Stelle der feindlichen Kriegfiihrung, der Seewege, durch an Zahl und 
Kampfkraft gleichwertige Uberwasserstreitkrafte binnen kurzer Zeit die Lage fiir 
England kritisch gestaltet hatte. . . Wenn zeitlich anschliefiend an den Verlust der 
,Bismarck'ia die Tatigkeit der Flottenstreitkrafte im Handelskrieg infolge ihrer 
zahlenmafiigen Schwache und der Abwehrmafinahmen des Gegners zuriickging, so 
mufite als Ausgleich der U=Boot=Krieg als nunmehriges Hauptmittel der Seekrieg= 
fiihrung immer mehr in den Vordergrund treten. 

Die Verlegung des materiellen und personellen Schwerpunktes der Marine= 
riistung auf die Bereitstellung von U=Booten bringt dabei zwangslaufig mit sich, 
da6 das Obergewicht der feindlichen Uberwasserstreitkrafte steigt. Die bisher er= 
zielten Ergebnisse des Handelskrieges beweisen andererseits, dafi das Verfahren 
der Vernichtung der Handelsschiffe richtig war. Wie bereits ausgefiihrt, darf sich 
das U=Boot nur in bestimmten Sonderfallen die feindlichen Seestreitkrafte zum 
Ziel nehmen; sein immer wieder zu suchendes Hauptziel ist, mit den iibrigen See= 
kriegsmitteln zusammen, soweit die Lage deren Einsatz zulafit, die Schwache des 
Feindes zu treffen." 



7 Beschiefiung Kopenhagens und erzwungene Auslieferung der danischen Flotte 
an Grolibritannien 1807. 

8 Angriff britischer Tragerflugzeuge auf die italienische Flotte in Tarent am 11./ 
12. 11. 1940, bei dem drei italienische Schlachtschiffe fiir mehrere Monate aufier 
Gefecht gesetzt wurden, 

9 Oberfall der britischen Gibraltarflotte auf Telle der abgeriisteten franzosischen 
Mittelmeerflotte im Hafen von Mers el Kebir bei Oran am 3. 7. 1940. 

1 Angriff britischer Seestreitkrafte gegen den Hafen von Dakar und das dort 

liegende franzosische Schlachtschiff „Richelieu" am 23.-25. 9. 1940. 
la Am 27. 5. 1941. 

147 



A. Einfiihrung 

Ziir gegenwartigen U=Boots=Lage wurden f olgende Zahlenangaben gemacht : 
„Am 30. 9. 1942 sind vorhanden: 199 Frontboote, 112 Erprobung und Aus= 
bildung, ^6 Schulen = 367 U=Boote. Bisherige Verluste seit Kriegsbeginn bis 
1.9.1942: 105 Boote, d. h. monatlicher Durchschnitt an verlorenen Booten: 
2,9. Monatliche Verhaltniszahl der Verluste zur Zahl der eingesetzten Boote: 
4,9 «/o . . . 

Die augenblicklichen Operationsgebiete sind: 



Operationsgebiete: 


Eingesetzt auf Operation 


Nordmeer 


rund 10 


Nordatlantik 


„ 30 


Amerika=Kiiste 


5 


Westindien/Karibisches Meer 


5 


Mittelatlantik/Westafrika 


// 10 


Siidatlantik/Siidafrika 


5 


Mittelmeer 


5 



Insgesamt z. Z. laufend in den Operationsgebieten 70 Boote, zusatzlich auf 
An= und Riickmarsch ca. 45 Boote.'' 

Zur „Fiihrung des U=Boot=Krieges'' wird festgestellt, dafi „dieser gegen= 
wartig fast ausschliefilich als ,Tonnagekrieg' gefiihrt (werde) nach dem Grund= 
satz ,Versenken, einerlei wo und ob beladen oder unbeladen^\ 

Mit dieser Art der Kriegfiihrung sind seit Kriegsbeginn, besonders aber 
im Jahre 1942, grofie Erfolge errungen worden. Die von den Dreierpaktmach= 
ten gemeinsam 1942 erzielten Versenkungen iiberstiegen die gegnerischen Ge= 
samtneubauten monatlich im Durchschnitt um 400 000 BRT (Tonnage= 
schwund). . . 

An den deutschen Erfolgen in diesem Zeitabschnitt haben die einzelnen 
Kampfmittel folgenden Anteil: 

U=Boote yS ^/o, Luftwaffe 14 ^/o, Uberwasserstreitkrafte 5 ^/o, Minen 3 ^/o. 
Das U=Boot ist demnach 1942 in steigendem Mafie der Haupttrager des Han= 
delskrieges gewesen. Dies wird aller Voraussicht nach auch in Zukunft so 
sein. . . 

Eine Gegeniiberstellung der Neubauziffern und Versenkungen fiir den Mo= 
nat September 1942 zeigt, dafi der Feind im Begriff ist, mit den Neubauziffern 
die Versenkungsziffern zu erreichen bzw. zum mindesten den bisherigen Ton= 
nageschwund herabzumindern.'' Insgesamt 872 127 BRT versenkten Schiffs= 
raums stunden Neubauten von 850 000 BRT gegeniiber. 

„Diese Entwidclung zeigt, dafi tatsachlich eine gewisse Grundlage fiir die Hoff= 
nung unserer Gegner auf Besserung der Schiffsraumlage gegeben ist, wenn das 

2 Im Original unterstrichen. 
148 



VIII. Der Seekrieg 

Bautempo gesteigert oder — bei geringeren Versenkungen — auf dieser Hohe 
gehalten werden kann. 

Fiir uns kommt es also darauf an, den feindlichen Plan, durch seine Mafinahmen 
der U=Bootsbekampfung und des Schiff sneubaues die Bewegungs= und Versenkungs« 
freiheit wiederzugewinnen, zunichte zu machen. Dieses Ziel kann dadurch erreicht 
werden, dafi die Gesamtversenkungen so hoch wie irgend moglidh gehalten werden, 
damit der Handelskrieg seine bisherige ausschlaggebende Bedeutung erhalt. 

Der hohe Anteil der U=Boote an seinen Erfolgen mu6 dazu fiihren, da6 alle 
Mafinahmen, die der Forderung des U=Boot=Krieges dienen, mit hochstem Nach= 
druck weiterbetrieben werden und den unbedingten Vorrang bekommen vor Ma6« 
nahmen von weniger entscheidender Bedeutung. . ." 

Die Zusammenfassung lautet: „Die Offensive gegen die angelsachsischen Gegner 
ist z. Z. nur durch den Seekrieg moglich. Das scharfste Schwert der Seekriegs= 
fiihrung Deutschlands ist das U=Boot. 

Alle MaCnahmen, die dieses Schwert scharf erhalten, sind vordringlich; ihre 
Vernachlassigung beeintrachtigt die Wirkung unseres besten Kriegsmaterials. 

Noch kein geschichtlicher Krieg ist durch Einsatz eines Kriegsmittels gewonnen 
worden. Es ist vielmehr notwendig, alle Kriegsmittel gegen die verwundbare Stelle 
des Feindes zur Wirkung zu bringen. 

Der Einsatz der Uberwasserstreitkrafte, soweit ihn die Lage zulafit, und der 
Einsatz der Luftwaffe fiir die Zwecke des Seekrieges mufi den Kampf des U=Bootes 
erganzen und unterstiitzen. 

Der Gegner kennt seine Schwache, die darin liegt, dafi er zwar genug erzeugen, 
aber nicht genug transportieren kann, und miiht sich mit alien Kraften, sie zu 
liberwinden. 

Der Kriegsmarine war und ist es in diesem Krieg nicht vergonnt, den Feind 
mit der ganzen Kraft der Seemacht an seinen Seeverbindungen zu treffen, ihn 
durch ihre Unterbindung niederzuschlagen und den Krieg dadurch schnell zu be= 
enden. Es besteht aber die Aussicht, daf? die seeabhangigen Angelsachsen, wenn 
alle Mittel des Kampfes, der Technik, der Uberraschung und der List angewandt 
werden, aus ihrer beengten Lage nicht wieder hochkommen und durch fortgesetzte 
zermiirbende Schlage niedergekampft werden." 

Die Ski. verkniipfte diese Lagebetrachtung zum U=Boot=Krieg mit ihrer 
strategischen Gesamtbeurteilung, indem sie feststellte^: 

„Die Achillesferse unserer Feinde ist das Seetransportproblem : Sie haben 
bzw. erzeugen genug, konnen aber fiir Kriegfiihrung, Wirtschaft und Er= 
nahrung nicht genug transportieren. Gegen diese Schwache mufi der Zufuhr= 
krieg mit alien Mittein weitergetrieben werden. Keine Mal?nahme oder Mog= 
lichkeit darf ungenutzt bleiben oder geschwacht werden, die seiner Fort= 
fuhrung dienlich ist. 

Der Vorstofi gegen den Nahen Osten mit dem Ziel, die Verbindung mit 
unserem japanischen Bundesgenossen herzustellen, sprengt endlich die geg= 
nerische Einkreisung endgiiltig, zerstort das feindliche strategische Gebaude 
und vernichtet die angelsachsische Hoffnung, den Krieg zu gewinnen." 

Als Folgerungen hieraus entwickelte die Ski.: 

3 Lagebeurteilung der Ski. vom zo. lo. 1942 (Fotokopie aus dem Bundesardiiv/ 
Militararchiv Koblenz). 

149 



A. Einf iihrung 

„a) Starkung des U=Boot=Krieges als Haupttrager des Zufuhrkrieges mit alien 
verfiigbaren Kraften und Mitteln, damit der Feind keine Luft bekommt und die 
schon jetzt bestehenden Tonnageschwierigkeiten erhalten und noch verscharft wer= 
den. Der Einsatz und der steigende Erfolg der Anstrengungen des Gegners er= 
fordert Anstrengungen unsererseits. Nur dann besteht die Aussicht, den Wettlauf 
Versenkungen = Neubau zu gewinnen. 

Wenn audi bei gewissenhafter Priifung aller Unterlagen damit gerechnet werden 
muJS, dafi die Angelsachsen eine jahrliche Neubauziffer von lo oder mehr Mill. 
BRT erreichen, so steht auf unserer Seite dem gegeniiber: Die jetzigen Versenkungs= 
ziffern bringen dem Feind auch bei solchen Schiffbauleistungen noch keine Ent= 
lastung. 

Es ist fraglich, ob er eine so hohe industrielle Fertigung auf die Dauer aufrecht 
erhalten kann. 

Die Bemannung der Sdhiffe wird ohne Zweifel besonders bei Spezialpersonal 
(Kapitane, Ingenieure) auf die Dauer Schwierigkeiten madKen . . . 

b) Weiterfiihren des Handelskrieges mit Uberwasserstreitkraften, soweit es die 
Lage zulafit. 

c) Einsatz freiwerdender Luftstreitkrafte gegen die feindlichen Seeverbindungen 
und Hafen anstelle von Zielen, in denen die Schwache des Gegners nicht getroffen 
wird. 

d) Offensives Anpacken der Zufuhr nach Nordrufiland mit alien verfugbaren 
Seestreitkraften. 

e) Vorbereiten der Offensive in den agyptischen Raum zum Gewinn der see= 
strategisch entscheidenden, weil ftir die angelsachsische Maditstellung im Mittleren 
Osten todlich wirkenden Besetzung von Suez. 

f) Abstimmen aller Kriegsmafinahmen der Dreierpaktmachte auf das gemeinsame 
strategische Ziel; Durchfiihren aller moglichen Hilfsmafinahmen fiir die japanische 
Kriegf iihrung, Herbeifiihren des Ansatzes der japanischen Seemacht im Indischen 
Ozean. Die gegenseitige Unterrichtung iiber die Absichten und die Gleichschaltung 
in der Ausfiihrung, d. h. also die Koalitionskriegfiihrung wird uns einen umso gr6= 
fieren Vorteil bringen, je grofier die Interessengegensatze auf der Seite unserer 
Gegner sind." 



Mit der alliierten Landung in Franzosisch=Nordafrika am 8. ii. 1942 ergab 
sich auch fiir den U=Boot=Krieg eine einerseits z. T. zunachst giinstige, anderer= 
seits — vor allem auf die Dauer — erheblich nachteilige Verschiebung. Giinstig 
war, da6 die alliierten Sicherungen der nach England laufenden Geleitziige vor= 
iibergehend erheblich geschwacht wurden, so dafi sich fiir den U=Boot=Krieg 
auf den Amerika=England=Routen grolie Erfolgschancen eroffneten. Sie konn= 
ten jedoch nur z. T. genutzt werden, da die Ski. wesentliche Telle der im At= 
lantik eingesetzten U=Boote in den Raum um Gibraltar verlegte mit dem Ziel, 
sie gegen die aUiierte Invasionsflotte vor der algerischen und marokkanischen 
Kiiste einzusetzen. Die geringen hier erzielten Erfolge standen jedoch in kei= 
nem Verhaltnis zu den erlittenen Verlusten, so dafi der B. d. U. schon bald auf 
eine Riickverlegung der Boote in den Atlantik drangte. Erst am 23. 12. 1942 ge= 
nehmigte jedoch die Ski. die Aufhebung der Bindung der U=Boote an den Gi= 
braltar=Raum. 

Die Verwirrung, die die aUiierte Landung in Franzosisch=Nordafrika bei der 

150 



VIII. Der Seekrieg 

Ski. ausloste, kam in ihrer Lagebetrachtung vom 8. ii. abends deutlich zum 
Ausdruck : 

„Dem Gegner ist eine im grofiten Mafistab vorbereitete und durdigefuhrte Lan= 
dungsaktion gelungen. Obwohl die Absidit der Landung und der Anmarsdiweg des 
Gegners mehr als 48 Stunden lang einwandfrei feststand, war es den eigenen Kraf= 
ten nicht moglich, gegen die in verhaltnismafiig engem Seegebiet sidti bewegenden 
aufierordentlidi zahlreichen feindlichen Einheiten Erfolge zu erzielen oder gar die 
Landung selbst von See her und aus der Luft zu storen. Audi der Anmarsdi der 
starken und zahlreichen Konvois auf die Gibraltarenge zu im Atlantik blieb uns 
verborgen. . . 

DaJS eine Landungsoperation an den Mittelmeerkiisten und an der westnord= 
afrikanischen Kiiste im Bereich der feindlichen Planung lag, ist seit Monaten auf 
zahlreichen Nachrichtenkanalen zu unserer Kenntnis gelangt. Da aber gleichzeitig 
entsprechende Planungen in anderen Gebieten, Norwegen, Kanal, Frankreich, mit 
der gleichen Bestimmtheit gemeldet wurden, erreichte der Gegner wahrscheinlich 
bewufit, dali keiner dieser Nachrichtenkomplexe so bestimmt gewertet wurde, wie 
es fiir die Vorbereitung einer langfristigen Abwehr der feindlichen Operationen er= 
forderlich gewesen ware. In diesem Nachrichtenkampf haben wir eine Partie ver= 
loren . . . 

Dafi die Abwehr gegen die feindlichen Geleitzugverbande bei ihrem Vormarsch 
im Mittelmeer und eine wirksame Storung der Landungen mifigliickten, liegt, so= 
weit die Sachlage bisher zu iibersehen ist, in erster Linie daran, da6 auf unserer 
Seite mit einer Landung an den franzosischen Afrikakiisten nicht gerechnet wurde. 
Der Schwerpunkt unserer Abwehrmafinahmen lag in dem mittleren Mittelmeer zum 
Schutze der tripolitanischen und italienischen Kiisten. Auch der grofiere Teil der 
U=Boote war zu weit ostlich angesetzt, um noch eingreifen zu konnen. Diese irr= 
tiimliche Beurteilung geht gleichfalls auf das Konto einer unzureichenden Unter= 
richtung hinsichtlich der politischen Seite der Probleme, insbesondere hinsichtlich des 
Spiels, das ohne Zweifel schon seit langem von den Angelsachsen mit den Fran= 
zosen gespielt wurde . . ." 

In seinem Vortrag vor Hitler am 19. 11. fiihrte der Ob. d. M. iiber den U= 
Boot=Krieg, dessen vielseitige Aufgaben zu diesem Zeitpunkt damit gut zu= 
tage traten, aus*: 

„Im Nordmeer soil (die) Zahl von 23 U=Booten erhalten bleiben; im Mittel= 
meer befindliche Zahl von 24 Booten, von denen inzwischen 5 verloren gingen, 
wird ebenfalls erhalten; wegen der starken Abwehr und Luftiiberwachung sind 
z. Z. noch ^—6 Boote im Operationsgebiet westliches Mittelmeer. Es ist beab= 
sichtigt, diese Zahl beizubehalten und nach Moglichkeit einige Boote dariiber= 
hinaus in Bereitschaft zu legen. 

„Im Atlantik sind ^y Boote und 2 U=Tanker im Operationsgebiet, 33 auf An= 
und Riickmarsch, 3 Boote operieren noch am Kap (s. unten S. 154 f .), 4 im Golf 
von Guinea— Freetown, 7 bei Trinidad. Das Gros der Boote (25) steht westlich 



4 Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine B. Nr. 1 Ski. lb 2261/42 g.Kdos. Chefs, 
vom 21.11.1942, Vortrag des Ob.d.M. vor Hitler am 19.11.1942 (in: Lage= 
vortrage des Ob.d.M., a. a. C). 

151 



A. Einfiihrung 

Gibraltar zum Angriff auf den feindlichen Nachschub ins Mittelmeer. Eine 
Gruppe von 14 Booten, die sich hauptsachlich aus Booten erganzt, die aus der 
Heimat kommen, steht im Nordatlantik; der Kampf gegen die Nordatlantik= 
geleitziige ist z. Z. besonders erfolgreich wegen der schwachen feindlichen Si= 
cherung. Es ist vorgesehen, dali zunachst eine Gruppe von 12 Booten gegen den 
Nachschub zwischen Azoren und Iberische Halbinsel — Gibraltarstrafie einge= 
setzt bleibt, die dariiberhinaus verfiigbaren Boote im Nordatlantik und den 
bisherigen Jagdgebieten, um den Schwachezustand der feindlichen Sicherung 
zum Erzielen von Versenkungserfolgen auszunutzen." 

Hitler stimmte „der Auffassung betr. Besetzung des Mittelmeers und des 
Raumes westlich Gibraltar zu, teilte die Ansicht, dafi im Atlantik die guten 
Aussichten, die die Verringerung der Sicherung bietet, auszunutzen sind, und 
wiinschte vor allem Vorgehen gegen den von Siidafrika nach Agypten und 
dem Mittleren Osten gehenden Verkehr zur Entlastung unserer Afrikatruppen 
und des spateren Vorgehens nach dem Nahen Osten. Eine sofortige Verstar= 
kung der Norwegenboote (miisse) im Falle einer Landung in Norwegen . . . 
aufierdem moglich sein/' Grofiadmiral Raeder erklarte hierzu, „da6 dies durch 
Abdrehen der aus der Heimat auslaufenden Boote und durch Abziehen von 
Booten aus dem Nordatlantik jederzeit moglich sein werde''. 

Hitler wiinschte ferner den „Bau von Transport=U=Booten, da er nach (der) 
Ubernahme von Island durch die Amerikaner den Gedanken einer plotzlichen 
Besetzung von Island und Schaffung einer Luftbasis dort wieder aufgenom= 
men habe''. 

Gegeniiber diesen weitgespannten Zielen und Erwagungen Hitlers beurteilte 
der B. d. U., Admiral Donitz, die Situation am 30. 11. 1942 wesentlich nuch= 
terner^: 

„Die U=Bootserfolge im November werden eine ganz besondere Hohe erreichen . . . 
Es kommt darauf an, dieses Ergebnis richtig zu sehen . . . (Die Versenkungszahlen) 
miissen wie folgt beurteilt werden: 

a) Gut ^U der Versenkungen sind im freien Atlantik erzielt, dabei im Nord= 
atlantik weit iiberwiegend zu Beginn des Monats vor Beginn der Afrika=Opera= 
tionen. Spater haben die Erfolge dort nach Abzug der Boote nach Gibraltar im 
wesentlichen aufgehort. Wie bereits gemeldet, sind die Anfangserfolge im Atlantik 
nach Ansicht des B. d. U. stark mitbedingt durch geringe Abwehr im Zusammen= 
hang mit den afrikanischen Landungen . . . 

b) Die Erfolge im Einsatz gegen feindliche Zufuhren nach Afrika westlich Gibral= 
tar— Marokko und im Mittelmeer machen nur Vs des Gesamtergebnisses aus. Sie 
sind nur unter den verhaltnismafiig besonders giinstigen Umstanden des Anlaufens 
der feindlichen Landungen erzielt worden und mufiten mit schweren Verlusten, nam= 
lich 1 Boot auf etwa 20000 BRT ohne Beriicksichtigung eines noch weit hoheren 
Anteils schwer beschadigter Boote, bezahlt werden . . . 

c) Das Ergebnis im Nordmeer ist zahlenmafiig belanglos. 

Die Aussichten fiir den Dezember sind ungiinstig. Er wird gegeniiber dem Re= 

5 Auszug aus dem KTB des B.d.U. vom 30. 11. 1942, dem Verf. von Grofiadmiral 
a. D. Donitz — wofiir Dank ausgesprochen sei — zur Verfiigung gestellt. 

152 



VIII. Der Seekrieg 

kordmonat November voraussichtlich das geringste Ergebnis der letzten Monate 
bringen, denn 

a) die giinstigen Verhaltnisse im Atlantik konnen wegen des Abzugs von Booten 
ins Mittelmeer und zur wenig aussichtsreichen Bekampfung der Zufuhren nach 
Gibraltar— Marokko nicht ausgenutzt werden. 

b) Im Kapstadtgebiet bleiben nur 2 Boote, die sich vermutlich im Laufe des Mo= 
nats verschiefien werden. 

c) Die Abwehrverhaltnisse vor Gibraltar haben trotz zahestem Einsatz dazu ge= 
zwungen, die Zufuhren dorthin in abgesetzteren Raumen zu bekampfen, da vor 
Gibraltar nur noch Verluste ohne entsprechende Erfolgsmoglichkeiten zu erwarten 
sind . . . 

d) Im Mittelmeer sind nach Aufhoren des ersten grofien Zufuhrstromes erheblich 
weniger Ziele zu erwarten; die Zahl der eingesetzten Boote wird die im November 
hochstens bis zur Halfte erreichen, die Abwehr wird gleich bleiben. 

Zusammenfassend ist festzustellen: 

a) An den Erfolgen des November hat der Einsatz gegen die afrikanischen Zu= 
fuhren keinen wesentlichen Anteil. Die Aussichten dieses Einsatzes sind gering . . . 

b) Nach dem Rekordmonat November mu6 der Dezember ein erhebliches Ab= 
sinken bringen". 

U=Bootsfiihrung und U=Boote sind bereit und erzogen, unter hartesten Bedin= 
gungen zu kampfen. Der B. d. U. ist aber der Ansicht, daS die Fiihrung sich dabei 
ein klares Bild machen mufi, wie bei diesem Kampf das Verhaltnis zwischen Erfolg 
und Verlust tatsachlich steht ..." 

Die Entscheidung in der 5., der entscheidenden Phase der „Schlacht im At= 
lantik'' und damit iiber Erfolg oder Mifierfolg des deutschen Tonnagekrieges 
iiberhaupt war noch nicht gefallen, stand aber bevor, als das Jahr 1942 zu 
Ende ging. Insgesamt hatten die deutschen U=Boote in diesem Jahr etwa 1160 
Schiffe mit rd. 6,25 Mill. BRT versenkt. Die Verlustquote der in See stehenden 
U=Boote war von monatlich 11,4^/0 im Jahre 1941 auf 3,9^0 im ersten Halb= 
jahr 1942 abgesunken, dann wieder auf 8,9^/0 gestiegen. Ausschlaggebend 
fiir Erfolg oder Mifierfolg des U=Bootkrieges war die Spanne zwischen Ver= 
senkungen und alliierten Neubauten. „Bis zum April 1942 wurde die Differenz 
immer grojSer, veringerte sich jedoch dann trotz aufierordentlicher Erfolge der 
deutschen U=Boote im Jahre 1942 bis Jahresende. Der ungeheure Ausstofi der 
amerikanischen Schiffswerften brachte es mit sich, dali von da ab die Neu= 
bauten die Versenkungen zu iibersteigen begannen^/' 

Neben der zentralen Bedeutung der „Schlacht im Atlantik" traten die 
iibrigen Ereignisse des U=Bootkrieges 1942 zuriick. Lediglich die Operation an 
der brasilianischen Kiiste und der Vorstoli einer U=Boot=Gruppe in den Raum 
von Kapstadt verdienen in diesem Uberblick aus dem Blickwinkel der deutschen 
Obersten Fiihrung Beriicksichtigung. 

Dem Kriegseintritt der USA hatten sidi die meisten mittelamerikanischen 

6 Tatsachlich erreidit wurde die Versenkung von 316 000 BRT, also rund die Halfte 
des Norvegenergebnisses. 

7 Gerhard Hiimmeldien, Handelsstorer. Handelskrieg deutscher Uberwasserstreit= 
krafte im Zweiten Weltkrieg, Miindien (Mercator Verlag) i960, S. 466. 

153 



A. Einfiihrung 

Staaten angeschlossen (zuletzt Mexiko am 30. 5. 1942). Dagegen hatten Ar= 
gentinien und Chile ihre Neutralitat bewahrt und Brasilien sowie die iibrigen 
sUdamerikanischen Staaten sich mit dem Abbruch der diplomatischen Bezie= 
hungen zu den Dreierpaktstaaten (Brasilien am 22. 1. 1942) begniigt. Dennoch 
stellte Brasilien im Laufe des Friihjahrs 1942 nicht nur Basen fiir die ameri= 
kanischen See= und Luftstreitkrafte auf seinem Territorium zur VerfUgung, 
sondern bewaffnete auch seine Handelsschiffe. Als daher am 28. 5. bekannt 
wurde, „brasilianische Flugzeuge hatten deutsche U=Boote mit Bomben an= 
gegriffen, beantragte die Ski. am folgenden Tage beim OKW die Freigabe des 
vollen Waffeneinsatzes gegen alle brasilianischen Schiffe. Gleichzeitig beauf= 
tragte sie den B. d. U., fiir den Fall einer brasilianischen Kriegserklarung eine 
Studie liber einen iiberraschenden U=Bootangriff gegen die brasilianische Kiiste 
auszuarbeiten. Hitler wollte jedoch nicht auf diesen Fall warten und dann aus 
der Nachhand operieren miissen, sondern seinerseits dem Kriegszustand mit 
einem massiven U=Bootangriff eroffnen. Daraufhin arbeitete der B. d. U. einen 
Plan aus, der zum Ziel hatte, mit einer Gruppe von 10 U=Booten und 1 U= 
Tanker zwischen den 3. und 8. 8. 1942 schlagartig in die Hafen von Santos, 
Rio de Janeiro, Bahia und Recife einzudringen, die dort liegenden Schiffe zu 
vernichten und nach der Verminung der Hafen vor der Kiiste Handelskrieg zu 
fiihren, um in diesem stark befahrenen, bisher unberiihrten und daher ab= 
wehrschwachen Gebiet einen moglichst grofien Tonnageerfolg zu erzielen, 
der allein ihm eine solche Operation zu rechtfertigen schien. Der Plan wurde 
von Hitler am 17. 6. genehmigt, doch erhob das Auswartige Amt wegen der 
befiirchteten Reaktion der iibrigen, noch neutralen Staaten Siidamerikas da= 
gegen Einspruch, und Hitler zog seine Genehmigung am 29. 6. zuriick. Die 
bereits ausgelaufenen U=Boote wurden zur Karibik umgeleitet. 

„Als nun aber im Laufe des Juli wiederholt U=Boote Angriffe brasiUanischer 
Flugzeuge meldeten und weitere Nachrichten iiber die Bewaffnung brasilia= 
nischer Schiffe eingingen, erhielt U ^oy als ,Repressalie' am 7. 8. ,freies Ma= 
nover' an der brasilianischen Kiiste, wo es am 15.— 19. 8. sechs Schiffe ver= 
senkte®/' Dies war fiir Brasilien der AnlaJS, am 23. 8. mit einer Kriegserkla= 
rung an Deutschland zu antworten. Das Ereignis fiel weniger militarisch ins 
Gewicht — erst 1944 gelangten brasilianische Verbande in Italien an die 
Front — , als dafi die Begleitumstande dem ohnehin erschiitterten deutschen 
AnseheninSiidamerikaSchaden zufiigten und dem immer schwacherwerdenden 
Bestreben der iibrigen siidamerikanischen Staaten, sich aus dem Krieg heraus= 
zuhalten, entgegenwirkten. 

Auf einen seit August 1942 erwogenen Einsatz von U=Booten auf der fiir 
die Versorgung der britischen 8. Armee in Agypten lebenswichtigen Kap=Route 
legte besonders die Ski. aus ihrer strategischen Grundkonzeption grofien 
Wert, wahrend der auf den Tonnagekrieg im Atlantik konzentrierte B. d. U. 

8 Rohwer, a. a. O., S. 351/52. 

154 



VIII. Der Seekrieg 

diese erneute Zersplitterung seiner Krafte ablehnte. Die Oberste Wehrmacht= 
fiihrung und die Ski. sahen jedoch mit wachsender Besorgnis, dali seit dem 
Abzug der im Juni in der Mozambique=Stra6e operierenden 4 japanischen U= 
Kreuzer (bis 10. 7. Versenkung von 104 000 BRT) der alliierte Nachschub nach 
Agypten ohne jede Storung verlief®. So wurde schliefilich entschieden, eine 
Gruppe von 4 deutschen U=Booten, dann noch einmal 3 Booten in das See= 
gebiet um Kapstadt zu entsenden. Sie versenkten dort im Oktober 161 000 BRT 
und im November 1942 118000 BRT alliierten Schiffsraums. Auf einen Ein= 
satz deutscher U=Boote im Indischen Ozean wurde fiir 1942 verzichtet. 

2. Der Einsatz deutscher Cberwasserstreitkrafte 

Im Gegensatz zu den grofien Erfolgen, die der U=Bootkrieg brachte, war der 
Einsatz der deutschen Uberwasserstreitkrafte 1942 durch Riickziige und Ruck= 
schlage gekennzeichnet, die in entscheidendem Mafie durch das alliierte Uber= 
gewicht begriindet waren, z. T. allerdings auch aus Fiihrungsentschliissen Hitlers 
und der Ski. herriihrten. Das Jahr begann mit der Auseinandersetzung um die 
Verlegung der Schlachtschiffe „Scharnhorst'' und „Gneisenau'' sowie des 
Schweren Kreuzers „Prinz Eugen'', der „Brest=Kampfgruppe'', aus dem west= 
franzosischen Hafen in den norwegischen Raum, den Hitler als durch eine 
britische Invasion gefahrdet ansah (s. oben S. 123 f.). Grofiadmiral Raeder wider= 
setzte sich diesem Plan zunachst, so dafi Hitler drohte, „die Schiffe in Brest 
aufier Dienst stellen und die Geschiitze von Bord nehmen^"' zu lassen, wenn 
der Ob. d. M. auf seinem Standpunkt beharre. 

Am 12.1.1942 erklarte daraufhin Raeder gegeniiber Hitler ^r 

„Die Frage des Kanalmarsches der Brest=Gruppe ist von alien beteiligten Stellen 
unter dem starken Eindrudc der Auffassung des Fiihrers gepriift (worden), da6 die 
deutsche Flotte unter alien Umstanden die Aufgabe der Verteidigung der norwe= 
gischen Kiiste und Hafen zu erfiillen hat und dafiir voll einzusetzen ist . . . Da Sie, 
mein Fiihrer, midi haben wissen lassen, dali Sie an der Riickfiihrung der sdiweren 
Sdiiffe in die Heimat festhalten, so schlage idi vor, da6 Vizeadmiral Ciliax Einzel= 
heiten der Vorbereitungen und der Durdifiihrung, ansdiliefiend Kommodore Ruge 
die Notwendigkeiten der Sidierung, des Minensudiens usw. vorgetragen, damit 
danadi Sie, mein Fiihrer, die endgiiltige Entsdieidung treffen konnen." 

9 Am 17.11.1942 stellte der Ob.d.M. in seinem Vortrag vor Hitler fest: „Japan 
hat im Indisdien Ozean zur Zeit nur 5 U=Boote und 4 Hilfskreuzer; da es seine 
Krafte fiir den Kampf bei den Salomonen zu benotigen glaubt, hat es sidi am 
7. 11. 1942 auf die Vertragsgrenze 70 Grad Ost zuriid<gezogen und tragt daher 
bedauerlicherweise trotz klarer Einsicht beziiglich der Lage zur Zeit kaum zur 
Schwachung des Gegners und seiner Transporte im westlichen Indischen Ozean 
bei." 

1 Erich Raeder, Mein Leben, Bd. II: Von 1935 bis Spandau 1955, Tiibingen (Verlag 
Fritz Schlichtenmayer) 1957, S. 274. 

2 Oberkommando der Kriegsmarine — Seekriegsleitung, 1. Ski. lb 145/42 g.Kdos. 
Chefs „Niederschrift iiber den Vortrag des Ob.d.M. beim Fiihrer am 12. 1. 1942" 
(in: Lagevortrage des Ob.d.M., a. a. O.). 

-^-55 



A. Einfiihrung 

Hitler stellte dazu fest: „Das Geschwader hat in Brest in erster Linie (die) 
willkommene Wirkung der Bindung von feindlichen Luftstreitkraften, die so= 
mit von Angriffen auf das deutsche Heimatgebiet abgehalten werden. Diese 
Wirkung besteht nur so lange, wie der Gegner glaubt, angreifen zu miissen, 
weil die Schiffe unbeschadigt sind. Eine Bindung von Seestreitkraften von 
Brest aus ist nicht starker vorhanden, als wenn die Schiffe in Norwegen liegen. 
Falls (er) die Moglichkeit sahe, dafi die Schiffe 4 bis 5 Monate unbeschadigt 
bleiben und dann auf Grund einer neuen Feindlage zu Atlantikoperationen 
kommen konnten, wiirde er den Verbleib in Brest in Betracht Ziehen. Da dies 
nach (seiner) Auffassung jedoch nicht in Rechnung zu stellen ist, will er die 
Schiffe unter alien Umstanden von Brest wegholen, um sie nicht taglich Zu= 
fallstreffern auszusetzen." Damit war die Grundentscheidung gef alien. 

Hinsichtlich des notwendigen Durchbruchs der Brest=Gruppe durch den Ka= 
nal, zu dem sich Hitler entschlossen hatte, fafite er die ihm vorgetragenen 
Argumente wie folgt zusammen: „Auslaufen bei Tage geht nicht wegen Not= 
wendigkeit Uberraschung. Hieraus ergibt sich zwangslaufig Passieren der 
Dover=Enge bei Tage. (Er) traut Englander das Fassen und Durchfiihren blitz= 
artiger Entschlusse nach seinen bisherigen Erfahrungen nicht zu. Er glaubt 
deshalb, dali die Verlegung von Luftkampf= und Jagdkraften in den Sudost= 
raum Englands zum Angriff auf die Schiffe in der Dover=Enge nicht so schlag= 
artig erfolgen wird, wie dieses von Ski. und B.d.S. angenommen wird. (Er) 
argumentiert in Darstellung gleicher Lage mit umgekehrten Vorzeichen, d. h. 
iiberraschender Meldung von Auftreten englischer Schlachtschiffe bei der 
Themsemiindung mit Kurs auf die Dover=Enge. Dieser Auffassung nach wiir= 
den auch wir kaum in der Lage sein, schnell und planmaliig Luft=, Kampf= 
und Jagdkrafte heranzuziehen. 

„Er vergleicht die Lage der Brest=Gruppe mit der eines Krebskranken, wel= 
cher ohne Operation bestimmt kaputt geht, wahrend eine Operation, die zwar 
eine ,Ro6=Kur' ist, gewisse Aussichten auf Rettung des Patienten hat. Daher 
mu6 die Operation des Kanalmarsches durchgefiihrt werden.'' 

Der gelungene Durchbruch der Kampfgruppe durch den Kanal am 11./ 
12. 2. 1942 (Unternehmen „Cerberus'') stellte dann zwar einen „taktischen 
Erfolg" dar, doch war der Abzug der Gruppe aus Brest, d. h. „aus einer be= 
herrschenden Stellung in der Flanke'' der Amerika=England=Geleitzugsstrecke, 
eine „strategische Niederlage^''. Er „bedeutete praktisch den endgiiltigen Ver= 
zicht auf den Einsatz schwerer Einheiten auf den Ozeanen in einer Zeit aufier= 
ster Anspannung der britischen Kriegsflotte'*''. 



S. W. Roskill, Royal Navy. Britische Seekriegsgesdiichte 1939—1945. Oldenburg/ 
Hamburg (Gerhard Stalling Verlag) 1961, S. 184; Einzelheiten zum Unternehmen 
„Cerberus" bei: Gerhard Bidlingmaier, Unternehmen „Cerberus" — Der Kanal= 
durchbrudi, in: Marine=Rundschau 1/1962. 
Hiimmelchen, a. a. O., S. 424. 



156 



VIII. Der Seekrieg 

Die Konzentration der schweren deutschen Seestreitkrafte in Mittel= und 
Nordnorwegen (s. oben S. 124) diente neben der Abschreckung des Gegners 
vor etwaigen Landungsplanen vor allem der Storung der nach Murmansk und 
Archangelsk laufenden Geleite. Fiir den Einsatz der schweren deutschen See= 
streitkrafte hierauf gewann die erste vom 5—13. 3. 1942 unternommene, er= 
gebnislos verlaufene Operation des Schlachtschiffes „Tirpitz'' gegen das alh^ 
ierte Geleitzugspaar PQ 12 und QP 8 eine besondere Bedeutung. In seinem 
Vortrag vor Hitler am 12. 3. erklarte hierzu der Ob.d.M.^: 

„Nordmeer=Vorsto6 ,Tirpitz' ausgelost durch Flugzeugsiditmeldung iiber Geleit= 
zug bei Jan Mayen (15 Sdiiffe auf Marsdi nach Rufiland). In soldien Fallen nadi 
Ansicht Ski. Ansatz verfiigbarer Kampfgruppe unbedingt erforderlich in Erfullung 
Aufgabe Unterbindung Feindzufuhr nach Rufiland und Verhinderung feindlicher 
Landungsaktion. — Geleitzug von ,Tirpitz' nicht erfafit, offenbar vom Gegner bei 
Feststellung deutscher Luftaufklarung abgedreht. Mit Riicksicht auf Auslaufen ,Tir= 
pitz' schwere feindliche Kampfgruppe mit Trager in See. Trotz schneidiger Tor= 
pedoflugzeugangriffe kein gegnerischer Erfolg, was neben geschicktem Abwehr= 
manover in erster Linie grofiem Gliicksfall zu verdanken. 

Folgerung aus Unternehmung: Verlauf zeigt Schwache eigener Seekriegslage im 
Nordraum. Gegner reagiert auf jeden deutschen Vorsto6 mit Ansatz starker Kampf= 
gruppen und vor allem Einsatz Flugzeugtrager, die als gefahrlichste Gegner eigener 
schwerer Schiffe angesehen werden miissen. Bezeichnend fiir eigene aufierst schwache 
Abwehrposition ist, dafi Gegner in unmittelbares Kiistenvorfeld Nordraum vor= 
zusto6en wagt, ohne von deutscher Luftwaffe vernichtend zerschlagen zu werden. 
Eigene Sicherungsstreitkrafte (Zerstorer, T=Boote) zahlenmafiig zu gering, dafi 
Schiffe bei Luftangriffen und Feindberiihrungen stets in aufierste Bedrangnis kom= 
men miissen. 

Folgerung: 

a) Unbedingte Voraussetzung erfolgreicher eigener Vorstofie im Nordmeer ist in 
Ermangelung Flugzeugtrager Unterstiitzung durch starke eigene Luftstreitkrafte 
aus dem Norwegenraum (Aufklarung, selbst auf Kosten der Atlantikluftstreitkraf te, 
Kampf einsatz, Torpedoflugzeuge). 

b) Jede Operation im Nordmeer bedeutet angesichts geschlossener feindlicher 
Reaktion vollen Einsatz unserer Seestreitkrafte, dies besonders solange feindliche 
Flugzeugtrager vorhanden. 

c) Daher vorerst Zuriickhaltung eigener Seestreitkrafte im Hinblick auf Erhal= 
tung Einsatzbereitschaft zur Abwehr feindlicher Landungsaktionen geboten. Ansatz 
nur bei einwandfreier Aufklarung, eindeutig gemeldeten Feindobjekten und aus= 
reichender Unterstiitzung durch Luftwaffe. 

d) Von Luftwaffe mujS kategorisch der laufende Ansatz gegen die feindlichen 
Flugzeugtrager gefordert werden. Ihre Vernichtung auf See und in den feindlichen 
Stiitzpunkten mu6 oberstes Ziel des Seekrieges der Luftwaffe im Nordraum sein. 
Die Ausschaltung der feindlichen 1 tugzeugtrager bedeutet grundlegende Verbesse= 
rung eigener Operationsmoglichkeiten. 

e) Der beschleunigte Weiterbau unseres Flugzeugtragers mulS gefordert werden. 
Dazu gehort auch die Bereitstellung ausreichender Tragerflugzeuge." 

5 Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine und Chef der Ski. B. Nr. 1. Ski. lb 
588/42 g.Kdos. Chefs vom 14. 3. 1942, Vortrag des Ob.d.M. vor Hitler am 12. 3. 
1942 (in: Lagevortrage des Ob.d.M., a. a. O.); Unterstrichenes Kursiv. 



A. Einfiihrung 

Hitler nahm dazu zunachst nur allgemein Stellung: „Die baldige Bildung einer 
deutschen Kampfgruppe ,Tirpitz/Scharnhorst', i Flugzeugtrager, 2 Schwere Kreuzer, 
12—14 Zerstorer mu6 mit alien Mitteln angestrebt werden. Sie stellt eine schwere 
Bedrohung des Gegners im Nordraum dar und ist zu grofien operativen Auswir= 
kungen und Erfolgen befahigt/' 



Die nachstf olgenden der alliierten Konvois im Nordmeer wurden ausschlie6= 
lich von leichten deutschen Seestreitkraften (Zerstorern, T=Booten und U=Boo= 
ten) sowie von den Verbanden der Luftflotte 5 angegriffen. Erst zur Bekamp= 
fung des am 27. 6. in See gehenden Konvois PQ 17 soUten die schweren 
deutschen Seestreitkrafte wieder eingesetzt werden (Unternehmen „Rossel= 
sprung''). Auf eine Nachricht vom Auslaufen der „Tirpitz'' aus Drontheim 
— sie sollte zunachst zu den Schweren Kreuzern „Admiral Hipper'' und „Ad= 
miral Scheer" in den Alta= Fjord stofien — lieiS die britische Admiralitat die 
Starke Deckungs= und Fernsicherungsgruppe abdrehen. Der grofite Teil der 
Schiffe des Konvois wurde daraufhin (4.— 10. 7.) eine Beute der deutschen 
U=Boote und der Fliegerverbande der Luftflotte 5 (Gesamtverluste 24 Schiffe 
mit 144 000 BRT). 

Hitler hatte den Einsatz der schweren Seestreitkrafte gegen PQ 17 nur 
unter Vorbehalten gebilligt. Am 15. 6. hatte er sich zu dem Vortrag des 
Ob.d.M. iiber die geplante Operation wie folgt geaufiert^: 

Er sehe eine „gro6e Gefahrdung der schweren Schiffe durch Flugzeugtrager. 
Ihr Standort muii vor dem Angriff festgestellt sein, und sie miissen vorher 
durch eigene Flugzeuge unschadlich gemacht sein (Ju 8S)/' Auf Antrag Rae= 
ders genehmigte er schliefilich: „Eigene Seestreitkrafte diirfen rechtzeitig auf 
die Absprungplatze im Norden (d. h. den Alta=Fjord) hinaufgezogen werden. 
Dort ist Befehl zum Angriff abzuwarten; Einverstandnis des Fiihrers ist dazu 
einzuholen." Da die britische Admiralitat den Konvoi seinem Schicksal uber= 
liefi, brauchte Hitler den ihm so bedenklich erscheinenden Einsatzbefehl gar 
nicht erst zu erteilen. Die „Tirpitz", die am 5. 7. fiir kurze Zeit den Alta=Fjord 
verliefi, kehrte noch am gleichen Tage ohne Feindberiihrung wieder dorthin 
zuriick. Fiir die nachsten drei Monate stellten die Alliierten ihren Geleitzug= 
verkehr in die nordrussischen Hafen ein. Am 26. 8. fiihrte Raeder daher unter 
Zustimmung Hitlers in der Lagebesprechung aus^, er habe „nunmehr (die) 
Auffassung gewonnen, dafi PQ 18 nicht gelaufen ist, so dafi angenommen 
werden kann, dajS vollige Vernichtung des PQ 17 durch U=Boote und Luft= 
streitkrafte (den) Gegner zu voriibergehender Aufgabe dieses Nachschub= 
weges oder grundlegender Anderung des Nachschubverfahrens veranlafit hat. 

6 Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Nr. 1. Ski. lb 1162/42 g.Kdos. Chefs, 
vom 17. 6. 1942, Vortrag des Ob.d.M. vor Hitler am 15. 6. 1942 (in: Lagevortrage 
des Ob.d.M., a. a. O.); Unterstrichenes Kursiv. 

7 Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine B. Nr. 1. Ski. lb 1663/42 g.Kdos. Chefs, 
vom 29. 8. 1942, Vortrag des Ob.d.M. vor Hitler am 26. 8. 1942 (in: Lagevortrage 
des Ob.d.M., a. a. O.). 



VIII. Der Seekrieg 

Nachschub nach nordrussischen Hafen bleibt nach wie vor entscheidend auch 
im Gesamtkrieg Angelsachsen, die russische Krafte erhalten miissen, um 
Deutschland weiterhin zu binden. Mit Weiterfuhren Nachschubs nach Nord= 
rufiland bleibt also zu rechnen. Ski. beabsichtigt deshalb, Einsatz U=Boote 
unverandert beizubehalten. Desgleichen ist vorgesehen, auch weiterhin Haupt= 
teil Kernflotte in Nord=Norwegen zu halten. Grund hierftir sind aufier mog= 
licher Bekampfung Geleitziige nach wie vor drohende Landungsabsichten un= 
serer Gegner, zu deren Abwehr Flotte nur in norwegischen Gewassern 
Aussicht auf Erfolg bietet. Aufierdem im Rahmen Gesamtkriegfiihrung Dreier= 
paktmachte gerade nach grolien Verlusten englisch=amerikanischer Seestreit= 
krafte im Mittelmeer und Pazifik Bindung englischer home=fleet durch deut= 
sche fleet in being besonders wichtig. Dieser Tatsache wird auch von den 
Japanern Bedeutung beigemessen."' 

Als am 2. 9. der Konvoi PQ 18 Loch Ewe zur Fahrt nach Archangelsk ver= 
lieli, konzentrierte die Ski. wieder eine schwere Kampfgruppe (mit „Admiral 
Scheer'', „Admiral Hipper'' imd dem inzwischen gleichfalls nach Norwegen 
verlegten leichten Kreuzer „Koln") im Alta=Fjord; doch untersagte Hitler jedes 
Risiko. So unterblieb ein Vorstofi. Lediglich U=Boote, Bomber und Torpedoflug= 
zeuge nahmen den Kampf auf und versenkten aus dem Geleitzug 10 Schiffe mit 
53 000 BRT. Die deutschen Luftwaffenverbande erlitten dabei schwere Verluste. 

Das fiir die schweren deutschen Seestreitkrafte an Enttauschungen so reiche 
Jahr endete mit dem mifigliickten Angriff auf den alliierten Geleitzug JW 51 B 
(Unternehmen „Regenbogen''), den die Kampfgruppe aus „Admiral Hipper'', 
„Liitzow" und 6 Zerstorern unter der Fiihrung von Vizeadmiral Kummetz am 
31.12. in der Nahe der Bareninsel unternahm. Die in alien Operationsbefehlen 
fiir die schweren Einheiten enthaltene Forderung, „grofie Erfolge anzustreben", 
aber „kein Risiko einzugehen", verhinderte hier wie in fast alien sonstigen 
Fallen die vollige Ausnutzung des Kampfwertes der Schiffe. Allerdings trugen 
zu diesem Milierfolg auch schwere taktische Fehler bei. Das mifilungene Unter= 
nehmen, auf das Hitler grofie Erwartungen gesetzt hatte, war fiir ihn Anlafi 
— obwohl er selbst durch seine Weisungen zu dem unbefriedigenden Ausgang 
beigetragen hatte — , die Aufierdienststellung der grolien Schiffe zu fordern, 
der „gleichen Schiffe, deren Anwesenheit in Norwegen er noch kurz vorher 
fiir unbedingt notwendig gehalten hatte ^". 

Die unberechtigten Vorwiirfe Hitlers gegeniiber der Kriegsmarine losten 
dann das Riicktrittsgesuch des Ob.d.M., Groliadmiral Raeder, vom 6. 1. 1943 
aus. Am 30. 1. 1943 wurde der B.d.U., Admiral Donitz, unter Beforderung 
zum Grofiadmiral zum neuen Ob.d.M. ernannt. 

Zum Handelskrieg auf den Ozeanen wurde im Jahre 1942 von den schweren 
deutschen Seestreitkraften nur „Admiral Scheer" zu einem Sonderunterneh= 

8 Hiimmeldien, a. a. O., S. 424. 

159 



A. Einfiihrung 

men in der Kara=See (16.— 30. 8.) eingesetzt, in dessen Verlauf es auch zur 
BeschieiSung von Port Dickson an der Jenissei=Mundung kam (Unternehmen 
„Wunderland"). Den Vorschlag des Ob.d.M. am 26. 8., „ Admiral Scheer'' ab 
November 1942 in den Siidatlantik zur Handelskriegfiihrung zu entsenden, 
da die „praktischen Erfolgsaussichten'" und die „politischen und psychologi= 
schen Wirkungen'', besonders in Siidamerika, sehr grofi seien und Schwierig= 
keiten lediglich „im Durchbruch aus den heimischen Gewassern in den At= 
lantik" lagen, lehnte Hitler ab, Er „fiihrte des langeren aus, warum er alle 
verwendungsbereiten grofieren SchifiFe auch bis auf weiteres im Nordraum 
operationsbereit haben mochte (abstofiende Wirkung gegen Landungsabsich= 
ten; im Winter wenig Luftaufklarung; liickenhafte Verteidigung der Kiiste 
durch Befestigung usw.)''. 

1942 war auch das letzte Jahr, in dem deutsche Hilfskreuzer, zunachst noch 
mit groliem Erfolg, auf alien Weltmeeren operierten. Im Januar war „Thor'' 
aus Bordeaux ausgelaufen, im Marz „Micher'; im Mai war „Stier'' in den 
Atlantik gegangen. Wahrend die beiden letzteren ausschliefilich im Sudatlan= 
tik tatig waren, wechselte „Thor'' von den Gewassern in der Antarktis in 
den Indischen Ozean hiniiber. Insgesamt wurden von ihnen im ersten Halb= 
jahr 1942 17 Handelsschiffe mit 108 000 BRT versenkt. Gefechte mit alliierten 
Seestreitkraften fanden nicht statt. 

In der zweiten Jahreshalfte kam der Kampf der deutschen Hilfskreuzer 
auf den Weltmeeren indessen praktisch zum Erliegen. Am 27. 9. wurde „Stier'' 
im Siidatlantik versenkt, am 30. 11. vernichtete ein Brand „Thor" im Hafen 
von Yokohama. Der neu auslaufende Hilfskreuzer „Komet" wurde beim 
Durchbruch aus dem Kanal am 14. 10. vor Kap de la Hague versenkt. Nur 
„Micher' befand sich auf See und lief am 10. 2. 1943 in Batavia und damit 
in den japanischen Machtbereich ein. 1942 waren insgesamt 29 Schiffe mit 
184 000 BRT von deutschen Hilf skreuzern versenkt worden. Sie hatten die 
Alliierten „in einer Zeit zu Suchaktionen (im Atlantischen und Indischen 
Ozean) gezwungen, in der die amerikanische Flotte im Pazifik und die bri= 
tische im Mittelmeer und in Ostasien stark in Anspruch genommen wurde. 
Die Unmoglichkeit jedoch, bei dem zu dieser Zeit bereits erreichten Entwick= 
limgsstand des feindlichen RADAR mit Handelsstorern noch unbemerkt durch 
die Danemarkstrafie in den Atlantik zu kommen, und die standig starker 
werdende Uberwachung besonders der hoUandischen, belgischen und franzo= 
sischen Westkiiste durch britische See= und Luftstreitkrafte nach dem Gelingen 
des Unternehmens ,Cerberus' zwangen zur Aufgabe dieser Art der Handels= 
kriegfuhrung. Die Zeit der Hilfskreuzer war endgiiltig vorbei®.'' 

In den osteuropaischen Gewassern waren leichte deutsche Seestreitkrafte 
1942 in der Ostsee, dem grofien Ubungsfeld der U=Boote, zusammen mit den 
finnischen Seestreitkraften zur Sicherung der Transportverbindungen und zur 

9 Hiimmelchen, a. a. O., S. 425. 

160 



VIII. Der Seekrieg 

Abschirmung des Ostzipfels des Finnischen Meerbusens gegeniiber der em= 
geschlossenen sowjetischen Ostseeflotte, ferner auf dem Ladoga=See (deutsche 
und italienische Schnellboote, Untemehmen „Klabautermann'', s. oben S. 81) 
sowie im Schwarzen Meer eingesetzt. Die Uberfiihrung leichter deutscher und 
italienischer Seestreitkrafte (S=, R=, ab Herbst 1942 auch deutscher U=Boote, 
ferner MFP) ins Schwarze Meer diente der Entlastung der schwachen ruma= 
nischen Kriegsmarine und sollte dazu beitragen, den Nachschub fur den Sud= 
fliigel der Ostfront auf dem Seeweg zu sichern. Nach dem Vordringen in den 
Westkaukasus und der Besetzung von Noworossijsk (das als Basis selbst nicht 
benutzt werden konnte, da die Front am Ostrand der Stadt verlief) konnte 
der Nachschubverkehr iiber das Asowsche Meer und die Strafie von Kertsch 
aufgenommen werden. Von den 3 im Herbst liberfiihrten deutschen U=Booten 
stand indessen erst eins im Dezember vor Tuapse, so dafi die geplante stan= 
dige Abschirmung und Beobachtung der in den Hafen an der Ostkiiste des 
Schwarzen Meeres liegenden, zahlenmafiig den deutschen und verbiindeten 
Seestreitkraften im Schwarzen Meer weit iiberlegenen sowjetischen Schwarz= 
meerflotte erst 1943 in voUem Ausmafi einsetzen konnte. 

Im Mittelmeer (lag trotz des sehr erfolgreichen Einsatzes der deutschen 
U=Boote) das Schwergewidit zur See innerhalb der „Achsenmachte" bei der 
italienischen Kriegsmarine, die beim Schutz der Geleite nach Nordafrika be= 
achtliche Leistungen voUbrachte, jedoch mit ihren schweren Einheiten unter 
erhebhchem Heizolmangel litt und daher zunehmend nur noch als „fleet in 
being'' wirkte. Bei der Besetzung der siidfranzosischen Hafen am 11./12. 11. 
1942 fiel knapp 700 000 BRT Handelsschiffsraum in deutsche Hand, von dem 
die Vichy=Regierung nach „Verhandlungen'' 645 000 BRT als „franzosischen 
Beitrag zur Reichsverteidigung'' zur Verfiigung stellte^ Dieser Gewinn ent= 
lastete wesentlich das Transportproblem im Mittelmeerraum fiir die „Achsen"= 
Machte. Die Schiffe wurden fiir den Nachschub nach Afrika sowie fiir die 
Aufrechterhaltung der See=Verbindung nach Kreta und den Inseln der Agais 
verwandt. 

Dafi mit der alliierten Landung in Franzosisch=Nordafrika ein entscheiden= 
der Einschnitt im Verlauf des Krieges eingetreten war, wurde von der Ski. 
klar erkannt. In der Lagebetrachtung vom 1. 12. 1942 bemiihte sie sich, die 
Folgerungen daraus zu Ziehen ^r 

„Durch die Initiative der Angelsachsen stehen die Dreierpaktmachte mehr 
noch als bisher auch zur erfolgreichen Verteidigung ihrer Lebensraume Pro= 
blemen des Seekrieges gegeniiber, weil dem Feind das Herantragen seiner 
militarischen Kraft nur auf dem Seeewege moglich ist. 

„Deutschland und Japan sind zwar vorlaufig in ihren Raumen zur Defensive 
gezwungen. In der Seekriegfiihrung aber konnen und miissen sie offensiv 

1 Heiber, a. a. O., S. 108. 

2 Lagebetrachtung der Ski. vom 1. 12. 1942 (Fotokopie aus dem Bundesardiiv= 
Militararchiv Koblenz). 

161 



A. Einfiihrung 

tatig sein. Im Seekrieg treten deshalb schon jetzt die Probleme des Koalitions= 
krieges in Erscheinung mit der Gefahr, dafi die einzelnen Koalitionspartner 
Ereignisse und Erfordernisse des Krieges ausschliefilich nach den Gegeben= 
heiten ihres eigenen Kriegsschauplatzes sehen und beurteilen. . . Der strate= 
gische Gleichklang ist (aber) eine Voraussetzung erfolgreicher Koalitions= 
kriege. Die Koalitionsstrategie des Seekrieges steht dabei fiir die Dreierpakt= 
machte in der augenblicklichen Lage im Vordergrund. . . 

„Die strategische Lage und die Brennstoffnot beschranken ... die (deutsche) 
Kernflotte auf die Defensivaufgabe der Verteidigung der norwegischen Kiiste, 
gelegentliche Unternehmungen gegen den angelsachsischen Nachschub nach 
Nordrufiland hauptsachlich mit leichten Seestreitkraften und das Ausiiben 
eines strategischen Drucks auf den Feind, der zur Bereithaltung kampfkraf= 
tiger Flottenteile in Nordengland und Island, zur dauernden Oberwachung 
des Island=Defilees und zur starken Sicherung der Rufilandgeleitziige ge= 
zwungen wird. Eine gewisse Entlastung wird durch unsere ,fleet in being' 
damit auch fiir Japan erreicht. . . Die Anspannung der Krafte der Dreierpakt= 
machte in ihren geweiteten Raumen ist so gestiegen, dafi auf absehbare Zeit 
offensive Operationen, die zur Zusammenarbeit der verbiindeten Land= und 
Luftmacht fiihren oder die Verbindung zwischen Europa und Ostasien herbei= 
fiihren konnten, nicht moglich erscheinen. Im Gegenteil: Europa sowie Japan 
kampfen um die Verteidigung ihrer Lebensraume unter Einsatz aller verfug= 
baren Reserven. Auch die Bekampfung weiterer angelsachsischer Versuche 
zum Gewinn neuer strategischer Ausgangsstellungen kann, solange Rutland 
und China nicht ausgeschaltet sind, nur defensiv erfolgen.'' Ubrig blieb allein: 
„Die Vernichtung des feindlichen Schiffsraums mit dem Ziel, den Gegner an 
der Entfaltung seiner militarischen und wirtschaftlichen Kraft zu hindern, ist 
und bleibt deshalb der entscheidende Beitrag der verbiindeten Kriegsmarinen 
zum Sieg." 

IX. Der Luftkrieg 

Da in den vorhandenen Teilen und Ersatzteilen des KTB WFStabes 1942 
nur sehr sporadische Notizen zur Luftkriegfiihrung enthalten sind und auch 
sonst keine Quellen aus dem Luftwaffenfiihrungsstab oder hoheren Luft= 
waffenstaben zur Verfiigung stehen, handelt es sich im folgenden um einen 
summarischen Uberblick^, der lediglich dazu dienen soil, diesen Teil der Krieg= 
fiihrung mit in den allgemeinen Oberblick iiber das Kriegsjahr aus dem Blick= 
winkel der deutschen Obersten Fiihrung einzubeziehen. Die strategische Pla= 
ntmg der Luftwaffenfiihrung oder die Haltung des Ob.d.L. sowie seines Fiih= 
rungsstabes konnen dagegen nicht naher charakterisiert und geschildert werden. 

1 Vgl. auch: Herhudt von Rohden, Die Luftverteidigung des Deutschen Reiches im 
Weltkrieg 1939—1945 und ihre Lehren. Ein strategischer Oberblick, in: Allgem. 
Schweizer. Militarzeitschrift 117 (1951), 5. 7-^7 (i. und S. 888ff. 

162 



IX. Der Luftkrieg 

1. Die Abwehr der alliierten Luftoffensive gegen das Reidi 
und die besetzten Westgebiete 

Der alliierte Luftkrieg gegen das deutsche Reichsgebiet wurde im Jahre 1942 
— abgesehen von bedeutungslosen nachtlichen Storfliigen kleiner Gruppen 
sowjetischer Flugzeuge nach Berlin und Einzelangriffen auf Orte Ost= und 
Westpreufiens sowie des Generalgouvernements (August— September 1942) — 
ausschliefilich von der britischen LuftwaJFfe gefiihrt. Die im Sommer 1942 nach 
Grofibritannien verlegte 8. US=Luftflotte (USAAF), deren Oberbefehl am 
18. 6. 1942 Generalmajor Spaatz iibernahm, beschrankte sich auf Einfliige in 
die besetzten Westgebiete (s. unten S. 165). 

Bis zum 28. 3. 1942 vollzogen sich die britischen Angriffe auf das Reichs= 
gebiet in der 1941 iiblich gewesenen Weise: „Einzelflugzeuge, Staff eln und 
kleine Verbande griffen unter dem Schutze der Nacht, mondhelle Nachte be= 
vorzugend, vorwiegend Stadte in den bisherigen Angriff sraumen an^^'' (Emden, 
Hamburg, Bremen, Miinster, Koln, Aachen, Kiel, Wilhelmshaven [25.-28. 2. 
1942 im Zusammenhang mit der Riickkehr der Brest=Kampfgruppe der Kriegs= 
marine] und Orte im Ruhrgebiet, vor allem Essen). Auch der Nordostsee= 
kanal war ein bevorzugtes, jedoch nicht ernstlich gefahrdetes Ziel. Im Januar 
waren es 12 Einfliige, im Februar 11 und im Marz 15. Den deutschen Abwehr= 
kraften unter dem „Luftwaffenbefehlshaber Mitte'', Generaloberst Weise, ge= 
lang es, je Einflug etwa 2—6 Bomber abzuschiefien. Den Hauptanteil an den 
Abschiissen hatte neben der Flak die Nachtjagd, die sich damals gerade zu 
entwickeln begann. Die ortlichen Feuerloschkrafte konnten im allgemeinen 
der entstehenden Brande Herr werden.:fpi Vvdu^iji^K^ id n')bt/ 

Einen entscheidenden Einschnitt bildete der britische Luftangriff auf Liibeck 
in der Nacht vom 28-/29. 3. 1942. Er stellte den ersten Schlag einer Serie von 
„Terrorangriffen'' (area bombing) dar, die der am 23. 2. 1942 zum Befehls= 
haber des britischen „Bomber Command'' ernannte Luftmarschall Harris auf 
Beschlufi des britischen Kriegskabinetts einleitete. Dabei wurden auch die 
Verbande des „Coastal Command" und des neugegriindeten „Army Coopera= 
tion Command" mit eingesetzt, um durch konzentrierten Einsatz auf dicht= 
besiedelte Wohnviertel der deutschen Stadte die Kriegsmoral der Zivilbevol= 
kerung und die — wie man meinte — bereits aufierst angespannte deutsche 
Kriegsproduktion direkt oder indirekt schwer zu treffen. Den Angriff auf 
Liibeck, der die Vernichtung der Altstadt, vor allem durch Brandbomben, 
bewirkte, auch einige Riistungswerke traf und 320 Tote und ^^^ Verletzte 
forderte, fiihrten insgesamt 234 britische Bombenflugzeuge. 

aa Hans Rumpf, Der hochrote Hahn, Darmstadt (Verlag E. 5. Mittler & Sohn) 1952,^ 
S. 74, fiir das Folgende: Georg W. Feuchter, Der Luftkrieg. Frankfurt a. M.— Bonn 
(Athenaum=Verlag) 1962, 2. Auflage, S. 212 ff.; vor allem C. Webster und 
N. Frankland, The Strategic Air Offensive against Germany 1939—1945, Vol. I, 
London (H. M. Stationery Office) 1961. 

165 



A. Einf iihrung 

Der nachste — in vier hintereinander folgenden Nachten durchgefiihrte 
(23.-28. 4.) — Angriff traf Rostock, in dem 60 ^/o der bebauten Altstadtflache 
ausbrannte (204 Tote, 89 Verletzte). Die von Hitler befohlenen „Vergeltungs= 
angriffe'' der schwachen Krafte der Lujftflotte 3 (Gen.Feldmarschall Sperrle) 
gegen britische Stadte (s. unten S. 168) blieben „Nadelstiche'', die lediglich in 
der deutschen Propaganda als gleichwertige Schlage dargestellt wurden. 

Wahrend in den folgenden Wochen „normale'' Luftangriffe (vor allem auf 
Hamburg [3.74. 5.], Stuttgart [4.-7. 5.], Warnemiinde [18./19. 5.] und Mann= 
heim [19./20. 5.]) folgten, brachte der „iooo=Bomber= Angriff'' auf Koln in 
der Nacht vom 30./31. 5. 1942 einen ersten Hohepunkt der Terrorangriffs= 
Serie. 1047 britische Bomber warfen 1455 t Bombenlast auf die Innenstadt von 
Koln, wobei 20 ^/o der Baulichkeiten der Innenstadt getroffen wurden. 3300 
Gebaude wurden vollig zerstort, 7200 beschadigt. 460 Tote und 45000 Ob= 
dachlose waren die Opfer. Den deutschen Abwehrkraften gelang der Abschufi 
von 40 Bombern; 45 weitere wurden so schwer beschadigt, dafi 12 davon bei 
der Landung zu Bruch gingen. Bei der Berichterstattung der Luftwaffenfiihrung 
zu diesem britischen Luftangriff erf afiten Hitler zum ersten Male ernste Zweif el 
an den ihm iibermittelten „Sieges''=Meldungen der Luftwaffe. In der Lage= 
besprechung am 31. 5. erklarte er: „Ich kapituliere nie vor einer harten Wirk= 
lichkeit, aber ich mufi klar sehen, um die richtigen Folgerungen Ziehen zu 
konnen^.'' 

Die nachsten „iooo=Bomber= Angriff e'' richteten sich gegen Essen (1./2. 6., 
936 beteiligte Bomber, 31 deutsche Abschlisse) und Bremen (25.726. 6. 1942, 
1006 beteiligte Bomber, 49 deutsche Abschlisse). Von Grofiangriffen ahnlichen 
Ausmafies wurden bis September 1942 (als die Serie abklang) noch Wilhelms= 
haven, Mainz, Kassel und Diisseldorf betroffen. Schwere Zerstorungen er= 
litten auch Hamburg, Osnabriick, Miinchen, Duisburg, Oberhausen, Kiel, 
Saarbriicken, Miinster, Stuttgart, Emden und Karlsruhe. Bei dem Angriff auf 
Hamburg am 26. 7. wurden die Feuerloschkrafte der Stadt zum ersten Male 
nicht mehr allein der Brande Herr. Die britischen Verluste betrugen bei den 
Groliangriffen etwa 4 ^7o, bei den mittleren 6 bis 10 ®/o der eingesetzten Flug= 
zeuge. Ein besonders geschultes „Lancaster''=Geschwader unternahm ab 17. 4. 
1942 erstmals auch einzelne Tagesangriffe auf deutsche Stadte. Von diesen 
waren die Angriffe auf die MAN=Werke in Augsburg (17. 4.) (12 eingesetzte 
Bomber, davon 7 abgeschossen) und auf Industrieziele in Danzig (11. 7.) (44 
eingesetzte Bomber, von denen nur V3 ihr Ziel fand, 2 abgeschossen, 8 be= 
schadigt) die wichtigsten, wenn sie auch den Angreifern nur sehr begrenzte 
Erfolge brachten. Tagesangriffe kleiner „Moskito''=Bomberverbande (seit Au= 
gust 1942) machten eine neue Stufe im deutschen Warnsystem notwendig 
(„offentliche Luftwarnung''). Neue Angriff smethoden („Pfadfinder''=Verfah= 
ren) bei den Nachtangriffen traten hinzu, um die kommenden grofien Ge= 

2 Kriegstagebuch der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW, 31. 5. 42. 
164 



IX. Der Luftkrieg 

fahren erkennen zu lassen. Noch bedeutungsvoUer, well damit die technische 
Oberlegenheit der Gegenseite in eklatanter Weise demonstriert wurde, war 
die Anwendung eines Richtstrahlsystems in der Nacht zum 21. 12. beim An= 
griff auf die Krupp=Werke in Essen, die bisher trotz zahlreicher Angriffe auf 
die Stadt noch nicht getroffen worden waren. 

Das Ziel der britischen Luftoffensive 1942 jedoch wurde nicht erreicht. We= 
der gelang es, die Kampfmoral der Bevolkerung in den angegriffenen Stadten 
ernsthaft zu erschiittern, noch brachte sie die erhoffte Auswirkung auf die 
deutsche Produktion. Die Angriffe fiihrten vielmehr dazu, dafi die Verlegung 
der kriegswichtigen Industrie in bombensichere, zumeist unterirdische Anlagen 
so rechtzeitig eingeleitet werden konnte, dafi die Mitte 1943 einsetzende mas= 
sive alliierte Luftoffensive auf die deutschen Stadte nicht mehr die kriegs= 
wichtige Industrie ernsthaft traf. 

Insgesamt untemahm die britische Luftwaffe 1942 rund 1000 Angriffe auf 
das Reichsgebiet, darunter 17 schwere mit einer Abwurfmenge iiber 500 t. 
Insgesamt wurde in diesem Jahr eine Bombenlast von 53 y^^ t auf Deutsch= 
land abgeworfen (demgegeniiber 3200 t deutsche Bombenlast auf britisdies 
Gebiet); 1941 waren es 35509 t britische Bombenlast gegeniiber 21858 t 
deutscher gewesen. 

In den besetzten Westgebieten unternahm die britische Luftwaffe fast nur 
Tagesangriffe auf kriegswichtige Ziele. Lediglich die Renault=Werke bei Paris 
wurden in der Nacht (273. 3. 1942) von 220 britischen Bombern angegriffen. 
„Moskito''=Bomber fiihrten am 25. 9. einen Angriff auf Oslo durch. 

Die 8. USAAF eroffnete ihren Einsatz in Westeuropa am 4. 7. mit dem 
Angriff eines kleinen, durch Jagdverbande stark gesicherten Verbandes „Hie= 
gender Festungen'' auf deutsche Flugplatze in den Niederlanden. Es folgte der 
Angriff eines groi2eren Verbandes auf einen Bahnhof bei Rouen am 17. 8., 
der von 500 alliierten Jagern gesicherte Angriff eines grol3en Verbandes auf 
Eisenbahnziele bei Amiens am 20. 8. und Luftangriffe auf Lille und Romilly 
am 20. 12. 1942. 

Bedeutender waren 1942 die Angriffe amerikanischer Luftwaffenverbande 
im Mittelmeerraum, die — abgesehen von den Einsatzen an den Fronten — 
die strategischen Angriffe der RAF auf italienische Industriestadte, voran 
Turin, Genua und Mailand, seit November 1942 verstarkten. Grofite Auswir= 
kungen hatte der Luftangriff auf Neapel am 4. 12., der die italienische Flotte 
zur Raumung dieses Kriegshafens veranlalEte (s. oben S. 121). Dagegen schei= 
terte der erste Versuch amerikanischer Bomber, die Olfelder von Ploesti zu 
erreichen und damit die deutsche Treibstoffversorgung aus Rumanien zu tref= 
fen, am 12. 6. schon im Anflug. Vor dem 1. 8. 1943 wurde daher kein weiterer 
Versuch unternommen. 

Im ganzen gesehen lag die Initiative im Luftkrieg im Westen das ganze 
Jahr iiber auf britischer Seite. Im Mittelmeer verlor die deutsche Luftwaffe ihre 
Oberlegenheit im Raum Sizilien— Malta— Libyen im September/Oktober. Ab 

165 



A. Einfiihrung ' 

November 1942 bestimmte auch hier die britisch=amerikanische Luftwaffe mit 
ihrer zahlenmafiigen Uberlegenheit das Feld. 



2. Der offensive Einsatz der deutsdien Luftwaffe 

Der eindeutige Schwerpunkt der deutschen Luftwaffe lag das ganze Jahr 
1942 iiber auf dem ostlichen Kriegsschauplatz. An zweiter Stelle folgte der 
Mittelmeerraum (Sizilien— Afrika), und erst danach kam der Westen. Der 
Osten hatte bei alien Planungen und Entscheidungen der Obersten Fiihrung 
stets den Vorrang. So wurden zu Beginn der Sommeroffensive im siidlichen 
Teil der Ostfront Verbande aus dem Mittelmeerraum nach dem Osten ab= 
gezogen (s. oben S. 103). Nur in Falle einer alliierten Grofilandung sollte der 
Westen (zunachst aus dem Mittelmeerraum) Verstarkungen erhalten. 

Im Osten besafi die deutsche Luftwaffe 1942 noch an alien Fronten ihre 
1941 gewonnene Uberlegenheit iiber ihren sowjetischen Gegner in der Luft, 
obwohl der Bestand der deutschen Krafte gegeniiber dem Kriegsbeginn (22. 6. 
1941) erhebhch zuriickgegangen war. Gegeniiber rd. 2700 Flugzeugen im Juni 
1941 gab es am 1. 1. 1942 nur noch rd. 1500 deutsche Flugzeuge an der Ost= 
front (aufier dem finnischen Raum)^. Bis Mitte Marz sank ihre Starke nach 
der schweren Winterabwehrschlacht sogar auf rd. 650. Doch konnte sie bis 
zum Beginn der Sommeroffensive (28. 6. 1942) wieder auf rd. 2000 erhoht 
werden. Die Zahl blieb dann — Verluste und Ersatz glichen sich einigermaJSen 
aus — bis Ende November etwa gleich hoch (17. 8. rd. 1190, 29. 11. rd. 1120 
einsatzfahige Flugzeuge)^. 

Innerhalb der Ostfront lag der Schwerpunkt seit dem Friihjahr im Siiden 
bei der Luftflotte 4 (Gen.Oberst Lohr, ab 24. 6. 1942 Gen.Oberst Frhr. v. Richt= 
hofen), die mit dem VIIL FUeger=Korps bei der Eroberung der Festung Sewa= 
stopol mitwirkte, dann die Offensive der H.Gr. B in Richtung Wolga begleitete 
und schhefilich das monatelange Ringen der 6. Armee um Stalingrad unter 
groEten Verlusten unterstiitzte, wahrend die Verbande des IV. FUeger=Korps 
den Vorstofi der H.Gr. A in den Kaukasus begleitete. 

Relativ stark waren ab Anfang August 1942 auch die Verbande des Luft= 
waffen=Kommandos Ost (Gen.Oberst Ritter von Greim), das die H.Gr. Mitte 
bei ihren schweren Abwehrkampfen unterstiitzte. Dagegen reichten die Krafte 
der Luftflotte 1 (Gen.Oberst Keller) nur zu Einsatzen an den jeweiligen 
Schwerpunkten der H.Gr. Nord. 

Mit diesen Bemerkungen ist schon angedeutet, dafi die Hauptaufgabe der 
Luftwaffenverbande im Osten 1942 in der taktischen Unterstiitzung des Hee= 



3 Philippi— Helm, a. a. O., S. 109. — Die deutsche Luftiiberlegenheit in der Mitte 
des Jahres kommt am deutlichsten in der Luftwaffenlage am 29. 7. 1942 zum 
Ausdruck (vgl. Eingegangene Meldungen Generalstab Luftwaffe, 29.7.1942). 

4 Aufz. zum KTB des WFStabes vom 17.8. und 29.11.1942. ...,^j. . jJv.J 

%66 



IX. Der Luftkrieg 

res lag. Die Haupteinsatzraume ergaben sich aus den Angriffsoperationen, 
aus den Absichten der Obersten Fiihrung und aus den Notwendigkeiten der 
Abwehr der sowjetischen GrojSangriffe. Die standigen Einsatze zehrten an 
der Substanz der deutschen Lujftwaffe, besonders in personeller Hinsicht. 
Opferreidi war die Luftversorgung von Demjansk (Januar bis September 
1942), die zum Verlust von 265 Transportflugzeugen (387 Mann fliegendes 
Personal) fiihrte, und von Stalingrad, die in der Zeit vom 24. 11. 1942 bis 
31. 1. 1943 einen Gesamtverlust von 488 Flugzeugen (etwa 1000 Mann flie= 
gender Besatzungen) forderte. 

Gegeniiber diesen Aufgaben fielen die strategischen Einsatze an der Ost= 
front kaum ins Gewicht. Erwahnenswert sind die beiden letzten schwachen 
Angriffe auf Moskau (2. 1. und 5. 4.), Angriffe auf Gorki und Rybinsk, ein= 
zelne Vorstofie gegen die sowjetischen Hafen an der Ostkiiste des Schwarzen 
Meeres (16. 7. auf Poti), ein Angriff auf Astrachan (9. 9.) sowie die beiden 
Angriffe auf die Olfelder von Grosnij (10. 10. und 12./13. 10.), nachdem die 
Hoffnung, dies Gebiet noch 1942 zu erreichen, dahingeschwunden war. 

Die recht schwache Luftflotte 5 (Gen.Oberst Stumpff)^^ in Nordnorwegen/ 
Nordfinnland fiihrte neben den Angriffen auf den Konvoiverkehr England- 
Murmansk/ Archangelsk (s. oben S. 81) das ganze Jahr liber Angriffe auf 
die Murmanbahn, ab Marz auf Murmansk selbst, im August— September 
auch auf Archangelsk. 

Im Mittelmeerraum lag die Hauptaufgabe der Luftflotte 2 (Gen.Feldmar= 
schall Kesselring) mit den Verbanden des II. und X. Flieger=Korps in der 
Sicherung der deutschen Luftiiberlegenheit im mittleren Mittelmeer, d. h. vor 
allem der Niederhaltimg Maltas (s. oben S. 96 ff.), mit den Verbanden des 
„Fliegerfiihrers Afrika'' in der Unterstiitzung der deutsch=italienischen Panzer= 
armee Afrika. Hinzu trat ab September der verstarkte Schutz Kretas und der 
Agais durch das X. Flieger=Korps. Die verhaltnismafiig schwachen Krafte des 
„Fliegerfuhrers Afrika'' hatten, besonders nach Erreichen der El=Alamein= 
Stellung (30. 6.), einen schweren Stand gegeniiber den sich laufend ver= 
starkenden britischen Kraften im Nildelta, zu denen noch Einheiten der 
9. USAAF traten. So konnten sie neben der laufenden taktischen Unter= 
stiitzung der Panzerarmee nur wenige strategische Fliige unternehmen, einige 
Angriffe gegen Alexandria und die Hafen am Suez=Kanal (vor allem am 
4'/5- 7-)/ daneben Sicherungsunternehmen in der lybisch=agyptischen Wiiste, 
so einen Angriff auf die von den Briten besetzte Oase Kufra am 25. 9. 

Verglichen mit den Verbanden der Luftflotte 2 im Mittelmeerraum miissen 



4a Die Luftflotte 5, faktisdi nie mehr als ein Fliegerkorps, hatte in ihren besten 
Zeiten K.G. 26 und K.G. 30 als Hauptverbande, daneben zur Unterstiitzung des 
Heeres I./St.G. 5. Am 20. 6. 1942 verfiigte sie iiber 98 Ju 88 und He 111 sowie 
42 Ju 87; davon waren 69 bzw. 36 einsatzbereit; am 20. 7. 1942: 146 Ju 88, Ju 87 
und He 111, davon insgesamt 101 einsatzbereit; am 20.12.1942: nur noch 
27 Ju 88, davon 19 einsatzbereit, und 52 Ju 87, davon 40 einsatzbereit. 



167 



A. Einfiihrung 

die der Luftflotte 3 (Gen.Feldmarschall Sperrle) 1942 zur Verfiigung stehenden 
Krafte als gering bezeichnet werden. Sie waren daher nur, wenn sie wie bei 
der Abschirmung des Untemehmens „Cerberus'' (s. oben S. 156) schwerpunkt= 
mafiig zusammengefafit waren, zu groJSeren Einsatzen fahig. 

Da sie wiederholt zugimsten des Ostens geschwacht wurden, waren sie, als 
die britische Luftoffensive gegen die deutschen Stadte mit dem Angriff auf 
Liibeck {zS.lzg. 3.) begann, nur in der Lage, mit schwachen Kraften „Ver= 
geltungs''=Angriffe zu fiihren. So wurde der erste „Vergeltungs''= Angriff, der 
iiberhaupt erst einen Monat danach moglich wurde, am 25.726. 4. auf Exeter 
von nur 25 deutschen Kampfflugzeugen gefiihrt, also etwa einem Zehntel der 
gegen Liibeck eingesetzten britischen Bomber. Die weiteren „Vergeltungs''= 
Angriffe wurden daher auch gegen wenig verteidigte britische Stadte gefiihrt 
(„Baedecker''=Angriffe), so auf Bath (26.-27. 4.), Norwich {zj.lzS. 4., 29./ 
30. 4.) und die Erzbischofsstadte York (28./29. 4.) und Canterbury (31. 5./1. 6., 
2.73. 6., 6.I7. 6. noch einmal am 31. io.7i. 11.) als „Antwort'' auf die Bom= 
bardierung Kolns. Nicht mehr als „Nadelstiche'' waren auch die „regularen'' 
Angriffe gegen britische Hafenstadte imd militarische Anlagen, vor allem in 
Siid= und Siidostengland. Die Zahl der eingesetzten deutschen Flugzeuge stieg 
bis zu 100 an; durchschnittlich handelte es sich bei den grofieren Angriff en 
um 60— yo. Verglichen mit der britischen auf deutsche Stadte abgeworfenen 
Bombenlast war es im ganzen noch nicht einmal ein Zehntel (s. oben S. 165). 

Das ganze Ausmafi des Krafteverschleifies der deutschen Luftwaffe im 
Jahre 1942 wird aus der Zusammenstellung der Flugzeugverluste deutlich. 
Am 3.1.1942 betrug der Istbestand der Luftwaffe^ rund 6100 Flugzeuge, 
darunter 1776 Kampfflugzeuge, 407 Stuka, 1524 Jagd=, 317 Nachtjagdflug= 
zeuge. Die Gesamtverluste (Totalverluste und nicht reparaturfahige Bescha= 
digungen) in diesem Jahr erreichten die Hohe von 9602 Flugzeugen, zu denen 
noch 3373 reparaturfahige Beschadigungen hinzukamen^. Das heifit, das 
1^72fache des Bestandes von Jahresbeginn war vernichtet. Diese Verluste 
wurden zwar zahlenmafiig durch den Neubau, monatlich anfangs von durch= 
schnittlich 1000, am Jahresende bereits 1600 Flugzeugen — 1942 wurden ins= 
gesamt 15 409 Flugzeuge gebaut, davon 4337 Kampfflugzeuge, 5515 Jagd=, 
1249 Schlachtflugzeuge^ — wieder ausgeglichen, ja der Bestand im ganzen 
wesentlich erhoht. Doch die erfahrenen Flugzeugbesatzungen konnten durch 
den neu ausgebildeten Ersatz nur unzureichend ersetzt werden. Hinzu kam 
— neben beginnendem Treibstoffmangel (Flugbenzin) — als Ursache fiir die 
sich trotz zahlenmafiigen Zuwachses ankiindigende grofie Krise der deutschen 
Luftwaffe die Fehlplanung hinzu. Das ganze Jahr 1942 iiber lag der Schwer= 
punkt der Flugzeugproduktion wie bisher eindeutig bei den Angriff sflugzeugen 

5 Nach einer Ubersicht des Gen.St.d.Lw. Qu. 6. Abt. Nr. 4713/43 g.Kdos. vom 
17. 6. 1943. 

6 Zusammenstellung des OKL/6. Abt. vom 17. 6. 1945. 

7 Vgl. hierzu Heiber, a. a. O., S. 139, Anm. 1. 

168 



X. Rustung und Wehrwirtschaft Deutschlands im Jahre 1942 

(wichtigstes Baumuster Ju 88, in weitem Abstand He 111). Diese Zunahme 
der Kampfflugzeugproduktion wurde bis Februar 1943 fortgesetzt®, erst da= 
nach begann die rasche Steigerung des Ausstofies von Verteidigungsflugzeu= 
gen. Die „praktisch gleichbleibende und sich damit in der Relation zu den 
standigen Fort= und Neuentwicklungen auf der Feindseite laufend verschledi= 
ternde Qualitat der deutschen Flugzeugmuster'' stellte schliefilich „den wohl 
primaren Faktor" fiir den sich anbahnenden Niedergang der deutschen Luft= 
waffe dar^. 



X. Riistung und Wehrwirtschaft Deutschlands im Jahre 1942 

Grundlegend fur die Umstellung der deutschen Riistung im Winter 1941/42 
wurde der Befehl Hitlers vom 10. 1. 1942 S der zwar das RUstungsprogramm 
vom 14. 7. 1941, als dessen Schwerpunkt der „Ausbau der Luftwaffe und der 
Kriegsmarine zum Kampf gegen die angelsachsischen Machte'' vorgesehen 
war, „auf weite Sicht'' unverandert lassen wollte, jedoch, „da die Kriegfiihrung 
im Jahre 1942 ... bis auf weiteres ein Absinken der Riistung des Heeres 
zugunsten dieser Zielsetzung'' verbot, festlegte, dafi „die Mittel der Riistung 
. . . zunachst den gesteigerten Bediirfnissen des Heeres dienstbar zu machen'' 
seien. 

„Der notwendige weitere Ausgleich zwischen den Forderungen der Kriegfiihrung 
und den durdi die Rohstofflage gebundenen Moglichkeiten mu6 gefunden werden 
durdk: 

a) vermehrte eindeutige Schwerpunktbildung innerhalb der Riistung der Wehr= 
machtteile auf die fiir die Kriegfiihrung aussdilaggebenden Fertigungen; 

b) Einstellung der Fertigungsprogramme auf Uberwindung der Engpasse durch 
Ersatzstoffe, Ausweichkonstruktionen und ermafiigte Anspriiche. Dabei ist davon 
auszugehen, dafi Rohstoffe iiber den bisher zugewiesenen bzw. fiir die Zuweisung 
beabsichtigten Rahmen hinaus nicht zur Verfiigung stehen. 

c) Abstimmung und Typisierung der Geratefertigung auf die Engpasse der Ein= 
zel= und Ersatzteile; 

d) Neufestsetzung und grofitmogliche Begrenzung der Bevorratung nach den 
bisherigen Kriegserfahrungen; 

e) vermehrte Verwendung von Beute (Gerat, Munition und Ausriistung), be 
senders audi in der gesamten Kiistenverteidigung." 

Fiir das Heer wurde im einzelnen bestimmt: 

„Die Einsatzbereitschaft des Heeres in dem vom Oberkommando des Hee= 
res vorgesehenen und von mir genehmigten Umfang mui2 bis 1. 5. 1942 mit 
dem notwendigen Nachschub fiir mindestens 4 Monate sichergestellt sein. . . 

Neben der 1. Ausstattung ist eine Bevorratung an Munition in der Hohe 

8 Die deutsdie Industrie im Kriege, a. a. O., S. 77. 

9 Heiber, a. a. O., S. 139. 

1 Der Fiihrer und Oberste Befehlshaber der Wehrmadit Nr. 1/42 g.Kdos. OKW/ 
WFStab/Org. — WiRii Amt vom 10. 1. 1942. 

169 



A. Einfiihrung 

des sechsfachen Monatsverbraiiches auf der Grundlage des Ostfeldzuges (Ver= 
brauch August 1941) wenigstens bei den Hauptwaffen zu erreichen, abgestellt 
auf das Wajffensoll des Feldheeres vom 1. 5. 1942. 

Der Umbau des Heeres unter Schwerpunktverlagerung auf die Schnellen 
Truppen ist iiber den 1. 5. 1942 hinaus im Rahmen der gegebenen Moglich= 
keiten fortzufiihren/' 

Zur Waffen=SS hiefi es bemerkenswerterweise : „Neuaufstellungen unter 
Beanspruchung zusatzlichen deutschen Gerats entfallen/' Doch hielt sich Hit= 
ler selbst nicht daran, als er bereits im Friihjahr 1942 die Aufstellung eines 
(ersten) SS=Korps befahl. 

Hinsichtlich der Kriegsmarine wurde festgelegt: „Im Rahmen der zur Ver= 
fiigung stehenden Rohstoffe liegt der Schwerpunkt der Riistung in der Kon= 
zentrierung auf Bau und Unterhaltung der U=Boot=Waffe. Daneben bleiben 
die Erhaltung des Geleitdienstes und die Sicherung Norwegens sowie des 
Kiistenvorfeldes wichtig. . ." 

Fiir die Luftwaffe gait: „Das Flugzeugbeschaffungsprogramm 21/2 und das 
Flakprogramm sind im Rahmen der Rohstoffzuteilung durchzufiihren; eine 
Kiirzung des Flakprogramms bedarf meiner Zustimmung. 

„Eine voriibergehende Drosselung der Fertigung von Munition und Bomben 
auf alien hinreichend bevorrateten Gebieten mu6 in Kauf genommen werden, 
solange Umstellung auf Ersatzstoffe fur mangelnde NE=Metalle die Produk= 
tionsleistung hemmt. 

„Den Abgleich zwischen dem Ersatzbedarf der Wehrmacht und dem Krafte= 
bedarf der Wirtschaft trifft der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht im 
Benehmen mit dem Reichsminister fiir Bewaffnung und Munition und den 
iibrigen beteiligten Obersten Reichsbehorden. 

„Die Organisationsabsichten und der Ersatzbedarf der Wehrmachtteile sind 
auf den Produktionsanfall abzustimmen/' 

Wie wirkte sich diese Abanderung des Riistungsprogramms in der Wirklich= 
keit aus? Wir besitzen fiir das erste halbe Jahr 1942 hierfiir eine Obersicht in 
der Aufzeichnung des WFStabes vom 6.6.1942 „Wehrkraft 1942'' 2. Aus ihr 
seien im folgenden die wichtigsten Feststellungen angefiihrt: 

„Die Umstellung der Riistung zugunsten des Heeres hat infolge des uner= 
wartet hohen Verbrauchs an Waffen und Munition im Winterfeldzug gegen 
Sowjetrufiland zu einer liickenlosen Ausriistung der Verbande und der gefor= 
derten Bevorratung (bei Munition 6 Monate) noch nicht fiihren konnen . . . 

Die Fertigung von Panzerkampfwagen wird bis zum Beginn der Opera= 
tionen die bisherigen Verluste gegeniiber dem Bestand vom 22. 6. 1941 nicht 
ganz ausgleichen konnen. Die Monatsdurchschnittsfertigung bis Herbst 1942 
wird bei 430 Panzern (II, III, IV, Sturmgeschiitze) liegen.'' 

Gegeniiber 3600 Panzern im Juni 1941 verfiigte das Ostheer im Juni 1942 

2 Abgedruckt bei Jacobsen, a. a. O., S. 309—333. 
170 



X. Riistung und Wehrwirtschaft Deutschlands im Jahre 1942 

iiber 3300 Panzer. Die Jahresproduktion an Panzern erreichte 1942 die Hohe 
von 3600 leichten, ^600 mittelschweren und 100 schweren Panzern („Tiger'' 
und „Panther'')2^. 

„Das Starke Absinken der Munitionsbestande durch den hohen Verbrauch 
an der Ostfront wird durch die mit besonderem Nachdruck betriebene Fer= 
tigung — Konzentration auf die Mangelgebiete wie leichte und schwere Feld= 
haubitzen, Granatwerfer — aufgefangen . . . Verbesserung der Munitionslage 
Ost durch Kontingentierung und Riickgriff auf Westbestande ist veranlafit. 

Die grofien Liicken an Kraftfahrzeugen konnen durch Neu=Fertigung nicht 
geschlossen werden. Verstarkung der Reparatur in den riickwartigen Gebieten 
ist erfolgt. Hierzu erforderliche Maschinen und Ersatzteile belasten die Neu= 
anfertigung/' 

Die Situation bei der Kriegsmarine zeichnete sich nach einer Stellungnahme 
der Ski. zu dem betreff enden Abschnitt der Ausarbeitung des WFStabes so ab : 
„Die fiir den Ausbau der Flotte notwendigen Kapazitaten sind zwar werft= 
mafiig vorhanden, durch immer mehr steigernde Arbeitsschwierigkeiten ist je= 
doch die Leistungsfahigkeit so stark abgesunken, dafi die Reparaturen fast die 
doppelte Zeit benotigen als sonst. Mangel an Arbeitern zwingt zum Riickgriff 
auf den Neubau (auch U=Boote), der dadurch ungiinstig beeinfluJSt wird.'' 

Zur Luftwaffe hiefi es in der Ubersicht des WFStabes : „Die Forderungen im 
Flugzeugprogramm liegen immer noch weit iiber den voraussichtlichen monat= 
lichen Durchschnittsfertigungen . . . Mit Liicken in der vollen Ausriistung der 
Muster und damit einer Beeintrachtigung der vollen Einsatzbereitschaft mufi 
gerechnet werden . . . 

Die Fertigimg im Flakprogramm liegt immer nodi weit unter den monat= 
lichen Forderungen. Der vom Fiihrer geforderte Ausstofi von 8,8 cm= und 
10,5 cm=Flak ist noch nicht erreicht. Hier werden die Forderungen voraussicht= 
lich erst Ende 1943 erfiillt werden konnen . . /' 

Zur Lage des Arbeitseinsatzes in der Riistungsindustrie wurde festgestellt, 
dafi von den 522000 in den Monaten Januar bis Marz zur Wehrmacht Ein= 
berufenen 234000 aus den Riistungsbetrieben kamen. „Trotzdem konnte der 
Stand der beschaftigten Personen in der Fertigung Heer noch gesteigert wer= 
den, wahrend er in der Fertigung fiir die Luftwaffe und Marine um 17 000 bzw. 
29 000 Mann gesunken ist . . . 

Bei der Beurteilung der Leistungsfahigkeit muii allerdings beachtet werden, 
dafi die Zuweisung von Arbeitskraften in grofierem Mafie in Auslandem 
und Kriegsgefangenen bestand, deren Arbeitsleistung noch nicht den gleichen 
Stand der abgezogenen Krafte erreicht hat. Ferner wird die Leistungsfahigkeit 
der Arbeitskrafte durch gewisse Ermiidungserscheinungen, die auf Ernahrung, 



2a Hitler bestimmte im Juli 1942 als monatliches Produktionsziel eine Fertigung 
von 1450 Panzern. 

171 



A. Einfiihrung 

FliegerangrijBFe und auch Uberbeanspruchung zuriickzufiihren sind. Zugefuhrt 
wurden der Riistungswirtschaft 392 100 Arbeitskrafte in den Monaten Januar 
bis Marz . . ." 

Insgesamt erreichte die Beschaftigung von Kriegsgefangenen und auslan= 
dischen Arbeitern in Deutschland nach Beginn der rigorosen Mafinahmen des 
von Hitler am 28. 3. 1942 eingesetzten „Generalbevollmachtigten fUr den Ar= 
beitseinsatz'' (GBA), Gauleiter Sauckel, 1942 die Hohe von 4,2 Millionen. 

So kam die Ubersicht des WFStabes zu dem Schlufi, „da6 z. Z. die perso= 
nelle Lage in der Riistungsindustrie zwar angespannt ist. Bei giinstigem Ver= 
lauf der zukiinftigen Operationen, die keinen neuen Eingriff in den Bestand 
der Belegschaften nach sich ziehen, und bei rechtzeitigem Einsatz der vorge= 
sehenen ^00000 russischen Zivilarbeiter werden jedoch keine nachhaltigen 
Ausfalle in der Riistungsfertigung eintreten." 

Wahrend uber„Kohle und Energie'' relativ giinstige Feststellungen getroffen 
werden konnten, wurde mit dem Problemkomplexen „Mineraldl" und „Eisen 
und Metalle" auf die grofiten Schwierigkeiten hingewiesen: „Die Mineralolver= 
sorgung wird im laufenden Jahr eine der schwachsten Stellen der Wehrkraft 
sein . . . Der Mangel an Mineralol oiler Art ist so grojJ, daji die Operations^ 
freiheit aller drei Wehrmachtteile beeintrachtigt und die Riistungswirtschaft in 
Mitleidenschaft gezogen wird^. 

Die im vorigen Jahr noch vorhandenen Vorrate sind in ganz Europa auf ein 
Minimum gesunken, so daJS wir nur noch aus der Erzeugung leben. Eine leichte 
Besserung kann gegen Ende des Jahres mit Anlauf neuer Hydrierwerke er= 
wartet werden, die jedoch keine entscheidende Anderung der Lage bedeuten 
wird." 

„Den grofiten Engpafi in der Riistungsfertigung bilden die Metalle. Die Ver= 
sorgung wird sich gerade bei den wichtigsten Metallen, insbesondere bei Kup= 
fer, im Laufe des Jahres sehr erheblich verschlechtern . . . Selbst wenn es ge= 
lingen wird, in weitestgehendem Umfang Metalle einzusparen, so mufi doch 
mit Schwierigkeiten in der Riistungserzeugung gerechnet werden, und zwar 
gerade bei der Schwerpunktfertigung an Panzerwagen, Flugzeugen, U=Booten, 
Kraftfahrzeugen und Nachrichtengerat. Die Verschlechterung der Metall=Lage 
wird sich 1942, besonders im Sommer, fiir die Schlagkraft der Wehrmacht noch 
nicht auswirken. Auch bei Eisen und Stahl sind erhebliche Schwierigkeiten zu 
erwarten, da die Anforderungen fiir Munition standig im Ansteigen begriffen 
sind.'' „Auf chemischem Gebiet, einschliefilich der Pulver= und Sprengstoffher= 
stellung, sind entscheidende Schwierigkeiten trotz Versorgungsspannungen auf 
zahlreichen Einzelgebieten zunachst nicht zu erwarten . . . Die Lage in der 
Kautschukversorgung kann als entspannt betrachtet werden, da standig stei= 
gende Massen an Buna zur Verfiigung stehen und im vermehrten Umfang Na= 

3 Vom Verf. hervorgehoben. 

172 



X. Riistung und Wehrwirtsdiaft Deutschlands im Jahre 1942 

tur=Kautschuk aus Obersee (Blockadebrecher) eingefiihrt wird. Sie bleibt jedoch 
trotzdem noch unsicher, solange die Buna=Erzeugung zunachst noch auf nur 
zwei Werke konzentriert ist/' 

Zu einem „sich immer starker auswirkenden Engpafi'' entwickelte sidi auch 
das Verkehrswesen. „Den fortgesetzt steigenden Transportanfordeningen 
steht ein standiges Absinken des Leistungsvermogens der Verkehrsmittel ge= 
geniiber . . . 

Die hauptsachlichen Griinde fiir den Rtickgang sind abgesehen von den 
Witterungseinfliissen: die aulBerordentliche Ausdehnung des zu versorgenden 
Raumes, die Zusammenballung des Verkehrs in verkehrstechnisch wenig er= 
schlossenen Raumen, hohe Abgabe von Lokomotiven und Wagen nach dem 
Osten, hoher Ausfall durch Winters chaden, unzureichende Neufertigung aus 
der Industrie/' 

Um die zahlreichen „Engpasse'' zu iiberwinden, konnte nur in begrenztem 
MaEe auf die Hilfsquellen der verbiindeten europaischen oder der neutralen 
Lander zuriickgegriffen werden: „Wichtig sind fiir die Lieferungen der Nor= 
dischen Staaten vor allem die Eisenerz= und Pyrit=Lieferungen Schwedens und 
die Nickel= und Kupfer=Lieferungen Finnlands. Eine besonders wertvoUe Unter= 
stiitzung gewahrt Portugal durch die Abgabe von Wolfram sowie Japan durch 
die Lieferung von Rohkautschuk, von denen 1942 bisher rund 21000 t nach 
Deutschland gelangt sind und weitere 10—15 ^^^ * erwartet werden." 

Erst aus der hier skizzierten Situation der deutschen Riistung und Wehr= 
wirtschaft werden manche strategischen Entscheidungen und operativen Ent= 
schliisse der deutschen Obersten Fiihrung verstandlich. Um nur die wichtigsten 
zu nennen: die trotz steigender synthetischer Treibstoffherstellung im Reich 
und den umf angreichen rumanischen MineraloUief erungen voUig unzureichende 
deutsche Treibstoffversorgung war fiir Hitler ein Hauptgrund fiir das — nicht 
erreichte — Operationsziel der deutschen Sommeroffensive 1942, die Olquellen 
des Kaukasus. Der Versuch, die an den Don vorgeschobene Front zu halten, 
diente nicht zuletzt der Absicht, die gerade angelaufene Produktion im Donez= 
Industrierevier zu schiitzen, ohne die Hitler, wie er am 4. 3. 1943 erklarte, 
„nicht weiter Krieg fiihren konne''^. Die Festlegung von 150000 Mann (zum 
grofien Teil Elitetruppen) in Lappland diente dem Zweck der Abschirmung des 
Nickelgebiets in Nordfinnland und trug wie die Besetzung Nordnorwegens da= 
zu bei, dafi die Eisenerzlieferungen aus Nordschweden reibungslos verliefen. 
Die Notwendigkeit, der Aufstandsbewegungen im jugoslawischen Raum Herr 
zu werden, ergab sich mit aus dem Zwang, das wichtige bosnische Bergbau= 
gebiet (Bauxit=Lagerstatten), das z. T. in der italienischen Besatzungszone 
Kroatiens lag (Mostar) imd daher besonders gefahrdet war, ungestort fiir die 
deutsche Kriegswirtschaft arbeiten zu lassen. 

4 KTB OKW/WFStab, Aufzeichnungen Greiners (Greiner, a. a. O., S. 437). 

173 



A. Einfiihrung 

Fiir Ende 1942 steht keine vergleichbare Dbersicht iiber die deutsche Ru= 
stung und Wehrwirtschaft zur Verfugung. Die Situation diirfte bis dahin in 
den Grundziigen unverandert geblieben sein, da einerseits die Operationsziele 
nirgends erreicht wurden, andererseits das Riistungsprogramm im grofien bis 
Jahresende nicht geandert wurde. Aus den Niederlagen und Verlusten seit No= 
vember 1942 wurde erst Anfang 1943 die Konsequenz gezogen: eine allge= 
meine Verlagerung des Schwerpunkts in der Produktion von den Angrif¥s= auf 
die Verteidigungswaffen. 

Die Entwicklung von in die Zukunft weisenden Waff en kiindigte sich 1942 ge= 
rade erst an. Am 5. 6. 1942 wurde dem Technischen Amt der Luftwaffe das Muster 
Fi 103 („Kirschkern''), spater „V -l" genannt, angeboten.Es wurde Herbst 1943, 
ehe mit der Serienfertigung begonnen werden konnte. Eine erste Fiiissigkeits= 
rakete der Heeresversuchsanstalt Peenemiinde „A 4'' (Aggregat 4) wurde ver= 
suchsweise am 3. 10. 1942 abgeschossen. Erst im Juli 1943 riickte dieses Projekt 
jedoch an die Spitze der Dringlichkeitsliste^. Fiir die ersten vorbereitenden 
Arbeiten zum Bau einer deutschen Atombombe wurde schliejSlich die Ent= 
scheidung der Obersten Fiihrung vom August 1942 bestimmend, da nach der 
Erklarung der beteiligten Forscher, dafi in den nachsten zwei Jahren mit einer 
Fertigstellung nicht gerechnet werden konne, die Weiterentwicklung stark ein= 
geschrankt wurde ^^. 

Die grofien Materialverluste seit November 1942 erhohten die schon Mitte 
1942 deutlich sichtbaren Spannungen in der deutschen Wehrwirtschaft und Rii= 
stung in starkem Mafie. Sie konnten zwar durch die Anstrengungen der Ru= 
stungsindustrie in der nun erst richtig zur Auswirkung gelangenden „Ara 
Speer'' zahlenmaiSig nicht nur ausgeglichen werden, sondern die deutsche Rii= 
stungsproduktion erfuhr in den folgenden Jahren bis Herbst 1944 auf vielen 
Gebieten eine gewaltige Steigerung. Jedoch geriet sie trotz hochster Anspan= 
nung der Krafte im Vergleich zu dem voll angelaufenen Riistungsprogramm 
der Gegner, voran der USA, angesichts der hier vorhandenen Moglichkeiten 
unvermeidbar in ein aussichtsloses Hintertreffen^. 



XI. Die Bilanz des Jahres 1942 

Versucht man die Ergebnisse des Jahres 1942 aus dem Blickwinkel der deut= 
schen Obersten Fiihrung zusammenzufassen, so mufi als grundlegend fiir den 
Fortgang des Krieges festgestellt werden, dali es nicht gelang, mit dem ver= 

5 Ober Einzelheiten der Waffenentwicklung vgl. Rudolf Lusar, Die deutschen 
Waffen und Geheimwaffen im Zweiten Weltkrieg und ihre Weiterentwicklung, 
4. Auflage, Munchen 1962, und Fritz Hahn, Deutsche Geheimwaffen 1939—1945. 
Flugzeugbewaffnungen, Heidenheim 1963. Zusammenfassung der wesentlichsten 
Fakten in Ploetz, Geschichte des Zweiten Weltkrieges, 2. Teil: Die Kriegsmittel, 
Wiirzburg i960, zu Deutschland 1942 : S. 170 — 79, 

5a Vgl. KTB OKW/WFStab, Bd. IV, S. 27. 

6 Vgl. hierzu: Die deutsche Industrie im Kriege, a. a. O., S. 84ff. 

%7A 



XI. Die Bilanz des Jahres 1942 

biindeten Japan zu einer Koalitionskriegfiihrung zu kommen, eine Koordinie= 
rung der strategischen Planung und operativen Zielsetzung zu erreichen. Kon= 
kret heifit dies, dafi eine Verbindung zwischen dem deutschen Machtbereich in 
Europa=Nordafrika und dem von Japan in seinem Siegeszug in den ersten Mo= 
naten des Jahres eroberten Raum in Siidostasien durch Fehlen eines planvoUen 
Zusammenwirkens in der Operationsf iihrung nicht zustande kam. Die Tatsache, 
dafi der deutsche und der japanische Machtbereich getrennt bUeben, ermoglichte 
es den Alliierten, ihre Krafte schwerpunktmafiig zusammenzufassen und ihre 
Gegner nacheinander niederzuringen. 

Allerdings ist dieses sich dem historischen Betrachter als wichtigste Aufgabe 
der Dreierpaktmachte fiir 1942 aufdrangende Ziel einer Abstimmung der deut= 
schen und japanischen Kriegfiihrung damals nur von wenigen Mannern in den 
Fiihrungsspitzen der beiden Verbiindeten klar erkannt und angestrebt worden. 
Zu ihnen gehorte auf deutscher Seite der Ob.d.M., GroJSadmiral Raeder, der 
Hitler immer wieder, wenn auch vergeblich, auf diese — im Grunde einzige — 
„Chance'' des Jahres 1942 hinwies. Die deutsche Oberste Fiihrung hingegen 
(d. h. fiir 1942 mehr noch als fiir die vergangenen Jahre: Hitler) hatte sich ein 
anderes Ziel gesteckt: die Sowjetunion in einem zweiten Feldzug wenn nicht 
voUig zu schlagen, so doch durch Abschneiden von ihren Verbindungen zu den 
Alliierten im Siiden (Wolga, Kaukasus) und Norden (Eismeerkiiste, Murman= 
Bahn, damit verkniipft: Eroberung Leningrads) als erstrangigen militarischen 
Faktor fiir diesen Krieg auszuschalten. Bei Hitler verbanden sich in dieser Ziel= 
setzung, auf die er sich ohne Abwagen von Alternativlosungen im Winter 
1941/42 versteifte, weiterwirkende ideologische Momente aus der Vergangen= 
heit mit wehr= und riistungswirtschaftlichen Notwendigkeiten (voran: Ge= 
winnung der Olquellen des Kaukasusraumes). Auch dieses Ziel wurde nicht 
erreicht, konnte nicht erreicht werden mit den vorhandenen begrenzten Kraften 
unter Nichtachtung von Raum und Zeit und den MogUchkeiten des Gegners. 

Im November 1942 war die letzte „Chance'', d. h. die nach dem Kriegseintritt 
der USA durch die japanischen Schlage und die ohnehin notwendige amerika= 
nische Anlaufzeit noch erwirkte Zeitspanne, voruber. Die Gegner aus West 
und Ost ergriffen im Mittelmeerraum und an der Ostfront die Initiative und 
setzten sich in die Ausgangspositionen zum Sturm auf Hitlers improvisierte 
„Festung'' Europa. Im Raum um Stalingrad und in Nordafrika bahnten sich 
Katastrophen bisher nicht gekannten Ausmafies an. Die aufiere Kriegswende 
war — trotz aller deutschen Abwehrerfolge im einzelnen, trotz noch nicht ent= 
schiedenen Ausganges der „Schlacht im Atlantik'' und trotz aller noch mog= 
Uchen Steigerung der deutschen Rustungsproduktion — sichtbar eingetreten, 
und auch Hitler war sich dessen bewufit, im Grunde bereits seit dem Winter 
1941/42. 

Indessen: Hitler reagierte auf diese Einsicht in seiner Weise. Entschlossen, 
„niemals zu kapitulieren"', konzentrierte er die Macht in seinem Herrschafts= 
bereich noch starker als bisher auf seine Person. Die Ubernahme des Ober= 



175 



A. Einfiihrung 

befehls iiber das Heer am 19. 12. 1941, die Selbsternennung zum Obersten Ge= 
richtsherrn in Deutschland am 26. 4. 1942 und die endgiiltige Aufspaltung der 
Fiihrungsstabe (WFStab fxir die nordlichen, westlichen, siidlichen und siidost= 
lichen Kriegsschauplatze, Generalstab des Heeres fiir den Osten) im Oktober 
1942, so dafi nur er allein das Ganze iiberschaute, waren dabei die wichtigsten 
Etappen. 

Zum Verstandnis des Jahres 1942 gehort jedoch noch hinzu, dajS dieses dem 
Historiker heute so klar erkennbare Bild der wirklichen Lage an der Jahres= 
wende zu 1943 damals dem Blick des vom nationalsozialistischen Nachrichten= 
monopol propagandistisch beherrschten deutschen Volkes zugunsten eines ge= 
farbten und gefalschten Bildes entzogen war. Auch die fiihrenden Vertreter 
der Wehrmacht kannten bestenfalls Teile davon. Obwohl Ende 1942 bereits 
sechs Wochen vergangen waren, seit die 6. Armee im Raum um Stalingrad vom 
Gegner umfafit war, und die eingeschlossenen Verbande nach Scheitern des 
Entsatzversuchs dem sicheren Untergang entgegengingen, hatte der „Wehr= 
maditbericht'' bis zimi Jahresende noch nicht einmal andeutungsweise dariiber 
verlautet^, so wie auch das Ausmafi der Winterkatastrophe 1941/42 verborgen 
geblieben und die damaligen kargen, nichtssagenden Meldungen iiber die 
Ostfront mit den propagandistisch iibersteigerten Berichten vom Siegeszug der 
Japaner in Siidostasien iibertont worden waren. Wohl war in der deutschen 
Dffentlichkeit Ende 1942 bekannt, dafi die Alliierten in Franzosisch=Nordafrika 
gelandet und dafi die Armee Rommel in Libyen auf dem Ruckzug waren, doch 
erschien die Erklarung dieser Riickschlage mit dem „Verrat'' der franzosischen 
Generale und Admirale relativ plausibel. Zudem gab die gegliickte Bildung des 
Briickenkopfes in Tunesien zusammen mit der Besetzung Siidfrankreichs und 
Korsikas (die in der propagandistischen Version angeblich das eigentliche Ziel 
der Alliierten bei ihrer Operation vom November 1942 gewesen waren) dieMog= 
lichkeit, das Ganze als Abwehrerfolg und wirksamen Gegenschlag hinzustellen. 
Die Verscharfung des „Grundsatzhchen Befehls'' vom 11. 1. 1940 iiber die Ge= 
heimhaltung durch einen neuen Befehl vom 12. 7. 1942 ^ tat ein Ubriges, um 
auch das hohe Offizierkorps iiber die Gesamtlage im Dunkeln zu halten. 

Bevolkerung und Wehrmacht konnten von Hitler Ende 1942 mit den weit= 
gehend ungebrochenen „Endsieg''=Erwartungen weiter Teile noch als sicher in 
der Hand seines Systems betrachtet werden. 

Dafi die Vorstellungen eines „Endsieges'' nicht nur durch die im Aufieren 
eingetretene Kriegswende, durch die 1942 erkennbar werdende, dabei erst in 
der Entfaltung begriffene Starke der Gegner, sondem auch durch die „innere" 
Geschichte Deutschlands gerade in diesem Jahre 1942 „fragwiirdig'' waren, ist 
heute offenkundig. Es war nicht nur das Miliverhaltnis von allgemeiner poli= 

1 Vgl. hierzu: Erich Murawski, Der deutsche Wehrmachtbericht. Ein Beitrag zur 
Untersuchung der geistigen Kriegfiihrung. Boppard a. Rh. (Harald Boldt Verlag) 
1962, S. 746 ff . 

2 Der Fiihrer OKW/WFStab/Op. Nr. 002 252/42 g.Kdos. vom 12. 7. 1942. 

176 



XI. Die Bilanz des Jahres 1942 

tischer Zielsetzung und verfiigbaren wehrwirtschaftlichen und militarischen 
Mittein, das die Aussichtslosigkeit des gesteckten Zieles erkennen laEt, sondern 
durch die extreme Ausf ormung der nationalsozialistischen „Europa''=Politik, die 
brutale Besatzungspolitik im Osten, die eingeleitete „Endlosung'' der Judenf rage 
im ganzen deutschen Machtbereich, den innerhalb und aufierhalb der Reichs= 
grenzen verscharf ten Terror (z. B. Lidice) und die Ausdehnung des SS=Bereiches 
(auch gegeniiber der Wehrmacht: Erweiterung der Waffen=SS, Einrichtung der 
Hdheren SS= und Polizeifiihrer, Ubemahme der Partisanenbekampfung au6er= 
halb des engeren Operationsbereichs), die 1942 gesteigert fortgefiihrt wurde, 
forderten Hitler und sein Regime alle politischen und sittlichen Krafte inner= 
halb und aufierhalb seines europaischen Machtbereichs heraus, die sich im 
Widerstand gegen ihn vereinigten. Dieser Zusammenhang konnte nicht Gegen= 
stand einer strategischen und operativen Betrachtung aus dem Blickwinkel der 
deutschen Obersten Fiihrimg iiber das Jahr 1942 sein, sollte aber am Schlufi 
doch bei der historischen Einordnung und Beurteilung des Ganzen als ent= 
scheidendes Moment hervorgehoben werden. 



177 



B. Kriegstagebuch 1942 



"~ V- - "T 



4:^. 



g£|:vo^.::.ir 



Das erste Quartal 
(l.Januar bis 31.Marz 1942) 

1. Januar 1942 

Lagebericht OKH* 
Osten^ 

H.Gr. sad: 

11. Armee: Auf dem Nordfliigel der Sewastopol=Front kam der eigene An= 
griff bis an ausgebaute fdl. Bunkerstellungen heran. Russ. Gegenangriffe wur= 
den iiberall abgewiesen, Feindansammlungen und Bewegungen durch eigene 
Artl. bekampft. 

Im Raum um Feodosia blieb ein Feindangriff ostw. Stary Krym erfolglos, im 
Gegenstofi wurde die Gegend 3 km nordostw. Stary Krym erreicht. Weitere 

1 Das Kriegstagebuch des WFStabes des I. Quartals 1942 muji als verloren ange= 
sehen werden. Als Ersatz werden fur die Zeit vom 1. Januar bis zum 6. Februar 
1942 die Lageberichte des Oberkommandos des Heeres, hrsg. von OKH/Gen.St.d. 
H./Op.Abt. (HI) g.Kdos., betreffend die Ostfront (einschl. Finnland) und Nor= 
wegen, abgedruckt. Fotokopien hiervon befinden sich im Bundesarchiv=Militar= 
archiv Koblenz (H 80—4/j). Die Lage in Nordafrika ergibt sich aus den TagesmeU 
dungen der Panzergruppe, ab 22. Januar 1942 Panzer=Armee Afrika, entnommen 
der Zusammenstellung „Schlachtbericht der Panzerarmee Afrika", 18. November 
1941 — 6. Februar 1942, Oberkommando der Panzerarmee Afrika Abt. la Nr. 1500I 
42 g.Kdos., Febr. 1942 (Fotokopien im Bundesarchiv=Militdrarchiv Koblenz). 
FUr die Zeit vom 7. Februar bis 51. Marz 1942, fiir die die Lageberichte der Wehr= 
machtteile — aufler Kriegsmarine — vollig fehlen, wurden als Ersatz Auszuge aus 
dem Tagebuch des Chefs des Generalstabes des Heeres, Generaloberst Haider, 
die die Heereslage betreffen, aufgenommen. 

Die Lageberichte des OKH waren jeweils um ij.oo Uhr des betreffenden Tages 

abgeschlossen. Die Tagesmeldungen Afrika wurden am Vorabend des Tages ab- 

gefaflt, unter dem sie hier aufgefiihrt sind. 

Luftlage=Meldungen in der Form, wie sie fiir die Zeit vom 1. 7.— 31. 12. 1942 vor= 

liegen (s. 1. 7. 1942), haben sich fiir die Zeit vom 1. 1. — 30. 6. 1942 nicht auffinden 

lassen. Zur Marine=Lage wird auf die „Niederschriften iiber die Besprediungen 

des Ob.d.M. beim Fiihrer" verwiesen (s. EinfUhrung, S. 6, Anm. 1). 

Zus'dtze des Bearbeiters, die insbesondere auf Dokumente im Anhang verweisen, 

sind durch eckige Klammern gekennzeichnet. 

2 tlber die Lage am 1. Januar 1942 notierte Generaloberst Haider in sein Tage= 
buch: „Neu: a) Angriff gegen Nordfliigel 6. Armee und offensichtlicher Kraft= 
anlauf des Feindes auch gegen iibrige Front 6. Armee. b) Beginnender Gro^an= 
Z^^ff i^gsn Tigoda=Ecke der H.Gr. Nord. Von den alten DrucJcstellen ist fest= 

181 



B. Kriegstagebuch 

eigene Krafte halten in der Linie Islam Terek — ostw. Set Asan ostw. Wladis= 
lawowka. 

Im Armeebereich starker Frost und Schneefall bei triibem Wetter. 

1. Pz.Armee: Am Nordfliigel wurden mehrere Angriffe schwacherer Feind= 
krafte gegen St. Foschtschowka und siidl. abgewiesen. An der iibrigen Front 
der Armee beiderseitige Spahtrupp= und Artl.=Tatigkeit. Die fdl. Luftwaffe war 
reger als bisher. 

17. Armee: Im Abschnitt nordl. St. Losktowka wurden mehrere Feindvor= 
stolie zuriickgeschlagen. An der iibrigen Front Spahtrupp= und Artl.=Tatigkeit. 

6. Armee: Die Abwehrkampfe gegen einen nachtlichen Angriff des Gegners 
bei Chotomlja sind noch im Gange. Ostw. Jakowlowo wurde der Gegner nach 
Osten geworfen und der Raum vom Feind gesaubert. Feindansammlungen 
nordl. St. Sashnoje lassen dort weitere Angriffe erwarten. Die HKL zwischen 
St. Eslenishino und Prochorowka ist fest in eigener Hand. Im gesamten Bereich 
der H.Gr. herrscht Frostwetter, teilweise bis zu 23 Grad Kalte. 

H.Gr. Mine: 

2. Armee: Siidl. Bogdanowka drang der Gegner nicht weiter nach Westen 
vor. Westl. Tim wurden fdl. Kolonnen im Zuruckgehen nach dem Osten 
beobachtet, anscheinend in Auswirkung der erfolgreichen Abwehrkampfe der 
letzten Tage. Russ. Angriffe bis zu Btl.=Starke gegen die Front 7 km ostw. 
Schtschigry blieben erfolglos. 

An der Tim — Sosna=Front wurden iiberall fdl. Erkundungsvorstolie abge= 
wiesen. Der Feinddruck nordl. und nordostw. Droskowo hielt an, doch konnten 
alle Feindangriffe zerschlagen werden. Nordwestl. Droskowo kam der eigene 
Angriff beiderseits Senowjewka gegen zahen Gegner weiter vorwarts. Senow= 
jewka wird gegen heftige Feindangriffe gehalten. Nordl. Trudki und siidwestl. 
Nowosil konnten fdl. Angriffe gleichfalls keinen Boden gewinnen. 

2. Pz.Armee: Ostw. Mzensk wurde ein fdl. Erkundungsvorstofi, westl. Go= 
roditschtsche ein fdl. Angriff in Btl.=Starke zuriickgewiesen. Im Gegenangriff 
konnte die eigene Linie bis 20 km ostnordostw. Bolchow vorgetragen werden. 
Der Angriff gegen den im Oka=Bogen stehenden starken Feind ist noch im 
Gange. Nordl. davon griff der Russe wahrend der Nacht den eigenen Br.=Kopf 
iiber die Oka westl. Budogowischtschi an. Die Kampfe sind noch im Gange. 
Wahrend westl. Semenowskaja iiber die Oka vorgedrungener Feind auf das 
Ostufer zuriickgeworfen werden konnte, erzielte ein weiterer Angriff von Nor= 
den einen Einbruch und konnte in Bjelew eindringen. Nach schweren Kampfen 

zustellen: Krim=Lage gespannt und ohne neue Krafte schwer zu bereinigen. Sud= 
fliigel Mitte erneut durch Angriff bedrangt. Oka=Lucke beginnt sich zu umranden. 
4. Armee verschiedentlich unter schwerem Druck. 5. und 4. Pz.Gr. weisen Feind= 
angriff ab. 9. Armee beiderseits des zerstorten Stariza durchbrochen, kampft um 
ihren Zusammenhalt." 

Vgl. auch den grundlegenden OKW=BefehlNr. 4422yy/4i g.Kdos. Chefs. WFSt/Op. 
(H) vom 28. 12. 194^ (zit. in der Einfuhrung, S. }8 f.). 

182 



1. Januar 1942 

mufite die Stadt aufgegeben und die eigene vordere Linie hinter den Wyra=Ab= 
schnitt zuriickgenommen werden. 

4. Armee: Eine rote Division griff von Siiden und Osten Suchinitschi an. Die 
Kampfe sind noch im Gange. Ein aus Juchnow nach Siidosten vorgetragener 
eigener Angriff konnte bis 3 km nordl. Ostapowa Raum gewinnen. Nordl. 
Kaluga blieben fdl. Angriffe gegen die eigene Westfront und die Ostfront bei 
Tichonowa Pustyn und Goronak ohne Erfolg. Die HKL verlauft an der Bahn 
Bjedschino— Malojaroslawez. Nordl. Malojaroslawez gelang es dem Feind, die 
Strafie nach Borowsk zu erreichen und zu sperren. Weitere Feindteile konnten 
sich Borowsk von Nordosten nahern. 

Pz.Gr. 4: Beiderseits der Autobahn wurden Angriff e von zwei rotenBtl.en so= 
wie zahlreiche Erkundungsvorstofie an der iibrigen Front abgewiesen. Auch im 
Abschnitt beiderseits Busa war die fdl. Erkundungstatigkeit rege. Vorstofie 
wurden jedoch iiberall zuriickgeschlagen. Beiderseits Ostaschewo setzte der 
Gegner seine bisherigen heftigen Angriffe, nachdem der Tag ruhig verlaufen 
war, in der Nacht mit schwacheren Kraften fort. Dagegen hielt der Feinddruck 
nordnordwestl. Wolokolamsk in derselben Starke an. 

Pz.Gr. 3 wehrte siidwestl. Oschosikimo mehrere Feindangriffe erfolgreich ab. 

Das XXXXI. A.K. vernichtete hierbei den 1000. Pz.Kampfwagen (1 52=t) seit 
Beginn des Ostfeldzuges. 

9. Armee: Am rechten Fliigel wurden mehrere russ. Angriffe erfolgreich ab= 
geschlagen und bei einem Gegenstofi 17 Feind=MG's erbeutet. Nordl. Steponino 
und nordwestl. Babysino gelangen dem Gegner kleinere Einbriiche, die abge= 
riegelt wurden. Siidostw. Darjino konnte der Gegner weiter nach Siiden vor= 
dringen. 

Eigene Krafte halten ostw. Malegino. Das Wetter im Siidteil des H.Gr.=Be= 
reiches war klar, im Nordteil diesig. Die Temperaturen schwanken zwischen 
25 und 31 Grad Kalte. Der Strafienzustand hat sich nicht verandert. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Am Siidostrand des Ilmen=Sees wurden schwachere Feindkrafte 
im Miindungsgebiet des Lowat gemeldet. Gegenmafinahmen sind im Gange. 

An der Wolchow=Front wurde siidl. Schewelewo der Vorstofi eines Feind=Btl. 
abgeschlagen. Die Kampfe sind z. T. noch im Gange. Die Sauberimg des Hin= 
tergelandes wurde fortgesetzt. Der eigene Angriff nordwestl. Sawisha zur Ab= 
schniirung der dort befindlichen Feindteile ist im Gange. Der Feind erlitt hohe 
Verluste. 

i5. Armee: Angriffe auf den eigenen Br.=Kopf ostw. Salzy wurden abge= 
schlagen. Nordl. B. Ostrow ist ein Gegenangriff zur Bereinigung eines ortlichen 
Einbruchs im Gang. Weitere Angriffe nordwestl. davon sowie fdl. Stofitrupp= 
unternehmen an der Newa=Front wurden gleichfalls zuriickgeschlagen. Artl. 
bekampfte Riistungs= und Versorgungsbetriebe in Leningrad. 

Im H.Gr.=Bereich herrschen 16 bis 20 Grad Kalte. 

183 



B. Kriegstagebuch 

Finnisdie Front (i. i.) 

Karelische Armee: Nordwestl. Osclita konnten ortliche Angriffe weitere Frontver= 
besserungen erzielen. Bei Wonshosero wurde der Feind zuriickgeschlagen. Er grabt 
sich ein. 

Die fdl. Luftwaffe griff besonders an der Swir=Front an, Bei Temperaturen von 
15—20 Grad Kalte fiel stellenweise Schnee. 

AOK Norioegen: Der Gegenangriff der Siidgruppe des III. finn. A.K. ist im Fort= 
schreiten. Feindangriffe gegen das XXXVI. Geb.Korps sowie gegen das Geb.Korps 
Norwegen blieben ohne Erfolg. 

Temperaturen von 15—55 Grad Kalte. 



Afrika (31. 12.) .'rii,no\ •■ 

1. Feind an Agedabia=Front setzte sich mit Masse im Raum Saunnu— Antelat 
ab. Poln.Brigade wurde dagegen in Raum Beda Fomm und sudlich naher an die 
Agedabia=SteIIung herangefiihrt. Luftaufklarung stellte Zufiihrung von Verstar= 
kungen iiber Gazala auf Mechili fest. 

2. Panzergruppe trieb 31. 12. verstarkte bewaffnete Aufklarung vor Agedabia= 
Front Richtung Saunnu — Antelat vor. Luftwaffe griff zuruckgehenden Feind mit 
grofiem Erfolg an. Sie vernichtete aufierdem einen sudlich Agheila nach Westen 
vorstoEenden mit Artl. ausgestatteten Spahtrupp. 

3. Nach dreistundiger starkster Artl.=Vorbereitung griff Feind unterstiitzt durch 
Luft= und Seestreitkrafte (5 Kreuzer, 2 Torpedoboote) 31. 12. morgens mit Panzern 
Festung Bardia an. Ihm gelang breiter Einbruch in die Siidfront des Festungsbe= 
reiches. Eigene Luftunterstutzung war aus Wettergriinden leider nicht moglich. Da 
Gegenangriff bisher noch keinen Erfolg hatte, mu6 auf Grund der geringen Ab= 
wehrkraft der allein auf sich gestellten Festung mit ihrem baldigen Fall gerechnet 
werden. 

4. Absicht fiir 1. 1. 42: 

Fortsetzung der bewaffneten Aufklarung vor der Agedabia=Stellung Richtung 
Saunnu — Antelat unter Einsatz des italienischen mot.Korps und einer deutschen 
Kampfgruppe. 

5. In der Zeit vom 21.— 31. 12. 41 wurden 130 Pz.Kampf= und 40 Pz.Spahwagen 
vernichtet. In dem gleichen Zeitraum wurden 17 Flugzeuge abgeschossen. Damit sind 
in der Zeit vom 19, 11.— 21. 12. 1941 insgesamt vernichtet bzw. abgeschossen worden: 
1246 Pz.Kampf= und Spahwagen sowie 271 Flugzeuge. 



! 2.Januarl942 

Lagebericht OKH 
Osten^ 

H.Gr. Sud: 

II. Armee: Der eigene Angriff an der Sewastopol=Front ist voriibergehend 
eingestellt. Starkere Gegenangriffe des Feindes gegen den linken Fliigel der 
Angriffsfront wurden in zahen, den ganzen Tag andauernden Kampfen unter 
starken Verlusten fiir den Gegner abgeschlagen. 

1 Notizen Haider zur Lage am 2. Januar 1942: 

„Ein Tag wilder Kampfe. Wahrend sich auf der Krim ein voruhergehender Stopp 
des Feindes unter der Einwirkung der Luftwaffe ergibt und in der Siidhalfte der 

t84 



2. Januar 1942 

An der Front bei Feodosia im allgemeinen keine Veranderung der Lage. Die 
von Kertsch ausgewichenen Krafte haben sich zur Verteidigung in der Linie 
westl. und siidl. Set Asan— Kiiste (9 km siidwestl. Arabat) eingerichtet. Der 
Feind hat seinen Angriff zunachst nicht fortgesetzt, sondern verstarkt seine 
Stellungen im Landekopf Feodosia und sichert sich den Besitz des Zugangs zur 
Landenge Kertsch. 

Trotz schwieriger Wetterbedingungen unterstiitzte das IV. Fl.=Korps die Ar= 
mee in rollendem Einsatz gegen Hafen und Seegebiet Feodosia und gegen Kfz.= 
Ansammlungen und Truppenteile des Gegners, hierbei wurden ein 6—Sooo= 
Tonner versenkt sowie ein kleines und zwei mittlere Schiffe (dabei vermutUch 
1 Kriegsschiif) beschadigt. imi ^ffb-^/r 

Wechselnd bewolktes Wetter mit anhaltendem Frost. 

I. Pz.Armee: Auf dem Nordfliigel wurden schwachere Feindangriffe in Ge= 
gend St. Foschtschowka abgeschlagen. Ein nachtUcher Vorstoli iiber das Eis 
ostw. Taganrog bUeb ebenfalls erfolglos. An der gesamten iibrigen Front der 
Armee halt das Storungsfeuer der fdl. Artl. und Gr.Wf. weiterhin an. 

Zahlreiche LuftangrifiFe mit Bomben und Bordwaffen im gesamten Armee= 
gebiet, vor allem auf dem Stid= und Nordfliigel. 

Klares, sonniges Wetter, bis minus 16 Grad Kalte. Vereiste Strafien mit 
stellenweisen Schneeverwehungen, die die Bewegungen stark behindern. 

ly. Armee: Ein fdl. Angriff in Starke von 2 Btl.en wurde bei der Armee= 
mitte in Gegend 10 km siidostw. Bogoroditschno unter hohen Verlusten fiir 
den Gegner abgeschlagen. An der iibrigen Front der Armee nur Spahtrupp* 



Ostfront trotz recht erheblicher Kdmpfe am Nordfliigel der 6. und am Sudflugel 

der 2. Armee im wesentlichen eine operativ wirkende Gefahr nicht zu bestehen 

scheint und audi an der Oka=Liicke, an welche der Feind stUrkere Krafte nach=> 

fUhrt, eine gewisse Umrandung sich zu zeigen beginnt, sind bei 4. Armee und 

9. Armee schwere Krisen entstanden. 

DerDurchbrudi nordlidi Malojaroslawez reifit die Front auseinander, ohne daji im 

Augenblick zu ersehen ist, wie sie wieder geschlossen werden kann. Bei 9. Armee 

ist von Stariza her die Front durchbrochen. Hier ist anscheinend ein FUhrungs= 

durcheinander entstanden, bei dem eine riickwartige „K=Bergstellung" , die gar 

nicht besteht, eine verheerende Rolle gespielt zu haben scheint. Die Front ist 

zuriickgenommen und anscheinend schon wieder durchbrochen. 

Diese Lagen fUhren zur Forderung des Fm. v. Kluge auf Zuriicknehmen der an= 

schliefieriden Fronten. Sehr erregte Auseinandersetzungen mit dem FUhrer, der 

aber auf seiner Auffassung beharrt. Die Front wird also stehen bleiben ohne 

Riicksicfit auf die Folgen. 

Die bei 9. Armee eingetretenen Zuriickverlegungen entgegen dem Willen der 

Obersten FUhrung geben bei der Morgenbesprechung Anlajl zu tobenden Szenen, 

in denen dem OKH vorgeworfen wird, die Armee parlamentarisiert zu haben 

und nicht straff zu fUhren. Diese mit vollig unhaltbaren AnwUrfen versehenen 

AusfUhrungen nehmen die Zeit weg und untergraben die gedeihliche Zusammen^ 

arbeit. 

Anschlieflend Gesprach mit den Heeresgruppenchefs, um sie ins Bild zu setzen 

liber die Gedankenbildungen an oberster Stelle. 

Mehrfach Gesprach mit v. Kluge, der nicht mehr ein noch aus weifl und von 

Vertrauenskrisis spricht." f:;..,' .< ir:y/r.'.nvi>. ^ • 

185 



B. Kriegstagebuch 

tatigkeit und Art.=Storungsfeuer. Vereinzelte fdl. Fliegerangriffe, starke fdl. 
Jagdabwehr gegen eigene Luftaufklarung. 

Klares Frostwetter mit 17 Grad Kalte. 

6. Armee: Auf rechtem Armeefliigel fdl. Spahtrupptatigkeit. Westl. St. 
Bulselowka griff ein fdl. Panzerzug in den Kampf ein. Bei Chotomlja griff der 
Feind erneut an, wurde im schweren Nahkampf geworfen und zog sich vor 
dem eigenen GegenstojS nach Osten zuriick. 

Die siidl. Prochorowka vorgedrungene Feindgruppe wurde iiber die Bahn= 
linie Bjelgorod— Kursk nach Osten zuriickgedrangt. Hier griff der Gegner heute 
Nacht nach Art.=Vorbereitung erneut an. Die nordl. davon iiber die Seimisa 
angreifende Feindgruppe erreichte mit vordersten Teilen den Abschnitt siid= 
siidwestl. Dmitrijewskoje. St. Rshawa wird noch gehalten. Nordwestl. des 
Bahnhofes haben Teile des Feindes Iselezkoje erreicht. Auch auf dem Nord= 
fliigel der Armee bei Bogdanowka griff der Gegner an. 

H.Gr. Mitte: 

2. Armee: Der erwartete neue Feindangriff auf der Naht zur 6. Armee hat 
im Raum siidwestl. Tim zu Einbriichen gefiihrt. Westl. Tim wurde ein starker 
Feindangriff durch Einsatz mit Sturmgeschlitzen zum Stehen gebracht. Ein 
Einbruch nordwestl. der Stadt konnte durch Einsatz letzter Reserven und Pan= 
zer nach Siiden abgeriegelt werden. Mehrere Feindangriffe gegen die Front 
nordl. davon wurden erfolgreich abgewiesen. Ein russ. Entlastungsangriff mit 
Panzer=Unterstutzung nordostw. Broskowo bUeb erfolglos. Hier gewann der 
eigene Panzer=Vorstofi nach Norden und Nordosten gut Boden. Eine Feind= 
Battr. wurde erbeutet imd der Durchbruch 15 km nordwestl. Droskowo einge= 
schlossener Feindteile nach Osten verhindert. Es gelang, die Verbindung zu 
dem siidl. Trudki ebenfalls nach Osten angreifenden eigenen Fliigel herzustel= 
len und die Liicke hier zu schliefien. Abwehrkampfe gegen siidwestl. Nowosil 
erneut angreifenden Feind waren noch im Gange. Bedecktes Wetter mit 
— 22 Grad tiefste Temperatur. 

2. Pz. Armee: Im rechten Armeegebiet lebhafte beiderseitige Artl.= und Spah= 
trupptatigkeit. Eigene Art. bekampfte wirkungsvoll fdl. Bereitstellungen. 

Der eigene Angriff bei Bolchow gewann gut nach Osten Boden. 20 km nord= 
ostw. der Stadt halt der Feind noch auf dem Westufer der Oka. Er hatte hohe 
blutige Verluste. Ein Gegenangriff wurde abgeschlagen und 1 Battr. erbeutet. 
Siidl. und siidostw. Bjelew dauern die schweren Abwehrkampfe gegen einen 
starken Feindangriff noch an. In der Westflanke der Armee wurden bisher 
keine Feindkrafte festgestellt. Eine eigene Kampfgruppe kampfte die vom Geg= 
ner gesperrte Bahnlinie 20 km siidwestl. Suchinitschi frei. 

Bedecktes Wetter, 15 Grad Kalte. 

4. Armee: Starke Feindangriffe auf Suchinitschi wurden unter hohen Ver= 
lusten fiir den Gegner durch gut liegendes Art.=Feuer und unter Mitwirkung 
der Luftwaffe abgewehrt. Bei Mosalsk fiihlte der Feind mit Reiter= und Ski= 

186 



2. Januar 1942 

Spahtrupps vor. Ein eigener Panzervorstoli drang bis in Gegend 15 km sudl. 
Juchnow. Bei Wschiwka sind eigene Krafte im Vorgehen nach Siidwesten. Fdl. 
Angriffe gegen die Front bei Kaluga wurden abgewehrt und ein Einbruch im 
Gegenstofi bereinigt. 

Nordl. Kaluga und beiderseits der Rollbahn fiihlte der Gegner gegen die 
Front vor. Seine Ang-riffe wurden im allgemeinen abgewiesen, jedoch drang er 
von Nor den in Malojaroslawez ein. Die eigenen Krafte reichen nicht aus, um 
die Stadt wiederzunehmen. 

Ein Feindangriff auf Jermolino wurde abgeschlagen, nordwestl. davon drang 
der Feind durch und drang von Siiden in Borowsk ein. Die Stadt wird gehalten. 
Nordl. Jermolino sind die Kampfe mit eingebrochenem Feind noch im Gange. 

Zeitweise sonniges Wetter, 25—30 Grad Kalte. 

4. Pz.Armee: Vor rechtem Armeefliigel und vor der Mitte lebhaftes Art.= 
Storungsfeuer und Spahtrupptatigkeit. Schwachere ortliche Angriffe und Er= 
kundungsvorstofie wurden abgeschlagen. Der starke Feinddruck gegen die 
Front bei Wolokolamsk halt weiterhin an. Erneute Feindangriffe dort wurden 
abgewehrt. 

Bei der 3. Pz.Armee wurden Feindangriffe in Btl.=Starke abgewiesen. Hier 
sind vor Front neue Feindverbande festgestellt. 

Leicht bewolktes Wetter. Starker Frost minus 30 Grad. 

9. Armee: Mehrfache Feindvorstofie am rechten Armeefliigel wurden erfolg= 
reich abgewehrt. Bei Gorodischtsche wurde die eigene Front ortlich zuriick= 
genommen. 

Bei Stariza stehen die eigenen Krafte in harten Abwehrkampfen gegen den 
stark nachdrangenden Feind im Waldgelande siidostw. der Stadt. 

Mologino wurde im schwerem Kampf gegen starke Angriffe gehalten. Von 
Rshew herangefiihrte Krafte sichern siidl. der Stadt. Die hier gerissene Liicke 
kann vorlaufig nur durch Spahtrupps iiberwacht werden. Die Verteidigung ist 
westl. Mologino, in Gegend Jekimowo und siidostw. und ostw. Borisowo auf= 
gebaut. Fdl. Angriffe gegen den linken Armeefliigel wurden abgewiesen. 

Bedecktes Wetter, 28 Grad Kalte. (J i- 

H.Gr. Nordl 

16. Armee: Siidl. des Ilmen=Sees rege beiderseitige Spahtrupptatigkeit. Fdl. 
Angriffe bei Schewelowo wurden abgeschlagen. 2 Einbruchsstellen nordl. Lesna 
am Nordfliigel der Armee sind trotz starker Feindangriffe mit Panzer=Unter= 
stiitzung unter Einsatz aller ortlichen Reserven abgeriegelt. 

18. Armee: Siidl. der Tschogoda=Miindung iiber die Bahnlinie nach Westen 
vorgestofiene Feindteile konnten zuriickgeworfen und die Einbruchsstellen ab= 
geriegelt werden. Die nordl. der Tschogoda=Miindung durchbrochene HKL am 
Wolchow wurde wiedergewonnen. Abgeschnittene Feindgruppen befinden sich 
noch westl. des Flusses. Die Schliefiung der Einbruchsstelle nordl. B. Ostrow ist 
noch nicht gelungen. An der iibrigen Armeefront wurden mehrere ortliche An= 

187 



B. Kriegstagebuch 

griffe in Gegend St. Maluksa und Stofitrupp=Unternehmungen an der Lenin= 
grader Front abgewiesen. 

Rege fdl. Fliegertatigkeit an der Leningrader Front und iiber dem Ladoga= 
See. Verkehr mit Transportmasdiinen zwischen Leningrad und Kronstadt. 
Bombenangriffe bei Peterhof. mlhM 

Im Bereich der H.Gr. klares Wetter, bei 16. Armee bis minus 35 Grad, bei 
18. Armee durchschnittlich 27 Grad Kalte. 



Finnisdie Front (2. 1.) 

Im finnischen Meerbusen wurde die Insel Semeri (50 km siidostw. Kotka) von 
finnischen Truppen besetzt. 

Karelische Armee: In der nordostw. Onega=Budi:t besetzte der Feind eine Insel 
westl. Tsdielmuska und wurde unter Verlust zahlreicher Gefallener wieder ver= 
trieben. 

An den iibrigen Fronten keine besonderen Ereignisse. 

Beiderseitiges Art.=Storungsfeuer, ortliche Angriffe wurden abgewiesen. 

AOK Norwegen: Bei Uhtua und vor dem Geb.Korps wurden fdl. Angriffe abge= 
schlagen. Lebhafte Fliegertatigkeit bei Geb.Korps mit Bombenwurf auf Kirkenes. 

Bedecktes Wetter, Schneefalle, minus 15 Grad. 



Afrika (1. 1.) 

1. Gegner hat sich nicht weiter abgesetzt. Nach Horchaufklarung ist mit Zufiih= 
rung neuer Krafte zu rechnen. — Ital. mot. Korps und deutsdie mot. Kampfgruppe 
gewannen Raum 23 km nordostwarts Agedabia gegen auf Hohen 35 km nordost= 
warts Agedabia sichemde Feindgruppe. — Vor Agedabia=Front und in deren Siid= 
flanke beiderseitige Aufklarungstatigkeit. 

2. Die geringen Gefeditsstarken und die unzureidiende Bewaffnung der ital. 
Divisionen sowie die sidi aus der Lage der Feldflugplatze ergebende besdirankte 
Einsatzmoglichkeit der Luftwaffe zwingen dazu, die Front Zug um Zug in die 
Marada=el=Agheila=Stellung zuriidczunehmen. Diese Bewegung ist dadurch be= 
sonders schwierig, dafi sie wegen des sonst sdiwer gangbaren Gelandes auf einer 
Strafie erfolgen mu6. Sie soil daher moglichst nicht unter Feinddrudc durchgefiihrt 
werden. Deshalb wird sie in Nadit 1./2. 1. 42 mit der Zurxid<nahme einer der 
an der Agedabia=Front eingesetzten Divisionen in den Raum siidlich el Agheila 
eingeleitet. 

3. Der Einbruch in die Siidfront der Festung Bardia konnte durch Gegenangriff 
abgeriegelt werden. Die Abwehrfront hielt auch dem am 1. 1. 42 bei Tagesanbrudi 
unter starker Artillerie= imd Panzerunterstiitzung fortgesetzten feindlidien Angriff 
stand. Hierbei wurden 3 Panzer= und 3 Pz.Spahwagen abgeschossen sowie iiber 50 
~ zum Teil polnische — Gefangene eingebracht. Im Verlauf der rollenden starken 
Luftangriffe wurde deutsches Lazarett getroffen, 

Eigene Luftunterstiitzung konnte aus Wettergriinden audi am 1. 1. 42 nidit er= 
folgen. Am 2. 1. 42 ist mit nodi starkerem Angriff zu rechnen, da der Feind neue 
Krafte durch die Einbruchsstelle nachgezogen hat. 



188 



3- Januar 1942 

S.Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Slid: 

11. Armee: An der Front vor Sewastopol keine Veranderungen. Sudwestl. 
Feodosia wurde Otusy von eigenen Kraften besetzt. Aufier beiderseitiger 
Spahtrupptatigkeit keine besonderen Ereignisse. 

1. Pz. Armee: Am Siidfliigel blieb ein feindl. Angriff in Btl.=Starke bei Sam= 
bok ohne Erfolg. Starkes feindl. Feuer schw. Inf.=WafiFen und Artl. lag auf 
dem Nordteil der Armeefront. In dem anderen Abschnitt Storungsfeuer. 

17. Armee: Im Siidabschnitt wurden feindl. Spahtruppunternehmen abge= 
wiesen. Stellenweise Stolitrupp= und Spahtrupptatigkeit sowie ortl. Artl.= 
Storungsfeuer an der iibrigen Armeefront. 

6. Armee: Am Siidfliigel wurden einzelne Feindangriffe abgewehrt. Beider= 
seits Woltschansk rege eigene und feindl. Spahtrupptatigkeit. 3 km siidostw. 
und 6 km siidl. St. Belenichino nahmen eigene Krafte mehrere Ortschaften. 
Feindl. Gegenangriffe wurden abgewehrt, die Kampfe sind noch im Gange. 
Bei und siidl. Dmitrijewskoje und bei Prochorowka blieben Feindangriffe er= 
folglos. Gegen Feind, der von Nordosten in Richtung Obojan vorging, ist ein 
eigener Gegenangriff im Gange. Am Nordfliigel der Armee wurden weitere 
Feindangriffe iiberall abgewehrt. 

Im gesamten Bereich der H.Gr. nahm der Frost zu. Bei 1. Pz.Armee herrschte 
Schneesturm. Der gesamte Verkehr wird durch Sdineeverwehungen erschwert. 

H.Gr.Mitte^: 

2. Armee: Siidwestl., westl. und nordwestl. Tim setzte der Russe seine 
heftigen Angriffe mit zusammengefafiten Kraften fort. Die Angriffe wurden 
von Panzem unterstiitzt, audi Kav. war eingesetzt. Trotzdem gelang es, alle 
diese Angriffe aufzuhalten. Der Gegenstoli eigener Panzer ist eingeleitet. Die 

1 Notizen Haiders: 

„Die Lage bei H.Gr. Mitte hat sich durch den tiefen Einbruch zwischen Malo- 
jaroslawez und Borowsk sehr erschwert. Dariiber grojie Aufregung bei Kiibler 
(OB der 4. Armee) und v. Kluge, der Zuriicknehmen der nordlich anschlief^enden 
Fronten fordert. 

Wieder eine dramatisdie Szene beim Fiihrer, in der er den Mut der Generate 
bezweifelt, harte Entscheidungen zu trejfen. Tatsdchlich handelt es sich darum, 
dajl die Truppe bei Kaltegraden Uber 30 Grad einfach nicht mehr halt. 
Der Fiihrer entscheidet: Erst ist die LUcke aus den Nachbarbereichen heraus zu 
scklie^en, dann kann von Zuriicknehmen die Rede sein. Entscheidung will er 
aber in jedem Falle selbst trejfen. An den iibrigen Fronten leidlich Ruhe. Bei 
6. Armee ist man anscheinend mit den ortlichen Einbriichen fertig geworden. 
2. und 2. PzArmee scheinen zu stehen. Um den Sack des Oka=Dur(kbruchs sam= 
meln sich einige Truppen, aber der Feind ist hier allmahlich audi aufgesMossen 
und wird in den nachsten Tagen sich noch unbequem fUhlbar machen. Bei 9. Ar= 
mee ist die Lage teilweise nodi recht unklar. Ortlidie EinbrUdie in die zuriidc* 
gesetzte Linie." 

189 



B. Kriegstagebuch 

Kampfe dauern noch an. Siidl. Slamowka und westl. Livvny blieben feindl. 
Angriffe in Btl.=Starke, die von Artl. unterstiitzt waren, erfolglos. Eigene 
Krafte stieiien im Gegenangriff bis 6 km siidostw. Trudki vor. Siidwestl. 
Nowosil setzte der Feind seine Angriffe fort. 

2. Pz.Armee: Am Siidfliigel, besonders bei Gorodischtsche, lebhafte beider= 
seitige Spahtrupp= und Artl.=Tatigkeit. Gegen die Oka=Front nordostw. Fat= 
newa fiihrte der Feind mehrere Angriffe, die durch zahlreiche schwere Waffen, 
Artl. und Panzer unterstiitzt waren. Die Angriffe brachen unter hohen Feind= 
verlusten im eigenen Abwehrfeuer zusammen. Feindl. Vorstolie siidostw. und 
nordostw. N. Dolzy wurden abgewiesen. An der Nordfront der Armee wurde 
ein feindl. Angriff siidl. Bjelew abgewiesen. 

4. Armee: Angriffe von Westen auf Suchinitschi wurden von den dort hal= 
tenden eigenen Kraften abgeschlagen^. Nordl. der Stadt halt der Russe den 
Bahnhof besetzt. Der eigene Angriff aus Juchnow in siidl. Richtung gewann 
bis zur Linie Sulichowo— Ostapowa Boden. Nordl. Subowo wurden Feind= 
vorstolie abgewiesen. Nordwestl. Kaluga wurden russ. Angriffe an der Siid= 
west= und Ostfront zerschlagen. Siidl. Djedschino brachen russ. Angriffe vor 
der eigenen Front zusammen. Ostw. Rjabzewa wurden Feindansammlungen 
vor der Front festgestellt und bekampft, nordl. davon mehrere Angriffe ab= 
geschlagen. Beiderseits der Rollbahn bei Malojaroslawez wurden in schweren 
Kampfen heftige Angriffe starker russ. Krafte zuriickgeschlagen. Ein Einbruch 
nordl. der Strafie wird bereinigt. 

4. Pz.Armee: In Borowsk sind Kampfe mit dem vom Siiden und Siidwesten 
eingedrungenen Gegner im Gange. Siidl. Naro Fominsk blieben feindl. Vor= 
stolBe bei schweren Verlusten fiir den Gegner erfolglos. Feindl. Bereitstellun= 
gen wurden durch eigene Artl. zerschlagen. Im Raume um Rusa verstarkte 
sich die Spahtrupp= und Artl.=Tatigkeit. Beiderseits Ostaschewo wurden feindl. 
Angriffe in Btl.=Starke abgewehrt. Erkannte Feindansammlungen bekampfte 
die eigene Artl. wirksam. Nordl. und siidl. Wolokolamsk hielten die durch 
Panzer unterstiitzten Angriffe starker Feindkrafte an. AUe Angriffe wurden 
abgeschlagen. 

3. Pz.Armee: Westl. Oschoikino konnte ein feindl. Vorstoli mit einzelnen 
Panzern an unserer Front abgeschlagen werden. 

9. Armee: Der Feinddruck vor dem rechten Fliigel verstarkte sich. Gstw. 
und westl. Gorodischtsche konnten starkere Feindkrafte mit Panzern zuriick= 
geschlagen, ein ortlicher Einbruch abgeriegelt werden. 4 Feindpanzer wurden 
vernichtet. Bei Bjagulino konnten Feindteile auf das Westufer der Wolga vor= 
stofien, wahrend westl. Kalodino 2 angreifende russ. Kp.en zuriickgeschlagen 
wurden. Beiderseits der Strafie Stariza— Rshew und 8 km siidwestl. Nowoje 
stehen eigene Krafte in hartem Abwehrkampf. Die starken Feindangriffe 

2 In Suchinitschi waren seit 5. Januar 1942 rd. 4000 Mann, Teile der 216. Inf.Div. 
unter Ceneralmajor Frhr. von und zu Gilsa, eingeschlossen (Gruppe Gilsa). 

%90 



3. Januar 1942 

konnten bisher im wesentlichen abgewiesen werden. In Mologino haltende 
eigene Sicherungen mufiten den Ort vor iiberlegenem Feindangriff raumen. 
AUe iibrigen Angriffe gegen die Front westl. der Stadt blieben jedoch erfolglos. 
3 russ. Btl.e, die am B.Koscha=Abschnitt angriffen, wurden unter hohen Ver= 
lusten zuriickgeschlagen. 

Wetter im Siiden des H.Gr.=Bereichs triibe bei 28 Grad Kalte, im Nordteil 
klar. Tiefste Temperaturen bei 9. Armee bis 40 Grad Kalte. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Nordl. des Ilmensees brach der Feind westl. B. Ljuban mit 
schwacheren Teilen durch die eigene Abriegelung nach Westen. Der Gegen= 
angriff ist im Gange. Weitere Feindvorstofie sowie 3 nachtl. Angriffe gegen 
die Front ostw. Lesna wurden abgewehrt. 

i5. Armee: Am rechten Flxigel gelang dem Feind siidl. der Tigoda=Miindung 
ein kleiner Einbruch iiber den Bahndamm. Der Gegenangriff ist eingeleitet. 
Ostw. St. Maluksa sickerten schwacherer Feindkrafte nach Siiden durch die 
eigenen Linien. Z. Z. wird die entstandene Liicke geschlossen. Nordwestl. 
Ledwa griff der Feind heftig an. AuiSer hohen blutigen Verlusten erzielte er 
keine Erfolge. An der Front vor Leningrad greift der Gegner seit den friihen 
Morgenstunden beiderseits der Bahn Kolpino— Tosno an. 

Die Temperaturen im H.Gr.=Bereich schwanken zwischen 20 und 42 Grad 
Kalte. 



Finnisdie Front (3. 1.) 

Im Finn. Meerbusen wurden 2 weitere Insein als feindfrei festgestellt. 

Karelische Armee: Vor iiberlegenen Feindangriffen mufite der Bahnhof Wonsho= 
sero aufgegeben werden. Stellenweise fallt Schnee bei 10 bis 15 Grad Kalte. 

AOK Norzvegen: XXXVI. GebAK. und Geb.Korps Norwegen wehrten Angriffe 
in Btl.=Starke ab. Bei bedecktem Himmel fallt Schnee. Stellenweise herrscht Schnee= 
Sturm. Die Versorgungswege des Geb.Korps sind verweht. 10 Grad Kalte. 

Afrika (2. 1.) 

1. Feind nahm mit Aufklarungskraften und kleineren gemischten Kampfgruppen 
verstarkte Fiihlung. Seine Kraftegruppierung im gro6en blieb unverandert. — 

Ital. mot.Korps und deutsdie mot.Kampfgruppe wiesen durch Pz.Spahwagen und 
Artillerie unterstUtzte Infanterieangriffe gegen Hohen 25 km nordostwarts Age= 
dabia ab. — D.A.K. zersprengte gegen seine Front und Flanke vorgehende starkere 
feindliche Panzerspahtrupps mit Artillerie. Vor Agedabia=Front beiderseitige Auf= 
klarungstatigkeit. 

2. Emeuter iiberlegener, mit starker Artillerie= und Panzerunterstiitzung gef{ihr= 
ter feindlicher Angriff gegen Festung Bardia durchbrach in Nacht 1./2. 1. 42 Mitte 
der siidlichen Abwehrfront. Dabei fielen letzte geringe Munitions= und Verpfle= 
gungsbestande in Feindeshand. Da weiterer Widerstand unnotige Aufopferung 
deutscher und italienischer Soldaten bedeutet hatte, entsandte Kommandeur des 
Abschnittes Bardia, Generalmajor Schmitt, wie gemeldet, Parlamentar zwecks Uber= 
gabe. Nach H.=Meldungen setzte Feind bedingungslose Kapitulation durch. Durch 

191 



B. Kriegstagebuch 

den heldenhaften Widerstand der ganz auf sich allein gestellten Besatzung von 
Bardia sind bis jetzt starke feindliche Erd= und Luftstreitkrafte gebunden worden. 

Mit Abschnitt Halfaya seit 2. 1. friih keine Funkverbindung. Nach H.=Meldung 
ist dort der Kampf im Gange. Dortige Verpflegungsbestande reicben bis 10. 1. 42. 
Zufiihrung von Nacbscbub auf See= und Luftweg nach Einnahme der Festung Bardia 
besonders schwierig. Daher ist mit langerem Durchhalten dieses Abschnittes nicht 
zu rechnen. 

3. Absicht fiir 3. 1. 42: 

Zuriicknahme einer weiteren ital. Inf.Div. aus der Agedabia= in die Marada=el= 
Agheila=Stellung. 

4.Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Slid: 

II. Armee: An der Sewastopol=Front schiebt sich der Feind ortlich an unsere 
HKL vor und hat in einigen Abschnitten seine Aufklarungstatigkeit verstarkt. 
Fdl. Bewegungen und Batterien wurden durch eigene Artl. bekampft. An der 
Abwehrfront bei Feodosia keine Veranderung der Lage. Die Luftwaffe be= 
kampfte im Raum Feodosia Erdziele und warf im Hafengebiet einen 4—6000 
Tonner in Brand. 

1. Pz. Armee: An der gesamten Front Artl.=Storungsfeuer und Spahtrupp= 
tatigkeit. Keine grofieren Kampfhandlungen. 

17. Armee: Fdl. Spahtrupptatigkeit vor der Front der Armee und ortl. Artl.= 
Storungsfeuer. Sonst keine besonderen Ereignisse. 

6. Armee: Am Sudfliigel und vor der Mitte der Armee keine besonderen 
Kampfhandlungen. Bei Prochorowka wurden neue Angriffsvorbereitungen des 
Gegners erkannt. Die bei St. Rshawa eingeschlossenen eigenen Krafte haben 
sidi wegen Verpflegungsmangels in der letzten Nacht auf Dmitrijewskoje 
zuriickgezogen. Obojan griff der Feind von Suden, Osten und Nordosten wie= 
derum mehrfach erfolglos an. Die Verbindung zwischen J...ewkowo^ und 
Obojan ist unterbrochen. Auf dem Nordfliigel keine Veranderung der Lage. 

Wetter: Auf der Krim klar, sehr starker Frost. Bei heftigem Nordwind im 
Bereich der 1. Pz.Armee fielen die Temperaturen bis zu — 40 Grad. Der eisige 
Sturm mit Schneetreiben fiihrte zu zahlreichen Erfrierungen und machte die 
Wege durch Verwehungen unbefahrbar. Auch bei 17. und 6. Armee herrschten 
28 bis 42 Grad Kalte. 

H.Gr. Mitte: 

2. Armee: Auf dem Siidfliigel der Armee halten trotz der starken Kalte die 
iiberlegenen fdl. Angriffe ununterbrochen an. Im vorbildlichen Einsatz wird 
die eigene Stellung gehalten und auch starke von Panzern unterstiitzte An= 
griffe entlang und nordl. der Strafie von Tim unter hohen blutigen Verlusten 

1 Ortsname auf Fotokopie nicht vollstandig zu entziffern. 
192 



4- Januar 1942 

fiir den Feind abgeschlagen. Der Gegner verstarkt sich laufend. Seit 1. 1. hat 
eine Division allein 10 Feindpanzer abgeschossen und 4 beschadigt. In der 
Armeemitte ist die Lage im allgemeinen ruhig. Beiderseitige Spahtrupptatigkeit. 

10 km siidwestl. Nowosil wird weiterhin erbittert um eine Ortschaft ge= 
kampft, wohin der Gegner weitere Verstarkungen heranfiihrt. 

2. Pz.Armee: Im rechten Armeeabschnitt nimmt die fdl. ArtI.=Tatigkeit zu, 
mehrere starke Spahtrupps wurden abgewiesen und eigene Gefechtsvorposten 
im Abschnitt Troizkoje vor starkem Feinddruck zuriickgenommen. 

Starke Angriffe gegen die Oka=Stellung wurden erfolgreich abgeschlagen, 
und der eigene Br.=Kopf 20 km nordostw. Bolchow konnte nach Siiden er= 
weitert werden. 

Vor dem Nordfliigel verstarkt sich der Gegner weiter im Raum um Bjelew. 

4. Armee: Um Suchinitschi und Meschtschowsk keine besonderen Kampf= 
handlungen. Es gelang, die Verbindung mit diesen beiden Kampfgruppen und 
zwischen der Kampfgruppe Mosalsk und den eigenen Kraften bei Bulischowo 
herzustellen, 

Nordl. Kaluga wurden starke Feindangriffe nach wechselvollen Kampfen, 
siidl. und nordl. Djedschino schwachere Feindvorstofie bzw. von Panzern 
unterstiitzte Angriffe abgewehrt. Beiderseits der Rollbahn halt der iiber= 
legene Feinddruck an und zwang zur Zuriicknahme der eigenen Linie bis in 
Gegend 8 km westl. Malojaroslawez. Die Nordflanke der Armee wird stiitz= 
punktartig gegen angreifende Schneeschuh= und Schlittenverbande gehalten. 

4. Pz.Armee: Es gelang dem Gegner, in den Siidteil von Borowsk einzu= 
dringen. Hierhin fiihrt er weitere Verstarkungen heran. Eine schwache Feind= 
gruppe stofit westl. der Stadt in nordl. Richtung vor. Eigene Krafte halten 
die Linie Nordrand Borowsk — 9 km nordostw. davon. Feindangriffe im Ab= 
schnitt Naro Fominsk wurden abgewiesen und nordl. Rusa liber den Flufi 
nach starker Artl.=Vorbereitung vorgedrungener Gegner im Gegenstofi zuriick= 
geworfen. Die Stellung bei Wolokolamsk wurde gegen starke, mit Artl. und 
Panzern unterstiitzte Angriffe gehalten. 

Bei 3. Pz.Armee lebhafte Art.= und Spahtrupptatigkeit. 

9. Armee: Im rechten Armeeabschnitt griff der Russe mit iiberlegenen Kraf= 
ten, von Artl. und Panzern unterstiitzt, erneut an. In hartesten Kampfen bei 
40 Grad Kalte konnte er zum Stehen gebracht werden. Eingedrungener Feind 
wurde im Gegenstofi zuriickgeworfen und der Gegner trotz starker Erschop= 
fung der Truppe in erbitterten Kampfen abgeschlagen. Ansammlungen lassen 
jedoch weitere Angriffe des Feindes erwarten. 

In der Armeemitte ging nach heftigen Angriffen und harten Kampfen Molo= 
gino verloren. Die Truppe hatte sich verschossen. Der Feinddruck gegen die 
StraEe Rshew— Jelzy halt weiterhin an. 

Auf linkem Armeefliigel im allgemeinen keine grofieren Kampfhandlungen. 
Ein Angriff in Rgt.=Starke wurde abgewiesen. 

Wetter: ImBereich der Heeresgruppe zum grofitenTeil klar,bis zu 40° Kalte. 

195 



B. Kriegstagebuch 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Siidl. des Ilmen=Sees keine besonderen Ereignisse. Nordl. des 
Ilmen=Sees wurden mehrere fdl. Vorstofie in Gegend nordl. Lesna abgewiesen. 

18. Armee: Im allgemeinen ruhiger Tagesverlauf. Einzelne Feindvorstofie 
wurden abgewiesen und fast 100 Gefangene eingebracht. Artl. beschofi kriegs= 
wichtige Ziele in Kolpino. 

Wetter: Geschlossene Wolkendecke, mafiige Sicht. Bei 16. Armee durch= 
schnittlich 20 Grad und bei 18. Armee 17 Grad Kalte. 



Finnisdie Front (4. 1.) 

Im Finnisdien Meerbusen besetzte der Feind gegen schwadie finn. Sidierung 
Suursaari. 

Karelisdie Armee: Am linken Fliigel der Swir— Onega=Front wurde ein Feind» 
angriff abgewiesen. Der finn. Angriff bei Wonshosero gewinnt Boden. 

AOK Norivegen: Artl.= und Spahtrupptatigkeit. Teilweise Schneesturm. 



Afrika (3. 1.) 

1. An Agedabia=Front starkere beiderseitige Aufklarungstatigkeit. — Feind 
fiihrte 22. Garde=Brigade im Raum siidlidi und westlich Saunnu vor. Poln. Brigade 
und Teile 7. Schtz.Brigade stehen im Raum siidwestlidi Antelat und nordlich Age= 
dabia. 4. 1. wird Versudi starkerer Aufklarungskrafte, aus Raum Haseiat— Giof el 
Matar gegen Via Balbia siidlich Agedabia vorzustofien, erwartet. 

2. Mit Halfaya=Front Funkverbindung wieder hergestellt. Auf ihren Stiitzpunkten 
lag am 2. 1. sehr starkes feindliches Artilleriefeuer. Drei eigene Flugzeuge griffen 
Obersollum an. Ein feindliches Flugzeug wurde durdi Flak abgesdiossen. 

3. Absicht fur 4.1.42: 

Zuriidcnahme der beiden letzten ital. Inf.Div.en aus der Agedabia=Front in die 
Marada=el=Agheila=5tellung unter Sidierung durch das inzwischen in Agedabia= 
stellung eingeriickte ital. mot.Korps und Masse 90. lei.Div. 

4. Versorgungslage: 

a) Betriebsstoff: Bei der Truppe 2 V.S., in Tripolis bzw. im Vorrollen weitere 
6 V.S. 

b) Munition: Bei der Truppe ein Drittel Ausstattung, schwere Artillerie eine 
Ausstattung. In Tripolis bzw. im Vorrollen voraussichtlich bis Ende Januar aus= 
reichende Munitionsmengen, ausgenommen die gesondert gemeldete Mangelmuni= 
tion, deren baldiger Nachschub dringend erforderlich ist. 

c) Verpflegung bis 25. 1. 42 vorhanden. 



5. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Sud: 

11. Armee: Bei Eupatoria untemahm der Feind einen Landungsversuch. Die 
Abwehrkampfe sind im Gange. Die dort befindliche Eingreifgruppe von Bod= 
din ist eingesetzt. An der Front vor Sewastopol ereignete sich nichts Beson= 

194 



5. Januar 1942 

deres. Nordwestl. Feodosia wurde ein Feindangriff bei Set Asan durch einen 
eigenen Gegenstoli zuriickgeschlagen. Weitere Feindvorstofie blieben ebenfalls 
erfolglos. Siidl. Set Asan wurden 2 Feindpanzer abgeschossen. 

1. Pz.Armee: An einzelnen Stellen der Front beiderseitiges Artl.=Storungs= 
feuer und Stofitrupptatigkeit. Am Nordfliigel verstarkte der Feind seine Auf= 
klarungstatigkeit nordwestl. St. Krindatschewka. 

ly. Armee: Bei St. Debalzewo und nordwestl. wurden mehrere Feindvor= 
stofie zuriickgeschlagen. An der Front nordl. St. Loskutewka bekampfte eigene 
Artl. erkannte Feindbewegungen. 

6. Armee: Im Raume Prochorowka— Dmitri jewskoje finden erbitterte Kampf e 
um einzelne Ortschaften, die als Stiitzpunkte dienen, statt. 

Russ. Angriffe gegen Obojan blieben samtlich erfolglos; jedoch gelang 
es dem Gegner, die Strafie Bjelgorod— Kursk sudl. und nordl. Obojan zu 
sperren. 

Im gesamten Bereich der H.Gr. herrscht starker Frost. Neue Schneever= 
wehungen erschweren die Versorgungsbewegungen. 

H.Gr. Mitte: 

2. Armee: Der Feind griff in den Morgenstunden des 4. 1., unterstiitzt durch 
zahlreiche, meist schwere Panzer beiderseits der Strafie Tim— Kursk an und 

konnte die Gegend 3 km westl. N. O ^ erreichen. Dort konnte der Feind= 

angriff zum Stehen gebracht werden. 

Siidwestl. Jewlanowa greift der Feind seit den friihen Morgenstunden des 
5. 1. an. Westl. Nowosil schofi feindl. Art. Storungsfeuer auf die eigenen 
Stellungen. 

Weiter nordl. wurden mehrere fdl. Erkundungsvorstofie abgewiesen und ein 
eigenes Stofitruppunternehmen erfolgreich durchgefiihrt. 

2. Pz.Armee: Bei Poshegino sowie beiderseits und ostw. Mzensk wurden 
russ. Angriffe bis zu Btl.=Starke abgewiesen. Nordwestl. Gorodischtsche er= 
zielte ein eigener Angriff ortliche Erfolge gegen zahen Feindwiderstand. An 
der Front sUdostw. Bjelew brach ein russ. Angriff zusammen. 

4. Armee: Der Feinddruck gegen Suchinitschi verstarkte sich. In schweren 
Kampfen schlugen jedoch die dort eingesetzten eigenen Krafte bisher alle An= 
griffe ab. Die Strafie nach Meschtschowsk ist 9 km siidlich Meschtschowsk 
vom Feind unterbrochen worden. Ein starker russ. Angriff aus siidostw. Rich= 
tung auf diese Stadt konnte bisher abgewiesen werden. Auch Subowo wurde 
gegen fdl. Vorstofie erfolgreich verteidigt. Nordwestl. Kaluga mufiten siid= 
ostw. Wschiwka 2 eigene Stiitzpunkte infolge starker Feindangriffe aufge= 
geben werden. Angriffe auf die Siidostfront wurden iiberall abgewiesen. 
Nordostw. Sljodnowo wurde ein Feindvorstofi in schweren Kampfen abge= 
wiesen und bei Djedschino ein Einbruch abgeriegelt; der Gegenstofi ist im 

1 Ortsname auf der Fotokopie nicht zu entziffern. 

195 



B. Kriegstagebuch 

Gange. Nordostw. St. Sushodrow vordringender Feind wurde im Gegenstofi 
geworfen und westl. Kliny ein Angriff mit Panzern abgeschlagen. 2 Feind= 
panzer wurden hierbei vernichtet. Siidwestl. Malojaroslawez wurden Feind= 
ansammlungen festgestellt. Fdl. Erkundungsvorstofie gegen unsere Stellungen 
wurden abgewiesen. 

Die Tatigkeit der fdl. Luftwaffe war besonders im Raum um Malojaroslawez 
rege. 

4. Pz.Armee: Im Raum beiderseits Borowsk halt der Feinddruck von Siiden 
weiterhin an. Vereinzelte russ. Angriffe blieben erfolglos. 6 km nordl. St. Jer= 
molino brachte ein eigener Gegenangriff den russ. Kraften erhebliche Verluste 
bei. An der RoUbahn und bei St. Tutschkowo verstarkte die fdl. Artl. ihr 
Feuer. Feindangriffe mit starker Artl.=Unterstutzung gegen die Rusa=Front 
wurden abgewiesen. 

Russ. Fliegerkampfkrafte flogen zahlreiche Bomben= und Tiefangriffe be= 
sonders im Raum westl. Naro Fominsk und an der RoUbahn sowie bei St. 
Futschkowo. 

9. Armee: Nordwestl. Wolokolamsk erzielten starke Feindangriffe mit Pan= 
zern einen ortlichen Einbruch, der abgeriegelt wurde. 

3. Pz.Armee konnte nach langen Kampfen am Nordfliigel ^ einen russ. 

Angriff mit starker Artl.=Unterstiitzung unter hohen Verlusten fiir den Feind 

abweisen ^ wurden mehrere Feindangriffe abgewehrt. Westl ^ 

fand ein eigener Angriff nach Norden anscheinend nur geringen Widerstand. 
An der Front nordwestl. Rshew fiihrte der Gegner weitere Krafte heran und 
unternahm mehrere starke Angriffe, die unter blutigen Verlusten fiir ihn im 
eigenen Abwehrfeuer zusammenbrachen. 6 km nordwestl. Kolodino wurden 
in das Waldgebiet eingedrungene Feindteile geworfen. Nach schweren Kamp= 
fen konnte der Gegner Salkowo und Sybino nehmen und bis 6 km ostw. 
Bachumtowo nach Siiden vordringen. Dort wurde sein Angriff zum Stehen 
gebracht. Alle verfiigbaren Krafte stehen in der neuen HKL nordwestl. Rshew. 
Die heftigen Feindangriffe nordwestl. Ramonja und siidwestl. Kortscholowo 
hielten in unverminderter Starke an. Der Gegner setzte erstmals hier starkere 
Artl. ein. Im siidl. H.Gr.=Bereich herrschten 30—35 Grad Kalte. Bei 4. Armee 
— 40 Grad, bei 4. Pz.Armee und 9. Armee sind die Temperaturen auf 15—20 
Grad Kalte zuriickgegangen. Der Wegezustand ist iiberall unverandert. 

H.Cr. Nord: 

16. Armee: An der Wolchow=Front bei Pereschki erlitt der Feind bei einem 
Angriff, der von uns abgeschlagen wurde, erhebliche blutige Verluste. Der 
Versuch des Gegners, an seiner alten Einbruchsstelle siidwestl. Sawisha mit 
Teilen nach Siiden vorzudringen, wurde vereitelt. Die fdl. Spahtrupptatigkeit 
war besonders lebhaft am Briickenkopf Grusino. 

2 Auf Fotokopie nicht zu entziffern. 

196 



5- Januar 1942 

18. Armee: Siidl. der Tschogoda=Mundung ist die Bereinigung der Ein= 
bruchsstelle noch im Gange. Fdl. Annaherungsversuche gegen den Brucken= 
kopf nordostw. Salzy wurden abgewiesen. Siidl. Bagolmik wurden mehrere 
russ. Angriffe zuriickgeschlagen. 

Ostw. St. Maluksa fiihrte der Feind zahlreiche Vorstofie, die z. T. erst im 
Nahkampf abgewehrt werden konnten. An der Front vor Leningrad wurden 
mehrere Angriffe an der Bahn Kolydno— Tosno, bei Peterhof ein weiterer 
Angriff abgeschlagen. 

Bei 7—15 Grad Kalte fallt stellenweise Schnee. 

Starke Schneeverwehungen erschweren den Verkehr. 



Finnisdie Front (5. 1.) 

Karelische Armee: Der Versuch schwacherer russ. Krafte, westl. Lodojnoje Pole 
den Swir zu iibersdkreiten, wurde verhindert. 

An der iibrigen Front Artl.= und Gr,=Wf .=Feuer. Angriffe bei Powenez, am Wodlo= 
See und bei Wonshosero bis zu Btl.=Starke werden z. Z. abgewiesen. Der Feind 
sdieint Verstarkungen herangezogen zu haben. 

Bei 5—8 Grad Kalte Schneefalle. 

AOK Norwegen: Die Spahtrupptatigkeit an der Murmansk=Front war lebhaft. 
Zahlreidie Feindflugzeuge warfen nachts Bomben. 

Triibes, windiges Wetter bei 12—19 Grad Kalte. 



Afrika (4. 1.) 

1. Feindliche Krafte im Raum Giof el Matar— Haseiat wurden wirksam durdi 
Luftwaffe bekampft. Gegner ging daher nur mit Teilen iiber Haseiat nach Westen 
vor. 

Im iibrigen fiihlte Feind mit starkeren Kraften gegen Agedabia=Front vor. Flug= 
platz Agedabia mufite infolge starken feindlichen Artl.=Storungsfeuers geraumt 
werden. Feindlicher Angriff gegen Agedabia=Front am 5. 1. ist moglidi. 

2. Auf den Stiitzpunkten der Halfaya=Front lag audi am 4. 1. heftiges feindliches 
Artilleriefeuer. 

3. Riickfiihrung der ital. Inf.Div.en in die Marada=el=Agheila=Stellung wurde plan= 
mafiig beendet. 

4. Absicht fiir 5. 1. 42 und folgende Tage: 

a) Ab 5. 1. abends abschnittsweise Zuriicknahme von ital. mot.Korps, 90. lei. 
Afrika=Div. und D.A.K. in die Marada=el=Agheila=Stellung unter nachhaltiger 
Sperrung des Raumes um Agedabia, der Via Balbia usw. 

b) Einrichten zur Verteidigung in der Marada=el=Agheila=Stellung in folgender 
Gliederung: 

Abschnitt Alem Mgaad: Ital. mot.Korps, gleichzeitig fiir beweglichen Einsatz 
vorgesehen. 

Abschnitt Maaten Giofer: Ital. X. A.K. (2 Div.en). 

Abschnitt B, es Suera: Ital. XXI. A.K. (3 Div.en, davon Sabrata neu unterstellt). 

z. V. der Panzergruppe: D.A.K. im Raum siidlich el Agheila und 90. lei.Afrika= 
Div, im Raum westlich el Agheila. 



197 



B. Kriegstagebudi 

6. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Slid: 

11. Armee: Gegen den unter starkem Schutz von Kriegsschiffen und mit 
Hilfe von Stadtpartisanen in Eupatoria mit 2 Btl.en gelandeten Gegner wurde 
in behelfsmaliigem mot. Marsch die Kampfgruppe Oberst Miiller heran= 
gefiihrt. 

Im Angriff gegen hartnackigen Feindwiderstand wurde der f eindliche Lande= 
kopf von O und NO eingeengt, nach zahem Hauserkampf der Bahnhof ge= 
nommen und an den Nordrand der Stadt vorgestofien. Die Verbindung zur 
Kampfgruppe der Orts=Kdtr. im Westteil der Stadt konnte noch nicht her= 
gestellt werden. 

An der Sewastopol=Front fiihlt der Feind vorsichtig gegen die HKL vor. 
Ein Erkundungsvorstofi in Kp.=Starke wurde abgewiesen und lebhaf ter Schiff s= 
verkehr im Hafen durch Artillerie bekampft. 

Verschiebungen zur SchlielBung der eigenen Front nordwestl. Feodosia wur= 
den ohne Storungen durch den Feind durchgefiihrt. Ein Feindvorstofi bei Set 
Asan wurde abgewiesen. Ein Transporter im Hafen von Feodosia von etwa 
4 ooo t wurde durch Stuka=Volltreffer in Brand geworfen. 

1. Pz. Armee: Gestern scholi an der Front der Armee die f eindliche Artillerie 
nur schwaches ortliches Storungsfeuer. Eigene Artillerie bekampfte wirkungs= 
vol! Feindziele und zerschlug feindl. Ansammlungen. 

ly. Armee: Beiderseitige Spahtrupptatigkeit und ortl. Artl.=Storungsfeuer. 
Erkannte Feindansammlungen vor dem Frontabschnitt nordostw. St. Debal= 
zewo wurden wirksam durch eigene Artl. bekampft. 

6. Armee: Feindangriffe gegen den Briickenkopf Bjelgorod mit Schwerpunkt 
bei Meloschewo (?) und Angriffe im Abschnitt nordl. St. Sustnoje (?) wurden 
abgewiesen. Im Raum Prochorowka— Dmitri jewskoje dauern die Kampfe um 
die Ortschaften noch an. Die in Obojan eingeschlossenen eigenen Krafte wur= 
den von SO, NO und N angegriffen. Im Raum siidl. der Stadt ist die Lage 
nodi ungeklart. Die neu herangefiihrte 62. 1.D. hat mit vordersten Teilen den 
Psel (?) bei Bogorodishoje (?) und nordwestl. erreicht. 

Wetter: Steigende Temperaturen, im Siiden bis minus 15 Grad, im mittleren 
und Nordabschnitt bis minus 20 Grad. Schneeverwehungen. 

H.Gr. Mitte: 

2. Armee: Am rechten Armeefliigel hat der Feind seine Angriffe zunachst 
nicht fortgesetzt. Es besteht der Eindruck, dafi er abgekampfte Telle ablost 
und umgruppiert hat. Gegen Abend griff der Gegner sudwestl. Tim erneut 
mit starkeren Kraften an. Die Abwehrkampfe sind noch im Gange. An der 
iibrigen Armeefront Spahtrupptatigkeit. Ein Angriff nordl. Trudki wurde 
abgewiesen. Vor linkem Armeeabschnitt sind bisher 3 ^80 Minen verlegt. Die 

198 



6. Januar 1942 

Tatigkeit der feindl. Luftwaffe hat in den letzten Tagen zugenommen. Sie 
griff bis zu lomal am Tage mit Bomben iind Bordwaffen an. 

2. Pz.Armee: Auf dem SiidflUgel rege eigene Spahtrupptatigkeit. Feindl. 
Kolonnen, Lkw und Pz.Spahwagen am Abschnitt von Bjelew wurden durdi 
eigene Artl. wirkungsvoll bekampft. Ein ortl. eigener VorstolE hat den Gegner 
aus einer Ortschaft geworfen und diese abgebrannt. 

Die Kampfe bei Duminitschi dauern an. Im Raum Ksyn— Lewat besteht 
keine Feindberiihrung. 

4. Armee: Die Kampfe bei Suchinitschi dauern in unverminderter Heftigkeit 
an. Gegen die Besatzung von Meschtschowsk griff der Feind gestern friih in 
Div.=Starke an und brach am Nachmittag in den Nordteil der Stadt ein. Nordl. 
Mosalsk ist die feindl. Kav. nach Westen vorgedrungen. Feindliche Angriffe 
bei Subowo, im Abschnitt von Kaluga und siidl. Djedschino wurden abge= 
wiesen und feindl. Bereitstellungen zerschlagen. Nordl. Djedschino wird die 
eigene Front in die Linie Djedschino— 15 km nordostw. Medyn zuriickgenommen. 
Der Feind ist in das Waldgebiet 15 km westl. Malojaroslawez vorgedrungen. 

Sehr Starke fdl. Fliegertatigkeit mit zahlreichen Bomben= und Tiefflieger= 
angriffen russ. Jager. 

4. Pz.Armee: Feindl. Erkundungsvorstofie westl. und nordl. Borowsk sowie 
gegen die Front siidl, Naro Feminsk wurden abgewiesen. Das Heranfiihren 
von Verstarkungen an die Einbruchsstelle von Borowsk verlauft planmafiig. 
Feindl. Erkundungsvorstofie gegen die iibrige Armeefront wurden abgewiesen. 
Bei Rusa griff der Gegner in Kp.=Starke, dicht nordl. davon mit Ski=Truppen 
in Btl.=Starke erfolglos an. Starke feindl. Fliegertatigkeit. 

9. Armee: Bei Wolokolamsk griff der Russe mit schweren Panzem gegen 
einen Ort an, setzte die Besatzung aufier Gefecht und zog dann erst Infan= 
terie nach. 2 weitere Angriffe in diesem Abschnitt wurden abgewiesen, 5 T 34 
mit in die HKL vorgezogenen le.F.H. abgeschossen. Die Russen hatten in den 
beiden letzten Tagen hohe blutige Verluste. 

Bei 3. Pz.Armee Spahtrupptatigkeit und Artl.=Storungsfeuer. Ein Sto6trupp= 
unternehmen der 1. Pz.Div. iiberraschte den Feind und ergab 125 tote Russen 
und 50 Gefangene. 3 Bunker wurden gesprengt und eine Ortschaft abgebrannt. 
Schwachere Feindangriffe gegen den Abschnitt Gorodischtsche— Mischina wur= 
den abgewiesen. 

20 km nordostw. Rshew wurden der Gegner aus dem Waldgelande gewor= 
fen und die angestrebte HKL erreicht. . . .^ tote Russen und an Beute 3 
Geschiitze, 1 Pak und 4 s.M.G. wurden bisher gezahlt. In Richtung Rshew 
griff der Feind erneut an, durchstieli schwache Sicherungen und fiihlt bis in 
Gegend 9 km siidwestl. Rshew mit einzelnen Panzem vor. Vorbereitungen zur 
Verteidigung der Stadt sind getroffen. Angriffe gegen den linken Armeefliigel 
wurden erfolgreich abgeschlagen. 

1 Auf Fotokopie nidit zu entziffern. 

199 



B. Kriegstagebuch 

Wetter: Bedeckt, stellenweise Schneefall, Temperatur minus lo bis minus 
15 Grad. StraEen stellenweise verweht. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Aufier beiderseitiger Spahtrupptatigkeit und Artl.=Storungsfeuer 
keine wesentlichen Kampfhandlungen. 

18. Armee: Die Kampfe an der Einbruchsstelle nordwestl. Moljewskaja 
sind infolge mehrfacher Feindangriffe noch nicht geschlossen. 

Feindl. Bereitstellungen am Ostufer des Wolchow wurden durch Artl. zer= 
schlagen und im Abschnitt Salzy und westl. davon Feindangriffe unter hohen 
blutigen Verlusten fiir den Gegner abgeschlagen. Durch die HKL durchge= 
sickerte Feindteile beteiligen sich an den Kampfen. An der Newa= und an der 
Leningrader Front zum Teil lebhafte Feuertatigkeit feindl. Stofitrupps wurden 
abgewiesen. In Leningrad wurden mil. Ziele mit Artl. bekampft. 

Wetter: Wesentlicher Kalteriickgang, tags um null Grad, nachts etwa 5 Grad 
Kalte. Schneefalle, teilweise Schneeverwehungen, Schneehohe bei 16. Armee 
50—70 cm, bei 18. Armee durchschnittlich 50 cm. 



Finnisdie Front (6. 1.) 

Siidostarmee: Keine Meldungen. 

Karelische Armee: Feindl. Angriffe iiber den Stalin=Kanal und iiber den Chishe= 
sero=See im Abschnitt nordwestl. Wonshosero hatten keinen Erfolg. Bei Welikaja 
Cuba wurde eine Feindkp. eingeschlossen und in diesen Kampfen 7 Feindpanzer 
vernichtet. 

AOK Norwegen: Artl.= und Spahtrupptatigkeit, 

VJetter: Finnland null bis 15 Grad Kalte, A . . . .^ 20 Grad, leichter Schneefall, 
Geb.Korps minus 5 Grad. 

Afrika (5. 1.) 

1. Feind ging am 5. 1. mit starkeren Teilen in Richtung West und Siidwest nicht 
weiter vor. — 

An Agedabia=Front feindliche Aufklarungstatigkeit und Artl.=Storungsfeuer. 

2. An Halfaya=Front am 4. 1. aufier starkem zusammengefafiten Artl.=Feuer rol= 
lende Luftangriffe auf Stiitzpunkte Halfaya und Cirener. 

3. Mit der abschnittweisen Zuriicknahme der mot. Verbande in die Marada= 
el=Agheila=Stellung wurde 5. 1. abends ohne Feinddruck begonnen. Im Raum um 
Agedabia wurden nachhaltige Sperrungen durchgefiihrt. 

4. ^^. Schiffsstaffel mit Munition, Betriebsstoff, Verpflegung sowie 54 Ersatz= 
panzern und 19 Spahwagen und einer grofieren Anzahl Panzerabwehrgeschiitzen 
5. 1. in Tripolis eingelaufen. 



2 Auf Fotokopie nicht zu entzijfern. 



200 



7. Januar 1942 

7. Januar 1942 
Lagebericht OKH 
Osten^ 

H.Gr. Siid: 

11. Armee: In Eupatoria drangte die dort eingesetzte Kampfgruppe Miiller 
den Feind weiter zuriick. Feindreste verteidigten verzweifelt den letzten Hau= 
serblock im Siidteil der Stadt. Weitere russ. Krafte wurden nicht gelandet. An 
der Sewastopol=Front wurden russ. Angriffe nordostw. Balaklawa zuruckge= 
schlagen. Eigene Artl. bekampfte Feindbewegungen und Bereitstellungen so= 
wie Schiffsverkehr im Hafen von Sewastopol. An der Siidostkiiste westl. Sudak 
gelandeter Feind in Starke von etwa 100 Mann wurde vernichtet oder zer= 
sprengt. Nordlich Feodosia blieben Angriffe des Russen gegen die eigenen 
Krafte nordl. der Bahn Wladislawowka— Dshankoj ohne Erfolg. Der Feind liefi 
hier 220 Tote und mehrere schwere Inf.=Waffen zuriick. 

I. Pz. Armee: An einzelnen Stellen der Front Storungsfeuer russ. Artl. und 
Granatwerfer sowie Spahtrupptatigkeit gemeldet. Ein Angriff westl. St. Kridst= 
schewka wurde abgewiesen. 

:!•/. Armee: An der gesamten Armeefront ortliches Storungsfeuer fdl. Artl. 

Nordwestl. der ^ Miindung und ostw. Isjum wurde lebhafterer Feind= 

verkehr als an den Vortagen festgestellt. 

6. Armee: Nordwestl. Emleselewka (?) verstarkte die fdl. Artl. ihre Feuer= 
tatigkeit. Ein von Siidosten gegen den Briickenkopf Bjelgorod gefiihrter Feind= 
angriff in Div.=Starke wurde erfolgreich abgewehrt. Der Gegner erlitt hierbei 
Verluste in Hohe von 430 Toten und 125 Gefangenen. Ein russ. Angriff gegen 
Prochorowka ist noch im Gange. Eigene Krafte erreichten im Vorgehen von 
Siiden gegen Obojan den Raum 4 km siidl. Obojan. 

Teilweise liegt die ^ noch unter dem Feuer fdl. Panzer. 

Ein eigener Angriff ^ gegen russ. Krafte, die siidl. Bogdanowka 

nach Westen vorgehen, ist im Gange. 

Im gesamten Bereich der H.Gr. beginnt Tauwetter bei Tagestemperaturen 
um o Grad. 



Notizen Haiders: 

„Fortschritte des Feindes in Gegend Suchinitschi, das eingesdilossen ist, und 

nordlich. 

Die Lage dieses Durchbruchbogens wird immer unbequemer. H.Gr. Mitte mu^ 

entschlossener aus der feststehenden Front siidlich des Durchbruchs Krafte 

herausziehen und gegen die Flanke des Durchbruchs von Siiden her ansetzen. 

Am SiidflUgel der Panzergruppe 4 sind feindlicher Angriff und unser Angriff auf= 

einandergestoflen. Ergebnis noch unklar. g. Armee ist westlich Rshew heute noch 

leidlich durchgekommen. Morgen soil Einbruch von beiden Seiten angefaflt 

werden. Ostwarts Rshew steht offenbar starker Angriff bevor, dabei neue Krafte. 

Im Norden soil nach Uberlaufernachrichten Angriff auf Tschudowo bevor= 

stehen. Krafteverschiebungen Uber den See nach der Ladoga=Front." 

Auf Fotokopie nicht zu entziffern. ,..'.:. 



201 



B. Kriegstagebuch 

H.Gr. Mitte: 

2. Armee: Am Siidfliigel wurden Telle der Armee In Zusammenarbeit mlt 
6. Armee gegen den westl. Bogdanowka vordrlngenden Feind angesetzt. An= 
grlffe nordl. der Strafie Tim— Kursk, in deren Verlauf Felndtelle in die HKL 
eindringen konnten, wurden im Gegenstofi geworfen. Teilweise hat der Geg= 
ner seine Angriffe an verschiedenen Stellen in der letzten Nacht wieder auf= 
genommen. 

Basher wurden samtliche Angriffe abgewiesen. 

An der Front westl. Dolgoje und Jewlanowa fdl, Spahtrupp= und Artl.= 
Tatigkeit. 

2. Pz. Armee: An der Front ostw. Mzensk wurden fdl. Sto6truppunterneh= 
men abgewiesen. Eigene Artl. bekampfte Bereitstellungen nordl. Troiskoje. 
Siidl. und westl. Bjelew schofi fdl. Artl. vereinzelt Stortmgsfeuer. Im Raume 
um Tschernyschino stellte eigene Aufklarung eine starkere Partisanengruppe 
fest. Zwei Angriffe und mehrere Vorstofie langs der Bahn auf Dubrowka 
wurden von eigenen Sicherungen zuriickgeschlagen. 

4. Armee: Siidostw. Mosalsk vorgehender Feind stiel? bis in Gegend 5 km 
siidostw. der Stadt vor. Nordl. des Ortes gewannen eigene Krafte im Stofi 
nach Norden die Linie Tscherten und siidostw. davon gegen zahen Feind= 
widerstand. Aus Richtung Juchnow angreifende eigene Krafte erreichten die 
Gegend 5 km sUdwestl. Sulichowo. Die Kampfe sind noch im Gange. Nord= 
westl. Kaluga bekampfte eigene Artl. Feindansammlungen bei Asenjewa und 
vorstofiende einzelne Feindpanzer, die die Hauser in der HKL in Brand zu 
schieiien versuchten. Ostw. Sljodnowo wurden ortliche Feindeinbriiche in 
Gegenstofien bereinigt und eine fdl. Ski=Abteilung zerschlagen. Ein Angriff 
auf St. Sushodrow blieb im eigenen Abwehrfeuer liegen. Auf der Rollbahn 
westl. Malojaroslawez wurden von 3 vorstofienden Feindpanzern 2 vernichtet. 
Im Angriff in nordostw. Richtung erreichten eigene Krafte den Raum 17 km 
nordostw. Medyn. 

4. Pz. Armee: In der Sudflanke konnte der Gegner bis Kremenskoje vor= 
dringen. Eine dagegen angesetzte eigene Angriffsgruppe gewann die Gegend 
12 km ostw. Powlischtschowa und 3 km siidostw. Wyschgorod. Die Kampfe 
sind noch im Gange. Aus Borowsk heraus gefiihrte starkere russ. Angriffe 
blieben erfolglos. Angriffe des Russen in Kp.=Starke an der Rollbahn und an 
der Rusa=Front, z. T. von starker Artl. imterstiitzt, wurden zuriickgeschlagen. 
Auch bei Spasnoje wurden mehrere, durch Panzer unterstiitzte Angriffe des 
Gegners abgewiesen. 

9. Armee: Siidl. Wolokolamsk mufite der Russe bei einem erfolglosen An= 
griff 2 Panzer und zahlreiche Tote zuriicklassen. Feindbewegungen und An= 
sammlungen nordl. der Stadt wurden durch das zusammengefafite Feuer 
eigener schwerer Waff en zerschlagen. Die 3. Pz. Armee schlug bei Iropolez 
einen schwacheren Feindvorstofi, bei Kusjajewa 2 Angriffe in Btl.=Starke zu= 
riick. 



202 



7- Januar 1942 

Auf dem Frontabschnitt westl. Gorodischtsche lag starkes ArtL=Feuer; 
Feindbewegungen mit Traktoren und Schlitten vor der Front wurden wirksam 
bekampft. Bei Mischina und ostw. wurden mehrere fdl. Angriffe mit Panzem 
im Gegenstofi zuriickgeschlagen. Westl. Bjagulino unternahm der Russe meh= 
rereVorstofie in Kp.=Starke. Sie blieben alle erfolglos. Ostw. St. Korenitschino 
wurde der Angriff zweier roter Btl.e abgeschlagen. Eigene Artl. bekampfte 
Feindansammlungen an der Strafie Rshew— Molegino. Zwei Feindvorstofie an 
dieser Strafie wurden in der letzten Nacht zuriickgeschlagen. Ein eigenes von 
Rshew nach Westen angreifendes Btl. drang bis 3 km nordostw. Mushi= 
schtschewo vor. Nach hartem Kampf besetzte eine eigene Angriffsgruppe 5 km 
nordostw. Hay beherrschende Hohen. 

Russ. Entlastungsvorstofie 3 km westl. Berisowo wurden unter hohen Feind= 
verlusten zuriickgeschlagen. 

Temperaturen im Siidteil des H.Gr.=Bereiches 5 Grad Kalte, die nach Norden 
bis zu 15 Grad sanken. Bei bedecktem Himmel leichte Schneefalle, teilweise 
Schneetreiben. Durch Glatteis und Schneeverwehungen verschlechterte sich der 
Stralienzustand. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: An der Wolchow=Front bei Pereschki wurde der Feind im Gegen= 
stoli zuriickgeworfen. Westl. B. Ljuban erlitt der Feind bei Angriffsversuchen 
erhebliche Verluste. 

i5. Armee: Nordl. Salzy blieben mehrere Feindangriffe in Kp.=Starke erfolg= 
los. Feindteile, die das Westufer des Wolchow erreicht hatten, wurden vernich= 
tet. Nordwestl. B. Ostrow fiihrte der Feind ununterbrochene heftige Angriffe 
gegen unsere Stellungen, die alle abgewehrt wurden. Bei Lodwa setzte der 
Feind im Laufe des ganzen Tages in unverminderter Starke seine durch Panzer 
unterstiitzten Angriffe fort. 

In erbitterten Kampf en konnte er jedoch zuriickgeschlagen werden. Zwei 
seiner Panzer wurden vernichtet. Fdl. Artl. schofi aus Petersburg und Kron= 
stadt auf die eigenen Stellungen. Eigene Artl. bekampfte kriegswichtige Ziele 
in Petersburg. 

An einzelnen Stellen leichter Schneefall, 5 bis 8 Grad Kalte. 

Finnisdie Front (7. 1.) 

Karelische Armee: Drtliche Versuche des Russen, den Swir zu iiberschreiten, 
scheiterten. 

Am Westufer der Powenezkaja=Bucht konnten Teile von 2 angreifenden roten 
Btl.en Puis fassen. Gegenangriffe sind eingeleitet. Beiderseits Wonshosero wur= 
den die Angriffe von etwa 3 Feindbtl.en abgewiesen, z. T. sind die Kampfe noch im 
Gange. 

Die Temperaturen schwanken zwischen 3 und 23 Grad Kalte. An einzelnen Stellen 
fallt Schnee. 

AOK Norwegen: Keine besonderen Ereignisse. Kalte bis zu 2"5 Grad. 

203 



B. Kriegstagebuch 

Afrika (6. i.) 

1. Feindlage im grofien unverandert. 

Bei Agedabia wegen starken Sandsturmes keine Feindberiihrung. — Die bei 
Bardia eingesetzten feindlichen Krafte wurden nach Horchmeldung anscheinend zum 
Angriff gegen Halfaya=Front neu gruppiert. 

2. Die Zuriicknahme der mot.Korps und 90. lei.Div. in den zunachst vorgesehenen 
Raum siidwestlich Agedabia wurde in Nacht 5-/6. 1. planmafiig durchgefiihrt. Das 
Herauslosen aus der Agedabia=Front vom Gegner anscheinend nicht bemerkt. 

3. Von der Halfaya=Front liegen trotz wiederholter Funkanfragen keine neuen 
Meldungen vor. 

4. Vom Sonderverband 288 (Gesamtstarke 2 400 Mann) wurden bisher 360 Mann, 
von Fallschirm=Lehrtruppe XI. Fliegerkorps (Gesamtstarke 1700 Mann) 700 Mann 
auf dem Luftwege nach Bengasi bzw. Tripolis iiberfiihrt. Alle Kfz. dieser beiden 
Verbande sind noch in Europa. 

3. Zufiihrung von Betriebsstoff aus Tunis ist angelaufen. Er ist wegen zu ge= 
ringer Oktanzahl fiir Panzer nicht verwendbar. 



8. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten^ 

H.Gr. Sud: 

Das fdl. Landeunternehmen in Eupatoria ist endgiiltig abgeschlagen und die 
Kiistenverteidigung neu eingerichtet. Die Sauberung des Ortes von Feind= 
resten ist noch im Gange. Bisher wurden etwa 1200 am Kampf beteiligte Zi= 
vilisten standrechtlich erschossen. 

An der Sewastopol=Front wurden bei lebhafter fdl. Artl.=Tatigkeit Angriffe 
des Gegners abgeschlagen und ein ortUcher Einbruch in eine vorgeschobene 

1 Notizen Haiders: 

„Sehr ernster Tag: Der Durchbruch bei Suchinitsdii beginnt durch sein Vor= 

dringen nach Westen fiir Kluge unertraglich zu werden. Daher Drangen auf 

Zuriicknehmen der Front 4. Armee, um Krafte zur Stdrkung seiner Rollbahn 

frei zu bekommen. 

Schon am Morgen Aussprache hieriiber mit Kluge. Beim FUhrer beginnt in 

dieser Frage wieder das Tauziehen. Kein Entschlufi, aber grofie Energie in der 

Anwendung kleiner Hilfsmittel zur Deckung der Rollbahn. 

Schlieftlich Aussprache des FUhrers mit Kluge, die zu keinem Endergebnis fiihrt. 

Nachmittag drangt Kluge erneut auf Bewegungsfreiheit mit 4. Armee, um sich 

absetzen zu konnen. Ich spreche mit dem FUhrer iiber diese Frage. Er will mit 

Kluge selbst sprechen. 

Ergebnis: 

H.Gr. wird ermachtigt, sich schrittweise abzusetzen, um Krafte zum Schutz der 

Rollbahn freizumachen. Dabei meldet Kluge, dajl Hoepner (OB der 4. Pz. Armee) 

selbstandig Befehl zum Zuriickgehen gegeben habe, ohne H.Gr. Absicht zu 

melden. Der FUhrer verfiigt sofort seine „Ausstoflung aus dem Heere" mit alien 

rechtlichen Folgenl — Bei Rshew Ruhe. Feind schliefit auf und stellt sich bereit. 

— Bei Heeresgruppe Nord hat der Grojiangriff am Wolchow begonnen. Vorstoji 

sudlich llmensee." 

Vgl. Fiihrerbefehl OKH/Op.Abt. I Nr. 420 013/42 vom 8. Januar 1942, im Doku= 

menten=Anhang Nr. 2. 

204 



8. Januar 1942 

Stellung zuriickgeworfen. Eigene Artl. bekampfte fdl. Bewegungen, Bttr.=Stel= 
lungen und Schiffsverkehr im Hafen von Sewastopol. 

An der Front bei Feodosia griff der Russe erstmalig mit planmaJSiger Artl.= 
Unterstiitzung, vor allem in Richtung Star. Krym, an. Der Feind wurde z. T. 
im Nahkampf unter fiihlbaren eigenen Verlusten zuriickgeschlagen. 

1. Pz.Armee: An der ganzen Armeefront rege eigene Spahtrupptatigkeit 
und fdl. Artl.=Storungsfeuer, besonders auf dem linken Fliigel. Eigene Artl. 
bekampfte vor allem in der Gegend Dmitrijewka fdl. Ansammlungen und Be= 
wegungen, ein Spahtrupp der 100. le.Div. sprengte ostw. des Mius 7 Feind= 
unterstande. 

ly. Armee: Mehrfach wiederholte fdl. Angriffe gegen unsere Front westl. 
Kadijewka und nordl. St. Myrkowo scheiterten oder wurden im Gegenstofi ver= 
lustreich fiir den Gegner abgeschlagen. Im mittleren Armeeabschnitt regere 
fdl. Fliegertatigkeit. 

6. Armee: Luft= und Erdaufklarung vor rechtem Armeefliigel ergaben das 
Heranfiihren starkerer Feindkrafte. 

Auch vor Bjelgorod sind neue Bereitstellungen gegen den Siidteil des Bruk= 
kenkopfes erkannt. Die in mehreren Wellen vorgetragenen Angriffe des Fein= 
des auf R . . . .oje^ sind unter Mitwirkung des IV. Fl.Korps samtlich abge= 
schlagen worden. Der Feind verlor in den letzten Tagen schatzungsweise 990 
Tote und Verwundete. Die Winterstellungen sind hier iiberall wieder in 
eigenem Besitz. 

10 km nordostw. Bjelgorod wurden 2 fdl. Btl.e nach Osten zuriickgeworfen. 

Nordwestl. Prochorowka keine Veranderungen der Lage. Eigener Angriff 
nach Norden erreichte die Strafie St. Jelnikowo— Obojan westl. Dmitrijewskoje. 
Von Norden stieli ein Btl. auf Obojan durch. Das Freikampfen der Strafien an 
die Stadt gegen Feindpanzer ist noch im Gange. 

Wetter: Auf der Krim Regen, wechselnd bewolkt. Im iibrigen Bereich der 
H.Gr. ansteigende Temperaturen zwischen —3 und +3 Grad. Ortlich leichte 
Schneefalle. 

H.Gr. Mitte: 

2. Armee: Die Durchbruchsliicke nordostw. Obojan ist noch nicht geschlos= 
sen. Der Feind geht in Richtung auf Kursk vor. Eigene Krafte riegeln bei St. 
Solnjewo. Westl. Bogdanowka gewann der Angriff einer Kampfgruppe mit 
Panzern gut Boden und zersprengte eine Feindkolonne. Fdl. Angriffe in Btl.= 
Starke nordwestl. Tim wurden abgewiesen. 

Vor der Armeemitte Artl.= und Spahtrupptatigkeit sowie lebhafter Schlitten= 
imd Lkw=Verkehr des Gegners auf Jewlanowa von Nordosten. Auch siidl. 
Nowosil wurde lebhafter Kolonnenverkehr beobachtet. Vorstofie in Kp.= 
Starke gegen den Nordfliigel der Armee wurden abgewiesen. 

2 Auf Fotokopie nicht zu entziffern. 

205 



B. Kriegstagebuch 

2. Pz.Armee: Im rechten Abschnitt beiderseitige Artl.= und Spahtrupptatig= 
keit. An der Bjelew=Front hat sich der Feind welter verstarkt. Angriffe bis zur 
Btl.=Starke wurden z. T. im Gegenstoli abgewiesen. In der Westflanke traten 
mehrfach Partisanengruppen auf. Reger Feindverkehr im Raum siidwestl. Ko= 
selsk. Der Zulauf der 208. I.D. in den Raum um Shisdra verlauft planmafiig. 

4. Armee: Aus Suchinitschi keine Meldung, Der Feind geht siidwestl. der 
Stadt nach Westen und Nordwesten vor. Mosalsk mufite vor iiberlegenem 
Feindangriff von mindestens 2 Div.en auf gegeben werden, schwache Teile halten 
noch im Ort. 6 km nordwestl. und 6 km nordl. Mosalsk wird eine neue Linie 
zur Verteidigung vorbereitet. Der Feinddruck westl. Tsch .. danowa^ halt weiter 
an. Luftaufklarung ergab Verstarkungen. Ortliche Feindvorstofie gegen die 

Front siidl ^ und beiderseits ino^ wurden abgewehrt, fdl. Bereit= 

stellungen mit Panzern durch Artl. zerschlagen. Der anhaltende Feinddruck 
gegen die 283. I.D. nordostw. Rystsewo fiihrte zu erheblichen eigenen Ver= 
lusten. In der alten Moskauer Schutzstellung vor der eigenen Front verstarkt 
sich der Feind. Ansammlungen wurden durch Artl.=Feuer bekampft. 

4. Pz.Armee: Fdl. Angriffe an der Einbruchsstelle westl. Borowsk mit neu 
herangefiihrten Teilen und Vorstofie um Borowsk wurden erfolgreich, jedoch 
z. T. unter erheblichen eigenen Verlusten abgewiesen. Mehrfache Vorstofie 
gegen die Moskwa=Front blieben gleichfalls erfolglos. Ein schwacherer Ein= 
bruch wurde bereinigt. An der iibrigen Armeefront ArtL=Storungsfeuer, auch 
mit schweren Kalibern, und Erkundungsvorstofie. Sehr rege fdl. Flieger= 
tatigkeit. 

9. Armee: Bei Wolokolamsk wiederholte der Russe seine Angriffe mit Un= 
terstiitzung einiger Panzer. Es gelang, ihn nach voriibergehendem Einbruch in 
die HKL unter erheblichen eigenen Verlusten abzuschlagen. 

Bei 3. Pz.Armee Spahtrupp= und Artl.=Tatigkeit. Fdl. Vorstofie bei Mischina 
blieben erfolglos. Mehrfache Angriffe in Btl.=Starke westl. der Wolga wurden 
abgewiesen. Durch die HKL der Front nordl. Rshew gewann der Feind weiter 
nach Nordwesten Boden und erreichte die Gegend 18 km westnordwestl. 
Rshew. Nordostw. Jelzy wurde ein starker Angriff in schwerem Kampf abge= 
schlagen. Die Luftwaffe griff beiderseits mehrfach in die Erdkampfe ein. 

Wetter: Bedecktes, z. T. stiirmisches Wetter mit Schneetreiben und Tempe= 
raturen von —8 bis —15 Grad. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Keine besonderen Kampf handlungen. Feindvorstofie wurden 
ortlich abgewiesen und Bereitstellungen durch Artl.=Feuer zerschlagen. 

18. Arme: In die Einbruchsstelle siidl. der Tigoda=Miindung fiihrte der Geg= 

ner Verstarkungen heran und erzielte einen ortlichen Einbruch siidl ^ 

Westl. Salzy gewann der eigene Angriff die HKL wieder zuriick und stellte 
die Verbindung innerhalb der eigenen Front wieder her. Ein Angriff bei Lodwa 
wurde abgewehrt. 

206 



g. Januar 1942 

Lebhafter Kfz.=Verkehr wurde auf dem Ladoga=See beobachtet und ein An= 
griff an der Leningrad=Front abgewehrt. Ortlich beiderseitige starke Artl.= 
Tatigkeit. 

Wetter: 10—15 Grad Kalte, geringer Schneefall, teilweise Schneetreiben iind 
Sdineeverwehungen. Schneehohe 40 cm. 

Finnisdie Front (8. 1.) 

Siidostarmee: Stellenweise heftiges Storungsfeuer, fdl. Spahtrupps wurden ab» 
gewiesen. 

Karelisdie Armee: Im Totoy Gora wurden Feindteile eingesdilossen. Ein Angriff 
der Russen konnte an der Westkiiste der Powenezkaja=Bucht ortlich vordringen. 
5 km nordl. Powenez iibersdiritt der Gegner den Stalin=Kanal. Die Angriffe wurden 
zum Stehen gebracht. Gegenangriff und Vernichtung des Feindes ist im Gange. 
Mehrere Angriffe am Ostteil des Chishesero=See blieben ebenfalls erfolglos. In 
Welikaja Guba sdieiterten Ausbrudisversuche des dort eingeschlossenen Gegners. 
12 bis 35 Grad Kalte, stellenweise Sdineefalle. Der Ladoga=See ist zugefroren. 

AOK Norwegen: Keine besonderen Ereignisse. 10 bis 35 Grad Kalte. 



Afrika (7. 1.) 

1. Feind trat erst in Vormittagsstunden des 7. 1. Vormarsdi in Riditung auf die 
geraumte Agedabia=Stellung an. — 

Hordiaufklarung stellte Heranfiihrung neuer Verstarkungen von der Bardia= 
Front fest. 

2. Nachhut wird in Nacht y./8. 1. aus bisherigen Stellungen hart siidwestlidi 
Agedabia auf neue Stellungen 25 km siidwestlich Agedabia zuriickgenommen. — 

DAK und mot.Korps verbleiben 8. 1. im bisherigen Raum unter verstarkter Auf= 
klarung nach Osten und Nordosten. 

Ausbau der Abschnitte Maaten Giofer und B. es Suera durch X. und XXI. AK 
wird fortgesetzt. 

3. Auf den Stiitzpunkten der Halfaya=Front lag auch am 5. und 6. 1. starkes 
zusammengefafites Artilleriefeuer. Besonders auf Stiitzpunkt Halfaya erfolgten 
rollende feindliche Luftangriffe. 

4. 7. 1. friih feindlicher Luftangriff auf Hafen Tripolis. Kein Schaden. 

[In der Nacht vom 7. 1 8. Januar britische Luftangriffe auf Brest und St. Nazaire.] 



9. Januar 1942 

Lageberidit OKH 
Osten^ 

H.Gr. sad: 

11. Armee: An der Sewastopol=Front bekampften eigene schwere Waffen 
feindl. Feldstellungen und Lkw=Verkehr im Hafen von Balaklawa. Im Siid= 



1 Notizen Haiders: 

„Die Lage reift zur graven Entsdieidung heran: 

In der Durchbruckslucke von Sudiinitsdhi drangt der Feind weiter nach W vor. 

207 



B. Kriegstagebuch 

teil der Front vor Feodosia nahmen russ. Krafte eine Ortschaft 4 km ostw. 
Otusy. 

1. Pz.Armee: Spahtrupps sprengten ostw. des Mius vor der Armeemitte 
f eindl. Unterstande. Der Feind griff in der Nacht westl. Jelisawestowskij an. Die 
Kampfe dauern noch an. Siidl. davon wurden 2 Angriffe in Kp.=Starke abge= 
schlagen. An der iibrigen Front Artl.= und Spahtrupptatigkeit. 

ly. Armee: An der gesamten Armeefront f eindl. Sto6= und Spahtrupptatig= 
keit, stellenweise schofi russ. Artl. Storungsfeuer. 

6. Armee: Im Laufe des Tages und wahrend der Nacht wurden mehrere 
Angriffe auf Obojan aus nordl. und nordostw. Richtung, z. T. in zahen Hauser= 
kampfen abgewehrt. Die Kampfe sind noch im Gange. Westl. Dmitrijewskoje 
iiberschritten eigene Krafte die Strafie Wonjutschij— Obojan in nordostw. Rich= 
tung. 

Auf der Halbinsel Krim Nebel und Regen. Im iibrigen Bereich der H.Gr. 
nahm der Frost zu, 11 Grad Kalte. 

H.Gr. Mine: 

2. Armee: Die Bereinigung der Lage bei Bogdanowka ist noch im Gange. Der 
Angriff zur SchliejSung der Liicke nordl. St. Solzsewo gewann nach Siiden gut 
Boden. Bei Roshdestwenskoje blieben fdl. Angriffe erfolglos. Eigene Artl. 
bekampfte Feindansammlungen. Am Nordfliigel der Armee wurde ein Feind= 
angriff siidwestl. Nowosil abgeschlagen, ein weiterer russ. Angriff ist noch im 
Gange. 

2. Pz.Armee: Das Herauslosen der 18. Pz.Div. verlauft planmafiig. Bei 
Mzensk eingedrungener schwacherer Gegner wurde zurlickgeworfen. Eigene 
Artl. bekampfte mit guter Wirkung Feindbewegungen und Artl=Stellungen. 
Ostw. Fstnowo griff Feind in Starke von 2 Kp.n an. An der Nordfront der 
Armee griff der Gegner an mehreren Stellen erfolglos an. Vorstofie aus dem 
Waldgebiet nordwestl. Oserno wurden von eigenen Sicherungen abgeschlagen. 
Der Feinddruck gegen Shisdra verstarkte sich weiterhin. Heftige Feindangriffe 
gegen St. Sishewo wurden erfolgreich abgewehrt. 



Nur schwache Telle konnen ihm entgegengeworfen werden. Der Ausweitung 
nach SW und NW wird einigermaflen, wenn audi miihsam, gegengehalten. 
Westlich Rshew ist Abfangen feindlichen Durchbruchs nicht gelungen. Er hat 
sich erweitert und hat Aussicht, zu einer entscheidenden Handlung zu werden. 
Wir haben keine Gegenmittel greifbar. Siidlich Ostaschkow werfen 2 feindliche 
Div.en unsere schwachen Sicherungen zuriick, so daji auch hier ein Einbruch 
entsteht. 

Bei Heeresgruppe Nord Einbruch bei Staraja Russa, der wohl ahgefangen wer= 
den wird, und abgewiesener Angriff an der Wolchow front. Hier und an der 
Ladogafront scheint der Hauptangriff erst bevorzustehen. 

Mehrfach Gesprdche mit v, Kluge, Jodl: GrofJe Entscheidung Uber RUckverlegung 
der Front ist nun notwendig. Fuhrer kann sich noch nicht entscheiden und will 
mit Kluge selbst sprechen. Daher leider wieder Vertagung dieser brennenden 
Frage und Verlust wertvoller Zeit." k. u^j-s 



208 



9. Januar 1942 

4. Armee: Feindangriffe aus siidostw. Richtung gegen Suchinitschi blieben 
erfolglos. Russ. Vorstofie gegen Sicherungen und die HKL nordl. Tschenmo= 
danowo— Asenjewo sowie Angriffe siidl. und nordl. Gorensk wurden abge= 
schlagen. Wiederholte russ. Angriffe in Rgt.=Starke siidl. Djedschino konnten 
abgewehrt werden. Weiter nordl. wurde ein russ. Einbruch nordostw. Rjabsowa 
abgeriegelt. Feindteile wurden in einem Ort 3,5 km nordl. Medyn festgestellt. 

4. Pz. Armee: Der Feinddruck gegen den Siidfliigel hielt in unverminderter 
Starke an. Wyschgorod muiSte nach heftigen Kampfen geraumt werden. Feind= 
vorstofie an der Moskwa wurden abgewehrt, siidl. davon ein ortl. Einbruch 
abgeriegelt. Russ. Vorstofie gegen die Front ostw. und beiderseits der Rusa 
wurden zuriickgeschlagen, Feindansammlungen vor der Front durch ArtI.=Feuer 
wirksam bekampft. 

9. Armee: Siidwestl. Wolokolamsk lag starkeres russ. Artl.=Feuer auf den 
eigenen Stellungen. Angriffe schwacherer russ. Krafte wurden in der Nacht 
zum 9. 1. zuriickgeschlagen. 

Im Abschnitt der 3. Pz. Armee beschofi eigene Artl. feindl. Kolonnenver= 
kehr und Skitruppen vor der Front. Schwache Feindvorstofie blieben erfolg= 
los. An der iibrigen Front feindl. Artl.= und Spahtrupptatigkeit. An der Front 
zwischen Gorodischtsche und Mischina wurden Angriffe bis zu Btl.=Starke ab= 
geschlagen. Eigene Artl. zerschlug Feindansammlungen und Feindbewegungen 
vor der Front. Westl. Kolodino fiihrte der Feind gegen die Gesamt=Nordost= 
front stellenweise bis Mitternacht Angriffe in Btl.=Starke, die samtlich abge= 
wiesen wurden. Nordwestl. Rshew schlugen die dort eingesetzten eigenen Krafte 
mehrere Feindangriffe unter blutigen Verlusten fur den Gegner zuriick imd ver= 
nichteten durchgesickerte Feindteile. Der Angriff zur Schliefiung der Liicke konnte 
in ostw. Richtung bis 4 km siidsiidwestl. Bachumtowo Boden gewirmen. Nord= 
ostw. Jelzy wurden mehrere heftige Angriffe der Russen zuriickgeschlagen. 

Im siidl. Bereich der H.Gr. war das Wetter triibe bei zunehmendem Frost. 
Stellenweise Schneefalle imd Schneetreiben. Bei 4. Armee klares Wetter. 
Weiter nordl. wieder bewolkter Himmel bei Frost bis zu 15 Grad Kalte. 
Schneeverwehungen behinderten stellenweise stark den Verkehr. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Am Ostufer des Seliger=Sees wurde starker feindl. Kfz.=Verkehr 
festgestellt. Nordl. Lytschkowo eingedrungener Feind konnte im Gegenangriff 
geworfen werden. Siidl. des Ilmensees gelang es dem Russen, etwa in Starke 
einer Div. bis hart nordlich Staraja Russa vorzudringen^^. Der Angriff konnte 
zum Stehen gebracht werden. Der eigene Gegenangriff ist eingeleitet. Westl. 
B. Ljuban wurde ein russ. Angriff mit Panzerunterstiitzung abgewiesen. Schwa= 
chere Feindteile konnten siidwestl. Leswa in die HKL eindringen. Die Kampfe 
sind noch im Gange. 

la Beginn der sowjetisdien Offensive siidlich des Ilmensees. 

209 



B. Kriegstagebuch 

18. Armee: Bei St. Tigoda wurde ein Angriff des Russen abgewiesen. Feind= 
ansammlungen siidl. des Briickenkopfes Salzy konnten wirksam bekampft 
werden. Der Angriff von 2 Feindkp.n nordwestl. B. Ostrow wurde abgeschla= 
gen. Auch hier konnte die eigene Artl. neue russ. Bereitstellungen unter 
wirkungsvoUes Feuer nehmen. Feindangriffe mit Panzerunterstiitzung bei 
Lodwa blieben erfolglos. Eigene schwere Artl. bekampfte weiterhin wehr= 
wichtige Ziele in Leningrad. 

Bei 10 bis 18 Grad Kalte herrscht stellenweise Sdineetreiben, das starke 
Verwehimgen verursachte. Schneehohe siidl. des Ilmensees 50 cm. 

Finnisdie Front (9. 1.) 

Karelische Armee: Nordwestl. Oschta gewann ein ortl. Angriff gut Boden. 30 
Feindbunker wurden genommen. Der Feind verlor dagegen bei 2 Angriffen in Btl.= 
Starke etwa 400 Mann und 3 Panzer. Siidwestl. Powenez schreitet die Bereinigung 

der Landzungen fort ^ tote Russen — auch Frauen — wurden gezahlt. Ein er= 

neuter Angriff eines Feindbtl. nordl. Powenez wurde abgeschlagen. Siidostw. Masel= 
skaja blieben mehrere Feindangriffe gleichfalls erfolglos. 

Die Temperaturen schwanken zwischen 15 und 25 Grad Kalte. Bei AOK Nor= 
wegen stellenweise Schneesturm bei Frost bis zu 20 Grad. 

Afrika (8. 1.) 

1. Feind fiihlte, durch Verminungen stark aufgehalten, nur mit Aufklarungs= 
kraften gegen Nachhutstellungen 25 km siidwestlidi Agedabia vor. 

Nach Horchaufklarung wird Gegner am 9. 1. mit Teilen in Uadi el Faregh auf 
Mn. Bettafal vorgehen. Horchaufklarung stellte ferner Heranfiihrung von Stab 
1. Pz.Div. mit 2. Pz.Brigade und 1. Schtz.Brigade nach Gegend Msus fest. 

2. Zuriicknahme der Nachhut auf Stellungen 25 km siidwestlich Agedabia wurde 
in Nacht y./S. 1. planmafiig durchgefiihrt. 

Absicht fiir 9.1.: Wie bisher. 

3. An Halfaya=Front starkes feindliches Artilleriefeuer. Letzte eigene Brunnen 
hierdurch zerstort. Zufiihrung von ausreichenden Trinkwassermengen wahrschein» 
lich nicht moglich. 



10. Januar 1942 
Lagebericht OKH 
Osten^ 

H.Cr. sad: 

11. Armee: Vor der Sewastopol=Front nur geringe Inf.=, lebhafte Artl.= 
Kampftatigkeit. Ein FeindvorstoJS wahrend der Nacht mit starker Flak=Feuer= 
und Artl.=Unterstiitzung gegen die Nordostfront wurde abgewiesen. Starke 

2 Auf der Fotokopie nidit zu entziffern. 

1 Notizen Haiders: 

„lnfolge sehr ungunstiger Wetterlage verhaltnismajlig ruhiger Tag. An der 
Einhruchsstelle siidl. Kaluga scheint sich eine Schwerpunktbildung in Richtung 
Brjansk anzudeuten. Das Absetzen vom Feind bei 4. und 4. Pz.Armee ist an= 
scheinend glatt erfolgt. Nordlich Medyn ist die Lage unklar. 

210 



10. Januar 1942 

Schiff sbelegungen in der Bucht von Sewastopol. Vor Feodosia f iihrte der Feind 
nach Abwehr eines Angriffs in Starke einer Div. nur schwachere erfolglose 
Vorstofie. 

Auf der Arabeskaja=Landzunge wurde nur noch schwacher Feind ohne MG 
und Geschiitze festgestellt. 

1. Pz.Armee: Auf dem Sudfliigel der Armee lebte die Inf.=Feuertatigkeit 
stellenweise auf. Erkannte Feindziele wurden wirkungsvoU an mehreren Stel= 
len durdi eigne Artl. bekampft. Am Nordfliigel wurden in der Nacht vom 
8./g. 1. Feindangriffe gegen die Front siidwestl. Jelisatowskije, teilweise im 
Nahkampf, verlustreich fur den Gegner abgeschlagen. Gestern nur stellenweise 
lebhaftes Artl.=Storungsfeuer und beiderseitige Spahtrupptatigkeit. In der 
letzten Nacht drang ein eigener StoJStrupp in das vom Feind stiitzpunktartig 
ausgebaute Mstwojewkurgan ein und kehrte ohne eigene Verluste zuriick. 

17. Armee: Fdl. Stofi= und Spahtrupptatigkeit und ortliches Storungsfeuer, 
sonst keine besonderen Kampfhandlungen. 

6. Armee: Schwachere Feindvorstofie auf dem Siidfliigel wurden abgewiesen. 
Die Kampfe bei und ostw. Obojan dauern noch an. Die auf St. Rshawa vor= 
gestofiene Komp. der Gruppe Dostler mufite vor iiberlegenem Feindangriff 
nach Siiden ausweichen. 

Der linke Fliigel der Gruppe stieE bis zur Bahnlinie 6 km nordl. Dmitri= 
jewskoje vor. Gruppe Keuling nahm im Angriff gegen iiberlegenen Feind den 
Ort Kuliga 5 km nordl. Obojan. 

Wetter: Auf der Krim strichweise Regen, sehr mild. Im Ubrigen Bereich der 
H.Gr. Tauwetter, Temperaturen von o bis +3 Grad, stellenweise Regen. 

H.Gr. Mitte: 

2. Armee: Schwacher Feind sperrt die Strafie Kursk— Obojan etwa 8 km 
nordwestl. Obojan. 2 Feind=Komp.n mit Panzern sind bis an den Polnaja=Ab= 
schnitt 25 km siidostw. Kursk vorgestofien. Hier sichern eigene schwache Telle. 
Der Vorstofi eines Btl. der 88. 1.D. im Seim=Tal gewinnt gut nach Siidosten 
Boden, ein Ort 6 km siidostw. Schumakowo wurde genommen imd gegen fdl. 
Angriffe von Osten gehalten. Zu der bei Solzsewo haltenden Gruppe besteht 
z. Z. keine Verbindung. 

Schwache Erkundungsvorstofie des Gegners gegen die Front westl. Tim 
wurden abgewiesen. 

Westlich Rshew ist der Feind anscheinend nur mit starker Aufkldrung nach 

Siiden vorgegangen. Die Alarmmeldung am WestflUgel XXIII, AK. scheint sich 

nicht voll zu beioahrheiten. 

Bei 16. Armee Angriff Uber die Waldai=Seenplatte gegen unsere sckioachen 

Krafte. Anscheinend kommt noch mehr nach. 

Bei Staraja Russa ist die Lage noch gespannt. tlbrige Front der Heeresgruppe 

Nord ruhig. 

Fm. V. Kluge konnte wegen des Wetters nicht zum Fiihrer fliegen. Daher ent= 

scheidende Aussprache Uber die Weiterfiihrung der Kampfe auf 11. i. vertagt." 



B. Kriegstagebuch 

Vor der Armeemitte wurde ein eigenes Stofitruppunternehmen erfolgreich 
durchgefiihrt. Spahtrupps stellten samtliche Orte in 2—3 km Entfernung vor 
der eigenen HKL feindbesetzt fest. 

Am Nordfliigel beiderseitige Aufklarungstatigkeit. Der Angriff eines fdl. 
Btl. westl. Nowosil wurde abgewehrt. 

2. Pz.Armee: In gesamter Front beiderseitige Artl.=Tatigkeit und stellenweise 
Raketengeschiitzfeuer. Marsche und Ablosungen verlaufen planmafiig. Ein An= 
griff im Abschnitt Troiskoje wurde abgewehrt. ' 

Am Nordfliigel sind weitere fdl. Marschkolonnen in westl. und siidwestl. 
Richtung festgestellt. Eigene Kampfgruppen besetzten Orte 7 km siidostw. und 

12 km nordwestl lizy^. Ein Btl. der 4. Pz.Div. ist auf Schlitten im Marsch 

von Bolchow nach Ksyn, ein mot. Btl. iiber Orel nach Brjansk. Schtschigry 
an der Rollbahn Brjansk— Kaluga wurde genommen. Die Kampfe um Shisdra 
dauern weiter an. Fdl. Angriffe auf Shisdra wurden abgewehrt. Eine Feind= 
kolonne ist im Marsch auf die Seenenge bei St. Ljudinowo, wo zwei eigene 
Komp.n halten. 

4. Armee: Von der Kampfgruppe Suchinitschi liegen keine neuen Meldungen 
vor. Bei und nordl. Postushnje (?) stehen schwache eigene Sicherungen. Ein 
Pz.Btl. hat im Vorgehen entlang der Eisenbahn . . . .2— Suchinitschi St. Barja= 
dinskaja erreicht. Vorderste Teile des Feindes stehen 9 km siidostw. Femino, 
ein Angriff zweier fdl. Rgt.er gegen die Front nordostw. Rowna wurde nach 
voriibergehendem Einbruch im GegenstoE zuriickgeworfen. Von Kaluga nach 
Westen sind fdl. Bewegungen festgestellt. Vor der Front nordwestl. Asenjewo 
trat erstmalig fdl. Artl. auf. Die Ostfront der Armee wird planmafiig zuriick= 
genommen. Der Feind folgte den Absetzbewegungen im allgemeinen nur 
zogernd und drangte nur am Nordfliigel mit Artl.=Unterstutzung starker nach. 

4. Pz.Armee: Der Feinddruck gegen die Siidfront der Armee halt weiter 
an. Feindbewegungen nach Westen auf dem Siidufer der Protwa. Nach harten 
Kampfen gelang es, einen Ort 15 km siidwestl. Were] a zu nehmen. 

Das Absetzen der Div. an der Ostfront verlauft planmafiig. Nur an der 
Autobahn nach Wjasma drangt der Feind starker nach. Nordl. Rusa lebhaftere 
Artl.=Tatigkeit, starkere Feindansammlungen und mot. Verkehr, am Nord= 
fliigel nur kleinere Erkundungsvorstofie und Artl.=Storungsfeuer. 

9. Armee: Im Abschnitt Wolokolamsk wurden 2 Feindangriffe abgewehrt 
und Bereitstellungen zerschlagen. 

Vor 3. Pz.Armee Artl.=Storungsfeuer. Bei einem Stofitruppunternehmen 
wurden 10 Bunker zerstort und der Gegenangriff abgewiesen. Fdl. Angriffe 
gegen die Nordfront der Armee bei zunehmender fdl. Artl.=Tatigkeit gegen die 
Divisionen nordostw. Rshew wurden abgewiesen. 

Die SS=Kav.Brig. stand in schwerem Kampf 20 km nordwestl. Rshew. Nach 
dreistiindigem Kampf mit 2 russ. Ski=Btl.en mufite ein Ort aufgegeben werden. 

2 Auf der Fotokopie nicht zu entziffern. 
212 



lo. Januar 1942 

Eine Schwadron wurde aufgerieben. Um einer doppelseitigen Umfassung uber= 
legener Feindkrafte zu entgehen, wurde die Brigade auf Druschkowa zuruck= 
genommen. 

Auf linkem Armeefltigel wurde ein Angriff im Abschnitt Jelzy abgewiesen. 
Feindangriffe westl. des Wolgo=Sees brachen in die schwach besetzte Siche= 
rungslinie ein. 

Wetter: meist bewolkt, teilweise Schneefall, bei AOK 4 abends Schnee= 
Sturm, Temperatur um minus 10 Grad. Strafien teilweise stark verweht. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Am Siidfliigel stehen eigene Krafte in schwerem Abwehrkampf 
gegen starke Feindangriffe 2^. Ortliche Angriff e gegen die Front siidostw. des 
Ilmensees wurden abgewiesen. Vor dem Feindangriff iiber den unteren Lowat 
wurde die eigene Front auf Staraja Rtissa zuriickgedrangt. •■- > »"' > 

Wswod wurde gehalten. Eigene Reserven wurden herangezogen. Nordl. 
des Ilmensees wurde ein Feindangriff gegen den Abschnitt ostw. Petrowskoje 
abgewehrt. 

18. Armee: Gegen den sudl. der Tigoda=MUndung eingedrungenen Feind 
sind die Kampfe noch im Gange. Mehrere noch mit Panzerunterstiitzung ge= 
fiihrte Angriffe bei Lodwa wurden abgeschlagen. An der Leningrader Front 
Sto6trupp= und Artl.=Tatigkeit. 

Finnisdie Front (10. 1.) 

Sudostfront: Spahtrupp= und Artl.=Tatigkeit (z. T. aud^ schw. Kalibers). 

Karelische Armee: Fdl. Angriffe an der Swir=Onega=Front wurden blutig ab= 
geschlagen. 2 neue Angriffe gegen die Landzunge siidwestl. Powenez scheiterten 
unter hohen Verlusten fiir den Gegner. Der eigene Gegenangriff ostw. Chishesero 
gewann nach Abwehr des Gegners gut Boden. Der Russe hatte starke Verluste. 

AOK Norwegen: Keine besonderen Ereignisse. 

Afrika (9. 1.) 

1. Feindvorgehen durch zahlreiche Verminungen weiterhin verzogert. Rege feind- 
liche Aufklarungstatigkeit vor Maaten Giofer—B.=es=Suera— Abschnitt. Luftaufkla= 
rung stellte im Raum Msus und Antelat groSere Kfz.Ansammlungen fest. 

2. Absicht fiir 10. 1. 42: 

a) In Nacht 9./10. 1. Zuriicknahme DAK und ital. mot.Korps zunachst in den 
Raum ostwarts und siidostwarts el Agheila. 

b) Verzogerung feindlichen Vorgehens aus Richtung Agedabia durch ein ver= 
starktes Rgt. 90. lei.Div. aus Stellungen nordostwarts Marsa el Brega. 

3. Fiihrungsabteilung der Panzergruppe wurde 9. 1. in Gegend 10 km westlich 
el Agheila verlegt. 

[Der Fiihrer erlafit eine grundlegende Weisung fiir die RUstung 1942^.] 

2a Beginn der sowjetischen Offensive an der Naht der H.Cr.n Nord und Mitte 

im Raume westlich Ostaschkow. 
5 Nr. 1/42 g.Kdos. OKW/WFSt/Org.=WiRu Ami vom 10. Januar 1942, im Dokw 

menten=Anhang Nr. 5. 

213 



B. Kriegstagebuch 

'•''■ "■■*■ -•!.— i^ — 11. Januar 1942 ' '■■""*" ..<,•.!,.--■.:■' ....■-; 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Sud: 

11. Armee: An der Sewastopol=Front wurden Vorstofie gegen vorgescho= 
bene Stellung nordwestl. Kamyschly abgewiesen. Versuche des Feindes, Minen= 
felder zu raumen, wurden vereitelt. 

An der Feodosia=Front nur vereinzelte Feindvorstofie in geringer Starke, 
die abgewiesen wurden. 

1. Pz.Armee: Am Siidfliigel der Armee stellenweise lebhaftere Feuertatig= 
keit. Sonst im gesamten Armeebereich nur normale beiderseitige Spahtrupp= 
und Artl.=Tatigkeit. 

17. Armee: Fdl. Stofi= und Spahtrupptatigkeit tmd fdl. Artl.=Storungsfeuer 
wie an den Vortagen. Feind, der sich westl. des Donez in einer Ortschaft siidl. 
Isjum festgesetzt hatte, wurde durch eigenen StoEtrupp iiber den Donez zu= 
riickgeworfen. 

6. Armee: Vor Siidabschnitt und Mitte der Armee ruhiger Verlauf des Ta= 
ges. Am linken Armeeflugel gewann der Angriff der Gruppe Dostler in nord= 
ostw. Richtung bis zu 6 km Boden. Ein fdl. Gegenangriff mit Panzern wurde 
bei Dmitri] ewskoje abgewiesen. Die von Westen zur Schliefiung der Liicke 
angreifende Gruppe Keuling erreichte die Linie dicht westl. St. Kriwoswo (?) 
— 6 km nordlich davon. 

Wetter: Im gesamten Bereich der H.Gr. Tauwetter bei Temperaturen bis zu 
+ 4 Grad. Strafien meist aufgeweicht und nur schlecht befahrbar. 

H.Gr.Mitte^: 

Am rechten Armeeflugel wurden mehrere aus der Liicke zur 6. Armee von 
Siiden und Siidwesten gefiihrte Angriffe mit Panzern abgewehrt. Ein eigener 
Vorstoli neuer, von Kursk herangekommener Telle entlang der Bahn von 
Kursk nach Siidosten blieb gegeniiber eingegrabenem Feind etwa 15 km ostw. 
Ljubishnoje liegen. Ein nordl. der Strafie Tim— Kursk bei Skolja Pleta gefiihr= 
ter eigener Panzervorstofi zur Sauberung des Gelandes erbrachte 26 Ge= 
fangene und 126 tote Russen. 

Gegen die Mitte und den nordl. Armeeabschnitt erfolgten vereinzelte An= 
griffe bis zu Btl.=Starke, die unter meist hohen blutigen Verlusten flir den 
Russen abgeschlagen wurden. Ein siidwestl. Nowosil gefiihrter Angriff des 
Feindes in Rgt.=Starke blieb ebenfalls ohne Erfolg. 

1 Notizen Haiders: 

„Den ganzen Tag iiber beim Fiihrer zusammen mit Fm. v. Kluge. Der Fiihrer 

halt an seinem Befehl, jeden Schritt Bodens zu verteidigen, jest. 

Sehr unerwunschte weitere Entwicklung der Lage im Einbruchsbereich Suchini= 
.-,; tschi und westlich Rshew. Die Lage beginnt gefahrlidi zu werden. 

Riickkehr vom Fiihrer 1.00 Uhr morgens." 

214 



11. Januar 1942 

2. Pz.Armee: Siidostw. Mzensk in die HKL eingedrungener Feind konnte 
im Gegenstofi geworfen werden. Im iibrigen fanden am Suscha=Abschnitt und 
Oka=Abschnitt keine besonderen Kampfhandlungen statt. In der Nordflanke 
griff der Feind aus Gegend Osowno mehrmals in siidl. und siidostw. Richtung 
an. Er wurde unter blutigen Verlusten abgewiesen. Der Bahnhof ostw. Shisdra 
wurde wie bereits am Vortage wiederum heftig angegriffen, alle Angriffe 
konnten abgewiesen werden. 

4. Armee: Lage bei Suchinitschi unverandert. 

Im riickw. Armeegebiet sind Feindkrafte in Pesotschnaja eingedrungen und 
haben den Bahnhof besetzt. Mafinahmen zur verstarkten Sicherung der Eisen= 
bahnlinie sind eingeleitet. Der aus Gegend Subowo beabsichtigte eigene An= 
griff mufite infolge der hohen Schneelage und starken Schneetreibens aufge= 
schoben werden. Der linke Armeefltigel hat sich in die neue Verteidigungs= 
hnie abgesetzt. Neue HKL: Siidfliigel bis zur Ugra wie bisher — Verlauf der 
Ugra bis 4 km siidostw. Rschdostwo — 7 km siidwestl. Sljodnowo— Maksuzy 
— 6 km ostw. Medyn — 5 km nordl. Medyn. Das Absetzen erfolgte teilweise 
unbemerkt vom Gegner, teilweise jedoch drangte der Gegner nach, konnte 
aber iiberall abgewiesen werden. Bin eigener Angriff am Nordfliigel nordl. 
Medyn blieb infolge hohen Schnees (fast 1,50 m) und starken Abwehrfeuers 
des Gegners liegen. 

4. Pz.Armee: Der Feinddruck gegen den Siidfliigel hielt in unverminderter 
Starke an. 2 Feindangriffe in Btl.=Starke wurden unter blutigen Verlusten fiir 
den Gegner abgewiesen. Uber die Moskwa vorgedrungener Feind im mittleren 
Armeeabschnitt wurde zuriickgeworfen, ein ortlicher Einbruch in Gegend 
nordl. Makeicha wurde abgeriegelt. Bereinigung des Einbruchs ist im Gange. 
Im Nordabschnitt der Armee nur schwachere feindliche Erkundungsvor= 
stofie. 

9. Armee: Nach starker Artl.=Vorbereitung griff en starkere Feindkrafte seit 
den friihen Morgenstunden in mehreren Wellen die Front bei Wolokolamsk 
an. Alle Angriffe, die teilweise mit Panzern unterstiitzt waren, konnten unter 
hohen Feindverlusten abgewehrt werden. 2 Feindpanzer (T 34) wurden ab= 
geschossen. 

Bei 3. Pz.Armee einzelne Feindvorstofie mit Artl.=Unterstiitzung, die abge= 
wiesen wurden. 

Im rechten Abschnitt der Nordfront der Armee wurden starkere bis zu gmal 
wiederholte Angriffe des Feindes mit Panzerunterstiitzung abgewehrt, 5 Feind= 
panzer, darunter ein 58 t, wurden vernichtet. Waldgebiete hinter der Front 
wurden von durchgesickerten Feindteilen gesaubert. 

Gegen den Abschnitt nordl. Rshew gerichtete Feindangriffe blieben bei ho= 
hen blutigen Feindverlusten ohne Erfolg. Am linken Armeefliigel wurde die 
Front am Wolgo=See gehalten, 

Wetter: Im siidl. Heeresgruppenbereich Schneefalle, Temperaturen um 
o Grad. Bei 4. Armee und 4. Pz.Armee starker Schneesturm mit Temperaturen 

215 



B. Kriegstagebuch 

zwischen minus lo und minus 15 Grad. Starke Schneeverwehungen machen 
Kfz.=Verkehr aufierordentlich schwierig, teilweise unmoglich. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Die Feindangriffe gegen den Siidfliigel der Armee hielten an; 
sie konnten im allgemeinen in harten Abwehrkampfen unter hohen Feind= 
verlusten abgewiesen werden. An der Einbruchsstelle bei Staraja Russa wird 
die HKL in schweren Abwehrkampfen gegen zahlenmafiig iiberlegenen Feind 
gehalten. Der Stiitzpunkt Wswod am Siidrand des Ilmensees halt sich Vv7eiter= 
hin. Eine Ski=Komp. der 250. span. I.D. gelangte 16.30 Uhr auf dem Ilmensee 
in Sichtnahe des Siidostuf ers und will Verbindung mit dem Stiitzpunkt Wswod 
aufnehmen. Am Wolchow=Abschnitt keine besonderen Kampfhandlungen. 

18. Armee: Am rechten Armeefliigel nordl. Tigoda=Miindung gelang dem 
Feind ein Einbruch in die HKL. Gegenstofi ist im Gange. Die Lage hinter der 
HKL bei Larisnow Ostrow wurde im allgemeinen bereinigt. 

An der Leningrader Front Spahtrupp= und Artl.=Tatigkeit. Militarisch wich= 
tige Objekte in Leningrad wurden mit Artl. bekampft. 

Wetter: 25 bis 35 Grad Kalte, mafiige Sicht. 



Finnisdie Front (11. 1.) 

Siidostarmee: An der KareliscKen Enge ArtI.=Storungsfeuer, teilweise auch . . .^ 

Karelisdie Armee: Schwachere Angriffe des Gegners an der Swir=Onega=Front. 

Auf den Halbinseln siidl. Powenez halten sidi nodi Feindreste, deren Vernidi= 
tung im Gange ist. Ein Feindangriff nordostw. Powenez wurde abgewiesen. Sau= 
berung des Hintergelandes von zerstreuten Feindteilen ist im Gange. 

AOK Norioegen: Keine besonderen Ereignisse. 



Afrika (10. 1.) 

1. Feindlage im grolien unverandert. Luftaufklarung stellte Heranfiihren von Ver= 
starkungen aus Gegend Msus in den Raum Giof el Matar— el Haseiat— Antelat fest. 

Vor der Front der Abschnitte Maaten Giofer und B. es Suera rege feindliche 
Aufklarungstatigkeit. 

2. Zuriicknahme DAK und italienisches mot.Korps in den Raum ostwarts und 
siidostwarts el Agheila wurde in Nacht 9./10. 1. planmafiig durchgefiihrt. Die etwa 
12 km ostwarts Marsa el Brega stehende deutsche Nachhut hatte 10. 1. keine Feind= 
beriihrung. Vor der Front der Stellungen wurden die Verminungen fortgesetzt. 

3. An der Halfaya=Front beiderseitige Spahtrupptatigkeit. Feindliche leichte See= 
streitkrafte belegten Stiitzpunkte Halfaya mit Storungsfeuer. 

[In der Nacht vom lo./ii. Januar deutsche Luftangriffe auf Liverpool und 
Merseyside. Seekrieg: Beurteilung der Lage an der amerikan. Ostkuste durch 
den B.d.U.K] 

2 Auf der Fotokopie nicht zu entziffern. 

3 Vg/. Auszug aus dem KTB des B.d.U. vom 11. 1. 42, im Dokumenten=Anhang 
Nr,4- -;;..-_:. 

216 



12. Januar 1942 

12. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Sud: 

11. Armee: Zum Abschlufi der Kampfe bei Eupatoria meldet die Armee, 
dal2 die Vernichtung des am 5. 1. gelandeten Feindes nach Niederbrennen und 
Sprengen der Hauser in 3tagigem harten Ringen gelang. Der Gegner verlor 
203 Gefangene, 600 Gefallene, 1 Pz.Spahwagen, 6 Pak und 12 Gr.Wf. Neben 
kleinen Landebooten wurden 1 Minensucher und 2 S=Boote versenkt. 1 300 
Partisanen wurden erschossen. Ein Feindvorstofi an der Nordostfront von 
Sewastopol wurde durch Art.=Feuer zerschlagen, ein weiterer nachts von den 
Rumanen abgewiesen. Ostw. Balaklawa erfolgloser Angriff 1 fdl. Btl.s, bei 
Feodosia keine Veranderung der Lage. 

Durch Vereisung in der Gebirgsgegend infolge der Schlechtwetterlage ist 
eine weitere Erschwerung der Marschbewegungen eingetreten. 

1. Pz. Armee: An gesamter Front hielt ortliche schwache Artl.=Tatigkeit des 
Gegners an. Am Nordfliigel rege beiderseitige Spahtrupptatigkeit. Eigene Artl. 
bekampfte wirksam den Gegner. 

ly. Armee: Geringe Spahtrupptatigkeit und ortliches Artl.=Storungsfeuer. 

6. Armee: An der Ostfront der Armee Spahtrupptatigkeit, sonst keine be= 
sonderen Kampfhandlungen. Am Nordfliigel sind ostw. Dmitrijewskoje Ab= 
wehrkampfe gegen starken Feindangriff im Gange. Die Angriffe der Gruppen 
Dostler und NeuUng zur Schlieliung der Liicke wurden erfolgreich fortgesetzt, 
sie konnten in harten Kampfen Boden gewinnen. Der Feind greift dagegen 
von Norden her den linken Fliigel an. 

Wetter: Auf der Krim Nebel, Temperaturen um o Grad. Im iibrigen Bereich 
der H.Gr. leichter Frost bis — 6 Grad, Himmel bedeckt. Strafien stellenweise 
vereist, mafiig befahrbar. 

H.Gr. Mitte: 

2. Armee: Die sich von St. Solzsewo zuriickkampfende Kampfgruppe 
drangte den Gegner nach Siidwesten ab und schlug sich bis in Gegend Lju= 
biskoje durch. Der Feinddruck gegen den Seim bei Schumakowo verstarkt 
sich. 

Ein fdl. Angriff mit Panzer=Unterstiitzimg bei Bogdanowka und ein Angriff 
nordl. der Strafie Tim— Kursk scheiterten unter hohen blutigen Verlusten fiir 
den Gegner. Weitere Angriffe der Russen an mehreren Stellen gegen die Mitte 
und linken Abschnitt wurden abgewiesen. 

2. Pz.Armee: An der Ostfront nur Artl.= und Spahtrupptatigkeit und ein 
erfolgloser fdl. ErkundungsvorstoIB. 

Gegen die Westfront des Nordfliigels griff der Feind mit starkeren Kraften 
an mehreren Stellen an und wurde abgeschlagen. Ostw. Shisdra wurde bei 
St. Siksewo die Verbindung zwischen den Kampfgruppen Greling und Cuno 

217 



B. Kriegstagebuch 

hergestellt. Gegen die Seen=Enge bei Ljudinowo fiihrt der Feind von Nord= 
osten Verstarkungen heran. 

4. Armee: Lage um Suchinitschi unverandert. Der Gegner hat Posetschnaja 
besetzt und stofit von dort nach Norden vor. Entlang der Bahn Suchinitschi— 
Smolensk ist er bis St. Barjatinskaja vorgedrungen. 6 km westl. davon stehen 
eigene Sicherungen. 20 km nordostw. Femina bis in Nahe der Rollbahn vor= 
gedrungener Gegner wird zuriickgedrangt. Ostw. Juchnow drangen Feindteile 
bis 3 km siidl. Krjukowo vor. 

Westl. Wschiwka ist seit den friihen Morgenstunden ein eigener Angriff 
nach Siidwesten im Gange, bisher wurden 3 Ortschaften genommen. 

Das Absetzen an der Ostfront verUef planmajSig mit nur unbedeutendem 
Gerateverlust trotz der Schneewehen. Nachdrangender Feind wurde abgewie= 
sen. Auch die Zuriicknahme des Nordfliigels bis beiderseits Medyn verlief 
planmafiig. Eine Ortschaft 3 km nordl. der Stadt verteidigt der Russe hart= 
nackig gegen eigenen Vorstofi und verstarkt sich dort. 

4. Pz. Armee: Der Feind driickt weiterhin gegen den Siidfliigel und stiefi 
entlang der Protwa bis 6 km siidl. Wereja vor. Seine Angriffe wurden abge= 
wehrt bzw. zum Stehen gebracht. Das Absetzen an der Siidostfront verlauft 
planmafiig. Vorfiihlender Feind wurde von den Nachtruppen abgewiesen. Bei 
Smolenskoje eingedrungener Feind ist im Gegenangriff zuriickgeworfen. 
Feindvorstofie in Kp.= bis Btl.=Starke an der iibrigen Armeefront wurden ab= 
gewiesen. 

9. Armee: Vor starkem Angriff iiberlegener Feindkrafte, die von starker 
Artl. und schweren Panzern unterstiitzt waren, mufite die HKL nordwestl. 
Wolokolamsk 2 km zuriickgenommen werden. Hier wurden unter Einsatz 
aller Reserven weitere Angriffe abgewiesen. 

3. Pz. Armee: AulBer einem Erkundungsvorstoli des Gegners nur Artl.= 
Storungsfeuer. An der Front nordostw. Rshew konnte zur Verbesserung der 
Stellung die HKL an einigen Stellen vorverlegt werden. Angriffe nordwestl. 
der Stadt wurden abgewiesen. Westl. und siidwestl. Rshew verstarkt sich der 
Feind weiter und hat Ortschaften im Raum 20 km siidwestl. der Stadt besetzt. 
Ein Vorstofi der SS=Kav.Brig. konnte die Liicke etwas verengen. 

Siidl. des Wolgo=Sees werden die Stellungen in schwerem Kampf gegen 
iiberlegenen Feind gehalten. 

Wetter: Vorwiegend klar im Siidabschnitt bis 15 Grad, im Nordabschnitt 
20—25 Grad Kalte. 

H.Gr. Nord': 

16. Armee: Der Feind setzte seine Angriffe an der ganzen Seenfront fort, 
nahm Peno sowie mehrere sich bis zum Letzten wehrende Stiitzpunkte, stiefi 

1 Notizen Haiders: 

„Bei Heeresgruppe Nord: Am Siidfliigel erheblicher Druck infolge Angriff s von 
Teilen von 4 Verbdnden Uber die gefrorenen Seen auf 123. 1.D. 

216 



12. Januar 1942 

nordl. des Swatoje=Sees durch und drang mit Teilen bis in Gegend 15 km 
siidostw. Molwotizy vor. Eigene verfiigbare Reserven werden herangefiihrt. 

Ein ortlicher Einbruch in Gegend St. Lytschkowo ist bereinigt. Alle Angriffe 
gegen die Front bei Staraja Russa sind bisher abgewiesen. Ebenso halt sich 
weiterhin der Stiitzpunkt Wswod. Die span. Ski=Kp. konnte wegen einer brei= 
ten Eisspalte Wswod nicht erreichen. Verstarkungen werden planmaliig heran= 
gefiihrt. Nordl. des Ilmensees Artl.= und Spahtrupptatigkeit. 

18. Armee: Ein ortlicher Einbruch siidl. Salzy wurde im Gegenstofi bereinigt. 
Fdl. Vorstofie gegen die Nordostfront und Angriffe bei Lowda sind abgewehrt. 
An der iibrigen Front Artl.=Tatigkeit. 

Wetter: Grofitenteils Nebel, — 25 Grad. 



Finnische Front (12. 1.) 

Sudost= Armee: Erfolglose Feindvorstofie und beiderseitiges Storungsfeuer (beim 
Feind auch mit schweren Kalibern) auf der Karel. Enge. 

Karelische Armee: Der in Totoy Cora eingeschlossene Feind ist vernichtet (500 
tote Russen), 150 Bunker wurden genommen. Durch Angriffe iiber den Onega=See 
gelang es dem Feind, eine Insel teilweise zu besetzen. Gegenmaf3nahmen zur Be= 
reinigung der Halbinsel siidwestl. Powenez schreiten fort. Siidl. Chishesero wurde 
der Feind weiter zuriickgedrangt. Fdl. Angriffe bei Welikaja scheiterten unter blu= 
tigen Verlusten. 

An der iibrigen Front beiderseitige Artl.= und Spahtrupptatigkeit. 

AOK Norwegen: Artl.= und Spahtrupptatigkeit. 



Afrika (11. 1.) 

1. Feind fiihlte am 11. 1. 42 mit verstarkter Aufklarung gegen unsere Front vor. 
Schwerpunkt der bewaffneten Aufklarung beiderseits Uadi el Faregh. Fiir 12. 1. ist 
mit weiterer Verstarkung dieser bewaffneten Aufklarung zu rechnen. 

Feindliche Kraftegliederung im grofien unverandert. 

2. Halfaya=Front: Am 10.1. wurden bei Cirener einige englische Gefangene ge= 
macht. Feindtatigkeit war an diesem Tage wegen schlechter Witterung beschrankt. 
Seit Tagesanbruch des 11. 1. starker feindlicher Angriff gegen Stiitzpunkt Nieder= 
solium im Gange. 

[Vortrag des Ob.d.M. beim Fuhrer^.] 



V. Leeb denkt sofort an Ausweichen. Fiihrer lehnt ah. RUcksprache Fiihrer—Leeb. 

Fiir morgen wird v. Leeb zur Aussprache herangeholt. 

Lage Staraja Russa stabilisiert. Wird anschliejiend bereinigt werden. 

Vor Wolchoio=Front Ruhe vor dem Sturm. 

Mitte: Verhdltnismajiig ruhig. Feind scheint aufzusckliejien. Auswirkungen der 

SchneestUrme der letzten Tage machen sich auch bei ihm geltend. 

Slid: Reichenau wehrt sich gegen tlbernahme 2. Armee. Umsonst! Mm/? aus 

1. Pz.Armee 2 Div.en freimachen." 

Vgl. die Niederschrift iiber diesen Vortrag Nr. 1. Ski. lb 145/42 g.Kdos. Chefs. 

in: Lagevortrdge des Ob.d.M., a.a.O. 

219 



B. Kriegstagebuch 

13. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr.Sud': 

i±. Armee: An der Sewastopol=Front schanzt der Gegner. Eigene Artl. be= 
kampfte Feindbewegungen hinter der Front, Schiffsverkehr im Hafen und fdl. 
Flugplatze. Nordwestl. Feodosia wies die Gruppe Hitzfeld einen Angriff in 
Starke von 1—2 russ. Btl.en ab. 

1. Fz. Armee: Vor der Armeemitte sprengte ein eigener Spahtrupp 10 russ. 
Erdbunker und erbeutete 4 Granatwerfer. Im iibrigen an der Front Artl.= und 
Spahtrupptatigkeit. 

:Ly. Armee: Am Siidfliigel wurden 2 fdl. Stofitrupps abgewiesen. Der Feind 
machte ortliche Spahtruppunternehmen. 

6. Armee: Am Siidfliigel wurde ein fdl. Vorstofi nordl. St. Sawinzy abge= 
wiesen. Im Nordabschnitt wurde der Gegner bei Dmitrijewskoje nach tage= 
langen Kampfen geschlagen. Der eigene Angriff ostw. und beiderseits Obojan 
gewann gegen nachlassenden Feindwiderstand in nordostw. Richtung Boden. 
Der Feind setzte sich nach Osten ab. 

Auf der Krim Regenwetter mit Nebel. Im iibrigen Bereich der Heeresgruppe 
herrschen Temperaturen bis 10 Grad Kalte, stellenweise Nebel und Schneefall. 



Notizen Haiders: 

„Ein besonders schwerer Tag. 

H.Gr. Slid: bereinigt allmahlich den Einbruch am Nordflugel. Sie erwartet im 

iibrigen feindlichen Angriff. 

H.Gr. Mitte: Mehrfach verzioeifelte Anrufe des OB der Heeresgruppe. Wahrend 

der Sack von Suchinitschi im SUden allmahlich sich zu umranden beginnt, ist 

4. Armee anscheinend nicht in der Lage, den gegen die „Rollbahn" von SUden 

her an 2 Stellen erfolgenden Druck abzufangen. Die Rollbahn ist unterbrochen. 

Die Folgen fUr Versorgung der 4. Armee sind noch nicht zu iibersehen. Die 

Kampfe um Medyn haben sick so zugespitzt, dafJ v. Kluge verlangt, die Stadt 

aufgeben zu diirfen. Widerwillig gibt der Fiihrer nach. 

Die LUcke nordlich Medyn ist nach wie vor besorgniserregend. Bei V. AK. 

schwere Einbriiche. Bei Rshew ist der Feind mit starken Kraften durch die LUcke 

zwischen VI. und XXlll. AK. nach SUden gezogen und druckt auf Bahn Rshew— 

Sytschewka. Um den Bahnhof von letzterem Ort loird gekampft. Damit ist die 

einzige Moglichkeit der Versorgung der 9. Armee und der Panzerarmee 3 unter= 

brochen. Die Folgen sind nicht abzusehen. 

Nachmittags meldet v. Kluge, dafl AOK 9 dem XXlll. AK. den Befehl zum Zu= 

rUckgehen gegeben habe. Damit wird die Lage der Heeresgruppe noch weiter 

erschwert. 

H.Gr, Nord: Aussprache zwischen Fm. v. Leeb und dem Fuhrer. Es kommt keine 

Einigung zustande. Der Fuhrer bleibt auf seiner im Befehl erhaltenen Forderung 

bestehen, dajl die Front an den Waldai=Hdhen halten mUsse. v. Leeb erklart, 

er konne das zwar versuchen, es werde aber nicht gelingen, da ausreichende 

Kr'dfte nicht herangefUhrt werden konnten! 

(Nachste herankommende Div. ist 218., deren 1. Regiment an den Wolchow 

mufl, wahrend die Ubrigen Teile nur in ganz langsamem Tempo ab 28. ds. 

Monats herangefUhrt werden konnen.)" 



220 



13. Januar 1942 

H.Gr. Mitte: 

2. Armee: Der eigene Angriff aus Ljubizkoje nach Osten gewann bis 4 km 
siidwestl. Schumakowo Boden. Siidostw. Schumakowo scheiterte ein fdl. Pan= 
zerangriff. Bei Roshdestwenskoje wurden mehrere fdl. Angriffe abgewehrt 
und ein russ. 32 t=Panzer hierbei vernichtet. 

Schwachere Feindangriffe gegen die Front beiderseits Nowosil blieben er= 
folglos. 

2. Pz. Armee: Gegen die eigenen Stellungen der Ost= und Nordfront schofi 
fdl. Artillerie Storungsfeuer. Ostw. und siidl. Oserno konnten Angriffe gegen 
die Nordwestflanke der Armee erfolgreich abgewehrt werden. 

4. Armee: Bei Ljudkowo konnten Feindteile die Rollbahn erreichen. Der 
Gegenangriff ist angesetzt. Mehrere fdl. Angriffe auf Subowo wurden ab= 
geschlagen. Weitere Angriffe sind noch im Gange. 10 km ostw. Pareslizy griff 
der Feind, durch Artl. und Raketengeschiitze unterstiitzt, an. Die Kampfe sind 
noch im Gange. Die Armee nahm die Ostfront in der Nacht zum 13. 1. in die 
Linie Ugra— Bachverlauf nach Norden — ostw. Kondrowo — Medyn zuriick. 
Nordwestl. Medyn wurden mehrere Feindangriffe abgeschlagen und Borodina 
sowie mehrere Orte westl. Medyn genommen. 

Die fdl. Luftwaffe bombardierte St. Mjetlewskaja. 

4. Pz. Armee: Der Feinddruck gegen die Siidfront hielt an. Bei Wysesbte 
konnte der Gegner einen geringen Gelandegewinn erzielen. Ein fdl. Einbruch 
nordwestl. Sizbuchowo wurde durch Gegenangriff bereinigt. Siidl. der Roll= 
bahn gingen eigene Nachhuten vor starkem Feinddruck auf die HKL zuriick. 
Im Gegenstofi warfen eigene Krafte Gegner, der westl. St. Tutschkowo angriff, 
zuriick und erbeuteten dabei die fdl. Waffen und Ski=Ausriistungen. Nordl. 
Rusa blieben schwachere russ. Angriffe erfolglos. Beiderseits Ostschewo fiihrte 
der Gegner stellenweise Erkundungsvorstofie, die durch starkes Artl.= imd 
Raketengeschiitzfeuer unterstiitzt waren. 

9. Armee: Nordwestl. Wolokolamsk setzte der Russe seine heftigen An= 
griffe unter starkem Panzereinsatz fort. Es gelang ihm ein Einbruch, der zu= 
nachst beiderseits Iljinakoje abgeriegelt werden konnte. 

3. Pz. Armee fiihrte die Ablosung der 7. Pz.Div. aus der Front durch. Westl. 
Kolodino scheiterten fdl. Angriffe unter hohen Feindverlusten. Westl. der 
Strafie Mologino— Rshew erlitt der Feind ebenfalls hohe blutige Verluste bei 
seinen erfolglosen Angriffen. Siidwestl. Rshew und nordwestl. Sytschewka 
f uhlte der Feind mehrf ach mit Spahtrupps vor. Vor iiberlegenem Gegner 
mulite Nikitje nach heftigen Kampfen aufgegeben werden. Am linken Fliigel 
der Armee konnten weitere starke Feindangriffe iiber den Wolgo=See abge= 
wehrt werden. 

Im siidlichen Bereich der Heeresgruppe triibes Wetter mit Temperaturen bis 
zu 30 Grad Kalte. Im iibrigen Bereich klares Wetter bei gleichen Tempera= 
turen. 

Der Wegezustand ist unverandert. 



221 



B. Kriegstagebuch 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Am Siidfliigel wird die Enge ostw. Runa gehalten. Das Zuriick= 
gehen in die neue HKL (Nordspitze Stersh=See— Polja— Twerdowa) verlauft 
planmaJSig. Der Feind verhielt sich ruhig. AmWelje=See wurden Feindvorstofie 
abgewehrt. Der Gegner erlitt hierbei hohe Verluste. Nordwestl. St. Lytsch= 
kowo ist die gesamte HKL wieder in eigener Hand. Auf den eigenen Stellun= 

gen am 2=Abschnitt und auf dem Raum um Staraja Russa lag erhebliches 

russ. Artl.=Feuer. Der Feind griff laufend mit starken Kraften die Front bei 
und ostw. Staraja Russa an. Die Angriffe wurden alle abgewehrt. Nordwestl. 
der Stadt wurde eine Ortschaft erobert und zahlreiche MG hierbei erbeutet. 
Nordl. des Ilmensees an der Front keine besonderen Ereignisse. 

Russ. Flieger griffen Staraja Russa mehrfach an. 

18. Armee: Bei Lodwa und nordwestl. davon wurden teilweise mit Panzem 
unterstiitzte Feindangriffe abgeschlagen. 2 Feindpanzer wurden dabei ver= 
nichtet. Ein eigener Stofitrupp vernichtete im Newa=Briickenkopf 6 fdl. Kampf= 
stande. An der Front bei Pulkowo konnte ein weiterer eigener StoEtrupp 19 
grolie Feindbunker zerstoren. An der Front ostw. Veremina lebhafte russ. 
Artl.= und Spahtrupptatigkeit. Eigene Gefechtsvorposten wurden angegriffen. 
Bei 25 bis 30 Grad Kiilte teilweise leichter Schneefall. Schneehohe bei 18. Ar= 
mee etwa 43 cm. 



Finnisdie Front (13. 1.) 

Die Vernichtung der auf der Onega=See=Insel eingebrochenen 200 Russen steht 
bevor. Die Landzunge siidwestl. Powenez wurde genommen. Die Bereinigung bei 
Welikaja Cuba und siidostw. davon wird erfolgreich fortgesetzt. 

Die Temperaturen schwanken zwischen 15 und 35 Grad Kalte. 



Afrika (12. 1.) 

1. Feind setzte am 12.1. verstarkte Aufklarungstatigkeit vor ganzer Front fort. 
Masse 7. Schtz.Brigade und 22. Garde=Brigade mit etwa 2 Pz.Komp.n erreidite mit 
Anfangen Linie 10 km westlich Mn. Bettafal — 20 km ostwarts Marsa el Brega. — 
Das Vorgehen des Gegners wurde durdi Luftwaffe und Artilleriefeuer wirksam 
bekampft und verzogert. 

Am 13. 1. ist Fortsetzung des Feindvorgehens zu erwarten. Es ist moglidi, dafi 
der Gegner nordlidi des Uadi el Faregh Richtung West angreifen wird. 

2. Half aya=Front : Dem Feind gelang es nadi wiederholten Angriffen, sich in den 
Besitz einiger Widerstandsnester von Niedersollum zu setzen. An alien anderen 
Stellen des Abschnittes Halfaya wurde der Feindangriff abgeschlagen. 

3. Absicht fiir 13. 1. 42: 

a) Zuriicknahme der ostwarts Marsa el Brega stehenden deutschen Nachhut in 
Nacht 12./13. 1. als bewegliche Reserve hinter den Nordteil der Front. 

b) Bereitstellung des DAK fiir etwaigen Gegenangriff im Raum etwa 35 km 
siidwestlich Marsa el Brega. 



2 Auf der Fotokopie nicht zu eniziffern. 



14- Januar 1942 

14. Januar 1942 
Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr.Sud': 

11. Armee: Am Siidfliigel der Sewastopol=Front wurde ein Feindangriff in 
Btl.=Starke abgeschlagen. Sonst nur geringe fdl. Gefeditstatigkeit mit stellen= 
weise etwas lebhafterem Artl.=Feuer. Vor Feodosia bekampfte Artl. starkere 
Feindbewegungen. In der Nacht griff der Gegner mit schwacheren Kraften 
siidwestl. Set Asan an. Im Hafen Feodosia sind 5 Handelsschiffe und mehrere 
kleinere Boote sowie Ausladungen festgestellt. 

1. Pz. Armee: Nach lebhafter beiderseitiger Feuertatigkeit verstarkte sich das 
fdl. Feuer im Siidabschnitt gegen Abend. Wahrend der Nacht griff der Gegner 
an mehreren Stellen erfolglos an und nahm Taganrog unter Artl.=Feuer, dabei 
wurde die Kiiste mit starken Scheinwerfern abgeleuchtet. 

Fdl. Spahtrupps auf dem Nordfliigel wurden gefangen genommen oder 
aufgerieben. 

±y. Armee: Siidl. St. Sawinzy, am Nordfliigel der Armee, ist der Gegner bei 
einem Angriff mit etwa 2—3 Btl.en in einen Ort eingedrungen. Die Kampfe 
sind noch im Gange. 

An der iibrigen Front der Armee beiderseitige Spahtrupp= und Artl.=Tatig= 
keit. 

6. Armee: Auf dem Siidfliigel mufiten eigene Gefechtsvorposten vor uber= 
legenem Feindangriff 2 Orte in Gegend St. Sawinzy raumen. Vorstofie gegen 
die HKL nordl. davon wurden abgewiesen. 

Die an der Bahnlinie bis 3 km siidl. St. Rshawa vorgestofienen eigenen 
Kraf te wurden durch fdl. Inf. und Panzer von Norden angegriffen. Die Kampfe 
sind noch im Gange. Feindangriff e in die Ostflanke der Kampfgruppe 9 km 
westl. St. Rshawa wurden abgewiesen. In den Westteil von Iseleskoje sind 
eigene Krafte eingednmgen. 

Wetter: Temperaturen o bis + 5 Grad, zeitweise Regen und Schneetreiben. 
Besonders auf der Krim schwierige Wegeverhaltnisse. 



Notizen Haiders: 

„Lage siidostioarts Kursk macht langsam Fortschritte. Im Suchinitschi=Sack keine 

grojien Ereignisse. Feind fiihrt anscheinend Krafte nach. Nordlich Medyn er= 

staunlicherioeise noch kein Feinddruck. 

Schwere und erfolgreiche Angriffe des Feindes bei Wolokolamsk. Lage siidwestl. 

Rshew wird immer gefdhrlicher. 5—4 Div.en des Feindes bereits in unserem 

RUdken. XXUI. AK. muji zuriick genommen werden. Lage im Waldai=Gebiet sehr 

gespannt. 

Die Gesamtlage ist so nicht mehr haltbar. 

Meldung v. Kluge, daji er zuriickgehen muji, wenn er sich bei Rshew frei= 

kampfen will. Der Fiihrer sieht zwar Notwendigkeit des Zuriickverlegens ein, 

gibt aber keine Entscheidung. Diese Art des FUhrens fiihrt zur Vernichtung des 

Heeres." 



223 



B. Kriegstagebuch 

H.Gr, Mitte: 

2. Armee: Auf dem Siidfliigel der Armee dauern die harten Kampfe gegen 
die Durchbruchsversuche des Gegners auf Kursk an. Die Verbindung mit der 
eingeschlossenen Kampfgruppe siidostw. Schumakowo ist wiederhergestellt. 
Gegen die Front nordostw. Tim griff der Feind nach den schweren Verlusten 
der letzten Tage nicht mehr an. 15 km siidwestl. Tim wurde 1 feindl. Btl. ver= 
nichtet. An der iibrigen Armeefront wurde der Angriff eines fdl. Btl.s bei 
Roshdestwenskoje abgewehrt, sonst nur Artl.=Storungsfeuer. 

2. Pz. Armee: Ortliche Feindvorstofie gegen die Ostfront blieben erfolglos. 
An der Nordfront wurde ein Ort bei Peshtjakowo vom Feind gesaubert, im 
iibrigen schlossen hier und im Abschnitt von Shisdra die Verbande weiter 
nach Norden auf. 

4. Armee: Von der Kampfgruppe bei Suchinitschi keine neuen Meldungen. 
Bei und westl. Filipowka drang der Feind weiter nach Westen vor. Bei Ljud= 
kowo bis auf die RoUbahn vorgedrungener Feind wurde angegriffen und in 
harten Kampfen zuriickgeworfen. Der Gegner leistet iiberall zahen Wider= 
stand. Feindangriffe siidwestl. und nordostw. Ostapowo wurden abgeschlagen. 
Der eigene Angriff gegen den Raum von Tschamodanowo drang bis zum Ugra= 
Bogen siidl. Pljuskowo und bis 3 km ostw. PorosUzy vor. Angriffe gegen die 
Front nordl. Asenjewa wurden abgewiesen. Das Absetzen an der Ostfront 
verlauft planmafiig. Nachdrangender Gegner wurde abgewehrt und in harten 
Kampfen bei Makowzy zuriickgedrangt. Ein Feindangriff gegen den Ostrand 
von Medyn ist unter Einsatz aller Krafte abgeschlagen. Auf der RoUbahn 
wurden 3 Panzer abgeschossen. Fdl. Art.=Feuer, auch schwerer Kaliber, liegt 
auf Medyn. 

4. Pz. Armee: Gegen den Siidfliigel der Armee setzte der Gegner seine An= 
griffe erfolglos fort. Trotz der schweren Kampfe konnte nach Siiden gering 
Boden gewonnen werden. .isb nl ..nofeoiv/ajadfc 

Der Feinddruck gegen die Ostfront halt weiterhin an. Seine Vorstolie konn= 
ten im allgemeinen von den Nachtruppen abgewehrt werden. Bei Sinbuschewo 
gelang dem Gegner ein Einbruch. Im Hnken Armeeabschnitt Spahtrupp= und 
Artl.=Tatigkeit. 

9. Armee, 3. Pz. Armee: Mit letzten Kraften und mit Unterstiitzung der 
Nachbar=Verbande gelang es dem V. A.K., einen russ. Durchbruch in Richtung 
Gory zu verhindern. Gegen die starken Inf.=Angriffe, unterstiitzt von zahl= 
reichen Panzern, konnten die schwachen eigenen Krafte nordl. der Bahn Wolo= 
kolamsk— Subzoff die HKL nicht halten. Iljinakoje ging verloren. Auch nord= 
ostw. davon verstarkt sich der Feinddruck. 

Feindangriffe gegen den Abschnitt Gorodischtsche— Mischina wurden ab= 
gewehrt. 

Von der iibrigen Front der 9. Armee liegen keine neuen Meldungen vor. 

Wetter: Klar, starker Frost. Temperaturen tags bis zu — 32 Grad, nachts 
im mittleren Abschnitt bis zu — 42 Grad. Im Siidabschnitt abends stiirmisch. 

224 



15' Januar 1942 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Die Meldungen iiber die Lage am Siidfliigel der Armee sind 
unvoUstandig. Angriffe gegen Staraja Russa konnten abgewiesen werden. 
Boglowo wurde besetzt. 

Fdl. Angriffe gegen die Front nordl. des Ilmensees wurden im allgemeinen 
abgeschlagen^. Die Bereinigung eines ortlichen Einbruchs in Gegend Muraw= 
jewkijekas. ist im Gange. 

18. Armee: Angriffe gegen die Nordostfront der Armee wurden abgeschla= 
gen imd ortlich eingebrochener Gegner im Gegenstoi? zuriickgeworfen. An 
der Front vor Leningrad keine besonderen Kampfhandlungen. 

Wetter: Wechselnde Bewolkung, mafiige Sicht, durchschnittl. — 25 Grad. 



Finnisdie Front (14. 1.) 

Der auf die Onega=Insel eingedrungene Feind ist vertrieben. Siidl. des Chishe= 
sero=See versuchten die Russen, die von den Finnen eingeschlossenen Teile zu ent= 
setzen. Die Kampfe sind noch im Gange. An den iibrigen Fronten wurden ortliche 
Feindangriffe und fdl. Stofitruppunternehmungen abgeschlagen. 

Beim AOK Norwegen Artl.= und Spahtrupptatigkeit. 



Afrika (13. 1.) 

1. Im Laufe des 13. 1. schlofi Feind in siidwestlicher Richtung auf. Schwerpunkt 
der Kraftegruppierung ist Richtung B. es Suera und siidlich zu erwarten. Siidlidi 
Uadi el Faregh bisher nur Aufklarungseinheiten festgestellt. Ab 14. 1. mittags ist 
feindlicher Angriff gegen Front zwischen Uadi el Faregh und Kiiste moglich. 

2. Halfaya=Front: Feind setzte am 13. 1., unterstiitzt von Luftwaffe und Seestreit= 
kraften, dabei ein Schlachtschiff, seine heftigen Angriffe gegen NiedersoUum fort. 
Nach hartem Kampf ging NiedersoUum bis auf wenige Stiitzpunkte verloren. An 
der iibrigen Halfaya=Front Artillerietatigkeit. 

3. Zuriicknahme der ostwarts Marsa el Brega stehenden deutsdien Nachhut hinter 
Nordteil der Front wurde in den ersten Morgenstunden des 13. 1. planmafiig durdi= 
gefiihrt. — DAK beendete 13. 1. vormittags Bereitstellung zum etwaigen Gegenan= 
griff im Raum nordlich und nordostwarts Maaten Belcleibat. An der Front nur 
beiderseitige Aufklarungs= und Artillerietatigkeit. — Ausbau der Stiitzpunkte und 
Verminung wurden fortgesetzt. 



15. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Sud^: 

11. Armee: An der Front vor Sewastopol wurden mehrere Feind vorstofie 
in Kp.=Starke abgewehrt. 

2 Beginn der sowjetischen Offensive iiber den Wolckow. 
1 Notizen Haiders: 

„An der Siidfront ist der Angriff auf Feodosia angetreten. Outer Anfangserfolg. 

Am NordflUgel 6. Armee fortschreitende Bereinigung. — Im Sack von Sudiinitschi 

225 



B. Kriegstagebuch 

An der Feodosia=Front wurde ein Partisaneniiberfall nordostw. Sudak ver= 
eitelt. 

1. Pz.Armee: Am Sudflugel blieb ein feindl. Angriff in Btl.=Starke, der durch 
Artl. und schwere Waff en gut unterstiitzt war, erfolglos. An der iibrigen Front 
hielt die beiderseitige Artl.= und Spahtrupptatigkeit an. 

17. Armee: Auf dem Nordfliigel erreichten eigene Krafte im Angriff die Ge= 
gend 15 km ostw. Gusarowka. Die Kampfe dauern noch an. Vor der iibrigen 
Front der Armee weiterhin Artl.=Storungsfeuer und Spahtrupptatigkeit. 

6. Armee: Erneute Feindangriffe bei Borschtschewoje und bei Wolochow Jar 
in Starke von mehreren Kp.n wurden zuriickgeschlagen. Der Feind im Gegen= 
stofi unter hohen blutigen Verlusten auf Brigadirowka zuriickgeworfen. Im 
nordl. Abschnitt wurden Feindangriffe ostw. Iseleskoje abgewehrt. Der eigene 
Angriff nach Nordosten gewann bis zu 6 km Boden. 

Im gesamten Bereich der H.Gr. herrscht Frost bis zu 3 Grad Kalte. Bei 
6. Armee leichte Schneefalle gemeldet. 

H.Gr. Mine: 

2. Armee: Am Siidfliigel hielten die Kampfe sUdwestl. Schumakowo in tm= 
verminderter Heftigkeit an. Bei Reshdestwenskoje eingedrungener Feind 
wurde mit hohen blutigen Verlusten flir ihn geworfen. Den nordl. Teil der 
Armeefront griff der Feind nordl. Sologoschtsch an. Die Kampfe sind noch 
nicht abgeschlossen. 

2. Pz.Armee: Sudostw. Mzensk waren eigene Stofitruppunternehmen er= 
folgreich. Am Bahnhof Siksewo wurde ein Feindangriff in Btl.=Starke zurUck= 
geschlagen. Ein eigener Vorstofi erreichte das Gelande 2,5 km nordl. des Bahn= 
hofs. Die Kampfe sind noch im Gange. 

4. Armee: Von der Gruppe Suchinitschi konnten mehrere Feindvorstofie bis 
zu Btl.=Starke abgeschlagen werden. Feindl. Angriffe von Siiden auf St. 
Sanosnaja sind seit Mitternacht im Gange. Angriffe in Batl.=Starke gegen die 
RoUbahn siidl. Ljudkowo blieben erfolglos. Das Ugra=Knie nordostw. Tsche= 
medanowo wurde in schwerem Angriff vom Feinde freigekampft. Ostw. Po= 
roslizy wurde geringer Gelandegewinn erzielt. Das Absetzen der Ostfront der 
Armee erfolgte planmafiig^. Der Feind folgte dichtauf. Angriffe beiderseits der 

verst'drkt sich der Feind. Hauptdruck nach Norden. Nordlich Medyn Liicke noch 
nicht geschlossen. 

Feinddruck gegen siidl. FlUgel 4. Pz.Armee. Weiterer Angriff Wolokolamsk. 
Feind verschiebt weitere Krafte durch die LUcke Rshexv nach Siiden. XXIII. AK. 
im Druck vor allem an seinem Westfliigel. — Einbruch am Siidfliigel 16. Armee. 
Geringe Fortschritte bei Staraja Russa. Nicht unbedenkliche Einbriiche an der 
Wolchow front. Im iibrigen bei H.Cr.Nord Ruhe. 

V. Leeb (OB der H.Gr. Nord) bittet um Ablosung. — Straufi (OB der 9. Armee) 
kann nicht mehr, — v. Reichenau (OB der H.Gr. SUd) Schlaganfall." 
2 Vgl. hierzu den Befehl Hitlers zum Riickzug in die „Winterstellung" : Der Fiihrer 
und Ob.d.H./Gen.St.d.H./Op.Abt. (T) Nr. 420 021/42 g.Kdos. Chefs, vom 15. /«- 
nuar 1942, im Dokumenten^Anhang Nr. ^. 

226 



15- Januar 1942 

Rollbahn bei Medyn konnten zuriickgeschlagen werden. 2 russ. T 34 wurden 
dabei vemiditet. 

4. Pz.Armee: An der Siidfront traf der eigene Angriff auf einen russ. Ge= 
genangriff mit Panzern. Die Kampfe blieben fiir den Feind erfolglos. Er ver= 
lor einen 34=t=Panzer. Westl. Smolenskoje eingedrungener Gegner wurde im 
Gegenstofi geworfen. Erneute Angriffe gegen Simbuchowo sind im Gange. Alle 
Angriffe des an der Ostfront liberall nachdrangenden Gegners wurden abge= 
schlagen. Feindl. Vorstofie beiderseits Rusa und bei Ostaschewo blieben gleich= 
falls erfolglos. In den iibrigen Abschnitten schofi die feindl. Art.=Storungs= 
feuer, stellenweise auch mit schwerem Kaliber. 

9. Armee: — 5. Pz.Armee: Westl. Wolokolamsk griff der Gegner erneut mit 
starkeren Kraften, die durch Panzer unterstiitzt waren, an. Der Angriff konnte 
in der Linie Timoschewo — 10 km westl. Timoschewo — 3 km westl. Gory — 
nordl. Gory — 3 km westl. Iljinskoje abgeriegelt werden. Siidostw. Jaropolez 
wurde Feind, der mit Unterstiitzung von Panzern angriff, zuriickgeschlagen. 
An der Front siidl. Oschelkano— Mischina blieben vereinzelte russ. Vorstofie 
erfolglos. Westl. Kalodino konnten iiberlegene Feindkrafte in die eigene Stel= 
lung eindringen. Der Gegenangriff ist im Gange. Feindangriffe bei St. Koro= 
mitschino und siidwestl. Rshew konnten unter hohen russ. Verlusten abge= 
schlagen werden. Z. T. sind die Kampfe noch im Gange. Nordwestl. davon 
gelang es dem Gegner, bis Sushedol und westl. vorzudringen. Die eigene HKL 
verlauft von Sukenzewo — 12 km westl. Suchedol — auf Jelzy. 

Das Wetter im Bereich der H.Gr. ist bei leichten Schneefallen triibe. Die 
Verwehungen im Siiden nahmen zu. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Am Siidfliigel nahm der Feinddruck im Raum siidostw. Mol= 
wotizy zu. Russ. Vorstofie gegen Dalja wurden abgewiesen. Der Gegner ver= 
sucht, zwischen den eigenen Stiitzpunkten mit Stofitrupps durchzusickern. Die 
HKL nordwestl. Lytschkowo konnte wiederhergestellt werden. Mehrere Feind= 
vorstofie ostw. Jurjewo wurden abgewiesen. Weitere zahlreiche Feindvor= 
stofie gegen die Front beiderseits Staraja Russa wurden in schweren Kampfen 
abgeschlagen. Fdl. Artl. belegte Staraja Russa mit heftigem Storungsfeuer. An 
der Wolchow=Front konnte der Feind bei Dubowizy in die eigene Linie ein= 
dringen. Nordl. Murawjewkijekas. versuchte der Feind, seine gestrigen Erfolge 
zu erweitem. Die Kampfe sind noch im Gange. An der iibrigen Front wurden 
weitere Angriffe abgewehrt. 

18. Armee: Siidl. St. Tigoda blieb ein feindl. Angriff erfolglos. Weitere Be= 
reitstellungen des Gegners wurden zerschlagen. An der Nordostfront ver= 
starkte der Gegner seine Spahtrupptatigkeit und setzte seine Angriffe an den 
bisherigen Stellen mit starker Artl.=Unterstiitzung fest. Er kormte sich z. T. 
zwischen den eigenen Stutzpunkten festsetzen. Alle Angriffe wurden jedoch 
abgewiesen. Im Newa=Br.=Kopf vernichtete ein eigener Stofitrupp 20 Feind= 

227 



B. Kriegstagebuch 

bunker, weitere 8 russ. Bunker wurden durch eigene erfolgreich durchgefiihrte 
Sprengung zerstort. Westl. Veremina konnten 5 russ. Angriffe in Kp.=Starke 
abgeschlagen werden. 

Tagesdurchschnittstemperatur im Bereich der H.Gr. schwankte zwischen 25 
und 30 Grad Kalte. 



Finnisdie Front (15. 1.) 

An der Front beiderseits Wonshosero wurden ortl. Erfolge erzielt. In diesem 
Abschnitt verlor der Feind in der Zeit vom 1.— 9. 1. 172 Gefangene und 5390 Tote. 

Temperaturen bis 25 Grad Kalte. 



Afrika (14. 1.) 

1. Feind scKlofi nordlich Uadi el Faregh weiter nach Siidwesten auf. Aufier reger 
Gefechtsaufklarung nur geringe Artillerietatigkeit. Siidlich des Uadi el Faregh auf 
Mn. Burruei vorgehende feindlidie Aufklarungsabteilung wurde durdi wiederholte 
Luftangriffe zum Halten gebracht. 

2. Halfaya=Front: Starkes Artilleriefeuer und wiederholte Luftangriffe mit Schwer= 
punkt gegen Halfaya. Wasserversorgung durch Angriff gegen eigene Brunnen sehr 
ersdiwert. 12. und 13. 1. wurden durch Artilleriebeschufi 9 eigene Geschiitze zerstort. 

3. Deutscher Sperrverband (etwa 3 Kompanien) wurde nach Marada verlegt. 

[In der Nacht vom 14./!^. Januar britische Luftangriffe auf Hamburg und 
Emden]. 

16. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Sud': 

11. Armee: Fdl. Kriegsschiffe beschossen die Kiistenstrafie westl. Saki und 
Eupatoria. Sie wurden durch schwere Flak bzw. durch Kiistenbatterien zum Ab= 
drehen gezwungen. 

An der Sewastopol=Front wurden ein Angriff und mehrere nachtliche Vor= 
stofie abgewiesen. Eigene Artl. bekampfte fdl. Lkw.=Verkehr und Schiffsziele 
vor Sewastopol. Bei einem Untemehmen gegen ein Partisanenlager wurden 12 
Hiitten zerstort und Waffen erbeutet. 

Der Angriff gegen Feodosia gewann nach Uberrennen der Gefechtsvorposten 
gegen zah kampfenden Feind iiberall gut Boden. Heftige Gegenangriffe, z. T. 

1 Notizen Haiders: 

„Fortschreiten der Feindbewegungen in die Durchbruchsliicken Suchinitschi, 

nordlich Medyn, westlich Rshew und westlich Ostaschkow. 

Schwere Kdmpfe bei Wolokolamsk und an der Wolchoio=Front, wo der feindliche 

Angriff merkwiirdig schmal bleibt. 

Auf der Krim Fortschritte des Gegenangriffs bei Feodosia. Bei H.Gr. Siid 

schlieflt der Feind anscheinend zum Angriff auf zwischen IV. AK. und Gegend 

^i^ nordlich Charkow." o 

228 



i6. Januar 1942 

mit Panzerunterstiitzung, wurden zuriickgeschlagen. Wahrend die Kampfe um 
einzelne Ortschaften im Hintergelande noch im Gange sind, gelang es noch 
gestern abend, die Hohe nordl. Petrowka (6 km nordwestl. Feodosia) zu 
nehmen. 

Der Feind hatte schwere Verluste, im Nahkampf wurden 2 Batterien ge= 
nommen sowie 16 Panzer zerstort. IV. Fl.=Korps unterstiitzte den Angriff er= 
folgreich, vor allem durch Bekampfung von Panzern und Batteriestellungen. 

1. Pz.Armee: An gesamter Front beiderseitige Artl.= und ortliche Spahtrupp= 
tatigkeit. Eigene Artl. zersprengte vor rechtem Armeeabschnitt durch Voll= 
treffer 2 russ. Scharfschiitzen=Bunker und brachte eine Feind=Batterie zum 
Schweigen. 

17. Armee: Ein fdl. Angriff in Btl.=Starke gegen Sicherungen im Walde 
15 km nordwestl. Isjum wurde abgewiesen. Nach weiteren erfolglosen An= 
griffen gegen einen Ort 3 km siidl. St. Sawinzy griff der Gegner dort gestern 
Nachmittag nicht mehr an. Anscheinend wirkte sich ein eigener Vorstofi am 
Siidfliigel der 6. Armee hierher aus. Wahrend der Nacht erfolgreiche eigene 
Stofitruppunternehmen siidl. Jama und Abwehr eines Feindvorstofies gegen 
St. Jama. Lebhafte fdl. Spahtrupptatigkeit an der Donez=Front. 

Rege fdl. Fliegertatigkeit. 

6. Armee: Gegen den am Siidfliigel der Armee bei St. Sawinzy iiber den 
Donez vorgedrungenen Feind ist siidl. des Flusses ein eigener Vorstofi im 
Gange. Eigene Stukas griffen Feindansammlungen bei Sawinzy erfolgreich an. 
2 Feindangriffe westl. Belszelowka wurden abgewiesen. 

Am Nordfliigel der Armee unvermindert starke Feindbesetzung mit Pan= 
zern und mehreren Batterien um Rshawa, die von eigenen Stukas mehrmals 
angegriffen wurden. Gruppe Neuling nahm im Angriff Jekaterinowka (6 km 
nordwestl. Rschawa) und S. Tscheremoschnoje. Der Gegner wich nach Nord= 
osten aus. 

2. Armee (der H.Gr. Siid neu unterstellt) : Mehrere Feindangriffe gegen den 
Siidfliigel der Armee wurden abgeschlagen und Bereitstellungen mit Artl. be= 
kampft. Der Druck iiberlegenen Gegners mit schweren Panzern am Seim halt 
weiterhin an. An der Ostfront der Armee keine besonderen Kampfhandlungen. 
Im Raum von Kursk sehr rege fdl. Fliegertatigkeit mit zahlreichen Bomben= 
und Tieffliegerangriffen. j^rn^mr' 

Wetter: Auf der Krim heiter. Tagsiiber Temp, iiber o Grad. Im Raum um 
Taganrog Tauwetter. Im Nordteil der 1. Pz.Armee leichter Frost mit Temp, 
von + 1 bis — 4 Grad. Im iibrigen Bereich der H.Gr. klar, bis 4 Grad Kalte, bei 
AOK. 2 bis - 17 Grad. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz.Armee: Westl. Nowosil wurde fdl. Kolonnenverkehr bekampft und 
Erkundungsvorstofie bei Wjashk abgewiesen. Gewaltsame Aufklarung siid= 
ostw. und ostw. Mzensk traf auf Feind in Feldstellungen. An der Nordfront 

229 



B. Kriegstagebuch 

wurde beiWesnizy der Angriff eines fdl. Btl.s abgewiesen und ostw. Ljudinowo 
ein Ort genommen. 

4. Armee: Bei Woskrosenskoje und nordl. konnte der sich verstarkende 
Feind erfolgreich abgewehrt werden. Fdl. Vorstofie gegen die Rollbahn ostw. 
Ljudkowo blieben ebenfalls erfolglos. Ein eigener Angriff ostw. Juchnow 
drang bis in Gegend 14 km ostw. der Stadt vor. Feindangriffe gegen die Front 
nordostw. Tschemadanowo wurden teils zuriickgeschlagen, teils mufite die 
HKL ortlich 3 km zuriickgenommen werden. Nordwestl. Asenjewo scheiterte 
ein Feindangriff mit Panzern nach schwerem Kampf. An der Ostfront blieben 
Feindvorstofie bis zu Btl.=Starke im eigenen Abwehrfeuer liegen. Bereitstel= 
lungen des Gegners wurden zerschlagen. 

4. Pz. Armee: Nach Heranfiihren weiterer Krafte griff der Gegner am Siid= 
fliigel erneut mit starken Kraften an. Bis Were] a vorgedrungene Feindteile 
wtirden im nachtlichen Gegenstoli zuriickgeworf en. Vorstofie gegen Sinbuchowo 
und Angriffe mit Schwerpunkt an der Autobahn wurden blutig abgeschlagen. 
Das Absetzen verlauft planmafiig. Siidl. Rusa drangt der Gegner scharf nach. 
Mehrere Angriffe mit Panzern an der Armeegrenze wurden abgewiesen. 

9. Armee: Auch gestern fiihrte der Russe starke Angriffe gegen das V. AK. 
Unter erneutem Einsatz zahlreicher Panzer gelangen ihm einzelne Einbriiche, 
die abgeriegelt werden konnten. Die Absetzbewegungen der 3. Pz.= Armee sind 
planmafiig angelaufen. Ein im Abschnitt ostw. Pumino zur Bereinigung eines 
Angriffs eingesetzter Gegenangriff blieb trotz Einsatz aller Reserven ohne 
Erfolg. Die Einbruchss telle ist abgeriegelt. 

Zahlreiche Feindangriffe gegen die Front nordwestl., westl. und siidl. Rshew 
sind bisher alle, z. T. unter empfindlichen eigenen Verlusten, abgewiesen. 

Bei linkem Armeefliigel ist der Einbruch 10 km ostw. Krasnaja Gorka durch 
Gegenangriff bereinigt. Mehrere Angriffe im Abschnitt Selisharewo blieben er= 
folglos. Bei St. Ochwat dauert der harte Abwehrkampf an. 

Wetter: Bedeckt, Temperaturen zwischen —10 Grad und —15 Grad, Schnee= 
falle, Wegezustand verschlechtert. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Ostw. Molwotizy wird die HKL gegen starke Feindangriffe ge= 
halten. Umfassende Angriffe wurde abgewiesen. Bei Rushnaja Belotudsa ver= 
starkt sich der Feind. Westl. Staraja Russa wurden eigene Angriffserfolge er= 
zielt. Der Stiitzpunkt Wswod wehrte iiberlegenen Angriff mit Panzern ab. Ein 
span. Ski=Spahtrupp drang bis auf 5 km an den Stiitzpunkt vor und beobach= 
tete gute Wirkung eigener Bombenangriffe. 

Durch Storchlandung ist ein Truppenarzt nach Wswod gebracht worden. 
2 Schwerverwundete wurden zuriickgenommen. 

Nordl. des Ilmen=Sees gelang es dem Feind, die Einbruchsstellen nordl. 
Murawjewkijekas. und bei Jamno zu erweitern. Weitere ortliche Angriffe an 
der Wolchow=Front wurden abgewehrt. 

230 



17. Januar 1942 

18. Armee: Ortliche Angriffe des Gegners, die z. T. durch starkes Artl.= 
Feuer unterstiitzt waren, an der Nordostfront blieben erfolglos. An der Lenin= 
grader Front wurden Angriffsvorbereitungen erkannt. 

Wetter: Durchschnittl. 10—15 Grad Kalte, bei AOK 18 leichter Schneefall, 
Schneehohe 42 cm. 



Finnisdie Front (16. 1.) 

Meldungen liegen nidit vor. 

AOK Lappland und AOK Norwegen: 

Au6er Spahtrupptatigkeit keine besonderen Ereignisse. 



Afrika (15. 1.) 

1. Feindgruppierung im grofien unverandert. Gegner fiihrt ansdieinend Bevor= 
ratung durch. — An ganzer Front heftige Aufklarungstatigkeit und sdiwadies Ar= 
tilleriefeuer auf Stiitzpunkte. Der siidlich des Uadi el Faregh auf Mn. Burruei vor= 
gehenden feindlichen Aufklarungseinheit wurden Verstarkungen zugefiihrt. Dieser 
Gegner wurde auch am 15. 1. erfolgreidi durdi die Luftwaffe angegriffen. Weiterer 
Feind — ansdieinend ebenfalls Aufklarungskrafte — ging aus Gegend Gr. es Sahabi 
Riditung Westen vor. 

2. Halfaya: Fortdauer des Artilleriefeuers durdi Land= und Seestreitkrafte sowie 
Anhalten der Luftangriffe. — Trotz grofiter Anstrengungen konnte die nur noch 
auf dem Luftweg mogliche Versorgung bisher nicht in ausreichendem Mafie durch= 
gefiihrt werden. — Kommandeur Div. Savona meldet, die unaufhorlidien Angriffe 
und die mangelhaf te Verpflegung hatten bereits zu einem gewissen Kraf teverf all der 
Truppe gefiihrt. Bei einzelnen Soldaten seien Wahnsinnserscheinungen aufgetreten. 
Eine geniigende Pflege der Verwundeten und Kranken sei nicht mehr moglich. 

3. Fallschirm=Lehrtruppe XI. Fliegerkorps iibernahm bisherige Stellungen des 
italienischen mot. Korps westlich Maaten Belcleibat. Italienisches mot. Korps wurde 
fiir bewegliche Verwendung im Raum westnordwestlich Maaten Belcleibat bereit= 
gestellt. 

[In der Nacht vom i^./i6. Januar hritische Luftangriffe auf Hamburg und 
Emden]. 



17. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Sud^: 

II. Armee: An der Sewastopol=Front griff der Feind die eigenen Stellungen 
bei Punkt 364 heftig an. Der eingebrochene Feind wurde iiberall zuriickgewor= 
fen, KKL ist in eigener Hand. An der SUdkiiste der Krim landete der Feind bei 



X Notizen Haiders: 

„Verhaltnismaj^ig ruhiger Tag ohne neue Alarmmeldungen. Der Feind scheint 
Schwierigkeiten im Nachfiihren neuer Verbande in die Einbruchsstellen zu haben 

231 



B. Kriegstagebuch 

Sudak 1 Btl. und versuchte nach Taraktasch vorzustofien. Die Kampfe um 
Taraktasch sind noch im Gange. An der Feodosia=Front konnte der eigene An= 
griff weiter gut Boden gewinnen. Die vordersten Teile drangen bis zur Linie 
Beibusa— Wladislawowka vor. 

In den schweren Kampfen des 15. und 16. 1. wurden 1300 Gefangene ge= 
macht, 22 Geschiitze erbeutet und 18 Panzer vernichtet. Aufierdem erlitt der 
Feind hohe blutige Verluste. 

1. Pz.Armee: Vor einzelnen Stellen der Front sdioQ die fdl. Artl Storungs= 
feuer. Gegeniiber dem Nordfliigel der Armee wurde 1 fdl. Ski=Btl. erkannt. 

17. Armee: Bei und siidl. Isjum wurden Feindvorstofie abgewehrt. AmNord= 
fliigel setzte der Gegner seine Angriffe 5 km siidl. St. Sawinzy fort, er wurde 
abgewiesen. 

6. Armee: 10 km westl. St. Sawinzy ist der Kampf um Ortschaften noch im 
Gange. Am Nordfliigel der Armee gewann die beiderseits der Strafie Obojan— 
Tim nach Nordosten angreifende eigene Kampfgruppe 9 km an Boden. 

2. Armee: Am Siidflligel verhielt sich der Feind ruhig. Ein eigener Stofitrupp 
brachte dem Feinde Verluste in Hohe von 100 Toten und 40 Gefangenen bei. 
Vor der iibrigen Front der Armee wird beiderseitiges Artl.=Storungsfeuer ge= 
meldet. Mehrere eigene Spahtrupp= und Stofitruppuntemehmungen waren 
erfolgreich. 

Auf der Krim stellenweise Nebel bei Temperaturen liber o Grad. Im iibrigen 
Bereich der H.Gr. herrscht Frost bis zu minus 20 Grad. 

H.Gr. Mine: 

2. Pz.Armee: An der Ostfront der Armee aufier geringer beiderseitiger Art.= 
und Spahtrupptatigkeit nichts Besonderes. Bei Bjelew wurden weitere Feind= 
bewegungen in westl. Richtung erkannt. Siidostw. Ukelizy gewannen eigene 
Krafte gegen zah kampfenden Feind im Angriff 5 km Boden nach Westen. 
Ostw. Wesnizy sind Kampfe mit von Norden angreifenden Feindteilen im 
Gange. Beiderseits Shisdra wurden dem Feind in erfolgreichen Vorstofien Ver= 
luste beigebracht. 

4. Armee: Die Kampfgruppe Suchinitschi wurde mehrere Male von fdl. Bom= 
bern angegriffen. Siidl. Filipowka griff der Feind einen eigenen StUtzpunkt 
erneut ohne Erfolg an. Der Feinddruck siidl. Dolgoje verstarkt sich. Gegen die 
Ugra=Front nordostw. Tschemodanowo griff der Feind erfolglos an. 

Schwachere FeindvorstolBe an der Ostfront der Armee wurden abgewiesen, 
z. T. sind die Kampfe noch im Gange. Im Raume um Makowzy wurden star= 
kere Feindansammlungen erkannt. Angriffe langs der RoUbahn aus Richtung 
Medyn wurden erfolgreich abgewiesen. 

4. Pz.Armee: Schwachere Feindteile, die an der Siidfront einzusickern ver= 

(Versorgung, Eisenbahnlage). — Unsere Eisenbahn ist geradezu katastrophal 
und gefahrdet Vorbereitung des Angriffs Rshezo. . . Besuch Model, der 9. Armee 
ubernimmt." 



232 



I/. Januar 1942 

suchten, wurden zuriickgeschlagen. Starkeren Feindkraften gelang es, im 
Protwa=Tal vorzudringen und Were] a zu nehmen. Sie wurden wieder aus der 
Stadt herausgeworfen. Die eigenen Absetzbewegungen verlaufen iiberall plan= 
mafiig. Einzelne nachdrangende Feindgruppen wurden abgewiesen. 

9. Armee — 3. Pz.Armee: Starken russ. Kraften gelang es, langs der Bahn 
westl. Gory in Richtung St. Knjashi Gory mit Panzern, Kav. und Ski=Truppen 
vorzudringen, sie konnten jedoch zum Stehen gebracht werden. Den Absetzbe= 
wegungen der iibrigen Teile der 3. Pz.Armee folgte der Feind nur zogemd. 

An der Front um Rshew blieben Feindangriffe in Btl.=Starke iiberall erfolg= 
los. Auch an der Siidwestfront von Sytschewka wurde ein starkerer russ. An= 
griff abgeschlagen. An der Ostfront des XXIII. AK. wurden schwere Angriffe 
abgewiesen. Siidl. Selisharewo wurden die Absetzbewegungen nach Siiden ein= 
geleitet. 

Wetter: Bei bedecktem Himmel und leichten Schneef alien schwanken die 
Temperaturen zwischen —10 und —20 Grad. Der Straiienzustand verschlech= 
terte sich durch die Schneefalle. 

H.Cr. Nord: 

16. Armee: Am Siidfliigel sind Abwehrkampfe gegen nachdrangenden Feind 
7 km westl. Apolez im Gange. An der Molwotizy=Front entspannte sich die 
Lage etwas. Ein Feindangriff in Btl.=Starke siidsiidwestl. Molwotizy wurde ab= 
gewiesen. Eigene Art. bekampfte Feindansammlungen westl. der Nordspitze 
des Seliger=Sees mit guter Wirkung. An der Nordostfront der Armee wurden 
kleinere Feindeinbriiche bereinigt. Das starke fdl. Storungsfeuer auf Staraja 
Russa hielt an. Nordwestl. der Stadt ist die Rollbahn fest in eigener Hand. 
Nordl. des Ilmen=Sees konnte verhindert werden, dafi der Feind seine Ein= 
bruchsstellen erweiterte. An der Wolchow=Front siidl. und nordl. Grusino 
wurden eingedrungene Feindteile im Gegenstofi geworfen, russ. Bereitstel= 
lungen zerschlagen und ein Angriff abgewiesen. 

18. Armee: Ein fdl. Angriff von Zidan gegen den Briickenkopf Salzy blieb 
erfolglos. Siidostw. Maluksa gelang es dem Gegner, mit 11 Panzern und In= 
f anterie den Bahndamm in 200 m Breite zu besetzen, eigene Gegenangriffe sind 
im Gange. Bei der Abwehr mehrerer Feindangriffe, die im Laufe des Tages 
gefiihrt wurden, erlitt der Feind schwere blutige Verluste. 4 russ. Panzer wur= 
den vernichtet. 

An der Front vor Leningrad sprengte ein eigener Stofitrupp 15 Bunker oder 
Kampfstande ostw. Pulkowo. 



Finnisdie Front (17. 1.) 

Karelische Armee: Siidl. Wonshosero wurden erneute Feindangriffe abgewiesen. 
Von den iibrigen Fronten wird Art.= und Spahtrupptatigkeit gemeldet. 

Temperaturen bis 25 Grad Kalte. 

Bei AOK Lappland keine besonderen Ereignisse. 20—30 Grad Frost. 



233 



B. Kriegstagebuch 

Afrika (16. 1.) ' "• 

1. Luftaufklarung konnte wegen Sandsturm nicht geflogen werden. Nach Horch= 
aufklarung je eine Kampfgruppe 200. Garde=Brigade 10 km nordostwarts B. es 
Suera, hart nordlich B. el Ginn und 5 km siidlich Bu Grada. 

An ganzer Front nur schwache Spahtrupptatigkeit. 

2. An der Halfaya=Front ununterbrochene feindlidKe Artl.= und Lufttatigkeit. 
Starkere Bewegungen von Panzern und Infanterie vor der gesamten Front lassen 
auf einen baldigen Angriff schliefien. — Weitere Brunnen wurden zerstort. Ober= 
befehlshaber Slid teilte mit, dalB ab 16. 1. Versorgung auf dem Luftweg weiter 
verstarkt wird. 

3. O.Qu. Abteilung des Kdos, der Panzergruppe wird voriibergehend nach Tri= 
polis verlegt. 



18. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Sud^: 

11. Armee: An der Front von Sewastopol wurde ein Angriff des Feindes 
an der Nordostfront abgeschlagen. Weitere wiederholte feindl. Angriffsver= 
suche auch an anderen Frontabschnitten blieben ebenfalls erfolglos. Sie wur= 
den entweder bereits in der Bereitstellung zerschlagen oder in heftigen Nah= 
kampfen abgewehrt. Gegen den bei Sudak gelandeten Feind wurde der An= 
griff fortgesetzt und Taraktasch genommen. Eine nach Osten abgedrehte 
Feindgruppe (etwa 400 Mann) wurde vor einer rum. Sperrstellung siidwestl. 
Otusy abgeschlagen. — Im Angriff auf Feodosia wurde nach hartem Kampf der 
Feindwiderstand gebrochen und der Nordwestrand der Stadt erreicht. Feind= 
teile werden auf engem Raum um Feodosia eingeschlossen und z. T. auf die 
Halbinsel siidl. der Stadt abgedrangt. Nach Nordosten ausweichender Feind 
wurde von Artl.= und Fliegerkampfkraften wirkungsvoll bekampft. St. Sarygol 
ist durch kiihnen Vorstofi genommen und damit die Riickzugstrafie fiir den 
Feind gesperrt. Feindl. Gegenangriffe mit Panzern gegen die Angriffsfront bei 

1 Notizen Haiders: 

„Bei Feodosia gute Fortschritte. Angriff gegen linken Flugel 17. und gegen 
6. Armee hat begonnen, audi bei Bjelgorod. 2. PzArmee macht erfreuliche Fort= 
schritte in Richtung Suchinitsdii. 

Bei 4. Armee Schwierigkeiten durch Schneefall in der Bewegung der Truppen. 
Der Feind faflt um den NordflUgel in Richtung Juchnow herum. 4. PzArmee hat 
nun Heranfiihren von 6 Rgt.ern in die Liicke von Norden her eingeleitet. 
Gegen Ostfront, vor allem V. AK., dr'dngt der Feind weiter nach. VJestlidi und 
siidwestl. Rshew schiebt der Feind weitere Krafte vor. 

Liicke Ostaschkow=Cholm nimmt unbequeme Formen an. Der Feind driickt nach 
SUden und Westen. Anfange unserer Krafte kommen zunachst auf Cholm heran. 
Bei Nord hat v. Kiichler das Kommando ubernommen. Hasse Chef. v. Leeb und 
Brennecke treten ab. Bei Staraja Russa wird nur geflickt. Die Lage bessert sich 
nicht. Auch an der Wolchow front ist die Lage sehr gespannt. tlbrige Front ruhig. 
Mittag beim Fiihrer. Fm. v. Bock ist anwesend und wird in seine Aufgabe (als 
neuer OB der H.Gr. Siid) eingewiesen." 

234 



i8. Januar 1942 

Wladislawowka und siidl. scheiterten unter blutigen Verlusten fiir den Gegner. 
Bisher sind etwa 1600 Gefangene und die Beute von 2 Langrohrgeschiitzen, 
4 12,2 cm und 11 j,6 cm Geschiitzen sowie 7 Inf.=Geschutze gemeldet. 46 
Panzer wurden vemichtet und 5 Flugzeuge durch die Truppe abgeschossen. 

1. Pz.Armee: Am SUdfliigel Feueriiberfalle zusammengefafiter Granat=Wer= 
fer. Eigene Artl. bekampfte wirkungsvoU erkannte Feindziele. 

Artl. der slowakischen Div. zersprengte feindl. Ansammlungen. 

ly. Armee: Am Nordfliigel wurde ein feindl. Angriff 10 km nordnordwestl. 
Isjum abgeschlagen. Salimanjo (2,5 km siidl. St. Sawinzy) wurde nach funf= 
tagigem schweren Kampf gegen dauernde Angriffe 5 verschiedener russ. Rgt.er 
geraimit. Nach Gewinnen der beherrschenden Hohen hatte der Gegner plan= 
mafiig den gesamten Ort in Brand geschossen und zerstort. Die Russen hatten 
in diesen 5 Tagen schwerste Verluste. 

6. Armee: Am SUdfliigel ist der Angriff siidl. des Donez bis 10 km ostw. 
Gusarewka vorgedrungen und hat Gegner in Starke von 1 Btl. zuriickge= 
worfen. 

Der Angriff auf dem Nordfliigel machte weiterhin gute Fortschritte. Die 
Angriff sspitzen erreichten die Gegend nordl. St. Rshawa, 3 km siidl. St. 
Solzsewo und 6 km siidwestl. St. Solzsewo. 

2. Armee: Gruppe Breith nahm im Angriff Schumakowo und einen Ort hart 
siidostw. davon. 2 russ. 32=t=Panzer wurden abgeschossen und iiber 200 Ge= 
fangene eingebracht. Die Artl. bekampfte wirkungsvoU feindl. Bewegungen 
vor der Front. Rege feindl. Fliegertatigkeit. 

Vor dem Nordabschnitt haben die feindl. Spahtrupp= und Aufkl.=Tatigkeit 
sowie der Schlitten= und Lkw.=Verkehr zugenommen. 

Wetter: Auf der Krim Frost und stellenweiser Schneefall. Im iibrigen Be= 
reich der H.Gr. zunehmende Kalte bis —16 Grad, bei 2. Armee —25 Grad. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz.Armee: Am rechten Fliigel starkere feindl. Artl.=Tatigkeit. Rege feindl. 
Fliegertatigkeit im Raum um Mzensk. An der Nordfront starke Feindbewe= 
gungen durch Bjelew. Ein feindl. Angriff wurde abgewiesen und 3 km siid= 
ostw. Osemo ein Ort genommen. Der feindl. Gegenangriff mit Panzern blieb 
erfolglos. Ebenso wurden feindl. Angriffe im Abschnitt Maleschewo— Wesnizy 
abgewiesen. Feindl. Ortschaften 12 km nordostw. Shisdra und 5 km nordl. 
Ostynia sowie Ljudinowo wurden im Angriff genommen. Bei Ostynia ein fdl. 
Btl. durch eigene Panzer aufgerieben. 

4. Armee: Auf Suchinitschi feindl. Bombenangriffe. An der Front ostw. 
der Rollbahn gewannen eigene Vorstofie Boden, feindl. wurden abgewiesen. 
Der Feind driickt besonders in Gegend Ljudkowo. Feindansammlungen 10 km 
siidl. Juchnow. An der Ugra= und Ostfront wurden ortliche Vorstofie abge= 
wiesen und Einbruch siidl. Medyn bereinigt. Die Absetzbewegungen verlaufen 
planmafiig. 

235 



B. Kriegstagebuch 

4. Pz.Armee: Der Feinddruck gegen den Siidfliigel halt weiterhin an. Vor= 
stofie und nachtl. Angriffe siidl. Were] a wurden abgewiesen, jedoch konnte 
die Feindgruppe siidl. der Stadt noch nicht beseitigt werden. Feindangriffe an 
der Autobahn und Poststrafie scheiterten. Das Absetzen verlauft planmafiig. 
Der Gegner schofi sein iibliches Storungsfeuer auf das bereits geraumte 
Rusa. 

9. Armee: Bei 3 Pz.Armee fiihrte der Feind wiederum heftige, von Panzern 
unterstiitzte Angriffe gegen das V. AK. Das Korps hatte erneut empfindliche 
Verluste. Den Russen gelang ein ortl. Einbruch, 4 Feindpanzer wurden abge= 
schossen. Feindl. Angriffe nordl. davon, z. T. durch Panzer unterstiitzt, wurden 
abgeschlagen und das Absetzen in die neue Widerstandslinie durchgefiihrt. 
Breitere Angriffe des Gegners gegen die Nordfront bis zu Rgt.=Starke sowie 
gegen die Nordwest= und Westfront bei Rshew wurden ebenfalls abgewiesen. 
Einige Vorstofie gegen sich zah verteidigenden Feind gewannen gut Boden. 
Siidwestl. Sytschewka floh der Feind und \ie& 450 Tote zuriick. Hier griff die 
Luftwaffe wirksam in den Erdkampf ein. Am linken Armeefliigel verlaufen 
die Absetzbewegungen planmafiig. Feindl. Angriffe wurden erfolgreich ab= 
gewehrt. 

Wetter: Bedeckt, stellenweise Schneefall, 15—20 Grad Kalte. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Am Siidfliigel verteidigt sich eine Rgt.=Gruppe ostw. Cholm. 
Der Feinddruck sudl. des Ilmen=Sees halt an. Vorstofie und Angriffe des Geg= 
ners in alien Abschnitten wurden abgewehrt und ein Einbruch im Gegenstofi 
bereinigt. Stiitzpunkt Wswod halt unverandert. Nordl. des Ilmen=Sees gelang 
es dem Feind, die Einbruch sstellen westl. Dubowizy zu erweitern. Hart ostw. 
der RoUbahn wurde er zum Stehen gebracht. Mehrere Angriffe gegen den 
linken Armeeabschnitt wurden abgewiesen. 

18. Armee: Angriffe der Russen gegen die Nordostfront in Gegend sud= 
westl. Bogolnik und Maluksa wurden zuruckgewiesen und feindl. Bereitstel= 
lungen zerschlagen. An der Newa=Leningrader=Front Artl.= und Spahtrupp= 
tatigkeit. 

Wetter: Leichte Schneefalle, minus 15 bis minus 2.0 Grad. 



Finnisdie Front (18. 1.) 

Beiderseitige Artl.= und Spahtrupptatigkeit. 

Keine besonderen Kampfhandlungen. Der Feind befestigt das Ostufer des Onega= 
Flusses. Auf der Landzunge siidwestl. Powenez wurden bis zum 11. 1, 1443 tote 
Russen und 107 Gefangene gezahlt. 

[Das OKW/WFSt befiehlt die Bevorratung der deutschen Truppen in Lapp^ 
land auf 9 Monate]. 

256 



19- Januar 1942 

Afrika (17. 1.) 

1. Feindlage im groi3en unverandert. An der ganzen Front beiderseitige Auf» 
klarungstatigkeit. Im Nordabschnitt geringes feindliches Artilleriefeuer. Schwer* 
punkt der feindlichen Aufklarung richtete sich gegen Raum siidlich Maaten Giofer. 
Die in Gegend Mn. Burruei befindlichen Aufklarungskrafte wurden audi heute 
durch die Luftwaffe angegriffen. 

2. Halfaya=Front: Kommandant des Abschnittes Halfaya (Generalleutnant De 
Georgis) meldet 17. 1. friih, da auch in der vergangenen Nacht keine Verpflegung 
eingetroffen sei, habe er einen Parlamentar zu Ubergabeverhandlungen entsenden 
miissen. Die Feindseligkeiten seien mit Beginn der Verhandlungen eingestellt wor= 
den. Alle schweren Waffen seien durch die eigene Truppe unbrauchbar gemacht 
worden. — Seit 13.00 Uhr besteht keine Funkverbindung mehr zum Abschnitt. 

Englischer Nachrichtendienst meldet, Abschnitt Halfaya habe kapituliert. 

3. Einsatzbereite deutsche Pz.Spahwagen 23. Einsatzbereite deutsche Pz.Kampf= 
wagen 84, dabei 24 am 5. 1. eingetroffene Ersatzpanzer. In den nachsten Tagen ist 
mit der Herstellung der Einsatzbereitschaft einer grofieren Anzahl von in Werka 
statten befindlichen Panzern zu rechnen. — Das Eintreffen der Masse der Ersatz= 
panzer (32) verzogert sich infolge fabrikatorischer Mangel im Laufwerk, die den 
zeitweisen Ausfall beinahe der Halfte der Panzer wahrend der Anfahrt von Tripolis 
zur Folge hatten. Aufierdem fehlten der Mehrzahl der Panzer eine Anzahl zur Her= 
stellung der Gefechtsbereitschaft erforderlicher Ausriistungsgegenstande. Eingehen= 
der Bericht folgt nach Abschlufi der Untersuchung. — 

Einsatzbereite itaiienische Panzer M: 89. 



19. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Siid^i 

i.±. Armee: An der Sewastopol=Front wurden 2 Vorstofie in Kp.=Starke 
abgewiesen. 

Siidl. Taraktasch verstarkte sich der Feindwiderstand vor der eigenen An= 
griffsgruppe. 

Feodosia wurde nach hartnackigem Hauserkampf endgiiltig genommen. Auch 
siidwestl. der Stadt ist die Sauberung abgeschlossen. Weiter nordl. wurde der 

1 Notizen Haiders: 

„Der Angriff auf der Krim schreitet gut vorwarts. An der Nordfront der ij. Ar= 

mee und an einigen Stellen der 6. Armee ist der Groflangriff, der in der Voraus= 

sage an den Namen Charkow gebunden war, entbrannt. Schwierigste Stelle an 

der Naht iyJ6. Armee. Es wird schwere Tage gehen, his diese Spannung uher= 

wunden ist. Auch am Sudteil der 2. Armee ist ein grower Einbruch erfolgt, gegen 

den augenblicklich keine Krafte zur Hand sind. Eine operative Gefahr sehe ich 

hierin nicht. 

2. Panzerarmee macht weitere Fortschritte in Richtung Suchinitschi. Im Ubrigen 

hat sich im Suchinitschi=Bogen nicht viel gedndert. Offenbar hat der Feind hier 

mit der Versammlung starkerer Krafte ernste Sdiwierigkeiten. 

Die Riickverlegung der Ostfront der Heeresgruppe Mitte schreitet fort. Die 

Schliejiung der LUdce Medyn ist nodi nicht voll gelungen, scheint aber auf gutem 

Wege zu sein. 

Bei Rshew auffallende Zuriickhaltung des Feindes. 

237 



B. Kriegstagebuch 

Feind bis 4 km sudwestl. Kamyschly zuriickgeworfen. Bisher wurden iiber 4600 
Gefangene gemacht, 13 Panzer, 38 Geschiitze, 24 Pak, 63 Granatwerfer, 100 
MG sowie zahlreiche Kfz. und besp. Fahrzeuge erbeutet oder vernichtet. 

1. Pz.Armee: Der Gegner griff im Lauf des Tages die gesamte Front an 
zahlreichen Stellen mit Unterstiitzung von Artl. und schweren Waffen an. Der 
Schwerpunkt der Angriffe lag auf dem Nordfliigel der Armee. Samtliche An= 
griffe konnten abgeschlagen werden. 

17. Armee: Wahrend des ganzen Tages griff der Feind mit Schwerpunkt 
zwischen Bogoroditschno und Isjum sowie am Nordfliigel der Armee an. AUe 
Angriffe wurden z. T. unter hohen Feindverlusten abgewehrt. Einbriiche an 
einzelnen Stellen werden z. Z. in Gegenstofien bereinigt. Die Kampfe sind 
noch im Gange. 

6. Armee: Auf der gesamten Armeefront griff der Feind gleichfalls mit 
starkeren Kraften an. Am Siidfliigel und westl. Woltschansk blieben alle russ. 
Angriffe erfolglos. Nordl. Bjelgorod konnten Feindteile bis 6 km nordostw. 
Jakowlowo vordringen. Am Nordfliigel der Armee gewann die eigene An= 
griffsgruppe weiter Boden nach Nordosten. 

2. Armee: Am Siidfliigel wurden Angriffe siidostw. Schumakowo abge= 
wiesen. Siidwestl. Dolgoje gelang dem Feind ein ortlicher Einbruch. Durch 
eigenen Gegenangriff wurden Telle des Feindes geworfen. Die Kampfhand= 
lungen dauern noch an. Nordwestl. Dolgoje und bei Jewlanowa konnten wei= 
tere Feindangriffe abgewiesen werden. Im gesamten Bereich der H.Gr. herrscht 
starker Frost bis zu 21 Grad. 

H.Gr.Mitte: 

2. Pz.Armee: An der Ost= und Nordfront fanden keine besonderen Kampf= 
handlungen statt. In der Nordwestflanke blieben fdl. Angriffe, die z. T. von 
Panzern unter stiitzt waren, siidwestl. Posnjakowo und bei Melachowo ohne 
Erfolg. Bei Wesnizy sind die Kampfe noch im Gange. Der Angriff in Richtung 
Suchinitschi gewann am rechten Fliigel bis St. Paliki und ostw. davon Boden. 
Dort keine Feindberiihrung. Am linken Fliigel wurde der Raum siidl. Maklaki 
gewonnen, Ljudinowo nach hartem Hauserkampf besetzt. Zahlreiche Waffen 
und Gerat des Feindes wurden hier erbeutet. 17 Geschiitze, 3 I.G.e und 15 Pak 
sind bisher gemeldet. 



In Richtung Toropez und Cholm ist eine recht unangenehme Liicke durch das 
rasche Zuriickgleiten der hier stehenden Krafte entstanden. Der Feind dr'dngt 
im ganzen mit etioa 4 Div.en in diesem graven Raum nach. Eine operative Ge= 
fahr ist es nidit, aher es zieht wieder Krafte von anderen Stellen ab und muji 
schliejilich mit einer weitraumigen Bewegung bereinigt werden. 
Bei Staraja Russa immer noch Kampf. Ich rege Bereinigung von Osten her an. 
Am Wolchow sehr schwerer Kampf im Bereich 16. Armee. Weitere Abriegelung 
gelungen. Weiter nordlich im Bereich 18. Armee scheinen nun audi groflere 
Angriffe beginnen zu wollen. Ladogafront noch ruhig. Sie wird aber auch noch 
lebendig werden." 



238 



19- Januar 1942 

4. Armee: Bei Suchinitschi ist die Lage unverandert. In den spaten Abend= 
stunden griff der Feind bei St. Schepetowa an, Bei Ljudkowo schob sich der 
Gegner dichter an die eigenen Rollbahnsicherungen heran. Weiter nordostw. 
wurden eigene Sicherungskrafte gegen etwa 300 fdl. Fallschirmjager angesetzt. 
Subowo wurde planmafiig geraumt. Vorstofie gegen die eigene Front in der 
Linie Sulichowo— Tschemodanowo wurden abgewehrt. An der Ostfront wur= 
den mehrere Angriffe zuriickgeschlagen und ein in die HKL eingebrochenes 
Btl. vernichtet. 

Die Absetzbewegungen verliefen bisher planmafiig. 

Die fdl. Fliegertatigkeit war wahrend der Nacht sehr rege. 

4. Pz. Armee: Angriffe gegen den Siidfliigel wurden in schweren Kampfen 
abgeschlagen. Feindvorstofie, die von Artl. und Raketengeschiitzen unterstiitzt 
waren, konnten beiderseits der Autobahn abgewehrt werden. Westl. Wasju= 
kowo wurden dem Gegner bei der Abwehr seiner Angriffe erhebliche Verluste 
beigebracht. Bei Aschtscherino wurde ein fdl. Einbruch im Gegenstofi bereinigt, 
westl. Ostaschewo ein fdl. Angriff abgeschlagen. 

9. Armee: Der starke Feinddruck gegen den Siidfliigel hielt an. AUe Aus= 
weichbewegungen verliefen planmafiig. An der Front um Rshew konnten 
starke Feindangriffe von Westen und Siidwesten mit Schwerpunkt an der 
Eisenbahn Olenino— Rshew in schweren Kampfen abgewiesen werden. Hef= 
tige Angriff e bei Okowzy und westl. davon blieben gleichfalls erfolglos. Im 
Bereich der H.Gr. teilweise heiteres, teilweise triibes Wetter. Die Tempera= 
turen schwanken zwischen 10 und 25 Grad Kalte. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Am Siidfliigel wurde ein starker Partisanenangriff gegen Cholm 
sowie ein Feindvorstoli mit Panzern gegen Molwotizy abgewiesen. Nordwestl. 
Lytschkowo und westl. Ruskaja Belotniza blieben erneute Feindangriffe er= 
folglos. Ostwarts Jurjewo wurde ein eigenes Stofitruppunternehmen erfolg= 
reich durchgefiihrt. Ein eigenes Jagdkommando zerstorte Fernsprechleitungen 
im fdl. Hintergelande. Staraja Russa griff der Russe aus nordostw. Richtung 
erfolglos an. An der Wolchow=Front ist ein Feindangriff nordl. Murawjewkije= 
Kaserone noch im Gange. 

Westl. Dubowizy verstarkt sich der Feind. 

18. Armee: Am rechten Fliigel der Nordostfront der Armee lebhaftes fdl. 
Artl.= und Granatwerfer=Feuer. Versuche des Feindes, in kleinen Truppen den 
Bahndamm zu iiberschreiten, wurden verhindert. Ostw. St. Maluksa konnte 
die HKL nach schweren Kampfen gegen angreifenden starken Feind mit Artl.=, 
Panzer= und Fliegerunterstiitzung behauptet werden. 6 schwere und uber= 
schwere Feindpanzer wurden vernichtet. Auch bei Chandrowa wurde ein russ. 
Angriff zuriickgewiesen. Eigene Artl. bekampfte kriegswichtige Ziele in Lenin= 
grad. 

Im Bereich der 16. Armee 20—30 Grad Kalte, bei 18. Armee 14 Grad Kalte. 

239 



B. Kriegstagebuch 

Finnisdie Front (19. 1.) 

Karelische Armee: Bei der Vernichtung von russ. Kraften siidl. Wonshesero 
konnten 5 Pak, 15 M.G., viele Handwaffen und mehrere Fahrzeuge erbeutet werden. 
Die Temp, schwanken zwischen 15 und 30 Grad Kalte. 

AOK Norwegen: Bei Geb.Korps Norwegen und im Raum um Petsamo flogen 
fdl. Bomber zahlreiche Angriffe. 



Afrika (18. 1.) 

Armee=Befehl fur den Angriff: 

1. Feind vor der Front ist zur Zeit an Kraften unterlegen. Er grabt sich ein und 
wartet anscheinend die Heranfiihrung weiterer Krafte ab, ehe er angreift. Das Ein= 
treffen neuer erheblicher Verstarkungen ist im Laufe der nachsten 8—14 Tage zu 
erwarten. Trotzdem mufi auch mit der Moglichkeit eines baldigen Angriffs ge= 
rechnet werden. — Einzelheiten iiber Feindlage siehe Feindnachrichtenblatt, das den 
Korps usw. im Laufe des 19. 1. zugestellt werden wird. 

2. Panzergruppe Afrika wird unter Ausnutzung der zur Zeit bestehenden Krafte= 
iiberlegenheit mit starken Teilen zum Gegenangriff antreten, um zunachst den im 
Raum Uadi el Faregh— Mn. Bettafal— Rta. el Gtafia— Melah en Nogra befindlichen 
Gegner durch konzentrischen Angriff einzuschliefien und zu vernichten. 

3. Der Gegenangriff wird im Laufe der nachsten Tage erfolgen. Angriff stag = 
x=Tag, Angriffszeit = y=Zeit. x=Tag und y=Zeit werden zeitgerecht befohlen. . . 

Tagesmeldung: 

1. Feind schloi? vor mittlerem Frontabschnitt in sudwestlicher Richtung weiter auf. 
Luftaufklarung stellte im Raum Mn. el Mensci — Rta. el Gtafia — M. Bettafal gr6= 
fiere Ansammlungen von Fahrzeugen, darunter Pz.Kampfwagen, fest. 

Vor Siidabschnitt weiterhin rege feindliche Aufklarungstatigkeit. 

2. Im Abschnitt B. es Suera wurden bei Spahtruppunternehmungen eine Anzahl 
von Gefangenen eingebracht. — Der Ausbau der Stiitzpunkte und die Verminung 
wurden planmafiig fortgesetzt. 

20. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Sud^: 

11. Armee: An der Sewastopol=Front verhielt der Gegner sich ruhig. Bei 
Sudak halt sich der Feind noch siidlich Taraktasch und westl. Otusy. Gegen= 
angriffe wurden abgewehrt. 

Der Angriff an der Ostfront brach am rechten Fliigel Feindwiderstand bei 
Kamyschly und gewarm die Hohen nordostw. davon. Vor der Mitte wurde der 
Feindstiitzpunkt Wladislawowka genommen. Es gelang den deutsch=rumani= 

1 Notizen Haiders: 

„Die Angriffe gegen H.Gr. Siid (±7. Armee) fiihren zu teilweise recht spannenden 
Lagen. Vor allem die feindlidien Tanks finden bei uns kein Gegengewicht. Am 
Nordflugel 6. Armee beruhigt sich die Lage allmahlich. Bei 2. Armee schwerer 
Einbruch feindlicher Carde=Kav.Korps, gegen den erst am 23. i. ausreichende 
Majinahmen werden ergriffen werden konnen. 
Mitte: Allmahlidier RUckbau der Front Im Suchinitschi=Bogen Ruhe. Bei Medyn 



240 



20. Januar 1942 

schen Kraften, bis in die Linie 10 km nordostw. Wladislawowka — 3 km nord= 
ostw. Korpatsch vorzudringen. Bisher wurden 3000 Gefangene eingebracht 
und an Beute 13 Panzer, 4 Pak, 6^ Granatwerfer imd iiber 100 MGs gezahlt. 
4 Flugzeuge wurden durch Infanterie abgeschossen und 6 einsatzbereite Rata 
erbeutet. 

Vor Sewastopol und an der Ostfront starke fdl. Fliegertatigkeit mit zahl= 
reichen Bomben= und Tiefangriffen. 

1. Pz.Armee: Im rechten Armeeabschnitt beiderseitige Artl.= und Spahtrupp= 
tatigkeit. Besonders starkes Feindfeuer, fast ausschliefilich schwerer Kaliber, 
lag am Siidfliigel. Durch schneidige Stofitruppunternehmen der Slowaken wur= 
den dem Feind blutige Verluste beigebracht. \t! • /. :u:: - 

Gegen den linken Armeeabschnitt setzte der Gegner seine Angriffe in 
Kp.= bis Btl.=Starke fort, die durch zahlreiche schwere Waffen und durch 
Artillerie unterstiitzt waren. Unter blutigen Verlusten fiir den Russen wurden 
alle Angriffe, zum Teil im Gegenstofi, abgeschlagen, 

Feindliche Jagd= und Kampfflugzeuge flogen zahlreiche Angriffe mit Bom= 
ben und Bordwaffen. 

ly. Armee: Gegen die Ostfront der Armee gefiihrte Angriffe in Kp.= und 
Btl.=Starke wurden unter hohen Feindverlusten abgewiesen. Die Kampfe dau= 
erten z. T. bis in den spaten Abend an. Feindansammlungen und Bereitstel= 
lungen wurden wirksam durch die Artillerie bekampft. Angriffe von 2 fdl. 
Schtz.Div.en und einer Pz.Brig. drangen auf das Hohengelande siidwestl. 
St. Jamo vor. An der Donezfront setzte der Feind seine Angriffe iiberall bis 
in die Dunkelheit fort. Aus Golaja Dolina wurde er im Gegenstofi geworfen. 
Gegen siidl. Isjum vorgestofienen Feind wird beiderseits Dolgonskoje und 
siidlich der Stadt gehalten. Am Nordfliigel der Armee werden gegen die an= 
dauernden Angriffe der West= und Nordwestteil von Isjum sowie mehrere 
Stiitzpunkte nordl. davon gehalten. Vor der gesamten Donezfront hatte der 
Russe hohe Verluste. 

6. Armee: Auf dem Siidflugel gelang es der Angriffsgruppe siidl. des Do= 
nez, in Gusarowka einzubrechen. Gegen die Front siidlich Borschtschewoje 
versuchte der Feind erfolglos, in Rgt.=Starke, unterstiitzt durch Panzer, 
mehrere Battr.n und Salvengeschiitze, durchzubrechen. Angriffe mehrerer 
Kp.en entlang der Bahn westl. St. Bulszelowka wurden abgewiesen. Die fdl. 
Artl. feuert hier unter sehr starkem Munitionseinsatz. 

Auf dem Nordfliigel wurden fdl. Angriffe in Gegend St. Rshawa und 
nordl. davon abgewiesen. Der Feind kampfte auch hier mit starken Kraften 
noch wahrend der Nacht. 

immer nodi keine Bereinigung. Bei Rshew fuhrt der Feind weitere Krafte nadi 

Siiden. Spannungen bei Sytschewka. 

Grenz=Liid<.e : Toropez verloren. Feind greift Cholm an. 

Nord: Lage scheint heute stahilisiert zu sein. Weitere Angriffe aus der Ladoga^ 

front stehen bevor." 

241 



B. Kriegstagebuch 

2. Armee: Auf dem Sudfliigel wurden in der Liicke 2 Ortschaften in Ge= 
gend 12 km ostw. Andre] ewka ohne Feindwiderstand besetzt. Nach Abwehr 
aller fdl. Angriffe ist die Lage bei Schumakowo uberall wiederhergestellt. 
Fdl. Angriffe gegen die Ostfront wurden im allgemeinen abgewehrt. Einge= 
brochener Feind hatte durch eigene Gegenangriffe schwere Verluste. Siidl. 
W. Samareika ist die Lage noch ungeklart. Vordringen des Gegners dort 
iiber den Bachlauf nach Siidwesten wurde verhindert. Feindangriffe auf dem 
Nordfliigel wurden abgeschlagen. 

Wetter: Zunahme des Frostes bis —20 Grad Kalte. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz. Armee: An der Ostfront keine besonderen Kampfhandlungen. An der 
Nordfront drang der Feind von Wesnizy nach Siidosten vor. Gegenangriff 
einer Rgt.=Gruppe ist eingeleitet. In Fortsetzung des Angriffs von Shisdra 
wurde ein Ort 20 km ostw. der Stadt genommen. Davon die vordersten Teile 
erreichten St. Paliki und Slobodka. 

4. Armee: Der Druck des Feindes gegen die Rollbahn ostw. Dolgoje halt 
an. Fdl. Angriffe wurden abgewiesen. Bei Fljuskowo wurde die Ugra im An= 
griff nach Siidwesten iiberschritten. Feindvorstofie an der Siidostfront wur= 
den abgewehrt. Das Ausweichen der Div.en an der Ostfront verlauft plan= 
mafiig. Am Nordfliigel der Armee fiihlte der Gegner in die Nordwestflanke 
bis in Gegend 20 km nordnordostw. Juchnow vor. Eigene Krafte stellen sich 
zum Gegenangriff nach Norden bereit. 

4. Pz. Armee: Der Feinddruck siidwestl. Doreja halt an. Fdl. Angriffe siidl. 
der Autobahn, beiderseits der Poststrafie und auf dem linken Armeefliigel 
wurden abgewiesen oder voriibergehende Einbriiche im Gegenangriff be= 
reinigt. Eigene Artl. bekampfte wirksam fdl. Ansammlungen. Die Ausweich= 
bewegungen verlaufen auf der ganzen Armeefront planmajSig, der Gegner 
driickt stark auf die Nachtruppen am linken Armeefliigel. 

Bei 3. Pz. Armee wurden erneute starke Feindangriffe gegen das V. AK ab= 
geschlagen. Das Absetzen der Divisionen verlauft iiber all planmafiig. Nur im 
Abschnitt von Rasenja drangt der Gegner stark nach. 

9. Armee: Das am rechten Armeefliigel befohlene Absetzen verlief plan= 
mafiig. Feindvorstofie wurden von den Nachtruppen abgewiesen. Angriffe 
gegen die Nordfront scheiterten an mehreren Stellen. Der Gegner verstarkt 
sich anscheinend nordlich Rshew. Siidwestlich der Stadt wurden voriiber= 
gehend verlorengegangene Ortschaften im Gegenangriff wieder genommen. 
Angriffe gegen Sytschewka wurden, z. T. im Gegenstofi, zuriickgeworfen. 
10 km nordl. der Stadt sprengte der Feind die Bahnlinie. Auf linkem Armee= 
fliigel wurden starkere Feindangriffe erfolgreich abgewehrt. 

Wiederholte Angriffe auf Toropez waren erfolglos. Zwei Feindpanzer wur= 
den vemichtet. 

Wetter: Stellenweise leichter Schneefall, 15—20 Grad Kalte. 

242 



20. Januar 1942 

H.Cr. Nord: 

16. Armee: Cholm wird gegen vorfiihlenden Feind gehalten. Der Feind= 
druck im Abschnitt Molwotizy nahm zu. Sudostw. der Stadt vorgestofiene 
Feindkrafte hatten schwere Verluste. Fdl. Angriffe am Welje=See wurden ab= 
geschlagen. Bei Staraja Russa weiterhin starkes ArtL=Feuer. Wsvvod halt sich 
weiter trotz fdl. Angriffe mit Panzern und Beschu6 mit Brand= und Spreng= 
munition. Die Rollbahn siidostw. Staraja Russa ist freigekampft. Nordl. des 
Ilmen=Sees gelang es nach harten Kampfen, die Rollbahn zu saubern und eine 
iiber die Bahn nach Westen vorgedrungene Feindgruppe nach Osten zuriick= 
zuwerfen. Jammo wurde nach mehrfachen Angriffen in Rgt.=Starke aufgege= 
ben, Starke Angriffe siidwestl. Solischtschenskije sind abgeschlagen. 

18. Armee: An der Wolchow= und Nordostfront Spahtrupp= und stellen= 
weise heftige Art.=Tatigkeit. Ein eigener Gegenangriff bei Maluksa fiigte dem 
Feind hohe blutige Verluste und Einbufie zahlreicher schwerer Waffen zu. An 
der Front vor Leningrad schanzt der Gegner und schiebt schwere Waffen nach 
vorn. Rege Art.=Tatigkeit auf dem Kiistengebiet. Eigene schw. Artl. bekampfte 
6 kriegswichtige Fabriken in Leningrad. 

Wetter: 15—20 Grad Kalte. 



Finnisdie Front (20. 1.) 

An alien Fronten beiderseitige Artl.= und Spahtrupptatigkeit. Der Angriff der 
Finnen in Richtung Norchaja Naselga schreitet fort. 

Bei AOK Lappland und AOK Norwegen keine besonderen Kampfhandlungen. 

Lebhafte fdl. Fliegertatigkeit beim Geb.=Korps. In Siidfinnland 15—20 Grad 
Kalte, in Nordfinnland 25—40 Grad Kalte. 



Afrika (19. 1.) 

1. Feind fiihrte starkere Gefechtsaufklarung siidlich B. es Suera und unter Ein= 
satz von Pz.Kampfwagen ostwarts B. el Ginn durch. An ganzer Front geringe Artl.= 
Tatigkeit. Beiderseits Via Balbia 5 Bttr.n erkannt. 1. Pz.Div. schlofi auch am 19. 1. 
in allgemein siidwestlicher Richtung weiter auf. Hierbei nach H=Aufklarung 1. Schtz. 
Brigade anscheinend zwischen 7. und 200. Schtz.Brigade in Gegend ostwarts B. es 
Suera eingeschoben. Luftaufklarung stellte aufier den bei Mn.Burruei befindlichen 
Aufklarungseinheiten keine weiteren Feindkrafte siidlich Uadi el Faregh fest. 

2. Aufier geringer Spahtrupp= und Artillerietatigkeit verlief der Tag vor ganzer 
Front ruhig. 

3. Einsatzbereite Panzer: 

a) DAK 97, ab 20. 1. voraussichtlich 111, im Anrollen zur Front weitere 28, 

b) italienisches mot.Korps: 89. 



243 



B. Kriegstagebuch 

21.Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. sad: 

II. Armee: In der Front vor Sewastopol keine Veranderungen. Nordlich 
Sudak und vvestl. Otusy leistete der Feind weiter zahen Widerstand. Die 
eigenen Angriffe sind noch im Gange. An der Ostfront blieben alle fdl. Ge= 
genangriffe erfolglos. 

1. Pz. Armee: Die Einzelangriffe des Gegners gegen Armeemitte und Nord= 
fliigel wurden alle abgeschlagen. An der iibrigen Front der Armee Feuer= 
tatigkeit fdl. Artl. und Granatwerfer. 

17. Armee: Wahrend der Gegner an der Ostfront Fesselungsangriffe fiihrte, 
setzte er die Angriffe starkerer Krafte gegen die Donezfront und die dort 
haltenden eigenen Stiitzpunkte fest. Der Schwerpunkt seiner Angriffe lag 
westlich des Achmut, siidl. und siidwestl. Isjum und siidl. Gusarowka. Die 
Angriffe an der Ostfront und gegen die eigenen Stiitzpunkte der Donezfront 
konnten abgeschlagen werden. Eigene Krafte, die siidl. Isjum eingeschlossen 
wurden, schlugen sich nach Westen durch. Die fdl. Angriffe hielten auch wah= 
rend der Nacht an. 

6. Armee: Der Feind setzte seine Angriffe gegen den Siidfiiigel fort. Die 
Abwehrkampfe sind noch im Gange. Wahrend der Nacht liefi der Feinddruck 
nach. Angriffe auf den Raum ostw. St. Grakowo wurden durch das eigene 
Abwehrfeuer zerschlagen. Bei St. Belenichinow wurde der Gegner, der mit 
starken und frischen Kraften einbrechen wollte, niedergekampft. Er erlitt da= 
bei Verluste in Hohe von 1100 Toten, 230 Gefangenen, 14 Geschiitzen 30 MG.s 
und 5 Pak. Am Nordfliigel der Armee konnte siidwestlich St. Solzewo ein fdl. 
Btl. vernichtet werden. 

2. Armee: Der Angriff des Siidfliigels gewann 3 km Boden nach Siiden. Fdl. 
Gegenangriffe blieben erfolglos. WestUch Dolgoje erreichten vordringende 
Feind telle die Gegend 8 km ostw. Roshdestwenskoje, dort werden sie z. Z. 
aufgehalten. Westlich Jewlanowo wurden alle Feindangriffe bis zu Rgt.= 
Starke abgewiesen. 

Im Bereich der H.Gr. hielt der Frost an. 20 Grad Kalte. Auf der Krim fallt 
Schnee. 

In der Schlacht um Feodosia wurden 10 60^ Gef angene und 6 700 tote Rus= 
sen gezahlt, 123 Geschiitze, 54 Pak, 8^ Panzer, 332 MG, 81 Granatwerfer, 
16 Zg.Kw., 6 unversehrte Rata=Jagdflugzeuge und 6800 Gewehre erbeutet 
oder vernichtet. 

Insgesamt 12 Feindflugzeuge wurden durch Inf. abgeschossen. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz. Armee: In der Nordwest= und Westflanke wurden mehrere Feind= 
angriffe in schweren Kampfen abgewiesen. Die Angriffsgruppe erreichte am 

244 



21. Januar 1942 

rechten Fliigel den Raum 5 km siidostw. Dubrowka, mit linkem Fliigel den 
Ort 7 km ostw. Maklaki. 

4. Armee: Gegen fdl. Ski=Truppen siidwestlich Mokroje ist der Gegen= 
angriff im Gange. Nordlich Woskressenskoje sowie an der Rollbahn wurden 
vereinzelte russ. Stofitruppunternehmen abgewiesen. Ein Angriff von Siiden 
aus Richtung Glotowa wurde in der Linie Gorochowka— Sulichowo — 6 km 
westl. Ostapowa zum Stehen gebracht. 5 Feindpanzer wurden dabei vernichtet. 
An der Ostfront wurde ein Angriff ostw. Pokrow abgeschlagen. Nordlich da= 
von Feindansammlungen wirksam bekampft. Die Absetzbewegungen der Ar= 
mee verliefen planmafiig. Siidwestlich Koschnjaki wurde der eigene Angriff 
nach Nordwesten fortgesetzt. 

4. Pz. Armee: Trotz schwieriger Wegeverhaltnisse verliefen die Ausweich= 
bewegungen planmafiig. Der Gegner drangte an der Autobahn nach, wurde 
jedoch von eigenen Nachtruppen zuriickgeschlagen. Nordlich der Autobahn 
folgte er nur zogernd, wahrend er westlich Wasjukewo mit Panzern nachstiefi. 

5. Pz. Armee: setzte sich ohne Zwischenfalle in die Linie Jakelowo— Spas= 
Wilki— Malinki ab. Wahrend der Feind am Siidfliigel nur schwach nach= 
drangte, griff er nordwestlich Nikolskoje, durch Panzer unterstiitzt, mehrfach 
an, er wurde jedoch iiberall abgewiesen. 

9. Armee: An der Nordostfront blieben fdl. Angriff e, die von sehr starkem 
Artl.= und Granatwerferfeuer unterstiitzt waren, ohne jeden Erfolg. Siidwest= 
lich Rshew wurden einzelne Vorstofie des Gegners an der Bahn von Olenino 
zuriickgeschlagen. Russische Angriffe gegen die Nordfront von Sytschewka 
in Btl.=Starke wurden zum Stehen gebracht. Ein eigener Angriff nach Norden 
wurde angesetzt. 

Die Besatzung von Olenino schlug mehrere Angriffe zuriick. Beiderseits 
der Strafie von Selisharewo nach Siiden war der Feinddruck gering. Dagegen 
drangt der Russe starker bei Dunswa nach. Toropez mufite vor iiberlegenen 
Feindkraften geraumt werden, die eigenen Krafte weichen entlang der Bahn 
kampfend nach Wei. Luki aus. 

Im sudlichen Bereich der H.Gr. bedecktes, weiter nordlich klares Frostwetter 
bei Temperaturen zwischen — 30 und — 38 Grad. Die geraumten Wege sind 
gut befahrbar. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Angriffe von Osten und Norden gegen Cholm konnten ab= 
gewehrt werden. Das fdl. Artl.=Feuer hielt auch wahrend der Nacht an. Siid= 
westlich Molwotizy schlugen eigene Krafte einen Feindangriff unter hohen 
Feindverlusten ab. Auch bei Wetslino blieb ein Angriff erfolglos. Ostwarts 
Jurjewo werden Feindangriffe z. Z. abgewehrt. Siidostw. Staraja Russa brach 
ein fdl. Angriff vor unserer HKL zusammen. Ein Angriff gegen den Nord= 
abschnitt der Stellung ist noch im Gange. Der Stiitzpunkt Wswod hielt trotz 
mehrfacher Feindangriffe weiterhin. 

245 



B. Kriegstagebuch 

An der Wolchow=Front wurden Angriffe gegen die RoUbahn bei Petrowskoje 
und Mjasnoj Bor abgewiesen. Der Gegner konnte zwei Ortschaften siidlich 
Jasno nehmen. Kolosno mufite gleichfalls aufgegeben werden. 

18. Armee: An der Front vor Leningrad wurde ein eigenes Stofitruppunter= 
nehmen erfolgreich durchgefiihrt. 

Im Bereich der 16. Armee 35 Grad, bei 18. Armee 30 Grad Kalte. 



Finnisdie Front (21. 1.) 

Karelische Armee: Siidostw. Wonshosero wurde ein Feindangriff zuriickgeschla= 
gen. An den iibrigen Fronten beiderseitige Artl.= und Spahtrupptatigkeit. Tempera= 
turen schwanken zwischen 15 und 35 Grad Kalte. 

AOK Lappland: In alien Abschnitten Spahtrupptatigkeit auf beiden Seiten. Trii= 
bes Wetter bei 19 Grad Kalte. 



Afrika (20. 1.) 

1. Voraussichtliche feindliche Kraftegruppierung vor der Marada=Marsa=el=Brega= 
Stellung am 20. 1. abends: Im Raum westlich allgemeiner Linie Mn. Bettafal— B. 
Bilal— Melah en Nogra Masse 7. Schtz.Brigade, 1. Schtz.Brigade und 200. Garde= 
Brigade. Masse 2. Pz.Brigade wahrscheinlidi noch im Raum nordlidi Mn. Mensci. 
Schwadiere Telle des Gegners, wahrsdieinlidi Aufklarungskrafte, im Vorgehen 
siidlich des Uadi el Faregh gegen Abschnitt Maaten Giofer. — Mit feindlichem An= 
griff zwischen Uadi el Faregh und Kiiste mufi ab 21. 1. gerechnet werden. 

2. Panzergruppe Afrika kommt dem feindlichen Angriff unter Ausnutzung der zur 
Zeit bestehenden Krafteiiberlegenheit zuvor. Sie tritt am 21. 1. 8.30 Uhr mit DAK 
rechts aus Raum nordlich Maaten Belcleibat und italienischem mot.Korps, Teilen 90. 
lei.Div. und einer weiteren deutschen Kampfgruppe links aus Raum siidlich Marsa 
el Brega zum konzentrischen Angriff gegen den vor der Front stehenden Feind an. 

3. In der Zeit vom 1.— 20. 1. 42 wurden 31 Pz.Kampf= und Spahwagen vernichtet. 
In dem gleichen Zeitraum wurden 32 Flugzeuge abgeschossen. 



22. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Sud: 

11. Armee: An der Sewastopol=Front wurden feindl. Angriffe gegen die 
Front nordostw. der Stadt abgeschlagen. Bei Sudak halt der Gegner beider= 
seits Taraktasch in unverminderter Starke. Vor Angriff der Kampfgruppe 
Otusy wich der Feind nach Siidwesten aus. 

An der Ostfront verhielt sich der Gegner bei starker Besetzung seiner Stel= 
lungen ruhig. Ein nachtlicher Vorstofi wurde abgewiesen. Nachts lebhafte fdl. 
Spahtrupptatigkeit. Vor Uskjut wurde ein feindl. Kan.=Boot durch rum. Sich= 
Krafte zum Abdrehen gezwungen. 

i.Pz. Armee: Auf dem Nordfliigel der Armee wurden Angriffe und Vor= 
stofie des Gegners in Kp.= bis Btl.=Starke gegen den Abschnitt Dmitrijewka-^ 

24^ 



22. Januar 1942 

St. Feschtschewka abgewiesen und erkannte Bereitstellungen durch Artl.=Feuer 
zerschlagen. 

17. Armee: AUe gegen die Stiitzpunkte der Donez= und Ostfront im Laufe 
des 21. 1. gefiihrten iiberlegenen Feindangriffe wurden unter hohen Verlusten 
fiir den Gegner erfolgreich abgewiesen. Auch gestern unterstiitzten die Ver= 
bande des Nahkampffiihrers Nord wirksam in zahlreichen Angrijffen den 
schweren Abwehrkampf der Div.en. 

Im rechten Armeeabschnitt richteten sich die feindl. Angriffe mit starker 
Artl.=Unterstiitzung und stellenweise einzelnen Panzern vor allem gegen die 
Front westl. Armenskoje und siidl. St. Jama. Gruppe v. Witzleben vernichtete 
im Gegenangriff ein feindl. Btl., 3 Pz. und 4 Pak und nahm eine Ortschaft 
6 km siidostw. Rai Aleksandrowka. 

Auch im linken Armeeabschnitt hatte der Gegner schwere Verluste. Er ist 
iiberall nach heifiem Ringen abgeschlagen. Nur auf dem linken Fliigel mufite 
die Div. nach verlustreichen Kampfen in die Aufnahmestellung bei Mstscheb= 
jelowa zuriickgenommen werden. 

6. Armee: Die Kampfe gegen iiberlegenen Feind um den Ort Busarowka 
dauern an. Die Frontverkiirzung ostw. Balakleja ist planmafiig durchgefuhrt. 
Feindl. Angriffe, unterstiitzt durch einen Pz.Zug, gegen die Front westl. 
St. Bulszelowka wurden abgewiesen. Siidl. St. Belenichinow wurde durch eige= 
nen Angriff ein feindl. Btl. nach Siiden geworfen. 

2. Armee: Wahrend der Feind sich auf dem Westufer des Seim ruhig ver= 
hielt, griff er ostw. des Flusses mit schwacheren Kraften erfolglos an. Durch 
die Liicke westl. Dolgoje fiihrte der Gegner weiter Truppen aller Waff en nach. 
Gestern nachmittag hatte er im Vorgehen nach Westen die Gegend von Kos= 
sorsha erreicht. Feindl. Angriffe bis zu Btl.=Starke nordl. der Durchbruchsliicke, 
z. T. von einzelnen Pz.n unterstiitzt, wurden abgewiesen. 

Wetter: Verscharfter Frost bis 32 Grad Kalte. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz.Armee: An der Ostfront wurde ein feindl. Vorstofi gegen den Siid= 
fliigel abgewehrt. Eigene Vorstofie im Abschnitt Mzensk fiihrten zur Zer= 
storung von 13 ausgebauten Kampfstanden. Feindvorstofie im Abschnitt 
Oserno blieben erfolglos. Sudostw. Melechowa drang der Feind weiter im 
Waldgelande nach Siidwesten vor. 

Im Angriff auf Suchinitschi wurde St. Duminitschi, Bryn Sawod und die 
Gegend 3 km ostw. Poljany erreicht. 

4. Armee: Siidostw. Spas Demenskoje wurden FeindvorstojSe abgewehrt. 
Der Feind siidl. der RoUbahn scheint sich weiter zu verstarken. Ein heftiger 
Angriff ostw. Sulichowo blieb im Schnee und dem eigenen Abwehrfeuer 
liegen. An der Ostfront wurde unter Einsatz letzter Reserven in verlustreichen 
Kampfen in Kostino eingebrochener Gegner zuriickgeworfen. Feindvorstofie 
gegen die Nordfront abgewiesen. 

247 



B. Kriegstagebuch 

4. Pz.Armee: Die Absetzbewegungen verlaufen unter groiSen Wegeschwie= 
rigkeiten planmafiig. FeindvorstoJSe wurden von den Nachtruppen abgewiesen. 

3. Pz.Armee: Am rechten Fliigel drangt der Feind scharf mit Pz.n nach und 
verstarkt sich laufend. Feindangriffe mit einzelnen Pz.n gegen die Front sud= 
ostw. Spas Wilki wurden abgewiesen. Auch auf linkem Fliigel driickt der Geg= 
ner mit iiberlegenen Kraften nach. 

9. Armee: Nordwestl. der Wolga wurden 11 Feindangriffe unter hohen Ver= 
lusten fiir den Russen abgewiesen, ortl. Einbriiche bereinigt. Angriffe des 
Gegners gegen die Siidwestfront von Rshew blieben erfolglos, wahrend der 
eigene Angriff von Sytschewka nach Norden trotz feindl. Gegenangriffe gut 
Boden gewann. 

Am linken Armeefliigel wurden Feindvorstofie von Osten gegen St. Olenino 
und gegen die Nordfront abgeschlagen. Westl. Toropez setzte der Feind seine 
Angriffe nicht fort, nahm aber St. Terepa. 

Wetter: Meist klar, bis zu 42 Grad Kalte. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Feindangriffe gegen Cholm wurden abgewiesen, Partisanen aus 
dem Westteil des Ortes zuriickgeworfen. Bei Molwotizy durch Einsatz eigener 
Luftwaffe leichte Entspannung. Angriffe wurden blutig abgeschlagen. Nord= 
ostw. St. Pola wurde eine Feindgruppe vemichtet und ein Angriff siidl. des 
Bf . von Westen abgewiesen. Bei Staraja Russa Artl.=Storungsfeuer. Stutzpunkt 
Wswod wurde nach erfolgreicher Abwehr eines Angriffs in Btl.=Starke, bei 
dem 4 Feindpanzer vernichtet wurden, unter Mitnahme aller Verwundeter auf= 
gegeben. 

Nordl. des Ilmensees wurden ein Vorstofi gegen die Spanier und Angriffe 
zur Erweiterung der Einbriiche an der RoUbahn abgeschlagen. Die Rollbahn 
wird gehalten. Einzelne Feindteile iiberschritten die Strafie Spaskaja Polist— 
Selischtschenskije Kas nach Norden. Sie konnten aber im eigenen Gegenangriff 
bis auf 3,5 km an den Wolchow zuriickgeworfen werden. Feindangriffe nord= 
westl. Grusino und bei Lesna scheiterten unter blutigen Verlusten. 

i5. Armee: Weitere Angriffe des Feindes siidl. der Tschogoda, siidostw. 
Maluksa und bei Kolpino (vor Leningrad) wurden z. T. im Nahkampf blutig 
abgeschlagen. AUein siidostw. Maluksa verlor der Feind vom 16. bis 20. 1. 
(gezahlt) 1900 Tote und 14 Panzer. 

An den iibrigen Fronten z. T. lebhafte Artl.=Tatigkeit. Feindl. Bereitstel= 
lungen wurden zerschlagen und mit schwerer Artl. Werften und eine Flug= 
zeugzubehorfabrik in Leningrad bekampft. 

Wetter: Bei AOK 16 35 Grad, bei AOK 18 30 Grad Kalte. 

Finnisdie Front (22. 1.) 

An alien Fronten Artl.=St6rungsfeuer und stellenweise lebhafte Spahtrupptatig= 
keit. Keine besonderen Kampfhandlungen. 

248 



23. Januar 1942 

In Siidfinnland leichte Schneefalle, 15 bis 30 Grad Kalte. In Nordfinnland bedeckt, 
15 bis 20 Grad Kalte. 



Afrika (21. 1.) 

1. Feind entzog sich fluchtartig dem konzentrischen Angriff und wich zunachst 
auf Linie Mn. Mensci— Rta. el Gtafia aus. Daher gelang es ihm. Masse der Krafte 
trotz gegliickter Uberraschung der Umklammerung zu entziehen. Luftaufklarung 
konnte bei den im Raum el Haseiat— Agedabia— Mn. Mensci befindlichen weiteren 
Feindkraften bis zum Abend des heutigen Tages Riickwartsbewegungen noch nicht 
erkennen. Trotzdem mu6 mit nachtlichem Absetzen des Gegners in nordostwartiger 
Richtung gerechnet werden. 

2. Die deutschen und italienischen mot. und Panzerverbande gewannen in ziigi^ 
gem Vorgehen bis zum Abend des 21. 1. allgemeine Linie Mn. el Gefera— B. Bilal— 
Melah en Nogra. — Luftwaffe grift^ 21, 1. friih britische hohere Stabe sowie ferner 
in roUendem Einsatz mit gutem Erfolg grofiere Feindansammlungen im Uadi el 
Faregh an. 

3. Absicht fiir 22. 1. 42: 

Fortsetzung des Vorgehens der Panzer= und mot.Verbande nach Nordosten, um 
den Feind von seinen iiber Agedabia laufenden riickwartigen Verbindungen ab= 
zudrangen. 

[In der Nacht vom 21./ 22. Januar britischer Luftangriff auf Bremen undEmden. 
Besprechung des Chefs des Stabes der Ski., Vizeadmiral Fricke, beim Fuhrer^.] 



23. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

KGr. sad: 

11. Armee: An der Sewastopol=Front bekampfte eigene ArtL, zusammen 
mit schweren Waffen, fdl. Stellungen, Bewegungen sowie Stadt und Hafen. 
Nordostw. Sudak stiefi die eigene Angriff sgruppe bei Kosy auf erneuten 
Feindwiderstand. An der Ostfront ist ein fdl. Angriff siidl. Akmansj noch 
im Gange. 

I. Pz. Armee: Vor der Front ortl. Artl.= und Granatwerfer=Feuer. 

ly. Armee: An der Ostfront konnten alle ortlichen Angriff e des Gegners 
abgewiesen werden. Die Bereinigung eines Einbruchs siidl. Glashiitte ist noch 
im Gange. An der Nordostfront wurden fdl. Angriff e nordostw. St. Luskutowo 
bei Raj Aleksandrowka und nordostw. Slawjansk abgewiesen. Wegen Ver= 
sorgungsschwierigkeiten muliten die Stiitzpunkte nordl. St. Rapnaja, Bogoro= 
ditschno und Golaja Dolina aufgegeben werden. Nordostw. Barwenkowa 
wurde starkerer Feind festgestellt. 2 fdl. Angriffe mit Panzern gegen Met= 
schebjelowo und Dmitrijewka sind im Gange. 

6. Armee: Am Siidfliigel mufite Gusarowka vor iiberlegenen Feindkraften 

1 Vgl. die „Vorlaufige Meldung" hieriiber in Lagevortrage des Ob.d.M., a. a. O. 

249 



B. Kriegstagebuch 

aufgegeben werden. Westl. des Ortes warf ein eigener Angriff den Gegner 
zuriick. Ein Feindangriff auf Balakleja wurde abgewiesen. 3 weitere fdl. An= 
griffe werden z. Z. beiderseits der Bahn gefiihrt. Aufierdem ist ein fdl. Angriff 
gegen Woloshow Jar im Gange. Nordostw. Bjelgorod wurde der Feind aus 
Melochowo zuriickgeworfen. Die Angriffsgruppe am Nordfliigel der Armee 
konnte in erbitterten Kampfen in die Ortschaft Solzsewo (7 km siidwestl. 
St. Solzsewo) eindringen. 

2. Armee: In Auswirkung des Angriff s der 6. Armee weicht der Feind vor 
dem Siidfliigel auf das Westufer des Seim aus. Der eigene Angriff des Siid= 
fliigels gewann jedoch nur sehr wenig Boden. Angriffe von Norden und Nord= 
westen gegen Olchowatka und Olchowstoje wurden abgeschlagen. Im Bachtal 
siidostw. Kossorsha starke Feindbesetzung festgestellt. Beiderseits Jewlanowa 
verstarkte sich der Feind weiterhin. 15 km nordwestl. Jewlanowa konnte ein= 
gedrungener Feind auf das Ostufer des Tim zuriickgeworfen werden. 

Im gesamten Bereich der H.Gr. herrscht sehr starker Frost bis zu 41 Grad 
Kalte. 

H.Gr.Mitte: 

2. Pz. Armee: Feindvorstofie westl. Nowosil blieben erfolglos. Siidl. Troiz= 
koje ist ein fdl. Angriff im Gange. An der Nordwestfront wurden mehrere 
russ. Vorstofie abgewiesen. 15 km nordwestl. Bolchow greift der Gegner in 
siidostw. Richtung an. Eigene Krafte halten im Anschlufi an die Nordwestfront 
der Armee beiderseits Melochowa — 6 km nordostw. Klem. Der Angriff auf 
Suchinitschi wurde am rechten Fliigel bis Duminitschi und ostw., am linken 
Fliigel bis 2 km westl. Papkowo imd Chuldnowo vorgetragen. Ein Feindangriff 
auf Slobodka, in die Flanke der Angriffsgruppe, blieb erfolglos. 

4. Armee: An der RoUbahn und an der Front siidl. Juchnow konnten alle 
Feindangriffe abgewiesen werden. Nordl. Ostapowa sind noch harte Kampfe 
zur Abriegelung ortl. eingebrochenen Gegners im Gange. Siidl. und nordl. 
der Ugra wurden an der Siidostfront mehrere russ. Vorstofie unter schweren 
Feind verlusten abgewehrt. Der eigene Angriff in Richtung Koschnjaki kam 
gegen fdl. Gegenangriff nur bis 1,5 km ostw. St. Koschnjaki und siidwestl. 
vor. Am linken Fliigel der Angriffsgruppe wurde Scheleki genommen. 

4. Pz. Armee: Der Siidfliigel gewann im Angriff nach Siiden den Raum 4 km 
nordl. Schanskij Sawed und siidwestl. Die Ausweichbewegimgen an der ubri= 
gen Front verliefen planmafiig. Eigene Nachtruppen konnten mehrere durch 
Panzer unterstiitzte Angriffe beiderseits der Autobahn zuruckschlagen. Fdl. 
Vorstofie nordl. der Autobahn wurden im Gegenstofi zuriickgewiesen. 

3. Pz. Armee: Westl. Jaksalowa und nordostw. Demisewo fuhrte der Gegner 
wiederholte Angriffe mit Pz.=Unterstiitzung, die in schweren Kampfen ab= 
geschlagen wurden. Die fdl. Angriffe sind z. T. noch im Gange. Auch westl. 
Nikolskaja Pustyn greift der Gegner mit iiberlegenen Kraften und Panzern an. 

9. Armee: Fdl. Angriffe beiderseits der Wolga gegen die Nordostfront wur= 

250 



23. Januar 1942 

den zerschlagen. Nordwestl. Rshew gelang es, den Gegner durch den eigenen 
Angriff zu iiberraschen und bis in Hohe von Bachmustowo vorzustofien. Der 
Gegner verier 30 Geschiitze, 5 Pak und mehrere schwere Inf.=Waf¥en. Er 
erlitt hohe blutige Verluste. Angriffe entlang der Bahn blieben flir den Russen 
erfolglos. Nordwestl. Sytschewka wurden 2 Angriffe abgeschlagen. Ein Angriff 
ist noch im Gange. Der Angriff des XXIII. A.K. nach Osten gewann iiber 
Trutschkowa Boden gegen sich zah verteidigenden Feind. Ost. Welikije Luki 
verstarkt sich der Feinddruck. 

Bei bedecktem Himmel im Bereich der 4. Armee leichte Schneefalle, im siidl. 
H.Gr.=Bereich —44 Grad. Nach Norden zu nimmt der Frost bis zu —25 
Grad ab. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Russ. Angriffe gegen Cholm wurden abgewehrt, der Versuch 
versprengter Feindgruppen, St. Pola zu nehmen, vereitelt. Siidwestl. St. Par= 
fino wurde die Verbindung mit den Teilen bei Staraja Russa hergestellt. Meh= 
rere Angriffe von Norden und Nordosten gegen Staraja Russa und die Gegend 
nordwestl. davon wurden abgewehrt. An der Wolchow=Front kampften sich 
siidl. Jamno die eigenen Telle nach Westen bis an die RoUbahn zuriick. An= 
griffe bei Solitschtschenskija Kas. imd bei Lesna wurden abgewehrt. 

18. Armee: Angriffe gegen St. Tigoda und nordostw. davon wurden durch 
das eigene Abwehrfeuer zerschlagen. An der Nordostfront blieb die eigene 
HKL ostw. Maluksa und bei Lodwa trotz starker fdl. Angriffe fest in eigener 
Hand. 

Im Bereich der 16. Armee 30 Grad Kalte, stellenweise Schneefall. Bei 18. Ar= 
mee 15 Grad Kalte, leichter Schneefall und 48 cm Schneehohe. 

Finnisdie Front (23. 1.) 

Karelische Armee: Bei der Sauberung des Gelandes westl. Wonshesero wurde eine 
erhebliche Beute an Waffen und Gerat eingebracht. 1861 tote Russen sind gezahlt 
worden. Westl. Maselskaja wurden russ. Angriffe abgewehrt. Die Temperaturen 
schwanken zwisdien — 7 und 15 Grad Kalte. 

AOK Lappland: In alien Abschnitten rege Aufkl.= und Feuertatigkeit. Bei ab= 
nehmendem Frost leichte Schneefalle. 



Afrika (22. 1.) 

1. Feind stellte sich auch am 22. 1. nicht zum Kampf und ging fluchtartig allge= 
meine Richtung Msus— Soluch zuriick. Nach Horchaufklarung soil 4. ind. Div. zum 
Schutz von Bengasi nach Siiden vorgeworfen werden. 

2. Verfolgung des Feindes wurde am 22. 1. fortgesetzt. Um 10.00 Uhr wurde nach 
kurzem Kampf Agedabia und gegen 13.00 Uhr Saunnu und Antelat genommen. — 
Luftwaffe griff in rollendem Einsatz zuriickgehende Feindkolonnen im Raum siid= 
ostwarts Agedabia erfolgreich an. 

3. Absicht fiir 23. 1.: 

Uberholende Verfolgung zunachst mit Teilen aus Raum Saunnu Richtung Mn. el 

251 



B. Kriegstagebuch 

Gara, wahrend Masse der Panzer= und mot.Verbande sich in Raum nordostwarts 
Agedabia bereithalt, um je nach Lage entweder nach Siidosten zur Verfolgung 
anzutreten oder in allgemeiner Richtung el Abiar— Bengasi vorzugehen. — Beginn 
des kraftverlasteten Nachfiihrens der ital. Inf.Divisionen in den Raum von 
Agedabia. 

4. Nach bisher vorliegenden Meldungen wurden am 21. 1. vernichtet oder er= 
beutet: 26 Kampf= und Pz.Spahwagen 

47 Geschiitze 
iiber 100 Kfz, 

5. Fiihrungsabteilung der Panzerarmee Agedabia. 

[Durch Verfugung OKH wurde die Panzer gruppe Afrika am 22. 1. ig42 in 
Panzerarmee umbenannt.] 



24. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr.Sud': 

II. Armee: Siidostw. Balaklawa wurde 1 fdl. Landungsversuch schwacherer 
Krafte vereitelt. Im Angriff auf Sudak wurde die Hohe nordwestlich Tarak= 
tasch genommen. Die Kampfgruppe Otusy stiefi dem Feind, der sich absetzte, 
bis 3 km westl. Kosy nach. Mehrere Angriffe gegen die Mitte der Ostfront 
wurden abgeschlagen. 

I. Pz. Armee: Am Nordfliigel blieben mehrere russ. AngriJFfe in Btl.=Starke 
bei St. Feschtschowka ohne Erfolg. 

17. Armee: An der Ostfront wurden wiederholte Vorstofie siidl. Glashiitte 
zuriickgeschlagen. In Raj Aleksandrowka und ostw. davon wurden Angriffe 



Notizen Haiders: 

„Bei Slid Angriff auf Krim zunachst eingestellt. Bei 17. Armee groj^e Schweinerei. 

Front in dreitagigen Kdmpfen an zwei Stellen durchbrochen (Isjum und an der 

Grenze zur 6. Armee). Diese beiden Durchbruchsstellen sind zu einem grofien 

Einbruch vereinigt. Feind bedroht die Eisenbahnverbindungen zwischen 1. Pan= 

zerarmee und ly. Armee. 6. Armee und 1. Pz.Armee helfen bis zum auflersten Ri= 

siko fUr eigene Sicherheit. Es wird recht spannungsreiche Tage geben, bis diese 

Angelegenheit abgefangen ist. Ich glaube, voir werden es schaffen. 

Der Kavallerieeinbruch bei Kursk scheint eingedammt zu sein. Siidlich Suchi= 

nitschi Spannung durch Feindangriff von Westen her gegen LIU. A.K. Dicht 

westlich davon greifen wir nach Norden an und befreiten Suchinitschi! Siidlich 

Juchnow zunehmender Feinddruck. Nordwestlich Medyn ist die LUcke immer 

noch nicht geschlossen. Die angesetzten Krafte scheinen zu schwach zu sein. 

Die Briicke bei Rshew, die gestern geschlagen wurde, ist heute verbreitert, aber 

bei Sytschewka ist starker Feind sehr tatig. 

In der Lucke zwischen Mitte und Nord ist grojier Zustand. Hier sind zwei feind= 

liche ,Stofigruppen' mit etwa einem Dutzend Div.en durchgebrodien und nehmen 

Richtung Siiden. Immer noch besser wie Norden, denn hier stojien sie in der 

Richtung, wo bei uns Krafte nachkommen. Im anderen Falle ware Leningrad 

nicht zu halten. 

Bei Heeresgruppe Nord harte Kampfe. Keine wesentliche V er'dnderung." 



252 



24- Januar 1942 

des sich laufend verstarkenden Gegners in erbitterten Ortskampfen abge= 
schlagen. Auch bei St. Raynaja und ostwarts konnten die fdl. Angriffe zuriick= 
geschlagen werden. Die Krafte in Bogoroditschno und Golaja Belina wurden 
nach Siiden zuriickgenommen. Der Gegner erlitt an der gesamten Front sehr 
hohe Verluste. Losowaja wird zu einem starken Verteidigungsstiitzpunkt 
ausgebaut. Fdl. Kavallerie ging westl. Isjum iiber Issenjka und Dmitrijewka 
nach Westen vor. 

6. Armee: Am Siidfliigel besetzte der Feind Michailowskoje und drangte in 
Richtung Ansejewka nach. Der Feind griff wahrend des ganzen Tags Balakleja 
von Osten und Siidosten an. Am Nordfliigel wurde die Verbindung sUdl. 
Schumakowo mit 2. Armee auf dem Westufer des Seim hergestellt. 

2. Armee: Am Siidfliigel wurde das Westufer des Seim vom Feinde ge= 
saubert. Bei Schumakowo und siidlich ist das Ostufer in eigener Hand. Die 
westlidi Bolgoje vordringenden fdl. Kav.=Teile befinden sich mit Masse im 
Raume siidostw. Kesseraba. Der eigene Angriff aus Richtung Olchowatka 
gegen diesen Feind gewann trotz vieler russ. Gegenstofie weiter Boden nach 
Nordosten. 15 km nordwestl. Jewlanowa mufite eine Ortschaft vor iiberlegenen 
Feindkraften aufgegeben werden. 

Im Bereich der H.Gr. hielt der Frost bis zu 35 Grad Kalte an. 

H.Cr. Mitte: 

2. Pz. Armee: Mehrere Feindangriffe bei Wjashi wurden abgewiesen. Au= 
fierdem blieben wiederholte russ. Angriffe siidl. Troizkoje erfolglos. An der 
Nordwestfront halten eigene Telle die Linie Botowo— Aleschnja, konnten je= 
doch nicht verhindern, dafi fdl. Kav. bis zur Strafie Bolchow— Karatschew vor= 
fiihlte. Ostwarts Kzyn griff der Feind mehrere Male an. Der Resseta=Ab= 
schnitt zwischen Kzyn und Milojewa wurde von uns besetzt. Der Angriff auf 
Suchinitschi konnte bis Papkowo vorgetragen werden. Russ. Gegenangriffe 
auf Chludnowa und siidwestl. davon wurden abgeschlagen. 

4. Armee: Gegen die eigenen Sicherungen westlich Filipowka fiihrte der Geg= 
ner einige erfolglose Vorstolie. Siidostw. Juchnow drang der Gegner in eine 
Ortschaft innerhalb der eigenen Linien ein und konnte in schweren Kampfen 
nach Siiden zuriickgedrangt werden. Westlich Juchnow konnte der Gegner 
Ryljaki nehmen, der Gegenangriff ist im Gange. Am Siidteil der Ostfront der 
Armee wurden dem Gegner bei der Abwehr seiner wiederholten Angriffe er= 
hebliche Verluste beigebracht. Die fdl. NachschubstralBe nordl. Bardukowo 
wurde durch eigene Krafte voriibergehend unterbrochen, eine Briicke gesprengt 
und ein Ort vermint. Am Westfliigel wurde ein Ort 5 km siidlich Iswolsk von 
uns genommen. 

4. Pz. Armee: Die Absetzbewegungen verlaufen planmaliig. Der Feind folgt 
mit starkeren Teilen nur beiderseits der RoUbahn, der Eisenbahn und nordlich 
davon. Der Angriff des SiidflUgels der Armee kam wegen schwieriger Wege= 
verhaltnisse nur langsam weiter vor. 

253 



B. Kriegstagebuch 

3. Pz.Armee: Eigene vorgeschobene Stellungen siidwestl. Ishewlowa wurden 
vom Feinde erfolglos angegriffen. Westlich Spas Wilki und siidl. griff der 
Feind mit Pz.=Unterstutzung die eigenen vorgeschobenen Stellungen und Gef .= 
Vorposten an. Ein Ort wurde von uns geraumt, die iibrigen Angriffe iiberall 
abgeschlagen. 

9. Armee: FeindvorstoEe gegen die Nordostfront fiihrten zu einem ortlichen 
Einbruch, der bereinigt wurde. Nordwestlich Rshew wurde die Front siidlich 
Bachnutowo durch den schneidigen Vorstofi der 2./Sturm=Gesch.Abt. 189 unter 
Fiihrung von Oberlt. v. Malachewski wieder geschlossen, Feindangriffe nord= 
lich und siidlich davon abgewehrt. Feind, der sich von Olenino nach Nordosten 
absetzte, wurde von eigenen Kav.=Teilen verfolgt. Zur Bereinigung der Lage 
bei St. Nelidowo, das von 300—400 Mann angegriffen wurde, ist ein eigenes 
Rgt. angesetzt. An der Front nordwestlich Sytschewka wurden Feindangriffe, 
die z. T. von Pz. unterstiitzt waren, abgewiesen. Nordostw. Welikije Luki 
wurde eine starkere Partisanengruppe gemeldet. Eigene Telle haben Welish 
erreicht. Bei bedecktem Himmel herrschen Temperaturen bis 25 Grad Kalte. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Am Stadtrand von Cholm wurden heftige Angriffe von Siiden, 
Osten und Norden abgewehrt. Siidwestlich Cholm angreifende eigene Krafte 
konnten die Verbindung mit der Besatzung der Stadt noch nicht herstellen. 
Ein Feindangriff westl. der Nordspitze des Seeliger=Sees wurde abgeschlagen. 
Angriffe gegen die Front nordlich Presljanka wurden zuriickgeschlagen. Ein 
ortlicher Einbruch wurde im Gegenangriff bereinigt. 

An der Wolchow=Front konnte der Feind mehrere Stutzpunkte und Njasnoj 
Bor nehmen und mit Teilen iiber die Rollbahn nach Westen vorstofien. 

18. Armee: Bei Spaskaja Polist und ostw. davon wurden fdl. Angriffe ab= 
gewiesen. Schwachere Feindangriffe gegen die Nordostfront bei Lodwa wur= 
den abgewiesen. Vorstofie siidl. Kolpino an der Front von Leningrad wurden 
vor der eigenen HKL zerschlagen. 

Das Wetter war bei 38 Grad Kalte klar. Am Nachmittag geringer Schneefall. 



Finnisdie Front (24. 1.) 

Keine besonderen Ereignisse. 

Temperaturen schwanken zwisdien 20 und 30 Grad Kalte. 

Afrika (23. 1.) 

Weisung des Comando Supremo an Panzer armee Afrika: 

Von: Comando Supremo 23.1.42 

An: Panzerarmee Afrika 

Riditlinien des Duce. 

Die Kriegfiihrung in Tripolitanien ist von der Lage im Mittelmeer abhangig. Es 
ist vorauszusehen, dafi sich infolge des Mangels an Nafta der Geleitzugverkehr von 

254 



24- Januar 1942 

Mitte Februar an verlangsamt und vielleicht sogar unterbrochen wird. Es ist sogar 
vorauszusehen, dafi das Wirksamwerden des verstarkten Kampfes gegen Malta 
den bereits angelaufenen Verkehr von Einzelschiffen auf der westlichen Strafie sehr 
erleichtern wird. Indessen wird es mit diesen Mitteln schwerlich gelingen, den 
normalen Nachschub fiir die Kolonie sicherzustellen : es wird ausgeschlossen sein, 
neue Truppen und neue Kampfmittel zu iiberfiihren. 

Folgende Moglichkeiten miissen aufierdem in Betracht gezogen werden: 

a) Landungsunternehmen britischer oder De Gaulle=Truppen an der libyschen 
Kiiste und in Tunesien; 

b) Vormarsch feindlicher Krafte durch die libysche Sahara. 

Deshalb ist es wenigstens zur Uberwindung der Transportkrise notwendig, die 
Krafte an der Ostfront zusammenzuhalten, um die Wiederauffrischung vollends 
durchzufiihren und sie nicht einem neuen Krafteverbrauch auszusetzen, da es nicht 
moglich sein wird, sie ein anderes Mai aufzufrischen. Es ist notwendig, mit den 
vorhandenen Kraften und Versorgungsgiitern in Voraussicht einer Krisenperiode 
sparsam umzugehen. 

Unter Beriicksichtigung des oben Gesagten hat der Duce bis auf weiteres be= 
f ohlen : 

1. Unsere Verteidigungsstellung gegen Osten ist die Linie Marsa=el=Brega— 
Marada; Marada ist zu verstarken. 

2. Die allgemeine Lage im Mittelmeer gestattet es zur Zeit nicht, an eine Vor= 
verlegung unserer Stellungen zu denken. 

3. In der unter Ziff. 1 erwahnten Verteidigungsstellung sind es die Infanterie= 
Einheiten, die die Verteidigungskraft sicherstellen; Aufgabe der mot.Verbande ist 
die bewegliche Kampffiihrung im Rahmen des unter 4. gegebenen Kampfauftrages. 

4. Um unserer Verteidigung den Charakter ausgesprochener Aktivitat zu geben 
und um die Angriffsvorbereitungen des Feindes zu storen, konnen die beweglichen 
Krafte, wenn die Gelegenheit sich bietet, Angriffsoperationen mit begrenztem Ziel 
durchfiihren, um den Feind zu schlagen, wenn er sich auf hierzu giinstige Ent= 
fernung stellt. Bei dieser Aufgabe wird die Luftwaffe in besonderer Weise mit= 
wirken miissen. 

5. Die Infanterie=Einheiten diirfen nicht aus der Verteidigungsstellung heraus= 
gezogen werden, sondern haben hier ihre vollige Auffrischung abzuwarten. 

Der Duce behalt sich vor, diese Richtlinien entsprechend einer veranderten 
allgemeinen Lage abzuandem. 

Im Auftrage des Duce 

Der Chef des Wehrmachtgeneralstabes 

gez. Ugo Cavallero 

Tagesmeldung: 

1. Am 23. 1. wurde Zuriickgehen starkerer Feindkrafte — Telle 2. Pz.Brigade, 
1. Schtz.Brigade und 200. Gardebrigade — nach Norden und Nordosten durch Vor= 
legen der deutsch=italienischen Panzer= und mot.Verbande in allgemeiner Linie 
Agedabia— siidlich Antelat— Saunnu— Mn. el Grara verhindert. Ausbruchsversuche 
des Gegners wurden unter erheblichen Feindverlusten abgewehrt. Hierbei wurden 
eine grofiere Anzahl Panzerkampf= und Spahwagen vernichtet, zahlreiche Kfz. er= 
beutet. Einzelheiten noch nicht bekannt. Ferner wurden allein von Heeresverbanden 
11 Flugzeuge abgeschossen bzw. am Boden zerstort. 

2. Absicht fiir 24. 1. 42: 

Konzentrischer Angriff der Panzer= und mot.Verbande zur Vernichtung der im 
Raum ost= und siidwarts Agedabia befindlichen Feindkrafte unter entsprechender 
Sicherung nach Norden. 

255 



B. Kriegstagebudi 

25.Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Sud'i 

II. Armee: Der Westteil Taraktasch wurde nach mehrstiindigem Hauser= 
kampf genommen. An der Ostfront wurde ein Feindvorstofi mit einzelnen 
Panzern abgewehrt. 

1. Pz. Armee: An der ganzen Front der Pz.Armee geringe Artl.= und Spah= 
trupptatigkeit. 

ly. Armee: An der Ostfront blieben heftige Feindangriffe siidlich Glash 
und westl. St. Nyrkowo ohne Erfolg. Bei Raj Alexandrowka nordl. St. Rapnaja 
und bei Christischtsche wurden fdl. Angriffe, die z. T. von Panzern unterstiitzt 
waren, abgeschlagen. Barwenkowa und ein Stiitzpunkt ostw. davon gingen 
nach konzentrischem Angriff iiberlegener russ. Krafte verloren. Russ. Angriffe 
mit Panzern gegen Losowaja und die Bahn nordl. davon wurden abgeschlagen. 

6. Armee: In heldenmiitigem Kampf wurden die erneut gefiihrten konzen= 
trischen Angriffe gegen Balakleja, bei denen starke Panzerkrafte eingesetzt 
waren, abgewiesen. Gegenangriff gegen Feindkrafte, die in Aleksejewskoje 
eindrangen, ist im Gange. Bei Michailowskoje sind starkere russ. Krafte fest= 
gestellt worden. Angriffe gegen die Ostfront bei Wolochow Jar und nordlich 
in Btl.=Starke wurden abgewiesen. Bei Bjelgorod und siidl. versuchte der Feind, 
durch Angriff in breiter Front das Herausziehen eigener Krafte zu verhindern. 
Er wurde nach Osten zuriickgeworfen. Am Ostufer des Seim wurde der Feind 
ostw. St. Solzsewo nach Osten geworfen. 

2. Armee: Eigene Artl. zersprengte Gegner, der nordlich Sokolja Pleta in 
Richtung Schtschigry vorgehen wollte. Der eigene Angriff auf Stakanowo 
konnte nur bis zwei km siidwestl. dieses Ortes vorgetragen werden. 15 km 
siidwestl. Jewlanowa konnte der Feind 4 km nach Westen vordringen, dann 
wurde sein Angriff zum Stehen gebracht. 

Wetter: Im gesamten Bereich der H.Gr. herrsdite klares Frostwetter bei 
Temperaturen bis 28 Grad Kalte. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz.Armee: Siidwestl. Bjelew wurden feindl. Erkimdungsvorstofie und An= 
griffe gegen die Nordfront in schweren Kampfen abgewiesen. Weitere An= 
griffe an der Nordwestfront wurden alle abgewehrt. Westl. der Resseta nah= 
men nach Norden vorstofiende eigene Panzertruppen Moilowa. Im Angriff 
von Siiden auf Suchinitschi wurde Usty erreicht und genommen. Im Angriff 
von Siidwesten auf Suchinitschi konnte die Verbindung mit der bisher ein= 
geschlossenen Besatzung der Stadt hergestellt werden. Angriffe bei Chludnowa 
und Slobodka gegen den Nordfliigel der Angriffsgruppe wurden abgeschlagen. 

1 Notizen Haiders: 

„Lage: Im wesentlichen unverdndert. Sehr hohe Kaltegrade." 

256 



25- Januar 1942 

4. Armee: Erneute feindl. Angriffe gegen die Front westl. Filipowka gegen 
die RoUbahnsicherungen und die eigenen Krafte bei Tscherten wurden alle 
abgeschlagen. 8 km westl. Juchnow wurden durchgesickerte feindl. Krafte 
vernichtet. Bei Gorochowka wurden weitere Feindgruppen nach Siiden gewor= 
fen und nordostw. Sulichowo Angriffe durch zusammengefafites Artl.=Feuer 
zum Stehen gebracht. Gegen Abend wiederholte der Feind seine Angriffe ge= 
gen Gorochowka. An der Siidost= und Ostfront der Armee wurden mehrere 
Feindvorstofie zuriickgeschlagen. Der Nordteil von Bordukowo mufite auf= 
gegeben werden. Feindvorstofie siidl. Iswolsk blieben ohne Erfolg. 

4. Pz. Armee: Der SiidflUgel ist im weiteren Angriff nach Siiden beiSchanskij 
Sawod begriffen. Der eigene Angriff an der Stralie von Gshatsk nach Juchnow 
konnte die Eisenbahnlinie in siidl. Richtung iiberschreiten. Die Absetzbewe= 
gungen an der Ostfront verliefen planmaliig. An der Rollbahn nachstoliender 
Feind wurde abgewehrt. 

5. Pz. Armee: Gegen die eigenen Nachtruppen vor Siidfliigel und Armee= 
mitte gefiihrte Feindangriffe mit einzelnen Panzern wurden abgeschlagen. In 
schweren Kampfen wurden dem Gegner hohe Verluste zugefiigt. 

9. Armee: An der Nordostfront wurden die Endstellungen in der Linie Pero= 
polje Gorodischtsche— Stalypino— Panino eingenommen. Feind folgt nur mit 
schwacheren Kraften. Nordwestl. Rshew wurde die hergestellte Verbindung 
durch Einnahme weiterer Orte westl. Musischtschewo erweitert. Der Feind 
griff in der letzten Nacht die neue Front erstmalig von Siiden an. Angriffe 
gegen die Front nordl. Pysyhi und ostw. wurden zuriickgeschlagen. Der West= 
fliigel der Armee setzte sich in die Linie 10 km ostw. Pysyhi — 7 km west= 
siidwestl. Pysyhi— Sely ab. St. Nelidowo wurde heftig angegriffen. Die Front 
vor Sytschewka wurde gegen russ. Angriffe aus der nordwestl. Richtung ge= 
halten. 

Am 22. und 23. 1. wurden erbeutet oder vernichtet: 

32 Geschiitze, 34 Pak, 4 Panzer, 1 Pz.Spahwagen, 80 Lkw., 23 Granatwerfer, 
zahlreiche schwere Inf.Waffen. 

Im gesamten H.Gr.=Bereich klares Wetter mit starkem Frost. 3. Pz.Armee 
meldet bis zu 50 Grad Kalte. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: In harten Kampfen behaupteten eigene Krafte den Stadtteil 
Cholm ostw. des Lowat gegen hef tige Angriffe. Die von Siidwesten angreifende 
Gruppe drang bis 3 km siidwestl. der Stadt vor, konnte jedoch die Verbindung 
zur Besatzung noch nicht herstellen. Ostw. Gusnowa wurden feindl. Angriffe 
abgewiesen. Der eigene Angriff nordwestl. Staraja Russa konnte bis iiber den 
Tuleblja vorgetragen werden. An der Wolchow=Front wurden Angriffe gegen 
die Rollbahn siidwestl. Jamno abgewehrt. 

18. Armee: Westl. und nordwestl. Selischtschenskije Kas. konnten Angriffe 
aus ostw. Richtung zuriickgeschlagen werden. Siidl. der Tschogoda=Miindung 

257 



B. Kriegstagebuch 

verstarkte sich die Feindtatigkeit. Eigene Artl. bekampfte den Riistungsbetrieb 
Bolschewik in Leningrad. Explosionen iind Brande wurden beobachtet. 

Im Bereich der H.Gr. wurden 180 Gefangene eingebracht. 

Bei scharfem Ostwind und zeitweisem Schneefall schwankten die Tempera= 
turen zwischen 25 und 35 Grad Kalte. 



Finnisdie Front (25. 1.) 

Karelische Armee: Obergangsversudie iiber den Swir wurden abgewehrt. Des= 
gleidien wurden Vorstofie des Feindes bei Wonshesero und am Ostsee=Wei6meer= 
Kanal abgewiesen. 

Kalte bis zu 35 Grad. 

AOK Lappland: XXXVI. Geb.Korps und Geb.Korps Norwegen wiesen einige 
schwache russ. Vorsto6e ab. 

Wediselnd bewolktes Wetter, Temperaturen zwisdien — 12 und — 30 Grad wurden 
gemeldet. 

Afrika (24. 1.) 

1. Konzentrischer Angriff gegen den im Raum ostnordostwarts Agedabia befind= 
lichen Feind 24. 1. fiihrte zu voUem Erfolg. Es wurden vernichtet bzw. erbeutet: 117 
Pz.Kampf= und Spahwagen, 33 Geschiitze und eine grofie Anzahl von Lkw. Rund 
1000 Gefangene wurden eingebracht. Somit hat der Feind in den Kampfen vom 
21.— 24. 1. insgesamt 143 Pz.Kampf= und Spahwagen sowie 80 Geschiitze verloren. 
Von der Erdtruppe wurden 14 Flugzeuge abgeschossen bzw. zerstort. — 

Die stark angeschlagene 1. Pz.Div. ging in den Raum Msus und siidwestlich 
zuriick. 

2. Absicht fiir 25. 1. 42: 

Verstarkte bewaffnete Aufklarung gegen Feind im Raum um Msus. 



26. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr.Sud': 

11. Armee: An der Sewastopol=Front wurde ein Angriff in Kp.=Starke westl. 
Schuli abgeschlagen. Im Hafen wurde lebhafter Schiffsverkehr festgestellt. 
Siidl. Taraktasch konnte die Verbindung zwischen den Angriffsgruppen durch 
Vorstofi der Gruppe Otusy nach Westen hergestellt werden. Am Siidfliigel der 
Ostfront blieb ein Feindangriff erfolglos. Herangefiihrte russ. Verstarkungen 
wurden wirksam von eigener Artl. bekampft. 

1. Pz. Armee: Vor dem Siidfliigel der Front trat ein fdl. Pz.Zug auf. Bei St. 
Tegschtschewka wurden mehrere fdl. Angriffe abgewehrt. Der Gegner erlitt 
hierbei schwere blutige Verluste. Eigene Artl. konnte vor der gesamten Front 
der Pz.Armee Feindziele mit guter Wirkung bekampfen. 

1 NoHzen Haiders: 

„Lage bei Siid entwickelt sich bei 17. Armee immer unhequemer. Der Feind 
kommt iiber Isjum mit immer starkerer Kavallerie. Ob weitere Angriffsrich= 

258 



26. Januar 1942 

ij. Armee: Siidl. Clash blieb ein starkeres fdl. Stofitruppunternehmen vor 
der eigenen Front liegen. Feindverstarkungen vor der eigenen Front nordl. Raj 
Aleksandrowka und nordl. Slawjansk wurden mit guter Wirkung bekampft. 
Die eigenen Krafte im Raum um St. Gusarewka mufiten aus VersorgungsgrUn= 
den nach Westen genommen werden. Ein AngriJEf in Btl.=Starke auf Christi= 
schtsche .wurde abgeschlagen. Der Angriff eines russ. Rgt.s mit einzelnen Pan= 
zern 15 km ostw. Aleksandrowka wird z. Z. abgewehrt. Auch bei Losowaja 
und nordl. blieben fdl. Angriffe vor den eigenen Sicherungslinien liegen. 

6. Armee: Am Siidfliigel warf eine eigene Angriffsgruppe den Feind bei 
Aleksekowskoje nach Osten zuriick und wies einen Feindangriff auf St. Lidia= 
tschewo ab. Ein erneuter Angriff ist dort im Gange. Ostw. Aleksekowskoje 
fuhlte der Feind nur mit Aufklarung vor. Die eigenen Krafte setzten sich vor 
umfassendem Feindangriff in der letzten Nacht auf W. Bereka ab. Gegen Bala= 
kleja griff der Feind erneut in erheblicher Starke von Siiden und Osten an und 
wurde unter erheblichen Verlusten flir ihn abgewiesen. Bisher hat er die An= 
griffe wahrscheinlich auf Grund der bisherigen MiJSerfolge nicht wiederholt. 

An der Front westl. Brigadirowka blieben wiederholte russ. Angriffe in Kp.= 
Starke bis Btl.=Starke ohne Erfolg. 

2. Armee: Siidostwarts Schumakowo wurde der Feind in ostwartiger Rich= 
tung vertrieben. Gegen zahen Feindwiderstand gelang es der eigenen Angriffs= 
gruppe, in Stekanowo einzudringen und damit die Durchbruchsliicke weiter zu 
verengen. Der Versuch fdl. Kavallerie in Schtschigry einzudringen, wurde ver= 
eitelt. 

Nordwestlich Jawlonowa erlitt der Feind hohe Verluste bei seinen mit star= 
ken Kraften gefiihrten, aber erfolglosen Angriffen. 

Der Frost bis zu minus 35 Grad hat angehalten. 

H.Gr. Mine: 

2. Pz. Armee: Westlich Bjelew und sudlich Oserno wurde je ein Feindangriff 
abgewiesen. 15 km nordwestlich Bolchow bUeben mehrere Feindvorstofie ohne 



Erfolg. bjL >} • 

Im Angriff von Siiden nahm eine eigene Kampfgruppe Kuswinke und einen 
Ort nordhch davon. Im Angriff von Siiden auf Suchinitschi wurde der Raum 
3 km nordlich Usty von eigenen Kraften genommen. Im Raum westlich Suchi= 

tung SVJ oder S, ist noch nicht abzusehen. Moglichkeit, dafi der Feind auch von 

Osten her ly. Armee noch angreift, ist nicht ausgeschlossen. 

Auf der iibrigen Front keine wesentlich neuen Entwicklungen. 

Zum Angriff gegen die neugebildete Front westlich Rshew scheint der Feind 

nur unter AOK 50 neue Krafte einsetzen zu wollen. Abwarten! 

In der Lucke zwischen Mitte und Nord ist der Feind bis zur Linie Welikije Luki 

— nordostwdrts Iljino vorgedrungen. 

Bei Nord konnten die feindlichen Angriffe keinen weiteren Erfolg erringen. 

Baldiger Angriff an der Ladogafront wahrscheinlich! 

Transportlage, fiir die nunmehr der Reichsverkehrsminister verantwortlich ist, 

hat sich zu einer Katastrophe entwickeltl" 



259 



B. Kriegstagebuch 

nitschi wurden heftige russ. Angriffe, die von Panzern unterstiitzt waren, er= 
folgreich abgewiesen. 

4. Armee: An der Siidostfront griff der Feind gegen die Rollbahn zwischen 
Ljudkowo und 15 km siidostw. Juchnow von Siiden an und wurde abge= 
schlagen. 

Auch an der Siidostfront nordlich der Ugra erzielte der Feind trotz wieder= 
holter heftiger Angriffe keine Erfolge. Bordukowo mufite vor iiberlegenem 
Feind geraumt werden. Ein Ort 4 km nordwestlich Bordukowo wurde von eige= 
nen Kraften genommen. Nach hartem Kampf drangen eigene Truppen in den 
Ostteil Koschnjaki ein. Der Angriff gegen den Westteil des Ortes ist noch im 
Gange; der linke Fliigel der Armee stiefi bis 5 km siidlich Iswolsk vor. Die Ver= 
bindung zwischen 4. und 4. Pz. Armee wurde durch Spahtrupps an der Strafie 
westlich Iswolsk aufgenommen. 

4. Pz. Armee: Die nach Siiden angreifenden eigenen Pz.=Krafte wiesen einen 
starkeren russ. Angriff langs der Bahn von Koschnjaki nordostw. Weskresensk 
ab. Beiderseits Schanskij Sawed sind fdl. Gegenangriffe noch im Gange. Ge= 
gen die Ostfront der Armee fiihlte der Gegner mit starken Spahtrupps und 
einzelnen Panzern vor. Eigene Artl. bekampfte wirksam fdl. Ansammlungen 
und Bewegungen. 

3. Pz. Armee: Der Gegner fiihlte bisher mit starkeren Kraften nur gegen die 
eigenen Gef.=Vorposten vor. Vor der Armeemitte beschofi eigene Artl. Feind= 
ansammlungen und Artl.=Stellungen. Am Nordfliigel schlugen Nachtruppen 
wiederholte russ. Angriffe in Btl.=Starke ab. 

9. Armee: Bei Pogoroloje wurden Feindangriffe bis zu Rgt.=Starke erfolg= 
reich abgewehrt. Nordwestl. Rshew wurden dem Feind bei der Abwehr seiner 
dauernden starken Angriffe erhebliche blutige Verluste beigebracht. Eigene 
Stofitrupps drangen in dem stark feindbesetzten und befestigten Waldgelande 
in nordwestl. Richtung bis an die Wolga vor. Starke Feindansammlungen siid= 
westl. Rshew wurden von eigener Artl. mit guter Wirkung bekampft. An der 
Front nordwestlich Sytschewka blieben fdl. Angriffe erfolglos. Am linken Flii= 
gel der Armee besetzte der Feind Iljino. 

Frost bis zu —40 Grad. Klarer Himmel. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Feindangriffe auf Cholm von Siidosten und Nordwesten blieben 
ohne Erf olg. Die Verbindung zwischen der angreifenden eigenen Kampf gruppe 
sudwestl. Cholm und der Besatzung der Stadt ist hergestellt. 

An der Nordostfront gelang dem Gegner ein Einbruch nordostw. Klewitschi, 
der abgeriegelt wurde. Starkere Feindkrafte konnten bis in den Raum siidl. 
Presljanka vordringen Bei den Angriff en auf St. Pola hat der Feind in den letz= 
ten Tagen 205 Tote und 7 MG.s verloren, an der Wolchow=Front wurde ein 
russ. Angriff gegen die Rollbahn nordwestl. Petrowskes nach harten Kampfen 
abgeschlagen. 

260 



2/. Januar 1942 

18. Armee: Feindangriffe bei St. Polist und siidl. davon wurden gleichfalls 
abgeschlagen. Nordwestl. Selischtschenskije Kas. mufite ein Ort nach erbit= 
tertem Nahkampf vor iiberlegenen Kraften des Russen aufgegeben werden. 
An der Nordostfront blieben Feindvorstolie ostw. St. Maluruk ohne Erfolg. 
Westl. Worenewo und am fdl. Newa=Br.=Kopf war das fdl. Art.=Feuer sehr 
heftig. Am linken Fliigel der Armee wurde ein fdl. Vorstofi bereits im An= 
treten durch unser Feuer zerschlagen. 

Bei eisigem Wind herrschen 30—35 Grad Kalte. 



Finnische Front (26. 1.) 

Karelische Armee: Vor der Mitte der Swir=Front und nordostw. Medweshja Gora 
konnten fdl. Angriffe und Unternehmungen zersdilagen werden. Es herrsdit Frost= 
wetter bis zu 35 Grad Kalte. 

AOK Lappland meldet klares Wetter mit Temperaturen bis zu 42 Grad. 



Afrika (25. 1.) 

1. Panzerarmee fiigte 25. 1. der in den Raum Msus und siidlich ausgewichenen 
stark angeschlagenen 1. Pz.Div. durch Nachstofien mit Masse DAK und einer 
deutsch=italienischen Kampfgruppe in heftigem Kampf erneut schwere Verluste zu, 
Nach bisher vorliegenden Meldungen wurden am 25.1. zerstort oder erbeutet: 96 
Pz.=Kampf= und Spahwagen (darunter einige amerikanische Modelle, Baujahr 41), 
38 Geschiitze, eine grofiere Anzahl von Kfz,, 13 Flugzeuge, erhebliche Munitions= 
bestande und anderes Kriegsmaterial. — Feind wich fluchtartig nach Norden und 
Nordosten aus. 

2. Einsatzmoglichkeiten der in den Vortagen besonders erfolgreich wirkenden 
deutsch=italienischen Luftwaffe wurden am 25. 1. durch Sandsturm stark behindert. 

3. Absicht fiir 26.1.42: Sicherung des Raumes um Msus durch mot.Verbande 
und Bergung der Beute. 

4. Eigene Verluste wahrend der jetzigen Operationen aufiergewohnlich gering. 

[Bildung des Sonderkommandos „Dora" zur Durchfuhrung von Sonder= 
aufgaben im nord= und mitfelafrikanischen Raum (vgl. 21. 1. 1943, Bd. Ill, 
S- 57)]- 



27. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 
H.Gr. Sud^i 

II. Armee: Nordl. Sudak konnte ein Feindvorstol? gegen die Hohen bei 
Taraktasch abgesdilagen werden. Vor der Sewastopol= und an der Ostfront 
fdl. Artl.=Storungsfeuer gemeldet. 



1 Notizen Haiders: 

„Lage hringt keine wesentlichen Veranderungen des Gesamtbildes: Durdibruch 

261 



B. Kriegstagebuch 

1. Pz.Armee: Am Nordfliigel blieb ein fdl. Angriff in Starke von 2 Komp.en 
vor unserer HKL 8 km nordwestl. St. Feschtschewka liegen. Von einzelnen 
Stellen wird beiderseitige Spahtrupp= und Artl.=Tatigkeit gemeldet. 

17. Armee: Beiderseits St. Kamyschewacha fiihrte der Gegner Fesselungs= 
angriffe. Der Feind erreichte den Raum siidwestl. Aleksandrowka mit Teilen. 
Die Feindangriffe aus ostw. Richtung gegen Losowaja und St. Punjutino hiel= 
ten an. 

6. Armee: Westl. Balakleja wurden heftige Feindangriffe abgeschlagen. An 
der librigen Front der Armee keine besonderen Ereignisse. 

2. Armee: 7 km siidl. Schtschigry blieb ein Feindangriff erfolglos. Bei Star= 
kanowo griff der Gegner die eigenen Angriffsspitzen mit iiberlegenen Kraften 
umfassend an und zwang sie zur voriibergehenden Zuriicknahme auf Olcho= 
watka. Siidwestl. davon gewannen eigene Teile bis 12 km nordwestl. Schtschi= 
gry und Worobjewka Boden nach Nordosten. Nordwestl. Jewlanowa wurde 
Feind, der voriibergehend eingebrochen war, wieder herausgeworfen. 

Auf der Krim herrschen Temp, um o Grad, es fallt Regen und Schnee. Im 
iibrigen Bereich der H.Gr. halt der scharfe Frost mit Temp, bis zu 35 Grad an. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz.Armee: Fdl. Artl. schofi Storungsfeuer auf den Siidteil der Ostfront. 
Vor der Nordwestfront wurde das Gelande vermint imd Ukolsizy feindbesetzt 
festgestellt. Nordwestl. und westl. Bolchow wurden starkere Feindangriffe er= 
folgreich abgewehrt. Im Angriff von Siiden auf Suchinitschi wurde der Raum 
5 km nordl. Usty gewonnen, aus Suchinitschi heraus ein Ort 5 km siidwestl. 
der Stadt genommen. 2 Feindpanzer wurden vernichtet. Die fdl. Luftwaffe war 
besonders im Raum iiber Bolchow auch wahrend der ganzen Nacht sehr rege. 

4. Armee: Der Feinddruck gegen die Rollbahn siidwestl. Juchnow hielt wei= 
ter an. Eine schwache Feindgruppe konnte nach Norden iiber die Rollbahn vor= 
dringen. Am Siidteil der Ostfront der Armee wurden mehrere Feindvorstofie 
abgewiesen. Der Russe schiefit mit Artl. und schweren Inf.=Waffen auf die 
Orte in und hinter der eigenen HKL. Beiderseits Medyn bekampfte eigene Artl. 
Feindbewegungen. 



bei ly. Armee scheint sich gegen Westflugel 1.7. Armee zu richten und mit Teilen 
auch gegen SiidflUgel 6. Armee. Maftnahmen H.Gr. uoerden erst Anfang Februar 
wirksam werden. Weitere Krafte benotigt. 

Bei Mitte wird zunachst Bereinigung der Feindgruppe westlich LII. A.K. not= 
wendig sein, ehe man iiber Suchinitschi nach N weiter angreifen kann. Bereini= 
gung der Liicke zwischen 4. Armee und 4. Panzerarmee macht noch immer 
Schwierigkeiten. Feind, der durch unseren Angriff bei Rshew abgeschnitten ist, 
und Stojiarmeen 5 und 4 fangen an, im Raume nordlich der Strafe Smolensk— 
Wjasma fUhlbar zu werden. Schutz dieser Strajle und Gegenma^nahmen sind 
eingeleitet. 

Bei Nord ortliche Erfolge des Feindes am Wolchow, jedoch nur taktischer Art. 
Angriff sbeginn im Ladogaraum." 



2.6Z 



27- Januar 1942 

4. Pz.Armee: Am Siidfliigel konnten die eigenen Krafte gegen schwacheren 
Gegner wegen schwierigster Wegeverhaltnisse nur wenig Boden gewinnen. 
Fdl. Gegenangriffe westl. Schumskij Sawod blieben erfolglos. An der gesamten 
Ostfront der Armee nichts Besonderes aufier der Abwehr einzelner Erkun= 
dungsvorstofie. 

5. Pz.Armee: Vor Siidabschnitt und Mitte wurden Feindvorstofie erfolgreich 
abgewiesen. 

9. Armee: Ein ortl. Einbruch an der Nordostfront wurde bereinigt. Mehrere 
Feindangriffe in Btl.=Starke wurden westl. Iwankowa abgewiesen. Nordl. 
Rshew bei Buchumtowo und westl. blieben starke, von Artl. unterstutzte fdl. 
Angriffe erfolglos. Westl. Sytschewka gewannen eigene Angriffe gegen stark 
feindbesetzte Ortschaf ten Boden nach Westen. An der Nordfront wurden 2 An= 
griffe ostw. Pyshi abgeschlagen. St. Nelidowo wurde vor iiberlegenen Feind= 
kraften geraumt, eigene Krafte halten bei Femkino. Feindangriffe auf Kresty 
wahrend des Tages und in der Nacht wurden abgeschlagen. 

Bei bedecktem Himmel herrscht Frost bis zu 30 Grad. 

H.Cr. Nord: 

16. Armee: Erneute Angriffe auf Cholm von Siidosten und Osten wurden 
abgewehrt. Gegen die Front bei Molwotizy mit Schwerpunkt nordostw Mol= 
wotizy gefiihrte Feindangriffe blieben erfolglos. An der Nordostfront wurden 
westl. des Welje=Sees Angriffe abgeschlagen und ortlich eingebrochener Geg= 
ner zuriickgeworfen. Feindangriffe westl. St. Boglowo, siidostw. und siidl. Sta= 
raja Russa wurden iiberall abgeschlagen. An der Wolchow=Front wurden siidl. 
Jasno fdl. Angriffe durch das zusammengefafite eigene Abwehrfeuer zer= 
schlagen. 

Seit Einbruch der Dunkelheit flogen fdl. Bomber in der letzten Nacht zahl= 
reiche Angriffe auf Staraja Russa imd Jubowzy. 

18. Armee: Am Siidfliigel wurde durch eigenen Angriff aus Spaskaja Polist 
nach Siiden die Verbindung an der Rollbahn wiederhergestellt. Angriffe gegen 
die Front siidl. und nordl. Grusino wurden iiberall abgewiesen. Siidostw. St. 
Maluksa wurde ein Angriff abgewehrt. 

Auch im Bereich der 18. Armee war die fdl. Luftwaffe wahrend der letzten 
Nacht sehr rege. 

Im Bereich der H.Gr. herrscht Frostwetter bei Temp, von 20—30 Grad 
Kalte. 



Finnisdie Front (27. 1.) 

AOK Lappland: Die beiderseitige Spahtrupptatigkeit war in alien Absdmitten 
lebhaft. Versuche fdl. Stofitrupps, Sprengungen an der Bahn Salla— Alakurtti durch= 
zufiihren, wurden vereitelt. Es werden Kaltgrade bis zu minus 35 Grad gemeldet. 



263 



B. Kriegstagebuch 

Afrika (26. 1.) 

Armee=Befehl fur den Angriff am 28. 1. 42: 

1. Feind: Die am 25. 1. bei und sudlich Msus geschlagene englische 1. Pz.Div. ist 
mit ihren Resten anscheinend nach Norden bis zur Linie el Charruba— el Abiar aus= 
gewidien. In dieser Linie stehen Sicherungen der siidlich Barce liegenden 5. ind. Bri= 
gade (Starke 2 Btle., 1 Art.Rgt.). Die siidlich Bengasi befindliche 7. ind. Brigade 
(4 Btl.e, 1 PzAbt (Inf.=Tank), (2-3 Artl.Rgt.er), 2 AufkLAbt.en, 2 PzJager=Abt.en) 
hat in Linie Sceleidima— Soluch— Ghemines bewegliche Kampfgruppen vorgeschoben. 

Nach Luftaufklarung werden Verstarkungen der Cyrenaika zugefiihrt. Horchauf= 
klarung meldet am 25. 1. erstmalig Auftreten 1. lei. franz. Div. in Gegend westlich 
lich Derna. In Gegend Mechili nur schwache Feindgruppe festgestellt. Nach einem 
abgehorten Funkspruch ist ein feindlicher Vorstofi aus Gegend Bengasi in siidost= 
wartiger Richtung fiir den Fall weiteren deutschen Vorgehens Richtung Mechili beab= 
sichtigt. 

Andererseits ist innerhalb britischer Stabe auf Grund der letzten Niederlage er= 
hebliche Unstimmigkeit iiber Fortfiihrung der Operationen zu erkennen. Daher ist 
auch eine Raumung des Gebietes von Bengasi in den nachsten Tagen nicht ausge= 
schlossen. 

2. Panzerarmee Afrika greift am 28. 1. mit Tagesanbruch den im Raum und siid= 
lich Bengasi stehenden Feind iiberraschend an und vernichtet ihn. Es ist ferner beab= 
sichtigt, falls durch Handstreich moglich, Bengasi zu nehmen und die gesamten dort 
befindlichen Vorrate in den Raum von Agedabia zuriickzufiihren. 

Tagesmeldung 26. i. 42: 

1. Die am 25. 1. bei und siidlich von Msus geschlagene englische 1. Pz.Div. ist mit 
Resten anscheinend nach Norden iiber Linie el Charruba— el Abiar ausgewichen. Si= 
cherungen der siidlich Barce gelegenen 5. ind. Brigade wurden in diese Linie vor= 
geschoben. Nach Luftaufklarung werden der Cyrenaika Verstarkungen zugefiihrt. 

Horchaufklarung stellte am 25. 1. erstmalig Auftreten 1. lei. franz. Div. in Gegend 
westlich Derna fest. Im iibrigen Aufklarung durch Sandsturm stark behindert. 

2. Tag verlief ruhig. Nach bisherigen Zahlungen wurden in den Kampfen vom 
21. bis 25. 1. 42 erbeutet bzw. vernichtet: 

283 Pz.=Kampf= und Spahwagen sowie sonstige gepanzerte Fahrzeuge (darunter 
Modelle kanadischer Herkunft, Dezember 1941 gefertigt), 127 Geschiitze (einschl. 
Pak), 583 Kfz., 28 Flugzeuge, groliere Betriebsstoff= und Verpflegungsbestande so= 
wie Werkstatten, Ersatzteillager und sonstiges Kriegsmaterial. 

Die Masse der Kfz. wurde im Kampf oder vorher durch den Gegner zerstort. In 
den vorstehend genannten Zahlen sind die Vernichtungserfolge der Luftwaffe nicht 
enthalten. 

28. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Slid': 

II. Armee: Vor Sewastopol wurde der Angriff eines fdl. Btl.s gegen die Ru= 
manen im Abwehrfeuer zerschlagen. Die fdl. Feuertatigkeit und der Einsatz 



Notizen Haiders: 

„Keine wesentlidien Veriinderungen der Lage. v. Bock unterstellt das AOK 17, 

das abgekampft zu sein scheint, dem Pz.=AOK i und bildet unter dem Kom= 



m 



28. Januar 1942 

der Luftwaffe hatten gestern nachmittag zugenommen. Eigene Artillerie be= 
kampfte wirkungsvoll Feindbewegungen, Bereitstellungen und Schiffsverkehr 
im Hafen. 

Bei Sudak wurde nach Abwehr eines Angriffs in Gegend Taraktasch der 
Feind nach Siiden zuriickgeworfen, Sudak genommen, die Kiiste erreicht und 
der Feindwiderstand siidostw. der Stadt gebrochen. Nur einzelne Feindreste 
leisten noch erbitterten Widerstand. 

An der Ostfront wurden mehrere Feindangriffe, z. T. mit einzelnen Panzern, 
unter hohen Verlusten fiir den Gegner zuriickgeschlagen. Feindliche Artl.=Ta= 
tigkeit und Fliegereinsatz waren bei alien Angriffen stark. 

1. Pz.Armee: Im rechten und mittleren Armeeabschnitt wurden ortliche 
Feindangriffe blutig abgeschlagen und fdl. Bereitstellungen durch zusammen= 
gefalites Feuer zersprengt. Durch eigene Stofitruppunternehmen verlor der 
Gegner 125 Tote und zahlreiche Inf.=Waffen. 

Vor dem linken Armeefliigel wurden weiterhin Bewegungen fdl. Kolonnen 
beobachtet und wirksam bekampft. 

17. Armee: An der Ostfront keine wesentlichen Kampfhandlungen. In Ge= 
gend siidostw. . . .^ Aleksandrowka wurde zaher Feindwiderstand gebrochen 
und nach Abwehr von 3 fdl. Gegenstofien im Angriff Boden gewonnen. 4 Feind= 
panzer wurden abgeschossen, 2 Geschiitze erbeutet, 4 Pak vernichtet sowie 350 
tote Russen gezahlt. Wiederholte Feindangriffe in Gegend siidostw. St. Rapnaja 
wurden unter hohen Feindverlusten im Gegenstofi abgeschlagen. Die Nord= 
westfront der Armee wird mit zahlreichen Kraftegruppen siidostw. Barwen= 
kowa gehalten. 

6. Armee: Mehrere Feind vorstolie gegen den Siidfliigel der Armee im Ab= 
schnitt W. Bereka— Balakleja wurden abgewiesen. An der Ostfront nur Spah= 
trupptatigkeit. 

2. Armee: Siidostw. Schtschigry fiihrte der Gegner einen erfolglosen Angriff 
in Kp.=Starke. Die Gruppe Breith drang im Angriff nach Nordosten in 01cho= 
watka ein, wo noch um die Hauser gekampft wird. Fdl. Kavallerie wurde unter 
schweren Verlusten nach Norden und Osten geworfen. Eigene Panzer stiefien 
in der Verfolgung bis 6 km siidostw. Smejnez vor. Der Feind verlor iiber 
100 Gefangene, 1 Pz. T 34, 1 leichten Pz., zahlreiche Schlitten, Pferde und 
5 Pak; ein weiterer leichter Pz. wurde abgeschossen. Der in Gegend Stakanowo 



mandierenden General III. mot.A.K. eine Gruppe Mackensen am linken Fliigel 

der ij. Armee. 

Weiteres Vorgehen der 3. und 4. Stojiarmee in Gegend Welish. Bei Nord feind" 

liche Fortschritte am Wolchow, Angriffe an der Ladogafront abgewiesen. 

Auseinandersetzung iiber Halten oder Rdumen Sudiinitschi. Fiihrer will halten, 

bis Ergebnis des Angriff s Medyn klar ist. Gesprach mit Schmidt, OB 2. Pz.Armee. 

Tatsachlidi wollte man Sudiinitschi wieder preisgeben. Gegenbefehl ergangen, 

hoffentlich nicht zu spat!'' 

Auf Fotokopie nicht zu entziffern. 

265 



B. Kriegstagebuch 

stehende Feind konnte seine Angriffe nicht mehr fortsetzen. Am linken Fliigel 
beiderseitige Artl.= und Spahtrupptatigkeit. 

Wetter: Auf der Krim Tauwetter und Regen. Im iibrigen Bereich der Heeres= 
gruppe geringe Temp.=Steigerung. Schneestiirme und Verwehungen erschweren 
alle Bewegungen, 

H.Gr.Mitte: 

2. Pz.Armee: Fdl. Erkundungsvorstolie in Gegend Gorodischtscho sowie 
Angriffe auf dem Nordfliigel wurden abgeschlagen. In diesen Kampfen wur= 
den 2 Pak und 14 M.G. erbeutet. In der Westflanke verstarkt sich der Gegner 
und fiihrte 15 km westnordwestl. Bolchow einen erfolglosen Angriff; der 
eigene Angriff von K...mizko^ drang 3—4 km nach Westen vor. Auf linkem 
Fliigel wurde im Angriff nach Norden die Gegend 5 km nordl. Usty erreicht. 
Die Sauberung des Gelandes um Suchinitschi und der Abtransport unserer 
Verwundeten aus der Stadt schreitet fort. Feindangriffe gegen Chludnowa von 
Westen her scheiterten. 

4. Armee: Die Vernichtung des bis an und iiber die Rollbahn ostw. der 
Popolta vorgedrungenen Feindes durch neu herangefiihrte Telle ist im Gange. 
Auch nordwestl. Gorochowka wurde die Rollbahn angegriffen, im eigenen 
Angriff wurden das Waldgelande siidostw. des Ortes gesaubert und zwei Orte 
nordwestl. Gorochowka in schwerem Kampf genommen. An der Ost= und 
Nordfront der Armee beiderseitige Artl.=Tatigkeit und ortl. Spahtruppunter= 
nehmen. 

4. Pz.Armee: Am Siidfliigel rege fdl. Spahtrupptatigkeit. 

An der Ostfront keine besonderen Kampfhandlungen. An der Autobahn 
nach Wjasma schiebt sich der Gegner dicht an die eigene HKL heran. Im 
Hintergelande ist die Bekampfung fdl. Kav.=Teile an der Autobahn Wjasma— 
Smolensk sowie von fdl. Fallschirmjagern in Gegend westl. St. Isdeschkowo 
im Gange. 

5. Pz.Armee: Fdl. Ansammlungen wurden erfolgreich bekampft und russ. 
Angriffe gegen die Front ostw. Krutaja und siidwestl. Kutschina unter hohen 
Verlusten fiir den Gegner abgeschlagen. 

9. Armee: Am rechten Fliigel griff der Gegner wiederholt in Btl.=Starke an, 
wurde jedoch unter blutigen Verlusten nach voriibergehend ortlichen Ein= 
briichen zuriickgeschlagen. Auf der Nordfront wurden mehrere Angriffe gegen 
die gesamte Front mit Schwerpunkt gegen die Riegelstellung abgeschlagen. 
Eigene Artl. und die Luftwaffe bekampften erfolgreich Feindansammlungen 
siidl. Bochwatowo. Am linken Armeefliigel wurde ein russ. Angriff in Gegend 
Sukonsewo abgewehrt. Bei Besobrasewo drang der Gegner bis 6 km westl. 
des Ortes vor. Der im Raum siidwestl. Rshew abgeschnittene Feind wird 
wahrscheinlich aus der Luft versorgt. Der eigene Angriff, unterstiitzt durch 

3 Auf Fotokopie nicht zu entziffern. 
266 



28. Januar 1942 

Panzer und die Luftwaffe, gewann nach Siidwesten gut Boden. 5 Orte 
12—15 ki^ siidwestl. Sytschewka wurden genommen. 

Wetter: Scharfer Ostwind, Temp, zwischen 23 und 33 Grad. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Nach harten Kampfen ist die Vereinigung der Angriffsgruppe 
mit der Besatzung von Cholm erzwungen. Siidwestl. und nordwestl. Molwo= 
tizy wurden feindbesetzte Orte und Waldlager vernichtet. Fdl. Vorstofie gegen 
die Front siidl. Pelnowo und westl. Dubrowka sowie mehrere starke Angriffe 
gegen B. Sachod wurden abgeschlagen. Nordostw. davon halt eine eigene 
Kraftegruppe in zaher Abwehr. An der Staraja Russa=Front verstarkte fdl. 
Artl.=Tatigkeit. 

Angriffe in Gegend Jurjewo wurden abgewehrt. Nordl. des Ilmen=Sees 
griff der Feind siidwestl. Jasno mehrmals erfolglos an. 

18. Armee: Neue starke Feindangriffe bei Spaskaja Polist wurden abge= 
wehrt. Auch gegen die Riegelstellung nordwestl. Selischtschenskije griff der 
Feind erneut mit Panzern an. An der Nordostfront griff der Gegner 10 km 
siidostw. Maluksa mit starker Artl.=, Pz.= und Fliegerunterstiitzung an und 
wurde in harten Kampfen abgeschlagen. 

Vor Leningrad und Oranienbaum verlief der Tag ruhig. 

Wetter: 20—28 Grad Kalte. Teilweise bedeckt. 



Finnische Front (28. 1.) 

An alien Fronten beiderseitige Spahtrupp= und ortliche ArtI.=Tatigkeit. Ein Feind= 
angriff westl. Wonshesero=See wurde abgewehrt. 

In Siidfinnland bis — 35 Grad. In Nordfinnland 15—30 Grad Kalte. 



Afrika (27. 1.) 

1. Nach Hordiaufklarung befindet sidi die bisher in Gegend Derna und westlich 
liegende 11. ind. Brig, ab 26. 1. abends im Raum Maraua— d'Annunzio und sudlich. 
Sonst Feindgruppierung wie am Vortag. 

2. Aufier geringer beiderseitiger Spahtrupptatigkeit im Raum nordlich und nord= 
westlich Msus keine Feindberiihrung. Masse der Truppe versorgte sich und setzte 
auch am heutigen Tage Bergung der Beute fort. 

3. Absicht fiir 28. 1. 42: 

Verstarkte bewaffnete Aufklarung gegen Feind im Raum um und siidlich Bengasi. 

[Unterredung Reichsmarschall Gorings mit dem Duce in Rom.] 



267 



B. Kriegstagebuch 

29. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
[Fuhrer in Berlin.] 

Osten 

H.Gr.Sud': 

11. Armee: Im ganzen Armeebereich auf Grund der Schlechtwetterlage nur 
geringe Kampftatigkeit. Die im Raum Sudak versprengten Feindgruppen wur= 
den vernichtet. 

Armeegruppe v. Kleist: Aus der i. Pz. Armee wurde die Armeegruppe Kleist 
gebildet und die 17. Armee ihr unterstellt. 

An der Mius=Front fiihrte Feind einzelne Angriffe in Kp.= bis Btl.=Starke, 
die iiberall abgewiesen wurden. Auf dem Nordfliigel der Armeegruppe, bei 
17. Armee, lielB der Feinddruck infolge eigener Gegenstofie ostw. Rei Alek= 
sandrowka nach. Westl. Slawjansk wurde Tscherkaskaja durch eigenen Angriff 
vom Gegner gesaubert und dadurch die Annaherung des Feindes Richtung 
Slawjansk verhindert. 

An der Westfront der 17. Armee verstarkte sich der Feinddruck auf War= 
warowka und Gegend siidwestl. davon. 

6. Armee: An der Siidfront der Armee konnten mehrfache Angriffe auf 
W. Bereka abgewiesen werden. Vor dem Abschnitt Balakleja hat sich der 
Gegner durch Heranfiihren neuer Krafte verstarkt. Ein Feindvorstofi auf 
St. Schabelinka bUeb erfolglos. 

An der Ostfront der Armee nur Spahtrupptatigkeit. 

2. Armee: Im Siidabschnitt der Front Ruhe. Die Liicke westl. Dolgoje 
konnte, da starke Schneeverwehungen Bewegungen verhindern, noch nicht 
geschlossen werden. Im Abschnitt siidl. Droskowo ging eine Ortschaft gegen 
iiberlegenen Feinddruck verloren. Der Ort Guschinka (20 km ostw. Achtyrka) 
wurde von iiberlegenem Feind konzentrisch angegriffen und die haltende 
Kompanie eingeschlossen. 

Am Nordfliigel der Armee nur geringe eigene Stofitrupptatigkeit. 

Wetter: Auf der Krim Schneetreiben bei Temperaturen um o Grad, im 
iibrigen Bereich der H.Gr. Schneefall und Sturm. Starke Schneeverwehungen. 
Temp, bis — 12 Grad. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz. Armee: An der Ostfront der Armee aufier Abwehr eines Feindvorstofies 
in Gegend nordl. Mzensk keine besonderen Kampf handlungen. In der West= 
flanke der Armee konnte der eigene Angriff teilweise gut Boden gewinnen. 

1 Notizen Haiders: 

„In der Lage keine grundsatzlichen Veranderungen. Das Ringen an der gesamten 
Front geht weiter. Sehr viel Schnee! Auf der Krim Moglichkeit baldigen Feind= 
angrijfs." 

268 



29- Januar 1942 

Einige Ortschaften wurden genommen. Ebenso konnte der Angriff entlang der 
Stralie Chwestowitschi— Suchinitschi nach Norden Fortschritte erzielen. 

Der Verwundetentransport aus Suchinitschi verlauft weiterhin planmaliig. 
Ein Angriff des Feindes siidlich Suchinitschi wurde abgewiesen. 

4. Armee: Ostwarts Ljudkowo hat sich der Feinddruck verstarkt, die Roll= 
bahn ist in Gegend Glagolnja von starkerem Feind gesperrt. Gegenmafinahmen 
sind im Gange. Ein siidostw. der RoUbahn gegen die Siidflanke der Armee 
gerichteter Feindangriff blieb erfolglos. An der Ostfront der Armee sind 
starkere Feindansammlungen beobachtet worden. 

Angriffe des Feindes nordwestl. Juchnow sind z. Z. noch im Gange. Die 
Strafie Juchnow— Wjasma ist in Gegend 40 km nordwestl. Juchnow durch eine 
Feindgruppe gesperrt. 

4. Pz. Armee: Der eigene Angriff des Siidfliigels der Armee, um die Liicke zur 
4. Armee zu schUefien, konnte nach Siiden Boden gewinnen. Angriff spitze steht 
hart nordl. Weskresensk. 

An der Ostfront der Armee wurde bei Zujetki in die HKL eingedrungener 
Feind im Gegenstoi? geworfen und vernichtet. SiidHch der Autobahn gefiihrte 
Feindangriffe wurden abgeschlagen. 

Die Bereinigung der Lage an der Rollbahn westl. Wjasma wird durch 
Schneeverwehungen und ungangbares Gelande beiderseits der Autobahn sehr 
erschwert. 

5. Pz. Armee: Im Siid= und Nordabschnitt der Armee nur Artl.=Storungs= 
feuer. Im mittleren Abschnitt wurden mehrere Angriffe des Gegners abge= 
schlagen. Gegen in die HKL eingesickerten Feind sind Gegenmafinahmen im 
Gange. 

9. Armee: An Ost= und Nordfront der Armee blieben vereinzelte Feind= 
angriffe erfolglos. Nordwestl. Rshew waren die Angriffe des Gegners schwa= 
cher als am Vortage und konnten abgewiesen werden. Am linken Armee= 
fliigel konnte der eigene Angriff entlang der Bahn Olenino— Rshew und siid= 
lich davon nach Osten Boden gewinnen. Ebenso war der Angriff siidl. Rshew 
und westl. Sytschewka nach Westen gegen den abgeschnittenen Feind er= 
folgreich. 

Wetter: Starker Wind, teilweise Schneestiirme. Temperaturen um — 25Grad. 
Strafien teilweise stark verweht. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Die Nachschubstrafie Fedborosje— Cholm wurde freigekampft. 
Lage bei Cholm unverandert. Sonst im siidlichen Frontabschnitt beiderseitige 
Spah= und Stofitrupptatigkeit. 

Die Kampfe siidlich Staraja Russa entlang der Strafie nach Cholm dauern 
an. Die Strafie wurde freigekampft. 

Nordlich des Ilmen=Sees konnten die Feindangriffe gegen Ortschaften an 
der Rollbahn unter heftigen Kampfen zuriickgeschlagen werden. 

269 



B. Kriegstagebuch 

i5. Armee: Im Siidabschnitt der Front Fortdauer der Kampfe um die Ort= 
schaften an der Rollbahn. 

An der Nordostfront wiederholte der Gegner seine starken Angriffe in 
Gegend St. Maluksa. Die Angriffe wurden im allgemeinen abgewiesen. Be= 
reinigung einzelner ortlicher Durchbriiche ist noch im Gange. 

An der Leningrader Front beiderseitige Feuertatigkeit und erfolgreiche 
Durchfiihrung eigener Stofitruppunternehmen. 

Wetter: Vereinzelte Schneefalle, 20—30 Grad Kalte. 

Finnisdie Front (29. 1.) 

An alien Fronten beiderseitige Spahtnipp= und ortliche Artl.=Tatigkeit. 
Temperaturen um — 20 Grad. 



Afrika (28. 1.) 

1. Im Zuge der bewaffneten Aufklarung gegen den Raum um und sudlicK Bengasi 
trieb eine Kampfgruppe bei Sceleidima haltende Feindkrafte zuriick, eine andere 
Kampfgruppe, aus Msus in nordvvestlicher Richtung vorgehend, drang bis in die 
Gegend 15 km ostwarts Bengasi vor. Bei Soluch und Ghemines noch Feindkrafte 
festgestellt. Feindlicher Aufklarungsvorstofi aus nordostwartiger Richtung auf Rast= 
raum DAK nordostwarts Msus wurde abgewiesen. 

2. Absicht fiir 29. 1. 42: 

Fortsetzung der bewaffneten Aufklarung im Raum um Bengasi. 

[In der Nacht vom zS.hg. Januar britischer Luftangriff auf Munster.] 



[Fiihrer in Berlin^.] 



30. Januar 1942 

Lagebericht OKH 



Osten 

H.Gr. Sud^: 

II. Armee: Vor Sewastopol bekampfte eigene Artl. wirksam Feindansamm= 
lungen, Battr.=Stellungen und Unterkiinfte. Ein Angriff in Kp.=Starke gegen 

1 Rede Hitlers im Berliner Sportpalast zum 9. Jahrestag der „Machtergreifung". 

2 Notizen Haiders: 

„ln der Lage audi heute wieder keine grundsdtzliche Veranderung: Auf dem 
Schlachtfeld der nj. Armee fiihrt der Feind von NO her einige Krafte nach. 
Unsere Krafte schlieflen zum Gegenangriff auf. 
Bei H.Gr. Mitte Hauptspannungspunkte: 

1. Durch die Medyner Lucke auf Wjasma marschierende Krafte. 

2. Ortlicher Einbruch bei 2ig. Div. 

5. Starke Angriffe von Norden gegen Riegel von Rshew. 

4. Weiteres Vordringen der 4. Stojiarmee auf Welish. 

Bei H.Gr. Nord sehr gespannte Lage am Wolchow. Abwehrerfolg an der Ladoga= 

front." 

270 



30' Januar 1942 

die Nordostfront wurde abgeschlagen. Partisanenbekampfung bei Bachtschis= 
saraj. Sudak wurde von See her mit etwa ^0—60 Schuii mittleren Kalibers 
beschossen. An der Ostfront beiderseitiges Artl.=Storungsfeuer und Bekamp= 
fung von feindl. Bewegungen. Im mittleren Abschnitt blieben ein Feindvor= 
stofi in Kp.=Starke im eigenen Artl.=Feuer liegen. 

Armeegruppe von Kleist: An der Ostfront der 17. Armee beiderseitige Spah= 
trupp= und ArtL=Tatigkeit. Feindbewegungen im Raum von St. Feschtschewka 
und Einschiefien feindl. Artl. westl. Avannenskoje. 

An der Nordfront starkeres Artl.=Feuer im Abschnitt St. Jama und Abwehr 
mehrerer Feindvorstofie in Btl.=Starke siidostw. Rei Aleksandrowka. In Ge= 
gend 10 km westl. Slawjansk wurden feindl. Angriffe von Norden und Nord= 
westen unter schweren Verlusten fiir die Russen abgewiesen. 

Feindangriffe in Div.=Starke in Gegend Warwarowka und Debropolje wur= 
den z. T. im Gegenstofi abgewehrt. Ein schwacherer Angriff gegen die Front 
nordostw. Jujewka war erfolglos. 

6. Armee: Auf dem Siidfliigel wurden bei W. Bereka aus den Kampfen vom 
24.-29. 1. 8^0 gefallene Russen gezahlt. Die gestrigen starken Angriffe des 
Feindes dort scheiterten unter hohen Verlusten. 2 Panzer wurden vernichtet 
und B. Byschkin im harten Kampf genommen. Ostw. davon bis Balakleja 
fiihrte der Feind mehrere erfolglose Einzelangriffe und schob sich wieder star= 
ker an die eigene Kraftegruppe heran. An der Ostfront ruhiger Verlauf des 
Tages. 

2. Armee: Ein feindl. Angriff aus Richtung Tim entlang der Strafie nach 
Schtschigry wurde blutig abgeschlagen. An der Einbruchsstelle drang in Gegend 
Stakanowo der Stofi zweier Rgt.er bis an die Artl.=Stellungen vor, wurde jedoch 
im Gegenstofi mit Pz.=Unterstiitzung unter hohen Feindverlusten zurxickge= 
schlagen. Ein Stolitrupp stellte in Roshdestwenskoje die Verbindung zu den 
Sicherungen des Nachbarkorps her. An der Ostfront gelang es dem Gegner 
nach hartem Kampf, mit iiberlegenen Kraften und Unterstiitzung von Salven= 
geschiitzen einen Ort 9 km westl. Schabanowo zu nehmen. Starke Partisanen= 
banden vor allem in Gegend westl. Gluchow storen den Nachschubverkehr 
und haben die Eisenbahn Pirogefka— Gluchow unterbrochen. 

Wetter: Auf der Krim leichter Frost. Im iibrigen Bereich der H.Gruppe 
weiterhin Schneefall und Oststurm, bis 12 Grad Kalte. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz.Armee: An der Ostfront wurden ein Vorstofi am rechten Fliigel und 
2 Nachtangriffe gegen den Frontabschnitt nordostw. Fatnewa abgewiesen. 
Auch bei Betowo bUeben feindl. Angriffe erfolglos. Im eigenen Angriff nordl. 
Kusminke und Uskoje gelang es, nach wechselvollen Kampfen und Abwehr 
heftiger Gegenangriffe mehrere Ortschaften zu nehmen. Suchinitschi wurde 
nach Zerstorung der Bahn und aller sonst wichtigen Anlagen geraumt. Westl. 
der Stadt wurden Feindangriffe von Norden abgewehrt. 

271 



B. Kriegstagebuch 

4. Armee: Der Feinddruck gegen die Rollbahn ostw. der Popolta und 15 km 
siidwestl. Juchnow halt an. Der Verkehr ist jedoch nur zeitweise gestort. 
Feindl. Angriffe mit Panzem siidostw. Gorochowka wurden im allgemeinen 
bis aujF einen ortl. Einbruch abgewiesen. Nachtliche Vorstofie des Gegners 
waren erfolglos. Feindangriffe gegen die Ostfront wurden z. T. im Gegenstofi 
abgewehrt. Die Ausweichbewegungen verlaufen planmaJSig. An der Rollbahn 
drangt der Gegner stark nach. Der eigene Angriff nach Norden gewann gegen 
die stiitzpunktartig mit Schneebunkern ausgebauten Feindstellungen nur we= 
nig Boden. 

4. Pz. Armee: Auf dem SUdflugel dringt der Angriff nach Siiden unter 
schwierigsten Witterungs= und Wegeverhaltnissen nur langsam vor. Durch 
meterhohen Schnee mufi sich die Angriffsgruppe teilweise vorschaufeln. 

An der Ostfront wurden einzelne Vorstofie abgewiesen und Ansammlungen 
wirksam durch Artl. bekampft. 

In Gegend 25 km westl. Wjasma sind Kampfe mit feindl. Falls chirmtruppen 
und Partisanen im Gange. 

5. Panzer= Armee: Vor der gesamten Front Spahtrupp= und Artl.=Tatigkeit. 
Bereitstellungen wurden wirksam bekampft. Ein mit Panzern unterstUtzter 
Feindvorstofi ist abgewiesen. 

9. Armee: Auf rechtem Fliigel dauern die Kampfe gegen ortl. eingebrochenen 
Gegner an. Angriffe des Gegners gegen die Nordfront, z. T. von starker Artl. 
unterstiitzt, wurden erfolgreich abgewehrt. Der abgeschnittene Feind sudwest= 
lich Rshew wurde in hartnackigen Kampfen nach Westen geworfen und meh= 
rere Ortschaften besetzt. 

Die Kampfe bei Bjeloj und bei Welish sind noch nicht abgeschlossen. 

Wetter: Stellenweise starker Schneesturm mit erheblichen Schneeverwehun= 
gen, der den Versorgungsverkehr auch mit Schlitten hemmt. Mehrere Eisen= 
bahnziige sind steckengeblieben, Bewegungen mit Kfz., Pz.n und Artl. un= 
moglich. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Feindangriffe z. T. mit Pz.n gegen Cholm wurden blutig abge= 
schlagen. Westl. Molwotizy drangte der Gegner eigene Sicherungen zuriick, 
wahrend nordostw. des Ortes schwachere Angriffe abgeschlagen wurden. 

Fortgesetzte Angriffe in Gegend Jurjewo scheiterten unter hohen Feind= 
verlusten. Das feindl. Artl.=Feuer auf Staraja Russa halt an. Nordwestl. der 
Stadt wurde ein Angriff abgewehrt. Nordlich des Ilmen=Sees wurden mehrere 
Starke Angriffe bis zu Rgt.=Starke gegen Ortschaften an der Rollbahn abge= 
schlagen. Durchgestofiene Feindteile nahmen Finew Lug. 

i5. Armee: Starke anhaltende Angriffe mit Pz.=Unterstutzung gegen Spa= 
skaja Polist und gegen die Riegelstellung sowie Vorstofie bei Semmaja Kerest 
und bei Wdiske wurden abgewiesen. Emeute Angriffe an der Nordostfront 
siidostw. S. Maluksa und nordwestl. Leda waren erfolglos. 

272. 



31. Januar 1942 

An der Front von Leningrad und Oranienbaum Artl.= und Spahtrupptatig= 
keit. 

Wetter: 10—20 Grad Kalte, Schneefalle, beginnende Schneeverwehungen. 

Finnisdie Front (30. 1.) 

An alien Fronten beiderseitige Artl.= und Spahtrupptatigkeit. Ortlidie Vorstofie 
des Gegners wurden abgewiesen. 

Afrika (29. 1.) 

1. Durch den Vorsto6 der Kampfgruppe Marcks auf Bengasi und durch den des 
ital. mot.Korps iiber Sceleidima— Soluch auf Ghemines wurden starke Telle der 
4. ind. Div. geschlagen und versprengt.* Einzelnen Feindgruppen gelang es, nach 
Nordost und Osten zu entweichen. Nach Luft= und Horchaufklarung besteht der 
Eindruck, da6 die bisher im Raum ostwarts el Charruba angenommenen Reste der 
1. Pz.Div. sich auf Mechili zuriickgezogen haben. 11. ind. Brigade befindet sich noch 
in Gegend ostwarts Barce. 

2. Zur Einnahme von Bengasi (siehe Meldung an OKH Gen.St.d.H./OpAbt. vom 
29.1. 13.50 Uhr) werden folgende Einzelheiten gemeldet: Im Nachtmarsch unter 
schwierigsten Gelande= und Wetterverhaltnissen aus dem Raum um Msus vor= 
gefiihrte deutsch=italienisdie Kampfgruppe unter personlidier Fiihrung des Ober= 
befehlshabers stieS bis 28. 1. abends iiber Regima— Benina bis zum Nordrand von 
Bengasi vor. Gleichzeitig wurde Via Balbia nordostwarts Bengasi bei Coefia ge= 
sperrt. Feindliche Ausbruchsversuche aus Bengasi nach Osten in Nacht 28./29. 1. 
abgewiesen. Am 29. morgens Bengasi genommen. Bisher iiber 1000 Gefangene. Die 
riesige, im einzelnen noch nicht zu iibersehende Beute besteht in erster Linie aus 
etwa 500 Kfz., einer grofieren Anzahl von Geschiitzen auf Sfl., sehr gro6en Aus= 
riistungs= und Munitionsbestanden sowie erheblichen Verpflegungsvorraten. Die 
einriickenden Truppen wurden von der italienischen und arabischen Bevolkerung 
begeistert begrufit. Mot.Korps, vor dem der Gegner in der letzten Nacht nach Nord= 
osten auswich, erreichte gegen Abend mit Pz.Div. „Ariete" Bengasi, wahrend 
„Trieste" in Gegend Ghemines und ostwarts sichert. DAK verblieb bis auf zur 
Sperrung der Hohenstufe in dem Raum nordlich Sceleidima entsandte Telle mit 
Masse zur Sicherung und weiteren Sichtung der bisherigen Beute im Raum um 
Msus. „Sabrata" und 90. lei.Div. besetzten Stellungen beiderseits Antelat bzw. west= 
lich Antelat, wahrend X. und XXI. A.K., dem Wunsch des Duce entsprechend, in der 
Marada=Marsa=el=Brega=Stellung verblieben sind. 

3. Eigene Verluste vom 27.-29. 1. ganz gering. 



31. Januar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr.Sud': 

11. Armee: Vor Sewastopol und an der Ostfront geringe fdl. Artl.=Tatigkeit 
und Abwehr schwacher Feindvorstoi^e. 

1 Notizen Haiders: 

„Wegen durchioegs sdineereichem Wetter keine wesentliche Veriinderung der 
Lage. Versammlung zum Gegenangriff bei Siid sdireitet fort. 

^7'5 



B. Kriegstagebuch 

Armeegruppe von Kleist: An der Mius=Front Abwehr einiger gewaltsamer 
Erkundungen des Gegners. 

Am linken Fliigel der Mius=Front, insbesondere bei ital. Exped.=Korps, 
starkere fdl. Angriffe, die in erbitterten Kampfen verlustreich ftir den Gegner 
abgewiesen wurden. 

An der Ostfront der 17. Armee nur Stofi= und Spahtrupp=Tatigkeit und 
normales Artl.=Feuer. An der Einbruchsstelle des Gegners bei Rai Aleksan= 
drowka und an der Westflanke der Armee hielten schwere Feindangriffe den 
ganzen Tag iiber an. Alle Angriffe, deren Hauptziel die Orte Tscherkaskaja 
und Warwarewka waren, konnten unter hohen blutigen Verlusten fiir den 
Feind abgewiesen werden. Erneut im Nachtangriff in Tscherkaskaja einge= 
drungener Feind wurde im Gegenstofi geworfen. Die Besatzung von Warwa= 
rewka wurde gegen sich standig verstarkenden Feind wegen Munitions= 
mangels wahrend der Nacht aus der Ortschaft herausgedriickt. 

6. Armee: Am Siidfliigel der Armee wurde in eigenem Angriif Jefremowka 
genommen, der westl. W. Bereka auftretende Feind wurde durch eigene Stofi= 
truppunternehmungen vertrieben. Starke Angriffe des Feindes zwischen W. 
Bereka und Balakleja, die mit neu herangefUhrten Kraften, teils mit Panzern, 
gefiihrt wurden, konnten in harten Kampfen abgewiesen werden. 

An der Ostfront der Armee nur ortliche Stofitruppunternehmungen. 

2. Armee: Siidabschnitt der Armee Ruhe. An der Einbruchsstelle westl. Dol= 
goje trat eigene Angriffsgruppe mit dem Ziel der Wiedergewinnung der alten 
HKL am Tim=Flufi zum Angriff an. In kiihnem Angriff wurden Stakanowo und 
ein Ort siidwestl. davon genommen. Verbindung mit den nordl. der Einbruchs= 
stelle haltenden Teilen wurde aufgenommen. 

Am Nordfliigel der Armee aufier einigen erfolgreichen eigenen Sto6trupp= 
unternehmungen keine besonderen Ereignisse. 

Wetter: Auf der Krim Schneefall und Frost. Im iibrigen Bereich der H.Gr. 
Temperaturen bis — 14 Grad. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz.Armee: An der Ostfront der Armee aufier Feindangriffen nordl 
Mzensk, die abgewiesen wurden, nur beiderseitige Spahtrupptatigkeit und 
Storungsfeuer. An der Westflanke der Armee konnte nach 4stiindigem schwe= 

Bei Mitte ist Lage 4. Armee nach loie vor gespannt. An derRollbahnvonJuchnow 

weitere ernste Kdmpfe. 

Durch die LUcke zwischen 4. und 4. Pz.Armee werden weitere feindliche Kr'dfte 

nach Westen vorgefuhrt. Das Schliejien der Lucke ist auf 5. 2. verschoben. Dabei 

sollen von Norden weitere Krafte, darunter 10. Pz.Div., eingesetzt werden. 

Feindliche Luftlandungen gehen weiter. Strajle und Bahn Smolensk— Wjasma 

immer nodi nicht frei. Zustand der Truppe 4. Armee ernst! Versorgungsschwie= 

rigkeiten. 

Feindliche 4. Stojiarmee schreitet nur langsam vorwdrts. 

Bei Nord Lage am Wolchow weiter gespannt. Gegenangriff wird morgen fort= 

gesetzt." 

^74 



31. Januar 1942 

ren Ortskampf eine Ortschaft 20 km westl. Bolchow von eigenen Truppen ge= 
nommen werden. Die auf der Strafie Chwastowitschi— Suchinitschi angreifende 
eigene Kampfgruppe erreichte mit Angriffsspitze Gegend 10 km nordwestl. 
Moilowa. Die siidwestl. Suchinitschi stehenden Krafte wiesen starke Feind= 
angriffe mit Pz.=Unterstiitzung ab. 4 Feind=Panzer wurden abgeschossen. 

4. Armee: In der tiefen Siidflanke der Armee halt der Druck des Feindes 
auf die Rollbahn an. Siidwestl. Glagolnja wurden eigene Sicherungen von 
Feindteilen durchbrochen. Durch Vorstofi des Feindes westlich Gorochowka 
wurde die Rollbahn vorubergehend gesperrt. 

An der Ostfront der Armee folgte Feind den Nachtruppen auf ganzer Front. 
An der HKL Lage ruhig. 

Am Nordfliigel der Armee wurden mehrere aufeinanderfolgende Angriffe 
des Feindes abgewiesen. Eine Ortschaft ging vor stark iiberlegenem Feinde 
verloren. 

4. Pz. Armee: Am Sudfliigel konnte der Angriff zur Schliefiung der Liicke 
gegen die 4. Armee nur wenig Boden gewinnen. Feind hat sich in der Liicke 
weiterhin verstarkt. An der Ostfront der Armee wurde ein Feind=Angriff in 
Gegend der Autobahn zerschlagen. Bei geringen eigenen Verlusten blieben iiber 
100 tote Russen auf dem Kampffeld liegen, der Rest ging fluchtartig zuriick. 

9. Armee: Im Siidabschnitt der Ostfront Abwehr einiger schwacherer Feind= 
angriffe. Es gelang, die westl. Pogoreloje bestehende ortliche Einbruchsstelle 
zu verengen. In der Nordflanke der Armee, nordwestl. Rshew, setzte der Geg= 
ner seine starken Angriffe fort. Nach Niederwalzen von 3 eigenen M.G.=Stel= 
lungen gelang ihm ein ortlicher Einbruch, dessen Abriegelung im Gange ist. 
Von 24 angreifenden Pz.n wurden 11 vemichtet. Siidlich Rshew ist der Angriff 
gegen den abgeschnittenen Gegner noch im Gange. Trotz heftigen Feindwider= 
standes konnten einige Ortschaften genommen werden. Starker Schneesturm 
und verwehte Strafien machen Angriffsbewegungen beinahe unmoglich. 

In der tiefen offenen Nordflanke wurden Welish und die von Welikije Luki 
nach Osten vorgehende eigene Kampfgruppe von schwacheren Feindkraften 
angegriffen. Zum Schutze dieses Fliigels der H.Gr. wird die 3. Pz. Armee zwi= 
schen 9. Armee und H.Gr. Nord eingesetzt. Befehlsiibernahme 1. 2., 12.00 Uhr. 

Wetter: Schneefalle, Temperaturen um — 15 Grad. Starke Schneever= 
wehungen. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: An der Front siidl. des Ilmen=Sees herrschte am siidlichen Siche= 
rungsabschnitt um Molwotizy starke fdl. Spahtrupptatigkeit. Schwachere An= 
griffe an der Siidostfront wurden abgewehrt. Am Lowat gelang es dem Feind, 
siidl. der Bahnlinie einige Ortschaften zu nehmen. An der Einbruchsstelle 
nordl. des Ilmen=Sees setzte der Feind seine Angriffe gegen Ortschaften an der 
Rollbahn fort. Der iiber die Rollbahn durchgebrochene Feind driickt weiter 
nach Westen vor. 



275 



B. Kriegstagebuch 

18. Armee: Der in der tiefen Siidflanke aus der Einbruchsstelle der 16. Ar= 
mee nach Nordwesten vorgehende Gegner wurde abgewehrt. Eigener Angriff 
entlang der Rollbahn nach Siiden konnte, von der Luftwaffe wirksam unter= 
stiitzt, ortlich Boden gewinnen. 

Im Nordostabschnitt fiihrte der Gegner wiederum in Gegend Maluksa und 
Lodwa starkere Angriffe, die im wesentlichen abgewehrt werden konnten. 

An der Leningrader und Oranienbaumer Front nur geringe beiderseitige 
Stofitrupptatigkeit. 



Finnisdie Front (31. 1.) 

An alien Fronten aufier iiblichem Storungsfeuer und ArtI.=Tatigkeit keine be= 
sonderen Ereignisse. 



Afrika (30. 1.) 

1. Feind setzte sidi ansdieinend welter nach Osten ab. 

2. Tag verlief ruhig. In ostwartiger Richtung angesetzte Aufklarungskrafte be= 
setzten el Abiar. 'i^u-x / 

3. Absidit fiir 31. 1. 42: '^v,.',; , 
Gewaltsame Aufklarung Riditung Maraua. . 



1. Februar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Sud^: -w n.\H rr>bf«ii^i<j.ac ^£ noV 

11. Armee: An der Sewastopol=Front rege fdl. Artl.=Tatigkeit, aiich mit 
schweren Kalibern. Nachtliche Spahtrupps wurden abgewiesen. Eigene Artl. 
bekampfte Schanzarbeiten, Unterkiinfte und Hafenanlagen von Sewastopol 
und Balaklawa. 

An der Osttront wurden schwache Feindvorstofie abgewehrt. Beiderseitige 
Artl.= und Spahtrupptatigkeit. i -^^^.-aib ssiirrbrj muX .nstiiigggn;. 

Armeegruppe von Kleist: An der Mius=Front ortliche Kampfhandlungen 
imd beiderseitige Artl.=Tatigkeit, besonders bei Taganrog. Gegen die Italiener 
griff der Feind nach den fiir ihn sehr verlustreichen Kampfen gestem nicht an. 
Nordwestlich Armanskoje griff der Gegner mit Pz.Unterstiitzung an und 
wurde im wesentlichen abgeschlagen. Die Kampfe mit ortlich durchgebroche= 
nem Gegner sind noch im Gange. Ein Teil des Gegners wurde vernichtet. 

Auch erneute, bei Rai Aleksandrowka und nordl. S. Rzysnaja gefiihrte 
schwere Feindangriffe scheiterten unter hohen blutigen Verlusten fiir den 

X Notizen Haiders: 

„In der Lage sind keine wesentlichen Veranderungen eingetreten. Eisenbahnlage 
leicht gebessert. Der OB Nord legt eine ernst gehaltene Beurteilung der Lage 



270 



1. Februar 1942 

Gegner. 10 km westl. Slawjansk sind die heftigen Kampfe noch im Gange. 
Allein in einer Hausergruppe wurden 300 tote Russen gezahlt. Trotz schlech* 
tester Wetterverhaltnisse ist die eigene Stofigruppe in Richtung Aleksan= 
drowka unter dem Einsatz von Arbeitsgruppen von 10000 Zivilisten ange= 
treten. Unter grofien korperlichen Anstrengungen wurden die ersten fdl. Po= 
stierungen in die Flucht geschlagen und Kriworoshje und mit der Westgruppe 
Petropawlowka genommen. Am linken Fliigel vorgedrungene Feindteile wur= 
den im Gegenstofi zuriickgeworfen. 

6. Armee: Auf dem Siidfliigel stellte die von Krasnograd vorgehende 
deutsch=rumanische Gruppe in Gegend nordwestl. Jefromowka die Verbindimg 
zum rechten Armeefliigel her. In Gegend W. Bereka steht noch starker Feind. 
12 km siidostw. B. Byschkin angreifender Feind wurde im Gegenstofi ge= 
worfen. 

An der Ostfront keine fdl. Angriffstatigkeit. 

2. Armee: Infolge der anhaltenden starken Schneestiirme konnte der be= 
absichtigte Angriif der Gruppe Breith nicht weitergefiihrt werden. 

Aufier ortlichen Erkundungsvorstolien verhielt sich der Feind an der gesam= 
ten Front ruhig. 

Wetter: Auf der Krim Tauwetter und Nebel. Im iibrigen Bereich anhalten= 
des Schneetreiben bei heftigen Oststiirmen mit 12 Grad Kalte. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz. Armee: Aufier erfolglosen Nachtangriffen in Gegend Mzensk an der 
Ostfront keine besonderen Kampfhandlungen. Angriffe gegen die Nordwest= 
front scheiterten unter hohen personellen und materiellen Verlusten fUr den 
Gegner. Trotz auJSerst schwieriger Wegeverhaltnisse infolge der Schneeverwe= 
hungen gewann der eigene Angriff bei Uskoje 4—6 km Boden nach Norden. 
An der Front siidwestl. Suchinitschi wurden mehrere Feindangriffe, z. T. im 
Gegenstofi nach harten Kampfen, abgewiesen. 

4. Armee: Die Kampfe siidl. der RoUbahn bei Gorochowka dauern an. Zwei 
russ. Panzer wurden abgeschossen. Angriffe des Gegners entlang der RoUbahn 
von Medyn wurden im wesentlichen abgewiesen. An einer ortlichen Einbruchs= 
stelle wird noch gekampft. An der Nordfront gewinnt der eigene Angriff in 
schwerem Kampf gegen iiberlegenen Feind mit Panzern nur langsam Boden. 

4. Pz. Armee: Vorstofie der Div.en am Siidfliigel stiefien auf starken Feind= 
widerstand. An der Ostfront im allgemeinen nur Artl.= und Spahtrupptatig= 
keit. Mehrere russ. Angriffe mit starker Artl.=Unterstiitzung und mit Luftw.= 
Einsatz gegen die Front ostw. Schochowa wurden abgewehrt. Die Sauberung 
des Gelandes nordwestl. Oreschki wurde fortgefiihrt. Der Feind setzt weiter 
Fallschirmtruppen ab. 

9. Armee: An der Ostfront dauern die Kampfe in Gegend Pogoreloje Goro= 
dischtsche an. An der Nordfront wurden gestern im Verlauf der Abwehr 
mehrerer Feindangriffe in Gegend siidl. Rachmutowo 7 Feindpanzer abge= 

277 



B. Kriegstagebuch 

schossen. Audi am linken Armeefliigel blieben Angriffe des Gegners erfolglos. 
Der eigene Angriff an der Westfront siidl. Rshew wurde bei schwierigsten 
Wegeverhaltnissen gegen zah Widerstand leistenden Feind fortgesetzt. Nikitje 
wurde genommen und nach Westen an der Angriffsfront bis zu 6 km Boden 
gewonnen. 

Bjeloj und Welish hielten gegen heftige Feindangriffe, der Gegner hatte 
hohe blutige Verluste. Auch bei und ostw. VVelikije Luki scheiterten mehrere 
heftige Angriffe der Russen. 

Wetter: Schneestiirme, 15 Grad Kalte, zunehmende Schneehohe und starke 
Verwehungen erschweren alle Bewegungen, auch mit Schlitten. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Die Kampfe bei Cholm und hart siidwestl. davon dauern an. 
Alle Angriffe auf die Stadt wurden abgeschlagen. An der Front siidl. des 
Ilmen=Sees griff der Feind nur ostw. Jurjewo mehrmals erfolglos an. Im Hin= 
tergelande wird in Gegend Ramuschewo gekampft. Bei Staraja Russa Artl.= 
Storungsfeuer. 

Nordl. des Ilmen=Sees wurden alle Angriffe siidl. Mjasnoje Bor abgewiesen. 

Nach Westen vorgedrungene Feindteile driicken gegen Gusi. 

i5. Armee: Feindangriffe auf Tscherwinskaja Luka, Kriwilo und siidl. Sen= 
naja Kenest wurden abgewehrt. Der Angriff zur Schliefiung der Liicke zur 
16. Armee gewann gegen zah kampfenden, stark iiberlegenen Feind nur lang= 
sam Boden. Drei eigene Panzer brachen zur eigenen Kraftegruppe 5 km siidl. 
Spaskaja Polist durch. An der Nordfront ist nach harten Kampfen die Ein= 
bruchsstelle 10 km sUdostw. St. Maluksa geschlossen. An der Leningrader 
Front wurde die Beschiefiung von kriegswichtigen Zielen der Stadt fortgesetzt. 
Beiderseitige Stofitrupptatigkeit. 



Finnisdie Front (1. 2.) 

An alien Fronten beiderseitige Spahtrupptatigkeit und Artl.=Tatigkeit. Keine 
besonderen Kampfhandlungen. 



Afrika (31. 1.) 

1. Feind raumt ansdieinend unter dem Schutze starker Nachhutstellungen plan= 
mafiig Cyrenaika. 

2. Die Armee fiihlte am 31. 1. mit kleineren Kampfgruppen von Siidwesten und 
Westen auf Maraua vor. Wahrend es von Siidwesten vorgehenden deutscKen Trup= 
pen gelang, feindlichen Widerstand bei el Charruba (etwa 110 km ostwarts Bengasi) 
verhaltnismafiig rasch zu brechen, behauptete sich bei Maraua stehender Feind 
gegeniiber anderen deutschen Kraften in hartnackigem Widerstand bis zum Abend. 
— In den Kampfen des 31. 1. wurden 11 Panzer, eine Sfl. und eine Anzahl Kfz. 
erbeutet bzw. verniditet. Uber 100 Gefangene wurden eingebracht. 

3. Absidit fiir 1. 2. 42: 

Fortsetzung der bewaffneten Aufklarung zunadist im Raum von Maraua. 

278 



2. Februar 1942 

4. In der Zeit vom 21. bis 31. 1, wurden rund 3 000 Gefangene eingebracht. 

5. Armee=Gefechtsstand: Bengasi. 

[In der Nacht vom 31. Januar/i. Februar britische Luftangriffe auf die Hafen- 

anlagen von Le Havre, Brest und St. Nazaire. 

Einsetzung einer norwegischen Regierung unter Vidkun Quisling in Oslo.] 



2. Februar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr.Siid': 

11. Armee: An der Sewastopol=Front bekampfte eigene Artl. wirkungsvoU 
Feindbewegungen, Feldstellungen und Unterkiinfte. An der Ostfront Artl.= 
Tatigkeit. 3 fdl. Angriffe wurden abgewiesen. 

Armee gruppe von Kleist: Am rechten Fliigel der Mius=Front wurden Feind= 
angriffe durch Gegenstofi abgeschlagen. Siidl. Popasnaja wurde bis in die 
Nacht hinein gekampft. Im Gegenstoli wurde Feind, der bis siidl. Popasnaja 
vorgedrungen war, zuruckgeworfen. Weitere fdl. Vorstofie bei Rai Aleksan= 
drowka scheiterten. Die Kampfe 10 km westl. Slawjansk sind noch im Gange. 
Gegner, der westl. Tscherkaskaja nach Siiden vorgedrungen war, wurde durch 
eigenen Angriff zuruckgeworfen. Ohne Riicksicht auf die aufierordentlichen 
Wetter= und Gelandeschwierigkeiten setzte die eigene Stoligruppe den An= 
griff von Kriworoshje nach Norden fort. Starker Feind wurde zerschlagen und 
z. T. nach Norden zuruckgeworfen. -uxta^^// !Ji»b rrKie.l 

6. Armee: Bei Werch. Bereka und bei Werch. Byschkin dauern die Kampfe 
an. Starkere Angriffe des Gegners bei Werch. Byschkin wurden abgewiesen. 
Am Siidfliigel der Ostfront heftige Kampfe. Nordostw. Bjelgorod 2 erfolglose 
Feindangriffe. Sonst Artl.= und Spahtrupptatigkeit. 

2. Armee: Lage vor gesamter Armeefront infolge voUig zugewehter Stralien 
und Wege unverandert. 

Wetter: Auf der Krim Nebel und Regen. Im iibrigen Bereich der Heeres= 
gruppe Temp, bis —12 Grad. Meterhohe Schneeverwehungen. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz. Armee: An der Ostfront ruhiger Verlauf des Tages. An der Nordwest= 
front wurden mehrere Feindvorstofie abgewiesen. Der eigene Angriff gewann 
weiterhin Boden nordl. Uskoje. Dabei wurde ein russ. Kav. Rgt. zersprengt. 

1 Notizen Haiders: 

„Der Einsatz der H.Gr. Slid beginnt wirksam zu werden, wenn audi infolge des 
Schneewetters zunachst nur langsam. 

Bei Mitte bekommen die MajJnahmen zum Ansatz des Angriffs gegen die Me= 
dyner Liicke allmahlich Form. Morgen soil der Angriff gefuhrt werden. Die hinter 

279 



B. Kriegstagebuch 

An der Front siidwestl. Suchinitschi wurden Feindangriffe und Vorstofie ab= 
gewiesen. 

4. Armee: An der Rollbahn siidwestl. Glagolnja wurde Feind durch Artl.= 
Feuer bekampft und nach Siiden abgedrangt. Nordwestl. Gorochowka ist die 
Rollbahn noch zeitweise durch fdl. Inf.=Feuer gesperrt. Ein voriibergehender 
Einbruch ist bereinigt. Russ. Angriffe nordl. Rubichino wurden abgewiesen, 
ein Ort in Besitz genommen. Ein erneuter Feindangriff ist im Gange. 

4. Pz. Armee: An der Ostfront wurde westl. Jurmanowa ein Feind=Vorsto6 
zuriickgeschlagen. Ein weiterer Feindangriff an der Front ostw. Chachowa 
wurde abgewehrt, fdl. Ansammlungen durch Artl. zerschlagen. Nachtliche fdl. 
Angriffe an der gleichen Frontstelle blieben erfolglos. Am linken Fliigel der 
Ostfront geringes Artl.= und Granatwerfer=Storungsfeuer. Eigene Sto6trupp= 
unternehmen brachten eine Anzahl Gefangene ein. In Gegend 9 km siidostw. 
Wjasma wurde ein fdl. Angriff in Kp.=Starke abgewiesen. i 

9. Armee: In Gegend Pogoreloje Gorodischtsche erneute Angriffe des Geg= 
ners, die im wesentlichen abgewiesen wurden. Vernichtung von durchgebro= 
chenen Feindteilen ist eingeleitet. In Gegend siidl. Rachmutowo wurden schwa= 
chere Angriffe des Gegners zuriickgeschlagen. 

Weitere russ. Angriffe gegen die Mitte und den linken Fliigel der Nordfront 
blieben ohne Erfolg. 15 km nordwestl. und 18 km nordnordwestl. Sytschewka 
wurden im Angriff nach Westen weitere Orte genommen. Um Bjeloj nur 
geringe Feindtatigkeit. Fdl. Angriffe auf Welish und Gegend von Welikije 
Luki von Nordwesten wurden abgewiesen. 

Wetter: Starker Wind, Schneeverwehungen, bis 15 Grad Kalte. Anhaltende 
Schneeverwehungen haben den Wegezustand weiterhin verschlechtert. .v 

H.Gr.Nord: /7 ;•: ' 

16. Armee: Eingebrochener Feind im Ostteil wurde zuruckgeworfen, die 
HKL wiederhergestellt. Westl. Molwotizy starkere fdl. Stoiitrupptatigkeit. Die 
Angriffe an der Front nordl. des Ilmen=Sees in Gegend Mjasnoj Bor dauern an. 

18. Armee: Weiterhin Feinddruck nordl. Spaskaja Polist; Angriffe wurden 
abgewiesen. Bei Tscherwinskaja Luka wurden wiederholte Feindangriffe ab= 
gewehrt, ebenso Angriffe gegen Grusino und siidl. Lesno abgeschlagen. Meh= 
rere Angriffe an der Front siidostw. St. Maluksa blieben fiir den Feind er= 
folglos. Siidl. Leningrad wurde ein schwacherer Angriff des Gegners abgewie= 



der Front durchgesickerten Telle des Feindes werden nun von 5. Pz.Div. ange= 
griffen. Die sich durch diese Kampfe hinter der Front ergebenden Bilder sind 
grotesk und zeigen, dajl dieser Krieg zu entarten heginnt in eine Priigelei, die 
sich von alien bisherigen Formen des Krieges loslost. Dazu gehort auch das 
sinnlose Entsenden von einer Mehrzahl von Div.en in die tiefe Flanke der 
Heeresgruppe Mitte aus Richtung Ostaschkow. Sie ist operativ sinnlos und wird 
nur dazu fUhren, daji ein Teil unserer Krafte voriibergehend gebunden wird, 
wird aber keine Entscheidung bringen." 



260 



2. Februar 1942 

sen. Schwere Artl. bekampfte Industriewerke in Leningrad. An der iibrigen 
Nordfront allgemein ruhiger Verlauf des Tages. 
Wetter: Schneefall. Bis 15 Grad Kalte. 

[Der Chef OKW genehmigt die vom Chef der D.H.M. in Rumanien vor= 
gelegte Dienstanweisung fUr den Chef des Verhindungsstahes der Deutschen 
Wehrmacht in Transnistrien.] 

Finnisdie Front (2. 2.) 

Beiderseitige Spahtrupp= und Artl.=Tatigkeit. Feindangriff iiber den Wodla=See 
wurde abgewiesen. Sonst keine besonderen Ereignisse. 

Afrika (1. 2.) 

1. Feind setzte am 1. 2. Raumung der Cyrenaika fort. Er versudite, unser Vor= 
gehen durch zahlreiche Strafiensprengungen und Verminungen aufzuhalten. 

2. Nach Uberwindung hartnackigen Widerstandes bei Maraua stiefien die deut= 
sdien Kampfgruppen weiter nach Osten vor und gewannen bis zum Abend Gegend 
siidwestlich Cirene. 

3. Absidit fiir 2. 2. 42: , j , 
Fortsetzung der bewaffneten Aufklarung in Riditung Berta. 

Von: Dtsch. Gen. b. H.Qu. d. Ital. Wehrm. 1. 2. 42 

An: Panzerarmee Afrika la 22.00 Uhr 

Generaloberst Cavallero hat am 1. 2. folgendes Telegramm an General Bastico 
gesandt: 

Nadistehend iibermittle idi die Weisungen des Duce fiir die Fortfiihrung der 
Operationen : 

Grundlage aller operativen Plane fiir die Kampffiihrung bleibt die Aufgabe, 
jederzeit mit den deutsdi=italienischen Truppen in Libyen die Verteidigung von 
Tripolitanien sidierzustellen. Von diesem Gesiditspunkt aus hat der Einsatz der 
Verbande zu erfolgen. Im einzelnen: 

1. Die Verteidigung im Raume Agedabia— el Agheila— Marada mit Inf .Div.en wird 
beibehalten. Ebenso wird an der bisherigen Verteidigungsfront Marada— el Agheila 
festgehalten. 

2. Eine Vorverlegung von einigen grofieren Inf.Verbanden aus dem Raum um 
el Agheila bis in die Gegend von Agedabia und Antelat (aufier der sdion vor= 
gezogenen Div. „Sabrata") wird gestattet, wobei jedodi trotzdem die Auffrisdiung 
dieser Einheiten gewahrleistet sein muli. Vorhandensein ausreidiender Transports 
mittel ist Voraussetzung. Eine Div. kann diese Bewegung sofort durchfiihren. Die 
in Ziff. 1 genannte Verteidigungslinie mu6 jedoch besetzt bleiben von mindestens 
zwei Divisionen (nidit eingerechnet die Besetzung von Marada und gegebenenfalls 
Gialo). Die in der Verteidigungsstellung bei el Agheila verbleibenden Divisionen 
miissen dort aufgefiillt werden. 

3. Nadi diesen Bewegungen ist unter dem Schutz der vorverlegten Inf.Divisionen 
eine vorgeschobene Versorgungsbasis einzurichten fiir die Versorgung in der west= 
lichen Cyrenaika bis zum Zeitpunkt, zu dem der Hafen von Bengasi ausgenutzt wer= 
den kann. 

4. Die Inbesitznahme der westlichen Cyrenaika hat den Zweck, Bengasi zu schiit= 
zen, und bleibt Aufgabe von standig oder fiir diesen Zweck mot. Verbanden, um 
keinesfalls an ein bestimmtes Gelande gebunden zu sein. 

281 



B. Kriegstagebuch 

5. Die zur Sicherung von Bengasi eingesetzten Truppen werden unterstiitzt durch 
die Panzereinheiten, deren Bewegungsfreiheit verbleibt unter Beachtung der in 
Ziffer 1—4 erlassenen Weisungen. 

6. Zur Ausniitzung der durch die augenblickliche Lage gegebenen Moglichkeiten 
konnen die Panzereinheiten weitgehend Operationsfreiheit erhalten, um in der mitt= 
leren Cyrenaika noch dem Feind Verluste zuzufiigen und Material zu erbeuten. 
Nach Ausfiihrung dieser Operation sind die dabei beteiligten Krafte gemafi den 
oben angefiihrten Weisungen wieder zu versammeln. 

7. Es wird eingehend darauf hingewiesen, dafi die Versorgung iiber See aulierst 
schwierig ist und bleiben wird, besonders auf Grund der fast volligen Erschopfung 
der Heizolvorrate. 

8. Enge Zusammenarbeit mit der Luftwaffe fiir jede mogliche Entwicklung der 
Lage ist vorzusehen. 

9. Generaloberst Rommel wird gebeten, dem italienischen Oberkommando Nord= 

afrika seine Absichten auf Grund dieser Weisungen zu melden, besonders hinsicht= 

lich des Einsatzes der Verbande gemafi Ziffer 6. „ 

gez. Cavallero 

3. Februar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr.Sud': 

11. Armee: An der Sewastopol=Front hat sich die feindl. Feuertatigkeit ver= 
starkt. Bin Nachtangriff zweier Feindbtl.e wurde im eigenen Artl.=Feuer abge= 
wehrt und eine Bereitstellung vor den Rumanen zerschlagen. 

An der Ostfront wurden feindl. Stofitruppunternehmungen abgewehrt. Vor 
der Mitte des Abschnittes ist erstmalig westl. des Pz.=Grabens feindl. Artl. 
leichten und mittleren Kalibers aufgetreten. 

Armeegruppe von Kleist: An der gesamten Ostfront beiderseitige Spah= 
trupp= und Artl.=Tatigkeit. Einzelne schwachere Angriffe in Gegend Foscht= 
schewka wurden abgewehrt. 

An der Ostfront der 17. Armee erneuerte der Feind infolge seiner blutigen 
Verluste an den Vortagen die Angriffe nicht. Der eigene Gegenangriff 10 km 
westl. Slawjansk fiihrte zu einem vollen Erfolg. Feind in Starke von 2 Rgt.ern 
wurde geworfen und zum grofien Teil vernichtet. Feindvorstofie gegen unsere 
Kraftegruppen in Gegend Tscherkaskaja scheiterten unter hohen blutigen 
Verlusten. In Gegend 15 km siidwestl. Gruskaja vorgedrungener Feind wurde 
im Gegenstofi geworfen. 

StoEgruppe Hube setzte unter weiterhin schwierigsten Wetterverhaltnissen 

1 NoHzen Haiders: 

„Lucke westlich Medyn bei H.Gr. Mitte geschlossen. Bei Staraja Russa anschei- 
nend weitere Fortschritte und Verstarkung des Feindes. Dagegen gute eigene 
Fliegerwirkung. Am Wolchow ortliche Feindfortschritte. Im Ubrigen keine grund^ 
satzliche Veranderung der Lage. 

Besprechung: Fuhrer — Generaloberst Busch (OB der 16. Armee), um Unstimmig= 
keiten zwischen ihm und v. KUdhler zu bereinigen. Nachmittags lange Bespre- 
chung zwischen Busch und mir." / c^/u^iii^j-:^-.. »r^ /».=. • 

282 



3. Februar 1942 

den Angriff fort und warf den Feind mit Panzern in lang andauernden Kamp= 
fen nach Norden zuriick. Westl. davon drang die Angriffsgruppe Kolermann 
bis 6 km siidl. Aleksandropol vor. Bei Sokolje driickt der Feind gegen die 
eigenen Sicherungen. 

6. Armee: Durch die am Siidfliigel im Angriff erzielte Fiihlung zwischen un= 
seren Angriffsgruppen westl. Jefremowka ist der Versuch des Feindes, mit 
Kav. umfassend gegen Charkow vorzugehen, gescheitert. Ebenso wurde die 
Absicht des Gegners, siidl. Balakleja mit starken Kraften nach Norden durch= 
zubrechen, in mehrtagigen harten Kampfen vereitelt. AUe Angriffe gegen B. 
Byschkin und Balakleja blieben erfolglos. Mehrere sdiwachere Angriffe, an= 
scheinend Aufkl.= und Fesselungsvorstofie, gegen die Front nordl. Bjelgorod 
wurden abgewehrt. 

2. Armee: Keine Veranderung der Lage. 

Wetter: Auf Krim Nebel und Tauwetter. Bei Armeegruppe v. Kleist starker 
Ostwind, —7 Grad, AOK 6 Schneesturm, —16 Grad, AOK 2 um —12 Grad. 

H.Gr. Mate: 

2. Pz. Armee: An der Ostfront wurden Feindbewegungen durch Artl. be= 
kampft und ein Angriff in Starke von 500—600 Mann in Gegend Troizkoje 
unter erheblichen Verlusten fiir den Gegner abgewiesen. Von starkem Artl.= 
Feuer unterstUtzte Vorstofie gegen die Nordfront scheiterten nach harten 
Kampfen. In einen Ort ostw. Ukolyzi eingedrungener Feind wurde im Gegen= 
stofi vernichtet. Angriffe mit Panzern entlang der Strafie Melschowa— Bolchow 
wurden zuriickgeschlagen, ebenso ein Feindangriff bei Krasnikowo. Im Angriff 
von Siiden wurde nach zahem Kampf die Gegend sUdostw. Klen erreicht. Im 
Raum westl. Kzyn heftige Kampfe mit Partisanen. Siidl. Schlutnow dauern 
die Abwehrkampfe gegen erneute Feindangriffe an. 

4. Armee: Der Verkehr auf der RoUbahn wird zeitweise durch feindl. Artl.= 
Storungsfeuer und ortl. Feindeinwirkung gestort. Heranfiihren eigener Krafte 
zur Bereinigung der Lage nordwestl. Gorochowka ist im Gange. 

An der Nordfront drang der eigene Angriff gegen starken Feindwiderstand 
etwa 3—4 km nach Norden vor und nahm einige Orte. Die Liicke zur 4. Pz.= 
Armee ist nahezu geschlossen. 

4. Pz. Armee: An der Siidfront ortl. Feindvorstolie und rege Spahtrupp= 
tatigkeit. Der Gegner westl. Woskresensk wurde von der eigenen Luftwaffe 
wirksam angegriffen. 

An der Ostfront bekampfte eigene Artl. feindl. Ansammlungen. Mehrere 
Angriffe ostw. Schachowa wurden unter blutigen Verlusten fiir den Russen 
abgewiesen. 

Siidostw. Wjasma schreitet trotz starker Schneeverwehungen und hart= 
nackigem Feindwiderstand die Vemichtung der Feindteile im Hintergelande 
fort. Die Sauberung der Autobahn Wjasma— Smolensk ist im Gange. Siidwestl. 
St. Isdaschkowo wurde eine Fallschirmjagergruppe zersprengt. 

283 



B. Kriegstagebuch 

9. Armee: An der Ostfront wurden Angriffe in Gegend siidwestl. Kutschina 
blutig abgeschlagen und ein voriibergehender Einbruch im Gegenstofi be= 
reinigt. 

Auf der Nordfront griff der Gegner wahrend der Nacht gegen die Front 
nordostw. Rshew und gestern bei Bachuntowo heftig an. Nach harten Kampfen 
wurde der Gegner im wesentlichen zuriickgeschlagen. Ortl. Bereinigung ist 
noch im Gange. Ein eigener Angriff in Gegend westl. Rshew gewann gegen 
starken Feind mit Artl. und Salvengeschiitzen 3—4 km Boden. Mehrere Orte 
wurden genommen. Der Feind verlor 450 Tote, 1 10,5 cm Geschiitz, 2 y,6 cm 
Geschiitze, 7 Pak und mehrere MG. In Fortsetzung des Angriffes an der West= 
front wurde Karkowo genommen. Siidl. davon gewann der Angriff auf tief 
verschneiten und verminten Waldwegen bei Mangel an Betriebsstoff und Artl.= 
Munition wenig Boden. 

Auf linkem Armeefliigel wurden siidostw. Sukonzewo mehrere Angriffe ab= 
gewiesen. Westl. des Ortes wird noch gekampft. 

Im Angriff nach Siiden gegen sich zah verteidigenden Gegner wurde die Linie 
6 km nordostw. Djadino — 4 km nordl. St. Tschertolino erreicht. 

3. Pz. Armee: Angriff e in Btl.=Starke bei Demidoff wurden gegen sich ver= 
starkenden Gegner abgewehrt. An Strafie Surash— Witebsk und in Gegend 
15 km nordnordostw. Witebsk wird gekampft. Die Partisanentatigkeit nimmt 
weiter zu. 

Wetter: Im Siidteil der H.Gr. klar, im Nordteil bewolkt. 15—20 Grad Kalte. 
Bei Pz.AOK 2 wurden im Januar an Gefangenen und Beute eingebracht: 
502 Gefangene, 
5 800 Feind=Tote (in der Masse gezahlt), 
224 Partisanen, 
5 Kommissare, 
15 Panzer, 
72 Geschiitze, 
61 Pak, 
5 Fla=MG.s, 
394 Granatwerfer, 

4 Flugzeuge, davon 2 noch betriebsbereit. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Die Kampfe zur Sicherung der Nachschubstralie siidwestl. Cholm 
schreiten erfolgreich fort. An der Front siidl. des Ilmen=Sees und bei Staraja 
Russa keine besonderen Kampfhandlungen. Uber die Strafie Staraja Russa— 
Demjansk stiefi der Feind nach Siidwesten bis in Gegend nordl. Welipoje Selo 
vor. 

Nordl. des Ilmen=Sees wurden wahrend des ganzen Tages heftige Angriffe 
8 km nordostw. Podboresje und mit Panzerunterstiitzung westl. davon ab= 
gewehrt. 

284 



4- Februar 1942 

18. Armee: Die Abwehrkampfe am rechten Armeefliigel dauern unvermin= 
dert an. Der eigene Angriff nach Siiden erreichte ohne Feindberiihrung die Ge» 
gend 5 km siidwestl. Spaskaja Polist. Sehr starke Angriffe mit Panzerunter* 
stiitzung gegen diesen Ort wurden abgeschlagen. 

An der Nordostfront sdieiterten erneut mehrere Angriffe der Russen in 
Gegend 10 km siidostw. St. Maluksa. 

An der Front vor Leningrad keine besonderen Kampfhandlungen. 

Finnisdie Front (3. 2.) 

Beiderseitige Artl.= und Spahtrupptatigkeit. Keine besonderen Kampfhandlungen. 
10—30 Grad Kalte. 

Afrika (2. 2.) 

1. Feind ging am 2. 2. mit 11. ind. Brigade, von de Martino gedrangt, Richtung 
Derna zuriick. 

Die weiter siidlidi auf Martuba ausweichende 5. ind. Brig, wurde 2. 2. nadimittags 
von deutschen Kampfgruppen westlich Gasr el Carmusa (20 km siidwestlich Derna) 
angegriffen. Hierbei wurden 200 Gefangene gemacht, 8 Geschiitze, mehrere Sfl. und 
zahlreiches anderes Kriegsmaterial erbeutet. 

1. Pz.Div. anscheinend weiterhin in Gegend Mechili. Horchaufklarung stellte Zu= 
fiihrung einer Brigade der 1. siidafrik. Div. und der 150. Brig, (bisher Marsa Matruk) 
in den Raum westlich Tobruk fest. 

2. Fliegerfiihrer hat Masse seiner Verbande nadi Bengasi, eine Nahkampfgruppe 
nach Maraua verlegt. 

3. Fiir 3. 2. friih ist Inbesitznahme der anscheinend nur noch von Nachtruppen ge= 
haltenen Oase Gialo durch schwache deutsche Krafte vorgesehen. 



4. Februar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr.Sud^: 

11. Armee: An der Sewastopol=Front Abwehr schwacher Feindangriffe. Be= 
reitstellungsraume, Unterkiinfte und Eisenbahnverkehr wurden durch Artl.= 
und schwere Inf.=Waffen bekampft. 

An der Ostfront beiderseitige Spahtrupptatigkeit und Artl.=St6rungsfeuer. 

Armeegruppe von Kleist: An der Ost= und Nordostfront wurden fdl. Vor= 
stofie erfolgreich abgewehrt. An der Ostfront der 17. Armee keine Angriffs= 
tatigkeit des Gegners. Feindbewegungen an der Nordwestfront wurden durch 
eigene Artl. bekampft. Ein Feindangriff auf einenOrt5kmwestl.Tscherkaskoje 
und einen Ort 6 km siidl. davon ist noch im Gange. Feind, der in die Gegend 

1 Notizen Haiders: 

„Abgesehen von ortUchen Fortschritten des Veindes am Wolchow keine wesent= 
liche Veranderung. — Bereinigung der Unstimmigkeiten zwischen v. Kiichler und 
Busch." 

205 



B. Kriegstagebuch 

lo km siidwestl. Kruskaja vorgedrungen war, wurde angegriffen. Ein Ort 
wurde genommen und der Gegner weitere 3 km nach Norden zuriickgedrangt. 
Der Angriff der Gruppe Hube gewann weitere 10 km Boden nach Norden. Ein 
Ort 6 km nordl. Petropawlowka wurde genommen und der Feind weiter nach 
Norden zuriickgedrangt. 7 km nordwestl. Krischtopowka wurde ein Ort vom 
Feind gegen eigene schwache Sicherungen genommen. Gegenangriff ist im 
Gange. Konzentrische Angriff e des Gegners gegen Sokolje wur den unterhohen 
Feindverlusten abgeschlagen. 

6. Armee: Teile eines rum. Ski=Verbandes haben den Orel=Abschnitt in Ge= 
gend 14 km siidl. Jefremowka im Angriff nach Osten liberschritten. Ein Ort 
siidostw. Jefremowka wurde in harten Nahkampfen genommen. Siidostw. 
Werch. Bereka wurden 2 km an Boden gewonnen. An der Ostfront laufend 
Starke Angriffe des Gegners nordostw. Borschtschewoje und Wolchow Jar mit 
ortlichen Einbriichen, die teilweise im Gegenstofi bereinigt wurden. Die Kampf e 
dauern noch an. Ein von starker Artl. unterstiitzter Feindangriff am linken 
Fliigel der Ostfront wurde abgewiesen. 

2. Armee: Westl. Dolgoje gewann der eigene Angriff weiter an Boden. 2 
Orte 10 km siidwestl. Dolgoje wurden genommen. 

Wetter: bis —20 Grad Kalte. Bei Armeegruppe von Kleist und 6. Armee ei= 
siger Nordoststurm, der neue Schneeverwehungen zur Folge hat. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz. Armee: Am rechten Fliigel der Ostfront beiderseitige Spahtrupptatig= 
keit und Artl.=Tatigkeit. Feindvorstolie gegen die Nordfront sowie russ. An= 
griff e gegen einen Ort siidwestl. Posnjakowo und gegen die Front siidl. davon 
wurden unter schweren blutigen Verlusten fiir den Gegner abgeschlagen. An 
der Front bei Maklaki heftige Feindangriffe. 

4. Armee: Ostw. Mokroje wurde ein Feindvorstofi zuriickgewiesen. Bei Su= 
lichowo lebhafte fdl. Aufkl.=Tatigkeit. Ostw. davon sind Feindangriffe im 
Gange. An der Front siidwestl. Pluskowo wurde ein Angriff abgewiesen. 
Eigener Angriff nach Norden erreichte gegen zahen Feind Gegend 7 km nord= 
ostw. Pobitoje. Damit ist die Verbindung zur 4. Pz.Armee hergestellt. Aus 
ostw. Richtung starkerer Feinddruck. 

4. Pz.Armee: 2 Feindangriffe gegen Ort 3 km ostw. Isnoski wurden abge= 
wehrt. Angriffe des Gegners, die in den Morgenstunden zu einem voruberge= 
henden Einbruch fiihrten, wurden unter schweren Feindverlusten abgeschlagen. 
An der Ostfront Artl.= und Spahtrupptatigkeit. Siidostw. Wjasma stiefi Geg= 
ner bis hart siidostw. der Strafie Djagolowo— Wjasma vor. Die Einschlieiiung 
der im Raum siidl. Dwojewka stehenden Feindteile wurde fortgesetzt. 

9. Armee: In der Mitte der Ostfront Abwehr mehrerer russ. Angriffe, die 
zum Teil mit Panzern gefiihrt waren. Ein kleinerer Einbruch westl. Spas Wilki 
wurde bereinigt, Gegner, der vor der HKL liegengeblieben war, im Gegenstoli 
zuriickgeworfen. Mehrere Angriffe gegen die Mitte der Nordfront blieben im 

286 



4. Februar 1942 

eigenen Abwehrfeuer liegen, 4 Feindpanzer wurden abgeschossen. 1 Angriff 
mit Artl.=Vorbereitung ist noch im Gange. Ein eigener Angriff warf den Geg= 
ner nach SW zuriick und drang bis in Gegend 7 km ostw. Bytkowo vor. 
Bei Schukowka wurde ein Feindvorstofi abgewiesen. Ein Feindangriflf in Btl.= 
Starke gegen einen Ort 5 km nordostw. Djedino ist noch im Gange. 

5. Pz.Armee: Zum Entsatz der in Demidoff eingeschlossenen Krafte drang 
eigener Angriff bis in Gegend 2 km siidwestl. der Stadt vor. Bei wiederholten 
Feind angriff en auf Welikije Luki von Norden, Osten und Siiden wurden dem 
Gegner starke blutige Verluste zugefiigt. 

Wetter: Bei einer Temperatur um minus 20 Grad klar und windig. Der 
Wegezustand ist durch fortschreitende Raumungsarbeiten gebessert. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Siidl. des Ilmen=Sees Feindangriffe. Die Kampfe sind noch im 
Gange. Mehrere Feindangriffe in Gegend Kurskoje und siidostw. Ramuschewo 
wurden abgeschlagen. Ein emeuter Feindangriff aus Richtung Ramuschewo ist 
im Gange. Die fortgesetzten fdl. Angriff e gegen die Orte am Nordfliigel der 
Armee wurden erfolgreich abgewiesen. 

18. Armee: Fdl. Angriff e beiderseits Kriwino waren erfolglos. Eigene Trup= 
pen erreichten nach Oberwindung aufierordentlicher Gelandeschwierigkeiten 
von West her die Gegend nordwestl. Mjasnoj Bor. Ein Ort 5 km siidsiidwestl. 
Spaskaja Polist wurde genommen. Von Siidosten gegen Spaskaja Polist mit 
Pz.=Unterstiitzung gefiihrte Feindangriffe konnten abgewehrt werden. Ostw. 
des Ortes erzielte der Gegner einen Einbruch und erreichte die eigene 2. Stel= 
lung. Der Westteil von Grusino konnte gegen starken Feindangriff gehalten 
werden. Ein FeindvorstolB gegen die Nordostfront wurde abgewiesen. An der 
Newafront starke Feuertatigkeit. An der Front vor Leningrad Stolitrupptatig= 
keit. 

Wetter: 10-26 Grad Kalte. Bei AOK 18 mafiige Sicht. 



Finnisdie Front (4. 2.) 

Beiderseitige Artl.= und Spahtrupptatigkeit. Ein Angriffsversuch des Feindes iiber 
den Siidteil des Wonshesero=Sees wurde zuriidcgewiesen. 
15—25 Grad Kalte. 



Afrika (3. 2.) 

Von: Panzerarmee Afrika la 3. 2. 42 

An: Ital. Oberkdo. d. Wehrmacht in Nordafrika 

Nachstehend wird die in der heutigen Besprediung mit Exzellenz Gambara von 
Obstlt. i. G. Westphal zum Ausdruck gebradite Auffassung wie folgt bestatigt: 

Der Feind hat die Cyrenaika bis zum 3. 2. 42 nachmittags fast vollstandig raumen 
miissen. Aus dieser Lage ergeben sich folgende Moglichkeiten ftir die weitere 
Kampffiihrung in der allernadisten Zeit: 

287 



B. Kriegstagebuch 

1. „GrojIe Losung" : Feste Inbesitznahme der gesamten Cyrenaika. Hierzu erfor= 
derlich 

a) Einsatz der Inf.Divisionen in einer etwa in allgemeiner Linie Tengeder— 
Segnali— Ain el Gazala verlaufenden Stellung. 

b) Bereitstellung der mot. Korps zu beweglichem Einsatz hinter dem Siidfliigel 
dieser Stellung, etwa im Raum der siidlichen Ost=Cyrenaika. 

2. „Kleine Losung" : Sicherung des Haf ens Bengasi durch eine Stellung beiderseits 
Maraua mit Sicherungen am Siidrand des Dschebel. Bei dieser Losung ware er= 
forderlidi. 

a) eine Inf.Div. als Festungsbesatzung in den Raum von Bengasi zu verlegen, 

b) die Masse der Inf.Divisionen in den Raum von Agedabia vorzufiihren. 

c) die mot. Korps im Raum zwischen Agedabia und Bengasi zu beweglichem Ein= 
satz bereitzustellen. 

Das Oberkommando der Panzerarmee gibt aus naheliegenden Griinden der ersten 
„gro6en" Losung den Vorzug. Diese Losung ist auch fiir die Fuhrung des Luftkrieges 
von besonderem Vorteil. Das Oberkommando der Panzerarmee bittet daher, beim 
Comando Supremo die Freigabe des Vorfiihrens aller Infanterie=Divisionen in die 
unter i. a) genannte Linie erwirken zu wollen. 

Fiir das Armeeoberkommando 
Der Chef des Generalstabes 
LV. 
gez. Westphal 

Tagesmeldung: 

1. Feind wich am 3. 2. mit 4. ind. Div. unter dem Schutz von Nachhuten bei Gasr 
el Carmusa, Martuba und Umm er Rzem iiber Derna und siidlich nach Tmimi aus. 
Luftaufklarung stellte fest, da6 1. Pz.Div. sich mit Teilen von Mechili etwa 40 km 
nach Osten abgesetzt hat. — Im Dreieck Tobruk— Ain el Gazala— B. Hacheim ist an= 
scheinend britische Abwehrfront im Entstehen. Hierzu verfiigbar: Stark angeschla= 
gene 1. Pz.Div. und 4. ind. Div., femer Poln. Brigade, eine Brigade der 1. siidaf rikan. 
Div., 150. Brigade, 1. lei. franz. Brigade, 22. Pz.Brig. (letztere in Auffrischung) und 
70. Div. mit Resten 32. H.Pz.Brig. — 2. siidafrikan. Div. wird als in Bardia=Sollum= 
Front gebunden angenommen. 

2. Die deutschen Kampfgruppen stiefien 3. 2. bis zur Via Balbia bei Martuba durch 
und setzten Verfolgung bis in Gegend siidlich Umm er Rzem fort. 

•3. Von den nach Gialo entsandten Kraften liegt noch keine Meldung vor. 

4. Absicht fiir 4. 2. 42: Fortsetzung der Verfolgung Richtung Ain el Gazala. 

5. Einsatzbereite Panzer: 
a) Deutsch: 27 — II 

65 -III 
10-IV 
4 grofie Pz. Befehlswagen. 
b)Ital: 80. 



288 



^ 5. Februar 1942 

5. Februar 1942 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Cr. Sudh 

11. Armee: An der Sewastopol=Front wurden fdl. Angriffe in Btl.=Starke in 
Gegend siidwestl. Belbek und nordostw. Balaklawa abgewiesen, eingedrunge= 
ner Feind im Gegenstofi zuriickgeworfen. An der Ostfront wurde ein Feind= 
vorstofi gegen die 46. I.D. abgewehrt. Uber das Eis nach Kertsch wurde leb= 
hafter Verkehr festgestellt. 

Armeegruppe von Kleist: Wahrend an der Ost= und Nordostfront keine we= 
sentlichen Kampfhandlungen waren, griff der Gegner die Westfront der 17. 
Armee siidwestlich Slawjansk erneut mit starken Kraften an. Die wiederholten 
Angriffe des Gegners gegen die eigenen Kraftegruppen blieben im Abwehr= 
feuer oder im Minenfeld liegen. Aus einem Ort 15 km westl. Slawjansk wurde 
der Gegner geworfen. 

In Fortsetzung des Angriffs nach Nordosten hat Stofigruppe v. Mackensen 
zwei Ortschaften genommen. In den Kampfen wurden 5 Geschiitze, 3 Pak, 
Schlitten und 30 Pferde erbeutet. Der Angriff in Richtung Aleksandropol stieii 
auf Starke Abwehr. Ein Gegenangriff der Russen wurde verlustreich abge= 
wiesen. Auf linkem Armeefliigel wird um Krischtopowka und eine Ortschaft 
nordwestl. davon hartnackig gekampft. 

6. Armee: Der rum. Schi=Verband iiberschritt im Angriff den Orel und nahm 
zwei Ortschaften. Erneute Feindangriffe auf W. Bereka und B. Byschkin waren 
erfolglos. Melowaja (9 km westl. Balakleja) wurde im erbitterten Hauserkampf 
vom Feind gesaubert. 

Gegen die Siidostfront hielt starker Feinddruck an, ein ortlicher Einbruch 
siidl. Wolochow Jar wurde abgeriegelt. 

An der Ostfront keine besonderen Kampfhandlungen. 

2. Armee: Gruppe Breith hat im weiteren Angriff bei starkem Oststurm und 
Schneeverwehungen ohne schwere Waffen und Artl. die alte, am 8. 1. durch= 
brochene HKL am Tim=Flu6 wiedergewonnen. Ein Nachtangriff nach starker 
Artl.=Vorbereitung gegen die Front westl. Wosowik wurde abgewehrt. 

Wetter: Krim — Frost, bedeckt. AOK 2 — sonnig, sonst starker Oststurm. 
Temp, um —18 Grad. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz. Armee: An der Ostfront Artl.= und Spahtrupptatigkeit. Ein nachtlicher 
Erkundungsvorstoli siidostw. Mzensk sowie ein Angriff nordlich Mzensk wur= 
den abgewiesen. 



Notizen Haiders: 

„Im Siiden hemmen schwerste Schneeverwehungen unseren Gegenangriff. Bei 

2g3. und 25. mot. Div. plotzliche feindliche Angriffe (Div.=Starke) ohne Tiefe ab= 



289 



B. Kriegstagebuch 

Feindvorstofie mit starker Artl.=Unterstutzung gegen die Nordf ront waren er= 
f olglos. Eigene Unternehmen an der Westf ront blieben vor stark f eindbesetzten 
Ortschaften liegen. Von Pz.n unterstiitzte Feindangriffe in Gegend Belowo 
wurden abgewehrt. Eigene Inf. ist in Klen eingedrungen und kampft um die 
Hauser. An der Front bei Suchinitschi lebhafte Artl.= und Spahtrupptatigkeit. 
Nachtliche Angriffe des Gegners wurden abgeschlagen. Siidwestl. Brjansk Par= 
tisanenkampfe mit hohen Feindverlusten. 

4. Armee: Vor den Sperrgruppen am rechten Armeefliigel Artl.=Tatigkeit. 
Der Gegner schanzt dort z. T. 10 km siidwestl. der Autobahnbriicke iiber die 
Popolta wurde eine Feindgruppe von ^^o Mann vernichtet, Entlastungsangriffe 
von Siiden abgewiesen. Im Popolta=Tal wurde siidl. der Autobahn eine neue 
Sperrlinie besetzt. 15 km siidwestl. Juchnow sind Kampfe gegen Feind mit 
Panzern im Gange. Bisher wurden 2 Feindpanzer abgeschossen. Starkere An= 
griffe des Gegners nach Artl.=Vorbereitung gegen die Front ostw. Sulischowo 
wurden abgewehrt. Ebenso scheiterten mehrere Angriffe des Gegners von 
Osten gegen die Strafie Juchnow— Gshatsk. An der Westfront bei Pobiloje 
schanzt der Feind. 

4. Pz. Armee: Ein Ort 3 km siidostw. Woskresensk wurde genommen, Feind= 
vorstofie gegen den Siidostflugel waren erf olglos. Um die Einbruchsstelle ostw. 
Schachowa wird noch gekampft; der Feind versucht, seinen ortlichen Erfolg 
nach Norden zu erweitern. Mehrfache Vorstolie der Russen auf linkem Armee= 
fliigel wurden abgewehrt. Die Kampfe gegen die Feindgruppen bei Wjasma 
wurden erfolgreich fortgesetzt. 15 km siidostw. der Stadt ist der Ring um den 
eingeschlossenen Gegner verengert worden. 

9. Armee: Ein Feindvorstofi auf rechtem Fliigel und ein Angriff in Gegend 
nordwestl. Kutschina wurden abgewehrt sowie ein vorubergehender Einbruch 
in die Front siidwestl. Kutschina im Gegenstofi bereinigt. An der Nordfront 
bekampfte eigene Artl. fdl. Ansammlungen. Von Panzern unterstiitzte An= 
griffe siidostw. Bachmutowo wurden abgeschlagen, im Hauptkampffeld wird 
noch gekampft. Der eigene Angriff nach Sudwesten traf in Gegend ostw. By= 
kowo auf zahen Feindwiderstand. An der Angriffsfront siidl. davon gelang es 
trotz erbitterter Gegenwehr, z. T. in nachtlichen Handstreichen, mehrere Ort= 
schaften zu nehmen und bis in Gegend 20 km nordwestl. St. Osuga vorzu= 
dringen. Entlang der Strafie Sytschewka— Rshew drangen eigene Panzerkrafte 
bis 15 km nordwestl. Sereda vor. Auf linkem Armeefliigel wurden ortliche 
Feindangriffe gegen die Nordfront erfolgreich, z. T. im Gegenstofi zuriickge= 
schlagen. An der Siidfront ist ein Ort nordwestl. St. Tschertolino genommen. 

3. Pz. Armee: Bei Demidoff und Welish griff der Gegner erf olglos an. Die 
Strafie Surash— Witebsk ist freigekampft und eine eingeschlossene Gruppe 15 
km nordostw. Witebsk entsetzt. Bei erfolglosen Angriffen bei Wei. Luki hatte 

gewiesen. Bei 9. Armee Feind siidwestl. Rshew im Weichen. Raumgewinn. — Bei 
H.Gr. Nord unentwegt harte Kampfe bei Staraja Russa und am Wolchow." 



:?190 



5- Februar 1942 

der Gegner hohe Verluste. Vor eigenem Gegenstofi ging er fluchtartig zuriick. 
Ein Vorstofi bis in Gegend Anino hatte standig Gefechtsberiihrung mit Parti= 
sanen und regularen Truppen. 

Wetter: Klar, 15—25 Grad Kalte. Strafien, soweit geraumt, gut befahrbar. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Siidi. des Ilmen=Sees dauern die Kampfe mit dem Gegner, der 
aus dem Raume ostw. Staraja Russa hinter der eigenen Front auf Demjansk 
vorzustofien versucht, an. Der Feind wurde an alien Stellen unter hohen blu= 
tigen Verlusten abgewiesen und hatte allein bei einem AK. etwa 950 Tote. 
Auch ostw. Jurjewo scheiterten wiederholte starke Feindangriffe z. T. im er= 
bitterten Nahkampf. 

Nordlich des Ilmen=Sees fiihrte der Russe keine grofieren Angriffe, drang 
jedoch mit Spahtrupps tief in der linken Flanke der Armee vor. 

16. Armee: Im hartesten Kampfe wurden mehrere Feindangriffe, z. T. mit 
starkster Artl.=Vorbereitung, gegen Spaskaja Polist abgeschlagen. Starke 
feindl. Bereitstellungen vor der Riegelstellung von der StraJSen=Eisenbahnkreu= 
zung nordl. Spaskaja Polist nach Pereschki wurden bekampft. Heftige russ. 
Angriffe gegen Grusino, die auch wahrend der Nacht fortgesetzt wurden, 
konnten abgewehrt werden. Ebenso blieben Angriffe gegen den Bahndamm 
nordl. Dratschewo erfolglos. An der Newa= und Leningradfront z. T. lebhafte 
Feuertatigkeit sowie beiderseitige Spahtruppunternehmen. 

Wetter: 15—20 Grad Kalte, gute Sicht. 



Finnisdie Front (5. 2.) 

An alien Fronten beiderseitige Artl.= und z. T. verstarkte Spahtrupptatigkeit. Ein 
Feindangriff bei der Karelischen Armee siidl. Batasdiowskaja wurde abgewiesen. 

Siidfinnland 15—20 Grad Kalte, an der Murman=Kuste windig bis stiirmisch, 20 
Grad Kalte. 



Afrika (4. 2.) 

1. Feindliche Aufklarungskrafte bei und siidlich Ain el Gazala sicherten Zurudc= 
gehen 4. ind, Div. in den Raum um Acroma. 1. Pz.Division setzte sich, beiderseits des 
Trigh el Abd zurud<:gehend, bis in Gegend B. el Harmat ab. 

Gegner sdieint unter dem Schutze eines Sicherungsschleiers in Linie Mteifel el 
Chebir— Ain el Gazala eine Abwehrfront westlidi Tobruk zwischen B. Hacheim— 
Acroma und nordlidi zu bilden. 

2. Die deutschen Kampfgruppen gewannen in der Verfolgung des Feindes am 4. 2. 
die Gegend westlich Ain el Gazala. Derna wurde am Abend des 3. 2., Tmimi am 
4.2. genommen. — Im Januar 1942 wurden verniditet bzw. erbeutet: 

377 Pz.Kampf = und =Spahwagen sowie gepanzerte Fahrzeuge, 

192 Gesdiiitze, 
1220 Kfz. (Masse zerstort), 

50 Flugzeuge (durch Heeresverbande abgesdiossen bzw. zerstort), 
3300 Gefangene wurden eingebracht. 

291 



B. Kriegstagebuch 

Die Vernichtungserfolge der Luftwaffe sind in den vorstehend genannten Zahlen 
nicht enthalten. 

3. Absicht fiir 5. 2. und folgende Tage: 

Halten des gewonnenen Raumes durch schwachere deutsche Krafte. 

Einsatz italienischer Inf.Div.en in der Cyrenaika ist nicht moglich, da das Co= 
mando Supremo bisher lediglich das Vorfiihren von 2 Inf.Div.en in den Raum von 
Agedabia genehmigt hat. 

[In der Nacht vom ^.14. Februar britischer Luftangriff auf Neapel] 



6. Februar 1942 
Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Sudh 

11. Armee: An der Sewastopol=Front wurde ein Feindvorstofi gegen Fort 
Balaklawa abgewiesen. An der Ostfront keine besonderen Kampfhandlungen. 

Armeegruppe von Kleist: An der Ost=, Nordost= und Nordwestfront keine 
wesentliche Kampftatigkeit. Feindreste in Tscherkaskaja und einem Ort dicht 
nordwestl. davon wurden vernichtet. In einen Ort an der Westfront der 17. 
Armee eingedrungener Feind wurde geworfen. Weitere Feindangriffe ver= 
lustreich fiir den Gegner abgeschlagen. 7 km siidwestl. Aleksandropol wurde 
ein Ort genommen. 

6. Armee: Siidwestl. Jefremowka gewinnt eine eigene Angriffsgruppe bei 
eisigem Sturm langsam Boden. Um B. Byschkin sind neue Kampfe entbrannt, 
bei denen der Feind durch Panzer unterstiitzt wird. Aus einem Ort 9 km westl. 
Balakleja wurde der Feind vertrieben. Im Siidteil von Wolochow Jar sind 
noch wechselvolle Kampfe im Gange. An der iibrigen Ostfront keine wesent= 
hchen Kampfhandlungen. 

2. Armee: Der Nordfliigel der Armee wurde nach erfolgreicher Abwehr von 
mehreren Feindangriffen, bei denen der Gegner hohe Verluste erlitt, bis jetzt 
nicht mehr angegriffen. 

Wetter: Auf der Krim anhaltende eisige Nordoststiirme. Im iibrigen Bereich 
der H.Gr. bei Temperaturen bis — 25 Grad Ost= und Nordoststurm. 



Notizen Haiders: 

„Im grojien unveriindert. Gegenangriff Isjum durch anhaltende Schneesturme 

verzogert. 

Angrijf gegen Ostfront 2. PzArmee abgewiesen. Anscheinend starke Kraftezu= 

fuhrung in den Bogen von Suchinitschi. Verstarkung siidwestl. Juchnow. 

Erfolgreiche Kampfe gegen durchgesickerten Feind bei Wjasma (5. Pz.Div.). 4. 

feindliche Stojlarmee scheint durch Nachschubschwierigkeiten und unseren Wi= 

derstand aufgehalten zu sein. 

Bei H.Gr. Nord nach wie vor nodi schwere Spannungen. Feindverstarkungen bei 

Staraja Russa." 



292 



6. Februar 1942 

H.Cr. Mine: 

2. Pz.Armee: Am Siidfliigel der Ostfront wurden mehrere Feindvorstofie 
erfolgreich abgewiesen, ein Angriff nordwestl. Wjashi ist noch im Gange. 
Siidwestl. Troizkoje griff der Feind mit iiberlegenen Kraften, die von Panzern 
und Luftwaffe unterstiitzt waren, an. Der Angriff blieb vor der HKL liegen. 
3 weitere Angriffe im Suscha=Bogen siidwestl. Troizkoje wurden abgewehrt. 
An der Nordwestfront wurden ein Feindvorstofi abgewiesen und eine Ortschaft 
genommen. Ein eigener Angriff am linken Fliigel der Nordwestfront hatte 
starken Feindwiderstand. Ein Ort 4 km westl. Krasnikowo wurde genommen. 
Bei Klen wurden wiederholte starke Feindangriffe abgewiesen, ein Ort 10 km 
nordl. Moilowa genommen. 

4. Armee: An der Siidostfront Spahtrupptatigkeit und starkes fdl. Artl.= 
Feuer. 3 Feindpanzer wurden aufier Gefecht gesetzt. 20 km siidwestl. Juchnow 
gelang es dem Feind, mit Panzer=Unterstiitzung in einen Ort einzudringen. 
Beim Freikampfen des Ortes wurden weitere 4 Feindpanzer vernichtet. Feind= 
vorstofie auf eigene Sicherungen wurden abgewehrt, an der Front ostw. Juch= 
now wurde ein fdl. Vorstofi abgewiesen. Ein Ort 12 km nordnordwestl. Juch= 
now, in den der Feind eingedrungen war, wurde durch eigenen von Panzern un= 
terstiitzten Gegenangriff wieder genommen, dabei wurden 2 Feindpanzer abge= 
schossen. Gegen Front westl. Iswolsk erf olglos Erkundungsvorstofie des Feindes. 

4. Pz.Armee: Am rechten Fliigel der Siidostfront drang der Gegner mit Pan= 
zerunterstiitzung in einen Ort ein. Im Gegenangriff wurde der Ort wieder= 
genommen und 2 Feindpanzer vernichtet. Mehrere bei Tag und Nacht gefiihrte 
Feindangriffe gegen die Mitte der Ostfront wurden abgewiesen. Die Einbruchs= 
stelle ostw. Sdiachowa wurde verengt. Am linken Fliigel der Ostfront wurden 
Feindangriffe, die von starker Artl. unterstiitzt waren, z. T. nach bereinigtem 
Einbruch, zuriickgewiesen. Verstarkungen wurden wirkungsvoU durch eigene 
Artl. bekampft. Der Russe liel3 152 Tote zuriick. 15 km siidostw. Wjasma 
wurde ein Ort im Sturm unter hohen blutigen Feindverlusten genommen. 
Allein an einer Stelle wurden iiber 200 tote Russen gezahlt. Ein Feindvorstofi 
auf Blochina wurde abgewiesen. 

9. Armee: In der Mitte der Ostfront wurde ein Feindangriff, der voriiber= 
gehend zum Einbruch fiihrte, zuriickgeschlagen. Der Gegner verlor 500 Tote. 
Weitere Kampfe sind im Gange. Eine Einbruchsstelle am linken Abschnitt der 
Ostfront ist bereinigt. An der Front nordl. Rshew wurden fdl. Bereitstellungen 
bekampft. Siidostw. Bochuntowo wurde ein von Panzern unterstiitzter Feind= 
angriff erfolgreich abgewiesen. Gegen an anderer Stelle eingebrochenen Geg= 
ner ist ein Gegenunternehmen im Gange. St. Tschertelino wurde genommen 
und mit einer eigenen Angriffsgruppe, die von Siidosten her im rucksichts= 
losen Vorstofi Feindwiderstand durchbrochen hatte, Verbindung hergestellt. 
Dabei wurden u. a. 10 Geschiitze, 4 Panzer, 120 Lkw. und 100 Schlitten er= 
beutet. 400 tote Russen blieben zuriick. Umfassende Feindangriffe auf Bjeloj 
wurden abgeschlagen. 

293 



B. Kriegstagebuch 

5, Pz.Armee: Angriffe auf Demidoff, Welish und auf Wei. Luki wurden 
abgewiesen. Orte siidl. und siidostw. Wei. Luki wurden nach eigenem Artl.= 
Feuer vom Gegner geraumt. Durch Nachstofien wurden Gefangene und Beute 
an Munition eingebracht. 

Wetter: Klar, windig, 20—25 Grad Kalte. 

H.Gr, Nord: 

16. Armee: Ein starkerer Feindangriff westl. Molwotizy wurde abgewiesen. 
Siidl. des Ilmen=Sees konnten fdl. Angriffe zuriickgeschlagen werden. Dicht 
siidl. Jurjewo gingen 2 Orte verloren. Ein Feindangriff auf Korowitschino ist 
noch im Gange. An der Front nordl. des Ilmen=Sees Spahtrupptatigkeit, 2 
feindl. Vorstofie auf eine Ortschaft wurden abgewiesen. Starkere Angriffe auf 
Samoschje und einen Ort 6 km siidostw. davon waren fiir den Gegner erfolglos. 

18. Armee: Gegen Spaskaja Polist und einen Ort 9 km nordostw. Wdisko 
schwere Feindangriffe. Sie konnten im allgemeinen in schwerem Kampf ab= 
gewehrt werden, Vernichtung von nach Westen durchgesickerten Feindteilen 
ist im Gange. Die Kampfe dauern an. An der Wolchow=Front wurden mehrere 
Feindvorstofie abgeschlagen. DerWestteil von Grusino wurde gegen zahlreiche 
von Artl. und Fliegern unterstiitzte Feindangriffe verteidigt. An der Nordost= 
front lebhafte Artl.= und Spahtrupptatigkeit. Schwache Feindangriffe wurden 
abgewiesen. In der Nacht griff der Feind nach starker Artl.=Vorbereitung iiber 
den Ladoga=See ostw. Schliisselburg an. Er wurde im Gegenstofi geworfen. Ein 
gleichzeitig laufender Feindangriff liber die Newa am Siidwestrand Schliissel= 
burg wurde unter blutigen Verlusten fiir den Feind dicht vor der HKL zum 
Stehen gebracht. Ein eigener Stofitrupp roUte etwa 600 m der fdl. Stellung 
auf. Vor Leningrad wurden fdl. Stofitrupps abgewiesen. 

Wetter: 15—22 Grad Kalte, klare Sicht. 



Finnisdie Front (6. 2.) 

An alien Fronten beiderseitige Art.=Tatigkeit. Vorstofi=Versudie fdl. Spahtrupps 
sdieiterten. Temperaturen — 15 bis — 20 Grad. 



Afrika (5. 2.) 

Armee=Befehl fiir die weitere KampffUhrung: 5, 2. 42 

1. Der Feind wurde aus der Cyrenaika nach Osten zuriickgeworfen und ist unter 
starken Verlusten iiber Mechili— Derna fluchtartig in den Raum westlich Tobruk 
zuriidcgegangen. — Er beabsiditigt anscheinend, sid\ im Raum B. Hacheim— Acroma 
—Tobruk zur Abwehr einzurichten. Aufklarungskrafte sichern in Linie Mteifel el 
Chebir— Ain el Gazala. . . 

2. Panzerarmee Afrika sperrt mit Teilkraften den Siidostrand der Cyrenaika und 
sidiert den Raum ostwarts Agedabia— Bengasi. Die Armee halt sich mit den mot. 
Korps im Raum um Barce bzw, siidlidi Bengasi bereit, ein etwaiges erneutes Vor= 
gehen des Feindes durch Gegenangriff abzuwehren. Schwache Teile sichern die Oase 
Gialo. . . 



294 



' g. Februar 1942 

Tagesmeldung: 

1. Feind= und eigene Lage unverandert. 

2. Entsprechend den vom Comando Supremo am 1. 2. erlassenen Anweisungen 
fiir die weitere Kampffiihrung wurde angeordnet: 

a) Sperrung des Ostrandes der Cyrenaika durch Einsatz je 1 verst. Rgt.s des mot. 
Korps bzw. des DAK mit Masse bei Mechili bzw. Tmimi. 

b) Sicherung des Raumes um Maraua durch 90. lei.Div. 

c) Einsatz des XXI. A.K. mit zwei Divisionen („Trento", „Sabrata") in allgemeiner 
Linie Chescem el Chebsc— Saunnu— Antelat— Sceleidima und einer weiteren Division 
(„Pavia") zur Sicherung des Raumes von Bengasi (einschliefilich der Dschebelrander 
nordlich Sceleidima). 

d) Versammlung des DAK im Raum um Barce und des mot.Korps im Raum 
Soluch— Bengasi Siid— Ghemines. 

e) Belassung des X. A.K. in der Marada=Marsa=el=Brega=Stellung. 

Das Vorfiihren der Div. „Trento" und „Pavia" sowie der 90. lei.Div. in ihre neuen 
Raume hat begonnen. 

[Fuhrerweisung zur Verstdrkung der WBoote im Raum um Norwegen.] 



7. Februar 1942 

Notizen des Chefs des Generalstabes des Heeres, Generaloberst Haider zur Lage* 

Gegenangriff bei 17. Armee setzt sich langsam durch. Bei 4. Armee an der 
Siidfront und an der neugebildeten Briicke zur 4. Pz.Armee starkerer Feind= 
druck und Heranfiihrung neuer Feindkrafte. Bei 4. Pz.Armee auch frontal 
Starke Angriffe. 

Bei 9. Armee nordwestl. Rshew weitere heftige Angriffe. Bei Heeresgruppe 
Nord Lage im wesentlichen unverandert. 

Afrika (6. 2.) 

1. Tag verlief ruhig. 

2. Oase Gialo wurde 4. 2. durch schwachere deutsche Krafte besetzt. 

3. In der Nacht ^./6. 2. starkere feindliche Luftangriife auf Bengasi und Tripolis. 
In Tripolis wurden durch Treffer in Heeres=Kraftfahrzeugpark zahlreiche Kfz. be= 
schadigt. 

8. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Keine grundsatzliche Veranderung der Lage. Staraja Russa spannt! Feind 
bringt neue Krafte heran. Lage bei russischer 4. und audi 3. Stofiarmee ist 
unklar. 

9. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Gegenangriff von Staraja Russa aus mit V2 5. lei.Div. mifilungen. Im ub= 
rigen an der Front keine wesentlichen Veranderungen. 

1 Vgl. hierzu und fur die folgenden Tage bis 31. Mcirz 1942 Anm. 1 S. 181. 

295 



B. Kriegstagebuch 

10. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Lage unverdndert. Bei Staraja Russa hat der Feind keine wesentlichen Fort= 
schritte gemacht. Die Nachschubschwierigkeiten beginnen sich aber auszu= 
wirken. Luftversorgung fur 16. Armee wird notwendig werden. 

Am Wolchow keine weiteren Feindfortschritte. Schwere Angriffe an der 
Siidfront Leningrads abgewiesen. 

Lage 3. Pz. Armee und Absicht feindlicher 4. Stofiarmee immer noch nicht 
klar zu iibersehen. 



11. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Die Lage bringt folgende Hauptpunkte: 

a) Zulauf von Eisenbahnbewegungen aus dem Raume um Moskau in Rich= 
tung Mzensk, Suchinitschi, Juchnow und von Kraftwagenbewegungen Richtung 
Stariza. 

b) Verscharfung der Lage bei 16. Armee dadurch, dafi 290. Div. ihre letzte 
Nachschubstrafie verliert. Nachdem die Luftwaffe sich bereit erklart, die Ver= 
sorgung auch auf langere Zeit durchzufiihren, bleibt Befehl bestehen, Stellung 
zu halten. Nachfiihren neuer Feindkrafte auf Staraja Russa ist nicht zu er= 
kennen. 

c) Angriffskraft am Wolchow scheint durch Verluste geschwacht, desglei= 
chen an Ladogafront. 

Besuch Antonescu: Mittags Teilnahme im HQu OKH mit Teestunde. }a= 
paner hat Singapur genommen. 

12. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Auf der Krim Beginn des Tauwetters. Feind auf Kertsch ist in die Verteidi^ 
gung gefallen. 

In die Einbruchsstelle bei 17. Armee fiihrt der Feind anscheinend neue Krafte 
nach. 

Bei H.Gr. Mitte keine wesentlich neuen Bilder. Druckstelle 197. Div. immer 
noch nicht geschlossen. Druck gegen Nordfront der 9. Armee halt an. Gegen 
3. Pz. Armee ist nun die Masse der russischen 4. Stofiarmee auf geschlossen, 
aber verzettelt und mit sehr schwachen Stammen. 

Verbleib der 3. russischen Stofiarmee unklar. Vielleicht Telle nach Norden? 

Bei H.Gr. Nord weitere Zuspitzung der Lage bei Staraja Russa. Kein neuer 
Feind, aber Versuch des vorhandenen Feindes, IL AK. einzukreisen. Verzoge= 
rung des Anlaufs der 5. lei.Div. erschwert die Lage. Am Wolchow keine we= 
sentliche Veranderung. 

296 



14. Februar 1942 

[Weisung des OKH fur die Kampffuhrung im Osten nach Abschlup des 

Winters. 

Unternehmen „Cerherus" : Durchbruch der Schlachtkreuzer „Scharnhorst" und 

„Gneisenau" sowie des Kreuzers „Prinz Eugen" von Brest durch den Kanal in 

die Nordsee.] 

13. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Wesentliche Punkte der Lageentwicklung: 

a) Die vermutete Verstarkung des Feindangriffs bei Isjum durch das 
VI. Garde=Kav.Korps von Norden her hat sich bis jetzt noch nicht bestatigt. 

b) Gegen die Gruppe Kraili der 6. Armee fiihrt der Feind an zwei Schwer= 
punkten mit Panzern bisher erfolglose Angriffe. 

c) Bei 197. Div. (H.Gr. Mitte) noch keine Bereinigung der Lage. 

d) Schwere Angriffe nordwestlich Rshew abgewiesen. 

e) Die schon zu grofier Spannung fortgeschrittene Lage bei 16. Armee hat 
sich nicht weiter verscharft (anscheinend Bewegungs= und Versorgungsschwie= 
rigkeiten). 

f) An Wolchow= und Ladoga=Front hat der Feind keine weiteren Fortschritte 
gemacht. 

Ferngesprache mit H.Gr. Nord, FUhrer, 16. Armee und Chef Gen.St.d.Luftw. 
liber Lage 16. Armee. Die Neigung der 16. Armee, zu einer Flicklosung zu 
kommen, wird bekampft. Der Fiihrer teilt eindeutig meinen Standpunkt, dafi 
nur eine ganze Losung durch Angriff von Staraja Russa nach Osten in Frage 
kommen kann und dali dazu alle Mittel der Erdtruppe und der Luftwaffe 
zusammengefafit werden miissen. Angriff nicht vor 17., wahrscheinHch erst 
18.2. 

[Vortrag des Ob.d.M. beim Fiihrer^.] 

14. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Keine Veranderung in der Lage, aufier bei Staraja Russa, wo der Feind 
siidlich der Stadt nach Westen drangt und mit starkeren Teilen in Richtung 
Cholm durchstofit. Auch Lage bei Cholm sehr gespannt. 

[In der Nacht vom 1^./ 14. Februar britische Luftangriffe aufKoln und Aachen.] 



Vgl. Aufzeichnung uber diesen Vortrag Nr. 1. Ski. lb 38^/42 g.Kdos. in: Lage" 
vortrage des Ob.d.M., a. a. O. 

297 



B. Kriegstagebuch 

15. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 
Verluste: 22. 6. 41 — 10. 2. 42: 

Verwundet: 21 130 Offz.e, 681 236 Uffz.e und Mannsch. 
Gef alien: 7872 Offz.e, 191276 Uffz.e und Mannsch. 

Vermifit: 729 Offz.e, 43 730 Uffz.e und Mannsch. 

Gesamt: 29731 Offz.e, 916242 Uffz.e und Mannsch. 

Gesamtverlust des Heeres (ohne Kranke) 945 973 = 29,56 "/o des Ostheeres 
(3,2 Mill.). 

Lage: Siidlich des Ilmensees verscharft. Neue Krafte des Feindes sind auf= 
getreten und werden welter herangefiihrt. Im iibrigen keine wesentliche Ver= 
anderung. Uberall Abwehrerfolge. An einzelnen Stellen Ausraumen feind= 
licher Kessel (4. Armee). Eigene Verluste nehmen zu. 

[In der Nacht vom 14./!^. Februar britischer Luftangriff auf Mannheim.] 

16. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Keine wesentliche Veranderung der Lage. Bei Staraja Russa Angriff des 
Russen siidlich der Stadt zuriickgeworfen. — Am Wolchow Atempause. An der 
Ladoga=Front schwere Panzerangriffe abgewiesen. 

17. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Auf der gesamten Front verhaltnismafiig ruhig. Selbst bei Staraja Russa, 
wo unser Gegenangriff der 5. lei. Div. eingesetzt hat, hat der Feind keine 
bemerkenswerten Anstrengungen gemacht. 

Bei 2. Pz.Armee auf der Ostfront neue, aber ergebnislose Angriffe. 

Bei Besprechung der Nordlage verspricht der Fiihrer, mit seinen Mitteln zu 
helfen. Ergebnis: 337 (!) Lufttransportflugzeuge werden bis 18. 2. freigemacht, 
dazu 5 Pol. Btl.e, Norwegische Legion (1100 Mann) und 1 Btl. „Leibstandarte". 

18. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Wieder keine besondere Veranderung der Lage. Vor siidlichem Fliigel 
6. Armee und in Gegend Isjum besteht die Moglichkeit der Zusammenballung 
starker Kav.Krafte. 

Die Angriffe an der Ostfront 2. Armee und 2. Pz.Armee beschranken sich 
auf ganz geringe ortliche Erfolge. Auf der Ostfront der HGr. Mitte im all= 
gemeinen Ruhe. Bei Rshew Abwehrerfolge. 

298 



21. Februar 1942 

Bei Welish verstarkter Feinddruck, ebenso bei Cholm. 

Lage bei Staraja Russa ist durch Angriff der 5. lei.Div. zum Stehen gekom* 
men. Neue Feindkrafte werden weit siidlich ausholend gemeldet. 

Wolchow= und Ladoga=Front im wesentlichen unverandert. 

Besprechung beim Fuhrer mit v. Kluge und v. Kuchler. Ergebnis: v. Kluge 
wild die 3. Pz.Div., v. Kuchler die 18. lei.Div. versprochen. 

19. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Keine wesentliche Veranderung der Lage aufier bei Staraja Russa, wo der 
Feind nun auch nordlich der Stadt durchgebrochen ist. Wichtig ferner Wieder= 
aufnahme der Eisenbahn von Ostaschkow auf Toropez. 

20. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Verscharfung der Lage bei Isjum: Gefahr fUr Naht Mackensen — 6. Armee. 
Deutliche Anzeichen fiir Vorbereitung eines grofieren Angriffs gegen 6. Armee 
(Charkow). 

Absetzen von Luftlandetruppen im Riicken der Heeresgruppe Mitte nimmt 
zu. — Krafteverteilung vor 3. Pz. Armee immer noch unklar. Moglichkeit zu= 
nehmenden Druckes auf linken Fliigel XXIIL AK. und auf Cholm von Siiden. 

Zunehmender Druck auf Cholm von Norden. — Umgehung IL AK. aus 
Richtung Ostaschkow im Siiden und Westen. Umfassungsversuch unserer 
Staraja=Russa=Abwehr im Siiden. 

[Bis zu diesem Zeitpunkt an der Ostfront 14 ^S7 schwere, ca. 62 000 mittlere 
und 36 lyo leichte Erfrierungen. 
Ausfuhrliche Lagebetrachtung der Ski}] 

21. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Die Entwicklung der Lage steht unter dem Zeichen des angesagten Grofi= 
angriffs der Russen am 23. 2. 

Sud: Auf der Krim bei Sewastopol Angriffs vorbereitungen, desgleichen bei 
Kertsch. 

Bei 17. Armee starke Angriffe gegen IV. AK., die zum Zuriicknehmen der 
Front zwingen. 

Ernste Lage am Westfliigel 17. Armee, wo ein starker Infanterieangriff ein= 
gesetzt hat. 

1 Nr.i. Ski. I b 50JI42 g.Kdos.Chefs., Ausziige daraus in der Einfuhrung, S.6f. 

299 



B. Kriegstagebuch 

Bei 6. Armee unverkennbar Angriffsvorbereitungen gegen die „Charkower 
Front". 

Mitte: Zunahme und Riihrigkeit der Feindteile hinter der Front 4. Armee. 

Angriff mit neuen Kraften gegen Mitte und Westfliigel XXIII. AK. der 
9. Armee. 

Es scheint, als ob der Feind gegen Welish keine weiteren ernsten Angriffe 
mehr beabsichtigt, sondern mit frischen Kraften der 4. StoEarmee die Ver= 
bindung zur 39. Armee sucht. 

Nord: Drei Richtungen der feindlichen Anstrengung siidlich Ilmensee: 
Cholm, Staraja Russa und Abschniiren des II. AK. Am Wolchow und an= 
scheinend auch an der Ladoga=Front keine grofien Ereignisse zu erwarten. 

In Leningrad wird die Ablosung der Pol.Div. vom Feind laut glossiert. 

22. Februar 1942 
Notizen Haiders zur Lage 

Lage: Bei Sud Verscharfung der Lage durch panikartiges Versagen einer 
rum. Division; anscheinend fiir den Feind selbst iiberraschend, daher zunachst 
nicht ausgeniitzt. 

Bei Mitte: Am Westfliigel XXIII. AK. starker Druck von Norden und von 
Westen. 

Bei Nord: wird bei II. AK. Zusammenziehen des II. AK. notwendig: „Fe= 
stung Demjansk"'. Bei Cholm Spannung, Ladoga desgleichen. 

23. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Die erwarteten feindlichen Angriffe zu Ehren des Tages der Roten Armee 
sind ausgeblieben. Lage im wesentlichen unverandert. Druckpunkte sind 
Ukraine (Isjum), Gegend siidwestl. Juchnow, der linke Fliigel XXIII. AK. und 
die H.Gr. Nord. 

24. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Verluste im Osten: 22. 6. 41 — 20. 2. 42 

Verwundet: 21 ^^^ Offz.e, 708 455 Uffz.e und Mannsch. 

Gef alien: 8 107 Offz.e, 198 017 Uffz.e und Mannsch. 

Vermifit: 747 Offz.e, 45 019 Uffz.e und Mannsch. 

Gesamt: 30464 Offz.e ^ 951 491 Uffz.e und Mannsch. 
Gesamtverlust: 981 895 = 30,68 Vo von einer Durchschnittsstarke des Ost= 
heeres von 3,2 Mill. 

1 In den Zahlenangaben bei den Offizieren steckt ein Fehler; daher auch die Ge= 
samtzahl ungenau. v 

300 



28. Februar 1942 

Ein im ganzen auffallend ruhiger Tag! 

Im Kessel von Isjum scheint sich der Druck nach Westen zu verstarken. Bei 
2. Pz.Armee starke Partisanentatigkeit. Bei 4. Armee greifen die Kampfe wie= 
der einmal auf die Juchnower RoUbahn iiber. Auch die Wjasmaer RoUbahn 
ist voriibergehend unter feindlichem Feuer. Bei XXIII. AK. werden die An= 
griffe von Norden abgewehrt. Umfassungsbewegungen von Westen und Siid= 
westen heben sich ab. 

Bei Heeresgruppe Nord unverandert; nur im Kessel am Wolchow scheint 
sich der Druck nach Norden in Richtung Ljuban zu verstarken. An der La= 
doga=Front wieder schwere Angriffe abgewiesen. 

25. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

An der ganzen Front auffallend ruhiger Tag. Anscheinend Umgruppierun= 
gen, Zufiihrungen von personellem und materiellem Ersatz; 
Vorbereitungen zum weiteren Angriff. 

26. Februar 1942 
Notizen Haiders zur Lage 

Im allgemeinen sehr ruhiger Tag! Gegen RoUbahn 4. Armee neuerdings 
starkerer Druck mit Panzern. Im iibrigen keine wesentlichen Veranderungen. 

[In der Nacht vom 2^. fid. Februar britischer Luftangriff auf Kiel] 

27. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Angriff auf Krim hat begonnen. Auf Kertscher Seite gegen den Nordfliigel 
(Rumanen) mit Erfolg. Gegenangriff ist vorbereitet. 
Im iibrigen keine wesentliche Veranderung der Lage. 

[In der Nacht vom 26./2J. Februar britischer Luftangriff auf Kiel] 



28. Februar 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Die Lage hat sich ziemlich auf der ganzen Front erheblich belebt. 

Schwere Angriffe auf der Krim von beiden Seiten; abgewiesen! 

Schwere Angriffe gegen Mackensen und am Bachmut, schwachere gegen 
XL AK. 

Lebhaftere Feindtatigkeit bei Mzensk und Suchinitschi. An der RoUbahn 
nach Juchnow imd der Ostfront von H.Gr. Mitte die iibUchen Angriffe. 

301 



B. Kriegstagebuch 

Sensation am Westfliigel XXIII. AK. : Angeblich f eindlicher Bahnverkehr 
bis dicht an den Westfliigel XXIII. AK. heran. Auch neue Strafienverbindungen 
mit zahlreichem Kraftwagenverkehr soUen auf einmal von Ostaschkow und 
Toropez dorthin bestehen. 

Bei H.Gr. Nord weiterhin starker Druck auf Cholm von Nord und Slid. 
Lage II. AK. unverandert schwierig. 

Luftversorgung nur knapp ausreichend. 

Nordlich des Ilmensees rafft der Feind alle Krafte zusammen, um den Druck 
aus dem Einbruchssack westlich des Wolchow auf Ljuban zu verstarken. Daher 
erhebliches Nachlassen des Druckes auf XXXVIII. AK. 

Grof,e Besprechung beim Fiihrer mit OB H.Gr. Mitte und den zugehorigen 
Armeefiihrern 2. Pz., 4., 4. Pz., 9., 3. Pz.Armee. Eichenlaub=Verteilungen. Mo= 
del wird Generaloberst. 

Die Besprechung bestatigt die Bilder, die wir von den Armeen batten. Die 
bisher erteilten Auftrage bleiben bestehen. 

[In der Nacht vom zy/zS. Februar britische Luftangriffe auf Wilhelmshaven 
und Kiel Schwere Beschadigung des Schlachtkreuzers „Gneisenau" .] 

l.Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Fortsetzung der schweren Angriffe auf der Krim und im Bogen von Isjum. 
AUenthalben erfreuliche Abwehrerfolge. 

An der Ostfront der 2. Pz.Armee und der 4. Armee scheinen sich neue An= 
griffe des Feindes vorzubereiten. Gegen den Westfliigel des XXIII. Armeekorps 
starker Feinddruck, bisher ohne Erfolg. 

Bei H.Gr. Nord unverandert. Die auf Ljuban vorgeworfenen Telle des Fein= 
des sind abgeschniirt. 

[Deutscher Luftangrijf auf Anlagen in Sudw est en gland.] 

2. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Besprechung beim Fuhrer mit den OB und Kdr. Generalen der H.Gr. Nord. 

Ergebnis: Angetreten am Wolchow: 7. Marz (bis 12.). Gefordert wird Zu= 
sammenfassen der Luftwaffe: 7. 3. bis 14. 3. 

Fuhrer fordert: Mehrere Tage vorher vorbereitende Wirkung der Luftwaffe 
(schwerste Bomben gegen Lager in Waldern). Nach Abschlufi des Einbruchs 
am Wolchow soil nicht mehr viel Blut aufgewendet werden, um den Feind 
im Sumpf niederzukampfen; man mufi ihn verhungern lassen. 

Antreten Cholm 5. 3. Zufiihrung von Infanteristen notwendig. Artillerie 
und schwere Waffen vorhanden. 



302 



5- Marz 1942 

Fiir 7/. AK. Zufiihrung von Luftwaffen=Feldbtl.en erwunscht; Zufiihrung 
von Ersatz, der bei Heeresgruppe bereit ist, notwendig. 

Antreten Staraja Russa: 13.— 16. 3. — Angriffsansatz noch unklar. 

Mir scheinen 2 Akte notwendig: Schlagen der Briicke zu II. AK. und dann 
Besitznahme der Strafie Staraja Russa— Demjansk. 

Da der Angriff der H.Gr. Mitte auf Ostaschkow wahrscheinlich zwischen 
12. und 16. 3. fallt, konnen die Luftflotten bei den H.Gr.en nur fiir ihre eigene 
H.Gr. eingesetzt werden. Das schliefit gelegentliche Aushilfe fiir Sonderauf= 
gaben nicht aus. 

Die Lage zeigt im allgemeinen keine wesentlichen Veranderungen. Die An= 
griffe des Feindes auf der Krim und bei 17. Armee sind abgeschlagen. Auf den 
iibrigen Fronten nur geringere Kampfhandlung. 

3. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Auf der Krim infolge beginnender Verschlammung Nachlassen der Angriffe. 
Bei Kleist erfreuliche Angriffserfolge, besonders an der gefahrlichen Stelle 
bei 1. Geb.Div. Auf der iibrigen Front aufier den ortlichen Angriff en keine 
wesentlichen Ereignisse. 

Ob die seit langerer Zeit angesagten Angriffe in Richtung Orel und gegen 
den Suchinitschi=Bogen wirklich kommen werden, bleibt abzuwarten^ 

Bei Nord siidlich des Ilmensees keine wesentliche Veranderung, nordlich 
des Sees vermehrte Umgruppierung des Feindes gegen die Nordfront des 
Einbruchsackes. 

4. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

In der Lage keine wesentliche Veranderung. Aussprache Fuhrer mit von 
Kluge liber Vermeiden von Kraftezersplitterung zugunsten Angriffs auf 
Ostaschkow. 

[Schwerer britischer Luftangriff auf die Renault=Werke in Billancourt bei Paris 
in der Nacht vom ^.14. Marz.] 

5. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Verluste des Ostfeldzuges vom 22. 6. 41 — 28. 2. 42 

Verwundet: 22 119 Offz.e, 725 642 Uffz.e imd Mannsch. 
Gef alien: 8 321 Offz.e, 202 251 Uffz.e und Mannsch. 

Vermifit: 792 Offz.e, 46 511 Uffz.e und Mannsch. 

Gesamt: 31232 Offz.e, 974404 Uffz.e und Mannsch. 



1 Die 4. Armee raumt Juchnow. 



303 



B. Kriegstagebuch 

Gesamtverluste des Heeres (ohne Kranke) : i 005 636 — 31,40^0 bei Durch= 
schnittsstarke des Ostheeres von 3,2 Mill. 

Lage: Ohne wesentliche Anderung. Krim Ruhe (Bodenverhaltnisse). Ukraine 
Angriffe abgewiesen. — Siidl. und siidwestl. Suchinitschi nimmt der Feind= 
druck zu. 

An den beiden Fliigeln der 4. Pz.Armee (17. und 35. Div.) feindliche Ein= 
briiche, ebenso an der Nordfront XXIII. AK., allerdings nur ortlicher Art. — 
Bei H.Gr. Nord keine Veranderung; Druck auf II. AK. halt an. 

6.Marzl942 

Notizen Haiders zur Lage 

In der Lage keine wesentlichen Veranderungen. Teils infolge des Wetters, 
teils infolge des Krafteverbrauchs beschranken sich die Angriffe des Feindes 
auf ortliche Vorstofie. 

7. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 
In der Lage keine wesentliche Veranderung. 



8. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Uberraschender Angriff gegen XIV. AK. bei v. Kleist, ferner gegen Sud= 
fliigel und Ostfront der 6. Armee. Fiihrer gibt gegen meinen Antrag 3. Pz.Div. 
an Bock frei. 

Im librigen aufier kritischer Lageentwicklung bei Cholm nichts grundsatzlich 
Neues. 

H.Gr. Mitte verzettelt ihre Krafte gegen russische 39. Armee. Fiihrer kann 
sich noch nicht zu einem klaren Befehl entschliefien. 



9. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Angriffe gegen Siidfliigel und Mitte der 6. Armee haben ortliche Erfolge. 
Bei Suchinitschi erhebliche Verstarkung des Feindes. An der Westfront der 
9. Armee (russ. 39. Armee) einige Erfolge. 

Bei Cholm mit starker Fliegerwirkung ortliche Fortschritte. 

[In der Nacht vom 8jg. Marz britischer Luftangriff auf Essen.] 



304 



12. Marz 1942 

10. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 
Angriff gegen Siidfliigel der 6. Armee abgefangen, gegen Ostfront der 6. Ar= 
mee mit ortlichen Erfolgen des Feindes im Gange. 
Im grofien keine entscheidenden Veranderungen. 

[In der Nacht vom g./io. Marz britischer Luftangriff auf Essen.] 



11. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Lage: Trotz harter Angriffe an Ostfront und Nordfront der Gruppe Kleist 
keine nennenswerten feindlichen Erfolge. 

Besprechung beim Fiihrer mit Gfm. v. Kluge und Generaloberst Model. 

Besprechung der Lage (v. Kluge lebt nur von Tageseindriicken und denkt 
nicht voraus; abhangig von seinen willensstarken Armeefiihrern). Bespre= 
chung der Absichten an Westfront der 9. Armee (der Fiihrer lajSt wieder un= 
notig viel Freiheit) und des Angriffs auf Ostaschkow. Die Art des Vortrags 
gibt kein Bild der gedanklichen Grundlagen des Ansatzes. 

Mehrfache Gesprache mit v. Kuchler. Beimruhigt iiber die durch Wetter= 
lage bedingte Verschiebung des Angriffs am Wolchow. Der Fiihrer verlangt 
aber Verschiebung bis zu einer Wetterlage, die voUen Einsatz der Luftwaffe 
erlaubt. 

Besprechung des Angriffsansatzes Staraja Russa, bei dem der entscheidende 
Angriffskeil zu schwach zu sein scheint. 

[In der Nacht vom lo./ii. Marz britischer Luftangriff auf Ziele im Ruhrgebiet 
sowie auf Bengasi.] 

12. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Angriffe bei H.Gr. Siid flauen im Isjum=Bogen ab; bei 6. Armee greifen 
6 Div.en an. Drtliche Spannung. Angriffe gegen Ost= und Nordfront der 
2. Pz.Armee halten an. Bei 9. Armee Wiederaufleben der Angriffe an der 
Nordfront. 

Bei H.Gr. Nord konnte Wolchow=Angriff immer noch nicht starten (kein 
Fliegerwetter). Zunehmende Spannung bei Pogostje. 

[Vortrag des Ob.d.M. beim Fiihrer^.] 

1 Vgl. Niederschrift hieriiber Nr. 1, Ski. lb ^88/42 g.Kdos. Chefs, in: Lagevortrage 
des Ob.d.M., a. a. O. 

305 



B. Kriegstagebuch 

13. Marz 1942 
Notizen Haiders zur Lage 

Krim: Auf Kertsch haben Angriffe wieder begonnen (ortliche Erfolge am 
Nordfliigel). 

Bei V. Kleist erfolgreicher Gegenstofi 60. mot.Div. entlastet die Lage. 

Bei 6. Armee dauern die Angriffe an. Angriffsgruppe (anscheinend 6 feindl. 
Div.en) scheint nicht verstarkt zu sein. 

An der iibrigen Front nichts wesentlich Neues. Einzelheiten : Angriff nord= 
westl. Rshew, anscheinend Verstarkung Demidoff— Welish; gespannte Lage 
bei Pogostje. 

H.Gr. Nord: Der urspriinglich fiir 13. geplante Angriff am Wolchow wird 
verschoben. Unstimmigkeiten zwischen Erd= und Luftfiihrung. 

[In der Nacht vom i2./i^. Marz britischer Luftangriff auf Kiel] 



14. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Angriff Kertsch mit schweren Verlusten abgewiesen. Angriff im Isjum= 
Bogen fortgesetzt, aber abgewiesen. 

Bei 6. Armee sind die Angriffe im nordlichen Teil des Angriffsfeldes zu= 
riickgeworfen, im Siidteil erschweren die Walder noch den Uberblick. An den 
iibrigen Frontstellen keine Veranderung der Lage. 

Fast an der ganzen Front schwere Schneestiirme, die auch ernste Verkehrs= 
schwierigkeiten zur Folge haben, und Kalteriickfall. 
Verluste 22. 6. 41 — 10. 3. 42 

Verwundete: 22551 Offz.e, 750634 Uffz.e und Mannsch. 
Gef alien: 8456 Offz.e, 210595 Uffz.e und Mannsch. 

Vermilit: 805 Offz.e, 47 959 Uffz.e und Mannsch. 

Gesamt: 31812 Offz.e, 1009188 Uffz.e und Mannsch. 

Gesamtverlust (ohne Kranke) : 1 041 000 — 32,53 Vo bei durchschnittlicher 
Starke des Ostheeres von 3,2 Mill. 

[In der Nacht vom i^./i4. Marz britischer Luftangriff auf Koln.] 

15. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

[FUhrer in Berlin^.] 

Angriff auf der Krim bei Sewastopol und bei Kertsch. Bei letzteren An= 
griffen ortliche Feinderfolge. 

1 Rede Hitlers anlajilich des Heldengedenktages im Berliner Zeughaus. 

•^06 



i8. Marz 1942 

Bei H.Gr. Slid siidlich des Donez Angriffe abgewiesen. Nordlich des Donez 
ist im Nordteil des Angriffsfeldes Lage gespannt, im Siidteil sehr unklar. 

Bei H.Gr. Mitte infolge unerhorten Schneesturms im allgemeinen geringe 
Gefechtstatigkeit. Nur bei 9. Armee (Nordfront) sehr ernste Angriffe. 

Bei H.Gr. Nord ist der Wolchow=Angriff angetreten und hat im Siiden ge= 
ringe, im Norden befriedigende Fortschritte gemacht. 

An der Ladoga=Front dauern die feindlichen Angriffe an; die Lage bleibt 
gespannt. 

[In der Nacht vom 14./!^. Miirz britische Luftangriffe auf Ziele auf Rhodes 
und bei Heraklion (Kreta).] 



16. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 
[Fuhrer in Berlin.] 

Fortsetzung der Angriffe bei Kertsch und an den iibrigen Druckstellen der 
Heeresgruppe Siid ohne Erfolg. Auch bei Mitte nur ortliche Feindangriffe ohne 
Erfolg. Bei H.Gr. Nord am Wolchow langsame Fortschritte; bei Pogostje Ab= 
wehrerfolg, aber noch keine Sicherheit gegen weitere ernste Spannungen. 

17. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 
[Fuhrer von Berlin zurUck.] 

Ohne wesentliche Veranderungen. Der Angriff am Wolchow gewinnt nur sehr 
langsam Boden. Bei Pogostje vermehrte Spannung. 

18. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Die Angriffe im Bereich der Heeresgruppen Siid und Mitte werden fort= 
gesetzt, tragen aber unzusammenhangenden und ortlichen Charakter. Nen= 
nenswerte neue Verbande werden nicht eingesetzt. Bei Kertsch fallt die Zahl 
der Panzer auf; es sind aber meist wertlose alte Panzer aus Schulverbanden pp. 

Bei Heeresgruppe Nord gewinnt zwar der am Wolchow von Norden her 
angesetzte Angriffskeil westlich der Strafie langsam an Boden. Der siidliche 
Angriff kommt aber nicht vorwarts, weil hier der Feind sehr stark gegen= 
angreift. Im Wolchow=Kessel scheint die feindliche Angriffskraft allmahlich 
etwas zu erlahmen, aber bei Pogostje macht der Feind dauernd kleine ortliche 
Fortschritte, welche die Lage doch als recht gespannt ansehen lassen. 

V. KUchler will mit Riicksicht auf die immer gespannter werdende Lage 
bei IL AK. den Angriff bei Staraja Russa am 20. 3. fiihren. Der Fiihrer will 

307 



B. Kriegstagebuch 

aber diesen Angriff erst loslassen, wenn die Liicke am Wolchow geschlossen 
ist. Man kann nur hoffen, dajS bis zu diesem Zeitpunkt die Lage bei Zorn nicht 
unertraglich geworden ist. 

19. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Der Gegner versucht offenbar, vor Eintritt des Tauwetters noch zu ort= 
lichen Erfolgen zu kommen. Der Tag war zwar ruhig, aber die Vorbereitung 
zu weiteren Angriffen ist an den bekannten Druckstellen zu erkennen. 

Wolchow=Front ist geschlossen. Lage bei Pogostje wird immer schwieriger. 



20. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Auf der Krim ist ein Gegenangriff der ii. Armee an der Kertsch=Front nur 
teilweise gelungen. 22. Pz.Div. ist im Angriff auf starke Feindpanzer gestofien 
und anscheinend zuriickgeworfen worden. Bei 6. Armee am Nordfliigel des An= 
griffsbereichs emeut feindliche Angriffe, die abgewiesen wurden. 

Bei Heeresgruppe Mitte aufier bei 35. Div. auf der Westfront keine wesent= 
lichen Kampfhandlungen. Es scheint aber, als ob dort Feind weitere Angriffe 
vorbereite. 

Bei 9. Armee haben unsere Angriffe nur geringen Erfolg gehabt. 

Bei Staraja Russa sind vorbereitende Fliegerangriffe durchgefiihrt worden. 
Der Angriff selbst wird morgen gefiihrt werden. Lage bei II. AK. wird wieder 
zuversichtlich beurteilt. 

An der Wolchow=Front nur schwachliche Angriffe gegen die geschlagene 
Briicke, aber Antransport neuer Krafte von Osten. 

Bei Pogostje Lage gefestigt. 

An der Kronstadter Front erstmals wieder ortliche Angriffe mit Panzern. 



21. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Angriff Staraja Russa angetreten. Befriedigende Erfolge bei 5. lei. Div. Im 
iibrigen noch geringe Erfolge. 

Im iibrigen ist die Lage gegeniiber dem Vortag an der gesamten Ostfront 
imverandert. 

22. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Angriff Staraja Russa schreitet befriedigend fort. 
Im ubrigen keine wesentlichen Veranderungen. 

308 



25. Marz 1942 

23. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 
Ohne wesentliche Veranderung. Angriff Staraja Russa schreitet vorwarts. 
Spannungen bei Pogostje wachsen. Um letztere auszusitzen, wird vom Fiihrer 
das fiir die Inselunternehmung herangefiihrte Gebirgsjagerregiment frei= 
gegeben. 

[Weisung 40 betr. Befehlsbefugnisse an den Kusten vom 23. 5. ig42^.] 



24. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

[Konig Boris beim Fiihrer; kein FUhrervortrag.] 

Im allgemeinen ein besonders ruhiger Tag. Angriff bei Staraja Russa sdirei= 
tet recht befriedigend vorwarts. 

Die Lage bei Pogostje bleibt gespannt, doch ist zu erwarten, daJS sie bis 
zum Eintreffen der Gebirgsjager gehalten werderi kann. 

Unbequem ist im Riickeri der Heresgruppe Mitte die Lage um Jelnja, das von 
Partisanen und Teilen der aktiven durchgebroch. Truppen scharf angegriffen 
wird. Bis ausreichende Kraf te unsererseits heran sind, werden 2 Tage vergehen. 

[In der Nacht vom 2^.124. Marz deutscher Luftangrijf auf Dover. Luftangrijf 
auf Malta mit etwa 200 Flugzeugen.] 



25. Marz 1942 

Verluste vom 22. 6. 41 bis 20. 3. 42. 

Verwundet: 23026 Offz.e, 773490 Uffz.e und Mannsch. 
Gef alien: 8640 Offz.e, 216919 Uffz.e und Mannsch. 

Vermifit: 819 Offz.e, 50122 Uffz.e und Mannsch. 

Gesamt: 32485 Offz.e, 1040581 Uffz.e und Mannsch. 

Gesamtverlust bei den Ostoperationen (ohne Kranke): 1 073 066 = 33,52^0 
bei 3,2 Mill. 

An der Kertsch=Front starker Abwehrerfolg. Auch Gruppe v. Kleist hat aus= 
gesprochenen Abwehrerfolg; starke Beanspruchung der Truppe. Paulus macht 
erfolgreichen Gegenangriff. 

Bei H.Gr. Mitte lebt Angriff bei 4. Armee (RoUbahn) wieder auf. Im iibrigen 
Hauptsorge um Riicken (feindl. Garde=Kav.Korps gegen Gruppe Haase). Bei 
9. Armee weitere schwere Angriffe mit Einsatz einer neuen Panzerbrigade 
beim Feind. 



Vgl. Walther Hubatsch, Hitlers Weisungen fiir die Kriegfiihrung ig^g—45, Frank' 
furt a. M. (Bernard & Graefe Verlag fiir Wehrwesen) 1962, S. 1^6—182. 



309 



B. Kriegstagebuch 

H.Gr. Nord: Gutes Fortschreiten des Angriffs Staraja Russa. Angriff Po= 
gostje: nach recht tiefem Einbruch anscheinend voriibergehend eingedammt. 
Gebirgsjager fiir Gegenangriff im Anmarsch. 

Beim Fuhrer: Langer Vortrag Feldmarschall List iiber seine Reiseeindriicke 
Norwegen und Lappland. Lehnt ein Wehrmachtoberkommando iiber den Nor= 
den als unnotig ab, weil Nordteil immer allein handeln miisse, Siidteil straff ge= 
fiihrt sei. 

[Schwerer Luftangriff auf Malta mit etwa go Vlugzeugen.] 



26. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Lage fast vollig unverandert. Geringe Kampftatigkeit. Infolge Vereisungs= 
gefahr auch geringe Lufttatigkeit. Etwas lebhaftere Kampftatigkeit nur bei 
6. Armee, wo der Angriff Breith auf feindlichen Gegenangriff gestofien ist, und 
bei Pogostje, wo die Lage sich unerfreulich entwickelt (tiefer Einbruch, angeb= 
lich mehrfach 52=to=Panzer). 

Noch iiberall Tauwetter. Dadurch erhebliche Bewegungshindernisse. 

[In der Nacht vom z^./id. Marz britischer Luftangriff auf Ziele im Ruhrgebiet.] 



27. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Lage: Vor 6. Armee hat der Feind seine letzte Reserve (IIL Garde=Kav.= 
Korps) eingesetzt. — Bei 4. Armee Druck auf 19. Pz.Div. Folge: Verzogerung 
Kirow. Bei 9. Armee schwerer Angriff von Norden und Siiden westlich Rshew. 
Folge: Vorschlag einer „kleinen Losung'' und innerliches Abriicken von 
Ostaschkow. 

Bei Nord weitere Verschlechterung der Lage siidlich Pogostje. 

[Auf Anregung des OB West befiehlt der FUhrer die Obernahme der Isle de 
Croix durch die Kriegsmarine.] 



28. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Abgewiesener englischer Angriff gegen St. Nazaire. 

Lage: Heftige Angriff e auf 9. Armee westlich Rshew von Siiden und Nor= 
den fuhren zu verscharfter Lage. 

Die „Briicke'' am Wolchow vom Feind wieder zerstort. Ein Nachschubweg 
ist fiir ihn wieder offen. Lage bei Pogostje empfindlich gespannt. 

310 



31- Marz 1942 

Im iibrigen an der Front Fortsetzung der Feindangriffe bei Kertsch und 
Woltschansk, unsererseits mit Erfolg bei Staraja Russa. 

Die innere Einstellung der Fiihrung zur Durchfiihrbarkeit des Angriffs auf 
Ostaschkow wird immer unsicherer. 

Auch das mit grofiter Beredsamkeit angepriesene Kirow=Untemehmen 
schrumpft immer mehr zu einer Notlosung zusammen. Die Fiihrung der Hee= 
resgruppe Mitte ist recht schwach, aulierdem recht redselig. 

Besprechung beim Fuhrer: iiber Grofie Lage. Vortrag: Aufmarsch zu „Sieg= 
fried''. Einverstanden ! 



29. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Bis auf H.Gr. Nord keine wesentlichen Veranderungen. Nur bei 4. Armee 
wird der Druck gegen 19. Pz.Div. starker. 

Bei H.Gr. Nord ist die Briicke am Wolchow endgiiltig wieder geplatzt. Die 
Lage siidlich Pogostje ist recht unerfreulich. 

Gegen den „Flaschenhals'' stehen Angriffe bevor. Das Gesamtbild ergibt, 
daii der Feind vor Beginn der Schneeschmelze verzweifelte Bemiihungen macht, 
noch zu einem Erfolg zu kommen. Schwerpunkt im Norden. 

[In der Nacht vom iS.lig. Marz britischer Luftangriff (2^4 Bomber) auf 
Liibeck. Zerstorung der Innenstadt, ^20 Tote, y8^ Verletzte.] 



30. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Lage ohne wesentlicheVeranderung. UnserAngriff bei Staraja Russa hat nicht 
wesentlich Boden gewonnen und mufi Schwerpunkt an den Nordfliigel ver= 
legen. Am Wolchow ist die Liicke noch nicht geschlossen. Bei Pogostje ist der 
Gegenangriff gut angelaufen. An der iibrigen Front verhaltnismafiig Ruhe. 

31. Marz 1942 

Notizen Haiders zur Lage 

Besprechung beim Fuhrer mit v. Kluge und Model. Beide melden, dafi die 
Beanspruchung der Truppe die Durchfiihrung des Angriffs auf Ostaschkow im 
jetzigen Augenblick nicht erlaube. 

Entscheidung : An der Rshewer Front sollen die Bemiihungen der 9. Amee 
sich darauf beschranken, die Voraussetzung fiir den Start „Briickenschlag'' 
nach der Schlammzeit zu schaffen, im iibrigen die Zugangswege fiir russ. 29. 
und 39. Armee mit moglichst geringen Kraften sperren. H.Gr. soil aulierdem 
in ihrem riickwartigen Gebiet Ordnung machen und Krafte ausgleichen. 

311 



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Das zweite Quartal 
(1. April bis 30. Juni 1942) 



1. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW*) 
Gen.Oberst Haider schneidet beim Lagevortrag^ die Frage an, wie die 
Operationsabsichten im Siiden getarnt und die Fiktion einer Fortfiihrung un= 
seres Angriffs auf Moskau aufrechterhalten werden konnen. Der Fuhrer be= 
fiehlt u. a., dafi in den mit den Verbiindeten zu fiihrenden Vorbesprechungen 
aufierste Vorsicht zu walten habe und die Ziele der Operationen nicht zu nen= 
nen seien. Grundgedanke der Mafinahmen zur Tauschung des Gegners soil 
ein Angriff auf Moskau sein. 

Gen.Oberst Haider legt dem Fuhrer ein Fernschreiben an die H.Gr. Mitte 
(nachrichtlich an H.Gr. Nord) vor, das das Ergebnis der gestrigen Besprechung 
zusammenf afit : Die Durchfiihrung des Angriffs auf Ostaschkow nach Be= 

1 Fur das zweite Quartal steht anstelle des fiir verloren anzusehenden Kriegs= 
tagebuches des WFStabes das Kriegstagebuch der Kriegsgesdiiditlichen Abteilung 
des OKW (unter Oberst d. G. Scherff) zur Verfiigung. Dieses wurde in der Zeit 
vom 1. April bis 30. Juni 1942 alter Wahrscheinlichkeit nach von dem Gehilfen 
Scherff s, demRittmeister der Reserve Dr. H. Scheidt, gefUhrt. In ihm sind folgende 
Verweise enthalten: Sch. = Aufzeichnungen und mUndliche Mitteilungen von 
Oberst d. G. Scherff (vom KTB=FUhrer unmittelbar in das KTB hineingearbeitet) ; 
Stellv.WFSt = das (als verloren anzusehende) KTB WFStabes; Ausl. — Kriegs= 
tagebuch der Abteilung Ausland; VJNV — Kriegstagebuchmeldungen der Ab= 
teilung Wehrmachtnachrichtenverbindungen. Fotokopien dieses KTB der Kriegs- 
geschichtlichen Abteilung stellte das Institut fUr Zeitgeschichte MUnchen zur 
Verfiigung. Das KTB war unter der Nr. iSoy in die PS=Dokumentenreihe der 
NUrnberger Dokumente eingereiht. 

Fiir die Zeit vom i. Mai bis ^o. Juni standen ferner die Lageberichte des OKH 
zur Verfiigung. Sie entstammen dem Teil D des KTB der 1. Ski. (Kr IJ862 f., 
19326 f., 17596 g — Kr 200 76 f. OKM). Fotokopien hiervon verdanke ich der 
freundl. Vermittlung von Professor Dr. Walther Hubatsch. 

Fiir die Zeit vom 1. bis 30 April wurden die Lagenotizen des Chefs des GeneraU 
stabes des Heeres, Generaloberst Haider, zur Erganzung mit aufgenommen. 
Die OKH=Lageberichte wurden jeweils fiir 8.00 Uhr des betreffenden Tages 
zusammengestellt. 

2 Notizen Haiders: 

„Ohne grundsatzliche Veranderungen. Bei Staraja Russa langsamer Fortsdiritt." 

313 



B. Kriegstagebuch 

endigung der Schlammperiode ist vorzubereiten. Daneben steht das Ordnen 
der Krafte und das rechtzeitige Herauslosen der fiir Abgabe bzw. Auffrischung 
vorgesehenen Verbande und Heerestruppen im Vordergrund der Aufgaben 
der Heeresgruppen^. 

Der Tuhrer rechnet damit, dajS die Tiirkei eines Tages auf unsere Seite uber= 
tritt, und gibt Anweisung, den Wiinschen der Tiirken auf Waffenkauf weit= 
gehend nachzukommen. 

Lagebeurteilung des Oberbefehlsh. West vom 30. 3. 

Gen.Major Juppe, bisheriger Chef der Amtsgruppe WNV, wird versetzt zur 
Fiihrerreserve OKH. Zum Chef der Ag. WNV wird ernannt: Oberst Thiele, 
OKH/Chef des Stabes des Chefs HNV. (WNV) 



2. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 

Der Angriff des X. AK. zum Entsatz des im Raum um Demjansk eingeschlos= 
senen II. AK. gewinnt Boden. Die Strafie Kobylkino— Staraja Russa wurde 
bei Borrissowo erreicht^. 

In der Nacht zum 1. 4. sind die norwegischen Schiffe in Goteborg aus= 
gelaufen. Von 5 Tankern, 4 Dampfern und 1 Walkocherei haben sich beim 
Angriff der deutschen Vorpostenboote selbst versenkt: a Walkocherei, 1 Tan= 
ker, 2 Dampfer. 2 Dampfer sind in die schwedischen Hoheitsgewasser zuriick= 
gekehrt. Einer oder auch zwei Tanker sind von der Luftwaffe versenkt. Von 
2 Tankern fehlt Meldung. Die Schiffe waren zum groliten Teil bewaffnet und 
haben das Feuer erwidert. 

Auf Grund einer am 1. 4. vorgelegten Ubersicht liber die in Norwegen be= 
findHchen und in den nachsten Monaten dort zum Einsatz kommenden Streit= 
krafte der Kriegsmarine befiehlt der Fuhrer, die Verstarkung der in Norwegen 
befindlichen Seestreitkrafte zu beschleunigen. 

Der Fuhrer stellt erneut Oberlegungen an, welche Absichten und MogUch= 
keiten der Russe zur Fortfiihrung des Kampfes hat. Er halt es aus Griinden 
der industriellen Kapazitat fiir unwahrscheinlich, dafi der Russe namhafte 
neue Armeen aufstellen kann. 

Der Mil.Att. in Rom, Gen. v. Rintelen, iibersendet einen Bericht iiber die 
derzeitige Lage Italiens, der zu der Schlufifolgerung kommt, dafi die unge= 
niigende Kriegsvorbereitung und andere militarische und wirtschaftliche Man= 
gel den nachhaltigen und dauernden Beitrag Italiens zur gemeinsamen Kriegs= 



Gen.St.d.H./Op.Abt. (IM) Nr. 420199142 g.Kdos. Chefs, vom 1. April 1942 im 

Dokumenten=Anhang Nr. 6. 

Notizen Haiders: 

„Keine wesentlichen Veranderungen. Infolge schlechter Witterung Lufteinsatz 

bei Angriffen der Heeresgruppe Nord nicht moglich; daher keine Fortsetzung 

der Angriffe, sondern Aufschliefien." 



314 



5. April 1942 

fuhrung behindern. Die zukiinftige italienische Haltung und Fahigkeit hange 
vollig von der militarischen Entwicklung ab. Nach Ansicht des Comando Su= 
premo sei die Niederringung der UdSSR noch im Jahre 1942 allein entschei= 
dend. (Ausl.) 

3. April 1942 

(KTB der KriegsgeschichtlicKen Abteilung des OKW) 

Der Fuhrer betont die Notwendigkeit, die Bundesgenossen in der Offent= 
lichkeit mit ihren Leistungen und Schwachen auf das schonendste zu behan= 
deln. Kemal Atatiirk sei z. B. dutch unsere taktlose MilitarschriJFtstellerei iiber 
den Weltkrieg schwer verstimmt worden. — Er halt bei den Handelsbezie= 
hungen z. B. gegeniiber Rumanien grofite Loyalitat fiir notwendig. 

Der rumanische Generalstahschef, General Steflea, wird zu einem kurzen 
Hoflichkeitsbesuch vom Fuhrer empfangen. 

Dem Chef WFSt wird eine Tabelle eingereicht, aus der die moglicherweise 
zu erreichende Verkiirzung der Frontlange der H.Gr. Mitte und die sich daraus 
ergebenden Frontbreiten der eingesetzten Divisionen zu entnehmen sind^ 

Unter Bezug auf einen Bericht des Gen.Feldm. List erlafit Chef OKW eine 
Anweisung fiir die Mafinahmen zur Erhohung der Verteidigungskraft Nor= 
vvegens. 

4. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 
Vor der Front der 4. und 4. Pz.Armee ist eine Verminderung der feindlichen 

Angriffstatigkeit eingetreten^. 

Dem Fuhrer wird der 1. Entwurf zur Weisung Nr. 41 vorgelegt, die auf 

der Besprechung vom 28. 3. fufit. Der Fuhrer wird die Weisung selbst durch= 

arbeiten. 

5. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 
Gen.Oberst Haider tragt eine schriftliche Beurteilung der Lage der 11. Armee 
auf der Krim vor und macht den Vorschlag, den Gen.Oberst von Manstein 
demnachst zur miindlichen Berichterstattung heranzuziehen^. 



NoHzen Haiders: 

„Ohne wesentliche Veranderungen. Audi bei Staraja Russa infolge sdilechten 

Wetters und fehlender Fliegeruntersttitzung kein Angriff." 

Notizen Haiders: 

„Lage unverdndert. H.Gr.en Siid und Mitte stehen unter dem Zeichen des 

heginnenden Tauwetters. Bei H.Gr. Nord noch schlechte Wetterlage." 

Notizen Haiders: 

„AuffaUend scharfer Angriff gegen 9. Armee von Norden; angeblidi audi Panzer 

315 



B. Kriegstagebuch 

Der Fiihrer hat den Entwurf zur Weisung Nr. 41 stark durchkorrigiert und 
mit wesentlichen, von ihm selbst verfafiten neuen Teilen versehen. Die Wei= 
sung wird in dieser neuen Form an die Wehrmachtteile ausgegeben^. Haupt= 
sachlich der Teil, der die Hauptoperation betrifft, ist vom Fiihrer neu gefafit 
worden. Das Deckwort fiir die Hauptoperation „Siegfried'' wird durch den 
Decknamen „Blau'' ersetzt. Gleichzeitig werden „Besondere Anordnungen 
Nr. 1" ausgegeben beziigl. der Geheimhaltung tind der Propaganda. 

Dem Chef WFSt wird eine Ubersicht iiber die deutschen und italienischen 
Krafte auf Kreta vorgelegt; ebenso iiber die beabsichtigten Verstarkungen 
und den Stand der Bevorratung. Desgleichen wird dem Chef WFSt eine vom 
OKH eingereichte Ubersicht iiber den vorgesehenen Austausch von Westdivi= 
sionen gegen Ostdivisionen vorgelegt. (Naheres siehe Stellv.WFSt.) 

Bei Abt. Ausl. gehen Meldungen ein iiber die Vorbereitung eines etwaigen 
Einmarsches brit. Streitkrafte aus dem Gebiet der Siidafrikanischen Union 
nach Portugiesisch=Ostafrika. (Ausl. v. 14., 18., 21. 2., 4. u. 5. 4. 42.) 



6. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 

Die Bedrohung der Autobahn westlich Wjasma wurde durch die Angriffs= 
gruppe des V. AK. ausgeschaltet. 

Beim Lagevortrag^ bezeichnet es der Fiihrer als erwiinscht, an der Ost= 
front in der kommenden Zeit iiber starke Nachtbombergeschwader zum 
Angriff auf den russ. Nachschub zu verfiigen. 

Nach Meldung der Panzer armee Afrika vom 1. 4. belauft sich der Fehlbestand 
bei den deutschen Truppen dort auf 12000 Mann. Der Dt. General beim 
Hauptquartier der ital. Wehrmacht wird angewiesen, beim Comando Supremo 
die Wiederzulassung von Truppentransporten zu Schiff zu beantragen. 

Bericht des Militarbefehlshabers Frankreich vom 25. 3. 



im Siiden. Starker Panzerangrijf audi gegen XXXX. AK. (4. Armee). Im ubrigen 
unverandert. Gegeniiber v. Seydlitz rajft der Feind zwar seine Krafte zusammen, 
bringt aber nichts Neues heran. 
4 Vgl. W. Hubatsch, Hitlers Weisungen, a. a. O., S. 133—88. 
1 Notizen Haiders: 

„Verluste: 22. 6. 41 — 31. 3. 1942 

Verwundet: 23 54iOffz.e, ygg 38g Uffz.e u. Mannsch. 

Gef alien: 8827 „ , 223553 „ „ 

Vermijit: 885 „ , 51665 „ „ 

Gesamt: 33 223 „ , 1 074 607 „ „ 

Gesamtverluste des Heeres bei den Operationen im Osten (ohne Kranke): 

1 107 830 = 34,61 % bei 3,2 Mill. Starke [im Durchschnitt]. 
Lage: ohne wesentliche Verdnderungen. Verstarkung der feindlichen Panzer= 

zufUhrung gegen ig. Pz.Div. halt an; Angriff e gegen Nordfront g. Ar= 

mee verbreitern sich." 

316 



8. April 1942 

7. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 

Abschlufi eines Pacht= und Leihvertrages zwischen den USA und Ecuador. 

Ende der Seeschlacht im Indischen Ozean, bei der die brit. Kreuzer „Dor= 
setshire" und „Cornwair' versenkt wurden. 

Dem Lagevortrag^ wohnt der Chef des Gen.St.d.Lw. bei. Der Fuhrer hat 
gewisse Nachrichten, daJS die Englander im Mai oder Juni den Masseneinsatz 
von kleinen Bomben (1 kg) mit grolier Verzogerung planen, und ordnet ent= 
sprechende Untersuchungen fiir unsere Zwecke an. 

Der Fuhrer kommt auf den englischen Angriff gegen St. Nazaire zu sprechen 
und bezeichnet es als erwiinscht, dafi er die Westtruppen an der Kiiste aus 
ihrem Dornroschenschlaf geweckt und alle Krafte mobilisiert habe. 

Notiz iiber die Kopfstarke in den besetzten Westgebieten. 

Anlauf des Verstarkungsprogramms fiir Norwegen „Elch''. 

Der Fuhrer lafit durch Chef OKW den Ob.d.M. zur personUchen Bericht= 
erstattung dariiber auffordern, warum die Sicherung von St. Nazaire, soweit 
sie in das Aufgabengebiet der Kriegsmarine gehort habe, unzureichend ge= 
wesen sei. (Naheres s. Stellv.WFSt v. 7. 4., S. 3.) 



8. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 

Admiral Canaris (Chef Ausl/Abw) wird in Rom vom Duce empfangen. 
(Ausl. V. 9. 4.) 

Cen.Oberst Haider^ schlagt die Auflosung von zwei nur noch auf dem 
Papier vorhandenen Divisionen vor. Dies lehnt der Fuhrer aus Tarnungs= 
griinden ab. 

Der Fuhrer bespricht mit Gen.Feldm. Keitel und Cen.Oberst Haider die 
Stellenbesetzung fiir die neuen Operationsarmeen. 

Cfm. List hat am 26. 3. einen Vorschlag gemacht fiir die Zusammensetzung 
des Stabes eines Oberbefehlshabers Nordraum, der die oberste Kommando= 
spitze in Norwegen sein soil. Dem Vorschlag des Stellv. Chefs WFSt, von der 
Einsetzung einer Obersten Kommandobehorde in Skandinavien einstweilen 
Abstand zu nehmen, stimmen am 8. 4. Chef OKW und Chef WFSt zu. 

Abt. Ausl. iibersendet an das Auswartige Amt Bericht iiber die Tatigkeit 

1. der UdSSR=Gesandtschaft in Sofia, 

2. der Konsuln der USA in Franz.=Nordafrika, 

1 Notizen Haiders: 

„Lage unverdndert. Abgesehen von ortlichen Angriff en bei 4. und 9. Armee im 
allgemeinen Ruhe." 

2 Notizen Haiders: 

„Angriff v. Seydlitz schreitet langsam fort. Bei 11. Div. an der Bahndammstellung 
hat der Feind Vorteile errungen. Sonst keine V erdnderung." 

317 



B. Kriegstagebuch 

3. das Verhalten von USA und England in Tanger, 

4. diplomatische Meldungen iiber die Tatigkeit der USA in Tanger und Nord= 
afrika. 

In der Slowakei scheint eine Spannung zu bestehen zwischen dem Staats= 
prasidenten Tiso einerseits, Ministerprasident Tuka und Minister Mach an= 
dererseits. 

9. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 

Der Feind greift auf der Halbinsel Kertsch erneut an^. 

Auf Grund der Weisung Nr. 41 hat der Ob.d.L. der Luftflotte 4 als erste 
Mafinahme die Verlegung ihres Schwerpunktes zur Unterstiitzung der 11. Ar= 
mee befohlen. 

Der Fuhrer spricht iiber die Notwendigkeit von Schnellbombern. Oberstlt. 
Christian berichtet, dal? General Jeschonnek schon im Jahre 1935 einen 
Kompromifi abgelehnt habe: Entweder einen langsamen, weil schwergepanzer= 
ten und bewaffneten oder einen schnellen, unbewaffneten Bomber. 

Der Antrag des OKH, den Schutz der Dnjepr=Brucken dem Wehrmacht= 
befehlshaber Ukraine zu iibertragen, wird abgelehnt. Die H.Gr. Siid ist von 
diesen Briicken weiterhin abhangig und mufi auch fiir ihre Erhaltung ver= 
antwortlich bleiben. (Naheres s. Stellv.WFSt) 

In der SUdafrikanischen Union werden militarische Vorbereitungen mit 
unbekanntem Ziel festgestellt. Sie richten sich moglicherweise gegen Mada= 
gaskar und Libyen. (Ausl.) 

Zur Losung von Sonderaufgaben wird die Wehrmachtnachrichten=Komman= 
dantur Danzig als WNK 308 nach Luzk verlegt und fiir die Dauer des Einsatzes 
dem Hoheren Wehrmachtnachrichtenfiihrer beim WB. Ukraine unterstellt. 
(WNV) 

Mafinahmen zur Verteidigung der Niederlande. 



10. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 
Im riickwartigen Gebiet der 9. Armee stellt Gruppe Funk die Verbindung 
mit der Besatzung von Bjeloj her 2. (Lagekarte v. 9. 4.) 

1 Notizen Haiders: 

„Lage ohne wesentliche Veranderung. Bei Kertsch schwere Angrijfe abgewiesen. 
V. Seydlitz macht Fortschritte. Lage bei Pogostje gestaltet sich immer schwieriger." 

2 Notizen Haiders: 

„Lage ohne wesentliche Veranderungen. Auffallende Bewegungen um v. Kleist. 
Moglichkeit starker Kraftebildung im Raume Suchinitschi tritt hervor. Gruppe 
Haase ist herausgehauen und wird zuriickgenommen. Vor Model Kraftever= 
schiebungen nach Westen. v. Seydlitz: geringe Fortschritte. Lage bei Pogostje 
gespannt. Wolchow geht auf." 



318 



11. April 1942 

Bei der H.Gr. Mitte befinden sich die 10., 6. und 7. Panzer=Di vision seit dem 
23. 3. zum Abtransport nach dem Westen. 

Der Fuhrer hat auslandische Nachrichten, dafi die Englander und Amerikaner 
eine „gro6e Uberraschung'' planen. Er sieht zwei Moglichkeiten, entweder eine 
Landung oder den Einsatz der neuen Massenbomben. 

II. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 

Kabinettswechsel in Bulgarien^ 

Der Feind greift auf der Halbinsel Kertsch erneut an. 

Beim Lagevortrag legt Gen.Oberst Haider dem Fuhrer Operationsvorschlage 
der H.Gr. Mitte vor (vgl. 1.4.)^- Der Kraf tebedarf hierfUr sei nur aufzubringen, 
wenn der Abtransport der fiir den Westen bestimmten Divisionen unterbliebe. 
Dies sei selbst dann zum Teil erforderlich, wenn lediglich eine Operation iiber 
St. Nelidowo in Richtung auf Toropez durchgefiihrt wiirde. Der Fuhrer lehnt 
diese Operation ab und erklart, dafi an dem befohlenen Abtransport von 
Divisionen der H.Gr. Mitte nach dem Westen festgehalten werden miisse. 
Die H.Gr. Mitte miisse mit ihren eigenen Kraften auskommen. Eine Zuruck= 
nahme ihrer Front sei eher zu tragen als eine Beeintrachtigung der geplanten 
grofien Operationen der H.Gr. Siid oder eine Gefahrdung der Lage im Westen. 

Der Fuhrer betont noch einmal die Notwendigkeit, das kaukasische Olgebiet 
zu gewinnen. An dieser Stelle diirften nur die besten Fiihrer eingesetzt werden. 

Der Fuhrer weist aufierdem darauf hin, dajS in der kommenden Schlamm= 
periode der Einsatz der Luftwaffe sich hauptsachUch gegen den feindlichen 
Nachschubverkehr richten miisse, und veranlaJSt einen entsprechenden Befehl 
an den Ob.d.L. 

Meldung des Chefs des Heeresstahes beim Chef OKW uber die Kiisten= 
verteidigung West. 

Der OB Siid (Gfm. Kesselring) wird angewiesen, Ita=Luft die Uberflihrung 
des Personalersatzes zur Panzerarmee Afrika auf dem Luftwege zu ermoglichen. 

Politische Stellung de GauUes zwischen England und den USA. (Ausl. v. 11. 4.) 

1 In der neuen Regierung Ubernahm Ministerprdsident Filoff anstelle Fopoffs 
selbst das Auflenministerium. 

2 Notizen Haiders: 

„Wieder starke Angriffe bei Kertsch abgewiesen. Abgewiesener Landungsver= 

such an der Westkiiste Krim; russische Flotte in See. Auffallende KraftezufUhrung 

vor Ostfront v. Kleist. Truppenzufiihrung von Siidwesten in den Bereidi um 

Suchinitschi. Schwere Angriffe gegen SiidflUgel Ruoff. Vor Model wieder Be= 

wegungen nach Westen. Vor Toropez nach Siidosten auffallende naditliche 

Bewegungen. 

Bei Cholm sehr gespannte Lage. Bei Seydlitz geringe Fortschritte. Pogostje 

entspannt. 

Besprechung beim Fiihrer: Die Vorschldge der H.Gr. Mitte Uber Angriffe auf 

Ostaschkow und in Richtung Toropez werden abgelehnt. Vorldufig kein Angriff. 

Befohlene Abgaben fur Westen und Suden durchfiihren." 



319 



B. Kriegstagebuch 

12. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 
Ziffer 8 des Protokolls von Susak wird neugefafit und durch den WB. Siidost 
der kroatischen Wehrmachtfiihrung mitgeteilt. Sie lautet: „In den durch die 
Operationen gesauberten Gebieten werden nach Mafigabe des Oberbefehls= 
habers der 2. ital. Armee soweit notwendig voriibergehend Besatzungstruppen 
zuriickgelassen. Die Wiederaufbauarbeit dieser Gebiete — insbesondere der 
Neuaufbau der inneren Verwaltung — wird sobald als moglich von den ort= 
lichen kroatischen Militarbehorden iibernommen, die ihrerseits baldmoglichst 
durch die regelrechte Zivilverwaltung ersetzt werden. Dem General Laxa ist 
nahegelegt worden, fiir Verstarkung der kroatischen Gendarmerie Sorge zu 
tragen/' 

Auf Befehl des Fiihrers werden samtliche Lokomotivfiihrer aus der Wehr= 
macht und Wa£fen=SS entlassen^. 

Vortragsnotiz iiber die japanischen Absichten fiir die weitere Kriegfiihrung 
duf Grund der Meldungen des Mil.Att. Bangkok. 

13. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 
Der Oberbefehlsh. der H.Gr. Nord, Gen.Oberst v. Kiichler, berichtet per= 
sonlich dem Fuhrer iiber die Gesamtlage und fordert neue Krafte, da er nicht 
annimmt, dafi der Feind selbst in seinen schlecht zu versorgenden Raumen 
zu Grunde geht. Er meldet ein starkes Absinken der Kampfkraft der eigenen 
Truppe^. 

1 Notizen Haiders: 

„Bei Kertsch kein Angriff. Unklare Seelage um die Krim. Weitere Truppen= 
zufiihrungen an Ostfront v. Kleist. — Vor XXXX. AK. anscheinend Angriffs= 
vorbereitungen (2 neue Divisionen Panzerzufiihrung). Bei v. Seydlitz langsame 
Fortschritte. — Bei Pogostje nach sehr grojier Spannung anscheinend wieder 
etwas festere Lage." 

2 Aus dem KTB der H.Gr. Nord: 

Hitler erklarte am 13. 4. 42 bei einem personlichen Vortrag des OB der Heeres= 
gruppe, dafi dieser keinesfalls mit der Zufiihrung starkerer Krafte rechnen 
konne, da er diese fiir andere wichtige Aufgaben im Siiden der Ostfront (01= 
quellen des Kaukasus=Gebiets) zusammenhalten miisse. Man miisse daher auf 
die von der Heeresgruppe angestrebte angriffsweise Bereinigung der Kessel 
verzichten und sich darauf beschranken, den Feind langsam zu zermiirben, indem 
man ihn allmahlich von den hochgelegenen Stellen in den Kesseln „herunter= 
drange, ihn ausrauchere und durch Verhinderung jeglichen Briickenschlages iiber 
den Wolchow ihm die Versorgung mehr und mehr abschneide". Er befahl der 
Luftwaffe, den Gegner durch Abwerfen von Bomben mit Langzeitziindern auf 
den Verkehrswegen zu beunruhigen, und sagte der Heeresgruppe die vermehrte 
Zufiihrung von Panzerabwehrwaffen zu. 
Notizen Haiders: 

„Schwere Angriff e bei 4. Armee, XXXX. und XII. A.K. Schzvierige Lage bei Cholm. 
Pogostje besserl 

Besprechung mit Generaloberst von Kiichler beim Fiihrer bringt keine neuen 
Gesiditspunkte." 

^20 



14- April 1942 

Der Fiihrer betont, dafi die Gruppe Scherer in Cholm unter alien Umstanden 
entsetzt werden miisse. 

Gen.Oberst v. Kiichler erwahnt, dafi die Truppe hauptsachlich Unterstiitzung 
durch Stukas verlange. Die Einfiihrung der Stukas wird vom Fiihrer als 
einzigartiges Verdienst von Udet bezeichnet. 

Der Fuhrer erklart, dafi die Raumung von Toropez verfehlt gewesen sei 
und schwerste Folgerungen nadi sich gezogen habe. 

Der Fuhrer weist darauf hin, dafi die Heeresgruppen noch immer nicht die 
Luftwaffe schwerpunktmafiig richtig zum Einsatz brachten. Er bezweifelt den 
Wert des Verminens der englischen Hafen durch die Luftwaffe und befiehlt, 
dafi der Schwerpunkt des Einsatzes auf den Bombenkrieg gegen englische 
Stadte gelegt wird. Angriffe gegen London sollten jedoch solange unterbleiben, 
wie Berlin nicht angegriffen wird. 

Lage im Mittelmeerraum, Angriffsabsichten der Panzerarmee Afrika, Ab= 
sichten des Comando Supremo zur Wegnahme von Malta. (Naheres s. 
Stellv.WFSt.) 

Anfrage des Comando Supremo, ob die Moglichkeit bestehe, dafi eine weitere 
Besetzung Frankreichs notwendig werde. (Ausl.) 

Der Ob.d.M. berichtet dem Fiihrer^ gemafi dem Befehl v. 7. 4. iiber die Vor= 
gange in St. Nazaire und weist auf den Mangel an Seeaufklarung und an 
Kiistenvorfeldstreitkraften hin. Der Fuhrer fordert abschliefiend, dafi die wich= 
tigsten Stiitzpunkte an den Kiisten so stark zu sichern seien, dafi feindliche 
Handstreiche keinen Erfolg haben konnen. Wahrend des anschliefienden 
Uberblickes iiber die Seekriegslage befiehlt der Fuhrer, dafi auf dem im Sommer 
1943 fertigzustellenden Flugzeugtrager „Graf Zeppelin" Torpedoflugzeuge 
verwendet werden sollen. Er genehmigt, dafi die Verbande der Kriegsmarine 
zur Besetzung der Westfranzosischen Inseln sich in ihrer Gliederung nach 
der jeweiligen Lage richten. 

Als standiger Vertreter des Ob.d.M. im FHQu wird Vizeadmiral Krancke 
bestimmt. 

14. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 
Siidl. des Ilmensees ist die Gruppe Eicke (IL AK.) um 11 Uhr zum Angriff 

angetreten, um dem X. AK. entgegenzugehen^. 

Der Fuhrer befiehlt den Einsatz eines Fallschirm=Batl.s zur Verstarkung der 

Gruppe Scherer in Cholm (vgl. jedoch 15. 4.). 

3 Aufzeidinung iiber diesen Vortrag des Ob.d.M. (Nr. 1 Ski. lb 785/42 g.Kdos. 
Chefs.) in: Lagevortrage des Ob.d.M., a. a. O. 

1 Notizen Haiders: 

,,Im allgemeinen unverandert. Siidlich ruhig, audi auf der Krim. Bei H.Gr. Mitte 
nach gestrigem Abioehrerfolg bei XXXX. AK. audi ruhig. Bei H.Gr.Nord kleine 
Fortsdiritte bei Staraja Russa. Bei Pogostje keine Feindfortsdiritte. Sdinee- 
sdimelze." 



321 



B. Kriegstagebuch 

Aulierdem werden Telle der 5. Geb.Div. vom Truppeniibungsplatz Grafen= 
wohr abtransportiert, um beim Entsatz von Cholm mitzuwirken. 

Briefwechsel des Reichsministers fiir Bewaffnung und Munition (General= 
bauinspektor Speer) mit Gen.Feldm. Keitel. 



15. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 

Schwere Angriffe gegen den Nordfliigel der 4. Armee^. 

Der Chef des Gen.St.d.H. und der Chef des Gen.St.d.Lw. halten dem Fiihrer 
Vortrag. Von dem tags zuvor befohlenen Einsatz eines Fallschirm=Btl.s bei 
Cholm nimmt der Fiihrer Abstand. Gen.Oberst Jeschonnek berichtet iiber die 
Moglichkeiten einer Luftverbindung mit Japan. 

Die Meldung des Gen.Feldm. Kesselring iiber seinen Vortrag beim Duce 
am 11. und 12. 4. wird dem Fiihrer vorgetragen (Eroberung von Malta durch 
die Italiener). 

Der Fiihrer wird durch Chef OKW iiber den Stand der Unternehmung 
„Siidsee'' (Handelsverbindimg mit Japan durch das Nordliche Eismeer) unter= 
richtet. (Naheres s. Stellv.WFSt.) 

Der Fiihrer befiehlt, dafi die Verbande der Verbiindeten auf dem ostlichen 
Kriegsschauplatz moglichst im Armeerahmen oder in geschlossenen Korps 
zum Einsatz kommen. Auch der geschlossene Einsatz der eigenen Verbande 
soil kiinftig mehr beachtet werden. 

Erganzende Verfiigung des OKW zur Weisung Nr. 40 v. 23. 3. 42 „Befehls= 
befugnisse an den Kiisten''^. 
[U=Boot=Lage an der amerikanischen Ostkiiste^.] 



16. April 1942 
(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 
Der OB der 11. Armee, Generaloberst v. Manstein, halt abends dem Fiihrer 
personlich Vortrag iiber den geplanten Angriff auf der Halbinsel Kertsch. Der 
Angriff soil auf den ^. ^. verschoben und mit dem Schwerpunkt auf dem 
Siidfliigel gefiihrt werden, um durch ein spateres Einschwenken nach Norden 
die Starke feindliche Nordgruppe einzukesseln. Der Fiihrer befiehlt eine star= 
kere Unterstiitzung des Angriff s durch die Luftwaffe und wird die Verstarkung 
der Luftstreitkrafte selbst veranlassen. 

1 Notizen Haiders: 

„Lage: Unverdndert; im allgemeinen Ruhe. Bei Staraja Russa geringe Fort= 
schritte im Angriff." 

2 OKW Nr. 001249/42 g.Kdos. WFSt./Op. vom ±5. April 1942 im Dokumenten= 
Anhang Nr. 7. 

3 Vgl. Auszug aus dem KTB des B.d.U. vom 15. 4. 42 im Dokumenten= Anhang 
Nr. 8. 



3Z2 



i8. April 1942 

Weiterhin tragt Gen.Oberst v. Manstein die Absichten fiir den Angriff auf 
Sewastopol vor^. 

Mit einem Begleitschreiben der Heeresgruppe D trifft ein Bericht des 
Ob.Bfh.s der 7. Armee ein. Beide Schreiben weisen auf mogliche Gefahren 
an der Westkiiste hin, besonders fiir den Abschnitt der 7. Armee, in dem 
zahlreiche wichtige deutsche Flottenstiitzpunkte liegen. Nach Anordnung des 
Fiihrers befiehlt der Chef OKW die Verstarkung der 7. Armee um eine Divi= 
sion, die dem Kustenabschnitt am Kanal entnommen wird. Aufierdem wird 
eine Panzer=Div. als Reserve in den Raum um Lille gelegt, die sowohl nach 
Westen als auch nach Norden eingreifen kann. 

(Oberst Scherlf ist vom 16.— 18. 4. in Berlin abwesend.) 

17. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 
Der Fuhrer befiehlt, dafi vor der Operation „Blau'' folgende Ma6nahmen 
durchzufiihren sind: 

1. Der Angriff auf die Landenge von Kertsch. 

2. Die Beseitigung des Einbruchs bei Isjum. 

3. Die Eroberung von Sewastopol^. 

Dem Chef des Gen.St.d.Lw. erteilt der Fuhrer genaue Anweisungen zur Vor= 
bereitung und Durchfiihrung des Angriffs auf Kertsch. 

Kiistenverteidigimg im Bereich des AOK Lappland. Verbindung zwischen 
Admiral Nordmeer und Gebirgskorps Norwegen. (Naheres s. Stellv.WFSt.) 

Der Fuhrer befiehlt, dafi jeder Soldat Anregungen oder Vorschlage auf dem 
Gebiet der Bewaffnung und Ausriistung auf Grund seiner Kampferfahrungen 
direkt an den Heeresstab OKW einreichen kann. 

Deutsch=ungarische Grenzberichtigungen in den Nordost=Karpathen. Die 
Verhandlungen sollen sofort aufgenommen, aber aus wirtschaftlichen Griinden 
in die Lange gezogen werden. (Ausl.) 

18. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 
Neubildung des franzosischen Kabinetts: Laval Regierungschef, Darlan 
Oberbefehlshaber der Wehrmacht. (Ausl.) 



Notizen Haiders: 

„Im Suden ruhig. In der Mitte erneut ernster Angriff bei XXXX. AK. Russische 
3^. Armee liquidiert. H.Gr. Nord: Am Wolchow Spannung. Sonst unverandert" 
Notizen Haiders: 

„Bei H.Gr. SiXd vor Front v. Kleist unklare Bewegung und Funkstille. Bei Mitte 
schwere Angriff e gegen XXXX. AK. Bei H.Gr. Nord im wesentlichen unver- 
andert." 



323 



B. Kriegstagebuch 

Mafinahmen fiir verstarkten Einsatz der Verbiindeten an der Ostfront^. 
(Ausl.) 

Chef WFSt beauftragt den Stellv, Chef WFSt mit der Klarung der Befehls= 
verhaltnisse in den Niederlanden. (Einzelheiten s. Stellv. WFSt.) 

Als Vergeltung fiir die englischen Uberf alle auf St. Nazaire usw. werden 
Raids gegen die englische Kiiste in Erwagung gezogen. 

In Anwesenheit des Reichsmarschalls halt der OB Slid und Chef der Lfl. 2, 
Gen.Feldm. Kesselring, dem Fuhrer Vortrag iiber die Lage und die Absichten 
im Mittelmeer. Den Italienern, die Malta etwa Ende Mai durch Handstreich 
nehmen wollen, sollen deutsche Fallschirmjager und deutsches Gerat zur Ver= 
fiigung gestellt werden. 

GFM Kesselring schlagt vor, noch vor der Hitzeperiode die Englander aus 
dem Raum Ain el Gazala — Bir Hacheim — Bardia — Solium zu vertreiben. 
Der Fuhrer betont die Abhangigkeit aller Entschliefiungen von etwaigen An= 
griffsunternehmungen der Englander gegen Norwegen und das besetzte Frank= 
reich, da in diesem Falle Teile der Lfl. 2 dort eingesetzt werden miifiten. 
Hierfiir seien Vorbereitungen zu treffen. Im iibrigen soil festgestellt werden, 
welche UnterstUtzung fiir den Angriff der Panzerarmee Afrika deutscherseits 
noch notwendig sei, damit das Comando Supremo einen Entschlufi fassen 
konne. 



19. April 1942 

(KTB der Kriegsgesdiiditlichen Abteilung des OKW) 

Beim Lagevortrag^ folgert der Chef des Gen.St.d.H. aus den vielen Feind= 
verbanden, die vor der Ostfront seit November 1941 neu aufgetreten sind, 
dafi der Russe die aufiersten Anstrengungen gemacht und einen wesentlichen 
Teil seiner verfugbaren Krafte bereits verbraucht habe. 

Der Vortrag iiber die Wetterverhaltnisse im Osten zeigt, dali der Ablauf 
der Schlammperiode sich anders vollzieht, als man bisher angenommen hatte. 

Der Fuhrer weist auf die Notwendigkeit hin, den Kampf gegen das Driicke= 
bergertum in den grofien Stadten der Etappe (Riga, Dnjepropetrowsk, Kiew 
u. dgl.) aufzunehmen. 

Auf Grund der Weisung 41 hat das OKH am 12. 4. 42 eine Weisung fiir 
die Kampffuhrung des Ostfeldzuges herausgegeben. Die vom Luftwaffen= 
fuhrungsstah hierzu geaufierten Bedenken werden durch eine Aussprache 
beseitigt. 

Der Fuhrer hat der Tiirkei durch den dortigen Deutschen Botschafter Liefe= 
rung von Kriegsgerat fiir 150 Mill. RM angeboten. Die Turkei hat sich jedoch 

1 Notizen Haiders: 

„Auf der ganzen Front auffallende Ruhe." 

2 Notizen Haiders: 

„Auf der ganzen Front weiterhin Ruhe." 

324 



20. April 1942 

nicht bereit gefunden, die Durchfahrt deutscher Kriegsschiffe (U= und S=Boote) 
durch die Dardanellen in das Schwarze Meer zu gestatten. 

Reichsmin. Gen.Bauinspektor Speer und Cen.d.Pi.u.Fest. Jacob halten dem 
FUhrer Vortrag iiber den Stand des Befestigungsbaues in Norwegen und Frank= 
reich. Eine Beschleunigung ist nur moglich, wenn die Transportmittellage ver= 
bessert wird, und zwar durch eine grofiere Zuteilung von Betriebsstoff fur 
Kraftwagen sowie durch den vermehrten Einsatz von kleinen, beweglichen 
Schiffen fiir die Kiistenschiffahrt in Norwegen. Der FUhrer fordert eine erheb= 
liche Beschleunigung der Fertigstellung der norwegischen Kiistenbahn bis Nar= 
vik. Die Teilstrecke Fauske— Narvik soil bis Ende 1942 fertiggestellt werden. 

Der FUhrer fordert erneut die Sicherung der Flugplatze durch den Bau von 
Verteidigungsanlagen an den Platzrandern. 



20. April 1942 

(KTB der Kriegsgesdiichtlichen Abteilung des OKW) 
Der FUhrer wiinscht die beschleunigte Aufstellung der 30,5 cm Batterien 
aus der russischen Beute auf der Kanalinsel Guernsey. 

Der FUhrer betont, dafi beim Luftwaffeneinsatz im Sinne der Schwerpunkt= 
bildung die Entscheidung der Heeresgruppen mafigebend sein miisse. Nur 
sie konnten die Lage mafigeblich beurteilen. „Die Verantwortung fiir die 
Gesamtfiihrung in ihrem Abschnitt hat die Heeresgruppe!'' Dies betrifft jedoch 
nur den Verlauf, nicht aber z. B. den Beginn einer Operation (Flughafen= 
vernichtung)^ 

Ausfuhrungsbestimmungen zur Weisung Nr. 40 fiir den danischen Raum, 
(Einzelheiten s. Stellv.WFSt.) 

Vom Gegner ist der Bau von zwei strategischen StraJSen quer durch Afrika 
von Kamerun bis zum Sudan begormen worden. Nach einer franzosischen 
Meldung ist es moglich, auf diesen Strafien in grofierem Ausmafie, als bisher 
deutscherseits angenommen wurde, Verstarkungen und Nachschub von Eng= 
land und den USA nach Agypten zu fiihren. Die Unterbrechung der Strafien 
ist wichtig fiir die Kampfe im ostwartigen Mittelmeerraum. Ausl/Ahw soil 
beschleunigt priifen, ob und wie diese Strafien fiir langere Zeit gestort oder 
unterbrochen werden konnen. 

Der General a. D. Guhl reist im Auftrage des FUhrers nach Ankara. (Ausl.) 
In der Frage der bewaffneten norwegischen Schiffe in schwedischen Hafen 
hat der FUhrer, verstimmt durch das schwedische Verhalten, eine scharfe Note 
des Auswartigen Amtes befohlen. (Ausl.) 



1 Notizen Haiders: 

„Auffallend ruhig. Feind erwartet anscheinend einen Festangriff unsererseits. 
Feindliche Propaganda. Cute Fortschritte am Lowat. Die Lucke ist fast gesdilos* 
sen. Festigung der Lage am Wolchoio." 

325 



B. Kriegstagebuch 

21. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 

Beim Lagevortrag^ betont der Vuhrer erneut, dafi die Verbindung zwischen 
Heeresgruppenkommandos und den Luftflotten noch enger werden miisse 
und dajS vielfach feindliche Angriffe durch Zerschlagung der festgestellten 
Feindansammlungen und =ausladungen verhindert werden konnten. 

Die Bahnbekampfung aus der Luft sei in ihrer Bedeutung und in ihren 
Erfordernissen noch nicht richtig erkannt worden. Spezialeisenbahnzerstorer= 
verbande seien erforderlich. Als Beispiel weist der Fuhrer darauf hin, dafi sich 
die Zerstorung der deutschen Eisenbahnlinien im Winter 1941/42 hatte ver= 
hangnisvoll auswirken konnen. 

Der Fuhrer spricht erneut iiber die Wegnahme von Tobruk und den Weiter= 
stoli nach Agypten, da er Agypten fiir revolutionsreif halt. 

Dem Dt. General b. H.Qu. d. ital Wehrm. wird eine Nachricht zugeleitet 
iiber die vom Fuhrer befohlene Unterstiitzung der Italiener bei der Eroberung 
von Malta sowie iiber die Verstarkung der Panzerarmee Afrika fiir die ge= 
plante Angriifsoperation. (Einzelheiten s. Stellv.WFSt.) 

Vor Beginn der Friihjahrsoffensive will der Fuhrer mit alien hoheren Trup= 
penfiihrern eine grundsatzliche Besprechung abhalten. 

Die 1. S=Boot=Flottille wird auf dem Landwege in das Schwarze Meer verlegt. 

Chef OKW ordnet eine weitere Herabsetzung der deutschen Truppenstarke 
in Rumanien an. 



22. AprU 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 
Im Raum sudostwarts des Ilmensees beriihren sich die Angriffsspitzen des 

X. und des II. Armeekorps^. 

Auf Grund des Fiihrerbefehls vom 14. 3. sind in Norwegen zur Zeit 

20 U=Boote eingesetzt, davon 12 im Nordmeer gegen feindliche Geleitziige 

und 8 zur Sicherung der norwegischen Kiiste gegen feindliche Landungen. 
Meldung des OB West iiber die geplante Verteilung der ihm fiir Frankreich 

zur Verfiigung gestellten Truppen. 

1 Notizen Haiders: 

„AufJer Erneuerung der Angriffe am Wolchow im allgemeinen Ruhe. Anzeichen 
fiir Aufmarschbewegung zwischen Rostow und Jelez, ferner fiir Vorbereitung 
ortlicher Angriffe bei Suchinitschi, bei Fomina und vor IX. AK. mehren sich." 

2 Notizen Haiders: 

„Die Bewegungen bei v. Kleist dauern an. Vor 6. Armee Verschiebungen nach 
Siiden. Auffallende Aufmarschbewegung um Jelez. Bei 4. Armee Angriff auf 
Fomina abgewiesen. Einsatz 385. Div. freigegeben. Auffallende Bewegungen aus 
Richtung Medyn auf Juchnow. 

Bei Nord ist die Liicke zwischen X. und II. AK. geschlossen, mufi aber nun erst 
tragfahig gemacht werden. Am Wolchow ist der feindliche Einbruch wieder be= 
seitigt. Der Wolchow fiihrt Treibeis. Bei Pogostje Lage wieder gefestigt." 



326 



24- April 1942 

Nach Meldung des WB. Sudost hat die Sauberungsaktion in Kroatien zu 
einem Ausweichen der Aufstandischen iiber die deutsch=italienische Demar= 
kationslinie gefUhrt. Auf Befehl des Fuhrers soil an der gemeinsamen Saube= 
rungsoperation der Verbiindeten unter dem Oberbefehl des ital. Gen. Roatta 
ohne Riicksicht auf die Demarkationslinie festgehalten werden. 

Stellungnahme des Amtschefs Ausl/Abw zu norwegischen Planen eines Vor= 
friedensvertrages mit Deutschland: Konkrete Forderungen der Wehrmadit 
konnen noch nicht formuliert werden. (Ausl.) Hi 00 

23. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 
Angriff gegen die 4. Armee im Raume beiderseits Fomina^. 
Der Chef der Sicherheitspolizei und SD iibersendet dem Chef WFSt einen 
Bericht iiber die Lage in Leningrad. 

AOK Lappland meldet, dafi die Gesamtlage in Finnland sich seit der im 
Februar dem OKW vorgelegten Beurteilung geandert habe. Der Schwerpunkt 
der eigenen Kraf te und der Lf 1. 5 sei in das Kiistengebiet von Petsamo — 
Kirkenes verlegt worden. Die Zufiihrung von Verstarkungen aus dem Reich 
verzogere sich und werde erst mit Beginn des Herbstes beendet sein. Eine 
grojSere Angriffsoperation im Sommer 1942 werde nicht fiir moglich gehalten. 
(Einzelheiten s. Stellv.WFSt.) 

24. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlidhen Abteilung des OKW) 
Beim Lagevortrag^ des Chefs des Gen.St.d.H. erklarte deiFuhrer sich mit der 
Absicht der H.Gr. Siid einverstanden, den feindlichen Briickenkopf ostwarts 
Charkow bei Saltow durch Angriff zu nehmen. Gen.Oherst Haider tragt weiter= 
hin den Vorschlag der H.Gr. Siid fiir die Operation „Fridericus'' (Isjum) vor. 
Gen.Feldm. v. Bock will zwecks schneller Kesselbildung die nordliche Angriffs= 
gruppe siidlich des Donez ansetzen, um die linke Flanke dieser Gruppe am 
Flufi angelehnt zu haben. Der Fiihrer lehnt diesen Vorschlag ab, da er be= 

1 Notizen Haiders: 

„Lage unverandert, Ein auffallend ruhiger Tag auf der gesamten Heeresfront" 

2 Notizen Haiders: 

„Lage unverandert. Die Abldsungs= und Umgruppierungsbewegungen beim Feind 

vor dem SUdteil der Front halten an. Bei H.Gr. Nord Ruhe." 

Auszug aus OKM Kr 114 Chef — Z. g.Kdos. „Die Bemiihungen der Ski. um ein 

dt.=franzds. Zusammengehen gegen England und die Behauptung des franz. 

Kolonialreichs in Afrika" (Fotokopie im Bundesardiiv — Militararchiv Kob= 

lenz), kiinftig zitiert als „Die Bemiihungen der Ski." : 

„Besprechungen der deutschen und der italienischen VJ.St.K. in Turin: Auf 

italienische Anfrage nach dem mutmafilichen Verhalten der franzosisdien Flotte 

bei einem angelsachsischen Angriff wird von deutscher Seite zum Ausdruck ge= 

327 



B. Kriegstagebuch 

fiirchtet, dafi die Einkesselung bei dieser kleineren Losung nicht gelingt. Er 
befiehlt den Vorstofi entlang der Strafie Charkow — Isjum. 

Der Chef des Gen.St.d.Lw. erstattet Bericht iiber die Vorbereitungen der 
Luftwaffe fiir den Angriff auf Kertsch und bittet, den Gen.d.Fl. v. Richthofen 
bei Isjum nicht einsetzen zu diirfen, damit er rechtzeitig den Angriff auf 
Sewastopol vorbereiten konne. Der Fuhrer genehmigt dies. (Naheres s. Stellv.= 
WFSt.) 

Um 12.00 Uhr iibergibt Gen.Lt. Hilpert als Chef des Gen.St.d.OB West die 
Geschafte an seinen Nachfolger, Gen.Major Zeitzler, und iibersendet aus 
diesem Anlafi eine Denkschrift iiber die Lage im Westen (OB West la 55/42 
g.K. Chefs, in den Akten WFSt Op H). 

Abends reist der Fuhrer nach Berlin ab. 



25. April 1942 
(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 

[Fuhrer in Berlin] 

Starker Luftangriff der Englander auf Rostock in der Nacht v. 24-/25 . 4. 

Entgegen der gestrigen Zustimmung des FUhrers soil der Angriff auf den 
Briickenkopf bei Saltow bis nach der Durchfiihrung des Angriffes gegen 
Kertsch zuriickgestellt werden^ 

Im Einvernehmen mit dem WiRUAmt setzt das OKH bei den kommenden 
Operationen im Osten bei alien Armeen einschl. der Verbiindeten Armee= 
wirtschaftsfiihrer ein. 

Verfiigung des Chefs OKW iiber den Einsatz der Beauftragten des General= 
bevoUmachtigten fiir den Arbeitseinsatz im Ostgebiet. 

Englisch=amerikanische Landungsmoglichkeiten in Franz.=Marokko, Span.= 
Marokko und auf der Iberischen Halbinsel. 



bradit, dafi nach deutscher Auffassung die franzosische Flotte bei einem angel= 

sachsischen Angriff unter alien Umstanden zur Verteidigung des franzosischen 

Imperiums kampfen werde. Ein voller Einsatz auf langere Zeit werde jedoch 

audi davon abhangen, oh Frankreich hieraus Vorteil fiir seine zukiinftige Be= 

handlung und Stellung im neuen Europa Ziehen werde. Sicker miifite dann der 

Waffenstillstandsvertrag in seiner jetzigen Form fallen und durch anderweitige 

Vereinbarungen ersetzt werden, deren Form sick heute nock nicht voraussehen 

lasse." 

Notizen Haiders: 

Verluste: vom 22. 6. ^1 bis 20. 4. 42 

Verwundet: 24 088 Ojfz.e, 828 8g2 Uffz.e u. Mannsch. 

Gef alien: 9077 „ , 2-^22^6 

Vermifit: 874 „ , 53 7^7 

Gesamt: ^4 o^g „ , 1114 gi$ 

Gesamtverluste des Heeres bei den Ostoperationen (ohne Kranke): 1 148954 = 

35,9 ^/o bei Durdisdinittsstarke 3,2 Millionen. 

Lage: An der Gesamtfront ruhig. UrtUche Tastversuche bei 2. Armee." 



328 



28. April 1942 

26. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 

Rede des Fuhrers vor dem Reichstag. Annahme eines Ermachtigungsge= 
setzes^. 

Der englische Luftangriff auf Rostock wurde in der Nacht vom 25-/26. 4. 
wiederholt. 

Aus der H.Gr. Mitte^ wird das AOK der 4. Pz.Armee herausgezogen und 
fiihrt nach Eintreffen im Auffrischungsraum die Tarnbezeichnung „Hoherer 
Stab z.b.V. 8". Sein Befehlsbereich wird durch das AOK der 3. Pz.Armee uber= 
nommen, das den Befehl in seinem bisherigen Abschnitt an das Gen.Kdo. 
LIX. AK. iibergeben hat. 

Auf Grund der Besprechungen, die der Stellv. Chef WVSt in den Nieder= 
landen gefiihrt hat, wird in Ausfiihrung der Weisung Nr. 40 vom OKW die 
Abschnittseinteilung und Befehlsfiihrung im niederlandischen Raum befohlen. 
(Einzelheiten s. Stellv.WFSt.) 

Nach einem Befehlsentwurf des OKH werden dem OB West im Falle 
militarischer Bedrohung des belgischen und franzosischen Gebietes alle Rechte 
der vollziehenden Gewalt iibertragen, ohne dafi dieser Ausdruck selbst ge= 
braucht wird. 

27. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 

[Fiihrer in Munchen] 

In der Nacht vom zOJzy. 4. erneuter Luftangriff auf Rostock. 

Der Amtschef Ausl/Abw kehrt von einer Dienstreise iiber Italien nadi 
Franz.=Marokko zuriick und fafit seine Eindriicke in einem schriftlichen Bericht 
zusammen. (Ausl.) 

28. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 

[Fuhrer in MUnchen] 

Der geplante Entsatzangriff auf Cholm mufite zuriickgestellt werden. 

Der Fiihrer beauf tragt das OKH mit der Sauberung des riickwartigen Heeres= 
gebietes von iiberfliissigen Dienststellen. Im Bereich der Reichskommissariate 
Ukraine und Ostland soil der Gen.Lt. v. Unruh die Sauberung durchfiihren, 
dafur wird ihm vom OKH ein besonderer Stab unter der Bezeichnung „OKW 
Stab z.b.V." zur Verfugung gestellt. 



Gemeint ist der ReickstagshesMufi, Hitler unbegrenzte Vollmaditen in Legis= 
lative, Exekutive und Reditsprediung („Oberster Geriditsherr") zu geben. 
Notizen Haiders: 

„Unverandert ruhig. Die Auswirkung der FriihjahrssMammzeit macht sich bei 
H.Gr.en Mitte und Nord anscheinend sehr fiihlbar. Bei H.Gr. Siid halt die Um- 
gruppierung von unserer Front an." 

329 



B. Kriegstagebuch 

Beim AOK Lappland herrschen im Abschnitt des III. finn. AK. seit einigen 
Tagen schwere Abwehrkampfe. 

Verstarkungsmafinahmen fiir AOK Lappland. (Einzelheiten s. Stellv.WFSt.) 

OB West, der Befehlshaber Ddnemark, AOK Lappland und die Wehrmacht= 
befehlshaber werden darauf hingewiesen, dafi die personelle und materielle 
Ausstattung der dem OKW riistungsmaliig unterstellten Einheiten des Heeres 
sowie die Erhaltung ihrer Einsatzbereitschaft Aufgabe des OKH ist. 

Angebliche Absichten des franz. Regierungschefs Laval, im Hinblick auf die 
Gefahrdung Madagaskars durch die Siidafrikanische Union die Insel den 
Japanern zur Besetzung vorzuschlagen. (Ausl.) 



29. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 
[Fiihrer auf dem Obersalzberg] 

Die Franzosen woUten im Ostteil Algeriens und in Tunesien eine Flug= 
sicherungsorganisation und Nachtbefeuerung einrichten, die fiir Kriegszwecke 
geeignet sein sollte. Diese Einrichtungen sollen ihnen untersagt werden. 

Frankreich scheint in seinem Entgegenkommen gegeniiber den USA Ver= 
pflichtungen eingegangen zu sein, die sich mit den Pflichten, die die fran= 
zosische Regierung auf militarischem Gebiet s. Z. in den Pariser Protokollen 
zugunsten Deutschlands auf sich genommen hatte, nicht vereinbaren lassen. 
(Einzelheiten s. Stellv.WFSt.) 

Regelung des einheitlichen Einsatzes des RAD im Rahmen der Wehrmacht. 

Unterredung des Deufschen Botschafters in Tokio mit dem japanischen 
Aujienminister Togo. (Ausl.) Der japan. Aufienminister habe erklart, die 
japanische Stofirichtung in den Indischen Ozean komme den deutschen Wun= 
schen entgegen. Er regte eine gemeinsame Erklarung der Achsenmachte Indiens 
Zukunft betreffend an. Zu der Anregung des Dt. Botschafters, bei der schwie= 
rigen Lage der Sowjetunion habe ein Vorstofi Japans gegen Wladiwostok imd 
Baikalsee entscheidende Bedeutung, da er zur volligen Liquidierung der Sowjet= 
union fiihren konne, habe der Aulienminister nicht Stellung genommen. 

Chef Ausl/Abw berichtet iiber seine Reise nach Italien, Libyen, Franz.=Nord= 
afrika, Tanger, Span.=Marokko, Spanien und Frankreich vom 7.-27. 4. 

30. April 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 
[Fiihrer auf dem Obersalzberg] 

Die Lage des ///. finn. AK. im Bereich des AOK Lappland gibt zu Besorg= 
nissen nicht mehr Anlali. (Femmiindl. Meldung des Chefs des Gen.St. d. AOK 
Lappland an Stellv. Chef WFSt.) 

Die WStK wird angewiesen, eine Note der franz. Abordnung, die aus Anlafi 

330 



1. Mai 1942 

des im Marz durchgefiihrten englischen Luftangriffs auf Paris iiberreicht wor= 
den war, in allgemein gehaltener Form zu beantworten und darauf hinzu= 
weisen, dafi der Flakschutz fiir die franzosischen Industrieanlagen im besetzten 
Gebiet verstarkt worden sei. (Naheres s. Stellv.WFSt.) 

Auf dem Berghof findet eine Ausprache des Fuhrers mit dem Duce statt^. Es 
nehmen an ihr teil: Chef OKW, Chef WFSt, OB Slid, Dt. General b. H.Qu. d. 
ital. Wehrm., Chef des ital. Wehrmachtgeneralstabes, Gen.Oberst Cavallero, 
und General Gandin^. 
[U=Boot=Lage an der amerikanischen Kiiste^.] 



1. Mai 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 

[Fiihrer auf dem Obersalzberg] 

USA=Truppen besetzten die Hauptstadt sowie die Olf elder von Venezuela^. 

Der Angriff der Pz.Armee Afrika soil Ende Mai oder Anfang Juni er= 
folgen, die Wegnahme Maltas durch die Italiener Mitte Juli. Hierfiir soUen 
den Italienern auJSer 1 Fallschirmjager=Div. und 1 Sturmpionier=Batl. Marine= 
fahrprahme zur Verfiigung gestellt werden. 

In Norwegen hat sich eine organisierte Opposition gegen die Regierung 
Quisling gebildet. (Ausl.) 

1 Hierzu „Die Bemuhungen der Ski. . ." , a. a. O.: 

„Die Ski. ist nicht der vom Fiihrer bei der Duce=Besprediung gedujierten Ansicht, 
daji es letzten Endes gleichgultig sei, ob Dakar in englisdie Hand fiele. Die 
Auflerung ist gefallen in einem Lagevortrag des FUhrers gelegentlidi der Be= 
sprechung mit dem Duce am ^o. 4. 42 auf dem Berghof. In diesem Fiihrervortrag 
ist eine Stelle bedeutsam, weil sie Aufschlufi gibt tiber die Quellen, aus denen 
das vom Fiihrer den Franzosen gegeniiber stets bezeigte Mijitrauen immer wieder 
gespeist wird. Es heiflt darin: Frankreidi gegeniiber ist groflte Vorsicht am 
Platze. Das Ziel aller Franzosen ist das gleiche, ndmlich ihre Freiheit wiederzu= 
gewinnen. Die Wege sind, je nach der Einstellung der mafigebenden Personlidi" 
keiten, verschiedene; alle jedoch, sei es Petain, Laval, Darlan oder Giraud, zielen 
auf die franzosische Freiheit hin. Aufschluflreich ist die Denkschrift von Benoist" 
Mechin unter dem Motto: ,Um die Freiheit wieder zu erlangen, braudien wir 
Waffen. Waffen bekommen wir nur durch ein Mitgehen mit Deutschland. Daher 
— Collaboration!' " 

[Die hier wieder gegehene Auflerung Hitlers fiel nicht in dem angegebenen 
Lagevortrag am 50. 4., sondern in der Unterredung Hitlers mit Mussolini und 
Graf Ciano am zg. 4., vgl die Aufzeichnung des Gesandten Schmidt iiber beide 
Unterredungen.] 

z Dieses Kriegstagebuch fiir die Zeit vom 1.—30. 4. 1942 hat dem Chef WFSt, 
Gen. Jodl, vorgelegen und ist von diesem mit seinen Notizen verglichen worden 
(Anmerkung im Original). 

3 Vgl. Auszug aus dem KTB des B.d.U. vom 30. 4. 42 im Dokumenten=Anhang. 

4 Aus „Die Bemiihungen der Ski. . ." , a. a. O.: 

„Da sich bei der franzosischen Regierung die Sorge um Madagaskar verstarkt, 
teilt Laval der deutschen Regierung mit, dajl er die Absidit habe, dem ]apani= 
schen Botschafter vorzuschlagen, dafl Madagaskar, das sich nach dem Abbruch 
der Beziehungen zwischen Siidafrika und Frankreidi in Gefahr befinde, von 

331 



B. Kriegstagebuch 

Lagebericht OKH 
Osten^ 

H.Gr. Slid: 

11. Armee: An der Sewastopol=Front erfolglose Aufklarungsvorstofie gegen 
ruman. Div.en. Wetter: bedeckt, warm. 

Armeegr. von Kleist und 6. Armee: Vor der Front der Armeegr. von Kleist 
rege Feuertatigkeit und lebhafte Bewegungen schwacherer Feindkrafte. Auf= 
fallend lebhafte Fliegertatigkeit bei Tage und bei Nacht. Wetter: bedeckt, um 
+ 15 Grad, Strafien im allgemeinen befahrbar. Bei 6. Armee Befahrbarkeit 
der unbefestigten Strafien durch Regen verschlechtert. 

H.Gr. Mitfe: 

Vor der 2. Pz.Armee, 4. Armee und 3. Pz. Armee feindl. Sto6truppunter= 
nehmen und Vorstofie abgewiesen. 

9. Armee: Nordwestl. Rshew nach starker Artl.=Vorbereitung Gegner in 
Starke von etwa 200 Mann in den Ostteil eines Ortes eingedrungen. Lage 
durch Gegenstoli bereinigt. Siidwestl. Rshew Feindangriff abgewiesen. 

An der Stralie nach Bjeloj im Mittelteil erfolgreiche eigene Angriffsunter= 
nehmungen mit Pz.= und Stuka=Unterstutzung mit Gelandegewinn in nord= 
westl. Richtung. Feind erlitt schwere Verluste. Wetter: Schneefall in der Nacht 
29./30. hat Strafienzustand verschlechtert. 

Vor Welish blieben 2 Feindangriffe vor eigener HKL in zusammengefafitem 
Feuer liegen. Vor dem Nordabschnitt der HKL stellt sich der Gegner erneut 
mit Pz.n bereit. Eigene von W nach O im Raume westl. Jelnja antretende 
Kraftegruppe hat Gelandegewinn nach O erzielt. 

H.Gr. Nord: 

Im Raum um Cholm Aufklarungstatigkeit. Im Bereich der Gruppe Eicke 
halt feindl. Feuer= und Stofitrupptatigkeit am rechten vorgeschobenen Fliigel 
am Lowat an. Ein Angriff der Gruppe Seydlitz am Lowat entlang nach Siiden 
wurde durch Artl.=Feuer unterstiitzt. An dem Einschliefiungsriegel gewinnen 
eigene Mafinahmen zur Bereinigung des Einbruchs am vorhergehenden Tage 
langsam Boden. Ausbruchsversuche des Gegners nach N und NW abgewehrt. 

Japan besetzt werde. Da diese Mitteilung nach Ansicht der Ski. in Widerspruch 
steht zu der Versicherung Lavals an Leahy, daji er die Fortdauer guter Bezie= 
hungen zu den USA wUnsche, nimmt die Ski. an, daji die Au^erung Lavals zu 
Leahy von dem Bestreben diktiert ist, einen vorbeugenden angelsachsisdien 
Zugriff auf Madagaskar abzuwenden. Die Ski. rechnet trotzdem mit baldiger 
angelsdchsischer Initiative, um einer japanischen Besetzung Madagaskars, ,die 
die britisdie Nachsdiubverbindung nach dem mittleren Osten und Indien ent=' 
scheidend storen wiXrde', zuvorzukommen. 

Nach Mitteilung des deutschen Konsuls in Lourengo Marques vom 1. 5. soil 
bereits ein britisdier Landungsverband in Durban aktionsbereit liegen." 
1 Beurteilung der Gesamtfeindlage an der Ostfront durch die Abt. Fremde Heere 
Ost des Gen.St.d.H. vom 1. Mai 1942 im Dokumenten=Anhang Nr. 9. 

332 



2. Mai 1942 

An der Wolchow=Front griff Gegner eigenen Briickenkopf bei Salzy nach 3V2= 
stiindiger trommelf euerartiger Artl.=Vorbereitung mit Unterstiitzung von 2 Pz.n 
vergebl. an. Auch nordwestl. davon Feindvorstofi abgewehrt. Gegner erlitt 
hohe blutige Verluste. An der Newa=Front weiterhin starkes feindl. Inf.= und 
Artl.=Feuer. 

Finnisdie Front (30. 4.) 

Sudostjront: An alien Fronten normaler Tagesverlauf. Mittlere Temp. (+ 5 
Grad). 

Nordostfront (AOK Lappland) : Im Abschnitt Louhi wurden weitere Feindangriffe 
unter schweren Verlusten fiir den Gegner abgewehrt. Eigene Krafte werden ver= 
starkt. Bereitstellungen des Gegners scheinen durch wirkungsvollen Einsatz Luft= 
flotte 5 und Tauwetter verlangsamt zu sein. 

An der Murmansk=Front erfolgreicher eigener Gegenangriff gegen Umfassungs= 
versuch auf dem Siidfliigel. Mehrere starkere Angriffe hier und gegen den Nord= 
fliigel wurden abgewiesen. Lebhafter Ubersetzverkehr iiber die aufiere Liza=Bucht in 
Ost=West=Richtung und Schiffsverkehr in der Motowski=Bucht deuten auf weitere 
Feindverstarkungen hin. Gegenmafinahmen gegen diese Landungsgruppe in der 
Nordflanke der 6. Geb.Div. verlaufen planmafiig. Wetter: Anhaltendes Tauwetter. 
Bewegungen auf Stra6en und im Gelande weiterhin erschwert. 

Nordafrika (30. 4.) 

In der Nacht 29./30. 4. wurde ein britischer Vorstofi abgewehrt. 15 Gef angene, dar= 
unter 3 Offiziere, eingebracht. Am 30. 4. bei starkem Sandsturm nur geringe beider= 
seitige Spahtrupp= und Artl.=Tatigkeit. 



2. Mai 1942 

(KTB der Kriegsgesdiichtlidien Abteilung des OKW) 
[Fuhrer auf der Ruckreise vom Obersalzberg nach „V\/ olfsschanze" ] 

Die Japaner erobern Mandalay, die Hauptstadt von Burma. 

Bericht des „Exchange Telegraph'' aus Moskau, dafi dort eine deiitsche 
Friihjahrsoffensive im Abschnitt Brjansk— Orel— Kursk erwartet wird, die sich 
gegen Woronesch richten soil. Nach der Eroberung von Woronesch sollten diese 
deutschen Heere Don=abwarts vorstolien, um Stalingrad zu nehmen, wodurch 
auch der Vorstofi der deutschen Krafte aus dem Raum von Charkow ausgelost 
werden wUrde^. 

Der Deutsche General in Agram meldet gewisse Verhandlungen mit ein= 
zelnen Cetnici=Gruppen, die zum Niederlegen der Waffen veranlafit werden 
soUen. 

Der Stellv. Chef WFSt begibt sich nach Belgrad zur personlichen Unterrich= 
tung iiber die Lage im kroatischen Aufstandsgebiet sowie zu Besprechungen 
mit dem Kommandierenden General und Befehlshaber Serbien und mit dem 
Chef des Stabes des W.B.Siidost. 

1 Lagebericht OKH vom 2. Mai ig42 fehlt in der Sammlung des KTB Skh, Teil D. 

333 



B. Kriegstagebuch 

3. Mai 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 

[Fuhrer wieder in „\Molfsschanze"] 

Lagebericht des AOK Lappland. 

Bei dem Seegefecht am 2. 5. im Nordlichen Eismeer wurden durch deutsche 
U=Boote und Zerstorer 1 engl. Kreuzer versenkt, 1 Zerstorer schwer, 2 weitere 
leicht beschadigt. 1 deutscher Zerstorer ging verloren. Lagebericht v. 2.-5. 5. 

Planung der von Ahw. II beabsichtigten Unternehmungen, die im Zuge der 
Operation „Blau" vorgesehen sind. (Naheres s. Stellv.WFSt.) 

In Kroatien wird imter dem Oberbefehl des ital. AOK 2 neben der Kampf= 
gruppe Bader ein ital. Gen.Kdo. eingesetzt, das mit 2 ital. Div. siidl. der De= 
markationslinie Sauberungsaktionen durchfiihren soil. 

Dem WB. Sudost wird die Bitte des Ausw. Amies iibermittelt, die unga= 
rische Donauflottille im ehemals jugoslawischen Gebiet in Richtung Osten 
nicht iiber die Einmiindung der Morawa hinaus einzusetzen. 

Aus Verwaltungs= und Devisengriinden wird die deutsche Besatzung der 
Schutzzone in der Slowakei stark vermindert. 

Chef OKW richtet ein Schreiben an den Reichsmarschall und Beauftragten 
fur den Vierjahresplan sowie an den Reichsmin. f. Bewaffnung und Munition 
und den Gen.=Bevollmachtigten f. d. Arheitseinsatz, um die Sicherstellung des 
Ersatzbedarfs im Sommer 1942 zu erreichen. Von Riickforderungen aus der 
Wehrmacht sei unter alien Umstanden Abstand zu nehmen, und es miisse 
darauf hingewiesen werden, dafi auf die rd. 115 000 uk=gestellten Wehr= 
pflichtigen der Jahrgange 1919—22 zuriickgegriffen werden miisse, falls die 
blutigen Verluste des Sommerfeldzuges 1942 das geschatzte normale Mafi 
iibersteigen soUten. 

Den Antrag des OKH/GenStdH., die 110. Div., die nach dem Westen 
abtransportiert werden sollte, noch bis Anfang Juni der 9. Armee zu belassen, 
genehmigt der Fuhrer und entscheidet, dafi der Beginn des Abtransportes von 
zwei weiteren nach dem Westen zu verlegenden Ostdivisionen solange zuruck= 
gestellt werden kann, bis der Abtransport der im Westen in Aufstellung 
befindlichen -^yo. und 371. Div. anlauft. (Naheres s. Stellv. WFSt.) 

Lagebericht OKH 
Osten 
H.Gr. Sud: 

11. Armee: Feind an beiden Fronten ruhig. Wahrend der Nacht lebhafte 
feindliche FUegertatigkeit mit Bombenabwiirfen im Katscha=Tal, Angriffe gal= 
ten wahrscheinlich den Batterien, die die Flugplatze von Sewastopol beschiefien. 
Wetter: Sonnig warm, Wege gut. 

Armeegruppe von Kleist: Vor Siidfliigel Bewegimgen von Panzerkraften 
erkannt, Luftaufklarung stellte fest, dafi Briicken bei Isjum und Bogoro= 

334 



3- Mai 1942 

ditsdmoje wieder in Ordnung sind und der Verkehr in Richtung Barwenkowa 
sehr rege ist. 

Wetter: Plus 20 Grad, wechselnd bewolkt, Wege abgetrocknet, fiir Lkw. 
grolitenteils befahrbar. 

6. Armee: Aufier normaler Artl.= und Spahtrupptatigkeit keine besonderen 
Kampfhandlungen. 

Wetter: Teilweise Regen, Plus 10 Grad, Wege nur fiir Panjefahrzeuge be= 
fahrbar. 

2. Armee: Aufklarung hat ergeben, dafi im Raum Jelez und Liwny und 
nordlich davon anscheinend Ausladungen und Marschbewegungen stattfinden, 
so dali mit Zusammenziehung von Truppen in dieser Gegend zu redmen ist. 

Wetter: Regen, plus 8 Grad. 

Im riickwartigen Gelande erfolgreiche Bekampfung ung. Truppen von 
Partisanen. Die Briicke bei Seredina Buda, die von Partisanen beschadigt 
wurde, wird voraussichtlich in 4 Tagen wieder fiir den Verkehr freigegeben 
werden. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz. Armee: Der gestern nordlich Mzensk gemeldete feindliche Panzerzug 
fuhr nadi mehreren Feueriiberfallen nach Nordosten ab, eigener Vorstofi 
konnte hier Gelande gewinnen. 

4. Armee: Ein feindl. Vorstofi auf die RoUbahn bei Fomina wurde abge= 
wehrt. Im Hintergelande nordwestl. Spas Demenskoje wurde ein feindl. An= 
griff auf die Rollbahn von Norden her abgewehrt und von eigenen Kraften 
westl. Jelnja der Ort Borodino genommen. Ein feindl. Angriff auf den Siid= 
westfliigel der 9. Armee bei Mostowaja wurde unter schweren Feindverlusten 
zuriickgewiesen. Sudwestl. Bjeloj wurde der Feind an der Rollbahn vertrieben. 
Siidwestl. Wei. Luki wurde ein Bauzug durch Mine beschadigt. 

Wetter: Triibe, zeitweise Regen, Wege verschlechtert, z. T. unbefahrbar. 

H.Gr. Nord: 

16. Armee: Westl. Cholm wurde die Gruppe Scherer bei der Verteidigung 
von Angriffen durch Artl. gut unterstiitzt. Auch Flieger beteiligten sich nach= 
haltig an der Abwehr. Der im siidl. Teil von Cholm eingeschlossene Gegner 
wurde abgeriegelt; starkeres Artl.=Feuer auf die Stadt. Im Nordwestteil der 
Demjansk=Front vergeblicher Feind vorstofi ostw. Lowat. Angriffe auf die Ver= 
bindungsstelle von den beiden Gruppen Eicke und v. Seydlitz von Norden 
und Siiden wurden abgewehrt. Nordl. Staraja Russa starkeres feindl. Artl.= 
Feuer. Der Feind verstarkt sich weiter an der Wolchow=Front westl. Jamno, 
nordl. dieser Stelle wurden Angriffe des Feindes abgewehrt. In den Kessel 
siidlich Maluksa fiihrt der Gegner weitere Kraftfahrzeugkolonnen hinein, 
sudwestl. Oranienbaum wurden eigene Stellen und Unterkiinfte hinter der 
Front vom Feind durch Brandmunition beschossen. 



335 



B. Kriegstagebuch 

Finnland (i. 5.) 

Siidostfront: Normaler Verlauf des Tages. 

Nordostfront: Bei Louhi versucht der Gegner, von Suden her nach Norden zu 
den dort kampfenden roten Truppen durchzubrechen. Im Kandalakscha=Abschnitt 
hat der Feind etwa eine Starke von 2 Divisionen, die er jederzeit mit der Murman= 
bahn nach Norden oder Siiden verschieben kann. An der Murmansk=Front wurde ein 
erneuter Angriff auf den Sudteil der Liza=Front abgewiesen. An der Liza=Bucht 
sind die eigenen Truppen verstarkt, um die feindl. Umfassungsgruppen zu ver= 
nichten. 



Panzers Annee Afrika (2. 5.) 

Tagsiiber auf ganzer Front lebhafte beiderseitige Aufklarungs= und Artl.=Tatig= 
keit. 

Bei Tiefangriffen eigener Zerstorer auf feindliche Aufklarungskrafte in Gegend 
Signali=Sud (etwa 85 km westl. Bir=Hacheim) wurden rd. ^o Kraftfahrzeuge, dar= 
unter Pz.Spahwagen, zerstort, davon 30 Kfz. total ausgebrannt. In Nacht vom 
1./2. Mai Luftangriffe auf Bengasi ohne Schaden. 



4. Mai 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 

Der OB d.H.Gr. Nord, Gen.Oberst v. Kiichler, und Gen. v. Seydlitz halten 
dem Fuhrer Vortrag iiber die Durchfiihrung des Unternehmens „Brucken= 
schlag''. Gen.Oberst v. Kiichler bezeichnet die Lage der H.Gr. Nord allgemein 
als gespannt. Bei starken feindlichen Angriffen verfiige er iiber keinerlei Re= 
serven. Besonders schwierig sei die Lage des II. AK., da ohne Inanspruchnahme 
des bisher zur Verfiigung stehenden Lufttransportraumes seine Versorgung 
nicht durchgefiihrt werden konne. Auch sei es kraftemafiig an Starke einem 
feindlichen Angriff nicht mehr gewachsen. Gen.Oberst v. Kiichler schlagt vor, 
dieses Korps hinter den Lowat zuriickzubiegen. Der Fuhrer geht darauf nicht 
ein, well er die Gefahr nicht fiir so dringend halt und bei einer Zuriicknahme 
des Korps den Verlust des gesamten Gerats befiirchtet. Er erklart, dafi der 
H.Gr. trotzdem keine Krafte zugewiesen werden konnten. 

OKH meldet die beabsichtigte Artilleriegliederung fur den Angriff auf 
Sewastopol. 

Chef WPr erhalt Richtlinien fiir die Behandlung der der Operation „Blau'' 
vorausgehenden Unternehmungen der H.Gr. Siid. 

Chef OKW unterzeichnet den Befehl iiber die beabsichtigten Operationen 
im Mittelmeerraum, der die Beteiligung deutscher Krafte und die Unterstel= 
lungsverhaltnisse regelt. 

Chef OKW erlafit Durchfiihrungsbestimmungen fiir die Weisung Nr. 40 
betr. die Kiistenverteidigung in Danemark. 

Der feldmaliige Ausbau der Kanalinseln ist abgeschlossen. Der verstarkte 
feldmafiige Ausbau ist im Auslaufen begriffen. 

Dem OKH^Gen.Qu. werden fiir die Mil.=Befehlshaber Frankreich und Bel* 

336 



4. Mai 1942 

gien=Nordfrankreich Anweisungen fiir die Festnahme und Erschiefiung von 
Geiseln gegeben. 

Der Fiihrer genehmigt die Verlegung zweier franzosischer U=Boote in afri= 
kanische Atlantik=Hafen. 

Programm des Gen.=Bevollmachtigten f. d. Arbeit seinsatz vom 20. 4. 42. 



Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gy. Sud: 

II. Armee: AuJSer lebhafter feindl. Fliegertatigkeit keine bes. Kampfhand= 
lungen. Wetter: sonnig, warm. 

Armee gr. v. Kleist: Starker mot. Verkehr vor Siidfliigel. Nordl. Antrazit 
wurden mehrere kleine Gruppen in Gesamtstarke von etwa 1000 bis 1200 
Mann in Marschrichtung auf die Front beobachtet. Ein nachtl. Erkundungs= 
vorstofi wurde abgewehrt. Zwischen Mariupol und Taganrog wurden gegen 
Abend 3 grofiere und 18 kleinere Schiffe beobachtet, die in etwa 17 km Ent= 
fernung vor der Kliste liegen blieben und sammelten. Bewaffnete Aufklarung 
ist angesetzt. 

6. Armee: Ostw. Charkow und beiderseits Prochorowka wurden starke Be= 
wegungen des Feindes in siidl. Riditung beobachtet. 

2. Armee: Ein feindl. Erkundungsvorstofi westl. Tim wurde abgewehrt. 
Wetter: bewolkt, teilw. Regenfalle, im S 20 Grad, Mitte und N etwas kiihler, 
Wege mit Kfz. noch nicht befahrbar. Donez 1 m iiber normal. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz. Armee: Siidl. Maklaki erfolgreiches eigenes Stofitruppuntemehmen. 
Ostw. Kirow vergebl. Feindvorstofi. 

4. Armee: Auf dem Nordfliigel der Armee versuchte der Gegner vergeblich, 
die Ugra zu iiberschreiten. Starkeres eigenes Artl.=Feuer zwang ihn zum Riick= 
zug. Siidl. davon Schanzarbeiten des Gegners beobachtet. 

9. Armee: Auf aufierstem Westfliigel der Armee Uef die Besatzung eines 
feindl. Grabens iiber. Starkere Ansammlungen nordwestl. Bjeloj lassen auf 
weitere Angriffe schliefien. 

Regen hat die Wege wieder verschlechtert. Temp, im allg. + 12 Grad. Im 
Raum Jelnja weiterhin erfolgreiche Bekampfung der Partisanen. 

H.Gr. Nord: 

Feindl. Angriffe von NO auf Cholm wurden abgewehrt. Eigene Artl. der 
Gruppe Lang unterstiitzte die Abwehrmalinahmen. An der NW=Spitze der 
Demjansk=Front griff der Feind im Pola=Tal mit starkeren Pz.Kraften an. Von 
9 Pz.n wurden 5 zusammengeschossen, 2 beschadigt. Etwas westl. davon gelang 
es dem Feind, bis an die Versorgungsstrafie westl. der Pola vorzudringen. 

337 



B. Kriegstagebuch 

Gegenmalinahmen sind im Gange. Ein Angriff auf die vorstoJSenden Telle 
der Gruppe Seydlltz von S wurde zuriickgeschlagen. An der Wolchow=Front 
nordl. Jamno griff der Felnd mit iiberlegenen Panzerkraften die Sperrfront an. 
Wahrend er im nordl. Teil auf gehalten werden konnte, gelang es ihm, im siidl. 
Tell, in den Sperrgiirtel einzudringen. Gegenmafinahmen sind im Gange. Sonst 
keine bes. Kampfhandlungen. 

Nachtrag: Siidl. Bjeloj wurden in der Zeit vom 30. 4. bis 1. 5. folgende 
Gefangene und Beute gemacht: 631 Gefangene, darunter 95 Oberlaufer, 
63 MG, 38 s. Gr.Werfer, 11 Pak, 5 Wurfgerate. Vernichtet wurden: 5 MG, 
24 s. Gr.Werfer, 15 ^,6 cm Geschiitze, 3 Pak und 2 IG. Der Feind verlor 
6^0 Tote. 

Finnisdie Front (2. 5.) 

Sudostfront: Artl.=Feuer aus Kronstadt auf die Landenge wurde mit eigenem 
Artl.=Feuer aller Kaliber erwidert. Im siidl. Operationsgebiet Bewolkung und ortl. 
Schneefalle. 

Nor do St front: Nadi Gefangenenaussagen wurden im Abschnitt Louhi aus Kem 
2000 Mann Ersatz zugefiihrt. Ein Angriff in Btl.=Starke nordl. Uhtua wurde abge= 
wiesen. Bei der Landungsgruppe westl. der Liza=Bucht, die am 2. 5. sdiwere Verluste 
erlitt, handelt es sich um die 12. Mar.Brigade. Nach Gefangenenaussagen sollen sidt 
6 Btl.e einer Renntierbrigade auf der Fisdierhalbinsel befinden. Mit einem Lan= 
dungsunternehmen siidl. der Motowski=Bucht ist demnach zu rechnen. Wetter: An 
der Kiiste Sdineetreiben, leiditer Frost, Wege verschlammt. 

Nordafrika (3. 5.) 

Normale Artl.= und Spahtrupptatigkeit. 

Bei feindl. Luftangriff auf Bengasi Nacht 2./3. 5. geringer mil. Schaden. Abschu6 
eines feindl. Flugzeugs wahrscheinlidi. 



5. Mai 1942 

(KTB der Kriegsgesdiichtlidien Abteilung des OKW) 
Handstreich brit. Streitkrafte gegen den franz. Stiitzpunkt Diego Suarez 

auf Madagaskar^. 

Die 163. Div. an der Swir=Front wird durch finnische Truppen abgelost und 

dem AOK Lappland zugefiihrt. Dafiir wird das finn. Inf.Rgt. 14 dem finn. 

Oberkommando wieder unterstellt und der Abschnitt Uhtua wieder an das 

finn. Oberkommando abgegeben. 

1 Auszug aus „Die Bemiihungen der Ski. . .", a. a. O.: 

„Am 3. 5. werden der Fiihrer des japanischen Verbindungsstabes in Berlin, 
Vizeadmiral Nomura, und der Fiihrer der japanischen Delegation in Rom, Kon= 
teradmiral Abe, von Petain, Darlan und Laval empfangen. Bei dieser Gelegen= 
heit macht Darlan Admiral Nomura den Vorschlag, der englisch=amerikanischen 
Gefahr durch eine japanische Besetzung der Inseln und eine franzosisch=japa= 
nische Zusammenarbeit zuvorzukommen. Die Japaner vertreten die Auffassung, 
daji sie nicht ohne Zustimmung der Reichsregierung mit den Franzosen ver= 



336 



5- Mai 1942 

Der Fuhrer entscheidet zu dem Operationsentwurf des AOK Lappland vom 
15. 4., dafi die Lfl. 5 verstarkt wird und eine sedismonatige Bevorratung fiir 
wenigstens 3 verstarkte Divisionen in Lappland vorbereitet werden mu6, weil 
unter Umstanden die Abwehr feindlicher Angriffe die Verstarkung des Ge= 
birgskorps Norwegen im selben Mafie notwendig machen konne, wie sie zum 
Angriff auf die Fischer=Halbinsel erforderlich ware. (Naheres s. Stellv. WFSt). 

Besondere Anordnungen zur Weisung 41: Unterriditung der Verbiindeten. 

Sondermeldung iiber die um 6.20 Uhr morgens erfolgte Entsetzung der ein= 
gesdilossenen Besatzung von Cholm. 



Lageberidit OKH 
Osten 

H.Gr. Sud: 

11. Armee: Feindbild an beiden Fronten unverandert. Luftaufklarung stellte 
an der Kertsch=Front 60 eingegrabene Pz. fest und meldete die Anlage von 
Panzerabwehrgraben und mehreren Batteriestellungen. Wetter: wechselnd be= 
wolkt, sehr windig, Wege gut. In Kustenabschnitt zwischen Mariupol und 
Taganrog wurden russ. Krafte (Besatzung von 2 Motorbooten), die wahrend 
der Nacht zu landen versuchten, nach kurzem Feuergefecht auf See zuriick= 
getrieben. Mit Ausnahme eines vergebl. Feindvorstolies in Kp.=Starke am 
NordflUgel der H.Gr. Slid keine bes. Kampfhandlungen. Das Wetter ist auf 
der ganzen Front regnerisch, etwa 10 Grad Warme. Die Wege weiterhin ver= 
schlechtert; hierdurch audi im siidl. Teil die Ablosung verzogert. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz. Armee: Siidwestl. Suchinitschi versuchte der Gegner, mehrmals in Kp.= 
Starke die eigenen Stellimgen anzugreifen. Er wurde mit grofien Verlusten 

handeln konnten, da in dem allgemeinen deut$ch=japanischen Abkommen zur 
Abgrenzung der Interessenspharen Madagaskar zum deutsdien Einflufigebiet 
gehore. Die Japaner halten es jedoch fiir moglich, dajJ im Zuge der militdrisdien 
Operationen derartige Besetzungen fiir die Dauer der Kriegszeit in gemein= 
samem deutsch=japanischen Einverstandnis durchgefiihrt werden konnten. Xlber 
diesen Empfang berichtet der japanische Mar ineatt ache Rom, dajl sich fiir die 
Japaner in Vichy sehr klar ergeben habe, dafl insbesondere Laval den ausgesprc 
chenen Wunsch einer engen Zusammenarbeit mit den Achsenmdchten, besonders 
mit Japan, habe. Die Japaner seien vom ehrlichen Willen Petains, Darlans und 
Lavals zur Zusammenarbeit mit der Achse iiberzeugt. Die breite Masse des 
franzosischen Volkes sei jedoch hierfUr nicht zu haben. Daher seien Aufmerk= 
samkeit und Skepsis geboten! — 

Am 5. 5. beginnt der englische Angriff gegen Madagaskar, Die Alliierten er= 
kl'dren, dafl sie in keiner Weise die Absicht hdtten, die franzosische Nationalitdt 
der Insel anzutasten. USA=Streitkrdfte sind bei dem Angriff nicht beteiligt. Von 
der amerikanischen Regierung wird der Schritt jedoch offiziell gebilligt; der 
USA=Geschdftstrdger teilt in Vichy mit, dafi die USA jeden Angriff auf englische 
Streitkrdfte audi als gegen sich selbst geriditet ansehen wUrden. Amerika wiirde 
daraus die Konsequenzen Ziehen." 



339 



B. Kriegstagebuch 

zuriickgeschlagen. Im Raume von Mzensk wurden in der Zeit vom 27. 4. bis 
4. 5. 414 Gefangene gemacht, darunter 39 Dberlaufer. 

4. Armee: Nordl. Spas Demenskoje griff en feindl. Kav.=Divisionen die Stel= 
lung von Norden an. In einem Teil gelang ihnen der Einbruch in unsere Stel= 
lungen. Nach kurzer Gefechtshandlung wurde die Lage wieder bereinigt. In 
der iibrigen Front der H.Gr. keine bes. Kampfhandlungen. Durch den Regen 
ist das Gelande weiterhin aufgeweicht, Strafien nur z. T. befahrbar. 

H.Gr. Nord: 

In den Morgenstunden des gestrigen Tages trat Gruppe Lang (westlich 
Cholm) zum Entsatz der Stadt zum Angriff an. Mit wirkungsvoller Unter= 
stiitzung von Artl., Pz.n, Sturmgeschiitzen und Luftwaffe gewann der Angriff 
trotz zahen Feindwiderstandes gut Boden. An der Demjansk=Front wurden 
Angriffe auf den Siidwestfliigel unter schweren Feindverlusten zuriickgeschla= 
gen. Auch an der Verbindungsstelle am Lowat und siidL Staraja Russa wurden 
mehrere Angriffe des Feindes zuriickgeschlagen. Bei den bisherigen Kampfen 
bis zur endgiiltigen Vereinigung der beiden AK.s (Gruppe von Seydlitz und 
Gr. Eicke) am 1. 5. wurden 2 feindl. Brigaden vernichtet und 4 weitere so zer= 
schlagen, dafi ihr Herausziehen zur Auffrischung notig wurde. Weitere Ver= 
bande wurden starkt geschwacht. Insgesamt sind eingebracht worden: 6614 
Gefangene, 286 Geschiitze, 167 Panzer, 7 Flugzeuge. 

Die dem Feind zugef iigten Verluste betragen etwa 50 000 Mann. NordL des 
Ilmensees griff der Feind weiterhin mit starken Kraften und Pz.=Unterstutzung 
die Riegelstellung an. Wegen Schlechtwetterlage keine Unterstiitzung durch 
Luftwaffe. Erhebliche Nachschubschwierigkeiten inf olge grundloser Wege. SiidL 
Salzy starkes feindl. Artl.=Feuer. Ein Angriffsversuch siidl. Maluksa wurde 
abgewehrt. 



Finnisdie Front (3. 5.) 

Siidostfront: Aufier Artl.= und Spahtrupptatigkeit keine bes. Ereignisse. 

Nordostfront: Aufklarungstatigkeit westl. der Strafie Kestenga— Okunewa Guba 
lafit auf nodi weiter nordl. ausholende Umfassungsabsichten des Gegners sdiliefien. 
Siidl. davon wurden Angriffe bis zu 2 Btl.en erfolgreidi unter schweren feindl. Ver= 
lusten abgewiesen. An der Murmansk=Front nahmen die Geb.=Jager im Angriff 
gegen die dortige Umfassungsgruppe nadi zahem Kampf eine widitige Hohe. Die 
Bereitstellung zum Angriff gegen die nordl. Umfassungsgruppe durdi Gelande= 
schwierigkeiten verzogert. Wetter: bewolkt, windig, zeitweilig Sdineetreiben. 

Nordafrika (4. 5.) 

Bei starkem Sandsturm nur schwadie Aufklarungs= und Artl.=Tatigkeit, 

In Nacht 3.74. 5. feindl. Luftangriff auf Bengasi ohne militarischen Schaden. 

1 feindl. Flugzeug wahrscheinlich abgeschossen. 



340 



6. Mai 1942 

6. Mai 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 

Die Bildung eines Reichsriistungsrates durch den Reichsminister fiir Be= 
waffnung und Munition wird bekanntgegeben. 

Um die Neigimg zum Uberlaufen und zur Kapitulation eingeschlossener 
sowjetrussischer Gruppen zu steigern, befiehlt der Fuhrer, dafi den sowjeti= 
schen Kommandeuren ^ Kommissaren und Politruks zunachst versuchsweise in 
solchen Fallen die Erhaltung ihres Lebens zugesichert werden kann. 

Die im Bereich der 18. Armee eingesetzten Teile der Kriegsmarine werden 
zur Uberwachung der Minenabriegelungen im Finnen=Busen benotigt. 

In der Zeit vom Mai bis Juni werden 6 deutsche Kiistenminenboote und 
4 ital. MAS=Boote in den Ladogasee iiberfiihrt. (Naheres s. Stellv.WFSt.) 

Neue Trennungslinie zwischen dem finn. Oberkommando und dem AOK 
Lappland: St. Sig (6^ km nordl. Kem)— Chirwisalma— Niva— Ylikiiminki— Oulu. 

OKW/WiRu Ami erlafit einen Befehl iiber die Winter ausstattung 1942/43. 



Lageberidit OKH 
Osten 

H.Gr.Sud: 

11. Armee: An der Feodosia=Front im Siidteil rege Schanzarbeiten und 
Feindbewegungen. Wetter: wechselnd bewolkt, warm, Strafien trocken. 

Armeegr.v.Kleist: Vor dem siidl. Frontabschnitt starkere Feindbewegungen. 
Ein Vorstofi des Feindes bei Debalzewo wurde zuriickgewiesen. 

6. Armee: Nordostw. Charkow wurde ein Vorstofi von 200 Russen ab= 
gewehrt. Auch hier und bei Balakleja lebhafte Feindbewegungen. 

Bei 2. Armee keine bes. Kampfhandlungen. Auf der ganzen Front bewolkt, 
windig, strichweise Regen. Im Siiden wurde die Ablosung abermals durch den 
Strafienzustand verzogert. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz. Armee: Ein starkerer Stofitrupp, der in die eigene Stellung siidl. 
Mzensk eingedrungen war, wurde im Gegenstofi zuriickgeschlagen. Im riick= 
wartigen Gelande wurde ein Zug zwischen Brjansk und Potschew durch Spren= 
gung zur Entgleisung gebracht. Auch die Strecke Brjansk— Roslawl wurde an 
mehreren Stellen unbrauchbar gemacht. Die Kampfe der letzten Tage sud= 
westl. Rshew waren fiir den Feind sehr verlustreich. Er verlor allein vor einer 
Div. 178 Gefangene, 410 Tote, 29 MG und 13 Granatwerfer. 800 Minen wur= 
den geraumt. Siidl. Bjeloj wurde ein feindl. Angriff von Norden her abgewie= 
sen. Vergebl. feindl. Pz.= Angriff von N her auf Welish. Die Strecke Wel.Luki— 

1 Mu6 wohl heifien „Funktionaren" (vgl. Warlimont, a. a. O., S. 185). 

341 



B. Kriegstagebuch 

Sokolniki wurde an mehreren Stellen gesprengt. Wetter: bedeckt, vereinzelt 
Schneeschauer, Temp, etwas iiber o Grad. 

H.Gr. Nord: 

Der Angrijff in Richtung Cholm wurde fortgesetzt. Mehrere feindl. Stellun= 
gen wurden durchbrochen, i Inf.=Sto6trupp, von Pz.n und Sturmgeschiitzen 
unterstiitzt, gelang es nordl. des Lowat, um 6.20 Uhr die Verbindung mit 
Cholm herzustellen. Um 16.10 Uhr wurde die Fernsprechverbindung aufge= 
nommen. Siidl. der Strafie nur allmahliches Vorwartskommen bei starkem 
Feind wider stand. Feindbewegungen vor der Nordostflanke der Demjansk= 
Front wurden mit Artl. bekampft. Auf dem Nordwestteil an der Pola wurde 
ein Angriff abgewiesen. Ebenso mifilangen Angriffe von N und S am Lowat. 
Nordl. des Ilmensees gelang es dem Gegner, die Nachschubstrafie westl. Jamno 
zu sperren. Mehrere Angriffe an der Einbruchstelle siidl. Maluksa wurden ab= 
gewehrt. 

Finnisdie Front (4. 5.) 

Gruppe Annus: Bei Swirstroy wurde ein gewaltsamer Aufklarungsversudi des 
Feindes zuriickgewiesen. Sonst normaler Tagesverlauf. Wetter: Teils Schnee, teils 
Regen, Temp, um o Grad. 

Nordostfront: Der Feind versudit bei Louhi, weiter umfassend anzugreifen. Ei» 
gene Verbande wurden verstarkt und konnten im Gegenangriff nach hartnackigem 
Widerstand Gelande gewinnen. 

Murmansk^Front : Mehrere Angriffe gegen Siidflanke und Siidfliigel wurden ab= 
gewehrt. Eigener Angriff gegen Umfassung auf Nordfliigel im Gange. Wetter: 
Sdineeschauer, leiditer Frost. Durdi wiedereinsetzenden Frost sind Bewegungen 
auch abseits des Weges erleichtert. 

Nordafrika (3. 3.) 

Bei anhaltendem Sandsturm geringe beiderseitige Aufklarungs= und Artl.=Tatig= 
keit. Bei feindl. Luftangriff auf Bengasi Nacht 4./ 3. 5. geringer Gebaudeschaden. 

7. Mai 1942 
(KTB der Kriegsgesdiiditlidien Abteilung des OKW) 

Erlal2 des Fuhrers iiber die einheitliche Steuerung der Riistungswirtschaft. 

Eine vom Fiihrer befohlene gewaltsame Aufklarung an der Kertsch=Front 
hat keine Anzeichen fiir ein Absetzen der feindlichen Krafte erbracht. 

Der Absicht des OB West, das AOK 1 an der Kiiste einzusetzen und die 
bisherigen Aufgaben desselben durch das Hohere Kommando XXXXV iiber= 
nehmen zu lassen, stimmt der Fiihrer zu. 

Der ital. General Gariboldi^ wird im Fiihrerhauptquartier vom Fiihrer emp= 
fangen. (Ausl.) 

1 Vorgesehen ah OB der 8. ital. Armee an der Ostfront. Kdo.^Ubernahme am 
9. Juli 1942. 



7. Mai 1942 

Der Dt.General b. H.Qu. d. ital. Wehrmacht berichtet iiber eine gemeinsame 
Reise mit dem Gen.Oberst Cavallero nach Libyen und dessen Befehle fur die 
Operationen in Nordafrika. Danach sollen die westl. Tobruk stehenden be= 
weglichen Feindkrafte zerschlagen und Tobruk in abgekiirztem Angriffsver= 
fahren weggenommen werden. Die Wegnahme von Tobruk wird als Voraus= 
setzung fiir das Vorgehen gegen die Linie Sidi Omar— Halfaya— Solium 
bezeichnet. Diese Linie soil von der Masse der Panzerarmee Afrika nicht 
iiberschritten werden. Falls Tobruk nicht genommen werden kann, sollen 
Stellungen in der Ain=el=Gazala=Linie oder weiter westlich bezogen werden. 
Der Angriff soil Ende Mai beginnen und sich nicht iiber den 20. Juni hinaus= 
Ziehen. 



Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. sad: 

Sowohl auf der Krim wie auf der iibrigen Front der H.Gr. Slid aufier Spah= 
trupptatigkeit keine bes. Kampfhandlungen. Im Siiden klar, windig, + 16 
Grad, Mitte und Nord stiirmisch, Regen, um + 5 Grad. 

H.Gr. Mitte: 

Bei 2. Pz.Armee griff der Feind siidl. Mzensk und westl. der Bahn Suchi= 
nitschi— Brjansk in etwa Kp.=Starke an. Er wurde abgewehrt. Bei der 4. Armee 
vergebl. Feindvorstofie bei Fomina und im riickw. Gebiet ostw. und westl. 
Jelnja. Eigene Stofitruppenunternehmen sudostw. Jelnja hatten Erfolg. Meh= 
rere Feindortschaften wurden genommen. Auf der iibrigen Front aufier er= 
folgreichen eigenen Stofitruppunternehmen nordl. Gshatsk, nordl. Rshew 
und westl. Sytschewka keine bes. Ereignisse. Siidl. Bjeloj vorgehend, griff 
ein Rgt. die Ortschaften ostw. Bjeloj an, nahm sie und drang bis an die Obscha 
vor. Ein versuchter Gegenstofi des Feindes wurde abgewehrt. Siidwestl. Welish 
wurden Feindversuche, die Nachschubstrafie zu erreichen, abgewiesen. Wetter: 
bedeckt, Regen, starker Wind. 

H.Gr. Nord: 

Die siidl. der Strafie nach Cholm zur Entlastung vorstofienden eigenen 
Krafte iiberschritten nach Einnahme mehrerer Ortschaften den Lowat sud= 
westl. Cholm, iiberrannten die feindl. Feldstellungen und nahmen mit einem 
Stofitrupp, der aus Cholm nach Siiden vorgestofien war, Verbindung auf. An 
der Demjansk=Front wurden Angriff e ostw. und westl. der Pola abgewehrt. 
Auch Versuche des Feindes, nordl. und siidl. der neugeschaffenen Verbindung 
anzugreifen, mifilangen. Westl. Jamno liegt auf der Durchbruchsstelle an der 
Wolchow=Front starkes feindl. Artl.=Feuer. Nordl. davon wurde ein feindl. 
Angriff kurz vor der Stellung unter hohen Verlusten zuriickgewiesen. 

343 



B. Kriegstagebuch 

Ein feindl. StoJStruppunternehmen gegen die Nordfront des Kessels war 
erfolglos. Ein feindl. Angriif auf die Stellung an der Bahn Maluksa— Salzy 
wurde abgewehrt. 

Finnisdie Front (3. 3.) 

Sudostfront: Ruhiger Verlauf des Tages, Nadi Aussage eines Kriegsgefangenen 
befinden sich im Frauengefangnis zu Kem deutsche und finnische Kriegsgefangene. 
Wetter: bis — 6 Grad, stellenweise Schneefall. Sturm hat das Eis im Ostteil des 
Finnischen Meerbusens an mehreren Stellen aufgerissen und in Bewegung gesetzt. 

Nordostfront (AOK Lappland): Erfolgreiche Abwehr feindl. Angriffe auf Siid= 
fliigel der Louhi=Front. Die feindl. Umfassungsgruppe, die nordl. Guba nach S 
vorgestofien war, wird eingeschlossen. 

Murmansk=Front : In der Siidwestflanke wurden mehrere Angriffe abgewehrt. Der 
Angriff gegen die feindl. Landungsgruppe westl. der Liza=Bucht kam in harten 
Kampfen gut vorwarts. Wetter: Frost, teilw. Sdineesturm. 

Nordafrika (6. 5.) • 

Bei weiter anhaltendem Sandsturm normale beiderseitige Aufklarungs= und 
Artl.=Tatigkeit. 

Einsatzbereite Panzer, einschliefilich italienisdie : 440 Panzer, 7 gepanzerte Befehls= 
wagen, 19 Sturmgesdiiitze. 



8. Mai 1942 

(KTB der Kriegsgesdiidhtlidien Abteilung des OKW) 

3.15 Uhr Beginn des Angriff s der 11. Armee auf die Landenge von Kertsch. 

Die Versorgung des //. AK. sowie der Gruppen Scherer in Cholm und Wan= 
del am Wolchow=Kessel kann auf der Erde nicht voll durchgefiihrt werden 
und muj8 auch in der nachsten Zeit noch teilweise auf dem Luftwege erfolgen. 

Zusammenstellung der von der H.Gr. Nord abzugebenden Verbande. 
(Naheres s. Stellv.WFSt.) 

Der dem Chef OKW unmittelbar unterstehende Sonderstab F erhalt militar= 
politische Weisungen durch Ausl/Abw. Amtschef Ausl/Abw wird ermachtigt, 
in alien das Arbeitsgebiet des Sonderstabes F beriihrenden arabischen und 
indischen Fragen Entscheidungen militarpolitischer Art im Auftrage des Chefs 
OKW zu fallen. 

Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. sad: 

II. Armee: An der Sewastopol=Front verstarkt der Feind weiter seine Stel= 
lungen. Eigene Erkundungsvorstofie stellten im nordl. Teil der Feodosia=Front 
durchlaufende Besetzung der Feindstellungen fest. Wetter: gute Sicht, sonnig, 
leicht bewolkt. 

Armeegr. v. Kleist: Im siidl. Teil wurden grofie Fahrzeugansammlungen er= 
folgreich durch Artl. bekampft. In dem Tal siidl. Djakowi lebhafter Verkehr 

344 



8. Mai 1942 

von und zur Front. Nordl. Balakleja griff der Feind nach Artl.=Vorbereitung 
und Pz.=Unterstutzung in Rgt.=Starke an. Im GegenstolE wurde er unter hohen 
Verlusten zuriickgewiesen. Westl. davon wurden Ubersetzversuche iiber den 
Donez verhindert. Bei dem Angriff wurden 2 Pz. vernichtet, 3 blieben liegen. 
Ein Feindvorstofi siidl. Orjol wurde im GegenstoiS zuriickgewiesen und das 
Vorgelande vom Feind gesaubert. Wetter: wediselnd bewolkt, starkere West= 
winde. Strafien unverandert. 

Bei der 6. und 2. Armee keine bes. Kampfhandlungen. Wetter bei 6. Armee 
+ 15 Grad, bewolkt, mittags klar, starker Wind, rasches Abtrocknen der 
Wege. 2. Armee: + 4 Grad, stiirmisch, Regen. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz. Armee: Slidostw. Mzensk wurde ein fdl. Angriff in Kp.=Starke ab= 
gewiesen und mehrere Gefangene gemacht. Siidl. Brjansk im riickw. Gebiet 
fuhr ein eigener Zug auf eine Mine beim Obergang iiber die Nawlja und 
wurde mit MG beschossen. Zwischen Jelnja und Spas Demenskoje wurden 
mehrere Feindangriffe von N auf die Bahnlinie abgewiesen. Auf dem Nord= 
fliigel der 9. Armee nordostw. Rshew wurden bei Panino bereitgestellte Pz.= 
Wagen durch Artl. bekampft. Luftaufklarung stellte f est, dafi nordwestl. Rshew 
bei Bachmutowo mehrere Briicken fiir Pz.=Wagen iiber die Wolga fertiggestellt 
sind. Siidwestl. Rshew gelang eigener Vorstofi. Bei Welish griff der Feind nach 
ArtI.=Vorbereitung von NO her die Stadt an. Nach voriibergehendem Einbruch 
wurde er durch Gegenstofi zuriickgeschlagen. Wetter: starke Regenschauer, 
Strafien weiter verschlechtert. Teilw. fiir Reiter und Panjef ahrzeuge nur mit 
grofien Schwierigkeiten moglich. 

Wegen der vermehrten Bahnsprengungen in den letzten Tagen im riickw. 
Gebiet hat die H.Gr. die weitgehende Einspannung der Zivilbevolkerung 
und der Kriegsgefangenen fiir die Abwehr und den Wachdienst angeordnet. 
Ferner sind scharfste Mafinahmen gegen die Bevolkerung an den Stellen 
verfiigt, wo sie bei tatkraftiger Mithilfe Oberfalle und Sprengungen hatte 
verhindern konnen. 

H.Gr. Nord: 

Angriffe auf die neuen Stellungen siidwestl. Cholm wurden abgewiesen. 
Durch Vorstofi von Cholm nach Siiden wurden die eigenen Stellungen ver= 
bessert. An der NO=Seite der Demjansk=Front griff der Russe mehrmals bei 
Nowinka und nordwestl. davon an. Die Angriffe wurden durch gut liegende 
Artl. und Unterstiitzung von Stukas unter grofien Feindverlusten abgewiesen. 
Mehrere Angriffe auf beiden Seiten der Pola von N her wurden zuriick= 
geschlagen. Auch siidl. der Vereinigungsstelle des II. und X. Korps wurden 
Feindangriffe durch gut liegenden Artl.=Beschu6 zerschlagen. Am Ilmensee bei 
Jamno wurden Feindansammlungen zerschlagen. 



345 



B. Kriegstagebuch 

Finnisdie Front (6. 5.) 

Siidost front: Normaler Tagesverlauf. 

Nordostfront (AOK Lappland) : Im Abschnitt Louhi wurden neue starke Angriffe 
unter hohen Feindverlusten abgewiesen. Die von N umfassend angreifenden Feind= 
telle wurden eingeschlossen, AusbrucKsversuche nach Norden verhindert. An der 
Murmansk=Front wurden Angriffe auf den siidl. Teil und die Mitte der Liza=Stellung 
abgewehrt. Im Angriff gegen die Landungsgruppe gelang es durch Vereinigung 
der beiden Angriffsfliigel, einen grofien Teil dieser Gruppe einzuschliefien. Einige 
das Westufer der Liza beherrschenden Hohen konnten genommen werden. 

Nordafrika (7. 5.) 

Der Tag verlief im allgemeinen ruhig. 

In der Nacht S./y. 5. erfolgloser feindl. Luftangriff auf Bengasi. 



9. Mai 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 
In der Nacht vom S./g. 5. erneuter Luftangriff auf Rostock. 



Lagebericht OKH 
Osten 

H.Gr. Sud: 

II. Armee: An der Feodosia=Front trat der siidl. Teil der bereitgestellten 
Formationen gegen zahlenmafiig iiberlegenen Feind um 3.15 Uhr zum Angriff 
an. Im ersten Anlauf wurde der Einbruch in die Parpatschstellung erzielt. Im 
Nahkampf gelang es, die Stellung zu durchbrechen und weiter nach O vor= 
zustofien. Um 16.00 Uhr war ungefahr folgende Stellung erreicht: von Sidsheut 
in nordwestl. Richtung bis zur Strafie Feodosia— Kertsch, von da in westl. Rich= 
tung bis zur Station Akmanaj. Gegeniiber dem nordl. Teil der Feodosia=Front 
verhielt sich der Feind ruhig. Zum Vortauschen eines Angriffs angesetzte 
starke Stofitrupps erzielten Einbriiche in die Feindstellungen. Das gewonnene 
Gelande wird gehalten. Der Feind biijSte neben hohen blutigen Verlusten 2500 
Gefangene ein und verlor in Luftkampfen ^7 Flugzeuge. Der Gelandegewinn 
im siidl. Abschnitt betrug an diesem ersten Tag etwa 12 km. Wetter: klar, 
sonnig, windig. 

Armeegr. v. Kleist: Auf den Strafien von Rostow nach Nordwesten um 
Woroschilowgrad und bei Lissitschansk in beiden Richtungen starkerer Ver= 
kehr. Nordl. Slawjansk wiederholte der Gegner seine erfolglosen Angriffe 
mit Pz.n und Artl. Die eigene Abwehr wurde durch ital. Jager nachhaltig unter= 
stutzt. Wetter: sonnig, warm, teilw. starke Westwinde. 

6. Armee: Aufier einem erfolglosen feindl. Angriff nordl. Martowaja und 
starkeren Feindbewegungen auf der Strafie Korotscha und Woltschansk keine 
bes. Kampfhandlungen. Wetter: wechselnd bewolkt, warm, starker Sudwest= 
wind. Wege teilw. auch fiir Kfz. befahrbar. 

346 



9. Mai 1942 

2. Armee: Im riickw. Gebiet schlugen ungarische Verbande starkere Parti= 
sanengruppen nordostw. Seredina Buda nach N zuriick. Wetter: wechselnd 
bewolkt, windig, + 14 Grad. 

H.Gr. Mitte: 

2. Pz.Armee: Aufier einem vergebl. Stofitruppunternehmen desFeindes nord= 
westl. Wesniny keine bes. Kampfhandlungen. Wetter: + 10 Grad, starke 
Regenschauer, StralBen verschlammt, zum grofien Teil auch fiir Reiter und 
Panjefahrzeuge nicht befahrbar. 

4. Armee, 5, Pz.Armee und 9. Armee keine bes. Kampfhandlungen. Nord= 
westl. Rshew halt der feindl. Verkehr uber die neugebauten Wolgabriicken 
nach S an. Mit Angriffen mufi hier gerechnet werden. Nordwestl. Bjeloj wurde 
ein feindl. Angriff abgewehrt. Ostw. Demidoff wurde starke Feindbesetzung 
festgestellt. Im riickw. Gelande westl. Jelnja wurde ein Feindvorstofi auf die 
Strafie Jelnja— Smolensk abgewehrt. Wege leicht abgetrocknet. 

H.Gr. Nord: 

Am Lowat ostw. Juchowa rege feindl. Spahtrupptatigkeit. Westl. Cholm 
hatte eigenes Stofitruppunternehmen guten Erfolg. Mehrere feindl. Bunker 
wurden genommen. An der Demjansk= Front westl. Nowinka griff der Feind 
an mehreren Stellen in Btl.=Starke mit Pz.=UnterstUtzung die eigenen Linien 
an. Er wurde zuriickgeschlagen. Ein voriibergehender Pz.=Einbruch wurde im 
Gegenstoii bereinigt. Im Pola=Tal und auf der Siidfront wurden mehrere mit 
Pz.n durchgefiihrte feindl. Angriffe abgewehrt. Auch an der Bruckenkopf= 
stellung am Lowat vergebl. Pz.=Angriffe des Gegners. Siidostw. St. Russa 
brach ein feindl. Angriff unter schwersten Feindverlusten zusammen. Nordl. 
des Ilmensees westl. Jamno starke feindl. Artl.=Tatigkeit an der Einbruchsstelle. 
Bereitstellungen des Feindes wurden durch Artl. zerschlagen. Ebenso wurde 
ein Feindangriff und Bereitstellungen bei Grusino durch Artl. nachhaltig be= 
kampft. Siidostw. Maluksa griff der Feind mit uberlegenen Pz.=Kraften und 
Schlachtfliegern die eigenen Stellungen siidl. der Bahn an. Im konzentrischen 
Feuer aller Waffen wurden bisher samtl. Angriffe abgeschlagen. 



Finnisdie Front (7. 5.) 

Sudwestfront: Normaler Verlauf des Tages. Die nordl. Kestenga eingeschlossene 
Feindgruppe konnte vernichtet werden. Der Feind verier hierbei 1400 Tote, zahl= 
reidie Gefangene und Waffen aller Art. 

Die hier eingesetzten 2 feindl. Div.en und 2 Brigaden wurden stark angeschlagen. 
Im Kandalakscha=Abschnitt wurden mehrere Feindangriffe in BtL=Starke gegen 
beide Fliigel abgewiesen. Auf dem S= und N=Fliigel der Murmansk=Front vergebl. 
Feindangriffe. Westl. der Liza=Bucht konnten weitere Teile der Landungsgruppe 
in Btl.=Starke umfassend angegriffen, zersprengt und zum grofien Teil verniditet 
werden. VersorgungsstraSe der Geb.Div.en durdi meterhohe Schneeverwehungen seit 
5. 5. gesperrt. 

347 



B. Kriegstagebuch 

Nordafrika (8. 5.) 

Tag verlief bei normaler Aufklarungs= und z. T. lebhafter Artl.=Tatigkeit ruhig. 



10. Mai 1942 

(KTB der Kriegsgeschichtlichen Abteilung des OKW) 
Die Adjutantur der Wehrmacht beim Fuhrer ordnet unter Hinweis auf die 
sich mehrenden NacKrichten iiber geplante Attentate gegen den Fuhrer 
erweiterte Mafinahmen fiir dessen Sicherheit an und bittet die dem FHQu 
angehorenden Wehrmachtdienststellen, ihrerseits entsprechende Abwehrma6= 
nahmen zu treffen. Mafinahmen zur Partisanenbekampfimg und Sicherung der 
landwirtschaftlichen Arbeiten in den besetzten Gebieten des Ostens. 

Chef WFSt teilt Oberst d. G. Scherff gesprachsweise mit, er sei der Auf= 
fassung, dafi der Ansatz der Operation „Blau'' im Hinblick auf die schwachen 
Krafte bei den H.Gr.n Mitte und Nord ein grofies Risiko bedeute, falls der Russe 
einen entschlossenen Vorstofi auf Smolensk unternehme. Es erscheine ihm 
jedoch fraglich, ob der Russe hierfiir geniigend Krafte und Wagemut besitze. 
Der Fuhrer sei mit ihm der Ansicht, dai? infolge der deutschen Siidoperation 
die russischen Krafte ebenf alls automatisch nach dem Siiden abgezogen werden 
wiirden^. 
[Ende der deutsch=italien. Luftoffensive gegen Malta^.] 

1 Lagehericht OKH vom 10. Mai 1942 fehlt in der Sammlung des KTB Ski, Teil D. 

2 Hierzu stellt Gen. Warlimont in einer Erlauterung jest: 

„Am 10. Mai sah Feldmarschall Kesselring nach insgesamt 11 000 Einsdtzen 
seiner beiden Fliegerkorps gegen Malta die ihm gestellte Aufgabe als erfUllt an. 
Bei seiner Meldung, dafl der britische Stiitzpunkt ,ausgeschaltet' sei, konnte er 
sich darauf berufen, daji die Hafenanlagen und Rollfelder in grojiem Umfang 
zerstort, die Kriegsschijfe aus dem Hafen vertrieben warden und nur wenige 
Jagdflugzeuge in ihren Felsen=Schutzstdnden einsatzfahig geblieben waren. Min= 
destens ebensoviel bedeutete es, daji die Luftwaffe gemeinsam mit U=Booten 
und der italienischen Flott