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Werner Sombart 

Krieg und 
Kapitalismus 






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Presented to the 
LIBRARY oj the 

UNIVERSITY OF TORONTO 

by 
Prof. Karl Helleiner 



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Werner Sombart 

Studien 
zur Entwicklung sgesdiidite 
des modernen Kapitalismus 



Zweiter Band 

Krieg und Kapitalismus 




Verlag von Duncker & Humblot 
Mündien und Leipzig 1913 



Werner Sombart 



Krieg und 
Kapitalismus 







Verlag von Duncker & Humblot 
München und Leipzig 1913 




Alle Rechte vorbehalten 



Copyright by Duncker & Humblot, München und Leipzig 1913. 






Altenbnrff, 

Pierersche Hofbuchdruckerei 

Stephan Geibel & Co 



Vorwort 

Der Zufall will es, daß dieses Buch erscheint in einer 
Zeit, in der die kriegerischen Interessen wieder mehr als 
andere die Gemüter gefangen nehmen. Die Geister sind 
dadurch besser vorbereitet, die einzig große Bedeutung zu 
würdigen, die der Krieg für unser Kulturleben gehabt hat, hat 
und haben wird, solange Männer das Schicksal der Völker 
bestimmen werden. Besser vorbereitet insbesondere, um die 
Zusammenhänge zu sehen, die zwischen dem Kriege und dem 
Wirtschaftsleben bestehen, und die systematisch aufzudecken 
seltsamerweise bisher noch niemand der Mühe für wert be- 
funden hat. Die höchst sonderbaren Ergebnisse, zu denen 
meine Untersuchungen gelangen , rechtfertigen , denke ich, 
mein Unternehmen und verleihen dem Buch einigen Wert über 
die engen Grenzen der wirtschaftshistorischen Probleme hinaus. 
Denn nicht zuletzt liegt mir immer am Herzen, daß andere 
Leute als die Fachgenossen — in diesem Falle also vor allem 
gebildete Offiziere — an den Ergebnissen meiner Forschungen 
teilnehmen. 

Mittel-Schreiberhau im Riesengebirge 
12. November 1912. 



vn 



Inhaltsverzeichnis 



Seite 

Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges. . . i 

Erstes Kapitel : Die Entstehung der modernen Heere le 

I. Die Herausbildung der neuen Organisationsformen 16 

1. Die theoretisch möglichen Heeres Verfassungen 16 

2. Das Landheer 20 

3. Die Flotte 33 

IL Die Ausweitung des Heereskörpers 37 

1. Das Landheer 37 

2. Die Flotte 44 

Zweites Kapitel : Der Unterhalt der Heere 5i 

L Die Heeresfinanzen 51 

1. Der Militäraufwand 51 

2. Die Aufbringung der Mittel 60 

II. Die Grundsätze der Heeresausrüstung 66 

Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere .... 74 

I. Das Eindringen der Feuerwaffen 74 

1. Die Geschütze 75 

2. Die HandfeuerwaflFen 76 

IL Die Neuordnung des Bewaffnungswesens 79 

IIL Der Bedarf an Waffen 85 

IV. Die Deckung des wachsenden Waffenbedarfs 90 

Viertes Kapitel : Die Beköstigung der Heere .... 117 

I. Die Verpflegungssysteme 117 

IL Der Bedarf an Lebensmitteln 124 

III. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Truppenverpflegung . 131 

Anhang: Die Remontierung der Heere 150 



Vm Inhaltsverzeichnis 

Seite 

Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere .... 151 

I. Die Bekleidungssysteme 151 

IL Die Uniform 155 

III. Vergrößerung, Zusammenballung und Uniformierung des Klei- 

dungsbedarfs in ihrer Bedeutung für das Wirtschaftsleben. 163 

Sechstes Kapitel: Der Schiffbau 175 

I. Die Bedeutung des Schiffbaues für das Wirtschaftsleben . . . 175 

IL Die Menge der Schiffe 177 

IIL Die Größe der Schiffe 182 

IV. Das Tempo des Schiffbaues 187 

V. Die Organisation des Schiffbaues 190 

VI. Die Beschaffung der Schiffbaumaterialien 198 

Literatur und Quellen 209 

I. Zur Einführung in die militärwissenschaftliche Literatur. . . 211 

IL Quellenbelege 217 



Einleitung: Das doppelte Gesicht des 
Krieges 

Wenn man den Anfängen des modernen Kapitalismus 
nachspürt, und wenn man sich die äußeren Umstände ver- 
gegenwärtigt, unter denen er zur Welt gekommen ist, so 
kann es gar nicht ausbleiben, daß man seine Aufmerksamkeit 
den ewigen Händeln und Kriegen zuwendet, von denen die 
Zeit seit den Kreuzzügen bis zu den Napoleonisehen Kriegen 
erfüllt ist: Italien ist während des späteren Mittelalters 
ebenso wie Spanien ein einziges Heerlager; England und 
Frankreich liegen 100 Jahre während des 14. und 15. Jahr- 
hunderts im Streite; im 16. Jahrhundert gibt es in Europa 
nur 25, im 17. Jahrhundert nur 21 kriegsfreie Jahre, also von 
200 Jahren sind 154 Kriegsjahre. Holland hat von 1568 bis 
1648 80, von 1652 bis 1713 36 Kriegsjahre: 116 von 145. Bis 
endlich in den Revolutionskriegen die europäische Menschheit 
ihre letzte große Erregung durchlebt. Daß hier irgendein 
Zusammenhang zwischen Krieg und Kapitalismus bestehen 
müsse, läßt eine einfache Besinnung als sicher erscheinen. 

Und man hat ja denn auch oft genug solche Zusammen- 
hänge festgestellt. Aber soweit ich sehe: wenn man von 
Beziehungen zwischen Kapitalismus und Militarismus sprach, 
hat man doch nie an die Wirkungen gedacht, die der Kapi- 
talismus auf die Politik der Völker ausgeübt hat, hat man 
immer nur die Kriege als die Folgen der kapitalistischen Ent- 
wicklung angesehen. 

Was sie denn zweifellos auch in weitem Umfange sind. 
Es ist kein Kunststück, in einem großen Teile der Kämpfe, 

» Sombart, Krieg und Kapitalismus 1 



2 Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges 

die die italienischen Republiken untereinander oder mit den 
Mächten am Bosporus ausfochten, ebenso wie dann später 
in den Kriegen des 16., 17. und 18. Jahrhunderts „kapita- 
listische" Interessen als Triebfedern aufzudecken. Es sind 
Kämpfe um den Futterplatz — ganz gewiß. 

„Was 1556—1559 den Franzosen mißlingt, glückt den 
Niederländern in ihrem ,Befreiungskriege' (1568 — 1648): 
Spaniens Kolonialmacht, seine Welthandelssuprematie zu 
brechen, die Entwicklung seines nationalen Wirtschaftslebens 
zum Stillstand zu bringen: der Kapitalismus verlegt sein 
Hauptquartier in die Niederlande. Kaum hier angelangt, be- 
gegnet er sofort wieder neidischen Nachbarn, die seiner Ent- 
wicklung mit scheelen Augen zusehen; Cromwell eröffnet den 
Kampf mit den Niederlanden : 1651 Navigationsakte, 1652 bis 
1654 Handelskrieg. Mit England verbündet kämpfen 1672 
bis 1678 Frankreich und Schweden gegen die aufblühenden 
Niederlande. Dann wird eine Zeitlang Frankreich das führende 
kapitalistische Land ; einen Augenblick scheint es, als ob sich 
der französische Handel mit dem spanischen Kolonialbesitz 
vereinigen wolle. Aber schon erscheinen die Neider : Deutseh- 
land, Holland, England führen 1688—1697 den Koalitions- 
krieg gemeinsam gegen das mächtig aufstrebende Frankreich, 
dem im spanischen Erbfolgekriege (1701—1714) Holland und 
England den Erwerb der spanischen Kolonien mit Erfolg 
streitig machen. Endlich ringen als letztes und stärkstes 
Paar miteinander Frankreich und England (1756—1763). Eng- 
land geht als Sieger aus diesem Kampfe hervor und begründet 
damit seine Suprematie auf dem Weltmarkte." 

Gewiß. Und es hat Zeiten gegeben, in denen man stolz 
war, wenn man irgendeinen großen Krieg, wie irgendein anderes 
großes Ereignis der Weltgeschichte, wieder einmal in seiner 
ökonomischen Bedingtheit erkannt hatte. 

Aber diese „materialistische Geschichtsauffassung" muß 
doch nun aufhören, uns als einziger Wegweiser zu dienen. 



Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges 3 

Sie hat ihre Schuldigkeit getan. Aber nun müssen wir wieder 
einmal einen Schritt weiter tun. Wenn wir heute die „ökono- 
mistische Betrachtung" der Geschichte, nachdem sie uns ein 
Menschenalter hindurch Dienste geleistet hat, verabschieden, 
so entlassen wir sie mit den Gefühlen, mit denen man einen 
alten, treuen Dienstboten aufs Altenteil setzt, nicht weil 
er nichts taugt, sondern nur weil er alt geworden ist und 
nichts Rechtes mehr leistet. Den mau auch weiter noch 
in Ehren hält. Nicht sowohl, weil wir die „materialistische 
Geschichtsauffassung" für „falsch" hielten, geben wir sie auf: 
sie ist nicht falscher und nicht richtiger wie irgendeine 
Methode zu einheitlicher Geschichtsbetrachtung. Als vielmehr 
deshalb, weil sie keine Früchte mehr trägt. Sie ist un- 
ergiebig geworden: die Goldader, die sie mit sich führte, ist 
abgebaut. Denn wahrhaftig: was in letzter Zeit mit ihrer 
Hilfe an geschichtlichen Darstellungen zutage gefördert ist, 
ist taubes Gestein. Jetzt zumal, seit sie einen Bestandteil 
eines politischen Parteiprogramms bildet, ist sie zu einem 
wahren Kinderschrecken geworden. 

So werden wir denn auch das Problem „Krieg und Kapi- 
talismus" aus der Umschlingung befreien müssen, in der es 
der historische Materialismus gefangen hält. Und das werden 
wir am besten dadurch bewerkstelligen, daß wir die Frage 
einmal umdrehen und nicht untersuchen: inwiefern ist der 
Krieg eine Folge des Kapitalismus, sondern: ist und inwieweit 
und weshalb ist der Kapitalismus eine Wirkung des Krieges. 
In dieser strengen Form ist, soviel ich sehe, das Problem 
überhaupt noch nicht gestellt worden. Obwohl eine Menge 
Versuche vorliegt, die Bedeutung des Krieges für „das Wirt- 
schaftsleben" darzutun. Aber diese Fassung ist zu lax: wenn 
wir nicht ganz genau unsere Betrachtung auf ein ganz be- 
stimmtes Wirtschaftssystem ausrichten, schlagen wir mit der 
Stange im Nebel herum. „Historiker" ! 

Welcher Art können denn nun wohl die Wirkungen sein. 



4 Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges 

die der Krieg ausübt? Zunächst: wenn wir in der laxen 
Formulierung fragen: auf „das Wirtschaftsleben", wird uns 
als erste und wichtigste, ja scheinbar als einzigste Wirkung 
die Zerstörung entgegentreten, die offenbar mit allem 
Kriege engstens verbunden ist. 

Der Krieg als Zerstörer: das ist das Bild, das uns allen 
vorschwebt, wenn wir uns seine Wirkungen auf die materielle 
Kultur vor Augen stellen wollen. „Die Kriegsfurie geht durch 
die Lande." Städte geplündert. Dörfer und Felder ver- 
wüstet. Der rote Hahn auf allen Dächern. Das Vieh im 
Lande umherirrend. Die Saaten zertreten. Die übriggebliebene 
Bevölkerung am Verhungern. 

W^er kennt nicht die Schilderungen, vor allem aus dem 
Dreißigjährigen Kriege in Deutschland: Robert Höniger hat 
sie unlängst uns wieder einmal ins Gedächtnis zurückgerufen *. 
Sie wiederholen sich aber in vielen Ländern während des 16. 
und 17. Jahrhunderts. Namentlich Frankreich war arg heim- 
gesucht von den Schrecken des Krieges. 

„Überall Ruinen; das Vieh größtenteils vernichtet, so 
daß man nicht mehr ackern kann und oft weite Strecken 
Landes brach liegen," meint der venetianische Gesandte Cavalli 
im Jahre 1574. „Quasi tous les villages estoient inhabitez 
et deserts," heißt es in einer Deklaration vom Jahre 1595, 
„cessation presque g6n6rale du labour" ist die Folge. 

„II est cogneu," erklären die Notabein bei ihrer Zu- 
sammenkunft im Jahre 1597, „que l'on faisait avant les 
troubles quatre fois plus de manufactures de draps de laine 
qu'ä präsent. Tömoins la ville de Provins en Brie oü il y 
avoit huit cents mestiers de draps et n'y a pas pour le jourd'- 
hui quatre mestiers." 

Die gelassensten Geister werden aus ihrem Gleichgewicht 
gebracht. 

„En temps ordinaire et tranquille on se pr6pare ä des 
accidents modörös et communs; mais ä cette confusion oü 



Einleitung; Das doppelte Gesicht des Krieges 5 

nous sommes depuis trente ans, tout lioinme frangais, soit en 
particulier, soit en genöral, se voit ä chaque heure sur le 
pied de rentier renversement de sa fortune." (Montaigne.) 
Und was als schlimmste Folge der ewigen Kriege emp- 
funden wurde: die entlassene Soldateska ebenso wie die ver- 
armten Edelleute ergreifen das Räuberhandwerk: Banden 
durchziehen die Lande: eine Geißel für Städter und Land- 
mann. Schließlich verwildert die Bevölkerung selbst: sie ist 
nicht wie ehedem nüchtern und brav, das Elend, der An- 
blick des Blutes, der Krieg haben sie verschmitzt und roh 
gemacht, heißt es wieder in dem Berichte Cavallis. 

Wir haben heute gelernt, diese Schilderungen für über- 
trieben zu halten. Wir wissen, daß die zeitgenössischen Schrift- 
steller den Mund etwas zu voll nehmen, sobald sie auf das 
Elend des Krieges zu sprechen kommen. Man hatte sich 
schließlich in eine gewisse Wehleidigkeit und ein Gebarme 
hineingeklagt. Immerhin: mancher Schaden wird von der 
Soldateska dem Bürger und Bauern zugefügt sein. 

Wir besitzen für ein Land sogar eine ziffernmäßige Be- 
rechnung dieser Schäden, die der Volkswirtschaft während 
eines langen Krieges zugefügt worden sind, meines Wissens 
die einzige aus so früher Zeit: für Piemont im spanischen 
Erbfolgekriege. Diese Schadenrechnung lautet wie folgt ^: 

Brände, verursacht vom Feinde 4184608 1. 

„ n » Verbündeten . . 691826 „ 

Wegnahme von Vieh vom Feinde .... 1492032 „ 
y, » » » Verbündeten . . 325412 „ 

Ausfuhr von Mobilien und Vettovaglia esclusi 

li foraggi, Feind 16322235 „ 

Verbündeten 4985637 „ 

Zerstörung von Fruchtbäumen, Feind . . 3810 882 „ 

Verbündete 2335690 „ 
Kontribution an den Feind bezahlt . . . 3177093 ^ 

37325415 1. 



Q Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges 

Damals hatte Piemont 1200000 Einwohner! 

Sehr nachhaltig sind aber die ungünstigen Folgen für 
das Wirtschaftsleben wohl nicht gewesen, die sich aus solchen 
Zerstörungen ergaben. Und es zeugt von geringer Kenntnis 
der Tatsachen, wenn man den Dreißigjährigen Krieg in erster 
Linie für den ökonomischen Rückgang Deutschlands und seine 
lang andauernde Rückständigkeit verantwortlich macht. Frank- 
reich hat im 16. und 17. Jahrhundert mehr als einen dreißig- 
jährigen Krieg erlebt und war am Ende des 17. Jahrhunderts 
die erste Handels- und Industriemacht Europas. 

Aber der Krieg hat mehr zerstört als Dörfer und Saaten. 
Und sein hemmender Einfluß auf den Gang des Wirtschafts- 
lebens reicht viel weiter, als selbst die jämmerlichsten Elends- 
sehilderungen vermuten lassen. Das begreifen wir aber nur, 
wenn wir die vorhin schon empfohlene Ausrichtung des Problems 
vornehmen, wenn wir sehr genau fragen: welche Bedeutung 
der Krieg für die Entwicklung des kapitalistischen 
Wirtschaftssystems gehabt habe. Da finden wir näm- 
lich, daß er zweifellos dessen [Entfaltung zurückgehalten hat. 
Daß er für den Kapitalismus also eine Hemmung bedeutet 
in mehr als einer Hinsicht. 

Ich denke gar nicht einmal an die Vernichtung schon 
vorhandener kapitalistischer Gebilde, wie sie gewiß häufig 
genug die Folge des Abbruchs von Handelsbeziehungen oder 
die Folge übermäßigen Steuerdruckes und anderer durch den 
Krieg bedingter Lasten oder die Folge unsicherer Transport- 
verhältnisse oder die Folge von Staatsbankerotten war. Und 
will nur für jede dieser Störungsweisen ein besonders charakte- 
ristisches Beispiel anführen: 

Frankreich exportierte nach Holland 

1686 für 72 Mill. L, darunter für 52 Mill. 1. Industrieerzeug- 
nisse, 
1716 nur noch für 30,7 Mill. 1. insgesamt und für 2338000 1. 
gewerbliche Produkte'. 
Wie soll man Handel treiben, klagen die spanischen Cortes im 



Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges 7 

Jahre 1594, wenn man von 1000 Duk. Kapital 300 Duk. Abgabe zahlen 
muß? In drei Jahren ist das Kapital aufgebraucht*. 

Die niederländisch -ostindische Kompagnie hatte von 1697 — 1779 
einen Verlust von 41275 419 fl. in ind. leichtem Gelde (= 33020335 fl. 
in niederl. schwerem Gelde), trotzdem sie an ihren Handelsgeschäften 
noch sehr viel verdiente (1776/77 50 »/o, 1778/79 55 «/o). Der Verlust 
stammte von dem großen Aufwände her, den sie für ihre Erhaltung im 
Feindesland machen mußte. „Wäre die Kompagnie nur Kaufmann ge- 
wesen, von einem Kückgang der Geschäfte hätte also damals nicht die 
Kede sein können. Aber die Gesellschaft war zugleich Souverän, und 
die Unkosten der Verwaltung verschlangen allen Handelsgewinn. Selbst 
reichten diese noch nicht vollständig zu, denn „,der Kaufmann mußte 
bezahlen, was der Landesherr verzehrte'" ^ 

• Biringuccio eröffnete anfangs des 16. Jahrhunderts bei Auronzo im 
oberen Piawa-Tal ein Bergwerk auf Kupfer und Silber, das rasch in 
Blüte kam. Über sein weiteres Schicksal berichtet er uns*: „Gewiß 
hätten wir gute P'rüchte davon geerntet, wenn das Schicksal uns damals 
nicht einen Krieg zwischen Kaiser Maximilian und der Signoria von 
Venedig gebracht hätte, welcher bewirkte, daß jene Gegenden von Friaul 
und Carmia unbewohnbar wurden und uns zwang,, unsere Unternehmungen 
aufzugeben und jede Einrichtung, die wir dort getroffen hatten, zu zer- 
stören. Und da der Krieg längere Zeit dauerte, kam es zur Auflösung 
unserer Gesellschaft , . ." 

Die französische Compagnie des Indes Orientales (1664 — 1719) ist 
an den Unruhen und der Unsicherheit zugrunde gegangen, die im Ge- 
folge der Kriege Ludwigs XIV. mit den Seemächten auf allen Meeren 
und an allen Küsten sich einstellten: während der 55 Jahre ihres Be- 
stehens gab es Seekrieg in 27 Jahren'. 

Der Staatsbankerott Philipps IL vom Jahre 1575 wirkte vernichtend 
auf zahlreiche Häuser in Sevilla, Rom, Venedig, Mailand, Lyon, Ronen, 
Antwerpen, Augsburg usw. Hauptsächlich aber litten die Genuesen. 
„Es ist der Credito ganz allgemein durch diese Neuerung darnieder- 
gelegt — " wird den Fuggern aus Antwerpen berichtet. „Diese beiden 
Bankerotte", schreibt Thomas Müller aus Sevilla, „tun schier so viel 
Schaden, wie ein halbes Dekret; denn dadurch wird die Handlung nach 
(West-)Indien, die bisher alle unterhalten hat, ganz zerstört." Die 
spanische Volkswirtschaft war nach dieser Katastrophe nur noch ein 
■wüster Trümmerhaufen 8. 

Ich denke vielmehr an die viel bedeutsamere Hemmung, 
die der Krieg auf die Entwicklung des Kapitalismus dadurch 
ausübte, daß er die Keime zerstörte, aus denen Kapitalismus 
hätte erwachsen sollen. Diese Keime lagern eingeschlossen 



g Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges 

in den kapitalfähigen Vermögen, die seit dem frühen Mittel- 
alter immer wieder an allen Orten aus tausend Quellen 
zusammenflössen. Diese Vermögen hat der Krieg zu unzähligen 
Malen Jahrhunderte hindurch daran gehindert, sich in Kapital 
zu verwandeln, weil er sie für seine Zwecke verwendete. 
Wer offenen Sinnes durch die Welt ging, konnte in aller 
früheren Zeit sich der Tatsache nicht verschließen, daß die 
privaten Vermögen, statt Industrie und Handel zu befruchten, 
in die Tresors des Staates wanderten, der sie zu allermeist 
für Kriegszwecke verausgabte: die öffentlichen Anleihen, die 
dem Geldbesitzer einen mühelosen, erklecklichen Gewinn ver- 
sprachen, sogen erst die großen, dann die großen und 
die kleinen Vermögen auf und hinderten also die Kapital- 
akkumulation. 

Diese Vorgänge bildeten die beständige Klage aller 
kommerzialistisch interessierten Leute, namentlich im 18. Jahr- 
hundert. 

In England: 

„Of course every wise man would take his money out of trade and 
carry it to the Treasury as the better market. There was at that time 
— sc. z. Z. Williams III. — at least 20 or 30**/o to be got fairly, by 
supplying the government; the money paid was sure to return again 
in a few years and being lent again on new securities, it can be no 
■wonder that so profitable a traffic has from a moderate stock produced 
even 80 Millions in 60 years." 

„The public funds . . . engross that ready money that should other- 
•wise be employed in trade either by the proprietors or others ..."^. 

In Frankreich: 

„Cet argent fait pour alimenter le commerce et soutenir l'industrie, 
va se perdre ^ternellement dans les coffres royaux. Ces coffres attirent 
tout ce qu'ils peuvent attirer . . ." 

„Elle (la poche des capitalistes) appelle ... les richesses, fait la 
loi, ecrase; abyme tout concurrent, est ötrangere ä l'agriculture, ä l'in- 
dustrie, au commerce . . . Consacree ä l'agiotage eile est funeste ..." 

„Je ne passe point devant l'hotel des fermes sans pousser un pro- 
fond soupir: je me dis, lä s'engouffre l'argent arrach^ avec violence 
de toutes les parties du royaume, pour qu'apres ce long et penible travail, 
il rentre altere dans les coffres du roi" ^". 



Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges 9 

In Holland: 

„Die ewige Klage, daß niemand sein Geld in den Kaufhandel, die 
Gewerbe und den Ackerbau stecken will, daß alle in träger Muße reich 
werden wollen und darum ihr Geld im Auslande anlegen^*." 

Und die Geschichte lehrt uns, daß jene Männer richtig 
beobachtet hatten. Seit dem Mittelalter, seit die Städte und 
Fürsten zu borgen anfingen, galt es für alle Leute, die Er- 
sparnisse gemacht hatten, als ausgemacht, daß sie ihr Geld 
zunächst in Darlehen an die Fürsten und Städte anlegten. 
Solange die Schulden noch persönliche waren, brachten bloß 
die Reichen ihr Geld den Königen (ihr Geld, das freilich 
auch zum Teil schon aus Depots zusammengeflossen war, wie 
es uns Villani von den Geldern berichtet, die die Bardi 
und Peruzzi dem Könige von England dargeliehen hatten). 
Dann als die Anteilsschuld, und zumal als die unpersönliche 
Schuld aufkam, strömten auch die Spargroschen der kleinen 
Leute in die öffentlichen Kassen. 

1353 und 1398 wurden Häuser in Venedig verkauft, um 
mit dem Erlös Anteile an den Staatsschulden zu erwerben ^2. 

Über den Zulauf, den der grand parti des Königs Heinrich II. 
im Jahre 1555 hatte, schreibt ein Zeitgenosse: „Gott weiß, wie 
die Gier nach diesen übermäßigen Gewinnen ... die Menschen 
anreizte: jedermann lief herbei, um sein Geld in dem grand 
parti anzulegen, bis herunter zu den Dienstboten, die ihre 
Ersparnisse hinbrachten. Die Frauen verkauften ihren Schmuck, 
die Witwen gaben ihre Renten hin, um sich an dem grand 
parti zu beteiligen, kurz man lief dorthin, als wenn das 
Feuer dort sei" *^. 

Um einen Begriff von den gewaltigen Beträgen zu geben, 
die auf diese Weise der Kapitalbildung (zunächst! das heißt 
auf direktem Wege!) entzogen wurden, teile ich hier die 
Summen der Schulden mit, die die wichtigen Stadt-Staaten 
und Großstaaten seit dem Mittelalter bis zu Beginn des 
19. Jahrhunderts aufgenommen haben. 



10 



Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges 



Den Weg wiesen auch in dieser Beziehung: 

1. Die italienischen Städte: 

Die stehende Schuld Genuas datiert seit 1257. Im Jahre 1322 be- 
ziflFerte sich die gesamte Staatsschuld Genuas auf 831496 1. und wurde 
mit 8—120/0 verzinst. 1354 war die konsolidierte Schuld auf 2 962 1491. 

9 s. 6 d. angewachsen, 1378 — 81 wurden im Kampfe mit Venedig 

10 Zwangsanleihen von durchschnittlich 100000 fl. zuS**/© aufgenommen, 
so daß am Ende des 14. Jahrhunderts zu obigen 2,9 Mill. 1. noch weitere 
2V2 Mill. 1. hinzugetreten waren. 1470 betrug Genuas Staatsschuld 
12 Mill. 1., 1597 43,77 Mill. 1. '*. 

In! Fl(yrenz gab es 1380 1 Mill. fl. d'oro, 1427 3 Mill. fl. d'oro 
Staatsschulden; von 1430 bis 1433 hatten 70 Familien im Conto di 
gravezze 4875000 fl. bezahltes. 

Der Doge von Venedig Mocenigo, nachdem er bei Lebzeiten 4 Mill. 
Dukaten getilgt hatte, hinterläßt (1423) noch eine Schuldenlast von 
6 Mill. Dukaten. Im Jahre 1520 betrug das Vermögen des Monte vecchio 
8675613 Duk. 14 Gr.i«. 

2. Frankreich'. 

1595" 296620 252 Livres. 

1698" 2 352 755 000 „ 

1715»» 3460000000 „ 

1721«« 1,700733294 „ 

176420 2157116651 „ 

178920 4467478000 „ 

1800" 40 216 000 „ Rente. 

1814 21 63307 637 „ „ 

3. Holland: 

166022 140 Millionen Gulden. 

1698" 25 „ £■ 

4. England^^: 

1603 400000 £, 

1658 2 474 290 „ 

1714 54 145 363 " ) ^P*^^^*^^®'^ Erbfolgekrieg, 

1727 52 092 235 l 

1739 46 954 623 „ 

1748 78 293313 „ 

1755 74 571 840 „ 'l 7 jähriger Krieg Englands und 

1762 146 682 844 „/ Frankreichs, 

1784 257 213 043 „" } amerikanischer Freiheitskrieg, 

1793 261735 059 „\ „ , - ^ v • 
1816 885 186 323 „ } Napoleomsche Kriege. 

5. Entropa: 

17142* 300 Mill. Sß. 



Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges H 

Ganz gewiß: in diesen Ziffern drücken sich große und 
schwere Verluste aus, die der Kapitalismus erlitten hat. 

Und doch! Ohne den Krieg wäre er überhaupt 
nicht da. Der Krieg hat kapitalistisches Wesen nicht nur 
zerstört, der Krieg hat die kapitalistische Entwicklung nicht 
nur gehemmt: er hat sie ebenso gefördert, ja — er hat sie 
erst möglich gemacht, weil wichtige Bedingungen, an die 
aller Kapitalismus geknüpft ist, erst im Kampfe sich erfüllen 
mußten. Ich denke vor allem an die Staatenbildung, 
wie sie zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert in Europa 
vor sich geht, die eine Voraussetzung war für die eigenartige 
Entfaltung des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Die mo- 
dernen Staaten aber, das wird man nicht erst zu belegen 
brauchen, sind allein das Werk der Waffen: ihr Äußeres, 
ihre Abgrenzungen nicht minder wie ihre innere Gliederung: 
die Verwaltung, die Finanzen sind unmittelbar in Erfüllung 
kriegerischer Aufgaben in modernem Sinne entwickelt worden : 
Etatismus, Fiskalismus, Militarismus sind in diesen Jahr- 
hunderten ein und dasselbe. Insbesondere sind auch die 
Kolonien, wie jedermann weiß, in tausend blutigen Kämpfen 
erobert und verteidigt worden : von den italienischen Kolonien 
in der Levante angefangen bis zu dem großen englischen 
Kolonialreich, das den anderen Nationen Schritt für Schritt 
mit dem Schwert in der Hand abgerungen wurde. 

Erobert worden sind die Kolonien im Kampfe mit den Eingeborenen, 
erobert im Kampfe mit den eifersüchtigen, um die Wette streitenden 
europäischen Nationen. Gewiß mag hier und da das diplomatische Ge- 
schick mitgeholfen haben, um einem Lande Vorteile im Handel mit einem 
fremden Volke zu verschaffen; wir kennen zahlreiche Verträge, die mit 
den eingeborenen Fürsten abgeschlossen wurden, und in denen die 
europäische Nation Privilegien aller Art zugesichert bekam. Besonders 
in den Levantekolonien, wo man es mit halb- und ganzzivilisierten 
Völkern zu tun hatte, waren Vertragsschließungen häufig. Und auch in 
den asiatisch-amerikanischen Gebieten kamen sie vor. Französisch hießen 
solche Verträge „Firman", in denen (wie beispielsweise in dem Firman 
aus dem Jahre 1692, den Deslandes für die französische Comp, des J. 0. 



12 Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges 

in Chandernagor vom Mogul erwirkte) etwa folgendes vereinbart wurde: 
Die Kompagnie zahlt dem Mogul 40000 Kop., 10000 sofort, 5000 in Jahres- 
raten ; die Franzosen erhalten das Recht : frei zu handeln in den Provinzen 
Bengalen, Orissa und Behar; mit denselben Privilegien und auch den- 
selben Gewohnheiten wie die Holländer ; sie zahlen wie diese 3 Va **/o Douane. 
Aber so vortrefflich derartige Abmachungen waren; getan war es mit 
ihnen gewiß nicht. Schon daß sie von den Eingeborenen gehalten wurden, 
setzte eine Machtentfaltung des vertragschließenden Landes voraus, die 
dem Fürsten drüben genügende Achtung einflößte. Und dann blieb ja 
immer noch der rivalisierende europäische Staat, der jeden Augenblick 
bereit war, mit dem Schwert in der Hand sich seinen Platz zu er- 
kämpfen. 

So ist schon die Kolonialgeschichte der Genuesen und Venetianer 
eine Geschichte von ewigen Kriegen 2^ Auch hier schon bekamen gute 
Verträge diejenigen Staaten, die am trutzigsten auftraten: „Während 
dieser Kämpfe beschränkte sich die Republik (Venedig) im wesentlichen 
darauf, ihr Quartier in der Stadt Negrepont in guten Verteidigungs- 
zustand zu setzen. "Wahrscheinlich trug dies dazu bei, daß sie im 
Jahre 1277, als abermals ein Vertrag auf 2 Jahre mit Michael Paläologus 
abgeschlossen wurde, günstigere Bedingungen erlangte." (He yd.) Und 
nicht minder die der westeuropäischen Nationen seit dem 16. Jahr- 
hundert: Machtentfaltung durch kriegerisches Auftreten blieb auch hier 
die Losung: „11 faudrait envoyer des vaisseaux du Roi afin de les 
faire voir sur les cotes et surtout n'epargner ni poudre ni boulets, et 
c'est d'une grande consequence afin d'abattre l'orgueil des Hollandais . ., 
fomenter la guerre entre Anglais et Hollandais et secourir toujours le 
plus faible . . .; la Comp, etant etablie une fois, il ne tiendra qu'au Roi 
d'etre le maitre des Indes" . . heißt es in einer Denkschrift der Direktoren 
der französisch-ostindischen Kompagnie aus dem Jahre 1668 2*. 

Man weiß, daß seit dem 17. Jahrhundert es üblich wurde, die 
staatlichen Hoheitsrechte, vor allem auch die Kriegsmittel, den privi- 
legierten Handelsgesellschaften zu übertragen, denen dadurch recht 
eigentlich die Eroberung der Kolonien als Aufgabe einheimfiel, und 
zwischen denen der Kampf um den Futterplatz (soweit er außerhalb 
Europas entschieden wurde) zum Austrag kam. Daß in diesem Kampfe 
die Größe der staatlichen Machtmittel letzten Endes die Entscheidung 
gab, und daß der Sieg nicht von friedlichen Kaufieuten, sondern von 
gewandten Geschäftsleuten und brutalen Seehelden erfochten wurde, 
liegt auf der Hand. 

„L'on connaltra par lä. qu'il faut que les personnes qui sont k la 
tete des Compagnies dans les Indes, aient d'autres qualitäs que celle 
qui regarde la fonction simplement d'un habile marchand: c'est un 
Service mel6, oü il est nöcessaire de savoir un peu de tout", berichtet 
der immer klar schauende F. Martin nach Hause ^'. Und das hat für 



Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges 13 

alle Nationen 'gegolten: die brutalsten, die rücksichtslosesten, die im 
Kriegshandwerk tüchtigsten haben in dem Kampfe zuletzt den Sieg 
davon getragen. 

Wie der Hergang bei dem Erwerbe kolonialen Besitzes war, dafür 
liefert die Geschichte der afrikanischen Handelsgesellschaften ein be- 
sonders gutes, weil außerordentlich durchsichtiges Beispiel: 

Zunächst wird Afrika von den Portugiesen besetzt. Daneben fassen 
auch die Engländer festen Fuß: die Königin Elisabeth privilegiert eine 
Gesellschaft. Die Engländer bauen nun ihr erstes Fort an der Gold- 
küste, dann am River Gambia, [zur Zeit der Stuarts. 1621 wird die 
holländisch-westindische Kompagnie errichtet, mit dem Rechte, alles 
Land an der afrikanischen West- und amerikanischen Ostküste in Besitz 
zu nehmen ; sowie mit dem alleinigen Recht, daselbst Handel zu treiben. 
Da die Portugiesen die Plätze, die für die Gesellschaft wichtig waren, 
schon in Besitz genommen hatten, so waren Zusammenstöße unvermeidlich, 
und sie traten auch bald genug ein : 1637 erobern die Holländer das erste 
portugiesische Fort in Afrika, bald alle andern, die ihnen im Vertrage 
von 1641 formell zugesprochen wurden. Nun sind aber die Engländer 
noch im Wege, und die Holländer beanspruchen jetzt das Recht des 
Alleinhandels auch ihnen gegenüber: sie lassen beständig zwei Kriegs- 
schiffe an der Küste kreuzen, die auf ankommende englische Handels- 
schiffe Jagd machen sollen ^s. Es war nun klar geworden: 

1. daß englische Privatkaufleute nicht gegen die vereinigte Macht 
der holländisch-westindischen Gesellschaft aufkommen konnten; 

2. daß auf einen Vertrag zwischen den beteiligten Staaten wenig 
Wert zu legen war (Ostindische Erfahrung!); 

3. daß es nur ein Mittel gebe , gegen einen solchen Gegner wie die 
holländisch-westindische Kompagnie zu bestehen: auch die englischen 
Kaufleute gleicherweise zu einer Gesellschaft zusammen zu schließen 
und dieser alle Machtbefugnisse und Privilegien zu geben, deren sie be- 
dürfte. 

Das Ergebnis dieser Erwägungen war die Gründung der „Company 
of Royal Adventurers of English trading into Africa" im Jahre 1662. 

Nun beginnt ein wohl geordneter Kampf zwischen beiden Gesell- 
schaften: Die Engländer legen nun auch Forts an, rüsten auch Kriegs- 
schiffe aus usw. Welcher Aufwand dabei in Frage kam, zeigen folgende 
Ziffern: für Erbauung und Erhaltung der Forts an der afrikanischen 
Küste verausgabte die Gesellschaft von 1672—1678 390000 ^, von 1678 
bis 1712 206000 £, von 1712—1729 255000 i^, zusammen also 851000 i^" 
in diesen 57 Jahren! Aber die Engländer wurden nun auch in ihrem 
Besitze nicht mehr gestört. Postlethwayt, der nach guten zeit- 
genössischen Quellen diesen Bericht gibt, fügt hinzu 2®: „For 250 years 
past, it has been the constant policy of all such European nations . . 
die fremde Länder entdeckt haben . . to build and maintain forts and 



14 Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges 

Castles; and in virtue of such possessions ,to claim a right to whole 
Kingdoms and to tracts of land of a vaste extent and to exclude all 
other nations from trading into or from them". 

Vergegenwärtigt man sich aber die tiberragende Be- 
deutung, die die Kolonien für die Entwicklung des modernen 
Kapitalismus haben : als Vorbilder, als Gesinnungsbildner, als 
Vermögensbildner, als Marktbildner, so genügt diese eine 
Leistung des Krieges: die Eroberung der Kolonialreiche, um 
ihn auch als Schöpfer kapitalistischen Wesens zu betrachten. 
Das doppelte Gesicht des Krieges : hier zerstört er, und dort 
baut er auf. 

Aber um das auszusprechen, hätte ich nicht nötig ge- 
habt, schon wieder ein Buch zu schreiben. Denn das weiß 
sogar jeder „Historiker". Was mir vielmehr am Herzen liegt, 
ist: den Nachweis zu führen, daß der Krieg noch viel unmittel- 
barer am Aufbau des kapitalistischen Wirtschaftssystems be- 
teiligt ist. Deshalb daran beteiligt ist, weil er die modernen 
Heere geschaffen hat und die modernen Heere wichtige 
Bedingungen kapitalistischer Wirtschaft erfüllen sollten. Die 
Bedingungen, die hier in Betracht kommen, sind: die Ver- 
mögensbildung, der kapitalistische Geist und vor allem 
ein großer Markt. Die folgenden Untersuchungen stellen 
sich die Aufgabe, die Zusammenhänge aufzudecken, die 
zwischen der Entwicklung des Militarismus und des Kapitalis- 
mus bestehen. Ich werde immer vor allem nachzuweisen 
suchen, inwieweit die modernen Heere, deren Entstehung ich 
zunächst verfolge : 1. als Vermögensbildner, 2. als Gesinnungs- 
bildner, 3. (vor allem !) als Marktbildner dem kapitalistischen 
Wirtschaftssystem Vorschub leisten. 

Die Epoche, über die sich meine Darstellung erstreckt, 
ist die Zeit seit der Entstehung der modernen Heere bis 
etwa zum Ende des 18. Jahrhunderts. Es sind die für die 
Entwicklung des modernen Kapitalismus entscheidenden Jahre, 
in denen er Ziel und Richtung bekommt, seine Pubertäts- 



Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges 15 

jähre. Nur für diese frühkapitalistische Epoche behaupte 
ich die überragende Bedeutung des Militarismus. Später 
mischen sich tausend andere Bestandteile hinein, später wird 
der Gang des Wirtschaftslebens durch tausend andere Trieb- 
kräfte ebenso stark, wenn nicht stärker, bestimmt wie durch 
die militärischen Interessen, die einen beherrschenden Ein- 
fluß nur bis zum Beginn der hochkapitalistischen Zeit aus- 
üben: aber das ist ja gerade das Entscheidende, weil eben 
in dieser Zeit der Charakter des modernen Kapitalismus 
seine Grundprägung erfährt. 



16 



Erstes Kapitel: Die Entstehung der 
modernen Heere 



I. Die Herausbildung der neuen Organisations- 

formen 

/. Die theoretisch möglichen Heeresverfassungen 

Die allgemeine Heeresverfassung weist folgende 
Möglichkeiten verschiedenartiger Gestaltung auf: 

1. Nach dem Organisationszentrum unterscheiden 
wir Privatheere und Staats- (Stadt- usw.) Heere : je nachdem 
innerhalb eines Gemeinwesens einzelne (Privat-) Personen die 
Heere zusammenbringen, um sie entweder für sich oder für 
andere kämpfen zu lassen ; oder die öffentlich-rechtlichen Ge- 
walten, „öffentliche Körper" wie Staaten, Stände, Städte die 
Heere organisieren. 

2. Nach der Lebensdauer eines Heeres zerfallen 
die Heere in stehende und nicht stehende, (man könnte sagen : 
fliegende Heere), je nachdem sie ohne die besondere Ver- 
anlassung eines Krieges ein für allemal zusammenbleiben 
oder nur auf Zeit zusammengebracht werden, wenn sich ein 
Bedarf nach ihnen einstellt. Das stehende Heer kann wiederum 
in zwei verschiedenen Formen auftreten : präsent oder absent, 
je nachdem der Miles perpetuus „unter Waffen" gehalten oder 
zu seiner bürgerlichen Beschäftigung beurlaubt wird. Bleibt 
ein Teil des stehenden Heeres unter Waffen, während ein 
anderer Teil sich im Beurlaubtenstande befindet, so sprechen 
wir von einem Kadreheer. 

Will man den Begriff „stehendes Heer" enger fassen, so 



I. Die Herausbildung der neuen Organisationsformen 17 

wird man darunter diejenigen Krieger verstehen, die unter 
Waflfen sind. Häufig denkt man nur an diese, wenn man vom 
stehenden Heere in seinen Anfängen spricht, weil damals die 
Kategorie des beurlaubten Militärs noch nicht existierte. 

Ebenso unbestimmt (und unbestimmbar, weil es nur 
Gradunterschiede, keine Wesensunterschiede gibt) ist der 
Begriff des Berufsheeres. Eindeutig ist er nur, wenn man 
darunter Heere versteht, die in ihrem ganzen Bestand aus 
Berufskriegern bestehen, das heißt aus Leuten, die so lange 
das Kriegshandwerk treiben, als es ihre Kräfte zulassen (wie 
heutzutage unsere aktiven Offiziere). Ein Berufsheer ist 
aber anderseits auch ein Volksheer mit mehrjähriger Dienst- 
zeit im Gegensatz zur „Miliz" mit ungenügender oder gar 
keiner Ausbildung. 

Für unsere Zwecke ist die scharfe Auseinanderhaltung 
dieser verschiedenen Typen nicht so wichtig. Es wird genügen, 
wenn wir die empirischen Gestaltungen, wie sie die europäische 
Geschichte aufweist, dann im einzelnen richtig umschreiben. 

3. unterscheiden wir die Heere nach der Art und Weise 
der „Heeresaufbringung". Hier scheint mir eine Ein- 
teilung in die zwei großen Gruppen: Zwangsheere und freie 
Heere ratsam, um damit auszudrücken, daß der Krieger im 
ersten Falle einem (äußeren) Zwange folgt, wenn er zur 
Fahne geht, daß er auch, wenn er nicht wollte, sich doch 
stellen müßte (ob er dann gern oder gar mit Begeisterung 
dem Rufe des Kriegsherrn folgt, ist gleichgültig, diese ge- 
fühlsmäßige Beziehung ist unabhängig von der hier heraus- 
gehobenen und betonten rechtlichen Beziehung des einzelnen 
Kriegers zum Heere) ; während er im anderen Falle aus einem 
freien Entschlüsse heraus handelt (also daß er auch nicht 
sich dem Heere anschließen brauchte, wenn er nicht wollte). 

Die Zwangsheere nehmen sehr verschiedenen Charakter 
an, je nach dem Ursprung und der Form der Verpflichtung. 
Der Zwang kann privatrechtlich oder öffentlich-rechtlich be- 

Sombart, Krieg und Kapitalismus 2 



18 Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 

gründet sein. Ein privatrechtlicher Zwang ergreift die ganze 
Person des Kriegers, der alsdann als „Sklave" erscheint. Seine 
Heerespflicht ist in der Tatsache begründet, daß er persönlich 
unfrei ist, während sie im andern Falle aus seiner Eigen- 
schaft als Angehöriger eines bestimmten Verbands folgt. Der 
Krieger wird als Bauer oder als Ritter oder als Untertan 
„aufgeboten" : daher „Aufgebotsheere" auf diesem Wege zu- 
stande kommen, die entweder nur einen Teil einer Volks- 
gemeinschaft umfassen und dann Klassenheere sind oder aus 
der ganzen Volksgemeinschaft hervorgehen und dann Volks- 
heere sind. 

Die „freien" Heere bestehen demgegenüber aus Kriegern, 
die aus freier Entschließung zur Waffe gegriffen haben. Ist 
ihr Entschluß im Hinblick auf die im Kampfe erhofften End- 
erfolge zustande gekommen, haben sie sich zum „Schutze des 
Vaterlandes" oder zur Verteidigung irgendwelcher anderen 
Interessen vereinigt, so sprechen wir von Freiwilligen-Heeren 
im eigentlichen Sinne. Tun sie dagegen Kriegsdienst gegen 
unmittelbare Bezahlung, sind sie „angeworben", zu bestimmten 
Leistungen vertragsgemäß gegen Entgelt verpflichtet, so haben 
wir „Söldnerheere" vor uns. 

4. kann man nach der inneren Gliederung der Heere noch 
Individual- und Kollektivheere unterscheiden, über 
welchen Unterschied ich im weiteren Verlauf der Darstellung 
mich näher auslassen werde. 

Die Einteilung der Heeresformen, die ich hier vorgenommen 
habe, ist nicht die übliche. Mir scheint sie aber zweckmäßig, 
vor allem im Hinblick auf die im folgenden anzustellenden 
Betrachtungen. Es schmerzt einen oft geradezu körperlich, 
wenn man etwa „stehendes Heer" und „Söldnerheer" gegen- 
übergestellt sieht, was eine Kontrastierung ist wie sie etwa die 
Gegenüberstellung von Konkret und Konvex enthält. Man tut 
gut, sich solchen Verstößen gegenüber gegenwärtig zu halten, 
daß die Gesichtspunkte, nach denen man bestimmte Heeres- 



I. Die Herausbildung der neuen Organisationsformen 19 

formen unterscheidet, sehr verschiedener Art sind. Und tut 
ebenfalls gut, nicht zu vergessen, daß die so unterschiedenen 
Eigenarten der Heere sich in vielfältiger Weise mischen können : 
ein Staatsheer kann ein stehendes oder ein fliegendes Heer, 
ein Söldnerheer oder ein Aufgebotsheer, ein Berufs- oder ein 
Milizheer sein. Wiederum kann ein Söldnerheer ein stehendes 
oder ein fliegendes, ein Privat- oder ein Staatsheer sein usw. 

Schema der Heeresorganisation 
Zu unterscheiden sind : 

I. Nach der Heeresorganisation: 

1. Privatheere, 

2. Staatsheere. 

II. Nach der Lebensdauer des Heeres; 

1. Stehende Heere: 

a) Präsenzheere, 

b) Absenzheere (Kadreheere), 

2. Fliegende Heere. 

II a. Nach der Dauer der Ausbildung des 
Kriegers: 

1. Berufsheere, 

2. Dilettantenheere („Miliz "-Heere). 

III. Nach der Art der Aufbringung: 

1. Zwangsheere: 

a) privatrechtliche: Sklavenheere, 

b) öffentlich-rechtliche (Aufgebotsheere), 
a) Klassenheere, 

ß) Volksheere; 

2. freie Heere: 

a) Freiwilligenheere, 

b) Söldnerheere (Werbeheere). 

IV. Nach der inneren Gliederung:. 

1. Individualheere, 

2. Kollektivheere (Massenheere, Truppenheere). 



20 Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 

2. Das Landheer 

Es herrscht Streit unter den besten Kennern der Heeres- 
geschichte, wann man die Entstehung der modernen Heere 
annehmen soll: während in Frankreich die Einsetzung der 
Ordonnanzkompagnien durch Karl VII. (1445) eine Zeitlang 
ziemlich allgemein als das Ereignis betrachtet wurde, von 
dem man die moderne französische Armee datieren solle, sind 
neuerdings Meinungen laut geworden, die erst den Sohn 
Karls VII., oder gar erst Franz I. oder noch spätere Könige 
als Begründer der französischen Armee gelten lassen wollen. 
Für England verlegen die einen den Anfang des modernen 
Heeres in das Jahr 1509 oder gar noch früher, während 
andere das Jahr 1643 oder 1645 als Gründungsjahr ansehen. 
Die preußische Armee lassen zwar die meisten unter dem 
Großen Kurfürsten anfangen, aber sie streiten doch, in welchem 
Jahre oder gar in welchem Jahrzehnt die ersten Ansätze zu 
suchen seien, und manche wollen gar erst in Friedrich Wilhelm I. 
den „eigentlichen" Begründer des preußischen Heeres er- 
blicken. 

Dieses Schwanken kann uns nicht in Erstaunen setzen, 
wenn wir wahrnehmen, daß die verschiedenen Forscher sehr 
verschiedene Merkmale ansehen, an denen man das moderne 
Heer soll erkennen können. Gibt es denn aber Merkmale, 
die als Erkennungszeichen des modernen Heeres gelten könnten, 
mit deren Hilfe man dieses mit Sicherheit von dem mittel- 
alterlichen Heere zu unterscheiden vermöchte ? Wie man etwa 
ein Söldnerheer von einem Aufgebotsheer, ein Klassenheer 
von einem Volksheer deutlich unterscheiden kann? 

Es seheint fast nicht, wenn man die Kriterien Kevue 
passieren läßt, die jeweils als Merkmale des „modernen 
Heeres" gegolten haben oder gelten. 

Früher glaubte man wohl, daß dasSöldnerwesen das 
Neue darstelle, was die Feudalepoche beendigt und die moderne 
Zeit eingeleitet haben sollte. Wir wissen aber heute längst, 



I. Die Herausbildung der neuen Organisationsformen 21 

daß das Söldnertum bis tief in das Mittelalter zurückreicht, 
daß es wohl so alt ist wie das Rittertum, und daß Söldner- 
heere immer neben Ritterheeren bestanden haben. 

Söldnerheere treffen wir unter den griechischen Kaisern ^® 
ebenso wie unter den Kalifen seit dem 9. Jahrhundert ^\ 
Aber auch in den europäischen Staaten begegnen wir ihnen 
bereits im 10. Jahrhundert: der Mönch Richer erzählt, daß 
991 der Graf von Anjou gegen den Grafen der Bretagne ge- 
zogen sei mit einem Heere, bestehend aus Vasallen und 
Söldnern (conductitii)^^. 

Frühzeitig entwickelt sich die Söldnerei in England: 
1014 erhebt Ethelred 210001^ zu Heereszwecken ^^, und seit 
dem Domesday ist die Ablösung der Gefolgspflicht in Geld 
und die Anwerbung von Rittern durch den König gang und 
gäbe 8*. 

Im 12. und 13. Jahrhundert wird dann das Söldnertum 
zu einer überall verbreiteten Einichtung : Söldnerheere waren 
die Normannenheere, die nach Italien kamen, bald um den 
Griechen gegen die Sarazenen, bald gegen die Griechen den 
langobardischen Herrengeschlechtern oder den Landschaften 
zu dienen. Söldner bilden einen großen Teil der Truppen 
Ludwigs des Heiligen, beritten und zu Fuß; die Fußtruppen 
sind wohl die erste Infanterie -Soldtruppe, Kompagnien von 
100 Mann unter einem Ritter, von denen zwar die Chroniken 
nicht, wohl aber die Rechnungen berichten ^^. Schon im 12. Jahr- 
hundert war das Söldnerwesen so weit ausgebildet, daß es 
berühmte Söldnerführer gab, nach Art der späteren Con- 
dottieri ^^. 

Alles das sind Beispiele aus der feudalen Welt. Daß in 
der städtischen Wehrverfassung überall sehr früh das 
Söldnerwesen einen organischen Bestandteil bildete, versteht 
sich von selbst^''. 

Das Söldnertum als besonderes Kennzeichen des modernen 
Heeres anzusehen, verbietet sich aber auch aus dem Grunde : 



22 Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 

weil das Aufgebotsheer sieher zu allen Zeiten einen Bestand- 
teil des modernen Heeres gebildet hat. 

Ebensowenig aber kann man den Anfang des modernen 
Heeres mit den Anfängen des stehenden Heeres zusammen- 
fallen lassen. Denn auch die „stehenden Heere" reichen 
viel weiter zurück, als man das moderne Heer zurüekreehnen 
kann. 

Auch wenn' man das ganze Ritterheer kein „stehendes 
Heer" nennen will, obwohl man es genau so bezeichnen müßte : 
denn es war „stehend", das heißt dauernd zur Verfügung des 
Königs, wenn auch nur in potentia und absentia, so unter- 
liegt es doch keinem Zweifel, daß die seit jeher vorhandene 
Scara der Fürsten alle Merkmale, die man einem stehenden 
Heere überhaupt beilegen kann, erfüllt : es war eine Krieger- 
schar, die den Fürsten umgab, ihm jederzeit zur Verfügung 
stand und nie verschwand: der miles perpetuus. Diese per- 
sönliche Schutztruppe, die „Leibwache", finden wir denn auch 
in den modernen Staaten seit ihren Anfängen wieder: die 
italienischen Tyrannen halten sie ebenso wie die französischen 
und englischen Könige oder die deutschen Fürsten: es sind 
die gens d'armes, die men-at-arms^^, die „Trabanten" ^^ 

Ist es etwa die königliche Koramandogewalt, die 
das moderne Heer charakterisiert und von dem mittelalterlichen 
unterscheidet? Wollte man das annehmen, so müßte man 
abermals bis tief ins Mittelalter zurückgehen, um auf die 
Anfänge des modernen Heeres zu stoßen. Denn wenigstens 
in Frankreich steht das königliche Heer seit der Lehnszeit 
unter dem einheitlichen Befehl des Connötable, dem seit 1349 
der Capitaine g^nöral zur Seite gestellt ist, und die oberste 
Leitung der Kriegsmaschinen und (nach Einführung der Kanonen) 
des groben Geschützes obliegt daselbst seit 1274 dem Grand 
Mattre des Arbal6tiers, einem königlichen Beamten. 

Oder soll man die W äffen technik für die Umwandlung 
des mittelalterlichen Heeres in das moderne Heer verantwort- 



I. Die Herausbildung der neuen Organisationsformen 23 

lieh machen, wie es manche für richtig halten? Das hieße 
ebenfalls den Tatsachen Gewalt antun. Mit der Einführung der 
Feuerwaifen beginnt ganz gewiß keine neue Epoche des Heer- 
wesens : denn kein Mensch wird die Heere, die bei Creey fochten, 
wo schon Feuerwaffen in Gebrauch waren, für moderne Heere 
halten, und anderseits wird niemand den Armeen, die gegen 
Ende des 17. Jahrhunderts zum Teil noch mit der Pike fochten, 
den Charakter als „moderne" Heere absprechen mögen. 

Also scheint es wirklich, als ließe sich von keiner Seite 
her die Heeresgeschichte in eine mittelalterliche und eine neu- 
zeitliche Epoche abgrenzen ? Aber wir empfinden doch wieder 
ganz deutlich, daß die Heere, wie sie am Anfang des 18. Jahr- 
hunderts uns entgegentreten, grundsätzlich sich unterscheiden 
von den Heeren noch des 15. Jahrhunderts, müssen also 
auch annehmen, daß sich in der Zeit von 1500 bis 1700 (um 
den Zeitraum ganz weit abzugrenzen) wesentliche Verände- 
rungen in der Heeresorganisation vollzogen haben. Es wird 
hier wie so oft sich der Widerspruch dadurch lösen lassen, 
daß man verzichtet, ein bestimmtes Ereignis als das ent- 
scheidende herauszugreifen und also von dem Eintritt dieses 
Ereignisses an die grundsätzliche Neugestaltung zu rechnen. 
Das moderne Heer hat ebensowenig wie der moderne Staat 
oder der moderne Kapitalismus ein bestimmtes Geburtsjahr. 
Ja, seine Entstehung setzt nicht einmal mit Notwendigkeit 
das Anheben einer ganz neuen Entwicklungsreihe voraus: 
alte Einrichtungen können sich langsam gewandelt, alte Sitten 
und Gebräuche unmerklich erneuert, nebeneinander herlaufende 
Ströme können sich vereinigt haben, bis endlich durch schritt- 
weise und stückweise Umbildung die neue Form zustande 
gekommen war, die wir nun in ihrer Gänze deutlich als 
etwas Grundverschiedenes von der früheren empfinden, und 
die wir beide natürlich auch, wenn wir sie in ihrer Reinheit 
begrifflich erfassen wollen, mit aller erdenklichen Schärfe 
voneinander abheben müssen: so sehr wir uns bewußt sind, 



24 Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 

daß in der empirischen Gestaltung an keiner einzigen Stelle 
des Umbildungsprozesses gesagt werden konnte: hier ist der 
Punkt, wo das Neue auftritt ; daß kein einziger Entwicklungs- 
faktor aufgewiesen werden konnte, dem man die Neuwirkung 
hätte zuschreiben können. 

Das moderne Heer ist ein stehendes und ist ein Staats- 
heer. Die beiden schon immer vorhandenen Tendenzen: den 
Fürsten (als Vertreter des Staates) zum alleinigen Befehls- 
haber zu machen und ihm dauernd die Truppen zur Verfügung 
zu stellen, wirken also bis zum letzten Ende weiter, bis die 
Grundsätze zu allgemeiner Geltung gelangt sind. Dieser Sieg 
der beiden Prinzipien findet seinen äußeren, man wäre ver- 
sucht, zu sagen: symbolischen Ausdruck, wenn dieser Aus- 
druck nicht gleichzeitig eine so sehr reale Bedeutung für die 
Grundideen des modernen Heeres hätte: in der dauernden 
Bereithaltung oder Bereitstellung von Geldmitteln zur Be- 
schaffung und Ausrüstung der stehenden, staatlichen Truppen ; 
von Mitteln, über die der Fürst frei zu verfügen hat, also 
daß er dadurch die zeitliche Dauer wie auch die administrative 
Durchdringung des Heeres von seinem "Willen abhängig machen 
kann : in dieser nunmehr geschaffenen materiellen Potenz des 
Fürsten vereinigen sich die beiden wesentlichen Merkmale 
des modernen Heeres: daß es stehend und daß es staatlich 
ist, wie von selbst zu einer organischen Einheit. Der Fürst 
verfügt nunmehr über „Mittel und Volk", und damit ist das 
Heer in seiner neuen Form gewährleistet; damit ist es zu 
dem geworden, was es zu sein bestimmt war: zum Schwert 
in der Hand des Fürsten, dem es wiederum erst zu seiner 
Eigenart verhilft: da in der politischen Welt „ein Herr in 
keiner Consideration ist, wann er selber nicht Mittel und 
Volk hat", wie es der Große Kurfürst in seinem politischen 
Testamente von 1667 ausdrückt. 

Hat man die innige Zusammengehörigkeit der drei 
JVIomente: Mittelbeschaftung , Kontinuität und staatliche Ver- 



I. Die Herausbildung der neuen Organisationsforraen 25 

waltung und ihre grundlegende Bedeutung für die Heraus- 
bildung des modernen Heeres erkannt, so ist man allerdings 
geneigt, den Reformen Karls VH. von F r a n k r e i c h epoche- 
machenden Charakter zuzusprechen. 

Die Vorgänge waren bekanntlich folgende *°: Karl war 
vor dem Jahre 1439 auf die spärlichen und unsicheren Be- 
willigungen der Stände, die ihm noch getreu geblieben, an- 
gewiesen. Aus dieser finanziellen Unordnung und dem Geld- 
mangel entsprang die Eigenmacht der Kriegsbanden, welche 
das Reich erfüllten. „Wie oft haben Kapitäne, die für den 
König fochten, die Befehle seiner Marschälle zurückgewiesen ; 
wie oft haben sie sich hinter den Mauern ihrer Festungen die 
schnödesten Gewalttaten erlaubt." Karl versuchte nun zu- 
nächst dieser Banden Herr zu werden dadurch, daß er sie 
auf bestimmte Einkünfte in je ihrem Bezirke anwies. Im 
Jahre 1439 schritt er dazu, die Verhältnisse einheitlich und 
dauernd für das ganze Reich zu ordnen. Es kam zu der 
Ordonnanz vom 2. November *\ der der Gedanke zugrunde liegt, 
daß man die Truppen, die man für den fortdauernden Krieg 
bedurfte, nicht im Zaume halten könne, wenn man sie nicht 
regelmäßig besolde und einem einzigen Befehl unterordne. 
Die Großen des Reiches leisteten Verzicht, ohne Erlaubnis 
des Königs Truppen zu halten, und sprachen diesem das aus- 
schließliche Recht zu, Kapitäne zu ernennen, die dann für 
jeden Unfug, der von ihren Kompagnien verübt wurde, neben 
ihm verantwortlich sein sollten. Sie ließen sich aber auch ver- 
bieten, Taillen eigenmächtig auf ihre Untertanen zu legen 
oder die vom Kriege aufgelegten zu erhöhen; dem Könige 
wurde zu dem Zwecke der Truppenbesoldung zugestanden, 
eine allgemeine Steuer ebensogut von den Untertanen der 
Großen wie in den unmittelbaren Gebieten zu erheben. Dieses 
Recht betrachtete der König als dauernd: aus dem denarius 
perpetuus ging der miles perpetuus wie von selbst hervor. 
Auf Grund des Beschlusses der Versammlung von Orleans 



2() Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 

konnte der König feste und durchgreifende administrative Ein- 
richtungen treffen. Ranke nennt diese Reform gewiß mit 
Recht „eine der größten Veränderungen". Ihr verdankt die 
für ihre Zeit unerhört große und unerhört gute Armee, mit 
der Karl VIII. in Italien einfiel, ihr verdanken die glänzenden 
Truppen, mit denen Franz I. seine Schlachten schlug, doch 
letzten Endes ihre Entstehung. 

Was sich in Frankreich schon um die Mitte des 15. Jahr- 
hunderts abspielte, vs^iederholte sich in anderen europäischen 
Staaten erst zwei Jahrhunderte später. In E n g 1 a n d fällt die 
Konsolidierung der Armee doch erst in die Zeit des Common- 
wealth. Die entscheidenden Maßregeln sind hier wohl^^ der 
Beschluß des Parlaments (1643): daß Essex' Armee dauernd 
aus 10000 Fußtruppen und 4000 Pferden bestehen solle und 
die Ordonnanz vom 15. Februar 1645, mittels deren das 
Committee of Both Kingdomes beauftragt wird (nachdem die 
Essexsche Armee 1644 kapituliert hatte), „eine neue Armee zu 
schaffen" : The New Model Army. 

Bekanntlich wurde dann später der Bestand einer stehen- 
den Staatsarmee noch einmal in Frage gestellt, als es die 
Bill of rights zum Staatsgrundgesetz erhob: daß das Halten 
einer stehenden Armee in Friedenszeiten „gegen das Gesetz" 
sei. Da aber eine Armee doch nicht zu entbehren war, so 
gab das Parlament seit 1689 die Erlaubnis zur Bildung eines 
geworbenen Heeres durch ein jährliches Spezialgesetz unter 
dem Titel: Bill to punish mutiny and desertion etc. Auf 
dieser Mutiny Bill ruht seitdem das englische Heerwesen *^ 

Für Deutschland, das heißt für die deutschen Landes- 
fürsten, ist, möchte mir scheinen, der Artikel 180 des Reichs- 
tagsabschieds vom 17. Mai 1654 von entscheidender Wichtig- 
keit geworden. In diesem Artikel war der Grundsatz auf- 
gestellt, daß „jedes Kurfürsten und Stands Landsassen 
Unterthanen und Bürger" verpflichtet seien, „zu Besetz- und 
Erhaltung . . . der nöthigen Festungen, Plätze und Garnisonen 



I. Die Herausbildung der neuen Organisationsformen 27 

ihren Landesfürsten, Herrschaften und Obern mit hülflichem 
Beitrag an Hand zu gehen". Diese Bestimmung gab die 
Höhe der von den Landtagen zu bewilligenden Beiträge in 
der Hauptsache dem Ermessen der fürstlichen Gewalten anheim 
und „ist dadurch für die Entwicklung des miles perpetuus in 
den deutsehen Territorien sehr wichtig geworden" **. 

Den Prozeß der Verstaatlichung der Heere, der 
sich Schritt für Schritt parallel mit dem Stehendwerden der 
Truppen vollzog, im einzelnen hier zu verfolgen, ist nicht der 
Ort: Genug, daß im Anfang des 18. Jahrhunderts das moderne 
Heer in seiner staatsrechtlich-verwaltungstechnischen Gestalt 
fertig dastand. In Preußen, dem nunmehr führenden Lande, 
bezeichnet die Kabinettsorder vom 15. Mai 1713 den Abschluß 
der Neubildung. In ihr wird der „Söldnerei auf Zeit" der 
letzte Stoß gegeben, sofern bestimmt wird, daß alle, die ein- 
mal geworben, so lange dienen sollen, bis Seine Majestät sie 
entläßt*^. Auch die Besetzung sämtlicher Offizierstellen war 
nunmehr dem Könige vorbehalten : jetzt erst, unter Friedrich 
Wilhelm I., wird das freie, unbeschränkte monarchische Er- 
nennungsrecht der Krone, wie auf allen anderen Gebieten der 
Verwaltung, so auch hier unbedingt anerkannt und aus- 
geübt ^^ 

Aber wenn wir uns „das moderne Heer" in seiner ganzen 
Eigenart vor Augen stellen, so erscheinen in dem Bilde doch 
deutlich noch andere Züge als sein verfassungs- und ver- 
waltungshafter Charakter : Exerzierplätze tauchen vor unserem 
Blick auf, wir sehen „Truppenkörper" vor uns, gegliedert und 
ineinander geschoben: Armeekorps, Regimenter, Bataillone, 
Kompagnien ziehen an uns vorüber, unter dem Kommando 
einer hierarchisch über- und untergeordneten Schar von Be- 
fehlshabern. Das heißt: das moderne Heer ist auch militär- 
technisch eigenartig bestimmt. Und zwar stellt es sich uns 
dar als das, was man ein Kollektivheer oder ein Massen - 
beer oder auch ein Truppenheer nennen könnte und unter- 



28 Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 

scheidet sich dadurch ebenfalls scharf von allen mittelalter- 
lichen Heeren. 

Die Besonderheit eines solchen Massenheeres liegt darin, 
daß es vor allem durch seine Größe, durch die zu einer 
taktischen Einheit zusammengefaßten vielköpfigen Krieger- 
haufen wirkt. Wenn tausend Ritter im Kampfe standen, so 
bildeten sie keine einheitliche Masse, sondern tausend Einzel- 
krieger fochten nebeneinander : tausend moderne Kavalleristen 
sind zu einem Stoße gleichsam vereinigt, wenn sie eine Attacke 
reiten. In ihnen und durch sie wirkt die überindividuelle 
Einheit des Massenkörpers, der von einem gemeinsamen Geiste 
beseelt ist. Diese Gemeinsamkeit des Geistes wird durch das 
Kommando hergestellt, das von den Führern ausgeht. Die 
Funktionen der (geistigen) Leitung und der (körperlichen) 
Aktion sind also getrennt und werden von verschiedenen Per- 
sonen ausgeübt, während sie früher in einer und derselben 
Person zusammengefügt waren. Es hat sich jener Differen- 
zierungsprozeß vollzogen, der für die gesamte moderne Kultur- 
entwicklung so außerordentlich charakteristisch ist. 

Vor allem drängt sich die Analogie der Entwicklung in 
der Organisation des Wirtschaftslebens auf: vom Handwerk 
zum Kapitalismus. 

Diese Differenzierung der leitenden und aus- 
führenden Funktionen zieht dann eine ganze Menge von 
Erscheinungen nach sich, die das moderne Heerwesen kenn- 
zeichnen: vor allem das Exerzieren und die Disziplin, durch 
die auf mechanischem Wege die Verbindung zwischen leitenden 
und ausführenden Organen hergestellt werden muß. Im ;,Gleich- 
tritt", den die Griechen und Römer geübt hatten, den die 
Schweizer und Schweden wieder übten, den Leopold von Dessau 
in der preußischen Armee zur Regel machte, begrüßt das 
moderne Heer gleichsam sein Symbol. 

Ich glaube, daß man den Einfluß, den hier das moderne 
Heerwesen auf die gesamte Kultur und in Sonderheit auf das 



I. Die Herausbildung der neuen Organisationsformen 29 

Wirtschaftsleben ausgeübt hat, noch nicht hinreichend gewürdigt 
hat. In dem entscheidenden 17. Jahrhundert vollzieht sich 
die Zerbrechung und Zertrümmerung des natürlichen Menschen, 
der die Renaissancezeit noch beherrscht hat, und der unfähig 
gewesen wäre, das kapitalistische Wirtschaftssystem zur vollen 
Entwicklung zu bringen. Der Teilmensch, der Sachmensch, 
der Pflichtenmensch wird geschaifen. Man hat für die Geburt 
dieses neuen Menschen die Religion, in Sonderheit den Puri- 
tanismus verantwortlich gemacht. Hat man aber auch bedacht, 
in welch engem Zusammenhange Puritanismus und Militaris- 
mus miteinander stehen? Man muß sich doch erinnern, daß 
der „militärische Geist", „the military spirit", durch Cromwell 
in die modernen Heere eingeführt worden ist, daß Milton voller 
militärischer Ideen steckt. 

Die Ideale beider sind dieselben: die Überwindung des 
kreatürlichen Menschen, seine Einordnung in ein überragendes 
Ganze. Deshalb sind auch die militärischen „Tugenden", wie 
sie im 17. und 18. Jahrhundert gelehrt wurden, größtenteils die- 
selben, die die Non-Conformisten , die Calvinisten, die Puri- 
taner vertreten. Zucht ist das Leitmotiv. 

In der Schrift von David Faßmann, „Der Ursprung, 
Ruhm, Exzellenz und Vortrefflichkeit des Krieges- und Sol- 
datenstandes, sowie dessen 18 nöthige Qualitäten", Berlin, 
1717, werden folgende 18 Qualitäten eines tüchtigen Kriegs- 
mannes aufgezählt: 

„Gottesfurcht, Klugheit, Herzhaftigkeit, Todesverachtung, 
Nüchternheit, Wachsamkeit, Geduld, Zufriedenheit, Treue, 
Gehorsam, Respekt, Aufmerksamkeit, Haß gegen schnöde 
Lüste, Ehrbegierde, kein Räsonierer sein, fehlerlose Dienst- 
leistung, Wissenschaft, gutes Naturell." 

Dieselben Tugenden kehren in einem amtlichen Erlasse 
Friedrich Wilhelms I. wieder , der offenbar von Faßmann in- 
spiriert worden ist: puritanische, militärische und kapitali- 
stische Tugenden sind, wie man sieht, größtenteils dieselben. 



30 Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 

Mag man nun annehmen, daß die militärische Disziplin 
aus puritanischem Geiste geboren oder durch puritanische 
Ideen gefördert sei, oder daß sie ihre eigene Entstehungs- 
ursache in den neugeschaifenen Verhältnissen habe : daran ist 
nicht zu zweifeln, daß bei der Durchdringung des Lebens mit 
dem neuen Geiste die Armee die größere Arbeit geleistet 
hat. Dafür sorgte der Exerzierplatz, auf dem in müh- 
seligem, hartem, jahrelangem Kampfe der alte, triebhafte 
Mensch zur Strecke gebracht wurde. 

Das ist ja die entscheidende Wandlung, die das Heer- 
wesen vom 16. bis zum 18. Jahrhundert erfährt : daß in dieser 
Zeit der freie Söldner zum einexerzierten, dressierten Parade- 
soldaten wird, hinter dem der Korporalstock steht. Häufung 
der Exerzierpflichten, strenge Disziplin, Drill sind das Kenn- 
zeichen der neuen Zeit. Und diese Arbeit konnte für den 
Kapitalismus, der ganz dieselben Menschen brauchte, nicht 
verloren sein. Es ist gar nicht nötig, anzunehmen, daß 
dieselben Leute, die auf dem Exerzierplatz eingeübt waren, 
nun in der Fabrik die neue Kunst des Sichunterordnens ver- 
wertet hätten : schon das Beispiel, das die Armee gab, wirkte, 
und der Geist, der in ihr herrschte, pflanzte sich doch wohl 
auch in der übrigen Bevölkerung fort, wurde in den Familien 
gepflegt und überliefert, so daß er schließlich im Wirtschafts- 
leben wieder lebendig werden konnte. Daß nicht etwa das 
Wirtschaftsleben sich in der militärischen Disziplin wider- 
gespiegelt hat, wie ein altgläubiger Vertreter der materialisti- 
schen Geschichtsauffassung üblicherweise schlußfolgert, so- 
bald er von solchen Parallelerscheinungen, wie ich sie hier 
eben aufgedeckt habe, erfährt, ergibt die zeitliche Aufeinander- 
folge der beiden Phänomene. 

Auf alle Fälle scheint mir so viel sicher, daß hier ein 
für die Genesis der gesamten modernen Kultur und insonder- 
heit der wirtschaftlichen Kultur sehr bedeutsames Problem 



I. Die Herausbildung der neuen Organisationsformen 3[ 

liegt, dessen eingehende Erörterung wohl die Mühe lohnen 
würde. 

Das Vorbild dieser neuen Massenheere waren die Schweizer 
Volksheere des 14. Jahrhunderts gewesen ; später hatten wohl 
humanistische Studien den Blick zurück auf die Massenheere 
der Griechen und Römer gelenkt; ich denke an die kriegs- 
gesehichtlichen Schriften Macchiavellis oder an die Legionen 
des ersten Franz von Frankreich. Aber sicherlich hätte das 
moderne Fürstentum diese Form der Heeresbildung aus sich 
selber heraus erzeugt, auch ohne alle Vorbilder, just wie der 
moderne Kapitalismus mit zwingender Notwendigkeit die 
großbetrieblichen Formen der Arbeitsorganisation aus sich 
und seinem innersten Wesen heraus entwickeln mußte, weil 
diese äußeren Erscheinungsformen in ihnen selbst eingeschlossen 
lagen. 

Das moderne Fürstentum mußte das differenzierte Massen- 
heer aus sich heraus erzeugen, weil dieses allein den ihm 
innewohnenden Drang nach Ausdehnung, nach Machtentfaltung 
gerecht wurde. Die WafFentechnik mag dabei mitgesprochen 
haben. Aber eine primär wirkende Ursache ist sie bei der 
Herausbildung der modernen Heeresorganisation nicht gewesen 
(ebensowenig — der Vergleich drängt sich unwillkürlich immer 
wieder auf — wie bei der Herausbildung der großbetrieblichen 
Formen im Rahmen des kapitalistischen "Wirtschaftssystems). 
Die taktische Einheit des Gevierthaufens, in dem das moderne 
Massenheer zuerst in die Erscheinung tritt, hat zur waffen- 
technischen Grundlage die Pike und hat erst stark umgeändert 
werden müssen, um das Schießen mit Feuerwaffen zu er- 
möglichen. Dann hat später natürlich die Feuerwaffentechnik 
mit ihrer monoton-mechanischen Wirkung die Organisation 
des Massenheeres gefestigt, hat dieser gleichsam den auto- 
matischen Zug eingeprägt und hat die ehedem rein aus freiem 
Entschlüsse gebildete Formation zur Notwendigkeit gemacht 



32 Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 

(wie die Dampftechnik die Manufaktur zur Fabrik über- 
geführt hat). 

Ursprünglich aber ist die Form des Massenheeres frei 
vom modernen Fürsten geschafifen worden, um seinem innersten 
Wesen Ausdruck zu verleihen : nur in ihm lag die Möglichkeit 
einer raschen und unausgesetzten Ausweitung eingeschlossen. 
In der Differenzierung zwischen leitender und ausführender 
Arbeit, in der dadurch bedingten mechanischen Übertragung 
der Fertigkeiten lag die Gewähr, in kurzer Zeit eine beliebige 
Masse ungeschulter Menschen zu tüchtigen Kriegern heran- 
zubilden. In dem Maße natürlich, wie der taktische Erfolg 
immer mehr auf der Massenwirkung aufgebaut wurde, was 
in steigendem Umfange der Fall war mit dem Eindringen 
der Feuerwaffen, wuchs der Zwang zur Vergrößerung der 
Heere, von deren Umfang (bei sonst gleichen Umständen der 
Ausbildung, Ausrüstung usw.) die Größe der Macht des Staates 
nunmehr abhing. 

So ergibt sich uns wie von selbst als eine letzte, für 
unsere Erkenntniszwecke die bedeutsamste Eigenart des 
modernen Heeres: die ihm innewohnende Tendenz 
zur Expansion, die kein Feudalheer und kein Bürgerheer 
gekannt hat und kennen konnte. Ja, das moderne Heer ist 
vielleicht die erste Stelle, wo sich der Gesellschaft das 
dynamische Streben nach Ausweitung und Anderssein be- 
mächtigt, das das alte statisch-ruhige Verhalten der mittel- 
alterlichen Welt ablöste und unsere gesamte Kultur ja so 
von Grund aus umgestürzt hat. Die damit verbundenen 
quantifizierenden Tendenzen, die dann ihre stärkste Entfaltung 
im Kapitalismus finden, treten ebenfalls hier zuerst in den 
modernen Heeren auf. 

Das Unendlichkeitsstreben des modernen Fürsten findet 
ebenso seinen Ausdruck in der Vermehrung der Truppen wie 
das Unendlichkeitsstreben des kapitalistischen Unternehmers 
in der Vermehrung einer Geldsumme. Heeresvergrößerung 



I. Die Herausbildung der neuen Organisationsformen 33 

und Kapitalakkumulation sind durchaus verwandte Vorgänge : 
Häufung von Quantitäten : Ausweitung der Machtsphäre über 
das persönliche, individuelle Vermögen hinaus : Durchbrechung 
der leiblich-seelischen Schranken des Einzelwesens usw. usw. 
"Wobei man nicht notwendig zwischen diesen beiden Ent- 
wicklungsreihen eine ursächliche Verknüpfung anzunehmen 
braucht. Es ist ebensogut möglich, daß sie beide selb- 
ständig nebeneinander hergehen oder vielleicht aus gemein- 
samer Wurzel entsprossen sind. 

3. Die Flotte 

Gewiß weist die Organisation des Seekriegs viel gemein- 
same Züge mit der des Landkriegs auf. Vor allem begegnen 
wir bei der Marine vielfach den gleichen Formen der Heeres- 
aufbringung wie beim Landheer : es gibt ebenso das Aufgebot 
wie das Söldnertum wie das Condottieriwesen zu Wasser wie 
zu Lande. 

Das ganze Mittelalter hindurch haben die Cinque Ports in England 
für die Aufbringung einer Flotte zu sorgen : Dover und Sandwich stellten 
dem Könige je 20 Schüfe für 20 Tage einmal im Jahre, jedes Schiff mit 
21 Mann bemannt. Andere Städte waren zur Stellung von Matrosen 
und Lieferung von Lebensmitteln (Stores) verpflichtet. Domesday 1, 3. 336. 
Ein Flottenaufgebot von 44 Schiffen, die insgesamt 11 500 t Tragfähigkeit 
und eine 8810 Köpfe starke Besatzung haben sollen, erleben wir noch 
im Jahre 1635. Freilich gleich mit dem Hinzufügen: die Städte und 
Landschaften, die kein Schiff stellen, sollen ihre Vei'pflichtung in Geld 
ablösen. Ehymer, Foedera 19, 658 seg. 697. Daneben gab es in Eng- 
land frühzeitig eine Soldflotte. 1049 berichtet Sax. Chron. 441. 42: 
„König Eduard entließ 9 Schiffe aus dem Sold, und sie fuhren davon, 
Schiffe und alles; und 5 Schiffe blieben zurück, und der König ver- 
sprach ihnen 12 Monate Löhnung". Vgl. Laird Clowes, The Koyal 
Navy 1, 19. 50. 79. 

Auch ein reines Unternehmertum hatte sich entwickelt: so wenn 
Ayton Doria von Genua sich (Anno 1337) verpflichtet, dem Könige von 
Frankreich gegen den König von England bis zu 20 Galeeren bemannt 
und bewaffnet zu stellen, gegen 900 Goldfl. für den Monat und das 
Schiff; dazu 20 Galeeren aus Morghe (Monaco). Der Vertrag ist ab- 
gedruckt bei A. Jale, Arch. nav. 2 (1840), 333 seg. 

Sombart, Krieg und Kapitalismus 3 



34 Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 

Die spanische Flotte war noch zur Zeit Karls V. eine reine Sold- 
flotte. Karl hielt überhaupt kein staatliches Kriegsschiff: sogar die 
Galeeren, die er auf seine Kosten herstellen ließ, übergab er Unter- 
nehmern zur Bewaffnung und Ausrüstung. Die Soldbeträge waren nach 
alten Ordonnanzen festgesetzt, zuletzt wurden sie durch die Ordonnanz 
vom 5. Nov. 1554 geregelt. Als „Unternehmer", das heißt als die Geld- 
geber funktionierten bei den Ausrüstungen und Indienststellungen der 
Schiffe Adlige, Ritter, Grundbesitzer und sogar Kirchenfürsten. Karl V. 
benutzte aber nicht nur die spanischen Soldschiffe, sondern ebenso 
italienische unter der Führung der Doria, Centuriones und Gobos. Auf 
solchen Schiffen sah es, was die Disziplin und den ganzen Zuschnitt des 
Lebens anlangt, nicht anders aus wie in einem Landsknechtlager : sogar 
Weiber zogen mit. Auf einer Expedition nach Tunis sollen nicht weniger 
als 4000 (?) „enamoradas" an Bord gewesen sein*''. 

Aber was das Seekriegswesen vom Landkrieg unter- 
scheidet, ist doch vielleicht noch mehr und bedeutsamer. 
Vor allem: es hat nie einen Ritter zur See gegeben. Jene 
aus dem Mutterboden der eigenen Scholle erwachsenen Einzel- 
krieger, die das Heerwesen des Mittelalters so charakteristisch 
gestalten, fehlten aus rein äußerlichen Gründen im Seekriege. 
Die Taktik mußte hier grundsätzlich von Anfang an auf 
Massenwirkung ausgehen. Wenn auch beim Entern des feind- 
lichen Schiffes der Einzelkampf gepflegt wurde: die kriege- 
rischen Erfolge hingen doch im wesentlichen ab von der guten 
Manövrierung des Schiffes, die immer das Werk von vielen 
ist, unter denen einer befiehlt, während die anderen seine 
Weisungen ausführen. Welch ein Unterschied (genau in 
denselben Jahrhunderten) zwischen einer Ritterschlacht und dem 
Kampf etwa venetianiseher und genueser Galeeren, wo Hunderte 
von Sklaven auf den Ruderbänken sitzen! 

Die zweite Eigenart des Seekrieges liegt in der Tatsache 
begründet, daß die Kriegführung immer an einen außer- 
ordentlich starken Aufwand sachlicher Natur gebunden ist, 
der die persönliche Leistung oft weit an Bedeutung übertrifft. 
Zu der vollständigen Ausrüstung des Kriegers tritt noch das 
Schiff, das herzustellen und zu bewegen unverhältnismäßig 
viel größere Mittel erfordert als die Bereitstellung von Waffen 



I. Die Herausbildung der neuen Organisationsformen 35 

für den Einzelkrieger und selbst als die HerbeischatFung 
eines Streitrosses. 

Und was das Sonderbare ist: diese allerwichtigsten Zu- 
behöre bei der Kriegsführung hält der gewöhnliche Kaufmann 
jederzeit bereit in Gestalt seiner Handelsschiffe. 

Aus dieser seltsamen Tatsächlichkeit hat sich frühzeitig 
ein dem Seekriegswesen eigentümliches System der Heeres- 
organisation herausentwickelt: die Nutzbarmachung der 
Handelsflotte für Kriegszwecke. Dieses System finden wir 
bei allen seefahrenden Nationen Europas während des ganzen 
Mittelalters in Anwendung. 

In den Ann. Jan. 281, 45 lesen wir unter dem Jahre 1274: „Capitanei 
quidem Janue . . arraari fecerunt omnes quas potuerunt habere galeas et 
que potuerunt in Janue reperiri que quidem fuerunt numero . . ." (Zahl 
fehlt). Vgl. E. Heyck, Genua und seine Marine (1886), 116. 

In der englischen Kriegsflotte überwiegen (wie ich ziffernmäßig noch 
zeigen werde) noch im 16. und 17. Jahrhundert die Kauffahrteischiffe, 
die sich in dieser späteren Zeit um so besser für die kriegerischen 
Zwecke eigneten, als sie, dem Charakter des damaligen Handels ent- 
sprechend, selbst im wesentlichen Werkzeuge des Kampfes waren: die 
Ausrüstung mit Geschützen stand bei ihnen oft kaum hinter der der 
Kriegsschiffe zurück. 

Auf der anderen Seite hat die überwiegende Bedeutung 
des Sachaufwandes beim Seekriege früher zu so etwas 
geführt, was man eine stehende Flotte nennen könnte. 
Hat ein Fürst einmal die Mittel, sich Schiffe zu bauen, 
so bleiben ihm diese auf längere Zeit zur Verfügung; sie 
heischen nicht wie der Krieger unausgesetzt neue Auf- 
wendungen. Natürlich bedarf es nun erst noch der Matrosen 
und der Seesoldaten, um Krieg zu führen. Aber in den 
Schiffen besitzt der Fürst doch einen wesentlichen Teil der 
Heeresmacht, die also „stehend" ist, solange die Schiffe 
brauchbar sind. Es scheint fast, als ob Könige und Städte 
schon frühzeitig einen Bestand an eigenen Schiffen gehabt 
haben. Was wir von der Flotte des angelsächsischen Königs 

Edgar (959—975) lesen *^, klingt schon ganz wie ein Bericht 

3* 



36 Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 

über die Jahresmanöver einer stehenden Flotte. Und vom 
Staate Genua wissen wir genau ^'\ daß er jedenfalls im 13. Jahr- 
hundert selbst Kriegsschiffe besaß, und zwar nicht nur gekaufte, 
sondern in seinem Auftrage für ihn gebaute. Auch in Venedig 
reicht die Kunde von eigenen Schiffen und sogar eigenen 
Werften der Republik weit bis ins Mittelalter zurück. 

Auch die Verstaatlichung der Kriegsmarine 
reicht viel weiter zurück als die Verstaatlichung der Land- 
heere. Es scheint hier (ich sehe den Zusammenhang nicht 
deutlich) die strafrichterliche Gewalt des Königs die Brücke 
gebildet zu haben zwischen den selbständigen Schiffsmann- 
schaften und der Oberhoheit des Königs. 

In England untersteht schon unter Eduard III. die ge- 
samte Flotte dem Befehle des Königs: die Kapitäne der 
Schiffe (wenn sie keine besondere Ermächtigung dazu besaßen) 
hatten nicht das Recht, die Seeleute abzustrafen. So bestimmt 
es das Black Book of Admiralty, dessen Entstehungszeit 
wahrscheinlich vor das Jahr 1351 fällt ^'*. Die Grundlage der 
zur Erhaltung und Verwendung der stehenden Seekriegsmacht 
bestimmten Gewalten bildet sieh während des Mittelalters in 
England an dem Amte des Lord High Admiral aus. Dieses 
Amt begegnet uns zuerst im 14. Jahrhundert; von 1405 an 
ist eine ununterbrochene Reihe von High Admirals bekannt. 
Es waren die Großbeamten für die laufende Verwaltung 
(Government) der Marine. Manche ^^ datieren die „stehende 
Flotte" in England vom Jahre 1512 an, dem Jahre, in dem 
Heinrich VIII. das Marineamt einrichtete, und von dem an 
er eine größere Anzahl starker Schiffe dauernd zu seiner 
Verfügung hielt (was doch aber dieser König nicht als erster tat). 
Sicher ist, daß seitdem die Zahl der Königsschiffe rasch wächst 
(ohne daß die Verwendung der Privatschiffe aufhörte), und 
daß die Verwaltung stärker zentralisiert wird. 

Ähnlich wie in England ist die Entwicklung in Frank- 
reich. Aufgebot, Chartersystem, Königsschiffe nebeneinander» 



IL Die Aasweitung des Heereskörpers 37 

Frühzeitig eine staatliche Oberleitung: 1327 wird ein Groß- 
admiral über die Flotte gesetzt, der den Titel Amiral de 
France führt und dem Admiralitätsgericht vorsitzt. Ver- 
mehrung der Königschiffe, namentlich seit dem Anfange des 
17. Jahrhunderts : gemeinhin wird Richelieu wie der Kolonien 
so auch als Begründer der französischen Kriegsmarine an- 
gesehen, die dann aber erst unter Colbert, ebenso wie die 
englische unter Cromwell, ihre entschiedene Konsolidation 
erfährt. 

IL Die Ausweitung des Heereskörpers 

Ich sagte, daß die dem modernen Heere innewohnende 
Vergrößerungstendenz seine für uns in diesem Zusammenhange 
wichtigste Eigenart darstelle, weil sie wichtigste ökonomische 
Wirkungen nach sich zieht, insbesondere unter sonst gleichen 
Umständen die wachsende Größe einer bedürfenden Gruppe 
früher zum Massenbedarf führt. 

Um eine deutlichere Vorstellung \on diesem Phänomen 
der Expansion der modernen Heere zu geben, will ich die 
Ziffern der Heeresstärken für die Hauptstaaten hier 
mitteilen. 

1. Das Landheer 

Eines der wichtigsten Ergebnisse, zu dem Hans Del- 
brück im dritten Band seiner Geschichte der Kriegskunst 
gelangt, ist der Nachweis, daß das Mittelalter durch- 
gehend kleinere Heere gehabt hat, als man bisher an- 
nahm. Damit ist für die Kriegführung dasselbe nachgewiesen, 
was ich für den Handel gezeigt habe, was viele andere schon 
früher für die allgemeinen Bevölkerungsverhältnisse, nament- 
lich die Einwohnerzahl der Städte, dargetan hatten: die 
äußere Kleinheit der mittelalterlichen Welt (die ihre innere 
Größe um so imposanter erscheinen läßt). In der Schlacht 
vor Hastings hatte man früher Hunderttausende, ja Millionen 



38 Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 

(eine Schätzung kommt bis auf 1200000) miteinander streiten 
lassen; sehr wahrscheinlich zählte in Wirklichkeit das nor- 
mannische Heer weniger als 7000 Krieger, sicher nicht viel 
mehr; das Heer Haralds war noch schwächer: 4000 bis 
7000. 

Selbst die Kreuzzugsheere, die wohl die größten des 
Mittelalters waren, sind verhältnismäßig klein: die höchste 
Zahl der Reiter, die in einer Schlacht in Palästina gekämpft 
haben, dürfen wir auf 1200, die der Fußgänger auf 9000 an- 
setzen. Das Gesamtheer bei Asdod wird mit 8000 Kriegern 
wahrscheinlich noch zu hoch bemessen. Die Heere, die 
Friedrich Barbarossa vor Mailand versammelte, gehörten 
ebenfalls zu den größten des Mittelalters; aber auch hier 
sind die Zehntausende und Hunderttausende der Chronisten 
fabelhaft: es hat sich um einige tausend Ritter gehandelt. 
In der Schlacht bei Cortenuova (1237), einer der allergrößten 
ihrer Zeit, haben doch höchstens 10000 Kombattanten auf 
jeder Seite gestanden. 

Wir können die mittelalterlichen Aufgebote ziemlich ge- 
nau ziffernmäßig bestimmen, wenn wir von der Zahl der 
Ritter, die es überhaupt in einem Lande gab, ausgehen: in 
England lebten, nach den Berechnungen von Morris, im 
13. Jahrhundert nicht mehr als 2750 Ritter ; auf jeden Ritter 
kamen etwa zwei Knappen, also gab es in ganz England 
8000 Reiter ; das Maximum des Fußheeres, das im Jahre 1277 
aber nur auf ganz kurze Zeit versammelt werden konnte, 
müssen wir mit 15 640 Mann ansetzen. 

Die größte Armee, die das Mittelalter wohl gesehen hat, 
war die , die Eduard III. 1347 bei Calais zusammenzog ; sie 
bestand aus 32000 Mann: eine wie Delbrück seiner Be- 
rechnung hinzufügt ^2, „für das Mittelalter unerhörte Kriegs- 
macht". Und wir müssen bei all diesen Ziffern immer noch 
bedenken, daß diese großen Heere immer auf ganz kurze 
Zeit beieinander gehalten werden konnten. 



II. Die Ausweitung des Heereskörpers 39 

Die rasche Steigerung der Heereskräfte, die nun 
dauernd gehalten wurden, seit dem Mittelalter, wird durch 
folgende Ziffern ausgedrückt: 

1. Frankreich ^3; Karl VII. hielt 4500 Mann Kavallerie, 
und (aber nur auf dem Papier, meint unser Gewährsmann 
H. Baude) 8000 Mann Infanterie (Bogenschützen), 

Ludwig XI. hinterließ bei seinem Tode 4500 gens d'armes, 
„un bou nombre de Suysses, grant nombre de francs archers 
et d'autres gens de guerre, qu'on estimoit 60000 combattant 
ä sa solde, qui estoient pay6s, tout pr§ts ä le servir eontre 
ses ennemis" (Qui eher at). Das war aber wohl der Kriegs- 
stand ? 

Für das Jahr 1492 (also unter Karl VIII.) gibt der vene- 
tianische Gesandte Zach. Contarini die Präsenz wie folgt an: 
3500 Lanzen Kavallerie (zu je drei Pferden); 7000 Bogen- 
schützen ; 10 000 mortes-payes (Invaliden). 

Das Heer, mit dem Karl VIII. in Italien einrückte, um- 
faßte nach dem Nouveau voyage litt^raire de deux r^ligieux 
bönödictins) 42 000 Mann zu Fuß, 6500 Lanzen (zu 3 Reitern). 

Franz I. hielt 50000 Mann Infanterie, 15 000 Reiter. 

Zur Zeit Karls IX. beziffern sich die in den Religions- 
kriegen sich gegenüberstehenden Heere zusammen auf 130 000 
Mann zu Fuß und 35000 Mann zu Pferde (nach Davity). 

Heinrich IV. hielt 51000 Mann zu marschieren bereit. 

Im Dreißigjährigen Krieg bringt Frankreich bereits über 
100000 Mann auf die Beine: 1636 bis 1642 stehen 142000 
Mann Infanterie und 22 000 Kavallerie im Felde. 

Die Heere Ludwigs XIV. sollen zeitweilig bis auf 400 000 (?) 
angewachsen sein. Der Bestand der Regimenter war ver- 
änderlich; namentlich schwankt die Zahl der Infanterieregi- 
menter: 1697 gibt es deren 151, 1712 nur 121. 

Mitte des 18. Jahrhunderts setzte sich die französische 
Armee wie folgt zusammen: 



40 Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 

Fußtruppen .... 121 Regimenter; 

Kavallerie Ve der gesamten Heeresstärke; 

Gendarmerie .... 8 Escadrons; 
Leichte Kavallerie . . 60 Regimenter; 
Gesamtstärke . . . 1787 Offfiziere, 

17 056 Pferde; 

Dragoner 634 Offiziere, 

6240 Dragoner; 
Gesamte Reiterei . . 2629 Offiziere, 

26608 Mann, 
25108 Pferde. 
Feldartillerie: 3 bis 4 Mann auf 1000 Mann des Heeres; 
wird nach 1764 um 42 ®/o vermehrt, so daß 4 Geschütze auf 
1000 Mann der Feldarmee kommen. 

2. Brandenburg-Preußen. Noch imposanter ist der 
Aufstieg des preußischen Heeres, weil er in kürzerer Zeit 
und in viel größeren Sprüngen und in einem so sehr viel 
ärmeren und kleineren Lande sich vollzieht. 

Als Gustav Adolf im Juni 1630 an der pommerschen 
Küste landete und der schwedische Krieg begann, bestand 
die gesamte Kriegsmacht Georg Wilhelms aus den 4 Kracht- 
schen und 2 Burgsdorffschen Kompagnien, zusammen 1200 
Mann einschließlich der ersten Blätter^*. Bei seinem Tode 
war die Armee Georg "Wilhelms auf 4650 Mann angewachsen 
(nach einer vertraulichen Aufstellung Schwartzenbergs) ^^. 

Beim Tode des Großen Kurfürsten war der Bestand 
folgender : 

6 Bataillone Garde 3600 Mann, 

30 „ Infanterie 18000 

32 Sehwadronen Reiter 3840 „ 

8 „ Dragoner .... 980 „ 

20 Garnison-Kompagnien .... 3000 „ 

Gesamte Infanterie und Kavallerie 29420 Mann. 
Mit Artillerie, Geniekorps, Train usw. etwa 32 000 Mann. 



II. Die Ausweitung des Heereskörpers 41 

Beim Tode Friedrichs I. gab es : 

38 Bataillone Infanterie 27500 Mann, 

32 Schwadronen Reiter . . . : . 41G0 „ 

24 Kompagnien Dragoner .... 1944 „ 

20 Kompagnien Garnisontruppen . . 3000 ,, 



Zusammen Infanterie und Kavallerie 36 604 Mann. 
Insgesamt 38—40000 Mann. 
Beim Tode Friedrich Wilhelms I. gibt ein Rapport des 
Generals von Massow die Gesamtstärke des Heeres auf 
83468 Mann an, die sich verteilen auf 32 Regimenter In- 
fanterie (66 Bataillone), 12 Regimenter Kürassiere, 6 Regi- 
menter Dragoner, 2 Regimenter Husaren, 1 Bataillon Feld- 
artillerie, 1 Bataillon Garnisonartillerie, 4 Garnisonbataillone, 
4 Landregimenter. 

Endlich beim Tode Friedrichs des Großen haben wir: 
1 Regiment Garde zu Fuß, 

1 Bataillon Grenadiergarde, 
53 Regimenter Infanterie, 

12 Regimenter Dragoner, 
10 Husarenregimenter, 
4 Feldartillerieregimenter, 
12 Kompagnien Garnisonartillerie, 

2 Garnisonartilleriekommandos, 
4 Mineurkompagnien, 

1 Pontonierkommando, 

8 Garnisonregimenter, 

4 Garnisonbataillone, 

4 Landregimenter. 
Überhaupt 120 000 Mann Infanterie, 
40 000 „ Kavallerie, 
10000 „ Artillerie und Mineurs, 
30000 „ Garnisontruppen. 

Insgesamt 200000 Mann. 





Größe der Armee 


1688 


30000 


1713 


40 000 


1740 


80000 


1780 


200 000 



42 Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 

Von diesen Truppen waren, abgesehen von der Manöver- 
zeit, in den letzten Regierungsjahren Friedrichs etwa 143 000 
Mann präsent, von denen noch viele (bis über 40000) als Frei- 
wächter vom Dienste entbunden waren. Immerhin! Welche 
gewaltige Heeresmacht, wenn wir die Größe des Landes und 
die Zahl seiner Einwohner in Betracht ziehen. Stellen wir 
die runden Ziffern der Heeresstärke und die Einwohnerzahl 
für die einzelnen Jahre gegenüber, so ergibt sich folgendes 
Verhältnis : 

Zahl der Einwohner 
1 Million, 
IV2 Millionen, 
2,2 
5,4 

1740 und 1786 betrug die Friedenspräsenzstärke etwa 
4 °/o der Bevölkerung : diesem Verhältnis entsprechend müßte 
heute die aktive Armee in Deutschland 2 600 000 Köpfe stark 
sein. Die Zahlen der alten Heere würden allein ohne weiteren 
Nachweis die Bedeutung dartun, die die Armee für die Ge- 
staltung des Marktes haben mußte : 4 ^/o der Bevölkerung, 
die aus dem alten Rahmen der eigenwirtschaftlich-handwerks- 
mäßigen Bedarfsdeckung herausgetreten waren ! 

3. Die Stärke der stehenden Heere sämtlicher 
europäischer Staaten in der zweiten Hälfte des 18. Jahr- 
hunderts gibt der kundige Mitarbeiter bei Krünitz (Bd. 50, 
S. 746), dessen die Bände 50 bis 53 füllenden Artikel über 
das Kriegswesen sich sämtlich durch große Sachkenntnis 
auszeichnen, auf Grund offenbar bester Quellen wie folgt an: 
Österreich im Frieden .... 297000 Mann, 

„ Kriege .... 363000 
Rußland, reguläre Truppen . . 224500 „ 

Preußen 190000 

Frankreich 182000 



II. Die Ausweitung des Heereskörpers 43 

Großbritannien 21000 Mann, 

Spanien 85000 

Schweden 47800 „ 

Dänemark und Norwegen . . 74000 „ 

Polen 17 000 

Portugal 36000 

Vereinigte Niederlande . . . 36000 „ 

Chursachsen 24600 „ 

Chur-Braunschweig-Lüneburg . 25600 „ 

Chur-Pfalz-Bayern 12200 

Chur-Mainz 2200 „ 

Chur-Trier 1200 

Chur-Cöln 1100 

Hessen-Cassel 15000 „ 

Hessen-Darmstadt 4000 „ 

Württemberg 6000 

Weimar 80 

Gotha 1760 „ 

3 Regim. Infanterie, 



Bayreuth- Anspach 
Braunschweig . . 



Husarenkorps, 
Leibgarde, 
2 Infanterieregim., 
1 Dragonerregiment, 
1 Artillerie, 

Mecklenburg-Strelitz .... 50 Mann, 

Mecklenburg-Schwerin .... 1500 „ 

Pfalz-Zweibrücken . . . , . | L«*'» garde, 

{ Leibhusaren, 

Baden , • • 3000 Mann, 

Oldenburg — „ 

Zerbst 2 Regimenter, 

davon 1 in amerikanischem Solde! 

Waldeck 3 Kompagnien, 

Lippe-Schaumburg 1000 Mann, 



44 Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 

Schweiz 13000 Mann, 

„welche nach der Schirm-Ordnung 
stets auf den Beinen sein müssen", 

Sardinien 24000 Mann, 

Beide Sizilien ...... 25000 

Kirchenstaat ....... 5 000 „ 

Toscana 3 000 

Venedig 6000 

2. Die Flotten 

a) Die italienischen Staaten. 

Im 13. Jahrhundert war die größte Seemacht Europas 
die Republik Genua. Ihre Kriegsflotte war um diese Zeit 
selbst für heutige Begriffe nicht klein, für mittelalterliche 
Verhältnisse geradezu unwahrscheinlich groß. Die Ziffern sind 
aber kaum zu beanstanden ; sie erwecken durch ihre Ungerad- 
heit Vertrauen. Die Quelle sind die Annales Januenses. Auch 
der gewissenhafte Heyck nimmt an, daß sie der Wirklich- 
keit entsprechen. 

Schon um die Mitte des 12. Jahrhunderts (1147 — 1148) 
werden 63 Galeeren und 163 andere Fahrzeuge gegen die 
spanischen Sarazenen ausgesandt. 1242 fochten 83 Galeeren, 
13 Tariden und 4 große Lastschiffe gegen die sizilianisch- 
pisanische Flotte. 1263 kreuzen 60 genuesische Kriegsgaleeren 
in den griechischen Gewässern. 1283 sollen gar, die kleineren 
Geschwader eingerechnet, 199 Galeeren in Dienst gestellt 
sein. Bedenken wir , daß eine Galeere 140 Ruderer hatte, 
also auf 199 Galeeren wären 27 860 Ruderer (ohne die Krieger!) 
gewesen. Da werden wir annehmen müssen, daß die 
199 Galeeren nacheinander bemannt und ausgesandt 
wurden. Wir sind aber auch über die Größe des Mannschafts- 
aufgebots unterrichtet : 1285 stellte die Republik 12 085 Mann 
aus ihrem Bezirk an der Riviera in Dienst; davon waren 



II. Die Ausweitung des Heeresköi-pers 45 

9191 Ruderer, 2615 Seesoldaten und 279 Schiffer (nauclerii). 
Sie verteilten sich auf 65 Galeeren und 1 Galion. 

b) Spanien. 

Die „Felicisima Armada", die 1588 von England besiegt 
wurde, bestand, als sie aus Lissabon aussegelte (ins Gefecht 
kamen dann 2 Schiffe weniger), aus 130 Segeln und 65 Galeeren. 
Diese Schiffe hatten einen Ladegehalt von 57868 t und eine 
Besatzung von 30656 Mann „ohne Freiwillige, Priester und 
andere Zivilpersonen" ^^. 

(Die in deutschen Bibliotheken erhältlichen Bücher ge- 
statten es nicht, sich von der Entwicklung der spanischen 
Flotte ein ziffermäßig genaues Bild zu machen. Aus dem 
neunbändigen Werk D u r o s über die Armada espanola erfährt 
man nichts derart. Desselben Autors Disquisiciones nauticas, 
in dem er gerade diese Seite des Problems behandelt zu 
haben scheint, waren mir nicht zugänglich.) 

c) Frankreich. 

Frankreichs Kriegsflotte wird, wie ich schon sagte, zu 
ihrer imponierenden Größe vornehmlich durch Colbert hinauf- 
gehoben. 

Der Bestand an Schiffen, den Colbert bei seinem Ein- 
tritt in das Ministerium vorfand (1661), war folgender ^'^ : 

3 Schiffe ersten Ranges, 
8 Schiffe zweiten Ranges, 

7 Schiffe dritten Ranges, 

4 Flautschiffe (flütes), 

8 Brander (brülats). 
Insgesamt also 30 Kriegsschiffe. 

Bei seinem Tode (1683) war die Gesamtzahl der bereits 
fertigen Kriegsschiffe auf 176 gestiegen, zu denen noch 68 im 
Bau befindliche kamen, so daß sich ein Gesamtbestand von 
244 ergab. Davon waren: 

ersten Ranges 12 

zweiten „ ........ 20 



46 Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 

dritten Ranges 39 

vierten „ 25 

fünften „ 21 

sechsten „ 25 

Brander 7 

Flautsehiffe .20 

Lange Barken (Barques longues) .17 • 

d) Niederlande. 

Auch die holländische Kriegsflotte entwickelt sich inner- 
halb weniger Jahrzehnte während des großen 17. Jahrhunderts 
aus kleinen Anfängen zur damals vielleicht ersten und stärksten 
Flotte Europas. 

Noch in den Jahren 1615—1616 besteht ^^ die nieder- 
ländische Seemacht aus nur 43 meist winzigen Schiffen, von 
denen 4 je 90, 11 zwischen 50 und 80, 9 je 52 Mann Be- 
satzung hatten, während 19 noch kleiner waren. Das ergibt 
2000 bis höchstens 8000 Mann Besatzung. Im Jahre 1666 
stellten die Vereinigten Niederlande den Engländern eine 
Flotte von 85 Schiffen mit einer Besatzung von 21909 Offi- 
zieren und Mannschaften gegentlber. 

e) Schweden. 

Schweden war im 16. und 17. Jahrhundert eine be- 
deutende Seemacht. Seine Kriegsflotte nimmt ihren Anfang 
unter Gustav Wasa im Jahre 1522. Im Jahre 1566 weist die 
Schiffsliste schon einen Bestand von 70 Schiffen auf. Einen 
neuen Aufschwung erlebt sie dann zu Beginn des 17. Jahr- 
hunderts: 1625 werden 21 neue Schiffe gebaut, 30 Galeeren 
dienstbereit gemacht ^^. 

f) England. 

Ich habe Großbritannien an die letzte Stelle gesetzt, weil 
ich etwas ausführlicher und nachdrücklicher von dem Wachs- 
tum dieser größten europäischen Seemacht sprechen will, deren 
rasches Aufsteigen seinesgleichen nur in der plötzlichen Ent- 



IL Die Ausweitung des Heereskörpers 47 

faltung des preußischen Heerwesens hat. Die folgenden An- 
gaben sind aus den verschiedensten Quellen, die ich einzeln 
angebe, zusammengetragen. 

Wir sahen, daß Heinrich VIII., wenn auch nicht als der 
Begründer, so doch als der erste große Förderer der eng- 
lischen Flotte angesehen werden kann. Gerade sein Vater 
hatte sich wenig um das Seekriegswesen gekümmert. Wo 
Kriegsschiffe nötig waren, hatte er sich mit gecharterten 
Kauffahrern begnügt. Heinrich VIII. begann sofort mit dem 
Bau einer neuen Königsflotte. Im Jahre 1514 hat er schon 
24 Schiffe im Dienst mit 8460 t Tragfähigkeit, 26 Kapitänen, 
3500 Soldaten, 24 Bootsleuten (masters) und 2880 Seeleuten «^ 
Während seiner Regierung werden 85 Kriegsschiffe angeschafft: 
46 gebaut, 26 gekauft und 13 gekapert ^^ Am Ende seiner 
Regierung waren 71 Fahrzeuge vorhanden, davon 30 Last- 
schiffe, mit zusammen 10 550 t Raumgehalt ^^. Eduard VI. 
hat im fünften und sechsten Jahr 53 Schiffe mit 11065 t und 
7995 Mann Besatzung ^^ 

Nun sinkt der Schiffsbestand etwas bis zum Regierungs- 
antritt der Elisabeth: Mary hat 46 Schiffe; Elisabeth findet 
32 Schiffe mit 7110 t und 5610 Mann vor «2; 1573 soll nach 
einem, wie man glauben müßte, sachkundigen Berichterstatter 
die Zahl der Königsschiffe auf 13 gesunken sein*^. 

Dann aber beginnt eine Periode fieberhafter Rüstungen, 
deren Frucht dann der Sieg des Jahres 1588 über die Feli- 
cisima Armada ist. Wir sind sehr genau auch über die Zu- 
sammensetzung der englischen Flotte in dieser denkwürdigen 
Schlacht unterrichtet. Wir sehen, daß damals noch immer 
erst der kleinere Teil der Schiffe und der Streiter der Staats- 
marine angehörten, daß vielmehr die meisten Schiffe und 
Mannschaften Soldtruppen waren. Es ist von Interesse, die 
Liste der Schiffe, die die siegreiche Flotte zusammensetzten, 
hier mitzuteilen^*. 



48 Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 

Schiffe der Königin ... 34 mit 6289 Mann 

Kauffahrer unter Sir Fr. Drake . 34 „ 2394 „ 

Schiffe V. d. Stadt London bezahlt 30 „ 2 180 „ 
Kauffahrer unter dem Lord Groß- 

Admiral 

für 8 Wochen ...;.. 8 „ 530 „ 

für den ganzen Feldzug . . 10 „ 221 „ 

Frachtschiffe 15 „ 810 „ 

Küstenfahrzeuge unter dem Lord 

Groß-Admiral 20 „ 993 „ 

desgl. unter Lord Henry Seymour 23 „ 1 090 „ 

Freiwilligenschiffe 23 „ 1044 „ 

Insgesamt . . 197 mit 15 551 Mann 
Der entscheidende Sieg hat die Tatkraft der Sieger nicht 
gelähmt: die Flotte wird auf der gleichen Höhe erhalten. 
Ihr Bestand vergrößert sich sogar noch etwas bis zum Ende 
der Elisabethschen Epoche: im 44. Jahre dieser Königin sind 
diensttauglich 33 Schiffe, 5 Galeeren, 4 Barken mit 14060 t 
und 6846 Mann. 

Langsames Ansteigen unter den älteren Stuarts: 
Bestand 1618: 33 dienstfähige, 10 dienstunfähige Schiffe 

mit zusammen 15670 t. 
Bestand 1624: 35 dienstfähige Schiffe mit 19339 t (ohne 
Galeeren und Schuten [hoys])^^. 
Dann plötzliche und starke Vermehrung der gesamten 
Zurüstung unter der Republik: von 1649—1660 werden 207 
neue Schiffe zu den vorhandenen hinzugefügt, von denen 121 
im Jahre 1660 noch dienstfähig sind^^. 

Im Jahre 1653 beispielsweise besteht (nach Charnoek) 
die englische Seemacht aus 131 Schiffen mit etwa 23000 Mann 
Besatzung. Und die Flotte, die die Engländer den Holländern 
im Jahre 1666 entgegenstellten (deren Stärke wir oben kennen 
gelernt haben), war der großen Gegnerin ebenbürtig : es waren 
80 Schiffe mit 21085 Offizieren und Mannschaften e^. 



II. Die Ausweitung des Heereskörpers 49 

Im Jahre 1660 war der Tonnen gehalt der Kriegsflotte 
auf 62 594 t gestiegen ^^, hatte sich also in wenig mehr als 
einem Menschenalter reichlich verdreifacht. 

Aber nun ging es unaufhaltsam aufwärts: 1688 beträgt 
der Tonnengehalt schon 101032 t^^ Ende des Jahrhunderts 
(1695) 112 400 t. Für diese Zeit haben wir eine interessante 
Gegenüberstellung des Aussehens der englischen Marine im 
Anfang und am Ende des 17. Jahrhunderts. Danach be- 
trug^'* die 

1607 1695 

Zahl der Schiffe von 50 1 aufwärts 40 über 200 

Deren Tonnengehalt .... rund 23600 über 112400 
„ Bemannung ..... „ 7800 „ 45000 
Und so weiter. 

Der Tonnengehalt der Great Britain's Navy -Royal be- 
trug'^: 

1715 167596 t, 

1727 170 862 „ 

1749 228215 „ 

Gegen Ende unserer Epoche ist dann der Bestand der 
englischen Marine folgender (am 31. Mai 1786 nach den 
Admiralitätsregistern) : 

292 Kriegsschiffe, davon 
114 Linienschifi"e, 
13 5Ö-Kanonenschiffe (den Linienschiffen ähnlich), 
113 Fregatten, 
52 Kriegsschaluppen. 
Die Linienschiffe haben zwischen 500 und 850 Mann Be- 
satzung. Freilich : die meisten Schiffe sind außer Dienst ge- 
stellt. Völlig ausgerüstet sind (1787) : 12 Linienschiffe, 5 50- 
Kanonenschiffe , 35 Fregatten und 62 (?!) Kriegsschaluppen. 
In beständigem Solde stehen 18000 Seeleute, nämlich 14140 
Matrosen und 3860 Seesoldaten. 

Sombart, Krieg und Kapitalismus ' 4 



50 



Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 



g) Übersicht über den Kriegsflottenbestand in den 
europäischen Staaten am Ende des 18. Jahrhunderts 
(nach Krünitz: siehe die Bemerkung auf S. 42): 
Großbritannien .... 278 Kriegsschiffe 

(davon 114 Linienschiffe), 



Frankreich . . . , 
Vereinigte Niederlande 
Dänemark und Norwegen 
Sardinien . . 
Venedig . . 
Beide Sizilien 
Schweden . . 
Portugal . . 
Kirchenstaat . 
Toscana . . 



221 Kriegsschiffe, 

95 

60 armierte Fahrzeuge, 

32 Kriegsschiffe, 

30 

25 

25 Linienschiffe, 

24 Kriegsschiffe, 

20 
„einige Fregatten". 



Zweites Kapitel: Der Unterhalt der Heere 



I. Die Heeresjinanzen 

/. Der Militär aufwand 

Wir suchen nach einem ökonomischen Ausdruck für die 
gewaltige Bewegung, die wir soeben vor unserem geistigen 
Auge sich haben vollenden sehen und finden ihn zunächst 
in den Kosten, die der Krieg, das heißt also, die der 
Unterhalt der Truppen dem Staate verursacht. Ich sage 
nichts Neues, wenn ich im folgenden die Summen aufzähle, 
die während des 16., namentlich aber während des 17. und 
18. Jahrhunderts in den wichtigsten Militärstaaten für Heeres- 
zwecke ausgegeben worden sind. Des Zusammenhanges wegen 
muß ich aber die jedermann bekannten Ziffern hierhersetzen. 

Kriegführen war zu allen Zeiten eine kostspielige Sache. 
Auch was wir aus dem Mittelalter von den Kosten er- 
fahren, die die Ausrüstung und Unterhaltung der Heere 
machten, setzt uns durch die Höhe der Beträge in Erstaunen 

Die Gesamtausgaben für den ersten Kreuzzug Ludwigs IX. 
belaufen sich auf 1 537 570 lib. tur. 10 s 10 d, die Ausgaben 
in den Jahren 1250—53 auf 1053476 Ib. 17 s 3 d'^ 

Die 40 Galeeren, die der König von Frankreich im Jahre 
1337 von dem Ayton Doria aus Genua dingt, kosten ihm für 
4 Monate 144000 Goldflorin, also über eine Million Mark h. W., 
so viel wie der Jahresumsatz des Handels der größten Hansa- 
städte betrug'^. 

Florenz gab für den Krieg gegen Mastius II. della Scala 



52 Zweites Kapitel: Der rjnterhalt der Heere 

600000 Goldgulden aus; der 6 Monate währende Krieg gegen 
den Grafen von Virtü kostete ihm SVa Mill. fl.5 1377—1406 
wurden für Kriegszwecke verausgabt IIV2 Mill. fl.; der 1418 
beendigte Krieg gegen den Herzog von Mailand hatte in 
weniger als 2 Jahren 3V2 Mill.. fl. verschlungen '*. 

Der Militäretat der Stadt Nürnberg belief sich im Jahre 
1388 für einen Zeitraum von 14 Monaten auf 78466 fl., un- 
gefähr das Dreifache der Gesamtausgabe des Stadthaushalts 
in gewöhnlichen Zeiten '^^ 

Nun haben wir ja aber eben erfahren, daß die Heere 
des Mittelalters klein waren: wie mußten sich also die Aus- 
gaben für Kriegszwecke steigern, als seit dem 16. Jahrhundert 
die Armeen rasch zu wachsen begannen, zumal ja neben 
dieser Ausweitung des Truppenkörpers doch auch eine Ver- 
vollkommnung der Ausrüstung (Feuerwaffen!) nebenhergiog. 

1522 berechnet Dr. Chr. Scheurl die Kriegsausrüstung 
von durchschnittlicher Größe für 6 Monate ohne Proviant, 
Troß usw. auf 560000 fl. Ein spanisches Armeekorps, das 
in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts nach Süditalien 
geschafft und dort etwa 2V2 Jahr unterhalten werden mußte, 
kostete durchschnittlich IV* Mill. Dukaten. Der Aufwand 
der spanischen Krone für Bekämpfung des niederländischen 
Aufstandes betrug 2 — 3 Mill. Goldkronen im Jahre : weit mehr 
als die Jahreseinkünfte der niederländischen Regierung während 
der Blütezeit des dortigen Handels'^. 

In eine neue Ära traten die Heeresfinanzen ein mit der 
Einbürgerung und dann, wie wir sahen, raschen Vergrößerung 
der stehenden Heere. Seitdem beginnen auch die regelmäßigen 
Verzeichnungen der Militärausgaben in den öffentlichen Haus- 
halten, so daß wir von nun an ziemlich genau das Anwachsen 
des Aufwandes für Kriegs- und Heereszwecke in den wichtigen 
Staaten verfolgen können. 

Wie selbst ein kleiner italienischer Fürst in diese Be- 
wegung hineingezogen wurde, lehren uns die Finanzen des 



I. Die Heeresfinanzen 53 

Herzogtums Este, über die wir dank einer vortrefflichen 
Untersuchung" genau unterrichtet sind. Hier weist der 
Heeresetat für die nur ein halbes Jahrhundert auseinander- 
liegenden Jahre 1543 und 1592 folgende Steigerung auf: 

1543 

Monizioni del Castello L 720 

Monizioni delle Fabbriche (Festungen) . L 17 939 

Officio del Soldo dentro e fuori . . . L 22216.3.9 

L 40875.3.9 

1592 

Monizioni di Fabbriche L 98924.7.4 

Officio del Soldo . L 59672.14.1 

L 158597.1.5. 

Und nun die großen Militärmächte, zu denen wir in 
Italien Piemont rechnen können. Piemonts Militäretat ge- 
staltet sich in dem Zeitraum von 1580 — 1708/09 wie folgt'*: 

1580 334673 L di Piem. 

1605 553271 L „ „ 

1660 1209482 L „ „ 

1680 1610958 L , „ 

1690 2823516 L „ „ 

1696 (Kriegsjahr) . . 9397 074 L „ „ 

1700 2 750000 L „ „ 

1701 4738341 L „ „ 

1705 4917 002 L „ „ 

1708/09 8000000 L „ „ 

Im spanischen Erbfolgekriege, in den diese Aufstellung 
nur zum Teil hineinreicht, entfaltete Piemont erst recht seine 
kriegerischen Kräfte, und dementsprechend kostete dem kleinen 
Lande — Piemont hatte damals 1 200 000 Einwohner — dieser 
Krieg ganz ungewöhnlich große Summen. Während der Jahre 
1700 — 1713 betrugen die Ausgaben'^: 



54 Zweites Kapitel: Der Unterhalt der Heere 

für Heer und Artillerie ... 77 101 990 L 

„ Festungen 8963364 L 

„ Intendanturzwecke (Lebens- 
mittel, Getreideanka uf) . 39490178 L 

125555532 L 
= 59,12 ®/o der Gesamtausgaben, 
dazu noch für Schuldzinz en . 39408940 L 

164964472 L 
= 77,72 0/0. 
Also 137 L auf den Kopf der Bevölkerung; das würde im 
heutigen Deutschland einer Summe von 9 Milliarden Mark 
entsprechen. 

Spanien war wohl von seiner Höhe, die es unter Alba 
erklommen hatte, schon herabgestiegen (1610), als es folgenden 
Heeresetat hatte-. 

Sold der Truppen 653963 duc. 

Flotte 530000 „ 

Garden und hommes d'armes. 200000 „ 

Festungen 50 000 „ 

Arsenale 100000 „ 

Artillerie . 22 500 „ 

1556463 duc. 
Ausgaben für Flandern . . 1800000 „ 
Damals betrugen die Netto einnahmen des Königs von 
Spanien (5 Mill. duc. blieben bei den Vizekönigen, Steuer- 
einnehmern usw. haften) nach einer Untersuchung, die 
Heinrich IV. anstellen ließ, und die sieh fast genau mit der 
Schätzung des venetianischen Gesandten Tomaso Contarini 
(16 Mill. duc.) deckt: 15658000 duc. Davon entfiel jedoch 
der größte Teil auf die Schuldzinsen, so daß einer Aufstellung 
des Grafen Lerma nach nur 4487 350 duc. verfügbar waren ^•*. 
Unter Anrechnung der Sehuldzinsen machten also die Aus- 
gaben für Heereszwecke im damaligen Spanien annähernd 
93% der gesamten Staatseinnahmen aus. 



1. Die Heeresfinanzen 55 

Für Frankreich besitzen wir die erste zuverlässige 
Aufstellung der Heeresausgaben aus dem Jahre 1542, die 
aber offenbar nur das Ordinarium umfaßt. Ich teile die wenig 
beachteten Ziffern^* hier im einzelnen mit. 

2000 uomini d'arme 900 000 franchi, 

Cresciuti 20 per 100 frc. le comp 25 000 „ 

Quello che spende ordinär, per le, cose 

della guerra benchö sia pace 200000 „ 

Artiglieria ordinaria che si fa ogni anno etc. 54 000 „ 

Artiglieria estraordinaria 19 000 „ 

Marina di Marsiglia 140 000 „ 

Marina di Ponente 14000 „ 

Guardie di Palazzi ec 20000 „ 

200 gentiluomini a 400 fr. Tun 80 000 „ 

La guardia de' Scozzesi 34000 „ 

3 bände di arcieri francesi 93 000 „ 

La guardia de' Svizzeri 13 000 „ 

Fabbriche delle frontiere della Piccardia 90000 „ 

Fabbriche delle front, di Sciampagna . . 15 000 „ 

2 (?) pensioni a' Svizzeri 200 000 „ 

Salario del gran Contestabile 17 000 „ 

Pens, ordinaria agli Inglesi, della quäle sono 

creditori di sei anni 200000 „ 

2114 000 franchi. 

Die gesamte Ausgabe in diesem Jahre, von der sicher 
ein beträchtlicher Teil auf die Verzinsung der Kriegsschuld 
noch entfiel, betrug 5788000 L. 

Während des 17. Jahrhunderts steigt nun der Aufwand 
für Heereszwecke rasch, um in den Kriegsjahren Ludwigs XIV. 
zu gipfeln. 

Unter Heinrich IV. werden 1601 — 09 durchschnittlich etwa 
6 Mill. L., 1609 etwa 9 Mill. L. dafür ausgegeben »2. Unter 
Ludwig XIII. verdoppelt sich diese Ziffer, unter Ludwig XIV. 
vervierfacht sie sich dann noch einmal. Ich stelle die Haupt- 
posten des Militäretats für zwei ein halbes Jahrhundert aus- 
einanderliegende Jahre zusammen ^^: 



56 



Zweites Kapitel: Der Unterhalt der Heere 



1639 



1680 



Schweitzer (Ligues Suisses) 

Ausserordentl. Ausgahen für Kriegszwecke 

(Extraordinaire des Guerres) 

Garnisonen 

Artillerie 

Marine 

Befestigungen 

Gratifikationen für die Truppen 

Galeeren 

Bei einem Gesamtetat von , . . . 



livres 
400000 

12 000 000 
3 000000 

600000 
2 500 000 

600 000 



livres 
652 567 

62 070 550 

2 419399 
704 277 

14 405 795 

12 678 609 

1323 804 

3 614 753 



19100000 

29 900000 

= 60O/O 



97 869 754 

129 691 599 

= 740/0 



In dem Etat, den Mr. Necker für das Jahr 1784 auf- 
stellte^*, stehen die Militärausgaben mit 124650000 L. 
die Ausgaben für die Marine mit 45 200 000 L. 

169850000 L. 
Dazu wären hinzuzurechnen 
die Ausgaben für die Verzinsung 

der Kriegsschuld 207000000 L. 

desgleichen Rückzahlungen . . 27500000 L. 



Also insgesamt wurden 404350000 L. 
für Heereszwecke ausgegeben bei einer Gesamtausgabe von 
610 Mill. L, das sind rund zwei Drittel. 

Brandenburg-Preußen^^ 

Unter dem Großen Kurfürsten betragen die Kriegs- 
gefälle 2500000 Tlr., das sind zwei Drittel der gesamten 
Staatseinnahmen. Von ihnen wurden allerdings noch einige 
andere als militärische Ausgaben (für Diplomatie, Schloßbau 
usw.) bestritten, andrerseits standen für Heereszwecke noch 
die Subsidien und die Schulden zur Verfügung. 

Unter Friedrich III. (I.) belaufen sich 



5 954079 Tlr. 
22 Gr. 5Pfg. 



I. Die Heeresfinanzea 57 

die Gesamteinnahmen auf ... 4 Mill. Tlr. 
die Ausgaben für Heereszwecke auf 2,2 Mill. Tlr. 

Unter Friedrich Wilhelm I. setzt die große Aufwärts- 
bewegung ein: 
Reineinnahmen im 

Jahre 1739/40 . 6917192 Tlr. 10 Gr. 4 Pfg. 
davon für Militär- 
zwecke . . . 5039663 Tlr. 22 Gr. 5 Pfg 
in den Kriegsschatz 914416 Tlr. — Gr. - Pfg 
Also 86% machen diei Militärausgaben aus. 

Friedrich M. gibt aus in den letzten drei Jahren durch- 
schnittlich 

für Militärzwecke 12419457 Tlr. 

für Hof- und sonstige Zivilzwecke . 3946676 Tlr. 
Die Militärausgaben belaufen sich auf 75,7% der Ge- 
samtausgabe. 

Unter Friedrich Wilhelm II. (1797/98): 
Gesamteinnahmen . 20499382 Tlr. 22 Gr. 7 Pfg. 
Militäraufwand . . 14606325 Tlr. 17 Gr. 3 Pfg. 

= 71 "/o. 
Unter Friedrich Wilhelm III. (1805/06): 
Gesamteinnahmen . . . 26 956 858 Tlr. 
Militärausgaben . . . . 17185112 Tlr.' 
Verzinsung der Staatsschuld 1 896 296 Tlr. 

Staatsschatz 1100000 Tlr. 

Endlich müssen wir noch erfahren, was diejenige Macht 
für Heereszwecke während der früheren Jahrhunderte aus- 
gab, die sich den Krieg zweifellos am meisten kosten ließ: 
England. 

Für die Zeit der Lancasters rechnet ein guter Kenner 
an Ausgaben für die Flotte etwa 50000 i^^^ heraus. 

Einige Jahre im 17. Jahrhundert weisen an Aufwendungen 
für die Flotte folgende Beträge auf«': 



20 181 408 Tlr. 

= 750/0. 



58 



Zweites Kapitel: Der Unterhalt der Heere 



Jahr 


Zahl der 


Ausgaben für 


Kriegs- 
schiffe 


Handels- 
schiffe 


Kriegs- 
schiffe 


Handels- 
schiffe 


Zusammen 


1643 S. 
1647 S. 


36 
43 


32 
16 


£ s. d. 
133 76Ö 3 9 
124395 12 


£ s. d. 
74 881 11 6 
44743 8 


£ s. d. 
332 869 15 3 
244655 



Jahre 



1652/53 

1654 

1656—57 

1657/58 

1658/59 



Gesamte Einnahme 



Ausgaben für die 
Flotte 



2 600 000 £ 

1 050 000 £ 

951000 „ 

1517 000 „ 



1 400 000 i^ 

1 048 731 ^e» 13 s. 8 d. 88 

809 000 £ 

624 000 „ 

848 000 ,. 



Die Friedensetats betragen in £^^\ 



Ti'sÄi unter 


für die 
Flotte 


für das 
Landheer 


für die 
Artillerie 


Gesamt- 
ausgabe 


Karl II 

Wilhelm III. . . . 

Anna 

Georg I 

Georg II 

Georg HI. (1770) . 


300000 
877 455 
765 700 
740 000 
900 000 
1573422 


212 000 
300 000 
425 905 
900 000 
900000 
1513412 


40 000 
50000 
58 000 
73 000 
80 000 
227 907 


1 171 315 
1907 455 



Die Gesamtausgaben für Krieg und Frieden betrugen 
(nach Sinclair) in £\ 



unter der Regierung 



für die Flotte 



für das Land- 
heer 



für die 
Artillerie 



Wilhelms III 

Annas 

Georgs I 

Georgs II 

Georgs IIL (bis 1788) 



19 822 141 
23484 574 
12 923 851 
71 424 171 
116 725 948 



22 017 706 
32 975 331 
13 842 467 
74 911521 
96 565 762 



3 008 535 
2 100 676 
1064449 
6 706 674 
17 079 011 



Insgesamt in dem Jahr- f 
hundert von 1688—1788 \ 



244380 685 



240312 967 



29 959345 



I. Die Heeresfinanzen 59 

Endlich teile ich noch, da es manchen Leser interessieren 
dürfte, einen spezifizierten Militäretat für das Jahr 1781 mit, 
in dem die Gesamtausgaben sich auf 24,4 Mill. i^, die Aus- 
gaben für Heereszwecke auf 17V2 Mill. £ belaufen. Zu diesen 
sind aber noch 5^2 Mill. i^ hinzuzurechnen, die zur Rück- 
zahlung von Schatzseheinen und zur Deckung des Defizits 
der indirekten Steuern dienten. Mit diesen 5V2 Mill. stehen 
also 23 Mill. ein^r Gesamtausgabe von 24 V2 Mill. gegenüber, 
das sind fast 94*^/0. 

Der Militäretat Englands für 1781 schaut so aus'": 

£ s. d. 
Für 90000 Seeleute einschließlich 20317 Seesoldaten 

und Artilleristen (ordinance) 4 446 000 

Das Ordinarium der Flotte 386 261 5 8 

Bau und Ausbesserung von Kriegsschiffen 670 016 

Ablösung der Flottenanleihen 3 200 000 

Geschützamt (office of ordinance) zu Lande .... 582924 11 9 

Desgl. zur See 234 000 

Außerordentliche Ausgaben für Artillerie 1781 ... 252 104 34 

Desgl. für 1780 447 182 4 6 

Für 39 666 Landtruppen 1 049 774 8 11 

Für den Oberstkommandiereuden und seinen Stab . 42 927 16 
Festungsgamisonen und Truppen außerhalb des 

Landes 1488927 

Subsidien und Unterhaltung deutscher Truppen . . 715 117 15 7V2 

Miliz in Nordengland (North Britain) 672 457 15 

Bekleidung der Miliz 99 679 13 4 

Zusatz Miliz-Kompagnien 6 010 3 9 

80 unabhängige Kompagnien Fußvolk (independent 

Comp, of foot) 117 608 6 8 

Nachzahlung Sold aus 1780 8 452 4 8 

Desgl. für 2 Bataillone des Lord John Murray. . . 1 107 16 4 
Außerordentliche, unvorhergesehene Ausgaben für 

Heereszwecke 3 351589 13 4V2 

Für Invaliden und direkte Ausgaben .... rund 190000 

Eine ungeheure Anspannung aller Kräfte bis zum Äußersten 
bedeutete dann noch einmal der Kampf mit Napoleon. In den 
14 Jahren von 1801—1814 gab England aus: 



60 Zweites Kapitel: Der Unterhalt der Heere 

für die Flotte .... 237 441 798 i^ 
für das Landheer . . . 337 993 912 i^ 
für Geschütze .... 58198904^ 



Zusammen 633 634614 i^ 
Also 13 — 14 Milliarden Mk. oder durchschnittlich im Jahre 
45 259 615 i^, das sind 900 Mill. Mk. Man muß sich immer 
gegenwärtig . halten , daß Großbritannien damals (im ersten 
Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts) ein Land mit 10 — 12 Mill. 
Einwohnern war, daß also auf den Kopf der Bevölkerung 
80 — 90 Mk. Kriegsaufwand im Jahre entfiel ; das entspricht 
einem Heeresetat von etwa 6 Milliarden Mk. im heutigen 
Deutschland, das jetzt etwas über eine Milliarde Mark (wenn 
man die Zinsen und Tilgung der Reichsschuld ganz hinein- 
rechnet) für Heereszwecke ausgibt. 

2. Die Aufbringung der Mittel 

"Welche Bedeutung dieser Militäraufwand für die Heraus- 
bildung des Kapitalismus hat, insoweit er gemacht wird, in- 
soweit die Summen ausgegeben werden, werden wir im Ver- 
lauf dieses Buches noch oft zu untersuchen haben. Hier soll 
nur die Frage aufgeworfen werden: ob denn nicht auch die 
Aufbringung der Mittel für die Durchführung der Heeres- 
zwecke bedeutsamen Einfluß auf die Gestaltung des modernen 
Wirtschaftslebens ausgeübt hat. Wohlverstanden : der Mittel, 
soweit sie in den oben angeführten Zifi'ern ihren Ausdruck 
finden, will sagen: soweit sie durch die Kassen des Staates 
laufen. 

Die Arten, wie die Mittel für die Deckung des Militär- 
bedarfs aufgebracht werden, sind keine andern als die, wie 
sich öffentliche Körper überhaupt Einnahmen verschaffen: 
Domanialeinkünfte und Steuern im weitesten Sinne einerseits, 
Anleihen anderseits sind die Quellen, aus denen diese Ein- 
nahmen fließen. Nur eine besondere Einnahmeart muß hier 
noch hinzugefügt werden, die in früheren Jahrhunderten bei 



I. Die Heeresfinanzen 61 

der Beschaffung der Kriegsmittel eine große Rolle gespielt 
hat: die Subsidienzahlung. Das war die Form, in der 
die reichen Länder, namentlich Holland und England, zum 
großen Teil ihre Kriege geführt haben : sie unterstützten die 
geldarmen Fürsten, namentlich Deutschlands, die ihre Schlachten 
schlagen mußten. Es handelte sich oft um recht ansehnliche 
Beträge, die für die Finanzen kleiner Staaten sehr ins Ge- 
wicht fielen. So empfing der Große Kurfürst in den Jahren 
1674—88 2 863 281 Tlr. 19 Gr. Subsidiengelder ; Friedrich III. (I.) 
14 Mill. Tlr. ; Friedrieh M. erhielt während der Jahre 1758 
bis 1761 jährlich 6700001^, also 13V2 Mill. Mk. von England »^ 
In den zwei Jahrzehnten, die von den Kriegen mit Frank- 
reich ausgefüllt waren, von 1793 — 1814 zahlte England an 
fremde Potentaten nicht weniger als 46 289 459 J', also fast 
eine Milliarde Mark Subsidiengelder aus ^^. 

Die Bedeutung, die die Aufbringung der Kriegsmittel für 
den Kapitalismus hatte, erblicke ich nun vornehmlich in 
folgendem : 

1. wurde die Kapitalbildung durch sie gefördert. 
Das klingt paradox angesichts der Tatsachen, die wir oben 
uns vergegenwärtigt haben : daß nämlich der Steuerdruck und 
die starke Inanspruchnahme des Kredits die Kapitalakkumula- 
tion gehindert haben. Und doch ist es wahr, daß die Be- 
schaffung der Kriegsmittel, während sie auf der einen Seite 
zweifellos die Vermögensbildung verlangsamte, auf der andern 
Seite sie beschleunigt hat und zwar gerade dort beschleunigt 
hat, wo das Vermögen am ehesten Kapitalcharakter anzu- 
nehmen die Tendenz hat: durch die Steuererhebung ebenso 
wie durch die Gewährung oder Vermittlung oder Übertragung 
des öffentlichen Kredits sind viele Leute reich geworden, 
die ihren Reichtum dann entweder zur Befruchtung der 
Industrie und des Handels verwandten oder aber durch 
Steigerung ihrer Luxusausgaben (wie ich das im ersten Band 



62 Zweites Kapitel: Der Unterhalt der Heere 

dieser Studien nachzuweisen versucht habe) einen Anreiz 
für die Entfaltung des Kapitalismus schufen. 

Mit anderen Worten: ein sehr beträchtlicher Teil des 
bürgerlichen Reichtums, der in dieser oder jener Form den 
Kapitalismus schuf, entsteht im 16., 17. und 18. Jahrhundert 
durch Steuerpacht (namentlich in Frankreich) und Zins- und 
Agiogewinne an öffentlichen Anleihen (namentlich in Holland 
und England). 

Es würde mich von dem Zentrum dieser Untersuchungen 
zu sehr abführen, wollte ich im einzelnen verfolgen, wie sich 
die Vermögensbildung auf diesen Wegen vollzogen hat. Ich 
gedenke dieses Problem in einem der folgenden Bände dieser 
Studien, der die Entstehung der Bourgeoisie zum Gegenstand 
hat, im Zusammenhange abzuhandeln und begnüge mich des- 
halb hier damit, ein paar Ziffern anzuführen, die die Richtig- 
keit der eben aufgestellten Behauptung zu erweisen vermögen. 

Sprichwörtlich war der Reichtum, war das rasche Reich- 
werden bei den französischen Traitants, bei den fermiers 
g6n6raux. 

Diderot fragte einen jungen Ehrgeizigen: „Savez-vous 
lire? — Oui. — Un peu calculer? — Oui. — Et vous voulez 
ßtre riche ä quelque prix que ce soit? — A peu pr^s. — 
Eh bien mon ami, faites-vous secr^taire d'un formier g6neral 
et continuez dans cette voie"^^ 

Zeitgenössische Urteile bestätigen zur Gentige, daß diese 
Weisung Diderots richtig war. In einer Eingabe der Assem- 
bl6e des Notables vom Jahre 1626 heißt es: „on les voit de- 
venir riches" — nämlich die „officiers de finances" usw. — 
»et opulents en peu d'annöes" ^*. 

Ein Paraphletist schreibt ^^: „U ne suffit pas aux tr6so- 
riers de gagner cent mille 6cus en un an. Ils veulent faire 
leurs commis et partisans aussi riches qu'eux." „Cela fit 
beaucoup de personnes extremement riches", urteilt der be- 
sonnene und immer gut unterrichtete Gourville. 



I. Die Heeresfinanzen 68 

Wir besitzen aber auch genug Einzelangaben, um die 
Richtigkeit solcher allgemeinen Aussprüche nachprüfen zu 
können. Es genügt hier, an die Lebensgeschichte von Männer» 
wie Bullion, Emeri, Fouquet oder auch von großen Macht- 
habern wie Mazarin zu erinnern, die wir zu gewaltigen Reich- 
tümern auf dem bezeichneten Wege aufsteigen sehen : Bullion 
hatte 1622 60000 6cus Rente; 1632 wurde er Surintendant; 
1640 (bei seinem Tode) hinterließ er eine Rente von 
700000 livres^^. Mazarin hinterließ ein Vermögen von 
60 Mill. livres usw. 

Einen ganz vorzüglichen Gesamtüberblick über den Reich- 
tum der französischen Finanzmänner gewährt die Liste der 
zu Strafen wegen unsauberer Machenschaften eingeschätzten 
„Gens d'affaire" im Jahre 1716. Die Liste »^ weist 726 Namen 
auf, die zusammen auf 147355433 livres Buße eingeschätzt 
wurden. Die einzelnen Summen schwanken zwischen 2000 livres 
und 6600000 livres, zu welchem Höchstbetrage der bekannte 
Antoine Crozat herangezogen werden sollte (in Wirklichkeit 
ist nur ein kleiner Teil der Schätzung — man nimmt an, 
etwa 20 Millionen — in die Kassen des Königs geflossen!). 
Eine Verteilung auf einzelne Steuerstufen ergibt folgendes 
Bild: Es wurden eingeschätzt auf: 

unter 50000 liv 298, 

50001—100000 liv 105, 

100001—200000 liv 127, 

200001—300000 „ 68, 

300001—400000 „ 42, 

400001—500000 „ 26, 

500001—1000000 liv 40, 

1000 001—2000000 liv 13, 

über 2 Millionen 6. 

Was an Anleihen für Kriegszwecke zu verdienen ist, zeigen 
gleichsam repräsentativ die beiden reichsten Häuser der früh- 
kapitalistischen Epoche: die Fugger und die Rothschild. 



64 Zweites Kapitel: Der Unterhalt der Heere 

Man hat ausgerechnet, daß in den Jahren zwischen 1792 
und 1816 in England 52 Mill. ^ Agiogewinne an Kriegs- 
anleihen gemacht worden sind^^. 

Die Fugger und die Rothschild, die beide ihren Reichtum 
dem Kriege verdanken, stellen die beiden Formen dar, in 
denen dieser Reichtum gebildet werden konnte; man könnte 
sie als die deutsche und die jüdische einander gegenüber- 
stellen : die direkte Darlehnsgewährung und die börsenmäßige 
Anleiheemission: Auge in Auge, persönlicher Kredit dort — 
hinter dem Rücken des „Publikums", unpersönlicher Kredit hier. 

Damit berühre ich aber schon den Punkt, wo zum anderen 
die Aufbringung der Kriegsmittel von ganz großer Bedeutung 
für die Herausbildung des Kapitalismus geworden ist, sofern 
nämlich 

2. sie die Kommerzialisierung des Wirtschafts- 
lebens befördert hat. Die ersten Weltbörsen im 16. Jahr- 
hundert sind unmittelbar aus dem Handel mit öffentlichen 
Schuldtiteln entstanden, wie uns das Ehrenberg so an- 
schaulich geschildert hat. Durch die Entwicklung des öffent- 
lichen Anleihewesens ist dann die Effektenbörse zu ihrer vollen 
Entfaltung gelangt. Der Effektenhandel und die Effekten- 
spekulation haben sich allerdings zuerst entfaltet an den 
Aktien der großen Überseehandelsgesellschaften. Aber immer 
war der öffentliche Schuldtitel daneben von Bedeutung ge- 
wesen. Unter den 44 Effekten, die in der Mitte des 18. Jahr- 
hunderts an der Amsterdamer Börse notiert wurden, waren 
25 Sorten inländischer Anleihen und 6 deutsche Anleihesorten. 
Bis zum Ende des Jahrhunderts stieg die Zahl der inländischen 
Obligationen auf 80, die der deutschen auf 30. Dann aber 
beginnt erst recht der Tanz. Emission folgt auf (Emission 
seit dem Ausgange des 18. Jahrhunderts (natürlich: siehe die 
Ziflfern, die ich über die Zunahme der Staatsschulden oben 
mitgeteilt habe). Wenn bis 1770 an der Amsterdamer Börse 
seit ihrem Bestehen für 250 Mill. fl. Anleihen aufgenommen 



I. Die Heere sfinanzen ß5 

wurden, so emittierten die Rothschilds allein in den 14 Jahren 
von 1818—1832 für 440 Mill. Mark öffentliche Schuld- 
anweisungen. 

Der Krieg hat die Börse geschaffen: zunächst, was 
wir hier feststellen, die Effektenbörse (später werden wir ihn 
auch an der Herausbildung der Produktenbörse stark beteiligt 
finden). Aber auch (seltsames Zusammentreffen!) die Juden 
haben die Börse geschaffen. Germanisches Kriegertum und 
jüdischer Geschäftssinn sind hier gemeinsam am Werke ge- 
wesen. Weil aber dieses Problem der Entstehung der Börse in 
das Kapitel „Juden" ebenso wie in das Kapitel „Krieg" hinein- 
fällt, so kann ich mich hier mit diesen wenigen Bemerkungen 
begnügen und verweise den Leser für alle weitere Belehrung 
auf mein Buch „Die Juden und das Wirtschaftsleben", wo ich 
den Prozeß der Kommerzialisierung und Verbörsianisierung 
des Wirtschaftslebens genau verfolgt habe. 

3. will ich noch auf eine Wirkung hinweisen, die ins- 
besondere die Subsidienzahlungen (an deren Durch- 
führung natürlich die Geldleute unmittelbar recht beträchtlich 
verdient haben werden) auf das Wirtschaftsleben vielleicht 
■ausgeübt haben, eine Wirkung, die, soviel ich sehe, bisher 
nur von einem Forscher beachtet worden ist^^. (Dieser aller- 
dings hat sie dann zum Mittelpunkte seiner Untersuchungen 
gemacht.) Es ist nämlich zu erwägen, bis zu welchem Um- 
fange durch die großen Barzahlungen an das Ausland, wie 
sie in den Subsidienzahlungen erfolgten, der Wechselkurs 
Englands beeinflußt worden ist. Es liegt nahe, anzunehmen, 
der Wechselkurs sei dauernd durch sie zuungunsten Englands 
bestimmt worden. Ein ungünstiger Wechselkurs wirkt aber 
bekanntlich als Prämie für die Ausfuhr. Englands Ausfuhr 
also wäre durch die fortgesetzten Bargeldauszahlungen stark 
gefördert worden, und an ihr habe sich der industrielle 
Kapitalismus in die Höhe gerankt. Tatsächlich übertrifft der 
Wert der englischen Ausfuhr den der Einfuhr in den Jahren 

Sombart, Krieg und Kapitalismus 5 



Qß Zweites Kapitel: Der Unterhalt der Heere 

von 1698—1822 um 33183171 £. Wie weit an dieser Steige- 
rung der ungünstige Wechselkurs, wie weit an diesem die 
Zahlung der Subsidiengelder schuld ist, verdiente wohl einmal 
gründlich untersucht zu werden. 

4. Daß das Hereinströmen großer Geldbeträge in ein Land, 
namentlich in der Form der Kriegsentschädigungen, 
belebend auf den Gang der kapitalistischen Entwicklung ein- 
wirken kann, ist eine zu bekannte Tatsache, als daß sie 
einer besonderen Begründung bedürfte. „Milliardensegen" — 
„Gründerzeit" sind in allen Jahrhunderten zusammengehörige 
Erscheinungen gewesen. 

IL Die Grundsätze der Heeresausrüstung 

Die Unterhaltung eines Heeres, wenn eine höhere In- 
stanz für sie sorgt, vollzieht sich immer in zwei Akten: 
Mittel werden aufgebracht, und diese Mittel werden ver- 
wandt. Der Staat (die Stadt oder in wessen Dienst sonst 
das Heer steht) dient als das Zwischenglied, das zwei Enden, 
das bedürfende Heer und den wirklichen Erhalter des Heeres, 
miteinander verknüpft. Wie die Mittel, über die der Staat 
verfügt, mit denen er das Heer unterhält, nun angewandt werden, 
entscheidet über die Art und die Größe der Wirkungen, die die 
Unterhaltung einer Streitmacht in Krieg oder Frieden auf das 
Wirtschaftsleben eines Landes ausübt. Damit wir aber die tat- 
sächliche, das heißt historische Gestaltung der Mittelverwendung 
in den europäischen Staaten des 16.— 18. Jahrhunderts klar 
und deutlich zu erkennen vermögen, müssen wir uns vorher 
die verschiedenen Möglichkeiten einer solchen Mittel- 
verwendung vergegenwärtigen. Die Mittelverwendung ist 
gleichbedeutend mit der Ausrüstung der Heere: indem der 
Staat seine disponiblen Mittel ihrer Zweckbestimmung gemäß 
verwendet, rüstet er das Heer aus. Worüber wir uns also 
Klarheit verschaffen müssen, ist die Art und Weise, wie die 



II. Die Grundsätze der Heeresausrüstung 67 

Heeresausrüstung erfolgen kann, nachdem wir vorher fest- 
gestellt haben, was unter Heeresausrüstung zu verstehen sei. 
Die Organisation der Heeresausrüstung bildet 
einen Teil der Heeresverwaltung. Sie stellt sich zur Aufgabe, 
das Heer mit allen für seine Existenz und sein richtiges 
Funktionieren notwendigen Sachgütern zu versorgen. Diese 
Sachgüter sind: 1. die Waffen; 2. die Beförderungsmittel, 
also namentlich Pferde und Wagen; 3. die Unterhaltsmittel, 
also die Nahrung, die Kleidung und die Wohnung. Je nach- 
dem es sich um die Beschaffung dieser oder jener Kategorie 
von. Saehgütern handelt, erwächst das Problem der 

Bewaffnung, 

Berittenmachung (Beförderung), 

Beköstigung, 

Bekleidung, 

Behausung 
des Heeres. 

Diese Probleme können nun nach sehr verschiedenen Grund- 
sätzen gelöst werden. Die Organisation der Heeresausrüstung 
gestaltet sich zunächst verschieden je nach der Instanz, 
der die Ausrüstung obliegt. Danach nämlich wird die 
Ausrüstung auf dem Prinzip der Dezentralisation oder der 
Zentralisation beruhen. Im Falle der Dezentralisation bringt 
jeder Krieger selber mit, was er an Sachgütern braucht: 
seine Waffen, sein Pferd, seinen Unterhalt. Zentralisiert hin- 
gegen ist die Ausrüstung, wenn die jeweilige Zentrale, der 
„oberste Kriegsherr" sagen wir heute, die Ausrüstung über- 
nimmt : wenn also der Staat die Waffen und die Beförderungs- 
mittel liefert, wenn der Staat für den Unterhalt aller Krieger 
sorgt. Dies kann er grundsätzlich wiederum auf zwei ver- 
schiedene Weisen tun : er kann entweder durch seine eigenen 
Organe, seine „Beamten", diese Fürsorge treffen. Wir sprechen 
dann : der Staat (die Stadt usw.) übernimmt die Ausrüstung 
des Heeres „in eigener Regie". Oder der Staat kann Mittels- 



58 Zweites Kapitel: Der Unterhalt der Heere 

personen mit der Ausrüstung beauftragen, die diese dann 
erwerbsmäßig, also gegen ein Entgelt, bewerkstelligen. Wir 
sprechen dann von einem „Lieferuugswesen", das der Staat 
organisiert, um das Heer auszurüsten. 

Zwischen der reinen Dezentralisation und der reinen Zen- 
tralisation gibt es Zwischenstufen verschiedenster Art. So ist 
es beispielsweise möglich, daß zwar der einzelne Krieger für 
seinen Unterhalt zu sorgen hat, daß der Staat aber Vor- 
kehrungen trifft, die dem Krieger ein sicheres und preiswertes 
Angebot gewährleisten. Oder aber weder der Staat noch der 
einzelne Krieger übernehmen die Ausrüstung; diese obliegt 
vielmehr irgendwelcher Zwischeninstanz, wie dem Obersten 
oder dem Hauptmann (sogenannte Kompagniewirtschaft). 

Die Organisation der Heeresausrüstung gestaltet sich nun 
aber so sehr mannigfaltig deshalb, weil jedes der genannten 
Organisationsprinzipien wiederum sehr verschiedene Möglich- 
keiten offen läßt, sich in den Besitz der zur Ausrüstung erforder- 
lichen Gebrauchsgegenstände zu setzen. Diese können nämlich 
entweder von demjenigen, der für die Ausrüstung zu sorgen 
hat, selber hergestellt werden. Der Staat beispielsweise kann 
die Waffen, die Uniformen, das Brot, die Pferde in seinen 
eigenen Wirtschaften erzeugen und kann dann die gebrauchs- 
fertigen Gegenstände den einzelnen Kriegern darbieten. Oder 
der zur Ausrüstung Verpflichtete: Staat, Kompagniechef, 
Einzelkrieger, verschafft sich auf irgendeine Weise die von 
anderen bereits fertiggestellten Gebrauchsgüter. 

„Verschaffen" aber kann man sich Gegenstände auf grund- 
sätzlich sehr verschiedene Weise : man kann sie dem andern, 
ohne ihm ein Entgelt dafür zu bieten, wegnehmen: das 
„System" der Ausrüstung, das auf diesem Wege zustande 
kommt, ist das der Plünderung, des Raubes. Oder man kann 
dem andern einen Gegenwert für den von ihm uns über- 
lassenen Gegenstand darreichen; man kann ihm, da der 
Gegenwert meist in Geld bestehen wird, den Gegenstand 



II. Die Grundsätze der Heeresausrüstung §9 

abkaufen. Diese entgeltliche Beschaffung kann nun wiederum 
auf zwei verschiedene Arten erfolgen: zwangsweise, so daß 
der Besitzer des bedurften Gutes keine Wahl hat, ob er es 
abtreten will oder nicht, oft auch ohne daß er den Preis 
selbst bestimmen kann : dieses System nennt man Requirierung 
(requisition, purveyance); oder freiwillig auf dem Wege des 
„freihändigen" Kaufs, bei dem dem Verkäufer der Entscheid 
über den Verkauf selbst und über die Höhe des Verkaufs- 
preises zusteht. 

Schema der Organisation der Heeresausrüstung. 

I. Die Gegenstände der Ausrüstung: . 

1. Waffen: Bewaffnung; 

2. Pferde, Wagen usw. : Beförderung (Berittenmachung) ; 

3. Unterhaltsmittel: 

a) Nahrung: Beköstigung, 

b) Kleidung: Bekleidung, 

c) Wohnung: Behausung. 

II. Die Organisation selbst unterscheidet sich: 

1. nach der Instanz, der die Organisation obliegt: 

a) Dezentralisation; 

b) Zentralisation: 
a) eigene Regie, 
ß) Lieferung; 

c) Übergangsformen; 

2. nach den Formen der Güterbeschaffung: 

a) Eigenproduktion; 

b) Aneignung genußreifer fertiger Erzeugnisse: 
a) unentgeltlich: Plünderung, Raub, 

ß) entgeltlich: 

aa) durch Zwangskauf: Requirierung, 
ßß) durch freihändigen Kauf. 
Die verschiedenen Systeme der Heeresausrüstung, wie sie 
sich je nach dem einen oder anderen Unterscheidungsmerkmal 



70 Zweites Kapitel: Der Unterhalt der Heere 

(Instanz oder Form der Beschaffung) ergeben, können sich 
nun wieder in der verschiedensten "Weise kreuzen: eine auf 
Dezentralisation beruhende Ausrüstung kann ebensogut wie 
eine auf dem Prinzip der Zentralisation aufgebaute durch 
Eigenproduktion der Güter, wie durch Plünderung, wie durch 
Requirierung, wie durch freihändigen Kauf bewerkstelligt 
werden. 

Ganz bunt gestaltet sich aber das Bild der Heeres- 
ausrüstung dadurch, daß deren verschiedene Systeme nun in 
die verschiedenen Heeresverfassungen eingeordnet sein können. 
Dadurch ergibt sich eine ungezählte Anzahl von verschiedenen 
Kombinationen. Es läßt sich auch nicht einmal sagen, daß 
bestimmte Ausrüstungsmethoden mit Notwendigkeit an be- 
stimmte Formen der Heeresverfassung gebunden seien, wenn 
auch natürlich bei einem Staatsheere leichter eine Zentrali- 
sation der Ausrüstung zustande kommen wird wie bei einem 
Privatheere; wenn auch ein Söldnerheer eher zur Erwerbung 
genußreifer Güter neigen wird als zur Eigenproduktion. Not- 
wendig gebunden ist aber kein einziges Ausrüstungsprinzip 
an eine bestimmte Heeresform (wie denn auch in der Ge- 
schichte sich alle möglichen Kombinationen tatsächlich heraus- 
gebildet haben). 

Eher erzwingt schon eine bestimmte Technik der Kriegs- 
führung eine bestimmte Methode der Ausrüstung. 

So ergibt sich aus der Verwendung von Artillerie leicht 
eine gewisse Zentralisation in der Waffenbeschaffung: eine 
Kanone kann der einzelne Krieger nicht mitzubringen ver- 
pflichtet werden, wie er verpflichtet sein kann, mit seiner 
Hellebarde oder seiner Muskete anzutreten. 

Ebenso erzeugt die Eigenart der Schiffahrt aus sieh 
heraus leicht die Nötigung zu einem Mindestmaß von Zentrali- 
sation der Beköstigung: wenn ein Schiff einen Monat lang 
auf See bleibt, so müssen die Nahrungsmittel für die hundert 
oder tausend Mann Besatzung jedenfalls im Schiffe sich be- 



II. Die Grundsätze der Heeresausrüstung 7I 

finden in dem Augenblick der Ausfahrt aus dem Hafen. 
Grundsätzlich ist auch hier das System der Dezentralisation 
anwendbar (und ist auch in der Geschichte zur Anwendung 
gelangt: auf genuesischen Schiffen im 12. Jahrhundert): das 
heißt, auch hier kann jeder Matrose und jeder Krieger zur 
Selbstbeköstigung verpflichtet sein : aber natürlich drängt sich 
in solchem Falle die Zentralisation als System der Ausrüstung 
(wenigstens eines Schilfes) mehr auf als bei einer Landtruppe, 
die sich jeden Tag ihren Unterhalt neu beschaifen kann. 

Wenn wir nun im weiteren Verlauf dieser Darstellung 
verfolgen wollen, wie sich in den letzten Jahrhunderten die 
Organisation der Heeresausrüstung entwickelt hat, und welche 
Bedeutung für den modernen Kapitalismus dieser Entwicklung 
innewohnt, so müssen wir unser Hauptaugenmerk auf die 
Zusammenhänge richten, die zwischen der Organisation der 
Ausrüstung und der Gestaltung des Marktes, das heißt also 
des Güterbedarfs, obwaltet. Insbesondere müssen wir nach- 
zuspüren versuchen, inwieweit und wodurch der Militärbedarf 
das erzeugt hat, was wir einen Massenbedarf nennen. Denn 
darin, daß durch ihn der erste große Massenbedarf ent 
standen ist, erblicke ich einen der allerwiehtigsten Einflüsse des 
Militarismus auf den Kapitalismus. Fragen wir vorher aber, was 
denn ein „Massenbedarf" sei, so erhalten wir folgende Antwort. 

Ein Massenbedarf ist entweder ein Bedarf an großen 
(zusammengesetzten, komplexen) Gütern oder ein Bedarf an 
vielen gleichartigen Gütern. Beide Arten des Massenbedarfs 
entstehen durch Zusammenballung. Diese Zusammenballung 
vollzieht sich entweder in einem technischen Prozesse: wenn 
große Kanonen, große Schifi'e, große Kasernen bedurft werden ; 
oder durch bloß organisatorische Nebeneinanderreihung 
einzelner Konsumakte: wenn die Waffen für tausend Krieger 
in einem beschafft werden statt von jedem einzeln. 

Danach ergibt sich, welche verschiedenen Faktoren auf 
die Entstehung eines Massenbedarfs, das heißt also auf 



72 Zweites Kapitel: Der Unterhalt der Heere 

die Zusammenballung einzelner Konsumakte, Einfluß ausüben 
können. Es sind: 

1. die Technik, die jeweils zur Herstellung eines be- 
stimmten Nutzeffektes die Zusammenfügung einer bestimmten 
Menge von Stoff zu einem Gebrauchsgegenstande und die 
Anwendung einer bestimmten Menge lebendiger Arbeit bei 
der Zurichtung dieses Stoffes erheischt, somit also einen 
Mindestbedarf an (Produktiv-) Gütern und Arbeitskräften zur 
Herstellung des Gegenstandes, an den die Ausführbarkeit des 
technischen Prozesses gebunden ist, erzeugt. Eine Kugel von 
bestimmtem Gewicht mittels der Explosivkraft des Pulvers 
auf eine bestimmte Entfernung schleudern kann man nur, 
wenn man eine bestimmte Mindestmenge Eisen oder Bronze 
zu einem Rohre zusammenfügt, was selbst einen bestimmten 
Aufwand an lebendiger Arbeit erheischt und einen bestimmten 
Bedarf an Rohmaterialien erzeugt; 

2. die Organisationsprinzipien. Ein Massenbedarf wird 
offenbar um so leichter entstehen, je stärker die Zentralisation 
in dem Ausrüstungswesen fortgeschritten ist. 

Ein Massenbedarf entsteht aber auch um so eher — unter 
sonst gleichen Umständen — , je größer die auszurüstenden 
Heere und Flotten sind, und je länger die Ausrüstungspflicht 
währt; ferner: je häufiger und je länger die Kriege sind, je 
weiter sich die Heereszüge und Flottenreisen von dem 
Versorgungszentrum aus erstrecken; endlich: je höher das 
Uniformierungsprinzip bei der Bedarfsdeckung entwickelt ist. 

Wenn ich nun im folgenden daran gehe, das in den 
vorhergehenden Zeilen gestellte Problem seiner Lösung näher- 
zuführen, so glaube ich, daß ich besser zum Ziel gelange, 
wenn ich den Stoff nicht einheitlich für das ganze Heerwesen 
anordne nach dem System der Wirkungen, dem wir nach- 
spüren wollen, sondern wenn ich diese Wirkungen je gesondert 
betrachte innerhalb der einzelnen Gebiete der Heeresausrüstung, 
und zwar, wie die folgenden Kapitelüberschriften ausweisen: 



II. Die Grundsätze der Heeresaiisrüstung 73 

insbesondere auf dem Gebiet der Bewaifnung, der Beköstigung, 
der Bekleidung und der Beförderung mittels Schiffen. Was 
mich zu dieser Anordnung bestimmt, ist die Erwägung, daß 
die Wirkungen, die die Armeen je innerhalb dieser einzelnen 
Gebiete der Ausrüstung auf das Wirtschaftsleben ausüben, zu 
verschiedener Natur sind, als daß man sie nicht in ihrer Zu- 
sammengehörigkeit betrachten müßte. Dem Übelstande, daß 
bei dieser Anordnung gelegentliche Wiederholungen un- 
vermeidlich sind (wenn auf verschiedenen Gebieten der Heeres- 
versorgung gleiche Wirkungen zutage treten), habe ich dadurch 
abzuhelfen versucht, daß ich die an verschiedenen Stellen 
gleich erscheinenden Zusammenhänge an einer Stelle ausführ- 
licher erörtert und an den anderen Stellen nur andeutungs- 
weise, unter Verweisung auf die Hauptstelle, behandelt habe. 

Anmerkung: Ich habe in meiner Darstellung die 
Berittenmachung (das Remontewesen) nur im Vorbei- 
gehen (bei der Besprechung des Militärlieferungshandels) 
erwähnt, die Behausung (Kasernierung) der Truppen ganz 
unberücksichtigt gelassen, weil das Material, das ich darüber 
gesammelt habe, mir keine besondere Ausbeute an eigenartigen 
Gesichtspunkten gewährte, die es gerechtfertigt hätten, diese 
beiden Gebiete der Heeresausrüstung in besonderen Kapiteln 
abzuhandeln. 



Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 



I. Das Eindringen der Feuerwaffen 

Bei der Bewaffnung der Heere und ihrer Neuordnung 
zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert spielt die Technik 
wenn auch nicht die ausschlaggebende so doch eine ent- 
scheidende Rolle. Das technische Phänomen, das den um- 
gestaltenden Einfluß ausübt, ist, wie man weiß, die Nutzbar- 
machung der im Sehießpulver gebundenen Energien zum 
Schleudern von Geschossen. Die Apparate, die diese Erfindung 
nutzbar machen, sind einerseits die Kanonen, anderseits die 
Handfeuerwaffen, beide unterschieden danach, ob der Apparat 
leicht genug ist, von jedem Krieger selbst getragen zu werden, 
oder ob zu seiner Fortbewegung größere Kräfte, als sie in 
einem Menschen gebunden sind, erheischt werden. 

Ich setze die technische Entwicklung dieser neuen Wurf- 
maschinen, die den seltsamen Namen Feuerwaffen erhalten 
haben, als bekannt voraus und mache im folgenden einige 
Angaben, die ihre Anwendung betreffen. Die Anwendung 
der Feuerwaffen hat einen sehr verschiedenen Sinn, je nachdem 
es sich um Geschütze oder um Handfeuerwaffen handelt : jene 
traten neu zu der vorhandenen Bewaffnung hinzu und ver- 
drängten höchstens die alten Belagerungsmaschinen (wie 
Sturmböcke, Steinschleudermasehinen usw.), die aber innerhalb 
des gesamten Kriegswesens nur eine untergeordnete Bedeutung 
gehabt hatten. Die Handfeuerwaffen hingegen traten an die 
Stelle der bis dahin üblichen Trutzwaffen. Ihr Vordringen 



I. Das Eindringen der Feuerwaffen 75 

bedeutete also einen Kampf zwischen alter und neuer Be- 
waffnung, was in der folgenden Darstellung gebührenden 
Ausdruck finden wird. 

/. Die Geschütze 

Es genügt, wenn wir die Zeit ungefähr abgrenzen, in der 
die Geschütze zuerst zur Anwendung gelangt sind: ihre 
fernere Geschichte, soweit sie nicht technischer Natur ist und 
also hier nicht hingehört, erschöpft sich in der quantitativen 
Zunahme dieser neuen Waffe nach Menge und Größe, worüber 
in dem Abschnitt, der die Ausdehnung des Bedarfs handelt, 
zu reden sein wird. 

Das Jahr, in dem zuerst ein „Feuergeschütz" im Kriege 
benutzt worden ist, läßt sich annähernd genau bestimmen: 
es liegt im zweiten oder dritten Jahrzehnt des 14. Jahrhunderts. 
Vielleicht ist es das Todesjahr Dantes: 1321. Die Stadt 
Mons hat 1319 schon einen „Mattre de Tartillerie" ^°°. Aber 
das Wort Artillerie hatte damals noch einen anderen Sinn, 
als es später bekam. Wir können deshalb aus dieser Be- 
zeichnung eines Waffenbeamten noch nicht mit voller Sicher- 
heit auf das Vorhandensein von Feuergeschützen schließen. 
Diese werden mit Bestimmtheit erst in der Chronik von Metz 
aus dem Jahre 1324 erwähnt ^<^^ Aus dem Jahre 1326 stammt 
dann ein Schriftstück, in dem schon von metallenen Kanonen und 
schmiedeeisernen Kugeln die Rede ist^''^ (während die erste 
gegossene Eisenkugel nach Biringuccio im Kriege Karls VIII. 
gegen Ferdinand (1495) zur Verwendung gelangt sein soll). 

Bald darauf erfahren wir von der Verwendung von Feuer- 
geschützen in einer Schlacht: 1327 bedient sich Eduard III. 
der Crakys in Schottland. Eduard soll die neue Waffe von 
Flamländern, die damals an der Spitze der Militärtechnik 
standen, erhalten haben. Von einer Verwendung der neuen Waffe 
in Flandern und Brabant selbst erfahren wir aus so früher 
Zeit nichts. Dagegen weisen nach 1360 alle Stadthausrechnungen 



76 Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

dieser Länder Kanonen auf ^°^ 1331 soll Alieantes beschossen 
sein mit „pelotas de hierro, que se lanzaron con fuego" ^"*. 

Von Schiffsgeschützen erfahren wir zuerst im Jahre 
1338: in diesem Jahre finden wir drei eiserne Kanonen und 
eine Handkanone mit Kammern unter den Ausrüstungs- 
gegenständen des „Christophe of the Tower", einem Königs- 
schiff; die „Mary of the Tower" hat eine eiserne mit zwei 
Kammern und eine bronzene mit einer Kammer; „Bernard 
of the Tower" endlich hat zwei eiserne Kanonen ^°^. Aber 
erst seit 1373 werden Kanonen, Pulver, Geschosse häufiger 
unter dem Bestände der englischen Schiffe erwähnt. 

In Deutschland war der erste, der ein Pulvergeschütz 
gebraucht hat, Herzog Albrecht IT. von Braunschweig-Gruben- 
hagen bei der Verteidigung seines Schlosses Salzderhelden im 
Jahre 1365 i°«. 

Im folgenden Jahrhundert hat schon alle Welt Kanonen: 
außer den Fürsten die Seigneurs, die Städte, die Korporationen. 
Zur vollen Entfaltung sehen wir die Artillerie am Ende des 
15. Jahrhunderts in den Armeen Karls VIII. gelangt, der 
bereits vier Geschütze auf tausend Mann rechnete. Die 
wachsende Anzahl der zur Verwendung gelangenden Kanonen 
läßt der folgende Abschnitt erkennen. 

2. Die Handfeuerwaffen 

Die erste Verwendung der Handfeuerwaffen verliert sich 
auch ins 14. Jahrhundert. Aber während des ganzen 15. Jahr- 
hunderts treten sie doch neben den alten Trutzwaffen in den 
Hintergrund. Wenn es im Reichsabsehied von 1431 heißt ^^^ : 
daß jeglicher soll „halb mit büchsen und halb mit armbrüsten, 
pfeilen, blei, pulver und was dazu gehöret" versehen sein, so 
dürfen wir annehmen, daß dies Verhältnis der Waffengattungen 
von '1:1 nicht mehr wie ein frommer Wunsch war. Selbst 
im Jahre 1467, wo ein Reichsabschied den Kampf wider die 
Türken organisiert und dieselbe Bewaffnung für das Fußvolk : 



I. Das Eindringen der Feuerwaffen 77 

die Hälfte Handbüchsen, die Hälfte Armbrüste, vorschreibt, 
wird sicher die Wirklichkeit der Vorschrift noch nicht ent- 
sprochen, wird der Anteil der Feuerwaffen viel geringer 
gewesen sein. Wir sind zu diesem Schlüsse gezwungen, wenn 
wir die Berichte des 15. Jahrhunderts lesen, die von der 
tatsächlichen Ausrüstung der Heere mit Feuerwaffen erzählen : 
unter den 80 000 (?) Mann , die 1427 das hussitische Böhmen 
tiberzogen, befanden sich etwa 200 Handbüchsen ^°^ ; unter 
1000 Mann zu Fuß, beim Zuge der Brandenburger gegen 
Stettin im Jahre 1429 waren 50 mit Handbüchsen bewaffnet ^^^ ; 
in dem Züricher Aufgebot des Jahres 1440, das aus 2770 Mann 
bestand, hatten 61 Feuergewehre. Es hieß also gewiß schon 
das Äußerste fordern, wenn in dem Aufgebot des Kurfürsten 
Friedrich von Sachsen im Jahre 1448 verlangt wird^°^: die 
Städte sollen kommen : ein Viertel mit Armbrüsten, ein Viertel 
mit Spießen, ein Viertel mit eisernen Kornheuern und ein 
Viertel mit guten Handbüchsen. Dieses Verhältnis 
der Feuer- zu den anderen Waffen 1 : 3 kehrt im 15. Jahr- 
hundert noch häufiger in den Aufgeboten deutscher Fürsten 
wieder : z. B. in dem Albrecht Achills vom Jahre 1477 (gegen 
Sagan): „ein viertel, die sollen buchsen-schützen sein""®. 

Den wirklichen Anteil der Handfeuerwaffen an der Gesamt- 
bewaflfnung (der Fußtruppen) setzt einer der besten Kenner 
der Geschichte der Handfeuerwaffen für das Ende des 15. Jahr- 
hunderts: in Spanien mit einem Drittel, in Deutsehland mit 
einem Sechstel, in Frankreich mit einem Zehntel an^". 

Erst das 16. Jahrhundert bringt den Feuerwaffen die 
Parität mit den anderen Waffen (also nun vor allem den Piken), 
das Verhältnis 1:1. Die Spanier sind es, die diesen Fort- 
schritt bewirken: das im 16. Jahrhundert auf dem Gebiete 
des Militärwesens führende Volk. Eine Epoche in der Ge- 
schichte der Handfeuerwaffen hatte das Gefecht der spanischen 
Arkebuseros bei Pavia im Jahre 1525 gebildet. Das Genie 
Albas hob dann die spanischen Truppen zum höchsten Gipfel 



78 Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

der Leistungsfähigkeit empor. Er ist der erste, der die 
Hälfte seiner Truppen mit Feuerwaffen versieht, indem er 
1. jeder einzelnen Compaiiia 20 Musketiere beigibt und 2. zu 
jedem tercio zwei überhaupt nur aus Schützen bestehende 
Kompagnien hinzufügt ^^^. 

Die übrigen Länder werden hinter diesem Verhältnis 
etwas zurückgeblieben sein: die Reichsfußknechtbestallung 
von 1570^^^ will in den §§ 220 — 222 zwar die gesamte Armee 
mit Feuerwaffen ausgerüstet sehen, wird aber, wie wir an- 
nehmen dürfen, wiederum den Mund etwas vollgenommen 
haben. Frönsperger (1573) "* rechnet auf eine Gesamtzahl von 
4000 Mann: 2500 Spieße und 1500 Feuergewehre; das wäre 
ein Verhältnis wie 5 : 3. 

Was im 16. Jahrhundert Alba, bedeutet im 17. Jahrhundert 
Gustav Adolf für die Geschichte der Handfeuerwaffen "^. Er 
beschränkte die Zahl der Pikeniere auf ein Drittel des Fuß- 
volks und ersetzte die abgehenden nur durch Musketiere, 
so daß es 1621 schon ganze Musketierregimenter gab wie 
das Regiment des Generals Banner bei Breitenfeld und etwas 
später das des jungen Grafen Thun. Aber das ganze 17. Jahr- 
hundert hindurch muß doch die Handfeuerwaffe noch um 
ihren Sieg kämpfen. Noch ein so erfahrener Kriegsführer 
■wie Montecuculi nennt die Pike die Königin der Waffen und 
erachtet bei einem Regiment von 1500 Köpfen folgende 
Waffenverteilung für richtig: 60 Offiziere, 480 Pikeniere, 
80 Schildträger, 880 Musketiere"«. 

Am Ende des 17. Jahrhunderts entscheidet eine Erfindung 
den vollständigen Sieg des Feuergewehres : das Bajonett, das 
zwischen 1680 und 1700 eingeführt wird. Es enthält die 
Lösung des Zwiespalts zwischen Stoß- und Schußwaffe, indem 
es sie beide in einer Waffe vereinigt. Gleichzeitig wird 
die schwerfällige Muskete durch die leichtere Flinte ersetzt. 
In Brandenburg-Preußen verschwinden die Pikeniere unter 
dem Großen Kurfürsten ganz"^; in Frankreich hat bis zum 



n. Die Neuordnung des Bewaffnungswesens 79 

Ende des 17. Jahrhunderts die Hälfte der Infanterie, bis zum 
Ende der Regierung Ludwigs XIV. die ganze Infanterie als 
Trutzwaffe die Flinte mit dem Bajonett ^^^. 

Die Papierpatrone wird in der brandenburgischen Armee 
1670, in der französischen 1690 eingeführt "^ 

Damit ist bei den beiden großen Militärmächten der 
Sieg der Handfeuerwaffen besiegelt. 

IL Die Neuordnung des Bewaffhungswesens 

Die „Bewaffnung" als ein organisatorischer Vorgang, das 
heißt die Art und Weise, wie der Krieger zu seiner Waffe 
kommt, kann sehr verschieden gestaltet sein, wie wir in dem 
„theoretischen" Überblick über die Möglichkeiten der Aus- 
rüstung schon erfahren haben. Ich verzeichne hier kurz die 
für uns entscheidenden Veränderungen, die das Bewaffnungs- 
wesen während der frühkapitalistischen Epoche erfahren hat. 

Der Krieger des Mittelalters, mochte er Ritter oder Land- 
stürmer oder Söldner sein, brachte der Regel nach seine 
Waffe und Wehr selbst mit. 

Das mußte sich ändern, und zwar zunächst aus rein 
produktionstechnischen, äußeren Gründen, als man aus Kanonen 
mit Pulver zu schießen gelernt hatte. Diese Waffen konnte 
der Einzelkrieger beim besten Willen nicht selbst mitbringen. 
Wir sehen deshalb frühzeitig Städte und Staaten sich um 
die Beschaffung der groben Geschütze kümmern. Den äußeren 
Ausdruck findet diese Fürsorge in der Anlage von Zeug- 
häusern oder Arsenalen, in denen die Kanonen, die man 
jeweils einer Truppe zur Verfügung stellte, aufbewahrt wurden. 
Anfangs sind es städtische, später staatliche Arsenale. So hat 
im 15. Jahrhundert die Stadt Paris ein prächtig ausgestattetes 
Zeughaus 120. ebenso die Städte Mons, Brügge^^^ 

Im 16. Jahrhundert bemühten sich die Fürsten, zahlreiche 
Arsenale zu errichten. Allen voran waren die beiden großen 



80 Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

Militärmächte der Zukunft, Frankreich und Brandenburg- 
Preußen: bis 1540 errichtet Franzi. 11 Arsenale und Maga- 
zine; schon 1535 bewundert der venetianische Gesandte 
Giustiniani die französischen Kanonen, die er höher schätzt 
als die Italiens. Am Ende des Jahrhunderts besitzt Frank- 
reich 13 Arsenale ^^^. 

Neander von Petershaiden erzählt uns in seinem „Instruk- 
tionsbuch", daß die Kurfürsten von Brandenburg im Laufe 
des 16. Jahrhunderts Zeughäuser in allen Schlössern und 
Festungen der Mark und Preußens angelegt und die nötigen 
Waffen dazu aufbewahrt hätten ^^^. Dasselbe hören wir von 
Heinrich VIII. von England, wo im Tower, in Westminster 
und Greenwich die großen Zeughäuser waren ^2*. 

Berühmt war das Arsenal der Republik Venedig, das 
uns ein deutscher Reisender, Andreas Ryff, im Jahre 1599 wie 
folgt beschreibt: „In dreyen gewaltigen langen Sälen, do ein jeder 
Sal 3 geng hat, haben sy harniss, Schitzenhauben, lange Spiess, 
halbardten, Partesanen, Sytenwehr (alle bloss onne scheiden), 
muschgeten, hocken und in Summa alle ervorderte nothdurft, 
Axen, Beyel, schöufflen, Bickel Ho u wen, Hartz-Pfanen, uff 
70 thousent man zuo fuoss" '^^. 

Welche Ausdehnung die Zeughäuser bis zum Ende des 
17. Jahrhunderts in allen europäischen Staaten gewonnen 
hatten, lehrt uns ein Blick in „Das neueröffnete Arsenal" *^^, 
das uns im vierten Abschnitt ein Verzeichnis gibt „von den 
Stellen, wo Geschütz und Ammunition verfertigt, aufbehalten 
und gebraucht wird". Auch die Übersicht, die ich weiter 
unten über die Mengen der wirklich vorhandenen und be- 
durften Geschütze gebe, wird noch einigen Aufschluß über die 
Zeughäuser Europas um jene Zeit bringen. 

Nun ist aber hier anzumerken, daß in den Arsenalen und 
Zeughäusern keineswegs nur das „grobe Geschütz" auf- 
bewahrt wurde, daß in ihnen vielmehr auch Schutz- und 
Trutzwaffen anderer Art lagen. Damit ist die Tatsache er- 



II. Die Neuordnung des Bewaffnungswesens 81 

wiesen, daß das gesamte Bewaffnungswesen in der Zeit vom 
15. bis 17. Jahrhundert von einer Tendenz zur Verstaatlichung 
ergriffen wird, da natürlich die in den Zeughäusern stapelnden 
Waffen dazu dienten, den Kriegern unentgeltlich oder gegen 
Entgelt, das bleibt sich gleich, geliefert zu werden. 

Die nachweislich erste Versorgung der Krieger mit 
Waffen durch den Staat fand bei dem nach der alten Heeres- 
folge übriggebliebenen Aufgebote der Bevölkerung statt, wenn 
ein Krieg ausgebrochen war. Der schon erwähnte Neander 
von Petershaiden bemerkt ausdrücklich, daß die Waffen in 
den Zeughäusern aufbewahrt wurden, um dieses Aufgebot aus- 
zurüsten. Ähnliche Ausrüstungen der „Defensioners" werden 
uns aus den kursächsischen Landen berichtet: 1618 wird ein 
Regiment Arkebusier Reiter in Sachsen angeworben, das die 
Waffen aus dem Zeughause in Dresden erhält ^2'^. 

Dann dehnt sich das System der staatlichen Waffenlieferung 
allmählich auf alle Truppen aus. Im 17. Jahrhundert, in dem 
so vieles Neue zur Welt gebracht wird, vollzieht sich die 
Wandlung. Wir können in jener Zeit noch deutlich die ver- 
schiedenen Übergan gszustände beobachten, die sich aus der 
Umwandlung der privaten in eine staatliche Versorgung mit 
Waffen ergeben können: 

1. Der Krieger bringt einen Teil der Waffen mit, die 

andern liefert ihm der Staat. 

Das bestimmt z. B. der Dänisclie Artikelbrief in Art. 51: es soll 
„ein jeglicher Soldat zu Fuß auf dem Musterplatze einen guten Degen, 
ein_Kürassier gleichermaßen einen guten Degen und ein Paar gute Pistolen 
und ein Arquebusier seinen Degen und eine gute Pistole mit sich bringen" ; 
dagegen : „mit den übrigen Waffen und Wehren wollen wir sie versorgen 
und soll einem Soldaten zu Fuß für seine Obergewehre in 6 Monat 
1 Monatsold abgekürzt werden, die Kürassiere sollen ihre Kürasse vor 
15 Rttlr., die Arquebusier ihre Brust- und Kückstücke . . . vor 11 Rttlr. 
annehmen" ^28_ 

Dieser Abzug vom Sold wurde die übliche Form des 
Entgeltes. 

Sombart, Krieg und Kapitalismus 6 



82 Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

2. Der Oberst beschafft die Waffen einheitlich und zieht 

den Knechten den Betrag monatsweise ab. 

In diesem Sinne schließen die Kurfürsten von Brandenburg in der 
ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts ihre Bestallungsverträge mit den 
Obersten ab. So verpflichtet sich der Oberst Hildebrand von Kracht in 
einem Bestallungsvertrag vom 1. Mai 1620, 1000 ,,teutsche Knechte" zu 
liefern: davon 600 Musketiere „mit ihren Mosqueten von einer gebühr- 
lichen Länge auch genügsamer Schwere und Kugel", 400 Pikeniere „mit 
Brust-, Hinterstück und eisernen Sturmhauben" ^2^. 

3. Die Waffen werden entweder in natura geliefert, oder 
die Soldaten bekommen ein besonderes Waffengeld. 

Das ist wohl der Sinn des Reskripts Kurfürsts Friedrich Wilhelm 
vom 24. 4. 1681, in dem es heißt: „Wir wollen auch ferner die gnädigste 
Verfügung thun, daß allen Regimentern gute zweilöthige Musqueten und 
denen, die es von nöthen haben, neue Kurtzgewehre, Pique und Schweins- 
federn, entweder aus Unsern Zeughäusern in natura gegeben oder 
ihnen die Nothturft an Gelde dazu gereichet werden solP^"." 

Daneben kommt aber das ganze 17. Jahrhundert hin- 
durch auch schon die vollständige Lieferung der Waffen durch 
den Staat vor. 

Am 4. Mai 1626 wirbt Hans Wolf von der Heyden 5 Kompagnien 
„Harquebusier-Reuter" an: Rüstungen und Bandelierröhren bekamen die 
Reiter gegen Abzug eines Monatssoldes geliefert ^^^ Im Bestallungsbrief 
für den Obersten Ehrentreich von Burgsdorf vom 6. Oktober 1644 
heißt es ^^2: „Das Gewehr anlangendt, werden Wir dasselbige der Not- 
turft nach an und beyschaffen und dafür einen Monat Spldt abziehen» 
Die Comet und Trompeten, Fahnen werden Wir auch selber undt an 
die Handt schaffen undt auch also fort bey der Musterung den Muster- 
monat an 20929 Thlr. geben und auszahlen lassen." 

Der Große Kurfürst an den Fürsten von Anhalt (Archir 
Zerbst) 10./20. September 1674^33. 

„Soviel nun anfänglich die Mundierung der wieder ge- 
nesenen 124 Reuter betrifft, darauf haben Ew. Lbd. an Unsern 
Rath und Geh. Cäramerer Heidekampfen beigehend eine Assig- 
nation auf 1800 RTlr. zu empfangen, wie Wir dann demselben 
auch die Nothdurft an Pistolen, Degen und Carabinern au» 
unserm Zeughause zu Spandow reichen lassen wollen." (An- 
zumerken ist: daß die Reiterei aus dem Zeughaus mit Waffen 
versehen wurde, war die Ausnahme.) 



IL Die Neuordnung des Bewaffnungswesens 83 

Aber die Neuordnung des Bewaffnungswesens wird uns 
doch erst dann in seiner ganzen charakteristischen Bedeutung 
verständlich, wenn wir in Erfahrung bringen, daß im Zu- 
sammenhange mit der Verstaatlichung sich gleichzeitig eine 
Vereinheitlichung in der Gestaltung der Waffen, eine Uni- 
formierung also des gesamten Waifenwesens vollzog. Wir 
wollen uns mit allem Bedacht bewußt werden, daß hiermit 
eine Ideenrichtung und ein Gebaren in die Welt kamen, 
deren kulturgestaltende Macht gar nicht hoch genug ein- 
geschätzt werden kann, die heute noch immer weiter und 
immer rascher um sich greifen und (jetzt befördert von den 
Interessen des Kapitalismus) unser gesamtes Dasein zu be- 
stimmen und zu ordnen sich nun erst recht anschicken; 
daß in jenen Gedanken die Idee der Vereinheitlichung 
unserer Gebrauchsgüter zuerst auftaucht. 

In keiner früheren Zeit des europäischen Mittelalters, ehe 
nicht die militärische Notdurft dazu antrieb, war ein Mensch 
auf den Gedanken verfallen : es sei ein wesentlicher Wert mit 
der Tatsache verbunden, daß zwei Dinge sich völlig gleich 
seien. Wie es in der Schöpfung nicht zwei völlig gleiche Gegen- 
stände gibt, so hatte auch der nach schaffende Mensch wie von 
selbst niemals etwas ebenso wieder gemacht wie vorher : jedes 
Bauwerk, jedes Kleidungsstück, jedes Möbel, jede Waffe der 
früheren Zeit beweist es uns. Wir kennen diese Launenhaftig- 
keit aller mittelalterlichen Produktion, die ja bloß ein äußerer 
Ausdruck der natürlichen Undiszipliniertheit des Menschen 
ist : auch keine Rechnung stimmt ja in einem mittelalterlichen 
Buche. Es ist hier gewiß nicht zu verfolgen, wie die innere 
Disziplinierung der mittelalterlichen Menschen zuerst in der 
Askese, im Kloster, vorgenommen wird, wie die erste Zeit- 
einteilung wahrscheinlich durch den Zwang zum regelmäßigen 
Gebet geschaffen wird. Die andere Form der Askese aber ist, 
darauf habe ich schon aufmerksam gemacht, die Erziehung 
zur militärischen Disziplin ; und einen äußeren Ausdruck findet 



84 Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

diese Disziplinierung, die ja nichts anderes als Rationali- 
sierung und Mechanisierung ist, in der Vereinheitlichung der 
vom Krieger bedurften Sachgüter, vor allem seiner Waffen. 
Einen äußeren Ausdruck und dann doch auch wieder eine 
wesentliche Förderung: innerliche und äußerliehe Unifor- ' 
mierung bedingen sich eben wechselseitig. 

Bis ins 16. Jahrhundert hinein waren Waffen und Wehr 
jedes einzelnen Kriegers von denen des andern verschieden 
gewesen: beim Ritter natürlich, aber auch beim Fußvolk, 
selbst noch bei den neuen Gewalthaufen der Schweizer, die 
noch allerhand Kurzwehren, Streitäxte, Morgensterne und vor 
allem Hellebarden führten, selbst noch als die Feuerwaffen 
aufkommen: „Kaliber, Form und Name sind in das Belieben 
derer gestellt, die sie kaufen oder machen lassen" („Calibres, 
fagons et noms 6tant selon la volonte de ceulx qui les achep- 
tent ou les fönt faire") heißt es in der Treille 1567"*. 

Das erste Beispiel einer gleichförmigen Bewaffnung 
größerer Scharen bieten wohl die langen Spieße der Lands- 
knechte im 16. Jahrhundert "^, deren Einheitlichkeit unmittel- 
bar aus der Grundidee des auf Massenwirkung hinzielenden 
modernen Truppenkörpers folgte. Entindividualisierung hier 
wie dort. 

Dann aber bietet natürlich die Feuerwaffe einen neuen, 
gleichsam produktionstechnischen Anlaß zur Uniformierung. 
Ende des 16. Jahrhunderts bieten die Augsburger Büchsen- 
macher dem Herzog Wilhelm von Bayern 900 Handrohre an, 
„so alle auf eine Kugel gerichtet" "^, was also noch un- 
gewöhnlich war. 

Nun hält der Begriff des Kalibers seinen Einzug in 
die Welt der Waffen: 1540 erfindet Hartmann in Nürnberg 
den Kalibermaßstab. Schon unter Franz I. und Heinrich II. 
'von Frankreich wird die Zahl der Kaliber bei Kanonen auf 
sechs eingeschränkt: les 6 calibres de France, die bis zum 
Ende der Regierungszeit Ludwigs XIII. in Geltung bleiben. 



III. Der Bedarf an Waffen 85 

1663 wird die Zahl der Kaliber merkwürdigerweise (man 
wollte die Fortschritte der Technik berücksichtigen) auf 17 
erhöht. Die Ordonnanz vom 7. Oktober 1732 reduziert die 
Zahl wieder auf 5 : 24, 16, 12, 8, 4 fö , entsprechend den fünf 
gleichen Arten von Lafetten ^^''. 

Die Kugeln werden ganz genau abgewogen. 1733 wird 
die Uniformierung auf alle Schußwaffen ausgedehnt : Einheit- 
lichkeit wird das Gesetz für die Flinten, die Musketen und 
die Pistolen. 

In Preußen wird ein Normalkaliber für Kanonen (3, 6, 
12, 24 ^) durch General von Linger im 18. Jahrhundert ein- 
geführt ^^^. 

in. Der Bedarf an Waffen 

Der Bedarf an Waffen, das folgt unmittelbar aus dem, 
was wir jetzt in Erfahrung gebracht haben , weitet sich aus. 
Extensiv gleichsam drängt auf seine Vermehrung hin die Ver- 
größerung der Heere und Flotten, intensiv wirkt in gleicher 
Richtung die immer bessere Ausrüstung der Truppen: tritt 
ja doch, wie wir sehen, der Bedarf an Artilleriematerial ganz 
neu zu dem schon vorhandenen Waffenbedarf hinzu. 

Gleichzeitig vereinheitlicht sich der Bedarf durch zu- 
nehmende Uniformierung und ballt sich zu immer größeren 
Massen zusammen, infolge der fortschreitenden Verstaat- 
lichung der Waffenlieferung. 

Was wir so aus allgemeinen Betrachtungen einsehen 
können, bestätigen uns die ziffernmäßigen Ausweise über die 
tatsächliche Höhe des Bedarfs, deren wir freilich gern noch 
mehrere und genauere und umfassendere hätten. Aber auch 
was wir an statistischen Angaben über den Waffenbedarf 
während der Periode, die wir betrachten, besitzen, gibt uns 
manchen Fingerzeig und gestattet uns, ziemlich sichere 
Schlüsse auf den Gesamtumfang des Bedarfs an Waffen. Vor 



86 



Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 



allem können wir mit hinreichender Deutlichkeit verfolgen, wie 
rasch und wie nachhaltig sich dieser Bedarf während der 
verhältnismäßig kurzen Spanne weniger Jahrhunderte oder 
gar Jahrzehnte ausdehnt; denn die erste entscheidende 
Steigerung fällt wiederum in das 17. Jahrhundert. 

Wie beträchtlich der Bedarf an Waffen wurde, können 
wir mit Händen greifen, wenn wir ganz kleine Fürstentümer 
oder Staatsherrschaften auf ihren Waffenbedarf hin ansehen 
und selbst in ganz beschränktem Rahmen großen Ziffern be- 
gegnen. Ich greife als Beispiel wiederum das Herzogtum 
Braunschweig-Wolfenbüttel heraus, weil wir über die ge- 
schichtliche Entwicklung seines Waffenwesens eine ganz be- 
sonders gewissenhafte und eingehende Darstellung besitzen. 
Da kostet (im 17. Jahrhundert) eine einzige Belagerung 
40426 Tlr. nur an Munition ^^^ über deren Verwendung uns 
unterrichtet folgender „Summarischer Extrakt von dem Muni- 
tionsverbrauch in der Belagerung Hildesheims, aufgenommen 
und von der Kriegs-Commission, d. d. Hildesheim 7. September 
1634, unterschrieben" : 



Pulver 




. 769 Ctr. 70 Pfd. 


Lunte 


Q 




. 628 Ctr. 


24 Pfund. -Kugeln . 


. . 3232 Stück 


18 


« 


« 


. 74 


» 


12 


n 


j) . . . 


. 304 


n 


8 


n 


« • 


. 100 


!) 


7 


n 


» 


. . 1224 


» 


3 


n 


-•) 


. 990 


jj 


2 


« 


r . . . 


. 300 


" innrfäf« 


1 


;) 


n . • . 


. 798 


r Udr Laia 
» 1 


100 


n 


-Granaten (Born 


ben) 325 


V 


50 


V 


» . . . 


. 403 


n 


6 


» 


» . . . 


. 108 


» 


3 


« 


„ . . . 


. 988 


» 



Was schon im 16. Jahrhundert als Artilleriebedarf eines 



III. Der Bedarf an Waffen 87 

kleinen Heeres (von 10000 Fußgängern und 1500 Reitern) 
angesehen wurde, ergeben folgende Aufstellungen: 

Ein Überschlag, was von Geschütz für ein Heer von 10000 Fuß- 
gängern und 1500 Reitern nötig ist, vom Jahre 1540 im Stadtarchiv zu 
Stuttgart, verlangt "* : 

4 Scharfmetzen, 4 Nachtigallen, 4 kurze und 2 lange Sängerinnen, 
4 große Schlangen, 8 Falconen, 12 Falconetten, 2 Feuerbüchsen, 2 große 
und 2 kleine Mörser. 

Das gesamte Metall: 1180 Ztr. kostet . - . 9 440 G., 

Räder und Gestell . , 2 000 „ 

Die Kugeln 2 315 „ 

600 Ztr. Pulver 8 400 „ 

Zusammen 22 155 G. 

„Notaverzeichnis, was in einem kleinen Feldzug an Geschütz ge- 
hört": 

3 Scharfmetzen (70 Pfd.) für jede 200 Kugeln 60 Ztr. Pulver, 

4 Quarten (40 „ ) „ „ 250 „ 50 „ 

4 Notschlangen (20 „ ) „ „ 300 „ 45 „ „ 

6 Feldschlangen (11 „ ) „ „ 300 „ 24 „ „ 

6 Halbschlangen ( 8 „ ) „ „ 350 „ 18 „ „ 

6 Falconet ( 6 „ ) „ „ 400 „ 12 „ 

60 Hacken, dazu 20 Ztr. Blei und 8 „ „ 

Alle Kugeln und Blei wiegen zusammen 1541 Ztr., 

Alles Pulver 892 „ 

Zum Transport gehören 66 Wagen und 330 Pferde ^*\ 

Danach läßt sich leicht bemessen, was von großen Heeren 
bedurft wurde. Um nur ein paar Ziffern zu nennen : Als die 
Artillerie Wallensteins in Schlesien zugrunde gegangen war 
(beim Antritt des zweiten Generalates) , schlug er selbst die 
zur Wiederbeschaffung nötige Summe auf 300000 fl. an^*^. 

SuUy gibt während seiner Regierung 12 Millionen Francs 
für Waffen und Munition aus **^. Und die Arsenale enthalten 
bei seinem Tode noch: 400 Geschütze, 200000 Kugeln, 
4 Millionen Pfund Pulver. 

Ein ganz besonders gieriger Waffenkonsument wurde die 
Kriegsflotte. 

Die Felicisima Armada führte mit sich: 



88 Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

2431 Kanonen, davon 1497 bronzene, 934 eiserne; 
7000 Arkebusen, 1000 Musketen (außerdem noch 10000 Piken, 
6000 Halbpiken, Schwerter, Äxte usw.). Für die Kanonen 
waren 123790 Schüsse (50 im Durchschnitt) vorgesehen^**. 

Der Bestand der französischen SchiiFskanonen versieben- 
fachte sich unter aer Regierung Colberts: er stieg von 1045 
im Jahre 1661 auf 7625 im Jahre 1683 , und zwar kam die 
Vermehrung im wesentlichen den eisernen Kanonen zugute, 
deren es 1661 erst 475, 1683 dagegen 5619 gab ^*K 

Dasselbe mächtige Emporwachsen zeigt uns die englische 
Schiffsartillerie. Der Bestand auf den Schiffen war^*^ 

1548: 2087 Kanonen 
1653: 3840 
1666: 4460 
1700: 8396 

An Munition führte ein Schiff wie der Henry Grace ä 
Dieu (also schon ein Schiff des 16. Jahrhunderts) mit sich 
4800 Pfund Serpentin- und 14400 Pfund gekörntes Pulver"'. 

Die Armierung des Sovereign of the Seas, des Pracht- 
schiffes Karls I., die aus 102 bronzenen Kanonen bestand, 
kostete £ 24753—8 sh-8 d"». 

Abermals lernen wir einen ganz neuen Zug in der Bedarfs- 
gestaltung kennen, der allem Mittelalter fremd war, und der 
offenbar aus dem Interessenzentrum der Kriegsführung in die 
Güterwelt hineingetragen wurde: das Bedürfnis einer 
raschen Befriedigung des Bedarfs. Nicht nötig zu sagen, 
daß mit diesem Streben nach Beschleunigung des Produktions- 
prozesses die Menschheit wieder einen Schritt aus ihrer natür- 
lichen Daseinsweise, aus ihrem organischen Wachsen heraus auf 
die Bahn der künstlichen und mechanischen Lebensgestaltung tat. 
Solange Produktion von Gütern eine vitale Betätigung leben- 
diger Menschen war, folgte sie ebenso den Gesetzen dieser 
blutdurchströmten Personenheiten , wie der Wachstumsprozeß 



■ III. Der Bedarf an Waffen 89 

eines Baumes oder der ZeuguDgsakt eines Tieres von den 
inneren Notwendigkeiten dieser Lebewesen Richtung, Ziel und 
Maß empfangen. Diese natürlichen Selbstverständlichkeiten 
des urwüchsigen Lebens wurden in demselben Augenblicke 
zertrümmert, als von außen her in den organischen Ablauf 
des Produktionsprozesses hineingegriffen und dessen Dauer von 
äußeren Zweckmäßigkeiten beeinflußt wurde. Es mußte eine ge- 
waltige Macht sein, die dieses natürliche Sichein and erfügen von 
Produktionsvorgang und Bedarfsgestaltung zerstören konnte, 
und die dem organischen Bedarf einen mechanisch bestimmten 
tiberordnen und von diesem aus die gesamte Produktion eben- 
falls aus ihren Bahnen zu schleudern und in der Richtung 
künstlicher Beschleunigung hineinzuzwängen vermochte. Diese 
Gewalt war das Kriegsinteresse, das sich hier in der Nach- 
frage nach Waffen äußerte. 

Man ermesse, was es für einen mittelalterlichen Menschen 
der als Produzent ein Handwerker war, bedeutete, wenn z. B. 
im März und April des Jahres 1652 die englische Regierung 
sofort 335 Kanonen verlangte; im Dezember desselben Jahres 
gar ankündigte, daß sofort 1500 eiserne Geschütze im Ge- 
wicht von 2230 t zu 26 i^ die Tonne bedurft würden und 
außerdem noch ebensoviel Wagen, 117000 Schuß Kugeln, 
5000 Handgranaten, 12000 barreis gekörntes Pulver zu 4 £ 
10 sh. Sofort! Und die Agenten liefen durch das Land und 
klopften an alle Türen der Kanonenmacher und konnten die 
plötzliche und riesige Nachfrage doch nicht befriedigen ^*^ 

Damit sind unsere Gedanken aber schon zur Betrachtung 
eines anderen Problems fortgeschritten, das uns ja am nächsten 
angeht: zu der Frage, wie die Neugestaltung des Waffen- 
bedarfs auf das Wirtschaftsleben einwirkte, inwieweit sie ins- 
besondere einen Antrieb zur Entfaltung kapitalistischer Organi- 
sationen bieten mußte. 



90 Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

IV. Die Deckung des wachsenden 
Waffenbedarfs 

Die Notwendigkeit, den wachsenden Bedarf an Waffen 
vollständig und rechtzeitig zu decken, gewinnt für die Ge- 
staltung des Wirtschaftslebens eine doppelte Art Bedeutung: 
zunächst durch die bloße Tatsache, daß die Nachfrage sich 
zusammenballt, der Absatz also sich ausweitet und dadurch 
die Möglichkeit einer kapitalistischen Organisation des Handels 
oder der Produktion geschaffen wird. Diese Wirkung übt der 
wachsende Bedarf in allen Fällen aus, wo er groß genug wird, 
mag es sich um die Fortsetzung oder Umbildung schon be- 
stehender Wirtschaftsformen oder um Neuschaffung handeln. 
In diesem auf dem Gebiete der Waffenerzeugung besonders 
häufigen Falle tritt dann als eigene Wirkung noch der Ein- 
fluß hinzu, den die Neugründungen auf die grundsätzliche 
Behandlung der wirtschaftlichen Vorgänge ausübten: daß sie 
diese in besonders starkem Maße rationalisierten. Wir sahen 
schon, wie aus dem Zentrum der militärischen Interessen sich 
ein starkes rationales Bedürfnis selbsttätig entwickelt, das 
dann sich auf die Methode überträgt, mittels deren der Sach- 
bedarf des Heeres, hier also zunächst der Waffenbedarf, be- 
friedigt wird. Wir werden dann sehen, wie die Betriebe, in 
denen Waffen hergestellt werden, die ersten sind, die ein 
modernes Gepräge tragen , wie eine Reihe höchstpotenzierter 
ökonomischer Grundsätze zuerst bei dem Handel und der 
Produktion dieser Güterkategorien auftaucht, wodurch ihre 
Beschaffung auch dann für die Entwicklung des Kapitalismus 
bedeutsam wird, wenn ihre Form etwa anfänglich nicht 
die der kapitalistischen Unternehmung, sondern des Staats- 
betriebes ist. 

Die Erzeugung der Waffen selbst bleibt zunächst 
in den Bahnen, in denen sie das ganze Mittelalter hindurch 
sich bewegt hatte. Zumal, wo es sich um Waffen handelte, die 



IV. Die Deckung des wachsenden Waffenbedarfs 91 

gleich geblieben waren : das waren also vor allem die blanken 
Waffen und auch ein Teil der Schutzwaffen. (Die stählerne 
Rüstung schrumpfte zwar stark zusammen, erhielt sich aber 
noch jahrhundertelang in Gestalt von Arm- und Beinschienen 
und namentlich als Küraß.) Für die Herstellung dieser Waffen- 
gattungen hatte sich im Laufe der Jahrhunderte ein blühendes 
Handwerk entwickelt: die Harnischmacher, Schwertfeger, 
Klingenschmiede usw., die je an bestimmten Orten zu be- 
sonderen Leistungen sich differenziert hatten: die Namen 
Toledo, Brescia, Nürnberg, Solingen, Lüttich klingen uns 
sofart im Ohre, wenn wir jener Waffenhandwerker des Mittel- 
alters gedenken. Als die Feuerwaffen aufkamen, wurden sie 
vielfach an diesen selben berühmten Mittelpunkten der Waffen- 
industrie in derselben handwerksmäßigen Weise hergestellt. 
Die Zunft, die sich dieser Produktion bemächtigte, waren die 
Büchsenmeister. Selbst die Kanonen seheinen in den An- 
fängen von kleinen Handwerksmeistern einzeln gefertigt zu 
sein, die man in Frankreich Canoniers, ouvrier en canons, 
bei uns wohl auch Büchsenmeister oder Feuerwerker nannte. 
Denn anderes als schlichte Handwerker sind offenbar die in 
den flandrischen Staatsrechnungen genannten Lieferanten von 
Kanonen im 14. Jahrhundert nicht. 

1379 werden Guill. Parools für 2 Kanonen 72 livres bezahlt; 

1402 an Pierre Chauvin, „ouvrier en canons", für 13 Kanonen usw. 
Aus den Comptes et recettes generales de Flandre. Arch. de Lille. 
Rapp. de M. Gachard. Bei M. Guillaume, Org. mil, (1847), 75. 

„Paye ä Jacot Adam, canonier demeurant ü Damme, 

pour un gros canon etc 672 liv." 

„Pay4 ä Jacques Katelare, canonier demeurant äBruges, 

pour 5 canon en fer 444 liv. 10 s." 

usw. 

Gompte de J. Abonnel, fol. 55, 183 etc. A. 1431 1. c. 100. 

Ob es sich in diesen Fällen um schmiedeeiserne Kanonen 
gehandelt hat, die in den ersten Anfängen des Geschützwesens 
vorkommen (noch im 16. Jahrhundert finden sich in dem In- 
ventar eines spanischen Schiffes neben nur 10 Geschützen 



92 Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

aus Gußeisen 31 aus Schmiedeeisen) ^^^ ist nicht zu ermitteln. 
Es ist wahrscheinlich. Obwohl auch das Gießerhandwerk 
(Glockengießerei!) seit langen Zeiten bestand, der Guß einer 
Kanone sehr wohl also auch im Rahmen des Handwerks er- 
folgen konnte. 

Aber Menge und Art der verlangten Waffen mußten doch 
im Laufe der Zeit das alte Waffenhandwerk zersprengen. 
(Daß es nicht die geographische Ausweitung des Absatzes 
war, die dem Handwerk gefährlich wurde, zeigt das Beispiel 
der W^affenindustrie besonders deutlich. Wie in so vielen 
Fällen fällt auch hier die Entwicklung zu kapitalistischen 
Formen der Produktion mit einer Tendenz zu deren Lokali- 
sierung und Nationalisierung zusammen. Das Absatzgebiet 
des mittelalterlichen Waffen band wer ks ist jedenfalls nicht 
beschränkter gewesen als das der kapitalistischen Waffen- 
industrie.) Quantum und Quäle des neuen Bedarfs führte 
den Niedergang des Handwerks herbei. Freilich, in gewissen 
Grenzen erhielt sich die handwerksmäßige Waffenerzeugung 
noch jahrhundertelang, wie sie sich wohl bis in unsere Zeit 
hinein erhalten hat. Die Klingenschmiede von Toledo und 
Brescia bewahren ihren Ruf als individualisierende Hand- 
werker, und noch im 17. Jahrhundert gibt es eine große Menge 
persönlich zeichnender Büchsenschmiede in allen Ländern 
Europas, vornehmlich in Frankreich ^^^ 

Aber das blieben die Ausnahmen. Die große Masse der 
Waffenproduktion ging dem Handwerk verloren , das weder 
so große Mengen , so rasch und so einheitlich wie verlangt 
wurde, liefern konnte, noch den Anforderungen der fort- 
schreitenden Technik, wenigstens was die Feuerwaffen angeht, 
gerecht zu werden vermochte. Ganz besonders galt das von 
dem Gewehr. Die alte Knallbüchse ohne Schäftung konnte 
allenfalls jeder Handwerker allein ohne wesentliche Hilfe 
machen. Ganz andere Ansprüche aber stellten die neuen 
Büchsen mit ihren langen, ausgebohrten und polierten Rohren, 



III. Die Deckung des wachsenden Waflfenbedarfs 93 

mit Rad- oder Schnapphahnschloß, mit Ladestock und Holz- 
schäftung. Die sachgemäße Anfertigung eines solchen Ge- 
wehres setzte eine weitgehende Spezialisation der Arbeits- 
verrichtungen und einen ausgedehnten Apparat von Arbeits- 
maschinen und Werkzeugen voraus. Zunächst wurde dem 
Büchsenschmied die Herstellung der sogenannten Platinen, 
der Bleche, aus denen man die Rohre schmiedete, abgenommen 
und den Reck- oder Zainhämmern, die man wohl auch Pla- 
tinenhammer nannte, wenn sie sich hauptsächlich mit der An- 
fertigung von Platinen befaßten, zugewiesen *^^. Eine Zeit- 
lang schmiedete dann der Büchsenmacher die ganze Büchse zu 
Ende , bis auch in diesem Teile des Arbeitsprozesses die 
Spezialisation um sich griff, die bis zum Ende des 18. Jahr- 
hunderts bis zu einer Zerlegung der Gesamtarbeitsverrichtungen 
in etwa 12 Teilverrichtungen fortgeschritten war. Schon im 
16. Jahrhundert hören wir, daß leichtere Arbeiten bei der 
Gewehrfabrikation von Frauen besorgt wurden. Damit war 
also das Gewerbe auch aus technischen Gründen für den 
Kapitalismus reif. 

Die Betriebsformen, deren sich der Kapitalismus bei der 
Aufsaugung (oder aber Ausweitung) des Waflfenhandwerks 
bediente, waren das Verlagssystem und der Großbetrieb. 

Wir dürfen annehmen, daß die Kaufleute, die den alten 
handwerksmäßigen Waffenschmieden ihre Erzeugnisse ab- 
genommen hatten, um sie auf den Märkten und Messen feil- 
zuhalten, die Organisatoren der kapitalistischen Waf f en - 
industrie namentlich dort wurden, wo sie uns als Haus- 
industrie entgegentritt. Das interessanteste und bedeutendste 
Beispiel dieser Entwicklung des alten Waffenhandwerks zum 
Verlagssystem bietet die Waffenindustrie von Suhl ^^^, die früh- 
zeitig berühmt wurde und vor der Zerstörung Suhls durch Tilly 
wohl die bedeutendste in Europa war : die größte Blüte Suhls 
fällt in die Zeit zwischen 1500 und 1634. Wir haben eine 
poetische Schilderung der Suhler Industrie vom Jahre 1600 aus 



94 Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

der Feder Joh. Wendeis, Rektors zu Suhl, der uns erzählt, 
daß damals die Suhler Gewehrhändler die Erzeugnisse des 
Ortes nach Spanien und Frankreich, nach der Schweiz und 
Venedig vertrieben; daß sie ins polnische Zeughaus nach 
Krakau, nach Wilna, nach Livland, Preußen und Danzig, be- 
sonders aber in die kaiserlichen Lande zum Krieg gegen die 
Türken Waffen geliefert hätten. Im Jahre 1634 wird Suhl 
„das Zeughaus Deutschlands" genannt. 

Leider besitzen wir aus jener Blütezeit der Suhler Waffen- 
industrie keinerlei Statistik, aus der die produzierten Mengen 
zu ersehen wären. Aber es sind doch genug Zeugnisse vor- 
handen, die uns die Größe jener ersten deutschen Waffen- 
industrie bestätigen, und die uns auch Einblick gewähren 
in die innigen Zusammenhänge, die zwischen den Heeres- 
verwaltungen und den Suhler Verlegern bestanden. Die Ziffern, 
über die die Bestellungen lauten, zeigen uns, wie weit schon 
im 16. Jahrhundert die Zusammenballung des Waffenbedarfs 
fortgeschritten war. Ich teile hier einige solcher Lieferungen 
nach Menge und Besteller mit: 

1586 bestellt Bern in Suhla (Suhl) 2000 Handbüchsen mit Luntenschloü 
und 500 Musketen mit Radschloß; 

1590 nach dem Brande dieses Jahres schickte Rudolf H. Bevollmächtigte 
aus Prag nach S. , welche „viele Tausende" Musketen bestellten, 
sehr auf Beschleunigung der Lieferung drangen und als besonderen 
Vorteil die Befreiung von allen Donauzöllen von Regensburg nach 
Wien versprachen; 

1596 liefert Simon Stöhr, der einer der größten Verleger war und dem 
wir in jenen Jahren immer wieder begegnen, der pfälzischen 
Regierung zu Neuburg binnen 14 (!) Tagen 160 Musketen mit 
Pfannenzündern und aufgehenden Pfannen samt dazu gehörigen 
Modellen, Wischern, Gabeln, großen und kleinen Pulverflaschen 
sowie 160 Schilt- und Halbhaken, auch Halbhaken mit schwarzen 
krummen Schäften nebst Zubehör; 

1600 liefert derselbe Simon Stöhr 6000 Rohre mit dem königlichen 
Wappen nach Dänemark; 

1621 im Februar meldet der Zeugmeister Buchner in Dresden, daß von 
den in Suhl bestellten 4000 Musketen 2000 angekommen seien. 



IV. Die Deckung des wachsenden Waffenbedarfs 95 

Andere ähnliche Einkäufe der sächsischen Armee kommen auch 
in den folgenden Jahren vor. 

Daß auch nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Kriege Suhl 
große Mengen Waffen liefern konnte , ersehen wir aus den Aufträgen, 
die im Anfang des 18. Jahrhunderts die preußische Heeresverwaltung 
erteilt. In der General -Kriegskassenrechnung vom 1. Juni 1713 bis 
letzten März 1715 heißt es auf S. 296: 
Nr. 35: Aprilis 1715 dem Daniel Löscher zum Voraus und 
auf die Hand auf die in Sula verdungenen 3000 Stück 
Eisern Cürasse zufolge Ordre vom 9. April 1715 . . 1000 Thli*. 
In der des folgenden Jahres auf S. 310: 
Nr. 52: July 1715 denen Livranten Löscher und 
Hoffmann zu ihrer gäntzlichen Befriedigung 
vor die zu Sula angefertigten 3000 Stück 
eysern Cürasse, welche sich in allem auf 

7739 Thlr. 3 Gr. 6 Pf. betragen .... 5739 Thlr. 3 Gr. 6 Pf. 
Ein anderes Zentrum der Waffenindustrie in Deutsehland, 
wo das Gewerbe offenbar ähnlich organisiert war wie in Suhl, 
ist auch im 17. und 18. Jahrhundert noch Nürnberg. 

Wir erfahren vor allem von Beziehungen zwischen der 
preußischen Heeresverwaltung und Nürnberger Verlegern*"*: 
General-Kriegskassenrechnung vom 1. Juni 1713 bis letzten Mai 
1715, S. 295—296: 
Nr. 31 : Marty 1715. In Abschlag derer in Nürnberg ver- 
dungenen 9000 Stück eiserne Cürasse dem p. Buirette 
von Öhlefeld zufolge Ordre vom 21. Marty 1715 . . 3000 Thlr. 
Nr. 32: Aprilis 1715, ferner an denselben zu obigem Be- 
huf der 9000 Stück Cürasse zufolge Ordre vom 

5. Aprilis 1715 1000 Thlr. 

Nr. 33: Noch an denselben zu fernerem Behufe der in Nürn- 
berg bestellten Cürasse zufolge Ordre vom 22. April 

1715 4000 Thlr. 

Nr. 34: Laut General Cassa Estats May 1715 an den p. 
Buirette von Öhlefeld abermals zum Behufe der in N. 
bestellten Cürasse zufolge Ordre vom 21. May 1713 . 8000 Thlr. 

Der Große Kurfürst an den Fürsten von Anhalt (Archiv 
Zerbst)i55. 

„Nachdem wir einen Kauffhendler von Zell Hanss Wolff Schneydern 
gndst. Befehl ertheilet 3000 Musqueten, wie auch 1000 Dragoner-Mus- 
queten, 500 Feuer Röhre und 500 Musqueten mit Feuer- und Lunten 
Schlössern, ingleichen einige Pistohlen und Carabiner dorthin zu liefern ..." 
10./20. Sept. 1674. 



96 Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

Daneben entstehen namentlich für die Erzeugung der 
Gewehre Fabriken, und zwar häufig als Staatsbetrieb. Die 
wichtigsten staatlichen Waffenfabriken in Deutschland lagen 
in Spandau, Potsdam, Neustadt-Eberswalde. 

Im 16. Jahrhundert war Deutsehland neben Italien das 
führende Land in der Waffenindustrie. Wir sehen deshalb 
die übrigen Länder ihren Bedarf größtenteils in Deutschland 
und Italien decken. 

So England, dessen Nachfrage nach Waffen vor allem seit 
Heinrich VIII. immer reger wird^^^. 

1509 verkautfen Luigi de Fava und Leonardo Frescobaldi „große Vor- 
räte" von Kriegswaffen an die englische Krone; 

1510 läßt sich Heinrich durch Pier di ca Pesaro eine Ausfuhrerlaubnis 
für 40000 Bogen aus Venedig erwirken; 

1511 werden an Luigi und Alessandro de Fava für 500 Arkebusen 
200 £ gezahlt; 

— in demselben Jahre entsendet Heinrich VIIL Richard Jerningham 
und zwei andere Edelleute nach Deutschland und Italien, um 
Waffen und Kriegsgeräte zu kaufen ; 

1513 berichtet Jerningham, daß er einen sehr vorteilhaften Handel 
in deutschen Rüstungen (Almain rivets) für 5000 Fußsoldaten in 
Mailand abgeschlossen habe; 

— um dieselbe Zeit hat Heinrich durch Wolsey mit einem Florentiner 
Kaufmann Guy de Portenary für 2000 Almain rivets abgeschlossen; 

1544 fragt Heinrich beim Dogen von Venedig an wegen Ankaufs von 
1500 Arkebusen und 1050 Rüstungen für Mann und Roß zu Brescia. 

Heinrichs lebhaftes Bemühen war aber darauf gerichtet, 
England in dem Bezug von Waffen vom Auslande unabhängig 
zu machen und Waffenfabriken im eigenen Lande zu gründen. 
Zu diesem Behufe rief er — dem Brauche der Zeit folgend — 
deutsche, französische, brabantische und italienische Waffen- 
schmiede ins Land *^'^, die offenbar gleich auf großbetrieblicher 
Basis eine englische Waffen-, insonderheit Gewehrindustrie 
aufbauten. Jedenfalls erfahren wir aus der Mitte des 18. Jahr- 
hunderts, daß mittlerweile die englischen Gewehrfabriken die 
bestorganisierten Europas geworden waren. 

Von dem Stande der Gewehrfabrikation um jene Zeit ent- 



IV. Die Deckung des wachsenden Waffenbedarfs 97 

wirft uns ein sehr guter Kenner gewerblicher Verhältnisse 
folgendes Bild^^^: 

„Wenn jemals nöthig ist, Fabriken in großen zusammen- 
hängenden Anstalten anzulegen; so ist es am meisten bey 
denen Gewehrfabriken nothwendig. Die Gewehre bestehen 
entweder aus vielerley Stücken, oder es müssen vielerley 
Arbeiten daran geschehen. Eine lange Erfahrung hat ge- 
zeiget, daß die Arbeiten, sonderlich im Feuer, viel schleuniger 
und geschickter von statten gehen, wenn einige Arbeiter nichts 
als diese, und andere nur jene besondere Arbeit verrichten, 
und einander gleichsam in die Hände arbeiten, wie solches 
sonderlich in Engelland bey denen Gewehr-Fabriken gebräuch- 
lich ist, daher auch die engländischen Waaren vor andern 
einen großen Vorzug haben. Ueberdieß kann die Arbeit in 
denen Gewehrfabriken durch Maschinen und andere Anstalten, 
die große Kosten erfordern, und also nicht eines einzelnen 
Meisters Sache sind, sehr erleichtert werden. Der Staat kann 
auch von der Güte und Gleichheit des Gewehres vor sein 
Kriegsheer um desto mehr versichert seyn, wenn alles unter 
einerley Aufsicht gearbeitet wird. Auch dieses hat man ein- 
gesehen, und die Gewehrfabriken allenthalben in großen An- 
stalten angelegt." 

Aus der nun folgenden Beschreibung ersehen wir deut- 
lich, daß die Gewehrindustrie damals bereits das Stadium der 
Manufaktur überwunden hatte und fabrikmäßig organisiert 
war. Hätte Adam Smith an dieser führenden Industrie, 
statt an der unglücklichen Stecknadelmanufaktur, seine Vor- 
stellungen von der Organisation der Arbeit gewonnen, so hätte 
er schon damals die Gründe für die Steigerung der Arbeits- 
leistungen im gesellschaftlichen Großbetriebe richtig erkannt, 
und die Lehre von der Produktivität der Arbeit wäre nicht 
für die nächsten hundert Jahre auf ein totes Geleise gefahren 
worden. 

Auch in den übrigen Militärstaaten Europas entwickelte 

Sombait, Krieg uud Kapitaliämus 7 



98 Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

sich die Waffenindustrie zu einer der ersten Industrien des 
Landes. 

In Frankreich gründete Colbert selbst mehrere staat- 
liche Gewehrfahriken , und auch Private betrieben dies Ge- 
werbe auf breiter kapitalistischer Basis: M. de Seignelay 
(1683—1690) verlieh den Adelstitel einem Fabrikanten in 
Angoumois dafür, daß er mindestens 1000 Flinten monatlich 
lieferte ^^^. Im 18. Jahrhundert gibt es zahlreiche Gewehr- 
fabriken in Frankreich. Die berühmteste war die im „Hotel 
de la maison du Roi". Sedan, St. Etienne, Verdun und 
andere Orte waren Sitze einer blühenden Waffenindustrie. 

In Schweden gelangte die Waffenindustrie im 17. Jahr- 
hundert, dank vor allem dem Bemühen Gustav Adolfs, zur 
Blüte. 1618 legt der König „Gewehrfaktoreien" an ^^°, um 
das auf den Bauernhöfen betriebene Schmiedegewerbe aus- 
zunutzen: jeder dieser Bauern war verpflichtet, wöchentlich 
eine große Muskete fertigzustellen ; er erhielt dazu das Material 
von der Krone, war abgabenfrei und wurde teils in Geld, teils 
in Naturalien bezahlt. Aus diesen „Faktoreien" entwickeln 
sich die Gewehrfabriken, so 1626 die von Norrtelje. 1640 
werden in einer Stockholmer Fabrik 10000 Musketen mit 
Lunten, 141 mit Schnapphahn und 12000 Gabeln gefertigt. 

Den Typus der Suhler „Waffenfabrik" vertritt die seit 
dem 17. Jahrhundert zu hoher Bedeutung gelangende Waffen- 
industrie von Lüttich und Umgebung, die das Rückgrat 
der belgischen Industrie seit jener Zeit gebildet hat^^^ 

In Rußland dagegen tritt die Waffenfabrikation sofort 
auf höchstbetrieblicher Basis in die Erscheinung (vorbildliche 
Fabrik- bzw. Manufakturorganisation!): in der Sestroröcker 
Gewehrfabrik waren 683 Arbeiter zur Zeit Peters des Großen 
beschäftigt; der Staatsgewehrfabrik in Tula wurden 508 Bauern- 
familien zugeteilt "2. 

Andere berühmte Gewehrfabriken staatlichen Charakters 
gab es in Klingenthal im Elsaß, Kopenhagen, Elkistuna. 



IV. Die Deckung des wachsenden Waffenbedarfs 99 

Spanien war ja im 16. Jahrhundert vielleicht der erste 
Militärstaat Europas. Sein Bedarf an Walfen war bedeutend. 
Er wurde teils durch Fabriken, teils durch Hausindustrien, 
teils im Inlande, teils im Auslande gedeckt. Die Abschlüsse 
erfolgten mit Kaufleuten oder Unternehmern in ganz großem 
Stil. Für die Lieferung von Arquebusen (arca buces) liegen 
aus dem Jahre 1538 Verträge vor mit Juan de Becinay über 
10000 Stück; mit Juan Ihäiiez aus Piacenza; mit Antön de 
Urquiroz aus Orio; mit Juan de Orbea und mit Juan de 
Hermüa aus Eibar, über 15 000 ^«s. 

Spaniens eigene Gewehrfabriken lagen in Cordova, Barce- 
lona und Helgoybar. 

Sehr früh hat eine fabrikmäßige Organisation die Ge- 
schützgießerei erfahren, zunächst als Bronzegießerei, dann 
immer mehr als Eisengießerei (wie die Statistik, die ich im 
vorigen Abschnitte mitgeteilt habe, ausweist). Die höchste 
Stufe der Entwicklung erreichte sie in England, Frankreich 
und Spanien. 

In England war im 16. und 17. Jahrhundert der Haupt- 
sitz der Geschützgießerei (wie auch der Eisenhüttenindustrie) 
Sussex. Hier saßen, wie uns Cambden berichtet^®*, zahl- 
reiche „metallici, qui magnam vim tormentorum majorum et 
alia inde conficiunt". 1603 singt Walther Raleigh der eng- 
lischen Geschützgießerei ein Loblied ^^^. Welche Ausdehnung und 
Bedeutung sie hatte (eine Produktionsstatistik fehlt natürlich 
für jene Zeit; wir müssen also auf die Größe der Leistungen 
aus Symptomen schließen), zeigt folgender Vorgang"^: 1629 
beauftragt der König Sir Sackville Crowe, sich 610 eiserne 
Kanonen in der Königlichen Gießerei, focali nostro, in unserm 
Walde von Dean in Glocestershire zu verschaffen. Der König 
beauftragt dann weiter Philipp Burlamach, an eminent mer- 
chant, diese Kanonen an die General Staaten zu verkaufen, 
um damit seine für 300000 £ im Jahre 1625 verpfändeten 
Kronjuwelen wieder einzutauschen: „Thus England was still 

7* 



100 Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

eminent for its manufaeture of iron artillerie beyond any 
country in Europe." Schon zur Zeit der Elisabeth konnte 
England Kanonen ins Ausland ausführen und tat dies (trotz 
des Verbotes der Ausfuhr !)*^^ Humes Urteil scheint also 
(wenigstens nach seiner positiven Seite hin) berechtigt, wenn 
er sagt^^^, daß zur Zeit des ersten Jakob Schiffsbau und 
Geschützgießerei die einzigen Industrien gewesen seien, in 
denen sich England ausgezeichnet habe. Er ist sogar der 
Meinung, die Engländer hätten damals allein das Geheimnis 
besessen, eiserne Kanonen zu gießen. Das ist ein Irrtum: 
eiserne Geschütze wurden im 16. Jahrhundert auch anderswo 
gegossen. Ich erinnere z. B. an die Geschützgießereien, die 
im Oberharz zu Gittelde, auf der Sophienhütte bei Goslar usw. 
die braunschweigischen Herzöge in jener Zeit begründeten 
oder zur Entwicklung brachten ^^^. Richtig ist, daß sich die 
Geschützgießerei in England zu besonders hoher Blüte ent- 
wickelte: das Eisenwerk Carron, das Eisenwerk Calcutt bei 
Bursley in Shropshire, das Eisenwerk Clyde bei Glasgow 
waren im 18. Jahrhundert als Stätten des Geschützgusses 
berühmt. Als die vollkommenste Stückgießerei galt aber damals 
die von Woolwich. Die englische Kanonenindustrie machte 
Schule im Auslande : der Engländer John Wilkinson legte im 
Auftrag der französischen Regierung eine Geschützgießerei 
und Bohranstalt zu Nantes an. Die großartige Kanonen- 
gießerei zu Petrowsadowsk in Rußland war von dem englischen 
Ingenieur Gascoigne eingerichtet worden; nach dem Muster 
von Woolwich baute der hannoversche Ingenieur Oberstleutnant 
Müller die Stückgießereien in Hannover und Stockholm "°. 
In Frankreich begegnen wir schon im Anfang des 
17. Jahrhunderts einer blühenden Kanonenindustrie auf kapi- 
talistischer Basis. Es gibt Geschützgießereien in Bordeaux, 
in Sedan Chäteaulin. Aus einer Bordeauxer Gießerei werden 
200 Geschütze an die Marine geliefert; 1027 bieten Claude 
Marigo de la Villeneuve de Quimperl6 und Michel Donnevin 



IV. Die Deckung des wachsenden WafiFenbedarfs 101 

ebenfalls 200 Kanonen aus der Gießerei von Quimperlö an "^. 
Richelieu gründet dann noch eine staatliche Geschützgießerei 
in Le Havre"^ 

Eine wesentliche Förderung erfährt aber die französische 
Kanonenindustrie wiederum durch Colbert. In Colberts Werk 
spielt der Gedanke, Frankreich in der Ausrüstung, sonderlich 
in der Bewaffnung seiner Heere, unabhängig vom Auslande 
zu machen, eine große Rolle. Daher wir ihn schon am Werke 
sahen, Gewehrfabriken zu gründen, wie er hier neue Geschütz- 
gießereien gründet (und wie wir ihn später noch zahlreiche 
Hilfsindustrien werden begründen sehen). 1661 kauft man in 
Schweden 200 000 L. Kupfer, um daraus Kanonen zu gießen "^ ; 
1663 kündigt Colbert dem König die Notwendigkeit an, 
Gießereien selbst zu bauen; 1666 beginnen seine Pläne sich 
zu verwirkliehen: die Gießereien zu Saintes, zu Rochefort 
werden begründet. Die wichtigsten sind die zu Nevers, zu 
Commercy und in der Dauphin^ geworden ^'^. 

In Spanien wurde die Geschützgießerei von Karl V. zu 
rascher Blüte gebracht: es gab Gießereien in Medina del 
Campo, Malaga, Burgos, Pamplona, Fuenterrabla, Barcelona, 
Coruna. Karl ließ Deutsche aus Innsbruck kommen, um die 
Gießerei in Spanien einzuführen. Trotz der raschen Aus- 
dehnung der einheimischen Produktion genügte sie jedoch dem 
Bedarf noch nicht, der vielmehr auch noch aus Flandern ge- 
deckt werden mußte ^''*. 

Eine berühmte Geschützgießerei hatte im 17. Jahrhundert 
Venedig, „da auf einmahl etliche Canonen können gar 
behende gegossen werden" "^. 



Neben der Erzeugung der Waffen selbst galt es die nötige 
Munition zu beschaffen. Wir sehen daher in den ver- 
schiedenen Ländern im Anschluß meist an die Geschütz- 
gießereien zunächst Kugelgießereien entstehen; dann 



102 Drittes Kapitel: Die Bewafinung der Heere 

aber vor allem Pulverfabriken, die in den meisten 
Ländern, in Deutschland, in Frankreich (seit 1572), zu den 
staatlichen Monopolindustrien gerechnet werden. 

In England gibt die Pulvererzeugung Anlaß zur [Ent- 
stehung einer großen Privatindustrie. 1562 errichten drei 
Personen Pulvermühlen und erbieten sich, der Regierung im 
großen 200 t pro Jahr zu liefern "^. Daneben bestanden wohl 
auch staatliche Pulverfabriken. Daß es sich um beträchtliche 
Mengen handelte, ersehen wir auch aus den Abschlüssen über 
Lieferung von Salpeter, dem Rohstoff für die Pulvererzeugung. 
Aus den Jahren 1509 — 1512 besitzen wir zwei Kontrakte mit 
Giov. Cavalcanti und anderen italienischen Kauf leuten, wonach 
sie für £ 3622 (das Pfund zu 6 d) Salpeter zu liefern haben "'^. 
Ein anderer Kontrakt aus dem Jahre 1547 lautet ^^^ über 
^ 10445 16 s 8V2 d. Unter der Elisabeth macht sich England 
dann auch im Bezug des Salpeters vom Auslande unabhängig 
und entwickelt eine eigene Schwefel- und Salpeterindustrie "^. 

Pulver, Salpeter und Schwefel bleiben immer Gegenstand 
eines sehr bedeutsamen Handels, der Umsätze aufzuweisen 
hatte wie wenige Zweige des Warenhandels in frühkapita- 
listiseher Zeit. Wir besitzen genaue Angaben über seine Aus- 
dehnung in Piemont im Anfang des 18. Jahrhunderts*^". 
Damals liefert z. B. die impresa Gaij einmal 14000 rubbi 
(ä 9,2 kg) Pulver zu 8 Livres den rubbio. Ein andermal 
(1706) bezieht der Bankier Gamba aus Holland für die pie- 
montesische Regierung 8691 rubbi Salnitro (Salpeter) zu 16 1. 
und 25274 rubbi Pulver zu 24 1. 



Aber die vielleicht großartigste Wirkung, die der wachsende 
Bedarf an Waffen auf die Gestaltung des Wirtschaftslebens 
ausgeübt hat, wodurch er von so bestimmendem Einfluß auf 
den Verlauf der kapitalistischen Entwicklung geworden ist, 
scheint mir die Anregung zu sein, die er für einige der 



IV. Die Deckung des wachsenden Waffenbedarfs 103 

tragenden Industrien und den Handel mit ihren Produkten 
bedeutet hat: Kupfer-, Zinn- und namentlich Eisen- 
industrie, das heißt jene Zweige der gewerblichen Tätig- 
keit, die das Rohmaterial für die Waffen lieferten. Ich denke, 
man wird sagen dürfen, daß diese Industrien ihre entscheidende 
Wendung zum Kapitalismus nahmen unter der unmittelbaren 
Einwirkung der Veränderungen, die die Heeresorganisation 
und namentlich die Bewaffnung in unserem Zeitraum erleben. 
Einen ziffernmäßigen, geschlossenen Beweis für die Richtig- 
keit dieser Behauptung zu erbringen, reichen natürlich die 
bisher wenigstens noch sehr dürftigen Materialien nicht aus. 
Die Forschung der nächsten Jahrzehnte wird vielleicht die 
fehlenden Glieder in der Kette meiner Beweisführung ergänzen. 
Einstweilen müssen wir versuchen, mit dem geringen Zahlen- 
material, das wir besitzen, nach Möglichkeit die Schlüsse zu 
rechtfertigen, die aus allgemeinen Erwägungen und im Hinblick 
auf bestimmte, erweislich richtige Tatsachen gezogen werden. 

Diejenigen Metalle, die zuerst in größeren Mengen ver- 
langt wurden, als sich der Waffenbedarf steigerte, waren Kupfer 
und Zinn. Denn aus ihnen bestand die Bronze, und aus 
Bronze wurden, wie wir sahen, in der ersten Zeit die Ge- 
schütze gegossen. Das Mischungsverhältnis, in dem die beiden 
Metalle Verwendung fanden, war ungefähr 1:9 (die fran- 
zösische Artillerie hatte vor der Revolution 11 Teile Zinn 
auf 100 Teile Kupfer, aber auch die heute als beste Mischung 
erkannte [8 : 92] war schon im 15. Jahrhundert gebräuchlich). 
Also handelte es sich vor allem um die Beschaffung von 
Kupfer, das denn auch im 15. und 16. Jahrhundert außer- 
ordentlich „gefragt" wurde und infolgedessen ganz erheblich 
im Preise stieg. 

Nach Rogers^^^ betrug der Durchschnittspreis für Bronze- oder 
Kupfergefäße (für Rohkupfer besitzen wir keine fortlaufenden Preis- 
notierungen) pro doz. Ibs. von: 

1401—1540 3 9V4, 

1541—1550 5 6, 



104 Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

1551—1560 5 7, 

1561—1570 7 71/2, 

1571—1582 8 IV2. 

Der Verkaufspreis des Kupfers, das die Fugger in Schwatz ge- 
wannen, war ^^2; 

1527 der Zentner 5 fl. 45 Kr. bis 6 fl. 15 Kr., 

1528 „ „ 5 „ 45 „ „ 6 „ 20 „ 
1531 „ „ 5 „ 30 „ „ 6 „ 15 „ 
1537 „ „ 6 „ 50 „ „ 7 „ 45 „ 

1556 „ „ 10 „ — „ „ 11 „ 45 „ 

1557 „ „ 11 » n » 12 „ „ 

Ich nehme an, die Preissteigerung sei eine Folge ver- 
mehrter Nachfrage (denn die Silberentwertung machte sich in 
diesem Jahrhundert gewiß noch nicht in dem Verhältnis 
geltend, wie in 40 Jahren die Kupferpreise steigen). Dann 
konnte aber diese Vermehrung der Nachfrage nur von zwei 
Seiten her kommen: vom Schiffsbau und von der Geschtitz- 
gießerei, da wir nicht annehmen dürfen, daß plötzlich so viel 
mehr Glocken oder kupferne Gefäße nachgefragt seien. Um 
was für beträchtliche Mengen es sich bei der Geschützerzeugung 
handelte, zeigen die Angaben über Zahl und Gewicht der 
Kanonen. Wir haben auch unmittelbare Ausweise über ein- 
gekaufte Kupfermengen: 1495 kauft die venetianische Ke- 
gierung 80000 Pfund Kupfer von deutschen Kaufleuten ein: 
zwecks Anfertigung von Kanonen ^^^. Von den großen Mengen 
Kupfer, die die französische Regierung im 17. Jahrhundert 
aus Schweden bezog, war schon die Rede. Colbert ließ aller- 
wärts Kupfer aufkaufen und ausfindig machen, heißt es in 
einer amtlichen Denkschrift: „il a pris sein ... de faire 
acheter et rechercher des cuivres de toutes parts pour la 
fonde des pi^ces de canons" *^*. 

Diese starke Nachfrage nach dem hochwertigen Metall 
machte dieses zunächst zu einem der beliebtesten Großhandels- 
artikel. Der Kupferhandel ist neben dem Salpeterhandel einer 
der wenigen Handelszweige, die schon im 15. Jahrhundert 
einen ganz großen Umsatz aufweisen. Er war in wenigen 



IV. Die Deckung des wachsenden Waffenbedarfs 105 

Händen konzentriert, und die sehr reichen Firmen, die ihn 
beherrschten, benutzten ihre Macht, um das Kupfer gelegent- 
lich „einzusperren". Vielleicht ist das Kupfer derjenige Handels- 
artikel, an dem zuerst eine „Preiskonvention" großen Stils 
versucht worden ist. Ich denke an die Abmachungen, die im 
Jahre 1498 die vier oberdeutschen Firmen Fugger, Herwart, 
Gossembrot und Paumgartner trafen, um den Kupfermarkt in 
Venedig, wo offenbar sein Mittelpunkt war, zu beherrschen ^^^ 

Zu welcher imposanten Höhe der Kupferhandel im 16. Jahr- 
hundert hinaufklomm, zeigen die Mengen Kupfer, die sich bei 
den Inventuren der Fugger auf deren Lagern vorfinden. Sie 
zeigen auch, daß die Größe dieses Hauses — soweit daran 
der Warenhandel beteiligt war — fast ausschließlich durch 
den ausgedehnten Kupferhandel bedingt wurde. Endlich be- 
stätigen uns die Ziffern, daß sich der Umsatz in Kupfer 
während des 15. Jahrhunderts tatsächlich ganz beträchtlich 
ausdehnte (wenn wir nicht annehmen wollen, daß die wachsen- 
den Mengen , die die Fugger auf ihren Lagern haben , aus- 
schließlich durch Aufsaugung kleinerer Händler gebildet worden 
seien: auch dann hätte der Kupferhandel in einem etwas 
anderen Sinne eine große Bedeutung für die kapitalistische 
Entwicklung). Bei der Bilanzaufnahme ^^^ des Jahres 1527 
beträgt das Warenkonto des Fuggerschen Hauses 380000 fl.: 
„der größte Teil" der Waren bestand in Kupfer, von dem in 
Antwerpen allein für mehr als 200000 fl. lagerte. Im Jahre 
1536 ist an Kupfer, Silber und Messing für 289000 fl. vor- 
handen. Im Jahre 1546 beziffert sich das Warenaktivum auf 
1250000 fl.; davon sind in Kupfer über 1 Mill. fl. vor- 
handen, von dem die Hälfte wieder in Antwerpen lagerte. 
1 Million Gulden stellen etwa 8 Millionen Mark Metallwert 
dar. Es wird sich kaum ein zweiter Posten von gleicher Höhe 
in der gesamten Handelsgeschichte des 16. Jahrhunderts nach- 
weisen lassen. 

Nächste Wirkung: die steigende Nachfrage nach Kupfer 



10t) Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

steigert das Interesse am Kupf erb ergbau. Dieser wird 
von den Kaufleuten und anderen reichen Leuten ins Auge 
gefaßt als ein sehr geeignetes Objekt zur Kapitalanlage. Die 
Folge ist, daß in immer weiterem Umfange der Kupferbergbau 
in die Bahnen der kapitalistischen Entwicklung hineingezogen 
wird. Alle reichen oberdeutschen Häuser: die Paumgartner, 
die Welser, die Höchstetter, die Gossembrot, die Herwart, die 
Rem, die Hang und natürlich vor allem die Fugger haben 
ihr Geld im deutschen, tiroler oder ungarischen (Silber- und) 
Kupferbergbau stecken ; während wir im ungarischen Kupfer- 
bergbau auch Krakauer Geldgeber als Unternehmer beteiligt 
finden ^". Der Kupferhandel wird in immer häufigeren Fällen 
zum Verlag: den Übergang bildet in der Regel die Ver- 
pfändung des Bergwerks abseiten des Regalherren. 

Im 17. Jahrhundert sind es auch westdeutsche Firmen, 
die mit ihrem Gelde den Kupferbergbau befruchten: so ist 
Johann von Brodeck aus Frankfurt a. M. mit 163000 fl. an 
den Kupferhütten in Ilmenau sowie an dem Mansfelder 
Kupferbergbau beteiligt ^^^. 

Daß aber der Kupferbergbau (den ich hier immer in dem 
weiteren Sinne von Bergbau und Hüttenwesen fasse) im 
16. Jahrhundert allenthalben in Europa seine entscheidende 
Wendung in der Richtung kapitalistischer (und großbetrieb- 
licher) Entwicklung vollzieht, lehren uns alle Berichte. 

Am deutlichsten können wir den Aufschwung am ungarischen Kupfer- 
bergbau während des 16. Jahrhunderts verfolgen. Dieser war Ende 
des 15. Jahrhunderts ins Stocken geraten, weil die handwerksmäßig 
arbeitenden Gewerken (wie das so oft in jener Zeit der Fall war) der 
Grubenwasser nicht Herr werden konnten. Da bildete sich eine Gewerk- 
schaft aus reichen Krakauer Bürgern mit Hans Thurzo an der Spitze zum 
Zwecke der Ableitung der Gewässer. Diese Gewerkschaft schloß mit 
den „Richtern, Rathmannen und Gemeinde" der sieben ungarischen 
Bergstädte am 24. April 1475 einen Vertrag, wonach sie sich verpflichtete, 
das Wasser aus den Sohlen zu entfernen, und als Entgelt erhielt: für 
jedes mit Erfolg arbeitende Gapel oder Kehrrad einen Wochenlohn von 
1 ungarischen Goldgulden und — ein Sechstel des geförderten Erzes. 



IV. Die Deckung des wachsenden Waffenbedarfs 107 

Bald betrieben diese reichen „Verleger", denen sich dann bekanntlich 
die Fugger zugesellten, den Bergbau selbst, legten Hütten- und Hammer- 
werke an und erzielten eine große Ausbeute: 
1495—1504 wurden gewonnen: 

190 000 Ztr. Kupfer, 

1 338 „ Messing, 
54 774 Mark Silber, 
was eine Dividende von 119 500 fl. je auf Thurzos und Fuggers Anteil 
ergab. Die Fugger wurden schließlich die alleinigen Inhaber und er- 
zielten in den Jahren 1525 — 1539 einen Reingewinn aus dem ungarischen 
Bergbau von 1 297 192 rheinischen Gulden (also einen Metallwert von 
etwa 9 Mill. Mark heut. Wahrung) ^8*. 

Das Streben der großen Militärmächte, sich in der Be- 
schaffung ihres gesamten Kriegsmaterials vom Auslande 
unabhängig zu machen, führt denn auch hier zur Entstehung 
nationaler Industrien. In E n g 1 a n d ist es wieder der Soldaten- 
könig Heinrich VIII., der die Entwicklung des Kupferbergbaus 
betreibt. Er ruft, um seine Pläne rascher zu verwirklichen, 
deutsche Kapitalisten ins Land. 1564 bildete sich unter der 
Führung der Firma David Hang, Hans Langnauer und Mit- 
verwandte und unter wesentlicher Beteiligung der höchsten 
englischen Staatsmänner und Beamten eine große Gewerk- 
schaft zur Auffindung und zum Betriebe von Bergwerken in 
England. Zunächst wurden Kupferbergwerke zu Keswick 
und Bleibergwerke zu Kolbeck (die dem Schiffsbau dienen 
sollten!) in Betrieb genommen ^^°. 

In Frankreich legt Colbert zahlreiche Kupferhütten 
und Schmelzen an^^^. 

Eine ähnliche Wirkung wie auf Kupferhandel und Kupfer- 
produktion scheint die steigende Nachfrage nach bronzenen 
Geschützen auf die Zinnindustrie und den Zinnhandel 
ausgeübt zu haben. Wenigstens beobachten wir in dem 
wichtigen Zinnbergbau Englands eine wesentliche Ausweitung 
der Produktion im 16. Jahrhundert : die Menge des erzeugten 
Zinnes, die vom 13. bis zum 15. Jahrhundert zwischen 800 
und 1000 Zinntonnen (zu 1200 engl. Pfund) geschwankt hatte, 



108 Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

steigt im 16. Jahrhundert bis auf 1600 und 1700 Tonnen. 
In diese Zeit fällt wohl auch der Übergang zur kapitalistischen 
Organisation der Bergwerke ^^^. 

Daß aber endlich der Militarismus auch bei der Geburt 
der kapitalistischen Eisenindustrie Pate gestanden 
hat, läßt sich auf verschiedene Weisen wahrscheinlich machen. 

Zunächst durch einfache rechnerische Gegenüberstellung 
des Eisenbedarfs für Waffen und Munition und der Menge 
des überhaupt erzeugten Eisens. Ich habe oben einige Ziffern 
mitgeteilt, aus denen der Bestand an Schiffskanonen in 
Frankreich und England am Ende des 17. Jahrhunderts er- 
sichtlich wird. Frankreich hat 1683 auf seinen Kriegsschiffen 
5619 eiserne Kanonen, England um dieselbe Zeit ungefähr 
8396 Kanonen insgesamt; also (nach dem Verhältnis der 
französischen Geschütze berechnet) vielleicht 6 — 7000 eiserne. 
Die Gesamtzahl der eisernen Geschütze in beiden Ländern 
(also die Feld- und Festungsgeschütze einbegriffen) wird nicht 
zu hoch mit je 8000 angenommen sein. Das Gewicht eines 
Geschützes dürfen wir mit durchschnittlich IV2 t ansetzen. 
Das ergeben Gewichtsangaben bei Bestellungen ebenso wie 
Schätzungen von Zeitgenossen, wie etwa die des Bischofs 
Wilkins vom Jahre 1648, die Beck in seiner Geschichte des 
Eisens (II, 1273) mitteilt. Also würde das Gesamtgewicht 
der Kanonen Englands und Frankreichs um jene Zeit etwa 
je 12000 t betragen haben. Dazu kommen die Kugeln. 
Rechnen wir 50 Schuß auf jede Kanone (so viel hatte die 
Armada an Bord), so gäbe das für jedes Land einen Bestand 
von 400000 Kugeln, jede Kugel nur mit 5 kg angenommen, 
ergäbe das abermals 2000 t Gewicht. Die Artillerie jedes 
Landes wöge also etwa 14000 t. Wieviel Eisen wurde nun 
in jener Zeit überhaupt erzeugt? Soviel ich weiß, besitzen 
wir für das 17. Jahrhundert keine Gesamtziffer der Eisen- 
produktion (denn die Dudley sehen Schätzungen für Eng- 
land sind meines Erachtens tendenziös und phantastisch, 



IV. Die Deckung des wachsenden Waffenbedarfs 109 

seinem propagandistischem Zwecke entsprechend), es sei denn 
die von Beck für 44 schwedische Hochöfen im Jahre 1687 
angegebene Menge von 37000 Ztr., also 1850 t. Einiger- 
maßen zuverlässige Ziffern treffen wir erst gegen die Mitte 
des 18. Jahrhunderts. Damals soll die Gesamtproduktion 
der englischen Eisenindustrie in 59 Hochöfen 17 350 t be- 
tragen haben ^^^. Allerdings hatte damals England eine 
Mehr ein fuhr von Eisen in Höhe von etwa 20000 t. Immer- 
hin: stellt man das Gewicht der Artillerie schon am Ende 
des 17. Jahrhunderts (das wir Mitte des 18. Jahrhunderts 
sicher um 50 %, also auf 21 000 t, gestiegen annehmen dürfen) 
den Gesamtproduktionsziffern für Eisen gegenüber, und mag 
man sich auch die Kanonen- und Kugelerzeugung über eine 
Anzahl von Jahren verteilt denken : daß die Armee ein über- 
ragend großer Konsument von Eisen war, lassen die Zahlen 
nicht mehr bezweifeln ; ja wohl mehr : daß sie der bei weitem 
größte, daß sie (indem wir den Bedarf der Kriegsschiffe an 
Eisen als Heeresbedarf rechnen) der einzige wirkliche Massen- 
konsument von Eisen in jenen Tagen war, in denen sich das 
Schicksal der Eisenindustrie entschied, weil es die Zeit war, 
in der sie die ersten Schritte auf dem Wege zum Kapitalismus 
machte. 

Daß diese Rechnungen den tatsächlichen Verhältnissen 
sehr nahekommen, macht eine Ziffer wahrscheinlich, die wir 
aus einer etwas späteren Zeit für den Umfang des Geschütz- 
bedarfs in England besitzen, aus der wir aber, denke ich, 
rückschließen dürfen, daß meine Annahmen für das 17. und 
frühe 18. Jahrhundert richtig sind. Um 1795 betrug der 
jährliche Bedarf an Artillerie-Eisenguß^^*: 

für Großbritannien . . . . 11000 t 

„ Indien 5600 t 

„ fremde Länder . . . 10000 t 
Zusammen etwa: 26000 t. 



HO Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

Ich kann aber noch einen anderen Umstand anführen, 
der die Bedeutung der Geschütz- und Kanonengießerei für 
die Entwicklung der kapitalistischen Eisenindustrie in ein 
noch helleres Licht rückt. Wie man weiß, ist die Überleitung 
der Eisenindustrie aus der handwerksmäßigen in die kapita- 
listische Organisation auf das engste verknüpft mit der 
Erfindung und dem Vordringen des Hochofens. Man weiß 
ebenfalls, daß die grundsätzliche Neuerung, die dieser brachte, 
in der sogenannten indirekten Eisengewinnung bestand. Diese 
indirekte Eisengewinnung war eine unmittelbare Folge der 
stärkeren Erhitzung des Eisens (durch Gebläse, die man 
mechanisch antrieb) gewesen, wodurch das Eisen in einen 
flüssigen Zustand versetzt worden war. Mit dieser Erzielung 
flüssigen Eisens hing aber wiederum die Ermöglichung des 
Eisengusses zusammen, der zuerst fast nur für die Herstellung 
von Kanonen und Kugeln (erst später und dann auch lange 
Zeit hindurch nur nebenher für Öfen und erst seit den Er- 
fahrungen, die man beim Bau des Versailler Wasserwerks 
gemacht hatte, für Röhren) Verwendung fand. Nun war also 
die Sachlage diese: Schmiedeeisen konnte man nach dem 
neuen Hochofenverfahren oder mittels des alten Luppen- 
prozesses gewinnen, Gußeisen aber nur im Hochofen. Wer 
eine Ahnung vom Wesen des mittelalterlichen Menschen hat, 
wird nun ohne weiteres zugeben, daß wenn nicht mehr als 
die Möglichkeit bestanden hätte, das neue Verfahren (den 
Hochofenprozeß) anzuwenden, dessen Einbürgerung Jahr- 
hunderte gedauert hätte, wenn sie überhaupt erfolgt wäre. 

Wollte man aber Kanonen aus dem billigeren Eisen 
(statt aus der teureren Bronze) gießen, so mußte man sich 
des Hochofens bedienen. Die zunehmende Nachfrage 
nach eisernen Kanonen wirkte also wie ein Zwang 
zur Einführung des Hochofenverfahrens in die 
Eisenindustrie. 

Endlich mag auch dieses Umstandes noch Erwähnung 



IV. Die Deckung des wachsenden Waffenbedarfs Hl 

geschehen: die Öfen für Geschützguß waren größer als die 
anderen ^^^: der Heereshedarf wirkte also auf Betriebs- 
konzentration hin. Eine Zeitlang bediente man sich, nament- 
lich in Schweden, der Doppelhochöfen, bis man den einzelnen 
Hochofen entsprechend größer baute. 

Diesen inneren Zusammenhang zwischen dem Heeres- 
bedarf an Waffen und der Entstehung der kapitalistischen 
Eisenindustrie können wir nun aber auch in den meisten 
Fällen empirisch in der Verkettung der geschichtlichen Er- 
eignisse selbst nachweisen. Soweit ich die Anfänge der 
modernen (das heißt also auf dem Hochofenverfahren auf- 
gebauten) Eisenindustrie zu überblicken vermag, bildet jedes- 
mal das Bestreben, für den Kanonenguß das nötige Material 
zu beschaffen, den Anlaß zur Überführung der Eisengewinnung 
in kapitalistische Formen. 

In Deutschland fallen die Anfänge des Eisengusses 
in das 16. Jahrhundert: damals baute man die ersten Hoch- 
öfen in Hessen ^'^ und im Saargebiete *^', während sie in 
Sachsen, in Brandenburg, am Harz zu Beginn des 17. Jahr- 
hunderts, in Schlesien 1721 aufkommen. Und die ersten 
Konsumenten sind die Zeughäuser überall. 

In Schweden, das im 16. und 17. Jahrhundert einer 
der größten Eisenproduzenten war und noch im 18. Jahr- 
hundert England mit Eisen versorgte, stellte Gustav Wasa 
die Eisenindustrie auf eine ganz neue Basis, indem er 
Geschützgießereien einrichtete und Eisenwerke, wie das 
berümte Werk bei Täberg, ausschließlich zur Lieferung des 
nötigen Gußmaterials anlegte. Im 17. Jahrhundert bringen 
dann eingewanderte Niederländer die schwedische Eisen- 
industrie auf eine noch höhere Stufe. Louis de Geer ließ in 
Finspäng zwei gekuppelte Hochöfen bauen, nur für Geschütz- 
guß. „Durch die Anlage dieser Hütte, die ausschließlich dem 
Geschützguß dienen sollte, . . . erwuchs Schweden ein neuer 



112 Drittes Kapitel: '.Die Bewaffnung der Heere 

Erwerbszweig. Die Güte des Produkts erwarb den eisernen 
Geschützen von Finspäng den Weltmarkt und trug viel dazu 
bei, den Ruhm des schwedischen Eisens zu erhöhen" ^^^. 

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts gilt die schwedische 
Eisenindustrie noch immer als die erste der Welt, die beträcht- 
liche Mengen Roheisen und Eisenfabrikate ausführte ^^^. Eiserne 
Geschütze bildeten einen wichtigen Ausfuhrartikel Schwedens. 
Die Hochöfen, die teilweise auf hoher Stufe kapitalistischer 
Entwicklung standen (sie waren hie und da mit englischem 
oder holländischem Kapital errichtet, wie uns J a r s berichtet), 
waren ursprünglich nur auf Gießerei eingerichtet, und der 
Geschützguß stand jedem anderen Guß vor. Der Staat legte 
solchen Wert darauf, daß er den Hochofenbesitzern seit 1740 
verbot, neben der Kanonengießerei Frischereibetrieb zu führen, 
damit ihr ganzes Interesse auf den Geschützguß gerichtet 
bliebe. Dadurch bildeten sich eine ganz feststehende Routine 
und ganz bestimmte Erzgattierungen aus, wodurch denn auch 
ein vorzügliches Produkt erzielt wurde 2°®. 

In Frankreich entwickelt sich eine moderne Eisen- 
industrie nicht vor dem 17. Jahrhundert: die ersten Hochöfen 
werden (um 1600) eigens für Geschütz- und Munitionsguß 
gebaut 2®^ Dann gibt Colbert auch der Eisenindustrie den 
großen Anstoß, wesentlich aus militärischen Interessen heraus, 
wie wir schon wiederholt feststellen konnten : er gründet allein 
in der Dauphin^ elf Eisenhütten und neun Stahlhämmer 202^ 
„. . . il a fait Tötablissement des forges et fourneaux pour 
fondre les canons de fer, ce qui ne s'6tait point encore 
vu dans le royaume"^"^ 

Besonders deutlich tritt bei der Entstehung der Eisen- 
industrie in England undSchottland der Zusammenhang 
zwischen Militarismus und Kapitalismus zutage. Der Haupt- 
sitz der englischen Eisenindustrie im 16. und 17. Jahr- 
hundert ist Sussex, wo schon unter Elisabeth große Vermögen 



IV". Die Deckung des wachsenden Waffenbedarfs 113 

erworben werden. Das Eisen von Sussex wurde aber zum 
guten Teil in Kanonen und Kugeln verwandelt und nahm in 
jener Zeit sogar noch in dieser Gestalt seinen Weg ins Aus- 
land. Sir Thomas Leighton und Sir Henry Neville hatten 
für Geschützausfuhr Patente von der Königin. Vor 1592 
sollen von 2000 t gegossenen Geschützen 1600 heimlich ins 
Ausland gegangen sein 2°*. 

Im 17. Jahrhundert, als der Bedarf an Geschützen in 
England selbst ständig zunahm, wurde die Produktion von Sussex 
im Lande verbraucht (und mehr dazu, wie wir sahen). Aber 
■die enge Beziehung zwischen Geschützgießerei und Blüte der 
Eisenindustrie blieb bestehen 2*^^. 

Das andere Land Großbritanniens, dessen Eisenindustrie 
«ich erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts entwickelt und 
dann natürlich gleich auf breiterer kapitalistischer Basis, ist 
Schottland. Hier wird die erste Konzession zur Anlage 
eines Hochofenwerkes für Gußeisen (die Schmiedeeisenindustrie 
datiert in Schottland erst vom Jahre 1836) im Jahre 1686 
erteilt. Sie wird mit folgenden Worten eingeleitet, die, wie 
mir scheint, eine glückliche Bestätigung der Richtigkeit 
meiner ganzen Beweisführung enthalten, weshalb ich sie in 
extenso hersetze 2°^: 

His Majesty and Estates of Parliament, taking into 
consideration the great advantage that the nation may have 
by the trade of Founding, lately brought into the Kingdom 
by John Meikle, for casting of balls, cannons and 
ether such useful Instruments, do, for encouragement 
to him, and others in the same trade, Statute and ordain, 
that the same shall enjoy the benefit and priviledges of a 
Manufacture in all points as the other Manufactures newly 
erected are allowed to have by the laws and Acts of Parlia- 
ment, and that for the space of nineteen years next following 
the date hereof. Also: „zum Gießen von Kugeln, Kanonen und 

Sombart, Krieg und Kapitalismus 8 



114 Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

anderen solchen nützlichen Instrumenten" wird die schottische 
Eisenindustrie ins Leben gerufen, deren größtes Werk Jahr- 
zehnte und fast ein Jahrhundert lang die Carron Ironworks 
gewesen sind, die sich in der ersten Zeit fast ausschließlich 
mit der Herstellung von Geschützen beschäftigt haben 2®'^. 
Der bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts üblichste Geschütz- 
typ der englischen Artillerie trug den Namen „Carronade" 
zu Ehren des Werkes, der ihn zuerst hergestellt hatte. 

Erwähnt muß schließlich noch werden, daß in Deutschland 
jedenfalls die oberschlesische Montanindustrie den 
militärischen Interessen hauptsächlich ihre Entstehung ver- 
dankt. Als Friedrich M. im Jahre 1754 und 1755 die Hoch- 
ofen- und Frischfeueranlagen Malapane und Kreuzburger 
Hütte erbauen ließ, leitete ihn vor allem der Wunsch, 
dadurch Artilleriematerial für die schlesischen Festungen her- 
stellen zu lassen. Und in dem Berichte, den die Bergbehörden 
1781 dem Könige einreichten, in dem eine Neuordnung des 
oberschlesischen Berg- und Hüttenwesens angeregt wird, steht 
unter den Vorteilen, die Sr. Majestät aus einer Hebung der 
Montanindustrie erwachsen würden, an erster Stelle ^®^: 
„daß es alsdann an den für Höchstdero Arm6e erforderlichen 
Kriegsbedürfnissen an Eisen, Kupfer, Blei, Zinn, Schwefel 
und Salpeter nie im Laude fehlen kann." 
Aber nicht nur die Roheisenbereitung empfing ihre 
stärkste Anregung zum Übergang in ein höheres Entwicklungs- 
stadium durch die Bestellungen der Heeresverwaltungen: in 
gleich hohem Maße wurde auch die Eisenverarbeitung 
durch die Anforderungen der Geschützfabrikation wesentlich 
beeinflußt. Ja, man darf getrost wieder sagen, ohne sich der 
Übertreibung schuldig zu machen, daß die Fortschritte, die 
auf dem Gebiete der Eisenverarbeitung vom 16. — 18. Jahr- 
hundert gemacht wurden, und die vor allem dazu beitrugen,, 
die kapitalistische Eisenindustrie zur Entfaltung zu bringen^ 
dem Bedürfnis nach besseren Kanonenrohren entsprungen sind. 



IV. Die Deckung des wachsenden Waffenbedarfs 115 

Ich denke zunächst an die Herstellung gußeiserner 
Erzeugnisse zweiter Schmelzung, die sich seit dem 
17. Jahrhunderte einbürgerte, und deren grundsätzliche Be- 
deutung vor allem darin bestand, daß bei dem Umschmelzen 
von Guß- und Roheisen in den Flammöfen zuerst die Ver- 
wendung von Steinkohle als Brennmaterial glückte, 
lange ehe es gelang, Eisenerze mit ihrer Hilfe zu schmelzen. 
Allerdings taugte das Flammofenschmelzen nicht für alle Arten 
von Gußwaren, aber gute Kanonenrohre konnte man damit her- 
stellen. Und das war die Hauptsache. Der Zusammenhang 
zwischen dem wichtigsten Fortschritt in der Eisenverarbeitung 
und dem Heeresbedarf liegt offensichtlich zutage. Der beste 
Kenner dieser Dinge urteilt denn auch wie folgt ^o^: „Der 
Geschützguß hat mit am meisten zur Förderung der Technik 
der Eisengießerei beigetragen ; er gab auch die Veranlassung 
zur Einführung des Flammofenschmelzens." 

Ebenso bedeutsam für die Entwicklung der Eisenindustrie 
war die Verbesserung der eigentlichen "Werkzeugmaschinen 
zur Bearbeitung des Eisens, namentlich der Bohr- und 
Drehbänke: Dampfmaschine und Zylindergebläse waren in 
ihrer Wirksamkeit abhängig von der Möglichkeit, große 
Zylinder auszubohren. In dieser Kunst waren gegen das 
Ende des 18. Jahrhunderts die Engländer allen übrigen 
Nationen voran, und diese Überlegenheit hatten sie sieh bei 
der Kanonenherstellung erworben: „DieMetallbohr- und 
Drehbänke haben ihre Entwicklung zunächst der 
Geschützfabrikation zu verdanken. Das Ausbohren 
der Kanonen war das Problem, an dem sich die Bohrkunst 
hauptsächlich entwickelt hat" (Beck). Schon im 16. Jahr- 
hundert hat Biringuccio in seiner Pirotecnica das Aus- 
bohren der Kanonen mit Hilfe eines "Wasserrades beschrieben. 
Die von ihm dargestellte Bohrmaschine, die schon horizontal 
bohrte, ist dann mehrfach verbessert worden und wurde im 
18. Jahrhundert von dem Schweizer Maritz zu der Vollendung 



llß Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

gebracht, in der sie die Entwicklung des Maschinenwesens im 
19. Jahrhundert ermöglichte. Maritz wurde 1740 zum Inspektor 
des Geschützwesens in Frankreich berufen : ausschließlich am 
Kanonenmaterial hat er sein technisches Können betätigt. 
Maritz wurde zum Reformator der französischen Artillerie- 
werkstätten, indem er das Gießen ohne Kern und das Bohren 
aus dem Vollen mit horizontalen Bänken einführte ^^^ 



117 



Viertes Kapitel: Die Beköstigung 
der Heere 



I. Die Verpflegung ssysteme 

Wir werden gut tun, wieder Landheer und Marine ge- 
sondert zu betrachten, da die Verpflegung ihrer Truppen doch 
zu viel innere Verschiedenheiten aufweist, um sie in einem 
zu betrachten. 

Das ganze Mittelalter hindurch bis tief in die neuere Zeit 
hinein war es bei den Landtruppen die Regel, daß jeder 
Krieger für seinen Unterhalt selbst sorgte oder daß die 
Nächststehenden ihn mit Unterhaltsmitteln in natura ver- 
sahen, ganz gleich ob es Reiterheere oder Fußheere, ob 
Aufgebots- oder Söldnertruppen waren. 

Um ein paar Beispiele aus der Zeit des späten Mittel- 
alters (15. Jahrhundert) herauszugreifen: Die Verpflegung 
des Schweizer Aufgebotsheeres lag den Gemeinden ob, in 
denen sie aber dezentralisiert war. In Bern gab es 17 Stuben 
oder Gesellschaften, die ihren Mitgliedern die Verpflegung 
gaben ^". Neben der mitgegebenen und gelieferten Ver- 
pflegung mußte der Unterhalt im Feldlager durch freien Ein- 
kauf gedeckt werden. 

Die Ordonnanzkompagnien Karls des Kühnen (1471) 
mußten sich selbst beköstigen, auch auf dem Marsch ^i^. 

Das galt selbstverständlich auch von allen auf Zeit an- 
geworbenen Söldnertruppen. 

Es ist der Zustand, der noch zur Zeit Wallensteins 
herrscht 2^^. 



118 Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

Die Obersten des Wallensteinschen Heeres empfingen 
Verpflegungsgelder, die sie den Soldaten auszahlten: diese 
sollten damit ihren Unterhalt bestreiten. Die Verpflegungs- 
gelder selbst wurden von den umliegenden Landschaften 
mittels Kontribution eingezogen. Was dem Systeme Wallen- 
steins seine besondere Note gab, war nur das brutale Zu- 
greifen, war die rücksichtslose Gewalthaftigkeit. Konnte 
oder wollte der Quartiergeber nicht zahlen, so nahm man 
sich eben, was man brauchte; das Geldlöhnungs-Kaufsystem 
ging dann in ein Natural - Beutesystem über: „Im Fall die 
Bürgerschaft und Untertanen mit dem Gelde nicht aufkommen 
könnten, wird denselben anheim gestellt, die gemeinen Offiziere 
und Soldaten mit Viktualien zu unterhalten," heißt es in 
Wallensteins Verpflegungsordnung vom Jahre 1629, die mit 
der des Generals Tilly von 1623 in den entscheidenden Punkten 
übereinstimmt. Soweit nicht Wallenstein selbst Proviant von 
seinen Gütern (die vom Kriege verschont blieben!) herbei- 
schaffen ließ, wovon noch die Rede sein wird, war auch dieses 
Verpflegungssystem noch durchaus privater Natur und grund- 
sätzlich dezentralisiert. 

Mit der fortschreitenden Verstaatlichung der Heere wird 
die Regelung des Verpflegungswesens nach und nach auch als 
eine Aufgabe des Staates anerkannt. Schon frühzeitig be- 
gegnen wir Organen der Staatsgewalt, die eigens dazu 
ernannt werden, um (ganz vag ausgedrückt) zunächst nur eine 
Aufsicht über das Verpflegungswesen der Truppen auszu- 
üben. 

Am frühesten natürlich wieder in Frankreich 2". Hier 
besteht ein „Kriegskommissariat" seit dem 14. Jahrhundert. 
In der Deklaration vom 28. Januar 1356 werden 12 „Commis- 
saires" eingesetzt, von deren Funktionen wir freilich nur eine 
recht dunkle Vorstellung haben. Mit der materiellen Seite des 
Verpflegungs Wesens werden später die „Commissaires ordonna- 
teurs" noch besonders betraut. 1470 erfahren wir von „agents 



I. Die Verpflegungssysteme 119 

charg6s de veiller ä rapprovisionement de rarmöe"; 1557 von 
„2 surintendants et commissaires g6ii6raux", unter denen 2 
Commissaires in jeder Provinz stehen; ferner gibt es „commis 
aux vivres, charch^s d'ötablir des magasins sur le passage 
des troupes et d'acheter les objets nöcessaires ä la subsis- 
tance des armöes et ä Tavitaillement des places fortes" 
(Ord. von 1557). Die vollständige Ordnung erfährt dann das 
französische Intendanturwesen unter Richelieu in den Jahren 
1627 und 1631. Die „Commissaires de guerre" werden in der 
späteren Zeit ein teures Kaufamt, das nicht immer in der 
gewissenhaftesten Weise ausgeübt wurde. 

Ähnliche Auf sieh ts-, Kontroll- und Verwaltungsbehörden, 
deren Funktionen freilich ganz verschieden waren, je nach 
dem (materialen) Verpflegungssystem, das jeweils herrschte, 
entstanden in allen Militär Staaten. 

England schuf sein „Victualling Department" (1550); 
Preußen seinen Generalproviantmeister, der dem General- 
Kriegskommissarius unterstellt ist (1657) usw. Beim Ausbruch 
eines Krieges wurden vom Kriegsminister einige Kriegsräte 
aus den Kriegs- und Domänenkammern ernannt, um die Ver- 
pflegung der Truppen zu besorgen. Diese bildeten das „Feld- 
Kriegs-Kommissariat der königlich-preußischen Armee" ^^^ 

Uns interessieren an dieser Stelle diese Schöpfungen 
eigener Organe für das Verpflegungswesen nur als Ausdruck 
der Tatsache, daß dieses nunmehr von der Staatsverwaltung 
auch materiell mehr oder weniger in den Kreis ihrer ordnenden 
Tätigkeit gezogen wird. Welcher Art diese ordnende Tätig- 
keit war, müssen wir nun erst in Erfahrung bringen. 

Überall, soviel ich sehe, beginnt die Staatsgewalt die Rege- 
lung des Verpflegungswesens mit einer Art von indirekter 
Fürsorge: Die Beamten des Königs oder der andern Obrig- 
keit wachen darüber, daß die für den Unterhalt der Truppen 
notwendigen Lebensmittel in hinreichender Menge, guter 
Qualität und zu zivilen Preisen dem einkaufenden Soldaten 



120 Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

zur Verfügung stehen. Von einer solchen Fürsorge erfahren 
wir im 15. Jahrhundert bei dem Schweizer Aufgebot, von dem 
schon die Rede war 2^^. Wir hören davon noch früher in 
Frankreich ^^''. Sie begegnet uns bei den Heeren des Dreißig- 
jährigen Krieges ^^^. 

Aber frühzeitig wurde die Mitwirkung des Staates bei 
der Beköstigung der Truppen doch eine inhaltlich helfende. 
Der Fürst hatte, wie wir sahen, von alters her eine Leib- 
wache : für deren leiblichen Unterhalt mußte er selbst sorgen. 
Er mußte ferner die Festungen verproviantieren. Er mußte 
die Truppen mit Lebensmitteln versehen, die er über See 
sandte. So sehen wir abermals schon im Mittelalter den 
König von Frankreich am Werke, durch die Bailles und 
S6n6chaux Lebensmittel aufkaufen zu lassen, die er für die 
eben genannten Zwecke verwandte : schon im 14. Jahrhundert 
werden die „Commissaires aux vivres" damit betraut, den 
Proviant zu vereinigen und nach Anordnung des Königs an 
die verschiedenen Stellen abzuführen. Die Magazine, in denen 
der Proviant für eintretenden Bedarf aufgestapelt wurde, 
erhielten den Namen „Garnisons" ^^^. 

Daneben finden wir frühzeitig öffentliche Körperschaften 
vom Staate damit beauftragt, für den Unterhalt der Truppen 
zu sorgen : die Ordonnanzkompagnien Karls VIL wurden von 
den Provinzen in natura verpflegt: jede „Lanze", die aus 
vier Kombattanten zu Pferde und zwei Knappen oder Knechten 
bestand, erhielt: jeden Monat zwei Hammel, einen halben 
Ochsen oder eine halbe Kuh oder ein Äquivalent in Fleisch 
anderer Art; jedes Jahr vier Schweine; jeder Mann ferner 
im Jahre zwei Pipen Wein, IV2 Last Getreide und schließlich 
jeder homme d'armes für sich und sein Gefolge: monatlich 
20 1. für Beleuchtung, Gemüse, Zutat (Gewürz) und anderen 
kleinen Bedarf. Für jedes Pferd wurden 12 Lasten (Charges) 
Hafer und vier Karren Stroh und Heu geliefert ^^^ 

Bei der zunehmenden Erstarkung des Staatsgedankens 



I. Die Verpflegungssysteme 121 

konnte es nicht ausbleiben, daß der Fürst auf die Idee verfiel, 
nachdem er sein Heer verstaatlicht hatte, nun auch das ge- 
samte Verpflegungswesen zu verstaatlichen. Es scheint, als ob 
das System der Verpflegung der Truppen durch den 
Staat zu voller Entwicklung zuerst in Spanien während des 
17. Jahrhunderts gelangt sei. Von hier fand es Verbreitung 
auch in anderen Staaten, wie in Brandenburg-Preußen. Hier 
sehen wir es bis zur Zeit des Großen Kurfürsten in der Form 
der „Speisung", d. h. der Verpflegung durch den Quartierwirt 
in Übung. 

Einer der besten Kenner der „alten Armee" gibt folgendes Bild 
von der Art und Weise, wie die Truppen unter Georg Wilhelm unter- 
halten wurden 2*1: 

„An Löhnung (Lehnung) erhält der Musketier alle 10 Tage 
1 Taler, wovon er leben muß. Sie wird oft zum Teil oder ganz in 
Lebensmitteln oder durch , Speisung', d. h. Verpflegung durch die 
Quartierwirte ersetzt. Der Ausdruck ist daher häufig mißverstanden 
worden. Die drei Löhnungen sind Abschlagszahlungen auf den 
monatlichen Sold (1631 auf die Kompagnie 1800 Tlr.), von dem außer- 
dem Gewehr, Kleidung, event. auch Pferdehaltung, kurz die ganze 
Kompagniewirtschaft zu bestreiten ist. Der verbleibende Betrag 
wurde meist zunächst einbehalten (1631 also 600 Thlr.) und dient später 
zur Gegenrechnung für die vom Staate gelieferten Waffen, für über- 
hobene Zehrung, Erpressungen usw. Der Ausdruck Traktament ist all- 
gemein und bedeutet nach Umständen Sold oder Löhnung. Ganz zu 
trennen ist für Georg Wilhelms Zeiten der Servis (Holz, Licht usw.), 
den der Quartiergeber leistete oder in Geld ablöste." 

Dieses System der vollen Verpflegung durch den Staat 
hielt sich jedoch nicht lange. Die Schwierigkeiten der Durch- 
führung, die damit für die bequartierten Gegenden verknüpften 
Unzuträglichkeiten bestimmten schon den Großen Kurfürsten 
dazu, die Speisung der Armee wieder zu beseitigen, die Geld- 
zahlung wieder an die Stelle zu setzen. Friedrich Wilhelm I^ 
suchte noch mehr die fiskalische Naturalverwaltung zu be- 
schränken: die Regimenter, Kompagnien und die einzelnen 
auf feste Geldeinnahmen zu setzen, mit denen sie auskommen 
mußten. So bildete sich im Laufe des 17. und 18. Jahr- 



122 Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

hunderts in den meisten Staaten eine Art von gemischtem 
System heraus, das ziemlich einheitlich auf folgenden Grund- 
sätzen beruhte: der Staat verpflegt den Soldaten ganz auf 
dem Marsche und im Felde; in der Garnison überläßt er es 
im wesentlichen dem einzelnen, wie er sich für den Geldsold, 
den er empfängt, beköstigt. In den einzelnen Staaten wird 
dieser oder jener Bestandteil des Unterhalts dem Soldaten 
vom Staat oder vom Quartiergeber (in Gestalt des sogenannten 
Servis) in natura verabreicht. 

In der Instrulction vom 29. Juni 1620, die für den chwr sächsischen 
Proviantmeister von Zscheppelitz erlassen wurde, heißt es im Eingang ^^^i 
„Unser bestallter Obristen- (alias General-) Proviantmeister soll das 
Kriegsvolk im Felde zu jeden Zeiten mit allerlei Proviant versehen." 
Die Friedensverpflegung liegt dem Krieger ob. Dieser erhält nur als 
Servis vom Quartiergeber: Obdach, Salz, Pfeffer, Essig und Licht. 
Sächsische Verpflegungsordnung vom 1. März 1697 ^^^ 

In den kaiserlichen Landen hat der Soldat von 1679 an sein Essen 
beim Quartiergeber zu kaufen; der Quartiergeber liefert ihm in natura 
eine Portion Brot, wofür Abzug am Lohn gemacht wird. 

In Preußen bekommt der Kompagniechef für Löhnung, Werbung, 
kleine Montierung usw. eine feste Geldsumme, die er beliebig verwenden 
kann; er muß nur durch Musterung richtige Verwendung nachweisen. 
1713 wird der Monatssold der Gemeinen auf 2 Tlr. 6 Sgr. erhöht; davon 
verbleiben dem Soldaten nach dem Abzug für gemeinsame Kassen 1 Tlr. 
16 Gr.: das ist der Betrag, den er für seinen Unterhalt ausgeben kann. 
Im Frieden erhält der Soldat außer auf Märschen keine Naturalverpflegung 
(auch kein Brot); diese tritt ein außerhalb der Garnisonen und im Kriege. 

In Frankreich bestimmt die Ord. von 1641: der Staat sorgt für 
die Verpflegung des Kriegers auf dem Marsche und im Felde; dieser 
erhält alsdann 2 Pfd. Brot am Tag, 1 Pfd. Fleisch und 1 Pinte Wein. 
In der Garnison liefert der Staat nur das Brot, wofür er 1 Sous pro Tag 
vom Solde abzog. 

Sobald der Staat irgendwelche Fürsorge für den Unter- 
halt des Soldaten übernahm, also namentlich sobald er ihm 
das Brot — sei es immer, wie in Frankreich, sei es zuzeiten, 
wie in den meisten deutschen Staaten — lieferte, mußte er 
für Bereithaltung von Vorräten, insonderheit also wieder für 
Aufstapelung von Getreide sorgen. 

Das geschah dadurch, daß er mögliehst über das ganze 



I. Die Verpflegungssysteme 123 

Land verstreut Magazine anlegte: in Frankreich geschieht 
dies bereits unter Heinrich IV., dann unter Ludwig XIIL in 
weitem Umfange ^^*; in Preußen namentlich unter Friedrich 
Wilhelm I. (1726 waren 21 Kriegsmagazine errichtet) ^^^ ; von 
anderen deutschen Staaten waren Sachsen, Böhmen und 
Württemberg in gleicher Richtung schon seit dem 16. Jahr- 
hundert vorgegangen ^^^. 

* * 

Die Verhältnisse bei der Marine liegen insofern anders 
wie beim Landheer, als die Selbstverpflegung der Mannschaft 
bei irgendwie größeren Schiffstypen und längeren Reisen kaum 
durchführbar ist. Man vergegenwärtige sich, daß auf einem 
Kriegsschiffe ein paar hundert oder tausend Mensehen wochen- 
oder monatelang von allem Verkehr mit der Außenwelt ab- 
geschlossen sind. Sie müssen also jedenfalls mit großen Vor- 
räten an Lebensmitteln versehen sein. Die Beschaffung dieser 
Vorräte dem einzelnen zu überlassen, sie einzeln im Schiffe 
aufzustapeln, zu bewachen und sie dann auch einzeln ver- 
zehren zu lassen, ist außerordentlich lästig. Vorgekommen 
scheint auch diese Art der Selbstbeköstigungen auf Schiffen 
zu sein, wohl unter kleinen Verhältnissen : in den Aufgeboten 
der Republik Genua im 13. Jahrhundert werden die Pflichtigen 
aufgefordert, für Waffen, Proviant und „alles Nötige" selbst 
zu sorgen 22^. Diese Art der Verpflegung wurde „ad apo- 
disias" ,auf eigene Kosten' genannt, und ihr stand gegenüber 
die Anwerbung „ad solidos" : das Söldnerheer. Aber auch 
im Solde waren zu jener Zeit die Verpflegungskosten ein- 
begriffen. 

Die großen seefahrenden Staaten, also namentlich Spanien, 
Holland, Frankreich und England, scheinen das System der 
Selbstbeköstigung ihrer Schiffsmannschaften niemals gekannt 
zu .haben. Was verschieden gestaltet ist, ist nur die Form, 
in der die kollektive Beschaffung der Lebensmittel für die 
Schiffsbesatzung erfolgt. Hier sind, soviel ich sehe, im Laufe 



124 Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

der Jahrhunderte zwei Systeme angewandt worden: eins, das 
man das französische nennen kann, bei dem den Schiffskapitänen 
die Verproviantierung ihrer Schiffe überlassen ist, und ein 
englisches, bei dem der Staat für die Verpflegung der Schiffs- 
mannschaften Sorge trägt. 

In Frankreich ist tatsächlich bis zur Zeit Colberts es den 
Schiffskapitänen überlassen, für Offiziere und Mannschaft ihrer 
Besatzung, selbst für die Landtruppen, die sie an Bord nahmen, 
den Unterhalt zu beschaffen. Erst unter Colbert wird ein 
munitionnaire g^nöral eingeführt, und die Verproviantierung 
erfolgt für mehrere Schiffe von Staats wegen ^^s. 

In England hören wir schon im 13. Jahrhundert von 
Ausgaben für Heringe, Schinken usw., die als Proviant auf 
des Königs Schiffe geschickt wurden 2^^. Manchmal wird der 
Proviant in natura von den Ständen geliefert ^^^. Im 16. Jahr- 
hundert ist die staatliche Fürsorge durchaus das herrschende 
System: vom Staate erhält die Mannschaft ihren Proviant 
geliefert. 

IL Der Bedarf an Lebensmitteln 

Wenn wir uns der Ausführungen in dem „theoretischen" 
Teile dieser Schrift erinnern, so wissen wir, daß Größe und 
Art des Bedarfs eines Heeres auch an Lebensmitteln bestimmt 
wird durch die Stärke der Armee und die Eigenart des Ver- 
pflegungssystems. 

Die Menge der Truppen, die unter Waffen stehen, be- 
stimmt immer die absolute Größe des Bedarfs; das heißt be- 
stimmt die Anzahl von Mündern, die gespeist sein wollen, ohne 
daß ihre Träger bei der Erzeugung der Güter mithelfen. 
Denn das ist natürlich das ökonomisch Wichtige dabei, daß im 
Heere ebenso viele Nur-Konsumenten geschaffen werden, als 
Krieger (oder Kriegerfamilien) da sind. Diese Eigenschaft, Nur- 
Konsument zu sein, hat der Soldat immer, gleichgültig, ob er 



II. Der Bedarf an Lebensmitteln 125 

seinen Unterhalt in natura bezieht oder ihn von einem Pro- 
duzenten einkauft. 

Das Verpflegungssystem entscheidet dann darüber, in 
welchem Umfange ein durch größere Heere hervorgerufener 
größerer Bedarf an Lebensmitteln ein Massenbedarf, das 
will sagen: ein zusammengeballter, einheitlich, im Ganzen auf- 
tretender Bedarf, wird. Nicht nötig, zu sagen, daß ein großer 
Bedarf um so eher ein Massenbedarf wird, je weiter die Zen- 
tralisation der Bedarfsdeckung fortgeschritten ist. Ferner: 
wenn die Zentralisation nur in Kriegszeiten eintritt, je länger 
die Kriege dauern. Endlich (bei Schiffen), je weiter sich die 
Ausreisen dehnen. 

Die Notwendigkeit, größere Truppenmassen für eine 
längere Seereise zu verproviantieren, hat wohl zuerst einen 
Massenbedarf an Lebensmitteln erzeugt. Und hat ihn zu einer 
Zeit hervorgerufen, als die Welt noch in Träumen dahinlebte. Es 
muß mächtige Erschütterungen in den traumseligen Menschen 
jener Tage hervorgerufen haben, wenn eines Tages in Genua 
sich die Nachricht verbreitete: Philipp August von Frank- 
reich will sein Kriegsheer mit Proviant und Pferdefutter für 
8 Monate und mit Wein für 4 Monate versehen ^^^ 

Oder wenn der Ausrufer durch die Dörfer Frankreichs 
ritt und verkündete, was die Bailliage an Lebensmitteln auf- 
zubringen und nach Calais zu liefern habe für die Ausrüstung 
der dort sich einschiffenden Truppen. 

Wir besitzen eine Übersicht über die einzelnen Leistungen, die den 
Baillis im Jahre 1304 aufgegeben wurden. Die Ziffern sind natürlich 
ebensowenig voll zu nehmen wie die einer mittelalterlichen Gestellungs- 
liste. Sie drücken wohl immer nur das erhoffte Maximalquantum aus. 
Immerhin geben sie doch eine annähernde Größenvorstellung von den 
Mengen, die in so früher Zeit für die Verpflegung eines Heeres zu- 
sammengebracht werden mußten. An ihrer Richtigkeit ist wohl nicht zu 
zweifeln. Die Aufstellung findet sich im Reg. XXXV des Tresor des 
chartes Nr. 138 und ist abgedruckt bei Boutaric, 278/79. 

„Requirierungen, die im Januar 1304 den Baillis aufgegeben wurden 
(behufs Lieferung nach Calais): 



126 Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

Bailliage de Sens: 250 Malter (Muids) Getreide, 500 Tonnen Wein, 

150 Malter Hafer; 
B. de Caen: 500 Malter Getreide, 500 Tonnen Wein, 500 Malter Hafer, 

1000 lebende Schweine, 1000 Schinken, 10 Malter Erbsen, 10 Malter 

Bohnen ; 
B. de Mäcon: 500 Stück Hornvieh, 1000 Hammel; 
B. d'Auvergne: 1000 Stück Hornvieh, 2000 Hammel, 1000 Schinken; 
B. de Troyes: 10000 Pfd. Wachs, 4000 Pfd. Mandeln, 20 Brote Zucker 
B. de Gisor: 500 Malter Getreide, 500 Malter Hafer, 10 Malter Erbsen, 

10 Malter Bohnen; 
B. de Caux: 250 Malter Getreide, 500 Tonnen Wein, 250 Malter Hafer, 

1000 Schinken; 
B. de Ronen: 500 Malter Getreide, 100 Tonnen Wein, 500 Malter Hafer, 

1000 Schinken, 100 Poisses Salz; 
B. de Senlis: 250 Malter Getreide, 500 Tonnen Wein, 250 Malter Hafer ; 
B. de Touraine: 500 Malter Getreide, 1000 Pipen Wein, 500 Malter 

Hafer, 40 Pipen Öl, 40 charches Salz; 
B. de Bourges: 4000 Hammel , 500 Stück Hornvieh , 500 lebende 

Schweine ; 
B. de Coutance: 500 Malter Hafer, 1000 lebende Schweine, 1000 

Schinken, 500 Stück Hornvieh; 
B. d' Orleans: 200 Malter Getreide, 200 Malter Hafer, 500 Stück Horn- 
vieh, 1000 Hammel; 
Sen6chauss^e de Poitou: 1000 Tonnen Wein, 10 Tonnen Essig, 

500 Stück Hornvieh; 
S6n. de Saintonge: 1000 Tonnen Wein, 10 Tonnen Essig, 500 Stück 

Hornvieh. 

Dann trat aber ein rechter und ständiger Massenbedarf 
an Lebensmitteln natürlich erst auf, als die modernen Heere 
und Flotten entstanden. Namentlich die Flottenausrüstung 
heischte frühzeitig eine regelmäßige starke Zufuhr von Pro- 
viant. Die entscheidende Wandlung scheint hier in das 16. Jahr- 
hundert zu fallen. Damals ging man dazu über, die Schiffe 
im Winter zu verproviantieren, und ein englisches Reglement 
stellt eine Verproviantierung von 2 zu 2 Monaten für 4 Monate 
als Norm fest. Freilich, diese Forderungen wurden noch nicht 
regelmäßig erfüllt: 1522 klagt der englische Admiral Surrey, 
daß er trotz jenes eben erwähnten Reglements höchstens für 
8 Tage Proviant an Bord habe. 1545 wird von den Franzosen 
ausdrücklich gemeldet, daß sie für 2 Monate Proviant bei sich 



II. Der Bedarf an Lebensmitteln 127 

führen 2^^. Diese höheren Ansprüche an das Verpflegungs- 
"wesen hingen damit zusammen, daß man seit der Mitte 
des Jahrhunderts ganz andere Gepflogenheiten bei der Hand- 
habung der Kriegsschiffahrt walten ließ. Bis in die Zeit 
Heinrichs VIII. hatten die Flotten Soldaten gelandet und 
waren umgekehrt; oder sie hatten den Feind geschlagen 
und waren umgekehrt : nun begann die Ära der langen 
Fahrten. 

Was aber schon im 16. Jahrhundert an Proviantmengen 
bei größeren Unternehmungen in Frage kam, zeigen die Be- 
stände an Nahrungsmitteln, die die spanische Armada im 
Jahre 1588 mit sich führte. Wir sind auch darüber sehr 
genau und zuverlässig unterrichtet und wissen, daß die 
195 Schiffe dieser Flotte an Bord nahmen ^^^: 
110000 Zentner Biskuit, 
11117 Mayors (ä 5t),2 gal.) Wein, 
6000 Zentner Schweinefleisch, 
3000 „ Käse, 
6000 „ Fisch, 
4000 „ Reis, 

6000 Fanegas (ä 1,5 bush.) Erbsen und Bohnen, 
10000 Arrobas (ä 3,5 gal.) Öl, 
21000 „ Essig, 
11000 Pipen Wasser. 

Im 17. Jahrhundert häuften sich die Gelegenheiten, in 
denen so große Massen Proviant in kurzer Zeit — das gab 
dem Ganzen erst sein eigentümliches Gepräge — aufgebracht 
werden mußten. So erfahren wir beispielsweise von einer 
plötzlich auftretenden Nachfrage bei der englischen Flotte 
nach 7 500000 Ibs. Brot, 7 500000 Ibs. Beef und Schwein, 
10000 Fässern (butts) Bier, außer Butter, Käse, Fisch usw., 
was alles binnen ganz kurzer Zeit (die Länge ist nicht an- 
gegeben) zu beschaffen ist^^*. 



128 "Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

Den Holländern kostet der Unterhalt ihrer Flotte im 
Jahre 1672 für 7 Monate 6972 768 fl.^ss. 

Sehr detaillierte Aufstellungen für die Proyiantierung 
eines Schiffes oder einer Flotte um die Mitte des 18. Jahr- 
hunderts findet man beiDeChenneviöresin seinen Details 
militaires I (1750), 288 seg. 

Man wird nun vielleicht meinen, das Schiffsverprovian- 
tierungsproblem sei gar kein spezifisch militärisches, da ja 
auch jedes Handelsschiff mit Mund verrat für die Mannschaft 
versehen werden muß. Ja — aber die Größe der Provian- 
tierungen waren ganz andere bei den Kriegsschiffen, und erst 
diese Ausweitung des Versorgungsspielraumes 
enthielt das Problematische. 

Man muß sich stets vor Augen halten, wie geringfügig 
die Besatzungen der Kauffahrteischijffe im Vergleich zu denen 
der Kriegsschiffe war. Im Mittelalter schon waren auf den 
Kriegsschiffen große Menschenmassen zusammengepfercht: die 
Oaleeren waren die Kriegsschiffe der italienischen See- 
mächte, und Galeeren waren Ruder schiffe und schon des- 
wegen sehr viel stärker bemannt als gleich große Segelschiffe. 
Schon im 13. Jahrhundert ,haben die Galeeren der Republik 
Genua 140 Ruderer 2^^. Im Jahre 1285 kommen 184 Mann 
auf ein Fahrzeug. Ein gleich großes Handelsschiff hatte viel- 
leicht kaum 20 Mann an Bord. Selbst wenn die Kauffahrtei- 
Segelschiffe mit Kriegern zu ihrem Schutze ausgerüstet waren, 
wiesen sie im 12. und 13. Jahrhundert nur folgende Besatzungen 
auf: 25, 50, 32, 85, 60, 55, 50, 45. Die Sache änderte sich 
sofort wieder, wenn die Handelsschiffe, mit oder ohne Ladung 
fahrend, hauptsächlich auf den Krieg oder die Kaperei ge- 
rüstet waren ; dann wurden sie unverhältnismäßig viel stärker 
bemannt; sie hießen dann „armiert", navis armata, und hatten 
dann folgende Besatzungen : zwei Schiffe haben 1234 600 Mann, 
€in pisanisches Schiff hat 1125 400 Mann, ein anderes Schiff 



II. Der Bedarf an Lebensmitteln 129 

gleicher Herkunft hat 500, ein venetianischer Kauffahrer hat 
900 Mann an Bord^a^. 

Im 16. Jahrhundert rechnete man bei Kriegsschiffen 3 Mann 
auf 5 Tonnen brutto: ein Drittel Soldaten, ein Siebentel 
des Restes Feuerwerker (gunners) und der Rest Seeleute; 
bei Handelsschiffen dagegen nur 1 Mann auf 5 Tonnen netto: 
ein Zwölftel Feuerwerker, der Rest Seeleute 2^^. 

Es kamen bei diesem Besatzungsverhältnis also recht 

stattliche Mannschaften auf Kriegsschiffen heraus. Unter den 

15 englischen Schiffen, die ein amtliches Verzeichnis des Jahres 

1513289 aufführt, sind 

2 mit 700 Mann an Bord : 400 Soldaten + 260 Matrosen 

+ 40 Feuerwerker; 
1 mit 600 Mann an Bord : 350 Soldaten + 230 Matrosen 

4- 20 Feuerwerker; 
1 mit 550 Mann an Bord: 300 Soldaten + 210 Matrosen 

+ 40 Feuerwerker ; J 

1 mit 400 Mann an Bord: 200 Soldaten + 180 Matrosen 

+ 20 Feuerwerker ; 

2 mit 300 Mann an Bord: 150 Soldaten + 130 Matrosen 

+ 20 Feuerwerker; 
2 mit 300 Mann an Bord: 150 Soldaten + 135 Matrosen 
+ 15 Feuerwerker 

usw. 
Zieht man die Zahl der Schiffe in Betracht, die zusammen 
gegen den Feind zogen, so handelte es sich leicht um recht 
große Massen von Soldaten und Matrosen, die sich an Bord 
befanden. 1511 verspricht Heinrich VIII., mit 3000 Mann 
den Kanal freizuhalten. 1513 werden für die englische Flotte 
(außer der Besatzung von 28 Lastschiffen) 2880 Seeleute an- 
geworben. 1514 befinden sich auf 23 Königsschiffen, 21 ge- 
mieteten und 15 Lastschiffen 3982 Seeleute und 447 Artille- 
risten (gunners), also 4429 Mann ohne die Soldaten 2*0. 

Sombart, Krieg und Kapitalismus 9 



130 Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

Aber auch beim Landheere wuchsen die Bedarfsmengen 
begreiflicherweise rasch. Beispiele: 

Die 12 000 Mann Brandenburger, die 1694 als Hilfstruppen 
am Rhein und in den Niederlanden standen, erhielten (außer 
. einem Geldlohn von monatlich 38 180 Talern) 2 Pfund Brot 
pro Mann und Tag. Das ergab für 11 608 Gemeine und Unter- 
offiziere täglich 23216 Pfund, in 31 Tagen also 719696 Pfund; 
144 Pfund Brot auf 1 Zentner Mehl Nürnberger Gewicht ge- 
rechnet, ergab es 4898 Zentner Mehlbedarf pro Monat ^^^ 
1727 werden 200000 Taler aus dem Tresor angewiesen, um 
dafür Roggen zu kaufen für die Kriegsmagazine^*^. In den 
21 preußischen Magazinen lagerten am Ende der Regierungs- 
zeit Friedrich Wilhelms I. 45000 Wispel: eine ausreichende 
Versorgung von 200000 Menschen auf ein Jahr 2*^. Man 
rechnete in Preußen im 18. Jahrhundert 2 Pfund Brot pro 
Tag und Mann, was 7 Scheffel im Jahre ausmacht. Die 
preußische Armee brauchte also schon während der ersten 
Hälfte des 17. Jahrhunderts 24000—25000 Wispel Getreide, 
während die Zivilbevölkerung Berlins 1720 nur 7200 Wispel 
beanspruchte ^**. 

Ähnliche Ziffern ergeben sich für die Armeen der anderen 
Länder. Dupr6 d'Aulnay stellt Mitte des 18. Jahrhunderts 
folgende Rechnung für Frankreich auf^*^: die Versorgung 
einer Armee von 150000 Mann mit Kommißbrot, das sind 
54 Millionen Rationen im Jahr, erheischt 300000 Sack Ge- 
treide zu 200 Ib. ; also 30 000 t. Wir werden sehen, wenn wir 
jetzt die verschiedenen Wege verfolgen, auf denen die Deckung 
eines so riesigen Bedarfes stattfand, daß das eine Menge war, 
die nur aus einem einzigen Hafen (Danzig) damals ausgeführt 
wurde. 



IIL Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Truppen Verpflegung 131 

III. Die volkswirtschaftliche Bedeutung 
der Truppenverpflegung 

Soviel ich sehe, hat man an dem in dieser Überschrift 
ausgedrückten Probleme bisher immer nur die negative Seite 
beachtet: man ist den zerstörenden Wirkungen nachgegangen, 
die räuberische Erpressungen oder übermäßige Belastungen 
durch Heere in einem Lande ausüben können oder ausgeübt 
haben. Dieser Teil des Problems hat sogar eine fast er- 
schöpfende Behandlung erfahren in dem einschlägigen Artikel 
in Krünitz' Enzyklopädie. Aber das Problem hat auch einen 
sehr bedeutsamen, positiven Inhalt, der in der Frage ent- 
halten ist: welchen aufbauenden, schöpferisch umgestaltenden 
Einfluß das Verpflegungswesen in dieser oder jener Zeit ge- 
habt hat, welche Rolle es insbesondere wiederum bei der 
Herausbildung des modernen Kapitalismus gespielt hat. Was 
ich da an Zusammenhängen sehe, ist das Folgende: 

1. Die Tatsache, die ich schon hervorhob, daß eine Armee 
immer eine Masse von Nur-Konsumenten darstellt, die in den 
Zeiten des europäischen Mittelalters und noch mehr in den 
letzten Jahrhunderten ihren Bedarf der Regel nach durch Ein- 
kauf deckten, wirkt dort, wo die Tauschwirtschaft erst in den 
Anfängen sich befindet, zweifellos insofern auflösend auf das 
Wirtschaftsleben ein, als durch diese beständige Nachfrage von 
Geldbesitzern ein Anreiz zur marktmäßigen Produktion 
geschaifen wird. Die tauschwirtschaftlichen Beziehungen ge- 
winnen also an Umfang und Stärke. Und das bedeutet un- 
zweifelhaft eine Beschleunigung auch der kapitalistischen Ent- 
wicklung, die fast überall die tausch wirtschaftliche Organi- 
sation zum Ausgangspunkte nimmt. Wenn in einem ökonomisch 
so rückständigen Lande, wie Preußen es im 18. Jahrhundert 
noch war, die belebende Einwirkung der großen kaufkräftigen 
Armee nicht dagewesen wäre, durch die erst einmal die alten 
bäuerlich eigenwirtschaftlichen Formen des Wirtschaftslebens 

9* 



132 Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

gesprengt wurden, so hätte der Kapitalismus sicher hundert 
Jahre länger warten müssen , ehe er diesen Bissen auch ver- 
schlingen konnte. Die Nachfrage der Truppen nach Lebens- 
mitteln — ganz gleich, ob sie vom einzelnen Soldaten oder 
vor einer zentralen Stelle ausgeht — spielt hier also gleich- 
sam die Rolle eines Schrittmachers des Kapitalismus. Daß 
aber eine solche stimulierende Wirkung sehr wohl von der 
Armee ausgehen konnte, sagt uns die bloße Gegenüberstellung 
der Bevölkerungsziffern. Wir haben gesehen, daß in Preußen 
1740 und 1786 das Heer in Friedenspräsenzstärke etwa 4"/o 
der Bevölkerung ausmachte : in einer Zeit, als sicherlich noch 
60— 70®/o der Bevölkerung im Rahmen der Eigenwirtschaft 
ihren Bedarf befriedigte. In kleinen Städten und auf dem 
platten Lande werden die Soldaten und wird der Militär- 
fiskus damals gewiß oft der einzige Käufer von Belang über- 
haupt gewesen sein. Friedrich Wilhelm I. sah am besten diese 
„belebende" oder auflösende und die Entwicklung zu „höheren" 
Formen des Wirtschaftslebens treibende Einwirkung seiner 
Truppen ein. Ich glaube, er hatte aufs Wort recht, als er 
sagte : 

„Wenn meine Armee außer Landes marschiert, so werden 
die Accisen nicht das dritte Theil so viel tragen, als wenn die 
Armee im Lande, die rerum pretium werden fallen, als dann 
die Ämter ihre Pacht nicht richtig abtragen werden können.*' 

2. Engstens im Zusammenhange mit jener ersten Wirkung, 
die ein großes Heer auf die Gestaltung des Wirtschaftslebens aus- 
übt, steht eine zweite: die Bedeutung eines solchen Heeres als 
städtebildender Faktor. Diese Bedeutung kann natürlich 
nur dort hervortreten, wo die Truppen in Städten garnisoniert 
werden, oder wo so viel Truppen an einer Stelle liegen, daß 
eine Stadt aus dieser Anhäufung hervorwächst. Jede Be- 
gründung und jede Vergrößerung einer Stadt bedeutet immer 
aber wiederum einen Schritt weiter auf der Bahn, die zum 
Kapitalismus führt. Wie dieser eine tauschwirtschaftliche 



III. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Truppenverpflegung 133 

Organisation zur Voraussetzung einer geschichtlichen Ent- 
wicklung hat, so auch eine Agglomeration der Bevölkerung 
in Städten. Will man nicht zugehen, daß diese eine not- 
wendige Vorbedingung für die Entstehung des Kapitalismus 
sei, so wird man nicht leugnen können, daß durch eine rasche 
Vergrößerung der städtischen Siedelungen der Kapitalismus 
eine wesentliche Förderung erfährt. 

Daß nun aber namentlich die modernen Heere in weitem 
Umfange städtebildend gewirkt haben, ist zweifellos. Icli 
führe wieder Preußen als Beispiel an, weil hier die revo- 
lutionierende Wirkung, die die Armee auf das Wirtschafts- 
leben ausgeübt hat, vielleicht am deutlichsten zutage tritt. 

Berlin selbst ist ja bis zum Ende des 18. Jahrhunderts 
eine reine Garnisonstadt: 1740 besteht die Militärbevölkerung 
aus 21309 Köpfen; die Gesamteinwohnerzahl beträgt etwa 
90000. Will man nun annehmen, daß von jedem Militär- 
menschen ein zweiter Mensch gelebt habe, so würde die 
Hälfte der Stadt durch die Garnisonierung der Truppen in 
ihr gebildet. 1754 stieg die Militärbevölkerung auf 25 255, 
1776 auf 30501 Köpfe (nach Koser). 

Noch schlagender fast sind die Ziffern der kleinen Städte : 
Halle erhält durch die Garnison einen Zuwachs von 3 — 4000 
Menschen, also vielleicht von einem Viertel seiner Bevölkerung ; 
Magedeburg hatte (1740) 19580 Einwohner und eine Garnison 
von 5 — 6000 Köpfen dazu; Stettins Bevölkerung bezifferte 
sich (1740) auf 12740; seine Garnison zählte 4 — 5000 Menschen 
(Soldaten mit Weibern und Kindern) ^*^ 

3. Haben wir bisher nun feststellen können, daß die 
Heere mit ihrem wachsenden Bedarf an Lebensmitteln auf 
Umwegen zur Entwicklung des Kapitalismus beitragen, daß 
sie gleichsam seine Schrittmacher sind, so gilt es nunmehr 
doch den Nachweis zu führen, daß der Kapitalismus durch 
die Ausgestaltung, die das Truppenverpflegungswesen in den 
modernen Staaten erfährt, auch unmittelbar gefördert wird. 



134 Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

Freilich: die Zusammenhänge zwischen der Beschaffung der 
Lebensmittel für die Armeen und der Ausbildung des kapita- 
listischen Wirtschaftssystems liegen nicht so greifbar deutlich 
zutage wie etwa bei der Waffenerzeugung oder wie bei dem 
später darzustellenden Bekleidungswesen. Aber vorhanden 
sind sie, ganz gewiß. Und man wird nur ein bißchen genauer 
zusehen und ein bißchen weiter in der Runde sich umschauen 
müssen, um sie zu finden. 

Woran ich zunächst denke, ist die Förderung, die offenbar 
der landwirtschaftliche „Großbetrieb" in erster Linie 
durch die Bestellungen der Heeresverwaltung erfährt, und 
die ihn auf der Bahn des Kapitalismus vorwärts treibt. Die 
Getreideeinkäufe der Heeresverwaltungen im Großen, die seit 
dem 16. Jahrhundert immer häufiger werden, sind es, die die 
Rentabilität der großen Landwirtschaft allenthalben steigern 
und immer mehr Anlaß geben, zu dieser tiberzugehen. In 
die Zeit vom 16. bis zum 18. Jahrhundert fällt in Deutsch- 
land und Österreich die Ausbildung des Ritterguts, dieses 
ersten „kapitalistischen Betriebes", wie Knapp meint. Es 
wird nun ohne weiteres behauptet werden dürfen (und ist 
auch verschiedentlich im einzelnen nachgewiesen worden), daß 
diese Entwicklung gar nicht hätte eintreten können oder 
jedenfalls außerordentlich viel langsamer verlaufen wäre ohne 
die Ausweitung der Getreideproduktion, die eine steigende 
Nachfrage nach Getreide zu befriedigen suchte. Wodurch 
war diese steigende Nachfrage hervorgerufen ? Ich behaupte: 
im wesentlichen durch die Entstehung der modernen Heere 
und deren wachsenden Bedarf an Lebensmitteln. Und ver- 
suche, die Richtigkeit dieser Behauptung zu beweisen. 

Zu diesem Behufe könnte ich Fälle ausfindig zu machen 
suchen, in denen der Absatz der Großgüter an die Armee 
außer Zweifel steht. Und solche Fälle gibt es zweifellos 
eine ganze Menge. Mir schweben z. B. die Bestellungen 
vor, die Wallenstein bei den Vorstehern seiner eigenen Güter 



in. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Truppenverpflegung 135 

macht ("Wallenstein war nicht nur ein großer Feldherr, sondern 
ein vielleicht noch größerer und gerissenerer Geschäftsmann !), 
und die oft auf ganz große Beträge gehen. Diese Lieferungen 
des eigenen Getreides, an dem er als Produzent und als Feld- 
herr Profit machte, dienten als regelmäßige Ergänzung der 
sonst durch Plünderung oder Erpressung aufgebrachten Unter- 
haltsmittel für die Wallensteinschen Heere. So bestellt er 
am 13. März 1626 30000 Strich (ä 93,6 1) Getreide von seinen 
Gütern 2*^ 

Oder mir kommen die Getreideeinkäufe ganz großen 
Stils in den Sinn, die Gustav Adolf für seine Armee in Ruß- 
land machte 2*^ 

Oder ich denke an die offensichtliche Bevorzugung, die 
Friedrich Wilhelm 1. den Pächtern seiner Domanialgüter an- 
gedeihen läßt, wenn er Einkäufe für die Kriegsmagazine 
macht 2". 

Aber ein einigermaßen schlüssiger Beweis für die Richtig- 
keit meiner Behauptung wird sich auf diesem geraden Wege 
kaum führen lassen. Ich schlage deshalb einen Umweg ein: 
über den sich seit dem 16. Jahrhundert entwickelnden inter- 
nationalen Getreidehandel, an den ich auf der einen Seite 
den kapitalistischen landwirtschaftlichen Großbetrieb an- 
knüpfe (weil dieser durch ihn ermöglicht wird), auf der andern 
die Nachfrage der Heeresverwaltungen (weil sie zur Ent- 
stehung dieses Marktes in erster Linie beigetragen haben). 
Gelingt mir der Nachweis, daß der internationale Getreide- 
handel des 16., 17. und 18. Jahrhunderts im wesentlichen 
dem modernen Heerwesen seine Existenz verdankt, so habe 
ich damit eine neue wichtige Beziehung zwischen Militarismus 
und Kapitalismus aufgedeckt, insofern als jener Handel selbst, 
wie zu zeigen sein wird, eine ganz große Manifestation des 
Kapitalismus, eine der frühesten auf kommerziellem Gebiete, 
gewesen ist. Deshalb fasse ich diesen Teil meiner Dar- 
stellung auch als eine besondere Einheit zusammen; 



136 Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

4. Der europäische Getreidehandel zerfällt deut- 
lich in zwei ziemlich scharf voneinander geschiedene Epochen : 
in die Zeit bis zum Ende des 16. Jahrhunderts und die Zeit 
seitdem. Was die beiden Epochen unterscheidet, sind der 
geographische Umkreis, über den sich der Handel erstreckte, 
und die Mengen des in den Handel gebrachten Getreides. 
Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts, eigentlich so recht erst 
seit dem 17. Jahrhundert, gibt es einen internationalen Ge- 
treidehandel, dessen Sitz eine kurze Zeit Antwerpen und dann 
Amsterdam ist, und ebenfalls seit jener Zeit weitet sich der 
Umfang des Handels, man ist versucht zu sagen: plötzlich, 
sprunghaft aus. 

Der bedeutendste Getreidehandel des Mittelalters war 
der italienische, der die norditalienischen Städte, namentlich 
wohl Venedig, mit Zufuhren aus Stiditalien und dem Pontua 
(dies in bescheidenen Grenzen) versorgte. Die Umsatzmengen 
sind für mittelalterliche Verhältnisse bedeutend: die Aus- 
fuhrscheine, die die Florentiner Bankhäuser aufzukaufen 
pflegten, um damit zu spekulieren, lauten im 14. Jahrhundert 
auf durchschnittlich 100—120000 Salme ^^o, nach meiner Be- 
rechnung etwa 10 — 15000 t. Nehmen wir an, daß die Hälfte 
oder auch zwei Drittel dieser Mengen wirklich zur Ausfuhr 
gelangten, so hätten wir mit Umsätzen von 5 — 10 000 Tonnen 
zu rechnen : das Doppelte und Dreifache der größten nordischen 
Getreidehandelsplätze in Hamburg, Stettin, Reval usw. 

Alle Ziffern, die für die Zeit bis ins 16. Jahrhundert 
wesentlich größere Umsätze angeben, sind apokryph. Auch 
für den Getreidehandel Antwerpens im 16. Jahrhundert, der 
vielleicht schon schon recht bedeutend war, haben wir meines 
Wissens keine zuverlässigen Angaben. Es ist wirklich nicht 
statthaft, einem Chronisten nachzuschreiben: daß 2500 (!) 
Schiffe damals auf der Scheide ankerten, daß Jahr für Jahr 
60000 Last Getreide aus der Ostsee und den Niederlanden 
in Antwerpen ausgeladen wurden. Möglich ist es. Es können 



III. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Truppenverpflegung 137 

aber ebensogut bloß 6000 gewesen sein. Immer wieder (und 
leider immer noch!) ist unsern Historikern zu predigen: die 
ihr jede Urkunde so gewissenhaft prüft, seid auch statistischen 
Angaben gegenüber, namentlich solchen, die die Handels- 
umsätze, den Schiffsverkehr betreffen, etwas kritischer! 

Zum Exempel, wie vag die Schätzungen des Antwerpener 
Handels im 16. Jahrhundert sind: Marino Cavallo beziffert 
die gesamte ostländische Einfuhr (Korn, Leinen, Holz) auf 
350000 Dukaten, Guicciardini um dieselbe Zeit die Korn- 
einfuhr allein auf Vk Millionen Dukaten. 

Erst im 17. Jahrhundert begegnen wir Ziffern, die einen 
(für damalige Begriffe) großen Getreideumsatz aufweisen, und 
deren Richtigkeit doch nicht anzuzweifeln ist. Das sind ins- 
besondere die Zahlen, die wir für die Ausfuhr von Getreide 
aus Danzig besitzen. Da gibt es eine „Spezifikation von ein- 
und ausgegangenen Graanen in Danzig a« 1618, 1649 bisz 
ao 1790", die sich jetzt im Besitze der Danziger Getreide- 
firma Lickfett befindet, und aus der der Bearbeiter der Acta 
Borussica Auszüge macht. Die Ziffern tragen den Stempel 
der Zuverlässigkeit. Leider wird uns nicht mitgeteilt, woher 
sie stammen. Möglicherweise sind es Aufzeichnungen von 
Getreidemaklern. Die Richtigkeit der Ziffern wird auch durch 
die Tatsache wahrscheinlich gemacht, daß auch in anderen 
Häfen in jener Zeit ein starkes Anschwellen des Getreide- 
handels sich bemerkbar macht, daß insbesondere der große 
Umsatz auf dem Amsterdamer Getreidemarkt verbürgt ist. 
Danzig und Amsterdam sind die beiden Angeln, um die sich 
der Getreidehandel des 17. und 18. Jahrhunderts dreht, der 
seiner Richtung nach einen durchaus internationalen Charakter 
trägt, da von Amsterdam aus das Getreide in alle europäischen 
Länder weitergehandelt wurde. 

Die Getreideausfuhr aus Danzig, von einigen ganz großen 
und ganz kleinen Jahren abgesehen, schwankt um die 50000 Last, 
was etwa 60000 t entspricht, herum. Das Jahr 1618 weist 



138 Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

die stattliche Menge von 115219 Last auf, während 1649 
998O8V2 Last 30 Scheffel aus dem Danziger Hafen heraus- 
gingen. Leider sind wir über den Umsatz auf dem Amster- 
damer Getreidemarkt nicht ebenso genau unterrichtet wie 
über die Ausfuhr aus Danzig. Wir dürfen aber annehmen, 
daß er nicht nur fast die ganze Danziger Ausfuhr, sondern 
auch noch die aus anderen Ostsee- und Nordseeländern auf- 
nahm. Wie rasch sich der „oosterliehe" Handel Hollands hob, 
zeigt die Zahl der Schiffe, die den Sund passierten : die betrug 
1536 510, 1640 dagegen 1600 ^^i. 

Diese Ziffern beweisen wohl 1. die recht beträchtliche 
Ausdehnung des Amsterdamer Getreidehandels, dessen Umsatz- 
wert sich auf 10 — 20 Mill. fl. belief, und der sicherlich (das 
dürfen wir aus anderen Anzeichen ohne weiteres schließen) 
in beträchtlichem Umfange in kapitalistischen Bahnen wandelte: 
ein Anzeichen seines hohen Entwicklungsgrades scheint mir 
die (bisher, soviel ich sehe, unbeachtet gebliebene) Tatsache 
zu sein, daß er sich offenbar zum Teil schon in der Form des 
Typenhandels abspielte ^^^ ; 2. der Umstand, daß dieser Handel 
im wesentlichen den Absatz der deutschen (und russisch- 
polnischen) Rittergüter besorgte, da wir das Getreide des 
Bauern nicht in diesem großen Verkehr vermuten dürfen. 
Wie aber steht es mit den Abnehmern des Amsterdamer 
Getreides? Waren das wirklich, wie ich vermute, in erster 
Linie die europäischen Heere? Wer konnte sonst als Ab- 
nehmer in Betracht kommen? 

Man hat, soweit man sich diese Frage überhaupt gestellt 
hat, etwas voreilig geantwortet : die zunehmende Bevölkerung 
namentlich in den Städten. 

Ist das eine plausible Erklärung? Man müßte in erster 
Linie an London und Paris denken, die beiden größten Städte. 
Aber von denen ist es uns gerade ziemlich sicher bekannt, 
daß sie ihren Bedarf an Lebensmitteln durchaus noch inner- 
halb der eigenen Länder deckten. Von London, das um 1600 



ni. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Truppenverpflegung 139 

eine halbe Million Einwohner gehabt haben wird, wird es 
uns für diese Zeit ausdrücklich bestätigt ^^^i „London macht 
die Grafschaften von Norfolk, Suffolk, Essex, Kent und Sussex 
blühend ; ihre Stärke und ihre Reichtümer beruhen, wie wohl 
bekannt ist, nicht so sehr auf Vorzügen ihres Bodens als auf 
ihrer Nachbarschaft und Nähe zu London." 

Die Beschreibung, die wir von der Organisation des 
Getreide- und Mehlhandels in England während der ersten 
Hälfte des 18. Jahrhunderts besitzen, läßt es als ziemlich 
sicher erscheinen, daß damals die Versorgung Londons immer 
noch durch die Provinzen erfolgte : die Getreidehändler kaufen 
das Getreide bei den Farmern auf, bei denen sie herumreiten, 
und bringen es zu Markte. Hier kaufen es die Müller, von 
denen es wiederum die Bäcker Londons direkt beziehen 2^*. 

Ebenso bewegt sich die Verproviantierung von Paris 
während des ganzen 17. und 18. Jahrhunderts in national- 
wirtschaftlichem Rahmen ^^^. 

Wo aber waren sonst Großstädte aufgesprungen? Im 
Osten Europas. Sie kommen gar nicht in Betracht. Madrid 
im 17. Jahrhundert: wurde mit spanischem Getreide versorgt. 
Amsterdam selbst: wurde im 18. Jahrhundert nicht größer 
und verzehrte nur einen kleinen Teil der in Amsterdam an- 
gebrachten Getreidemengen. Wir wissen ja auch, daß der 
Amsterdamer Getreidehandel Zwischenhandel war. Also die 
italienischen Städte. Neapel wuchs beträchtlich, wurde aber 
sicher von Süditalien und Sizilien versorgt. Die norditalie- 
nischen Städte gehen im 17. und 18. Jahrhundert sämtlich 
an Einwohnerzahl zurück. Ein Ausfall an Getreideeinfuhr 
mag immerhin durch die Eroberung Konstantinopels durch 
die Türken entstanden sein. Wie ich denn gewiß nicht 
leugnen will, daß sich das Anwachsen des internationalen 
Getreidehandels zum Teil aus dem Anwachsen der groß- 
städtischen Bevölkerung erklären läßt. Nur scheint es mir 
nicht angängig, die rasche und starke Zunahme der Getreide- 



140 Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

Umsätze allein oder auch nur im wesentlichen auf jene 
Bevölkerungsverschiebungen zurückzuführen. Ich glaube viel- 
mehr, daß diese Zunahme sich ungezwungen erklären läßt, 
wenn man meine Hypothese annimmt: daß der wachsende 
Bedarf der Heere den Hauptanstoß zur Ausweitung des 
Getreidehandels bot. 

Ich will noch folgende Beweismomente anführen: 

a) Die Größe des Heeresbedarfs, die wir kennen gelernt 
haben, schließt jedenfalls die Möglichkeit nicht aus, daß 
ein beträchtlicher Teil der Amsterdamer Zufuhr von den 
Armeen aufgenommen wurde: eine Armee von 150000 Mann 
mit Brot zu versorgen, heischte etwa 30000 t Getreide im 
Jahr. Ludwig XIV. schon stand mit 200000 Mann im Felde. 
Die Armee Friedrichs des Großen hatte eine Friedenspräsenz- 
stärke von 180000 Mann. Die Getreideausfuhr von Danzig 
schwankte um 50000 t. 

b) Die Getreidehandelspolitik aller Militärstaaten ist 
während des 17. und 18. Jahunderts stark militaristisch 
orientiert. Eberhard von Danckelmann betrachtet es ebenso 
wie Colbert als selbstverständlich, daß die Getreidehandels- 
politik in erster Linie den Interessen der Armee dienen solle ^^*. 
Ein Zeichen, wie sehr man die Versorgung des Heeres mit 
Nahrungsmitteln, also vor allem mit Getreide, als ein Problem 
empfand. 

c) Urteilsfähige Beobachter des Amsterdamer Handels 
sprechen es unumwunden aus, daß der Getreideumsatz durch 
den Heeresbedarf wesentlich bestimmt wurde. Der kundige 
Davenant, der bekannte Generalinspektor der englischen 
Aus- und Einfuhr, konstatiert für die Jahre 1701 — 14 eine 
„beispiellose Zunahme" des holländischen Getreidehandels ^'^'^ 
und meint, daß die Spekulation auf dem Weltmarkt Amsterdam 
in Kriegszeiten einen völlig zügellosen Charakter annehme. 

d) "Wir können in einer ganzen Reihe von Fällen die 
tatsächlich vorhandenen Beziehungen zwischen dem Amster- 



III. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Truppenverpflegung 141 

damer Getreidemarkt und den Heeresverwaltungen fest- 
stellen : 

aa) Schon 1556 (noch vor der Blütezeit Amsterdams) er- 
bieten sich die oosterschen Kaufleute, dem Könige von Spanien 
(also für die Armee!) so viel Last Roggen, wie man begehren 
werde, nach den Niederlanden zu liefern für 24 fl. die Last ^^s, 

bb) Als Ludwig XIV. seine Heere rüstete, mit denen er 
1672 in Holland (!) einfallen wollte, lieferten ihm die Amster- 
damer (!) Kaufleute das nötige Getreide 2'^. 

cc) Die Piemonteser Heeresverwaltung tritt als Käuferin 
auf dem Amsterdamer Getreidemarkt während des spanischen 
Erbfolgekrieges auf. In diesem Falle können wir deutlich 
verfolgen, wie die Notdurft der Heeresversorgung die Inter- 
nationalität des Getreidebezugs förmlich erzwang : Erst braucht 
Piemont das Getreide seines Landes auf. Dann greifen die 
Käufer hinüber nach der Lombardei, Emilia, Romagna : Genua 
ist der Markt, auf dem sich die Regierung versorgt. Dann 
aber schickt sie ihre Agenten bis nach Venedig, wo allein im 
Jahre 1709 durch Vermittlung der Bankiers für mehr als 1 Mill. 
Lire Getreide eingekauft wird. Von 1706 ab wird auch Holland 
aufgeführt: große Posten Getreide werden auf dem Seewege 
nach Piemont geschafft (und — nebenbei — bezahlt mit den 
Subsididiengeldern Hollands !) ^ß». 

dd) Selbst der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. glaubt 
sich der Amsterdamer Kaufleute bedienen zu sollen, um das 
nötige Getreide für seine Armee heranzuschaffen: am 5. Mai 
1737 befiehlt der König dem Generaldirektorium „unter der 
Hand und ohne bruit Nachricht einzuziehen", ob man in 
Amsterdam nicht 100 000 Scheffel Getreide ä 1 Thlr. erhalten 
könne ^^^ 

Alles in allem scheint mir die Richtigkeit meiner Hypothese 
erwiesen. Man sollte auf Handlungsbücher Amsterdamer 
Getreidefirmen aus jener Zeit fahnden, um volle Gewißheit zu 
schaffen. 



142 Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

Zur Bestätigung meiner Ansicht führe ich noch an, daß 
■wir von einem anderen bedeutenden internationalen Korn- 
raarkt des 17. Jahrhunderts : Basel, genau wissen, daß er vor 
allem der Versorgung der Heere diente. „Die Baseler Kauf- 
leute wußten die Konjunkturen des Dreißigjährigen Krieges 
stets von neuem zu Kornspekulationen zu verwerten. Sie 
mögen das Getreide zum Teil aus der inneren Schweiz, haupt- 
sächlich wohl aus den am Kriege unbeteiligten französischen 
Landen bezogen haben." ^ea 

Die Erwähnung der „Kornspekulation" führt uns zur 
Betrachtung eines neuen Punktes weiter. 

5. Nicht genug, daß einer der ersten Handelszweige, 
die auf breiter kapitalistischer Basis sich entwickeln, wesent- 
lich durch die Einwirkung der neuen Heeresbildungen zum 
Blühen gebracht wird : die Anforderungen, die die Verpflegung 
der Truppen an den Warenmarkt stellt, führen zu ganz 
neuen Formen des Handels, die bestimmt waren, diesem 
für die nächste Zukunft sein eigentümliches Gepräge zu 
verleihen. Soviel ich nämlich sehe, entsteht das, was wir 
einen Lieferungs- oder Zeithandel nennen, im unmittelbaren 
Anschluß an die Bestellungen der Heeresverwaltung. Man 
verlegt die Anfänge dieser modernen Handelsformen gewöhnlich 
in das 17. Jahrhundert nach Holland und macht (wie das so 
üblich ist) die geographische Ausweitung der Handels- 
beziehungen für die Entstehung des Lieferungshandels ver- 
antwortlich. Demgegenüber ist die Tatsache festzustellen, 
daß Lieferungsverträge zwischen der Heeresverwaltung und 
Einzelkaufleuten oder Gesellschaften von Kaufleuten in Frank- 
reich und England bereits im 16. Jahrhundert häufige Er- 
scheinungen sind. Die Regierungen beider Länder gingen 
fast zu gleicher Zeit dazu über, die Beschaffung der Unter- 
haltsmittel für Heer und Flotte, die bis dahin staatlichen 
Organen obgelegen hatte, auf den Handel abzuwälzen: zwischen 
Produzent (oder sonstigem Verkäufer) und Armeeverwaltung 



III. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Truppenverpflegung 143 

schob sich nun der Lieferant, der Entrepreneur oder Munition- 
naire, wie er in Frankreich, der Contractor, wie er in 
England hieß. 

Den ersten Schritt auf der Bahn des Lieferungswesens 
tat, soviel ich sehe, England, wo die Verproviantierung der 
Flotte rasch wachsende Schwierigkeiten bot. "Wir können jetzt 
an der Hand der durch Oppenheim und andere zutage ge- 
förderten Materialien den Gang, den das Marineverpflegungs- 
wesen in England genommen hat, ziemlich deutlich verfolgen. 

Im 15. und in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts be- 
gegnen wir königlichen Beamten, die mit der Verprovian- 
tierung der Flotte beauftragt sind: the Kings purveyors. Sie 
beschaffen die nötigen Lebensmittel mittels Requirierung : „by 
purveyance". 1550 wird die Proviantverwaltung, wie wir schon 
sahen, zentralisiert, ein victualling department wird geschaffen ; 
Edw. Baeshe wird angestellt als „General Surveyor of Vic- 
tuals for the Seas". Bald darauf jedoch — 1565 — wird das 
Requirierungssystem aufgehoben: Baeshe erhielt von da ab 
4V2 d pro Mann und Tag im Hafen, 5 d auf See (Beträge, 
die dann fortgesetzt erhöht wurden) und hat dafür bestimmte 
Rationen zu liefern: das erste Lieferungsgeschäft war damit 
abgeschlossen. Erst wenn 2000 Mann und mehr auf einmal 
zu beköstigen sind, nimmt er das Recht der zwangsweisen 
Eintreibung in Anspruch. Baeshe verpflichtet sich, jederzeit 
einen Monatsproviant für 1000 Mann vorrätig zu haben. Dieser 
Lieferungsvertrag — agreement — zwischen Baeshe, der hier 
lediglich als Geschäftsmann auftritt, und der Krone ist künd- 
bar auf 6 Monate. 

Das System bewährte sich : 1596 werden auf diesem Wege 
13000, 1597 „after timely notice" 9200 Mann beköstigt. Für 
Beköstigung der Truppen auf See in den Jahren 1614 — 1617 
wurden 40861 ^ 12 sh 11 d bezahlt ^^s^ 

1622 ist die Proviantlieferung für die Flotte an zwei 
Unternehmer , Sir Allen Apsley und Sir Sampson (!) Darrek, 



144 Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

vergeben, die auf Lebenszeit den Titel „General Purveyors of 
the Victuals of His Majestys Navy" führen. Die Rationen, 
die zu liefern sie sich verpflichten, betragen : täglich 1 Pfund 
Biskuit, 1 Gallone Bier, viermal wöchentlich 2 Pfund ge- 
salzenes Rindfleisch oder zweimal dafür 1 Pfund Schinken 
oder Schweinefleisch und 1 Pinte Erbsen; für die übrigen 
drei Tage der Woche : 1 Quarter Stockfisch, V2 Quarter eines 
Pfundes Butter und 1 Quarter eines Pfundes Käse. Die Unter- 
nehmer haben (gegen Entgelt) das Recht, alle königlichen 
Brauereien, Bäckereien, Mühlen usw. in Tower Hill, Dover, 
Portsmouth und Rochester zu benutzen 2^*. 

1650 schließen Col. Pride und fünf andere einen Liefe- 
rungsvertrag mit der Krone ab, worin sie sich verpflichten, 
die Flotte zu verproviantieren zum Satze von 8 d pro Kopf 
zur See, 7 d pro Kopf im Hafen; 1653 beträgt die Seerate 
8 d bis 9 d. 

1654 kündigen die Contractors den Vertrag. Die Folge 
ist: ein Victualling Office mit Gap. Romeo Aldeme an der 
Spitze wird eingesetzt. Karl II. legt die Seeproviantierung 
wieder in die Hände eines Contractors: Denis Gauden, dem 
1668 zwei verantwortliche Personen vom König beigegeben 
werden. 1683 werden Commissioners of Victualling angestellt, 
die Clerks und purveyors mit sich haben. Bei der Beschaffung 
der Lebensmittel auf dem Wege der privaten Lieferungs- 
verträge bleibt es aber wohl trotz dieser neuen Intendantur- 
beamten 2^^. 

In Frankreich besorgten das Geschäft der Lebens- 
mittelbeschaffung für das Heer bis in die Zeit Heinrichs III. 
hinein die Manutentionnaires, die königliche Beamte waren; 
«ie hatten die Lieferungen der Lokalbehörden in Empfang 
zu nehmen, die ihrerseits mittels des Requirierungssystems 
die nötigen Nahrungsmittel zusammenbrachten. An Stelle 
dieses Selbstbeschaffungsverfahrens tritt unter Heinrich III. 
das Lieferungswesen : Kauf leute wurden damit beauftragt, so- 



III. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Truppenverpflegung 145 

undso viel von den und den Bedarfsartikeln zu dem und dem 
Preise zu liefern. Der erste Vertrag solcher Art wurde im 
Jahre 1575 bei der Belagerung von Lusignan mit einem 
reichen Bürger von Niort, Amaury, abgeschlossen ^^^ Die 
Lieferanten, die sich meist zu mehreren zusammentaten und 
Lieferungsgesellschaften, compagnies, bildeten, hießen, wie 
schon erwähnt, munitionnaires. Auf ihnen ruhte das fran- 
zösische Verpflegungswesen, bis Choiseul im Jahre 1765 die 
Lebensmittelbeschaifung für die Armee wieder in eigene Regie 
nahm und damit „die enormen Profite", die die Kriegslieferanten 
hier (wie überall) gemacht hatten, dem Staate zugute kommen 
ließ 267. 

Diese Reform hat aber wohl, wie so viele der Maßnahmen 
Choiseuls, keine Dauer gehabt: das Lieferanten System wurde 
nur vorübergehend beseitigt. Jedenfalls begegnen wir ihm 
während der Revolutionskriege wieder. Damals entwickelte 
sich ein mächtiges und reiches Lieferantentum. 

Nach und nach gingen während des 17. und 18. Jahr- 
hunderts wohl alle kriegführenden Nationen zu dem 
Lieft rungssystem über. Der Militärlieferungshandel (der sich 
auch auf die Lieferung von Wafi'en, Munition, Pferden, Be- 
kleidungsgegenständen usw. erstreckte) wurde ein ganz wichtiger 
Zweig des Handels, an dem außerordentlich viel verdient worden 
ist. (Wenn ich im folgenden noch einige seiner Eigenarten auf- 
weise, so denke ich an die Lieferung aller Gebrauchsgüter 
für das Heer.) 

6. Mit der letzten Bemerkung: es sei viel an den Liefe- 
rungen für die Armee „verdient" worden, habe ich einen 
Punkt berührt, der ebenfalls der Beachtung und Hervorhebung 
wert ist: ich meine die vermögenbildende Kraft, die 
dem Militärlieferungshandel off"enbar als solchem in hervor- 
ragendem Maße innewohnt. 

Zu allen Zeiten sind Kriegslieferungen ganz besonders 
einträglich gewesen, weil bei ihnen die Notlage eines ganzen 

Sombart, Erleg nnd Eapitalismns 10 



146 Viertes Kapitel : Die Beköstigung der Heere 

Staates ausgenutzt werden kann. So wissen wir von den 
raschen Bereicherungen englischer Kaufleute durch Kriegs- 
lieferungen im 14. Jahrhundert ^"^ aber ebenso im 15. und 16.^*^, 
ebenso im 17. und 18. Jahrhundert. Und zwar scheint es, 
als oh in den früheren Zeiten auch handwerksmäßige Existenzen 
als Lieferanten aufgetreten seien, so daß der Militärlieferungs- 
handel, was ihm besondere Bedeutung verleiht, zu den primär 
vermögenbildenden Zweigen des Wirtschaftslebens gehört. 

Wir dürfen das für das Mittelalter ohne weiteres an- 
nehmen, da es uns selbst für die frühkapitalistische Epoche 
von einem so vortrefflichen Beobachter wie Defoe bestätigt 
wird. Dieser berichtet darüber wie folgt ^''°: 

„A great many families rais'd within few years, in the late war 
by great employments and by great actions abroad to the honour of the 
English Gentry; yet how many more iamilies among the tradesmen have 
rais'd immense estates, even during the same time, by attending circum- 
stances of the war? such as the cloathing, the paying, the victualing 
and furnishing etc. both army and navy . . . how ordinary is it to see a 
tradesmen go off of the stage, even but from mere shop-keeping, with, 
from 10 to 40000 £, estates to divide among his family." 

Eine große Rolle hat die Bereicherung aus Kriegsliefe- 
rungen von jeher in Frankreich gespielt, und hier wird uns 
sogar für das 18. Jahrhundert ausdrücklich bestätigt, daß auf 
diesem Wege häufig Vermögen aus dem Nichts entstanden. 
Während der Revolutionskriege drängte sich „eine Menge 
Unternehmer herbei, die Kontrakte eingehen wollten. Aber was 
waren dies für Leute? Wie ich schon oben gesagt habe, Menschen 
ohne Vermögen. Der Reiche verbarg sein Geld. Die damaligen 
Machthaber Frankreichs mußten daher mit Lieferanten unter- 
handeln, denen sie entweder große Summen vorausbezahlten 
oder doch Kredit verschafften. Auf diese Art entstanden die 
verschiedenen Kompagnien Godard, Gaillard usw." ^'^^ die 
meist zu großem Reichtum gelangten. Die berühmteste (und 
berüchtigste) dieser Gesellschaften war die Compagnie Godard, 
die in einem Jahre 13 Mill. Frs. Forderungen an die Regierung 
gehabt haben soll. 



III. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Truppenverpflegung 147 

Eine gründliche Untersuchung des Militärlieferungswesens 
wäre eine reizvolle und gewiß an vielen Aufschlüssen reiche 
wissenschaftliche Aufgabe, die ich natürlich in diesem Zu- 
sammenhange nicht lösen kann, ohne den Rahmen dieser 
Studie zu zersprengen. Ich will hier nur auf einen Punkt 
noch hinweisen, der mir besonderer Beachtung wert erscheint: 
das ist (und damit scheint mir abermals eine wichtige Be- 
ziehung zwischen Heeresverproviantierung und modernem 
Kapitalismus aufgedeckt zu sein) 

7. die intime Verbindung, die zwischen der Armeelieferung 
und der Judenschaft zu allen Zeiten bestanden hat. Wer 
die wirtschaftliche Entwicklung der Juden seit dem Mittelalter 
verfolgt, dem fällt nichts so sehr auf als dies: wie häufig 
es Juden sind, die die Armeen mit allen nötigen Sachgütern 
ausrüsten. 

Solange sie in Spanien das Wirtschaftsleben beherrschten, war es 
natürlich, daß sie auch als Heereslieferanten eine hervorragende Rolle 
spielten. Aber auch in den Ländern , in denen sie nach ihrer Ver- 
treibung ihre Tätigkeit entfalteten, üben sie sofort dieses einträglichste 
aller Gewerbe mit Vorliebe aus. Wir begegnen ihnen in England 
während des 17. und 18. Jahrhunderts in der gedachten Eigenschaft. 
Während des Commonwealth ist der bei weitem bedeutendste Heeres- 
lieferant Ant. Fern. Carvajal, „the great Jew", der zwischen 1630 und 
1635 in London einwandert und sich bald zu einem der leitenden Kauf- 
leute des Landes aufschwingt. Im Jahre 1649 gehört er zu den fünf 
Londoner Kaufleuten, denen der Staatsrat die Getreidelieferung für das 
Heer überträgt ^''2. In der darauffolgenden Periode, namentlich in den 
Kriegen Wilhelms III., tritt als „the great contractor" vor allem Sir 
Solomon Medina, „the Jew Medina", hervor, der daraufhin in den Adels- 
stand erhoben wird^'^ 

Und ebenso sind es Juden, die auf der feindlichen Seite im 
spanischen Erbfolgekriege die Heere mit dem Nötigen versorgen: 
„Und bedient sich Frankreich jederzeit ihrer Hülffe, bey Krieges-Zeiten 
seine Reuterey beritten zu machen" ^'^*. 1716 berufen sich die Straßburger 
Juden auf die Dienste, die sie der Armee Ludwigs XIV. durch Nach- 
richten und Proviant geleistet haben ^''^ Jakob Worms hieß der Haupt- 
kriegslieferant Ludwigs XIV. "6. Im 18. Jahrhundert treten sie dann 
in dieser Eigenschaft in Frankreich immer mehr hervor. Im Jahre 1727 
lassen die Juden von Metz innerhalb von sechs Wochen 2000 Pferde 

10* 



148 Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

zum Verzehr und mehr als 5000 als Eemonte in die Stadt kommen 2'''. 
Der Marschall Moritz von Sachsen, der Sieger bei Fontenay, äußerte: 
daß seine Armeen niemals besser verproviantiert gewesen seien, als wenn 
er sich an die Juden gewandt hätte "^. Eine als Lieferant hervorragende 
Persönlichkeit zur Zeit der beiden letzten Ludwige war Cerf Beer, von 
dem es in seinem Naturalisationspatent heißt: „que la derniere guerre 
ainsi que la disette, qui s'est fait sentir en Alsace pendant les annees 
1770 et 1771 lui ont donne l'ocasion de donner des preuves de zele dont 
il est anime pour notre service et celui de rEtat"^^''. Ein "Welthaus 
ersten Ranges im 18. Jahrhundert sind die Gradis von Bordeaux: der 
Abraham Gradis errichtete in Quebec große Magazine, um die in 
Amerika fechtenden französischen Truppen zu versorgen 2^**. Eine hervor- 
ragende Rolle spielen die Juden in Frankreich als Fournisseure unter 
der Revolution, während des Direktoriums und auch in den napoleonischen 
Kriegen 281. 

Auch in Deutschland finden wir die Juden frühzeitig und oft aus- 
schließlich in den Stellungen der Heereslieferanten. Im 16. Jahrhundert 
ist da der Isaak Meyer, dem Kardinal Albrecht bei seiner Aufnahme zu 
Halberstadt 1537 mit Rücksicht auf die bedrohlichen Zeitläufte die Be- 
dingung stellt, „unser Stift mit gutem Geschütz, Harnisch, Rüstung zu 
versorgen"; und der Josef von Rosheim, der 1548 einen kaiserlichen 
Schutzbrief empfängt, weil er beim König in Frankreich Geld und Pro- 
viant für das Kriegsvolk verschafit hatte. Im Jahre 1546 begegnen wir 
böhmischen Juden, die Decken und Mäntel an das Kriegsheer liefern ^^. 
Im 17. Jahrhundert (1633) wird dem böhmischen Juden Lazarus bezeugt, 
daß er „Kundschaften und Avisen, daran der Kaiserlichen Armada viel 
gelegen", einholte oder auf seine Kosten einholen ließ, und sich stets 
bemühte, „allerlei Kleidung und Munitionsnotdurft der Kaiserlichen Ar- 
mada zuzuführen" 28^. Der Große Kurfürst bediente sich der Leimann 
Gompertz und Salomon Elias „bei seinen kriegerischen Operationen mit 
großem Nutzen, da sie für die Notwendigkeiten der Armeen mit vielen 
Lieferungen an Geschütz, Gewehr, Pulver, Montierungsstücken etc. zu 
tun hatten" 28*. In der „Spezification, was ich vor die neue Esca- 
dron ausgegeben", heißt es: 3. An den Juden Levin Mejer wegen 
die angeschaffte Pferde bis Ausgang Juny 1719 13483 Rtlr. (von ins- 
gesamt 23408 Rtlr. 13 Gr. 9 Pf.)^»«. Samuel Julius: Kaiserl. KönigL 
(Remonte-) Pferde-Lieferant unter Kurfürst Friedrich August von 
Sachsen, die Familie Model: Hof- und Kriegslieferanten im Fürsten- 
tum Ansbach (17., 18. Jahrhundert) ^^e jyjan spricht von „jüdischer 
Rimonta", wenn die Pferde besonders billig beschafft werden ^"^ 
„Dannenhero sind alle Commissarii Juden, und alle Juden sind Com- 
raissarii" sagt apodiktisch Moscherosch in den Gesichten Philanders 
von Sittewald 288, 



III. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Truppenverpflegung 149 

Die ersten reichen Juden, die unter Kaiser Leopold nach der Aus- 
treibung (1670) wieder in Wien wohnen durften : die Oppenheimer, Wert- 
heimer, Mayer Herschel usw. waren alle auch Armeelieferanten. Samuel 
Oppenheimer, „Kaiserlicher Kriegsoberfaktor und Jud", wie er offiziell 
bezeichnet wurde und sich auch selbst zu unterfertigen pflegte, schloß 
namentlich in den Feldzügen des Prinzen Eugen „fast alle bedeutenden 
Proviant- und Munitionslieferungen ab"^^®. Zahlreiche Belege für die 
auch im 18. Jahrhundert fortgesetzte Tätigkeit als Armeelieferanten be- 
sitzen wir für alle österreichischen Lande ^®^. 

Endlich sei noch der jüdischen Lieferanten Erwähnung getan, die 
während des Revolutionskrieges (ebenso wie später während des Bürger- 
krieges) die amerikanischen Truppen verproviantierten 2^^. 

"Wir sind im Verlauf dieser Studie schon einmal auf die 
Juden gestoßen: als wir die Aufbringung der Mittel für die 
Kriegszwecke untersuchten. Dort traten sie uns als die Geld- 
geber und vor allem als diejenigen entgegen, die dem Staate 
durch Versachlichung des Schuldverhältnisses (Ausbildung der 
börsenmäßig gehandelten Partialobligation) es ermöglichten, 
größere Anleihen aufzunehmen. Dort sehen wir sie sich am 
Kriege bereichern, hier sehen wir sie wieder am Kriege sich 
bereichern: am Kriege, den andere Völker untereinander 
führten. Ihre eigentümliche soziale Lage und ihre Ver- 
anlagung setzte sie in den Stand, hier Funktionen besser zu 
erfüllen als Christen, und so kamen sie gerade durch die 
Kriege zu Reichtum und Ehren (Hofjuden !) ; durch die Kriege 
wurde ihnen auf den angedeuteten Wegen vielerorts erst der 
Zugang zu den Quellen der nationalen Volkswirtschaft er- 
schlossen. Die wirtschaftliche Vorherrschaft der Juden in 
Europa und Amerika ist nicht zuletzt ein Werk des Krieges. 
Was das aber bedeutet, was es vor allem für die Ausgestaltung 
des kapitalistischen Wirtschaftssystems bedeutet, habe ich hier 
um so weniger nötig darzustellen, als mein Buch: „Die Juden 
und das Wirtschaftsleben" diesem Gegenstande gewidmet ist. 



150 Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

Der Einfluß, den die Verpflegung der Heere innerhalb 

der Sphäre der gewerblichen Produktion ausübt, ist 

begreiflicherweise geringer. Vorhanden ist er auch hier : in der 

Sphäre der Bäckerei sind die ersten Großbetriebe die Militär- 

brotbäckereien^^^, die in einem Lande wie Preußen, 

dessen Gewerbe im wesentlichen noch im handwerksmäßigen 

Rahmen betrieben wurden, eine stark revolutionierende Wirkung 

haben mußten. 

* * 

* 

Anhang: Ganz ähnlich wie die Lieferung der Nahrungs- 
mittel für die Heere war auch die Lieferung der Pferde 
organisiert : sie lag in den Händen reicher , meist jüdischer 
Händler und bildete ebenfalls eine Quelle rascher Bereiche- 
rung, wie uns gelegentlich berichtet wird. Das Material, 
das uns genaueren Aufschluß über das Remontewesen geben 
könnte, ruht noch in den Archiven. Was bisher an wissen- 
schaftlicher Behandlung dem Gegenstande zuteil geworden ist, 
erschöpft das Problem keineswegs. Die ausführlichste Dar- 
stellung hat der Gegenstand erfahren in dem Buche von 
E. 0. Mentzel, Die Remontierung der preußischen Armee 
in ihrer historischen Entwicklung und jetzigen Gestaltung. 
2 Teile, 1845 — 71. Einige gelegentliche Bemerkungen finden 
sich hie und da zerstreut. Recht brauchbare z. B. in dem 
schon öfters genannten Buche Gius. Pratos über die Kosten 
des spanischen Erbfolgekrieges für Piemont. Dort wird uns 
z. B. berichtet, daß nach der Schlacht von Turin 2024 Pferde 
bei der Kavallerie in Abgang gekommen sind; daß jedes im 
Auslande gekaufte Pferd durchschnittlich 18 Louisd'or, jedes 
im Inlande gekaufte 100—150 £ kostete. Wir erfahren auch, 
daß die Lieferungen im großen abgeschlossen wurden: z. B. 
im Jahre 1704 mit dem Bankhause Lullin & Nicolas über 
Beschaffung von 1300 Pferden ^'s. 



151 



Fünftes Kapitel: Die Bekleidung 
der Heere 



I. Die Bekleidungssysteme 

Den Anfang macht auch hier die Eigenfürsorge jedes 
Kriegers für seine Bekleidung. Der Landsknecht brachte 
seine Anzüge mit, so wie er sie für gut hielt. Aber auch 
die Krieger in den Ordonnauzkompagnien Karls des Kühnen 
(1471), also schon einer Art von „stehendem Heer", haben 
noch selbst für ihre Bekleidung (ebenso wie für ihre Be- 
waffnung) zu sorgen ^^*. Denselben Zustand treffen wir auf 
der englischen Flotte zur Zeit der Elisabeth an^^^. 

Wenn eine höhere Instanz sich um das Bekleidungswesen 
zu bekümmern anfängt, so geschieht es manchmal, ähnlich wie 
wir es bei der Beköstigung schon kennen gelernt haben, in 
der Form einer indirekten Fürsorge: man überläßt es zwar 
dem einzelnen Krieger noch, sich nach eigenem Gutdünken 
und auf seine Kosten zu equipieren, achtet aber darauf, daß 
er gute und preiswerte Ware beim Einkauf vorfindet. 

So verfuhr die englische Regierung auf ihrer Flotte im 17. Jahr- 
hundert: 1623 werden den Matrosen „slop clothes" zum Kauf von den 
Proviantmeistern angeboten; wir erfahren auch, aus welchem Grunde: 
weil die Mannschaft zu arg verlumpt und verdreckt einherging und es 
zu sehr auf dem Schiffe stank und die Gefahr ansteckender Krankheiten 
durch diesen Schmutz heraufbeschworen wurde: „To avoyde nastie 
beastlyness by continuall wearinge of one suite of clothes and therebie 
boddilie diseases and un wholesome ill smells in every ship . . ."*^*. Aber 
da der Ankauf solcher Slop-clothes nicht obligatorisch war, die Preise 
aber den Leuten zu hoch erschienen, so fanden die schönen Sachen 



152 Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere 

keine Abnehmer: die Mannschaft „bought hardly any slops and pre- 
ferred to go ragged". 

Die Regierung ist aber weiter um eine vorteilhafte Beschaffung der 
Kleider besorgt: 1655 wird verordnet, daß kein Schneider Kleider an 
Bord schaffen darf ohne Lizenz der Navy Commissioners. 1656 wird der 
Preis der Slops festgesetzt: canvas-jackets 1 s 10 d usw. Die commis- 
sioners übernahmen aber für die Güte der Kleidungsstücke keine 
Garantie. Verliert der Seemann seinen „Kit", so bekommt er eine kleine 
Summe aus Staatsmitteln, um ihn wieder zu kaufen 2^''. 

Aber in dem Maße, wie die einzelnen Truppeukörper sich 
in sich selbst festigten und zu einem einheitlichen Heere zu- 
sammengeschweißt wurden, trat doch die kollektive Bedarfs- 
deckung an die Stelle der Einzelversorgung. Daß ein Truppen- 
körper als Ganzes bekleidet werde, war ein der früheren Zeit 
durchaus vertrauter Gedanke: Aufgebotsheere, Milizen emp- 
fingen häufig ihre Montur von der Gemeinschaft, der sie im 
bürgerlichen Leben angehörten: die wehrpflichtigen Rotten 
der Städte werden meist von der Stadt bekleidet. Aber auch 
die „francs archers", die Karl VIII. von Frankreich aushob, 
erhielten von der Gemeinde einen kompletten Anzug mit. 
Später teilten sich der König und die Gemeinde in die Be- 
kleidung dieser bis ins 18. Jahrhundert immer wieder auf- 
gebotenen Miliztruppen: der König lieferte die Bewaffnung, 
le grand öquipement, also vor allem den Anzug, und sorgte 
für die Verpflegung während des Dienstes; der Gemeinde 
jedoch lag es ob, die kleine Montur (le petit ^quipement), 
Hut, Weste, Hemd und Schuhwerk, herbeizuschaffen^^^. 

Das militärische Unternehmertum, das namentlich im 16. 
und 17. Jahrhundert das Heerwesen beherrschte, brachte es 
von selbst mit sieh, daß diejenige Instanz, der die Bekleidung 
eines Truppenkörpers zufiel, wenn schon die Individualver- 
sorgung aufhören sollte, der Oberst des Regiments oder der 
Kompagniechef wurden. 

Dieses System der regiments- oder kompagnieweisen Be- 
schaffung der Kleidung hat wohl in allen Militärstaaten von 
Beginn der modernen Heere an bis ins 18. Jahrhundert hinein 



I. Die Bekleidungssysteme 153 

geherrscht. In England 2^^, wo schon im Anfang des 16. Jahr- 
hunderts der Mißbrauch durch Gesetze (18 H. VI. eh. 18; 
2. u. 3. Ed. VI.) bekämpft wird; in Frankreich ^*'°; in Branden- 
burg-Preußen ^°^ 

Frühzeitig griff aber dann auch der Staat in das Be- 
kleidungswesen ein, indem er sich an der Ausrüstung des 
Heeres selbst beteiligte. Zunächst neben den andern In- 
stanzen, sei es daß er einen Teil der Truppen völlig ein- 
kleidete, sei es daß er einen Teil der Bekleidung aller Truppen 
auf sich übernahm. 

In diesem Falle stellte er entweder den Obersten und 
Hauptleuten das Rohmaterial für die Kleidung, also nament- 
lich das Tuch für die Anzüge, gegen entsprechendes Entgelt 
zur Verfügung. Das geschah z. B. in Brandenburg-Preußen : 

Am 2. Mai 1611 berichtet Markgraf Ernst an den Kurfürsten, man 
sei den beiden Obersten Graf Philipp von Solms und Kracht „über das- 
jenige, was sie allbereit an Lohnung, Tuch etc. empfangen," noch 
71033 Rtlr. schuldig 8<*2^ Aber auch im 18. Jahrhundert blieb dieses ge- 
mischte System in Preußen in Übung: den Regimentskommandeuren lag 
die Bekleidung ob, das Kriegsdepartement aber besorgte die Tuchankäufe 
und verabfolgte das Tuch im großen an die Regimenter^**'. 

Oder der Fürst lieferte einen Teil der Kleidung, die 
Offiziere den andern. 

So bestimmt es z. B, ein Vertrag '<>* über die Bekleidung des Re- 
giments Anhalt zu Fuß vom 23. Januar 1681: 

Der Fürst zu Anhalt hat Uniform geliefert, die jetzt erneuert werden 
muß. Er schließt mit den „Herren Officiren und Hauptleuthen, welche 
wirkliche Compagnien zu commandiren untergeben worden, nachfolgende 
Capitulation" : 

1. er liefert sofort 1000 Stück „tüchtige lange blaue Tuchmantel"; 

2. er beläßt den Offizieren das Kleidergeld von 10 Monaten (2 Monate 
behält er für die Mäntel); 

3. die Offiziere versprechen, „daß sie von jetzt an, ein jeder seine 
unterhabende Compagnie mit völliger guter und untadelhaifter 
Montirung versehen soll und will" . . ., und zwar jedes Jahr 
etwas, so daß nach 3 Jahren die gesamte Ausrüstung an 
Kleidern erneuert ist. 



154 Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere 

Der andere Weg, den der Fürst einschlug, um an der 
Bekleidung seiner Truppen teilzunehmen, führte ihn zur 
völligen Versorgung eines Teiles des Heeres, so daß in diesem 
Falle sich die Armee in staatlich und sonstwoher bekleidete 
Regimenter schied. 

Von Anfang an hatte der Fürst wohl für die Equipierung 
seiner Leibgarde gesorgt. Und auf deren reichliche und 
kostbare Ausstattung blieb dann auch später, als sie sich be- 
trächtlich erweiterte und in Frankreich zum Beispiel sich 
zu den „Truppen des königlichen Hauses" aus wuchs, das Haupt- 
bestreben gerichtet. Daneben gab der Fürst andern Truppen 
Monturen, je nach deren Bedarf und je nach seinem Können. 

In England weist schon Eduard III. (1837) die Chamberlains von 
Nord- und Süd-Wales an, eine genügende Menge Tuch zu beschaffen, 
um jeden von 1000 aufgebotenen Leuten einen Anzug davon zu machen ^**^ 

Für das Ende des 16. und den Anfang des 17. Jahrhunderts be- 
sitzen wir genaue Aufstellungen über die Stärke der irischen Fuß- 
truppen überhaupt und die Anzahl der davon auf Staatskosten bekleideten 
sowie über die dafür aufgewandten Summen ^°*: 

Jahr Bekleidung Truppenzahl bekleidet Ausgabe 

41. El. 

42. „ 

42. „ 

43. „ 

44. „ 

45. „ 
1. Jac. I 

1. « 

2. „ 

2. n 

B. „ 

237 3«7 £ 
(etwa 1V3 Mill. i^ heut. Währ., also etwa 26Mill. Mark in 7-8 Jahren). 

Ebenso in Frankreich dieselbe gelegentliche Unterstützung durch 
den Staat: 1630 liefert Richelieu bestimmten Regimentern die Monturen; 
1645 schickt man Anzüge und Schuhwerk an die Armee in Katalonien'**'. 



Sommer 


12 000 


7500 


17 818 £, 


Winter 


12 000 


— 


29 806 „ 


Sommer 


7 000 


— 


10 393 „ 


Winter 


12 000 


6300 


29 806 „ 


Sommer 


12 000 


8030 


17 818 „ 


Winter 


12 000 


6850 


29806 „ 


Sommer 


10 000 


8500 


14 846 „ 


Sommer 


10000 


8500 


15 330 „ 


Winter 


7 000 


3040 


17 864 „ 


Sommer 


5 000 


1460 


7 656 „ 


Winter 


3 000 


1500 


7 656 „ 


Sommer 


3000 


316 


4 508 „ 


Winter 


1370 


250 


3 456 „ 



IL Die Uniform 155 

Im 18. Jahrhundert vollendet sich dann in allen Militär- 
ländern die Verstaatlichung des Bekleidungswesens, was nicht 
besagt, daß nun durchgängig die Herstellung oder auch nur 
die Lieferung der Kleider durch den Staat direkt erfolgt 
wäre. In Frankreich beispielsweise, wo die Verstaatlichung 
im Jahre 1747 grundsätzlich durchgeführt wurde, blieben von 
da an zwei Systeme in Übung: die „Regie" und die „Ad- 
ministration directe des corps" (die Kompagnie Wirtschaft), 
die aber ebenfalls unter staatlicher Leitung stand ^°^. 

Vorbildlich für die Organisation des Militärbekleidungs- 
■wesens wurden die 1768 errichteten österreichischen 
Monturskommissionen, die den Zweck hatten, „sämtliche 
Truppenteile der Armee sowohl in Friedens- als Kriegszeiten 
mit den erforderlichen Monturs-, Armaturs-, Lederwerks-, 
Pferde- Ausrüstungsgegenständen und Feldrequisiten aller Art 
zu versehen'', und die auch gleichzeitig für die Beschaffung der 
Spital ge rätschaften und Bettfurnituren zu sorgen hatte ^*'^. 

Aber die Einzelheiten gehören nicht hierher. Genug, 
daß wir die Tendenz feststellen konnten, das Bekleidungs- 
wesen im Laufe der Jahrhunderte aus dem Zustande der 
Einzel fürsorge in den der vollständigen Staatsfürsorge hinüber- 
zuführen, mit einem Wort: daß wir auch in diesem Gebiete 
des Heerwesens der Tendenz zu einer Zusammenballung des 
Bedarfs begegnet sind, über die wir uns nunmehr noch etwas 
klarer werden müssen. 

II. Die Uniform 

Engstens mit den Wandlungen der Bekleidungssysteme 
im Zusammenhang stehen die für die ökonomischen Probleme 
besonders wichtigen Veränderungen, die die Form der Be- 
kleidung erfährt. 

Wenn jeder Krieger ganz nach Gutdünken und Vermögen 
für seine Kleidung selbst zu sorgen hat, so kommt bei einer 
ganzen Truppe, ähnlich wie wir es bei der Bewaffnung sahen, 



156 Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere 

eine große Buntscheckigkeit heraus. Jedem steht das Bild 
eines Haufens Landsknechte vor Augen, in dem jeder einzelne 
seinem absonderlichen Geschmacke in der Kleidung Ausdruck 
verleiht. (Nebenbei bemerkt : hier lebt sich noch der kreatür- 
liche Mensch mit freier Liebesgestaltung in Luxus und Launen 
aus: ungehemmt durch innere oder äußere Disziplinierung.) 
Aber diese Mannigfaltigkeit der Kleidung reicht noch bis 
in das 17. Jahrhundert hinein. Seltsam muß das schwedische 
Heer Gustav Adolfs ausgeschaut haben. Die einzige Ver- 
ordnung, die auf das Kleiderwesen Bezug hat, die vom Jahre 
1G21, bestimmt: „Die Soldaten schaffen sieh dienliche Kleider, 
solche, die einem Kriegsmann anstehen, nicht so sehr auf 
den Stoff als darauf sehend, daß sie verständig gemacht seien." 
Doch heißen noch im preußischen Kriege die schwedischen 
Soldaten unansehnliche Bauernknechte wegen ihrer Bekleidung, 
und erst 1632 wurden die Schafpelze durch eine besondere 
Pelzsteuer abgeschafft ^^•'. Aber auch die Armee des Großen 
Kurfürsten am Ende seiner Regierung war, wenigstens in 
manchen Regimentern, noch recht weit entfernt von dem, 
was wir heute unter einer wohluniformierten Truppe ver- 
stehen. 

In dem Musterungsbericht der Generale v. Schöning und v. Barfuß 
vom Jahre 1683 heißt es von der Uniform der Garden (!): 

„Die Mondirung ist allererst vor fünfviertel Jahren ausgetheilt 
worden, durchgehends aber und insonderheit bey den zwey Leibkom- 
pagnien zu schiecht, die Röcke und Ueberkleider sehen abgetragen und 
ungleich aus, maaßen einige blau tuchene, andere lederne Hosen, ein 
Theil runde, andere wiederum messingne Knöpfe, ein Theil licht, ein 
Theil dunkelblaue Röcke hat . . ."»n. 

Die Armeen des 17. Jahrhunderts trugen deshalb immer 
noch Erkennungszeichen irgendwelcher Art. Als solche dienten : 
die Feldbinden und Hutfedern der Anführer; die Fahnen und 
Standarten; und namentlich das sog. Feldzeichen, das heißt 
ein Abzeichen, das man auf den Hut steckte ^^^. 

Wann bürgert sich die Uniform ein? Woher stammt 



IL Die Uniform 157 

sie? Man hat versucht, die moderne Uniform unserer Heere 
in einen Zusammenhang zu bringen mit den gleichen Trachten 
die auch das Mittelalter bei besonderen Anlässen kannte. 
Aber diese waren doch nicht dasselbe, weil sie aus anderem 
Geiste geboren waren. Damals trug man „die Farbe" dessen, 
den man ehren wollte. Und wenn viele zusammenkamen, 
um Einen zu ehren: bei Festen, öifentlichen Einholungen und 
Einzügen, bei Huldigungen aller Art, so ergab sich natürlich 
eine Vielheit gleichfarbiger oder gleicher Kostüme. Die aber 
1. nicht gleich (eins wie das andere), sondern nur eigen- 
artig (in der Farbe bestimmt) sein sollten und 2. ganz 
gewiß nicht gleich waren. 

Diese Ehrentracht, wie man sie nennen könnte, ging 
nun in einzelnen Fällen in eine andere Art von Tracht über, 
die ursprünglich wohl gleichem Zwecke (der Huldigung) ihr 
Dasein verdankte, dann aber einem anderen Ideenkomplex 
ein- und untergeordnet wurde: dem Dienstverhältnis. Bei 
Hofdienst trägt der Dienende frühzeitig die Farbe, das Hof- 
kleid des Fürsten. War erst das Tragen eines bestimmten 
Gewandes der freie Entschluß des Trägers gewesen, so wurde 
ihm nun die Tracht aufgezwungen vom Dienstherrn, der mit 
der Einförmigkeit der Farben die Abhängigkeit einer mög- 
lichst stattlichen Schar und damit seine eigene Machtfülle 
zum Ausdruck bringen will. 

Diese „Hoftracht", die allmählich zur „Bediententracht" 
wird, ist wohl die eine Wurzel, aus der wenigstens äußerlich 
die moderne Uniform der Armeen entsprungen ist: die Leib- 
garden trugen die Farben ihres Herrn. 

Solche einheitlichen Trachten der fürstlichen Leibgarden finden wir 
allerorts schon im 15. Jahrhundert: unter Albrecht Achill sollen 1476 
„die Rock halb swarz und halb gra sein und auf den swarzen Ermel 
Buchstaben von weissem Tuch"^^^ Scharlachrot trugen die Truppen 
des Königs von England wahrscheinlich seit Heinrich VII. ^'*. Mit den 
königlichen Farben sind ausgestattet die Besatzungen französischer 
Kriegsschiffe zur Zeit Ludwigs XL, der auch bestimmten Schiffern der 



158 Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere 

Garonne seine Farben zu tragen gestattete. 1514 sind alle 60 Marins 
der Rochelaise von St. Malo mit blauen und roten Jacken bekleidet, 
den königlichen Farben, während die spanischen Seeleute rot 'und gelb 
Sindbis. 

Diesen Ursprung aus dem Bedientenverhältnis lassen die 

späteren Uniformen der Truppen an dem Namen erkennen, 

der ihnen bis ins 17. Jahrhundert, ja noch darüber hinaus, 

gegeben wird: Livreen (Liverey, livröe royale, royal livery). 

Der Ausdruck Uniform bürgerte sich in der deutschen (!) 

Sprache erst etwa zur Zeit Friedrichs des Großen ein. 

Als 1605 der Herzog von Braunschweig, Heinrich Julius, 16 000 
Fußstruppen und 1500 Reiter mustert, trugen alle die „Livrei" und die 
Farben des Herzogs^**. 

Die 600 Musketiere, die Oberst v. Kracht laut Bestallungsurkunde 
vom 1. Mai 1620 anwirbt, erhalten „eine Liverei von grauem Tuch mit 
blauen Schlägen" ^" (während für die 400 Pikeniere offenbar keine Uni- 
form vorgesehen war). 

Am 25. November 1679 beschloß der Hamburger Senat, die Stadt- 
soldaten „mit gewisser Liberey" zu versehen, d. h. sie einheitlich zu 
kleiden ^'^. 

Noch im Anfang des 18. Jahrhunderts heißt es: „Diese churfürst- 
lichen Trabanten zu Pferde ... in kostbarer churfürstlicher Liveree . . ." ^**. 

Aber es hieße doch das Wesen der modernen Uniform 
ganz und gar verkennen, wollte man in ihr einfach eine Fort- 
setzung oder Erweiterung der Bediententracht erblicken. Man 
muß vielmehr einsehen, daß sie aus eigener "Wurzel erwachsen 
ist, und daß sie ihrem Geiste und schließlich auch ihrer Ver- 
körperung nach grundsätzlich in ein ganz anderes Gebiet 
menschlicher Interessen hineingehört als die Livree. 

Die moderne Uniform, das ist die Hauptsache, ist ein 
durch und durch rationales Gebilde : sie ist geboren aus einer 
Reihe ganz intensiver und ganz subtiler Zweckmäßigkeits- 
erwägungen heraus. Zweckmäßigkeitserwägungen zunächst 
militaristischer Natur. 

Da war der rein äußerliche Grund: daß man an einer 
Uniform eine Truppe leichter erkennen und leichter von der 
anderen unterscheiden konnte. Aber zu diesem äußerlichen 



II. Die Uniform 159 

gesellten sich schwerwiegende innerliche Gründe, die eine 
Uniformierung der Heere nahelegten : die Uniform verleiht den 
Trägern, sagte man sich, ein Gefühl der Solidarität, das 
sie ohne die gleiche Tracht nicht besitzen. Diese Erwägung 
wurde ganz frühzeitig schon angestellt, als die Idee des alten 
Aufgebotheers noch nicht ganz verblaßt war und sich in den 
Gedanken einer allgemeinen Wehrpflicht der Landesunter- 
tanen zu transsubstantiieren im Begriife war. Damals (im 
16. Jahrhundert) hebt Graf Johann von Nassau, der das 
Prinzip der allgemeinen Wehrpflicht in seiner Schrift ver- 
focht, auch den Einfluß hervor, den eine Staatstracht auf die 
Stärkung des Selbstbewußtseins ausüben würde. Er wie der 
Landgraf Moritz von Hessen wollen, da die Wämser von 
Seide zu sein pflegten, die Füsiliere nach der Farbe der 
wollenen Beinkleider unterscheiden ^2®. 

Verwandt, aber nicht identisch mit dieser Erwägung war 
die andere, die später die großen Truppenorganisatoren an- 
stellten: wenn sie meinten, zur guten Disziplinierung eines 
Heeres gehöre die Uniform. Hier war es gleichsam eine 
heteronome Unterwerfung des einzelnen unter die Zwecke 
des Ganzen, die man von der Uniformierung erwartete, während 
der Graf von Nassau eine autonome Hingabe durch sie ver- 
anlassen zu können hoffte. Ohne Uniform keine Diszi- 
plin: diesen Gedanken spricht Friedrich der Große einmal aus, 
als er den Zustand der Armee des Großen Kurfürsten be- 
schreibt ^^^r „Sa cavalerie avoit encore Vancienne armure en 
entier; eile ne pouvait gueres etre disciplinöe car 
chaque cavalier se pouvoyait de chevaux, d'habits et d'arraes 
d'oü il rösultait une bigarrure Strange pour tout le corps." 

Die moderne militärische Disziplin, so haben wir schon 
wiederholt feststellen können, ist eine jener Mächte, die von 
der Vorsehung berufen scheint, um dem „kreatürliehen" 
Menschen den Garaus zu machen. Militarismus und Puri- 
tanismus, sahen wir, sind Zwillingsbrüder : weshalb auch eine 



X60 Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere 

der ersten gut uniformierten Truppen die „Heiligen" unter 
Cromwells Führung gewesen sind. 

Zu diesen, wie ich sie nannte, militaristischen Zweck- 
mäßigkeitserwägungen gesellen sich nun aber als Helfer die 
starken Gründe der ökonomischen Ratio, die eben gleich- 
falls auf die Uniformierung hindrängen: die Gleichförmigkeit 
schafft die Möglichkeit des Massenbezuges und der Massen- 
herstellung, und diese gewähren zahlreiche Vorteile, deren 
wichtigster der niedrigere Preis ist. Als womit wir dann be- 
reits mit einem Fuß in das Gebiet der ökonomischen Be- 
trachtung des Bekleidungsproblems hinübergetreten sind, auf 
dem wir uns dann etwas mehr umsehen wollen. Aber einen 
Augenblick bitte ich den Leser noch sich zu gedulden, weil ich 
vorher noch mit ein paar "Worten wenigstens sagen möchte, wie 
sich die äußere Geschichte der modernen Uniform gestaltet. 

Diese Geschichte läßt sich in dem einen kurzen Satz 
zusammenfassen: Die Uniform dehnt sich in gleichem Maße 
und in gleichem Schritt aus wie die Verstaatlichung des Be- 
kleidungswesens. Zunächst, das sehen wir schon, erscheint 
sie bei der Leibgarde. Dann scheinen die Städte ihre Truppen 
fast regelmäßig mit Uniformen oder wenigstens Uniformstücken 
ausgestattet zu haben. 

Eine andere Stelle, wo sich die Uniform ebenfalls früh- 
zeitig findet, bilden die Aufgebotsheere. Die sächsische 
Defensionsordnung von 1613 schreibt grauen Tuchrock mit 
rotem Kragen, kurze Tuchhosen und rote Strümpfe für das 
Fußvolk vor, und sogar für die Ritterschaft wurden Unter- 
scheidungen nach der Farbe der Waffenröcke und ihrer Besatz- 
streifen eingeführt ^^^. 

Bei den Unternehmerheeren des 16. und 17. Jahrhunderts 
tritt häufig eine Uniformierung der einzelnen Regimenter 
auf: die Obersten haben das Bestreben, ihr Verkaufsobjekt 
recht ansehnlich zu machen, ihrer Truppe den Anschein der 
Geschlossenheit und Wohldiszipliniertheit zu geben. Später 



II. Die Uniform 161 

wird die Uniformierung der gedungenen Regimenter in den 
Bestallungsverträgen ausdrücklich vereinbart. Beispiel: die 
Kapitulation über die Errichtung eines hessischen Dragoner- 
regiments vom 19. Oktober 1688 »^a. 

In dem Maße nun, wie der Fürst die Truppen überhaupt 
mit KleiduDg versah, uniformierte er sie auch. So daß wir 
während des 16., 17. und 18. Jahrhunderts das Fortschreiten 
des staatlichen Bekleidungssystems an dem Fortschreiten der 
Uniformierung verfolgen können: bis zum völligen Siege der 
beiden Prinzipien. 

Die französischen Truppen hatten im 16. Jahrhundert 
noch keine eigentliche Uniform. Doch trugen einige Truppen- 
teile schon eine sie unterscheidende Kleidung : die gens d'armes 
hatten „hoquetons d'ordonnance" (Waffenrock), und die Bogen- 
schützen einzelner Provinzen trugen Röcke und Wappen ihres 
Landes (diese Uniform stammte noch aus der anderen Quelle : 
aus der Ausrüstung der „Defensioner"). Bis in die Zeit 
Ludwigs XIV. hinein sind aber die meisten Regimenter bloß 
durch eine Schärpe in der Farbe der Obersten unterschieden: 
Ludwig XIV. führte eine Uniformierung der Regimenter des 
Königs (blau), der Königin (rot) und des Dauphins (grün) 
durch. Im allgemeinen blieb es dem Gutdünken der Obersten 
überlassen, wie sie ihre Regimenter kleiden wollten. Eine 
wirklich einheitliche Einkleidung der gesamten Armee erfolgte 
erst gegen die Mitte des Jahrhunderts durch die Ordonnanzen 
vom 10. März 1729, 20. April 1736 und 19. Januar 1749. 
Erst diese letzte Ordonnanz brachte dem Prinzip der Unifor- 
mierung den vollen Sieg, denn, wie ihr Wortlaut erweist: 
,Sa Majestö a ordonnö et ordonne, qu'ä l'avenir les Rögimens 
de son Infanterie Frangaise qui auront ä renouveller en tout 
ou en partie leur habillement, serons tenus de se conformer 
exactement au Reglement port6 ci-aprös . . .", mußte das 
Tragen der Uniform immer noch eingeschärft werden ^2*. 

Die gesamte englische Armee wird zum ersten Male 

Sombart, Krieg und Kapitalismus 11 



162 Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere 

einheitlich (rot) gekleidet im Jahre 1645 ^2^. In der Marine 
drang in England das Uniformierungsprinzip erst später ein: 
die ersten Bestimmungen über Offiziersuniformen wurden im 
Jahre 1748 erlassen ^2^. 

In Brandenburg-Preußen beginnt eine grundsätzliche 
Uniformierung durch den Staat im Anfang des 17. Jahr- 
hunderts. Bekannt ist die Schilderung Königs^^T yQ^ (jg^ 
Eindruck, den die „Blauröcke" Georg Wilhelms bei seinem 
Zuge nach Preußen gemacht haben sollen: „Mit diesen 
5 Kompagnien von Burgsdorfschen Regiment, die 1000 Mann 
ausmachten, . . . nebst 150 Mann zu Roß ging der ChurfQrst 
George Wilhelm 1632 zur polnischen Königswahl nach Preußen. 
Nach der Schlacht bei Lützen kehrte derselbe wieder nach 
der Mark mit diesen Truppen zurück . . . Sie waren in 
Preußen sämtlich in einer gleichen Liberey, blauer Farbe ge- 
kleidet worden, welches damals ungewöhnlich war und viel 
Aufsehen machte; daher sie den Namen Blauröcke erhielten." 

J a n y hat zwar nachgewiesen ^2^, daß dieser Bericht Königs, 
der für die Geschichte des Bekleidungswesens als eine wichtige 
Quelle lange Zeit gegolten hat, insofern falsch gewesen sei, 
als es „Blauröcke" in Brandenburg schon seit 1620 und daß 
es sie auch in anderen deutschen Heeren gegeben habe. 
Immerhin wird man schon annehmen dürfen, daß der Anblick 
eines wohluniformierten Regiments zu seiner Zeit Aufsehen 
machte. Aber das war doch erst ein Anfang. Noch zur 
Zeit des Großen Kurfürsten war eine im einzelnen genau fest- 
gesetzte Uniformierung in unserem Sinne unbekannt. Doch 
geht aus den Quellen hervor, daß man — namentlich bei 
einem bevorstehenden Feldzuge — die Mannschaften möglichst 
gleichmäßig einzukleiden und zu bewaffnen suchte, was der 
Oberst zu besorgen hatte. Bei der Reiterei mußte der Oberst 
(oder in seinem Auftrage der Rittmeister) für das Werbegeld 
von 40 Thlr. einen vollständig und wohl auch möglichst ein- 
heitlich bewaffneten, bekleideten und berittenen Reiter stellen. 



III. Vergrößerung, Zusammenballung und üniformierung usw. 163 

Ferner hatte er dafür zu sorgen, daß die Mannschaft in 
regelmäßigen Zwischenräumen neu bekleidet wurde, wofür 
er (wie wir wissen) die Kosten durch Abzüge von der Löhnung 
oder dem „Tractement" des Reiters bestritt ^2^. 

Im übrigen ist die Gestaltung der Bekleidung um jene 
Zeit außerordentlich mannigfaltig, oft von Regiment zu 
Regiment und innerhalb eines Regiments von Jahrfünft zu 
Jahrfünft verschieden, so daß es eine Geschichte der Armee- 
bekleidung eigentlich nicht gibt, sondern nur eine Geschichte 
der Bekleidung in den einzelnen Regimentern. Das oft 
zitierte Standardwerk hat jetzt erst das nötige Material zur 
Beurteilung herbeigeschafft, und nun sieht man erst, wie bunt 
die Kleidung des brandenburg-preußischen Heeres im ganzen 
17. Jahrhundert noch war. Das Urteil, das ein vortrefflicher 
Kenner der alten Armee vor ein paar Jahrzehnten fällte ^^*': 
in Brandenburg-Preußen ist die Infanterie schon bei Beginn 
der Regierung des Großen Kurfürsten uniformiert, die Ka- 
vallerie ist es am Ende, wird sich wenigstens in seinem ersten 
Teile auf Grund der jetzt zutage geförderten Quellen kaum 
aufrechterhalten lassen. Wir werden vielmehr sagen müssen, 
daß das Prinzip der Uniformierung vom Großen Kurfürsten 
zum fast völligen Siege während seiner Regierung gebracht 
worden ist. Jedenfalls ist die Kleidung der preußischen 
Armee zu Beginn des 18. Jahrhunderts durchgängig 
uniformiert; während der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts 
ist es der größte Teil des Heeres, der Uniform trägt. 

ni. Vergrößerung, Zusammenballung und üni= 

formierung des Kleidungsbedarfs in ihrer 

Bedeutung für das Wirtschaftsleben 

Wir sind nun schon geübter in der Auffindung der 

ökonomischen Pointen, auf die es bei Entwicklungsreihen, wie 

sie im vorstehenden dargelegt sind, zu achten gilt. 

11* 



164 Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere 

Bekleidung eines Heeres heißt zunächst : daß nun so viel 
Nachfrage nach Kleidern und Kleiderstoffen auf dem Markte 
entstanden ist, da wir von der Möglichkeit einer Herstellung 
der bedurften Gegenstände im Rahmen der Eigenproduktion 
absehen können: diese war nicht mehr und noch nicht beliebt. 
Während all der Jahrhunderte, die wir als die entscheidenden 
für die Herausbildung einer neuen Wirtschaftsordnung 
betrachten, wurden die Monturen für die Soldaten auf dem 
Markte gekauft. 

Wie groß die Nachfrage war, die also durch den Kleider- 
bedarf eines modernen Heeres entstand, kann sich jeder leicht 
ausrechnen, wenn er die Ziffern, die ich über die Stärke der 
Armeen oben mitgeteilt habe, multipliziert mit den Mengen 
Stoff, Zutaten usw., die der einzelne Krieger nötig hatte, und 
wenn er, was die Kleider, Mäntel, Hüte, Stiefeln usw. usw. 
anbetrifft, die Zahl der Personen als die Zahl der hiervon 
bedurften Stücke ansieht. 

Was zu der Montur eines Soldaten im 17. und 18. Jahr- 
hundert gehörte, ersieht man aus folgenden Zusammen- 
stellungen : 

Verzeichnis, wz uf 193 Soldaten zur Kleidung 
vonnöthen, 

965 ein lundisch (= Londoner) Thuch zue Hosen Cosiaken 

undt Strümpfen jedem 5 ein, 
965 ein Futtertuch jedem 5 ein, 
2316 ein weiße, schwarze, rohe undt steife Leinwanth jedem 

12 ein, 
1158 duzet Schleufen, jedem 6 duzet uf Hosen und Cosiaken, 
193 lot Seide jedem 1 loth, 
579 duz. eisen Knopf, jedem 5 duz., 
50 ein schlechten 4. Drath die Cosiaken zustaffiren, 
193 Hüte«". 



III. Vergrößerung, Zusammenballung und üniformierung usw. 165 
Auszug aus den Kriegskassenrechnungen 1679—1681^^^: 

Thlr. Gr. Pf. 

200 Hüte ä 15 Gr 125 

500 Ellen breite Gallaun ä 3^4 Gr 67 17 — 

300 „ blau Bandt ä 1 Gr 12 12 — 

40 Stück blau Mantel ä ^^U Rthlr 150 

200 „ Halstücher ä 5 Gr 41 16 — 

300 Ellen breit roth Bandt ä 8 Pf. ... . 88 — 

30 „ Packleinwand ä 18 Pf 1 21 — 

250 Stück blau Mantel ä S^U Rthlr 937 12 — 

250 Hüte ä 15 Gr 156 6 — 

625 Ellen Gallaun ä 3V4 Gr 84 11 — 

375 „ blau Bandt auf die Hüte ä 1 Gr. . 15 15 — 

latus 10699 3 — 

Bedarf eines Infanteristen am Anfange des 18. Jahr- 
hunderts ^^^ : 

Thlr. Gr. Pf. 

5 Ellen Tuch ä 15 Gr 3 3 — 

7 „ Boy ä 4 Gr 14 — 

1 Elle Kronenroth zu Aufschlägen — 14 — 

20 Stück messingne Knöpfe ä Dutzend 4 Gr. . . — 6 8 

1 Loth Kameelhaar — 3 — 

2 Paar Schleifen a. Kameelhaar — 6 — 

1 Hut mit einer gelben Einfassung . . . . . — 12 — 

6—8 
Die vollständige Bekleidung und Ausrüstung eines Reiters 
einschließlich Sattel und Zaumzeug kostete zur Zeit Friedrich 
Wilhelms I. 73 Thlr. 2 Gr.^a*. 

Jeder Soldat der Savoia Cav"» und Piemte Rle kostete 
im Anfang des 18. Jahrhunderts 131.16 1., jeder D»i Genevois 
110.14 1., jeder Kanonier 68.16 1. Die Ausrüstung des Pferdes 
eines Cavaliere stellte sich auf 75.5 1., eines Dragoners auf 
67.4 1.385. Zur Bekleidung eines Regiments englischer Sol- 
daten waren (1730) 1570 £ 165 s 2V2 d erforderlich «ae. 



166 Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere 

Stellen wir nur für das Tuch eine Rechnung an: um 
eine Armee von 100000 Mann einzukleiden, sind 500000 Ellen 
oder 20 000 Stück erforderlich. Eine Erneuerung der Montur 
alle zwei Jahre angenommen, ergäbe das einen Jahresverbrauch 
von 10000 Stück im Jahr. Seh moller rechnet für den 
Gesamtkonsum der brandenburgischen Bevölkerung im Anfang 
des 18. Jahrhunderts 50000 Stück Tuch heraus »s^ Friedrich 
der Große gibt in den brandenburgischen Memoiren die Aus- 
fuhr von Tüchern aus der Kur- und Neumark auf rund 
44000 Stück an 338. 

Die Jahresproduktion der englischen Landschaft West 
Riding betrug um dieselbe Zeit etwa 25000 Stück Tuch»»». 

Man ist geneigt, angesichts solcher Ziifern auf einen 
erheblichen fördernden Einfluß zu schließen, den die Nach- 
frage nach Soldatentuch auf die Tuchindustrie eines Landes 
ausgeübt haben muß. Aber dieser allgemeine Schluß wird 
auch in einzelnen Fällen durch den Gang der Ereignisse 
bestätigt. 

Daß in Rußland die Tuchindustrie wesentlich als Militär- 
tuchindustrie ins Leben getreten ist, ist bekannt. 

Eine sehr beträchtliche Förderung hat aber auch die 
brandenburgische Tuchindustrie durch die Armee- 
bestellungen erfahren. Insbesondere hat für sie im 18. Jahr- 
hundert die Periode, in der sie für die Russische Kompagnie 
in Berlin lieferte (1725 — 38), einen erheblichen Aufschwung 
bedeutet. Die Russische Kompagnie führte nach Rußland 
in diesen Jahren bis 20 000 Stück Tuch im Jahre aus: alles 
nur Soldatentuch für die Bekleidung der russischen Armee: 
eine solche Menge mußte angesichts der oben mitgeteilten 
Ziffern der Gesamtproduktion „ungeheuer ins Gewicht fallen" 3*o^ 
Friedrich Wilhelm erkannte diesen Zusammenhang zwischen 
gewerblicher Blüte und Heeresentwicklung sehr wohl: er 
traf die Heereseinrichtungen geradezu im Hinblick auf die 
Industrie. Das Montierungsreglement vom 30. Juni 1713 



III. Vergrößerung, Zusammenballung und üniformierung usw. 167 

wurde erlassen „zum Besten dero Truppen als auch zum 
Aufnehmen in dero Landen etablierten Manufakturen". 
Urteilsfähige Beobachter heben die große Bedeutung hervor, 
die der Heeresbedarf für die Tuchindustrie des Landes hatte : 
„il paroit que l'armöe a toujours fait un des principaux 
döbouchös pour le travail des drapiers du pays" ^*^. 

Selbst für die große englische Tuchindustrie ist die 
Lieferung für die Heere offenbar nicht ganz ohne Belang 
gewesen (obwohl ihr Hauptabsatz anderswohin gerichtet 
war). Sie hat nach Rußland, ehe ihr die Preußen Kon- 
kurrenz machten , ebenfalls große Mengen Soldatentuch ge- 
liefert. Wir sehen die englischen (und holländischen) Kauf- 
leute einen erbitterten Kampf mit den preußischen Ein- 
dringlingen ausfechten. Im Jahre 1772 wurde der Wert der 
Ausfuhr an Wollwaren aus England nach Rußland auf noch 
50000 ^ geschätzt 8*2. 

Besonders während des Siebenjährigen Krieges drängte 
sich der stimulierende Einfluß, den der Heeresbedarf auf die 
Tuchindustrien des Landes ausübte, dem scharfen Beobachter 
ohne weiteres auf. So berichtet uns Arthur Young: 
während jener Jahre habe der Krieg eine solche Nachfrage 
nach Fabrikaten erzeugt, daß kaum „Hände" genug zu ihrer 
Anfertigung beschafft werden konnten 8*^. 

Wieviel von der Gesamtproduktion der englischen Woll- 
industrie für Heereszwecke verwandt wurde, entzieht sich 
völlig der ziffernmäßigen Feststellung. Wir wissen nur, daß 
beispielsweise in den deutschen Rechnungen des 17. Jahr- 
hunderts über Militärlieferungen das Soldatentuch meist als 
lundisch (Londoner) Tuch bezeichnet wird. 

In Frankreich hat diejenige Tuchindustrie, die für 
die Armee arbeitete, seit Colberts Zeit eine große Bedeutung 
gehabt: Wir finden sie im 17. Jahrhundert in Languedoc, 
in Berri, wo sie 2000 Personen in Aubigny, 10000 in Chateau- 
roux beschäftigte; im 18. Jahrhundert in Metz, in Lodöve 



168 Fünftes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

(8000 Personen), in Romorantin usw.^**, in Vir6, Valognes, 
Cherbourg; in Montpeiroux , das mit Lodöve zusammen für 
1600000 Liv. Soldatentuch im Jahre verkauft s*^ 

Zieht man nun ebenso wie die Tuchindustrie die übrigen 
Industrien in Betracht, die die Heere mit Kleidung ver- 
sorgten: Leinen-, Hüte-, Kleider-, Stiefel-, Strümpfe-, Knöpfe-, 
Bortenindustrie usw., denkt ferner auch an diejenigen Ge- 
werbe, die das Pferd „bekleiden" (Hufschmied, Sattler), end- 
lich auch an diejenigen, die für die Fortschaffung des Pro- 
viants usw. sorgen (Wagenbauer usw.), so wird man zu einer 
recht hohen Bewertung dieses Marktes für die rein quanti- 
tative Entwicklung des gewerblichen Lebens in einem Lande 
gelangen. 

Aber diese rein quantitative Einwirkung ist gar nicht 
einmal die ökonomisch wichtigste; von viel größerer Be- 
deutung ist ein Einfluß auf die Form des Wirt- 
schaftslebens, den etwa die Deckung des Heeresbedarfs 
an Kleidern ausgeübt hat; ist insbesondere ihr Anteil an 
der Herausbildung des kapitalistischen Wirtschaftssystems, 
den wir so gern feststellen möchten. Ist ein solcher quali- 
tativ bestimmter Einfluß nachweisbar? 

Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns die 
Art des Kleidungsbedarfs beim Heere vergegenwärtigen und 
uns klarmachen, daß dieser ein Massenbedarf gleichförmiger 
Gegenstände in dem Maße wurde, als Verstaatlichung und 
Uniforraierung des Bekleidungswesens fortschreiten. Man 
darf getrost sagen, ohne sich einer Übertreibung schuldig zu 
machen, daß solche Zusammenballungen von Bedarf, wie sie 
schon im 17. Jahrhundert bei den Lieferungen für die großen 
Heere vorkommen, für die damalige Zeit ganz unerhört waren. 
Den Leuten, auch den Kaufleuten, müssen die Augen tiber- 
gegangen sein, wenn sie hörten, daß in einem einzigen Ver- 
trage die sofortige Lieferung von 5000 kompletten Soldaten- 
monturen ausbedungen wurde, wie es der Fall war in dem 



ni. Vergrößerung, Zusammenballung und Uniformierung usw. 169 

Vertrage, den im Jahre 1603 die englische Regierung mit 
Ury Babington und Robert Bromley schloß ^*^. 

Oder wenn sie Ziffern lasen, wie sie etwa in den Be- 
stellungen Wallensteins vorkamen. Da heißt es z. B.: 

„Laßt auch 10000 Paar Schuhe machen vor die Knecht 
auf daß ich sie nachher auf die Regimenter kann austeilen . . . 
Laßt derweil Leder präparieren, denn ich werde baldt lassen 
auch ein paar tausend Stiefel fertig machen. Laßt auch Tuch 
fertig machen, vielleicht wird man auch Kleider bedürfen." 

Aschersleben, den 13. Juni 1626: 

(Mein Vetter Max) . . . wird auch befohlen haben, daß 
ihr 4000 Kleider vor die Knecht sollt machen lassen, das ist 
ein Jupen von Tuch mit Leinwand gefüttert, ein tuchernes 
par Hosen und ein tuchernes par strimpf " ^*'^. 

„Der Kriegszahlmeister zieht auf Gitschin, soll um 13000 
Reichsthaler Schuh, Strumpf und Kleider (in einem späteren 
Briefe kommt noch eine Bestellung von 40000 Rthlr. hinzu) 
für die Armee machen lassen; assistiert ihm fleißig in allem. 
Die 4000 Kleider, so ihr vorm Jahr habt machen lassen, daß 
er euch bezahlt, was sie mich kosten, dieselbige führt ihr 
auch ab, sobald ers bezahlt hat" usw. "^. 

Am 26. September 1647 erhielt Conrad von Burgsdorf 
den Auftrag, mit dem Kaufmann Eberhard Schief in Ham- 
burg folgenden Kontrakt über die Lieferung von Tüchern 
und Boy zu schließen- „Er soll für die Kurfürstl. Krieges- 
Officiere 1512 brabant. Ellen blau Tuch wie die Probe aus- 
weiset (NB!!), jede Elle zu 5 Orts Reichsthaler gerechnet 
und für die gemeinen Knechte 20 000 brabantische Ellen blau 
Tuch nach Ausweis der Probe, jede um 1 Rthlr. . . . ferner 
an Boy 21512 brab. Ellen, jede zu 6 Sgr. liefern. Termin 
ist 3 Wochen nach Martini" 3**. 

Man muß sich vor Augen halten, in welche Welt solche 
Riesenaufträge hineinplatzten: machte es doch den Kauf- 



170 Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere 

leuten Mühe, die oben erwähnten 965 (!) Ellen lundisch 
Tuch zu beschaffen. Zu diesem Posten findet sich folgende 
Anmerkung : 

„Nota hierauf berichteten die Weylere (= die Kaufl.), 
dz sie albereit etwz geliefert und sich bemühen wollen, wz 
noch mangelt, so viel als müglich zu erschaffen, wo nicht muß 
man aldorten in Preußen Rath schaffen ..." 

Das bedeutete, daß sich ein ganz großer Handel in 
Kleidern und Kleiderstoffen aller Art entwickeln mußte. Die 
Heeresverwaltung konnte und wollte nicht mit Tausenden 
kleiner Handwerker in direkten Verkehr treten; sie konnte 
und wollte auch nicht auf den Messen und Märkten ihre Ein- 
käufe besorgen. So gab es hier einen bedeutsamen Anlaß zur 
Ausbildung eines seßhaften Handels auf breiter kapitalistischer 
Basis. Zuweilen brauchte der Fürst auch den Lieferanten 
als Zwischenglied zwischen Produzenten und Armee, weil er 
allein ihm den — ach so oft! — erforderlichen Kredit ge- 
währte. 

Nicht ohne innere Bewegung hört man Vorgänge dieser Art be- 
richten ^^^ : 1678 schreibt der Große Kurfürst an die Obersten seiner 
Regimenter: „Weil Wir gnädigst gerne sehen möchten die Noth selbst 
auch erfordert, daß die Regimenter mit recht guter und tüchtiger Kley- 
dung versehen und ohne allen Mangel würden zu Felde geführet werden, 
als seindt Wir der gnädigsten Meinung über obbemeldete Recruiten einem 
jeden Regiment zu Fuß annoch dröytausend Rthlr. zu Kleyder- 
Geldern zu geben . . . Geg. Colin a. d. Spree 28. Febr. Ao. 1678." Da 
der Kurfürst die Summe nicht flüssig hat (3000 Thlr. !), soll sie ihm der 
Oberst borgen. Der Oberst hat sie aber auch nicht: er bekommt von 1676 
her noch 13168 Rthlr. Sold! Aber — ein paar Magdeburger Kaufleute 
erbieten sich, Tuch für diesen Betrag auf Kredit zu liefern : „Immittelst 
habe ich bereits 200 Stück blau Tuch gekauffet, " schreibt der Oberst 
V. Bornstorff. 

Reiche Kaufleute drängen sich in den Kleiderlieferungs- 
handel, durch den sie ihren Reichtum rasch vermehren: der 
holländische (!) Tuchhändler Hermann Mayer hat für 80000 Rb. 
englische Tücher in Petersburg lagern (1725); die Russische 
Kompagnie in Berlin arbeitete mit einem Kapital von 



III. Vergrößerung, Zusammenballung und Uniformierung usw. 171 

100000 Talern und verdiente im ersten Jahre 22878 Taler»"; 
in England sind die ,Contractors', die die Bekleidung für Heer 
und Flotte liefern, sehr kapitalkräftige Leute »^^ usw. 

Aber solche Wesensveränderungen der Absatzverhältnisse, 
wie sie der große Kleider- und Stoff bedarf der Heere herbei- 
führte, mußte auch auf die Formen der Industrie Einfluß 
ausüben. Vorerst mußten sich die Beziehungen zwischen 
Kaufmann und Produzenten innerlich umgestalten : der Hand- 
werker wurde unwillkürlich mehr und mehr in die Rolle des 
hausindustriellen Arbeiters zurückgedrängt, der Kaufmann 
wui"de Verleger. Wir können diesen Umwandlungsprozeß 
gerade wieder bei der brandenburgischen Tuchindustrie ziem- 
lich deutlich verfolgen: die Kaufleute kämpfen geradezu mit 
dem selbständigen Tuchmacher um die Vorherrschaft ; sie ver- 
suchen mit allen möglichen Zwangsmitteln die Arbeit der kleinen 
Handwerker ihren Zwecken unterzuordnen, und diese waren 
die prompte Lieferung ganz großer gleichförmiger Tuchmassen. 
Die hier aus dem Bedarfszweck sich ergebenden Anforde- 
rungen an Reichlichkeit, Raschheit, Gleichheit der Produktion 
konnte auf die Dauer ein selbständiger Handwerkerstand nicht 
erfüllen. Nicht die geographische Ausweitung des Absatz- 
gebietes, nicht Veränderungen in der Produktionstechnik, nicht 
VermögensdifFerenzierung unter den Handwerkern, auch nicht 
Absatznot sind es hier, die eine Vereinheitlichung der Pro- 
duktion durch die kapitalistische Organisation erzwingen, 
sondern die Nöte des Absatzes, die der Kaufmann zu er- 
dulden hatte. In beweglichen Klagen läßt sich der Geheime 
Rat Schindler, der provisorisch die Leitung des königlichen 
(Tuch-)Eagerhauses in Berlin übernommen hatte, in seinem 
am 27. Dezember 1723 dem Generaldirektorium eingereichten 
Bericht über die Unzulänglichkeit der handwerksmäßigen Tuch- 
erzeugung aus»^». Die Tücher, führt er aus, müßten egal 
von Güte, dauerhaft und von lebendiger Farbe sein. Um das 
zu erreichen, pflege man in solchen Fällen (wo es sich um 



172 Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere 

größere Lieferungen handelt) mit dem ganzen Gewerk der 
Tuchmacher oder mit einem größeren Tuchhändler zu akkor- 
dieren. Aber das reiche hier — bei den Lieferungen für die 
russische Armee — nicht aus; weder das Gewerk noch der 
Tuchhändler könnten für rechte Einrichtung und Ordnung 
sorgen, das Walken, Zubereiten und Färben kontrollieren ; bei 
der Schau lasse man die meisten Farben passieren, die be- 
treffenden Schauer seien zu unwissend, sie nur zu entdecken; 
man bekomme die Tücher zusammen, von denen die einen los, 
die anderen dicht, einige dünner, andere dicker, einige breit, 
andere schmäler, einige von Farbe ganz tot, andere von 
Couleur nicht recht gefärbt seien. Er schildert dann, welche 
Vorteile die Produktion im „Lagerhause" ^^*, das heißt also 
eine manufaktur- oder fabrikmäßige Organisation der Arbeit, 
biete: „In dem Lagerhaus ist auf alle Arbeit oder auch jedes 
Handwerk, so zur Verfertigung eines Tuches gehöret, eine 
besondere Einrichtung gemachet, wodurch alle obgedachte 
Hauptfauten vermieden werden ... (es ist) doch gewiß, daß 
in dem Lagerhauße, woselbst das Jahr über so viele taußend 
Stücke an Tücher und Kirsey gemachet werden, nur wenige 
Fauten passiren ..." 

Die großen Militärlieferungen drängten also zunächst zu 
einer Unterwerfung des Handwerkers unter die Kommando- 
gewalt des Kaufmanns, der Einheitlichkeit und Ordnung, Prä- 
zision und Schematismus, soviel es geht, in den handwerks- 
mäßigen Produzenten zu bringen sucht. Die hausindustrielle 
Betriebsform erweist sich aber auch noch nicht als geeignet, 
die Arbeit hinlänglich zu mechanisieren. Die Organisation 
wird weiter vervollkommnet bis zum Großbetriebe, in dem 
dann nun die Seele des kapitalistischen Unternehmers erst 
völlig frei schalten und walten kann, und in dem sie erst die 
Ware herzustellen vermag, die den neuen Ansprüchen ihres 
Konsumenten entspricht. 

Die Russische Kompagnie in Berlin zog diese Konsequenzen 



III. Vergrößerung, Zusammenballung und üniformierung usw. 173 

zum Teil: sie legte zwei eigene Färbereien an, „so daß jetzt 
tadellose Ware geliefert werden könne" ^^^. 

Völlig wurden den Anforderungen der Heeresverwaltungen 
erst die ganz großen Soldatentuchfabriken gerecht, die während 
des 18. Jahrhunderts in Rußland entstanden und ähnlich wie 
die großen Waffenfabriken erste Wahrzeichen größtbetrieb- 
licher Organisation wurden: die Moskauer Tuchfabrik von 
Sßegolin & Co. beschäftigt (1729) 730 Arbeiter und 130 Web- 
stühle; die Kasaner Tuchfabrik Mikljaevs hat 742 Arbeiter ^^^. 

So tritt uns auch hier das moderne Heer als Erzieher 
zum Kapitalismus entgegen. 

Und was ftlr die Tuchindustrie gilt, gilt gewiß auch für 
alle anderen Gewerbe, die an der Lieferung der Kleidung für 
die Armeen beteiligt waren. 

So ist die Anregung zur Kleiderkonfektion, soweit 
diese nicht Luxusindustrie war, auch von dieser Seite her- 
gekommen. 

Wir hörten schon, daß im Jahre 1603 die englische Re- 
gierung einen Vertrag über Lieferung von 5000 Anzügen 
abschloß: einen Vertrag, der sich jährlich zweimal wieder- 
holte, also gang und gäbe war. Es mag noch erwähnt werden, 
daß die beiden Personen, denen sie die Lieferung übertrug, 
als „merchant-taylors of London" bezeichnet werden '*^'^. Eines 
der frühesten kapitalistisch betriebenen Gewerbe in London 
war in der Tat die Schneiderei, und wir dürfen als erwiesen 
annehmen, daß derjenige Teil der kapitalistischen Schneiderei, 
der nicht Luxusindustrie war (über die ich im ersten Band 
dieser Studien mich auslasse), Militärkonfektion gewesen ist. 

Ebenso wie für das Landheer wurden auch für die Marine 
schon im 17. Jahrhundert fertige Kleider hergestellt: natür- 
lich ebenfalls auf kapitalistischer Basis. Im Jahre 1655 wird 
verordnet, daß kein Schneider Kleider an Bord der englischen 
Kriegsschiffe schicken darf ohne Lizenz der Navy Commissio- 
ners^^^ usw. 



174 Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere 

Von Deutschland heißt es im 18. Jahrhundert^**: „Ein 
anderer" (sc. als der Handel mit „kostbaren" Kleidern) „Kleider- 
handel ist derjenige, wenn ein Kaufmann mit einem General oder 
Obristen contrahiret, daß er demselben die benöthigte Kleidung 
für so und so viel Regimenter und Compagnien verschaffen solle." 

Aus dem Mtitzenmacherhandwerk rettete sich in die Arche 
des Kapitalismus nur die Militärmützenmacherei, die 
z. B. in dem England des 18. Jahrhunderts wenige große 
Unternehmer und zahlreiches Volk, namentlich Weiber und 
Mädchen, beschäftigt. 

Späteren Untersuchungen bleibt es vorbehalten, die von 
mir hier aufgewiesenen Zusammenhänge im einzelnen und in 
zahlreichen Fällen zu verfolgen. 

Nur auf eine Möglichkeit will ich zum Schlüsse selbst 
noch hinweisen : daß nämlich die Idee des Kartells — der 
Vereinbarung gewisser Einheitspreise und der Verabredung 
gemeinsamen Absatzes unter freien Produzenten — in der 
Sphäre der Industrie, die für die Armee produziert, zuerst 
aufgetaucht ist: die Gleichförmigkeit der Lieferung ebenso 
wie die Gleichförmigkeit des Gelieferten legen diesen Ge- 
danken nahe. Und wir besitzen in der Tat eine Art von 
Beweis für die Richtigkeit meiner Hypothese: im Jahre 1740 
vereinigen sich die Militärtuchlieferanten von Languedoc und 
bieten dem Könige an: die Tuche für sein Heer von nun ab 
zu einem bestimmten Preise an seine Magazine abzuliefern, 
wollen sich also keine Konkurrenz mehr machen. Sie pro- 
ponieren „ä sa Majestö de faire 6tablir dans la ville de Mont- 
pellier un magasin oü on fera fournir, sur les ordres de M. 
le Secrötaire d'6tat de la guerre, les draps, cadis et autres 
Stoffes nöcessaires pour l'habillement de Tinfanterie fran^aise 
ä un prix fixe qui sera convenu, comme aussi de les faire 
tenir directement aux troupes, au moyen du prix qui sera 
r6gl6" 3««. 



175 



Sechstes Kapitel: Der Schiffbau 



L Die Bedeutung des Schiffbaues für das 
Wirtschaftsleben 

Colbert wußte, was er sagte, wenn er den Schiffbau das 
größte aller Gewerbe nannte: „la construction des vaisseaux 
est le plus 6tendu de tous les arts"^^^ 

Es ist ja nicht nur die Erbauung des Schiffes selber auf 
der Werft, was in Betracht kommt, sondern die vielen In- 
dustrien, die die Baumaterialien herrichten, die vielen Handels- 
zweige, die für die Beschaffung dieser Baumaterialien Sorge 
tragen. 

Die Wirkung, die der Schiffbau auf das Wirtschaftsleben 
ausübt, ist nun um so größer; 

1. je mehr Schiffe gebaut werden, was ja keiner Erläute- 
rung bedarf; aber auch 

2. je größere Schiffe gebaut werden. Wiederum selbst- 
verständlich ist die Wirkung der Größe, sofern die gleiche 
Anzahl größerer Schiffe natürlich einen größeren Gesamtbedarf 
erzeugt an Baumaterialien, eine größere Nachfrage nach 
Arbeitskräften usw. Die Schiffsgröße ist aber auch an und 
für sich bedeutsam : sie bewirkt eine stärkere Zusammen- 
ballung der lebendigen Arbeit und des Bedarfs an Material 
und Werkvorrichtungen : die Werften müssen größer sein, um 
größere Schiffe auf ihnen bauen zu können; die Mengen an 
Holz, an Tauwerk, an Eisen usw., die in Einem verlangt 
werden, sind größer, nur weil das Schiff, ein „zusammengesetztes" 
Gut, wie wir es nannten, eine größere Bedarfseinheit schafft. 



176 Sechstes Kapitel: Der Schiffbau 

Was hier die Schiffsgröße aus sich heraus bewirkt, kann 
nun auch bewirkt werden durch organisatorische Zusammen- 
schließung der Schiff bautätigkeit. Man kann deshalb sagen: 
die Wirkung des Schiffbaues auf das Wirtschaftsleben ist um 
so größer, 

3. je einheitlicher, je zusammengedrängter, je verdichteter 
der Schiffbau erfolgt: wenn 100 Schiffe auf einer Werft er- 
baut werden, entsteht ein größerer und einheitlicherer Bedarf, 
als wenn dieselben 100 Schiffe auf 10 Werften erbaut werden. 

Endlich ist noch daran zu erinnern, daß die Einfluß- 
sphäre des Schiffbaues (der hier natürlich nicht anders wie 
jede beliebige Industrie wirkt), um so größer ist, 

4. je rascher die Schiffe erbaut werden : stelle ich 100 Mann 
an eine Baustelle , so wird ein Schiff von bestimmter Größe 
in — sage — einem Jahre fertig. Soll es schon nach drei 
Monaten vom Stapel laufen, so muß ich die gleichzeitig 
tätigen Arbeiter entsprechend vermehren. Das Gleiche gilt 
für die Beschaffung der Materialien. 

Diese Besinnungen waren notwendig, um zu erklären, 
weshalb ich denn in diesem Zusammenhange überhaupt den 
Schiffbau erwähne. Man könnte mir nämlich die Bemerkung 
entgegenhalten: gewiß, der Schiffbau hat für die Entstehung 
des modernen Kapitalismus eine große Bedeutung (obwohl 
auch in dieser allgemeinen Fassung der Satz noch niemals 
aufgestellt ist : für unsere Wirtschaftshistoriker scheint es ja 
nur eine Textilindustrie zu geben, wenn sie die Anfänge des 
modernen Kapitalismus aufdecken); aber was hat diese un- 
bestritten richtige Tatsache mit dem Thema Krieg und Kapi- 
talismus zu tun: ist denn der Schiffbau nicht ebensogut und 
noch viel mehr ein bürgerliches Gewerbe, das sein Dasein den 
Bedürfnissen des Handels verdankt? Wie kommst du dazu, 
den Schiffbau und seine Bedeutung für den Militarismus zu 
requirieren? Diesem Einwände begegne ich mit der Be- 
hauptung: daß in der Tat die militärischen Interessen für 



IL Die Menge der Schiffe 177 

die Entfaltung des Schiffbaues von entscheidender Wichtig- 
keit gewesen sind, daß die Handelsinteressen voraussichtlich 
niemals und jedenfalls nicht in so kurzer Zeit den Schiffbau 
zur Entfaltung gebracht hätten, wie es die kriegerischen Inter- 
essen getan haben. 

Um die Richtigkeit dieser Behauptung zu erweisen, war 
es eben nötig, die Umstände zu bezeichnen, von denen die 
Ausdehnung des Schiffbaues abhängig ist, wie ich es oben 
versucht habe. Ich werde nun zeigen, daß die Kriegsinteressen 
1. die Menge der Schiffe; 2. die Größe der Schiffe; 3. die 
Beschleunigung des Schiffbaues; 4. die Konzentration des 
Schiffbaues, wesentlich beeinflußt haben. 

II. Die Menge der Schiffe 

Auch heute macht die Kriegsflotte eines großen Militär- 
staates einen erheblichen Teil des gesamten Schiffsbestandes aus. 
Deutschlands sämtliche Seeschiffe (Segler wie Dampfer) hatten 
am I.Januar 1912 einen Raumgehalt von 4711998 Register- 
tons brutto und 3023725 Registertons netto; während die 
Kriegsschiffe der Kaiserlichen Marine am 1. April 1912 
892710 Tonnen Wasser verdrängten. Hamburgs Flotte be- 
stand im Jahre 1911 aus 1252 Seeschiffen mit 1 687 945 Register- 
tons Raumgehalt (netto) ; Hamburgs Dampfer führten Maschinen 
mit sich, die 1234000 Pferdestärken indizierten: auf den 
Schiffen der Kaiserlichen Marine waren Dampfmaschinen mit 
1515340 indizierten Pferdestärken. Das sind also, wie man 
sieht, recht beträchtliche Ziffern. Geht man aber ein paar 
Jahrhunderte zurück, in die Zeit, als der Schiffbau sich erst 
zu entwickeln anfing, so verschiebt sich das Verhältnis der 
Kriegsschiffe zu den Handelsschiffen ganz wesentlich zugunsten 
jener. Wie rasch die Kriegsflotte ihren Bestand vergrößerte, 
habe ich an anderer Stelle bereits gezeigt. Die ganze Be- 
deutung dieser Ausweitung vermögen wir aber erst zu er- 

Sombart, Krieg und Kapitalismus 12 



178 Sechstes Kapitel: Der Schiffbau 

messen, wenn wir nun die Menge der Kriegsschiffe in Ver- 
gleich stellen mit der Zahl und dem Tonnengehalt der Kauf- 
fahrteischiffe in derselben Zeitepoche. 

Leider wibsen wir nur wenig Zuverlässiges über den Be- 
stand der Handelsflotte in früherer Zeit. 

Für das 16. Jahrhundert besitzen wir folgende Anhalts- 
punkte, um den Umfang der englischen Handelsflotte zu 
bemessen : In seinem Treatise of Commerce, der 1601 erschien, 
meint Wheeler, daß vor ungefähr 60 Jahren nicht 4 Schiffe 
(außer denen der Königlichen Flotte) in den Themsehäfen 
größer als 120 t gewesen seien. Die Richtigkeit dieses Ur- 
teils wird durch andere Angaben bestätigt. 1544/45 bis 1553 
kommen in Abgang Schiffe über 100 t: 

London gehörig ... 17 mit 2530 t 
Bristol gehörig ... 13 mit 2380 t 
anderen Häfen gehörig. 5. 
1577 weist eine Liste auf: 

135 Kauffahrer mit 100 t und mehr, davon haben 

56 100 t, 

11 110 t, 

20 120 t, 

7 130 t, 

15 140 t, 

5 150 t, 

656 zwischen 40 und 100 t. 
1582 finden wir 177 Handelsschiffe mit mehr als 100 t. 

Die Flotte Heinrichs VIII. maß aber schon zu Beginn 

seiner Regierung, wie wir oben sahen, 8460 t, am Ende 

10550 t; Elisabeth hinterläßt eine Kriegsflotte von 14060 t. 

Für das England des 17. Jahrhunderts sind mir 

folgende Schätzungen bekannt: 

1628 ergibt eine Bestandsaufnahme der englischen Kauffahrer- 
flotte in der Themse: 



II. Die Menge der Schi£fe 179 

7 Indienfahrer ... mit 4200 t, 
34 andere Kauffahrer, mit 7850 t, 
22 Newcastler Kohlenfahrer. 
1629 werden in ganz England 350 Schiffe über 100 t ermittelt, 

das sind also 35000—40000 t Raumgehalt. 
1642 hat die Ostindische Kompagnie einen Schiffsbestand von 

15000 t Raumgehalt 3«2. 
1651 haben die Kaufleute von Glasgow 12 Schiffe mit zu- 
sammen 957 t Laderaum. 
1692 gehören zum Hafen von Leith 29 Schiffe mit 1702 t Trag- 
fähigkeit ^^^. 
^\^hrend dieses Zeitraums beträgt der Raumgehalt der 
Königsschiffe 15000—20000 t mindestens (1618: 15670 t, 
1624: 19339 t, 1660 aber schon 62594 t) nach den oben 
mitgeteilten Quellen. 

Die französische Handelsmarine soll nach einer amt- 
lichen Ermittlung ^^* im Jahre 1664 aus 2368 Schiffen bestanden 
haben, für die ich nach den in jener Übersicht verzeichneten 
Größenverhältnissen etwa 180000 t Raumgehalt herausrechne. 
Kriegsschiffe hatte Frankreich 1661 erst 30, bei Colberts Tode 
jedoch 244, wie wir sehen, deren Raumgehalt wir sieher auf 
80000 bis 100000 t ansetzen müssen. 

Für das 18. Jahrhundert haben wir aus dem Jahre 
1754 eine Schätzung ^^^ , wonach die englische Handelsflotte 
bestand aus 

ca. 2000 Seeschiffen mitca.l70000tRaumgehaltu. 
„ 2000 Kü stenfahrern „ „ 150000 t „ 

zus. aus ca. 4000 Schiffen mit ca. 320 000 1 Raumgehalt. 
Diese Ziffer nimmt auch ein so vorzüglicher Kenner wie 
Postlethwayt für seine Zeit als richtig an^^^. 

Daß sie in der Tat ungefähr der Wirklichkeit entsprach, 
können wir auch aus der uns bekannten genauen Zahl der 
Schiffe schließen, die London allein gehörten. Das waren 

(nach den Generalregistern des Zollhauses berechnet) 1417 im 

12* 



180 Sechstes Kapitel: Der Schiffbau 

Jahre 1732, die zusammen einen Raumgehalt von 178557 t 
hatten. 

Im 18. Jahrhundert fängt die Schiff ahrts Statistik an, ge- 
nauer zu werden, und sie kann uns auch über die Größe des 
Schiffsbestandes einigen Aufschluß geben. Wir müssen für jene 
Zeit annehmen, daß beispielsweise die in den englischen Häfen 
einlaufenden Schilfe die Fahrt ein- bis zweimal im Jahre machten : 
auf ca. zwei einmalige Reisen kam eine wiederholte ^^^. Nun 
liefen aber im Durchschnitt der Jahre 1743, 1747, 1749 in sämt- 
lichen englischen Häfen 603 fremde Schiffe mit einem Tonnen- 
gehalt von 86094 t ein^**^. Während z. B. aus den südenglischen 
Häfen (1786/87) nach Westindien abgingen 233 Schiffe mit 
47 257 t, gingen ebenso aus London : 218 mit 61 695 t, ebenso 
aus nordenglischen Häfen: 77 mit 14629 t^^''. Die Gesamtzahl 
der 1786/87 in den Vereinigten Staaten von Amerika an- 
gekommenen Schiffe betrug 509 mit 35 546 t, während in dem- 
selben Jahre von dort absegelten 373 Schiffe mit 36145 t^«». 

(Zum Vergleich: Im Jahre 1910 kamen an im Hafen 
von Holtenau Schiffe mit 49 221 Registertons, im Hafen von 
Nobiskrug mit 29093 Registertons, im Hafen von Papenburg 
mit 38 832 Registertons, dagegen schon im Hafen von Stolp- 
münde mit 75336 Registertons, im Hafen von Stolzenhagen 
(Kratzwieck) gar mit 253 342 Registertons ; in sämtlichen Häfen 
des Deutschen Reiches liefen im Jahre 1910 111 797 Seeschiffe 
mit 29930553 Registertons ein.) 

Damals (1749), als die gesamte englische Handelsmarine 
320000 t groß war, hatte die Kriegsflotte 228215 t Raum- 
gehalt; das wäre also mehr als die sämtlichen Überseefahrer 
zusammen, zwei Drittel so viel als sämtliche Schiffe der 
Handelsflotte. 

Wenn wir diese Ziffern überblicken, so gewinnen wir den 
Eindruck, als ob in den zweihundert Jahren, von der Mitte 
des 16. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, das heißt also in 
den für die Entwicklung des Kapitalismus entscheidenden 



II. Die Menge der Schiffe 181 

Jahren, die Handelsflotte in England nur langsame Fort- 
schritte macht im Vergleich zu der Kriegsflotte. Während 
sie zur Zeit der Tudors offenbar noch mehrmals so groß ist 
als diese, wird ihr Rauragehalt um die Mitte des 18. Jahr- 
hunderts von dem der Kriegsflotte fast erreicht. Die Kraft 
der Nation ist während dieser Jahrhunderte fast ausschließ- 
lich auf die Entwicklung der Kriegsflotte verwendet worden. 
Diese zur Blüte zu bringen werden alle Mittel angewandt. 
Was für England gilt, gilt aber (vielleicht in erhöhtem Maße) 
für alle anderen Länder. 

Aber die Überlegenheit der kriegerischen Interessen ist 
noch größer, als sie in dieser Verschiebung des Anteilverhält- 
nisses zwischen Handelsflotte und königlicher Flotte zum Aus- 
druck kommt. Es kann nämlich für den Kundigen keinem 
Zweifel unterliegen, daß die Vermehrung der Handelsschiffe 
selbst ebenfalls noch zum guten Teil dem Militarismus zu 
danken ist. Offenbar wirkt die Aussicht, die Kauffahrtei- 
schiffe gegen gutes Chartergeld in Kriegszeiten der Regierung 
zur Verfügung stellen zu können, wirken ferner die Prämien, 
die die Regierung namentlich für den Bau großer Schiffe 
aussetzt aus militaristischen Gründen, als ein viel stärkerer 
Anreiz auf die Schiffbauer als die Aussichten auf Handels- 
gewinn. Immer wieder machen wir die Beobachtung, daß 
das Gewinnstreben, der Erwerbstrieb innerhalb des Wirtschafts- 
lebens in der früheren Zeit nicht annähernd die dynamische 
Wirkung ausübt wie heute; daß vor allem dem früheren 
Menschen nähere, greifbarere Gewinne in Aussicht gestellt 
werden mußten, als es die normalen Handels- und Produktions- 
gewinne sind, um ihn zu intensiverer Tätigkeit anzuspornen: 
um Gold zu suchen, für Kaperzweeke, gegen bare Prämien, 
zum Verchartern baute man, um das, was ich hier im all- 
gemeinen sage, wieder auf unseren Fall anzuwenden, viel 
eher Schiffe, als um den russischen oder den levantinischen 
Handel auszudehnen. In dem geschäftliehen Alltagsleben 



182 Sechstes Kapitel: Der Schiffbau 

herrscht der Schlendrian vor; alles geht seinen altgewohnten 
Weg; es müssen schon starke Anreizungen kommen, um hier 
wesentliche Neuerungen einzuführen. Solche Anstöße kamen 
für den Schiffbau von den militärischen Interessen her , die 
während der Zeit, die wir hier überblicken, ganz gewiß stärker 
waren als die merkantilen. Dieser Eindruck wird bestätigt, 
wenn wir nun die Entwicklung verfolgen, die die Schiflfs- 
typen in unserer Epoche durchmachen. 

m. Die GröPe der Schiffe 

Wir haben oben schon eine Vorstellung von der Größe 
der Handelsschifle während des 16. und 17. Jahrhunderts be- 
kommen. Ich teile noch ein paar Ziffern mit, um das Bild 
recht deutlich erscheinen zu lassen. 

In der schon erwähnten amtlichen Statistik der französischen 
Handelsschifie im Jahre 1664 verteilen sich die 2368 auf die einzelnen 
Größenklassen wie folgt: 

10— 30 t 1063, 

30— 40 t 345, 

40— 60 t 320, 

60— 80 t _ 178, 

80-100 t 133, 

100—120 t 102, 

120—150 t 72, 

150—200 t 70, 

200—250 t 39, 

250—300 t 27, 

300—400 t 19 

iüä 

Die Schiffe, die während des 17. Jahrhunderts aus dem Hamburger 
Hafen ausliefen, waren durchschnittlich 17 — 18 Lasten ä 2000 kg groß; 
1625 z. B. 17,621 Lasten. Das größte Schiff in diesem Jahre segelte nach 
Venedig und hatte eine Tragfähigkeit von 200 Lasten (also 400 t), 1616 
finden wir eins mit 150, 1615 eins mit 130, 1617 eins mit 120 Lasten usw.^''». 

In England, meinte Sir William Monson in seinem Naval Tracts 
p. 294, waren beim Tode der Elisabeth (also im Anfang des 17. Jahr- 
hunderts) keine 4 Kauffahrer von je 400 t. Tragfähigkeit*'^. Wird ge- 
stimmt haben; denn noch in der Mitte des Jahrhunderts hatten die 



III. Die Größe der Schiffe 183 

Schiffe der Ostindischen Kompagnie (also die größten des Landes) erst 
300 bis 600 t Ladefähigheit^'a. 

Die Holländisch -ostindische Kompagnie benutzte am Ende des 
17. Jahrhunderts Schiffe von durchschnittlich 300 Lasten ^''^. 

Die erste Flotte der französischen Indiengesellschaft bestand aus 
3 Schiffen zu je 300 t und einem Schiff zu 120 t; die zweite setzte sich 
wie folgt zusammen: 2 Schiffe zu je 5—600 t, 2 Schiffe je 300 t, 1 Schiff 
250 t, 1 Schiff 200 t, 4 Schiffe je 60—80 t. 1682 laufen 1 Schiff zu 700 t, 
1 Schiff zu 800 t aus ^''*. 

Diese Größen bleiben auch während des 18. Jahrhunderts 
üblich : große Ostindienfahrer haben 300—500 t, die Europa- 
fahrer 100—300 t Raumgehalt. 

So waren von den schon erwähnten 1417 Schiffen, die London im 
Jahre 1732 besaß, 

130 zwischen 300 und 500 t, 
83 „ 200 „ 300 t groß. 
Die übrigen waren kleiner, und das berühmte Schiff der Südsee- 
gesellschaft hatte 750 t Raumgehalt. 

Am 1. Mai 1737 hat Liverpool »'^ 211 Schiffe über 30 t, davon 
1 mit 400 t, 2 mit 340 t, 7 mit 160 t, 13 mit 120 t, 

1 „ 350 t, 2 „ 200 t, 15 „ 150 t, 6 „ 110 t, 

1 „ 300 t, 2 „ 190 t, 10 „ 140 t, 16 . 100 t, 

1 „ 250 t, 4 „ 180 t, 5 „ 130 t, ' 135 „ 30—90 t 

Die 1749 in den englischen Häfen einlaufenden fremden Schiffe 
wiesen folgende Größen auf: 

Holländische Schiffe 62 mit 6 282 t = 100 t, 

Dänemark 292 „ 47 382 t = 160 t. 

Schweden 71- „ 8400 t = 120 t, 

Hamburg 40 „ 6 764 t = 170 t, 

Frankreich 24 „ 1 289 t = 50 t, 

Preußen 26 „ 3 420 t = 130 t, 

Danzig 16 „ 2 748 t = 170 t, 

Portugal 26 „ 2 100 t = 80 t, 

Bremen 16 „ 1 975 t = 125 t, 

Rußland 5 „ 440 t = 90 t, 

Spanien 16 „ 940 t = 60 t. 

594 mit 81 740 t = ca. 140 t. 
Das größte Schiff ist ein dänisches mit 510t; die kleinsten sind 
französische Kähne — offenbar von Calais nach Dover fahrend — 
mit 4 t Tragfähigkeit. Aber auch von Bremen kommt ein Schiff mit 
35 t, von Danzig mit 44 t usw.^'®. 



184 Sechstes Kapitel: Der Schiffbau 

Ende des 18. Jahrhunderts hatte das normale holländische Kauf- 
fahrerschifi eine Tragfähigkeit von 180 — 190 Lasten; es maß 115' auf dem 
Kiel, 120' vom Vorder- zum Hintersteven bei einer Breite von 34 '3'''. 

Zum Inventarium der aus der Guinäischen Handelsgesellschaft, der 
Ostseeischen Handelsgesellschaft und der Grönländischen Handelsgesell- 
schaft 1781 gebildeten Kgl. Dänischen, Ostseeischen und Guinäischen 
Handelsgesellschaft^''^ gehörten 37 Schiffe; davon hatten Tragfähig- 
keit in Commercelasten (ä 2600kg): 

50— 60 Lasten 10 Schiffe, 
61—100 „ 2 „ 

101—150 „ 21 

151— 162V2 Lasten 4 



37 Schiffe. 

Stellen wir nun diesen Ziffern die ihnen entsprechenden 
für die Kriegsmarine gegenüber, so bemerken wir sehr bald, 
daß die Kriegsschiffe ganz beträchtlich viel größer sind als 
die Handelsschiffe, daß insbesondere auch die großen Typen 
viel häufiger sich unter jenen als unter diesen finden. 

Schon im 15. Jahrhundert kommen, englische Kriegs- 
schiffe (of the Tower) von 1000 t vor: in der Liste, die 
Oppenheim für die Zeit Heinrichs VII. zusammenstellt, er- 
scheinen 9 Schiffe von 500—1000 t. 

Das Verzeichnis der Schiffe der Royal Navy vom 5. Jänner 
1548 (1. Edw. VI) weist folgende Größen auf: 

6 Schiffe von 500—1000 t 

11 „ „ 300—450 t 

12 „ „ 100—250 t 
24 „ unter 100 t. 

Ganz besonders handgreiflich ist der Größenunterschied 
zwischen den Kriegsschiffen und den Handelsschiffen, wenn 
wir die Schiffe mustern, die die englische Flotte im Jahre 
1588 bildeten 8^^. Diese, dieselbe, die die Felicisima Armada 
besiegte, bestand aus 34 Kriegsschiffen und 163 Kauffahrern. 

Die 84 Kriegsschiffe wiesen folgende Typen auf: 



III. Die Größe der Schiffe 185 

1 war 1100 t groß 
1 „ 1000 t „ 

1 „ 900 t „ 

2 waren je 800 t groß 

2 „ „ 600 t „ 
5 „ „ 500 t „ 

12 waren größer als 500 t. 

3 waren je 400 t groß 

5 „ 200—360 t groß 

20 waren größer als 200 t. 
Dagegen war von den Kauffahrteischiffen 
keins über 400 t groß 
2 waren je 400 t groß 

4 „ „ 300 t „ 

24 „ 200—250 t groß 

30 waren größer als 200 t 
130 „ kleiner „ 200 t. 

Im 17. Jahrhundert vergrößern sich die Kriegsschiffe 
rasch. Zwei der bekannten Königsschiffe haben folgende 
Ausmaße ^^° : 

„.,,.. ™. -. Ladegehalt Zahl der Zahl der 

° Brutto Geschütze Bemannung 

Royal Prince 

(1610). . . 115' 18' 1187 55 500 

Sovereignofthe 
Seas (1637) 127' 19,4' 1683 100 600 

Zum Vergleich füge ich noch die Maße bei, die ein fran- 
zösisches Kriegsschiff mit 100 Kanonen im Jahre 1666 hatte^^* : 

Länge des Kiels 135 Fuß 

Vom Vorder- bis zum Hintersteven . . . 160 „ 

Breite 42 „ 

Höhe vom Kiel 19 „ 

Höhe vom Kiel bis zur Kuhbrücke ... 13 „ 



186 Sechstes Kapitel: Der Schiffbau 

Höhe zwischen zwei Decks 7 Fuß 

Höhe des zweiten Decks 7 „ 

Höhe des Vybord 2 „ 

Höhe des Zimmers des Generals, vorn und 

hinten 7V2 „ 

Höhe der Deckkajüte (clunette) .... 6 „ 
Höhe der Kampanja (dessus de la clunette) 4 „ 
Es scheint fast, als ob noch im 17. Jahrhundert der 
1000 t-Typ bei den Kriegsschiffen der normale wird. Im 
Jahre 1688 finden wir ihn in der englischen Flotte bereits 
bei 41 Schiffen, deren größtes 1739 t groß ist. Die Höhe 
der Besatzungen dieser großen Schiffe schwankte zwischen 
400 und 800, die Zahl der Geschütze zwischen 70 und 100 »^z. 
Das Wichtige ist zunächst dies: daß die Kriegsmarine 
durch den Bau so großer Schiffe alle gewohnten Vorstellungen 
von Schiffsgrößen revolutionierte und damit Vorbilder schuf. 
Als Jakob IV. von Schottland im Jahre 1511 den „Michael", 
als Heinrich VIII. im folgenden Jahre den „Regent" vom Stapel 
laufen ließ, standen alle Leute wie geblendet da. Wir haben 
über den Eindruck, den speziell der „Michael" machte, ge- 
naue zeitgenössische Berichte: „any varie monstrous great 
ship called the Michael" nennt es ein Report. Und Lindsay of 
Pittscottie gibt folgende Beschreibung von dem „Monstrum" ^^^: 
„The Scottish king bigged a great ship called the , Great 
Michael', whieh was the greatest ship and of most strength, 
that ever sailed in England or France; for this ship was of 
so great stature, and took so much timber that, except Fack- 
land, she wasted all the woods in Fife, bye all timber that 
was gotten out of Norway; she was so streng and of so great 
length and breadth (all wrights of Scotland, yea, and many 
other strangers were at her device, by the kings command- 
ment who wrought very busily in her etc. etc.)." 

Aber wiederum erschöpft sich damit die Einwirkung der 
militärischen Interessen auf das Wirtschaftsleben keineswegs. 



IV. Das Tempo des Schiffbaues 187 

Ebenso wie diese eigenmächtig auf die Vermehrung der 
Handelsflotte hindrängte, so ganz besonders auch auf eine 
Vergrößerung der Sehiffstypen. Wir müssen uns immer gegen- 
wärtig halten: eine Veränderung der üblichen Produktions- 
und Handelsweisen wird von den Wirtschaftssubjekten auch 
noch in der frühkapitalistischen Epoche meist als lästig 
empfunden und deshalb nach Möglichkeit zu meiden gesucht. 
Die Peitsche der Konkurrenz wird noch nicht über ihren 
Häuptern geschwungen; ein Z wang zur Verbesserung besteht 
also nicht. Folglich wird diese nur aus dem Gewinnstreben 
folgen, das aber, wie ich schon sagte, sehr häufig durch 
künstliche Mittel erst geweckt oder jedenfalls gesteigert 
werden mußte. Solche künstlichen Mittel waren die Prämien. 
Die Prämien aber, die auf den Schiffbau gelegt wurden, 
hatten vor allem den Zweck, die Werften zur Erbauung 
großer Schiffe zu veranlassen, solcher Schiffe nämlich, die 
man auch bequem als Kriegsschiffe verwenden konnte. 

Als 1522 der „Antony" von Bristol mit 5/ pro Tonne 
prämiiert wird, geschieht es, weil er 400 t groß ist und also 
zum Kriegsdienst gegebenenfalls geeignet: gut „also to doo 
unto US Service in warre". Unter diesem Gesichtspunkte der 
Kriegsinteressen ist dann später die Schiffsprämienpolitik bei 
allen seefahrenden Völkern betrieben worden. Also daß wir 
guten Grund haben, auch in der Entwicklung des großen 
Schiffstyps eher militaristische als kapitalistische Interessen 
vorwiegend als wirksame Triebkräfte zu vermuten. 

IV. Das Tempo des Schiffbaues 

Dem mittelalterlichen Leben, vor allem dem mittelalter- 
lichen Wirtschaftsleben ist die Idee „der Beschleunigung** 
fremd : es gibt kein Gebiet, auf dem das Schneller ein Besser 
bedeutete, auf dem es an und für sieh als Wert erschiene, 
einen Prozeß rascher abzuwickeln. Voraussichtlich wäre auch 



188 Sechstes Kapitel: Der Schifibau 

der Trieb zur Beschleunigung im Bereiche des Wirtschaft- 
lichen selber nie erwacht. Er mußte durch eine Reizung von 
außen her erst zur Betätigung gebracht werden. Eine solche 
Reizung ging, wie wir schon in zahlreichen Fällen feststellen 
konnten, von den kriegerischen Interessen aus. 

Das gilt in hervorragendem Sinne wiederum für die Ent- 
wicklung des Schiif baus. Langsames, dumpfes Dahinbrüten, be- 
queme traditionalistische Alltäglichkeit, bis die Anforderungen 
der Kriegsmarine Leben in das Getriebe bringen. Man ermesse, 
welch ein wahnwitziger Gedanke es für das Gefühl eines 
mittelalterlichen Reeders gewesen wäre: den Bestand der 
Handelsflotte innerhalb weniger Jahre und Jahrzehnte etwa 
zu verdoppeln. Wozu? Es wäre ja auch ganz sinnlos ge- 
wesen ; denn woher hätte die doppelte Menge Ladung kommen 
sollen? Das kriegerische Interesse dagegen drängte immer- 
fort auf Vergrößerung der Streitmacht und auf rasche 
Vergrößerung, um dem Feinde zuvorzukommen. 

Um zu erkennen , wie hastig und oft sprunghaft der 
Schiffbau sich entwickelte, seit die Erbauung von Kriegs- 
schiifen seine Hauptaufgabe wurde, genügt es, sich die Ziffern 
vor Augen zu führen, in denen sich die Vermehrung des 
Bestandes der Kriegsflotten ausdrückt. Ich habe sie bereits 
mitgeteilt und verweise den Leser darauf. Zur Belebung 
des Bildes führe ich noch ein paar besonders markante Bei- 
spiele aus der Schiff"baugeschichte an, an denen sich das für 
jene Zeiten unerhörte Tempo der Herstellung erkennen läßt. 

Im Jahre 1172 unter dem Doganat Vital Micheles IL 
sollen in Venedig 100 Galeeren und 20 große Schiffe in 
100 Tagen erbaut sein^^*. Das ist natürlich Unsinn und 
Chronistenphantasterei. Es werden 10 Galeeren und 2 große 
Schiffe gewesen sein. 

Aber was uns jene Überlieferung lehrt, ist: 1. die zweifel- 
los richtige Tatsache, daß die Venetianische Regierung in 
sehr kurzer Zeit eine große Menge Schiffe herstellen ließ, 



IV. Das Tempo des Schiffbaues 



189 



und 2. das Staunen der Zeitgenossen über diese ungewohnte 
Handlungsweise. 

Aus ebenso früher oder nur wenig späterer Zeit haben 
wir zuverlässige Nachweise über den Bau Genueser Kriegs- 
schiffe, die uns durch die Größe der Ziffern verblüffen. Wir 
erfahren, daß die Republik Genua bestellt ^^^: 



1171 

1204 
1205 
1206 
1207 



8 Kattschiffe und 8 Galeeren: 
8 Galeeren: 



22 Galeeren und 4 Tariden, je 1 Galeere in Savona 
und in Noli; 
1216: 10 Galeeren; 
1241: 52 Galeeren und Tariden; 
1242: 40 Galeeren; 
1282 besaß Genua nur 12 Galeeren, 50 wurden in diesem 

Jahre dazu gebaut. 
Stärkere Anforderungen stellten auch im 16. Jahrhundert 
die Marineverwaltungen der großen nordischen Seemächte 
nicht: sie waren wahrhaftig enorm genug. 

In England befinden sich im Jahre 1554 29 Kriegsschiffe 
im Bau („in commission"), 1555/56 38, 1557 24, zu denen im 
Dezember desselben Jahres noch 8 andere hinzukommen. 
Aber das Tempo wird immer hastiger. Dafür enthält den 
Beleg die folgende überaus lehrreiche Tabelle ^^^: 

Es waren Kriegsschiffe in Kommission in den 22 Jahren : 

1559—1580 1581-1602 



Über 600 t . . 


2 


28 


400—600 t . . 


. . 17 


100 


200—400 t . . 


42 


73 


100—200 t . . 


38 


55 


50—100 t . . 


39 


40 


unter 50 t . . 


4 


66 



Insgesamt 142 



362. 



190 Sechstes Kapitel: Der Schiffbau 

Aus diesen Ziffern ersehen wir: 1. daß in dem zweiten 
gleich großen Zeitraum zweiundeinhalbmal so viel Schiffe ge- 
baut wurden als im ersten; 2. daß die Schiffe im zweiten 
Zeitraum erheblich größer sind als im ersten, so daß 3. eine 
Steigerung der Produktion auf mehr als das Dreifache statt- 
findet : wenn man die einzelnen Schiffstypen zum Durchschnitt 
ihrer Klasse ansetzt, so ergeben sich in den ersten 22 Jahren 
etwa 31 000 t, in den zweiten 22 Jahren dagegen über 103 000 t 
Bauumfang. 

Und dann kommt ja erst der große Vorstoß im 17. Jahr- 
hundert, in dem sich alle militaristischen Interessen erst ins 
Gigantische (ins Barock können wir auch sagen) auswachsen. 
Unter der Republik werden in England 207 Schiffe in 11 Jahren, 
also fast 20 Schiffe in jedem Jahre, gebaut. In dem einen 
Jahrfünft von 1690 — 1695 werden in England zum Bau von 
45 Schiften £ 1011576.8.11 bewilligt»". 

An Paroxysmus grenzt ebenso das Tempo, in dem zu 
Colberts Zeiten die französische Kriegsflotte vergrößert wurde : 
Colbert fand, wie wir sahen, bei seinem Eintritt in die 
Regierung (1661) 80 Kriegsschiffe vor; nach wenig mehr als 
20 Jahren hatte er 244 daraus gemacht, diese aber meist in 
viel größerem Ausmaße: es wurden also jährlich im Durch- 
schnitt 10 — 12 Kriegsschiffe vom Stapel gelassen. 

V. Die Organisation des Schiffbaues 

Wir haben uns schon zum Bewußtsein gebracht, daß 
irgendeine Produktion sehr verschiedenen Charakter trägt und 
sehr verschiedene Anforderungen an die wirtschaftliche Ver- 
fassung stellt, je nach dem Zeitausmaß, das sie beherrscht. 
Handwerker konnten schließlich auch mittelalterliche Dome 
bauen: wenn man ihnen nur Zeit ließ. Verlangte man aber, 
daß sie in einer bestimmten Frist damit fertig wurden, so 
versagte ihre Kraft. Handwerker konnten im Notfall auch 



V. Die Organisation des Schifibaues 191 

in kurzer Zeit kleine Mengen von Produkten liefern: wuchs 
sich das verlangte Produktquantum aus, so überstiegen 
wiederum die Anforderungen die Leistungsfähigkeit des Hand- 
werkers. Wie er denn sehr bald versagte, wenn es sich um 
die Erzeugung zusammengesetzter Güter von bestimmter 
Größe handelte. 

Der Schiffbau wurde durch die militaristischen Interessen 
nach allen drei Seiten hin entwickelt: mehr Schilfe, größere 
Schilfe wurden verlangt und vor allem : sie wurden in kürzerer 
Zeit verlangt. Die Anforderungen der Handelsflotte hätte 
die handwerksmäßige Schifl'bauerei noch jahrhundertelang 
befriedigen können. Durch die wachsenden Ansprüche der 
Kriegsmarine wurde das Handwerk für den Schiffbau dis- 
qualifiziert, erst für den Bau der Kriegsschiffe selbst, dann 
in dem Maße, wie die Handelsflotte in den Strom der Ent- 
wicklung hineingerissen wurde und an der Kriegsflotte sich 
zu orientieren anfing, auch für den Bau von Kauffahrtei- 
schiffen. 

Eine Wirtschaftsgeschichte des Schiffbaugewerbes fehlt 
natürlich, wäre aber wohl wert geschrieben zu werden. Das 
Bild, das wir aus einem Studium der Quellen empfangen, ist 
ungefähr dieses: 

Auf die handwerksmäßige Schiffbauerei, die sich normaler- 
weise in allen Seestädten gleichmäßig entwickelt hatte, folgt 
unter dem Druck der militärischen Interessen zunächst keine 
kapitalistische, sondern eine gemeinwirtschaftliche, staatliche 
Organisation des Schiffbaugewerbes, das viel eher eine aus- 
gesprochene groß- und größestbetriebliche Form erhält, ehe 
es vom Kapitalismus ergriffen wird. 

Schon in den italienischen seefahrenden Staaten ent- 
wickelt sich frühzeitig eine großartige staatliche Schiffbauerei. 
Speziell über den Schiffbau Venedigs im 14. Jahrhundert 
sind wir vortrefflich unterrichtet durch eine ausführliche 
zeitgenössische Darstellung des gesamten Produktionsprozesses, 



X92 Sechstes Kapitel: Der Schifibau 

die uns erhalten ist^^^. Danach würde schon während des 
Mittelalters in diesem (einzigen?) Gewerbe eine ganz groß- 
artige Betriebsorganisation geherrscht haben. Der Verfasser 
berichtet uns, daß zur Erbauung einer Galeere von 126' 
Länge (es handelt sich natürlich nur um Kriegsschiffe) „maestri 
segadori 500 a far el bisogno de la dita galea, maestri 1000 
cio6 marangoni (Stellmacher) chalefai (Kalfaterer) 1300 per 
forar e chalcar e pegolar" erforderlieh seien. Damit können 
natürlich nicht Arbeitskräfte gemeint sein. Wir werden viel- 
mehr mit dem Herausgeber der Denkschrift annehmen müssen : 
die Ziifern bedeuteten die Zahl der erforderlichen Arbeitstage. 
Dann kämen wir immer noch zu Arbeitermassen von schier 
unglaublicher Größe. Man muß nämlich beispielsweise folgende 
Rechnung anstellen : 40 Galeeren werden in einem Jahre neu 
erbaut (das ist nach den genauen Angaben, die wir über die 
Zahl der Schiffbauten in Genua aus dem 12. und 13. Jahr- 
hundert besitzen, sicher nicht zuviel gerechnet). Auf einer 
Galeere arbeiten nach den oben mitgeteilten Sätzen 28 Arbeiter. 
Auf der Werft würden also 1120 Kalfaterer, Säger und Stell- 
macher bei der Bauarbeit beschäftigt worden sein. Von den 
schon schwimmenden 60 Galeeren wird ein Viertel einer 
kleinen Ausbesserung unterworfen worden sein, an 30 werden 
kleinere Reparaturen auszuführen gewesen sein. Was sicher 
1000 Arbeitern Beschäftigung gewährte. Dazu kommen nun 
noch die Seiler, Segelmacher, Mastmacher, Schlosser, Schmiede 
usw., von denen sicher ebenfalls ein großer Teil auf den 
staatlichen Werften tätig war. Nehmen wir für sie auch 
nur ebenso viel Köpfe wie für die Holzarbeiter an, so kämen 
wir auf eine Gesamtarbeiterschaft von 2 — 3000 Mann: eine, 
wie gesagt, für mittelalterliche Verhältnisse geradezu märchen- 
hafte Ziffer. 

Aber vielleicht haben wir in der Tat hier die ersten 
Oroß- und Riesenbetriebe vor uns, in denen sich die europä- 
ische Menschheit wiederum aus der Vereinzelung des Hand- 



V. Die Organisation des Schiffbaues 193 

Werks zu gemeinsamer Werkverrichtung zusammenschlössen. 
Auch wenn wir an jene 2 — 3000 Arbeiter nicht glauben wollen, 
wenn es auch nur 2 — 300 gewesen sind, die hier in einem 
Betriebe zusammengefaßt wurden: immer würden wir (an- 
gesichts der frühen Zeit!) dem Schiffbau eine epochale Be- 
deutung in der Geschichte der Arbeit (soweit sie im europä- 
ischen Mittelalter von vorn anfängt) zuerkennen müssen. 

Daß im 16. Jahrhundert die venetianische Werft einen 
sehr großen Betrieb darstellte, wissen wir aus sicherer Quelle : 
aber es setzt uns doch nicht so maßlos in Erstaunen, als 
wenn wir an Kieler Dimensionen im 15. und 14. Jahrhundert 
und noch früher glauben sollen. Den Zustand des Werft- 
betriebes oder des „Arsenals" der venetianischen Republik 
im 16. Jahrhundert schildert uns Andreas Ryff in seinem 
Reisebüchlein ^^^ wie folgt: 

„Sein Scheuren" 

„Dass seil hausz oder scheuren im arschenael ist mechtig 
grosz, sonderlich aber so lang, dass sich ein Rosz woll mecht 
mied drin erlauffen, dorin arbeitet vyl volcks, und ist darinnen 
ein merckliche summa hanff und flachs im vorroth." 

„Sägell hausz" 

„Im sägel hausz arbeitten die wyber mit neyen (nähen), 
do haben sy eine grosse zaal Sägel allergattung im vorroth, 
wie auch vyl zwilch und sägel thuoch." 

„Schmitten" 

„In einem hoff sind 8 gwelb einandernach , dorinnen 
Schmidt man teglich alle noturft und in jeder sein sondere 
gattung." 

Auch in England sehen wir frühzeitig die Krone sich 
um die Erbauung ihrer Schiffe kümmern. Wir besitzen eine 
ganze Reihe von Belegen, die schon für das 13. Jahrhundert 
eine staatliche Schiffbauerei außer Zweifel setzen. 

1225 werden die Bailliffs von Southampton angewiesen, Tauwerk 
für des Königs „Große Schiffe" in Portsmouth zu kaufen oder es eiligst 

Sombart, Krieg und Eapitalismns 13 



194 Sechstes Kapitel: Der Schiffbau 

anfertigen zu lassen; ebenso: drei gute Ankertaue machen zu lassen, 
zusammen mit 4 Dutzend „Theldorun" und 200 Ellen Segeltuch für die 
Ausbesserung der Segel zu besorgen ^8"; 1226 wird der Constable von 
Porchester beauftragt, Friar Thomas mit 3 Bootladungen Brennholz zu 
versehen für des Königs Schiffe; 22 V2 Mark werden ihm gegeben, um 
Leinen für die Segel zu kaufen und um „celtas" für des Königs Schiffe 
zu machen ^^*. Er werden also Schiffe für des Königs Dienst und in 
seinem Auftrage erbaut. 

Im 16. Jahrhundert dann, als die Königsflotte sich erst 
recht zu entwickeln beginnt, nimmt die Bautätigkeit der 
Krone rasch einen größeren Umfang an: Seearsenale, in 
denen die Materialien für den Schiffbau (neben den Waffen) 
aufgestapelt wurden, werden erbaut in "Woolwich (1512), 
Deptford (1517), Erith (1513, vorübergehend), während bis 
dahin nur in Portsmouth ein Arsenal und eine Werft be- 
standen hatte. 

Die englische Krone baute offenbar zunächst ganz in 
eigener Regie. Wir sehen deutlich die Vorgänge bei der Er- 
bauung des Henry grace ä Dieu vor uns: dieses Frachtschiff 
wurde in Portsmouth auf die Hellingen gelegt. Die Arbeiter 
und Handwerker, die daran arbeiteten, wurden in der Um- 
gegend angeworben ^^^: ein Teil von ihnen geht und kommt, 
ein anderer Teil wohnt in Portsmouth und wird dort auch 
beköstigt. Gelegentlich (aber ausnahmsweise) auch gekleidet: 
wir erfahren, daß 141 Zimmerleute mit Anzügen versehen 
werden. Diese Ziffer gibt uns einen Anhalt, um die Größe 
der Werft zu ermessen. 

Die Ausbesserungen führte der Staat ebenso für eigene 
Rechnung aus. Ein sehr interessantes Dokument^^^: eine 
Kostenrechnung für das sechste Jahr Heinrichs VIII. vom 
2. November bis 20. April zeigt uns, wie ein königlicher 
Kommissar die einzelnen Materialien pfundweise von Hand- 
werkern kauft, wie er dann eine Anzahl Stellmacher usw. in 
Kost und Lohn nimmt, um die Reparatur durch sie bewerk- 
stelligen zu lassen. 



V. Die Organisation des Schiffbaues 195 

An der Spitze der "Werft steht ein Schiffbaumeister, der 
seit Heinrich VIII. Schiifbaumeister der königliehen Flotte: 
„Master-Shipwright of the Royal Navy" heißt : als erster wird 
William Bond genannt ^^*. 

Dieser königliche Schiifbaumeister scheint sich dann im 
Laufe der Zeil, wie wir dies in England häutiger finden, zu 
einer Art von privatem Unternehmer auszuwachsen, der den 
Bau auf eigene Rechnung ausführte. Seit 1578, das heißt 
seit dem Eintritt Hawkyns, beginnt das Building by con- 
traets^^^, das (so seheint es: genau sind wir trotz der vielen 
Bearbeitungen, die die Geschichte der englischen Marine er- 
fahren hat, noch nicht unterrichtet) darin bestand, daß die 
Krone dem Schiffbaumeister die Materialien lieferte oder 
auch sie durch ihn auf ihre Rechnung ankaufen ließ^ die 
Ausführung aber ihm übertrug gegen einea Einheitssatz 
für die Tonne, der zum Beispiel unter Jakob I. 7 J' 10 s 
und 8 ^ war. 

So finden wir folgende Posten in den Kechnungen (z. B. des Jahres 

1588)39«: 

To Peter Pett, one of Her Majestys shii)\vrights ... for piece of 

8 loads, six foot of timber-oak for her Maj. ships at Chatham at 

20 s per load etc. 

To Rieh. Chapman, of Deptford Strand ... for price of two anchors 

by him provided. 
To Henry Holesworth, of London, for price of 14 flags usw. 
Desgl.: 9 Kompasse. 

„ 3 Paar neue ties . . . ot white fine hemp. 

„ 2 ensigns of silk (von einem Tapezier in London). 

„ 46 Streamers (desgl.) new boat. 

„ 102 yards of calico für Flaggen. 

„ 127 boults of Mildernex canvass, for the new making of sun- 

dry sails. 
n 12 Cables of sundry scantlings. 
„ 14 Masts of sundry scantlings (von einem Kaufmann in London). 

Die Werften waren natürlich große Betriebe. Wir er- 
fahren ^^'', daß im 16. Jahrhundert, beim Regierungsantritt der 
Elisabeth, beschäftigt sind: 

13* 



196 Sechstes Kapitel: Der Schiffbau 

in Deptford auf 5 Schiffen 228 Mann 
„ Woolwich „8 „ 175 „ 
„ Portsmouth „9 „ 154 „ 

Ganz ähnlich wie in England ist der Kriegsschiffbau in 
Frankreich organisiert. Auch hier standen die Werften oder 
die einzelnen Schiff bauten unter der Leitung von Schiff- 
baumeistern, die in Frankreich „constructeurs^ heißen. Sie 
scheinen ebenfalls den Bau in Entreprise genommen zu haben, 
worauf Wendungen wie diese sehließen lassen ^^^: „il est 
tout ä faire nöcessaire d'occuper les mattres (das sind eben 
die Entrepreneurs) , qui bätissent, qui n'ayant pas de quoi 
travailler, iront chercher ä s'occuper dans les pays 6tran- 
gers ... et puis que vous avez la place, le bois et les ouv- 
riers, il semble qu'on ne les doive pas laisser inutiles" : diese 
letzten Worte vertragen sieh allerdings auch mit einem Bauen 
auf eigene Rechnung. Dann aber heißt es an derselben Stelle 
weiter: geben wir ein Schiff in Toulon, eins in Brest in Auf- 
trag, um die , Entrepreneurs' zum Wettbewerb aufzumuntern: 
„pour exciter, par Emulation, les entrepreneurs ä bien faire". 

Jedenfalls bieten auch in Frankreich die staatlichen 
Werften im 17. Jahrhundert ein Bild großartiger Betriebs- 
organisation dar. Richelieu hatte Staatswerften in Brouage, 
Le Havre, Brest errichten lassen. Von Brest berichtet uns 
ein Zeitgenosse, daß dort beschäftigt ist „eine ganze Welt", 
„tout un monde", von Arbeitern, Schmieden, Schlossern, 
Drehern, Böttchern, Tischlern, Bildhauern, Malern, Blech- 
schmieden unter dem einheitlichen Kommando der königliehen 
Schiff baumeister, „des eonstructeurs de la Couronne", Charles 
Morien und Laurent Hubac, dem Chef einer glorreichen 
Ingenieurfamilie ^^^. 

Wo die Staatsschiffe zum Bau an Privatpersonen gegen 
einen Einheitssatz vergeben wurden, war das kapitalistische 
Organisationsprinzip schon zum Durehbruch gekommen: die 
Förderung also, die der Kapitalismus durch den Kriegsschiff- 



V. Die Organisation des Schiffbaues 197 

bau erfährt, ist eine unmittelbare und liegt zutage. Aber 
auch wenn und soweit der Betrieb auf den königlichen Werften 
ein reiner Staatsbetrieb war, gewinnt er doch Bedeutung fü,r 
die Entwicklung des Kapitalismus im Schiffbaugewerbe. Vor 
allem dadurch, daß er vorbildlich wird für die Durchbrechung 
der handwerkerlichen Schranken des früheren Schiffbaues. 

Dann aber wird der private Schiffbau auch direkt durch 
die rasche Ausdehnung des Kriegschiffbaues in seiner Organi- 
sation beeinflußt, wird also in der Richtung der Entwicklung 
zu Kapitalismus und Großbetrieb vorwärts getrieben. Zu- 
weilen, wenn sich die Bestellungen des Staates bei seinen 
eigenen Werften häufen, wie z. B. in England zur Zeit der 
Republik, als in elf Jahren 207 Schiffe vom Stapel laufen 
sollten, erhalten die Privatwerften einen Teil der Aufträge 
überwiesen, die die Staatswerften nicht auszuführen \er- 
mögen*°°. Hier wird also der private Schiffbau durch Liefe- 
rungen von Kriegsschiffen zur Ausdehnung angehalten. 

Wo es sich um den Bau von Handelsschiffen handelt, 
greift wohl der Staat in der Weise ein, daß er aus seinen 
Arsenalen den privaten Schiffbauern zu günstigen Bedingungen 
Materialien liefern läßt, um sie zur Tätigkeit anzuspornen. 
So verfuhr Colbert; er hielt immer reichliche Vorräte in den 
königlichen Magazinen, auch: „pour en fournir aux marchands 
et pour les exciter par lä ä bätir et ä augmenter la naviga- 
tion et le commerce" *"^ 

Die ganze Bedeutung, die der Kriegsschiffbau für die 
Herausbildung des Kapitalismus hat, vermögen wir aber erst 
zu ermessen, wenn wir der Wirkungen uns bewußt werden, 
die er auf zahlreiche andere Industrien und auf zahlreiche 
Handelszweige ausübt, die sämtlich von ihm abhängig sind, 
weil sie ihm die nötigen Materialien zuführen. Über diese 
Zusammenhänge wollen wir uns im nächsten Abschnitt Klar- 
heit zu verschaffen suchen. 



198 Sechstes Kapitel: Dei- Schiffbau 

VI. Die Beschaffung der Schiffbaumaterialien 

Abermals mußte die Entwicklung der Kriegsmarine, für 
die immer mehr und immer größere Schiffe immer rascher 
gebaut wurden, dadurch revolutionierend auf das Wirtschafts- 
leben einwirken, daß sie einen wachsenden Bedarf an Schiff- 
baumaterialien schuf, der meist rasch gedeckt werden sollte 
und der durch die Vergrößerung der Schiffstypen und die 
Vereinheitlichung der Organisation des Schiffbaues, besser: 
durch seine Konzentration in wenigen Großbetrieben selbst 
wieder ein mehr und mehr einheitlicher Massenbedarf werden 
mußte. 

Natürlich gibt es wieder keine Methode, nach der man 
die Zusammenhänge zwischen der Ausdehnung des (Kriegs-) 
Schiffbaues und der Entwicklung derjenigen Zweige des 
Wirtschaftslebens, denen die Herbeischaffung der Schiffbau- 
materialien obliegt, direkt und allgemein aufdecken könnte. 
Wir können den Einfluß, den jener auf diese ausgeübt hat, 
nur glaubhaft machen dadurch, daß wir zunächst die Bedarfs- 
mengen zu ermitteln trachten, die sich bei der fortschreitenden 
Ausweitung des Schiffbaues ergaben. 

Diese Bedarfsmengen lassen sich zunächst durch die Kosten 
ausdrücken, die die Herstellung der Kriegsschiffe verursachte* 
Jeder solcher Betrag, soweit er nicht für Arbeitslöhne auf 
den Werften ausgegeben wurde, bedeutete eine Nachfrage nach 
Schiffbaumaterialien. 

Ein englisches Kriegsschiff mittlerer Größe kostete im 
16. Jahrhundert 3000—4000 '£, unter Jakob I. 7000—8000 £, 
unter Karl I. 10000-12000 '£ , im Anfang des 18. Jahr- 
hunderts 15000—20000 £, wie folgende Angaben erweisen: 

„The Triumph" (16. Jahrh) kostet 3788 iP*»^, 

Nach den Pipe Office Accounts kosten*'*' unter Jakob I: 
Happy Entrance \ 

and J je 8850 £. 

Constant Reformation I 



VI. Die Beschaffung der Schiffbaumaterialien 199 



rra}^^"^*. 



alle einschließlich Masten, Bähen, Schnitzerei und Malerei. 
Swiftsure | ^^^^ 
Bonaventure ) 

Dazu 1169 £ für Segel, Anker und Ausrüstung. 
St. Georg 1 9632 £ 
St. Andrew J + 1306 £ for fittings. 

rXe } «0« ^- 

Unter Karl I.: 

Henrietta Maria / 

James 1 ^^^^^ "^ "^ ^^^^ -^ ^^"^ rigging, launching, fur- 
j, . \ nishing and transporting them from Woolwich 
/ and Deptford to Chatam. 

Anfang des 18. Jahrhunderts *<•* : 

Ein Schiff von 100 Kanonen kostet 30 553 £, 
« « 90 „ „ 29886 iP, 

« „ 80 „ „ 23638 iP, 

» „ 70 „ „ 17 785 i^, 

„ « 60 „ „ 14197 i^, 

» „ 50 „ „ 10 606 iP, 

. „ 40 „ „ 7558 iP, 

„ „ SO „ „ 5846 i?, 

^ „ 20 „ „ 3710 iP. 

Im Jahre 1734 bestand die Flotte aus 209 Schiffen, deren Erbauung 
2 591 337 £ gekostet hatte. 

Das im Jahre 1740 in Toulon erbaute französische Kriegsschiff 
„Jason", das 50 Kanonen führte, kostete 287.148 Livres 10 s***. Das 
würde fast genau der Summe entsprechen, die nach obiger Aufstellung 
ein gleich großes englisches Kriegsschiff um dieselbe Zeit kostete. 

Die ganz großen Schiffe, namentlich die Staats- und 
Prachtschiffe, mit denen man prunken wollte, kosteten immer 
erheblich mehr. So hat schon im 16. Jahrhundert der be- 
rühmte Henry Grace ä Dieu 8708 i^ 5 sh 3 d gekostet; die 
Bausumme des Royal Prince (1610) betrug 20000 £ und 
dann nochmal 6000 £, um ihn dienstfertig zu machen; die 
des Sovereign of the Seas (1637) 40833 |P 8 sh IV2 d*°«. 

Eine sehr genaue Aufstellung der Kostenbeträge für die 
Schiffe der verschiedenen Klassen besitzen wir für England 



200 



Sechstes Kapitel: Der Schiffbau 



im 18. Jahrhundert *<'''. Der Vollständigkeit halber teile ich 

noch einige Ziffern mit (für das erste und letzte Jahr, die 

in dem Anschlag berücksichtigt sind). 

An Estimate of the Charge of building and completely equipping 
a Ship of each class with Masts, Yards, Sails, Rigging, Ground Tackle 
and all other Boats wains as well as Carpenters Sea Stores, to an Eight 
Month Proportion; according to the Regulations established by Order 
of the Navy-board, progressively in the years 1706, 1719, 1733 and 1741 etc. 

1706 





Guns 


Charges 


of the 




Rate 


Hulls (Rumpf), 


Rigging (Takel- 


Total 






Masts and yards 


werk) and Stores 








(Rahen) 


(Mundvorrat) 








£ 


£ 


£ 


1 


100 


31994 


6587 


38 581 


2 


90 


25 591 


5428 


31019 


3 


80 


20528 


4590 


25 018 




70 


17 767 


3741 


19 508 


4 


60 


18024 


3199 


16 223 




50 


9152 


2464 


11616 


5 


40 


5 310 


1863 


7178 


6 


20 


2176 


962 


3138 



174:1 



100 
90 

80 
70 
60 
50 
40 
20 



33110 
28 543 
23 920 
19 687 
16 564 
13064 
7 554 
4282 



8050 
7135 
6256 
5488 
4786 
4117 
3003 
2117 



41151 
35 678 
30176 
25175 
21350 
17185 
10 557 
6 309 



Diese Aufstellung bringt uns auf unseren Gedankenwegen 
auch gleich ein Stück vorwärts, weil in ihr die Verwendungs- 
art der Gesamtausgaben ausdrücklich bezeichnet ist, wenn 
auch die Unterscheidung einstweilen nur ganz grob ge- 
macht ist. 



VI. Die Beschaffung der Schiff baumaterialien 201 

Nun sagen uns diese Ziffern immer erst etwas, wenn wir 
ihre Verwendung im einzelnen verfolgen, wenn wir feststellen, 
wofür denn eigentlich jede der Ausgaben gemacht wurde. 
Wir wollen versuchen, ob eine solche Spezifikation möglich ist. 

Die Materialien, die hauptsächlich für den Schiffbau in 
Betracht kamen, waren: 

1. Holz, das eine überragend große Bedeutung in allen 
früheren Zeiten für den Schiffbau hatte, wie wir gleich 
sehen werden; 

2. Takelwerk oder der Rohstoff dazu: Hanf, Flachs usw.; 

3. Segelwerk oder das Halbfabrikat oder der Rohstoff dazu ; 

4. Eisenwerk: Anker, Ketten, Nägel, Draht; 

5. Teer und Pech; 

6. Messing, Kupfer, Weißblech, Zinn. 

Ich teile mit, was mir an zuverlässigen Zahlen zu Gesicht 
gekommen ist, aus denen wir die Ausgaben für diese Schiffs- 
bestandteile oder die Mengen, die von ihnen für ein Schiff 
zu den verschiedenen Zeiten bedurft wurden, ersehen können. 

Die älteste Quelle, aus der wir da schöpfen können, ist der schon 
erwähnte Traktat aus dem 14. Jahrhundert, mit dem uns Jal bekannt 
gemacht hat*''''. Die Angaben über die Mengen der benutzten Materialien 
für den Bau der Galeere finden sich über den ganzen Traktat zerstreut. 
Ich habe sie zusammengerechnet und komme zu folgenden Ziffern: 
Bedarf an fassoniertem Eisen 8 Milliers (zu je 10 Ztr.), 
„ „ Teer und Pech . . 3000 iS, 

„ „ Ankern 600 ^, 

„ „ Tauwerk 835r/2 U. 

Über den Bedarf an Holz erhalten wir leider keinen Aufschluß. 

Offenbar wuchs nun aber der Bedarf an allen Materialien rasch 
mit der fortschreitenden Ausweitung des Schiffstyps. 

Im 16. Jahrhundert werden (auf dem „Henry Grace ä Dieu")*<'^ schon 
56 t Eisen, also 112000 U, gebraucht, während das Bauholz, das in 
diesem Schiff aufging, 3739 t wog. Auffallend gering sind die Mengen 
von Werg (oakum) und Flachs, nämlich nur 565 Stones (1 Stone Hanf 
==32äJ) und 1711 Ibs., wenn wir nicht annehmen wollen, daß die letzte 
Ziffer „Schiffspfund" (ä 2V2 Ztr.) bedeutet. 

Was üblicherweise an Takelwerk auf einem Schiff im 16. Jahrhundert 
gebraucht wurde , erfahren wir von einer anderen gut unterrichteten 



202 Sechstes Kapitel: Der Schiffbau 

Seite *!<>: es waren auf einem 1565 erbauten Schiffe 1140 Ztr. oder 
456 Schiffspfund, also 114000 üß. Das Holz des ebenfalls im 16. Jahr- 
hundert erbauten „Triumph" kostete 1200 £ (bei einer Gesamtausgabe 
von 3788 £). 

Die nächsten Angaben stammen aus dem 17. Jahrhundert. Ein 
Kostenanschlag für den Bau von 10 neuen englischen Kriegsschiffen im 
Jahre 1618 nimmt sich wie folgt aus*^* (von den Schiffen waren 6 je 
650, 3 je 450, 1 350 t groß): 

£ s d 
Building with all matterialls (Bau des Rumpfes) 43 425 — — 

PuUys (Taljen), topps (Stengen) 513 6 8 

Finishing boates and pinnaces (Boote) 320 10 — 

Cordage (Takelwerk) 6 716 1 6 

Sailes (Segelwerk) 2 740 15 6 

Anchors (Anker) 2 287 4 — 

56 002 17 ~ 
Kostenanschlag zur Reparatur von 23 Kriegsschiffen, 2 hoyes 
and lighters etc. (Anf. 17. Jahrh.)*"; 

£ s d 
Reparatur von 2 Schiffen im Drydock zu 

Deptford 5 379 11 3 

Die übrigen im Hafen, einschließlich Masten, 

yards (Rahen), Pumpen etc 4 541 — — 

Ausrüstung: 

Ersatz des Tauwerks: über 93 t 3 287 11 — 

Segel: 182 Segel 2 000 — — 

Ein anderes Mal werden bedurft, um die Lagerbestände in den 
Drydocks zu ergänzen (unter Jakob I.)*^^: 

£ s d 

Tauwerk 139 t 10 170 — — 

Große Masten 1 200 — — 

Anker 1 000 — — 

Canvas for sailes (Leinentuch für Segel). . . . 3138 16 — 
Seasoned planck and timber (lufttrockene Bretter 
und Balken, die immer auf Lager sein sollen), 

2000 Loads ä 40 s 4000 — — 

Long boats, pinnace oder (Boote usw.) 840 — — 

20 348 16 — 
Das Takelwerk (Cordage) auf einem Schiffe von 300 Mann Besatzung 
im Kanal zu erneuern kostet jährlich 1700 £*^*. In den Schiffen „James" 
und „Unicom" (unter Karl I.) waren 165 t Takelwerk, zu 35 £ die Tonne, 
also für 2275 £ angebracht. Die Anker in denselben Schiffen wogen 
214 Ztr. und jeder Zentner kostete 2 ^, von den Segeln kostete der 
„Satz* (Suit), von denen mehrere (wieviel?) vorhanden waren, 225 i?*". 



VI. Die Beschaffung der Schiffbaumaterialien 203 

Endlich will ich noch ein paar Angaben für das 18. Jahrhundert 
machen, die erkennen lassen, wie außerordentlich viel größer wieder der 
Bedarf an allen Materialien in dieser Zeit geworden ist. 

Ein englisches Kriegsschiff, das mit 100 Kanonen ausgerüstet ist, 
braucht 3600 Ellen Segeltuch. 

Ein französisches Kriegsschiff, mit 100 — 120 Kanonen, einer Länge 
von 170 — 180', einer Breite von 50' erfordert zum Bau: 
4000 Stück ausgewachsene gesunde Eichen, 
800 000 U Eisen, 
219 000 U gepichtes Tauwerk"«. 
Eine sehr eingehende Aufstellung der Kosten besitzen wir für das 
schon erwähnte Kriegsschiff „Jason", das, mit 50 Kanonen armiert, 1740 
in Toulon gebaut wurde. Ich will sie hier noch hersetzen, weil sie deut- 
lich die Ausgaben für die einzelnen Bestandteile des Schiffs und ihre 
verhältnismäßige Größe erkennen läßt, und an der Stelle, wo ich sie 
ausgegraben habe*", doch von niemandem gesehen wird. 

Eichenholz 29 636 Livres 6 s. 

Bretter zur Bekleidung des Schiffsrumpfes 16 290 „ 5 „ 

Anderes Holz und andere Bretter 14185 „ 5 „ 

Eisen und Nägel 21385 „ 3 „ 

Waren (Marchandises) 3591 „ 8 „ 

Fenster und Schlösser 900 „ — „ 

Küchen und Öfen 780 „ — „ 

Masten 2264 „ 17 „ 

Segelstangen 1 077 „ 2 „ 

Kloben und Rahwerk 2 212 „ 1 „ 

Arbeits- und Tagelohn 34010 „ — „ 

Tauwerk 16 308 „ 12 „ 

Neues Tauwerk zur Komplettierung. ... 1 639 „ 8 „ 

Anker und Zubehör 4 227 „ 10 „ 

Masten, Segelstangen zur Komplettierung . 327 „ 14 „ 

Kloben und Jungfern desgl 435 „ — „ 

Segel und Zubehör 4 744 „ 16 „ 

Steuermannsgerät 2 580 „ 13 „ 

Konstablergerät 106 058 „ 6 „ 

Gewehr 2406 „ 14 „ 

Instrumente des Waffenschmiedes 30 „ 9 „ 

Instrumente des Zimmermeisters 1 552 „ 10 „ 

Nägel 104 „ 8 „ 

Kielgerätschaft 1353 „ 7 „ 

Küchengerät 137 „ 12 „ 

Chaloupen und Boote 632 „ 2 „ 

Auszierung der Kapelle 300 „ 10 „ 

Arznei 934 „ 7 „ 

287 148 Livres 10 s. 



204 Sechstes Kapitel: Der Schiffbau 

Angesichts solcher Zahlen, denke ich, springt die über- 
ragende Bedeutung in die Augen, die der Bedarf der Kriegs- 
flotte (und nach ihr auch der ja von ihr, wie wir sahen, ab- 
hängigen Handelsflotte) für eine große Menge wichtiger Zweige 
des Handels und der Industrie hatte. 

Wenn der König durch die Lande ging und die Materialien 
für den Schiffbau kaufte, stiegen die Preise, wenn er dann 
verkaufte, fielen sie : „the general rule is whenever the King's 
Maiestie shuld bye al is dere and skase, and whenever he 
shuld sei al is plentye and good chepe," klagt das Council *^^ 
mit Recht vom Standpunkt der fiskalischen Interessen aus. 
Was für einen Wert hatte für die Volkswirtschaft solch ein 
mächtiger Käufer! 

Da war zunächst der Holzhandel, der durch ihn erst zu 
größeren Leistungen angetrieben wurde und gewiß nicht zu- 
letzt der Lieferung für die Kriegsmarine seinen Übergang 
zur kapitalistischen Organisation verdankte : „Colbert stachelte 
die Kaufleute an („excitait les marchands"), die Wälder im 
ganzen aufzukaufen, die in der Provence und in der Dauphinöe 
zu haben waren" **^. Er selbst kaufte alles Holz, allen Hanf 
und „andere Materialien", soviel er bekommen konnte, ob er 
sie im Augenblick brauchte oder nicht, für die königlichen 
Magazine an, ohne Furcht, sich zu übernehmen : „ne craignait 
pas de s'en surcharger" ^^^. Er stapelte große Massen Holz usw. 
auf, damit immer für 10 — 20 Schiffe hinreichendes Material 
vorrätig sei. Im Jahre 1683 lagen in den Arsenalen allein 
1442 Masten von 30 — IG Schuh Länge. 

Natürlich begünstigte ^^^ der Staat die großen Händler *22, 
vor allem die großen Handelskompagnien, weil sie leichter 
imstande waren, seinen ausgedehnten Bedarf zu decken. So 
sehen wir in England die Ostindische Kompagnie Verträge 
mit der Krone schließen über sehr beträchtliche Posten Schiff- 
bauholz, Nägel usw., wie aus folgendem Sendschreiben aus 



VI. Die Beschaffung der Schitfbaumaterialien 205 

dem Jahre 1618 hervorgeht *2^, mit dem das Material für zwei 

neu zu erbauende Schiffe beschafft werden soll: 

„Letters to be writ to the East India Co. For the due Perfor- 
mance hereof wee have informed our selves, that the two shipps to bee 
build in the next year, one of 650 t and the other of 450 t will require 
as follows: 

Loades 
Crooked timber to bee moulded in the woods 600 

Streight timber unmoulded 700 

Planck of all sortes 360 

Knees • 140 

Spruce deales to bee seasoned 300 

Tree-nails of all sortes 80 000 

Ein Teil davon lagert schon an verschiedenen Orten, aus den 
Lieferungen von White Wilke u. a. 

Andere Handelsgesellschaften, wie die Russische Kom- 
pagnie, lebten zum guten Teil von der Lieferung für die 
Kriegsmarine. Wir besitzen eine genaue Aufstellung der 
Summen, die die Marineverwaltung der Moskowiter Kom- 
pagnie während der Jahre 1609 bis 1618 allein für Tauwerk 
zu bezahlen hat*^*. 

^ s d 

1609 18173 8 8 

1610 . . . . . . . 8476 9 8 

1611 4888 6 1 

1612 11506 4 5 

1613 6623 3 7 

1614 . 9439 3 7 

1615 9208 10 

1616 13353 2 10 

1617 12093 18 8 

1618 10008 3 10 

103770 11 3 

In jener Zeit arbeitete die Gesellschaft mit einem Kapitale 
von |f 64687, das sicher nicht öfters als einmal im Jahre 
umgeschlagen wurde. Die Tauwerkslieferungallein machten 



206 Sechstes Kapitel: Der Schiffbau 

also etwa ein Sechstel des Jahresumsatzes aus. Der Handel 
in diesem Artikel galt in der Tat als besonders gewinn- 
bringend, weshalb die Gesellschaft auch eine eigene Tauwerk- 
fabrik in Rußland angelegt hatte. Zu diesem Artikel kamen 
noch Pech, Teer, Holz: ebenfalls vor allem für Schiffbau- 
zwecke benötigt. Im Jahre 1617 verteilte die Gesellschaft 
42% Dividende "25. 

Im Lande selbst aber entwickelten sich zahlreiche In- 
dustrien, die die Schiifbaumaterialien im großen herstellen. 
Colbert war es wieder, der gerade diesen Industrien seine 
besondere Sorgfalt zuwandte *2^. Er gründete Teerfabriken 
in der Dauphin^e, Windenfabriken ebenda und in Brest, 
Messing- und Eisendrahtfabriken in der Bourgogne, Leinen- 
manufakturen (für die Segel) in Rochefort. Daß die Kupfer-, 
Zink- und Eisenindustrien, deren Schicksal wir in Abhängig- 
keit sahen von der Lieferung der Waffen für das Heer, auch 
durch die Kriegsmarine wesentliche Förderung erfuhren, 
braucht nicht erst besonders hervorgehoben zu werden. In- 
dustrien, die aber allein dem Schiffbau ihre Blüte verdankten, 
und die wir in der frühkapitalistischen Epoche unter den 
Weitestfortgeschrittenen Industrien finden, was Größe des 
Kapitals und Größe der Betriebe anlangt, sind die Tauwerks- 
fabriken und die Segeltuchfabriken. 

Die Rope-Makers und die Sail-Makers gehören in dem 
London des 18. Jahrhunderts zu den kapitalkräftigsten Unter- 
nehmern: das Mindestkapital setzt man auf 2000 J^, das übliche 
Kapital auf 5000—10000 ^ an*27. Eine (staatliche) Segel- 
tuchfabrik zu Moskau beschäftigte im Jahre 1729 schon 
1162 Arbeiter *28. 



VI. Die Beschaffung der Schiffbaumaterialien 207 

Erscheint schon nach dem, was ich eben ausgeführt habe, 
die hohe Bedeutung, die der Schiffbau für die Gestaltung 
des modernen Wirtschaftslebens und insbesondere für die 
Entwicklung des Kapitalismus hat, erwiesen zu sein, so möchte 
ich zum Schlüsse doch noch auf einen Zusammenhang hin- 
deuten , der zwischen den beiden Phänomenen Schiffbau und 
Kapitalismus und in weiterem Sinne zwischen Krieg und 
Kapitalismus besteht und der jene kriegerischen Betätigungen 
vielleicht erst in ihrer ganzen großen Wirksamkeit erscheinen 
läßt. Wenn die Eisenindustrie nicht zuletzt durch den Waflen- 
bedärf, wenn der Schiffbau nicht zuletzt durch die Nachfrage 
nach Kriegsschiffen zu höheren Formen umgebildet sind, wenn 
also Eisenindustrie und Schiffbau letzthin Kinder sind, die 
der Krieg gezeugt hat, so ist dieser damit wieder einmal ein 
Zerstörer geworden : der Zerstörer der Wälder in Europa; 
denn jene beiden Gewerbe vor allem stellten die hohen An- 
sprüche an die Holzproduktion, die schon seit dem 16. Jahr- 
hundert zu den lebhaftesten Klagen über zunehmende Holz- 
knappheit Anlaß geben. Wiederum aber steigt aus der 
Zerstörung neuer schöpferischer Geist empor : der Mangel an 
Holz und die Notdurft des täglichen Lebens drängten auf die 
Auffindung oder die Erfindung von Ersatzstoffen für das Holz 
hin, drängten zur Nutzung der Steinkohle als Heizmaterial, 
drängten zu der Erfindung des Kokesverfahrens bei 
der Eisen be reitung. Daß dieses aber die ganze groß- 
artige Entwicklung des Kapitalismus im 19. Jahrhundert erst 
möglich gemacht hat, steht für jeden Kundigen außer Zweifel. 

Sodaß auch hier, in diesem entscheidenden Punkte, un- 
sichtbare Fäden die merkantilen und die militaristischen 
Interessen eng miteinander zu verknüpfen scheinen. 



Literatur und Quellen 



Sombart, Krieg und Kapitalismus 14 



211 



I. Zur Einführung in die militärwissenschaft- 
liche Literatur 

Da viele Leser dieses Buches nicht Militärs oder Militärschrift- 
steller sein und deshalb keine genauere Kenntnis von der militärwissen- 
schaftlichen Literatur besitzen werden, die das hier behandelte Problem 
erörtert oder wenigstens streift, so gebe ich eine knappe Übersicht über 
die "wichtigsten Werke, berücksichtige aber selbstverständlich nur die- 
jenigen, die in irgendwelchem Zusammenhange für das Studium der 
inneren Heeresorganisation und insonderheit des Unterhalts der Heere 
in Betracht kommen. Ausgeschlossen sind also alle rein kriegsgeschicht- 
lichen Schriften, ebenso wie die rein strategisch-taktische Literatur und 
die chronistischen „Regimentsgeschichten". Aber auch von den ein- 
schlägigen Werken nenne ich selbstredend nur die allgemeinen, die zu 
einer ersten Orientierung in der weitschichtigen Materie dienen. Der 
Leser wird dann leicht selbst zu den spezielleren Schriften gelangen 
können. 

/. Bibliographien, Nachschlagebilcher usw. 

Der Apparat der Militärwissenschaft ist in einem vorzüglichen Zu- 
stande: er hat etwas von der peinlich-sauberen, adretten Art des ge- 
bildeten preußischen Offiziers angenommen, dessen Umgang (nach Goethe) 
der angenehmste von allen ist. So ist es auch ein Vergnügen, eine 
Zeitlang in der wohltemperierten Atmosphäre der militär- und kriegs- 
wissenschaftlichen Literatur zu verweilen. 

Von bibliographischen Hilfsmitteln nenne ich: Pohler, Bibl. 
hist. milit. (bis 1880). 4 Bände. Kassel und Leipzig 1886 — 1899; verweise 
aber vor allem auf v. Schar fenort, {Quellenkunde der Kriegswissen- 
schaften für den Zeitraum von 1740—1910. Berlin 1910. Dann sind 
auch die Kataloge der Bibliotheken der Kriegsakademie und des 
Großen Generalstabs (jetzt neu erschienen) von Nutzen. 

Die militärwissenschaftlichen Lexika: B. Poten, Handwörterbuch 
der ges. Militärwissenschaften, 9 Bde., 1877—1880, E. Hartmann, Kurz- 
gefaßtes Militär -Handwörterbuch für Armee und Marine (1896), und 
H. Frobenius, Militär-Lexikon, bringen fast gar kein geschichtliches 
Material. 

Eine umfassende Literaturgeschichte der Kriegswissenschaften, in 
der aber auch über tatsächliche Verhältnisse mancher Aufschluß gegeben 

14* 



212 Literatur und Quellen ^ 

wird, ist das gelehrte Werk von M. Jahns, Geschichte der Kriegs- 
wissenschaften, vornehmlich in Deutschland. 3 Teile. München 
1889—1891. 

2. Die Geschichte der Organisation der Heere 
im allgemeinen 

a) Gesamtdarstellungen 

Hier sind an erster Stelle zwei Werke zu nennen, die, jedes in 
seiner Art ein Meisterwerk, nur den Fehler haben, daß sie dort ab- 
brechen, wo unser Interesse erst recht anfängt, rege zu werden: bei 
der Begründung der modernen Heere. Ich meine M. Jahns, Handbuch 
einer Geschichte des Kriegswesens (mit Atlas), Berlin 1878 — 1880 (reicht 
bis zur Renaissance), und H. Delbrück, Geschichte der Kriegskunst 
im Rahmen der politischen Geschichte, dessen dritter Band: Das 
Mittelalter (Berlin 1906), hier allein in Betracht kommt. Zeichnet sich 
das Werk von Jahns durch die Fülle antiquarischen Materials aus, 
die es enthält, so das Buch von Delbrück durch die geniale Deutung 
der Tatsachen und die meisterhafte Darstellung. An diesem schönen 
Buche dürfen wir uns die Freude auch nicht vergällen lassen durch die 
zum Teil geradezu grotesken Versehen, die dem Verfasser namentlich 
dort unterlaufen, wo er ökonomische Probleme behandelt. 

Von älteren Darstellungen des Heerwesens verdienen die Artikel 
in der Krünitzschen Enzyklopädie, die unter dem Stichwort „Krieg" 
im 50. — 53. Bande enthalten sind, Erwähnung. 

Den Versuch einer Systematisierung der gesamten Heeresorgani- 
sation und Heeresverwaltung enthält das Werk von Lorenz von Stein, 
Die Lehre vom Heerwesen. Als Teil der Staatswissenschaft. Stutt- 
gart 1872. 

Für ein größeres Publikum bestimmt, aber nicht ohne Wert ist das 
aus der neuesten Literatur hervorgegangene Buch von Otto Neuschier, 
Die Entwicklung der Heeresorganisation seit Einführung der stehenden 
Heere. Bd. I: Geschichtliche Entwicklung bis zum Ausgang des 19. Jahr- 
hunderts. Leipzig 1911. 

b) Einzelne Länder 

Deutschland'. Aus der älteren (Quellen-)Literatur nenne ich 
T. Flemming, Der vollkommene deutsche Soldat 1726 (enthält viele Ver- 
ordnungen usw. im Text). J. A. Hofmann, Abhandlungen von dem 
•ehemaligen und heutigen Kriegsstaate. 2 Bde. Lemgo 1769. 

Zeit des Dreißigjälwigen Krieges: J. Heilmann, Das Kriegswesen 
der Kaiserlichen und Schwedischen zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges. 
1850. G. Droysen, Beiträge zur Geschichte des Militärwesens in 
Deutschland in der Zeitschrift für Kulturgeschichte Bd. IV. V. Loewe, 



I. Zur Einführung in die militärwissenschaftliche Literatur 213 

Die Organisation und Verwaltung der Wallensteinschen Heere. Frei- 
burg 1895. 

Brandenburg - Preußen insbesondere: L. W. Henner t, Beyträge 
zur brandenburg-preußischen Kriegsgeschichte unter Friedrich HI. Berlin. 
Stettin 1790. A. v. Crousaz, Die Organisation des brandenburg- 
preußischen Heeres von 1640 — 1865. Berlin 1865. G. v. Schmoller, 
Die Entstehung des preußischen Heeres, zuerst erschienen in der Deutschen 
Rundschau, HI. Band Heft 11; dann wieder abgedruckt in den „Um- 
rissen". 1897. Jany, Die Anfänge der alten Armee. Urkundliche 
Beiträge und Forschungen zur Geschichte des preußischen Heeres, heraus- 
gegeben vom Großen Generalstabe, Heft 1, Berlin 1901 (eine ganz vor- 
treffliche, außerordentlich lehrreiche Untersuchung); derselbe, Die 
alte Armee von 1655 — 1740, ebenda, Heft 7, Berlin 1905. G. Lehmann, 
Die brandenburgische Kriegsmacht unter dem Großen Kurfürsten (For- 
schungen z. brandenb. u. preuß. Gesch. Bd. I). F. Frhr. v. Schroetter, 
Die brandenburg-preußische Heeresverfassung unter dem Großen Kur- 
fürsten. Leipzig 1892. 

Populäre Darstellungen sind das durch die vielen interessanten 
Abbildungen besonders wertvolle Buch von Georg Liebe, Der Soldat 
in der deutschen Vergangenheit, 1899, das einen Band der bekannten 
„Monographien zur deutschen Kulturgeschichte" bildet; sowie die Schrift 
von Becker, Aus der Jugendzeit der stehenden Heere Deutschlands 
und Österreichs, Karlsruhe 1877, in der aber eine Fülle lehrreichen 
Materials verbreitet ist. 

Frankreich: M. Guillaume, Hist. de l'organisation militaire sous 
les ducs de Bourgogne. 1847. M. F. Sicard, Histoire des institutions 
milit. des Frangais etc. 4 tomes. 1834. E. Boutaric, Institutions mili- 
taires de la France. 1863 (ist noch heute das unübertroffen beste Werk, 
dem für kein anderes Land ein gleiches an die Seite zu stellen ist). 
Eine Art von Fortsetzung, da Boutaric die Zeit nach Ludwig XIV. nur 
im Überblick behandelt, bildet Mention, L'armee de l'ancien regime 
de Louis XIV ä la revolution. 1900. — Für die historisch besonders 
wichtigen Anfänge der französischen Armee kommen aus der 
neueren Literatur vornehmlich in Betracht: G. Roloff , Das französische 
Heer unter Karl VII. in der Historischen Zeitschrift Bd. 93 und das sehr 
ausführliche Buch von E. Cosneau, Le conn^table de Richemont. 1886. 

England: Die Geschichte der englischen Armee erfährt jetzt eine 
gute Bearbeitung in dem breitangelegten Werke von Fortescue, 
History of the British Army. London 1903 ff. Handelt es sich auch 
zunächst um eine äußere (Kriegs-)Geschichte, so kommt doch auch die 
innere (Organisations-) Geschichte in einzelnen Kapiteln zur Darstellung. 

Neben dem Werke von Fortescue bewahren einige ältere Arbeiten 
ihren Wert. Unter ihnen ragt hervor: F. Grose, Military antiquities, 
2 Vol., London 1812: eine Fundgrube voll des interessantesten Materials. 



214 Literatur und Quellen 

3. Die Geschichte der Bewaffnung 

Die Literatur ist so gut wie ausschließlich technologischer 
Natur. Die Entwicklung der Waffentechnik ersieht man aus: v. Decker, 
Versuch einer Geschichte des Geschützwesens. Berlin 1819. R. Schmidt, 
Die Handfeuerwaffen. Basel 1875 — 1878 (in chronologischer Anordnung). 
Quellen zur Geschichte der Feuerwaffen, herausgeg, vom Germanischen 
Nationalmuseum. Leipzig 1872 — 1877. M. Thierbach, Die geschichtl. 
Entwicklung der Handfeuerwaffen. Dresden 1888 — 99. A. Demmin,Die 
Kriegs Waffen in ihrer geschichtlichen Entwicklung. 4. Aufl. Leipzig 
1893. W. Boeheim, Handbuch der Waffenkunde. Leipzig 1890. 

Auch Organisationsprobleme behandeln: D. Jose Arantegui, 
Apuntos historicos sobre la Artilleria espafiola. 1891 (mir nur bekannt 
aus den Auszügen bei D uro, Armada espanola). J. Frhr. v. Eeitzen- 
stein, Das Geschützwesen und die Artillerie in den Landen Braun- 
schweig und Hannover von 1365 bis auf die Gegenwart. 1896 f. (enthält 
viel interessantes Material). 

Eine Menge Angaben über die Geschichte des Wafienwesens (auch 
auf die Organisation bezüglich) finden sich zerstreut in dem Werke von 
L. Beck, Geschichte des Eisens, von dem namentlich Band II und III 
in Betracht kommen. Auch die allgemeinen Werke über die Geschichte 
des Kriegswesens, namentlich Jahns, enthalten zum Teil recht ein- 
gehende Darstellungen der Geschichte der Bewaffnung. 

Von älterer (Quellen-) Literatur erwähne ich noch das bekannte 
Buch von Fronsp erger, Vom Geschütz, Feuerwerk und Festungen. 
1557; ferner: Das neu eröffnete Arsenal, Hamburg 1710, worin die vierte 
Abteilung von der Verfertigung und Aufbewahrung der Waffen handelt. 

4. Die Geschichte des Armeeverpflegungswesens 

Eine neuere wissenschaftliche Untersuchung, die dieses Thema all- 
gemein behandelte, ist für die ältere Zeit mir nicht bekannt: die aus- 
gezeichnete Arbeit von 0. Meixner, Historisch. Rückblick auf die Ver- 
pflegung der Armeen. Wien 1895 ff. beschränkt sich auf die Kriege des 
19. Jahrhunderts. 

Gestreift wird das Thema in den Veröffentlichungen der Acta 
Borussica über Getreidehandelspolitik. Band II: Die Getreidehandels- 
politik und Kriegsmagazinverwaltung Brandenburg -Preußens bis 1740. 
Berlin 1901. 

Dann gibt es eine Reihe brauchbarer Spezialuntersuchungen: 
A. Fr hl'. V. Minckwitz, Die wirtschaftl. Einrichtungen, namentl. die 
Verpflegungs-Verhältnisse bei der Kursächsischen Kavallerie vom Jahre 
1680 bis zum Anfang des laufenden Jahrhunderts im Neuen Archiv für 
Sachs. Gesch. Bd. II. F. Schwartz, Organisation und Verpflegung der 
preußischen Landmilizen im Siebenjährigen Kriege. Leipzig 1888. 



I. Zur Einführung in die militärwissenschaftliche Literatur 215 

Aber im wesentlichen sind wir doch noch angewiesen auf die 
ältere (Quell en-)Literatur. Sie weist namentlich in französischer 
Sprache einige hervorragende Werke auf, die im wesentlichen aber sich 
auf die Darstellung französischer Verhältnisse beschränken, wenn sie 
auch hie und da Ausblicke in andere Länder tun. Sehr wichtig ist das 
Buch von Dupre d'Aulnay, Traite general des subsistances militaires. 
2 Vol. 4**. 1744. Der Verfasser war „Commissaire des guerres und 
Directeur göneral des vivres" und schreibt: „pour servir de guide ä ceux 
qui auront dessein de devenir entrepreneurs". Das Werk zerfällt in 
zwei Teile; im ersten Teil wird angegeben: „l'idee generale de l'ad- 
ministration des vivres, des fourages, des boucheries, des höpitaux, des 
equipages des vivres et d'artillerie" ; der zweite Teil umfaßt: 1. Tarife; 
2. Berechnungen des wahrscheinlichen Bedarfs eines Heeres; 3. Modelle 
für Anträge; 4. Modelle für Lieferungsverträge; 5. desgl. für die Ver- 
waltung; 6. Instruktionen für Beamte usw. Das Buch enthält eine voll" 
ständige Anweisung für Lieferanten: wie sie ihre Offerte einzureichen, 
wie sie sich zu organisieren haben, wie sie einkaufen sollen, usw. 

Ebenfalls reich an belehrendem Stoff sind Chennevieres, Details 
militaires necessaires ä tous les officiers et principalement aux commis- 
saires de guerre. 2 Vol. Paris 1750. Nachtrag 1768 und Xav. Andouin, 
Histoire de Tadministration de la guerre. 3 Vol. 1811. 

Ein Gegenstück in deutscher Sprache ist die Darstellung im 5. Bande 
der Handbibliothek für Offiziere (1839): „Der Haushalt der Heere", von 
Frhr. v. Richthofen. 

Über das Kriegskommissariat im besonderen: K. G. Weise, Über 
das Feldkriegskommissariat. Ulm 1794. Der Verfasser war „Königl. 
Preußischer expedierender Feld-Kriegs-Kommissariats-Sekretär" und be- 
handelt ausschließlich preußische Verhältnisse. Enthüllungen des 
Raub- und Plünderungssystems der Kommissare der preußischen, 
österreichischen und neufränkischen Armeen (1799), 42 f. Das Buch 
handelt fast nur von den Betrügereien der französischen Kommissare 
und Lieferanten. Der Verfasser rühmt seine „vieljährige Beschäftigung 
in Lieferungen" und seinen „immerwährenden Umgang mit Lieferanten". 

5. Die Geschichte der Bekleidung der Heere 

Hier ist die für unsere Zwecke brauchbare Literatur besonders 
dürftig. Es wimmelt zwar förmlich von Geschichten der militärischen 
Kostüme; es sind aber alles Trachtengeschichten, die lediglich Form, 
Schnitt, Farbe usw. der Uniformen (meist bildlich) zur Darstellung bringen. 
Zu dieser Art von Schriften gehören: R. Knötel, Handbuch der Uniform- 
kunde. Leipzig 1896. G. v. Suttner, Reiterstudien. Beiträge zur Ge- 
schichte und Ausrüstung der vorzüglichen Reiterarten im 16. und 17. Jahr- 
hundert. Wien 1880. J. Luard, History of the dress of the British 
soldier. London 1832. Marbot et Noirmont, Costumes militaires 



216 Literatur und Quellen 

frangaises. 3 Vol. 1846. Quarre de Verneuil, Le costume militaire 
en France et les premiers uniformes. Paris 1877. 

Einen ganz neuen, auch für das Studium der ökonomischen und 
organisatorischen Seiten des Militärbekleidungsproblems verwendbaren 
Typ von Literatur stellen dagegen die ausgezeichneten Arbeiten dar, die 
neuerdings über die „Geschichte der Bekleidung und Aus- 
rüstung der königl. preußischen Armee" Weimar 1906 ff. in amt- 
lichem Auftrage veröffentlicht sind. In ihnen ist von besten Fach- 
männern zum ersten Male das reiche Material der Berliner Archive für 
dieses Gebiet benutzt worden. Bisher sind zwei Teile erschienen. 

6. Die Geschichte der Manne und des Schiffbaues 

Dieser Zweig der Literatur ist reich an ausgezeichneten Arbeiten, 
alten und neuen. 

Über Marinewesen und Schiffbau im allgemeinen besitzen wir aus 
früherer Zeit eine Reihe von Werken, die noch immer ihren Wert be- 
wahren wegen der anderswo nicht veröffentlichten Materialien. Das sind: 
J. Charnock, A history of marine architecture. 3 Vol. London 1800 
bis 1802, und A. Jal, Archäologie navale. 2 Vol. Paris 1840. Arch. 
nav. hat es vorher schon viele gegeben. Eine Übersicht über die (be- 
sonders wichtige) Literatur des 17. Jahrhunderts über Marinewesen und 
Schiffhau findet sich in dem selbst an interessantem Material reichen 
Traktat: Der geöffnete See-Hafen. 2 Teile. Hamburg 1715. 

Das Werk von A. Du Sein, Hist. de la marine de tous les peuples. 
2 Vols. Paris 1863 — 79 ist fast rein kriegsgeschichtlich. 

Dann haben aber die Manneverhältnisse der einzelnen Länder zum 
Teil sehr gute und sehr ausführliche Behandlung in zahlreichen Werken 
erfahren, von denen ich nur die allerwichtigsten und vor allem neuesten 
namhaft machen will: 

Holland: J. C. dejonge. Geschiedenes van het Nederlandsche Zee- 
wezen. 10 Bände. Harlem 1858. Bringt in den Beilagen wertvolles Material 
zur Geschichte der inneren Organisation der Flotte und des Schiffbaus. 

Spanien : C. F. D u r o , Armada Espafiola. 9 Vol. Madrid 1895 — 1903. 
Ist im wesentlichen eine Geschichte der Seekriege; enthält aber über 
die Verwaltungsgeschichte einige Kapitel. 

Über Ausrüstung usw. der Felicisima Armada bringt ein reiches 
Material bei: desselben Verfassers 1884 erschienene Schrift über diese 
Flottenexpedition. 

Italien: C. Manfroni, Storia della marina italiana. 2 Vol. Borna 
1897 ff.; ist fast rein politischen Inhalts. Dagegen hat die Geschichte 
der Genueser Marine im Mittelalter einen ausgezeichneten Bearbeiter 
gefunden in Ed. Heyck, Genua und seine Marine. 1886. 

Frankreich: Ch. de la Roncidre, Histoire de la marine fran^aise. 
4 Vol. Paris 1899 ff'.; wesentlich Kriegsgeschichte, so daß man für die 



II. Quellenbelegc. 217 

innere Geschichte der französischen Kriegsflotte auf frühere Arbeiten 
zurückgreifen wird. Ich nenne von solchen E. Sue, Histoire de la 
marine frangaise. 4 Vol. Paris 1837. In diesem Werke, das fast immer 
eine schlechte Note bekommt, wenn es von einem Schriftsteller heute 
erwähnt wird (offenbar erbt der eine vom anderen das Urteil, ohne sich 
Mühe zu geben, es an dem beurteilten Gegenstande selber zu revidieren), 
ist sehr viel brauchbares Urkundenmaterial enthalten, das freilich in 
einer zuweilen etwas romanhaften Form verarbeitet worden ist (Mystöres 
de Paris!) 

England: Begreiflicherweise ist dieses Land besonders reich an 
geschichtlichen Darstellungen seiner Flotte, ihrer Entwicklung und ihrer 
Taten. Alle früheren allgemeinen Arbeiten sind jetzt aber überholt 
durch das ausgezeichnete Werk von W. Laird Clowes (und andere), 
The Royal Navy. In five Volumes. London 1897 ff. Vol. I reicht bis 
1603, Vol. II bis 1714, Vol. III bis 1783. Der „Civil History« ist darin 
ein ziemlich breiter Raum eingeräumt worden. Trotzdem wird man neben 
diesem (obendrein noch mit Illustrationen gezierten) Standard-Work als 
ganz besonders reiche Stoffsammlung, die auch den Verfassern der 
„Royal Navy" vielfach als Unterlage ihrer Darstellung gedient hat, nicht 
außer acht lassen dürfen das wertvolle Buch von M. Oppenheim, 
History of the administration of the Royal Navy. London 1896, das bis 
zum Commonwealth reicht und gerade auch für die in dieser Studie 
erörterten Probleme viel Tatsachenmaterial beibringt. 

IL Quellenbelege 
Einleitung: Das doppelte Gesicht des Krieges 

^ Robert Hoeniger, Der Dreißigjährige Krieg und die deutsche 
Kultur, in den Preuß. Jahrbüchern 138 a909), 402 ff. 

' L. Einaudi, La finanza sabauda all' aprirsi del secolo XVIII 
(1908), 373. 

' Arnould, De la Balance du commerce etc. tabl. Nr. 3. 

* Ranke, Fürsten und Völker Südeuropas l*, 455. 

■* G. C. Klerk de Reus, Geschichtlicher Überblick der Nieder- 
ländisch-ostindischen Kompagnie (1894), 193; vgl. S. 191. 

• Biringuccio, Pirotecnica lib. I c. IL 

' P. Kaeppelin, La Compagnie des Indes orientales (1908), 647. 

8 R. Ehren her g, Das Zeitalter der Fugger 2 (1896), 205 ff. Vgl. 
Ranke, Fürsten und Völker 1, 421 ff. 

» Postlethwayt, Dict. of Commerce 2 (1758), 285 Art. Monied 
interest; ib. p. 764 Art. Stoclgobbing. 

10 Mercier, Tableau de Paris 1784 1, 229; 3, 190. 

11 Et. Laspeyres, Gesch. der volksw. Anschauungen der Nieder- 
länder (1863), 254. 

12 H. Sieveking, Genueser Finanzwesen 1 (1898), 174. 



218 Literatur und Quellen 

1' Bei Ehrenberg, a. a. 0. 2, 107. 

" H. Sieveking, Die kapitalistische Entwicklung in den italieni- 
schen Städten des Mittelalters, in der Vierteljahrschrift für Soc- und 
W.-Gesch. 7, 84. Vgl. dessen Genueser Finanzwesen 1, 100, 110, 160. 

16 Pagnini, Della decima 1 (1765), 33. 

^^ H. Sieveking, Genueser Finanzwesen 1, 161, 

" (Forbonnais), Recherches et considerations sur les finances 
de France depuis l'annee 1595 jusqu'ä l'annee 1721 1 (1758), 28. 

*^ Davenant bei Forbonnais 1. c. 2, 296. 

^' Levasseur, Histoire des classes ouvrieres etc. 2 (1900), 353. 

20 P. B i t e a u , Fortune publique et finances de la France 2 
(1866), 14. 

21 M. Block, Statistique de la France 1^ (1875), 481. 

22 De Witt, Interests of Holland, zit. bei Anderson, Origins of 
the Commerce etc. 2, 413. 

88 J.. Sinclair, Hist. of the Publ. Revenue l^ (1803) 220, 288,426, 
439, 451, 460, 472 und (für die letzte Ziffer) -Porter, The Progress of 
the Nation, 3. ed. (1851), 474. 

2* Postlethwayt, 1. c. 2, 310. 

26 Ein großer Teil des Buches von H e y d ist der Aufzählung 
solcher Verträge gewidmet. 

26 P. Kaeppelin, La Comp, des Indes Orient. (1908), 322. 

2' P. Kaeppelin, 1. c. p. 63. 

28 Liste der gekaperten englischen Schiffe beiPostlethwayt,Dict. 
1, 927. 

29 Postlethwayt, Dict. 1, 725 (Art. England). Daselbst auch 
p. 728 f. eine Übersicht über den Bestand an Forts, Ausrüstung, Muni- 
tion, Besatzung usw. an der afrikanischen Küste. 

Erstes Kapitel: Die Entstehung der modernen Heere 

so H. Delbrück, Gesch. d. Kriegskunst 3 (1907), 197. 

8» H. Delbrück, a. a. 0. S. 217. 

'2 R i c h e r , ed. Guadet 2, 266 bei B o u t a r i c , Inst. mil. de la 
France:(1863), 240. 
"^ 83 gax. Chron., 420, 21 bei Laird Clowes, Royal Navy, 1, 45. 

^* Dieses ist vor allem erwiesen durch die Arbeiten von J. H. R o u n d , 
The Introduction of Knight Service into England, wieder abgedruckt in 
Feudal England (1909), 225—314. 

85 Bibl. de l'Ec. des chartes III« serie t. III bei Boutaric, 1. c. 
p. 246. 

86 H. Delbrück, a. a. 0. 323. 

8'' Siehe die Literatur für die deutschen Städte bei H. Delbrück, 
a. a. 0. S. 459. 

8«J.W. Fortescue,A Hist. of the British Army 1 (1889), 23 sag. 
112. 



IL Quellenbelege 219 

^^ Jany, Die Anfänge der alten Armee, in den Urk. Beiträgen 
und Forsch, z. Gesch. d. preuß. Heeres, I.Heft, 1901, S. 22 ff.; über die 
ganz ähnlichen Verhältnisse in Kursachsen handelt die von Jany zitierte 
Schrift von v. Schimpff, Die ersten kursächsischen Leibwachen, aus 
dem Nachlaß des Oberhofmeisters von Minckwitz, 1894. 

*o Ranke, Franz. Gesch. 1^ (1877), 55 ff. 

*^ Lettre de Charles VII pour obvier aux pilleries et vexations des 
gens de guerre 2. Nov. 1439.]i^Ord. des rois de France XIII. 306 bei 
Ranke a. a. 0. 

*'■* Die Quellen bei J. W. Forte scue, 1. c. p. 204 seg. 

*8 Gneist, Engl. Verw.-Recht 2 2 (1867), 952 ff. 

** Jany, Die Anfänge der alten Armee, 118/19. 

*** Zum ersten Male verwertet bei Jahn s, Gesch. d. Kr.-Wiss. 2, 1554. 

" V. Schmoller, Die Entstehung des preuß. Heeres in seinen 
„Umrissen" usw., 267. 

*' C. F. Duro, Armada Espafiola 1 (1895), 331 seg. 

«8 Nach Matt, of West. Laird Clowes, 1, 41. 

*9 Ed. Heyck, Genua und seine Marine (1886), 116. 

80 Laird Clowes, 1, 150. 

^^ Anderson, Orig. of Comm. s. a. 1512; Gneist, Engl. Ver- 
waltungsrecht 1069. 

"2 H. Delbrück, Gesch. d. Kriegskunst 3, 476; die übrigen Zahlen 
ebenda S. 153, 229, 344, 348, 363, 404. 

'^^ Die genauesten und zuverlässigsten Angaben bei Boutaric, 
Inst. mil. Livre V Ch. VIII. 

*** Jany, Die Anf. d. alt. Armee, 57. 

55 Jany, a. a. 0. S. 76. 

5* C. F. Duro, La Armada Invincible, 1884, doc. 110; zitiert bei 
Laird Clowes, 1, 560. 

" Nach den amtlichen Listen: E. Sue, 4, 170. 

58 J. C. de Jonge, Geschiedenes van het Nederlandsche Zeewegen, 
Vol. I, Bijlage XII. 

5» App. A. in Publ. of the Navy Records Society Vol. XV, 1899. 
Für Rußland unter Peter d. Gr. vgl.: History of the Russian Fleet 
during the Reign of Peter the Great. By a Contemporary Englishman 
(1724). Ed. by Vice-Adm. Cyprian A. G.Bridge in den genannten Publi- 
cations. 

•0 Cotton Mss. Otho. E. IX, p. 47 bei John Charnock, A History 
of Marine Architecture 2 (1801), 91 seg. 

^* M. Oppenheim, History of the Administration of the Royal 
Navy (1896), 52. 

•2 Report of the Commissioners appointed to enquire into the State 
of the Navy etc. 1618. J. Charnock, 2, 246. 

*' Nach einer Arbeit des Mr. Burchet, eines langjährigen Staats- 



220 Literatur und Quellen 

Sekretärs des Marineamts, die Anderson, Orig. of Comm. 2, 139 seg. 
im Auszuge mitteilt. 

** State Papers relat. to the defeat of the Spanish Armada 2, 
323—341, 376—887 bei Laird Clowes, 1, 604. 

"'* Nach dem Bericht der parlamentarischen Untersuchungskommis- 
sion S. P. Dom. CLVI, 12 bei Laird Clowes, 2, 18. 

«* Die vollständige Liste bei Oppenheim, 330—338. 

«' Laird Clowes, 2, 267. 

"^ Nach D'Avenant und Colliber: Anderson, 2, 579. 

«^ Siehe die Quelle bei Anderson, 2, 579. 

■"* Bishop Gibson's Continuation of Cambdens Britannia Vol, I bei 
Anderson, 2, 608. 

Zweites Kapitel: Der Unterhalt der Heere 

" Nach einer Schrift aus dem Jahre 1749 Anderson, 3, 274. 

'2 A. Gottlob, Die päpstlichen Kreuzzugssteuern des 13. Jahr- 
hunderts (1892). 48 f. 

73 j)ej. Vertrag ist abgedruckt bei A. Jal, Archit. nav. ?, 333 fif. 

'* Die Belege bei Pagnini, Della decima, 1, 33. 

'5 Chron. deutsch. Städte 1, 188. 

" R. Ehrenberg, Zeitalter der Fugger 1 (1896), 10. 

" P. Sitta, Saggio sulle istituzioni finanziarie del ducato estense 
nei secoli XV e XVI, 1891. 

'^ G. Prato, 11 costo della guerra di successione spagnuola e le 
spese pubbliche in Piemonte dal 1700 al 1713 (1907), 259/60. Vgl. 
L. E i n a u d i , La finanza sabauda all' aprirsi del sec. XVIII (1908) 
p. 350 seg. 

'9 G. Prato, 11 costo della Guerra (1907), 402/3, Tav. XXXI. Vgl. 
L, Einaudi, La fin. sabauda (1908), p. 360 seg. 

^^ Coli, de docum. ineditos t. III. p. 545, 61, zit. bei B. Carey, 
La cour et la ville de Madrid (1876) App. Note C. 

^* Bericht des Gesandten Mateo Dandolo bei Alberi, Ser. I Vol. IV 
p. 42. 

^^ Compte de l'extraordinaire des guerres bei Poirson, Histoire 
de Henry IV 2, 350. 

^3 Nach Forbonnais, Recherches 1, 242 und 2, 101. 

8* M. Necker, De l'administration des Finances en France 2(1784), 
384 seg. 

8^ Die auf Brandenburg-Preußen bezüglichen Angaben sind sämtlich 
entnommen dem Werke von Ad. Fried r. Riedel, Der brandenburgisch- 
preußische Haushalt in den beiden letzten Jahrhunderten, 1866. 

8« Laird Clowes, The Royal Navy 1, 345. 

8^ Nach Oppenheim, 295, 368. 

88 Thurloes State Papers 2, 64 bei Anderson, Orig. of Comm. 
2, 430. 



IL Quellenbelege 221 

89 Sinclair, History of the Public revenue 2 (1803), 57, 61, 73, 109. 

90 Bei Anderson, 4, 399. 

91 Riedel, a. a. 0. S. 34, 47, 93. 

92 G. R. Porter, The Progress of the Nation (1851), 507. 

9^ Mitgeteilt bei H. Thir ion, La vie privee des Financiers au 
XVine siecle (1895), 19/20. 

9* Charles Normand, La bourgeoisie frangaise au XYII« siöcle 
(1908). 

95 Les caquets de l'accouch^e. Coli. Jannet-Picard, 2« journee, 50/51. 

9« Normand, 160. 

9' Sie ist vollständig abgedruckt bei (D' Argen vi 11 e), Vie privee 
de Louis XV, Nouv. Ed. Vol. I (1783), p. 231—256. 

98 Ch. Wilson, De l'influence des capitaux anglais sur l'industrie 
europeenne depuis la revolution de 1688 jusqu'en 1846 (1847), 45. 

99 Von dem Verfasser des in der vorigen Anmerkung namhaft ge- 
machten beachtenswerten Buches. 

Drittes Kapitel: Die Bewaffnung der Heere 

100 M. Guillaume, Hist. de l'organisation militaire sous les ducs 
de Bourgogne (1847), 57. 

1®^ Les chroniques de la ville de Metz, publ. par Huguenin. 1838, 
bei Jahns, Kriegswesen, 775. 

>02 Riformagioni di Firenze Vol. XXIII dist. V cl. II p. 65 a. a. 0. 

»OS M. Guillaume, L c. p. 60. 

i<>* Casiri, Bibl. Arab. Hisp. II p. 7. Jahns, a. a. 0. 

106 Quellen bei Laird Clowes, 1, 148. 

108 J. Frh. V. Reitzenstein, Das Geschützwesen und die Artillerie 
in den Landen Braunschweig und Hannover von 1365 bis auf die Gegen- 
wart, 1. Teil, 1896, S. 12. 

lOT Abgedruckt bei J.A.Hof mann, Abhandlung von dem Kriegs- 
staate (1769), 72. 

108 Jahns, Gesch. d. Kriegswiss. 1 (1889), 47. 

109 Bei J. A. Hofmann, a. a. 0. S. 74. 

110 Kriegsgeschichtl. Einzelschriften des Großen Generalstabs 313 f., 
bei Jany, 22. 

111 R. Schmidt, Die Handfeuerwaffen (1875), 13. 

112 Jahns, a. a. 0. 1, 723. 

11' Bei J. A. Hofmann, Kriegsstaat, S. 69. 

11* Jahns, a. a. 0. 

115 ]yi Thierbach, Die geschichtl. Entwicklung der Handfeuer- 
waffen (1888), 21. 

11* Zitiert bei Becker, Aus der Jugendzeit der stehenden Heere 
(1877), 15. 

1" A. v. Crousaz, Die Organisation des brandenburgischen und 
preußischen Heeres von 1640 bis 1865 1 (1865), 22 f. 



222 Literatux- und Quellen 

"8 Boutaric, Inst. mil. (1863), 422. 
**^ Jahns, Kriegs Wissenschaft 2, 1236. 
120 Boutaric, Inst, mil,, 360 seg. 

'21 M. Guillalume, Hist. de l'organisatioD mil. sous les ducs de 
Bourgogne (1847), 78, 102/3. 

122 Levasseur, Ind. de la Fr. 2, 29. 

123 Bei M. Thierbach, Die geschichtl. Entw. der Handfeuerwaffen 
(1888), 19, 20. 

12* H. A. Di Hon, Arms and Armour at Westminster, the Tower 
and Greenwich 1547 in der Archeologia Vol. LI; 2. Ser. Vol. I (1888). 

125 Ms. der Basler Bibliothek fol. 75b mitgeteilt von H. Sieve- 
king in Schmollers Jahrbuch 21, 132. 

126 „Das neueröffnete Arsenal" bildet einen Teil des „Neueröffiaeten 
Kittersaales". 1704. 

127 M. Thierbach, a. a. 0. 

128 Bei G. Droysen, Beitr. zur Gesch. des Militärwesens in 
Deutschland während der Epoche des Dreißigjährigen Krieges, in der 
Zeitschrift für Kulturgeschichte 4 (1875), 404 ff. 

12" Jany, Anfänge d. alten Armee, 45. 

130 Abgedruckt in der Geschichte der Bekleidung usw. 2, 277. 

131 Jany, a. a. 0. S. 51. 

132 Man. Bor. Fol. 317 Kgl. Bibl. Berl., abgedruckt in der Ge- 
schichte der Bekleidung usw. 2, 203. 

1^^ Geschichte der Bekleidung usw. 2, 276. 

13* Frang. 16691; fol. 102 vo bei Ch. de la Ron eiere, Hist. de la 
marine fran§. 2, 493. 

135 Liebe, Der Soldat, 21. 

136 Jahns, Gesch. d. Kriegs wiss. 1, 662. 

13' L. Mention, L'armöe de l'ancien regime (1900), 172jjseg. 

138 Jahns, a. a. 0. 2, 1619. 

139 J. Frhr. v. Reitzensteiu, a. a. 0. 2 (1897), 222. 

1^0 V. Stadlinger, Gesch. d. Württemberg. Kriegswes. Bd. I, 1856, 
zit. bei Jahns, Gesch. d. Kriegs wiss. 1, 749. 

1*1 Jahns, Kriegs wiss. 1, 747, 

1*2 Wallenstein an Questenberg, W. E. 1, 71 bei Loewe, Organi- 
sation und Verwaltung der Wallensteinschen Heere (1895), 93. 

1*3 Sully, Oec. roy. t. III, ch. VIII bei Boutaric, 360 f. 

1** Duro, L' Armada inv. doc. 109 bei Laird Clowes, 1, 560. 

1*5 Nach dem amtlichen Material E. Sue, Hist. de la marine frang. 
4 (1836), 170. 

1*« Siehe die Quellen bei Laird Clowes, 1, 409, 421; 2, 267. 

i*'' Ms. de Pepysion Library bei Laird Clowes, 1, 412. 

1*8 State Pap. Dom. CCCLXXIV, 30 und CCCLXXXVII, 87 bei 
Oppenheim, 262. 



II. Quellenbelege 223 

"^ Siehe die ausführliche Darstellung dieses ganzen Bedarfseintritts 
und der darauf folgenden Bestellungsaktion bei Oppenheim, 360 seg. 

"0 C. F. Duro, Armada espaüola 1, 330, 331. 

1" Siehe die Listen bei Beck, Gesch. des Eisens 2 (1893—95), 994ff. 

«2 Thun, Industrie am Niederrhein 2 (1879), 12. 

"3 Heinr. Anschütz, Die Gewehr-Fabrik in Suhl. 1811. (Der 
Ausdruck „Fabrik" ist hier im Sinne von „fabrique lyonnaise" gebraucht.) 

1^* Archiv des Kriegsministeriums; abgedr. in der Geschichte der 
Bekleidung usw. 2, 187. 

166 Abgedr. in der Gesch. d. Bekleidung 2, 276. 

166 H. A. Dillon, Archeologia Vol. LI. 219 ff. 

157 H. A. Dillon, 1. c. p. 250. 

"^ J. H. B. Bergius, Neues Policey- und Cameral-Magazin^ 
(1777), 75 ff. 

159 princ. de M. le Marquis de Seignelay sur la marine bei E. Sue, 
Hist. de la marine fran?. 4 (1836), 420. 

"0 Jahns, Gesch. der Kriegs wiss. 2, 1236 (ohne Quelle). 

161 Das beste Werk zur Geschichte der Lütticher Waffenindustrie 
ist bisher die Monographie von Alphonse Polain, Recherches 
historiques sur l'epreuve des armes ä feu au pays de Liege. 1891. 
Auf ihm fußen in ihrem (knappen) historischen Überblick A. Swaine, 
Die Heimarbeit in der Gewehrindustrie von Lüttich usw., Jahrbücher 
f. N.-Ö,, 3. Folge Bd. 12; und Maur. Ansiaux, L 'Industrie armuriere 
iögeoise. 1899. 

162 M. Tugan-Baranowski, Gesch. der russ. Fabrik (1900)''14. 

163 D. Jose Arantegui, Apuntos historicos sobre la artilleria 
espafiola en la primera mitad del siglo XVI (1891); zit. bei C. F. Duro, 
Armada espanola 1, 331. 

16* Cambden, Britannia, ed. 1590 p. 227. 

166 In einer Schrift, die Anderson, 2, 220 im Auszuge mitteilt. 
166 Rymer, Foed. 19, 89 bei Anderson, 2, 337.. 
. 167 ]yi^ Oppenheim, Roy. Navy, 159. 

168 D. Hume, History of Engl. 6 (1782), 181. 

169 Quellen bei Beck, Gesch. d. Eis. 2, 786 ff. 
"0 Beck, Gesch. d. Eis. 3, 606 f. 

"1 Quellen bei Ch. de la Ronciere, Hist. de la mar. frang. 4 
(1910), 618. 

"2 Clement, Corr. de Colb. 2, 50, 415; zit. bei G. Martin, La 
grande industrie sous Louis XIV. 

1" G. Martin, 1. c. 184ff. 

^''* R. JosöArantegui, Artilleria espanola (1891) ; bei C. F. D u r o , 
Armada Espanola 1, 329. 

"^ Das neu eröffnete Arsenal (1710), 112. 

"« State Pap. Dom. XXI, 56; bei Oppenheim, Roy. Navy 159. 



224 Literatur und Quellen 

^'^'^ Quellen bei Oppenheim, 1. c. 97. 

"» Oppenheim, 1. c. 108. 

*" Cunningham, The Growth of engl, Ind. and Commerce 2, 60 ff. 

"0 G. Prato, II costo della guerra (1907), 313/14, 

^®^ Rogers, Hist. of Agric. and Prices 4, 488. 

^82 F. Dobel, Über den Bergbau und Handel des Jacob und Anton 
Fugger usw. in der Zeitschr. des Hist. Ver. f. Schwaben usw. 9, 207. 

183 Uj.]j 597 ijej i{ Simonsfeld, Der Fondaco dei Tedeschi in 
Ven, 1, 324. 

"* Reglement du roi etc. 11. Mai 1667, abgedr. bei Sue, Histoire 
de la mar, fran^. 1, 281 seg. 

^8» R. Ehrenberg, Zeitalt. d. Fugger 1, 396 ff. 

"« R. Ehrenberg, a. a. 0, 1, 122, 

"■^ F. Dobel, Der Fuggersche Bergbau und Handel in Ungarn, in 
der Zeitschr. d. Hist. Ver. für Schwaben usw. 6, 34 ff. 

18« R. Ehrenberg, a. a. 0. 2, 254. 

»8» F. Dobel, a. a, 0, 

i»o R. Ehrenberg, a. a. 0. 1, 234. 

191 G. Martin, Louis XIV. 184 seg. 

i»2 George Randall Lewis, The Stannaries (1908); Chapt. VII 
und App. J. 

19» Harry Scrivenor, History of the Iron Trade, New Ed. 1854, 
pag. 57; Juras chek im Handwörterbuch der Staatswiss,, 3, Aufl., s.v. 
„Eisen" gibt nur 7000 t an, ich weiß nicht, nach welcher Quelle. Die 
von Scrivenor mitgeteilten Ziffern sind die allgemein angenommenen. 

1»* Lardner, Cabinet Cyclopaedia Vol. I, Ch, IV. 

195 Beck, H, 166. 

198 Bei Beck, Gesch. d. Eis. 2, 749. 

19' A. Haßlacher, Die Industriegebiete a. d. Saar. 1879. 

198 M. Meyer, Beiträge zur genaueren Kenntnis des Eisenhütten- 
wesens in Schweden 1829. 

199 Genaue Beschreibung bei G, Jars, Metallurgische Reisen 1 
<1777), 167 ff. 

200 Beck, 3, 380. 

201 Beck, 2, 991. 

202 Q^ Martin, 1. c. pag. 184 seg. 

*03 Reglement du roi qui conserve ä M. Colbert . . . le detail et le 
soin qu'il avait pour la marine etc., 11. Mai 1667; bei E. Sue, 1, 282. 

20* Oppenheim, Roy. Navy 159. 

205 Vgl. noch Rogers, Hist, of Agric. and Prices 5, 73, 479. 

20« David Bremner, The Industries of Scotland (1869), 40. 

20'' D, Bremner, 1. c. pag. 46 seg. 

208 Abgedruckt bei Max Sering, Geschichte der preußisch- 
deutschen Eisenzölle (1882), 269. 



II. Quellenbelege 225 



"9 Beck, 3, 748. 
21« Beck, 3, 601 ff. 



Viertes Kapitel: Die Beköstigung der Heere 

211 H. Delbrück, Gesch. d. Kriegskunst 3, 608 f. 

212 M. Guillaume, Organ, mil. 134, 140. 

'1' Über die Verpflegung der Wallensteinschen Heere unterrichten 
(beide nicht sehr genau): J. Heilmann, Kriegswesen zur Zeit des 
Dreißigjährigen Krieges (1850) ; V. L o e w e , Die Organisation und Ver- 
waltung der Wallensteinschen Heere (1895). Vgl. Fr. Foerster, 
Lebensbeschreibung Wallensteins, 1834 (mit wichtigem Material). 

21* Die ausführlichste Darstellung der geschichtlichen Entwicklung 
des französischen Kriegskommissariats enthält, soviel ich sehe: De Chen- 
neviöres, Details militaires 1 (1750), 92 ff. Natürlich handeln die 
Werke von Daniel, Boutaric u. a. auch von ihm. 

215 K. G. Weise, Über das Feld-Kriegs-Kommissariat der Königl. 
preuß. Armee, 1794. 

»" H. Delbrück, Gesch. d. Kriegskunst 3, 608 f. 

217 Boutaric, Inst, railit, 277—280. 

218 G. D r y s e n , Beiträge zur Geschichte des Militärwesens Deutsch- 
land während der Epoche des Dreißigjährigen Krieges, in der Zeitschrift 
für Kulturgeschichte 4 (1875), 623 ff. 

219 Boutaric, 277 seg. 

220 Boutaric, 311; nach dem Ms. im Britisch. Museum Nr. 11542. 

221 Jany, Die Auf. d. alten Armee, 58. 

222 Abgedruckt bei E. K. H. Frh. v. Richthofen, Der Haushalt 
der Kriegsheere, in der Handbibliothek für Offiziere 5 (1839), 433 ff. 

228 Abgedruckt bei Flemming, Der Teutsche Soldat, S. 252—260. 

22* Boutaric, 384. 

225 Acta Borussica, Getreidehandelpolitik 2, 272. 

228 Acta Bor., 1. c. 2, 87 ff. 

227 Ed. Heyck, Genua und seine Marine 158, 160, 169. 

228 principes de M^ Golbert sur la marine, abgedruckt bei Sue, 
1. c. 1, 317. 

229 Close Rolls 71 and 15 John 158, bei Laird Clowes, 1, 119. 

230 Close Rolls 48 ib. 

281 Ed. Heyck, Genua und seine Marine, 177. 

232 State Paper (20. Aug. 1545) bei Oppenheim, Roy. Navy 82. 

283 Duro, L'Armada inv., doc. 109. 

284 St. P. Dom. XXX, 10; 1. c. 325. 

285 J. C. D e J n ge , Geschied, van het nederl. Zeew. 3 1 (1837), Bil. I. 
23Ö E. Heyck, Genua und seine Marine, 65 ff. 

287 Ann. Jan. 183, 35; 112, 3; 124, 30; zit. bei Heyc:k,'129. 
238 State Paper Dom. CXII, 19 bei Oppenheim, 134. 

S m b a r t , Krieg und Kapitalismus 15 



226 Literatur und Quellen 

289 Mitgeteilt bei Oppenheim, 56. 

'''*'^ Bei Oppenheim, 74. 

2*1 Bei C. W. Henne rt, Beyträge zur brandenb. Kriegsgesch, 
unter Friedrich III. (1790), 15. 

2*2 Acta Bor., 1. c. 2, 285. 

s-is Acta Bor., 1. c. 2, 278. 

2** Acta Bor., 1. c. 2, 297. 

2*5 Dupre d'Aulnay, Trait6 general etc. 1, 165. 

2*" Nach den Zusammenstellungen Naud^s in den A. B. 2, 295/96. 

2*' Die Briefe sind abgedruckt bei F. Fo erster, Lebensbeschrei- 
bung Wallensteins (1834). 

248 Acta Bor., 2, 358 ff. 

2*9 Acta Bor., 2, 284, 285, 287. 

250 David söhn, Forschungen zur florent. Wirtsch.-Gesch. Bd. 3. 

251 0. Frings he im, Beitr. z. wirtsch. Entw. der Ver. Niederlande 
(1890), 18. 

2B2 So kann man wenigstens die Worte bei Ricard, Le negoce 
d'Amsterdam (1723), 6 auffassen. 

253 Stow, Beschreibung Londons (1598); zit. Acta Bor. 1, 91, 92. 
25* Defoe, Compl. Engl. Tradesman; 5. ed. (1745): 2, 260 seg. 

255 G. Afanassiev, Le commerce des cereales en France au 
XVIII. sc. (1894), Ch. 1—6. 

256 Acta Bor., 1, 45, 47; 2, 151. 

257 Acta Bor., 1, 432. 

258 Nach der Flugschrift des Joost Willemszon Nykerke vom 
Jahre 1630: A. B., 1, 363. 

259 Acta Bor. 1, 432. 

260 Q Prato, II costo della guerra etc., 297. Diese Arbeit bietet 
hierin, wie in so vielen anderen Punkten, die reichste Ausbeute an Ein- 
sicht in die Beziehung zwischen Mars und Mammon. 

8«! Acta Bor., 2, 289. 

262 Tr. Geering, Handel und Industrie der Stadt Basel (1886), 542. 

2«3 Bei J. Chamo ck, Mar. Arch. 2, 216/17. 

26* Der Vertrag ist abgedruckt bei Rymer, Foedera 17, 441 ff. 
Ein ähnlicher findet sich ebendaselbst (für das Jahr 1636) 20, 103. Im 
Auszuge bei Anderson, a« 1622, a** 1636. 

265 Quellen bei Laird Clowes, 2, 104, 231. 

266 Bei Xav. Andouin, Hist. de I'admin. de la guerre 2(1811), 46ff. 
26'J Nach dem Compte rendu au roi de I'administration du depart. 

de la guerre depuis 1761 jusqu'au 1770. Choiseul, Mem. 1, 114 seg.; 
bei ßoutaric, 438. 

268 Alice Law, The english „nouveaux riches" in the XIV. cent. 
in den Transaction of the ß. Hist. Soc, New Ser., Vol. IX (1895), p. 67. 

269 H. Hall, Society in the Elizabethan Age (1901), 126 (Kleider). 



II. Quellcnbelege 227 

2'^o Defoe, Complete Tradesraan (1727), 307 seg. 

2" Enthüllungen (1799), 427. 

2^2 Luc. Wolf, The First English Jew. Ilepr. from the Trans- 
actions of the Jew. Hist. Soc. of England, Vol. IL Zu vergleichen 
Alb. M. Hyamson, A Hist. of the Jews in E. (1908), 171—173. 

2'3 Hyamson, 1. c. p. 269. J. Picciotto, Sketches of Anglo- 
Jewish History (1875), 58 ff. 

2''* Th. L. Lau, Einrichtung der Intraden und Einkünfte der Sou- 
veräne usw. (1719), 258. 

2^5 Angeführt bei Liebe, Das Judentum (1903), 75. 

2''8 Artikel Banking in der Jewish Encyclopedia. 

^'''^ Memoire der Juden von Metz vom 24. März 1733, im Auszuge 
abgedruckt bei Bloch, 1. c. p. 35. 

^■Js Angeführt bei Bloch, L c. p. 23. 

2''9 Auszüge aus den Lettres patentes bei Bloch, 1. c. 24. 

280 Über die Gradis: Theoph. Malvezin, Les juifs a Bordeaux 
(1875), 2410". und H. Grätz, Die Familie Gradis in der Monatsschrift 24 
(1875), 25 (1876). Beide, auf guten Quellen fußenden Darstellungen sind 
unabhängig voneinander. 

281 M. Capefigue, Banquiers, fournisseurs etc. (1856), 68, 214 und 
öfters. 

282 Bondy, Zur Geschichte der Juden in Böhmen 1, 388. 

283 Alle drei Fälle entnahm ich G. Liebe, Das Judentum (1903), 
43 f., 70, der sie ohne Quellenangabe mitteilt. 

28* König, Annalen der Juden in den preußischen Staaten, be- 
sonders in der Mark Brandenburg (1790), 93/94. 

286 Bekleidung u. Ausrüstung des Reg. Erbpr. Gustav zu Pferde, 
Halberstadt 7. Juli 1719. Abgedr.: Gesch. d. Bekleidung usw. 2, 357. 

288 Reskript vom 28. Juni 1777; abgedruckt bei Alphonse Levy; 
Die Juden in Sachsen (1900), 74; S. Haenle, Gesch. d. Juden im ehemal. 
Fürstentum Ansbach (1867), 70. 

287 Observations-Punkte (1739), 2, 108; zit. bei Becker, Aus der 
Jugendzeit (1877), 36. 

288 Gesichte Philanders von Sittewaldt das ist Straffs - Schriften 
Hanss Wilh. Moscherosch von Wilstätt (1677), 779. 

289 F. von Mensi, Die Finanzen Österreichs von 1701—1740(1890), 
132 ff'. 

290 Siehe z. B. Eingabe der Wiener Hofkanzlei vom 12. Mai 1762 
bei Wolf, Geschichte d. Juden in Wien, 70; Komitatsarchiv Irntrak 
XII/3336 (für Mähren), nach einer Mitteilung des Herrn Jos, Reizman; 
Verproviantierung der Festungen Raab, Ofen und Komorn durch Bres- 
lauer Juden (1716): Wolf, a. a. 0. S. 61. 

291 Herb. Friedenwald, Jews mentioned in the Journal of the 
Continental Congress (Publ. of the Amer. Jew. Hist. Soc. 1, 65 — 89.) 

15* 



228 Literatur und Quellen 

292 Beschreibung der Militärbrotbäckereien im 18. Jahrh. in der 
Handbibl. für Offiz. 5 (1839), 555 ff. 

298 G. Prato, II costo della guerra etc. (1907), 292 seg. 

Fünftes Kapitel: Die Bekleidung der Heere 

29* M. Guillaume, op. cit. 140. 

29'' M. Oppenheim, op. cit. 138, 139. 

296 W. Laird Clowes, op. cit. 2, 20. 

297 St. P. D. 11. Dez. 1655; St. P. D. CXXXIV, 64; St. P. D. Sept. 
1656; bei Oppenheim 329. 

298 L. Mention, L'armee de l'anc. reg. (1900), 36. 

299 Handschr. Quellen bei F. Grose, Military Antiquities resp. a 
History of the English Army 1 (1812), 310 seg.; Fortescue. Hist. of 
the British Army 1, 283 seg. 

800 L. Mention, op. cit., 255. 

8**^ Geschichte der Bekleidung usw. der Kgl. Preuß. Armee 2. Teil. 
Die Kürassier- und Dragonerregimenter (bearb. von C. Kling), 1906, 
S. 3/4. 

^<*2 Jany, Anfänge, 33. 

803 Frb. V. Richthofen, Der Haushalt der Kriegsheere, in der 
Handbibliothek für Offiziere 5 (1839), 628 ff. 

80* Abgedruckt in der Gesch. d. Bekleidung usw. 2, 212 f. 

80^ Bei F. Grose, Military Antiquities usw. 1, 310 ff. 

»0« Hub. Hall, Soc. in the Elizabeth. Age 4. ed. 1901, p. 127. 

807 L Mention, op. cit., 255 seg. 

808 L. Mention, op. cit. p. 261. 

809 Frh. V. Richthofen, Der Haushalt der Kriegsheere a. a. 0. 
81* J. Heilmann, Das Kriegswesen der Kaiserlichen und Schwe- 
dischen zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1850), 18. 

8" Historisches Portefeuille von Hausen, 4. Jahrg. 1785, S. 680; 
abgedr. in der Gesch. d. Bekl. 2, 213. 

818 Gesch. d. Bekl. 2, 4; vgl. ebenda die Anlage 41, 42, 43. 

818 Priebatsch, Pol. Korr. des Kurf. Albrecht Achills 2,266, zit. 
bei Jany, Anfänge, 15. 

81* F. W. Fortescue, Hist. of the Brit. Army 1 (1899), 111; vgl. 
p. 135. 

81^ Ch. de la Rononciere, Hist. de la mar. fran§. 2 (1900), 459, 

818 J. F r h r. V. R e i t z e n s t e i n , Das Geschützwesen usw. 1 (1896), 153 

"i'' Jany, Anfänge, 45 f. 

818 Th. Muhsfeldt, Einiges über die Hamburger Stadtsoldaten^ 
in den Mitteilungen zur Gesch. der milit. Tracht, herausg. von Rieh. 
Knote 1, 1896, Nr. 8. 

81» Bei Lünig, Theatr. cerem. hist. pol. 1 (1719X 89 f.; zit. Gesch. 
der BekL 2, 216. 



II. Quellenbelege 229 

"0 Liebe, Der Soldat, 301. 

'21 Mem. pour servir ä l'histoire de la maison de Brandenbourg 1767 
(par Fredöric II), ab gedr. in der Gesch. d. Bekl. 2, 201. 

822 Liebe, a. a. 0. 

828 Gesch. d. Bekl. Bd. II, Anlage 65- 

"2* Xav. Andouin, Hist. de l'admin. de la guerre 3 (1811), 52 8eg. 
De Chenneviäres, Details militaires 2(1750), 116 fif. Boutaric, 
Inst, mil., 359, 425. 

825 Fortescue, op. cit. 1, 213. 

826 Laird Clowes, op. cit. 3, 20. 

8" König, Alte und neue Denkwürdigkeiten der kgl. preußischen 
Armee (1787), 24, zit. in der Gesch. d. Bekl. 2, 211. 
828 J a n y , Anfänge, 45 f. 
• 82» Gesch. d. Bekl. 2, 3. 

880 A. V. C r u s a z , Die Organisation des brandenb. u. preuß. Heeres 
von 1640—1665 1 (1865), 11 ff. 

881 Kapitän von Burgsdorff an den Grafen von Schwarzenberg, 
Berlin, den 16. Okt. 1620. Staatsarchiv Berlin; abgedr. Gesch. d. BekL 
2, 40, Anl. 16. 

882 Abgedr. in der Gesch. d. Bekl. Bd. II, Anl. 159. 

888 C.W. Henner t, Beitr. zur brandenb. Kriegsgesch. unter Chur- 
fürst Friedr. IIL (1790), 12 bei Frhr. v. Richthofe n, Haushalt, 495. 
88* A. Crousaz, a. a. 0. S. 45. 
886 G. Prato, II Costo della Guerra (1907), 302. 
886 F. Gr ose, Mil. Ant. 1, 315. 
88' v. Schmoll er, Umrisse 514. 

888 (Euvres, 1, 234, zit. ebenda 522. 

889 Cunningham, Growth 2, 969. 

8*<* Alles auf die russische Kompagnie in Berlin Bezügliche nach 
v. Schmollers gleichnamigem Aufsatz in der Zeitschr. für preuß. Gesch. 
und Landeskunde, Bd. 20, der wieder abgedruckt ist in den „Umrissen" 
S. 457—529. 

8*1 Mirabeau, De la Monarchie prussienne 411 (1787), 123. 

8*2 James, Hist. of the Worsted Manuf. in Engl. (1857), 287. 

8*8 E. Levasseur, Hist. des classes ouvrieres et de l'industrie en 
France 2» (1900), 324, 331, 381 seg. 

8** G. Martin, Louis XV., 119, 120. 

8*8 ArthurYoung, Pol. Arithm. S. 91, Vgl. G. von Gülich, Ge- 
schichtl. Darstellung des Handels usw. 1 (1830), 97. 

8*6 H. Hall, Society in the Elizabethan Age, 126. 

8*' Wallenstein an sein. Landeshauptmann von Taxis, d. d. Aschers- 
leben, den 13. May 1626; abgedr. in der Handbibl. f. Oflf. 5, 439 ff. 

8*8 Wallenstein an Taxis, Neuß, den 6. Aug. 1627; abgedr. bei 
Heilmann, op. cit. Beil. 4. 



230 Literatur und Quellen 

8*9 Mein ar du s, Prot, et Rel. Bd. III, S. 567; zit. in der Gesch. 
d. Bekl. 2, 211. 

350 Abgedr. in der Gesch. d. Bekl. 2, 205 f. 

85^ V. Schmoller, Umrisse, 468, 484. 

^^2 Brit. Mus. Ms. Harleian Coli, enthält einen Kontrakt zwischen 
Lord Castleton und Mr. Francis Molineaux, einem „clothier", vom Jahre 
1693, abgedr. bei F. Grose, Mil. Ant. 1, 315. 

3^^ V. Seh moller, Umrisse, 463 ff. 

'" Eine genaue Beschreibung des „Lagerhauses'' in Berlin findet 
man bei Bergius, Neues Policey- und Cam.-Magazin 6 (1780), 161 ff. 

^^5 V. Schmoller, Umrisse, 487. 

866 ]y[_ Tugan-Baranowski, Die russische Fabrik, deutsch 1900, 
S. 14. 

^^'' H. Hall, Society in the Elizabethan Age, 124. 

358 St. P. D. n. Dez. 1655 bei Oppenheim, 829. 

869 Allgemeine Schatzkunde der Kauffmannschafft usw. 2 (1747), 
1213, 14. 

3^*> A General Description of all Trades (1747), 51. Nach den Akten : 
G. Martin, Louis XV., 228. 

Sechstes Kapitel: Der Schiffbau 

5" Aus der Denkschrift über die Principes de M. Colbert sur la 
marine. Diese Denkschrift, die uns in diesem Kapitel noch öfters als 
Quelle dienen wird, ist verfaßt unter dem Ministerium des Grafen von 
Maurepas auf Grund der Akten des Marineministeriums, die damals 
noch vollständig im Marine-Archiv aufbewahrt waren. Die Denkschrift 
ist veröffentlicht von E, S u e im ersten Band seiner Histoire de la 
Marine 1835, p. 287 seg. 

^*2 Die fünf ersten Schätzungen teilt Oppenheim nach zeit- 
genössischen Quellen mit; die letzte Ziffer ist den „Accounts" der Ost- 
indischen Kompagnie entnommen und findet sich bei Anderson s. h. a. 

^*3 Dav. Bremner, The Industries of Scotland (1869), 60. 

364 Mitgeteilt bei E. Sue, Hist. de la mar. frang. 1, 344. 

^^^ Als Quelle gibt Anderson, dem ich die Ziffern entnehme (Ori- 
gins of Comm. 3, 299), „a certain mercantile anthor" an. Er selbst hält 
die Schätzung für zu niedrig. Seine Gegengründe sind aber nicht sehr 
gewichtig. 

868 Postlethwayt, Dict. of Comm. Art. Middlesex 2^ (1758), 256. 

8«7 Postlethwayt, Dict. of Comm. 2, 335. 

868 Die Zahl ist „pretty accurately computed" nach dem General- 
register of the custom house von Postlethwayt, 1. c. 2^, 256. 

8'59 Anderson, Orig. of Comm. 4, 659 seg. 

"<* E. B a a s c h , Hamburgs Seeschiffahrt und Warenhandel vom 
Ende des 16. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts, in der Zeitschrift des 
Vereins für Hamburg. Gesch. 9 (1874), 295 ff. 



II. Quellenbelege 231 

8" Zit. bei Anderson 2, 211. 

^'''^ Nach der schon erwähnten Denkschrift, die Anderson, 2, 443 
zitiert. 

"' G. C. Klerk de Reus, Geschichtlicher Überblick der Nieder- 
ländisch-ostindischen Kompagnie (1894), 116 IF. 

"* P. Kaeppelin, La Compagnie des Indes Orientales (1908), 10, 
12, 137. 

'■"* Nach einer namentlich geführten Liste Anderson, 3, 324. 

"^ Postlethwayt, Dict. Art. Navigation. 

^" Joh. Beckmann, Beyträge zur Oekonomie 3 (1780), 439 f. 

^''^ Siehe § 4 des Octroi der Gesellschaft, abgedruckt in Joh. 
Beckmann, Beyträge zur Oekon. 6 (1782), 416 ff. 

"^ State pap. rel. to the defeat of the Span. Armada bei Laird 
Clowes, The Royal Navy 1, 588—597. 

380 Von einer Liste im Dep. of the Cont. of the Navy bei Laird 
Clowes, The Royal Navy 2, 7. 

881 Joint au Memoire de M' d'Infreville du 27 juillet 1666, abgedr. 
bei Sue, 1, 347. 

^82 Nach den Listen in Pepys' Mem. rel. to the State of the Royal 
Navy Laird Clowes, 2, 244 seg. 

383 Zit. bei D. Bremner, The Industries of Scotland (1869), 55. 

88* Exch. War. for Issues 17. Juli 1522 bei Oppenheim 85. 

'86 Ed. Heyck, Genua und seine Marine, 115. 

888 Diese und die vorangehenden Ziffern nach den St. Pap. und 
den Pipe Off. Acc. bei Oppenheim, 65, 110. 

887 Charnock, Mar. Arch. 2, 462. 

888 Ms. in der Bibl. Magliabechiana von A. Jal in seiner Arch. 
nav. (Vol. II, 1840) veröffentlicht und fachmännisch erläutert. 

889 Reisebüchlein des Andreas Ryff, fol. 741». Ms. in der Baseler 
Universitätsbibliothek, auszugsweise mitgeteilt von Sieveking in 
Schmollers Jahrbuch 21, 132. 

890 Close Rolls 10 H. III 2, 50; bei Laird Clowes, 1, 120/21. 

891 Close Rolls 10 H. III m. 16, 17, 25 1. c. 

892 Bei Oppenheim, 68 seg. 

898 Abgedruckt bei J. Charnock, Mar. Arch. 2, 96 ff. 

89* Laird Clowes, 1, 405. 

895 Oppenheim, 97. 

396 Abgedruckt bei J. Charnock, 1. c. p. 140 seg. 

89'' Bei Oppenheim, 119. 

898 Memoire de M. d'Infreville, Intendant de Marine ä Toulon; 
27. Juli 1666, abgedruckt bei Sue, 1, 346 seg. 

899 Mitgeteilt von Ch. delaRonciere, Hist. delamar. frang.l, 616. 
*«o Oppenheim, 339/40. 

^**^ Principes de M. Colbei-t sur la marine, 1. c. p. 297. 



232 Literatur und Quellen 

*o^ Cecil Mss. Cal. Nr. 846 bei Oppenheim, 128. 

*03 Oppenheim, 208. 

*o* Krünitz, Enz., Art. Kriegsflotte 50, 366. 

*<^ Krünitz, a. a. 0. 

*o« St. Pap. Dom. CCLXXXVII, 73 And. Off. Dec. Acc. 1703/77. 
Oppenheim, 260; Laird Clowes, 2, 6. 

*»^ Charuock, Mar. Arch. 3, 126. 

***^ A. Jal, Arch. nav. 2, 6 seg. 

*<>* Oppenheim, 53. 

*^* P. J. Marperger, Das Neueröffnete Manufakturenhaus (1704), 
142. 

*^^ Report vom Jahre 1618: Mar. arch. 2, 256. 

*i2 Bei Charnock, 2, 213 seg. 

"8 Bei Charnock, 2, 185. 

*i* Bei Charnock, 2, 191. 

**^ Oppenheim, 257. 
' *i« Krünitz, 50, 354ff. 

*" Krünitz, 50, 366, 67. 

*" Oppenheim, 97. 

**» Principes de M. Colbert, 1. c. p. 298. 

*2o Principes de M. Colbert, 1. c. p. 294. 

*2i Principes de M. Colbert, 301. 

*2« E. Sue, Hist. de la mar. frang. 4, 170. 

428 Bei Charnock, 2, 168. 

*"* Aus dem Report of the Commissioners appointed to enquire 
into the State of the Navy (1618), abgedruckt bei Charnock, 2, 218. 

*^^ Alle auf die Russia Co. bezüglichen Angaben entnehme ich dem 
Buche von W i 1 1. Roh. Scott, The Constitution and finance of English, 
Scottish and Irish Joint-Stock Compagnies to 1720, Vol. II. Companies 
for foreign trade colonization fishing and mining, 1910. Ich benutze die 
Gelegenheit, um auf dieses ausgezeichnete, ungemein stoffreiche Werk, 
von dem bisher Band II und III erschienen sind, aufmerksam zu 
machen. 

*"* M^m. de M. d'Infreville, 1. c. p. 348 seg.; Principes de M. Col- 
bert p. 335 seg. 

*27 General Description of all Trades (1745), 180, 81. 

*2^ Nach dem amtlichen „Verzeichnis der Fabriken und Manufak- 
turen" aus dem Jahre 1729 M. v. Tugan-Baranowski, Die russische 
Fabrik (deutsch 1900), 14. 



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